Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      Vielen Dank für euer Interesse bis hierher. Heute also die erste Folge, die für eTCG neu ist.

      @ Evil Bakura
      Wie immer danke ich dir für deinen Kommi. ^^
      Zur 17: Anya ist kein Topf, sondern ein Kessel. Die brauch keinen Deckel sondern ne ganze Luke, die ihr standhält. Ob Matt da der Richtige ist? xD
      Zur 18: Yay, Matt und Another ... Anomatt-Shipping. Ich mag Another ja auch, weil er anders als die anderen Humor besitzt.
      Freut mich jedenfalls, dass sie dir beide gefallen haben. ^^

      Und wir wissen doch beide, dass irgendein Pendulum Upgrade kommen muss. Obwohl ich denke, schlimmer als Rank-Up kanns kaum werden.


      Turn 19 – Fools Day
      [Alastair: 1100LP / Matt: 100LP]


      „Es ist aus …“, murmelte Matt, geblendet von der Lichtwelle, die ihn erfasst hatte. Sie glitt durch ihn hindurch, gefolgt von immer neuen Wellen, die Alastairs engelsgleiches Wesen, [Vylon Sigma], aussendete.

      Vylon Sigma [ATK/1800 DEF/1000 (7)]

      Jener stand mit verschränkten Armen vor seinem Monster und beäugte kritisch, wie Matt und sein Insektenritter [Steelswarm Roach] durch Sigmas Attacke den Boden unter den Füßen verloren und in der Luft zu schweben begannen.

      Steelswarm Roach [ATK/1900 DEF/0 {4}]

      „Dass es soweit kommen musste …“
      „Schlimme Dinge passieren eben“, presste der hilflos in der Luft liegende Matt ächzend hervor, „und ich ziehe sie irgendwie magisch an, huh?“
      „Warum du?“ Alastair fasste sich an die Stirn. „Ein Pakt mit einem Dämon, um Dinge zu ändern, die nicht zu ändern sind … du bist zu sanft, egal wie gleichgültig und grausam du dich versuchst zu geben. Warst es schon immer.“
      Matt lachte krächzend auf. Er hatte sich mit seinem bevorstehenden Ende abgefunden. „Sag das nicht. So hört es sich an, als wäre ich eine totale Lusche.“
      „Ich kenne die Wahrheit über dich.“
      Überrascht horchte Matt auf.
      „Der Mord an deinem Vater. Nicht du hast ihn begangen, sondern deine Schwester, Sophie. Du hast sie lediglich gedeckt, weil du dachtest, du wärst besser für ein Leben auf der Flucht geeignet. Aber als Dämonenjäger darf man nicht selbstlos sein, denn es bedeutet, dass man früher oder später vom rechten Pfad abkommt, von ihm fortgelockt durch schlangenzüngige Dämonen.“

      Ein kalter Schauder überkam Matt. Alastairs Worte schnitten sich in seine Seele wie ein Messer in Butter. Wie hatte er das herausgefunden!?
      Er hatte sich für seine Schwester geopfert, die der Tyrannei ihres Vaters ein Ende gesetzt hatte. Aber außer ihnen beiden wusste niemand darum!
      Matt musste schlucken. War er wirklich so leicht zu durchschauen? Wie jämmerlich …

      Alastair streckte den Arm aus. „Ich kann dich nicht gehen lassen, Matt. Nicht einmal retten kann ich dich jetzt noch. Aber ich verspreche, deine Schwester zu beschützen und mich um sie zu kümmern, bis zu dem Tag, an dem ich dir in den Limbus folgen werde.“
      „Halt den Mund, Idiot“, brummte Matt, der nun aufrecht in der Luft schwebte, sich aber nicht rühren konnte, „sie lebt ein anderes Leben als wir. Jemand wie du kann sie nicht beschützen. Außerdem steht sie nicht auf Frankenstein.“
      „Das sind also deine letzten Worte?“
      Matt grinste verschlagen. „Ist doch allemal besser als 'oh mein Gott, verschone mich!', oder nicht?“
      Alastair musste ebenfalls lachen. Und realisierte, dass er seinen Partner bereits jetzt vermisste. Dennoch war es zu spät und obendrein seine Aufgabe, dass kein Dämon in Menschengestalt auf Erden wandelte.
      „Das ist der Abschied“, sagte er leise und ballte seine ausgestreckte Hand zu einer Faust. „Effekt von [Vylon Sigma] aktivieren. Wenn ich einen Angriff deklariere, wird meine Kreatur automatisch mit einer Ausrüstungsmagie von meinem Deck versehen. Mit [Vylon Material] erhöhe ich so ihre Angriffskraft um 600!“
      Die weiße, metallische Gestalt leuchtete grell auf. Dann streckte sie ihren Körper noch einmal durch, um eine letzte, gleißende Welle auszulösen, die Matt erfasste.

      Vylon Sigma [ATK/1800 → 2400 DEF/1000 (7)]

      Dieser schloss die Augen und musste schmunzeln. Er hatte alles versucht, um seinen Freund aus den Fängen Edens zu befreien und war kläglich gescheitert. Hoffentlich würde Alastair stark genug sein, selbst einen Weg aus der bevorstehenden Katastrophe zu finden.
      „Der Limbus … gleich weiß ich, wie er ist …“
      Die funkelnde, weiße Welle riss ihn wie ein Sturm mit sich.

      Sei kein Narr, Menschensohn! Denkst du, ich wäre nicht auf so etwas vorbereitet? Für wen hältst du mich?

      Und während Matt mit vollem Karacho auf die schwarze Flammenwand hinter ihm zuschoss, riss er entgegen seinem Willen plötzlich den Arm in die Höhe. Auch die Worte, die er dazu sprach, waren nicht die seinen. „Incarnation Mode! Jederzeit während meines Zuges kann ich [Steelswarm Roach] zu einer höheren Wesenheit erheben! Ich rekonstruiere das Overlay Network und benutze Roach als Xyz-Material, um aus ihm ein neues Rang 4-Xyz-Monster zu machen!“
      Kurz vor dem Feuer kam Matts Körper ruckartig zum Stehen, verharrte in der Luft. Als würden sich Fesseln von ihm lösen, schwebte er nun mit gleichgültiger Mimik auf der Stelle. Gleichzeitig wurde [Steelswarm Roach] in das schwarze Loch gezogen, welches bei jeder Xyz-Beschwörung erschien. Rote, violette und schwarze Blitze schlugen daraus empor, als schließlich eine riesige Gestalt daraus empor stieg.
      „Nein! Das ist-!“ Alastairs Augen weiteten sich beim Anblick des kolossalen Monsters, welches sich vor Matt wie eine eiserne Mauer aufbaute und allein mit seiner Anwesenheit [Vylon Sigmas] Angriff wirkungslos werden ließ.
      Und es war auch hauptsächlich Eisen, welches seinen Blick versperrte. Ein Breitschwert von der Größe eines Hochhauses wurde in den Boden gerammt, als ein muskulöser Kakerlakenmann in goldenem Umhang damit in die Knie ging. Und in derselben Farbe kreiste auch eine Energiesphäre um das riesige Insekt.
      „[Steelswarm Vanguard – Roach Styx]!“, rief Matt und schwang majestätisch seinen Arm aus. „Schütze unsere verbliebenen Lebenspunkte!“

      Steelswarm Vanguard – Roach Styx [ATK/1900 DEF/0 {4}]

      Alastair hielt sich stöhnend den Kopf, so stark war die unbegreifliche Macht, die von diesem Koloss ausging. „Was hast du getan, Dämon!?“
      „Nur, was notwendig war.“ Elegant fiel der besessene Matt zurück auf den Boden und schritt auf die schwebende Marmorplatte zu, um dort das neue Xyz-Monster auf [Steelswarm Roach] zu legen. „Keine Sorge, ich bin schon wieder weg. Ach und versuch gar nicht erst, Roach Styx anzugreifen, denn diese Kreatur kann nur durch Xyz-Monster im Kampf vernichtet werden.“ Er legte sich Mittel- und Zeigefinger an die Schläfen und schwenkte sie sogleich aus. „Bye bye!“
      Kurz darauf kippte Matt ächzend nach vorn und tat es Alastair gleich, hielt sich den pochenden Schädel. „Was zum-!? Wie hat er-!? Und so schnell!“

      Merk dir eins, Kindchen, ich habe immer ein Ass im Ärmel. Nutze es gut, denn noch eine Chance wirst du nicht bekommen.

      Alastair indes atmete tief durch. Zwar mochte von den Werten her kein Unterschied zu Matts altem Monster bestehen, doch war dem Mann mit dem langen, schwarzen Haar und dem Zopf über der Schulter durchaus bewusst, dass der Teufel im Detail steckte.
      „Eine verdeckte Karte“, brummte er, innerlich hin und her gerissen. Er musste sich gegen diese Ausgeburt der Hölle wehren! Aber durch sie konnte er Matt noch ein paar Minuten länger sehen. Und doch, für jenen war jede weitere Minute unter der Herrschaft dieses Monsters Folter! Er musste ihn davon erlösen, um jeden Preis!
      Ohne weitere Handkarten sagte er schließlich: „Du bist dran … Matt? Oder doch nur der Dämon in ihm?“

      Jener richtete sich, von seinem schwebenden Spielplan abstützend, stöhnend auf. „Ich fürchte, du musst mit dem Original Vorlieb nehmen. Whew, ich dachte schon, die himmlischen Glocken des Limbus zu hören … “
      „Wirklich!?“
      „Nein!“, empörte sich Matt. Gleichzeitig zog er seine nächste Karte. „Als ob! Reagier' nicht gleich auf alles so leichtgläubig, wenn das Wort Himmel benutzt wird!“
      Alastair atmete tief durch. „Machst du dich über mich lustig!?“
      Grinsend rieb sich sein Gegner unter der Nase, was Alastair aufgrund des überdimensionalen Kakerlakenritters jedoch nicht sehen konnte. „Klar, wann immer es geht!“
      „Das ist ernst! Merkst du nicht, wie du immer tiefer in die Abgründe des Bösen gezogen wirst!? Sieh dir dieses Wesen an! Es ist die Verkörperung der Sünde!“
      Matt legte seinen Kopf in den Nacken, betrachtete seine neue Kreatur. „Klar, es ist groß und sieht bedrohlich aus. Aber es hat mir den Arsch gerettet, also werde ich mich nicht beschweren.“
      „Du bist genau wie dieses Monster, wie Kakerlaken. Einfach nicht tot zu kriegen. Ich weiß nicht, ob ich dich dafür loben oder verachten soll. Warum machst du es mir so schwer!?“
      Seufzend legte Matt eine Hand auf den kalten Marmor. „Weil ich nicht so leicht aufgebe wie du. Wo du blind auf Dinge vertraust, die womöglich gar nicht existieren, suche ich nach greifbaren Alternativen. Und die einzige, die ich zurzeit sehe, ist eine Kooperation mit Anya, denn die will garantiert nicht, dass sie zu Eden wird.“
      Alastair stöhnte verärgert. „Was sie will spielt keine Rolle. Es ist zu spät, war es in dem Moment, als sie sich auf den Dämon in ihr eingelassen hat.“
      „Ach ja?“, brauste Matt plötzlich auf. „Wie gut, dass du allwissend bist! Wenn es für sie zu spät ist, dann auch für dich, denn du wirst es sein, der den blutigen Weg zu Eden pflastern wird! Was gewinnst du überhaupt durch diesen Blödsinn!?“
      „A-“
      „Gar nichts! Im Gegenteil, du richtest einen Freund hin, der für dich kämpft! Meine Meinung lässt du nicht zu, weil sie unheilig ist? Fein! Dann bin ich lieber mit dem Teufel liiert, als eine Marionette meiner eigenen Dickköpfigkeit!“
      Regungslos verharrte Alastair auf der Stelle und sagte nichts.

      Mit einem Schlag riss Matt die schwarze Karte seines neuen Monsters in die Höhe. „Ich werde dir zeigen, dass du dich irrst! Während der Standby Phase erhält [Steelswarm Vanguard – Roach Styx] von meinem Friedhof so viele Xyz-Materialien, bis er drei besitzt!“
      Zwei weitere goldene Sphären umkreisten die gigantische Kakerlake, die Matt nach einem Wechsel in die Angriffsposition wieder auf den Spielplan knallte. Dabei schob er noch [Steelswarm Gatekeeper] und [Steelswarm Needle] unter sie.
      Der insektoide Ritter erhob sich, zog seine gewaltige Klinge aus dem Boden und ließ in seiner stehenden Position zu, dass Alastair Matt durch die Lücke zwischen den Beinen wieder sehen konnte.

      Steelswarm Vanguard – Roach Styx [ATK/1900 DEF/0 {4}]

      „Wollen mal sehen, was das Teil so drauf hat“, raunte Matt kämpferisch, „und oha, da haben wir doch auch schon gleich den ersten, sehr praktischen Effekt! Er kostet mich auch nur zwei Xyz-Materialien!“
      Der Schabenritter hob beidhändig sein Breitschwert in die Höhe und absorbierte damit zwei der goldenen Sphären, bis die Klinge violett zu glühen begann.
      Matt indes streckte seinen Arm aus. „Durch diese Fähigkeit kannst du in diesem Zug keine Karteneffekte mehr aktivieren! [Steelswarm Vanguard – Roach Styx], benutze Clear Effector Mist!“
      Alastair wich erschrocken einen Schritt zurück, als das alles überragende Insekt seine Waffen horizontal in seine Richtung schwang und damit eine violette Welle aussendete, die den Dämonenjäger wie einen Sturm erfasste. Er stöhnte auf, als dichter Nebel sein Feld einzuhüllen begann. Durch ihn war es kaum noch möglich, die Umgebung zu erkennen.
      „Nun Effekt Nummer zwei aktivieren, auch wenn er laut der Karte hier eigentlich der erste ist! Ist ja auch egal!“, ließ Matt ihm jedoch keine Verschnaufpause. „Im Austausch für ein weiteres Xyz-Material kann Roach Styx ein beliebiges Monster der Stufe 5 oder höher verbannen!“ Wieder steckte sein Monster die Klinge in die Höhe und absorbierte die verbliebene Lichtkugel. „Und ich dachte da irgendwie an [Vylon Sigma]! Banishing Blade!“
      Wie ein ein Richter seinen Hammer bei der Verkündung des Urteils fallen ließ, ließ Matts Krieger seine Klinge auf Alastairs Engelsmaschine niedergehen, die sich bei der Berührung auflöste. Und durch den aktivierten Clear Effector Mist konnte Alastair auch keine Vylon-Zauberkarte von seinem Deck seiner Hand hinzufügen, als [Vylon Material] auf den Friedhof abgelegt wurde.
      Was blieb, war Alastairs leeres Spielfeld.
      „Sehr gut“, sprach Matt zufrieden, „sieht so aus, als wäre ich härter als du.“
      „Red' keinen Unsinn …“, knurrte sein Gegner erbost. „Was du erreicht hast, hast du nur deinem 'Freund' zu verdanken.“
      „Weil ein anderer versucht hat mich zu töten.“ Matt kratzte sich am Hinterkopf. „Sei kein schlechter Verlierer, Alastair. Ich werde deine verdrehte Ansicht von Recht und Unrecht aus dir rausprügeln, wenn es sein muss. Es wird Zeit, dass die Dinge sich ändern!“

      Bei deinem Vorhaben musst du jedoch vorsichtig sein. Wenn du ihn jetzt angreifst, kannst du sein Leben beenden, denn dank unseres Pakts kannst du nun meine Kräfte nutzen. Solltest du dies wünschen, werde ich sie in deinen nächsten Angriff katalysieren. Aber da ich die Antwort sowieso kenne, kannst du unbedarft angreifen, ich werde sicherstellen, dass ihm nichts geschehen wird dabei. Denke nur daran, dass ich dies nicht für dich tue.

      Dass Another sich nun wieder einmischte, erregte Matts Unmut. „Hör auf zu reden, wenn du weißt, was du tun sollst.“
      Auch wenn der Einwand begründet sein mochte, war es in der Tat etwas ganz anderes, was dem jungen Mann Sorge bereitete. Refiel. Wenn zwei Dämonen sich bekämpften, musste einer sterben, ehe der Konflikt enden konnte. Wer garantierte ihm, dass Refiel kein falsches Spiel spielte und tatsächlich nur ein manipulativer Dreckskerl war, der Alastair benutzte? Ein Dämon?
      Wäre dem so, würde der Angriff Alastair das Leben kosten, da Another gezwungen wäre, seine Kräfte einzusetzen. Jedoch würde der Konflikt nicht enden können, solange er es nicht tat. In dem Fall würde einer von ihnen sterben müssen, früher oder später. Sollte er also blind angreifen oder stattdessen abwarten und sich besiegen lassen, um diese Theorie zu prüfen? Nein, aufgeben war ebenfalls keine Lösung, denn selbst wenn Refiel wirklich ein Engel war und das Prinzip des Blutzolls nicht griff, würde Alastair ihn dennoch aufgrund des Paktes umbringen wollen.
      Aber was war mit Another? Er war immerhin Alastairs Erzfeind und auch wenn er ihm gezeigt hatte, was damals angeblich wirklich vorgefallen war, hieß das gar nichts. Genauso gut konnte das alles nur eine Lüge sein, um ihn, Matt, dazu zu bringen, Alastair zu töten. Bloß wenn das stimmte, könnte es schon zu spät sein. Der Pakt war geschlossen …

      Egal wie Matt es auch betrachtete, es gab keine Alternativen. Alle Möglichkeiten liefen darauf hinaus, dass einer von ihnen sterben könnte. Und er würde nur wissen, wie sich die Dinge wirklich verhielten, wenn er angriff. So schwer es ihm auch fiel. „Okay … [Steelswarm Vanguard – Roach Styx] … direkter Angriff! Infestation's Hammerfall!“
      Hoffentlich war es kein Fehler, dachte Matt verzweifelt, als Roach Styx mit seiner Klinge ausholte und sie Richtung Alastair zu schwingen begann.

      ~-~-~


      Es gab gewisse Dinge, die Nick Harper nicht wusste. Zum Beispiel, dass er als Kind kurz davor stand, zur Adoption freigegeben zu werden. Letztendlich hatten seine Eltern ihn nur deshalb behalten, weil die Nachbarn sonst unangenehme Fragen gestellt hätten. Was Nick auch nicht wusste: sie bereuten ihre Entscheidung von damals zutiefst.

      Allerdings waren dies Lappalien im Vergleich zu dem, was Nick an diesem angenehmen Oktobertag entging. Während seine Freundin Anya im Begriff war, eine fatale Entscheidung zu treffen und zwei Dämonenjäger und Freunde erbittert miteinander rangen, erfreute Nick sich an den Farben des Herbstes. Statt sich an den Kämpfen rund um Ehre, Verrat und Freundschaft zu beteiligen, hockte er auf einer Bank im unbeschädigten Teil des Livingtoner Parks und beobachtete all die Bäume um ihn herum, die bereits ihre Blätter verloren hatten. Und auch wenn es ziemlich kühl war, trug der hochgewachsene junge Mann ein beiges T-Shirt und Shorts, obwohl seine Gänsehaut davon zeugte, dass er fror.

      Seinem verkniffenen Gesichtsausdruck nach zu urteilen hätte man meinen können, dass er über die wichtigen Fragen des Lebens nachdachte. Tatsächlich fragte er sich aber, ob das um ihn herumliegende Laub wieder an die Bäume wachsen würde, sobald der Frühling begann.

      „Ein schöner Tag, nicht wahr?“, fragte ihn plötzlich jemand von der Seite. „Ist hier noch ein Platz frei? Die anderen Bänke sind alle besetzt.“
      Nick drehte neugierig seinen Kopf zur Seite und blinzelte verdutzt. Eine Frau mit braunem Haar, das nach hinten wie eine Welle verlief, stand neben der Bank und blickte ihn erwartungsvoll an. Auffällig war, dass ihre Jeans dreckig und mit Löchern übersät war. Und auch ihr roter Rollkragenpullover hatte schon deutlich bessere Tage gesehen. Aber Nick störte das nicht, sie hatte immerhin Brüste.
      „Ich glaub schon“, gluckste er zufrieden.
      Das war wirklich sein Glückstag, was Nick schon wusste, seit seine Mutter ihn heute morgen trotz ihrer Wut wegen des verlorenen Hundert Dollar-Scheins nicht geschlagen hatte! Was bedeutete es schon, dass er den Rest des Jahres dafür hungern musste?
      Er freute sich über die Gesellschaft. Sonst waren immer alle anderen Menschen sofort unhöflich zu ihm gewesen. Und hatten meist keine Brüste oder für seinen Geschmack zu wenig davon. Aber er mochte Anya trotzdem.

      Die Fremde nahm Platz neben ihm und atmete tief durch, sah den grauen Himmel an. „Nicht mehr lange, dann wird es schneien. Mir macht die Kälte ja normalerweise nichts aus, aber dieses Jahr könnte ich ruhig auf sie verzichten.“
      „Hehe, ich hab nichts gegen Kälte“, sprach Nick und dachte dabei an aufblühende 'Rosen'. Dann fügte er hinzu: „Schnee schmeckt gut.“
      Was ihn an seinen Hunger erinnerte. Und wiederum seinen Magen knurren ließ. „Sorry, das macht er manchmal.“
      Überrascht schaute die Frau ihn an. „Hunger? Warte, ich hab was. Ist nicht viel, aber immerhin etwas.“
      Sie setzte den Rucksack, den sie bei sich trug, auf ihrem Schoß ab und holte daraus einen Müsliriegel hervor, den sie Nick lächelnd reichte. „Bitteschön! Oh, wo sind überhaupt meine Manieren? Ich bin Melinda.“
      „Und ich gerettet“, strahlte Nick über beide Backen und nahm das Geschenk wie einen kostbaren Schatz an. Ehe er gierig das Papier abriss und den Riegel in einem Bissen hinunter schlang. „Aber geboren wurde ich als Nick. Kannst mich aber auch Gott nennen, hehe.“
      Anstatt sich jedoch über seinen schrägen Humor aufzuregen, kicherte Melinda. „Du erinnerst mich an meinen Bruder. Er ist auch so'ne Marke.“ Plötzlich stöhnte sie traurig auf. „Ich frage mich, wo er jetzt stecken mag.“

      Kurz war es zwischen ihnen still.
      „Im Knast?“
      Wieder lachte Melinda auf Nicks Kommentar hin auf. „Nie im Leben, Benny würde nie ein Verbrechen begehen.“ Plötzlich gewann ihre Stimme etwas Zögerliches. „Aber sag, hast du ihn zufällig gesehen? Warte, ich habe ein Bild.“
      Jenes kramte sie ebenfalls aus ihrem Rucksack hervor und gab es Nick. „Zugegeben, es ist etwas alt, aber er hat sich nicht sehr verändert.“
      Nick nahm das Polaroid entgegen. Es zeigte einen jungen Mann zusammen mit Melinda, wie sie in einer nächtlichen Stadtkulisse Sombrerohüte trugen und mit roten Gesichtern in die Kamera grinsten. Melindas Haar war kürzer als jetzt und sie trug eine dezente Brille. Ihren Bruder kannte Nick bereits, auch wenn er auf dem Bild gepflegter wirkte und dazu noch aussah, als stecke er mitten in der Pubertät. „Der sucht nach dir.“
      „Huh? Du meinst … er?“ Sie zeigte auf Benny.
      Nick nickte.
      „Benny … sucht nach mir?“
      „Nein, er hieß Henny. Oder Kenny. Nein, warte, ich hab's gleich … Penner!“
      Melinda blinzelte verdutzt. „Henry? Das ist sein zweiter Vorname.“
      Vehement schüttelte Nick besserwisserisch den Kopf. „Nein, es war definitiv Penner! Anya hat gesagt, dass sie nichts von Pennern kauft.“

      Die Erwachsene jedoch war bereits aufgekratzt aufgesprungen, wobei ihr Rucksack auf den Boden fiel. „Wo hast du ihn gesehen? Und wann!?“
      „Uhh … weiß ich nicht mehr …“
      „Bist du dir sicher, dass er es war?“, fragte sie aufgeregt und fasste Nick an den Schultern. „Wenn ja, muss ich sofort verschwinden! Er wird- Urgh!“
      Sie fasste sich stöhnend an die Stirn und ging in die Knie. Ohne aufzusehen, fragte sie plötzlich kühl. „Anya Bauer war bei dir, sagtest du?“
      „Jup.“
      Mit geweiteten Augen schreckte sie hoch und taumelte von Nick zurück, sich immer noch den Kopf haltend. „Renn' weg!“
      „Keine Lust. Lass uns lieber verstecken spielen.“
      „Wieso?“ Sie ließ den Arm sinken. „Wenn ich dich doch sofort töten kann?“
      Sie beugte sich stöhnend vor, als hätte sie Magenschmerzen. „Urgh! Nick, renn' weg! Er wird jeden Moment-“
      Nick aber erkannte gar nicht, was mit Melinda vor sich ging. „Töten ist doof. Dann wäre ich ja tot.“
      „Das ist kein Spiel“, schrie sie ihn an, „er ist in mir! Er will dich umbringen, weil du Anya Bauers Freund bist! Ich kenne weder dich noch sie, aber ihr beide seid in Gefahr! Ich kann nicht län- AH!“
      Anstatt aber ihrer dringlichen Aufforderungen nachzukommen, trat Nick näher an sie heran und nahm sie in den Arm. „Alles wird gut, ich bin ja da.“

      Ein Faustschlag in den Magen verriet ihm jedoch schnell, dass gar nichts gut wurde. Zurück torkelnd und sich dabei den Bauch haltend, erschrak Nick, als er in Melindas emotionsloses Gesicht starrte.
      „Dieses Mädchen …“, murmelte sie dabei und besah ihre Hände, „was für ein dickköpfiges Kind. Selbst nach unserem Pakt kann sie mich noch unterdrücken. Wohlan, es liegt den ihren eben im Blut.“ Dann sah sie auf. „Und du bist also ein Freund von Anya Bauer?“
      „Hehe, ihr -Freund-“, gluckste Nick und zwinkerte mit den Augenbrauen. „Aber warum schlägst du mich?“
      Melinda streckte jedoch den Arm aus und schleuderte Nick mit einer unsichtbaren Druckwelle über die Bank hinweg, sodass er rückwärts über diese fiel und direkt auf dem Kopf landete.
      „Au!“ Nick sprang auf und rieb sich die schmerzende Stelle. „Du bist ein Geist, oder?“
      „Nein. Mein Name lautet Isfanel. Als Freund von Anya Bauer hast du ihn gewiss schon gehört, vermute ich.“
      „Du bist … Marc?“
      „Mein letztes Gefäß trug diesen Namen. Und wäre es nicht dank deiner Freundin, würde er jetzt noch unter den Lebenden weilen.“ Die von Isfanel besessene Melinda trat einen Schritt vor und hob wieder ihre Hand. Nick duckte sich reflexartig – weil er etwas Glitzerndes am Boden entdeckt hatte – und entging so seinem Tod, denn die Rinde eines Baumes direkt hinter ihm platze wie ein Ballon auf.
      „Oh, nur ein Kronkorken!“, beklagte er sich enttäuscht und schaute von der Lehne der Bank auf. „Wenn du nicht Marc bist, dann … vielleicht eines dieser Dinger?“
      „Wovon sprichst du?“ Isfanel ließ die Hand sinken.
      „Die, die damals beim Eishockeyspiel mitgespielt haben. Alle haben sich gekloppt wegen denen. Oder die, die uns in Victim's Sanctuary angegriffen haben. Das waren dieselben.“
      „Meine Person hat nichts mit derartigen Geschehnissen zu tun.“ Die besessene Melinda verengte ihre Augen zu Schlitzen. „Aber das hier ist mein Werk.“

      Nick sah auf. Der Park hatte sich nicht weiter verändert, doch es war still geworden. Keine Menschen waren mehr um sie herum – er hatte es gar nicht bemerkt! Und der Himmel hatte eine rosa Farbe angenommen. Wie Zuckerwatte. Mhmm, Zuckerwatte ...
      „Du kannst nicht entkommen. Also versuche gar nicht erst, dich zu wehren.“ Isfanel trat wieder näher an die Bank heran und hob seine Handfläche. „Mir widerstrebt es, einen Unschuldigen zu vernichten, aber du stellst eine potentielle Gefahr dar. Zudem wird dein Tod der erste Schritt sein, um Anya Bauer in den ihren zu schicken.“
      Plötzlich sprang Nick auf und sah Isfanel direkt in die Augen. „Sag das nochmal!“
      „Was?“
      „Was?“
      „Ich-“
      „Ich auch!“
      „Stirb!“ Isfanel schickte eine weitere Welle in Nicks Richtung, der seinerseits ruckartig zur Seite sprang und mitansah, wie die Bank zerfetzt wurde. Stöhnend zuckte Isfanel anschließend zusammen, als hätte sich ein ziehendes Gefühl in ihm breit gemacht. Anschließend blinzelte er überrascht, als sein Gegenüber grinste. „Warum lachst du?“
      „Nix! Oder doch? Weiß nicht. Meine Eltern sagen immer, ich wäre besonders.“
      „Eine Barriere … in deinem Verstand. Wer hat sie erschaffen?“ Die besessene, junge Frau schüttelte den Kopf. „Es spielt keine Rolle. Dieser Ort wird dein Grab sein.“

      „Duell!“ Nick hatte seine Duel Disk gezückt und grinste. „Genau wie in den Filmen! Das wollt ich immer schon mal tun, hehe.“
      „Ich habe keine Absicht-“
      Doch ehe sich Isfanel versehen konnte, lag Nick ihm zu Füßen und zerrte an Melindas Hose. „Ach komm schon, bitte! Ich will auch ein Holyfoot-Star sein! Nur ein Duell! Ich tu auch alles was du willst.“ Er grinste verschlagen. „Wirklich alles!“
      „Was ist mit dir-!?“
      „Feigling!“ Nick sprang auf, schritt zurück und zeigte mit dem Finger auf ihn. „Der Nickinator erkennt sofort, wenn seine Feinde sich fürchten! Und kein Wunder, er ist schließlich der beste Duellant auf dem Planeten!“

      Isfanel verstand nicht, wie dieser Menschling ihm so furchtlos gegenüber treten konnte. Es mochte an seiner mangelnden Intelligenz liegen, doch etwas an ihm riet Isfanel zur Vorsicht. Zwar schien er über keine unnatürlichen Kräfte zu verfügen, aber als Freund von Anya Bauer sollte er nicht unterschätzt werden. Zumal er recht flink zu sein schien.
      Und Isfanel rief sich in Erinnerung, dass er mit seinen Kräften sparsam umgehen musste. Allein der Bannkreis kostete viel Kraft. Wenn er noch mehr davon freisetzte, um diesen Nick zu vernichten, gelang es seinem Gefäß am Ende noch, die Kontrolle zurückzugewinnen. Etwas, dass er sich nach all der Arbeit nicht leisten konnte. Allein sie in einen Pakt zu zwingen hatte ihn an den Rand der Zerstörung gebracht, nachdem er sich von Anya Bauers Angriff nur sehr langsam erholt hatte.
      Vielleicht wäre es das Beste, auf seinen Vorschlag einzugehen? In einem Duell verbrauchte er weniger Kraft. Und sein Gegner stellte in dem Fall ein leichtes Ziel dar.
      Doch was, wenn es eine Falle war? Nein, es gab keine Anzeichen dafür. Er besaß keine besonderen Kräfte, das stand fest. Auch wenn etwas an seinem Elysion anders war, als bei gewöhnlichen Menschen …
      „Du willst unbedingt ein Duell?“, fragte Isfanel schließlich steif. „Wie du willst. Ein Feigling bin ich nicht. Doch wisse, dass es nichts an deinem Schicksal ändern wird!“
      „Filmstar zu werden? Cool!“ Nick grinste breit.

      Kurz darauf standen sie sich mitten auf dem Kiesweg gegenüber, mit erhobenen Duel Disks.
      „Es hat lange gedauert, zurückzubekommen, was mir gehört“, sprach Isfanel und schob sein Deck in den Apparat an seinen Arm. „Nun wird sich zeigen, ob mein damaliger Paktpartner bei der Wahl seines Symbols richtig entschieden hat oder nicht.“
      „Ich versteh nur Bahnhof“, gluckste Nick, „aber das bin ich gewohnt! Zück schon mal Zettel und Stift, denn wenn der Nickinator mit dir fertig ist, wirst du sie brauchen, um-“ Der hochgewachsene Kerl kratzte sich am Kopf. Er hatte glatt vergessen, was er sagen wollte. Leise murmelte er zu sich selbst: „Merke! Nächstes Mal Onkel Google mitbringen für coole Sprüche.“
      „Willst du noch länger warten, oder soll ich dich doch auf der Stelle vernichten?“
      „Okay, bin schon bereit!“, strahlte Nick und schob sein Deck ebenfalls in die Duel Disk. „Duell!“

      [Nick: 4000LP / Melinda: 4000LP]


      „Ist es ein Vogel? Ist es ein Flugzeug? Nein!“, rief Nick, zog nach seinem Startblatt noch eine Karte und ließ sie ungeschickt auf den Boden fallen. „Es ist die Schwerkraft!“
      „Was machst du da?“ Isfanel rührte sich keinen Millimeter und beobachtete seinen Gegner verwirrt dabei, wie er seine Karte wieder aufhob.
      „Weiß nicht“, machte sich Nick nichts aus der Verwirrung seines Gegners, schloss die Augen und legte die erstbeste Karte, die er greifen konnte, auf die Duel Disk.
      „Und heute in Nicks Wundertüte …“ Er sah nun auf den Apparat an seinem Arm und das Monster darauf. „Oh, es ist [Wind-Up Soldier]!“
      Aus dem Boden schoss ein etwa ein Meter großer, grüner Spielzeugsoldat, dessen Kopf die Form eines Magneten hatte. Er ließ einmal seine Zangenhände um 360° drehen, ehe er in Kampfposition ging.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Die und die und die!“ Drei verdeckte Karten machten sich vor Nick breit. „Und nicht vergessen: der Nickinator kennt all deine Schwachstellen! Zug beendet!“
      Isfanel schürzte seinerseits die Lippen. „Du wirst es bereuen, diesen Vorschlag gemacht zu haben. Womöglich denkst du von mir, dass ich ein grausames, nach Blut dürstendes Wesen bin …“
      „Bist du nicht!?“, fragte Nick voller Empörung.
      „Nein. Doch solange meine Existenz in Gefahr ist, kann ich deine Freundin Anya Bauer nicht ignorieren. Sie darf nicht zu Eden werden!“
      „Find' ich auch!“ Nick verschränkte mit fest entschlossener Mimik die Arme. „Nicht, solange sie mir nicht die 10 Dollar wiedergegeben hat, die sie mir geliehen hat!“
      Den Kopf schüttelnd, gab Isfanel es auf, an den Verstand seines Gegners zu appellieren. Allein aufgrund seiner mangelnden Intelligenz war er nicht imstande, die Situation zu begreifen, in der Isfanel sich befand. Jener selbst war sich derer nicht so sicher, wie er es sein musste. Denn auch wenn Eden eine Gefahr für ihn war, wusste er so verdammt wenig darüber.

      Doch das spielte jetzt keine Rolle. Dieser Bursche war sein Feind, wenn auch nur durch eine unglückliche Fügung des Schicksals. Und wenn er seinen Plan umsetzen wollte, musste er sein Blut vergießen. Und das vieler anderer Menschen, die in Kontakt mit Anya Bauer standen.
      „... denn sie sind ihre Schwachstelle …“, murmelte er leise und zog seine sechste Handkarte.
      Er würde jeden vernichten, der Anya Bauer irgendetwas bedeutete. In der Hoffnung, sie damit in den Wahnsinn zu treiben, damit sie sich selbst richtete. Dann konnte selbst der Gründer ihr nicht helfen.
      „Schnellzauberkarte“, rief er schließlich, „[Emergency Teleport]! Damit kann ich von meinem Deck ein Psi-Monster der Stufe 3 oder weniger beschwören, wobei es jedoch am Ende des Zuges wieder verbannt wird! Und nun erscheine, [Winda, Priestess Of Gusto]!“
      Eine Säule aus blauem Licht entstand vor Isfanel. In ihr setzte sich aus kleinen, viereckigen Partikeln ein grünhaariges Mädchen zusammen, das über ihr weißes Kleid einen braunen Mantel trug und auf dem ein grüner Vogel saß. Stolz schwang sie ihren Zauberstab, in dessen Kopf ein länglicher Smaragd eingesetzt war.

      Winda, Priestess Of Gusto [ATK/1000 DEF/400 (2)]

      „Nun zu meiner normalen Beschwörung“, setzte Isfanel den Zug ohne Umschweife fort, „ich schicke [Gusto Gulldo] in den Kampf!“
      Der Vogel auf ihrer Schulter flog in die Höhe, wuchs und trug nun plötzlich einen grünen Helm sowie ein Reitgeschirr um seinen Körper.

      Gusto Gulldo [ATK/500 DEF/500 (3)]

      Mit einem Schlag schwang die willenlose Melinda ihren Arm aus, während sie rief. „Nun stimme ich das Empfängermonster [Gusto Gulldo] der Stufe 3 auf [Winda, Priestess Of Gusto] der Stufe 2 ein! The feather of hope is blown away by divine winds! A storm embraces the lost valley! Synchro Summon! Reverberate, [Daigusto Gulldos]!“
      Der Vogel flog in hohem Tempo an Winda vorbei und wuchs dabei weiter, als sie auf seinen Rücken sprang. Zusammen schossen sie hoch in die Luft, waren nicht mehr zu sehen, bis sie wie eine eisige Böe einmal um das Spielfeld fegten und schließlich vor Isfanel Halt machten. Nun war Gulldos endgültig erwachsen und trug eine stachelige Rüstung, während seine mächtigen Schwingen ihn und Winda über der Erde hielten.
      „Cool, so eine Synchrobeschwörung hab ich noch nie gesehen. Da waren ja gar keine Ringe und Blitze und so“, plapperte Nick begeistert. „So was will ich auch!“

      Daigusto Gulldos [ATK/2200 DEF/800 (5)]

      „Du begreifst nicht, wie gefährlich diese Kreatur ist. Deswegen lass mich dir eine Kostprobe ihrer Macht geben! Indem ich zwei Gusto-Monster von meinem Ablagestapel ins Deck zurückschicke, vernichtet Gulldos eines deiner offen liegenden Monster!“
      Und kaum hatte Isfanel [Winda, Priestess Of Gusto] und [Gusto Gulldo] von seinem Friedhof aufgenommen, schickte sein Riesenvogel durch nur einen Flügelschlag einen Wirbelsturm in Richtung [Wind-Up Soldier], der stöhnend durch die Luft geschleudert wurde. Als er meterweit entfernt auf dem Boden aufprallte, zersprang er in tausend Stücke.
      „Ohhh“, jammerte Nick ihm mit ausgestreckter Hand und Tränen in den Augen hinterher. Schließlich blinzelte er. „Irgendwas hab ich vergessen … ahja, verdeckte Zauberfalle! [My Body As A Shield]! Für 1500 Lebenspunkte passiert jetzt irgendwas!“
      Die mittlere seiner gesetzten Karten sprang auf, gab sich durch den grünen Rand als Zauberkarte zu erkennen, klappte dann aber wieder zu.
      „Du hast den Zeitpunkt ihrer Aktivierung verpasst“, sprach Isfanel ungerührt, „wenn du so weiter machst, wird deine Dilettantismus dein Grab sein.“
      Nick grinste breit. „Sooorrryyy!“
      „Zauberkarte [One For One]!“ Die braunhaarige Frau hielt die Karte in die Höhe. „Durch den Abwurf eines Monsters von meiner Hand wird ein ebensolches von meinem Deck beschworen. Einzige Einschränkung ist, dass seine Stufe 1 betragen muss. Also erscheine, [Gusto Egul]!“
      Ein wesentlich kleinerer, dunkelgrüner Vogel umkreiste plötzlich seinen älteren Bruder. Aber auch das junge Tier war gut gepanzert und trug einen Helm, dessen Kamm messerscharf erschien.

      Gusto Egul [ATK/200 DEF/400 (1)]

      Doch Isfanel hielt bereits eine weitere Karte in der Hand. Es war die, die er für die Aktivierung seiner Zauberkarte ursprünglich abgeworfen hatte. „Der Effekt von [Gusto Griffin] aktiviert sich nun! Wenn er von meiner Hand abgeworfen wird, ruft er ein Gusto-Monster von meinem Deck aufs Spielfeld. Und dieses Mal gibt es keine Stufenbeschränkung! Höre meine Stimme, [Windaar, Sage Of Gusto]!“
      Ein weißer Wirbelsturm schoss aus dem Boden und ließ einen grünhaarigen Mann daraus springen, der einen klingenbesetzten Metallstab schwang. Gekleidet war er wie ein Wanderer, doch hatte er einen stillen Zauberspruch auf den Lippen.

      Windaar, Sage Of Gusto [ATK/2000 DEF/1000 (6)]

      Der kleine Vogel schwirrte nun um den Priester herum, wuchs und als Egul groß genug war, sprang Windaar auf dessen Rücken.
      „Silence lies within the wisper of the winds! A word of power is spoken! Synchro Summon! Arise, [Daigusto Eguls]!“
      Das Reittier des Wanderers war nun genauso imposant und mächtig gepanzert wie sein Artgenosse, welcher von Winda kontrolliert wurde. Nick staunte Bauklötze über die Tatsache, dass Isfanel mühelos zwei starke Synchromonster in wenigen Schritten beschworen hatte.

      Daigusto Eguls [ATK/2600 DEF/1800 (7)]

      Im Angesicht der beiden Riesenvögel verging Nick das Grinsen. „Oh oh, das sieht aus, als ob es gleich weh tun wird …“
      „Ich werde es schnell beenden. Meine Monster, doppelter Angriff auf die Lebenspunkte meines Gegners! Löscht ihn aus! Twin Cyclones!“
      Beide Kreaturen stiegen mit ihren Reitern auf und erzeugten zusammen zwei Wirbelstürme, die immer wieder ineinander übergingen und unbändig auf Nick zu rasten.
      Jener geriet in Panik. „Was mach ich jetzt? Die?“
      Er drückte wahllos auf einen Knopf seiner Duel Disk, wodurch wieder [My Body As A Shield] aufsprang, nur um wieder nach unten zu fallen. „Dann die?“
      Wieder klappte eine von Nicks gesetzten Karten auf. Dieses Mal war es eine Falle, wie man an dem purpurnen Rand erkennen konnte. Auf ihr abgebildet war ein Richter, der aus einem Sumpf entstieg und einen Duellanten vor die Wahl zwischen einer goldenen und einer Eisenaxt stellte. Der Zwillingswirbelsturm prallte an der Karte ab und verharrte fortan auf der Stelle.
      „[Half Or Nothing]“, raunte Isfanel mit seiner weiblichen Stimme verärgert. „Diese Karte zwingt mich, entweder die Angriffskraft meiner Monster bis zum Ende des Zuges zu halbieren oder gar ganz auf die Battle Phase zu verzichten.“
      „Äh, ja, genau das!“
      „Da es keine Monster auf deiner Seite des Spielfeldes gibt, sehe ich keinen Grund, den Angriff abzubrechen! Also los!“

      Daigusto Gulldos [ATK/2200 → 1100 DEF/800 (5)]
      Daigusto Eguls [ATK/2600 → 1300 DEF/1800 (7)]

      Nicks Falle wurde unter dem Getöse der Zyklone zerfetzt. Ihr Besitzer wurde schlussendlich von ebenjenen erfasst und wie ein Stück Papier durch die Luft geschleudert. Schreiend landete er schließlich in einem Busch in der Nähe des Kiesweges, auf dem die beiden sich duellierten. Mit zuckendem Bein jammerte er: „Kann mich bitte jemand hier herausholen? Hier ist es dunkel und ich hab Angst. Und hab ich erwähnt, dass das gerade sehr weh getan hat? Aua!“

      [Nick: 4000LP → 1600LP / Melinda: 4000LP]


      „Ich setze zwei Karten“, ließ Isfanel sich davon nicht beirren und schob seine letzten beiden Handkarten in die dazugehörigen Slots seiner Duel Disk. „Zug beendet. Damit erlangen meine Monster ihre ursprüngliche Stärke wieder. Und zusätzlich aktiviert sich nun der Effekt von [Daigusto Eguls]!“
      Für einen kurzen Augenblick leuchteten die Augen des größeren der beiden Vögel rot auf.
      „Indem ich ein Gusto-Monster von meinem Friedhof verbanne, zerstöre ich eine gesetzte Karte meines Gegners.“ Isfanel steckte [Windaar, Sage Of Gusto] in die hintere Hosentasche von Melindas zerschlissener Jeans. „Meine Wahl fällt auf [My Body As A Shield], damit du mein weiteres Vorgehen nicht behindern kannst.“
      Wieder leuchteten Eguls' Augen rot auf und dieses Mal explodierte Nicks Karte.

      Daigusto Gulldos [ATK/1100 → 2200 DEF/800 (5)]
      Daigusto Eguls [ATK/1300 → 2600 DEF/1800 (7)]

      Dieser kam schließlich auf allen Vieren angekrabbelt, gezeichnet von etlichen Schnitten im Gesicht und an seinem beigen T-Shirt. „Aua …“
      „Wenn das alles ist, was du an Schmerzen erdulden kannst, geht von dir wahrlich keine Gefahr aus.“ Isfanel sah mit hochnäsiger Mimik auf Nick herab. „Jemand wie du kann niemanden beschützen. Anya Bauer wird sterben, dafür sorge ich. Das ist meine Bestimmung!“
      Nick richtete sich langsam auf. „Verstehe … eine Bestimmung also? Willst du auch wissen, was meine ist?“
      Überrascht von diesem merkwürdigen Tonfall, musterte Isfanel den jungen Mann interessiert. „Etwas an dir hat sich soeben verändert.“
      „Nein“, antwortete Nick kühl und putzte sich beiläufig etwas Dreck von der Kleidung, „nichts hat sich verändert. Alles ist, wie es immer war. Damit das auch so bleibt, muss ich jetzt leider Ernst machen. Meine Freundin leidet auch ohne dich schon genug.“
      „Was soll das bedeuten?“
      Plötzlich blickte Nick mit einer Ernsthaftigkeit in seinen Augen auf, die man so noch nie bei ihm erlebt hatte. „Es bedeutet, dass ich keine Rücksicht mehr auf Melinda nehmen kann. Vielleicht bin ich gar nicht so nutzlos, wie alle immer denken? Bevor du Anya auch nur ein Haar krümmst, musst du erst an mir vorbei! Das ist -meine- Bestimmung!“

      ~-~-~


      „Unmöglich!“ Matt war sprachlos, konnte nicht glauben, was er da sah.
      Der violette Nebel um Alastair hatte sich durch den Schwung von Roach Styx' Schwert verzogen und war unverhofft an einem dreieckigen, weiß glühenden Energieschild abgeprallt, den drei kleine, kugelförmige Apparate an den Ecken erzeugten. Jenes Kraftfeld schützte Alastairs Linke und stellte ein unüberwindbares Hindernis für die Klinge dar.
      „Wie-!“ Der junge Schwarzhaarige realisierte erst jetzt, was ihm bereits viel früher hätte auffallen müssen. Alastairs gesetzte Karte war fort.
      Jener erklärte ruhig: „Ich habe sie bereits aktiviert, als du versucht hast, meine Effektaktivierungen zu unterbinden. Es handelt sich hierbei um [Delta Shield], eine Falle, die umso effektiver wird, je höher die Stufe des Monsters war, welches ich für ihre Aktivierung als Ziel ausgewählt habe. So reicht schon ein Stufenstern aus, um in diesem Zug einmalig Kampfschaden zu annullieren, wie ich es hier getan hab.“ Er deutete auf die dreieckige Barriere. „Da [Vylon Sigmas] Level aber auch über 4 lag, konnte ich zudem eine Karte ziehen und wäre imstande gewesen, mein Monster vor feindlichen Angriffen zu schützen. Wenn meine Kreatur sogar der Stufe 8 angehört hätte, wäre sie zusätzlich noch immun gegen sämtliche Karteneffekte gewesen, wodurch die deine nicht imstande gewesen wäre, Sigma zu verbannen. Doch du hattest Glück.“
      Mit seiner neu gezogenen Handkarte verharrte Alastair anschließend nachdenklich, schien gar in jenen Gedanken verloren zu sein.
      Matt fand jedoch seine Sprache wieder. „Verdammt! Du bist mindestens genauso hartnäckig wie ich!“
      „Zumindest etwas, das wir gemeinsam haben …“

      Ich gebe es auf. Entweder bist du einfach nur unfähig, oder dieser Typ hat seit meiner letzten Begegnung mit ihm ordentlich dazugelernt. Langsam bereue ich es, dich als Paktpartner gewählt zu haben.

      Daraufhin zischte Matt verärgert. Innerlich war er jedoch auch erleichtert, denn zumindest lebte Alastair noch. Blieb bloß die Frage, ob er selbst dessen nächsten Zug noch überstehen würde.
      „Ich setze eine Karte“, meinte er schließlich gefasst. Wie er Alastair kannte, würde der nächste Runde von Refiels Fähigkeit Gebrauch machen und das Schicksal beeinflussen. Alles im Sinne eines finalen Offensivschlags.
      Hoffen wir mal, dass mir meine Falle den Arsch retten wird, dachte er und beendete seinen Zug schließlich mit einer Handkarte. „Du bist.“

      Und kaum hatte Alastair seine Hand auf sein Deck gelegt, begann sie weiß zu leuchten, was binnen Sekundenbruchteilen auf die Karten überging.
      „Ich hab geahnt, dass er das tun wird“, brummte Matt frustriert. „Das wird übel.“

      Hoffentlich tötet er dich. Hätte ich einen eigenen Körper, würde ich angesichts dieser Farce im Boden versinken vor Scham …

      Was bei Matt allerdings nicht gut ankam. „Bist du auch mal still!?“
      „Das ist der letzte Zug!“, rief Alastair ihm zu. „Ich werde das ein für allemal beenden! Draw!“
      Ein gleißendes Strahlen ging von ihm aus, als er schwungvoll zog. Im Kontrast dazu stand der aus schwarzem Marmor bestehende Spielplan, der wie das sprichwörtliche Auge des Sturms aus dem Licht herausstach.

      Alastair sah seine neue Handkarte an und nickte. Refiel hatte ihm wieder den Weg gewiesen. Matt mit einem traurigen Blick musternd, schloss er die Augen. Um dessen Misstrauen gegenüber Refiel wusste er, es war kein Geheimnis. Und es ehrte Alastair auch, dass sein Freund sich um ihn sorgte.
      Aber er war keine Marionette des Himmels. Refiel hatte nie Befehle gegeben, sondern ihn immer vor die Wahl gestellt. Vor die Wahl gestellt, das Richtige zu tun.
      Und jetzt war das Richtige, Matt von seiner Qual zu erlösen. Im Moment mochte dieser glauben, dass dieser Dämon ihn nicht verraten wird. Aber er hat ihm ohne Zweifel einen Pakt aufgezwungen und es war offensichtlich, dass dieses Miststück etwas plante. Dem musste er einen Strich durch die Rechnung machen, auch Matt würde das so wollen, wenn er nur die nötige Weitsicht besäße!
      „Ich beschwöre [Vylon Pentachloro]!“, tönte Alastair erhaben und fühlte sich in seinem Vorhaben dadurch bestärkt.
      Vor ihm formte sich ein metallisches Wesen langsam zu einer Gestalt. Erst war da der fünfeckige Körper aus dunklem Stahl, dann die zwei Arme und letztlich ein goldener, radähnlicher Kopf.

      Vylon Pentachloro [ATK/500 DEF/400 (4)]

      Matt schluckte. Was würde jetzt folgen? Ein Empfängermonster für eine weitere Synchrobeschwörung? Oder gar etwas ganz anderes-!?
      „Mögen die Schuldgefühle mich zurück zu dir führen“, sprach Alastair leise und schob eine Zauberkarte in den dazugehörigen Slot seiner Duel Disk. „[Machine Duplication]! Damit verdreifache ich ein Maschinenmonster mit einer maximalen Offensivstärke von 500!“
      Erschrocken beobachtete sein Gegner, wie zwei durchsichtige Kopien links und rechts aus [Vylon Pentachloro] schossen, ehe sie eine feste Gestalt annahmen.

      Vylon Pentachloro x3 [ATK/500 DEF/400 (4)]

      „Nein! Das ist-!“
      Alastair streckte mit entschlossener Mimik den Arm aus. „Werde Zeuge der Macht Gottes! Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Seine drei Monster wurden zu gelblichen Lichtern, die in den schwarzen Wirbel gezogen wurden, welcher sich in der Mitte des Spielfeldes aufmachte. „Erscheine, [Vylon Disigma]!“
      „Ein Xyz-Monster!? Aber woher-“
      Aus den Tiefen der Finsternis entstieg eine gar groteske Gestalt. Sie wirkte ganz anders als die anderen Vylon-Monster. Dunkel und bösartig war die Grimasse des Wesens, dessen überdimensional großer Kopf auf zwei miteinander verbundenen, quadratischen Plattformen lag. Aus den langen Armen, die aus Disigmas Kopf ragten, schossen etliche schwarze Klingen. Während die drei Xyz-Materialien als weiße Sphären um es kreisten und dabei das Gold an seinem Körper zum Glänzen brachten, verschlug es Matt beinahe die Sprache.

      Vylon Disigma [ATK/2500 DEF/2100 {4}]

      „Was … ist das?“ Er hatte diese Kreatur noch nie in Alastairs Deck gesehen.
      „Das Geschenk des Engels Refiel“, antwortete dieser, „seine Macht übersteigt die eines jeden Dämons! Siehe den Grund für sein abscheuliches Äußeres! Absorbiere das Böse dieser Welt, absorbiere [Steelswarm Vanguard – Roach Styx]!“
      Der Mund der abstrusen Engelsmaschine öffnete sich, als sie damit begann, den riesigen Kakerlakenritter einzusaugen. Dieser schrumpfte dabei immer mehr und kaum war er verschwunden, verfärbte sich eine der um Disigma kreisenden Sphären violett.
      Matt sah fassungslos auf seinen Spielplan. Hätte Alastair angegriffen, wäre er ihm mit seiner Falle [Rising Energy] zuvor gekommen. Doch ohne sein Monster ging das nicht. Es war … vorbei.

      Gratulation! Du hast nach allen Regeln der Kunst versagt! Kann ich jetzt gehen?

      „Halt den Rand“, murmelte Matt nur schwach.
      „Weil es das Böse in sich aufgenommen hat, um es zu reinigen“, erklärte Alastair plötzlich und deutete auf seine Kreatur, „ist es selbst zu einer finsteren Silhouette verkommen. Nun mag es dem Unwissenden selbst wie ein Dämon erscheinen … aber seine Intentionen sind nach wie vor rein.“
      Matt musste auflachen. Er sah seinen Freund tief in die Augen, denn er erkannte die Parallelen zwischen dem entstellten Alastair und seinem Monster. „Du vergleichst dich damit? Dass ich nicht lache! Es ist eine Karte! Die hat keinen freien Willen! Und kein Gewissen! Sie tut nur das, wozu sie erschaffen, beziehungsweise missbraucht wird! Aber du! Du glaubst, du kannst dich vor der Verantwortung drücken, indem du blind irgendwelchen Überzeugungen folgst!“
      Alastair streckte seine Hand aus. „Matt-“
      „Und selbst wenn es wirklich besser für alle ist, wenn ich hier und jetzt sterbe, hast du als Mensch trotzdem versagt! Als Freund!“ Der Schwarzhaarige ließ bedrückt den Kopf hängen. „Tu was du willst. Ich glaube, ich habe jetzt erkannt, dass ich gegen den Engel an deiner Seite keine Chance habe.“
      Alastair schüttelte vehement den Kopf. „Du irrst dich, Matt! Ich will-“

      Es ist genug, Alastair. Lass ihn leben.

      „Refiel!“, schoss es aus dem Dämonjäger überrascht.
      Matt schreckte ebenfalls auf, denn auch er hatte die sanfte, warme Stimme vernommen. Er sah sich um, doch nirgendwo war ein Zeichen des Engels, es loderten nur die schwarzen Flammen, während Anya nach wie vor bewusstlos auf der anderen Seite im Garten der Familie Bauer lag.
      „Wieso mischt der sich jetzt ein!?“, platzte es aus Matt heraus.

      Dieser Kampf ist sinnlos. Du, Matt Summers, hast eine große Sünde auf dich geladen. Doch nicht heute soll der Tag sein, an dem der Herr über dich urteilt. Aber du, Alastair, hättest es besser wissen müssen.

      „Was!?“

      Dein Freund hat sich und sein Seelenheil für dich geopfert. Was er nicht hätte tun müssen, wenn du ihm mit Gnade begegnet wärst. Gottes Regeln zu befolgen heißt nicht, sie für den eigenen Wahn zu missbrauchen. Ein Wissen, das dieser Junge dir voraus hat.

      „Refiel, ich-“

      Nein, Alastair. Der Schmerz um den Verlust der geliebten Familie darf uns nicht blind für diejenigen machen, die noch auf Erden weilen. Deine Aufgabe, die schändlichen Dämonen von Gottes Werk zu vertreiben, bis der versprochene Tag gekommen ist, ist löblich. Doch heute bist du zu weit gegangen. Lass mich dich deshalb auf den richtigen Pfad zurückführen.

      Alastair fiel gebannt und gleichwohl erschrocken von den Worten des Engels auf die Knie. Eine einzelne, goldene Feder fiel vor seine Füße. Er las sie auf und betrachtete sie, wie sie sich in seinen Fingern auflöste. „Was … soll ich tun … ?“

      Frage deinen Freund. Er hat die Antwort gefunden. Und diese Antwort ist der einzige Weg, seine und die Seelen aller anderen Opfer dieses verachtungswürdigen Spiels zu retten. Höre auf ihn, denn es sind die Worte der Weisheit …

      Matt spürte instinktiv, dass der Engel damit fort war. Die Wärme, die er mit sich gebracht hatte, ebenso.
      Schließlich rieb er sich den Hinterkopf. „Man, der scheint sich ja gerne reden zu hören.“
      „Was soll ich tun?“, fragte Alastair da plötzlich und sah fragend zu Matt auf. „Hat er … recht?“
      Sein Freund zuckte mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen? Glaub jedoch nicht, dass ich ihm vertraue. Wenn er aber schon auf meiner Seite steht, will ich mich mal nicht so anstellen …“ Plötzlich streckte er lächelnd die Hand nach Alastair aus, als wolle er nach ihm greifen, auch wenn sein Gegner mehrere Meter entfernt auf den Knien lag. „Lass uns dieses Chaos gemeinsam bekämpfen! Und alle retten! Dich, mich, Anya … alle! Wir werden das schaffen! Wir müssen!“

      Und da sagst du, der Engel redet viel? Diese menschliche Theatralik ist hundertmal schlimmer …

      „Halt endlich die Klappe, Dämon!“, zischte Matt zwischen den Zähnen.
      Alastair jedoch hatte seine Entscheidung längst getroffen. Er streckte die Hand ebenfalls aus, auch wenn Matt so weit von ihm entfernt war. „Dann erfahre jetzt meine Antwort. [Vylon Disigma], direkter Angriff! Sacred Black Obliteration!“
      Es traf seinen Gegner völlig unvorbereitet. „Was!?“
      Die grauenhafte Kreatur von Alastair erzeugte zwischen den Händen seiner enorm langen Armen eine schwarze Energiesphäre, aus der es kurz darauf einen Speer formte. Es spielte sich für Matt alles in Zeitlupe ab, als das Monster seine Waffe griff und wie befohlen in seine Richtung warf.
      Dann folgten eine finstere Explosion und ein schmerzerfüllter Schrei. Rauch verdunkelte das Spielfeld.

      [Alastair: 1100LP / Matt: 100LP → 0LP]


      Und als dieser sich verzog, lag Matt regungslos am Boden, die Augen fest geschlossen.
      „Ich hoffe, das ist dir Antwort genug“, sprach Alastair kühl und trat schließlich an seinen Freund heran. „Es war die einzig mögliche.“
      Die schwarzen Flammen lösten sich in Luft auf. Was blieb war die unnatürliche Nacht, die Matts Bannkreis über den eingesperrten Teil Livingtons gebracht hatte, denn dieser hatte sich noch nicht aufgelöst.
      „Wie langweilig!“, raunte plötzlich eine penetrant genervte Stimme. „An deiner Stelle hätte ich ihn umgenietet, Narbengesicht!“

      Matt schreckte auf und betrachtete im Sitzen seine Hände. „Ich lebe?“
      „Leider“, posaunte Anya enttäuscht und schritt von dem kleinen Gartenweg der Familie Bauer auf den Dämonenjäger zu. Dabei rieb sie sich ein Auge. „Man, ich hab wohl echt das Beste verpasst, huh?“
      „Kein Blutzoll? Dann ist Refiel wirklich … ein Engel“, murmelte Matt jedoch leise und beachtete Anya gar nicht. Denn wäre Alastairs Partner ein Dämon, hätte das Duell nur mit seinem Tode enden können.
      „Sieht so aus, als ob wir Gesprächsbedarf haben“, brummte Alastair und taxierte Anya mit einem giftigen Blick. „Nur weil ich sein Leben verschont habe, bedeutet das noch lange nicht, dass ich mit dem Dämonenpack gemeinsame Sache mache!“
      Schließlich erhob sich Matt und gesellte sich neben Anya, welche patzig erwiderte: „Als ob ich mit dir zusammenarbeite!“

      „Danke, Alastair.“ Matt lächelte. „Danke, dass du mir genug vertraust, um einen Weg einzuschlagen, der nicht meinen und Anyas Tod durch deine Hand nach sich zieht.“
      „Hmpf! Ob das so sein wird, hängt ganz von dir ab.“
      „Ich weiß!“ Der Schwarzhaarige nickte knapp. Er sah abwechselnd die anderen beiden an, ehe er schließlich mit einem geheimnisvollen Schmunzeln verkündete: „Und ich habe da auch schon eine Idee, die unsere Probleme lösen könnte. Allerdings würde ich vorschlagen, dass wir uns dafür an einen Tisch setzen und alles in Ruhe durchgehen.“
      „Mit ihr?“
      „Mit ihm!?“
      Alastair und Anya funkelten sich voller Abscheu an. Doch unbeirrt von der gegenseitigen Feindseligkeit griff Matt sie beide unter jeweils einem Arm und zerrte sie Richtung Anyas Haus. „Ja, wir drei! Wenn ihr beide nicht so dämlich wärt, müssten wir das hier alles jetzt nicht durchmachen, verdammt!“
      Anya gab nur einen resignierenden Zischlaut von sich, während Alastair es gleich vorzog zu schweigen. Was Matt nur in seiner Vorahnung bestätigte, dass ihre Zusammenarbeit alles andere als einfach werden würde. Aber sie saßen alle im selben Boot, es musste sein! Hier ging es nicht mehr um Dämonen oder Engel, sondern ums Überleben!


      Turn 20 – Unmasked
      Die Zusammenarbeit von Matt, Alastair und Anya steht unter keinem guten Stern. Matts Idee spaltet die Lager und schafft statt Einigkeit nur Streit. Auf der anderen Seite stellt sich Nick dem Kampf gegen Isfanel und legt einen erstaunlichen Persönlichkeitswandel hin. Während er Isfanel etwas über seine gemeinsame Vergangenheit mit Anya verrät, gewinnt er durch ein überraschendes Manöver die Oberhand. Schließlich gelingt es ihm, Isfanel eine interessante Information zu entlocken, doch gleichzeitig …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Matt

      Steelswarm Gatekeeper
      Steelswarm Sting

      Rising Energy

      Steelswarm Roach

      Steelswarm Vanguard – Roach Styx
      Unterweltler/Finsternis/Xyz
      ATK/1900 DEF/0 {4}
      "Steelswarm Roach" + sein Xyz-Material
      Diese Karte kann im Kampf nur durch Xyz-Monster zerstört werden. Während deiner End Phase: lege Xyz-Material von deinem Friedhof unter diese Karte, bis drei Xyz-Materialien unter ihr liegen. Jeder der folgenden Effekte dieser Karte kann einmal pro Zug aktiviert werden:
      O Entferne 1 Xyz-Material: Verbanne ein offenes Monster der Stufe 5 oder höher.
      O Entferne 2 Xyz-Materialien: Bis zur End Phase kann dein Gegner keine Karteneffekte aktivieren.
      O Entferne 3 Xyz-Materialien: {???} Du kannst diesen Effekt nicht in dem Zug aktivieren, in dem du diese Karte beschworen hast.

      Alastair

      Vylon Pentachloro x3

      Vylon Material
      Machine Duplication

      Delta Shield
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, indem du eines deiner offenen Monster wählst. Folgende/r Effekt/e gelten entsprechend der Stufe des gewählten Monsters: O 1+: Einmal während diesem Zug erhältst du keinen Kampfschaden. O 5+: Das gewählte Monster kann bis zur End Phase nicht als Ziel eines Angriffs gewählt werden; ziehe eine Karte. O 8+: Bis zur End Phase bleibt das gewählte Monster von allen gegnerischen Karteneffekten unberührt.

      Vylon Sigma
      Vylon Disigma

      Nick

      Wind-Up Soldier

      My Body As A Shield

      Half Or Nothing

      Melinda

      Gusto Gulldo
      Gusto Egul
      Gusto Griffin
      Winda, Priestess Of Gusto
      Windaar, Sage Of Gusto

      Emergency Teleport
      One For One

      Daigusto Gulldos
      Daigusto Eguls
      Turn 20 – Unmasked
      „Nicht länger auf Melinda Rücksicht nehmen?“ Isfanel rümpfte die Nase. „Was kann ein Mensch wie du schon tun?“
      „Vielleicht mehr als du denkst“, antwortete Nick selbstsicher.
      „Bist du dir da so sicher? Selbst wenn ich dich bisher unterschätzt haben sollte, stehst du mit dem Rücken zur Wand.“ Mit einem Kopfnicken deutete die brünette Frau auf Nicks Spielfeldseite.
      Die war, abgesehen von einer verdeckten Karte, komplett leergeräumt. Im Gegenzug besaß Isfanel mit [Daigusto Gullos] und [Daigusto Eguls] zwei mächtige Vogelkreaturen, sowie gleich zwei gesetzte Karten. Dafür hatte er zumindest keine Karten mehr auf der Hand. Anders als Nick, der immerhin noch über zwei verfügte.

      Daigusto Gulldos [ATK/2200 DEF/800 (5)]
      Daigusto Eguls [ATK/2600 DEF/1800 (7)]

      Allerdings verzog Nick beim Anblick der beiden Monster keine Mimik. Eher schaute er sich um, ob es auch wirklich keine Zuschauer gab. Aber nein, er war gefangen in einem Bannkreis, der den Himmel in rosafarbenes Licht tauchte. Da er das Ende seines Gefängnisses nicht erkennen konnte, schätzte er, dass der gesamte Park betroffen war. Und wie er von Abby erfahren hatte, kam man hier nur raus, wenn der Erzeuger es zuließ – oder starb. Letztes war jedoch keine Option für Nick, wenn man betrachtete, dass in dem Fall auch Melindas Leben auf dem Spiel stünde.
      Doch der junge Mann war sich der Tatsache bewusst, dass er sich viel mehr um sein eigenes Leben sorgen sollte. Besonders wenn man einen Blick auf die Duel Disk warf.

      [Nick: 1600LP / Melinda: 4000LP]


      Es war sein Zug. Nick zog daher energisch und betrachtete seine neue Karte nachdenklich.
      „Egal welchen Weg du einschlägst, das Ziel ist immer dasselbe“, sprach Isfanel selbstsicher auf ihn ein. „Selbst wenn du mich besiegst, hast du dadurch nichts gewonnen. Verletzen können mich nur Wesen höherer Macht und du bist nur ein Mensch. Was du tust ist zwecklos.“
      „Wenn du meinst“, erwiderte Nick kalt. Plötzlich zückte er eine Karte aus seinem Blatt. „Ich beschwöre [Wind-Up Magician]!“
      Kurze Zeit später tauchte vor ihm ein Spielzeugmagier auf, der etwa bis zu Nicks Hüfte ging. Mit seinen Zangenhänden hielt er einen Zauberstab fest.

      Wind-Up Magician [ATK/600 DEF/1800 (4)]

      Anschließend schwang Nick seinen Arm aus. „Ich aktiviere meine Falle! [Call Of The Haunted]!“ Innerlich zufrieden, dass er Isfanel im letzten Zug von ihr abgelenkt hatte, griff er nach dem Friedhofsschlitz seiner Duel Disk, aus der eine einzelne Karte gefahren kam. „Damit rufe ich den [Wind-Up Soldier] von meinem Friedhof zurück im Angriffsmodus aufs Feld! “
      Neben dem Magier gestellte sich nun auch noch ein grüner Kämpfer, dessen Kopfform an einen Magneten erinnerte.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Anya und ich kennen uns schon seit dem Kindergarten“, sprach Nick weiter und streckte nun seinen Arm aus. „Effekt von [Wind-Up Soldier] aktivieren. Bis zur End Phase steigen seine Stufe und seine Angriffskraft um eins beziehungsweise 400 an.“
      Der kleine Soldat wuchs plötzlich auf Nicks Größe an.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 → 2200 DEF/1200 (4 → 5)]

      „Damals verhielten sich die Dinge nicht anders als heute. Anya war schon immer sehr temperamentvoll gewesen.“ Nick deutete nun auf seinen Magier. „Jetzt aktiviere ich [Wind-Up Magicians] Effekt, welcher durch [Wind-Up Soldiers] Effektaktivierung ausgelöst wurde, wodurch ich ein Wind-Up-Monster von meinem Deck beschwören kann. Wie alle Effekte dieser Monsterreihe, kann auch er nur einmal aktiviert werden. Erscheine, [Wind-Up Dog]!“
      Lautes, elektronisch verzerrtes Gebell ertönte, als der Magier seinen Zauberstab schwang und zwischen ihm und dem Soldaten einen kleinen, blauen Spielzeughund erscheinen ließ, aus dessen Rücken ein Aufziehschlüssel ragte.

      Wind-Up Dog [ATK/1200 DEF/900 (3)]

      „Sie war immer das Thema der Erzieherinnen gewesen“, führte Nick seine Erklärung bezüglich Anya ruhig fort, griff dabei nach seinem Blatt. „Sie haben ihr Bestes gegeben, sie zu bändigen. Haben mit ihr geredet, wollten ihr helfen, als ihr Vater zusammen mit seinem Sohn, Anyas Bruder, gegangen ist.“
      Mit finsterem Blick zückte er eine Zauberkarte. „Aber keiner hat kapiert, dass Anya kein Mitleid brauchte, weil es nichts geändert hätte. Ich war damals selbst ein Kind, habe aber mehr verstanden als so mancher Erwachsener.“
      Isfanel verschränkte skeptisch die Arme. „Wieso erzählst du mir das?“
      Unbeirrt führte Nick jedoch seine Geschichte fort, wobei er die Zauberkarte in den dazugehörigen Slot seiner Duel Disk einführte. „Anya brauchte jemanden, an dem sie all ihren Frust abladen, dem sie sich aber gleichzeitig anvertrauen konnte. Vorher schon, und nach dem Verlust ihres Bruders und ihres Vaters umso mehr.“
      „Und du bist dieser jemand?“
      „Exakt“, antwortete Nick ihm kalt, „aber sie hat in all den Jahren nie über sich geredet, nicht einmal. Alles, was ich am Ende tun konnte, war für sie den Trottel zu mimen, um sie zum Lachen zu bringen, bis ich irgendwann nichts anderes mehr getan habe.“
      Seine Augen verengten sich zu Schlitzen, während sein Tonfall deutlich aggressiver wurde. „Aber selbst gelacht hat sie kaum und wenn doch, war es nie die Art von Lache, die ich ihr abgewinnen wollte.“
      Einen abwertenden Blick auf Nick werfend, schüttelte Isfanel abweisend den Kopf. „Eine traurige Geschichte. Aber so wenig mich das angeht, so wenig interessiert es mich auch. Ich bin nicht hinter ihr her, weil sie so eine kümmerliche Gestalt ist, sondern weil sie eine Gefahr für mich darstellt. Und daran ändern auch deine Sentimentalitäten nichts, Mensch.“
      „Ich war noch nicht fertig“, blieb Nick jedoch unberührt davon, hatte er schließlich mit nichts anderem gerechnet. „Selbst wenn ich nicht imstande bin, Anya glücklich zu machen, werde ich bestimmt nicht zulassen, dass du ihr das letzte Bisschen nimmst, das sie noch hat. Uns!“
      „Genau das werde ich ab-“
      Nicks Zauberkarte sprang nun auf. Er rief ihren Namen laut. „[Inferno Reckless Summon]! Sollte ein Monster mit 1500 oder weniger Angriffspunkten als Spezialbeschwörung auf meine Spielfeldseite beschworen werden, kann ich alle weiteren Exemplare davon von meinem Deck beschwören! Dafür kannst du dasselbe bei einem beliebigen deiner Monster tun!“
      Zwei weitere Spielzeughunde tauchten zwischen Nicks Magier und Soldat auf, während sich auf Isfanels Spielfeldseite nichts veränderte.

      Wind-Up Dog x3 [ATK/1200 DEF/900 (3)]

      Zufrieden schickte Nick seine Zauberkarte nach ihrer Benutzung auf den Friedhof. Da Isfanel nur zwei Synchromonster besaß und diese vom Extradeck gerufen werden, konnte er keine weiteren Exemplare seiner Vögel beschwören. Das lief gut.
      „Selbst jetzt, da dein Feld voller Monster ist, stellst du keine Bedrohung für mich dar“, höhnte sein Gegner nur.
      „Man soll den Tag nicht vor den Abend loben“, konterte Nick kalt.
      „Was soll das bedeuten?“
      „Sieh doch selbst! Ich benutze den Effekt eines meiner [Wind-Up Dogs] und erhöhe so seine Stufe um 2 sowie seine Angriffskraft um 600!“

      Wind-Up Dog [ATK/1200 → 1800 DEF/900 (3 → 5)]

      „Ich erschaffe das Overlay Network“, gröhlte Nick nun und riss den Arm in die Höhe.
      Ein schwarzer Wirbel tat sich im Boden vor ihnen auf, welcher sowohl den Soldaten, als auch den von Nick gestärkten Hund in Form brauner Lichtstrahlen absorbierte. Plötzlich trat aus dem Schlund ein neues Monster hervor. „Wir schaffen das, [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]!“
      Über zwei Meter groß war Nicks roter Roboter. Zwar zeigte sich Isfanel von dem Bohrer an seinem Arm, als auch von dem abgekoppelten, frei schwebenden, linken Hammerarm von Zenmaioh unbeeindruckt, doch das änderte nichts an der majestätischen Erscheinung des Monsters, welche völlig anders war als alle zuvor von Nick gespielten Aufziehkreaturen.
      „Neckisch“, kommentierte Isfanel das eindrucksvolle Äußere von Nicks Monster hämisch, „passend zu deiner Rolle, wenn man es recht bedenkt. Und auch wenn es zweifelsohne sehr stark anmutet, ist es letztlich auch nur ein Teil eines schwächlichen Ganzen. Ein Teil von dir.“

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5}]

      Doch zu Isfanels Überraschung schloss sich das Overlay Network nicht, als Nicks Maschinenkrieger daraus hervorgetreten war. Im Gegenteil, plötzlich wurden auch die anderen beiden [Wind-Up Dogs] zu braunen Lichtstrahlen, die in das schwarze Loch im Boden gezogen wurden.
      „Weiter geht’s! Ich weite das Overlay Network aus und beschwöre nun [Wind-Up Carrier Zenmaity], nur um sofort seinen Effekt zu nutzen! Indem ich ein Xyz-Material abkopple, kann ich ein Wind-Up-Monster von meinem Deck beschwören! Los, [Wind-Up Knight]!“
      Noch während aus dem dunklen Wirbel die Spielzeugversion eines Flugzeugträgerschiffs auftauchte, schoss sie von einer ihrer beiden Rampen etwas ab, das wild um das Spielfeld zischte, ehe es vor Nick landete. Es war ein Spielzeugritter in weißer Rüstung, der sich mit Schild und Schwert bewaffnet aufrichtete, wobei ein Aufziehschlüssel aus seinem Rücken ragte.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3}]
      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Was!?“, staunte selbst Isfanel, als er mitansah, wie nun Nicks [Wind-Up Magician] sowie der eben erst erschienene Ritter wieder in das Overlay Network gezogen wurden, jeweils als roter und gelber Lichtstrahl.
      „Dachtest du, hier wäre schon Schluss?“ Nick verzog seine Augen, sein Gesicht formte eine grimmige Maske. „Ich mag zwar keinen Dämon an meiner Seite haben, aber mich zu unterschätzen wirst du noch bitter bereuen! Runde drei! Erscheine, [Wind-Up Zenmaister]!“
      Mit einem Satz landete vor Nick noch ein großer Roboter, doch war dieser weißgrün, besaß vier Düsenantriebe als Beine und wirkte trotz seines Körperumfangs ziemlich agil. Er ballte seine mächtigen Hände zu Fäusten.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/1900 → 2500 DEF/1500 {4}]

      Die zwei Lichtsphären, die um ihn kreisten, leuchteten auf, anders als die, die um Zenmaioh und Zenmaity tanzten.
      „Zenmaister wird mit seinem Xyx-Material stärker, 300 Angriffspunkte für jedes, das er besitzt“, erklärte Nick das Phänomen.
      „Tch“, zischte Isfanel und wich dennoch einen Schritt zurück.

      Er musste zugeben, dass dieser Bursche ihn überrascht hatte. Drei mächtige Xyz-Monster in einem einzigen Zug zu beschwören, obwohl er zuvor bereits mit aller Macht in die Ecke gedrängt worden war? In einem hatte er recht. Man durfte ihn nicht unterschätzen.
      Isfanel grinste selbstsicher, was überhaupt nicht zu Melindas unscheinbarer Person passte. Nein, selbst wenn dieser Junge ihn besiegen könnte, würde das nichts ändern. Er besaß keinerlei Kräfte, obwohl leichte Rückstände einer großen Macht aus seinem Elysion drangen. Soviel hatte Isfanel mittlerweile erkannt. Doch das bedeutete nur mehr, dass er unbedingt vernichtet werden musste. Allein dass er offenbar Kontakt mit einer höheren Wesenheit hatte, war bedenklich. Und nicht zuletzt war er ein Bekannter Anya Bauers.

      „Effekt von [Wind-Up Arsenal Zenmaioh] aktivieren!“, rief Nick seinerseits und streckte den Arm aus. Dessen Monster in der Mitte hob plötzlich seinen Bohrarm und absorbierte damit eine der Lichtkugeln um ihn herum. „Damit zerstöre ich zwei gesetzte Karten auf dem Spielfeld. Deine!“
      Wie aus dem Nichts tauchte sein großer Roboter plötzlich vor Isfanel auf, welcher überrascht zurückschreckte. Den Bohrer bereits auf die beiden Fallenkarten vor den Füßen des Feindes gerichtet, war Isfanel jedoch schneller. „Kette! Ich aktiviere [Whirlwind Of Gusto]! Durch das Zurückschicken von [Gusto Griffin] und [Gusto Egul] in meinem Friedhof kann ich ein Gusto-Monster mit 1000 oder weniger Verteidigungspunkten von meinem Deck beschwören! Los, [Winda, Priestess Of Gusto]!“
      Und obwohl ein Wirbelwind aus Isfanels aufgesprungener Falle zischte, in der sich die kleine, grünhaarige Magierin verborgen hielt, ließ Zenmaioh seinen Arm niederfahren und zerstörte zumindest [Dust Storm Of Gusto], die andere gesetzte Karte.
      Den Zauberstab schützend vor sich haltend, stand Winda in der Mitte des Spielfelds von Isfanel, umgeben von den beiden Kampfvögeln.

      Winda, Priestess Of Gusto [ATK/1000 DEF/400 (2)]

      Nick jedoch zückte unlängst die nächste, seine letzte Handkarte. „Zeit für eine neue Hintergrundkulisse. [Xyz Territory]!“
      Der Kiesweg unter ihnen brach plötzlich auseinander, als der gesamte Park in rotes Dämmerlicht getaucht wurde. Plötzlich begannen die Xyz-Materialien von Nicks Monstern zu pulsieren, während um die beiden Roboter und den Schiffsträger eine schwarze Aura entflammte, aus der weiße Funken sprühten.
      Doch anders als Isfanel es erwartete, passierte zunächst nichts weiter. Gleichzeitig schloss Nick die Augen und überlegte. Es stand nun drei gegen drei. Sowohl sein Zenmaioh, als auch [Daigusto Eguls] waren gleichstark, während Zenmaister [Daigusto Gulldos] Angriffskraft um 300 Punkte toppen konnte. Zumindest erschien es für Isfanel so …
      „Los [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]! Vernichte [Daigusto Eguls]“, befahl Nick schließlich siegessicher. „Wind-Up Power Punch!“
      „Du willst also beide Monster opfern?“, raunte Isfanel.
      „Nein! Ich will gewinnen!“ Das gesagt, schoss plötzlich Zenmaiohs Hammerarm auf den grünen, gepanzerten Vogel in der Luft zu wie eine Rakete. „Wenn ein Xyz-Monster unter Einfluss von [Xyz Territory] mit einem anderen Monster kämpft, erhält es 200 Angriffspunkte multipliziert mit seinem Rang! Das wären im Falle von Zenmaioh ganze 1000 Angriffspunkte!“
      Von Nicks Worten geschockt, erkannte Isfanel nun die gesamte Strategie hinter Nicks Spiel und konnte nur noch einmal mit den Augen blinzeln, als die Hammerfaust ein Loch in Eguls riss, plötzlich auf ihn hinab stürzte und eine gewaltige Explosion auslöste.
      „Kyaahh!“, schrie er mit Melindas hoher Stimme und wurde davon geschleudert.

      [Nick: 1600LP / Melinda: 4000LP → 3000LP]


      Schließlich kehrte Zenmaiohs Arm zu ihm zurück und koppelte sich an seinen Besitzer an.
      Sich langsam aufrichtend, betrachtete der in Staub gehüllte Isfanel verwundert den Arm seines Gefäßes. Er blutete. Zwar war es keine ernsthafte Verletzung, die er binnen weniger Minuten zu heilen vermochte, doch fragte er sich, wie es seinem Gegner gelungen war, sie ihm überhaupt zuzufügen.
      „Wie hast du das bewerkstelligt?“, verlangte er schroff zu wissen, als er wieder auf beiden Beinen stand.
      Etwa durch die Macht, die er gespürt hatte? Aber nein, sein Elysion hatte sich nicht im Geringsten verändert. Da war nichts, was ihm seine Kraft hätte leihen können!

      Nick lächelte zufrieden. „Nichts Außergewöhnliches. Zugegeben, ich musste ganz schön ackern, um die Server der AFC zu täuschen, aber es hat sich offensichtlich ja gelohnt.“
      „Du hast … das Sicherheitsprogramm ausgeschaltet?“
      „Exakt. Die Minidrohnen, die die Duellhologramme erzeugen, sind nun so eingestellt, dass die Dinge, die sie erzeugen, so realistisch wie möglich sind.“ Nachdenklich verschränkte der junge Mann die Arme. Es war nicht zu vergleichen mit Abbys Fähigkeit, aus Fiktion Realität zu machen, kam gar nicht einmal an Anyas beziehungsweise Levriers Fähigkeiten heran. Dennoch war es eine ernst zu nehmende Waffe, die durchaus Verletzungen zufügen konnte.
      Normalerweise hatten nur bestimmte autorisierte Individuen Zugriff auf diese Funktion, aber Nick wäre nicht Nick, wenn er sich mit seinen Hackerfähigkeiten von so etwas aufhalten ließe. „Ich würde vorschlagen, dass du mich in Zukunft etwas ernster nimmst. Wie du weißt, können noch [Wind-Up Zenmaister] und [Wind-Up Carrier Zenmaity] angreifen.“

      Anstatt sich jedoch davon verunsichern zu lassen, schwang Isfanel hochmütig den Arm aus. „Narr! Wisse, dass nur meinesgleichen mir ernsthafte Wunden schlagen kann! Was du tust, schädigt mein Gefäß lediglich temporär. Jede dieser Verletzungen werde ich binnen kurzer Zeit heilen!“
      „Mag sein, dass ich dich nicht damit töten kann“, erwiderte Nick, „will ich auch gar nicht, denn Melinda ist unschuldig in die Sache hineingeraten und sollte nicht unser Sündenbock sein. Aber das Leben kann ich dir damit allemal schwer machen!“
      „Du-!“
      „Was?“, erwiderte Nick eisig. „Ich tue nur, wozu ich wegen dir gezwungen werde! Du fürchtest Eden? Warum arbeiten wir dann nicht zusammen!?“
      „Weil unsere Vorgehensweisen grundverschieden sind. Als körperliche Wesen fürchtet ihr den Tod, das Ende. Euer Denken ist darauf fokussiert, eure Zeit optimal zu nutzen, dem Tod mit allen Mitteln zu entgehen.“ Isfanel nickte plötzlich heftig und lächelte geheimnisvoll. „Ja, meinesgleichen ist zeitlos, wird nicht im Verlaufe der Jahrhunderte älter und schwach. Und doch werde ich verschwinden, wenn Eden erwacht. Und das werde ich mit allen Mitteln zu verhindern wissen, selbst wenn es die Leben einiger Menschen kosten wird. Ich bin zu wichtig, um zu verschwinden!“
      Ärgerlich schüttelte Nick daraufhin mit dem Kopf. „Ist das nicht ein Widerspruch? Was du fürchtest, ist auch nur der Tod in andere Worte gehüllt. Wo sind unsere Denkweisen unterschiedlich?“
      „Ganz einfach. Ihr Menschen könnt keine Opfer eingehen. Dazu seid ihr zu egoistisch.“
      „Man sollte aber unterscheiden, was den Begriff 'Opfer' ausmacht. Für dich sind Opfer wahrscheinlich nur ein nötiges Übel, um zu erreichen, was du bezweckst.“ Nick schnaubte. „Du hast aber keine Verbindung zu ihnen, ihre Existenz und ihr Ableben spielen für dich keine Rolle. Für uns, die wir Anya helfen wollen, ist das aber etwas ganz anderes. Weder können wir sie über die Klinge springen lassen, weil das einfacher ist, noch andere in die Sache hineinziehen und sie gefährden, nur um Anya zu retten.“
      Isfanel lachte auf. „Ideale … Du redest so, als wüsstest du, womit du es zu tun hast. Aber die Realität sieht so aus: du weißt gar nichts. Weder wie du sie retten kannst, noch wie du ihr Schicksal zu erfüllen vermagst.“
      Getroffen sah Nick zur Seite, schwieg.
      „Allein deshalb werde ich mich euresgleichen nicht unterwerfen. Ihr wäret nur Ballast.“

      Aufgebracht richtete Nick wieder seinen Blick auf Isfanel und streckte den Arm aus. „Bisher hast du ebenfalls nicht durch Erfolg geglänzt, also plustere dich gefälligst nicht so auf! Anya lebt und ich werde dafür sorgen, dass das auch so bleibt! Und jetzt nimm eine weitere Kostprobe des 'Ballasts'! Zenmaister, greife [Daigusto Gulldos] an! Wind-Up Armored Fist! Und dank [Xyz Territory] erhält er während des Kampfes 800 zusätzliche Angriffspunkte!“
      Damit stand es 3300 gegen 2200. Zenmaister fuhr einen seiner Arme an einer Drehspirale aus und schlug damit aus der Distanz auf den kleineren grünen Vogel und seine Reiterin ein, die beide schreiend explodierten. Wieder wurde Isfanel von einer Explosion erfasst und auf den Boden geworfen.

