Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      So hat Anya also überlebt. Und es gab nicht mal einen Kollateralschaden. Zumindest keinen, den wir gekannt hätten.

      Die Begegnung mit ihrem alten Arbeitgeber ist ein schöner Index dafür, wie viel sich bei ihr geändert hat.

      Anyas Konflikt mit ihrer eigenen Vergangenheit und damit auch mit sich selbst spiegelt sich erstaunlich offensichtlich in ihrer Cousine. So als würde die Person, die sie durch das Trotzen ihres Schicksals und im Kampf um ihr Überleben unter hohem Druck geworden ist, immer noch alle Eigenschaften ihres vorherigen, "normalen" Lebens in sich tragen. Der Konflikt ist da vorgezeichnet, und obwohl Zoey einige wirklich krasse Spielzüge hinlegt, kontert Anya diese souverän. Das sehe ich als Zeichen dafür, wie sehr sie innerlich gewachsen ist. Ohne das dies alles etwas daran ändern könnte, dass sie immer noch sie selbst ist und sie aufpassen muss, dass sie nicht zum Opfer ihre eigenen Stärke wird. Entwicklung hin oder her, die Entscheidung was sie sein will, fällt nicht weg und ihre Macht durch die Hüterkarten bietet nur eine trügerische Sicherheit. Denn kann purer Druck allein wirklich eine Änderung hervorrufen, die nachhaltig ist? Kann nicht am Ende nur eine Versöhnung mit ihrer Vergangenheit überhaupt eine dauerhafte Wandlung ermöglichen?

      Wie Anyas Mutter in Erscheingung tritt ist für meine Theorie, dass sie Kali ist und Anya als Kind niemals haben wollte, durchaus interessant. Denn so unauffällig und typisch mütterlich wie sie sich gibt müsste sie, wenn meine Annahme stimmt, im Lügen und Täuschen mit Nick locker mithalten können. Generell ist sie so blass wie kaum eine andere Figur in TLA.
      So, mal wieder vielen Dank an alle Leser. :)

      @WiR
      Danke für deinen Kommentar.
      Schön, dass aufgefallen ist, wie sehr sich Anya verändert hat. Das war von Folge 1 an mein Ziel: Anya zu einer Figur zu machen, die man sogar halbwegs mögen kann. Anhand dieser Folge sieht man das recht gut, denke ich.
      Zoey dagegen ist halt in der Zeit stehen geblieben, was eben diesen großen Konflikt zwischen den beiden Cousinen auslöst.

      Das spiegelt sich auch im Duell wieder, wo Anya hauptsächlich mit Karten kämpft, die sie während ihrer Reise bekommen hat. Ich kann natürlich verstehen, dass du gerne Old School-Duelle mit Fusionen sehen möchtest – das kommt auch alles – aber für dieses Duell waren die neuen Karten eben entscheidend, um Zoeys Verbitterung sichtbar zu machen.

      @Mcto
      Auch dir vielen Dank für deinen Kommentar.

      Wie schon bei WiR erwähnt, ist anhand dieser Folge Anyas Entwicklung durch die Augen anderer Figuren recht gut sichtbar. Dieser Konflikt in Anya wird sich auch in der neuen Folge zeigen, mal sehen wie du auf diese reagieren wirst.
      Zum Opfer der eigenen Stärke werden ... das hat was. Das kann man in vielerlei Hinsicht auslegen.

      Hattest du nicht schon mal spekuliert, dass Anyas Mutter Kali ist? Aber ich denke, es gibt noch ein paar Figuren, die blasser sind. Ernie Winter zum Beispiel. Der übrigens auch mal wieder 'ne Cameo hat. :D


      So, dann viel Spaß mit der nächsten Folge. :)

      Turn 93 – A Queen Of Times Past
      „Diese blöde Ziege! Tch!“ Anya stampfte wütend auf. Hier war Zoey also auch nicht.
      Das Mädchen stand vor dem Eingang zum Schrottplatz, einem einfachen Tor aus Maschendraht, das offen stand. Dahinter stapelten sich Berge von Metall, Überresten von PKWs und deren Reifen. Gleich neben dem Tor stand ein kleines Häuschen, wo sie nach ihrer Cousine gefragt hatte, mit der sie hier früher oft gespielt hatte. Aber nichts.

      Du hast inzwischen fast die ganze Stadt nach Zoey Bauer abgesucht. Solltest du es nicht langsam gut sein lassen, Anya Bauer?

      Levrier erschien neben ihr in seiner [Gem-Knight Pearl]-Form und schwebte wie ein Geist über dem Boden. Anya ließ die Schultern hängen. „Yeah. Wer weiß, wo die inzwischen ist. Was zur Hölle ist ihr Problem!?“

      Ich vermute Eifersucht. Oder Neid. Vielleicht auch beides. Auf jeden Fall fühlt sie sich dir im Nachteil und kann damit nicht umgehen.

      „Und das sagst du mir erst jetzt!?“ Anya lief rot an vor Wut. „Alter, das ist meine Cousine! Hättest du mir das gleich gesagt, hätte ich das vielleicht noch klären können! Bah, Levrier!“

      Du hast nicht gefragt.

      Natürlich würde Anya niemals so weit gehen und zugeben, dass sie sich Sorgen um Zoey machte. Es war gefährlich, sie auf die Menschheit los zu lassen, wenn sie schlechte Laune hatte. Nicht umsonst waren viele der Meinung, sie und Anya wären Zwillinge. Auch Zoey, wie damals Anya, hatte diese gewisse Neigung, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Anders als sie, hatte ihre Cousine jedoch keinen geduldigen Vater, der sie aus dem Knast holte. Nein, Zoey hatte stattdessen Grandma Bauer. Und das war ein guter Grund, hinter den Gitterstäben bleiben zu wollen.
      Seit gestern hatte sich das Mädel nirgendwo blicken lassen. Ihre Mutter Sheryl wartete bereits darauf, eine Vermisstenanzeige aufzugeben, aber dafür mussten erst 24 Stunden vergehen, seit Zoey das letzte Mal bei ihnen war.

      Die Blonde seufzte. „Scheiße …“
      Sie brauchte wohl oder übel Hilfe bei der Suche. Zu blöd, dass sie Nutzlos McFurry niemals fragen würde, obwohl seine Spürnase sicher weiterhelfen konnte. Und Summers … nein. Sein Talent, alles zu versauen, würde sie vermutlich direkt vor die Nase eines ausgehungerten Vampirs führen. Zumal Zoey die beiden sowieso nicht leiden konnte.
      Nein, wen sie brauchte, war jemand mit Beziehungen. Am besten zu den Cops, denn die könnten während ihrer Streife durchaus auch mal arbeiten. Das hier … war ein Fall für Redfield. Ugh!

      ~-~-~

      „Ich wollte 'n Bier“, stellte Anya unzufrieden klar, als vor ihr auf einer kalten, grauen Küchenzeile eine Cola-Flasche serviert wurde. Von niemand Geringeres als Valerie Redfield, die hinter dem Tresen stand, an dem Anya auf, verdammt nochmal, viel zu hohen Hockern saß.
      „Du wolltest Cola und du wirst sie mögen“, stellte die Gastgeberin in ihrer Küche frostig klar.
      Etwas vor sich hinmurmelnd nahm Anya den Kronkorken an der Flasche in den Mund und riss ihn einfach ab, zum Schrecken der Schwarzhaarigen im hellblauen Tanktop.
      „Ich hätte dir auch einen Flaschenöffner gegeben“, verflog ihre Unnahbarkeit augenblicklich.
      „Die sind für Loser“, maulte Anya und nahm einen Schluck zu sich.

      Valerie war seit dem Flugzeugabsturz nicht sehr gut auf Anya zu sprechen, weil sie die Befürchtung hegte, dass jene indirekt damit im Zusammenhang stand. Beweisen konnte sie das natürlich nicht, außer man legte Anyas seltsames Erlebnis zugrunde, das ihnen das Leben gerettet hatte. Trotzdem hielt ihre Erzrivalin seitdem vorsichtig Distanz zu ihr. Und nur zu ihr. Ein gewisser Dämonenjäger durfte Gerüchten zufolge, die von einem gewissen Werwolf stammten, kommen und gehen wann er wollte.

      Anya rülpste laut, als Valerie sich ungeduldig über den Tresen lehnte. Wohlgemerkt konnte die Blonde sich nicht erinnern, dass es den schon damals vor circa einem Jahr hier gegeben hatte, als die Gruppe rund um die Zeugen der Konzeption sich erstmals zusammengefunden hatte. Anscheinend hatten die Redfields ihre Küche renoviert.
      „Ah“, machte sie zufrieden beim Anblick ihres angewiderten Gegenübers, „also, ich brauche deine Hilfe, Redfield. Meine Cousine Zoey ist seit gestern verschwunden.“
      „Zoey?“ Valerie machte ein nachdenkliches Gesicht. „Ah, ich erinnere mich. Ihr habt doch immer aneinander geklebt wie Kletten, wann immer sie zu Besuch kam. Ist sie nicht vor einigen Jahren weggezogen?“
      „Yeah“, brummte Anya düster, „und vorgestern war sie plötzlich da. Wir haben uns gestritten und seit gestern Nachmittag ist die blöde Kuh verschwunden.“
      „Für eine Vermisstenanzeige ist es noch etwas früh.“
      „Ich will die Cops nicht einschalten! Du sollst die Cops einschalten!“
      „Wieso ich!?“
      Anya stöhnte, als ob es das Logischste der Welt wäre. „Wenn du dich an Zoey erinnerst, dann sicher noch an Grandma, oder?“
      Aber natürlich schüttelte Miss-ach-so-edgy den Kopf.
      „Hör zu, Redfield! Zoey ist 'ne tickende Zeitbombe. Wenn sie schlechte Laune hat, ist das ganz schlecht, 'kay?“
      Unerwartet tauchte Levrier sitzend auf einem der anderen Barhocker vor dem Tresen auf.

      Stell sie dir wie Anya Bauer vor, nur mit durchschnittlicher Intelligenz, Valerie Redfield.

      „Schnauze, Levrier! Verschwinde!“, fauchte die Beleidigte und verscheuchte ihn mit einer Handbewegung, sodass er sich auflöste.
      Zu allem Überfluss begann Redfield auch noch zu kichern wie eine Verrückte, erkannte dann aber, dass der eigentliche Grund dafür gar nicht zum Lachen war. „Oh. Du hast Angst, sie stellt was an?“
      „Ja. Wenn sie im Knast landet und Grandma das herausfindet, dann kann sie sich gleich 'nen Strick nehmen. Und ich vermutlich gleich mit.“
      „Und wieso soll ich dann die Polizei rufen?“
      Anya schlug sich die Hand vor die Stirn. „Man, dein Dad hat doch Beziehungen als Bürgermeister! Wenn er es sagt, schauen sie sich nach ihr um, ohne gleich die Sirenen schrillen zu lassen.“
      „Anya, das ist vollkommen bescheuert“, stellte Valerie klar und löste sich vom Küchentresen, drehte sich zum Kühlschrank um, „mal abgesehen davon, dass das so nicht funktioniert, würde mein Vater Fragen stellen, die du garantiert nicht beantworten kannst geschweige denn möchtest.“
      Sie nahm sich eine Zitronenlimonade, machte einen Seitenschritt zu einem der oberen Schränke und holte sich ein Glas. Die goss sich tatsächlich was ein, anstatt aus der Flasche zu trinken, dachte Anya erschrocken, deren selektive Wahrnehmung die eigentliche Botschaft konsequent ausblendete.
      „Also?“, fragte sie.
      „Nein.“ Valerie drehte sich mit Glas in der Hand zu ihr um. „Frag doch Matt oder Zanthe. Die können dir besser helfen als jeder Polizist.“
      Und vor denen zugeben zu müssen, dass sie sich -doch- mit Zoey gestritten hatte? Never, sagte sich Anya grimmig.
      „Oder warte doch einfach ab. Sie beruhigt sich bestimmt wieder.“ Nach kurzer Überlegung schüttelte Valerie jedoch glucksend den Kopf. „Nein, vergiss es. Wenn sie wie du ist, wird sie dir das noch im Grabe nachtragen.“
      Genau das war das Problem, Madam! Anya wusste wieder, warum sie dieses Weib nur sehr widerwillig 'Freundin' schimpfte. Sich in Lebensgefahr begeben, klar, das konnte sie! Dann rummeckern, weil da ein Flugzeug abgestürzt ist, wofür Anya gar nichts konnte, sicher! Aber helfen, wenn es um eine Lappalie ging? Nö!
      Das Mädchen verdrehte genervt die Augen und nahm einen Schluck Cola. Musste sie eben selbst weiter suchen …

      „Sag mal, Anya“, wechselte Valerie da unvermittelt das Thema, „wie geht es dir eigentlich?“
      „Ich bin im Stress, siehst du doch!“ Wieder rollte sie mit den Augen. „'kay, auf eine Art und Weise ist das auch gut, zumindest wird mir damit nicht langweilig.“
      Sie machte eine kurze Pause. „Aber wenn ich ehrlich bin, will ich gar nicht an das denken, was danach kommt. Keine Artefakte mehr jagen, keine Kämpfe auf Leben und Tod, die ich -grundsätzlich- immer gewinne …“
      „Du solltest es gut sein lassen damit und den Undying vertrauen.“ Valerie sah sie streng an. Dazu hatte sie sogar das Recht, schließlich war sie es gewesen, die unermüdlich auf Zed eingeredet und den Frieden zwischen ihnen letztlich ermöglicht hatte. „Sie werden einen Weg finden, dir deine Lebenskraft zurückzugeben.“
      „Yeah …“

      Die Schwarzhaarige machte einen Bogen um den Tresen und setzte sich neben Anya. So saßen beide mit ihren Gläsern in der Hand da wie alte Kriegsveteranen in einer Kneipe. Sie bedachte Anya eines ausdruckslosen Blickes. „Das ist es gar nicht, nicht wahr?“
      Keine Antwort. Aber wie so oft schien Valerie ihre Erzrivalin zu lesen wie ein Buch.
      „Dir geht es wie mir. Frustriert, weil die Karriere, von der man geträumt hat, sich vor den eigenen Augen aufgelöst hat.“
      „Yeah, ich weiß was du meinst“, gab Anya geknickt zu. „Seit dem Legacy Cup hat sich von der Profiliga niemand bei mir gemeldet. Und nur weil ich nicht gewonnen habe. Nicht, dass ich es Othello nicht gönnen würde ...“
      „Das tut mir leid.“
      „Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, ob ich jemanden darauf ansprechen oder warten soll.“
      Valerie kicherte verhalten. „Nein, die möchten selbst entscheiden. Wobei, in deinem Fall könnte es sogar funktionieren.“
      Auf den bösen Seitenblick ihrer Freundin hin grinste die Schwarzhaarige umso breiter. Ihr freundlicher Stups gegen Anyas Schulter rief jedoch nur ein doppelt so starkes Echo hervor, das das Mädchen beinahe umwarf. „H-hey!“
      „Und was ist mit dir?“, murrte Anya.
      Womit sie es sofort schaffte, die Unbeschwertheit ihrer Sitznachbarin im Winde zu verstreuen. Valerie antwortete reserviert: „Das kannst du dir sicher denken.“
      „Yeah …“
      „Aber es ist okay.“ Valerie senkte ihr Haupt. „Ich habe mich damit abgefunden.“
      Woraufhin Anya sich eine spitze Bemerkung nicht verkneifen konnte. „Hängst du deshalb neuerdings wie 'ne Klette an Summers?“
      „W-wer sagt das!?“
      „Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass er wohl ganz gut darin ist, dich zu trösten.“ Das provozierende Funkeln in Anyas Augen entging ihrer Freundin nicht.
      Verstimmt kam die Retour: „Dieser 'Vogel' trägt nicht zufällig Pelz?“
      „Vielleicht?“ Was so viel hieß wie 'natürlich'.

      Anya wusste, dass es nicht mehr lange dauern konnte, ehe Zanthe den beiden vor Neugier hinterher schnüffeln würde. Wahrscheinlich sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Ob der eigentlich auch Pheromone und so'n Scheiß roch? Darüber dachte sie bei näherer Betrachtung lieber gar nicht so genau nach.

      Anscheinend musste Schadensbegrenzung betrieben werden, denn Valerie hob beschwichtigend die Hände. Was Anya allerdings nur umso skeptischer dreinblicken ließ. „Da liegt ein Missverständnis vor. Ich möchte mich nicht mit Matt trösten.“
      „Sondern?“
      „Er … er bringt mir ein paar Sachen über Dämonen bei.“
      „W-was?“ Bei Anya klingelten sofort alle Alarmglocken. „Er bildet dich zur Jägerin aus? Redfield, bist du bescheuert!?“
      Welche sofort nicht minder aufgebracht zurück fauchte und dabei sogar aufsprang, wobei sie noch fast vom Hocker fiel: „So habe ich das nicht gesagt!“
      „Und warum dann das Ganze?“, fragte Anya trocken mit zusammengekniffenen Augen.
      Valerie stockte und ließ sich betreten wieder neben ihr nieder. Womit sie einen triumphierenden Gegenschlag einstecken musste. „Yeah, dacht' ich mir. Willst du wirklich mit sowas anfangen?“
      „Ja“, kam es stur von ihrer Freundin.
      Es dauerte einen Moment bis Anya fragte: „Warum?“
      „Alles andere wurde mir durch Marc verbaut. Meinen Studienplatz habe ich zwar freiwillig aufgegeben, aber die Scham, dort noch einmal aufzutauchen, vielleicht noch auf Marc zu treffen, könnte ich nicht ertragen.“ Valerie schloss die Augen. „Und mein Traum, Profiduellantin zu werden, nun, darüber haben wir ja schon geredet.“
      Anya aber schüttelte nur ungläubig den Kopf. „Und da muss es jetzt ausgerechnet ein Job als Dämonenjägerin sein? Hast du Todessehnsucht? Und darf ich nebenbei anmerken, wie heuchlerisch es ist, -mich- dann für deinen Beinahe-Flugzeugabsturz verantwortlich zu machen, wenn du sowieso auf sowas zu stehen scheinst!?“
      „Es passt zu mir. Anya, ich habe mir diesen 'Beruf' immer als etwas vorgestellt, das all jenen vorbehalten ist, die keinen anderen Ausweg haben. Vielleicht kann ich damit Menschen helfen, die sich selber nicht helfen können.“
      „Da gibt es genug andere Alternativen. Und was du da laberst ist Dünnschiss. Kannst du einen Dämonen denn kaltblütig vernichten wenn du musst?“
      „Wenn sie böse sind, ja“, kam es fast schon schmerzhaft naiv zurück.
      „Und wenn sie es nicht sind? Hat dich das vergangene Jahr nicht gelehrt, dass das manchmal nicht so einfach ist?“ Anya verschränkte die Arme voreinander. „Denk an Abby oder Levrier.“
      Valerie stöhnte: „Ich weiß, aber es gibt auch andere.“
      „Und mit denen wirst du dann fertig oder was?“
      „N-nein, ich möchte Matt nur ein wenig helfen-“
      „Wie denn? Du bist ihm wahrscheinlich mehr im Weg als alles andere.“
      Da hob Valerie plötzlich ihre Stimme. „Anya, ich weiß deine Sorge um mich zu schätzen, aber ich habe mich entschieden.“
      Um das zu verdeutlichen, erhob sich die Schwarzhaarige. Sich zu Anya umdrehend, sagte sie wieder in normaler Lautstärke: „Tut mir leid. Mir ist das sehr wichtig.“
      Anya erwiderte verstimmt: „Tu was du nicht lassen kannst.“

      Redfield war zu weich. Und Anya zu stolz, sich noch weiter in die Angelegenheit reinzuknien, immerhin war sie nicht ihre Mutter. Die blöde Kuh würde noch schnell genug auf den Trichter kommen, dass jene Welt nichts für sie war.

