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Wenn ein Spiel stirbt
von soulwarrior am 06.02.2009 um 11:20 Uhr
Am 28. Januar ist auf icv2.com die Meldung online gegangen, Upper Deck würde Vs. System einstellen. Im letzten Jahr war "das andere TCG" [1] nicht unbedingt in aller Munde oder – um es noch krasser auszudrücken – im Grunde war es, aus Sicht vieler besser Informierten, nur "eine Frage der Zeit", bis diese Nachricht das Licht der Welt erblickt. So abgedroschen diese Formulierung auch klingt, wenn man sich in einigen TCG Läden umgesehen hatte, ist man auf so einiges gestoßen... allen voran wohl Yu-Gi-Oh! TCG Spieler, Magic Spieler, World of Warcraft Spieler, Naruto Spieler und und und... doch Vs. Spieler waren dann doch eher die Ausnahme.
Wie kommt es, dass ein Spiel einfach so stirbt? Müsste nicht gerade ein Spiel in der Hand eines erfahrenen Vertreibers – von dem wir im Fall von Vs. System zweifellos sprechen können – quasi zwangsweise zu einem Erfolg werden? Und blüht Yu-Gi-Oh! dasselbe Schicksal? Vielleicht nicht jetzt, aber spätestens wenn Konami das Ruder auch in Europa übernimmt? Fragen über Fragen, die gemeinsam ausreichend viel Stoff ergeben, um eine Kolumne zu verfassen und sich dabei gleich noch ein wenig auszutoben. Wenn das nicht nach einem Job für supersoul klingt?!
Liest man die Meldung aufmerksam, so erfährt man, dass nach 25 Veröffentlichungen und mehr als 4000 Karten in den vergangenen 5 Jahren Schluss mit Vs. System war. Das ist ja schon mal beruhigend, denn da fehlen Yu-Gi-Oh! immerhin noch einige Karten, bis die 4000er Marke erreicht ist. Andererseits sind wir schon weit über die 25 Veröffentlichungen hinaus geschossen. [2] Hm, also doch nichts mit "Ruhe bewahren" und lieber direkt Panik schieben? Nein, davon sind wir noch weit entfernt. Denn damit ein Spiel wirklich stirbt, muss so einiges zusammen kommen. Viele verschiedene Faktoren entscheiden über Erfolg und Untergang eines Spiels. Zweifellos ist der Vertreiber eine der tragenden Säulen, also sehen wir uns zunächst die Aufgaben dieser Fraktion an.
Eurer aller Meinung nach gehört Upper Deck mit Sicherheit zu den ganz großen Firmen. Ja, sogar zu den riesigen Firmen. Nun möchte ich nicht abstreiten, dass Upper Deck einen gewissen Umsatz erzielt und der sich sogar sehen lassen kann. Zumindest, wenn man die Umstände betrachtet, doch dazu kommen wir erst etwas später... Was macht nun Upper Deck mit dem Umsatz, der hauptsächlich durch den Verkauf von Karten erzielt wird? Nun, neben der Bezahlung der ganzen Leute, die am Erfolg des Spiels beteiligt sind ("Hallo!"), steckt man noch Geld ins Marketing, um den Verkauf zukünftig erscheinender Produkte anzukurbeln (Gelungene Beispiel-Werbe-Aktion) sowie ins Organized Play, um den Spielern auch ein Ziel zu geben: Den Sieg auf kleinen und großen Turnieren! Da wir uns heute oberflächlichen Betrachtungsweisen verschrieben haben (oder mit anderen Worten: ich viel zu faul bin, um ins Detail zu gehen), soll uns das auch schon genügen. Zweifellos ist bei allen von Upper Deck produzierten Spielen ein gewisses Maß an Support gegeben, auf das Fans anderer Spiele nur neidisch blicken können ("Hallo Naruto-Fangemeinde!"). Das galt auch für Vs. System. Mehr noch, im Gegensatz zu Yu-Gi-Oh!, wo die Spielergemeinde auch nach 5 Jahren nicht müde wird, über "die Vorteile von Shonen Jumps in Europa, im Speziellen Deutschland" zu diskutieren, gab es bei Vs. System sogar Möglichkeiten, auf Turnieren richtig Geld zu machen! [3] Sogar ich habe mal 250 € auf nem PCQ mitgenommen! [4] Ein regelmäßiges Liga-Programm gab es natürlich auch, so dass wir also wie schon erwähnt abschließend fest halten können: Ja, es gab umfassenden Support für Vs. System.