      [Nick: 1600LP / Melinda: 3000LP → 1900LP]


      „[Wind-Up Carrier Zenmaity], greife [Winda, Priestess Of Gusto] an! Wind-Up Launcher!“
      Schon schoss der Spielzeugflugzeugträger einen Torpedo in Form eines Hais auf die kleine Magierin ab, die kreischend ihr Ende unter dem Beschuss fand.
      Doch kaum war sie verschwunden, stand an ihrer Statt ein kleines Eichhörnchen. Sein weiß-grünes Fell erinnerte entfernt an Blitze, wobei es, um diesen Eindruck noch zu bestärken, eine Haube mit einer Antenne trug, an der sich Energie auflud.

      Gusto Squirro [ATK/0 DEF/1800 (2)]

      Stöhnend erhob sich die brünette Frau. „Wenn Winda stirbt, beschwört sich ein Gusto-Empfänger-Monster von meinem Deck.“
      „Deshalb ist es also hier“, schlussfolgerte Nick und griff nach seiner Duel Disk. „Ich entferne jetzt ein Xyz-Material von [Wind-Up Zenmaister], um Zenmaity in die verdeckte Verteidigungsposition zu wechseln. Allerdings wird jener während der End Phase aufgedeckt, welche ich jetzt einläute. Aber zumindest kannst du dir so nicht seine vergleichsweise geringe Angriffskraft zunutze machen, um mir zu schaden.“
      Kurzzeitig tauchte der Spielzeugflugzeugträger ins Nichts ab, nur um dann wieder aufzutauchen, doch dieses Mal in Querlage, um Nick vor Angriffen abzuschirmen. Gleichzeitig sanken Zenmaisters Angriffspunkte, da er nun nur noch ein Xyz-Material besaß. Doch für Nick war es wichtig, seinem Gegner möglichst wenig Spielraum für Angriffe zu bieten. Denn durch [Xyz Territory] kam Zenmaity nur auf maximal 2100 Angriffspunkte, Zenmaister immerhin noch auf 3000 in seiner derzeitigen Lage.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/2500 → 2200 DEF/1500 {4}]
      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3}]

      Um jedes seiner drei Xyz-Monster kreiste noch eine Sphäre. Selbst wenn Isfanel Fallen setzte, würde Nick sie mit [Wind-Up Arsenal Zenmaioh] leicht ausschalten können. Er hatte alles seit seinem ersten Spielzug geplant …
      „Das sollte reichen“, schloss er seinen Gedanken laut ab.
      Dabei war ihm bewusst, dass seine Handlungen sich mit seinen Absichten widersprachen. Er wollte Melinda eigentlich vor Isfanel beschützen, doch verletzte sie stattdessen mit seinen Angriffen. Hoffentlich spürte sie nichts, solange sie kontrolliert wurde.
      „Nicht annähernd“, versicherte Isfanel ihm jedoch tückisch und kam schwankend auf die Beine. Gezeichnet von einigen blutenden Wunden, griff er nach seinem Deck, wobei seine Hand plötzlich weiß aufleuchtete. „Nicht einmal annähernd.“

      ~-~-~


      Hätte es in der Küche der Familie Bauer Grillen gegeben, hätte ihr Zirpen das eisige Schweigen mit Leichtigkeit übertönt. Doch so saßen sich drei Menschen an dem runden Tisch gegenüber, die grundverschiedener nicht hätten sein können. Zwei davon zogen es vor, sich gegenseitig missbilligende Blicke zuzuwerfen.
      Der dritte, Matt, hatte einen Ellbogen auf den Tisch gelegt und stützte seinen Kopf auf der Handfläche ab, dabei immer wieder genervt stöhnend. „Wie lange wollt ihr euch noch anschweigen und anstarren?“
      „Bis er tot umfällt“, lautete Anyas trotzige Antwort. „Ich glaub, ich mache in Punkto Todesblick langsam Fortschritte, was auch endlich Zeit wurde. Siehst du es, da!“ Sie zeigte direkt auf Alastairs entstelltes Gesicht. „Da ist eine Narbe, die vorher noch nicht da war!“
      Schließlich grinste sie dreckig. „Whoops, sorry, mein Fehler. Bei so vielen verliert man leicht den Überblick. Siehst immer noch genauso scheiße aus wie vorher, Kumpel!“
      Alastair erwiderte das mit knirschenden Zähnen: „Mach dich über mich lustig, solange du noch kannst! Denke nicht, dass ich dir vertraue, Dämon!“
      Seufzend dachte Matt sich dabei im Stillen, dass Anya vermutlich schon vor ihrem Kontakt mit Levrier so war wie sie war. Zumindest konnte er froh sein, dass -sein- innerer Dämon sich nicht auch noch einmischte. Der war schließlich seit dem Duell mit Alastair verdächtig still geworden. Aber umso besser.

      „Wollten wir uns nicht über den Plan unterhalten?“ Matt funkelte beide böse an. „Ihr wisst schon. Den Plan, unseren Arsch zu retten?“
      „Erstmal rettest du jetzt deinen Arsch und lieferst mir 'ne gute Ausrede, warum unser Rasen jetzt aussieht, als hätte jemand darauf 'nen beschissenen Scheiterhaufen angezündet! Ansonsten wird Mum das von dir töten, was ich übrig gelassen habe! Was nicht besonders viel sein wird!“ Anya schnaufte sauer. „Ich meine, nicht dass ich was gegen Scheiterhaufen hätte … aber da bin ich leider die Einzige in der Familie. Also besorg' mir ein Alibi!“
      „Du kannst unmöglich von mir verlangen, mit dieser Dämonenbrut zusammenzuarbeiten“, empörte sich Alastair in seiner tiefen Stimme. „Ihre Selbstsucht wird uns keine Hilfe sein. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir sie vernichten sollten!“
      Anya sprang vom Stuhl auf, woraufhin dieser umkippte. Drohend erhob sie ihre rechte Faust. „Ach ja!? Versuchs doch, Sackgesicht! Ach nein, das kannst du ja nicht, weil ich zufällig unsterblich bin!“
      „Nicht komplett“, raunte Alastair und ließ sich nicht von Anya einschüchtern. „Mir würde etwas einfallen, verlass dich drauf, Schlangenzunge.“
      „Hört ihr jetzt endlich auf damit!?“, polterte Matt entnervt und fauchte Anya an: „Und du setz' dich gefälligst wieder hin! Verdammt, wir sind hier nicht im Kindergarten!“
      Allein aus Protest verharrte Anya und warf ihm einen trotzigen Blick zu.

      „Dann mache ich eben den Anfang“, stöhnte der jüngere der beiden Dämonenjäger schließlich. „Ich habe gesagt, dass ich eine Idee habe, um unseren Arsch aus der Scheiße zu ziehen. Wir sitzen alle drei im selben Boot. Anya, du willst bestimmt genauso wenig Eden werden, wie wir die Opfer für Edens Erwachen.“
      „Verdammt richtig!“
      Alastair rümpfte die Nase und lehnte sich mit gleichgültiger Mimik zurück. „Was schlägst du vor?“
      Sehr gut, dachte Matt, der nun endlich die Aufmerksamkeit der beiden gewonnen hatte. „Alastair, du weißt doch, dass der Eden-Kreislauf etwa alle 300-400 Jahre stattfindet. Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, formt das Gründerindividuum einen Pakt, um am vorhergesehenen Tag den Turm von Neo Babylon zu beschwören.“
      Sein Partner regte keine Mimik. „Korrekt.“
      „An der höchsten Spitze des Turms befindet sich der Ort, an dem Eden erwachen soll. Das heißt, der Turm und Eden sind miteinander auf irgendeine Weise verbunden. Ohne Turm kein Eden, kein Eden ohne Turm.“
      Plötzlich strahlte Anya über beide Backen. „Sag, dass du das tun willst, was ich immer schon mal tun wollte …“
      „Verdammt richtig“, stimmte Matt in ihr spitzbübisches Grinsen ein, „wir jagen diesen verdammten Turm in die Luft!“

      ~-~-~


      „Das ist-!“
      Nick traute seinen Augen kaum, als Isfanel voller Schwung zog und damit ein erdrückendes Gefühl in seinem Inneren auslöste, gefolgt von einer starken Druckwelle. Er wusste genau, was Isfanel soeben getan hatte – dasselbe wie Anya in ihrem Duell gegen Abby, als sie am Rande der Niederlage stand!
      Isfanel hatte das Schicksal verändert!
      Dessen Augen glühten weiß, als er seine neu gezogene Karte betrachtete, nur um sie dann vorzuzeigen. „Sehr gut! Ich aktiviere [Xyz Drain]! Diese Zauberkarte absorbiert sämtliche Xyz-Materialien aller Monster, die sich im Angriffsmodus befinden und lässt mich für jedes von ihnen eine Karte ziehen. Jedoch darf ich danach für zwei Züge keine Karten setzen!“
      Von Zenmaister und Zenmaioh schossen plötzlich die beiden Lichtsphären in Isfanels Richtung und wurden von seiner Duel Disk absorbiert, woraufhin er schließlich wieder mit leuchtender Hand zwei Karten zog.
      „Argh“, krächzte Nick, der sowohl mit dem Druck von Innen, als auch der ausströmenden Energie Isfanels von Außen zu kämpfen hatte. Heftiger Wind peitschte ihm ins Gesicht, als er sich an die Brust fasste.
      Außerdem besaß Zenmaister jetzt kein Xyz-Material mehr und verlor somit noch mehr Angriffspunkte.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/2200 → 1900 DEF/1500 {4}]

      „Exzellent“, meinte Isfanel zufrieden beim Anblick seiner beiden Handkarten, „man könnte sagen, genau das, was ich gerade gebraucht habe.“
      „Wie nennt man das bei euch? Das Schicksal beeinflussen? Also für mich hört sich das eher nach betrügen an“, erwiderte Nick gereizt.
      „Nenn es wie du willst. Wenn man über Kräfte wie die meinen verfügt, sollte man sich auch nutzen! Und nun sieh her! Ich beschwöre [Kamui, Hope Of Gusto]!“
      Aus einem Wirbelsturm tauchte neben Isfanels Eichhörnchen ein junges Mädchen mit grellem, grünem Haar auf, um dessen Hals ein ebenfalls grüner Schal wehte.

      Kamui, Hope Of Gusto [ATK/200 DEF/1000 (2)]

      Nick ahnte bereits, was ihm nun bevorstand.
      „Du bist nicht der Einzige, der dies hier tun kann! Ich erschaffe jetzt das Overlay Network! Aus zwei Stufe 2-Monstern wird ein Rang 2-Monster!“
      Sogleich öffnete sich ein schwarzer Wirbel inmitten des Spielfelds und sog Isfanels Monster in Form grüner Lichter in sich auf. „Stell dich dem Symbol meines Paktes! Steig auf in ungeahnte Höhen, [Daigusto Phoenix]!“
      Aus dem Loch hervor spreizte eine schlanke, vogelartige Gestalt ohne Federn ihre knorrigen Schwingen. Stattdessen wirke es eher so, als besäße dieses Wesen Schuppen, die von einem grünen Brustpanzer teilweise verdeckt wurden. Sowohl von seinen Armen, als auch vom Kopf brannten smaragdgrüne Flammen, die die Flügel und Haarpracht stellten. Zwei leuchtende Sphären zogen ihre Kreise um jenes Wesen.

      Daigusto Phoenix [ATK/1500 DEF/1100 {2}]

      „Noch sieht mein Monster schwach aus, doch ich werde dafür sorgen, dass sich das ändert! Mit dieser Zauberkarte!“ Isfanel zeigte jene vor, auf der ein Mann abgebildet wurde, dem die gesamte Lebensenergie von einer dämonischen Silhouette geraubt wurde. „[Riryoku]! Sie teilt die Angriffskraft eines deiner Monster in zwei und überlässt die andere Hälfe meinem Monster!“
      Plötzlich geschah das, was auf der Karte abgebildet war, mit [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]. Dieser gab ein leises Surren von sich, als seine Energie in Form eines Strahls auf den Phönix überging, welcher dadurch auf ein bedenkliches Maß anwuchs. Gleichzeitig ging Zenmaioh geschwächt in die Knie.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 → 1300 DEF/1900 {5}]
      Daigusto Phoenix [ATK/1500 → 2800 DEF/1100 {2}]

      „Das ist gar nicht gut“, murmelte Nick besorgt.
      Zum Glück war [Xyz Territory] aktiv. So bekam sein Monster bei einem Angriff immerhin 1000 Angriffspunkte zurück, der Phönix hingegen lediglich 400, da er nur vom Rang 2 war. Damit stand es 2300 gegen 3200 Punkte.
      Was Isfanel nicht im Geringsten störte.
      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters! Indem ich ein Xyz-Material verbrauche, kann eines meiner Wind-Monster in diesem Zug zwei Angriffe ausführen!“ Dabei zog er [Gusto Squirro] unter der schwarzen Karte auf seiner Duel Disk hervor und schob sie in den Friedhofsschacht.
      Erstaunt schrie Nick auf, als der brennende Riesenvogel eine der Lichtsphären mit dem langen Schnabel schnappte und fraß.
      „Damit vernichte ich jetzt deinen Zenmaioh! Flame Of Life!“
      Sofort spie der Phönix eine grelle, hellgrüne Flamme auf Nicks großen Spielzeugroboter, welcher unter den Flammen einfach schmolz. Unter der sengenden Hitze schrie Nick schmerzerfüllt auf und wandte sich ab, doch einige Funken hatten Brandlöcher in seiner Kleidung hinterlassen.

      [Nick: 1600LP → 700LP / Melinda: 1900LP]


      „Natürlich könnte ich jetzt auch noch deinen Zenmaister angreifen, doch das würde nicht ganz ausreichen, um dich zu besiegen“, taktierte Isfanel ungehemmt.
      Nick wusste, dass das Blatt sich gewendet hatte. Zwar war richtig, dass es im Falle eines Kampfes zwischen Zenmaister und dem Phönix 2700 Angriffspunkte gegen 3200 stand und er mit 200 Lebenspunkten überleben würde, doch Isfanel hatte anderes im Sinn. Was nur verständlich war.
      „Ich vernichte lieber deinen [Wind-Up Carrier Zenmaity], damit du nicht auf die Idee kommst, neue Monster durch seinen Effekt zu beschwören! Los, [Daigusto Phoenix], Flame Of Life! Versenge das Schiff!“
      Genau das tat der nächste Flammenangriff auch. Bis auf das Gerüst brannte der Spielzeugflugzeugträger nieder, ehe er explodierte. Und hätte Nick ihn nicht zuvor in die Verteidigung gewechselt, wäre das sein Ende gewesen.
      „Wie du siehst, werde ich immer einen Weg finden, um dir zuvorzukommen. Gib lieber gleich auf und füge dich deinem Schicksal, Mensch“, verkündete Isfanel verächtlich, „hiermit beende ich den Zug. Was bedeutet, dass der Angriffswert meines Monsters wieder zurückgesetzt wird.“

      Daigusto Phoenix [ATK/2800 → 1500 DEF/1100 {2}]

      Nick zog stöhnend seine nächste Karte. Der letzte Angriff hatte ihm ganz schöne Schmerzen verursacht, doch er biss die Zähne zusammen. Wofür er scheinbar belohnt wurde, strahlte er doch, als er erkannte, dass die neue Karte ihm weiterhelfen würde. „Los, [Pot Of Avarice]! Mit diesem Zauber schicke ich fünf Friedhofsmonster in mein Deck zurück, um dann zwei neue Karten zu ziehen!“
      Was dieses Wesen nur durch betrügen erreichte, konnte Nick auch ohne billige Hilfsmittel schaffen, dachte er zufrieden und mischte seine drei [Wind-Up Dogs], [Wind-Up Magician] und [Wind-Up Carrier Zenmaity] ins Deck zurück, zog zwei neue Karten.
      Doch seine neuen Karten waren beides Fallen, die er nicht umgehend einsetzen konnte. Der brünette Zweimetermann blickte jedoch entschlossen auf. „Dein Monster ist wieder so schwach wie am Anfang. Zenmaister kann es ohne Probleme besiegen! Los, Wind-Up Armored Fist!“
      Wie schon einmal zuvor, nutze das Kampfspielzeug seinen ausfahrbaren Arm, um seinen Gegner mit einem Faustschlag niederzustrecken.
      „Genau darauf habe ich gewartet! Werde Zeuge, wie ich dein Schicksal besiegele! Los, Incarnation Mode! Ich rekonstruiere das Overlay Network! Aus meinem Rang 2-Monster und seinem Xyz-Material wird ein neues Rang 2-Monster! Zeige dich, [Eternal Daigusto – Jade Phoenix]!“
      Der Feuervogel wurde wieder in das schwarze Loch in der Mitte des Spielfelds gezogen. Ein heftiger Wind drang daraus hervor und brannte Nick regelrecht in den Augen, so heiß war es um sie herum geworden. Aus dem Wirbel drangen rote, schwarze und grüne Blitze, als plötzlich das neue Monster auftauchte.
      War der alte Phönix das hässliche Entlein, hatte man es nun mit dem Schwan zu tun. Der gesamte, viel größer gewordene Körper des Feuervogels war nun von smaragdfarbenen Flammen bedeckt, schlanker und eleganter, einem Vogel nun wesentlich ähnlicher als es bei seinem Vorgänger der Fall war.
      Anmutig schwang das Monster seine endlos lang erscheinenden Schwingen, wobei er mit jedem Schlag eine Hitzewelle auslöste. Es blieb oberhalb Isfanels in der Luft und sah wie ein Richter auf Nick herab, während es von zwei Lichtsphären umkreist wurde.

      Eternal Daigusto – Jade Phoenix [ATK/1500 DEF/1100 {2}]

      „Meine neue Kreatur ist noch mächtiger als die alte!“, rief Isfanel überzeugt davon, dass ihn nun nichts mehr aufhalten konnte.
      „Mag sein, aber ich weiß von Abby längst, dass diese Dinger von Xyz-Monstern besiegt werden können! Also ist mein Zenmaister sehr wohl in der Lage dazu! Setze den Angriff fort, Wind-Up Armored Fist!“
      „Dummer Junge! Wundert es dich nicht, warum ich den ewigen Phönix im Angriffsmodus gerufen habe!? Um seinen ersten Effekt zu aktivieren, der mich ein Material kostet! Reverse Of Life!“
      Die Faust des Zenmaisters schnellte auf den großen Vogel zu, doch dieser konterte mit einem weißen Energiestrahl, den er aus dem Schnabel abschoss, nachdem er eines der Xyz-Materialen absorbiert hatte. Eine Explosion entstand, die Nick zurückwarf.
      Als der Rauch sich verzog, war sein Monster noch da. Aber ebenso Isfanels Phönix. Und-!

      [Nick: 700LP / Melinda: 1900LP → 2700LP]


      „Er hat Lebenspunkte gewonnen!?“, schoss es aus dem verblüfften Nick heraus.
      Sein Zenmaister hatte beim Angriff dank seiner Spielfeldzauberkarte 2700 Angriffspunkte gehabt, 800 mehr als der Phönix mit seinen, ebenfalls durch die Magie erhöhten, 1900.
      „Das ist nur einer von drei Effekten, über die der ewige Phönix verfügt. Dieser hier kann einmal pro Battle Phase angewandt werden, um zu verhindern, dass eines meiner Monster durch einen Kampf fällt. Zusätzlich wird der Kampfschaden dabei in Lebenspunkte für mich umgewandelt.“
      Kein Wunder, dass er angriffen werden wollte, dachte Nick ärgerlich. Hätte er das nur früher gewusst. Aber jetzt war er zumindest vorgewarnt.
      „Ich setze diese zwei Karten verdeckt und beende meinen Zug!“
      Die beiden Fallen materialisierten sich vor seinen Füßen. Hoffentlich würde das genug sein, um Isfanel zu besiegen …

      „Nun, ich bin am Zug!“, rief jener überschwänglich. „Du bist der Schlüssel, um Anya Bauer zu töten, Junge! Sie muss sterben! Wenn Eden erwacht, werden Kräfte freigesetzt, die deinen kümmerlichen Verstand überschreiten!“
      „Was ist Eden überhaupt!? Warum muss Anya dafür geopfert werden!?“
      „Eden ist … nein. Was hättest du davon, wenn du das wüsstest? Du wirst sowieso sterben! Also falle durch meine Hand!“
      „Gibt es denn keinen anderen Weg, um Anya zu retten? Das würde dir doch ebenso helfen!“
      „Sie müsste den Tod überleben, um überhaupt eine Chance zu haben“, donnerte Isfanel aufgebracht. „Und selbst dann-!“
      Nick horchte auf. „Was soll das heißen?“
      „Vergiss was ich gesagt habe! Du hast andere Sorgen!“

      Plötzlich stiegen aus dem Boden zwei Lichtsphären empor, die zusammen mit der verbliebenen um den Jadephönix zu kreisen begannen.
      Nick wusste, was das war. Die Incarnation Mode-Monster konnten jede Runde Xyz-Materialien vom Friedhof in sich aufnehmen, bis sie drei davon besaßen, damit sie ihre Effekte wieder und wieder aktivieren konnte. Anya hatte diese schmerzhafte Erfahrung machen müssen, als sie gegen Marc gekämpft hatte. Die Ressourcen dieser Monster waren unerschöpflich, was sie so extrem gefährlich machte.
      Er musste besonders vorsichtig sein, so viel stand fest! Es ging ums Überleben, jetzt mehr denn je. Was er soeben erfahren hatte, könnte der Hoffnungsschimmer sein, den Anya so dringend brauchte!
      „Zeit, den zweiten Effekt meines [Eternal Daigusto – Jade Phoenix] zu aktivieren! Indem ich zwei Xyz-Materialien verwende, kann ich zwei deiner Karten auf dem Spielfeld auf deine Hand zurückschicken! Los, Wind Scars Of Life!“
      Als der Phönix zwei der Sphären mit seinen lodernden Flügen absorbierte, um dann tausende Windklingen in Nicks Richtung zu schleudern, schreckte dieser zusammen. Sein Zenmaister wurde getroffen und löste sich auf, doch er konnte nicht zulassen, dass der linken seiner beiden Fallen dasselbe Schicksal zuteil wurde. „Ich kette [Xyz Reborn] an! Mit ihr reanimiere ich ein Xyz-Monster vom Friedhof, wobei diese Karte danach ein Material für das beschworene Monster wird! Kehre zurück, [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]!“
      Plötzlich stand der große Spielzeugrobotter mit dem Bohrarm vor Nick und schützte ihn so vor den messerscharfen Klingen, die der Phönix ihnen entgegen warf. Dabei rotierte um ihn das von Nick angekündigte Xyz-Material.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5}]

      „Gar nicht übel. Damit hast du dein Leben um einen weiteren Zug verlängert“, meinte Isfanel und betrachtete die Falle [Dust Tornado] in seiner Hand, die er aufgrund des Effekts von [Xyz Drain] erst nächste Runde setzen konnte.
      Unbesorgt sah er wieder auf. „Aber du weißt, dass du dem ewigen Phönix nichts anhaben kannst. Er wird deinen Angriff wieder absorbieren. Und auch wenn du jetzt das stärkere Monster kontrollieren magst, wisse, dass der dritte und letzte Effekt von [Eternal Daigusto – Jade Phoenix], Storm Of Advancing Life, der mächtigste ist.“
      „Ich höre?“
      „Wenn ich diese Fähigkeit aktiviere, können all meine Wind-Monster dich direkt angreifen. Also völlig gleich, was du auch tust, nächste Runde werde ich dich besiegt haben! Zug beendet!“

      Nick erstarrte. Bei seinem Lebenspunktestand war jeder direkte Treffer tödlich! Das hieß, dass ihm nur noch dieser eine Zug blieb, um einen Weg zu finden, wie er diese grässliche Kreatur besiegen konnte!
      Er sah auf sein Deck. Wenn der verdammte Phönix doch nur angegriffen werden könnte!

      „Es ist hoffnungslos. Dein Schicksal wurde in dem Moment besiegelt, als du mir begegnet bist.“
      Aufgebracht erwiderte Nick auf die Überheblichkeit seines Gegners: „Ich habe es satt! Was mein Schicksal ist, bestimme ich und nicht du!“
      Dann musste er jetzt etwas Gutes ziehen, dachte Nick entschlossen und schloss die Augen. Um dieses Möchtegernweissager ein Schnippchen zu schlagen. Einfach nur etwas Brauchbares. Für Anya …
      „Draw!“
      „Ja, zieh deine letzte Karte! Dein Ende ist so gut wie besiegelt!“
      „Mein Ende?“, wiederholte Nick und betrachtete nachdenklich das, was er gezogen hatte. „Alles findet irgendwann ein Ende. Das ist das Prinzip des Lebens, die Endlichkeit. Aber wie unser Ende aussieht, obliegt ganz allein uns.“
      Isfanel rümpfte die Nase. „In der Tat.“
      Nick senkte den Kopf.
      „Letztlich will ich aber nicht“, ein schwaches Lächeln huschte über seine Lippen, „daran gemessen werden, wie ich gelebt habe. Sondern daran, wie ich gestorben bin.“
      „Für Anya Bauer?“ Isfanels verächtlicher Tonfall war plötzlich verschwunden. Er war einer nahezu naiven Neugier gewichen, denn der Dämon schien Nicks Worte nicht zu verstehen. „Bedeutet sie dir so viel, dass du bereit bist für sie zu sterben, wenn es erforderlich ist?“
      „Womöglich? Aber dieser Tag, der, an dem ich sterbe … ist nicht heute.“ Mit gefestigter Miene sah er Isfanel in die Augen. „Soweit habe ich noch nicht geplant!“
      „Was du nicht sagst?“
      „Das Einzige, was du gut kannst, ist Reden schwingen!“, klagte Nick seinen Gegner erbarmungslos an. „Selbst durch deine ominösen Betrügereien bist du nicht einmal im Stande, auch nur einen Menschen zu töten! Ich zeig dir, wie -ich- es machen würde! Zauberkarte! [Oni-Gami Combo]!“

      Plötzlich verschwand die Sphäre um Zenmaioh in ebenjenem, woraufhin dieser plötzlich eine unglaublich starke Aura ausstrahlte, die regelrecht explodierte. Zudem wuchsen ihm aus dem Rücken ein weiteres Paar Arme, welches dem glich, welches er bereits besaß, nur dass sich Hammer- und Bohrarm dieses Mal an der jeweils anderen Körperhälfte befanden.
      „Dieser Zauber ermöglicht es einem Xyz-Monster – im Austausch für all seine Materialien – diese Runde zweimal anzugreifen! Damit werde ich deinem Phönix ein Ende setzen, denn du kannst ihn nur einmal retten!“
      „Und wenn schon“, protestierte Isfanel und schwang aufgebracht den Arm aus, „ich habe bereits eine genaue Vorstellung davon, wie ich dich besiege. Nächste Runde wirst du es sehen, auch ohne meinen ewigen Phönix!“
      „Kapierst du es nicht!? Für dich gibt es keine nächste Runde! Los, Zenmaioh, greif [Eternal Daigusto – Jade Phoenix] mit Wind-Up Power Punch an! Und durch [Xyz Territory] erhalten unsere Monster während des Kampfes 200 Angriffspunkte pro Rang!“
      Die Aura um Zenmaioh glühte noch stärker auf, als er mit satten 3600 Angriffspunkten wie ein Pfeil durch die Luft schoss. Noch im Flug feuerte er seine beiden Fäuste wie Raketen auf den Phönix ab.
      „Narr! Damit hilfst du mir nur! Ich entferne das letzte Xyz-Material von meinem Monster, um damit deinen Angriff in Lebenspunkte für mich umzuwandeln!“ Isfanel riss [Kamui, Hope Of Gusto], welche unter der Karte des Jadephönix' lag, hervor. „Reverse Of Life!“
      Sofort fraß der Phönix die letzte Energiekugel und schoss sogleich einen weißen Lichtstrahl aus seinem Schnabel, um die näher kommenden Fäuste abzufangen. Jene gingen in zwei Explosionen schließlich verloren.

      [Nick: 700LP / Melinda: 2700 → 4400LP]


      „Vergiss nicht, dass ich zweimal angreifen kann! Los, Zenmaioh, gib noch einmal alles! Gewinne!“
      Isfanel brach in hysterisches Gelächter aus. „Das ist zwecklos! Selbst gestärkt durch deine Spielfeldzauberkarte vermag dein Monster es lediglich, den alten Lebenspunktestand herzustellen!“
      „[Overwind]!“
      Nicks Falle sprang plötzlich auf. Schlagartig begann sich der Aufziehschlüssel auf Zenmaiohs Rücken unglaublich schnell zu drehen.
      „Jetzt werden die Werte meines Monsters verdoppelt! Und dabei wird der Boost, den Zenmaioh durch [Xyz Territory] bezieht, mit eingerechnet! Es ist -vorbei-!“
      Ungläubig starrte Isfanel Nicks Monster an, dessen Aura nun regelrecht pulsierte. Mit seinen zwei verbliebenen Armen, den beiden Bohrern, griff es gnadenlos den in der Luft fliegenden Phönix an.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 → 3600 → 7200 DEF/1900 → 3800 {5}]

      Mit lediglich 1900 Angriffspunkten hatte der Jadephönix dem nichts entgegen zu setzen. In einem grauenhaften, schrillen Schrei wurde er durch die Bohrer malträtiert und explodierte schließlich.
      „Unmöglich“, schrie Isfanel zeitgleich mit dem Ableben seines Monsters und warf dann einen hasserfüllten Blick auf Nick. „Heute magst du gewonnen haben, aber das war gewiss nicht unsere letzte Begegnung!“
      „Ich werde warten!“, erwiderte Nick.
      Dann erfasste eine strahlend helle Druckwelle das gesamte Spielfeld und riss Nick, der die Augen geblendet zukniff, von den Füßen. Zu hören war nur Melindas schmerzerfüllter Schrei, welcher dem Jungen durch Mark und Bein ging.

      [Nick: 700LP / Melinda: 4400LP → 0LP]


      Hart schlug Nick schließlich auf dem Boden auf und rutschte zunächst ein Stück weiter, ehe er schließlich unweit der zerstörten Bank, auf der er und Melinda sich unterhalten hatten, zum Liegen kam.

      ~-~-~


      „Das kann nicht dein Ernst sein!“, polterte Alastair, kaum hatte Matt seinen Einfall ausgesprochen. Mit der Faust auf den Tisch hauend, rechtfertigte er sich aufgebracht: „Wie kannst du dir sicher sein, dass uns das nicht schadet!?“
      „Laber' keinen Unsinn, Narbenfresse“, fauchte Anya ihn an, welche hellauf begeistert von der Idee war. „Das ist das Beste, was ich je gehört habe! Ist doch logisch, Matt hat recht! Kein Turm, kein Eden!“

      Und das von jemanden, der vor einer Stunde noch nicht einmal wusste, dass der Turm von Neo Babylon existiert …

      „Schnauze da oben!“, bellte Anya mit Blick an die Decke.
      „Es wäre eine endgültige Lösung“, erklärte Matt ruhig. „Wenn der Turm zerstört wird, kann nie wieder jemand diesem Irrsinn zum Opfer fallen.“

      Und ich bin glücklich. Ich liebe dich, Matt. Hätte ich einen Mund, würde ich dich jetzt küssen, mein Märchenprinz.

      Jedoch erwiderte der auf Anothers neckische Worte nichts, sondern schlug sich nur die Hand gegen die Stirn.
      „Die Dinge sind nicht so einfach“, weigerte sich Alastair jedoch missmutig, sich mit dem Gedanken anzufreunden, den Turm zu sprengen. „Da sind Kräfte im Spiel, die über unseren Verstand hinaus gehen. Denkst du wirklich, dass sie von einem alten Gemäuer abhängig sind?“
      „Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber irgendwo im Turm ist etwas, das benötigt wird, um Eden zu erwecken. Welchen Grund sollte es sonst für seine Existenz geben? Es ist einen Versuch wert.“ Matt verschränkte nachdenklich die Arme. „Außerdem werde ich trotzdem nach Alternativen suchen.“
      „Wir wissen nicht einmal, ob Eden jemals zuvor erwacht ist. Es ist durchaus möglich, dass Eden gar keine physische Form besitzt. Dann nützt auch eine Ladung Sprengsätze nichts!“
      „Und wie Eden 'physisch' ist!“ Anya kratzte vor Wut über Alastairs Dickkopf schon mit den Fingernägeln über den runden Holztisch. „Was denkst du, wofür die Opfer gebraucht werden? Vielleicht will das irre Teil sich einen Superkörper aus unseren Leichen basteln!?“
      „Absurd!“, polterte Alastair. „Selbst wenn das wahr wäre, würde das bedeuten, dass Eden momentan keinen Körper besitzt! Ergo kann es nicht zerstört werden! Außerdem werden dadurch auch Unschuldige gefährdet, wenn der Turm mitten in der Stadt explodiert!“
      „Ach ja!?“ Anya schnaubte wie ein wütender Stier. „Dann beweis' mir, dass ich Unrecht habe!“
      „Wie soll ich das tun, du törichte Dämonenbrut!?“
      „Du willst doch nur, dass ich krepiere!“
      „Exakt! Wäre es nicht für Matt, würde ich gewiss nicht hier sitzen!“
      „Aufhören!“, schrie Matt, dem das Ganze langsam zu bunt wurde. „Ihr seid ja schlimmer als Kleinkinder!“

      Also ich finde diese illustre Runde unterhaltsam. Aber jede Party braucht jemanden, der sie ruiniert. Wobei ich eher auf Alastair getippt hätte …

      Er sah ein, dass es nichts brachte, mit diesen zwei Streithähnen zu diskutieren. Anothers spitze Zunge half auch nicht. Tief durchatmend versuche er den beiden die Sache noch einmal ruhig zu erklären. „Bisher verfügen wir, was Eden angeht, über kein gesichertes Wissen abseits davon, dass Opfer erforderlich sind. Alles was wir tun, könnte nach hinten losgehen. Aber da ein Pakt in der Regel nur auf einen einzigen Zweck ausgerichtet ist, glaube ich, dass es bei diesem Turm ebenfalls so sein muss.“
      „Hmpf!“, war alles, was Alastair dazu einfiel.
      Matt redete jedoch ungestört weiter. „Wir werden uns Gedanken machen, wie sich die Sprengung des Turms umsetzen lässt. Allein die dafür benötigten Materialien zu beschaffen wird nicht einfach sein, aber das überlassen wir einem alten Bekannten.“

      Alastair horchte ziemlich überrascht auf. „Du meinst …?“
      „Ja“, nickte Matt, „wir müssen seine Hilfe eben noch einmal in Anspruch nehmen. Anya, du wirst von uns hören. Hier.“
      Er reichte der Blondine einen Zettel aus der Innentasche seines schwarzen Ledermantels. Darauf standen eine Adresse und eine Nummer geschrieben.
      Das Mädchen nahm das Stück Papier derart widerwillig entgegen, als würde es eine ansteckende Krankheit übertragen. „Wenn du meinst … Damit kann ich euch erreichen?“
      „Genau. Deine Telefonnummer haben wir bereits.“
      Anya runzelte die Stirn. „Ich glaube, ich will gar nicht wissen, woher.“
      „Fürchtest du dich etwa vor einem Telefonbuch?“, kommentierte Alastair das bissig.

      Indes erhob sich Matt. „Sobald ich etwas Neues in Erfahrung gebracht habe, melde ich mich umgehend bei dir. Bis dahin … halt dich von jeglicher Art von Ärger fern.“
      „Ich habe nicht das Gefühl, dass sie deinen Ratschlag beherzigen wird“, lästerte Alastair weiter und richtete sich ebenfalls auf. Anya zeigte ihm ganz undamenhaft einmal mehr den Stinkefinger als Antwort.
      „Außerdem würde ich vorschlagen, dass wir etwa eine Woche vor Erscheinen des Turms alle Betroffenen versammeln sollten“, ignorierte Matt das Gezänk, was ihm jedoch insgeheim ziemlich schwer fiel. Dass Alastair sich so kindisch benahm, hatte er nie zuvor erlebt. „Dann besprechen wir alles und entscheiden uns, welchen Plan wir am Ende verfolgen wollen. Sofern wir wählen können, heißt es …“
      Anya nickte knapp. „Meinetwegen. Ich werd's irgendwie einrichten, dass die anderen davon erfahren.“
      „Also schön. Dann … bis bald.“
      Matt reichte ihr die Hand, doch das Mädchen machte keine Anstalten, sie zu nehmen. Stattdessen brummte sie: „Zisch endlich ab, bevor Mum nachhause kommt!“

      Als die Dämonenjäger schließlich das Haus verlassen hatten, atmete das Mädchen tief durch und ließ sich tiefer in den Stuhl fallen.
      „Man, die sind anstrengend …“

      Ein Wort der Warnung, Anya Bauer. Den Turm von Neo Babylon zu zerstören wird dir nur Leid bringen.

      „Ach ja? Ich lasse es gerne auf einen Versuch ankommen, Sackgesicht!“

      Wir werden sehen, ob sich dein Opportunismus am Ende auszahlt oder nicht. Vergiss nicht, dass ich auch noch ein Wörtchen in dieser Angelegenheit mitzureden habe.

      „Ich weiß“, murrte sie, „du bist immer da, wo ich bin. Aber soll ich dir was sagen? Das macht mir keine Angst!“

      ~-~-~


      Unter Schmerzen richtete Nick sich auf, stellte jedoch schnell fest, dass der Bannkreis sich aufgelöst und der Himmel wieder seine gewohnte, herbstlich graue Farbe angenommen hatte.
      „Melinda!“, stieß er erschrocken hervor, als er begriff, was geschehen war.

      Aber die war fort. Dort, wo sie gestanden hatte, war nunmehr nur noch ein Krater vorhanden. Auch andere Teile des Parks, wie der Kiesweg, hatten unter dem Duell stark gelitten.
      Nick raffte sich auf. War Melinda etwa tot!?
      Nein, sagte er sich und schüttelte den Kopf. Seine Angriffe haben sie verletzen, aber nicht töten können, weil er keine übernatürlichen Kräfte besaß. Sie musste am Leben sein, Isfanel war vermutlich nur geflüchtet, um seine Wunden zu behandeln.
      „Er hätte mich trotzdem töten können“, murmelte Nick leise. Immerhin war er kurz benommen gewesen, für einen hinterhältigen Angriff wäre genug Zeit gewesen.
      Weshalb er zu dem Schluss kam, dass Isfanel noch aus einem anderen Grund geflüchtet sein musste. Hatte es damit zu tun, dass er Melinda nur schwer zu kontrollieren vermochte?
      Resignierend seufzte der hochgewachsene, junge Mann. Er musste-

      „Was hast du meiner Schwester angetan!?“, schrie plötzlich jemand neben Nick, welcher ohne Vorwarnung umgerissen wurde.
      „Sie war hier, nicht wahr!? Was ist passiert!? Rede!“
      Erschrocken stellte Nick fest, dass er den jungen Mann, der sich auf ihn geworfen und nun am Kragen gepackt hatte, durchaus kannte.
      „Henry!?“
      „Rede!“, forderte der brünette Kerl jedoch nur aufgebracht.
      Er hatte sich äußerlich kaum verändert. Immer noch strahlten seine eisblauen Augen förmlich, immer noch wirkte er etwas ungepflegt, nur seine Art war eine ganz andere. So aufgebracht hatte Nick – Anya einmal außen vor gelassen – nur selten einen Menschen erlebt, was besonders bei Henry überraschend kam, war dieser ihm doch als freundliche Person im Gedächtnis geblieben.

      „Was ist denn hier passiert!?“, drang plötzlich noch eine Stimme zu ihnen.
      Henry ließ von Nick ab und betrachtete den nächsten Neuankömmling, ein wunderschönes, schwarzhaariges Mädchen. „Und du bist?“
      „Valerie Redfield. Bist du … hast du das auch gespürt?“
      „Valerie!?“, staunte auch Nick und blinzelte verdutzt. „Was tust du hier!?“
      „Dasselbe könnte ich dich fragen! Joan hat gesagt, hier würde ein Kampf stattfinden!“ Anyas Erzrivalin fasste sich mit betrübter Miene an die Stirn und schüttelte den Kopf. „Ausgerechnet hier, wo- aber das ist jetzt nicht wichtig! Sag uns, was vorgefallen ist!“
      „Genau das will ich auch wissen! Dieser Typ hat sich mit meiner Schwester Melinda duelliert, das weiß ich!“ Henry, der immer noch auf Nick hockte, wandte sich ebenjenem wieder zu. „Rede endlich!“
      „Hehe … weiß nicht. Da war dieses … Isfanel? Und hat lustige Sachen gesagt … hehe, ich glaub, es mag mich.“
      „Isfanel!?“, polterte Henry, aus allen Wolken fallend. „Was hat er gesagt!?“

      Als Nick jedoch nicht antwortete, wollte Henry schon die Faust heben, als plötzlich etwas auf seinen Kopf sprang.
      „Du stinkst“, meinte das kleine, schwarze Wesen abfällig und sah dann auf Nick herab. „Und du erst recht! Ich glaub, ich muss kacken …“
      Ein leiser Furz war zu hören und schon thronte auf Henrys Haupt ein dunkelbraunes Häufchen AA, was jenen jedoch überhaupt nicht weiter zu stören schien. Kurz etwas irritiert von dem seltsamen, warmen Gefühl auf seiner Kopfhaut, ignorierte er dies in seiner Wut und fixierte sich einzig auf Nick.
      Gleichzeitig sprang Orion wieder von Henry herunter und rannte zur Mülltonne neben der von Isfanel zerstörten Bank und verschwand in ebenjener, um sie zu plündern. Dabei drang seine Stimme gedämpft hervor. „Yummy, 'ne alte Bananenschale!“
      Sein Kopf lugte schließlich aus der Öffnung der Tonne hervor. Die großen weißen, pupillenlosen Kulleraugen waren auf Nick gerichtet. „Und du, du bist jetzt mein Sklave und wirst alles tun, was ich dir sage! Du bist zwar dumm, aber irgendwie mag ich dich. Ich zieh bei dir ein!“
      Daraufhin blinzelte Nick verdutzt, ehe er dämlich gluckste: „Coole Sache!“
      „Was hast du meiner Schwester angetan?“, verlangte Henry aufgebracht zu wissen, ignorierte den Schattengeist und hob seine Faust, um jeden Moment zuzuschlagen.
      Schützend hielt Nick sich die Arme vor das Gesicht, jammerte: „Hilfe, Valerie, tu doch was!“
      „Ich schwöre dir, wenn du nicht gleich ausspuckst, was-“
      Plötzlich packte jemand seinen Arm und hielt ihn fest. „An deiner Stelle würde ich mich erstmal beruhigen. Indem du Nick Angst einjagst, erreichst du nur das Gegenteil von dem, was du eigentlich willst.“
      Der lang gewachsene, zerzauste Bursche schaute überrascht auf, um zu sehen, wer ihm da geholfen hatte. Valerie war es nicht, denn es war ein Mann, der ihm da zur Hand ging. Als Nick jedoch dessen Gesicht sah, fiel seine Reaktion äußerst wortkarg aus. „Du!?“


      Turn 21 – A Glimpse Of Hope
      Die Zeit schreitet unerbittlich voran und ehe Anya sich versieht, ist es bereits der 31. Oktober, Halloween. Anstatt jedoch die Party in ihrer Schule zu besuchen, grübelt sie zuhause über die bisherigen Ereignisse. Von einer inneren Unruhe getrieben, spaziert sie schließlich ziellos durch die Straßen, um zufällig bei Abby vorbeizusehen. Doch die ist nicht da, sondern mit einem ominösen „Freund“ auf der Feier. Der Sache eifersüchtig nachgehend, trifft Anya in ihrer Schule schließlich auf Abby und ausgerechnet Henry, vom dem sie Dinge erfährt, die sie sich im Traum nicht hätte vorstellen können …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick

      Wind-Up Magician
      Wind-Up Soldier
      Wind-Up Dog x3
      Wind-Up Knight

      Inferno Reckless Summon
      Pot Of Avarice
      Oni-Gami Combo
      Xyz Territory

      Overwind
      Call Of The Haunted
      Xyz Reborn

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh
      Wind-Up Carrier Zenmaity
      Wind-Up Zenmaister

      Melinda

      Gusto Squirro
      Winda, Priestess Of Gusto
      Kamui, Hope Of Gusto

      Riryoku

      Xyz Drain
      Zauber/Normal
      Entferne die Xyz-Materialien von allen Xyz-Monstern in offener Angriffsposition; ziehe für jedes so entfernte Xyz-Material von Monstern deines Gegners eine Karte. Du kannst für eine Anzahl deiner Züge keine Karten setzen, die der Anzahl an durch diesen Effekt gezogenen Karten entspricht.

      Whirlwind of Gusto
      Dust Storm Of Gusto
      Dust Tornado

      Daigusto Gulldos
      Daigusto Eguls
      Daigusto Phoenix

      Eternal Daigusto – Jade Phoenix
      Pyro/Wind/Xyz
      ATK/1500 DEF/1100 {2}
      "Daigusto Phoenix" + sein Xyz-Material
      Diese Karte kann im Kampf nur durch Xyz-Monster zerstört werden. Während deiner End Phase: lege Xyz-Material von deinem Friedhof unter diese Karte, bis drei Xyz-Materialien unter ihr liegen. Jeder der folgenden Effekte dieser Karte kann einmal pro Zug aktiviert werden:
      O Entferne 1 Xyz-Material: Wähle eines deiner WIND Monster, es kann einmal während dieses Zuges nicht zerstört werden und Kampfschaden, den du im Kampf mit diesen Monster erleiden würdest, wird stattdessen deine Life Points erhöhen. Du kannst diesen Effekt jederzeit während der Züge beider Spieler aktivieren.
      O Entferne 2 Xyz-Materialien: Gib zwei Karten auf dem Spielfeld auf die Hand ihrer Besitzer zurück.
      O Entferne 3 Xyz-Materialien: Alle WIND Monster, die du kontrollierst, können während diesem Zug direkt angreifen. Du kannst diesen Effekt nicht in dem Zug aktivieren, in dem du diese Karte beschworen hast.
      Sorry erst einmal für den späten Post, aber du weißt ja schon, dass bei mir gerade schwer renoviert wird und die Zeit entsprechend knapp ist ^^§

      Keine Ahnung ob Matt letztlich der Richtige ist, aber zumindest wäre er ein Deckel, der in den Topf passt, auch wenn er vielleicht am Ende doch zu klein ist, dauert es etwas, bis er in den Topf fällt ;)

      Bei Another denk ich auch, dass es ihm etwas sehr Eigenes gibt, dass er deutlich anders und viel lockerer wirkt als die anderen Paktpartner der Charas.

      @19: Die Folge hatte denk ich alles, was man an Stilmitteln sich wünschen könnte. Von Dramatik, zu Theatralik, Emotionen sowie Action. Besonders das Verhätlnis von Matt und Alastair kam überzeugend rüber. Trotz all der Konfrontation in der Folge wirkte es nicht überzogen oder unnatürlich. Beide Seiten hatten ihre Position bezogen. Auch die Wendung, die dann dank Refiels Einschreiten erfolgte. Damit ist die Situation für Erste entschärft worden, aber man spürt, dass dieser Waffenstillstand nicht von langer Dauer sein könnte, gleichwie ein Pulverfass ist, auf dem man sitzt und das jederzeit ohne Vorwarnung hochgehen könnte. Aber man sich bei Einem absolut sicher sein: Bei diesen unfreiwilligen Gefährten sind die Lacher vorprograammiert.

      Parallel dazu dieser Handlung begann dann auch der zweite Handlungsfaden, der endlich Nick in den Mittelpunkt stellte. Es war zwar in den letzten Folgen immer wieder angedeutet worden, dass bei ihm etwas nicht stimmt, und er nicht mehr permanent so rumblödelnd war, aber obwohl man schon etwas erwartet, dass da etwas kommt, ist man trotzdem noch überrascht gewesen, dass es tatsächlich so ist. Andererseits fühlt man sich in seinen Vermutungen aber auch bestätigt. Auf jeden Fall aber rückt es diverse Szenen, wo Nick rumblödelte, um die eine oder andere ernste Situation mit seinen Aktionen aufzulockern.

      Ebenso verwunderlich war aber auch die Rückkehr von Isfanel, und dass dieser die Begegnung mit Anya überlebt hat. Zu diesem Zeitpunkt ist ja nicht klar, wie er aus der Sache rauskommen konnte. Oder wie sich das mit dem zeitlichen Ablauf verhält, denn die Szene von Melinda, die vor irgendetwas damals geflüchtet ist, geschah zeitlich soweit ich mich erinnere ja vor den Folgen mit Marcs Pakt.

      @20:

      Auch diese Folge war wie gewohnt von hohem Niveau. Entsprechend ist dir da ein richtiger Clou mit Nicks wahrem Ich gelungen. Zumal ich von ein paar Stellen auch einfach begeistert war.
      Geschickt wurden die beiden Handlungsfäden der letzten Folge hier fortgesetzt. Auf der einen Seite Anya und das dynamische Duo, welcher eher auf Witz ausgelegt war, aber auch noch einmal die in der vorherigen Folge angesprochene Idee der Zerstörung des Turms aufgriff. Darüberhinaus ist aber bei denen weniger passiert. Dennoch waren die Antipathien der beiden Fronten in dieser unfreiwilligen Allianz wie erwartet sehr erheiternd, und mit Another im Boot ging es dann noch einmal richtig drunter und drüber. Matt kann einem da irgendwie nur noch Leid tun xD

      Größere Aufmerksamkeit aber hatte die Fortsetzung des Duells zwischen Nick und Melinda/Isfanel. Ich fand es war sehr gut durchdacht und bot einige spannende Wendungen. Gerade die Befreiungsschläge der beiden waren gelungen, wie sie sich aus den heiklen Lagen befreiten, in die der jeweils andere sie gedrängt hatte. Ich mein, diesen "In der nächsten Runde hab ich dich besiegt"-Situationen zu entgehen ist oft nicht leicht, aber dir ist das gut geglückt, ohne dass es jetzt absurd wirkte.
      Aber gerade die Dinge, die in dem Duell ans Licht kamen, waren Nicks Charakter sehr zuträglich. In nur anderthalb Folgen ist es dir gelungen, ihm eine gewaltige Tiefe zu geben, wo zuvor nur eine 'Pfütze' gewesen ist (Die 'Trottel'-Maskerade). Ich erinnere mich gut noch, wie ich bis zu einem bestimmten Punkt gedacht habe, dass hinter seinem Charakter zwar viel mehr steckt als man meinen würde, aber es sich in eine völlig andere Richtung entwickeln würde und er nicht so loyal zu Anya wäre. Aber man wirklich nur hoffen, dass jemand von seinem Skill nicht in einen Pakt gedrängt wird und doch irgendwann die Seiten wechselt. ;)

      Isfanels Phönix war auch ne schön ausgedachte Karte. Wie gesagt, Nick hatte verdammt Glück, das der einfache Effekt defensiv und nicht offensiv war, sonst wäre es das gewesen für ihn. Aber wie heißt es doch, das Glück ist mit den „Dummen“ ^^

      Im Vergleich zur Idee des Trios, den Turm zu sprengen, kann man davon ausgehen, dass die Andeutung von Isfanel über einen anderen Weg sehr wichtig für die weitere Entwicklung sein wird, und vermutlich 'richtiger' als die Sprengung sein könnte. Die Frage bleibt für den Moment nur, was sich dahinter verbirgt, dass Anya dem Tod trotzden muss. Es klingt ja fast so, als ob man sie töten muss ohne sie zu töten, was nach einer Nahtoderfahrung klingt. Aber da kennt man Anya ja auch wieder zu gut, als ob die sowas überhaupt mit sich machen lassen würde.

      Während dieser Teil der Folge relativ ernst war, lockerte das Ende das Ganze noch einmal deutlich auf. Valeries Rückkehr samt Orion war überraschend, zumal man ja noch rein gar nichts über ihre Motivation zu diesem Zeitpunkt weiß. Ebenso Henrys Auftauchen, von dem man auch noch nicht näher weiß, was ihn eigentlich bewegt. Nur, dass er nach Melinda sucht - und interessanter -von Isfanel weiß. Aber während man sich bei Valerie mit der Erklärung zufrieden geben kann, dass sie durch Joan von dem Duell erfahren hat,sieht es bei Henry doch etwas anders aus. Denn da wird sicherlich mehr als die enge Bindung zwischen Geschwistern stecken. Nicht zu vergessen, der noch unbekannte Mann ganz zum Ende, der die angespannte Situation lösen wird. ;)
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Danke an alle Leser.

      @Evil Bakura
      Kein Ding, wie du selber sagst, weiß ich ja Bescheid. ^^
      Danke für den Post.

      Ich hatte damals an der Stelle nicht übel Lust, mal ein kleines Special zu schreiben, in der die TLA-Figuren allesamt in einem Bus oder so etwas eingesperrt sind. Und alle gehen sich dann gegenseitig an die Gurgel. :D
      Jep. Melinda war zum Zeitpunkt des Tag-Turniers auf der Flucht und dort gabs noch keinen Pakt. Wohl aber Kontakt zwischen Marc und Isfanel. ;)
      Nick widerum ist zurzeit son bisschen mein Lieblingschara, natürlich neben Anya und Val. Aber das hat natürlich nix mit den Episoden zu tun, die du schon kennst. Aber jep, der Typ steckt voller Überraschungen und jetzt, wo die Bombe geplatzt ist, zerpflückt er selbst einen Dämon wie Isfanel und das, obwohl er nur ein Mensch ist. Or is he? ;)
      Btw wegen dem Phönix: ich fand, der Life Gain passte einfach zu einem Phönix, den man eigentlich auf dem Feld halten will, ein ewiger Phönix. Sogesehen ist sein Besitzer der eigentliche Phönix.
      Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, dass hier keine Zufälle bei den Figuren mitspielen, die Nick nach dem Duell gefunden haben.


      Turn 21 – A Glimpse Of Hope
      Halloween. Anya hasste Halloween. Und sie liebte es. Überall waren Kinder, die tatsächlich so dreist waren, anderer Leute Süßigkeiten zu verlangen. Sobald es dunkel wurde, waren die Straßen voll von dieser Pest. Aber wann sonst hatte man die offizielle Erlaubnis, anderen Leuten den Schreck ihres Lebens zu verpassen? Unnötig zu erwähnen, dass Anyas Verständnis von Halloween sich grundlegend von dem anderer Menschen unterschied. Zumal sie gewiss kein Kostüm brauchte, um Schrecken zu verbreiten.

      Doch ihr war an diesem Abend des 31. Oktobers überhaupt nicht danach, auch nur irgendeinem dahergelaufenen Vollidioten mit Barbie Angst einzujagen. Zumal sie wegen dem verbrannten Rasen im Garten ohnehin Ausgehverbot hatte – auch wenn jeder wusste, dass eine Anya Bauer sich nicht daran halten würde, wenn es darauf ankam.
      Schon seit Tagen hatten diese verdammten Dämonenjäger sich nicht mehr gemeldet, obwohl Matt es versprochen hatte. Schlimmer noch, von Nick und Abby hatte sie ebenfalls nichts mehr gehört. Wobei sie doch mit Letzterer noch ein Hühnchen zu rupfen hatte bezüglich der Tatsache, dass jene ihr fundamentale Geheimnisse vorenthalten hatte.
      Noch vor kurzem wäre Abby selbst dieses Hühnchen gewesen, doch Levrier hatte Anya dazu geraten, ihre Freundin zunächst anzuhören. Wäre sie eine Verräterin, hätte sie genug Möglichkeiten, der Blondine das Leben schwer zu machen, so seine Worte. Und zähneknirschend musste Anya daraufhin eingestehen, dass ihr Paktpartner damit ein gutes Argument lieferte. Außerdem hieß es doch 'in dubios Porree', demnach würde sie Abby vorerst verschonen.

      Dennoch saß Anya schlechter gelaunt denn je in ihrem Zimmer und zählte die letzten Stunden des Monats. Waren diese erst verstrichen, hatte sie noch elf Tage Zeit, sich bezüglich Eden etwas einfallen zu lassen. Bloß was sollte sie tun? Selbst mit den neuen Informationen von Matt und Levrier war sie im Endeffekt genauso schlau wie vorher.
      Die Orte, an denen Pakte geschlossen wurden, hatten laut Levrier eine Bedeutung. Und Opfer waren nötig, um Eden zu erwecken. Die Opfer und die Orte standen irgendwie in Zusammenhang, vermutlich über das Elysion. Aber für Anya ergab das keinen Sinn. Zumal sie nicht wusste, wie viele Zeugen der Konzeption überhaupt benötigt wurden. Mit Matt, Alastair und Redfield hatte sie drei. Was, wenn das zu wenig war? Und falls dem so war, woher bekam sie dann noch mehr Leute, die einen Pakt geformt haben? Die wuchsen schließlich nicht auf Bäumen.

      Solltest du nicht in der Schule sein?

      „Pff, die können sich ruhig ohne mich amüsieren“, raunte Anya und legte ihren Kopf gelangweilt auf ihre ausgebreiteten Arme an ihrem Schreibtisch. „Ist sowieso nicht übel, Hausarrest zu haben. Hab ich ne gute Ausrede.“
      Während sie zuhause grübelte, fanden überall in Livington kleine oder größere Halloweenpartys statt. So auch in ihrer Schule. Vermutlich waren Abby und Nick gerade dort und hatten Spaß. Wahrscheinlich noch mit Beautyqueen Valerie. Sofern die sich gerade nicht in Selbstmitleid ertränkte.
      „Ich war noch nie beim Homecoming oder bei den Weihnachtsfesten dabei, dann werd' ich bei der scheiß Party auch nicht aufkreuzen. Ich hasse Bälle und Partys!“

      Denn das würde ja bedeuten, Spaß zu haben, ohne Leuten weh zu tun.

      „Verdammt richtig! Wenigstens einer, der mich versteht!“
      Dass Anya dabei Levriers Sarkasmus wie so oft nicht bemerkte, tat ihrer schlechten Laune jedoch auch nichts ab. „Ich glaub, ich geh raus. Vielleicht kann ich ein paar Knilchen ihre Fressalien abnehmen.“

      Bist du dir wirklich sicher, dass du nicht zu der Party willst? Anya Bauer, du hast nicht mehr viel Zeit. Auch wenn die Nachforschungen bezüglich Eden wichtig sind, solltest du deine letzten Tage gut nutzen. Das könnte das letzte Mal sein, dass-

      „Halt einfach die Klappe …“
      Anya sprang schnaufend von ihrem Schreibtischstuhl auf und schnappte sich ihren Rucksack, der an einem Haken an ihrer Zimmertür hing.
      Und während sie vom Flur aus die Treppe hinab ins Erdgeschoss rannte, rief sie: „Bin mal ne Weile unterwegs, Mom! Versuch gar nicht, mich aufzuhalten!“
      Nur um sich dann zu entsinnen, dass jene sich mit ein paar Arbeitskollegen verabredet hatte und schon längst außer Haus war. Am Fuß der Treppe blieb sie kurz mit betrübter Mimik stehen, ehe sie das Haus verließ und die Tür hinter sich abschloss.
      Warum musste Levrier ihr jedes Mal die Stimmung verhageln!?

      ~-~-~


      Doch egal wohin Anya auch ging, die innere Unruhe – den wahren Grund dafür, dass sie durch die Straßen zog – schwand nicht aus ihrem Leib. Immer wieder gingen ihr Levriers Worte durch den Kopf.
      Die letzten Tage gut zu nutzen? Aber wofür? Sie hatte sich nie Gedanken darüber gemacht, was sie alles unbedingt machen musste, bevor sie starb. Klar gab es da Dinge, die sie gerne tun wollte, aber nichts davon war wirklich … wichtig. Nicht mehr. Irgendwie.

      Während sie im Dunkeln unter der Straßenbeleuchtung entlang zog, fiel ihr Blick auf ein weißes Haus, das mit Toilettenpapier förmlich überzogen war.
      „Oh.“ Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie sich in derselben Straße befand, in der die Masters wohnten.
      „Süßes oder- Ahhhhh!“ Und sie hatte nicht bemerkt, wie sich drei Knirpse vor ihr aufgebaut hatten. Einer im Geisterkostüm, der sie soeben angesprochen hatte, eine Hexe und ein Skelett. „Mist Leute, das ist die freakige Anya Bauer! Die hat mich neulich beim Tag Turnier alle gemacht! Rennt weg, bevor sie euch auffrisst!“
      Nur irritiert eine Augenbraue hochziehend, sah sie den Dreien hinterher, wie sie die Beine in die Hand nahmen.
      Dann ging sie weiter, ohne den Drang zu verspüren, den drei Rotzlöffeln eine schmerzhafte Lektion in Sachen Respekt vor den Älteren zu erteilen. Wobei sie sich fragte, was plötzlich los mit ihr war. So lustlos war sie doch noch nie gewesen.
      Anschließend setzte sie ihren Weg ins Ungewisse fort. Bis das Ungewisse sich in ein konkretes Ziel verwandelte. Abbys Haus. Vor dem sie wenige Minuten später stand.
      Nicht wie sonst penetrant, sondern nur recht kurz die Klingel betätigend, verharrte sie ungewohnt geduldig vor der Haustür. Sie brauchte jetzt Rat, dringend. Und wenn jemand klug genug war, ihr zu helfen, dann Abby. Außerdem konnte sie dann gleich die Geschichte mit Matt aus dem Weg räumen.

      „Hallo Anya?“, ließen die Worte von Mrs. Masters sie schließlich aufschrecken.
      Jene Frau war erstaunlich groß, knackte fast die zwei Meter-Marke. Von außen sah man ihr auch nicht an, dass sie einen eher ungewöhnlichen Lebensstil pflegte. In stinknormaler Jeans und grünem Pullover gekleidet, zeugte lediglich ihre bunte Mütze davon, dass in ihr ein waschechter Rebell steckte. Wo andere Mütter mit ihren Kindern einen Zoo besuchten, protestierte Mrs. Masters bereits seit Jahren zusammen mit der ganzen Familie gegen alles mögliche, kettete sich dabei auch gerne mal an das Objekt, welches sie zu schützen gedachte.
      „Ist Abby da?“, wollte Anya tonlos von der jung gebliebenen, brünetten Frau wissen.
      „Nein, die ist mit ihrem Freund weg. Ich glaube, sie wollten auf die Party in eurer Schule.“
      Doch bei Anya schrillten längst alle Alarmglocken. „Freund!? Abby!?“
      Das Grauen in ihrem Kopf nahm langsam Konturen an. Abby kannte nur einen Jungen gut genug, um mit ihm eine Beziehung einzugehen. Und das war … !
      „Etwa Nick!?“
      „N-nein. Ich war auch ganz überrascht, als sie plötzlich- A-Anya!“
      Doch die Blondine war längst auf dem Weg zur Schule.

      ~-~-~


      „Was machst du denn hier, Bauer?“, fragte irgendein Typ mit Zorromaske und Pappbecher mit Limo in der Hand, als Anya keuchend im Gang ihrer Schule angekommen war. Alles hier war 'geschmückt' mit buntem Firlefanz, Konfetti lag auf dem Boden und ab und zu traf man auf ausgehüllte Kürbisse am Boden oder auf Tischen, die aus den Klassenzimmern in die Gänge gestellt worden waren. Am schlimmsten war aber die dröhnende Musik, denn wie Anya es erwartet hatte, wurde -kein- Death Metal gespielt. Noch beschissener konnte diese 'Party' gar nicht werden!
      „Hast du Masters gesehen?“, fragte Anya scharf. Und schwor sich, dass wenn er jetzt nein sagte, ein Unglück passieren würde.
      „Nein“, sprachs und wurde heftig von dem Mädchen angerempelt, sodass die Limo sich auf dem weißen Hemd des jungen Mannes verteilte.
      Anya zischte durch die Gänge wie eine Dampflok auf Hochtouren. In irgendeinem Klassenzimmer musste Abby sein, denn die Aula wurde gerade renoviert und konnte demnach nicht so wie sonst üblich benutzt werden.
      Als sie schließlich zehn Minuten erfolglos durch die Schule irrte und immer schlechter werdenden Verkleidungen begegnete, entschied sie sich zu drastischeren Methoden.
      „Levrier“, schnaufte sie abgehackt, „such-Masters!“

      Anscheinend verwechselst du mich jetzt sogar schon mit einem Spürhund.

      „Red nicht, tu's einfach. Das kannst du doch, oder!?“

      Wenn sie sich in eine Sirene verwandelt, dann könnte ich es. Aber ich glaube, dann wäre die Atomsphäre hier etwas anders. Ich weiß aber auch so, wo sie ist. Hinter dir.

      Anya wirbelte verdutzt um und stand tatsächlich Abby gegenüber.
      „Ich habe gehört, du hast mich gesucht?“, staunte jene nicht schlecht. „Was ist denn los, ist irgendetwas passiert?“
      Indes wunderte sich die Blondine eher darüber, warum ihre Freundin nicht verkleidet war, sondern nur eines ihrer Reissackkleider trug. Andererseits spielte das gerade keine Rolle.
      Immer noch außer Puste, hielt Anya Abby ihren Zeigefinger regelrecht unter der Nase. „Erstens: wieso hast du seit Tagen nichts mehr von dir hören lassen? Zweitens: was zur Hölle gibt dir das Recht, mir die Dinge, die Matt dir erzählt hat, einfach vorzuenthalten!? Und drittens: seit wann gehst du mit Nick aus!?“
      Völlig verblüfft von Anyas Offensive stammelte Abby: „Äh Anya, immer schön der Reihe nach.“
      „Ich warte!“, fauchte ihr Gegenüber aufgebracht und stampfte mit dem Fuß auf.
      „Wie wäre es, wenn du etwas Geduld zeigst?“, mischte sich plötzlich jemand hinter Anya ein und zog an dieser vorbei. Und während diese Person sich zu Abby gesellte, erkannte die Blondine den jungen, diesmal viel gepflegter auftretenden Mann als Henry wieder. Der Henry, der sie mit Billigkarten vorgeführt hatte!
      „Was willst du denn hier, Pennerkind!? Haben sie im Asylantenheim keinen Platz mehr für dich!?“
      „Ich glaube, Melinda ist nicht hier“, meinte jener brünette Kerl resignierend an Abby gewandt, „aber danke, dass du mit mir hierher gekommen bist.“
      „Kein Problem. Du hilfst uns ja auch.“
      „Sie ignorieren mich“, murmelte Anya fassungslos.

      Wie ich sie um diese Fähigkeit beneide …

      Abby trat schließlich einen Schritt vor. „Komm Anya, lass uns einen Ort suchen, wo wir ungestört reden können. Es gibt da einiges, was du wissen solltest.“
      Irgendetwas gefiel Anya nicht am Tonfall ihrer Freundin. Nicht nur, dass er so nachdenklich war, sondern auch auf befremdliche Weise distanziert. Da war doch was im Busch!
      „Na schön! Aber wehe, mir gefällt nicht, was ihr mir zu sagen habt! Was will der Typ überhaupt hier?“
      „Das erkläre ich dir, wenn du mitkommst“, meinte Henry genervt.

      ~-~-~


      „Ihr verarscht mich“, murmelte Anya mit offenem Mund, nachdem die Drei sich in einem verlassenen Klassenzimmer eingefunden und die Tür hinter sich geschlossen hatten.
      Sie saß auf einem der Tische, welche allesamt an die hintere Wand gegenüber der Tafel gestellt worden waren und sah abwechselnd die beiden an, wie sie vor ihr standen.
      „Lasst mich das klarstellen“, murrte sie und deutete mit abfälliger Gestik auf Henry, „der wohnt seit Neuestem bei dir, nachdem er zusammen mit Nick und Redfield plötzlich vor deiner Haustür stand.“
      Abby nickte.
      „Und er will Nick dabei beobachtet haben, wie der sich mit seiner Schwester, duelliert hat? Und Nick hat gewonnen!?“
      Wieder nickte das Mädchen mit der getönten Brille.
      „Meine Schwester ist besessen von einem Dämon“, fügte Henry an, „derselbe Dämon, der schon einen deiner Freunde kontrolliert hat. Sie ist entkommen, aber ich wette, dass sie noch irgendwo in der Stadt ist!“
      „Und du“, raunte Anya nun und deutete nicht weniger abfällig auf Abby, „hilfst dem da nun dabei, diese Magdalena zu finden?“
      „Ja.“

      Das war der Moment, in dem Anya die Hutschnur platzte. Sie sprang vom Tisch und breitete wütend die Arme aus. „Hast du nichts Besseres zu tun!? Was ist mit mir!? Wieso vertrödelst du deine Zeit für den, obwohl ich deine Hilfe viel dringender brauche!?“
      „Anya! Hast du nicht zugehört? Isfanel ist zurück! Das betrifft dich genauso wie Henry! Und außerdem bin ich nicht nur deine Freundin, sondern auch Henrys!“
      „Seit wann das!?“
      „Seit sie weiß, dass ich dir helfen könnte, dein kleines Paktproblem loszuwerden.“ Henry trat nun zwischen die beiden und starrte Anya verächtlich aus eisblauen Augen an. „Du hast richtig gehört. Das ist der Deal zwischen mir und Abby. Wenn sie mir hilft, Melinda zu finden, revanchiere ich mich im Gegenzug dafür und verrate euch, wie ich -meinen- Pakt aufgelöst habe.“
      Anya war zu verdutzt, um etwas darauf zu erwidern, zumal die ganze Situation mit einem Schlag über ihren Kopf hinausgewachsen ist. Aber als Henry plötzlich den Ärmel seines schwarzen Pullovers hochkrempelte und ein verblasstes, grünes Symbol zweier ineinander verwobener Schwingen zu sehen war, wusste das Mädchen, dass er nicht log. Es war fast gar nicht zu erkennen, was auch erklärte, warum es ihr bei ihrem ersten Treffen nicht weiter aufgefallen war.

      Das nenne ich eine Überraschung. So etwas habe ich nicht kommen sehen.

      „Ahja, und bevor du etwas Falsches denkst: ich bin nicht Abbys -Freund-“, stellte Henry klar, „ihre Mutter soll das nur denken, damit ich bei ihr übernachten darf.“
      Giftig erwiderte Anya nun: „Ist auch besser so! Wenn du sie antatscht, brech' ich dir jeden Knochen einzeln, klar!?“
      „Henry ist ein Gentleman!“, empörte sich Abby.
      Jener zog sich nun einen Stuhl heran und bedeutete Abby, sich zu setzen, was diese dankend tat. Da Anya ahnte, dass eine längere Geschichte auf sie zukam, nahm sie wieder auf dem Tisch Platz und ließ Henry dabei nicht aus den meeresblauen Augen. Selbstredend bereits darauf vorbereitet, jederzeit den Todesblick zu aktivieren.

      „Du bist also mal …“, fing sie nach einer kurzen Zeit des Schweigens an.
      „Ja. Ich war einmal ein Gefäß für einen Dämon. Das ist mittlerweile ein paar Monate her und seither suche ich meine Schwester Melinda, die ebenfalls in die Sache von damals verwickelt war.“
      Abby seufzte schwer. „Anya, der Dämon, der Henry damals in den Pakt gezwungen hat, war ...“
      „Isfanel“, beendete Henry den Satz. „Und nachdem ich seinen Pakt gebrochen hatte, hat er meine Schwester als neues Ziel auserkoren.“

      Doch Anya verstand die Welt nicht mehr. Isfanel war derjenige, der Marc dazu gebracht hatte, sie töten zu wollen. Was hatte der mit Henry und dieser Melinda zu tun?

      „Was Isfanels Ziel ist, solltest du längst wissen“, erklärte Henry weiter, „daran hat sich bis heute nichts geändert. Er will den Gründer vernichten, der dazu bestimmt ist, Eden zu werden. Den Gründer, mit dem du jetzt zusammenarbeitest.“
      „Auszeit!“, donnerte Anya aufgebracht und formte mit ihren Händen ein T. „Was soll das heißen, du wurdest in den Pakt gezwungen? Das ist doch freiwillig!“
      „Nein. Isfanel kann einen Vertrag erzwingen, wenn die richtigen Konditionen gegeben sind. Wie genau das abläuft weiß ich selber nicht, aber ich denke, es hat mit unserem Blut zu tun. Dass in unseren, Melindas und meinen, Venen dasselbe Blut fließt.“ Henry verschränkte die Arme. „Damals, als er mich kontrolliert hat, wusste er noch nichts von dir, vermutlich weil du damals den Pakt noch nicht geschlossen hattest. Erst als Melinda eines Tages verschwunden war, habe ich begriffen, dass er es auf sie abgesehen hatte, um das fortzuführen, wozu ursprünglich ich vorgesehen war.“
      „Dich, beziehungsweise Levrier, zu vernichten.“ Abby seufzte schwer. „Aber er konnte Melinda nicht übernehmen, weil sie sich, warum auch immer, zur Wehr setzen konnte.“
      Seine Hand auf Abbys Schulter legend, sah Henry sie dankbar an. Anya verstand die Geste nicht, für sie sah es eher so aus, als wolle er sich an sie heran machen. „Finger weg!“
      Das mit einem finsteren Blick quittierend, ließ Henry wieder von Abby ab. Dabei sagte er: „Aber jetzt ergibt alles einen Sinn. Als Melinda untergetaucht ist, hat sie mein Deck mit sich genommen. Und damit auch die Karte des Pakts, [Daigusto Phoenix]. In ihrem Abschiedsbrief hat sie mir erklärt, dass sie um meinetwillen fortging, um mich vor Isfanel zu beschützen.“
      Henry schluckte und wandte sich von den beiden ab. „Ich glaube, Isfanel hat sie absichtlich in dem Irrglauben gelassen, dass er mich wieder als Gefäß will.“
      „Und ohne es zu merken, hat er sie auf ihrer Flucht in deine Richtung getrieben“, fügte Abby hinzu. „Melinda wollte wahrscheinlich verhindern, dass Henry dich umbringt. Dabei hatte Isfanel es die ganze Zeit auf sie abgesehen.“
      „Wir vermuten, dass Marc nur zufällig in die Sache hineingeraten ist, weil Isfanel nicht imstande war, Melinda zu knacken.“ Mit nachdenklicher Mimik wandte sich Henry an Abby. „Aber nachdem der versagt hat, muss Isfanel zurück zu seinem ursprünglichen Plan gesprungen sein, Melinda zu übernehmen.“

      Plötzlich wurde die Tür aufgerissen.
      „Oh, sorry, falsches Zimmer“, meinte ein dunkelhäutiger Schüler und knallte die Tür wieder zu.
      Verärgert von der Unterbrechung, schüttelte Abby den Kopf. „Na ja, und nachdem Melinda Nick getroffen hat, muss es Isfanel gelungen sein, die Kontrolle über sie zu übernehmen. Und da Nick unser Freund ist, wollte er ihn natürlich töten.“
      „Das macht mir Kopfschmerzen …“, stöhnte Anya, die mit so viel Informationsinput nicht klar kam. „Also in Kurzform: der sucht seine Schwester, die jetzt 'n bisschen gaga ist und mir die Lichter ausknipsen will, weil er seinen Pakt brechen konnte?“
      „'Der' hat auch einen Namen“, tadelte Abby ihre Freundin mit erhobenem Zeigefinger.
      „Dann eben -Henry-!“

      „Da ist noch etwas“, sprach jener nun und räusperte sich, „etwas, das ich euch beiden noch nicht gesagt habe. Es betrifft meinen Namen. Denn eigentlich darf niemand wissen, dass ich hier bin. Wenn die Presse Wind von dieser Geschichte bekommt, wird alles nur noch komplizierter. Was ich euch also jetzt anvertraue bleibt bis auf Weiteres unter uns.“
      Anya runzelte die Stirn. „Was hat die Presse damit am Hut? Meinst du Rita Placatelirgendwas? Die Alte wird es nicht wagen, etwas über uns zu schreiben, seit Abby ihr eine Lektion erteilt hat!“
      „Die Presse im Allgemeinen. Was denkt ihr, warum ich nie meine eigene Duel Disk verwende? Damit würde man mich sofort finden.“ Henry schritt an eines der Fenster und sah hinaus auf den kreisrunden Campusplatz, wo sich unter Laternenlicht einige Jugendliche unterhielten.
      Was Abbys Neugier nur umso mehr anheizte. „Mach es nicht so spannend. Sag uns endlich, wer du bist.“
      Henry drehte sich zu ihnen um. „Mein voller Name lautet Benjamin Hendrik Ford. Henry ist nur mein Spitzname.“
      Abby fiel aus allen Wolken. „D-der Benjamin Ford!? Der, der seit Wochen vermisst wird!?“
      Dann schoss es aus ihr heraus: „Jetzt weiß ich, warum du mir so bekannt vorgekommen bist, als wir uns das erste Mal gesehen haben!“
      Gleichzeitig entsann sich Anya, dass sie einmal einen Zeitungsartikel über den vermissten Sohn der Abraham Ford Company gelesen hatte. Der Firma, die in den Staaten für den Vertrieb von Duel Monsters verantwortlich war.
      „Der bin ich. Versteht ihr jetzt, warum ich untertauchen musste? Wenn die Presse erfährt, was mit Melinda geschehen ist, bricht ein Chaos ungeahnten Ausmaßes aus. Da aber außer mir niemand von dieser Sache weiß, musste ich die Dinge selbst in die Hand nehmen.“ Entschlossen sah er die beiden Mädchen an. „Ich muss Melinda finden, bevor ihr etwas zustößt!“

      „Mir doch egal“, raunte Anya plötzlich herrisch, „mich interessiert nur eins. Wie ist es dir gelungen, den Pakt zu brechen?“
      „Denkst du, das sag ich dir so einfach?“ Henry schüttelte entschieden den Kopf. „Ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob ich dir vertrauen kann. Aber ich vertraue Abby. Deswegen wollte ich dich aus der Sache heraushalten und mit Abby alleine nach Melinda suchen.“
      Provoziert von seiner Aussage zeigte Anya ihm kurzerhand den Stinkefinger. „Pff, Arschloch! Wer sagt denn, dass wir dir vertrauen können?“
      „Anya“, versuchte Abby zu schlichten, „er ist kein schlechter Mensch! Er meint es ernst! Aber du musst ihn auch verstehen. Der Dämon, der dich zu töten versucht, benutzt seine Schwester als Mittel dazu. Er hat einfach Angst, dass ihr durch deine Hand etwas passiert!“
      „Du halt dich da raus“, fauchte Anya das Mädchen an und sprang nun vom Tisch auf. Auch Abby erhob sich vom Stuhl, wurde aber sofort von der Blondine mit einer Hand weg geschubst.
      „Hey!“, schritt Henry sofort dazwischen.
      „Von einem Verräterschwein lass ich mir nichts sagen!“
      Getroffen wich Abby zurück. „I-ich-!“
      „Warum hast du mir nicht gesagt, dass ich unsterblich bin, huh!? Dachtest wohl, ich muss das nicht wissen!? Oder dass für Edens Erwachen Opfer gebraucht werden! War alles nicht so wichtig, was!?“
      „N-nein“, verteidigte Abby sich eher schlecht als recht, „ich wollte nur nicht, dass du am Ende etwas Dummes anstellst. Nicht, dass dir am Ende etwas passiert, weil du aus Neugier versuchst, dich umzubringen, um zu sehen, ob du wirklich unsterblich bist. Bei Selbstmord funktio-“
      „Herrgott, das weiß ich alles längst, Masters!“, herrschte Anya ihre Freundin jedoch weiter aufgebracht an. „Aber ich hätte es gerne von dir erfahren und nicht von Matt!“
      „Du hast Matt getroffen!?“
      „Verdammt richtig! Und der ist im Moment eine größere Hilfe als du!“
      Henry mahnte Anya: „Jetzt werd' mal nicht unfair! Abby hilft mir, um dir zu helfen!“
      Wütend stampfte die Blondine auf. „Ich brauche ihre beschissene Hilfe aber nicht mehr! Turtel' ruhig weiter mit dem Pennerkind, Masters, ich hab's satt!“
      „Dann-!“

      Doch Abby brachte den Satz nicht zu Ende. Stattdessen schluchzte sie plötzlich und stürmte aus dem Klassenzimmer. Noch ehe Henry etwas dagegen tun konnte, war das Mädchen verschwunden.
      An der Türschwelle stehend, drehte er sich wutentbrannt zu Anya um. „Das hast du wirklich gut gemacht!“
      „Tch!“ Anstatt Gedanken an Abby zu verschwenden, nahm Anya nun Henry ins Visier. „Irgendwie habe ich dich netter und respektvoller in Erinnerung. Was ist los, Prince Gossen-Charming, vermisst du Daddys Kohle?“
      „Ich bin einfach nur angespannt, das ist alles! Und ich kann dich nicht leiden! Siehst du nicht, was du getan hast? Ist dir ihre Freundschaft überhaupt nichts wert!?“
      „Was nützen mir Freunde, wenn ich eh bald krepieren werde!?“
      „Du bist egoistisch! Denkst du, Gefühle sind nur einseitig?“ Henry schnaufte wütend. „Als wir uns damals getroffen haben, habe ich mich wirklich zusammengerissen. Anfangs dachte ich, du bist einfach nur mit dem falschen Fuß aufgestanden. Aber dein Charakter ist einfach nur mies. Und als ich dein Mal sah, wusste ich, dass wir beide früher oder später aneinander geraten würden.“
      „Ach ja? Dann hilf mich doch, dieses dämliche Teil loszuwerden!“ Anya hob ihren Arm und schob den Ärmel ihrer Lederjacke soweit beiseite, dass er das Mal an ihrem Unterarm sehen konnte. Plötzlich grinste sie hinterhältig. „Hmm, jetzt wo ich darüber nachdenke, ist das gar keine schlechte Idee …“
      „Wovon sprichst du?“
      Anya legte herausfordernd den Kopf in den Nacken. „Ganz simpel, Milchbubi. Wenn du mir nicht sagst, wie du dein Mal losgeworden bist, -könnte- es passieren, dass ich deiner Schwester Melanie die Lichter ausknipsen muss, wenn sie mich angreift.“ Anya fuhr sich mit dem Daumen über die Kehle. „Du weißt, Blutzoll und so.“
      „Du würdest-!?“
      „Nur, wenn ich muss.“ Schlagartig verlor sich ihre Gehässigkeit. „Es liegt an dir. Je früher ich das Ding loswerde, desto besser für deine Schwester. Ist in deinem Interesse.“
      „Und du denkst, dass ich mich von dir erpressen lasse!?“, brauste Henry außer sich vor Wut auf. „Mein Verstand sagt mir, dass du nicht Unrecht hast, aber mein Herz nimmt das nicht hin! Ich lasse mich nicht erpressen, nicht von dir!“

      Immerhin, du lernst dazu, Anya Bauer. Erpressung ist schließlich eine Steigerung zur bloßen Gewaltandrohung. Aber ich fürchte, ein Leben reicht nicht, um bis zur Stufe der Verhandlung aufzusteigen.

      „Was mischt du dich jetzt da ein, Levrier!? Solltest du nicht zittern, weil ich auf dem Weg bin, dich loszuwerden?“

      Warum sollte ich? Was immer der Junge dort glaubt erreicht zu haben, es ist zu bezweifeln, dass er wirklich von dem Pakt befreit ist. Vielleicht ist das Ganze auch eine Falle? Sonderlich viele Freunde haben wir uns bisher nicht gemacht. Ich für meinen Teil mache mir mehr Sorgen um die Absichten dieses jungen Mannes, als der bloßen Tatsache, dass er einen Weg zu kennen glaubt, einen Pakt zu brechen.

