Yu-Gi-Oh! PHOENIX (Serie 2)

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      Yu-Gi-Oh! PHOENIX (Serie 2)





      Hallo und willkommen zurück zur zweiten Staffel von Yu-Gi-Oh! PHOENIX!

      Für die, die neu dazu gekommen sind: Es handelt sich hierbei um eine Fan Fiction, die ich selbst schreibe und hier auf eTCG episodenweise veröffentliche. Die erste Staffel könnt ihr hier finden.
      Falls ihr direkt in der zweiten Staffel einsteigen wollt, ist das auch möglich. Die Handlung der ersten Staffel ist soweit abgeschlossen, lediglich die Charaktere bleiben erhalten, also ein kleiner Blick in die Charakterliste hier im Startpost und schon kann es losgehen!

      Zur Fanfic:


      Handlung

      - Was bisher geschah -

      Die Handlung dreht sich um Alex Whitman, eine junge, talentierte Duellantin aus der unteren Mittelschicht, die aus ihrem bisherigen Leben hauptsächlich Schmutz, Ungerechtigkeit und Geldsorgen gewohnt.
      Bei einem Brand in ihrer Wohnung hat sie ihre Schwester gerettet, fiel anschließend selbst in Ohnmacht und als sie im Krankenhaus wieder aufwachte, hatte sie plötzlich seltsame Kräfte entwickelt. Sie kann seitdem Wunden mithilfe ihrer Tränen heilen und mit ihren Händen Flammen erzeugen, die für Menschen zwar ungefährlich sind, aber unbelebte Gegenstände in Brand versetzen können. Sie fand außerdem eine Karte Duell-Karte namens „Phönix der Wiedergeburt“.
      In Folge des Brandes musste ihre Schwester außerdem in ein künstliches Koma versetzt werden, aus dem sie nur mit einer sehr teuren Spezialbehandlung geweckt werden konnte. Um das Geld dafür zu erlangen, nahm sie zunächst unter dem Decknamen „Phoenix“ an illegalen Untergrundduellen teil, bei denen die Teilnehmer den erlittenen Schaden als Stromschläge leiblich zu spüren bekommen. Bei einem dieser Duelle wurde sie von einem sadistischen Duellanten namens Nightmare fast zu Tode gefoltert, wurde jedoch von Richard Steele, einem Jungen, der an ihrer Schule nach Duelltalenten Ausschau hielt, gerettet. Er schenkt ihr daraufhin eine Teilnahmekarte für ein großes Duellturnier. Bei diesem erreicht sie das Finale und gewinnt aufgrund ihrer einfachen Herkunft und ihrer rebellischen Art viele Fans, die in ihr ein Symbol der Hoffnung und des Widerstands sehen und dadurch angespornt beginnen, zu rebellieren.
      Dies wiederum missfällt Mr. Steele, Richards Vater, der den Konzern führt, der die Duel Monsters-Karten vertreibt und das Turnier austrägt. Er hatte Vorgesehen, dass sein Sohn das Turnier gewinnt und somit zum Star wird und versuchte deswegen zunächst erfolglos, Alex zu sabotieren, um sein Ziel zu erreichen. Als schließlich deren randalierende Fans das Stadion stürmen, in dem das Finale stattfindet, greift Mr. Steele zu seinem letzten Notfallplan: Er hängt Alex an, ihren Phönix der Wiedergeburt aus den Beständen seiner Firma gestohlen zu haben. Hilfe habe sie von Richard erhalten, den sie mit ihren weiblichen Reizen verführt habe. Mr. Steele nutzt seinen Einfluss auf die Medien, unvorteilhafte Beweisaufnahmen und das rhetorische Talent seines Sprechers Christopher Allington, um seine Geschichte der Öffentlichkeit zu präsentieren und sie davon zu überzeugen.

      - Inhaltsangabe Staffel 2 -

      Mr. Steele übt mit seinen Anwälten Druck auf Alex aus und zwingt sie dazu, in einem öffentlichen Statement ihre Schuld zu gestehen, auch wenn dies gelogen ist.
      Der Finalsieg des Turniers wird Richard zugesprochen, weil Alex betrogen hat. Dennoch kann sie ihre Schwester retten, weil ihr verstorbener Vater, der, wie sich herausgestellt hat, in einer geheimen Position bei Steele Industries weitaus mehr verdient hat, als die Familie bisher wusste, ihnen ein kleines Vermögen hinterlassen hat.

      In der Schule unterdessen bekommt Alex die volle Macht dessen zu spüren, was Mr. Steele mit ihrem Ruf gemacht hat. Der Großteil ihrer Mitschüler glaubt den Fernsehberichten, sie wird als Schlampe und Betrügerin verspottet und ausgegrenzt. Unter diesem Druck und unter dem Einfluss eines gefährlichen Gleichgesinnten kommen ihre schlimmsten Seiten zum Vorschein…
      Charaktere
      Haupthandlung
      Alexandra „Alex“ Whitman

      Die Hauptfigur. Charakterlich verhält sie sich meist recht kühl und gibt wenig von ihren Gefühlen preis. Dies ändert sich jedoch schnell, wenn sie wütend wird, was meist passiert, wenn andere Menschen in ihrer Gegenwart ungerecht behandelt werden. Dann ist sie äußerst temperamentvoll und neigt dazu, den Übeltätern trotz ihrer körperlichen Unterlegenheit persönlich gegenüberzutreten. Sie gibt sich dann oftmals als mutiger und stärker aus, als sie wirklich ist. Generell lügt sie sehr viel und ist eine gute Schauspielerin.
      Sie ist eine Einzelgängerin und denkt stets, sie müsse ihre Kämpfe alleine austragen, weil es ihr schwer fällt, anderen Menschen zu vertrauen. Dies mag daran liegen, dass sie in ihrer Kindheit im heruntergekommenen Stadtteil Newhaven kaum wirklich freundlichen Menschen begegnet ist. Ihr Vater verstarb, als sie sieben Jahre alt war, bei einem von Mr. Steele initiierten Fabrikunfall.

      Alter: 16 (Geburtstag: 27. September)

      Deck: Geflügelte Ungeheuer/Phönix-Themendeck

      Signaturkarte: Phönix der Wiedergeburt;

      Lilian „Lily“ Whitman


      Ist Alex’ jüngere Schwester und wohl der Mensch auf Erden, den diese am meisten liebt. Sie hat den vergangenen Sommer mit einer schweren Rauchvergiftung im künstlichen Koma verbracht, konnte dank des Geldes, das ihr Vater der Familie hinterlassen hat, jedoch gerettet werden.
      Sie ist ein sehr aufgewecktes Mädchen und hat ein sonniges Gemüt, was ihre Mitmenschen meist auf Anhieb dazu bringt, sie zu mögen. Sie ist Linkshänderin und äußerst gut im Zeichnen. Ihre Zeichnungen sind besser als die der meisten Erwachsenen.

      Alter: 11 (Geburtstag: 14. März)

      Deck: Herold/Feen-Deck

      Signaturkarte: Herold der Vollkommenheit

      Caroline Whitman

      Ist Alex’ und Lilys Mutter. Ihren späteren Mann lernte sie im Alter von 18 auf einer sozialistischen Demonstration kennen, es war Liebe auf den ersten Blick. Bereits mit 21 brachte sie ihre erste Tochter zur Welt, deshalb war sie im Vergleich zu anderen Müttern von Mädchen in Alex’ Alter immer sehr jung und attraktiv.
      Seit dem Tod ihres Mannes hat sie sich jedoch auf keine längere Beziehung mit einem Mann mehr eingelassen. Sie hat viel in dem Gemüseladen zu tun, den sie selbstständig führt, um die Familie zu ernähren.

      Alter: 38

      Richard Steele Jr.

      Ist der Sohn von Mr. Steele und gilt als ein großes Nachwuchs-Talent im Duellieren. Er lernte Alex kennen, als er für ein Projekt der Duellakademie deren Schule besuchte, um nach talentierten Duellanten zu suchen. Sofort hatte er ein Auge auf sie geworfen und versuchte um jeden Preis, in Kontakt mit ihr zu treten. Als er sie schließlich vor dem wahnsinnigen Untergrund-Duellanten Nightmare rettet, kommen die beiden sich näher und er schenkt ihr eine Teilnahmekarte für die Duel Monsters Newcomer’s Championship. Nach diesem Ereignis werden die beiden gute Freunde und es entsteht eine komplizierte, ungleichmäßige Romanze.
      Genau wie Alex hat er übernatürliche Kräfte erlangt, nachdem er einem Mädchen das Leben rettete, und dabei eine Karte gefunden. Er kann kleinere Metallgegenstände mit der Kraft seiner Gedanken bewegen und ist übermenschlich stark. Auch charakterlich ähneln sich die beiden. Wie Alex ist Richard meist kühl und gibt kaum Emotionen preis. Im Gegensatz zu ihr kann er sich jedoch wesentlich besser beherrschen und verliert nur äußerst selten die Kontrolle. Er ist ein kluger, ruhiger Zeitgenosse.
      Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden ist, dass sie jeweils ein Elternteil verloren haben. Richards Mutter starb, als dieser gerade einmal zwei Jahre alt war. So lange er sich erinnern kann, ist das Verhältnis zu seinem Vater deswegen angespannt. Richard wirft ihm vor, seine Frau (=Richards Mutter) zu verleugnen, indem er am Tag ihres Todes zu einem Geschäftsmeeting gefahren ist und sie danach kaum jemals erwähnt hat. Überhaupt bekam Richard seinen Vater in seiner Kindheit kaum zu Gesicht, weil dieser stets gearbeitet hat.

      Alter: 17

      Deck: Drachen

      Signaturkarte: Metallrüstungs-Drache

      Richard Steele Sr.

      Ist Richards Vater und der reichste Mann der Stadt, dessen Firma Steele Industries seit 15 Jahren das Monopol über alles besitzt, was mit Duel Monsters zu tun hat. Nach außen gibt er sich stets äußerst höflich und großzügig, in Wirklichkeit ist er jedoch kühl, berechnend und machthungrig.
      In einem Duell gegen seinen Sohn kam jedoch heraus, dass er durchaus familiäre Gefühle hegt. Er hat seine Frau sehr geliebt und ihr Tod hat ihn schwer getroffen. Er meidet den Kontakt mit seinem Sohn, weil dieser ihn mit seinen Augen an seine verstorbene Frau erinnert.
      Seit neuestem hat er sich aus den Geschäften seiner Firma weitestgehend zurückgezogen, stattdessen plant er, als Bürgermeister zu kandidieren.

      Alter: ~ Ende 40

      Deck: Qliphort

      Signaturkarte: Apoqliphort-Türme

      Daniel Allington

      Ist Lisas und Christophers Bruder. Er verfügt, einmal abgesehen vom E-Gitarre spielen, was sein Vater jedoch für nutzlos hält, über keine besonderen Talente. Deshalb stand er stets im Schatten seines extrem erfolgreichen älteren Bruders und seiner talentierten, beliebten und attraktiven jüngeren Schwester. Anderen gegenüber verhält er sich meist abweisend und feindselig.

      Alter: 17

      Deck: ???

      Signaturkarte: ???

      Lisa Allington

      Ist Daniels und Christophers jüngere Schwester. Sie ist sehr freundlich und charmant und versucht stets, Daniels Selbstvertrauen zu stärken. Sie ist eine gute und beliebte Schülerin, dazu äußerst attraktiv und eine sehr gute Tennisspielerin. Von ihren Eltern genoss sie als jüngstes Kind und einzige Tochter immer eine gewisse Vorzugsbehandlung.

      Alter: 15

      Deck: ???

      Signaturkarte: ???

      Christopher Allington


      Ist der älteste Sohn der Allington-Familie. Er gilt als Duell-Genie und hat vor drei Jahren mit perfekter Punktzahl die Duellakademie abgeschlossen. Er galt dort zusammen mit seinem damals besten Freund Evan Drake als größtes Talent seit 15 Jahren.
      In ihrem letzten Monat an der Akademie schlichen die beiden sich in eine verlassene Studentenunterkunft, die jedoch einstürzte, wobei beide verletzt wurden. Die Freundschaft zerbricht, als Christopher sein rechtes Auge bei diesem Unfall verliert, woraufhin dieses durch ein künstliches ersetzt werden muss, und Evan zusätzlich noch mit einem Mädchen zusammenkommt, in das Christopher seit langem verliebt war.
      An der Akademie lernte er sehr viel, weil er ein schwaches Selbstbewusstsein hat und seine Misserfolge im zwischenmenschlichen Bereich mit akademischen Höchstleistungen kompensiert. Später, als Christopher seinen guten Beziehungen sei dank bei Steele Industries einsteigt, nimmt diese Funktion seine Karriere ein. Er wird zum beruflichen Senkrechtstarter und steigt dank seines unglaublichen Ehrgeizes, seiner brillianten rhetorischen Fähigkeiten und seiner charakterlichen Ähnlichkeit zu Mr. Steele schnell zu dessen persönlicher rechter Hand und Pressesprecher der Firma auf.
      Nebenbei ist er auch als Profiduellant tätig und wird insbesondere von jüngeren Duell-Fans wegen seines entstellten Gesichts und seiner unberechenbaren Persönlichkeit gefürchtet. Für gewöhnlich ist er wortgewandt und zurückhaltend, aber wenn er die Beherrschung verliert, wird er schnell jähzornig und aggressiv. Im Duell hat er die Neigung, große, riskante Kombinationen zu starten und den Gegner eindrucksvoll zu besiegen. Damit will er sich selbst beweisen, dass er ein guter Duellant ist.

      Alter: 21

      Deck: Chaos-Drachen

      Signaturkarte: Drache des Lichts und der Finsternis; Zweiköpfiger Chaosdrache; Chaos-Imperatordrache, Gesandter des Endes

      Evan Drake


      Ist ein Profiduellant und war bis zu seiner Niederlage gegen Richard im Halbfinale der Newcomer’s Championship amtierender Meister. Alex begegnet ihm, nachdem sie ihr erstes Duell in diesem Turnier gewonnen hat. Evan war beigeistert von ihr und bot an, sie als eine Art Coach während des Turniers zu betreuen. Auf gleiche Weise kümmerte er sich um Richard.
      In der Vergangenheit hat er zusammen mit Christopher die Duellakademie besucht und galt dort genau wie dieser als eines der größten Nachwuchstalente aller Zeiten. Jedoch kann man bei ihm viel mehr von einer Naturbegabung sprechen, da er kaum jemals gelernt hat.
      Generell könnte man denken, das Leben meine es gut mit ihm. Denn neben seinen Duellfähigkeiten ist er auch witzig, gut aussehend, findet schnell neue Freunde und hat viel Erfolg bei den Frauen.
      Seine Freundschaft zu Christopher ging zu Bruch, als sie gemeinsam eine verlassene Unterkunft nach Aufzeichnungen über eine alte Legende durchsucht haben, wobei das Gebäude einstürzte und beide verletzt wurden. Letztendlich war es aber die Eifersucht auf Evan, die Christopher seit Jahren plagte und schließlich siegte, an der die Freundschaft scheiterte.
      Obwohl Evan äußerst wohlhabend ist, hat er eine linke politische Gesinnung und fühlt sich sehr mit den armen Menschen verbunden. Er selbst gehörte als Kind zu ihnen, als seine Eltern jedoch beide starben wurde er von seiner Tante und dessen reichen Ehemann aufgenommen. Er ist ihnen zwar dankbar für das, was sie für ihn getan haben – unter anderem haben sie ihm das Studium an der Duellakademie ermöglicht – aber als Ersatz für seine leiblichen Eltern konnte er sie nie sehen.

      Alter: 20

      Deck: Drachen (Feuer und Wasser)

      Signaturkarte: Zweielemente-Drache; Frost- und Flammendrache

      Jessica Greengrass

      Ist eine Ex-Freundin von Evan. Sie wuchs auf einer Farm außerhalb auf dem Land auf, aber als ihre kleine Schwester Stephanie schwer krank wurde, zog sie in die Stadt, um eine Karriere als Profiduellantin zu beginnen, mit der sie ihre Behandlung bezahlen konnte.
      Nachdem sie durch ihre Duellerfolge erste Bekanntheit erlangte, bekam sie aufgrund ihrer atemberaubenden Schönheit auch zahlreiche Modeljobs und Werbeverträge, womit sie mehr als genug Geld verdiente, um ihrer Schwester jahrelang die Behandlung in einer teuren Privatklinik zu bezahlen.
      Als Stephanie schließlich vergangenes Weihnachten erfolgreich geheilt wurde, ging Jessica der Antrieb verloren, mit dem sie es ertrug, ständig von den Medien verfolgt zu werden und nur auf ihren Körper reduziert zu werden. Wenige Wochen später machte Evan mit ihr Schluss. Für sie ist er jedoch die große Liebe und sie verkraftete diese Trennung nicht, auch, weil sie es nicht gewohnt ist, dass man sie verlässt. Sie ließ sich gehen, führte ein exzessives Partyleben und wurde süchtig nach Medikamenten. Sie fing an, sich selbst zu hassen, weil sie ihre eigenen Ideale für Ruhm und Reichtum verraten hat und bezeichnet sich selbst als „das, was ich nie sein wollte“.
      Als sie schließlich von Mr. Steele erpresst wird, um dessen Sohn im Duell gewinnen zu lassen, hält sie es nicht mehr aus und berichtet in einer Ansprache an alle Zuschauer davon. Mr. Steele lässt mit den Konsequenzen nicht lange auf sich warten und gibt die Information über Jessicas Drogensucht, von der er schon lange wusste, an die Medien weiter. Gleichzeitig lässt er ihr sämtliche Werbeverträge mit seiner Firma kündigen. Nach diesen Ereignissen taucht sie unter und verschwindet von der öffentlichen Bildfläche.

      Alter: 23

      Deck: Nixenrüstung;

      Signaturkarte: Nixenrüstung Abysskronos;

      Sarah Marshall

      Ist eine gute Freundin von Alex. Die beiden lernten sich nach Alex’ erstem Duell im Untergrund kennen, wo sie gegeneinander antraten. Sarahs Vater hat die Familie im Stich gelassen, als diese 15 war; seitdem duelliert sie sich im Untergrund, um ihre fünf jüngeren Geschwister zu versorgen. Sie freundet sich oft mit jungen und verzweifelten Untergrund-Duellanten an, um diesen Trost zu spenden und sie für ihre weiteren Untergrund-Duelle zu beraten.

      Alter: 19

      Deck: Harpyien

      Signaturkarte: Trügerischer Spieldrache der Harpyien; Übelwollender Hätschler

      Mia Anderson


      Ist Alex’ beste Freundin. Sie verliebt sich regelmäßig in verschiedene Jungs und ist in deren Gegenwart stets aufgeregt und hibbelig. Nach einem Duell mit Nick, dem Sport-Ass der Schule und einem ihrer Schwärme, kommen sie sich näher und sind seitdem ein Paar.
      Da Nick die Storys glaubt, die die Medien über Alex verbreiten, Mia aber zu verliebt ist, um ihm zu widersprechen, zerstreitet sie sich mit Alex. Sie leidet sehr unter diesem Streit und verbringt ihre Zeit nun meist niedergeschlagen mit ihrem Freund, Richard, Natasha, Abigaile und Christie.

      Alter: 17

      Deck: Ungeheuer/Hundemanöver (selbst ausgedachte Reihe von Ungeheuer-Supportkarten)

      Signaturkarte: Hunde-Trainingsgelände;

      Nick Fisher

      Ist der Freund von Mia und talentiert in diversen Sportarten. An der Schule ist er sehr beliebt. Wie die meisten glaubt er die Storys, die die Medien über Alex verbreiten, weshalb eine Feindschaft zwischen den beiden entsteht.

      Alter: 17

      Deck: Ultraathleten (U.A.)

      Signaturkarte: U.A. Stadion;

      Natasha, Abigaile und Christie

      Sind eine Clique aus drei Mädchen, die die gleiche Klassenstufe wie Alex und Mia besuchen. Sie sind recht beliebt und stets bemüht, sich mit den "coolen" Jungs zu umgeben. Abigaile und Christie sind mit Freunden von Nick zusammen, Natasha ist Single und flirtet oft mit Richard, der sie jedoch stets abblitzen lässt.
      Als die drei noch ständig hinter Nick her waren, nahm Mia sie als Konkurrentinnen wahr und war nicht gut auf sie zu sprechen. Aber nachdem sie mit Nick zusammenkam und somit Teil ihrer Clique wurde, entspannte sich das Verhältnis.

      Alter: 16-17

      Devon Stone


      Ist ein ehemaliger Mitschüler von Alex. Er ist ein guter Duellant und hält sich deswegen für etwas Besseres; zusammen mit seinen Kumpels tyrannisiert er seine Mitschüler.
      Nachdem Alex abgelehnt hat, erhält er von Richard das Stipendium für die Duellakademie, das dieser an ihrer Schule zu vergeben hatte. Als er dies mit ein paar Freunden in der Bar feiert, wo Alex ihre Untergrund-Duelle austrägt, erkennt er deren geheime Identität. Er nutzt dies im weiteren Verlauf als Druckmittel, um Alex zu erpressen, weil er neidisch ist, dass sie an der Championship teilnehmen darf. Schließlich gibt er die Information an Christopher Allington weiter, der wusste jedoch schon lange davon.

      Alter: 17

      Deck: Monarchen

      Signaturkarte: Caius der Megamonarch

      Nathan Garrett

      Ist Devons bester Freund und übernimmt nach dessen Wechsel auf die Duellakademie seine Rolle als Schulfiesling. Er hält zu seinem Freund wirft Alex vor, ihren Ruhm zu unrecht erhalten zu haben, da Devon diesen verdient hätte.

      Alter: 17

      Deck: Vulkanisch/Pyro-Maschinen-Fusion

      Signaturkarte: Flammen-Phönix, der brennende Bombenvogel

      Jeremy Rosenthal

      Ist seit Beginn des neuen Schuljahrs der neue Schulleiter an Alex' Schule. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist er jähzornig und autoritär, er baut eine Art Schreckensherrschaft an "seiner Schule" auf und unterdrückt seine Schüler mit harten Strafen und strengen Regeln. Auf Alex und Richard hat er es besonders abgesehen. Er ist ein alter Freund von Mr. Steele und soll in seinem Auftrag herausfinden, was die beiden planen.

      Alter: ca. 50

      Deck: ???

      Signaturkarte: ???

      Special: Das Ende einer Freundschaft
      Nora Jones

      Ist eine talentierte Duellantin, die zusammen mit Evan und Christopher ihren Abschluss an der Duellakademie gemacht hat. Sie ist sehr hübsch und Christopher war lange in sie verliebt, ihr eigenes Herz schlug jedoch für Evan.

      Alter: 17 oder 18

      Deck: Aroma

      Signaturkarte: Aromagarten

      Jane Everly

      Ist die ältere Schwester von Evans Mutter und hat ihn nach deren Tod bei sich aufgenommen. Sie hält zu ihrem Ziehsohn und ist streng zu ihrem Ehemann, wenn dieser ihn für sein Verhalten kritisiert.

      Alter: Anfang 50

      George Everly

      Ist Janes reicher Ehemann und Evans Ziehvater. In seiner Freizeit spielt er Golf oder fischt auf seiner Privatyacht. Das Verhältnis zu seinem Ziehsohn ist nicht sehr innig und in dem Versuch, ihm näher zu kommen, unternimmt er viel mit ihm. Er ist aber auch recht streng zu Evan und nach dem Unfall in der verlassenen Unterkunft äußert er Verständnis für Christophers Vater, der Evan auf Schadensersatz verklagen wollte.

      Alter: Anfang 60
      Anmerkungen
      - Für die Duelle gelten die Regeln aus den (älteren) Yu-Gi-Oh! -Animes, das heißt beide Kontrahenten starten mit 4000 LP und können Monster als Normalbeschwörung in die offene Verteidigungsposition beschwören. Desweiteren gilt die neue Regel, dass am Anfang des allerersten Spielzugs eines Duells keine 6. Handkarte gezogen wird.

      - Desweiteren sind der Yu-Gi-Oh-Tradition folgend sind alle meine Charaktere in meiner Vorstellung Anime-Figuren. Wundert euch also nicht über komische Haarfarben oder Ähnliches.

      - Manchmal ändere ich die Namen und ganz selten auch die Effekte der Karten. Bei einer Namensänderung geschieht dies meist einfach, weil es besser klingt und eine Effektänderung sollte absolute Ausnahme sein und wenn dann dafür sorgen, das Duell übersichtlicher zu halten. In der Liste der verwendeten Karten werde ich auf solche Änderungen hinweisen.

      - Das Duel Monsters-Spiel in meiner Fanfic orientiert sich eher am OCG. Die bezieht sich vor allem auf die Artworks, die als Vorlage für die Beschreibungen dienen (sprich: Keine Zensur). Bei Rulings, die in OCG und TCG unterschiedlich sind, wende ich außerdem die OCG-Rulings an.

      - Zum Konzept: Plan ist, in Staffel 2 die in Staffel 1 noch stark ausgeprägte Gesellschaftskritik etwas zurückzuschrauben (auch wenn sie im Hintergrund immer da sein wird) und dafür mehr Augenmerk auf den Fantasy-Anteil der Geschichte zu legen sowie die normalen Alltagsprobleme der jugendlichen Charaktere stärker hervorzuheben. Mobbing und der Kampf mit der eigenen, dunklen Seite werden wichtige Themen der 2. Staffel sein. Sie wird außerdem etwas härter und düsterer werden; meine selbst gewählten Tabus bezüglich Gewalt und Alkohol werde ich etwas lockern.


      Sonstiges:

      Aufbau meiner Posts
      Ich werde bei der Veröffentlichung eines jeden neuen Kapitels einen Doppelpost anfertigen. Der erste Post wird das eigentliche Kapitel in einem Spoiler enthalten, der zweite dann zusätzliche Informationen zu dem Kapitel. (Liste der verwendeten Karten, ggf. persönliche Anmerkungen sowie eine kurze Preview der kommenden Veröffentlichung.)
      Die neue Spielmechanik - Die Titanen-Beschwörung
      In Yu-Gi-Oh! PHOENIX gibt es eine neue Spielmechanik, die es im echten Spiel nicht gibt. Sie heißt Titanen-Beschwörung und die dazugehörigen Monster Titanen-Monster. Titanen-Monster sind dunkelgrün bzw. türkis und werden im Extra Deck platziert. Sie haben außerdem eine neue Art von Stufe in Form von goldenen Sternen, die zentral über dem Artwork stehen. Titanen-Monster werden beschworen, indem man Monster von seinem Feld oder Friedhof ins Deck zurückmischt, die entweder in Attribut oder Typ mit dem Titanen-Monster übereinstimmen. Dabei müssen sowohl Attribut als auch Typ des Titanen-Monsters abgedeckt sein und jedes zurückgemischte Monster muss in mindestens einem der Werte mit dem Titanen-Monster übereinstimmen. Die Anzahl der goldenen Sterne des Titanen-Monsters gibt dabei Auskunft über die genaue Anzahl der Monster, die zurückgemischt werden müssen. Desweiteren können Titanen-Monster auch Doppel-Attribute haben. In diesem Fall müssen beide Attribut-Hälften abgedeckt werden. Titanen-Monster mit Doppelattributen gelten jederzeit als Monster beider Attribute.

      Neben Titanen-Monstern kommen auch andere nicht existente Karten in der Fan Fiction vor. Ich werde nach jedem Kapitel alle darin vorkommenden Karten posten und dabei eine genaue Erläuterung der nicht existenten Karten abgeben. Bei der Mehrheit der gespielten Karten handelt es sich aber um offizielle und existierende Karten, wobei jedoch auch brandneue Karten und OCG-Onlys vorkommen können.
      Kapitelliste & mehr

      - Kapitel 2.2 - Die Fremde im Spiegel
      - Kapitel 2.3 - Vom Winde verweht
      - Kapitel 2.4 - Der Sturm; Teil 1
      Stand der Dinge
      Serie 1 ist abgeschlossen. Von Staffel 2 abgetippt sind derzeit die ersten drei Kapitel sowie ein zweiteiliges Special. Die Handlung zu Staffel 3 steht soweit.

      Master-Plan
      Geplant ist, die Fan Fiction in drei Serien à je ca. 20 Folgen zu veröffentlichen. Jede Serie wird dabei auf der vorherigen aufbauen und deren Charaktere weiterverwenden, jedoch einen anderen Handlungsstrang verfolgen und in sich abgeschlossen sein. Wahrscheinlich werde ich, sollte es zu Serie 2 und 3 kommen, jeweils einen eigenen Thread eröffnen, damit der alte datenmäßig nicht zu groß wird (das kann zu Serverschwierigkeiten führen).
      Was die Frequenz der Veröffentlichungen angeht, so habe ich zu Staffel 2 ein bisschen Vorarbeit geleistet, ich hoffe also, ich kann wieder regelmäßiger veröffentlichen. Allerdings werde ich bald ein Studium beginnen und weiß noch nicht, wie viel Zeit mir dann noch zum Schreiben bleibt.


      So, das war's dann auch wieder. An dieser Stelle möchte ich noch meinen Dank für alle Leser der ersten Staffel ausdrücken, insbesondere für -Aska-, der für einige Kapitel Korrektur las und so geholfen hat, meinen Schreibstil hoffentlich nachhaltig zu verbessern. Wenn es euch gefällt - oder nicht gefällt - dann lasst doch einen Kommentar hier im Thread da. So könnt auch ihr helfen, die Fanfic zu verbessern und vielleicht sogar ein bisschen nach euren Wünschen zu gestalten. Ich freu' mich auf jeden Fall.

      Bis bald,
      - Leseleff -

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Leseleff ()

      So, ich melde mich endlich aus der Sommerpause zurück, wie geplant mit einem niegelnagelneuem Thread. (Gut, ein paar Sachen im Startpost sind Copy&Paste. Aber Inhaltszusammenfassung und Charakterliste sind komplett neu.)

      Los geht's mit einem kleinen (oder nicht ganz so kleinem) Special. Ich würde empfehlen, die Charaktertexte über Evan, Christopher und eine gewisse Nora im Startpost erst hiernach zu lesen:

      Special: Das Ende einer Freundschaft; Teil 1
      „Das besondere an den Titanen-Monstern ist also, dass ihre Beschwörung nicht wie beispielsweise bei den Xyz-Monsten von der Stufe der Materialien abhängt, sondern von deren Attribut und Typ. Benannt wurden sie nach einer alten Legende, wonach die Titanen, mächtige Inkarnationen der Elemente, vor vielen Jahren gemeinsam gegen das Böse gekämpft haben“, fasste Professor Maverick, der junge Duellakademie-Lehrer mit dem braunen Pferdeschwanz, für seine Klasse zusammen. Er stand vorne in einem Hörsaal, auf dessen stufenartigen Sitzreihen die Schüler Platz genommen hatten. In dieser Unterrichtsstunde hatten sie intensiv eine neue Beschwörungsart diskutiert, die Steele Industries am vorigen Tag vorgestellt hatte. Professor Maverick sah hinüber zur Uhr, die über dem Eingang des Hörsaals angebracht war und anzeigte, dass die Stunde in fünf Minuten enden würde, und sagte: „So… Für die nächste Stunde…“

      „Ben?“, meldete sich Evan vom linken Ende des Hörsaals unvermittelt zu Wort.

      Professor Maverick, der es mit den Regeln stets gelassen sah und es gewohnt war, von seinen Schülern beim Vornamen angesprochen zu werden, sah hinauf zu dem Teenager mit dem wilden, rot-blauem Haar, der neben seinem besten Freund Christopher Allington saß. „Ja, Evan?“

      „Kannst du uns nicht noch ein bisschen mehr über diese Legende der Titanen erzählen?“, fragte Evan und übertrieb es mit seinem interessierten Tonfall etwas. Ein paar Plätze weiter vorne drehte sich Nora Jones, ein sehr hübsches, dunkelhaariges Mädchen, zu Evan um und zwinkerte ihm grinsend zu. Evan zwinkerte zurück. Christopher hingegen blickte schnell in eine andere Richtung, als Nora zu ihnen hochsah.

      Professor Maverick unterdessen kratzte sich nachdenklich am Kopf. „Nun… Der Legende nach gab es vier Titanen, einer für jedes Element; Feuer, Wasser, Erde und Luft. Normalerweise operierten diese mächtigen Kreaturen voneinander unabhängig, aber um eine übergeordnete, böse Macht zu stürzen, verbündeten sie sich. Dafür suchte sich jeder Titan einen Menschen aus, den er mit besonderen Kräften ausstattete und mit dem zusammen er kämpfte. Mehr weiß ich auch nicht, ein ehemaliger Professor namens Lyman Banner hat wohl Nachforschungen dazu betrieben, aber ich hatte für Mythen und Legenden nie besonders viel übrig.“

      „Also Mythen und Legenden wie die der ägyptischen Götterkarten oder der heiligen drei Bestien?“

      „Genau.“

      „Aber haben sich die nicht letztendlich als wahr erwiesen?“

      „Das mag ja sein“, meinte Professor Maverick vorsichtig.
      „Aber das heißt nicht, dass alle Legenden wahr sein müssen. Nun, wenn du sonst keine Fragen hast“, schloss er mit einem erneuten Blick zur Uhr, die immer noch genug Restzeit anzeigte, um eine Hausaufgabe aufzugeben.

      „Noch nicht ganz“, entgegnete Evan hektisch. „Dieser Professor Banner… was ist aus ihm geworden?“

      „Er ist vor fast zwanzig Jahren tragisch verunglückt“, erklärte Professor Maverick mit ernster Miene in dem Augenblick, als die Pausenglocke läutete und die Studenten lautstark ihre Sachen packten. Der Lehrer rief etwas über dem Lärm hinweg, aus dem die Worte „wartet“ und „Hausaufgaben“ zu hören waren, winkte dann jedoch resignierend ab und wünschte seinen Schülern einen schönen Nachmittag.

      Auf dem Weg nach draußen, wo das Schulgelände in das strahlende der Licht der frühen Junisonne getaucht war, wurden Evan und Chris auf halber Strecke von Nora eingeholt.

      „Das hast du ja wieder gut hingekriegt, Evan“, sagte sie grinsend.

      „Was soll ich sagen“, erwiderte jener mit gespielter Bescheidenheit. „Der Tag ist doch viel zu schön, um ihn mit Hausaufgaben zu verschwenden. Ich hab’ euch Mädels schon einiges an Arbeit erspart, vielleicht lasst ihr mich zum Dank mal ein paar Runden in eurem Swimming Pool drehen.“

      „Ja klar, netter Versuch“, entgegnete Nora lächelnd mit einem Kopfschütteln. „Also dann, ich geh’ mal zu meinen Freundinnen. Mach’s gut Evan. Und ist immer wieder schön, mit dir zu reden, Chris…“

      „Was hat sie damit gemeint? Hat sie sich über mich lustig gemacht?“, fragte Christopher, der während des ganzen Gesprächs kein Wort geredet hatte, sondern nur schüchtern in eine andere Richtung geblickt hatte, irritiert seinen Freund, kaum das Nora außer Hörweite war.

      „Bleib’ mal locker“, entgegnete Evan. „Sie hat nur ´nen Witz gemacht, weil du nie mit ihr redest. Wollen wir uns hier hinsetzen… Chris?“

      Christopher, der abgelenkt Nora hinterher geschaut hatte, schüttelte wie ein nasser Hund den Kopf.
      „Okay“, sagte er beiläufig und lehnte sich auf dem Stück Gras vor dem Hauptportal, auf das Evan gedeutet hatte, gegen eine Säule. Kaum saß er, schon zog er ein Schulheft aus seiner Umhängetasche und schlug es auf.

      „Dein Ernst?“, fragte Evan. „Alter, mach’ mal halblang, am Ende platzt dir noch der Kopf.“

      „Wohl kaum“, entgegnete der groß gewachsene Junge mit dem chaotischen, schwarz-weißen Haar, ohne seine leuchtend hellblauen Augen von den Aufzeichnungen abzuwenden. „Es sind nur noch zehn Tage bis zu unserer Abschlussprüfung. Willst du denn gar nicht lernen?“

      „Warum sollte ich?“, erwiderte Evan mit einem weiteren Schulterzucken. „Ich kann das alles.“

      „Dann erklär’ mir doch mal den Unterschied zwischen interner und externer Spezialbeschwörung“, forderte Chris.

      „Das eine fängt mit einem E an“, gähnte Evan und pfläzte sich ins Gras, nicht ohne vorher noch einer Gruppe von Mädchen zuzuzwinkern, die kichernd an ihm und Chris vorbeigingen.

      „Wenn du mal weniger Zeit damit verbringen würdest, irgendwelchen Mädchen nachzuglotzen und mehr damit, zu lernen, wüsstest du das“, tadelte Chris.

      „Dann würden mir aber eine Menge schöner Anblicke entgehen“, gab Evan zu bedenken.

