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Was ein Metadeck wirklich ausmacht

von Deckcreator16 am 22.09.2017 um 14:09 Uhr
Vorletzte Woche erschien Spioral im OCG und wirbelte dort das Meta extrem auf. Größte Hilfe stellt hier der neue Spyral - Double Helix dar, welcher das Deck in ein höheres Powerniveau verlegte. Schon einige Zeit zuvor erschien im OCG das Themendeck Magibullet, bei uns später Magical Musketeer, welche man diesen Status ebenso zusprach. Mit vergleichsweise enttäuschendem Ergebnis.
Aufgrund dieser doch sehr großen Unterschiede möchte ich heute mal analysieren, was ein Deck zu einem Meta Deck macht, und weshalb es Decks gibt, die so sehr floppen.
Definition Metadeck

Zuerst einmal will ich eine Definition aufstellen, was ein Metadeck eigentlich ist.
Ein Metadeck ist im Prinzip jedes Deck, welches von vielen Leuten auf größeren Events als Locals spielen würde. Dies wären beispielsweise Regionals, LLDS aber auch National Championships(zum Beispiel die Deutsche Meisterschaft) oder die Europameisterschaft.
Gut, auch Decks wie Geisterungeheuer oder Zombie werden auf Regionals gespielt, was sie nicht automatisch zu einem Metadeck machen. Hierbei muss man noch beachten, in welcher Zahl diese anzutreffen sind. Hierfür kann man sehr schön die aus der Politik bekannten "5%-Hürde" verwenden[1]. So würde man zumindest die vereinzelten Decks rausfiltern, die nur ein- oder zweifach auf einem Event anwesend sind. Oder man nehme sich alternativ nur alle Decks, die in den Top 32 oder Top 16 anwesend waren. Hierbei halte ich die erste Option für sinnvoller, da man diese auf einem langen Event am häufigsten sehen wird, als auch dadurch, dass in die Top XX Decks gelangen können, die nur die richtige Portion Glück hatten.
Naja. Und was bringt einem dieses Wissen nun? Im Grunde geht es uns ja in diesem Moment darum, herauszukriegen, was ein Metadeck ausmacht, bevor es eben als Metadeck anerkannt wird. Denn wie wir ja auch schon aus einem früheren Artikel von mir wissen, ist es sehr gut für den Geldbeutel[2], wenn man sich schon sehr früh die Karten besorgt, die man für sein zukünftiges Deck benötigt. Es brauch also noch einige Faktoren, bevor das Deck erschienen ist:
Konsistenz und High Ceiling


Im Grunde brauch ein gutes Deck mindestens eines von zwei Elementen:
Das erste Element ist die Konsistenz, auch gerne Consistency genannt. Dies entspricht im Grunde die Suchbarkeit von Schlüsselkarten aber auch die Fähigkeit, wieder zurück ins Spiel zu finden. Ein schönes Beispiel hierfür stellt das Zoodiak-Themendeck dar. Mit drei Kopien von Feuerformation - Tenki sowie drei Kopien von Zoodiak-Speerfeuer hat dieses Deck schon eine sehr starke Suchbarkeit. Dazu kommt dann noch Zoodiak-Breitbulle sowie Zoodiak-Rasseklinge welche dieses Element noch weiter verstärken. Zudem kann sich das Deck wieder gut zurück ins Spiel finden, wenn es sein Feld verloren hat, da genügend Extradeck und ein beliebiges Zoodiak-Monster aussreicht, um ein angemessenes Spielfeld zu erzeugen.

Das andere Element stellt hingegen das High Ceiling dar. Meist wird dieser Begriff im negativen verwendet, meint es doch einfach nur die Fähigkeit, aus den verfügbaren Karten nahezu unbrechbare Felder generieren zu können. Doch häufig wird es damit in Verbindung gebracht, dass man eine einzelne große Kombo auswendig lernt, die zu diesem Feld führt, und man selber habe wenig wahren "Skill" benötigt, um ein solches Spielfeld entstehen zu lassen. Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter auf diese Beschreibung eingehen, sondern eher ein Beispiel für High Ceiling aufbringen: Dinosaurier mit Wahrer König. Durch die Möglichkeit aus einem Baby-Dino und einer Dragonische Darstellung eine Vielzahl an starken Spielfeldern zu erstellen, welche durch Denglong, Erster der Yang Zing oder Wahrer König aller Katastrophen eine Menge Druck auf den Gegner ausüben können, zeichnet das Deck als grandioses Beispiel für High Ceiling. Zugleich leidet es aber darunter, dass es mehr tote Karten und damit weniger Konsistent im Vergleich zu Zoodiak ist.