      „Das werden wir gleich herausfinden.“
      Sie wäre schließlich nicht Anya Bauer, wenn sie nicht einen Plan B hätte. Der war seither zwar immer der gleiche, aber immer noch der effektivste.
      Anya setzte ihren Rucksack, den sie die ganze Zeit geschultert hatte, ab. Daraus hervor zog sie eine Duel Disk. Ursprünglich hatte sie geplant, nur ein paar Rotzgören um ihre Halloweenbeute zu erleichtern, aber das hier war viel eher ihre Welt. Der Typ würde singen, so viel stand fest.
      „Eine Revanche für neulich?“, wunderte sich Henry, als Anya den Apparat anlegte. „Tz, als ob! Außerdem besitze ich keine Duel Disk!“
      „Kein Problem“, meinte Anya unbekümmert, verließ kurzerhand das Klassenzimmer und kam wenige Minuten später, nach einem lauten Scheppern, mit einer Duel Disk zurück. Dabei wedelte sie mit ihrer freien Hand. „Blöder Spind, seit wann sind die so widerspenstig?“
      Henry fing die Duel Disk geschickt auf, als Anya sie ihm zuwarf.

      „Die Regeln“, sagte jene schließlich und stellte sich vor die Tafel. Als sie sich umdrehte, erklärte sie: „Da du nicht freiwillig mit der Sprache 'rausrückst, müssen wir das so klären.“
      „Wer sagt, dass ich mitmache?“
      Prompt war es wieder da, dieses kleine, gemeine Grinsen von Anya. „Oh glaub mir, das wirst du. Denn wenn du gewinnst, werde ich dir helfen, deine kleine Prinzessin zu finden. Und ich schwöre, ihr kein Haar zu krümmen, solange sie genug Sicherheitsabstand hält.“
      „Und wenn du gewinnst?“
      „Wirst du mir dein kleines Geheimnis verraten. Und mir helfen, das Mal loszuwerden. Wenn das klappt und ich frei bin, könnte ich mir sogar überlegen, dir vielleicht trotzdem zu helfen. Geht die Sache jedoch schief, oder du muckst auf …“ Anya fuhr sich nochmals mit dem Daumen über den Hals. „Dann kannst du deiner Schwester schon mal einen Sarg bestellen! Was sagst du? In beiden Fällen profitierst du, bei einem mehr, beim anderen weniger. Aber wir können das Ganze auch lassen, bloß sieht es dann ganz schlecht für Melissa aus!“
      „Melinda!“, korrigierte Henry das Mädchen gereizt.

      Ich bin begeistert, Anya Bauer. Das ist nicht mehr nur Erpressung, das ist raffinierte Manipulation. Natürlich wird er jetzt anbeißen, da die schlimmste Option für ihn die ist, dein Angebot auszuschlagen. Vielleicht habe ich dich unterschätzt …

      Anya lächelte jedoch nur tückisch.
      „... fein. Was soll ich auch anderes sagen?“
      Henry war nur allzu deutlich anzusehen, was er wirklich von Anyas Vorschlag hielt. Sein Gesicht glich einer starren Maske, gezeichnet von Wut. Dennoch schritt er in die Mitte des Klassenraums, um Anya gegenüber zu stehen. Da die Tische nicht im Weg standen, konnte man sich hier duellieren.
      „Dann ist es abgemacht“, sagte die Blondine. Beide Duel Disks fuhren aus und aktivierten sich mit einem Piepen. „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Henry: 4000LP]


      „Ich mache den ersten Zug“, kündigte Henry an, nachdem er sein Startblatt gezogen hatte.
      „Von mir aus. Aber denk nicht, dass sich das von damals wiederholen wird! Ich bin um einiges besser geworden, seit wir uns das letzte Mal duelliert haben!“
      „Wenn du meinst …“ Henry nahm eine dauerhafte Zauberkarte aus seinem Blatt und zeigte sie Anya. „Dann zeig mir mal, wie gut du bist, wenn du auf deine Keycard verzichten musst! Ich aktiviere [Prohibition]! Damit verbiete ich die Benutzung einer von mir benannten Karte, solange [Prohibition] aktiv ist! Und in dem Fall wäre das [Gem-Knight Fusion]!“
      Hinter Henry tauchte plötzlich eine Schriftrolle auf, die sich entfaltete und auf der das Abbild von Anyas wichtigster Zauberkarte abgebildet war.
      „Tch! Ich brauche die nicht, um dich fertig zu machen!“ Doch ihre gekrümmte Körperhaltung strafte ihrer Worte eindeutig Lügen.
      „Du wirst dir noch wünschen, das nicht gesagt zu haben. Ich setze zwei Karten verdeckt und gebe ab.“
      Vor den Füßen ihres Gegners erschienen zwei gesetzte Karten mit dem Rücken nach oben zeigend.

      Anya zog mit einem lauten Ausruf und betrachtete ihre Hand. Dort war unter anderem auch die versiegelte [Gem-Knight Fusion]. Zischend richtete sie ihren Blick auf den brünetten, jungen Mann.
      Seinen Worten nach zu schließen musste er immer noch das jämmerliche Mülldeck spielen, das er sich irgendwo zusammengeschnorrt hatte, da seine Schwester sein eigentliches Deck besaß. Wenn das so war, würde er vermutlich wieder versuchen, diese absurden Kombos auszuspielen. Kein Monster gerufen zu haben, bedeutete vermutlich nur, dass er etwas in dieser Richtung vor hatte und mit einer Falle ihren Angriff abwehren wollte.
      Und wenn es ein Angriff war, den er erwartete, sollte er ihn auch bekommen!
      „Ich beschwöre [Gem-Knight Tourmaline]! Direkter Angriff!“
      Vor Anya erschien ein Ritter in goldener Rüstung mit einem Turmalin-Edelstein in der Brust, der in seinen Handflächen einen Blitz entstehen ließ und auf Henry abfeuerte.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      Henry hob den Arm, um den kanonenartigen Energieschuss abzufangen, doch wurde beim Aufprall geschockt. Da Anya aber keine Anstalten machte, ihre Kräfte einzusetzen – da sie es ohnehin so ohne Weiteres nicht könnte, selbst wenn sie wollte – wurde Henry nicht weiter verletzt.

      [Anya: 4000LP / Henry: 4000LP → 2400LP]


      Überrascht stellte Anya fest, dass Henry keine seiner Fallen aktiviert hatte. Aber umso besser für sie. Eine Faust in die Luft schlagend, rief sie stolz: „First Blood!“
      Dann nahm sie ebenfalls eine Falle aus ihrem Blatt und setzte sie. „Die hier! Damit beende ich den Zug!“

      Henry zog schwungvoll und lächelte zufrieden, als er seine neue Karte ansah. „Genau was ich gebraucht habe!“
      Dann streckte er seinen Arm aus, mit der er die Karte hielt. „Verdeckte Falle! [Ojama Trio]! Sie erschafft drei Ojama-Spielmarken in Verteidigungsposition, die an dich gehen.“
      Jeweils eine grüne, eine schwarze und eine gelbe Koboldgestalt in roten String-Tangas, alle drei nicht größer als eine Hand, tauchten plötzlich um Anyas Kopf auf und grinsten sie an.

      Ojama-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/1000 (2)]

      „Du gibst mir noch extra Monster!? Wie dämlich!“
      Henry verzog die Augen zu Schlitzen. Dabei dachte er, dass wenn Anya sie nicht haben wollte, er ihr schon helfen würde, sie wieder zu entsorgen.
      „Ich beschwöre von meiner Hand [Marauding Captain]! Und der kann ein Monster bis zu Stufe 4 von meiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören! Erscheine, [3-Hump Lacooda]!“
      Sowohl ein Krieger in eiserner Rüstung mit zwei Schwertern in den Händen, als auch ein erschöpftes Kamel mit dreckigen Bandagen um die Höcker gewickelt materialisierten sich auf Henrys Spielfeldseite. „Und jetzt von meiner Hand der Schnellzauber [Inferno Reckless Summon]! Damit verdreifache ich das eben gerufene [3-Hump Lacooda]! Dafür kannst du ebenfalls eines deiner Monster vervielfachen.“
      „Dann rufe ich noch einen [Gem-Knight Tourmaline], aber im Verteidigungsmodus!“
      Nachdem alle Monster erschienen waren, kontrollierte Anya die drei Ojamas sowie zwei goldene Ritter des Turmalins, während Henry seinerseits auf drei Kamele und seinen Krieger zurückgreifen konnte.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Ojama-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/1000 (2)]

      Marauding Captain [ATK/1200 DEF/400 (3)]
      3-Hump Lacooda x3 [ATK/500 DEF/1500 (3)]

      Er geht wirklich klug vor. Zunächst nimmt er einen direkten Angriff in Kauf, um keines seiner Monster im ersten Zug ausspielen zu müssen, wo er diese Kombo nicht einsetzen konnte. Dann blockiert er deine Monsterzonen mit Spielmarken, damit du das Potential seiner Zauberkarte nicht voll nutzen kannst. Was hat er als Nächstes vor?

      Anya ihrerseits hatte eine Ahnung.
      Aber es kam ganz anders. „Das ist die Zauberkarte, die ich eben gezogen hatte! Sie nennt sich [Flash Of The Forbidden Spell] und kann nur eingesetzt werden, wenn die Monsterzonen meines Gegners alle besetzt sind! Dann zerstört sie alle deine Monster auf einmal!“
      „Was zum-!?“
      Plötzlich regnete es Blitze auf Anyas Monster, die eines nach dem anderen explodierten.
      „Und da jeder zerstörte Ojama dich 300 Lebenspunkte kostet, habe ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen“, erklärte Henry zufrieden.

      [Anya: 4000LP → 3100LP / Henry: 2400LP]


      Nur noch mit einer gesetzten Karte verbleibend, runzelte Anya wütend die Stirn. „Da sieht man es! Hättest du nicht so viel Glück, wäre das Duell damals mein Sieg gewesen, nicht deiner!“
      „Ist das deine Ausrede?“, erwiderte Henry unbeirrt. „Glaub, was du glauben willst! Von dir erwarte ich keine Einsicht!“
      „Ach ja? Dann greif mich doch an!“
      „Worauf du Gift nehmen kannst! Leider besitze ich nur drei Xyz-Monster, von denen zwei nicht mit den Monstern gerufen werden können, die ich besitze. Daher opfere ich zwei [3-Hump Lacooda] durch ihren Effekt, um drei Karten zu ziehen!“ Und kaum hatte Henry sein zuvor leeres Blatt aufgestockt, streckte er den Arm aus. „Die beiden verbleibenden Stufe 3-Monster nutze ich, um das Overlay Network zu erschaffen! Zeig dich, [Grenosaurus]!“
      Henrys Monster wurden zu braunen Lichtstrahlen, die in das schwarze Loch gezogen wurden, welches sich inmitten des Spielfelds auftat. Daraus hervor trat ein roter Dinosaurier, der auf zwei Beinen stand und dessen Schopf tatsächlich brannte. Um ihn kreisten zwei Lichtsphären.

      Grenosaurus [ATK/2000 DEF/1900 {3}]

      „An den erinnere ich mich noch! Mit dem habe ich letztes Mal kurzen Prozess gemacht und heute wird das nicht anders sein“, kündigte Anya selbstsicher an.
      „Nur zu! Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte! Ancient Fire Burst!“
      Aus seinen Nüstern schoss das urzeitliche Ungetüm eine Flammenwolke, die direkt auf Anya zusteuerte. Die schwang den Arm aus. „Ach ja? Dann komm ich dir mit der hier zuvor: [Pyroxene Fusion]! Pah! Dachtest du ernsthaft, [Gem-Knight Fusion] wäre meine einzige Möglichkeit, Fusionsbeschwörungen durchzuführen!? Diese Karte tut dasselbe, sie lässt mich Monster von meiner Hand verschmelzen!“
      „Nein, genau damit habe ich gerechnet! Und ich bin vorbereitet! Konterfalle [Seven Tools Of The Bandit]! Sie annulliert deine Falle, kostet mich im Gegenzug aber 1000 Lebenspunkte!“
      Anyas Falle zersprang mit einem Klicken. Kurz darauf traf sie die Feuerwolke und deckte sie ein, doch unter den Flammen hörte man nur Anyas gehässiges Gelächter.

      [Anya: 3100LP → 1100LP / Henry: 2400LP → 1400LP]


      Nachdem der Rauch verschwunden war, verschränkte Anya selbstherrlich die Arme vor die Brust und grinste süffisant. „Genau das ist, womit -ich- gerechnet habe. Schon als du [Prohibition] aktiviert hast, wusste ich, dass ein Teil deiner Strategie darauf abzielt, die guten Karten des Gegners zu blockieren, weil du selber nur Mist besitzt.“
      „Und was heißt das?“ Henry runzelte die Stirn. „Deine Fusionsbeschwörungen wurde verhindert!“
      „Stimmt … aber wer sagt, dass ich die überhaupt hätte durchführen können?“
      „Dein Punkt ist … ?“
      Anya klatschte sich eine Hand an die Stirn. „Alter, bist du schwer von Begriff? Ich habe eine Fehlaktivierung ausgelöst, um zu sehen, ob ich recht mit meiner Vermutung habe! Tatsächlich habe ich nur ein Monster auf der Hand, was nicht reicht, um zu fusionieren.“
      „Du hast-! Du hast mich gelinkt!?“
      Zufrieden nickte Anya. „Endlich hat er's geschnallt. Zu dumm, deine Konterfalle hast du ganz umsonst aktiviert. Oh, und du hast noch Lebenspunkte dafür verloren.“ Den letzten Satz hatte sie besonders betont, um Henry zu zeigen, dass das die Rache für das [Ojama Trio] war.
      „Linke Bazille! Wenn du auf so etwas zurückgreifen musst, bist du echt armselig! Und ich dachte, du könntest nicht tiefer sinken! Aber das sind wohl die Mittel, auf die ein Amateur zurückgreifen muss!“

      Das war ein brillanter Zug, Anya Bauer. Seit wann denkst du so strategisch?

      Seit sie diesen Knilch nach allen Regeln der Kunst abservieren wollte, dachte Anya, sprach es aber nicht aus. Das war der Unterschied zwischen ihnen beiden. Er hielt sie immer noch für dieselbe Amateurin, gegen die er vor knapp zwei Monaten gespielt hatte. Sie hingegen hatte begriffen, dass keiner ihrer Gegner unterschätzt werden durfte. Und da sie nun wusste, wie er spielte, hatte sie sich darauf einstellen können. Manchmal reichte es nicht aus, sich nur innerhalb der Grenzen von Karteneffekten zu bewegen. Auch Dinge wie Fehlaktivierungen konnten als Strategie eingesetzt werden.
      Es war so simpel … aber es fühlte sich gut an. Vielleicht war es gar nicht so schlimm, manchmal nachzudenken? Nur manchmal!

      Aufgebracht darüber, dass Anya ihn hereingelegt hatte, nahm Henry zwei Fallen und schob sie in die dazugehörigen Slots seiner Duel Disk. „Mit zwei gesetzten Karten gebe ich an dich ab! Was kommt als Nächstes? Willst du dieses Mal richtig schummeln? Nur zu, mir egal! Ich besiege dich auch so!“
      „Als ob ich das nötig hätte!“
      „Hast du aber! Abby hat mir viel über deine Duellweise erzählt! Wie oft hast du aus eigener Kraft gewonnen? Gab es nicht immer irgendeinen Umstand, der dir geholfen hat, deine Spiele doch noch zu drehen?“ Henry hatte sich regelrecht in Rage geredet. „Sieh es ein, alleine kriegst du nichts gebacken! Du wirst immer der Gnade deiner Gegner und deines Dämons ausgeliefert sein!“
      „Stimmt … meine Quote ist lausig“, gab Anya offen zu. „Aber höre ich da Neid heraus? Schließlich muss man sich Hilfe auch verdienen!“
      Henry stampfte mit dem Fuß auf. „Du wagst es von Neid zu reden? Wo du es doch offensichtlich nicht ertragen kannst, dass Abby andere Freunde außer dich hat? Mit deiner Eifersucht hast du kein Recht, so mit mir zu reden!“
      „Volltreffer“, streute Anya jedoch nur Salz in die Wunde, „muss kacke sein, wenn man selber keine Freunde hat, weil man als reicher Schnösel nur ausgenutzt wird. Deswegen denkst du wohl, du kannst dich einfach in anderer Leute Freundschaften einmischen, was?“
      „Darum geht es dir also? Du denkst, ich will dir Abby wegnehmen? Lächerlich!“ Henry lachte fassungslos auf. „Verwechsel' deine größte Angst nicht mit der Realität! Wenn dir Abby etwas bedeutet, dann behandle sie nicht nur wie ein nützliches, aber im Notfall entbehrliches Anhängsel! Deine Feindseligkeit mir gegenüber basiert auf nichts, du lässt dich von deinen Gefühlen täuschen! Weil du es auch gar nicht ertragen kannst, dass sie dir vielleicht um etwas voraus ist …“

      Das war es, dachte Anya. Dieser Typ verstand überhaupt nichts!
      Nein, wollte sie schon vorher Levriers Fähigkeit der Schicksalsbeeinflussung nicht einsetzen, wollte sie es jetzt erst recht nicht. Aus eigener Kraft würde sie diesem Typen das Maul stopfen, so viel war sicher!
      „Draw!“, rief sie und bemühte sich um Fassung. Gar nichts verstand er!
      Als sie das Gezogene ansah, wusste sie, dass ihre Entscheidung nicht falsch gewesen war. Sie nahm eine Zauberkarte aus ihrem Blatt hervor und rief: „[Silent Doom]! Damit wird ein normales Monster, wie [Gem-Knight Tourmaline] in Verteidigungsposition von meinem Friedhof beschworen! Außerdem rufe ich [Gem-Knight Garnet] als Normalbeschwörung!“
      Vor Anya tauchten der goldene Ritter sowie ein Krieger in bronzener Rüstung auf. Letzter entfachte eine Flamme in seinen Händen, wobei der Granat in seiner Brust grell schimmerte.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Und jetzt beginnt der Spaß! Ich erschaffe das Overlay Network und überlagere meine beiden Stufe 4-Monster! Xyz-Summon!“
      Wieder öffnete sich inmitten des Klassenzimmers der klaffende, schwarze Wirbel, in den die braunen Lebensessenzen von Anyas Monstern gezogen wurden.
      „Hier kommt es“, murmelte Henry, „[Gem-Knight Pearl], dein Paktmonster!“
      „... Fehlanzeige! Hier kommt meine wahre Perle und neue, alte Geheimwaffe, um überheblichen Pennerkindern eine Lektion zu erteilen! Erscheine, [Kachi Kochi Dragon]!“
      Ja, dachte Anya zufrieden, damit hatte er sicher nicht gerechnet. Als sie damals ihr Deck umstellen wollte, hatte sie diesen alten Bekannten wiederentdeckt. Levrier hatte ihn letztlich in das von ihm erstellte Deck übernommen und Anya wusste nun zu schätzen, was ihr Dämon für sie getan hatte. Denn jetzt konnte sie ordentlich austeilen!
      Aus dem Boden brach unter lautem Getöse ein Drache, dessen gesamter Körper von einer schützenden Kristallschicht überzogen war. Auf allen Vieren stand er, streckte seine mächtigen Schwingen aus und brüllte stolz, als um ihn zwei Lichtsphären zu kreisen begannen.

      Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 DEF/1300 {4}]

      „Damit hast du nicht gerechnet, was!?“, flötete Anya. „Erinnerst du dich an damals, als du mit deinem [Black Ray Lancer] Pearls Effekt negieren wolltest, obwohl er keinen hatte? Du wirst dir noch wünschen, dass du das jetzt könntest! [Kachi Kochi Dragon], greif ihn an! Primo Sciopero!“
      Der Drache flog pfeilschnell auf Henrys Dinosaurier zu und zerteilte ihn mit einem Klauenschlag wie ein Messer die Butter. Die Explosion ließ Henry aufschrecken.

      [Anya: 1100LP / Henry: 1400LP → 1300LP]


      „Mit Pearl hättest du mehr Schaden angerichtet“, sagte er, hatte aber das ungute Gefühl, dass ihm noch etwas bevorstand.
      Und er sollte Recht behalten. „Irrtum, [Kachi Kochi Dragon] hat einen Effekt, von dem Pearl nur träumen kann! Wenn er ein Monster zerstört hat, kann er für ein Xyz-Material einmal pro Zug direkt nochmal angreifen! Also los!“ Anyas Monster fraß eine der Lichtkugeln um es herum und brüllte. „Secondo Sciopero! Beende es!“
      „Niemals! Falle! [Damage Diet]! Sie halbiert den Schaden, den ich für diesen Zug erleide!“
      Die Falle sprang vor ihrem Besitzer auf und stellte sich wie eine Mauer schützend vor ihn. Dennoch traf der Schlag des Drachens, als jener Henry angriff. Nämlich genau in die Brust und ließ ihn zurückweichen, da die Pranke einfach durch die Karte hindurch geglitten war.
      „Verdammter Kackmist“, fluchte Anya enttäuscht. Um eine Haaresbreite war sie am Sieg vorbei geschlittert!

      [Anya: 1100LP / Henry: 1300LP → 250LP]


      Aber sie war noch längst nicht am Ende ihrer Kräfte. Sie sah ihre Hand an, welche aus zwei Fallen und [Gem-Knight Fusion] bestand.
      „Ich setze drei Karten verdeckt. Du bist dran, Schnöselkind!“
      Völlig gleich, ob er ein Penner oder Multimilliardär war, dieser Typ hatte sie mit seinen Worten beleidigt. Dafür würde er bluten müssen! Und dafür, dass er einen Keil zwischen sie und Abby geschlagen hatte. Dafür … erst recht!

      Kaum hatte Anya das gesagt, riss Henry förmlich die nächste Karte von seiner Hand. Er wusste, dass jetzt etwas Gutes kommen musste, wenn er dieses Spiel noch für sich entscheiden wollte. Ohne Isfanels Kräfte konnte er dies jedoch nicht beeinflussen. Was er aber ohnehin nicht wollte, denn um diesem egoistischen Mädchen eine Lektion zu erteilen, durfte er sich nicht auf ihr Niveau herablassen.
      „Das ist es“, sprach er leise, als er seine gezogene Zauberkarte betrachtete. „Ich aktiviere den Ausrüstungszauber [Symbol Of Heritage]! Wenn drei Monster desselben Namens auf meinem Friedhof liegen, kann ich eines davon reanimieren und mit dieser Karte ausrüsten! Also erscheine, [3-Hump Lacooda]!“
      Eines von Henrys Kamelen tauchte wieder vor ihm auf. Um den Hals hatte es eine Kette mit einem Amulett hängen, in das ein gelber, ein roter und ein blauer Edelstein eingesetzt waren.

      3-Hump Lacooda [ATK/500 DEF/1500 (3)]

      „Und jetzt als Normalbeschwörung: [Grass Phantom]!“
      Henry knallte förmlich seine letzte Karte auf die Duel Disk, woraufhin vor ihm eine grüne Kohlrübe auftauchte, aus deren Mund rosafarbene Tentakel lugten.

      Grass Phantom [ATK/1000 DEF/1000 (3)]

      „Ich habe noch einen Trumpf!“, rief Henry und schwang den Arm aus. „Ich erschaffe das Overlay Network!“ Seine beiden Monster wurden zu brauner und blauer Energie, die von dem sich öffnenden schwarzen Loch absorbiert wurde. „Land und Meer, Erde und Wasser, werdet eins! Steh mir bei, [Circulating Flow – The Gaia Cleaver]!“
      Aus dem schwarzen Wirbel erhob sich eine eindrucksvolle Gestalt. Zwar hatte der Riese einen menschlichen Körperbau, doch bestand sein Körper aus purem, hellbraunem Gestein. Wie Venen flossen kleine Flüsse an seinen Armen und Beinen und in einer seiner Hände hielt der Gigant, der mit dem Kopf an die Decke des Klassenzimmers stieß, eine riesige Axt. Zwei Lichtsphären kreisten um ihn.
      „Fett“, staunte selbst Anya beim Anblick dieses Monsters. Oder eher seiner Angriffspunkte.

      Circulating Flow – The Gaia Cleaver [ATK/3500 → 2000 DEF/2000 {3}]

      „Huh!?“ Plötzlich gingen von den beiden Sphären Blitze aus. Der Riese schrie auf und rollte sich zusammen. Binnen eines Herzschlags hatte er eine kugelrunde Form angenommen, sah aus wie ein Planet. Beinahe wie die Erde!
      Anya blinzelte verdutzt. „Wieso hat das Teil Angriffspunkte verloren!?“
      „Der Gaia Cleaver wird von seinem Xyz-Material versiegelt, wodurch seine Angriffskraft um deren Stärke sinkt.“

      Verstehe. Da seine Materialien zusammen 1500 Angriffspunkte besitzen, hat dieses Wesen genauso viele Punkte verloren. Anya Bauer, das bedeutet aber auch, dass er nur seinen Effekt einsetzen und die Materialien wieder abkoppeln muss, um wieder stärker zu werden.

      „So weit war ich auch schon“, zischte Anya leise.
      Unruhig starrte sie auf die mittlere ihrer drei gesetzten Karten.
      „Effekt des Gaia Cleavers aktivieren!“, rief Henry und zog das [Grass Phantom] unter seinem Xyz-Monster hervor. „Wenn du mindestens vier Karten kontrollierst, kann ich pro Zug eine davon zerstören!“
      Plötzlich brach die Erdkugel, als eines der Xyz-Materialien in ihr verschwand, auf und verformte sich wieder zu dem Axt schwingenden Gesteinsriesen.

      Circulating Flow – The Gaia Cleaver [ATK/2000 → 3000 DEF/2000 {3}]

      Anya schnaufte nur. Nichts, womit sie nicht gerechnet hatte. Wieder fiel ihr Blick unauffällig auf die mittlere gesetzte Karte. Dann sah sie abwartend zu Henry auf.
      „Ein Monster und drei gesetzte Fallen. Wenn ich [Kachi Kochi Dragon] vernichte, würde ein direkter Treffer reichen, um zu gewinnen“, meinte Henry, „aber täte ich das, würde ich Gefahr laufen, das Opfer einer deiner Fallen zu werden. Den Drachen kann ich auch so beseitigen, auch wenn ich dann noch eine Runde warten muss, ehe ich dich besiegt habe. Aber anders als du überstürze ich nichts!“
      „Was ist also deine Lösung, Einstein?“, fragte Anya herausfordernd.
      „Die Karte zu zerstören, die du die ganze Zeit anstarrst! Die in der Mitte!“
      „Oh shit!“, stieß Anya erschrocken hervor.
      Der Riese warf seine Axt nach Anyas gesetzter Karte, welche durch einen geraden Schnitt in zwei Teile geteilt wurde und explodierte. Das Mädchen nahm sie daraufhin aus ihrer Duel Disk und grinste hämisch. Dabei nahm sie einen gespielten, weinerlichen Tonfall an. „Was soll ich denn jetzt ohne meine [Gem-Knight Fusion] machen!?“
      „Noch ein Bluff!?“
      „... bingo! Damit hast du nicht gerechnet, was? Meine Karten nützen mir selbst dann noch, wenn ich sie gar nicht aktivieren kann!“
      Henry starrte das Mädchen ungläubig an. „Wieder so ein Trick? Du kannst wohl nicht anders … aber deinen [Kachi Kochi Dragon] wird das auch nicht retten! Gaia Cleaver, greife ihr Monster an! Earth Glaive!“
      Der Riese musste nur einmal mit dem Fuß aufstampfen, um mehrere Felsspitzen aus dem Boden schießen zu lassen, die alle zusammen Anyas Drachen aufspießten. Brüllend explodierte das Monster, wobei dessen Besitzerin genervt aufschrie.

      [Anya: 1100LP → 200LP / Henry: 250LP]


      „Zug beendet“, sprach Henry trotz allem halbwegs zufrieden, „nun sind wir wieder fast gleichauf. Wenn nicht ausgerechnet du meine Gegnerin wärst, würde das sogar Spaß machen …“
      „Tch! Denk nicht, dass ich so leicht aufgebe!“
      Nebenbei nahm der Riese wieder seine Planetenform an.
      Die Arme verschränkend, schüttelte Henry den Kopf. „Tu ich nicht. Aber du solltest wissen, dass der Gaia Cleaver nicht von Monstereffekten zerstört werden kann, solange er Xyz-Material besitzt. Also versuch es gar nicht erst. Und denk gar nicht erst an einen Angriff, denn Gaia Cleaver kann bis zu 5000 Angriffspunkte einmalig abwehren. Sieh es ein, einen ganzen Planten kannst du nicht besiegen!“
      „Was!? … pff, was auch immer.“

      Damit war ihr Plan, das Ding sowohl mit [Gem-Knight Prismaura], als auch [Gem-Knight Ruby] zu zerstören gerade gestorben, dachte Anya genervt. Ihre einzigen Möglichkeiten, an dieses Ding heran zu kommen!
      Jetzt musste sie wirklich etwas Gutes ziehen, wenn sie noch eine Chance haben wollte. Außer den zwei Fallen besaß sie keine Karten mehr.
      Sie griff unschlüssig nach ihrem Deck.

      Brauchst du meine Hilfe?

      „... Hell no! Das werde ich alleine regeln! Draw!“
      Nein, wenn sie dem Kerl beweisen wollte, dass sie auch ohne Hilfe gewinnen konnte, musste sie auf Levriers Fähigkeiten verzichten!
      „Nur ein Monster, mehr brauch ich nicht“, murmelte Anya leise und drehte die Karte langsam in ihrer Hand um. Nur um dann die Augen zu schließen. Und in die Luft zu springen. „Hell yeah!“
      Dann widmete sie sich wieder ihrem Gegner. „Sorry Kumpel, sieht nicht so aus, als ob du hier noch mal Land gewinnst! Ich beschwöre von meiner Hand [Gem-Knight Sapphire]! Zusätzlich reanimiere ich durch meine Falle [Birthright] ein normales Monster von meinem Friedhof, nämlich [Gem-Knight Tourmaline]! Erscheint!“
      Und das taten sie. Sowohl ein Ritter in blauer Rüstung samt darin eingebettetem Saphir, der einen Schwall aus gefrorenem Wasser erzeugte, als auch der Krieger des Turmalins in goldener Rüstung. Letzterer war aus einem Loch im Boden aufgetaucht, nachdem Anyas Falle aufgeklappt war.

      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]
      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      Es bedarf keiner Worte um zu wissen, was Anya vorhatte. Das Overlay Network öffnete sich abermals und absorbierte die Lebensessenzen ihrer Krieger. Kämpferisch rief Anya: „Erscheine, [Gem-Knight Pearl]!“
      Aus dem schwarzen Wirbel trat ihr weißer Ritter hervor, dessen Waffen – seine sieben rosafarbenen Riesenperlen – ihm wie ein Rattenschwanz folgten, als er knapp bis an die Decke des Klassenzimmers stieg.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4}]

      „Das ist nicht einmal annähernd genug, um Gaia Cleaver gefährlich zu werden!“, protestierte Henry. „Mit deinem effektlosen Paktmonster erreichst du gar nichts!“
      „Sagt wer?“ Anya hatte genug von diesem arroganten Mistkerl. Der würde jetzt sein blaues Wunder erleben! „Wenn du dachtest, ich würde nur einen Weg kennen, um ohne [Gem-Knight Fusion] zu fusionieren, hast du dich aber so was von geschnitten! Sieh her, meine letzte Fallenkarte! [Fragment Fusion]!“
      Anyas Falle sprang auf und zeigte den weißen Ritter [Gem-Knight Crystal] in unendliche Leere fallend, wobei ein Wirbel aus Edelsteinen ihm folgte.
      „Hiermit kann ich von meinem Friedhof Monster verschmelzen, indem ich sie aus dem Spiel verbanne!“, erklärte Anya hitzig, griff nach ihrer Duel Disk und zog zwei Karten aus ihrem Friedhof, die sie in ihre Hosentasche steckte. „Der einzige Nachteil ist, dass das beschworene Monster am Ende des Zuges das Zeitliche segnet! Aber mehr brauche ich auch nicht! Mach dich bereit, ich entferne Garnet und den zweiten Tourmaline von meinem Friedhof! Garnet, du bist das Herz, Tourmaline, du die Rüstung! Vereint euch!“
      Plötzlich tauchten überall im Raum die verschiedensten Edelsteine auf. Weiße Energielinien bildeten sich überall zwischen ihnen und boten eine spektakuläre Show. Doch vor Anya geschah etwas Besonderes, denn dort wurde ein regelrechtes Netz gebildet. Fast wie ein Loch mutete es an und das war es auch, als mit einem Mal ein Krieger in roter Rüstung daraus vor dem Mädchen auftauchte.
      „Endlich bist du hier, [Gem-Knight Ruby]!“
      Mit wehendem, blauen Umhang und Lanze in der Hand, stand der Rubinritter direkt unter Pearl.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

      „Und jetzt sieh zu und lerne! Ich opfere durch Rubys Effekt meinen Pearl, um Rubys Angriffspunkte um die von Pearl zu erhöhen! Zu mehr ist das nutzlose Ding eh nicht gut!“
      Henry schreckte zurück. „Im Ernst!?“
      „Aber so was von!“
      Anyas Xyz-Monster löste sich in weißem Licht auf, welches von Rubys Lanze absorbiert wurde. Schließlich erglühte um den Ritter eine rosafarbene Aura.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 5100 DEF/1300 (6)]

      Fassungslos starrte Henry den gestärkten Ritter an. „Das ist nicht wahr …“
      „Tja, so ein Pech, was!? Dein dämliches Monster kann nur Angriffe blocken, die mit maximal 5000 Angriffspunkten ausgeführt werden! Sieht wohl so aus, als ob mein Ruby jetzt stark genug ist, um einen ganzen Planeten zu vernichten!“
      Anya streckte zufrieden den Arm aus. Plötzlich wurde ihre Stimme ernst. „Du irrst dich. Abby ist für mich kein Anhängsel, sie ist die Einzige, die sich vorstellen kann, wie ich mich fühle! Und ja, verdammter Kackmist, ich bin eifersüchtig! Wie würdest du dich fühlen, wenn die einzige Person, der du vertraust, dir lauter Dinge verheimlicht!? Also hör gefälligst auf, dir einzubilden zu wissen, was andere Menschen fühlen! Kein Mensch kann jemals wissen, was der andere fühlt!“
      Sie atmete ein letztes Mal tief durch, ehe sie befahl: „Los Ruby, Attacke! Sparkling Lance Thrust!“
      „Pah … ist das ein schlechtes Omen oder was? Du und einen Planeten zerstören?“, fragte Henry plötzlich, als Anyas Monster auf den Gaia Cleaver zuraste und überging dabei bewusst ihren Appell. „Das lasse ich nicht zu! Von dir lasse ich mich nicht besiegen, niemals! Falle aktivieren!“
      Erschrocken zuckte Anya zusammen. „Was!? Die habe ich total vergessen!“

      Henry war erstaunt, gleichwohl aber auch rasend vor Wut. Dass dieses Mädchen es so weit gebracht hatte kam für ihn völlig überraschend. Vielleicht war sie wirklich nicht so dumm, wie er angenommen hatte? Aber selbst wenn das stimmte, änderte das nichts an ihrem Charakter. Allein ihn damit zu erpressen, Melinda etwas anzutun, war etwas, das er ihr niemals vergeben würde. Nein, sie würde seine Hilfe nicht erhalten, solange sie sich nicht grundlegend änderte!
      Zwar hatte er ursprünglich geplant, sie mit seiner letzten Fallenkarte unter Hilfe der [Damage Diet] auf seinem Friedhof zu besiegen, doch es war letztlich anders gekommen. Aber zumindest eins konnte er noch tun. „Ich aktiviere [Destruction Ring]! Jener vernichtet eines meiner Monster, um uns beiden 1000 Punkte Schaden zuzufügen!“
      Anyas Gesichtszüge entglitten ihr regelrecht, als sie das hörte. Geschieht dir recht, dachte Henry sich dabei schadenfroh.

      Noch bevor Ruby mit seiner Lanze den Planeten berührt hatte, explodierte dieser unter lautem Getöse von selbst und schleuderte den Krieger weit zurück.
      Anya wurde geblendet von dem grellen Licht und konnte nicht begreifen, was soeben geschehen war. Dieser Typ, er-

      [Anya: 200LP → 0LP / Henry: 250LP → 0LP]


      … hatte aus Verzweiflung tatsächlich ein Unentschieden provoziert.
      Die Hologramme verschwanden, sodass die beiden sich schließlich im Klassenraum gegenüber standen und in gebeugter, von der Anspannung hervorgerufener Haltung hasserfüllt anstarrten.
      „Das hast du wirklich gut gemacht!“, fauchte Anya garstig mit Schweiß auf der Stirn. Sie war so kurz davor gewesen, zu erfahren, wie sie den Pakt loswerden konnte. So nah dran!

      Du hast gut gekämpft, Anya Bauer. Und damit meine Erwartungen an dich zum ersten Mal bei weitem übertroffen. Du warst deinem Gegner wahrlich ebenbürtig.

      „Spar dir das, Levrier, ich habe nicht gewonnen!“, donnerte Anya aufgewühlt.
      Hätte sie doch nur bessere Karten gehabt, dachte sie dabei frustriert. Dann hätte sie ihn vielleicht besiegen können! Nur daran hatte es gelegen, ihr Spiel war besser denn je gewesen!
      Plötzlich stand Henry vor ihr und reichte ihr die Hand.
      „Gutes Spiel“, sagte er dabei steif.
      Allerdings wurde er dafür nur angeherrscht. „Was soll das jetzt!?“
      „So zollt man dem anderen Respekt. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob du den verdient hast.“
      Wütend schlug Anya seine Hand beiseite, wie schon beim letzten Mal, als sie sich duelliert hatten. „Deinen Respekt brauche ich aber nicht, Milchbubi!“
      Die Hand sinken lassend, schüttelte Henry den Kopf. „Wie ich mir dachte, du hast tatsächlich nichts dazugelernt. Du bist vielleicht besser geworden, aber an deiner Einstellung hat sich nichts geändert.“
      „Das ist nicht wahr.“

      Die beiden drehten sich überrascht um, als Abby im Türrahmen stand.
      „Anya hat zum ersten Mal zugeben, dass sie verletzlich ist.“ Das Mädchen schritt auf die beiden zu und lächelte, wischte sich dabei mit einem Taschentuch eine Träne unter der Brille weg. „Ich hab die ganze Zeit alles mit angehört. Und ich finde es toll, dass du dir so viel Mühe gegeben hast, ohne dich von Levriers Fähigkeit abhängig zu machen, Anya.“
      „Du bist nicht mehr wütend?“, fragte Anya skeptisch, als Abby vor ihr stand und lächelte.
      Jene schüttelte den Kopf. „Nein. Weil du recht hattest. Ich hätte dir diese Dinge nicht verschweigen dürfen. Und auch nicht hinter deinem Rücken mit Henry nach seiner Schwester suchen, obwohl du meine Hilfe genauso nötig brauchst.“
      „Ich erinnere euch beide an unseren Deal“, mischte sich der brünette Kerl daraufhin ein. „Da Anya weder verloren, noch gewonnen hat, ändert sich nichts. Wenn ich Melinda gefunden habe, sage ich euch, wie ihr den Pakt brechen könnt. Eher nicht.“
      Abby sah den jungen Mann daraufhin mit einem bedauernden Gesichtsausdruck an. „Tut mir leid, Henry, aber wir wissen bereits um diese Möglichkeit.“
      „Was!?“, schoss es sowohl aus Anyas, als auch aus Henrys Mund.
      Nickend deutete Abby auf den Spross der Ford-Familie. „Deine Geschichte hat bestätigt, was Nick von Isfanel erfahren hat, als sie sich duelliert haben. Da Isfanel dein Paktdämon war. Er hatte gesagt, dass man den Tod überleben müsste. Und das hast du getan, nicht wahr?“
      Henry rieb sich verlegen den Hinterkopf. „Schätze die Katze ist damit aus dem Sack, was?“
      „Stimmt das?“, fragte Anya, die sich nicht sicher war, ob sie überhaupt verstand, was da gerade abging. „Du bist 'ne Leiche?“
      „Nein!“, widersprach Henry. „Aber es ist wahr, dass ich an der Schwelle des Todes stand. Es ist ...“

      „Du kannst uns die Geschichte später erzählen“, unterbrach Abby ihn freundlich und richtete sich an Anya. „Aber vorher muss ich dir etwas zeigen. Erst dachte ich, es wäre keine gute Idee, bloß hast du schließlich ein Recht darauf, es zu sehen. Keine Geheimnisse mehr zwischen uns, nicht wahr?“
      Neugierig kratzte sich Anya am Kopf. Damit war die Sache wohl ein für alle Mal erledigt – endlich! Brummig fragte sie: „Wenn du meinst? Um was geht es denn?“
      „Valerie ist zurück“, antwortete Abby geheimnisvoll. „Und … du wirst es sehen, wenn du mitkommst.“
      „Redfield? Pff, was interessiert mich Daddys kleine Prinzessin?“
      „Sie wartet auf uns bei sich zuhause. Komm einfach mit, okay?“
      Henry zuckte mit den Schultern. „Ich glaube, das geht mich nichts an. Ich verschwinde und suche weiter nach Melinda. Abby, wirst du mir trotzdem helfen?“
      Das Mädchen nickte freundlich, aber zurückhaltend lächelnd. „Natürlich. Aber Anya ist auch meine Freundin.“
      „Ich weiß. Wenn ich irgendetwas Interessantes erfahre, was Eden betrifft, teile ich es euch mit. Aber erwarte nicht, dass ich warm mit ihr werde.“
      Anya stemmte wütend die Hände in die Hüften. „Gleichfalls! Und hey, was ist jetzt mit deinem kleinen Geheimnis?“
      „Abby wird es dir erklären, da sie wahrscheinlich ohnehin schon alles durchschaut hat. Mehr müsst ihr auch nicht wissen, das ist Privatsache. Also dann, tschüss ihr beiden.“ Mit diesen Worten drehte er sich um und hob die Hand zum Abschiedsgruß, während er das Klassenzimmer verließ.
      Als er weg war, seufzte Abby nachdenklich. „Ich ahne, was vorgefallen ist. Kein Wunder, dass er so plötzlich weg wollte. Darüber spricht man bestimmt nicht gern.“
      Anya, die keine Ahnung hatte, wovon ihre Freundin da sprach, zuckte mit den Schultern. „Mir egal, der Typ geht mir auf die Eierstöcke.“
      „Er ist kein schlechter Kerl, er macht sich nur Sorgen um seine Schwester.“
      „Was auch immer. Was ist jetzt mit Redfield?“
      „Ja … lass uns gehen.“

      ~-~-~


      „... und was macht eigentlich Nick?“, fragte Anya, während sie zusammen die letzten Meter Richtung der Villa der Redfields nahmen.
      „Keine Ahnung, er hat mir zwar zusammen mit Henry und Valerie erzählt, was vorgefallen ist, aber seitdem habe ich nichts mehr von ihm gehört. Vielleicht versteckt er sich, weil er Angst hat? Du weißt ja wie Nick ist.“
      „Wenn ja, werde ich ihn schon aus seinem Loch holen“, schnaubte Anya.
      Wenn sie eines hasste, dann waren es Schisser. Es grenzte an ein Wunder, dass er überhaupt noch lebte. Aber dass er sogar das Duell gewonnen hatte? Das zu glauben fiel ihr wirklich schwer. Nick doch nicht!

      „Jedes Mal, wenn ich dieses Teil sehe, kommt die Pyromanin in mir hoch“, giftete Anya schließlich, als sie vor dem Grundstück der Redfields standen.
      Es war sehr farbenfroh gehalten. Überall wuchsen Rosenstöcke und andere Blumen, eine Hecke trennte an beiden Seiten das Grundstück von den Nachbarn. Das dreistöckige Gebäude hingegen war komplett weiß und ähnelte in seiner Form ein wenig jenem berühmten Haus, in dem sich die Präsidenten den Hintern wund saßen.
      Anya hasste es.
      Am Tor angelangt, betätigte Abby die Klingel. Kurz darauf meldete sich eine weibliche Stimme über Lautsprecher. „Ja bitte?“
      „Hi Val-“
      „Redfield? Ich hab gehört, du wolltest mich sehen?“, raunte Anya da schon in den Sprecher.
      „Anya? Du bist gekommen? Gut. Kommt rein“, antwortete Valeries Stimme tonlos und ein anschließendes Knacken deutete an, dass sie bereits aufgelegt hatte.
      Die Torflügel schwangen daraufhin auf, sodass die Mädchen über einen kleinen Kiesweg hin zur Haustür gelangten. Jene öffnete sich, noch bevor sie angekommen waren. Valerie schien sie wirklich zu erwarten, trat sie schließlich nach draußen und kam ihnen eilig entgegen.

      „Ich glaub, ich muss kotzen“, war Anyas erster Kommentar, als sie ihre geschworene Erzfeindin erblickte. „Was ist das da auf deinem Kopf, Redfield? Ein Propeller?“
      Damit meinte sie die rosafarbene Schleife, welche das lange, schwarze Haar zu einem Pferdeschwanz zusammenband.
      Tadelnd zischte Abby: „Anya! Jetzt ist nicht der Zeitpunkt für so etwas!“
      „Ich freue mich auch, dich zu sehen“, entgegnete Valerie der Blondine kalt. „Kommt bitte mit.“
      Und so folgten sie dem Mädchen in die Villa. Anya hatte ihre lieben Mühen, nicht eine der vielen Antiquitäten, die Valeries Vater sammelte, unauffällig zu demolieren. Das ganze Haus sah von innen viel älter aus, als von außen. Alles war mit Holz ausgearbeitet, wirkte alt und viel eher wie eine überdimensional große Winterhütte, denn wie die Villa eines Bürgermeisters. Zumindest war das Anyas Meinung.
      „In die Küche“, sagte Valerie stocksteif und führte sie in ebenjene.

      Und als Anya sie betrat, konnte sie ihren Augen nicht trauen. Dort, auf dem Tisch sitzend …
      „Was zur Hölle ist das denn!?“
      „Oh, er hat wohl wieder Hunger. Zu dumm, bei Nick wird der Kühlschrank immer abgeschlossen, deswegen kommt er immer wieder hierher zurück.“
      Anya wusste nicht, was das Ding dort war, das auf dem Esstisch der Familie Redfield saß und sich ein ganzes Tortenstück auf einmal in den Mund schob. Je länger sie es jedoch betrachtete, desto weniger wollte sie es wissen.
      „Darf ich vorstellen? Das ist Orion“, kicherte Abby.
      Der schwarze Schattengeist drehte sich zu den drei Mädchen um und starrte die Blondine mit seinen Kulleraugen an. Kurz musterte er ihre Statur, ehe er flötete: „Heiliger Mambajamba, ich glaub ich bin verliebt.“
      Mit vorgehaltener Hand flüsterte Abby amüsiert zu Anya: „Das sagt er zu allen weiblichen Wesen.“
      Orion hüpfte vom Tisch und lief auf Anya zu, was sich allerdings als fataler Fehler herausstellte, als diese ihn mit einem gezielten Kick gegen den Kühlschrank schleuderte. „Komm mir nicht zu nahe, du hässliches Ding!“
      Von der Kühlschranktür herabrutschend, krächzte Orion. „Oh, eine Tsundere. Die liebe ich ganz besonders … aber diese hier ist irgendwie nur Tsun, kein bisschen Dere … Aua …“
      „Redfield, was ist das für ein Ding!? Und was sucht es ausgerechnet bei dir!?“
      „Joan hat mich zu ihm geführt. Er soll mich bewachen, wenn sie nicht da ist. Er ist ein Schattengeist, aber im Grunde ein guter Kerl … Hey! Nein Orion, wir machen unser Geschäft nicht in der Küche!“
      Staunend sah Anya mit an, wie dieses Ding doch tatsächlich ein Häufchen auf Valeries teurem Parkettboden legte. Was ihm gleich die ersten Sympathiepunkte einbrachte.
      „Ich kacke dahin, wo's mir passt! Ich bin doch keine Katze, die-“
      Doch schon war Valerie auf ihn zugestürmt und hatte ihn gepackt. „Du gehst jetzt schön auf dein Töpfchen!“
      Mit dem laut protestierenden Orion verließ sie kurzerhand die Küche. Genervt murmelte sie im Vorbeigehen an die anderen beiden gewandt: „Bin gleich wieder da.“

      Und kaum war Valerie um die Ecke verschwunden, wandte sich Anya enttäuscht an ihre Freundin. „Und deswegen hast du mich hierher gebracht?“
      „Auch, aber-“
      „Hi Anya, hi Abby.“
      Anya drehte sich um. Und dieses Mal schien es, als würde ihr Herzschlag einen Moment aussetzen.
      Sie spürte, wie die Hitze in ihr aufstieg, war jedoch unfähig, etwas zu sagen, geschweige denn auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
      Das konnte nicht sein. Er war …
      „Hi Marc“, grüßte Abby den großen, kräftigen Footballspieler zurückhaltend.
      „Na, hast du Orion schon gesehen?“, fragte Marc Anya amüsiert, die es gerade noch so fertig brachte, zu nicken. „Ist schon ein komisches Kerlchen. Aber irgendwie lustig. Sein Stoffwechsel gibt mir aber zu denken.“
      Einen Moment starrte der junge Mann irritiert das leere Kuchenblech auf dem Esstisch an. „Hat er den ganzen Kuchen gefuttert, den Valerie gebacken hat?“
      „Ja, sieht so aus“, antwortete Abby ihm weiterhin schüchtern, dabei besorgt auf Anya schielend, die sich keinen Millimeter rührte.

      „Lass mich endlich runter“, kreischte jemand hinter Marc im Türrahmen.
      Valerie gesellte sich mit schockiertem Gesichtsausdruck zu ihm und ließ dabei glatt Orion fallen. Es war offensichtlich, dass sie nicht geplant hatte, dass Anya und Marc sich so begegneten. Wie in Trance sagte sie: „Anya, kann ich kurz mit dir unter vier Augen reden?“
      Ohne eine Antwort abzuwarten, packte Valerie die Blondine am Handgelenk und zerrte sie davon. Anya ließ es sich kommentarlos gefallen.
      „Was ist denn mit denen los?“, wunderte sich Marc unbekümmert. „Hat das etwas mit Orion zu tun?“
      „Nein“, antwortete Abby ihm betrübt. „Eher mit dir.“
      Marc schob den Ärmel seines Pullovers beiseite. Zum Vorschein kam sein verblasstes Paktmal, das Langschwert, das eins mit einer Flamme wurde. „Also hiermit …“
      „Unter anderem“, gab sich Abby weiterhin knapp.
      Tatsächlich machte sie sich große Sorgen, um das, was Anya jetzt bevorstand. Die glaubte schließlich, Marc getötet zu haben. Dass er nun wieder zurück war …
      Und nicht zuletzt hatten Valerie und sie seit damals nicht mehr miteinander gesprochen. Aber die Anspannung der Schwarzhaarigen hatte sie, seit sie zurück war, die ganze Zeit über gespürt und nun befürchtete Abby, dass jene Anspannung sich gegen Anya entladen würde.
      „Hoffentlich geht das gut“, murmelte sie nachdenklich.

      ~-~-~


      Kaum hatte Valerie die Tür ihres Zimmers geschlossen, rammte sie Anya mit voller Wucht gegen ebendiese.
      „Damit eins klar ist: was du jetzt erfährst, wirst du niemandem erzählen! Nicht Abby, nicht Nick, nicht einmal Marc! Absolut niemandem, verstanden!?“
      Anya, die zu verwirrt war, um zu protestieren, nickte.
      „Gut!“ Valerie ließ jedoch nicht ab von Anya, presste sie eher noch härter gegen die Tür. „Marc lebt, du hast richtig gesehen! Ich habe ihn zurückgeholt!“
      „Wie … wie hast du das angestellt!? Ich … dachte er sei …?“
      „Ich habe sozusagen meine Seele dem Teufel verkauft, um ihm sein Leben zurückzugeben.“ Ihre Stimme wurde leise, fast kaum mehr hörbar. „Merk dir das hier gut: Marc erinnert sich nicht an die Dinge, die an jenem Tag geschehen sind, als du ihn kaltblütig getötet hast! Alle denken, er hätte deinen Angriff, beziehungsweise den Brand überlebt! Das bleibt auch so, verstanden!?“

      Anyas Herz trommelte in ihrer Brust wie niemals zuvor. All die Erinnerungen, die sie verdrängen wollte, kamen zurück. Marc, der sie töten wollte, um Valerie davor zu bewahren, ein Opfer Edens zu werden. Marc, der es am Ende nicht geschafft hatte, das auch durchzuziehen. Marc, der lieber selbst sterben wollte, als sie umzubringen und sie provoziert hat, ihm den Gnadenstoß zu versetzen.
      Wieso lebte er wieder? Was hatte Valerie da bloß getan?

      Jene redete ungehalten weiter: „Marc weiß nicht, dass er tatsächlich versucht hat, dich umzubringen. Für ihn ist jener Tag so verlaufen, als hätte Isfanel ihn verlassen, weil er nutzlos geworden ist. Diese Erinnerungen habe ich ihm einpflanzen lassen, damit er nicht an seinen alten Erinnerungen zerbricht. Er weiß aber sehr wohl, dass er darüber nachgedacht hat, dich zu töten. Deswegen …“
      „W-“
      „Komm ihm nicht zu nahe, klar!? Du hast ihn mir schon einmal genommen! Ich habe alles von Marc erfahren: von Eden und den Opfern, die erbracht werden müssen! Ich weiß, ich bin eines davon und nur deshalb werde ich dir helfen, diesen Terror zu beenden. Aber lass-ihn-in-Ruhe!“ Valeries Finger bohrten sich tief in Anyas Oberarme. „Sonst wirst du deines Lebens nicht mehr froh werden.“
      Anya sagte nichts. Deshalb schüttelte Valerie sie heftig. „Hast du verstanden!?“
      „Ja!“

      Tief durchatmend ließ Valerie schließlich von Anya ab, fand ihre Fassung wieder. „Gut … ich habe einen großen Preis gezahlt, damit Marc wieder lebt. Mach das nicht kaputt!“
      Wie denn, dachte Anya aufgewühlt. Sie verstand nichts von all dem, was heute geschehen war. Es war einfach zu viel!
      „Orion ist auch nicht Joans Bote, sondern eine Art Wächter, der den von mir gezahlten Preis einfordert, wenn die Zeit gekommen ist“, erklärte Valerie weiter. „Aber all das bleibt unter uns!“
      „Warum erzählst du mir das überhaupt!?“
      „Damit du dir deiner Verantwortung bewusst bist! Nicht nur Marc hat eine neue Chance bekommen, sondern auch du! Was du getan hast, werde ich dir niemals vergeben! Aber zumindest hast du jetzt die Chance, dir selbst zu vergeben!“
      „Aber-“
      „Geh jetzt, Anya! Melde dich nur bei mir, wenn es wirklich wichtig ist! Ich kann deinen Anblick nicht länger ertragen!“
      Wortlos kam die Blondine der Aufforderung nach und verließ Valeries Zimmer. Unwissend, was sie jetzt tun sollte. Marc war zurück … und mit ihm all die Probleme, denen sie zuvor aus dem Weg gegangen war.


      Turn 22 – What I Didn't Dream About Jeannie
      Zwei Tage sind vergangen, seit Anya die Wahrheit über Valeries Verschwinden erfahren hat. Unverhofft meldet sich Matt bei ihr und scheint einen Weg gefunden zu haben, wie sie den Pakt mit Levrier brechen kann. Durch einen Jinn, demselben Fabelwesen, welches angeblich jedem, der seine Lampe besitzt, drei Wünsche gewährt. Anya, die zunächst skeptisch ist, begleitet Matt auf den Weg zum Aufenthaltsort der Lampe. Doch die Dinge geraten völlig aus dem Ruder, als …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Tourmaline x2
      Gem-Knight Sapphire

      Gem-Knight Fusion
      Silent Doom

      Pyroxene Fusion
      Fragment Fusion
      Birthright

      Gem-Knight Ruby
      Gem-Knight Pearl
      Kachi Kochi Dragon

      Henry

      Marauding Captain
      3-Hump Lacooda x3
      Grass Phantom

      Prohibition
      Flash Of The Forbidden Spell
      Inferno Reckless Summon
      Symbol Of Heritage

      Seven Tools Of The Bandit
      Ojama Trio
      Damage Diet
      Destruction Ring

      Grenosaurus

      Circulating Flow – The Gaia Cleaver
      Aqua/Wasser/Xyz
      ATK/3500 DEF/2000 {3}
      Stufe 3 ERDE-Monster + Stufe 3 WASSER-Monster
      Einmal pro Zug, indem du ein Xyz-Material von dieser Karte abhängst, während dein Gegner mindestens vier Karten kontrolliert: wähle eine Karte deines Gegners und zerstöre sie. Die ATK dieser Karte wird um die ATK seines Xyz-Materials verringert. Solange diese Karte Xyz-Material besitzt, kann sie nicht von Monstereffekten zerstört werden. Nur einmal während des Duells: annulliere den Angriff eines Monsters mit 5000 oder weniger ATK.
      Turn 22 – What I Didn't Dream About Jeannie
      Anya Bauer, ich verstehe deinen Unmut, aber dies ist nicht die Zeit zum Trübsal blasen. Neun Tage haben wir noch Zeit, die letzten Vorbereitungen zu treffen, um Eden zu erwecken. Wenn wir scheitern, hat das für dich schlimme Konsequenzen! Und ich werde die letzte Chance verlieren, meine Bestimmung zu erfüllen!

      Doch selbst Levriers eindringliche Worte erreichten nichts bei Anya. Zwei Tage war es jetzt her, dass sie Marc wiedergesehen hatte. Zwei Tage, in denen sie von so vielen Fragen und Zweifeln geplagt worden war wie nie zuvor.
      Es war der 2. November und Anya Bauer wusste nicht mehr, was richtig noch falsch war. Sie wollte nicht im Limbus enden, gleichwohl aber auch nicht Eden werden. Letzteres bedeutete neben dem Verlust ihrer selbst auch, dass sie Menschen opfern würde. Was kein Problem wäre, wenn nicht die Zweifel aufgetaucht wären.

      In der Zwischenzeit hatte sie Abby von der Zusammenarbeit mit den Dämonenjägern erzählt. Und wie sie es erwartet hatte, war ihre Freundin nicht gerade davon angetan. Zwar akzeptierte sie Anyas Entscheidung und stimmte sogar zu, dass die Hilfe der beiden dringend benötigt wurde, doch ihre Gefühle insbesondere gegenüber Matt machten es auch für Abby schwer, sich mit dem Gedanken der Kooperation anzufreunden.
      Aber das war nicht das eigentliche Problem.

      Valerie, Matt, Alastair und diese Melinda – sie alle waren Zeugen der Konzeption. Aber Anya wusste in ihrem Inneren, dass vier Opfer nicht reichten. Dann waren da noch Henry … und Marc. Ihre Male waren verblasst, sie hatten den Pakt gebrochen. Weil sie gestorben waren.
      Abby hatte es ihr erklärt. So war man als Zeuge – anders als Gefäß eines Gründers – nicht unsterblich. Doch das eigene Leben war das Bindeglied zwischen Mensch und Dämon, völlig unabhängig vom Paktpartner. Wird es durchtrennt, verschwand der Pakt. So war Henry seinem Dämon Isfanel entkommen. Selbstmord. Mit anschließender Reanimation.

      Hätte Anya die Wahl, würde sie es sofort ebenfalls probieren. Aber Levrier würde einfach ihren Körper übernehmen, bevor sie dazu kam. Das hatte er ihr deutlich gemacht und Anya wusste, dass er die Macht dazu besaß. Im Endeffekt konnte sie nichts gegen Levrier unternehmen, da er jeden Versuch, gegen seinen Willen zu handeln, im Keim ersticken würde. Es war zum Verzweifeln.
      Und selbst wenn sie dazu käme sich zu richten, wäre es extrem riskant. Denn würde sie dabei wirklich sterben, wäre der nächste Halt der Limbus, weil sie als Gefäß des Gründers einen besonderen Pakt geschlossen hat.

      Von all dem wussten die anderen jedoch nichts. Jedenfalls hoffte Anya das. Andererseits, wenn Abby so viel von Matt und auch Henry erfahren hatte, bestand kein Zweifel daran, dass sie bereits seit Langem wusste was Anya im Falle des Versagens blüht. Und dass sie im Grunde nicht gerettet werden konnte. Denn selbst wenn sie den Pakt brach, würde sie irgendwann eines natürlichen Todes sterben … und im Limbus laden. Das hatte Anya erkannt, nachdem sie lange über Marc und all die Dinge nachgedacht hatte, die ihr in den letzten Wochen passiert waren.
      Wäre sie doch bloß ihrem Lieblingsmotto treu geblieben …

      Mit trübem Gesichtsausdruck lag das Mädchen bäuchlings auf dem Bett und starrte in die Leere.
      „Levrier, woher soll ich wissen, was wir zu tun haben!?“, fragte sie ihren unsichtbaren Begleiter wütend. „Du bist doch der Gründer. Warum denkst du nicht etwas nach!? Die ganze Zeit hast du nichts gemacht, weil du keine Ahnung hattest. Tu gefälligst nicht so, als ob alles meine Schuld wäre!“

      Wie ich dir bereits einmal erklärt habe, wurde mein Gedächtnis manipuliert. Anscheinend sollte ich vergessen, wie man Eden erweckt, lange bevor ich es das erste Mal versucht habe. Ich bin nicht einmal imstande genau zu sagen, warum ich nur noch diese eine Chance besitze, Eden zu werden.

      Aber war es nicht merkwürdig, dachte sich Anya dabei. Wer würde Levrier so etwas vergessen lassen wollen und warum überhaupt? … im Grunde war es ihr egal, das war sein Problem. Nur hing sie da ebenfalls mit drin.

      Wir sollten uns zumindest einmal die Orte ansehen, an denen die verschiedenen Pakte geschlossen worden sind.

      Anya überlegte kurz. „Das wären die Aula, Victim's Sanctuary, vor unserer Gartentür und im Park … wobei Marc wohl eh nicht mehr zählt.“

      Wir sollten es uns trotzdem ansehen. Außerdem hast du vergessen, Alastairs Pakt aufzuzählen.

      „Ich habe bloß keine Ahnung, wo der Narbenfreak das gemacht hat.“

      Ich aber. Schließlich habe ich dich damals dort hingeführt. Es ist der Ort, an dem du die Leiche dieses Jungen gefunden hast.

      „Jonathan?“ Anya blinzelte verdutzt. Den hatte sie in all dem Ärger total vergessen.
      Sie hatte allerdings keine Lust, wieder die Bilder seiner gerösteten Leiche wach zu rufen. „Von mir aus, vielleicht seh' ich später da nach. Ich muss noch Hausaufgaben für Montag machen.“

      Seit wann machst -du- Hausaufgaben?

      Anya wollte antworten, dass sie das tat, seit ihr langweilig war. Doch das Telefon klingelte unerwartet, sodass sie vom Bett aufsprang und sich den schnurlosen Hörer von ihrem Schreibtisch schnappte, welchen sie in letzter Zeit erstaunlich oft benutzte.
      „Was!?“, herrschte sie in den Hörer.
      „Matt hier. Anya, hast du zufällig etwas Zeit?“
      Auf ihre Armbanduhr schauend, die ihr kurz vor 3 Uhr nachmittags anzeigte, brummte Anya: „Ja, aber nur, wenn du gute Nachrichten hast.“
      „Habe ich … vielleicht. Ich denke, ich habe einen Weg gefunden, wie wir dich von dem Gründer befreien können.“
      „Da kommst du aber zu spät“, rümpfte Anya die Nase, „das weiß ich längst. Aber fast-krepieren ist leider keine Option.“
      „W-was!? Was soll das heißen!?“
      Anya stöhnte genervt. „Das Pennerkind Henry hat es mir erzählt. Kennst du nicht, ist aber nicht so wichtig. Er war selbst mal mit einem Dämon verpaktet … oder so … jedenfalls hat er sich selbst umgenietet, wurde aber rechtzeitig reanimiert. So hat er den Pakt gebrochen.“
      Aufgeregt erwiderte Matt durch den Hörer: „Und das Mal? Ist es weg!?“
      „Hmm, nein. Aber fast.“
      „... verstehe. Wenn das so ist, würde ich mich nicht darauf verlassen, dass das stimmt. Womöglich ist es auch nur inaktiv.“

      Der Gedanke ist mir ebenfalls gekommen. Aber da ich lediglich ein wenig Restenergie sowohl aus Marc Butchers, als auch aus Benjamin Hendrik Fords Elysion nach außen dringen gespürt habe, ist es schwer, eine wahre Aussage diesbezüglich zu treffen.

      „Keine Ahnung, für mich kommt das jedenfalls nicht infrage.“
      „Gut, ich hatte nämlich ohnehin eine Idee, die mehr Erfolg verspricht. Kennst du zufällig Aladdin?“
      „Ja, wohnt gleich bei mir um die Ecke“, raunte Anya garstig, „was soll diese dämliche Frage denn? Für Disneyfilme bin ich zu alt! Guck dir das mit Alastair an!“
      „Aladdin gibt es nicht erst, seit Disney Filme davon produziert hat. Die Geschichte entstammt ursprünglich einem Märchen. Außerdem geht es mir nicht um Aladdin, sondern um die Wunderlampe.“
      „Soll das heißen … ?“
      „Korrekt. Wir suchen einen Jinn.“
      Erstaunt musste Anya glucksen. Ungläubig fragte sie: „Die gibt es wirklich?“
      „Ja, was denkst du, woher dieses Märchen denn stammt? Allerdings sind Jinns unglaublich selten und das nicht ohne Grund. Aber wenn jemand dich von dem Pakt befreien kann, dann definitiv ein Jinn.“
      „Und wie soll das gehen? Kann ich mir das von dem einfach so wünschen?“
      „Erstmal müssen wir uns eine Lampe besorgen, die auch einen Jinn beherbergt und nicht nur etwas, das sich als Jinn ausgibt.“ Matt machte eine kurze Kunstpause. „Ich würde vorschlagen, du kommst hierher, damit ich dir alles in Ruhe erklären kann. Ein Bekannter von uns hat uns geholfen, eine Lampe ausfindig zu machen, bei der eine gute Chance besteht, dass ein Jinn drin ist.“
      „Aber wieso ausgerechnet ein Jinn?“
      „Jinns spielen in der obersten Liga der übernatürlichen Wesenheiten. Und wenn du etwas bekämpfen willst, ist es immer klug, dafür eine Kraft zu verwenden, die stärker ist als die deines Feindes.“ Matt lachte. „Genau deswegen sind schon viele auf falsche Jinns hereingefallen, weil sie deren Macht gesucht haben. Die echten sind deshalb so selten, weil andere Dämonen ihre Existenz als Gefahr für sich selbst betrachten und deshalb die Lampen vernichten. Was den Tod für einen Jinn bedeutet.“
      „Mehr muss ich nicht wissen. Bin gleich da.“
      Kaum hatte sie aufgelegt, warf sie den Hörer aufs Bett und suchte nach ihrem Rucksack.

      Denkst du wirklich, dass du dich an diesen Strohhalm klammern solltest, Anya Bauer? Der Matt Summers spricht die Wahrheit, Jinns existieren. Aber sie sind genauso selten, wie er es beschrieben hat. Was, wenn wir auf einen Betrüger treffen?

      „Dann mache ich den einen Kopf kürzer“, raunte Anya und packte ihre Duel Disk in den Rucksack. Nur für den Fall.

      Ich werde nicht zulassen, dass du den Pakt auflöst.

      „Warum übernimmst du dann nicht gleich meinen Körper und stoppst mich?“, erwiderte Anya abgelenkt und überlegte, ob sie Barbie mitnehmen sollte.

      Das sollte ich. Aber nicht jetzt. Zunächst möchte ich sehen, ob wir es wirklich mit einem Jinn zu tun haben. Wenn dem so ist, könnte das sehr hilfreich für uns sein. Gewiss verfügt er über Wissen, welches mir verborgen ist.

      Anya schulterte ihren Rucksack. „Da kann man wohl nichts machen, was?“
      Mit diesen Worten verließ sie ihr Zimmer. Daran denkend, dass Levrier nicht bedacht hatte, dass er zwar ihren Körper übernehmen konnte, aber nicht Matts. Und der würde schon dafür sorgen, dass alles so lief, wie -sie- es wollte.

      ~-~-~


      „Der ist ja auch hier“, war Anyas erster, selbstverständlich abfälliger Kommentar, als Matt ihr die Tür des Motelzimmers öffnete. Damit meinte sie Alastair, der draußen auf dem Parkplatz irgendetwas im VW-Bus des Dämonenjägergespanns suchte. Das Motel, das sich am Stadtrand befand, machte schon außen aufgrund der wenig genutzten Parkmöglichkeit einen verlassenen Eindruck.
      „Wo soll er sonst sein?“, entgegnete Matt ihr im selben, flapsigen Tonfall. „Komm kurz rein, ich will nur schnell etwas holen.“
      Kaum hatte Anya das bescheiden eingerichtete Motelzimmer betreten, runzelte sie schon die Stirn. „Lüftet ihr den Laden nicht mal? Hier stinkt's wie in einem Pumakäfig!“
      Matt schritt hinüber zu einem kleinen Tisch, der in der hinteren Ecke des Raumes stand. Anya ihrerseits schlich sich zu den beiden Betten, die neben dem einzigen Fenster standen und grinste diebisch. Dann zog sie aus der Hosentasche einen kleinen Beutel hervor – feinstes Juckpulver, ihr Geschenk für Alastair. Ursprünglich war es für Redfield gedacht gewesen, doch im Moment wollte sie nicht an ebendiese denken. Außerdem hatte dieses Narbengesicht es nicht besser verdient!
      „Das ist mein Bett“, brummte Matt, als er misstrauisch über die Schulter blickte. „Und an deiner Stelle würde ich das lassen. Bisher hat niemand Alastairs Echo vertragen.“
      „Tch, der soll nur kommen“, tönte Anya großspurig, schritt zum anderen Bett und verteilte großzügig das Juckpulver unter der Decke.

      Nachdem sie fertig damit war, sah sie Matt an, als erwarte sie ein Lob.
      Doch der schwarzhaarige Dämonenjäger war bereits zur Tür gegangen und lehnte am Rahmen, auf das Mädchen wartend. „Wenn du mit deinem Schabernack fertig bist, können wir dann losfahren?“
      „Wohin?“
      „Zu dem Schloss, in das dieser Schlüssel passt“, antwortete Matt geheimnisvoll und hob seine Rechte, in der er einen kleinen Schlüssel hielt. „Ist heute angekommen, unser Paket. Wir werden es vom Bahnhof abholen, es liegt in Schließfach 2905.“
      Anya ließ von Alastairs Bett ab und gesellte sich zu Matt. Den Schlüssel skeptisch betrachtend, fragte sie: „Und was finden wir darin?“
      Er grinste keck. „Dreimal darfst du raten.“
      Erstaunt sah Anya auf. „Die Lampe!?“
      Matt nickte zufrieden. „Die einzig wahre. Ich wollte dir die Überraschung hier machen, nicht am Telefon.“
      Das Mädchen, welches noch ganz verblüfft war, konnte ihr Glück gar nicht begreifen. „Aber woher hast du die!? Und so schnell? Ich dachte schon, wir müssen in irgendeiner Wüste danach graben!“
      „Das haben andere schon für uns erledigt.“
      „Wer!?“
      „Hmm“, Matt fasste sich ans Kinn, „er ist ein guter Freund und Alastairs Ausbilder gewesen. Ich habe keine Ahnung, wie viele Gefallen wir ihm mittlerweile schon schulden.“
      Der junge Mann strahlte förmlich bei seiner Erklärung. „Aber als ich ihm von deinem Problem erzählt habe, ist ihm sofort die Lampe in den Sinn gekommen. Wie er sie so schnell beschafft hat, weiß ich jedoch selbst nicht.“
      Anya grinste über beide Backen. „Ist doch auch vollkommen egal, los, lass uns das Ding holen und diesen Kackmist beenden!“

      Zusammen verließen sie das Motelzimmer und schritten hinüber zum Parkplatz, wo Alastair gerade die Kofferraumtüren des VW-Busses schloss.
      Als er sich zu ihnen umdrehte, rümpfte er die Nase bei Anyas Anblick. An Matt gewandt fragte er: „Geht es los?“
      „Jap.“
      „Dann viel Glück. Und sei vorsichtig.“
      „Ich weiß“, antwortete Matt und nickte.
      Einen missmutigen Blick auf Anya werfend, erwiderte Alastair: „Mir gefällt nicht, dass sie an meiner Stelle mitkommen soll. Am besten lässt du sie hier. Ihr kann man nicht vertrauen.“
      „Was!?“, fauchte Anya sofort außer sich.
      Matt stellte sich sofort alarmiert zwischen die beiden. „Wenn du damit Levrier meinst, bin ich mir der Gefahr bewusst. Aber -er- hat gesagt, wir sollen sie sicherheitshalber mitnehmen. Und wenn uns beiden etwas zustoßen sollte, wer räumt hinter uns den Scherbenhaufen auf?“
      Auch wenn der letzte Teil eher scherzhaft gemeint war, hörte man doch leise Zweifel heraus.
      „Dieser alte Narr“, schnaufte Alastair und meinte damit offenbar seinen Ausbilder, „was denkt er sich dabei? Aber gut. Dank deiner neuen 'Kräfte' solltest du im Zweifelsfalle mit ihr fertig werden.“
      „Klar.“
      „Ich dachte wir sind'n Team!?“, empörte sich Anya.
      Matt grinste sie über die Schulter blickend an. „Ach, auf einmal? Neulich hat sich das noch ganz anders angehört.“
      „Vermassele es nicht“, mahnte Alastair und machte sich auf den Weg zum Motelzimmer.
      Als er an den beiden vorbei ging, sagte Matt noch, seinem Freund den Rücken zugewandt: „Wird schon schief gehen. … Und wasch mal wieder deine Bettwäsche, die ist schon ganz muffig.“
      Was Anya sofort mit einem Ellbogenstoß in die Rippen und einem: „Mistkerl!“ quittierte.

      Nachdem sie in den Bus gestiegen waren und Anya ihren Rücksack nach hinten auf die Ladefläche geschmissen hatte, startete Matt den Motor. Kurz darauf waren sie bereits auf den Straßen Livingtons unterwegs, mit dem Ziel Bahnhof.
      „Was ist das?“, fragte Anya und griff nach den vielen Ketten, Rosenkränzen, Kreuzen und Amuletten, die vom Rückspiegel hinunter hingen.
      „Damit wollen wir Böses von uns fernhalten. Ich denke du kannst erahnen, was von Alastair ist und was von mir.“
      „Hab da so'n Gefühl“, brummte Anya und ließ von dem Schmuck ab.

      „Hör mal“, meinte Matt, als er gerade in eine Straße einbog. Und während er sprach, fuhren sie an dem riesigen Einkaufszentrum von Livington vorbei. Es war aufgebaut wie ein ovales Kolosseum, von hellblauer Farbe und versehen mit einem Glasdach. Viele Leute waren auf den Bürgersteigen unterwegs, betraten die einzelnen Geschäfte vom Außeneingang oder aßen einfach nur ein Eis. Denn der 2. November war ein ungewöhnlich schöner und vergleichsweise warmer Herbsttag.
      „Wir haben es hier mit einem Jinn zu tun. Alector, Alastairs und teilweise auch mein Ausbilder, hat gesagt, dass er echt ist“, begann Matt mit seinen Ausführungen. „Aber ich traue dem noch nicht ganz. Alector ist zwar sehr verlässlich, aber ohne den Jinn getroffen zu haben ist es schwer, seine Identität zu verifizieren.“
      „Heißt soviel wie?“ Anya kratzte sich unbedarft am Kopf und grinste beim Blick aus dem Fenster, als sie an Ernie Winter und seiner Mutter vorbeifuhren, welche Anya im VW-Bus erkannt hatten und ihre Schritte beschleunigten. „Der letzte Dschinni, den ich gesehen hab, war blau und ultranervig. Sag, dass eure anders sind.“
      „Keine Ahnung ob sie blau sind. Aber ultranervig könnte hinkommen. Aber was ich eigentlich sagen will: vertraue dem Ding nicht. Vertraue nie einem Jinn, egal ob er nun echt ist oder nicht. Und pass genau auf, was du zu ihm sagst. Jinns sind bekannt dafür, dass sie möglichst viel Interpretationsraum nutzen, um Wünsche zu erfüllen. Und da es nur wenige Aufzeichnungen über das Verhalten von Jinns gibt, ist anzunehmen, dass sie keine angenehmen Gesellen sind.“
      Anya gab sich allerdings optimistisch. „Nen Versuch ist es wert.“
      „Sehe ich genauso.“
      „Und wie läuft das ab? Muss ich wirklich nur an der Lampe reiben?“
      Wieder bog Matt in eine Straße ein. In der Ferne sahen sie bereits das große, längliche Backsteingebäude, das den Bahnhof darstellte.
      „Ganz so einfach ist das leider nicht. Du musst an ihr reiben, das ist wahr. Aber du musst sie mit deinem Blut einreiben. Außerdem meinte Alector, dass wir eventuell auch dein Blut dafür brauchen werden, um den Pakt zu lösen. Deswegen musst du mitkommen.“
      Verdutzt blinzelte Anya. „Mit meinem Blut einreiben? Warum das?“
      „Es funktioniert ähnlich wie ein Pakt. Der Unterschied ist, dass du durch dein Blut zum Meister des Jinns wirst. Aber du bist dadurch an ihn gebunden. Das heißt, du wirst ihn nicht eher wieder loswerden, bis du alle drei Wünsche aufgebraucht hast.“
      Eins beschäftigte Anya jedoch schon eine ganze Weile. „Wie kann der überhaupt Wünsche erfüllen? Ich meine, schnippt der mit dem Finger und das war's?“
      „Frag mich was Leichteres. Aber wir werden es herausfinden.“

      Matt fuhr auf den weiträumigen Parkplatz neben dem Bahnhofsgebäude und stoppte den Wagen, nachdem er erstaunlich ungeschickt eingeparkt hatte.
      „Was hat das Narbengesicht eigentlich vorhin gemacht?“
      Anya schaute über die Rückenlehne in den hinteren Teil des Fahrzeugs. Im Laderaum stand nur eine Holztruhe auf ein paar Decken.
      Ihr Fahrer zog den Schlüssel ab. „Vermutlich hat er ein paar Waffen für uns vorbereitet. Shotguns mit Salzkugeln als Munition, das Übliche. Aber so etwas funktioniert bestimmt nicht bei Jinns, zumal wir da nicht einfach bewaffnet rumlaufen können.“
      „Kann ich mir eine davon ausleihen? Ich hab da noch-“
      „Keine Chance“, polterte Matt, der genau wusste, woran Anya dachte. Aber er würde nicht daran schuld sein, wenn in Anyas Schule ein Amoklauf stattfand! Mit ernster Mimik fragte er: „Bereit?“
      „Von mir aus“, brummte die Blondine sichtlich enttäuscht, fast schon schmollend.
      „Und denk gar nicht dran, dich heimlich zu bedienen! Die Kiste ist abgeschlossen, nur ich und Alastair haben einen Schlüssel.“
      Anya schnaubte wütend: „Spielverderber!“
      Das gesagt, öffneten beide zeitgleich die Türen und stiegen aus.

      ~-~-~


      „Von außen sah dieser Ort aber kleiner aus“, staunte Matt, als sie mitten durch den Haupteingang den Bahnhof betreten hatten. Gegenüber von ihnen führte bereits ein Weg direkt zu einem der Bahnsteige, über zwei Brücken innerhalb des Gebäudes konnte man die Gleise auf der gegenüber liegenden Seite erreichen. Die Treppen dazu befanden sich jeweils rechts und links von dort, wo die beiden sich umsahen.
      Zusammen schritten die beiden auf die große Kreuzung zu, die sich vor ihnen auftat. Hier gab es Schalter für Tickets, Informationsstände und auch ein paar Geschäfte wie Bäckereien. Doch besonders der linke Teil des riesigen Ganges wurde von Schließfächern eingenommen.
      Anya, welcher die vielen Menschen hier zuwider waren, zog Matt in genau jene Richtung.
      „Welche Nummer war das nochmal?“, wollte sie ungestüm wissen.
      „2905.“
      „Hmm, hier ist 2879. Also noch etwas weiter in diese Richtung“, murmelte das Mädchen aufgeregt und zerrte den jungen Mann regelrecht hinter sich her.
      „Nur nicht so stürmisch!“, beklagte der sich, als er weiter geradeaus geschleift wurde.
      „Je früher das hier vorbei ist, desto besser für uns!“
      „Schon klar. Aber sag mal … was ist mit deinem Dämon?“

      Anya blieb abrupt stehen und ließ Matt los. Den hatte sie in ihrer Vorfreude völlig vergessen.
      „Ich … weiß nicht“, antwortete sie zögerlich und bekam auf einmal ein flaues Gefühl im Magen. War das … nein, niemals! Eine Anya Bauer hatte keine Angst!
      „Levrier“, rief sie deshalb, „willst du uns aufhalten?“
      Keine Reaktion. Noch einen Moment abwartend, drehte Anya sich schulterzuckend zu Matt um. „Er antwortet nicht. Was bedeutet das?“
      „Ich kann mich irren, aber vielleicht wartet er auf eine Gelegenheit, deinen Körper zu übernehmen. Du solltest mich die Sache mit dem Jinn regeln lassen.“
      Sofort runzelte Anya die Stirn und wurde laut. „Nie im Leben! Das ist meine Angelegenheit, also regele ich sie, damit das klar ist!“
      Ohne auf eine Antwort zu warten, preschte sie weiter vorwärts und suchte nach dem Schließfach. Endlos erschien ihr die Suche, bis sie schließlich auf der linken Seite die abgeblätterten Ziffern 2905 erspähte.
      Ihr Herzschlag beschleunigte sich, als sie zusammen mit Matt vor dem Fach stand, das sich auf ihrer Kopfhöhe befand.
      „Schlüssel!“, verlangte sie aufgeregt und riss diesen ihrem Begleiter regelrecht aus der Hand, kaum hatte er ihn gezückt. Anyas Hände zitterten, als sie ihn in das Schloss steckte, doch jenes wollte sich beim Umdrehen des Schlüssels nicht öffnen.
      „Lass mich mal“, sagte Matt, packte Anyas Hand, steckte den Schlüssel richtig rein und öffnete ihr das Fach.
      „D-danke“, brummte sie beschämt und wandte sich dem Inhalt des Schließfachs zu. Dort, in braunes Papier gewickelt, lag ein kleines Paket, nicht größer als ein paar aufeinander gestapelte Videospielhüllen.
      „Wow“, staunte Anya, überwältigt von der Tatsache, dass da tatsächlich etwas lag. Sofort schnappte sie sich das Paket, schloss die Tür des Fachs, wobei jenes jedoch einen Spalt offen blieb.
      „Pack es aus“, war nun auch Matt ganz aufgeregt bei der Sache.