      „Ich muss jetzt weiter nach Zoey suchen. Falls du irgendetwas hörst, meld' dich bei meiner Mutter“, brummte Anya unzufrieden.
      Sie rutschte vom Hocker und schritt einfach von dannen, ohne sich von Valerie zu verabschieden.
      „O-okay, bye …“
      Im Weggehen schwor sie sich, dass das Erste, was sie tun würde wenn sie ihre Cousine gefunden hatte, sich Summers ordentlich vorzunehmen!

      ~-~-~

      Anyas Suche führte sie schließlich in ein kleines Eiscafé am Stadtrand, das nicht weit von ihrem Zuhause entfernt lag. Früher hatte sie hier viel Zeit mit Zoey verbracht. Das zur Front offene Gebäude erlaubte einen Blick auf die Tische im Inneren. Rechts beim Eingang gab es einen kleinen Stand mit einer Auslage leckerer Eissorten, doch dafür interessierte sich Anya nicht.
      Ihr Blick lag vielmehr auf zwei Gästen ganz vorne, die sich grinsend einen großen Eisbecher teilten.
      Eines war ein rothaariges Mädchen, das Anya öfter gesehen hatte, als sie noch zur Schule gegangen war. Ihr gegenüber saß niemand Geringeres als Ernie Winter, die schmächtige, blonde Napfsülze vom Dienst und eines ihrer Lieblingsopfer.
      „Hey Winter“, rief sie und stampfte auf ihn zu.
      Der erschauderte und ließ vor Schreck glatt seinen Löffel klimpernd zu Boden gehen.
      „Hast du vielleicht Zoey gesehen?“
      Mechanisch drehte der junge Mann sich zu ihr um. „Z-z-zoey? W-wer ist das?“
      „Du weißt doch, Zoey Bauer, meine Cousine!“, schnaubte Anya, als sie vor ihm zu stehen kam. Die anderen Gäste guckten schon neugierig. „Blond, etwas aufbrausend, trägt selbst im Sommer einen Pullover …“
      „N-nein, i-ich habe niemandem gesehen, d-der so aussieht!“
      „Hmpf. War ja klar.“ Als Anya das sagte, hielt sich Ernie die Hände über den Kopf, als befürchtete er jeden Moment geschlagen zu werden. Aber das Mädchen ließ von ihm ab. „Na dann, viel Spaß noch mit deinem Date.“

      Abwinkend zog sie schon von dannen, da eilte der Verkäufer am Eisstand um jenen herum und rannte ihr hinterher. „Warte, bist du Anya Bauer?“
      Auf dem Bürgersteig angelangt, drehte die sich um. „Huh? Ja. Aber heute gibt’s keine Autogramme.“
      Der war wohl neu, wenn er sie nicht kannte. Schweinerei, hatte keiner diesen Typen darüber informiert, wer in Livington wirklich das Sagen hatte!?
      „Tut mir leid, dich belauscht zu haben“, fing der Schwarzhaarige an. „Du suchst nach einer blonden Frau?“
      Die Arme verschränkend, starrte Anya den Eisverkäufer fordernd an. „Ja.“
      „Hier ist vor vielleicht einer halben Stunde jemand vorbeikommen, der nach dir gefragt hat. Bis auf das mit dem Pullover passt die Beschreibung.“
      „Nach mir?“ Das Mädchen weitete die Augen. „Zoey?“
      „Sie hat ihren Namen nicht genannt, nur gefragt, wo du wohnst. Einer der Gäste wusste es und hat ihr die Adresse gegeben.“

      Das kann unmöglich Zoey Bauer gewesen sein. Sie kennt deine Adresse.

      Anya, die für einen kurzen Moment Hoffnung gewonnen hatte, stöhnte genervt. „Yeah. So viel zum Datenschutz, huh!?“
      Wahrscheinlich irgendein Fan oder so. Na ja, solange es kein Stalker war …
      Trotzdem, langsam hatte sie die Nase voll. Offensichtlich wollte ihre Cousine nicht gefunden werden. Vielleicht war sie schon längst aus der Stadt verschwunden, wie Anya es als Preis für ihren Sieg in ihrer blinden Wut verlangt hatte.
      Scheiße … wenn dem so war, konnten vermutlich wirklich nur noch die Cops helfen.

      ~-~-~

      Nach der erfolglosen Suche hatte Anya sich letztlich dazu entschieden, nachhause zurückzukehren und den Nachmittag damit zu verbringen, Pläne zu schmieden, was sie ihrer Cousine antun würde, wenn man diese erst gefunden hatte. Wobei ihre Großmutter da sicher auch schon eigene Ideen hatte, die sich bestimmt mit Anyas gut ergänzen würden.

      Nebenbei bemerkte die Blonde Claire, die draußen im Garten stand und … nichts tat. Einfach in die Ferne starrte.
      „Hey Roboburg“, rief sie über den hüfthohen Holzzaun hinweg, „was machst du da?“
      „Mir wurde gesagt, dass ich das Haus verlassen und atmen soll“, antwortete die mechanisch. Sie trug eine weiße Hose und ein gelbes Tanktop, durch das ihre muskulösen Arme unangenehm betont wurden.
      Anya verdrehte die Augen. „Yeah, ich kann mir denken, was die eigentliche Botschaft war …“
      Der Flohpelz hatte es ihr erklärt. Da Claires Emotionen unterdrückt wurden, folgte sie jeder Anweisung, die man ihr gab, ohne sie zu hinterfragen. Mit der Zeit würde der Pakt zwischen Nigel McPherson, ihrem Manager und gleichzeitig ein Dämon, gelockert werden, aber dies musste langsam geschehen, damit Claire nicht überfordert wurde und keinen Nervenzusammenbruch erlitt.
      „Na dann atme mal weiter“, zischte Anya grimmig, die der Weltmeisterin nie verzeihen würde, dass sie sich ihre Titel durch einen Pakt erschlichen hatte.

      Schnaufend trat sie gerade die weiße Gartentür auf, als sie ein lautes Brummen vernahm. Sie drehte sich um und sah nur noch einen riesigen Wohnwagen mit quietschenden Reifen vor ihrem Grundstück anhalten, gezogen von einem schwarzen Ford Fiesta. Und der stach mit seiner Graffiti-verschmierten Fassade derart ins Auge, dass Anya ihren Blick gar nicht abwenden konnte.
      Auch nicht, als die Fahrerin des Wagens ausstieg und grinsend zu ihr schritt. „Da komm ich ja genau zur rechten Zeit, Anya Bauer.“
      Jene machte große Augen, als die blonde Frau, vielleicht Ende Dreißig, ihr die Hand reichte. Die lange, wallende Mähne machte sicher so manches Mädchen neidisch. In zerschlissenen Jeans und schwarzem, trägerlosen Top gekleidet, machte sie jedoch trotzdem nicht viel her.
      „Äh, hi?“ Anya erwiderte die Geste nur zögerlich. „Ich kaufe nichts von Pennern.“
      „Ja, was auch immer“, ignorierte die Blonde die Abweisung unbeschwert.
      „Was wollen Sie?“
      Anya musste zugeben, dass der rechte Arm dieser Schrulle schon cool war, gab es doch keinen Flecken Haut dort, der nicht tätowiert war. Das Motiv war vom Unterarm zur Schulter ein Skelett, das seine knorrige Hand nach einem Engel ausstreckte, der genau das Gleiche tat. Um sie herum flatterten rote Rosenblätter.
      „Dich.“
      „Huh!?“
      „Aber wie ich sehe, war die Konkurrenz schneller.“ Die Frau bedachte Claire eines forschenden Blickes. „Dann wird McPherson sicher irgendwo in der Nähe sein.“
      Anya verstand nicht. „Erklärt mir mal einer, was hier los ist!?“
      „Cynthia Taslitz“, stellte jene sich vor. „Ich betreibe eine Agentur und fördere talentierte Duellanten auf ihrem Weg zum Profidasein. Und kurz gesagt: Ich hab' dich ausgesucht, um mein nächster Schützling zu werden.“

      Das Mädchen traute ihren Ohren kaum. Sie und ein Profidasein? Das konnte doch nur ein Witz sein! Das oder irgendjemand da oben hatte sie gehört, als sie sich bei Redfield war. Pft, als ob!
      „Sorry, aber den Bullshit kannst du mit jemand anderem abziehen!“, sprachs und drehte sich bereits um, aber diese Cynthia hielt sie an den Schultern fest.
      „Ich meins ernst“, protestierte die, „ich hätte dich schon viel früher kontaktiert, aber du warst nicht erreichbar.“
      Anya riss sich los. „Ich wurde ja auch von den Behörden von Ephemeria City festgehalten! Trotzdem, verarschen kann ich mich alleine!“
      Welcher halbwegs normale Mensch in diesem Business würde eine fluchende, mittelmäßig talentierte Duellantin wie sie managen wollen? Außerdem hatte sie im wahrsten Sinne des Wortes keine Zeit für sowas. Ihr Leben drohte bald vorbei zu sein, da konnte sie sich nicht auf irgendeinen Vertrag einlassen.
      „Ich glaub' dir kein Wort“, versuchte sie, diese Taslitz abzuwimmeln und machte eine verscheuchende Handgeste, „los, zieh' Leine.“
      „Man sieht es mir vielleicht nicht mehr an, aber ich war einst das, was sie jetzt ist“, entgegnete Cynthia ernst, nickte Claire zu, „die Duel Queen einer früheren Generation.“
      Und da wurde Anya schlagartig hellhörig. Auch sie wandte sich an die still da stehende Weltmeisterin. „Stimmt das?“
      „Mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% ist diese Frau Cynthia Taslitz, dreimalige Duel Monsters-Weltmeisterin“, kam die Antwort wie von einem Roboter.

      Was machte eine ehemalige Duel Queen hier!? Anya wusste nicht, was sie davon halten sollte. Der Name Taslitz kam ihr zwar irgendwie bekannt vor, aber sie konnte sich nicht daran erinnern, ihn jemals mit einer Duel Queen in Verbindung gehört zu haben. Und es war sicher schon lange her, dass sie ihn gehört hatte.

      „Lass mich nicht betteln“, tat Cynthia dies schon längst und grinste, „gib' mir eine Chance.“
      „Angenommen das stimmt alles“, murrte Anya und verschränkte die Arme. „Wieso ich?“
      „Weil du ein ungeschliffenes Juwel bist. Eines, das vielleicht nicht jeder auf Anhieb erkennt“, entgegnete die Blonde und es klang aufrichtig, „aber wahrscheinlich bist du schon bei McPherson unter Vertrag.“
      Anya sah herüber zu Claire, die der Grund für diese Annahme sein musste. „Nope, die ist hier nur zu Besuch. Aber …“
      Sie schüttelte den Kopf. „… ich habe keine Zeit für eine Karriere als Profiduellantin. Außerdem gibt es bestimmt andere, die besser sind als ich. Nichts für ungut.“

      Warum sagte sie so etwas, fragte sich Anya innerlich aufgewühlt. Das waren nicht ihre wahren Gefühle. Ihr Herz klopfte schnell, sie spürte die Gänsehaut und wollte vor Glück am liebsten schreien. Wenn diese Cynthia es wirklich ernst meinte, dann könnte ihr Traum endlich in Erfüllung gehen.
      Aber die Angst, was bald mit ihr geschehen könne, lähmte sie regelrecht.

      „Du nimmst an einem Turnier teil, das dir die Pforten in die Profiliga ermöglicht und weist dann einen potentiellen Wohltäter ab?“ Cynthia rieb sich den Hinterkopf. „Du bist nicht ganz dicht, weißt du das?“
      Anya senkte ihren Kopf. „Yeah …“
      „Denk nicht, dass ich das so einfach hinnehmen werde.“
      Als sie aufsah, konnte sie sofort das Feuer in den grauen Augen ihres Gegenübers erkennen.
      „Jeder, der halbwegs Ahnung von der Psyche eines Menschen hat sieht, dass du nicht wirklich glaubst, was du da sagst.“ Cynthia hob den linken Arm, an dem eine silberne Duel Disk befestigt war, deren Spielfläche anders als bei Battle City-Modellen jedoch nicht geknickt, sondern gerade geformt war. „Also warum klären wir das nicht auf die einzige Art und Weise, die dafür angemessen ist?“
      „Huh!?“
      „Duelliere dich mit mir. Wenn du gewinnst, lasse ich dich in Ruhe. Verlierst du, werde ich dir beibringen, wie du nächstes Mal nicht mehr verlierst.“ Die tätowierte Blonde grinste keck. „Egal, wie lange es dauert. Und ich werde dafür auch weder eine Bezahlung, noch irgendeinen anderen Gefallen verlangen. Du siehst: Einen besseren Grund, freiwillig zu verlieren, gibt es nicht.“

      Das konnte nicht ihr Ernst sein. Irgendwo musst es einen Haken geben. Wahrscheinlich war sie irgendeine Hochstaplerin, die sich als diese Taslitz ausgab und Anya ausnutzen wollte. Oder sie war es wirklich und wollte sich an ihr bereichern.
      Egal was es war, Anya schwor sich, dem Drang zu widerstehen, einfach nachzugeben.
      Ein halbtotes Mädchen brauchte keine Karriere als Profiduellantin mehr beginnen. Falls die Undying es schafften sie zu retten, dann vielleicht. Aber nicht jetzt, nicht heute!

      „Unter einer Bedingung“, hielt Anya deshalb dagegen. „Nur, wenn ich dich auf nächstes Jahr vertrösten kann.“
      „Nein“, schoss es aus Cynthia wie aus einer Pistole, „das geht nicht.“
      Skeptisch wollte Anya wissen: „Wieso?“
      „Viele Gründe. Jetzt ist der beste Zeitpunkt. Glaub' mir.“
      „Tch. Fein.“ Anya schloss die Augen und ging voraus Richtung Straße, doch nicht ohne ihre Kontrahentin dabei bewusst anzurempeln. „Dann streng' dich mal an, ehemalige Duel Queen.“
      Jene sah ihr hinterher, grinste wieder. „Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, dann treibt man es mir nur schwer wieder aus. Du solltest dir Mühe geben, Anya.“

      Kurz darauf standen die beiden Frauen auf der Straße mit einigem Abstand und bereits aktivierten Duel Disks einander gegenüber. Anya hatte Claire aufgefordert, ihr zu folgen, weshalb jene wie ein Schatten hinter ihr stand. Hätte sie doch bloß nichts gesagt …
      „Ist sie stark?“
      „Ihre letzte gemessene Siegesquote betrug 96,1%.“
      „Eine Duel Queen gewinnt immer. Also schon mal die erste Lüge“, sprach Anya an ihre Gegnerin gewandt.
      Doch die winkte kichernd ab. „Ach na ja, ein paar Mal habe ich es vergeigt. Kann ja nicht jeder perfekt wie deine Freundin sein.“
      Ihr Blick verhärtete sich, als sie Claire ins Visier nahm. Sie wurde ernst. „Aber was ich sagte ist trotzdem wahr. Innerhalb von drei Jahren war es niemandem gelungen, mich in offiziellen Duellen zu besiegen. Private Duelle sind eine andere Geschichte. Nichtsdestotrotz wurde ich als die erste Duel Queen gefeiert. Mir hat das nichts bedeutet, aber die Leute haben einen richtigen Elefanten aus der Sache gemacht.“
      „Ich … will keine Duel Queen mehr sein“, erwiderte Anya kühl.

      Nicht wenn es bedeutete, wie Claire seine Seele zu verkaufen. Oder eine Illusion aufrecht erhalten zu müssen, wie diese Frau es offensichtlich damals getan hatte. Eine Duel Queen war unbesiegbar und weil das so war, konnte es so jemanden doch gar nicht geben. Jeder verlor irgendwann einmal, es sei denn, irgendwelche höheren Mächte waren im Spiel.
      Anya ballte eine Faust. Das war doch alles Bullshit! Sie sollte aufhören, sich selbst zu belügen und gar nicht erst von so etwas träumen. Vielleicht halfen diese Gedanken ihr auch dabei, dieses Angebot überhaupt gar nicht erst in Erwägung zu ziehen.

      „Wenn dann alles geklärt ist, sollten wir beginnen“, sprach Cynthia.
      „Yeah …“
      Und die Zwei schrien synchron: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Cynthia: 4000LP]

      Beide zogen ihr Startblatt auf. Obwohl Anya überhaupt nicht danach war, sich mit diesem Weib zu duellieren, hatte deren Gelaber sie trotz allem neugierig gemacht. „Eine Duel Queen einer anderen Generation? Pft!“
      Anya hatte ein ungutes Gefühl. Der Name kam ihr tatsächlich bekannt vor. Doch sie konnte sich nicht mehr entsinnen woher.
      „Wie oft noch, ich lüge dich nicht an“, lächelte Cynthia herausfordernd zurück und nickte Richtung Claire, die regungslos an Anyas Seite verharrt, „ich habe mit der da nichts mehr zu tun gehabt, aber eins kannst du wissen: Damals war alles besser.“
      Und es funkelte dabei in den Augen der tätowierten Blonden. So sehnsüchtig, dass Anya ihr schlussendlich glaubte, obwohl es neben Claires Aussage keinerlei Beweise für ihre Behauptungen gab. Diese Person ihr gegenüber war einst eine unbesiegte Duellantin gewesen. Betonung auf 'war'.
      „Mal sehen, was Ihre Majestät so drauf hat. Ich fang an“, bellte Anya, nun doch ihrem üblichen Kampfeseifer verfallen und nahm zwei Karten aus ihren Blatt, „das hier ist erst nach deiner Zeit entstanden: Ich aktiviere [Gem-Knight Tiger's Eye] mit dem Pendelbereich 2 und [Gem-Eyes Value Dragon] mit dem Wert 5. Pendulum Scales set!“
      Neben dem Mädchen schossen zwei Lichtsäulen aus dem Boden. Die von ihr aus gesehen Linke hievte einen Ritter in gold-schwarz gestreifter Rüstung empor, dessen Helm in seiner dreieckigen Form entfernt an einen Tigerkopf erinnerte und welcher eine Peitsche schwang. Dagegen stieg in der anderen ein roter Drache in goldener Panzerung auf, deren drei langen Tragflächen an jeder Seite seine Flügel ersetzten. An den Seiten seines Helms befanden sich Drehscheiben mit verschiedenfarbigen, durchsichtigen Platten darin.