      „Hör mal: Es geht hier immerhin um deine Zukunft. Das kann dir doch unmöglich egal sein.“

      „Zukunft?“, wiederholte Evan lachend. „Wen juckt es schon, ob ich mit 95 oder 100 Prozent bestehe? Und überhaupt: Du warst an der Duellakademie und dein Dad hat so ungefähr ´ne halbe Million auf der hohen Kante. Reicht dir das nicht als Zukunftsabsicherung?“

      „Es geht hier doch nicht um Geld“, meinte Chris. „Es geht um Einfluss, weißt du? Ich will was Großes aus meinem Leben machen. Und um Mädchen kennenzulernen haben wir später noch genug Zeit.“

      „Das mag ja sein“, entgegnete Evan schwärmerisch. „Aber die haben dann nicht diese herrlichen Uniformen an… Ich sag’ dir, der Typ, der die Dinger entworfen hat, muss ein echter Schweinehund gewesen sein. So eng wie die anliegen und bei den kurzen Röcken…“

      „Charmant…“, meinte Chris trocken und blätterte eine Seite seines Hefts um.

      „Was soll ich sagen…“, erwiderte Evan und ließ vor seinem inneren Auge seine heißesten Kommilitoninnen in ihren Duellakademie-Uniformen Revue passieren. „Ich bin eben ein Prolet.“

      „Der Spruch zieht spätestens nicht mehr, seit du mir das Bild von diesem Marlin gezeigt hast, den du und dein Onkel auf seiner Yacht gefangen habt“, entgegnete Chris.
      Es stimmte schon: Inzwischen genoss auch Evan ein Luxusleben. Aber das war nicht immer so gewesen. Seine leiblichen Eltern waren einfache Leute gewesen und bevor sie vor fünf Jahren verstarben, hatte er mit ihnen ein Leben an der Armutsgrenze geführt. Aber nach dem Tod seiner Eltern hatten Jane, die Schwester seiner Mutter, und deren reicher Ehemann sie aufgenommen.

      Evans Gesicht hatte einen ernsten Ausdruck angenommen und er setzte sich auf. „Wenn ich erstmal ein Profi bin und selbst ein Vermögen mache“, begann er. „Dann werde ich andere daran teilhaben lassen. Ich brauche keine Yachten, Ferienhäuser oder Sportwagen, was soll ich damit?“

      „Ich merk’ schon, du wirst als der nächste Robin Hood in die Geschichte eingehen“, entgegnete Christopher, ohne von seinen Aufzeichnungen aufzublicken.
      In den knapp drei Jahren, die er Evan jetzt schon kannte, hatte er gelernt, politische Diskussionen mit ihm zu vermeiden. Evan regte sich gern über „das System“ auf. Er meinte, es sei ungerecht und würde die Reichen nur noch reicher machen, während die Armen ein Dasein ohne jede Hoffnung auf Besserung fristen mussten.
      Christopher war da anderer Meinung. Sein Vater hatte ihm immer gesagt, dass abstrakte Gebilde wie „das System“ keine Schuld tragen konnten. Nur Menschen konnten das. Und diejenigen, die die Schuld für ihr Leiden dem „System“ zuschieben mussten, waren entweder zu feige oder zu arrogant, um ihr eigenes Handeln in Frage zu stellen.
      Aber Evan war in dieser Hinsicht unbelehrbar. Deshalb hatte Christopher schon vor einiger Zeit beschlossen, seinen Anflügen von politischem Interesse nicht mehr viel Beachtung zu schenken.

      „Was sagst du eigentlich zu dieser Legende der Titanen?“, setzte Evan nach einer Weile wieder an.

      Christopher zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht“, sagte er. „Kommt mir wie ein Märchen vor, dass man Kindern erzählt, um ihnen Werte beizubringen. „Haltet zusammen. Gemeinsam könnt ihr viel mehr erreichen als allein…“ du weißt schon.“

      „Aber bist du denn gar nicht neugierig?“, fragte Evan. „Was, wenn es wahr ist? Wäre es nicht voll cool, Superkräfte zu haben?“

      „Du solltest aufhören, Comics zu lesen“, antwortete Christopher. „Ernsthaft. Du wirst dieses Jahr achtzehn.“

      Evan ging nicht darauf ein. „Dieser Banner…“, fing er an. „Der war doch damals der Leiter der Slifers. Deren alte Unterkunft steht doch noch. Vielleicht sollten wir uns mal in seinem Büro umsehen…“

      „Keine gute Idee“, entgegnete Chris beiläufig.

      „Warum denn nicht?“, fragte Evan störrisch. „Die werden uns wohl kaum rausschmeißen, wo die doch so auf uns abfahren. Was kann also schon groß passieren?“

      „Wir könnten zum Beispiel draufgehen“, antwortete Chris pessimistisch und blickte endlich von seinem Heft auf. „In dieser Unterkunft ist seit fünfzehn Jahren niemand mehr gewesen. Jede Wette, dass die beim kleinsten Windhauch umfällt wie ein Kartenhaus.“

      „Ach komm schon…“, meinte Evan. „Wenn sie fünfzehn Jahre durchgehalten hat, wird sie schon noch eine Nacht länger durchhalten.“

      „Ich muss lernen“, meinte Chris ausweichend und vertiefte sich wieder in seine Aufzeichnungen. Er hielt jedoch nicht lange durch, denn in diesem Moment sprang Evan auf, zog seinem Freund ungefragt das Heft aus den Händen und blätterte es durch, auf der Suche nach einem möglichst komplizierten Sachverhalt.

      „Wieso kann die Beschwörung von Denko Sekka mit einer Konterfalle annulliert werden, obwohl ihr Effekt sagt, dass verdeckte Zauber- und Fallenkarten nicht aktiviert werden können?“, fragte er schließlich.

      „Weil eine annullierte Beschwörung nicht als erfolgreich gilt“, betete Chris hinunter. „Der Effekt der Konterfalle aktiviert sich, noch bevor Denko Sekka offiziell das Feld betreten hat und damit auch bevor ihr permanenter Effekt in Kraft tritt. Und jetzt gib’ mir das zurück. Du hast ein Eselsohr reingemacht…“

      Evan verdrehte die Augen, während Chris sich sein Heft zurückholte. „Siehst du? Du kannst das alles. Warum also nicht mal einen drauf machen? Uns wird schon nichts passieren, okay? Komm schon, sei nicht so ein Weichei. Dies ist unser letztes Jahr an dieser Schule. Lass uns noch ein letztes Abenteuer erleben…“

      Christopher seufzte. „Na schön“, sagte er. „Aber wenn ich wegen dir sterbe, dann bringe ich dich um…“

      Evan grinste. „Von mir aus“, sagte er. „Und wehe, du kneifst…“
      ~

      Später an diesem Abend schlichen sie sich also heimlich aus ihrem Schlafsaal und marschierten mit Taschenlampen bewaffnet einen finsteren Waldweg entlang. Es war derselbe Weg, den die alten Slifer Red-Schüler genommen haben mussten, um zum Hauptgebäude zu kommen, jedoch hatte ihn die letzten fünfzehn Jahre kaum jemand betreten, sodass er an den Rändern zugewuchert war.
      Der Wald selbst schien voller Leben: Ständig hörte man Äste knacken, Eulen schuhuen und Fledermäuse davonflattern.
      Christopher schien dies völlig nervös zu machen. Wann immer ein lautes Geräusch ertönte, wirbelte er hektisch herum und leuchtete mit seiner Taschenlampe in die Baumkronen.

      Dies fand Evan sehr amüsant: „Alles klar bei dir, Chris? Ich hoffe, du hast Ersatzunterhosen dabei…“

      „Haha“, entgegnete Chris trocken und schloss zu Evan auf. „Hör’ mal, dieser Banner ist seit achtzehn Jahren tot. Warum sollte von seinem Zeug noch irgendwas übrig sein? Komm, lass uns umdrehen…“

      „Netter Versuch“, antwortete Evan, dabei zielstrebig weitergehend. „Was bist du eigentlich für ein Angsthase? Du hast Glück, dass keine Mädchen dabei sind…“

      Christophers Gesicht verhärtete sich. „Ich habe keine Angst“, sagte er bestimmt mit einer Stimme, die etwas tiefer klang als normal.

      „Sowieso“, erwiderte Evan ungläubig, dann wirbelte er plötzlich herum, leuchtete in die Finsternis des Waldes und schrie panisch: „ACHTUNG!“

      Chris schrie, machte wie von der Wespe gestochen einen Satz rückwärts und wirbelte ebenfalls panisch herum, um in den Wald zu leuchten. Nach einer Weile beruhigte er sich und leuchtete suchend das Unterholz ab, bemerkte dann jedoch Evan, der sich vor Lachen kugelte.

      „Keine Angst also?“, japste er. „Na ich weiß ja nicht…“

      Zornesröte stieg in Christophers blasses, spitzes Gesicht. „Das ist nicht witzig! Willst du, dass ich es den Lehrern sage? Ich kann es so aussehen lassen, als wärst du allein gegangen und ich wäre dir nur gefolgt, um dich aufzuhalten…“

      „Oh, jetzt habe ich aber Angst“, entgegnete Evan sarkastisch und ging weiter, bis sie kurz darauf eine große Lichtung erreichten: „Aha…“

      Sie standen nun vor einem riesigen, verlassenen Gebäude. Es war ein schmales, zweistöckiges Haus, an dessen Westseite eine Treppe hinauf zu einer hölzernen Veranda führte, von der aus man zu den Türen der Zimmer im oberen Stockwerk kam.

      Die Treppe nahmen Evan und Chris als Erstes in Augenschein.
      „Wenn du glaubst, dass ich da raufgehe, hast du dich aber geschnitten“, entschied Chris sofort, kaum kam die Treppe in den Lichtkegel von Evans Taschenlampe.

      Auch diesem war beim Anblick der feuchten, modrigen Stufen, zwischen denen sich Spinnenweben spannten, nicht wohl zumute, auch wenn er dies seinem Freund gegenüber nie zugeben würde.
      „In Ordnung. Dann sehen wir eben zuerst unten nach“, entgegnete Evan um einen genervten Unterton bemüht.

      Sie gingen also die Arkade unterhalb der Veranda entlang. Während Evan mit seiner Taschenlampe die verrosteten Metallschilder neben den Türen zu den einzelnen Schlafräumen ableuchtete, überprüfte Chris die von morschen Holzbalken getragene Decke.
      Große Spinnennetze waren hier zwischen Decke und Wand gespannt. Deren Bewohner, große Spinnen mit kreuzförmigen Mustern auf ihren fetten Hinterleiben, krabbelten rasch in die Ecken ihrer Behausungen, wenn sie vom Licht von Christophers Taschenlampe erfasst wurden.

      „Hier ist es!“, rief Evan, der vorausgegangen war, plötzlich und brach damit das gespannte Schweigen, das kurz zuvor geherrscht hatte. Er stand vor der letzten Tür am östlichen Ende der Unterkunft. Daneben kam nur noch eine breite, traditionelle Schiebetür, die offenbar zum Speisesaal führte. Auf dem rostigen Metallschild, das neben der Tür hing, vor der Evan angehalten hatte, stand: „Lyman Banner, Lehrer für Alchemie und Duell-Mystik“.

      Chris holte auf und Evan griff nach der verrosteten Türklinke. Mühsam drückte er sie nach unten und versuchte, die Tür zu öffnen, doch die blieb verschlossen. Und nicht nur das: Als Evan die Türklinke ein wenig enttäuscht losließ, schnellte diese nicht zurück nach oben, sondern blieb schräg nach unten stehen. Der Federmechanismus im Inneren war offenbar defekt.

      „Na toll“, meinte Chris sarkastisch. „Dafür sind wir extra wach geblieben? Um vor einer verschlossenen Tür zu stehen?“

      „Wenn du so schnell aufgibst, wird aus dir nie ein guter Duellant“, antwortete Evan, griff erneut nach der Klinke und rüttelte an der Tür.

      „Sieht nicht sehr stabil aus“, urteilte er und ließ die Klinke abermals los. Danach ging alles sehr schnell. Evan trat einen Schritt zurück und warf sich dann mit seiner kräftigen Schulter gegen die Tür, die krachend aufflog und im Inneren des Raums gegen die Wand knallte und dabei einige Mäuse verscheuchte.

      „Sag mal, ist dir noch zu helfen?!“, fragte Christopher wie vom Blitz getroffen. „Willst du die gesamte Insel wecken?“

      Evan lachte, bekam aber sofort einen heftigen Hustenanfall, weil er mit seiner rabiaten Aktion den Staub von zwei Jahrzehnten aufgewirbelt hatte. „Bleib mal locker“, hustete er. „Hier ist kein Schwein im Umkreis von einer halben Meile.“

      Als der Staub und Evans Hustenanfall sich halbwegs gelegt hatten, betrat jener den Raum. Christopher folgte ihm zögernd.
      Es war ein kleines, proppenvolles Zimmer. An einer Wand stand ein Schreibtisch aus billigem Sperrholz, auf dem Boden in der Nähe lag eine dünne, mottenzerfressene Matratze mit gräulichem Bettzeug darauf. Jeder freie Meter Wand war mit Bücherregalen vollgekleistert.

      „Anscheinend verdient man nicht allzu viel als Lehrer für Hirngespinste“, meinte Chris abfällig, während er das spärliche Mobiliar betrachtete.

      Evan ging nicht weiter darauf ein: „Okay, dann wollen wir mal sehen, ob unser Freund seine Aufzeichnungen hiergelassen hat. Such’ nach Büchern und Heften, die handgeschrieben aussehen.“

      Chris verdrehte die blauen Augen und blies den Staub von den Buchrücken in einem großen Regal an der Ostwand, damit er die Einbände lesen konnte. „In Ordnung, aber wenn du hast, was du suchst, hauen wir hier ab.“

      Evan knurrte zur Bestätigung und nahm sich ein Regal in der Nähe des „Bettes“ vor. Hier gab es zahlreiche dicke, in Leder gebundene Wälzer, die komplizierte wissenschaftliche Sachverhalte behandelten, jedoch allesamt nicht handgeschrieben wirkten.
      Als Evan mit dem Regal durch war, wandte er sich dem Schreibtisch zu. Dessen Oberfläche war voll mit Zeugs, aber auch darunter fand sich nichts Brauchbares. Deshalb öffnete er die Schubladen. In der Unteren fand er endlich etwas Brauchbares. Es war ein über dreißig Jahre alter, ledergebundener Taschenkalender, doch statt Termine darin einzutragen, hatte Professor Banner ihn mit Stichpunkten und Zeichnungen vollgekritzelt.

      „Amnael…“, las Evan flüsternd vor. Die Notiz war unter „4. November“ eingetragen und den Großteil der Seite nahm ein Symbol, ein Kreis mit einem Punkt in der Mitte, ein. Laut, sodass Chris ihn hören konnte, fuhr er fort: „Hat nicht ein Typ namens Amnael vor zwanzig Jahren versucht, die Akademie zu zerstören?“

      „So sagt man zumindest…“, antwortete Christopher skeptisch, ohne sich von dem Bücherregal abzuwenden, das er immer noch durchforstete.

      Evan runzelte die Stirn und blätterte weiter durch die vergilbten Seiten des Taschenkalenders. Endlich, unter „27. Februar“, fand er, wonach er suchte. Eine Seite, deren unterstrichene, handgeschriebene Überschrift lautete: „Die Legende der Titanen“.
      Auch diese Seite war mit einer handgefertigten Zeichnung verziert: Ein lateinisch beschriftetes Kreuz, umgeben von vier Kreaturen. Diese waren amateurhaft gezeichnet, aber zu erkennen: Unten eine Seeschlange, die als Ouroboros ihren eigenen Schwanz frisst, beschriftet mit „Aqva“, Wasser, wobei das V in Wirklichkeit ein U war. Rechts darüber ein hässliches, unförmiges Wesen, das Evan als Drache interpretierte, obwohl es eher einem Riesenkrokodil ähnelte, beschriftet mit „Terra“. Links davon ein geflügelter Löwe, beschriftet mit „Aer“, was wohl Luft bedeutete. Und an der Spitze des Kreuzes ein großer, brennender Vogel mit breit gespreizten Flügeln, beschriftet mit „Ignis“.

      „Chris“, sagte Evan aufgeregt, aber ruhig. „Ich habe es gefunden.“

      Christopher drehte sich um. „Gut, dann können wir ja…“, sagte er, beendete den Satz aber nie, weil anschließend viele Dinge gleichzeitig passierten.
      In einem Anflug von Tollpatschigkeit ließ Chris das Buch fallen, das er gerade in der Hand hielt. Es landete auf dem Boden, wo die dicke Staubschicht das Geräusch des Aufschlags fast gänzlich schluckte. Allerdings lenkte es so Christophers Aufmerksamkeit auf das, was am Boden geschah: Eine fette Ratte mit einem langen, kahlen Schwanz, die direkt zu Christophers Füßen den Boden abgesucht hatte, quiekte erschrocken und rannte aufgescheucht davon, um in einem Loch in der hinteren Wand zu verschwinden. Chris erschreckte sich dadurch dermaßen, dass er einen Satz nach hinten machte und dabei auch noch seine Taschenlampe fallen ließ. Deshalb hörte Evan nur noch, was danach geschah.
      Der große, dünne Junge prallte mit voller Wucht mit dem Rücken gegen einen Holzpfeiler an der Wand. Evan hörte das Knarren und Splittern des morschen Holzes, während der wichtige Stützpfeiler mitten entzwei geschlagen wurde. Anschließend knarrte und knarzte die gesamte Decke.

      „Nicht gut…“, sagte Evan, bemüht, seine Angst zu verbergen, und steckte sich den Taschenkalender in die Jackentasche.
      Mehr schaffte er auch nicht, denn sofort darauf passierte es: Unter der Last der steinernen Decke knickte auch der zweite Stützpfeiler auf Christophers Seite des Raumes ein. Unter ohrenbetäubenden Lärm begann daraufhin die Decke, zusammenzusacken. Bücherregale und was sonst so an der Wand stand oder hing stürzte zu Boden. So auch das Regal, das neben dem Evan stand und nun direkt auf dessen Kopf fiel. Etwas sehr scharfkantiges, das sich im Regal befunden hatte, schabte über seine linke Gesichtshälfte und hinterließ einen sengenden Schmerz.

      Von ganzem Herzen fluchend klatschte sich Evan die linke Hand auf die frische Wunde und spürte sofort das warme Blut, das zwischen seinen Fingern hindurch sickerte.
      Ohne weiter nachzudenken torkelte Evan aus dem einstürzenden Gebäude hinaus ins Freie, die Hand aufs Gesicht gepresst. Sofern er es beurteilen konnte, war sein Auge unbeschadet, aber der Schnitt, der über Stirn und Wange verlief, musste sehr tief sein. Er spürte, wie das Blut sein Handgelenk hinunter in seinen Ärmel lief.
      Auf einer Wiese etwa zehn Meter vor der zerstörten Unterkunft sank er auf die Knie. Sein Herz raste, er atmete schwer.

      „Chris?“, keuchte er und sah sich mit seinem rechten Augen um, aber er konnte Christopher nirgends entdecken. Das konnte nur eins bedeuten, und diese Erkenntnis ließ ihn einen kalten Schauder über den Rücken laufen…
      Langsam drehte er sich um und blickte zurück zu der Ruine, die er soeben verlassen hatte und in der Christopher immer noch gefangen sein musste.

      Das Dach am östlichen Ende war eingestürzt, die Räume darunter eingesackt. Auf diese Weise war eine Art tiefe „Delle“ zwischen den westlichen Räumen und dem noch intakten Speisesaal entstanden, was an einen langen Pappkarton erinnerte, auf dessen Ende sich jemand schweres gesetzt hatte.

      „Chris!“, schrie Evan abermals und setzte sich taumelnd in Bewegung, die linke Hand fest auf den tiefen Schnitt in seinem Gesicht gepresst.
      Er rannte hinüber zu der Ruine und stieg über den Haufen der Überreste der Veranda, die sich vor Professor Banners altem Büro gesammelt hatten. Der alte Holzsteg war glatt entzwei gebrochen und einzelne morsche Holzbretter baumelten links von Evan vom noch intakten Teil der Veranda hinab.

      Suchend leuchtete Evan nun das zerstörte Büro mit seiner Taschenlampe ab. Die von Christopher lag herrenlos auf dem Boden und leuchtete ins Nichts, wobei die Staubverwehungen im Lichtkegel deutlich zu sehen waren.
      „Chris?“, wiederholte Evan und endlich bekam er eine Antwort: Ein schwaches Stöhnen rechts von ihm.

      „Chris!“, rief Evan erleichtert und folgte mit dem Lichtkegel seiner Taschenlampe der Quelle des Stöhnens: Einem riesigen Haufen aus Trümmern und Büchern an der Ostseite des Raumes, wo die eingestürzte Decke bereits um einen knappen Meter tiefer hing als im Rest des Zimmers.
      Mit dem Licht seiner Taschenlampe suchte Evan den Gerümpelhaufen ab und entdeckte endlich etwas: Eine Kreidebleiche Hand mit langen Fingern, die im Ärmel einer blau-weißen Jacke steckte und aus den Trümmern hervorlugte.

      Evan fluchte, ließ seine Taschenlampe fallen und kniete sich hin. Mit einer Hand fing er schnellstmöglich damit an, im Zwielicht das Gerümpel beiseite zu räumen und legte nach und nach seinen staubigen, mageren Freund frei, der auf dem Rücken unter den Trümmern begraben lag.
      Als sein Gesicht größtenteils befreit war, schreckte Evan zurück. Es war so blass, dass es im Dunkeln zu leuchten schien. Was Evan aber vor allem besorgte, war die Tatsache, dass Christophers rechte Gesichtshälfte komplett blutüberströmt war.
      Evan suchte nach dem Ort, wo das Blut am dunkelsten war, und erkannte, dass dieser unter dem letzten Stück Gerümpel liegen musste, dass Christophers Gesicht noch verdeckte: Ein langes Holzbrett, das über seinem rechten Auge lag.
      Evans Blick suchte das Brett ab und er erkannte schließlich etwas, das das Blut in seinen Adern gefrieren ließ: Dort, direkt über dem Punkt, wo Christophers rechter Augapfel liegen musste, steckte etwas in dem Brett. Der rostige Kopf eines dicken Nagels…

      Evan fluchte abermals und Chris antwortete mit einem weiteren schwachen Stöhnen.

      „Keine Angst, mein Freund, ich rette dich“, versprach Evan hektisch. Christopher murmelte etwas Unverständliches und griff mit seiner zittrigen, freien Hand schwach nach Evans Handgelenk. Anschließend holte Evan tief Luft, denn es grauste ihm vor dem, was er jetzt tun musste.

      Die Augen fest geschlossen, um nicht hinsehen zu müssen, machte er sich an Werk. Vorsichtig hob er das Brett mit der rechten Hand an und schob es beiseite. Was dann folgte war ein widerliches, schmatzendes Geräusch, das einen heftigen Brechreiz in Evan hervorrief.
      Christopher heulte unter Todesqualen laut auf und Evan spürte, wie die Hand seines Freundes sich an seinem linken Handgelenk zunächst schraubstockhaft verkrampfte, dann aber erschlaffte und zu Boden fiel.

      „Chris!“, schrie Evan panisch, bekam aber keine Antwort. Nun hatte sein Freund endgültig das Bewusstsein verloren.
      Mit rasendem Herzen und fest verschlossenen Augen tat Evan das Einzige, was ihm einfiel: Er zog sich die eigene Duellakademie-Jacke aus, sodass er nur noch in dem dunkelblauen T-Shirt dastand, das er darunter trug. Anschließend schlang er die Ärmel schräg um Christophers Kopf und versiegelte den provisorischen Verband mit einem festen Knoten.

      Nun öffnete Evan wieder das unverletzte Auge und betrachtete sein Werk. Der teure, weiße Jackenstoff über Christophers rechtem Auge war bereits nach wenigen Sekunden blutdurchtränkt.

      Eilig, weil er wusste, dass Chris in großer Gefahr sein musste, legte Evan sich einen der leblosen Arme seines Freundes über die Schulter und zog ihn aus den Trümmern.
      Was folgte, war ein einziger Gewaltmarsch. Christopher mochte zwar klapperdürr sein, war aber um einiges größer als Evan und insgesamt wahrscheinlich ähnlich schwer. Schon bald musste Evan seine zweite Hand zur Hilfe nehmen, die er bis zu diesem Zeitpunkt fest auf seine Wunde gepresst hatte.
      Diese schmerzte fürchterlich, aber er zwang sich dazu, weiterzugehen und spürte dabei, wie das Blut ihm das Gesicht hinunter in den Kragen seines T-Shirts floss.

      Aber seine eigene Verletzung kümmerte Evan gerade recht wenig, denn er wusste, dass es Christopher viel schlimmer getroffen hatte. Er wollte gar nicht darüber nachdenken, wie viel Blut sein Freund inzwischen verloren haben musste. Auf jeden Fall würde es morgen früh, wenn die Akademie erwachte und die Chance bestand, dass man sie hier auf dem verlassenen Waldweg fand, zu spät sein.
      Deshalb schleppte Evan sich und Christopher weiter über den verwilderten Pfad, obwohl sein Schädel dröhnte und er glaubte, jeden Moment unter der Last zusammenzubrechen.

      Endlich, nach einer knappen Viertelstunde extremster Anstrengung, erblickte Evan die Umrisse eines Gebäudes.
      Der riesige Kuppelbau, der das Hauptgebäude der Duellakademie bildete, lag vor ihm, aus einigen Fenstern drang immer noch Licht.
      Das Gebäude war wie ein Leuchtturm, der die Rettung aus seiner Seenot bedeutete und wie eine Motte wurde Evan von dem Licht angezogen. Er ließ Christopher vorsichtig auf die Erde sinken und markierte ihn mit einer eingeschalteten Taschenlampe, bevor er selbst die letzten Meter rannte.
      Als er glaubte, in Rufweite des Gebäudes zu sein, drehte er sich um, um sicherzugehen, dass Chris’ lebloser Körper noch deutlich sichtbar war, und öffnete den Mund.

      „Hilfe!“, schrie er aus Leibeskräften, in der verzweifelten Hoffnung, man möge ihn hören. Anschließend ging er vor Erschöpfung in die Knie.
      „Hilfe!“, schrie er abermals, dann wurde ihm schwarz vor Augen…

      ~

      Als Evan das Auge wieder öffnete, wurde er geblendet. Er war in einem hell erleuchteten Raum erwacht. Erst nach einer Weile gewöhnte sich sein Auge an die Helligkeit und er erkannte den Raum. Er lag in einem klapprigen, weiß bezogenen Metallbett, von denen es in dem großen Zimmer noch fünf weitere gab. Er war im Krankensaal der Akademie.
      Erleichtert atmete er auf und sank in die Kissen. Also hatte man ihn gehört und gefunden. Er strich sich übers Gesicht und spürte den dicken Verband, den man über sein linkes Auge gewickelt hatte.

      Plötzlich öffnete sich eine Tür am Ende des Zimmers und eine junge Frau im weißen Kittel trat ein. Dr. Hefley, die Schulärztin. Sie ging hinüber zu Evan und dieser erkannte, dass ihr hübsches, sommersprossiges Gesicht blass und besorgt wirkte. Ihr buschiges, hellbraunes Haar, das sie als Ponyfrisur trug, war zersaust wie von jemanden, der keine Zeit hatte, sich zu kämmen, seit er aus dem Schlaf gerissen worden war.

      „Ah, du bist wach“, stellte Dr. Hefley erleichtert fest.

      „Was… was ist passiert?“, murmelte Evan benommen.

      Das Gesicht der Ärztin wurde ernst.
      „Du hast eine sehr tiefe Schnittwunde im Gesicht“, erklärte sie. „Glücklicherweise ist dein Auge unbeschadet. Du kannst den Verband in zwei Tagen abnehmen. Aber du wirst wahrscheinlich eine Narbe behalten…“

      Evan seufzte und versuchte, das soeben Gehörte zu verarbeiteten. Allmählich kehrten die Erinnerungen an die Nacht zurück und er ließ seinen Blick über die anderen Betten schweifen.

      „Wo ist Chris?!“, fragte er erschrocken, als er bemerkte, dass sein Bett das einzige belegte war. Ruckartig setzte er sich auf, was zu einem stechenden Schmerz unter seinem Verband und in seinem Kopf führte.

      „Bleib ruhig“, sagte Dr. Hefley sanft und berührte seine Schulter, um ihn dazu zu bringen, zurück in die Kissen zu sinken, wirkte dabei selbst aber alles andere als ruhig. „Der Hubschrauber kam eben, um ihn abzuholen. Wir mussten ihn in eine Spezialklinik schicken. Dort wird man versuchen, sein Auge zu retten…“

      Sie erschauderte. Als Ärztin musste sie schon so einiges gesehen haben, aber diese Verletzung schien selbst sie an ihre Grenzen gebracht zu haben.

      Evan unterdessen richtete sich erneut auf, wenn auch diesmal weniger ruckartig.
      „Geht es ihm gut?“, drängte er.

      Dr. Hefley machte ein ziemlich betroffenes Gesicht: „Er hat sehr viel Blut verloren. Aber im Hubschrauber sind genug Infusionen vorrätig. Von daher ist er außer Lebensgefahr. Mit deiner Hilfsmaßnahme hast du ihm vielleicht das Leben gerettet…“

      Sie deutete auf das Ende von Evans Bett, wo an einem Kleiderbügel ein großer, steriler Plastikbeutel mit Evans Jacke darin hing. Der gesamte rechte Ärmel war komplett mit scharlachrotem Blut vollgesogen.

      „Was ist passiert?“, fragte Dr. Hefley pflichtbewusst. „Warum wart ihr nicht in euren Betten? Wie habt ihr euch so verletzt?“

      Doch Evan kam nicht dazu, zu antworten, weil in diesem Moment die Tür am anderen Ende des Raumes erneut aufflog.

      „Evan!“, rief eine Mädchenstimme. Nora Jones eilte durch den Raum. Ihr dunkles Haar war eilig zu einem Zopf zurückgebunden und sie trug eine Art Bademantel über einem kurzen, lila Nachthemd. Offenbar hatte sie im Büro der Ärztin drauf gewartet, dass er wach wurde und konnte es jetzt nicht mehr aushalten.

      „Oh Evan…“, schluchzte sie und warf sich ihm um den Hals. „Ich habe mir solche Sorgen gemacht…“

      „Schon okay…“, entgegnete Evan perplex und tätschelte ihr den Rücken. „Mir geht es gut.“

      Nora löste sich von ihm und starrte ihn plötzlich mit glühenden Augen an. Plötzlich verführerisch flüsternd fuhr sie fort: „Es gibt etwas, das ich dir schon lange sagen will…“

      Und dann, ohne Vorwarnung, schlang sie sich erneut um ihn und küsste ihn mitten auf den Mund. Völlig überrascht, aber nicht unglücklich, erwiderte Evan den Kuss.

      ~

      In den nächsten Tagen bekam Evan an der Akademie noch mehr Aufmerksamkeit, als es sowieso schon der Fall war. Die Jungen fragten ihn neugierig über sein Abenteuer aus und die Mädchen umgarnten ihn wegen seiner Verletzung. Die hatte, wie die Schulärztin vorausgesagt hatte, eine lange, rote Narbe in seinem Gesicht hinterlassen, die bei jeder Berührung schmerzhaft ziepte. Evan selbst machte das nicht wirklich etwas aus. Er war nicht eitel und auf eine gewisse, machohafte Weise fand er die Narbe in seinem Gesicht sogar ganz cool.
      Allerdings erinnerte ihr Anblick ihn immer an Chris, um den er sich immer noch große Sorgen machte. Gleich am nächsten Morgen versuchte er, in der Spezialklinik anzurufen, aber ihm wurde gesagt, dass Christopher nicht zu sprechen sei. Tags darauf kamen seine Tante Jane und deren Ehemann zu Besuch, um nach ihm zu sehen und dann brach auch schon die letzte Woche vor den Abschlussprüfungen an. Diejenigen Schüler, die die Duellakademie dieses Jahr verlassen würden, waren vom Unterricht befreit und so verbrachte Evan den Großteil der Woche damit, den anderen Schülern beim Lernen Gesellschaft zu leisten und mit Nora rumzuknutschen.
      Von Chris fehlte tagelang jede Spur. Beim Frühstück am Freitagmorgen jedoch erblickte Evan plötzlich im Speisesaal der blauen Unterkunft eine lange, dunkelhaarige Gestalt.

      „Chris!“, rief Evan und eilte zu ihm hinüber, um sich zu ihm zu setzen.

      „Hallo Evan“, antwortete Christopher kühl und strich sich Kaviar auf ein Stück Brot. Sein verletztes rechtes Auge war von einem dicken Verband bedeckt, ähnlich dem, den Evan für zwei Tage getragen hatte.

      „Ich… ich habe mir Sorgen gemacht. Seit wann bist du wieder da?“, sagte Evan.

      „Seit gestern Nacht“, antwortete Chris steif, ohne von seinem Frühstück aufzusehen.

      „Gestern Nacht?“, wiederholte Evan. „Warum sehe ich dich dann erst jetzt?“

      Chris zögerte die Antwort hinaus, indem er einen Schluck Kaffee trank. Schließlich sah er auf und blickte Evan kühl ins Gesicht: „Weil wir uns kein Zimmer mehr teilen.“

      Evan schaute irritiert drein. Schließlich dämmerte ihm etwas.
      „Hat dein Vater das arrangiert?“, fragte er. Mr. Allington hatte Evan nie besonders gut leiden können. Er dachte, er übe einen schlechten Einfluss auf seinen Sohn aus. Etwas, das Evan ihm, nachdem er und Christopher sich in einer Nacht beide schwere Gesichtsverletzungen zugezogen hatten, nicht einmal mehr übel nehmen konnte.

      Unterdessen verengte sich Christophers gesundes Auge.
      „Nein“, sagte er. „Es war mein Wunsch. Die Akademie hielt es für schwachsinnig, weil wir eh nur noch ein paar Wochen hier sind, aber mein Vater hat dafür gesorgt, dass sie mir trotzdem ein neues Zimmer geben.“

      Evan klappte ungläubig der Mund auf. Dann fasste er sich schuldbewusst an die Stirn.
      „Hör’ mal, es tut mir wirklich unendlich leid“, sagte er aufrichtig. „Ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht…“

      „Es tut dir leid?“, wiederholte Chris lautstark und unterbrach damit Evans Entschuldigung. „Das ist auch das Mindeste! Das ist doch alles deine Schuld! Ich habe doch gesagt, dass es eine schlechte Idee war! Mein Vater wollte dich verklagen, aber ich habe ihn daran gehindert. Schließlich war ich selbst blöd genug, auch noch mitzukommen…“

      „Ihr wolltet mich verklagen?“, fragte Evan ungläubig.

      „Ja, allerdings!“, bestätigte Chris. „Und wir hätten allen Grund dazu gehabt. Weißt du eigentlich, wie teuer diese scheiß Spezialklinik war? Du solltest dich also bei mir bedanken!“

      „Das glaube ich jetzt nicht…“, meinte Evan und spürte, wie auch in ihm Zorn aufkochte. „Glaubst du, ich wäre stolz auf das, was ich getan habe? Ich habe doch gesagt, dass es mir leid tut. Verdammt, wir sind schließlich Freunde…“

      „Ach, sind wir das?“, fragte Christopher schnippisch. „An deiner Stelle wäre ich mir da nicht so sicher. Für dich ist das Leben doch bloß ein großes Spiel. Wann wirst du endlich erwachsen?“

      „Chris…“, fing Evan an, verzweifelt nach den richtigen Worten suchend.

      „Spar’s dir“, entgegnete Christopher kühl und stand auf. „Ich muss lernen.“

      Und mit einem Blick, der eindeutig „Und wehe, du folgst mir“ sagte, schritt Chris von dannen, ein abgebissenes Brot, eine halbe Tasse Kaffee und einen halben Teller Rührei zurücklassend.

      ~

      Später an diesem Morgen wollte Evan es noch einmal versuchen. Er entdeckte Chris allein in seine Schulhefte vertieft an eine große Weide in der Nähe der Unterkunft gelehnt und diesmal beschloss Evan, ihn nicht gehen zu lassen, bis sie sich ausgesprochen hatten.
      Er war fast an der Weide angekommen, als plötzlich zwei schlanke Frauenhände von hinten seine Augen bedeckten.

      „Wer bin ich, Evan?“, fragte Nora vergnügt, nahm ihre Hände von seinen Augen, ging um ihn herum und versuchte, ihn zu küssen.

      Evan, dem dies gerade absolut ungelegen kam, drückte sie von sich weg und suchte wieder nach Chris. Dessen gesundes Auge hatte sich entsetzt geweitet, er war blass und starrte erschrocken zu Evan und Nora hinüber. Es war, als würde er nicht glauben, was er sah.

      „Hey…“, meinte Nora gekränkt. „Was soll das?“

      „Tut mir leid, das hat nichts mit dir zu tun“, entschuldigte sich Evan und gab ihr einen flüchtigen Kuss.