      Anya riss erst das Papier ab, dann öffnete sie das Paket darunter. Zum Vorschein kam eine Lampe, die genau dem Bild entsprach, welches man sich von ihr machte.
      „Schätze nicht alles, was in den Märchen vorkommt ist gelogen, huh?“, war Anyas erster Spruch, als sie die aus Messing gefertigte Öllampe in den Händen hielt. Mit ihrem langen Schnabel hätte man genauso gut Teetassen füllen können.
      „Tja … sieht ganz so aus.“
      Überrascht beobachtete Anya, wie Matt aus seiner Hosentasche ein ausklappbares Messer zückte und wich instinktiv zurück.
      „Keine Panik!“, wollte der sie mit erhobenen Händen beruhigen. „Aber wir brauchen Blut, schon vergessen?“
      „Hier!?“
      Matt schaute über seine Schulter, dann wieder zu Anya. „Ich glaube nicht, dass jemand sieht, was wir hier machen. Es muss ja kein großer Schnitt sein.“
      Skeptisch reichte Anya eine Hand nach der Waffe aus. „Meinetwegen. Gib her.“
      „Aber nur, wenn du mir die Lampe gibst, okay?“
      Der Blick des Mädchens verdunkelte sich. „Klar.“
      Was Matt skeptisch werden ließ. „Sicher?“
      „... nein. Deswegen … sorry.“

      Ehe Matt sich versah, packte Anya mit ihrer freien Hand die halb offen stehende Schließfachtür und schlug sie, ohne mit der Wimper zu zucken, Matt direkt ins Gesicht. Dieser fiel stöhnend um, hielt sich eine blutende Nase. „Argh, was soll das!?“
      „Wie gesagt, sorry, aber das muss sein!“
      Während Matt sich, vom Schmerz gelähmt, am Boden hin und her rollte, schnappte Anya sich das auf den Boden gefallene Messer. Es war ihr völlig gleich, dass man sie dabei beobachten könnte.
      Geschickt ließ das Ding einmal in ihrer Hand rotieren, ehe sie sich die Lampe unter den Arm klemmte und sich mitten über die linke Handfläche schnitt. Sofort ließ sie unter einem schmerzerfüllten Seufzer das Messer fallen, nachdem das Blut aus der Wunde sickerte. Daraufhin nahm sie die Lampe in die unverletzte Hand und strich mit der blutenden über das Messing.
      „Komm schon, Dschinni, lass die Sau raus!“

      Im Inneren der Lampe begann ein türkisfarbenes Licht zu leuchten, während jene selbst plötzlich durchsichtig zu sein schien. Ein eisiges Gefühl durchlief Anya, sie bekam schlagartig keine Luft mehr und kippte würgend zur Seite, sich an den Fächern abstützend.
      Dabei bemerkte sie etwas Erschreckendes. Die Zeit, sie war stehen geblieben!
      All die Menschen innerhalb des Bahnhofsgebäudes, sie rührten sich keinen Millimeter mehr. Selbst Matt, der immer noch am Boden lag und sich die Nase hielt, verharrte auf der Stelle. Auch hatte sich die Farbe der Umgebung grundlegend geändert – alles war Grau in Grau.
      „Alter Falter“, staunte Anya und sah die Lampe an. Noch immer leuchtete ihr Inneres. Unwissend, was sie tun sollte, rief sie: „Komm da raus, ich weiß, dass du da drin bist!“

      „Das bin ich bereits“, ertönte eine wohlbekannte Stimme hinter ihr.
      Anya wirbelte um und stellte erstaunt fest, dass ihr Matt gegenüberstand. Dabei lag er gleichzeitig am Boden und rührte sich nicht.
      „Verstehe“, murmelte das Mädchen unter heftigem Herzklopfen findig. „Du hast keine eigene Form, also nimmst du seine.“
      „Falsch. Aber ihr Menschen seid es gewohnt, dass ihr mit euresgleichen redet. Deswegen diese Form. Nun sage mir, was ist dein Begehren?“
      „Gleich zum Geschäft? So was mag ich!“
      „Noch nicht ganz. Vorher kläre ich dich über die Bedingungen und Einschränkungen auf.“ Der Jinn deutete auf die Lampe in Anyas gesunder Hand. „Die Zeit wird für dich erst weiterfließen, wenn du all deine Wünsche aufgebraucht hast. Deswegen wäre es in deinem Interesse, wenn du bereits weißt, wonach du strebst.“
      „Keine Sorge, Kumpel, das weiß ich genau!“
      „Dann wisse, dass ich keine Wünsche erfüllen kann, die über meine Kräfte hinausgehen.“
      Innerlich schreckte Anya auf. „Und wie weit ist das?“
      „Das kommt auf die Art des Wunsches an. Solltest du nach etwas verlangen, das ich dir nicht geben kann, ist dein Wunsch verloren. Drei Dinge kann ich dir unter keinen Umständen gewähren: ich kann niemanden ins Leben zurückrufen, ich kann die bestehende Weltordnung nicht ändern und ich bin nicht imstande, dir Kräfte zu verleihen, die meinen gleichkommen. Außerdem ist es nicht möglich, sich mehr Wünsche zu wünschen.“
      „Meinetwegen“, schnaufte Anya. Wenn er ihre Wünsche eh nicht erfüllen konnte, war es sowieso egal, ob sie sie verlor oder nicht. Aber bevor sie sie aussprach, wollte sie noch etwas in Erfahrung bringen. „Und du tust das ohne eine Gegenleistung zu verlangen?“
      Der Jinn verzog keine Miene. „Dir muss bewusst sein, dass du den Preis für deine drei Wünsche bereits gezahlt hast.“
      Er deutete auf die Lampe. Anya sah das gute Stück überrascht an, ehe sie begriff. „Das Blut?“
      „Mit deinem Blut werde ich für Jahrhunderte weiterleben. Das ist die Gegenleistung, die du erbringen musstest. Nun sprich deine Wünsche aus.“

      Anya ließ den Kopf hängen. Zwei Wünsche hatten sich auf dem Weg zum Motel in ihrem Kopf eingenistet. Die Freiheit … und stärkere Karten. Letzteres bedeutete Unabhängigkeit. Auch wenn sie es nie offen zugeben würde, hatte das Duell mit Henry ihren Stolz verletzt. Sie wollte deswegen nie wieder ein Duell verlieren. Aber sich das, die Unbesiegbarkeit, zu wünschen wäre viel zu plump. Eher wollte Anya lediglich die richtigen Startvoraussetzungen dafür. Was sie aus dem Karten machte, war etwas anderes. Geschenkte Siege wollte sie nicht – sie wollte sie sich erarbeiten.
      Jedoch blieb die Frage offen, wofür sie den dritten Wunsch verwenden sollte. Auch für ihn hatte sie eine ungefähre Vorstellung … aber es behagte ihr nicht.

      „Nenne deinen ersten Wunsch“, verlangte der Jinn mit schneidender Stimme von ihr.
      Anya blickte auf und atmete tief durch. „Frage! Wünschen sich Jinns die Freiheit?“
      „Nein. Wir sind an unsere Lampen gebunden, weil unsere Existenz darauf ausgelegt ist. Uns die Freiheit zu wünschen würde einem Todesurteil gleich kommen. Es gibt kein Leben außerhalb der Lampe für einen Jinn.“
      Sein gleichgültiger Tonfall störte Anya. „Und du nimmst das so hin? Willst du nicht wissen, wie die Welt außerhalb der Lampe ist?“
      „Wie ich sagte: unsere Existenz basiert darauf, uns vom Blut unserer Meister zu ernähren und ihnen ihm Gegenzug drei Wünsche zu erfüllen. Alles andere ist uns gleich.“
      Selbst ein Roboter besaß mehr Emotionen, dachte Anya ärgerlich. „Von mir aus, dein Pech. Also, mein erster Wunsch …“
      Sie sah wieder die Lampe an. Und erinnerte sich an Matts Warnung, mit ihren Worten vorsichtig umzugehen. Zunächst sollte sie ausprobieren, inwieweit der Jinn überhaupt ihre Wünsche umsetzte. Also sollte sie mit etwas Kleinem anfangen.
      „Sperr die Lauscher auf“, richtete sie ihr Wort an ihn und presste ihm die Wunderlampe in die Hand, „mein erster Wunsch: ich möchte neue Duel Monsters-Karten! Sie sollen dem Gem-Knight-Thema angehören und von der Spielstärke her besser sein als alle meiner bisherigen Karten.“
      Um das zu verdeutlichen, griff Anya nach der Deckbox an ihrem Gürtel und zückte daraus zwei Karten. „Siehst du die beiden hier? Das sind [Gem-Knight Pearl] und [Gem-Knight Zircon]! Beide sind superselten und haben hohe Angriffswerte, aber keine Effekte. Sie sind nutzlos! Deswegen nimm dir zum Beispiel Zircon als Vorlage und erschaffe eine neue Karte, die besser ist als er und im Kampf gegen Dämonen auch was taugt, verstanden?“
      „Du irrst dich bezüglich der schwarzen Karte. Aber wie du wünscht. Wie viele dieser Karten verlangst du?“
      Darüber hatte Anya nicht nachgedacht. Zu viele wären auch übertrieben. Es sollten einfach gute Bossmonster und praktische Ergänzungen sein, die zu ihrem Spielstil passten. „Sagen wir fünf.“

      Der Jinn nickte knapp. „Dein Wunsch wurde erfüllt.“
      „Was!?“, staunte Anya. „So schnell?“
      „Sieh in dein Deck. Es wurde nach deiner Vorstellung ergänzt. Aber bedenke, dass dein erster Wunsch somit unwiderruflich verloren ist.“
      Sofort zog Anya ihr Extradeck aus der Box und ging die Karten durch. Und staunte Bauklötze. Mit strahlenden Augen sah sie auf. „Das ist genau, was ich wollte! Woher hast du das gewusst!?“
      „Dein zweiter Wunsch“, überging der Jinn jedoch Anyas Frage.

      Die steckte ihre Deckbox wieder an ihren Gürtel, schnappte sich von ihrem Gegenüber die Lampe und betrachtete sie nachdenklich. Der zweite Wunsch sollte eine Steigerung sein, um zu sehen, wie weit der Jinn gehen konnte. Ihren ersten Wunsch hatte er genau so erfüllt, wie Anya es sich erhofft hatte. Sogar sie hatte nicht an manche der Dinge gedacht, die er umgesetzt hatte. Er war eindeutig ein echter Jinn!
      Dennoch war da trotzdem eine Restspur Misstrauen. Und die Frage, wie sich ihr zweiter Wunsch nun gestalten sollte. Von dem Pakt befreit zu werden war vermutlich der größte, also sollte sie sich den bis zum Schluss aufheben. Bloß was konnte sie sich dann wünschen? Noch einige Kleinigkeit? Oder …?
      „Das ist schwer“, murmelte sie in Gedanken versunken, „ich könnte Redfields Euter schrumpfen lassen. Aber ein Arsenal an Superwaffen für meine angestrebte Weltherrschaft klingt auch nicht übel.“
      Aber nein … das wäre alles Schwachsinn. Verdammtes Gewissen!

      „Also schön, her gehört“, wandte sich Anya wieder an den Jinn, der sie abwartend aus Matts emotionsloser Miene anstarrte, „mein zweiter Wunsch: ich kaufe Valerie Redfield von ihrer Schuld frei, die sie bezahlt hat, um Marc Butcher ins Leben zurückzurufen. Aber das bleibt unter uns, verstanden!?“
      „Dieser Wunsch bedeutet, dass Marc Butcher stirbt. Soll er dennoch erfüllt werden?“
      Anya schreckte zusammen. „Huh!?“
      „Die Schuld ist der Austausch für sein Leben. Wird sie nichtig gemacht, wird auch das Leben dieses Mannes enden, denn er lebt nur durch den Zauber des Collectordämons. Ich besitze nicht die Kraft, diese Ordnung umzukehren. Soll ich dennoch fortfahren?“
      „Nein!“, polterte Anya aufgebracht.

      Das kam völlig unverhofft. Demnach konnte sie sich nicht bei Valerie revanchieren. Aber wenn er das nicht umsetzen konnte, dann …
      „Dann lautet mein zweiter Wunsch, dass ich von Levrier getrennt werde! Kannst du das!?“, flehte sie förmlich. Bevor sie das nicht wusste, konnte sie sich keinen Kopf darüber zerbrechen, was sie in Punkto Valerie unternehmen sollte.
      „Dein Wunsch“, sprach der Jinn leise, „ist erfüllt.“
      Woraufhin Anya von grellem Licht geblendet wurde.

      Laut scheppernd fiel die blutverschmierte Lampe auf den Boden.
      Matt schreckte auf und betrachtete die Antiquität, sah dann hoch zu Anya. Sie rührte sich nicht vom Fleck, starrte in die Leere.
      „Au, verdammt!“, fluchte er und betrachtete das Blut an seinen Händen. „Was sollte das!?“
      Als er keine Antwort erhielt, wurde er stutzig. „Was ist los? Hast du den Jinn getroffen?“
      Nun drehte sie sich zu ihm um. „In der Tat. Ich bin frei.“
      „Im Ernst!?“ Matt sprang sofort auf und packte Anyas Arm, zog den Stoff der schwarzen Lederjacke weg – aber das Mal des in einem Dornenkranz gefangenen Kreuzes war noch da.
      „Dann hast du dich verarschen lassen!“
      „Oh … das ist kein Problem. Ich habe Levrier unter Kontrolle.“
      Überrascht sah Matt auf. „Hast du dir das gewünscht? Aber dann-! Du Idiotin! Dadurch änderst du nichts! Der Turm von Neo Babylon wird trotzdem auftauchen! Was hast du dir dabei gedacht!?“
      „Ich?“, fragte Anya tonlos. „Gar nichts.“
      Mit einem Rückhandschlag wurde Matt hart gegen die Schließfächer geworfen.
      „Der zweite Wunsch dieses Mädchens lautete, dass sie von der Wesenheit Levrier befreit werden wollte. Ich habe ihren Platz eingenommen.“
      Matt hielt sich schockiert die Wange. „Du bist der Jinn!?“
      „Dem ist so.“ Anya hob die blutige Hand und starrte sie fasziniert an. „Sie hat gefragt, ob ich mir Freiheit wünsche. Ein absurder Gedanke. Dennoch … sind ihre Worte zu mir durchgedrungen. Ist das Freiheit?“

      Plötzlich ging Anyas Körper in schwarzen Flammen auf.
      Matt wich schreiend zurück, aber er war nicht der Einzige, der schrie. Die Leute auf dem Bahnhof bemerkten das Feuer und flüchteten augenblicklich, riefen nach der Feuerwehr oder danach, dass jemand dem armen Mädchen helfen musste.
      „Ich verstehe dieses Konzept nicht. Freiheit. Was soll ich jetzt tun?“
      Fassungslos betrachtete Matt die vollkommen von den Flammen verschlungene Blondine. Um das Feuer selbst machte er sich dabei keine Sorgen, Levrier würde Anya heilen – sofern er es konnte. Aber irgendwie musste er diesen Fluch umkehren, schnell!

      Sein Blick fiel auf die Lampe, die vor ihren Füßen lag. Aber wie sollte er sie zerstören? Die Waffen lagen im Wagen, und selbst wenn-
      Aber da kam ihm ein neuer Gedanke. Er musste schnell sein!
      Mit einem Hechtsprung warf er sich vor Anyas Füße und schnappte sich die Lampe, während er im Hintergrund hörte, wie jemand aufgeregt telefonierte. Aber die Schaulustigen waren ihm in dem Moment völlig egal.
      „Ich bin frei“, sprach der Jinn und sah auf Matt herab, „ich kann keine weiteren Wünsche mehr erfüllen.“
      „Das glaube ich aber nicht!“, donnerte der Dämonenjäger und wischte kurzerhand seine blutbesudelte Hand an der Lampe ab. „Du bist mit deiner Pflicht erst durch, wenn du alle drei Wünsche erfüllt hast. Und der letzte gehört jetzt mir!“

      Innerhalb eines Herzschlages wurde die Welt in Grau getaucht. Matt sprang mit der Lampe in seinen Händen auf und wich von dem Jinn zurück, der jedoch keine Anstalten machte, ihn zu attackieren.
      „Ich habe mich geirrt“, stellte dieser fest, „wie es scheint, kann ich doch noch einen Wunsch erfüllen. Aber nicht du bist es, der ihn stellen darf.“
      „Doch, der bin ich!“, polterte Matt und zeigte ihm die Lampe vor. „Ich habe deine Lampe, an der mein Blut klebt! Da Anya ihn nicht stellen kann, werde ich es an ihrer Statt tun.“
      „Richtig. Das Mädchen ist berechtigt, den letzten Wunsch zu stellen. Genau wie du. Deshalb kann ihn keiner von euch allein vortragen.“
      „Dann hol sie her!“
      „Unmöglich“, erwiderte der Djinn in seiner flammenden Gestalt tonlos, „sie ist an dem Ort, den sie sich gewünscht hat. Sie verlangte Freiheit und in ihren Herzen habe ich gesehen, dass sie fliehen wollte vor dieser Welt. Deswegen habe ich sie in eine andere geschickt. Ohne einen neuen Wunsch kann ich sie nicht von dort zurückholen.“
      Matt brüllte regelrecht: „Aber wie soll ich den stellen, wenn sie nicht hier ist!?“
      „Einer muss dem anderen das Recht dazu abnehmen, die Hälfte des Wunsches.“

      Und daraufhin hatte Matt eine Idee. „Dann sollten Anya und ich uns duellieren! Um das Recht, den Wunsch äußern zu dürfen! Da du Anyas Körper besetzt hältst, bist du derjenige, der für sie antritt.“
      „Das ist eine logische Konsequenz.“
      Der Dämonenjäger horchte auf. „Heißt das, es ist machbar?“
      „Das ist es.“
      Stutzig erwiderte Matt darauf: „Und du würdest das machen?“
      „Ja.“
      „Aber warum? Solltest du nicht diesen Körper als deinen eigenen behalten wollen!? Deswegen hast du ihn doch übernommen, oder?“
      Der Jinn sah wieder Anyas brennende Hand an. „Freiheit ist ein Konzept, das den Jinns fremd ist. Ich verstehe nicht, was es bedeutet, frei zu sein. Und ich strebe nicht danach. Mein jetziger Zustand muss geändert werden. Aber da ich der Vertreter des Mädchens bin, ist es mir unmöglich, dich gewinnen zu lassen.“
      „Egal. Wenn du gewinnst, kannst du selbst den Wunsch benutzen, um alles wiederherzustellen.“
      „Ein Jinn darf sich nichts wünschen. Jinns haben keine Wünsche. Nur Menschen.“

      Matt stöhnte. Die Emotionslosigkeit dieses Wesens war unglaublich anstrengend. Aber er schien tatsächlich auf seiner Seite und ungewollt in diese Lage geraten zu sein. Was die Frage aufbrachte, warum Anyas Wunsch überhaupt schiefgegangen war. Hatte Levrier etwas damit zu tun?
      Es war im Prinzip egal. Erstmal musste er zusehen, dass er Anyas Wunsch übernehmen konnte. Was sicherlich kein leichtes Unterfangen werden würde.

      „Ich habe eine Kopie deines Decks erschaffen und dir eine Duel Disk gegeben“, sagte der Jinn.
      Sofort spürte Matt die Last des Apparates an seinem Arm und sah ihn erstaunt an. Auch die flammende Anya besaß plötzlich eine.
      „Ich werde nicht das Deck benutzen können, welches dem Mädchen gehört, denn ein starker Wille hindert mich daran, welcher von einer ihrer Karten ausgeht. Deswegen werde ich ein anderes, willkürlich gewähltes Deck verwenden. Bedenke, dass ich nicht absichtlich verlieren kann.“
      „Schon kapiert“, meinte Matt und ging etwas auf Abstand. „Dann lass uns anfangen.“
      „Wie du wünscht, Gebieter.“

      [Matt: 4000LP / Jinn: 4000LP]


      „Den Erinnerungen meiner Meisterin nach, wird sie verlangen, dass ich anfange“, sprach der Jinn weiterhin tonlos und zog gleich sechs Karten von seinem Deck.
      „Tu, was du nicht lassen kannst“, brummte Matt. Er schwor sich, dass wenn er mit dieser Sache durch war, eine gewisse Anya Bauer das wahre Ausmaß des Begriffs 'Rache' kennenlernen würde.
      „Ich beschwöre [Serene Psycho Witch]“, kündigte der Jinn an und ließ eine futuristisch angehauchte, junge Frau mit bonbonfarbenem Haar vor sich erscheinen. In ihrer Hand hielt sie zwei mechanische Dolche, die mit Kabeln an ihrem Rücken befestigt waren.

      Serene Psychic Witch [ATK/1400 DEF/1200 (3)]

      „Da ich von diesem Punkt an nicht weiter agieren kann, beende ich meinen Spielzug.“
      „Hmpf, kannst du nicht wenigstens so tun, als hättest du Gefühle?“, fragte Matt gereizt. „Dieser mystische Tonfall tut auf Dauer in den Ohren weh.“
      „Dazu bin ich nicht in der Lage.“
      „Dacht' ich mir!“
      Matt wusste nicht, was schlimmer war. Sich mit dem Freak zu duellieren oder ihm zuzuhören. Aber was tat man nicht alles für seine Freunde?

      ~-~-~


      Schritt nach Schritt, immer einer nach dem anderen. Aber es brachte nichts. Wie weit sie auch ging, es war, als würde sie auf dem Fleck verharren, nie voran kommen.
      „Oh verdammter Kackmist, wenn ich den jemals in die Finger kriege-“, polterte Anya wutentbrannt.
      Niemals einem Jinn vertrauen, das hatte Matt gesagt. Immer seine Wünsche konkret formulieren. Warum zur Hölle hatte sie sich nicht daran gehalten!? Weil denken lästig war … aber wie die Dinge jetzt standen, musste sie wirklich ihre Meinung diesbezüglich überdenken. Argh, da war es schon wieder!
      Außerdem war nur Redfield schuld daran, dass sie jetzt hier war und das nur, weil sie der blöden Ziege ja unbedingt helfen wollte. Und als das nicht klappte, war Anya in Panik geraten!
      „Wehe du biegst das nicht gerade, Dämonenjäger!“
      „Na na, immer mit der Ruhe. Es könnte schlimmer sein.“

      Anya drehte sich verwirrt um. Hinter ihr war etwas, ein Mann im Schneidersitz. Der schwebte!
      „Okay, meine Hoffnung, dass das hier nur ein verfluchter Traum ist, ist gerade um 100% gewachsen“, sagte sie gallig in seine Richtung.
      „Oh Kind, du bist fernab von Traum oder Realität“, sprach der Fremde und drehte seinen langen Bart um einen Finger. In seiner anderen Hand hielt er einen Stab. Anya ein zahnloses Lächeln schenkend, löste er sich aus seinem Schneidersitz und schritt nun auf sie zu. „Es war schon lange niemand mehr hier. Würdest du einem alten Mann eine Weile Gesellschaft leisten?“

      Missmutig sah Anya in die Richtung, aus der sie glaubte gekommen zu sein. Nichts. Nur diese ungesunde, violette Leere. Die ganze Zeit war sie hier umhergeirrt und hatte rein gar nichts gefunden! Was war das für ein Ort, der sich scheinbar ins Unendliche ausdehnte!?
      Wehe, der Dämonenjäger ließ dieses Mistvieh von Jinn entkommen! Sie schwor sich, beide selbst aus dem Jenseits – oder was auch immer das hier war – heraus zu verfolgen, bis ihre Köpfe neben dem von Valerie Redfield in ihrem Zimmer hingen. Selbst wenn sie sich daran nicht mehr erfreuen können würde!
      „Fein“, murrte sie in die Richtung des Alten. „Hab ja sonst nix Besseres zu tun. Wahrscheinlich hast du es schon gemerkt, aber ich bin neu hier, Opa. Wurde von 'nem Jinn gelinkt.“
      „Ohoho“, lachte der Mann. „Das Problem ist mir wohlbekannt.“

      ~-~-~


      „Nur ein Monster? Das sollte nicht schwer werden“, sprach Matt im Angesicht der Psychohexe und zog auf, womit er schließlich sechs Karten auf in Hand hielt. „Für die habe ich schon die passende Antwort! Ich beschwöre den [Steelswarm Caller]!“
      Ein humanoid anmutendes, schwarzes Wesen mit roten Insektenflügeln auf seinem Rücken erhob sich vor Matt, verharrte in gebückter Haltung.

      Steelswarm Caller [ATK/1700 DEF/0 (4)]

      „Angriff!“, befahl Matt und zeigte auf das Monster des in dunklen Flammen stehenden Jinns.
      Mit einem Satz landete der Insektenmann vor der rosahaarigen Hexe und riss sie mit seinen klauenbesetzten Händen entzwei.

      [Matt: 4000LP / Jinn: 4000LP → 3700LP]


      „Wenn [Serene Psychic Witch] zerstört wird, verbannt sie ein Psi-Monster mit einem Höchstangriffswert von 2000 von meinem Deck“, erklärte der Jinn und schob die gewählte Karte in ein Unterfach seiner Duel Disk.
      „Eine verdeckte Karte. Zug Ende!“, rief Matt nur. Seine Falle materialisierte sich vor ihm. „Das läuft doch gut!“

      „Mein Spielzug“, kündigte der Jinn in seiner emotionsarmen Art an und zog, „nun kehrt das verbannte Monster auf mein Spielfeld zurück.“
      Ein kleines, blondes Mädchen tauchte vor ihm auf. Sie trug einen Umhang und besaß einen Zauberstab, der eher an einen Morgenstern erinnerte, welcher durch mehrere Kabel mit ihrem Rücken verbunden war. Zudem schwebte sie in der Luft.
      „[Esper Girl]“, nannte sie der Jinn. „Wenn sie beschworen wird, verbannt sie die oberste Karte meines Decks.“
      Welche prompt abseits des Spielfelds mit dem Kartenrücken nach oben zeigend materialisiert wurde.

      Esper Girl [ATK/500 DEF/300 (2)]

      Matt wunderte sich, warum der Jinn so ein schwaches Monster gerufen hatte, wo es ihm doch hätte möglich sein müssen, eine Kreatur zu rufen, die die seine spielend leicht zerstören konnte.
      „Ich beschwöre [Serene Psychic Witch] von meiner Hand als Normalbeschwörung“, erklärte der Jinn sein Tun und legte ein weiteres Exemplar seiner Hexe auf die Duel Disk, welche umgehend neben dem fliegenden Mädchen erschien.

      Serene Psychic Witch [ATK/1400 DEF/1200 (3)]

      „Nun führe ich eine Synchrobeschwörung durch, indem ich mein Stufe 2-[Esper Girl] auf die Stufe 3-[Serene Psychic Witch] einstimme. Aus ihnen wird der Stufe 5-[Magical Android].“
      Das kleine Mädchen stieg in die Luft, zersprang in zwei grüne Lichtringe, die sich um die Hexe legten. Ein Lichtblitz folgte und schon stand vor dem Jinn ein neues Monster. Diese neue, junge Frau wirkte, als stamme sie aus einer fernen Zukunft. Mit elektronischem Schwert und Schild in der Hand, strahlte die Rothaarige große Zuversicht aus.

      Magical Android [ATK/2400 DEF/1700 (5)]

      „Nun, da [Esper Girl] auf den Friedhof gelegt wurde, erhalte ich die verbannte Karte“, fuhr der Jinn mit seinem Zug fort. Die neben dem Feld liegende, verdeckte Karte löste sich auf, als er sie sich aus dem Unterfach seiner Duel Disk nahm. „Nach den Regeln dieses Duells greife ich nun dein Monster an.“
      „Schon kapiert“, raunte Matt sichtlich angenervt. „Aber das war ein Fehler! Verdeckte Karte aktivieren! [Infestation Tool]! Ich schicke ein Steelswarm Monster von meinem Deck auf den Friedhof“, wobei er [Steelswarm Scout] vorzeigte und entsorgte, „und stärke meinen Caller dafür bis zur End Phase um 800 Angriffspunkte!“

      Steelswarm Caller [ATK/1700 → 2500 DEF/0 (4)]

      Die Kriegerin griff mit ihrem großen Schwert an, doch der Insektenmann flog über sie hinweg und schlug ihr hinterrücks mit seinen Klauen ein Loch in die Brust, woraufhin sie kreischend explodierte.

      [Matt: 4000LP / Jinn: 3700LP → 3600LP]


      „Man, das ist einfach gewesen“, murmelte Matt, „zu einfach …“
      „Ich gehe nun in die Main Phase 2 und aktiviere die permanente Zauberkarte [Soul Absorption].“
      Nachdem ein Abbild der Karte vor dem Jinn erschien – darauf gezeigt wurde ein Mann, dessen Seele von verschiedenen Dämonenköpfen ausgesaugt wurde – ging von ihr ein blaues Leuchten aus.
      „Ich fahre fort mit [Soul Release]“, sprach der Jinn, „womit ich fünf Karten von unseren Friedhöfen entferne. Diese sind zweimal [Serene Psychic Witch], [Esper Girl], [Magical Android] und [Steelswarm Scout].“
      „Was!?“
      Plötzlich schossen vier blaue Lichtsphären aus dem Friedhofsschacht des Jinns, sowie eine aus Matts Duel Disk. Sie alle wurden von dem blauen Licht von [Soul Absorption] angezogen und verschwanden schließlich in ihr.
      „Wann immer Karten verbannt werden, erhält der Besitzer von [Soul Absorption] pro Karte 500 Lebenspunkte.“
      Der Dämonenjäger fiel aus allen Wolken. „Aber das sind 2500 Lebenspunkte auf einen Schlag!“
      „So ist es.“

      [Matt: 4000LP / Jinn: 3600LP → 6100LP]


      „Nun aktiviere ich die Zauberkarte [Psychic Feel Zone]. Sie beschwört ein Psi-Synchromonster im Verteidigungsmodus von meinem Extradeck, indem ich zwei aus dem Spiel verbannte Materialien dafür zurück auf meinen Friedhof lege.“ Der Jinn zeigte [Magical Android] und [Esper Girl] vor, ehe er sie in den Friedhofsschlitz schob. „Zusammen ergeben sie Stufe 7. Es erscheint nun [Psychic Lifetrancer]“
      Zwei grüne Ringe schossen aus dem Friedhof des Jinns in die Luft, gefolgt von fünf leuchtenden Sphären. Kurz darauf ging eine blasse, schwarzhaarige Frau in blauer Bekleidung vor ihm in die Knie. Ihre linke Körperhälfte war die einer Maschine.

      Psychic Lifetrancer [ATK/2400 DEF/2000 (7)]

      „Na klasse“, brummte Matt im Angesicht des Cyborgs. „Ich wusste doch, dass da was faul war!“
      „Nun aktiviere ich den Effekt dieses Monsters. Ich verbanne ein Psi-Monster von meinem Friedhof“, sprach der Jinn und entfernte von dort den [Magical Android], „und erhalte 1200 Lebenspunkte. Dazu kommen weitere 500 Lebenspunkte durch [Soul Absorptions] Effekt.“
      Wieder wurde eine Seele von seiner Zauberkarte verschlungen.

      [Matt: 4000LP / Jinn: 6100LP → 7800LP]


      „Was zum-!? Wie soll ich so viele Lebenspunkte auslöschen!?“
      „Das musst du selbst herausfinden. Entweder das, oder du verlierst dein Anrecht auf den letzten Wunsch“, zeigte sich der Jinn unberührt. „Ich setze zwei meiner drei Handkarten verdeckt und beende den Zug.“
      Die Karten materialisierten sich vor ihm.
      „Damit verliert mein Caller seine Bonuspunkte“, ging Matt widerwillig darauf ein.

      Steelswarm Caller [ATK/2500 → 1700 DEF/0 (4)]

      Das würde wohl länger dauern, dachte sich der Dämonenjäger dabei und zog schwungvoll. Eins stand fest, Anya würde tief in seiner Schuld stehen, wenn das erst vorbei war!
      Behände griff er sich ein Monster aus seinem Blatt und rief: „Tributbeschwörung: Caller geht, [Steelswarm Mantis] kommt!“
      In einem wirbelnden, blauen Licht verschwand Matts geflügelter Insektenmann. Stattdessen trat daraus eine neue Kreatur.
      „Und nun aktiviert sich [Steelswarm Mantis'] Effekt, da ich sie als Tributbeschwörung gerufen habe! Für 1000 Lebenspunkte beschwört sie ein Steelswarm-Monster von meinem Friedhof und zwar den für ihre Beschwörung geopferten Caller! Außerdem ruft genau der, weil ich ihn als Tribut für die Beschwörung eines Steelswarm-Monsters angeboten habe, einen seiner Artgenossen der Stufe 4 oder abwärts von meinem Deck, [Steelswarm Sting]!“
      Vor Matt tauchten gleich drei Monster auf einmal auf, nachdem er kurz zuvor erst sein altes geopfert hatte. Jenes war auch unter ihnen, dazu kamen noch [Steelswarm Mantis], der wie sein Name schon andeutete, ein schwarzer Mantismann war, sowie [Steelswarm Sting], eine pechschwarze Riesenhornisse mit Armen und Beinen.

      [Matt: 4000LP → 3000LP / Jinn: 7800LP]


      „Weiterhin aktiviere ich jetzt [Reasoning]! Nenne eine Stufe, danach schauen wir solange Karten von oberhalb meines Decks an, bis ein Monster darunter ist. Dieses wird beschworen, sofern es nicht die Stufe besitzt, die du genannt hast“, erklärte Matt den Effekt der Zauberkarte, die er in seine Duel Disk schob.
      „Stufe 8.“
      Schon die erste Karte, die Matt von seinem Stapel aufdeckte, war ein Monster. „Pech gehabt, [Steelswarm Gatekeeper] ist Stufe 4! Los, erscheine!“
      Noch ein Insektenmensch gesellte sich zu den anderen. Dieser aber ging auf vier Beinen und basierte auf einem pechschwarzen, gepanzerten Käfer. Damit besaß Matt nun gleich vier Monster, die er in einem Zug gerufen hatte, welche sich im ganzen Gang des in Grau gefangenen Bahnhofs ausbreiteten.

      Steelswarm Mantis [ATK/2200 DEF/0 (5)]
      Steelswarm Caller [ATK/1700 DEF/0 (4)]
      Steelswarm Sting [ATK/1850 DEF/0 (4)]
      Steelswarm Gatekeeper [ATK/1500 DEF/1900 (4)]

      Ohne Umschweife schwang er den Arm aus. „Los, Mantis, vernichte jetzt seinen [Psychic Lifetrancer]!“
      Ruckartig flog der Mantismann mit den dünnen Flügeln auf seinem Rücken auf den weiblichen Cyborg zu. Doch jener wurde plötzlich ein helmartiger Apparat auf den Kopf gesetzt. Der Jinn sprach: „Das ist die Fallenkarte [Psychic Reactor]. Sie verbannt für diesen Zug alle kämpfenden Monster, wenn ein Psi-Monster in diesem Kampf verwickelt ist.“
      Kaum hatte die Mantis den Cyborg mit einem Faustschlag niedergestreckt, lösten beide sich in blauem Licht auf und wurden zu Lichtkugeln, die von der Zauberkarte [Soul Absorption] absorbiert wurden.

      [Matt: 3000LP / Jinn: 7800LP → 8800LP]


      „Das ist doch nicht zum Aushalten“, schrie Matt regelrecht vor Wut und zeigte mit dem Finger auf seinen Gegner. „Aber ich kann dich jetzt wenigstens direkt angreifen!“
      „Du irrst dich“, sprach der Jinn und ließ seine zweite Fallenkarte aufklappen. „Ich aktiviere [Brain Hazard]. Damit rufe ich ein verbanntes Psi-Monster zurück. Dies ist [Magical Android]!“
      Matt erschrak, als aus dem Nichts die stolze, futuristische Kriegerin vor dem in schwarzen Flammen gehüllten Jinn auftauchte.

      Magical Android [ATK/2400 DEF/1700 (5)]

      „Verdammt! Das wird jetzt etwas wehtun, aber“, murmelte Matt grimmig, „von so etwas lasse ich mich nicht aufhalten! [Steelswarm Sting], opfere dich!“
      Sein Hornissenmann schoss die Nadel an seinem Körperende auf die rothaarige Kriegerin ab, welche diese jedoch mit einem behänden Schwertschlag postwendend zurück zum Absender schickte. Getroffen von der eigenen Attacke, explodierte Matts Monster.

      [Matt: 3000LP → 2450LP / Jinn: 8800LP]


      Plötzlich bildeten sich Risse im Schwert des magischen Androiden.
      „Zu dumm! Wenn [Steelswarm Sting] das Zeitliche segnet, nimmt er ein Synchro-, Ritual- oder Fusionsmonster mit sich!“ Matt zeigte mit dem Daumen nach unten. „Abmarsch!“
      Und schon platzte das Schwert auf und löste so eine Explosion aus, die seine erschrockene Besitzerin mit sich riss.
      Matt streckte da bereits den Arm aus. „Das hat mich ein paar Lebenspunkte gekostet, war die Sache aber wert! Gatekeeper, Caller, direkter Angriff!“
      Seine beiden verbliebenen Monster setzten zeitgleich zum Angriff an. Und während der gepanzerte Käfer aus seinem Maul eine säurehaltige, gelbe Flüssigkeit spie, rannte der aufrecht gehende Insektenmann auf den Jinn zu und schlug mit seinen Klauen nach ihm.

      [Matt: 2450LP / Jinn: 8800LP → 5600LP]


      Als wäre jedoch nichts geschehen, verharrte der Jinn auf der Stelle.
      „Sehr gut, das ist immerhin ein Anfang“, murmelte Matt vor sich hin. Dennoch hatte er das Gefühl, kaum voran zu kommen.
      Plötzlich riss er den Arm in die Luft. „Und jetzt werden wir mal verhindern, dass du weiterhin ein Synchromonster nach dem anderen beschwörst! Ich erschaffe das Overlay Network! Xyz-Summon!“
      Vor ihnen tat sich ein schwarzer Wirbel auf, welcher die beiden Insekten in Form violetter Lichtstrahlen in sich aufnahm. Matt brüllte dazu: „Steh mir bei, [Steelswarm Roach]!“
      Aus dem Loch hervor trat ein edler Schabenritter, dessen goldener Umhang gleichzeitig sein Flügelpaar war. Mit einem Rapier in der Hand stellte er sich mutig seinem Feind, wobei zwei grelle Lichtkugeln um ihn kreisten.

      Steelswarm Roach [ATK/1900 DEF/0 {4}]

      Doch etwas war merkwürdig, überlegte Matt und betrachtete das Mal an seinem Arm. Das sphärenartige Objekt, umhüllt von Dämonenschwingen, glühte nicht auf. Das letzte Mal, als er sein Paktmonster beschworen hatte, war dies jedoch der Fall gewesen. War Another etwa nicht hier?
      Allerdings störte das Matt nicht im Geringsten. Er hasste dieses Wesen ohnehin wie die Pest dafür, dass es ihn in einen Pakt gezwungen hatte. Ohne ihn hätte er Alastair zwar nicht beschwichtigen können, doch der Preis dafür war groß gewesen. Aber das war nicht der richtige Zeitpunkt, um nachtragend zu sein.
      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug“, rief Matt und ließ die gesetzte Karte vor sich erscheinen.

      „Dann beginne ich meinen Spielzug“, kündigte der Jinn an und zog eine Karte, die er kurz betrachtete, ehe er die andere aus seinem Blatt ausspielte. „Beschwörung. [Silent Psychic Wizard].“
      Aus dem Nichts tauchte ein in blau gekleideter Krieger mit hochmoderner Lanzenwaffe ausgerüstet auf, die durch Kabel mit seinem Rücken verbunden waren, welcher seinerseits von seinem Umhang bedeckt wurde. Der Jinn erklärte dabei: „Dieses Monster verbannt ein Psi-Monster von meinem Friedhof.“
      Schon entsorgte er den [Magical Android], wodurch abermals eine Seele von seiner Zauberkarte absorbiert wurde.
      „Geht das schon wieder los!“, beklagte sich Matt lauthals darüber. „Verdammt!“

      [Matt: 2450LP / Jinn: 5600LP → 6100LP]


      Doch noch etwas bereitete ihm Sorgen. Ein Blick auf die Angriffspunkte des Psychokriegers verriet ihm, dass jener [Steelswarm Roach] ebenbürtig war.

      Silent Psychic Wizard [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      Und er hatte es kommen sehen, als der Jinn sagte: „Mein Monster greift nun deines an. Beide werden zerstört.“
      Zeitgleich stürmten der Schabenritter und der Krieger aufeinander zu und lieferten sich ein erbittertes Duell mit ihren Waffen. Doch plötzlich grinste Matt verschlagen.
      „Ganz dumme Idee! Ich hab noch ein Ass im Ärmel! Los, Incarnation Mode! Ich rekonstruiere das Overlay Network und mache aus meinem Rang 4-Monster ein neues Rang 4-Monster!“
      „Das ist nicht möglich. Einmischungen von außen werden nicht geduldet.“
      „Was!?“ Matt schnappte nach Luft. „Soll das heißen-!?“
      „Du kannst nicht auf die Kraft deines Paktpartners zurückgreifen. Der Kampf wird fortgesetzt.“
      Der Schwarzhaarige war fassungslos. Selbst Another musste sich der Macht dieses Wesens beugen und konnte nicht eingreifen!? Dann war das tatsächlich ein echter Jinn!
      Es kam, was kommen musste: beide Monster landeten im selben Augenblick einen tödlichen Treffer und spießten sich gegenseitig auf, gingen zusammen in einer Explosion unter.
      „Verdammt!“, schrie Matt aufgrund des Verlustes seiner Schabe.
      „Effekt des [Silent Psychic Wizards] wird aktiviert. Er ruft nun das von ihm verbannte Monster auf mein Spielfeld. Und dieses wird dich angreifen.“
      Mit Schrecken wich Matt zurück, als direkt vor ihm der [Magical Android] auftauchte und ihm einen heftigen Schlag mit ihrer Klinge verpasste. Doch Matt wehrte den Angriff mit erhobenem Arm ab und stemmte sich mit aller Kraft gegen ihn. „Nichts da! Meine Falle [Defense Draw] wird den Kampfschaden auf 0 setzen und mich eine Karte ziehen lassen!“
      Unter einem leisen Surren klappte die gesetzte, purpurn umrandete Karte vor ihm auf und machte dem Kampf ein Ende. Die rothaarige Kriegerin sprang daraufhin unzufrieden zurück und landete vor dem Jinn, während Matt eine Karte zog und tief durchatmete. „Puh … wenn der durchgegangen wäre …“
      „Schnellzauberkarte von meiner Hand: [Emergency Teleport]. Ich beschwöre als Spezialbeschwörung ein Psi-Monster mit maximal drei Stufensternen von meinem Deck, welches am Ende des Zuges verbannt wird. Dieses Monster ist [Mental Seeker].“
      Erschrocken davon, dass neben der Kriegerin plötzlich aus einer Lichtsäule ein kleiner, grünhaariger Junge mit hellblauem Cape erschien, stieß Matt einen trotzigen Laut aus.

      Mental Seeker [ATK/800 DEF/600 (3)]

      Die Augen des Burschen wurden von einem Visor verdeckt und seine Beine waren durch jeweils ein Kabel mit seiner Hüfte verbunden. Er streckte den Arm aus, was Matt völlig überraschend traf, hatte er ganz vergessen, dass dieses Monster auch noch angreifen konnte.
      „Gargh!“, schrie er, als er durch eine unsichtbare Kraft nach hinten auf den Boden geschleudert wurde.

      [Matt: 2450LP → 1650LP / Jinn: 6100LP]


      „Nun führe ich in meiner Main Phase 2 eine Synchrobeschwörung durch“, kündigte der Jinn an, „indem ich meinen Stufe 3-[Mental Seeker] auf meinen Stufe 5-[Magical Android] abstimme. Daraus entsteht der Stufe 8-[Thought Ruler Archfiend].“
      Matt sprang panisch auf, als er mit ansah, wie der kleine Junge in drei grüne Ringe zersprang, die sich um seine Partnerin legten. Ein greller Blitz blendete ihn, ehe ihm die Kinnlade hinunter klappte.
      Das neue Monster des Jinns war eindrucksvoller als alles, was dieser bisher gespielt hatte. Breite, ledrige Schwingen spreizten sich, als der mit einem Skelett überzogene Dämon in die Höhe stieg. Seine massiven Pranken und ein langer Schweif zeugten davon, dass er alles vernichtete, was sich ihm widersetzte.
      „Das wird immer besser …“, brummte Matt frustriert.

      Thought Ruler Archfiend [ATK/2700 DEF/2300 (8)]

      „Damit ist mein Spielzug beendet“, sprach der Jinn und gab mit leerer Hand und Hinterreihe – abgesehen natürlich von [Soul Absorption] – an Matt ab.

      Dieser griff unschlüssig, was er gegen so eine Kreatur unternehmen sollte, nach seinem Deck.
      Einzig seine höheren Tributmonster konnten es mit der Stärke dieses Monstrums aufnehmen, aber auch wenn sich ein solches auf seiner Hand befand, mangelte es ihm an den nötigen Tributen auf dem Spielfeld.
      Aufgeben war jedoch keine Option. Er hatte Anya in die Sache hineingezogen, nun würde er sie auch wieder da hinaus holen! Irgendwie!


      Turn 23 – Last Wish
      Während Matt weiterhin darum kämpft, dass Anya befreit wird, ist die dazu gezwungen sich ausgerechnet mit dem alten Mann zu unterhalten, den sie in der Lampe des Jinns getroffen hat. Im Verlaufe des Gesprächs öffnet sie ihm jedoch unerwartet ihr Herz und redet über ihre Sorgen. Doch obwohl Matt seinerseits alles versucht, scheint der Jinn einfach zu stark zu sein. Bis Matt sein mächtigstes Monster, [Steelswarm Hercules], beschwört …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Matt

      Steelswarm Caller
      Steelswarm Sting
      Steelswarm Gatekeeper
      Steelswarm Scout
      Steelswarm Mantis

      Reasoning

      Infestation Tool
      Defense Draw

      Steelswarm Roach

      Jinn

      Serene Psychic Witch x2
      Silent Psychic Wizard
      Esper Girl
      Mental Seeker

      Psychic Feel Zone
      Emergency Teleport
      Soul Absorption
      Soul Release

      Psychic Reactor
      Brain Hazard

      Magical Android
      Psychic Lifetrancer
      Thought Ruler Archfiend
      Hm, ich weiß, ich hab eine Weile nicht mehr reingeschaut, aber kein Grund, bei nächster Gelegenheit nicht wieder einen Kommentar zu hinterlassen. Auch wenn meine momentan immer noch andauernden RL-Dinge mich weiter fest einspannen.

      @ 21:

      Zu allererst die wichtigste Sache der Folge: Marc ist zurück von den Toten. Damit ist dann auch klar, was sich Valerie vom Collector gewünscht hat. Wo wir gerade von ihr sprechen, sie ist jetzt richtig kalt und distanziert gegenüber Anya, aber ihre Haltung und ihre Art wussten sehr zu überzeugen. Und es gefiel mir, wie sie Anya im Endeffekt auch drohte.
      Dazu kamen dann Details zu Henry und dass es einst ihm gelungen ist, seinen Pakt zu brechen. Nur stellt sich die Frage, ob diese Variante die er gefahren ist wirklich eine Alternative für Anya ist. Auf der einen Seite könnte Anyas enorme Selbstheilung problematisch sein, zum anderen ist es ein sehr sehr schmaler Grat, und Anya ist niemand, die ihr Leben für so etwas Unsicheres riskiert.
      Im Zuge dessen hatten wie auch Isfanel erneut als Kernthema. Er ist auch einfach ein hartnäckiger und stets wiederkehrender Gegner. Man möchte ihn fast mit einer Kakerlake vergleichen, die kriegste auch nicht klein und sie kommt immer wieder unter den Schränken vorgekrochen xD
      Aber obwohl ich Isfanel schon als einen Hauptfeind und großen Antagonisten sehe, so empfinde ich ihn nicht als den Last Boss. Dazu fehlt ihm etwas. Eher ist er sowas wie der letzte Boss vor dem echten Endgegner xD

      Bei Anya hat man auch einiges an Wandlung in der Folge feststellen können. Man merkt deutlich, dass sie inzwischen taktischer vorgeht und auch ihre Aktionen voraus plant. (was noch nichts über den Erfolg aussagt xD). Aber sie ist auch nicht mehr permanent so gewaltbeherrscht wie zu Beginn der FF, sie strengt auch hier manchmal ihren Kopf an und nutzt es wenn aus, um einen Vorteil daraus zu erwirtschaften. Davon ist natürlich die Privatfehde mit Valerie ausgenommen, aber die ist sowieso etwas für sich und im Endeffekt würde ich behaupten, dass sich auch diese etwas zu Beginn der FF verändert hat.
      Natürlich war auch, wenn wir schon von Anya sprechen, sehr schön endlich zu sehen, wie Anya zugibt, dass Abby ihr wichtig ist. Ich könnte mir immer noch vorstellen, dass ihr Verlust egal in welcher Form für Anya ein Szenario ist, wo sie jeglichen Halt und (Rückhalt) verlieren könnte.


      @22:


      Wenn schon eine zweite Folge da ist, dann kann ich nicht mehr über die Vorschau resümieren ohne dass es dämlich klingt. Aber was die potentielle Entwicklung angeht, ist es von vornherein absehbar, dass es keine endgültige Lösung mit dem Djinn geben konnte. Denn wäre es so, würde die Geschichte praktisch auf der Stelle mit Anyas Rettung/Befreiung enden.
      Zum Glück - wie Anya ja auch meinte, war es keine Art Disney-Jinn. Im Gegenteil, und was mir gerade an dem Jinn gefiel war diese unfreiwillige Pervertierung der Wünsche. Fast so als ob der Jinn gezielt ein Hintertürchen in jedem Wunsch findet, und so den Wunsch zu einem Albtraum für den Bittsteller macht. xD
      Aber mal ehrlich, Matt hat es wirklich verdient die Scheiße auszubaden. Schließlich kam er auf die beknackte Idee, Anya mitzunehmen. Nur deshalb sitzen sie jetzt in dieser misslichen Lage. Und ich meine, es ist Anya, da ist sowas wirklich vorhersehbar gewesen xD
      Ansonsten las sich die Folge wie immer sehr schön. GErade die Interaktionen zwischen Anya und Dämonenjägern sind sehr erheiternd. Im Kontext der vorherigen Folge hat mir natürlich auch der kleine Moment gefallen, als Anya etwas für Valerie tun wollte. Hat zwar nicht geklappt, aber zeigt ja deutlich, dass unter der rasierklingenrauen Oberfläche doch ein weicher Kern steckt xD
      Was ich aber auch interessant war ist die 'graue Welt' gewesen, in der die Zeit stillstand. Scheinbar können die Dämonen da nicht agieren. Das ist natürlich für einen Wunsch generell sehr relevant. Denn die Dämonen könnten sie im letzten Moment nicht hintergehen und den Wunsch für sich beanspruchen oder im Fall von Levrier auch so verhindern, dass Anya die Verbindung zwischen ihnen trennt.

      Titel der nächsten Folge gefällt mir. Man geht ja schon davon aus, dass Matt gewinnt, aber es ist ja nichts völlig unmöglich. Vielleicht befreit sich auch Anya selbst aus ihrem Gefängnis und rettet Matt bevor der verliert - und sie tragen ihren Wunsch gemeinsam vor. (Insbesondere, wenn sie das täten, und im entscheidenen Moment jeder etwas anderes sagt und beide sich mit einem WTF-Gesicht gegenseitig ansehen. Hach, da geht die Phantasie schon wieder mit mir durchxD)
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Hmm, obwohl die Resonanz hier bis auf EB nicht-existent ist, was ich doch sehr schade finde, mache ich erstmal weiter.
      Ich würde mich aber wirklich über den ein oder anderen Kommentar freuen.

      @Evil Bakura
      Vielen Dank für deine ausführlichen Kommentare. Joa, Anya ist in der Tat auch in der Lage, anderen so etwas wie eine menschliche Seite an sich zu zeigen. Und nicht jeder ist ihr egal.
      Im Endeffekt muss sie aber noch viel lernen. xD
      Wer weiß, vielleicht können die Dämonenjäger ihr dabei ja helfen? ... nah, eine Hälfte des Duos ist ja selber net besser. xD


      Turn 23 – Last Wish
      „Wie lange bist du schon hier, Opa?“, fragte Anya missmutig, nachdem sie unerwartet schnell gelernt hatte, dass alte Männer sehr wohl im Schneidersitz schweben konnten. Sie wusste zwar noch nicht, wer dieser alte Kerl mit dem Wanderstock war, würde es aber gewiss jeden Moment herausfinden – leider.

      Diese Welt war die Leere höchstpersönlich und so saßen sie sich nun beide im Schweben gegenüber. Auch hatte sich ihr Umfeld stark verdunkelt und einen tiefblauen Ton angenommen.
      Der Alte hatte Anya erklärt, dass es völlig gleich war, wohin sie ging – es gab keinen Ausgang. Was sie jedoch nicht wirklich überraschte. Aber auch keinesfalls glücklich stimmte.
      Anya verfluchte den Jinn für seinen miesen Trick. Er hatte sie hier eingesperrt! Wenn sie doch nur-!

      „Die Hälfte meines Lebens, schätze ich“, erklärte er mit krächzender Stimme. „Anfangen hat es, ich war ein Archäologe besten Alters, in Indien. Da habe ich sie gefunden, die Lampe des Jinns, nachdem ich lange suchen musste.“
      „Du wusstest also von ihm … ?“
      Allein an Anyas unterschwellig genervten Tonfall konnte man erkennen, dass sie nicht in der Stimmung war, mit ihm zu reden. Sie wollte hier raus, verdammter Kackmist!
      „Natürlich. Aber im Endeffekt war er nicht das Wesen, das wir aus den sagenhaften Geschichten kennen.“ Der alte Mann seufzte schwer. „Dass du hier bist heißt, dass du jene Erfahrung ebenfalls gemacht hast.“
      Anya ballte eine Faust und schlug sie auf den Boden, welcher jedoch nicht existierte, wodurch die Blondine mit dem Pferdeschwanz wiederum ungewollt vorneüber kippte. „Argh! Jep. Und wenn ich hier raus bin, gibt’s Saures.“
      Woraufhin sie die Faust stattdessen in ihre Handfläche schlug.
      „Leider gibt es von hier aus kein Entkommen. Du musst wissen, dass wir hier in seiner Lampe sind.“
      Daraufhin rümpfte Anya die Nase. „Mir doch egal. Und ich komme sehr wohl hier raus, du wirst schon sehen, Opa!“
      „Schon einige haben das gesagt. Und sie alle sind irgendwann wahnsinnig geworden und haben ihrem Leben ein Ende bereitet. Ich bin der Einzige, der es all die Zeit über geschafft hat, meinen Verstand nicht zu verlieren.“ Wieder seufzte der Alte schwer. „Vielleicht gab es in der Welt da draußen nichts, was ich hätte vermissen können? Oder waren es am Ende meine Erinnerungen, die mich getröstet haben? Wer weiß das schon …“
      „Ja, ja, sehr tragisch“, winkte Anya desinteressiert ab. Doch es gab etwas, was sie dennoch neugierig machte. Wohlgemerkt nicht auf positive Weise. „Wie viele waren hier?“
      „Als ich hier angekommen bin, waren es zwei, doch beide waren bereits dem Wahn verfallen. Danach folgte noch ein weiterer.“ Der Mann zeigte ihr den erhobenen Zeigefinger. „Aber nur dieser Neuankömmling hat es länger als ein Jahr geschafft. Er war wirklich eine erstaunliche Person.“

      Anya indes richtete den Blick auf ihren Schoß. Es war so ironisch, dass sie nicht einmal lachen konnte. Der Wunsch nach Freiheit hatte ihr ebendiese genommen. Und dieser Ort, die „Lampe“, sie war im Grunde das, was sie sich unter dem Limbus vorstellte. Eine leere Welt der Einsamkeit. Langweilig.
      Mit dem Fossil ihr gegenüber konnte sie auch nichts anfangen, der kannte wahrscheinlich nicht einmal Duel Monsters. Und auch wenn sie jetzt ein paar coole neue Karten für ihr Gem-Knight Deck besaß, brachten die ihr ohne Gegner auch nichts.
      Alles hing jetzt von Matt ab.

      Plötzlich schreckte sie auf. Ohne dass sie es wollte, schoss der schreckliche Gedanke aus ihr heraus: „Und was ist, wenn er mich im Stich lässt?“
      „Von wem sprichst du?“
      Anya ließ den Kopf hängen. Eigentlich wollte sie etwas Schroffes in Richtung das ginge ihn gar nichts an erwidern, doch ihre Zukunftsaussichten waren alles andere als rosig. Vielleicht würde dieser Mann bald alles sein, was … nein, daran durfte sie nicht denken!
      „Einem …“ Nein, er war kein Freund. „Er ist ein Dämonenjäger und war bei mir, als es passierte.“

      Und was, wenn Matt wirklich daran dachte, sie hier zurückzulassen?
      Sie war jetzt hier, im Limbus 2.0, fernab davon, ihr Schicksal als Schlüssel zu Edens Erweckung zu erfüllen. Alastair würde sicher sein, ebenso Redfield und potentiell Marc, Henry und dessen Schwester Melinda. Es würde allen gut gehen und es gab für niemanden von denen auch nur den geringsten Grund, sie hier heraus holen zu wollen. Selbst bei Abby war sie sich nicht sicher, ob die sich nicht am Ende damit abfinden würde. Und Nick war ohnehin zu dumm, um irgendetwas ausrichten zu können – wenn er es überhaupt wollte …
      Der Einzige, dem überhaupt etwas daran gelegen war sie zu befreien, war Levrier. Und was dessen Verbleib anging, herrschte bei Anya große Ahnungslosigkeit. War er jetzt alleine? Oder gar tot?

      „Vielleicht findet er einen Weg, die Wirkung des Wunsches aufzuheben“, versuchte der Mann sie nun aufzumuntern. „Dämonenjäger sind sehr gewiefte Menschen. Leider nicht immer gewieft genug, denn diese Menschen, die sich mit mir hier aufgehalten haben, waren ebenfalls Dämonenjäger. Ja, ja.“
      „Selbst wenn er einen kennt, hätte er keinen Grund“, meinte Anya selbst überrascht von ihrer Niedergeschlagenheit und hielt dem Mann ihren Arm entgegen. Sie zog den Ärmel ihrer Lederjacke ein Stück hinauf und offenbarte das Kreuz im Dornenkranz. „Wegen dem hier.“
      „Bist du dir sicher? Wenn er dein Freund ist, wird er es trotzdem versuchen.“
      „Aber er ist es nicht. Wegen dem hier.“ Sie deutete auf dem Mal. „Bin sozusagen Staatsfeind Nummer 1.“
      „Doch er hat dich zu dem Jinn geführt, nicht wahr? Er wollte, dass du von deiner Last befreit wirst.“
      „Vielleicht hat er all das auch von Anfang an geplant“, erwiderte Anya wütend und schaute auf, „um mich loszuwerden. Er kann mich nicht töten, deswegen hat er mich in eine Falle gelockt.“
      „Glaubst du das wirklich?“ Ihr Gegenüber fuhr sich mehrmals über den Bart. „Wenn du meinst. Dann ist er wirklich klug, dieser Dämonenjäger.“

      ~-~-~


      [Matt: 1650LP / Jinn: 6100LP]


      Stöhnend wischte sich Matt den Schweiß von der Stirn. Ihm war nicht aufgefallen, wie heiß es auf dem Bahnhof war, seit die Zeit für alle Menschen außer ihn und den Jinn angehalten hatte. Was aber daran lag, dass ebenjener brannte wie ein Öltanker in einem Vulkan. Pechschwarz waren die Flammen, die den Körper von Anya komplett verhüllten.
      Matt vermutete, dass das die wahre Form des Jinns sein musste. Bloß war das nicht sein Problem. Jenes war der riesige Dämon, dem er in dieser grauen Welt gegenüber stand.

      Thought Ruler Archfiend [ATK/2700 DEF/2300 (8)]

      Seine mächtigen Schwingen weit ausspannend, starrte die mit einem Skelett bezogene Kreatur Matt angriffslustig an. Fast schlimmer noch war die permanente Zauberkarte des Jinns, [Soul Absorption], durch die er jedes Mal, wenn eine Karte verbannt wurde, 500 Lebenspunkte erhielt. Allein dadurch machte er Matt seither das Leben unsagbar schwer.
      Dieser war jetzt zwar am Zug, saß dennoch mächtig in der Patsche. Sein Feld war leergeräumt und einzig seine drei Handkarten konnten ihn unter Umständen davor bewahren, den Wunsch zu verlieren.
      Darum ging es hier schließlich, Anyas Hälfte des dritten Wunsches zu bekommen. Der Jinn, der Anya in diesem Duell vertrat, konnte sich selbst keine Wünsche erfüllen, obwohl auch er den missglückten zweiten Wunsch des Mädchens umkehren wollte. Deshalb musste er, Matt, der mit seinem Blut an der Lampe gerieben hatte, sich jetzt duellieren, damit er auch die andere Hälfte bekam. Erst dann konnte er Anya befreien.
      „Dann lass uns mal loslegen“, murmelte der Dämonenjäger schließlich und griff nach seinem Deck.

      ~-~-~


      „Mir ist langweilig“, brummte Anya genervt und bettete ihr Gesicht in ihre Hände, den Alten ungeduldig anstarrend.
      Der ständige Farbwechsel ihrer Umgebung ging ihr mittlerweile ziemlich auf die Nerven. Jetzt stand alles in grellem Gelb, es blendete schon fast. Wenn sie tatsächlich den Rest ihres Lebens so verbringen musste, würde sie vermutlich allein deshalb nach spätestens einer Woche irre werden. Sofern sie nicht vorher an einem epileptischen Anfall starb, weil sie sich dabei auf die Zunge gebissen hatte. Es war zum Kotzen!

      Seither hatten die beiden Gefangenen kein Wort mehr gewechselt, was der Hauptgrund war, warum Anya sich beklagte. Fast schien es, als würde der Opa darauf warten, dass sie von sich aus auf ihn zuging.
      „Ich könnte dir ja ein paar Geschichten erzählen“, bot ihr Gegenüber nun an, „vielleicht lernst du ja noch etwas über Dämonenjäger? Die, die ich kannte, haben vieles erlebt.“
      „Von mir aus.“ Resignierend verschränkte Anya ihre Arme. Immerhin bekam sie dann etwas Ablenkung.

      „Auf meinen Reisen sind mir viele Dämonenjäger begegnet, nicht nur die, die die Macht der Wunderlampe gesucht haben“, begann der Bärtige seine Erzählung wie ein erstklassiger Märchenonkel. „Einer von ihnen war dieser besondere Mann, der hier mit mir eingesperrt war. Er suchte die Lampe, anders als all die anderen, nicht aus Eigennutz. Oder vielleicht doch? Ich glaube, das ist Interpretationssache.“
      Anya horchte interessiert auf. Welcher Mensch wünschte sich schon etwas ohne Eigennutz?
      „Was wollte er sich denn wünschen?“
      „Das, was sich wohl die meisten von uns wünschen: er wollte die Menschen, die ihm lieb und teuer waren, wieder ins Leben zurückrufen. Doch nicht etwa, weil nur er sie vermisste. Nein, es gab da jemanden anderes, der diese zwei Menschen wesentlich dringender brauchte als er selbst.“
      „Aber der Jinn kann keine Menschen wiederbeleben, hat er gesagt!“ Anya schnaubte. „Dein Kumpel war ein Trottel, wenn er sich das gewünscht hat, obwohl der Jinn ihn vorher aufgeklärt hat.“
      „Oh? Nein nein nein, der Dämonenjäger hat sich etwas anderes gewünscht, als er die Regeln des Jinns erfuhr.“ Der Alte schenkte ihr eines seiner zahnlosen Lächeln und betrachtete anschließend seinen Stab. „Er wollte frei sein von dem Schmerz und der Verantwortung, den der Verlust dieser beiden mit sich brachte. Dieser Wunsch geschah aus Eigennutz. Und du musst wissen, die beiden, die er ins Leben zurückrufen wollte, waren ebenfalls Dämonenjäger. Gestorben durch die Hand ihrer Beute.“
      „Das ist … Pech für die“, raunte Anya, die eigentlich etwas ganz anderes sagen wollte.
      „Mehr als nur Pech. Sie starben, weil sie sich überschätzt hatten. Aber ein Vater wird immer versuchen, seine Tochter zu retten, nicht wahr?“
      Die Nase rümpfend, legte Anya wieder eine Hand auf ihre Wange und starrte bewusst zur Seite. „Nicht alle Väter, Opa …“
      „Dieser hier schon. Sein Wunsch war es lediglich, sie wiederzusehen. Sie und ihren Ehemann, der ebenfalls starb. Damit sie sich um sein Enkelkind, ihren Sohn, kümmern konnten.“ Plötzlich klang der Fremde so unendlich traurig, dass Anya gar nicht anders konnte, als ihn anzusehen. „Aber indem er in seinem schwachen Moment die falschen Worte gewählt hatte … landete er hier.“
      „Nicht losheulen“, motzte sie ihn unbeholfen an, „er ist doch jetzt tot und bei ihnen. Im Himmel oder sonst wo! Oder nicht?“
      Aber unerwartet lächelte er sie wieder an und wischte sich eine Träne aus dem Auge. „Du bist ein gutes Kind.“
      „N-nein! Garantiert nicht!“
      Was allerdings auf taube Ohren stieß. „Warum erzählst du mir nicht etwas von dir? Was hat dich dazu gebracht, den Jinn aufzusuchen?“

      Genau das, was sie eigentlich vermeiden wollte, dachte Anya frustriert und ließ den Kopf hängen. „Spielt doch keine Rolle mehr …“
      „Wir werden bestimmt noch viel Zeit miteinander verbringen. Natürlich kannst du damit warten, bis du dich bereit fühlst, darüber zu reden“, sprach er einfühlsam auf sie ein, „aber ich sehe doch, dass dich schon die ganze Zeit etwas bedrückt.“
      „Es ist-“
      Aber nein, sie konnte nicht darüber reden! Doch als der Alte sie so gütig ansah, dass sie seinen Blick nicht länger ertragen konnte, löste sich ungewollt ihre Zunge. „Es ist, weil ich bald sterben werde! Aber ich will nicht sterben!“
      „Ist es wegen deinem Mal?“, fragte ihr Gegenüber mit Blick auf Anyas Arm, wobei der Blick auf Levriers Paktsymbol durch die schwarze Lederjacke wieder verborgen lag.
      „Ja …“, brummte Anya frustriert. „Ich war blöd genug, einen Pakt mit einem Gründer einzugehen. Was das ist, ist jetzt nicht weiter wichtig, kann ich dir auch später noch erzählen. Aber in neun Tagen wird etwas passieren, das mich entweder das Leben kostet und mich in die Hölle schickt … oder zu irgendetwas macht, von dem ich keine Ahnung habe, was es überhaupt ist.“
      Der Alte zog eine seiner buschigen Augenbrauen hoch. „Das klingt wirklich ernst. Welches Datum schreibt ihr denn? Ich habe leider schon lange den Überblick verloren.“
      „Zurzeit den 02. November Zweitausend-…“ Den letzten Teil des Satzes hatte Anya nur leise genuschelt.
      „So viel Zeit ist verstrichen? Dann bin ich bereits weit über 80 Jahre alt“, empörte sich ihr Gegenüber, jedoch durchaus belustigt über diese Tatsache. „Aber dann heißt das, dass dein Todesdatum auf den 11.11. festgelegt ist.“

      Anya schwieg kurz, seufzte dann leise. „So sieht's aus.“
      „Das ist ein sehr besonderes Datum. Ein Omen. Was hast du dir gewünscht, um deinem Schicksal zu entkommen?“
      „Frei zu sein, von meinem Paktpartner getrennt zu werden. Dadurch bin ich aber hier gelandet.“
      „Dann hat der Jinn deinen Wunsch fehlinterpretiert, genau wie damals bei jenem Dämonenjäger, der seinem Schmerz entkommen wollte. Wie traurig. Anscheinend versteht den Jinn nicht, was Freiheit bedeutet.“ Aber die Miene des Mannes hellte sich auf. „Aber was ist mit deinem Freund, dem Dämonenjäger? Wird er dir nicht helfen?“
      „Niemals“, brummte Anya, die sich zwischenzeitlich aus dem Schneidersitz gelöst hatte und nun beide Arme um die Beine legte, als sie jene an sich heranzog. Es war, als wolle sie sich vor den Blicken ihres Gegenübers verstecken. „Denn der wäre genauso dran, wenn ich leben würde. Er ist sozusagen eines der Opfer, die benötigt werden, damit ich mein Schicksal erfülle. Nur deswegen hat er mir geholfen. Niemand … würde jemandem wie mir helfen …“
      Der Opa lachte jedoch fröhlich. „So ein Quatsch. Es gibt immer jemanden, dem man etwas bedeutet, Kindchen!“
      „Nicht in meinem Fall.“ Schließlich sah sie mit betrübter Mimik auf. „Ist nicht so, als ob ich nicht geahnt hätte, dass das hier schief geht. Aber dass ich jetzt weg bin heißt auch, dass keiner der anderen Malträger sterben muss. Und es bedeutet, dass meine Freunde … nicht mehr Gefahr laufen, so zu enden wie die anderen. Abby und Nick …“
      Der Alte strahlte sie nun förmlich an. „Da bitte! Du hast Freunde. Und du sorgst dich um ihr Wohl, also werden sie sich auch um dich sorgen und dich hier heraus wünschen. Glaub daran!“
      Doch Anya ließ wieder den Kopf auf ihre Kniescheiben sinken. „Da wäre ich mir nicht so sicher.“

      ~-~-~


      „Verdammt! Verdammt nochmal!“
      Matt stand der Schweiß auf der Stirn. Seine gezogene Karte war nicht das, was er erhofft hatte. Damit konnte er lediglich etwas länger überleben.
      Den Blick auf den beflügelten Dämon vor dem Jinn werfend, musste sich Matt eingestehen, dass letzterer ein ganz schön harter Brocken war. Doch noch war nicht alle Hoffnung verloren!
      „Ich sehe mich gezwungen, diese Karte hier zu spielen: [One Day Of Peace]! Damit ziehen wir beide eine Karte, können aber bis zum Ende deines nächsten Zuges dem anderen keinen Schaden zufügen.“
      Wortlos zogen sie beide eine Karte, womit der Jinn nun wieder ein Blatt besaß. Matts, welches aus vier Karten bestand, machte ihm jedoch wenig Hoffnung.
      „Moment-!“, platzte es aus ihm heraus, als er es noch einmal genau betrachtete. Damit konnte er-!
      Selbstbewusst verkündete er, als er ein Monster auf seine Duel Disk knallte: „Dieses Monster verdeckt und dazu noch eine gesetzte Karte! Das war's für diesen Zug!“
      In horizontaler Lage tauchte der Kartenrücken des Monsters vor Matt auf, während direkt dahinter seine gesetzte Falle in vertikaler Position erschien.
      Lass es klappen, betete Matt im Stillen.

      „Ich beginne meinen Spielzug“, kündigte der Jinn jenen an und zog.
      Matt indes ärgerte sich regelrecht über seinen teilnahmslosen Gegner. Selbst jetzt, da dieser einen beträchtlichen Vorsprung besaß, zeigte er keine Regung von der sonst so weit verbreiteten Überheblichkeit. Aber so war das wohl bei Jinns: sie kannten keine Gefühle. Nein, ganz stimmte das nicht. Die Neugier hatte ihn dazu getrieben, Anyas Körper zu übernehmen. Also war da vielleicht doch mehr?
      „Ich beschwöre [Split Psychic Manipulator].“
      Unter dem unheimlichen Dämon tauchte ein alter, rundlicher Mann auf, der zwei Spritzen in den Händen hielt, die mit Schläuchen an seinem Kopf verbunden waren. Sein grauer Bart reichte bis zum Boden.

      Split Psychic Manipulator [ATK/400 DEF/100 (1)]

      „Durch seinen Effekt reduziere ich die Stufe des [Thought Ruler Archfiends] um eins und erschaffe eine Spielmarke, die [Split Psychic Manipulator] gleicht.“
      Laut gackernd warf der Alte eine seiner Spritzen hoch in die Luft, welche das linke Bein des Dämons traf. An dem Schlauch ziehend, entnahm er jenem eine grüne Flüssigkeit, die dadurch direkt in sein Gehirn floss. Bis dem Alten ein neuer Kopf wuchs, der eines Babys.

      Spalt-Spielmarke [ATK/400 DEF/100 (1)]
      Thought Ruler Archfiend [ATK/2700 DEF/2300 (8 → 7)]

      „Nun benutze ich diese drei Monster, um eine Synchrobeschwörung durchzuführen.“
      Matt entglitten die Züge. „Was!? Noch eine!?“
      „Der Stufe 1 [Split Psychic Manipulator] stimmt sich nun auf die Stufe 1-Spielmarke und den Stufe 7 [Thought Ruler Archfiend] ab. Es erscheint daraufhin [Overmind Archfiend].“
      Entsetzt verfolgte Matt, wie der Körper des alten Mannes zersprang und zu einem grünen Ring wurde, wobei der Kopf des Babys diesen zusammen mit dem Dämon passiert. Ein greller Lichtblitz blendete Matt, es folgte daraufhin ein grässliches Brüllen.
      „Unmöglich!“, stammelte Matt, als er dieses neue Monster sah.
      Äußerlich ähnelte es stark dem [Thought Ruler Archfiend], auch wenn der Skellettanteil an seinem Körper deutlich größer geworden war, wie die Bestie an sich, welche fast den halben Gang des Bahnhofs für sich in Anspruch nahm. Zudem glänzten die Knochen nun silbrig.

      Overmind Archfiend [ATK/3300 DEF/3000 (9)]

      „3300!? Das ist stärker als alles, was ich besitze!“
      „Ich benutze nun den Effekt dieses Monsters und verbanne [Thought Ruler Archfiend] von meinem Friedhof.“
      Aus dem Friedhof des Jinns tauchte eine blaue Sphäre auf, die umgehend von seiner permanenten Zauberkarte [Soul Absorption] aufgesaugt wurde.

      [Matt: 1650LP / Jinn: 6100LP → 6600LP]


      „Nun aktiviere ich [Miracle Synchro Fusion]. Indem ich ein Psi-Synchromonster und ein weiteres Psi-Monster von meinem Friedhof verbanne, ermöglicht es diese Zauberkarte, dass ich [Ultimate Axon Kicker] als Fusionsbeschwörung beschwöre.“
      Matts Gegner schob [Magical Android] und [Split Psychic Manipulator] in das Unterfach der Duel Disk, welches alle seine aus dem Spiel entfernten Karten aufbewahrte. Zwei weitere Seelen stiegen daraufhin aus dem Friedhof auf und wurden sofort wieder von der permanenten Zauberkarte verschlungen, um deren Besitzer jeweils 500 Lebenspunkte zu schenken.

      [Matt: 1650LP / Jinn: 6600LP → 7600LP]


      „Will der mich verarschen!?“, hauchte Matt heiser, als vor dem [Overmind Archfiend] -noch- ein Monster derselben Größe auftauchte.
      Auch dieses ähnelte stark dem [Thought Ruler Archfiend], mit dem Unterschied, dass diese Kreatur keine Beine mehr besaß, dafür aber sein dämonischer Schweif wesentlich länger war.

      Ultimate Axon Kicker [ATK/2900 DEF/1700 (10)]

      Matt runzelte ärgerlich die Stirn. „Ich glaube, jetzt kapiere ich es. Diese beiden Monster sind die zwei möglichen Pfade, die [Thought Ruler Archfiend] beschreiten kann. [Overmind Archfiend] stellt das Böse dar, und dieser hier das Licht.“
      „Ich verstehe diese Interpretation nicht. Doch auch wenn deine Zauberkarte dich vor Kampfschaden beschützt, gilt dies nicht für deine Monster. Darum greift [Ultimate Axon Kicker] dein verdecktes Monster an.“
      „Sicher …“
      Der vordere Dämon konzentrierte in seinen Klauenhänden einen grünen Energieball, den er schließlich auf Matts gesetztes Monster abfeuerte. Unter einer tosenden Explosion wurde [Steelswarm Genome], eine formlose, schwarz geschuppte Gestalt, regelrecht zerfetzt. Selbst Matt, der den Schlag nicht abbekommen hatte, wurde von einer heftigen Druckwelle zurückgeworfen.

      Steelswarm Genome [ATK/1000 DEF/0 (2)]

      Der Jinn sah Matt teilnahmslos an, als dieser tief durchatmete. „Wenn [Ultimate Axon Kicker] ein Monster in Verteidigungsposition angreift, wird unter normalen Umständen Durchschlagschaden zugefügt. Da dies jedoch diese Runde nicht möglich war, sind deine Lebenspunkte sicher. Allerdings hat mein Monster ein anderes im Kampf zerstört, daher erhalte ich dessen Angriffspunkte, um mein Leben zu verlängern.“
      „Das auch noch!?“
      Grüne Lichter tanzten um den entflammten Jinn in Anyas Körper.

      [Matt: 1650LP / Jinn: 7600LP → 8600LP]


      „Damit ist mein Spielzug beendet.“
      Matt aber starrte nur mit entglittenem Gesichtsausdruck seine Hände an. „Irgendjemand da oben muss mich wirklich hassen! Wie zum Teufel soll ich so viele Lebenspunkte auslöschen!?“
      „Fahre mit deinem Zug fort, Meister“, forderte der Jinn jedoch nur, ohne ihm die Antwort für sein Problem zu geben.

      Matt betrachtete sein Blatt, das aus seinem besten Monster und einem weiteren Artgenossen bestand. Und er hatte noch seine verdeckte Falle. Damit würde er sich zwar über Wasser halten können, aber wenn er dieses Spiel nicht bald beendete, würde er den Kampf verlieren.
      Denn hier ging es nicht wirklich darum, das stärkere Monster zu beschwören. Es ging darum, wer am Ende zäher war, mit seinen Ressourcen besser umging. Und die Ressourcen des Jinns waren nicht etwa seine Karten, sondern seine Lebenspunkte, die durch seine Zauberkarte [Soul Absorption] schier unerschöpflich waren. Und nicht nur das, er besaß auch andere Wege, sie zu regenerieren, wie man anhand des [Ultimate Axon Kickers] sehen konnte. Lange würde das nicht mehr gut gehen.
      „Für jemanden, der seit hunderten von Jahren in einer Lampe eingesperrt ist, bist du wirklich eine harte Nuss“, lobte Matt seinen Gegner respektvoll.
      „Ich tue das, wozu ich erschaffen worden bin.“
      „Keine Ahnung, ob das jetzt gut oder schlecht ist. Aber ich muss dich besiegen, damit Anya zurückkommen kann!“
      Der Jinn nickte. „Das ist korrekt. Um ihren Teil des Wunsches zu erlangen, musst du mich, ihren Vertreter, in diesem Duell schlagen. Wenn du verlierst, wird der Wunsch auf mich übertragen, doch aufgrund der Beschaffenheit eines Jinns ist es ihnen nicht möglich, ihre eigenen Wünsche zu erfüllen.“
      Matt kratzte sich unsicher am Kopf. „Hast du denn einen?“
      „Ich weiß es nicht. Aber ich spüre den Drang, die alte Ordnung wieder herzustellen. Ist das ein Wunsch?“
      „Ich glaube schon.“ Komischer Kauz, dachte sich Matt dabei. Wie aussah, wusste dieser Jinn gar nicht, was Wünsche überhaupt waren. Beziehungsweise verstand sie einfach nicht. Er lachte auf.

      „Keine Sorge, ich helfe dir dabei schon irgendwie! Ich bin am Zug! Draw!“
      Voller Schwung riss Matt die Karte von seinem Deck und brauchte nur einen kurzen Blick von der Seite auf sie zu werfen, um zu erkennen, dass -sein- Wunsch sich erfüllt hatte. „Perfekt!“
      Er nahm vor seinem Gegner eine aufrechte Haltung an. „Gleich ist alles vorbei! Da ich keine Monster kontrolliere, beschwöre ich [Steelswarm Cell] als Spezialbeschwörung von meiner Hand!“
      Sofort tauchte vor ihm ein kugelrunder Käfer auf, dessen kreisförmiger Schlund voller spitzer Zähne war.

      Steelswarm Cell [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Sofort schwang Matt daraufhin seinen Arm aus. „Nun meine Falle: [Infestation Ripples]! Für 500 Lebenspunkte reanimiere ich jetzt [Steelswarm Genome]!“

      [Matt: 1650LP → 1150LP / Jinn: 8600LP]


      Kurz darauf gesellte sich zu dem dicken Käfer die unförmige, geschuppte Gestalt, die eher einer wabbeligen Masse ähnelte, denn einem Insekt.

      Steelswarm Genome [ATK/1000 DEF/0 (2)]

      Matt zückte nun eine seiner verbliebenen Handkarten und grinste verschlagen. „Damit ist der Weg für mein mächtigstes Monster geebnet! Gegen den hier hat niemand eine Chance! Ich biete meine beiden Monster als Tribut an, wobei ich Genomes Effekt nutze und ihn als zwei Tribute behandle! Befalle diese Welt wie eine Epidemie, vor der es kein Entkommen gibt! Herr der Seuchen, [Steelswarm Hercules]!“
      Vor Matt erhob sich daraufhin ein Wesen, das es von der Größe her locker mit den Monstern des Jinns aufnehmen konnte. Wie ein Kriegsherr mutete dieser humanoide, pechschwarze Herkuleskäfer an, dessen Flügel einem Umhang gleich über dem breiten Kreuz des Monsters lagen. Gleich zwei Armpaare besaß diese Kreatur, beide übersät mit dicken, goldenen Hörnern. Das untere, kleinere verschränkte er in majestätischer Haltung, als wolle er seinen Feinden zeigen, dass es niemand mit ihm aufnehmen konnte.

      Steelswarm Hercules [ATK/3200 DEF/0 (10)]

      Und das konnten sie auch nicht, wie Matt im Begriff zu erklären war. „Dieses Monster kann nur durch drei erbrachte Tribute gerufen werden, hat es dafür aber in sich!“
      Plötzlich packte der Herkuleskäfermann mit seinem zweiten Armpaar zwei violette Energielanzen, die er aus dem Nichts erschaffen hatte. Der Dämonenjäger sagte dazu: „Einmal pro Zug vernichtet Hercules für die Hälfte meiner Lebenspunkte absolut -alles- auf dem Spielfeld, außer sich selbst!“

      [Matt: 1150LP → 575LP / Jinn: 8600LP]


      Die erste Lanze warf der mächtige Krieger in die Richtung des Jinns, welcher sich jedoch nicht einmal einen Millimeter bewegte. Die zweite stemmte er vor Matt in den Boden.
      „Sag Goodbye zu deinen Psychokreaturen!“, donnerte Matt siegessicher.
      Dann explodierten die Lanzen, erst die geworfene, noch mitten in der Luft zwischen den beiden Monstern des Jinns, dann jene vor Matt. Der gesamte Gang des Bahnhofs wurde unter lautem Krachen in tiefen, violetten Nebel gehüllt.
      Matt ballte eine Faust, als sich die Schwade um ihn herum zu lichten begann. „Das hat dich erwischt, huh?“
      Als er aber zwei riesige Schatten vor sich erkannte, die sich aus dem Nebel abzuzeichnen begannen, verging ihm das Lachen. Und kaum war der Nebel ganz verschwunden, bestätigte sich seine Vermutung.
      „Du bist echt nicht kleinzukriegen, was!?“
      Der Jinn, welcher sich hinter seinen Monstern aufhielt, antwortete: „[Ultimate Axon Kicker] kann nicht durch Karteneffekte vernichtet werden. Außerdem beschwört [Overmind Archfiend] ein durch seinen Effekt verbanntes Monster auf meine Spielfeldseite, sollte er zerstört werden. Deswegen ist [Thought Ruler Archfiend] an seine Stelle getreten.“

      Thought Ruler Archfiend [ATK/2700 DEF/2300 (8)]

      „Ach so? Stimmt, jetzt seh ich den Unterschied.“
      Dieser Dämon war etwas kleiner und hatte Beine. Aber Matt setzte daraufhin nur ein keckes Grinsen auf und zückte seine letzte Handkarte. „Tut mir leid, aber ich habe mir schon fast gedacht, dass deine beiden Monster nicht so leicht tot zu kriegen sein werden. Genau wie du. Deswegen war das eben nichts weiter ein Testlauf! Der wahre Spaß fängt hiermit an! Mit dem Zauber [Origins Of Infestation]!“
      Plötzlich platzten aus der Brust seines Herkuleskäfers, welcher in der Zwischenzeit alles verärgert beobachtet hatte, violette Sporen hervor. Es ächzte unter Schmerzen und streckte beide Armpaare weit aus, genau wie auf Matts Karte abgebildet.
      Dieser erklärte dazu: „Diese Zauberkarte funktioniert nur in Verbindung mit einem Steelswarm-Monster, das in diesem Zug als Tributbeschwörung gerufen wurde! Und sie hat es in sich! Jetzt erhält [Steelswarm Hercules] für alle seine Artgenossen und Infestation-Karten auf meinem Friedhof 200 Angriffspunkte, was insgesamt neun Stück sind!“
      Der dämonische Käfermann stieß einen tiefen, kehligen Schrei aus.

      Steelswarm Hercules [ATK/3200 → 5000 DEF/0 (10)]

      „Und noch etwas!“, rief Matt plötzlich und fuhr sich dabei mit dem Handrücken über die blutverschmierte Nase, die er Anya zu verdanken hatte. „Dieses Monster kann zusätzlich zu seinem normalen Angriff für jedes Monster, das bei seiner Beschwörung geopfert wurde, noch einmal angreifen! Was zwei Zusatzangriffe für mich bedeutet! Das ist die volle Stärke meines Decks!“
      Der Jinn nickte. „Ich verstehe. Demnach habe ich dieses Duell verloren.“
      „Yeah …“ Matt schloss die Augen. „Tut mir leid für den Ärger, den Anya verursacht hat. Bald ist alles wieder so, wie es sein sollte.“
      Dann riss er sie auf und streckte seinen Arm in die Höhe. „[Steelswarm Hercules], beende es! Greife die beiden Monster und anschließend den Jinn direkt an! Infestation's Solitude!“
      Regelrecht kreischend reckte Matts Monster seine Brust nach vorn und schoss einen gewaltigen Laserstrahl daraus ab, der erst [Thought Ruler Archfiend], dann [Ultimate Axon Kicker] und schließlich den brennenden Jinn selbst erfasste.
      Eine gewaltige Druckwelle, ausgelöst durch die Zerstörung der Monster, erfasste Matt und drohte ihn mit sich zu reißen. Aber es war nicht nur eine, nein, immer wieder entstanden neue, die sich im ganzen Bahnhof ausbreiteten.

