Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      So, vielen dank euch beiden und natürlich auch allen Lesern.

      @Deckcreator16
      Sagen wir es mal so, Anya wird erwachsener und Levrier entdeckt sich selbst. In der ersten Staffel lag sein Fokus einzig darauf, Eden zu werden. Jetzt, da dies nicht mehr der Fall ist, entfaltet er seine Persönlichkeit. Seit Staffel 2 ist er so spitzzüngig. Wobei ich mich doch wundern muss, Anya und spitzzüngig? Seit wann das?

      Schon lustig, wie viele sich Undying vor dem Fernseher vorstellen ... xD
      Das mit den Pendeln ist etwas doof von mir gewesen, da hab ich nicht richtig nachgedacht. Allein aus Marketinggründen ist der Release schon wenige Tage nach Ankündigung total dämlich. xD
      Aber gut, ihr sollt ja auch ein paar Pendeldecks sehen. ;)
      Das mit den D-Pads usw. hast du aber falsch verstanden. Die alten Sachen dürfen weiter benutzt werden, sind aber nicht kompatibel wegen den fehlenden Zonen. Für das Turnier sind jedoch nur die neuesten Modelle erlaubt, aber die bekommt eh jeder Teilnehmer gratis. Aber du hast Recht, die werden trotzdem genug neue Disks und Pads verkaufen. xD
      Die "neuen" Spielregeln werden ab dem ersten Turniertag gängig sein, davor noch nicht. Aber das betrifft eh nur zwei Duelle.

      Was Melinda angeht, uhm, sie ist nicht wie Yuya. Also kein Ladies and Gentleman-Gefasel. Henrys Andeutungen widerum lass ich mal unkommentiert. ;)

      Danke für deinen Post.

      @Evil Bakura
      Erstmal: Sorry, ich wollte ja eigentlich den letzten Post noch aufstocken, aber habe das vollkommen vergessen. <.<

      Joa, die Folge sollte nach den Kämpfen gegen die Undying, Valerie 2.0 und Logan mal wieder für Lacher sorgen. Freut mich, dass es funktioniert hat.
      Natürlich denkt Anya nicht soweit, aber wer würde davon ausgehen, dass sie ihr Deck ohne Pearl bei sich behält?

      Freut mich auch, dass Claires Motiv der 'höheren Daseinsebene' gut rüber kam. Ich denke, du wirst sie sehr interessant finden. ;)
      Aber vermutlich nicht so sehr wie Val natürlich. xD Anya kann sich schon glücklich schätzen, dass die alle zu ihr halten, obwohl sie ihnen wenig Anlass dazu gibt.
      Jop, Kalis erste PoV-Episode dürfte auch interessant werden. Also auch dir danke für den Post!


      Also dann, machen wir mal weiter ...

      Turn 56 – Godslayer
      Während in Ephemeria City ausgelassen gefeiert wurde, stampfte dutzende Kilometer entfernt ein Paar schwarzer Stiefel durch hohes Gras. Das Plätschern eines kleinen Bachs war zu vernehmen, ebenso verschiedene Geräusche wie das Heulen einer Eule, das Rascheln von Blättern, das Zirpen von Grillen. Der Wald schlief nie.
      Kali trat an den Lauf des Wassers heran. Selbst im Schutze der Nacht zog sie es vor, in schwarzer Kutte samt weißer Maske aufzutreten, obschon sie nicht damit rechnete, dass jemand sie sehen würde. Es wäre töricht, um diese Uhrzeit noch im Wald unterwegs zu sein, besonders so tief.

      Die selbsternannte Dämonengöttin sah durch ihre starre Porzellanmaske hinab in das dunkle Wasser. Die Sichel des Mondes wurde regelrecht zerteilt, es sah aus, als tanzten viele kleine Lichter auf der Oberfläche. Verschwanden und tauchten an anderer Stelle wieder auf.
      Kali griff nach etwas am Gürtel ihrer Kutte. Nach ihrer Deckbox. Diese vor sich haltend, öffnete sie sie und betrachtete die Karten darin. Bei der Dunkelheit war es nahezu unmöglich etwas zu erkennen, aber die Frau wusste ohnehin, welche Karte oben auflag. Sie herausziehend, befestigte sie ihr übriges Deck wieder an seinem Platz.
      „Sayonara“, murmelte sie düster und streckte den Arm mit der Karte in der Hand über den Bach aus. Gerade wollte sie loslassen, da knackte etwas im Gebüsch.

      Alarmiert wirbelte Kali herum, vergaß kurzerhand ihren Plan, sich jener Karte zu entledigen. Das Geräusch war direkt aus dem Gebüsch ihr gegenüber gekommen, bestenfalls sieben Meter von hier entfernt. Ein Tier? Sie hatte jetzt keinen Nerv für-

      Es passierte so schnell, dass es sie – hätte sie schlechtere Reflexe gehabt – den Kopf gekostet hätte. Aus dem Nichts war -es- direkt vor ihr erschienen, hatte mit seinem unmenschlich langen Schwert nach ihr geschlagen. Nur indem sie sich im allerletzten Moment weggeduckt hatte, war sie dem sicheren Tod entkommen. Den nächsten Hieb konnte sie mit der inaktiven V-Duel Disk an ihrem Arm blocken.
      Sprachlos stand sie diesem Ding gegenüber. Eine hässliche, weiße Fratze, mit roten Markierungen im Gesicht, die der Farbe seiner Augen entsprachen. Vom ziemlich spät beginnenden Haaransatz streckte sich eine Mähne, die fast bis zum Boden reichte. Fast wie etwas aus dem japanischen Kabuki-Theater.
      „Ein Dämon!?“, keuchte sie.
      Jener riss sein langes Katana von ihr fort, doch statt einen erneuten Angriff zu starten, schob er dieses in die Scheide an seiner Hüfte.
      Kali wich zurück, wobei sie am Rande des Bachs angelangte. „Was bist du!?“

      Auch ihr Gegenüber nahm einige Schritte rückwärts, doch statt dabei eine Antwort zu geben, hob es den Arm. Und ließ eine grell leuchtende, rote Energie-Duel Disk ausfahren.
      „Was …?“
      Kali starrte gebannt auf die Duel Disk. Durch das Licht konnte sie jetzt die ebenfalls mit rötlichen Mustern versehene, schwarze Stoffhose ihres Angreifers erkennen. Die zu einem dunklen Kimono gehörte, den das Wesen trug. Seine Züge waren starr und das Licht spiegelte sich in ihnen wieder, sodass ihr bewusst wurde, dass es wie sie eine Maske trug.
      War es also menschlich? Nein … dazu war die Luft zu sehr erfüllt mit einer förmlich greifbaren Spannung. Etwas, das Kali noch nie zuvor gefühlt hatte und das, obwohl es bei weitem nicht der erste Dämon war, dem sie gegenüber stand. Nämlich nichts. Es war die Umgebung, die das ausglich, an was es diesem Wesen mangelte.
      Unweigerlich erinnerte sich Kali an die Worte ihrer Lehrerin. Etwas, dessen Präsenz man spürt ist harmlos im Vergleich zu dem, dessen Präsenz einem verborgen bleibt. Denn das Unsichtbare vermag außerhalb des eigenen Wahrnehmungsbereichs liegen …

      Geduldig wartete der Dämon auf eine Reaktion.
      „Du forderst mich heraus, nachdem du mich beinahe umgebracht hast!?“ Kali streckte schließlich den Arm nach vorne und ließ ihre Duel Disk zu einem langen V ausfahren. „Was immer der Sinn dahinter ist, meinetwegen. Duellieren wir uns!“
      Sie war sich nicht sicher. War dieses Wesen darauf aus, sie zu töten? Nein … das hätte es längst getan. So ungern sie es sich auch eingestand, gegen so ein Schwert hätte sie auf Dauer nicht bestehen können. Und wer oder was immer auch dort drüben stand, er wusste dies ebenso gut wie sie.
      „Ich werde nicht wegrennen!“, stellte Kali angriffslustig klar. Ihr Gegenüber reagierte nicht.

      [Kali: 4000LP / ???: 4000LP]

      Kaum hatte der unbekannte Dämon sechs Karten gezogen, legte er eine davon auf seine Energie-Duel Disk. Und sprach in diesem Sinne auch zum ersten Mal. „Monster-Set. End Phase.“
      Kali verkrampfte. Die Stimme passte perfekt zum Erscheinungsbild jenes Wesens, war sie verzerrt und unmenschlich, keinem Geschlecht zuzuordnen.
      Abgelenkt von jenem mechanischen Klang, achtete sie kaum darauf, dass sich eine horizontal verdeckt liegende Karte vor ihrem Gegner manifestierte.

      „Also kannst du sogar sprechen! Gut für dich!“ Ungestüm griff die Kuttenträgerin nach ihrem Deck und zog voller Schwung die oberste Karte. Den Arm mit der V-Duel Disk vor sich ausstreckend, rief sie: „Normalbeschwörung, ich rufe [Celestial Gear – Synthetic Owl] im Angriffsmodus!“
      Deren Karte auf die mittlere Monsterkartenzone schmetternd, ließ Kali über sich ein komplexes Muster aus leuchtenden Kugeln erscheinen. Jene verbanden sich via Lichtstrahlen miteinander und zeichneten den Umriss einer metergroßen, mechanischen Eule. Die sich ständig bewegenden Zahnräder in ihrem Inneren konnte man gut durch die durchsichtige, braune Energiehülle sehen, die den Vogel umgab.

      Celestial Gear – Synthetic Owl [ATK/1000 DEF/1100 (4)]

      Kali streckte den Arm aus. „Einmal, solange ich Owl kontrolliere, kann ich zusätzlich zu meiner regulären Normalbeschwörung ein weiteres Celestial Gear als solche von meiner Hand rufen. Erscheine, [Celestial Gear – Synthetic Albatross]!“
      Noch mehr Lichtsphären erschienen über Kali und zeichneten zusammen die Umrisse eines riesigen Mechavogels mit gebogenem Schnabel, der seine Schwingen spreizte. Sein Inneres wurde von einem rötlichen Feld zusammengehalten.

      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]

      Mit einem hochmütigen Schnauben ließ Kali ihre Hand nach oben fahren. „Und jetzt pass mal gut auf! Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Es öffnete sich ein Schwarzes Loch auf Kalis Spielfeldseite. Ihre zwei Monster wurden als gelbe Lichtstrahlen davon absorbiert und färbten das Phänomen golden.
      „Nun wirst du es sehen!“, versprach die Dämonengöttin finster.
      Aus dem Wirbel heraus trat nicht etwa ein Monster, sondern vier grün leuchtende Sphären. Um den Strom legten sich vier grüne Lichtringe. Nicht die geringste Reaktion von ihrem Gegner, trotz des ungewöhnlichen Verlaufs der Dinge.
      „Sieh hin“, schrie Kali zornig, „Incarnation Fork Summon! Ich stimme die für die Xyz-Beschwörung genutzten Materialien aufeinander ein! White light creates the path to supremacy! Divine arises! Xyz-Summon, Herald of Salvation, [Celestial Gear – Synthetic Armored Nightingale]! Synchro Summon, Herald of Damnation, [Celestial Gear – Synthetic Armored Hawk]! Arise!“
      Ein greller Blitz schoss durch den bunten Strom und ging durch die Sphären hindurch. Eine Explosion aus dem Overlay Network folgte, die drohte, die umstehenden Bäume zu entwurzeln.
      Zwei Mechavögel stiegen empor, beide mit einem weißen Brustpanzer geschützt, wodurch der Blick ins Innere deutlich eingeschränkter war als bei ihren Artgenossen.
      Der linke Vogel war von schlanker Figur. Eine violette Aura umhüllte ihn, wie er seine weiten Schwingen von sich spreizte, um jede von ihnen eine Lichtkugel kreisend. Der andere war wesentlich größer und kräftiger, verschleiert von orangefarbener Präsenz und erzeugte mit seinem beständigen Flügelschlag jedes Mal kleine Druckwellen, die Staub aufwirbelten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Nightingale [ATK/2400 DEF/2600 {4} OLU: 2]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Hawk [ATK/2600 DEF/2400 (8)]

      „Mal sehen, was du so drauf hast!“, spottete Kali und hob den Arm an. „Ich hab nämlich verdammt schlechte Laune!“

      ~-~-~

      Das wilde Getuschel der anderen Gäste machte Anya nervös. Der ganze Ballsaal war voll von diesen lästernden Biestern und es erschien ihr, als wären all deren Blicke auf sie gerichtet. Niemand von denen wollte, dass sie am Legacy Cup teilnahm! Aber diesen Mistmaden würde sie zeigen, dass es um sie kein Drumherum gab!
      Ihr gegenüber standen Henry und Melinda, mit deren Niedergang sich die Sache entscheiden würde.
      Letztere hatte zum ersten Mal die neue Beschwörungsart vorgestellt: Die Pendelbeschwörung. In zwei blau leuchtenden Säulen standen weit über ihr ein kleiner, grüner Frosch und ein Wolf in der Luft, beide mit gelb gepunkteter, roter Fliege am Hals.
      Gleich zwei Monster auf einmal hatte die Frau im blauen Abendkleid durch diese neue Technik beschworen, drehte nun einen ihrer beiden, roten Pferdeschwänze verspielt um den Finger. Sie kontrollierte einen Fisch mit Schwertkamm, einen bootsgroßen Wasserläufer und eine violette Kobra, allesamt mit derselben Fliege am Hals. Ihr Blatt fasste immerhin noch eine Karte.

      <3> Melindas Pendelbereich <5>

      Performapal Sword Fish [ATK/900 DEF/600 (2)]
      Performapal Skeeter Skimmer [ATK/800 DEF/1600 (4)]
      Performapal Whip Snake [ATK/2000 DEF/1000 (4)]

      Anyas Blick schwenkte herüber zu Henry, bei dem eine verdeckte Karte auf dem Feld lag. Und natürlich die Windzauberin Sphreez, die Melinda nicht ganz unähnlich sah, auch wenn ihre grünen Haare nur an den Spitzen rötlich gefärbt waren. Wie seine Schwester, hielt auch er eine Karte auf der Hand und Anya wusste auch genau, welche das war: [Pilica, Descendant Of Gusto], welche er durch Sphreez vom Friedhof erhalten hatte.

      Daigusto Sphreez [ATK/2000 DEF/1300 (6)]

      Und sie selbst? Sie hatte das beste Feld, wenn auch im Gegensatz dazu keine Handkarte. Über ihr flog Angel Wing, zu ihrer Rechten stand der Miniroboter Heavy T mit über der Brust gekreuzten Armen – verflucht sei er – und neben ihm lauerte noch [Gem-Knight Topaz].

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]
      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 DEF/0 (10)]
      Gem-Knight Topaz [ATK/1800 DEF/1800 (6)]

      Auch was die Lebenspunkte anging, war es diesmal nicht die Blonde, die langsam den sagenumwobenen 'Kick' spürte – zumindest bis jetzt noch nicht. Anya war mehr als zufrieden damit, Henry schon so früh in eine derart brenzlige Situation gebracht zu haben. Der nächste Treffer war unweigerlich sein Ende. Und Anya würde dieses herbeiführen, koste es, was es wolle. Sie schmeckte die Genugtuung bereits förmlich auf ihrer Zunge.

      [Anya: 3200LP //// Henry: 200LP Melinda: 4000LP]

      In ihrem elfenbeinfarbenen, nach hinten bis zum Boden reichenden Kleid steckend, verschränkte das Mädchen die Arme. „Nun, diese Pendelbeschwörung eben war erstaunlich … lahm.“
      Henry, ganz in Weiß, schnalzte mit der Zunge. „Weil du nicht begreifst, welche Tore sie öffnet.“
      Einige der Gäste stimmten ihm lauthals zu. Selbst jetzt war das Staunen um die Beschwörung nicht verstummt, einige bewunderten noch immer die blauen Lichtsäulen zu jeder von Melindas Seiten, welche Turn Toad und Silver Claw empor gehoben hatten.
      „Ach ja!? 'Woohoo, ich habe gerade zwei Monster auf einmal beschworen, fallt vor mir auf die Knie!' Weil das ja auch nicht jedes zweite Deck kann! Hmpf!“ Das Mädchen rümpfte die Nase.
      Belehrend hob Melinda den Zeigefinger. „Weißt du, Pendelmonster haben viele Vorteile. Sie können als Monster oder Zauberkarten gespielt werden und haben als Letztere in der Regel auch Effekte. Wie du siehst, verstärkt Silver Claw alle Performapals um 300 Punkte.“
      Passend dazu heulte jener über Melinda stolz auf. „Aber auch dass sie viele Monster auf einmal rufen können ist ein Vorteil, denn ältere Themen ohne diese Möglichkeiten werden genauso davon profitieren, genauso wie zukünftige. Ich könnte jetzt zum Beispiel ein Xyz-Monster beschwören.“
      Sie hätte jedoch genauso gut gegen eine Wand reden können, denn Anya erwiderte stur: „Das können Summers, der Flohzirkus, Marc und Nick, pft, sogar Redfield auch ohne diesen Shit!“
      „Gib es auf Melinda“, wandte sich Henry an seine Schwester.
      „Wie wollen wir sie denn-!?“ Die junge Frau seufzte mit erhobenen Armen, die sie letztlich kraftlos sinken ließ. „Schon gut. Das kommt sicher noch. Also schön, weiter im Text! Die Pendelbeschwörung hat in diesem Moment noch einen Vorteil: [Performapal Sword Fishs] Effekt! Denn der kann jetzt alle deine Monster schwächen, da ich spezialbeschworen habe!“
      Schlagartig vervielfachte sich der Fisch. Die Kopien schossen auf Anyas Spielfeldseite zu und verwandelten sich in echte Schwerter, die überall rund um ihre drei Monster einschlugen und im Boden stecken blieben.

      Gem-Knight Topaz [ATK/1800 → 1200 DEF/1800 → 1200 (6)]
      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 2400 DEF/0 → 0 (10)]
      Angel Wing Dragon [ATK/2700 → 2100 DEF/2000 → 1400 (8)]

      „Kch!“ Anya winkte ab. „Dafür brauche ich auch keine Pendel!“
      „Aber ich! Und auch Turn Toad kann mit den Werten anderer Monster spielen! Ich vertausche Skeeter Skimmers aktuelle Punkte!“
      Der kleine Frosch stieß ein kehliges Quaken aus, wodurch der Wasserkäfer wild mit den Flügeln zu schlagen anfing. Auch begann sein langes Stechwerkzeug undeutlich zu glimmen.

      Performapal Skeeter Skimmer [ATK/800 → 1600 DEF/1600 → 800 (4)]

      „Dasselbe kann auch Whip Snake, aber diesmal mit deinem Angel Wing! Sorry!“, kicherte Melinda vergnügt. Die echte Kobra wickelte sich im Anschluss um den viel größeren Look-a-like und biss diesem frech in den Nacken, ehe sie wieder zu Melinda zurückkehrte.

      Angel Wing Dragon [ATK/2100 → 1400 DEF/1400 → 2100 (8)]

      Mit einem verheißungsvollen Schmunzeln streckte Melinda den Zeigefinger aus. „Jetzt ist es Zeit für ein wenig Action! Skeeter Skimmer, pieks' den bösen Drachen!“
      Das Insekt flog voraus. Als Gegenantwort spie [Angel Wing Dragon] seinen verhängnisvollen, weißen Spiral-Odem, doch jenem wurde ausgewichen. Nach dem Kobrabiss wurde der weiße Drache nun auch noch in den Hals gestochen. Was zur Folge hatte, dass er explodierte. Etwas, das Anya ihm am liebsten gleichgetan hätte. „Hrgh, kein Kampfschaden wenn Angel Wing kämpft!“
      „Umso länger dauert das Duell, ist doch auch toll“, strahlte Melinda und richtete ihren Finger auf Heavy T, „der ist der nächste, Sword Fish!“
      „Das kannst du aber mal voll vergessen!“ Anya schwang ihren Arm aus. „Effekt Heavy Ts! Ich kann ein Monster opfern und ihn in Angriffsposition bringen, was ihn gleichzeitig für den restlichen Zug immun gegen Monstereffekte macht. Leider darfst du im Gegenzug ziehen.“
      [Gem-Knight Topaz] löste sich in blitzenden Funken auf. Der Roboter nahm seine Arme von der Brust, damit das T in jener sie absorbieren konnte. Um ihn begann eine helle Aura zu glühen.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/2400 DEF/0 (10)]

      „Warum hat sie das nicht gemacht, bevor der Fisch seinen Effekt benutzt hat?“, fragte Zanthe leise, der zusammen mit Matt und der in Rot gekleideten Journalistin an einem der vielen im Saal verteilten Cocktailtischen stand.
      Jener zuckte mit den Schultern. „Es ist Anya, schon vergessen? Zumal sie Heavy T kaum kennt.“
      „Oh man, so wird sie doch nie Duel Queen, wenn sie sich nicht mal die Texte durchliest …“
      Melinda zog auf und hielt ihre Arme anschließend über Kreuz. „Replay! Angriff abbrechen! Stop!“
      „Greif mit Whip Snake an“, sagte Henry und verengte seine Augen zu Schlitzen. „Vertrau mir.“
      „Teamwork!“, jubelte Melinda und streckte beide Arme nach vorne aus, „Du hast es gehört, los!“
      Sofort flog die violette Schlange auf Anyas einzig verbliebenes Monster zu. Die zischte gallig: „Mit euch werde ich trotzdem fertig!“
      „Dein Spielzeug da aber nicht“, konterte Henry eisig, „Falle aktivieren, [Miniaturize]! Sie schwächt es um 1000 Angriffspunkte und eine Stufe!“
      Anya klappte die Kinnlade herunter, als ihr Heavy T noch weiter schrumpfte und kaum mehr größer als ein Legomännchen war …

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/2400 → 1400 DEF/0 (10 → 9)]

      … und mit einem Happs verschlungen wurde. Man konnte mitverfolgen, wie er seinen Weg durch den Magen der Kobra fand. Die, geradezu höhnisch, Anya noch eins mit ihrem Schweif verpasste.

      [Anya: 3200LP → 2600LP //// Henry: 200LP Melinda: 4000LP]

      Diese lief rot an. Besorgnis erregend rot, denn dieses Terrorteam raubte ihr den letzten Nerv.
      „Da ich dank meiner Pendelbeschwörung noch gar nicht normalbeschwören brauchte, hole ich das jetzt nach. Ich biete Sword Fish als Tribut an und setze ein Monster.“
      Der blaue Fisch löste sich auf und wurde durch einen nach oben gerichteten Kartenrand ersetzt. Melinda verkündete: „Damit werden Skeeter Skimmers Werte wieder normal.“

      Performapal Skeeter Skimmer [ATK/1600 → 800 DEF/800 → 1600 (4)]

      Unerwartet richtete Anya den Arm nach oben. „Und Angel Wing kehrt zurück, indem ich die Stufe 4-Monster [Gem-Turtle] und [Alexandrite Dragon] von meinem Friedhof verbanne!“
      Über ihr erschien der goldene Ring, der sich drehte, dann seine Flügel ausspannte und schließlich den weißen Drachen zum Vorschein brachte. Anya entsorgte die Monster durch einen Schlitz unter dem Friedhof, den ihre alte Duel Disk nicht besaß.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      „Ich werde euch sowas von vernichten!“, fauchte Anya und griff nach ihrem Deck. „Draw!“
      Sofort im Anschluss knallte sie das Monster auf ihr D-Pad. „Erscheine, [Gem-Knight Turquoise]! Dazu aktiviere ich [Gem-Knight Fusions] Effekt auf meinem Friedhof und verbanne Tourmaline, um sie auf die Hand zu bekommen!“
      Ein türkisfarbener Ritter mit entsprechenden Edelsteinen an seiner Rüstung erschien vor ihr und spannte seinen Bogen.

      Gem-Knight Turquoise [ATK/1400 DEF/2000 (4)]

      Doch statt [Gem-Knight Fusion] aufzunehmen, erklärte sie: „Da ich sie aber jetzt abwerfe, um meinen verbannten Tourmaline zurückzurufen, kann sie gleich dort bleiben. Und noch was: Ich führe gleich mit beiden eine Xyz-Beschwörung durch!“
      Es tat sich ein Galaxienwirbel inmitten von Anyas Spielfeldseite auf. Kaum erschien der goldene Ritter vor ihr, wurde er zusammen mit seinem Kumpan zu einem braunen Lichtstrahl, der von dem Schwarzen Loch absorbieren ließ. Anya verkündete feierlich. „Los, Lev … oh.“
      Der lag ja im Hotelzimmer! Einen kurzen Moment aus dem Konzept gebracht, schüttelte sie den Kopf. „Los, [Kachi Kochi Dragon]!“
      Aus dem Overlay Network stieg ein Drache auf, ganz aus silbernem Kristall bestehend. Um ihn kreisten seine beiden Xyz-Materialien.

      Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 DEF/1300 {4} OLU: 2]

      Anya überlegte kurz. Das Pennerkind anzugreifen war keine gute Idee, da bekam sie nur selbst auf die Mütze. Irgendwie würde sie sein dämliches Synchromonster loswe- oh wieso hatte sie daran nicht gleich gedacht!? Sie hatte doch [Gem-Knight Prismaura] für solche Jobs. Jetzt war es zu spät, seine Fusionsmaterialien lagen unter [Kachi Kochi Dragon] als Overlay Units!
      Anya schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn. Heute war echt der Wurm drin!
      Egal, dafür würde seine Schwester gleich ihre dämlichen Pendel einpacken können. „Los-!“
      „Halt! Effekt der [Performapal Whip Snake]! Sie kann auch im Gegnerzug Werte vertauschen!“
      Das letzte Wort war noch gar nicht gesprochen, da hing die Kobra schon am weißen Drachen wie ein Blutegel und biss ihm in den Hals.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 → 2000 DEF/2000 → 2700 (8)]

      „Trotzdem greift [Kachi Kochi Dragon] jetzt deine beschissene Riesenmücke, Wasserläufer oder was auch immer an! Primo Sciopero!“
      Der Drache vor Anya visierte das Insekt an und begann, nach ihm zu schlagen. Flink wie es jedoch war, wich es erst einem Hieb mit der Pranke aus, dann dem nächsten. [Kachi Kochi Dragon] verfolgte sein Ziel eine Weile, flog ihm quer durch den ganzen Saal hinterher, versagte dennoch kläglich.
      Melinda grinste keck: „Dein Drache braucht dringend ein Insektenspray. Ansonsten kommt er an [Performapal Skeeter Skimmer] nicht vorbei, denn es kann den Angriff einfach negieren und die Position wechseln.“
      Beide Monster kehrten zu ihren Besitzern zurück, wobei rote Äderchen aus Anyas Augäpfeln traten.

      Performapal Skeeter Skimmer [ATK/800 DEF/1600 (4)]

      „Kann … nicht … zweimal … angreifen …!“ Womit sie den Effekt ihres Drachen meinte, der nur dann funktionierte, wenn er ein Monster im Kampf zerstörte. Fuchsteufelswild zeigte sie auf den Wasserläufer. „Scheiß auf Insektenspray, brenn' es nieder, Angel Wing! Seraphim Judgment!“
      Ihr anderer Drache spie seinen weißen Odem, den eine goldene Flammenspirale umkreiste. Da Skeeter Skimmer seinen Effekt nicht zweimal aktivieren konnte, zerfiel es augenblicklich zu Asche.
      Verdammt, sie hätte Melinda besiegen können! „Zug beendet!“

      Angel Wing Dragon [ATK/2000 → 2700 DEF/2700 → 2000 (8)]

      „Ich bin am Zug!“, verkündete Henry und zog auf. Die Karte eine ganze Weile betrachtend, blickte er schließlich herüber zu Melinda. Die nickte ihm geheimnisvoll zu, woraufhin er es ihr gleichtat. Dabei verfinsterte sich sein Blick jedoch, als er ein Monster auf sein D-Pad legte. „Erscheine, [Pilica, Descendant Of Gusto]. Da kein Gusto-Empfänger mehr auf meinem Friedhof liegt, kann sie folglich auch keinen beschwören.“
      Den Holzstab mit der Vogelfigur an der Spitze schwingend, tauchte vor ihm ein grünhaariges, kleines Mädchen auf.

      Pilica, Descendant Of Gusto [ATK/1000 DEF/1500 (3)]

      „Greift beide [Angel Wing Dragon] an“, befahl er erstaunlich desinteressiert, „den Kampfschaden kassierst dank Sphreez' Effekt du. Double Calmanize!“
      Sowohl die ältere Version, Sphreez, als auch die junge Pilica erschufen mit ihren Zauberstäben zwei grüne Energiekugeln, um die mehrere Klingen aus purem Wind kreisten. Synchron schleuderten sie diese auf Anyas weißen Drachen, der mit seinem Flammenangriff konterte. Auf dem Weg trafen die beiden Sphären aufeinander, verschmolzen zu einer und zerteilten Angel Wings Odem wie Butter. Pilica wurde dabei von einem Blindschläger der goldenen Spirale getroffen und explodierte, aber Anya war die wirkliche Leidtragende. Sie wurde von der riesigen Kugel erfasst und wäre sicherlich in ihren Sog geraten, hätte es sich nicht um ein Hologramm gehandelt. Doch so glitt jene durch sie hindurch.

      [Anya: 2600LP → 900LP → 200LP //// Henry: 200LP Melinda: 4000LP]

      „Melinda …“, gab Henry träge ab.
      „Ist gebongt! Draw!“, rief die erwartungsvoll und zog.

      Matt lehnte mit dem Ellbogen gegen den kleinen Tisch und seufzte. „Irgendwie wird’s immer schwerer, zwischen Show und Realität zu unterscheiden.“
      „Was meinst du?“, fragte Zanthe.
      „Henry hätte gerade gewinnen können. Wären durch [Performapal Whip Snakes] Effekt die Werte von [Daigusto Sphreez] vertauscht worden, hätte Anya zu viel Schaden eingesteckt.“
      Der Werwolf gab ein nachdenkliches Geräusch von sich.
      „Ich glaube nicht, dass Melinda es einfach nur vergessen hat“, überlegte Matt weiter, „bisher hat sie sich sehr geschickt mit diesen Monstern angestellt. Eher …“
      Zanthe zog erstaunt die Augenbraue hoch. „Eher was?“
      „Eher scheint es so, als würden sie absichtlich verlieren wollen. Oder zumindest einer der beiden“, mischte sich die blonde Journalistin an ihrem Tisch ein.
      Allerdings schüttelte Matt den Kopf, als er zu ihr herüber blickte. „Nein, das glaube ich nicht. Nicht Henry. Eher will er das Duell in die Länge ziehen, damit Melinda die Pendelmonstern in ein besseres Licht rücken kann. Wenn er die Leute überzeugen will, muss da mehr kommen.“
      Die Journalistin nippte kurz an dem Martini in ihrer Hand, dabei besonders Anya interessiert im Blick behaltend. „Möglich.“

      „Ohhhh, ausgerechnet jetzt“, quengelte Melinda enttäuscht von ihrer Karte, sah dann aber entschlossen auf, „aber was soll's. Flippbeschwörung, [Performapal Kaleidoscorp]!“
      Die gesetzt liegende Karte wirbelte um und offenbarte einen purpurnen Skorpion, mit zwei pinken Schilden bestückt, der nicht etwa einen Stachel, sondern einen himmelblauen Schweif aus drei zylindrischen Komponenten besaß.
      Seine Besitzerin rief: „Und Turn Toad wechselt mal gleich seine Werte!“
      Der Frosch in der blauen Lichtsäule links über ihr begann ein Lied aus Gequake anzustimmen.

      Performapal Kaleidoscorp [ATK/100 → 2300 → 2600 DEF/2300 → 100 (6) PSC <4 /4>]

      „Und wie immer der Effekt meiner Whip Snake auf deinen [Angel Wing Dragon]!“, flötete Melinda und zeigte auf diesen. „Mehr noch, Effekt von Kaleidoscorp hinterher! Er kann ein Monster bestimmen, das in diesem Zug alle spezialbeschworenen Gegner angreifen kann.“
      Da der fast menschenhohe Skorpion selbst bunt aufleuchtete, hatte sie offensichtlich ihn dafür bestimmt. Derweil wurde Angel Wing nun schon zum dritten Mal gebissen.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 → 2000 DEF/2000 → 2700 (8)]

      „Attacke auf Angel Wing!“, rief Melinda mit ihrem wie stets ausgestreckten Zeigefinger.
      Der letzte Zylinder am Schweif ihres Monsters öffnete sich und schoss einen kunterbunten Energiestrahl ab, welcher den Drachen traf und ebenfalls in verschiedensten Farben auflöste.
      „Pah! Ich bekomme keinen Kampfschaden, wenn [Angel Wing Dragon] kämpft!“
      „Aber wenn [Kachi Kochi Dragon] dran ist, schon! Mach weiter, Kaleidoscorp!“
      Unvermittelt huschte ein böses Grinsen über Anyas Lippen. „Da wäre ich mir nicht so sicher …“
      Ihr Kristalldrache hatte sich zwischenzeitlich vor Anya im Untergrund verborgen und nur sein Kopf ragte aus dem Parkett. Als dieser ebenfalls von dem bunten Lichtstrahl erfasst wurde, öffnete er sein Maul und schoss einen Pfeil daraus ab.

      Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 → 4200 DEF/1300 {4} OLU: 2 → 0]

      In seinem Flug zog er beide Xyz-Materialien hinter sich her und absorbierte diese, zerteilte gleichzeitig den Lichtstrahl und traf direkt in den Schweif des Skorpions, welcher daraufhin explodierte.

      [Anya: 200LP //// Henry: 200LP Melinda: 4000LP → 2400LP]

      „Whoops! Da ist wohl was schief gegangen“, staunte Melinda nicht schlecht.
      „Und ob es das ist! [Gem-Knight Turquoise] ist ein Xyz-Material gewesen, was heißt, dass ich ihn und einen anderen Gem-Knight abhängen kann, um Kachi Kochis Angriffswert zeitweilig zu verdoppeln!“, schrie Anya förmlich. „Das war's dann wohl- huh!?“
      Ein rotes Licht drang vor Melinda aus dem Parkett und schoss in die Luft. Zwischen ihrem Frosch und [Performapal Silver Claw] öffnete sich ein von unzähligen blauen Ellipsen eingeschlossenes Portal und nahm den Strahl in sich auf.
      „Kann mir einer sagen, was das jetzt war!?“
      „Ganz einfach“, reagierte Henry gelassen, „Pendelmonster werden auf das Extradeck gelegt, wenn sie vom Spielfeld auf den Friedhof geschickt werden würden.“
      Altklug hob seine Schwester den Zeigefinger. „Das ist vielleicht der größte Vorteil der Pendel, denn sie können von dort ebenfalls als Pendelbeschwörung gerufen werden. So kommen sie wieder und wieder!“
      „Was auch immer.“ Anya bohrte sich gelangweilt mit dem kleinen Finger im Ohr. „Ich denke du bist durch, denn deine falsche Schlange kommt nicht über meinen Drachen drüber.“
      „Da hast du leider Recht, du bist dran.“
      „Dann verbanne ich jetzt zwei Stufe 4-Monster und reanimiere Angel Wing!“ Zur Verdeutlichung zeigte Anya die Gem-Knights Turquoise und Tourmaline vor. Es materialisierte sich über ihr ein goldener Ring, von dem sich vier weiße Schwingen spreizten.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]
      Kachi Kochi Dragon [ATK/4200 → 2100 DEF/1300 {4} OLU: 0]

      Und während ihr weißer, schlangenhafter Drache zurück aufs Spielfeld fand, verkündete sie in einem abwertenden Tonfall: „Eure Pendel sind doch bescheuert! Kann ja sein, dass du sie beschwören kannst, aber hast du mal die Stufe deines Skorpions angeschaut? Die ist nämlich 6, also liegt sie nicht mehr zwischen den beiden Pendelbereichen!“
      „Ahahaha, da hast du allerdings auch Recht“, gestand Melinda verlegen ein und zuckte mit den Schultern. „Aber die Idee der Pendel ist doch nicht schlecht, oder?“
      Nie hatten Anyas herabhängende Mundwinkel so sehr 'nein' geschrien wie jetzt. Aber sie war nicht die einzige, verfielen viele der anwesenden Gäste in zustimmendes Gemurmel. Melinda warf daraufhin Henry einen geheimnisvollen Blick aus den Augenwinkeln zu, welcher das mit einem Nicken zur Kenntnis nahm.

      Am Tisch gluckste Zanthe derweil belustigt. „Also hat sie sogar zugehört. Es gibt doch noch Wunder.“
      „Vielleicht hat ihr Levrier geholfen“, überlegte Matt und sah neugierig herüber zu der blonden Frau an ihrem Tisch, die abwesend etwas in ihr Smartphone eintippte. Um ins Gespräch zu kommen, fragte er: „Ich dachte, hier herrscht striktes Verbot für Netzwerk-fähige Geräte?“
      Sie sah auf und lächelte schelmisch. „Ich breche gerne hin und wieder ein paar Regeln.“
      „Alles für eine gute Story, was?“
      Auf seine Spitze hin wurde ihr Grinsen regelrecht diebisch. „So ist das in meinem Gewerbe.“

      Anya legte ihre Finger aufs Deck und schloss die Augen. Sie hatte sich einen kleinen Sieg erkämpft gegen die beiden, aber wenn sie jetzt nichts Brauchbares zog, würde Henry sie mit seinem nächsten Angriff besiegen. Damit wäre ihr die größte Chance genommen, gegen Claire Rosenburg zu kämpfen, ihres Zeichens die nächste Hüterin.
      Die junge Frau warf einen Blick herüber zur amtierenden Weltmeisterin, die seit Henrys Rede zusammen mit ihrem rothaarigen, bärtigen Manager auf der Bühne im hinteren Teil des Saals stand und mit teilnahmslosem Ausdruck das Duell verfolgte. Da wollte sie stehen, sagte sich Anya. Genau da, wo Claire jetzt stand.
      Ihren Blick auf Henry richtend, murmelte sie: „Jetzt geht’s ums Ganze, Schnöselkind, also mach dich schon mal frisch. Draw!“
      Mit mächtig Schwung zog sie von ihrem Deck. Selbst wenn Levrier jetzt hier wäre, hätte sie ihn vermutlich nicht gebeten, seine Kräfte einzusetzen. Ach wen wollte sie verarschen, natürlich hätte sie! Dazu war ihre derzeitige Lage zu ernst und sie würde sich frühestens von ihnen losreißen können, sobald all das vorbei war.
      Trotzdem verspürte sie einen gewissen Stolz, ganz auf sich allein gestellt zu sein. Und Dankbarkeit für ihr Glück, welches ihr eine Karte bescherte, die sie noch nie zuvor eingesetzt hatte.
      „Huh? Die hab ich doch dieser hohlen Nuss Caroline Mayfield abgetauscht“, nuschelte sie und weitete die Augen, während sie den Effekttext durchlas.
      „Monstereffekt von [Performapal Whip Snake]! Sie wechselt die Werte deines Angel Wings!“
      Melindas Ausruf rüttelte Anya aus ihren Gedanken wach und ließ sie aufschauen, als Zanthes ehemalige Hüterkarte wieder gebissen wurde.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 → 2000 DEF/2000 → 2700 (8)]

      „Was auch immer! Los, [Angel Wing Dragon], greif [Daigusto Sphreez] an! Seraphim Judgment!“
      Henry öffnete den Mund erstaunt. „Bist du wahnsinnig!?“
      „Nein, nur scharf auf den Sieg!“
      „Du weißt genau, dass Sphreez nicht durch Kämpfe zerstört werden kann!“
      „Mir doch egal!“
      Ihr Drache spie seine weiße Flamme, umkreist von einer goldenen Spirale. Gerade wollte die junge Windmagierin zum Gegenangriff ansetzen, dann ging eine Schockwelle durch den Saal und kehrte die Farben sämtlicher Karten auf dem Spielfeld mit Ausnahme des Angel Wings für einen kurzen Augenblick ins Negative um.
      Vor Anya stand eine Schnellzauberkarte offen: „[Forbidden Scripture]! Sie negiert während des Kampfes alle aktivieren Karteneffekte und lässt die Monster mit ihren Originalwerten kämpfen!“
      Die Augen weit aufgerissen, blickte Henry dem Flammenstrahl entgegen.

      Angel Wing Dragon [ATK/2000 → 2700 DEF/2700 → 2000 (8)]

      Seine Sphreez ging in dem Flammenmeer unter, welches auf ihren Besitzer übersprang. Jener schrie erschrocken auf, auch wenn Anya die wahren Kräfte des Angel Wings nicht entfesselte. Die kleine Show zu Beginn des Duells musste sich nicht wiederholen.

      [Anya: 200LP //// Henry: 200LP → 0LP Melinda: 2400LP]

      Kaum war Anya mit ihm fertig, schwang sie ihren ausgestreckten Zeigefinger herüber zu Melindas violetter Schlange. „Die da ist die Nächste! [Kachi Kochi Dragon], Primo Sciopero!“
      Der Drache, dessen Kopf allein aus dem Parkett ragte, brüllte einmal auf, dann schossen schon dutzende silberne Kristallspitzen aus dem Boden. [Performapal Whip Snake], die noch auf ihrem Weg zurück zu ihrer Besitzerin war, schlängelte panisch über den Boden, doch konnte ihrem Untergang nicht entkommen. Melinda seufzte traurig.

      [Anya: 200LP / Melinda: 2400LP → 2300LP]

      „Einer weniger“, rümpfte Anya in ihrem Kleid die Nase bis zum Anschlag, „Zug beendet!“

      Die meisten Anwesenden waren in wildes Getuschel vertieft und Anya genoss es, zur Abwechslung nicht diejenige zu sein, die dessen Mittelpunkt darstellte.
      Henry, ganz verdattert von seiner plötzlichen Niederlage, sah sich nervös um.
      „Wie hatte er so unspektakulär verlieren können? Ein freches Mädchen hatte ihn besiegt! Wieso hatte er nicht, genau wie seine Schwester, Pendelmonster gespielt? Hielt er sie für zu schwach?“
      Fast tat er Anya leid, wie er den sensationsgierigen Blicken ausgesetzt war. Dem Getuschel. Aber nur fast, denn das hatte er sich selbst eingebrockt. Und sie würde ihm bestimmt auch nicht leidtun, wenn sie sich erst in einem Stadion voller Menschen um ihr Leben duellierte.

      Melinda derweil legte Mittel- und Zeigefinger auf ihr Deck und strahlte. „Jetzt gilt es! Draw!“
      Ebenso schwungvoll wie ihre Widersacherin zog sie, betrachtete die Karte, bevor sie schließlich verkündete: „Ich … geb' auf.“

      [Anya: 200LP / Melinda: 2300LP → 0LP]

      Man hätte eine Stecknadel zu Boden fallen hören können. Anya stand da wie bestellt und nicht abgeholt, als die Hologramme ihrer beiden Drachen verschwanden. „Eh? Ehhhhh?“
      Und ihre Gegnerin rieb sich verlegen den Kopf. „Tja, was will man machen? Ich hab nur die hier.“
      Sie zeigte die Karte eines pinken Nilpferds, [Performapal Hip Hippo], und eine andere, die aber hinter ihrem Monster komplett verborgen lag.
      Fassungslos schüttelte Henry den Kopf. „Wieso hast du es nicht wenigstens versucht!?“
      „Man muss doch so etwas nicht unnötig in die Länge ziehen“, antwortete Melinda. Damit deaktivierte sie ihr D-Pad und rannte auf Anya zu.
      Die konnte ihr zweifelhaftes Glück noch gar nicht fassen, da packte die Rothaarige sie schon am Arm und riss diesen empor. „Seht her Leute, wenn das mal keine angehende Profiduellantin ist!? Obwohl wir zu zweit waren, hat sie uns gnadenlos in die Enge getrieben! Applaus für Anya Bauer!“
      Allerdings kam jener eher verhalten. Die über hundert Gäste starrten die Drei an, teilweise fasziniert, andere dagegen deutlich ablehnender. Mit so etwas hatte keiner gerechnet.

      Henry trat ebenfalls auf Anya zu und reichte ihr die Hand. „Glückwunsch. Gemäß unserer Vereinbarung bist du offiziell dabei, denn du hast dein Können bewiesen.“
      Einige Proteste seitens der Gäste wurden laut, viele richteten sich weniger gegen Anya, sondern viel eher gegen Melinda, die es nicht bis zum Ende durchgezogen hatte. Letztere versuchte die Leute zu beschwichtigen, dabei den immer stärker werdenden Lärmpegel gekonnt ausblendend.

      Anya hatte gewonnen, aber es fühlte sich so dumpf, so … falsch an. Es war ein Gefühl, das sie so noch nie verspürt hatte. Man hatte ihr das Recht genommen, für sich selbst einzustehen. Das war nicht, wie es hätte laufen sollen!
      Und Anya begriff nicht einmal, wieso es sie überhaupt so verletzte, nicht selbst den letzten Schlag ausgeführt zu haben.

      „Akzeptiere es“, hörte sie Henry sagen, „so wie ich es auch muss.“
      Anya starrte nur seine Hand an. Jedes Mal, wenn er sie ihr angeboten hatte, hatte sie sie fort geschlagen. Nichts würde sie lieber tun, als ihm ihre eine ins Gesicht zu pfeffern für diese lahme Performance, die er und seine Schwester da abgeliefert hatten.
      War sie so unbedeutend, dass sie es nicht einmal verdient hatte, ihr Duell aus eigener Kraft zu gewinnen!? War das die Art, wie die beiden sich in letzter Sekunde an ihr rächen wollten für ihre ungeplante Teilnahme am Turnier!?
      Sie spürte, wie sich ihre Kehle immer mehr zuschnürte.

      Bisher hatte sie seine Hand jedes Mal abgelehnt. Aber nicht dieses Mal. Diesen Sieg würde sie ihm nicht gönnen.
      „Gut gespielt“, zischte sie abfällig in Henrys grimmige Visage.
      In dem Moment begannen die Gäste, die Drei zu umringen. Viele wandten sich an den Ford-Spross, während Anya ein paar Schritte zurück nahm. Sie blickte herüber zur Bühne, doch Claire und ihr Manager waren nicht mehr dort.
      „Tch … ihr fandet es auch lächerlich, oder?“

      Gerade wollte sie sich nach ihren Freunden umsehen, um sich bei ihnen auszulassen, da stieß jemand seitlich gegen sie. Eine hübsche blonde Frau in einem roten Abendkleid, die es offenbar sehr eilig hatte.
      „Entschuldigung!“
      Wütend schrie Anya ihr hinterher: „Pass doch auf, Dumpfralle!“
      Doch die Frau reagierte gar nicht, sondern eilte Richtung Ausgang davon. Anya überlegte bereits, ihr hinterher zu rennen, da trat Henry neben sie. „Kommst du bitte kurz mit?“
      „Nein! Zieh Leine, ich hab keinen Bock mehr auf dich oder deine Schwester!“
      Der Bitte kam er jedoch nicht nach, sondern starrte sie ernst an. „Es ist wichtig.“
      Anya grunzte genervt. Was wollte er jetzt noch von ihr? Sollte er doch endlich einsehen, dass er verloren hatte und sie in Ruhe lassen! Es reichte doch wirklich schon, dass seine Schwester ihr den Sieg versaut hatte!
      „Bitte“, setzte er mit Nachdruck noch einmal an und reichte ihr die Hand.
      Dieses Mal schlug sie sie weg, zischte aber: „Na schön, aber wenn du dich über mich lustig machst, wirst du hier vor versammelter Mannschaft Bungeespringen. Und du möchtest wirklich -nicht- wissen, was ich mir als Seil überlegt habe!“
      Damit rauschte sie an ihm vorbei.

      Henry und Melinda führten Anya quer durch den ganzen Saal, über die Wendeltreppe hin zum Balkon, von dem man aus das riesige Gartengelände des hinteren Teils des Anwesens bestaunen konnte. Erstaunlich wenige Gäste standen ebenfalls hier oben und sahen sich dieses schiere Labyrinth aus Hecken an, in dessen Mitte sich ein Springbrunnen von der Größe eines Schuppens befand. Regelmäßig erleuchteten kleine Laternen den Weg. Einige Leute gingen dort spazieren.
      „Hach, schön ist das hier“, erfreute sich Melinda daran und streckte weit beide Arme aus, als sie zum Geländer schlenderte, „das hat ja alles prima geklappt.“
      „Was hat geklappt!? Dass ihr mich blamiert, indem ihr mir die Chance nehmt, mich selbst zu verteidigen!?“, fragte Anya sofort zornig. Wie sie es doch gewusst hatte!
      Der brünette Henry führte sie an das Geländer und lehnte sich darüber. „Dass wir dich ins Turnier einschleusen natürlich.“
      „Was?“ Anya blinzelte irritiert und trat näher an ihn heran. „Ich glaube du verwechselst da was! Nick hat sich eingehackt, um mir einen Platz zu sichern!“
      Sofort hätte sie sich auf die Zunge beißen können. Das war ihr einfach so herausgerutscht!
      Melinda drehte sich am Geländer stehend zu ihnen um. Statt aber Alarm zu schlagen, kicherte sie verschwörerisch. „Na ja … so ganz richtig ist das nicht. Guck mal.“
      Sie schob zwei Karten über das Geländer, damit Anya sie sich ansehen konnte. Völlig aus dem Konzept gebracht von dieser so gar nicht wütenden Reaktion eilte sie zum etwas abseits stehenden Rotschopf, um die Karten zu betrachten.
      „[Performapal Hip Hippo] und …?“
      „Jep“, gluckste Melinda, „mit den beiden hätte ich dich locker besiegen können. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie furchteinflößend Pendel sein können, wenn man nur etwas Geduld hat.“
      „Und wir hatten auch vorher schon genug Gelegenheiten gehabt“, stimmte Henry seiner Schwester zu, als er sich neben Anya stellte. „Allerdings hätten wir dann gegen die Abmachung verstoßen.“
      Anya fiel aus allen Wolken. „Hab ich mich grad' verhört!? Ihr habt absichtlich verloren!? Also, gewollt absichtlich? Absichtlich gewollt!? Hrg, ich wisst, was ich meine!“
      Melinda strich ihr sanft über den nackten Rücken. „Nicht traurig sein, du warst wirklich gut, aber gegen uns beide hast du eben keine Chance.“
      „Scheiß drauf, was sollte das!?“, fluchte Anya und stieß den Arm der jungen Frau von sich weg. „Wollt ihr mich auf diese Weise demütigen oder was!?“

      Henry drehte sich zu ihr, sein Blick verfinsterte sich. „Nick hat sich nicht bei uns eingehackt, er hat uns um Hilfe gebeten.“
      Grimmig sah Anya ihn an, verlangte still nach einer Erklärung. Melinda sagte: „Hast du es schon vergessen? Wir wissen, in welchem Schwierigkeiten du steckst, also wollten wir dir helfen.“
      „Aber das war nicht so einfach wie du glaubst. Unser Vater hat die Teilnehmer des Legacy Cups eigenhändig ausgewählt. Das heißt, du wärst sofort aufgeflogen, wenn Nick versucht hätte dich digital einzuschleusen.“
      Henry sah herüber zum Garten. Plötzlich fing es an zu zischen und zu donnern. Über dem Garten entfachte sich ein kunterbuntes Feuerwerk. Eine Rakete nach der anderen wurde gezündet, während immer mehr Besucher der Party den riesigen Balkon betraten, um zuzusehen.
      „Nick hat uns vorgeschlagen, einen anonymen Erpresser zu mimen, der heikle Firmeninterna an die Presse weitergibt, sollten wir uns weigern, dich ins Turnier mit aufzunehmen.“
      Selten genug kam es vor, doch Anya ging ein Licht auf, als sie das Puzzle zusammensetzte. Nick hatte doch beim Treffen mit diesem Aiden Irgendwer so etwas erwähnt, er wüsste da um Dinge, die der AFC sehr schaden könnten. So hatte er sie also ins Turnier geschleust!
      „Wenn das, was er weiß, bekannt würde, wäre unsere Firma ruiniert“, erklärte Melinda weiter, „also hatte Paps keine Wahl. Ihm sind die Hände gebunden.“
      Henry fügte an: „Natürlich mussten wir dafür sorgen, dass das in dieser Form nicht an die Öffentlichkeit gelangt. Wir mussten einen Weg finden, dich so zu integrieren, dass es glaubwürdig rüber kommt. Deshalb habe ich auch lediglich von einem Fehler gesprochen, der bei deiner Einladung passiert sein muss. Und damit die Presse und das Turnier-Gremium deine Teilnahme akzeptiert, musstest du deine Stärke in Form eines besonders schweren Duells beweisen.“
      Melinda kicherte: „Ich wünschte, wir hätten das anders regeln können, aber leider wurde intern bemerkt, dass dein Name plötzlich auf der Liste stand …“
      „Also haben wir uns das hier einfallen lassen. Übrigens nicht ganz uneigennützig, denn etwas negative Presse schadet nie“, schloss Henry sachlich. „Und jetzt sind unserem Vater endgültig die Hände gebunden. Mit dieser öffentlichen Abmachung kann er nicht länger von hinten herum gegen dich vorgehen. Er würde es nicht wagen, das Wort der Ford-Familie zu brechen.“

      Sprachlos stand Anya zwischen den beiden und sah sie abwechselnd entgeistert an. „I-ich dachte ihr hasst mich?“
      „Tue ich auch“, gestand Henry, „ein wenig. Aber ohne dich wären Melinda und ich jetzt vielleicht nicht hier. Mir doch egal, ob die Pendelbeschwörung jetzt schlecht weg kommt bei den Profis, ich kann sie ohnehin nicht ausstehen.“
      Melinda zwickte Anya glucksend in die Seite. „Weil er lieber seine eigene Mechanik an deren Stelle sehen würde. Aber die wird wohl ewig unter Verschluss bleiben.“
      Die Blonde senkte den Kopf, während das Feuerwerk mit dutzenden explodierenden Raketen seinen Höhepunkt erreichte. So viel Aufwand und das nur, damit sie eine Chance erhielt, sich das nächste Artefakt zu erkämpfen? Aber …
      Wie dumm sie sich plötzlich vorkam. Die beiden hatten sie nicht verspottet, sondern sich ihretwegen zurückgenommen. Damit sie als Teilnehmerin akzeptiert wurde, obwohl es den Ruf der Geschwister dank des für Außenstehende blamablen Endes gewiss schaden würde.
      Es kam nicht oft vor, aber ihr fehlten glatt die Worte. Nein, eines, nur ein einziges war da. „Danke.“
      „Gern geschehen“, sagte Henry, „aber mehr können wir nicht für dich tun, ohne dass unser Vater Verdacht schöpft, dass wir mit Nick unter einer Decke stecken. Der Rest liegt also bei dir.“
      „Und du wirst alles Glück dieser Welt brauchen. Wir haben sogar für dich versucht anzufragen, ob man dir ein Duell mit Claire gewährt, aber ihr Management blockt gnadenlos ab.“ Melinda klang auf einmal gar nicht mehr heiter. „Tut mir leid, das macht alles viel schwieriger für dich. Und selbst wenn du das Turnier gewinnen solltest … Claire Rosenburg gilt als unbesiegbar.“
      Tief durchatmend, sah Anya auf. Das Feuerwerk spiegelte sich in ihren Augen. Ihre Finger krallten sich in das Geländer. „Die werde ich so fertig machen, dass sie nie wieder Duel Monsters spielen will.“
      Das war das Mindeste, was sie für die beiden als Dank für ihre Mühen tun konnte.

      ~-~-~

      Ein kalter Wind fegte über den Bach hinweg, versetzte ihn in Wallung, ließ die Blätter rascheln.
      Mit ihren beiden Mechavögeln auf dem Feld fühlte sich Kali sicher. Doch das allein genügte ihr nicht. Dieser Dämon war gefährlich, also durfte sie es nicht dazu kommen lassen, dass er überhaupt irgendeine Aktion durchführte! Sie musste ihn besiegen, noch in diesem Zug!
      Sie griff nach einer Karte in ihrem Blatt und legte sie in ihre V-Duel Disk ein. „Ich aktiviere den Zauber [Celestial Gear Grinding] und hänge damit die beiden Xyz-Materialien von [Celestial Gear – Synthetic Armored Nightingale] ab!“
      Die beiden Lichtkugeln, die um die Flügel der riesigen, mechanischen Nachtigall kreisten, stiegen in die Höhe und verformten sich dabei zu Zahnrädern aus purem Licht. Auf ihrem Weg nach oben näherten sie sich einander immer mehr an, bis sich ihre Zähne ineinander verkeilten.
      „Die abgehangenen Monster mussten Celestial Gears sein“, erklärte Kali derweil, „denn das ist ausschlaggebend für das Folgende: Mit ihnen kann ich jetzt jede besondere Form der Spezialbeschwörung durchführen, sofern sich noch kein Vertreter dieser Art auf dem Feld befindet!“
      Abrupt blieb das Lichtgetriebe in der Luft stehen und begann sich zu drehen. Dabei sendete es auf konstanter Basis Energiewellen aus, die dem ganzen Feld ein rätselhaftes Nachleuchten verlieh.
      Kali reckte den Arm in die Höhe. „[Celesial Gear – Synthetic Owl] und [Celestial Gear – Synthetic Albatross]! Fusionsbeschwörung! Zeig dich!“
      Ein Wirbel bunten Lichts öffnete sich hinter den sich bewegenden Zahnrädern, die daraufhin verschluckt wurden. Aus ihm schoss wenig später …
      „[Celestial Gear – Synthetic Armored Finch]!“
      … ein riesiger Maschinenfink, geschützt von einer weißen Panzerung. Nur seine Beine und der Mittelteil seiner Schwingen waren von einer gelben Lichtschicht überzogen, die Einblick in sein Innenleben gewährten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch [ATK/2000 DEF/0 (4)]

      Während jener noch zwischen Hawk und Nightingale seine Schwingen schützend vor sich schob, nahm Kali bereits eine weitere Karte aus ihrem Blatt. „Und da die Overlay Units von der Stufe her auch ausreichend waren für dieses Celestial Gear, jetzt noch eine Ritualbeschwörung!“
      Damit knallte sie das blau umrandete Monster auf ihre Duel Disk.
      Weit über ihr tauchten die zwei miteinander verbundenen Zahnräder wieder auf und begannen erneut, leuchtende Wellen auszusenden. Gleichzeitig schossen aus dem Himmel vier lange Stäbe, an deren Enden große Kristalle in einer Metallfassung angebracht waren. In der Konstellation eines Trapez im Erdboden versinkend, begann ein Kristall nach dem anderen pink zu glühen.
      „Raus mit dir, [Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon]!“
      Der Boden zwischen den Stäben brach auf. Daraus empor schoss ein Mechavogel mit unglaublich langem Schnabel und schlankem Körperbau, der ebenso gepanzert war wie seine Kameraden auf dem Feld. Auch er gab nur an den Flügeln durch eine rosafarbene Barriere seine Mechanik preis.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon [ATK/1000 DEF/2200 (4)]

      Mit nun insgesamt vier Monstern auf ihrer Seite verschränkte Kali erhobenen Hauptes die Arme. „Überrascht? Ganz recht, [Celestial Gear Grinding] kann mühelos mein Feld füllen, auch wenn die Monster in Verteidigung beschworen werden müssen.“
      Sie hob belehrend den Zeigefinger. „Dumme Menschen würden sicher sagen, dass ich mir das auch sparen könnte, werden dabei doch die Effekte meiner Monster negiert. Aber …“
      Langsam richtete die maskierte Kuttenträgerin jenen auf ihren Gegner. „… jedes so beschworene Monster richtet trotzdem Schaden an! Nämlich 200 Punkte pro Kopf!“
      Die beiden Neuankömmlinge, die in der Mitte ihrer Monsterarmee die Flügel schützend vor sich hielten, spreizten jene nun und öffneten die Schnäbel. Zusammen schossen sie daraus zwei Blitzspiralen ab, die direkt im Körper des Dämons einschlugen. Statt aber von der Wucht des Angriffs davon geschleudert zu werden, geschweige denn auch nur die kleinste Erschütterung über sich ergehen zu lassen, verharrte jener regungslos. Als wäre das alles gar nicht geschehen.

      [Kali: 4000LP / ???: 4000LP → 3600LP]

      „Unmöglich …“, stammelte Kali erschüttert.
      Zwar dampfte ihr Gegner an der Brust ein wenig, schien jedoch nicht einmal einen Kratzer abbekommen zu haben! Dabei benutzte sie doch ihre Kräfte! Und ihr Gegner? Von ihm ging nicht einmal der Hauch einer Präsenz aus, die ihn vor den Verletzungen wahrte.
      „Hätte ich mir denken können“, zischte sie ärgerlich, „du bist niemand, mit dem man so leicht fertig wird, was?“
      Keine Antwort war bekanntlich auch eine Antwort, wie sich an seinem Beispiel deutlich zeigte. Ein Wesen wie dieses schien sich allein dadurch ausdrücken zu können, indem es genau das nicht tat. So interpretierte es zumindest Kali. Was auch einen der Gründe darstellte, warum sie sich gar nicht erst widersetzt und sofort in das Duell eingewilligt hatte. Andernfalls würde diese 'Begegnung' jetzt vermutlich ganz anders laufen. Ebenso spielte jedoch auch Neugier mit.
      Wer immer er war, dass er um ihre Existenz wusste, hieß, dass er genau wusste, -wer- sie war.
      „Wirst du Fragen beantworten, wenn ich dich besiege?“, fragte sie, ohne darauf eine Gegenreaktion zu erhalten. Daher fügte sie an: „Spielt es eine Rolle, ob ich dich besiege?“
      Nichts. Also schön …
      Dass sie ihrem Gegner nicht mit ihrem üblichen Repertoire begegnen konnte, war zwar ärgerlich, jedoch kein Grund den Schwanz einzuziehen. Im Gegenteil. Kali hatte noch etwas in der Hinterhand. Eine Macht, der sich selbst jenes 'Ding' beugen musste!
      Ganz langsam, geradezu in Zeitlupe zog sie eine ihrer zwei verbliebenen Handkarten hervor. Dabei sprach sie bedacht: „Im Ritual liegt das Opfer der Beschwörung.“
      Hinter dem schlanken Mechavogel Halcyon öffnete sich eine Art Spalt, in die dieser hineingezogen wurde.
      „Durch das Überlagern verbinden sich zwei Seelen, zwei Welten.“
      Jener bunt flackernde Riss im Dimensionsgefüge weitete sich nach links aus, wo er die Nachtigall verschlang.
      Und Kali zitierte weiter: „Abgestimmt aufeinander, agieren sie synchron.“
      Eine zweite Öffnung tat sich auf und verschlang [Celestial Gear – Synthetic Armored Hawk].
      „Und verschmelzen zu einer Einheit!“
      Auch das letzte Monster, der Fink, wurde von den beiden sich verbindenden Öffnungen mitgerissen. Wie eine Narbe hing das Gebilde jetzt in der Luft. Und wuchs dabei zunehmend an.
      „Die mächtigste Gottheit greift in den Kampf ein!“, schrie Kali unvermittelt und hielt besagte Karte hoch in die Luft. „Ritual, Xyz, Synchro und Fusion; verbannt; ihre Opfergabe! Vernichte, [Sophia, Goddess Of Rebirth]! Du kannst nicht entkommen!“
      Da drang es aus dem Spalt. Ein lautes, unmenschliches Röhren. Riesige Hände mit langen, spitzen Fingern huschten aus dem Dimensionsriss, packten seine Ränder und schoben sie weiter auseinander.
      Ein tiefer Schatten, gelblich, fiel über Kalis Gegner, der an jenem meterhohen Monster hoch sah, welches sich durch das Loch kämpfte. Zumindest seinen Torso konnte es in die hiesige Dimension zwängen. Die Haut weiß wie Schnee, flammte der lange, rote Schopf der ziegenhaften Göttin auf, als sie den Weg in die Freiheit gefunden hatte. Zu ihrer Rechten flackerte eine stilisierte, goldene Energieschwinge, zur Linken war es eine violette.

      Sophia, Goddess Of Rebirth [ATK/3600 DEF/3400 (11)]

      Die selbsternannte Dämonengöttin stieß ein selbstherrliches, kurzes Lachen aus und verkündete: „Das hier ist vorbei. Egal was du gedenkst zu tun, das Kommende kann nichts und niemand mehr aufhalten!“
      In Sophias rechter Hand entstand eine flammende, violette Energiemasse, genauso wie es in ihrer linken eine goldene tat.
      Kali streckte den Arm aus. „Die Göttin duldet nichts und niemanden! Alles, was zu diesem Zeitpunkt im Spiel ist, egal ob auf dem Feld, auf der Hand oder dem Friedhof, wird unweigerlich verbannt! Also füge dich! Genesis Waves!“
      Das Paktmonster des Tores Eden hievte jene beiden Sphären in die Höhe und ließ sie in alle Richtungen Energiewellen aussenden. Es war wie ein Feuerwerk, wie die halb zwischen der einen und der anderen Dimension steckende Sophia die Zerstörung walten ließ. Eine violette Welle traf Kalis letzte Handkarte, eine andere zerteilte das gesetzte Monster ihres Gegners. Weitere fegten sogar weit über das Spielfeld hinweg, andere wiederum trafen die Duel Disks der beiden Spieler. Nachdem die letzte des Dämons Handkarten beseitigt hatte, war es nur noch Sophia, die über allem thronte.
      „Vielleicht wirst du ja doch etwas redseliger, was deine Absichten angeht, sobald dieses Duell vorbei ist“, sagte Kali mit forderndem Unterton, „und genau das wird es jetzt!“
      Hinter der weißen Maske ihres Gegners blitzten die sonst roten Augen für den Bruchteil einer Sekunde hellblau auf. Und noch während er in eine gebeugte Haltung ging, die Hand an den Tsuka, den Schwertgriff seines Katanas legend, befahl Kali: „Direkter Angriff! Lösche seine Lebenspunkte vollkommen aus! Two Worlds Collision!“
      Sophia stieß einen unnatürlich tiefen Schrei aus und führte die beiden Lichtsphären über ihren Handflächen langsam zusammen. Gleichzeitig nahm der Dämon unerwartet Anlauf.
      „Was!?“
      Kali sah nur noch, wie die Klinge gezogen wurde und ihr Gegner noch weit von ihr entfernt in einer Halbmonddrehung ausholte. Ein lautes Sirren hallte durch den Wald. Der Dämon stand mit dem Rücken zu ihr gewandt und schob das Katana wieder in die Scheide.

      [Kali: 4000LP → 0LP / ???: 3600LP]

      Seine Gegnerin verstand es nicht. Sophia verharrte regungslos und still über ihr, die Sphären in ihren Händen nur noch wenige Zentimeter von einander entfernt. Kali hob langsam ihre V-Duel Disk und sah auf das Display, das ihre Niederlage verkündet hatte.
      „… wie?“
      Und dann fiel im sprichwörtlichen Sinne alles auseinander. Ganze Teile der Göttin rutschten auseinander, wie ein Bild, das mit einer Schere zerschnippelt worden war. Dabei blieb es aber nicht. Weit hinter Kali geschah dasselbe mit den Bäumen. Den Steinen. Und gewissermaßen auch mit ihr selbst. Ein stechender Schmerz ließ sie aufschreien, ausgehend von ihrer Stirn. Ihre Porzellanmaske rutschte ihr vom Gesicht, in der Mitte glatt durchtrennt.
      Und als sie langsam zusammensackte, bemerkte sie aus den Augenwinkeln, dass selbst Sophias Karte nicht mehr in einem Stück auf ihrer ansonsten unbeschädigten Duel Disk lag.
      „Unmöglich …!“
      Kali sank auf die Knie, dabei eine ihrer in schwarzen Handschuhen steckenden Hände an die Stirn pressend. Vor ihr im Gras lag ihre Maske, mit Blut benetzt, das ihren Arm entlang lief und auf das Porzellan tropfte. Das Krachen, das Prallen von Baumstamm auf Baumstamm, das ganze Chaos, das der unerwartete Angriff ihres Gegners angerichtet hatte, nahm sie kaum wahr.
      Als das Hologramm der gefallenen Sophia sich auflöste, begann jener Dämon auf sie zuzugehen. Und zog dabei das lange Katana wieder aus seiner Scheide. Vor Kali angelangt, senkte diese ihr Haupt. Die Spitze der Klinge dicht an ihren Hals gelegt.
      „Beende es“, zischte sie verächtlich, „das wolltest du doch von Anfang an. Wozu überhaupt das Duell!?“
      „Du hast nun einen Teil meiner Kräfte erhalten.“
      Völlig von dieser unerwarteten Antwort erschrocken, sah Kali auf.
      Ihr Gegner sprach weiter. „Mit ihnen eine Verantwortung, derer du dich nicht entziehen kannst. Wirst du es doch, werde ich zurückkehren und zurückholen, was ich dir gegeben habe.“
      Aufgebracht erwiderte sie: „Deine Kräfte!? Was für-!? Etwa durch meine C-!?“
      „Du wirst den Umgang mit ihnen lernen. Und sobald du bereit bist, deiner Verantwortung nachkommen.“ Das unbekannte Wesen hob das Katana über Kalis Kopf an. „Entscheide nun. Was du tun musst ist …“
      Die blauen Augen Kalis, welche zwischen ihren Fingern hindurch schauten, folgten dem Lauf der Klinge, die unweigerlich ihren Schädel spalten würde, traf sie die falsche Wahl.

      Ein Rascheln. Schwungvoll riss der Dämon das Schwert über Kalis Haupt in einer Drehung herum und richtete es auf den Neuankömmling, welcher ihm direkt gegenüber stand.
      „Du bist doch-!?“, schoss es aus der Demaskierten. „Der Diener des Sammlers!“
      Womit sie zweifelsohne richtig liegen musste. Nur einer trug selbst mitten in der Nacht eine Sonnenbrille sowie einen Butleranzug. Der Mann mit dem schulterlangen, auf den Millimeter genau geschnittenen Haar stand dem Dämon gegenüber. Die Klinge des Schwertes nur eine Handbreite von seinem Hals entfernt.
      „Endlich habe ich dich gefunden“, sagte er ruhig.
      „Was willst du hier!?“, fauchte Kali aufgelöst. „Willst du … mir etwa helfen!?“
      „Mitnichten. Deine Existenz tangiert mich nicht im Geringsten.“ Kyon legte die in einem weißen Handschuh steckende Hand auf die Schwertschneide und schob sie beiseite. „Ich bin nur gekommen, um um einen Gefallen zu bitten. Du …“
      Sein Augenmerk lag allein auf dem Dämon. „… führe mich in den Limbus.“


      Turn 57 – Mind Evangelion
      Am nächsten Tag muss Anya zu ihrem Entsetzen feststellen, dass sie ihr Deck verlegt hat. Nachdem sie es nicht im Hotelzimmer finden kann, gehen sie und Levrier davon aus, dass sie es auf der Party verloren haben muss. Doch während der Suchaktion wird Anya von Zed, einer Undying angegriffen und das auf eine Weise, die sich von allen bisherigen Konfrontationen unterscheidet. Letztlich kann nur Levrier Anya beschützen und …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Turtle

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Indem du diese Karte und ein anderes "Gem-Knight" Monster von einem Xyz-Monster abhängst oder wenn ein "Gem-Knight"-Monster als Xyz-Material von diesem Xyz-Monster abgehangen wird, indem du zusätzlich diese Karte abhängst: verdopple bis zur End Phase die ATK jenes Xyz-Monsters.

      Gem-Knight Fusion
      Forbidden Scripture

      Gem-Knight Topaz

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. Wenn diese Karte ein Monster als Ziel eines Angriffs wählt: du kannst die Position des Ziels wechseln. Nach der Schadensberechnung, wenn diese Karte angegriffen hat: wechsle ihre Position. Jederzeit während den Zügen beider Spieler: biete ein Monster als Tribut an; wechsle die Position dieser Karte. Wenn du das tust: diese Karte bleibt von den Effekten von Monsterkarte bis zur End Phase unberührt und dein Gegner zieht eine Karte.

      Kachi Kochi Dragon

      Henry

      Pilica, Descendant Of Gusto

      Miniaturize

      Daigusto Gulldos
      Daigusto Sphreez

      Melinda

      Performapal Hip Hippo
      Performapal Sword Fish
      Performapal Whip Snake
      Performapal Skeeter Skimmer
      Performapal Turn Toad
      Performapal Silver Claw
      Performapal Kaleidoscorp

      Kali

      Celestial Gear – Synthetic Albatross
      Maschine/Licht/Empfänger
      ATK/500 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte kämpft: du erleidest keinen Kampfschaden. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: ziehe 2 Karten; verbanne diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Owl
      Maschine/Licht/Empfänger
      ATK/1000 DEF/1100 (4)
      Kann nur als Synchromaterialmonster für die Beschwörung eines "Celestial Gear"-Synchromonsters verwendet werden. Einmal, solange du diese offene Karte kontrollierst: du kannst 1 "Celestial Gear"-Monster als zusätzliche Normalbeschwörung beschwören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: beschwöre 1 "Celestial Gear"-Monster von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung; verbanne es und diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon
      Maschine/Licht/Ritual/Empfänger
      ATK/1000 DEF/2200 (4)
      Muss erst mit "Celestial Gear Polymerization" als Ritualbeschwörung beschworen werden. Wenn diese Karte als Ritualbeschwörung beschworen wird: setzte eine Zauber- oder Fallenkarte von deinem Deck in eine deiner freien Zauber- und Fallenkartenzonen, dein Gegner darf die Karte nicht sehen und du kannst sie nicht in diesem Zug aktivieren. Wenn diese Karte zerstört wird, nur einmal während des Duells: beschwöre sie als Spezialbeschwörung; anschließend kannst du eine beliebige Anzahl an verbannten "Celestial Gear"-Monstern auf deinen Friedhof zurücklegen.

      Sophia, Goddess Of Rebirth

      Celestial Gear Grinding
      Zauber/Normal
      Hänge von 1 offenen Xyz-Monster, das mindestens zwei "Celestial Gear"-Monster als Xyz-Material besitzt, sämtliches Xyz-Material ab und aktiviere beliebig viele der folgenden Effekte:
      O Beschwöre in offene Verteidigungsposition von deinem Extradeck 1 Fusionsmonster, das mit dem Xyz-Material als Fusionsmaterial beschworen werden kann.
      O Beschwöre in offene Verteidigungsposition 1 Ritualmonster von deiner Hand als Spezialbeschwörung, dessen Stufe gleich oder kleiner der Summe der Stufen des Xyz-Materials ist.
      O Wenn ein Empfänger unter dem Xyz-Material war: Beschwöre in offene Verteidigungsposition von deinem Extradeck 1 Synchromonster, dessen Stufe gleich der Summe der Stufen des abgehangenen Xyz-Materials ist.
      Du kannst keine Monsterart beschwören, die sich bereits auf deiner Spielfeldseite befindet und die Beschwörung von Monstern durch diesen Effekt wird als legitim behandelt. Die Effekte von Monstern, die durch diesen Effekt beschworen wurden, werden annulliert. Füge deinem Gegner für jedes durch diesen Effekt beschworene Monster 200 Punkte Schaden zu.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch
      Maschine/Licht/Fusion
      ATK/2000 DEF/0 (4)
      2 x "Celestial Gear"-Monster
      Wenn diese Karte als Fusionsbeschwörung beschworen wurde, füge deiner Hand 1 "Gear"- oder "Synthetic"-Zauberkarte deiner Hand hinzu. Wenn diese Karte zerstört wird, nur einmal während des Duells: beschwöre sie als Spezialbeschwörung mit einer Grund-ATK von 2500; während der End Phase verbanne sie.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Hawk
      Maschine/Licht/Synchro
      ATK/2600 DEF/2400 (8)
      "1 Empfänger" + "1 oder mehrere "Celestial Gear" Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: beschwöre sie nur einmal während des Duells als Spezialbeschwörung und halbiere die Life Points deines Gegners; verbanne diese Karte während deiner nächsten End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Nightingale
      Maschine/Licht/Xyz
      ATK/2400 DEF/2600 {4}
      2 x Stufe 4-"Celestial Gear"-Monster
      Wenn diese Karte mit einem Empfänger und einem Nicht-Empfänger-Monster als Xyz-Beschwörung beschworen wurde: beschwöre ein zu diesen Materialien passendes Synchromonster von deinem Extradeck als Synchrobeschwörung. Einmal pro Zug, indem du ein Xyz-Material von dieser Karte entfernst: beschwöre eines deiner verbannten Celestial Gear-Monster; falls dieses Monster in diesem Duell seinen Effekt eingesetzt hat, der nur einmal im Duell benutzt werden kann: aktiviere ihn nun erneut. Du kannst diesen Effekt nicht im selben Zug aktivieren, in dem du diese Karte als Xyz-Beschwörung beschworen hast.