      Als sie sich voneinander lösten, bemerkte Nora plötzlich, was Sache ist: „Hey, Chris ist ja wieder da…“

      Evan wirbelte ebenfalls herum und bekam noch den Rücken seines Freundes zu sehen, der eilig davonging.

      „Ist es wegen ihm?“, fragte Nora mitfühlend.

      Evan seufzte.
      „Er macht mich für das verantwortlich, was ihm passiert ist. Er will nicht mehr mit mir sprechen. Dabei will ich ihm doch nur sagen, wie sehr es mir leid tut…“, antwortete er niedergeschlagen.

      „Du kannst nichts erzwingen…“, meinte Nora beschwichtigend. „Wenn du ihm gesagt hast, dass es dir leid tut, dann lass ihn erstmal in Ruhe. Vielleicht braucht er etwas Zeit, um das alles zu verarbeiten…“

      „Mag sein…“, antwortete Evan traurig. „Ich fühle mich nur so schuldig…“

      „Ich weiß…“, sagte Nora und streichelte seinen Arm. „Ihr werdet euch schon wieder vertragen...“

      Evan antwortete nur mit einem Lächeln. Dann küsste er sie erneut, diesmal mit mehr Leidenschaft.
      ~

      In den nächsten 48 Stunden bekam Evan seinen alten Freund kaum zu Gesicht. Christopher wusste genau, dass Evan am Wochenende die Angewohnheit hatte, bis in die Puppen zu schlafen, und ging deshalb extra früh zum Frühstück, damit er schon fertig war, wenn Evan kam. Tagsüber zog er sich dann völlig zurück.

      Am Montag begannen dann die Abschlussprüfungen und schafften es selbst Evan abzulenken. Es waren drei stressige Tage, aber das Bisschen Prüfungsangst, das Evan kurzfristig doch noch überkam, erwies sich als ungerechtfertigt. Ihm fielen alle Prüfungen spielend leicht.
      Am Donnerstag und Freitag standen dann die weitaus spaßigeren praktischen Prüfungen an. Im Halbstundentakt musste jeder Student auf den beiden Duellfeldern unter der Kuppel des Hauptgebäudes drei zufällig ausgeloste Duelle bestehen, einem beliebten Spektakel, zu dem auch viele jüngere Schüler zum Zuschauen kamen.
      Zu niemandes Überraschung hatte Evan seine ersten beiden Duelle locker gewonnen und stand damit als einer der Besten des Jahrgangs da. Er hatte gehofft, vielleicht in einem der Duelle auf Christopher zu treffen, was diesen dazu zwingen würde, Zeit mit Evan zu verbringen, aber das Losglück war nicht mit diesem. Stattdessen stand ihm im letzten Duell niemand anderes als Nora gegenüber.

      „Also Evan, Nora…“, sagte Professor Maverick, der mit einem Klemmbrett am Rand des Duellfelds stand und die Prüfung abnahm. „Ihr steht beide bisher ungeschlagen da, deshalb ist das hier im Grunde nur reine Formsache. Habt Spaß.“

      „Wie du meinst, Ben“, entgegnete Evan und aktivierte lässig seine Duel Disc, schaute dabei aber zum anderen Duellfeld hinüber, wo Christopher einem Ra Yellow-Schüler gegenüberstand. Wortkarg und emotionslos hatte in den letzten beiden Tagen ebenfalls seine beiden Duelle gewonnen, ohne auch nur ansatzweise in eine brenzlige Situation geraten zu sein. Sein rechtes Auge war immer noch verbunden.

      „Also, Nora, Kopf oder Zahl?“, fragte Ben und zückte die Münze, mit der entschieden wurde, wer den ersten Zug machte.

      „Kopf“, entschied Nora. Ben schnipste die Münze in die Höhe, fing sie auf und legte sie auf seinen linken Handrücken.
      „Nora fängt an“, verkündete er. „Ihr könnt beginnen.“

      Dies ließen sich die beiden nicht zwei Mal sagen.
      „Los, Duell“, riefen sie im Chor und zogen jeweils fünf Karten von ihrem Deck auf. Nebenan taten Christopher und sein Gegner das gleiche.

      „Ich bin dran!“, fuhr Nora fort und betrachtete ihre Hand. „Zeit für einen kleinen Tapetenwechsel! Ich aktiviere den Feldzauber Aromagarten!“

      Der Extra-Schacht für Spielfeldzauberkarten an Noras Duel Disc öffnete sich und sie legte eine solche hinein.
      Plötzlich sah es so aus, als würde die Natur sich die Duell-Halle der Akademie in Zeitraffer zurückerbobern. Rasen und bunt blühende Sträucher wucherten aus dem Boden und als dies geschafft war, befanden sich Evan, Nora und Professor Maverick in einem wunderschönen Garten voll mit unterschiedlichsten Blüten. Die beiden Duellanten standen jeweils unter einen metallenen Bogen, der von weiß blühenden Schlingpflanzen bewuchert war und zwischen ihrem und dem zweiten Duellfeld war eine hohe, gelb blühende Hecke entstanden, die die Sicht versperrte und Evan dazu zwang, sich ganz auf sein eigenes Duell zu konzentrieren.

      „Als Nächstes beschwöre ich eine gute Freundin: Aromagierin Jasmin!“, verkündete Nora nun und legte eine Karte waagerecht in die Mitte ihrer Duel Disc. Vor ihr erschien daraufhin das Hologramm eines jungen Mädchens mit weißen Haaren und violetten Augen. Sie trug einen passenden, weiß-lilanen Umhang und hatte eine Art Zauberstab in der Hand, auf dessen Spitze ein Bogen aus Blumen und eine weiße Kerze thronten. (DEF: 1900)

      „Und weil ich jetzt ein Aroma-Monster kontrolliere, kann ich den Effekt meines Gartens aktivieren! Dadurch erhalten meine Monster bis zum Ende deines nächsten Spielzugs 500 Angriffs- und Verteidigungspunkte und ich 500 Lebenspunkte hinzu!“

      Eine sanfte Brise kam im Garten auf und verteilte die verschiedenen Düfte, dargestellt als rosa Dampfschwaden. Noras Monster unterdessen schloss die Augen, atmete tief durch und wirkte zufrieden. (DEF: 1900 -> 2400) (Nora: LP 4000 -> 4500)

      „Jetzt aktiviert sich der Effekt meines Monsters!“, fuhr Nora fort. „Einmal pro Spielzug, wenn ich Lebenspunkte hinzu erhalte, kann ich eine Karte ziehen!“

      Das silberhaarige Mädchen lachte kindlich und wedelte mit ihrem Zauberstab. Unterdessen fügte Nora ihrer Hand eine weitere Karte von ihrem Deck hinzu und grinste ebenfalls zufrieden, als sie erkannte, welche es war.

      „Jasmin hat einen weiteren Effekt“, fing sie an. „Wenn meine Lebenspunkte höher sind als deine, kann ich zusätzlich zu meiner regulären Normalbeschwörung ein Monster vom Typ Pflanze als Normalbeschwörung beschwören! Los, Aromagierin Rosemarie!“

      Nora legte die Karte rechts neben ihr bisheriges Monster auf ihre Duel Disc. Vor ihr erschien daraufhin das Hologramm einer weiteren Blumen-Magierin. Diese hatte die Gestalt einer hübschen, jungen Frau mit blauen Haaren und einem dazu passenden Umhang. Auch ihr Zauberstab war mit Blumen und einer blauen Duftkerze geschmückt. (ATK: 1800)
      Von Noras anderem Monster wurde sie herzlich begrüßt, wie es vielleicht bei Schwestern der Fall wäre. Die kleine, silberhaarige Zauberin umarmte die Blauhaarige auf Hüfthöhe. Anschließend stellten sie sich Schulter an Schulter auf.

      „Damit beende ich meinen Zug“, schloss Nora. „Du bist dran.“ [Hand: 3 / Backrow: 0]

      „Alles klar…“, entgegnete Evan. „Mein Zug!“

      Er zog ruckartig eine Karte von seinem Deck auf und als er seine Hand betrachtete, zuckte sein Mundwinkel unwillkürlich nach oben: „Ich beschwöre Sonneneruptions-Drache im Angriffsmodus!“

      Er klatschte die Karte auf seine Duel Disc und mitten im grünen Gras tat sich plötzlich ein See aus flüssiger Lava auf. Daraus stiegen Kopf und Hals eines gehörnten Drachen, der ganz aus Feuer zu bestehen schien. (ATK: 1500)
      Um das Monster herum begannen Sträucher und Grasbüscheln zu verkokeln.

      „Hey, hör’ auf, meinen schönen Garten abzufackeln“, ermahnte Nora Evan scherzhaft.

      „Tut mir wirklich leid“, entgegnete Evan. „Aber ich mag es nunmal gerne ein wenig… heißer. Deshalb aktiviere ich jetzt den Zauber Zwei vom gleichen Schlag! Ich ändere meinen Sonneneruptions-Drachen in den Verteidigungsmodus, um einen zweiten von meinem Deck zu beschwören!“

      Der Lavasee verbreitete sich und kurz darauf stieg ein weiterer Drachenkopf daraus empor, während Evan nach der Karte griff, die seine Duel Disc hervor schob und diese auf deren Oberfläche klatschte. (DEF: 1000)

      „Wenn ich Zwei vom gleichen Schlag aktiviere, kann ich in diesem Spielzug keine anderen Monster als Spezialbeschwörung beschwören. Deshalb betrete ich nun die End Phase! Jetzt aktivieren sich die Effekte meiner beiden Drachen und fügen dir jeweils 500 Punkte Schaden zu!“

      In den Mäulern der Drachen bildeten sich plötzlich zwei glühende Feuerbälle. Diese schossen kurz darauf quer über das Feld, versengten dabei ein paar Grashalme und trafen schließlich Nora unter ihrem Bogen. (LP: 4500 -> 3500)
      [(Evan) Hand: 4 / Backrow: 0] (Aromagierin Jasmin: DEF 2400 -> 1900)

      „Ich bin dran!“, rief die, als der Angriff vorüber war und zog grob eine Karte von ihrem Deck. „Ich aktiviere den Effekt meines Gartens! Ich erhalte 500 Lebenspunkte hinzu und meine Monster 500 Angriffs- und Verteidigungspunkte!“

      Es kam erneut eine frische Brise auf, die die Düfte über das Spielfeld trugen und Noras Monster atmeten tief durch. Gleichzeitig wurden die Brandschäden, die Evans Monster an der Vegetation verursacht hatten, auf wundersame Weise geheilt und das Gras rund um die brennenden Drachenköpfe fing aufs Neue an zu kokeln. (Nora: LP 3500 -> 4000) (Aromagierin Rosemarie: ATK 1800 -> 2300)
      (Aromagierin Jasmin: DEF 1900 -> 2400)

      „Jetzt aktivieren sich die Effekte meiner Monster!“, setzte Nora wieder an. „Dank Aromagierin Jasmin kann ich eine Karte ziehen und mit Aromagierin Rosemarie kann ich einen deiner Drachen in den Angriffsmodus zwingen!“

      Die Silberhaarige Blumenzauberin schwenkte ihren Stab und Nora zog eine Karte von ihrem Deck. Anschließend zeigte ihr anderes Monster mit ihrem Stab auf einen von Evans Drachen und beschrieb eine kreisende Bewegung. Daraufhin strömten blaue Duftwolken aus dem Stab in die Nase des brennenden Ungeheuers, das entspannt durchatmete, sich aufrichtete und noch heller glühte. (ATK: 1500)

      „Und jetzt los, Rosemarie! Greif Sonneneruptions-Drache an mit Veilchenflamme!“

      Die junge Frau in dem blauen Gewand hielt sich die Spitze ihres Stabs vor die Lippen und blies in die Flamme der Kerze auf dessen Spitze.
      Doch statt dass diese ausging, entstand eine große, blaue Stichflamme, die über das Feld in Richtung von Evans rauschte, dann jedoch in der Luft verpuffte.
      Unterdessen hatten die beiden Drachenköpfe angefangen, wild umeinander zu tanzen, sodass es unmöglich war, sie voneinander zu unterscheiden. So auch für Noras Monster, das irritiert hin und her blickte und mit ihrem Stab nutzlos in der Gegend herumfuchtelte.

      „Was ist los?“, fragte Nora verwirrt.

      „Die Effekte meiner Monster wirken“, erklärte Evan. „Solange ein anderes Monster vom Typ Pyro auf meinem Feld liegt, können sie nicht angegriffen werden. Sich beschützen sich selbst und damit auch den jeweils anderen. Du kannst also nicht angreifen.“

      Nora wirkte verärgert.
      „Na schön“, sagte sie. „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“ [Hand: 4 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran“, entgegnete Evan, nachdem zu den Füßen ihrer Gegnerin eine vergrößerte Kartenrückseite erschienen war, und zog eine Karte von seinem Deck.

      „Ich ändere Sonneneruptions-Drache wieder in den Verteidigungsmodus“, fuhr er fort und drehte die Karte auf seiner Duel Disc waagerecht. (DEF: 1000)
      „Als Nächstes aktiviere ich den Effekt von Burner, Drachenherrscher der Funken in meiner Hand! Ich werfe ihn zusammen mit Blizzarddrache ab, um Blaster, Drachenherrscher des Infernos von meinem Deck zu beschwören!“

      Evan schob die beiden Karten von seiner Hand auf den Friedhof, griff nach der Karte, die seine Duel Disc daraufhin hervorschob und klatschte sie auf deren Oberfläche.
      Vor ihm erschien daraufhin das Hologramm eines kleinen, roten Drachen mit einem Rückenpanzer aus festem Magma, der seine Form veränderte und um ein Vielfaches wuchs. Hinterher war er ein riesiges, dickes Ungeheuer, dessen ganzer Körper mit einer Schicht aus hartem, schwarzem Gestein bedeckt war, die von orange glühenden Adern durchzogen war. (ATK: 2800)

      „Leider kann Blaster in dem Spielzug, in dem er auf diese Weise beschworen wurde, nicht angreifen. Deshalb setze ich jetzt eine Karte verdeckt und aktiviere den Schnellzauber Superverjüngung! Die lässt mich in der End Phase eine Karte ziehen für jedes Monster vom Typ Drache, das ich in diesem Spielzug auf den Friedhof abgeworfen habe! Das macht zwei Karten für Blizzarddrache und Burner, Drachenherrscher der Funken!“

      Eine weitere holografisch vergrößerte Kartenrückseite erschien zu Evans Füßen, der seiner leeren Hand kurz darauf zwei neue Karten für den Effekt seiner Zauberkarte hinzufügte. Anschließend bildeten sich erneut zwei Feuerbälle in den Mäulern der beiden Drachenköpfe, mit denen sie Noras Lebenspunkten erneut um 1000 erleichterten. [(Evan) Hand: 3 / Backrow: 1] (Nora: LP 4000 -> 3000)
      (Aromagierin Rosemarie: ATK 2300 -> 1800)
      (Aromagierin Jasmin: DEF 2400 -> 1900)

      „Ich bin dran!“, meinte Nora mit zusammengebissenen Zähnen und zog eine Karte von ihrem Deck. Gleich im Anschluss griff sie nach der Karte, die sie am Ende ihres letzten Zuges verdeckt gesetzt hatte.
      „Ich aktiviere die permanente Falle Trockene Winde! Jedes Mal, wenn ich Lebenspunkte hinzu erhalte, zerstört die eins deiner Monster!“

      Ein vergrößertes Hologramm der Fallenkarte klappte neben Nora hoch. Darauf zu sehen waren zwei bisher unbekannte Blumenmagier, ein rothaariger Mann und eine blonde Frau, die Rücken an Rücken in einem gelben Wirbelwind standen.

      „Als Nächstes aktiviere ich den Effekt von Aromagarten!“, fuhr sie fort und das ganze Schauspiel wiederholte sich: Eine frische Brise verteilte die Düfte und heilte die Brandschäden, Noras Monster atmeten tief durch. (Nora: LP 3500 -> 4000) (Aromagierin Rosemarie: ATK 1800 -> 2300)
      (Aromagierin Jasmin: DEF 1900 -> 2400)

      „Jetzt aktiviert sich der Effekt von Jasmin und lässt mich eine Karte ziehen. Außerdem aktivieren sich die Effekte von Rosemarie und Trockene Winde! Mit Rosemarie ändere ich einen deiner Sonneneruptions-Drachen in den Angriffsmodus, Trockene Winde zerstört den anderen!“

      Ein heftiger Wirbelwind, in dem gelbe Blätter trieben, wurde plötzlich von der vergrößerten Fallenkarte entfacht und schoss fast wie ein Strahl quer über das Spielfeld. Auf der anderen Seite erfasste er einen der brennenden Drachenköpfe, dessen Hologramm sich augenblicklich in Luft auflöste. Gleichzeitig atmete der andere den blauen Duft ein, der von Rosemaries Stab ausging, richtete sich auf und das Feuer an seinem Körper leuchtete heller. (ATK: 1500)

      „Und jetzt los, Rosemarie! Greif an mit Veilchenflamme!“

      Erneut legte sich die blauhaarige Zauberin ihren Stab ans Kinn und blies in die Kerze auf dessen Spitze, diesmal mit Erfolg. Die blauen Flammen trafen den verbliebenen Drachenkopf, der sich sofort in Luft auflöste, und drangen zu Evan durch.
      (LP: 4000 -> 3200)

      Nora wirkte zufrieden, dass sie endlich durch Evans Verteidigung gebrochen war.
      „Ich beende meinen Zug“, sagte sie, wobei eine neue vergrößerte Kartenrückseite neben ihr erschien. „Das heißt, dein Drache kehrt jetzt auf deine Hand zurück!“ [Hand: 6 / Backrow: 0]

      „So ist es“, bestätigte Evan und griff nach der Karte, woraufhin das Hologramm des großen Drachen mit dem Magmapanzer verschwand.

      „Ich bin dran!“, fuhr er fort und zog schwungvoll eine Karte von seinem Deck. Als er sah, was er gezogen hatte, grinste er zufrieden. Auf einmal setzten sich die Karten in seiner Hand zu einem großen Ganzen zusammen und ihn beschlich das Gefühl, dass er ohne eine Niederlage seine Prüfung bestehen würde…
      „Als Erstes aktiviere ich den Zauber Falle entfernen! Damit gehören deine Trockenen Winde der Vergangenheit an!“

      Er steckte die Karte von seiner Hand in seine Duel Disc, woraufhin sie neben ihm holografisch vergrößert wurden. Zeitgleich zersprang das Hologramm von Noras permanenter Fallenkarte in tausend Teile.
      Zufrieden zückte Evan anschließend eine weitere Karte von seiner Hand: „Als Nächstes aktiviere ich den Effekt von Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle von meiner Hand! Ich werfe ihn zusammen mit Hydrogeddon von meiner Hand ab, um ein Monster von meinem Deck auf den Friedhof zu schicken! Und ich entscheide mich für seinen kleinen Freund Stream, Drachenherrscher der Tröpfchen!“

      Er schickte die beiden Karten von seiner Hand auf den Friedhof und griff anschließend nach der Karte, die sein Deck hervor schob, um sie ebenfalls dorthin zu schicken.

      „Und was hat dir das jetzt gebracht?“, kommentierte Nora die scheinbar nutzlose Verschwendung von Handkarten.

      „Ganz einfach“, entgegnete Evan. „Jetzt, wo mein Friedhof gefüllt ist, kann ich Blizzarddrache, Stream, Drachenherrscher der Tröpfchen und Burner, Drachenherrscher der Funken aus dem Spiel entfernen, um diesen bösen Buben zu beschwören! Erscheine, Frost- und Flammendrache!“

      Evan griff nach seinem Friedhof, um sich die drei Karten in die Jackentasche zu stecken. Anschließend legte er eine Karte von seiner Hand auf die Oberfläche seiner Duel Disc, woraufhin das Hologramm eines neuen Monsters auf seinem Feld erschien.
      Es handelte sich dabei um einen gewaltigen Drachen mit einem langen, grauen, schlangenhaften Körper und zwei Köpfen. Diese hätten unterschiedlicher kaum sein können: Der rechte war blau und eisig, der linke bestand komplett aus orange glühenden Flammen. (ATK: 2300)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters!“, fuhr Evan fort. „Ich werfe eine Karte ab, um eins deiner Monster zu zerstören! Ich wähle Aromagierin Rosemarie!“

      Er schob seine letzte Handkarte auf den Friedhof und deutete anschließend auf Noras Feld. Der zweiköpfige Drache unterdessen bog seinen feurigen Kopf nach oben, wobei sich im Maul ein glühender Feuerball bildete. Diesen schleuderte das Ungetüm anschließend auf die blauhaarige Zauberin, die dem Angriff schutzlos ausgeliefert war.
      Doch kaum war ihr Hologramm verschwunden, schon brauste ein kleiner Wirbelwind auf und wirbelte blaue Blütenblätter durch den Garten.

      „Wenn ein Aroma-Monster zerstört wird, erhalte ich durch den Effekt meines Gartens 1000 Lebenspunkte hinzu!“, erklärte Nora und atmete die frische Luft ein, woraufhin sich der Wind legte. (LP: 3500 -> 4500) „Also hat dir deine Aktion rein gar nichts gebracht. Mit deinem Drachen kommst du nicht über meine Jasmin!“

      „Aber ich bin ja auch noch lange nicht fertig!“, entgegnete Evan und griff erneut nach seinem Friedhof. „Ich aktiviere den Effekt von Blaster, Drachenherrscher des Infernos von meinem Friedhof! Ich habe ihn eben gerade für den Effekt von Frost- und Flammendrache abgeworfen und kann ihn als Spezialbeschwörung beschwören, indem ich meine beiden Sonneneruptions-Drachen aus dem Spiel entferne!“

      Zwei weitere Karten wanderten in seine Jackentasche, eine dritte klatschte er auf die Oberfläche seiner Duel Disc. Vor ihm erschien daraufhin erneut des großes, roten Drachen mit dem Magmapanzer. (ATK: 2800)

      „Und jetzt kommt das große Finale!“, kündigte Evan an und griff nach seiner verdeckten Karte. „Ich aktiviere die Falle Hochwasser auf der Feuerinsel! Ich kann sie aktivieren, wenn ich ein Feuer- oder Wassermonster der Stufe 7 oder höher kontrolliere! Dann erhalte ich Effekte, davon abhängig, ob ich Feuer- oder Wassermonster kontrolliere! Ich habe beides, deshalb aktivieren sich sämtliche Effekte! Als Erstes der Wasser-Effekt! Der erlaubt es mir, beliebig viele Wasser-Monster zu beschwören, die in diesem Spielzug abgeworfen wurden, um Monstereffekte zu aktivieren! Dies trifft auf Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle und Hydrogeddon zu!“

      Plötzlich ertönte ein Rauschen und von irgendwo hinter Evans Rücken brach eine gewaltige Flutwelle über das Kampffeld hinein. Mit sich trug sie zwei Monster: Ein riesiger Drache mit langen, dünnen Vorderläufen, der ganz aus blauem Eis zu bestehen schien (ATK: 2600) und eine Art breit gebauter Dinosaurier, der aussah wie schlammiges Wasser, das Form angenommen hatte. (ATK: 1600)
      Letzterer wurde jedoch, als die Flutwelle ihren Zenit erreicht hatte und zurückwich, wieder mitgerissen, sank zusammen und verschmolz mit den Fluten.

      „Wenn ich durch den Effekt von Hochwasser auf der Feuerinsel Monster beschwöre, muss ich eins meiner Monster auf den Friedhof schicken. Deshalb musste Hydrogeddon leider wieder gehen“, erklärte Evan. „Außerdem aktiviert sich jetzt der Feuer-Effekt meiner Fallenkarte! Der lässt mich ein Monster auf dem Feld zerstören! Und ich wähle Aromagierin Jasmin!“

      Der große Drache mit dem Magmapanzer streckte seinen Kopf nach oben und stieß ein lautes Brüllen aus. Kurz darauf geschah es wieder ganz plötzlich: Ein flammender Meteor stürzte von der Decke und traf Noras verbliebenes Monster hart am Kopf, wobei sich das Hologramm augenblicklich in Luft auflöste.
      Anschließend brauste erneut ein Wirbelwind auf verteilte weiße Blütenblätter. Nora erhielt 1000 Lebenspunkte durch ihren Feldzauber hinzu, kommentierte es jedoch nicht weiter, weil sie wusste, dass es nichts änderte. (LP: 4500 -> 5500)

      „Tut mir wirklich leid“, sagte Evan. „Aber ich bin hier, um zu gewinnen! Los Jungs, greift an!“

      Synchron streckten die drei riesigen Drachen auf Evans Feld die Hälse und beschossen Nora mit Flammenstößen und eisigen Strahlen. Schützend hielt sie sich einen Arm vors Gesicht und sank auf die Knie (LP: 5500 -> 0)

      „Na warte, das kriegst du eines Tages zurück“, sagte Nora und richtete sich auf, lächelte dabei aber. Evan jedoch war abgelenkt. Der Garten und die hohe Hecke waren verschwunden, sodass er wieder einen Blick auf Christopher werfen konnte.

      „Los, Drache des Lichts und der Finsternis, greif’ ihn direkt an!“, rief der gerade und senkte die Lebenspunkte seines Gegners damit auf 0. Ohne eine emotionale Regung zu zeigen, deaktivierte er seine Duel Disc, nahm das Lob des Lehrers, der die Prüfung abnahm, mit einem Kopfnicken entgegen und verließ das Kampffeld.

      Kartenliste
      Evan:

      - Sonneneruptions-Drache (2x)
      - Burner, Drachenherrscher der Funken
      - Blizzarddrache
      - Blaster, Drachenherrscher des Infernos
      - Superverjüngung
      - Falle entfernen
      - Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle
      - Hydrogeddon
      - Stream, Drachenherrscher der Tröpfchen
      - Frost- und Flammendrache
      - Hochwasser auf der Feuerinsel

      Nora:

      - Aromagarten
      - Aromagisterin Jasmin (=Aromagierin Jasmin)
      - Aromagisterin Rosemarie (=Aromagierin Rosemarie)
      - Trockene Winde

      Christopher:

      - Drache des Lichts und der Finsternis

      Sonstige:

      - Denko Sekka

      Neue Karten:

      - Zwei vom gleichen Schlag

      Normale Zauberkarte

      Du kannst nur 1 „Zwei vom gleichen Schlag“ pro Spielzug aktivieren. Wähle ein Monster der Stufe 4 oder niedriger, das du kontrollierst. Ändere das gewählte Ziel in die offene Verteidigungsposition und beschwöre 1 Monster als Spezialbeschwörung von deinem Deck in die offene Verteidigungsposition, das den gleichen Namen wie das gewählte Monster hat. Du kannst in dem Speilzug, in dem du diesen Effekt aktivierst, keine Monster als Spezialbeschwörung beschwören, außer durch den Effekt von „Zwei vom gleichen Schlag“.


      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

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      So, geht gleich weiter mit Teil 2:

      Special: Das Ende einer Freundschaft; Teil 2
      Zwei weitere Wochen vergingen, in denen die Prüfungen ausgewertet wurden. Es waren schöne, sonnige Tage voller Muße, so recht genießen konnte Evan sie jedoch nicht. Denn zwischen ihm und Chris herrschte immer noch Eiszeit. Tatsächlich bekam er seinen Freund in den ganzen zwei Wochen kaum zu Gesicht und den Versuch, den Kontakt zu erzwingen, hatte er aufgegeben.
      Zum ersten Mal in näheren Kontakt mit ihm trat er bei der Verkündung der Prüfungsergebnisse, wo die beiden, um für ihre herausragenden Leistungen gefeiert zu werden, gemeinsam nach vorne gebeten wurden. Jedoch mied Chris seinen Blick und war nach der Prozedur auch gleich wieder von dannen.

      Am nächsten Tag fand dann die große Abschlussfeier statt. Gegen Mittag legte die Fähre an, auf der sich die Angehörigen der Absolventen befanden. Wieder war es ein wunderschöner, milder Sommertag und Evan schwitzte in seinem extra für diesen Anlass maßgeschneiderten, mitternachtsblauen Anzug ganz schön.
      Unbehaglich fummelte er am Kragen seiner dunkelroten Krawatte herum und ließ den Blick über die Familien der Schüler schweifen, wobei seine Aufmerksamkeit insbesondere den Studentinnen und den Schwestern in den kurzen Cocktailkleidern galt. Nora plauderte ein Stück weiter angeregt mit ihren Eltern.
      Sogar Richard Steele war als besonderer Ehrengast eingeladen worden, um den herausragenden Duellantenjahrgang zu verabschieden. Begleitet wurde er von seinem Sohn, einem drahtigen, mürrisch dreinblickenden Vierzehnjährigen, der bereits so groß wie sein Vater war und den ausgemergelten Eindruck von jemandem erweckte, der in kurzer Zeit einen gewaltigen Wachstumsschub durchgemacht hatte. Gekleidet war er in einer blauen Duellakademie-Jacke. Von seinem Onkel George, der über die wirtschaftlichen Größen der Stadt stets bestens Bescheid wusste, hatte Evan erfahren, dass Richard Steele Jr. vor kurzem mit Bestnote an der Duellakademie aufgenommen worden war und am Ende des Sommers seine Ausbildung antreten würde.
      Evan selbst stand in der Nähe des Hafens mit ebenjenem Onkel George und dessen Frau, die sich an der Schönheit der Insel erfreuten. In der einen Hand trug er ein Sektglas, die andere ruhte in der Tasche seines Jacketts.
      Die Schwester seiner Mutter war Anfang fünfzig, hatte langes, burgunderfarbenes Haar und sah für ihr Alter sehr gut aus. Ihr Mann war über zehn Jahre älter als sie, groß und fast kahlköpfig.

      „Evan!“, ertönte ein Stück weiter plötzlich eine hohe, weibliche Stimme und riss diesen aus seinen Gedanken. Er drehte sich zu der Quelle der Stimme um und erblickte ein blondes Mädchen mit strahlend blauen Augen in einem makellosen weißen Kleid.

      „Lisa?“, begrüßte Evan Christophers kleine Schwester lächelnd. Er hatte sich mit ihr angefreundet, als im letzten Sommer ein paar Wochen mit Christopher und seiner Familie in deren Ferienhaus in der Südsee verbracht hatte. Ihr sonniges Gemüt war einfach bezaubernd. „Mensch, lange ist’s her. Schön dich zu sehen! Erstaunlich, wie groß du geworden bist…“

      Lisa nickte erfreut und wollte ihm die Hand geben, aber Evan entschied sich dazu, sie stattdessen brüderlich zu umarmen. Fast ein Jahr hatten sie sich nicht gesehen, seitdem war sie tatsächlich einige Zentimeter gewachsen. Aus dem mittlerweile fast dreizehnjährigen Mädchen war eine kleine Frau geworden.
      „Kommst du uns diesen Sommer wieder besuchen?“, fragte sie fröhlich. „Wir müssen unbedingt mal wieder zusammen Tennis spielen!“

      „Bloß nicht“, lachte Evan, auch um der vorangegangenen Frage auszuweichen. „Ich will nicht schon wieder von einem kleinen Mädchen besiegt werden…“

      Lisa kicherte, drehte sich dann jedoch um, als ein Pfiff ertönte.

      Verursacht hatte ihn Mr. Allington ein Stück weiter. Er stand dort zusammen mit dem Rest seiner Familie sowie Mr. Steele und dessen gelangweiltem Sohn. Evan erhaschte einen kurzen Blick auf Christopher und zum ersten Mal seit langem trafen sich ihre Blicke. Chris starrte ihn kühl aus seinem gesunden linken Auge an, sein rechtes war immer noch verbunden. Sein etwas weit wirkender Anzug und die schmale Krawatte waren pechschwarz. Man könnte meinen, er sei auf einer Beerdigung. Nach nicht einmal einer Sekunde wandte er sich ab.
      Auch Christophers jüngerer Bruder Daniel war anwesend. Er trug ein schlichtes, schwarzes Hemd passend zu seinem langen, rabenschwarzen Haar, das ihm in Strähnen in die Augen fiel. Er wirkte ähnlich ausgezerrt und desinteressiert wie der Sohn von Mr. Steele.
      „Lisa, komm!“, rief Mr. Allington.

      Lisa zog eine Schnute. „Bin ich ein Hund?“, fragte sie in Richtung Evan, wandte sich aber zum Gehen.
      „Tschüss Evan!“, rief sie ihm hinterher und winkte zum Abschied, während sie wieder zu ihrer Familie rannte.

      „Ich habe neulich Golf mit seinem Vater gespielt“, erzählte Onkel George, dem aufgefallen war, dass Evan immer noch zu Chris hinüber starrte. „Er ist überhaupt nicht gut auf dich zu sprechen.“

      „George, bitte…“, unterbrach ihn Tante Jane, die merkte, wie sich Evans Griff um das Sektglas festigte.

      „Schon okay“, meinte Evan. Es war nicht das erste Mal, dass er einen der Golfkumpels seines Adoptivonkels gegen sich aufbrachte. In einem seiner Versuche, ein innigeres Verhältnis zu seinem Ziehsohn aufzubauen, hatte er diesen einmal mit auf den Golfplatz genommen. Um dem sterbenslangweiligen Sport zu entkommen, war Evan unter dem Vorwand, Getränke zu holen, mit der achtzehnjährigen Tochter des Golffreundes im Golf Cart weggefahren. Über eine Stunde später hatten Onkel George und sein Freund die beiden wild knutschend in ebenjenem Cart vorgefunden. Der Vater des Mädchens, der seine Tochter bis zu diesem Moment für eine brave Kirchenmaus gehalten hatte, war stocksauer und Onkel George hatte nie wieder angeboten, Evan mit auf den Golfplatz zu nehmen.
      „Ich weiß. Chris meint, er wollte mich verklagen“, schloss er.

      „Ich würde lügen, wenn ich behaupte, dass ich ihn nicht verstehen kann“, entgegnete Onkel George streng und erntete dafür einen vorwurfsvollen Blick von seiner Frau. Evans Miene versteinerte.

      „Ich weiß selbst, dass ich absoluten Mist gebaut habe“, sagte er aufrichtig. „Glaub’ mir, ich würde alles tun, um die Sache rückgängig zu machen. Aber es ist nunmal passiert. Da hilft eine gerichtliche Auseinandersetzung auch nicht weiter…“

      Sein Onkel kam aber nicht dazu, darauf zu antworten, denn in diesem Moment bat Professor Maverick um Aufmerksamkeit, um die Feierlichkeiten fortzuführen. Es folgte ein feierliches Mittagsmahl unter freiem Himmel, anschließend Reden vom Schuldirektor und von Mr. Steele, dann wurden alle erfolgreichen Absolventen auf die Bühne gebeten, wo ihnen unter Applaus das Abschlusszeugnis überreicht wurde und sie anschließend von Professor Maverick mit einem Schulterklopfen verabschiedet wurden. Als alle wieder saßen und Evan unter Schweiß sein Jackett ausgezogen hatte, trat Professor Maverick erneut auf die Bühne.

      „Und zu guter Letzt steht noch eine ganz besondere Tradition an“, verkündete er. „Schließlich ist das hier die Duellakademie und kein Jahr vergeht ohne das große Abschlussduell! Und ich denke, wir sind uns alle einig, wer dieses führen sollte! Wer sonst als die beiden größten Talente, die diese Schule in den letzten fünfzehn Jahren besucht haben und denen gewiss eine große Zukunft als Profiduellanten bevor steht: Evan Drake und Christopher Allington!“

      Applaus ertönte, während sich die Aufgerufenen von ihren Plätzen erhoben und auf ein Zeichen Professor Mavericks hin die Bühne betraten.

      „Irgendwelche Einwände?“, fragte der Lehrer die beiden Jungen, die sich zu seinen Seiten aufgestellt hatten. Evan starrte Chris ernst ins gesunde Auge. Dieses verengte sich, Christopher schüttelte jedoch den Kopf, um die Frage zu verneinen. Evan grinste zufrieden und schnappte dem Lehrer das Mikrofon weg.

      „Alles klar!“, sagte er munter zur Menge der Schüler und Familienangehörigen. „Aber wer will sich bei dem traumhaften Wetter schon drinnen duellieren? Ich schlage vor, wir machen es stattdessen gleich da vorne!“

      Er deutete mit dem Finger auf einen Fleck direkt vor ihm. Die Zuschauer drehten sich um und sahen den Ort, auf den er gezeigt hatte: Eine große, hohe Wiese direkt an der Klippe, wo die inzwischen vom Meer aufgezogene steife Brise das Gras wellenförmig streichelte.

      Und so geschah es: Kurze Zeit später standen sich beide auf ebenjener Wiese gegenüber. Von der einen Seite hatte sich die Gesellschaft im Halbkreis aufgestellt, um ihnen zuzusehen, von der anderen Seite hörte man die Wellen gegen den Fels krachen. Evan hatte sein Dreihundert-Dollar-Jackett achtlos ins Gras geworfen, krempelte sich die Ärmel seines Hemdes hoch, knöpfte es einen Knopf weiter auf, lockerte den Knoten seiner Krawatte und legte sich die Duel Disc an. Ihm gegenüber tat Christopher es ihm gleich, ging dabei aber deutlich sorgfältiger mit seinen Klamotten um. Sein Jackett gab er seiner Mutter und Krawatte und der Ärmel des rechten Arms, der nicht die Duel Disc trug, blieben unberührt.