Im Gegensatz zur allgemein vorherrschenden Meinung ist das Trading Card Game Business nicht unendlich+2 groß. Daher ist Upper Deck zwar "ein dicker Fisch", allerdings in einem sehr, sehr, sehr kleinen Wasserglas. Nein, wir reden hier bewusst nicht mal von einem Aquarium. Zum Vergleich: Microsoft ist ein endlos großer Fisch in einem endlos großen Ozean. Und Electronic Arts ist ein richtig großer Fisch in einem immerhin noch großen Ozean. Egal, was ihr euch denkt, die Umsätze im Trading Card Game Bereich sind eben nicht so riesig, wie man sich das wünschen würde. Und abgesehen davon wurde – obwohl wie erwähnt grundsätzlich jede Menge Support vorhanden war – wohl auch nicht alles bei der Veröffentlichungsstrategie und der Auswahl und dem Aufbau der OP Programme richtig gemacht. Doch Fehler geschehen immer und ich wage zu behaupten, dass es nicht nur daran lag, dass dieses – eigentlich großartige – Spiel sein Ende fand. Denn es gibt noch weitere entscheidende Aspekte, die nicht zu verachten sind.
Selten habe ich eine so vergiftete Community wie die von Vs. System erlebt. Einige Leser werden jetzt sofort denken, dass sich die Yu-Gi-Oh! Community auch nicht immer von der besten Seite zeigt, aber bei all ihren Macken – selbst, wenn ich all diese zusammen betrachte –, ich verspüre nicht annähernd so ein heftiges Verlangen, meinen Kopf zu schütteln, wie wenn ich an die Leute denke, die Vs. gespielt haben. Dieses Spiel wurde zu einem nicht geringen Teil tot geredet. Ja, die Situation bei Yu-Gi-Oh! ist gerade mit Sicherheit nicht allzu prickelnd. Wir hatten schon ausgeglichenere Metagames und mehr Deckvielfalt. [5] Doch trotzdem kann ich im Forum überall Stimmen vernehmen, die dann Durchhalte-Parolen wie "mit der nächsten Liste wird alles besser" verbreiten. Die Yu-Gi-Oh! Community unterstützt womöglich nicht das ausgeglichenste Spiel. Doch sie ist von allen Communities, die ich kenne, die mit Abstand positivste! Ja, es wurde über Secret Rares geklagt. Und über Reprints. Über Vorgaben bezüglich des Prize-Supports auf Regios und über veränderte Sneak Previews. Doch es wurden auch Turnierprogramme gelobt! Die Veröffentlichung der Tins, die alle Synchromonster erschwinglich macht und dafür sorgt, dass das Extra-Deck hierzulande nicht so viel kostet wie der Rest des Decks! Das entschiedene Durchgreifen gegen Cheater auf Turnieren! Die professionelle Durchführung von Premier Events! Die Stärke neuer Sets (angefangen mit PTDN) und die Einführung vollkommen neuer Elemente im Spiel (Synchromonster), die es komplett auf den Kopf stellen konnten! Und und und! Zwar vergesse ich das auch noch viel zu häufig, doch in diesem Spiel wird mindestens genauso häufig gelobt, wie geweint wird. Klar, die Welt ist nicht perfekt, doch zumindest ein großer Teil dieser Community hat das begriffen und konzentriert sich auf die Sonnenseite des TCG-Lebens. Er setzt sich sogar mit sehr, sehr, sehr viel weiter gehenden Fragen auseinander und versucht sich beispielsweise in die Rolle der Frau zu versetzen und beteiligt sich an einer seitenlangen Diskussion, wie wir im Feedback-Thread zu liss' Artikel sehen können; ja, er ist sich nicht mal zu schade, sich für "ein paar lumpige Booster" (wie der Emo sagen würde) an den PC zu setzen, einen Artikel zu schreiben und sich selbst an einem Artikelschreiber-Contest zu beteiligen! Vor einiger Zeit wurde mir von einem Fall aus dem Auenland berichtet: Dort hatte ein Kiddie sein Deck verloren und war den Tränen nahe. Kurzum sammelten alle Spieler im Laden, Ralph, der Inhaber des Ladens, legte noch mal etwas drauf und zusammen konnte man dem jungen Talent so gleich zwei neue Structure Decks kaufen, über das es sich wohl bis heute freut. Solche Geschichten wärmen nicht nur das Herz, sie untermauern nur weiter, dass die Hoffnung in dieser Community noch lange nicht erloschen ist. All das ist großartig! Und der