      ???

      unbekanntes Monster
      Dann will ich mal wieder. Gar nicht gemerkt, dass das schon wieder so lange her ist. Hoffe aber du genießt gerade deinen wohlverdienten Urlaub ;)

      -Aska-

      Wer davon ausgehen würde, na ganz klar, der Sammler! :3 Der hat bestimmt so ne Magie-Spy-Cam Sache bei Anya gewirkt und kann sie genauestens beobachten xD

      Claire werd ich natürlich interessant finden, ich weiß ja schon was sie spielen wird. Dadurch allein schon freu ich mich sehr auf ihr erstes Duell ^^ Und bin eben auch gespannt, wie ihr Stil zu Duellieren ist. Denke in der Art, wie man sich bei einem Duell gibt und alles kann man auch viele Rückschlüsse auf den Charakter machen.


      Spoiler anzeigen

      Nach der Folge ist nun klar, dass Anya jetzt auch offiziell im Turnierkader vertreten ist. Am Ende des erwarteten Ausgang des Duells (ich meine, wer hätte hier erwartet, dass Anya den Kürzeren zieht?) kam die Aufklärung des geheimen Plans von Nick und Henry/Melinda, die miteinander vorher schon Verbindung hatten. Das war auch etwas, was sich mit den Vermutungen in der vorherigen Folge gedeckt hatte. Ein paar Stellen, wo etwas in der Richtung angedeutet wurde, hatte es ja da gegeben. Gut fand ich aber die Erklärung dafür, warum sie diesen Weg gewählt hatten:
      Ihren Vater anonym unter Druck setzen lassen, so dass er am Ende keine andere Wahl hatte, als Anya nicht abzulehnen. Ebenso, dass er durch dieses Duell und die damit offizielle Legitimation auch sonst nichts mehr gegen Anya machen kann. War gut durchdacht gewesen.
      Lobenswert fand ich auch Anyas ehrlich Reaktion nach ihrer anfänglichen Verdrussphase, wo sie sich aufrichtig dafür bedankt hat. Für ihre Verhältnisse ist das ja schon eine Menge, sie ist ja schließlich nicht der Typ Mensch, der anderen vor Dankbarkeit um den Hals fällt.

      Was den Rest des Duells noch angeht, hat sich Anya weiterhin gut geschlagen. Besonderes Lob denke ich verdient hierbei ihr Zug mit Forbidden Scripture, mit dem sie Henry eiskalt erwischt hatte. So war das sicher nicht von ihm geplant. Andererseits ist da auch die Frage, wie lange sie ansonsten das Schauspiel noch hätten aufrecht erhalten können. Immerhin hat Melinda ja gemeint, dass Anya gegen sie über kurz oder lang verloren hätte, hätte der Rotschopf nicht aufgegeben. Wie hätte das erst funktionieren sollen,wenn Henry noch im Rennen geblieben wäre? Denn ich denke, den Profiduellanten wäre doch sehr schnell aufgefallen, wenn sie sich zu sehr zurückhalten oder bewusst 'schlecht' spielen.

      Zudem weiß ich ehrlich gesagt immer noch nicht, wie das mit Claire werden wird. Wenn sich da nicht deutlich etwas an der Gesamtsituation bei Anya ändert, seh ich da schwarz. Zumal zuvor sicher noch andere Charaktere ihr als Duellanten im Weg stehen dürften, die ihrerseits schon harte Herausforderungen sein werden. Immerhin sind ja einige Profis dabei. (und selbst für Anya harte Gegner wie Marc oder Val dürften da nicht das obere Ende bilden)
      Aber da Anyas Deck weg ist, hat sie erstmal eh' ganz andere Probleme. Denn ohne Deck keine Turnierteilnahme xD


      Damit aber dann zu Kali, der anderen Handlungsträgerin der Folge. Ich hatte ja die Hoffnung, dass wir wieder ein wenig mehr über sie erfahren würden. Aber diesmal waren es eher nur Kleinigkeiten von dem Kaliber, wie das ihr Titel Dämonengöttin lediglich selbstverliehen ist. Denn gegen den anderen 'Dämon' konnte sie diesen nicht wirklich behaupten. Wobei ich jedoch nicht glaube, dass wir es hier mit einem 0815 Dämon zu tun hatten. Der war scheinbar doch eine höhere Wesenheit oder so.

      Was ich aber irgendwo interessant fand ist, dass Kali von der Art ihres Auftritts Anya irgendwie gar nicht so unähnlich ist. Beide sehen sich mit übernatürlichen Wesen konfrontiert, tappen teilweise im Dunkeln, was die überhaupt von ihnen wollen etc. Auch die Zähigkeit, nicht aufzugeben, teilen beide miteinander. Wenn der Hass von Kali auf Anya nicht wäre, könnte ich mir sogar gut vorstellen, dass es mal eine Stelle gibt, wobei gezwungen sind, zusammenzuarbeiten bzw sich unterstützend zu duellieren. Wobei das ja auch trotzdem möglich wäre, aber das gibt wohl eine Katastrophe xD

      Das Duell von Kali ist zwar recht kurz gewesen, aber ich denke sie hat eindrucksvoll gezeigt, wie man Sophia in einem Zug rausbringen und unter normalen Umständen auch gewonnen hätte. Das hatte auf jeden Fall was. Aber sie konnte ja beim besten Wille auch nicht damit rechnen, dass ihr Gegner solche "Haxkräfte" hat, die die Grenzen des Duells sprengen und gleichermaßen die Realität beeinflussen (musste ich einfach so schreiben, selbst wenn ich es besser weiß) xDDD

      Bin mal sehr gespannt, was es mit diesen Kräften auf sich haben wird, die sie nun erhalten hat, und viel mehr noch, was denn ihre Aufgabe sein wird. Könnte ja jetzt die totale Wendung sein, dass sie die dafür nutzen soll, um Anya zu helfen. Oder eben weiterhin das klassische Motiv, das Teufelsweib aufzuhalten. Alles möglich, sogar dass das alles gar nichts direkt mit Anya mehr zu tun hat. XD

      Und wäre das Ende nicht schon Wendung genug gewesen, taucht auch noch Kyon auf und fordert einen Gefallen von jenem Wesen. Und allein diese paar Zeilen werfen einen Haufen Fragen auf. Allen voran, was könnte Kyon im Limbus wollen? Und ist das ein Auftrag vom Sammler, oder ist er auf eigene Agenda unterwegs?
      Interessant fand ich aber noch das Detail, was wir von Kali an der Stelle erfahren haben. Sie kennt den Sammler, und wusste, dass Kyon sein Lakai ist. Das lässt den Schluss zu, dass sie dem Sammler irgendwann schon einmal begegnet ist. Und das geschieht ja eigentlich nur auf zwei Arten. Entweder man will selbst etwas vom Sammler haben, oder der Sammler will etwas von einem. Was es wohl für Kali war? Und wenn dem so ist, wie ist es mit den Interessen des Sammlers im Bezug auf Anya vereinbar?

      Bei der nächsten Folge gibts wieder eine Begegnung mit den Undying. Mal ehrlich, Anya hat deren Reihen schneller durchgeackert als die Bahn mal streikfreie Tage hat. Wobei die Preview ein wenig danach klingt, als ob es nicht Anya ist, die gegen Zed kämpft.
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Hallo, wieder einmal ein Danke an alle Leser und Unterstützer. :)

      @Evil Bakura
      Ja, da hat Anya sich ausnahmsweise mal gehen lassen und danke gesagt. Von anderer Seite wurde sofort vermutet, dass sie von Außerirdischen entführt wurde. Oh well. xD

      Ja, das war schon eine enge Kiste. Wenn Anya Henry nicht besiegt hätte, wäre das Ganze schief gegangen, denn wenn Matt und Zanthe schon bemerken, dass Henry einen Fehler gemacht hat, dann auch andere ... insofern, gerade noch die Kurve gekriegt, Anya. xD

      Gewisse Parallelen zwischen Anya und Kali gibt es schon. Beide sind nicht so unbesiegbar, wie sie es gern hätten.
      Ausnahmsweise werde ich dich, was ihren PoV angeht, auch nicht allzu lange auf die Folter spannen. Einiges von dem, was dort aufgegriffen wurde, wird in absehbarer Zeit erklärt werden.

      Was die Undying angeht: Die haben eben sonst nix zu tun, als Anya zu bekämpfen. ... yeah. xD


      So, dann die nächste Folge! Viel Spaß!

      Turn 57 – Mind Evangelion
      Zu dritt standen sie am Frühstücksbuffet an. Eins musste man diesem Schuppen lassen, so gestand sich Anya ein, seine vier Sterne standen ihm gut zu Gesicht. Dieses Hotel war wesentlich besser als das in Dice.
      Allein hier, im Restaurant, konnte man den ganzen Tag verbringen. Es war riesig, hell, in ganzen Reihen standen die Tische beieinander und waren bereits gut besetzt. Direkt in der Mitte des Saals, über der Bar, führte eine mit rotem Teppich ausgelegte Treppe in ein oberes Stockwerk, wo es sogar VIP-Bereiche und einen Balkon gab, auf dem man ebenfalls speisen konnte.
      Zanthe hatte sich lediglich eine Scheibe Lammkotelett, ein paar Kartoffeln und etwas Mischgemüse aufgetan. Anya neben ihm schlug sich den Teller regelrecht mit allem Möglichen voll, anders als Matt, der sich eher auf Müsli, Toast und dergleichen beschränkte. Mit einer Hähnchenkeule im Mund, weil sie natürlich nicht hatte warten können, schmatzte sie im Gehen mehr als sie redete. „Schmeckt escht gutscht hia.“
      „J-ja, Anya.“ Der leicht angewiderte Ausdruck des Dämonenjägers sprach Bände.

      Zusammen setzten sich die Drei an einen freien Tisch bei einem der im halben Dutzend vorhandenen Fenster, durch die man auf die draußen stehenden Tische und die Straße blicken konnte.
      „Ist das geil, warme Küche zum Frühstück!“, freute sich Anya wie ein Schnitzel, derer auch eins auf ihrem Teller lag.
      „Du hast gestern echt für Gesprächsstoff gesorgt“, meinte Matt nebenher und bestrich sich seinen Toast mit Marmelade. „Und das nicht gerade im positiven Sinne.“
      „Ach“, zeigte sie sich unbeeindruckt, „lass doch diese abgehobenen Pros labern. Mir doch egal, ob einigen von ihnen nicht passt, dass ich mir meinen Platz im Turnier verdient habe.“
      Matt sah sie mitleidig an. „Anya … es sind nicht nur ein paar. Vielleicht ist es dir entgangen, aber ein paar von denen haben eigene Blogs, manche sogar Kanäle auf Videoplattformen.“
      „Was er damit sagen will“, sagte Zanthe, während er sein Kotelett schnitt, „die ganze Welt hasst dich jetzt. Was er dir verheimlicht: Er stalkt dich geradezu.“
      „Halt die Klappe“, brummte Matt daraufhin grimmig.
      „Ich sag's ja bloß.“
      Scheinbar hatten die beiden ihre Streitigkeiten noch immer nicht ganz beigelegt. Was Anya aber nicht scherte, sie ballte grinsend eine Faust. „Strike! Sollen sie doch heulen, die Pissnelken.“
      Ihre Freunde sahen sich nur vielsagend an und schüttelten die Köpfe.

      Nach dem Frühstück begaben sie sich ohne Matt zurück auf ihr Zimmer, denn jener wollte ein wenig Nachforschungen in Anyas Sache betreiben und hatte scheinbar einen ersten Anhaltspunkt, dem er nachgehen wollte.
      Zanthe seinerseits hatte darum gebeten, dass Anya ihm das neue D-Pad zeigte. Auf dem Weg zu ihrem Nachttisch, auf dem es lag, kam Anya am Panoramafenster vorbei und musste einen Blick auf den Wolkenkratzer werfen, auf dem Claire Rosenburgs Werbung gezeigt wurde. Da war sie wieder, perfekt auf ihrem D-Wheel. Die Göttin, die auf alles und jeden herab zu starren schien.
      Zischend wandte Anya sich ab und nahm das rote D-Pad, warf es dem Werwolf zu. Der fing es mit einer Hand auf und betrachtete es. „Hmm, Monster die auch Zauberkarten sind. Die Idee ist gar nicht so dumm.“
      „Mag ja sein, aber ich verzichte drauf. Meine Duel Disk hat diese Zonen nicht und ich werde 'nen Teufel tun und sie in Rente schicken, sobald ich sie erst wieder habe.“
      Der Junge mit dem blauen Kopftuch warf sie ihr zurück. „Find' ich gut. Man muss nicht jedem Trend hinterher rennen. Was sagste, haste Lust auf ein Übungsduell?“
      „Na klar doch! Ah! Warte kurz.“
      Ihr war etwas eingefallen. Sie steckte ihre Hand in die hintere Hosentasche ihrer Jeans und zog daraus [Gem-Knight Pearls] Karte hervor.
      „Stimmt, den hattest du ja hier gelassen“, erinnerte sich Zanthe an Anyas Geschichte dazu.

      Oh, und ich dachte schon, ich würde in diesem muffigen Loch verrotten.


      „Du kannst doch gar nicht riechen!“, brauste Anya sofort auf. „Zeig gefälligst etwas Dankbarkeit!“
      Wütend wollte sie ihn in ihr Deck stecken, da fiel ihr etwas auf: Es befand sich gar nicht in seinem Schacht. „Huh?“
      „Was ist los?“, fragte Zanthe.
      „Mein Deck ist nicht da.“
      Schulterzuckend erwiderte er: „Dann hast du es vermutlich zurück in dein anderes D-Pad gesteckt.“
      Dem ging sie sofort nach und schnappte sich das schwarze Modell von Logan auf ihrem Nachttisch, aber Fehlanzeige, auch dort wurde sie nicht fündig.
      „In der Schublade?“
      Anya riss diese auf. „Nein.“
      „Deinem Kleid?“
      „Hat keine Taschen.“
      „… wo hast du dann dein Deck verstaut, du hattest doch gar keine Handtasche-“
      Aufgewühlt schnitt Anya ihm ins Wort: „Das ist jetzt nicht wichtig!“
      Ihr Blick wanderte durch den Raum. Auf den Fensterbrettern konnte es nicht liegen, denn die gab es gar nicht, schließlich reichte das Glas bis zum Fußboden. Auch auf dem Tisch lag nichts außer Zanthes 'Faust'-Exemplar. Sie eilte, nun leicht in Unruhe versetzt, an ihm vorbei ins Bad. Hatte sie es, warum auch immer, dort liegen lassen?
      Auf dem Waschbecken? Nichts. Dem Abstellbrett auch nicht, ebenso wenig im Inneren des kleinen Spiegelschranks. Die Badewanne, die sie gestern nach der Party noch benutzt hatte? Leer!
      Anya streckte ihren Kopf durch den Türrahmen, sah Zanthe panisch an: „Ich find's nicht.“
      „Meine Güte, kannst du nicht auf deine Sachen aufpassen?“, tadelte er sie und bückte sich, sah unter seinem Bett nach, dem äußersten der drei nebeneinander aufgereihten. „Hier ist es nicht.“
      Auch unter Matts in der Mitte fand er nichts, ebenso wenig unter Anyas, welches sich in der Ecke des Zimmers befand.
      „Verdammt, wo ist es bloß!?“, verlor Anya langsam die Fassung, als sie aus dem Bad kam.

      Du hast es doch nicht etwa verloren!?

      Levrier erschien neben ihr in Pearls Form und sah sich um, während seine Karte zurück in Anyas 'muffigem Loch' verschwand.
      „Warte kurz“, meinte Zanthe derweil, trat an Matts Reisetasche vor seinem Bett und durchstöberte sie seelenruhig.
      Die Augenbrauen anziehend, fragte Anya: „Summers? Nie im Leben würde der es wagen!“
      „Offensichtlich, denn hier ist es auch nicht.“ Er rechtfertigte sich: „War ja nur 'ne Idee, so komisch wie er manchmal drauf ist.“

      Was das angeht, kann ich dich beruhigen. Weder Matt Summers noch Zanthe Montinari haben irgendetwas dergleichen getan. Als ewig Schlafloser weiß ich solche Dinge.

      Anya kam gar nicht auf die Idee, dafür Mitleid zu empfinden. Jenes hatte sie gerade ausschließlich für sich selbst übrig. „Oh scheiße, scheiße, scheiße! Es ist weg!“
      „Dann hast du es wohl verloren. Oder irgendwo liegen lassen? Denk nach, wann hast du es das letzte Mal gesehen?“
      Das Mädchen legte beide Hände an die Stirn. „Hmm, verdammter Kackmist. Nein, beim Frühstück hatte ich es nicht mit. Ich kann mich auch nicht erinnern, es gestern nach der Party noch irgendwann in der Hand gehabt zu haben.“
      „Also musst du es dort verloren haben“, schloss Zanthe daraus.
      „Vielleicht ist es aus der Halterung gerutscht?“ Anya warf bereits einen hasserfüllten Blick auf das rote D-Pad, das sie zwischenzeitlich auf ihr Bett geworfen hatte, als wäre das die einzig logische Antwort. „Verdammter Prototyp! Nur Schrott stellen die bei der AFC her!“

      Ich würde vorschlagen, wir statten Henry Ford einen kleinen Besuch ab. Dort sollten wir beginnen.

      „Und was ist, wenn ich es auf der Rückfahrt im Taxi verloren hab? Oder irgendjemand es gefunden hat und für sich selbst behält!?“ Anya war blass wie lange nicht mehr, wie sie anfing orientierungslos durch das Zimmer zu wandern.
      Zanthe zuckte mit den Schultern. „Dann kaufst du dir die Karten neu, meine Güte.“
      Sofort fiel sie ihn an und schüttelte ihn regelrecht durch. „Du kapierst das nicht, Flohpelz! Das sind nicht einfach nur Karten, das sind -meine- Karten! Die habe ich seit ich angefangen habe, die kann man nicht ersetzen! Da sind so viele Karten drin, die keiner außer mir besitzt!“
      Zanthe blinzelte und begriff, was sie meinte. „Angel Wing und Heavy T!“
      „Und [Kuriboss], [Gem-Knight Master Diamond]. Oder auch der seltene [Gem-Knight Zirconia], den ich von Matt habe!“ Anya war den Tränen nahe. „Alle, einfach alle!“
      „Wir finden sie!“, versprach Zanthe plötzlich unerwartet sanft. „Ich suche das Hotel ab, nur für den Fall. Du gehst zurück und sprichst mit Henry. Vielleicht hat einer seiner Partygäste oder Mitarbeiter das Deck ja gefunden und abgeben?“
      Aufgelöst wie lange nicht mehr, nickte Anya zittrig. „Okay …“

      ~-~-~

      Während der Taxifahrt krallte Anya sich unentwegt in ihrem Sitz fest.
      „Geht das nicht schneller!?“, schrie sie den indischen Fahrer neben sich an.
      „Nein“, erwiderte der in gebrochenem Englisch, „sei geduldig, Mädchen.“
      Gerade fuhren sie über eine lange Brücke, unter welcher sich ein Fluss seinen Weg ins Meer am Horizont bahnte. Anya blickte aus dem Fenster und folgte seinem Lauf, dann schnaubte sie. Wieder zum Fahrer wirbelnd, presste sie zwischen den Zähnen hervor: „Wenn du nicht gleich auf die Tube drückst, spielen wir 'ne Runde GTA und danach fahre ich, Fettsack! Also dalli!“
      Es war, als hätte er gar nicht bemerkt, dass sie ihn angesprochen hatte. Stattdessen begann er vergnügt ein Lied zu summen. Sein letztes, wie Anya sich mit weit aufgerissenen Augen sicher war.

      ~-~-~

      Die Beifahrertür knallte zu und Anya stand vor dem Anwesen, in dem gestern die Party stattgefunden hatte. Mit quietschenden Reifen ergriff der Taxifahrer die Flucht. Und das Beste: Nachdem Anya mit ihm fertig gewesen war, hatte er sogar auf seine Bezahlung verzichtet!
      „Tch, wäre noch lustiger gewesen, wenn er nicht die ganze Fahrt über geschrien hätte!“

      Aber wen interessierte das überhaupt, schließlich hatte sie ganz andere Probleme. Das Bogentor des Anwesens stand nämlich verschlossen da. Anya watete herüber zur linken Seite und betätigte die Sprechanlage.
      „Ja bitte?“, drang eine unbekannte, männliche Stimme aus dem weißen Apparat.
      „Hey! Ich muss dringend mit dem Schnö- mit Henry sprechen. Henry Ford.“
      „Mr. Ford war lediglich ein Gast unseres Hauses. Versuchen Sie es in seinem Hotelzimmer.“
      Anya runzelte ärgerlich die Stirn. „Mir egal, dann gib mir denjenigen, der diese dämliche Party gestern ausgerichtet hat.“
      Der Kerl am anderen Ende der Leitung gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Ich befürchte, Mr. Walton, der Eigentümer dieses Anwesens, ist leider auch nicht anzutreffen. Darf ich erfahren, was Sie überhaupt hierher führt und wer Sie sind?“
      „Was geht dich das an!? Eine Anya Bauer ist niemandem Rechenschaft schuldig! Lass mich einfach rein, Idiot!“
      „Bedaure, ich fürchte ich kann dieser Bitte nicht nachkommen. Guten Tag.“
      Es knackte aus dem Sprecher und der Typ war weg. Und Anya puterrot im Gesicht.

      Wirst du jemals dazulernen, Anya Bauer? Wobei, du hast dir den Begriff Rechenschaft endlich aneignen können. Wie schön.

      „Wirst du jemals die Klappe halten, Levrier!?“
      Anya stemmte wütend die Hände in die Hüften und stampfte um das Tor herum zu dem schwarzen Zaun, der sich von ihm erstreckte. Ob man da wohl drüber klettern konnte? Zugegeben, der war fast zwei Meter hoch und spitz am Ende, aber sie wäre nicht Anya Bauer, wenn sie das beeindrucken würde. Solche Dinger hatte sie doch schon tausendmal erklommen!
      Schon hatte sie eine der Palisaden gepackt und stand mit einem Fuß auf der ersten Haltestange. Sie würde nicht eher abhauen, bis sie ihr Deck wieder hatte! Mit viel Schwung stieß sie sich ab und versuchte die nächst höher gelegene zu erreichen, was sich als ziemlich anstrengend entpuppte, da zwischen den Palisaden äußerst wenig Platz für einen Fuß war. Trotzdem ließ Anya sich nicht beirren und kletterte unentwegt weiter, bis sie ein Bein bereits vorsichtig über die Spitzen des Zaunes schwang.
      Es schepperte. Verdattert sah Anya in ihrer unbequemen Lage nach unten und sah dort ein brandneues Smartphone liegen. -Ihr- Smartphone. Oder was jetzt noch davon übrig war.
      „Oh shit, wieso passiert mir das immer!?“, fluchte das Mädchen außer sich vor Wut.

      „Anya, was machst du da!?“
      Die blinzelte überrascht in ihrer stark an einen pinkelnden Hund erinnernden Haltung und entdeckte eine junge Frau bei dem Springbrunnen im Garten vor dem Anwesen. Rotes, offenes Haar, ein weißes Sommerkleid – Melinda Ford.
      „Hi“, rief Anya ihr etwas verblüfft zu und schwang sich schließlich über den Zaun, landete in der Hocke auf der anderen Seite.
      Sofort kam ihr Henrys Schwester entgegen gerannt. „Ich glaub, ich seh' nicht richtig! Wieso hast du nicht geklingelt!?“
      Als Anya sich vor ihr aufrichtete, zischte sie böse: „Hab ich doch, aber das Schwein hat mich nicht reingelassen! Hat gesagt, dein Bruder wäre nicht da!“
      „Ist er auch nicht, weil er noch gestern wegen eines Termins die Stadt verlassen musste. Ist doch auch völlig Banane.“ Melinda seufzte tief, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. „Also, was ist so wichtig, dass du unbedingt wegen Hausfriedensbruchs festgenommen werden willst!?“
      „Mein Deck! Es ist weg!“, beklagte Anya sich wild gestikulierend. „Ich muss es irgendwo auf der Feier gestern verloren haben.“
      Melinda tippte ihren Zeigefinger gegen das Kinn. „Du bist doch bereits kurz nach dem Duell gegangen. Sicher, dass du es bei uns verlegt hast?“
      „Absolut! Hilf mir, Schnöselschwester!“
      Die musste belustigt glucksen. „Schnöselschwester? Das ist mal was Neues. Aber wenn du meinst, komm mit. Und versuch nie wieder, hier einzubrechen … zumindest nicht am helllichten Tag!“

      Melinda führte Anya durch den Blumengarten am Springbrunnen vorbei ins Anwesen, bis hin in den Ballsaal. Dieser war bei Tageslicht nicht halb so beeindruckend, besonders deswegen nicht, da ein halbes dutzend Möbelpacker damit beschäftigt war, die Tische, Stühle und die Bühne wegzuräumen, wofür sie einen Seiteneingang benutzen.
      „Hat jemand mein Deck vielleicht abgegeben?“, fragte Anya und sah sich um.
      „Dann hätte ich mich schon bei dir gemeldet.“ Melinda schüttelte betonend den Kopf. „Wir haben zwar ein, zwei Sachen gefunden, aber das waren Ohrringe oder Mobiltelefone.“
      Offenbar Grund genug für Anya, die Sache selbst anzugehen. Sie stampfte durch den Saal und steuerte direkt dessen Mitte an, wobei sie den Blick gen Boden gerichtet hielt. Weiter vorne waren zwei Techniker auf Leitern damit beschäftigt, den unter der zusammenlaufenden Wendeltreppe befindlichen Monitor zu demontieren.
      „Shit! Wo ist es!?“
      Melinda eilte ihr hinterher. „Na da sicher nicht, das wäre uns längst aufgefallen!“
      Sofort wirbelte Anya zu ihr um. „Und wo dann, Einstein!?“
      „Woher soll ich das wissen?“, erwiderte die Rothaarige nun langsam an ihre Grenzen der Geduld getrieben. „Ich glaube nicht, dass du es hier überhaupt finden wirst. Vielleicht hat es ja wirklich jemand entdeckt und dann mitgenommen?“
      Allein die Lippenbewegungen lösten in Anya ein klammes Gefühl aus, was sich nur umso schneller in neue Wut umwandelte. „Wenn das so ist, finde ich diese Mistmade und erwürge sie mit ihrem eigenen Magen! Gibt’s hier vielleicht Kameras!?“
      Melinda zögerte bei ihrer Antwort. „Schon, aber …“
      Bevor sie den Satz zu Ende brachte, unterbrach sie sich selbst mit einem schicksalsergebenen Seufzen und machte eine ausholende Handbewegung in die andere Richtung. „Komm mit!“

      Henrys Schwester führte das Mädchen in den Keller, wo sich das 'Sicherheitszentrum' des Anwesens befand. Der Raum war dunkel, klein und roch irgendwie muffig. Vielleicht wegen dem fetten Wachmann, der ihn besetzte.
      „Hallo Hank“, grüßte Melinda diesen beim Eintreten.
      „Melly!“ Extra für sie stand der dickliche Mann in Dunkelblau auf, nur noch ein grau-braune, dünner Kranz war ihm von seiner Haarpracht geblieben.
      Auf diversen Monitoren wurden hier in schwarz-weiß die Bilder der Überwachungskameras wiedergegeben. Am Schreibtisch befand sich zudem ein Laptop, mit dem Hank arbeitete.
      „Kennt ihr euch?“, fragte Anya, als sie Melinda hinein folgte.
      „Ja, unsere und Mr. Waltons Familie sind gut befreundet“, erwiderte Melinda und stellte sich zu Hank, fasste ihn auf die Schulter und strahlte Anya förmlich an, „früher, wenn wir hier zu Besuch waren, hat Hank oft mit mir und Henry gespielt.“
      „Schön für euch“, gab sich Anya desinteressiert, „was ist nun!?“
      „Hank“, richtete sich Melinda an den Wachmann, „kannst du uns bitte einen Moment allein lassen? Wir müssen kurz ein wenig die Aufnahmen von gestern durchgehen, es gab einen … Vorfall.“
      Der bullige Mann nickte knapp. „Natürlich. Hast du wieder was angestellt, Melly?“
      Die zwinkerte ihm nur verschwörerisch zu, als sie sich an den Schreibtisch setzte. Lachend verließ Hank den Sicherheitsraum.

      Anya stellte sich hinter die rothaarige Frau und sah zu, wie sie sich am Laptop zu schaffen machte.
      „Kannst du das Teil denn bedienen?“
      Mit einem äußerst pikierten Blick drehte sich Melinda zu ihr um. „Machst du Witze? Seit ich acht war, hab ich hier mein Unwesen getrieben.“
      „Klingt ja so, als wärst du früher 'ne ganz Wilde gewesen, Schnöselschwester.“
      Jene kicherte vergnügt. „Wenn du wüsstest. Was denkst du, warum Henry sich manchmal so über dich ärgert? Er kennt das alles bereits von seiner großen Schwester.“
      Dies entlockte nun Anya ein bösartiges Grinsen. „Wir sollten mal was zusammen machen.“
      „Nicht, dass ich nicht wollte, aber die Zeiten sind leider vorbei“, gab sie sich wehmütig, während sie mit der Maus über einen Ordner fuhr, „tada. Das sind die Aufnahmen von gestern Abend.“

      Es dauerte allein schon ein paar Stunden, überhaupt Mitschnitte zu finden, die nach dem Duell stattfanden. Die verschiedenen Einstellungen waren teilweise im ganzen Saal verteilt, oft war Anya gar nicht im Bild. Ihr erster Anhaltspunkt, der Aufenthalt auf dem Balkon, hatte sich als Niete entpuppt.
      Bis sie schließlich einen fanden, in dem sie gerade vom oberen Bildrand in dessen Mitte stürmte.
      „Das war, als du nach deinem Sieg wütend davon gebraust bist.“
      Gerade stieß Anya mit der Journalistin zusammen.
      „Hey!“, schrie diese plötzlich und tippte mit dem Finger gegen den Bildschirm. „Mach mal zurück und pausiere das dann!“
      Und tatsächlich! Die Hand der Journalistin lag nur für einen kurzen Augenblick auf Anyas D-Pad!
      „Die hat mein Deck! Wer ist das!?“
      „Keine Ahnung, kann ich auf dem Bild nicht erkennen“, sagte Melinda nachdenklich. „Aber wir können gerne die Gästeliste durchgehen, da muss sie zu finden sein.“

      Was sie dann auch am Laptop taten. Nur fanden sie zu Anyas Entsetzen niemanden, der der Frau auch nur ansatzweise ähnlich sah und das, obwohl jeder Gast eine eigene Datei samt Bild besaß.
      „Sie hatte 'nen Presseausweis!“, erinnerte sich Anya. „Welche Reporter waren denn eingeladen?“
      Melinda zeigte ihr die überschaubare Liste. „Nur Leute, mit denen wir gute Kontakte pflegen. Aber wie du siehst, sind das alles Männer.“
      „Und wie ist sie dann reingekommen!?“
      Melinda sah über den Rand des Stuhls zu ihr. „Na vielleicht bist du nicht die Einzige, die mit gefälschter Einladung hier hereingekommen ist?“
      „Meine war nicht gefälscht, nur 'umgeschrieben'!“
      Auf diesen Einwurf hin richtete der Rotschopf wieder sein Augenmerk auf den Laptop. „Anscheinend hatten wir einen ungebetenen Gast. Die Frage ist: Warum?“
      „Na, weil sie mein Deck wollte natürlich!“ Anya schnaubte. „Hey, Schnöselschwester. Am besten schickst du das ganze Zeug an Nick, der kann sicher mehr damit anfangen als du.“
      „Danke?“
      „Ich muss los“, quengelte Anya, die von einer plötzlichen Eile ergriffen worden war, „muss selbst mit Nick reden. Und mit den anderen.“

      Sie ließ Melinda Nicks E-Mail-Adresse aufschreiben. Jene war zwar der Meinung, selbst genauso gut Nachforschungen anstellen zu können, fügte sich aber Anyas gereizter Ungeduld. Und versprach, Nick sämtliches wichtiges Material zukommen zu lassen.

      So geschah es, dass Anya schließlich wieder vor dem Tor des Anwesens stand und mit drei Erkenntnissen konfrontiert wurde. Die erste: Nach ihrer Duel Disk hatte man ihr nun auch das Deck gestohlen. Die zweite: Sie musste sich jetzt ein Taxi rufen. Woraus die dritte entstand: Sie hatte kein Geld für eins. Was nicht das Problem gewesen wäre, würde es ihr nicht auch an einem Smartphone mangeln, um jenes zu rufen. Fuck! Warum musste ihr das Scheißteil auch aus der Tasche rutschen. War das jetzt der neue Trend mit ihren Sachen oder was!?

      Sie drehte sich zum Tor um und überlegte, noch einmal Melinda um Hilfe zu bitten. Aber da die sowieso schon sauer war, aus dem Fall unfreiwillig ausgeschieden zu sein, wollte Anya ihr nicht noch wegen so einer Lappalie zu Kreuze kriechen.
      Was eines hieß: laufen. Und der Weg zum Hotel war … lang.
      „Tch!“, schnaubte Anya und begann sich in Bewegung zu setzen.
      Umso besser, so konnte sie wenigstens ihre Wut durch ein wenig Sport abbauen. Und sie war wütend, verdammt wütend!

      ~-~-~

      Irgendwann war Anya so erschöpft, dass sie eine Pause einlegen musste. Inzwischen dämmerte es bereits. Sie stand am Geländer der riesigen Brücke, die etwa den Mittelpunkt ihres Weges markierte.
      So vieles war ihr während dieser Zeit durch den Kopf gegangen. Steckte die Diebin mit Kali unter einer Decke? Mit den Undying, die zurückhaben wollten, was ihnen gehörte? Oder gar mit jemand anderes? Wenn nicht, hatte sie es trotzdem von Anfang an auf ihr Deck abgesehen?
      Erschöpft hielt sich Anya in gebeugter Haltung mit einer Hand an dem Geländer fest. Neben ihr, getrennt von einer Leitplanke, herrschte reger Verkehr. Nicht weit entfernt ragte ein großes Tor über der Brücke.

      Keuchend beugte sich Anya über. „Scheiße … wieso passiert so was immer mir?“
      Alles ging schief, seit sie für den Sammler arbeitete. Es war nicht nur die Tatsache, dass ihr erst die Duel Disk und nun auch das Deck gestohlen worden waren. Oder dass immer neue Feinde auf den Plan traten. Nein, durch diese ganze Scheiße wurden Menschen verletzt. Nick, Redfield, Marc und schlimmer noch, wegen ihr war einer der Hüter tot.
      Ihre Finger krallten sich bei dem Gedanken um das Geländer. Aus den Augenwinkeln betrachtete sie den Fluss, wie sich das Abendrot in ihm spiegelte.
      Sie musste einen Ausweg finden. Und Anya wurde bewusst, was der Unterschied zwischen damals und heute war. Zwischen der alten und der neuen Anya. Denn die neue wollte nicht, dass andere in Mitleidenschaft gerieten. So ein Mensch war sie nicht mehr.

      Seine sanfte Berührung auf ihrer Schulter ließ sie auffahren. Es war schön, dass Levrier selbst jetzt ihren Gedanken folgen konnte und sie darin bestärken wollte.
      Als Anya sich aufrichtete und umdrehte, musste sie jedoch erkennen, dass es nicht ihr Freund war, der seine Hand nun zurückzog. Es war Nick.
      „Was machst du denn hier!?“, platzte es aus Anya heraus.
      „Die Frage könnte ich dir auch stellen“, erwiderte er ruhig, „was machst du hier?“
      Langsam ging er an ihr vorbei.
      „Ich will ins Hotel …“ Irgendetwas stimmte nicht, das spürte Anya sofort. „Seit wann bist du hier?“
      „Bist du es nicht leid?“, fragte Nick, als er neben ihr stand und sich ihr zudrehte. „Immer wieder dieselben Fehler zu begehen?“
      Die Blonde geriet ins Stocken und wich zurück, stieß gegen das Geländer. „Was soll das?“
      „Du hast kein Recht hier zu sein“, kam es mit einem Male hasserfüllt aus Nicks Mund, „du hättest im Turm sterben sollen. Das wäre das Mindeste für deine Sünden gewesen.“
      Entgeistert schrie sie: „Hör auf damit, Harper!“
      „Aber was nicht ist“, murmelte er leise und versetzte ihr einen Stoß, „kann noch werden!“

      Anyas Welt überschlug sich, als sie über das Geländer der Brücke rutschte und in die Tiefe fiel. Eisige Kälte hüllte sie ein, als sie die Oberfläche des Flusses durchdrang und mit ausgestreckten Gliedmaßen in die Tiefe sank.
      Es dauerte einen Moment, ehe sie überhaupt begriff was geschehen war.
      „Lass diese Welt los, Anya. Du gehörst nicht hierher“, hörte sie Nicks Stimme klar und deutlich.
      Jene war es auch, die sie zurück zu Sinnen brachte. Anya begann mit den Armen auszuholen und zu schwimmen. Sie konnte die Oberfläche des Flusses noch erahnen, sah das gold-orangene Licht dort über sich.
      „Nein, du kommst nicht mehr zurück. Der Abgrund wartet auf dich. Du wolltest es so.“
      Egal wie sehr sie sich bemühte, es schien, als käme sie nicht weiter. Im Gegenteil, das Licht rückte in weite Ferne. Panik stieg in ihr auf, sie wollte um Hilfe schreien, doch im Wasser hörte sie niemand. Sie versank in der Finsternis.

      ~-~-~

      Anya Bauer, was ist mit dir los!? Antworte!


      Levrier schwebte neben dem Mädchen, das sich in gebeugter Haltung am Geländer fest hielt und keinen Millimeter rührte. Eben hatte sie etwas sagen wollen, war jedoch mitten im Satz verstummt.

      Geht es dir nicht gut!?

      Er näherte sich ihr von der Seite, doch sie verharrte starr, als wäre die Zeit angehalten worden. Der als [Gem-Knight Pearl] wiedergeborene Levrier wusste nicht, was er tun sollte. Er streckte die Hand nach ihr aus, doch fasste durch ihren Kopf hindurch, statt ihn zu streicheln.

      Anya Bauer!

      Er ahnte nicht, dass oben auf der Spitze des Tores inmitten der Brücke eine in weiß gekleidete Gestalt stand und das Ganze von oben herab beobachtete.

      ~-~-~

      Hustend rollte sich Anya auf den Rücken. War sie irgendwie an Land gespült worden? Doch als sie die Augen öffnete, sah sie nur Finsternis. Und Nick, der auf sie herabblickte.
      „Es ist zu spät.“
      „Für was!?“ Sofort richtete sich das Mädchen auf und wich von ihm zurück.
      „Sich zu ändern.“
      Erschrocken wirbelte das Mädchen um. Abby!? Ausdruckslos starrte jene an ihr vorbei. „Du bist der Abgrund. Und ein Abgrund kann nun mal nichts anderes, als andere in die Tiefe zu ziehen.“
      „Das ist nicht wahr!“ Mit ausholenden Handbewegungen beteuerte Anya verzweifelt, was sie dachte. „Wenn das so wäre, hättet ihr mich längst im Stich gelassen! Ihr glaubt doch an mich!“
      „Nicht mehr.“
      Von seinen Worten gelähmt, drehte sich Anya zu Nick um. Es war, als hätte man ihr einen Dolch in die Brust gerammt. So sehr schmerzte es. „Nein …!“
      „Wir sind nicht mehr deine Freunde.“
      Die Blonde beteuerte, panisch zwischen den beiden hin und her wechselnd: „Ich habe mich geändert!“
      „Menschen können sich nicht ändern, Anya“, sagte Nick kaltherzig, „nicht wirklich. Sie können lästige Angewohnheiten abstreifen, aber ihr Kern wird immer derselbe sein.“
      Abby drehte den Kopf zur Seite. „Und du bist innerlich verdorben und rücksichtslos. Das weißt du auch.“
      Die plötzlich auftauchende Stimme Valeries hinter Anya ließ diese zusammenzucken. „Deswegen möchtest du gehasst werden. Weil es der einzige Weg ist, mit anderen in Kontakt zu treten.“

      Anya keuchte und wirbelte herum. Sie breitete die Arme weit aus, als würde sie damit überzeugender wirken, auch wenn sie wusste, dass dies nicht der Fall war. „Bullshit! Ich will nicht gehasst werden!“
      „Warum tust du dann alles in deiner Macht stehende, um das Gegenteil zu erreichen?“
      Matt! Anya drehte sich schockiert um, jetzt auch noch ihn zwischen Nick und Valerie zu sehen.
      „Du bist nicht imstande, Gefühle für deine Mitmenschen zu hegen“, sprach er monoton, „und ohne diese kannst du auch keine Gefühle für dich wecken. Deswegen erzeugst du Schmerz, dürstend nach irgendeiner Reaktion deiner Umwelt.“
      „D-das stimmt nicht!“
      Valerie neben ihm setzte ein. „Wie heuchlerisch du bist, Anya. Zwar willst du niemanden in dein Chaos hineinziehen, doch genau das tust du. Immer und immer wieder.“
      „Wegen dir wurde ich angeschossen und wäre fast gestorben“, klagte Abby.
      Nick sah sie herablassend an. „Du kannst dich nicht einmal für all das bedanken, was ich bisher für dich getan habe.“
      „Deinetwegen kann ich jemanden, den ich sehr liebe, nie wieder sehen!“, tönte Matt lauter.
      „Du willst die Heldin sein? Warum sind es dann wir, die leiden müssen?“ Abby trat einen Schritt auf Anya zu, was diese instinktiv zurückweichen ließ. „Die Geschichte wiederholt sich und wieder bist es du, die droht, uns alle ins Verderben zu stürzen!“
      Nick tat es ihr gleich und setzte einen Fuß vor den anderen. „Du kannst nur zerstören.“
      Auch Matt zog mit. „Und wenn du dieses Mal zu weit gehst, wird es kein Happy End geben.“

      Die sonst so taffe Anya brachte es nicht fertig, sich gegen ihre Freunde aufzulehnen und wich immer weiter zurück. Bis sie gegen Valerie stieß, die geradezu hasserfüllt zu ihr herab starrte und so viel größer als gewöhnlich wirkte.
      „Ohne unsere Hilfe wärst du verloren, Anya.“
      „Du kannst nicht alleine existieren“, sagte Abby vorwurfsvoll, „aber alle anderen dürfen vor dir fallen, nur damit du am Ende überlebst.“
      Matt lächelte bitter. „Weil dir letztlich doch unser Schicksal egal ist, solange du dich in Sicherheit wiegen kannst.“
      „Wir sind deine Bauernopfer, die du bereit bist wegzuschmeißen, wenn du vor die Wahl gestellt wirst.“ Nick funkelte sie böse an. „Sieh in dich hinein und du wirst erkennen, dass das die Wahrheit ist.“
      „Am Ende ist sich jeder selbst am nächsten“, stimmte Valerie zu.
      Anya sank in die Knie und hielt sich die Hände über die Ohren. „Hört auf! Das stimmt alles nicht!“
      „Tut es wohl.“
      „Hör auf, dich selbst zu belügen.“
      „Du bist niederträchtig, sieh's doch ein.“
      „Falsche Schlange!“
      Mit all ihrer Kraft schrie Anya: „Haltet alle euer Maul! Ich bin nicht so!“

      Wie bist du dann? Weißt du überhaupt, wer du bist?

      Diese verzerrte, weibliche Stimme kannte Anya gar nicht. Als sie aufsah und die Hände von den Ohren nahm, bemerkte sie, dass ihre Freunde verschwunden waren.

      Weißt du, wer du sein möchtest?

      Anya antwortete nicht. Plötzlich drangen sie in ihren Kopf ein. So viele Antworten, gegeben von ihr bekannten Personen, dass sie unter der Überlastung anfing qualvoll zu schreien.

      Heldin
      Stark
      Monster
      Geliebt
      Attraktiv
      Böse
      Lebendig
      Furchteinflößend
      Ehrlich
      Sicher
      Duel Queen

      … alleine!

      Nichts …

      „So ist es richtig! Sei niemand. Denke nichts. So kannst du niemandem wehtun.“
      „So werden die Stimmen verstummen.“
      „Keiner wird es bemerken.“
      „Wenn du weg bist. Es wird sie nicht stören.“

      Anya trieb im Nichts vor sich her, die Augen leer. Musik spielte im Hintergrund, ein trauriges Klavierstück.

      „Was hindert dich daran, einfach zu existieren aufzuhören?“
      „Warum klammerst du dich an etwas fest, das du selbst als wertlos erachtest?“
      „Bist du deine eigenen Lügen nicht leid?“
      „Sehnst du dich nicht nach Frieden?“

      Das tat sie, dachte Anya. Es sollte vorbei sein, das ewige Kämpfen. Tausend Dämonen schienen hinter ihr her zu sein, dabei wollte sie doch nur …

      „Sterben?“
      „Tu's doch einfach.“
      „Du willst sowieso wissen, was danach kommt. Nach dem Leben.“
      „Nicht einmal der Sammler weiß es. Willst du ihm nicht einen Strich durch die Rechnung machen und einmal die Stärkere sein?“
      „Du musst dich dafür nicht schämen.“

      Anya blinzelte, dann formten ihre Lippen einen stummen Satz.

      Ihr könnt mich alle mal kreuzweise, ihr Pappnasen!


      „Dein Wille ist schwer zu brechen“, hörte sie die fremde Frau in der Ferne des Nichts sagen, „aber in einer Welt, in der Zeit keine Rolle spielt, hast du keine Chance, Anya Bauer.“
      Plötzlich vernahm jene ein Surren in ihrem Gehörgang und presste die Hände wieder auf die Ohren. Und die Stimmen kamen wieder …
      „Wir sind die Boten Zeds“, war unter ihnen immer wieder klar zu verstehen, „die, die die Wahrheit spricht.“

      ~-~-~

      Fürchterliche Erschütterungen suchten Anyas Elysion heim. Die große Schreibe in seiner Mitte, das bunte Mosaik der Erde, bekam langsam Sprünge, die sich in tiefe Risse verwandelten. Und am Rande der Plattform, zur Schwelle der endlosen Dunkelheit, stand eine Frau, gekleidet in einer weißen, ärmellosen Robe. Bis zum Boden reichte ihr schwarzes Haar.
      „Hartnäckig“, murmelte sie vor sich hin.
      „Das ist sie in der Tat.“
      Erschrocken wirbelte Zed um. Auf der anderen Seite der Plattform stand jemand, eine Gestalt in weißer Rüstung. Ihre Augen leuchteten blau.
      „Levrier. Ich habe mit dir gerechnet.“
      Jener sah sein Gegenüber, welches vor dem Gesicht eine weiße Maske trug, die weit über die Stirn hinausragte und schon einem Turm glich, ausdruckslos an. „Wie gut, dass ich hierhergekommen bin und dich gefunden habe. Du versuchst ihre Gedanken zu verschmutzen und zum Selbstmord zu treiben.“
      „So ist es und du kannst nichts dagegen tun. Jeder Versuch, mit ihr in Kontakt zu treten, wird sofort von mir unterbunden.“
      „Ich bin nicht hier, um mit Anya Bauer zu reden“, sagte er und streckte den Arm aus. An diesem materialisierte sich eine Imitation ihrer alten Battle City-Duel Disk, „sondern das Problem bei der Wurzel zu packen.“
      Zed entfuhr ein arrogantes Lachen, als sie ein paar Schritte vortrat. „Ich bin eine Undying, du kannst mir nichts anhaben. Verschwende nicht deine Zeit.“
      „Dessen wäre ich mir nicht so sicher. Ich kenne nicht die Methode, mit der du dir Zugang zu Anya Bauers Elysion verschafft hast“, sagte er selbstsicher, „aber ich weiß, dass es einen Unterschied zwischen einer unsterblichen Hülle und der Manifestation des eigenen Willens gibt.“
      Seine Gegnerin schürzte die roten Lippen, antwortete aber nicht. Wozu auch, als sie den Arm ausstreckte und eine silberne, sichelförmige Duel Disk an jenem erschien.
      Levrier nickte. „Gut so. Zumindest bist du keine Närrin.“
      „Da du dich mir in die Quere stellst, musst auch du beseitigt werden.“
      „Duell!“, hallte es anschließend im Chor über das Elysion hinweg.

      [Levrier: 4000LP / Zed: 4000LP]

      „Da dies Anya Bauers Zuflucht ist, gebührt mir als ihr Vertreter der erste Zug“, bestimmte Levrier und zog sechsmal hintereinander.
      Seine schwarzhaarige Gegnerin nickte. „Ich erlaube es.“
      Die blauen Augen des [Gem-Knight Pearls], Levriers Avatar, blitzten auf. „Du befindest dich nicht in der Position, solche Zugeständnisse zu machen. Egal ob du eine Undying bist oder nicht, dieser Ort steht nicht unter deiner Herrschaft.“
      Zed blieb regungslos. „Aber er wird es, sobald Anya Bauers Wille gebrochen ist.“
      „Das lasse ich nicht zu!“ Wütend knallte Levrier ein Monster auf seine Duel Disk, die der originalen von Anya bis ins letzte Detail glich. „Dieses spiele ich verdeckt. Dazu setze ich eine weitere Karte als Absicherung. Führe deinen Zug durch, Undying.“

      Jene Frau mit der hohen, weißen Maske brauchte dafür keine Aufforderung. Noch während sich die Karten vor Levrier in horizontaler beziehungsweise vertikaler Lage materialisierten, riss sie eine Karte von ihrem Deck.
      Diese steckte sie in ihr Blatt und nahm stattdessen eine Zauberkarte aus jenem hervor. Die Spielfeldzauberkartenzone ihrer sichelförmigen Duel Disk fuhr automatisch aus, sodass sie die Karte nur noch einzulegen brauchte.
      „Ich aktiviere [Aura Dominion].“
      Das Mosaik der Erde unter ihren Füßen löste sich mitsamt der es umgebenden Dunkelheit auf. Stattdessen befanden die beiden Duellanten sich nun auf einer grell leuchtenden Ebene, umgeben von riesigen Säulen aus purem Licht. In der Ferne ging in jeder der vier Himmelsrichtungen eine Sonne am rosafarbenen Horizont auf. Dazu umhüllte ein seichter Nebel das Spielfeld. Jenes wurde als offener Tempel dargestellt, in dessen Mitte sich eine Vertiefung befand, die von jeder Seite durch drei Stufen aus sandfarbenem Gestein erreicht werden konnte.
      Zed erklärte: „Einmal pro Zug erlaubt diese Spielfeldmagie es mir, eine Karte von meinem Deck auf den Friedhof zu schicken. Danach erschafft sie mir drei Spielmarken, die mir für diesen Zug frei zur Verfügung stehen.“
      Sie nahm die oberste Karte ihres Decks und schob jene in den Friedhofsschlitz der Duel Disk. Vor ihr bildeten sich drei gleißende Kugeln aus weißem Feuer, die in einer Reihe vor ihr schwebten.

      „Soul Aura“-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Zwei von ihnen lösten sich im Anschluss sofort wieder auf.
      „Ich führe eine Tributbeschwörung durch. Erscheine, [Demigod Of Purging Fire, Efreet]!“
      Unter lautem Getöse schoss eine meterhohe Feuersäule vor Zed aus dem Boden. Aus ihr ragten erst vier lange, klauenbesetzte Arme, ehe die Kreatur aus dem lodernden Inferno sprang. Von bestialischer Gestalt, stand sie auf zwei Beinen und sah einer Mischung aus Eber und Humanoid noch am ähnlichsten. Von weißem, leuchtenden Fell und dementsprechend erhabener Natur, verschränkte sie zwei ihrer Arme. Die schwarzen Hörner ragten in die Höhe, in der Schweinenase hing ein goldener Ring. Stolz brüllte Efreet seinen überraschten Gegner an.

      Demigod Of Purging Fire, Efreet [ATK/2900 DEF/2300 (10)]

      Zed streckte den Arm aus. „Da alle geopferten Monster für Efreets Beschwörung Spielmarken waren, aktiviert sich sein Effekt: Er fügt meinem Gegner umgehend 1500 Punkte Schaden zu! Aura Meteor!“
      Über den gen Himmel ausgestreckten, flachen Händen der Bestie entstanden zwei lodernde, goldene Flammenkugeln, die Efreet ohne zu zögern auf Levrier schleuderte. Der hielt schützend den Arm mit seiner Duel Disk vor den Oberkörper und Kopf, doch als die Geschosse ihn erreichten, explodierten sie vorzeitig.

      [Levrier: 4000LP → 2500LP / Zed: 4000LP]

      Statt am Boden zu liegen, stand Levrier unbekümmert da.
      Derweil schwang Zed ihren ausgestreckten Arm zur Seite. „Danach aktiviere ich den zweiten Effekt Efreets. Indem ich eine Spielmarke opfere, kann keines meiner Monster bis zur End Phase des Feindes als Ziel eines Zauber- oder Fallenkarteneffekts werden! Pillars of Protection!“
      Sogleich streckte Efreet einen seiner Arme nach rechts und schnappte sich damit die verbliebene Feuerkugel, zerquetschte sie mühelos. Unter ihm schoss augenblicklich eine goldene Flammensäule empor, die ihn komplett einhüllte.
      „Und jetzt befehle ich dir anzugreifen!“, rief Zed mit ausgestrecktem Arm.
      Der dämonische Lichtgott öffnete, umgeben von dem goldenen Feuer, sein Maul und spie eine Stichflamme in Richtung von Levriers verdecktem Monster. Dessen Karte wirbelte herum und präsentierte einen maskierten Krieger in grünem Mantel, der eine gezackte Klinge mit sich führte. Er konnte dem Angriff nicht im Geringsten standhalten und verwandelte sich umgehend in Asche.

      ??? [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Die eigene Überraschung unterdrückend, murmelte Zed: „Kein Gem-Knight?“
      Levrier musste auflachen. „Anya Bauer duelliert sich regelmäßig mit ihnen. Es ist ihr Deck und auch wenn ich die Form eines ihrer Monster annehme, so bestehe ich doch darauf, dass auf meine eigene Identität Rücksicht genommen wird.“
      „Und was sollen diese Monster sein? Söldner, gar Helden?“, fragte Zed abfällig. „Anscheinend fühlst du dich selbst wie einer. Narr, du hättest dich nicht einmischen sollen.“
      „Aber es kommt doch so selten jemand hierher, wie könnte ich nicht?“, fragte Levrier gespielt kleinkindhaft.
      „Ich setze diese Karte“, verkündete Zed erhaben und schob jene in ihre Duel Disk, „damit beende-“
      Noch während jene sich vor ihren weißen Stiefeln materialisierte, hob Levrier die Hand. „Halt! Bevor du das tust, aktiviere ich meine Falle [Limit Reverse]. Sie reanimiert ein Monster mit höchstens 1000 Angriffspunkten von meinem Friedhof in Angriffsposition.“
      Ein dunkler Runenzirkel öffnete sich vor Levrier. Aus diesem entstieg sein etwas kleinwüchsiger Krieger, dessen grüner Mantel unruhig vor sich her flatterte. Die gezackte Klinge hielt er hinter dem Rücken versteckt.
      „[Heroic Challenger – Ambush Soldier]“, benannte Levrier ihn, „willkommen zurück.“

      Heroic Challenger – Ambush Soldier [ATK/0 DEF/0 (1)]

      „Wie du meinst“, zeigte sich Zed gleichgültig, „es ist nun dein Zug.“

      Nachdem Levrier aufgezogen hatte, begann sein Krieger plötzlich geheimnisvoll zu kichern. Dann pfiff er plötzlich und warf eine Rauchbombe, die binnen eines Herzschlages Levriers komplettes Feld in schwarzen Rauch einhüllte.
      „Was sollen diese Tricks!?“, fauchte Zed ärgerlich.
      „Keine Tricks, nur ein Effekt“, hallte es aus dem Qualm.
      Jener löste sich auf und statt des Soldaten, standen zwei neue Monster vor Levrier. Zum einen war da ein dunkelblau gepanzerter Krieger, der einen mächtigen Eisenhammer schwang. Neben ihm dagegen ein weißer, an dessen rechten Arm eine ausklappbare Schwertklinge befestigt war.
      „In der Standby Phase hat sich lediglich [Heroic Challenger – Ambush Soldiers] Effekt aktiviert: Er bietet sich als Tribut an und beschwört im Gegenzug zwei seiner Kameraden von meiner Hand, namentlich [Heroic Challenger – War Hammer] und [Heroic Challenger – Clasp Sword].“

      Heroic Challenger – War Hammer [ATK/2100 DEF/1300 (6)]
      Heroic Challenger – Clasp Sword [ATK/300 DEF/100 (1)]

      Letzterer streckte seine Armklinge in die Höhe. Levrier zeigte seine Duel Disk vor. „Dies löst Clasp Swords Effekt aus, denn sobald er durch ein Heroic-Monster gerufen wird, schickt er ein solches von meinem Deck aufs Blatt. Und dieses beschwöre ich sogleich als Normalbeschwörung, [Heroic Challenger – Extra Sword]!“
      Levrier knallte die Karte auf seine Duel Disk und ließ zwischen seinen anderen beiden einen Krieger in grün-weißer Rüstung erscheinen, welcher zwei Schwerter mit sich führte.

      Heroic Challenger – Extra Sword [ATK/1000 DEF/1000 (4)]

      Zed schnalzte mit der Zunge, als ihr Gegner eine Zauberkarte vorzeigte. „Wie du sehen kannst, verfügt keines meiner Monster über eine identische Stufe, um eine Xyz-Beschwörung durchzuführen. Es fehlt sozusagen die Harmonie unter ihnen, aber das wird diese Karte ändern: [Harmonic Waves]! Mache Clasp Sword zu einem Stufe 4-Monster.“
      Jener, welcher neben Extra Sword stand, strecke die Klinge an seinem Arm in die Höhe, was sein Kamerad ihm gleich tat, sodass ihre Schwerter sich in der Luft kreuzten.

      Heroic Challenger – Clasp Sword [ATK/300 DEF/100 (1 → 4)]

      Levrier streckte den Arm nach vorne. Vor ihm öffnete sich ein schwarzer Wirbel. „Ich errichte das Overlay Network! Nun werden meine Stufe 4-Krieger zu einem Rang 4-Monster!“
      Jene verwandelten sich in braune Energiestrahlen, welche in jenes Loch gezogen wurden, aus welchem daraufhin eine Explosion folgte. „Xyz Summon! Kämpfe für mich, [Heroic Champion – Gandiva]!“
      Aus dem Überlagerungsnetzwerk kam ein Rappe gesprungen, geschützt durch eine rote Körperpanzerung. Sein Reiter war ein blauer Krieger mit zweigehörntem Helm, welcher einen Bogen spann. Jener wurde von zwei Lichtkugeln umkreist.

      Heroic Champion – Gandiva [ATK/2100 → 3100 DEF/1800 {4} OLU: 2]

      Zed keuchte erschrocken. „Seine Punkte steigen!“
      „In der Tat. [Heroic Challenger – Extra Swords] Effekt ist dafür verantwortlich, denn wird jener für eine Xyz-Beschwörung als Material benutzt, erhält dieses Xyz-Monster 1000 Angriffspunkte.“ Im gleichen Zuge rammte Levrier eine Zauberkarte in die Duel Disk, die Anyas nachempfunden war. „Und Gandiva ist nicht der Einzige, dessen Punkte steigen werden! Zauberkarte [Heroic Chance]! Sie verdoppelt War Hammers Wert für einen Zug!“
      Seine Gegnerin schrie regelrecht auf, als der Hammer des riesigen Kriegers neben dem Reiter Gandiva derart grell zu leuchten begann, dass es den Anschein erweckte, er würde lediglich aus roter Energie bestehen.

      Heroic Challenger – War Hammer [ATK/2100 → 4200 DEF/1300 (6)]

      Levrier streckte den Arm aus. „Ich sage es nur noch einmal, Undying! Deine Anwesenheit hier wird nicht geduldet. Gehe jetzt in Frieden und ich werde davon absehen, dir irreparablen Schaden zuzufügen.“
      Seinem Angebot zum Trotz schnalzte Zed selbstgefällig mit der Zunge. „Du überschätzt deine Fähigkeiten, Abkömmling.“
      „Dann habe ich dir nichts mehr zu sagen“, erwiderte Levrier gleichgültig. „Greife ihr Monster an, War Hammer!“
      Jener ließ seine Waffe scheinbar mühelos über dem Kopf kreisen, stürmte dann auf den weißen, wildschweinartigen Halbgott in seiner Feuersäule zu und zertrümmerte diesen mit einem einzigen Hieb. Eine Schockwelle wurde dabei losgelassen, als die Waffe mit Efreets Kopf unter sich auf den Boden knallte. Zed wurde erfasst und meterweit fort geschleudert, über die kleine Insel hinweg in das hellrosa-farbene Feld. Dabei entfuhr ihr ein greller Schrei.

      [Levrier: 2500LP / Zed: 4000LP → 2700LP]

      Heroic Challenger – War Hammer [ATK/4200 → 7100 DEF/1300 (6)]

      Plötzlich wuchsen Efreets Hörner aus dem Kopf des Hammers. Levrier erklärte: „Wie du sehen kannst, lernt War Hammer dazu und verleibt sich wortwörtlich die Kraft deines Monsters ein. Aber die wird er nicht länger brauchen, denn dieses Duell ist vorbei.“
      Dabei streckte er den Arm in die Höhe. „Greife sie direkt an, Gandiva!“
      Gnadenlos, genau wie sein Herr, spannte der Reiter seinen Bogen und ließ einen Pfeil von der Sehne.
      Zed, die auf dem Rücken lag, richtete sich keuchend auf. „Niemals! Falle aktivieren, [Dekagon Gate]!“
      Plötzlich wurde die Zeit wie von Zauberhand verlangsamt, sodass Gandivas Pfeil in Zeitlupe durch die Luft schoss. Aus der aufgeklappten Karte der Schwarzhaarigen schossen zehn Sterne, wie sie auf den Duel Monsters-Karten abgebildet waren und bildeten zwischen einander Energielinien, welche alle zusammen ein Tor formten.
      „[Dekagon Gate] erlaubt es mir, ein Stufe 10-Monster als Spezialbeschwörung zu beschwören! Erscheine, [Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm]!“
      Die Sterne schossen auseinander und machten das Portal somit zunehmend größer. Aus ihm heraus trat schließlich eine gut fünf Meter große Kreatur. Weiß war ihr bis zum Boden reichender Bart, aus Eis die doppelköpfige Axt in ihren Händen. Der Riese, welcher in seiner kriegerischen Aufmachung nicht zuletzt wegen der Hörner an seinem Helm wie ein Wikinger anmutete, ging vor Zed in die Knie …

      Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm [ATK/3000 DEF/2500 (10)]

      … und wurde anschließend, als die Zeit wieder ihrem alten Fluss folgte, von Gandivas Pfeil durchbohrt. Er explodierte.

      [Levrier: 2500LP / Zed: 2700LP → 5200LP]

      Unvermittelt stand Zed dort, wo sie gestanden hatte, bevor Levriers Angriff sie erfasst hatte. Sie zeigte Northgrimms Karte vor. „Ein durch [Dekagon Gate] beschworenes Monster kehrt unabhängig davon, ob es zerstört wurde oder nicht, letztlich auf mein Blatt zurück. Da du aber so töricht warst es anzugreifen, habe ich Leben in Höhe seiner Verteidigung erhalten.“
      „Du verzögerst nur das Unausweichliche. Zug beendet“, verkündete Levrier unbeirrt. „Damit schwindet der [Heroic Chance]-Effekt.“

      Heroic Challenger – War Hammer [ATK/7100 → 5000 DEF/1300 (6)]

      Zed neigte den Kopf ein wenig nach unten und obwohl sie eine Maske trug, wirkte es, als würde sie Levrier hasserfüllt anstarren. „Ich kann jemanden, den ich als Feind betrachte, unmöglich um etwas bitten. Aber dennoch … verfolgt den Pfad nicht weiter, der euch vorgegeben wurde.“
      „Der Pfad, der zum Narthex führt?“
      Hörte er da Zweifel, fragte sich Levrier insgeheim.
      „Nein, das ist mir gleich. Mir geht es nur um ihn.“
      Der als [Gem-Knight Pearl] verkörperte Levrier gab ein nachdenkliches Geräusch von sich.
      „Um Ricther. Ich will nicht, dass er sich noch länger mit diesem Mädchen beschäftigt. Es hat bereits angefangen.“ Zeds Stimme wurde leiser. „Sie verdirbt ihn, er handelt nicht wie er sollte.“
      Levrier lachte leise. „Was könnte verdorbener sein als ein Mädchen in den Wahnsinn treiben zu wollen? Du hast Recht, Undying, als Feindin steht es dir nicht frei, uns um etwas zu bitten.“
      Zed reckte das Kinn nach vorne. „Als Feindin nicht. Aber ich bin eine Undying und besitze das Recht, meinen Willen mit meiner gottgegebenen Macht durchzusetzen! Draw!“

      Schwungvoll zog sie, nur um dann mit der Karte zwischen den Fingern ihre Hand nach vorne zu stoßen. „Ich erschaffe mit dem Effekt von [Aura Dominion] drei Spielmarken!“
      Nachdem sie die Karte in ihr Blatt gesteckt hatte, nahm sie die oberste von ihrem Deck und führte sie ihrem Friedhof zu. Vor ihr begannen drei weiße Flammen aufzulodern, die eine nach der anderen durch einen Pfeil zum Verpuffen gebracht wurden. Abgeschossen von Gandiva.

      Heroic Champion – Gandiva [ATK/3100 DEF/1800 {4} OLU: 2 → 1]

      „Deine Absichten sind vorhersehbar“, sagte Levrier mit verschränkten Armen, „deshalb habe ich mich für Gandiva entschieden. Einmal pro Zug kann er für ein Xyz-Material alle Monster mit Höchststufe 4 zerstören, die durch ein und denselben Effekt spezialbeschworen wurden.“
      Zed stöhnte leise auf, gab sich aber weiterhin hochmütig. „Du denkst, indem du mir die Spielmarken nimmst, kannst du mich übertrumpfen? Klug, aber auf so etwas bin ich vorbereitet! Für die Hälfte meines Lebens aktiviere ich [Divine Sacrifice]!“
      Die Schwarzhaarige in weißer Robe streckte die Arme weit aus. Von ihrem Rücken erstreckten sich weiße Lichtschwingen, von denen sie sich in die Höhe hieven ließ.

      [Levrier: 2500LP / Zed: 5200LP → 2600LP]

      Während sie aufstieg, legte sie ihre Hand auf die Mitte ihrer Brust. „Mit dieser Karte kann ich den Effekt von [Aura Dominion] ein zusätzliches Mal aktivieren! Dieses Mal kannst du es nicht stoppen! Ha!“
      Sie schwang ihren Arm nach unten gerichtet aus und schoss daraus drei Lichtkugeln ab, die auf ihrer Spielfeldseite zu den weißen, lodernden Seelenflammen wurden.

      „Soul Aura“-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/0 (1)]

      „Ein kostspieliges Vergnügen“, kommentierte Levrier dies ungerührt.
      „Jeden Lebenspunkt wert“, hielt Zed dagegen und schnippte mit dem Finger, „Tributbeschwörung! Bringe die Kälte, [Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm]!“
      Hinter Zed schoss eine riesige Säule aus massivem Eis hervor, in welche zwei der flackernden Flammen verschwanden. Dies brachte das Gebilde zum Zerbersten und offenbarte den darin eingeschlossenen, bärtigen Riesen mit seiner Eisaxt. Sein himmelblauer Umhang war von einem leichten Nebel umgeben. Zed flog rückwärts zu ihm und ließ sich sitzend auf seiner Schulter nieder.

      Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm [ATK/3000 DEF/2500 (10)]

      Von ihrer hohen Position aus zeigte sie auf Levrier. „Waren seine Tribute Spielmarken, friert Northgrimm alle Karten meines Gegners ein und annulliert ihre Effekte. Dies betrifft auch Wertveränderungen! Aura Freeze!“
      Der mächtige Wikinger öffnete seinen Mund und hauchte daraus einen nebligen Odem, welcher das gesamte Spielfeld mit Eis überzog und Levriers Monster darin einschloss. Jener nahm es gelassen und erwiderte geradezu schnippisch: „Hätte ich das gewusst, hätte ich einen Schal mitgenommen.“

      Heroic Champion – Gandiva [ATK/3100 → 2100 DEF/1800 {4} OLU: 1]
      Heroic Challenger – War Hammer [ATK/5000 → 2100 DEF/1300 (6)]

      Wie sie da auf der Schulter des Riesen saß und auf Levrier herabsah, wirkte Zed wahrlich wie eine Göttin. Einer solchen gleich, ließ sie ihre Hand sinken, als wolle sie sie ihrem Gegner reichen. Doch ihre Worte spiegelten das genaue Gegenteil wider. „Northgrimms zweiter Effekt: Ich biete eine Spielmarke an und darf dafür in diesem Zug ohne Tribut beschwören.“
      „Dann heißt das bestimmt, dass gleich eine Karte folgen wird, die dich noch ein Monster rufen lässt, Undying“, mutmaßte Levrier.
      Aber ihr scharfer, hochmütiger Tonfall sollte ihn eines Besseren belehren. „Falsch, jene Karte wurde längst gespielt. [Divine Sacrifice] erlaubt eine zusätzliche Normalbeschwörung. Und nun erscheine, [Demigod Of Rising Currents, Albion]!“
      Northgrimm streckte seine Hand nach der einzelnen Seelenflamme aus und ließ sie über seiner Handfläche verharren. Er verleibte ihr seinen eisigen Hauch inne und ließ sie aufsteigen. In der Luft begann sie regelrecht zu gleißen, je zwei Flügelpaare zu jeder Seite wuchsen aus ihr, während sie sich verformte und einen länglichen Körper bildete. Aus diesem wuchsen zwei Adlerköpfe, deren pupillenlose Augen in die Ferne starrten.

      Demigod Of Rising Currents, Albion [ATK/2600 DEF/2900 (10)]

      „Nun greift an!“, befahl Zed und zeigte erbarmungslos mit dem Finger auf die gefrorenen Monster ihres Gegners.
      Northgrimm holte mit seiner Axt aus und zerschmetterte War Hammer. Zeitgleich spreizte Albion seine Schwingen und schoss von ihnen hunderte spitze, weiße Federn ab, die Gandiva und sein Ross durchbohrten. Eissplitter und verstreute Federn schlugen Levrier entgegen und beim ersten Kontakt wurde dieser von einer heftigen Explosion heimgesucht.

      [Levrier: 2500LP → 1100LP / Zed: 2600LP]

      Doch als der Rauch verflog, stand Anyas Freund noch immer völlig unbeschadet da. Zed zischte ärgerlich ob ihres scheinbar erfolglosen Angriffs. „Wie kann das sein …?“
      „Du wirst dir etwas anderes ausdenken müssen, fürchte ich.“
      „Dazu besteht kein Anlass, schließlich bist du es, der mit dem Rücken zur Wand steht!“ Energisch nahm sie ihre letzte Handkarte und legte sie in ihre sichelförmige Duel Disk ein. „Zug beendet.“
      Vor den Füßen Northgrimms materialisierte sich jene Karte.

      Als hätte er alle Zeit der Welt, zog Levrier seelenruhig seine nächste Karte und studierte sie eingehend. Eines hatte er inzwischen erkannt: Er konnte nicht länger einen direkten Konfrontationskurs mit seinen Monstern fahren. Zwar waren diese Experten, was Kämpfe anging, doch gegen die schiere Masse an hochstufigen Monstern, die Zed zu beschwören imstande war, konnten sie auf Dauer nichts ausrichten. Eine andere Strategie musste her.
      „Ich beschwöre [Heroic Challenger – Chakram Master]“, verkündete er daher.
      Die Karte, die er auf seine Duel Disk legte, offenbarte sich vor ihm als orientalisch angehauchter Krieger in dünnem, rotem Stoff. Nicht nur verhüllte ein Schleier seinen Mund, auch befanden sich auf seinem Rücken zwei klingenbesetzte Ringe.

      Heroic Challenger – Chakram Master [ATK/1800 DEF/500 (4)]

      Nach jenen griff er schließlich auch und zückte sie. Ganz Levriers Befehl entsprechend. „Greife [Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm] an!“
      Zed erschrak lauthals, als das Monster ihres Gegners wie ein Diskuswerfer ausholte und seine Klingen nach ihr und ihrem Halbgott warf.
      „Ganz egal, was du vorhast, ich lasse es nicht zu!“, rief sie aufgeregt und schnippte mit dem Finger, woraufhin die gesetzte Karte weit unter ihr aufsprang. „[Chains Of Immortality]! Sie verhindert einmal pro Zug, dass das ausgerüstete Monster, sofern es mindestens Stufe 10 erreicht hat, zerstört wird!“
      Die auf der Falle abgebildete, goldene Kette schoss aus der Karte und richtete sich steil nach oben, wobei sie sich immer wieder um den Oberkörper Northgrimms wand, ehe sie bei Zed ankam, die ihrerseits den rechten Arm ausstreckte und jenen ebenfalls umwickeln ließ.
      „Mir schwebt nichts dergleichen vor“, kommentierte Levrier die Befürchtungen seiner Gegnerin.
      Wie kreisende Sägeblätter flogen Chakram Masters Ringe auf ihr Ziel zu. Eine schlitzte eine tiefe Wunde in den Arm des Riesen, die zweite zischte knapp an Zeds Wange vorbei ins Leere.

      [Levrier: 1100LP / Zed: 2600LP → 1400LP]

      „Ich habe Schaden genommen!?“, schoss es aus jener, nachdem sie dies bemerkte. „Was für ein Trick ist das!?“
      „Das solltest du doch längst erkannt haben. Wenn Chakram Master angreift, wird er nicht zerstört und mein Feind trägt den Kampfschaden.“ Mit der Duel Disk an seinem Arm vor sich gerichtet, sagte Levrier: „Wenn ich deine Monster nicht besiegen kann, richte ich ihre Stärke gegen dich. Und nun sieh zu, wie du dagegen vorgehen willst. Zug beendet.“

      Einen selbstgefälligen Zischlaut von sich gebend, riss Zed eine Karte von ihrem Deck. „Simpel! Ich werde dein Monster angreifen, dann kann es seinen Effekt nicht aktivieren! Battle Phase! Dies wird dein Ende!“
      Wütend schwang sie den Arm aus, zeigte auf [Gem-Knight Pearl]. „Angriff! Löscht sein Monster und seine restlichen Lebenspunkte aus!“
      Der zweiköpfige Vogel Albion spreizte seine Schwingen, während Northgrimm mit der Axt ausholte. Beide wurden zeitgleich von etwas in den Rücken getroffen und stockten, wobei Zed beinahe von der Schulter des Riesen geworfen wurde. Laut surrend kehrten die Chakrams zu ihrem Besitzer zurück, welcher jene auffing und wieder hinter seinem Rücken verstaute.
      „Ich fürchte, das war die falsche Herangehensweise“, tadelte Levrier sie mit erhobenem Zeigefinger, „sobald [Heroic Challenger – Chakram Master] durch seinen Effekt Schaden zufügt, können sämtliche zu diesem Zeitpunkt anwesende Monster meines Gegners in dessen nächstem Zug nicht angreifen. Du hättest nicht so voreilig sein dürfen, Undying.“
      „Wenn du denkst, mich überlistet zu haben, irrst du dich“, zischte die und streckte den Arm mit der goldenen Kette um ihr Handgelenk hervor, welche auch um Northgrimm gewickelt war. „Ich benutze den Effekt von [Chains Of Immortality]. Damit kann ich einen Wert des ausgerüsteten Monsters auf 0 setzen und die Hälfte davon meinem Leben hinzufügen.“
      Der riesige, weiße Wikinger schrie kurz darauf schmerzerfüllt auf, als violette Entladungen von der Kette ausgehend ihn zu peinigen begannen. Jene krochen hoch hin bis zu Zed, in welche die Stromstöße ohne Schaden anzurichten verschwanden.

      Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm [ATK/3000 DEF/2500 → 0 (10)]

      [Levrier: 1100LP / Zed: 1400LP → 2650LP]

      „So macht man sich keine Freunde“, bemängelte Levrier.
      Zed hingegen zeigte ihre weißen Zähne, bevor sie den Arm zur Seite ausschwang. „Ich brauche nichts dergleichen! Undying haben zu funktionieren, mehr nicht! Effekt von [Aura Dominion] aktivieren! Ich beschwöre drei Spielmarken, indem ich die oberste Deckkarte ablege.“
      Sie zog jene und schob sie in ihren Friedhofsschlitz. Über ihr und dem Riesen flammten drei weiße Kugeln auf.