      „Hast du das hier arrangiert?“, fragte Chris skeptisch und es war das erste Mal seit einer Ewigkeit, dass er direkt mit Evan sprach.

      „Wie man’s nimmt“, entgegnete der ernst. „Es war von Anfang an vorgesehen, dass wir das Abschlussduell führen. Im Angesicht der jüngsten Entwicklungen hat Ben mich gefragt, ob dies auch in Ordnung sei und ich habe ihn ausdrücklich darum gebeten, den Plan beizubehalten.“

      Chris gab lächelte auf arrogante Art amüsiert.
      „Verstehe“, meinte er. „Na ja, mir soll’s Recht sein. Das hier war lange überfällig.“

      Evan grinste. „Los Duell!“, rief er und Christopher stimmte ein. Anschließend aktivierten beide ihre Duel Discs und zogen fünf Karten von ihren Decks.
      „Fang’ du an“, sagte Evan im Anschluss.

      „Wie du willst…“, entgegnete Chris und betrachtete seine Hand. „Ich beschwöre Drachcard im Verteidigungsmodus.“

      Er legte die Karte waagerecht auf seine Duel Disc, woraufhin vor ihm das Hologramm eines Lindwurms, eines Drachen ohne Vorderbeine, mit schwarzem Rücken und lila Bauch erschien und die Flügel vor der Brust verschränkte. (DEF: 1900)

      „Damit beende ich meinen Zug“, schloss Chris. [Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Dann bin ich dran!“, entgegnete Evan und zog ruckartig eine Karte von seinem Deck. „Ich aktiviere den Zauber Verteidigung stoppen! Damit zwinge ich dein Monster in den Angriffsmodus!“

      Ein vergrößertes Hologramm der Zauberkarte erschien kurz neben Evan, während Christophers Monster die Flügel ausbreitete und ein krächzendes Fauchen ausstieß. (ATK: 1300)

      „Als Nächstes beschwöre ich einen alten Freund!“, fuhr Evan fort. „Los, Hydrogeddon!“

      Er klatschte die Karte auf seine Duel Disc und vor ihm erschien das Hologramm eines breit gebauten Dinosauriers, der ganz aus schlammigem Wasser zu bestehen schien, das ihn in Wellen vom Kopf zum gegabelten Schwanz strömte. (ATK: 1600)

      „Los, greif’ Drachcard an!“

      Mit einer überraschenden Agilität machte die Kreatur einen großen Sprung nach vorne und attackierte das gegnerische Monster mit seinen aus Wasser geformten Vorderläufen, deren Klauen sich im Sprung verlängerten und das Hologramm des kleinen Lindwurms ohne Probleme dazu brachten, sich aufzulösen.
      (Christopher: LP 4000 -> 3700)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters!“, fuhr Evan fort, als jenes zu ihm zurückgekehrt war. „Wenn er ein Monster durch Kampf zerstört, kann ich einen weiteren Hydrogeddon von meinem Deck beschwören!“

      Das Monster stieß ein Brüllen aus und teilte sich danach wie ein riesiges Bakterium in zwei identische Ebenbilder, während Evan nach der Karte griff, die seine Duel Disc hervorschob, und jene auf deren Oberfläche klatschte. (ATK: 1600)

      „Los, greif’ ihn direkt an!“

      Das neue Wasserungetüm legte den Kopf in den Nacken und bespuckte Christopher anschließend mit einer großen Kugel schmutzigen Wassers aus seinem Maul. Der Junge mit dem verbundenem Auge hielt sich eine Hand vors Gesicht, als der Angriff ihn traf. (LP: 3700 -> 2100)

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Evan. [Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Ich bin dran!“, antwortete Christopher kühl und zog eine Karte von seinem Deck. Als er sie betrachtete, schmunzelte er und steckte sie ohne viel Federlesen in seine Duel Disc.
      „Ich aktiviere Elegante Wohltäterin! Damit ziehe ich drei Karten und werfe anschließend zwei ab!“

      Ein vergrößertes Hologramm der Zauberkarte erschien neben Christopher, darauf zu sehen war ein blonder Engel, über deren Handfläche eine weiß leuchtende Karte schwebte. Unterdessen füllte Christopher seine Hand auf und zog anschließend zwei braune Monsterkarten daraus hervor, um sie auf den Friedhof zu schicken.

      „Das bisher war nur Vorgeplänkel. Jetzt werde ich allen endgültig beweisen, wer hier der beste Duellant ist!“, fuhr er unvermittelt fort. „Ich aktiviere den Effekt eines Monsters von meinem Friedhof! Ich beschwöre es als Spezialbeschwörung, indem ich ein Licht- und ein Finsternis-Monster abwerfe! Licht meines Verstandes, leuchte mir den Weg und blende meinen Gegner! Erscheine, Lichtpulsar-Drache!“

      Er schob zwei weitere Karten von seiner Hand auf den Friedhof und griff anschließend danach, um eine der zuvor abgeworfenen Karten herauszuholen, die er auf die Oberfläche seiner Duel Disc klatschte.

      Auf seinem Feld erschien daraufhin ein seltsames, holografisches Lichtgebilde: Ein kugelrunder, weiß leuchtender und leicht pulsierender Stern, der schnell und ohne erkennbares Muster rotierte und dabei immer wieder aus zwei Polen breite, kräftige Lichtstrahlen ausstieß, was ein wenig an einen Leuchtturm erinnerte. Nach einer Weile explodierte das Ding und leuchtete dabei so hell, dass Evan geblendet die Augen zukneifen musste. Als er sie öffnete, war ein riesiger Drache auf Christophers Feld erschienen. Dieser hatte eine graublaue Färbung, jedoch wurde sein Körper zu großen Teilen von einer silbernen Rüstung bedeckt. Er stand auf zwei Beinen mit mächtigen, klauenbewährten Vorderläufen als Arme. Auf seiner Brust klaffte ein Loch, aus dem ein helles, bläuliches Licht drang. (ATK: 2500)

      „Wenn Eklipsen-Lindwurm auf den Friedhof geschickt wird, kann ich ein Licht- oder Finsternis-Monster vom Typ Drache der Stufe 7 oder höher von meinem Deck aus dem Spiel entfernen. Ich wähle Drache des Lichts und der Finsternis“, erklärte Chris, zeigte seinem Gegner die Karte, die er für die Beschwörung seines Monsters auf den Friedhof gelegt hatte, und griff dann nach der Karte, die sein Deck hervor schob, um sie sich in die Brusttasche seines Jacketts zu stecken.
      Unterdessen erschien über der Mitte des Kampffelds eine holografische Sonne, die zusammen mit der echten Sonne hoch oben am Himmel einen fremdartigen Eindruck erweckte. Davor schob sich kurz darauf ein runder, schwarzer Schatten, sodass von der zweiten Sonne nur noch ein schmaler, runder Kreis übrig war.

      „Aber ich bin noch lange nicht fertig!“, verkündete Chris. „Als Nächstes entferne ich Drachcard und Eklipsen-Lindwurm von meinem Friedhof aus dem Spiel, um ein weiteres bekanntes Gesicht zu beschwören! Finsternis meines Herzens, hülle mich in Dunkelheit und zerstöre, was dir im Weg ist! Erscheine, Finstereruptions-Drache!“

      Erneut griff Christopher nach seinem Friedhof, um zwei Karten daraus in seine Brusttasche zu stecken. Anschließend zückte er eine weitere Karte von seiner Hand und klatschte sie auf seine Duel Disc.
      Erneut erschien ein rätselhaftes Lichtgebilde auf dem Kampffeld. Diesmal handelte es sich um eine schwarze Kugel mit tiefen Rissen, aus denen unheilvolles, rotes Licht drang. Auch dieses Ding zuckte und pulsierte und erinnerte dabei auf unheimliche Art an ein schlagendes Herz.
      Auch dieses Ding explodierte nach einer Weile und machte einem großen Drachen Platz. Auch dieser stand auf zwei Beinen, jedoch hatte er statt zu Armen umgebildeten Vorderläufen ein zweites Paar ledriger Flügel in einem dunklen Lilaton, die zusammen mit dem größeren ersten Paar ein X bildeten. Das Ungetüm hatte einen leuchtend orangefarbenen Bauch, der im Kontrast zu dem stachligen, schwarzen Panzer stand, der den Großteil seines Körpers bedeckte. Auch auf seiner Brust klaffte ein rundes Loch, aus dem ein gelbes Glühen drang, wie von flüssigem Metall. (ATK: 2400)

      „Und jetzt los! Gebt ihm, was er verdient hat und vernichtet seine Monster! Lichtpuls und Dunkelflamme!“

      Christophers Monster gehorchten. Der blau-silberne Drache schoss einen gebündelten Lichtstrahl aus seinem Maul ab, der einen der beiden Wasser-Dinosaurier traf und zum Verschwinden brachte, während der andere den unheimlichen, schwarzen Flammen zum Opfer fiel, die der zweite Drache spie. Evan unterdessen hielt sich instinktiv einen Arm vors Gesicht, um sich vor den Resten der Angriffe zu schützen, die zu ihm durchdrangen. (LP: 4000 -> 2300)

      „Was ist nur los mit dir?“, fragte Evan, als der Angriff vorbei war. „Das ist das erste Mal seit Wochen, dass wir richtig miteinander reden…“

      Chris antwortete zunächst nicht.
      „Du bist so naiv…“, sagte er schließlich. „Wieso sollte ich noch mit dir Reden wollen, so als wäre nichts passiert? Bereust du denn gar nicht, was du getan hast?“

      „Ob ich es bereue?“, wiederholte Evan todernst.
      „Mehr als alles andere“, antwortete er anschließend ehrlich. „Aber ich kann die Vergangenheit nun einmal nicht ändern. Warum also gibst du mir keine Chance, es wieder gutzumachen?“

      „Du kannst es nicht wieder gut machen!“, entfuhr es Christopher daraufhin lautstark, wobei er ein wenig zusammenzuckte. „Ich setze zwei Karten verdeckt und beende meinen Zug. Du bist dran.“

      Mit einer geübten Handbewegung ließ Chris zwei Karten in seine Duel Disc gleiten, deren Rückseiten anschließend holografisch zu seinen Füßen dargestellt wurden. [Hand: 1 / Backrow: 2]

      „Tut mir leid, dass du so denkst“, entgegnete Evan traurig. „Aber wie du willst, klären wir das mit einem Duell! Mein Zug!“

      Schwungvoll zog er eine Karte von seinem Deck und betrachtete sie mit grimmiger Zufriedenheit.
      „Ich aktiviere den Effekt von Blaster, Drachenherrscher des Infernos in meiner Hand! Ich werfe ihn zusammen mit Lavadrache ab, um eine deiner Karten zu zerstören! Und ich entscheide mich für Lichtpulsar-Drache!“

      „Nicht so schnell!“, warf Christopher ein und griff nach seiner rechten verdeckten Karte. „Ich aktiviere die Falle Boden aus einer anderen Dimension! Damit werden alle Monster, die in diesem Spielzug auf den Friedhof gelegt würden, stattdessen aus dem Spiel entfernt!“

      Evan zog die Brauen zusammen, während er die Karten in seine Hosentasche steckte, statt sie auf den Friedhof zu legen.
      „Trotzdem wird dein Monster zerstört!“, wandte er ein. „Und wegen deiner Fallenkarte wird es ebenfalls aus dem Spiel entfernt!“

      Ungerührt griff Christopher nach der Karte, um sie von seiner Duel Disc zu nehmen und sich in die Brusttasche zu stecken. Die Duel Discs ließen es jedoch aussehen, als würde der blaue Drache in der silbernen Rüstung von einem vom Himmel fallenden, flammenden Meteor getroffen, woraufhin sich sein Hologramm in Luft auflöste.

      „Als Nächstes aktiviere ich noch den Effekt von Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle in meiner Hand! Ich beschwöre ihn als Spezialbeschwörung, indem ich meine beiden Hydrogeddons aus dem Spiel entferne!“

      Er griff nach seinem Friedhof, um sich die übrigen Monster daraus in die Hosentasche zu stecken und anschließend eine weitere Karte auf seine Duel Disc zu klatschen. Eine holografische Flutwelle entstand daraufhin hinter seinem Rücken und schwappte über das Kampffeld. Dort stiegen die Wassermassen auf wundersame Weise in die Höhe und nahmen die Form eines riesigen Monsters an. Das Wasser gefror in Windeseile und was übrig blieb, war ein gewaltiger Drache mit einem stachligen Rücken und langen, dünnen Armen, der ganz aus blauem Eis zu bestehen schien. (ATK: 2600)

      „Los, greif’ Finstereruptions-Drache an! Kalter Strahl!“

      Der riesige Drache ließ seine gefrorenen Gelenke krachen, sodass seine volle Bewegungsfähigkeit hergestellt war. Anschließend stieß er einen schrillen Schrei aus, der Einem einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen ließ, woraufhin ein gebündelter, bunter Strahl aus seinem Maul geschossen kam, der um sich herum einen blassen Nebel erzeugte.
      Auf halbem Weg über das Kampffeld erschien jedoch plötzlich eine schwache Barriere, mehr ein bräunliches Flimmern, für kurze Zeit in der Luft um Christophers Feld herum. Als der Strahl diese passierte, wurde er merklich schwächer. Er war zwar noch stark genug, um Christophers Monster zum Verschwinden zu bringen, jedoch blieben dessen Lebenspunkte völlig unberührt.

      „Was ist passiert?“, fragte Evan überrascht.

      „Ich habe meine permanente Falle aktiviert!“, erklärte Christ und tatsächlich: Neben ihm war das vergrößerte, magentafarbene Hologramm einer Karte hochgeklappt. „Dank Geisterbarriere erhalte ich keinen Kampfschaden, solange ich Monster kontrolliere!“

      „Na schön…“, meinte Evan. „Aber dank deiner ersten Falle wird dein Monster trotzdem aus dem Spiel entfernt! Damit beende ich meinen Zug!“
      [Hand: 2 / Backrow: 0]

      „Ganz recht…“, flüsterte Christopher daraufhin bedrohlich und nahm langsam seine letzte Monsterkarte von seiner Duel Disc und steckte sie sich in die Brusttasche. Anschließend rief er plötzlich lautstark: „Ich bin dran!“

      Ruckartig zog er eine Karte von seinem Deck und als er erkannte, welche es war, breitete sich ein manisches Grinsen auf seinem schmalen Mund und in seinem gesunden Auge aus, das Evan gar nicht von ihm kannte.
      „Von meiner Hand aktiviere ich diese Karte!“, verkündete er und pfefferte sie regelrecht in seine Duel Disc. „Einen kleinen Zauber namens Dimensionsfusion!“

      Dimensionsfusion?!“, wiederholte Evan ungläubig. „Aber die kostet dich 2000 Lebenspunkte!“

      „Ich weiß!“, entgegnete Christopher und lachte schrill auf. Es war, als wäre eine Sicherung bei ihm durchgebrannt.
      „Aber dafür können wir jetzt beide so viele unserer aus dem Spiel entfernten Monster wie möglich beschwören! Und davon habe ich einige…“, fuhr er düster fort und holte vier Karten aus seiner Brusttasche, um sie vor sich aufzufächern. „Erscheint, meine Monster! Lichtpulsar-Drache, Eklipsen-Lindwurm, Drachcard und Finstereruptions-Drache!“

      Was folgte, war ein surrealistischen Schauspiel: Im Raum über den Köpfen der Kontrahenten tat sich jeweils ein tiefer, klaffender Riss auf. Es war, als wäre der strahlend blaue Sommerhimmel nur eine Art Zeltplane, die aufgeschlitzt wurde, sodass sich offenbarte, was dahinter lag: Ein chaotischer Wirbel aus dunklen Farben. Aus diesem zwängten sich nun Christophers Monster zurück auf die hohe, grüne Wiese: Der blaue Drache mit der silbernen Rüstung (ATK: 2500), der kleine, schwarze Lindwurm (DEF: 1900), ein weiterer Lindwurm, schwarz und weiß mit einer roten Musterung (ATK: 1600) sowie der schwarze Drache mit den vier Flügeln. (ATK: 2400) (Christopher: LP 2100 -> 100)

      „Du Idiot!“, meinte Evan und griff nach den Karten in seiner Hosentasche. „Ich habe doch genau so viele Monster aus dem Spiel entfernt wie du! Und dafür bezahlst du fast deine ganzen Lebenspunkte?“

      Anschließend legte auch Evan in einer geübten Bewegung vier Karten auf die Oberfläche seiner Duel Disc, die holografisch vor ihm dargestellt wurden: Die beiden Hydrogeddons (DEF: 2x 1000), Lavadrache, ein achtbeiniger, rosafarbener Drache mit einem orange glühenden Rückenkamm (DEF: 1200) und Blaster, Drachenherrscher des Infernos, ein riesiger Drache mit einem roten Bauch, dessen Rücken mit einem schwarzen Panzer aus harter Magma bedeckt war. (ATK: 2800)

      „Ich habe noch 100 Lebenspunkte übrig“, stellte Christopher fest. „Mehr als genug, um dich zu besiegen! Denn mit dem Folgenden werde ich Sache besiegeln! Ich biete Drachcard und Eklipsen-Lindwurm als Tribut an, um deinen schlimmsten Albtraum zu beschwören! Zwei Seelen, die in meiner Brust schlummern, bündelt eure Kräfte in einer einzigen, allmächtigen Kreatur! Die ultimative Macht von Licht und Schatten! Drache des Lichts und der Finsternis!“

      Die beiden kleineren Monster auf Christophers Feld verschwanden und machten einem viel größeren, seinem absoluten Lieblingsmonster platz, das schon zahllose Duelle für ihn gewonnen hatte: Ein gewaltiger Drache mit zwei Schwänzen, der wie in der Mitte geteilt wirkte. Seine rechte Körperhälfte war schneeweiß, der dazugehörige Flügel ähnelte dem eines Schwans. Die linke Körperhälfte jedoch war pechschwarz, der linke Flügel sah aus wie der einer Fledermaus.
      Beeindruckt starrte Evan auf die Feldseite seines Gegners. Chris hatte die Karten so hingelegt, dass sie perfekt ineinander übergingen: Der neue Drache stand in der Mitte, zu seiner Rechten, neben der weißen Körperhälfte, stand der helle Drache in der silbernen Rüstung, links der schwarzen Körperhälfte des großen Monsters der komplett schwarze Drache. Es sah aus, als wäre ein finsterer Spiegel in der Mitte des Feldes aufgestellt. Christopher, das wusste Evan genau, liebte dieses Feld. Er pflegte, seine wichtigsten Duelle auf diese Weise zu beenden.

      „Los, Lichtpulsar-Drache, zeig’ seinem Monster deinen Lichtpuls!“

      Erneut schoss der blau-weiße Drache einen gebündelten Lichtstrahl aus seinem Maul ab. Dieser durchschlug das Hologramm eines der beiden Wasser-Dinosaurier, das sich augenblicklich in Luft auflöste.

      „Als nächstes du, Finstereruptions-Drache! Vernichte den zweiten mit Dunkelflamme!“

      Der schwarze Drache gehorchte und stieß einen mächtigen Stoß schwarzer Flammen aus, der den zweiten Hydrogeddon regelrecht verdampfte.

      „Und jetzt du, Drache des Lichts und der Finsternis“, fuhr Christopher mit abschließendem Tonfall fort. „Greif’ Lavadrache an mit Chaosstrom!“

      Der zweifarbige Drache warf den Kopf in den Nacken und stieß kurz darauf einen düsteren Strahl schwarzer Energie aus, der dem achtbeinigen Drachen auf Evans Feldseite keine Chance ließ.

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Christopher zufrieden. [Hand: 1 / Backrow: 0]

      „Während der End Phase meines Gegners kehren Blaster, Drachenherrscher des Infernos und Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle auf meine Hand zurück, weil sie beide als Spezialbeschwörung beschworen wurden. Das ist eine Bedingung, dein Drache kann sie also nicht annullieren“, brummte Evan unzufrieden und griff nach seinen verbliebenen Monstern, um sie, wie Chris zweifellos geplant hatte, auf die Hand zurück zu nehmen.

      „Ich weiß…“, bestätigte der Evans Annahme. „Und genau so weiß ich, dass du zum Beschwören deiner Monster ihre Effekte aktivieren musst. Und das weiß Drache des Lichts und der Finsternis zu verhindern… Aber nur die wenigsten Duellanten kennen den Unterschied zwischen Effekten und Bedingungen. Du warst immer der einzige an diesem Ort, der mir auch nur annähernd ebenbürtig war.“

      „Der einzige, der dir auch nur annähernd ebenbürtig war?“, wiederholte Evan kritisch. „Ich war viel mehr als das, das wissen wir beide! Ich war der einzige hier, der dein Freund war! Warum also wirfst du das alles hin? Warum bekämpfst du mich, als wäre ich dein schlimmster Feind?“

      Ich werfe alles hin?“, polterte Christopher. „Wessen geniale Idee war es denn, nachts in heruntergekommenen Ruinen rumzuschleichen?“, er machte eine Pause und holte schnappend Luft. „Wer ist denn zuerst rausgerannt, um seine eigene Haut zu retten und ist dann erst zurückgekehrt, um seinen angeblich besten Freund zu retten?“

      Plötzlich legte sich eine gespannte Stille über das Publikum, während Evan erstarrte und blass wurde. Er hatte nicht gewusst, dass Chris sich an dieses Detail erinnern konnte. Erneut überkam ihn die Reue wie eine kalte Welle und ließ ihn ganz kleinlaut werden: „Chris… bitte, ich wollte das nicht. Es war einfach ein Reflex. Es tut mir leid. Du musst mir glauben: Ich bereue nichts so sehr wie mein Verhalten in dieser Nacht. Ich weiß genau, dass ich Scheiße gebaut habe! Ich würde alles tun, um es rückgängig zu machen, hörst du, alles! Ich kann es aber nicht. Was bleibt mir also übrig, als mich zu entschuldigen?“

      „Entschuldigungen bringen mein Auge auch nicht zurück!“, entgegnete Christopher unbarmherzig. Ein paar der Frauen und Mädchen, die ihnen beim Duell zusahen, schnappten erschrocken nach Luft und Evan schrumpfte noch ein wenig mehr zusammen. Chris schien die Macht seiner Worte zu genießen.

      „Ganz genau…“, flüsterte er düster. „Sie konnten mein Auge nicht retten. Sie mussten es rausschneiden.“
      Plötzlich deutete er mit Mittel- und Zeigefinger seiner rechten Hand auf den Verband in seinem Gesicht: „Ich hätte diesen Verband schon vor Wochen abnehmen können. Aber ich wollte ihn behalten, bis ich mit der Schule fertig bin, weil ich mich geschämt habe.“

      Auf einmal fing Chris an, zu zittern und erneut breitete sich ein irres Grinsen in seinem Gesicht aus. Es war beängstigend.

      „Aber das tue ich jetzt nicht mehr. Sollen sie doch alle sehen, was aus mir geworden ist! Was du mit mir angerichtet hast!“

      Er fing an, mit der freien rechten Hand am Hinterkopf an seinem Verband herumzufummeln. Dieser löste sich und fiel daraufhin sanft zu Boden.

      Nicht wenige schrien, als sie das sahen, was sich unter dem Verband verbarg. Auch Evan wich erschrocken einen Schritt zurück.
      Die Haut rund um das, was einmal Christophers rechtes Auge gewesen war, war runzlig und voller Narben. Das Auge selbst hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem gesunden Linken. Denn statt strahlend hellblau war der komplette Augapfel rabenschwarz und ähnelte dem eines Haifischs. Es erweckte einen kalten, leblosen Eindruck, während sich die Sonne darin spiegelte. Außerdem wirkte es viel größer als das natürliche Auge, was aber, so vermutete Evan, daran lag, dass auch jeweils ein Stück der Augenlider fehlte. Es war einfach nur angsteinflößend.

      „Chris…“, sagte Evan entsetzt. „Das ist… kannst… kannst du damit sehen?“

      „Aber ja“, bestätigte Christopher, unablässig grinsend. „Drei Mal schärfer als ich es mit einem menschlichen Augen je könnte. Mein Vater hat keine Kosten gescheut… Aber siehst du, was aus mir geworden ist? Siehst du die Reaktionen der Anderen? Sie halten mich für ein Monster, und das ist allein deine Schuld! Also mach jetzt endlich deinen Zug, ich will das hier schnell hinter mich bringen.“

      „Was ist nur los mit dir?“, fragte Evan, der es bereute, zurückgewichen zu sein, und wieder einen Schritt vorwärts machte. „Den Chris, den ich kannte, hat es nicht interessiert, was die Anderen denken. Der Chris, den ich kannte, hat sich nicht um sein Aussehen geschert!“

      Chris antwortete zunächst nicht. Sein Lächeln schwand und er blickte stattdessen wieder traurig und ernst. Auf einmal wirkte er wieder ausgesprochen menschlich.
      „Vielleicht solltest du dich einmal fragen, ob der Chris, den du geglaubt hast, zu kennen, wirklich existiert hat“, sagte er betrübt.

      Diese Aussage war für Evan wie ein Schlag ins Gesicht.
      „Nein…“, hauchte er. „Das glaube ich nicht. Ich weigere mich, das zu glauben!“

      Christopher blickte weiterhin ernst. „Dann kann ich dir auch nicht helfen. Machst du jetzt deinen Zug, oder was?“

      Evan schloss die Augen und wandte den Kopf ab.
      „Na schön!“, presste er hervor. „Aber ich tue es nur für dich! Ich werde alles tun, um das hier zu retten!“

      Und mit einem Ruck zog er eine Karte von seinem Deck. Doch im Grunde wusste er, dass Christopher Recht hatte: Um seine Drachenherrscher zu beschwören, musste er ihre Effekte aktivieren, die Christophers Drache des Lichts und der Finsternis jedoch einfach annullieren würde. Er konnte auf diese Weise zwar die Angriffspunkte des gegnerischen Monsters senken, aber die Kosten in Form von abgeworfenen Handkarten oder aus dem Spiel entfernten Monstern würde er trotzdem erbringen müssen. Wirklich in die Offensive gehen konnte er also noch nicht…

      „Ich setze zwei Karten verdeckt und beende meinen Zug“, verkündete Evan und zu seinen Füßen erschienen zwei neue, holografisch vergrößerte Kartenrückseiten. [Hand: 3 / Backrow: 2]

      „Ist das schon alles?“, fragte Christopher überheblich. Offenbar fühlte er sich schon als Sieger, während er gelassen eine Karte aufzog und kaum beachtete, weil er ihre Effekte sowieso nicht nutzen konnte.
      „Na ja, was will man auch erwarten bei einem Monster wie Drache des Lichts und der Finsternis? Egal was du setzt, er annulliert es. Du bist verloren…“, fuhr er genüsslich fort. Im Publikum blickten die Familien der Schüler entsetzt drein, manch eine Verwandte hatte sich vor Spannung die Hände auf den Mund gelegt. Dann, plötzlich, weiteten sich Christophers schreckliche, ungleiche Augen und er bellte laut: „Chaosstrom!“

      Erneut warf der zweifarbige Drache den Kopf in den Nacken und stieß einen Strahl finsterer Energie aus, um die Lebenspunkte seines Gegners endgültig auf 0 zu senken…

      Siegessicher drehte Christopher sich schon um, wohl, um zu seiner Familie zu gehen, oder einfach, um Evan hinter sich zu lassen.
      Als er jedoch aus den Augenwinkel realisierte, dass seine Monster nicht verschwanden, hielt er inne und runzelte die Stirn.

      „Wo willst du hin?“, fragte Evan am anderen Ende des Kampffelds. „Wir sind noch lange nicht fertig!“

      Christopher wirbelte herum und erkannte die Fallenkarte, die neben Evan hochgeklappt war: „Angriff Annullieren?!“

      „Ganz genau“, bestätigte Evan selbstbewusst.

      „Aber wie ist das möglich?“, fragte Chris irritiert, aber dann schien er selbst zu verstehen.
      „Konterfallen können nur von anderen Konterfallen annulliert werden…“, flüsterte er langsam.

      „Genau das!“, bestätigte Evan. „Erinnerst du dich noch, im Gras unter den Torbögen, wo ich dich abgefragt habe?“

      Christopher antwortete nicht. Einen Moment lang schaute er ins Leere, dann verzerrte sich sein entstelltes Gesicht wieder zornig.
      „Und wenn schon“, meinte er geringschätzig. „Das verzögert es nur! Ich beende meinen Zug.“ [Hand: 2 / Backrow: 0]

      „Das werden wir ja sehen“, entgegnete Evan, auch wenn er wusste, dass es leere Worte waren. Er stand mit dem Rücken zur Wand, ihm fiel keine Karte in seinem Deck ein, die ihm helfen konnte, fast keine…
      „Mein Zug“, fuhr er ruhig fort und zog eine Karte von seinem Deck. Anschließend schloss er die Augen und atmete tief durch, bevor er die Karte betrachtete.
      Als er sie schließlich in seinen Fingern umdrehte und ansah, riss er seine Augen sofort weit auf. Das musste ein Zeichen sein, dachte er. Ein Zeichen, dass er die Freundschaft zu Chris vielleicht doch noch retten konnte, wenn er es nur richtig anstellte…

      „Ich aktiviere den Effekt von Blaster, Drachenherrscher des Infernos in meiner Hand! Ich werfe ihn zusammen mit Sonneneruptions-Drache ab, um eine deiner Karten zu zerstören! Und ich wähle Geisterbarriere!“

      Evan schob die beiden Karten von seiner Hand auf den Friedhof, woraufhin ein flammender Meteor am Himmel erschien und auf Christophers Feld zuraste.

      „Was soll der Unsinn?“, fragte der. „Du weißt genau, dass Drache des Lichts und der Finsternis jeden anderen Effekt annulliert!“

      Der riesige, zweifarbige Drache stieß ein Brüllen aus, wobei sich um ihn herum eine blasse Barriere ausbreitete, wie eine Kuppel aus trübem Glas. Als der Meteor auf diese traf, schien er regelrecht zu verdampfen, wobei nur winzige Staubkörner übrig blieben. (Drache des Lichts und der Finsternis: ATK 2800 -> 2300)

      „Schon, aber dafür sinken die Angriffspunkte deines Monsters um 500!“, entgegnete Evan und griff nach seinem Friedhof, um drei Karten daraus hervor zu holen und aufzufächern.

      „Als Nächstes beschwöre ich Frost- und Flammendrache als Spezialbeschwörung, indem ich meine beiden Hydrogeddons und Soneneruptions-Drache von meinem Friedhof aus dem Spiel entferne! Das ist eine Beschwörungsbedingung, dein Drache kann sie also nicht annullieren!“

      Er steckte sich die drei Karten in die Hosentasche und klatschte anschließend die Karte, die er zu Beginn des Spielzugs gezogen hatte, auf die Oberfläche seiner Duel Disc. Vor ihm erschien daraufhin das Hologramm eines riesigen Drachen mit einem langen, grauen, schlangenhaften Körper und zwei Köpfen. Der rechte war von einem eisigen Panzer umgeben, der linke schien nur aus Feuer zu bestehen. (ATK: 2300)

      „Los, greif’ Drache des Lichts und der Finsternis an!“, forderte Evan.

      „Aber unsere Monster haben doch gleich viele Angriffspunkte…“, entgegnete Chris bestürzt.

      „Ich weiß“, bestätigte Evan. Ich will, dass unsere Monster gemeinsam untergehen…“

      Und so geschah es: Evans zweiköpfiger Drache spie einen kalten Strahl und einen Stoß Flammen aus seinen Mäulern, die in der Luft zu einer Spirale verschmolzen. Gleichzeitig stieß der zweifarbige Drache auf der gegnerischen Feldseite einen weiteren Strahl finsterer Energie aus. In der Mitte des Kampffelds trafen sich die Strahlen, was zu einer heftigen Explosion führte, in der beide Monster verschwanden.

      Doch die Zerstörung von Christophers Monster blieb nicht ohne Folgen. Kaum war es verschwunden, schon tat sich ein riesiges schwarzes Loch auf dem Boden seines Feldes auf und verschlang alle anderen Karten, sodass er mit einem leeren Feld zurück blieb.

      „Wenn Drache des Lichts und der Finsternis zerstört wird, werden alle anderen Karten, die ich kontrolliere, zerstört“, erklärte Christopher. „Dafür kann ich ein Monster aus meinem Friedhof wählen und als Spezialbeschwörung beschwören. Außerdem aktiviert sich der Effekt von Lichtpulsar-Drache! Wenn er vom Feld auf den Friedhof gelegt wird, kann ich ein Finsternis-Monster vom Typ Drache der Stufe 5 oder höher von meinem Friedhof beschwören! Ich beschwöre also Schöpfungsdrache und Finstereruptions-Drache!“

      Das schwarze Loch zog sich zusammen und dort, wo eben noch der Kern gewesen war, leuchtete plötzlich ein blendend heller Lichtblitz, der Evan dazu zwang, die Augen zu schließen. Als er sie wieder öffnete, war Christopher schon wieder von zwei mächtigen Monstern flankiert: Dem bereits bekannten, schwarzen Drachen mit den vier Flügeln (ATK: 2400) sowie ein neuer, zornig wirkender, dunkelroter Lindwurm mit einer gehörnten Keule an der Schwanzspitze. (ATK: 2200)

      „Du weißt wohl einfach nicht, wann Schluss ist“, bemerkte Evan geringschätzig. „Ich beende meinen Zug.“ [Hand: 1 / Backrow: 1]

      „Wann Schluss ist?“, wiederholte Christopher spöttisch. In seinem Gesicht zeichnete sich wieder der zuvor nie dagewesene Wahnsinn ab. „Warum sollte Schluss sein? Ich bin kurz davor, dich zu besiegen!“

      „Bist du das?“, fragte Evan. „Und hättest du das nicht vielleicht auch geschafft, ohne die Hälfte deiner Lebenspunkte für eine Karte zu bezahlen? Tat das wirklich Not? Weißt du, was der Unterschied zwischen uns ist? Im Gegensatz zu dir kann ich mich zurückhalten und versuche nicht um jeden Preis, zu gewinnen. Ich vertraue auf mich und mein Deck. Ich weiß, dass es beim Duellieren nicht ums Gewinnen geht. Deshalb werde ich auch immer der bessere Duellant sein…“

      „Das ich nicht lache!“, tat Christopher das Gesagte ab. „Worum soll es denn sonst gehen? Für Verlierer ist kein Platz in dieser Welt! Und habe ich nicht soeben bewiesen, dass ich der bessere Duellant bin? Glaubst du etwa wirklich, dass du noch eine Chance hast?“

      Evan antwortete nicht, er zog nur ernst die Brauen zusammen und starrte seinem alten Freund tief in die ungleichen Augen. Dies schien Christopher noch weiter auf die Palme zu bringen.

      „Einmal pro Spielzug kann ich durch den Effekt von Schöpfungsdrache ein Monster vom Typ Drache abwerfen, um meiner Hand ein anderes vom Friedhof hinzuzufügen“, erklärte er schwer atmend. „Verstehst du? Wenn ich ein Monster vom Typ Drache ziehe, kann ich mir meinen Drachen des Lichts und der Finsternis zurückholen und dein Albtraum geht von vorne los!“

      „Dann hängt wohl alles von diesem Zug ab“, erkannte Evan ruhig.

      Christopher zog eine zornige Grimasse. Offenbar machte es ihm zu schaffen, dass Evan keinerlei Furcht ihm gegenüber zeigte, egal, wie sehr Christopher versuchte, ihm Angst einzujagen.
      „Mein Zug!“, brüllte er schließlich und zog mit einem großen Schwung die oberste Karte seines Decks. Als er sie jedoch betrachtete, fiel sein Gesicht in sich zusammen.

      „Schlecht gezogen?“, fragte Evan in einem Tonfall, als hätte er es von Anfang an gewusst.

      Christopher antwortete nicht. Er fügte die Karte kommentarlos seinem Blatt hinzu und kniff die Augen zusammen, wobei Evan auffiel, dass er sein künstliches Auge nicht komplett schließen konnte.
      Finstereruptions-Drache! Vernichte ihn mit Dunkelflamme!“, bellte er schließlich laut, riss die Augen auf und schlug mit einer Faust in die Luft.
      Der große, schwarze Drache öffnete daraufhin sein Maul und spie einen Stoß schwarzer Flammen direkt auf Evan.

      Doch der war schneller.
      „Genau darauf habe ich gewartet!“, rief er triumphierend und drehte seine verdeckte Karte um. „Ich aktiviere meine Falle! Flammende Spiegelkraft! Wenn du angreifst, zerstört sie all deine Monster im Angriffsmodus und fügt uns beiden Schaden in Höhe der Hälfte ihrer zusammengezählten Angriffspunkte zu!“

      Christophers brilliantes Gehirn hatte diesen Betrag schnell ausgerechnet: „2300 Punkte…“, flüsterte er.

