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Die Banned List soll klein bleiben! - Oder etwa nicht?!
Eintrag vom 19.08.2017, 16:05 Uhr

"Wir wissen ja: Die Banned List sollte möglichst klein bleiben"
So lautet ein Zitat aus dem kürzlich veröffentlichten Artikel "Never Come Back" des Users Deckcreator16. Er ist ein sehr freundlicher und umgänglicher User, der etcg oft mit seinen Artikeln bereichert und solltet ihr "Never Come Back" noch nicht gelesen haben, dann empfehle ich euch einfach mal reinzuschauen. Doch ich möchte heute nur auf die Aussage eingehen, dass die Banlist so klein wie möglich bleiben soll, denn schon sehr oft habe ich von Leuten gehört, dass sie dies als wichtigen Faktor dafür ansehen, welche Karten Konami auf die Liste setzt, weil diese sonst zu verwirrend wäre, besonders für Anfänger und Wiederkehrer. Dazu habe ich mir einige Gedanken gemacht und möchte diese einmal mit euch teilen.

Der erste Gedanke, der einem zwangsläufig in den Sinn kommt, wenn man darüber nachdenkt, ob die Länge der Banlist für Konami wirklich eine Rolle spielt, ist die Frage, warum dann noch immer Karten wie Book of Moon, Debris Dragon oder Neo-Spacian Grand Mole darauf zu finden sind. Es ist auch keineswegs so, dass sich noch keine Gelegenheit geboten hätte diese Karten hochzustufen - manche von ihnen fristen schon VIELE JAHRE ihrer Zeit dort. Außerdem begrenzt es sich auch nicht auf nur diese 3 von mir genannten Kandidaten. Eine ganze Fülle von Karten sind ebenso fraglich dort vorzufinden: Tribe-Infecting Virus, Morphing Jar #2, Gateway of the Six, Black Luster Soldier, Artifact Moralltach, Rescue Rabbit, Mathematician, Genex Ally Birdman, Inzektor Hornet, Night Assailant, Ritual Beast Ulti-Cannahawk, One for One, Mind Control, Final Countdown, Bottomless Trap Hole, Torrential Tribute, Compulsory Evacuation Device, Honest, Wind-Up Magician, Card Trooper, Dragon Ravine, Ojama Trio und nicht zu vergessen die Karten auf die sich Deckcreator16 hauptsächlich in seinem Artikel bezog, Elemental Hero Stratos und El-Shaddoll Construct. Keine dieser Karten wäre wirklich im Meta relevant - vielleicht in Loop-, Troll- oder Fundecks aber nicht im Meta. Und selbst das waren noch immer nicht alle Karten, sondern nur die offensichtlichsten. Wenn Konami die Liste tatsächlich klein halten möchte, warum bemühen sie sich dann nicht, zumindest die Hälfte dieser Karten wieder hochzustufen?

Der zweite Punkt der mir in den Sinn kam, ist die Länge der Banlist, die sie bis zum heutigen Tag bereits erreicht hat. Denn angeblich ist ja das Ziel, zu verhindern, dass sie zu verwirrend und kompliziert wird, was so viel bedeutet, wie, sie sollte nicht so groß sein, dass man sie sich gar nicht mehr merken kann. Es befinden sich allerdings momentan 176 Karten auf ihr. Könnte jemand jetzt sofort AUS DEM KOPF jede dieser 176 Karten nennen? Der Großteil aller Spieler müsste definitv nochmal nachgucken, bevor er alle aufzählen könnte. Von Anfängern und Wiedereinsteigern ganz zu schweigen. Also sind wir bereits jetzt an einem Punkt angelangt an dem die Liste zu groß und verwirrend ist, weil die Spieler ohnehin nachgucken müssen, weil es bereits 176 Karten sind. Im September 2013 beispielsweise waren wir noch bei 153 Karten. Man sieht also, dass es stetig zunimmt. Konami vergrößert die Liste Jahr für Jahr.
Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch viele Spieler die sich regelmäßig intensiv mit dem Spiel beschäftigen, die auch alle 176 Karten aus dem Kopf auflisten könnten. Doch für sie macht es auch keinen Unterschied, ob noch mehr Karten auf die Banlist kommen. Sie wären auch in der Lage sich 200 oder 300 Karten zu merken.