      „Soul Aura“-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Zwei davon lösten sich aber augenblicklich auf. So rief Zed: „Nun die Effekte von [Demigod Of Rising Currents, Albion] und [Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm]!“
      Als Erstes kam der zweiköpfige, weiße Riesenvogel zum Zug. Seine goldenen Schnäbel öffneten sich und zusammen sangen sie im Chor eine helle Melodie, die die gesamte Umgebung scheinbar zum Vibrieren brachte.
      „Albions Effekt, Aura Disharmonia, wird dafür sorgen, dass das nächste Monster, das du beschwörst, automatisch zerstört wird. Bedingung hierfür ist, dass ich zuvor ein sich auf dem Feld befindendes zerstöre und das neue Monster dieselbe Stufe besitzt.“ Damit schnippte Zed mit dem Finger. „Und Northgrimms Effekt kennst du bereits.“
      Levrier verschränkte die Arme. „Monster ohne Tribut zu beschwören.“
      „Korrekt! Daher lasse ich jetzt ihn erscheinen“, schrie Zed und knallte das Monster auf ihre Duel Disk, „[Demigod Of Ravaging Sea, Bismarck]!“
      Unter lautem Geheul formte sich neben Albion eine gut anderthalb dutzend Meter lange Kreatur, von relativ flacher Gestalt. Einem Pottwal nicht unähnlich, schwebte die weiße Gottheit ohne erkenntliche Gesichtsmerkmale mit ihren dutzenden Flossen in der Luft. In ihrem Rücken waren riesige, blaue Edelsteine eingelassen, die zusammen ein kreisförmiges Muster ergaben.

      Demigod Of Ravaging Sea, Bismarck [ATK/2800 DEF/2200 (10)]

      Zed streckte den Finger aus. „Ich benutze sofort seinen Effekt! Durch das Opfern einer Spielmarke kann ich eine zweite Battle Phase durchführen, wenn auch ohne die Möglichkeit direkter Angriffe. Aura Dominance!“
      Der Riesenwal gab ein regelmäßiges Klickgeräusch von sich, welches sich optisch als Schallwellen widerspiegelte. Als jene die Flamme über Zed erreichten, lösten sie sich mit ihr auf.
      „Greife [Heroic Challenger – Chakram Master] an!“, befahl jene aufgebracht.
      Da nur Bismarck nicht von dessen Effekt betroffen war, konnte auch nur er agieren. Was er auch tat, denn plötzlich riss die gesamte vordere Front seines Körpers auf und offenbarte einen Schlund, der bis zur Hälfte seines Torsos reichte. Aus diesem ließ er einen ganzen Wasserfall auf Levriers Monster los, welches in der reißenden Strömung, die dabei entstand, weggerissen wurde.

      [Levrier: 1100LP → 100LP / Zed: 2650LP]

      „Effekt Bismarcks!“, verkündete Zed. „Wird in der zusätzlichen Battle Phase ein Monster zerstört, muss sein Besitzer entsprechend seiner Stufe eine Anzahl von Deckkarten ablegen! In der Hoffnung, es mögen deine besten sein, Feind der ewigen Ordnung!“
      Als die Flut verebbte, stand Levrier einmal mehr unberührt auf demselben Fleck und hob die obersten vier Karten seines Decks ab. Es waren [Reinforcement Of The Army], [Heroic Challenger – Spartan], [Heroic Gift] und [The Warrior Returning Alive]. Er sagte: „Keine Einzelkarte kann je besser sein als eine andere, wenn die Situation es nicht zulässt. Genau wie ein Lebewesen nie über einem anderen stehen sollte.“
      Damit führte er die Karten seinem Friedhof zu.
      „Sind das tatsächlich die Worte desjenigen, der sein Gefäß opfern wollte, um Eden zu werden?“ Zed reckte das Kinn nach oben. „Heuchelei. Und Naivität noch dazu. Eine Rangfolge bedeutet Struktur, Ordnung.“
      Levrier sah in seiner ausdruckslosen Form zu ihr hinauf. „Auch ich glaubte das einst, ehe meine Zeit mit Anya Bauer mich eines Besseren belehrte. Es sind nicht die, die in der Hierarchie ganz oben stehen, die Großes vollbringen. Es sind die in den unteren Kasten. Und warum? Weil sie nicht alleine sind.“
      „Wieso erzählst du mir das?“, wollte Zed skeptisch wissen.
      „Weil du als Teil der obersten Kaste außer Arroganz keine nennenswerten Eigenschaften besitzt“, erwiderte Levrier scharf, „weil du alleine bist. Das Wort Undying allein löst in mir keine Furcht aus und weil das so ist, bist du machtlos.“
      Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. „Zusammenhangslose Gedankengänge! Urteile nicht über das, was du nicht verstehst. Kümmere dich lieber um deinen Zug, denn der meine ist beendet!“

      Levrier zog. Es stimmte, es waren zusammenhangslose Gedankengänge. Was wohl daran lag, dass es so vieles gab, was er Zed mitteilen wollte. Sie begriff nicht, in welcher Lage sie sich befand und versteifte sich darauf, eine Undying und damit automatisch unantastbar zu sein. Über allen anderen zu stehen und das Recht zu besitzen, Anya Bauer zu töten. Wie falsch sie damit lag. Und wie naiv sie war zu glauben, dass es so leicht werden würde. Wie blind sie war, nicht die Armee hinter Anya Bauer zu sehen. Ihre Freunde, die im Falle des Falles nicht mit Gegenwehr zögern würden. Und von all jenen ist Zed an den schlimmsten von allen geraten, ohne es zu ahnen.

      „Draw“, verkündete Levrier besonnen und überlegte noch einmal.
      Sie fühlte sich überlegen, dabei hatte sie den Zenit ihres Potentials unwissentlich überschritten. Doch noch konnte Levrier ihr dies nicht beweisen. An ihre Worte zurückdenkend, bezüglich Albions Effekt, wusste Anyas ehemaliger Paktpartner, dass das Vogelwesen ein Problem darstellen würde. Chakram Master war Stufe 4 gewesen, was bedeutete, dass sein nächstes Stufe 4-Monster unweigerlich verenden würde. Und da Zed den Zeitraum des Effekts nicht eingegrenzt hatte, galt jener vermutlich solange, bis er ausgelöst wurde. Er stand also unter Zugzwang.
      „Glücklicherweise habe ich dieses Monster. Ich beschwöre [Heroic Challenger – Night Watchman].“ Jenen legte Levrier auf seine Duel Disk und ließ gleich die Hand über der Karte verharren.
      Denn sofort als der dunkle, in violettem Mantel gehüllte Krieger erschien und seine Laterne anhob, schwang Zed den Arm aus.

      Heroic Challenger – Night Watchman [ATK/1200 DEF/300 (4)]

      „Damit hast du den Effekt von [Demigod Of Rising Currents, Albion] ausgelöst! Aura Disharmonia!“
      Die beiden Augenpaare des Vogels begannen blau aufzuleuchten, als jener sich zu krümmen begann. Es war, als würde ein Krampf seinen ganzen Körper heimsuchen. Dann zuckte er zusammen und für einen Sekundenbruchteil schoss jenes Glühen regelrecht aus seinen Augen heraus. Im selben Augenblick zerplatzte Levriers Monster in tausende blauer Funken.
      „Gut, damit setze ich meine letzte Karte und gebe an dich ab“, sagte Levrier und ließ die Falle vor sich erscheinen.

      Zed zog umgehend auf und betrachtete ihre einzige Handkarte. Dann keuchte sie ärgerlich.
      „Das war zu erwarten gewesen.“
      Levriers Worte ließen sie aufhorchen.
      „Nun, da du drei Monster kontrollierst, sind nicht mehr genug Zonen frei, um neue Spielmarken zum Opfern zu beschwören“, führte der seinen Gedanken fort. „Natürlich könntest du jetzt zwei deiner Monster als Tribut für die Beschwörung anbieten, doch dies löst den Primäreffekt deines Monsters nicht aus, da sie keine Spielmarken sind.“
      Während sie das hörte, drückte sie die Karte zwischen ihren Fingern zusammen. Levrier wusste, dass sie einen weiteren Demigod nachgezogen hatte. „Du hast dein Potential ausgeschöpft, Undying.“
      „Und es ist mehr als genug, dich endgültig loszuwerden!“, fauchte sie aufgebracht und schwang den Arm aus. „Ich befehle dir, ihn direkt anzugreifen, [Demigod Of Ravaging Sea, Bismarck]!“
      Der fliegende, weiße Riesenwal öffnete erneut sein Maul und ließ einen ganzen Wasserfall von dort auf Levriers Spielfeld niederregnen. Jener verschwand in der Flut.
      „[Pinpoint Guard].“
      Mitten in der ihn überragenden Strömung stehend, ließ er seinen Arm über die Falle fahren, die daraufhin aufsprang. Und aus ihr kam ein kleinwüchsiger Krieger in grünem Mantel gesprungen, der sich schützend vor seinen Besitzer positionierte.

      Heroic Challenger – Ambush Soldier [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Wie ein Fels in der Brandung ließ dieser sich nicht fortspülen, was zur Folge hatte, dass Bismarck seinen Angriff schließlich unverrichteter Dinge beendete.
      „Hartnäckig!“, zischte Zed. „Genau wie das Mädchen!“
      „Wie bereits erwähnt, hast du dir die falschen Gegner ausgesucht. Und auch mein wiedergeborener Ambush Soldier wird dir nicht viel Freude bereiten, denn in diesem Zug ist er unzerstörbar.“
      Zed erhob sich aus ihrer sitzenden Position und stand nun auf Northgrimms rechter Schulter. Dessen Karte drehte sie wortlos auf ihrer Duel Disk in die Horizontale. Dann schnippte sie mit dem Finger, woraufhin abermals violette, elektrische Ladungen die goldene Kette entlang fuhren, welche sie mit ihrem Riesen verband. Jener stöhnte und knurrte, als er langsam in die Knie sackte. Die Stromstöße indes schossen zurück zu ihrer Auslöserin und verschwanden in ihrem Handgelenk.

      Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm [ATK/3000 → 0 DEF/0 (10)]

      [Levrier: 100LP / Zed: 2650LP → 4150LP]

      „Du schwächst dein Monster weiter mit [Chains Of Immortality], nur um ein paar Lebenspunkte zu erhalten?“, erkundigte sich Levrier.
      Seine Gegnerin rümpfte die Nase, hielt Northgrimm an der goldenen Leine wie einen Hund. „Seine Dienste als Krieger werden nicht länger von mir benötigt. Dementsprechend nützen mir seine Punkte am meisten, wenn ich sie meinem Leben hinzufüge. Außerdem ist er immer noch einmal pro Zug unzerstörbar.“
      Levrier nickte knapp. „Damit hast du ihn aber all seiner Kraft beraubt. Aber du wirst wissen, was das Richtige für dich ist, Undying.“
      „Ich weiß, was das Richtige ist und bin unlängst im Begriff, es in die Tat umzusetzen. Zugende!“

      Levrier schloss die Augen, als er die Finger an sein Deck legte. Der nächste Zug könnte womöglich alles entscheiden. Als er zog, riss er sie weit auf und betrachtete die Karte in seiner Hand. Dann sah er herüber zu Zed und ihren Monstern. Dabei trafen sich sein und Northgrimms Blick. Die weißen, ausdruckslosen Augen zogen Levrier ungewollt in ihren Bann. Sie starrten einander an, als würden sie ein stummes Gespräch miteinander führen. Levriers blaue Augen, die nicht weniger leblos anmuteten, begannen sich in ein helles Rot zu verfärben. Aus den Augenwinkeln begann er erst Bismarck, dann Albion zu betrachten.
      Und kam unerwartet zu einem Schluss, während er mit der Hand seines herabhängenden, rechten Armes eine Faust bildete. „… unverzeihlich.“
      Mit für ihn ungewohntem Eifer schwang er den Arm aus und brüllte förmlich: „Ich aktiviere [Heroic Challenger – Ambush Soliders] Effekt und beschwöre zwei Heroic-Monster von meinem Friedhof als Spezialbeschwörung, indem ich ihn als Tribut anbiete!“
      Jener warf eine Rauchbombe vor sich auf den Boden und verschwand darin. Aus ihr tauchten der dunkle Krieger mit der Laterne in der Hand und ein Kämpfer, wie man ihn am ehesten in einem Kolosseum erwarten würde: Bewaffnet mit Rundschild und Speer, lag ein roter Umhang um seine Schultern.

      Heroic Challenger – Night Watchman [ATK/1200 DEF/300 (4)]
      Heroic Challenger – Spartan [ATK/1600 DEF/1000 (4)]

      Levrier hob die geballte Faust. „Das ist also deine wahre Natur, Undying!? Dafür werde ich dich nicht gehen lassen können, Zed!“
      Die schwarzhaarige Frau, wie sie auf der Schulter ihres Monsters stand und es wie einen Hund an der Leine hielt, sah geradezu abfällig auf ihren Gegner herab und schwieg.
      Dies provozierte Levrier nur umso mehr, sodass er den Arm wutentbrannt nach oben riss. „Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Jenes entstand auch über ihm als Schwarzes Loch, während dunkle Wolken über den pinken Traum aus einer anderen Welt zogen und die vier Sonnen zu verdecken begannen.
      „Aus meinen Stufe 4-Kriegern wird ein Rang 4-Krieger!“
      Spartan und Night Watchman verwandelten sich in braune Energiestrahlen, die über Levrier in die Höhe schossen und vom Überlagerungsnetzwerk absorbiert wurden. Sowohl aus diesem, als auch aus den Wolken am Himmel begannen Blitze niederzugehen.
      „Xyz Summon! Schlage sie nieder, [Heroic Champion – Excalibur]!“
      Einer der Blitze aus dem schwarzen Strom schlug direkt vor Levrier ein. Im Hintergrund donnerte es, das Feld wurde für einen Sekundenbruchteil in nahezu vollständige Dunkelheit gehüllt. Ein Schatten stand vor Levrier, viel größer als er selbst. Selbst jetzt konnte man die Silhouette des langen, breiten Schwertes erspähen, das Excalibur in der rechten Hand hielt. Dann schwand das Dunkel und erlaubte es Zed, einen Blick auf Levriers letzte Hoffnung zu werfen.

      Heroic Champion - Excalibur [ATK/2000 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Zwei Energiekugeln umkreisten jene. Silberschwarz war die Rüstung an Bauch und Beinen des Kriegers, überall sonst metallisch-rot. Spitz wie sie waren, ragten die Schulterplatten in die Höhe, genau wie ein goldener Stern am Helm des Kriegers.
      „Das ist das Ende!“, rief Levrier und streckte dabei den Arm nach seiner Kreatur aus. „Ich benutze Excaliburs Effekt und verdopple seine Angriffspunkte im Gegenzug für sein Xyz-Material!“
      Sein Ritter streckte die legendäre Waffe und seinen Namensgeber in die Höhe und ließ unter tosendem Donner einen Blitz und die beiden Lichtsphären in sie einschlagen.

      Heroic Champion - Excalibur [ATK/2000 → 4000 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 0]

      „Das wird nicht reichen!“, widersprach Zed herrisch.
      „Leider irrst du dich, Undying!“ Levrier rammte seine letzte Karte in die Duel Disk. „Denn ich aktiviere [Heroic Chance] und verdopple Excaliburs Wert ein weiteres Mal!“
      Das Abbild der Karte, die Levrier schon einmal während des Duells benutzt hatte, sprang vor ihm auf. Sein Krieger streckte den anderen Arm ebenfalls in die Höhe und ließ in seiner Hand ein rötliches Abbild seines Schwertes erscheinen.

      Heroic Champion - Excalibur [ATK/4000 → 8000 DEF/2000 {4} OLU: 0]

      Levrier richtete den Zeigefinger auf Zed. „Vernichte sie! Double Shock Sword Slash!“
      Wie ein Pfeil schoss sein Monster quer durch die Luft, den drei riesigen Halbgöttern entgegen. Dabei schwang er seine Schwerter mehrere Male vor sich aus und schleuderte damit auf alle drei von ihnen blitzende, kreuzförmige Schockwellen.
      Zed keuchte erschrocken, als sie die Attacken auf sich zukommen sah. Zuerst wurde Albion zerfetzt, anschließend der fliegende Wal Bismarck. Und zuletzt wurde Northgrimm getroffen. Die Kette, welche ihn mit Zed verband, brach dabei auseinander. Die Explosion direkt unter ihren Füßen schleuderte die schreiende Undying fort.

      [Levrier: 100LP / Zed: 4150LP → 0LP]

      Im hohen Bogen flog sie durch die Luft, während sich das Spielfeld drastisch veränderte. Das rosafarbene Nebelfeld löste sich auf und transformierte sich zurück zu Anyas innerer Zuflucht, dem Mosaik der Erde. Auf diesem schlug Zed auf und rutschte über es hinweg weiter bis an den Rand des von Dunkelheit umgebenen Elysions. Stöhnend blieb sie liegen.
      Derweil ertönte das klackende Geräusch von Stiefeln über dem Mosaik. Zed richtete sich schließlich auf, erhob sich aus der Hocke, doch schwankte nur einen Moment, ehe sie wieder in die Knie sank. Erschöpft keuchte sie: „Wie kann das sein!? Ich bin eine Undying!“
      Sie schrie auf, als Levrier direkt vor ihr erschien und mit seiner rechten Hand ihren Kopf packte. Mühelos riss er sie vom Boden, hielt sie in die Höhe.
      „Vielmehr bist du eine Närrin“, flüsterte er, „lass mich dir erklären, dass in diesem Übergang zwischen materieller und immaterieller Welt andere Gesetze gelten, in welcher die Macht des Körpers keine Rolle spielt. Darauf habe ich dich mehr als einmal hingewiesen.“
      Sie zappelte wild und versuchte sich zu befreien, doch war sie Levrier nicht gewachsen.
      „Die Unsterblichkeit des Körpers ist nicht gleichzusetzen mit der des Geistes. Allein jener befindet sich in diesem Moment in Anya Bauers Elysion.“
      „Was willst du mir damit mitteilen!?“, presste Zed angestrengt hervor.
      Plötzlich begann Levriers Hand, die ihren Kopf festhielt, hellviolett aufzuleuchten. „Dass ich diesen nur zerstören muss, um Anya Bauer zu retten.“
      Wie Elektrizität in einem Stromkabel zischten bunte Energien von Levriers Körper direkt in den Kopf der Undying, die schmerzerfüllt aufschrie. Immer wilder strampelte sie, ohne aber etwas damit zu erreichen.
      „Du hast den größten Fehler begannen, den jemand wie du begehen kann“, setzte der weiße Ritter seine Ansprache inzwischen seelenruhig fort, „du hast die sichere Wiege der materiellen Welt verlassen und bist hierher gekommen, wo ich am stärksten bin.“
      „Ahhhhhh!“
      „Und dafür wird deine Seele ausgelöscht werden!“

      Levriers ganzer Körper begann aufzuleuchten, überall aus dem zersplitterten Elysion kamen kleine Partikel geflogen, die er absorbierte. Er wusste, dass das, was er gerade tat, nur aus einem Grund möglich war. Etwas, das er erst jetzt begriff: Anya Bauer. Es waren ihre Kräfte, derer er sich bediente. Die Conqueror's Soul, welche es ihm immer öfter ermöglichte, das Schicksal für sie zu manipulieren, ohne dabei selbst Schaden zu nehmen. Etwas wuchs in Anya heran, verlieh ihr ungeheure Machte und sie selbst ahnte es nicht einmal.
      Zeds Gegenwehr wurde schwächer, ebenso ihr Schrei. Sobald ihr Bewusstsein ausgelöscht war, war ihr Körper nur noch eine leere Hülle. Und dann …

      Er spürte es. Ein eisiger Windhauch und etwas, das nur wenige Millimeter von seinem Nacken entfernt war. Die Spitze einer Klinge.
      „Wie es aussieht, haben wir einen weiteren Gast“, sagte Levrier unbesorgt und sah über seine Schulter.
      Dort stand er, hielt sein Breitschwert mit einer Hand, jener zwei Meter große Hüne in seiner gold-silbernen Plattenrüstung und dem roten Umhang – Ricther. Der aus roten Federn bestehende Kamm an seinem maskenbesetzten Helm wippte leicht hin und her.
      „Ich bin gekommen, um Zed zu holen.“
      Jene rührte sich mittlerweile nicht mehr, war verstummt.
      „Im letzten Moment. Vorbildlich.“
      Damit wirbelte er um und schleuderte ihren leblosen Körper in Ricthers Richtung. Jener ließ sein Schwert fallen und fing die Schwarzhaarige mit beiden Händen auf, sackte in die Knie.
      Levrier drehte sich vollends zu den beiden Undying um. „Und? Suchst du auch den Kampf?“
      „Nein, nicht heute. Beide Parteien sollten sich um ihre Verwundeten kümmern.“
      „Weise Worte“, lobte Levrier, „ich bin damit einverstanden.“
      Sich erhebend, drehte sich Ricther mit Zed in seinen Armen um. „Missverstehe dies nicht für Feigheit. Sicherlich spürst du, dass ich eine weitaus größere Herausforderung darstelle als sie.“
      [Gem-Knight Pearl] verschränkte die Arme. „Keine, vor der ich mich fürchte. Nicht hier.“
      Der Undying schritt vorwärts. In der Mitte des Elysions öffnete sich ein Portal aus schwarzer Energie, in der sich die Umgebung verzerrt widerspiegelte. Kurz vor ihm blieb Ricther stehen. „Was sie getan hat, war entgegen meiner Order. Sie hat ihre gerechte Strafe dafür erhalten und nur deshalb verzichte ich darauf, diesen Kampf fortzusetzen. Ich kann nur betonen, was ich bereits Anya Bauer ans Herz gelegt habe.“
      „Und das ist alles?“, fragte Levrier skeptisch. „Jetzt, wo es ein Leichtes für dich gewesen wäre, sie in der materiellen Welt hinzurichten, während ich mit Zed beschäftigt war?“
      „Es hätte ihre Seele zerstört.“
      „Wäre es das nicht wert gewesen?“
      Ricther zögerte. „Nein.“
      Dann trat er durch das Portal, verschwand. Levrier sah ihm ausdruckslos hinterher.

      ~-~-~

      Als er selbst Anyas Elysion verließ und sich an ihrer Seite materialisierte, sah er sie inzwischen halb zusammengesackt am Geländer der Brücke hängen. Erschöpft keuchte sie und starrte ins Leere, aber zumindest befand sie sich auf der richtigen Seite und atmete noch.

      Kannst du mich hören, Anya Bauer?

      „Mir geht’s gut“, nuschelte sie entgegen ihrer erschreckenden Blässe. „Endlich sind diese beschissenen Stimmen weg …“

      Es tut mir leid, dass ich nicht mehr tun konnte. Wäre Ricther nicht aufgetaucht, dann …


      Langsam zog Anya sich an dem Geländer hoch. Dabei erwiderte sie teilnahmslos: „Ist jetzt eh nicht mehr zu ändern. Danke für deine Hilfe … ich hab alles mit angesehen, sie wollte mir … zeigen, wie sie dich vernichtet … Bist du okay?“
      Levrier nickte. Damit drehte sie sich um und blickte in die Ferne, über den Fluss hinweg in das Abendrot.

      Eine Weile schwiegen sie. Jene Stille wurde erst durchbrochen, als Anya schwer seufzte. „Glaubst du, die Undying haben mein Deck?“

      Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht war das der Grund, warum Zed in dein Elysion eindringen konnte? Die emotionalen Schwankungen durch deinen Verlust haben dich angreifbar gemacht.

      Betrübt fragte Anya: „Aber du glaubst nicht, dass sie es wirklich waren, nicht wahr? Dass dieses Zed-Miststück sich als Reporterin getarnt hat.“

      Die Möglichkeit besteht und ergibt sogar Sinn, denn so hätten sie die Artefakte wieder in ihrer Hand. Aber mein … Bauchgefühl sagt mir, dass sie unschuldig ist und nur zur rechten Zeit am rechten Ort war.

      Anya ließ ihre Arme auf dem Geländer niedersinken und legte dann den Kopf auf sie. „Was auch immer. Wenn sie mir nochmal über den Weg läuft, kriegt sie ein paar aufs Maul.“
      Wie sie es so sagte, träge, lustlos, konnte man schwerlich glauben, dass es Anya war, die diese Worte gesprochen hatte.

      Ich verspreche dir, du wirst dein Deck zurückbekommen.


      „Yeah …“
      Levrier betrachtete das Mädchen still, wie es sich nicht mehr rührte und in die Ferne starrte. Hinter ihr schossen die Autos nur so über die Brücke. Schließlich löste Levriers Avatar sich auf.

      Die Wahrheit ist, ich weiß nicht, wie ich dieses Versprechen einlösen soll. Wie so vieles, das ich gerne für dich tun würde, aber nicht kann.

      Das Mädchen richtete sich auf. „Wovon redest du?“

      Anya Bauer, ich … ich …

      Ihre halb geöffneten Augen hoben die Lider bis zum Anschlag. Sie hatte Levrier noch nie so zögerlich erlebt, was allein Grund genug war, sich Sorgen zu machen. „Was?“

      Ich sehne mich nach einer eigenen Identität. Einem Körper.

      Das Mädchen öffnete langsam den Mund. Er dauerte zunächst einen Moment, bis sie diese Information aufgenommen und verarbeitet hatte. Was das nächste Problem mit sich brachte: Was zur Hölle sollte sie darauf erwidern?
      „'kay …?“

      Nachdem Zed geschlagen war, habe ich nicht versucht, sie zu versiegeln. So, wie wir es ursprünglich besprochen hatten. Ich wollte ihre Seele auslöschen und ihren Körper als Gefäß benutzen. Das war von Anfang an mein Plan für die Undying.

      Anya wirbelte mit dem Rücken zum Geländer. Da [Gem-Knight Pearl] nicht mehr da war, sah sie automatisch nach oben, wie sie es immer tat, wenn Levrier keine sichtbare Form angenommen hatte. „Du wolltest was!?“

      Es tut mir leid, dass ich dir das verschwiegen habe. Es ist … mir unangenehm. Aber auch wenn Ricthers Eingriff mich unterbrochen hat, so fürchte ich, wären meine Bemühungen vermutlich vergebens gewesen. Ich denke nicht, dass es eine Möglichkeit für mich gibt … ein Mensch zu sein.


      Anya schüttelte nur den Kopf und fasste sich dabei an die Stirn. Was hatte dieser Idiot bloß für verrückte Ideen? Einer Undying den Körper stehlen? Das war so verrückt, dafür verdiente er eigentlich einen Orden! Auch wenn Anya verstand, warum es ihm unangenehm war, denn für dieses Vorhaben müsste er ein anderes Leben auslöschen. Und auch wenn er, als er noch unbedingt Eden werden wollte, notfalls nicht davor zurückgeschreckt wäre, war es doch nicht seine Art. So vermutete sie, dass das der Grund war, warum er es nicht konnte – weil sein Gewissen ihn daran hindern würde.
      Sie ließ den Kopf hängen und strich sich mit der Hand über die linke Gesichtshälfte. „Du bist wirklich bescheuert, Levrier. Aber …“
      Sie sah auf, während die Finger ihr Auge verdeckten. „... wenn du einen Körper willst, wirst du auch einen kriegen. Dafür sorge ich schon, irgendwie, irgendwann.“

      … ich befürchte, Zeds Angriff hat deinem Verstand doch ernsthaften Schaden zugefügt. Du machst mir Angst, Anya Bauer. Was du gerade gesagt hast, war geradezu liebenswürdig.

      „Tch, ich will nur, dass du einen eigenen Körper hast, damit du auch mal anderen auf den Sack gehen kannst! Mehr nicht!“
      Doch ihr schelmisches Grinsen verriet sie und zu Anyas eigener Überraschung störte sie das auch gar nicht.
      „Und mach dir keine Sorgen um mein Deck! Ich werde einfach Nick auf diese Schlampe hetzen, egal ob sie nun diese Zed war oder jemand anderes“, verkündete sie mit neugewonnenem Mut, „und wenn er sie gefunden hat, werde ich ihr erst Angel Wing in den Arsch rammen und dann solange mit Heavy T auf sie einkloppen, bis wir'n Schnitzel aus ihr machen können!“

      Klingt vielversprechend.

      „Darauf kannst du wetten!“ Damit drehte Anya sich zum Gehweg um. „Und jetzt ab zum Hotel, wir haben noch viel zu tun!“
      Was Anya in ihrer Euphorie verdrängt hatte: Bis zum Hotel war es ein ganzes Stück und sie nach wie vor pleite. Dies begreifend, begann sie loszurennen. Und zu schimpfen.

      Völlig unbemerkt von den beiden standen zwei Personen auf dem Torbogen der Brücke, nicht weit von Anya entfernt und verfolgten das Gespräch.
      Der riesige Ricther stützte die kleinere Zed, indem er seinen Arm um ihre Hüfte gelegt hatte und sie an sich geschmiegt hielt.
      „Es tut mir leid“, murmelte jene reumütig, „ich weiß, ich habe gegen meine Anweisungen gehandelt. Aber ich musste. Wenn das so weiter geht …“
      Ricther aber schenkte ihr keine Antwort. Stattdessen öffnete sich hinter ihm ein ovales, spiegelndes Schattenportal, in das er mit Zed im Schlepptau verschwand.

      ~-~-~

      Das Knarzen des Chefsessels wurde von dem Knarren der sich öffnenden Tür übertönt. Nick, gekleidet in einem förmlichen Businessanzug hatte die Beine übereinander auf seinem gläsernen Schreibtisch gelegt und starrte Aiden an, welcher gerade das Büro seines neuen Mitarbeiters betrat.
      „Wie ich sehe, hast du dich bereits eingelebt“, kommentierte der brünette CEO von Micron Electronics den Anblick schelmisch.
      Nick winkte ab. „Ach, so schlimm ist es hier gar nicht. Das Essen in der Kantine ist besser als alles, was meine Mutter mir jemals vorgesetzt hat, die Sekretärinnen sind heiß, die Einrichtung und das Equipment kann sich auch sehen lassen.“
      Er ließ den Arm ausschweifen, als würde er Aiden das Büro präsentieren, welches eine moderne Glasoptik aufwies. Was zu der riesigen Fensterfront passte, die Nicks Schreibtisch direkt gegenüber lag.
      „Zumindest würde ich das gerne sagen, aber leider hasse ich dich und damit auch alles, was dir gehört“, fügte Nick geradezu beiläufig an.
      Was Größe anging, machte es dem seines Vorgesetztem durchaus Konkurrenz, schließlich gab es eine ganze Sitzecke mit Sofa und Tisch auf der gegenüberliegenden Seite.
      „Ich denke, du wirst deine Meinung diesbezüglich früher oder später ändern“, erwiderte Aiden zuversichtlich, aber ebenso förmlich wie er es immer war.
      Nicks Ton wurde deutlich härter. „Wenn du nicht hier bist, um mir meine Kündigung auf den Tisch zu legen, dann habe ich dir nichts zu sagen.“
      Er machte eine verscheuchende Geste unter einem ebenso eindeutigen: „Und jetzt shoo!“
      „Ich muss dich leider enttäuschen. Als mein Angestellter hast du auch Pflichten und die nennen sich Arbeit“, blieb Aiden im Türrahmen stehen, „in einer halben Stunde ist ein Meeting angesetzt. Dort wirst du unseren Auftraggeber kennenlernen. Sei pünktlich. Für Anya.“
      Damit schloss er die Tür hinter sich und ließ einen Nick zurück, welcher verärgert die Stirn runzelte. In kindischer Manier rief er Aiden hinterher: „Aber ich bin doch immer so vergesslich!“

      Eine halbe Stunde später allerdings stellte sich heraus, dass Nicks Gedächtnis doch zu funktionieren schien. Der junge Mann musste zugeben, doch ein wenig neugierig zu sein. Solange er nicht wusste, was Aidens Pläne für ihn waren, konnte er zumindest jedes bisschen Information nutzen, um seine eigenen zu entwickeln.

      Nick saß daher bereits im ansonsten leeren Konferenzsaal, als Aiden schließlich mit dem angekündigten Gast hereintrat. Es war niemand Geringeres als Henry Ford, der einen dicken Aktenordner in den Händen hielt.
      „Du?“, staunte Henry irritiert. „Du bist … ?“
      „Ihr kennt euch?“, wunderte sich Aiden.
      „Ja“, sagte Nick schnarrend, ohne die beiden anzusehen, „man kann sagen, wir haben viel zusammen erlebt.“
      „Die Geschichte musst du mir erzählen“, bat Aiden interessiert und geleitete Henry herein.
      „Träum' weiter“, kam es als gelangweilte Antwort. „Also, worum geht’s?“
      Henry trat zu Nick vor und warf ihm den Aktenordner hin. „Darin ist das Grundkonzept des Spiels, das ich entwickelt habe. Es handelt sich um ein TCG, das den Begriff Virtual Reality neu definieren wird.“
      „Du sollst eine tragbare Apparatur entwickeln, mit der man es jederzeit an jedem Ort spielen kann“, fügte Aiden noch hinzu.
      Nick beugte sich vor, öffnete den Ordner und lachte gehässig. „Oh Gott, du hast nicht gelogen, als du sagtest, du willst einen Duel Monsters-Klon entwerfen.“
      „Ein innovatives Konkurrenz-Produkt, das waren meine exakten Worte“, korrigierte Aiden ihn bestimmend, den Brünetten flankierend.

      Nick überflog die Akten einen Moment, dann stieß er den Ordner genervt von sich. Henry derweil stand da wie auf einem Begräbnis, angespannt und bemüht, seine Beherrschung zu wahren.
      „Das ist Schrott“, beurteilte Nick den Versuch des Ford-Sprosses, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, „viel zu kompliziert. Ich bitte dich, zwei zusätzliche Ressourcen-Systeme für ein Kartenspiel? Versuchs noch einmal. Am besten, du fragst deinen Daddy um Rat.“
      „Nein, ich denke, die Idee ist vom Prinzip her sehr gut“, stand Aiden seinem Geschäftspartner bei.
      „Dann wirst du mir sicher erklären, wie ich all das in ein Gerät packen soll, das in die Hosentasche passt?“, konterte Nick und sah seinem ehemaligen Geliebten dabei über Henrys Schulter hinweg bestimmend in die Augen. „Die Käufer werden mit den ganzen Regeln Schwierigkeiten bekommen. Duel Monsters ist schon keine leichte Angelegenheit. Etwas noch Komplizierteres hat auf dem Markt keine Chance.“
      Henry drehte sich unsicher zu Aiden. Dieser stichelte: „Nun, ich wusste nicht, dass unser Chefentwickler auch Ahnung von Wirtschaft hat. Vielleicht sollten Sie das Konzept in der Art etwas ausarbeiten, um es zugänglicher zu machen, Mr. Ford. Was meinen Sie?“
      „Ich kann es versuchen“, antwortete Henry merkbar zerknirscht und nahm den Aktenordner wieder an sich. „Aber vorher will ich es den anderen Vorstandsmitgliedern und Sponsoren vorstellen, wenn Sie gestatten.“
      Aiden legte ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter. „Natürlich, wenn Sie darauf bestehen. Aller Anfang ist schwer. Sie werden Ihrem Vater beweisen, dass Sie ein würdiger Erbe für seine Firma sind. Das versichere ich Ihnen.“
      „Danke“, murmelte Henry ohne ihm dabei in die Augen zu sehen.
      „Nun denn, ich bin nochmal kurz weg. Nick, bitte hilf Mr. Ford in Zukunft dabei, das Spiel anzupassen. Wenn jemand das kann, dann du.“ Aiden nickte den beiden zu und verschwand dann aus dem Konferenzsaal.

      Nick sah Henry abwartend an, der still vor sich her grübelte. Dann ergriff der Ford-Spross das Wort, doch was er sagte, überraschte seinen Geschäftspartner.
      „Dein Chef ist ein Blender.“
      „Wie meinst du das?“, hakte Nick nach.
      Henry lehnte sich neben ihn an den ovalen Tisch. „Seine Konditionen für eine Zusammenarbeit waren derart gut, dass mein Vater alles daran gesetzt hat, mit Micron Electronics zusammenzuarbeiten. Obwohl wir bereits mit einem europäischen Handelspartner Verträge geplant hatten.“
      „Ich erinnere mich. Bulgarien?“
      „Hat Abby dir davon erzählt?“
      Nick schüttelte den Kopf. Tatsächlich wusste er schon seit geraumer Zeit davon, wie sonst hätte er versuchen können, Aiden zu erpressen, bevor der ihm Monochrome unter die Nase hielt? „Nein, Aiden hatte mal so etwas erwähnt. Aber wenn die Konditionen für euch so günstig sind, ist das doch gut.“
      Doch der Blick des brünetten jungen Mannes verdunkelte sich. „Ganz sicher nicht. Mit den Zahlen macht eure Firma herbe Verluste. Es entbehrt jeglicher Logik.“
      „Aiden hat sicher einen Plan, wie er das Geld wieder reinholt.“
      „Oh ja, das befürchte ich auch“, erwiderte Henry gallig, „wenn es nach mir ginge, hätten wir diese Verträge nicht geschlossen. Es ist eine Farce. Einerseits soll ich selber ein Projekt übernehmen, andererseits bestimmt mein Vater, mit welchen Leuten ich dabei zusammenarbeite. Tch …“

      Nick indes hörte kaum noch zu.
      Ihm war sofort klar, warum Aiden alles daran gesetzt hatte, diesen Auftrag zu bekommen. Monochrome. Es war so sicher wie das Amen in der Kirche, dass er plante, das kleine Killerprogramm in jede der neuen Apparaturen einzuschleusen. Sozusagen Monochrome massentauglich zu machen. Denn niemand würde es je durchschauen, wenn er nicht genau wusste, wonach er im Programmierungscode suchen musste. Das war Monochromes größte Stärke – die Diskretion.
      Mit Monochrome konnte sich Aiden Zugriff auf alle netzwerkfähigen Geräte im Haushalt des Besitzers machen. Ein kleiner Spion als Haustier. Und darüber hinaus wäre er in der Lage, jeden auszuschalten, der ihm in die Quere kommt. Völlig unbemerkt.
      Mit diesem Programm war es Aiden möglich, eine geheime Weltherrschaft aufzubauen. Vorausgesetzt, sein Produkt verkaufte sich gut genug …

      „Keine Sorge“, wandte sich Nick freundlich lächelnd an Henry, „ich kann mich voll für Aiden verbürgen. Also, dann lass uns mal darüber reden, wie wir dein Spiel möglichst nahe an der Ursprungsidee umsetzen können. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gefällt mir dein Ressourcen-System. Überlass' die Sesselpupser nur mir.“


      Turn 58 – Paradigms
      Um ihr gestohlenes Deck zurückzubekommen, schaltet Anya Nick ein. Obwohl sie mit den Aufnahmen der Überwachungskameras einen Anhaltspunkt haben, gelingt es Nick nicht, die Diebin zu finden. Die Tage vergehen, sodass Anya gezwungen ist, sich ein Ersatzdeck zu beschaffen. Und da fangen die Probleme erst richtig an. Da sie Anya aufheitern will, geht Valerie mit ihr auf ein Fest in der Altstadt. Dort treffen sie auf Marc, der sich mit einem jungen Mann im Rollstuhl duelliert und …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Levrier

      Heroic Challenger – Ambush Soldier
      Heroic Challenger – Clasp Sword
      Heroic Challenger – Spartan
      Heroic Challenger – Night Watchman
      Heroic Challenger – Extra Sword
      Heroic Challenger – War Hammer

      Heroic Challenger – Chakram Master
      Monster/Effekt
      Krieger/Erde
      ATK/1800 DEF/500 (4)
      Wenn diese Karte ein Monster deines Gegners angreift, wird sie nicht durch Kampf zerstört und Kampfschaden, den du erleidest, wird stattdessen deinem Gegner zugefügt. Wenn du deinem Gegner auf diese Weise Schaden zufügst: alle offen Monster, die dein Gegner zum Zeitpunkt der Aktivierung dieses Effekts kontrolliert, können während des nächsten Zuges deines Gegners keinen Angriff deklarieren.

      Heroic Chance x2
      Harmonic Waves
      Reinforcements Of The Army
      The Warrior Returning Alive

      Heroic Gift
      Pinpoint Guard
      Limit Reverse

      Heroic Champion – Gandiva
      Heroic Champion – Excalibur

      Zed


      Demigod Of Purging Fire, Efreet
      Monster/Effekt
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich
      ATK/2900 DEF/2300 (10)
      Wenn für die Tributbeschwörung dieser Karte ausschließlich Spielmarken verwendet werden: füge den Life Points deines Gegners 1500 Punke Schaden zu. Einmal pro Zug, indem du eine Spielmarke von deiner Spielfeldseite als Tribut anbietest: alle offen Monster, die du kontrollierst, können bis zur nächsten End Phase deines Gegners nicht als Ziel für die Effekte von Zauber- und Fallenkarten gewählt werden.

      Demigod Of Eternal Winter, Northgrimm
      Monster/Effekt
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich
      ATK/3000 DEF/2500 (10)
      Wenn für die Tributbeschwörung dieser Karte ausschließlich Spielmarken verwendet werden: annulliere die Effekte aller offenen Monster deines Gegners. Einmal pro Zug, indem du eine Spielmarke von deiner Spielfeldseite als Tribut anbietest: in diesem Zug kannst du Monster der Stufe 5 oder höher beschwören, ohne Tribute anzubieten.

      Demigod Of Rising Currents, Albion
      Monster/Effekt
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich
      ATK/2600 DEF/2900 (10)
      Wenn für die Tributbeschwörung dieser Karte ausschließlich Spielmarken verwendet werden: {????}. Einmal pro Zug, indem du eine Spielmarke von deiner Spielfeldseite als Tribut anbietest: wenn in diesem Zug ein Monster deines Gegners zerstört wird, wird das nächste Monster derselben Stufe oder desselben Ranges, das dein Gegner beschwört, zerstört.

      Demigod Of Ravaging Sea, Bismarck
      Monster/Effekt
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich
      ATK/2800 DEF/2200 (10)
      Wenn für die Tributbeschwörung dieser Karte ausschließlich Spielmarken verwendet werden: {????}. Einmal pro Zug, indem du eine Spielmarke von deiner Spielfeldseite als Tribut anbietest: du kannst nach deiner Main Phase 2 eine zusätzliche Battle Phase durchführen, aber deinen Gegner während jener Battle Phase nicht direkt angreifen. Außerdem, wenn während jener Battle Phase ein Monster deines Gegners zerstört wird: schicke eine Anzahl von Karten entsprechend der Stufe des zerstörten Monsters vom Deck deines Gegners auf den Friedhof.

      Aura Dominion
      Zauber/Spielfeld
      Einmal pro Zug: schicke die oberste Karte deines Decks auf den Friedhof; beschwöre 3 "Soul Aura"-Spielmarken (Fee/Licht/1/ATK 0/DEF 0) als Spezialbeschwörung. Zerstöre diese Spielmarken während der End Phase. "Soul Aura"-Spielmarken können nicht als Tribut angeboten werden, außer für die Tributbeschwörung von Monstern der Stufe 10 oder höher und sie können nicht als Synchromaterialmonster benutzt werden.

      Divine Sacrifice
      Zauber/Normal
      Zahle die Hälfte deiner Life Points: du kannst 1 offene "Aura Dominion" wählen, dessen Effekt du aktiviert hast; aktiviere dessen Effekt erneut. Außerdem kannst du in diesem Zug eine zusätzliche Normalbeschwörung durchführen.

      Dekagon Gate
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, wenn ein Monster deines Gegners direkt angreift: beschwöre 1 Monster der Stufe 10 von deiner Hand als Spezialbeschwörung in offene Verteidigungsposition. Wenn das beschworene Monster durch Kampf zerstört wird, nimm es stattdessen auf deine Hand und erhöhe deine Life Points um die Grund-DEF jenes Monsters. Während der End Phase: nimm das beschworene Monster auf deine Hand zurück.

      Chains Of Immortality
      Falle/Dauerhaft
      Wähle 1 deiner offenen Monster der Stufe 10 oder höher als Ziel: solange du diese offene Karte kontrollierst kann das Ziel einmal pro Zug nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden. Einmal pro Zug: du kannst die ATK oder DEF des Ziels zu 0 werden lassen und deine Life Points um die Hälfte jenes Wertes erhöhen. Wenn das Ziel das Spielfeld verlässt: zerstöre diese Karte.
      Ich habe nun deine FanFic endlich so weit gelesen das ich auf dem neusten Stand bin xD.

      Spoiler anzeigen
      Also das Levier einen eigenen Körper will erklärt nun auch warum er in letzter Zeit so viel menschlicher geworden ist. Irgentwie nimmt Levier für sie fast eine Vater Figur ein. Er ist immer für sie da ob sie will oder nicht. Er würde auch für sie fast töten. Schade finde ich jedoch das mein Lieblings Charakter Nick (Ich ahnte schon von Anfang an das er allen nur was vormacht ) nun der Bruder von Anya ist. Ok das war er rein chronologisch gesehen schon vorher, jedoch zerstört das komplett Anya X Nick. Bleibt also nur noch Matt übrig, wobei ich nicht glaube das Anya was von ihm will. Logan ist inzwischen auch es dem Fenster. Mann könnte meinen Anya schaft es nie zur Fortpflanzung XD. Immerhin glaub er jetzt das sie geisteskrank ist. Die Szene mit Kali fand ich auch nicht so gut. Es passte in meinen Augen irgetwie nicht ganz zum Rest deiner Fanfic. Kp warum. Das war einfach mir zu blump und vorhersehbar. Aber wer weiß was da noch kommt.Zur Deck Verlust:Der Verlust ihres Decks ermöglicht ihr nun mal ein neues starkes Deck anzueignen. Das sie später mit ihren alten Karten zusammen bauen kann. Falls Anya wieder Gem Knight spielt währe die Integration von Tollkühne Gier ratsam. Wenn sie ihre Draw Karte aktiviert wo sie nicht nachziehen kann könnte sie so ihren Gegner überaschen. Vor allem wenn sie mehr als eine aktivieren kann.​


      Ich freue mich schon auf den nächsten Teil :D

      mfg WiR

      Edit: 300 post :D

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von WiR ()

      Hey-Yo, Ich bin jetzt auch mal wieder zwei Kapitel weiter und melde mich mal wieder:

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      Zu meinem letzten Kommentar (Seite 9 recht weit unten): Bei dem Punkt mit den Fanfics und dem "verschenkten Potenzial" habe ich dich wohl einfach falsch verstanden. Das tut mir leid.

      Zum Übernatürlichen: Vielleicht hast du Recht. Es ist jedoch nicht so, dass ich so ein verkrampfter Realist wäre, der alles Übernatürliche mit einem Kopfschütteln abtut. Eher kann ich es einfach nicht so recht ernst nehmen, was du vielleicht schon gemerkt hast, wenn ich diesen Schattengeist zum "notgeilen, sprechenden Halloween-Kürbis" degradiere usw. Das heißt nicht, dass ich deine Fanfic nicht genießen kann.

      So z.B. in Kapitel 18. Dies war vielleicht das Fantasy-lastigste überhaupt bisher, dennoch mMn eines der besten. Denn auch wenn man wie ich die ganzen Ausführungen über Elysione, Limbusse und Zeugen der IrgendwasmitK nur kurz überfliegt, bleibt noch ein dialogstarkes, intensives Kapitel übrig. Matt ist defintiv mein Favorit und wie er und Alastair sich gegenseitig voneinander verraten fühlen und ständig die Frage im Raum steht, wer von beiden denn nun der Böse ist, das war einfach gut. Das ist, was mich interessiert: Was neben der Dämonen-Action noch übrig bleibt.

      Nahtlos weiter ging es in Kapitel 19, wo ich erstmal einen Schreck gekriegt habe, weil Matt zusammenbricht. Beinahe hättest du den einzigen Sympathieträger umgebracht! Aber Alastair war dann ja doch gnädig. Gut so, denn ich will noch mehr über Matts Vater erfahren!
      Und dann begann noch die Nick-Story. Dieser wirkte zu Beginn mal wieder unfassbar dämlich, allerdings nicht wie bisher auf eine nervige Weise, sondern auf eine sympathische, Forrest Gump -mäßige.
      Dann erschien mit Melinda eine Figur, die sich endlich mal sozial verhält. Was habe ich solche Verhaltensweisen vermisst. Ihr Look gefällt mir auch irgendwie. Gut, dass sie von einem Dämonen besessen ist und versucht, Nick umzubringen, ist ein kleiner Knackpunkt, aber du weißt ja, wir bringen alle etwas Ballast mit ;)
      Aber dann: BAM! Kurz, nachdem Nick ordentlich kassiert hat, redet er plötzlich wie ein normaler Mensch und spricht von seiner "wahren Bestimmung", einfach geil. Und irgendwie habe ichs ja von Anfang an gewusst ^^

      Btw, Anya, wenn sie denn mal bei Bewusstsein war, empfand ich eher als störend. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn sie mal ein paar Folgen Pause gehabt hätte (Oder eine ganze Staffel... :whistling: ). Nervig wird wohl auch, wenn Matt versucht, sie und Alastair zum Koorperieren zu zwingen. Aber es geht im nächsten Kapitel ja auch mit der Nick-Story weiter. Totally hyped for that.

      Also dann, man sieht sich ;)

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      -Aska-

      Ich stell mir das gerade mal bildlich vor. Die würden Anya schon aus dem UFO geworfen haben, bevor sie den Mond passiert hätten, so wäre die denen auf den Sack gegangen xD

      Das Kali bald wieder einen Auftritt hat ist schön zu hören.

      @Undying: Merkt man, merkt man *hust* :shy: *hust*


      Spoiler anzeigen

      Wie erwartet durfte in der Folge dieses Mal nicht Anya, sondern mangels eines Decks ebenjener an ihrer Stelle Levrier das Ruder in die Hand nehmen und seine 'Besitzerin' verteidigen. Das Duell war gut geschrieben und auch vom Ablauf her interessant. Was man aber auch zur Deckwahl von Levrier sagen kann. Damals hatte er ja noch ein Deck, was zu dem Motiv des 'Dämon' irgendwo passte, und jetzt mit den Heroics ist er sozusagen der strahlende Ritter, der sich vor sie stellt und sie beschützt.

      Aber erstmal der Reihe nach. Zunächst einmal darf Anya feststellen, dass ihr Deck weg ist. Aber durch Melindas Hilfe hat sie nun zumindest eine Spur auf die Übeltäterin. Und anhand der Preview ist klar, dass es nicht so schnell mit dem aufspüren klappt. Daher wird es interessant zu sehen, welches Deck sie als Ersatz spielen wird. Dank Levrier ständen ja jetzt z.B. auch die Heroics im Raum - wobei das Deck momentan ja erstmal nur imaginär ist und sie sich die Karten in der Realität auch erst einmal besorgen müsste.

      Der Mind Rape durch Zed war auch sehr spannend zu verfolgen. Zum Einen wurde Anya dabei mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert, primär die Zurückweisung durch die, die ihr wichtig sind. Außerdem bietet er ihr eine neue Möglichkeit, sich selbst weiterzuentwickeln, nun da ihr das alles vor Augen geführt wurde, was sie auf keinen Fall will.
      Dumm war Zeds Herangehensweise auf jeden Fall nicht, zu versuchen, Anyas Ego auf diese Weise zu zerstören und im besten Fall in den Selbstmord zu trieben. War auf jeden Fall mal etwas anderes als das wiederkehrende "Gib auf, oder stirb" auf dem direkten Weg.
      Zeds Pech, dass Anya aber ein extrem willensstarker (und absolut sturer) Mensch ist und der Plan somit nicht so schnell aufgehen sollte. Andererseits hatte sie ja angedeutet, dass ohne eine Dimension für Zeit in dieser spirituellen Welt sie deshalb im Vorteil wäre, weil sie endlos weitermachen könnte, bis Anya irgendwann doch gebrochen worden wäre. Wenn Levrier da nicht gewesen wäre.
      Bleibt nur die Frage, ob und wenn ja wie schwer die Narben sein werden, die dennoch von dieser Folter zurückgeblieben sein könnten. Aber mir würde schon eine kleine, wenn auch nicht unmitelbare Änderung in naher Zukunft bei ihrer Art halten, die man auf das Erlebte zurückführen kann.

      Wie schon gesagt, das Duell war schön aufgebaut und gewohnt gut. Zeds Deck schien auch sehr interessant zu sein mit der Tokenengine und den Monster, die sowohl Effekte für Beschwörung mit Token als auch sekundäre über das Opfern von Token haben. Denke mal, wenn sie irgendwann später nochmal auftaucht, dass man noch mehr von ihrem Deck sieht. Kann mir nämlich gut vorstellen, dass ihr Feldzauber nicht die einzige Methode ist, um Token zu generieren. Aber in dem Duell hatte sie ja damit einen Weg auf dem Feld, also waren andere Karten auch nicht nötig.

      Besonders nice war natürlich auch, wie Ricther am Ende des Duells auftauchte, um seine Untergebene in letzter Sekunde zu retten. Man muss da sich ja manchmal wirklich fragen, ob bei den Undying, kalt, rational und abgestumpft wie sie erscheinen, nicht auch Gefühle füreinander mitspielen. Zumindest bei Zed und Ricther könnte man diesen Eindruck gewinnen. Interessiert hätte mich aber brennend, inwieweit Levrier in einer Welt, in der er eventuell Vorteile gehabt hätte, auch etwas gegen Ricther hätte unternehmen können? Andererseits befanden sie sich in Anyas Elysion und wer weiß, welchen Schaden Ricther dort hätte anrichten können, der sich am Ende auf Anya selbst auswirkt. Mal ganz davon abgesehen, dass Richter vermutlich sowieso auf einem anderen Kräftelevel als Zed rangieren dürfte.
      Insofern war es vielleicht ganz okay, dass die Konfrontation mal wieder unentschieden ausging. Denn weder gelang es den Undying, Anya auszuschalten, noch Anyas Seite, sich eines Undyings zu entledigen oder sich seines Körpers zu bemächtigen. Aber irgendwie glaub ich da auch, dass das die Ruhe vor dem Sturm ist und so ein Hammer von Kaliber Alastair bald wieder bevorsteht.

      Zum Ende kehrte die Geschichte dann aber nochmal kurz nach Livington zurück, und damit zu einer ganz anderen Stelle, wo ein düsterer Schatten auf die Zukunft geworfen wird als du beschreibst, was da für eine Art Verschwörung im Gang ist. Fand ich sehr gut, wie du aus Nicks Sicht die wahren Absichten von Aiden hinter seinem gönnerhaften Auftreten geschildert hast und wie er die Ford Company bei ihrem Projekt nur deshalb unterstützt, um auf diesem Weg sein Monochrome weltweit zu verbreiten. Was ist eine Geschichte eben ohne einen Bösewicht, der nach der Weltherrschaft strebt? xD (Ohne die ganzen Übernatürlichen und unvergleichbar mächtigen Charakter/Dämonen wäre er das sicher auch, aber so ist er ein wenig blass in ihrem Schatten. Dennoch, für einen Menschen absolut glaubhaft.)

      In dem Sinne dann, bis zur nächsten Folge ^^
      Auf der Suche nach den neusten Infos oder Bildern zu Yu-Gi-Oh!-Karten aus Japan? =>> Spoiler-Forum


      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      So, ich melde mich auch mal wieder, hab bei Folge 43 aufgehört und hab jetzt bis Folge 51 gelesen, so gut :)

      Sobald ich auf dem neuesten Stand bin, folgt eine umfassende Rückmeldung, aber ich schreibe dir gleich noch eine PN bezüglich der FF -Aska-, würde mich über eine Antwort sehr freuen.

      @WiR
      Bitte pack dein auf die FF bezogenes doch bitte in einen Spoiler, das machen hier alle so und hat seine Gründe!
      Wow, vielen Dank für die vielen Kommentare und natürlich auch herzlichen Dank an alle, die die Fanfic lesen. :)

      @WiR
      Jep, so sehe ich das auch, dass Levrier sozusagen den Vaterersatz und Anyas Gewissen mimt. Was an der Kali-Szene hat dir denn nicht gefallen? Dass Sophia mit dem Schwert zerteilt wurde? Nun, dahinter steckt ein Karteneffekt, den man nur nicht gesehen hat als solchen. Die Szenen mit ihr sind aber wichtig gewesen, insofern hätte ich sie nicht offscreen ablaufen lassen können bzw. hätte ich schon, aber dann würden ein paar Details später etwas "out of the blue" kommen.

      Die Idee mit der Tollkühnen Gier ist übrigs gut, werde ich mir merken. ^^
      Danke für deine Resonanz. :)

      @Leseleff
      Vielleicht habe ich mich auch einfach blöd ausgedrückt, insofern, mir tuts auch leid.
      Jeder hat halt seinen eigenen Geschmack und wenn du der Fanfic trotz allem etwas abgewinnen kannst, freut mich das. Ich bin sehr gespannt, wie du auf Staffel 2 reagierst, sobald du dort angekommen bist, weil die Charakterinteraktionen und Emotionen dort wesentlich intensiver sind als noch in Staffel 1.

      Dass du Nicks Wandlung gut findest, freut mich sehr. Er ist ein sehr interessanter, intensiver Charakter, der dich sicher das ein oder andere Mal zum Stirnrunzeln bringen wird. ... denk ich mir jetzt mal. xD

      Anya ist der MC, die hat nie länger als 1-2 Folgen Pause. xD
      Auch dir danke für deinen Post.

      @Evil Bakura
      Oder sie hätte das UFO entführt, um Space-GTA zu spielen. xD
      Was die Heroics angeht, bin ich mir nicht sicher, ob die generell nur imaginär sind oder ob Levrier sie sich während Anyas Zeit im Laden angeschaut und ausgesucht hat. Das lasse ich erstmal offen.

      Die Folgen von Anyas Mindrape werden in der Tat nicht auf den ersten Blick ersichtlich sein, gerade weil sie eine Meisterin der Verdrängung ist. Ich habe aber vor, zu gegebener Zeit darauf zurück zu kommen.
      Was Zeds Deck angeht, nein, es gibt noch weitere Karten, die ihr dabei helfen. ^^
      Ricther ist in der Tat weitaus gefährlicher als Zed, auch wenn er sich in Levriers Revier befindet. Dass er das aber nicht ausnutzt, spricht Bände, was deine andere Mutmaßung angeht. Denn ja: Ricther und Zed sind zu menschlichen Emotionen fähig. Gut, Stoltz auch, aber der ist irre. xD

      Tja, ob Aides großes Ziel wirklich die Weltherrschaft ist? Wer weiß. xD
      Danke für den Kommentar. ^^

      @Mcto
      Schön, dich auch wieder hier zu sehen. ^^
      Freut mich, dass es dir soweit gefällt. ^^
      Und danke für die PN.


      In diesem Sinne, Feuer frei für die nächste Folge!

      Turn 58 – Paradigms
      In Dubio pro Reo. Im Zweifel für den Angeklagten. Etwas, wovon Anya nicht viel hielt, als sie völlig erschöpft in ihrem Hotelzimmer ankam. Der lange Fußmarsch hatte selbst sie ziemlich ausgezehrt, zumindest den Teil ihrer Kraft, der nach der unfreiwilligen Begegnung mit Zed noch übrig gewesen war.
      „Wo warst du so lange!?“, klagte Zanthe, der von seinem Bett direkt neben der Tür aufsprang. „Hast du dein Deck gefunden? Hier ist es definitiv nicht, ich habe alles abgesucht.“
      „Ich weiß wer mein Deck hat“, zischte sie und stieß ihn beiseite, als er ihr entgegen kam, „es wurde gestohlen.“
      Verdutzt wurde er zurückgelassen. „Gestohlen? Von wem?“
      „Keinen Blassen, wie das Miststück heißt, aber ich werde sie finden. Wo ist der Laptop, den Matt gekauft hat?“
      Unter einem wütenden Schnaufen setzte sich Anya an den kleinen Tisch vor dem Panoramafenster und ließ sich von Zanthe den Apparat vor die Nase setzen.
      „Was hast du vor?“, fragte er neugierig.

      Während sie ihn aufklappte und anschaltete, erzählte sie Zanthe, was ihr alles widerfahren war. Dass sie und Melinda herausgefunden haben, dass die junge Frau im roten Kleid keine Journalistin sein konnte, da nur männliche Vertreter der Fachpresse eingeladen waren. Und demnach ihre Einladung gefälscht gewesen sein musste, sie sich als jemand anderes ausgegeben hatte. Dazu gesellte sich dann noch etwas Undying-Spaß.
      „Jetzt gibt es also schon drei von denen“, kommentierte Zanthe, „aber cool. Jetzt wissen wir, wie wir sie fertig machen können.
      „Ich glaube, die Masche funktioniert kein zweites Mal.“
      Schließlich öffnete Anya ihr Postfach und zeigte Zanthe die E-Mail von Melinda mit den Kameraaufnahmen. „Egal, die sind jetzt nebensächlich. Sieh dir das an.“
      „Jap, die war doch an unserem Tisch“, erkannte der sie wieder. „Hat nicht viel geredet, sondern viel lieber mit ihrem Smartphone gespielt. Ich glaube, sie hat auch Fotos gemacht, wenn keiner hinsah.“
      „Ich schicke das Zeug jetzt Nick, soll der sich darum kümmern.“ Anya öffnete ihr Skype-Programm und sah nach, ob in ihrer sehr 'übersichtlichen' Freundesliste Nicks Name grün unterlegt war. Was er war, im Gegensatz zu Abbys. Sofort schrieb Anya ihn an und schickte die Datei.

      Fünf Minuten später hatte sie einen Anruf, den sie prompt entgegen nahm.
      Sie sah Nicks übergroßes Gesicht, wie er in die Kamera starrte, hinter ihm ein Schrank voller Akten.
      „Hallo Darling“, flirtete er sie sofort an, „vermisst du mich jetzt schon so sehr, dass du mich auf Arbeit anschreibst?“
      Anya runzelte verärgert die Stirn. Obwohl es hier bereits Abend war, musste Nick wohl dank Zeitverschiebung noch im Büro hocken. „Nein, aber viel zu tun kannst du ja nicht haben, wenn du skypen kannst. Ich hab ein Problem.“
      Nick machte mit der Schulter eine Bewegung, vermutlich benutzte er gerade seine Maus. Nachdenklich sah er an der Kamera vorbei, dann gewannen seine Züge eine leichte Boshaftigkeit. „Ah, ich seh' schon, sie ist hübsch. Eifersüchtig?“
      „Nicht diese Sorte von Problem“, sagte Zanthe und beugte sich über Anyas Schulter, „die Gute ist ein Langfinger und hat Anyas Deck gestohlen.“
      Sofort schreckte Nick auf, wurde ernst. „Sag das nochmal.“
      „Die Tante war nicht auf der Party eingeladen, auf der wir gestern waren. Sie hat sich unter falscher Identität reingeschmuggelt“, erklärte Anya, „der Flohpelz sagt, sie habe während meines Duells mit den Schnösel-Geschwistern Fotos gemacht.“
      „Davon habe ich bereits gelesen. Mein Plan hat wunderbar funktioniert, nicht wahr?“, lobte sich Nick selbstherrlich. „Du bist drin, ohne dass es jemand wagen wird, das ändern zu wollen.“
      „Ja ja, gut gemacht“, überging Anya den Punkt mit der Dankbarkeit wie gewohnt, „jedenfalls, nach dem Duell ist sie mit mir zusammengestoßen. Da muss es passiert sein.“
      Er hakte nach: „Und du bist dir da völlig sicher?“
      „Seitdem ist es verschwunden. Eine andere Erklärung gibt es dafür nicht.“ Anya schlug auf den Tisch. „Nick, finde diese Ratte für mich. Egal wie!“
      Der legte seine Ellbogen auf den Tisch und faltete die Hände. „Nur mit diesen unscharfen Aufnahmen? Das wird nicht leicht, selbst für mich nicht.“
      „Wenn es dir weiterhilft: Außer mir scheint keiner etwas besonders Wertvolles zu vermissen. Melinda wird mich aber informieren, falls noch jemand sein Deck verloren hat.“
      „Du meinst also, man kann einen Massendiebstahl ausschließen?“ Nick schloss die Augen. „Also bist nur du das Opfer. Zumindest etwas.“

      Zanthe fiel dazu noch etwas ein: „Vielleicht Kali?“
      „Nee, die ist kleiner gewesen als diese Dumpfralle. Außerdem würde diese Schnepfe das nicht hinter meinem Rücken tun, denk an die Male zuvor“, schloss Anya jene sofort aus. „Die hat mich immer wissen lassen, dass sie es war.“
      Was Nick mit einem Kopfschütteln quittierte. „Ich würde sie nicht gleich von der Liste streichen, aber du hast nicht Unrecht. Es wäre untypisch für sie, jetzt wo sie sich dir offenbart hat. Anya, beantworte mir eine Frage.“
      „Ja?“
      Nick öffnete seine Lider. „Hast du Karten benutzt, von denen nicht jeder weiß?“
      Da das Mädchen ihn nur fragend ansah und nicht verstand, übernahm Zanthe die Antwort. „Hat sie und das nicht zu knapp. [Angel Wing Dragon] und Heavy T, die beiden Artefakte.“
      Anya ging ein Licht auf. „Ach so! Und [Gem-Knight Turquoise], die Karte vom Jinn.“
      „Vielleicht handelt es sich hierbei gar nicht um ein gezieltes Verbrechen, sondern eine Affekttat. Du sagtest, sie hat Fotos gemacht? Nur von dir?“
      Der schwarzhaarige Werwolf nickte. „Definitiv. Melindas Pendelmonster haben sie kalt gelassen, das hat man ihr angemerkt. Sie hat aber keine Fragen gestellt.“
      „Natürlich nicht, das wäre dann doch zu auffällig“, überlegte Nick, „nun gut, sie ist unsere Hauptverdächtige. Ich werde sehen, was ich für dich tun kann.“
      Anya sah ihn eindringlich, aber gleichwohl gebieterisch an. „Beeil' dich! Bis zum Turnierauftakt sind es nur noch sechs Tage.“
      „Könnte knapp werden. Anya, du solltest dir ein Deck besorgen, falls du deins nicht rechtzeitig wiederbekommst“, riet ihr Sandkastenfreund.
      „Ich krieg' es doch wieder, oder?“
      Nick nickte. „Natürlich wirst du. Das verspreche ich dir. Ich würde gerne noch länger mit dir reden, aber mein 'Arbeitgeber' steht in der Tür und da er mich mit seinen Rehaugen so herzzerreißend ansieht, kann ich gar nicht anders als ihm meine ungeteilte Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.“
      Seine Worte trieften nur so vor Zynismus. Anya stöhnte. „Kann der sich nicht einfach verpissen? Tch! Aber okay, danke für deine Hilfe. Mal wieder …“
      „Stets zu Diensten. Bis später.“

      Damit beendete er die Konversation, Anya schloss den Chat und das Skype-Programm.
      „Also eins muss man ihm lassen“, sagte Zanthe und es klang, als fielen ihm seine Worte schwer, „wenn du ihn brauchst, kümmert er sich um dich.“
      Die Blonde starrte auf das Display des Laptops. „Yeah …“
      Plötzlich spürte sie, wie die Hand des Werwolfs auf ihrer Schulter lag. „Zerbrich' dir nicht deinen Hohlkopf. Wenn einer es schaffen kann, dann Mr. Neurotisch. Eigentlich wäret ihr ein richtig süßes Paar, wenn man's recht bedenkt.“
      „Huh!? Spinnst du!? Wie kommst du denn jetzt da-“ Anya gähnte mitten im Satz. „-rauf.“
      Anstatt ihr eine Antwort zu geben, grinste Zanthe lediglich schelmisch. „Ist doch egal. Kümmere dich lieber um wichtigere Sachen. Du stinkst nämlich schon genauso wie er. Geh duschen.“
      „Hmpf!“
      Anya stand auf und schubste den schwarzhaarigen Kopftuchträger beiseite. Zugegeben, er hatte schon fiesere Kommentare vom Stapel gelassen, aber nichtsdestotrotz gehörte er allein für den Gedanken, dass sie und Nick … oh Gott, er gehörte wirklich …!
      „Ich geh duschen und leg mich dann pennen. Ich bin stundenlang gelaufen!“ Sie steuerte das Badezimmer an. „Wenn Summers kommt, erzähl ihm ruhig alles. Aber wenn eine von euch Pappnasen mich dabei weckt …“
      Vor der Tür ins Bad drehte sie sich noch einmal zu Zanthe um und fuhr sich vielsagend mit dem Finger über die Kehle.
      „Ja ja“, winkte er ab, „hab's kapiert. Wir lassen dir deinen Schönheitsschlaf. Auch wenn's für den längst zu spät ist.“
      Wofür er die an diesem Abend letzte Aussage Anyas vor den Bug geknallt bekam: Ihren Lieblingsfinger. Zu interessanteren Reaktionen war sie in diesem Moment einfach zu müde gewesen.

      ~-~-~

      „… und wieso fragen wir nicht gleich den Sammler?“, wollte Zanthe in einem engstirnigen Tonfall wissen.
      Matt erwiderte genervt: „Er war es, durch den wir überhaupt die Adresse haben. Wüsste er mehr, hätte er uns das längst mitgeteilt.“
      Während Anya träge mit ihrem Frühstückstablett in den Händen auf den gemeinsamen Tisch zusteuerte, nicht wissend, wieso die beiden schon wieder im Begriff waren, sich in die Wolle zu kriegen, drehten sich schon die ersten anderen Gäste des Hotels zu ihnen um.
      „Was bringt dich dazu, das zu glauben? Vielleicht spielt er nur ein Spiel mit uns?“
      „Weil es in seinem Interesse wäre, wenn wir schnell an die nächste Karte kommen.“ Matt funkelte Zanthe an. „Das ist doch wirklich nicht so schwer zu verstehen.“

      Als Anya sich an den Tisch setzte, demselben wie gestern, welcher durch die gläserne Fassade zu ihrer Rechten den Blick auf die Straße gewährte, gab sie ein langgezogenes Stöhnen von sich. „Will ich überhaupt wissen, worum es hier geht?“
      „Deine nächste Zielperson“, antwortete Matt ihr direkt und biss in sein Marmeladenbrötchen.
      Zanthe fügte bissig hinzu: „Unsere hübsche Hälfte des Deppenduos hat ein bisschen was herausgefunden. Wer der Kerl ist, den du suchst. Oder war. Oder was auch immer.“
      „Und?“ Anya schnitt nebenbei unter quietschendem Teller ihr Steak. Generell widmete sie ihrem Frühstück den größten Teil ihrer Aufmerksamkeit, so schien es.
      „Ich habe den Namen herausgefunden. James Carrington, 71, niederem Adels, stammt ursprünglich aus Großbritannien, ist aber vor einigen Jahren übergesiedelt“, zählte Matt die Fakten auf.
      „Okay?“ Die Blonde sah mit einem Stück Fleisch im Mund auf. „Dann schnapp' dir das Artefakt?“
      „Erstens: Wieso ich?“
      „Na du kümmerst dich doch schon drum, oder?“ So wie Anya es formulierte, klang es wie eine Selbstverständlichkeit.
      „Nach dem letzten Mal verzichte ich darauf, nochmal deine Duelle auszutragen.“

      Die Kälte, mit der Matt dies gesagt hatte, lockerte glatt Anyas Lippen, sodass ihr Steakhappen auf den Teller fiel. Unangenehmes Schweigen machte sich breit.
      Anya ließ den Kopf hängen. Drazen … musste sie ausgerechnet jetzt daran erinnert werden?
      „... war nicht so gemeint“, lenkte Matt versöhnlich ein, als er sie so sah, „ich habe nur Angst, dass wieder etwas passieren könnte. Der ist immerhin auch nicht mehr der Jüngste.“
      Zanthe indes hielt sich lieber aus dem Gespräch heraus, so schien es. Er sah lediglich abwechselnd die beiden anderen an, wobei er seinen Ellbogen auf die Tischkante gestemmt hatte und sein Kinn auf der Faust abstützte.
      „Ich auch“, gestand Anya leise, „aber ...“
      „Ich weiß. Wir müssen es auf einen Versuch ankommen lassen.“ Matt legte sein Brötchen auf den Teller zurück. „Lass mich das machen, solange du dein Deck nicht wieder hast. Zanthe hat es mir vorhin erzählt.“
      „D-danke.“
      „Es gibt nur ein Problem“, fand der Schwarzhaarige schließlich die Überleitung zum Streit zwischen ihm und dem Werwolf, „Mr. Carrington wurde seit Jahren nicht mehr gesehen. Es gehen Gerüchte herum, er sei erkrankt und würde das Haus nicht verlassen, aber …“
      Jetzt setzte Zanthe doch ein: „Matt hat mit einigen Mitarbeitern gesprochen, aber die wissen auch nichts darüber. Nur dass vor einigen Jahren alle mit einem Schlag entlassen wurden.“
      „Ungefähr zu der Zeit, als man Mr. Carrington das letzte Mal gesehen hat“, fügte Matt hinzu.
      Der Werwolf schnalzte mit der Zunge. „Also -ich- finde, wir sollten den Sammler dazu befragen. Irgendetwas wird er uns sicher sagen können, immerhin wird er eine Menge an Nachforschung betrieben haben, um uns überhaupt die Infos zu diesem Typen zu beschaffen.“
      Sofort schnellte Anya auf, klatschte die Hände auf den runden Tisch. „Nie im Leben! Dem krieche ich nicht in den Arsch! Wir kriegen das auch ohne ihn hin!“
      „Du meinst, Matt kriegt das hin. Du hast bisher erstaunlich wenig dafür getan, einen der Hüter zu finden“, versetzte Zanthe ihr sofort einen Seitenhieb.
      Anyas Finger krallten sich in die Tischdecke, doch die harten Fakten, welche auf die Namen Nick, Matt und Alastair hörten, vielleicht auch mit der ein oder anderen Zanthe-Silbe dazwischen, verhinderten unmittelbare Kollateralschäden. Stattdessen ließ sich Anya wieder in den Stuhl fallen und funkelte den Kopftuchträger zornig an.
      „Was denn, ist doch so!“, blieb der ebenso stur wie sie.

      „Ich werde für ein paar Tage wegfahren“, erklärte Matt, nachdem abzusehen war, dass Anya wieder Notiz von ihrer Umwelt nahm.
      Die beiden drehten sich zu ihn um.
      „Zwei Leute habe ich noch, mit denen ich gerne vorher sprechen würde.“ Der Ex-Dämonenjäger griff nach der Kaffeetasse neben seinem Teller. „Der Gärtner meinte, dass die Carringtons sich plötzlich über Nacht eigenartig verhielten, besonders Mr. Carrington. Wenig später sind sie hierher umgezogen, wie gesagt ohne ihre Angestellten.“
      Anya schnaubte. „Der Gärtner war's! Nur falls der Alte bereits tot sein sollte.“
      „Wie lange willst du denn wegbleiben?“, hakte Zanthe nach.
      „Nur ein paar Tage, vielleicht eine Woche, länger nicht.“
      Anya verschlang nebenbei den Rest ihres Steaks mit einem Happs. Noch beim Kauen sagte sie: „Bisch schum Start desch Turniers sind esch noch ein paar Tage. Wäre cool, wenn ich bisch dahin mein Deck schamt der dritten Wäschterkarte hätte.“
      Die beiden sahen sie nur stumm mit einem leichten Anflug von Ekel an, nicht zuletzt weil ihr der Speichel beim Sprechen nur so um die Ohren flog.
      „Ich hab die Handschuhe noch, die du mir gegeben hattest. Wenn es also zu einem Duell kommen sollte, bin ich vorbereitet.“ Matt sah auf sein halbes Brötchen, das etwas von Anyas 'Manieren' abbekommen hatte. Mit Fingerspitzen schob er den Teller von sich weg. „Ich, ähm, bin dann mal oben, meinen Rucksack packen.“
      Kaum war er aufgestanden, rückte auch Zanthe seinen Stuhl nach hinten. „Dann gehe ich an dieser Stelle auch mal.“
      Als die Blonde mehr als irritiert zu ihm aufschaute, erwiderte er glucksend: „Den Hundeblick kannste dir sparen, du kommst nicht mit. Ich will die Stadt alleine unsicher machen! Bye bye!“
      Sprachs, hob die Hand noch zum Gruß und huschte dann eiligen Schrittes aus dem Restaurant des Hotels.
      „Und was mach ich jetzt!?“, rief Anya ihm sauer hinterher.
      Beantwortete sich die Frage aber selbst, indem sie sich Matts angefangenes Brötchen schnappte.

      ~-~-~

      Ganz zu Anyas Ärgernis blieb Matt länger weg als erwartet und gab auch keine Rückmeldung, wie denn der aktuelle Stand bezüglich des Hüters war. Und auch Zanthe schien lieber alleine unterwegs zu sein und nahm Anya nur gelegentlich zu seinen Ausflügen mit. Die entweder in Klamottenläden, Buchhandlungen oder irgendwelche Clubs führten, die Anya entweder gar nicht erst reinließen – nicht, dass sie eine Wahl gehabt hätten – oder spätestens nach fünf Minuten rausschmissen.
      Das Mädchen war ja froh, dass der Flohpelz sich derart schnell in das alltägliche Leben einfügte und aus sich und dem Hotelzimmer herausging, aber irgendwie blieb sie dabei mächtig auf der Strecke. Was Anya tierisch ärgerte, da -ihr- dadurch verdammt langweilig war.
      Was sicher anders wäre, wenn sich Nick, dieser Trottel, mal bei ihr melden würde. Aber wie Matt schien der es mit Kontakt halten neuerdings nicht allzu genau zu nehmen.