      <2> Anyas Pendelbereich <5>

      Wie es nur eine Duel Queen konnte, verschränkte Cynthia die Arme und beobachtete das Ganze analytisch. Inzwischen gab es die Pendelmonster ungefähr einen Monat, erkannte Anya, womit sie für die Wenigsten noch vollkommen neu waren. Also schon gar nicht für jemanden wie die. Trotzdem würde sie ihr blaues Wunder erleben!
      „Jetzt kann ich Monster von meiner Hand beschwören, deren Stufe zwischen den beiden Pendelwerten liegen!“ Anya zückte zwei Monster aus ihrer Hand. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihr öffnete sich ein riesiges Portal, umgeben von zahlreichen Lichtellipsen. Aus ihm schossen zwei rote Lichtstrahlen. „Aus meiner Hand: [Gem-Knight Jasper] und [Gem-Knight Malachite]! Pendulum Summon!“
      Beide schlugen vor Anya ein und keinen Moment später standen vor ihr ein Hüne in rot-schwarzer Rüstung mit langer Hellebarde in der Hand sowie ein grün-blau schimmernder Ritter, der sich eines langen Stabs bediente.

      Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>]

      „Diese beiden hier machen sich besonders gut als Fusionsmaterialien.“ Anya zückte ihre letzte Handkarte. „Da mir aber meine Lieblingszauberkarte dazu noch fehlt, suche ich sie mit dieser hier: [Absorb Fusion]! Damit erhalte ich eine Gem-Knight-Karte von meinem Deck!“
      Um Anya herum entstanden diverse Edelsteine verschiedenster Arten, Farben und Formen, die allesamt zu ihr herangezogen wurden und sich vor dem Mädchen sammelten. „Ich wähle [Gem-Knight Fusion]!“
      Aus deren neuer Duel Disk schob sich die benannte Karte, die Anya zwischen Mittel- und Zeigefinger aufnahm, was dazu führte, dass die Klunker um sie herum zerbarsten.
      „Hier, eine erste Kostprobe, ich aktiviere [Gem-Knight Fusion]!“, feixte sie und zeigte den Zauber vor. Über ihr öffnete sich ein Vortex, der immer neue, aus dem Nichts entstehende Edelsteine in sich aufsog. „[Gem-Knight Malachite], du bist das Element, [Gem-Knight Jasper], du der Ursprung! Vereinigt eure Kräfte!“
      Auch ihre beiden Ritter auf dem Feld wurden in den Wirbel hineingezogen. Ein greller Lichtblitz schloss den Prozess schließlich ab. „Fusion Summon! Für's Erste beschützt -du- mich, [Gem-Knight Amethyst]!“
      Über ihr machte das neue Monster einen Satz aus dem Strom heraus und landete kniend zu ihren Füßen. Es war ein Ritter von violetter Farbe, um dessen Schultern ein langer, blauer Umhang hing. Er schützte sich mit einem erhobenen Rundschild aus Eis und kreuzte über jenen eine lange, spitze Klinge, ebenfalls aus Eis, die aus seinem Handschuh wuchs.
      „Und da ich Pyrite und Malachite als Fusionsmaterialien benutzt hab, verstärkt Ersterer jetzt meinen Ritter, während Malachite mich eine Karte ziehen lässt.“
      Während Anya aufzog, begann Amethyst in roter Aura aufzuleuchten. Außerdem öffnete sich das Pendelportal erneut und sog zwei rote Lichtstrahlen in sich auf, die von Anyas schwarzer Duel Disk ausgingen.

      Gem-Knight Amethyst [ATK/1950 → 2550 DEF/2450 → 3050 (7)]

      Anya betrachtete ihre letzte Handkarte, die sicher noch ganz praktisch werden konnte. Das würde noch lustig werden. Voller bitterböser Zuversicht verkündete sie: „Zug beendet!“

      Es war diese unbekümmerte, gar verspielte Art ihrer Gegnerin, die Anya zur Vorsicht mahnte. Als Cynthia zog, tat sie dies mit einem herausfordernden Lächeln.
      „Ich setze ein Monster plus zwei weitere Karten. Ihre Majestät hat fertig“, gluckste sie, als erst eine horizontal positionierte Karte sowie zwei dahinter liegende vor ihr auftauchten.
      „Langweilig“, murrte Anya großmäulig. „Kommst wohl an der Verteidigung meines Amethyst nicht vorbei, was?“
      Da hatte sich die Jüngere insgeheim deutlich mehr erhofft. Andererseits war Roboburg auch eine defensive Duellantin. Und definitiv keine Duel Queen, weshalb sie den Vergleich sofort wieder aus ihrem Kopf verbannte. Tch!
      „Du gehst mir auf die Nerven, Roboburg. Rück mir nicht so auf die Pelle“, knurrte sie der Blonden hinter sich zu, ohne sich umzudrehen.
      Jene erwiderte: „Verstanden.“

      „Mein Zug, Draw!“ Es kribbelte in Anyas Händen. Wenn das wirklich eine frühere Duel Queen war, und sie sie besiegte, würde sie dieses Konzept in ihrem Kopf endgültig zerschlagen. Dann brauchte sie diesen Traum gar nicht mehr.
      Sie starrte herüber zu Claire, die inzwischen zu ihrer Linken vor dem Wohnwagen wie eine Salzsäule verharrte. Am liebsten würde sie sie ganz weg scheuchen. Doch nein, eigentlich war es passend, dass sie hier war. So würde sie Zeugin werden, dass sie, Anya Bauer, mit fair spielenden Gegnern durchaus fertig wurde. Und das Mädchen ignorierte in diesem Augenblick gekonnt, dass die Weltmeisterin wohl noch gar nicht in der Lage war, solche Eindrücke festzuhalten.
      „Ich wechsle Amethyst in den Angriffsmodus!“
      Jener erhob sich aus seiner Hocke.

      Gem-Knight Amethyst [ATK/2550 DEF/3050 (7)]

      „Und jetzt schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum“, kopierte Anya den Beschwörungsspruch ihres Freundes Othello erneut, „Pendulum Summon! Aus meinem Extradeck kommen [Gem-Knight Jasper] und [Gem-Knight Malachite]!“
      Über ihr öffnete sich das Pendelportal und stieß wie in der Runde zuvor zwei rote Lichtstrahlen aus, die vor Anya einschlugen und die Form der Ritter mit der Hellebarde und dem Stab annahmen.

      Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>]

      Zu dumm, dass sie die [Gem-Knight Fusion] in ihrem Friedhof nicht recyclen konnte, um eine neue Fusion zu starten, da ihr noch die Ressourcen dazu fehlten. Aber bei genauer Betrachtung war das gar nicht nötig. Anya besaß ein Monster, mit dessen Hilfe sie das Duell noch in diesem Zug gewinnen konnte!
      „Ich errichte das Overlay Network“, rief sie und streckte den Arm aus. Vor ihr öffnete sich ein Schwarzes Loch. „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Die beiden Neuankömmlinge verwandelten sich in braune Lichtstrahlen, die von dem Vortex absorbiert wurden. Eine Explosion in dessen Inneren folgte. „Xyz Summon! Krall' sie dir, [Kachi Kochi Dragon]!“
      Aus dem Sog brach ein Drachenkopf, der ganz mit silbernem Kristall besetzt war. Jener lauerte unterhalb der Erde und zeigte nur den Rücken und die Klauen. Dabei kreisten zwei Lichtsphären um ihn.

      Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 DEF/1300 {2} OLU: 2]

      Sofort schwang Anya in ihrem Ehrgeiz den Arm aus. „Los, [Kachi Kochi Dragon], greif' das verdeckte Monster an! Primo Sciopero!“
      Kreischend brach der Kristalldrache aus dem Boden, flog über das Feld und zielte mit ausgestreckter Pranke Cynthias gesetztes Monster an. Jenes stieg aus seiner Karte empor und entpuppte sich als roter Drache, dessen Gesicht von einer weißen Maske bedeckt war. Und jene war es, die beim Hieb Kachi Kochis zu Bruch ging.
      „Hah! Wenn er ein Monster zerstört, kann er im Austausch gegen eine Overlay Unit gleich nochmal angreifen.“
      Da ergriff die ehemalige Duel Queen wieder das Wort. „Das würde ich mir zweimal überlegen. Was du da zerstört hast, war schließlich [Unmasked Dragon].“

      Unmasked Dragon [ATK/1400 DEF/1100 (3)]

      „Huh!?“
      Jetzt erkannte Anya erst, dass ebenjener noch auf dem Feld war. Die letzten Reste seiner Maske bröckelten ab und entpuppten ein fürchterliches, vipernartiges Gesicht, das irgendwie seltsam transparent war. Der Drache wurde immer durchsichtiger, bis er gänzlich verschwand.
      „Wenn der im Kampf besiegt wird, kann er ein Monster mit 1500 oder weniger Verteidigung von meinem Deck beschwören“, erklärte Cynthia weiter und zuckte freudig mit den Mundwinkeln, „es muss nur vom Typ Wyrm sein.“
      Anya traute ihren Ohren kaum. „Was'n das?“
      „Sieh' selbst! Erscheine, [Metaphys Armed Dragon]!“
      Und wie aus dem Nichts tauchte an der Stelle, wo der rote Drache verschwunden war, ein riesiger, hellgrauer auf. Auch er war durchsichtig. Zwar besaß er keine Flügel, dafür aber goldene Klingen an den Schultern und einen langen Schweif.

      Metaphys Armed Dragon [ATK/2800 DEF/1000 (7)]

      „D-das ist doch eine von Dads alten Karten!“, stammelte Anya perplex.
      Moment! Konnte diese Frau etwa seine Gegnerin aus dem Battle City-Finale sein!?
      Cynthia indes sah stolz auf ihre Duel Disk. Die Karte darauf hatte einen gelben Rahmen. „Nein, das ist ein Wyrm-Monster. Viele wissen nichts von diesem Monstertyp, da solche Karten nicht frei verkäuflich sind.“
      „Nie davon gehört“, gestand Anya verblüfft. Und es war erstaunlich, dass sie diese Geschichte tatsächlich glaubte, wie sie sich selbst gegenüber zugeben musste. „Wo bekommt man die her?“
      Die tätowierte Blonde sah grinsend auf. „Sei erfolgreich, gewinn' ein paar Turniere und vielleicht vertraut man dir irgendwann ein oder zwei Karten an. Ich könnte dir dabei helfen.“
      „K-kein Interesse!“, stellte Anya giftig klar und das war so gelogen, dass sie es selbst kaum glauben konnte. „Los, [Kachi Kochi Dragon], komm zurück!“
      Besagter Drache flog unverrichteter Dinge zu ihr zurück und verkroch sich wieder im Asphalt, wo nur noch sein Haupt hervorragte. „Zug beendet!“

      Als Cynthia aufzog, grinste sie breit. „Der hat dich aus der Bahn geworfen, was? Ja, ich bin schon ein bisschen stolz drauf. Er war meine erste Wyrm-Karte.“
      „D-du hast noch mehr!?“ Anya weitete die Augen.

      Wie kannst du das infrage stellen? Sie galt lange Zeit als unbesiegt, Anya Bauer.

      Musste Levrier sich mal wieder im ungünstigsten Zeitpunkt einmischen, ärgerte sich jene wütend. Aber Recht hatte er, wer damals so erfolgreich war, wurde mit diesen Dingern wahrscheinlich zugeworfen.
      „Tch. Auch wenn sie einen anderen Typen haben, heißt das nicht, dass sie unbesiegbar sind!“
      „Da stimme ich dir zu.“ Trotzdem grinste die ehemalige Duel Queen immer noch. „Aber sie haben ein paar fiese Überraschungen parat. Sieh dir den an! Erscheine, [Night Dragolich]!“
      Die Erde erzitterte, oder zumindest simulierten die Hologrammdrohnen einen vergleichbaren Effekt, als eine dürre, lange Gestalt aus dem Asphalt brach. Das Skelett eines Drachen, das bläulich leuchtete, erhob sich vor Cynthia und überragte sie.

      Night Dragolich [ATK/1700 DEF/0 (4)]

      Plötzlich begannen auch von Anyas beiden Monstern blaue Lichter auszugehen, die wie dünner Nebel um sie waberten und durch die leeren Augenhöhlen des Skelettdrachen eingesaugt wurden.
      „W-was ist das!?“
      „Der Effekt meines [Night Dragolichs]. Alle Nicht-Wyrm-Monster, die von deinem Deck oder Extradeck spezialbeschworen wurden, werden sofort in die Verteidigungsposition gewechselt und verlieren all ihre originalen Verteidigungspunkte.“
      Anya weitete die Augen. „So ein Scheiß!“
      Sie sah hilflos mit an, wie die Seelen ihres Ritters und Kristalldrachens von deren geisterhaften Widersacher absorbiert wurden. Wie Puppen fielen sie in sich zusammen.

      Gem-Knight Amethyst [ATK/2550 DEF/3050 → 600 (7)]
      Kachi Kochi Dragon [ATK/2100 DEF/1300 → 0 {2} OLU: 2]

      „Ist aber nicht so, als ob sie noch lange leiden würden. Denn die Königin befiehlt: Ab mit den Köpfen! Verdeckte Falle, [Tragedy]!“ Cynthia betätigte den Kopf an ihrer Duel Disk mit einer wischenden Bewegung. Aus dem Himmel schossen scharfe Guillotinen, die genau das taten, was die Blonde angekündigt hatte – Anyas Monster enthaupten.
      Die fühlte sich wie im falschen Film. So war es ihre Gegnerin, die das Wort ergriff. „Wenn eines deiner Monster in Verteidigung wechselt, zerstört diese Falle sofort all deine Monster in Verteidigungsposition.“
      Anya ballte eine Faust. „Ach ja!? Dann sieh zu, was Amethyst bei seinem Ableben bewirkt!“
      Aus dem Nichts schoss ein langer Eisspeer in Cynthias andere, gesetzte Karte und durchbohrte sie, woraufhin sie sich auflöste. Cynthias Duel Disk warf sie aus. „Alle deine gesetzten Zauber und Fallen kehren auf deine Hand zurück!“
      „Gut für dich“, erwiderte die junge Frau mit einem schelmischen Grinsen und nahm die Karte aus dem Apparat, hielt sie demonstrativ hoch, „denn hiermit hätte ich das Duell noch in diesem Zug entschieden.“
      Warte, dachte Anya da erschrocken. Wieso ging die Kuh davon aus, dass sie nur mit jener Karte hätte gewinnen können, wenn ihr Feld leer war und die Angriffspunkte ihrer Monster für einen fatalen Doppelangriff schon jetzt ausreichten? Wusste sie etwa von-!?
      „Dann setze ich sie mal wieder.“ Gesagt, getan, die Falle materialisierte sich wieder vor den Füßen der tätowierten Rockerbraut, wenn man sie so nennen konnte. „Da du es nicht weißt, erkläre ich es dir. Wyrm-Monster, zumindest die meisten, sind keine Drachen mehr. Sondern nur noch Phantome, Illusionen, Träume.“
      Ihr Blick gewann etwas Trauriges, was Anya nicht verborgen blieb. Ungewollt rutschten ihr ein paar merkwürdige Worte heraus: „So als gäbe es sie gar nicht.“
      „Ja.“ Für einen Moment schwieg die Frau. Dann sagte sie wieder keck: „Aber wenn sie zuschlagen, tut das trotzdem weh! Kostprobe gefällig? Natürlich, wieso frag ich!? Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte, [Metaphys Armed Dragon]! Ghost Punisher!“
      Der halb transparente, schwer bewaffnete Drache brüllte auf und schleuderte von seinen Schulterblättern die scharfe Klingen, welche durch Anya einfach hindurch glitten.

      [Anya: 4000LP → 1200LP / Cynthia: 4000LP]

      Unbemerkt von den beiden gab es vom Wohnzimmerfenster der Bauers zwei Beobachter, die das Gesehene ganz unterschiedlich aufnahmen.
      „Passiert das hier gerade wirklich?“, fragte Matt und drückte sein Gesicht gegen die Scheibe. „Sie ist es, oder?“
      „Also ich habe Bilder von ihr gesehen, die dagegen sprechen“, gluckste Zanthe neben ihm und zuckte mit den Schultern. „Aber ich schätze, Menschen verändern sich mit der Zeit. Manche optisch, andere innerlich.“
      „Soll ich sie nach einem Autogramm fragen!?“, reckte Matt den Kopf in seine Richtung.
      Der Dämonenjäger war mit den Duellen der ehemaligen Königin groß geworden. Als sie ihre Karriere vor einigen Jahren dann beendet hatte, war sein Interesse an der Profiszene mit einem Mal verschwunden gewesen.
      „Tu, was du nicht lassen kannst. Aber wenn sie eine Hochstaplerin ist, unterstützt du sie bloß.“
      Matt sah seinen Freund verständnislos an. „Wieso sollte sie lügen?“
      „Du bist genauso naiv wie Anya, weißt du das?“ Der Werwolf rollte mit den Augen und deutete auf die Tätowierte. „Ist dir klar, wie leicht man solche wie euch ausnutzen kann? Wie der Sammler dich ausnutzen wollte?“
      Sofort war Matt still.

      Auf dem Weg zurück nach Livington hatte er seinen Freunden die ganze Geschichte offenbart. Dass der Sammler von ihm gefordert hatte, Anya bei ihrer Mission zu unterstützen. Nur deswegen hatte er seiner Sandkastenfreundin Tara Hartwell geholfen, als diese im Sterben lag. Deren Körper hatte die Immaterielle Urila missbraucht, um 'den wahren Feind' zur Erde zu locken – erfolglos, zum Glück.
      Demnach hatte der Sammler schon damals alles geplant gehabt und Matt war noch vor allen anderen Teil davon gewesen. Zu jedermanns Erstaunen jedoch hatte Anya das gar nicht weiter gejuckt, denn zu diesem Zeitpunkt war ihr Schicksal bereits besiegelt gewesen – der Sammler hatte längst ihre Lebenskraft an sich gerissen. Und letztlich war sie Matt, unabhängig von dessen Beweggründen, auch dankbar für seine Hilfe.
      Was er ihnen jedoch vorenthielt war die Tatsache, dass er schon seit einiger Zeit nicht mehr 'allein' war. Einzig Valerie schien es zu ahnen, aber direkt darauf angesprochen hatte sie ihn bisher nicht.

