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Aufrichtiger, kolossaler Goyo-Streitwagen
von Harti am 26.11.2008 um 19:14 Uhr
Nachdem ich euch letzte Woche einen Artikel präsentierte, der sich mehr mit dem Ablauf eines Turnierwochenendes für einen Schiedsrichter beschäftigte (wobei ich sagen muss, dass die Reise für einen Teil der Bochumer Schiedsrichter erst am Samstag losging - und zwar um 03:00 Uhr mit Schimmel-Regionalbahnen über verschiedenste Käffer), so möchte ich euch heute etwas über das Turnier selbst mitgeben. Auf dem Fortune Tour Stopp in Bochum war ich als Floor Judge aktiv, wodurch mein Team und ich so ziemlich die meisten Regelfragen auf dem Turnier abbekommen haben. Obwohl wir Schiedsrichter selbstverständlich extra (unter anderem) für die Beantwortung von Regelfragen da sind, befasste sich ein Großteil dieser Fragen eigentlich bloß mit Missverständnissen einer Spielmechanik. Wer von euch also mal von einem Schiedsrichter eine Frage mit "Das hat mit Sägock zu tun und geht soundso!" beantwortet bekommen hat, dem wird das heutige Thema wohl mit am meisten zusagen - denn auf diese Art und Weise begehen die Spieler die häufigsten Spielfehler auf Turnieren!
SEGOC (sprich: "Sägock") ist eine Abkürzung, die im Grunde nichts anderes als "Simultaneous Effects Going On (the) Chain" bedeutet, was Englisch für "Gleichzeitig auf die Kette gehende Effekte" ist. Was zunächst einmal furchtbar kompliziert klingt, steckt im Grunde hinter einem ziemlich leichten Grundprinzip. SEGOC kommen nämlich immer genau dann zustande, wenn die Effekte von zwei oder mehreren Karten die gleichen Aktivierungsbedingungen besitzen und diese bestimmte Bedingung im Spiel eintritt. An dieser Stelle kommt die SEGOC-Regel ins Spiel: Sobald sich zwei oder mehrere Effekte zum selben Zeitpunkt aktivieren, so wird eine Kette aus diesen simultan aktivierten Effekten gebildet. Hierbei werden die ersten Kettenglieder an Muss-Effekte (= Effekte, wo kein "you can" / "kannst du" dabeisteht) des Turn Players (= Spieler, der am Zug ist) vergeben, darauf folgen dann die Muss-Effekte des Non-Turn Players - und nach diesen gehen dann die optionalen Effekte (= "Kann"-Effekte) des Turn Players auf die Kette, gefolgt von den optionalen Effekten des Non-Turn Players, die als letztes auf diese Kette gehen. Merke: Der Turn Player hat immer zuerst Priorität - egal in welcher Situation. Kann-Effekte sind weniger wichtig als Muss-Effekte. Daher werden SEGOC-Ketten wie folgt gebildet:
Hieraus lassen sich die verschiedensten Szenarien auflösen, denn diese Regel besteht unabhängig von allen Karten und lässt sich auch ohne Sonderregelungen anwenden. Die auf diese Art und Weise gebildete Kette wird dann bekanntlich von hinten wieder aufgelöst, womit bei gleichen Karten die Effekte des Non-Turn Players zuerst aufgelöst werden. Und dies wurde schon vielen Spielern zum Verhängnis.
... lautet der Name der ersten Problemkarte vieler Spieler. Erschienen im Yu-Gi-Oh!-5D's-Starterdeck, so ist dieses Synchromonster eine der beliebtesten Optionen gegen einen Finsterer Bewaffneter Drache oder Judgment Dragon, weil der Colossal Fighter in den meisten Fällen einen Angriffsschub erhalten wird, da die ganzen Schicksalshelden und der gute Elemental Hero Stratos ja allesamt Monster vom Typ Krieger sind. Der perfekte Konter gegen den Colossal Fighter ist natürlich im Kin-Tele-DAD ein weiterer Kolossaler Kämpfer, da der dann genausoviel Angriffskraft hat. Also macht man einfach mal einen Double-Kill! Doch was passiert...? Alex greift Umuts Colossal Fighter in Angriffsposition mit seinem eigenen Colossal Fighter an. Die Effekte dieser Monster aktivieren sich dann, sobald sie "als Ergebnis eines Kampfes zerstört und auf den Friedhof gelegt" wurden, also im Unterteil 6 des Damage Steps. Denn dort werden alle im Kampf zerstörten Karten auf den Friedhof gelegt. Beide Karten haben logischerweise die selbe Aktivierungsbedingung für ihren Effekt, wodurch wir nun zur SEGOC-Regel greifen müssen. Der Effekt von Alex' Kämpfer aktiviert sich zuerst - und er wählt diesen als Ziel für dessen Effekt aus (ja, das ist möglich). Umut lacht sich ins Fäustchen - zurecht! - und wählt daraufhin ebenfalls den Kämpfer von Alex als Ziel aus. Es entsteht also folgende Kette: Kettenglied 2: Kolossaler Kämpfer (Umut) - Ziel: Alex' Kämpfer Wie wir mittlerweile wissen sollten, werden Ketten immer von hinten nach vorn aufgelöst. Demnach wird in diesem Fall bei Kettenglied (fortan KG) 2 begonnen, wodurch Alex' Kolossaler Kämpfer als Spezialbeschwörung auf die Spielfeldseite von Umut beschworen wird. Nun ist KG 1 an der Reihe -- doch der Effekt von Alex' Kolossalem Kämpfer geht ins Leere, da sein Kämpfer ja gar nicht mehr im Friedhof liegt! Wir sehen also - ein Doublekill als Turn Player ist eigentlich immer eine Arsch-Situation. Es ist nämlich vollkommen egal, welches Ziel man als Turn Player wählt - der Gegner kann einfach das selbe Ziel anpeilen, um den Effekt des Turn Players ins Leere laufen zu lassen. Begeben wir uns weiter zum nächsten Beispiel!