      Als Anya auch drei Tage nach ihrem Kriegsrat immer noch keine Rückmeldung von Nick erhalten hatte, entschied sie sich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. So saß sie am späten Nachmittag von Zanthe flankiert am runden Tisch in ihrem Hotelzimmer, den Laptop vor der Nase.
      Es dauerte eine Weile, bis Nick auf ihre Videoanrufe reagierte, aber schließlich schaltete sich seine Webcam ein und Anya konnte sein Gesicht auf dem Bildschirm betrachten.
      „Hallo Schatz, vermisst du mich so sehr, dass du mir gleich 57 Anfragen schickst?“, fragte Nick um Humor bemüht.
      „Harper, wo ist mein-“
      „Pro Minute!“, fügte er gleich weitaus weniger beherrscht hinzu.
      Anya saß mit offenem Mund da. „... Deck?“
      „Autsch, da ist jemand zur Abwechslung mal gar nicht in Flirtstimmung“, hörte sie Zanthe hinter sich sticheln. „Sag bloß, er hat jemand Neues kennengelernt?“
      Nick schnalzte auf den Kommentar hin genervt mit der Zunge. „Nein, es gibt nur Menschen, die müssen für ihr Geld schwerer arbeiten als andere und haben deswegen wenig Zeit.“
      Die Blonde klackerte ungeduldig mit ihren Fingerspitzen auf dem Mouse Pad. „Sehr interessant, Harper, wirklich. Wir finden es toll, dass du endlich einen Job hast. Aber das ist jetzt nicht das Thema!“
      Nick blinzelte genau einmal. Nein wirklich, es war erstaunlich, wie lange er die Augen offen halten konnte, ohne die Lider auch nur minimal zu bewegen. So sehr, dass selbst Anya mulmig zumute wurde.
      „Und?“, fragte sie herrisch. „Hast du es? Ist es schon unterwegs hierher?“
      „Anya“, murmelte er und faltete die Hände vor der Kamera ineinander, „ich habe dein Deck noch nicht ausfindig machen können.“

      Man hätte eine Stecknadel auf den Boden fallen hören können.
      „Sag was!“, forderte Zanthe den jungen Mann auf. „Irgendwas! Ich glaube, ihre Festplatte ist schon wieder abgestürzt!“
      Einen tiefen Seufzer von sich gebend, griff Nick nach seiner Maus. „Es ist nicht so, dass ich völlig erfolglos war. Seht euch das an.“
      Vor den beiden öffnete sich ein kleines Fenster. In ihm wurde ein Video abgespielt, genauer gesagt Aufnahmen von der Feier. Zu sehen war ein großes Bogentor, dahinter schien ein Taxi zu parken.
      „Kannst du uns verraten, was wir da sehen?“
      Doch die Frage Zanthes erübrigte sich, als eine undeutlich zu sehende Gestalt in einem Abendkleid auf das Taxi zu kam und in der Beifahrerseite verschwand. Genau als das Taxi losfuhr, stoppte Nick das Video.
      „Was ihr da seht“, antwortete Nick, „ist unsere diebische Elster, wie sie die Party verlässt. Schaut euch das Taxi an.“
      „Ja, und?“, fragte Anya nun grimmig. „Mein Deck wird wohl kaum noch da drin sein!“
      „Nein, aber man kann das Nummernschild lesen. Darüber konnte ich das Taxiunternehmen ausfindig machen, zu dem es gehört.“ Nick lehnte sich zurück und schlug die Beine über den Tisch übereinander, direkt in die Kamera gerichtet. „Und damit konnte ich wiederum per GPS die Route des Taxis verfolgen. Sie ist zum Hotel Adversary gefahren und hat dort zweifelsohne genächtigt.“
      Zanthe beugte sich über Anyas Schulter. „Ich hab's! Von dort kannst du sie weiterverfolgen, da sie mit Kreditkarte gezahlt hat und du jetzt ihre Transaktionen überwachen kannst.“
      „Gar nicht dumm. Richtig. Wenn sie wieder mit jener etwas bezahlt, werde ich sofort wissen, wo sie sich befindet. Und entsprechende Gegenaktionen einleiten.“
      Ein böses Schnauben drang aus Anyas Nase. „Und wo ist dann das Problem?“
      „Das Problem“, wiederholte Nick besonders stark betont, „ist, dass sie seitdem nicht mehr mit Karte gezahlt hat. Und solange sie das nicht tut, wird es schwer bis unmöglich für mich, sie zu finden.“
      Er nahm die Füße wieder vom Tisch und beugte sich nach vorn. „Anya, ich sage es nur ungern, aber du solltest dich langsam um eine Alternative bemühen.“
      „Eine was?“ Das Wort gab es in ihrem Wortschatz nicht!
      „Du brauchst ein Ersatzdeck, solange dein altes MIA ist.“ Nick zeigte mit dem Finger direkt über den Bildschirm auf Anya. „Also wirst -du- dir heute neue Karten kaufen. Lass dir von Levrier und Zanthe beim Deckbau helfen.“
      Bei diesen Worten entglitt die Miene des schwarzhaarigen Werwolfs glatt. „Oh bitte nicht! Alles nur das nicht!“
      Auch das durchsichtige Abbild [Gem-Knight Pearls] schaltete sich ein, welches Nick weder hören noch sehen konnte.

      Irgendeiner von uns wird dabei sterben. Ich weiß es!

      Zu ihrer beider Glück kämpfte Anya noch mit der Einsicht, dass Nick vielleicht Recht haben könnte. Was, wenn sie ihr Deck nicht rechtzeitig zurückbekam? Dann …
      Nein, sicher würde diese dumme Schnepfe sich bald irgendein Handtäschchen mit extra viel Platz für Diebesgut kaufen! Und dann würde Nick sie finden! Es musste so sein!

      ~-~-~

      Zwei Tage später, Matt war inzwischen mit keinerlei hilfreichen Hinweisen zurückgekehrt, musste Anya sich der Erkenntnis stellen: Die diebische Elster war anscheinend nebenbei Stripperin, so viel Bargeld musste die haben, um ihren Lebensstandard oder was auch immer aufrecht zu erhalten.
      Nichts, gar nichts! Keine Spur von ihr. Die war bestimmt schon irgendwo in Mexiko untergetaucht, mit -ihrem- Deck!
      Da die Vorrunde des Turniers morgen beginnen würde, blieb Anya keine Wahl mehr. Sie musste sich von irgendwoher Karten beschaffen. Anstatt aber Nicks Ratschlag zu befolgen und sich welche zu kaufen, hatte Anya eine weitaus effektivere Methode im Sinn, um konkurrenzfähig zu bleiben …

      So fand sie sich auf der Dachterrasse eines Nobelhotels wieder, auf welcher dank des schönen Wetters und des Pools hier oben reger Betrieb herrschte.
      Valerie blickte von ihrer Liege auf, nahm die Sonnenbrille ab. „Ich soll dir mein Deck leihen?“
      „Nur solange ich meines nicht zurückhabe“, erwiderte Anya verloren, wie sie da vor ihr stand.
      Ja, dachte sie sich nebenher, reck deine dicken Euter doch noch mehr in mein Blickfeld in diesem engen, weißen Badeanzug, der so viel verhüllte und doch kaum Raum für Spekulationen zuließ. Als ginge es ihr nicht schon dreckig genug! Dämliche Schnepfe!
      „Ich find's schön, dass du hierher zu uns gekommen bist, aber …“, zögerte Valerie, nach den richtigen Worten suchend.
      Um Himmels Willen, die dumme Kuh sollte endlich nein sagen, dann war das Ding gegessen. Wäre ja auch schlimm genug, ausgerechnet in ihrer Schuld zu stehen. Fast schon hoffte Anya daher auf jene Antwort.
      „Ich meine, da wir uns schon das ein oder andere Mal duelliert haben, weißt du ja, wie meine Gishkis funktionieren. Zumindest, wenn du es nicht längst wieder vergessen hast … Aber das geht leider nicht, ich nehme auch am Turnier teil, wie du weißt“, erlöste Valerie sie kurz darauf, „tut mir wirklich leid, Anya.“
      Marc, in seiner roten Badeshorts und mit einem Strohhut auf dem Kopf, neben ihr auf einer zweiten Liege sitzend hob die Hand. „Dasselbe gilt auch für mich, fürchte ich.“
      „Großartig“, brummte Anya und wandte sich von ihnen ab. „Eure Decks könnten meins sowieso nie ersetzen …“
      Betrübt sah Valerie der Blonden nach, wie sie frustriert von dannen schlürfte.

      „Unmöglich!“, weigerte sich Matt etwa eine Stunde später, als sie zusammen auf ihrem Hotelzimmer waren und nebeneinander auf Matts Bett in der Mitte saßen. „Die Evilswarm sind von dunkler Macht erfüllt, schon vergessen? Die kann ich nicht in fremde Hände geben.“
      „Wäre doch genau das Richtige für mich!“, protestierte Anya wütend und legte ihren Arm um seine Schulter. „Komm schon, Kumpel, tu's für die gute alte Anya.“
      „In deinen Händen will ich sie am allerwenigsten wissen!“, ließ der sich aber nicht beirren und sprang auf. „Das ist für dich das Beste, glaub mir!“
      „Ui, Mommy und Daddy streiten sich!“, stichelte Zanthe amüsiert, während er am kleinen Tisch im Zimmer saß und seinen Faust Band 1 weiterlas.
      Anya schnaufte. „Dann leih du mir eben mein Deck, Flohzirkus. Etwas anderes außer viele Monster zu beschwören tun deine Sternenritter eh nicht, das kann selbst ich mir merken!“
      Der Kopftuchträger legte das Buch beiseite und sah sie altklug an. „Deine Selbsteinschätzung in allen Ehren, aber diese Karten kriegt niemand in die Hände. Sie haben einen genauso persönlichen Wert wie deine Gem-Knights, wenn nicht sogar einen noch größeren. Ich hoffe, du verstehst das.“
      Tat das Mädchen nicht. Stattdessen blinzelte sie verdutzt ob der für Zanthes Verhältnisse ziemlich eisigen, statt der erwarteten frechen Absage. Wenn er so verbissen reagierte, musste da wohl etwas dran sein. Also konnte sie ihn auch vergessen.

      Als Nicks Gesicht über den Bildschirm flimmerte, machte Anyas Herz aus Stein einen ungewollten Hüpfer. Er, ihr Mann für alles, würde sie auch diesmal nicht im Stich lassen. Bestimmt!
      „Was gibt’s denn? Ich habe gleich ein Meeting“, sagte er ungewohnt nervös.
      „Nur eine Bitte, Harper! Ich brauch dein Deck!“
      Er sah sie verständnislos an. „Anya, ich habe dir genug Geld zukommen lassen, damit du einen ganzen Kartenladen leerkaufen könntest. Kauf dir deine Gem-Knights einfach neu, dann hast du sogar dein Deck.“
      Anya schüttelte aber vehement den Kopf. „Nein, das wäre nicht dasselbe. Ich brauch dein Deck. Es ist extrem stark, du hast mich damals mühelos plattgewalzt.“
      „Anya, dieses Deck ist zu kompliziert für dich. Bitte, wenn du Karten brauchst, besorg' sie dir selbst.“
      „Aber-!“
      „Ich muss jetzt los. Wir hören uns später. Bye.“
      Und ehe Anya sich versah, wurde das Skype-Gespräch beendet.
      Zanthe, der ihr gegenüber am Tisch saß, klappte demonstrativ vor ihrer Nase das Buch zu und zog wortlos, aber breit grinsend von dannen.

      „Oh? Aber natürlich helfe ich dir!“, kam da schließlich von Abby die Erlösung.
      Anya streichelte überglücklich den Hörer in ihrer Hand, als sie wenig später in einer Nische der Hotellobby vor dem alten, schwarzen Münztelefon stand. „Danke. Wenigstens eine, auf die man sich verlassen kann.“
      „Ich schicke meine Karten gleich mit der Post los. Aber werden sie auch rechtzeitig zum Turnierbeginn ankommen?“
      Plötzlich machte Anya große Augen. „Uhm … wie lange dauert das denn?“
      „Naja, also, von London nach Ephemeria City …“
      Kurzum: Nein, das Paket würde es vermutlich nicht rechtzeitig schaffen.

      „Mein Deck?“, fragte Melinda wenige Minuten später etwas verdutzt am anderen Ende der Leitung. „Dann hast du deines wohl nicht mehr gefunden, huh?“
      „Noch nicht, aber das kommt noch. Aber da das Turnier bald beginnt, brauche ich zumindest vorübergehend Ersatz.“
      Melinda lachte betreten. „Naja, ich würde dir gerne meine Performapals leihen, aber als Turnierorganisatorin gäbe es da nur Probleme.“
      „Muss doch keiner wissen, dass es ausgerechnet deine sind.“
      „Doch. Vater wird es sofort merken. Im Moment sind sie noch Einzelexemplare.“
      Vorsichtig fragte sie: „Meinst du, dass Henry …?“
      „Der ist zurzeit in Livington und kommt erst zum ersten Spiel der Hauptrunde wieder. Tut mir leid, Anya.“
      Wütend zischend beendete die das Gespräch kurz darauf. Wieder zwei Personen weniger! Langsam gingen ihr die Optionen aus!

      Selbst ihr eigenes Elysion suchte Anya in ihrer Verzweiflung auf. So stand sie Levrier in Form [Gem-Knight Pearls] auf dem Mosaik der Erde gegenüber und sah ihn flehend an.
      „Kannst du deine Heroics für eine Weile verborgen?“
      „Schön, dass du endlich auf die Idee kommst, mich zu fragen, Anya Bauer“, erwiderte er eine Spur gekränkt und verschränkte die Arme.
      Anyas Miene hellte sich hoffnungsfroh auf. „Kannst du?“
      „… nein. Außer natürlich Nick Harper erfindet einen Elysion-kompatiblen 3D-Drucker.“
      Doch schon mitten im Satz war Anya in einer dichten Rauchwolke verschwunden, so schnell hatte sie ihre innere Zuflucht wieder verlassen.

      Ihre Faust neben das Münztelefon gegen die Wand schlagend, stieß Anya einen unmenschlichen Wutschrei aus.
      „Verdammte Scheiße, das gibt’s doch nicht!“
      Sich von dem Apparat abwendend, rauschte sie wie ein Sommergewitter an der Rezeption vorbei, auf den Ausgang zu. Tolle Freunde waren das!

      Wo willst du hin?

      Levrier erschien an ihrer Seite und folgte dem Mädchen.
      „Muss-zerstören! Irgendwas!“

      Zu schade, dass Zed uns schon angegriffen hat. Ich bin mir sicher, du würdest ihr das Un aus dem Undying prügeln, Anya Bauer. Habe ich Recht?

      „Mrgh!“
      Anya nahm den Aufheiterungsversuch ihres Freundes gar nicht wahr.
      Gerade als die große Tür des Hotels sich öffnete und sie wütend heraus stampfen wollte, kam ihr jemand entgegen und stieß beinahe mit dem Mädchen zusammen. Das zischte aber einfach weiter, an jener in einem weißen Kleid gekleideten Person vorbei, auf deren Haupt ein gleichfarbiger Sommerhut thronte. Mit sich trug sie zwei Einkaufstüten.
      „Anya!“
      Die Gerufene erkannte die Stimme sofort, flüchtete am Pagen vorbei in die nächstbeste Richtung, doch die junge Frau rannte der Blonden bereits hinterher.
      „Warte doch!“
      „Halt die Klappe, Redfield! Ich will allein sein. Geh jemand anderem mit deinem Schicki-Micki-Scheiß auf die Nerven!“
      Während Valerie ihr trotzdem folgte, nahm sie ihre Sonnenbrille ab. „Bist du noch sauer wegen vorhin? Hör mal-!“
      Doch Anya hörte nicht mehr. Sie rannte förmlich davon, sodass Valerie es schließlich unter lautem Seufzen aufgab, ihre Freundin zu verfolgen.
      Levrier drehte sich zu ihr um und zuckte in einer um Entschuldigung bittenden Geste mit den Schultern.
      Die Schwarzhaarige seufzte. „Dabei wollte ich doch nur …“
      Sie warf resignierend einen Blick in die Tüte, die voller Duel Monsters-Produkte war.

      ~-~-~

      Als Anya am frühen Abend in ihr Hotelzimmer zurückkehrte, durfte sie feststellen, dass Valerie an dem runden Tisch in der Ecke saß und scheinbar auf sie wartete. Von Matt und Zanthe dagegen war keine Spur zu sehen.
      „Na endlich!“, sprang die junge Frau ungeduldig auf.
      Und erschrak mitten auf ihrem Weg zu Anya, dass deren rechtes Auge geschwollen war. Als die Blonde das bemerkte, drehte sie ab, rauschte an Valerie vorbei.
      „Was hast du gemacht!?“, fragte die ihr hinterher.
      „Geht dich nichts an, Redfield! Geh nachhause!“ Anya stellte sich vor das Panoramafenster mit dem Blick auf die Stadt. Wütend funkelte sie den Wolkenkratzer gegenüber an, der wieder einmal Claires Werbung für Motorräder zeigte.
      „Eigentlich wollte ich mit dir zusammen ein neues Deck bauen, aber da du nicht zurückgekommen bist, habe ich die Sachen, die ich dafür eingekauft habe, wieder zurückgebracht“, stellte Valerie erbost klar.
      Anya schnalzte mit der Zunge. „Schön für dich …“
      „Du verhältst dich verdammt undankbar, Anya! Keiner von uns kann etwas dafür, dass dir dein Deck gestohlen wurde!“ Valerie wurde lauter. „Und du kannst nicht von uns erwarten, dass wir dir unsere geben.“
      Als ihre Freundin daraufhin nichts erwiderte, näherte sich Valerie ihr vorsichtig. „Hör zu. Ich bin hier, weil ich etwas mit dir unternehmen möchte. Vielleicht weißt du es bereits, aber heute findet in der Altstadt ein kleines Fest statt, um den Start des Turniers zu feiern.“
      Mit abweisendem Blick drehte sich Anya zu ihr um. „Und?“
      „Ich will, dass du mich begleitest“, forderte Valerie sie auf, „dort gibt es auch Stände, die Duel Monsters-Karten verkaufen. Es ist deine letzte Chance, jetzt noch ein Deck zu bekommen.“
      „Nie im-!“
      „Wenn du nicht mitkommen willst, schön“, unterbrach Valerie sie scharf und verschränkte die Arme, „ich zwinge dich nicht. Aber anstatt dich hier zu verkriechen und dich über deinen Verlust selbst zu bemitleiden, solltest du vorwärts blicken. Spaß haben.“
      Die beiden schauten einander tief in die Augen, was in einen regelrechten Anstarr-Wettbewerb ausartete. Den Valerie schließlich gewann, als Anya sich wegdrehte. „Tch. Meinetwegen …“
      „Sehr gut. Vielleicht bringt dich das auf andere Gedanken.“

      ~-~-~

      Als Anya zusammen mit Valerie aus dem Taxi stieg, musste sie insgeheim staunen. Vor ihr offenbarte sich eine schmale Straße. Zwischen den Häusern hingen bunte Girlanden, Lichterketten, sogar Planen mit verschiedenen Aufschriften die die Leute zum Spaß haben aufforderten. Und dutzende Leute, die sich an den kleinen Ständen erfreuten, die vor den Häusern aufgebaut waren.

      Nachdem Valerie den, aus ihr völlig unverständlichen Gründen, leicht verängstigten Taxifahrer bezahlt hatte und dieser umdrehte, zeigte sie geradeaus.
      „Das hier ist nur der Anfang. Dort hinten gibt es noch viel mehr.“
      „Hmpf!“
      Zwar zog Anya mit, als ihre Erzrivalin voraus ging, doch Lust hatte sie auf dieses dämliche Fest keine. Hin und wieder sahen sie sich kurz an, was so verkauft wurde. Schmuck, Andenken, der übliche Kram halt.
      Sie liefen die Straße entlang mit dem Ziel, den Hauptplatz der Altstadt zu erreichen. Normalerweise war es ein riesiger Markt mit Springbrunnen, so erzählte Valerie, der sich gleich neben einer Kirche befand. Aber heute war er das Zentrum der Festivitäten.
      „Ich lade dich nachher auf einen kleinen Besuch bei einem der Imbisse ein“, bot die Schwarzhaarige in ihrem weißen Sommerkleid gut gelaunt an.
      Anya nickte nur knapp. All die Leute, die an ihnen vorbeizogen … welche von denen würden ihre Gegner sein, so ging es ihr durch den Kopf. Unterwegs kamen sie auch an ein paar Kartenhändlern vorbei. Sie alle boten neben dem regulären Zeug auch besondere Promokarten an, wenn man bei ihnen kaufte. Extra erschaffen für diesen Tag. Anya zeigte kein Interesse und lief jedes Mal stur weiter, wenn Valerie vor einem dieser Stände halt machte.

      Die beiden gingen schließlich eine ganze Weile nebeneinander her, ohne ein Wort miteinander zu wechseln. Mittlerweile hatte Valerie anscheinend ihr Ziel geändert, denn sie schlurften nun zusammen durch einen grünen Park, der ebenfalls bunt erstrahlte durch aufgehängten Lampions zwischen den Laternen und all den anderen Attraktionen wie Hüpfburgen für Kinder, Lotterieständen und anderen Attraktionen.
      Sie beobachteten die vielen verschiedenen Stände, die die Straße füllten und die Besucher, die für das Fest vor dem eigentlichen Turnierbeginn angereist waren. Es wurden zunehmend mehr.
      „Ob die hier Hot Dogs haben?“, wunderte sich Anya nach einer Weile, weil sie bisher keinen solchen Stand entdeckt hatte.
      Valerie sah zu ihr herüber. „Bestimmt. Aber bevor wir danach suchen, habe ich eine Bitte.“
      Erstaunt wirbelte Anya herum. „Egal was es ist, die Antwort lautet nein.“
      „Wie gut dass ich dich darum bitten wollte, unbedingt -kein- Foto mit mir hier zu machen.“
      Ohne dass die Blonde ihre Zustimmung gegeben hatte, hakte sich ihre Erzrivalin vergnügt bei ihr ein und zerrte sie mit sich.
      „Was soll das!?“
      „Wie schade, dass du nein gesagt hast“, gluckste Valerie, „nun kommen wir nicht drum herum.“
      Mit sanfter Gewalt, die Anya mit einem erfolglosen Tritt nach dem Fuß der Schwarzhaarigen vergelten wollte, schleifte Letztere das Gespann zu einer kurzen Schlange, die sich vor einer Leinwand aufgebaut hatte.
      Dort wurden von einem Fotografen Bilder geschossen, mit dem Panorama von Ephemeria City als Hintergrund. In seiner Mitte die riesige Arena, in welcher das Turnier stattfinden würde.
      „Ich dachte, das wäre ein schönes Andenken für uns“, meinte Valerie. Da bemerkte sie, dass Anya den Kopf hängen ließ. „Dass du keine Lust hast ist mir klar, aber danach fragt jetzt keiner.“
      „Du musst dir keine Mühe geben, Redfield …“
      „Natürlich muss ich das. Wir sind Freundinnen, auch wenn dir das hin und wieder entfällt. Da ist es nur natürlich, dass ich dich aufheitern möchte.“ Valerie hielt Anya am Arm fest und stellte sich vor sie. „Ersetzen wird es dein Deck nicht. Aber das Wichtigste hast du noch nicht verloren.“
      Trotzig sah die Kleinere auf. „Und das wäre!?“
      „Uns! Uns alle. Mich, Matt, Zanthe, Nick, natürlich auch Marc, Abby sowieso … und selbst Levrier ist noch da.“
      Plötzlich riss Anya sich von ihr los. „Ach ja!? Und wieso helft ihr mir dann nicht!? Keiner von euch will mir sein Deck leihen! Und die, die es wollen, schaffen es nicht rechtzeitig. Abgesehen davon waren zwei der Artefakte in meinem Deck und die sind jetzt weg! Ohne sie werde ich sterben!“
      Irritiert von dem Ausbruch, begannen andere Leute hinter ihnen zu tuscheln.

      Statt darauf einzugehen, wiederholte Valerie ihren Griff und zerrte Anya mit sich. Sie waren mittlerweile die Nächsten in der Schlange. Ehe Anya widersprechen konnte, legte Valerie an dem kleinen Kassentresen eine 5-Dollar-Note hin und nahm die Blonde mit zur Leinwand.
      „Seit wann bist du eine Dramaqueen, Anya?“, fragte sie dabei ernst.
      „Gar nicht!“
      „Dann verhalte dich nicht wie eine. Wir werden dein Deck zurückbekommen, da bin ich mir absolut sicher. Nick arbeitet dran“, sagte sie und bekam einen grimmigen Unterton, „und wenn er will, kann er ziemlich … verbissen sein.“
      „Schon, aber-!“
      Valerie schnitt ihr ins Wort. „Und wir anderen helfen dir auch, jeder auf seine Weise. Dass es nicht immer so laufen kann, wie du es willst, musst du akzeptieren. Ohne Melinda hättest du jetzt nicht mal einen Anhaltspunkt. Wo wärst du jetzt, wenn Matt und Zanthe dir nicht dauernd beistehen würden? Hat Abbys Rat dir jemals geschadet? Will Levrier nicht immer nur dein Bestes?“
      Kleinlaut gab Anya zu: „N-nein, also, ich weiß nicht …“
      „Dann sag nie wieder, wir würden dich im Stich lassen.“
      Mit einem Stoß ins Kreuz sorgte Valerie dafür, dass Anya gerade neben ihr stand. Dann legte sie ihren Arm um die Hüften des Mädchens und lächelte glücklich in die Kamera. „Also lächle.“
      „Tch, meinetwegen …“
      Es blitzte schließlich.

      Die beiden warteten einen Augenblick und holten sich dann das Foto am Kassenstand ab. Natürlich war es Anya nur mäßig gelungen, ein Lächeln aufzusetzen. Ihre grimmige Art konnte eben nichts und niemand so leicht in die Schranken verweisen, auch eine strahlende und mit den Fingern ein V formende Valerie nicht.
      „Sieht doch gut aus“, meinte die dennoch zufrieden. „Beim nächsten Mal wird’s bestimmt noch besser.“
      Anya, die ihr Bild in den Händen hielt, schnaufte. „Wenn's eins gibt …“
      „Wird es“, versicherte ihr Valerie fest.

      Die beiden zogen weiter, sahen sich die Stände etwas genauer an. Valerie kaufte ein Souvenir für ihren Vater und noch einigen anderen Kram für Bekannte. Davon in Versuchung geführt, überlegte auch Anya langsam, ihrer Mutter ebenfalls etwas mitzubringen. Aber was?
      Der Stand, vor dem sie gerade standen, verkaufte neben Postkarten, Mützen und einigen Duel Monsters-Figuren nichts wirklich Interessantes. Gerade wollte sie nach einer „Red Eyes Black Dragon“-Figurine greifen, da stieß ihr Valerie in die Seite.
      „Guck mal.“
      „Lass das, Redfield“, fauchte Anya, folgte aber der Aufforderung.
      Sie drehte sich zur Seite und bemerkte, dass ein Vorankommen mittlerweile kaum noch möglich war, da lauter Leute mitten auf und um den Gehweg standen und irgendetwas beobachteten. Die Mädchen lösten sich von dem Verkaufsstand und gesellten sich zu den Leuten.
      „Das ist ja Marc!“, staunte Valerie nicht schlecht. „Ich hab mich schon gewundert wo er bleibt!“

      Tatsächlich, ihr inoffizieller Ehemann stand mit aktivierter Duel Disk inmitten eines kleinen Platzes und schien mitten in einem Duell zu stecken. Neben ihnen befand sich ein großer Springbrunnen, der selbst um diese Uhrzeit noch hohe Fontänen aus den dutzenden Fischmäulern schoss, die gen Himmel gestreckt waren.
      „Wer ist sein Gegner?“, fragte Anya, die aufgrund ihrer Körpergröße Schwierigkeiten hatte, etwas zu sehen.
      „Ich glaube … oh! Das ist doch …!“
      „Ach warte, lass mich mal!“
      Ein paar Stöße, Fußtritte und Beleidigungen später hatte Anya den beiden einen Platz in der ersten Reihe verschafft. Nun sahen sie deutlich, wer sich da duellierte.

      In einer blauen Sportjacke stand der schwarzhaarige Marc einem jungen, strohblonden Jungen gegenüber. Dieser, zum Erstaunen Anyas, saß im Rollstuhl und wurde von einer ebenso blonden Frau begleitet, die in einem schwarzen Kostüm steckte. Er selbst hatte Krankenhauskleidung an, mehr noch, wurde er zusätzlich mit einem Beatmungsgerät durch die Nase am Leben gehalten. An seinem Rollstuhl war eine Duel Disk befestigt, die er vor sich ausgebreitet hatte.
      „Wer ist das denn?“
      „Othello Nikoloudis. Er hat auch eine Einladung zum Turnier erhalten“, antwortete Valerie plötzlich mit belegter Stimme. „Er war auf der Feier nicht dabei gewesen. Keiner wusste bisher, ob er wirklich teilnehmen wird.“
      Anya runzelte die Stirn. „Pah, von der Intensivstation aufs Siegertreppchen, huh?“
      Darauf erwiderte Valerie nichts.

      „Du bist dran“, meinte Marc derweil und nickte seinem Gegner freundlich zu.
      Vor ihm befand sich ein Monster, das Anya schon lange nicht mehr gesehen hatte – [Lavalval Ignis], seine alte Paktkarte von Isfanel. Es war ein düsterer Krieger, dessen Kopf nichts anderes als eine lodernde Flamme war. Da keine Lichtkugeln um ihn kreisten ging Anya davon aus, dass er sein Xyz-Material bereits verbraucht hatte.
      Zu Marcs Füßen befanden sich zudem zwei gesetzte Karten. Sein Blatt war leer.

      Lavalval Ignis [ATK/1800 DEF/1400 {3} OLU: 0]

      [Marc: 3500LP / Othello: 3800LP]

      „Wie lange geht das Duell schon?“, fragte Valerie neugierig.
      „Schon eine ganze Weile. Die beiden machen es sich ziemlich schwer“, antwortete ein Zuschauer ihr beiläufig.
      Anya verschränkte abwartend die Arme. „Aber dein Lover ist im Vorteil.“
      Damit spielte sie auf Othellos Feld an, das leer war. Dieser zog in jenem Moment auf eine fünfte Handkarte auf. Seine Begleiterin flüsterte ihm etwas ins Ohr, doch er schüttelte so vehement den Kopf, dass sein schulterlanges, glattes Haar hin und her wippte.
      „Hey, helfen ist unfair!“, fauchte Anya wütend.

      Sie wollte ihm nicht helfen, sondern hat ihn gebeten aufzuhören.

      Als Levriers Stimme in Anyas Kopf erklang, zuckte diese ungewollt zusammen, hatte sie überhaupt nicht mit ihm gerechnet. „Huh? Warum?“

      Sieht so jemand aus, der um diese Uhrzeit draußen sein sollte?


      Anya warf einen skeptischen Blick auf den jungen Mann. Er zeigte gerade zwei Karten vor und verkündete mit kratzender, schwacher Stimme. „Ich aktiviere zwei Pendelkarten. Den Magier, der die Sterne liest: [Stargazer Magician] mit dem Pendelbereich 1! Und den Magier, der die Zeit versteht: [Timegazer Magician] mit dem Pendelbereich 8!“
      Zwei menschliche Gestalten tauchten links und rechtens neben ihm auf. Der eine Magier war ganz in Weiß gekleidet, trug einen Hut und verhüllte seinen Mund. In der Hand hielt er einen langen Stab, den er in der Mitte festhielt. An seinen Enden befanden sich kurze Auswüchse. Der rechte Magier kam dagegen komplett in Schwarz daher, trug ebenfalls einen Hut und verdeckte seinen Mund durch ein rotes Halstuch. An seinem rechten Arm befand sich ein Klingenblatt, das einmal um ihn herum führte und fast einen perfekten Kreis schloss.

      <1> Othellos Pendelbereich <8>

      Beide wurden von blauem Licht erfasst, das unter ihnen in die Höhe schoss und sie mit sich trug.
      „Moment, das kenne ich doch!“, murmelte Anya. „Der will-!“
      Als die beiden Magier weit über Othello schwebten, erklärte der: „Pendulum Scale set! Pendulum Summon! Erwache, Odd-Eyes!“
      Ein regelrechtes Effektfeuerwerk begann. Ein Loch bildete sich zwischen den Magiern, um welches dutzende Energieellipsen leuchteten. Aus ihm schoss ein roter Blitz, der vor Othello einschlug und die Form eines gleichfarbigen Drachen annahm. Dieser war nicht nur größer als ein Mensch, nein, er besaß auch keine Schwingen, sondern lediglich metallische Auswüchse, die jenen ähnelten. An ihnen befand sich auf jeder Seite eine Kugel. Die linke rot, die rechte grün, waren sie spiegelverkehrt zur heterochromen Augenfarbe des Monstrums.

      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Valerie tat es Anya gleich und verschränkte die Arme, auch wenn ihre Körperhaltung viel eleganter ausfiel. „Da die Stufe im Pendelbereich liegt, war die Beschwörung rechtens. Wer hätte gedacht, dass schon jetzt jemand diese neuen Karten wirklich nutzen würde. Besonders nach der Vorstellung neulich …“
      „Soll er doch. Marc macht ihn trotzdem platt!“
      „Du hast Recht“, nickte die Schwarzhaarige und streckte die Faust in die Höhe, „los Marc, davon lässt du dich doch nicht beeindrucken, oder?“

      Der bemerkte die beiden daraufhin und zeigte ihnen mit erhobenem Daumen, dass er guter Dinge war. Was Valerie dazu brachte, ihn noch mehr anzufeuern.
      Derweil verkündete Othello leise. „Odd-Eyes greift [Lavalval Ignis] an. Spiral Strike Burst!“
      Augenblicklich begann der Drache in seinem Maul rote Energie aufzuladen, peitschte wild mit seinem dornigen Schweif.
      „Nicht so hastig, Freundchen!“ Marc schwang den Arm über eine seiner gesetzten Karten aus, die sich erhob. „Dein Drache hat heute noch nicht in den Spiegel geschaut! Sonst wäre ihm nämlich aufgefallen, dass ihm ein paar Angriffspunkte fehlen. Ich aktiviere [Mirror Wall] und-!“
      Zu Marcs Erstaunen tauchte unerwartet der schwarze [Timegazer Magician] vor Othello auf. Dieser streckte sein Klingenblatt nach vorn, wodurch für einen kurzen Moment der Eindruck entstand, das Ziffernblatt einer Uhr würde in ihm aufflackern.
      „Du kannst keine Fallenkarten aktivieren, solange [Timegazer Magician] in meiner Pendelzone liegt und ein Pendelmonster gerade angreift“, lautete Othellos Erklärung dazu.
      Marc aber grinste nur neckisch, als die Falle sich postwendend wieder selbst verdeckte. „Dann liegt er dort eben nicht mehr. Ich aktiviere meine zweite verdeckte Karte, [Twister]!“
      Vor dem schwarzen Magier erschien plötzlich der weiße und drehte in hoher Geschwindigkeit seinen Stab gegen den Uhrzeigersinn. Die Karten vor Marcs Füßen rührten sich keinen Millimeter.
      „Auch das geht nicht, denn [Stargazer Magician] verhindert unter derselben Bedingung Zauberkartenaktivierungen.“
      Dementsprechend wich Marc einen Schritt zurück. „Mist, der geht dann wohl durch!“
      Und das tat er. Der Drache feuerte einen roten Energiestrahl, umhüllt von schwarzen Flammen auf den von Anya getauften 'Ghostrider' [Lavalval Ignis] ab.
      Othello rief kehlig: „Reaction Force!“
      Die Kugeln an den metallischen Auswüchsen seines Drachen begannen zu leuchten und ehe Marc sich versah, wurde der Angriff durch eine goldene Flamme verstärkt. Ignis wurde zerfetzt.
      Schützend hielt sich der schwarzhaarige Kinnbartträger den Arm vors Gesicht, als er anschließend zum Ziel des Angriffs wurde.

      [Marc: 3500LP → 2100LP / Othello: 3800LP]

      Als dieser dann auf seine Duel Disk starrte, traf ihn der Schlag. „Unmöglich! Ich habe viel zu viele Lebenspunkte durch diesen Angriff verloren!“
      „Nein. Odd-Eyes fügt im Kampf mit Monstern doppelten Schaden zu.“
      „Doppelten!?“, fiel Marc aus allen Wolken.
      Der junge Mann im Rollstuhl nickte knapp. „So ist es, das ist Reaction Force. Ich setze meine vorletzte Handkarte und beende diesen Zug.“
      Jene schob er in seine vor ihm befindliche Duel Disk, welche sich vor seinen Füßen materialisierte.

      Plötzlich begann er unkontrolliert zu husten, sodass seine Begleiterin ihm eindringlich zuredete. Doch mit erhobener Hand wies er ihre Einwände ab. „Es geht schon.“
      „Ich will dich ja nicht zum Aufgeben animieren, aber vielleicht wäre es wirklich das Beste, wenn wir an dieser Stelle aufhören“, schlug auch Marc besorgt vor.
      Othello schüttelte den Kopf. Freundlich, aber mit Nachdruck antwortete er: „Danke, aber die letzten paar Züge schaffe ich auch noch.“
      „Was hat er denn?“, fragte Anya derweil Valerie.
      Die überlegte kurz. „Ein Unfall, soweit ich mich recht entsinne. Vor einigen Jahren, aber ich kenne keine Details. Seitdem sitzt er im Rollstuhl.“
      „Aha“, erwiderte die Blonde mäßig beeindruckt. „Wen juckt's, soll er froh sein, dass er noch lebt.“

      Marc derweil zog seine nächste Karte und betrachtete sie überrascht. Dann sah er herüber zu den beiden Mädchen und zeigte ihnen den erhobenen Daumen. Valerie winkte strahlend zurück.
      Dagegen verstand Anya erst, warum er ausgerechnet sie dabei angesehen hatte, als der Schwarzhaarige die Karte auf sein D-Pad legte. „Seht alle her! Da genau fünf Feuer-Monster auf meinem Friedhof liegen, kann ich ihn beschwören: [Pyrorex The Elemental Lord]!“
      Eine wahre Feuerexplosion ereignete sich hinter Marc, tauchte den gesamten Brunnenplatz in rotes Licht. Hinter ihm erhob sich eine gar furchteinflößende Kreatur, über drei Meter groß. Vom Kopf an über den Rücken hin bis zum Schweif stand der gepanzerte T-Rex in Flammen.

      Pyrorex The Elemental Lord [ATK/2800 DEF/2200 (8)]

      Valerie staunte nicht schlecht. „Die Karte kenne ich gar nicht! Moment! Sag bloß, die hast du ihm zu unserer Hochzeit geschenkt?“
      „Ja … du hast die Wasser-Version, Abby das Erd-Pendant“, nuschelte Anya verlegen. Mussten die beiden das jetzt noch hinausposaunen?
      Umso schlimmer noch, als Redfield ihre Hand um Anyas Schulter legte. „Wer hätte gedacht, dass du auch eine derart großzügige Seite an dir haben kannst?“
      „Klappe, Redfield!“
      Während sich Anya versuchte loszureißen, begann die Zuschauermeute zu tuscheln. Grund dafür war, dass Marc plötzlich regungslos verharrte und seinen Zug nicht fortsetze. Auch Valerie fiel dies schließlich auf, nachdem Anya sie unsanft von sich geschubst hatte.
      „Marc? Was ist los?“, rief sie ihm zu.
      Der reagierte im ersten Moment gar nicht, schüttelte dann aber den Kopf und sah fragend zu ihr herüber. „Hm?“
      „Dein Zug“, erinnerte sie ihn.
      „Oh! Ja, natürlich!“ Marc wandte sich an seinen an den Rollstuhl gebundenen Gegner. „Tut mir leid, ich war gerade mit den Gedanken woanders. Da ich Pyrorex beschworen habe, aktiviert sich jetzt sein Effekt!“
      Die Bestie hinter ihm streckte ihre Klaue aus und ließ darüber einen Feuerball erscheinen. Zu diesem erklärte Marc: „Er zerstört sofort ein Monster auf dem Feld und teilt dessen Angriffspunkte auf uns als Schaden auf! Los!“
      Unter einem tiefen Ausruf schleuderte Pyrorex den Feuerball auf seinen Feind, den roten, flügellosen Drachen. Im Flug wuchs die Flamme auf die Besorgnis erregende Größe eines Medizinballes an und löste bei Kontakt eine donnernde Explosion aus, die sich bis zu Marcs Spielfeldseite ausweitete.

      [Marc: 2100LP → 850LP / Othello: 3800LP → 2550LP]

      „Damit kann ich dich jetzt direkt angreifen!“, hallte es durch den Rauch. „Gut gespielt, Kleiner, aber das war's! Direkter Angriff, Pyrorex!“
      Noch während den Zuschauern der Blick auf das Spielfeld durch den Rauch verwehrt blieb, sahen sie auf Marcs Seite etwas Rotes, Großes leuchten. Es waren die Flammen an Pyrorex' Körper, welcher über Marc hinweg sprang und die andere Seite anzielte. Mitten im Lauf machte er offenbar eine 180°-Drehung und schlug mit seinem Schweif nach Othello.
      In jenem Moment lichtete sich der Rauch durch den entstandenen Luftzug. Der Schweif des Dinosauriers prallte an einer blauen Energiekuppel um den jungen Mann ab, initiiert von drei Priesterinnen in ebenso blauer Robe, die leise eine Formel immer und immer wieder wiederholten.
      „[Waboku]“, benannte Othello die vor ihm aufrecht stehende Falle, „sie verhindert, dass ich diesen Zug über Kampfschaden erleide.“
      „Da war ich dann wohl etwas zu vorlaut, was?“, grinste Marc und rieb sich verlegen den Hinterkopf. Derweil kehrte sein Monster zu ihm zurück. „Gut abgewehrt. Du bist gleich am Zug. Aber erst aktiviere ich meine verdeckte Karte [Twister]!“
      Die links vor ihm liegende Karte sprang auf, offenbarte sich als Schnellzauberkarte, aus der ein Wirbelsturm geschossen kam. „Für 500 Lebenspunkte zerstöre ich eine offene Zauberkarte.“
      Sofort wurden verwirrte Ausrufe aus dem Publikum laut, während der Wirbel über das Spielfeld fegte. Othello besaß gar keine offenen Zauberkarten. Doch sie wurden eines besseren belehrt, als der Sturm plötzlich in die Höhe schoss und den in der rechten Energiesäule befindlichen [Timegazer Magician] anvisierte. Der in Schwarz gekleidete Magier wurde mitgerissen, das blaue Licht um ihn herum schwand augenblicklich.
      „Keine Pendelbeschwörungen mehr für dich“, schloss Marc letztlich zufrieden.

      [Marc: 850LP → 350LP / Othello: 2550LP]

      Einige der Zuschauer gaben erstaunte Laute von sich, hatten sie nicht begriffen, dass [Timegazer Magician] in Othellos Pendelzone ebenfalls als Zauberkarte behandelt wurde.

      Der junge Mann im Rollstuhl zog im Anschluss mit abwesendem Blick eine zweite Handkarte auf und betrachtete sie nachdenklich. Dann zeigte er sie vor. „Ich beschwöre den [Doomstar Magician].“
      Damit legte er dessen Karte auf die Monsterkartenzone vor sich. Dementsprechend erschien vor ihm ein Magier, komplett in schwarzem Ledermantel samt dazu passender Hose und Hemd gekleidet.

      Doomstar Magician [ATK/1800 DEF/300 (4)]

      Jener hob auf Befehl Othellos hin den langen Zauberstab in die Höhe, welcher in einem blauen Kristall mündete. So erklärte der junge Mann: „Sein Effekt lässt mich durch das Abwerfen einer Karte von meinem Blatt ein Monster in den Pendelzonen zerstören.“
      Er entledigte sich seiner letzten Handkarte, indem er sie in den Friedhofsschlitz auf der linken Seite der vor ihm liegenden Duel Disk schob. Gleichzeitig stieg von der anderen Hand des Magiers rötlicher Nebel auf, welcher vom Kristall an seinem Zauberstab absorbiert wurde.
      „Aber …?“ Marc sah irritiert auf.
      Es gab nur ein Pendelmonster auf dem Feld, den [Stargazer Magician]. Und jeder wurde schließlich auch wie ein Vogel vom Himmel geschossen, als der [Doomstar Magician] eine Lichtkugel aus der Spitze des Stabs auf ihn abfeuerte. Der weiße Hexer zersprang in tausend Stücke, die blaue Lichtsäule um ihn schwand.
      Othello sagte dazu: „Als Nebeneffekt darf ich eine Karte ziehen.“

      Gleichzeitig dazu murrte Anya: „Pah! Zu mehr sind diese Pendeldinger echt nicht gut, huh?“
      Es kam selten genug vor, aber Valerie stimmte ihrer Freundin nachdenklich zu. „Ich muss zugeben, dass sie mir neulich auch der Party auch etwas … schwach erschienen. Aber …“
      Ihre Miene gewann etwas Nachdenkliches und es geschah, was geschehen musste. Sie widersprach Anya doch in gewisser Hinsicht. „Das Potential ist da. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles ist.“
      Dafür erntete sie von Anya nur ein skeptisches Schnaufen.

      Alldieweil hatte Othello wie angekündigt eine Karte gezogen und zeigte diese vor. „Sehr gut. Ich aktiviere die Zauberkarte [Pendulum Restoration].“
      Sein Magier begann bläulich aufzuleuchten und stieg ebenfalls in einer Säule aus Licht auf. Anstatt aber seinen nicht existierenden Pendelbereich preiszugeben, löste er sich in weißen Funken auf. Die Zuschauer staunten lautstark.
      „Ich muss ein Monster opfern, um zwei 'zerstörte' Pendelmonster mit demselben Attribut zurückzuerhalten. Dafür darf ich in diesem Zug nur sie in den Pendelzonen aktivieren.“
      Marc verkrampfte sich. „Moment … das heißt-!“
      „Oh nein!“, stieß auch Valerie besorgt hervor.
      Der junge Mann im Rollstuhl zeigte, was die beiden und vermutlich ein Großteil der Anwesenden sans Anya längst erkannt hatten. Er hielt [Stargazer Magician] und [Timegazer Magician] in den Händen und legte beide auf die Zonen am äußersten Rand seiner Duel Disk aufs Feld.
      „Richtig … sie kehren wieder! Pendulum Scale set!“, rief Othello und anhand seiner leisen, leicht zittrigen Stimme merkte man, wie erschöpft er zu sein schien.
      In blauen Lichtsäulen stiegen der weiße und der schwarze Hexer in die Höhe, stellten damit die Ausgangssituation wieder her.

      <1> Othellos Pendelbereich <8>

      „Wo ist da der Sinn!?“, beschwerte sich Anya derweil, die all die Aufregung nicht verstand. „Er hat keine Monster mehr auf der Hand, wie will er da noch welche beschwören!?“
      „Oh Anya …“, murmelte Valerie neben ihr mitleidig. „Du hast es wirklich schon vergessen, oder?“
      Die Blonde blickte sie grimmig von der Seite an. „Was?“
      „Hast du denn nicht darauf geachtet, -woher- er die beiden Magier genommen hat?“
      „Na vom Friedhof!“
      Valerie schüttelte den Kopf. „Nein … nicht von da …“

      Der junge Mann im Rollstuhl streckte den Arm in die Höhe, während die Hand der Frau an seiner Seite auf seiner Schulter lag. Auch wenn sie stolz lächelte, brachten ihre ins Leere starrenden Augen doch nur Trauer zum Ausdruck.
      „Pendulum Summon! Kehre von meinem Extradeck zurück, Odd-Eyes!“
      Großes Staunen unter den Zuschauern. Zwischen den beiden Magiern begann ein riesiges, blaues Kristallpendel zu schwingen. Über seinem Ursprung öffnete sich ein schwarzes Loch, das von aberdutzenden Energieellipsen umrandet war, die einander überlagerten.
      Selbst Anya stand der Mund weit offen. „Was macht der da!? Seit wann kann man etwas, das weder Fusions-, Synchro- oder Xyz-Monster ist, im Extradeck verstauen!? Geschweige denn von dort beschwören, ohne-!?“
      Valerie seufzte. „Anya, du hast nicht gut aufgepasst bei dem, was Henry erklärt hatte. Pendelmonster werden ins Extradeck geschickt, wenn sie das Spielfeld verlassen. Und können von dort per Pendelbeschwörung zurückgerufen werden. Auch seine beiden Magier waren dort, bevor er sie sich zurückgeholt hat.“
      Daraufhin erinnerte sich Anya daran, dass Melinda auch irgendetwas in der Art erwähnt hatte. „'kay, das ist dann wohl kacke für Marc.“
      Aus dem geöffneten Loch schoss ein einzelner, roter Blitz, der vor Othello einschlug und zu dem roten Drachen wurde, an dessen hornartigen Auswüchsen auf dem Rücken die unterschiedlich gefärbten Kugeln befestigt waren.

      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Othello hob seine Handfläche über den Spielplan vor ihm.
      „Spiral Strike Bur … st!“, befahl er, wobei ihm die Stimme versagte.
      Sein Drache lud einen roten Energiestrahl in seinem Maul auf.
      „Das reicht nicht, um den Badass-Dino zu besiegen!“, protestierte Anya. „Das Ding ist zu schwach!“
      Der allgemeine Konsens der Zuschauer war derselbe. Sie alle sahen voller Verwunderung dabei zu, wie der Drache in seinem Maul Energie auflud. Anstatt auf ihre Einwürfe einzugehen, hielt der junge Mann mit dem dunkelblonden, schulterlangen Haar seine Hand über den Friedhofsschlitz. Eine einzelne Karte schoss daraus hervor, die er aufnahm und vorzeigte. Es gab erstaunte Ausrufe aus dem Publikum.
      Sich noch einmal zusammenreißend, brach Othello hervor: „Ich verbanne … [Dreamgazer Magician] … von meinem Friedhof. Erhöhe den Angriff eines pendelbeschworenen Monsters um … 500.“
      Wie aus dem Nichts tauchte hinter seinem Drachen ein transparenter, weiblicher Magier auf, gekleidet in einer himmelblauen Robe, an dessen Saum in regelmäßigen Abständen weiße Bänder hingen. An seiner gleichfarbigen Haube war ein weißer Schleier angebracht, welcher seinen Mund verdeckte.

      „Warte!?“, keuchte Anya und zeigte auf das Monster, während sie Valerie ansah. „Ist das nicht auch ein Pendelmonster!? Eben sagst du noch, die gehen statt auf den Friedhof ins Extradeck und nun das!?“
      Valerie schlug die Hand vors Gesicht. „Anya … Das gilt nur, wenn Pendel vom Feld auf den Friedhof geschickt werden. Der ist aber durch [Doomstar Magicians] Effekt abgeworfen worden ...“

      Die Traumseherin streckte derweil ihre Hände aus, zwischen denen eine Glaskugel schwebte. Auf ihr befand sich ein rot leuchtendes, quer liegendes Auge, von dem sich in alle Richtungen Schlangenlinien ausbreiteten.
      Gleichzeitig dazu begann auf der blauen Kugel in Odd-Eyes Stirn besagtes Auge ebenfalls zu leuchten. In dem Moment stieß dieser seine rot-schwarze Energieattacke aus und feuerte sie auf Pyrorex.

      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 → 3000 DEF/2000 (7)]

      Anya breitete wütend die Arme aus. „Trotzdem wird das nicht reichen, um Marc zu besiegen!“
      Valerie aber wusste es besser. Erstickt entgegnete sie: „Doch, wird es …“
      Der Strahl schlug in die Brust des Flammendinosauriers ein und löste eine dunkle Explosion aus, wobei die Begleiterin Othellos erklärte: „Der Effekt von Odd-Eyes wirkt! Es wird doppelter Kampfschaden ausgeteilt, genannt Reaction Force!“
      Aus der Explosion schoss eine dunkle Schockwelle, die Marc erfasste und im wahrsten Sinne des Wortes durchflutete.

      [Marc: 350LP → 0LP / Othello: 2050LP]

      Während die Zuschauer zu applaudieren begannen und die Hologramme sich auflösten, stand besonders Anya mit offenem Mund da. „Alter Falter, diese Pendelviecher sind ja doch zu was nütze!“
      „Melinda hat eben nur die Light-Variante präsentiert. Mit genug von ihnen kannst du jede Runde eine ganze Armee beschwören.“ Valerie schien sich gefangen zu haben und klatschte ebenfalls. „Ich bin gespannt, wie sich das noch entwickeln wird.“

      Zeitgleich war Marc auf den jungen Othello zugegangen und reichte ihm lächelnd die Hand. „Gut gespielt, Kleiner. Da hab' ich mich wohl etwas überschätzt.“
      Wortlos nickte der Strohblonde und schüttelte sie kurz und schwächlich, ehe seine Managerin sich einmischte. „Danke, aber er sollte sich jetzt wirklich ausruhen.“
      Othello senkte sein Haupt, als seine Begleiterin den Rollstuhl wendete und mit ihm abzog.

      Während Marc noch ein paar Worte des Abschieds loswurde, kamen Anya und Valerie ihm entgegen. Letztere fiel ihrem Liebsten schließlich um den Hals, was Anya mit einem genervten Augenrollen quittierte.
      „Das war doch nicht schlecht“, lobte seine Verlobte den Schwarzhaarigen, als sie ihn losließ. „Aber wie kommst du dazu, dich ausgerechnet mit ihm zu duellieren?“
      Marc strich sich über die Stirn. „Ach, das war seine Idee, er hat mich angesprochen. Konnte ihm das nicht abschlagen.“
      Neckisch erwiderte Valerie: „Deswegen musst du aber nicht gleich absichtlich verlieren!“
      „Habe ich nicht! … Tut mir Leid, Valval, ich habe mich echt blamiert, kann das sein?“
      „Quatsch!“, schalt diese ihn harsch. „Du hast dein Bestes gegeben.“
      „Wenn das mein Bestes ist, komme ich im Turnier nur nicht sehr weit, fürcht' ich. Stimmt doch, oder Anya?“
      Die Blonde wirbelte zu ihnen um, da sie sich zwischenzeitlich mit den Händen in den Hosentaschen abgewandt hatte. „Huh? Nee, so überstehst du nicht mal die Vorrunden.“
      Marc grinste bestätigt. „Da hast du's.“
      Anders als Valerie, die ihre Freundin tadelnd ansah. „Sagt genau die Richtige. Die, die nicht mal ein Deck hat.“

      Jene ließ den Kopf hängen. „Immer noch Salz in die Wunde, huh, Redfield?“
      Sofort hatte sie wieder den unliebsamen Arm der Größeren um ihre Schultern liegen. Jene piekste sie dazu noch mit dem Zeigefinger in die Seite. „Kopf hoch. Deswegen bin ich doch überhaupt erst mit dir hierher gekommen, schon vergessen? Wir kaufen dir jetzt eins!“
      „Will keins …“, brummte Anya.
      „Sollen wir uns lieber nach einem Sarg umschauen?“, wurde Valerie nun deutlicher. „Glaub mir, Anya, du willst eins. Und du brauchst eins, wenn du Claire herausfordern willst.“
      Mit einem Schritt zur Seite löste Anya sich, drehte sich ihrer Erzrivalin zu. „Weiß ich selbst. Aber ich hasse es! Etwas, das ich nicht kenne …Aber ich kann nicht einfach das Deck von einem von euch nachbauen. Das wäre … falsch. Und ihr wusstet das.“
      Valerie begann auf den kreisrunden Springbrunnen in der Mitte zuzulaufen. In alle vier Himmelsrichtungen gingen schmale Wege von ihm ab, die zu kleinen Marktständen führten. Damit war er sozusagen das Zentrum des Parks und des Festes. „Schön, dass du das einsiehst. Ich kann mir vorstellen, dass du kein Freund von Veränderungen bist. Aber es muss sein.“
      Anya zuckte mit den Schultern, als sie und Marc ihr folgten. „Ja ja … Meinst du, ich könnte es mit Pendelviechern probieren?“
      Zu dritt setzten sie sich an den Rand des Brunnens, während Valerie sich bereits mit ausgestrecktem Hals nach einem Kartenstand umsah. „Davon würde ich dir abraten. Sie sind ziemlich kompliziert und auch wenn ich nicht bezweifle, dass du das Konzept -irgendwann- verstehst, ist -irgendwann- doch ein bisschen zu spät.“
      „... war das gerade eine Beleidigung?“, fragte Anya trocken.
      „So ähnlich“, zwinkerte Valerie ihr zu, „aber im Ernst, du brauchst doch etwas Einfaches, in dem du aufgehen kannst.“

      Einfach, begann das Mädchen nachzudenken, während Valerie ihre Gedankengänge erklärte. Hieß das, sie war zu dumm für umfangreichere Strategien? Zugegeben, mit den Ritualmonstern ihrer Erzrivalin würde sie vermutlich selbst jetzt nicht klarkommen, obwohl sie sie bereits mehrfach in Aktion erlebt hat. Die Laval-Monster von Marc erschienen da auf den ersten Blick einfacher, doch wenn Anya ehrlich war, musste sie zugeben, dass das täuschte. Marc musste genau drauf achten, wann er welche Monster auf den Friedhof schickte.
      So rekapitulierte sie die Decks ihrer Freunde der Reihe nach und kam zu der Erkenntnis, dass tatsächlich hinter jedem mehr steckte, als die reinen Effekte vermuten ließen. Bei Matt war entscheidend, welchem seiner Xyz-Monster er Vorrang geben sollte, Nicks Deck verstand sie sowieso nicht so recht und selbst Henrys erschien ihr auf einmal viel komplizierter.
      Zwar bereute sie nicht, die anderen um Hilfe gebeten zu haben, aber es stimmte schon. Sie brauchte etwas Eigenes, etwas, das ihren Stärken entsprach. Wenn sie nur wüsste, welche das überhaupt waren …

      „… magst du Dinos?“, fragte Marc sie nebenbei. „Wenn ja, hätte ich da eine Idee.“
      „Ich glaub, das könnte zu ihr passen“, stieg Valerie in die Überlegung mit ein.
      In dem Moment stach Anya etwas ins Auge. Unter den vielen Leute, die an den Ständen warteten, fiel eine Person besonders auf. Und es war, als wäre dieser Moment von Gott selbst geplant gewesen, denn genau in diesem Moment drehte jene sich zu Anya um. Kleiner als die meisten anderen dort, war er es, der Zwerg. Logan. Mit einem Schaschlik-Spieß in der Hand, am Mund angesetzt.
      Ihre Blicke trafen aufeinander. Anya wurde eiskalt, kamen doch sofort die Erinnerungen an ihren Streit hoch. Seitdem hatten sie nichts mehr voneinander gehört.
      „Ich muss mal kurz wohin“, stotterte sie benommen und erhob sich.
      Valerie und Marc, die nebeneinander auf dem Brunnen saßen und Händchen hielten, blickten verdutzt zu ihr hoch. Letzterer fragte: „Haben wir was Falsches gesagt?“
      „Wir sagen immer was Falsches“, stichelte Valerie, „aber ich glaub, ich versteh schon.“
      Anya aber hörte gar nicht mehr hin, sondern steuerte bereits immer schneller werdenden Schrittes auf Logan zu, der sie beobachtete und sich nicht von der Stelle rührte. Dass Anya auf ihrem Weg ein paar Besucher aus dem Weg stoßen musste war ihr nur recht. Denn in dieser Zeit hatte sie die Gelegenheit, all ihren angestauten Frust wieder hochkochen zu lassen und, und-!

      Als sie direkt vor ihm stand, der er mit seinen knapp einem Meter fünfundsechzig Körpergröße nur wenige Zentimeter größer als Anya war, blieben dem Mädchen die Worte im Halse stecken. Einzig ein klammes „Hi“ brachte sie hervor. Was natürlich ausschließlich an dem leckeren Geruch gebratenen Fleisches lag!
      „Hi“, erwiderte er von genauso mangelndem, diplomatischem Geschick. „Machst'n du hier?“
      Als wäre nichts gewesen! Anya traute ihren Ohren kaum! Wie konnte der Zwerg es wagen, sie völlig gleichmütig, absolut nicht nachtragend, einfach zu fragen-
      „Sicher, dass du dich nicht verlaufen hast, Kleine? Bist'n bisschen weit weg von Zuhause.“
      „Kleine!?“, überschlug Anya sich völlig.
      Es war nur eine Eingebung, ein Reflex, nein, ein gottgewollter Impuls, aber Anyas Fuß krachte derart fest in den Grillstand neben den beiden, dass der Holztresen vor ihnen einfach nachgeben musste. Noch während der Verkäufer das Unheil erfasste und seine Stimme zu heben begann, übertönte Anya ihn mühelos.
      „Alter, was läuft in deiner Liliputanerwelt nicht rund!? Erst haust du ab und stellst mich als Lügnerin hin, dann meldest du dich nicht und jetzt fragst du mich, was -ich- hier zu suchen habe!?“
      „Junges Fräu-“
      Anyas Genick knackte, als sie den Kopf zum Verkäufer herum ruckte und ihn mit gefährlich weit geöffneten Augen anvisierte. „Was!?“
      „Sie-!“
      „Ich habe jetzt keine Zeit für deinen Fraß, Spatzenhirn! Such dir jemand anderes, den du mit dem Zeug vergiften willst!“ Anya packte ganz nebenbei Logan am Arm. Dabei zog sie noch den bereits liebevoll angestauten Rotz in der Nase hoch und spuckte ihn vor den Stand. „Arrivederci, Schweinebacke!“

      Ihr unfreiwilliger Begleiter wurde abrupt fortgerissen, als sie begann, ihn über den halben Marktplatz zu zerren. Dabei natürlich lauthals fluchend, schimpfend, klagend. Willenlos ließ Logan es über sich ergehen, auch wenn der Schweiß auf seiner Stirn davon zeugte, dass die erstaunten Blicke seiner Mitmenschen ihm dennoch unangenehm waren.
      Irgendwann blieb Anya kurz vor dem Eingangstor des Parks stehen und atmete tief durch, da ihr zwischenzeitlich sogar die Stimme weggeblieben war. So viel gezetert hatte sie schon lange nicht mehr, verdammt, sie kam wirklich aus der Übung.
      „Fertig?“, hakte Logan nach.
      Anya sah ihn über die Schulter böse funkelnd an. „Nein! Scheiße, was willst -du- hier!?“
      „Was denkst du wohl? Dem Legacy Cup beiwohnen. Hab' eine Freikarte für alle Spiele geschenkt bekommen.“ Zur Demonstration zog er diese aus seiner braunen Lederjacke.
      Anya riss sie ihm aus der Hand, betrachtete sie kurz, ehe sie ihm postwendend unsanft gegen die Brust stieß. „Schön für dich!“
      „Nachtragend wegen neulich, was?“
      „Du bist einfach abgehauen!“
      Er erwiderte trocken: „Und du hast den Porsche in seine Einzelteile zerlegt.“
      „Was hat das damit zu tun? Nick hat das längst bezahlt, oder nicht?“, beklagte Anya sich nun in einem erstaunlich humaneren, gar verletzten Tonfall. „Ich hatte … ich hatte keine Ahnung, was ich danach machen sollte.“
      „Einfach keine Lügen mehr erzählen, in Ordnung? Mach das mit Kindern, aber nicht mit Erwachsenen.“ Trotzdem reichte er ihr die Hand. „Frieden?“
      Anya aber hatte bereits den Mund geöffnet, um alles andere als Worte der Versöhnung loszuwerden. Jedoch hielt Levriers Stimme in ihrem Kopf sie glücklicherweise zunächst davon ab.

      Denk an das, was ich dir gesagt habe. Er ist unschuldig. Du kannst ihn nicht in deine Welt hineinziehen. Nutze lieber die Chance, die sich ohne diese Wahrheiten bietet, Anya Bauer.

      Die stieß die angesammelte Luft durch ihren Mund aus. Der Typ sah sie nicht gerade lächelnd an, aber dieses leicht Grimmige war bei Logan eben Standard. Man, sie musste ja doch zugeben, seine buschigen Koteletten vermisst zu haben. Ein wenig. Unbedeutend wenig, natürlich.
      Aber Anya wusste darüber hinaus nicht, ob sie ihrer oder Levriers Eingebung folgen sollte. So ließ sie die Zeit verstreichen, bis Logan seine Hand wegzog.
      „Wie du meinst“, murmelte er in einem nicht zu deutenden Tonfall.
      „Es ist nur“, begann Anya wieder leicht ins Stottern zu geraten, als ihre viel höher als sonst klingende Stimme sich zu überschlagen drohte, „ich wollte cool sein.“
      Ich wollte cool sein, wiederholte Anya in ihren Gedanken und hätte in diesem Moment am liebsten ihren Kopf auf eine der Steinplatten unter ihnen geschlagen.
      „Du bist cooler, wenn du bei der Realität bleibst“, sagte Logan, „und deine ist auch so ungewöhnlich genug. Denk nicht, dass der Typ eben das mit seinem Stand auf sich sitzen lässt.“
      „Pah, soll er doch!“ Stolz reckte Anya ihre mangelhaft ausgeprägte Brust vor. „Eine Anya Bauer wird doch wohl noch mit so einem Loser fertig!“

      Und wie sie da standen, voreinander auf dem Gehweg, im Licht der Laternen, fühlte Anya sich seltsam befreit. Logan hatte ihr verziehen, ohne zu ahnen, dass es nichts zu verzeihen gab. Doch Levrier hatte wohl Recht: Die Wahrheit war zu viel für ihn.
      Zumindest ein Teil davon, denn eins musste Anya schließlich schelmisch grinsend loswerden: „Ach ja, nur damit du's weißt, ich bin für den Legacy Cup qualifiziert.“
      „Weiß ich. Hat deine Freundin mir erzählt.“
      „Welche Freundin!?“, fiel Anya aus allen Wolken.
      „Abby hieß sie. Sie hat mich vorgestern angerufen und gebeten, ein Auge auf dich zu werfen, da sie befürchtet, du könntest in diesem ganzen Rummel etwas untergehen. Von ihr habe ich auch das Ticket.“

      Die Blonde traute ihren Ohren kaum. Abby hat das alles arrangiert? Völlig unmöglich! Das hieß, natürlich war das möglich, denn Abby war genau die Sorte Mensch, die hinter ihrem Rücken solche Dinge ausheckte. Bestimmt hatte sie auch auf Logan eingeredet und ihn besänftigt. Natürlich, jetzt ergab das alles einen Sinn!
      Aber woher hatte Abby so ein Ticket? Und woher wusste sie überhaupt von Logan!?

      „Kann echt nicht glauben, dass du dich für den Legacy Cup qualifiziert hast“, gluckste jener derweil, „wenn deine Freundin nicht so derart penetrant gewesen wäre, hätte ich das für eine weitere Spinnerei gehalten.“
      Anya war aber in diesem Moment meilenweit weg. Nicht zuletzt, weil Levrier längst den Gedanken aussprach, der noch mühevoll ihren eigenen Gehirnwindungen entschwinden musste.

      Abigail Masters hat sicherlich keinen Zugang zu so einer Karte. Eine solche kostet über 1.000$, wie du vor der Abreise in der „Weekly Duel“ gelesen haben dürftest, die ihr in eurem Kartenladen verkauft. … tu nicht so, ich weiß, dass du dich an ihnen vergreifst, wenn Mr. Nico Palmer dich alleine lässt.

      Mal wieder hatte Anya nicht mit derart viel Input von Levrier gerechnet, besonders hinsichtlich ihrer Freizeitgestaltung auf der Arbeit. Aber er traf den Nagel auf den Kopf, denn so viel Geld hatte Abby nicht mal eben in der Tasche, auch wenn kein Zweifel bestand, dass sie es in der Not für Anya ausgeben würde.
      „Das ist Warenkunde!“, nuschelte Anya leise und wandte sich von Logan ab, „Irgendwo muss ich doch den ganzen Scheiß auswendig lernen, den ich verkaufe!“
      Sich kurz zu ihrem Begleiter umdrehend, rief sie: „Muss mal kurz telefonieren.“
      „Dann geh ich kurz noch etwas erledigen.“
      Während er ebenfalls abdrehte, wirbelte Anya wieder herum.

      Und wieso lernst du dann nichts dazu? Wie auch immer, worauf ich hinaus will ist, dass jemand anderes die Karte gekauft haben muss.

      „Jemand wie Nick“, sprudelte es aus Anya heraus. „Na logo, er kennt den Zwerg. Aber wieso, er hasst ihn doch!?“

      Dich hasst er nicht. Zumal ich den Eindruck habe, als wolle er neben Zanthe Montinari und Matthew Summers noch jemanden um dich wissen, der Acht auf dich gibt. Wissend, dass Abigail Masters geschickter darin ist, Menschen zueinander zu führen, hat er ihr diese Aufgabe überlassen.

      Anya sah herüber zu Logan, der derweil an den ersten Stand am Rand des Weges gegangen war und dort scheinbar etwas kaufte, während er an seinem Schaschlik-Spieß nagte.
      „Diese beiden …“

      Manchmal frage ich mich, was du getan hast, um ihre Freundschaft zu gewinnen. Bevor du minimal erträglich wurdest.


      Unerwarteterweise zuckte Anya nur mit den Schultern und gluckste. „Weiß ich auch nicht so genau.“
      Schließlich entschied sie sich zu Logan zurückzukehren. Jener kam ihr mit etwas in seiner Hand entgegen, als sie zu den Ständen herüber schlendern wollte.
      „Hab 'ne Bitte. Sag deiner Freundin nicht, was ich dir eben erzählt habe“, meinte er, „sollte eigentlich unter uns bleiben.“
      „Tch! Typisch Abby. Spielt Friedenstaube und will nicht mal Lob dafür.“ Als Anya bemerkte, dass Logan sie streng anstarrte, da damit seine Frage nicht beantwortet war, raunte sie: „Fein, meinetwegen, wenn's euch glücklich macht!““
      Für einen kurzen Moment zierte ein zufriedenes Lächeln seine Lippen. Dann reichte er Anya jenes Etwas – eine Deckbox. „Für dich. Von deiner misslichen Lage hat sie mir nämlich auch erzählt.“
      Völlig verdattert gaffte Anya ihr Gegenüber zunächst wortlos an, ehe sie die rote Box entgegennahm und öffnete. Dort drin war ein Deck! Und dazu noch eines, das sie bereits kannte, war doch die oberste Karte dort drinnen [Battlin' Boxer Lead Yoke].
      „Das ist deins!“ Für jemand wie Anya, die sonst Besitztümer ausschließlich mit 'meins' angab, war jener überraschte Ausruf praktisch unvorstellbar. Und sie setzte sogar noch einen drauf, dass selbst Levrier sprachlos blieb. „Das kann ich nicht annehmen!“
      „Du sollst es ja nicht behalten. Ich leihe es dir nur aus, solange du dein altes Deck nicht zurück hast.“ Seine Mundwinkel zuckten, während er die Blonde betrachtete. „Kommt mir vor, als hätte ich das schon mal gesagt.“
      Anya senkte den Kopf und betrachtete die Deckbox in ihrer Hand. Ihre Finger drückten sich fest in das Plastikgehäuse. „… danke.“


      Turn 59 – Glory
      Der große Tag ist gekommen. Das Turnier beginnt und die Teilnehmer finden sich in der größten der Arenen von Ephemeria City ein. Anyas Vorrunden zeigen einen unerwarteten Verlauf und darüber hinaus erwartet sie noch eine alles andere als willkommene Überraschung in Form eines Kontrahenten, mit dem sie nicht gerechnet hätte. Derweil begegnet Zanthe …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Marc

      Pyrorex The Elemental Lord

      Twister

      Mirror Wall

      Lavalval Ignis

      Othello

      Doomstar Magician
      Timegazer Magician
      Stargazer Magician
      Odd-Eyes Pendulum Dragon

      Dreamgazer Magician
      Monster/Effekt/Pendel
      Hexer/Finsternis
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <?/?>
      Pendeleffekt: ???
      Monstereffekt: Wenn eines deiner als Pendelbeschwörung beschworenen Monster kämpft: du kannst diese Karte von deiner Hand, Spielfeldseite, deinem Friedhof oder deinem Extradeck verbannen; erhöhe die ATK deines kämpfenden Monsters um 500. Bis zur End Phase fügt es durchschlagenden Kampfschaden zu.

      Pendulum Restoration
      Zauber/Normal
      Biete 1 Monster von deiner Spielfeldseite als Tribut an: wähle 2 Pendelmonster in deinem Extradeck mit demselben Attribut als Ziel; füge die Ziele deiner Hand hinzu. Du kannst in diesem Zug keine anderen Pendelmonster aktivieren außer den Zielen.

      Waboku


      Über eure Meinung würde ich mich wie immer sehr freuen. Bis zum nächsten Mal!
      Spoiler anzeigen
      ​Nun mir gefiel die Szene mit Kali aus folgenden Gründen nicht:
      1. Das Duell war einfach zu kurz und dadurch wirkte der Gegner ganz schön Op.
      2. Die Karte Sophia wurde in zwei Teile gespalten. Ich weiß auch nicht, jedoch gefällt mir das nicht wenn eine Karte durch ein Duel physisch zerstört wird.
      3. Ihr Gegner war nicht gerade redegewand. Zuerst dachte ich ja das er ein Gesandter des Sammlers ist. So wie Redfields clon.

      Jedoch glaube ich das diese 3 Punkte von dir mit folgendem Hintergedanken beabsichtigt waren;
      1. Der Gegner sollte Op wirken.
      2. Siehe 1.
      3. Das sollte ihm woll eine mysteriöse Rolle geben.

      Natürlich hast du Recht. Off Screen hättest du das Duell nicht machen können. Mir gefällt anscheinend einfach dieser mysteriöse Typ nicht. Auch wenn er irgetwie Yoinbu (FF10) like ist.

      Zur aktuellen Folge:
      Diese Folge hat mir sehr gut gefallen. Es zeigt wieder einmal wie sehr ihre Mitmenschen ihr helfen wollen. Ich glaube die wissen alle (bis auf Anya selber) das sie ganz tief im Inneren ein guter Mensch ist. Eine Szene wo Anya, Redfield und Anyas Böser Bruder in nem Raum sind währe auch genial. *Anya; Ich hasse dich wirklich, nicht so wie Redfield.* danach würde Anya sich warscheinlich ne Woche im Zimmer einsperren. Dieses Yugi-Kaiba Rivalität von beiden mag ich einfach :P

      Nett auch das Logan wieder da ist. War ja klar das er Anya immer noch nicht glaubt (wer würde das auch). Irgetwann muss er ihr auch noch sein letztes Hemd abgeben ;D Tausche Battle Boxer Deck gegen 1000 Dollar Ticket. Wer würde da Nein sagen XD. Vielleicht verbessert Leviar und co ihr/sein Deck noch gewaltig. Dann hätte er sogar was davon.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Ich kann jetzt leider nicht alle Folgen seit Folge 42 nachholen, sorry, aber das wäre zu aufwändig. Dafür bewerte ich lieber mal die letzten drei Folgen:

      Spoiler anzeigen


      Zu Folge 56:

      Im Grunde hat Evil Bakura schon alles nötige erwähnt. Bis auf eines: was meinte der Dämon damit als er sagte, sie hätte nun einen Teil seiner Kräfte erhalten, was sind das für Kräfte und wie wird sie diese nutzen Und was soll das mit der Wahl, die sie treffen sollte? War das so gemeint, dass sie sich auf seine Seite stellen sollte oder was? Auf jeden Fall sehr mysteriös.

      Bei dem Duell gegen Claire Rosenburg kommt natürlich Vorfreude auf, wenn auch nicht klar ist, wie Anya genau da hinkommen soll. Schließlich hast du dir wohl sehr viel einfallen lassen, um dem Weltmeisterstatus und der bisherigen Unbesiegtheit gerecht zu werden, das dürfte großartig werden. Andererseits wie soll Anya sie besiegen? Oder gewinnt sie am Ende gar nicht und es gibt einen Umweg? Ich hab da schon so ne Idee...



      Zu Folge 57:

      Ein paar Bemerkungen:

      1. Tja, wo hat Anya wohl ohne Handtasche ihr Deck verstaut? Dass sie das abwürgt, ist schon sehr bezeichnend, aber irgendwie kann ich mir darauf keinen langfristig plausiblen Reim machen.

      2. Zanthe liest Faust? Wieder so eine Möglichkeit, ihn indirekt zu charakterisieren. Zanthe ist generell ein hochinteressanter Charakter...

      Und wir haben seinen Nachnamen erfahren!

      3. Besonderes Highlight: Anya hat sich das Wort Rechenschaft angeeignet :D

      Fast so wie damals als Levrier fragte: "Seit wann machst -du- Hausaufgaben?"

      4. Als Anya diese Illusionen hatte dachte ich zuerst an eine Täuschung ala Dark Val, aber es kam anders.

      5. Da war also die Bemerkungen mit der Zuflucht, von der du in der PN erzählt hast. Interessant. Außerdem haben wir jetzt Zed kennengelernt. Gutes Duell, die Undying sind ein Kaliber für sich.