      „Sorry“, meinte Zanthe, als sein Freund den Kopf senkte, „so war das nicht gemeint. Ich … möchte nur nicht, dass sie an jemanden gerät, der ein falsches Spiel mit ihr treibt. Davon gibt es schon genug, findest du nicht?“
      „Ja …“
      Als das immer noch nicht half, klatschte der Werwolf dem jungen Mann im schwarzen Mantel fest auf den Rücken. „Eigentlich sollten -wir- diejenigen sein, die die Lage ausnutzen, stimmt's?“
      „W-was?“
      „Ich meine, das ist doch ein Bild für die Ewigkeit: Drei Königinnen, vereint. Die vorherige, die gegenwärtige und die, ahem, eventuell zukünftige Duel Queen. Kennt jemand eine Klatschkolumnistin, der man die Story verkaufen könnte?“
      Matt kniff die Augen zusammen. „Nein … Und jetzt auf einmal bist du dir sicher, dass sie doch Cynthia Taslitz ist? Diejenige, die Mercury als stärksten Duellanten in der Profiszene abgelöst hat?“
      „Ich sagte doch, Menschen verändern sich auf vielerlei Arten.“
      Der Dämonenjäger neben ihm pfiff. „Wow. Weshalb sie wohl hier ist?“
      „Sich ihren Titel zurückholen?“ Zanthe trat neben ihn dicht ans Fenster. „Wer weiß. Hättest du vorhin nicht so viel geschnattert und geschmachtet, hätte ich verstanden, was-“
      „Moment“, unterbrach Matt ihn da aber, „es gab nie ein Titelmatch zwischen Cynthia und Claire. Die beiden liegen zeitlich gesehen mehrere Jahr auseinander.“
      Zanthe zuckte mit den Schultern. „Trotzdem war es doch vorher ihr Titel? Zwischen den beiden gab es keine Queen oder einen King.“

      Er hätte jetzt natürlich Matt die Wahrheit sagen können und ihm eröffnen, dass Cynthia eigentlich hier war, um Anya zu coachen. Aber dann würden hier wahrscheinlich diverse Körperflüssigkeiten durch die Luft fliegen und darauf konnte Zanthe verzichten.
      Nachdenklich sagte er sich, dass Anya selbst erst akzeptieren musste, -dass- sie die Hilfe jener Frau benötigen würde. Und sich selbst klar machen, dass sie jene auch annehmen wollte. Aber dieses sture Biest würde nicht so leicht klein beigeben und der Werwolf konnte sich auch denken, warum sie sich so sehr dagegen strebte …

      Indes seufzte Cynthia und fasste sich an den Hinterkopf. „Wenn es das jetzt schon war, war das leider ziemlich einfach.“
      Während sie ein Auge geschlossen hielt, starrte das andere Anya herausfordernd an. „Mal sehen.“
      Sie nahm eine gerade Haltung an und befahl: „Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte, [Night Dragolich]!“
      Das Drachenskelett hob sein Haupt und feuerte aus den insgesamt vier Augenhöhlen gelbe Lichtstrahlen ab, die wie Scheinwerfer agierten und Anya ins Visier nahmen.
      „Tch, du weißt es doch längst!“ Das grimmige Mädchen schnippte mit dem Finger. „Hab nicht umsonst [Gem-Eyes Value Dragon] in meine Pendelzone gesetzt! Wenn ich bei einem direkten Angriff den Gem-Knight in der anderen Zone opfere, kann ich Gem-Eyes direkt von dort rufen!“
      Ihr Peitsche-schwingender Ritter löste sich in hellem Licht und unter stolzem Gebrüll seines monströsen Partners zusammen mit der Lichtsäule, in der er schwebte, auf. Gleichzeitig verschwand auch die andere und der mächtige, goldene Drache erschien direkt vor Anya, schirmte sie vor den Lichtstrahlen ab.

      Gem-Eyes Value Dragon [ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>]

      „Replay“, rief die ehemalige Duel Queen unbeeindruckt, „da du ein neues Monster kontrollierst, kann ich den Angriff abbrechen. Und gehe entsprechend direkt in meine Main Phase 2 über.“
      Entschlossen nahm sie eine Zauberkarte aus ihrem Blatt. „Ich hätte auch auf einen Angriff verzichten können, was bedeutet, dass du Gem-Eyes nicht hättest beschwören können, aber es ist nicht meine Art, Konfrontationen zu meiden.“
      Sie schob die Karte in ihre Duel Disk. „Stattdessen suche ich nach einem Weg, die Gefahr zu bezwingen. [Graceful Charity]!“
      Während über ihr ein weiblicher, dunkelblonder Engel in weißer Robe erschien und die Arme von sich ausbreitete, erwiderte Anya schnippisch: „Das macht doch jeder Duellant.“
      „Wirklich?“ Die Tätowierte zog drei Karten. „Wenn ich dich so ansehe, bezweifle ich das. Du siehst mir wie jemand aus, der vor etwas davon rennt.“
      „Pah, als ob!“
      Was bildete die sich eigentlich ein, fragte sich Anya ertappt, als sie zusah, wie ihre Gegnerin zwei Monsterkarten in den Friedhofsschlitz schob, eines mit gelbem Rand und eines mit orangefarbenem.
      „Ich kitzle schon noch aus dir heraus, wo der Schuh drückt“, zwinkerte Cynthia ihr zu. Dabei ließ sie ihre Spielfeldkartenzone ausfahren. „Solange kannst du dich an [Celestia] erfreuen, der alle Wyrm-Monster um 300 Punkte stärker macht!“
      Das ganze Spielfeld wurde in einen violett angehauchten Sternenhimmel getaucht. Über den Dächern der Vorstadt tauchte ein Gebilde auf, das wie der Trichter eines Wurmlochs aussah und scheinbar in eine ferne Galaxie führte.

      Metaphys Armed Dragon [ATK/2800 → 3100 DEF/1000 → 1300 (7)]
      Night Dragolich [ATK/1700 → 2000 DEF/0 → 300 (4)]

      Ugh, jetzt waren die Biester noch stärker! Anya schnaubte wütend.
      „Oh, -darum- geht es gar nicht“, schien ihr Gegenüber regelrecht ihre Gedanken zu lesen. „Willst du wissen was passiert, wenn man die Drachengeister wütend macht?“
      „Nein!“
      Als hätte sie das gar nicht gehört, erklärte Cynthia weiter: „Mit [Celestias] zweitem Effekt kann ich drei Wyrm-Monster von meinem Friedhof aus dem Spiel entfernen, um eine deiner Karten zu zerstören.“
      Drei Karten schoben sich daraufhin aus ihrem Friedhof hervor. Es waren der zuvor zerstörte [Unmasked Dragon] und, wie Anya erkannte, die beiden eben erst abgeworfenen Monster. Ihre Gegnerin zeigte sie vor, wodurch sie die Namen lesen konnte: [Mystery Shell Dragon], der Vanilla, und [Lindbloom], ein Stufe 4-Effektmonster mit 0 Angriffspunkten.
      Beide landeten in der Hosentasche der Älteren. Und keine Sekunde später kam ein derart greller Lichtstrahl aus dem Wurmloch am Himmel geschossen, dass Anya nur noch keuchen konnte. Wie ein Komet schlug dieser in ihren Drachen ein und ließ nichts mehr von ihm übrig.
      Damit war ihr Feld komplett leer gefegt, innerhalb eines einzigen Zuges und ohne viel Aufwand seitens ihrer Gegnerin. Jene nahm eine Karte aus ihrem Blatt und schob sie in ihre Duel Disk. So nahm sie zischend vor ihr Form an. „Ein zweites Mal kommst du nicht drum herum. Zug beendet!“

      „Mal sehen, ob sie da noch wieder rauskommt“, überlegte Zanthe am Wohnzimmerfenster.
      Matt gab sich pessimistisch. „Ich glaube nicht. Wenn jemand wie diese Frau so leicht zu besiegen wäre, hätte sie nicht jahrelang den Titel der Duel Queen innegehalten.“
      Der Werwolf nickte. „Und wer kratzt am Ende die Reste von Anyas Ego von der Straße? Ich oder du?“
      Beide sahen und schwiegen sich voller Inbrunst an.

      „Draw!“, fauchte das Mädchen aufgebracht und zog auf eine dritte Handkarte auf. Welche sich als sehr nützlich erwies. „[Gem-Trade]! Sofern eine Karte auf meinem Friedhof liegt, die Gem-Knights verschmelzen kann, lässt sie mich ein Gem-Knight-Fusionsmonster von dort verbannen. Und für jeden dritten Stufenstern, den er besitzt, kann ich dann eine Karte ziehen!“
      Tatsächlich hielt Anya sowohl [Gem-Knight Amethyst] der Stufe 7, ihren Signaturzauber [Gem-Knight Fusion] sowie [Gem-Knight Malachite] in die Höhe. Dann zog sie zwei Karten, schob die beiden Monster in die Verbannungszone unter ihrem Friedhof und fügte gleich noch ihren Fusionszauber durch seinen Effekt ihrer Hand hinzu.
      Womit sie auf ein stolzes Blatt von fünf Karten kam. Trotzdem sah die Lage übel aus.
      Solange sie diesen beknackten Skelettdrachen nicht wegbekam, konnte sie noch so viele starke Monster rufen – sie würden alle direkt in die Verteidigung gedreht und all ihrer Kräfte beraubt werden.
      Anya dachte angestrengt nach und betrachtete ihr Blatt. Wenn sie es -so- anstellte, dann würde sie gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen! Perfekt!
      „Hoffentlich funktioniert das“, murmelte sie leise.

      Ich ahne was du vorhast. Wäre dein Gegner irgendwer, würde es das bestimmt. Doch ich befürchte, das Cynthia Taslitz gewiss nicht 'irgendwer' ist-

      „Ich muss es zumindest versuchen!“, unterbrach Anya ihn gereizt.
      „Das ist die richtige Einstellung“, lobte ihre Gegnerin sie. „Wer es nicht versucht, hat schon verloren. Das gilt für alles im Leben.“
      „Hmpf.“ Anya schnappte sich eine Zauberkarte. „Ich aktiviere [Monster Reincarnation]!“
      Sie entledigte sich ihrer [Gem-Knight Fusion] und nahm sich stattdessen [Gem-Knight Jasper] von ihrem Friedhof, welcher dort als Overlay Unit von [Kachi Kochi Dragon] gelandet war.
      „Zuerst du“, knurrte sie und starrte dabei geradewegs den Skelettdrachen an. „[Forbidden Chalice]! Dieser Zauber negiert vorübergehend den Effekt eines Monsters und stärkt es um 400 Angriffspunkte!“
      Über dem Kopf des Ungetümes materialisierte sich ein goldener Kelch mit Wein darin, welcher sich nach vorne beugte und das Gesöff über [Night Dragolich] goss. Der Wein rann über die Knochen, durch die Augenhöhlen hindurch und gab dabei rote Entladungen von sich.

      Night Dragolich [ATK/2000 → 2400 DEF/300 (4)]

      Cynthia schmunzelte.
      „Und jetzt von meiner Hand [Gem-Knight Jasper] mit dem Pendelbereich 2 und [Gem-Knight Pyrite] mit dem Pendelbereich 8! Pendulum Scales set!“
      Neben ihr schossen zwei hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden. In der linken befand sich der rote Ritter mit der Hellebarde, in der rechten ein weißer mit mächtigen Rundschildhälften an den Armen und viereckigen, silbrigen Schulterplatten.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>

      Anya streckte entschlossen den Arm in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Aus meinem Extradeck beschwöre ich [Gem-Knight Tiger's Eye] und [Gem-Eyes Value Dragon]! Und von meiner Hand [Gem-Knight Garnet]! Pendulum Summon!“
      Drei rote Lichtstrahlen schossen nacheinander aus dem sich über ihr öffnenden Pendelportal. Sie schlugen vor ihr ein und nahmen die Formen des Peitsche-schwingenden Kriegers, des goldenen Drachens und einem Ritter in bronzener Rüstung, der in seiner Hand eine Flamme hielt, an.

      Gem-Knight Tiger's Eye [ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Eyes Value Dragon [ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>]
      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Da der Effekt deines Drachenlichs negiert wurde, kann er meine Monster nicht mehr in die Defensive zwingen“, raunte Anya und streckte den Arm aus. „Und jetzt lernst du die Besonderheit von Gem-Eyes kennen! Er kann seinen Typen wechseln und ich wähle Fels! Sight Transition!“
      Die vierfarbigen Scheiben an beiden Seiten des Helms ihres Drachens begannen damit sich rapide zu drehen. Sie hielten bei den grünen Segmenten, welche sich wie ein Visor um seine Augen legten. Grüne Energielinien zogen sich durch die goldene Rüstung, die drei Tragflächen, welche seine Flügel einhüllten, platzten auf und gaben knorrige, mit Edelsteinen besetzte Lederschwingen zu erkennen.
      „Und jetzt der Effekt, den er dadurch erhält! Ich kann sofort die Monster auf meinem Feld mit ihm fusionieren! Dazu kommt, dass er selbst trotz seines Namens ein Gem-Knight ist!“ Anya schwang den Arm aus. Über ihr öffnete sich ein blau-orangefarbener Vortex. „Emerald Perfection!“
      Der Drache und die beiden Ritter an seiner Seite wurden von dem Sog absorbiert. „Herz, Seele, Gefäß! Vereint euch zur reinsten aller Ritterinnen, deren Klinge jeden Hoffnungsstrahl zerteilt! Fusion Summon!“
      Der Wirbel verfärbte sich weiß und stieß zahllose Edelsteine aus. Zwischen ihnen schwebte majestätisch die neueste Ritterin in Anyas Deck herab, gekleidet in einer einfachen, beigefarbenen Rüstung, von deren spitzen Schulterplatten ein kurzer, roter Umhang flatterte. Elegant landete sie auf beiden Füßen vor Anya und zog ihr schlichtes Schwert aus der Scheide. Die Brillanten in ihrer Brustplatte funkelten dabei stärker als alle anderen Edelsteine vor ihnen.
      „Kämpfe für mich, [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond]!“, nannte die Blonde schließlich ihren Namen.

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 DEF/2000 (10)]

      Jene richtete die Klinge auf den feindlichen, riesigen Phantomdrachen und schoss kurzerhand einen Blitz auf ihn ab. Mit einem lauten Knall ging er unter. Anya gab ein fieses „Heh!“ von sich.
      „[Metaphys Armed Dragon] wurde zerstört“, murmelte Cynthia tonlos.
      „Na logisch!“ Die Jüngere schlug sich mit der Faust stolz gegen die Brust. „Wenn Tiger's Eye als Fusionsmaterial benutzt wird, killt er anschließend eine deiner Karten. Und jetzt Angriff-!“
      „Falle“, sprach Cynthia leise, aber selbst Anya entging nicht diese unterschwellige Drohung, die dabei von ihr ausging, „[Relieve Monster]. Sie lässt mich ein Monster von meinem Feld auf die Hand zurücknehmen, um es gegen eines mit gleicher Stufe von meinem Blatt auszutauschen.“
      Vor Anyas Augen löste sich der Skelettdrache auf. Warum tat sie das?
      Die Antwort sollte Anya nicht gefallen. Kaum hatte Cynthia [Night Dragolichs] Karte von ihrer Duel Disk genommen, legte sie sie sofort wieder darauf. „Es kann auch dasselbe Monster sein.“
      Sofort nahm der Drachenlich vor ihr wieder Gestalt an.

      Night Dragolich [ATK/1700 → 2000 DEF/0 → 300 (4)]

      „Huh!? Ah!“ Anya weitete die Augen.

      Da er das Feld verlassen hat, ist der Effekt deines [Forbidden Chalice] aufgehoben, Anya Bauer!

      Dünner Nebel begann plötzlich aus Lady Brilliant Diamond zu entfleuchen, welche in die Knie sackte. Ihre Seele wurde durch die Augenhöhlen ihres Widersachers eingesaugt. Anya blieb sprachlos.

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 DEF/2000 → 0 (10)]

      Das sich diese Karte nur bei einem Angriff aktivieren lässt, kann es nicht dieselbe sein, mit der sie dich letzte Runde besiegen wollte. Was hat das zu bedeuten?

      Anya war dies egal. Sie konnte nichts mehr tun.

      Auch ihre Gegnerin wusste dies und zog auf. Da grinste sie plötzlich wieder frech. „Übrigens sind nicht alle Monster in meinem Deck vom Typ Wyrm. Hier ist ein altes Überbleibsel meiner Profizeit: [Lancer Lindwurm]!“
      Sofort tauchte vor ihr ein smaragdgrüner Drachenkrieger mit goldener Brustpanzerung auf, der mit seiner namensgebenden Doppellanze bewaffnet war. „Angriff!“
      Wie ein Pfeil fegte er über das Feld. Aber Anya war noch nicht bereit aufzugeben. „Tch! Einen letzten Trumpf hab ich noch! Ich aktiviere den Effekt von [Gem-Knight Jasper] in meiner Pendelzone und schicke Lady Brilliant Diamond zurück ins Deck, um passende Fusionsmat- huh!?“
      Es geschah nichts. Anya sah hinauf zu ihrer Ritterin, die sich einfach nicht rühren wollte. „Warum!?“
      „Weil sich auf deinem Friedhof nicht genug Ziele befinden. Zwei der drei Fusionsmaterialien waren schließlich Pendelmonster, die ins Extradeck zurückgekehrt sind.“ Cynthia lachte. „Auf sowas musst du achten. Abgesehen davon fügt [Lancer Lindwurm] übrigens Durchschlagschaden zu, also selbst wenn du die Pendelmonster aus deinem Extradeck holen könntest, wären sie leichte Beute.“
      Anya weitete die Augen und sah mit an, wie der Drache seine Lanze durch ihre Ritterin bohrte, welche mit einem Schrei in tausende Partikel zersprang. Es war vorbei.

      [Anya: 1200LP → 0LP / Cynthia: 4000LP]

      Anya stand der Mund offen – sie erinnerte sich an das Battle City Finale von damals, bei dem ihr Vater verloren hatte. Gegen die! Es gab keinen Zweifel mehr, diese Frau war tatsächlich die ehemalige Duel Queen, Cynthia Taslitz. Dem Mädchen war es nicht einmal gelungen, auch nur einen Punkt Schaden zuzufügen. Schmerzliche Erinnerungen kamen auf, Erinnerungen an das Duell mit Claire, das sie niemals hatte gewinnen können. Ein Stück weit fühlte sich das hier genauso an, nur dass diesmal keine faulen Tricks im Spiel waren.
      Während Anya wie gelähmt an Ort und Stelle verharrte, verschwanden die Hologramme und die tätowierte Blonde ging grinsend auf sie zu.
      „Damit ist es entschieden“, sprach sie feierlich, „du bist ab heute mein Champion. Das Vertragliche regeln wir später.“
      Sie reichte Anya die Hand, doch jene rührte sich nicht.
      „Sag bloß, du willst dein Wort brechen?“, fragte Cynthia vorsichtig.
      „N-nein“, schrak das Mädchen aus ihrer Starre, „ich habe bloß keine Kohle, um dich zu bezahlen.“
      Und keine gescheite Lebensversicherung, die für den Ausfall einspringt, sollte sie nächsten Monat hopps gehen …
      „Darum mach dir keine Gedanken, ich streiche einfach das Geld ein, das du während deiner 'Ausbildung' verdienst“, zwinkerte ihr Gegenüber ihr neckisch zu.