Ein ähnlicher seltsamer Fakt fällt jedem auf, der sich einmal durch den Kopf gehen lässt über was für ein Spiel wir hier eigentlich reden. Spätestens seit der Einführung der Link Summon ist Yugioh vermutlich das komplizierteste Kartenspiel der Welt. Ist es dann tatsächlich sinnvoll zu glauben, dass die Reduzierung der Banlist groß etwas daran ändern würde? Das ist vergleichbar mit der Änderung der Namen von Charaktern in Animes. Was bringt es, die Namen für das westliche Publikum auch eher westlich klingen zu lassen, damit der Anime nicht mehr ganz so japanisch wirkt, wenn dort aber trotzdem jeder in Kimono rumläuft, Sushi isst und Kendo trainiert? Ich weiß, dass der Vergleich nicht komplett perfekt passt, doch ich hoffe es reicht, um nochmal besser verständlich zu machen, was ich eigentlich meine. Wenn man Yugioh nicht zu kompliziert haben möchte, dann wäre die Banlist einer der schlechtesten Ansatzpunkte dafür, weil man dadurch nur wenig an der Gesamtheit des Spiels ändern würde. Es wäre lediglich eine Reduzierung von 100% auf 98%. Ich habe schon mehrmals versucht Leuten Yugioh beizubringen und gesehen wie schwierig es bereits für sie war alle nötigen Regeln zu lernen, allein um ein Duell ohne Extradeck zu spielen. Wir etcg User sind natürlich alle mittlerweile an jegliche Regeln gewöhnt, allerdings ist uns deshalb kaum noch bewusst wie viel man sich überhaupt merken muss, um das Spiel korrekt spielen zu können. Das ist mir sehr deutlich geworden als ich Anfänger in das Spiel eingeführt habe. Jeder Spieler startet das Duell mit 5 Handkarten. Am Anfang jedes Zuges zieht man eine Karte vom Deck in der Draw Phase. Der Spieler der den ersten Zug hat, hat allerdings keine Draw Phase. Man kann nur einmal pro Zug normalbeschwören. Ohne Tribut kann man allerdings nur Monster mit Stufe 4 oder niedriger normalbeschwören. Das waren bereits 5 Regeln. Also muss sich der Anfänger bereits 5 Informationen merken und ist trotzdem noch weit davon entfernt ein Duell spielen zu können. Mau Mau ist mit 5 Regeln schon fast vollständig erklärt. Wenn man jemandem wirklich alle Regeln inklusive Ritual-, Fusions-, Synchro-, Xyz-, Pendulum-, Linkbeschwörung, verpasstem Timing, dem Unterschied zwischen Kosten und Effekten und den Substeps der Battle Phase beibringen möchte, dann sind das bereits mehr als 176 Informationen. Wesentlich mehr, wenn man bedenkt, dass man dafür zwangsläufig auch noch massig Karteneffekte auswendig kennen sollte. Wenn also jemand sich die Mühe gemacht hat, sich all dies zu merken, dann wird er danach vermutlich nicht sagen "Was, ich muss mir weitere 176 Informationen merken? Nein, das ist mir zu viel. Dann steige ich lieber aus dem Spiel aus."

Ich habe bereits erwähnt, dass die Liste im Laufe der Zeit immer größer und größer wurde. Auch dies wirft nochmal die Frage auf, ob Konami tatsächlich daran interessiert ist, sie so klein wie möglich halten zu wollen. Schließlich ist es jedes Jahr das selbe: Die Banlist wird veröffentlicht, hittet einige Karten und schränkt somit das bisherige Meta ein. Ein neues Deck kommt auf den Markt und wird das neue Meta und nach einer Weile kommt die nächste Banlist und hittet wieder mehrere Karten, um wiederum dieses Metadeck einzuschränken. Mit anderen Worten: die Decks werden bereits so designt, dass sie Meta werden und dann durch die Liste abgeschwächt werden müssen. Eine solche Strategie scheint nicht sehr darauf fokussiert zu sein, die Liste klein zu halten. Dabei gäbe es jedoch Möglichkeiten dazu. Man könnte versuchen die Decks so zu entwerfen, dass sie nicht gnadenlos alles bisherige in den Schatten stellen sondern so, dass sie stark sind und mithalten können, aber nicht so übermächtig, dass man sie hitten müsste, wie z.B. Blue-Eyes oder Tellarknights zu ihrer Zeit. Oder man könnte ein Deck Meta machen und nach einer Weile sehr gute Antikarten bzw. Antidecks gegen dieses Deck rausbringen, um es aus dem Meta zu drängen ohne unnötig die Banlist dafür heranziehen zu müssen. Oder man könnte die Decks zumindest so wie Spellbook gestalten, was seine Stärke allein aus Spellbook of Judgment bezogen hat, damit der Hit von nur einer einzigen Karte reicht, um es auf ein faires Niveau abzuschwächen. Jedoch wird es jedes mal aufs Neue so gehandhabt, dass man Metadecks schon von Beginn an so gestaltet, dass sie zwangsläufig mehrere weitere Karten auf die Banlist bringen. Bestes Beispiel wäre hier das Zoodiak-Deck.