      Sehr interessant ist außerdem, dass die Undying ganz offensichtlich außer Kontrolle geraten, erst Stoltz, mit dem Mord an Alastair und der Vernichtung des Waisenhauses und jetzt auch Ricther. Zumindest nach Zeds Aussage.

      Überhaupt sehr interessant was Levrier so zu Zed sagt. Lässt tief blicken.

      6.Conqueror's Soul? Was ist das? Na ja vielleicht hilft es Anya ja zum Sieg über Claire Rosenburg bzw. lässt sie überhaupt so weit kommen.

      7. Ricther bleibt eine eindrucksvolle und undurchschaubare Figur, weil er Anya nicht angriff, als er es am besten gekonnt hatte und das nur zu ihrem Wohl. Er steht wahrlich über den anderen Undying, vielleicht ist er ja doch nicht verderbt, so wie Zed sagte, und entpuppt sich vielleicht noch als Verbündeter. Außerdem hat er ja schon mal zu den anderen Undying gesagt, er hatte Anya damals gar nicht töten wollen.

      8. Levrier will einen Körper? Holy Crap! Und dann Anyas eine Antwort oder noch besser Levrier´s Gegenantwort von wegen liebenswürdig und so. Das war definitiv der Spruch der Folge! So wie bei der einen Folge: "Nicht doch, ich liebe Kinder!", nur noch besser!

      9. Jetzt wissen wir also auch was Monochrome ist, Aidens Plan ist damit quasi entlarvt. Nichtsdestotrotz überaus beunruhigend, warum sagt Nick bloß nichts, etwa weil Aiden ihn in der Hand hat?


      Folge 58:

      1. Noch ein weiterer Hüter und wieder eine ungewöhnliche Gestalt...

      2. Anya kennt das Wort Alternative nicht, das finde ich irgendwie sympathisch! Und Levrier´s Kommentar, dass jemand beim Suchen des neuen Decks sterben wird...ich finde ihn genial!

      3. Das Foto mit Valerie, hehe! Du musst es unbedingt veröffentlichen, ich will es sehen! :D

      4. Pendelmonster die zweite, mit einigen ungewöhnlichen neuen Karten.

      5. Logan schon wieder, hätte ich mir denken können, das er wieder auftaucht. Sonst wäre er ja seit dem Legacy Cup ganz aus der Welt gewesen. So hat Anya dann sein Deck gekriegt, Logan nimmt irgendwie einen ganz besonderen Platz in der Geschichte ein, man könnte fast sagen, er ist der Prinz, der Anya in der Not rettet, und das in vielerlei Hinsicht in diversen Situationen. Auch wenn Anya wahrlich keine Prinzessin ist xD

      Ich wünschte bloß ich könnte die Geschichte voll und ganz durchschauen, aber na ja, das hatten wir schon...

      @-Aska-

      Keine Ahnung, verrate es mir doch, ob es die Weltherrschaft ist. ;) Wobei ich die immer überbewertet finde. Es gibt ganz andere Schlüsselstellen, wenn man darüber die Kontrolle hat, dann kommt das dem auch so gleich. Und was ist besser als die absolute Kontrolle, von der niemand weiß, dass man sie besitzt?


      Spoiler anzeigen

      Die Folge hat mir wieder gefallen. Besonders schön fand ich die ganzen Interaktione zwischen Anya und ihren Freunden zu Beginn, aber besonders die mit Valerie. Das war auch mal völlig anders zu dem, wie beide über einen so langen Zeitraum miteinander umgegangen sind. Vor allem war herrlich, wie beharrlich Valerie war und sich von Anya überhaupt nicht mehr abhalten ließ und sie in die Richtung drängte, die sie wollte.
      Gerade diese kleinen Momente sind immer wirklich toll und davon darf es jederzeit gerne mehr geben. Auch wenn man dabei schnell vergisst, welche düsteren Motive und Handlungen normalerweise im Vordergrund stehen. Aber selbst einer Anya sei auch mal ein einziger, friedlicher, -normaler- Tag im Leben eines Mädchens gegönnt ;)

      Was die Decksuche für ihr Interimsdeck angeht, blieb man als Leser relativ lange im Unklaren, was sie nun spielen will. Die Decks ihrer Freunde würde sie nicht bekommen, soviel war schnell klar, aber wie sie selbst festgestellt hatte, wäre das auch keine ideale Lösung gewesen. Andererseits wollte sie aber auch kein neues Deck bauen. Aber als Logan dann plötzlich wieder ins Rampenlicht trat, hatte ich sofort das Gefühl, als ob er der beste Kandidat für ihr Leihdeck sein könnte. Bin schon gespannt, wie sie mit dem Deck klarkommt, weil einige Tücken und Kniffe hat das ja auch. Gerade wenn man bedenkt, wie lange Anya bei ihrem Deck gebraucht hat, um es ordentlich einzusetzen, und selbst da patzt sie ja noch hin und wieder. Aber natürlich darf man auch nicht vergessen, dass sie nicht mehr ihr Ich von vor 2 Jahren ist (und einen imaginären Coach an ihrer Seite hat xD)

      Abgesehen davon wurde durch die Szene mit Matt zu Beginn auch noch ein weiteres ihrer Ziele angeteased. Da bin ich auch schon sehr neugierig, was es damit auf sich hat. Von dem, was man bisher erfuhr, klang es schon sehr mysteriös, was mit der Familie passiert ist und niemand mehr darüber weiß.

      Das kurze Duell in der zweiten Hälfte hat hingegen schön gezeigt, was Pendel in der Geschichte draufhaben können. Natürlich hatte Melinda damals nicht voll gekämpft, aber hier zeichnet sich bereits ab, wieviel mehr damit machbar ist. Und dass da eben noch mehr kommt, was die Stärke angeht.

      Natürlich interessiert mich aber nach dem Duell am meisten, was Marc bei der Pyrorex-Beschwörung widerfahren ist, will sagen, ob bzw, was für eine Vision er hatte. An seinem kurzen Aussetzer kann man denk ich nämlich festmachen, dass es ihm ähnlich wie Abby ergangen ist. Naja, das wirst du ja wie immer zu gegebener Zeit aufgreifen, wenn es dann relevant wird. Vorher ist das ja auch nicht nötig. Aber jetzt warte ich selbstverständlich höchst ungeduldig darauf, dass Valerie endlich ihren Moulinglacia spielt - und wehe du hältst mir ihre persönliche Vision dann vor >:E


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Hey Leute, ich danke mal wieder allen dafür, dass sie hier fleißig mitlesen! :)

      @WiR
      Hm, kann ich verstehen. Okay, der Gegner sollte auch overpowered wirken, aber über die Ausführung kann man streiten. Sophia wurde schon durch einen Karteneffekt zerstört, aber das sieht man in dem Duell nicht. Welche Karte sich dahinter verbirgt, werdet ihr aber noch erfahren - zumindest kann man sie aus dem nächsten Duell des Dämons ableiten. ^^
      Wegen dem nicht gerade redegewandt sein ... das hat einen bestimmten Grund. Also ja, war schon alles beabsichtigt, aber wenns dir nicht gefällt, gefällt es dir eben nicht. Ist ok. ^^
      Yojinbo ist übrigens ein recht passender Vergleich.

      Freut mich, dass dir die Folge gefallen hat. Ich denke, was die Anya-Valerie-Rivalität angeht, wirst du noch auf deine Kosten kommen.
      Als ob ich Logan so einfach aus der Fic schreiben würde. Irgendwann wird der noch Organe an Anya spenden, wenn das so weitergeht. Was das Deck angeht: Ein paar Modifikationen wirds geben. ^^
      Vielen Dank für den Post! ^^

      @Mcto
      Wenn du meinst, dass dir dadurch keine Wissenslücken entstehen? Ist eine Menge passiert, insofern ... aber ich hab von einer Leserin auf ff.de gehört, dass man die Story auch mal mittendrin anfangen/weiterlesen kann. ^^

      Zu den Fragen zu Turn 56: Ich muss dich leider enttäuschen, was Antworten dazu angeht. Die gibts erst in der Fanfic. Sorry!
      Claire wird klasse, auf jeden Fall. Ich weiß zwar selbst noch nicht genau, wie ich ihre Art duelltechnisch darstellen soll, aber die ungefähre - nein, doch schon recht präzise - Idee ist vorhanden. Eins steht fest, sollte Anya es schaffen, sich mit ihr zu duellieren, wird das das schwerste Duell ihres Lebens. Insofern wäre ein Plan B, C und Z angebracht.

      Zu Turn 57: Okay, ich löse es auf, sie hatte ein Strumpfband. Die Idee hatte sie sich auf Valeries Hochzeit abgeschaut. Wo dachtest du denn, wo sie das Deck versteckt hat? :freak:
      Zanthe wird noch viel interessanter. Aber den Nachnamen hatte ich imo schon vorher mal fallen lassen. Vielleicht in einer der Folgen, die du nicht gelesen hast. Siehste, wie wichtig es ist alles gelesen zu haben!? Siehste, siehste, siehste!?
      Gewissermaßen hat Zed auch Recht. Stoltz macht was er will und Ricther, der die Gelegenheit gehabt hätte, Anya während ihrer Auszeit zu köpfen, hat nichts getan. Gut, Zed war zu der Zeit in ihrem Elysion, also hätte er sie opfern müssen. Aber er hat es auch danach nicht versucht, obwohl Anya noch geschwächt und Levrier in der physischen Welt nutzlos war. Hm.
      Die CS wird gegen Ende der Fanfic erklärt werden. Vielleicht von dieser Folge an in so ... ~18 Folgen? ... mir wird grad klar, wie lang das eigentlich noch ist. Ups.
      Aiden hat Nick in mehreren Dingen in der Hand. Einmal wegen der Bruder-Schwester-Geschichte mit Anya und dann, weil er ja Mr. Bauer Monochrome auf den Hals hetzen wollte. Aiden hat das verhindert, aber Beweise, die Nick als Schuldigen zeigen. Insofern muss Nick gute Miene zu bösem Spiel veranstalten.

      Turn 58: Hüter? Meinst du Othello?
      Das Foto würde ich gerne zeichnen, aber ich habe nicht den geringsten Funken Talent diesbezüglich. Das Bild in meiner Sig stammt von Evil Bakura, nicht von mir.
      Bei den Pendelkarten waren eigentlich nur der Dreamgazer Magician und Pendulum Restoration neu. Letztere siehst du später noch richtig in Aktion.
      Logan ist in der Tat so etwas wie ein Prinz und Ersatzteillager in einem. Und Anya als Prinzessin? Näh, die ist die böse Hexe und wir alle wissen, wie's mit denen ausgeht. xD

      An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für deinen umfangreichen Kommentar. ^^

      @Evil Bakura
      Ich weiß, was besser ist als absolute Kontrolle. Absolute Kontrolle und Eis. Deswegen werd' ich mir nach dem Posten dieser Folge ein solches auch gleich aus der Tiefkühltruhe holen!

      Sagen wir mal, Anya ist ein normaler Tag für normale Personen gegönnt. Ihre Definition normaler Tage weicht doch noch etwas von denen anderer ab. xD
      Aber jap, neben der Rivalität der beiden gibt es eben auch die Freundschaft, welche betont werden möchte. Valerie hat ja leider im ersten Drittel der Staffel nicht viel zu melden gehabt, aber wie du siehst, hat sich das geändert. Ich meine, wer schafft es außer ihr, Anya zu einem Foto zu überreden? (Poor Abby ...)
      Übrigens umspannt die Story von Folge 1 bis 59 nur circa ein Jahr, nicht zwei. xD
      Zu Matts Sidestory sag ich erstmal nichts. Melinda wird sich aber noch einmal duellieren später, die Folge dazu ist schon geschrieben. Und dann hält sie sich nicht zurück. ;)
      Was die Vision von Marc angeht, oh well. Und Valeries? Wer sagt, dass sie eine bekommt? :P

      Auch dir herzlichen Dank für den Kommi!


      So, dann starten wir jetzt mit dem Auftakt des Turniers durch! Viel Spaß!

      Turn 59 – Glory
      Der nächste Morgen kam für Anya viel zu früh. Völlig zerzaust stieg sie in Shirt und Boxershorts aus dem Bett, während Matt und Zanthe längst zum Frühstück runter ins Restaurant gegangen waren.
      Ihr Blick fiel auf die rote Deckbox auf ihrem Nachttisch. Sie griff sie sich und musste dem Drang widerstehen, unwillkürlich zu lächeln. Dieser Depp Logan. Hatte er doch gestern wirklich noch versucht, die Sache mit dem Anya-bedingten, ruinierten Imbissstand zu regeln. Ihre Finger schlossen sich fester um die Box.
      Eigentlich war sie davon abgekommen, das Deck eines anderen zu benutzen. Aber warum auch immer, fühlte sie sich den Battlin' Boxern gewachsen. Mit ihnen konnte sie kämpfen. Und sie würde das Turnier gewinnen, das hatte sie dem Zwerg versprechen müssen.

      Nachdem Anya zum Frühstück dazugestoßen war, hatte die kleine Gruppe nicht mehr viel Zeit. Matt bestellte ein Taxi, das sie direkt zu der Arena bringen würde, in der die Vorrunden stattfinden würden.
      Während der Fahrt warnte Zanthe das Mädchen, dass jene den ganzen Tag überdauern würden und sie damit für einen langen Zeitraum konzentriert sein müsse. Etwas, das der Werwolf ihr anscheinend nicht zutraute.
      Nach etwa zwanzig Minuten Fahrt und einer seltsam unruhigen Taxifahrerin waren sie endlich da.

      Anya stieg als Erste aus dem Taxi. Der Anblick, der sich ihr bot, raubte selbst einer so egozentrischen und ewig grimmigen Person wie ihr den Atem. Das ovale Stadion, gebaut im Zentrum der Stadt, mitten im Wasser, übertraf in seiner Größe spielend leicht das Einkaufszentrum in Livington. Sie hatte gelesen, dass die Fläche im Inneren etwa dem anderthalbfachen eines Footballfeldes entsprach. Und auch von der Höhe her machte das moderne Gebäude seinem Status als Touristenattraktion alle Ehre, überragte es alles andere in der näheren Umgebung. In dem silbrig metallischen Stadion hatten über 50.000 Zuschauer Platz. Die Duelle wurden im Freien abgehalten, auf insgesamt 72 Feldern. Sollte es regnen, fuhren über der Tribüne gläserne Platten aus, die dem Wetter trotzten.
      „Man, deine Augen funkeln ja richtig“, kicherte Zanthe vergnügt.
      Die Blonde zuckte zusammen, hatte sie gar nicht mehr gemerkt, dass die anderen auch ausgestiegen waren und die Taxifahrerin bereits bezahlt hatten.
      Ungewöhnlich freundschaftlich legte der Werwolf seine Hand auf Anyas Schulter. „Das ist der erste Schritt zur Verwirklichung deines Traums. Da darfste schon mal etwas glotzen.“
      „Ja“, nickte auch Matt zu ihrer Linken, „genieße den Anblick ruhig einen Moment.“
      Was Anya auch tat.

      Von ihrer Position aus hatten sie den perfekten Blick auf die Front. Eine extra angelegte Brücke führte herüber zum Eingang, über den in leuchtenden, blauen Lettern „Ephemeria Bridge Stadium“ stand. Das Metall spiegelte das Licht der Sonne, sodass es wirkte, als würde es strahlen. Hunderte Leute warteten bereits vor dem Stadion auf den Einlass.
      „'kay, genug geglotzt.“
      Anya lief geradeaus über die Straße und wurde dabei noch fast angefahren, weil sie nicht auf den Verkehr achtete. Dem Beinahe-Unfallbauer zeigte sie abwesend ihren besten Mittelfinger, während ihre beiden Begleiter sich lauthals mit peinlich berührter Mimik entschuldigen und hinterher eilten. Denn Anya zog das Tempo immer mehr an, bis sie die Spannung auf das Kommende nicht mehr aushielt und zu rennen begann.
      Während sie so über die Brücke stürmte, sah sie herüber zu einer anderen zu ihrer Linken, die weiter am Ende der Stadt die beiden Bezirke verband. Dort drüben war es gewesen, wo sie von Zed angegriffen worden war. Ob die Undying wohl heute auftauchen würden? Anya konnte es nicht beschreiben, aber der Gedanke ließ sie kein bisschen erschaudern. Denn heute konnte sie jeden besiegen, das spürte sie einfach.

      Schließlich hatten sie den Eingangsbereich erreicht, das Stadion war umgeben von Grünflächen mit Bänken. Hier und da boten kleine Stände Snacks an, um die Wartezeit vor dem Einlass zu verkürzen.
      Ein paar Stufen führten hinauf zum Platz vor dem Haupteingang, an dem sich unzählige Leute tummelten. Sie alle gingen einen, durch regelmäßige Abgrenzungen gekennzeichneten, Weg entlang durch eine Schlange, welche sie direkt zu den Ordnern am Eingang führte. Dort wurden die Tickets überprüft.
      „Ich fürchte, hier trennen sich unsere Wege“, meinte Matt und stellte sich an das Ende der Schlange, „du musst da lang.“
      Er zeigte zu einem Extrabereich etwas abseits, der ebenfalls von mehreren, in blauen Uniformen steckenden, Mitarbeitern des Stadions bewacht wurde. Auch hier tummelten sich ein paar Zuschauer, da sie hofften, den ein oder anderen Blick auf die Teilnehmer zu erhaschen.
      „'kay, wir sehen uns später“, murmelte Anya und peilte den rechten Fronteingang des Gebäudes an.
      „Viel Erfolg!“, rief Matt ihr hinterher.
      Zanthe dagegen flötete: „Blamier' mich nicht!“

      Anya zeigte ihm im Weggehen ihren heute besonders nach Aufmerksamkeit haschenden Mittelfinger. Kurz darauf drängte sie sich an irgendwelchen hyperaktiven Fangirls irgendwelcher Wannabe-Pros vorbei und baute sich vor den Ordnern auf. Nachdem sie Turnier- und Personalausweis vorgezeigt hatte, wurde sie hineingelassen und staunte noch einmal Bauklötze.
      Sie war weniger in einem Stadion, denn mehr einer Art Einkaufsstraße gelandet. Zu ihrer Linken befand sich eine Wand mit Postern diverser Berühmtheiten der Szene. Dahinter lag der Zuschauereingang samt Ticketschalter und vermutlich auch diversen Shops, die Fanartikel en masse verkauften. Zumindest wenn sich dort genau wie hier die Läden nur so aneinander reihten. Deckboxen, Kartenhüllen, für alles gab es praktisch einen, ach was, drei verschiedene Läden. Der in einer leichten Kurve verlaufende Gang wurde zudem durch regelmäßige Rolltreppen in seiner Mitte unterbrochen, die in die oberen Stockwerke führten.
      Zu Anyas Erleichterung war hier nicht so viel los, nur vereinzelt fanden sich vor den Läden ein paar Spieler ein. Andere gingen den scheinbar gar nicht enden wollenden, in allen nur erdenklichen Farben leuchtenden Konsumtunnel entlang. Die Blonde folgte ihnen mangels fehlender Eingebung, wo sie denn hin musste. Andererseits, was gab es schon für Optionen? Raus ins Innere natürlich!

      Schnell stellte sich allerdings heraus, dass die Dinge doch nicht so einfach waren. Bevor Anya offiziell teilnehmen konnte, musste sie sich zunächst noch einmal einschreiben, was an einer Rezeption in einem Vorbereitungsraum geschah. Dort saßen einige Duellanten und bearbeiteten ihr Deck, denn jede Karte musste in einem Formular angegeben werden.
      So setzte sich auch Anya mit dem Bogen in der Hand in einen der bequemen, weißen Ledersessel innerhalb des mit marinefarbenen Marmorplatten ausgelegten Raumes. Sie musste sich Logans Deck genau ansehen und führte nebenbei noch einige Änderungen durch, bevor sie krakelig die Karten aufschrieb und das Dokument am Tresen abgab. Auch ihr rotes D-Pad wurde mit einem Scanner registriert, sodass sie sich wie an der Kasse eines Supermarkts vorkam.
      Schließlich durfte sie auf Handschwenk der Mitarbeiterin den Raum Richtung einer einfachen Tür zu ihrer Rechten verlassen.

      ~-~-~

      „So früh schon auf Arbeit?“, staunte Aiden nicht schlecht, als er Nicks Büro betrat.
      Der junge Mann in buntem Hawaiihemd saß an seinem gläsernen Schreibtisch und war anscheinend eifrig dabei, etwas zu programmieren.
      Er sah nicht auf, als er erwiderte: „Dir auch keinen guten Morgen.“
      „In etwa einer Stunde gehen die Vorrunden des Legacy Cups los. Willst du nicht zusammen mit den anderen im Pausenraum zusehen?“
      Nick richtete sich mit angezogener Augenbraue auf. „Welchen Teufelspakt mussten die armen Dinger dafür eingehen, dass sie, statt zu arbeiten, die Übertragung ansehen dürfen?“
      Der immer im Anzug gekleidete Geschäftsmann ließ sich zu einem verschmitzten Lächeln hinreißen, als er um den Schreibtisch herumging. Wie eine Hyäne, so kam es Nick vor, schlich Aiden hinter ihn, tat aber nichts Unüberlegtes.
      „Solltest du nicht auch zusehen? Ich meine, deine Schwester feiert dort sozusagen ihr Debüt und das ganz ohne meine Unterstützung.“ Er beugte sich über Nicks Schulter, flüsterte in sein Ohr. „Das ist eine außergewöhnliche Leistung für jemanden wie sie. Wie hast du es angestellt?“
      „Ich bin mir sicher, dass Anya auch zurecht kommt, wenn ich nicht zusehe und ihren Namen in regelmäßigen Intervallen schreie.“
      Aiden richtete sich auf. „Wollen wir es hoffen.“

      Sich nun vom Bildschirm abwendend, drehte sich Nick auf seinem Stuhl zu Aiden. Mit dem Ausdruck maßloser Genugtuung sagte er: „Und ich hoffe, du weinst dich nicht in den Schlaf, weil du sie nicht unter deine kleinen, erzbösen Fittiche bekommen hast.“
      Sein Beinahe-Verlobter winkte ab. „Nicht doch. Ich habe rechtzeitig Ersatz gefunden.“
      Nick drehte sich wieder um. „Um den wird sich schon jemand aus Team VAM kümmern, wenn einer von ihnen die Gelegenheit bekommt.“
      „Willst du gar nicht wissen, wen ich ins Rennen geschickt habe?“
      Wenn sein Chef das so formulierte, war Nick sich sicher, dass er es tatsächlich nicht wissen wollte. Was wiederum bedeutete, dass er es wissen musste, weil es nichts Gutes bedeutete.
      „Du wirst nicht gerade glücklich sein, aber …“ Aiden unterbrach sich selbst. „Nein. Ich bin mir sicher, Team 'VAM' wird schon damit klar kommen. Wofür steht das eigentlich?“
      Damit zog er an Nick vorbei, aber nicht, ohne ihm vorher ein letztes Lächeln zu schenken, obwohl seine Nachfrage unbeantwortet blieb.

      Als er die Tür hinter sich schloss, stöhnte Nick: „Ich habe keine Zeit, mich auch noch um deine Spielchen zu kümmern …“
      Trotzdem wäre es wohl das Beste, wenn er sich die Teilnehmerliste etwas genauer ansah.

      ~-~-~

      Als Anya das Tor zum Inneren des Stadions durchquerte, hatte sie vieles erwartet. Eine riesige Halle unter freiem Himmel. Zugegeben, die hatte sie auch bekommen, schließlich waren nur die Zuschauerränge der ovalen Arena überdacht – auch wenn deren Dach bei Bedarf komplett sogar komplett über das Spielfeld geschlossen werden konnte. Aber so wie es aussah, an diesem schönen Sommertag, brauchten sich die Zuschauer keine Sorgen um Regen machten. Was weniger an dem Wetter selbst, sondern an relativ leeren Sitzreihen lag. Denn dies war das erste, was dem Mädchen beim Eintritt ins Innere auffiel.

      Von beiden Seiten der Arena fluteten die Duellanten in dessen Mitte. Anya lag goldrichtig, die Veranstaltungsfläche war wesentlich größer als ein Footballfeld. Aufgeteilt in sechs mal zwölf kleinere Felder, die abwechselnd in den Farben blau, gelb, grün, rot, orange und violett sowie durch eine Nummer gekennzeichnet waren. Bereits jetzt huschten überall Kameramänner und Assistenten herum, auf den dutzenden Bildschirmen oberhalb der Tribünen sah man Animatoren, die das Publikum anheizten, welches gerade einmal etwas mehr als ein Drittel der vorhandenen Plätze ausfüllte.

      Anya begriff, dass die Vorrunden nicht so interessant zu sein schienen. Dennoch würden einige ausgewählte Duelle auch im Fernsehen übertragen werden. Es war ein fremdartiges Gefühl, wie sie mit dutzenden anderen ins Innere strömte, ohne zu wissen, was auf sie zukam. Bisher hatte sie es noch nie mit so vielen Feinden gleichzeitig zu tun gehabt, wie Anya die anderen Teilnehmer insgeheim titulierte. Viele von denen sahen so harmlos, herkömmlich aus.
      Vermutlich war sie aber einfach nur Schlimmeres gewöhnt. Big Al, Isfanel, Another, Urila, Kyon, der Sammler, die Undying. Gegen die waren das hier doch alles Napfsülzen!

      Und doch! Jetzt, wo sie sich einigermaßen Überblick verschafft hatte, musste Anya insgeheim schlucken. Das mussten trotzdem über hundert Duellanten sein, die sich unter dem freien Himmel der Arena zum ultimativen Stelldichein versammelt hatten. Wie viele von denen waren wohl so gut wie Redfield? Oder besser?

      Nervös?

      Levrier erschien an ihrer Seite, hielt die Arme verschränkt.
      „Yep“, antwortete Anya ungewohnt ehrlich. Fügte flüsternd hinzu, aus Angst, dass jemand mithörte: „Denk dran, wie ich mich qualifiziert hab und wie das bei den anderen Pfeifen der Fall war.“

      Das ist wahr. Du solltest jedoch nicht an dir zweifeln. Zwar hast du dir nicht mit rechten Mitteln einen Platz erkämpft, aber du bist nicht mehr das Mädchen, das ich vor etwa einem Jahr kennengelernt habe.


      Er schwebte vor Anya. Und Anya war sich sicher, könnte er unter seinem Helm lächeln, würde er dies jetzt ganz gewiss tun. Was sie zum Grinsen brachte.
      „Yeah …“
      Doch sofort bohrte sich etwas Spitzes in ihr Herz. Zweifel. War sie wirklich so stark wie Levrier glaubte? Wenn sie doch nach wie vor nicht aus eigener Kraft gegen die Schnöselgeschwister gewinnen konnte? Wenn Ricther mit ihr den Boden gewischt hätte, wäre Levrier nicht inkarniert?
      Sie ließ den Kopf hängen. Wie wollte sie in diesem Haifischbecken überleben, wenn sie nicht mal ihr eigenes Deck besaß?

      Das Mädchen schreckte auf, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte.
      Marc war zu ihr gestoßen. „Kinn nach oben richten. Sonst denken die Leute am Ende noch, Anya Bauer wäre nicht selbstbewusst.“
      Er war offensichtlich alleine, denn von Valerie fehlte jede Spur.
      „Vor den Leuten hier musst du keine Angst haben. Wenn solche wie ich hier mitspielen dürfen, kann es nicht so schwer für dich sein, die Hauptrunde zu erreichen.“
      Anya pfiff durch die Zähne. „Als ob ich Schiss hätte, Butcher! Anders als Redfield, wie's aussieht. Wo ist sie?“
      „Tummelt sicher auch irgendwo hier herum. Eben war sie noch bei mir“, antwortete er und nahm die Hand von Anyas Schulter, „aber sie hat irgendjemanden gesehen, den sie kennt und-“

      In dem Moment flackerten die dutzenden Monitore auf, die am äußeren Rand der nach innen verlaufenden Tribünenüberdachung angebracht waren. Zu sehen war dort eine rothaarige Frau, die eine lavendelfarbene Schleife im Haar trug. Melinda!
      „Es fängt an!“, stellte Anya richtigerweise fest.

      Gib dein Bestes! Und schone mich bitte!

      Mit diesen Worten verschwand Levrier.
      Gleichzeitig beobachtete Anya, wie Melinda, dabei ein Mikrofon in der Hand haltend, in die Kamera starrte. Da hinter ihr bunte Animationen von Duel-Monsters-Karten durch das Bild huschten, konnte man nur vermuten, dass sie sich vor einem Greenscreen in einer gläsernen Lounge am oberen Ende der Tribünen befand, wie es sie dort in mehrfacher Ausführung gab. In einer von ihnen trieb während großer Turniere auch der Kommentator Mr. C sein Unwesen, wie Anya wusste.

      „Hallo Leute!“, begrüßte Henrys Schwester die Duellanten und das Publikum locker. „Vielen Dank, dass ihr so zahlreich zu diesem besonderen Tag erschienen seid.“
      Sie lächelte geradezu hinreißend, sodass man ihr ihre Worte ohne Zweifel abnahm.
      „Die Teilnehmer kennen den Ablauf des heutigen Tages bereits, doch für euch da draußen erkläre ich es noch einmal kurz.“

      „Huh? Ich weiß von gar nichts!“, klagte Anya an Marc gewandt.
      Der zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es auch nur von Valval.“

      „Wie ihr wisst, werden die Vorrunden heute in einem Rutsch ausgetragen“, erklärte derweil Melinda, wobei ihr Antlitz zur rechten Seite des Bildschirms verschoben wurde, „und zwar in acht Runden, bestehend aus einem Einzelduell, für das die Teilnehmer 40 Minuten Zeit haben. Jedem Duellant wird per Zufallsverfahren ein Gegner zugewiesen. Die Duelle werden zu jeder vollen Stunde stattfinden, beginnend um 10 Uhr. Die Channel DL 2 bis 10 werden übrigens verschiedene Featured Duels übertragen. Hier, auf Channel 1, folgt im Anschluss eine Vorstellung der Teilnehmer.“
      Das von ihr Gesagte wurde noch mal in Form eines sich zunehmend vervollständigenden Zeitplans in der linken Hälfte des Bildschirms dargestellt.

      Marc sah auf seine Armbanduhr. „Also haben wir noch eine halbe Stunde Zeit.“
      Neben ihm mahlte Anya mit dem Kiefer. „Ich will, dass es -jetzt- losgeht!“

      „Um 14 Uhr wird es eine Pause von einer Stunde geben, in der sich die Spieler innerhalb des Stadions frei bewegen können und bestimmt auch das ein oder andere Autogramm verteilen.“ Melinda zwinkerte verschmitzt. „Liebe Duellanten, denkt aber bitte daran, es nicht zu verlassen, denn in diesem Fall werdet ihr disqualifiziert.“
      Ein kleines Männchen erschien neben Melinda, das von einem roten Kreuz regelrecht erschlagen wurde.
      „Die Duelle werden mit Punkten bewertet. Für einen Sieg gibt es drei, für ein Unentschieden einen und letztlich für Niederlagen null Punkte.“ Der Rotschopf grinste plötzlich bereit. „Aber es gibt noch einen Faktor, der ebenfalls Punkte verleiht: Lebenspunkte. Hat ein Spieler während des Duells nicht einen Punkt verloren, gibt es einen Extrapunkt.“
      Es gab nicht nur im Publikum erstaunte Aufrufe. Auch einige der Teilnehmer sahen sich verwirrt an, als wäre ihnen das völlig neu.
      Melinda fuhr fort: „Aber es gibt auch Punkte für zugefügten Schaden. Kann jemand mit einem einzigen Angriff mindestens 3000 Punkte austeilen, gibt es einen Bonuspunkt. Das ist unabhängig davon, ob er am Ende gewinnt oder verliert.“

      „Hey, das ist gut für dich, Anya.“
      Die Blonde wirbelte um. Valerie trottete auf die beiden zu, bestens gelaunt mit einem frechen Grinsen auf den Lippen. Missbilligend musste Anya feststellen, dass ihre Erzrivalin sich heute besonders in Schale geworfen hatte. Denn ihre marineblaue Hose passte perfekt zu ihrem weißen Shirt, über das sie eine graue Weste trug. Garniert mit einem Pferdeschwanz, der in Volumen und Länge den Anyas bei weitem übertraf.
      „Dann wirst du für's Draufkloppen sogar belohnt“, gluckste Valerie neckisch.
      „Oh, wie ich hoffe, dir heute das selbstgefällige Grinsen aus dem Gesicht zu wischen, Redfield!“, zischte Anya bitterböse und drehte sich ruckartig um.
      „Vorher wisch' ich dich vom Platz, meine Liebe“, konterte Valerie selbstbewusst.

      „Die 16 Duellanten mit der höchsten Punktzahl ziehen in die Endrunden ein“, erklärte Melinda derweil. „Sollte am Ende ein Gleichstand herrschen, kommen der oder diejenige weiter, die die größte Differenz zwischen zugefügtem und erlittenem Schaden aufweisen.“
      Plötzlich hielt sie das rote D-Pad in die Kamera, in seinem ausgefahrenen Zustand, wo es aus einem Bildschirm und den Kartenzonen bestand.
      „Wie bereits erwähnt, haben die Spieler 40 Minuten für ein Duell. Jedes, das danach nicht beendet wurde, wird nach dem Lebenspunktestand bewertet. Im Anschluss gibt es eine kurze Verschnaufpause.“
      Plötzlich flackerte auf dem Bildschirm des Apparats eine Ziffer auf, die 17.
      „In dieser wird auf den D-Pads die Nummer des Feldes angezeigt, auf dem die Spieler sich als Nächstes duellieren. Sollte jemand nicht pünktlich zum Stundenwechsel dort warten, wird das als Niederlage ohne Zusatzpunkte gewertet, also behaltet stets die Uhr im Auge, Duellanten!“ Sie ließ den Arm sinken. „Jeder Teilnehmer dürfte jetzt bereits eine Nummer zugeteilt bekommen haben. Die Übertragungen der Spiele werden pünktlich um 10 Uhr beginnen.“

      Anya aktivierte das hässliche, rote Ding an ihrem Arm. Es dauerte einen Moment, dann flackerte eine weiße 19 auf dem Bildschirm.
      „2“, sagte Marc mit Blick auf den Apparat an seinem Arm.
      „Feld 65“, stimmte Valerie mit ein, „mal sehen, wem ich als Erstes die Laune verderben muss.“
      Marc lachte auf. „Was ist los mit dir, den Spruch hätte ich eher von Anya erwartet?“
      Die drehte sich noch weiter ab. Bah, das wollte sie gar nicht miterleben, wie die sich da gegenseitig beweihräucherten. Hatte Redfield sich vorher einen angetrunken, oder wieso war sie so gut drauf!?
      „Tch. Ich geh schon mal vor!“, raunte Anya missmutig und zog an den beiden vorbei.

      Ihr Duellfeld lag genau auf der anderen Seite der riesigen Arena, im letzten Drittel. Genau wie Redfields, die ihr folgte. Vor ihnen lagen die Felder 1 bis 6 nebeneinander, danach folgte die nächste Reihe mit 7 bis 12 und so weiter. So war es selbst für sie ein Leichtes, ihren Bestimmungsort zu finden.
      „Dann mache ich das mal auch. Viel Erfolg, Liebling!“, rief Valerie Marc zu.
      „Dir auch, Valval“, entgegnete ihr Verlobter, wobei er praktischerweise schon vor seinem Feld stand.
      Bei dem ganzen Süßholzgeraspel wurde Anya regelrecht schlecht. Grässlich, nichts wie weg!
      Sie zog eilig an anderen Duellanten vorbei, von denen einige ebenfalls ihr Feld zu suchen begannen. Feld 19 befand sich am Rand, zu ihrer Linken, wie Anya anhand der fortlaufenden Nummerierungen der Felder wusste.
      „Denkst du, du wirst das packen mit dem Deck?“, fragte Valerie neugierig.
      „Klar!“, antwortete Anya, ohne sich umzudrehen. Stattdessen zeigte sie weiter geradeaus, als sie gerade Fuß auf Feld 8 setzte und anhielt. „Du musst in diese Richtung, ich mehr nach links.“
      Hoffentlich würden sich ihre Wege hier trennen! Anya wollte jetzt allein sein. Was Valerie zu bemerken schien. „Okay, dann wünsche ich dir viel Glück. Du schaffst das schon.“
      Als die beiden Mädchen nebeneinander standen, sah Anya zu ihrer Erzrivalin und gelangte zu der Einsicht, dass sie ihre schlechte Laune nicht an ihr auslassen durfte. Zumindest nicht immer, nur manchmal. Und Redfield meinte es immerhin gut mit ihr, kämpfte sie doch für ihre Sache.
      „Natürlich, eine Anya Bauer wird durch Rückschläge nur stärker. Du gib dir auch Mühe, verstanden? Wehe, ich sehe dich nur einmal verlieren!“
      „Wirst du nicht“, zwinkerte Valerie zuversichtlich. „Bis später.“

      So bewegten sie sich in unterschiedliche Richtungen weiter. Anya steuerte auf ihren Ausgangspunkt zu. Es war ein rechteckiges Feld, bei dem – wie auch bei allen anderen – sämtliche Monster- und Backrowzonen markiert waren mit weißen Linien. Selbst für die Pendelkarten gab es spezielle Felder.
      Anya musste grinsen. Sie hatte eines der blauen Felder erwischt. Ihre Lieblingsfarbe, also hoffentlich ein gutes Omen. Wenn sie an so etwas glauben würde, verstand sich.
      In dessen Mitte befand sich ein Kreis, in dem in beide Richtungen die Ziffer 19 eingelassen war.

      Sie stellte sich an den Rand der unteren Seite und verschränkte die Arme. Aber kaum hatte sie überhaupt angefangen zu warten, trat von der anderen ein junger Mann auf das Feld. Etwa in ihrem Alter, war sein braunes Haar am Pony spitz nach oben geformt.
      „Hi“, sagte er, „du bist meine Gegnerin?“
      „Siehst du doch“, erwiderte Anya sofort ranzig und musterte ihn kritisch.
      Der gewann jedenfalls keine Modenschau, so wie er in einer simplen Jeans und einem hellblauen T-Shirt mit dem Aufdruck „Genuine“ auftrat.
      „Ich bin Kakyo. Kakyo Sangon. Und du heißt …?“, blieb er trotz der schroffen Begrüßung höflich.
      Er bekam ein Knurren als Antwort. „Anya Bauer.“
      „Der Name kommt mir bekannt vor.“
      Oh Gott, dachte das Mädchen erschrocken. Hoffentlich hatte der Typ nicht auf irgendeinem dieser Blogs etwas über sie gelesen! Um ihn gar nicht erst zu animieren, darüber genauer nachzudenken, erwiderte sie gar nichts. Obwohl sie verlockt war, einen abfälligen Kommentar über Kakyos seltsamen Namen zu machen.
      Der sah nebenbei auf sein D-Pad. „Hmm, wir haben noch ein paar Minuten. Erzähl doch etwas über dich.“
      „Warum sollte ich!?“, pflaumte Anya ihn an. „Wir sind Gegner, schon vergessen?“
      Der Brünette seufzte resignierend. „Ich meinte ja bloß. Etwas Smalltalk ist immer ganz gut, um das Eis zu brechen. Du tust ja so, als müssten wir uns gegenseitig in dem Duell umbringen.“
      Wenn der wüsste, wie oft sie schon in solchen Situationen war, dachte sich Anya dabei. Sie löste die Arme aus ihrer Verschränkung. „Was erwartest du denn, huh? Das hier ist ein Wettstreit, kein Kaffeekränzchen.“
      Kakyo gab ein genervtes Stöhnen von sich. „Du bist wohl -die- Sorte, was? Na ja, dann eben nicht.“

      Und tatsächlich schaffte Anya es im Anschluss, ihn bis zum Start der ersten Runde komplett zu ignorieren. Als jene dann begann, gab ihr D-Pad ein penetrantes Piepen von sich. Auch hörten sie Melinda noch etwas sagen, doch das Mädchen rief bereits: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Kakyo: 4000LP]

      „Ich beginne!“, entschied sie und zog ihr Startblatt.

      ~-~-~

      Es war Nick schwer gefallen, sich von seiner 'Arbeit' zu lösen, doch die Neugier hatte ihn letztlich übermannt. Gemächlich schlenderte er in den gemütlichen Pausenraum von Micron Electronics, nur um die halbe Belegschaft dort anzutreffen.
      Der mit Sofa und Sesseln ausgestattete, orangefarbene Raum war zum Brechen voll. Maya von der Rechtsabteilung, O'Donell und Wellington aus der Buchhaltung und diverse andere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, deren Namen Nick sich nicht merken wollte, saßen oder standen vor dem Flachbildfernseher an der Wand und sahen dabei zu, wie Melinda den Ablauf erklärte. Im Anschluss würde eine Vorstellung der Duellanten folgen.

      In einer Ecke bemerkte Nick zu seinem Ärgernis, dass auch Aiden und seine persönliche Assistentin Chrystina – eine dunkelhäutige, stets mit Klemmbrett in der Hand herum wuselnde, überambitionierte Mittzwanzigerin – mit von der Partie waren. Ohne Zweifel hoffte Ersterer seinen Schützling in Aktion zu sehen. Der brünette CEO bemerkte Nick und winkte ihn zu sich herüber.
      Widerwillig schloss der die Tür und leistete der Einladung Folge. In der voller tropischen Topfpflanzen stehenden Ecke bei den Fenstern angelangt, steckte der zerzauste Kerl im Hawaii-Hemd die Hände in die Taschen.
      „Du kommst ja doch“, strahlte Aiden.
      „Nun ja, wir alle brauchen hin und wieder etwas Zerstreuung, nicht wahr, Mr. Reid?“, fragte Nick mit trügerischer Zunge. Er vermied es in Anwesenheit anderer ihn beim Vornamen zu nennen.
      „Ich hoffe, wir werden deine Freundin und unseren Vertreter zu sehen bekommen.“ Aiden gab nebenbei seiner PA mit einem Nicken zu verstehen, dass sie sie alleine lassen sollte.
      Während jene kommentarlos gehorchte und davon stakste, sah Nick ihr mit Blick auf das pralle Hinterteil, das sich unter dem grauen Kostüm hervor wölbte, interessiert hinterher.
      „Sie ist verheiratet“, erinnerte Aiden ihn freundlich.
      „Oh, ist da jemand eifersüchtig?“ Nick wandte sich ihm wieder zu und lächelte falsch. „Wenn ja, muss ich dir leider sagen, dass ich auch verheiratet bin.“
      „Mit wem denn?“
      „Mit meiner Hand. Und wir sind einander seit über 20 Jahren treu. Du hast leider keine Chance“, hauchte Nick zuckersüß und blinzelte dazu passend. „Aber ich kann dich gerne verkuppeln. Ich kenne da nämlich einen notgeilen Italiener.“
      Aiden musste aufrichtig amüsiert auflachen.
      „Okay, sag mir eins“, wurde Nick schlagartig ernst und rückte Aiden so nah auf die Pelle, dass der seinen Atem riechen konnte. „Wen hast du da eingeschleust?“

      Entgegen seinem ursprünglichen Vorhaben hatte Nick sich die Teilnehmerliste nicht näher angesehen. Es war ohnehin zu spät, noch etwas zu unternehmen. Stattdessen hatte er seine Energien drauf verwendet, den Verbleib von Anyas Deck und dessen Diebin ausfindig zu machen. Allerdings ohne nennenswerte Erfolge. Langsam stieg die Sorge in ihm an, dass jenes vielleicht schon außerhalb seiner Reichweite lag.

      Statt direkt auf Nicks Frage zu antworten, forderte sein Chef ihn mit dem Wackeln seines rechten Zeigefingers dazu auf, sich herab zu beugen. Was der Größere auch tat.
      Und als Nick weit genug war, um etwas ins Ohr geflüstert zu bekommen, murmelte Aiden den erfragten Namen. Was dazu führte, dass der hochgewachsene Bursche erschrocken zurückwich.
      „Du bist widerlich!“, zischte er hasserfüllt. „Hast du eine Ahnung, was du da getan hast!?“
      Die ganze Belegschaft drehte sich erschrocken von dem Ausruf um.

      ~-~-~

      Mittlerweile war das Duell zwischen Anya und ihrem Gegner auf dem Höhepunkt angelangt.
      „Dein Zug!“, verkündete Anya mit einer gebieterischen Handbewegung. So wie die Dinge standen, würde sie gewinnen.

      [Anya: 2000LP / Kakyo: 200LP]

      Und was noch besser war: Dank ihres Hünen [Battlin' Boxer Lead Yoke], welcher vor ihr in seiner befreiten Form verharrte, hatte sie sich einen Extrapunkt für hohen Schaden verdient!

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3800 DEF/2000 {4} OLU: 0]

      Hoffnungsfroh griff Kakyo nach seiner Duel Disk und zog mit Schwung auf. „Das hier ist noch nicht vorbei, Draw!“
      „Natürlich ist es das!“
      Weder er, noch sie besaßen auch nur eine einzige verdeckte Karte. Und mit der aufgezogenen hielt er auch nur zwei auf seiner Hand, Anya hatte noch eine über.
      Doch als ihr Gegner hoffnungsfroh zu strahlen begann, schwante Anya Böses. Umso mehr, als er die gezogene Karte vorzeigte. „Endlich! Ich aktiviere [Dark Magic Curtain]. Er halbiert meine Lebenspunkte.“
      Was der Blonden natürlich sofort einen garstigen Spruch entlockte, „Oh wie toll, hilfste mir noch beim Gewinnen, ja?“
      Sie bereute den Spruch jedoch, als ihr auffiel, dass ein Kameramann hinter Kakyo auftauchte und sich auf sie fokussierte. Keine Sekunde später konnte sie sich auf mehreren Bildschirmen sehen, wie sie perplex ins Bild starrte, im Hintergrund fanden andere Duelle statt.
      „Shit …“, murmelte sie leise.
      Gleichzeitig tauchte vor Kakyo ein dunkler Vorhang auf, an der Oberseite festgehalten von einem Skelett. Jenes zog den Stoff langsam beiseite.

      [Anya: 2000LP / Kakyo: 200LP → 100LP]

      Anya mahnte sich, nicht auf den Kameramann zu achten. Doch irgendwie war es cool, mal im Rampenlicht zu stehen. So wurde ihr Blick immer wieder von der Linse angezogen, statt etwa von dem Monster, das langsam hinter dem Vorhang zum Vorschein kam.
      „Da das ein Preis ist, den ich zahlen muss, bekomme ich auch etwas als Ausgleich.“ Kakyo verstummte. Leicht genervt fragte er: „Hey, hörst du mir überhaupt zu!?“
      „Ja ja!“
      Die Stirn runzelnd, schien er dies nicht recht zu glauben. Eine einzelne Karte schob sich aus seinem Deck, die er zwischen die Finger nahm und vorzeigte. „[Dark Magic Curtain] kann mühelos mein Assmonster vom Deck rufen, auch wenn es für diesen Zug meine letzte Beschwörung war. Komm hervor …“
      Mit einem Ruck zog das Skelett das letzte Stück des Vorhangs weg. Und da war er, in violetter Robe, mit Zauberstab bewaffnet. Der Hexer, der gerne seine Hand auf den spitz zulaufenden Hut hielt.
      „[Dark Magician]!“
      Jener wirbelte mit seiner grünen Waffe in der Hand und nahm vor Kakyo eine kämpferische Haltung ein.

      Dark Magician [ATK/2500 DEF/2100 (7)]

      Nun gelang es selbst Anya, ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Duell zu lenken. Was sie jedoch mit gewohnt wenig liebenswürdigen Worten abtat. „Was ist das!? Haste den in der Mottenkiste deiner Oma gefunden!?“
      „Hey, das ist ein ganz besonderes Monster!“, erwiderte Kakyo ärgerlich und strich liebevoll über die gelb umrahmte Karte auf seinem D-Pad. „Das ist die erste Duel Monsters-Karte, die je gedruckt wurde.“
      „Du meinst ein Nachdruck, das Original vergammelt in einem Museum!“
      Selbst Anya wusste darum. [Dark Magician] wurde vor vielen, vielen Jahren als erste Karte in Japan gedruckt. Seitdem hatte er viele Inkarnationen erlebt, mit diversen Artworks. Anhand ihres Bildschirms am D-Pad konnte Anya sehen, dass Kakyos Version tatsächlich eine mit der allerersten Illustration war, der 'Hutpose'. Es gab noch mindestens fünf weitere. Jede davon besaß einen gewissen Seltenheitswert.
      „Was du nicht sagst?“ Kakyo klang zunehmend gereizter. „So oder so, mein Magier ist imstande, deinen Boxer endlich unschädlich zu machen.“
      Anya zischte selbstsicher: „Das will ich sehen!“
      Tatsächlich gefiel ihr das gar nicht. Lead Yoke besaß keine Overlay Units mehr, konnte sich ergo nicht mehr schützen. Hoffentlich ging das nicht ins Auge. Musste der beschissene Kamerafuzzi sie ausgerechnet jetzt filmen!?
      „Hau ab!“, fauchte sie an ihn gerichtet, doch der schien sie gar nicht zu hören.
      Kakyo war es jedoch, der reagierte, hatte er sie ganz offensichtlich missverstanden und ihre Worte auf sich bezogen. „Das Duell ist sowieso gleich vorbei, reg dich ab! Meine letzte Karte: [Thousand Knives]!“
      Noch während er sie in sein D-Pad einlegte, schnippte sein Magier mit dem Finger. Um ihn herum materialisierten sich dutzende Messer, die in der Luft schwebten. Der unscheinbare, junge Mann richtete Zeige- und Mittelfinger auf Anyas Boxer. „Mit dieser Karte kann [Dark Magician] jeden Feind zerstören. Instant Kill!“

      Anya Bauer, konzentriere dich!

      Entgegen Levriers Mahnung war die jedoch wie gelähmt und starrte das Objektiv der Kamera an, welche hinter Kakyo auf sie gerichtet war. Der Hexer schwang den Zauberstab in seiner anderen Hand nach vorn. Die Messer flogen. Und dort, wo sich bereits abgefeuerte befunden hatten, tauchten neue auf.
      „Klasse, das haben wir drin!“, rief der Kameramann. Scheinbar kommunizierte er per Headset mit der Produktionsleitung. Anya war so perplex und abgelenkt, dass sie nicht auf ihre letzte Handkarte achtete. Was fatal endete: [Battlin' Boxer Lead Yoke] wurde binnen Sekunden in einen überdimensionalen Messerblock verwandelt und zersprang in tausend Teile.
      Kakyo gab dem Mädchen gar keine Zeit für eine Reaktion. „Direkter Angriff mit Black Magic!“
      An der Spitze seines Stabes lud der dunkle Magier eine violette Energiekugel auf, die er mit Schwung auf Anya schleuderte. Die ging, einen erschrockenen Schrei ausstoßend, darin unter.

      [Anya: 2000LP → 0LP / Kakyo: 100LP]

      Als der Rauch verpuffte und das Hologramm des Hexers verschwand, stand Anya da wie bestellt und nicht abgeholt. Der Kameramann zog derweil ab.
      „Warte-! Meine-!“ Hilflos starrte sie auf ihre Handkarte. Die hätte es doch wenden können!
      Kakyo indes deaktivierte sein D-Pad und schritt auf Anya zu.
      „Das ist nicht fair!“, platzte die plötzlich, sodass er auf halbem Wege stehen blieb. „Verdammte Scheiße, ich wurde abgelenkt!“
      „Wenn du Profi werden willst, wirst du mit so etwas klarkommen müssen“, sagte Kakyo mit unterschwelliger Gereiztheit. „Schieb' deine eigene Unkonzentriertheit nicht auf andere!“
      Anya wollte sofort etwas darauf erwidern, doch verharrte im Luftholen. Er hatte Recht. Sie musste schleunigst lernen, ihre Emotionen zu kontrollieren und sich zu sortieren, sonst würde sie hier nicht weit kommen.
      „... sorry“, murmelte sie daher kleinlaut und sah zur Seite. „Bin keine gute Verliererin.“
      „Einsicht und so“, meinte er schulterzuckend und setzte nun seinen Weg fort. Als er ihr gegenüber stand, reichte der einen halben Kopf Größere ihr die Hand. „Trotzdem, gutes Spiel.“
      Anya schlug ein, auch wenn sie innerlich selten so aufgewühlt war. Sie hatte diesen sicheren Sieg in den Sand gesetzt! Verdammt nochmal! Wenn sie noch einmal verlor, würde sie es vermutlich nicht in die Endrunde schaffen! Dabei war das gerade einmal das erste Spiel gewesen!
      „Dann wünsche ich dir noch viel Erfolg. Vielleicht sieht man sich ja nochmal“, meinte ihr Gegner und wandte sich ab. „Cya.“
      „Bye“, murmelte Anya deprimiert. Das fing ja toll an!

      ~-~-~

      Oben in den Zuschauerrängen war nicht allzu viel von der Euphorie zu spüren, die Melinda über die Bildschirme verbreitet hatte. Neben Zanthe und Matt waren die Plätze frei, nur hinter ihnen wohnte eine Großfamilie dem Spektakel bei.
      „Großartig, sie hat verloren“, zeigte sich Zanthe mittelschwer erschüttert und zog nebenbei den Finger über den Bildschirm des an einem dünnen Kabel hängende Tablet in seiner Hand, „meinst du, es gibt Trostpreise? Einen Sarg zum Beispiel?“
      Sofort schwanden die letzten Bilder von Anyas Niederlage, die Szene wechselte zu einem Duell Valeries, welche gerade einen Angriff befahl. Tablets wie diese fand man unter jedem Sitzplatz, um die Spiele besser verfolgen zu können.
      Matt verschränkte die Arme und sah dem Werwolf interessiert über die Schulter. „Entspann dich. Das Turnier hat doch gerade erst angefangen. Noch kann sie es reißen.“
      „Erde an Matt, das da ist Anya!“ Zur Verdeutlichung seines Unglaubens ließ der Werwolf den Finger um die Schläfe kreisen. „Das hier wird nicht mehr besser. Eher schlimmer!“
      „Du immer und dein Pessimismus …“
      Zanthe schürzte die Lippen, als er seinen Sitznachbarn kritisch ansah. „Als ob deine Naivität besser wäre. In so einem Turnier gibt es immer genug Spieler, die ohne Niederlage durchwandern. Sie hat schon die erste. Spätestens bei der zweiten ist Schluss und es sind noch sieben Spiele bis dahin.“
      „Dann geh du doch runter und-“

      Weiter kam Matt nicht, denn ein leises Bimmeln unterbrach ihn. Seinen Ursprung fand es in der Innentasche des schwarzen Mantels, aus welcher Matt sich sein Handy fischte.
      „Ja?“, fragte er beim Abnehmen.
      „Seid ihr im Stadion?“
      Nick. Und er klang nervös.
      „Sind wir“, bestätigte ihm Matt tonlos. Ihm lag nicht besonders viel daran, ausgerechnet jetzt mit diesem Psychopathen zu sprechen. Und auch sonst nicht. „Was ist?“
      „Ihr müsst sofort zu Anya und sie warnen!“
      Zanthe machte spitze Ohren, denn selbst ohne jene selbst an das Handy zu legen, verstand er jedes Wort. „Wovor denn? Matts schlechter Laune? Der Zug ist längst abgefahren. Ach und sag ihm, sie hat ihr erstes Duell mit Bravour verloren!“
      Matt drehte sich böse funkelnd zu dem Kopftuchträger. Und fragte Nick: „Ist es etwas Ernstes?“
      „Würde ich dich sonst anrufen? Natürlich ist es ernst! Unter den Teilnehmern da unten ist jemand, der ihr schaden will!“
      Mit einem Schlag verflog Matts Abneigung gegenüber Nick. „Ein Undying!?“
      „Nein. Je nach Betrachtungswinkel könnte man sagen, dass es schlimmer ist als das.“
      „Will dieser jemand ihr etwas antun!?“
      „Lass mich ausreden!“, verlangte Nick zornig. „Was er will, das weiß ich nicht genau, sicher nichts Gutes. Hör zu-!“
      „Wir können da jetzt nicht runter!“, widersprach derweil Zanthe mit ausgestreckten Händen. „Nicht, ohne unsere Doof-Queen in Schwierigkeiten zu bringen.“
      Nicks Stimme überschlug sich förmlich vor Wut. „Dort unten ist …!“

      ~-~-~

      Anya ahnte nicht, wovor Nick sie überhaupt warnen wollte. Noch weniger ahnte sie, dass Matt und Zanthe die Hände gebunden waren, bedeutete ihr Einmischen schließlich, den Turnierablauf zu stören und damit ihre Disqualifikation zu riskieren.
      Nichtsdestotrotz verliefen die nächsten Runden ohne größere Vorkommnisse. Mit ein wenig Schützenhilfe von Levrier gewann sie ihre nächsten drei Duelle in Folge, mehr noch, bei jedem staubte sie den Extrapunkt für maximalen Schaden ab, dank [Battlin' Boxer Lead Yoke]. Einmal gelang es ihr sogar, keinen Lebenspunkt einzubüßen, wodurch sie noch einen Extrapunkt gewann und somit nun bei 14 stand. Kein schlechtes Ergebnis, wenn man sich den Start des Turniers vor Augen hielt.

      Dies schlug sich erstaunlich effektiv in ihrer Laune wieder, als sie während der Pause in einem der Cafés des Stadions saß, zusammen mit Valerie und Marc. Sie hatten einen Tisch direkt an der gläsernen Fassade neben dem großen Gang, der an den Geschäften entlang führte.
      „14!“, grinste Anya über beide Backen und biss in ihr Sandwich.
      „Hmm, ich habe nur 13“, gestand Marc ihr gegenüber.
      „Ach ihr zählt?“, staunte Valerie neben ihm. Dann nahm sie einem Schluck aus ihrer Tasse Kaffee und starrte aus dem Fenster.
      Die Blonde beugte sich bedrohlich zu ihr herüber. „Wie viele, Redfield?“
      „... 16.“
      „Sehr gut!“, lobte Marc und streichelte ihr die Schulter. „Wenn du so weiter machst, bist du garantiert in der Hauptrunde.“
      Als Anya mit ihrem Sandwich im Mund den Todesblick aufsetzte, fügte er noch hinzu: „Und du natürlich auch!“
      Die Blonde riss förmlich den Bissen fort, als sie im Kopf nachrechnete. Wenn Redfield 16 Punkte hatte, musste sie nicht nur jedes Duell gewonnen, sondern auch in jedem einen Bonuspunkt gesammelt haben. Garr, wie machte Misses Überflieger das bloß!?
      „Pah!“, raunte sie aus Trotz. „Hätte ich Angel Wing oder Heavy T, wäre ich garantiert noch besser!“
      Was dazu führte, dass Marc und Valerie verschwörerische Blicke miteinander austauschten.

      Während Anya über die wirklich wichtigen Dinge im Leben grübelte, eilte weiter draußen im ringförmigen Gang Zanthe an den zuhauf vorhandenen Besuchern und Teilnehmern vorbei und sah sich in alle Richtungen um.
      An den Geschäften vorbeirauschend, ließ er das Geschehene Revue passieren. Um Anya nicht in Schwierigkeiten zu bringen, hatten er und Matt bis zur Pause gewartet, bevor sie sich auf die Suche nach ihr begaben. Da das Stadion riesig war, hatten sie sich aufgeteilt. Er war von Matt für den Haupteingang eingeteilt worden. Dummerweise konnte Zanthe Anya nicht wittern, dazu überlagerten sich einfach zu viele Gerüche.
      Nicks Warnung hatte sich zwar ernst angehört, aber wieso sollte ausgerechnet-!?

      Er blieb stehen. Da war sie!
      Durch die Glasscheibe eines kleinen Cafés konnte er die Blonde sehen, wie sie mit dem Rücken zu ihm gewandt am Tisch saß und sich mit Valerie und deren Verlobten unterhielt.
      „Da bist du ja“, murmelte er und war im Begriff einen Schritt nach vorne zu machen, da bemerkte er etwas aus den Augenwinkeln. Eine Silhouette. Aber ihr Geruch war vertraut. Zanthe drehte sich in der Bewegung zur Seite, wo er durch die Fenster hinaus über den Fluss und die Brücke sehen konnte.
      Er sah ihn, aus dem Augenwinkel, hinter einem älteren Mann stehen. Keine zwei Meter von sich entfernt. Nur für einen kurzen Moment, eine Millisekunde. Aber bevor er diese eine, ihm wichtige Person ins Visier nehmen konnte, lief eine Gruppe von Besuchern zwischen ihnen durch – und der Mann war verschwunden. Aber sein Geruch war noch da, wenn auch schwächer werdend.

      Irritiert wirbelte Zanthe herum, sah in die Fensterscheibe des Cafés. Er musste Anya warnen, aber wenn er jetzt lange zögerte, würde er entwischen. Der Diener des Sammlers, sein-!
      Aufgeregt schaute der junge Mann wieder zurück, nur um seine Richtung erneut zu ändern. Anya oder Kyon!? Viel Wind um nichts oder Antworten!? Niemand würde sie stören …
      „Sorry Anya“, nuschelte er, da die Entscheidung doch so nahe lag.

      Ohne noch einen Gedanken an seine Freundin zu verschwenden, sprintete er los. Den Gang entlang, immer dem schwindenden Geruch nach. Dabei stieß er gegen verschiedene Leute, ignorierte ihre wütenden Rufe und entschuldigte sich nicht einmal.
      Es führte ihn zum Haupteingang, durch den er und Matt vorhin gekommen waren. Anstatt sich an den mit Absperrungen vorgegebenen Weg aufzuhalten, schwang er sich einfach darüber hinweg, stieß dabei noch fast jemanden von der Security um und rannte durch eine der offen stehenden Türen.

      Das Sonnenlicht blendete ihn, aber er musste nur seiner Nase folgen. Es führte ihn nach rechts, einen asphaltierten Weg entlang, der um das riesige Gebäude herum führte. Am äußeren Rand war eine Rasenfläche angelegt, wo man sich unter großen Bäumen auf eine der Bänke setzen konnte. Dort zog es ihn hin.
      Hinter einer dieser Bänke angelangt, blieb Zanthe stehen. Von hier konnte man herüber zu Ephemeria City sehen, ihre Riding Duel-Strecken und Wolkenkratzer bewundern. Aber Zanthe hatte keinen Blick dafür. Sein Herz pochte aufgeregt. Weiter vorne führte ein Hang zur unteren Ebene der künstlichen Insel. Und dort, unter dem Schatten der Brücke sah er eine Gestalt verschwinden.

      Mit einem Satz landete er gebeugt auf dem gepflasterten Weg, direkt vor dem Geländer. Das Rauschen des nahen Wassers sowie seines Blutes in den Ohren, sprintete er aus der Hocke los.
      Doch als er unter der Brücke angelangte, war dort nichts und niemand. Nur der Geruch.

      „Macht es dir Spaß, mir wie ein verliebtes Mädchen überall hin zu folgen?“, fragte eine helle, klare Männerstimme amüsiert.
      Zanthe spürte einen leichten Windzug. Etwas wurde gegen seinen Hals gehalten. Aus den Augenwinkeln erkannte er, dass es sich um eine Klinge mit Sägezähnen an einer Seite handelte, wobei die andere von einer dicken, weißen Abdeckung umgeben war.
      „Ich dachte, du wärst jemand, den ich kenne“, sagte der Kopftuchträger mit unterdrückter Enttäuschung. „Du kannst das Ding wegnehmen, ich tue dir nichts. Außer du legst es drauf an.“
      „Pass lieber auf, dass ich dir nichts tue.“
      Trotzdem ließ der Fremde seine Waffe sinken, sodass Zanthe sich vorsichtig zu ihm umdrehte. Zwar standen sie im Schatten der Brücke, doch er konnte ihn gut erkennen. So sah er dem Butler des Sammlers von der Größe und Kopfform her ähnlich, doch Zanthe begriff, dass seine Fantasie ihm einen Streich gespielt hatte. Allein diese strahlend blauen Augen, sie passten nicht zu Kyons braunen. Der Geruch hatte ihm einen Streich gespielt …
      „Eine Verwechslung also?“, fragte der einen halben Kopf Größere und legte ebenjenen in den Nacken. Um seinen Hals lag ein Paar beeindruckender Kopfhörer, die über ein Kabel mit einem kleinen Apparat an seinem Gürtel verbunden waren.
      Der Werwolf musterte ihn, während er die Frage mit einem Laut bejahte. Wer färbte denn bitte seinen Pony blond, den man darüber hinaus zu kleinen Zöpfen geflochten hatte und band diese zu einem langen Pferdeschwanz zusammen, während die Seiten kurz rasiert und dunkel waren?
      „Du kannst nicht -er- sein“, stellte Zanthe ärgerlich fest, „so wie du rumläufst.“
      Damit spielte er auf die für den Sommer unnötig dicke, ärmellose Weste über dem T-Shirt des anderen Mannes an.
      „Und du bist wohl kaum ein normaler Mensch, wenn du mir bis hierher folgen konntest und das, obwohl ich – ach egal“, erwiderte der genauso schnippisch und hielt Zanthe seine Waffe unter die Nase. „Also, dann erzähl mal.“

      Jetzt konnte Zanthe es sehen, dieses seltsame Schwert. Von einer blau-weißen Metallfassung umgeben, war nur eine Seite mit dem gezackten Klingenblatt bestückt. Dafür war es massiver und länger, als Zanthe es sich vorgestellt hätte. Und dieser Kerl hielt es mit nur einer Hand.
      „Du hast einen Geruch an dir, den ich kenne“, meinte er, „daher habe ich dich verfolgt. So einfach ist das.“
      „Du … riechst mich?“ Zur Verdeutlichung schnüffelte der Typ unter seinen Armen und zuckte mit den Schultern. „Also ich riech' nichts. Zum Glück!“
      „Ich bin ein Werwolf, natürlich rieche ich so etwas. Also, kennst du einen Kyon? So heißt der Typ, von dem ich rede.“
      Der Fremde blinzelte verdutzt. „Ein was bist du?“
      „Werwolf.“
      Der Blondschopf sah sich zu allen Seiten um, ehe er sich vorbeugte und mit vor den Mund gehaltener Hand fragte: „Und was ist das? Trifft man solche hier häufiger?“
      Zanthe traute seinen Ohren kaum. „Werwölfe!? Klingelt es da nicht bei dir? Oder hast du wirklich noch nie von uns gehört!?“
      Das aufrichtig ahnungslose Gesicht seines Gegenüber verriet ihm prompt die Antwort, wodurch der Kopftuchträger abwinkte. „Ach, vergiss es und antworte mir einfach.“
      „Ich kenne keinen Kü-ohn.“
      Zanthe ballte eine Faust. Wären hier nicht noch andere Leute und hätte dieser Lügner nicht diese seltsame Waffe in der Hand, wäre er ihm schon längst an die Kehle gesprungen. Denn er irrte sich nicht, das war definitiv -sein- Geruch an ihm!

      Es schien, als würde der junge Mann Zanthes Anspannung bemerken, denn er legte einen Zeigefinger ans Kinn und schien nachzudenken. „Nun, von deinem Freund habe ich noch nie gehört. Der, den du riechst, heißt vielleicht Kakyo. Hilft dir das weiter?“
      „Kakyo!?“, wiederholte Zanthe ungläubig. „Bist du dir sicher?“
      „Ja, Kakyo hieß er. Hat mir … aus der Patsche geholfen, neulich. Mit anderen Menschen hatte ich seitdem keinen Kontakt.“
      Auch wenn er dabei unbekümmert klang, verfinsterte sich der Blick des Blonden für einen Augenblick. Schließlich ließ er die Waffe in seiner Hand einfach verschwinden, indem sie sich in weißes Licht auflöste.
      „Nun“, sagte er und verschränkte die Arme hinter dem Kopf, „sonst noch Fragen?“
      „Wann war das?“, wollte Zanthe wissen.
      „Vor zwei Tagen.“
      „Und er hieß wirklich Kakyo, nicht Kyon?“
      Sein Gegenüber nickte stumm. Seufzend ließ Zanthe den Kopf hängen. Er verstand es nicht. Dieser Name sagte ihm irgendetwas, aber wie konnte es sein, dass dieser jemand genauso roch wie Kyon?
      Als er aufblickte, hatte sich der andere längst umgedreht. „Was bist du eigentlich für einer? Schwingst dieses komische Teil am helllichten Tag herum …“
      Der Fremde sah über seine Schulter zu ihm herüber. „Ist das ungewöhnlich? Ich wollte mich nur verteidigen. Aber wenn du meinst, dann lasse ich das in Zukunft besser.“
      „Was ist das überhaupt für eine Waffe? Wer bist du!?“
      Grinsend drehte er sich wieder um. „Schön, dass du endlich mal danach fragst. Dachte schon, wir stellen einander gar nicht mehr vor! Ich bin Exa und meine Waffe war … meine Waffe eben.“
      „Bist du so eine Art Dämonenjäger?“, hakte Zanthe skeptisch nach und verschränkte die Arme.
      Als Antwort formte Exa mit den Fingern eine Pistole. „Bingo! Ich bin hier, um ein paar Übeltäter zu stellen!“
      „Aber nicht mich, oder?“
      „Bist du denn einer?“
      „Ich bin Zanthe Montinari. Ein vegetarischer Werwolf, wenn du es wissen willst! Ich tue keiner Fliege etwas zuleide … solange sie mir nichts tut zumindest.“ Zanthe nahm Exa scharf ins Visier. „Sind hier denn hier irgendwelche Dämonen aufgetaucht?“
      Der junge Mann zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht. Sieht nicht so aus. Also dann, Zanthe, viel Spaß noch mit diesem komischen Kartenturnier. Vielleicht läuft man sich ja mal wieder über den Weg.“
      Exa wirbelte herum, winkte zum Abschied mit der Hand, setzte seine Kopfhörer auf und begann zu laufen. Der Werwolf sah ihm ungläubig hinterher. Wie eilig dieser Kerl es mit einem Mal hatte! Der war ganz sicher nicht hier, weil er nach Dämonen Ausschau hielt! Dazu müsste er erstmal wissen, was Dämonen überhaupt sind, so weltfremd wie er offensichtlich war …
      Aber Zanthe beschäftigte dies weniger als die Frage, wer dieser Kakyo war. Er hatte den Namen doch schon mal gehört oder sogar gelesen, irgendwo, vor gar nicht allzu- natürlich! Einer der Teilnehmer des Turniers hieß doch so!

      ~-~-~

      Typisch für Anya, ahnte sie nichts von den Irrungen und Wirrungen, in die sie verwoben war. Stattdessen absolvierte sie nach der Pause die nächsten drei Duelle. Welche sie allesamt für sich entscheiden konnte. Die Hoffnungen auf eine Platzierung unter den sechzehn Besten stiegen dementsprechend.

      Anderenorts saß Matt alleine im Publikum und wippte nervös mit dem Fuß, mit einem Tablet in der Hand, das Nicks Warnung mit Bildern bestätigte.
      Wo blieb Zanthe bloß? Hatte er Anya Bescheid gegeben? Denn er selbst hatte das Mädchen nicht rechtzeitig ausfindig machen können.
      Der schwarzhaarige Dämonenjäger beobachtete, wie sich die Duellanten nach und nach auf die Suche nach ihrem letzten Duellpartner machten. Inzwischen war es bereits kurz vor 18 Uhr, ein Ende war langsam in Sicht. Auch Matt war guter Dinge, dass Anya in die Hauptrunde einziehen würde – vorausgesetzt sie gewann das letzte Duell. Ansonsten könnte es knapp werden.

      ~-~-~

      „Warum bist du vorhin zurückgekommen?“, fragte Zanthe neugierig und beugte sich nach vorne.
      Er und Exa saßen auf einer der Bänke vor dem Stadion und beobachteten die Stadt, die sich hinter dem Wasser erstreckte.
      „Um ehrlich zu sein brauche ich etwas Geld. Du hast nicht zufällig welches? Immerhin hast du mir da vorhin die Tour vermasselt.“
      Der Werwolf drehte sich zu seinem größeren Sitznachbarn und funkelte ihn missmutig an: „Du wolltest den Mann bestehlen? Tss. Also war dieses ganze seltsame Gespräch über Duel Monsters, Politik und so weiter nur, weil du dir was von mir pumpen willst?“
      Sein blonder Banknachbar grinste verlegen. „Jap.“
      „Seh' ich so aus als hätte ich Geld? Ich komme nicht mal mehr ins Stadion, weil meine Karte durch dessen Verlassen ungültig geworden ist, schon vergessen?“
      „Das stresst.“
      „Und wie.“
      Die beiden begannen zu lachen. Dann tat es Exa Zanthe gleich und beugte sich vor. „Hier ist es wirklich schön. Auf gewisse Weise. Alles ist so friedlich.“
      Mit angezogenen Augenbrauen wurde er von der Seite angesehen, wie er die Hände ineinander faltete und sich mit dem Kinn auf ihnen abstützte. Einfach in die Ferne blickend.
      „Wenn du nicht gerade aus dem Nahen Osten kommst, ist das Standard.“
      „Naher was? Was ist da?“ Exa richtete sich auf.
      „Oh mein Gott …“ Zanthe klatschte sich die Hand gegen die Stirn. „Dass ich jemals jemanden treffen würde, der noch weltfremder ist als -sie-!“
      Der andere zuckte mit den Schultern. „Na und? Kann man ja ändern. Auf Freunde kann man sich immer verlassen, oder? Selbst wenn man Fehler macht, richtig?“
      Mit ungläubigem Blick ließ Zanthe den Zeigefinger zwischen sich und Exa hin und her schwenken. „Du, ich, Freunde? Sind wir das?“
      „Ab heute schon.“
      Obwohl Zanthe zunächst ein flotter Spruch auf den Lippen lag, verzichtete er darauf, ihn auf Exa loszulassen. Denn der Gedanke, einen Freund gefunden zu haben, der nicht zu Anyas Gruppe gehörte, erfüllt ihn mit Stolz. Und Wärme.
      „Cool. Aber Geld habe ich trotzdem keins.“
      „Macht nichts, ich komme schon klar“, grinste sein blond-schwarzhaariger Freund zuversichtlich.

      ~-~-~

      Mittlerweile hatte das letzte Vorrunden-Duell begonnen. Und Anya wusste nicht, ob sie glücklich über ihren Gegner sein sollte. Denn bereits seit einigen Zügen stand sie dem schwarzhaarigen, jungen Mann mit Kinnbart gegenüber, der ihr bei ihrem letzten gemeinsamen Duell mächtig an die Gurgel gehen wollte – Marc.
      „Mein Zug!“, rief dieser und riss die oberste Karte von seinem Deck. Vor ihm hatte sich ein großer Krieger positioniert, dessen Körper aus rotem und dunkelblauem Magmagestein bestand. Von seinen Armen gingen klingenartige Auswüchse ab, die lichterloh brannten.

      Laval Dual Slasher [ATK/2400 DEF/200 (5)]

      Anya ihrerseits kontrollierte ein Monster, den mit einem Stahlpfeiler auf dem Rücken gefesselten Hünen, [Battlin' Boxer Lead Yoke], dessen verbliebenes Xyz-Material sich noch in jenem Pfeiler befand, welcher ihn so schwer belastete.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3000 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      Die Life Points beider waren bereits recht angeschlagen.

      [Anya: 1500LP / Marc: 900LP]

      „Was jetzt?“, fragte Anya herausfordernd. Auch wenn die Anspannung sie seither nicht losgelassen hatte, genoss sie dieses Duell doch. „Willste mich wieder ankokeln, so wie damals?“
      Marc blickte im ersten Moment pikiert drein, dann lachte er heiser. Scheinbar hatte sie einen wunden Punkt getroffen, nämlich den seiner Schuldgefühle. „Nein, nichts dergleichen diesmal.“
      „Sei mal locker, Butcher! Ist doch Schnee von gestern!“
      Er nickte. „Natürlich, tut mir leid. Mir behagt es nur nicht, dass du gleich sehr böse auf mich sein wirst. Denn ich verbanne [Kayenn, The Master Magma Blacksmith] von meinem Friedhof, um die Angriffskraft aller Lavals um 400 zu erhöhen.“
      Anya runzelte die Stirn, als die Konturen der Klingen an den Armen des Dual Slashers rötlich zu glühen begannen und im Hintergrund das Klirren von Hammer auf Stahl erklang.

      Laval Dual Slasher [ATK/2400 → 2800 DEF/200 (5)]

      „Trotzdem zu schwach“, rümpfte Anya unbeeindruckt die Nase.
      Marc aber zeigte eine Zauberkarte vor, seine einzige Handkarte. „Nicht unbedingt! Denn ich rüste dein Monster mit [Spirit Burner] aus, mit dem ich sofort seine Position wechseln kann.“
      Gar nicht mehr gelassen stand Anyas Mund offen, als ihr Hüne kurzerhand in die Knie ging, sich den Kopf mit einer Hand festhielt, um den dunkler Nebel entstanden war.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3000 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      „Und jetzt Angriff!“, befahl Marc mit ausgestrecktem Zeigefinger. „Cross Slash!“
      Wie ein Pfeil schoss der Krieger auf den Boxer zu und holte von unten mit den Klingen aus, die er aufwärts über Kreuz schlug. Sein Feind wandte ihm rechtzeitig den Rücken zu, sodass stattdessen der Pfeiler zerstört wurde, der ihn niederdrückte.