      „Nur wenn ich die Hälfte abbekomme. Sonst gebe ich sie nicht her“, gluckste jemand aus der Ferne.
      Zanthe und Matt standen im Türrahmen. Ersterer grinste über beide Backen. „Nur ich weiß, wie man das Biest bändigt.“
      „Zieh' Leine!“, fauchte Anya wütend mit erhobener Faust. „Das hat nichts mit euch zu tun!“
      „Das war ein, uh, tolles Duell“, meinte Matt derweil, als die beiden am Wohnwagens vorbei schritten, der so unverblümt vor dem Garten der Bauers parkte.
      „Ja, Anya hat ganze drei Runden durchgehalten“, stichelte Zanthe, „in der Disziplin ist sie ganz gut. Wenn sie nur versuchen würde, auch mal zu gewinnen.“
      „Ha ha“, murrte Anya zerknirscht.
      Cynthia, die ihre Hand noch immer ausgestreckt hielt, lächelte das Mädchen sanft an. „Daran werden wir arbeiten müssen. Keine Sorge, das mit der Bezahlung war nur Spaß, ich verlange nur, dass du denselben Ehrgeiz an den Tag legst wie beim Legacy Cup.“
      Die grauen Augen der Frau funkelten wie Edelsteine. Aber Anya zögerte weiter. Sie konnte nicht. Sie konnte einfach nicht, verdammt!
      „Los, worauf wartest du?“, fragte Zanthe verständnislos.
      Matt stimmte ihm zu. „Ist dir nicht klar, was für eine Chance sich dir bietet?“

      Dein Traum könnte sich durch eine Zusammenarbeit mit dieser Frau erfüllen, Anya Bauer. Cynthia Taslitz erscheint mir aufrichtig.

      Anya zitterte.
      „Wenn nicht jetzt, wann sonst?“, wunderte sich der Dämonenjäger neben ihr.
      „Meine Güte“, zischte Zanthe und löste sich von ihm.
      Ehe Anya sich versah, umrundete sie der Werwolf, griff ihre rechte Hand und zog sie zu Cynthias, wodurch ein ungewollter Handschlag zustande kam. Dann nahm er das Mädchen mit seiner Linken in einen festen Schwitzkasten. „Muss man dich erst zu deinem Glück zwingen? Sie ist dabei!“
      An Cynthia gewandt, zwinkerte er dieser zu.

      „Wie sind Sie eigentlich auf Anya aufmerksam geworden?“, wollte Matt neugierig wissen und trat an zu den anderen beiden.
      „Durch den Legacy Cup. Davon abgesehen? Uh, sagen wir, ich mag Querulanten.“
      Die beiden verfielen in ein Gespräch über das Turnier. Keiner bemerkte Claire Rosenburgs mechanischen Blick, der auf die lachende, ehemalige Duel Queen gerichtet war.

      Anya hielt ihr Haupt gesenkt, während Zanthe sie losließ und sich an der Konversation beteiligte.
      „Danke …“, murmelte sie leise und auch wenn er nicht reagierte, hatte er es sicherlich gehört.
      Sie selbst hätte es nicht geschafft, ihre eigenen Zweifel zu überwinden. Aber dafür hatte sie wohl Freunde wie Zanthe. Ein heimliches Lächeln zierte kurz ihre Lippen, ehe sie aufsah. „Also bin ich jetzt wohl ein angehender Profi, huh?“
      „Davon kannst du ausgehen“, gluckste ihre neue Mentorin vergnügt, „und das Beste ist, dass ich nicht die geringste Absicht habe, deine Persönlichkeit einzudämmen. Im Gegenteil. Es ist Zeit, diese langweilige Liga aufzumischen.“
      Die beiden Blonden grinsten sich gegenseitig an. „Cool!“
      Langsam begann Anya eine gewisse Sympathie für diese Frau zu entwickeln. Zumindest wenn man bedachte, dass sie diejenige war, die ihren Vater ein großes Turnier gekostet hatte. Aber das war Schnee von gestern. Anya hatte ihre Pläne, Cynthias Anwesen anzuzünden – sollte sie überhaupt eins haben – schon vor Jahren aufgegeben, als andere Dinge ihre Aufmerksamkeit forderten.

      „Ach Matt“, wandte sich Zanthe da plötzlich schelmisch an den Dämonenjäger, „ist Valerie jetzt eigentlich out?“
      „W-wie bitte?“
      „Na ja, so wie du Miss Taslitz anstarrst …“
      Anya blinzelte verdutzt. „Huh?“
      Der Schwarzhaarige wurde knallrot im Gesicht, als er sich gegenüber der ehemaligen Duel Queen zu rechtfertigen versuchte. „Ä-ähm. D-das bildet er sich ein, ich starre Sie nicht an!“
      „Übrigens ist Matt in Valerie Redfield verliebt, falls es jemanden interessiert“, schnatterte Zanthe schamlos drauf los.
      „Was!?“, donnerten Anya und der Gehörnte synchron, während Cynthia losprustete.
      Mit sichtlicher Zurückhaltung murmelte Anya: „Ich glaub, das interessiert niemanden.“
      „Und es ist absolut nicht wahr!“
      Zanthe aber sah das anders: „Ach? Die ganze Zeit leierte er es wie eine kaputte Schallplatte runter. 'Oh Valerie, oh Valerie, der Schmerz in meinen Lenden weiß meinen Verstand zu verblenden.' und so. Und ja, du hast es nicht laut ausgesprochen, aber gedacht!“
      „Wie kommst du überhaupt ausgerechnet jetzt darauf!?“, fauchte Matt, röter als eine Tomate.
      „Entertainment?“ Dabei warf der Kopftuchträger einen prüfenden Blick auf Claire beim Wohnwagen, die aber wieder in die Leere zu starren schien. „Na ja, war ja nur ein Gedanke. Als wir mit dem Jagen der, ahem, ihr-wisst-schon-was anfingen habe ich noch gedacht, dass -ihr- beide irgendwann unweigerlich übereinander herfallen würdet.“
      Dabei deutete er mit dem Zeigefinger zwischen Anya und Matt hin und her. Cynthia gab einen erstaunten Laut von sich, grinste so breit, dass ihre Mundwinkel zu reißen drohten. „Ich bin keine Stunde hier und fühle mich schon wie zuhause. Perfekt!“
      „Da war diese Chemie zwischen euch, ihr habt zusammen schon viel durchgemacht, aber keiner hat den Stein zum Anstoßen gebracht.“, erläuterte Zanthe derweil weiter. Matt und Anya hingegen sahen sich verstimmt an. „Aber das hat sich inzwischen erledigt, wie es scheint. Bei Anya geht es seit Wochen nicht mehr voran mit ihrem Zwerg und Matt, vielleicht solltest du Valerie auch mal in die Augen sehen und nicht nur auf den Vorbau.“
      Zufrieden mit seinem Werk stemmte Zanthe die Hände in die Hüften und sah von Matt zu Anya und von der wieder zu Matt, während Cynthia in einen regelrechten Lachanfall verfiel. Aber zu seinem Bedauern regte sich die Person, von der er eigentlich eine Reaktion erhofft hatte, nicht im Geringsten. Claire stand nur da.

      Derweil flüsterte Anya Matt zu: „Du sorgst dafür, dass er nicht entkommt und ich sorge dafür, dass er in Zukunft nur noch mit seinem Hinterteil spricht.“
      Der Dämonenjäger nickt finsteren Blickes stumm.
      „Oh oh, Zeit, die Biege zu machen!“
      Lachend rannte Zanthe davon, während die beiden anderen ihn wie von der Tarantel gestochen verfolgten.
      „Bleib gefälligst hier, du elende Kackbratze!“
      „Hör' auf, solche Gerüchte in die Welt zu setzen!“
      Cynthia sah den Dreien belustigt hinterher, wie sie durch die Nachbarschaft über Zäune und Gärten hetzten, kreuz und quer. „Da habe ich mich ja auf etwas eingelassen …“
      Dann sah sie aus den Augenwinkeln zu Claire, die sie wieder anstarrte. Ihr Ton wurde schlagartig ernst. „Und was geht in deinem Kopf vor sich?“

      ~-~-~

      Wütend stampfte Anya die Treppe hoch, polterte in ihr Zimmer und knallte die Tür hinter sich zu.
      Dieser Depp von Flohpelz! Wie konnte er es wagen, sie derart vor Cynthia Taslitz zu blamieren, die gerade in diesem Moment in der Küche saß und sich mit der einzig normalen Person in diesem Haushalt, ihrer Mutter, unterhielt.
      Jetzt wollte sie nur noch ihre Ruhe!
      „Guten Abend, Anya Bauer.“
      Und die würde sie nicht bekommen. Natürlich.

      Vor ihrem Schreibtisch stand niemand Geringeres als der eine Dämon, den sie sofort und ohne zu zögern gnadenlos vernichten würde. Wie immer in einem feinen, schwarzen Designeranzug gekleidet, wartete der Sammler, leicht von ihr abgewandt, genau wie lange auf sie?
      „Du“, zischte Anya bitterböse.
      „Was willst du hier!?“, herrschte sie ihn sofort an, rührte sich aber nicht von der Stelle. Da war diese 'Freude' ihn zu sehen, die sie nur zu gerne 'zeigen' wollte – aber das war, und selbst sie musste das eingestehen, eine extrem dumme Idee. Immerhin verfügte er über ihre verlorene Lebenskraft.
      Von der Seite lächelte der Teufel, der in der Gestalt eines rothaarigen Briten auftrat, sie wie jeher geheimnisvoll an. „Plauschen.“
      „Bist wohl pissig, was? Weil Redfield und Summers dich beinahe gekillt haben.“
      Er lachte. Künstlich, falsch. „Haben sie das? Ist mir gar nicht aufgefallen. Aber genug der Späße.“
      Nachdem er sie sorgsam betrachtete, ja fast studierte, fügte er an: „Ich bin nicht nachtragend. Und du solltest dankbar sein.“
      „Warum!?“
      „Wer denkst du, hat es dir ermöglicht, so schnell vor den Behörden von Ephemeria City zu entkommen?“ Der Sammler zeigte sein typisches, erhabenes Lächeln. „Es war ein kostspieliges Unterfangen, den Verdacht von euch abzulenken. Überaus kostspielig.“
      Anya knirschte mit den Zähnen. „Hast du was mit dem Flugzeugabsturz zu tun!?“
      „Mitnichten. Wie ich sagte, ich bin nicht nachtragend.“

      Anya blieb weiterhin wie angewurzelt stehen. Klar, das behauptete er vielleicht, aber deswegen musste es noch lange nicht stimmen. Scheiße! Und ihre Mutter, Cynthia und Summers waren unten in der Küche! Aber sie konnte sie unmöglich warnen. Vielleicht witterte der Flohpelz die Gefahr, aber der war zu dumm, um sich Summers zu schnappen und abzuhauen, sondern würde eher ins Zimmer reinstürzen und seltendämliche Fragen stellen.

      „Hör zu, meine Liebe“, sprach der Sammler schließlich, löste sich aus seiner abgewandten Haltung und schritt elegant auf das Mädchen zu. „Deine Zeit ist inzwischen äußerst knapp bemessen und es gibt noch viel zu tun.“
      „Yeah …“
      „Deine Allianz mit den Undying ist … faszinierend. Aber ineffektiv. Die Wahrheit ist: Sie werden dir nicht helfen können. Nur ich kann das.“
      Er stand direkt vor ihr. Zum ersten Mal schenkte Anya der Narbe auf seiner Wange Aufmerksamkeit, vornehmlich, um ihm nicht direkt in die Augen zu sehen. Eine Narbe hieß Kampf und das hieß, dass er nicht unverwundbar war. Shit, das Schwert! Es lag im Schrank – hinter dem Sammler! So ein Dreck, da kam sie doch niemals schnell genug ran!
      „Hörst du mir überhaupt zu?“, fragte er gespielt tadelnd.
      „Y-yeah, und?“
      „Dann hör nun genau hin, Anya Bauer.“ Ehe sie sich versah, lagen plötzlich seine beiden Hände auf ihren Schultern. Erschrocken sah sie ihn an und stockte.
      „Du bist die Einzige, die -mir- helfen kann, die -es- schaffen kann. Ich bitte dich. Sammle die verbliebenen Artefakte. Bitte!“
      „W-was!?“

      Das Mädchen traute ihren Ohren kaum. Der unüberwindbare, beinahe allmächtige Sammler … flehte sie an!? Zeigte so etwas wie Verzweiflung!? Und dachte dabei tatsächlich noch, dass er damit irgendwie Erfolg hatte!?

      Als Reaktion senkte Anya ihr Haupt sowie ihre Stimme. „Weißt du, als ich davon erfuhr, dass Summers und Redfield dich aufgespießt haben, dachte ich 'scheiße'. Was für Idioten, bringen mich ins sichere Grab.“
      Ihr Mundwinkel zuckte nach oben. „Aber nur einen Moment. Denn weißt du was? Inzwischen bin ich sauer, dass sie mal wieder versagt haben! Ich scheiße darauf, ob du mein Leben in der Hand hast oder nicht!“
      Und selbst für ihn kam unvorhergesehen dieser Stoß mit der flachen Hand, genau auf die Brust, die Stelle, an der das Katana ihn vor ein paar Tagen durchdrungen hatte. Keuchend stürzte der Dämon zurück und knallte gegen den Schrank am Ende des Zimmers.

      Anya funkelte ihn mit düsterem Blick an. „Ich bin nicht mehr deine Puppe, elender Mistkerl! Wenn du über mein Schicksal entscheiden willst, dann gefälligst in einem Duell!“
      Sie hob den Arm mit ihrer Duel Disk daran. „Dieses Mal werde ich nicht verlieren!“
      Erst starrte er sie ungläubig an, dann lachte er wieder falsch und richtete sich auf. Mit einem Schlag war er wieder ganz der Alte. „Ich fürchte, da irrst du dich. Nun gut. Aber eins hast du seither missverstanden.“
      „Was?“
      „Du bist keine Puppe. Du bist …“
      „Ein Werkzeug, schon klar!“
      Er schloss besonnen lächelnd die Augen. „Natürlich. Aber vielleicht interessiert dich ja etwas anderes. Wenn du möchtest, werde ich dir alles erzählen. Die gesamte Wahrheit, über dich, deine Mission, alles. Jetzt sofort.“
      „Soll ich dir was verraten? Selbst das interessiert mich inzwischen nicht mehr!“ Anya schielte an ihm vorbei zum Schrank. Wenn sie das blöde Schwert doch bloß nicht dort gelassen hätte!
      Der Sammler öffnete die Augen. Doch diesmal war sein Blick anders. Einen Hauch trotzig? Er klopfte sich über die Stelle, an der Anya ihn geschlagen hatte. „Bedauerlich. Wie ich sehe, verfügst du immer noch nicht über die Tugend der Einsicht.“
      Nun wagte sie einen Schritt vor. „Wenn das alles ist: Raus aus meinem Zimmer! Oder stelle dich mir! Heh … ich wette du weißt, dass du keine andere Wahl hast.“
      „Wie du willst.“ Er straffte sich, verschränkte die Arme vor dem Schritt und betrachtete sie kalkulierend. „Aber nicht heute. Suche mich in deinen letzten Stunden, dann wirst du verstehen, warum du deine Worte bitter bereuen wirst. Bis dahin hast du noch etwas Zeit, deine Haltung zu überdenken.“
      „Du-“
      „Und keine Sorge. Ich werde deinen Freunden nichts tun.“ Er schnippte und ließ neben sich eines dieser schwarzen Portale erscheinen. „Bedenke: Deine Zukunft liegt nicht in -deiner- Hand. Wir sehen uns wieder, Anya Bauer.“
      Damit durchschritt er die Pforte, aber war noch nicht fort, ehe sie ihm ein paar bitterböse Worte hinterher rief: „Abweisung tut weh, was, Arschloch!?“
      Vor ihren Augen verpuffte das Portal im Nichts und sie war wieder allein.

      Anya sank auf die Knie. Verdammte Scheiße! Sie hatte sich mit dem Sammler gemessen … und irgendwie gewonnen. Wenn sie doch bloß das verdammte Schwert gehabt hätte, um ihn einen Kopf kürzer zu machen!
      In diesem Moment durchfuhr ein heftiger Schmerz Anyas Kopf.

      Das Bodenpersonal versuchte Anya aufzuhalten, wie sie durch die Kontrolle zurück in den Boardingbereich rannte. Sie schüttelte eine Frau ab, hörte ihre Freunde hinter ihr rufen. Jemand vom Personal rief in ein Walkie Talkie, dass der Flug nicht starten konnte, verstummte aber plötzlich und schien die Meinung zu ändern.

      Das konnte nicht sein! Wenn jemand ein Flugzeug vor dem Start verließ, mussten alle aussteigen und das Flugzeug von oben bis unten gefilzt werden! Das hatte Anya mal irgendwo aufgeschnappt, Verdacht auf eine Bombe oder so'n Scheiß. Und genau so war es gekommen. Wieso war das Flugzeug dann trotzdem gestartet!?
      Aber das war nicht, woran sie sich eigentlich erinnern sollte. Da war noch mehr!

      Sie rannte durch die große Halle mit den leeren Sitzreihen. Da stand er, direkt in der Mitte, der Typ im weißen Mantel, dessen Basecap bis tief ins Gesicht gezogen war. Er hielt etwas in der Hand. Eine Schwertscheide, eingehüllt in braunem Leder. Anya kannte es – das war das Katana! Sie hatte das Schwert extra für den Flug anmelden müssen, war das ein Krampf gewesen!
      Wieso hatte er es, wie war er da ran gekommen!?

      Schwer atmend kam sie vor dem Mann an. Er reichte ihr die Waffe.
      „Verlier' es nicht“, sprach er in einer völlig verzerrten Stimme.
      Als Anya das eingehüllte Katana annehmen wollte, wurde es ihr förmlich in die Hand gedrückt.
      W-wer zum Geier bist du!?“
      Nicht ihr Vater, das spürte sie jetzt mehr als deutlich. Was hatte das zu bedeuten!?
      Im Hintergrund hörte sie, wie das Flugzeug startete und an den großen Panoramafenstern des Boardingbereichs vorbei rollte.
      Er sagte nichts. Anya starrte ihn an. Sie griff nach seinem Gesicht, er bewegte sich nicht, aber irgendwie schaffte sie es nicht, ihn zu berühren. Die Blonde drehte sich um. Wo waren eigentlich ihre Freunde hin!?
      „Wer bist du!?“, wandte sie sich wieder ungehalten an den Fremden.
      Ein Pfeil.“

      Anya schreckte hoch. Sie hockte in ihrem Zimmer, schweißnass. Diese Erinnerungen hatte sie völlig verdrängt gehabt. Kurz darauf war das Flugzeug über Ephemeria abgestürzt.
      Dieser Mann, wenn er überhaupt einer war, er war der Schlüssel zu all dem. Dessen war sie sich sicher. Und etwas in ihr zweifelte daran, dass es der Sammler war, den sie da gesehen hatte.