      „Genau so viele, wie ich Lebenspunkte übrig habe“, bestätigte Evan und fuhr dann mit sanfterer Stimme fort: „Wie sieht’s aus, mein Freund? Einigen wir uns auf Unentschieden?“

      Sie hatten jedenfalls keine Wahl. Von dem vergrößerten Hologramm der Fallenkarte aus verschlang kurz darauf eine gewaltige Kuppel aus scharlachroten Flammen das Kampffeld, die auf ihrem Weg Christophers Monster zum Verschwinden brachte und beide Spieler versengte. (Evan: LP 2300 -> 0) (Christopher: LP 100 -> 0)

      Als die Hologramme sämtlicher Karten verschwunden waren, deaktivierte Evan mit einem Lächeln im Gesicht seine Duel Disc und schritt auf seinen Freund zu, der auf die Knie gesunken war.
      Jedoch stand Christopher auf, bevor Evan ihn erreichen konnte. Ohne einen Blick zurück zu werfen, drehte er sich um und verschwand mit gesenktem Kopf in der Menge, um zu seiner Familie zu gehen. Evans Lächeln verschwand augenblicklich.

      „Na, das sieht man auch nicht alle Tage“, verkündete Professor Maverick und betrat die hohe Wiese, die eben noch das Kampffeld gewesen war. Er sprach betont munter, um von Christophers niedergeschlagenem Abgang abzulenken.
      „Das große Abschlussduell ist tatsächlich in einem Unentschieden ausgegangen! Das ultimative Zeichen der Ebenbürtigkeit dieser beiden außergewöhnlichen Studenten!“

      Das Publikum aus den Familien der Schüler wirkte jedoch immer noch größtenteils irritiert oder verängstigt. Nach einer Weile kamen sie jedoch zur Besinnung, applaudierten und begannen Unterhaltungen, während einige von ihnen, hauptsächlich Evans ehemalige Mitschülerinnen, auf das Feld stürmten, um ihm zu gratulieren. Sie alle schienen ihn als den würdigen Sieger wahrzunehmen.
      Evan jedoch war anderer Meinung. Dieses Duell hatte keinen Sieger, er hatte es nicht geschafft, Christopher zurückzuholen…
      ~

      Nun neigte sich die Abschlussfeier dem Ende. Es vergingen noch etwa zwei Stunden in lockerer Gesellschaft, während denen die Fähre vorbereitet wurde, die Schüler und ihre Familien für immer von der Insel bringen würde. Von Christopher und seinen Eltern fehlte jede Spur, nur Lisa und Daniel waren da. Sie saßen zusammen mit dem Sohn von Mr. Steele unter einem großen Baum und schlürften gelangweilt Orangensaft aus Sektgläsern. Evans Tante und Onkel standen unter einem großen, weißen Pavillon und unterhielten sich mit ein paar befreundeten Eltern.
      Evan selbst, auch wenn er im Gedanken natürlich immer noch bei Chris war und ständig nach ihm Ausschau hielt, genoss die freie Zeit, die er zurückgezogen mit Nora verbringen konnte. Sie bedienten sich reichlich am Erwachsenensekt und als die Fähre schließlich anlegte, gehörten sie zu den letzten, die sich auf den Weg an Bord machten.
      Die Sonne hatte angefangen, unterzugehen und die Insel in ein wunderschönes, orangefarbenes Licht getaucht. Die leicht angetrunkene Nora hatte ihren Arm über Evans Schulter gelegt, kicherte ausgelassen und hickste hin und wieder, während die beiden sich zusammen zur Fähre begaben. Als diese jedoch in Sichtweite kam, sah Evan am Fuß der Brücke, die an Bord führte, eine Gestalt, die ihn dazu brachte, Nora stehen zu lassen und loszusprinten.

      „Das war’s jetzt also?“, fragte er, als Christopher, der gerade einsam das Schiff betreten wollte, in Hörweite kam. Langsam drehte er sich herum und Evan lief erneut ein Schauer über den Rücken, als er das künstliche, schwarze Auge erblickte, das wie ein Loch in Christophers Gesicht klaffte, er ließ sich jedoch nichts anmerken.
      Er sagte nichts, wartete ab, dass Evan weitersprach.

      Der seufzte. „Es tut mir leid, was passiert ist. Wirklich. Bitte, ich will dein Freund sein!“

      Nun öffnete Christopher endlich den Mund. Seine Stimme war nicht zornig, er sprach in nüchternem, desillusionierten Tonfall: „Es tut dir wirklich leid? Alles, was passiert ist?“

      „Was meinst du mit Alles?“, entgegnete Evan irritiert.

      Ein freudloses, trauriges Lächeln breitete sich in Chris’ entstelltem Gesicht aus.
      „Verstehst du es immer noch nicht?“, fragte er. „Es geht hier doch gar nicht um mein Auge. Es ging nie darum.“

      „Aber worum dann?“, fragte Evan hilflos, bemerkte dabei aber, dass Christopher ihm gar nicht ins Gesicht sah, sondern einen Punkt beobachtete, der irgendwo über seiner Schulter lag. Evan drehte sich herum und sah Nora, die sich ein Stück abseits im Schneidersitz ins Gras gesetzt hatte und diskret die Wolken beobachtete.
      Und dann fiel es ihm plötzlich wie Schuppen von den Augen: Er erinnerte sich an Christopher, der in ihrer Gegenwart kein Wort hervor brachte, der ihn fragte, was sie meinte, als sie einen Witz über ihn gemacht hatte, der überstürzt geflohen war, als er gesehen hatte, wie Evan sie küsste… Es war, als wäre er mit einem Faustschlag ins Gesicht erwachsen geworden; als wäre das Kind, das er vorher gewesen war, nur zu blind gewesen, um das Offensichtliche zu sehen…
      „Es ist wegen Nora, stimmt’s?“

      „Hast ja lange gebraucht“, entgegnete Chris trocken.

      „Chris…“, fing Evan an. „Ich wusste nicht…“

      „Nun, du hast dir ja auch nie besonders viel Mühe gegeben, es in Erfahrung zu bringen“, erwiderte Christopher.
      Das war ein schwerer Schlag für Evan. Auf einmal dämmerte ihm, weswegen Chris neuerdings so abweisend ihm gegenüber war, und wie tief diese Wunde sein musste…

      „Nun… ja…“, meinte Evan vorsichtig. „Es ist nur, ich hatte keine Ahnung, dass du…“

      „Dass ich mich für Mädchen interessiere? Dass ich Gefühle habe?“, unterbrach ihn Chris nüchtern.

      „Chris… Es tut mir leid“, sagte Evan, nachdem er eine Weile lang nach passenden Worten gesucht hatte. Es war das Einzige, was ihm einfiel.

      „Lass gut sein“, meinte der niedergeschlagen. „Im Grunde ist es doch nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Bewahrheitung eines Verdachts, der mich seit drei Jahren plagt. Evan Drake, der Star von Morgen, dem alles hinterher geworfen wird. Der nicht nur ein Duellgenie ist, sondern der auch witzig und gutaussehend ist. Und ich, für den immer nur die Silbermedaille übrig bleibt.“

      „Sag sowas nicht…“, meinte Evan. Er wollte einen Schritt auf seinen Freund zu machen, aber er stand da wie angewurzelt.

      „Was soll ich nicht sagen? Die Wahrheit? Aber Eine Frage habe ich noch…“, entgegnete Christopher und nun war zum ersten Mal in diesem Gespräch ein wenig Zorn in seiner Stimme, vor allem aber Verzweiflung. „Warum musste es ausgerechnet sie sein? Ich meine, du könntest doch jede haben! Hättest du mir nicht wenigstens einen Traum lassen können?“

      „Chris… Es ist nicht, wie du denkst!“, antwortete Evan nicht minder verzweifelt. „Ich spiele nicht einfach nur mit ihr! Sie bedeutet mir sehr viel!“

      Doch für Chris schien es darauf nur eine Antwort zu geben: „Liebst du sie?“

      Damit hatte Evan nicht gerechnet.
      „Nun… Ich weiß nicht, wir sind erst seit ein paar Wochen zusammen…“, stammelte er.

      „Also nicht“, übersetzte Christopher trocken.

      „Chris…“, meinte Evan hilflos.

      „Nein“, sagte der schlicht und schüttelte den Kopf. „Wir haben uns nichts mehr zu sagen.“

      Und mit diesen Worten drehte Christopher sich um und ohne einen Blick zurück betrat er die Fähre, auf den Weg in ein Leben als Erwachsener, ohne Evan.

      Anmerkungen zum Kapitel
      - Der Umstand, dass Drache des Lichts und der Finsternis keine Konterfallen annullieren kann, basiert auf einem Ruling aus dem OCG. Da meine Fanfic nicht räumlich verortet ist, orientiere ich mich eher am OCG.
      Preview: Kapitel 2.1 - Die Bestimmung
      Knapp drei Jahre nach den Ereignissen in der verlassenen Slifer Red-Unterkunft liefern sich Alex und Lily am letzten Tag der Sommerferien ein Duell im Hinterhof ihres neuen Wohnhauses. Evan kommt zusammen mit Richard vorbei, um mit Alex zu sprechen. Er sieht in ihr und Richard die Legende der Titanen bewahrheitet und möchte sie an seinem Wissen teilhaben lassen. Denn es scheint noch zwei weitere Jugendliche mit besonderen Kräften zu geben. Sie alle teilen sich eine Bestimmung, der sie früher oder später nachkommen müssen...

      So, dass war's erstmal wieder. Mit der eigentlichen Staffel geht es dann irgendwann Ende des Monats (vielleicht an Alex' Geburtstag ;) ) weiter.
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      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leseleff ()

      Spoiler anzeigen
      ​Habe jetzt dann mal mit den ersten Teil des Specials durch gelesen. Die Story hat mir gut gefallen. Auch schön zu sehen wie Christopher vor dem Unfall so drauf war. Danach hat er sich aber komplett geändert.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      @WiR
      Danke für den Kommentar, schön, dass es dir gefallen hat. Was Chris angeht, so hat der sich zwar definitiv verändert, aber gewisse Merkmale seines späteren selbst lassen sich bereits erkennen. Er ist z.B. ein Ehrgeizling, der sich lieber seiner Karriere widmet, statt Freundschaften zu pflegen. Er hat eine enge Beziehung zu mächtigeren und einflussreicheren Personen (erst sein Vater, später dann Mr. Steele) und versucht, sich und anderen etwas zu beweisen. Ich hoffe, das kam einigermaßen rüber. Und falls du meinst, dass der Teenager-Chris eher schüchtern und ängstlich war, ist die Frage vielleicht, ob das nicht in Wirklichkeit immer noch so ist. ;)


      So, nachdem euch das Special hoffentlich gespannt auf mehr gemacht hat, geht es heute, am 27. September, endlich mit den gewohnten Charakteren weiter.
      Seid gnädig zu mir. Sich so ne Fantasy-Story auszudenken ist nicht einfach. :/

      Kapitel 2.1 - Die Bestimmung
      Kapitel 2.1 – Die Bestimmung

      Ein kalter Wind peitschte über den gepflasterten Platz. Dunkle Wolken waren aufgezogen seit jenem Tag, an dem das Steele-Stadion von den Demonstranten gestürmt worden war, die dem darin stattfindenden Finale der Duel Monsters Newcomer’s Championship ein jähes Ende versetzt hatten. Und jetzt fiel ein widerlicher Sprühregen von dem Himmel, der so grau war wie der steinerne Boden unter ihm.
      Doch den ungemütlichen Wetterbedingungen zum Trotz war der große Platz voller Menschen. Wie Geier, die den Tod einer kranken Antilope abwarteten, drängten sich die Reporter und die Schaulustigen auf dem Platz, in Regenmäntel gehüllt, die Augen, Kameras und Mikrofone auf die Bühne gerichtet, die vor dem Hauptgebäude von Steele Industries errichtet worden war, in Erwartung auf das Statement, das schon am nächsten Morgen die Titelseiten sämtlicher Zeitungen füllen würde.
      Die Luft war zum Zerreißen gespannt und die Menge verstummte, als das Portal des riesigen Wolkenkratzers aufschwang und zwei Sicherheitsmänner in schwarzen Anzügen daraus hervor ins Tageslicht traten. Sie stellten sich rechts und links der Bühne auf, die kurz darauf von Richard Steele Sr., Chef von Steele Industries, betreten wurde. Der grauhaarige Mann im Anzug lächelte freundlich und winkte der Menge zur Begrüßung zu, als er seinen Platz, das vom Publikum aus gesehen rechte von zwei Rednerpulten in der Mitte der Bühne, einnahm.
      Gefolgt wurde er von einem jungen Mädchen, kaum siebzehn Jahre alt, deren leuchtend rotes Haar im Wind flatterte und wie ein Leuchtfeuer in der sonst so grauen Umgebung glühte. Geblendet vom Blitzlicht hunderter Kameras, die ihr schönes, aber abweisendes Gesicht digital festhalten wollten, schlug sie sich einen Arm vor jenes, während sie sich an das zweite Rednerpult stellte.
      Kaum angekommen, schon bombardierten sie die anwesenden Reporter mit hektischen Fragen, was zu einem unverständlichen Durcheinander von Stimmen anschwoll. Das Mädchen auf der Bühne schenkte den Fragen jedoch keinerlei Beachtung. Sie beugte sich vor, um über das Stimmgewirr hinweg in das Mikrofon auf ihrem Rednerpult zu sprechen.

      „Ich habe Ihnen etwas zu sagen“, sprach Alexandra Whitman. Sie lächelte nicht. Ihre Stimme war eiskalt, ihr Gesicht wie eine steinerne Maske, während ihre smaragdgrünen Augen missbilligend über die Menschenmenge vor ihr glitten, die erneut verstummt war.
      Mit einem Blick hinüber zu Mr. Steele, in dem diejenigen, die nah genug an der Bühne standen, blanken Hass erkennen konnten, fuhr das Mädchen auf der Bühne fort: „Was in den Medien über mich berichtet wurde, ist wahr. Alles. Ich habe betrogen. Die ganze Zeit.“

      Alexandra Whitman machte eine Pause, während der sie kurz die Augen schloss. Wer sie kannte, konnte in ihrem Gesicht lesen, wie sehr ihr diese Worte innerlich weh taten.
      „Ich habe Richard hinters Licht geführt, damit er mir hilft. Ich habe eine Karte gestohlen. Ich habe sie benutzt, weil ich das Turnier gewinnen wollte.“

      Das Mädchen auf der Bühne verstummte. Der Sprühregen wurde stärker und sofort wurde sie wieder mit Fragen torpediert.

      „Ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen“, entgegnete Alex mit Nachdruck, um die Fragerei zu beenden.

      In diesem Moment schaltete sich Mr. Steele am anderen Rednerpult ein: „Aber, aber…“, sagte er wohlwollend mit Blick zu dem Mädchen neben ihm.
      „Meine Firma und ich sind nicht nachtragend. Sie haben eine Dummheit begangen, zweifellos. Aber ich kann Sie verstehen. Wir wollen doch alle ein Bisschen mehr aus unserem Leben machen, nicht wahr? Wichtig ist, dass Sie ihre Fehler einsehen. Deshalb wird Steele Industries auf eine Anklage verzichten. Und diese Karte…“

      Mr. Steele, der zuletzt wieder direkt zum Publikum gesprochen hatte, griff in die Innentasche seines Jacketts und holte ein rechteckiges Stück Pappe daraus hervor, das zwischen zwei dünnen Schutzgläsern klemmte.
      „Sie gehört zu Ihnen. Ich möchte, dass Sie sie behalten.“

      Er schritt hinüber zum anderen Rednerpult, um den Phönix der Wiedergeburt zu überreichen.

      „Vielen Dank, Sir“, antwortete Alex, auch wenn es nicht danach klang. Es lag immer noch nicht die Spur eines Lächelns in ihrem Gesicht. Denn nur sie selbst konnte wissen, wie sehr sie sich für diese Worte hasste. Nur sie wusste, dass die Karte, die Mr. Steele ihr in diesem Moment feierlich überreichte, in Wirklichkeit ihr gehörte und immer ihr gehört hatte. Und nur sie konnte das feindselige, triumphierende Grinsen sehen, das Mr. Steeles spitzes Gesicht zierte, während er ihr väterlich auf die Schulter klopfte…

      ~

      „Darf ich anfangen?“, fragte Lily aufgeregt.

      „Wenn du willst“, entgegnete Alex. Fast zwei Wochen waren vergangen, seit sie vor dem Hauptgebäude von Steele Industries das Geständnis abgelegt hatte und wie so oft in letzter Zeit standen sie sich auf dem schönen, grünen Hinterhof des großen Wohnhochhauses gegenüber. Die Septembersonne tauchte die Szenerie in goldenes Licht. Ein seltener Anblick, weil es in den letzten Tagen eigentlich ständig geregnet hatte.
      Doch wie viel Regen auch vom Himmel fallen mochte, gegen die warme Glut in Alex’ Körper, die Lilys Rückkehr entfacht hatte, kam er nicht an. Seit zehn Tagen war sie nun wieder aus dem Koma erwacht. Ihre Behandlung hatte ebenfalls ein paar Tage in Anspruch genommen, während denen Alex ihren unerwarteten, von ihrem Vater hinterlassenen Reichtum genutzt hatte, um ihrer Schwester ein Deck und eine rosafarbene Linkshänder-Duel Disc für Kinder als Begrüßungsgeschenk zu kaufen.
      Am ersten September hatte die Familie dann eine neue Wohnung bezogen, die zwar nicht viel größer war als ihre alte, die den Flammen zum Opfer gefallen war, aber dafür komfortabler und besser gelegen. Seitdem duellierten die beiden sich ständig auf dem Hinterhof.
      So weit die Umstände es zuließen, war Alex glücklich. Sie mied die Öffentlichkeit, blieb lieber zu Hause. Und wenn sie doch einmal nach draußen ging, wurde sie sofort von allen Seiten angestarrt. Einiges an Getuschel musste sie sich dann anhören, manchmal sogar einen unfreundlichen Kommentar, aber das war ihr egal. Denn sie wusste, sobald sie zurück nach Hause kam, würde dort Lily auf sie warten…

      „Ich bin dran!“, rief diese gerade und betrachtete ihre Starthand. „Ich beschwöre Sendbotin der Rätsel – Erde im Angriffsmodus!“

      Mit ihrer linken Hand zog Lily die Karte aus ihrem Blatt und legte sie auf ihre Duel Disc. Vor dem kleinen, rothaarigen Mädchen erschien daraufhin das Hologramm eines Engels in Gestalt einer jungen Frau mit weißer Haut und ebensolchen Haaren, aus deren Rücken zwei große gefiederte Flügel in schönen Blau- und Grüntönen ragten. (ATK: 1000)

      „Wenn sie als Normalbeschwörung beschworen wird, kann ich meiner Hand eine weitere Sendbotin von meinem Deck hinzufügen! Ich wähle Sendbotin der Schöpfung – Venus!“

      Kaum ausgesprochen, schon schob die rosane Duel Disc eine Karte aus dem Deck hervor, nach der Lily griff. „Du bist dran.“ [Hand: 5 / Backrow: 0]

      „Alles klar“, entgegnete Alex. „Mein Zug!“

      Sie zog schwungvoll eine Karte von ihrem Deck und fügte sie ihrer Hand hinzu. Anschließend legte sie eine Karte von ihrer Hand auf die Oberfläche ihrer alten, ramponierten Duel Disc.
      „Ich beschwöre Glaubensvogel im Angriffsmodus!“

      Vor Alex erschien das Hologramm eines großen Vogels mit schönem, blauem Gefieder, der einen majestätischen Sington von sich gab. (ATK: 1500)
      „Los, greif’ Erde an!“

      Der große, blaue Vogel stieß einen weiteren anmutigen Schrei aus und erhob sich flügelschlagend in die Luft, um zum Sturzflug auf Lilys Monster anzusetzen.

      „Nein!“, rief die und steckte eine Karte von ihrer Hand in ihre Duel Disc. „Ich aktiviere den Effekt von Regenbogen-Kuriboh! Ich rüste dein Monster mit ihm aus, wodurch es nicht mehr angreifen kann!“

      Vor Lily erschien mit einem quietschigen Ruf das Hologramm einer pummeligen, Lila Kugel mit großen, grünen Augen und einer Art regenbogenfarbenem Segel auf der Stirn. Lily kicherte. Ihre Kuriboh-Karten mochte sie besonders.
      Das putzige Tierchen machte ein wütendes Gesicht und leuchtete dabei in einem bunten Licht auf. Von einem solchen wurde nun auch Glaubensvogel erfasst, was ihn dazu brachte, seinen Angriff abzubrechen.

      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug“, schloss Alex und vor ihr erschien die holografisch vergrößerte, braune Rückseite einer Karte.
      [Hand: 4 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran!“, entgegnete Lily. „Ich ziehe! Und ich beschwöre Sendbotin der Schöpfung – Venus im Angriffsmodus!“

      Sie legte die Karte neben ihre erste Sendbotin auf ihre Duel Disc, woraufhin vor ihr das Hologramm einer großen, blonden Frau in einem langen, grünen Kleid erschien, aus deren Rücken ebenfalls ein paar gefiederter Engelsflügel ragte. (ATK: 1600)

      „Los, greif’ Glaubensvogel an!“

      Der blonde Engel faltete die Hände vor der Brust zusammen und schloss die Augen, wie zum Gebet. Daraufhin tauchte neben ihr plötzlich eine rot leuchtende Kugel auf, die ihre Schöpferin umkreiste und anschließend auf Alex’ Monster geschossen kam, dessen Hologramm sich beim Aufprall in Luft auflöste. (Alex: LP 4000 -> 3900)

      „Und jetzt greift meine Sendbotin der Rätsel dich direkt an! Los!“, fuhr Lily fort. Der Engel mit den bunten Flügeln sprang daraufhin in die Luft und segelte direkt auf Alex zu, um sie mit dem Zauberstab in ihrer Hand anzugreifen, auf dessen Spitze eine durchsichtige Glaskugel thronte. (Alex: LP 3900 -> 2900)

      „Aber ich bin noch nicht fertig!“, rief Lily. „Ich aktiviere den Effekt von Venus! Ich bezahle 500 Lebenspunkte und kann dadurch eine Kugel des mystischen Scheins von meinem Deck beschwören!“

      Der blonde Engel faltete erneut die Hände vor der Brust und kurz darauf erschien eine weitere Leuchtkugel neben ihr, die in einem hellen Blauton leuchtete.
      (ATK: 500) (Lily: LP 4000 -> 3500)

      „Und jetzt pass gut auf!“, kündigte Lily an, die wie immer während ihrer Duelle überglücklich wirkte. „Ich stimme meine Sendbotin der Rätsel der Stufe 2 auf meine Kugel des mystischen Scheins der Stufe 2 ein, um Regenbogen-Herold als Synchrobeschwörung zu beschwören!“

      Das Empfängermonster mit den grün-blauen Engelsflügeln sprang in die Luft und teilte sich dort in zwei grüne Ringe aus Licht auf, die sich wie ein Tunnel parallel anordneten. In die Mitte dieses Tunnels flog jetzt die blassblaue Lichtkugel, die sich anschließend in zwei leuchtende Sterne aufteilte, die sich in Reihe in der Mitte des Tunnels anordneten.
      Ein plötzlicher Lichtblitz schoss durch die beiden Sterne und kurze Zeit später war ein Synchromonster auf Lilys Feld erschienen.
      Ähnlich wie die Xyz-Monster waren auch die Synchromonster eine ältere Art von Monsterkarten, die größtenteils von den Titanen-Monstern abgelöst worden waren. Bei Lilys Exemplar handelte es sich um Herold des Regenbogenlichts, aber Lily hatte sich für all ihre Karten mit längeren Namen Kosenamen ausgedacht. Bei dem Monster handelte es sich um ein kleines, weißes Engelchen mit freundlichem Gesicht. Die in allen Farben des Regenbogens leuchtenden Augenbrauen waren stark verlängert und sahen fast aus wie Flügel. Es hatte außerdem zwei Beine mit rundlichen Oberschenkeln, die hinter dem schwebenden Körper an Düsentriebwerke erinnerten und nur durch ein regenbogenfarbenes Licht mit dem Körper verbunden waren. (DEF: 1000)

      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“, schloss Lily glücklich und neben ihr erschien eine vergrößerte, braune Kartenrückseite. [Hand: 4 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran!“, entgegnete Alex und zog eine Karte von ihrem Deck. „Ich beschwöre Fushi No Tori im Angriffsmodus!“

      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und vor ihr erschien das Hologramm eines großen, rosa Vogels mit brennenden Flügeln. (ATK: 1200)

      „Aber es geht noch weiter!“, fuhr Alex fort. „Ich mische Fushi No Tori vom Attribut Feuer von meinem Feld und Glaubensvogel vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Friedhof ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen! Erscheine, Phönix der Wiedergeburt!“

      Der brennende, rosa Vogel nahm die Gestalt einer braunen Monsterkarte an, die zusammen mit der gelblichen Karte von Glaubensvogel in die Luft stieg, wobei sich beide anmutig umkreisten. Einen Lichtblitz später war Alex’ stärkstes Monster auf dem Feld erschienen, das ihr bei den all den schwierigen und wichtigen Duellen im vergangenen Sommer immer Hoffnung und Trost gespendet hatte: Ein riesiger, orange-roter Vogel, dessen Rücken, Flügel und Schwanzfedern in Flammen standen. (ATK: 2500) Lily begrüßte das Monster jubelnd. Während sie im Koma gelegen hatte, hatte sich viel in Alex’ Deck verändert und Lily freute sich immer riesig, wenn ihre Schwester eins der seltenen Titanen-Monster bechwor.

      „Los, greif’ Herold des Regenbogenlichts an! Brennender Zorn!“, forderte Alex ihr Monster auf. Denn sie wusste genau, dass Lilys Monster jeden Effekt annullieren konnte, indem es sich selbst als Tribut anbot. Deshalb sollte man es nach Möglichkeit im Kampf zerstören, bevor es überhaupt dazu kam.
      Der Phönix unterdessen stieg in die Höhe und setzte zum Sturzflug auf das Synchromonster an…

      „Warte!“, rief Lily und griff nach ihrer verdeckten Karte. „Ich drehe meine verdeckte Falle um! Durch Waboku können meine Monster jetzt nicht zerstört werden und ich erhalte keinen Schaden!“

      Mitten im Sturzflug wurde der riesige, brennende Vogel von einer blauen Lichtbarriere aufgehalten, die sich plötzlich um Lilys Monster gebildet hatte. Unfähig, weiter anzugreifen flatterte er stattdessen zurück zu seiner Besitzerin.

      „Na schön…“, meinte die und griff ebenfalls nach ihrer verdeckten Karte. „Dann aktivere ich eben auch eine Fallenkarte! Los, Windsturm der Phönixflügel! Wenn ich eine Karte abwerfe, wird eins deiner Monster zurück aufs Deck gelegt! Ich wähle Herold des Regenbogenlichts!“

      Alex zückte die Zauberkarte Twister aus ihrer Hand und steckte sie sich in die Tasche, da durch den Effekt von Herold des Regenbogenlichts alle Karte, die von der Hand auf den Friedhof geschickt würden, stattdessen aus dem Spiel entfernt werden. Anschließend drangen gelbe Windböen aus dem vergrößerten Hologramm der Fallenkarte, das neben ihr hochgeklappt war, und flogen hinüber auf Lilys Seite des Spielfelds.

      „Ich aktiviere den Effekt von Regenbogen-Herold!“, entgegnete die. „Ich biete ihn als Tribut an, um den Effekt deiner Fallenkarte aufzuhalten!“

      Das Regenbogenfarbene Engelchen schloss konzentriert die Augen und kurz darauf drang buntes Licht aus seinem Körper, so hell, dass es darin zu verschwinden schien. Die gelben Windböen, die Alex’ Fallenkarte erzeugt hatte, legten sich, sobald sie mit dem Licht in Kontakt gerieten.
      Als das Licht schließlich erloschen war, war das Hologramm des Synchromonsters verschwunden.

      „Wenn Regenbogen-Herold auf den Friedhof geschickt wird, kann ich seinen Effekt aktivieren und meiner Hand eine Ritualkarte von meinem Deck hinzufügen! Ich wähle meinen blauen Herold!“, fuhr Lily fort, woraufhin ihre Duel Disc eine Karte von ihrem Deck hervorschob, nach der Lily griff. Es handelte sich um Herold des vollkommenen Lichts, ihr Ritualmonster, das seinen Kosenamen der blauen Kartenfarbe zu verdanken hatte.

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Alex, lächelte dabei aber. Dafür, dass Lily es erst ein paar Tage hatte, konnte sie schon wirklich gut mit ihrem Deck umgehen.
      [Hand: 3 / Backrow: 0]

      „Okay…“, entgegnete Lily fröhlich. „Ich bin dran! Ich ziehe!“

      Sie zog eine Karte von ihrem Deck und betrachtete dann aufgeregt ihr Blatt.
      „Ich aktiviere Dämmerung des Herold!“, rief sie und steckte die Zauberkarte in ihre Duel Disc. „Damit kann ich meinen blauen Herold als Ritualbeschwörung beschwören, indem ich ein anderes Monster der Stufe 6 von meiner Hand als Tribut anbiete! Und ich biete Iris, die Erdmutter als Tribut an!“

      Eine vergrößerte Ausgabe des Ritualzaubers erschien neben Lily und mit ihr wurde ihre Feldseite plötzlich in ein gleißendes, weißes Licht getaucht. Lily schob eine Karte von ihrer Hand auf den Friedhof, woraufhin ein bizarres Engelswesen vom Himmel herab stieg.
      Der etwa zwei Meter hohe Körper des Monsters erinnerte vage an einen Schneemann, denn er bestand aus zwei kugelrunden, weißen Segmenten, die durch eine Verengung in der Körpermitte miteinander verbunden waren. Beide runden Körperhälften hatten ein eigenes Gesicht, das untere grün und das obere lila. Das Wesen hatte zwei Beine und vier Arme und große, Regenbogenfarbene Flügel ragten aus seinem Rücken. Überall aus dem Körper drang buntes Licht. (DEF: 2800)

      „Aber da kommt noch mehr!“, kündigte Lily wichtigtuerisch an. „Denn als Nächstes aktiviere ich den Effekt von Sendbotin der Schöpfung zwei weitere Male! Ich zahle also 1000 Lebenspunkte, um zwei weitere Kugeln des mystischen Scheins zu beschwören!“

      Gesagt, getan. Der blonde Engel legte erneut die Hände wie zum Gebet aneinander und schloss die Augen, woraufhin zwei neue, blassblaue Lichtkugeln auf Lilys Feld erschienen. (ATK: 500 (2x)) (LP: 3500 -> 2500)

      „Und ich bin noch nicht fertig!“, rief Lily und machte mit ihrem linken Arm eine kreisende Bewegung, als wolle sie eine Windmühle imitieren. „Ich überlagere meine beiden Stufe 2 Kugeln des mystischen Scheins!“

      Die beiden blassblauen Lichtkugeln wurden zu gelben Lichtsäulen, die in den Himmel stiegen und dort von einem riesigen, roten Strudel eingesaugt wurden.
      „Mit diesen beiden Monstern bilde ich das Überlagerungsnetzwerk, um ein Xyz-Monster zu beschwören! Los, Schwarzer Herold!“

      Aus dem roten Strudel in der Luft stieg bei diesen Worten das Hologramm eines Xyz-Monsters hinab. Herold des reinen Lichts, der seinen Kosenamen wie Herold der Vollkommenheit seiner Kartenfarbe zu verdanken hatte, sah fast genau so aus wie Lilys Synchromonster Herold des Regenbogenlichts, mit dem Unterschied, dass er statt Beinen, die wie Düsentriebwerke hinter dem Körper in der Luft schwebten, zwei kräftige Ärmchen hatte. Außerdem war das Licht, das aus dem Körper schien und die Arme mit dem Körper verband, statt regenbogenfarben von einem satten, freundlichen Gelb. Die Xyz-Materialien in Form von zwei gelben Lichtsphären umrundeten das Monster wie Planeten ihre Sonne. (DEF: 1000)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters!“, fuhr Lily entzückt fort. „Wenn ich ein Xyz-Material abhänge, kann ich meiner Hand eine Monsterkarte von meinem Friedhof hinzufügen! Ich wähle Sendbotin der Rätsel – Erde!“

      Eine der gelben Lichtsphären, die das Xyz-Monster umgaben, änderte ihre Flugbahn und flog direkt in die Stirn des Engelchens, das anschließend in einem hellen, gelben Licht aufleuchtete. Lily unterdessen griff nach ihrem Friedhof, um sich die Karte daraus zu suchen.
      „Anschließend muss ich eine Karte von meiner Hand ins Deck zurückmischen“, sagte sie und steckte eine andere ihrer Handkarten ins Deck zurück, welches sich automatisch mischte. „Du bist dran.“ [Hand: 2 / Backrow: 0]

      „Nicht schlecht“, entgegnete Alex. „Dafür, dass du dich erst ein paar Tage duellierst, bist du echt gut. Aber mich schlägst du trotzdem nicht! Ich ziehe!“

      Schwungvoll zog sie eine Karte von ihrem Deck und betrachtete anschließend ihr Blatt. Herold der Vollkommenheit konnte jeden Effekt annullieren, sofern Lily ein Feen-Monster hatte, das sie abwerfen konnte. Aber sollte Alex mit ihrem Verdacht richtig liegen, musste Lily sehr sparsam mit diesem Effekt sein…

      „Ich aktiviere den Zauber Instantfusion! Zum Preis von 1000 Lebenspunkten kann ich ein Fusionsmonster der Stufe 5 oder weniger von meinem Extra Deck beschwören! Und ich entscheide mich für Mavelus!“

      Lily sagte daraufhin nichts weiter, weshalb ein vergrößertes Hologramm der Zauberkarte neben Alex auftauchte und kurz darauf das Hologramm eines großen, roten Vogels mit gelben Flügeln und Schwanzfedern auf ihrem Feld erschien.
      (ATK: 1300) (Alex: LP 2900 -> 1900)

      „Und nun, da das geschafft ist, kann ich Mavelus vom Attribut Wind und Phönix der Wiedergeburt vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Feld ins Deck zurückmischen, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen! Los, Sturmvogel!“

      Phönix der Wiedergeburt
      nahm die Gestalt einer grünen Karte an, ebenso wie Mavelus, der zu einer lila Fusionsmonsterkarte wurde. Gemeinsam schraubten sie sich in die Höhe und einen Lichtblitz später war das Hologramm eines riesigen, schwarz-weißen Vogels mit orange glühenden Augen auf Alex’ Feld erschienen, das einen markerschütternden Schrei ausstieß. (ATK: 2100)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters!“, rief Alex. „Einmal pro Spielzug kann ich eine deiner offenen Karten wählen, die du dann ins Deck zurückmischen musst! Los, schriller Schrei! Dein Ziel lautet Herold der Vollkommenheit!“

      „Nein!“, entgegnete Lily in die Ecke gedrängt. „Ich aktiviere den Effekt von Blauer Herold! Wenn ich meine Sendbotin der Rätsel abwerfe, kann ich deinen Effekt annullieren und dein Monster zerstören!“

      Der riesige Vogel drückte sich flach auf den Boden und stieß einen weiteren Kreideschrei aus, der holografisch in Form einer größer werdenden Schallwelle dargestellt wurde, die direkt auf den bizarren Engel zuflog. Dieser legte die Hände aneinander, wozu er mit seinen kurzen, stämmigen Ärmchen gerade noch im Stande war. Kurz darauf kam ein kräftiger, gebündelter Strahl bunten Lichts aus seinen Handflächen geschossen, flog direkt durch die Schallwelle, die verschwand, und traf anschließend Alex’ Titanen-Monster direkt im Gesicht, woraufhin sich sein Hologramm in Luft auflöste.

