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Gast-Blog: Yu-Gi-Oh #1 - Von Freundschaft und Mannschaft

von Eventually am 21.07.2017 um 18:31 Uhr
Yu-Gi-Oh, was für viele nur eine der vielen Anime-Serien neben Dragonball, Digimon und Pokemon war, vielleicht noch Pausenhof-Thema in der Grundschule, war für mich eine lange Zeit etwas deutlich größeres. Das Mannschaftsgefühl, das andere das erste Mal in ihrer Fußballmannschaft erleben, die Erfolgserlebnisse, die die meisten auch mit dem Sport verbinden, erste Reisen, regelmäßige Treffen, in Hotels ohne Eltern übernachten und sich sogar ein klein wenig berühmt fühlen, das verbinde ich mit dem Sammelkartenspiel für Kinder. Eine kleine Vorwarnung, Wörter wie “Batteriemänner”, “Schwarzflügel” oder “Lichtverpflichtet” sind keineswegs als Namen apokalyptischer Sekten zu verstehen, sondern einfach hinzunehmen. Das macht es auch noch ein bisschen deutlicher, wie die Fantasie in unseren Alltag eingezogen ist.

Angefangen hat alles mit einem Booster-Pack bei meiner Einschulung. “Legend of the Blue Eyes White Dragon” am Boden der Schultüte, die mit Rudi dem Raben verziert war. Gierig und mitten im später zum Ritual werdenden Essen beim örtlichen Asiaten riss ich das kleine Paket auf wie 9 Glückskekse. Richtig los ging es aber 2008 in einem heruntergekommenen Schrebergarten, im Nebenzimmer verlorene Seelen, die sie nicht im Kampf mit Marik verloren, sondern an den Alkohol abgeben hatten. Zu viert crashten wir diese Party von pickeligen Anfang 20ern, die auf kleinen Bänken sitzend ihre Karten durchblätterten. “Der hat einen Kartenvernichtungsvirus!”, könnte für Externe wie das nächste Ebola klingen, für uns war es, wie einen Star in Echt zu sehen. Die Karte war zu der Zeit nur sehr schwer erhältlich und hatte einen Wert von ~150$. Summen, die auch ich in der Hoffnung bewirkte, meinen Mangel an spielerischem Können ausgleichen zu können. Als Rechtfertigung die Lüge, man hätte eine Karte doch aus dem Booster gezogen und nicht Unmengen dafür ausgegeben. Wir setzten uns also mit unseren Anmeldeformularen auf eine der Bänke, betrachteten wie verzaubert unsere neuen “Official Konami Card Game Player” Karten und waren bereit dazu, das erste Mal in einem kompetitiven Rahmen zu spielen. Ganz knapp konnte ich mit 3-2 (3 Matches gewonnen, 2 verloren, ab hier kürze ich es immer so ab) in die Top 8 einziehen und mein allererstes K.O.-Spiel spielen. Ähnliche Erfahrungen hatte ich bis jetzt nur im Tennis gesammelt, besonders gern im Einzel. Moment, das muss ich hier relativieren. Im Tennis hatte ich nur ein Turnier gewonnen, im Alter von 5 Jahren, und nachher ein Video mit dem fetten Camcorder darüber gedreht. “Ich hab gewonnen und wer will das wissen?” fragte ich da ganz naiv und rein und raus auf die Medaille zoomend meine nicht vorhandenen Zuschauer. Niemand Fidi, Niemand. Als mein Gegner also “Batteriemann” nach “Batteriemann” beschwor, ich lernte, dass die Eisenschrott-Vogelscheuche nur einmal pro Runde aktiviert werden konnte wusste ich, dass unsere kleine Gruppe aus Yu-Gi-Oh-Spielern das ganze noch eine ganze Weile tun würde. Eigentlich dachte ich in dem Moment nur darüber nach, wie ich endlich an eine Spiegelkraft kommen könnte, aber das Problem löste sich bald wie von selbst.