      ~-~-~

      Sie schnaufte wütend, wie sie über den Bürgersteig schlenderte. Ein Mann, der ihr entgegen kam, wurde gnadenlos angerempelt.
      „Pass doch auf, Wichser!“, fauchte Zoey Bauer ihn an.
      „Was ist denn mit dir!? Blöde Kuh!“, schallte es zurück, aber der Kerl wagte es nicht, sich ihr entgegen zu stellen. Schade.
      Das Mädchen trug eine graue Strickjacke, hatte deren Kapuze bis tief über das Gesicht gezogen. Jenes gute Stück war ziemlich dreckig, hatte sie es sich in einer Rangelei erkämpft. Überhaupt hatte Zoey auf ihrem Weg in den Nachbarort Rains keine Konfrontation gescheut, was, bedingt durch ihre zierliche Statur, nicht immer zu ihrem Besten ausgegangen war. So war ihre linke Wange geschwollen vom Faustschlag irgendeines Miststücks, das meinte, ihr keine Kippe pumpen zu müssen.

      Sie wollte irgendetwas zerstören. Ja. Ihre Wut auf ihre Cousine hatte sich nicht gelegt, im Gegenteil, sie war nur gewachsen. Jene ahnte ja nicht einmal, was in ihr vorging. Sie -wusste- nicht, was Zoey wusste. Lange genug hatte sie sich zurückgehalten, die Wahrheit vor ihr verborgen. Aber das würde sich ändern, sehr bald sogar …

      Dabei bemerkte das Mädchen aus den Augenwinkeln, wie eine schwarze Limousine neben ihr anhielt. Auch Zoey stoppte. Das hinterste Fenster fuhr herab. Eine wunderschöne, schwarzhaarige Frau in einem eierschalenfarbenem Kleid saß darin. Wobei, nicht die ganze, lange Haarpracht war schwarz. Etwa ab der Hälfte ging sie abwärts von grau ins Weiße über. Seltsamer Anblick. Irgendetwas stimmte mit der nicht.
      „Endlich habe ich dich gefunden, Zoey Bauer“, sprach die Frau.
      „Hmpf.“ Zoey zog ihre Kapuze herab, wodurch ihre braune Beanie und die blonde Strähnen zu ihren beiden Gesichtshälften zum Vorschein kamen. „Wer bist du?“
      „Kathea Musgrave. Steig ein, dann wirst du alles erfahren. Und glaub mir“, sprach jene geheimnisvoll, „es gibt -eine Menge-, über die wir sprechen sollten.“

      Turn 94 – Nonexistance
      Während Cynthia Anya auf eine kommende Veranstaltung vorbereitet, um ihre Karriere zu fördern, wird Velvet von Melinda Ford auf einen Besuch im Hauptsitz der AFC eingeladen. Unter dem Vorwand, ihr die Anlage zu zeigen, scheint Melinda in Wirklichkeit mehr über das Mädchen herausfinden zu wollen. Doch alles kommt anders, als ein Eindringling Chaos stiftet …

      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet

      Gem-Knight Pyrite
      Monster/Normal/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/0 DEF/2800 (6) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight"-Karte von deinem Deck auf den Friedhof schicken.
      Monstereffekt:Einer der verlorenen Edelsteinritter, die nach einer langen Reise zurückgekehrt sind. Doch die Welt, die sie einst ihre eigene nannten, ist nicht mehr.

      Gem-Knight Jasper
      Monster/Effekt/Pendel
      Pyro/Erde
      ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug, während des Zuges eines beliebigen Spielers: Wähle 1 Fusionsmonster auf deiner Spielfeldseite als Ziel; schicke das Ziel auf den Friedhof und beschwöre von dort genau so viele Monster als Spezialbeschwörung, die als Fusionsmaterialmonster des Ziels verwendet werden können und benötigt werden, um das Ziel zu beschwören.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Erhöhe die ATK und DEF jenes Monsters um 600.

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster von deinem Deck hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Wähle 1 Karte auf dem Spielfeld als Ziel; zerstöre das Ziel.

      Gem-Knight Malachite
      Monster/Effekt/Pendel
      Aqua/Erde
      ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Nur einmal, solange diese Karte als einzige in deiner Pendelzone liegt, kannst du "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand vorzeigen; füge deiner Hand 1 offenes "Gem"-Monster in deinem Extradeck zu. Solange "Gem-Knight Fusion" durch diesen Effekt vorgezeigt wird, kann dein Gegner keine "Gem"-Karten in deinen Pendelzonen durch Karteneffekte zerstören.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Ziehe 1 Karte.

      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: Wenn dein Gegner einen direkten Angriff deklariert und du eine "Gem"-Karte in deiner anderen Pendelzone kontrollierst: Beschwöre diese Karte von deiner Pendelzone in offene Angriffsposition; zerstöre alle Karten in deinen Pendelzonen.
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Gem-Knight Fusion
      Absorb Fusion

      Gem-Trade
      Zauber/Normal
      Aktiviere nur, wenn sich auf deinem Friedhof eine "Gem-Knight Fusion", "Particle Fusion", "Pyroxene Fusion" oder "Fragment Fusion" befindet. Wähle ein "Gem-Knight"-Fusionsmonster von deinem Friedhof als Ziel und verbanne es; ziehe für jeden Intervall von 3 in seiner Stufe eine Karte. Du überspringst dann eine Anzahl an Draw Phasen, die der Zahl der durch diesen Effekt gezogenen Karten entspricht.

      Forbidden Chalice
      Monster Reincarnation

      Gem-Knight Amethyst
      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond
      Kachi Kochi Dragon

      Cynthia

      Metaphys Armed Dragon
      Mystery Shell Dragon
      Unmasked Dragon
      Night Dragolich
      Lindbloom
      Lancer Lindwurm

      Celestia
      Graceful Charity

      Tragedy
      Relieve Monster


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      Ich hoffe, es hat gefallen und ihr schaltet nächstes Mal wieder ein.

      PS: @Evil Bakura Ja, -sie- ist diejenige die damals im Fernsehen war. ;)
      Spoiler anzeigen
      Valerie wird Dämonenjägerin… irgendwie passend. Aber sogar Anya war klar, dass das ein Draufgängerjob ist und was für Konsequenzen das hat. Ich musste überrascht feststellen, dass ich bei der Vorstellung Zanthes Bruder im Hinterkopf habe. An Überraschungsmöglichkeiten mangelt es dir nicht, was die Zukunft der Protagonisten/Protagonistinnen in der „normalen“ Welt angeht, ich hab nicht den Hauch einer Ahnung ob und wie du da die diversen Verwicklungen auflösen könntest, sofern du es überhaupt willst.

      Dass Anya auf der Suche nach ihrem „alten Ich“ (gemeint ist natürlich Zoey, die sowohl die direkteste Verbindung zu Anyas Vergangenheit, als auch die Verkörperung von Anyas damaligem Charakter selbst ist) sinnbildlich auf ihre neuen Chancen (=Cynthia) trifft, die sie von eben jener Vergangenheit entfremdet haben, ist irgendwie faszinierend. Dass die Symbolebene in einer solchen Direktheit in einer Geschichte wiederzufinden ist bzw. deren Verlauf bestimmt hat man wirklich nicht alle Tage. Dass es Anya schwer fällt die sich darauf einzulassen ist verständlich, wenn man bedenkt, dass die Sache mit Zoey noch im Hintergrund steht. Aber da ist noch mehr, wahrscheinlich die Überraschung, dass eine so große Chance nicht erkämpft und dem Schicksal abgetrotzt werden musste, sondern sich sie gesucht hat, ich würde sagen, sie kann es einfach nicht glauben. Lese ich das richtig, dass sie denkt sie wird trotz der Undying bald sterben, wegen der Sache mit dem Sammler? Jemand der sich selbst für so gut wie tot hält hat verständlicher Weise Probleme dabei, noch Chancen zu ergreifen, als wäre nichts gewesen. Darüber hinaus ist es -sehr- interessant, dass sie durch Claires schlechtes Beispiel es für konsequent hält, keine Duel Queen mehr sein zu wollen. Du erinnerst dich an meine Interpretation hinsichtlich des Sammlers als einer Verkörperung dieser einen speziellen Form von Konsequenz gegenüber dem eigenen Selbst? Hier zeigt sich möglicher Weise, dass sich seine Rolle in TLA auch verdeckt in einer anderen Kontexten zeigt. Da du TLA aus dir selbst schöpfst, könnte man das als Hinweis darauf sehen, dass das Wesen der Konsequenz eine größere Rolle in der Geschichte spielt als dir ständig bewusst ist. Wird sie dir besonders bewusst, stellst du sie als den Sammler da. So zumindest die Theorie ^^

      Die Szene in der Zanthe sich gegen Ende etwas unbeliebt macht ist sowas von genial, einfach köstlich :D

      Die Szene mit dem Sammler am Ende ist in vielerlei Hinsicht rätselhaft. Der Sammler erschien beinahe menschlich zugänglich. Das dreifache Ende hat seine Wirkung jedenfalls nicht verfehlt. Erst die neue Chance durch Cynthia, dann die Begegnung mit dem Sammler und schließlich wird Zoey noch mal in doppelter Hinsicht „aufgegriffen“. Außerordentlich. Ich hab zwar keine Übersicht, die den Namen verdient, aber diese Folge war auf jeden Fall in ihrer Abwechslung (Humor, Pathos, Schicksal) ebenso wie im Gehalt etwas besonderes.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mcto ()

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      Oh Schreck gerade gemerkt das ich die Folge noch gar nicht kommentiert hatte. Hatte sie mal mit dem Handy gelesen und wollte wie oft später nochn kommentar aufm PC nachtragen. Aber das holen wir gleich mal nach.

      Zu deinem Kommentar der auf meinen Kommentar antwortet kommentiere ich; Mir ging es nicht um Old School Karten oder nicht. Aber die meisten von Anyas Karten die sie auf der Reise machte sind oder waren exklusive für sie. Ein Sieg mit ihren alten Karten hätte gezeigt wie sehr sich Anya als Spieler verändert hat und nicht nur sich ihr Deck verbessert hatte. Besonderst da ihre Zwillings Cousine ja als klüger dargestellt wird. Stell dir mir das im Real Life vor. Du spielst unter deinen Freunden in deinem Laden. Du bist nicht der beste, willst aber besser werden und sogar Pro sein. Du gehst auf Tuniere und duellierst dich gegen noch bessere Leute. Dann kommst du zu deinen Kumpels zurück. Knallst dein neu gemachte Deck hin das nun 300+ Euro teuerer ist als vorher. Und die sollen glauben dann das du besser geworden bist. Glaube nicht das dies realistisch währe und die das glauben würden. Die würden sich denken "Klar gewinnt er mit so nem Money Deck". Besiegst du sie mit deinem Deck leicht angepasst ohne das es teuerer bist weil du halt jetzt besser bist, nun dann würden sie glauben das du besser geworden bist. Von nem spielerischen Standpunkt verstehe ich ihre Cousine vollkommen. Es ist ein bisschen wie in Naruto. Besiegt Naruto ein Akatsuki Mitglied mit Kuruma ist das was anderes als wenn er damit namenlose zerquescht. Weil Akatsuki ist hinter Kuruma her. Da ist es nur fair wenn er halt eben auch ihn benutzt.

      Anya X Valerie:
      Also Anya meint das Valerie eine sehr sehr gute Freundin und eine schlechte gleichzeitig ist. Interessant. Sie mag sie und will sich das nicht 100% eingestehen. Aber das ist immerhin Anya Bauer. Solange man nicht ihr Love Interest ist oder ihre Zwillings Cousine würde sie nie das zu 100% zu geben, nicht mal zu sich selbst.

      Cynthia und das Duel:
      Sag mal hast du den Namen Cynthia genommen weil in Pokemon ein Champion genauso heist? Oder war das unterbewusst/zufall (wobei die sind ja ein Mythos). Das Duel fand ich wieder cool. Es hatte wieder deinen Flair das man nicht vorher weiß wer den gewinnen wird. Wenn in deinem World Building Wyrm Monster ganz seltene Pro Exklusive Karten sind, bedeutet dies, das der Yang Zing Heini mal ein Profi war? Gibt er sich vielleicht nur als Dumm aus? Ist er in wirklich ein Hütter? Vllt eine Hütter Karte die zur Beschwörung alle 6 Elemente vom Friedhof ins Deck mischen muss um sie zu beschwören. Aber ich schweife schon ab. Durch Anyas Niederlage steht ihrer Pro Kariere nichts im weg. Ich spekuliere mal das in TLA Ende es in die einzige Niederlage sein wird die Anya nicht bereuen wird.

      Danger!? End Boss
      Ein Wilder Collector taucht auf!
      Nun da haben wir ihn wieder vor uns. Unsere Main Antagonisten. Anya kam schon wieder nicht auf die Idee ihn einfach mal anzukotzen. Und dann zu fangen und in einen Müll Container zu stecken. Und dann ihm zu nem Duel zu zwingen wo er gegen jeder nacheinander antreten muss. Aber wenn der Sammler Anya überzeugen will sollte er mal einfach mit dem Grund ausspucken. Aber vor spucke fürchtet er sich ja xD. Hoffe mal das er nächstes mal mehr Infos für uns hat. Vielleicht ist er ja gar nicht so Böse wie du uns glauben lassen willst. Er will nur nach Eden weil es das Paradies ohne Schmutz ist XD
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Hallo allerseits. Wie immer bedanke ich mich an dieser Stelle bei allen Lesern.

      @Mcto
      Vielen Dank für dein Feedback.

      Ich habe sicherlich vor, einen Großteil der offenen Plot Points aufzulösen. Aber alle? Ist das bei dem Umfang der Geschichte überhaupt noch möglich? Ich weiß es nicht. ^^

      Ja, du liest das schon richtig. Anya zweifelt innerlich, ob die Undying die Lösung für ihr Problem finden werden. Dementsprechend ist es schwer für sie, diese Chance zu ergreifen.
      Ich kann dir übrigens nicht sagen, inwiefern der Sammler die Verkörperung der Konsequenz ist. Ich habe ihn nie so gesehen bzw. bewusst so erschaffen. Ich denke auch, dass viel von mir selbst in der Geschichte steckt, mehr als mir vielleicht sogar lieb ist. Aber vieles davon wird eher unbewusst einfließen.

      Tja, Zanthe ist halt nicht umsonst ein Fan Favorite.
      Und der Sammler? Tja, wie viel Menschlichkeit steckt in ihm. Hmm ...

      Nochmal vielen Dank.

      @WiR
      Auch dir vielen Dank für deinen Post.

      Ich denke ich verstehe was du meinst. Ich finde, dass neue Karten allein einen noch nicht stärker machen. Du musst auch wissen, wie du sie richtig einzusetzen hast.

      Ansonsten hast du Anya natürlich gut durchschaut. Sie gibt es ungern zu, dass sie ihre Freunde mag, aber sie tut es. Aber selbst bei Logan fällt ihr das sehr schwer.

      Cynthias Name ist kein Zufall. Ich habe den Namen bewusst gewählt, da ich die Pokemon-Cynthia bis heute als interessantesten Champ empfinde. So hat man als Leser meiner Fanfic gleich ein gewisses Bild von ihr, einen gewissen Respekt, wenn man so will.
      Und um ehrlich zu sein: Ich hatte auch versucht, einen anderen Namen zu finden, mich aber äußerst schwer dabei getan, was bei mir eher selten der Fall ist. ^^

      Lee ist kein Profi, der hatte die Karten gestohlen. Und die Geschichte der Yang Zing als Deck werde ich noch beleuchten, aber das dauert noch.

      Zu dem Sammler hast du ja selbst schon genug gesagt. Er wollte Anya ja etwas sagen, aber die wollte nicht zuhören. ;)

      Also nochmal herzlichen Dank für deinen Kommentar.


      Viel Spaß dann!

      Turn 94 – Nonexistance
      „Ich benutze den Effekt von [Hand Of Nephthys]“, rief eine blonde Frau und schwang den Arm aus, „indem ich [Golem Dragon] und sie opfere, beschwöre ich [Sacred Phoenix Of Nephthys] direkt von meinem Deck.“
      Der braune, flügellose Drache, der vor einer deutlich jüngeren Cynthia Taslitz ohne Tattoos am rechten Arm verharrte, löste sich zusammen mit der ägyptischen Priesterin in rotem Gewand mit goldener Haube in tosenden Flammen auf.

      Anya hockte gespannt vor dem Fernseher in ihrem Wohnzimmer und verfolgte das Finale eines Turniers von vor über zehn Jahren, das in einer dunklen Halle stattfand. Die Scheinwerfer waren ganz auf die aufsteigende Star-Duellantin und spätere Duel Queen gerichtet, vor der aus dem Inferno ein ganz aus Gold bestehender Phönix aufstieg. Sowohl sein Schopf, als auch die Flügel standen in Flammen.