      [Anya: 1500LP → 700LP / Marc: 900LP]

      Die Blondine schnaubte. „Tch, Durchschlagschaden!?“
      „Ja. Drei verschiedene Laval-Monster müssen auf meinem Friedhof liegen, damit das klappt.“
      „Was auch immer, ich habe das letzte Xyz-Material von Lead Yoke abgehangen, um seine Zerstörung zu verhindern. Damit wird er um 800 Rachepunkte stärker!“

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3000 → 3800 DEF/2000 {4} OLU: 1 → 0]

      Verschmitzt grinste Marc und straffte sich. „So? Vermutlich um mich im Anschluss zu besiegen?“
      „Genau so ist es, Butcher!“
      „Aber du hast die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zwei Laval-Monster auf meinem Friedhof lösen seinen anderen Effekt aus!“ Der Schwarzhaarige mit dem Kinnbart schlug mit der Faust in die Handfläche. „Da [Laval Dual Slasher] ein Monster in Verteidigung angegriffen hat, schlägt er nochmal zu! Double Cross Slash!“
      Seiner Gegnerin entglitten die Gesichtszüge. „Huh!?“
      Panisch hob sie beide Hände. „H-hey, Butcher, du willst mir doch helfen, oder!? Können wir nicht-!?“
      Konnten sie nicht. Sein Monster, welches sich noch vor Anyas Boxer befand, wirbelte um die eigene Achse und schlug dutzende Male in schneller Abfolge mit seinen Klingen zu und trieb Lead Yoke damit in die Richtung des Mädchens, bis deren Monster zersprang und sie den letzten Hieb abbekam.
      „Nein“, lautete Marcs trockene, verspätete Antwort. „Das war dafür, dass du mich mal umgebracht hast.“

      [Anya: 700LP → 0LP / Marc: 900LP]

      Fassungslos stand Anya auf ihrer Seite des Feldes und begriff, dass sie nun schon zum zweiten Mal verloren hatte. Verdammter Kackmist! Was würde jetzt aus den Finalrunden werden!?
      Sie spürte, wie die liebgewonnene Wärme des Zorns in ihre Wangen stieg und stampfte umgehend auf Marc zu, gewillt, jene Wut an ihm auszulassen. „Scheiße, Butcher, was sollte das!? Wenn du Rache wegen damals willst, dann ein anderes Mal!“
      Marc zeigte sich unbeeindruckt, als sie sich vor ihm mit ihren knapp 160 Zentimetern Körpergröße aufbaute. Besänftigend gestikulierend sagte er: „Das war nur ein Spaß gewesen. Aber vergiss nicht, wir sind hier eigentlich Gegner und ich für meinen Teil werde dich nicht gewinnen lassen.“
      „Du willst also weiter machen, wie Redfield es vorgesehen hat, huh!?“, raunte Anya missbilligend. „Statt mich um meine Angelegenheiten selbst kümmern zu lassen, wollt ihr unbedingt was von der ollen Rosenburg auf die Nase.“
      Er nickte. „Genau so ist es. Gutes Spiel übrigens.“
      Trotzig nahm sie schließlich die Hand, die ihr angeboten wurde und schüttelte sie, ohne jedoch Marcs Phrase zu wiederholen. Stattdessen murmelte sie: „Mit Angel Wing wäre mir das nicht passiert …“
      „Angel Wing?“, fragte Marc. „Dein Drache, von dem du schon den ganzen Tag redest?“
      „Mein Assmonster!“, korrigierte Anya ihn, was ihr Gegenüber mit einem Stirnrunzeln quittierte.
      „Ich dachte, das wäre [Gem-Knight Pearl]?“ Die beiden begannen sich vom Spielfeld zu entfernen.
      Anya winkte ab. „Der? Pft. Der ist bestenfalls Begleitwerk.“
      „Und was ist mit [Gem-Knight Master Diamond]?“
      „Der ist nur für die Trottel reserviert, die der Meinung sind, mir eins aufs Maul geben zu wollen.“
      Marc stieß einen mitleidsvollen Seufzer aus. „Oh Junge, Valerie hat echt nicht übertrieben.“
      „Womit?“, fragte Anya scharf und ruckte ihren Kopf in seine Richtung.
      Ihr Begleiter zuckte mit den Schultern. „Dass dir deine neuen Karten wichtiger geworden sind als deine alten.“
      „Das stimmt doch gar nicht!“, stritt Anya dies sofort ab. „Wann hat sie das gesagt!?“
      „Als wir das Café verlassen haben und du vorgegangen bist.“
      Wütend fragte die Blonde: „Wie kommt sie überhaupt auf so etwas Bescheuertes!? Ich vermisse mein Deck genauso sehr wie meine Duel Disk!“
      „Frag sie das lieber selbst.“
      „Tch, wie du willst. Das klären wir jetzt auf der Stelle!“, entschied Anya schnaubend. „Ich habe keinen Bock auf solchen Quatsch, bring mich zu Redfield!“
      Marc rollte genervt mit den Augen, war ihm anscheinend nur allzu bewusst, dass das Mädchen sehr wohl 'Bock auf diesen Quatsch' hatte. „Wenn's sein muss. Sie ist da hinten, Feld 7.“

      Zusammen zogen sie an anderen Spielfeldern vorbei, manche bereits verlassen, auf anderen dagegen war noch die Hölle los. So explodierte direkt neben Anya beispielsweise ein goldener Riesenvogel namens [Simorg, Bird Of Ancestry].
      Das Mädchen dachte derweil weniger über Valeries Aussage, sondern mehr über ihren Punktestand nach. Dank Butcher hatte sie jetzt zwei von acht Duellen und damit wichtige Punkte verloren! Der kann sich frisch machen, wenn sie wegen ihm die Finalrunden verpasste! Andererseits hatte sie so gut vorgelegt, dass die Wahrscheinlichkeit hoch war, trotzdem knapp reinzurutschen. Wie vielen hier gelang es schon, permanent Bonuspunkte zu sammeln!?
      Mittlerweile waren die Tribünen noch leerer als zum Beginn der Vorrunden, wie Anya nebenbei beim Umsehen bemerkte. Ob das wohl auch so sein würde, wenn es erst richtig losging?

      Inzwischen hatten sie es an den anderen Feldern vorbei geschafft und ihr Ziel erreicht. Sie hielten am Rand von Feld 7 an und wohnten dem Schauspiel bei, das sich ihnen bot.
      Auch Marcs Verlobte war noch mit ihrem Gegner beschäftigt, der kein Geringerer war als der junge Mann im Rollstuhl, gegen den Marc während des Festes angetreten war. Othello. Welcher dieses Mal nicht von seiner Mutter beziehungsweise Managerin begleitet wurde.
      Vals Situation sah nicht so gut aus, sie kontrollierte nur eine gesetzte Karte und hielt dazu eine auf ihrer Hand. Ganz im Gegensatz zu Othellos Feld, welches von seinem T-Rex-ähnlichen, roten Drachen dominiert wurde – Odd-Eyes. Zu beiden Seiten standen zudem blau leuchtende Lichtsäulen in der Luft, in denen sich der weiße [Stargazer Magician] und der schwarze [Timegazer Magician] befanden.

      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Auch die Lebenspunkte der beiden waren bereits ziemlich weit von Ausgangswert entfernt, besonders in Valeries Fall. Es erschien offensichtlich, dass Othello sie ziemlich unter Druck gesetzt haben musste.

      [Valerie: 1100LP / Othello: 1600LP]

      „Hey, Redfield“, rief Anya ihr zu, „mach hinne, wir haben etwas zu klären!“
      Die Schwarzhaarige warf ihr einen kurzen Seitenblick zu, dann konzentrierte sie sich wieder auf ihren Gegner. „Jetzt nicht, Anya!“
      Den jungen Mann im Rollstuhl adressierend, schwang sie den Arm über ihre gesetzte Karte aus. „Also gut, ich aktiviere meine Falle [Aquamirror Illusion], welche mich ohne Umschweife ein Gishki-Ritualmonster rufen lässt und das ohne Kosten, aber dafür darf es nicht angreifen und kehrt am Ende des Zuges auf meine Hand zurück.“
      Die Falle klappte auf und begann Schwingungen auszusenden, die aussahen wie die Oberfläche eines Sees, in den ein Stein geworfen wurde. Immer weiter breiteten sie sich aus und ehe sich die Anwesenden versahen, stand an ihrer Statt ein riesiges, schwarzes Monster, das die Wellen von dem roten Stein in seiner Brust auslöste. Vier Arme besaß es, das Horn auf seinem Haupt und die Schwingen auf seinem Rücken verliehen ihm etwas Dämonisches, gleichwohl auch Insektoides aufgrund der Tatsache, dass seine Vorlage der Herkuleskäfer war.
      „Das ist doch [Gishki Zielgigas]!“, staunte Anya nicht schlecht.

      Gishki Zielgigas [ATK/3200 DEF/0 (10)]

      Den hatte Redfield damals eingesetzt, als sie sich zusammen mit der falschen Joan of Arc in Anyas Elysion gegen Anya und der Schattengeist-Pornozwiebel des Sammlers, Orion, duelliert hatte. Seitdem hatte man ihn nie wieder gesehen, was Anya auch unter vorgehaltener Hand Marc zuflüsterte. „Sie zieht wohl auch alle Register, um weiterzukommen, huh!? Ich dachte, den hat sie eingemottet.“
      „Anya, das hier ist immer noch ein Wettbewerb“, belehrte Marc in einem fragenden, ungläubigen Tonfall, „es wäre seltsam, wenn sie auf ihre stärksten Karten verzichten würde, findest du nicht?“
      Das Mädchen verschränkte die Arme und ruckte den Kopf zur Seite. „Hab's ja kapiert, pft!“
      Valerie, die das gar nicht mitbekommen hatte, streckte ihren Arm aus. „Ich aktiviere [Gishki Zielgigas'] Effekt! Für 1000 Lebenspunkte ziehe ich eine Karte und wenn es ein Gishki-Monster ist, gebe ich eine Karte von deinem Feld in dein Deck zurück!“
      Ihr Gegner mit dem hellblonden, schulterlangen Haar starrte regelrecht abwesend an ihr vorbei und reagierte nicht. Valerie legte die Finger an ihr Deck und schloss die Augen. Murmelte: „Bitte ein Monster!“

      [Valerie: 1100LP → 100LP / Othello: 1600LP]

      Dann riss sie die Karte von ihrem Deck und zeigte sie vor. Eine Zauberkarte namens [Forbidden Arts Of The Gishki]. Da nichts passierte, sah sich Valerie die Karte selbst an und seufzte. „Das war's dann. Zug beendet.“
      „Wie jetzt!?“ Anya machte große Augen. „Sag bloß-!?“
      Das Ritualmonster ihrer Erzrivalin verschwand.

      Schon zog Othello eine Karte von seinem auf dem Spielplan vor ihm liegenden Deck. Sie gar nicht erst ansehend, murmelte er schwächlich: „Direkter Angriff, Odd-Eyes! Spiral Strike Burst!“
      Sein Drache feuerte aus seinem Maul einen rot-schwarzen Feuerstrahl, der die schutzlose Valerie erfasste. Eine im Anschluss erfolgende Explosion verkündete das Ende des Duells.

      [Valerie: 100LP → 0LP / Othello: 1600LP]

      Odd-Eyes Hologramm dematerialisierte sich. Valerie trat aus dem Rauch hervor an den Rollstuhl und reichte ihrem Gegner lächelnd die Hand. „Gut gespielt.“
      „Du auch“, erwiderte Othello lächelnd, als er annahm.
      „Unglaublich, wie schnell du die Pendelbeschwörung zu beherrschen gelernt hast.“
      Auf das Lob des Mädchens hin strahlte der Junge förmlich. „Das ist doch nichts Besonderes. Du hast doch genauso schnell verstanden, wie man sie unschädlich machen kann.“
      „Seid ihr bald fertig!?“, hallte es zu ihnen herüber.
      Valerie ließ Othellos Hand los. „Ich wünsche dir, dass du die Finalrunden erreichst und irgendwie deinen Traum erfüllst, auch wenn ich ihn eigentlich zerstören muss.“
      „Du musst dich nicht schuldig fühlen.“ Der Junge hustete mehrmals. „Dir auch viel Erfolg im Turnier.“

      Während sich die beiden verabschiedeten, stemmte Anya die Hände in die Hüften. Othello verließ sein Feld dank elektronischen Rollstuhls in die entgegengesetzte Richtung von Valerie, welche auf ihren Verlobten und dessen Anhängsel zu schritt.
      „Tut mir leid für dich“, sagte der Schwarzhaarige sofort.
      „Macht nichts, man kann nicht immer nur gewinnen. Und du bist ja schließlich auch nicht mit ihm fertig geworden. Ganz schön ehrgeizig, der Gute.“ Valerie strahlte neckisch. „Aber halb so schlimm. Wie lief es bei euch?“
      „Bevor dein Stecher aufgetaucht ist? Gut!“
      Anya mahlte wütend mit dem Kiefer, besonders als Marc hinzufügte: „Wir wurden in der letzten Runde gegeneinander gepaart. Sie hat verloren.“
      Da Valerie bereits Anyas Körperfarbe rapide ins Rote überwechseln sah, verzichtete sie auf eine Stichelei und versuchte stattdessen sie zu beschwichtigen. „Und wenn schon, wir Drei sind trotzdem weiter.“
      Allerdings war das nicht das Thema, das Anya geklärt haben wollte. „Redfield, was soll das heißen, mir wären die Hüterkarten neuerdings wichtiger als meine Gem-Knights!?“
      „So habe ich das nicht gesagt“, verteidigte sich Valerie mit erhobenen Händen und wandte sich an ihren Verlobten. „Marc!“
      „Du hast das genau so gesagt“, zischte der zwischen den Zähnen gereizt aufgrund des empörten Tonfalls.
      „Das war aber nicht für ihre Ohren bestimmt, da waren wir uns einig!“, kam es in gleicher Manier zurück.
      Anya stampfte auf. „Mir doch egal! Das ist totaler, geistiger Dünnschiss, Redfield! Schreib dir das hinter deine operierten Ohren!“

      Im Affekt wirbelte sie um und rauschte davon. Kurz Marc ansehend, schüttelte Valerie enttäuscht über das lose Mundwerk des Schwarzhaarigen den Kopf, nur um Anya dann hinterher zu rennen.
      „Warte doch, Anya! Ich wollte keinen Streit vom Zaun brechen!“
      „Ich brech' dir gleich was!“, ignorierte Anya die Bitte und stieß jeden um, der nicht rechtzeitig auswich. Hinter ihr entschuldigte sich Valerie kleinlaut bei den am Boden liegenden Duellanten.
      Auch Marc hatte die Verfolgung aufgenommen. „Wo willst du denn hin? Die geben jeden Moment die Platzierungen bekannt!“
      Wie könnte es auch anders sein, war Anya in ihrem Wutschub taub für jegliche Form von Versöhnung. Erst als Valerie sie eingeholt und umrundet hatte, kam die Blonde zum Stehen.
      „Stell dich nicht so an!“, tadelte ihre Erzrivalin sie und packte ihre Schultern. „Wenn du hier bestehen willst, musst du dich langsam mal an Kritik gewöhnen!“
      „Also gibst du zu, dass-!“
      „… nun der Effekt von [Artorigus, King Of The Noble Knights]! Für jede seiner Noble Arms zerstört er eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld!“
      Anya verstummte mitten im Satz. Diese Stimme! Mechanisch drehte sie ihren Kopf nach rechts. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie nur noch, wie ein Blitz auf dem Spielfeld neben ihr gleich dreimal einschlug. Und sie sah jemanden, der ihr sehr bekannt vorkam: Der brünette junge Mann, ihr Gegner aus der ersten Runde. Kakyo. Wie er völlig schutzlos da stand und in kämpferischer Haltung das D-Pad vor sich hielt.
      „Anya, das ist doch-!“, hörte sie Valerie sagen.
      Die Blonde wusste, wer derjenige war, welcher das Xyz-Monster auf der anderen Seite kontrollierte. Den sagenumwobenen König Artus, der je in der linken und rechten Hand ein Schwert hielt. Und über ihm schwebte ein weiteres, bestehend aus zwei zusammenlaufenden Klingen, einmal in rot, einmal in blau. Plötzlich sackte der Ritter für einen kurzen Moment in die Knie.

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/3500 → 2500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      „Du denkst also, du kannst mithilfe von [Shrink] das Unausweichliche verhindern?“, fragte der blonde Zachariah mit schnarrender Stimme. „Tut mir leid, die Grundangriffspunkte meines Monsters für diesen Zug zu halbieren reicht nicht.“
      Kakyo erwiderte: „Es reicht, um den Zug zu überstehen!“

      [Zachariah: 5500LP / Kakyo: 3100LP]

      Anya gefror förmlich das Blut in den Adern, wie sie ihren Bruder sah, der sich bereits von dem Duell abwandte. Fein gekleidet in einen roten Anzug, samt Goldkette um den Hals und hochgegelter Mähne.
      „Denk lieber nochmal darüber nach“, meinte Zach und schnippte im Weggehen mit dem Finger. „Artorigus greift direkt an. Das war's.“
      Mit gewaltigem Tempo sprintete der Ritterkönig voran. Das Schwert über seinem Haupt folgte ihm dabei. Kakyo hielt schützend die Arme übereinander und bekam erst eine links-rechts-Hiebkombination mit den Schwertern in Artus Händen ab, ehe jener nach oben griff und die riesige Klinge schwang. Eine gewaltige Energieexplosion entstand, als jene den jungen Duellanten berührte.

      [Zachariah: 5500LP / Kakyo: 3100LP → 0LP]

      Mit einem leisen Surren verschwanden die Hologramme und Kakyo stand da wie ein begossener Pudel, betrachtete im Anschluss den Bildschirm an seinem roten D-Pad, sich den Effekt der von Zach benutzen Karten durchlesend.
      „Was ist da passiert!?“, staunte Marc, der die Mädchen inzwischen eingeholt hatte.
      „Dasselbe wollte er mit mir machen!“, erinnerte sich Anya, die nur dank Logans Eingreifen damals nicht gegen ihren verräterischen Bruder verloren hatte.
      Jener hatte sie offenbar gehört, denn er drehte sich zu Anya, Marc und Valerie um. Und begann siegessicher zu lächeln. „Na wenn das mal nicht mein 'Schwesterherz' ist. Hast du es tatsächlich bis hierher geschafft?“
      Lässig mit den Händen in den Hosentaschen schlenderte er auf die Gruppe zu. „Ich hoffe, du machst deiner hübschen Freundin da keinen Ärger.“
      „Was machst du hier!?“, fauchte Anya.
      Zach antwortete im Laufen unbekümmert: „Wonach sieht es denn für dich aus?“
      „Du weißt genau was ich meine, Arschfresse!“ Derweil war ihr Bruder bei den Dreien angelangt. „Wie hast du dich qualifiziert?“
      „Über einen Sponsor. Wie so ziemlich jeder hier, der nicht gerade ein albernes Schulturnier gewinnen muss. Nicht wahr?“ Mit einem chauvinistischen Lächeln auf den Lippen, nickte er Valerie zu, die jedoch ihre Lippen fest zusammenpresste und nicht reagierte.
      „Gut gemacht“, zischte Anya hasserfüllt.
      „Sehr gut“, verbesserte Zachariah sie arrogant. „Ich habe noch kein Duell bisher verloren. Wie sieht's bei dir aus, 'Schwesterherz'?“
      Sie blieb ihm die Antwort schuldig und forderte stattdessen eine eigene ein. „Warum zum Teufel bist du hier!? Ich kapiere es nicht!“
      Der blonde Mann zuckte mit den Schultern. „Ich sagte doch, ich bin hier, weil ich gesponsort werde.“
      „Von wem!?“
      Langsam zog er an Anya vorbei, lächelte tückisch. „Von dem Mann, dessen Angebot -du- ja abgelehnt hast. Aiden Reid. Eine ganze Million bekomme ich, wenn ich gewinne. Doppelt so viel wie das Preisgeld, das von offizieller Seite verliehen wird.“
      „Aiden Reid? Das ist doch der CEO von Micron Electronics!“ Valerie hatte ihre Stimme nun doch wiedergefunden.
      „... dieser Scheißkerl, Nick hatte Recht!“ Sofort kamen all die warnenden Worte in Anya hoch, die ihr bester Freund gesprochen hatte. „Verräterschwein!“
      Im Kontrast zu Anya, die verkrampft da stand und in die Leere starrte, neigte sich Zachariah schon regelrecht nach vorne, als sie auf derselben Höhe standen. „Was ist daran verräterisch, die Interessen seiner Firma zu verfolgen? Denkst du, du bist die Einzige, die man fragen darf, ob sie für einen antritt?“
      Anya erwiderte nichts.
      „Aber tröste dich, die Million ist mir eigentlich scheißegal“, sagte er und flüsterte seine letzten Worte mit besonderer Boshaftigkeit, „in Wirklichkeit bin ich nur hier, weil ich dir die Tour vermasseln will. Also bete, dass ich nicht so bald dein Gegner werde.“

      Zufrieden vor sich hin pfeifend, zog er an der Gruppe vorbei. Vergessen war der Streit mit Redfield. Anya zitterte leicht, konnte sich nicht rühren. Ihr Bruder, hier, in diesem Turnier!? Dieser Mistkerl, der mit Kali unter einer Decke steckte!?
      „Geht es dir gut?“, fragte Valerie sie von der Seite besorgt.
      „Wie kommt dieser Arsch dazu, einfach hier aufzutauchen!?“
      Kurz davor, vor Wut zu platzen, wirbelte Anya herum. Heute verlief ja mal wieder alles nach Plan!
      „Habe ich das richtig verstanden?“, fragte Marc verwirrt. „Er hat gesagt, er würde von Aiden Reid gesponsort werden, nachdem du abgesprungen bist? Wie kommt der dazu, dich anheuern zu wollen?“
      „Das würde ich auch gerne wissen“, pflichtete Valerie ihrem Verlobten bei.
      Die genaue Antwort konnte Anya ihnen nicht geben, da sie selbst kaum schlauer war als die beiden. Aber sie begriff langsam, dass Nick vielleicht Recht haben und Reid gefährlich sein könnte. Wieso sonst sollte er ausgerechnet ihren Bruder für sich ins Turnier schicken, wo es mit Sicherheit wesentlich bessere Kandidaten gab?
      „Ihr wart halt schon vergeben und er wollte jemanden aus Livington“, log Anya, „aber fragt mich nicht, wieso es jetzt ausgerechnet diese Kackratte sein muss!“
      Valerie legte einen Zeigefinger an die Wange. „Hmm. Ich denke, du solltest vorsichtig sein. Da ist vermutlich etwas Persönliches im Spiel.“
      „Ich hab davon gehört, dass ihr beide euch nicht versteht“, sagte Marc, „aber was hätte jemand wie Reid davon, das auszunutzen?“

      Während die beiden ihre Vermutungen anstellten, welche Anya aufgrund ihrer eigenen kaum wahrnahm, endeten immer mehr Duelle. Die Teilnehmer des Legacy Cups verstreuten sich in der riesigen, offenen Halle, da sie jene bis zur Verkündung der Finalisten nicht verlassen durften.
      Und schließlich war es soweit: Melindas Haupt flackerte auf jedem der riesigen Bildschirme oberhalb der Tribünen auf. Es befand sich in der rechten Hälfte, in der linken war stattdessen eine leere Tabelle zu sehen. Sie bestand aus sechzehn Zeilen und zwei Spalten, Name und Punktzahl.
      „Hallo Leute!“, grüßte das älteste Kind der Ford-Sippe fröhlich in die Kamera. Doch anders als noch während der Begrüßung wirkte es falsch, denn ihr Mund mochte zwar lächeln, ihre Augen jedoch nicht. „Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch an euch alle! Ihr habt euch fantastisch geschlagen!“
      Allgemeines Gemurmel füllte das Stadion. Anya, Marc und Valerie standen nebeneinander und betrachteten einen der Bildschirme.
      „Viele Schlachten sind heute geschlagen worden. Doch leider konnten sich nur die besten Spieler durchsetzen, um in die Hauptrunde des Legacy Cups zu gelangen.“ Melinda zeigte mit ausgestreckter Hand zur Tabelle. „Ohne lange drum herum zu reden, werden jetzt ihre Namen erscheinen.“
      Kaum hatte die Rothaarige dies gesagt, tauchte der erste Name in der Liste auf. Dann der zweite. Und während Anya mitlas, wusste sie nicht, ob ihr heiß oder kalt war.

      1. Bauer, Zachariah – 40
      2. Montinari, Alessandro – 40
      3. Yu-liang, Jiang – 38
      4. Leonhart Jr., Jack – 37
      5. Nikoloudis, Othello – 35
      6. Mitchell, Sandy – 32
      7. Kingston, William – 30
      8. Slater, Allison – 28
      9. Sangon, Kakyo – 28
      10. Walker, Justin – 28
      11. O'Donell, Samantha – 27
      12. Redfield, Valerie – 26
      13. Guerri, Valmiro – 25
      14. Butcher, Marc – 24
      15. Morisaki, Saeko – 24

      Anya bekam Panik. Sie hatte 23 Punkte! Sie hatte doch 23, oder nicht? Demnach müsste sie auf der Liste erscheinen, sofern …

      16. Powell, Elaine – 24

      Dem Mädchen gefror das Blut in den Adern. Sie hatte es nicht geschafft. Ihr fehlte der entscheidende Punkt!
      „Herzlichen Glückwunsch“, hörte sie am Rande Melindas Stimme, „ihr seid mit dabei.“


      Turn 60 – Path Of Most Resistance
      Ganz zu Anyas Entsetzen entwickeln sich die Dinge in eine Richtung, die ihr gar nicht schmecken will …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Battlin' Boxer Lead Yoke

      Valerie

      Gishki Zialgigas

      Forbidden Arts Of The Gishki

      Aquamirror Illusion

      Marc

      Kayenn, The Master Magma Blacksmith

      Spirit Burner

      Laval Dual Slasher

      Othello

      Timegazer Magician
      Stargazer Magician
      Odd-Eyes Pendulum Dragon

      Zachariah

      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms – Caliburn

      Noble Arms – Excaliburn II
      Zauber/Ausrüstung
      Du kannst nur 1 offene "Noble Arms - Excaliburn II" kontrollieren. Rüste nur ein „Noble Knight“-Xyz-Monster mit dieser Karte aus. {????}

      Artorigus, King Of The Noble Knights

      Kakyo

      Dark Magician

      Dark Magic Curtain
      Thousand Knives
      Shrink
      Das mit dem Nachholen war wohl etwas missverständlich, natürlich hab ich alle Folgen ab Folge 42 gelesen, aber ich hatte sie einfach nicht mehr gut genug im Gedächtnis, um sie zu bewerten. D.h. ich habe sie zwar alle gelesen, aber nur nicht bewertet.

      Folgenresümee folgt bald per Edit, hab heute Abend leider keine Zeit mehr, das alles zu bewerten.


      @ Evil Bakura
      BITTE BITTE zeichne das Bild von Anya und Valerie! :wink: :D


      Edit: Ok jetzt zur Folge:

      Spoiler anzeigen

      Der Anfang war grandios. Solche Turnieranfänge sind ja immer ganz besondere Momente und das hat man so richtig gespürt. Denn es war einer der besonderen Momente in denen Anya von etwas berührt wurde, selten genug und jedes Mal ein Highlight. Und dann der Kontrast zu ihren typischen Anya Art war ja mal soo klasse, wie die anderen dann wieder versuchen das auszubügeln ^^

      Ein ganz toller Moment. Auch die Stimmung des Turniers war interessant. Die Duelle waren ja eher knapp gehalten, aber der Eindruck um den es ging wurde gut klar, von daher passte das. Bei solchen Turnieren zählen die Ereignisse drum herum irgendwie mehr als alles andere, auch wenn man sich in seiner Erwartungshaltung das irgendwie immer anders vorstellt. Aber gut ist´s trotzdem. Die Vorrunde an sich war wechselhaft in ihren Ergebnissen, aber unvorhersehbar und doch realistisch. Das Anya nicht reinkommt macht dies Sache natürlich noch spannender, wie soll das schließlich weitergehen?

      Zanthe´s neuer Freund verspricht interessant zu werden. Apropos Zanthe, der Nachname des zweitplatzierten ist ja mal seeeeeeeeeeeeehr verdächtig. Du wärst ja auch nicht -Aska- wenn du in so was nix einbauen würdest, was das Potenzial hat einen später noch mal umzuhauen, oder? :D

      Das Anyas Burder auftaucht...hätte ich mir denken können. Hab ich aber nicht, damn ^^

      Sehr interessant war der Kommentar von Valerie, oder besser gesagt was Marc Anya davon erzählt hat. Tatsächlich sind Anya die neuen Karten sehr wichtig geworden, wie man gut erkennen kann. Ich persönlich glaube, dass Anya der Verlockung der Macht dieser Karten einfach nicht widerstehen konnte. Angel Wing ist ja eine Karte, die in Echt mit Sicherheit dafür sorgen würde, dass die Masse empört/entsetzt aufschreien würde und mindestens die Hälfte der Spieler YGO den Rücken kehrt :D
      Aber zurück zum Thema: Macht ist für jemanden der ständig um sein Leben kämpfen muss ja durchaus etwas, was sich breitmachen kann. Auf ihre eigentliches Deck besinnt sie sich nur, wenn es hart auf hart kommt und ihre diese Macht der neuen Karten nicht zur Verfügung steht, erst dann ist sie wieder ganz die alte. Dieser Kampf prägt Anya also ganz entscheidend, sie wird in gewisser Hinsicht pervertiert. Ich bin mir nicht sicher, ob Anya nicht insgeheim doch noch die alte ist, doch die Macht dieser Karten steht momentan noch im Vordergrund. Wenn sie aber erst auf die Macht der neuen Karten verzichten lernt, lernt, diese in gewisser Hinsicht zu kontrollieren und diese einseitige Abhängigkeit aufzulösen, dann werden wir - zusammen mit ihrer generellen Entwicklung, die du ja sehr eindeutig herauskehrst - eine ganz neue, starke Anya sehen können.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Mcto ()

      Spoiler anzeigen
      ​Ihr Bruder war durch seine bloße Anwesenheit im Weg xD.
      Auch fande ich den "Mini-Konflikt" zwischen Anya und Valerie/Marc recht interessant. Man merkt halt auch als Zuschauer wie wichtig ihr die Hütter Karten sind. Aus rein spielerischer Sicht XD
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      @-Aska-
      Das stimmt. Wenn jede normale Person die gleiche Definition wie Anya hätte, befände man sich permanent in einem Zustand von Bürgerkrieg xD

      Ich find es wirklich schön, wie du die Freundschaft der beiden in der vorherigen Folge betont hattest. Wie irgendwo gesagt, die Momente sind einfach toll und man kann viel zu oft bei schmunzeln. Und was heißt hier überreden? Zu welchem Zeitpunkt wird Anya denn bei sowas gefragt? xD

      "Übrigens umspannt die Story von Folge 1 bis 59 nur circa ein Jahr, nicht zwei. xD"
      Deshalb hab ich ja bewusst vor 2 Jahren gewählt (glatt gelogen xD), weil zu dem Zeitpunkt sie praktisch noch mit Sicherheit die Anya war, die man mit Folge 1/2 kennen gelernt hat.

      Wehe Valerie bekommt keine solche Szene, dann rück ich mit Barbie und Ken und deren gemischtwaffigen Nachwuchs an xD


      @Mcto
      @ Evil Bakura
      BITTE BITTE zeichne das Bild von Anya und Valerie!

      Vielleicht mal irgendwann, in nächster Zeit wird daraus aber leider nichts =/


      Folge

      So, dann will ich auch noch meinen Senf abgeben. Aber gut, die Letzten werden bekanntlich ja die Ersten sein. Aber du weißt ja, dass ich wegen meinem MGS V Marathon indisponiert gewesen bin. xD

      Natürlich muss ich gleich beim Ende ansetzen:
      Sehr gelungener Stilbruch. Die meisten hätten an dem Punkt sicher erwartet, dass Anya um Haaresbreite auf dem letzten verfügbaren Platz doch noch ins Finale hineinschlupft, aber nicht, dass sie rausfliegt.
      Was btw am meisten wohl nicht Anya, sondern Zach stinken dürfte, wollte er doch seiner Schwester selbst den Tag versauen und sie aus dem Turnier werfen. Und da schlägt das Luder ihm am Ende doch ein Schnippchen und macht das einfach selbst. Naja, immerhin bleibt ihm noch die Schadenfreude, dass sie raus ist während er die Liste anführt xD

      Mit den Ausschnitten aus den einzelnen Duellen in der Folge ist es dir denke ich recht gut gelungen, einen kleinen Einblick in die in nur einer Folge abgehandelten Vorrunden zu bieten, ohne jetzt die Duelle der einzelnen Protagonisten über mehrere Folgen zu verteilen. Trotzdem waren denke ich die wichtigsten Stellen, oder besser gesagt, die Niederlagen dabei. In den Vorrunden sind Siege vermutlich eh relativ unspektakulär (mal abgesehen von einem Antagonisten wie Zach die Rolle inne hat), und allein bei der Anzahl von 8 Runden würden die sich zu oft wiederholen wenn es darum geht, dass die Charas ins/oder knappt nicht ins Finale einziehen sollen. Bei Niederlagen hingegen will man ja irgendwo eher wissen, wie es dazu kommt.

      Rückblickend für Anya ist es natürlich extremer Mist gewesen, dass sie die Unaufmerksamkeit in Runde 1 nach aktuellem Stand den Einzug ins Finale gekostet hat. Aber ich kann mir das wirklich gut vorstellen, dass jemand wie Anya von so nervigem Zeug schnell ablenken lässt, gerade wenn dir so nen Typ mit der Kamera auf den Leib rückt. Die Paarung gegen Marc war dann echt dumm gelaufen, aber den Frust wird sie wohl noch an ihm auslassen können, wenn sie ihren Schock verdaut hat. Denn man könnte sogesehen auch sagen, dass er ihr in letzter Sekunde den Einzug versaut hat. Wie man es aber auch dreht, momentan ist Anya ausgeschieden. Und damit kommen ganz große Probleme auf sie zu.

      Ansonsten hatte (zum Glück) auch Valerie ihren kurzen Duellauftritt, auch wenn es wieder eine Niederlage war (wie oft hatten wir das schon? xD ) Naja, ich erfreue mich an den 7? nicht gezeigten Siegen, die sie hatte. Die rücken sie in das richtige Licht. Außerdem war ihre Niederlage ja auch gegen Othello, der seinerseits extrem hochplatziert gewesen ist, wie man zum Ende gesehen hat. Und es war ja wirklich eine gute Chance, dass sie das Duell nochmal komplett hätte drehen können.

      Was ihre Bemerkung bezüglich Angel Wing angeht, da ist sicherlich viel Wahres dran, aber wenn man Anya in den Vorrunden beobachtet hat, dann kann man mit Sicherheit sagen, dass sie mit Yoke bereits einen ideellen Ersatz für den Drachen gefunden hat, so wie sie ihn praktisch jede Runde erfolgreich gerufen und eingesetzt hat.

      Dann aber noch ein wenig zu der Rahmenhandlung der Folge. Zum Einen gab es da die Überraschung in Form der Teilnahme von Zach, welchen Aiden an Anyas Statt ins Rennen geschickt hat. Und man muss ihn offensichtlich definitiv im Pro-Niveau einordnen, so makellos wie seine Statistik am Ende ausschaut. Denke das spricht durchaus für sich.
      Viel rätselhafter wird natürlich sein, was Aiden sich davon verspricht. Einerseits könnte er so natürlich Nick wieder eins auswischen, aber das dürfte ja nicht sein Hauptziel sein. Und andererseits denke ich auch, dass Anya von vornherein nie der strahlende Kandidat fürs Podest gewesen ist. Also kann sein eigentliches Ziel ebenso wenig der Turniersieg gewesen sein, was er nun mit Zach erreichen will. Bleibt also wirklich spannend, was genau seine Absichten gewesen sind. Aber egal wie man es nun dreht und wendet, mit Zach hat er definitiv einen Kandidaten fürs SIegertreppchen aufgestellt.

      Was Anyas Bruder angeht, hat man wieder sehr schön seinen Hass gegen Anya spüren können, und wie er das alles nur macht, um Anya zu schaden. Während die Million eine nette Dreingabe sind.

      Was jenen Kakyo angeht, muss man denk ich auch abwarten, was es mit ihm und seiner Verbindung zu Kyon auf sich hat. Da er aber ins Finale eingezogen ist, ist denk ich relativ sicher, dass er auch weitere Auftritte haben wird.
      Wie aber schon bemerkt worden ist, viel irritierender war auch für mich der Name des Zweitplatzierten bei den Vorrunden. Und damit der "Wink" auch niemandem entgeht, hast du ja extra nochmal Zanthes Nachnamen ebenso in der Folge genannt. Da wird sich auch zeigen müssen, was das zu bedeuten hat.

      Und dann gab es da noch den 'weltfremden' Schwertkämpfer, der mit seiner Ahnungslosigkeit glatt Zorros Orientierungssinn Konkurrenz machen könnte (lustiger Vergleich, weil das ja auch ein Schwertkämpfer ist xD). Bei dem bin ich mir btw. überhaupt nicht sicher, was ich von ihm halten soll. Kann auch noch gar nicht einordnen, welche Funktion er haben werden soll. Aber da er sich mit Zanthe anfreundet und er somit sicher nicht ohne Grund eingeführt worden ist, wird er definitiv noch eine Rolle im weiteren Verlauf haben. Bleibt nur offen, welche Form diese haben wird?

      Nachvollziehbar fand ich auch als Zanthe zwischen beiden Situationen abwägte, und - weil er Nicks Sorgen als aus der Luft gegriffen sah und einfach für viel Panik um Nichts hält - sich stattdessen für die aus seiner Sicht sehr wahrscheinlich einmalige Chance entscheidet, 'Kyon' allein zu stellen. Schwer zu sagen, ob es die richtige Entscheidung war, aber von außerhalb betrachtet hätte ihr Wissen um Zach rein gar nichts an ihrer Situation geändert (mal abgesehen von dem Fall, dass beide gegeneinander gepaart geworden wären, aber selbst dann hätte sie da so oder so durchgemusst), und so hat er die Zufallsbegegnung mit dem großen Unbekannten gehabt - wobei da ja nicht im Geringsten klar ist, ob es wirklich 'Zufall' war xD

      In dem Sinne, bis zur nächsten Folge, man will ja wissen, was jetzt aus Anya wird (und hofft, dass ein paar der in dieser Folge aufgeworfenen Fragen ebenso geklärt werden :3)

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Wieder vielen Dank für eure Kommentare! :)

      @Mcto
      Ach so! Dann hab ich das falsch verstanden. ^^

      Freut mich, dass dir der Turnierauftakt gefällt. Ob Anya noch reinkommen wird? Vielleicht erfährst du es ja diese Folge?
      So oder so, ich sehe das so wie du: Turnier schön und gut, aber die Rahmenhandlung ist wichtiger. Deswegen wird es nicht so viele komplette Duelle geben wie gerade bei Arc-V beispielsweise. Eben nur die wichtigen, alles andere wird nur angeschnitten.

      Natürlich ist Zanthes Nachname mit voller Absicht gefallen und dass jener im Ranking auftaucht ist auch kein Zufall. ;)

      Angel Wings Stärke einzuschätzen finde ich recht schwer. Ich denke schon, dass du Recht hast und er viel gespielt wird, weil er mit ein paar Lichtmonstern überall reingesplasht werden kann, aber ihn effektiv auf dem Feld zu halten ist im RL doch schwerer als in der Fanfic.
      Was du aber gut erkannt hast ist, dass Anya ein wenig der Stärke der Karten verfallen ist. Insofern sei gespannt, wie sich das entwickeln wird. Denn das wird es.

      Danke für deinen Kommentar! :)

      @WiR
      Zach ist grundsätzlich immer im Weg. Liegt ihm sozusagen im Blut. xD
      Freut mich, dass das so rüberkommt mit Anya, wie ich mir das vorgestellt habe!

      Danke auch dir für deinen Kommentar!

      @Evil Bakura
      Besteht denn überhaupt die Notwendigkeit, Valerie eine Vision zu zeigen? Ich will nicht zu viel verraten, aber ... nah, ich verrate mal wieder gar nix. :P

      Ich finde die Ironie auch klasse. Zach nimmt aus dem einen Grund teil, Anya aus dem Turnier zu werfen und dann versaut sie ihm das, indem sie es selbst tut. Aiden hat natürlich Gründe dafür, ihn einzuspannen und sagen wir es mal so, durch Anyas Ausscheiden sind die noch lange nicht hinfällig. Aber das ist auch was für später.
      Was die Abläufe von Vorrunden angeht, sehe ich das auch so. Wen jucken die Vorrunden, man weiß ja sowieso, wer inetwa reinrutschen wird? Valerie war ja given, Marc auch irgendwo. Nur Anya tanzte am Ende etwas aus der Reihe. xD (Und jap, Val hat alle Duelle außer das gegen Othello gewonnen.)

      Kakyo, Kyon und Exa sind alles Themen für die kommenden Folgen. Besonders Exa finde ich persönlich sehr interessant, er ist einer meiner Lieblingscharaktere, obwohl er erst gar nicht geplant war. Aber so kann's manchmal kommen, ne? *in Richtung einer gewissen Schülersprecherin schiel*
      Was Zanthe angeht: Er ist eben derjenige aus Anyas aktuellem Freundeskreis, der die Sachen eher nüchtern betrachtet. Wie du sagtest, was hätte es gebracht, jetzt Anya vor Zach zu warnen? Nix. Im Gegenteil, damit hätten sie Anya sogar schaden können, wenn die total unkonzentriert vor sich hinschnaubt. Ich hatte sogar überlegt, dass Nick die anderen beiden dazu bringen will, Zach 'aus dem Weg zu räumen', aber irgendwie doch nie eingebaut. Na ja, geht auch so. An den kommenden Ereignissen ändert es nichts.

      In dem Sinne vielen Dank für den Kommi. ^^


      So, dann zur Folge und damit zur Frage aller Fragen: Wie lang ist sie diesmal? Sehr lang. ;) Viel Spaß!

      Turn 60 – Path Of Most Resistance
      Der Regen prasselte auf sie herab. Mitten auf einer leblosen Straße standen sie sich gegenüber – Anya und Zanthe. Die Blonde hielt in beiden Händen Angel Wing in seiner Speerform. Doch er sah anders aus als beim Kampf gegen Stoltz. Die Spitze gehörte nicht mehr direkt zum Speer selbst, sondern ragte aus einer simplen Öffnung hervor, nicht etwa aus einem Drachenmaul.
      Dagegen war Zanthe mit zwei Eisenstangen bewaffnet, herausgerissen aus einem nahen Geländer, das Straße von Bürgersteig trennte.
      „Ich habe dir vertraut!“, zischte Anya. „Ich dachte wir wären Freunde!“
      „Wir waren nie Freunde“, erwiderte Zanthe bösartig.
      Einen letzten feindseligen Blick austauschend, begannen beide aufeinander zu zu rennen.

      Kaum trafen sie aufeinander, stach Anya, den Speer in der rechten Hand, nach Zanthe. Der wich mit einem Rechtsschritt mühelos aus. Die Blonde drehte den Schaft in ihrer Hand und ließ den Speer im Anschluss über ihren Kopf wirbeln, doch ein Schlag mit einer der Stangen brachte den Angriff aus seinem Konzept, sodass Zanthe ihr spielend leicht mit der anderen einen Hieb ins Gesicht verpassen konnte.
      Der Treffer war so hart, dass es Anya fast umriss, doch sie nutze den Schwung zu ihren Gunsten, drehte sich um die eigene Achse und schmetterte den Speer gegen Zanthes Nieren. Dem durchnässten Kopftuchträger entfuhr ein schmerzerfüllter Schrei. Anya nutze diese Sekunde der Unachtsamkeit und ließ einen Tritt folgen, der nur aufgrund ihrer geringen Körpergröße nicht sein Gesicht, sondern nur Zanthes Oberkörper traf.
      Schnell stellte sie fest, dass sie sich bei dieser Aktion jedoch verkalkuliert hatte, denn der Werwolf nahm nun die Stange in seiner linken Hand und zog ihr derart eins über, dass es sie diesmal von den Füßen riss. Sie rutschte über die nasse Straße bis zum Bürgersteig, welcher direkt in eine Seitengasse voller kleiner Geschäfte führte. Beide Seiten ihres Schädels bluteten.
      Zanthe stand mit erhabenem Blick bestenfalls drei Meter von ihr entfernt und ließ seine Waffen in den Händen rotieren. Dann stürmte er auf sie zu.

      ~-~-~

      48 Stunden zuvor …

      „Nein …“, brachte Anya bitter beim Anblick der Tabelle hervor, in der ihr Name nicht auftauchte.
      Valerie und Marc standen links neben ihr inmitten der riesigen Arena und starrten genau wie sie gebannt auf den Bildschirm, der neben dem Ergebnis der Vorrunde auch Melindas Antlitz zeigte.
      „Großartige Leistungen, mit so etwas haben wir nicht gerechnet“, lobte diese gerade strahlend.
      „Alles … ich dachte, ich wäre-!“
      Die Schwarzhaarige packte ihre Freundin bei den Schultern und zog sie zu sich herum. „Beruhige dich! Wir sind schließlich auch noch da!“
      „Genau. Überlass' das uns, wir besiegen Claire für dich“, pflichtete Marc ihr optimistisch bei.
      Entgegen ihrer aufmunternden Worte jedoch wuchs die Panik in Anya nur noch. Sie konnte es nicht begreifen. Sie hatte so hart gekämpft, sie war so gut gewesen, obwohl sie nicht einmal ihr eigenes Deck benutzte.
      „Ich hatte 23 Punkte! Das ist nur ein Punkt weniger, als wenn man jedes Duell ohne Bonuspunkte gewinnt!“, steigerte sie sich immer mehr in ihre Verzweiflung herein. „Wie kann das sein!?“
      Valerie weitete bei dem Anblick der Blonden die Augen, denn aus den ihren liefen Tränen. „Anya?“
      „Das ist nicht fair!“, schrie die und stieß das Mädchen ruckartig von sich.
      Aufgelöst rannte Anya an jenem vorbei.

      „Was ist denn mit ihr, so habe ich sie ja noch nie gesehen!?“ Marc wollte bereits Anstalten machen, ihr zu folgen, doch Valerie hielt ihn mit ausgestrecktem Arm zurück.
      „Nicht. Sie muss jetzt allein sein“, sagte sie streng.
      Fragend sah er seine Verlobte an. „Bist du dir sicher? Das endet garantiert in Sachbeschädigung.“
      Valerie nickte knapp. „Sie hat sich völlig überschätzt. Hier werden die besten Duellanten gesucht. Jene, die der Profiliga würdig sind. Einfach nur jedes Duell zu gewinnen heißt, im unteren Drittel zu spielen …“
      Dies sagte sie mit einer derartigen Kälte, dass es Marc glatt die Sprache verschlug. Täuschte er sich, oder war selbst Valerie erschrocken von der allgemeinen Leistung der Teilnehmer?
      „Das hat sie nicht begriffen. Aber ihr das jetzt zu erklären würde nichts ändern, sie wird jetzt niemanden an sich heran lassen.“ Valerie seufzte. „Wir müssen das jetzt aussitzen.“

      ~-~-~

      Gegenwart …

      Funken flogen. Es fiel Anya zunehmend schwerer, Zanthes Hiebe zu parieren. Immer weiter wurde sie durch die Seitengasse gedrängt, an Tischen und Stühlen kleiner Cafés vorbei. Wie ein Sturm wirbelte der Werwolf und hämmerte seine Waffen gegen Anyas Speer.
      Sie musste eine Schwachstelle finden, aber wie sollte sie das anstellen!? Er war ein Werwolf, viel schneller und stärker als sie. Und dazu noch nicht einmal verwandelt!
      Der nächste Schlag erwischte das Mädchen unvorbereitet, sodass es mitsamt seinem Speer über einen der Tische flog. Nein! So durfte es nicht enden!
      Mitten im Fall streckte Anya die Arme über sich hinaus, legte sie bei der Landung auf den gepflasterten Boden auf und machte einen Handstützüberschlag rückwärts. Dabei hob sie noch in der Bewegung ihren Speer auf. Sie sah Zanthe, wie er auf der anderen Seite stand und einen Moment vor Überraschung zögerte. Anya holte aus, verlagerte ihr Gewicht nach vorne und warf Angel Wing mit all ihrer Kraft in seine Richtung.
      Im Flug zog sich seine Spitze in den Schaft zurück, kurz bevor die Waffe in Zanthes Brust einschlug, nur wenige Zentimeter über der Stelle, die er mit seinen Armen zu schützen versucht hatte. Es gab einen heftigen Knall und eine Explosion, die den Werwolf schreiend nach hinten katapultierte. Der Speer federte seinerseits ab und flog im hohen Bogen nach oben.

      In seinem Rückwärtsfall sah Zanthe, dass Anya aus dem Nichts auftauchte. In der Luft, die Hand an den Speer gelegt. Er schlug mit dem Rücken auf den Boden auf, folgte mit seinem Blick den Lauf des Speers, aus dem schlagartig wieder die Spitze schoss.
      Anya stürzte mit einem Kampfschrei nach unten, doch kurz bevor sie ihren Gegner aufspießte, rollte der sich zur Seite weg und verpasste dem aufschlagenden Mädchen in der Bewegung einen Tritt, der sie glatt durch die Schaufensterscheibe eines Modegeschäfts schleuderte.

      Der junge Mann erhob sich und versuchte in dem Dunkel des Geschäfts etwas zu erkennen. Er nahm eine Bewegung bei den Mannequins wahr. Und dann kleine Flächen in der Luft, die funkelten. Dann surrte es. Schnell schaltete Zanthe und machte einen Sprung nach hinten auf einen der Tische, um sich von dort weiter zu einem Balkon zu katapultieren. Dutzende Glasscherben flogen durch die Luft in alle möglichen Richtungen.
      In gehockter Position wartete Zanthe, der seine Waffen beim Fall verloren hatte, auf dem steinernen Geländer besagten Balkons. Bis Anya schließlich aus dem Geschäft trat. Ihre Hände steckten zu seiner Überraschung in metallisch anmutenden, dünnen Handschuhen. Mit Angel Wing im Schlepptau, schwang sie ihre leere Hand in seine Richtung aus.
      Zanthe stieß sich vom Geländer ab und sah die verschiedensten Körperteile der Puppen über sich fliegen. Mit einem Satz landete er wieder in der Seitengasse, wo Anya ihn bereits erwartete. Sie zielte mit ihrem Speer auf ihn und schoss eine Ladung Schrot aus dem Schaft. Er rollte sich darunter hinweg. Sie schoss erneut, dabei einen Schritt zurück nehmend.
      „Wie du willst!“, schrie Zanthe im selben Moment. Die Haut um sein Gesicht verfärbte sich schwarz, seine grünlichen Pupillen verengten sich zu Schlitzen.
      Mühelos sprang er über den nächsten Schuss hinweg, doch Anya grinste dreckig. „Reingefallen.“
      Sie schwang den Speer aus, welcher sich in der Luft in dutzende kleiner Segmente an einer Kette zerteilte, ähnlich einem Nunchaku. Die neue, peitschenartige Waffe schleuderte Zanthe im Sprung entgegen und schmetterte ihn mit derartiger Kraft zurück, dass er über die ganze Seitengasse flog.
      Spielerisch zog Anya Angel Wing zurück, welcher sich in Sekundenschnelle wieder in seine Speerform zurückverwandelte. Zanthe schlug in einer Pfütze auf, rollte rückwärts und gelangte wieder auf die Beine.
      Sich über den blutenden Mundwinkel wischend, meinte er: „Gar nicht schlecht.“
      „Ich habe gerade erst angefangen“, verkündete Anya düster.
      „Glaub mir: Ich auch.“
      In atemberaubender Geschwindigkeit stürmte er wieder auf sie zu.

      ~-~-~

      Anya biss sich auf die Lippen, wie sie an den anderen Teilnehmern vorbei rannte. Jetzt hatte sie den ultimativen Beweis: Sie war schwach. Wenn solche Überflieger wie Redfield und Marc gerade einmal so durch die Vorrunde gerutscht sind, wie hatte sie sich da überhaupt Chancen ausrechnen können!?
      Das Mädchen spürte einen schrecklichen Schmerz in der Brust. Einen, den sie nur sehr vage in Erinnerung hatte: Selbstzweifel.
      „Mein Traum … mein Traum ist damit …!“
      Sie hielt an. Im Hintergrund hörte sie Melindas Stimme über die Lautsprecher irgendetwas über eine Überraschung erzählen. Levrier tauchte neben dem Mädchen auf.

      Du wirst noch mehr Gelegenheiten haben, die Duel Queen zu werden.

      Eine Faust ballend, ließ Anya den Kopf hängen. „Warum? Warum sind die alle so gut?“

      Nur weil sie gut sind, heißt das nicht, dass du deswegen schlecht bist. Anya Bauer, dies bedeutet noch lange nicht das Ende.


      Wütend wirbelte sie zu [Gem-Knight Pearls] durchsichtigem Ebenbild herum, breitete die Arme so weit es ging aus. „Kapierst du es nicht!? Wenn das hier nur die Aufwärmrunde ist und ich hier schon verkacke, wie soll ich dann-!?“
      Sie konnte gar nicht so schnell reagieren, da rauschte Levriers Hand durch ihr Gesicht. Sie verstummte augenblicklich.

      Du bist nicht du selbst, Anya Bauer! Seit wann lässt du dich von Niederlagen entmutigen!?


      Anya fasste sich an die Wange, wo Levriers Hand sie hätte berühren müssen, würde er über einen realen Körper verfügen. „Weil ich … schwach bin …“

      Nein. Du bist nicht stark genug. Das ist ein Unterschied, den du bisher immer ausgleichen konntest.

      Mit geröteten Augen sah Anya ihren Freund an. Er spürte es nicht, den Schmerz in ihrer Brust, dieses Gefühl des Versagens. Es war nicht nur, dass sie ein paar Duelle verloren hatte. Sie hatte unter Beweis gestellt, dass sie ohne fremde Hilfe aufgeschmissen war. Wären Marc und Valerie nicht hier, gäbe es keine Chance, um an Claire heranzukommen. Sie würde sterben, weil sie zu schwach war, sich selbst zu helfen! Wieso begriff er das nicht!?

      „... ich habe gerade den Namen des Teilnehmers erfahren, der freiwillig ausgestiegen ist.“ Melindas Stimme klang ganz aufgeregt, zitterte förmlich. Selbst Anya bemerkte dies und sah nach oben zu den Bildschirmen auf.
      „Es ist Alessandro Montinari“, verkündete der Rotschopf von jedem der über den Tribünen angebrachten Bildschirme, „das heißt, jemand muss für ihn nachrücken.“
      Plötzlich erschien noch jemand im rechten Bildschirmrand. Es war eine junge Frau mit Headset, die Melinda etwas ins Ohr flüsterte. Die drehte sich zu ihr um. „Was!? Können wir das überhaupt machen!?“
      Auf die Frage hin zuckte die Assistentin nur mit den Schultern.
      Daraufhin atmete die Repräsentantin der Ford-Familie tief durch und wandte sich wieder den Zuschauern zu. „Nun, anscheinend gibt es mehrere potentielle Kandidaten für diese Stelle.“
      Anya war zu benebelt, um ihr folgen zu können.
      „Da es keinen weiteren Teilnehmer mit 24 Punkten gibt, muss jemand mit 23 Punkten nachrücken.“
      Langsam dämmerte dem Mädchen, dass damit sie gemeint war. Sie hatte 23 Punkte!
      „Dafür kommen insgesamt sieben Teilnehmer infrage“, zerstörte Melinda sogleich ihre Hoffnung, „für diesen Fall haben wir ein System entwickelt, das den geeignetsten Kandidaten ermittelt.“

      Wer ist Alessandro Montinari!? Das ist doch die zweite Namenshälfte von-!


      Jedoch hörte Anya ihn gar nicht. Sie war so fixiert auf Melinda, die plötzlich ziemlich verunsichert wirkte. Schweiß stand ihr auf der Stirn, als sie verkündete: „Hierbei wird es sich jedoch nicht um ein Duell handeln. Stattdessen wird bei diesen Sieben, wie zu Beginn angekündigt, das Verhältnis aus zugefügtem und erlittenem Kampfschaden während des Turniers entscheiden. Der oder diejenige mit dem höchsten Wert ist dabei.“
      Melinda senkte ihren Kopf. Man konnte sehen, wie sie ihre Arme bewegte, anscheinend tippte sie etwas vor sich ein. Plötzlich schreckte sie auf und sah in die Kamera. „Unglaublich! Mit großem Abstand gewonnen hat …!“
      Und Anya sah auf der linken Seite des Bildschirms nur noch ihren Namen und ihr Portrait darunter.

      Mir fehlen die Worte. Du hast dich mit stupidem Draufgekloppe nachträglich ins Finale gekämpft!

      ~-~-~

      Statt Anya direkt anzugreifen, machte Zanthe auf halbem Wege Halt und holte mit seinem Fuß aus. In einer schnellen Abfolge trat er zu seiner Rechten stehende Stühle in ihre Richtung, die das Mädchen jedoch mit diversen Bewegungen ihrer freien Hand mitten in der Luft abfing und gegen die Wände krachen ließ. Parallel dazu feuerte sie mit ihrem Speer auf Zanthe, sodass dieser bei seinen Tritten gleichzeitig tänzelnd ausweichen musste.
      Immer mehr Möbel flogen auf Anya zu, doch die blieb selbstbewusst stehen und schwang ihre Hand hin und her. Als Zanthe die Munition aus ging, stieß er sich von einer Wand zur anderen ab, um an Höhe zu gewinnen.
      „Nicht mit mir!“, schrie Anya und machte ihren Speer wurfbereit. Dabei richtete sie ihn so aus, dass er letztlich mitten in Zanthes Sprung über diesen hinweg schoss.
      Ein grelles Licht schoss von Anya zu Angel Wing, bis ebenjene plötzlich mit der Waffe in der Hand direkt über Zanthe auftauchte.

      Der drehte sich in der Luft und holte zum Tritt aus. Gleichzeitig griff Anya ihren Speer mit beiden Händen und stieß ihn Richtung des Werwolfs unter ihr, den unvermeidlichen Treffer in Kauf nehmend.
      Es klirrte. Zanthes Fuß war an einer riesigen, rosafarbenen Perle abgeprallt. Anyas Speer verfehlte sein Ziel um wenige Zentimeter. Die Schwerkraft setzte ein, beide fielen.
      Anya spürte ihn. Levrier, direkt hinter ihr. Jener, in seiner allseits bekannten Pearl-Form, streckte die Hand aus. Drei der sechs um ihn schwebenden Perlen lösten sich aus der Gruppe und bombardierten Zanthe förmlich, der weggeschleudert wurde. Mehrmals prallte er auf dem Boden auf, flog wieder in die Luft, nur um wieder aufzuschlagen.
      „Levrier!?“, stieß Anya mehr als geschockt in ihrem Fall hervor. „Wie-!? Egal, gut gem-“
      „Wer hat je behauptet“, sagte er und drehte sich zu ihr um. Seine blauen Augen blitzten rot, „dass ich dein Verbündeter bin, Anya Bauer?“
      Mit einem Schwenk seiner Hand schossen die übrigen Perlen auf das Mädchen zu und pfefferten es in das Obergeschoss eines Ateliers. Es polterte, um das Mädchen herum flogen Gemälde und leere Leinwände.

      Gleichzeitig machte Zanthe, bevor er wieder aufschlug, einen Rückwärtssalto und grub seine Klauen tief in die Pflastersteine, um sich abzubremsen.
      „Du!“, fauchte er. „Wie bist du-!?“
      Sich mit den Hinterbeinen abstoßend, stürmte er im Anschluss auf den in der Luft schwebenden Levrier zu. Mit seinen Klauen versuchte er ihn im Sprung zu erfassen, doch Levrier teleportierte sich nach rechts, dann links, dann hinter ihn, als Zanthe es mit den Füßen probierte.
      Es knallte, doch Levrier war verschwunden, ehe Anya vom Fenster aus weitere Schüsse mit Angel Wing abfeuern konnte. Er tauchte hinter ihr auf, doch das Mädchen hatte damit gerechnet und sprang aus dem zweiten Stock, allerdings nicht ohne sich dabei umzudrehen. Was auch nur richtig war, denn Levrier hatte seine Perlen wieder um sich vereint und feuerte sie allesamt auf sie ab.
      Zwar konnte Anya die Geschosse mit dem Speer abwehren und wegschlagen, doch hatte sie Zanthe völlig vergessen, der unter ihr lauerte und bereits nach oben mit seiner Klaue ausholte.
      Anya warf den Speer zu seiner Linken in den Boden und erschien kurzerhand neben dem Werwolf, dem sie in duckender Position ein Bein mit dem eigenen weg zog und zu Fall brachte.
      „Verdammtes Miststück! Dafür bring ich dich um“, keifte er, als Anya sich mit ein paar Rückwärtssprüngen aus seiner Reichweite brachte.
      Levrier schwebte herab, etwa in die Mitte der beiden und verschränkte die Arme.
      Der Werwolf und Anya funkelten sich gegenseitig böse an, dann stürmten sie beide auf Levrier zu. Unter wütenden Schreien holten sie mit ihren Fäusten aus, die den Helm des immateriellen, weißen Ritters anzielten. Der schüttelte den Kopf.
      Kurz bevor er getroffen wurde, teleportierte er sich davon, sodass sich Zanthe und Anya gegenseitig mit aller Kraft ins Gesicht schlugen und von der Wucht weggeschleudert wurden.

      Zanthe krachte in einen Eisstand kurz vor dem Ausgang der Seitenstraße, während Anya durch eine Pfütze schlitterte.
      Oben in der Luft verharrte Levrier. „Das reicht. Können wir jetzt aufhören, so zu tun, als wären wir Filmstars?“
      „Ich bitte darum“, raunte Zanthe und hielt sich die Wange.
      „Du warst gar nicht im Drehbuch vorgesehen!“ Anya schnaubte. „Fein!“
      Und kurzerhand flackerte Ephemeria City wie ein defektes Hologramm auf und ließ nichts als Dunkelheit zurück. Und die Mosaikplattform, auf der die Erde stilisiert war. Anya und Zanthe befanden sich am jeweils anderen Ende von Anyas Elysion.

      „Das hat Spaß gemacht“, sagte Levrier, der in der Mitte verharrte. „Ihr wart gar nicht schlecht.“
      „Meinst du, dass Angel Wing und Heavy T wirklich so funktionieren werden, wenn ich sie erst zurückhabe?“
      Das Schwarze wich aus Zanthes Gesicht, als er sich erhob und den Nacken rieb. „Hoffentlich nicht, das war ja furchtbar!“
      „Hey!“, fauchte die blutende Anya und sprang auf. „Das war doch voll genial, was ich aus ihnen gemacht habe! Viel besser als ein langweiliger Speer! Also, ist es möglich oder nicht!?“
      Zanthe zuckte mit den Schultern. „Das hängt davon ab, ob diese Hüterarktefakte sich wirklich dem Willen ihres Besitzers beugen und verformen lassen. Ich dachte, darin wären wir uns längst einig?“
      „Niemand kann mit Gewissheit sagen, ob diese Simulation den Originalen in ihren Möglichkeiten gleich kommt“, stimmte Levrier dem zu, „alles was wir durch Stoltz wissen ist, dass du ihr wahres Potential nicht für dich entdeckt hast, Anya Bauer.“
      „Ich muss schleunigst mein Deck zurückbekommen und es ausprobieren! Ansonsten muss ich mir jemanden suchen, der mir diese Badass-Waffen baut!“ Anya rümpfte die Nase und schloss die Augen. „Aber jetzt muss ich los, sonst komme ich zu spät zu meinem Duell!“

      ~-~-~

      24 Stunden zuvor …

      Zusammen mit Zanthe sah Anya dabei zu, wie Matt seinen Koffer packte.
      „Wie lange wirst du wegbleiben?“, fragte sie schließlich, was ihr schon eine Weile auf der Zunge lag.
      „Höchstens eine Woche“, antwortete er, ohne dabei davon abzulassen, seine nicht ganz akkurat zusammengelegten Hemden zu verstauen.
      Anya, die an der Fensterfassade lehnte, drehte den Kopf zu Zanthe, der am Tisch saß. „Also? Was wolltest du uns vorhin beim Frühstück so Dringendes sagen, bevor du den Kellner erfolglos angebaggert und uns vergessen hast?“
      „Ich war nicht erfolglos“, erwiderte der und zupfte aus seiner Hosentasche eine Serviette mit einer Handynummer darauf. „Es geht um Kakyo Sangon und des Sammlers Speichellecker, Kyon.“

      Kurz darauf erzählte er den beiden von seiner Begegnung mit einem mysteriösen, jungen Mann und was dieser über Kyon gesagt hatte. Dass er Kyons Geruch an sich getragen, aber steif und fest behauptet hatte, nur jemanden namens Kakyo zu kennen. Exas Namen ließ er dabei nicht fallen, denn er wollte seinen neugewonnenen Freund nicht in Schwierigkeiten namens Anyas bringen.

      „Das ist doch mein erster Gegner gewesen, diese freche Napfsülze!“, stellte die empört fest, nachdem Zanthe geendet hatte. „Was hat der mit diesem Kyon zu schaffen!?“
      „Wer weiß. Ich werde mich an seine Fersen heften und ihn beobachten.“ Zanthe sah sich die Serviette genauer an und grinste schelmisch.
      Matt drehte sich zu ihnen um. „Ja, lass Zanthe das machen. Du solltest dich voll und ganz auf das Turnier konzentrieren, das du um ein Haar verpasst hättest.“
      „Nur noch mehr Salz in die Wunde, Summers!“
      „Ist doch wahr“, stimmte Zanthe dem Dämonenjäger zu. „Hmm. Meint ihr, ich soll ihn noch etwas zappeln lassen, bevor ich ihn anrufe?“
      Anya überhörte ihn. Kakyo und der Diener des Sammlers … in welcher Beziehung standen ausgerechnet diese beiden? Oder hatte dieser Fremde, von dem Zanthe erzählt hatte, gelogen?
      So selten Anya an andere Menschen glaubte, so unwirklich erschien es ihr, dass dieser Kakyo in irgendeiner Form gefährlich war. Besonders nach dem, was er ihr gesagt hatte, nachdem die erste Paarung des Achtelfinales bekannt gegeben worden war …

      Anya zitterte am ganzen Leibe. Sie war nie ein Mensch gewesen, der an Wunder geglaubt hatte, doch ein solches war heute geschehen. Die Hauptrunde würde mit ihr stattfinden.
      Und trotzdem … sie stand seit gut zehn Minuten hier wie versteinert. Sie hörte die Rufe von Valerie und Marc, die ihr entgegen liefen. Aber sie freute sich nicht. Das Strahlen der beiden steckte nicht an. Da waren keine frechen Sprüche wie 'Fuck yeah, bitches, diese Scheiße steigt entweder mit mir oder gar nicht'. Wieso sollte ihr auch nach Feiern zumute sein, wenn dieser Triumph nicht ihrem eigenen Tun entsprungen war?
      „Glückwunsch!“, fiel ihr Valerie um den Hals.
      Marc grinste über beide Backen. „Welchen armen Kerl hast du verprügelt, um das möglich zu machen?“
      „Ja. Glückwunsch auch von mir.“
      Die drei drehten sich um. Da stand Kakyo Sangon, der unscheinbare brünette Kerl, dem Anya vorhin am liebsten an die Gurgel gegangen wäre. Diese Rachegedanken waren jedoch im Angesicht des eigenen Versagens erloschen.
      „Danke“, brachte Anya mit Mühe mechanisch hervor.
      „Da. Jetzt geben sie die Paarungen für die erste Runde bekannt.“ Kakyo zeigte nach oben.

      Die Hauptrunde, ausgetragen im KO-Format, wurde als nach oben verlaufendes Diagramm dargestellt. Die sechzehn Namen tauchten der Reihe nach nebeneinander auf, wurden durchgemischt und schließlich an je eine der Linien gesetzt. Valerie ließ Anya daraufhin los.
      Der klappte schließlich der Mund auf. Da war ihr Name, gleich als erster. Und gepaart wurde sie mit …!
      „Zach!“, nannte Valerie ihn beim Namen. Sie wirbelte zu Anya herum. „Dein Bruder!“
      „Bruder gegen Schwester? Das ist ja unheimlich“, staunte Kakyo hinter ihnen und schlenderte schließlich an Anya vorbei. Als er direkt neben ihr war, sagte er leise, „kleiner Tipp für dich: Werd' das Schwert los, mit dem er mich besiegt hat. Dadurch kannst du es drehen.“
      Damit zog er von dannen.
      „Oh, ich bin Spalte D“, stellte Valerie fest, „also treffe ich erst im Halbfinale auf Anya, wenn alles glatt läuft.“
      Marc gluckste. „Ich bin Paarung G. Steht für Gewinner.“
      „Zach … das kann doch kein Zufall sein!“, platzte es schließlich aus Anya heraus, die in einen regelrechten Schreianfall verfiel. „Du verdammter Scheißkerl von Bruder!“


      Unbewusst ballte Anya eine Faust. Irgendwie hatten ihre Freunde es hinbekommen, sie einigermaßen aufzuheitern. Allen voran Zanthe, der sich geradezu unheimlich fürsorglich verhalten und ihr gut zugeredet hatte.

      Matt indes verengte die Augen zu Schlitzen und nahm den Werwolf ins Visier. „Bevor du zu deiner Tagesgestaltung kommst, schuldest du uns noch eine Erklärung.“
      „Er war halt süß“, rechtfertigte sich der Kopftuchträger schulterzuckend.
      Anya klatschte sich die Hand ins Gesicht. „Doch nicht das, Flohpelz! Ich hab's dir doch gestern schon gesagt. Der Typ, der freiwillig ausgestiegen ist, trug deinen Familiennamen.“
      „Komischerweise musstest du, als Anya das erwähnte, plötzlich auf Toilette“, fügte Matt noch hinzu und verschränkte die Arme, „für vier Stunden …“
      Zanthe winkte unbekümmert ab. „Zufall. Und Durchfall, falls ihr's wissen wollt.“
      „Sicher nicht. Ich bezweifle, dass es viele Montinaris in den Staaten gibt.“
      „Vielleicht ein entfernter Cousin?“
      Matt stöhnte, genervt davon, wie leichtfertig sich der Werwolf gab. Der sprang mit einem Male ruckartig auf, sodass der Stuhl lautstark umkippte. „Hey! Wieso werde ich jetzt verhört!?“
      „Weil du uns etwas verschweigst“, brachte der Schwarzhaarige es auf den Punkt.
      „Das musst du gerade sagen!“ Zanthe zeigte mit dem Finger auf den Dämonenjäger. „Du, dessen Wunden schneller heilen als Anyas Gehirnzellen absterben!“
      Die Blonde blinzelte dämlich. „Hey!“
      „Ich habe keine Lust darauf, mich mit euch zu streiten!“, schnappte Zanthe beleidigt.
      Wie ein Sommergewitter zischte er an dem Mädchen und Matt vorbei, doch bevor Letzterer ihn mit seinen Worten aufhalten konnte, knallte schon die Tür ins Schloss.
      Anya drehte sich zu Matt. „Gut gemacht, Summers.“
      „Der kommt schon wieder“, meinte jener miesepetrig, „aber das ist doch der beste Beweis, dass ich Recht habe, oder nicht?“

      Das Mädchen drehte sich herum und starrte aus dem Fenster. Es war ein trüber Tag. Und sie war wieder da, Claire Rosenburg, deren Werbung auf dem riesigen Wolkenkratzer flackerte.
      „Sag bloß, du glaubst ihm etwa!?“, hörte sie, wie Matt sich hinter ihr empörte.
      „Weiß nicht, was ich glauben soll und was nicht. Aber ohne seinen Pseudo-Cousin wäre ich jetzt nicht im Turnier.“ Anya senkte den Kopf. „Ich glaube, ich halte mich da raus. Der Flohpelz ist älter als wir beide zusammen. Er wird schon wissen, was das Richtige ist.“
      „Älter vielleicht, aber nicht reifer“, widersprach Matt engstirnig. „Es ist nicht so, dass ich ihm nicht vertraue. Wenn er jedoch nicht ehrlich mit uns ist, könnte uns das später auf die Füße fallen.“
      „Wenn wir ihm vertrauen“, murmelte Anya und richtete ihr Haupt wieder auf, „müssen wir auch akzeptieren, dass es Dinge gibt, die er ohne uns angehen möchte.“
      Sie drehte sich zu Matt um, der sie erstaunt ansah. „Genau wie wir beide auch Probleme haben, mit denen wir uns alleine auseinandersetzen müssen.“

      Am liebsten hätte sie sich sofort den Mund zugehalten. Was hatte sie denn da plötzlich für einen Quatsch von sich gegeben!? Es war nur ein Gedanke gewesen, weil sie damals auch versucht hatte, Nick und Abby aus der Eden-Geschichte herauszuhalten. Andererseits, wie gut das im Endeffekt geklappt hatte, hatte sie ja damals in der Zelle gesehen, als Abby angeschossen wurde. War es das, was Matt meinte?

      Matt sah sie nachdenklich an. Dann wandte er sich wieder seinem Koffer zu. „Ich weiß nicht …“
      „Was ist los mit dir, Summers?“, platzte es plötzlich aus Anya heraus, die einen Schritt nach vorne ging. „Wieso bist du neuerdings so … anders?“
      „Ich … weiß es nicht.“ Er machte eine Kunstpause. „Bitte … gib mir etwas Zeit, okay?“
      Plötzlich spürte er einen stechenden Schmerz auf der Schulter, welche Opfer von Anyas nicht selten schmerzhaften Aufmunterungsversuchen geworden war. Die klatschte gleich noch einmal drauf. „Kopf hoch, Summers. Dich kriegen wir schon wieder hin.“
      Vor Selbstmitleid seufzend erwiderte er nur: „Ja.“
      Anya reckte neben ihm den Kopf hervor und sah ihn von unten herauf an. „Sag mal, kann ich dich um einen Gefallen bitten, sobald du wieder zurück bist?“
      „Schieß los.“ Ein wenig überrascht blinzelte er sie an.
      „Kannst du mir beibringen wie man kämpft? Also so richtig?“
      Im ersten Moment wusste Matt darauf nichts zu entgegnen. Anya vor ihm stemmte die Hände in die Hüften und verzog ihre Augen zu Schlitzen. Ein Hinweis, dass sie alles andere als ein 'Ja' nicht akzeptieren würde.
      „K-kann ich machen. Aber wozu?“
      „Hör mal, Summers.“ Belehrend hob sie den Zeigefinger. „Bisher haben wir unsere Konflikte immer mit Duellen gelöst. Was, wenn das irgendwann mal nicht geht? Du und der Flohpelz, ihr könnt euch wehren.“
      Noch immer überrumpelt, entgegnete Matt: „Du bist doch auch nicht gerade ohne …“
      „Ich will auf die nächste Stufe, verdammt!“, maulte Anya und stampfte mit dem Fuß auf. „Wenn ich schon diese scheiß Artefakte sammeln muss, dann kann ich auch mit ihnen kämpfen, oder!?“
      Zögerlich nickte der Dämonenjäger. „Schätze schon, aber … wieso dieser Sinneswandel?“
      Anya stöhnte genervt. „Hast du denn nie drüber nachgedacht? Was passiert, wenn wir jemandem gegenüber stehen, der sich nicht duellieren will? Was machen wir dann?“
      „Ich glaube-!“
      „Und ist es nicht seltsam“, plötzlich gewann ihr Tonfall eine dunkle Nuance, „dass bisher alles so glatt gelaufen ist? Dass immer ein Duell entschieden hat, statt eines direkten Kampfes auf Leben und Tod?“
      Ehe Matt wieder etwas sagen konnte, fuhr Anya in gehobener Lautstärke fort. „Das stinkt doch. Glaubst du, dass das bloßer Zufall ist?“
      Verloren stand Matt ihr gegenüber und wusste nicht, was er darauf antworten sollte.
      „Du kannst Bannkreise erschaffen“, ließ die Blonde ihn daher an ihren Gedankengängen unfreiwillig teilhaben, „damit können wir ungestört trainieren. Und der Flohpelz war immerhin mal ein Hüter, sicher kann er-!“

      Darf ich mich kurz einmischen?

      Levrier materialisierte sich neben den beiden. Der weiße Ritter Pearl legte eine zur Faust geballte Hand an den nicht existierenden Mund und räusperte sich.