Durch eTCG, dem ersten und bis heute einzigen Forum, in dem ich wirklich aktiv war. Karten tauschen, kaufen, verkaufen und am allerwichtigsten, ein Team gründen. In kindlicher Naivität gründeten wir zum Glück direkt eine kleine Mannschaft, nach dem Vorbild des bekanntesten Teams “United Gosus”, erstellten einen Youtube-Kanal und rekrutierten neue Mitglieder aus ganz Deutschland. Julius aus München, Flo aus Köln und Louis aus Frankfurt stießen schnell zu unserem Kern von 4 Spielern aus Gronau. Während wir in dem Forum nur andauernd die anderen Leute mit unseren ausufernden Teamdiskussionen nervten, entwickelte sich der zugehörige Youtube-Kanal schnell zum größten Teil des Hobbys. Andauernd, und immer wenn auch nur der kleinste Gedanke zu dem Spiel in uns aufkam, musste dieser über Youtube an unsere kleine, aber stetig wachsende Community hinausgeschickt werden. Und dieser klitzekleine Fame machte sich bemerkbar. Eines Tages erreichte meinen besten Freund ein Brief eines Fans, der seine Adresse in einem Video gesehen hatte. Er schickte uns Karten, einen handgeschriebenen Brief und die Idee, sich doch mal in Münster am Comic-Planet zu treffen. Comic-Planet! Auf einmal eröffneten sich ganz neue Dimensionen für uns! Nachdem das Schreberstübchen sein letztes Turnier veranstaltet hatte, wir immer wieder auf das nächste Großturnier hinfieberten, fehlte der regionale Zugangspunkt zu dem Spiel. Und da war er jetzt, jeden Samstag die “Hobby League” mit ähnlichen Gesichtern und neuen Freundschaften. Dass ich dort auch mein Schulpraktikum absolvierte und somit für Kopfschmerzen bei einigen Lehrern sorgte, hat mit Yu-Gi-Oh zwar nicht mehr viel zu tun, aber Spaß gemacht hat es trotzdem.

Immer noch eine der Geschichten, die ich am liebsten erzähle, ist die von meiner ersten zufälligen Begegnung mit einem “Fan”. In Oldenburg auf einer Hobby League, völlig unerwartet. Ich spielte mein “Schrott-Deck” als einer der anderen Teilnehmer mich ansah und sagte: “Bist du nicht Fidi von Team Goppo de la Bumba? Das Deck hab ich doch online gesehen!” Und schon hatte ich Freunde für einen Tag gefunden, die sich mit mir unterhielten und über meine Youtube-Videos unterhielten. 5 Minutes of Fame. “Was sollte jetzt noch kommen?” fragte der naive Duellant sich, dessen einziger Erfolg ein Side-Event auf einer Deutschen Meisterschaft war, der Gewinn, ein Booster. Wie damals, in der Schultüte.

Wenn unsere Zeit mit Yu-Gi-Oh der Versuch war, eine Meisterschaft zu gewinnen und aufzusteigen in dem genreinternen System, in welchem wir uns für die erfahrenen, coolen hielten, dann waren wir erfolglos. Falls irgendjemand Rick und Morty geschaut hat, wir hatten uns ein Miniversum angelegt, in welchem wir die “Kiddies” beobachteten, die mit unterschiedlichen Hüllen und keiner Ahnung von Spielprinzipien wie “Priorität” spielten, während über uns noch mindestens 4 Universen warteten, die uns mit ähnlicher Herabwürdigung betrachteten. Wir waren die “Kiddies” für die “Kiddies” der “Kiddies” der wirklich guten Spieler.

Aber das lernten wir erst langsam. Wozu auch schnell? Wir waren glücklich mit dem Team und dem Hobby, dass uns so viele epische Momente gebracht hatte, in denen wir uns fühlten, wie unsere Vorbilder aus den Fernsehserien.

Na gut. Ich war Kika-Kind. Aber die anderen kannten Yugi aus dem Fernsehen!