      Sacred Phoenix Of Nephthys [ATK/2400 DEF/1800 (8)]

      „Direkter Angriff!“, befahl die Cynthia in der Aufzeichnung, die ein weißes, kurzärmliges Hemd und zerschlissene Jeans anhatte, energisch. „Flames of Eternity!“
      Der riesige Vogel stieß einen flammenden Odem aus, der den Gegner der zukünftigen Duel Queen vollkommen einhüllte.
      Aus dem Hintergrund tönte eine weibliche Ansagerin: „Damit gewinnt Cynthia Taslitz die Regionalmeisterschaft Wisconsin!“

      „Ja, und so fing alles an“, meinte die Cynthia der Gegenwart im Sessel hinter Anya, zückte die Fernbedienung und schaltete den Apparat ab. „Dass sie selbst heute noch solche alten Kamellen wiederholen …“
      Dabei sah sie die Karte von [Sacred Phoenix Of Nephthys] in ihrer anderen Hand nostalgisch gestimmt an, ehe sie ihn in den Deckschacht der Duel Disk an ihrem Arm schob. „Na ja, wie auch immer. Was hast du gelernt?“
      Anya drehte sich zu ihr um und kniff die Augen fest zusammen. „Nichts.“
      Die junge Frau im schwarzen Tanktop, die ihr Haar diesmal hochgesteckt trug, lachte bissig. „So ist es. Alles, was du da gesehen hast, beherrscht du längst selbst. Was ich also sagen will: Wir werden die Regionalmeisterschaften überspringen und dich direkt in die Profiliga einschleusen.“
      „Die Szene wird nie wieder dieselbe sein“, gluckste Zanthe, der ebenfalls zugesehen hatte, vom Sofa aus und lehnte sich zurück. „Hach. Was meinst du, Claire?“
      Jene saß im anderen Sessel zum Flur hin und antwortete gewohnt tonlos: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Anya Bauer abgelehnt wird, beträgt circa 95%.“
      „Ein bisschen mehr Optimismus, bitte“, forderte Cynthia und sprang auf, „seit damals hat sich eine Menge geändert. Heute wird die Liga in verschiedene Gruppen unterteilt.“
      „Ich weiß“, erwiderte Anya, die zu ihr aufsah. „S-Rang sind die, die die Millionen scheffeln.“
      Zanthe fügte hinzu: „Und die vom D-Rang sind die Neueinsteiger.“
      „Genau so ist es. Je nachdem, welche Leistungen man vorweisen kann, kann man auch direkt in den C-Rang oder sogar den B-Rang einsteigen.“ Cynthia verschränkte Arme und sah mit ihrem typisch neckischen Grinsen auf Anya herab. „Hättest du den Legacy Cup gewonnen, könntest du jetzt anstelle von Othello Nikoloudis von Position B starten. Da du aber nur Zweite geworden bist, reicht es eigentlich nur, um im untersten Rang einzusteigen.“
      „Das heißt D!?“ Anya erhob sich erschrocken. „Aber ich war so nah dran! Wieso nicht C!?“
      „Hast du davor schon mal etwas gerissen? Nein“, nahm ihre Mentorin ihr die Antwort prompt vorweg. „Es ist schon nicht einfach, überhaupt Teil der Profiliga zu werden.“
      Der Kopftuchträger hinter ihnen meinte: „Solange du nicht wenigstens in der C-Liga bist, kannst du nicht an den großen Events wie den Kontinentalmeisterschaften teilnehmen.“
      „So ist es. Da aber genau das unser – also mein – Ziel ist, müssen wir deine Statistik aufpolieren. Bis zum C-Rang muss man nicht unbedingt nur Turniere gewinnen, auch andere öffentliche Aktivitäten spielen eine Rolle“, erklärte Cynthia weiter und ging an dem Mädchen vorbei. Dabei warf sie ihr einen herausfordernden Seitenblick zu, „und dank meiner Beziehungen hast du übermorgen bereits deinen ersten, öffentlichen Termin.“
      „Wo?“
      „Gar nicht weit weg. Euer Einkaufszentrum veranstaltet auf meinen Wunsch hin ein Showduell, um das neue Boosterset zu promoten, das Anfang nächster Woche erscheint.“ Sie zwinkerte Anya keck zu. „Dein Gegner wird ein paar der neuen Karten benutzen. Da findet deine erste Lektion statt.“
      Anya protestierte mit wedelnden Händen: „Was zur Hölle!? Warum nicht ich!?“
      „Wir hatten unsere Gründe, uns darauf zu einigen“, erwiderte Cynthia geheimnisvoll und verließ das Wohnzimmer winkend, „bereite dich gut vor. Ich bin erstmal weg, ein bisschen Bier kaufen. Das, was bei euch rumsteht, ist ekelhaft.“

      Das Mädchen sah ihrer neuen Mentorin nachdenklich hinterher. Ein Showduell also? Klang ja ganz interessant. Sofern überhaupt jemand kam, um es sich anzusehen.

      ~-~-~

      Das Klirren von Fensterscheiben. Glassplitter, die ihr Gesicht berührten, in der Ferne eine mächtige Explosion, die alles verschlingen würde.

      Velvet schreckte schweißgebadet auf. Es dauerte einen Moment, bis sie realisierte, was geschehen war. Ihre Mutter hatte sie gerufen.
      „Velvet! Telefon für dich.“
      „J-ja !“
      Sofort schwang sich das Mädchen über ihre Bettkante und griff dabei nach ihrer Brille, die sie selbstverständlich verfehlte und zu Boden schmiss. Hektisch sank sie auf die Knie, schnappte sich das gute Stück und eilte Richtung der Tür.

      Die ganze Woche hatte sie sehr schlecht geschlafen, weshalb sie dieses Wochenende all das versucht hatte nachzuholen. Aber dieser Traum, diese verdammte Vision, sie hielt sie regelrecht gefangen. Das Ende der Welt. Diesmal war es so nah nie. Und da war keiner, der es verhindern würde.

      Benommen stampfte sie vom hinteren Ende des Hauses durch den kleinen Gang, der die Schlafzimmer voneinander trennte, wo ihre Mutter Sheila ihr bereits mit dem weißen schnurlosen Hörer in der Hand entgegen kam.
      „Eine Frau von der Abraham Ford Company.“
      „J-ja.“
      „Ich mache dann mal Frühstück“, sagte ihre Mutter noch und verschwand links herum in die Küche.

      Velvet legte mit großem Unbehagen den Hörer ans Ohr. „H-hallo?“
      „Guten Morgen, Velvet“, grüßte sie eine fröhliche Dame am anderen Ende der Leitung, „ich bin Melinda Ford-“
      „V-von der AFC!?“, fiel ihr das Mädchen erschrocken ins Wort.
      Natürlich, wenn ihre Mutter schon sagte, dass es jemand von dort war …
      „Ha ha, ja, genau die“, schien sich jene aber nicht an der unhöflichen Unterbrechung zu stören, „hör mal Velvet, wir würden dich gerne auf einen Rundgang durch unseren Hauptsitz in Portland einladen.“
      Der Schülerin sackte sofort das Herz in die Hose. „W-wie bitte?“
      „Sieh es als Wiedergutmachung dafür an, dass mein Bruder dich vor ein paar Tagen so unvermittelt unter Druck gesetzt hat. Ich möchte dir gerne alles zeigen.“

      Die Gedanken des Mädchens rasten. Diese Firma war noch ein Grund, warum sie in letzter Zeit so schlecht schlief. Denn die Anschuldigung, sie hätte [Ebon Sky Pegasus] gestohlen, stand weiterhin im Raum. Schließlich hatte die Konfrontation mit Henry Ford nur hervorgebracht, dass sie nicht unmittelbar zur Rechenschaft gezogen wurde.
      Und dieses Treffen war sicher nur ein Vorwand, überlegte Velvet angestrengt. Mrs. Ford hatte doch bestimmt irgendetwas vor, die Sache mit Pegasus war schließlich noch nicht vom Tisch. Aber ablehnen konnte sie wohl kaum …

      „U-und wann soll …?“
      „Wie wär’s mit jetzt gleich? Ich stehe jeden Moment vor der Tür.“
      Velvet fiel aus allen Wolken. „W-was!?“
      „Du hast noch fünf Minuten“, kicherte Melinda vergnügt, „wir sehen uns. Bye bye!“
      Völlig hilflos stammelte das Mädchen: „Bye …!?“

      Sie hatte also fünf Minuten Zeit, sich umzuziehen, zu frühstücken und nebenbei ihre Angst in den Griff zu bekommen!? Na großartig, da würde wohl was auf der Strecke bleiben …
      Sofort zischte das Mädchen wie ein Blitz zurück in ihr Zimmer. Sie konnte damit leben, mit knurrendem Magen und zitternd wie Espenlaub mit Melinda Ford eine zweistündige Fahrt zu unternehmen. Aber sicher -nicht- im Nachthemd!

      Und sie hatte sich kaum in ein pinkes Shirt mit grauer Weste und Kapuze – die mit den Hasenohren! – sowie eine schwarze Jeans gezwängt, da ertönte schon eine Hupe von draußen.
      Als Velvet die Tür hinter ihrem Zimmer zufallen ließ, stand ihre Mutter plötzlich vor ihr. „Wo willst du hin?“
      „I-ich treffe eine Freundin. Wird spät!“
      Sheila zeigte sich wie üblich streng. „Du bist vor 10 Uhr zurück, verstanden?“
      Das Mädchen zwängte sich förmlich an ihr vorbei. „J-ja, natürlich.“
      „Brauchst du Geld?“
      „N-nein.“
      „Hast du dein Telefon mit?“, rief Mrs. Thorne ihrer regelrecht flüchtenden Tochter hinterher.
      „Ja!“ Das Mädchen seufzte. „Mum, mach dir bitte nicht so viele Gedanken!“
      Sie meinte es nur gut, aber-

      Schätze es. Denn es wird nicht immer so sein.

      Velvet blieb wie eingefroren vor der Haustür stehen. Sie wusste dank ihrer Visionen von Menschen, die Stimmen in ihrem Kopf hörten. Aber dieser Gedanke eben, der war ihr eigener gewesen und doch auch nicht.
      „Was …?“
      Draußen hupte es erneut und so wurde sie aus ihrer Starre gerissen.
      „I-ich bin dann weg, Mum! Bye!“
      „Welche Freundin-“, rief ihre Mutter ihr noch hinterher, aber die Tür knallte schon vor ihr zu.
      Regelrecht angestachelt von dem seltsamen Erlebnis rannte Velvet zu der schwarzen Limousine, die vor ihrem Grundstück parkte. Der Fahrer stand am Bürgersteig und öffnete ihr die Tür, sodass sie nur noch zu Melinda einsteigen musste, die sie bereits mit einem breiten Lächeln empfing.

      ~-~-~

      Ein penetrantes Klingeln riss Anya und ihre Freunde aus dem entspannten Fernsehvormittag. Das blonde Mädchen rollte genervt mit den Augen. „Mum!?“
      Aber die reagierte nicht von der Küche aus.
      „Anya, man kann auch mal selber zur Tür gehen“, schnarrte Zanthe, der mit Claire noch immer auf der Couch saß.
      „Tch!“

      Nur widerwillig erhob sich Livingtons neue Berühmtheit und trottete an Matts Sessel – denn jener hatte sich inzwischen auch die Ehre gegeben – vorbei in den Flur. Die anderen machten sich auf, ihr völlig indiskret zu folgen.
      „Wir kaufen nichts von-“, maulte Anya, als sie die Haustür aufriss und einer kleinen, alten Dame gegenüber stand, stockte dann aber erschrocken. „Grandma!?“
      „Anya! Meine Kleine“, strahlte Margery Bauer ihre Enkelin an, kurz bevor die anderen dazu stießen. Und ehe sie sich versah, bekam die Blonde eine Faust aufs Auge gedrückt. „Wie kannst du es wagen, unsere Familie zu blamieren!? Eine Bauer verliert nicht im Finale eines Turniers!“
      Benommen kippte Anya zurück und wurde von einem perplexen Matt aufgefangen.
      „Was zur Hölle!?“, keuchte Zanthe. „Ist die mit dir verwandt!?“
      „Hi Grandma …“, stöhnte Anya und hielt sich das rechte Auge.

      Man konnte der alten Dame schon rein optisch ansehen, mit wem sie verwandt war. Von zwergenhafter Statur, war ihr graues Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Der hauseigene Familiendrache trug zudem mit Vorliebe schwarze Lederjacken mit Nieten und zerschlissene Jeans. Eine Rockerbraut, die sich nicht daran störte, schon über sechzig Jahre alt zu sein.
      Oh und Marge trug eine Augenklappe über dem linken Auge. Aber es ging in der Familie das Gerücht umher, dass jene ausschließlich Dekoration war, hatte man Margery vor einigen Jahren dabei gesehen, wie sie besagte Klappe in volltrunkenem Zustand komischerweise über dem rechten Auge trug. Solche Geschichten erzählte man sich jedoch ausschließlich hinter vorgehaltener Hand, denn wer es wagte, sie in ihrer oder Anyas Gegenwart von sich zu geben … hatte eine düstere Zukunft in Aussicht.

      „Ich geh‘ mir erstmal ein Bier holen“, murrte die kleine Frau und schob sich einfach an Anya und den anderen vorbei, die ihr verblüfft bis furchtsam hinterher sahen.
      „Jetzt wissen wir, woher sie -das- hat“, gluckste Zanthe schließlich.
      Im Hintergrund hörten sie Marge schreien: „Sheryl, wo ist das verdammte Bier!?“
      Matt half in der Zwischenzeit Anya auf, die sich knurrend das Auge rieb. „Verdammt, die alte Hexe hat's immer noch drauf!“
      „Anya, ist das wirklich … also ich meine“, stammelte der irritiert.
      „Ja, das ist Grandma Bauer. Und mein Idol, falls du es wissen willst.“
      Der Werwolf der Gruppe prustete los. „Das konnten wir bereits in den wenigen Sekunden ableiten, in denen wir sie gesehen haben, Anya. Und ich habe jetzt das unnütze Wissen erlangt, wie du in fünfzig Jahren wohl aussehen wirst.“

      Analog dazu klimperte die Kühlschranktür. Grandma Bauer gab ihre Unzufriedenheit lautstark zum Besten. „Scheiße, Sheryl, dein beschissener Kühlschrank ist leer wie der Kopf unseres dämlichen Präsidenten!“
      „Du warst ja auch nicht eingeplant“, drang es kühl von Anyas Mutter aus der Küche.
      „Nicht mal Bier findet man in diesem Haus. Wo ist der Wodka!?“
      Genervt mit den Augen rollend, rannte Anya an den anderen vorbei in den Flur zur Küche. „Boah, Grandma, ich hol' dir dein beknacktes Bier ja schon!“
      „Das will ich auch hoffen. Du willst mich lieber nicht im nüchternen Zustand erleben!“
      „Besoffen bist du noch schlimmer, Grandma!“

      Jedoch war es nicht Margery, die die Aufmerksamkeit von Matt und Zanthe auf sich zog. Nein, es war Claire Rosenburg, die hinter ihnen stand und etwas tat, das man so noch nie von ihr erlebt hatte. Sie sprach, ohne aufgefordert zu werden.
      „Frage: Wenn ich Anya Bauer mit der Faust schlage, bringe ich sie damit zum Schweigen?“
      Die beiden sahen die blonde Weltmeisterin entgeistert an.
      Zanthe öffnete verblüfft den Mund, da wurde ihm dieser von Matt zugehalten. Leise flüsterte er dem Werwolf zu. „Sei vorsichtig was du sagst! In dem Zustand, in dem sie sich befindet, kann jedes falsche Wort erhebliche Schäden anrichten! Im Grunde stellen wir die Weichen-“
      Aber typisch Zanthe, riss dieser die Hand von sich und schoss wie aus der Pistole: „Probier' es aus!“
      Unmittelbar danach löste sich Claire von der Gruppe und verschwand in die Küche. Was folgte, war ein Schrei, ein lauter Knall und eine ganze Menge Gefluche.
      Zanthe und der Dämonenjäger sahen sich entgeistert an. Letzter stammelte: „I-ist das normal?“
      „K-keine Ahnung, vielleicht haben wir gerade einen ersten Einblick in ihre alte Persönlichkeit erhascht?“ Obwohl er versuchte, es zu unterdrücken, klang der Werwolf beim Lachen heiser. „Ist doch was Positives.“
      „Ja“, murrte Matt, „als ob wir nicht schon genug Furien um uns geschart hätten …“

      Aus der Küche drang es: „Scheiße, was soll das, Roboburg!?“
      „Verdammt, Anya“, fauchte ihre Großmutter wütend, „du lässt dich von so einer halben Portion umhauen!? Bist du zum Waschlappen mutiert!?“
      „N-nein!“
      Und Claire sprach dazwischen: „Meine Analyse ergab, dass du still bist, wenn man dich schlägt. Fehler. Du bist nicht still.“
      „Und du kein verdammter Roboter, elendes Miststück!“

      Matt flüsterte Zanthe zu: „Das kann ja heiter werden.“
      Jener grinste aber breit. „Wieso? Es war Claires Art zu sagen, dass Anya ihr auf die Nerven geht. Wie gesagt, das ist eine positive Entwicklung. Je nach Betrachtungswinkel …“
      „Bring ihr bei, dass das falsch war“, knurrte der Schwarzhaarige jedoch düster, „sonst tu ich's mit dir als Exempel.“

      ~-~-~

      Die knapp zweistündige Fahrt war für Velvet erstaunlich angenehm. Während die Limousine über den Highway düste, unterhielt sie sich mit Melinda über alle möglichen Dinge. Mode, Haustiere, natürlich auch Duel Monsters.
      Melinda hatte auch erklärt, wie die Karten in Japan entwickelt und die Daten an die AFC weitergeleitet wurden. Jene durfte auch selbstständig Themen entwerfen und wurde gar damit beauftragt, eine neue Mechanik – die Pendelmonster – ins Spiel zu integrieren.
      Es war spannend, ihr zuzuhören und Fragen zu stellen, besonders weil sie ganz anders war als ihr Bruder. Freundlich, aufgeweckt, ein wenig frech, aber immer respektvoll.
      Außerdem hatte Melinda ihr einen Briefumschlag gegeben, den sie jedoch erst öffnen sollte, wenn sie wieder zuhause war. Das Mädchen befürchtete bereits, dort drinnen ein Schreiben der Anwälte der AFC vorzufinden, aber das hatte ihre Gastgeberin sofort zwinkernd ausgeschlossen.
      Zum Glück konnte Melinda sie sofort wieder durch ihre spannenden Geschichten davon ablenken.

      Als eine Abfahrt in Sicht kam, die eigens für den AFC-Hauptsitz gebaut worden war, staunte Velvet Bauklötze. Die relativ öde Umgebung war hier und da durch ein paar Bäume und Sträucher gespickt, aber all das stand im Schatten einer riesigen Anlage. Vom hexagonalen Hauptgebäude führten regelrechte Brücken alle zwei Stockwerke in einen kleinen, 'normalen' Trakt. Zur Rechten befand sich ein gut besuchter, riesiger Parkplatz.
      „Wow!“, hauchte Velvet beim Anblick der Glassphäre, die sich auf dem Dach des Hauptgebäudes befand und in der Duel Monsters-Hologramme projiziert wurden.
      „Du bist die Erste, die Bauklötze staunt“, gluckste Melinda neben ihr, „die Meisten sagen, dass es auf Bildern wesentlich imposanter aussieht. Aber so ist es mit vielem.“
      Im vorderen Bereich des Hexagons war zudem eine Eingangshalle aus Glas angebaut, über der – ebenfalls per Hologrammtechnologie – das Logo und der Schriftzug der Abraham Ford Company angezeigt wurden.