      Zanthe Montinari war ein Hüter, korrekt. Doch ist den Aussagen des Undying Stoltz zu trauen, dann ist selbst ihm das wahre Potential der Artefakte nicht bewusst gewesen. Was deine Theorie angeht, Anya Bauer, so hat mir dies auch schon Einiges an Kopfzerbrechen bereitet.

      Die beiden sahen ihn fragend an.

      Ob dies nun Zufälle sind oder nicht, es kann durchaus nicht schaden, sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

      „Und wie soll das aussehen?“, fragte Matt nun skeptisch. „Wir haben die Artefakte nicht mehr, sie wurden gestohlen, schon vergessen?“

      Als ob mich jemand das je vergessen lassen könnte …

      Der Schwarzhaarige begann mit den Händen zu gestikulieren. „Aber wie soll Anya sich dann in ihrem Umgang üben?“
      Jene zuckte ebenso unwissend mit den Schultern.

      Dürfte ich hierzu einen Vorschlag machen? Denn ich wüsste einen Ort, der noch besser dafür geeignet ist, als ein Bannkreis …

      ~-~-~

      Sie öffnete ihre Augen.
      Levrier war schon eine Marke. Das Elysion zu nutzen, um Kämpfe zu simulieren, so etwas konnte nur ihm einfallen. Letztlich hatten sie es vorhin doch noch probiert. Der Flohpelz war am gestrigen Abend wesentlich besser gelaunt als erwartet zurückgekehrt und hatte sich bereit erklärt, mitzumachen. Sein Vorschlag, einfach die Fantasie spielen zu lassen, was die Artefakte anging, war auch gar nicht schlecht. Wenn es wahr war und die Kraft jener von ihren Besitzern abhing, so hieß das im Umkehrschluss, dass jene die Artefakte nach ihrem Willen formen konnten. Zumindest interpretierten Anya und Zanthe das so und das Mädchen konnte kaum erwarten, es in der Realität auszuprobieren.

      Sie verhärtete ihren Blick. Jetzt galt es aber erst einmal ihren Bruder in die Schranken zu weisen.
      Ihre Schritte hallten durch den schier niemals endenden, trostlosen Gang, den Anya entlang schritt. Über ihr flackerte nervös einer der sparsam verteilten Halogen-Leuchter. Scheinbar hatten die Architekten echt an dieser Ecke der Arena gespart, schoss es ihr durch den Kopf. Oder es war beabsichtigt, dass all jene, die diesen Weg beschritten, sich seltsam klein und unbedeutend vorkommen sollten – wovon Anya wiederum dank eingebautem Ego-Airbag verschont blieb.

      Zu ihrem Ärgernis war sie jedoch nicht die Einzige, die auf dem Weg zum Spielfeld war. Etwa zehn Meter von ihr entfernt stieß sich ihr Gegner von der Wand ab und kam ihr in gemäßigtem Schritttempo entgegen. Zachariah!
      Anya sagte gar nichts. Sie beschleunigte lediglich ihren Gang und wollte an ihm vorbei, doch als sie ihn passierte, versperrte ihr der blonde, junge Mann in hellblauem Hemd und schwarzem Sakko den Weg.
      „Verpiss' dich! Deine Prügel kannst du dir dort drüben abholen!“, raunte sie.
      „Nanu, wer übt sich denn neuerdings in Zurückhaltung?“, stichelte ihr ein Kopf größerer Bruder mit schnarrender Stimme. „Am liebsten würdest du die Rechnung doch gleich hier begleichen, oder?“
      „Worauf du dein Goldkettchen verwetten kannst, Schmierlappen!“
      „Zu dumm, dass ein solcher Akt der Gewalt dich sofort disqualifizieren würde.“ Er lachte auf. „Nicht, dass es einen Unterschied macht, das Finale erreichst du so oder so nicht.“
      Die Arme verschränkend, erwiderte Anya: „Sagt wer? Dir ist klar, dass du dieses Mal nicht versuchen kannst, mich durch ein Duell umzubringen. Wer ist jetzt der Loser, huh?“
      „Das kommt drauf an, ob du mein Angebot annimmst oder ablehnst.“ Zach streckte ihr die Hand entgegen. „Lass uns doch einen Deal machen. Du bekommst deine Duel Disk wieder, steigst aber freiwillig aus dem Turnier aus.“
      Anya weitete die Augen. Hatte sie gerade richtig gehört!?
      „Was sagst du?“

      Anya Bauer, das ist nur ein Trick! Lass dich nicht von ihm hinters Licht führen, du weißt, was auf dem Spiel steht!

      Natürlich wusste sie das, das brauchte Levrier ihr nicht ins Ohr zu flüstern!
      „Was sagst du? Nicht gut?“
      Anya schlug die Hand beiseite. „Verarschen kann ich mich alleine!“
      Um ihrer Wut über seinen Spott Form zu verleihen, stampfte sie geradewegs in seine Richtung und rempelte ihn mit derber Wucht zur Seite.
      „Wir sehen uns auf dem Spielfeld, Mistkerl!“
      Zachariah jedoch lachte nur, während er gegen die Wand sackte. „Wenn du gewinnst, werden wir die Duel Disk zerstören!“
      Einen kurzen Moment blieb Anya stehen. Dann schritt sie stumm weiter Richtung des Lichts.
      „Das meine ich ernst!“, rief Zachariah ihr hinterher, zwecklos.

      Es brodelte in Anya. Gewaltig. So war es ihr unmöglich einen klaren Gedanken zu schöpfen. Was vielleicht auch seine Vorteile hatte, denn als sie aus dem Dunkel ins Licht trat, blieb sie von den überwältigenden Eindrücken verschont.
      Zwar mochte dieses Stadion kleiner sein als das von den Vorrunden, doch dafür ging das runde Gebäude viel mehr in die Höhe. Aberdutzende Sitzreihen, angeordnet wie in einem Kolosseum und voll bis auf den letzten Platz. Dezenter Jubel ertönte, als Anya auf das Spielfeld in der Mitte zu schritt. Oben gab es eine gläserne Lounge, in der der Kommentator Mr. C hauste, ebenso die Ehrengäste und VIPs, zu denen zweifelsohne auch die Ford-Geschwister zählten.
      Anders als das Brückenstadion war dieses komplett überdacht. Grelle Scheinwerfer waren auf das Duellfeld gerichtet, an dem das Mädchen sich, abwesend nach ihren Freunden in der Menge suchend, platzierte.
      „Denk an deine Duel Disk“, mahnte Zachariah, der neben ihr vorbei ging und sich auf der anderen Seite aufstellte.

      „Ladies and Gentleman“, schrie der schwarzhaarige Kommentator in rotem Anzug von der erhöhten Lounge aus, als beide Duellanten sich positioniert hatten, „endlich ist es soweit. Das große, das einzigartige, das allererste Achtelfinale des Legacy Cups!“
      Die Zuschauer in der kreisrunden Halle tobten förmlich.
      „Und welch Ironie des Schicksals, stehen sich doch Bruder und Schwester gegenüber! Zachariah Bauer, der sich mit der höchsten Punktzahl qualifiziert hat! Und Anya Bauer, unsere Nachzüglerin!“
      Die Stimmung flachte bei der Nennung der beiden Namen abrupt ab, stattdessen entstand durch wildes Gemurmel und das ein oder andere Pfeifen eine angespannte Stimmung. Die Anya prompt mit dem Mittelfinger quittierte, nur um lautstark ausgebuht zu werden.
      „Fickt euch!“, schnarrte sie angespannt und es war ihr dabei völlig egal, dass sie zuvor mit einem Mikrophon verkabelt worden war.
      „Na na na, da gehört jemandem wohl der Mund mit Seife ausgewaschen!“, empörte sich der schwarzhaarige Kommentator mit Elvistolle vor der Glasscheibe, nur um den Arm auszuschwenken. „Vielleicht ja von ihrem Bruder?“
      Jene Idee wurde vom Publikum jubelnd aufgenommen, während Zachariah seinen 'Fans' lächelnd zunickte.
      „Doch reden wir nicht länger um den heißen Brei herum, beginnen wir mit dem Duell, welches den neuen Regeln der AFC folgt. Nur zur Erinnerung: Der Spieler, der es beginnt, muss seine Draw Phase überspringen. Auch dürfen nun beide Spieler gleichzeitig Spielfeldzauber kontrollieren.“ Mit in die Höhe gestrecktem Zeigefinger schrie er: „Zeit für ein Duell!“
      Zeitgleich aktivierten Anya und Zach ihre roten D-Pads und funkelten sich böse an.

      [Anya: 4000LP / Zachariah: 4000LP]

      „Ich fange an!“, bestimmte Anya umgehend und riss ihr Startblatt von ihrem Deck. Als hätte sie gar nicht zugehört, wollte sie bereits die nächste Karte ziehen, da hallte die altbekannte, nicht immer liebgewonnene Stimme in ihrem Kopf:

      Konzentriere dich, Anya Bauer!

      „O-oh, shit, stimmt ja!“
      Zum Glück hatte sie noch nicht gezogen, sonst wäre das Duell vielleicht jetzt schon vorbei. Das hämische Grinsen ihres Bruders verschlimmerte die Sache nur noch, dem Mädchen stand bereits jetzt der Schweiß auf die Stirn geschrieben.
      Aus dem Konzept gebracht, warf sie einen skeptischen Blick in ihr Blatt. „Wie fange ich die Scheiße am besten an? Shit!“

      Hast du dich doch noch nicht an dieses Deck gewöhnt? Brauchst du Rat?

      Um nicht den Eindruck zu erwecken, mit jemandem zu reden, schüttelte Anya kaum merklich den Kopf und nahm dann instinktiv ein Monster aus ihrem Blatt. „Ich beschwöre [Battlin' Boxer Headgeared]!“
      Aus einer roten Lichtsäule stieg vor ihr ein Boxer empor, von hagerer, doch trainierter und vor allem dunkelblauer Gestalt. Namensgebend war sein roter Kopfschutz.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      Sofort griff Anya, dieses Mal gerechtfertigt, nach ihrem Deck. „Wenn er normalbeschworen wird, schicke ich umgehend einen seiner Trainingspartner direkt vom Deck auf den Friedhof.“
      Jenen zeigte sie kurz vor, ehe sie ihn in den Friedhofsschlitz schob. Doch sie war noch nicht fertig, klatschte sie doch kurzerhand noch ein Monster auf die freie Monsterkartenzone neben Headgeared.
      „Spezialbeschwörung! Wenn ich einen Boxer kontrolliere, kann ich [Battlin' Boxer Sparrer] als Sparringspartner rufen!“
      Neben ihrem bereits vorhandenen Kämpfer tauchte ein weiterer, in grauer Montur gekleideter auf, an dessen Oberarmen sich große, rote Schienen befanden.

      Battlin' Boxer Sparrer [ATK/1200 DEF/1400 (4)]

      Anya schnalzte mit der Zunge. „Tja, da ich ihn beschworen habe, muss ich die Battle Phase überspringen. Aber das ist kein Problem, im ersten Zug kann ich sowieso nicht angreifen!“
      Ohne weitere Worte schwang sie ihre Hand nach oben aus. „Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Inmitten des Spielfeldes öffnete sich ein schwarzes Loch. Auch wenn das Publikum scheinbar schon damit gerechnet hatte, gab es doch vom ein oder anderen Zuschauer positive Zurufe.
      „Aus meinen zwei Stufe 4-Boxern wird eine Rang 4-Kriegsmaschine!“, verlautete Anya stolz, angespornt von der Resonanz der Zuschauer, „Xyz Summon!“
      Beide Boxer verwandelten sich in rote Lichtstrahlen, die vom Überlagerungsnetzwerk absorbiert wurden. Aus diesem erfolgte eine Explosion. „Ab in den Ring mit dir, [Battlin' Boxer Lead Yoke]!“
      Schließlich stieg der mit zwei Stahlpfeilern fixierte Boxer vor Anya empor, dessen Xyz-Material sich in besagten Fesseln befand.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/2200 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Nachdem ihr Kämpfer erschienen war, lugte Anya ein weiteres Mal nachdenklich in ihr aus nur noch drei Karten bestehendes Blatt. Da war sie, ihre Geheimwaffe in Form einer bestimmten Falle.
      Immer wieder sah sie vor ihrem geistigen Auge, wie Zachariah während ihres letzten Duells und auch bei Kakyos mit seinen Schwertern ihre gesetzten Karten zerstört hatte. Unweigerlich würde er es diesmal wieder versuchen, da war sie sich sicher.
      „Jetzt ist es noch zu früh für dich“, murmelte Anya, um dann laut zu verkünden: „Zug beendet!“

      Einige Leute klatschten. Während der Kommentator noch über den Zug der Blonden sinnierte, zog Zachariah eine sechste Karte und schmunzelte. „Du willst das also durchziehen, was? Meinetwegen.“
      Anya blies ihre Wut geradezu durch die imaginären Nüstern, mit denen sie nur zu gerne Feuer spucken würden. „Worauf du deinen hässlichen Arsch verwetten kannst!“
      Buhrufe waren die Folge ihrer giftigen Antwort. Allerdings störte sich ihr Bruder nicht daran, im Gegenteil, er begann noch breiter zu grinsen. Dazu nahm er die erste Karte aus dem Blatt. „Ich beschwöre den angehenden König der Legende, [Noble Knight Artorigus]!“
      In glänzender, mit Fellen verzierter Rüstung tauchte vor ihm ein großer Krieger von rotem Haar auf.

      Noble Knight Artorigus [ATK/1800 DEF/1800 (4)]

      Der Ritter streckte die Hand von sich. Die Finger spreizend, wartete er darauf, dass Zach seine nächste Karte in die Zauberfallenzone schob. „Was wäre der König ohne sein treues Schwert? Ich rüste ihn mit [Noble Arms – Caliburn] von meiner Hand aus und mache ihn damit um 500 Punkte stärker!“
      Ein Lichtblitz schoss von der Decke direkt vor Artus' Füße, wo nun ein Schwert im Boden steckte. Dieses zog er beidhändig heraus und hielt es triumphierend in die Höhe.

      Noble Knight Artorigus [ATK/1800 → 2300 DEF/1800 (4)]

      Die Augenbrauen zu einem einzigen Strich verziehend, erinnerte sich Anya nur zu gut an dieses beknackte Schwert, welches sich wie alle Edlen Waffen an ein anderes Monster ausrüsten konnte, sollte es zerstört werden.
      Und dieses Ding war besonders lästig, denn …
      „... einmal pro Zug erhalte ich mit seinem Effekt 500 Lebenspunkte!“
      Blaue Energielinien begannen nach Zachariahs Ausruf vom Heft der Klinge hin bis zur Spitze aufzuleuchten. Ein Regen aus blauen Funken ging auf den blonden Mann hernieder.

      [Anya: 4000LP / Zachariah: 4000LP → 4500LP]

      „Wollen doch mal sehen, woraus dein Boxer so gemacht ist“, philosophierte Zach und schwang den Arm aus. „Angriff!“
      Unter einem Kriegsschrei stürzte sich Artorigus auf Lead Yoke. Weit ausholend beabsichtigte der Ritter seinen Feind mit einem diagonalen Schlag zweizuteilen. Rechtzeitig jedoch wich der Boxer aus und wandte sich mit dem Rücken zu seinem Feind, welcher unfreiwillig einen der beiden Pfeiler zerschlug, die Lead Yoke fesselten. Aus diesem trat das Xyz-Material hervor und wurde von jenem absorbiert, der in roter Aura aufleuchtete und Artus mit einem Faustschlag gegen die Klinge zurückwarf.

      [Anya: 4000LP → 3900LP / Zachariah: 4500LP]

      Anya verschränkte altklug die Arme. „Pah! Du magst mir zwar Schaden zugefügt haben, aber statt Lead Yoke zu zerstören, hast du ihn dank seines Effekts stärker gemacht!“
      Dieser vermochte ein Xyz-Material abzuhängen, um sein Ableben zu verhindern. Und wann immer er von der Last einer solchen Overlay Unit befreit wurde, erhielt er 800 Angriffspunkte.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/2200 → 3000 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 1]

      Mit den Schultern zuckend, meinte Zachariah gleichgültig. „Schön für dich. Mach was draus, dein Zug.“
      „Werd' ich, darauf kannst du Gift nehmen! Oh und ich bitte dich, nimm welches!“, tönte Anya gallig.
      „Oh, was ist das!? Zerrüttete Familienverhältnisse!?“
      „Schnauze!“, fauchte Anya den Kommentator an und gab ihm eine Dosis ihres Lieblingsfingers. „Kümmere dich um deinen eigenen Mist, du gehst mir jetzt schon auf die Eierstöcke, du-!“

      Genug, Anya Bauer. Denk dran, hier sehen hauptsächlich deine Landsmänner zu. Deine Fäkalsprache und unangebrachten Gesten könnte ihnen bleibende Schäden zufügen.


      „Was? So was wie das?“, fragte Anya aufrichtig irritiert und zeigte überall ihre Mittelfinger herum. „Aber wie soll ich sonst 'fuck you' zum Ausdruck bringen? Ich kann ihn ja schlecht als 'beschissene Wichskacke' beschimpfen, denn zu ihm passt mehr ein 'hinterfotziges Verräterschwein'!“
      Sie legte besagten Finger an die Lippe. „Aber das ist mir zu lang. Wieso soll ich mir was Neues ausdenken?“

      Warte … neckst du gerade zur Abwechslung mich?

      Die Blonde zwinkerte. „Jep! Nicht wahr, Mr. C?“
      Wobei die Frage nur dazu gedacht war, von dem Gespräch mit Levrier abzulenken. Welcher prompt erwiderte: „S-so etwas habe ich noch nie in meiner neunundzwanzigjährigen Karriere als Moderator erlebt! Wie gut, dass die Übertragung um wenige Sekunden zeitversetzt ist!“
      Dann jedoch verhärteten sich Anyas Züge wieder, als sie nach ihrem Deck griff. „Was auch immer, der Spinner stampft sich nicht von alleine ein, also Schnauze jetzt! Draw!“
      Schwungvoll zog sie und betrachtete sofort die Zauberkarte, die sie in den Händen hielt und welche anschließend in ihr Blatt wanderte.
      „Ich rufe [Battlin' Boxer Big Bandage]!“
      Ein, von den roten Shorts mal abgesehen, vollkommen einbandagierter Kämpfer gesellte sich zu Anyas anderem Monster.

      Battlin' Boxer Big Bandage [ATK/1100 DEF/1400 (2)]

      „Sein Level ist scheiße, deswegen aktiviere ich jetzt seinen Effekt!“ Anya zeigte den [Battlin' Boxer Headgeared] von ihrem Friedhof vor. „Den habe ich eben abgehangen, als ich Lead Yokes Effekt benutzt habe. Jetzt wird Big Bandage seinen Level übernehmen.“
      Einige der Bandagen lösten sich von den Armen ihres Boxers und begannen von einer unsichtbaren Kraft angetrieben wie ein Schleier um ihren Besitzer zu kreisen, wobei sie in Flammen aufgingen.

      Battlin' Boxer Big Bandage [ATK/1100 DEF/1400 (2 → 4)]

      „Aber da man mit einem Monster noch kein Xyz beschwören kann, reanimiere ich Headgeared gleich noch.“ Hinter dessen Karte, die Anya zwischen Mittel- und Zeigefinger hielt, schlüpfte eine weitere hervor. „Und zwar hiermit, dem Zauber [Battlin' Boxing Spirits]. Dafür muss ich nur die oberste meiner Deckkarten ablegen.“
      Jene schob sich ein Stück nach vorne, damit Anya sie mühelos greifen und sich ihrer entledigen konnte. Kurz darauf schoss eine flammende Säule zwischen ihren beiden Monstern aus dem Boden und brachte den Boxer mit dem roten Kopfschutz zum Vorschein.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      Anya richtete die Hand nach vorne, hörte kaum noch, was um sie herum vor sich ging.
      „Das ist es. Jetzt kannst du zeigen, dass du mehr drauf hast als freche Sprüche zu klopfen!“ Anya ballte die Finger zu einer Faust. „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon!“
      Das schwarze Loch öffnete sich inmitten des Spielfelds und absorbierte die beiden Boxer als rote Lichtstrahlen.
      „Stehe mir bei, [Gem-Knight Pearl]!“
      Unter dem Staunen der Zuschauer entstieg aus dem Wirbel eine weiße Gestalt. Die Arme majestätisch verschränkt, kreisten neben den beiden obligatorischen Lichtsphären auch sieben kohlkopfgroße Perlen um den Ritter, den Levrier verkörperte.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Elegant schwebte er zu Anyas Seite des Feldes und bezog neben ihr Stellung.

      Soll ich deinen Bruder ein wenig erziehen, Anya Bauer? Mir scheint, als hätte er schon länger keine Tracht Prügel mehr bekommen.

      Es bildete sich ein Grinsen um Anyas Mundwinkel, dessen Ausmaß befürchten ließ, alsbald schmerzhafte Krämpfe in ihren Gesichtsmuskeln auszulösen.
      „Ich verlasse mich auf dich!“, flötete sie, froh, dass der Mistkerl endlich mal auf ihrer Seite war.
      „Bevor du dich jedoch austoben kannst, ist erstmal Lead Yoke dran! Verpass' seinem Ritter eine Kopfnuss, die sich gewaschen hat! One-Hit KO!“
      Der hünenhafte Boxer sammelte leibhaftiges Feuer in seiner Faust, ehe er auf Artorigus zu stürmte und diesem ebenjene ins Gesicht rammte. Damit brachte er den Ritter zu Fall, welcher kurz darauf explodierte und mit ihm auch sein Schwert.

      [Anya: 3900LP / Zachariah: 4500LP → 3800LP]

      Nachdenklich betrachtete Anya Zachariahs leeres Feld.
      „Seltsam … beim letzten Mal hat er extra versucht, diese blöden Schwerter weiterzureichen.“

      Denk an sein Assmonster. Es kann auch vom Friedhof auf sie zugreifen.

      Anya sagte nichts, erinnerte sich aber noch gut daran. Dann war wohl offensichtlich, was er als Nächstes vorhatte.
      „Tch, das macht mir keine Angst. Im Gegenteil“, murrte sie, „ich bin so aufgeregt wie noch nie. Kannst du dir denken warum, Arschgesicht?“
      „Aber sicher doch. Du willst mich mit -ihm- direkt angreifen“, sagte Zachariah mit einem heimtückischen Grinsen und breitete die Arme aus. „Nur zu. Wenn du mit den Konsequenzen leben kannst.“
      Anya zuckte ungewollt zusammen. Sie zweifelte nicht daran, dass ihr verhasster Bruder seine Drohung wahr machen würde. Unbewusst ballte sie eine Faust und senkte den Kopf. Sie musste das hier durchziehen, ansonsten würde sie womöglich ihre einzige Chance verlieren, sich mit Claire Rosenburg zu duellieren. Wäre es doch bloß nicht diese eine Duel Disk, mit der er sie versuchte zu erpressen!
      Mit den Zähnen knirschend, wollte ihre Zunge bereits nachgeben, als ein plötzlicher Impuls sie wie ein Blitz durchfuhr. Den Kopf nach oben reißend, schwang sie den Arm aus. „Weiß nicht was du meinst!“
      Die Erkenntnis war zum Glück rechtzeitig gekommen, auch wenn sie sehr schmerzhaft war: Sie würde ihre Duel Disk nicht wiederbekommen. Dafür würden Zach und seine Freundin Kali sorgen. Wieso sollten sie sich auch an Abmachungen halten, wenn die beiden sie tot sehen wollten!?
      Anya richtete den ausgestreckten Zeigefinger auf ihren Bruder. „Jetzt kriegst du die volle Breitseite! Lev- [Gem-Knight Pearl], direkter Angriff auf seine Lebenspunkte! Shining Knuckle!“

      Unbemerkt von allen anderen stand eine in dunkler Kutte verhüllte Person im Gang, der zum Spielfeld führte, und wohnte dem Schauspiel stumm bei. Die Kapuze tief über das von der weißen Maske verdeckte Gesicht gezogen, rümpfte Kali die Nase, bevor sie sich wegdrehte. Ihre Schritte hallten im Weggehen durch den Gang.

      Levrier schoss wie ein Pfeil auf Zachariah zu, anstatt seine Perlen zu kommandieren, welche regungslos auf Anyas Spielfeldseite verharrten. Er hatte genau verstanden, was sie von ihm erwartete und auch wenn er Einwände hatte, würde er sie in diesem Fall nicht äußern. Nicht zuletzt auch deshalb, da er selbst eine gewisse Genugtuung dabei empfand, als er mit voller Wucht seine Faust in Zachariahs Magen rammte und seinen zusammenzuckenden Körper spürte. Speichel tropfte auf den Boden.
      Einige Zuschauer bemerkten diese, aus ihrem Betrachtungswinkel, unerwartete Reaktion und schrien auf.

      [Anya: 3900LP / Zachariah: 3800LP → 1200LP]

      Du wirst Stillschweigen hierüber bewahren, Zachariah Bauer. Wenn nicht, wirst du schnell feststellen, dass dies nur der Anfang war und nicht jeder Konflikt durch ein Duell gelöst werden muss.

      Langsam zog Levrier seine Faust aus dem Bauch des blonden Mannes.
      Dieser hustete, flüsterte dann aber: „Denk nicht, dass ich das auf sich beruhen lassen werde, mein lieber Levrier …“

      Dann behalte diesen Schmerz im Gedächtnis, denn es wird nicht das letzte Mal sein, dass du ihn fühlst.

      Damit zog sich Levrier zu Anyas Spielfeldseite zurück.
      Gleichzeitig streckte Zachariah breit lachend die Hand nach oben. „Sah doch täuschend echt aus, was!?“
      Sein verzerrter Gesichtsausdruck strafte seiner Worte jedoch Lügen, auch wenn er das Publikum mit dieser Scheinvorführung damit auf seiner Seite hatte.
      Derweil nickte Anya ihrem Ritter anerkennend zu. „Besser hätte ich das auch nicht hinbekommen!“

      Ich fühle mich geehrt, auf eine Stufe mit dir gestellt zu werden- warte!

      Doch Anya hörte schon gar nicht mehr zu, da sie versuchte, ihre schier grenzenlose Schadenfreude davon abzuhalten, ihre von Natur aus nur mäßig ausgeprägte Konzentration nicht zu stören. Sie blickte sich noch einmal im Publikum um und entdeckte endlich Zanthe, der ihr mit erhobenen Daumen gratulierte. Auf der gegenüberliegenden Seite konnte sie schließlich auch Logan ausmachen, der mit grimmiger Miene und verschränkten Armen da saß. Und sicherlich waren Redfield und Marc auch noch irgendwo.
      Aber genug davon! Immerhin hatte sie das Duell noch nicht gewonnen.
      „Ich jage jetzt einen Zauber hinterher!“, verkündete sie, „[Xyz Gift]! Wenn ich zwei Xyz-Monster kontrolliere, kann ich von einem zwei Overlay Units abhängen und dann zweimal ziehen!“
      Die um Levrier kreisenden Lichtsphären lösten sich von ihrem Besitzer und flogen in hohem Bogen auf Anya zu, besser gesagt auf das Deck in ihrem roten D-Pad. Jenes leuchtete auf und Anya riss umgehend daraus die zwei Karten fort.
      Eine davon nehmend, schmetterte sie sie in die Duel Disk. „Diese hier gesetzt, Zug beendet!“

      Noch immer nicht der richtige Zeitpunkt für die Geheimwaffe?

      Anya nickte kaum merklich. Diese würde sie erst ausspielen, wenn Zachs Assmonster auf dem Feld war. Vorher erschien ihr das zu riskant.
      „Du bist dran!“, raunte sie mit zwei verbliebenen Handkarten. Den Kopf zur Seite legend, fragte sie provokativ: „Na, kannste noch stehen?“
      Zach, der nebenbei seine Hand auf den Bauch legte, musste auflachen. „Für wen hältst du mich? Du warst schon immer gut daran, Schwächere zu … beeindrucken. Aber bei mir klappt das nicht.“
      „Noch nicht“, versprach Anya unheilverkündend.

      Weit von ihnen entfernt befand sich die kleine VIP-Lounge am höchsten Punkt der Arena. Ganz aus Glas bestehend, hatte man von hier einen guten Blick auf das gesamte Spielfeld. Fast schon gemütlich mutmaßte das Innere an, gab es doch einen Tisch gefüllt mit vielen leckeren Speisen am hinteren Ende des Raums und eine breite Couch direkt hinter dem Kommentatorenplatz, an dem Mr. C fleißig seinen Senf zum Duell gab.
      Geradezu gelangweilt lehnte sich Melinda in einem weißen Kleid an eine der roten Lehnen und seufzte. Doch die Pose täuschte. „Hoffentlich macht sie das nicht nochmal. Wenn einer merkt, dass sie Levrier benutzt, um ihren großen Bruder zu vermöbeln …“
      Henry, der die Arme verschränkt hielt, nickte knapp. „Was denkt sie sich nur dabei? Fühlt sie sich sicher, weil man es nicht auf die Solid Vision-Technologie schieben kann? Dämliche Pute, das ganze Turnier wird gestoppt werden, wenn etwas schief geht.“
      Eine Hand an die Wange führend und sich daran abstützend, wunderte sich Melinda: „Was er ihr wohl getan hat?“
      „Oder sie ihm. Scheint ja auf Gegenseitigkeit zu beruhen.“
      Derweil schrie vorne der schwarzhaarige Mr. C in sein Mikrofon: „Was für ein Schlagabtausch. Diese beiden schenken sich nichts!“
      „Geht der nur mir auf die Nerven?“, flüsterte Melinda hinter vorgehaltener Hand ihrem Bruder zu.
      Ein Surren unterbrach das Gespräch der Geschwister jedoch. Henry zog aus der Brusttasche seines Anzugs ein Smartphone hervor und legte es ans Ohr. „Ja?“
      Er machte eine kurze Pause. Als Melinda ihn fragend ansah, nannte er bloß einen Namen. „Nick.“
      Was seine rothaarige, ältere Schwester die Augen verdrehen ließ. Umso mehr, als Henry aufgeregt wiederholte: „Erster Prototyp schon in etwa einem Monat?“
      Sein Mund stand sperrangelweit offen, der seltene Anflug eines Lächelns überzog sein Gesicht. „So schnell? Du bist ein Genie!“
      Melinda, die Nick als liebenswerten Volltrottel kennengelernt hatte, stand ihm mit gemischten Gefühlen gegenüber, seit er indirekt Henrys rechte Hand bezüglich seines neuen Spiels geworden war. Solche Leute, die sich verstellten, hatten nur allzu oft etwas zu verbergen. Etwas Gefährliches.
      Als Henry das Gespräch beendete, lächelte sie ihm trotzdem freundlich zu. „Klingt ja gut.“
      „Ja, er kümmert sich höchstpersönlich um die Plattform. Wenn er den Zeitplan wirklich einhalten kann, schaffen wir es vielleicht noch dieses Jahr.“
      „Toll!“, log Melinda ohne rot zu werden.
      „Ich bin mir sicher, dass 'mein' Monochrome Duel Monsters zerstören wird!“

      Zachariah zog mit Schwung die nächste, fünfte Handkarte auf und kniff dabei für einen kurzen Moment die Augen fest zusammen, was Anya mit deutlicher Genugtuung beobachtete. Im Gegensatz zu Levrier, der neben ihr verharrte.

      Anscheinend war ich ein wenig zu enthusiastisch.

      „Was auch immer.“

      Ich kenne deine Gefühle diesbezüglich. Allerdings habe ich Bedenken, was passieren könnte, wenn wir ihn hier und jetzt ausschalten. Zum Einen würdest du die Aufmerksamkeit der Autoritäten auf dich ziehen. Und die von Kali … welche Verbindung die beiden auch immer haben mögen.

      „Kch!“
      Anya wusste selbst gut genug, dass ihr verdammter Bruder das Glück hatte, in einem offiziellen Duell gegen sie anzutreten, dem Millionen Zuschauer beiwohnten. Natürlich durfte sie ihn da nicht vor einem Weltpublikum aus dem Verkehr ziehen. Aber ein klein wenig leiden lassen konnte sie ihn und im Moment wollte sie nichts mehr als das. Und was Kali anging? Die war so oder so hinter ihr her. Sollte sie sich halt hinter den Undying, irgendwelchen verrückten Dämonenjägern und anderem Gesocks anstellen!

      Derweil nahm Zach eine Karte aus seinem Blatt und legte sie auf die Duel Disk.
      „Ich beschwöre die [Lady Of The Lake]!“
      Das Spielfeld vor dem hochgewachsenen, blonden Mann verwandelte sich in klares, schimmerndes Wasser. Aus diesem stieg eine Klinge empor, breit und mächtig, durch deren linke Hälfte rote Energielinien verliefen und durch die rechte hellblaue. Wie ein Geist tauchte plötzlich eine blonde Frau auf, die jenes sagenhafte Schwert fest umklammert hielt: Viviane, die Herrin des Sees, gekleidet in einem fliederfarbenen Mantel.

      Lady Of The Lake [ATK/200 DEF/1800 (1)]

      Zach griff nach seinem Friedhof. „Wenn sie beschworen wird, kann sie einen normalen Noble Knight vom Friedhof zurück aufs Feld bringen. Artorigus!“
      Sie streckte elegant den Arm zur Seite aus, als wolle sie jemandem die Hand reichen und tatsächlich: Aus der Oberfläche des Wassers tauchte der rothaarige Artus auf und nahm die Hand der Herrin des Sees.

      Noble Knight Artorigus [ATK/1800 DEF/1800 (4)]

      „Da [Lady Of The Lake] eine Empfängerin ist, kann ich sie auf Artorigus einstimmen!“, rief Zach und streckte den Arm in die Höhe. „Stufe 1 auf Stufe 4!“
      „Synchro!?“, überschlug sich Anyas Stimme.
      Viviane löste sich in Luft auf, ebenso ihr See, an dessen Statt nun ein weiter, grüner Ring von unten um Artus herum aufstieg.
      „Ganz richtig! Synchro Summon! Stufe 5, erscheine, [Ignoble Knight Of High Laundsallyn]!“
      Ein rotes Licht schoss aus dem Boden und ließ Artorigus verschwinden. Stattdessen schwebte vor Zachariah plötzlich eine schwarzhaarige, in roter Aura gehüllte Gestalt in anthrazitfarbener Rüstung, welche von roten Energielinien durchzogen war – der Verräter Lancelot, mit dem Anya, wenn auch in anderer Form, schon in ihrem letzten Duell Bekanntschaft geschlossen hatte.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/2100 DEF/900 (5)]

      Dieser streckte die Hand nach vorne aus und lachte.
      „Bei seiner Synchrobeschwörung rüstet er sich sofort mit einer Waffe von meinem Deck aus.“ Zach seinerseits hielt jene schon zwischen den Fingern und zeigte sie. „[Noble Arms – Gallatin]!“
      In Lancelots Hand tauchte ein schlichtes Schwert mit leuchtend grüner Klinge auf. „Sie stärkt das ausgerüstete Monster um 1000 Punkte.“

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/2100 → 3100 DEF/900 (5)]

      Mit einem Schlag bekam Zachs Ausdruck etwas Heimtückisches. „Und dann rüste ich ihn noch mit einer weiteren Karte von meiner Hand aus: [Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms]!“
      Was Anya ziemlich verblüffte, handelte es sich bei der Karte um ein Monster. Jenes tauchte in Form eines jungen Mädchens auf, dessen zu zwei Zöpfen geflochtenes, braunes Haar wild umher flatterte, genau wie ihr weißes Kleid, als sie wie ein Geist herabstieg und sich an Lancelot zu klammern begann. Anschließend verschwand sie, was die Aura des Kriegers verstärkte und ihr schwarze Nuancen hinzufügte.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/3100 → 3400 DEF/900 (5)]

      Anya kniff die Augen zusammen, sodass ihre böse funkelnden Pupillen nur noch aus Schlitzen hervorlugten. „Noch stärker, huh?“
      „Noch viel stärker“, versprach ihr Bruder unheilvoll und streckte sogleich den Arm aus. „Stark genug, um deinen geliebten Pearl in die ewigen Jagdgründe zu schicken! Und wenn das passiert, erhalte ich eine Noble-Karte von meinem Deck.“
      „Der große Bruder dreht auf! Kann Anya Bauer sich gegen ihn zur Wehr setzen?“, fragte der Kommentator ins Publikum.
      Während jenes in der groben Überzahl verneinte, hob Lancelot seine Klinge in die Höhe. Rotes Feuer begann um sie zu brennen.
      Die Stirn runzelnd, ignorierte Anya die johlende Pro-Zachariah-Fraktion und schwang den Arm aus. „Natürlich würdest du ihn angreifen! Aber das kannste knicken, Falle: [Shift]! Sie macht [Battlin' Boxer Lead Yoke] zum Ziel!“
      Ohne dem weißen Ritter der Perlen überhaupt Beachtung zu schenken, schleuderte dessen dunkler Rivale eine flammende Welle auf den Boxer. Jener drehte sich von der Attacke weg und schützte sich dank des Pfeilers auf seinem Rücken, welcher zerbarst. Seine Brocken flogen in Anyas Richtung, die sich instinktiv mit den Armen schützte.

      [Anya: 3900LP → 3500LP / Zachariah: 1200LP]

      Sofort als die Attacke überstanden war, zog sie das letzte Xyz-Material unter Lead Yoke hervor und schob es in den Friedhofsschlitz. „Zu dumm, da hast du wohl nichts durch einen Kampf zerstört. Lead Yoke benutzt seine Overlay Unit, um sich am Leben zu erhalten und zu stärken.“
      Nun war der Boxer völlig frei von seinen Fesseln und begann, ähnlich wie Lancelot, in roter Aura aufzuleuchten.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3000 → 3800 DEF/2000 {4} OLU: 1 → 0]

      Als Zach allerdings mit der Zunge schnalzte, schwante Anya Böses. „Das war also alles, was du da hinten liegen hattest? Enttäuschend … aber gut, dass es jetzt weg ist.“
      Plötzlich begriff Anya. Ihr Bruder hatte -absichtlich- den zweiten Effekt dieses blöden Ritters preisgegeben, damit sie ihre Falle aktiviert, um zu verhindern, dass jener zum Einsatz kommt! Und wenn er nur darauf spekuliert hatte, [Shift] aus dem Weg zu räumen, hieß das …
      „Jetzt habe ich freie Bahn hierfür“, meinte er und zeigte zwischen Mittel- und Zeigefinger einen Schnellzauber vor, „ein nettes kleines Präsent einer gemeinsamen Bekannten. [Galaxy Storm]!“
      Seine Gegnerin atmete schwer ein und wich einen Schritt zurück. Alles um sie und ihre Monster herum wurde dunkel, pechschwarz, nur einzelne Lichtpunkte durchdrangen jene Finsternis – sie befand sich im All!
      „Du hast dich bemüht, deinen Pearl zu schützt, was? Die Logik würde gebieten, dass ich das stärkste Monster auf deinem Feld anziele mit dem Effekt von [Galaxy Storm].“
      „Was für ein Effekt!?“
      Anya wurde immer unwohler zumute. Irgendetwas näherte sich ihrem Spielfeld aus den Tiefen des Alls, lauter dunkle Schatten, es war unmöglich zu sagen, um was es sich dabei handelte.
      „Mit dieser Karte vermag ich sofort ein Xyz-Monster ohne Overlay Units zu zerstören. Wie gesagt, die Logik würde Lead Yoke als Ziel bestimmen. Aber …“
      Ein Stich. Anya keuchte auf, als sie glaubte, von jener Karte in Zachs Hand eine dunkle Aura ausgehen zu sehen. Irgendjemand hatte das Teil bearbeitet – Kali!
      „Oh nein, das wirst du-!“
      „Doch, ich werde. Wie würdest du sagen? Revenge Menge! Pearl ist das Ziel!“
      Jener sah sich unsicher um.

      Sieht nicht gut aus. Das wird wehtun …

      „Nein!“, schrie Anya panisch, die jetzt erkannte, was aus allen Richtungen auf ihren Partner zugeschossen kam – dutzende Kometen.
      Aber es war zu spät. Wie ein Hagel schlugen sie um Levrier ein, lösten eine Explosion nach der anderen aus.

      Ahhhhhhh!

      Es wollte einfach nicht aufhören. Und als wäre das allein nicht schon schlimm genug, sammelte sich die Energie der kleineren Explosionen, um ein gewaltiges Finale zu entfesseln.
      Unter einem ohrenbetäubenden Knall wurde eine Super Nova-ähnliche Entladung ausgelöst, die Levrier in Fetzen riss und das eigentliche Spielfeld wiederherstellte.

      Gyaaaah!


      Anya stockte der Atem. Unsicher flüsterte sie: „Le- Pearl?“
      Keine Reaktion.
      Zach lachte hämisch. „Der kommt so schnell nicht wieder zu sich. Beste Grüße von Kali! Kannst ja versuchen dich zu rächen, dein Zug.“
      Während Anya noch versuchte zu begreifen, kommentierte der MC: „Was war das!? Wieso hat Zachariah das schwächere Monster ausgewählt? Führt er etwas im Schilde!?“

      Wie in Trance griff Anya nach ihrem D-Pad, das sie lasch vor sich hielt und zog auf. Die Karte betrachtend, sah sie unvermittelt mit zornesroter Fratze auf und schmetterte das Monster heftiger auf den Apparat als nötig gewesen wäre.
      „[Battlin' Boxer Glassjaw]!“
      Vor ihr tauchte ein grüner, stämmiger Boxer aus, dessen Anblick glatt vermuten ließ, er wäre ein aus Stein gemeißelter Hulk.

      Battlin' Boxer Glassjaw [ATK/2000 DEF/0 (4)]

      Als Anya den Arm ausstreckte und den Zeigefinger mit aufgerissenen Augen auf Zach richtete, schrie sie: „Macht ihn alle! Lead Yoke, schlag auf diesen verdammten Ritter ein, bis nichts mehr von ihm übrig ist! One-Hit KO!“
      Selbst danach schrie sie noch derart kriegerisch, als wäre sie diejenige, die den Schlag austeilte. Mit flinken Schritten näherte sich der Boxer und schmetterte seine Faust gegen Lancelots rot entflammte Klinge. Jener kicherte geheimnisvoll.
      „So wird das nichts. Effekt von [Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms]! Du weißt schon, das Klammeräffchen.“
      Mit Schrecken beobachtete Anya, wie jene hinter Lancelot auftauchte und sich kreischend in Luft auflöste. Im nächsten Moment schleuderte Letzterer Lead Yoke erst davon, um eine messerscharfe, vertikal gerichtete Welle hinterher zu schicken, die den Boxer durchtrennte.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/3400 → 3100 DEF/900 (5)]

      Wie versteinert stand Anya da, ließ den Arm sinken.
      Zach schloss die Augen und grinste zufrieden. „Sicher, ich muss die Königin opfern, aber das macht doch jeder dunkle Ritter, um einen mächtigeren Feind einfach so zu töten. Richtig?“
      „Jetzt hat er beide Xyz-Monster besiegt, unglaublich!“, schrie Mr. C begeistert.
      Anya hörte jedoch nicht hin. Jetzt stand sie nur noch mit Glassjaw und zwei Handkarten da. Dieser verdammte Bastard, er spielte mit ihr wie mit einem Kind! Darüber hinaus hatte er sich an Levrier vergangen, der Feigling! Und sie wusste nicht einmal, wie es ihm ging.
      Panisch sah sie in ihr Blatt. Jetzt musste sie ihren Trumpf ausspielen, wenn sie hier heil durchkommen wollte! Sicherlich würde Levrier ihr auch dazu raten.
      „Das hier ist noch lange nicht vorbei!“, fauchte sie, immer noch knallrot im Gesicht. „Diese da verdeckt, Zug beendet!“
      Zischend materialisierte jene Falle sich vor ihren Füßen.

      Geradezu lässig zog Zachariah auf, als läge es nun an ihm, Anya den Gnadenstoß zu versetzen. Nebenbei erklärte er: „Während jeder Standby Phase verliert der Träger Gallatins 200 Angriffspunkte, aber das macht nichts.“
      Tatsächlich trübte es nicht die finstere Aura, die Lancelot umgab.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/3100 → 2900 DEF/900 (5)]

      „Du hast eindeutig noch zu viele Lebenspunkte. Das müssen wir ändern.“ Er legte eines seiner Monster auf das D-Pad. „Erscheint, [Noble Knight Brothers]! Wenn sie gerufen werden, kann ich bis zu zwei weitere Edle Ritter rufen. Aber ich brauche nur diesen hier, [Noble Knight Borz]!“
      Zunächst stellten sich drei junge Männer blonden Haares vor ihrem Besitzer auf. Der älteste Bruder mit schulterlangem, der mittlere mit etwa einer Handbreit langem Haar und zu guter Letzt der jüngste mit vergleichsweise kurzer Pracht. Neben ihnen gesellte sich ein weiterer Ritter mit braunem Haar und in rotem Umhang – Bors der Jüngere, Sucher des Heiligen Grals.

      Noble Knight Brothers [ATK/1200 DEF/2400 (4)]
      Noble Knight Borz [ATK/1700 DEF/900 (4)]

      Anya entfuhr ein aufgeregtes Keuchen. Zwei Monster gleicher Stufe auf dem Feld zu haben war nicht gut! Das Problem war nicht, dass er eine Xyz-Beschwörung durchführen konnte. Die Frage war, -wann- würde er es tun?
      „Ich denke, ein Schwert würde Borz gut zu Gesicht stehen. Drum rüste ich ihn mit der Klinge der Legenden aus, [Noble Arms – Excaliburn]!“
      Zu Anyas Überraschung materialisierte sich in der Hand des Ritters ebenjene Klinge, die die Herrin des Sees so fest umschlossen gehalten hatte. Doch ihre zweifarbigen Energielinien leuchteten nicht auf.
      „Hups“, gluckste Zach da, als würde er ihre Gedanken lesen und fasste sich demonstrativ an die Stirn, „Borz ist ja gar nicht der wahre Träger Excaliburs.“
      Was sich auch darin zeigte, dass sich sein Angriffswert nicht veränderte. Woraus der blonde Duellant schloss: „Naja, es reicht zumindest, damit Borz jetzt seinen Effekt aktivieren kann. Solange er mit einer Edlen Waffe ausgerüstet ist, bestimmt er einmal pro Zug drei weitere jener Schwerter – und was sonst noch dazugehört – und überlässt mir von denen eine zufällige. Die anderen landen auf dem Müll.“
      Zach nahm sein Deck aus der Halterung und durchsuchte es nach den dreien, die ihm im Sinn standen. Er zeigte sie vor, doch Anya konnte nur den Namen der obersten Karte lesen: [Noble Arms – Excaliburn II]. Zusammen mit den anderen beiden tauchte sie anschließend in vergrößerter Form mit dem Rücken zu Anya gewandt auf.
      „Du entscheidest“, gurrte er verheißungsvoll.
      Es war die mittlere, auf die Anya nach praktisch nicht vorhandener Überlegung deutete. Jene nahm Zach auf und ließ die anderen beiden in seinem Friedhof verschwinden.
      „Diese Karte …“, murmelte die Blonde derweil nervös. Mit der hatte Zach letztes Mal versucht sie zu besiegen und es war dieselbe Karte, vor der dieser Kakyo sie gewarnt hatte. „Shit …“
      Umso weniger überraschte es sie, als Zach seine beiden Noble Knights vom D-Pad nahm und übereinander legte. „Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Wie schon die beiden Male bei Anyas Xyz-Beschwörung zuvor öffnete sich inmitten des Spielfelds ein schwarzes Loch. Die drei Brüder und Borz lösten sich in goldgelbe Lichtstrahlen auf, die in die Mitte jenes Netzwerks schossen und verschwanden.
      „Zwei Stufe 4-Monster! Xyz Summon! Herrsche, [Artorigus, King Of The Noble Knights]!“
      Eine Lichtexplosion erfolgte aus dem finsteren Schlund. Daraus empor stieg der gereifte König Artus, nun in einer blau aufleuchtenden Rüstung gehüllt. Von seinen Schultern flatterte ein Umhang gemacht aus Fell und zwei Lichtkugeln umkreisten ihn dabei, wie er zu Zach herüber glitt.

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/2000 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Jener famose König streckte beide Hände vor sich aus. Zachariah erklärte dazu: „Bei seiner Xyz-Beschwörung rüstet er sich mit drei Noble Arms von meinem Friedhof aus.“
      Nacheinander schnellten jene aus seinem Friedhof hervor, sodass der Blonde sie nur vorzuzeigen brauchte. Es waren [Noble Arms Of Destiny], ein leuchtender Schild, der sich an Artorigus' rechtem Handgelenk manifestierte, [Noble Arms – Arfeudutyr], ein düsteres Schwert, das in Anya böse Erinnerungen weckte und [Noble Arms – Caliburn], das in des Königs rechter Hand erschien. Welches auch gleich in die Höhe gestreckt wurde.

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/2000 → 2500 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      „Du weißt ja, einmal pro Zug erhalte ich dank Caliburn 500 Lebenspunkte.“
      „Tch, geht das wieder so los!“
      Der von Caliburn gerufene, schimmernde Regen ging auf Zach nieder.

      [Anya: 3500LP / Zachariah: 1200LP → 1700LP]

      „Jetzt ist es Zeit, sich um ein paar Zauber- und Fallenkarten auf dem Spielfeld zu kümmern“, verkündete Zachariah und zog eines der Xyz-Materialien unter Artus weg. Jener absorbierte mit Caliburn eine der um ihn kreisenden Lichtkugeln.
      „Pro Noble Arms kann ich eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld vernichten!“ Zach ballte demonstrativ eine Faust, die er anhob. Gleißendes, blaues Licht begann von Caliburn auszustrahlen, dann feuerte Artus einen kreischenden Lichtblitz auf Anyas gesetzte Karte, sodass diese sich die Ohren zuhielt – und in einer dumpfen, hellblauen Explosion verschwand. Im selben Augenblick zersprang das heilende Schwert in der Hand seines Besitzers.

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/2500 → 2000 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 1]

      „Ich habe deine Falle und Caliburn gewählt“, erklärte Zach, „und wie du schon weißt, können Noble Arms, wenn sie zerstört werden, einmal pro Zug neu ausgerüstet werden.“
      So schnell wie das Schwert in des Königs Hand verschwunden war, so tauchte es auch wieder auf.
      Irritiert blinzelte Anya durch den hellen Rauch. Sie hatte damit gerechnet, dass er – wie schon im letzten Duell – Arfeudutyr benutzen würde, um ihre gesetzte Karte zu zerstören. Aber das hier war noch viel schlimmer, denn …
      „... da [Noble Arms – Caliburn] kurzzeitig vom Spielfeld gegangen ist, kann ich ihren Effekt nun erneut aktivieren!“
      Siegesgewiss streckte Artus die Klinge in die Höhe und ließ auf Zach einen bunten Lichterregen niedergehen.

      [Anya: 3500LP / Zachariah: 1700LP → 2200LP]

      Der Rauch löste sich langsam in Luft auf und Anya stand mit verschränkten Armen da – und ohne Monster. Etwas, das Zachariah nicht erwartet hatte.
      „Wo ist-!?“
      Anstatt ihn ausreden zu lassen, zeigte die Blonde stumm auf Zachs Monster. Welche beide erschöpft in die Knie sanken.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/2900 → 0 DEF/900 (5)]
      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/2000 → 0 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      „Seht ihr das!? Was hat Anya Bauer gemacht, um die Angriffspunkte ihres Gegners auf 0 zu bringen!?“, staunte selbst der Kommentator.
      Anya nahm die Falle von ihrem Friedhof und zeigte sie vor. „Werd' ich dir sagen, Saftsack. [Zero Force]! Bevor mein Trottel von Bruder sie zerstören konnte, habe ich sie aktiviert. Wenn von meiner Spielfeldseite ein Monster verbannt wird, kann ich sofort den Angriff aller anderen Monster auf dem Feld auf 0 setzen.“
      Widersprechend schwang Zach den Arm aus. „Ich habe aber kein Monster verbannt! Und dir fehlten die Mittel dazu!“
      „Sicher? Ich hatte doch [Battlin' Boxer Rib Gardna] auf dem Friedhof!“ Jenen holte Anya aus der Verbannungszone, um ihn zum Beweis vorzuzeigen. „Wenn ich den von dort verbanne, kann ich temporär auch einen Boxer aus dem Ring nehmen.“
      „Aber wie – !?
      Mit großem Genuss konnte Anya ihrem Bruder ansehen, wie er sich an ihren ersten Zug erinnerte.

      Anya schüttelte kaum merklich den Kopf und nahm ein Monster aus ihrem Blatt. „Ich beschwöre [Battlin' Boxer Headgeared]!“
      Aus einer roten Lichtsäule stieg vor ihr ein Boxer empor, von hagerer, doch trainierter und vor allem dunkelblauer Gestalt. Namensgebend war sein roter Kopfschutz.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      Sofort griff Anya nach ihrem Deck. „Wenn er normalbeschworen wird, schicke ich umgehend einen seiner Trainingspartner direkt vom Deck auf den Friedhof.“
      Jenen zeigte sie kurz vor, ehe sie ihn in den Friedhofsschlitz schob.

      Die Stirn runzelnd, lachte er urplötzlich auf. „Nicht schlecht. Ich war wohl etwas unachtsam, weil du meine Gegnerin bist. Du hast gewartet, bis ich die großen Geschütze aufs Feld bringe, ehe du deine Falle setzt. Aber ich sag dir was …“
      Anyas Augen weiteten sich, als Caliburn in Artus' Händen zu glühen begann.
      „... der Effekt von [Zero Force] wurde aufgelöst, bevor [Noble Arms – Caliburn] zurück aufs Spielfeld kam. Also hat mein Monster ein paar Angriffspunkte!“

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/0 → 500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      Unbedarft zuckte Anya mit den Schultern. „Na und? Das reicht kaum aus, um mir einen Kratzer zuzufügen.“
      „Wenn du dich da mal nicht täuscht, 'liebstes Schwesterherz'.“ Während er das sagte, drehte Zach seinen Lancelot in die Horizontale. Dadurch ging dieser ganz in die Knie und schützte sich mit seinem Schwert.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/0 DEF/900 (5)]

      ~-~-~

      Innerhalb Ephemeria Citys wurde das Duell auf den vielen Bildschirmen übertragen, welche an Gebäuden, Fassaden und dergleichen befestigt waren. Die Straßen waren gefüllt mit Menschen, die zusahen. Eigens hierfür hatte die Polizei bestimmte Abschnitte der Stadt gesperrt. Die hellen Lichter der Laternen tauchten das spätabendliche Ereignis in warmes Licht.

      Doch wo Kali sich befand, gab es kein Licht, nur Schatten. Niemand durfte jemals wissen, was sich hinter ihrer Maske verbarg. Niemand durfte wissen, dass es sie gab, bis auf wenige Ausnahmen. Aus diesem Grund hatte sie die Arena verlassen müssen, denn zu groß war die Gefahr, einem der Freunde -jenes Mädchens- über den Weg zu laufen. Es reichte schon, wenn jemand ihre Anwesenheit spürte.
      Was nichts daran änderte, dass Kali gerne dem Duell beigewohnt hätte. So saß sie im Schatten eines Treppenhäuschens, das sich auf der Spitze eines der Bürogebäude befand, nicht weit von der Arena entfernt. Unter ihr fand eines der Public Viewing-Events statt, sodass sie das Spektakel zumindest auf dem Bildschirm verfolgen konnte.
      Als Zachariah seinen Lancelot in die Verteidigung drehte, Artus jedoch nicht, verspürte Kali ein unangenehmes Kribbeln in der Magengegend. Was hatte er vor? Über die Lautsprecher, die ebenfalls überall innerhalb der Stadt verteilt waren, konnte sie ihn hören.

      Jetzt ist es Zeit, 'Anya'.

      Wie er ihren Namen betonte, voller Abscheu. In dieser Hinsicht war er noch extremer als sie selbst, was Kali kaum für möglich gehalten hatte.
      Der Kameramann machte einen guten Job, sah man den blonden, jungen Mann in der Frontansicht, wie er eine Zauberkarte in sein D-Pad schob. Und diabolisch grinste. Das konnte nur eines bedeuten.

      Ich rüste Artorigus mit [Noble Arms – Excaliburn II] aus.

      Auch wenn sie damit gerechnet hatte, keuchte Kali auf.
      Jetzt wurde der Ritterkönig gezeigt, der sein Caliburn und Arfeudutyr vor sich verschmelzen ließ und daraus ein großes, goldenes Breitschwert schuf. In ihm verliefen sich überkreuzende Lichtlinien, blauer und roter Natur. Es war so riesig, dass kein Mensch es mit nur einer Hand führen konnte, doch Artus belehrte die Zweifler eines Besseren und griff mit einer Hand danach.

      Was für ein Scheiß! Die Punkte deines Monsters sind nicht gestiegen. Mal wieder!

      Die Perspektive schwenkte zu Anya um, der entgegen ihrer unbekümmerten Worte der Schweiß auf der Stirn geschrieben stand. Sie wusste nicht, womit sie es zu tun hatte, ahnte jedoch selbstverständlich, dass es nichts Gutes sein konnte.
      „Wirst du wirklich so weit gehen?“, fragte Kali leise. „Zach?“
      Eine Antwort blieb er ihr nicht lange schuldig. Ihr Partner schwang den Arm aus und zeigte auf die völlig schutzlose Anya.

      Jetzt bekommst du eine längst überfällige Kostprobe von dem, zu was Excaliburn II imstande ist.


      Einem inneren Impuls folgend, erhob sich Kali ruckartig. Sie musste zurück! Was er da tat, war nicht in ihrem Sinne, denn …

      ~-~-~

      Gleichzeitig war auch Henry aufgesprungen, allerdings aus ganz anderen Gründen.
      „Was ist das für eine Karte?“, fragte er aufgeregt. „Es gibt kein [Noble Arms – Excaliburn II]!“
      Melinda sah verwirrt zu ihm auf. „Wie kommst du darauf?“
      „Die Noble Knights sind keine Karten von I², sondern stammen von uns. Ich habe selbst den Zeichner für die Artworks beauftragt!“ Zornig, aber ebenso verwirrt sah er auf das Spielfeld herab. „Wir müssen das Duell stoppen und ihn disqualifizieren!“
      Seine Schwester stand ebenfalls auf, legte besorgt ihre Hand auf seine Schulter. „Henry, die Karte ist in der Datenbank, sonst würde sie nicht funktionieren.“
      Er wirbelte aufgeregt zu ihr um und flüsterte: „Du weißt, wie wenig das in unserer Welt bedeutet!“
      „Vielleicht hast du Recht. Aber vorher lass uns erstmal den Eintrag überprüfen, vielleicht erklärt-!“
      Weiter kam Melinda nicht, denn Zachariah hatte soeben den Angriff befohlen.

      „Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte!“, schrie der Blonde im schwarzen Sakko.
      Sein Artus, der das Schwert mittlerweile lässig mit einer Hand schulterte, schwang es nun in einer halbmondförmigen Drehung aus. Wodurch sich von der Klinge eine Schockwelle löste. Von strahlender, blauer Energie, zischte sie über das Feld und erfasste Anya. Jener blieb die Luft weg, als sie getroffen wurde, auch wenn sie äußerlich nichts spürte. Nichts geschah.
      Zach kicherte. „Oh? Denkst du gerade, du würdest nur 500 Lebenspunkte verlieren?“
      Anya reagierte nicht. Irgendetwas stimmte hier nicht, ihr war mit einem Mal so schwindelig.
      „Ich muss dich enttäuschen. [Noble Arms – Excaliburn II] verleiht seinem Träger eine besondere Fähigkeit.“ Während Anyas Sicht zunehmend verschwamm, bekam sie noch mit, wie eine rote Energielinie von Zachs Brust direkt zum Breitschwert verlief. „Sie fügt nicht den Angriffswert des Monsters als Schaden zu …“
      Jene Verbindung zwischen Schwert und ihrem Bruder begann regelrecht zu pulsieren.
      „… sondern den Lebenspunktewert desjenigen, der im Hintergrund die Fäden zieht! Mein Leben und das ist weitaus stärker als 500!“
      Ohne Vorwarnung schwang Artus sein Schwert noch einmal, doch dieses Mal entfesselte er eine rote Schockwelle, die Anya durchfuhr wie ein Blitz. Und mit ihm kamen die Schmerzen. Anya schrie auf und kippte rückwärts um.

      [Anya: 3500LP → 1300LP / Zachariah: 2200LP]


      Turn 61 – Do Your Worst
      Trotz der heftigen, anhaltenden Schmerzen, die Zachariahs Angriff verursacht, kämpft Anya weiter. Die wahre Bedrohung in [Artorigus, King Of The Noble Knights] erkennend, versucht sie alles in ihrer Macht stehende, um ihn zu zerstören. Jedoch gelingt es Zach stattdessen sogar, ihn noch mächtiger werden zu lassen. Ihre einzige Hoffnung in eine der Karten setzend, die sie von Henry erhalten hat, holt Anya zum Gegenangriff aus. Und an ihrer Seite ist …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Battlin' Boxer Headgeared
      Battlin' Boxer Glassjaw
      Battlin' Boxer Sparrer
      Battlin' Boxer Rib Gardna
      Battlin' Boxer Big Bandage

      Battlin' Boxing Spirits
      Xyz Gift

      Shift
      Zero Force

      Battlin' Boxer Lead Yoke
      Gem-Knight Pearl

      Zachariah

      Noble Knight Artorigus
      Noble Knight Brothers
      Noble Knight Borz
      Lady Of The Lake
      Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms

      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms – Arfeudutyr
      Noble Arms – Excaliburn
      Noble Arms Of Destiny

      Noble Arms – Excaliburn II
      Zauber/Ausrüstung
      Du kannst nur 1 offene "Noble Arms - Excaliburn II" kontrollieren. Rüste nur ein „Noble Knight“-Xyz-Monster mit dieser Karte aus. Wenn das mit dieser Karte ausgerüstete Monster Kampfschaden zufügt, wird der zugefügte Kampfschaden zur Anzahl deiner Life Points. Du kannst diesen Effekt von "Noble Arms – Excaliburn II" nur einmal pro Spielzug verwenden. {????}

      Space Cyclone

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn
      Artorigus, King Of The Noble Knights
      @-Aska-

      Well, ich bin nicht der Autor, also kann ich mir nicht anmaßen, was notwendig ist und was nicht. Aber aus meiner Sicht sind Abby und Valerie die beiden Personen, wo es am meisten Sinn machen würde. Abby war die Erste, und als Anyas beste Freundin war es bei ihr zudem interessant, weil sie dem Collector ja noch nie begegnet ist. Valerie hingegen ist jemand, die schon eine Vorgeschichte mit dem Collector hat, und sicherlich keine gute. Insofern wäre es bei ihr spannend zu sehen, wie sie darauf reagiert, was ihr der Collector mitzuteilen hat und wie sie darauf reagiert.

      Besonders Exa finde ich persönlich sehr interessant, er ist einer meiner
      Lieblingscharaktere, obwohl er erst gar nicht geplant war. Aber so
      kann's manchmal kommen, ne? *in Richtung einer gewissen
      Schülersprecherin schiel*

      Joa, der Eindruck kann einem kommen. Der ist ja sehr kurzfristig aufgetaucht und jetzt schon voll dabei. Aber das ist ja eine mögliche Methode, jemand einzuführen. Und jep, manchmal sind es genau die Charas, die einem dann noch sehr wichtig werden, und immer wieder nen CHallenge sie in alles was man schon geplant hat, einzupassen.


      Folge

      Ja, das war sie, die böse Troll-Folge. Komm ich deshalb gleich auf den Kampf in der ersten Hälfte zu sprechen. Zum Einen hatte Anya da ja plötzlich ihre Artefakte zurück, dann war Zanthe noch ihr feindlich gesinnt und beide kämpften auf Teufel komm raus. Da fragt man sich ja, was zur Hölle in 48 Stunden nur passiert sein muss, dass zum einen alles den Bach runter ging und Anya auch wieder an die Karten gelangt ist. Dann aber kam am Ende des Kampfes die Auflösung, dass es 'nur' Training war und alles nicht echt, sondern nur um eine entsprechende Kampfstimmung zu haben.
      Ich fand es in Ordnung wie du es dann aufgelöst hast und alles, aber natürlich kam man sich als Leser dann doch wirklich getrollt vor. Aber wie gesagt, die Prämisse, unter der es stattfand war gut eingeleitet.
      Ein wenig selbstironisch bzw. -reflektierend fand ich sogar die Stelle, als Anya darüber sinniert, wie viel Glück sie bisher hatten, dass sie nahezu nie zu solchen Kämpfen auf Leben und Tod gezwungen worden sind, sondern alles mit dem magischen Kartengame lösen konnten, dass die Welt rettet. Als ob es eine übergeordnete Regel gibt, die die Charas dazu zwingt (lies= es ist eine Yugioh FF xD)
      Den Kampf selbst fand ich gut beschrieben, gerade auch wegen oder auch trotz der einigen recht schnellen Abläufe, die drin vorkamen, denen man aber gut folgen und sich das auch vorstellen konnte.
      So gesehen ist es dir auf jeden Fall geglückt, ein umfangreiches 'Nicht-Duell'-Duell zu beschreiben.

      Wie erwartet schaffte es Anya dann doch zurück ins Turnier, alles andere wäre aber auch sehr verwunderlich gewesen, aber durchaus im Bereich des Möglichen. Aber so war es natürlich ein kleiner Atemschocker am Ende der letzten Folge.
      Anyas Reaktion war sehr schön mitzuverfolgen, besonders ihre Unterhaltung mit Levrier in dessen Verlauf. Da gerade die Stelle, als er ihr erklärt, dass er nicht schwach ist, sondern die anderen im direkten Vergleich zu ihr einfach nur noch besser waren.
      Leider bist du uns natürlich immer noch die Antwort schuldig geblieben, was es mit jenem Montinari auf sich hat. Wir wissen zwar nur, dass auch noch ausgerechnet er es war, der zurückgetreten ist, aber was dahinter steckt liegt immer noch im Dunkeln. Auch weil Zanthe sich so komisch verhält und nichts dazu sagen will ist sehr merkwürdig irgendwie.

      Das Duell Zach und Anya war wirklich spannend. Keiner der beiden schenkt dem anderen etwas und die Situation dreht sich fortwährend. Besonders die Einlage von Levrier wusste dabei zu überzeugen, wo sich die Emotionen der beiden Kämpfer überlagerten und sie Zach eine Kostprobe einer Abreibung spendierten.
      Auch war es ungewohnt, dass Anya hier sehr taktisch spielt, aber sie hat ja auch einen sehr schweren Gegner sich gegenüber. Aber auch das schien wunderbar bisher zu klappen und wusste zu überzeugen, dass sie eben mit ihrem Konter solange warten wollte, bis der richtige Zeitpunkt dafür gekommen war.

      Aber unabhängig von ihrer Strategie hatte sie für den Moment in der Folge so oder so nichts gegen Excalibur II machen können. Aber da sie jetzt weiß, wie es funktioniert, kann sie auch dagegen angehen. Rätselhaft leibt nur, wozu Kakyo ihr geraten hat. Das Schwert loswerden. Ich glaube ja immer noch, dass da mehr dahintersteckt, als es einfach nur zu zerstören. Ich meine, das liegt ja für jeden Duellanten auf der Hand, dass er so ne Equip egal wie loswerden muss.
      Ansonsten bleibt natürlich noch abzuwarten, was mit Levrier genau passiert ist. Sicherlich wird unser Freund mit der spitzen Zunge nicht gestorben oder verschwunden sein, aber so ein gezielter Angriff auf seine Person könnte durchaus auch Folgen für ihn gehabt haben. A

      Zach seinerseits war eigentlich so wie immer. Ein Arsch. Aber soviel tun sich die Geschwister dann wohl auch wieder nicht. ANya hat ja auch so ihre unheilvollen Sternstunden, wie in dieser Folge wieder glamourös unter Beweis gestellt. Weiterhin nebulös bleibt aber seine Motivation für diesen abgrundtiefen Hass. Ich meine, bisher wissen wir nicht, dass Anya ihm irgendetwas getan hätte, dass dieses begründen würde. Da steckt definitiv mehr dahinter mag ich annehmen.

      Ja und dann war da noch Kali. Da sie nicht weit weg ist von dem Ort, wo Zach ist, damit konnte man eigentlich rechnen. Aber sie ist und bleibt ein Mysterium. Denn auf einmal will sie Zach sogar davon abhalten, Anya etwas anzutun. Damals bei Anya Zuhause hätte sie es ihn hingegen durchziehen lassen, also muss sich ihre EInstellung zwischenzeitlich doch etwas geändert haben, sonst hätte man argumentieren können, dass sie es selbst sein will, die Anya zu ihren Bedingungen erledigt. Oder es liegt am Ort, und es muss Livington sein, aber das kann ich mir irgendwie nicht wirklich vorstellen.

      Also, insgesamt wieder eine Menge neue Fragen, die die Folgen aufgeworfen hat. Insofern hoffe ich wie gesagt natürlich, dass sich im Verlauf des Folgenblocks ein paar davon noch klären werden. Immerhin haben wir ja auch noch den rätselhaften Kakyo mit seiner olfaktorischen Verbindung zu Kyon. Ich vertrau da auf dich! ^^
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Spoiler anzeigen
      ​Die Troll Szenen mit Anya und Zathne waren echt spitze. Also wenn mal nen Shoonen Manga schreiben willst; Kämpfe schreiben kannst du ;D

      Oh Anya darf gegen ihren Bruder "spielen". Mal sehen wie sich die 2 Teufel in Person anstellen XD.
      Das Kali das Duell beobachtet ist ganz nett von ihr. Zachariah braucht aber eh keine Anfeuerung. Das er Anya mehr hasst als sie selber macht die ganze Sache interessant. Vorher sah der Bruder nur wien Mitläufer aus, jetzt wirkt er fast schon als Haupttäter.
      Der Dick-Move gegen Pearl war z.B. schon ziemlich Assig, wie sollen wir Anya ohne Astral *hust* Pearl ertragen?
      :D
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Dann mal wieder vielen Dank an meine fleißigen Leser und Kommentatoren. :)

      @Evil Bakura
      Wah, ich hoffe, ich bin nicht falsch rübergekommen. Ich würde nie sagen, dass du dir irgendwas anmaßt. ^^
      So oder so stimme ich dir zu, Valerie im Gespräch mit dem Sammler wäre interessant. Zumal man ja ihren Deal mit ihm nie zu Gesicht bekam. ;)

      Exa fügt sich bisher sehr gut in alles ein. Im Grunde ist er fast wie das fehlende Glied in der Kette, von dem ich nicht wusste, dass es überhaupt fehlt. xD
      Dank ihm kann ich auf jeden Fall auch Zanthe mehr Story in diesem Teil der Geschichte zuschustern. :D

      Zu der Troll/Kampf-Szene habe ich gemixte Reaktionen bekommen. Ich denke, nochmal mache ich sowas nicht. Hauptsache ich habe jetzt die Bestätigung, dass ich Kampfszenen schreiben kann. ^^
      Joa, diese "Warum Duelle?"-Frage musste ich auch irgendwann stellen. Denn ich habe mir fest vorgenommen, sie sinnvoll zu beantworten. Und ich denke, die Antwort darauf wird doch überraschen. ;)

      Daran, dass Anya nicht Teil des Turniers wird, gab es doch nie wirkliche Zweifel, oder? xD
      Wäre schon arg getrollt, wenn ich ein ganzes Turnier ausrichte, nur um den MC außen vor zu lassen.
      Antworten zu Zachs Motivation, Montinari #2, Kakyo/Kyon und so weiter kommen. Irgendwann. Manche früher, sogar recht bald, manche erst später.
      Das mit Kali hast du gut erkannt: Sie will Anya erledigen, aber hat genaue Vorstellungen, wie das alles stattfinden soll. Lass dich überraschen.

      Danke für den Kommi. ^^

      @WiR
      Naja, ob es gleich ein Shonen Manga wird, wag ich zu bezweifeln. Aber ich denke, die ein oder andere Non-Duel-Kampfszene könnt ihr von mir erwarten. ^^

      Zach und Kali sind gleichwertig, aber wie das alles zustande kam, das kann ich dir leider nicht verraten.
      Der große Ah-Effekt wird dann aber noch kommen, versprochen.
      Anya ohne Levrier ertragen? Uh ... come and find out!

      Danke für deinen Post. ^^


      Hah! Nächste Folge! Now! Mit extra viel Bauer-Power! Have fun!

      Turn 61 – Do Your Worst
      Die glühend rote Schockwelle erfasste sie und rauschte durch sie hindurch. Rückwärts umkippend, konnte sie ihren Fall im letzten Moment verhindern, indem sie das rechte Bein nach hinten schob und ihm damit entgegenwirkte.
      Keuchend fasste Anya sich an die Brust, verkrümmte sich, taumelte zurück. Wie tausend Wespenstiche fühlte es sich an, überall, kein Teil ihres Körpers wurde verschont.
      „Gnnnnn!“, versuchte sie einen Schrei zu unterdrücken, während sie sich kaum auf den Beinen halten konnte. Jedoch biss sie die Zähne zusammen und kämpfte dagegen an, vom Schmerz übermannt zu werden.
      Nur verschwommen sah sie ihren Bruder, wie er überheblich grinste. Vor ihm seine beiden Monster, der kniende, schwarze Ritter Lancelot und der stolze König Artus, der ein riesiges, goldenes Breitschwert schulterte, in dessen Klinge rote und blaue Energielinien miteinander verwoben waren. An seinem Arm leuchtete ein bunter Energieschild, um ihn herum rotierte eine leuchtende Kugel.

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/0 DEF/900 (5)]
      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      „Du bist dran, Anya“, hauchte Zachariah zufrieden.
      Das Feld ebenjener war leer, wodurch sein Angriff direkt durchgegangen war. Schwankend versuchte sie, die Balance zu halten. Der Schmerz klang allmählich ab, wurde zu einem unangenehmen Kribbeln.
      Wie hatte er das gerade gemacht!? Wäre etwas mit dem Solid Vision-System nicht in Ordnung, hätte längst irgendjemand das Duell unterbrochen, hier wurde alles auf Schärfste überwacht! Woraus Anya schloss, dass irgendetwas Übernatürliches involviert war. Klasse!
      „Noch so ein Treffer und du bist erledigt“, meinte Zach mit ausgebreiteten Armen, „das, oh ja, garantiere ich dir.“

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 2200LP]

      „Was war das denn!?“, fragte sie hektisch.
      „Ich würde sagen, ein harter Schlag, oder was meint das Publikum!?“, kommentierte Mr. C Anyas missverstandene Frage von der Glaslounge am oberen Ende des kreisrunden Stadions aus.
      Und die Zuschauer johlten und grölten, was das Zeug hielt.
      Zwar versuchte das Mädchen dies zu überhören, doch es war geradezu höhnisch, wie sie alle lachten und nicht wussten, was wirklich geschehen war. Doch die Antwort blieb man Anya schuldig. Ihr Bruder stand nur da und grinste süffisant, während Levrier scheinbar immer noch außer Gefecht gesetzt war.
      „Noch so ein mieser Trick!“, zischte Anya wutentbrannt und griff nach ihrem Deck. „Bist dir wohl für nichts zu schade, was!?“
      „Etwas, das wir schon immer gemeinsam hatten.“
      Was hatte sie auch anderes von ihm erwartet, fragte sich die Blonde und riss unter einem gellenden Schrei eine Karte von ihrem Deck. Plötzlich flimmerte vor ihr die Silhouette einer zwei Meter großen und kräftig gebauten Gestalt.
      „Erinnerst du dich noch an [Battlin' Boxer Glass Jaw]? Den hab ich in deinem Zug mit Rib Gardnas Effekt verbannt gehabt“, erklärte Anya, „und jetzt steigt er wieder in den Ring!“
      So geschah es auch. Der grüne, muskulöse Boxer, der ein bisschen so aussah, als wäre er aus Stein gemeißelt, gewann feste Gestalt.

      Battlin' Boxer Glassjaw [ATK/2000 DEF/0 (4)]

      Nervös sah Anya herüber zum Feld ihres Bruders. Zum Glück waren seine Monster geschwächt, sodass sie sowohl mit Lancelot, als auch Artus fertig werden würde. Es gab nur ein Problem an der Sache: Ihre Hand gab es nicht her, beide zu vernichten. Sie musste sich für einen entscheiden!
      Unsicher wanderte ihr Blick weiter zum rechten Teil der nach oben verlaufenden Tribüne. Dort drüben, in einer der letzten Reihen, hockte er. Der, dem das Deck gehörte, ohne das Anya jetzt vielleicht nicht hier stünde – Logan. Und er zeigte ihr einen Daumen nach oben, wenn auch für ihn gewohnt ausdruckslos.
      Trotzdem fühlte sich Anya gleich besser, obwohl ihr noch schwindelig war. Es war doch klar, um wen sie sich kümmern musste. Zielstrebig streckte das Mädchen den Zeigefinger aus. „Los Glass Jaw, schnapp' dir den Thron! Angriff auf Artorigus!“
      Sie biss sich auf die Lippe, als sie sich an die Effekte der Noble Arms erinnerte. Artorigus war mit den Schwertern Caliburn, Arfeudutyr und Excaliburn II sowie dem Schild [Noble Arms Of Destiny] ausgerüstet. Welche allesamt auf Laundsallyn übertragen werden würden, sobald Artorigus im Kampf fiel. Und der hielt noch Gallatin in der Hand, auch wenn dessen Angriffsboost nach [Zero Force] ohnehin hinfällig war.
      „Kann man nix dran ändern“, murmelte sie dennoch verstimmt. Zumindest würde Zach eine Menge Schaden erleiden!
      Ihr Boxer stürmte auf seinen Feind zu und griff mit einem gezielten Kinnhaken an. Den der brünette, edle König jedoch gekonnt mit seinem Schild abwehrte.