Ein Metataugliches Deck muss also mindestens eines dieser beiden Faktoren haben. Bloß würden diese beiden Definitionen noch nicht ausreichen. Denn so wären auch Raubpflanzen-Zombie-Edelsteinritter(stark ausgeprägtes High Ceiling) oder andere Decks ebenso Meta Decks wie es die aktuellen Top drei wären.
Die Zeit eines Metadecks

Auch ist es notwendig zu hinterfragen, welcher Zeit das Metataugliche Deck gegenüber steht. Beispielsweise waren 2008/2009 die spezialbeschwörenden Karten noch nicht so verbreitet, weshalb das Kin-Tele-DAD mit seiner großartigen Fähigkeit, massig Synchromonster der Stufe Sechs, Sieben und Acht als Spezialbeschwörung beschwören zu können genau das, was es so stark gemacht hat. Ein schönes Beispiel findet man auch in unserer Modernen Zeit: Trickstar, Gouki sowie auch Rokket(wohl besser bekannt anhand ihres OCG Namen Vullet) sind keine schlechten Decks. Alle drei Decks haben die Eigenschaften der Metadecks von 2014, welche sich dadurch auszeichneten, eine große Zahl Spezialbeschwörungen mit anschließendem Float zu erfüllen[3]. Doch braucht es in Zeiten von Zoodiak, Wahre Dracho oder Dinosaurier noch etwas mehr, um oben mitzuspielen. Denn alle drei Decks verbindet die Eigenschaft, relativ schnell eine Menge Vorteil zu generieren, ohne dabei groß Ressourcen zu benötigen. Diese Eigenschaft fehlt den drei Decks, weshalb sie noch zu schwach sind, um im momentanen Format bestehen zu können[4].
Eine Bannedlist um sie zu knechten

Auch ein wichtiges Argument für ein Deck ist die Liste der verbotenen und Limitierten Karten. Meist sind einige Decks schon ziemlich stark, doch sind die aktuellen Metadecks das eigentliche Problem, um ein Deck daran zu hindern, endgültig dominieren zu können.
Ein schönes Beispiel stellt meiner Meinung nach ABC in diesem Falle dar: Als ABC im OCG angekündigt wurde bestand das OCG- und TCG-Meta einzigst und alleine aus Kirin.dek, Monarchen und im Falle vom TCG, Kozmo. Da der ABC - Drachenbuster nur Karten verbannen konnte, welche er anzielen konnte, hätte dieses Deck kaum eine Chance gehabt, wären diese drei Decks noch existent gewesen. Denn Majespenst Einhorn - Kirin sowie jedes große Kozmo-Schiff ist nicht anzielbar gewesen und wäre so ein großes Problem für das Bossmonster gewesen. Das Deck hätte somit nur als schlechtere Version von Brennender Abgrund dagestanden, weil die Effekte der Buchstaben bei einer XYZ-Beschwörung sich nicht aktivieren. Doch schon vor dessen Release wurde das Meta von einer Liste der verbotenen und Limitierten Karten umgekrämpelt, sodass die drei Kontrahenten aus dem Weg geräumt wurden, und das ABC-Themendeck in voller Blüte stehen konnte.
Ein ähnliches Problem hat momentan auch Magical Musketeer: Dieses Themendeck versucht über die Effekte seiner Monster langsam die Feldkontrolle zu erlangen, da durch die Aktivierung von von Zauber- und Fallenkarten in derselben Kolumne die Monstereffekte ausgelöst werden. Wahre Dracho stellte hierbei ein Problem dar, weil es durch die Effekte der permanenten Fallenkarten sowie durch Meister-Peace, der Wahre Drachoschlacht-König andauernd die Magical Musketeer Monster verloren hat, während die Aktivierung der eigenen Karten zur Aktivierung der Effekt der kleinen Wahre Dracho-Monster geführt hat. Wäre dies nicht schon genug, haben andere Decks durch die Verfügbarkeit ihrer Handtraps wie Geisteroger und Schneehase oder Aschenblüte & Freudiger Frühling dem Deck den letzten Rest gegeben. Doch jetzt kann das Deck im OCG bessere Chancen erblicken, da nicht nur das Wahre Dracho-Deck vollständig aus dem Metagame verschwunden sein sollte, sondern auch durch die Änderungen der Handtraps auf D.D. Krähe und Geisterschnitter & Winterkirschblüten das schwere Matchup gegen alle anderen Decks verbessern.
Zugleich hat aber auch der Unterschied der OCG-Liste sowie der TCG-Liste eine Menge Auswirkungen auf das Metagame. Hier möchte ich insbesondere Paleozoisch hervorheben. Zwar wurde im OCG nur selten Harpyien-Flederwisch gemaint, aber stellte einzigst das Risiko, eine solche bei viel Backrow zu kassieren, dazu bei, dass sich Paleozoisch im OCG nicht wirklich entfalten konnte. Zugleich fehlte es uns hier im TCG genau an dieser Karte, weshalb Backrowlastigere Decks wie eben auch Paleozoisch eine bessere Chance im Metagame besaßen.
Erster oder Zweiter?