      „Wie ich es mir gedacht habe“, sagte die ältere der beiden Schwestern zufrieden. „Ich habe immer noch meine Normalbeschwörung. Deshalb beschwöre ich jetzt Hiita mit ihrem Vertrautem im Angriffsmodus!“

      Sie klatschte die Karte auf die Oberfläche ihrer Duel Disc, woraufhin vor ihr das Hologramm einer knapp bekleideten, rothaarigen Zauberin erschien, begleitet von einem Fuchs. (ATK: 1850)
      „Und weil ich jetzt wieder ein Feuer-Monster kontrolliere, kann ich sie zusammen mit Sturmvogel von meinem Friedhof ins Deck zurückmischen, um einen alten Bekannten zurückzuholen! Los, Phönix der Wiedergeburt!“

      Zum dritten Mal in diesem Duell stiegen zwei Karten, grün und braun, gemeinsam in die Höhe und umkreisten sich dabei. Es gab einen Lichtblitz und aus einer riesigen Stichflamme kam erneut der riesige, brennende Phönix in den Himmel geschossen. (ATK: 2500)

      „Aber jetzt hast du doch das gleiche Feld wie vorher“, wunderte sich Lily. „Was hat dir das alles jetzt gebracht?“

      „Du musstest deine Sendbotin der Rätsel abwerfen“, erklärte Alex ihr Vorgehen. „Und wenn ich mich nicht sehr irre, war die dein einziges Feen-Monster. Deshalb hast du jetzt keins mehr übrig, um die hier aufzuhalten!“

      Bei diesen Worten steckte Alex ihre vorletzte Handkarte in ihrer Duel Disc. „Die Zauberkarte Rückenwind! Die erlaubt es meinem Phönix, dich in dieser Runde direkt anzugreifen, auch wenn du Monster kontrollierst!“

      „Was?“, fragte Lily entsetzt. Währenddessen erschien ein vergrößertes Hologramm der Zauberkarte neben Alex und plötzlich blies deren Schwester einen kräftigen Wind entgegen. Dieser sorgte dafür, dass die Flammen am Gefieder des gegnerischen Titanen-Monsters noch heller loderten, woraufhin der Phönix einen entschlossenen Vogelschrei ausstieß.

      „Du hast richtig gehört!“, entgegnete Alex. „Los, Brennender Zorn!“

      Der riesige, orange-rote Vogel stieg hoch in Luft und setzte anschließend zum Sturzflug an. Dabei flog er direkt an Lilys drei Monstern vorbei und nahm stattdessen direkt das kleine, rothaarige Mädchen ins Visier, um es mit seinen brennenden Schwingen anzugreifen. (LP: 2500 -> 0)
      ~

      „Och Menno“, klagte Lily enttäuscht, nachdem die Hologramme der Monster verschwunden waren. Sie war auf die Knie gesunken.

      „Hey…“, entgegnete Alex freundlich und ging hinüber zu ihrer Schwester, um ihr auf die Beine zu helfen. „Ich habe es schließlich bis ins Finale von diesem Turnier geschafft. Da lasse ich mich doch nicht von einer Elfjährigen besiegen.“

      „Elfeinhalb“, korrigierte Lily mit gespieltem Schmollmund, lächelte danach aber.

      „Selbstverständlich. Verzeihen Sie mir die Verwechslung, erwachsene Mrs. Whitman“, scherzte Alex und machte einen kleinen Knicks. Lily lachte.

      „Aber du wirst schon sehen: Eines Tages besiege ich dich!“, sagte Lily entschlossen und ballte die Faust.

      „Na klar. Und wovon träumst du nachts?“, entgegnete Alex freundlich lachend, wurde dann jedoch von einer Frauenstimme abgelenkt.

      „Alex?“, sagte ihre Mutter. Alex drehte sich um und sah sie auf dem Balkon ihrer neuen Wohnung im ersten Stock stehend.

      „Was gibt’s?“, fragte Alex verwundert, den Kopf nach oben streckend. Es war eigentlich noch zu früh zum Abendessen…

      „Besuch für dich“, antwortete ihre Mutter.

      Angst lief Alex kalt den Rücken runter, während sie den Arm um Lilys Schulter legte, als die sich neben sie stellte. Waren das etwa wieder die Anwälte von Mr. Steele? Sie hatten eigentlich versprochen, dass sie Alex für immer in Ruhe lassen würden, nachdem diese öffentlich ihre vermeintliche Schuld gestanden hatte…
      „Wer ist es?“, fragte sie bemüht beiläufig.

      „Es sind Richard und Mr. Drake“, erklärte Caroline und Alex fiel ein Stein vom Herzen. Sekunden später war ihr jedoch wieder unbehaglich zu Mute. Richard war hier? Das letzte Mal, als sie miteinander gesprochen hatten, hatte sie ihm nach ihrer gemeinsamen Flucht vor Mr. Steele am U-Bahnhof einen Korb gegeben. Er war damals sehr enttäuscht gewesen. Wie würde er jetzt auf sie zu sprechen sein? War er wütend auf sie? Oder würde er so tun, als wäre nichts gewesen und wieder versuchen, mit ihr zusammenzukommen?

      Lily unterdessen wirkte aufgeregt. „Evan Drake ist hier?“, fragte sie. „Los, steh’ hier nicht so faul rum, beweg’ dich!“

      Sie packte Alex am Handgelenk und eilte davon, ihre große Schwester hinter sich her ziehend. Gemeinsam betraten sie das große, rote Backsteinhaus, das, so hatte der Makler ihnen erklärt, vor vielen Jahren einmal eine billige Arbeiterunterkunft gewesen war. Nachdem die Fabriken in Newhaven jedoch geschlossen hatten, um weiter außerhalb viel größer neu aufgebaut zu werden, damit sie den Bedarf an Produkten und Arbeitsplätzen der rasant wachsenden Stadtbevölkerung decken konnten, wurde das Haus von Grund auf renoviert und neu vermietet.

      Die Schwestern rannten die Treppe hinauf zu ihrer Wohnung im ersten Stock, die Alex aufschloss. Sie durchquerten den schmalen Flur und betraten das kleine Wohnzimmer. Dieses wirkte noch äußerst leer. Fast ihr gesamter früherer Besitz war den Flammen zum Opfer gefallen, deshalb hatten sie noch nur wenige Möbel. Im Gegensatz zum düsteren, fensterlosen Flur war der Raum sehr hell, was den großen Fenstern an der gegenüberliegenden Seite zu verdanken war, wo auch die Glastür zum kleinen Balkon lag, von dem Alex’ Mutter soeben gerufen hatte.

      „Hallo Alex“, sagte eine kühle, tiefe Stimme, als die Schwestern entraten. Richard stand da, wie man es von ihm kannte mit den Händen in den Jackentaschen an eine Wand gelehnt, und schüttelte sich gerade eine Strähne seines stahlgrauen Haars aus den blassgrünen Augen. Er klang nicht zornig, aber auch nicht erfreut, sie zu sehen. Er erinnerte viel eher an jenen wortkargen, introvertierten Teenager, der er gewesen war, als Alex ihn das erste Mal gesehen hatte: Damals, als er an ihrer Schule eine Ansprache gehalten hatte. Es war, als wäre Alex’ Anwesenheit ihm vollkommen gleichgültig. Und das, so überlegte sie, war von den vielen möglichen Szenarien, die sie sich ausgemalt hatte, vielleicht das schmerzhafteste.

      Evan neben ihm wirkte da schon deutlich besser gelaunt. Er begrüßte die beiden Mädchen lächelnd und wurde anschließend sofort von Lily in Beschlag genommen.

      „Ich bin Lily“, stellte sie sich selbstbewusst vor und reichte ihm eine kleine Hand. „Du bist mein Lieblings-Profiduellant!“

      „Freut mich, das zu hören“, entgegnete Evan freundlich. Lily strahlte und wandte sich dann an Richard.

      „Und du bist Richard?“, fragte sie, was er bestätigte.
      „Heißt das, du hast ihn besiegt?“, fuhr sie beeindruckt fort und zeigte mit dem Finger auf Evan, der das Gesicht verzog.

      „Hey. Das war nur Anfängerglück!“, gluckste Evan.

      „Und sind du und Alex jetzt ein Paar?“, fragte Lily Richard neugierig.

      „Lily!“, zischte Alex peinlich berührt, während Richards Miene versteinerte.

      „Nein“, beantwortete er die Frage knapp.

      „Warum nicht?“, hakte Lily nach.

      Richards Gesichtsausdruck verdüsterte sich noch weiter, als er, offenbar bemüht, ruhig zu bleiben, sagte: „Das musst du deine Schwester fragen.“

      Lily zog die Brauen hoch und drehte sich zu jener um. Sie sah aus wie eine Mutter, die ihre Tochter bei einer Dummheit ertappt hatte.

      „Das ist…“, fing Alex an und wie jene Tochter schrumpfte sie ein wenig zusammen. Dann erinnerte sie sich jedoch daran, mit wem sie sprach, und fuhr abwehrend fort: „Das verstehst du nicht. Du bist noch zu jung.“

      Lily machte zornig dicke Backen und stemmte sich die Hände in die Hüften, was ihre ohnehin schon verblüffende Ähnlichkeit zu ihrer Mutter ins Unermessliche steigerte.
      „Oh bitte“, sagte sie. „Wirklich jeder versteht mehr von Liebe als du.“

      Alex öffnete empört den Mund, wurde jedoch von Evan unterbrochen: „Langsam verstehe ich, warum du unbedingt retten wolltest“, lachte er. „Ich liebe sie!“

      Lily strahlte und Alex blieb es erspart, dieses unangenehme Gespräch weiter zu führen, da in diesem Moment ihre Mutter aus der vom Wohnzimmer abgetrennten Küche kam, in den Händen ein großes Tablett mit einer Karaffe Eistee und fünf Gläsern.

      „Bitte, setzen Sie sich“, sagte sie ein wenig nervös, denn sie hatte noch nie so direkten Kontakt mit der Berühmtheit Evan Drake gehabt. Sie nickte dabei in Richtung einiger der wenigen Möbel im Zimmer: Ein Couchtisch mit gläserner Oberfläche, ein Sofa und ein nicht dazu passender Sessel, alles gebraucht gekauft.

      Evan nahm im Sessel platz, Alex, Richard und Lily auf dem Sofa. Alex’ Mutter setzte das Tablett auf der gläsernen Tischplatte ab und ging hinüber zum Esstisch, der gegenüber der offenen Wand stand, die die Küche vom Wohnzimmer trennte, und holte sich selbst einen Stuhl.

      „Also, was gibt’s?“, fragte Alex Evan, während ihre Mutter reihum Getränke einschenkte.

      Evan bedankte sich höflich bei Alex’ Mutte, als er ein Glas entgegen nahm.
      „Nun… Es gibt ein paar Dinge, über die ich mit dir reden möchte…“, erklärte er und eine Pause entstand, als er einen Schluck trank. „…Es geht um deine Kräfte.“

      Alex, ihr Glas auf halbem Weg zu den Lippen, erstarrte. Und sah Evan tief in die bernsteinfarbenen Augen.
      „Moment, heißt das, du weißt etwas darüber?“, fragte sie begierig. Die merkwürdigen Kräfte, die sie entwickelt hatte, nachdem sie Lily aus der brennenden Wohnung gerettet hatte; die Flammen, die sie mit ihren Fingern erzeugen konnte und ihre Tränen, mit denen sie Wunden heilen konnte, waren seither das wohl größte Rätsel in Alex’ Leben. Richard zu ihrer Rechten wirkte hingegen vollkommen unbeeindruckt. Offenbar hatte Evan dieses Gespräch schon mit ihm geführt.

      „Zumindest glaube ich das“, bestätigte Evan. Sein Gesicht mit der langen Narbe, die sich quer über das linke Auge zog, hatte nun einen vollkommen ernsten Ausdruck angenommen. Ein seltener und beeindruckender Anblick, weil er sonst fast immer zu Scherzen aufgelegt war.

      „Was weißt du?“, drängte Alex.

      Evan stellte sein Glas ab und zeigte auf seine Narbe. „Ich habe euch doch mal erzählt, dass ich mir die zugezogen habe, als ich mit Christopher in einer verlassenen Unterkunft der Duellakademie rumgeschlichen bin. Aber ich habe euch nie erzählt, warum ich das gemacht habe. Nun, ich war auf der Suche nach Aufzeichnungen über eine alte Legende, die ein ehemaliger Lehrer angefertigt hat.“

      „Und hast du sie gefunden?“, hakte Alex nach.

      Evan nickte. Er lehnte sich im Sessel zurück und legte seine Finger aneinander, was Alex unweigerlich an Mr. Steele erinnerte. „Der Legende nach hat es vor hunderten von Jahren schon einmal Menschen gegeben, die von mächtigen Wesen, sogenannten Titanen, auserwählt wurden und von ihnen übermenschliche Kräfte überreicht bekommen haben.“

      „Und du glaubst, dass es wahr ist und dass es jetzt wieder passiert?“, fragte Alex skeptisch.

      „Zunächst habe ich es natürlich nicht geglaubt“, gab Evan zu. „Aber dann habe ich Richard getroffen und er hat mir von seinen Kräften erzählt. Und eine bessere Erklärung fiel mir einfach nicht ein…“

      Eine kurze Pause entstand, während der alle Eistee tranken. Dann fiel Alex jedoch siedend heiß noch etwas ein: „Moment… Sagtest du Titanen?“
      Sie kramte nach ihrem Deck und holte ihre Karte Phönix der Wiedergeburt hervor. Ein Titanen-Monster, das sie zeitgleich mit ihren Kräften erhalten hatte und das sie jetzt auf den Tisch legte. „Wie in Titanen-Monster?“

      Evan nickte abermals. „Tatsächlich glaube ich, dass auch die Kartendesigner von Steele Industries von der Legende gehört hatten und ihre neue Beschwörungsart danach benannt haben. Denn der Legende nach gab es für jedes Element einen mächtigen Titanen, der dieses zu kontrollieren wusste. Die Erfinder der Titanen-Monster hielten dies wohl für passend, weil die Titanenbeschwörung auf den Attributen der Materialien basiert.“

      Plötzlich wurde Evan von Lily unterbrochen: „Wenn es einen Titanen für jedes Element gibt, heißt das, es gibt noch mehr, die so sind wie Alex und Richard?“

      Evan bestätigte dies wortlos.

      „Wie viele sind es?“, fragte Alex wissbegierig.

      „Nun, die Legende nennt tatsächlich keine genaue Zahl“, erklärte Evan. „Aber es ist ausdrücklichen von den Elementen die Rede. Da die Legende sehr alt ist, sind damit wahrscheinlich die vier antiken Elemente gemeint: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Du bist das Feuer. Richard die Erde“, er sah die beiden nacheinander an und Richard nickte als Zeichen der Kenntnisnahme, „somit müssten Wasser und Luft immer noch da draußen sein.“

      „Aber wenn wir von den Titanen auserwählt wurden…“, fing Alex an nach einer weiteren kurzen Pause mit dem Blick auf ihrem Phönix der Wiedergeburt auf dem Tisch an. Sie war immer noch skeptisch. „Heißt das, wie wurden von einer Karte auserwählt?“

      „Nicht ganz“, antwortete Evan. „Viel eher glaube ich, dass die Karten, die ihr erhalten habt, dein Phönix der Wiedergeburt und Richards Metallrüstungs-Drache, Inkarnationen der jeweiligen Titanen sind. Weil sie euch nicht in ihrer wahren Form erscheinen können, haben sie die physische Form einer Waffe angenommen, die euch beiseite steht. Und als Duellanten sind eure Waffen nunmal die Karten.“

      „Aber warum wir?“, fragte Alex und sprach damit die Frage aus, die sie schon das ganze Gespräch über plagte. „Warum Richard und ich? Es gibt doch Milliarden von Menschen. Was macht uns so besonders?“

      „Ich glaube, die Antwort darauf weißt du selbst“, entgegnete Evan ruhig und demonstrierte damit wieder seine Eigenart, den Lehrer zu spielen. „Ihr beide habt anderen Menschen unter Einsatz eures eigenen das Leben gerettet. Ihr habt in der Vergangenheit schon Heldenmut bewiesen. Und darüber hinaus verfügt ihr anscheinend über gewisse Eigenschaften, die euch in den Augen der Titanen als für eure Mission geeignet ausweisen.“

      Alex spürte, wie sie allmählich den entscheidenden Teil erreichten. „Was für eine Mission?“, hauchte sie.

      Evan zögerte. „Nun, der Legende nach haben sich die Titanen zusammengeschlossen, um zusammen mit ihren Auserwählten ihren gemeinsamen Feind zu bekämpfen…“

      Alex öffnete den Mund, aber dann schnitt ihre Mutter ihr das Wort ab. Es war das erste Mal, dass sie sich am Gespräch beteiligte und ihre Stimme klang sehr streng: „Kämpfen? Hat sie denn nicht schon genug gekämpft? Hat sie denn nicht schon genug durchgemacht?“

      Evan schloss traurig die Augen. „Wirklich, es wäre mir lieber, wenn es nicht so wäre“, versicherte er. „Aber Alex’ Kräfte sind ein Zeichen! Wenn das, was die Legende sagt, zutrifft, dann ist eine Aufgabe für sie vorgesehen! Ich weiß nicht, wann es zum Kampf kommen wird, ich weiß nicht einmal, ob es überhaupt dazu kommen wird. Aber sollte es dazu kommen, dann ist es wichtig, dass sie über ihre Bestimmung bescheid weiß! Und dann ist es allein ihre Entscheidung, ob sie ihr nachkommen will oder nicht. Aber zuerst müssen wir alle Auserwählten finden und vereinen. Denn die Legende sagt Eindeutig, dass die Auserwählten nur gemeinsam eine Chance haben.“

      Alex’ Mutter wirkte nicht überzeugt. Sie wollte gerade etwas sagen, aber diesmal war es an Alex, sie zu unterbrechen.
      „Was ist das für ein Feind?“, fragte sie eindringlich. Es war wie mit einer Hydra: Für jede Frage, die Evan beantwortete, entstanden zwei neue in Alex’ Kopf.

      „Der Legende nach ist es eine Kreatur namens Azathoth. Ein unsichtbares, gottähnliches Wesen, das seit Jahrtausenden über die Erde wacht. Vor knapp fünfhundert Jahren, als laut der Legende die ersten Auserwählten auftauchten, befand sich die Welt in einer Zeit des Umbruchs. Die technisch überlegenen Völker sind über die Meere gereist, um den Rest du Welt zu unterwerfen. Millionen von Menschen wurden damals im Namen von sinnlosen Ideologien versklavt und getötet. Offenbar hat Azathoth damals die Menschheit für ihrer Existenz nicht würdig gehalten und versucht, sie auszurotten. Schreckliche Seuchen brachen aus, aber den Titanen gelang es mit ihren Auserwählten, Azathoth aufzuhalten und seine Kräfte zu versiegeln.“

      Alex ließ niemand anderem die Zeit, etwas zu sagen, sondern fragte unablässig weiter: „Aber warum gibt es jetzt wieder Auserwählte?“

      „Ich glaube, du bist die letzte, der ich erklären muss, welche Grausamkeiten die Menschen einander immer noch antun“, antwortete Evan düster. „Aber nicht nur das: Die Menschheit ist gerade kurz davor, sich und ihren Planeten mit Kriegen und Ausbeutung der Natur selbst zu vernichten. Vielleicht fürchten die Titanen, Azathoth könnte wieder an Kraft gewinnen und einen weiteren Versuch unternehmen, die Menschen für ihr Treiben zu bestrafen…“

      Es entstand eine ehrfürchtige Pause, während der Alex’ Mutter immer noch höchst kritisch wirkte, aber nichts sagte. Dann fielen Alex aber plötzlich die alltäglichen Folgen ein, die dieses neue Wissen mit sich brachte.
      „Aber wir sollen wir uns zusammen vorbereiten, wenn Richard doch morgen wieder zur Duellakademie fliegt?“

      Evan nickte Richard zu, damit dieser die Frage selbst beantwortete.
      „Ich gehe nicht mehr an die Duellakademie“, sagte er kühl und es war das erste Mal seit langem, dass er sprach. „Ich werde, so lange ich noch schulpflichtig bin, deine Schule besuchen.“

      Alex fühlte sich schuldig. Sie wollte nicht, dass er seine Bildung wegen ihr hinschmiss.

      „Es ist nicht wegen dir“, stellte Richard klar, der offenbar aus Alex’ Gesicht erkannt hatte, was sie dachte. Aber an seinem Tonfall spürte Alex, dass er dies nicht sagte, um ihre Schuldgefühle zu lindern. Viel mehr wollte er ihr klarmachen, dass sich nicht alles in seinem Leben nur um sie drehte. „Es ist wegen unserer Mission.“

      „Und was ist mit deinem Vater?“, fragte Alex besorgt.

      „Ich habe einen Antrag auf vorzeitige Volljährigkeit gestellt“, erklärte Richard, der seinem verhassten Vater den Rücken gekehrt hatte, um Alex zu beschützen. „Wenn er durch ist, bin ich ein freier Mann. So lange wohne ich bei Evan.“

      Er erklärte die genauen rechtlichen Details nicht weiter und Alex interessierten sie auch nicht. Sie fühlte sich nach wie vor schuldig für all die Veränderungen in Richards Leben.
      Eine lange Pause entstand, während der Richard und Evan ihre Gläser leerten.
      „Also…“, sagte Evan wieder lächelnd und klopfte sich auf die Oberschenkel. „Ich glaube, das war’s erstmal. Du hast jetzt bestimmt eine Menge, worüber du nachdenken musst. Ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.“

      Er stand auf und Richard tat es ihm gleich.

      „Warte“, rief Alex Evan hinterher, der sich noch einmal umdrehte.
      „Wenn dieser Azathoth wie ein Gott ist, wie soll er dann jemals besiegt werden?“, fragte sie besorgt.

      Evans Gesicht wurde wieder ernst. „Ich weiß es nicht“, gestand er. „Vielleicht ist es unmöglich. Aber es gibt eins, was ihn von den Menschen unterscheidet: Er war schon immer allein. Er weiß nicht, was für eine Macht es bedeuten kann, wenn mehrere Menschen zusammen arbeiten. Diese Fähigkeit, einander zu vergeben und zu unterstützen wird der Schlüssel sein. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir schnell alle Auserwählten versammeln, damit wir uns gemeinsam vorbereiten können…“
      Dateien

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

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      Kartenliste
      Alex:

      - Glaubensvogel
      - Fushi No Tori
      - Windsturm der Phönixflügel
      - Instantfusion
      - Mavelus
      - Hiita mit ihrem Vertrautem

      Lily:

      - Sendbotin der Rätsel - Erde
      - Sendbotin der Schöpfung - Venus
      - Regenbogen-Kuriboh
      - Kugel des mystischen Scheins (3x)
      - Herold des Bogenlichts (=Herold des Regenbogenlichts)
      - Waboku
      - Herold der Vollkommenheit (=Herold des vollkommenen Lichts)
      - Dämmerung des Herold
      - Iris, die Erdmutter
      - Herold des reinen Lichts

      Neue Karten:

      - Phönix der Wiedergeburt

      Monster / Titan / Effekt / Feuer / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2500 Atk / 2000 Def

      Während des Spielzugs eines beliebigen Spielers, wenn diese Karte gegen ein Monster kämpft, dessen ATK höher sind als die ATK dieser Karte; du kannst Life Points in Höhe der Differenz bezahlen und wenn du das tust: Diese Karte nur während des Damage Steps ATK in Höhe der Menge an Life Points, die du bezahlt hast. Während der End Phase eines beliebigen Spielers, wenn sich diese Karte in deinem Friedhof befindet, weil sie in diesem Spielzug durch Kampf zerstört und dorthin gelegt wurde; Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung vom Friedhof beschwören.

      - Sturmvogel

      Monster / Titan / Effekt / Wind / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2100 Atk / 1700 Def

      Du kannst eine offene Karte auf dem Spielfeld wählen; mische das gewählte Ziel ins Deck zurück. Du kannst diesen Effekt von "Sturmvogel" nur einmal pro Spielzug aktivieren. Diese Karte kann in dem Spielzug, in dem du diesen Effekt aktivierst, nicht angreifen.

      - Rückenwind

      Normale Zauberkarte

      Wähle 1 offenes Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer, das du kontrollierst; in diesem Spielzug kann das gewählte Ziel deinen Gegner direkt angreifen, aber andere Monster, die du kontrollierst, können keinen Angriff deklarieren.
      Preview: Kapitel 2.2 - Die Fremde im Spiegel
      Zurück an der Schule erlebt Alex die schlimmste Zeit ihres Lebens. Nach ihrem öffentlichen Geständnis wird sie als Schlampe und Betrügerin verhöhnt, Richard zeigt ihr die kalte Schulter und sie zerstreitet sich mit Mia, was dazu führt, dass sie im Klo beinahe einen Nervenzusammenbruch erleidet. Darüber hinaus bekommt sie Ärger mit dem neuen Schulleiter, einem alten Freund von Mr. Steele, der es scheinbar auf sie abgesehen hat...

      So, das war's erstmal wieder. Wie immer vielen Dank an alle Leser, ich hoffe, es hat euch gefallen. Bis zum nächsten Mal ;)

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      Serie 1 / Serie 2

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Leseleff ()

      So. Ich gebe mal nur ein paar wenige Worte zu den aktuellen Kapiteln:
      Special

      Im Grunde recht gut gemacht. Ok. Die Phase in der verlassenen Unterkunft war zwar etwas mager ausgebaut/meine Erwartungen waren etwas höher, weshalb das nicht so gut rüberkam. Irgendwie war es nicht "gruselig" genug. Aber hier ist es wohl etwas der persönliche Geschmack.
      Zudem fand ich einige Worte von Christopher etwas schwächlich, nach seinem Unfall, was mir etwas die Glaubwürdigkeit nahm. Schließlich würde man wohl wirklich klagen, wenn man es ihm androht, das geklagt werden würde. Zwar erklärst du das damit, das es ihm nicht um seine Verletzung geht, doch habe ich das Gefühl, dass das mit seinem auge trotzdem noch irgendwo ein Grund war. Nur der Liebe wegen wäre mir aus logischer sicht zu wenig begründung. aber auch hier wieder eigene Meinung.


      Chapter 2.1

      Also eins vorweg: die fantasy-Story ist nicht schlecht, aber ist auch nicht der Burner(halt die typische 0-8-15-Story. Könnte man wohl in die selbe Kategorie wie "Bösewichte bei YGO, die immer nach dem selben Schema aufgebaut sind" stecken. Denn alle "kriterien" wurden erfüllt. Fehlt nur noch, das eine Person wie Lily auch eine der Titanen-"Hüterin" wäre. dann wären alle klischees bedient XD. Nur fehlt mir da noch das Attribut. wobei man das ja wie alex einfach integrieren kann. sie hatte vorher ja auch kaum welche von dem passenden Attribut). Wobei das ja auch nicht schlimm ist. Finde nur lustig: ich hätte genau das gegenteil gesagt: Fantasy-Story ist leichter als Realstory, weil man mehr freiheiten hat. Aber auch hier wohl wieder persönlciher stil.
      Was mir weniger gefällt: Richard spricht doch noch recht ungezwungen mit Alex. Und in deiner Preview steht dann etwas von totaler ausgrenzung. Also kommt es entweder davon, das du es in der Preview heftiger geschrieben hast, als es nachher wird, oder es ist nachher wirklich so irreal abstrakt.


      Klingt zwar alles jetzt sehr negativ, aber sind diese halt in diesem Kapiteln besonders auffällig gewesen. Zumindest war es das erste, woran ich mich noch erinnern konnte...



      Tauschbörse YGO
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      Spieler aus Hameln/Minden und Umgebung?:
      ygohameln@gmail.com
      @Deckcreator
      Danke für den Kommentar. Dass er etwas kritischer geraten ist, ist nicht schlimm. Das kenne ich ja von dir nicht anders ;)

      Zum Special: Mit der Unterkunft stimme ich dir zu. Die Frage ist, ob man sowas überhaupt "gruselig genug" darstellen kann. Ein versierter Horror-Autor vielleicht, ich nicht.
      Etwas verteidigen möchte ich jedoch meine Darstellung von Christopher. Dass er das mit der Klage nicht durchzieht, halte ich für völlig realistisch. Ich selbst habe irgendwann im Sportunterricht mal eine Verletzung erlitten, an der im Grunde ein Mitschüler schuld war. Er hat eine Bank umgestoßen, auf der ich balancierte. Ergebnis: Bänderriss. Der Typ hatte zwar wohl nicht beabsichtigt, mich zu verletzen, aber im Grunde schon vorsetzlich gehandelt. Ich hätte Grund gehabt, ihn zu verklagen, hab es aber auch nicht gemacht. Man stellt sein eigenes Handeln in Frage (Warum habe ich es überhaupt dazu kommen lassen?), hat keine Lust auf Scherereien und außerdem wirkt eine Klage immer ein wenig "unehrenhaft". Und der Typ war nicht mal mein Freund. Ähnlich wird auch Christopher gedacht haben, mit dem Zusatz, dass er auch seinem alten Freund nicht in den Rücken fallen wollte. Schließlich kann der Richter sein Auge auch nicht wiederherstellen und Geld hat Christophers Familie genug.
      Was seine Motivation angeht, die Freundschaft zu beenden: Natürlich spielt das Auge auch eine Rolle. Im Grunde sind sein Ärger über das Auge und sein gebrochenes Herz aber beides nur die sichtbaren Symptome von etwas, das viel tiefer liegt. Es ist die Eifersucht auf Evan, die die Freundschaft vergiftet hat. Evan ist einfach ein totaler Siegertyp. Er trägt von dem Unfall nur eine Narbe davon, Christopher verliert sein ganzes Auge. Evan kriegt ohne große Bemühungen die ganzen Mädels, während Chris sich nicht mal traut, sie anzusprechen. Seine Prüfungsergebnisse sind fast genau so gut wie die von Chris, er lernt jedoch so gut wie nie. Und der bessere Duellant ist er auch. Das alles wurde Chris einfach irgendwann zu viel, sodass er nicht mehr länger mit Evan befreundet sein konnte.

      Zum 2.1: Mit der Fantasy-Story bestätigst du im Prinzip meine Vermutung. Meine Stärken liegen halt woanders, deshalb wird es für die Fantasy- und Horror-Elemente immer Abzüge in der B-Note geben. Na ja, mit "08/15-mäßig" kann ich leben. Das ist eigentlich auch, was ich an Fantasy-Storys schwierig finde: Sie wirken schnell mal irgendwie "ausgelutscht", es ist schwierig, etwas Besonderes zu schaffen. Aber vielleicht kann ich doch noch ab und an überraschen und selbst wenn nicht: Die Fantasy-Elemente waren nie das Herz meiner Fanfic und werden es auch weiterhin nicht werden.
      Zu Richard: Vielleicht habe ich das in der Preview etwas irreführend formuliert. Von "totaler Ausgrenzung" war aber eigentlich nie die Rede, sondern nur von "die kalte Schulter zeigen". Vielleicht habe ich damit eine falsche Erwartungshaltung geschaffen, gemeint war es eigentlich anders. Bisher hat sich Richards Verhalten Alex gegenüber dadurch definiert, dass er einfach total verknallt in sie war. Er hat sie immer in Schutz genommen und nur das Gute in ihr gesehen. Diese rosarote Brille ist es jetzt verschwunden und er sieht sie, wie sie wirklich ist. Vielleicht wird das ja etwas deutlicher, wenn sie wieder in der Schule sind. Hier im ersten Kapitel sind ja auch noch Evan und Lily anwesend, vor denen Richard sich Alex gegenüber freundlicher verhalten muss. Schließlich sind sie ja ab jetzt irgendwie gezwungen, zusammen zu arbeiten.

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      ​Das Duel mit Lilly fand ich ja ganz putzig und bin mir sicher in 5 Jahren hat sie Alex eingeholt XD. Finde es aber Schade das Alex sich am Ende doch gegen den Senior aufgibt. Hätte erwartet das sie bis zum bitteren Ende kämpft. Weil echte Beweise hat er ja nicht. Und sogar 1-2 Fehler gemacht. (Jemanden in ne Fake Story einbinden ohne das er das weiß kann sehr schnell nach Hinten losgehen.) Rest der Folge war mehr oder weniger im voraus klar.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      @WiR: Danke für den Kommentar. Was die Sache mit Mr. Steele angeht: Ich kann es Alex hier schon irgendwie nachempfinden (Klar, schließlich habe ich das alles geschrieben...). Sie wollte einfach ihre Ruhe haben. Lilys Rettung hing wegen des Vermögens ihres Vaters nicht mehr vom Turniersieg ab und ich denke, wenn man andernfalls in ständiger Angst leben muss, Mr. Steele und seine Handlanger könnten ihr oder ihrer Familie irgendetwas antun, klingt das Angebot "Gestehe und wir lassen dich in Ruhe" durchaus verlockend. Noch weiß sie ja nicht, wie sehr sie darunter leiden wird.
      Aber sei beruhigt: Die Akte Mr. Steele ist noch lange nicht abgehakt, auch wenn er jetzt erstmal in den Hintergrund rückt.

      So, jetzt geht's endlich mit dem nächsten Kapitel weiter. Viel Spaß!

      Kapitel 2.2 - Die Fremde im Spiegel
      Am nächsten Morgen würde die Schule wieder beginnen. Alex traf sich wie üblich an einer Straßenkreuzung mit Mia, um den Rest des Weges mit ihr zusammen zurückzulegen. Lily war nicht bei ihnen. Sie hatte erst noch ein Jahr an der Grundschule zu absolvieren, bevor sie an die selbe Schule wie Alex gehen würde. Die jedoch würde dieses Jahr ihr vorletztes Schuljahr überhaupt beginnen.
      Alex begrüßte Mia, die angestrengt versuchte, ihren Regenschirm so gegen den Wind zu halten, dass er sich nicht umstülpte. Das Wetter hatte sich immer noch nicht gebessert. Es regnete in Strömen und ein starker Wind wehte.
      Obwohl Mia Alex tagelang nicht gesehen hatte, nachdem deren Familie bei ihr zu Hause ausgezogen war, wirkte sie nicht erfreut, ihre Freundin zu sehen. Aus irgendeinem Grund wirkte sie bedrückt.
      Aber Alex hatte jetzt keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Die Kapuze ihrer blauen Regenjacke mit der linken Hand festhaltend, damit sie ihr nicht vom Kopf wehte, erzählte sie Mia alles, was Evan am vorigen Tag gesagt hatte. Doch Mia war weder aufgeregt noch besorgt. Tatsächlich war sie äußerst kurz angebunden und wirkte nur milde interessiert. Strammen Schrittes ging sie in Richtung Schule, um möglichst schnell anzukommen. Es war, als hätten sie und Alex ihre Persönlichkeiten getauscht.
      Alex, der das Verhalten ihrer Freundin vollkommen suspekt war, schluckte, als das Schulgebäude in Sichtweite kam. Insgeheim grauste es ihr vor der Rückkehr in die Schule. Zum ersten Mal, seit sie das Geständnis abgelegt hatte, würde sie gezwungen sein, über einen längeren Zeitraum in der Öffentlichkeit zu bleiben.
      Das machte sich auch sofort bemerkt. Kaum hatten sie und Mia das trockene Gebäude betreten, schon starrten dutzende Augenpaare sie an.
      Alex erwiderte jeden neugierigen Blick feindselig und ging Mia voran in einen Gang voller Spinde, der noch voller war als die Eingangshalle. Auch hier wurde sie von allen Seiten angestarrt und Gruppen von Mädchen und jüngeren Schülern steckten die Köpfe zusammen, um zu tuscheln. Ein paar der älteren Jungs hingegen pfiffen oder schnalzten kokett mit der Zunge, als sie vorbei ging.

      Alex schritt den Blick starr nach vorn gerichtet weiter, entschlossen, ihnen keinerlei Beachtung zu schenken. Dies misslang ihr jedoch, als sie am Ende des Ganges auf mehrere von Devons ehemaligen Kumpels traf.

      „Hey Leute, seht’ mal, Phoenix ist da!“, höhnte Gary, groß, dick und dumm, wobei er die Arme zu Flügeln formte, um damit zu flattern und das Gackern eines Huhns nachzuahmen. Alex wirbelte herum und wollte ihre Hand in Flammen aufgehen lassen, wurde jedoch von Mia aufgehalten.

      „Lass ihn…“, zischte sie ihr zu und wollte weitergehen.

      „Hey Whitman“, meldete sich Malcolm, selbst schadenfroh gackernd, zu Wort. Wie immer bewies er eine wahnsinnig große Klappe für einen Jungen, der kleiner war als die meisten Mädchen in seinem Jahrgang, einschließlich Alex. Er holte eine seltene Karte von seinem Deck hervor und zeigte sie Alex. „Was kriege ich denn für die hier?“

      Alex machte gerade zornig den Mund auf, um Malcolm vorzuschlagen, wo er sich die Karte ihrer Meinung nach hinstecken konnte, da hörten Gary und Malcolm plötzlich auf zu lachen und drückten sich mit den Rücken gegen die Spinde hinter ihnen, eingeschüchtert auf einen Fleck über Alex’ Schulter starrend.

      Richard kam auf sie zugeschritten. Er war größer als sie alle und hatte seinen finstersten Blick aufgesetzt.

      „Komm“, sagte er im Vorbeigehen unfreundlich zu Alex, die Gary und Malcolm noch einen letzten, vernichtenden Blick zuwarf und ihm dann folgte. Mia hatte unterdessen schon zu Richard aufgeschlossen und löcherte ihn mit Fragen darüber, warum er immer noch hier sei, woraufhin Richard ihr das gleiche erzählte, was er am Tag zuvor schon zu Alex gesagt hatte.
      Als sie zu dritt weiter durch den Gang gingen, starrten die anderen Schüler Alex und Richard zwar immer noch an und tuschelten wild miteinander, aber in seiner Gegenwart wagte es niemand mehr, Alex direkt zu verspotten.