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 2200LP → 700LP]

      „Unglaublich! Sein Monster steht noch!“, rief der Kommentator aufgeregt.
      Anya ballte eine Faust, die sie nur gerne in Richtung des Kameramanns hielt, der gerade damit beschäftigt war, die Szene aufzunehmen. „Was zur Hölle soll das jetzt!?“
      „Denkst du, [Noble Arms Of Destiny] ist nur Deko?“, fragte ihr Bruder reißerisch. „Einmal pro Zug entgeht sein Träger dem sicheren Tode.“
      Sich auf die Lippen beißend, knurrte Anya: „Wie schön für ihn! Zug beendet!“
      Jetzt saß sie so richtig in der Patsche!

      Zum selben Schluss kam weiter oben Zanthe, welcher sich in einer der mittleren Zuschauerreihen befand. Nach vorne gebeugt, hielt er sich die Hand an die Stirn und murmelte: „Gib mal'n bisschen Gas, Anya!“
      Das konnte doch unmöglich alles sein, was sie auf Lager hatte! War ihr der Dämpfer aus der Vorrunde nicht genug gewesen!? Wenn sie wüsste, -wem- sie ihr Weiterkommen zu verdanken hatte, würde ihr Ego-Airbag wahrscheinlich platzen …
      Zanthe, der am äußeren Rand direkt neben der Treppe saß, die nach unten zu den Ausgängen führte, seufzte schwer. Es wäre wohl am besten gewesen, wenn Nick ihn statt Anya eingeschleust hätte. Aber dem das zu verklickern wäre ohnehin vergeudete Liebesmüh gewesen, so fixiert wie er auf den Giftzwerg war.
      Anscheinend unterhielten sich Anya und Zachariah gerade, denn Letzterer führte seinen Zug nicht durch. Aber aufgrund der schlechten Akustik im Stadion und der lärmenden Fans, konnte er trotz oder gerade wegen seines feinen Gehörs nahezu nichts davon verstehen, obwohl alles per Lautsprecher übertragen wurde.

      Neben ihm nahm jemand die Treppen herab zum Ausgang. Und als jene Person an Zanthe vorbeizog, erkannte er diese als Kakyo, den brünetten, etwas langweilig gekleideten Duellanten wieder.
      „Der gehst schon?“, murmelte er überrascht, was Kakyo auf seinem Weg nach unten jedoch nicht bemerkte.
      Ebenso wie Anya war jener einer der Duellanten, die es in die Hauptrunde geschafft hatten. Höchstwahrscheinlich wollte er sich ein Bild von der Konkurrenz machen.
      Zanthe hatte ihn den ganzen Tag über im Auge behalten und war nicht überrascht davon gewesen, dass jener ebenfalls hierher gekommen war. Doch wieso wollte der jetzt verschwinden, gerade wo das Duell seinen Höhepunkt erreicht hatte?
      Zanthe sah herüber zum Duellfeld, wo Anya immer noch mit ihrem Bruder redete. Sollte er Kakyo folgen? Demjenigen, den Exa als seinen 'Retter' bezeichnet hatte? Wovor, das hatte er nicht gesagt, aber sicherlich war es nicht unbedeutend. Vielleicht konnte der Werwolf mehr herausfinden, wenn er sich an Kakyos Fersen heftete. Andererseits wollte er auch Anya nicht alleine lassen.

      Leider gab es dieser Hinsicht jedoch eines, das man über Zanthe Montinari wissen musste: Seine Neugier war beizeiten grenzenlos. Anders als seine Treue, die bei bestimmten Individuen hin und wieder zur Nebensache wurde. Für Zanthe war seine Anwesenheit bei Anyas Duell letztlich nicht mehr als eine Trivialität. Ob sie gewann oder nicht hing von ganz anderen Faktoren ab, als das wiederholte Schreien ihres Namens.
      So war es letztlich in seiner Natur begründet, dass Zanthe aufstand und ebenfalls die Treppen herunter schlurfte. Plötzlich jedoch blieb er einen Moment lang stehen, als ein Windhauch an ihm vorbeizog.
      Wo kam der her!?
      Als er sich umsah, jedoch niemand anderes auf den Stufen entdeckte, zuckte er mit den Schultern. War wohl nur Einbildung gewesen, sagte er sich. Und setze seinen Weg fort.

      Zur selben Zeit fragte Zachariah plötzlich: „Warum kämpfst du eigentlich?“
      „Was ist das für eine dämliche Frage!?“ Anya verzog die Augen zu Schlitzen. „Ich wette, du weißt ganz genau, warum ich hier bin. Hier sein muss.“
      „Das stimmt. Aber … ich hätte irgendwie gedacht, -sie- würde dir mehr bedeuten.“ Zach schnalzte mit der Zunge. „Andererseits, was überrascht es mich? Du würdest doch alles und jeden wegschmeißen, wenn es darum geht, deinen Hintern zu retten.“
      „Tch! Vielleicht war ich wirklich mal so … aber heute bin ich anders.“
      Ihr Bruder sah sie nachforschend an und fasste sich ans Kinn. Es war Anya zutiefst unangenehm, so von Zach gemustert zu werden, besonders, wenn sie dank ihres dämlichen, dunkelblauen Werbe-T-Shirts lächerlich aussah. Doch selbst in einem Panzer wäre sie vermutlich nicht vor diesen blauen Augen gefeit, die sie zu gerne mausetot sehen wollten.
      Plötzlich sagte ihr Bruder: „Vielleicht ähnelst du ihr weniger als ich dachte.“
      „Wem?“
      „Kali natürlich. Ich bin bisher davon ausgegangen, dass du genauso bist wie sie.“ Er lachte amüsiert auf. „Denn glaub mir, wenn nötig, würde sie mich 'opfern'. Nicht, dass ich es ihr einfach machen würde, käme es dazu.“
      Anya fuhr sich durch das blonde Haar und warf betont desinteressiert ihren Pferdeschwanz in den Nacken. Dabei sagte sie: „Was weiß ich. Ich kenne die Schnalle nicht mal …“
      „Ich würde dir gerne mehr über sie erzählen, aber dazu habe ich nicht das Recht. Eines Tages wirst du jedoch wissen, wer sich hinter ihrer Maske verbirgt.“ Seine nächsten Worte formte er jedoch nur mit den Lippen, sprach sie nicht laut aus. Aber auch so verstand Anya aus dem Kontext heraus. „Dann ist es jedoch zu spät.“

      Die Blonde schwieg und verfiel in Gedanken. Eigentlich war es ihr egal, warum Kali sie hasste oder wer sie überhaupt war. Aber das mit Nick und ihrer gestohlenen Duel Disks sowie die kaputte Krone, dafür konnte sie sie nicht einfach davon kommen lassen.
      Waren die beiden sich ähnlich? Das sollte Nick ihr beantworten, der hatte schließlich mit ihr gesprochen. Aber wenn diese Kali auch nur ansatzweise so versiert wie Anya darin war, ihre Feinde zu bestrafen, würde diese Konfrontation einen durchaus vielversprechenden Lauf nehmen. Ein wenig wünschte sich Anya diesen Nervenkitzel sogar herbei.

      „Nun, auf jeden Fall solltest du gut überlegen, ob du das hier wirklich durchziehen willst“, riss sie Zachariah aus ihren aufkeimenden Fantasien des Terrors und streichelte dabei demonstrativ über seine Duel Disk.
      Anya zuckte nur teilnahmslos mit den Schultern. „Und? Von einer Duel Disk lebt man auch nicht länger.“
      „Kannst du dich wirklich von ihr trennen?“, fragte der größere Zachariah neugierig. „Das glaube ich dir nicht.“
      Sie gab einen gedämpften Lacher von sich. „Ach ja? Hab ich dir je erzählt, warum mir diese Duel Disk so wichtig ist? Kannst du es dir denken?“
      Wie erwartet schüttelte Zach den Kopf. „Nein.“
      Daraufhin schloss Anya die Augen. Sollte sie tun, was Matt ihr vor seiner Abreise geraten hatte? Einfach … mit ihm reden? Eine Versöhnung ansinnen?
      „Wie du weißt, ist Dad gegangen, als ich gerade mal vier war. Dich hat er damals mitgenommen. Seitdem habe ich ihn kaum gesehen. Er … vergisst regelmäßig meine Geburtstage, ruft so gut wie nie an. Zu Besuch kommt er schon gar nicht.“
      Ihr Bruder schwieg dazu und sah das Mädchen an, ohne nur einen Gesichtsmuskel zu bewegen.
      „Daher habe ich nicht viel von ihm. Praktisch nur die Dinge, als er noch da war. Seine Jacke, seine Duel Disk … sonst nichts. Wenn wir uns doch mal sehen, ist er zwar da, aber ich sehe nicht einmal meine eigene Reflexion in seinen Augen.“ Anya öffnete schlagartig die ihren. „Verstehst du jetzt? Ich habe Dad nur in Form der Geschenke, die er mir gemacht hat.“
      Zach sagte gar nichts. Für einen Moment jedoch, so schien es, als würde er ihr betroffen in die Augen sehen. Allerdings straften seine anschließenden Worte jenem Eindruck lügen: „Wer würde auch so eine missratene Tochter wie dich sehen wollen? Schlimm genug, dass er dauernd seinen Einfluss nutzen muss, um dich aus der Scheiße zu holen.“
      Ebenso feindselig erwiderte sie: „Lieber bin ich ein Miststück, als so ein aalglatter Möchtegern wie du!“
      „Deine Worte tun mir weh, 'Schwesterherz'“, erwiderte Zachariah keineswegs verletzt, „ein Möchtegern bin ich ganz bestimmt nicht mehr. Draw!“

      Das Gespräch abrupt beendend, riss er eine Karte von seinem Deck. Es war damit die einzige, die er auf der Hand hielt.
      Gleichzeitig entschloss sich jetzt auch Mr. C, sich wieder ins Geschehen einzumischen. „Was für eine tragische, geheimnisvolle Geschichte! Dieses Duell ist wahrlich ein Aufeinanderprallen zweier Geschwister, die unterschiedlicher nicht sein könnten! Ist das Schicksal!?“
      Als ob, sagte sich Anya innerlich. Irgendwie hatte Zachariah das so hingebogen, dessen war sie sich sicher.
      „Ich benutze den Effekt von [Noble Arms – Caliburn] und erhalte 500 Lebenspunkte“, verkündete Zach.
      Sein Ritterkönig Artus streckte sein riesiges, goldenes Schwert in den Himmel – es war die vereinte Form von Arfeudutyr und Caliburn. So strahlten die blauen Lichtlinien in der Klinge stärker denn je und ein Regen aus gleichfarbigen Partikeln ging über Zachariah hernieder.

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 700LP → 1200LP]

      Der griff unter die Karte seines Artus und zog das letzte Xyz-Material darunter hervor, welche als leuchtende Kugel von Excaliburn II absorbiert wurde.

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/500 DEF/2000 {4} OLU: 1 → 0]

      „Wusstest du, dass Artorigus' Effekt auch einen anderen Nutzen hat? Ich kann Zauber- und Fallenkarten bis zur Anzahl an offenen Noble Arms zerstören.“
      Anya konnte ihm jedoch nicht folgen, schließlich besaß sie gar keine Zauber- und Fallenkarten auf dem Feld!
      Zach ließ sie jedoch nicht lange im Dunkeln tappen und erklärte: „Dein Blick spricht tausend Bände. Schon mal daran gedacht, dass ich auch meine eigenen Karten zerstören kann?“
      „Ah!“, begriff sie nach einem Moment, in dem sie sicherstellte, dass sie gar keine Zauber- und Fallenkarten besaß. Dieser Dreckskerl!
      Und es war genau, wie sie es vermutet hatte. Nacheinander tauchten vor ihrem Bruder die Hologramme der tatsächlichen Zauberkarten auf. Arfeudutyr, Caliburn, Excaliburn II und die [Noble Arms Of Destiny] von Artus sowie Lancelots Gallatin. Der Ritterkönig wirbelte herum und schleuderte von seinem Breitschwert drei kreischende Lichtblitze, die die Karten von Arfeudutyr, Caliburn und Gallatin vernichteten. Letztes verschwand aus Lancelots Hand und wurde durch ein rot glühendes ersetzt.
      Doch keine Sekunde später manifestierten sich zwei der Schwerter wieder und schwebten wie schützende Schilde um Artus herum in der Luft. Es waren das goldene Caliburn und das schlichte Gallatin.

      Artorigus, King Of The Noble Knights [ATK/0 → 1500 DEF/2000 {4} OLU: 0]

      „Das ist der Vorteil der Noble Arms, die sich einmal pro Zug nach ihrer Zerstörung erneut ausrüsten lassen“, sagte Zachariah und steckte die Hände in die Hosentaschen, „nun, für Arfeudutyr habe ich keine Verwendung. Ich brauche die freie Zone, verstehst du?“
      Anya knirschte mit den Zähnen. Ihr beknackter Bruder war klug genug, nicht seine ganze Backrow zu verstopfen. Zumindest war es jetzt leichter für sie, einen Überblick zu wahren, welcher der beiden Ritter welche Waffe besaß: Artus alle, Lancelot keine.
      Mit nach vorne gestreckter Hand verkündete Zach derweil: „Da Caliburn kurz auf dem Friedhof lag, ist ihr 'einmal pro Zug'-Effekt zurückgesetzt worden. Also erhalte ich nochmal 500 Lebenspunkte.“
      Wieder schüttete es blaue Partikel über ihm, was Anya schnaufend zur Kenntnis nahm.

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 1200LP → 1700LP]

      „Dass ich die freie Zone brauche hat seinen Grund.“ Er ballte die Hand zu einer Faust. „Er hört auf den Namen [Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms].“
      An jene erinnerte sich Anya sofort. Diese kindliche Königin mit den zu zwei Zöpfen geflochtenem, braunen Haar hatte dafür gesorgt, dass ihr Lead Yoke draufgegangen war! Und genau diese Königin tauchte plötzlich als Geist hinter dem schwarzen Ritter auf und umklammerte ihn, während er sich aus seiner Hocke erhob.
      „Sie lässt sich nicht nur von der Hand, sondern auch vom Friedhof aus an einen Noble Knight ausrüsten. Jede Runde einmal.“

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn [ATK/0 → 300 DEF/900 (5)]

      Nervös drehte Anya den Kopf in Hoffnung auf stillen Beistand zur Seite, doch erschrak, als sie in den mittleren Reihen, bei einer der Treppen, Zanthes Platz leer vorfand.
      „Wo ist-!?“
      „Hier spielt die Musik!“, raunte Zachariah streng. „Wenn auch nur noch für einen kurzen Augenblick, also höre lieber gut hin! [Ignoble Knight Of High Laundsallyn], greife [Battlin' Boxer Glassjaw] an!“
      Erschrocken drehte Anya den Kopf in Richtung des Duellfeldes und sah nur noch, wie der schwarze Ritter mit gezückter Klinge auf den hünenhaften Boxer zu stürmte. Die Klinge direkt auf dessen Brust gerichtet, war Lancelot bereit, den Todesstoß zu versetzen. Völlig unerwartet jedoch zersprang Glassjaw, noch bevor er überhaupt getroffen wurde.
      Zach legte den Kopf schief. „Hm?“
      „Das war der negative Effekt meines Monsters: Es wird sofort zerstört, wenn er angegriffen wird. Daher auch sein Name, Glassjaw!“, erklärte Anya angespannt.
      „Na wenn das so ist? Direkter Angriff!“, befahl ihr Bruder unbekümmert.
      Sein unedler Ritter rannte einfach weiter, stieß sich vom Boden ab und versuchte Anya durch einen Sprungangriff niederzustrecken. Die hob ihr rotes D-Pad und parierte, woraufhin eine Explosion folgte.

      [Anya: 1300LP → 1000LP / Zachariah: 1700LP]

      Noch während der Rauch sie umhüllte, huschte Lancelot aus diesem hervor und positionierte sich wieder vor seinem Besitzer. Der schnalzte mit der Zunge. „Dann kommt jetzt das große Finale. [Artorigus, King Of The Noble Knights], lösche ihre letzten Lebenspunkte aus!“
      König Artus, der das riesige Schwert bisher mit einer Hand führte, umschloss es nun mit beiden und begann auf die Rauchwolke zu zu rennen. Wie sein finsterer Kamerad, stieß er sich etwa in der Mitte des Spielfeldes vom Boden ab, hoch in die Luft. Das Publikum hielt den Atem an. Das Schwert weit ausholend, stürzte er sich hinab.
      „Das wird nicht gut ausgehen!“, prophezeite der Kommentator aufgeregt.
      In die Wolke eindringend, ließ Artus seine Klinge nach unten fahren. Das laute Donnern von Metall auf Metall war zu hören. Und der Qualm verzog sich.
      „Och nö“, nölte Zachariah.
      Nicht etwa Anya war es, die den Angriff abgewehrt hatte, sondern ein Monster auf ihrer Spielfeldseite. Es war ein mit rotem Brustpanzer und Beinschienen versehener Boxer, an dessen Unterarmen zwei Hälften eines runden Metallschildes befestigt waren, welche er zu einem perfekten Ganzen zusammenhielt. Die sichtbare Einkerbung darin zeigte, dass Artus' Schwert daran abgeprallt war. In gebeugter Haltung verharrte der König vor seinem Widersacher.

      Battlin' Boxer Veil [ATK/0 DEF/1800 (4)]

      „Pech für dich“, raunte Anya, „du hättest nicht mit Lancelot angreifen sollen, nachdem Glassjaw sich zerstört hat. Damit hast du nämlich seinen zweiten Effekt ausgelöst …“

      Gleich als dieser zersprang, schob sich eine Karte aus Anyas Friedhof hervor. Jene nahm sie in ihr aus zwei Karten bestehendes Blatt auf. Sofort im Anschluss schnellte auch schon der schwarze Ritter auf sie herab, den sie mit ihrer Duel Disk abwehrte. Gleich nachdem er die Rauchwolke verließ, legte Anya die eben erst erhaltene Karte auf ihre Duel Disk, wodurch der Boxer vor ihr erschien.

      „Glassjaw kann einen KO gegangenen Battlin' Boxer von meinem Friedhof auf meine Hand zurückholen.“ Das Mädchen deutete dabei auf ihr Monster. „Das war er, der vorhin durch [Battlin' Boxing Spirits] dort landete.“
      Zach zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Nochmal Glück gehabt, was?“
      „Yeah. Da sich [Battlin' Boxer Veil] nur spezialbeschwören lässt, wenn du mir Schaden zufügst, wäre es ohne deinen ersten Angriff nicht gut gegangen“, erklärte Anya, „aber wenigstens gleicht er auch den Schaden aus, wenn er beschworen wird.“

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 1700LP]

      „Was für ein unerwartetes Manöver von Anya Bauer!“, schrie Mr. C ins Mikrofon. „Damit kommt ihr Bruder nicht mehr an ihre Lebenspunkte heran!“
      „Ein Replay also. Ich stoppe den Angriff natürlich“, murmelte Zach verstimmt.
      Einige der Zuschauer pfiffen und jubelten, andere wiederum buhten das Mädchen schamlos aus. Jenes mahnte sich, bloß nicht darauf zu achten, auch nicht auf die Kameramänner, die sie jetzt von allen Seiten umlagerten.
      „So funktionierst du eben. Einmal in die Ecke gedrängt, versuchst du mit aller Macht, dir etwas Zeit zu verschaffen“, stichelte Zach und griff nebenbei nach seinem Friedhof.
      Anya runzelte die Stirn. „Was soll ich sonst machen, mich besiegen lassen!? Lern' erstmal das Spiel, du Amateur!“
      Der Spruch hätte auch von Zanthe stammen können, fiel ihr nebenbei auf. Und wenn sie ihren Bruder nur halb so nervten wie sie manchmal, war es nur gut, dass der Flohpelz abfärbte!
      „Das würde dir zumindest ein unangenehmes Erlebnis nach dem anderen ersparen. Aber du willst es ja so“, erwiderte er und zeigte eine Karte vor, „erinnerst du dich an die hier noch?“
      Anya betrachtete die Zauberkarte, [Noble Arms – Excaliburn]. Es war ein goldener Einhänder, bestehend aus einer roten und einer blauen Klingenhälfte – das originale Excalibur.
      „Die hattest du an Borz ausgerüstet gehabt.“
      „Oh? Hast du dein Gedächtnis trainiert?“ Zachariah lachte spöttisch. „Ja, das war diese Waffe. Warum glaubst du, habe ich sie nicht wieder ausgerüstet?“
      Anya zuckte mit den Schultern. „Um mir dumme Fragen stellen zu können?“
      „Weil sie im Friedhof einen Effekt hat, der jedoch nicht im selben Zug aktiviert werden kann, in dem sie dort landet. Main Phase 2 …“
      Der große Blonde schob die Karte in die Verbannungszone seines D-Pads. Plötzlich verwandelte sich der Boden um seinen König Artus in die Oberfläche eines Sees. Aus diesem stieg jene sagenumwobene Klinge hervor, nach der der brünette Ritter griff.
      „Excaliburn setzt die wahre Kraft von [Artorigus, King Of Noble Knights] frei.“ Schlagartig riss Zach den Arm in die Höhe. „Ich rekonstruiere das Overlay Network!“
      Anya stieß einen entsetzten Schrei aus, als sich der See in den schwarzen Wirbel des Überlagerungsnetzwerks verwandelte und Artus als goldenen Lichtstrahl in sich zog.
      „Rank-Up Incarnation! Rang 5, erscheine, [Sacred Noble Knight Of King Artorigus]!“
      Ein gleißender Lichtblitz schoss aus dem Schwarzen Loch. Als er abklang, schwebte der sichtlich gereifte Artus über dem Boden, nun in einer blau leuchtenden Silberrüstung steckend. Um ihn kreiste eine Energiekugel.

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/2200 DEF/2200 {5} OLU: 1]

      Mit einem strengen Blick betrachtete der Ritterkönig Anya, deren leicht geöffneter Mund mehr aussagte als tausend Worte. Hatte ihr Bruder gerade-!?
      „Wie du siehst, ist Artorigus unbewaffnet. Da ich die Effekte von Gallatin und Caliburn schon einmal benutzt habe, können sie sich nicht noch einmal an ein neues Monster ausrüsten“, erklärte Zach derweil unbeschwert weiter, „daher rüste ich sie mit dem Effekt meines Monsters aus: Bei seiner Xyz-Beschwörung erhält es drei Noble Arms.“
      Genau wie seine Vorstufe, schoss es Anya durch den Kopf. Das Monster ihres Widersachers streckte zu beiden Seiten die Arme aus und öffnete die Hände. In der einen tauchte das goldene Schwert [Noble Arms – Caliburn] auf, in der anderen der eigentliche Zweihänder [Noble Arms – Excaliburn II]. Zusätzlich manifestierte sich an seinem Arm der leuchtende Schild, die [Noble Arms Of Destiny].

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/2200 → 2700 DEF/2200 {5} OLU: 1]

      Zachariah legte eine Hand ans Kinn und neigte den Kopf seitwärts. „Soll ich? Oder soll ich nicht?“
      „Was!?“
      „Ach, nichts. Ich warte noch. Aber da Caliburn kurzzeitig auf dem Friedhof war, ist sein Effekt zurückgesetzt worden. Also heile ich mich um 500 Punkte!“
      Artus streckte sein erstes Schwert in die Höhe und ließ über Zach einen blauen Energieregen niederprasseln.

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 1700LP → 2200LP]

      Mr. C war völlig aus dem Häuschen und brüllte: „Unglaublich! Nicht nur hat Zachariah Bauer ein Rank-Up vollzogen, er hat auch die Ausgangssituation des letzten Zuges wiederhergestellt!“
      Oh, am liebsten würde Anya diesen Spinner erwürgen! Als ob sie das nicht wüsste! Wie es dieser elenden Kackratte aber auch gelang, sich über Wasser zu halten!
      Die ihrerseits verschränkte die Arme. „Nun, heben wir uns die nächste Überraschung für dich doch noch etwas auf. Zug beendet.“

      Gerade griff Anya nach ihrem Deck, da fragte Zachariah neugierig: „Weiß Dad überhaupt, dass du hier bist?“
      „Warum willst du das wissen!?“ Auf Anyas Stirn bildete sich eine zornige Falte. „Ich wette, der hat keine Ahnung …“
      Ihr Bruder zuckte unbedarft mit den Schultern. „Schon möglich, hab auch schon länger nicht mehr mit ihm gesprochen.“
      „Tja, Dad kümmert sich eben nicht um seine Kinder.“
      „Vielleicht sind wir drei einfach zu viel für ihn gewesen?“
      „Tch!“ Entgegen der Hausordnung des Stadions spuckte Anya zur Seite aus. „Mum konnte nichts für das, was Dad getan hat. Das war allein sein Fehler!“
      Zach brach plötzlich in schallendes Gelächter aus. Er fasste sich sogar an den Bauch und die Stirn, ehe er Anya belustigt ansah. „Ich möchte behaupten, das schon einmal gesagt zu haben, aber: Zu so etwas gehören immer zwei Seiten, liebes 'Schwesterherz'. Außerdem: Wann habe ich je behauptet, dass Mum Teil der Gleichung ist?“
      Als das Mädchen ihn aber nur mit ihrem typischen, manche würden sagen leicht debilen Gesichtsausdruck ansah, fügte er hinzu: „Ich rede von unserem Halbbruder. Dem letzten Nagel im Sarg unserer Familie.“

      ~-~-~

      Zanthe musste unweigerlich in sich hineingrinsen. Schon wieder hatte er das Turnier vorzeitig verlassen, weil er jemanden verfolgte. Wenigstens war es diesmal die richtige Person, wie ihm ein Blick quer durch die Straßenbahn verriet. Weiter drüben saß er in dem überfüllten Verkehrsmittel, mit dem Rücken zum Fenster: Kakyo, vertieft in eine Zeitschrift.

      Der Werwolf war schon die ganze Zeit am überlegen, aus welchem Grund der brünette Bursche Anyas Duell beigewohnt hatte. Bloße Neugier? Die Konkurrenz in Aktion sehen? Oder war da mehr im Spiel? Etwas, das mit seiner Verbindung zu Kyon zu tun hatte?
      Während Anya sich die letzten zwei Tage auf ihr Duell mit Zachariah vorbereitet hatte, war Zanthe dem jungen Mann so oft wie möglich auf Schritt und Tritt gefolgt. In der Hoffnung, dadurch etwas herauszufinden. Doch Fehlanzeige, Kakyo war so normal, normaler ging es gar nicht. Er telefonierte stundenlang mit seiner Freundin, kaufte sich lieber in einem Supermarkt Essen, statt teure Restaurants zu besuchen und bereitete sich auf seine Spiele vor, indem er mitten in der Nacht seine Karten vor sich auf dem Tisch ausbreitete und über ihre Verwendung lauthals grübelte.
      Und der sollte Kyon kennen? Zanthe zweifelte langsam daran. Vielleicht hatte er Exa missverstanden oder womöglich war der auch mit den Namen durcheinander gekommen, weil er Kakyos irgendwo aufgeschnappt hatte. Doch das würde sich erst klären, wenn er mit jenem ein Wort wechselte. Und diese Gelegenheit wollte Zanthe nun abpassen. Wenn keiner zusah. Für den Fall, dass doch etwas Unnormales geschah.

      Die Straßenbahn hielt an der Ecke Covet Street. Kakyo erhob sich von seinem Platz und verstaute im Gehen zur Tür sein Magazin in seiner Umhängetasche. Auch Zanthe stand auf und schob sich an den anderen Fahrgästen vorbei.
      Kaum war er draußen, wartete er einen Moment. Den Geruch des jungen Mannes hatte er sich inzwischen eingeprägt. Es war besser, ihm nicht so dicht auf den Fersen zu sein, am Ende wurde er nur vorzeitig bemerkt. Solange er seiner Spur mit der Nase folgen konnte, musste er ihm nicht direkt am Hintern kleben.
      Nachdem er einen Moment gewartet hatte, bog er, wie Kakyo, an der Kreuzung rechts ab. Dort in der Ferne sah er ihn unbekümmert geradeaus laufen. Zanthe setzte zur Verfolgung an. Er musste sich etwas überlegen, schließlich würde sein Ziel kaum in eine dunkle Gasse abbiegen und darauf warten, verhört zu werden.
      Zanthe wusste, wohin der junge Mann unterwegs war: Sein Hotel. Das machte er immer. Statt ein Taxi zu nehmen, benutzte er lieber öffentliche Verkehrsmittel. Allerdings musste er auch mit den zehn Minuten Fußweg leben, die damit verbunden waren. Zehn Minuten, in denen sich Zanthe etwas einfallen lassen musste, wie er ihn ganz für sich hatte. Ohne störende Zeugen. Nur gab es dieser hier mehr als genug.

      Schritt um Schritt folgte Zanthe dem linearen Pfad, ohne einen passenden Angriffspunkt zu finden. An dunklen Ecken mangelte es diesem Teil der Stadt zwar nicht, doch wie sollte er Kakyo unbemerkt in eine jener locken?
      Gerade als er sich dazu durchrang, von der Verfolgung vorerst abzulassen, riss ihn jemand beinahe von hinten um.
      „Na, Kumpel?“
      Exa hatte seinen Arm um Zanthes Schulter gelegt.
      „Was machst du denn hier!?“, fragte Letzterer erschrocken und sah auf zu dem jungen Mann, dessen blond gefärbter Haarschopf zu Dreadlocks geflochten und zu einem Pferdeschwanz gebunden war, während die beiden Seiten kurz rasiert und von Natur aus schwarz waren.
      Wie immer trug er seinen Kopfhörer um den Hals, aus dem seltsame Musik dudelte. „Wohl dasselbe wie du.“
      „Du … du verfolgst ihn?“
      „Jap“, nickte Exa.

      Zanthe hatte ihm gestern davon erzählt. Nachdem er vor dem sich anbahnenden Streit geflüchtet war, hatte er sich mit seinem neuen Freund getroffen und ihm sein Leid geklagt. Exa war ein sehr verständnisvoller, wenn auch nicht immer ernsthafter Zeitgenosse. Statt einen Rat zu geben, wie sich Zanthe in der Situation verhalten sollte, lautete sein Vorschlag, lieber den süßen Kellner anzurufen und sich die Zeit mit ihm zu vertreiben. Etwas, das Zanthe aus mehreren Gründen niemals getan hätte und über jeden davon hatte sich Exa lustig gemacht.
      Trotz allem war es ein heiterer Tag geworden, auch wenn Zanthe nicht gelungen war, besonders viel über Exa in Erfahrung zu bringen. So lebte er sehr abgeschieden vom Rest der Welt in, Zitat, 'mericuh, zog aber öfter los und jagte Dämonen. Hauptsächlich Hybrids, von denen Zanthe noch nie in irgendeinem Zusammenhang gehört und über die der Blonde auch nicht wirklich reden wollte.
      Während sie Ephemeria Citys Straßen unsicher gemacht hatten, war auch die Sprache auf Kakyo und Kyon gekommen.

      Als Exa den Kopftuchträger schließlich losließ, fragte der: „Und? Ist er der, der dir neulich geholfen hat?“
      Der Größere brach in schallendes Gelächter aus. „Der? Nein! Noch nie gesehen.“
      „Aber sein Name ist Kakyo.“
      „Vielleicht gibt es mehrere mit diesem Namen?“
      Zanthe schüttelte den Kopf. „Glaub ich nicht.“
      Irgendwie erinnerte ihn das an gestern, wo er dieselbe Ausrede verwendet hatte. War das so eine Art Karma, dass das jetzt auf ihn zurückfiel und er nicht wusste, wie er das Geheimnis um diesen Namen lösen sollte?
      „Wieso verfolgst du ihn überhaupt? Ich habe dich nicht darum gebeten“, murrte Zanthe trotzig. „Er könnte gefährlich sein, weißt du?“
      „Mach dir keine Sorgen um mich, ich kann auch gefährlich sein“, gluckste Exa unbekümmert und zuckte mit den Schultern, „ich dachte nur, da du heute Anya beim Kartenspielen zugucken wolltest, dass irgendjemand in der Zeit den da im Auge behalten sollte.“
      Er zeigte in Kakyos Richtung, welcher unbekümmert seiner Wege zog. Gerade trat er in den Schatten einer Brücke, die Bestandteil einer der Riding Duel-Strecken dieser Stadt war.
      „Heißt das, du warst auch im Stadion?“
      „Könnte man so sagen“, meinte Exa geheimnisvoll und zwinkerte.
      „Ich habe dich gar nicht bemerkt! Nicht mal gerochen.“ Zanthe verschränkte die Arme. „Okay, da waren viele Gerüche, aber-!“
      „Die ganze Zeit stand ich neben dir.“
      Der Schwarzhaarige blieb abrupt stehen, als die beiden ebenfalls unter die Brücke traten.„Was!? Das kann nicht sein!“
      Exa lief noch ein Stück weiter und hielt genau dort, wo der Schatten der Brücke ihn regelrecht verschluckte. Mit einem diebischen Grinsen drehte er sich zu seinem Freund und holte etwas aus seiner Hosentasche. „Fang.“
      Zanthes Brieftasche landete auf dessen ausgestreckten Handflächen. Mit geweiteten Augen sah er zu seinem Freund auf, ehe er mit Mühe und Not seine Beherrschung wahrte. „Was soll das!?“
      „Ich wollte nur testen, ob Werwölfe mich noch wahrnehmen, wenn ich das hier mache.“ Plötzlich hielt er sich die Hand vors Gesicht – und war verschwunden.

      Verloren starrte Zanthe in die Leere, die eben noch ein großer, junger Mann gewesen war. Ein Auto fuhr an ihnen vorbei.
      „Buh!“
      Unter einem entsetzen Schrei wich Zanthe zurück, als Exa direkt vor ihm wieder auftauchte. Nicht der Laut an sich war jedoch, was den Schwarzhaarigen so erschreckt hatte. Dort, wo sein Gesicht war, leuchtete ein hellblaues Symbol und verdeckte den größten Teil davon. Wie ein Schmetterling mutete es in seiner absolut symmetrischen Form an, mit dem Unterschied, dass die flügelartigen Auswüchse spitz zuliefen.
      „Was in aller Welts Namen ist das!?“
      „Ein kleiner Trick!“ Plötzlich streckte Exa die flache Hand vor Zanthes Gesicht aus. Ein Blitzlicht blendete jenen kurz.
      „Hey!“ Für einen kurzen Moment sah Zanthe noch unscharf Teile desselben Musters vor seiner Nase, welches jedoch sofort verschwand.
      „So, jetzt wirkt er auch auf dich. Damit sieht uns niemand, solange wir nicht direkt vor der Person stehen“, erklärte Exa belustigt und zwinkerte, „so, wollen wir uns jetzt um ein kleines Verhör kümmern? Die Gelegenheit ist günstig.“
      Er zeigte in Kakyos Richtung, der gerade aus dem Schatten der Brücke trat. Wenige Meter von ihm entfernt führte eine schmale Gasse an einer Kneipe vorbei.
      Zanthe war sich nicht sicher, ob er beeindruckt oder alarmiert sein sollte. „Wo hast du das gelernt?“
      „Ist doch egal, solange es uns hilft. Komm.“ Exa drehte sich um und begann zu rennen, doch bemerkte sofort, dass Zanthe ihm nicht folgte. Kurz hielt er an. „Wenn du nicht willst, ziehe ich das auch alleine durch. Deine Entscheidung.“
      „Wieso tust du das?“
      Das Gesicht unter dem Schleier des Zaubers verborgen, sah Exa über seine Schulter. „Weil wir Freunde sind. Und du meine Hilfe brauchst.“
      Zanthe stieß einen trockenen Lacher aus. „… du hast echt 'ne Meise.“
      Er setzte sich in Bewegung und als er zu Exa aufgeholt hatte, fügte er aufrichtig hinzu: „Danke.“

      ~-~-~

      Es war mucksmäuschenstill im Stadion. Man musste sich in der Szene nicht gut auskennen, um zu begreifen, dass es so etwas noch nie gegeben hatte. Ein Familiendrama während einer Fernsehübertragung.
      Anya starrte ihren Bruder mit einer gefährlichen Mischung aus Faszination und Ekel an. Dann winkte sie grimmig ab. „Der war gut, Drecksack! Um ein Haar hätte ich es geglaubt!“
      „Es ist die Wahrheit. Dad hat ein drittes Kind.“
      Geradezu höhnisch fragte Anya: „Und wie soll es heißen? Wenn du jetzt Redfield sagst, muss ich dich leider töten. Nicht, dass mir das was ausmachen würde, aber-!“
      „Nun, da du mir ohnehin nicht glaubst, brauche ich dir den Namen auch nicht zu nennen“, gab sich Zach plötzlich gleichgültig.
      Das stank doch zum Himmel, dachte Anya insgeheim. Der wollte sie bloß durcheinander bringen, damit sie Fehler machte. Wenn da auch nur im Entferntesten etwas dran wäre, hätte Mum ihr das längst gesagt. Ihre Mutter hatte keine Geheimnisse vor ihr, auch wenn dieses Vertrauensverhältnis schon immer eher einseitiger Natur war. Nie im Leben hatte Dad ein drittes Kind, redete sich Anya ein.

      Fauchend griff sie letztlich nach ihrem Deck und zog schwungvoll auf. „Dafür gibt’s jetzt ein paar aufs Maul, du elende Kackbratze!“
      „Ich fasse es nicht, was sich uns hier für Abgründe auftun, liebe Zuschauer!“
      „Du halt ja die Klappe!“, schnauzte Anya in eine der Kameras an den Kommentator gerichtet. „Wehe, ich höre noch ein Wort davon! Dieser Dreckskerl da schauspielert nur! Kapische?“
      Mit dem Zeigefinger deutete sie auf Zach, der abwesend ins Leere starrte.

      Wenn sie sich vor Augen hielt, was allein auf den Szeneblogs losgewesen war, weil sie sich ihren Weg ins Turnier gekämpft hatte, wie würde dieses Schauspiel dann erst einschlagen? Vermutlich gab es in den Klatschblättern nichts anderes mehr zu lesen, als Berichte über den Familienstreit der Familie Bauer. Gott, wie sie ihren Bruder dafür hasste! Aber selber schuld, immerhin war sie darauf eingegangen, tadelte sich Anya ungewohnt selbstkritisch. Was auch nur daran lag, dass genau so etwas in ihrem Bild einer perfekten Duel Queen nicht vorkam.
      Die Duel Queen hatte über allen anderen zu stehen. Sie machte die Ansagen, sie dominierte jeden! Das Duellfeld war ihr Schlachtfeld und auf dem hatte Privates nichts zu suchen. Und, nicht zu vergessen, sie konnte ihre Gegner und alle anderen nach Herzenslust zur Schnecke machen!
      Schon der Gedanke daran, dass Zach ihr das nehmen wollte, ließ das Blut in ihren Adern kochen.

      So verwunderte es nicht, dass sie nach einer längeren Pause schließlich unvermittelt ein Monster auf ihr D-Pad knallte und damit sicherlich den ein oder anderen Zuschauer wachrüttelte.
      „Ich beschwöre [Battlin' Boxer Shadow]!“, schrie sie förmlich.
      Sofort tauchte neben ihrem [Battlin' Boxer Veil] ein in Schwarz gehaltener Boxer auf, der in so schneller Folge mit der Linken und Rechten in die Luft schlug, dass man seinen Bewegungen kaum folgen konnte. Dabei flatterten zwei Schale um seinen Hals.

      Battlin' Boxer Shadow [ATK/1800 DEF/1400 (4)]

      Mit scheelem Blick sah sie von einem Krieger zum anderen. Denn sie hatte noch eine kleine Überraschung für ihren Bruder parat.
      „Ich erschaffe das Overlay Network!“, verkündete Anya und streckte den Arm in die Höhe. „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Ihre beiden Boxer lösten sich in rote Energiestrahlen auf. Gleichzeitig öffnete sich inmitten des Spielfelds der schwarze Wirbel und absorbierte die verwandelten Monster.
      „Xyz Summon!“, donnerte Anya und formte die nach oben gerichtete Hand zu einer Faust. „Träger der Hoffnung, zeige dich! [Daigusto Emeral]!“
      Aus dem Überlagerungsnetzwerk schwebte eine grüne, humanoide Gestalt empor. Sie ähnelte stark Anyas [Gem-Knight Emerald], doch fehlten an ihrer glänzenden Rüstung die entsprechenden Edelsteine. Stattdessen verfügte der Ritter jetzt über, an den Rändern gezackte, Schilde sowie ein paar metallischer Flügel, welche in organische, grüne Federn übergingen.
      In gebeugter Haltung positionierte sich der Krieger vor Anya, wobei ihn zwei Lichtkugeln umkreisten.

      Daigusto Emeral [ATK/1800 DEF/800 {4} OLU: 2]

      In Zachs weit aufgerissenen Augen stand deutlich der Schock geschrieben. „Was ist das? Das ist kein Gem-Knight, aber-!?“
      „Das ist ein Monster, das mir einst sehr geholfen hat, auch wenn es noch nie in einem Duell benutzt wurde“, erklärte Anya. Und dachte im Zuge dessen zurück an den Tag von Valeries geplatzter Hochzeit, als Henry ihr die drei Karten – geschaffen durch seinen Deal mit dem Sammler – gegeben hatte. Jene, die sie einst im Turm vor Neo Babylon vor den lähmenden Kräften des Tores Eden beschützt hatten. „Ich finde, es ist nur fair, ihm jetzt etwas Screentime einzuräumen!“
      Sie hatte die Monster nie in ihr Deck integriert, weshalb sie nicht zusammen mit ihren anderen Karten gestohlen worden waren. Und jetzt waren jene ihr Trumpf!

      Auch Henry in der gläsernen Lounge ganz am oberen Ende des Stadions wusste darum und war von dem Sofa aufgesprungen. Vor ihm saß Mr. C, ein bereits in die Jahre gekommener, schwarzhaariger Mann mit Elvistolle, an einem Pult und schrie ins Standmikrofon: „Was ist das für ein Monster? Davon habe ich noch nie gehört!“
      „Sehr gut!“, strahlte Henry und sah über einen Laptop an Mr. Cs Platz Anyas Gesicht, wie sie kampflustig in die Kamera grinste. „Enttäusch' mich jetzt nicht, Anya!“
      Die rothaarige Melinda neben ihm strahlte nicht weniger. „Da werden Erinnerungen wach. Auch wenn ich damals Angst hatte, war es doch irgendwie auch … aufregend.“
      „Sei froh, dass du rechtzeitig aus dem Kristallsaal fliehen konntest. Wir hatten nicht so viel Glück“, murrte Henry schon im nächsten Moment wieder in seiner gewohnten, miesepetrigen Art.
      Seine Schwester schlug die Beine übereinander und lachte. „Da hast du auch wieder Recht.“
      „Egal“, sagte Henry mit Blick auf den Bildschirm, „hoffen wir, dass sich das Wunder von damals wiederholt.“

      Von Anyas Entschlossenheit aus zu urteilen, hätte man durchaus der Meinung sein können, dass dem so war. Denn als sie unter ihr neues Monster griff und eines seiner Xyz-Materialien hervorzog, stand das wahrhaftige Feuer in ihren Augen. „Jetzt wirste dein blaues Wunder erleben!“
      Emeral hielt daraufhin einen der Schilde an seinen Armen in die Höhe und absorbierte eine der leuchtenden Sphären damit.

      Daigusto Emeral [ATK/1800 DEF/800 {4} OLU: 2 → 1]

      Anya rief: „[Daigusto Emerals] Effekt lässt ihn ein Nicht-Effekt-Monster von meinem Friedhof beleben!“
      „Wann hast du so eins jemals gespielt?“, fragte Zachariah daraufhin irritiert. „Hat mein Angriff vorhin ein paar deiner Synapsen verkohlt?“
      „Bist wohl doch nicht so schlau wie du dich gibst. Denk mal scharf nach, welches meiner Monster könnte ich wohl meinen?“
      Zwar stieß Zach im Anschluss einen Laut der Erkenntnis aus, doch Anya lieferte ihm bereits die Antwort, indem sie die Karte aus ihrem Friedhof nahm und vorzeigte. „Bingo!“
      Sie schmetterte Levrier mit voller Wucht auf das D-Pad. Neben ihrem [Daigusto Emeral] öffnete sich ein Runenportal, aus welchem der weiße Ritter stieg, von seinen sieben Riesenperlen umgeben.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 0]

      „Für gewöhnlich mag er zwar nutzlos und schwach sein“, stichelte Anya mit diebischem Grinsen, „aber hin und wieder hat selbst er seine fünfzehn Minuten Ruhm! Willkommen zurück!“
      Erwartungsvoll beobachtete die Blonde ihre Signaturkarte. Doch als diese sich weder rührte, noch einen frechen Spruch abließ, verging dem Mädchen das Lachen. Nervös fragte sie: „Was ist los?“
      Als wieder keine Antwort kam, richtete sie sich zornig an ihren Bruder. „Was hast du ihm angetan!?“
      „Nichts?“, mimte der vor dem Publikum den Ahnungslosen. „Dein Pearl ist doch auf dem Feld, alles bestens? Oder erwartest du ernsthaft, dass er dir antwortet?“
      Rote Äderchen traten aus Anyas Augapfel hervor, als Zach den Satz mit einem zuckenden, rechten Mundwinkel beendete. Er wusste genau, was sie von ihm wissen wollte und selbst ohne weitere Worte gab er ihr mit einem Blick zu verstehen, dass er Levrier nicht einfach mit seiner Zauberkarte zerstört hatte. Ihr Partner war langfristig außer Gefecht gesetzt worden. Oder schlimmer …
      „Du …!“, knurrte Anya und ballte eine Faust.
      Dabei lag ihr Augenmerk auf seinen beiden Monstern, dem schwarzen Ritter Laundsallyn und König Artus. Und sie wusste, wie sie -es- anstellen musste!
      „Ganz egal was du ihm antust, er ist immer bei mir“, rief sie und schwang den Arm zur Seite aus, „deswegen werde ich ihn beschützen, egal was es mich kostet! Ich greife deinen Gothic-Ritter mit [Daigusto Emeral] an! Emerald Storm!“
      Der beflügelte Ritter stieg in die Höhe und streckte beide Hände nach vorne aus, geballt zu Fäusten, genau wie bei seiner Besitzerin: Dann schoss er die beiden Schilde ab, die sich in der Luft wie die Sägeblätter einer Kreissäge drehten.
      Zach griff nach seinem D-Pad. „Das ist keine gute Idee! Denk an [Gwenhwyfar, Queen Of The Noble Arms]! Mit ihr kann ich sofort das Monster zerstören, das mit Laundsallyn kämpft.“
      Seine Schwester verzog keine Miene. Die Finger des Blonden berührten schon den Rand der Karte, als die tödlichen Waffen von beiden Seiten im hohen Bogen auf den Ritter zuschossen. Doch plötzlich ließ er von der Karte ab. „Verstehe! Genau das willst du!“
      Und sie schlugen in Laundsallyn ein, welcher lautstark explodierte.

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 2200LP → 700LP]

      Anya keuchte angespannt.
      „Dachtest du ernsthaft, ich falle auf so etwas herein? Hätte ich deinen Emeral jetzt zerstört, hättest du mit Pearl den finalen Schlag ungehindert durchführen können, da Laundsallyn danach völlig schutzlos gewesen wäre“, erklärte Zachariah den Plan seiner Gegnerin, „deshalb hast du auch nicht mit Pearl angegriffen.“
      „Falsch!“, widersprach Anya. Zwar wäre dies der Idealfall gewesen, doch sie hatte nie damit gerechnet, dass er wirklich eintritt. „Ich habe lediglich dafür gesorgt, dass beide meiner Monster überleben. Wie du richtig festgestellt hast, hättest du Pearl sofort zerstört. Da ich aber mit Emeral angegriffen habe, warst du praktisch dazu gezwungen, auf den Effekt von dieser Sumpfkuh zu verzichten, eben weil du verhindern musstest, dass Pearl danach Laundsallyn angreift!“
      „Das wird immer spannender! Nicht nur hat Anya Bauer die Lebenspunkte ihres Bruders wieder auf ein Minimum gesenkt, nein, es scheint, als würde sie ein starkes Band mit [Gem-Knight Pearl] verbinden!“
      Wie immer war der Kommentator außer sich, selbst wenn es um das Offensichtliche ging. Anya runzelte die Stirn. Irgendwie musste sie hier heil wieder herauskommen. Artus konnte sie nicht angreifen, der war um lächerliche 100 Punkte zu stark für Pearl.
      Sie sah ihr Blatt an. Zwei Karten standen ihr noch zur Verfügung. Sie nahm eine davon und legte sie in das D-Pad ein. „Die setze ich. Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sich die Karte vor ihren Füßen.

      „Ein starkes Band, hm?“ Als Zach zog, legte er ein hässliches Grinsen auf. „Mal sehen, ob ich es durchtrennen kann!“
      Anya verzog eine grimmige Fratze. „Das kannst du nicht!“
      „Wart's ab!“ Mit den beiden Karten in der Hand, griff er nach Artus' Karte und zog das einzelne Xyz-Material darunter hervor. „Ich aktiviere [Sacred Noble Knight Of King Artorigus'] Effekt!“
      Jener streckte die beiden Schwerter in seinen Händen in die Höhe und hielt sie über Kreuz. Dunkle Wolken zogen inmitten des Stadions auf, welche die Zuschauer in lautstarkes Staunen versetzten.
      „Death Penalty“, hauchte Zachariah eisig.
      Ein Blitz schlug in das Caliburn-Excaliburn II-Duo ein, den Artus schnurstracks auf Pearl schleuderte, indem er die Klingen nach vorne schwang.

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/2700 DEF/2200 {5} OLU: 1 → 0]

      Anya schloss die Augen. „Als ob …“
      Blind ließ sie die Hand über ihre gesetzte Karte fahren, die unmittelbar aufsprang. „Dein Artorigus hat Alzheimer.“
      Kurz vor Levriers Brust verpuffte der Blitz. Irritiert betrachteten sowohl der Ritterkönig, als auch Zachariah die Karte namens [Memory Loss], ehe Ersterer plötzlich in die Knie ging.

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/2700 DEF/2200 {5} OLU: 0]

      Die Augen wieder öffnend, erklärte Anya: „[Memory Loss] ist eine coole Falle, die mir Summers nahegelegt hat. Sie negiert einen Monstereffekt auf dem Feld und wechselt dessen Position.“
      „Hmpf!“, schnaubte Zachariah ärgerlich. „Dann benutze ich jetzt Gwenhwyfars Effekt vom Friedhof und rüste sie an Artorigus aus.“
      Blasse, fast geisterhafte Arme legten sich um die Schultern des Königs, als sich die junge, brünette Königin mit den Zöpfen an ihn schmiegte und anschließend verschwand.

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/2700 → 3000 DEF/2200 {5} OLU: 0]

      In seiner knienden Position hob jener plötzlich sein kürzeres Schwert Caliburn in die Höhe, sodass über Zach ein blauer Energieregen niederging. „Du kennst das ja mittlerweile …“

      [Anya: 1300LP / Zachariah: 700LP → 1200LP]

      Eindringlich betrachtete er eine Falle auf seiner Hand. Dann schnalzte er mit der Zunge und schob sie in den letzten freien Schlitz seines D-Pads. „Ich setze diese Karte und beende den Zug.“
      Während sich die Karte vor ihm materialisierte, kommentierte Mr. C: „Ein ewiges Hin und Her ist das! Obwohl Zachariah Bauer seine Schwester so unter Druck setzt, lässt diese sich keinen Millimeter zurückdrängen!“
      Einige schenkten ihr sogar einen Applaus dafür. Anya bemerkte es nicht einmal, sondern tauschte einen feindseligen Blick mit ihrem Bruder aus. Keiner der beiden gab dabei nach. Bis er eine einzige Silbe auf den Lippen formte, ohne sie jedoch auszusprechen. Die Blonde, die im Lippenlesen nicht sehr versiert war, kannte nur zwei Worte in dieser Richtung. Und beide bedeuteten mehr oder weniger dasselbe …

      „Du elender-!“, schrie sie aufgewühlt. „Jetzt reicht's endgültig! Draw!“
      Sie zog mit derartigem Schwung, dass es sie dabei beinahe eine Drehung um sich selbst machte. Die neue Karte kurz betrachtend, sah sie anschließend auf. „Effekt von [Daigusto Emeral]. Der andere, um genau zu sein! Ich darf drei Monster vom Friedhof ins Deck mischen, um eine Karte zu ziehen. Lead Yoke, Shadow, Glassjaw!“
      Jene drei Karten schoben sich automatisch aus ihrem D-Pad hervor, sodass Anya sie nur auf das Deck legen und jenes mischen lassen brauchte. Gleich im Anschluss zog sie noch einmal, jedoch ohne diesmal eine unfreiwillige Pirouette hinzulegen.
      „Ich wollte es nicht glauben. Irgendwie habe ich es die ganze Zeit verdrängt, obwohl ich es gewusst habe“, gestand Anya niedergeschlagen, „wollte mir einreden, dass du das damals alles nicht so gemeint hast. Aber … du bist wirklich nur -deswegen- hier, oder?“
      Zachariah antwortete nicht, sondern wich ihrem Blick zur Seite aus.
      „Alles nur, damit ich nicht weiterkomme, richtig? Denn wenn das passiert, werde ich vielleicht … und du weißt es. Und du willst es so. Wie du es schon bei unserem letzten Duell versucht hast.“
      Wieder kam keine Reaktion seinerseits. Ohne dass Anya es kontrollieren konnte, rann eine einzelne Träne über ihre Wange.
      „Aber das klappt nicht“, schwor sie ihm bitter, „du wirst mich nicht aufhalten. Ich hab' dich genau da, wo ich dich haben will!“
      Überrascht horchte er auf und blickte wieder in ihre Richtung. Unwillkürlich fuhr seine Hand zum Auslöser seiner Falle, nur damit er sie letztlich wieder zurückzog.
      Anya kniff die Augen zusammen. Sie hatte es nicht bemerkt, war sie doch zu fixiert auf seinen emotionslosen Gesichtsausdruck. „Mach dich schon mal frisch! Ich beschwöre [Battlin' Boxer Rabbit Puncher]!“
      Ein hagerer Boxer betrat das Spielfeld, dessen markantestes Merkmal neben einer zerzausten, roten Mähne sein gasmaskenähnlicher Kopfschutz war.

      Battlin' Boxer Rabbit Puncher [ATK/800 DEF/1000 (3)]

      „Attacke!“, befahl Anya plötzlich mit ausgestrecktem Finger. „Egal was passiert, du wirst mein Held sein, Rabbit Puncher!“
      „Was ist das!?“, überschlug sich Mr. Cs Stimme. „Wieso greift sie mit diesem Monster an!?“
      Selbst ihr Bruder war überrascht davon. „Du wirst doch nicht etwa-!?“
      Regelrecht formvollendet tänzelte der kleinwüchsige Boxer über das Spielfeld und war im Begriff, dem König die Faust ins Gesicht zu drücken.
      „Du hast es erfasst! Rabbit Puncher vernichtet Monster im Verteidigungsmodus automatisch!“
      Und es geschah letztlich genau das, was Anya erwartet hatte: [Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms] stellte sich mit ausgestreckten Armen in den Weg des Kriegers und würde jenen zerstören. Womit Anya jedoch grundlegend falsch lag, als die hübsche Königin den Hieb einsteckte und zersprang, nur damit Artus wutentbrannt seine massive Goldklinge Excaliburn II schwang und eine blaue Schockwelle in Richtung des Mädchens schleuderte.

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/3000 → 2700 DEF/2200 {5} OLU: 0]

      „Ah!“, schrie die perplex.
      „Du hast scheinbar damit gerechnet, dass die gute Gwenny notgedrungen dein Monster zerstört“, spottete Zachariah übermütig, „dabei opfert sie sich, um ihren Liebsten zu schützen. Das ist der Unterschied darin, ob sie ein Finsternis- oder ein Lichtmonster ausrüstet.“
      Gleichzeitig wurde Anya von den Ladungen erfasst und schrie auf. Ihr Bruder setzte noch eins drauf: „Du hast dich derart verkalkuliert, dass du selbst den Treffer einstecken musstest. Denn da der Effekt deines Boxers nie zum Tragen kam, ging der Kampf ganz normal weiter.“

      [Anya: 1300LP → 100LP / Zachariah: 1200LP]

      Anya wurde ganz schwindlig. Nur verschwommen nahm sie ihren Bruder war, spürte ihren taub gewordenen Körper nicht mehr. Diese verdammte Klinge! Und doch!
      „Tch, Trottel“, raunte sie nicht weniger selbstbewusst als ihr Bruder, „dein ach so tolles Schwert hat mir diesmal den Hintern gerettet. Wie war das doch mit Kampfschaden gleich der eigenen Lebenspunkte? Pech für dich, du hast 100 zu wenig!“
      Das Gefühl kehrte wieder. In Form von Schmerzen, die das Mädchen in allen Gliedern, jedem Muskel, jeder Faser zu peinigen begannen. Doch sie biss die Zähne zusammen. „Du … kriegst mich … nicht klein!“
      Zachariah zog eine Augenbraue an. „Was auch-“
      „Los!“, schrie sie da schon mit letzter Kraft. „Pearl, werd' endlich zum Königsmörder! Angriff auf [Sacred Noble Knight Of King Artorigus] mit Blessed Spheres of Purity!“
      Sie stürzte vorne über, aber nicht, ohne dabei die Hand auszustrecken. Im Fall sah sie, wie ihr weißer Edelsteinritter die seine ausschwang und die sieben Perlen um ihn herum auf seinen Feind hetzte. Wie ein Bombenhagel gingen sie auf Artus nieder.
      Das Mädchen landete schmerzhaft auf dem Bauch, den Kopf dennoch nach oben gerichtet, wollte sie jede Sekunde -davon- miterleben. „Geh endlich sterben- Ah!“
      Sie weitete die Augen. Das konnte nicht sein! Die Perlen schlugen zwar um den Ritter ein und lösten Explosionen auf, aber wann immer eine ihn direkt ansteuerte, wehrte er sie mit dem Schild aus Licht an seinem Arm ab.
      „Die [Noble Arms Of Destiny]“, sprach Zachariah Anyas Gedanken aus, „die hast du in deinem Eifer wohl ganz vergessen, oder?“
      Sie verhinderte einmal pro Zug die Zerstörung ihres Trägers. Anya ließ den Kopf erschöpft sinken.

      ~-~-~

      „Guter Junge“, nuschelte Exa Kakyo ins Ohr, während er ihn tiefer in die dunkle Seitengasse schleifte. Seine Hand lag auf dem Mund des jungen Mannes, denn auch wenn niemand sie sehen würde, so war es dennoch möglich sie zu hören.
      Zanthe bildete die Nachhut und achtete darauf, dass niemand hier einbog und Kakyo bemerkte.
      „Ein Mucks und du bist Geschichte“, sagte Exa und schleuderte seine Geisel schließlich gegen die Außenwand der Kneipe, neben einen Müllcontainer.
      Kraftlos sank Kakyo an jener auf den Hosenboden herab. „Ich hab's kapiert …“
      Angst schwang in seiner Stimme mit. Zanthe bemerkte, wie er mit seinem Blick nach Exa suchte, welcher sich nun außerhalb der Sichtweite des Zaubers befand und daher unsichtbar war.
      „Keine Sorge, wir sind noch hier“, sagte der Werwolf daher drohend.
      „Was wollt ihr von mir!? Ich habe nicht viel Geld und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch nicht vor, es euch zu geben.“
      Ohne mit der Wimper zu zuckten stampfte Exa mit dem Fuß auf die Brust des Brünetten, der schmerzerfüllt aufkeuchte. „Lass uns den ganzen 'Wer seid ihr!?'-Kram überspringen und gleich zur Sache kommen, okay? Die eigentliche Frage lautet nämlich, wer du bist.“
      „Kakyo Sangon.“
      Zanthe trat neben seinen größeren Freund. „So viel wissen wir längst. Welche Verbindung hast du zu einem Mann namens Kyon?“
      Erschrocken horchte Kakyo auf, sodass Exa ihn sofort wieder gegen die Wand presste. „Antworte einfach.“
      „Ich kenne keinen Kyon“, murmelte der Verhörte und senkte den Kopf.
      „Deine Lippen sagen nein, dein Fleisch sagt ja“, erwiderte Zanthe daraufhin ärgerlich, „du riechst förmlich danach. Nach Angst.“
      „Und wenn schon … Werde ich jetzt verprügelt?“
      „Ja.“

      Selbst bei Zanthe stellten sich die Nackenhaare auf, wie sein Freund dies mit einer absoluten Eiseskälte bestätigte. Mehr noch, er setzte eins drauf: „Ich denke, ich bin recht gut darin, Leuten ihre Geheimnisse zu entlocken. Also überleg' dir deinen nächsten Schritt ganz genau.“
      „Willst du ihn etwa foltern!?“, stieß Zanthe erschrocken hervor und packte Exa an der Schulter.
      Der nickte. „Wenn's nötig ist.“
      „Das kannst du nicht!“
      Exa bedachte Zanthe hinter dem gezackten Schmetterlingssymbol mit einem eisigen Blick. „Möchtest du Gewissheit haben? Denkst du, sie wird zu dir kommen, wenn du nett 'bitte' sagst? So läuft das in dieser Welt nun mal nicht.“
      Mit zitternder Stimme mischte sich Kakyo ein: „Tut, was ihr nicht lassen könnt.“
      „Wenn du schon so tapfer dein Schicksal herausforderst, hast du eindeutig etwas zu verbergen“, sagte Exa. Er hob das Bein auf Kakyos Brust an, sodass die Spitze seines Stiefels unter dessen Kinn fasste und dieses nach oben drückte. „Ist es das wirklich wert?“
      Entgegen seiner spürbaren Angst, sah der junge Mann ihm mit einem kämpferischen Blick entgegen. „Nein, aber ich habe etwas versprochen. Und ich breche keine Versprechen!“
      „Hast du Kyon etwas versprochen!?“, fragte Zanthe aufgeregt und stieß Exa dabei zur Seite, sodass dessen Fuß unter Kakyos Kinn wegrutschte. „Bitte sag es mir! Wir tun dir nichts, versprochen!“
      Neben ihm fasste sich der Größere seufzend an die Stirn. „Ich glaub's nicht. Kumpel…“
      „Ist das hier so ein 'Guter Cop, böser Cop'-Spiel!?“, schnappte Kakyo und richtete sich an der Wand entlang tastend auf. „Ganz egal was ihr sagt oder womit ihr mir droht, dieses Versprechen ist wichtiger als mein Leben!“
      „Warum halten wir uns dann überhaupt noch an dir auf?“, fragte Exa plötzlich mit diesem unterkühlten Tonfall. Zanthe verstand sofort, worauf er anspielte. Außerdem sah er es auch, als in der Hand seines Freundes weißes Licht zu strahlen begann und der anschließend seine seltsame Waffe auf Kakyo richtete.

      Ebenso verstand Kakyo, der, als er wieder auf beiden wackligen Beinen stand, seinen Arm ausschwang. „Ganz einfach. Weil ich es verlange. Einer von euch duelliert sich mit mir, jetzt, hier!“
      „Keine Chance, Kumpel!“
      Zanthe runzelte die Stirn. „Und was soll dir das bringen?“
      „Gewinne ich, lasst ihr mich gehen. Gewinnt ihr, könnt ihr mit mir machen was ihr wollt!“
      Exa stieß einen derben Lacher aus. „Du bist ja einer! Wir spielen Karten um dein Leben? Was ist das für ein Unsinn!?“
      Plötzlich streckte Zanthe den Arm zur Seite aus, um Exa zurückzuhalten. „Nur, wenn du im Falle deiner Niederlage sprichst wie eine Friseurin während der Arbeitszeit.“
      „Und du willst auch noch einwilligen!?“, empörte sich der Blonde fassungslos.
      Sein Freund warf ihm aus den Augenwinkeln einen scharfen Blick zu. „Solange es uns weiterbringt, ist mir das nur recht.“
      „Dann lass mich ran.“

      Überrascht wirbelte Zanthe um. Exa warf seine seltsame Waffe mit Schwung nach oben, wo sie sich zu einem hellblauen Blitz verformte, der wiederum steil nach unten zischte. Den Arm vor den Oberkörper haltend, ließ Exa beim anschließenden Treffer an jenem eine weiß-blaue Duel Disk erscheinen, die mit ihrer äußeren, dicken Hülle seinem Sägeschwert nicht unähnlich sah.
      „Oha!“ Zanthe wich vor Schreck von ihm zurück, machte dann aber beim Anblick der Duel Disk große Augen. „Du spielst Duel Monsters!? Seit wann!?“
      „Seit eben.“
      „Was habe ich da gerade gesehen?“, fragte Kakyo heiser. Dann jedoch wurde seine Stimme fester. „Wie auch immer, dann bist du mein Gegner!“
      „Nein! Ich duelliere mich!“, widersprach Zanthe zornig.
      Exa erwiderte kühl: „Wenn das hier -so- laufen soll, dann nur, wenn du mir das überlässt. Oder vertraust du mir nicht?“
      Darauf wusste der Schwarzhaarige nichts zu erwidern. Es gab mehr als genug Gründe, die dagegen sprachen. Sollte er jedoch nur einen davon äußern, würde er mit Sicherheit einen Keil zwischen ihre noch junge Freundschaft treiben. Also schwieg Zanthe notgedrungen und senkte das Haupt.

      Mit schlottrigen Knien stellte sich Kakyo an einem Ende der Seitengasse auf, Exa wiederum am anderen. Nebenbei griff der nach der Illusion vor seinem Gesicht und ließ sie verschwinden, sodass sein Gegner ihn auch auf Distanz sehen konnte. Und somit auch jeder, der durch die Hintertür der anliegenden Kneipe verschwinden wollte oder hier vorbeikam.
      „Mach nichts Unüberlegtes“, konnte Zanthe seinem Freund nur ans Herz legen, nachdem er ihn flankierte.
      Ohne sich zu ihm umzudrehen, sagte Exa plötzlich: „Verstehst du nicht? Er ist ein Verbündeter deines Feindes. Ihm Gnade zu zeigen bedeutet potentiellen Verlust. Es mag grausam sein, aber diese Welt ist nun mal grausam und erbarmungslos.“
      Der Werwolf schnappte bereits nach Luft, um etwas darauf zu erwidern, aber Exas autoritäre Stimme gebot ihm Einhalt. „Es gibt einen Grund, warum ich mich duellieren will.“
      „Welchen!?“
      „Mein Gesicht kennt er bereits, deines noch nicht. Sollte das hier in die Hose gehen …“
      Mit einem Schlag verstand Zanthe plötzlich, was all das sollte. Exa wollte ihn beschützen, deshalb auch …
      „Aber“, sagte jener plötzlich scharf, „dazu wird es nicht kommen.“
      Kakyo stand der Schweiß auf der Stirn geschrieben. Schließlich riefen beide: „Duell!“


      Turn 62 – Determination
      Während Anya erbittert mit ihrem Bruder kämpft, stellt sich Kakyo notgedrungen Exa in einem Duell. Sofort wird klar, dass Exa zu unerfahren ist, um sich mit einem angehenden Profi wie Kakyo zu duellieren. Und dennoch löst er eine Kette von Ereignissen aus, die Zanthe in seinen Grundfesten erschüttert …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Battlin' Boxer Glassjaw
      Battlin' Boxer Veil
      Battlin' Boxer Shadow
      Battlin' Boxer Rabbit Puncher

      Memory Loss

      Battlin' Boxer Lead Yoke
      Gem-Knight Pearl
      Daigusto Emeral

      Zachariah

      Gwenwhyfar, Queen Of Noble Arms

      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms – Arfeudutyr
      Noble Arms – Excaliburn
      Noble Arms Of Destiny

      Noble Arms – Excaliburn II
      Zauber/Ausrüstung
      Du kannst nur 1 offene "Noble Arms - Excaliburn II" kontrollieren. Rüste nur ein „Noble Knight“-Xyz-Monster mit dieser Karte aus. Wenn das mit dieser Karte ausgerüstete Monster Kampfschaden zufügt, wird der zugefügte Kampfschaden zur Anzahl deiner Life Points. Du kannst diesen Effekt von "Noble Arms – Excaliburn II" nur einmal pro Spielzug verwenden. {????}

      Ignoble Knight Of High Laundsallyn
      Artorigus, King Of The Noble Knights
      Sacred Noble Knight Of King Artorigus
      Hier ist aber tote Hose, dafür, dass die letzte Folge schon 2 Wochen her ist. Nichtmal nen Zombie findet man hier, aber okay, die werden wohl gerade alle für The Walking Dead einberufen xD

      -Aska-

      Nein, das ist es nicht. Was ich damit simpel sagen wollte war, dass ich mir nicht anmaße festzulegen, was nötig ist und was nicht. Das ist das alleinige Privileg des Autors. ;) Ich geb nur höchstens meine Meinung bzw Wünsche zum Besten

      Joa, Exa hat etwas, aber ich denke erst je weiter es geht, deso mehr merkt man, was sich da für eine Kette erstreckt.

      Hm. Was heißt gemischtes Feedback im Detail? Eher dass es nicht in eine solche Geschichte passte, oder dass die Platzierung nicht optimal war. Zu ersterem denke ich, dass es ein angenehmer Bruch zur Routine war. Die Unlogik, alles und jede Differenz per Duell zu lösen grenzt manchmal (nicht auf deine Geschichte bezogen) ans Lächerliche, und hier war es sogar so bissig, und hat genau dieses Schema währenddessen kritisch hinterfragt. Die Positionierung der Szenen an der Stelle ist hingegen sicherlich diskutierbar, aber am Ende eine Sache der eigenen Präferenz.

      Wer weiß, in unseren Unterhaltungen zu den Folgen hab ich ja spekuliert, dass es nicht undenkbar wäre, es gäbe ja auch Möglichkeiten abseits des Turniers, und notfalls gäbe es ja noch Helfer im Turnier. Aber unwahrscheinlich war es in jedem Fall trotzdem ;) (und das mit dem Trollen sagt der, der ne ganze Kampfszene erfindet, die den Leser ohne Ende trollt? xD)

      Joa, dass mit den Antworten hab ich auch nicht erwartet. Wer spoilert schon seine Plotdetails. Wäre ja langweilig.


      Folge

      Die doppelte Bauer-Power meinst du wohl? ^^

      Die Folge war durch den Fokus auf die Fortsetzung des Duells von Anya und Zach relativ geradlinig, und nur durch den Abstecher mit der Oberservierung Kakyos durch Zanthe aufgebrochen worden. Das sich der Fokus langsam verlagern wird, hat die Preview ja schon angedeutet. Wird auf jeden Fall spannend sein, zu erfahren, was dieses Duell mit Zanthe zu tun hat, dass es ihn in 'seinen Grundfesten erschüttert'.

      Aber gut, das ist ja erst die nächste Folge, also zurück zu dem, was wir schon haben:

      Im Duell ging es schön weiter hin und her. Anya wusste sich zwar zur Wehr zu setzen, aber Zach machte es ihr auch nicht wirklich leicht. Besonders hat mir die Stelle gefallen, wo Anya mal richtig strategisch dachte und um ihr Monster zu schützen, Emeral nutzte und Zach so unter Druck setzte, entweder seinen Lancelot zu opfern oder das Duell zu verlieren. Für Anya ist das ja eigentlich etwas total Untypisches, aber mir gefällt, dass sie langsam in einen Bereich angelangt, wo sie einsieht, dass es in kritischen Lagen hilfreich sein kann, strategisch zu denken - und das obwohl sie durch die Sache mit Levrier immer noch mitgenommen gewesen sein dürfte.
      Auch toll war, wie das Duell trotz oder gerade wegen Excaliburn II immer sehr knapp war, aber für Zach nicht reichte, um das Duell für sich zu entscheiden.
      Lob auch an anderer Stelle. Selbst trotz der vielen Noble Arms, die wiederholt durchwechselten, gab es eigentlich keinen Zeitpunkt, wo man die Übersicht verloren hat. Auch die Beschreibungen ebenjener und der anderen Karten wussten zu gefallen.

      Jedoch wurde in dem Duell auch ein leichter Schatten geworfen. Denn bei Zach bin ich mir langsam wirklich unschlüssig, was seine Motivation ist. Aber wie so oft dürfte das Ganze auch hier mehrere Schichten an Tiefe haben. Aber diese Momente, wo er plötzlich nachdenklich oder abwesend wirkte, die lassen einen zweifeln.
      Damit will ich aber nicht sagen, dass er nicht vorhätte Anya zu schaden oder zu verletzen, sondern einfach, dass da scheinbar irgendetwas dahintersteckt, was man noch gar nicht wirklich abschätzen kann. Denke aber, dass Kali in diesem ganzen Komplex eine zentrale Rolle innehaben wird.

      Auch hat man erfahren, dass das Verhältnis von Zach zu seinem Vater nicht viel besser ist als das von Anya zu diesem. Denke es wird sehr interessant, wenn der alte Herr irgendwann sein Debüt feiert.


      Bei dem anderen Handlungsbogen um die Verfolgung von Kakyo war jetzt in dieser Folge noch nicht so viel passiert, aber anhand der Preview wird ja klar, dass das mehr die Einleitung/den Auftakt für die nächste Folge darstellt.
      Für Anya war es natürlich schade, dass die moralische Unterstützung in Form von Zanthe sie 'im Stich gelassen' hat. Aber Zanthe scheint ja eh eher jemand zu sein, der die Sachen nach subjektiver Einschätzung betrachtet und so war zwischen der Verfolgung von Kakyo und dem - aus seiner Sicht - unnützen Rumsitzen seine Entscheidung klar, dass er sich für die erste Option entscheidet. Und für ihn hatte es ja auch noch persönliche Gründe, da er eine Verbindung von Kakyo zu Kyon vermutete.

      Was Exa in dieser Folge anging, fand ich, bekam er hier eine etwas düstere Note verpasst. Während er ja in der vorletzten Folge doch sehr weltfremd und generell positiv gestimmt rüberkam, verstärkten sich in dieser Folge die Dinge, die damals nur dezent angedeutet wurden.
      Aber hier war seine 'dunklere' Seite davon geprägt, wie skrupellos er zum Teil rüberkam. Bleibt aber noch abzuwarten, ob das nur gewesen ist, weil er seinen 'Freund' schützen wollte, oder ob er diese Seite bei den vorherigen Stellen noch geschickt verheimlicht hatte?
      In jedem Fall scheint sein Wille, Zanthe zu beschützen, aber aufrichtig zu sein, weil sonst würde er ihm wohl nicht so unter die Arme greifen und ebenso versuchen zu wahren, dass Kakyo ihn nicht sieht, falls etwas schief geht. (Das ist wie bei Geiselnahmen: Wenn Täter ihre Masken ablegen, dann ist das erstmal nie gut für die Geiseln. Und entsprechend zeugt das hier demnach davon, dass er keine unmittelbare Tötungsabsicht für Kakyo hegt)
      Apropos der Zauber, der den beiden die ungesehene Verfolgung erlaubte, das war auch sehr nice beschrieben, dass einen die Leute einfach nicht wahrnehmen, außer man steht unmittelbar vor ihnen. Rückblickend erklärte das dann auch, was hinter dem Windzug im Stadion steckte, den Zanthe gespürt hatte.
      Was hingegen das Schwert von Exa angeht, scheint er dessen Form in irgendeiner Weise seinem Willen beugen zu können. Denn nach der Aussage, dass das praktisch gesehen sein erstes Duell ist kann man ziemlich sicher vermuten, dass das Schwert von vornherein wohl kaum eine Duel Disk gewesen ist.

      Aber von dem allen mal ab, ist in jedem Fall nun klar, dass es definitiv eine Verbindung zwischen Kakyo und Kyon gibt. Nur deren Natur muss noch geklärt werden, aber das könnte ja im Verlauf des Duells noch Thema werden. Interessant war in der Hinsicht auch, dass es nach Exa nicht Kakyo war, der ihm aus der Patsche geholfen hat, sondern eben scheinbar wirklich Kyon. Was aber etwas seltsam ist, dass ein Immaterieller ausgerechnet einem Dämonenjäger helfen sollte. Naja, zumindest nicht, ohne einen Grund dafür zu haben.

      In dem Sinn, hoffe ich mal auf die nächste Folge, da die gutmöglich schon Klärung bringen könnte ^^

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