Am wichtigsten ist jedoch der letzte Punkt, den ich jetzt ansprechen möchte. Dafür möchte ich euch gerne einen Ausschnitt aus einer Diskussion zeigen, die ich vor einer Weile mit Yanmega7 hatte:

Yanmega7 schrieb: "Im Prinzip müsste man Master Peace, VFD und Babycerasaurier verbieten, damit Dragonische Darstellung auf 3 bleiben kann. Dann ist also die Frage: Ist es sinnvoller, 3 Karten von 3 auf 0 zu setzen oder die Konstanz zu reduzieren. Das Problem daran ist doch, dass (bei dem aktuellen Versuch, möglichst wenige Karten einzuschränken), die Dragonische Darstellung die Karte wäre, die eingeschränkt wird.
Ich würde es auf jedne Fall besser finden, die eigentlichen Problemkarten einzuschränken. Master Peace und VFD regen mich einfach nur auf, weil sie dafür sorgen, dass der erforderliche Skill zum Gewinnen in Richtung 0 geht."

Ich schrieb: "Ich denke es läuft auf die Frage hinaus: Wäre es besser eine möglichst kleine Liste zu haben und dafür ein Spiel in dem der erforderliche Skill gegen 0 geht oder lieber ein skilligeres Spiel und eine größere Liste?
Ich würde mich ganz klar für ein skilligeres Spiel entscheiden und dafür eine größere Liste in Kauf nehmen. Denn was bringt es denn eine ganz kleine Liste zu haben und dann aber ein Spiel zu haben, das gar keinen Spaß mehr macht? Selbst wenn über 1000 Karte auf der Liste wären, um das Spiel in einem gesunden Zustand zu halten, würde ich das besser finden als ein schlechtes Spiel mit kleiner Liste."

Dazu möchte ich noch hinzufügen, dass der Versuch die Liste klein zu halten nicht nur dem Skillfaktor entgegenstehen würde, sondern auch der Chancengleichheit aller Decks im Spiel und somit einem der besten Aspekte im ganzen Spiel. Zum Beispiel könnte man Terraforming limitieren, um jetzt True Draco, Dinosaurs und ABC, also gleich 3 Decks mit nur einem einzigen Hit einzuschränken, jedoch würden dadurch viele "unschuldige" Decks, die ihre Field Spell dringend brauchen, ebenfalls erheblich darunter leiden müssen. Dies würde die Deckvielfalt verschlechtern und so ziemlich jeder Yugioh-Spieler legt großen Wert auf Deckvielfalt. Denn auch meiner Meinung nach ist sie der größte Pluspunkt in Sammelkartenspielen, der sie von anderen Spielen abhebt. Denn würde es nur ein Deck geben, dann wäre Yugioh quasi nur eine schlechtere Version von Schach. Man muss sich einfach die Zeit nehmen zu erkennen was man für wichtiger erachtet und Prioritäten setzen.

Ich bedanke mich bei allen Lesern, die es bis hier geschafft haben für ihr Interesse. Was denkt ihr? Sollte man versuchen die Banlist so klein wie möglich zu halten? Versucht Konami überhaupt die Liste klein zu halten?

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WiR:
Ich finde die größe der Liste spielt keine Rolle. Wie du so schön in deinem Artikel beschrieben hast. Im kopf alle 176 aufzählen kann wohl (fast) keiner. Jedoch wenn man diese 176 karten mit 1000 anderen mischt und alle 176 richtig einordnen müsste, das würden wohl 90 Prozent schaffen. Ich hätte das im Januar bevor ich wieder anfing zu 80 Prozent richtig geschafft. Dazu kommt das viele ihre Decks erst online bauen. Da kommt dan nicht ausversehen ein Topf der Gier rein.

Es währe sehr schön wenn Konami immer ein Meta Deck macht und es direkt mit der nächsten liste trifft. Realität ist aber das Konami einfach ein noch krasseres Deck raushaut und dann nochmal ein heftigeres und dann in einem Jahr mit der "richtigen" Liste versucht alle zu hitten. Das Ergebnis davon ist dann das T3 Decks gegen T1 einfach kein Land sehen. 2012 war das anderst.

Am 13.09.2017 um 21:10 Uhr