Der Goyowächter ist mit die beliebteste Auswahl unter den Synchros, da sich Krebons mit einem beliebigen Level-4-Monster zu jenem extrem spielstarken Monster verschmelzen lässt. Wer sich den Kartentext genau durchliest, der wird das Wörtchen "kann(st)" im Effekt vorfinden, wodurch der Effekt des Goyowächters zu einem optionalen Effekt wird. Angenommen, Umut hat seinen Colossal Fighter in Verteidigungsposition auf dem Spielfeld liegen, und Alex greift diesen mit seinem Goyowächter an, so entsteht im Gegensatz zu vorhin eine typische Win-Win-Situation. Beide Effekte aktivieren sich auf die Bedingung hin, dass ein Monster als Ergebnis eines Kampfes in den Friedhof gelegt wurde - daher lautet unser Stichwort erneut "SEGOC". Und dadurch, dass der Colossal Fighter nämlich einen obligatorischen (= anderes Wort für "Muss-") Effekt besitzt und der Goyo Guardian einen optionalen (nicht zu verwechseln mit "obligatorisch"!) Effekt, entsteht die Kette laut SEGOC-Regel diesmal umgekehrt! Würde Umut in diesem Fall also seinen im Kampf zerstörten Colossal Fighter wählen, Kettenglied 2: Goyowächter (Alex) - Ziel: Umuts Kämpfer so würde dieser zunächst durch den Goyowächter auf Alex' Spielfeldseite als Spezialbeschwörung beschworen werden - und dann ist der Kämpfer nicht mehr im Friedhof, wodurch Kettenglied 1 verfällt. Daher wäre es wohl empfehlenswert, in solchen Situationen ein anderes Monster vom Typ Krieger zu wählen! Doch der Damage Step hat noch weitaus andere Tücken als nur SEGOC. Mein heutiger Artikel heißt ja auch nicht umsonst "Aufrichtiger, kolossaler Goyo-Streitwagen" - aus welchem Grund wir uns nun zu Honest und den Gladiatoren begeben!
Honest ist eine ziemlich spielstarke Karte, die vor allem in den Lichtverpflichtet-Decks gespielt wird und zudem regeltechnisch gesehen recht heimtückisch ist. Sobald zwei solcher Decks aufeinandertreffen, ist die große Verwirrung vorprogrammiert - das kann ich euch sagen! Nehmen wir an, Tobias hat einen Garoth, Lichtverpflichteter Krieger auf dem Feld, und sein Gegner Christoph eine offene Lumina, Lichtverpflichtete Beschwörerin in Angriffsposition. Garoth, Lichtverpflichteter Krieger soll die Lichtverpflichtete Beschwörerin nun angreifen, und es geht in die Schadensberechnung. Sein Gegner zückt kurzerhand Honest, woraufhin Tobias sich sehr freut und ebenso einen Honest ausspielt! Zu früh gefreut... Die Kette, die nun entsteht, hat ausnahmsweise nichts mehr mit SEGOC zu tun, da die Effekte zwar im gleichen Zeitfenster (nämlich Unterteil 3 des Damage Step: Berechnung der ATK/DEF der Monster) aktiviert werden, jedoch klar und deutlich nacheinander. So sähe sie dann aus: Kettenglied 2: Aufrichtig (Tobias) Wenn man diese Kette nun von hinten auflöst, geschieht das für Tobias Unfassbare: Garoth, Lichtverpflichteter Krieger erhält einen Angriffs-Boost von 1000 Punkten, womit er nun 2850 Angriffspunkte besitzt. Jetzt kommt Christophs Honest an die Reihe und gibt der Lumina, Lichtverpflichtete Beschwörerin nun nicht nur 1850 Punkte auf die ATK obendrauf - nein, sie erhält die vollen 2850 ATK als Bonus, womit sie 3850 Angriffspunkte besitzt. Dumm gelaufen, gleich mal minus 1 gemacht - und das einfach nur deswegen, weil man sich über diese Regel nicht bewusst war. Grundsätzlich hat der Turn Player ja immer Priorität. Wenn er eine Karte zieht, wenn er ein Monster beschwört, wenn er einen Angriff deklariert oder eben auch, wenn es an die Schadensberechnung geht. Rein theoretisch hätte Tobias also seinen Aufrichtig als Kettenglied 1 spielen können - doch ist das ja technisch gesehen Blödsinn, denn zu diesem Zeitpunkt hat sein Monster ja ohnehin schon 850 Angriffspunkte mehr als