      „Wenn die so weitermachen, fallen ihnen noch die Augen aus“, meinte Richard düster, während er weiterging, ohne all den Gaffern Beachtung zu schenken.

      „Also ist es bei dir genau so?“, fragte Alex mitfühlend. Die seltsame, schweigsame Mia trottete einige Meter hinter ihnen her und warf dabei immer wieder verstohlene Blicke über die Schulter.

      Richard zuckte mit den Schultern. „Was denkst du denn? Über mich haben die doch genau so viel gebracht wie über dich. Aber mit mir haben die meisten Mitleid. Ich bin das Opfer in der Geschichte, die sie über uns verbreitet haben, schon vergessen?“

      Die drei hatten ihr Ziel, den breiten Gang vor dem Lehrerzimmer, erreicht. Gegenüber diesem waren drei große Pinnwände aufgestellt, jeweils von Vorder- und Rückseite mit Informationen für einen anderen Jahrgang behangen, an denen die Schüler die Stundenpläne für das neue Schuljahr sowie Listen der einzelnen Kurse und ihrer Teilnehmer finden konnten.
      Obwohl das alles auf den ersten Blick recht kompliziert wirkte, hatten Alex und Mia, für die es jedes Jahr die gleiche Prozedur war, herausgefunden, dass sie an diesem Tag als Erstes zusammen Englisch haben würden, kaum waren sie an der Pinnwand für die elfte Klasse angekommen.
      Ihre eigentliche Aufmerksamkeit galt aber einem großen Zettel in der Mitte der Pinnwand, auf dem die Schüler in dicken, schwarzen Buchstaben darauf hingewiesen wurden, dass sie sich vor Unterrichtsbeginn in der Aula einfinden sollten. Identische Zettel hingen auch an den Pinnwänden der übrigen Jahrgangsstufen.

      „Was es wohl so groß anzukündigen gibt?“, überlegte Alex laut. Aber Mia zuckte nur desinteressiert mit den Schultern. Und so nahmen die Beiden zusammen mit Richard, der seinen Stundenplan offenbar schon vorher überprüft und an eine quadratische Säule gelehnt auf sie gewartet hatte, eine Abkürzung durch einen schmalen Gang, dessen anliegende Räume voller Kopierer und Reinigungsuntensilien waren, und gingen zur Aula.
      Diese war schon voll mit dicht aneinander gedrängt stehenden, durchnässten Schülern. Es war furchtbar heiß und schwül, sodass Alex als erstes ihre Jacke auszog.

      Offenbar waren sie gekommen, um einen neuen Lehrer zu begrüßen, der bereits am anderen Ende der Halle auf der Bühne stand.
      Er war etwa fünfzig, trug einen Pullunder mit Hemd unter einem dunkelbraunem Jackett und eine eigenartige Kopfbedeckung, einer Baskenmütze nicht unähnlich, ruhte auf seinem schütteren grauen Haar. Die kalten, grauen Augen hinter seinen runden Brillengläsern glitten aufmerksam über die Schülerschar. Auf Alex wirkte er wie ein konservativer Literaturprofessor.

      „Guten Morgen, Schüler“, sagte er mit einer klaren, herrischen Stimme in sein Mikrofon. Er sprach nicht laut, aber trotzdem konnte man jedes Wort verstehen. Es war beeindruckend, wie souverän er eine riesige Menge pubertierender Schüler ruhig halten konnte. „Mein Name ist Jeremy Rosenthal. Ihr neuer Schulleiter.“

      „Schulleiter? Schulleiter?“, das Wort hallte durch den Saal, als gäbe es ein Echo.
      „Und was ist mit Mr. Timothy?“, flüsterte Abigaile Nolan wenige Reihen vor Alex und Mia ihrer Freundin Natasha zu.

      „Die Einzelheiten können wir dann klären, nachdem wir uns anständig begrüßt haben. Ich wiederhole also: Guten Morgen, Schüler“, entgegnete der neue Lehrer auf der Bühne, dem offenbar kein Wort entgangen war, höflich, aber in seiner herrischen Stimme lag definitiv Gefahr. Ein paar Schüler raunten ihm daraufhin eine halbherzige Begrüßung entgegen.

      Der Mann auf der Bühne zog daraufhin missbilligend eine dünne Augenbraue hoch.
      „Ich denke, das können wir besser“, sagte er. „Meine Aufgabe ist es, Ihnen Respekt zu lehren. Deshalb erwarte ich, dass sie mich mit „Guten Morgen, Mr. Rosenthal“ ansprechen.“

      „Guten Morgen, Mr. Rosenthal“, sagten die Schüler daraufhin steif im Chor. Den meisten missfiel es, so herumkommandiert zu werden.
      So auch Alex, die, während sie den neuen Schulleiter begrüßte, voller Abneigung zu ihm hinauf starrte. Sie wurde jedoch von Richard abgelenkt, der einige Meter weiter gestanden hatte, sich dann aber stumm zu ihr durchgekämpft hatte, sodass er nun direkt hinter ihr stand.

      „Ich kenne ihn“, zischte Richard ihr ins Ohr. „Er ist ein alter Freund von meinem Vater.“

      „Was?“, entgegnete Alex entsetzt und wirbelte herum. Ein Freund von Mr. Steele als Leiter ihrer Schule klang überhaupt nicht gut…

      Doch Richard bekam keine Gelegenheit, darauf zu antworten, weil Rosenthal in diesem Moment wieder angefangen hatte, zu sprechen: „Schon besser“, urteilte er und seine schmalen Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. „Nun, Mr. Timothy, Ihr alter Schulleiter, hat zum Ende des letzten Schuljahres sein Amt niedergelegt. Und ich werde Ihnen nicht den Grund dafür verheimlichen. Ihre Leistungen sind, im Vergleich zu denen der anderen weiterführenden Schulen der Stadt, einfach erbärmlich schlecht…“

      Rosenthal machte eine Pause, während der er herausfordernd in die Schülerschar starrte. Niemand sagte etwas, um gegen die Anschuldigung zu protestieren, aber viele der Schüler warfen ihm zornige Blicke zu.

      „Mr. Timothy war nicht mehr der Jüngste“, fuhr der Mann auf der Bühne fort. „Er hat sich der großen Herausforderung, die es bedeutet hätte, diese Schule auf Vordermann zu bringen, offenbar nicht mehr gewachsen gefühlt und sich in einen wohlverdienten vorzeitigen Ruhestand niedergelassen. Im Folgenden war das Bildungsministerium offenbar der Meinung, ich sei eher geeignet für diese Aufgabe.“

      Er machte erneut eine Pause, während der er selbstzufrieden lächelte. Als er schließlich wieder sprach, hatten seine Worte den auswendig gelernten Tonfall einer vorbereiteten Rede: „Ordnung und Disziplin sind Werte, die an dieser Schule bisher immer vernachlässigt wurden. Ich werde daher alles in meiner Macht stehende unternehmen, um eine Rückkehr zu diesen alten Werten zu erreichen. Denn sie sind essenziell für einen guten Lernfortschritt. Und nur, wer Disziplin beherrscht und eifrig lernt, kann jemals den hohen Ansprüchen gerecht werden, die unsere Gesellschaft an junge Menschen stellt, und es wirklich zu etwas bringen.“

      Bei diesen Worten zeichnete sich wieder ein schmallippiges Lächeln in seinem Gesicht ab. Als er weitersprach, klang es nicht mehr ganz so einstudiert: „Und das ist es schließlich, was wir alle wollen, nicht wahr? In der Vergangenheit, so hatte ich den Eindruck, haben viele von Ihnen den Unterrichtsstoff aus den Augen verloren und sich stattdessen lieber anderen Aktivitäten hingegeben. Entsprechend litten ihre Leistungen darunter. Schuld daran war, wie Ihnen gewiss bewusst ist, ein bestimmtes Spiel. Viele von Ihnen haben sich statt ihrer Ausbildung voll und ganz diesem Spiel gewidmet, in der naiven Hoffnung, eine Zukunft als Profi könnte sie erwarten. Aber damit soll ab Heute Schluss sein! Deshalb ist das Tauschen, Spielen oder sonstige Beschäftigen mit Duel Monsters-Karten während der Schulzeit an dieser Schule mit sofortiger Wirkung untersagt…“

      Weiter kam er nicht. Wie ein wütender Bienenschwarm fingen die Schüler im Chor mit ihren Beschwerden über diese neue Regel an, was eine ohrenbetäubende Lautstärke annahm.

      „Ruhe!“

      Der Laut, gemischt mit dem widerlichen Quietschen eines überforderten Mikrofons, durchschnitt die Luft wie ein Peitschenschlag. Die Schüler gehorchten und starrten hinauf zur Bühne, verblüfft, dass Rosenthal, nachdem er bisher immer so leise gesprochen hatte, auch dazu in der Lage war, so laut und eindrucksvoll zu schreien.

      „Es wird noch einige weitere neue Regeln geben, aber dies ist, denke ich, die Wichtigste. Die neue Schulordnung wird ab Morgen vor dem Lehrerzimmer aushängen. Und ich rate Ihnen dringend, sich Zeit für diese Lektüre zu nehmen, denn wer der Schulordnung zuwider handelt, wird ohne Wenn und Aber bestraft.“

      Er machte eine weitere Pause, um diese Drohung wirken zu lassen und ließ dabei seinen Blick über die Schar der in der Aula versammelten Schüler schweifen, fast schon suchend. Und Alex hätte schwören können, dass sein Blick eine Sekunde länger an ihr haften blieb als an den anderen…

      „Ich denke, das war alles“, sagte Rosenthal im abschließenden Tonfall auf der Bühne. „In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen angenehmen Schultag und einen guten Lernfortschritt. Auf Wiedersehen.“

      Mit einem weiteren freudlosen Lächeln verließ Rosenthal die Bühne und lärmend löste sich die Schülerschar in der Aula auf. Fast alle ließen ihrem Unmut über das neue Duellverbot mit einer Menge unschmeichelhafter Wörter für den neuen Schulleiter freien Lauf. Aber Alex blieb wie zu Stein erstarrt stehen. Auch wenn es ihr bisher nicht richtig bewusst gewesen sein mochte: Sie hatte Rektor Timothy immer gut leiden können. Der freundliche, alte Mann, der gerne einmal großzügig ein Auge zugedrückt und der stets eine kindliche Freude an Duellen gehabt hatte. Eins war sicher: Unter diesem Rosenthal würden sich einige Dinge ändern. Und nicht zum Guten…
      Doch nicht nur das: Alex wurde das Gefühl nicht los, dass ihr alter Schulleiter, sollte Rosenthal wirklich ein Freund Mr. Steeles sein, nicht komplett aus eigenem Willen zurückgetreten war. Und dass es ganz bestimmt einen Grund gab, dass ausgerechnet Rosenthal den Posten übernommen hatte, den er sicher nicht nur seiner Qualifikation zu verdanken hatte…

      Als Alex aus diesen düsteren Gedanken erwachte, war die Aula schon halb leer. Sie sah sich nach Mia um, doch die war im Gewirr fluchender Schüler verschwunden. Deshalb drehte sie sich in Richtung Richard um, stellte aber fest, dass dieser ein paar Meter weiter von Natasha, Abigaile und Christie in Beschlag genommen wurde.

      Da sie nun wirklich nicht dabei zusehen wollten, wie diese ihn „trösteten“, machte Alex sich alleine auf den Weg aus der Aula, auf der Suche nach Mia.
      Sie fand ihre Freundin dann auch recht rasch, zusammen mit deren Freund Nick in einem wenig genutzten Korridor. Kichernd und schmatzend standen die Beiden da, eng ineinander verschlungen.
      Die beiden hatten schon oft in Alex’ Gegenwart rumgeknutscht, deshalb drehte sie nicht um, um den beiden ihre Privatsphäre zu gewähren. Insgeheim war es ihr jedoch immer noch äußerst unangenehm, deshalb hielt sie einen großzügigen Diskretionsabstand ein und wandte ihren Blick ab, während sie darauf wartete, dass sie fertig wurden.

      Mit einem lauten Schmatzen lösten die beiden sich schließlich voneinander und bemerkten Alex’ Anwesenheit.

      „Kann ich dir irgendwie helfen?“, fragte Nick unfreundlich, dabei Mias Hand haltend.

      „Was? Ich… äh, nein…“, stammelte Alex perplex.

      „Gut. Dann verschwinde“, gab Nick grob zurück.

      Alex verstand die Welt nicht mehr. Sie blickte hilfesuchend in Richtung Mia, die ließ jedoch betreten ihren Kopf hängen und starrte ihre Turnschuhe an.

      Plötzlich breitete sich ein freudloses Lächeln auf Nicks hübschem Gesicht aus. „Moment… Dachtest du etwa ernsthaft, dass wir immer noch Freunde wären?“

      Alex’ Gesicht versteinerte. „Was meinst du damit?“, fragte sie und in ihrer ruhigen Stimme lag mehr Gefahr als in jedem Schrei.

      Nick ließ Mias Hand los und stieß ein arrogantes Lachen aus, das gar nicht zu ihm passte. „Glaubst du etwa wirklich, ich hätte nicht mitgekriegt, was die über dich gebracht haben? Glaubst du, ich hätte die letzten zwei Wochen in einer Höhle gelebt? Hast du gedacht, ich wüsste nicht, was du Richard angetan hast?“

      Zorn stieg in Alex auf wie heiße Lava. „Sag bloß, du glaubst diesen Mist…“, entgegnete sie herausfordernd.

      Nick schnaubte verächtlich. „Oh, aber sicher. Alle Anderen lügen, nur du nicht, stimmt’s?“, spottete er. „Wahrscheinlich steckt sogar Mr. Steele hinter dieser ganzen Sache…“

      Alex wollte ihm nicht noch mehr Grund zum Spotten geben, indem sie wirklich behauptete, Mr. Steele stecke dahinter. Stattdessen beschloss sie, zurückzuschießen: „Also wenn du das wirklich glaubst, dann ist dir nicht mehr zu helfen. Dann bist du genau so dumm wie alle Anderen auch!“

      Nick schlang seinen muskulösen rechten Arm um Mias linken Unterarm und ballte die linke Hand zur Faust.
      „Wag’ es nicht, vor meiner Freundin so über mich zu reden!“, drohte er, das Gesicht rot vor Zorn.

      „Ich rede so über dich, wie es mir passt!“, schrie Alex zurück und sah dabei in das Gesicht des Jungen, mit dem sie sich immer gut verstanden hatte, mit dem sie eine Art Freundschaft verbunden hatte, und der jetzt ihr schlimmster Feind war. Dann fuhr sie Mia an: „Was ist eigentlich mit dir? Warum bist du immer noch mit diesem Stück Dreck zusammen? Los, sag’ ihm die Wahrheit!“

      Erschrocken blickte Mia auf, dabei unwillkürlich den Kopf schüttelnd. Sie wirkte eingeschüchtert und völlig überfordert. „Nick…“, sagte sie mit leiser, zurückhaltender Stimme. „Es ist nicht so, wie du denkst…“

      „Lass es“, unterbrach Nick sie beschützend und zog sie enger an sich heran. „Du brauchst dich vor ihr nicht zu rechtfertigen.“

      „Was… Nein…“, entgegnete Mia, die sich offenbar missverstanden fühlte, kleinlaut.

      „Woher willst du wissen, dass sie dich nicht auch angelogen hat?“, fragte Nick. „Glaubst du, sie hat dir vertraut? Glaubst du, sie war immer ehrlich zu dir?“

      Alex fühlte sich vor den Kopf gestoßen. Sie war halt von Natur aus nicht der ehrlichste oder vertrauensseligste Mensch. Das hatte doch nichts mit Mia zu tun!

      Die wirkte vollkommen aufgelöst. Man konnte richtig den Schmerz in ihrem Gesicht sehen, während sie verzweifelt zwischen dem Jungen, den sie liebte, und dem Mädchen, mit dem sie seit ihrer Kindheit befreundet war, hin- und hersah, gezwungen, sich für einen von beiden zu entscheiden.

      Mit hochgezogenen Brauen starrte Alex Mia an, wartete darauf, dass sie sich gegen Nick und für sie entscheiden würde…

      Ganz langsam, die Augen geschlossen, schüttelte Mia den Kopf. Für Alex war es wie eine Axt, die hinab sauste und ihren Hals durchtrennte.

      „Schön!“, schrie sie hysterisch. Sie war sich ziemlich sicher, dass das halbe Gebäude sie hörte, aber das war ihr egal. Sie starrte nur voller Abscheu ihre ehemals beste Freundin an, immer noch fassungslos über das, was gerade geschehen war. Ihre Augen füllten sich mit Tränen.
      „Ich brauch’ euch nicht! Ich brauch’ dich nicht als Freundin, du miese, kleine…“, sie machte schwer atmend eine Pause, auf der Suche nach einem Schimpfwort, das Mias Verhalten gerecht wurde.
      „Verräterin!“, schrie sie und ohne Nick oder Mia eines weiteren Blickes zu würdigen machte sie auf dem Absatz kehrt und stürmte davon.

      Natürlich wandten sich im breiteren, belebteren Flur, den Alex als nächstes durchquerte, sämtliche Köpfe nach ihr um. Sie alle mussten sie schreien gehört haben. Aber niemand versuchte, sie aufzuhalten oder zu trösten. Mit einer Mischung aus Angst und Neugier gafften sie dem rothaarigen Mädchen nach, das gegen die Tränen ankämpfend durch den Gang rannte, auf den schnellsten Weg ins nächstbeste Mädchenklo.
      Dort angekommen konnte sie es keine Sekunde länger halten. Sie klammerte sich an das erste Waschbecken und ihr ganzer Körper verkrampfte, schüttelte sich unter dem heftigen Schluchzen, das sie ausstieß.
      Sie wusste nicht, wann sie das letzte Mal so geweint hatte, vielleicht noch nie. Aber sie konnte nicht aufhören. Ihr erster Schultag hatte noch nicht einmal richtig begonnen, und schon war es einer der schlimmsten Tage ihres Lebens. Sie hatte all die Verspottungen der Mitschüler ertragen, die ihr nichts bedeuteten. Aber Mia? Das war zu viel. Mia war immer da gewesen, war immer für sie da gewesen. Hatte die einzige Konstante in dem turbulenten und qualvollen Leben dargestellt, das Alex in den vergangenen Monaten geführt hatte…
      Hatte dargestellt. Die Erkenntnis traf Alex wie ein Schlag und entlockte ihr ein weiteres, gequältes Schluchzen. Mia war nicht mehr. Alex hatte soeben ihren letzten Bezugspunkt verloren an dieser Schule, an der jeder nur noch gegen sie zu arbeiten schien.

      Voller Elend hob sie den Kopf, starrte die Fremde im Spiegel über dem Waschbecken an, die ihren Blick mit tränenverquollenen, smaragdgrünen Augen erwiderte.
      Unwillkürlich musste Alex an eine andere Frau denken, die vor all diesen Wochen auf die Toilette geflohen war, nachdem ein Mensch, der ihr viel bedeutete, sie zurückgewiesen hatte…
      War sie wirklich wie Jessica? War auch sie dabei, am Druck und an sich selbst zu zerbrechen? Würde auch sie bald nur noch ein Schatten ihrer selbst sein, zerfressen von Enttäuschung, Selbsthass und Sucht?
      Plötzlich fühlte Alex unendliches Mitleid mit dieser Frau, die sie im Grunde kaum kannte, aber mit der sie, wie ihr jetzt klar wurde, ein Schicksal teilte. Sie beide waren Verstoßene; Wracks; Das, was von einem Menschen übrig blieb, der sich in dieser Welt mit den falschen Menschen anlegte.
      Den falschen Menschen… Langsam machte sich eine Erkenntnis in Alex breit und Zorn stieg wieder in ihr auf wie eine ätzende Säure. Es war alles Mr. Steeles Schuld! Er allein war an all dem Elend Schuld, das sie durchleben musste! Ohne ihn hätten Mia und Nick sich nie gegen sie gewendet. Ohne ihn würde niemand sie für eine Diebin oder eine Schlampe halten. Ohne ihn hätte Christopher Allington ihr nie Nightmare auf den Hals gehetzt. Ohne ihn wäre vielleicht sogar noch ihr Vater am leben…

      Die Verzweiflung und das Selbstmitleid verschwanden aus Alex’ Körper und stattdessen empfand sie nur noch ein einziges Gefühl: Hass und ein unkontrollierbares Bedürfnis nach Zerstörung. Ihre rechte Hand ging lichterloh in Flammen auf und sie ballte die Faust. Aber Mr. Steele war nicht da, um ihn anzugreifen. Deshalb schlug Alex auf das einzige bewegliche Objekt ein, das sonst noch da war: Ihr eigenes Spiegelbild.
      Sie stieß ein zorniges Brüllen aus und ihre Faust schlug mit aller Kraft, die sie aufbringen konnte, auf dem Spiegel, ein billiges Fabrikat ohne Rahmen, auf.
      Sofort spürte sie einen stechenden Schmerz an ihrer Hand. Eine große Scherbe hatte sich in der unteren, rechten Ecke des Spiegels gelöst, war klappernd ins Waschbecken darunter gefallen und verschmutze dieses mit Alex’ Blut. An deren Hand hatte sie einen tiefen Schnitt hinterlassen, der vom Handgelenk bis zum Ansatz des Zeigefingers verlief und aus dem Blut über ihren Daumen strömte.
      Sofort war Alex’ Zorn verraucht und hatte erneut einem Gefühl der Hilflosigkeit Platz gemacht. Fluchend vor Schmerz presste sie sich ihre blutende Hand an den Bauch, was zu einem großen, scharlachroten Fleck auf ihrem weißen Oberteil führte. Erneut weinend und in gebückter Haltung stürmte sie in eine Toilettenkabine und schlug die Tür hinter sich zu.

      Die Plastikwände der Kabine waren voller Graffiti. Jahrelang hatten andere Mädchen sie mit wasserfestem Filzstift vollgekritzelt. Direkt vor Alex wurde in geschwungener, schwarzer Schrift ein gewisser „Marc B.“, der die Schule wahrscheinlich schon lange verlassen hatte, als „heiß“ bezeichnet. Direkt darunter hatte eine andere, verzweifelte Schülerin in roter Schrift ihren Gefühlen Luft gemacht, indem sie eine Morddrohung an jemanden namens „V. Redfield“ verfasst hatte.
      „Wir vermissen dich, Mary“, hieß es an der Wand zu Alex’ Rechten. Sie wusste, was das bedeutete. Vor drei Jahren war ihre Schule zu tragischem Ruhm gekommen, als eine ehemalige Schülerin namens Mary Rogers sich während des Unterrichts die Pulsadern aufgeschnitten hatte. Der Klassenraum, in dem es geschehen war, war wochenlang nicht zugänglich gewesen. Der Lehrer, der Mary zum Tatzeitpunkt unterrichtet hatte und der in ihrem kurz darauf in ihrem Spind gefundenen Abschiedsbrief als einer der Beweggründe genannt wurde, war an eine andere Schule zwangsversetzt worden und die Schüler, die während der Tat neben Mary gesessen hatten, hatten an einer psychologischen Therapie teilnehmen müssen. Später hatte die Schulleitung getan, was sie konnte, um die Geschichte unter den Teppich zu kehren.
      „Bloody Mary“, wie sie inzwischen genannt wurde, war an der Schule daraufhin zu einer Legende avanciert. Eine Schauergeschichte, die man den jüngeren Schülern erzählte, um ihnen Angst zu machen, meist um unsinnige Details erweitert, wonach der Lehrer, mit dem Mary im Clinch gelegen hatte, gar nicht versucht hätte, ihr zu helfen, sondern stattdessen nur sadistisch gelacht hatte oder wonach Marys Geist noch immer in der Schule umher spukte. Für die älteren Schüler jedoch, die Mary mitunter sogar persönlich gekannt hatten, war ihre Geschichte zu einem Mahnmal geworden. Ein Symbol dafür, was diese Schule aus unschuldigen Schülerinnen machte und wie die Schulleitung nicht einmal im Ansatz versuchte, sich ihre eigenen Fehler einzugestehen, sodass im Gebäude nichts mehr auf dieses tragische Schicksal hinwies, außer diesem regelwidrigen Grabmahl in Form eines an eine Toilettenwand geschmierten Graffitis, das von mehreren anderen Mädchen, die sich nach Marys Tod auf einmal als deren Freundinnen ausgaben, unterschrieben worden war. Teilweise waren ihre Namen und Botschaften aber schon verblasst, weil sie keine wasserfeste Tinte benutzt hatten.
      Daneben gab es dann noch die vielen kleinen Botschaften jener, denen es ähnlich ergangen war wie einst Mary. Die verzweifelten Hilfeschreie der Mädchen, die ihre pubertären Leiden mit der Welt teilen wollten. Die ihr Leben als sinnlos bezeichneten oder anderweitig verfluchten, die deprimierende Zitate aus Filmen und Liedern an die Toilettenwände abschrieben…
      Es waren alles kleine Kunstwerke, die vom Leben an dieser Schule erzählten, so wie es immer schon gewesen war und immer sein würde. Und Mittendrin war Alex, ein weinendes, rothaariges Mädchen, das einfach nicht mehr wusste, wie ihr geschah. Sie hob ihre rechte Hand, um absichtlich ein paar ihrer Tränen auf ihre Verletzung tropfen zu lassen. Es gab ein schwaches Zischen, aber die Haut fing nicht an, von innen heraus golden zu leuchten und die Blutung ließ nicht nach. Es war, als wäre sie über Nacht von allen guten Geistern verlassen worden: Richard, Nick, Mia und jetzt auch noch ihre Heilkräfte…

      ~


      Wenige Minuten später erreichte sie mit reichlich Verspätung den Klassenraum, in dem sie Englisch hatte. Die Tür war zu und vor dem Raum stand sonst kein Mensch.
      Na toll, grummelte Alex innerlich. Genau das, was sie jetzt brauchte: Ein dramatischer Auftritt, damit ihr Erscheinen auch ja von jedem bemerkt wurde…
      Ohne zu klopfen betrat Alex den Raum. Ihre rechte Hand war in einen provisorischen, blutdurchtränkten Verband aus Klopapier gewickelt und inmitten ihres weißen Tops war ein deutlich sichtbarer, nasser, grauer und brauner Fleck, wo sie versucht hatte, das Blut auszuwaschen. Es hatte nicht viel gebracht. Stattdessen war es um ihren Bauchnabel herum nur unangenehm nass und kalt.

      „’Tschuldigung“, rief sie im Vorbeigehen um einen heiteren Tonfall bemüht in Richtung von Mr. David Johnson, ihrem jungen Englischlehrer, der von seinen älteren Schülern für gewöhnlich beim Vornamen angesprochen wurde, um Verwechslungen mit dem alten Geografielehrer zu vermeiden, der zufällig den gleichen Nachnamen trug. „Hab’ mich geschnitten.“

      „Alex…“, entgegnete der Lehrer bestürzt. „Geht es dir gut?“

      „Alles bestens“, log Alex mit einem gezwungenen Lächeln, auch wenn man ihr ansehen musste, dass sie geweint hatte. Aus Gewohnheit machte sie sich anschließend auf den Weg in die hinterste Reihe, um sich an einen leeren Tisch zu setzen, daneben auf der anderen Seite des Durchgangs wartete schon Mia auf sie.

      „Alex, bitte, es tut mir leid. Moment… ist das… Blut?“, flüsterte sie entsetzt. Aber Alex schenkte ihr keinerlei Beachtung. Sie machte auf dem Absatz kehrt und setzte sich stattdessen an den einzigen anderen freien Tisch, zwei Reihen weiter vorne.

      David runzelte besorgt die Stirn, fuhr dann jedoch mit dem Unterricht fort und läutete so endlich Alex’ ersten Schultag nach den Ferien offiziell ein.

      ~

      Es sollte noch ein sehr einsamer Tag für sie werden. Wie sich zeigte, hatten ihre Heilkräfte nicht völlig versagt. Sie schienen einfach nur enorm geschwächt worden zu sein, denn am Ende der Englischstunde, als Alex ihren improvisierten Verband abwickelte, war dort, wo der Schnitt gewesen war, wieder ein geschlossenes Stück Haut, voll mit getrocknetem Blut, aber ansonsten makellos.
      Die folgenden Schulstunden saß Alex ab, ohne ein Wort mit irgendjemandem zu sprechen und fühlte sich dabei wie eine Gefängnisinsassin. In den Pausen zwischen den Stunden ging sie gesenkten Hauptes durch Gänge voller Schüler, die sie anstarrten, hinter ihrem Rücken tuschelten, ihr hinterher pfiffen oder sie auf andere Weise verspotteten. Jedoch fiel es ihr erstaunlich leicht, diese Provokationen zu ignorieren. Es war, als wäre bei dem Streit all ihre Widerstandskraft an Mia haften geblieben. So, als wäre niemand mehr da, dem sie etwas beweisen musste. Oder vielleicht, so überlegte sie, war ihre Laune schon so tief gefallen, dass selbst die zahlreichen Sticheleien sie nicht mehr senken konnten…
      Während der Mittagspause holte sie sich dann Essen in der Cafeteria ab. Sie hatte überlegt, Richard zu fragen, ob er mit ihr aß, aber ihm schien es viel leichter zu fallen, neue Freunde zu finden, als sie es jemals gekonnt hatte, auch, als sie noch nicht das Gespött der Schule gewesen war. Er verbrachte die Pause an einem langen Tisch in der Mitte der Cafeteria, zusammen mit den beliebtesten Schülern des Jahrgangs: Natasha, Abigaile und Christie sowie die Spitzensportler, darunter Nick und damit auch Mia. Im Gegensatz zu Alex hatte all die Medienpräsenz Richards Ansehen stark ansteigen lassen; er war regelrecht der Mittelpunkt dieser Gesellschaft.
      Natasha, die einzige ihrer Clique, die nicht mit einem von Nicks Sportler-Kumpels zusammen war, saß direkt neben Richard und machte ihm reichlich schöne Augen. Es verpasste Alex einen schmerzhaften Stich im Herzen, als sie sah, dass er nichts dagegen zu unternehmen schien. Ihre Blicke trafen sich und als Richard keinerlei Anstalten machte, zu ihr zu gehen oder sie zu sich heran zu winken, ließ Alex abermals den Kopf hängen und bereitete sich darauf vor, eine einsame Mahlzeit einzunehmen.
      Da es gerade ausnahmsweise einmal nicht regnete, beschloss Alex, dem Trubel des Schulgebäudes zu entkommen, indem sie allein auf den betonierten Schulhof ging, um an einem der nassen Tische dort zu essen.

      „Hey, Whitman…“, ertönte plötzlich die Stimme eines Jungen hinter ihr. Alex erstarrte. „Ziemlich dreist von dir, einfach wieder hier aufzutauchen, findest du nicht? Tust wohl so, als wäre nichts gewesen…“

      Alex wirbelte herum, woraufhin ein lautes Klappern und das Klirren von zerstörtem Porzellan ertönte, als ihr Tablett mit Kartoffelpuffern und Apfelmus zu Boden fiel. Ihr gegenüber stand nun Nathan Garrett, Devons groß gewachsener bester Freund. Sein kurzes, dunkelrotes Haar stand nach oben vom Kopf ab und war unterbrochen von orangefarbenen Spitzen, was den Eindruck vermittelte, sein Kopf stünde in Flammen. Flankiert wurde er von Gary und Malcolm, die schadenfroh kicherten. Da war er: Der alte Devon-Fanclub wieder vereint…
      „Was willst du?“, blaffte sie ihn an.

      „Hast wohl zu hoch gepokert, was?“, fuhr Nathan fort. „Jetzt wissen alle, was für ein mieses kleines Flittchen du bist… Hast dir ganz schön Dreck auf die Weste geladen, meinst du nicht?“

      Alex’ rechte Hand ging in Flammen auf. Es war, als würde sich der gesammelte Zorn, der sich in den vergangenen Stunden in ihr angestaut hatte, auf einmal entladen.
      „Und was ist mit dir?“, fauchte sie mit einem abfälligen Blick auf die Muskelberge an Nathans Armen fort, die unter den Ärmeln seines grauen T-Shirts mit V-Ausschnitt sichtbar waren und vor den Sommerferien gewiss noch nicht dagewesen waren. „Hast wohl den ganzen Sommer im Fitnessstudio verbracht…“

      „Vielleicht…“, antwortete Nathan. Er schien die Bemerkung weniger als Spott sondern viel mehr als Kompliment aufzufassen, was Alex noch weiter auf die Palme brachte. Er reckte daraufhin das Kinn in die Höhe und grinste sie schelmisch an: „Macht dich das an?“

      „Kotz“, entgegnete Alex schlicht.

      Doch Nathan überging auch diese Spitze lässig und kam ihr etwas näher.
      „Ach ja, richtig…“, höhnte er. „Ganz vergessen. Ich bin eh uninteressant für dich. Ich bin schließlich nicht reich…“

      „Es ist mir scheißegal, ob du reich bist oder nicht!“, brüllte Alex. Unterdessen strömten die ersten Schaulustigen aus dem Schulgebäude. Wie Haie, die Blut gewittert hatten, hatten sie sich am Rande des Schulhofs versammelt und belauerten die Streitenden. Unter ihnen, wie Alex bemerkte, auch Mia, Richard und diejenigen, mit denen sie an einem Tisch gesessen hatten.
      „Also, was willst du?“, wiederholte Alex gerade lautstark, ohne die Zuschauer zu beachten.

      „Du hast das alles nicht verdient!“, zischte Nathan. „Devon sollte an deiner Stelle stehen! Er war der beste Duellant an dieser Schule. Du hast deinen Erfolg nur einer gestohlenen Karte und deinem Körper zu verdanken!“

      Eine Ader an Alex’ Schläfe pulsierte. „Falls es dich interessiert, Blitzmerker, ich habe deinen geliebten Devon vor drei Wochen im Duell besiegt!“, giftete Alex und kam den drei Jungs einen Schritt näher. „Und trotzdem ist er derjenige von uns, der an die Duellakademie gekommen ist, während ich weiter hier versauere und mich mit Abschaum wie dir rumschlagen muss!“

      Ein paar der neugierenden Schüler, die sie umgaben, raunten überrascht. Die Ader an Alex’ Schläfe pulsierte erneut, sie unterdrückte den Drang, auch sie anzuschreien.

      „Mir machst du nichts vor, Whitman!“, entgegnete Nathan. „Du wusstest doch genau, dass Richard die Karte für dieses Turnier hatte. Du hast absichtlich abgelehnt, weil du wusstest, dass er dich dann ins Turnier bringen würde, genau wie er dir vorher geholfen hat, diese Karte zu stehlen!“

      Zustimmendes Gemurmel ertönte aus der uneingeladenen Zuschauerschar. Alex jedoch hatte erkannt, dass der Streit an einem Punkt angekommen war, an dem Worte nichts mehr brachten: „Also schön, wenn du so überzeugt davon bist, ich hätte das alles nicht verdient, dann duellier’ dich doch gleich mit mir! Dann stampf’ ich dich gleich hier in den Boden, genau wie deinen Loverboy Devon!“

      Nathan wirkte beleidigt und erfreut stellte Alex fest, dass sie endlich eine Masche gefunden hatte, mit der sie ihn provozieren konnte.
      „Ich duelliere mich mit niemandem, der nicht dazu in der Lage ist, fair zu gewinnen“, fauchte Nathan.

      Alex schloss die Augen, während eine neue Woge von Zorn in ihr aufloderte wie eine heiße Glut. Schließlich griff sie nach der obersten Karte ihres Decks, das in der Duel Disc an ihrem linken Arm steckte, ihren geliebten Phönix der Wiedergeburt, und zeigte sie Nathan.
      „Du meinst die hier?“, fragte Alex. „Ich brauche sie nicht! Ich mache dich auch ohne fertig!“

      Sie stapfte in Richtung der Zuschauermenge, welche erschrocken auseinander stob. Scheinbar war die zornige Alex richtig furchteinflößend…
      Ein Schüler blieb jedoch seelenruhig stehen. Und genau der war es, zu dem Alex wollte: Richard, dem sie den Phönix der Wiedergeburt kurzerhand in die Hand drückte.

      „Warum gibst du mir das?“, fragte er abweisend, als er die Karte entgegen nahm.

      „Weil du der einzige bist, bei dem ich sicher sein kann, dass ich ihn wiederkriege“, entgegnete Alex zornig und drehte sich um, ging zurück zu Nathan und seinen Kumpels.
      „Also, was ist?“, fuhr sie herausfordernd an Nathan gewandt fort. „Duellieren wir uns jetzt? Oder hast du Schiss, die neue Regel zu verletzen?“

      Nathan zögerte und wurde währenddessen erwartungsvoll von den Zuschauern angestarrt. Schließlich lächelte er ein gemeines Lächeln: „Also schön, Whitman. Duellieren wir uns. Dann werd’ ich schon beweisen, dass du ohne dein Diebesgut nichts bist!“

      ~

      Sekunden später standen die beiden sich mit aktivierten Duel Discs auf dem betonierten Schulhof gegenüber. Der Großteil der schaulustigen Schüler hatte sich hinter Nathan postiert, sodass Alex’ Rücken frei war.