      [Matt: 575LP / Jinn: 8600LP → 0LP]


      „Nenne deinen Wunsch, Meister“, drang die Stimme des Jinns trotz des Getöses glasklar an Matts Ohr.
      Der, mit dem heftigen Wind kämpfend, wurde immer weiter nach hinten gedrückt. Ächzend rief er mit aller Kraft: „Ich wünsche mir, dass Anya Bauer in ihren Körper zurückkehrt! … zusammen mit allen anderen, denen durch deine Hand dieses Schicksal zuteil wurde!“
      Erst gab es keine Antwort. Doch schließlich: „Dein Wunsch wurde erfüllt. Nun werde ich in meinen Schlaf zurückkehren.“
      Die Druckwellen wurden zu stark für Matt. Schreiend wurde er mit ihnen gerissen, doch noch während er über den Boden flog, hörte er noch etwas.
      „Mein Wunsch ist es, dass die Lampe zerstört wird.“
      „Huh!?“
      Dann prallte er mit voller Wucht auf dem Boden auf. Alles wurde schwarz vor seinen Augen …

      ~-~-~


      „Was hast -du- dir eigentlich gewünscht, dass du hier gelandet bist, Opa?“, fragte Anya nach einer Weile neugierig und sah den Alten fragend an. „Die ganze Zeit hast du die Geschichten anderer erzählt und dir meine angehört. Aber warum du hier bist, weiß ich noch gar nicht.“
      „Oh? Ich glaube doch.“
      „Wie mein-“

      Doch ein heftiges Beben erschütterte plötzlich die endlose Dimension. Anya kippte nach vorne, in die Arme des Mannes.
      „Was ist das!?“, schrie sie und starrte mit ihm zusammen in den 'Himmel', in welchem sich plötzlich Risse bildeten, aus denen goldenes Licht drang.
      „Wie es aussieht hast du doch Freunde, mein Kind!“, lachte er glücklich.
      Fassungslos beobachteten beide, wie dieser befremdliche Ort in sich zusammenbrach. Und als das Licht die beiden endlich erreichte, lösten sie sich auf.

      Anya sackte nach vorne und wusste nicht, ob sie gerade fiel oder auf dem Boden lag. Aber nein, das war …
      Sie öffnete die Augen und lag auf der Brust des Mannes, welcher schwer atmete. Sofort schreckte sie auf und sah sich um.
      „Huh!?“
      Sie befanden sich in einer Art Lager, überall standen Kisten mit Aufschriften und auch ein Gabelstapler war hier zu finden.
      „Ach so!“, schoss es aus ihr heraus, als sie schließlich verstand. Hier wurden die Briefe und Pakete gelagert und sortiert, damit sie später den Schließfächern zugeordnet werden konnten.

      Sofort wandte sie sich an den alten Mann und packte ihn strahlend an den Schultern. „Wir sind frei! Opa, wir sind frei!“
      „Ich fürchte … leider etwas zu spät …“
      „Huh!?“
      Der Mann öffnete keuchend seine Augen und sah sie mitleidig an. Seine Augen waren blutunterlaufen, ganz anders als noch vor wenigen Minuten. „Wie es aussieht … bin ich nicht mehr so jung wie du. In dieser Welt macht sich mein Alter bemerkbar.“
      „Was redest du da!? Du siehst doch ganz fit aus für einen 80-Jährigen! Du kannst doch jetzt nicht einfach mir nichts, dir nichts krepieren!“
      „Die Welt in der Lampe hat innerhalb der Jahre das Innere meines Körpers verändert. Ich musste nie essen, aber habe trotzdem so lange überlebt. Ich glaube, deshalb kann ich außerhalb der Lampe nicht mehr existieren.“
      Doch Anya schüttelte ihn nur aufgeregt. „Rede nicht so'n Unsinn, das war doch alles nur Magie! Jetzt ist es vorbei!“
      „Du hast Glück, dass du nicht lange dort warst.“ Der Mann lächelte glücklich, als ihn ein Hustenanfall mit blutigem Auswurf heimsuchte. Hilflos sah Anya sich um, doch es gab nichts, was sie tun konnte. Als der Anfall sich gelegt hatte, schloss er die Augen. „Du hast mich nach meinem Wunsch gefragt. Wahrscheinlich hast du es längst durchschaut, aber ich … war der Dämonenjäger, der versucht hat, seine Familie wiederzusehen.“
      „Dann stirb jetzt nicht!“, schrie Anya aufgebracht. „Wir finden bestimmt einen Weg! Es gibt so vieles, was-“
      „Du bist wie mein kleiner Enkel damals. Stur, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Es tut mir leid, dass ich dir nicht helfen kann, ein Mittel zu finden kann, wie du Edens grausamen Fluch loswirst.“
      Anya schreckte zurück. „Du weißt-!?“
      „Sag meinem Enkel, wenn du ihm jemals begegnest … sag A- …“ Doch der Kopf des Mannes kippte zur Seite, bis sein Körper sich in grellen, tanzenden Lichtern aufzulösen begann.
      Anya fasste sich an die Wange, als sie realisierte, dass er tot war. Sie war nass. Die andere auch. Ihre Augen, warum weinte sie? Warum weinte sie!? Und wieso hörte es nicht auf!?
      „Tut mir leid …“, schluchzte sie unter bitteren Tränen. „Es tut mir so leid …“

      ~-~-~


      Matt schlug benommen die Augen auf.
      „Oh Gott sei dank, er ist wach!“, hörte er eine fremde Stimme rufen.
      Ein Mann, den er nicht kannte, beugte sich über ihn. „Junge, bist du okay? Auf einmal lagst du am Boden.“
      „Mir ist nur etwas schwindlig“, log Matt, als er die Menschentraube um sich herum bemerkte. Tatsächlich war ihm aber -sehr- schwindlig.
      „Na Dornröschen, endlich aus dem Prinzessinnenschlaf aufgewacht!?“
      Der Dämonenjäger schreckte auf, als sich ein Teil der Traube auflöste. Mit verschränkten Armen stand Anya vor ihm. Sie wirkte unglaublich mitgenommen, aber ansonsten unversehrt. Keine Brandwunden.
      Matt sprang auf und wollte ihr entgegen kommen, doch ein Faustschlag streckte ihn nieder und warf ihn direkt auf den Boden zurück. Sofort regten die umstehenden Leute sich auf, doch Matt gebot ihnen mit erhobener Hand Einhalt. Mit aufgerissenen Augen schrie er sie von unten herab an: „Ist das der Dank dafür, dass ich gerade deinen Arsch gerettet habe!?“
      „Nein! Das ist die Strafe dafür, dass ich solange warten musste, Mistkerl!“
      „Du undankbares Miststück!“
      Plötzlich reichte Anya ihm mit abschätziger Miene die Hand. Es schien ihr geradezu größte Mühen abzuverlangen, die folgenden Worte auszusprechen: „Trotzdem danke.“
      Einen Moment mit eisigem Blick verharrend, packte Matt schließlich mit wütendem Augenrollen ihre Hand und ließ sich von ihr aufhelfen. „Keine Ursache. Und sei froh, dass ich keine Mädchen schlage. Sonst würdest du jetzt durch jeden Türschlitz passen.“
      Gott, jetzt redete er sogar schon wie sie! Einen schlechteren Einfluss als die Blondine konnte es gar nicht geben!
      „Ja, nur treten“, brummte Anya und erinnerte sich an ihre letzte Begegnung.
      Matt wirbelte um und wies die anderen Leute um sie herum mit scheuchender Handbewegung an, dass alles gut war und sie verschwinden konnten. „Abmarsch Leute, hier gibt es nichts zu sehen, alles ist gut!“
      „Ja, zieht Leine!“, half ihm Anya und die, die sie erkannt hatten, entfernten sich eiligen Schrittes von den beiden. Was nicht gerade wenige Leute waren. Eben die letzten Nullnummern, die immer noch nicht geschnallt hatten, wer da vor ihnen stand.
      „... hier hat es nicht gebrannt, wie man sieht!“, rief Matt denen zu, die immer noch davon überzeugt waren, dass kurz zuvor ein Feuer getobt hatte.
      „Komm, lass uns schnell verschwinden“, meinte Anya schließlich, nachdem das Chaos sich etwas gelegt hatte, und schnappte sich kurzerhand die Lampe, die vor dem Postfach auf dem Boden lag. „Ehe die Cops kommen, weil jemand mich verpetzt hat.“
      „Gut …“

      ~-~-~


      „Wo warst du überhaupt die ganze Zeit, als der Jinn deinen Körper besetzt hat?“, fragte Matt sie neugierig, als die beiden schließlich im VW-Bus des Dämonenjägergespanns saßen.
      Anya, mit der Wunderlampe auf dem Schoß, drehte sich verwirrt zu ihm um. Erst zögerte sie etwas, ehe sie antwortete: „Im Elysion, wo sonst? Levrier war auch da. Der Jinn hat ihn schon unterdrückt, als wir den Bahnhof betreten haben.“
      Matt schüttelte genervt den Kopf. „Dasselbe bei meinem Exemplar. Aber das hätte verdammt nochmal echt ins Auge gehen können! Was hast du dir dabei gedacht, mir einfach eins reinzuwürgen!?“
      Das Mädchen zuckte mit den Schultern. „Wollte verhindern, dass du dich einmischt.“ Beschwichtigend, aber doch gleichzeitig mit ihrer typischen, unterschwelligen Boshaftigkeit, fügte sie noch hinzu: „Außerdem steht dir die Nase irgendwie gut zu Gesicht.“
      Daraufhin schnaufte ihr Gegenüber wütend. „Hätte ich mich nicht eingemischt, wärst du jetzt nicht hier!“
      „Ich hab mich doch schon bedankt!“
      „Ja …“ Matt stöhnte und tupfte sich mit einem Taschentuch dabei die blutige Nase ab. „Auf jeden Fall sollten wir das Ding zerstören.“
      Er deutete auf die blutbesudelte Messinglampe auf Anyas Schoß. „Daraus entspringt nichts Gutes! Außerdem war es der Wunsch des Jinns … glaub ich.“
      „Oh, damit hab ich keine Probleme“, brummte Anya und schaute sich die Öllampe wütend an, drehte sie in ihren Händen. „Am Ende war alles nur falscher Zauber. Obwohl, die Karten hab ich noch …“
      „Die was?“
      „Nichts“, wich sie seiner Frage aus.
      „Tch, was auch immer. Aber ich glaube“, Matt seufzte schließlich und warf das Taschentuch über seine Schulter, um sich ein neues aus dem Fach vor Anya zu holen, „dass der Jinn nicht böse war. Soweit ich es verstanden habe, liest er die Wünsche auch von unseren Herzen, nicht nur von den Lippen. Aber ein Jinn versteht weder, was Wünsche sind, noch die Emotionen, die mit ihnen gekoppelt sind. Deswegen hat er sie auch fehlinterpretiert.“
      Er wandte sich neugierig an Anya. „Ich habe alle frei gewünscht, die er eingesperrt hat, vorsichtshalber. Waren denn da noch andere?“
      Anya zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, ich habe niemanden gesehen. Wie auch, das Elysion ist doch nur dem Besitzer und irgendwelchen Geisterspackos zugänglich, oder nicht?“
      Schließlich zückte Matt den Schlüssel und startete den Motor. „Egal, jetzt sind sie frei. Die Lampe wird die nächsten Jahrzehnte nicht zu gebrauchen sein, weil sie sich erst aufladen muss. Also können wir sie nicht noch einmal verwenden. Worum ich aber ehrlich gesagt nicht traurig bin …“

      Hast du das vorhin gehört, Anya Bauer?

      Anya schreckte beim Klang von Levriers Stimme auf. „Was?“

      Vorhin. Es klang tatsächlich, als ob jemand laut geweint hat.

      „Tch! Putz dir die Ohren, da war nichts!“ Und leise flüsternd fügte sie noch hinzu, damit Matt es nicht hörte: „Und was -da- passiert ist, geht niemanden etwas an, klar!?“

      Du wirst dich nie ändern, oder?

      „Scheint ja wieder alles beim Alten zu sein“, kommentierte Matt die Selbstgespräche des Mädchens belustigt. „Das war ein totaler Reinfall. Ich will jetzt einfach nur nachhause und ins Bett … und Alector wird sich was anhören können!“
      „Ja …“

      Ein totaler Reinfall. Anya war immer noch an Levrier gebunden. Selbst der Jinn hatte ihr am Ende nicht helfen können. Vielleicht gab es wirklich keinen Weg, von Levrier loszukommen? Es war wohl wirklich ihr Schicksal …


      Turn 24 – The Collector
      Am Folgetag entschließt sich Anya dazu, endlich die Orte zu untersuchen, an denen die verschiedenen Pakte geschlossen worden sind. Nachdem sie zu einer interessanten Schlussfolgerung gekommen ist, wird sie plötzlich von einem Mann angesprochen, der sich als derselbe Dämon herausstellt, welcher schon Marc ins Leben zurückgeholt hat – der Sammler. Und er macht Anya ein Angebot, das geradezu verführerisch gut klingt. Jedoch …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Matt

      Steelswarm Genome
      Steelswarm Cell
      Steelswarm Hercules

      Origins Of Infestation
      Zauber/Normal
      Wähle ein in diesem Zug als Tributbeschwörung beschworenes Steelswarm-Monster: es erhält bis zur End Phase ATK in Höhe der Anzahl an Steelswarm-Monster und Infestation-Karten auf deinem Friedhof x 200 und kann zusätzlich zu seinem normalen Angriff pro erbrachtes Tribut für seine Beschwörung ein weiteres Mal angreifen; während der End Phase: zerstöre alle Karten auf deiner Spielfeldseite.

      One Day Of Peace
      Soul Absorption

      Infestation Ripples

      Jinn

      Split Psychic Manipulator
      Psi/Erde/Empfänger
      ATK/400 DEF/100 (1)
      Einmal pro Zug: verringere die Stufe eines offenen Psi-Monsters, um eine Spalt-Spielmarke (Psi/Erde/1/ATK 400/DEF/100) als Spezialbeschwörung zu beschwören. Wenn diese verbannte Karte als Spezialbeschwörung beschworen wird: beschwöre ein Psi-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung.

      Miracle Synchro Fusion
      Soul Absorption

      Ultimate Axon Kicker
      Magical Android
      Thought Ruler Archfiend
      Overmind Archfiend

      -Aska- schrieb:

      Ich würde mich aber wirklich über den ein oder anderen Kommentar freuen.

      Gerne, dann schreibe ich jetzt mal was :D

      Ich finde deine Geschichten immer klasse!
      ich bin zwar nur ein Gelegenheitsleser - und muss noch einige Ausgaben nachholen, weshalb ich bei der Story manchmal auf dem Schlauch stehe - aber es gefällt mir sehr gut, wie du deine Geschichten schreibst. Zudem hätte ich nicht gedacht, dass es noch User gibt, die über Monate hinweg eine sehr gute Rechtschreibung, Zeichsetzung, Grammatikverständnis und Satzbaufähigkeiten haben. Meinen Respekt, -Aska- :daumen:

      Die titel sind auch immer sehr ansprechend.
      Mal sehen, welches Angebot der "Sammler" Anya machen wird. Ich bin schon sehr auf die Fortsetzung gespannt.

      Ach übrigens: Endlich mal angenehme Duelle nach Regeln, und nicht so einen Mist, den man oft im Anime aufgetischt bekommt^^

      MfG
      ~Pfannkuchen~


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      Doch, ich ;)
      Ich lese deine Geschichte schon ein gutes Stück, Aska und ich finde die Charaktere und ihre Entwicklung einfach genial.
      Anya als Antiheldin ist sehr gelungen, man will sie nicht mögen aber irgendwie schafft sie es einen dazu zu zwingen, sie ist einfach auf ihre Weise sympathisch und interessant. Vor allem das Rematch gegen Henry fand ich sehr gut und wichtig, da man hier dann ihre Veränderung (keine Beeinflussung des Schicksals und ein gutes Ergebnis) sehr deutlich sehen konnte. Sie ist zwar sadistisch, grausam, cholerisch und so weiter, aber sie hat einen guten Kern (sieht man auch daran dass sie Mark nicht töten wollte).
      Valerie mag ich irgendwie nicht (nicht schlagen, Bakura), sie ist mir anfangs zu korrekt und am Ende zu skrupellos, ich mag diese Extreme nicht (obwohl ihr Deck ihr wie bei Anya Sympathiepunkte bringt).
      Mein absoluter Liebling ist aber Nick. Anfangs dachte ich nur "was macht der denn bitte, der nervt ja nur", aber seit seinem Duell mit Isfanel bin ich von ihm ehrlich gesagt beeindruckt, er ist ein Genie (sieht man neben seinem Bluff in Runde 1 auch daran dass er es geschafft hat sich in das Duellsystem zu hacken) und dazu ein echt guter Duellant (fast besser als Anya, er hat Isfanel ja aus eigener Kraft und ohne Hilfe geschlagen).
      Den Rest lasse ich mal unter den Tisch fallen, da weiß ich noch nicht so recht was ich von ihnen halten soll, wobei mir sogar die Dämonenjäger (eigentlich nur Matt) sympathisch werden.
      Also mal alles in allem:
      Bombenstory, gerne mehr davon.
      Spielerisch haben Raritäten auch Vorteile: Eine UMR Veiler negiert dich krasser
      Heyho, danke an alle Leser.

      @Pfannkuchen
      Anscheinend nicht.
      Aber es freut mich, dass immerhin du etwas hierzu sagst. Das motiviert doch ein wenig. :)

      Ich weiß jetzt natürlich nicht, wo du bist und weshalb du "auf dem Schlauch stehst". Aber wenn du Fragen hast, zögere nicht sie zu stellen.
      Insofern danke ich dir vielmals für den Kommentar. :)


      Edit: während des Postens gar nicht Lenants Kommentar gesehen. Sorry!

      @Lenant
      Dein Kommentar freut mich sehr, dankeschön!
      Tja, Anya soll einerseits nicht gemocht werden, andererseits sollen die Leser sie aber mit zunehmeder Zahl an Episoden doch mögen. :D
      Freut mich, dass es bei der geklappt hat. Sie hat halt doch ein paar gute Seiten, die allerdings selten hervorscheinen. Aber immer öfter. Oder nicht? ;)
      Dass du Val nicht magst erstaunt mich, find ich aber nicht schlimm. Sie ist in der Tat recht extrem geworden, allerdings kann man es ihr nicht verdenken, schätz ich. Und sie ist die (bisher?) einzige Ritualspielerin. :D
      Ich würd sogar behaupten, Nick ist stärker als der gesamte andere Cast. In gewisser Hinsicht, wobei Nick sein eigenes Manko hat, was man auch noch sehen wird.

      Wie gesagt, vielen Dank für deinen Post!


      Turn 24 – The Collector
      „Puh, nur noch ausdrucken und ich bin fertig damit“, sagte Abby, nachdem sie den letzten Satz ihres Aufsatzes über den Artikel 231 des Versailler Vertrags abgetippt hatte. „Du wirst wirklich danach suchen gehen?“
      Sie drehte sich auf ihrem Stuhl um 180° und sah zu Anya herüber, die auf Abbys Bett lag und verschiedene CDs anschaute, die allesamt dem Hippiemädchen gehörten.
      „Ja, nachher“, antwortete die Blondine beiläufig und zeigte eine rote CD, auf der ein Piano abgebildet war, in die Höhe. „Kann ich mir die ausleihen?“
      „Klar. Aber seit wann hörst du Mozart? Ich dachte Chopin wäre jetzt bei dir in?“
      „Das bleibt unser Geheimnis, klar!? Wenn du es weitererzählt, werde ich allen erzählen, dass das Pennerkind bei dir wohnt und mit dir rumhurt!“

      Niemand durfte je erfahren, dass Anya Bauer … klassische Musik liebte. Außer Abby, die ihre Leidenschaft teilte. Bloß war die so langweilig, dass sich niemand daran störte. Bei Anya hingegen war das anders, sie hatte immerhin ihren schlechten Ruf zu verlieren.
      Diese Art der Musik hörte sie nur, wenn absolut niemand zuhause war und sie davon ausgehen konnte, dass das auch so blieb. Sie verstand sowieso nicht, warum man nicht beides, Death Metal UND Klassik hören durfte, ohne gleich als vollkommen irre abgestempelt zu werden. Diese Auszeichnung wollte sie sich durch andere Dinge verdienen, nicht durch die Musik, die sie hörte.

      „Ist ja gut“, erwiderte Abby beleidigt und rückte ihre getönte Brille zurecht. „Er ist ohnehin nur hier zum Schlafen und manchmal zum Essen. Dass er so aufopferungsvoll nach seiner Schwester sucht, ist irgendwie … romantisch. Ich beneide sie fast ein wenig.“
      Keifend erwiderte Anya daraufhin: „Geh mit ihm aus und ich kill einen von euch! Vorzugsweise ihn!“
      „Ich weiß es zu schätzen, dass du eifersüchtig bist“, stichelte Abby pikiert, „aber die Wahl meiner Freunde treffe ich immer noch selbst.“
      „Rede ich hier neuerdings mit einem Redfieldklon?“ Anya blinzelte verdutzt. „Seit wann wehrst du dich?“
      „Seit ich dir das Leben zur Hölle machen kann?“
      Um das zu demonstrieren, warf Abby eine einzelne, auf ihrem Schreibtisch herumliegende Naturiakarte in Anyas Richtung, aus der plötzlich eine kleine Sonnenblume mit Augen, Armen und Beinen auftauchte, direkt vor Anyas Nase.
      „Ach ja?“, erwiderte diese herausfordernd, schnappte sich die Blume kurzerhand und biss ihr in den Kopf.
      Sofort sprang Abby kreischend auf. „Neeeeeein! Was machst du denn da!?“
      Daraufhin verwandelte sich die Sonnenblume in die Karte [Naturia Sunflower] zurück, die nun durch Anyas Zahnabdrücke entstellt war. Beide Mädchen sahen sich einen Moment lang an, ehe sie laut zu lachen anfingen.

      „Ich gehe dann mal“, meinte Anya schließlich und sprang von Abbys Bett auf. Die CD packte sie neben die Duel Disk in ihren Rucksack, welchen sie danach schulterte. „Muss noch halb Livington abklappern, was 'ne Weile dauern kann.“
      „Ich hoffe, du findest irgendeinen Hinweis, der dir weiterhilft“, meinte Abby aufrichtig und sah Anya besorgt an. „Wenn ich irgendetwas tun kann, dann sag es.“
      „Ne sorry, ich fürchte, das ist 'ne Gründer-only-Angelegenheit. Du spürst ja nicht mal etwas direkt vor unserer Haustür, da wo Matts Pakt geschlossen wurde.“
      „Leider nein.“
      Anya stöhnte aufgrund des bedrückten Tonfalls ihrer Freundin. „Mach dir nichts draus, ich auch nicht, nur Levrier. Wie gesagt, ist wohl allein sein Gebiet.“
      „Aber er hat nichts herausgefunden?“
      „Nein, deswegen wollen wir uns ja die anderen Orte ansehen.“ Anya kratzte sich mit zusammengekniffenen Augen hinter dem Ohr. „Auch wenn ich nicht glaube, dass wir was finden.“
      Abby legte einen mitleidigen Blick auf. „Und dir geht es auch wirklich wieder gut? Ich meine, erst gestern …“
      „Ja ja, klar. Das mit dem Jinn ist dumm gelaufen, aber ich habe eh nie viel erwartet.“
      „Was ist aus der Lampe geworden?“
      Frech grinsend fuhr sich Anya mit dem Daumen über die Kehle. „Matt hat sie gestern noch verschrottet. Aber der dämliche Jinn wollte es ja so.“
      „Trotzdem ist das irgendwie traurig.“
      „Ja ja, was auch immer. Also ich hau dann mal rein, bis morgen“, Anya steckte angeekelt die Zunge heraus, „in der Schule. Warum muss ich da hingehen, wenn ich sowieso bald weg vom Fenster bin!?“
      Doch Abbys strenger Blick sagte Anya, dass sie von ihr keine Zustimmung erhalten würde. Also verabschiedeten sich die Mädchen voneinander, sodass die Blondine sich auf dem Weg machen konnte.

      Von Abby aus am nächsten lag der Park, in dem Marc sich mit Isfanel verbündet hatte. Zwar war Anya nicht wohl bei dem Gedanken, ihn aufzusuchen, nach allem was zwischen ihr, Marc und Valerie geschehen war, doch ließ es sich nicht vermeiden. Umso schneller hatte sie es hinter sich, sagte sich das Mädchen immer wieder.
      Danach stand die Schule auf dem Programm, wo sie selbst den Pakt mit Levrier geschmiedet hatte. Anschließend würde sie zu der Stelle gehen, an der angeblich Alastair sein Mal erhalten hatte. Dort, wo sie vor einigen Wochen Jonathans Leiche gefunden hatte. Von wo es immerhin nicht mehr weit bis nach Hause war. Victim's Sanctuary, Valeries 'Territorium', lag dummerweise auf der anderen Seite der Stadt, weshalb Anya es sich für morgen nach der Schule aufheben musste.
      Trotzdem, ihre Motivation ließ zu wünschen übrig …

      ~-~-~


      Energiereste, wie auch bei dir zuhause. Aber nichts deutet daraufhin, wie wir sie für unsere Zwecke gebrauchen sollen. Hier liegen die Scherben eines zerbrochenen Elysions, doch zugreifen kann ich nicht darauf. Was bedeutet das?

      „Dass du nutzlos bist?“, antwortete Anya ihm gallig und sah sich voller Unwohlsein um.
      Das ganze Gebiet war abgesperrt worden, damit niemand den Tatort betreten konnte, was Anya jedoch nicht daran störte, das vollkommen abgebrannte Gelände trotzdem unsicher zu machen.
      Sie stand in diesem Moment womöglich auf der Stelle, von der aus sie den Todesschlag gegen Marc befohlen hatte. Doch heute war es helllichter, wenn auch kühler Tag.
      Aber nicht die herbstlichen Temperaturen waren der Grund, warum Anya ihre schwarze Totenkopflederjacke enger an sich zog. Es war der Teufel auf ihrer Schulter, der auf den Namen 'schlechtes Gewissen' hörte.
      „Können wir jetzt gehen?“, nörgelte sie unzufrieden. „Ich frier' mir hier den Arsch ab.“

      Wie bedauerlich. Komm, wir gehen in eine wärmere Zone der Stadt. Oder gleich nach Jamaika?

      „Hör' auf mich zu ärgern, du Geisterspacko! Wenn ich mich bewege, wird mir wenigstens warm.“

      Lass mich raten: durch dieses Wissen hast du deinen erstes „Bestanden“ bei einem Physiktest bekommen?

      „Nein! Das habe ich dafür bekommen, dass ich genau berechnen konnte, wie schnell ein Messer fliegen muss, um einen Schädel sauber zu spalten! Wenn du willst, führe ich es dir gerne vor!“

      Wie dem auch sei, ich habe nicht gefunden, wonach ich gesucht habe. Lass uns deine Schule aufsuchen.

      Anya schnaubte. Ausgerechnet an einem Sonntag ging sie -freiwillig- in die Schule. Wenn jemand sie dabei sah, würde sie den Rest ihres Lebens wegen Mordes hinter Gitter kommen. Andererseits: lange absitzen müsste sie eh nicht.
      „Na endlich“, brummte das Mädchen und setzte sich in Bewegung.

      ~-~-~


      Auf dem kreisrunden Campusgelände angekommen, sah Anya sich um. Keiner außer ihr war hier, gut. Weder bei den Sporthallen links, noch rechts vor dem Gebäude der Unterstufe rührte sich etwas.
      Also blieb nur noch der Weg geradeaus: ins Oberstufengebäude, gemacht aus dem hässlichsten Backstein, den Anya je gesehen hatte.
      „Dafür müsste ich dich eigentlich auf Schadensersatz verklagen!“, beschwerte sich Anya und reichte nach dem Türgriff aus. Aber die Tür öffnete sich nicht. Auch nicht durch schütteln. „Was zum-!?“

      Du besitzt nicht zufällig einen Schlüssel?

      „Nö. Nicht dass ich einen bräuchte, aber du kannst nicht zufällig durch Wände gehen?“

      Sicher könnte ich das. Du aber nicht. Bedauerlicherweise muss ich mich in deinem Radius aufhalten, solange der Pakt gültig ist.

      „Also hiermit“, brummte Anya, zog sich kurzerhand eine Büroklammer aus den Haaren nahe ihres Pferdeschwanzes und verbog sie so, dass sie in das Schlüsselloch passte. Unter größter Friemelei versuchte Anya, das Schloss zu knacken.

      Ich werde nicht fragen, warum du das in deinen Haaren trägst. Aber wenn du dir von Abby schon CDs leihst, frage sie das nächste Mal doch bitte auch nach Modeaccessoires.

      „Die habe ich immer mit dabei, eben wegen so- scheiße.“
      Das Ding war einfach abgebrochen, wie sie feststellen durfte, nachdem sie den Rest davon hinauszog. Mit fassungsloser Miene betrachtete sie ihr 'Werkzeug'. „Seit wann brechen Büroklammern ab!?“

      Bist du dir sicher, dass das überhaupt eine ist? Ich gehe nicht davon aus, dass du sonderlich oft Büroklammern benutzt?

      Bei näherem Ansehen war Anya sich da tatsächlich nicht mehr so sicher. Das Ding wegwerfend, stöhnte sie laut. „Also dann eben auf die altmodische Tour.“
      Sprachs und schritt kurzerhand ein paar Meter weiter zu einem etwas erhöht liegenden Fenster, das zu einem der Klassenräume gehörte und schlug es mit dem Ellbogen ein.

      Dezent wie immer.

      „Uns wird schon keiner sehen! Außerdem ist das nicht das erste Mal“, murmelte Anya, beseitigte die verbliebenen Scherben innerhalb des Fensters vorsichtig und zog sich schließlich in das Klassenzimmer hinauf. Dabei redete sie ächzend weiter.
      „Vor drei Jahren – Oder waren es vier? – hab ich mal meine Akten geklaut und verbrannt. Aber die Idioten hatten sich vorher Kopien gemacht.“
      Mit einem Satz landete sie in dem Raum, in dem unter anderem ihr Geschichtskurs stattfand. Eilends schritt sie auf die Tür zu-

      Der arme Wald, der dafür herhalten musste …

      -und trat die Tür mit einem gezielten Kick auf, um auf den Gang zu gelangen. Das Schloss war einfach herausgebrochen und hing lose an der Tür.
      „Wow“, staunte Anya, „ich glaub, ich bewerbe mich demnächst mal bei Superwoman als Aushilfe.“

      Ich habe etwas nachgeholfen, wenn es dir nichts ausmacht. Und versuch es gar nicht erst. Bei Harley Quinn hast du größere Chancen.

      „Du kennst dich mit Comics aus?“ Anya pfiff anerkennend und hastete durch den Gang, der sie zur Aula führen sollte.

      Wenn die überall bei dir herumliegen, komme ich nicht umher, einen Blick zu riskieren.

      Doch Anya war bereits vor der großen Flügeltür angelangt und öffnete sie mit beiden Händen, wie schon zuvor, als Alastair ihre Freunde gekidnappt hatte.
      Den langen Raum durchschreitend, sah sie sich überrascht um. Die Stühle waren fort, damit die Bauarbeiter ungestört das Loch in der Decke reparieren konnten, durch welches trübes Tageslicht drang. Auch der Schutt war weggeräumt worden, dafür stand im Gegenzug nun ein Baugerüst mitten im Saal.
      „Und, spürst du irgendwas?“, fragte Anya neugierig, als sie direkt in der Mitte der Aula zum Stehen kam. Ihre Stimme hatte einen leichten Nachhall.

      Dieser Ort … ist anders. Ganz anders.

      „Sind das gute Nachrichten?“

      Ich glaube weniger. Die Scherben deines vorherigen Elysions sind zwar voller Energie, doch nicht alle. Außerdem kann ich nicht tiefer in das Gefüge eindringen, obwohl es dein Elysion ist.

      „Das ist bescheuert“, stöhnte Anya und fasste sich genervt an die Stirn. „Lass uns von hier verschwinden, ehe wir noch erwischt werden. Was Konstruktives kommt hier ohnehin nicht bei raus.“

      Mit dir definitiv nicht. Ich bin unschlüssig, was das zu bedeuten hat. Vermutlich ist all das meinem Einfluss als Gründer zu verdanken, doch wieso kann ich dein zerbrochenes Elysion nicht betreten?

      „Weil ich ein neues habe?“ Die Blondine blinzelte verdutzt und wickelte dabei ihren Pferdeschwanz um den Zeigefinger. „Habe ich überhaupt ein neues?“

      Ja. Nach einem Pakt wird ein neues Elysion geboren, während das alte zerbricht. Das liegt daran, dass ich ein Teil deiner selbst bin und somit auch zu deinem Elysion gehöre. Das, was uns hier begegnet ist, dürfte nicht sein. Ein zerbrochenes Elysion dürfte unter normalen Umständen nicht mehr existieren.

      Anya schnalzte mit der Zunge. „Das habe ich auch kapiert! Nur sind das hier keine normalen Umstände. Egal, wenn das Ding defekt ist, haben wir ein Problem. Wie wär's wenn wir uns erstmal das letzte für heute anschauen gehen und uns dann überlegen, wie wir dieses hier reparieren?“

      Vielleicht ist das die Lösung? Um Eden zu erwecken muss dieses Elysion wieder zusammengesetzt werden. Manchmal ist deine Art zu denken gar nicht so abwegig.

      „D-danke“, brummte Anya mit einer Spur Stolz in der Stimme. „Aber ich will jetzt wirklich hier weg. Normalerweise habe ich keinen Schiss vor Cops, aber wenn die mich jetzt einbuchten, können wir dieses Ding nicht reparieren. Also nichts wie weg.“

      Du hast recht, wir sollten uns um das nächste Elysion kümmern. Dem von Alastair …

      ~-~-~


      „Ich glaube hier hat er gelegen“, meinte Anya eine knappe halbe Stunde später und deutete mitten auf den Asphalt der schmalen Straße.
      Die Häuser zu ihrer Linken befanden sich allesamt auf einer höher gelegenen Ebene, die durch eine paar Stufen unweit von Anya erreicht werden konnte. Gegenüber der hohen Steinfassade lag ein dichter Wald, die Stadtgrenze, doch das Mädchen hatte keine Blicke für ihn übrig.
      Der Himmel war beinahe genauso erdrückend grau wie an jenem regnerischen Tag, als Anya die Leiche entdeckt hatte. Doch dieses Mal schüttete es nicht wie aus Eimern. Eher hatte man den Eindruck, dass es jeden Moment schneien könnte. Das hieß, wenn man nicht wusste, dass es in Livington nur sehr selten schneite.

      Du stehst genau auf der Stelle. Geh aus dem Weg.

      Anya, die sich das nicht zweimal sagen ließ, wich mit flauem Gefühl im Magen zurück. Was auch gut so war, als direkt neben ihr ein Auto in hohem Tempo vorbeifuhr.
      „Pass doch auf!“, brüllte Anya diesem hinterher, ohne etwas damit zu bezwecken. Das Auto bog um die Ecke, woraufhin das Mädchen sich wieder dem Asphalt widmete.
      „Irgendwas?“

      Ja. Dieses Elysion … ist nicht zerbrochen.

      „Häh!? Aber die waren doch alle kaputt. Die müssen doch über'n Jordan gehen, wenn wir Pakte schließen, oder nicht!?“

      Präzise.

      „Dann ist die Narbenfresse also ein Schwindler! Das Mal an seinem Arm ist eine Fälschung!“

      Nein, es ist echt. Denn sonst würde es hier kein verlassenes Elysion geben. Ich denke, das hat mit der Tatsache zu tun, dass Alastairs Paktpartner Refiel ein Engel ist. Womöglich unterscheidet sich der Prozess der Wiedergeburt eines Elysions im Falle eines Engels von dem, wenn meinesgleichen einen Pakt schließt. Aber einen Reim kann ich mir auch hieraus nicht machen.

      Anyas Schlussfolgerung: „Warum zerscheppern wir es dann nicht? Problem gelöst.“

      Wenn du es betreten kannst? Ich vermag das nicht. Wir werden Alastair fragen müssen, ob er das für uns erledigt, sofern es nötig ist. Aber ich frage mich dennoch, warum ausgerechnet dieses Elysion unbeschädigt ist. Es strahlt dieselbe Restmenge an Energie wie die anderen aus, was nicht besonders viel ist.

      Die Blondine fasste sich ans Kinn und gab einen nachdenklichen Laut von sich. Nebenbei kickte sie einen kleinen Stein mit dem Fuß von sich fort. Irgendwas stimmte hier nicht. Vielleicht lag es daran, weil sie von diesem Hokuspokus keine Ahnung hatte – was ihrer Meinung nach auch so bleiben könnte. Dennoch passte irgendwie kein Elysion zum anderen, abgesehen von Matts und Marcs, die dieselben Merkmale besaßen. Sie verstand ohnehin nicht, warum überall in der Stadt verteilt diese Dinger …
      „Levrier“, sprach sie leise, als sie etwas Interessantes realisierte, „ich glaube, diese Teile sind nicht zufällig da, wo sie sind. Und soll ich dir was sagen? Uns fehlt eins, womit ich nicht Victim's Sanctuary meine.“

      Was bringt dich ausgerechnet zu dieser Annahme?

      „Keine Ahnung, ob du den Stadtplan kennst, aber überleg' doch mal, du Schlauhirn. Von der Schule aus gesehen sind alle Orte, die wir besucht haben, ungefähr gleich weit weg. Wenn wir die jetzt mal als Mittelpunkt nehmen, könnte man um sie herum einen fünfzackigen Stern mit den anderen fünf Punkten zeichnen.“

      Du machst Witze. Aber warte … womöglich ist da sogar etwas Wahres dran.

      „Klar ist es das!“ Anya haute die Faust auf ihre flache Hand. „In den Filmen ist das auch immer so.“

      Dass jeder Punkt den gleichen Abstand zum Zentrum, deinem Elysion, besitzt ist in der Tat sehr ungewöhnlich. Fast als wäre es Schicksal. Wenn deine Theorie stimmt, sollte sich der Aufenthaltsort des letzten Elysions eingrenzen lassen.

      „Im Südwesten der Stadt … gibt es den Bahnhof und das Einkaufszentrum!“ Anya drehte sich auf der Stelle um, ging ein paar Schritte nach vorn, nur um wieder zur alten Stelle zurückzukehren. „Fragt sich nur, wessen Elysion das ist.“

      Höchstwahrscheinlich Melinda Fords, da sie erst vor Kurzem in diese Stadt gekommen und von Isfanel befallen worden ist.

      „Aber warte“, sagte Anya und ihre Stimme wurde schlagartig sehr leise, „heißt das nicht, dass Marcs Pakt … noch besteht?“

      Das kann ich weder bestätigen, noch abstreiten. Solange wir nicht mehr wissen, sollten wir uns in der von dir beschriebenen Gegend umsehen. Wenn du tatsächlich recht hast, könnte das ein großer Durchbruch für uns sein.

      „Für dich meinst du wohl. Diese ganze Elysionkacke-“

      Anya Bauer, hinter dir!

      Das Mädchen wirbelte sofort um und erschrak zutiefst, als ein Mann in einem schwarzen Anzug direkt vor ihr stand. Das Haar tiefrot, die Augen fest auf sie gerichtet, wirkte seine Gestalt seltsam fehl am Platz. Doch warum konnte Anya beim besten Willen nicht sagen. Vielleicht wegen der Narbe auf der linken Wange?
      Aber auch so stach er einfach heraus.

      Er hat keine Präsenz! Als existiere er gar nicht! Ich konnte ihn nicht einmal sehen, bis zu diesem Augenblick! Sei vorsichtig, dieses Wesen ist nicht von dieser Welt!

      Er streckte mit verträumter Mimik die Hand in den Himmel. „Ah ja, das Elysion. Unsere Seelenzuflucht, der Ort, der allen anderen vorenthalten bleibt.“
      „Was willst du, du Schickimickifreak!?“, fauchte Anya ihn an und wich zurück. Aber weniger wegen seinem plötzlichen Auftauchen, sondern eher dem britischen Akzent, den er besaß. Anya hasste Briten, seit jene ihr vor vielen Jahren bei einer Auslandsreise ihres Vaters, auf welcher sie ihn begleitet hatte, den Eintritt in einen Pub verweigert hatten.
      „Die Splitter eines verlassenen Elysions besitzen geheimnisvolle Kräfte. In der Sekunde, in der ein Pakt geschlossen wird, zerbricht es. Natürlich regeneriert es sich augenblicklich und wird neugeboren, doch was bleibt sind die Scherben einer vergangenen Realität, eines alten Pfads.“
      Nun sah er sie wieder direkt an und lächelte wissend. „Verbindet man all diese verlassenen Pfade zu einem Netz, das sich um den Turm von Neo Babylon erstreckt, könnte man Eden womöglich finden. Aber wer weiß das schon mit Gewissheit? Du sicher nicht, Anya Bauer. Jene, die nach Eden strebt …“
      „Woher weißt du-!?“
      Er hob beschwichtigend die Hand. „Nur mit der Ruhe. Ich weiß vieles über dich. Womöglich mehr als du selbst.“
      „Und woher!? Wer bist du!?“
      Seine Stimme gewann etwas Einzigartiges, unendlich Geschmeidiges, Allwissendes an sich, als er mit großer Betonung antwortete: „Der Sammler.“

      Könnte er der Collectordämon sein!? Der, der mit Seelen handelt!?

      „Meine Karten kriegst du nicht!“ Anya zeigte ungeniert mit dem Finger auf ihn. „Und ich kaufe nichts von Pennern … und allen anderen Idioten, die ich nicht leiden kann!“
      „Oh nein. Ich bin hier, um zu kaufen. Und wonach ich gelüste ist das Anrecht auf deine Seele.“

      Ich wusste es! Anya, hör ihm nicht zu! Du musst flüchten!

      „Vor dem habe ich keine Angst!“, tönte das Mädchen aufbrausend und stampfte mit dem Fuß auf.
      „Wie lästig. Wenn ich Geschäfte treibe, dann für gewöhnlich unter vier Augen“, sprach der rothaarige Edelmann und schnippte mit dem Finger.
      Anya stieß einen kurzen Schrei aus, als ihr Mal nur für den Bruchteil einer Sekunde schmerzhaft brannte. Es war so schlimm, dass sie in die Knie gehen und sich den Arm halten musste.
      „Nun sind wir ungestört. Solange ich anwesend bin, ist Levrier in deinem Elysion gefangen.“
      Dass das die Wahrheit war, wusste Anya schon deshalb, weil ihr Paktpartner ihr nicht mehr in den Ohren lag, sie solle abhauen. Sie erhob sich langsam. Dreckig grinsend erwiderte sie dabei: „Seine Stimme hat mich sowieso nur genervt. Aber du hast immer noch nicht meine Fragen beantwortet.“
      Der Brite lächelte zufrieden. „Ich bin hier, da deine Not mit jeder Stunde wächst. Und ich besitze das Wissen, das du brauchst, um dein Schicksal zu erfüllen. Ebenso das Wissen, das dir helfen wird, es -nicht- zu erfüllen.“

      Die Haltung des Mädchens lockerte sich schlagartig, ein Teil ihrer Anspannung verschwand und wich der Neugier. „Soll das heißen, du weißt, wie ich … weiterleben kann?“
      „Richtig, das tu ich. Aber der Preis und meine Assistenz für dieses Unterfangen muss“, er streckte ihr den Arm aus und machte mit seinen Fingern eine greifende Geste, „kann nur deine Seele sein.“
      Anya schaute ihm tief in die braunen Augen, dann lachte sie hysterisch auf. „Vergiss es, das kaufe ich dir nicht ab!“
      „Wenn du kein Interesse hast, werde ich gehen. Doch ob ich deine Seele besitze, oder sie durch Eden verloren geht, sollte für dich keine Rolle spielen. Aber wenn du nicht handeln willst.“
      Er machte Anstalten, sich umzudrehen, doch Anya rief ihn zurück. „Warte gefälligst!“
      Über seine Schulter sehend, warf er ihr einen abwartenden Blick zu.

      „Kannst du das wirklich? Mich retten?“
      „Retten kann ich dich nicht in dem Maße, welches du dir vorstellst. Den Pakt kann ich ohne Konsequenzen für dich brechen, doch nicht ohne den bereits von mir genannten Preis.“ Er drehte sich wieder zu ihr um. „Ich bin imstande, dir nahezu jeden Wunsch zu erfüllen. Selbst die, die das Leben eines geliebten Menschen wiederherstellen. Du hast es anhand von Marc Butcher gesehen, das war mein Werk.“
      Anya klappte die Kinnlade herunter. „Du warst das!?“
      „Deine Freundin hat dafür ihren Namen an mich weitergeben. Mit ihm war ich imstande, dich zu beobachten. Du befindest dich zwar auf einem richtigen Weg, was die Erfüllung deines Schicksals angeht, doch ohne meine Hilfe stehen die Chancen gut, dass du letztlich scheiterst.“
      Er warf ihr wieder dieses geschäftsmännische Lächeln zu. „Und das wollen wir beide nicht, nicht wahr?“
      „Du willst meine Seele haben, damit ich ein paar Jahre länger leben kann?“ Anya schwang den Arm aus. „Vergiss es, Kumpel! So dämlich bin ich nicht! Wenn du kein besseres Angebot hast, verschwinde und lass mich in Frieden! Sonst säg' ich dir nämlich den Kopf ab, tüte ihn schön ein und spiele erstmal 'ne Runde Basketball damit! Wollen doch mal sehen, wie viel deine Rübe verträgt, wenn -ich- Körbe werfe!“
      Unnötig zu erwähnen, dass sie eigentlich vorgehabt hatte, Valerie Redfield diesen Spruch an die Stirn zu klatschen. Manchmal sogar wortwörtlich.
      Der Collector jedoch machte sich scheinbar nichts aus ihren Drohungen, sondern zeigte mit dem Finger auf sie. „Du verlangst ein besseres Angebot? Ist es nicht besser, wenn ich deine Seele verwalte, anstatt sie im Limbus verrotten zu lassen? Aber ich denke, ich habe da eins. Es wird dir sicherlich mehr zusagen.“
      „Lass hören!“
      „Wir duellieren uns um die Wahrheit. Freikaufen kann ich dich nur durch deine Seele. Aber Informationen, wie du Eden werden kannst, sind hingegen etwas, das ich dir auf andere Weise geben kann.“
      „Und wie!?“, verlangte Anya aufgebracht zu wissen.
      Der Sammlerdämon lächelte nun wieder geheimnisvoll. „Finde es heraus, indem du dich mit mir duellierst. Du wirst merken, dass ich dir in vielerlei Hinsicht nützlich sein kann.“

      Dieser Typ hatte eindeutig eins an der Waffel, dachte Anya skeptisch und betrachtete ihn genau. Von außen sah er 'nur' wie ein stinkreicher Angeber aus. Das Problem mit diesem Kerl war jedoch, dass er von Dingen redete, über die nur die wenigsten Bescheid zu wissen schienen. Allein was er über das Elysion gesagt hatte. Zeugte das nicht davon, dass er ihr wirklich helfen könnte? Auch nicht zu vergessen: er hatte auch Marc ins Leben geholt.
      Trotzdem, sie traute diesem Bastard nicht über den Weg. Wenn er glaubte, sie in irgendein dubioses Seelengeschäft herein reden zu können, war er aber ganz schief gewickelt! Bloß wenn sie ihn jetzt gehen ließ, könnte sie die einzige Chance verlieren, die Wahrheit über Eden zu erfahren. Und auch wenn Levrier sie eine Opportunistin nannte … sie hatte ihr Versprechen ihm gegenüber nicht vergessen. Wenn er dieses Mal nicht Eden würde, dann nie mehr. Aber warum auf ihre Kosten!?

      „Tch, von mir aus, ein kleines Duell am Nachmittag hat noch niemandem geschadet“, brummte Anya und setzte dabei ihren Rucksack ab.
      Der Brite schien zufrieden. „Eine kluge Wahl.“
      „Aber ich mache nur mit, wenn es in diesem Duell nicht um meine Seele geht, klar!?“
      „Ohne deine Einstimmung kann ich sie nicht einfordern. Sei unbesorgt. Nicht der Ausgang des Duells wird dir die Antworten bringen. Deine eigenen Entscheidungen werden es sein.“
      Seine Art so hochintellektuell zu reden störte Anya zutiefst. Sie nahm ihre Duel Disk aus dem Rucksack und legte sie sich an. Wollten doch mal sehen, ob er genauso gut mit seinen Karten umgehen konnte wie mit Worten.
      Wieder schnippte der Collector mit dem Finger, woraufhin eine Battle City Duel Disk an seinem Arm erschien.
      „Pass bloß auf, dass dein teurer Anzug nicht schmutzig wird“, zischte Anya gallig, „denn mit mir geht’s dreckig zur Sache!“
      „Wenn du damit deine kleinen Tricksereien meinst, wie etwa Fehlaktivierungen von Karten? Nur zu.“ Er schwang gönnerhaft den Arm aus. „Aber falls du vorhast, dem Schicksal eine neue Wendung zu geben – sofern du dich überhaupt der Fähigkeiten Levriers bedienen kannst – werde ich einschreiten müssen. Aber wir beide wissen, dass du das nicht ohne ihn schaffst.“
      Woher wusste der Kerl all das, fragte sich Anya ärgerlich und warf ihm einen missbilligenden Blick zu. Der war doch gar nicht beim Duell gegen Henry dabei gewesen! Aber wenn er davon wusste, dann vielleicht auch von Eden? Sie musste es herausfinden!
      „Ich brauch den Quatsch nicht, um zu gewinnen!“
      „Wie ich sagte, hier geht es nicht um den Ausgang des Duells, sondern um seinen Verlauf.“
      Anya schnaufte und rief schließlich: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Collector: 4000LP]


      „Ich beginne!“, verkündete Anya und zog zu ihrem Startblatt gleich eine sechste Karte, ehe ihr Gegenüber widersprechen konnte.
      Es war ohnehin verrückt! Sie duellierte sich mitten auf der Straße mit einem Freak, der mehr wusste als ihr lieb war. Genau dort, wo sie Jonathans Leiche gefunden hatte, made by Alastair. Sie konnte förmlich die Stimme des Narbengesichts hören, wenn er jetzt hier wäre. Blöde Dämonenbrut, bla bla, töte ihn, bla bla. Aber der würde sich noch wundern, wenn sie am Ende mit der Lösung ankam!
      Behände griff Anya ein gelb umrandetes Monster aus ihrem Blatt. „Sag hallo zu einem meiner Lieblingsdrachen! Los, [Alexandrite Dragon]!“
      Funkelnde, farblose Edelsteine überzogen die Haut des mannshohen Drachens, welcher mit einem Satz vor Anya landete und niederkniete. Als er sich auf zwei Beinen erhob, spannte er seine Schwingen an und stieß ein majestätisches Gebrüll aus. Anya grinste keck. „Er ist eines der stärksten Monster, die kein Tribut brauchen, um beschworen zu werden!“

      Alexandrite Dragon [ATK/2000 DEF/100 (4)]

      „Aber er gehört nicht zu den Karten, die du dir von dem Jinn gewünscht hast.“
      Nach Luft schnappend, starrte die Blondine den Sammlerdämon irritiert an. Selbst das wusste er!? Aber sie hatte doch niemandem davon erzählt, nicht mal Abby!
      „Alter, besorg' dir'n Privatleben und spionier' nicht das anderer Leute aus!“, fauchte sie anschließend und schnappte sich eine Karte aus ihrem Blatt. „Die verdeckt! Was heißt: Ende im Gelände. Vorerst!“

      „Die Dinge zu beobachten ist sehr wichtig für mein Tun. Nur wer über das nötige Wissen verfügt, wird das bekommen, was er will. Du solltest das von allen am besten wissen“, schmetterte der Collector Anyas anklagenden Tonfall ab und zog seinerseits eine Karte. „Aber du wirst herausfinden, dass ich nicht nur über Wissen verfüge. Sieh her und lerne. Normalbeschwörung: das Empfänger-Monster [Fabled Kushano]!“
      Aus einer blauen Lichtsäule tauchte ein geflügelter Mann auf, dessen ebenfalls blaues Haar wie ein Schleier um sein Gesicht lag. Mit dem Zeigefinger schob er die Brille auf der Nase nach oben und begann dann, in einem alten Buch zu lesen, das er in den Händen hielt.

      Fabled Kushano [ATK/1100 DEF/800 (3)]

      Anschließend zeigte der rothaarige Mann ein weiteres Monster von seiner Hand vor. „Nun, da ich ein Fabled-Monster kontrolliere, kann ich [Fabled Grimro] abwerfen, um mir ein Fabled-Monster von meinem Deck auf das Blatt zu nehmen.“
      Nachdem er seine Wahl getroffen hatte, zeigte er die Karte mit dem Namen [Fabled Krus] vor. Nur um dann eine Zauberkarte zu zücken. „Anschließend aktiviere ich [Graceful Charity], die es mir gestattet, drei Karten zu ziehen, um danach zwei von meinem Blatt wieder abzuwerfen.“
      Anya knirschte wütend mit den Zähnen, während sie zusah, wie er der Reihe nach drei Karten von seinem Deck zog. Was sollte das werden!? Besonders überrascht war sie, als er zwei Monsterkarten ablegte, worunter auch [Fabled Krus] war. Doch ehe sie ihn darauf ansprechen konnte, begann er bereits von sich aus zu erklären.
      „Die von mir abgeworfenen Monster waren [Fabled Dyf] und [Fabled Krus]. Sollte Letztere auf den Friedhof abgeworfen werden, vermag sie, einen Namensvetter von ebendort als Spezialbeschwörung zu beschwören. Drum erscheint jetzt [Fabled Dyf].“
      Aus einer weiteren blauen Lichtsäule materialisierte sich neben dem Gelehrten Kushano ein dämonischer, älterer Herr. In grüner Robe gekleidet, waren seine Schwingen ledrig und mit Schuppen besetzt.

      Fabled Dyf [ATK/1400 DEF/1700 (3)]

      „Wird das jetzt eine Synchrobeschwörung? Oder … etwa eine Xyz-Beschwörung!?“, stammelte Anya irritiert. Sie kannte diese Monster nicht.
      „Was wäre dir denn lieber? Aber nein, ich muss dich enttäuschen, nach Synchrobeschwörungen ist mir heute nicht. Daher erschaffe ich das Overlay Network.“
      Seine Monster verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, die von dem sich öffnenden, pechschwarzen Schlund verschluckt wurden, welcher sich in der Mitte des Spielfelds öffnete.
      „Xyz-Summon! Bringe verdrängte Erinnerungen zurück, [Lavalval Ignis]!“
      „Was!?“, keuchte Anya beim Klang jenes Namens.
      Aus der Düsternis entstieg eine einzelne Flamme. Doch diese stellte sich als der Kopf eines Kriegers heraus, welcher sich in dunkler Rüstung und wehendem, zerschlissenem Umhang des blutigsten Rots, das Anya je gesehen hatte, vor seinem Besitzer aufbaute. Selbst seine Fäuste brannten.

      Lavalval Ignis [ATK/1800 DEF/1400 {3}]

      „Nein …“, murmelte Anya fassungslos im Angesicht des großen Kriegers, um den zwei Lichtssphären kreisten. „Das kann nicht sein!“
      „Du meinst, weil diese Karte aus dem Pakt zwischen Isfanel und Marc Butcher geboren wurde? Du liegst richtig, natürlich ist sie einzigartig. Aber aus Gründen der Demonstration habe ich eine Kopie erschaffen, die dem Original in Nichts nachsteht.“ Der Sammler streckte den Arm aus. „Sieh selbst. Ich greife dein Monster an.“
      Sofort bündelte sein Ghost Rider-Abklatsch, wie Anya ihn insgeheim nannte, eine Feuerkugel zwischen seinen Händen, die er wie einen Torpedo auf ihren Drachen abfeuerte. Mitten im Flug wuchs sie plötzlich, als eine der Sphären ihr folgte und in ihr verschwand. Der Collector hatte [Fabled Kushano], welcher unter der schwarzen Karte auf seiner Duel Disk lag, entfernt. Und Anya wusste genau warum.

      Lavalval Ignis [ATK/1800 → 2300 DEF/1400 {3}]

      Ihr Drache wurde von der Flamme getroffen und konnte ihrer Macht nicht standhalten. Kreischend ging er in einer Explosion unter.
      „Dargh!“ Anya schützte sich mit erhobenem Arm vor der daraus entstandenen Schockwelle, die fürchterlich auf der Haut brannte. Genauso heiß wie damals!

      [Anya: 4000LP → 3700LP / Collector: 4000LP]


      „Wie du siehst, habe ich ganze Arbeit geleistet, als ich die Kopie erstellt habe. Wie beim Original kann ich ein Xyz-Material entfernen, um [Lavalval Ignis] temporär um 500 Angriffspunkte zu stärken.“

      Lavalval Ignis [ATK/2300 → 1800 DEF/1400 {3}]

      Der Sammler lächelte zufrieden mit sich selbst. „Aber wer weiß das besser als du, die du gegen den Mann gekämpft hast, welchen du einst mehr als alles andere begehrtest?“
      „Ich wiederhole mich“, zischte Anya ihm voller Verachtung zu, „schaff dir ein Privatleben an, Bastard!“
      „Wieso? Die Leben der anderen sind viel interessanter. Und nützlicher.“ Er blickte auf sein Blatt und zog drei Karten daraus hervor. „Man kann keinen Handel treiben, wenn man keinen Überblick über den Markt hat. Ich setze zwei Karten verdeckt und aktiviere nun die dauerhafte Zauberkarte [Scales Of Wisdom].“
      Während sich vor seinen Füßen die gesetzten Karten materialisierten, tauchte hinter ihm eine riesige, goldene Waage aus, wie sie auch die Justitia in der Hand hielt – nur dass ebenjene durch Abwesenheit glänzte. Beide Schalen der Waage, gehalten von Seilen aus purer Energie, befanden sich auf gleicher Höhe.
      „Das ist die Karte, die dir jede Antwort liefern wird“, sprach der Sammler geheimnisvoll, „solange du den Preis bezahlst, heißt es.“
      „Was ist das für ein Mist!?“ Anya war nicht wohl bei der Sache.
      „Das Beste, das dir passieren konnte.“ Der Sammler streckte beide Arme weit aus. „Durch [Scales Of Wisdom] wirst du dieses Duell nicht verlieren können. Du brauchst dich also nicht vor meinen Angriffen zu fürchten, solange du unter dem Schutz dieser Karte stehst.“
      Unmöglich, dachte sich Anya dabei erschrocken. Nie im Leben würde jemand freiwillig so eine Karte ausspielen wollen, ohne Hintergedanken zu haben!
      „Und was ist der Haken!?“
      „Es gibt keinen. Du triffst die Entscheidungen, bestimmst selbst … den Haken. Denn diese Waage erlaubt es dir einmal während unser beider Züge eine Frage zu stellen. Im Gegenzug gestattet sie mir, den entsprechenden Preis einzufordern. Zahlst du diesen, erhältst du deine Antwort.“
      „Und was für ein Preis soll das sein!?“
      „Der Abwurf einer Handkarte? Das Zerstören eines deiner Monster? Lass dich überraschen.“ Er lächelte wissend. „Du bist schließlich zu nichts verpflichtet. Mein Spielzug ist damit beendet.“

      Für Anya klang das alles mehr als dubios. Was sollte diese Karte, wenn sie durch sie ohnehin nicht mehr verlieren konnte? Dieser Spinner plante doch etwas, so viel stand fest!
      „Draw!“, rief sie aus voller Kehle und zog schwungvoll.
      „Warum probierst du es nicht gleich aus? Was willst du wissen?“
      Die Blondine runzelte die Stirn. Sollte sie es wagen oder nicht? Es war definitiv ein Risiko, sich auf diesen schleimigen Typen einzulassen. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt!
      „Fein! Fangen wir halt mit etwas Kleinem an! Wer bist du? … und was muss ich zahlen, um das zu erfahren?“
      Der Sammler fasste sich ans Kinn und überlegte kurz, ehe er wieder aufsah. „Diese Information ist nicht allzu kostbar. Für 600 deiner Lebenspunkte wirst du es erfahren?“
      „Nur 600!? Das ist ja spottbillig! Von mir aus!“

      [Anya: 3700LP → 3100LP / Collector: 4000LP]


      „Wie du willst“, erwiderte der rothaarige Brite. Er verschränkte die Arme und begann zu erklären. „Ich bin ein Dämon, der seit Jahrtausenden mit Seelen, 'Namen' und anderen Gütern handelt und dafür im Austausch alles Mögliche erhält. Hauptsächlich sind andere Dämonen und übernatürlichen Wesenheiten mein Klientel. Aufgrund meines hohen Alters gibt es kaum einen Ort dieser Welt, den ich noch nicht gesehen habe. Normalerweise gehen die Kunden auf mich zu, es ist selten, dass ich einen 'Hausbesuch' mache. Aber bei dir ist das etwas anderes. Dein erbitterter Kampf gegen das Schicksal hat mein Interesse geweckt.“
      Er warf ihr eines seiner schmierigen Lächeln zu. „Zufrieden mit dem, was du gehört hast?“
      Die Zornesfalten auf Anyas Stirn hätten ihm jedoch schon Antwort genug sein müssen. „Und für das habe ich gerade Lebenspunkte bezahlt!? Was soll der Scheiß!? Die eine Hälfte davon wusst' ich schon und die andere war mir piepegal!“
      Allerdings ließ sich der Collector davon nicht erweichen. Er rechtfertigte sich folgendermaßen: „Du hast gefragt wer ich bin, also habe ich dir einen Überblick über meine Historie verschafft.“
      „Gar nichts hast du! Nichtmal deinen Namen hast du genannt!“
      „Meinen Namen hast du nicht verlangt. Und selbst wenn du es tätest, würdest du den Preis dafür nicht zahlen können.“ Er zuckte lachend mit den Schultern, schnappte sich plötzlich eine Schachtel Zigaretten aus dem Sakko und zündete sich eine davon mit einem offenbar sehr alten Feuerzeug an. Den Rauch aus der Nase blasend, fragte er: „Und was sind schon Namen?“
      Erstaunt sah Anya mit an, wie er die eben erst angezündete Zigarette vor sich auf den Boden schmiss und austrat. Er lächelte sie besserwisserisch an. „Ist nicht gut für die Lunge. Und schmutzig. Ja, schmutzig in der Tat.“
      Anya schnaufte nur wütend. Das war das erste und letzte Mal, dass sie mit diesem Spinner verhandelte. Seine blöde Zauberkarte konnte er sich sonstwo hinsteck-

      Erstaunt stellte Anya fest, dass eine Schale der riesigen Waage nun etwas tiefer stand, während die andere durch jenes Gewicht auf der gegenüberliegenden Seite nach oben gehievt wurde.
      „Mit dir treibe ich keine Geschäfte mehr“, raunte sie davon leicht verunsichert und griff nach einer Zauberkarte aus ihrem Blatt. Dabei murmelte sie leise zu sich selbst: „Wollen doch mal sehen, ob Matts kleines Bestechungsgeschenk etwas taugt.“
      Anschließend verkündete sie laut: „Ich aktiviere jetzt [Gem-Knight Fusion]! Damit verschmelze ich [Gem-Knight Sardonyx] und [Gem-Knight Emerald] von meiner Hand! Emerald, du bist das Element, Sardonyx, du der Ursprung! Werdet jetzt zu [Gem-Knight Zirconia]!“
      Der Boden vor Anya brach unter lautem Krachen auf, als sich ein massiver Ritter vor ihr aufbaute. Er war fast so hoch, wie er breit war, was vor allem daran lag, dass man seine Arme als richtige Pfeiler bezeichnen konnte. An ihren Enden befanden sich pizzagroße Edelsteine, die namensgebenden Zirkone. Der blaue Umhang des silbernen Ritters wehte still daher.

      Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

      „Der Sucker hat zwar keinen Effekt, aber dafür ordentlich Muckis!“, tönte Anya. Bevor sie die Karten des Jinns ausprobierte, wollte sie zunächst sehen, ob es auch mit ihrem derzeitigen Bestand klappte. Zumal es doch 'unhöflich' wäre, das Geschenk eines Fre- Bekannten nicht wenigstens 'auszupacken'.
      „Interessante Wahl.“
      „Worauf du einen ablassen kannst! Los, greif dieses Mistvieh von Ghost Rider an!“ Sie konnte den Anblick dieser Kreatur ohnehin nicht länger ertragen, da es sie an die Geschehnisse von damals erinnerte. „Zirconia Smasher!“
      „Dann lass uns sehen, ob du aus deinem letzten Kampf mit dieser Kreatur gelernt hast. Ich rekonstruiere das Overlay Network!“
      Anya stieß einen spitzen Schrei aus, als sich der schwarze Wirbel öffnete und den aus ihm geborenen [Lavalval Ignis] nun wieder verschluckte. „Das kann nicht sein! Wie kannst du-!? Und vor allem in meinem Zug-!?“
      „Ich kann noch vieles, von dem du nichts weißt. Wenn du neugierig bist, frag einfach. Aus dem Rang 3-Monster wird nun ein neues Rang 3-Monster. Erscheine nun, [Lavalval Master – Ignis Aither]!“
      Eine blaue Stichflamme schoss zusammen mit roten und schwarzen Blitzen aus dem Galaxienwirbel. Empor stieg dieselbe Kreatur, die Anya damals um ein Haar das Leben gekostet hätte. Blaue Feuerschwingen und ein in selbiger Farbe brennender Kopf, schwarze Rüstung sowie eine unheilverkündende Sense in den Händen – das war [Lavalval Master – Ignis Aither]. Zwei goldene Energiekugeln umkreisten seinen Kopf.

      Lavalval Master – Ignis Aither [ATK/1800 DEF/1400 {3}]

      Anyas massiver Ritter holte mit der Faust zum Schlag gegen den fliegenden Engel aus, doch jener parierte die Attacke mühelos mit seiner Sense und warf Zirconia spielend leicht zurück.
      „Tch!“
      Natürlich war Anya im Moment der Beschwörung des schwarzen, flammenden Engels klar gewesen, dass ihr Angriff scheitern würde. Nur Xyz-Monster konnten diese Incarnation Mode-Dinger, oder was auch immer, besiegen.
      „Das ist echt blöd gelaufen“, musste sie zornig zugeben, reichte dabei nach ihrem Friedhof aus. „Aber dieses Mal bin ich vorbereitet! Ich verbanne [Gem-Knight Sardonyx] von meinem Friedhof, um meine [Gem-Knight Fusion] von dort zurück auf die Hand zu erhalten! Dann setze ich eine weitere Karte verdeckt und gebe ab!“
      Neben ihrer in der letzten Runde gesetzten Karte erschien kurzerhand eine weitere.
      Dem Mädchen stand der Schweiß auf der Stirn. Sie musste dieses Ding schnellstmöglich loswerden, sonst würde sie am Ende wieder aussehen, als wäre sie von den Toten auferstanden. Und dieses Mal war kein Levrier da, der ihre Wunden heilen und den Schmerz unterdrücken konnte.
      „So eine Scheiße!“

      „Aber hast du wirklich Grund zur Sorge?“, fragte der Sammler, während er sein Blatt um eine neue, dritte Karte erweiterte. „[Scales Of Wisdom] verhindert deine Niederlage. Meine Kreatur kann dir im Grunde nichts anhaben.“
      Unter jene legte er [Fabled Kushano], woraufhin nun drei Lichtsphären um [Lavalval Master – Ignis Aither] kreisten. Anya wusste, dass dieses Biest während jeder Standby Phase sein Xyz-Material auf drei Stück aufstocken konnte. Dadurch war seine Macht nahezu unerschöpflich, wie Marc … nein, Isfanel ihr schmerzhaft bewiesen hatte.
      „Tch! Ist das nicht der Sinn eines Duells!? Dass man den Gegner fertig macht?“
      Anya sah sich beiläufig um. Nirgendwo waren Menschen. Es war eine verhältnismäßig kleine Straße, aber dennoch war duellieren hier verboten. Wo waren die Petzen, die einem sonst immer sofort im Nacken lagen? Machte der Kerl sich keine Sorgen, dass man sie sehen könnte?
      Der Collector schüttelte den Kopf. „Nein, nicht im Falle dieses Duells. Aber wenn deine Lebenspunkte auf 0 fallen, kannst du das natürlich als Niederlage werten. Schließlich wäre dies der Fall, wäre nicht ich dein Gegner.“
      „Ach ne!?“
      „Lässt du es darauf ankommen und willst den Effekt von [Scales Of Wisdom] erneut aktivieren?“
      Sofort schwang Anya daraufhin wütend den Arm aus. „Vergiss es! Nochmal lasse ich mich nicht von dir verarschen!“
      „Auch dann nicht, wenn ich dir das komplette Wissen über die Incarnation Mode-Monster überlasse?“ Er schloss lächelnd die Augen. „Du weißt noch längst nicht alles über sie.“
      Anya stockte. Wo er recht hatte, hatte er recht. Allein, dass er dieses Vieh in ihrem Zug gerufen hatte, war völlig unerwartet für sie gekommen. Und wenn Isfanel tatsächlich wieder angreifen würde, dann …
      „Okay, was soll es diesmal kosten?“
      „Der Preis für dieses exklusive Wissen“, sprach der rothaarige Anzugträger geradezu ölig geheimnisvoll, „sind 500 deiner Lebenspunkte. Wirst du zahlen?“
      „500!?“ Das konnte sie nicht! Nicht, wenn [Lavalval Master – Ignis Aither] ihr Gegner war. „Gibt es keine Alternative?“
      „Nein. Das ist der Preis.“

      Nachdenklich wischte sich Anya mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Zahlte sie, würde sie nur noch 2600 Lebenspunkte besitzen und damit unweigerlich dem Field of Agony zum Opfer fallen. Dieses kostete sie 3000 Lebenspunkte, wenn der Sammler drei Xyz-Materialien von Ignis Aither abkoppelte, um es zu aktivieren.

      „Kay, ich zahle. Aber wehe, du verarscht mich wieder!“
      Kaum hatte sie das gesagt, verspürte Anya ein befremdliches Ziehen in der Brust. Gleichzeitig veränderte sich das Gleichgewicht der Waagschalen wieder, sodass die eine abermals aufstieg, während die andere absank.

      [Anya: 3100LP → 2600LP / Collector: 4000LP]


      „Wie du wünscht. Hinaus über das Wissen, das du bereits verfügst, existieren drei Regeln für Incarnation Mode-Monster, die dich, wenn du sie berücksichtigst, zum Sieg führen werden.“
      Anya hielt sich die Brust verwundert, nachdem der Schmerz verschwunden war und sah auf. „Ach ja? Dann fang' mal an zu singen!“
      „Die erste beschreibt ihre Beschwörung. Sie kann jederzeit während des gesamten Duells erfolgen, wie du bereits gemerkt hast. Aber niemals in dem Zug, in dem das ursprüngliche Monster beschworen wurde.“
      Anya zog erstaunt eine Augenbraue hoch. „Deshalb hat Marc es nicht sofort eingesetzt … aber heißt das nicht, dass ich diese Dinger sofort beseitigen muss, wenn ich nicht ihrer Superform gegenüber stehen will?“
      „Du hast es erfasst“, bestätigte der Sammler dies nickend. „Ferner besagt die zweite Regel, dass nur die Xyz-Materialien wiederkehren dürfen, die für die Beschwörung des Originals verwendet wurden. Als einzige Ausnahme gilt das Original selbst, in unserem Fall [Lavalval Ignis], auf welchem jede Inkarnation schließlich basiert. Auch dies ist eine Schwäche, die richtig ausgenutzt, zum Erfolg führen kann.“
      Was er damit meinte, verstand Anya zwar nicht, aber sie würde es definitiv im Hinterkopf behalten. „Und die dritte Regel?“
      „Sie können nur beschworen werden, wenn der Paktpartner es erlaubt. Sollte dieser blockiert oder unterdrückt werden, ist es unmöglich, zu inkarnieren. Und noch etwas, das dir helfen könnte: der letzte, mächtigste ihrer Effekte kann ebenfalls nicht in dem Zug aktiviert werden, in dem die Inkarnationen beschworen werden.“ Der Sammler verschränkte nun die Arme abwartend. „Das ist das Wissen, welches ich dir vermitteln sollte. Bist du zufrieden?“

      Grübelnd kratzte sich Anya an der Schläfe und starrte den Asphalt unter ihren Füßen an. Eventuell könnte das alles wirklich nochmal nützlich werden. Zumindest war es gut, dass sie nun Bescheid wusste. Unsicher brummte sie, als sie aufblickte: „Ich glaube schon.“
      „Stelle die richtigen Fragen und du wirst die richtigen Antworten erhalten. Aber nun setze ich meinen Zug fort. Wie du es sicher erwartet hast, werde ich nun die drei Xyz-Materialien von [Lavalval Master – Ignis Aither] abhängen, um seinen gefährlichsten Effekt zu aktivieren: Field Of Agony. Dies wird dir ohne Umschweife 3000 Punkte Schaden zufügen. Was wirst du jetzt tun, Anya Bauer?“
      Der schwarze Flammenengel streckte seine Sense hoch in die Luft und ließ sie die drei goldenen Sphären absorbieren, ehe er sie mit aller Kraft schwang. Womit er eine endlos erscheinende Welle aus Flammen in Anyas Richtung aussendete, die erschrocken zurückwich.
      „Also doch!“, keuchte sie.
      „Es ist bereits ein Zug vergangen, seit dieses Monster inkarniert wurde. Deswegen konnte ich diesen Effekt nun aktivieren.“
      Als die Flammen bedrohlich näher kamen, schwang Anya entschlossen den Arm aus. „Ach ja!? Dann friss das, Laberbacke! Meine Falle [Hallowed Life Barrier] wird den Schaden abfangen. Dafür muss ich nur eine Karte abwerfen.“
      Woraufhin sie sich ihrer, einzig für diesen Zweck geborgenen [Gem-Knight Fusion] entledigte.
      Sofort schloss sich ein Kraftfeld in Form einer Kuppel um Anya und ihren [Gem-Knight Zirconia] und fing gerade noch rechtzeitig die Flammen ab, welche ihrerseits die hohe Steinmauer und den Asphalt hinter dem Mädchen heimsuchten, glücklicherweise aber nicht bis zum Wohngebiet reichten.
      Der Sammler klatschte anerkennend. „Gut taktiert. Aber das funktioniert nur einmal.“
      „Das reicht auch!“, erwiderte Anya garstig.
      Die Flammen um sie herum lösten sich zusammen mit dem Kraftfeld auf. Allerdings hinterließen sie pechschwarzen Ruß an Asphalt und der Fassade.
      „Da ich nicht mehr angreifen kann aufgrund des Effektes von [Lavalval Master – Ignis Aither], werde ich nun in meine Main Phase 2 wechseln und ein Monster beschwören. Es hört auf den Namen [Fabled Raven].“
      Ganz in dunklem Grau gewandt, erschien vor dem Sammler ein dämonischer Mann, dessen Augen rot leuchteten. Besonders auffällig waren pechschwarzen Schwingen an seinen Armen und auf dem Rücken, die ihn umso düsterer wirken ließen.

      Fabled Raven [ATK/1300 DEF/1000 (2)]

      „Was will denn dieser Grufti hier!?“
      „Ich aktiviere nun meine Fallenkarte [Limit Reverse], womit ich ein Monster mit maximal 1000 Angriffspunkten auferstehen lassen kann. Das wird [Fabled Krus] sein.“
      Noch während seine Falle aufklappte, begann Raven fies zu kichern. Neben ihm tauchte ein kleines Mädchen in einem schwarzen Nachthemd auf. Mit ihren winzigen Fledermausschwingen hielt sie sich gerade so in der Luft und vergrub ihr Gesicht in den Händen.

      Fabled Krus [ATK/1000 DEF/800 (2)]

      Eine seiner beiden verbliebene Handkarten in einen der Zauber- und Fallenkartenslots schiebend, sprach der Collector seelenruhig weiter. „Mit ihnen erschaffe ich nun das Overlay Network. Xyz-Summon: [Daigusto Phoenix].“
      „Was!? Noch so eins von der Sorte!?“
      „Gewiss“, entgegnete ihr der rothaarige Brite lächelnd, während sich gleichzeitig seine gesetzte Karte materialisierte, als auch das schwarze Loch des Overlay Networks sich öffnete.
      Seine beiden Monster wurden in gelben Strahlen hineingezogen und machten einem federlosen, unproportionierten Vogel Platz, dessen Schwingen und Schopf von smaragdgrünem Feuer eingedeckt worden waren. Um ihn kreisten seine zwei Xyz-Materialien.

      Daigusto Phoenix [ATK/1500 DEF/1100 {2}]

      „Damit beende ich diesen Zug. Und nun, da du wieder am Zug bist, kannst du mir deine nächste Frage stellen.“
      „Alles klar! Die lautet: hältst du auch mal den Rand und lässt mich in Ruhe meinen Zug planen!?“
      Der Sammler grinste verschmitzt. „Für 50 Lebenspunkte weißt du es.“
      „Fuck you!“ Passend dazu zeigte Anya ihm den Mittelfinger. Gleichzeitig zog sie mit der anderen Hand die nächste Karte von ihrem Deck. Einen prüfenden Blick später stand ihre Strategie schließlich fest.
      „Hmm, das ist eine zu wenig“, murmelte sie daher, „da muss ich wohl nachhelfen!“
      „Wirst du keine Frage stellen?“
      „Schnauze auf den billigen Plätzen! Sieh lieber zu und staune, bevor du am Ende noch heulend in der Ecke liegst!“ Anya griff nach ihrem Friedhofsschacht und erklärte dazu: „Ich verbanne den [Gem-Knight Emerald] von vorhin und bekomme [Gem-Knight Fusion] zurück!“
      Kaum hatte sie das verkündet, fügte sie ihre wichtigste Zauberkarte schon ihrem Blatt hinzu.
      „Selbst dann nicht, wenn ich dir etwas über Eden verrate? Zum Beispiel, wie man es erweckt?“
      Sofort wurde Anya hellhörig und ließ vom Blick auf ihre Karten ab. „Im Ernst!?“
      „Aber so ein Wissen ist keinesfalls billig. Du wirst mir ganze 1000 Lebenspunkte zahlen müssen, wenn du erfahren möchtest, wie du dein Schicksal erfüllen kannst.“

      Ungläubig starrte Anya auf ihre Duel Disk. Sie hatte schon so viele Lebenspunkte gezahlt, um an Infos zu kommen. Wenn sie das jetzt schon wieder tat, würde sie auf 1600 fallen – viel war das nicht. Und sie durfte nicht vergessen, dass sie es gleich mit zwei Paktmonstern zu tun hatte. Eines von ihnen kannte sie nicht einmal und schlimmer noch, es befand sich noch in seiner Ursprungsform.
      Andererseits … sie konnte doch sowieso nicht verlieren, oder? Zumindest, solange sie die [Scales Of Wisdom] nicht anrührte. Außerdem, selbst -wenn- der Sammler sie zerstören würde, hätte sie ja immer noch ein paar Lebenspunkte. Und wehrlos war sie auch nicht.
      Was waren 1000 jämmerliche Lebenspunkte schon im Vergleich zur Gewissheit?
      „Deal“, brummte sie leise.

      [Anya: 2600LP → 1600LP / Collector: 4000LP]


      „Und jetzt rede dir den Mund fusselig!“, gab ihm Anya diese, für ihre Verhältnisse, großzügige Erlaubnis. Nur um wieder von einem stechenden Schmerz geplagt zu werden, während sich das Verhältnis der Waagschalen abermals veränderte.
      Ihr Gegner lächelte zufrieden. „Du weißt, worauf es ankommt. Eden … wie ich schon vorhin sagte, befindest du dich auf dem richtigen Weg. Dein Elysion, es muss mit den anderen fünf verbunden werden.“
      „Also gibt es wirklich fünf!?“
      „Ja und nein. Es gibt viele, doch nur diese fünf erfüllen die Vorgaben. Das heißt, eigentlich nur vier von ihnen. Das, welches sich hier befindet“, er machte eine Kunstpause, die Anya wie eine Ewigkeit erschien, „schläft. In künstlicher Starre. Wie du es daraus löst … weiß nicht einmal ich. Aber ich bin mir sicher, dass du es rechtzeitig schaffen wirst.“
      Anya atmete tief durch und versuchte, das Kribbeln unter ihrer Haut zu ignorieren. Genau wie den trommelnden Herzschlag. Trotzdem bekam sie ihre unterschwellig vor Aufregung bebende Stimme nicht unter Kontrolle. „Und wie verbinde ich diese Dinger mit meinem!?“
      „Nimm die Scherben deines Elysions und lade sie mit der Energie der fünf anderen auf, für jedes von ihnen genau eine. Dann bring sie zurück und lasse Levrier ein neues Elysion erschaffen. Warte damit jedoch nicht zu lange. Es muss passieren, bevor der Turm von Neo Babylon auftaucht. Gelingt es dir, wird sich dir der wahre Pfad zu Eden eröffnen. Wenn du es aber bis dahin nicht schaffst … ist alles zu spät.“
      „Und das ist alles!?“
      Der Sammler schloss die Augen. „Nein. Eine Sache noch. Nimm die fünf dazugehörigen Individuen mit in den Turm. … du weißt warum.“
      „Also werden sie sterben?“, fragte Anya atemlos. „Matt, Alastair, Redfield, Marc und …“
      Die Lider aufschlagend, entgegnete ihr der Sammler: „So ist es. Nun weißt du, was du innerhalb der nächsten sieben Tage tun musst. Bist du mit der Antwort zufrieden?“
      Anya ließ den Arm, mit dem sie ihre Karten hielt, plötzlich hängen. „Nein. Aber das liegt nicht an dir …“
      „Wenn du Eden geworden bist, wirst du keine Schuld mehr fühlen. Aber vergiss nicht: mein Angebot steht noch. Ich könnte dich von deinem Elend befreien und damit auch die anderen. Alles was du mir versprechen musst ist deine Seele.“
      Sofort festigte Anya ihren Blick und gewann ihre kämpferische Haltung zurück. „Niemals!“
      „Dann sei es so.“

      Tief durchatmend, rang Anya um ihre Fassung. Sie durfte jetzt nicht über das Erfahrene nachdenken, nicht jetzt! Später ja, aber nicht jetzt! Dann konnte sie entscheiden, was sie tun sollte. Doch zunächst: „Weiter im Text! Ich aktiviere [D.D.R. – Reincarnation From A Different Dimension]! Ich werfe eine Karte ab und beschwöre eines meiner verbannten Monster aufs Spielfeld, welches mit dieser Zauberkarte ausgerüstet wird und damit an sie gebunden ist.“
      Anya entschied sich für [Gem-Knight Fusion] und knallte anschließend das Monster ihrer Wahl auf die Duel Disk. „[Gem-Knight Sardonyx]!“
      Vor ihr tat sich ein gekrümmter Spalt ins Nichts auf, aus dem ein breiter Krieger stieg. Seine Rüstung spiegelte den Edelstein wieder, auf dem seine Existenz basierte: rote und weiße Linien, ineinander verlaufen – der Sardonyx. An einer Kette schwang er einen ebenfalls aus rotem Sardonyx bestehenden Morgenstern.

      Gem-Knight Sardonyx [ATK/1800 DEF/900 (4)]

      Heftig atmend, die erschreckenden Gedanken mit aller Macht verdrängend, knallte Anya ihre letzte Handkarte auf die Duel Disk. „Hinzu kommt [Gem-Armadillo]!“
      Neben ihrem Ritter gesellte sich ein Gürteltier mit Raketen auf dem Rücken, das keine Beine besaß, sondern einen rattenschwanzförmigen Unterleib.

      Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      „Wenn der beschworen wird“, erklärte Anya, nahm ihr Deck aus der Halterung und fächerte es auf, einen prüfenden Blick auf die Karten werfend, „schenkt er mir einen Gem-Knight. So wie [Gem-Knight Garnet]!“
      Sie zeigte die normale Monsterkarte vor, die ihre einzige Handkarte darstellen sollte, und ließ anschließend ihr Deck von der Duel Disk durchmischen.
      „Dann bedeutet das, dass du eine Xyz-Beschwörung planst.“
      „Bingo! Overlay Network, go!“
      In braunen Lichtstrahlen verschwanden Anyas Monster in dem sich öffnenden, schwarzen Loch, welches im Gegenzug einen mit Kristallen überzogenen Drachen freigab.
      „Xyz-Summon! [Kachi Kochi Dragon]!“
      Brüllend spannte Anyas neues Monster seine ebenfalls mit Kristallen überzogenen Schwingen.

      Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 DEF/1300 {4}]

      „Eine kluge Wahl“, kommentierte der Sammler dies anerkennend, „viel besser als [Gem-Knight Pearl].“
      „Was du aber laut sagen kannst! Und jetzt gibt’s Kloppe!“ Anya streckte den Arm aus und zeigte auf [Lavalval Master – Ignis Aither], welcher sofort daraufhin seine flammenden Flügel um den Leib schlug, da er sich immer noch im Verteidigungsmodus befand. „Mach-es-kalt! Primo Sciopero!“
      Wie ein Düsenjet hob der Drache ab und schoss schnurstracks auf seinen Gegner zu. Anya erklärte lauthals: „Da [Kachi Kochi Dragon] ein Xyz-Monster ist und ihn zerstören kann, hat dein dämlicher Ignis Aither mit seinen jämmerlichen 1400 Verteidigungspunkten keine Chance!“
      „Korrekt!“
      Vor dem schwarzen Engel angekommen, schlug der Drache mit seinen edelsteinbesetzten Klauen zu und zerteilte seinen Gegner unter einer heftigen Explosion.
      „Na bitte!“, jubelte Anya und war wieder voll in ihrem Element. „Und als Krönung entferne ich jetzt ein Xyz-Material und lasse [Kachi Kochi Dragon] gleich nochmal angreifen! Los, Secondo Sciopero!“
      Der Drache drehte den Kopf zur Seite, fraß eines seiner beiden Xyz-Materialien und nahm den federlosen Phönix ins Visier, als jener plötzlich in ein sich öffnendes, schwarzes Loch unter ihm gezogen wurde. „Incarnation Mode, ich rekonstruiere das Overlay Network.“
      „Wusst' ich's doch!“
      Aus dem Overlay Network schossen rote, grüne und schwarze Blitze, als ein völlig in smaragdfarbenden Flammen gehüllter, riesiger Vogel daraus hervortrat und weit über den beiden Duellanten seine Kreise zog. Der Sammler nannte ihn: „[Eternal Daigusto – Jade Phoenix]!“

      Eternal Daigusto – Jade Phoenix [ATK/1500 DEF/1100 {2}]

      „Der sieht zwar nicht übel aus, ist aber noch lange kein Match für [Kachi Kochi Dragon]! Den hättest du dir sparen können!“, gab Anya sich siegesgewiss und befahl: „Los, setze deinen Angriff fort!“
      „Ich entferne eines der Xyz-Materialien und mache mein Monster einmal pro Zug unzerstörbar für Kämpfe. Ferner werden mir nun die Lebenspunkte gutgeschrieben, die ich sonst verlieren würde. Reverse Of Life!“
      Anya erschrak zutiefst, als der Phönix einen Lichtstrahl aus seinem Schnabel auf ihren Drachen schoss, welcher direkt in die Brust getroffen wurde, quer über das Spielfeld flog und direkt vor seiner Besitzerin unter einem dröhnenden Schmerzensschrei auf den Boden knallte.

      [Anya: 1600LP / Collector: 4000LP → 4600LP]


      Zischend wischte sich Anya den Schweiß von der Stirn, als sich ihr Monster zum Glück wieder aufrichtete.
      „Dämliches Mistvieh!“, beschimpfte sie den am Himmel verharrenden Flammenphönix. „Aber bilde dir nicht ein, dass du so einfach davon kommst! Vielleicht kann ich dich nicht ins Jenseits befördern, aber ein bisschen Prügel hat noch niemandem geschadet!“ Mit ehrgeizigem Blick wandte sie sich an [Gem-Knight Zirconia], der alles abwartend mit angesehen hatte. „Los, immer feste drauf! Zirconia Smash!“
      Sofort sprang der massive Ritter in die Luft und holte mit seinem linken Pfeilerarm zum Schlag aus. Dieser saß, als er den Phönix erreicht hatte, denn jener wurde ein ganzes Stück durch die Luft geschleudert, obschon er den Angriff überlebte.

      [Anya: 1600LP / Collector: 4600LP → 3200LP]


      Als Anyas Krieger mit einem Satz wieder neben dem Drachen landete, verkündete diese schlecht gelaunt: „Zug beendet!“

      Und kaum hatte der Collectordämon seine nächste Karte gezogen, schob er [Fabled Krus], die er zuvor als Aktivierungskosten für Reverse Of Life entfernt hatte, wieder unter das Xyz-Monster auf seiner Duel Disk. Dieses war nun wieder von drei goldenen Sphären umgeben.
      „Wie wäre es mit einer Frage? Was möchtest du wissen?“
      Anya biss sich auf die Lippen. Sollte sie oder nicht? Vermutlich würde sie das wieder viele Lebenspunkte kosten, aber … sie wollte es wissen! Wissen- „-was ist Eden!?“
      „Die Antwort würde deine gesamten restlichen Lebenspunkte kosten.“ Der Sammler sah sie fragend an. „Ist es das wert?“
      Die Blondine geriet ins Stocken. „Alle!?“
      „Ja.“
      „Dann vergiss es!“
      Auf keinen Fall durfte sie ihre verbliebenen Lebenspunkte aufgeben. Denn wenn die [Scales Of Wisdom] danach zerstört werden würde, hieße das zu verlieren. Was im Falle ihres Gegners wohl alles andere als gut war!
      „Dann lasse mich dir ein Gegenangebot machen. Eine kleine Information über Eden, für nur 500 Lebenspunkte.“
      Anya stöhnte. Wenn es ihr half … „Meinetwegen, 500 sind entbehrlich.“
      Sofort tauchte der stechende Schmerz in ihrer Brust wieder auf, die Waagschalen bewegten sich, sodass eine nun fast ganz oben lag, während die andere von einem unsichtbaren Gewicht belastet beinahe den Boden berührte.

      [Anya: 1600LP → 1100LP / Collector: 3200LP]


      „Eden“, sprach der Sammler leise und sah Anya dabei tief in die meeresblauen Augen, „wurde bereits einmal erweckt. Und anschließend wieder versiegelt.“
      „Und weiter?“
      Ihr Gegner lachte. „Das war alles.“
      „Was!? Für den Mist habe ich meine wertvollen Lebenspunkte ausgegeben!?“
      „Ich dachte, sie seien entbehrlich? Ich sagte 'eine kleine Information'. Wenn du mehr willst, musst du auch mehr zahlen.“
      Dafür kassierte er glatt noch einen Stinkefinger von Anya. „Vergiss es, du Dreckskerl!“
      „Wie du meinst. Nun werde ich meinen Zug fortsetzen.“ Er legte eine seiner beiden Handkarte auf die Duel Disk. „Beschwörung: [Fabled Gallabas]. Mit anschließender Fallenaktivierung: [Call Of The Haunted], womit ich [Fabled Grimro] vom Friedhof erwachen lasse.“
      Vor ihm materialisierten sich ein dämonischer Krieger, welcher mit seinen schuppenbesetzten Armen einen riesigen Morgenstern schwang und eine pechschwarz gefederte, junge Frau, welcher Rabenflügel aus dem Rücken wuchsen.

      Fabled Gallabas [ATK/1500 DEF/800 (4)]
      Fabled Grimro [ATK/1700 DEF/1000 (4)]

      „Ich erschaffe das Overlay Network“, rief der Sammler unter Anyas genervtem Stöhnen, „Xyz-Summon! Erscheine, [Evigishki Merrowgeist].“
      Kaum erklang der Name von Valerie Redfields Paktkarte, horchte die Blondine mit gespitzten Ohren auf. Mürrisch brummte sie eher zu sich, als ihrem Gegner: „Alles, bloß nicht dieses Teil!“
      Als das schwarze Loch sich in der Mitte des Spielfelds öffnete und die beiden gelben Lichtstrahlen, die transformierten Monster des Sammlers absorbierte, schnaufte Anya laut. Denn als die mit einem Zauberstab bewaffnete, rothaarige Meerjungfrau die Bühne betrat, fühlt das Mädchen sich sofort an die Zeit zurückerinnert, als Valerie sie vor den Angriffen der Verrückten aus Victim's Sanctury beschützt hatte – eine glatte Demütigung.

      Evigishki Merrowgeist [ATK/2100 DEF/1600 {4}]

      „Nun“, rief der Sammler und streckte seinen Arm nach dem Phönix am Himmel aus, „entferne ich zwei Xyz-Materialien, um den Effekt von [Eternal Daigusto – Jade Phoenix] zu aktivieren. Somit schicke ich zwei Karten auf dem Spielfeld auf deine Hand zurück. Deine Monster. Wind Scars Of Life!“
      Anya glotzte wie ein Mondkalb, als sie sich völlig sicher war, richtig verstanden zu haben. „Was!?“
      Doch schon sendete der Phönix am Himmel per Flügelschlag etliche gebogene, grün leuchtende Energieklingen, die auf Anyas Monster wie ein Hagelschauer niedergingen. Sowohl der Drache, als auch Zirconia schrien, bevor sie sich letztlich auflösten und in Anyas Extradeck verfrachtet wurden, da sie sie nicht einfach ihrem Blatt hinzufügen konnte.
      „Das getan, werde ich nun deine Lebenspunkte direkt angreifen. Doch keine Sorge, du wirst nicht verlieren. [Evigishki Merrowgeist], Sceptre Of Foresight!“
      Behände ließ die schwebende Meerjungfrau den Zauberstab in ihren Händen wirbeln und richtete ihn schließlich auf Anya. Welche es sich nehmen ließ, mal wieder den Mittelfinger zu zücken.
      „Verpiss dich, Miststück! Als ob ich mich von so'ner Wischiwaschi-Tante wie dir angreifen lasse! Meine Falle wird genau das verhindern: [Fragment Fusion]! Sie verbannt Sardonyx und [Gem-Armadillo] von meinem Friedhof, um mich eine Fusionsbeschwörung durchführen zu lassen. Das gerufene Monster stirbt zwar am Ende des Zuges, stellt aber einen super Schild gegen die Angriffe von ollen Möchtegernschicksen dar! Komm zurück, [Gem-Knight Zirconia]!“
      Überall tanzten plötzlich Edelsteine in der Luft, als einige vor Anya ein Pentagramm durch Energielinien zeichneten, aus dem letztlich Zirconia hervortrat.
      Dieser streckte die Arme vor Anya aus, um sie vor den Angriffen ihrer Feinde zu schützen.

      Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

      Unverrichteter Dinge brach die Meerjungfrau ihren Angriff ab und zog sich ein Stück Richtung des Collectordämons zurück. Dieser meinte unbekümmert: „Wenn das der Fall ist, beende ich meinen Zug hiermit.“
      Wodurch Zirconia in tausend Teile zersprang.

      „Mein Zug!“, schrie Anya hitzig und riss die nächste Karte von ihrem Deck. Bevor ihr Gegner etwas sagen konnte, blaffte sie ihn an. „Und vergiss es, ich will keine Fragen mehr stellen.“
      „Aber du hast doch noch gar nicht gefragt, wie die andere Möglichkeit aussieht. Die, dich von Levrier loszulösen.“
      Anya schnappte nach Luft. Verwirrt entgegnete sie: „A-aber du sagtest doch-“
      „Damit meinte ich nur, wenn ich -es- für dich erledigen soll. In dem Fall verlange ich nach wie vor deine Seele. Aber wenn -du- es tun willst, nun ja, kostet es dich lediglich …“ Er machte eine seiner Kunstpausen. „Den Rest deiner Lebenspunkte.“
      „Unmöglich! Mach's billiger und wir können drüber reden!“
      „Sicher? Dieses Wissen ist wertvoll. Nicht nur für dich, sondern für alle deine“, das letzte Wort betonte er besonders stark, „Bekannten. Mit ihm könntest du sie alle retten, inklusive dich selbst. Wenn du bereit bist, ein großes Wagnis einzugehen.“

      In Anya schrie es laut 'Was gibt es da schon groß zu überlegen, sag ja!', doch gleichwohl war ihr das einfach zu gefährlich. Was, wenn das alles doch nur eine Falle war? Sie wusste ja nicht einmal, ob überhaupt etwas von dem stimmte, was er ihr erzählte! Und dieser Schmerz, den sie immer wieder spürte, was hatte der zu bedeuten?
      Aber dem gegenüber stand die Freiheit. Nein, das Leben. Was hieße es denn schon, wenn jetzt etwas Unvorhergesehenes geschähe? Wenn sie zu Eden wird, wäre sowieso alles aus. Und wenn sie dabei versagt, landete sie im Limbus, dem Ort ohne Wiederkehr. Was könnte schon schlimmer sein als das!? Sie wäre frei, wenn sie jetzt zustimmte!

      „Ich werde nicht verlieren?“, vergewisserte sie sich mit leiser Stimme.
      Der Sammler nickte nur knapp.
      „Dann … meinetwegen.“
      Sofort ließ ein grässlicher Schmerz sie aufschreien und sie glaubte, ihr Herz würde stehen bleiben.
      Die Waagschalen hinter dem Sammler bewegten sich wieder ein Stück, während Anya keuchend in die Knie ging und sich die Brust hielt. Nun standen beide Schalen am jeweiligen Zenit ihrer Möglichkeiten. Noch mehr Gewicht würde das Gebilde gewiss nicht verkraften.

      [Anya: 1100LP → 0LP / Collector: 3200LP]


      „Ich weiß, dass du bereits von dem jungen Ford gehört hast“, der Sammler lächelte wissend, „dass er den Tod überlebt hat, um den Pakt zu brechen. Er irrt. Und liegt doch richtig.“
      „Sprich Klartext“, presste Anya schwer atmend hervor. Sie war insgeheim erstaunt, tatsächlich noch zu leben. Hielt der Sammler sich am Ende tatsächlich an die Vereinbarung?
      „Zu sterben ist der Weg, sich eines Paktes zu entledigen. Der Tod ist das Ende, aber ist er nicht immer endgültig. Doch was im Leben miteinander verbunden ist, muss im Tode auseinander gehen.“
      Langsam erhob sich Anya, als der Schmerz nachließ. „Ich verstehe immer noch nicht.“
      Der Sammler nickte. „Wenn du stirbst, muss der Dämon ebenfalls sterben. Sollte dies nicht geschehen, besteht die Möglichkeit, dass die alte Verbindung – der Pakt – wieder 'zusammenwächst'. Bist du mit dieser Information zufrieden?“
      „Aber wie soll ich das anstellen!?“, begehrte Anya auf.
      Allerdings wurde sie nur vor einem erhobenen Zeigefinger gestellt. „Diese Frage wirst du nicht mehr stellen können. Das Limit ist erreicht. Von nun an musst du das gewünschte Wissen selbst zusammentragen. … Oder du machst mir ein Angebot.“

      Mit einem Mal stampfte Anya auf. „Vergiss es! Diese dubiosen Geschäfte gehen mir langsam auf die Eierstöcke! Und deswegen werde ich das jetzt beenden!“
      „Ach so?“
      „Ich verbanne von meinem Friedhof [Gem-Knight Zirconia], um meine [Gem-Knight Fusion] zu bergen“, rief Anya und tat genau dies, knallte anschließend ihre nachgezogene Karte auf die Duel Disk. „Jetzt rufe ich [Gem-Armadillo] und suche mir durch seinen Effekt [Gem-Knight Obsidian] auf die Hand!“
      Auf Anyas Spielfeldseite tauchte wieder das altbekannte Gürteltier auf, oder besser gesagt die zweite Kopie, die das Mädchen davon in ihrem Deck spielte.

      Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      Kaum hatte Anya die Karte mit dem Bild eines pechschwarzen Ritters, welcher eine Kette aus Perlen als Waffe benutzte, ihrem Blatt hinzugefügt, streckte sie schon ihre Hand mit [Gem-Knight Fusion] zwischen Mittel- und Zeigefinger in die Luft. „Und nun verschmelze ich Obsidian und Garnet von meiner Hand und beschwöre [Gem-Knight Ruby]! Scheiß auf den Beschwörungsspruch, hau einfach rein!“
      Als die Abbilder der beiden zu verschmelzenden Monster über Anya erschienen und ineinander übergingen, wurden die verschiedensten Edelsteine mit in den Fusionssog gezogen. Aus dem sprang kurze Zeit später ein eleganter Krieger in roter Rüstung, dessen blauer Umhang auf magische Weise wehte. Die Lanze auf den Sammler gerichtet, stieß der Ritter einen stolzen Schrei aus.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

      Doch neben ihm tauchte plötzlich noch ein Ritter auf, dieser trug eine bronzene Rüstung und bündelte einen Schwall Flammen in seinen Händen.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Na, überrascht?“, lachte Anya gehässig. „Doof, was? Dass Obsidian, wenn er von meiner Hand auf den Friedhof wandert, ein normales Monster auf meine Spielfeldseite vom Friedhof beschwört! Also [Gem-Knight Garnet]!“
      Sie setzte ein noch widerlicheres, siegessicheres Grinsen auf. „Aber keine Sorge, Kumpel, der verschwindet gleich wieder. Zusammen mit [Gem-Armadillo].“
      „Dessen bin ich mir bewusst“, antwortete der Sammler unbekümmert.
      „Umso besser, denn dann weißt du, dass du längst verloren hast! Ich opfere meine beiden Monster, um ihre Angriffskraft auf Ruby dank dessen besonderer Fähigkeit zu übertragen!“
      Garnet und das Gürteltier lösten sich in helle Lichter auf, die von der Lanze ihres Kameraden absorbiert wurde. Um den explodierte nun förmlich eine rote Aura.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 6100 DEF/1300 (6)]

      Der Sammler klatschte anerkennend in die Hände. „Wirklich gut. Dein Kampfstil wird immer besser.“
      „Klappe! Von dir brauche ich kein Lob! Beende das jetzt, Ruby! Greif die olle Sumpfkuh mit Sparkling Lance Thrust an!“ Schließlich fügte sie noch hinzu: „Und versuch gar nicht erst, dieses Miststück zu transformieren, Bastard! Auch wenn du ihre Weiterentwicklung im Verteidigungsmodus rufen würdest, wäre das egal, denn Ruby fügt Durchschlagschaden zu! Nun jetzt mach-ihn-alle!“
      „Sehr gut erkannt“, sprach der Sammler und schloss seine Augen.
      Wie ein Pfeil schoss Anyas Ritter auf die Meerjungfrau zu und stieß ihr seine Lanze in die Brust. Einen jämmerlichen, hilfesuchenden Schrei von sich gebend, zersprang jene schließlich in tausend Teile …

      [Anya: 0LP / Collector: 3200LP → 0LP]


      … und hinterließ Anya damit, geschützt vom Effekt der [Scales Of Wisdom], als Siegerin.

      Schwer atmend ging das Mädchen in die Knie, als sie begriff, dass es tatsächlich vorbei war und sie gewonnen hatte.
      „Gut gespielt“, lobte der Sammler sie, welcher plötzlich direkt vor ihr auf der Straße stand.
      Anya sah mit grimmiger Miene auf. „Klaro! Und jetzt hau ab!“
      „Für deinen grandiosen Sieg verrate ich dir noch etwas. Sieh es als Dreingabe für deinen Einsatz im Duell an“, sagte er geheimnisvoll. „Das letzte Elysion befindet sich in der Kanalisation unterhalb der Stadt, zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum. Wo genau es ist musst du selbst herausfinden.“
      Dann drehte er ihr den Rücken zu. „Das Schicksal ist kein festgelegter Weg, sondern ein Netz aus vielen Pfaden, die man beschreiten kann und deren Zahl je nach der eigenen Situation variiert. Dabei ist es so umfangreich, dass kein Sterblicher es je begreifen könnte und retrospektiv betrachtet, zeichnet sich in diesem Netz der eine Weg ab, den man hinter sich zurückgelegt hat. Das ist Leben.“
      „Huh!?“
      Als er sich von ihr entfernte, sprach er in seiner kryptischen Art und Weise weiter. „Deshalb ist es aber auch nicht möglich, die Zukunft mit Gewissheit vorherzusehen. Doch all diese Pfade enden letztlich mit dem Tod. Und von dort erstreckt sich ein ganz neues Netz aus Pfaden.“
      Er blieb stehen. „Aber es ist möglich, dem Netz des Schicksals neue Pfade hinzuzufügen, Pfade, die nie vorgesehen waren. Dies ist meine Aufgabe als Sammler. Um auf die zu deiner Unzufriedenheit beantwortete Frage zurückzukommen.“
      Der Rothaarige sah sich noch einmal nach Anya um, die ihn völlig irritiert betrachtete. „Ich bin mir sicher, dass wir uns wiedersehen werden. Denn unser beider Pfade laufen aufeinander zu wie eine Kreuzung. Bis dahin, Anya Bauer … stirb nicht.“
      Und einen Herzschlag später, Anya hatte nur geblinzelt, war er fort.

      Was hast du dir dabei gedacht!?

      Anya hielt sich die Ohren, als es plötzlich laut in ihrem Kopf hallte.

      Habe ich dich nicht vor ihm gewarnt!? Dieser Dämon hätte dich töten können! Oder gar Schlimmeres! Hast du übersehen, dass er noch über eine verdeckte Karte verfügt hatte? Was hättest du getan, wenn er damit [Scales Of Wisdom] zerstört hätte!?

      „Krieg dich wieder ein“, raunte Anya und erhob sich langsam.
      Den hatte sie in all der Aufregung ganz vergessen. Seinen Worten nach zu schließen hatte er jedoch alles aus dem Elysion miterlebt.

      Wenn du gestorben wärst-

      „Bin ich aber nicht, 'kay!? Und solltest du nicht etwas dankbarer sein, Sackgesicht!? Immerhin weißt du jetzt alles, was du wissen musst! Und das hast du nur mir zu verdanken! Mir und meinem Mut, etwas zu riskieren!“

      Du meinst wohl deinem tollkühnen Egoismus!

      Anya sah sich derweil um. Die Brandspuren an der Fassade unterhalb der Wohnhäuser und auf der Straße waren ganz schön groß. Wenn jemand sie hier bemerkte, würde das eine Menge Ärger geben, welchen sie sich im Moment nicht leisten konnte.
      „Egal! Ende gut, alles gut!“

      Wie dem auch sei. Du hast recht, ich danke dir. Mit dem Wissen des Collectors können wir endlich unsere Bestimmung erfüllen. Aber was wirst du jetzt tun? Es sollte kein Problem sein, dein Elysion mit anderen zu verbinden, abseits dem von Alastair, welches wir erst erwecken müssen. Doch die Frage ist: wie bekommen wir die Zeugen der Konzeption dazu, den Turm zu betreten?

      Plötzlich ließ Anya den Kopf hängen und begann, sich dem anliegenden Wald zu nähern. Ohne Levriers Frage zu beantworten.


      Turn 25 – Inevitable Decisions
      Am nächsten Tag versammelt Anya die gesamte Truppe, bestehend aus Matt, Alastair, Valerie, Marc, Orion, Henry, Abby und Nick in der Küche der Familie Redfield, um ihnen von ihrer Begegnung mit dem Sammler zu berichten. Doch anstatt ihnen die Wahrheit über das Geschehe zu sagen, tischt Anya ihnen eine folgenschwere Lüge auf. Zudem versucht sie Alastair dazu zu bringen, sein zurückgelassenes Elysion zu zerstören. Doch der misstraut dem Mädchen. Ausgerechnet Marc ist es, der sich für Anya einsetzt und …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Emerald
      Gem-Knight Sardonyx
      Gem-Knight Obsidian
      Gem-Armadillo x2

      Gem-Knight Fusion
      D.D.R. - Different Dimension Reincarnation

      Fragment Fusion
      Hallowed Life Barrier

      Gem-Knight Ruby
      Gem-Knight Zirconia
      Kachi Kochi Dragon

      Collector

      Fabled Kushano
      Fabled Grimro
      Fabled Krus
      Fabled Dyf
      Fabled Raven
      Fabled Gallabas

      Graceful Charity

      Scales Of Wisdom
      Zauber/Dauerhaft
      Einmal während der Main Phase jedes Spielers kann dein Gegner eine beliebige Frage stellen; nenne ihm dazu von dir gewählte Kosten. Wenn dein Gegner diese Kosten zahlt, beantworte die Frage wahrheitsgemäß. Solange diese Karte offen auf dem Spielfeld liegt, kann dein Gegner nicht verlieren.

      unbekannte gesetzte Karte

      Call Of The Haunted
      Limit Reverse

      Lavalval Ignis
      Daigusto Phoenix
      Evigishki Merrowgeist

      Lavalval Master – Ignis Aither
      Krieger/Feuer/Xyz
      ATK/1800 DEF/1400 {3}
      "Lavalval Ignis" + sein Xyz-Material
      Diese Karte kann im Kampf nur durch Xyz-Monster zerstört werden. Während deiner End Phase: lege Xyz-Material von deinem Friedhof unter diese Karte, bis drei Xyz-Materialien unter ihr liegen. Jeder der folgenden Effekte dieser Karte kann einmal pro Zug aktiviert werden:
      O Entferne 1 Xyz-Material: Erhöhe die ATK dieser Karte bis zur End Phase um die Anzahl der Karten auf deinem Friedhof x 100.
      O Entferne 2 Xyz-Materialien: Lege bis zu zwei FEUER-Monster von deinem Deck auf den Friedhof.
      O Entferne 3 Xyz-Materialien: Füge den Life Points deines Gegners 3000 Punkte Schaden zu; du kannst in diesem Zug keine Battle Phase durchführen. Du kannst diesen Effekt nicht in dem Zug aktivieren, in dem du diese Karte beschworen hast.

      Eternal Daigusto – Jade Phoenix
      Pyro/Wind/Xyz
      ATK/1500 DEF/1100 {2}
      "Daigusto Phoenix" + sein Xyz-Material
      Diese Karte kann im Kampf nur durch Xyz-Monster zerstört werden. Während deiner End Phase: lege Xyz-Material von deinem Friedhof unter diese Karte, bis drei Xyz-Materialien unter ihr liegen. Jeder der folgenden Effekte dieser Karte kann einmal pro Zug aktiviert werden:
      O Entferne 1 Xyz-Material: Wähle eines deiner WIND Monster, es kann einmal während dieses Zuges nicht zerstört werden und Kampfschaden, den du im Kampf mit diesen Monster erleiden würdest, wird stattdessen deine Life Points erhöhen. Du kannst diesen Effekt jederzeit während der Züge beider Spieler aktivieren.
      O Entferne 2 Xyz-Materialien: Gib zwei Karten auf dem Spielfeld auf die Hand ihrer Besitzer zurück.
      O Entferne 3 Xyz-Materialien: Alle WIND Monster, die du kontrollierst, können während diesem Zug direkt angreifen. Du kannst diesen Effekt nicht in dem Zug aktivieren, in dem du diese Karte beschworen hast.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von -Aska- ()

      Ja, bei Val hat mich anfangs dieser überkorrekte Teil gestört und ich weiß nicht, sie war irgendwie nicht zuzuordenen, keine Rivalin, keine wirkliche Verbündete und nach Marks Tod war sie ne Furie, was ich auch nicht mag. OK, sie hat konsequent ihr Ding durchgezogen, aber mich hat diese extreme Veränderung irgendwie gestört, obwohl sie mehr als verständlich ist. Und mWn kam auch in den Animes nie nen wichtiger Ritualspieler vor, also gerne was neues (deine Deckwahl ist sowieso sehr gelungen).
      Zum neuen Kapitel:
      Ich dachte schon nach 2-3 Minuten Lesen, das kann nicht besser werden, weil Anya mag Klassik :OO: (das wisst ihr nicht von mir, ich will Barbie nicht kennenlernen ;) )
      Total ungewöhnlich, passt aber zu Anyas vielschichtiger Persönlichkeit.
      Der Kampf mit Abbys Blume hat mich ebenfalls sehr erheitert.
      Danach wurde es wieder ernster, etwas was sich vor allem bei Anya recht oft beobachten lässt, dass du einen recht lustigen und lockeren Einstieg nimmst und dabei nen kleinen Backflash einbaust bevor es wieder zur Sache geht.
      Finde ich ne gute Sache, erleichtert den Einstieg und hilft beim Verständnis den Kommenden.
      Danach kamen die Elysions als kleine Überleitung zum finalen Duell mit dem Collector, einem Chara, den ich weniger als Dämon als als unantastbaren Gott sehe, da er unglaublich mächtig und beinahe allwissend ist. Dazu weiß er seinen Willen durchzusetzen.
      Das gesamte Duell ist (wie es auf mich wirkte) nach dem Willen des Collectors gelaufen, er kontrollierte das Spiel von Beginn an und ließ Anya kaum eine Chance. Nebenbei beschwatzte er sie noch immer wieder Fragen zu stellen um sich so (trotz ihres Widerstandes) Macht über sie zu verschaffen, da sie auf sein Wissen angewiesen ist.
      Dass er verloren hat ist ihm recht egal (das hat er ja schon anfangs gesagt), er wollte sich nur als unverzichtbar darstellen.
      Aber alles in allem hat er viel Licht ins Dunkel gebracht (vor allem über die Incarnation Modes) und es wieder interessant gemacht (schließlich fehlt noch ein Vertragspartner (Melinda ?( , allerdings hätte Isfanel dann 2 Partner was ja nicht klappen kann)

      Was mir noch aufgefallen ist waren die Monster die der Collector benutzt hat (Lavalval Ignis, die Gishki-XYZ und Daigusto Phönix). Bis auf das Gishki waren es alles Monster von Antagonisten, die bereits einen Incarnation Mode erhalten haben, also vielleicht ein Hinweis auf Vals Entwicklung (auf Pearls Incarnation Mode warte ich schon lange).
      Wieder einmal ein sehr gelungenes Kapitel, ich freu mich auf das nächste.
      Spielerisch haben Raritäten auch Vorteile: Eine UMR Veiler negiert dich krasser

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Lenant ()

      Freut mich ja sehr, dass es hier ja doch ein paar Leser gibt. :)

      @Lenant
      Val ist halt keine typische, ich sag mal "B!tchfeindin", die als Rivalin fungiert, sondern eher das Gegenteil davon. Gerade deshalb hasst Anya sie gewissermaßen, da sie und Val eigentlich vertauschte Rollen haben. Anya ist der B!tchfeindin-Typ und Val eher der Hauptcharakter-Typ.
      Der Sammler weiß seinen Willen durchaus durchzusetzen, das steht außer Frage. Von allen Wesen, die man bisher in meiner FF kennengelernt hat, ist er auch bei weitem das mächtigste.
      Mal sehen, was da bezüglich einer Pearl-Incarnation so auf dich wartet. Und obs die überhaupt gibt, wer weiß. :P


      Turn 25 – Inevitable Decisions
      „Ich komme mir vor wie 'ne beschissene Sekretärin“, beklagte sich Anya, die nun seit Stunden am Telefon saß und korrespondierte, was das Zeug hielt. Ungeduldig schritt sie von einer Ecke zur anderen in ihrem unaufgeräumten Zimmer, wo sich Comichefte, Videospielhüllen, durchgehend schwarze Klamotten und Duel Monsters-Karten einen erbitterten Kampf um die besten Plätze lieferten.
      „Und wo ist das?“, fragte Matt auf der anderen Seite des Hörers.
      „Such im Telefonbuch oder sonst wo, Herrgott! Es gibt nur eine Familie Redfield in der Stadt!“
      Und wären es mehrere, hätte sie die vermutlich längst ausgelöscht, fügte Anya noch im Gedanken hinzu. Eine Schnöselfamilie war schlimm genug.
      „Also in einer Stunde? Okay, ich sag Alastair Bescheid.“
      „Ja“, raunte Anya in den Hörer. „Der soll unbedingt kommen, denn mit dem hab' ich noch was zu klären.“
      Matt klang verwundert. „Was denn?“
      „Erfährst du dann! Genau wie alles andere, was ich gestern so erfahren habe. Also dann, wir sehen uns, kthanxbye!“
      Schon hatte sie aufgelegt und warf den Hörer achtlos beiseite, ließ sich in ihr Bett fallen und schloss die Augen. „Phew, das waren alle, glaub ich. Jetzt müssen sie nur noch kommen.“

      Und was wirst du ihnen sagen? Die Wahrheit? In dem Fall müsste ich deinen Körper übernehmen, um zu verhindern, dass sie wie aufgescheuchte Hühner die Stadt verlassen. Keiner von ihnen wird freiwillig den Turm von Neo Babylon betreten.

      Alles, was Anya dazu zu sagen hatte, war ein tiefes: „Hmpf!“
      Von ihrem Schreibtisch aus hallte Abbys Stimme herüber: „Anya, wäre es nicht fair, Valerie vorher Bescheid zu sagen?“
      Mit einem Ruck saß die Blondine wieder aufrecht, welche ihr Haar heute ausnahmsweise einmal offen trug – was ihr aber alles andere als gut zu Gesicht stand, wenn man bedachte, dass sie dadurch fast 'mädchenhaft' aussah. „Wieso? Ich dachte, Redfield liebt Partys? Und sie wird die besten Gäste haben, die sie jemals gesehen hat!“
      Abby stieß einen resignierenden Seufzer aus. „Du kennst Valerie kein bisschen, oder?“
      „Besser als du das Pennerkind.“ Anya verzog ihre Augen zu Schlitzen. „Ist da was zwischen euch gelaufen?“
      „N-nein!“, protestierte Abby, welcher die Schamesröte ins Gesicht stieg.

      Ihre Worte sagen nein, die Körperfarbe ja.

      „Was hat er mit dir angestellt!?“
      „Nichts!“, kreischte Abby förmlich und drehte sich auf dem Drehstuhl um, damit Anya bloß nicht ihr Gesicht sah.
      Doch die war längst aufgesprungen, drehte Abby wieder zu sich und verfrachtete sich mit dämonischem Gesichtsausdruck auf ihrem Schoß. Die Finger knacken lassend, fragte sie: „Sicher?“
      „Ganz sicher! Ganz, ganz, ganz sicher! … leider!“
      „Was!?“
      Abby quiekte panisch: „Nichts!“
      Woraufhin Anyas Gesicht wieder menschliche Züge annahmen. „Ist auch besser so!“
      „Was ist es denn eigentlich, was du uns erzählen willst?“, fragte das brünette Mädchen eilig, um bloß das Thema zu wechseln. „Was ist gestern passiert, dass du alle bei Valerie versammelst?“
      „Wirst du schon noch erfahren“, meinte Anya mit ihrer typischen Endgültigkeit und warf einen Blick auf die Armbanduhr. „Wir sollten uns sowieso bald fertig machen. Ich will dabei sein, wenn Redfields Kinnlade den Boden schrubbt, weil ihre Geburtstagsparty vorgezogen wurde!“
      „Du hast es voll mit Absicht gemacht, huh?“
      „Klaro“, brüstete Anya sich stolz, doch ihre Mimik wurde wieder zu einer dämonischen Fratze. „Wehe, dein neuer Mitbewohner kommt nicht! Und wenn ihr heimlich Händchen haltet, reiß ich euch den ganzen Arm ab, verbrenne ihn und füttere euch mit der Asche!“
      Abby schluckte ängstlich. „Schon gut, er hat versprochen zu kommen!“

      ~-~-~


      „Redfield?“, tönte es eine halbe Stunde später ahnungslos aus dem Lautsprecher neben dem großen Tor, welches den Eingang zu Valeries Domizil darstellte. Als keine Reaktion folgte, sagte Valeries Stimme streng: „Anya, du kannst die Klingel jetzt loslassen, ich bin hier.“
      „Whoops, muss ich doch glatt überhört haben“, log die Blondine und nahm dem Finger nur widerwillig von der Taste.
      „Was willst du?“
      „Die klingt nicht gerade begeistert“, flüsterte Abby im Hintergrund zu Nick, welchen sie auf dem Weg hierher entgegen Anyas ursprünglichem Plan abgeholt hatten.
      „Hehe, wenn sie mich sieht, wird sich das bestimmt ändern.“
      Abby stöhnte leise. „Das wag' ich zu bezweifeln.“
      Indes antwortete Anya missmutig auf die Frage ihrer Erzfeindin. „Ganz einfach, Redfield! Lass mich rein und ich erkläre es dir. Vielleicht.“
      „Abby, hat sie Waffen dabei?“
      Das Hippiemädchen schreckte beim Klang ihres Namens glatt auf. „Ähm, n-nein, ich glaube nicht. Hi Valerie!“
      Ein resignierender Seufzer erklang. „Meinetwegen, kommt rein.“
      Woraufhin sich das Tor von selbst öffnete.

      Wie ein Feldmarschall schritt Anya den Weg hinauf zur Villa der Redfields, flankiert von ihren Generälen Nick Harper und Abigail Masters, die sich eher an dem prachtvollen Blumengarten erfreuten, denn daran dachten, Anyas Tempo zu halten.
      „Jetzt ist nicht die Zeit zum Glotzen“, herrschte jene die beiden daraufhin an, griff ihre Arme und zog sie hinter sich her.
      Kaum waren sie vor der Tür angelangt, öffnete jene sich und Valeries Kopf lugte misstrauisch hervor. Ihr schwarzes Haar war dieses Mal zu einer Turmfigur hochgesteckt. Was Anya selbstredend nicht unkommentiert lassen konnte. „Was suchen denn die Essstäbchen in deiner Frisur, Redfield? Kannst du dir neuerdings keine Haarspangen mehr leisten?“
      „Was willst du?“, erwiderte die nur ebenso feindselig. Es war deutlich, dass ihre Worte ernst gemeint waren, als sie sagte, sie würde Anya nie für ihre Taten verzeihen.
      „Ab in die Küche“, befahl der Marschall bereits seinen Unterlingen, die es jedoch nicht wagten, sich an Valerie vorbei ins Haus zu stehlen.
      Plötzlich sprang etwas Schwarzes hinter Valerie hervor, direkt auf Anyas Oberkörper zu. „Kawaii, Tsundere ist wieder da!“
      Doch der kleine Schattengeist Orion wurde mit einer saftigen Rechten rechtzeitig abgefangen und stattdessen mit voller Wucht gegen Nicks Schädel geknallt, welcher daraufhin glatt aus den Socken gehauen wurde. Mit schmerzerfüllten Blicken lagen dieser und Orion am Boden, wobei Letzterer krächzte: „Sie ist immer noch nur Tsun, kein bisschen Dere …“
      „Die hässliche Knolle war aber nicht eingeladen“, brummte Anya beim Anblick des KO gegangenen Schattengeists.
      „Was?“ Valerie schien wirklich ahnungslos.
      Doch Anya schnappte sich Abby, bat sich ungeniert selbst herein und ließ ihre Erzfeindin verwirrt zurück, die sich genervt stöhnend um die beiden Verwundeten bemühte.

      Kaum hatte sie es geschafft, Nick aufzurichten und ins Haus zu bitten, fand sie Anya bereits in ihrer altmodischen Küche aus dem 18. Jahrhundert wieder, wie sie einfach so auf dem langen Esstisch saß und abwartend die Arme verschränkt hielt.
      „Was soll das!? Wieso platzt du einfach in mein Haus herein!?“
      „Weil ich's kann, Redfield, deshalb!“
      Abby, die zurückhaltend neben Anya stand, fasste sich ein Herz und klärte die aufgebrachte Valerie schließlich auf. „Anya hat alle zusammengetrommelt, die irgendetwas mit Eden und einem Pakt zu tun haben.“
      Woraufhin Valeries wütende Mimik einer überraschten wich. „Und wozu?“
      „Weil ich den Jackpot abgestaubt habe“, raunte Anya zynisch. „Jetzt setz dich auf deinen Schickimickiarsch und warte, bis der Rest hier ist!“
      „Ich kann das Kissen sein!“, gluckste Nick wolllüstig, doch bekam von Orion, der auf seinem Kopf hockte, eins auf die Zwölf mit dessen kleiner Faust. „Vergiss es! Du bist nur mein Sklave und hast daher kein Recht, eine solch anspruchsvolle Aufgabe zu übernehmen! Ich mach das! Nicht wahr, Valval?“
      Deren zusammengekniffene Augen waren Antwort genug, um die beiden zum Verstummen zu bringen. Abermals stöhnend ob Anyas Frechheiten, ließ sich Valerie schließlich ein wenig weiter weg von den anderen auf einem der Stühle am Essenstisch nieder und wartete geduldig.

      ~-~-~


      Und fauchte Anya eine halbe Stunde später an, als die Küche voller Menschen war, die sie nicht kannte. „Ich dachte, es kommen 'ein paar' Leute!? Nicht eine halbe Footballmannschaft!“
      „Sind doch nur'n paar“, zuckte Anya neben ihr mit den Schultern und sah die versammelte Gruppe an.
      Da war Matt, der gegen einen Küchenschrank lehnte und die Hand zum Gruß hob. Ihm gegenüber auf einem Stuhl saß sein Partner Alastair, das Narbengesicht, welches wie immer schaute, als würde er jeden Moment Amok laufen. Dann natürlich Marc, der Valerie beruhigend die Hände auf die Schultern gelegt hatte – Valerie hatte ihn persönlich auf Anyas 'Bitten' hierher beordert. Und zwischen Abby und Nick saß nun das Schnöselkind Henry, welcher ziemlich ungeduldig wirkte.
      „Sieht aus, als wären alle hier“, stellte Abby fest, wobei ihr Augenmerk komischerweise nur auf Henry gerichtet war – ganz zu Anyas Ärgernis.
      Die hatte aber keine Zeit für Kindereien und kam deshalb umgehend zur Sache. „So Leute … was sollte ich nochmal sagen, Abby?“
      „Du sollst dich bedanken, dass alle gekommen sind“, flüsterte die ihr leise vom Tisch aus zu.
      „Ja ja, also, nett dass ihr vorbei geschaut habt. Kuchen gibt’s später.“ Anya neigte sich herüber zu Valerie, zischte spitzzüngig, aber immer noch gut hörbar: „Los, geh backen Redfield, das könnte jetzt etwas länger dauern.“
      „Nicht nötig, ich habe gestern erst ein neues Rezept für eine Schokolade-Vanille-Torte ausprobiert“, erwiderte Valerie auf die Stichelei der Blondine unbeeindruckt. „Jeder, der nachher Hunger hat, kann gerne ein Stück bekommen.“
      „Mhmmmm, ich liebe Ku-“
      „Klappe, Harper!“, befahl Anya Nick wütend und richtete ihren Blick auf die ganze Gruppe. Irgendwie war ihr unwohl, zu so vielen Leuten zu sprechen. Besonders wenn … aber sie wusste, dass es keine Alternative gab.
      „Dürfen wir jetzt erfahren was du herausgefunden hast?“, fragte Matt ungeduldig. Ihm fiel nebenbei auf, dass das Mädchen, Abby, welches er vor einiger Zeit erpresst hatte, konsequent seinen Blick mied. Seine Mimik trübte sich. „Wir haben nicht ewig Zeit, verstehst du?“

      Du weißt, dass du keine Wahl hast. Du musst sie anlügen, Anya Bauer. Entweder du oder ich.

      „Ich weiß“, gab Anya beiden grimmig zu verstehen, leitete damit aber auch gleichzeitig ihre Erklärung ein.
      Es war so schwer. Sonst war ihr Lügen immer leicht gefallen, doch dieses Mal? Man könnte meinen, ihr Brustkorb implodierte jeden Moment. Dennoch hatte sie sich eins geschworen. Wenn es hieß, entweder die oder ich … würde es immer nur 'ich' geben. Sie würden dasselbe an ihrer Stelle tun. „Ich weiß, wie wir Eden vernichten können.“

      Sofort ging ein aufgeregtes Raunen durch die Küche der Redfields. Alastair war der Erste, der Worte dafür fand. Und sie waren wenig schmeichelhaft. „Du lügst, Schlangenzunge! Wie könntest du-“
      „Ich habe einen Mann getroffen, der mir alles verraten hat, was ich wissen wollte.“ Anya drehte sich mit verschwörerischer Mimik zu Valerie um. „Den Sammlerdämon.“
      Jene zuckte merklich zusammen, als sie das vernahm und den Wink verstand. Doch anstatt etwas darauf zu antworten, erwiderte sie Anyas Blick nur unschlüssig. Die Worte, die sie beide austauschten, waren stumm. Zu dumm nur, dass Anya nicht imstande war, die ihres Gegenüber zu verstehen.
      Deswegen wunderte es auch nicht, dass Matt sich als Erster einmischte. „Was!? Den hast du getroffen!? Bist du lebensmüde!?“
      „Der Collector ist einer der gefährlichsten Dämonen auf diesem Planeten! Kein Jäger hat es je geschafft, ihn zu töten!“, polterte auch Alastair. „Und du hast ihn aufgesucht!?“
      „Nicht ich ihn, er mich“, stellte Anya mit kühler Stimme klar. Sie schloss die Augen. „Er wollte unlautere Geschäfte mit mir treiben, meine Seele stehlen, weil er Interesse an mir zu haben scheint. Eine andere 'Kundin' von ihm hat ihn wohl auf mich aufmerksam gemacht.“
      Dieses Mal entglitt Valerie glatt ein erschrockener Seufzer, doch Anya ignorierte sie. Wenn sie noch näher darauf einging, würde sie die Schwanenprinzessin verraten, was momentan nicht in ihrem Interesse war. Denn eigentlich musste sie Valerie dafür dankbar sein, die Aufmerksamkeit des Sammlers erregt zu haben.
      „Wir haben uns um die Wahrheit duelliert, nachdem ich sein Angebot ausgeschlagen habe. Und wie ihr seht, habe ich gewonnen. Es war knapp, aber ich habe erfahren, wie Eden getötet werden kann.“
      „Was musstest du als Preis dafür zahlen!?“, verlangte Alastair zu wissen. „Niemand erhält etwas von dem Sammlerdämon ohne Gegenleistung!“
      Nun stampfte Anya wütend auf. „Meine Seele hätte er bekommen, wenn ich das Duell verloren hätte, 'kay!? Aber ich habe gewonnen! Er ist leer ausgegangen! Außerdem hat er sich nicht abwimmeln lassen, was hätte ich tun sollen!? Wegrennen!? Pah, als ob er mich hätte gehen lassen! Ist doch nicht mein Problem, wenn er sich am Ende auf sowas einlässt und dann verliert!“
      Matt, der seine Ruhe wiedergefunden hatte, blieb nichtsdestotrotz ziemlich skeptisch. „Und er hat sich an die Abmachung gehalten?“

      Plötzlich schaltete Marc sich an, der Valerie dicht an sich gezogen hatte. Deren Blick war auf befremdliche Weise abwesend, regelrecht leer. „Anstatt Anya mit Fragen zu bombardieren, solltet ihr sie erstmal ausreden lassen. Denkt ihr denn, sie lügt euch an, wenn die Sache für sie am allerwichtigsten ist?“
      Der jüngere der Dämonenjäger nickte. „Da hat er recht. Aber bist du dir absolut sicher, dass er dich nicht reingelegt hat?“
      „Weiß nicht“, Anya zuckte dazu unterstreichend mit den Schultern, „ganz sicher bin ich mir nicht, aber ich glaube er hat nichts angestellt. Egal. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute ist, dass Eden eine physische Form besitzt. Allerdings … wartet die im Turm von Neo Babylon.“
      „Das habe ich mir schon fast gedacht“, reagierte Matt daraufhin und übertönte das Geflüster von Abby und Henry, die ganz zu Anyas Ärgernis verdächtig unbeteiligt wirkten. Müssten die nicht längst auf dem Tisch Salza tanzen?
      Indes sprach er weiter: „Und was ist die schlechte?“
      „Der letzte Raum, da wo Edens Herz liegt“, Anya machte eine Pause und atmete tief durch.
      Noch konnte sie einen Rückzieher machen. Aber das hieße, elendig zu verrecken und im Limbus enden. Da sie aber sowieso starb, egal was geschah, war ein schlechtes Gewissen ohnehin bedeutungslos. Die letzten Tage … würde sie damit leben müssen.
      Sie schloss ihren Satz ab: „wird sich nur öffnen, wenn mich fünf Zeugen der Konzeption dahin begleiten.“
      „Sie lügt!“, polterte Alastair und sprang auf, mit dem Finger auf Anya zeigend. „Das ist eine Falle, um uns in den Turm zu locken und zu opfern!“
      Anya zuckte erschrocken zusammen.

      Hast du ernsthaft erwartet, dass er dir das abkaufen würde? Anya Bauer, das war keine sonderlich kluge Lüge. Du hättest auf mich hören und warten sollen, bis uns etwas Besseres eingefallen wäre.

      Aber ihr war nichts 'Besseres' eingefallen, dachte Anya verzweifelt. Außerdem war es stimmig! Der Turm von Neo Babylon musste betreten werden, wenn man Eden finden wollte. Warum sollte sich der Pfad also nicht erst öffnen, wenn alles Nötige 'zusammengesammelt' war?
      „Anya würde so etwas nie tun!“, ergriff Abby nun eifrig das Wort und sprang ebenfalls auf, direkt Alastair in die Augen sehend. Es waren Blicke voller Verachtung. „Sie ist nicht so wie ihr, feige und hinterhältig! Für Anya geht es hier um Leben und Tod! Sie wäre die Letzte, die ein Interesse daran hätte, euch zu opfern, wenn sie davon sowieso nichts hätte!“
      „Danke, Abby“, murmelte Anya leise und ließ den Kopf hängen.
      Kannte ihre Freundin sie nicht lange genug, um zu wissen, dass das Quatsch war? Oder hatte sie es am Ende sogar durchschaut und … spielte trotzdem mit?
      „Ich denke auch, dass Anya lügt“, erklang plötzlich Valeries Stimme zögerlich.
      Sofort wich Anya von ihr zurück und zeigte ihr den berühmten Mittelfinger. „Redfield, du Miststück! Dass du das glaubst, war mir sowieso klar! Fuck off, Bitch!“
      Doch mehr hatte Valerie Anya nicht zu sagen und wandte den Blick ab. Für einen Augenblick jedoch glaubte die Blondine, Zweifel in den Augen ihrer Widersacherin erkannt zu haben. Oder war es nur das schlechte Gewissen, weil sie ihr ungewollt den Sammler auf den Hals gehetzt hatte?

      „Ich bin auf ihrer Seite“, meinte Matt kühl und nickte zu Abby herüber, die sich sofort von ihm abwandte. „Ich habe genug mit Anya erlebt, um zu wissen, wie sehr sie darum kämpft, frei zu sein.“
      „Du glaubst ihr tatsächlich!?“, schoss es aus dem entsetzten Alastair heraus, der seinen Freund daraufhin an den Schultern packte. „Obwohl sie dich erst neulich hinterhältig hintergangen hat!?“
      „An ihrer Stelle hätte ich vielleicht genauso gehandelt, es war eine Panikreaktion!“, erwiderte Matt stur und riss sich von Alastair los. „Außerdem wäre ich an deiner Stelle nicht so vorlaut, du bist an allem Schuld! Du hast Anya in die Arme Levriers getrieben! Du bist der Allerletzte, der hier etwas zu sagen haben sollte!“
      Getroffen von Matts Worten schritt Alastair zurück. In seinem vernarbten Gesicht stand ein regelrechter Schock geschrieben, schien er nie damit gerechnet zu haben, jemals von Matt so strikt abgewiesen zu werden.
      „Ich glaube auch an Anya.“
      Jene wirbelte schockiert um, genau wie Valerie, als Marc die Blondine freundlich ansah.
      „Aus eigener Hand weiß ich, was für schreckliche Dinge man zu fühlen beginnt, wenn man keinen Gedanken mehr fassen kann, ohne einen Dämon im Nacken zu haben.“ Marc hob seine rechte Hand an und betrachtete sie betrübt, ehe er eine Faust ballte. „Nichts ist schwerer als die, die man liebt, zurückzulassen. Aber sie zu opfern? Ein Mensch wie Anya, die ihren Freunden immer beigestanden hat, könnte das bestimmt nicht. Und jeder, der etwas anderes sagt, wird wohl oder übel mit mir aneinander geraten.“
      Sowohl aus Anyas, als auch Valeries Mund schoss es: „Marc!“
      Jener richtete seinen gütigen Blick auf Anya. „Keine Sorge, wir helfen dir schon irgendwie.“
      „D-danke“, antwortete das blonde Mädchen und wich dem Blick des hochgewachsenen, dunkelhaarigen Footballspielers beschämt aus. Dass der Mann, den sie einst geliebt und aus verletztem Stolz getötet hatte, jetzt für sie sprach, trieb sie an die Grenzen ihres Gewissens. Wie konnte sie das jetzt noch durchziehen!?

      Deine Worte spalten wirklich die Lager, Anya Bauer. Wäre der Hintergrund nicht so ernst, würde ich mich tatsächlich amüsieren. Denke ich.

      „Fragen wir doch unsere Paktpartner, was sie davon halten!“, gab sich Alastair derweil noch nicht geschlagen.
      „Meiner hat kein Problem damit“, zuckte Matt mit den Schultern, „Eden interessiert ihn nicht, aber er meint, dass er ebenfalls so eine Falle stellen würde, wenn er Anya wäre.“
      Alastair richtete sich mit finsterem Blick an Valerie. „Und was sagt die Heilige Johanna von Orléans?“
      Valerie stammelte verdutzt: „Woher wissen Sie-!?“
      „Antworte einfach!“
      Geschlagen blickte das schwarzhaarige Mädchen auf das Parkett unter ihren Füßen. „Sie sagt, wir sollen Anya vertrauen.“
      „Tch, sie ist kein bisschen besser als Refiel!“, fluchte Alastair empört und verriet sich damit ungewollt.
      Matt grinste keck und verschränkte die Arme. „Sieh an, ist sich das Traumpaar neuerdings uneins?“
      „Ich habe dir bereits mehrmals gesagt, dass ich keine Marionette des Himmels bin!“
      „Ich wünschte, ich könnte meinen fragen“, murmelte Marc dabei zu Valerie und Anya. Erstere streichelte ihrem Verlobten jedoch beruhigend über den Oberarm. „Sei froh, dass du es nicht kannst. Isfanel ist ein Monster. Und wie seine Meinung ausfallen dürfte, ist sowieso kein Geheimnis.“

      „Hey, Pennerkind“, donnerte Anya plötzlich und sah herüber zu Henry, der zwischen Abby und Nick saß.
      „Ja?“, schaltete sich jedoch Orion auf Nicks Kopf ein. „Was gibt’s, meine süße Tsundere? Lust auf ein kleines Spiel mit dem Chickachecker?“
      „Nicht du, der da!“ Anya zeigte ungeniert auf den brünetten, jungen Mann. „Du hast die ganze Zeit noch nichts gesagt. Was ist, traust du dich nicht?“
      „Mich geht das nichts an“, erwiderte der tonlos.
      „Dir ist aber klar, dass deine Schwester Marisa gebraucht wird, oder!? Immerhin ist sie eine der fünf Zeugen!“
      Sie sah ihn herausfordernd an. Innerlich erschrak Anya allerdings. Beinahe hätte sie Opfer statt Zeuge gesagt, auch wenn sie noch nicht wusste, ob seine Schwester wirklich das letzte Zahnrad im Edengetriebe darstellte. Die Wahrscheinlichkeit war jedoch sehr groß.
      „Das war mir schon klar, seit Melinda sich mit deinem Freund duelliert hat.“ Plötzlich erhob sich Henry und schritt an Anya vorbei. Mit gesenkter Stimme sagte er zu ihr: „Wenn du Eden wirklich stoppen willst, werde ich dir helfen. Ich und Melinda werden zum versprochenen Zeitpunkt da sein. Ich verlasse mich auf dich … und deinen Egoismus.“
      Mit diesen merkwürdigen Worten verließ Henry ohne Verabschiedung die Küche und hinterließ eine Schar verdutzter junger Menschen.

      „Melinda ist eine Zeugin der Konzeption?“, brach es aus Abby heraus, kaum war Henry verschwunden.
      Anya nickte grimmig. „Jep. Jemand anderes kommt nicht infrage.“
      „Wie furchtbar“, stammelte ihre Freundin und schlug die Hände vor den Mund.
      „Aber warum will er der Dämonenbrut dann helfen!?“, verstand Alastair nicht.
      Sein Partner erklärte es. „Ganz einfach: Isfanel will Edens Zerstörung. Wenn er das erreicht, wird er Melinda sicherlich freigeben. Henry hat keine andere Wahl, als Anya zu vertrauen, denn er selber ist nicht imstande ihr zu schaden.“
      „Genau wie ich“, murmelte Valerie, „weil Joan ein Engel ist. Ansonsten …“
      „Tch! Sie ist ein gefallener Engel und dazu Verräterin!“, stellte sich Alastair völlig unerwartet gegen die unfreiwillige Gastgeberin. „Sie ist-“
      „Du weißt gar nichts!“, ließ jene das nicht auf sich sitzen. „Sie wurde-“
      „Auszeit!“, polterte Matt aufgebracht dazwischen, dem klar geworden war, dass eine kollektive Entscheidung hier nicht getroffen werden konnte. „Diesen Himmelskram könnt ihr unter euch regeln!“

      Stöhnend schwang er sich vom Schrank aus herüber zu Anya und stellte sich neben sie. Dabei hielt er die Arme weiterhin verschränkt und sah jeden aus der Runde streng an.
      „Ob Anya lügt oder nicht muss jeder für sich selbst entscheiden. In genau einer Woche wird der Turm von Neo Babylon auf eurem Schulgelände erscheinen, das ist Fakt. Wenn dieser Tag gekommen ist …“ Plötzlich wandte Matt sich mit einem mitfühlenden Gesichtsausdruck an Anya. „... wirst du wissen, wer deine wahren Freunde sind.“
      Das Mädchen vermied direkten Blickkontakt. „Yeah …“
      Matt richtete sich wieder an die anderen. „Wer Angst hat, ist nicht gezwungen zu kommen. Aber denkt alle daran, dass ihr Anya auf dem Gewissen haben werdet, wenn sie ohne uns den Turm betritt. Sie ist die Letzte, die sterben will. Was passieren wird, wenn sie zu Eden wird. Denkt darüber nach, wenn ihr am 11. November entscheiden müsst, ob ihr mit ihr zusammen den Turm betretet oder nicht.“
      Betroffenes Schweigen erfüllte daraufhin die Küche.
      „Danke“, brachte Anya unter größten Mühen ihre Gefühle Matt gegenüber zum Ausdruck.
      Der aber winkte ab. „Keine Ursache. Auf mich kannst du zählen. Weißt du, wie Eden getötet werden kann?“
      „Nein … aber ich denke, dein alter Plan dürfte aufgehen …“
      „Also Sprengstoff“, überlegte Matt und griff sich ans Kinn. „Gut, ich werde das Zeug besorgen.“
      Die Blondine atmete tief durch, ehe sie zweimal in die Hände klatschte. „Also schön, die Pressekonferenz ist vorbei! Ihr habt den Mann gehört! Und wehe, auch nur eine von euch Napfsülzen lässt mich hängen! Denjenigen werde ich persönlich abholen und in den Turm schleifen, kapische!?“

      Du warst zwar nicht sonderlich glaubwürdig, aber ich denke, Matt Summers Einsatz könnte sich ausgezahlt haben. Tu nur nie wieder so etwas Dummes, Anya Bauer. Das nächste Mal werde ich nicht zusehen, wie sich die Dinge entwickeln.

      In Wirklichkeit hatte Levrier nur Angst, dass er sie nicht gut imitieren konnte, dachte dessen Gefäß daraufhin wütend, sah sich jedoch gezwungen, den Ärger in Anwesenheit der anderen herunterzuschlucken.
      Stühlerücken ertönte. Abby und Nick waren aufgestanden und gingen jetzt auf Anya zu. Das brünette Hippiemädchen nahm sich Anyas Hand und drückte jene fest mit den ihren. „Kopf hoch, alles wird gut werden. Das hast du prima gemacht.“
      „Huh?“
      Abby lächelte sie aufmunternd an. „Den Mut zu haben, sich so offen ins Kreuzfeuer zu stellen … dafür hast du meinen Respekt. Wir alle wissen insgeheim, dass du uns nicht verraten würdest. Du bist zwar, entschuldige, etwas gewöhnungsbedürftig, aber bestimmt nicht das Monster, für das Alastair dich hält.“
      „D-danke.“ Also schien sie doch nichts zu ahnen.
      „Ich gehe nachhause und werde mit Henry reden. Ich mache mir Sorgen um ihn. Er braucht wohl jetzt jemanden, mit dem er reden kann.“
      Anya nickte knapp. „'kay, mach das.“
      „Ich gehe auch. Spongebob läuft gleich“, gluckste Nick unbekümmert wie eh und je.
      So verabschiedete Anya die beiden schlechten Gewissens. Wie konnte sie Abby jetzt noch in die Augen sehen? Und wieso kümmerte sie das neuerdings überhaupt?

      Doch als Alastair wie ein Sommergewitter an ihr vorbeirauschte, packte Anya diesen fest am Arm. „Du bleibst schön hier, Freundchen! Mit dir habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen!“
      Aber der Dämonenjäger riss sich sofort los. „Denk nicht, dass ich deinen Worten Glauben schenke, Schlangenzunge.“
      „Hey“, schritt Marc ein und stellte sich zwischen die beiden. „Lass Anya zufrieden, klar?“
      „Marc, ich bin oben. Ich hab Kopfschmerzen“, murmelte Valerie und schritt hinter Anyas Rücken an jener vorbei. Als sie auf gleicher Höhe waren, flüsterte sie dieser kaum merklich etwas zu: „Kein Wort darüber.“
      Anya, sich verblüfft umdrehend, sah nur wie Valerie von der Tür aus um die Ecke bog.

      Was hat sie damit gemeint?

      Wenn sie das mal wüsste, dachte Anya ärgerlich. Aber Redfield konnte ihr in diesem Moment nicht gleichgültiger sein. Sie hatte noch etwas Wichtiges zu erledigen.
      „Wir gehen dann auch“, meinte Matt und klopfte Anya auf die Schulter. „Zieh nicht so'n Gesicht, das steht dir nicht. Wenn jemand wie du versucht, nachdenklich auszusehen, geht das meist in die Hose.“
      „Was, soll das heißen, du-!?“ Allerdings war das der falsche Zeitpunkt für so etwas. „Warte gefälligst! Könntet ihr mich mitnehmen?“
      Erstaunt blinzelte Matt. „Wohin denn?“
      „Dorthin, wo Alastair mit Refiel seinen Pakt geschlossen hat.“
      Der Hüne wurde sofort hellhörig. „Was willst du dort!?“
      „Wirst du sehen, wenn wir da sind! Oder soll ich allen von deinem kleinen Geheimnis erzählen? Du weißt schon, Victim's Sanctuary, Gewitter …“
      Und nicht zu vergessen Jonathans Leiche. Alastair wusste sofort, worauf sie hinaus wollte. „Du dreckige-!“
      „Kann ich auch mitkommen? Ich denke, ich sollte Valerie jetzt lieber etwas Zeit für sich gönnen“, schaltete sich Marc ein. „Außerdem ist mir nicht wohl dabei, dich mit denen allein zu lassen, Anya.“
      „V-von mir aus!“
      Auch das noch! Wieso war der Kerl plötzlich so nett zu ihr, seit er wieder am Leben war!? Jetzt, wo sie kein Interesse mehr an ihm hatte!?
      „Wenn es dich glücklich macht“, meinte Matt mit ahnungslosem Schulterzucken. „Dann bringen wir euch beide eben dahin.“

      ~-~-~


      Kaum hatte Alastair den VW-Bus am Waldrand geparkt, stiegen Anya und Marc von der Ladefläche aus. Einige Meter weiter auf der Straße war irgendwo die Stelle, an der Jonathan durch Alastairs Hand gestorben war.

      Wie wirst du Alastair darauf ansprechen? Sein Misstrauen ist ohnehin groß genug und wenn du jetzt etwas Falsches sagst, wird er Matt am Ende nur damit anstecken.

      „Lass das mal meine Sorge sein.“
      „Was?“
      Anya bemerkte Marcs verwirrten Gesichtsausdruck, als sie schon mal zu der Stelle vorgingen. „Nichts. Levrier wollte nur was von mir.“
      „Oh … irgendwie beneide ich dich.“
      Das Mädchen blieb abrupt stehen, woraufhin Marc es ihr gleichtat. „Wieso das denn!? Was gibt es denn an mir zu beneiden bitteschön!?“
      „Nun“, sagte er und ließ den Kopf hängen, „du hast jemanden an deiner Seite, der dich führt. Alle haben diese Geister, denen sie vertrauen. Aber ich habe meinen verloren.“ Er sah wieder auf und lächelte gequält. „Versteh mich nicht falsch, Isfanel ist ein kaltblütiges Monster. Und ich würde sicher auch nicht mit dir tauschen wollen. Es muss schwer sein, Levrier zu unterdrücken, oder?“
      „J-ja. Sehr schwer.“
      „Aber dennoch. Er würde alles tun, um dich zu beschützen. Die Dinge sind nicht so einfach, wenn man auf sich gestellt ist.“
      Anya blinzelte verdutzt. War das, was Marc fühlte? Fühlte er sich einsam, weil Isfanel nicht mehr da war? Oder ging es ihm am Ende nur darum, dass ihm jemand den Weg wies, damit er selbst nicht nachdenken musste?
      „Pff! Sei froh, dass du ungestört deine eigenen Entscheidungen treffen kannst! Außerdem hast du Valerie. Was brauchst du mehr?“
      Marc lachte. „Da hast du recht. Danke, Anya.“

      Indes hatten Alastair und Matt zu ihnen aufgeschlossen, sodass sie zusammen die letzten Meter zu der Stelle nahmen.
      „Hier habe ich mich mit dem Sammler duelliert“, meinte Anya, zeigte vor ihnen auf die Brandflecken überall auf dem Asphalt und der Steinmauer, die zu der höher gelegenen Ebene gehörte, auf der sich die Wohnhäuser befanden. Alles war durch die Polizei mit einem Absperrzaun gesichert worden.
      „Verdammt“, staunte Matt, „das sieht ja nach 'nem heftigen Kampf aus.“
      „Pah! Und das wolltest du uns zeigen?“, herrschte Alastair Anya an.
      Die drehte sich mit grimmiger Miene zu ihm um.
      „Nein, Narbengesicht! Hier irgendwo liegt dein verdammtes, abgetragenes Elysion! Und solange das nicht in tausend Teile zerscheppert, wird die Tür zum Turm sich nicht öffnen.“ Sie machte eine scheuchende Handbewegung. „Also husch husch, mach das Drecksteil kaputt, damit ich nachhause kann!“
      „Wovon redest du da, Dämonenbrut!?“
      „Sie hat recht“, meinte Matt nachdenklich und fasste sich ans Kinn, „mein Dämon hat genau das gerade gesagt. Das Elysion, welches du vor dem Pakt besessen hattest, ist in der Nähe. Aber vollkommen intakt, obwohl du bereits ein Neues besitzt.“
      „Und warum sollte ich auf sie hören!?“
      „Weil sie es besser weiß als du!“, stellte sich Marc wieder beschützend vor Anya. „Sei kein Idiot!“
      Alastair verzog grimmig das Gesicht. „Und wer bist du, dich hier einzumischen? Immerhin hat dieses Mädchen dich-“

      Doch Anyas gezielter Faustschlag auf Alastairs breiten Kiefer ließ diesen verstummen, ehe er aussprechen konnte, was Marc niemals erfahren durfte. Sich die Wange haltend, starrte der schwarzhaarige Dämonenjäger im roten Mantel das Mädchen hasserfüllt an. Dabei spuckte er zur Seite, ehe er zischte: „Wie kannst du es wagen!?“
      „Hey, lasst den Mist!“, schritt nun Matt zwischen die Streithähne. An Anya gewandt, fragte er: „Was soll er tun, damit das Elysion zerbricht?“

      Er vertraut dir wirklich, trotz der Sache mit dem Jinn. Er ist wahrlich naiv.

      „Ich habe keine Ahnung“, brummte Anya und verfluchte Levrier innerlich, welcher ihr ohnehin schon schlechtes Gewissen mit aller Macht noch mehr reizen wollte, wie es schien.
      „Als ob ich der Dämonenbrut helfen werde!“
      „Das wirst du!“, schrie Marc nun aufgebracht. „Du hast den Albtraum angefangen, also wirst du alles tun, um ihn wieder zu beenden!“
      Alastair grinste finster und lachte abfällig auf. „Zwing mich doch!“
      Daraufhin griff Marc nach etwas hinter seinem Rücken und zog ein Deck hervor. „Wenn du darauf bestehst!“
      „Ein Duell?“, wunderte sich Anya beim Anblick der Karten.
      „Sicher.“ Marc hielt den Blick starr auf seinen potentiellen Gegner gerichtet. „Oder soll ich lieber die Fäuste sprechen lassen? Damit hätte ich zwar auch kein Problem, aber Gewalt war noch nie die Lösung.“
      Anya lachte auf. Was für eine Verschwendung. Ein Kerl wie er passte doch gar nicht zu Redfield. Die verstand nichts vom Stolz eines Sportlers, obwohl sie selbst im Eishockeyteam war. Marc wollte für sein Team gewinnen, völlig gleich, ob es nun Duel Monsters oder Hockey oder ein Kampf Mann gegen Mann war. In dem Fall war sie sein Team. Aber Anya wusste, dass sie die Schlacht um ihn längst verloren hatte.
      Sie zuckte genervt mit den Schultern. „Tu, was du nicht lassen kannst. Aber sei vorsichtig, der Typ ist nicht ohne.“
      Matt seinerseits fasste sich stöhnend an den Kopf. „Junge, wieso werde ich immer in die Streitigkeiten anderer reingezogen?“
      „Du hast einfach die falschen Freunde“, erwiderte Anya neckisch. Und erkannte, dass sie damit auch sich selbst meinte. Woraufhin sie etwas auf Abstand ging, als sich Marc und Alastair bereit zum Duell machten.
      Der jüngere Dämonenjäger gesellte sich neben sie.
      „Eher habe ich meine Freunde schlecht erzogen“, meinte er scherzhaft. „Aber bei dir ist sowieso Hopfen und Malz verloren.“
      „Was dachtest du denn?“ Anya sah dabei bewusst in den Himmel, der bereits in tiefem Rot stand. Ja, bei ihr war wirklich alles verloren … verdammt, langsam war es doch mal gut!

      Alastairs weißes D-Pad klappte inzwischen aus, als er und sein Gegner sich auf der Straße gegenüber standen. „Von so einem Grünschnabel wie dir lasse ich mich nicht herumkommandieren. Ich frage mich, was dein Dämon wohl hierzu sagen würde, wenn er noch hier wäre?“
      „Dass ich dir in den Arsch treten soll!“
      Marc aktivierte seine Duel Disk und schob sein Deck in den dafür vorgesehenen Schacht.
      Derweil betrachtete Alastair ihn missmutig. Es war unmöglich, dass dieser Bursche überhaupt vor ihm stand. Anya hatte ihn getötet, der Blutzoll der kämpfenden Dämonen hatte sein Leben eingefordert. Wie konnte er jetzt wieder leben? Anya Bauer wusste die Antwort, dessen war sich Alastair sicher. Hatte sie mit dem Sammler gehandelt, um ihn zu reanimieren? Törichtes Gör! Sie brachte nichts als Unglück mit sich. Mit einer Dämonenbrut wie ihr würde er niemals zusammenarbeiten!
      „Duell!“, riefen beide schließlich.

      [Marc: 4000LP / Alastair: 4000LP]


      „Ich übernehme den ersten Zug“, stellte Alastair klar und zog gleich sechs Karten auf einmal. Sein Gegner fuhr sich über den Spitzbart und nickte mit entschlossener Mimik. „Nur zu. Die Ersten werden die Letzten sein.“
      „Tch!“ Mit seinen albernen Pseudoweisheiten konnte er vielleicht eine Anya Bauer beeindrucken, nicht aber einen gestandenen Dämonenjäger wie ihn! „Sieh dich vor! Ich rufe [Vylon Cube]!“
      Unter einem lauten Surren tauchte ein würfelartiges, schwebendes Objekt vor Alastair auf. Zwei Arme schossen aus seinen Seiten, als er Marc mit einem Laserstrahl zu scannen begann.

      Vylon Cube [ATK/800 DEF/800 (3)]

      „Kein Grund zur Sorge“, gab dieser daraufhin von sich.
      „Dann sieh zweimal hin! Ich aktiviere die Magie [Celestial Transformation], um ein Feen-Monster von meiner Hand zu beschwören! Es verliert dabei die Hälfte seiner Offensivstärke und wird am Ende des Zuges vernichtet.“ Alastair lächelte jedoch finster, als er das Monster auf sein D-Pad legte. „Nicht, dass es etwas bedeuten würde, bei dem was ich vorhabe. Erscheine, [Vylon Hept]!“
      Noch eine dieser befremdlichen Kreaturen erschien neben dem Würfel. Diese hier ähnelte jedoch vielmehr einem mechanischen Engel mit seinen goldenen Schwingen und dem Körper aus Stahl, der sich besonders durch die massiven Arme und fehlenden Beine des Wesens hervor tat.

      Vylon Hept [ATK/1800 → 900 DEF/800 (4)]

      Alastair ballte eine Faust, die er in den Himmel streckte. „Mach dich bereit …“

      Dabei fragte Anya Matt unauffällig: „Seit wann benutzt ihr Duel Disks? Ihr habt doch diese komischen Hokuspokus-Karten dafür?“
      Der lachte aber nur amüsiert. „Glaubst du, die benutzen wir jedes Mal, wenn wir uns duellieren? Manchmal gibt es Situationen, in denen wir nicht gleich allen an den Kragen wollen. Dann nehmen wie diese D-Pads.“
      Matt holte aus der Innentasche seines Mantels einen schwarzen, schmalen Apparat, der eher einem Tablet-Computer mit Schnalle ähnelte, denn einer Duel Disk. „Die sind extrem teuer im Laden, aber auf dem Schwarzmarkt kann man sie sich recht günstig besorgen.“
      „Tch, ich brauche so'n Scheiß nicht. Ich bleib bei meiner Battle City-Duel Disk.“
      „Das verlodderte Ding?“
      Anya stampfte wütend auf. „Hey, das ist'n Erinnerungsstück meines Vaters! Mach dich drüber lustig und ich zeig dir, wie stabil das Ding ist! Und zwar, wenn ich dir damit die Rübe glattbügle!“
      Mit erhobenen Händen wich Matt von ihr. „Schon gut, tut mir leid. Da hab ich wohl glatt 'nen Nerv getroffen …“

      „Ich stimme meinen Empfänger [Vylon Cube] Level 3 auf [Vylon Hept] Level 4 ab!“, rief Alastair aus voller, tiefer Kehle. „Infinite potential lies within the heart of steel. Cover this infected world with your sacred wings! Synchro Summon! [Vylon Delta]!“
      Der Würfel stieg hoch in die Luft und zersprang in drei grüne Ringe, welche der mechanische Engel durchquerte. Ein greller Lichtblitz erhellte die gesamte Straße.
      Marc zeigte sich jedoch nicht gerade überwältigt von Alastairs Synchromonster. Hinter den gewaltigen, silbernen Stahlschwingen, die dieser neue Maschinenengel schützend um seinen Körper hielt, erblickte er gewaltige Fäuste. Der Leib des Wesens endete in einer rot glühenden Spitze, um die drei goldene Ringe schwebten. Elegant stieg es aus der Luft hinab und breitete sich in seiner massiven Größe vor Alastair aus.

      Vylon Delta [ATK/1700 DEF/2800 (7)]

      „Dadurch, dass [Vylon Cube] für die Synchrobeschwörung eines Licht-Monsters als Empfänger benutzt wurde, erhalte ich eine Ausrüstungsmagie von meinem Deck“, erklärte Alastair angespannt und zeigte [Vylon Material] vor. Diese tauschte er mit einer Falle von seinem Blatt aus, welche er im Anschluss auf sein D-Pad legte, um sie einscannen zu lassen. „Diese Karte verdeckt. Damit beende ich meinen Zug und erhalte durch [Vylon Deltas] Effekt noch eine Ausrüstungsmagie während meiner End Phase von meinem Deck.“
      Noch während sich seine Falle vor ihm materialisierte, zückte Alastair eine zweite Kopie von [Vylon Material] und fügte sie seinen drei anderen Karten hinzu.
      Marc nahm es gelassen und fragte herausfordernd: „Was ist? Ich habe noch nicht einen Zug hinter mir und du gehst schon in die Defensive?“
      „Rede nicht von Dingen, die du nicht verstehst, Fehlschlag.“

      „Fehlschlag!?“, wiederholte Anya erschrocken Alastairs Beleidigung. Sie wusste genau, warum er das tat – weil Marc daran gescheitert war, sie umzubringen. „Dieser Dreckskerl!“
      Doch der schwarzhaarige Footballspieler warf Anya nur einen selbstsicheren Blick zu. „Keine Sorge, so etwas verletzt mich nicht.“
      Wieder an seinen Gegner gerichtet rief er: „Mein Zug!“
      Schwungvoll riss Marc eine Karte von seinem Deck und grinste.
      „Prima, noch ein Monster! Dann wird das ja funktionieren!“ Er griff nach einer anderen Karte aus seinem Blatt. „Los, ich schicke [Laval Magma Cannoneer] in den Ring!“
      Vor ihm materialisierte sich ein Soldat aus blauem Gestein. Geschultert hatte er zwei große Kanonen, die mit jeweils einem Schlauch mit seinem Rückgrat verbunden waren.

      Laval Magma Cannoneer [ATK/1700 DEF/200 (4)]

      Kaum war sein Monster auf dem Feld, schob Marc schon zwei Karten in seinen Friedhofsschacht, darunter auch seine soeben gezogene. „Zweimal pro Zug nimmt [Laval Magma Cannoneer] meinen Gegner unter Beschuss, wenn ich ihm die passende Munition liefere. Laval-Monster! Das kostet dich pro Treffer 500 Lebenspunkte!“
      Je ein Abbild der Karten von [Laval Enchanter] und [Laval Lakeside Lady] tauchten vor Marcs Monster auf, verwandelten sich in rote Kugeln und verschwanden dann in den Kanonenrohren. Nur um dann in Form von mächtigen Lavastrahlen auf Alastair abgefeuert zu werden.
      Dieser hob zum Schutz seinen Arm, obwohl er von Marcs Angriffen nichts zu befürchten hatte. Zwei explosive Einschläge erschütterten sein Spielfeld.

      [Marc: 4000LP / Alastair: 4000LP → 3000LP]


      „Wow, er geht richtig zur Sache! Los Marc, weiter so!“, feuerte Anya ihn begeistert an.

      Wirst du rückfällig, was die Schwärmerei für ihn angeht, Anya Bauer?

      „Nein“, murmelte die leise, „dieses Mal ist es anders, als du denkst …“
      Gleichzeitig zückte Marc eine Fallenkarte von seiner Hand zeigte sie vor. „Die hier aktiviere ich jetzt, [Dustflame Blast]!“
      „Narr!“, erwiderte Alastair und schwang, als sich der Rauch lichtete, den Arm aus. „Fallenkarten müssen einen Zug vor ihrer Benutzung gesetzt werden!“
      „Und du denkst, das weiß ich nicht!? Dann schau dir doch mal den Effekt meines [Laval Enchanters] an.“
      Der Aufforderung mürrisch folgend, tippte Alastair auf seinem D-Pad das Icon des Friedhofs seines Gegners an, wählte besagtes Monster aus und weitete die Augen, als er dessen Effekt durchlas. „Unmöglich!“
      „Und wie das möglich ist! Da er durch eine Laval-Karte auf den Friedhof geschickt wurde, kann [Laval Enchanter] für diese Runde eine Falle von meiner Hand aktivieren.“
      Hinter Marc tauchte das Abbild einer wunderschönen Frau mit flammendem, blauem Haar auf, die ein enges, schwarzes Kostüm am Leib trug und ihre Hände in denselben blauen Flammen aufgehen ließ. Ihr Besitzer zeigte seine Falle vor: „[Dustflame Blast] verbannt alle Laval-Monster aus meinem Friedhof, um dieselbe Anzahl an Karten auf dem Spielfeld zu vernichten. Unnötig zu erwähnen, wer bei nur zwei Monstern der Hauptleidtragende ist!“
      Alastair stieß einen widerspenstigen Schrei aus, als zwei flammende Kugeln aus dem Himmel auf ihn herab schossen und eine gleißende Explosion auslösten. Derweil schob Marc die zuvor abgeworfenen Monster in seine Hosentasche. „Dumm gelaufen, was?“
      Als der Rauch sich lichtete, war Alastairs Feld vollkommen leer. Jener ballte wütend eine Faust, konnte jedoch seine Abscheu Marc gegenüber gar nicht zum Ausdruck bringen und fluchte deshalb nur laut.

      Er mag zwar nicht mehr mit Isfanel verbunden sein, aber seinem Duellstil hat das scheinbar nicht geschadet. Marc Butcher ist noch genauso gefährlich, wie damals in deinem Tag Duell gegen ihn und Valerie Redfield oder als wir gegen ihn gekämpft haben.

      „Yeah“, war alles, was Anya dazu zu sagen hatte.
      Marc schien aber noch nicht fertig mit seinem Zug zu sein. „Ich aktiviere jetzt von meiner Hand die Zauberkarte [Molten Conduction Field], um gleich zwei Laval-Monster von meinem Deck auf den Friedhof zu legen.“
      Er trennte sich von [Laval Miller] und [Laval Volcano Handmaiden]. Kaum hatte er dies getan, ertönte eine schrille Lache, und unter Funken kam vor ihm eine flammende Gestalt eines jungen Mädchens zum Vorschein.
      „Das ist [Laval Volcano Handmaidens] Effekt!“, erklärte Marc dazu voller Eifer. „Wird sie auf den Friedhof gelegt, sofern noch andere Laval-Monster wie der Miller dort liegen, schickt sie noch einen Artgenossen dorthin. Was eine Handmaiden sein wird, die ihrerseits noch eine Handmaiden abwirft, welche zum Schluss [Laval Forest Sprite] mit ins Unglück stürzt!“
      So schob Marc schließlich dank nur einer Karte gleich fünf Monster in den Friedhofsschlitz seiner Duel Disk. Seine letzte Handkarte zückend, rief er bestimmend: „Letztere wird jetzt vom Friedhof auferstehen! Ich aktiviere [Monster Reborn]!“
      Eine kleine Gestalt tauchte neben dem Kanonier auf. Arme und Beine des rothaarigen Mädchens, welches eine Kapuze trug, glühten rot auf.

      Laval Forest Sprite [ATK/300 DEF/200 (2)]

      Marc streckte nun den Arm weit aus.
      „Und jetzt stimme ich meinen Stufe 2-Empfänger [Laval Forest Sprite] auf meinen Stufe 4-[Laval Magma Cannoneer] ab!“ Zeitgleich flogen seine Monster in die Luft, wobei sich das Mädchen in zwei grüne Ringe aufspaltete. „A spark lights the otherworldly flame of destruction! An inferno of tragedy unfolds! Synchro Summon! Ignite, [Laval The Greater]!“
      Kaum hatte der Kanonier diese Ringe passiert, blendete ein heller Lichtblitz die Duellanten. Rote und blaue Flammen kreisten um Marc, zischten dann nach vorn und verschmolzen zu einer Flamme, aus der eine humanoide Gestalt entstand. Deren Körper bestand aus blauem Gestein, das von jeweils rotem und blauem Feuer von den Armen ausgehend umhüllt wurde.

      Laval The Greater [ATK/2400 DEF/800 (6)]

      „Wenn [Laval The Greater] als Synchrobeschwörung gerufen wird, müsste ich normalerweise eine Handkarte abwerfen.“ Marc lächelte zufrieden. „Nur habe ich schon alle verbraucht. Also überspringen wir das einfach und kommen zu [Laval Forest Sprite], die, wenn sie vom Feld auf dem Friedhof landet, allen offenen Laval-Monstern einen netten Angriffsschub verpasst. 200 für alle Artgenossen auf dem Friedhof, worin sie selbst ebenfalls mit inbegriffen ist. Was bei immerhin sechs Laval-Monstern ganze 1200 Punkte macht!“
      Die Flammen, die um Marcs Monster schlugen, explodierten förmlich und breiteten sich zischend über die ganze Straße aus.

      Laval The Greater [ATK/2400 → 3600 DEF/800 (6)]

      Anya stieß einen zufriedenen Schrei aus. „Das war's, Narbenfresse!“
      „Ganz richtig!“ Marc streckte den Arm aus. „[Laval The Greater], direkter Angriff! Otherworld Flame!“
      Der Dämonenjäger seinerseits weitete die Augen, als er zusah, wie das Monster eine Flamme zwischen seinen Händen bündelte, die aus blauem und rotem Feuer bestand. Feuer, wie damals, als er seine Familie durch Anothers Hand verloren hatte!
      [Laval The Greater] schoss die Flamme wie eine Kanonenkugel auf Alastair ab, welcher einen unmenschlichen Schrei ausstieß. Sein ganzes Feld wurde durch die Attacke in Brand gesetzt. Kurz bevor die Flamme ihn jedoch berührte, prallte sie an einem unsichtbaren Kraftfeld ab, erzeugt von drei kleinen Maschinen, wurde gespalten und versengte stattdessen die umliegenden Bäume des anliegenden Waldes und die Straße – natürlich nur im Maße einer Hologrammsimulation.
      „Was!?“, stieß Marc einen entsetzten Schrei aus. „Der Angriff ist verpufft!?“
      Schwer atmend stand ihm Alastair gegenüber, sein Gesicht gezeichnet durch die Erinnerungen seiner Kindheit und den damit verbundenen, unbändigen Hass. „Solche wie du werden mich niemals zu Fall bringen!“
      „[Delta Shield]“, sprach Matt weiter, um zu erklären, was geschehen war. „Ich habe es gesehen, Alastair hat sie kurz vor der Explosion, die sein Spielfeld vernichtet hat, angekettet. Das hat er schon bei mir getan und sich damit vor einem Angriff gerettet. Das siehst du auch daran, dass er eine Karte mehr auf der Hand hat, als noch vorhin. Einer der Effekte von [Delta Shield] besagt, dass er, wenn er ein Stufe 5 oder höher-Monster als Ziel für die Aktivierung auswählt, eine Karte ziehen kann.“
      Als Anya und Marc erschrocken nachzählten, stellten sie fest, dass Alastair tatsächlich nun fünf Karten besaß.
      „Zug beendet“, knurrte der Footballspieler, dem es leider an Handkarten mangelte, um sich auf Alastairs nächsten Zug vorzubereiten. Welchen es gar nicht hätte geben dürfen!

      „Einem wie dir werde ich mich niemals beugen, Dämonenfreund!“, schrie Alastair förmlich und riss seine Karte vom Deck. „Und ich werde nicht einmal die Macht des Heiligen Refiels brauchen, um dir eine Lektion zu erteilen!“
      „Heißt, er schummelt nicht“, rief Anya böswillig in Marcs Richtung.
      Doch dessen Aufmerksamkeit war ganz auf seinen Gegner gerichtet, der außer sich schien vor Wut. Dabei hatte er diesem doch gar nichts getan. Oder etwa doch?
      Alastair knallte ein Monster auf sein D-Pad. „Erscheine, [Vylon Pentachloro]! Und verdreifache dich dank der Magie [Machine Duplication]!“
      Vor ihm formte sich ein metallisches Wesen langsam zu einer Gestalt. Erst war da der fünfeckige Körper aus dunklem Stahl, dann die zwei Arme und letztlich ein goldener, radähnlicher Kopf. Aus ihm schossen zwei Abbilder seiner selbst und nahmen rechts und links neben ihm feste Form an.