überdeutliche Beweis dafür, dass es Yu-Gi-Oh! über kurz oder lang gar nicht SO schlecht gehen kann – unabhängig davon, wer das Spiel vertreibt und ob sich jetzt eine Sneak nach vorne oder nach hinten verschiebt. Denn die Community liebt dieses Spiel nicht nur, sie glaubt auch daran! Und das ist mit Abstand der wichtigste Faktor von allen, wenn es darum geht, ob sich ein Spiel auf dem Markt halten kann oder nicht. Sogar noch wichtiger als die Frage, ob es sich beim Spiel selbst um ein gutes oder ein schlechtes handelt. Dieser wollen wir jedoch heute nicht mehr auf den Grund gehen. Somit bleibt mir im Grunde nichts mehr, als euch mal wieder ins Wochenende zu verabschieden und zu hoffen, das ihr auf den vielen Turnieren, an denen ihr teilnehmt, viel Spaß habt! soul
Abgeschaffte Veto-RechteDas Veto-Recht für Karsten bei der täglichen Bestimmung des Mittagessens ist inzwischen verfallen. Denn wie sich heraus gestellt hat, isst Karsten ja mehr oder weniger doch alles. Als ich ihn damit beschimpfte, "Meta-Esser" zu sein, entgegnete er nur ganz stolz: "Seit Jahren!" Ja, Meta muss nicht immer schlecht sein. Zählende GimmicksDisclaimer: Diesen Unterpunkt nur lesen, falls ihr 18 oder älter seid! Ganz besonders im Trend liegen diese Woche zählende Gimmicks. Da hat mir Matthias wieder was Tolles gezeigt, es versteckt sich hinter diesem Link. Über den "zählenden Penisring" war ich dann wirklich erstaunt. Und seit ich davon erfahren habe, kann ich mir nicht helfen, ich verfalle immer wieder der Frage, wie viel denn "eine realistische Zahl" ist. In jedem Fall bin ich mir jedoch sicher, dass FÜNF Stellen etwas übertrieben sind... E-Mail Verkehr mit Achim GünzelSchon wieder dieser Achim. Doch heute müssen wir mal den regelmäßigen E-Mail Verkehr mit ihm loben! Nichts versüßt einem den Tag mehr als eine E-Mail an Achim, man kann sich dann nämlich sicher sein, dass sich das Gespräch noch den Rest des Tages hinziehen wird und man auch wirklich die ganze Zeit über amüsiert wird. Sollte euch mal langweilig werden, solltet ihr euch auch einen Freund anschaffen, den man einfach mal so spontan anschreiben kann und der dann dafür sorgt, dass man den Rest des Tages Spaß hat! [1] Das ist in etwa die Bezeichnung, unter der das Spiel (und viele andere Spiele) bei den meisten Yu-Gi-Oh! Spielern bekannt war. [2] Wenn man sich das geballte Programm mit Booster-Erweiterungen, Special Editions, Structure Decks, Tin Boxen und und und ansieht, gelangt man mitunter sogar zu dem Eindruck, die 25 Veröffentlichungen schafft Yu-Gi-Oh! jedes Jahr... [3] Ähnlich spannende Diskussionen sind meiner Ansicht nach: "Lohnt es sich, Pizza zu essen?", "Was ist der Unterschied zwischen Waldameisen und anderen Ameisen?" und nicht zuletzt "Wird es von Dr. House auch noch eine 10te Staffel geben?" Mit anderen Worten: Man sollte nicht über Dinge diskutieren, bei denen sowieso 98% aller Beteiligten derselben Meinung sind. [4] Schön war sie, schön war die Zeit! Ich rechne fest damit, dass Harti im Feedback-Thread postet: "Die musstest du ja auch gewinnen, damit du das Ticket wegen des zu schnellen Fahrens bezahlen konntest." Meine Antwort wird dann: "Is richtig, aber du hättest sie auch gebrauchen können, um dir mal nen anständigen Friseur-Besuch leisten zu können..." sein. [5] Wobei es einige User im Forum immer wieder so hinstellen, als hätten wir schon mal über einen Zeitraum von 2 Jahren ein mega-ausgeglichenes und interessantes Metagame. Ich war dabei und ich wage zu widersprechen. Ja, wir hatten in diesem Spiel schon ausgeglichene Metagames und die Situation war bestimmt auch schon mal über 3 Monate hinweg gut, aber sehr viel länger nicht. Denn dann kehrte immer wieder Eintönigkeit bei den verschiedenen Decks ein, ob das jetzt an den dominanten Monarchen, einem LADD, dem DAD oder an sonst einer Überkarte lag.
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