      „Los, Duell!“, riefen sie im Chor und zogen ihre Starthände von fünf Karten auf.

      „Ich fange an!“, entschied Alex und griff nach einer Karte in ihrer Hand. „Wenn keine Monster auf dem Spielfeld liegen, kann ich Kikeriki-Kikeriki/i] als Spezialbeschwörung von meiner Hand beschwören, aber seine Stufe wird zu 3!“

      Sie klatschte die Karte auf die Oberfläche ihrer Duel Disc, woraufhin vor ihr das Hologramm eines riesigen, weißen Zeichentrickhuhns erschien. (ATK: 1600)

      „Aber er wird nicht lange bleiben, denn jetzt biete ich ihn als Tribut an, um meine [i]Troposphäre
      zu beschwören!“

      Der fette Gockel löste sich in Luft auf und machte stattdessen einem viel beeindruckenderen Monster Platz. Es handelte sich um eine Mischung aus Mensch und Vogel, mit großen, blau-grünen Flügeln und einem gelben Schnabel, die in ein weißes Gewand gehüllt war. (ATK: 2400)

      „Wenn Kikeriki-Kikeriki das Spielfeld verlässt, wird er aus dem Spiel entfernt“, fuhr Alex fort und steckte sich die Karte in die Hosentasche. „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“

      Die vergrößerte, braune Rückseite einer Karte erschien neben ihr, während sie an Nathan abgab. [Hand: 2 / Backrow: 1]

      „Ich bin dran!“, entgegnete der. „Ich ziehe!“

      Er betrachtete seine frisch auf sechs Karten aufgestockte Hand und als er erkannte, welche Kombo er mit dieser durchführen konnte, grinste er diabolisch.
      „Ich mach’ dich in einem Zug fertig!“, kündigte er großspurig an, wofür er beeindrucktes Gemurmel aus dem Publikum erntete. Anschließend begann er seinen Zug, indem er ein Monster vertikal ausgerichtet auf seiner Duel Disc platzierte: „Ich beschwöre Vulkanischer Häcksler im Angriffsmodus!“

      Das Monster, das daraufhin auf seinem Feld erschien, hatte vom Körperbau her Ähnlichkeiten mit einem Dinosaurier. Sein Körper war bedeckt mit einer glänzenden, Bronzefarbenen Panzerung, es stand aufrecht auf zwei kräftigen Hinterbeinen und hatte einen langen Schwanz sowie kurze, dünne Arme, die in Klauenhänden endeten. Sein Augenloser Kopf hingegen erinnerte eher an einen leeren Insektenpanzer. (ATK: 1800)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters!“, verkündete Nathan. „Einmal pro Spielzug kann er dir 500 Punkte Schaden zufügen, dafür aber in diesem Spielzug nicht angreifen!“

      Die Kreatur warf ihren Kopf in den Nacken und öffnete sein schnabelartiges Maul, in dem sich auf einmal ein glühender Feuerball bildete, den sie direkt auf Alex schleuderte. Als der holografische Feuerball sie traf, hielt sie sich instinktiv eine Hand vors Gesicht, auch wenn er natürlich keine Schmerzen verursachte.
      (LP: 4000 -> 3500)
      Das war also Nathans Strategie: Effektschaden verursachen. Na ja, dachte Alex, ihr sollte es Recht sein, solange sie dabei nicht an einer Stromkette hing.

      „Du brauchst aber lange, wenn du mich so in einer Runde besiegen willst!“, rief sie unbeeindruckt ihrem Gegner zu.

      „Das war ja auch erst der Anfang!“, entgegnete Nathan von sich selbst überzeugt und zog eine weitere Karte aus seinem Blatt hervor. „Denn jetzt ist es Zeit für eine Fusion!“

      Er steckte die Zauberkarte in seine Duel Disc und eine vergrößerte Ausgabe jener erschien neben ihm. Darauf zu seinen waren zwei orangefarbene Gestalten, die in einem blauen Wirbel miteinander verschmolzen wurden. Es handelte sich um Polymerisation, aber niemand nannte die berühmte Zauberkarte bei diesem umständlichen Namen.

      „Damit verschmelze ich Vulkanischer Häcksler vom Typ Pyro von meinem Feld mit Raketenwerferspinne vom Typ Maschine von meiner Hand! Los, Zündungeheuer Vulkanone!“

      Nathans Monster nahm die Gestalt einer braunen Monsterkarte an, die zusammen einer gelblichen normalen Monsterkarte von seiner Hand vom vergrößerten Hologramm der Polymerisation-Zauberkarte aufgesogen wurde. Anschließend blähte sich dieses auf wie ein Luftballon, der aufgeblasen wurde.
      Wie ein solcher schien es auch plötzlich zu platzen, woraufhin das Hologramm eines Fusionsmonsters auf Nathans Feld erschien. Die Kreatur hatte einen großen, Nashornähnlichen Kopf, der im Kontrast zu seinem abstrakten Maschinenkörper stand. Ihre Schultern waren zu riesigen, roten Kanonen mit jeweils drei Läufen verlängert, an deren unteren Enden insgesamt vier Arme saßen. Aus ihrem Rücken ragten außerdem riesige, stählerne Flügel, die mit bronzenen Dornen besetzt waren. (ATK: 2300)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters!“, fuhr Nathan fort. „Wenn Zündungeheuer Vulkanone als Fusionsbeschwörung beschworen wurde, kann ich ihn zusammen mit einem Monster auf deiner Spielfeldseite zerstören und dir Schaden in Höhe der Angriffspunkte deines Monsters zufügen! Los, Rücksichtsloses Feuer!“

      „Was?“, entgegnete Alex kalt erwischt und aus dem Publikum der neugierenden Schüler war mitunter ein beeindrucktes Raunen zu hören.
      Vollkommen unvermittelt begann Nathans Monster daraufhin, aus allen Rohren zu schießen. Der Hagel aus orange glühenden Kugeln durchlöcherte Alex’ Monster, dessen Hologramm sich sofort in Luft auflöste, und zahlreiche Querschläger trafen auch das rothaarige Mädchen selbst, dass sich den Arm mit ihrer Duel Disc schützend vors Gesicht hielt. (LP: 3500 -> 1100)
      Schließlich explodierte das Monster, das gefeuert hatte, selbst und ließ seinen Besitzer in einer dichten Rauchwolke zurück.

      „Dir ist da wohl ein kleiner Fehler unterlaufen!“, rief Alex, als der Rauch verpufft war, ihrem Gegner zu. „Ich stehe immer noch!“

      „Ich bin ja auch noch nicht fertig!“, erwiderte Nathan und zog eine weitere Karte aus seinem Blatt hervor. Alex erkannte sie als diejenige, die er zu Beginn seines Zuges gezogen hatte.
      „Von der nächsten Karte hast du bestimmt auch schon gehört! Ich aktiviere Voreiliges Begräbnis! Zum Preis von 800 Lebenspunkten kann ich ein Monster von meinem Friedhof als Spezialbeschwörung im Angriffsmodus beschwören! Los, Raketenwerferspinne!“

      Ein vergrößertes Hologramm des bekannten Ausrüstungszaubers erschien neben Nathan. Darauf zu sehen waren Kopf und Arm eines Mannes, der scheinbar unter Qualen unter einem roten Bannkreis begraben wurde. (Nathan: LP 4000 -> 3200)
      Ein solcher roter Magierkreis erschien nun auch auf Nathans Feld und kurz darauf stieg darunter das Hologramm eines gigantischen Monsters nach oben an die Erdoberfläche.
      Es handelte sich um eine gewaltige grüne, mechanische Spinne, deren kupferfarbener Kopf an das Cockpit eines Fahrzeugs erinnerte. Auf ihrem Rücken thronten zwei gewaltige, bronzene Waffenmagazine. Deren Deckel klappten auf und legten die roten Köpfe der Raketen frei, die darin zum Abschuss bereit steckten. (ATK: 2200)

      „Siehst du?!“, fragte Nathan triumphieren. „So viel also zur berühmten Alex Whitman, die es bis ins Finale der Duel Monsters Newcomer’s Championship geschafft hat! Los, Raketenwerferspinne! Stutz’ ihr die Flügel mit Volle Salve!“

      Die riesige Maschine bäumte sich auf und stampfte anschließend mit seinen massiven, dornenbesetzten Vorderbeinen auf den Boden. Anschließend kamen zischend die Raketen aus den Magazinen auf ihrem Rücken geschossen und stoben in alle Richtungen davon, dabei weiße Kondensstreifen nach sich ziehend.
      Mitten in der Luft änderten sie jedoch ihre Flugrichtungen, sodass sie nun direkt auf Alex zuschossen, um ihre Lebenspunkte endgültig auf 0 zu senken…

      „Ich aktiviere meine Falle!“, verkündete Alex und griff danach, um sie umzudrehen. „Windsturm von Etaqua! Dadurch werden alle deine Monster in den Verteidigungsmodus gewechselt! Und kein Angriffsmodus bedeutet nun mal auch kein Angriff…“

      Eine vergrößerte Ausgabe der Fallenkarte klappte neben Alex hoch und ein stürmischer Wind zog auf, so stark, dass die Flugbahnen der Raketen umgelenkt wurden und sie in alle Richtungen davon schossen.
      Ein paar der schaulustigen Schüler in der Nähe, die offenbar vergaßen, dass das alles nur holografisch war, stoben schreiend auseinander, als die Projektile in die Menge flogen und dort explodierten. Alex jedoch hatten sie allesamt verfehlt.
      Die riesige, mechanische Spinne unterdessen legte sich lauernd auf den Boden und die riesigen Magazine auf ihrem Rücken klappten zu. (DEF: 2500)

      Nach diesem knappen Entkommen merkte Alex erst richtig, wie sehr ihre Lage sich verändert hatte. Zu der Zeit, als sie am Turnier teilgenommen hatte, hatten ihr stets hunderte Fans zugejubelt, wenn sie mal wieder knapp eine Niederlage abgewehrt hatte, sie hatte sich regelrecht daran gewöhnt.
      Nun jedoch war alles anders. Niemand jubelte ihr zu. Manche tuschelten sogar enttäuscht miteinander.

      „Damit zögerst du es nur hinaus“, meinte Nathan genervt. „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“ [Hand: 1 / Backrow: 1]

      Eine holografisch vergrößerte, braune Kartenrückseite erschien zu seinen Füßen und Alex ergriff das Wort: „Soviel also zu deinem Plan, mich in einer Runde zu besiegen! Ich bin dran!“

      Sie zog ruckartig eine Karte auf, wobei ihre rechte Hand wieder in Flammen aufging. Die besondere Kraft, die Phönix der Wiedergeburt ihr geschenkt hatte, um das Böse zu besiegen, die alle jedoch nur noch für einen ausgelutschten Showeffekt hielten…

      „Ich beschwöre Kleiner Phönix im Angriffsmodus!“, rief Alex und vor ihr erschien das Hologramm eines gar nicht so kleinen, orangefarbenen Vogels. (ATK: 1600)
      Unterdessen dachte Alex über ihre Möglichkeiten nach. Mit Kleiner Phönix und Troposphäre in ihrem Friedhof konnte sie eine Titanen-Beschwörung durchführen. Ihren Phönix der Wiedergeburt hatte sie Richard gegeben, aber Sturmvogel würde kurzen Prozess mit Nathans Monster machen…
      Allerdings bezweifelte Alex, dass der dies einfach so hinnehmen würde. Sie hatte Sturmvogel zwar vollkommen legal in einem inzwischen geschlossenen Kartenladen gekauft, aber in Newhaven galt der Einsatz von teuren Luxuskarten als mindestens genau so ungerecht wie der von Diebesgut… Nein, sie war fest entschlossen, Nathan zu besiegen, ohne eine einzige Titanen-Beschwörung durchzuführen.

      „Als Nächstes aktiviere ich den Zauber Heulender Wind!“, fuhr sie schließlich fort. „Die verschafft meinem Monster 1000 zusätzliche Angriffspunkte!“

      Erneut brauste ein kräftiger Wind auf und der große, orangefarbene Vogel leuchtete in einem grünen Licht auf, wobei er einen anmutigen Schrei ausstieß.
      (ATK: 1600 -> 2600)

      „Los, greif’ Raketenwerferspinne an!“

      Der grün leuchtende Vogel stieg hoch in den Himmel und sauste anschließend auf Nathans Monster hinab. An seinem Ziel angekommen drang er direkt in das Hologramm der riesigen Spinne ein, woraufhin dieses sich zusammen mit dem vergrößerten Hologramm des Ausrüstungszaubers Voreiliges Begräbnis hinter ihm in Luft auflöste.

      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug“, schloss Alex, als ihr Monster zu ihr zurückgekehrt war und zu ihren Füßen erschien erneut eine holografisch vergrößerte Kartenrückseite. [Hand: 0 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran!“, entgegnete Nathan und zog ruckartig eine Karte von seinem Deck.
      „Ich drehe meine Falle um!“, fuhr er fort und ein vergrößertes Hologramm jener klappte neben ihm hoch. „Sie nennt sich Fusionsreserve und funktioniert folgendermaßen: Ich zeige dir ein Fusionsmonster von meinem Extra Deck und füge meiner Hand dann eines der Fusionsmaterialien von meinem Deck hinzu!“

      Der Schacht an Nathans Duel Disc, in dem die Extra Deck-Monster aufbewahrt wurden, öffnete sich und er holte eine lilafarbene Karte daraus hervor, um sie Alex zu zeigen. Darauf zu sehen war ein Dinosaurier, dessen linker Arm zu einer Kanone umfunktioniert wurde.
      Cybersaurus führt Sprenggaukler als Fusionsmaterial auf!“, erklärte Nathan, steckte das Fusionsmonster zurück und griff dann nach einer Karte, die seine Duel Disc aus seinem Deck hervor geschoben hatte. „Außerdem kann ich meiner Hand noch eine Fusions-Zauberkarte von meinem Friedhof hinzufügen!“

      Nathan griff nach seinem Friedhof, um seine Hand erneut aufzustocken, die jetzt wieder beachtliche vier Karten fasste. Jetzt hatte er wahrscheinlich wieder alles Nötige zusammen, um erneut eine Fusionsbeschwörung durchzuführen…

      „Und die aktiviere ich auch gleich!“, verkündete Nathan nun und bestätigte damit Alex’ Verdacht. Unterdessen erschien erneut das vergrößerte Hologramm der Polymerisation-Zauberkarte neben ihm.
      „Ich verschmelze Sprenggaukler vom Typ Maschine und Vulkanischer Gegenschlag vom Typ Pyro, um deinen Untergang herauf zu beschwören! Los, Flammen-Phönix, der brennende Bombenvogel!“

      Erneut wurden zwei Karten von Nathans Hand vom Hologramm der Zauberkarte aufgesaugt, woraufhin dieses sich ausdehnte und schließlich platzte.
      Mit einem Phönix hatte das Wesen, das daraufhin auf Nathans Feld erschien, wenig gemein. Tatsächlich bestand der feste Teil seines Körpers nur aus ein paar offenbar hohlen Rüstungsteilen aus dunklem Stahl: Zwei Arme, ein Brustpanzer, ein Schnabel und zwei Flügelansätze. Der Rest des Ungetüms bestand aus reinen, orange glühenden Flammen, die die Form von Klauenhänden, Hals und Flügeln angenommen hatten. (ATK: 2800)

      „Flammen-Phönix?“, wiederholte Alex mit einem spöttischen Unterton. „Sieh an, habe ich da etwa einen kleinen Nachäffer?“

      „Das hättest du wohl gern!“, entgegnete Nathan zornig. „Aber ich hatte diese Karte schon lange, bevor irgendwer sich für dich interessiert hat! Ich setze eine Karte verdeckt und aktiviere den Effekt meines Monsters! Er kann zwar in dem Spielzug, in dem er ihn aktiviert hat, nicht angreifen, aber das ist es allemal wert! Denn jetzt fügt er dir 300 Punkte Schaden für jede Karte auf dem Feld zu! Wir kontrollieren beide jeweils ein Monster und eine verdeckte Karte, es liegen also insgesamt vier Karten auf dem Spielfeld. Das heißt, Bombenvogel fügt dir 1200 Punkte Schaden zu! Und das wiederum heißt, dass du verlierst…“

      Das brennende Ungetüm stieß einen zornigen, metallischen Schrei aus und schlug mit den Flügeln, was einen riesigen Wirbelsturm aus Flammen erzeugte. Dieser fegte einmal über das Kampffeld hinüber zu Alex, die vom Inferno verschlungen wurde…

      Ein gespanntes Schweigen lag über dem Schulhof, während es ganz danach aussah, dass Alex Whitman, die wenige Wochen zuvor sogar Profis besiegt hatte, tatsächlich geschlagen wurde.
      Der riesige Feuerwirbel legte sich und enthüllte den Blick auf ein rothaariges Mädchen, das aufrecht vor einem leeren Feld da stand, die Fäuste geballt, ein triumphierendes Grinsen im Gesicht. (LP: 1100 –> 500)

      „Was ist passiert?“, fragte Nathan ratlos.

      „Rechne lieber noch mal nach, Einstein!“, erwiderte Alex lautstark.
      „An den Effekt deines Monsters habe ich die Falle Seelenübergang angekettet“, erklärte sie und griff nach ihrem Friedhof, um Nathan die Karte zu zeigen. „Da ich keine als Spezialbeschwörung beschworenen Monster kontrolliert habe, konnte ich diese Karte aktivieren. Ich habe damit Kleiner Phönix als Tribut angeboten, um zwei neue Karten zu ziehen!“

      Sie griff nach ihrem Deck und tat ebendies, bevor sie mit ihren Ausführungen fort fuhr: „Nun werden Ketten bekanntermaßen von hinten aufgelöst. Als erstes hat sich also der Effekt von Seelenübergang aktiviert, wodurch sowohl er selbst als auch Kleiner Phönix auf den Friedhof geschickt wurden. Dadurch hat sich die Anzahl der Karten, die auf dem Feld lagen, als der Effekt deines Monsters aufgelöst wurde, um zwei verringert und der Schaden, den ich genommen habe, hat sich halbiert!“

      Nathan wirkte wie vom Donner gerührt. Erfreut stellte Alex fest, dass ihre gekonnte Reaktion ihn gegen seinen Willen beeindruckt hatte. Selbst aus dem Publikum war vereinzelt anerkennendes Gemurmel zu hören, auch wenn sie nach wie vor keinerlei Beifall erntete.

      „Du bist hartnäckig wie eine Kakerlake…“, meinte Nathan grimmig und zwang sich dazu, wieder ein arrogantes Grinsen aufzusetzen. „Und wenn schon! Du hast noch 500 Lebenspunkte! Was ist das schon?“ [Hand: 0 / Backrow: 1]

      „Es ist mehr als genug, um zu gewinnen!“, entgegnete Alex selbstbewusst. „Du hast keine Karten mehr auf der Hand und dein Monster kann nicht mehr angreifen. Ich bin also dran!“

      Nathan antwortete nicht, also fügte Alex ihrer Hand die dritte Karte hinzu.
      „Indem ich Troposphäre von meinem Friedhof aus dem Spiel entferne, kann ich Garuda, der Windgeist als Spezialbeschwörung von meiner Hand beschwören!“, fuhr sie fort, steckte sich die Karte von ihrem Friedhof in die Hosentasche und klatschte das Monster anschließend mit brennenden Fingern auf die Oberfläche ihrer Duel Disc.
      Auf ihrem Feld brauste daraufhin ein kleiner Wirbelsturm auf, der, als er sich gelegt hatte, das Hologramm eines gelben Vogelmenschen mit braunen Flügeln hinterließ. (ATK: 1600)

      „Aber da kommt noch mehr, denn als Nächstes beschwöre ich noch Blaugeflügelte Krone im Angriffsmodus!“

      Neben dem Hologramm des gelb-braunen Vogelmenschen erschien nun noch das eines großen, blauen Vogels, dessen Stirn ein brennendes „V“ zierte. (ATK: 1600)

      Nathan schien zu erkennen, was Alex vorhatte: „Moment, wird das etwa…?“

      „Überrascht?“, entgegnete Alex triumphierend. „Dann pass’ jetzt gut auf: Ich überlagere meine Stufe 4 Wind-Monster Garuda, der Windgeist und Blaugeflügelte Krone! Mit diesen beiden Monstern bilde ich das Überlagerungsnetzwerk und führe eine Xyz-Beschwörung durch! Los, Blitz-Chidori!“

      Die beiden Monster auf Alex’ Feld wurden zu grünen Lichtsäulen, die von einem riesigen, roten Wirbel in der Luft aufgesaugt wurden. Wie gut, dass sie nicht für Lily ein paar neue Karten gekauft hatte…
      Aus dem riesigen roten Wirbel stieg daraufhin das Hologramm eines abstrakten Monsters hinab.

      Es handelte sich um ein großes, türkisgrünes Plasmagebilde, das eindeutig die Form eines Vogels mit Flügeln und einem breiten Schnabel angenommen hatte. In seinem Inneren zuckten unablässig Blitze aus dem weiß glühenden Kern in die äußeren Körperpartien, was den Eindruck vermittelte, die Kreatur bestünde aus Blitzen. Zwei weiße Lichtsphären umkreisten das Monster in regelmäßigen Bahnen, wie Planeten ihre Sonne. (ATK: 1900)

      „Wenn Blitz-Chidori als Xyz-Beschwörung beschworen wird, nimmt er erstmal eine deiner verdeckten Karten mit, die unter dein Deck geschoben wird! Los, elektrisches Feld!“

      Ein paar der Blitze im Körper des Monsters sprangen auf den betonierten Boden über und setzten knisternd das komplette Spielfeld unter Strom. Kurz darauf löste sich das Hologramm der verdeckten Zauber- oder Fallenkarte in Luft auf und Nathan nahm sie widerwillig von seiner Duel Disc und legte sie unter sein Deck. Hinter der konnte er sich nicht mehr verstecken.

      „Aber Blitz-Chidori kann noch mehr!“, verkündete Alex. „Wenn ich ein Xyz-Material abhänge, kann er das selbe noch einmal mit einer deiner offenen Karten machen! Diese wird dann oben auf dein Deck gelegt! Sag’ also auf Wiedersehen zu deinem Flammen-Phönix… Statische Schockwelle!“

      Als eine der Lichtsphären, die das Monster umgaben, gerade nahe an dessen Kopf vorbeiflog, schnappte die Kreatur unvermittelt mit seinem schabelartigen Maul danach und verschlang sie. Sofort darauf schien es komplett von innen heraus weiß zu glühen und zahllose Blitze verließen seinen Körper in alle Richtungen und durchbohrten Nathans Monster, das sich sofort in Luft auflöste.

      „Und jetzt, da er freie Bahn hat… Los, greif’ ihn direkt an! Rollender Donner!“

      Das türkisgrüne Plasmawesen schlug mit den Flügeln und setzte sich in Bewegung. Erst drehte es einen Looping, dann raste er mit halsbrecherischer Geschwindigkeit auf Nathan zu und flog mitten durch diesen hindurch. (Nathan: LP 3200 -> 1300)

      „Großer Fehler!“, entgegnete Nathan und griff nach seinem Friedhof. „Ich aktiviere den Effekt von Vulkanischer Gegenschlag im Friedhof! Wenn sich dort noch andere Feuer-Monster befinden, kann ich diese Karte aus dem Spiel entfernen, wenn ich Kampfschaden erhalte! Dann erhältst du nämlich ebenfalls Schaden in Höhe des Schadens, den ich erhalten habe!“

      Plötzlich sprang ein vierbeiniges, brennendes Monster hinter Nathans Rücken in die Höhe. Es hatte eine entfernte Ähnlichkeit zu einem Wolf, dessen Körper wie der von Vulkanischer Häcksler mit einer bronzenen Panzerung überzogen war. Jedoch hatte es im Gegensatz zu einem Wolf einen hässlichen, dreieckigen Kopf mit gezackten Zähnen. In seinem Maul und an seinen Beinen loderten Flammen.

      Das Geschöpf sprang hoch in die Luft, rollte sich zusammen wie ein Gürteltier und drehte sich mehrfach um die eigene Achse. Auf diese Weise formte es ein rotierendes, glühendes Feuerrad, das auf Alex hinabsauste, um deren Lebenspunkte endgültig auszulöschen.
      Ein paar der Schüler, die zusahen und immer noch auf Nathans Seite standen, jubelten, aber Alex lächelte nur grimmig. Sie wartete ab, bis das Feuerrad, das einmal Nathans Monster gewesen war, ihr ganz nah war, dann zog sie ihre letzte Handkarte hervor…

      „Ich aktiviere den Schnellzauber Zauber der Schmerzen!“, rief sie siegessicher. „Wenn ich Schaden durch einen Karteneffekt erhalten würde, kann ich den Schaden mit dieser Karte auf dich umlenken!“

      „Was?!“, purzelte aus entsetzt aus Nathan hervor, während Alex die Zauberkarte in die Luft hielt, woraufhin das glühende Feuerrad an ihr abprallte.
      Als hätte sie einen Tennisball zurückgeschlagen, änderte sich die Flugrichtung des Feuerrads, das nun direkt auf Nathan zuflog, um seinen Urheber zu überrollen, der nichts tun konnte, außer sich schützend den Arm mit der Duel Disc vor das Gesicht zu halten… (LP: 1300 -> 0)

      Alex grinste triumphierend, während ihr Gegenüber fluchend auf die Knie fiel. Sie deaktivierte ihre Duel Disc und schritt auf den besiegten Jungen zu, um ihren Sieg voll auszukosten.

      „Wer ist hier jetzt der schlechte Duellant?“, fragte sie schadenfroh und ging hinüber zu Richard, um ihm, ohne ihn eines Blickes zu würdigen, den Phönix der Wiedergeburt aus der Hand zu schnappen.
      Alex’ Freude über den Sieg verflog sich jedoch sogleich wieder. Sie hörte Schritte, die sich energisch vom Schulgebäude her näherten und kurz darauf stob die Zuschauermenge panisch auseinander, sodass Alex und Nathan plötzlich fast allein in der Mitte des betonierten Schulhofs standen, nur noch umgeben von ein paar der mutigeren Zuschauern, darunter Mia, Nick und Richard, die sich zum Urheber der Schritte umdrehten.

      „Was ist denn hier los?“, fragte eine zornige, herrische Stimme. Alex drehte sich langsam, wie zu Stein erstarrt, um und sah kurz darauf dem Besitzer der Stimme in die kalten, grauen Augen.

      Direktor Jeremy Rosenthal hatte offenbar Wind von den Geschehnissen auf dem Schulhof bekommen und überquerte diesen mit langen Schritten.
      „Ich dachte, ich hätte mich heute Morgen klar ausgedrückt…“, fuhr er mit einer Stimme fort, in der so viel Zorn und Gefahr lag, dass, einmal abgesehen von Richard, auch die letzten verbliebenen Zuschauer versuchten, sich unauffällig in den Hintergrund zu verdrücken.

      „Johnson!“, fuhr Rosenthal plötzlich den alten Geografielehrer an, der sich am Rande des Schulhofs herumdrückte. „Sie hatten Pausenaufsicht. Warum haben Sie mich nicht unterrichtet?“

      Der faltige Bildungsverantwortliche öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber der neue Schulleiter brachte ihn mit einer Geste zum Verstummen. „Sie kommen nachher auf ein Wort in mein Büro. Und was Sie angeht…“, er war stehen geblieben und richtete sein Wort an Alex, die ihm näher stand. Ein fieses Lächeln kräuselte seine schmalen Lippen. „Ich dachte, dass Duellieren hätte keinen Reiz mehr für Sie, wenn sie dabei angezogen sind…“

      Empört klappte Alex der Mund auf. Sie konnte nicht fassen, dass ein Lehrer sie dermaßen öffentlich demütigte. Ein paar der verbliebenen Schüler, die sich am Rand des Innenhofs sammelten, sowie Gary und Malcolm, die hinter Nathans Rücken standen, kicherten schadenfroh.

      Eine Weile lang genoss Rosenthal die Reaktion auf seinen eigene Gemeinheit lächelnd, dann setzte er jedoch wieder ein furchteinflößendes, ernstes Gesicht auf.
      „Aber nun gut, dann sind Sie eben die Erste, die demonstriert, was mit Schülern geschieht, dies es an meiner Schule wagen, die Regeln zu verletzen“, fuhr Rosenthal lautstark fort, sodass auch jeder anwesende Schüler ihn hören konnte. „Drei Wochen Nachsitzen. Sie fangen morgen an.“

      Rosenthal wandte sich gerade zum Gehen, während Alex ungläubig ins Leere starrte. Drei Wochen? Sie konnte die Ungerechtigkeit dieses Urteils einfach nicht fassen. Hilfesuchend sah sie sich nach Richard um, aber als der keine Anstalten machte, sie zu verteidigen, ergriff sie selbst das Wort: „Und was ist mit Nathan?“, sie deutete mit dem Finger auf jenen, der sich inzwischen wieder aufgerichtet hatte. „Er hat sich doch genau so sehr duelliert wie ich!“

      Rosenthal blieb abrupt stehen und drehte sich erneut um. Sein Blick huschte scharf zwischen Alex und Nathan hin und her.
      „Von wem ging die Herausforderung aus?“, fragte er barsch.

      Sofort schworen Gary und Malcolm zusammen mit ein paar der anderen Schüler, dass es Alex gewesen war, die Nathan herausgefordert hatte. Die wusste, dass es zwecklos war, zu widersprechen, zumal es eine Lüge wäre.

      Abschätzig musterte Rosenthal den muskulösen Jungen mit den Feuerhaaren. „Eine Woche Nachsitzen. Sie fangen heute an“, urteilte er und wandte sich erneut zum Gehen, wobei er sein Wort erneut an alle Schüler in der Nähe richtete: „Und lassen Sie es sich eine Lehre sein!“
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      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

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      Kartenliste
      Alex:

      - Kikeriki-Kikeriki
      - Troposphäre
      - Windsturm von Etaqua
      - Heulender Wind
      - Seelenübergang
      - Garuda, der Windgeist
      - Blaugeflügelte Krone
      - Blitz-Chidori
      - Zauber der Schmerzen

      Nathan:

      - Vulkanischer Häcksler
      - Polymerisation
      - Raketenwerferspinne
      - Zündungeheuer Vulkanone
      - Voreiliges Begräbnis
      - Fusionsreserve
      - Cybersaurus
      - Sprenggaukler
      - Vulkanischer Gegenschlag
      - Flammen-Phönix, der brennende Bombenvogel
      (- eine unbekannte verdeckte Karte)

      Neue Karten:

      - Phönix der Wiedergeburt

      Monster / Titan / Effekt / Feuer / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2500 Atk / 2000 Def

      Während des Spielzugs eines beliebigen Spielers, wenn diese Karte gegen ein Monster kämpft, dessen ATK höher sind als die ATK dieser Karte; du kannst Life Points in Höhe der Differenz bezahlen und wenn du das tust: Diese Karte nur während des Damage Steps ATK in Höhe der Menge an Life Points, die du bezahlt hast. Während der End Phase eines beliebigen Spielers, wenn sich diese Karte in deinem Friedhof befindet, weil sie in diesem Spielzug durch Kampf zerstört und dorthin gelegt wurde; Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung vom Friedhof beschwören.

      - Kleiner Phönix

      Monster / Effekt / Feuer / Geflügeltes Ungeheuer / Stufe 4 / 1600 Atk / 1200 Def

      Einmal pro Spielzug, wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird (außer als Ergebnis eines Kampfes): Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deinem Friedhof beschwören.
      Preview: Kapitel 2.3 - Vom Winde verweht
      Auch am folgenden Tag wird Alex' Situation in der Schule nicht besser. Im Gegenteil: Zusätzlich zu allem macht der neue Schulleiter Mr. Rosenthal ihr auch noch das Leben beim Nachsitzen zur Hölle. Aus irgendeinem Grund scheint er es auf sie abgesehen zu haben...
      Ablenkung kommt am späten Nachmittag, während Alex gerade im Laden ihrer Mutter arbeitet. Richard kommt herein gestürmt und zerrt sie vor die Tür, wo ein weiterer Jugendlicher mit besonderen Kräften aufgetaucht ist.
      Ryan Hawk besitzt übernatürliche Sprungfähigkeiten, die er in erster Linie benutzt, um zwischen Hochhäusern hin- und herspringend Fast Food auszuliefern und dabei Mädels zu beeindrucken. Kann so jemand wirklich die Ernsthaftigkeit besitzen, die es benötigt, um gegen das Böse zu kämpfen?


      Zu guter Letzt noch eine Sache: Ich bin mir momentan unsicher, welches Deck ich einer Figur geben soll, die gegen Ende der Staffel eine wichtigere Rolle einnimmt, deshalb wollte ich mal nach euren Meinungen fragen. Zur Auswahl stehen ein Mischdeck, das hauptsächlich aus Lightsworn besteht, aber auch ein paar Fabled- und weitere Karten beinhaltet, oder ein selbst ausgedachtes Themendeck. Ich weiß nicht, ob ihr meine Posts im Kartenerfindungs-Thread verfolgt, aber es würde sich dabei um das "Lichtpatron"-Themendeck handeln. Also, was wäre euch lieber?

      Ansonsten, wie immer vielen Dank an alle Leser. Man sieht sich! ;)

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      Serie 1 / Serie 2
      Überraschung! Ich lebe noch. Und ihr so?

      Sorry für die lange Pause, ist viel passiert bei mir in den letzten Wochen.

      Als kleine Entschädigung gibt's die Kapitel endlich auch als PDF-Download. Das neue Kapitel "Vom Winde verweht" findet ihr im Anhang. Ich werde dann heute noch die restlichen Kapitel der zweiten Staffel als Download bereitstellen, Staffel 1 folgt dann demnächst.

      Hier die Zusatzdaten:
      Kartenliste
      Richard:

      - Bewaffneter Drache LV3
      - Halb verhindertes Zerbrechen
      - Bewaffneter Drache LV5
      - Alexandrit-Drache
      - Kein Zutritt!
      - Feindkontrolle
      - Topf der Gier
      - Unerwarteter Dai
      - Schimmerdrache
      - Bewaffneter Drache LV7
      - Durchbruchfähigkeit
      - Tigerdrache

      Ryan:

      - Yosenju Kama 2
      - Yosenju Kama 3
      - Yosenju Kama 1
      - Stürmische Spiegelkraft
      - Dynatherium
      - Nin-Ken-Hund

      Neue Karten:

      - Metallrüstungs-Drache

      Monster / Titan / Effekt / Erde / Drache / Gold-Sterne: 3 / 3000 ATK / 2500 DEF

      Wenn diese angreifende Karte ein Monster in Verteidigungsposition durch Kampf zerstört; sie kann sofort noch einmal anreifen.

      - Greif die geflügelte Bestie

      Monster / Titan / Effekt / Wind / Ungeheuer / Gold-Stufe 2 / 2300 ATK / 1900 DEF

      Du kannst jeden Effekt von „Greif die geflügelte Bestie“ nur einmal pro Spielzug aktivieren. Wenn eine Karte vom Spielfeld auf die Hand ihres Besitzers zurückgegeben wird, aktiviere einen der folgenden Effekte, davon abhängig, auf wessen Hand die Karte zurückgegeben wurde:
      O Deine Hand: Ziehe 1 Karte.
      O Hand deines Gegners: Dein Gegner wirft 1 zufällige Karte ab.

      - Akrobatische Einlage

      Falle / Normal

      Wenn ein Monster deines Gegners angreift: Beschwöre 1 Monster der Stufe 4 oder niedriger als Spezialbeschwörung von deiner Hand in Angriffsposition. Anschließend greift das Monster deines Gegners das als Spezialbeschwörung beschworene Monster an.
      Preview: Kapitel 2.4 - Der Sturm; Teil 1
      Die dunklen Wolken ziehen sich weiter zusammen, wenige Tage später zieht ein Jahrhundertsturm über die Stadt hinweg. Aufgrund der erhöhten Gefahr dürfen die Schüler nicht nach Hause gehen und werden Nachmittags im Schulgebäude festgehalten. Natürlich nutzt Rosenthal diese Gelegenheit, um Alex weiter zu quälen.
      Schließlich kann Richard nicht mehr wegsehen. Er duelliert sich mit dem Schulleiter um ihre Freiheit. Doch er ahnt nicht, dass der alte Freund von Mr. Steele bestens auf diese Gelegenheit vorbereitet ist...


      Wenn irgendwas mit dem Download nicht funktioniert, sagt Bescheid. Dann kann ich die Kapitel auch weiter zusätzlich als Post hochladen.

      Ansonsten wie immer vielen Dank an alle Leser. Bis zum nächsten Mal :)
      Dateien

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