das gegnerische Monster. Daher passt Tobias seine Priorität an seinen Gegner, welcher allerdings sehr wohl einen Aufrichtig spielt. Nun ja... wenn Tobias jetzt seinen Engel ankettet, ist's - wie ihr eben gesehen habt - eben leider zu spät für seinen Garoth, Lichtverpflichteter Krieger. Der nächste Gedanke eines Spielers wäre also "Bilde ich halt ne zweite Kette!". Doch auch das ist nicht möglich - zumindest nicht im Damage Step. In allen anderen Phasen/Steps eines Spielzuges besteht die Möglichkeit, mehrere Ketten zu bilden, bevor in die nächste Phase oder den nächsten Step übergegangen wird - nur eben nicht im Damage Step. Hier gibt es grundsätzlich immer nur 1 einzige Kette und danach ist Sense. Tobias würde zwar gerne seinen Honest aktivieren, nachdem Christophers Honest der Lumina die 1850 ATK gutgeschrieben hat, doch ist dies eben nicht möglich.
Zu guter Letzt kommt jetzt noch der Gladiatorungeheuer-Streitwagen ins Spiel, denn dieser wird uns nun eine kleine Tücke der SEGOC aufzeigen. Ziehen wir als Beispiel wieder den Colossal Fighter-Doublekill von Alex und Umut heran: Angenommen, Umut splasht aus irgendeinem Grund Empfänger in sein Gladiatorungeheuer-Deck und hat neben seinem Colossal Fighter nun auch noch ein beliebiges Gladiatorungeheuer auf seiner Seite liegen. Wenn Alex nun erneut den dummen Fehler begeht und einfach so in den Kämpfer von Umut rein-angreift, so bildet sich die oben beschriebene Kette nach der SEGOC-Regel: Kettenglied 2: Kolossaler Kämpfer (Umut) - Ziel: Alex' Kämpfer Umut will mit seiner verdeckten Fallenkarte - dem War Chariot - den Effekt von Alex' Kämpfer negieren (aus Angst, ob Alex' Kämpfer denn noch durchkommt, wenn er das selbe Ziel wählt - ihr müsst wissen, der Umut ist ein ziemlicher Noob), also deckt er den Streitwagen der Gladiatoren einfach auf. Dieser zählt jetzt als KG 3, bezieht sich jedoch nicht auf Alex' Kämpfer (KG 1), sondern auf seinen eigenen! Konterfallen beziehen sich grundsätzlich immer auf das letzte Kettenglied, das gerade vorliegt. Demzufolge würde Umut mit diesem Spielzug seinen eigenen Colossal Fighter negieren und Alex die Möglichkeit geben, seinen Krieger als Spezialbeschwörung zu beschwören! Ich persönlich hoffe, dass euch dieser kleine Abschweif zu den Regeln ein wenig geholfen hat, diese Spielsituationen nachzuvollziehen oder zukünftig eben keine Fehler in dieser Richtung zu begehen! In diesem Sinne wünsche ich euch nun eine schöne Restwoche und heute natürlich noch einen schönen Abend!
eTCG-User .selebu erklärt sich bereit, am 23.12. diesen Jahres ein Super Smash Bros. Brawl-Turnier in Köln zu veranstalten. Ich persönlich werde zwar nicht anwesend sein, doch denke ich, dass dieses Turnier für viele eine der wenigen Möglichkeiten darstellt, sich zu beweisen. Daher erfährt das Turnier hier nun zusätzliche Promotion durch meinen Artikel! ![]() Hier klicken für Details und Anmeldung! Morgen ist dieser Artikel wohl mit die einzige Internetseite, die ich in Google über das Buch "Richard kehrt zurück" von Wolfdietrich Schnurre finden können werde. Über dieses Werk aus der Nachkriegsliteratur soll mein Deutsch-Referat am Montag gehen. Es gibt keine Inhaltszusammenfassungen oder Interpretationshilfen zu diesem Buch, es ist veredammt unverständlich geschrieben und ich weiß um ehrlich zu sein nicht so genau, wie ich das bewerkstelligen soll. Aus diesem Grund habe ich im Forum einen Thread geöffnet, in welchem ihr mir theoretisch weiterhelfen könntet, sofern ihr das Buch kennt oder euch im Bezug auf die Nachkriegspolitik auskennt. Also bitte hier melden, wenn ihr was wisst! ;-) Greets, Harti
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