      Vylon Pentachloro x3 [ATK/500 DEF/400 (4)]

      „Ich erschaffe das Overlay Network! Xyz-Summon“, schrie Alastair und streckte den Arm in die Höhe. Seine drei Monster verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen. Ein schwarzes Loch tat sich inmitten des Spielfelds auf und sog jene Strahlen ein. Dafür trat eine gar grausige Gestalt daraus hervor, um welche drei Lichtsphären tanzten.
      Es war, als wäre diese Kreatur aus den Tiefen der Finsternis selbst entsprungen. Dunkel und bösartig war die Grimasse des Wesens, dessen überdimensional großer Kopf auf zwei miteinander verbundenen, quadratischen Plattformen lag. Aus den langen Armen, die aus seinem Kopf ragten, schoss ein ganzes Bataillon an schwarzen Klingen.
      „Vernichte meine Feinde, [Vylon Disigma]“, brüllte Alastair aufgebracht.

      Vylon Disigma [ATK/2500 DEF/2100 {4}]

      „Wieso ist er plötzlich so wütend?“, fragte Anya irritiert.
      Unter diesen Umständen könnte es passieren, dass Alastair etwas sehr Dummes tat. Zum Beispiel sein Monster zu einer noch grauenvolleren Kreatur zu inkarnieren. Aber konnte er das mithilfe eines Engels überhaupt?
      Matt seufzte. „Ich denke, Marcs Angriff erinnert ihn an den Tag, an dem er seine Eltern verlor. Du musst wissen, ein Dämon namens Another hat sie, als Alastair noch ein Kind war, grausam in ihrem eigenen Haus verbrannt. Daher hat er auch all die Narben.“
      „Oh …“ Anya erinnerte sich, bemerkte dabei nicht den Blick voller Schuld des Dämonenjägers.
      Es war ihre erste Begegnung mit Alastair und dem Duell, das sie letztlich nur durch eine List gewann, indem sie genau jene Schwachstelle, den Namen Another, ausgenutzt hatte. Durch dieses Duell war die halbe Aula eingestürzt.
      Nachdenklich rief sie Marc schließlich zu: „Sei bloß vorsichtig! Das Narbengesicht dreht jetzt vollkommen am Rad!“
      Voller Eifer riss Alastair eine der Kopien von [Vylon Pentachloro] unterhalb seines Xyz-Monsters hervor. „Effekt von [Vylon Disigma]! Es absorbiert ein beliebiges offenes Monster meines Gegners und kann fortan nie wieder durch Kreaturen derselben Elementklasse besiegt werden!“
      Disigma öffnete sein schreckliches Maul und sog alle Flammen auf, die sich in der Umgebung ausgebreitet hatten. Auch [Laval The Greater] selbst konnte sich des starken Soges nicht erwehren und endete letztlich im Schlund der grauenhaften Kreatur, verschwand einfach. Als Folge verfärbte sich einer der Lichtsphären um Disigma rot.
      „Mein Monster“, stieß Marc erschrocken hervor. Das Blatt hatte sich unerwartet für ihn gewendet und nun war er es, der ohne Karten auf Spielfeld und Hand dastand.
      „Ich bin noch nicht fertig!“, rief Alastair weiterhin und hielt drei Zauberkarten mit demselben Bild in die Höhe. „Diese Karten werden Disigmas Offensivmacht um jeweils 600 erhöhen! [Vylon Material]!“
      Anyas Augen weiteten sich. „Gleich drei auf einmal!?“
      Um Disigma entflammte eine weiße Aura, die regelrecht blendete.

      Vylon Disigma [ATK/2500 → 4300 DEF/2100 {4}]

      „Das ist … genug, um mich …“, brach Marc brockenhaft hervor.
      Doch schon hatte er Alastairs Finger auf sich zeigend. Jener starrte ihn voller Missgunst an, schien sich jedoch wieder beruhigt zu haben. „Merke dir eines für die Zukunft, Freund der Dämonin. Ich werde mich euch niemals unterwerfen. Und nun erfahre die Kraft Gottes! [Vylon Disigma], Sacred Black Obliteration!“
      Seine Kreatur erschuf zwischen ihren Händen einen schwarzen Energiespeer, welchen sie ergriff und mit aller Kraft in Marcs Richtung schleuderte. Der konnte nicht einmal einen Schrei ausstoßen, da wurde er schon direkt in die Brust getroffen. Wodurch der Speer in einer schwarz-violetten Energiekuppel explodierte.

      [Marc: 4000LP → 0LP / Alastair: 3000LP]


      Disigma verschwand in schwarzen Partikeln, während sich die Kuppel allmählich aufzulösen begann.
      Entsetzt schrie Anya: „Marc!“
      Doch Matt legte ihr seine Hand auf die Schulter. „Ihm ist nichts passiert. Alastair würde keinen Unschuldigen töten. … denke ich zumindest.“
      Denn für einen Moment hatte es tatsächlich nach dem Gegenteil ausgesehen.
      Als die Auswirkungen der Explosion endgültig nachgelassen hatten, stand Marc immer noch und fasste sich an die Stelle, durch die der Speer in seinen Leib gedrungen war. Die Hand betrachtet, murmelte er unzufrieden. „Ich habe verloren …“
      Alastair schritt erhobenen Hauptes an ihm vorbei. „Was für eine Zeitverschwendung. Matt, wir gehen!“
      „Sorry, ich beeile mich jetzt besser, ehe ich den ganzen Abend seiner schlechten Laune ausgesetzt bin, weil er mich als neues Opfer auserkoren hat“, verabschiedete Matt sich eilig von Anya und rannte seinem Partner hinterher. „Bye!“
      Jene beobachtete still, wie die beiden in den VW-Bus stiegen und fortfuhren. Ihr tat Marc leid, wie er da mit vergrämter Miene auf der Straße stand und sich selbst bedauerte.

      Anya Bauer! Das Elysion, es ist zersplittert!

      Sofort schreckte sie auf. „Was!? Aber wie-!?“

      Es ist in dem Moment geschehen, als er sein Paktmonster beschworen hat! Das muss der Grund sein, warum all die anderen Elysions zerstört waren, nur seines nicht. Damals, als er diesen Jungen getötet hat, muss er diese Karte nicht in dem Duell verwendet haben.

      „Daran soll es gelegen haben!?“
      Anya konnte das nicht glauben. Alastair hatte diese Karte sicher schon öfters eingesetzt, sie selbst hatte ihr doch gegenüber gestanden!

      Eine andere Erklärung habe ich nicht hierfür. Aber es spielt keine Rolle, das letzte Elysion ist somit zerbrochen. Wir können jetzt tun, was der Sammler uns geraten hat und die Scherben deines Elysions mit der Energie der anderen aufladen!

      Anya nickte zögerlich. „Vielleicht. Noch wissen wir nicht, wie das letzte Elysion aussieht. Redfields ist ja offensichtlich wie es sein sollte, im Arsch. Aber wenn das letzte auch noch nicht zerbrochen ist, stehen wir vor einem fetten Problem.“

      Das finden wir nur heraus, wenn wir uns in die Kanalisation begeben.

      „Anya?“
      Das Mädchen schreckte auf, als Marc ihr mit deprimiertem Gesichtsausdruck entgegen kam. Er versuchte zu lächeln, aber als Sportler schien er sich mit dem Gedanken an eine Niederlage nicht so leicht anfreunden zu können.
      „Entschuldige, dass ich verloren habe. Es muss peinlich für dich gewesen sein. Ich dachte, ich tue dir einen Gefallen damit, aber-“
      Anya winkte ab und stöhnte augenrollend. „Ist doch egal. Ich bin froh, dass dieser Mistkerl endlich weg ist.“
      „Aber ist das okay?“
      Sie wich seinem Blick aus. „Klar. Mir fällt schon was ein. Levrier hat noch 'ne Idee, wie wir das Ding auch ohne Alastairs Hilfe kaputt kriegen.“
      Wieso log sie ihn deshalb überhaupt an, fragte sie sich nebenbei verwirrt.
      „Verstehe. Dann viel Glück. Und …“ Er zögerte, senkte den Blick. „Und wünsch mir Glück. Ich werde ab morgen nämlich wieder zur Schule gehen. Das wird ein echter Spießrutenlauf, nach dem Tag Turnier neulich.“
      „D-du packst das schon.“ Anya schlug ihm kumpelhaft und doch ungeschickt zugleich mit der Faust gegen die Schulter. „Du bist immerhin der Star-Quarterback. Die werden sich schon einkriegen. Immer schön auf depri machen und sich überall entschuldigen. Im Nu ist alles wieder vergessen.“
      „Ich hoffe es. Dann werde ich mal los, ehe Val sich Sorgen macht.“
      „Ja, also dann. Bye …“
      „Bye.“
      Sie sahen sich noch kurz in die Augen, ehe Marc auf dem Absatz Kehrt machte und davon rannte.

      Anya sah ihm mit betrübter Miene hinterher. Die Tatsache bedauernd, dass er niemals mehr für sie empfinden würde als jetzt in diesem Augenblick. Im Gegenteil. Wenn er erkannte, dass sie ihn und alle anderen betrogen hatte, würde er sie hassen. Er und alle anderen auch. Aber nur für einen kurzen Moment. Der vielleicht mehr wiegen würde als ihr ganzes Leben.

      ~-~-~


      Kaum war Nick in seinem äußerst unordentlichen Zimmer angekommen, schritt er herüber zu einem Haufen alter Wäsche und holte unter dem Berg ein schwarzes Schnurlostelefon hervor.
      „Das Genie behält selbst im Chaos den Überblick“, murmelte er abgelenkt, wählte eine Nummer und legte den Apparat ans Ohr.
      Kurz darauf hob eine Dame mit schriller Stimme ab. „Ja bitte?“
      „Nina, ich bin es.“
      „D-d-du!?“
      Nicks Augen verengten sich zu Schlitzen. „Haben Sie die Adresse, die ich von Ihnen wollte?“
      „Ich habe doch gesagt, dass das nicht so einfach ist! Der Autor konnte mir keine Adresse geben!“
      „Und wie haben Sie das Problem gelöst?“, fragte Nick scharf.
      „Also, was das angeht …“ Die Frau lachte heiser, schien sie doch regelrecht in Panik zu geraten und plapperte plötzlich wie wild drauf los. „Ich habe ihn gebeten, ein Treffen für morgen zu arrangieren! Um halb Eins in einem kleinen Café im Einkaufszentrum!“
      „Ich glaube ich weiß, welches Sie meinen“, murmelte Nick und betonte seine nächsten Worte mit aller Schärfe, „danke, Nina.“
      „N-nicht doch! Ich habe doch versprochen, mich ein wenig umzuhören.“
      „Aber erst, als ich Sie freundlich daran erinnert habe“, stellte Nick klar. „Dennoch haben Sie mir womöglich geholfen, eine Katastrophe zu verhindern.“
      Sofort wurde die Frau am Ende der Leitung hellhörig, von Angst keine Spur mehr. „Wie meinen?“
      „Nichts.“ Nina musste nicht wissen, was Anya im Begriff war zu tun. „Und er wird definitiv kommen? Der Verstoßene 'Edens'?“
      „So sicher wie das Amen in der Kirche. Aber du solltest ein bisschen Geld mitbringen, das musste ich leider versprechen.“
      „Wie viel?“
      „30.000$“, nuschelte sie so leise und kleinlaut in den Hörer, als fürchte sie eine große Explosion als Antwort. Die blieb allerdings aus.
      „Sollte kein Problem sein. Ich hoffe, er kann uns weiterhelfen. Auch in Ihrem Interesse, Nina.“
      Damit legte Nick auf und warf den Hörer auf den Wäschehaufen. So viel Geld würde einiges an Arbeit in Anspruch nehmen. Was eine schlaflose Nacht für ihn bedeutete.


      Turn 26 – The Children Of Eden
      Nina Placatelli, welche nach der Sache mit Abby Nick noch einen Gefallen schuldete, hat für ihn am nächsten Tag ein Treffen arrangiert. Und zwar mit einem geheimnisvollen Mann namens Drazen, der laut dem Buch 'Thirty Legends – The Whole Truth' jener Verbannte aus der Stadt der Allerheiligsten, Eden, ist. Da Nick es jedoch nicht geschafft hat, die von Drazen für das Treffen angeforderten 30.000$ so kurzfristig als Bargeld zu beschaffen, besteht Drazen auf einen Deal. Wenn Nick gewinnt, erfährt er mehr über jene Stadt, die denselben Namen wie Anyas mysteriöses „Eden“ trägt. Verliert er, muss er ganze 100.000$ für Drazen besorgen. Was diesen Umstand noch erschwert ist die Tatsache, dass Nick nicht alleine gegen Drazen antreten kann, da …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Alastair

      Vylon Cube
      Vylon Hept
      Vylon Pentachloro x3

      Vylon Material x3
      Machine Duplication
      Celestial Transformation

      Delta Shield
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, indem du eines deiner offenen Monster wählst. Folgende/r Effekt/e gelten entsprechend der Stufe des gewählten Monsters: O 1+: Einmal während diesem Zug erhältst du keinen Kampfschaden. O 5+: Das gewählte Monster kann bis zur End Phase nicht als Ziel eines Angriffs gewählt werden; ziehe eine Karte. O 8+: Bis zur End Phase bleibt das gewählte Monster von allen gegnerischen Karteneffekten unberührt.

      Vylon Delta
      Vylon Disigma

      Marc

      Laval Magma Cannoneer
      Laval Lakeside Lady
      Laval Volcano Handmaiden x3
      Laval Forest Sprite
      Laval Miller

      Laval Enchanter
      Pyro/Feuer/Empfänger
      ATK/1100 DEF/900 (3)
      Wenn diese Karte durch eine Laval-Karte auf den Friedhof geschickt wird: nur einmal während diesem Zug kannst du eine Fallenkarte von deiner Hand aktivieren.

      Molten Conduction Field
      Monster Reborn

      Dustflame Blast

      Laval The Greater
      Hmm? Keine Kommentare dieses Mal? Schade. :(
      Naja, trotzdem viel Spaß mit der nächsten Folge.

      Turn 26 – The Children Of Eden
      „Nick!“, drang eine schrille, sich überschlagende Stimme an das Ohr des jungen Mannes.
      Doch ehe der überhaupt die Augen öffnen konnte, wurde er am Schopf gepackt und sein Kopf hoch gerissen.
      „Ich dachte, du wärst längst in der Schule!“, donnerte seine Mutter. „Nicht, dass es einen Unterschied macht, ob du anwesend bist, oder nicht …“
      „Hi, Mum“, grinste Nick und winkte ihr vors Gesicht.
      Die Frau im besten Alter, welches das komplette Gegenteil von Nick war – klein, mürrisch und ordentlich, was man besonders an den braunen, kurzen Haaren erkennen konnte, die im Vergleich zu Nicks wilder Mähne anständig frisiert waren – ließ den Kopf des jungen Mannes wieder auf seinen Schreibtisch fallen, sodass Nicks Schädel mit voller Wucht auf die Tastatur seines Laptops knallte.
      „Mach dich fertig!“, befahl sie in einem Tonfall, der verdächtig an eine gewisse Blondine erinnerte.
      „Ja, Mum …“, murmelte Nick, wobei seine Stimme von der Tastatur gedämpft wurde. „Mum? Wie spät ist es eigentlich?“
      „Kurz nach zwölf. Deswegen beeil' dich gefälligst! Und mach dich gefälligst an Anya heran, damit ihr heiraten und nach Asien oder sonstwohin auswandern könnt!“
      Das Knallen einer Tür verriet, dass der Weckdienst seiner Mutter hiermit beendet war.
      Nicks Augen fielen wieder zu. Noch bis ein Uhr konnte er schlafen, dann-
      „Ein Uhr!?“, stieß er erschrocken hervor und schreckte auf. Die Zeitanzeige seines Laptops verriet ihm, dass es bereits 12:14 war. Er hatte noch eine dreiviertel Stunde, um im Einkaufszentrum zu sein.
      „Das Geld!“
      Er war gestern Nacht mitten in der Arbeit eingeschlafen!
      Sofort rief Nick von der Internetseite seiner Bank seinen Kontostand auf. Doch nicht alles der 30.000$, die er zuvor durch gewisse Transaktionen errungen hatte, waren schon auf sein Konto überwiesen worden. Aber das war die Summe, die die Person, welche er unbedingt treffen wollte, laut Nina verlangt hatte!
      „Dann muss er sich mit einer Anzahlung zufriedengeben“, murmelte Nick ärgerlich, klappte seinen Rechner zu und erhob sich. Wenn er sich beeilte, konnte er noch schnell etwas Geld abheben, ehe er im Café „Bikini Fruit“ hoffentlich den Mann traf, der Anyas grausamen Plänen Einhalt gebieten konnte.

      ~-~-~


      So schnell er konnte, rannte Nick völlig zerzaust durch das riesige Einkaufszentrum. Praktisch alles hier bestand aus glänzenden Flächen. Der Boden im edlen, wenn auch gewöhnungsbedürftigen Metalllook, das Dach und die verschiedensten Geschäfte teilweise sogar komplett aus Glasplatten.
      Ziemlich viele Leute waren heute, am 5. November, unterwegs und nicht wenige wurden von Nick angerempelt. Sie saßen auf den Bänken, die sich in der Mitte der Einkaufsstraße befanden, betrachteten Kleider, Schmuck und andere Waren, die vor den Geschäften ausgestellt waren oder aßen im Schlendergang ein Eis. Das Sonnenlicht erhellte das blaue Kolosseum, wie das Einkaufszentrum auch genannt wurde, mit warmen Strahlen, wenn es nicht gerade von grauen Wolken behindert wurde.

      Es erschien Nick wie eine Ewigkeit, bis er einen der riesigen Seiteneingänge erreicht hatte. Gleich nebenan befand sich, ebenfalls durch eine Glaswand getrennt, ein kleines Café. In Neonlettern stand über dem Eingang „Bikini Fruit“ und schon von außen sah Nick, dass fast alle Tische besetzt waren.
      Außer Atem stürmte er in das Café und schritt an der riesigen Bar vorbei, hektisch nach einem einzelnen Mann suchend, der wahrscheinlich schon auf ihn wartete. Doch bevor er überhaupt einmal den Blick durch das Café hatte kreisen lassen, wurde er am Arm gezogen, mitgeschleift und auf einen Stuhl in der hintersten Ecke des Cafés gezwängt.
      „Hey, was-! Nina!?“
      Eine rothaarige, blasse Frau setzte sich ihm gegenüber und legte ihre überdimensionale Krokodilslederhandtasche auf den runden Glastisch, der sie beide trennte. Ihre Frisur war ein einziges Chaos aus Haarspangen. Die dicke Hornbrille auf Nina Placatellis Nase tat ihr Übriges, um aus der grünäugigen Frau einen Geier zu machen, der nur auf die nächste große Story wartete.
      „Hallöchen, Nick. Lange nicht gesehen“, zwinkerte sie ihm verführerisch zu.
      „Was wollen Sie hier?“, verlangte Nick mit unterdrückter Wut zu wissen. „Ich dachte, ich treffe mich mit -ihm-.“
      Nebenbei setzte er den Rucksack von seinen Schultern ab.
      „Tust du doch auch“, meinte sie schulterzuckend, „mit mir zusammen.“
      „Warum-!?“
      Sie kicherte spitz. „Ach tu doch nicht so, du Dummchen. Denkst du, ich lasse mir eine so interessante Story entgehen?“
      Theatralisch seufzend fügte sie hinzu: „Der verlorene Sohn der heiligen Stadt Edens gibt sein erstes Interview, wie romantisch. Wenn ich das abdrucken lasse, werden mir die Leser zu Füßen liegen. Außerdem wird dann keiner mehr glauben, dass 'Thirty Legends – The Whole Truth' von meinem lieben Cousin nur erfundener Quatsch ist!“

      Wenn er nicht so verzweifelt wäre, so dachte Nick wütend, würde er persönlich dafür sorgen, dass dieser liebe Cousin von seinem Verlag auf die Straße gesetzt wurde. Aber es war wirklich interessant herauszufinden, dass dieses Buch tatsächlich von einem Verwandten Ninas geschrieben worden war. Was vermutlich auch erklärte, warum sie so besessen von allem Übernatürlichen schien – es lag in der Familie.
      Normalerweise glaubte Nick ja nicht an Zufälle, aber das hier konnte anders gar nicht bezeichnet werden. Das absurde Buch, das Abby sich damals in der Bibliothek ausgeliehen hatte, stand mit Nina Placatelli, der örtlichen Quatschkolumnistin, in Verbindung.
      All dies hatte Nick erfahren, als er Nina eines für sie unschönen Tages anrief, um nachzufragen, was für Informationen sie denn inzwischen für Anya und Abby bereit hielt, nachdem Letztere ihr eine Lektion erteilt hatte. Die Antwort fiel jedoch ernüchternd aus: nichts. Darum hatte Nick damit gedroht, ihr Abby auf den Hals zu hetzen, wenn sie nicht bald etwas Vorzeigbares zu ihm brachte. Woraufhin Nina von ihrem Cousin und dem Buch 'Thirty Legends – The Whole Truth' zu erzählen begann, welches er selbst teilweise gelesen hatte, bevor er es frustriert zurück in die Bibliothek brachte.
      Es war ironisch, denn eigentlich hatte Nick Nina nur als Mittel zum Zweck benutzt, um Abbys Angst vor Duellen zu bekämpfen. Dass sie nun tatsächlich noch einen Nutzen besaß, der darüber hinaus ging, konnte schon glatt als Wunder bezeichnet werden.
      Und was Wunder anging: wenn dieser ominöse Fremde, den Nina nur unter größten Mühen hierher eingeladen hatte, eine Niete war – und die Chancen standen gut, dass dem so war – würde sie ihr ganz persönliches, blaues Wunder erleben. Denn die Transaktionen, die Nick durchgeführt hatte, um an die 30.000$ zu gelangen, wurden unter anderem von ihrem Konto getätigt. Aber ihr Geld hatte er absichtlich nicht mit abgehoben, um die Sache gegebenenfalls rückgängig zu machen, wenn er bekam, was er wollte. Doch im Moment war sie, ohne etwas zu ahnen, pleite.

      „Würden Sie bitte gehen?“, fragte Nick unhöflich.
      „Nein, nichts da!“ Sie schüttete demonstrativ den Kopf. „Hast du auch an das Geld gedacht? Mein Cousin sagt, dieser Typ ist nicht sonderlich sesshaft und hat auch keine Arbeit. Er reist durch die Lande, deswegen war es auch so schwer, ihn zu kontaktieren.“
      „Um das Geld brauchen Sie sich keine Sorgen machen“, erwiderte Nick kühl, „eher mache ich mir Sorgen um Sie.“
      Sofort weitete die rothaarige Frau im besten Alter ihre giftgrünen Augen. „W-wie meinen!?“
      „Wenn ich erfahre, dass das nur ein Trick ist, um sich durch mich zu bereichern …“ Nick sprach absichtlich nicht weiter, damit Ninas gut ausgeprägte Fantasie den Rest übernehmen konnte.
      Die hob panisch die Hände. „Nicht doch! So etwas Niederes würde ich nie tun!“
      Nick schloss die Augen. „Ich hoffe es. Für Sie, Nina.“
      „S-sicher.“ Nebenbei sah sie auf die Uhr an ihrem Arm. „Der ist aber ganz schön spät …“
      „Wieso? Ich bin doch hier?“

      Beide schreckten auf, hatten sie den Mann nicht bemerkt, der direkt neben ihnen an einem der Stühle saß und ein freundliches Lächeln aufsetzte.
      Nick betrachtete ihn fassungslos. Das war unmöglich, von seiner Position aus hätte er jeden sofort bemerkt, der sich ihrem Tisch genähert, geschweige denn Platz genommen hätte. Aber dieser Kerl, er war einfach aus dem Nichts aufgetaucht!
      „Huuuuh!“, atmete Nina tief durch und fächerte sich mit der flachen Hand Luft zu. „Das nenne ich einen gelungenen Auftritt.“
      „Ich hoffe, ich habe die Dame nicht erschreckt“, meinte der Fremde amüsiert.
      Nina zwinkerte ihm becircend zu. „Ach Unsinn, mein Lieber, ich habe schon ganz andere Sachen erlebt. Als Reporterin kennt man keine Gefahr.“

      Derweil musterte Nick den Mann skeptisch. Er war schon ziemlich alt, bestimmt über 60 Jahre, was man schon an dem weißen Haar erkannte, welches zu einem losen Pferdeschwanz gebunden auf seinem Rücken lag. Dazu trug er eine Brille mit kreisrunden Gläsern, aus deren Mitte seine grauen Augen regelrecht strahlten. Markant machte ihn aber der braune Poncho mit schwarzen Streifen, den er über seinem Leib trug.

      „Was ist? Störe ich?“, richtete der Mann sein Wort an Nick.
      „Nein“, erwiderte der zögerlich. „Ich bin nur etwas überrascht. Wir haben Sie nicht bemerkt.“
      Der Alte winkte lachend ab. „Das sagen sie alle. Ich bin mal hier, mal da, aber nirgendwo auf Dauer. Nennt mich Drazen.“
      „Drazen also“, murmelte Nick und sah aus den Augenwinkeln zu Nina herüber, die bereits Stift und Notizblock gezückt hatte, um sich alles aufzuschreiben.
      Ihr Gast lehnte sich zurück und breitete die Arme aus. „Warum wolltet ihr mich sehen? Ich war sehr überrascht, als der neugierige, junge Autor von damals mich kontaktiert hat.“
      Bevor jedoch einer von ihnen beiden antworten konnte, kam eine rothaarige Kellnerin in weiß-schwarzem Kostüm an. „Möchten Sie etwas bestellen?“
      „Einen Kirschsaft“, bat Drazen.
      „Ich will ein Stück Ihrer-“
      Doch Nick unterbrach Nina harsch: „Für uns beide bitte nichts.“
      „W-wie Sie wünschen“, stammelte die Kellnerin erstaunt von Nicks endgültigem Tonfall und zog unzufrieden von dannen. Woraufhin Nina giftige Blicke um sich warf. Die Nick mit seinen eigenen auffing und mit doppelter Wucht zurückwarf.
      „Ihr seid ja ein lustiges Gespann“, lachte Drazen bärbeißig. „Seid ihr ein Paar? Ist ja ein ganz schöner Altersunterschied zwischen euch beiden.“
      „Als ob!“, empörte sich Nina. „Ich stehe auf richtige Männer! Will sagen: reiche Männer, die eine Frau so behandeln, wie sie es verdient hat!“
      Nick entgegnete daraufhin gallig an Drazen gewandt: „Sie sollte froh sein, dass sie -nicht- bekommt, was sie verdient hat.“
      „Oh?“ Drazen lachte daraufhin so laut, dass einige Gäste sich empört zu ihm umdrehten.
      Geschäftsmännisch legte Nick seine Hände aufeinander und schloss nachdenklich die Augen. „Was mein Anliegen angeht, würde ich das gerne unter vier Augen klären. Nina, Sie können jetzt gehen.“
      „Nichts da, ich bleibe!“
      „Bitte, Nina.“ Doch es klang eher nach einer Drohung.
      „Vergiss es, Burschi! Sei nicht so übermütig! … tch, als Idiot hast du mir bedeutend besser gefallen!“ Die Frau kritzelte sofort etwas auf ihren Notizblock und murmelte leise: „Nötigte mich zum Bleiben, hat mit Gewalt gedroht.“
      Jedoch wurden sie wieder von der Kellnerin gestört, die Drazen auf einem Tablett seinen Kirschsaft reichte, welchen er dankend entgegen nahm.

      Nachdem er einen Schluck genommen und das Glas abgesetzt hatte, richtete er sich mit einem erwartungsvollen Lächeln an Nick. „Und? Hast du das Geld?“
      Daraufhin zog dieser aus seinem Rucksack einen weißen Umschlag hervor, der schon von außen den Eindruck machte, gut gefüllt zu sein. „Das hier sind 15.000$. Die kriegen Sie als Anzahlung.“
      „Wir hatten aber das Doppelte ausgemacht.“ Drazen zwinkerte. „Als Anzahlung.“
      „Sie bekommen gar nichts, wenn Sie mir nicht vorher beweisen, dass Sie mehr über 'Eden' wissen.“
      „Welches Eden denn? Meine geliebte Heimat oder das Eden, das bald hier aufkreuzen wird?“
      Nick lachte wenig überzeugt auf und blieb hart. „Soll das Ihr Beweis sein? Das können Sie genauso gut von ihr erfahren haben.“
      Mit dem Daumen zeigte er auf Nina, welcher er damals versehentlich etwas zu viel verraten hatte.
      „Wie viele Opfer hat deine Freundin denn schon beisammen? Alle fünf?“

      Es kam so plötzlich, dass Nick beinahe der Umschlag aus der Hand fiel. Das konnte Drazen nicht ohne Weiteres wissen! Nina wusste von den Opfern, die für Edens Erwachen benötigt wurden, überhaupt nichts! Und auch sonst niemand außer denen, die gestern in Valeries Küche anwesend gewesen waren.
      „Volltreffer“, lachte Drazen und schnappte sich einfach den Umschlag aus Nicks Hand. Er blätterte durch die Scheine, die sich darin befanden und seufzte. „Aber das ist zu wenig. Ein alter Mann wie ich wird mit ein paar Almosen nicht lange über die Runden kommen.“
      Mit einer beiläufigen Geste warf er den Umschlag zurück auf den Tisch. „Komm wieder, wenn du mehr dabei hast.“
      „Opfer? Was für Opfer? Ein grausames Ritual, um den bösen König der Unterwelt wiederzuerwecken?“, mischte sich Nina ein und kritzelte eifrig auf ihrem Notizblock herum.
      „Mehr Geld konnte ich in so einem kurzen Zeitraum nicht beschaffen“, sagte Nick unbeeindruckt von Drazens Geste und verstaute den Umschlag wieder in seinem Rucksack. „Außerdem reicht mir das noch nicht als Beweis für Ihre Glaubwürdigkeit.“
      „So misstrauisch, hmm?“ Der Weißhaarige lachte amüsiert. „Gefällt mir! Aber ich weiß leider nicht, was ich dir sagen kann, um dein Vertrauen zu gewinnen.“
      Nick nahm ihn fest ins Visier. „Wie wäre es zur Abwechslung mit etwas, was ich noch nicht weiß? Deswegen sind wir doch hier.“
      Grinsend nahm Drazen noch einen Schluck Kirschsaft. „Ahhh! Etwas Neues also? Hmm … wie wäre es damit. Dein Eden und mein Eden … zwischen ihnen besteht eine Verbindung.“
      „Welche soll das sein?“
      Drazen schmunzelte amüsiert. „Du bist noch nicht darauf gekommen? Schande über dich, Junge. Meine geliebte Stadt wurde nach deinem Eden benannt.“
      Überrascht starrte Nick den fremden Mann an, wie er ganz seelenruhig am Tisch saß und ihn abwartend ansah. „Dann sind die beiden Eden … nicht ein und dasselbe!?“
      „Natürlich nicht. Aber wenn du mehr hören möchtest, lass es klingeln. Ansonsten bin ich weg. Und mich rechtzeitig ausfindig zu machen, bevor deine Freundin in den Turm geht, wird ziemlich schwierig.“ Drazen grinste vergnügt. „Wenn ich nicht gefunden werden will, dann findet mich auch keiner.“
      „So viel Geld zu beschaffen dauert aber eine Weile!“
      Sein Gegenüber zuckte mit den Schultern. „Lass dir etwas einfallen. Du bist doch kein dummes Kerlchen.“

      Nick überlegte fieberhaft.
      Seine Zweifel waren zwar noch nicht ganz ausgeräumt, aber zumindest waren Drazens Worte rund um die beiden 'Eden' ein Anfang. Er war fest davon ausgegangen, dass, wenn dieser Mann wirklich kein Schwindler war, die geheimnisvolle Stadt der Allerheiligsten das Eden war, das Anya so fest im Griff hielt.
      Aber was bedeutete das? Dass sie am Ende nur den Namen von Anyas Eden trug? Hatte das etwas mit den Gründern zu tun? Jenen, die als Einzige die Prozesse rund um Eden in Gang setzen konnten?
      Er musste es wissen. Noch heute!

      „Wir duellieren uns“, verlangte Nick plötzlich, „und Sie werden mir alles sagen, was ich wissen will.“
      Drazen sah ihn aus den Augenwinkeln interessiert an. „Und was bekomme ich, wenn ich gewinne?“
      „100.000$ in bar.“
      Sein Gegenüber lachte amüsiert. „Ich dachte, so viel Geld wäre unmöglich in einem Tag aufzutreiben.“
      Selbst Nina schüttelte erstaunt den Kopf. „Er hat recht. Du bist vielleicht nicht der Idiot, für den du dich ausgibst, aber überschätzt du dich da nicht ein kleines bisschen?“
      Nick aber ließ sich nicht davon beeinflussen. „Ich schaffe das schon. Ihr könnt gerne zusehen, wenn ihr wollt.“
      „In dir steckt eine Menge krimineller Energie. Ich mag das“, lachte Drazen wieder so laut, dass die anderen Gäste sich genervt zu ihm umdrehten. „Und mir gefällt dein Angebot.“
      Unter seinem Poncho hob er einen Arm hervor, an dem eine Duel Disk angebracht war. Dazu reichte er Nick seine andere Hand. „Dann ist es ein Deal.“
      Der brünette, hochgewachsene Mann schüttelte sie. „Ja. Aber nicht im Einkaufszentrum. Irgendwo, wo uns niemand beobachtet.“
      „Das ist wirklich sehr interessant“, murmelte Nina und notierte sich jedes Detail mit Zunge an der Oberlippe. „Bestechungsgelder, Betrug, Verrat. Ich sollte darüber nachdenken, daraus einen Roman zu machen …“

      ~-~-~


      Kurz darauf fanden sich die Drei in einer Seitengasse wieder. Es stank hier fürchterlich, was an den vollkommen überfüllten Mülltonnen lag, die überall herumstanden.
      Nick hatte diesen Ort bewusst gewählt. Hier würde niemand sie beobachten … und hoffentlich auch niemand Drazens Schmerzensschreie hören. Mit einem Blick auf seine Duel Disk schmunzelte der brünette, junge Mann. Er hatte die Sicherheitssperre für die Hologrammdronen noch nicht wieder eingeschaltet, sodass seine Monster nach wie vor echte Verletzungen zufügen würden. Und das war auch sein wahrer Plan. Wenn Drazen erst realisierte, worauf er sich eingelassen hatte, würde er freiwillig reden. Ansonsten musste er damit rechnen, dieses Duell nicht zu überleben.
      Natürlich würde Nick es niemals so weit kommen lassen, er würde Drazen rechtzeitig anbieten, das Duell zu unterbrechen, wenn jener kooperierte. Aber zumindest eine Kostprobe seiner Fähigkeiten sollte der alte Mann erhalten.

      Nina stellte sich kämpferisch mit einer Duel Disk am Arm neben Nick. „Ich bin berei-heit!“
      „Was!?“
      Sie rückte ihre Brille zurecht und legte ihre riesige Krokodilsledertasche ab, aus der sie den Apparat anscheinend geholt hatte. „Aber sicher, du Dummchen! Denkst du, ich lasse mir so etwas entgehen?“
      „Ich duelliere mich lieber alleine. Also verschwinden Sie, Nina. Oder treten Sie zumindest beiseite.“
      Drazen, der ihnen gegenüber stand, mischte sich lachend ein. „Man sollte einer Dame nie einen Wunsch abschlagen. Außerdem sehne ich mich schon lange nach einer Herausforderung. Da kommt mir das nur recht. Und du hast den Vorteil, nicht alleine kämpfen zu müssen.“
      Nick schüttelte wortlos den Kopf. Der Typ hatte keine Ahnung, wie qualitativ mangelhaft Ninas Duellstil war. Die war eher eine Behinderung, denn eine Bereicherung für ihn.
      Allerdings ließ sich die rothaarige Journalistin nicht erweichen. „Da hörst du es! Der Mann hat gesprochen. Also lass uns ab-he-ben, Partner!“
      Sie schlug ihm so hart auf den Rücken, dass Nick glatt vorne über stolperte.
      „Das kann noch heiter werden“, murmelte er genervt und aktivierte seine Duel Disk.
      Synchron hallten drei Stimmen durch die Gasse: „Duell!“

      [Nick: 4000LP Nina: 4000LP //// Drazen: 4000LP]


      „Als Solospieler beginne ich“, stellte Drazen voller Vorfreude klar und zog sein Startblatt plus eine Karte, was zusammen sechs Stück machte.
      Nebeneinander warteten Nick und Nina gespannt auf seinen ersten Zug.
      Der mit einer Zauberkarte begann. „[Foolish Burial]. Mit ihr schicke ich ein beliebiges Monster vom Deck auf den Friedhof.“
      Zwischen seinen Fingern hielt der Weißhaarige dabei eine Karte namens [Scrap Chimera], ehe er sie in den Friedhofsschlitz schob. Dann wählte er ein Monster von seiner Hand und legte es auf die Duel Disk. „[Scrap Goblin], komm hervor!“
      Lauter verschiedene Schrottteile flogen durch die Luft und formten eine kleine Gestalt, die aufrecht stand und entfernt an einen Maulwurf erinnerte. Mit einem Arm, der lediglich aus einer alten Gabel bestand, machte der Goblin keinen gefährlichen Eindruck.

      Scrap Goblin [ATK/0 DEF/500 (3)]

      Hysterisch gackernd zeigte Nina mit dem Finger auf das harmlos anmutende Monster. „Wer ist so dumm und ruft ein derart schwaches Monster im Angriffsmodus!? Kyahahaha!“
      „Ich werde mich hüten, einer Dame zu widersprechen“, sagte Drazen mit einem verschmitzten Lächeln und schob eine Karte in den mittleren der Zauber- und Fallenkartenslots. „Mit dieser Karte als Abschluss überlasse ich meinen Gegnern das Feld.“
      Vor seinen Füßen materialisierte sich die gesetzte Karte.

      „Wurde auch Zeit“, rief Nina laut, „mein Zu- Hey!“
      Nick hatte noch vor ihr gezogen und damit die Zug-Reihenfolge festgelegt. Die Journalistin ballte wütend eine Faust. „Das ist unhöflich! Es heißt Ladies first!“
      „Interessiert mich nicht“, erwiderte Nick gleichgültig und betrachtete sein Blatt, das fast nur aus Monstern bestand. Was nicht sonderlich gut für ihn war. Dennoch griff er entschlossen nach einem von ihnen und rief: „Los, [Wind-Up Knight]!“
      Sofort tauchte vor ihm ein knapp ein Meter großer, weißer Spielzeugritter auf, mit Schild und Schwert bewaffnet. Wie bei all seinen Artgenossen ragte auch aus seinem Rücken ein Aufziehschlüssel.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Zug beendet“, sprach Nick und sah zu Nina herüber. „Geben Sie sich Mühe!“
      „Ja doch!“, fauchte die zurück und riss ihrerseits eine Karte von ihrem Blatt. „Du wirst dich noch umgucken, Burschi, wenn Nina Placatelli als strahlende Siegerin aus diesem Duell hervor geht!“
      Drazen lachte bärbeißig. „Selbstbewusst ist sie ja.“
      Nick war eher dazu geneigt, es Selbstüberschätzung nennen.

      „Okay“, rief Nina kampfbereit. „Starten wir durch mit [XX-Saber Boggart Knight]!“
      Mit wehendem, rotem Umhang stellte sich eine schlanke, menschenähnliche Kreatur vor seine Besitzerin. Die überdimensional langen Fingernägel schnippen lassend, kicherte die Gestalt und zückte einen Säbel, dessen Klinge aus blauer Energie bestand.

      XX-Saber Boggart Knight [ATK/1900 DEF/1000 (4)]

      Nina schnappte sich eine weitere Karte von ihrem Blatt. „Wenn er gerufen wird, beordert er ein weiteres X-Saber-Monster von meiner Hand aufs Spielfeld! Der Name: [X-Saber Pashuul]!“
      Noch einmal schnippte der Koboldritter mit dem Finger, da ging schon neben ihm eine in blauer Panzerung gehüllte Person in die Hocke. Das schwarze Haar lag dem Mann, dessen rechtes Auge durch ein mechanisches Implantat ersetzt worden war, über dem Rücken. Mit einer großen Breitklinge gedachte er sich vor Angreifern zu schützen.

      X-Saber Pashuul [ATK/100 DEF/0 (2)]

      „Selbst der ist stärker als dieser Schrotthaufen“, tönte Nina selbstherrlich und streckte den Arm aus. „Aber ich habe ihn nicht gerufen, um zu kämpfen, sondern damit er sich auf meinen Boggart Knight einstimmt! Zeit für Feintuning, Stufe 2 und Stufe 4!“
      Pashuul zersprang in zwei grüne Ringe, die vor Nina durch die Luft glitten, gefolgt von ihrem Koboldritter. „Crossing swords form a sign of resistance! Hear the name of the X²! Synchro Summon! [XX-Saber Hyunlei]!“
      Aus einem Lichtblitz erschien eine wild durch die Luft wirbelnde Kriegerin, die mit nur einer Zehenspitze auf dem Boden stehen blieb und ihre gebogene Klinge mit Mittel- und Zeigefinger berührte. Dabei trug sie einen Helm und ein rotes Cape, das ihr bis zu den Hüften reichte.

      XX-Saber Hyunlei [ATK/2300 DEF/1300 (6)]

      „So sehen die -guten- Monster aus!“, lachte Nina hysterisch und zeigte auf Drazen. „Die -gute- Hyunlei wird jetzt bis zu drei Zauber- beziehungsweise Fallenkarten auf dem Spielfeld zerstören. Ich zähle zwar nur eine, aber leider – und ich reime – ist das deine, ha ha! Und anschließend greife ich dein Monster an, Großväterchen!“
      Nick streckte erschrocken den Arm nach ihr aus. „Nicht, Nina-!“
      Wusste sie denn nicht, dass in einem Duell mit mehr als zwei Person immer erst angegriffen werden konnte, nachdem jeder Spieler mindestens einmal am Zug war!?
      Doch es war bereits zu spät, um eine Warnung auszusprechen. Ninas Synchrokriegerin zückte ein Wurfmesser hinter ihrem Gürtel hervor und schleuderte dieses in Richtung von Drazens gesetzter Karte. Die, wie konnte es auch anders sein, als Reaktion darauf aufsprang.
      „Schade, ich dachte, ich könnte mir die hier noch ein wenig aufheben“, lachte der Weißhaarige unbekümmert. „Meine [Scrap Burst Salvo].“
      Auf dem Artwork war ein Drache abgebildet, der komplett aus verschiedensten Schrottteilen zusammengesetzt war und aus seinem Maul Raketen abfeuerte, die ebenfalls notdürftig aus altem Abfall erschaffen worden waren. Jene Raketen schossen plötzlich aus der Karte hinaus.
      Drazen erklärte dazu: „Mit ihr vernichte ich eine meiner Karten und eine meines Gegners. Tut mir leid, aber diese kleine Amazone ist mir nicht geheuer.“
      Schon schlugen die Raketen bei Nina ein, vernichteten ihre Hyunlei, genau wie den Schrottgoblin, der bei der Explosion in seine Einzelteile zersprang. Plötzlich reichte Drazen nach seinem Friedhof aus. „Wenn der kleine [Scrap Goblin], solange er offen liegt, durch eine Scrap-Karte zerstört wird, erhalte ich vom Friedhof ein Scrap-Monster zurück. Das darf allerdings kein Empfänger sein.“
      Zwischen seinen Fingern zeigte er die zuvor abgelegte [Scrap Chimera] vor.
      Nick schnappte nach Luft, als er erkannte, dass Drazen dies alles von Anfang an so geplant hatte. Und Nina war ihm direkt in die Falle gelaufen!
      „Ich beende meinen Zug“, gab diese empört von sich. „So was aber auch!“
      „Sie können doch nicht mit leerem Feld abgeben!?“, polterte Nick fassungslos.
      Nina zuckte jedoch nur unbedarft mit den Schultern. „Was soll ich sonst tun? Meine normale Beschwörung ist aufgebraucht.“
      Woraufhin sich Nick genervt an die Stirn fasste. Langsam bekam er eine Ahnung, was Anya damals alles durchgemacht haben musste, als er in seiner Idiotenrolle ihren Tag-Partner auf dem Schulturnier gemimt hatte.

      „Ein gutes Team lässt sich von so einem kleinen Rückschlag doch nicht unterkriegen, oder?“, fragte Drazen und zog derweil seine Karte.
      Nick stellte klar: „Wenn es nach mir ginge, gäbe es gar kein Team!“
      „Püh! Ich könnte das auch alleine gewinnen“, zeigte sich Nina nicht weniger abgeneigt.
      „Oh man, ihr habt beide noch eine Menge zu lernen“, murmelte Drazen leise und legte eine Monsterkarte auf seine Duel Disk. „Komm hervor, [Scrap Chimera]!“
      Aus umherfliegenden Schrottteilen setzte sich eine mechanische Schimäre zusammen, deren Kopf der eines Löwen sowie der Schweif eine elektrische Schlange war. Zudem besaß sie die Schwingen eines Vogels.

      Scrap Chimera [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      „Wenn sie als Normalbeschwörung beschworen wird, ruft sie einen Scrap-Empfänger von meinem Friedhof zurück“, erklärte Drazen und legte den zuvor zerstörten [Scrap Goblin] zurück auf seine Duel Disk.
      Jener tauchte auch sofort neben der Sagengestalt auf.

      Scrap Goblin [ATK/0 DEF/500 (3)]

      Dann ballte Drazen eine Faust, die er geradeaus streckte. „Los meine Kinder! Ich stimmte den Stufe 3-Goblin auf die Stufe 4-Chimera ab! Born from a pile of junk, the discarded gather once more! A combined force awakens! Synchro Summon!“
      Der Goblin explodierte, seine Teile flogen durch die Luft und formten drei grüne Ringe, welche die Schimäre durchflog und dabei ebenfalls nach und nach in ihre Einzelteile zerfiel. Ein greller Blitz erhellte das Spielfeld. „Arise, [Scrap Archfiend]!“
      Kaum waren die Schrottteile auf den Boden gefallen, erhob sich aus ihnen eine große Gestalt, ganz aus dunklem Metall. Geboren von den Überresten seiner Artgenossen, besaß dieser beflügelte Maschinendämon zwei spitze Hörner. Seine Augen leuchteten rot auf, als würde ihm Leben eingehaucht werden.

      Scrap Archfiend [ATK/2700 DEF/1800 (7)]

      „So viele Angriffspunkte!?“, staunte Nina und wich instinktiv zurück. „Wen von uns er wohl damit angreifen will!?“
      Sie zeigte prompt auf ihren Partner. „Nimm den da!“
      Selbst Nick war beeindruckt davon, dass ein Stufe 7-Synchromonster so stark sein konnte.
      „Habe ich gesagt, dass ich fertig bin?“, fragte Drazen amüsiert und legte noch eine Monsterkarte auf seine Duel Disk. „Wenn ein Scrap-Synchromonster beschworen wurde, kann ich diese hier von meiner Hand spezialbeschwören: [Scrap Dummy]!“
      Neben seinem Dämon tauchte ein alter Crashdummy auf, der mit allerlei Gerümpel ausgebessert worden war. Da er seinen Unterkörper verloren hatte, bewegte er sich nun dank eines alten Autoreifens fort.

      Scrap Dummy [ATK/800 DEF/2000 (4)]

      „Und wenn einer meiner Gegner ein Monster kontrolliert, kann ich auch [Scrap Breaker] von meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen!“
      Gleich neben dem Dummy tauchte noch eine gefährliche Kreatur auf. Sie besaß weder Kopf noch Unterleib, schien sie doch lediglich der Oberkörper eines riesigen Roboters zu sein. Einer seiner Arme endete in einem Sägeblatt, das zu kreisen begann.

      Scrap Breaker [ATK/2100 DEF/700 (6)]

      Mit diesem griff er plötzlich den Dummy an, der daraufhin in tausend Stücke zersprang. Und Drazen griff daraufhin nach seinem Deck. „Wenn [Scrap Breaker] auf diese Weise gerufen wurde, zerstört er ein offenes Scrap-Monster, das ich kontrolliere. Den Dummy. Und wenn der durch den Effekt einer Scrap-Karte vernichtet wird, erhalte ich ein Scrap-Nicht-Empfängermonster von meinem Deck.“
      Er strahlte zufrieden, als er eine weitere Kopie der [Scrap Chimera] gefunden hatte und schob sein Deck anschließend in die dafür vorgesehene Halterung zurück.
      Nick stieß einen angespannten Seufzer aus. Dieser Mann mochte von außen sehr unscheinbar wirken, doch war er definitiv ein sehr geschickter Duellant. Dank der neuen [Scrap Chimera] würde er nächste Runde wieder eine Synchrobeschwörung aus dem Stehgreif durchführen können. Dabei hatten sie es jetzt schon mit zwei Monstern mit über 2000 Angriffspunkten zu tun!
      „Tut mir leid, meine Liebe“, entschuldigte sich Drazen aufrichtig bei Nina, die sich daraufhin glatt hinter Nick versteckte. „Aber leider muss ich Sie jetzt direkt angreifen.“
      „Warum nicht sein Monster!?“, beklagte sich Nina wütend, wurde daraufhin von Nick genervt weg geschubst.
      Drazen lächelte nur geheimnisvoll und zeigte auf die Frau. „[Scrap Archfiend], Squall of Scrap!“
      Der Dämon öffnete sein Maul und brach einen ganzen Schwall an Schrott daraus hervor. Ob alte Radios, Glühbirnen und halbe Fahrräder, alles war dabei.

      Nick runzelte ärgerlich die Stirn. Er hatte längst durchschaut, was Drazen wirklich wollte: dass er den Effekt seines [Wind-Up Knights] aktivierte. Mit dem konnte er nur einmal einen Angriff aufhalten. Und somit Nina beschützen.
      Er verengte die Augen und starrte die ganz aufgelöste Journalistin an, die jeden Moment von Drazens Angriff getroffen werden würde. Das wäre die ideale Chance, um sie loszuwerden. Allerdings gab es einen guten Grund, warum er haderte: sein eigenes Blatt war unerwartet schlecht ausgefallen und Ninas Deck definitiv stark. Unter diesen Umständen hätten sie als Team eine größere Chance auf den Sieg. Wenn sie doch nur nicht so grottenschlecht wäre …

      Aber es half nichts, er musste wohl oder übel in den sauren Apfel beißen. „Los, [Wind-Up Knight], beschütze ihre Lebenspunkte!“
      Sofort stellte sich sein weißer Spielzeugritter in den Weg und schirmte Nina vor dem herannahenden Schrott ab. Doch kaum war der Schwall verebbt, tauchte [Scrap Breaker] vor Nicks Ritter auf.
      „Das ist ein wahrer Gentleman“, lobte Drazen seinen Gegner aufrichtig.
      Was aber nichts dran änderte, dass Nicks Ritter dem Sägeblatt seines Gegners zum Opfer fiel und explodierte.

      [Nick: 4000LP → 3700LP Nina: 4000LP //// Drazen: 4000LP]


      „Das wurde ja auch Zeit!“, beklagte sich Nina verärgert.
      „Denken Sie bloß nicht, dass ich das für Sie getan habe …“
      Drazen hob den Zeigefinger. „Aber nicht doch. Bitte nicht streiten. So eine noble Geste sollte nicht durch Worte beschmutzt werden.“
      Er nahm eine Falle aus seinem Blatt hervor und setzte sie. „Mit diesem kleinen Schätzchen gebe ich an dich ab, Junge.“

      Kaum hatte sich die verdeckte Karte vor Drazen materialisiert, fügte Nick seinem Blatt schon eine neue Karte hinzu. Nur brachte die ihm überhaupt nichts.
      Er fluchte innerlich. Nichts würde ihm im Kampf gegen den mächtigen Schrottdämon helfen. Das Einzige, was er tun konnte, war seinen Artgenossen zu vernichten. Der Rest würde von Nina abhängen.
      „Ich beschwöre [Wind-Up Soldier] und aktiviere seinen Effekt. Dadurch steigen bis zur End Phase seine Stufe und seine Angriffskraft um 1 beziehungsweise 400 an!“
      Vor Nick tauchte ein etwa ein Meter großer, grüner Spielzeugroboter auf, dessen Kopfform stark an einen Magneten erinnerte. Die Schraube auf seinem Rücken begann sich rapide zu drehen.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 → 2200 DEF/1200 (4 → 5)]

      Nick streckte den Arm aus. „Vernichte [Scrap Breaker]!“
      Sofort sprang der Roboter nach vorne und schlug mit seiner Zangenhand mitten in die Brust des halbzerstörten, größeren Roboters. Dieser explodierte in einem großen Knall, seine Bestandteile flogen wild durch die Luft.
      Etwas Metallisches schoss dabei an Drazen vorbei und hinterließ eine blutige Schramme an seiner Wange.

      [Nick: 3700LP Nina: 4000LP //// Drazen: 4000LP → 3900LP]


      „Oh?“, murmelte der erstaunt und strich sich über die Wunde. „Da hat wohl jemand mit dem Sicherheitssystem gespielt.“
      „Sie hätten sich eben-“, begann Nick, doch brach erschrocken ab. „Was!?“
      Dort, wo eben noch Blut die Wange benetzte, war nun wieder gesundes Gewebe. Als hätte es die Schramme nie gegeben.
      „Nicht auf das Duell einlassen sollen?“ Drazen nickte. „Aber dann würde mir eine Menge Spaß entgehen. Lass mich raten, du wolltest mich erpressen, indem du mir nach und nach größere Wunden zufügst?“
      Nina wirbelte um. „Stimmt das!? … und kannst du meine Duel Disk auch umbauen, wenn es geht? Das wäre bei Recherchen sicher nützlich, kyahahaha!“
      Doch Nick ignorierte seine unfreiwillig gewonnene Partnerin. „Sieht so aus, als hätten Sie mich durchschaut.“
      „Ich nehme es dir nicht übel. Aber wisse, dass die Kinder Edens unsterblich sind.“ Plötzlich senkte Drazen seinen Blick. „Deswegen bin ich schließlich ein Verbannter …“
      „Heißt das, Sie sind mit einem Dämon liiert!?“, fragte Nick aufgebracht.
      Aufgeschreckt hob sein Gegenüber die Arme. „
      Nein nein, wo denkst du hin?“ Zu sich selbst murmelte der alte Mann: „Ich und mein loses Mundwerk …“
      „Dann sagen Sie mir, was das zu bedeuten hat!“
      „Hast du das Duell schon gewonnen? Ich glaube nicht“, mahnte ihn Drazen. „Setze deinen Zug fort, statt einen alten Racker wie mir unangenehme Fragen zu stellen.“
      Nick schnaufte wütend. Aber wenn es ihm nichts ausmachte verletzt zu werden, sei es drum. Er würde schon noch reden. „Okay, wie Sie wollen. Ich aktiviere jetzt den Schnellzauber [Legendary Wind-Up Key] von meiner Hand. Er zieht meinen Soldaten wieder auf und zwar, indem er ihn in verdeckte Verteidigungsposition setzt.“
      Ein goldener Aufziehschlüssel ersetzte plötzlich den alten auf dem Rücken des Soldaten und drehte sich. Dabei ging der Soldat in die Knie, bis er plötzlich zu einem horizontal liegenden Kartenrücken wurde.

      Wind-Up Soldier [ATK/2200 → 1800 DEF/1200 (5 → 4)]

      „Zug beendet“, sprach Nick verärgert, da es ihm an Optionen mangelte.

      „Die allwissende Reporterin macht ihren Zug und verteilt mächtige Schläge“, flötete Nina daraufhin und zog. Sie zückte eine Zauberkarte aus ihrem Blatt und sah zu Nick herüber. „Ich leihe mir mal eben dein Monster aus. Du gestattest?“
      „W-was!?“
      „[Mind Control]! Damit erlange ich die Kontrolle über ein gegnerisches Monster für einen Zug, mit dem ich aber leider weder angreifen, noch dieses Monster opfern kann.“
      Nicks gesetzte Karte löste sich auf und erschien stattdessen nun vor Nina. Der Besitzer des [Wind-Up Soldiers] warf ihr das Monster mit zornigem Blick zu. Doch anstatt es zu fangen, klatschte es einfach gegen Ninas Stirn und segelte auf den Boden.
      „Au“, murmelte diese und hob es auf, legte es gleich im Angriffsmodus auf ihre Duel Disk.
      „Ich flippe dich und nutze deinen Effekt, [Wind-Up Soldier]!“
      Vor ihr erhob sich aus der gesetzten Karte der grüne Spielzeugsoldat, dessen Aufziehschlüssel sich wild zu drehen begann.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 → 2200 DEF/1200 (4 → 5)]

      „Nun beschwöre ich einen von meinen süßen, kleinen Darlings! [XX-Saber Fulhelmknight]!“
      Vor ihr tauchte ein blonder Krieger in rotem Cape auf, der ein Schwert schwang, das sich in eine Kette bestehend aus vielen kleinen Klingen verwandelte.

      XX-Saber Fulhelmknight [ATK/1300 DEF/1000 (3)]

      „Und nun von meiner Hand die Zauberkarte [Star Changer]! Sie ändert die Stufe eines meiner Monster um eins! Fullhelmknight, Level Up!“

      XX-Saber Fulhelmknight [ATK/1300 DEF/1000 (3 → 4)]

      „Und jetzt das große Finale“, kündigte Nina großmäulig an. „Abstimmung! Stufe 4, Fulhelmknight auf Stufe 5, [Wind-Up Soldier]! Mighty warrior of the gentle sword, return to this wicked world! We await your command! Synchro Summon! Break free, [XX-Saber Gottoms]!“
      Synchroringe entstanden, Nicks Soldat durchquerte sie und schon blitzte es wieder grünlich in der Seitenstraße, als vor Nina ein mächtiger Krieger erschien.
      Dieser trug eine Rüstung aus Stahl, die sogar sein Gesicht verdeckte und schwang eine enorm lange, zweiblättrige Klinge über seinem Kopf. Unruhig flatterte der rote Umhang im Wind, welcher auf seinen Schultern lag.

      XX-Saber Gottoms [ATK/3100 DEF/2600 (9)]

      Nick war fassungslos. Ohne seine Erlaubnis hatte dieses Weib sein Monster genommen, um damit ihres zu beschwören. Wo sie doch-!
      „Was sollte das!?“, beklagte er sich aufgebracht. „Warum haben Sie nicht die Kontrolle über [Scrap Archfiend] übernommen, um diese Kombo durchzuführen!?“
      „Kannst du nicht zählen, Burschi!? Der ist Stufe 7, das ist zu hoch gewesen, ich brauchte dein Monster!“ Sie rümpfte arrogant die Nase. „Amateur!“
      Aber Nick wollte das nicht glauben. Mit [Star Changer] hätte sie die Stufe des Dämons auf 6 reduzieren, dann den Stufe 3-Fulhelmknight beschwören und daraus den Stufe 9-Gottoms entstehen lassen können. Diese Frau war ein Albtraum auf zwei Beinen! Ein ziemlich dämlicher Albtraum! Nun stand er ohne Monster da!
      Besagter rothaariger Albtraum hatte sich jedoch längst Drazen zugewannt. „Tut mir leid mein Hübscher, aber ich will gewinnen! Also los, Gottoms, vernihiiiichte [Scrap Archfiend]! Geronimoooooooo!“
      Unbekümmert verfolgte Drazen mit einem spitzbübischen Grinsen, wie ein Schwerthieb des großen Kriegers reichte, um sein Monster zu enthaupten. Da aber Nina den Angriff durchgeführt hatte, erlitt er dabei keine Verletzungen.

      [Nick: 3700LP Nina: 4000LP //// Drazen: 3900LP → 3500LP]


      „Zug be-en-det“, trällerte Nina gut gelaunt.
      Anders als Nick, dessen Augen gefährlich nahe dran waren, aus ihren Höhlen zu flüchten. „Und sie setzt nicht einmal eine Karte, um mich zu beschützen …“
      Seine Partnerin winkte ab. „Du wirst schon klar kommen, Kleiner. Kannst dich schließlich nicht hinter einer wehrlosen Frau wie mir verstecken, kyahahaha!“
      Nein, dachte Nick heimtückisch, aber er konnte immer noch ihr Konto plündern. So oft er wollte!

      „Nicht streiten, meine Lieben“, versuchte Drazen zu schlichten, „ich bin auch noch da! Draw!“
      Zwar besaß er kein Monster mehr auf dem Spielfeld, doch das sollte sich gleich ändern. „Na, kennt ihr sie noch? Die [Scrap Chimera]?“
      Schon tauchte die aus verschiedenen Schrottteilen zusammen gewürfelte Kreatur aus der griechischen Mythologie wieder auf.

      Scrap Chimera [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      Und sie brachte Freunde mit. Zumindest einen, nämlich den Crashdummy auf dem Autoreifen, der im Kreis um sie fuhr.
      „Ihr müsst wissen“, erklärte Drazen dabei, als er die beiden Karten auf die Duel Disk legte, „dass [Scrap Dummy] auch ein Empfänger ist und somit von [Scrap Chimera] reanimiert werden kann.“
      „Auch das noch …“, war alles, was Nick dazu zu sagen hatte.

      Scrap Dummy [ATK/800 DEF/2000 (4)]

      „Du hast es dir sicher schon gedacht“, sprach Drazen und streckte den Arm aus. „Aber hier kommt noch eine Synchrobeschwörung! Ich stimme meine beiden Stufe 4-Monster aufeinander ab! From within a pile of junk a heart of steel is born! The embodiment of the discarded! Synchro Summon! Tear them appart, [Scrap Dragon]!“
      Nach dem grünen Lichtblitz, der den Abschluss der Prozedur einleitete, ertönte mächtiges, aber verzerrtes Gebrüll über Drazen. Und Nick erkannte das Monster sofort wieder, welches anmutig hinab stieg: es war die Kreatur, die auf der [Scrap Burst Salvo]-Falle abgebildet war.
      Aus blauen Blechen und anderen Materialien zusammengeschweißt, war dieser Drache elegant wie gleichzeitig furchteinflößend. Die roten Augen leuchteten, als es aus zwei Düsen an seinen Schwingen Dampf abließ.

      Scrap Dragon [ATK/2800 DEF/2000 (8)]

      „Was!?“, tönte Nina laut und verfiel in abfälliges Gelächter. „Der ist ja schwächer als mein Gottoms! Wie erbärmlich, gar vollkommen lächerlich!“
      Drazen nahm still eine Zauberkarte namens [Guts Of Steel] von seinem Blatt und setzte sie, sodass sie sich neben der bereits eine Runde zuvor von ihm gesetzten Karte materialisierte. Dann erklärte er seelenruhig: „Mein Monster kann einmal pro Zug eine meiner Karten vernichten, um im Gegenzug auch eine Karte meines Gegners zu zerstören. Von diesem Effekt rührt auch der Name meiner Falle. Los, [Scrap Dragon], Scrap Burst Salvo!“
      Die von Drazen gesetzte Zauberkarte zersprang in tausend Teile, deren Partikel von dem Drachen über ihm mit dem Maul aufgesogen wurden. Nur, damit dieser im Anschluss aus besagtem Maul Schrottraketen auf Gottoms abschießen konnte. Doch selbst Ninas grässlicher Entsetzensschrei konnte nicht verhindern, dass ihr Monster in einer gewaltigen Explosion unterging.
      Womit nun beide Teammitglieder ohne Karten auf dem Feld dastanden.
      Der Weißhaarige streckte den Arm aus und zeigte auf Nick. „Nimm es mir nicht übel, aber ersparen wir der Dame doch eine unschöne Erinnerung. [Scrap Dragon], Scrap Burst Stream!“
      Der Schrottdrache lud einen blauen Energiestrahl in seinem Maul auf, den er umgehend auf Nick abfeuerte. Dieser hielt sich geblendet von der Attacke den Arm vors Gesicht und wurde voll erfasst.

      [Nick: 3700LP → 900LP Nina: 4000LP //// Drazen: 3500LP]


      „Was!?“, staunte Nick, als er unverletzt aus dem Angriff hervorging.
      „Oh? Dachtest du etwa, ich würde dir wehtun wollen?“, fragte Drazen erstaunt und brach in bärbeißiges Gelächter aus. „Warum sollte ich?“
      Doch Nick antwortete nicht, sondern betrachtete den mechanischen Drachen. Wenn es ihm nicht gelang, dieses Ding auszuschalten, war er spätestens nächste Runde besiegt. Das hieß, wenn Nina nicht schon vorher wieder irgendeinen Unsinn veranstaltete.
      „Ich beendete damit meinen Zug“, verlautete Drazen gelassen.

      „Draw!“, rief Nick eifrig und riss regelrecht seine nächste Karte vom Deck.
      Und als er sie erblickte, hellte sich seine Miene auf. Sofort zeigte er die Karte vor. „[Monster Reborn]. Was sie bewirkt, sollte jeder fähige Duellant wissen.“
      „Was denn?“, wunderte sich Nina und drehte sich zu ihm. Und das, obwohl sie die Karte selbst einst gegen Abby eingesetzt hatte.
      Vor Nick tauchte schließlich der blonde Krieger mit dem Kettenschwert wieder auf.

      XX-Saber Fulhelmknight [ATK/1300 DEF/1000 (3)]

      „Was hast du mit meinem Monster vor!?“, kreischte Nina aufgebracht und starrte Nick wütend an.
      „Wenn Sie das dürfen, dann ich auch“, entgegnete dieser nur kühl und legte ein Monster auf seine Duel Disk. „Erscheine, [Wind-Up Hunter]!“

      Wind-Up Hunter [ATK/1600 DEF/500 (3)]

      Doch das Monster war nur für einen Sekundenbruchteil auf dem Feld, da verwandelte es sich schon in einen braunen Lichtstrahl, ebenso wie [XX-Saber Fulhelmknight].
      „Ich erschaffe das Overlay Network!“, rief Nick und ließ einen schwarzen Wirbel mitten in der Seitengasse erscheinen, welcher die zwei Strahlen in sich aufnahm. „Xyz-Summon! Erscheine, [Wind-Up Carrier Zenmaity]!“
      Aus dem Loch trat ein Spielzeugflugzeugträger, der immerhin noch so groß war, dass er sich schützend vor Nick und Nina stellten konnte. Um das Schiff kreisten zwei Lichtsphären.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3}]

      „Ich aktiviere den Effekt von Zenmaity!“, verkündete Nick. „Durch das Abkoppeln einer Xyz-Einheit kann ich-“
      „Ich weiß genau, was du tun willst“, sprach Drazen amüsiert dazwischen, „ich kenne die gnadenlose Kombo bestehend aus [Wind-Up Rat] und [Wind-Up Hunter], die mir alle Handkarten nehmen soll. Und danach wirst du dich sicher hinter [Wind-Up Zenmaines] verstecken wollen, den mein [Scrap Dragon] nicht antasten kann, habe ich recht?“
      Nicks Augen weiteten sich. „Wie haben Sie das durchschaut!?“
      „Ich bin ein alter Knacker, ich kenne da schon die ein oder andere Kombo.“ Drazen lachte auf. „Bloß das hindert mich nicht daran, ihnen hin und wieder einen Strich durch die Rechnung zu machen. Konterfalle, [Scrapped]!“
      Die purpurne Karte sprang vor Drazen auf und zeigte seinen [Scrap Dragon], wie dieser in einer Explosion unterging.
      Plötzlich richteten sich die Abschussrampen des Flugzeugträgers auf den Drachen am Himmel aus.
      „Was geschieht hier!?“ Nick war fassungslos. Es war, als würde Drazen in die Zukunft sehen können!
      „[Scrapped] kann nur aktiviert werden, wenn ich ein Scrap-Synchromonster kontrolliere. Dann greift er in einen beliebigen deiner Effekte ein und ändert ihn so um, dass eines meiner Scrap-Synchromonster vernichtet wird.“
      Nina stammelte daraufhin: „Damit ist uns doch nur geholfen!?“
      Ihr Gegenüber lachte amüsiert. „Kann schon sein.“
      Schon hatte Nicks Schiff zwei Haitorpedos abgefeuert, die direkt in die Brust des mechanischen Drachen am Himmel einschlugen. Jener schrie gequält in seiner verzerrten Stimme auf, ehe er explodierte und in einem Schrottregen niederging. Doch ganz unerwartet explodierte auch Nicks [Wind-Up Carrier Zenmaity].
      „Oh, ja, das muss wohl das Alter sein“, murmelte Drazen und strich sich über den Kopf hin bis zum Pferdeschwanz, welcher von seinem Poncho aus immerhin bis zu den Hüften reichte. „Ich habe wohl vergessen zu erwähnen, dass [Scrapped] danach die Karte zerstört, die mein Monster vernichtet hat.“
      Fassungslos betrachtete Nick sein leeres Spielfeld. Dieser Drazen war einfach unglaublich, er hatte alles durchschaut und dementsprechend reagiert.
      Plötzlich schoss aus dem niedergehenden Schrotthaufen eine dunkle Gestalt.
      „Ah, und wenn [Scrap Dragon] durch einen gegnerischen Einfluss zerstört wird, beschwört er ein Scrap-Monster von meinem Friedhof. Das darf nur kein Synchromonster sein, ansonsten gibt es keine Beschränkung.“
      Schon schwebte wieder der kaputte Oberkörper eines alten Roboters vor Drazen.

      Scrap Breaker [ATK/2100 DEF/700 (6)]

      Es war nicht zum Aushalten, dachte Nick krampfhaft. Jede Maßnahme gegen Drazen endete letztlich in einem Desaster. Nun konnte er nicht einmal mehr ein Monster zu seinem Schutz beschwören. Alles, was er überhaupt tun konnte, war zu bluffen.
      Daher nahm er die permanente Zauberkarte [Weights & Zenmaisures] und setzte sie als Falle getarnt verdeckt. Während sie vor seinen Füßen erschien, bezweifelte der große, junge Mann jedoch, dass Drazen sich davon aufhalten ließ. Vermutlich wusste er genau, dass das nur ein Placebo war. Gesetzt aus Verzweiflung.
      „Ich beende meinen Zug“, sagte Nick leise. Ohne die Reporterin anzusehen, flüsterte er ihr zu: „Alles hängt jetzt von Ihnen ab, Nina.“
      „Verstanden. Ich schaukel' den Stuhl schon irgendwie.“
      Nick seufzte innerlich. Nicht einmal Sprichwörter bekam diese Person auf die Reihe. Sie hatten praktisch schon verloren …

      „Draw!“, rief Nina derweil und zog schwungvoll. Ihre drei Handkarten nachdenklich betrachtend, schnippte sie schließlich mit dem Finger. „Ich passe!“
      „Was!?“, polterte Nick verstört, packte kurzerhand ihren Arm und sah sich entgegen der Regeln des Spiels ihr Blatt völlig aufgebracht an.
      „I-ich habe nur Monster hoher Stufe auf der Hand!“, rechtfertigte der Rotschopf sich erschrocken.
      Entgeistert betrachtete Nick die Karten. Es waren [XX-Saber Faultroll] der Stufe 6, [Commander Gottoms, Swordmaster], ebenfalls Stufe 6 und [XX-Saber Gardestrike], Stufe 5.
      Nicks Gesichtszüge entglitten ihm, als er Letzteren bemerkte.
      Kaum verständlich murmelte er: „Nina … dieses Monster kann von der Hand als Spezialbeschwörung gerufen werden, wenn sich zwei X-Saber auf ihrem Friedhof befinden. Nina … es befinden sich dort mindestens zwei. Und Nina … dieses Monster hätte genug Angriffspunkte gehabt, um sich zusammen mit [Scrap Breaker] zu zerstören. Nina!“
      „Yieks!“ Sofort wich sie von ihm und fauchte verärgert: „Wie ich meine Karten einsetze, entscheide immer noch ich! Ich kenne sie schließlich am besten!
      Nick brüllte nicht weniger laut. „Ich wusste, es war ein Fehler Sie zu beschützen!“
      „Ich habe bisher mehr Schaden angerichtet als du, Burschi! 400 zu 100 steht es!“

      Und während die beiden sich heftig stritten, zog Drazen seufzend eine Karte und begann damit seinen Zug.
      „Ich sollte das wohl jetzt beenden“, murmelte er mit einem Hauch von Enttäuschung. „Also aktiviere ich [Monster Reincarnation], um von meiner Hand eine Karte abzuwerfen. Als Ersatz erhalte ich ein Monster von meinem Friedhof.“
      Drazen verzichtete auf sein Monster [Scrap Hunter] und nahm sich dafür die [Scrap Chimera] auf seine Hand. Doch die beiden Zankenden nahmen gar keine Notiz davon.
      Resignierend seufzend legte Drazen seine Schimäre auf die Duel Disk, welche daraufhin vor ihm erschien.

      Scrap Chimera [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      Erst als das mythische Wesen brüllte, wurden die beiden Streithähne aufmerksam und glotzen den Schrottlöwen mit Schwingen und Schlangenschwanz verwirrt an.
      „Dank ihres Effekts kehrt [Scrap Dummy] zurück“, führte Drazen seinen Zug fort.
      Zwischen Breaker und Schimäre tauchte der auf einem Autoreifen fahrende Crashdummy auf.

      Scrap Dummy [ATK/800 DEF/2000 (4)]

      „Was?“, murmelte Nick leise, der völlig verdrängt hatte, dass sein Gegner nun am Zuge war.
      „Machen wir dem ein schnelles Ende, okay?“, fragte Drazen, doch es klang eher nach einer Feststellung, denn einer Bitte. „Ich stimme den Stufe 4-[Scrap Dummy] auf den Stufe 6-[Scrap Breaker] ein! A heart of iron rests within the void of time and space! One beat, powerful enough to reverse the laws of nature! Synchro Summon! Break loose, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]!“
      Ein heftiger Wind peitschte plötzlich durch die Seitengasse. Nick und Nina wurden regelrecht fort gedrückt, als der Dummy in vier grüne Ringe zersprang und der Breaker diese passierte. Ein greller Blitz blendete die beiden, als die Erde erzitterte.
      Nick öffnete seine Augen nur einen Spalt weit, doch erschrak so sehr, dass glatt ein kalter Schauder über seinen Rücken lief.
      Mülltonnen und Container, alte Bierdosen, Colaflaschen, alles was nicht am Boden festgenagelt war, schwebte in der Luft. Und hinter Drazen, da war er, der Schatten von etwas, das Nick am ehesten als 'Titan' bezeichnen würde. Doch das Licht, welches von diesem Monster ausging, war zu grell um Näheres zu erkennen.
      „Wenn Heavy T als Synchrobeschwörung gerufen wird“, erklärte Drazen, als wäre es nichts Besonderes, dass die Schwerkraft um sie herum ausgesetzt hatte, „erhält er bis zur End Phase für jedes verwendete Synchromaterial 500 Angriffspunkte.“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4000 DEF/0 (10)]

      „Das war wirklich ein lustiges Duell. Aber euer Teamwork lässt noch sehr zu wünschen übrig. Wenn ihr jedoch an euch arbeitet, werdet ihr irgendwann sehr gute Duellanten sein“, sagte Drazen warmherzig. „Und nun entschuldigt, dass das jetzt etwas heftig wird. Heavy T, greif bitte die Dame an, aber sei behutsam. [Scrap Chimera], übernimm du den jungen Mann. Los!“
      Ehe Nick sich versah, fiel die Schimäre über ihn her – und durch ihn hindurch. Gleichzeitig wurde die Erde erneut so heftig erschüttert, dass er und Nina zu schreien anfingen und umkippten. Ein lautes Poltern und alles war vorbei.

      [Nick: 900LP → 0LP Nina: 4000LP → 0LP //// Drazen: 3500LP]


      Nick lag auf dem Rücken, öffnete die Augen und bemerkte eine Hand, die nach ihm ausreichte. Drazens graue Augen glänzten regelrecht vor Freude, als er niederkniete, um dem jungen Mann aufzuhelfen.
      „Danke“, murmelte Nick, immer noch geschockt von den Ereignissen und ließ sich auf die Beine ziehen.
      Hinter Drazen stand Nina bereits wieder und klopfte sich wütend das weiße Kleid sauber. „Was für ein schlechter Witz! Wegen so einem unreifen-“
      Sie sah auf und bemerkte Nicks stechenden Blick, verstummte erschrocken.
      Erst jetzt bemerkte jener, dass die Mülltonnen und auch die anderen Gegenstände wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückkehrt waren. Allerdings kopfüber. Es war ihm unbegreiflich. „Was … war das?“
      „Nichts“, antwortete Drazen unbekümmert und klopfte ihm im Vorbeigehen auf die Schulter, „da mir das Duell so großen Spaß gemacht hat, erlasse ich dir die Schuld.“
      „D-das Geld“, erinnerte sich Nick.

      Er wirbelte hektisch um und sah, wie Drazen langsam die Seitengasse Richtung Straße verließ. „Warten Sie! Bitte!“
      Tatsächlich hielt der alte Mann an. „Es tut mir leid, mein Junge. Ich kann dir nicht mehr sagen, als du vermutlich sowieso schon weißt.“
      „Aber was ist mit den beiden Eden!? Wieso-“
      Drazen drehte sich zu ihm und Nina um und versuchte zu lächeln, doch dieses Mal gelang es ihm nur kläglich. „Eden ist die Stadt der Unsterblichkeit. Vor vielen, vielen Jahren wurde sie erschaffen, um einigen wenigen Menschen eine Zuflucht zu sein.“
      Nick schüttelte verwirrt den Kopf. „Aber was hat das mit unserem Eden zu tun? Und wieso sind Sie überhaupt ein Verbannter?“
      „Ja“, stimmte Nina mit ein, „das will ich auch wissen. Ohne das ist mein Artikel nicht komplett!“
      Den Kopf in den Nacken legend, sah Drazen voller Melancholie in den wolkenverhangenen Himmel. „Unsterblichkeit ist Stillstand. Und irgendwann, wenn es nichts mehr gibt, das man in dem sich selbst auferlegten Gefängnis noch entdecken kann, wird das Leben langweilig. Der Körper eines Kindes, beseelt von dem Geiste eines Greises. So etwas darf nicht Leben genannt werden. Aber daran ändern wollte außer mir niemand etwas. Und so bin ich ins Exil gegangen, zurück in die Welt, aus der ich vor Jahrhunderten gekommen bin. Fort von der Heimat, die ich mit eigenen Händen aufgebaut habe.“

      Er brauchte nicht mehr sagen, damit Nick verstand. „Und die beiden Eden?“
      Drazen richtete seinen Blick wieder auf den jungen Mann. „Lass deine Freundin gehen und Eden werden. Alles andere würde sie nur vollkommen ins Unglück stürzen. Glaube mir, ich habe den Limbus gesehen.“
      „Aber-!“
      „Das ist nun mal der Fluch des Tores 'Eden'.“
      Nick verstummte. Er sollte aufgeben!? Einfach so!? Zulassen, dass Anya starb und mit sich die Leben von fünf Menschen nahm? Wie konnte der das so einfach sagen!?
      „Dies hier nehme ich aber trotzdem mit“, meinte Drazen zwinkernd und zückte unter seinem Poncho einen weißen Umschlag hervor. „Immerhin habe ich dir ja am Ende doch etwas verraten. Ich wünschte, es wäre mehr gewesen. Du bist ein guter Junge.“
      Mit diesen Worten wirbelte der alte Mann um und verschwand aus der Seitenstraße wie ein Schatten, der im Licht verblasste. Und hinterließ einen jungen Mann mit großen Zweifeln an seinem Tun.
      Doch plötzlich hallte es durch die Gasse: „Aber wenn ich mich richtig erinnere, können Verträge doch aufgehoben werden, wenn beide Parteien zustimmen. Oder liege ich da falsch?“


      Turn 27 – Friends
      Am Tag nach dem Treffen mit Drazen nimmt Nick Abby nach der Schule beiseite und besucht mit ihr den Spielplatz. Dort haben er, sie und Anya früher immer gespielt. Seine wahre Persönlichkeit preisgebend, konfrontiert er Abby mit Anyas schrecklichem Vorhaben, die dies jedoch nicht wahrhaben will. Ein Streit zwischen den beiden Freunden entfacht, welcher in einem Duell zweier im wahrsten Sinne ebenbürtiger Gegner endet. Anderenorts ist Anya darum bemüht, die letzten Vorkehrungen für den 11. November zu treffen, an dem ihr Schicksal entschieden wird …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick

      Wind-Up Knight
      Wind-Up Soldier
      Wind-Up Hunter

      Legendary Wind-Up Key
      Weights & Zenmaisures
      Monster Reborn

      Wind-Up Carrier Zenmaity

      Nina

      Commander Gottoms, Swordmaster
      X-Saber Pashuul
      XX-Saber Boggart Knight
      XX-Saber Fulhelmknight
      XX-Saber Gardestrike
      XX-Saber Faultroll

      Mind Control
      Star Changer

      XX-Saber Hyunlei
      XX-Saber Gottoms

      Drazen

      Scrap Chimera x2
      Scrap Goblin
      Scrap Breaker
      Scrap Hunter

      Scrap Dummy
      Maschine/Erde/Empfänger
      ATK/800 DEF/2000 (4)
      Wenn ein "Scrap"-Synchromonster als Spezialbeschwörung beschworen wird: du kannst diese Karte von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschwören. Wenn diese Karte durch den Effekt einer "Scrap"-Karte zerstört wird: füge deiner Hand ein "Scrap"-Nicht-Empfänger-Monster von deinem Deck hinzu.

      Guts Of Steel
      Foolish Burial
      Monster Reincarnation

      Scrap Burst Salvo [made by Evil Bakura]
      Falle/Normal
      Wenn du ein offenes "Scrap"-Monster kontrollierst: zerstöre eine Karte die du kontrollierst (außer diese) und eine Karte, die dein Gegner kontrolliert.

      Scrapped
      Falle/Konter
      Wenn du ein "Scrap"-Synchro-Monster kontrollierst und dein Gegner den Effekt einer Monster-, Zauber- oder Fallenkarte aktviert: der Effekt jener Karte besagt nun: "Zerstöre ein offenes "Scrap"-Synchromonster deines Gegners". Danach zerstöre sie.

      Scrap Archfiend
      Scrap Dragon

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. {????}
      Hey-Ho, ich dachte, ich melde mich mal als neuer Leser zu Wort. Hab jetzt auch mal angefangen, the last Asylum zu lesen und jetzt die ersten 5 Folgen durch. Ich finde sie auch soweit sehr spannend und unterhaltsam, aber was mich neben den leicht überzogenen Charakteren (vor denen du aber im Startpost warnst und die ich als Teil des Konzepts anerkenne) ein wenig stört ist, dass du irgendwie nicht zwischen der realen Welt und der Yugiwelt unterscheidest. Einerseits erwähnst du reale Dinge wie George W. Bush oder Wikipedia, andererseits holt Anya plötzlich ihre Original Battle City Duel Disc raus und duelliert sich. Ein triviales Beispiel: Warum schläft Nick mit Bugs Bunny Bettwäsche, nicht mit Dunkles Magier-Mädchen Bettwäsche oder so?

      Aber das ist nur eine Kleinigkeit und natürlich poste ich nicht hier, um rumzukritteln. Ich wollte mich nur dafür bedanken, dass du dir die Mühe machst dein Werk mit uns zu teilen (Und ich kann mir echt vorstellen, was das für ein Aufwand ist, auch wenn du die Folgen nur von Word rüberkopierst) und um dir zu beweisen, dass du immer noch Leser hast und dass sogar neue hinzukommen. Außerdem wollte ich hier eine Frage stellen:

      Ich bin nämlich selbst sowas wie ein Hobby-Autor und bin gerade dabei, meine eigene Yu-Gi-Oh! Fan Fiction zu verschriftlichen und bin am überlegen, auch einen Thread auf eTCG zu eröffnen und sie dort zu veröffentlichen. Aber vorher würde ich natürlich gerne wissen, ob überhaupt Interesse an einer weiteren regelmäßig fortgesetzten Fan Fiction besteht. Meine FF würde dabei eher eine Sozialrealistische bzw. Gesellschaftkritische Richtung einschlagen (Natürlich wird es dennoch Fantasy-Elemente geben und das wichtigste bleiben die Holo-Duelle). Was den Schreibstil angeht kann ich natürlich mein eigenes Werk schlecht beurteilen, aber zumindest war Deutsch in der Schule immer mein stärkstes Fach und die Lehrer fanden meinen Schreibstil immer gut. Also was meint ihr, würden sich dafür auch Leser finden?