Dieses Element war zwar auch schon früher wichtig, aber noch nie hat es so viel ausgemacht wie heute. Doch dabei geht es eher weniger darum, wie stark man das eigene Feld im ersten oder zweiten Spielzug aufbauen kann, sondern eher wie flexibel man auf beide Situationen reagieren kann. Denn wie wir inzwischen wissen sollten ist es inzwischen schmerzhafter für den Gegner, ihm den ersten Spielzug wegzunehmen, als man selber im zweiten Spielzug ausrichten kann.
Somit sollte ein Deck sich auch noch gut spielen lassen, wenn man den zweiten Spielzug erhält, aber nicht zugleich unspielbar sein, wenn man den ersten Spielzug bekommt. Hier ist Wahre Dracho wohl ein sehr schönes Beispiel. Insbesondere der Build, der sich stark auf den zweiten Spielzug zentriert. Dieser versucht nämlich über Zünder Hitze, der Wahre Drachokrieger und eine der permanenten Fallenkarten den Gegner zu zwingen, seinen Zoodiak-Dreizack dafür zu verwenden, den frisch beschworenen Zünder zu zerstören, um sich eine Wahre Drachoherkunft zu suchen und so mindestens zwei Karten ziehen zu können. Dieses speziell aufs Zoodiak-Matchup angepasste Deck besitzt besonders viel Power im zweiten Spielzug, ist zugleich aber durch Karten wie Topf der Gegensätzlichkeit, Topf der Begierden und Karte des Untergangs auch sehr gut darin, den ersten Spielzug zu bekommen.
Fazit: Schon eine ganze Menge aber doch noch nicht genug
Nun bin ich schon am Ende dieses Artikels angekommen und immernoch kann man ein Metadeck nicht hundertprozentig voraussagen. Zwar helfen einem diese Faktoren sehr gut, einiges vorauszuahnen, aber zugleich gibt es noch eine Menge mehr Faktoren die nötig sind, um ein solches genau abbilden zu können.
Habt ihr noch Punkte oder Elemente, die eurer Meinung nach noch dazu gehören? Oder möchtet ihr euch sonst irgendwie dazu äußigen? Wenn ja empfehle ich euch einen Blick in den passenden Diskussionsthread.




[1] Für die, die den Begriff nicht kennen die Erläuterung im Schnelldurchlauf:
Gehen wir davon aus, dass Auf einem Turnier 100 Spieler anwesend sind, und somit 100 mögliche Decks gespielt werden können. Würde man jetzt jedes vereinzelte Deck aufzählen, so hätten wir bis zu 100 verschiedene Decks. würde man jetzt sagen, dass es aussreicht, dass ein Deck anwesend sein muss, um Meta zu sein, hätten wir bis zu 100 Meta-Decks. Da das aber definitiv zu viele sind, könnte man sagen, dass man nur die Decks als Metadecks zählt, die mindestens fünf mal vertreten sind, ergo Fünf aus 100 oder auch 5%. Schon würden nur noch unter 10 Decks verbleiben(maximal wären so 20 Decks möglich), welche man hervorheben müsste.

[2] Wenn jemand diesen Artikel nochmal nachlesen will, sollte hier vorbeischauen: Klick mich.


[3] Mit Float wird das ausgedrückt, dass beim ins Spiel bringen oder spätestens beim verlassen vom Spielfeld, Ersatz für die Karte generiert wird. Brennender Abgrund, Schattenpuppe aber auch Fixsternritter sind Themendecks die genau das auszeichnete und nicht umsonst das Format 2014 geprägt haben.

[4] Ich muss ehrlich sein: auch wenn es sich bei allen drei Decks um Anime Decks handelt, so fehlt ihnen gar nicht so viel, um sich ins Meta einfügen zu können. Im Grunde bräuchte Gouki nur eine Notfallteleport oder Zoodiak-Sperrfeuer um mithalten zu können. Und auch Rokket brauch nur Karten, die ihre Zerstörung mit mehr Vorteil erzwingen oder ein Monster, welches beim senden auf den Friedhof agiert, anstatt durch Zerstörung, damit auch eine Linkbeschwörung einen Vorteil erschafft. Und auch Trickstar fehlt gar nicht so viel, um wirklich relevant zu werden. Wobei ich bei letzteren noch nicht wirklich weiß, was dieses "etwas" ist.