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

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      Sag ich mal was:
      @ Kapitel 25:
      Anya bereitet so langsam ihre Wandlung zu Eden vor, dabei löst sie nach und nach immer mehr Probleme, so sind bis jetzt alle Elysions zersplittert (spezieller Dank an Marc, geiles Duell) und die 4 bekannten "Zeugen" sind mehr oder weniger bereit ihr zu folgen.
      Aber ich bin alles in allem geschockt dass sie um ihre Haut zu retten 5 andere Personen opfert (auch wenn sich das natürlich noch ändern kann).
      Man bemerkt aber dass die treibende Kraft hinter ihrem Vorhaben Levrier ist, er aber vor Anyas Angst vor dem Limbus gnadenlos ausnutzt (ok, wer will eine "Strafe schlimmer als der Tod" auf sich nehmen). Sie fühlt sich zwar nicht gut dabei, zieht es aber durch.
      Alles in allem gibts zu dem Kapitel wenig zu sagen, da es eher eine (so kam es mir vor) Vorbereitung aufs große Finale war.
      Kapitel 26 war wieder ganz nach meinem Geschmack.
      1.) Es ging um Nick
      2.) Drazen hat ein echt geiles Deck, also kanns nur gut sein
      Aber von vorne:
      Dass Nick ein talentierter (nennen wir es mal) Programmierer ist wissen wir ja schon seit dem Duell gegen Melinda.
      Dass er das Duell zwischen Abby und Nina eingefädelt hat konnte man sich ja eigentlich denken (man weiß ja wie klug er ist), dass er Anya misstraut hat mich nur anfangs überrascht (er ist ja einer der intellegentesten Charas), allerdings braucht Anya so langsam wieder nen Gegenpart (Melissa lässt ja auf sich warten und Val denkt dass sie Anya vertrauen kann), weshalb mir Nick dort auf irgendeine Art und Weise sehr gut gefällt.
      Aber zurück zum Kapitel, Nick ist (wenn er will) sehr kontrolliert und gnadenlos (er hätte ja Ninas Konto geleert wenn etwas schief gelaufen wäre).
      Dazu ist sein Plan fast lückenlos (Duell, Gegner einschüchtern, nur die Hälfte zahlen). Kleines Problem sind nur (neben Drazens Selbstheilungskräften) Ninas Unfähigkeit und Drazens perfekte Predictions, dazu sein umfassendes Wissen um seine Gegner und ihre Decks.
      Dazu ein schlechter Draw und eine unfähige Partnerin, die sein Schicksal recht schnell besiegeln.
      Aber genug von diesem Kapitel, das war auch nur ne Überleitung, zwar ne richtig geniale, aber halt nur ne Überleitung.
      Ich freu mich ATM vor allem auf das Duell zwischen Nick und Abby, das verspricht bombig zu werden (gerne auch über mehr als eine Folge) ;)
      Dazu sollte Nick versuchen einen Vertrag aufzuheben, mal schaun ob das was wird, ich bin gespannt.


      @ Leseleff:
      Noch ne FF? Her damit, wir können dir ja dann helfen deinen Stil zu verbessern
      Spielerisch haben Raritäten auch Vorteile: Eine UMR Veiler negiert dich krasser

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      Da das ja doch sehr umfangreiche kommentare sind, ziehe ich die nächste Folge ein wenig vor (höhö), um schnell auf sie antworten zu können.
      Erstmal aber danke an euch beide dafür!

      @Leseleff
      Um mal gleich auf den Schluss deines Kommentars vorzugreifen: es kann dich und den Fanstuff nur bereichern, wenn du deine Fanfic hier postest. Wie Lenant schrieb, helfe ich gerne dabei, deinen Schreibstil zu verbessern - sofern das überhaupt nötig werden sollte. Also tu dir keinen Zwang an. ^^

      Dann um auf deine Kritik zu reagieren: wie du selber sagtest, die überzogenen Charaktere gehören zum Konzept, da kann ich jetzt schlecht etwas dran ändern. Ich verstehe aber, dass das nicht jedem zusagt und hoffe, dass es trotzdem in einem erträglichen Maß ist. Die andere Kritik zu der Vermischung der realen und YGO-Welt kann ich auch verstehen, auch wenn das ebenso teilweise zum Konzept gehört. Dazu sollte ich aber erwähnen, dass ich immer offen lassen wollte, ob diese Fanfic in der realen oder der YGO-Welt spielt. Falls ich irgendwann mal auf die Idee kommen sollte, letztere mit einzubeziehen, was bisher aber nicht der Fall ist.
      Du hast aber recht, mittlerweile ärgert es mich auch ein wenig, die Duel Disk nach dem Battle City-Turnier benannt zu haben, da das immer wieder zu irritieren scheint. Aber gut, das nächste Mal bin ich schlauer.

      Das rüberziehen der Folge dauert ja nach Länge etwa eine Viertel- bis halbe Stunde, da ich hier nochmal alles formatieren muss. Das eigentliche Schreiben ist viel mühseliger, wie du sicherlich auch noch merken wirst. Aber auch die Mühe wert. ^^

      Jedenfalls danke für deinen Kommentar!


      @Lenant
      Auch dir danke ich ganz herzlich noch einmal.
      Ja, die 25 war mehr zur Einstimmung auf die kommenden Episoden gedacht. Im Grunde startet mit ihr eine Art Countdown, wo jede Folge einen der verbliebenen Tage bis zum großen Finale darstellt. Dass Levrier die treibende Kraft hinter Anyas Ambitionen ist hast du richtig erkannt. Wobei ich weitere Kommentare dazu erstmal nicht abgeben kann/möchte, ob ihre Entscheidung denn nun nachvollziehbar ist. Das muss jeder für sich entscheiden.

      Drazen ist einer meiner Lieblings-Nebencharaktere, obwohl er relativ wenig Screentime hat. Er ist derjenige, an dem sich selbst ein Nick die Zähne ausbeißt und ich bezweifle, dass das nun ohne Ninas Anwesenheit anders gewesen wäre.
      Zu Nick muss man auch sagen, dass er ziemlich gewissenlos agieren kann und es auch tut, wenn er daraus Vorteile gewinnen kann - nicht für sich, sondern für andere, z.B. um Abbys Selbstbewusstsein durch die Nina-Aktion wieder zu stärken.


      Viel Spaß mit der nächsten Folge!

      Turn 27 – Friends
      „Der Test war heute ziemlich schwer“, sprach Abby abgespannt, als sie, Anya und Nick zusammen das große Backsteingebäude ihrer Schule verließen. „Aber ich denke, ich habe fast alles richtig beantwortet.“
      Die Blondine an ihrer Seite, mit hinter dem Kopf verschränken Armen, starrte missmutig zu ihrer Freundin herüber. „Fang bloß nicht an zu heulen, wenn du nicht die volle Punktzahl bekommst!“
      „Ich heule wegen so etwas nicht!“, brüskierte sich das Hippiemädchen daraufhin.
      Zusammen gingen sie über das kreisrunde Campusgelände hin zum Tor, um endlich der Folteranstalt Schule zu entkommen und den wohlverdienten, freien Nachmittag genießen zu können.
      „Hehe … ich habe dieses Mal meinen Namen richtig geschrieben“, gluckste Nick stolz, „in Spiegelschrift.“
      Und wurde glatt von den beiden Mädchen ignoriert.
      „Was machst du heute noch?“, fragte Abby, als sie vor dem Tor angekommen waren, an Anya gewandt.
      Die stöhnte genervt. „Nichts Besonderes. Ein paar Erledigungen.“

      Zwei Scherben haben wir bereits aufgeladen, Anya Bauer. Doch wir sollten uns sputen, es fehlen noch drei weitere. Es wäre gut, wenn wir für heute zumindest eine weitere mit Marcs Elysion aus dem Park aufladen können. Damit blieben danach nur noch Victim's Sanctuary und die Kanalisation.

      „Nichts Wichtiges“, log Anya ihre Freunde daraufhin an.
      „Hehe, ich und Abby gehen heute aus“, gluckste Nick daraufhin amüsiert.
      Nur, dass Erstere davon scheinbar nichts wusste und sich pikiert umdrehte. „Wie bitte!?“
      Doch schon hatte sich Nick unter ihrem Arm eingehakt. „Wird ganz romantisch. Wünsch' mir Glück, vielleicht zeigt sie mir ihre Brüste.“
      „Waaaaaas!?“, fauchte Abby knallrot, konnte sich aber nicht dagegen wehren, von dem großen jungen Mann davon geschleift zu werden.
      „Was ist denn mit dem los!?“, wunderte sich Anya verwirrt, die den beiden nachsah, wie sie über die Straße rannten und anfingen sich zu streiten.

      Vielleicht ist er eifersüchtig, jetzt da Benjamin Hendrik Ford bei Abby wohnt.

      Anya winkte abfällig ab. „Ich glaube, damit will ich nichts zu tun haben. Wir haben andere Sorgen.“
      Noch fünf Tage, dann war es soweit. Dann würde sie im Turm von Neo Babylon Eden werden …

      ~-~-~


      „Lass mich endlich los!“, beklagte sich Abby, die hinter Nick her geschleift wurde. Nur aufgrund ihrer pazifistischen Einstellung sah sie davon ab, ihm einen Tritt in sein schwaches Geschlecht zu verpassen.
      „Wir sind da“, meinte er plötzlich ernst.
      Abby blinzelte verdutzt und folgte seinem Blick. „Oh!“

      Auf der anderen Straßenseite erstrecke sich ihnen ein großer Spielplatz. Buddelkästen, Schaukeln, Rutschen, alles was ein Kinderherz begehrte war hier eigens für die junge Generation erbaut worden. Die Sonne stand bereits tief am Horizont und tränkte diesen in melancholisches Rot.
      „Was wollen wir denn hier?“, fragte Abby verwirrt und folgte Nick über die Straße. „Sag bloß nicht, dass du mich hier daten willst!?“
      „Das habe ich nur als Vorwand genommen, um von Anya loszukommen“, erhielt sie jedoch stattdessen als Antwort.
      Überrascht schloss das Mädchen daraufhin zu ihrem Freund auf und sah ihn nun vollkommen verwirrt an. „W-wieso das?“
      „Wir müssen uns unterhalten. Über Anya und wie es weitergehen soll.“

      Kurz darauf betraten sie den Spielplatz. Abby löste sich von ihm und stellte sich nachdenklich vor eine der Schaukeln. Erinnerungen wurden wach.
      „Hier haben wir drei immer gespielt“, murmelte sie. „Anya, du und ich.“
      Nick stellte sich hinter sie. „Ja. Das ist jetzt schon so lange her, dass ich mich kaum noch daran erinnern kann. Aber auch wenn wir jetzt schon längst aus dem Alter raus sind, ist es schön, ab und zu wieder hierher zu kommen.“
      Er schritt an ihr vorbei und setzte sich auf eine der Schaukeln, ohne jedoch die Anstalt zu machen, Anlauf zu nehmen.
      Abby tat es ihm gleich und sah ihn von der Seite verdutzt an. „Ich wusste gar nicht, dass du so feinfühlig sein kannst. Irgendwie bist du heute komisch!“
      „Ich bin schon mein ganzes Leben komisch“, antwortete Nick und ließ den Kopf hängen, „fragt sich nur, welcher Nick komischer ist.“
      „Du meinst, der Nick, der dümmer als das ganze Footballteam zusammen ist, oder der Nick, der so schlau ist, dass er eine ganze Klasse überspringen könnte?“
      Überrascht blickte Nick auf. „Du-du weißt, dass ich-“
      Nun war es an Abby, den Blick zu senken. Sie nahm etwas Anlauf und begann zu schaukeln. „Weißt du, niemand kann so dumm sein, wie du es uns weiß machen wolltest. Ich habe immer gedacht, dass hinter dir mehr steckt. Spätestens seit deinem Duell mit Melinda …“
      „Du hast mich also die ganze Zeit durchschaut?“
      Abby schüttelte den Kopf. „Nein, ich hatte nur manchmal einen Verdacht, aber nie konkrete Beweise. Bis eben zumindest. Aber wirklich überraschen tut es mich nicht, nein.“
      „Und Anya?“
      Nun kicherte das Mädchen. „Ich glaube, die ahnt nichts davon. Solange ich keine Beweise hatte, wollte ich sie nicht darauf ansprechen.“
      Nick sah in den roten Himmel. „Verstehe … würdest du sie in dem Glauben lassen, dass ich minderbemittelt bin?“
      Überrascht blickte Abby zu ihm herüber. „Wieso? Ich meine, natürlich, wenn du es möchtest. Aber ich verstehe nicht ganz, warum du überhaupt … ?“
      Mit einem Lächeln erwiderte er ihr: „Nicht so wichtig. Sagen wir einfach, es macht mir Spaß.“
      „Du bist wirklich komisch“, brummte Abby schmunzelnd, ehe beide anfingen zu lachen.

      Eine Weile betrachteten sie zusammen den Sonnenuntergang, ehe Nick wieder das Wort ergriff. „Es ihr jetzt noch zu sagen, würde ihr vermutlich nicht bekommen.“
      „Anya?“ Abby stieß einen traurigen Seufzer aus. „Oh … ja. Sie wird …“
      „Sie wird sie alle töten.“
      „Huh!?“
      Abby fiel vor Schreck von der Pritsche und landete im Sand, die getönte Brille fiel ihr von der Nase. Sofort sprang Nick von der Schaukel, sammelte die Brille auf und gab sie seiner Freundin, die ihn aus verwirrten Augen anstarrte, während sie aufstand. „W-was meinst du damit?“
      „Anya. Sie hat uns angelogen. Sie kennt keinen Ausweg aus ihrer Situation und hat sich offensichtlich damit abgefunden, Eden zu werden. Um die anderen in den Turm zu locken, hat sie sich die Geschichte ausgedacht, die sie uns vorgestern erzählt hat.“
      Sofort wich Abby von ihm zurück. „Anya würde so etwas nie tun! Sie kämpft bis zum Schluss!“
      „Hast du es nicht gesehen?“, fragte Nick, der mit so einer Reaktion gerechnet hatte. „Ihre Körpersprache hat sie verraten. Sie hat niemandem von uns in die Augen gesehen.“
      „Wieso erzählst du mir das überhaupt!?“
      „Weil du ihre beste Freundin bist und dazu die Einzige … die sie davon abhalten kann.“
      Abby starrte Nick fassungslos an. „S-selbst wenn das stimmt, was du sagst – und das tut es nicht! Das würde doch bedeuten, dass sie im Limbus endet! Weißt du überhaupt, was das ist!?“
      „Nein, aber ich kann es mir denken“, erwiderte Nick und mied Abbys aufgewühlten Blick. „Ich habe selbst alles versucht, um einen Ausweg für sie zu finden. Aber alles, was ich herausgefunden habe, hat sich als falsch oder zwecklos herausgestellt. Und dass du dich immer noch nicht traust, Anya auf die Sache mit dem Betrüger und diesem Necronomicon anzusprechen, heißt nur, dass es dir nicht anders geht.“
      „Was meinst du damit!? Nick, erklär' dich!“
      Nun sah Nick das Mädchen wieder mit festem Blick an. „Gestern habe ich einen Mann namens Drazen getroffen. Wer das ist, erzähle ich dir später. Aber laut ihm könnte der Pakt aufgelöst werden, wenn Anya und Levrier sich dazu einigen.“
      „Aber das wird nie geschehen!“
      Mit einem Nicken stimmte er ihr zu. „Exakt. Und genau deshalb möchte ich verhindern, dass in fünf Tagen, vielleicht um diese Zeit, fünf unschuldige Menschen ihr Leben verlieren werden.“

      Abby wich noch weiter von ihm zurück. Der Sand unter ihren Füßen knirschte leise, als sie sich Schritt für Schritt von Nick entfernte. Sie schüttelte den Kopf vehement. „Du glaubst das also wirklich? Dass Anya so etwas Schreckliches tun will?“
      „Ja“, erwiderte der große, junge Mann daraufhin entschlossen, „aber ich glaube, dass nicht nur sie das will.“
      Was dazu führte, dass Abby einen erschrockenen Seufzer ausstieß.
      Nun streckte Nick ihr energisch die Hand entgegen. „Verstehst du nicht? Hier geht es nicht nur um Anya! Irgendetwas oder irgendwer zieht hier die Fäden! Immer wenn Not am Mann ist, wird ein Pakt geschlossen, der rein zufällig ein Opfer für Edens Erwachen bereitstellt. Das kann doch kein Zufall sein!“
      Verwirrt stolperte das brünette Mädchen noch weiter zurück. „Aber wie kommst du auf so etwas? Wer sollte denn-!?“
      „Ich weiß es nicht! Aber niemand konnte uns bisher mit Gewissheit sagen, was Eden nun wirklich ist!“

      Er wusste, dass dies eine Lüge war. Drazen hatte es ihm gesagt: Eden war ein Tor. Wohin, das hatte er ihm zwar verschwiegen, aber Nick ahnte Fürchterliches. Sollte Eden geöffnet werden, könnte etwas Schreckliches geschehen. Denn wer wusste schon, was hinter diesem Tor lag?
      Nur jemand, der Interesse daran hatte, es zu öffnen. Und dafür Anya missbrauchte. Jemand wie Levrier …
      Dieses Tor durfte nicht geöffnet werden. Das hatte er gestern nach langem Grübeln und einer schlaflosen Nacht erkannt. Auch wenn das bedeutete, dass Anya … leiden musste.

      „Das ist doch an den Haaren herbeigezogen!“, beklagte sich Abby nun aufgebracht. „Wer außer Levrier sollte wollen, dass Eden erwacht? Und Levrier weiß nicht, was Eden ist, wie du schon sagtest!“
      „Es gibt aber noch andere von Levriers Sorte!“
      „Aber keiner von denen scheint bemüht zu sein, Anya wirklich zu helfen! Die Engel zählen nicht, Matts Paktdämon ist neutral und Isfanel eindeutig dagegen, dass Eden erwacht!“

      Die Engel, dachte Nick insgeheim. Was sie im Schilde führten wusste keiner. Auch sie könnten diejenigen sein, die hinterrücks die Fäden in der Hand hielten.

      „Und außerdem“, beklagte Abby sich weiter über Nicks Worte, „selbst wenn alles, was du sagst stimmen würde … würdest du Anya einfach so im Stich lassen? Du hast keine Ahnung, was der Limbus ist!“
      „Wäre dir eine Katastrophe lieber!? Denkst du, dass ich Anya so einfach loslassen kann!?“ Nick stampfte auf. „Sie ist genauso meine Freundin!“
      „Was du sagst, ist einfach nur hinterhältig!“ Tränen standen in den Augen des Mädchens, welches die Brille abnahm, um sie sich mit dem Handrücken abzuwischen. „Ich hätte nie gedacht, dass du so grausam bist …“
      „Ich liebe Anya! Mein ganzes Leben habe ich eine Rolle für sie gespielt!“ Auch Nick war so aufgebracht, dass seine Wangen langsam benetzt wurden. „Dass sie meine Liebe nie erwidern wird ist okay, damit habe ich mich schon lange abgefunden! Mein Plan war es, erst wieder 'Nick' zu sein, wenn sie glücklich ist! Aber sie wird nie glücklich sein, Abby! Nie! Egal, was wir tun!“
      „Wie kannst du … wie kannst du so etwas nur Liebe nennen!?“ Abby keuchte regelrecht vor Wut, ihre Augen verfärbten sich rosa. Mit ausgestrecktem Arm zeigte sie auf Nick. „Dass du sie einfach so über die Klinge springen willst, weil du Gespenster siehst … das kann ich nicht zulassen! Nick! Wir sind jetzt Feinde!“

      Der brünette Junge wich fassungslos zurück, erwiderte nicht minder aufgebracht: „Das kann nicht dein Ernst sein!“
      Doch als Antwort schlug ihm ein heftiger Wind entgegen, der von Abby ausging. Ihr Haar wuchs auf beträchtliche Länge an, schwebte in der Luft, doch schien ihre Verwandlung in eine Sirene unvollständig.
      Das Mädchen ließ ihre Umhängetasche aus zusammengenähtem Stoff sinken und holte daraus eine kleine Actionfigur hervor, nahm ihr die Duel Disk an ihrem Arm ab und ließ sie durch ihre Kräfte anwachsen, ehe sie von einem Original nicht mehr zu unterscheiden war.
      „Tut mir leid, Nick“, sprach Abby schluchzend, „aber du bist wirklich ein riesengroßer Idiot!“
      Damit legte sie sich den Apparat an den Arm an und wartete darauf, dass er es ihr gleich tat.
      Aber Nick weigerte sich. „Worum kämpfen wir hier überhaupt!?“
      Er erhielt eine Antwort purer Verzweiflung. „Ich weiß es nicht! Aber was soll ich sonst tun!?“
      „Gute Frage.“ Nick schluckte und ließ seinen Rucksack sinken, holte ebenfalls eine Duel Disk hervor. In ihrem jetzigen Zustand würde sie sich nicht dazu breit schlagen lassen, die Dinge anders zu klären. Selbst eine Abigail Masters konnte dickköpfig sein.
      Nick seufzte. „Aber wenn ich du wäre, würde ich vermutlich nicht anders handeln. Manchmal ist es ein Fluch … ich zu sein.“
      Damit legte auch er seine Duel Disk an. Beide schrien synchron: „Duell!“

      [Abby: 4000LP / Nick: 4000LP]


      Nick wusste, dass dieses Duell keinen Sinn besaß. Es war nichts weiter als der Ausdruck von Abbys Verzweiflung. Wie konnte sich eine so friedliebende Seele wie sie auch mit dem Gedanken anfreunden, dass Anya zu etwas derart Schrecklichem fähig sein könnte? Fünf Menschen zu töten.
      Wenn von Eden nicht diese unbegreifliche Gefahr ausging, die außer ihm niemand zu sehen schien, würde Nick es zulassen. Gehen lassen musste er Anya sowieso. Aber dann sollte es wenigstens auf die für sie angenehmste Weise geschehen.
      Aber sollte er das zulassen, sie zusammen mit Levrier Eden werden lassen, könnte das wie ein Bumerang auf sie alle zurückfallen. Eden, das verfluchte Tor.
      „Wohin führst du?“, murmelte er zu sich selbst und zog sein Startblatt. „Ich beginne, schließlich bin ich Ursache für das alles. Draw.“
      Er musste die Ruhe bewahren. Abby, sie versuchte mit aller Kraft, sich zu beherrschen und ihr Blut unter Kontrolle zu halten. Aber diese Verbitterung in ihrem Blick. Lag das wirklich nur an der Wahrheit hinter Anyas Absichten? Oder gab es da noch etwas anderes?
      Bevor er jedoch eine Karte ausspielte, betätigte er ein Knopf unterhalb seiner Duel Disk. Das Sicherheitssystem war nach wie vor deaktiviert, weswegen er es zunächst einschalten musste. Schließlich wollte er Abby nicht verletzten.
      Das getan, rief er schließlich: „Den Auftakt macht [Wind-Up Knight]!“
      Vor Nick erschien ein weißer Spielzeugritter, kaum mehr als einen Meter groß und hielt schützend Schild und Schwert bereit. Aus seinem Rücken ragte ein Aufziehschlüssel.
      Nick schob eine Karte in die Backrow seiner Duel Disk. „Diese hier verdeckt. Du bist dran.“
      Die Karte materialisierte sich in liegender Position vor ihm.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Oh Nick, was denkst du dir bloß?“, jammerte Abby und zog. „So etwas zu sagen … Anya ist unsere Freundin!“
      „Aber selbst Freunde muss man irgendwann loslassen können.“
      „Ach ja!? Dafür, dass du sie angeblich liebst, kannst du ja ziemlich leicht loslassen!“ Abby biss sich auf die Lippe, ihr Haar verfärbte sich an einigen Stellen weiß. „Wer Freunde wie dich hat, braucht keine Feinde mehr!“
      Aufgeregt griff sie nach einem Monster in ihrer Hand. „Los, [Naturia Pumpkin]! Und wenn der beschworen wird, ruft er, solltest du ein Monster kontrollieren, ein weiteres Naturia-Monster von meinem Blatt! [Naturia Tulip]!“
      Gleich zwei Monster auf einmal tauchten vor Abby auf. Das erste war ein grüner Kürbis mit Gesicht, der auf zwei Beinen lief. Daneben wuchs eine kleine, rote Tulpe, deren Kopf größer war als ihr ganzer Körper. Ihre blauen Augen strahlten regelrecht vor Freude, von Abby eingesetzt zu werden.

      Naturia Pumpkin [ATK/1400 DEF/800 (4)]
      Naturia Tulip [ATK/600 DEF/1500 (2)]

      Abby streckte den Arm weit aus. Ihre Monster stiegen in die Luft auf, die Tulpe zersprang in zwei grüne Ringe. „Ich stimme meine Stufe 2-[Naturia Tulip] auf den Stufe 4-[Naturia Pumpkin] ein! Oh great god of the east! Scare my enemies with your mighty presence! Synchro Summon! Descent down, [Naturia Barkion]!“
      Ein greller Lichtblitz schoss durch die zwei Ringe, aus dem daraufhin ein gewaltiger, schlangenhafter Drache flog. Sein grauer Leib war bedeckt von Rinde, die als Schuppenschicht zum Schutze des Drachen diente. Sich vor Abby ausbreitend, brüllte er stolz.

      Naturia Barkion [ATK/2500 DEF/1800 (6)]

      Das war ein guter Schachzug, dachte Nick insgeheim. Mit Barkion konnte sie jede Falle annullieren, solange sie zwei Karten von ihrem Friedhof entfernte. Damit hatte sie seine verdeckte Karte [Overwind] lahm gelegt.
      „Los Barkion, greif seinen Ritter an!“, befahl Abby entschlossen und doch klang deutlich ihr verletztes Gemüt daraus hervor.
      Der Drache glitt in seinem Flug direkt auf den weißen Ritter zu, der schützend seinen Schild erhob.
      „Effekt von [Wind-Up Knight] aktivieren! Nur einmal, solange er offen auf dem Feld liegt, annulliert er einen deiner Angriffe!“
      Mit einem Schweifschlag versuchte Barkion, seinen Erzrivalen niederzustrecken, doch scheiterte an dem robusten Rundschild des Kriegers.
      Nick lachte zufrieden. „Ritter sind dazu geboren, um Drachen zu bekämpfen.“
      „Aber noch lebt mein Drache!“, stellte Abby klar. „Noch einmal gelingt dir das nicht! Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“
      Vor Abby materialisierte sich mit dem Bild nach unten gerichtet eine grün umrandete Karte.

      Schon hatte Nick sein Blatt aufgestockt, besaß jetzt fünf Handkarten. Dass sie nicht zwei Fallen gelegt hatte, kam ziemlich ungünstig. Sein Assmonster, [Wind-Up Arsenal Zenmaioh], konnte pro Zug zwei gesetzte Karten auf dem Spielfeld vernichten. Nur eine mehr und er hätte Abbys Verteidigungsreihe spielend leicht durchbrechen können. Aber vermutlich war auch sie sich dessen bewusst.
      „Du bist wirklich nicht schlecht“, meinte Nick anerkennend und nahm eine dauerhafte Zauberkarte aus seinem Blatt hervor, „ehrlich gesagt finde ich es toll, dass wir uns das erste Mal ernsthaft miteinander duellieren können.“
      „Ach ja?“ Abby lachte bitter. „Stimmt ja, ich weiß ja jetzt um dein Lügengeflecht. Und auf so etwas bist du ernsthaft stolz!?“
      „Es gibt Schlimmeres als das“, erwiderte Nick. Gerade Abby sollte das am besten wissen. „Ich aktiviere [Weights & Zenmaisures]! Danach beschwöre ich [Wind-Up Dog] und aktiviere auch gleich seinen Effekt, um seine Angriffskraft um 600 und seine Stufe um 2 ansteigen zu lassen.“
      Hinter Nick baute sich eine riesige Metallwaage auf, deren Schalen durch ein Pendel unterhalb des Gebildes miteinander verbunden waren. Und während sein Ritter auf die linke Waagschale sprang, tauchte auf der rechten ein kleiner, blauer Mechanikhund auf. Der Aufziehschlüssel auf seinem Rücken begann sich zu drehen, sein zunächst unscheinbares Gewicht drückte die Schale des Ritters tatsächlich nach oben.

      Wind-Up Dog [ATK/1200 → 1800 DEF/900 (3 → 5)]

      „Und nun wähle“, forderte Nick und breitete beide Arme aus. „[Weights & Zenmaisures] nimmt sich pro Zug zwei Wind-Ups und vergleicht ihre Stufen miteinander. Mein Gegner bestimmt dann eines der beiden Monster, das die Stufe des anderen erhält. Solltest du hierbei einem Monster die niedrige der beiden zu vergleichenden Stufen geben, darf ich als Ausgleich eine Karte ziehen.“
      „Aber wenn ich die höhere wähle“, sprach Abby unbekümmert weiter, „ist es für dich leichter, ein starkes Xyz-Monster zu beschwören. Aber davor habe ich keine Angst, tu es ruhig. Dein [Wind-Up Knight] erhält die Stufe 5 des [Wind-Up Dogs].“
      Nick schmunzelte. „Wenn du wütend bist, kannst du richtig süß sein.“
      „W-was!? Mach dich nicht über mich lustig! Das ist ernst!“ Doch obwohl Abby regelrecht vor Zorn spuckte, stieg ihr trotzdem die Röte ins Gesicht.
      Die Waagschalen bewegten sich auf dieselbe Höhe.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4 → 5)]

      „Aber okay, du wolltest es so“, sprach Nick und streckte den Arm aus. „Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Während sich sein Ritter in einen gelben Lichtstrahl verwandelte, nahm der Hund stattdessen die Form eines braunen an. Doch sie beide wurden von dem schwarzen Loch absorbiert, das sich mitten im Spielfeld auftat. „Gib mir die Stärke, meine Feinde zu besiegen! [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]!“
      Aus dem Galaxienwirbel entstieg ein gewaltiger Roboter. Seine rote Lackierung glänzte im Licht der untergehenden Sonne. Einer seiner Arme war mit einem Bohrer bestückt, wohingegen der andere eine raketenartige Faust war, welcher abgekoppelt vom Körper frei neben seinem Besitzer schwebte. Um den Mech kreisten zwei Lichtsphären.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5}]

      „Sorry, aber der ist wohl deinem Drachen überlegen“, sprach Nick zuversichtlich und griff sich eine weitere Zauberkarte aus seinem Blatt. „Damit das auch so bleibt, rüste ich Zenmaioh mit [Xyz Gauntlet] aus. Er erhält pro Rang 100 Angriffspunkte und kann einmal pro Zug nicht durch Karteneffekte zerstört werden. Das ist doch, was du planst, oder?“
      Abby kniff verärgert die Augen zusammen und warf einen Blick hinab zu ihrer gesetzten Karte. Um die Raketenfaust des Roboters erschien ein goldener Schlagring, von dem gelbe Blitze ausgingen.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 → 3100 DEF/1900 {5}]

      „Damit wäre das auch erledigt. Los, Zenmaioh, greife [Naturia Barkion] an! Wind-Up Power Punch!“ Nick zeigte seinem Monster mit ausgestrecktem Arm das Ziel.
      Dieser schoss umgehend seinen Raketenarm auf den grauen Drachen ab. Woraufhin Abbys verdeckte Karte aufsprang. „Nicht so hastig! Ich habe da auch noch ein Wörtchen mitzureden! Der Schnellzauber [Battle Tuned] verbannt einen Empfänger von meinem Friedhof und gibt dessen Angriffspunkte an Barkion weiter!“
      Abby zeigte [Naturia Tulip] vor, ehe sie sie in eine Tasche ihres khakifarbenen Kleides steckte.

      Naturia Barkion [ATK/2500 → 3100 DEF/1800 (6)]

      „Gleichstark!?“, schoss es aus dem verblüfften Nick heraus.
      Abby stand das schlechte Gewissen ins Gesicht geschrieben, als sie zu ihrem Monster sagte: „Verzeih mir, Barkion, dass ich nicht mehr für dich tun kann! Bitte, leite dennoch einen Gegenangriff ein!“
      Als würde der Drache sie verstehen, nickte er und nutzte seinen massiven Schweif, um die Raketenfaust mit voller Wucht zurück zu ihrem Besitzer zu schleudern. Doch das führte dazu, dass der Drache verletzt wurde und unter einem Schrei in tausend Teile zersprang, während Nicks Monster in einer Explosion unterging.
      „Sieh, was du getan hast!“, beklagte sich Abby bitter.
      Nick hingegen schüttelte den Kopf erstaunt. Die schenkte einem echt gar nichts, wenn sie Ernst machte. Und da wollte sie behaupten, er wäre als Feind schlimm?
      Nichtsdestotrotz griff er nach seinem Deck. „Wenn [Xyz-Gauntlet] vom Feld auf den Friedhof gelegt wird, ziehe ich eine Karte.“
      Was er auch umgehend tat. „Man, du hast mir meine ganze Strategie kaputt gemacht. Aber Zenmaioh wird wiederauferstehen, und zwar hiermit! Der Zauberkarte [Zenmailfunction], die ihn in den Verteidigungsmodus vom Friedhof beschwört! Turn End.“
      In kniender Position stieg der rote Roboter vor Nick in die Höhe. Immerhin konnte er jetzt wieder Fallenkarten einsetzen, nun da Barkion fort war, dachte Nick erleichtert.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5}]

      Vor Wut blähte Abby die Wangen auf und wollte nach einem Stein im Sand treten, doch machte sich letztlich nur die Schuhe damit schmutzig, ohne den Stein getroffen zu haben.
      „Solche Gesten passen nicht zu dir“, kommentierte Nick das Bild belustigt.
      Das dachte anscheinend auch Abby, die rot anlief und beschämt ihr Gesicht in ihre Hände vergrub. Innerhalb eines Herzschlags war auch ihre Haarfarbe zumindest wieder braun. „Wie peinlich! Guck weg!“
      „Und ich dachte, ich befände mich hier in einem Todeskampf …“
      Sofort schnappte Abby nach Luft. „D-das tust du auch, d-du Verräter unserer Sandkastenfreundschaft, du, du, du Depp du! Mein Zug, Draw!“

      ~-~-~


      „Warum haben die jetzt eigentlich eine feste Form?“, fragte Anya verwirrt und betrachtete die rote Scherbe in ihrer Hand. Sie leuchtete regelrecht von Innen. Genau wie die anderen, die Anya mit der Energie aus Matts und Alastairs Elysion aufgeladen hatte.

      Höchstwahrscheinlich weil ich ihr eine Form gegeben habe. Ein Elysion liegt zwischen der Grenze des Materiellen und Immateriellen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass sie unter Einfluss meiner Kräfte eine feste Form annimmt.

      Das Mädchen drehte das Stück Mosaik neugierig in ihren Händen und schaute nebenbei immer wieder um sich. Dieser Teil des Livington Parks war immer noch Sperrgebiet, all die Brandspuren wucherten nach wie vor wie eine schreckliche Krankheit auf dem grünen Gelände. Zwar war niemand hier, aber Anya fühlte sich dennoch unwohl.
      Aber vielleicht lag das weniger daran, dass sie in diesem Moment etwas Verbotenes tat, sondern eher daran, was sie noch gedachte zu tun. Den Gedanken daran musste sie verdrängen, sagte sie sich streng. Keiner von diesen Fünf war ihr Freund! Wen interessierte es schon, ob es zwei Dämonenjäger, zwei reiche Schnösel und einen Footballspieler weniger auf der Welt gab? Sie definitiv nicht!
      „Levrier … kannst du nicht etwas gegen das Glockengeläute machten? Das nervt langsam!“, versuchte sie sich abzulenken.
      Denn seit sie damit begonnen hatte, die Scherben aufzuladen, hörte sie immer in der Nähe eines Ortes, an dem ein Pakt geschlossen wurde, ein Läuten aus der Ferne. Was besonders nervig war, da es dank Matt ununterbrochen vor ihrer Gartentür rumorte und sie dadurch Probleme beim Einschlafen hatte.

      Das sind die Glocken des Turms von Neo Babylon. Der Zeitpunkt von Edens Erwachen rückt näher. Nun, da du sie selbst aus der immateriellen Welt hören kannst, bedeutet dies, dass wir unserem Ziel immer näher kommen. Zumindest vermute ich das, da dein Vorgänger sie nicht vernommen hatte. Demnach sprach der Sammlerdämon tatsächlich die Wahrheit.

      „Hurra“, brummte Anya. „Mach einfach, dass es auf-!“

      Anya Bauer, irgendetwas ist merkwürdig. Ich spüre Abbys Sirenenkräfte. Sie sind zwar nicht vollkommen erwacht, aber ich frage mich, warum sie sie benutzt.

      Sofort schreckte das Mädchen auf. „Was sagst du da!? Abby benutzt ihre Kräfte?“
      Konnte sie etwa in einen Kampf verwickelt sein? Doch nicht etwa mit-!?
      „Isfanel!“, schoss es aus Anya heraus.
      Das durfte nicht wahr sein! Was könnte der ausgerechnet von Abby wollen? Sicherlich keine Tipps in Sachen Haarpflege!
      „Wo ist sie jetzt!?“

      Westlich von hier. Aber ich spüre keinen Dämonen in ihrer Nähe.

      „Vielleicht unterdrückt er seine Kräfte! Und seit wann bist du verlässlich!?“
      Anya begann zu rennen. Hoffentlich würde sie Abby rechtzeitig finden, ehe ihr etwas geschah. Sie würde Isfanel bis ans Ende der Welt verfolgen, wenn der Abby auch nur ein Haar krümmte!

      ~-~-~


      Mit trauriger Miene sah Abby zu den Schaukeln herüber.
      Einmal hatten sie und Anya hier um die Wette geschaukelt mit dem Ergebnis, dass sie beide gleichzeitig von der Sitzpritsche in den Sand gefallen waren. Dabei hatte sie selbst bitterlich geweint, doch Anya hatte trotz blutendem Knie Nick, der darüber gelacht hatte, verprügelt, um sie aufzuheitern.
      Auch wenn sie Gewalt hasste war es dieses Mal an ihr, Nick zu verprügeln.

      Sie studierte die Spielsituation. Ihr Feld war leer und sie am Zug mit vier Karten in der Hand. Nick kontrollierte seinen Zenmaioh im Verteidigungsmodus, besaß eine verdeckte Karte, seinen Zauber [Weights & Zenmaisures] sowie zwei weitere Handkarten.
      Aber sie wusste schon, wie sie Nick aus der Reserve locken konnte. Sie nahm ein Monster und legte es auf ihre Duel Disk. „Ich beschwöre [Naturia Marron]! Wenn sie gerufen wird, schickt sie ein Naturia-Monster von meinem Deck auf den Friedhof!“
      Abby suchte aus ihrem Deck [Naturia Beetle] und legte ihn in den Friedhof. Gleichzeitig tauchte vor ihr eine kleine, stachelige Kastanie mit Augen auf.
      „Wie süß“, kommentierte Nick das, ohne dabei Preis zu geben, ob es nur Sarkasmus oder ernst gemeint war.

      Naturia Marron [ATK/1200 DEF/700 (3)]

      „Indem ich einmal pro Zug zwei Naturia-Monster vom Friedhof ins Deck mische, ziehe ich eine Karte“, erklärte sie den Rest des Effekts ihres Monsters, legte [Naturia Beetle] und [Naturia Pumpkin] auf ihr Deck und ließ jenes automatisch von der Duel Disk mischen. Dann zog sie hastig.
      Als Nächstes zückte sie eine Zauberkarte. „Und jetzt [Leodrake's Mane]! Zwar annulliert sie für diesen Zug den Effekt meiner Marron, lässt ihre Angriffskraft dafür aber zu 3000 werden!“
      Nick zog erstaunt eine Augenbraue hoch, als der kleinen Kastanie lauter rote Blätter wuchsen, die sich wie eine Mähne um sie legten.

      Naturia Marron [ATK/1200 → 3000 DEF/700 (3)]

      „Ich setze noch eine Karte verdeckt“, verlautete Abby und ließ ebenjene vor ihren Füßen erscheinen, „und greife danach deinen Zenmaioh an! Selbst ein kleines, süßes Monster wie Marron sollte nicht unterschätzt werden!“
      Mit einem quitschiegen Kampfschrei flog die Kastanie auf den vergleichsweise gigantischen Roboter zu.
      Nicks Finger schwebte über der Taste zur Aktivierung seiner Falle. Doch er zog ihn wieder zurück, denn er wusste, dass er [Overwind] noch später brauchen würde. Zwar konnte er mit der die Verteidigung seines Monsters verdoppeln, aber es würde dafür in der End Phase auf seine Hand, also im Falle eines Xyz-Monsters in sein Extradeck gehen. Verlieren würde er [Wind-Up Arsenal Zenmaioh] demnach so oder so.
      Mit voller Wucht rammte [Naturia Marron] den knienden Roboter, welcher daraufhin umkippte und explodierte. Abby verzog die rosafarbenen Augen hinter ihren getönten Brillengläsern. „Beurteile niemanden nach seinem Erscheinungsbild. Etwas, was man sich bei dir besonders zu Herzen nehmen sollte, Nick! Zug beendet!“
      Als die Kastanie zu Abby zurückkehrte, fielen ihr die roten Blätter vom Leib.

      Naturia Marron [ATK/3000 → 1200 DEF/700 (3)]

      „Ich hätte nie gedacht, dass man den Idioten-Nick mehr mögen würde als mein wahres Ich“, gestand Nick und zog beiläufig.
      Abby schnaufte wütend. „Woran wird das wohl liegen? Du bist kaltherzig, Nick! Der andere Nick war zwar dumm, aber er war …“
      Sie konnte es offensichtlich nicht in Worte fassen.
      „Der alte Nick ist aber eine Lüge“, erwiderte dieser hart.
      Während Nick eine Zauberkarte zückte, seufzte er innerlich. Zwar hatte er geahnt, dass Abby das alles nicht gut aufnehmen würde, aber sie jetzt so verletzt zu sehen? Er hätte einfach die Klappe halten und weiterhin auf eigene Faust versuchen sollen, eine Lösung für das Edenproblem zu finden!
      „Ich aktiviere den permanenten Zauber [Wind-Up Factory]!“, rief er laut. Hinter ihm baute sich ein langes Fließband auf, das vor seiner gigantischen Waage verlief. „Einmal pro Zug, wenn ein Wind-Up seinen Effekt aktiviert, erhalte ich einen seiner Kumpel vom Deck aufs Blatt. Und nun beschwöre ich [Wind-Up Soldier]! Und dazu, weil ich ein Wind-Up beschworen habe, kommt gleich noch [Wind-Up Shark] als Spezialbeschwörung!“
      Seine letzten beiden Handkarten auf die Duel Disk legend, tauchten vor ihm ein grüner Spielzeugroboter mit magnetförmigem Kopf und ein blauer Spielzeughai auf – aus beiden ragte ein Aufziehschlüssel.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 DEF/1200 (4)]
      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4)]

      Nick streckte den Arm aus. „Und nun aktiviere ich Soldiers Effekt, wodurch seine Stufe und Angriffskraft für einen Zug ansteigt. Zumal Sharks Beschwörungseffekt meine [Wind-Up Factory] in Gang gesetzt hat, wodurch ich mir [Wind-Up Rat] ins Blatt nehmen kann.“
      Aus Nicks Duel Disk schoss eine einzelne Karte heraus, die dieser mit den Fingern hinauszog. Gleichzeitig bewegte sich hinter ihm das Fließband, auf dem ein Paket erschien, aus dem eine blaue Spielzeugratte sprang und im Nichts verschwand. Ebenfalls analog dazu begann der Aufziehschlüssel des Soldaten in dessen Rücken sich rapide zu drehen.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 → 2200 DEF/1200 (4 → 5)]

      „Und jetzt, [Wind-Up Soldier], Angriff auf [Naturia Marron]!“, befahl Nick. Das sollte reichen, dachte er zufrieden mit Blick auf seine gesetzte Karte. Dann betätigte er den Knopf an seiner Duel Disk, um sie aufspringen zu lassen. „Falle: [Overwind]! Sie verdoppelt die Werte meines Soldaten, aber er muss in der End Phase auf meine Hand zurück!“
      „Ah!“, stieß Abby erschrocken hervor, als sich der Aufziehschlüssel am Rücken des ein Meter großen Roboters noch wilder zu drehen begann. „Das wären ganze 4400 Angriffspunkte!“
      „So ist es.“
      „Nein, ist es nicht!“, widersprach Abby und ließ nun ihre gesetzte Karte aufspringen. „Los, [Exterio's Fang]! Wenn ich ein Naturia-Monster kontrolliere, kann ich damit eine Zauber- oder Fallenaktivierung annullieren. Danach werfe ich eine Karte ab!“
      Aus Abbys Konterfalle schoss ein weißer Fangzahn, der Nicks [Overwind]-Karte aufspießte. Sofort verharrte der Aufziehschlüssel auf [Wind-Up Soldiers] Rücken daraufhin in Bewegungslosigkeit, als dieser mit seiner Zangenhand die Kastanie zerquetschte.

      [Abby: 4000LP → 3000LP / Nick: 4000LP]


      „Man“, murmelte Nick und kratzte sich nachdenklich am Kopf, „ich hätte nie gedacht, dass ich so lange brauchen würde, um dir Schaden zuzufügen. Du bist wirklich gut!“
      Abby, die sich einer ihrer beiden Handkarten entledigte, schüttelte nur mit bitterer Miene den Kopf. „Du nimmst das hier gar nicht ernst! Dir ist es offensichtlich egal, wie andere fühlen!“
      „Ich denke nur, dass dieser Kampf sinnlos ist“, erwiderte Nick, „wir beide wissen schließlich, dass du mir nie etwas tun würdest. Egal, ob ich dich enttäuscht habe oder nicht.“
      Abby ballte eine Faust und biss sich auf die Lippen. Ihr langes Haar begann durch die Luft zu schweben und verfärbte sich an einigen Stellen wieder weiß. „Sei dir da nicht so sicher, Nick. Ich bin gewissermaßen auch eine gespaltene Persönlichkeit. Die Sirenenabby ist anders, als der Streber, den du in mir siehst.“
      Nick atmete tief durch. „Dann werde ich dir keine Angriffsfläche bieten, so einfach ist das. Los, [Wind-Up Shark], direkter Angriff!“
      Unter lautem Gekrächze flog sein Spielzeughai auf Abby zu und biss ihr in die Schulter, doch sie schüttelte ihnen spielend leicht von sich ab.

      [Abby: 3000LP → 1500LP / Nick: 4000LP]


      Sie ist wirklich hart, musste Nick insgeheim anerkennen. Obwohl er sie nach und nach in die Enge trieb, blieb sie standhaft. Ihr war wirklich etwas daran gelegen, Anyas Namen zu verteidigen. Aber sie verdrängte damit nur die Wahrheit. Es war besser, diese jetzt zu akzeptieren, als später, wenn Anya ihr Vertrauen mit Verrat bestrafte. Aber dann war sie fort und Abby würde ewig mit gebrochenem Herzen zurückbleiben, ohne sich je mit Anya aussprechen zu können.
      Nein, was er tat, war schon richtig.
      „Ich benutze nun den Effekt von [Weights & Zenmaisures]!“ Seine beiden Monster sprangen je auf eine Waagschale hinter ihm, wobei der Soldat den Hai mit seinem Gewicht nach oben hievte. „Du wählst eine der beiden Stufen meines Monsters aus, die dann beide erhalten. Nimmst du die niedrigere, darf ich eine Karte ziehen. Wähle die höhere, und ich kann problemlos ein weiteres Rang 5-Monster beschwören.“
      Die Frage war nur, woher er dieses nehmen sollte. Zenmaioh war sein einziges gewesen und der lag nun auf dem Friedhof. Zumal er mit Sharks Effekt dessen Stufe ohnehin auf 5 hätte erhöhen können. Nein, er -wollte-, dass Abby dieses Mal die niedrigere Stufe wählte.
      Man sah ihr an, dass sie sich bei der Entscheidung schwer tat. Besonders weil sie keine Ahnung hatte, was Nick noch in petto haben könnte. Sie wusste praktisch nichts über seine Art zu duellieren. Das Mädchen schluckte, ehe sie mit fester Stimme verlauten ließ: „Stufe 4.“
      Schon glichen sich die Waagschalen wieder aneinander an.

      Wind-Up Soldier [ATK/2200 DEF/1200 (5 → 4)]

      „Das kleinere Übel, hmm?“, fragte Nick und zog eine Karte. „Ob das so klug war?“
      „Du machst mir keine Angst! Wenn jemand Angst haben müsste, dann du vor mir!“, fauchte Abby aufgebracht. Weitere Teile ihres langen Haares verfärbten sich und auch ihre Stimme gewann einen tiefen, melodischen und zugleich doch rauchigen Klang. „Du weißt, was ich bin …“
      „Eine überreagierende Mutter Teresa“, erwiderte Nick lachend, „vor dir kann man keine Angst haben, selbst wenn du es wirklich ernst meinen würdest.“
      Abby lief abermals rot an, biss sich mit fast heraus ploppenden Augen auf die Lippen. Mit in seine Richtung erhobener Faust rief sie wieder in ihrer alten Stimme: „Ich-mein-es-ernst!“
      Nick putzte sich aber nur mit dem kleinen Finger das Ohr. „Erzähl das jemandem, der dich nicht schon sein ganzes Leben lang kennt … Ich erschaffe das Overlay Network.“
      Zunächst wollte Abby widersprechen, doch verstummte, als sich ein schwarzes Loch mitten im Spielfeld auftat. Nicks Monster wurden in blauen und braunen Lichtstrahlen dort hineingezogen und durch einen großen, grünen Kampfroboter ersetzt.
      „Los, [Wind-Up Zenmaister].“ Nick klang dabei derart gelangweilt, dass Abby vor lauter Wut begann, merkwürdige Schimpfgeräusche von sich zu geben.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/1900 → 2500 DEF/1500 {4}]

      Als die zwei um Zenmaister kreisenden Lichtsphären begannen, ihn durch Stromstöße mit Energie zu versorgen, erklärte Nick: „Zenmaister bekommt pro Xyz-Material an ihm 300 Angriffspunkte. Zug beendet.“

      „Dir werde ich eine Lektion in Sachen wahrer Freundschaft erteilen“, verlautete Abby mit aufgeblasenen Wangen, „und darin, mich zu unterschätzen! Draw!“
      Vor sich dahin murmelnd, huschte der Anflug eines Lächelns über Nicks Gesicht. „Na bitte, immerhin beruhigst du dich schon ein wenig.“
      Ihre gezogene Zauberkarte in die Luft haltend, rief Abby: „Komm zurück, [Wind-Up Soldier]! [Monster Reborn]!“
      Vor ihr tauchte daraufhin Nicks kleinerer, grüner Spielzeugroboter mit dem Magnetkopf auf. Der Aufziehschlüssel an seinem Rücken begann sich zu drehen.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 → 2200 DEF/1200 (4 → 5)]

      „Ich aktiviere seinen Effekt!“
      Nick erwiderte unbekümmert. „Und damit auch den meiner [Wind-Up Factory].“
      Hinter ihm setzte sich das Laufband wieder in Bewegung. Er griff nach seinem Deck und zeigte sein Monster vor. „Ich füge meiner Hand [Wind-Up Hunter] hinzu.“
      „Ach ja?“ Abby schnaufte aufgebracht. „Und -ich- aktiviere [Glow-Up Bulbs] Effekt von meinem Friedhof! Ich lege die oberste Karte von meinem Deck ab und kann sie nur einmal während des Duells wiederbeleben!“
      Die halbverwandelte Sirene nahm von ihrem Deck [Naturia Hydrangea], schickte sie auf den Friedhof und ließ stattdessen eine Blumenzwiebel mit Auge auf dem Spielfeld erscheinen.

      Glow-Up Bulb [ATK/100 DEF/100 (1)]

      „Bevor du mir irgendetwas unterstellst: ich habe die Karte vorhin bei der Aktivierung von [Exterio's Fang] abgeworfen!“, stellte Abby wütend klar. „Und jetzt rufe ich noch als Normalbeschwörung [Naturia Beans]!“

      Naturia Beans [ATK/100 DEF/1200 (2)]

      Und während vor ihr eine kleine Hülse mit drei Bohnen darin erschien, welche allesamt Augen besaßen, kratzte sich Nick überrascht an den Kopf. Ihm war gar nicht bewusst gewesen, wie empfindlich Abby sein konnte. „Nimmst du mir irgendetwas übel?“
      „Ja! Dass du Anya nicht vertraust! Und schlimmer noch, dass es dir vollkommen egal ist, was mit ihr passiert!“
      Stöhnend faste sich der große, junge Mann an die Stirn. „Prima, Nick. Nun sind wir wieder ganz am Anfang gelandet …“
      Hätte er doch nur seinen Mund gehalten. Trotzdem entgegnete er ihr: „Dann hast du aber nicht gut zugehört. Es ist mir nicht egal-“
      „Ich will das gar nicht hören!“, klagte Abby nun wieder mit Tränen in den Augen. „Wegen dir geht unsere Freundschaft kaputt! Wegen dir weiß ich nicht mehr, was richtig noch falsch ist!“
      „A-“
      Abby stampfte schluchzend auf. „Genug davon!“
      Sie wischte sich das Nass aus den pinken Augen und streckte den Arm in die Höhe. „Ich stimme meine Stufe 1-[Glow-Up Bulb] auf meine Stufe 2-[Naturia Beans] und deinen Stufe 5-[Wind-Up Soldier] ein! Da sie alle vom Element Erde sind, kann ich das tun! Oh great god of the south, protect the weak under your mighty wings! Synchro Summon! Arise, [Naturia Vermilion]!“
      Ihre Blumenzwiebel zersprang in einen grünen Ring, den die anderen beiden Monster passierten. Jene beiden verformten sich zusammen zu einem gewaltigen roten Vogel, der in die Lüfte stieg und um das Spielfeld zu kreisen begann. Von feuerroter Farbe, war sein Federkleid aus etlichen Laubblättern gemacht, während sein langer Schweif aus ineinander verflochtenen Ranken bestand. Majestätisch bezog er über Abby Stellung und wirbelte mit seinem Flügelschlag den Sand des Spielplatzes unter ihnen auf.

      Naturia Vermilion [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      „Zhū Què, der rote Vogel des Südens aus der chinesischen Mythologie. Den setzt du äußerst selten ein“, merkte Nick beim Anblick des eindrucksvollen Wesens erstaunt an. „Warum eigentlich?“
      „Weil er-“ Doch Abby brach ab. Auch ihr Blick lag auf dem Vogel, doch in ihm spiegelte sich tatsächlich Abneigung und kein Stolz wieder. Und das hatte nichts mit seiner Person zu tun, erkannte Nick. Allerdings wollte er sie nicht schon wieder aufregen, indem er weiter nachbohrte.
      Abby ließ von dem Vogel ab und sah Nick an. Hin und her gerissen von ihrer Wut auf ihn und der Angst um die Freundschaft zwischen ihm, ihr und Anya.
      „Du interessierst dich für chinesische Mythologie?“, fragte sie tonlos.
      „Ein bisschen.“
      „Dann“, ihre Stimme veränderte sich so schnell, dass selbst Nick erschrocken zusammenzuckte, „nimm eine Kostprobe! Zerstöre [Wind-Up Zenmaister]!“
      Den Arm ausgestreckt, zeigte Abby mit wütender Fratze auf den Roboter.
      Der karmesinrote Vogel über ihr setzte zum Sturzflug an und fegte über das Feld wie ein Düsenjet. Dabei griff er mit den Klauenfüßen seinen Feind, riss ihn mit sich und schleuderte ihn noch im Flug in Nicks Richtung. Jener erkannte die Gefahr, in der er schwebte und machte einen Hechtsprung zur Seite, sodass das Wurfgeschoss sein Ziel verfehlte und stattdessen in eine der Rutschen hinter Nick krachte, die unter lautem Getöse umkippte. Daraufhin zersprang Zenmaister in tausend Stücke.

      [Abby: 1500LP / Nick: 4000LP → 3800LP]


      „Zug beendet“, hauchte Abby ihm verführerisch zu.
      Erschrocken musste Nick feststellen, dass ihr Haar nun gänzlich weiß geworden war. Sofort wandte er den Blick ab, aus Angst, ihrer betörenden Ausstrahlung zu verfallen. Sie hatte tatsächlich die Kontrolle über ihre Kräfte verloren!
      Zögerlich erhob sich Nick, bewusst zu den Schaukeln herüber starrend. „Verwandle dich bitte zurück, bevor dich noch jemand so sieht!“
      „Und wenn schon, sie würden alles tun, was ich sage.“
      „Abby, das bist nicht du!“, polterte Nick. „Das ist die Sirene in dir!“
      Das Mädchen lachte amüsiert. „Aber die ist genauso ein Teil von mir. Sie ist ich. Ich bin ich, immer schon.“
      „Nein, das stimmt nicht!“
      Das war alles seine Schuld, dachte Nick dabei wütend auf sich selbst. Er hatte sie so durcheinander gebracht, dass sie früher oder später die Kontrolle verlieren musste! Von Anfang an hätte er das alles ernst nehmen müssen und nun!?
      Mit leiser Stimme sagte er: „Ich bitte dich, Abby. Verwandle dich zurück und lass uns reden.“
      „Hast du Angst bekommen? Dann lass dir gesagt sein, dass alles Reden nichts bringt, wenn sich dadurch nichts verändert. Deine Meinung wird sich nicht ändern, nicht über Eden und nicht über Anya.“
      Am liebsten wollte Nick ihr in die Augen sehen, doch es war zu gefährlich. Eindringlich erwiderte er: „Nein, daran ändert sich nichts, das ist richtig! Um mich geht es doch auch gar nicht, sondern um dich!“
      „Ich bin unwichtig“, erwiderte Abby kühl und sah nun ebenfalls zur Seite.
      „Bist du nicht!“
      Die Sirene lachte auf. „Ach wirklich? Dann beweise es.“

      Sie war ganz anders, dachte Nick verzweifelt. Das da war nicht Abby, es waren lediglich ihre Zweifel an sich selbst, der Welt und ihren Bewohnern. So war Abby aber nicht! Jemandem wie ihr durfte der Glaube an das Gute im Menschen nicht genommen werden. … aber er hatte genau das versucht und irgendwie war ihm das letztlich gelungen. Das hier war seine Schuld.
      „Das tue ich“, versprach er, „und zwar, indem ich mich dir stelle und nicht davon laufe! Ich habe genau wie du Dinge, an die ich glaube! Mein Zug, Draw!“
      Energisch riss er von seinem Deck eine Karte, womit er ganze vier Stück besaß. Abbys Hand war leer, wenn er richtig gezählt hatte. Doch er wagte es nicht, zu ihr herüber zu sehen, um es nachzuprüfen.
      Behände legte er eine seiner Karten auf die Duel Disk. „Los, [Wind-Up Rat]! Effekt: nur einmal kann sie in die Verteidigungsposition wechseln, um ein Monster aus meinem Friedhof in selbiger Position zu reanimieren! Komm, [Wind-Up Dog]!“
      Vor ihm tauchten eine blaue Spielzeugratte auf, deren Beine durch zwei Räder ersetzt worden waren und ein gleichfarbiger Spielzeughund auf. Auf dem Rücken der Ratte drehte sich der Aufziehschlüssel wild, bis sie auf ihren Rädern nach vorn kippte und regungslos verharrte.

      Wind-Up Rat [ATK/600 DEF/600 (3)]
      Wind-Up Dog [ATK/1200 DEF/900 (3)]

      Das Laufband hinter Nick setzte sich mit einem Paket darauf in Bewegung. Zwischen seinen Fingern zeigte er ein weiteres Wind-Up-Monster vor, dabei weiterhin den Blick von Abby abgewendet. „Da ich wieder den Effekt eines meiner Monster verwendet habe, erhalte ich [Wind-Up Juggler].“
      Diesen fügte er seinem Blatt hinzu, ehe er seine Hand in die Höhe riss.
      „Und jetzt erschaffe ich das Overlay Network!“ Ein schwarzer Wirbel tauchte mitten im Spielfeld auf. Nicks Monster wurden als braune Lichtstrahlen in ihn hineingezogen, wobei dieser gleichzeitig rief: „Aus meinen zwei Stufe 3-Monstern wird jetzt ein Rang 3-Monster! Xyz-Summon! Los, [Wind-Up Carrier Zenmaity]!“

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3}]

      Aus dem Loch tauchte ein gewaltiger Schiffsträger auf, welcher durch zwei separate Startrampen in der Mitte geteilt war. Um ihn kreisten zwei Lichtsphären – doch ihr Strahlen verflog umgehend.
      Der Schrei von Abbys Vogelmonster nahm ihnen das Licht.
      „Anscheinend weißt du nicht genug über [Naturia Vermilion]“, stellte Abby amüsiert und gleichwohl ungewohnt hochnäsig fest, „sonst hättest du dich nicht zu so einer Dummheit hinreißen lassen! [Naturia Vermilion] kann sich als Opfer anbieten, um eine Spezialbeschwörung zu annullieren!“
      Erschrocken sah Nick in die Höhe, überschattet von der gewaltigen Gestalt des Wesens. Die Ranken von deren Schweif schossen nach unten und umwickelten so den Schiffsträger. Mit ungeahnter Kraft hob [Naturia Vermilion] ihn an und flog mit ihm von dannen.
      Nick war fassungslos. „Du hast diesen Effekt noch nie benutzt! Zumindest nicht, dass ich mich erinnern könnte!“
      „Diese Karte ist eine Schande“, entgegnete ihm Abby bitter, „ein Fleck auf meiner Seele! Und mehr als wegwerfen kann man sie nicht, genau wie mich!“
      Der junge, hochgewachsene Mann verstand seinerseits die Welt nicht mehr. Diese Karte war doch-
      „Nun verfügen wir beide über kein Monster mehr. Aber wie ich dich kenne, wird das allein dich nicht einschüchtern, oder, Nick?“
      Wie sie seinen Namen aussprach, voller Verachtung!
      Er schüttelte den Kopf. „Nicht halb so sehr wie eine aufgewühlte Sirene. Du weißt, dass ich dich nicht verletzten wollte mit dem, was ich gesagt habe! Aber daran halte ich fest: die Wahrheit ist nicht immer angenehm! Würde ich meine Worte zurücknehmen, müsste ich lügen und das wäre falsch.“
      „Ein gutes Argument. Dagegen kann ich nichts einwenden.“ Abby seufzte schwer, sagte dann aber nichts weiter.
      „Ich setze eine verdeckte Karte! Zug beendet!“
      Vor ihrem Gegner tauchte die gesetzte Falle auf – aber das war nicht alles. Unter schrillem Gekreische tauchte der rote Vogel wieder aus dem Nichts auf – jedoch ohne seine Beute – und kreiste wieder um das Spielfeld.

      Naturia Vermilion [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Abby kicherte amüsiert in ihrer rauchigen Stimme. „Ich hatte vergessen, es zu erwähnen: Vermilion kehrt am Ende des Zuges auf mein Spielfeld zurück, wenn ich seinen Effekt genutzt habe!“
      „Dann ist er kein Wegwerfartikel“, widersprach Nick auf Abbys vorherige Aussage, „genau wie du! Ihr beide kommt immer wieder! Und ihr seid stark! Hör auf, dich runter zu machen!“
      „Und das von jemandem, der auf meinen Gefühlen herum trampelt?“ Abby gab einen verächtlichen Zischlaut von sich und griff nach ihrem Deck. „Das ich nicht lache! Draw!“
      Kaum hatte sie die Karte gezogen, knallte sie sie schon auf ihre Duel Disk. „Kämpfe für mich, [Naturia Mantis]!“
      Mit einem Satz landete vor ihr eine grüne Gottesanbeterin, nicht größer als ein Grashalm. Dabei bestanden die Klingen an ihren Vorderarmen aus je einem Blatt.

      Naturia Mantis [ATK/1700 DEF/1500 (4)]

      Aus den Augenwinkeln riskierte Nick einen Blick und stöhnte beim Anblick des kleinen Monsters im Sand. Abby wollte es beenden!
      Als wäre das das Stichwort, streckte die den Arm bis zum Anschlag aus.
      „Los meine Monster, die ihr mir als Einzige treu geblieben seid! Tut …“, sie stockte plötzlich und schloss die Augen, „tut einfach eure Pflicht …“
      Unter schrillem Gekreische ging der Vogel in den Sturzflug über, mit Nick als offensichtliches Ziel. Doch der schwang tapfer den Arm aus. „So leicht mache ich es dir nicht! [Xyz Reborn]!“
      Seine Fallenkarte klappte auf. „Damit reanimiere ich ein Xyz-Monster von meinem Friedhof und verwende diese Karte dann als Xyz Material! Komm zurück, [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]!“
      „Hast du schon vergessen, dass [Naturia Vermilion] Spezialbeschwörungen unterbinden kann?“, erwiderte Abby ebenso aufgeregt. „Das funktioniert bei allen Karten, die das können, nicht nur bei simplen Spezialbeschwörungen vom Extradeck oder der Hand!“
      Mit einem entsetzten Schrei wich Nick zurück, als sich der Rankenschweif von Abbys Monster durch seine Falle bohrte und sie zerspringen ließ. Dafür löste sich der Vogel aber auch anschließend auf.
      „Viel gebracht hat es mir nicht, aber zumindest ist mein Überleben gesichert“, meinte Nick und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dass er jemals in eine derart verzweifelte Lage gerät, hätte er nie gedacht. Dagegen war Isfanel ein Waisenknabe! Ein Jammer, dass Abby nicht realisierte, wie stark sie doch war.
      „Deswegen bekommst du dennoch den direkten Angriff von [Naturia Mantis] ab“, widersprach ihm diese engstirnig.
      Die kleine, grüne Gottesanbeterin sprang mit einem weiteren Satz auf Nick zu – und wuchs! Auch ihre Klingen waren plötzlich keine Blätter mehr, sondern geriffelte, scharfe Werkzeuge. Die erbarmungslos zuschlugen.
      „Garghhh!“, hallte es über den Spielplatz.

      [Abby: 1500LP / Nick: 3800LP → 2100LP]


      Die Mantis sprang zurück zu Abby. Von ihrer Sichel tropfte Blut in den Sand, wie ein undichter Wasserhahn, bis sie schließlich schrumpfte und sich harmlos, gar verwirrt umsah.
      Die fast vollständig transformierte Sirene blickte unbarmherzig auf Nick herab, wie er vor ihr in die Knie ging. „Tut es weh?“
      „Mir geht’s gut“, antwortete Nick und sah mit schweißnasser Stirn zu ihr auf. Er hielt sich seinen rechten Arm, mit dem er den Angriff abgewehrt hatte. Seine beigefarbene Jacke war bis zum Ellbogen aufgerissen, ein Rinnsal von Blut lief bis zu seinem Handgelenk hinab, besudelte seine Jeans. Nun hatte sie es getan, sich tatsächlich dazu hinreißen lassen, einen Freund körperlich zu verletzen …
      „Mir nicht“, erwiderte Abby kühl. „Wegen dir. Zug beendet. Und damit kehrt [Naturia Vermilion] auf mein Feld zurück.“

      Naturia Vermilion [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Kaum hatte sie das gesagt, kreiste wieder der bedrohliche Schatten des zinnoberroten Vogels um das Spielfeld.
      „Draw“, verkündete Nick gequält und zog mit seiner blutigen Hand eine Karte. Als er sie betrachtete, weitete er die Augen. „Das ist-!“
      Damit konnte er das Spiel …

      Aber was würde er damit erreichen, fragte er sich plötzlich? Er hatte diesem Duell mit dem Vorhaben zugestimmt, Abby zu beruhigen. Doch alles, was er getan hatte, war die Lage zu verschlimmern. Wenn er damit weitermachte, würde er das Duell gewinnen, aber nicht Abbys Seelenfrieden.
      Und außerdem … war sie die bessere Duellantin. Es schmerzte ihm zwar, das zuzugeben, aber nur aufgrund einer glücklichen Fügung könnte er jetzt das Blatt wenden. Das gehörte zwar zum Spiel, aber war für ihn doch inakzeptabel. Abby war so gut, dass er nicht einmal vorausplanen konnte, anders als beim Kampf gegen Isfanel – und dessen Deck hatte er nicht gekannt.
      Wie konnte der Bessere ein Duell gewinnen, wenn er gar nicht der Bessere war!?
      Verbittert biss Nick sich auf die Lippen. Es gab keinen Zweifel, dass sein Duellstil dem von Abby unterlegen war – ja gar dem von Anya in gewisser Hinsicht. Das war auch der Grund, warum er gestern gegen Drazen verloren hatte. Was ihm fehlte, war etwas im Duell zu fühlen. Nur gewinnen zu wollen reichte nicht. Vielleicht, wenn er sich mehr auf Nina eingelassen hätte, dann …
      Er war ein Holzkopf.

      Und wie konnte er Abby jetzt noch von der Stimme erzählen, die ihn einst verführen wollte, einen Pakt einzugehen?
      Sie war einfach da gewesen, als er im Unterricht eingeschlafen war. Krank hatte sie ihn und einige andere Schüler gemacht. Hatte ihn eine Zeitlang regelrecht verfolgt, bis zu jenem Tag in Victim's Sanctuary, als sie ihn vor den besessenen Patienten gewarnt hatte.
      „Dies ist deine letzte Chance. Forme einen Pakt mit mir. Wenn du es nicht tust, werden du und deine Freunde diese Anstalt nicht lebend verlassen.“ Das hatte sie gesagt.
      Aber er? Lachte und schlug das Angebot aus. Wenn Anya und Abby damals geahnt hätten, aus welchem Grund sie ihm genervte Blicke zugeworfen hatten …
      Doch dieses Wesen, es hatte dasselbe Gefühl ausgestrahlt wie die besessene Caroline. Es gab keinen Zweifel für ihn, dieses Ding selbst hatte Anya die Falle gestellt. Was immer seine Absichten waren, für Nick war dieses Ding der Feind, der im Verborgenen die Fäden in der Hand hielt!
      Oder was sonst hatten die letzten Worte dieses Dämons zu bedeuten, kurz nachdem Anya während Valeries Duell wieder zu Bewusstsein gekommen war?
      Immer wieder rezitierte er diese Worte im Kopf. „Jetzt erkenne ich es. Du bist es also, Isfanel. Oder? Nein, nein, du bist anders. Bist du etwa … ? Endlich!“
      Wenn er nur wüsste, wovon dieses Ding gesprochen hat! Levrier? Oder doch etwas anderes? Was immer auch zutreffen mochte, es war ihr Feind, da war Nick sich sicher!
      Doch das hatte nichts mit Abby zu tun. Es ihr jetzt zu erzählen, würde sie nur noch mehr aufwühlen und das konnte Nick nicht verantworten.

      „Danke“, murmelte er schließlich, „durch dieses Duell habe ich ein paar Dinge gelernt. Du hattest recht, Abby. An das, was ich glaube … sollte ich nicht festhalten.“
      Erstaunt erwiderte Abby mit ihrer normalen Stimme: „Was sagst du da?“
      „Vielleicht sehe ich wirklich Gespenster. Aber … ganz egal, was Anya wirklich vorhat, sie … ich weiß nicht, wie wir verhindern können, dass wir sie verlieren.“ Plötzlich schlug er mit der Faust in den Sand, brüllte: „Ich weiß es einfach nicht!“
      „N-Nick …“
      „Aber dich damit zu belasten war falsch. Bitte vergib mir“, bat er und kniete auf allen Vieren vor ihr nieder. Doch bat er weniger darum, dass sie ihm seine harschen Worte über Anya und ihre Lage verzieh, sondern viel mehr die Lüge, die er ihr damit auftischte. Denn tatsächlich hatte sich an seiner Meinung nichts geändert. Aber das zu sagen würde die Dinge nur schlimmer machen, und Abby sollte nicht noch mehr leiden.
      „Ich gebe auf“, sagte Nick leise und legte seinen blutigen Arm auf das Deck in seiner Duel Disk.

      [Abby: 1500LP / Nick: 2100LP → 0LP]


      Die Hologramme von Abbys Monstern verschwanden.
      „Und nun mach mit mir, was du willst …“
      Vorsichtig sah er auf und erblickte eine Abby, die ihm perplex gegenüberstand und sich nicht rührte. Ihr Haar hatte zwar den üblichen Braunton angenommen, doch sie schien so verwirrt von seinen Worten, dass sie die Sprache verloren hatte.

      „Wo ist er!? Wo ist der Dreckskerl!?“
      Beide schreckten bei dem Gebrüll auf. Die Stimme war unverwechselbar.
      Wie ein Tornado fegte Anya über den Spielplatz zu ihnen und hielt direkt hinter Nick an, keuchte erschöpft, gewann aber nur eine Sekunde später wieder die Fassung und ballte ihre Fäuste.
      „Wo ist der Bastard, der dich angegriffen hat, Abby!?“, fauchte die Blondine, die vor Erschöpfung ganz rot im Gesicht war.
      Die machte nur große Augen und blinzelte mehrmals, ehe sie den Zeigefinger erhob und wortlos auf Nick zeigte. Anya klappte die Kinnlade herunter. Sie sah zu ihm herab und erkannte, dass Nick am Arm blutete.
      „... du?“, knurrte sie und zählte eins und eins zusammen.
      Wie ein stampfender Stier trat sie von hinten auf ihn zu, Nick wandte sich nicht einmal um. Mit dem Fuß auf der Zauberkarte [Dark Hole] packte sie ihren Freund am Kragen, hievte ihn hoch und drehte ihn zu sich um.
      „Bist du jetzt endgültig zum Staatsspinner #1 mutiert?“, fragte sie drohend und packte ihn am Kinn, holte mit der Faust aus. „Jetzt sag bloß, du bist irgendsoein fieser Oberfutzi, der sich als Mastermind hinter allem entpuppt! Ich schwöre dir, wenn-“
      „Er hat nur geschauspielert.“ Überrascht sah Anya über Nicks Schulter zu Abby, die betreten ihren Blick mied.
      „Huh?“
      „Er hat nur so getan, als wäre er besessen. Aber er war so gut, dass ich es ihm abgekauft habe. Und dann hab ich …“, sie brach ab. Tränen standen in ihren Augen.

      Tick, tick, tick.

      Und dann explodierte Anya.
      „Seid ihr eigentlich völlig plemplem!? Sind eure Gehirnzellen beim letzten Solariumsbesuch mit Redfield weggebrutzelt worden, dass ihr so einen Bullshit abzieht!?“

      Als Randnote: deine Freunde sehen nicht so aus, als würden sie sich regelmäßig bräunen, Anya Bauer. Schon gar nicht mit Valerie Redfield. Dazu hängen sie zu sehr an ihrem Leben.

      „Schnauze, Levrier!“
      Anya stampfte mit dem Fuß auf. Das konnte doch nicht wahr sein! All die So-so, die So-so-sor-! Diese Dinge, die man sich macht, wenn seine Freunde in Schwierigkeiten stecken und alles für die Katz!
      „Ihr Idioten! Seit wann habt ihr von mir die Erlaubnis, euch gegenseitig abzumurksen!? Ich kann gar nicht sagen, was mich mehr aufregt!“ Sofort hatte Nick Anyas Zeigefinger unter der Nase. Sie atmete tief durch, wurde mit einem Mal ganz ruhig. „Nick. auf einer Skala von eins bis zehn, wo eins pure Dummheit und zehn kompletter Wahnsinn ist …“
      „... bin ich?“, fragte er belustigt und kratzte sich an der Stirn, neigte den Kopf zur Seite.
      „Gar nichts, weil du tot sein wirst, bevor ich überhaupt 'ne beschissene Wertung vornehmen kann, du wandelndes Down-Syndrom!“
      Und damit bekam Nick einen Faustschlag verpasst, von dem man hätte meinen können, dass er ihn bis zum Nordpol zu schicken vermochte. Allerdings lag er am Ende doch nur knapp einen Meter von Anya entfernt, die nun auf Abby zu stampfte. Ihre Augen funkelten.
      „Und du!“
      „Hye!“, kreischte das Hippiemädchen und wich panisch zurück.
      „Dass du tatsächlich auf die Schauspielkünste von Nick, von NICK, hereingefallen bist, ihn sogar kopflos angegriffen hast-!“

      Ich glaube, dein Schlag war viel verheerender, Anya Bauer. Sicher bin ich mir aber nicht.

      „Dafür gibt es auch für dich eine Bestrafung im Anya-Stil!“, drohte die Blondine und schlug mit der Faust in die flache Hand. „Und ich weiß auch schon genau, wie die aussehen wird …“

      ~-~-~


      Kaum zehn Minuten später saßen Anya und Nick auf einer Bank unweit des Spielplatzes. Letzterer hielt sich mit weinerlicher Mimik den blutenden Arm.
      „Nun komm, Harper, das ist doch nur'n kleiner Kratzer!“, schnaufte die Blondine voller Unverständnis. „Abby hat sich wirklich zurückgehalten! Mit ihrer Kraft hätte sie viel mehr erreichen können.“
      „Aber es tut weh“, jammerte Nick.
      „Mit deinen Selbstheilungskräften sagt sich das so leicht“, fügte die stehende Abby mit Tränchen in den Augenwinkeln zu. Sofort fing sie sich einen derart bösen Blick von Anya ein, dass sie einen Schritt zurücksprang. „Bitte nicht schon wieder!“
      Anya verzog keine Mimik, als sie die flache Hand erhob. „Du bist schuld daran, Masters! Noch so'n Spruch von dir und dein Hintern wird so heiß laufen, dass man damit Wäsche bügeln kann!“
      Sofort hielt Abby sich die Pobacken. „Nicht schon wieder!“
      „Ich will auch mal dran sein!“, gluckste Nick, sprang auf und war schon im Begriff, sich die Hose herunterzuziehen, als zwei Fußspitzen sich aus beiden Seiten in seine private Zone vertieften.
      „Kein Bedarf!“, fauchte Anya den jungen Mann an, der sich seine Weichteile weinend hielt.
      „Ich hänge an meiner Sehkraft!“, stimmte Abby zu. „Außerdem habe ich dir immer noch nicht verziehen!“
      Erstaunt stellte Anya fest, dass die beiden nur für einen kurzen Moment einen Blick austauschten … den sie unmöglich interpretieren konnte. Aber entgegen Abbys Worten schien er am ehesten versöhnlich.
      Doch dann brach der Blickkontakt ab, als Nick vom Schmerz in seiner Lendenregion überwältigt wurde und zusammenbrach.
      „Immer ich …“, jammerte er dabei, bevor er das Bewusstsein verlor.

      „Was hast du eigentlich vorhin zu erledigen gehabt?“, fragte Abby schließlich neugierig.
      Anya verschränkte daraufhin die Arme hinter dem Kopf und lehnte sich zurück. „Nichts Besonderes. Ein paar Karten gekauft.“
      „Anya, das Einkaufszentrum liegt aber genau in der entgegengesetzten Richtung, aus der du gekommen bist“, merkte Abby trocken an.
      „W-wer hat gesagt, dass ich da eingekauft habe!? Der Laden dort ist sowieso scheiße!“
      Aber die Blondine wusste genau, dass ihre Freundin ihr nicht glauben würde. Damit es nicht zu weiteren Fragen kam, erhob sie sich hastig und zeigte auf Nick. „Statt mich zu nerven, solltest du mir lieber helfen, den da ins Krankenhaus zu bringen. Ehe er noch verblutet.“
      „O-oh ja, das habe ich ganz vergessen!“
      Beide nahmen jeweils einen Arm des am Boden liegenden Nicks und schulterten ihn. Dabei warf Abby ihrer Freundin noch einen misstrauischen Blick zu, ehe sie von dannen schlenderten.


      Turn 28 – Family
      Während Anya weiterhin damit beschäftigt ist, die verbliebenen Scherben ihres zerbrochenen Elysions aufzuladen, hat Henry nur einen Gedanken: seine Schwester zu finden. Um dieses Ziel zu erreichen, ersucht er die beiden Dämonenjäger um Rat, denen er zuvor in Valeries Villa begegnet war. Doch auch sie können ihm nicht bei der Suche helfen. Allerdings, entgegen Alastairs Willen, führen Matt und Henry als Notlösung ein Ritual zur Dämonenbeschwörung durch. Denn es gibt einen Dämon, der womöglich die Antworten auf Henrys Fragen kennt …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Abby

      Naturia Pumpkin
      Naturia Tulip
      Naturia Marron
      Naturia Beetle
      Naturia Hydrangea
      Naturia Beans
      Naturia Mantis
      Glow-Up Bulb

      Leodrake's Mane
      Battle Tuned
      Monster Reborn

      Exterio's Fang

      Naturia Barkion

      Naturia Vermilion
      Geflügeltes Ungeheuer/Erde/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "1 ERDE Empfänger" + "1 oder mehrere ERDE Nicht-Empfänger"
      Wenn ein Karteneffekt aktiviert wird, der ein oder mehrere Monster als Spezialbeschwörung beschwört ODER dein Gegner ein Monster als Spezialbeschwörung beschwört: biete diese Karte als Tribut an und annulliere die Beschwörung. Während der End Phase, in der dieser Effekt benutzt wurde: beschwöre diese Karte von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung in Angriffsposition.

      Nick

      Wind-Up Knight
      Wind-Up Dog
      Wind-Up Soldier
      Wind-Up Shark
      Wind-Up Rat
      Wind-Up Hunter
      Wind-Up Juggler

      Weights & Zenmaisures
      Zenmailfunction
      Wind-Up Factory
      Dark Hole

      Xyz Gauntlet
      Zauber/Ausrüstung
      Rüste nur an ein Xyz-Monster an. Ein ausgerüstetes Xyz-Monster erhält ATK in Höhe seines Ranges x 100. Einmal pro Spielzug: ein mit dieser Karte ausgerüstetes Monster wird nicht durch Karteneffekte zerstört. Wenn diese Karte vom Spielfeld auf den Friedhof gelegt wird: ziehe eine Karte.

      Overwind
      Xyz Reborn

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh
      Wind-Up Zenmaister
      Wind-Up Carrier Zenmaity
      Wie gesagt, meine Kritikpunkte waren auch nur minimal. wenn das mit der Battle City Disc schon mal jemand angesprochen hat, tut mir das leid. Ich bin halt wie gesagt erst bei Turn 5/6 und lese auch die Folgen-bezogenen anderen Kommis in diesem Thread eher nicht (schon gar nicht seit ich ungewollt erfahren habe, dass Marc stirbt :heul: ) Viel wichtiger war das Lob für deine Mühe. :)

      Was mein eigenes Projekt angeht danke ich euch herzlich für die mut machenden Worte, ich werde mich dann wohl mal daran setzen. Dass das eigentliche Schreiben der größte Aufwand ist, weiß ich bereits. Ich habe ja schon die ersten beiden Folgen verschriftlicht und bin mit der 3. fast fertig. Aber ich habe auch schon einen eigenen Strategiethread eröffnet und dessen Startpost auch aus Word rüberkopiert und auch das ist eine wahnsinns Arbeit, weil man kursiv, fett, Spoiler, Links usw. noch manuell hinzufügen muss. Meinen Schreibstil halte ich jetzt übrigens auch nicht unbedingt für schlecht, aber das kann ja jeder anders sehen. Danke auf jeden Fall, dass ihr mir eure Hilfe anbietet!

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Es wird langsam zeit, das ich mich auch mal wieder melde:

      aktueller Stand: Episode 39(ich lese über deine Fanfiction.de-Seite)

      Spoiler anzeigen

      Bis jetzt hält die neue "Staffel" die Qualität der alten noch sehr gut. Nur sind mir inzwischen ein paar allgemeine Gedanken gekommen, auch aus der Inspiration der neuen Yugioh-Arc-V-Serie, die wirklich sehr gut für ein YGO-Anime ist:

      1. Ich weiss zwar inzwischen nicht mehr, wie das Deck damals hieß, welches es schaffte, XYZ und Synchros in einem deck zu kombinieren, doch als ich dann den neuen Anime gesehen hatte, und ein Spieler einen ähnlichen Move durchführte[nur noch ein bisschen übertriebener], bin ich zufällig auf einen komplett anderen Gedanken gekommen: Wird es in deiner Fanstory womöglich irgendwann auch Pendulumm-Decks/Karten geben? Weil gerade dieses Themendeck hatte schon einen sehr ähnlichen Charakter? Bzw. könnte es sogar sein, das du einigen Hauptcharakteren diese neue "Fähigkeit" gibst? Es unterstützt schließlich das, was in solchen Fanstorys am spannendsten ist, nämlich spannende Spiele, wo ein gutes hin und her zu sehen ist, und somit einen kurz von der Mainstory ablenkt, um diese zu verdauen.

      2. Inzwischen habe ich diese Denkweise schon in 2 YGO-Animes gesehen(5ds und Arc-V): Die Hauptcharaktere bekommen irgendwann das Problem, das sie sich was einfallen lassen müssen, um ihr spiel zu verbessern. Meistens wird dies damit ausgedrückt, eine neue Beschwörungsart auszuprobieren, obwohl sie andere Spielweisen gewohnt sind(bsp. Yusei, ein Synchrospezialist, der sich einfallen lässt, um die "Synchrokiller" zu besiegen, seine Strategie auf Fusion umswitcht). Nun ist mir das aufgefallen, als in "Kapitel 2 der neuen Staffel", der Sammler aus seinem Koffer, in dem neben seiner Dueldisk 3 "verschiedene" Decks(die verschiedenen Fabled-Decks mal als eigenständige decks gesehen) liegen, auch er eine gewisse auswahl an Decks besitzt.
      Nun ist mein Gedanke: Kommt es irgendwann mal vor, das Hauptcharaktere(wie z.b. Anya) mal einen möglichen Deckwechsel vollziehen. Erstens produziert das neue Spielstile(irgendwie ist es langweilig, wenn jeder "Cheat-Draw" dieser Tourquelline, oder wie dieser gem-knight heißt, ist), womit du auch neuen Schreibstoff hättest, und man hätte auch mal neue Decks, die man häufiger sieht. Ich sehe das nämlich auch häufig im Cardfight vanguard Anime, und es macht die Spiele wieder um einiges Spannender.



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      Spieler aus Hameln/Minden und Umgebung?:
      ygohameln@gmail.com