      Als sie den Gebäudekomplex schließlich erreichten, hielt die Limousine direkt vor dem Haupteingang an. Der Boden war mit grauen Pflastersteinen bedeckt. Drei Stufen führten hinauf zu einer Reihe gläserner Schiebetüren, hinter der sich zu Velvets Erstaunen eine Sicherheitskontrolle befand.
      Melinda, die den irritierten Blick bemerkte, meinte: „Das ist notwendig.“
      „O-okay.“
      „Geht auch ganz schnell.“

      Nach der Prozedur, wo sie durch eine Art Scanner hindurchgehen und anschließend ein Besucherformular ausfüllen musste, führte Melinda sie durch die Lobby. Der Empfang befand sich direkt in der Mitte der riesigen Halle und bestand aus einem kreisrunden Glastresen, der sich um eine Säule schlang. Gleich mehrere Damen saßen dort verteilt und nahmen Telefonate entgegen.
      „Wir haben oft Besuch“, erklärte Melinda heiter, „von Designern, Aktionären, Profiduellanten, hin und wieder auch Anwälten …“
      „O-oh“, stieß Velvet hervor und sah betreten zu Boden. Sie konnte ihr Spiegelbild verschwommen in den schwarzen Marmorfliesen sehen, die scheinbar regelmäßig poliert wurden, so wie sie glänzten.
      „Entschuldigung.“ Melinda sah die Schwarzhaarige mitleidig an. „Ich wollte nicht auf deine Situation anspielen, falls das so rüberkam.“
      „N-nein, schon gut.“
      „Unsere Empfangsdamen haben aber noch mehr zu tun, als Besucher zu betreuen. Sie müssen sich beispielsweise auch um Beschwerden der verschiedenen Agenturen kümmern und Telefonate weiterleiten an die entsprechende Abteilung.“
      Velvet war der jungen Frau dankbar dafür, dass sie sofort das Thema wieder aufgriff, statt weiter auf ihre Lage einzugehen. Das würde noch früh genug kommen.
      „Das ist sehr interessant“, ging sie daher mit aufrichtigem Interesse darauf ein, „ich habe mich immer gefragt, wie es hier so zugeht.“
      „Haha, meist sehr chaotisch. Kunden sind nie zufrieden, besonders weil sich in den letzten Tagen immer wieder einige unserer Server verabschiedet haben.“
      „W-was? Davon wusste ich gar nichts!“
      Melinda seufzte schwer. „Na ja, meistens ist die Ostküste betroffen. Aber die Probleme mehren sich und damit auch die Beschwerden. Die Presse wartet schon auf eine Stellungnahme, aber was soll ich ihnen sagen? Bei den Wartungen ist uns nichts aufgefallen und danach funktioniert auch wieder alles.“
      „Das tut mir leid.“
      „Muss es nicht, ist ja nicht deine Schuld. Mir tut es leid für die Unannehmlichkeiten, die euch dadurch entstehen.“ Während sie am Empfang vorbei schlenderten, zwinkerte der Rotschopf ihr verschwörerisch zu. „Ich weiß wie es ist, ein tolles Duell zu Ende spielen zu wollen, es aber nicht zu können.“

      Sie peilten eine riesige Front aus Aufzügen an, die sich weiter hinten in der Halle befand. Jene waren ebenfalls aus Glas, man konnte die Mitarbeiter in ihren Anzügen sehen. Erst jetzt bemerkte Velvet, dass die Halle noch viel höher war als gedacht, denn sie konnte hoch bis zu den oberen Etagen sehen.
      „Komm“, bat Melinda sie mit einem Wink.
      Beide stiegen in einen der Fahrstühle. Da fiel der Brillenträgerin auf, dass die gläserne Tastatur jedes Stockwerk dreimal aufzähle. So gab es zum Beispiel Etage 3, 3L und 3R.
      „Unsere Aufzüge können etwas ganz Tolles“, gluckste Melinda, der der verwirrte Blick auffiel und drückte die 3R-Taste.
      Es ging ganz normal aufwärts, aber als sie das dritte Stockwerk erreichten, öffneten sich nach rechts die Schächte der anderen Aufzüge. Es gab einen kaum merkbaren Ruck und plötzlich fuhr er an einer Schiene entlang nach rechts, bis er die rechte Seite der Halle erreicht hatte.
      „Uh …“
      „Irgendwie sinnlos“, gluckste Melinda, „wir hätten auch einfach Aufzüge auf beiden Flügelseiten bauen können, aber Dad wollte technischen Schnickschnack. Der Alte hat einfach zu viel Geld.“
      Die beiden stiegen aus. Velvet trat auf Glas und erkannte, dass sich auch unter ihnen solch ein Schacht befand.
      „Das Ding könnte dich sogar bis ans Ende des Komplexes bringen, aber mein Büro ist nur ein paar Meter voraus.“ Melinda deutete einen langen Gang entlang.

      Die beiden gingen nebeneinander her und plauderten weiter. Es gefiel Velvet hier. Vielleicht hätte sie hier einen Job angenommen, sofern sich ihr natürlich die Möglichkeit geboten hätte. Aber bei ihrer Vorgeschichte konnte sie das wohl inzwischen vergessen.
      Die Mitarbeiter, die ihnen auf ihm Weg entgegen kamen, grüßten höflich.
      Am Ende des mehr als nur ein paar Meter langen Gangs erreichten sie besagtes Büro schließlich. Überhaupt schloss hier jeder Raum an den anderen an, aber sie alle waren durch schwarzes Glas nicht einsehbar. Zumindest die meisten nicht, manche waren zum Gang hin durchsichtig. Velvet glaubte, dass sich dahinter eine Art Technik verbarg, mit der man dies steuern konnte. Melinda legte keinen Wert auf Privatsphäre, in ihres konnte man hineinsehen.
      Dadurch konnte das Mädchen auch einen Blick auf ein sich anschließendes Treppenhaus erhaschen, das am Ende des Ganges und neben dem unter ihnen verlaufenden Fahrstuhlschacht lag.

      „Nach dir“, meinte Melinda, die sich vor die Tür stellte und jene mit dem Mitarbeiterausweis um ihren Hals entriegelte. Sofort schoss diese auf.
      Nachdem beide eingetreten waren, bewahrheitete sich Velvets Vermutung. Indem der Rotschopf in die Hände klatschte, verdunkelte sich das Glas und plötzlich waren sie ungestört.
      „Setz' dich“, bat Melinda, als sie ihren Schreibtisch umrundete und hinter diesem Platz nahm.
      Nur sehr zögerlich nahm Velvet das Angebot an und ließ sich auf dem bequemen Lederstuhl nieder, der vor dem Mahagonitisch stand.
      Das sanfte Lächeln der rothaarigen Frau machte sie nur nervöser.
      „I-ich weiß, warum ich wirklich hier bin. Ich habe gegen Ihren Bruder-“
      „Ich habe dich nicht hergeholt, um dich zu bestrafen“, ging Melinda sofort dazwischen, „im Gegenteil. Trotz gewisser Defizite hast du dich gegen Henry hervorragend zur Wehr gesetzt. Ein tolles Duell.“
      Beim Nicken fiel Velvet fast die Brille von der Nase. „D-danke.“

      Melinda machte eine Pause, damit die Kleine sich erstmal ein wenig sammeln konnte. Aber sie wagte es nicht, überhaupt aufzusehen. Was den Ford-Spross zum Seufzen brachte. „Du hast mich natürlich durchschaut. Ich hatte in der Tat den Hintergedanken, noch einmal mit dir über -diese Sache- zu sprechen. Also komme ich am besten gleich zur Sache. Du sagst, du hast keine unserer Excel-Karten gestohlen. Und ich glaube dir.“
      „Wirklich!?“
      „Ja.“ Zur Bekräftigung nickte Melinda, faltete die Hände ineinander. „Aber dadurch bleibt die Frage offen, wie du dann in den Besitz deines Pegasus' gekommen bist. Wir haben diese Karte nie entwickelt – das hat mein Bruder dir bisher nicht gesagt. Und gerade deswegen sind wir verpflichtet, dem nachzugehen.“
      Panisch stammelte Velvet: „I-ich sagte doch, ich weiß es nicht. Wenn Sie wollen, gebe ich ihn sofort zurück, Miss Ford!“
      „Nein, du kannst ihn behalten. Und sprich mich doch bitte mit meinem Vornamen an. Ich bin Melinda.“
      „Okay“, nuschelte die Schwarzhaarige, aber sank dabei nur tiefer in den Stuhl.
      „Velvet, das klingt jetzt … merkwürdig. Aber ich denke, dass du ein ganz besonderes Mädchen bist. Möchtest du mir vielleicht erklären, warum ich das glaube?“ Melinda versuchte so freundlich und offen wie möglich zu klingen.
      Ihr Gegenüber schüttelte verunsichert den Kopf.
      „Mein Bruder und ich, wir haben in der Vergangenheit auch einige Dinge erlebt, die wir uns anfangs nicht erklären konnten“, sprach Melinda weiter, „wir waren genauso verängstigt wie du, das kannst du mir glauben. Bis wir begriffen, dass es … nicht immer für alles logische Erklärungen gibt. Und ich glaube, dir geht es im Moment nicht anders.“

      Plötzlich sah Velvet sie an. Zutiefst erschrocken, gar panisch. Wäre sie nicht von Hause aus so blass, hätte man befürchten müssen, dass sie jeden Moment ohnmächtig wird.
      „Du kannst mir vertrauen, auch wenn dir das berechtigterweise sehr schwer fällt. Gibt es etwas, das du mir sagen möchtest, aber nicht kannst?“, hakte Melinda vorsichtig nach.
      Die Finger des Mädchens krallten sich in ihre schwarze Jeans. Sie kämpfte. Mit sich selbst. Dann sah sie, den Tränen nah, auf. „Nein. Tut mir leid, Miss Ford.“
      „Melinda“, korrigierte sie jene sanft. Nickte dann aber verständnisvoll. „Alles klar. Dann werde ich nicht mehr nachfragen.“
      Beschämt sah ihr junger Gast zur Seite.
      „Aber wenn du jemals Hilfe brauchst, kannst du dich jederzeit bei mir melden.“
      „D-danke …“
      Seufzend erhob sich Melinda schließlich, strahlte dann aber plötzlich kindlich. „Tja, was hältst du erstmal von dem versprochenen Rundgang, um die Stimmung etwas zu heben?“
      Auch Velvet erhob sich. „Uh, also, Sie … d-d-du musst das nicht tun.“
      „Ach komm schon, das wird dir bestimmt gefallen. Ich zeige dir die Labore, wo wir Karten entwerfen und wie sie dann dort hergestellt werden.“ Melinda zwinkerte. „Sowas bekommt nicht jeder zu sehen.“
      „Ist das wirklich ok? Nach allem, was passiert ist?“
      „Oh, höre ich da ein Schuldeingeständnis?“, kicherte der Rotschopf schelmisch, schlich um den Schreibtisch und schnappte Velvets Schulter.
      „N-nein!“, protestierte die hektisch.
      „Dann hast du keinen Grund, so bescheiden zu sein. Los, los! Damit kannst du dann schön vor deinen Klassenkameraden angeben, also mach ruhig ein paar Bilder!“

      Gerade als die beiden die Tür erreicht hatten, wurde es schlagartig stockdunkel, nicht nur in Melindas Büro, sondern auch auf dem Gang.
      „Ein Stromausfall?“, wunderte sich Velvet.
      Melinda sagte nichts. Kurz darauf erhellte das Display ihres Smartphones den Raum, welches sie an ihr Ohr legte. „Tommy, ich bin's. Was ist da los?“
      Die Schwarzhaarige sah sie von der Seite nervös an. Da stimmte etwas nicht, denn mit jedem unverständlichen Wort, dass dieser Mann am anderen Ende der Leitung sprach, wurde der Ausdruck in Melindas angeleuchtetem Gesicht düsterer.
      „Völlig zerstört?“, hauchte sie fassungslos. „W-was? Sind sie bewaffnet!?“
      Velvet erschrak laut, sodass die junge Frau sich zu ihr umdrehte. Hastig sprach sie: „Das kann nicht sein, die wären nicht durch die Kontrolle gekommen. Denk doch mal nach, Tommy! J-ja, natürlich, alle sollen in ihren Büros bleiben, aber-! Nein! Die Security soll nach diesen Typen suchen. Alles klar, ich verspreche es.“
      Was auch immer der Rotschopf da versprach, sie schien sich nicht daran halten zu wollen, wie die gekreuzten Zeige- und Mittelfinger ihrer freien Hand verrieten. Seufzend legte Melinda auf.
      „Velvet, wir haben ein Problem. Angeblich sind zwei bewaffnete Männer hier eingedrungen und haben unsere Stromzufuhr unterbrochen. Mit dem Notstrom gibt's ebenfalls Probleme, aber“, meinte sie und wandte sich dem Mädchen zu, „wir bekommen das in den Griff.“
      „B-bewaffnet!?“, keuchte das Mädchen und wich zurück.
      „Bleib hier und versteck' dich am besten, verhalte dich ruhig. Dir wird nichts geschehen, das verspreche ich dir.“
      „U-und Sie?“
      Melinda schnalzte mit der Zunge. „Du! Wir sind beim Du! Ich muss etwas überprüfen. Irgendwas an der Geschichte stinkt wie die Socken meines Bruders nach einem Tennisspiel mit Dad.“
      Entgegen dem Ernst der Lage musste Velvet glucksen. Um dann gleich zu erkennen, dass sich Melinda in Gefahr brachte, wenn sie alleine durch dieses riesige Gebäude streifte. „Bitte, Sie dürfen nicht alleine gehen! Was wollen Sie überhaupt-“
      „Keine Zeit für Erklärungen.“ Melinda hob ihr Smartphone hoch. „Ich sehe genau, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zu geht. Und als zukünftige Erbin der Firma ist es meine Pflicht, dem nachzugehen. Warte auf mich, Velvet!“
      Kaum hatte sie ihre heroische Ansprache mit einem deutlich schelmischen Grinsen zum Besten gegeben, wandte sie sich der Tür zu und riss sie mit erstaunlich viel Kraft für so eine zierliche Person auf.
      „M-miss Ford! I-ich meine Melinda!“

      Velvet eilte ihr bis zur Türschwelle nach und sah dem Licht nach rechts hinterher, das sich Richtung Treppenhaus bewegte. Es war nur ein Impuls, aber statt die Tür wieder zu schließen, eilte die Schülerin ihr kurzerhand hinterher.
      „Warte!“
      „Bleib wo du bist, Velvet!“
      Aber darauf hörte das Mädchen nicht. Irritiert rannte Velvet der jungen Frau hinterher, die nur mit dem Licht ihres Smartphones ausgestattet war, bereits die Stufen des dunklen Treppenhauses hinab eilte. „W-warte doch! Ich komme mit!“
      „Das kannst du nicht!“
      „Doch!“, widersprach Velvet mit all ihrer zur Verfügung stehenden Courage. „Ich lasse dich nicht alleine, immerhin betrifft mich das auch!“
      Der Rotschopf machte kurz Halt und stöhnte. „Wer hätte gedacht, dass du so ein Sturkopf bist? Egal, weiter!“
      Schon rannte sie wieder los, fast, als versuche sie Velvet abzuhängen. Aber die war immerhin sportlich genug, wenigstens ansatzweise mitzuhalten, wie sie Stockwerk um Stockwerk nach unten eilten. Dabei musste sie noch aufpassen, ihr Telefon, das ihr als Lichtquelle diente, nicht fallen zu lassen.
      „W-was für einen Verdacht hast du denn überhaupt?“, wollte Velvet wissen und merkte dabei schon, dass sie immer mehr aus der Puste geriet, weil der Weg hinab kein Ende nehmen wollte.
      „Irgendjemand schnüffelt hier herum“, kam eine angestrengte Antwort, „ich hab’s im Blut!“
      „I-ich habe nichts-“
      Melinda, die eine ganze Etage Vorsprung hatte, hielt auf den Stufen lächelnd an. Auch sie war schon außer Atem geraten. „ Ha … Weiß ich doch!“
      „A-aber wie kommst du darauf, dass es überhaupt einen Eindringling gibt?“
      „Sagen wir, der Strom ist nicht überall ausgefallen. Das hier“, erklärte die junge Frau und hob ihr Smartphone hoch, während Velvet langsam zu ihr aufschloss, „hat immer noch Kontakt zu den Servern, was nicht gehen sollte, wenn sowohl Haupt- als auch Notstrom ausgefallen sind.“
      „Sollten wir die Sache dann nicht den Wachmännern überlassen?“
      Der Rotschopf stürmte bereits weiter. „Ich will demjenigen selbst gegenüber stehen. Das ist nicht das erste Mal, aber dieses Mal erwische ich ihn oder sie!“

      Und so rannten die beiden weiter, bis es irgendwann nicht mehr tiefer nach unten ging. Was folgte waren diverse Gänge, wie ein Labyrinth, die allesamt so dunkel waren wie die oberen Stockwerke.
      Mühselig hielt Velvet mit Melinda Schritt, die ihrerseits auch erschöpft war, aber von ihrem Ehrgeiz angetrieben wurde. Hoffentlich war dort niemand, flehte Velvet innerlich. Und wenn doch, bitte unbewaffnet. Vielleicht war es doch keine gute Idee, mit Melinda mitzukommen, aber sie hätte ein furchtbar schlechtes Gewissen, wenn sie es nicht täte …

      Am Ende des letzten Ganges betraten die Zwei einen nur durch Notbeleuchtung rot erhellten, kreisrunden Raum, in dessen Mitte sich eine Säule befand. Dicke Kabel führten von ihr am Boden und an den Wänden in alle möglichen Richtungen, vor ihr stand eine Eingabekonsole.
      „Wow“, staunte Velvet und sah sich in dem leeren Raum um. Die Akustik war seltsam widerhallend.
      „Der Serverraum ist gleich … da hinten“, deutete Melinda keuchend auf einen Gang voraus.
      „Melinda“, stammelte Velvet plötzlich, als ihr beim Umsehen etwas ins Auge stach und stieß rückwärts gegen jene. „D-dort!“
      Sie zeigte auf zwei Männer in dunkler Uniform, die nebeneinander gegen die Wand gelehnt lagen, unweit vom Eingang, sodass sie nicht sofort bemerkt worden waren.
      „Oh nein!“, brachte Melinda erschrocken hervor.
      Sofort eilten beide zu ihnen, stellten aber kurz darauf fest, dass die Wachen nur bewusstlos waren. Durch das schlechte Licht konnte man jedoch nicht erkennen, was das verursacht hatte.
      „Die sind bestimmt nicht von alleine umgekippt.“ Der kniende Rotschopf erhob sich. „Velvet, geh' los und hol Hilfe.“
      „U-und du?“
      „Der Typ ist bestimmt noch hinten im Serverraum. Ich verschaffe dir etwas Zeit, damit-“
      Doch zu ihrem eigenen Erstaunen protestierte Velvet erneut: „Nein! Alleine zu gehen ist viel zu gefährlich. Was, wenn das mehrere sind?“
      „Damit komme ich schon klar!“
      Das Mädchen mit der Brille schüttelte den Kopf. Sie hatte ein ganz ungutes Gefühl bei der Sache. „Ich wüsste nicht mal, wo ich nach Hilfe suchen soll! Bitte, lass mich mitkommen!“
      Vielleicht war alles auch nur ein Irrtum oder der Eindringling schon weg? Aber sie hätte ein schlechtes Gewissen, Melinda einfach alleine gehen zu lassen.
      Melinda machte eine Pause und sah die beiden Männer an. „Warte kurz …“
      Sie schnappte sich ihr Smartphone und wählte eine Nummer. „Melinda hier. Ruf bitte einen Krankenwagen, Meyer und Bartels sind bewusstlos. Dann komm mit ein paar Jungs runter zu den Servern. Was? Wie lange? Ja. Beeilt euch. Bye.“
      Sie grinste berechnend. „Verstärkung kommt gleich! Wenn wir diese Person lange genug beschäftigen, kommt sie nicht mehr heil hier raus. Der Serverraum ist nämlich 'ne fette Sackgasse.“
      „H-hoffentlich.“

      Statt wie zuvor zu rennen, gingen sie langsam an der Säule vorbei. Ihre Schritte hallten im kreisrunden Raum nach.
      Wenn Melinda Recht behielt und dort drüben wirklich jemand war, würden sie sowieso früher oder später auf ihn stoßen. Also war es egal, ob sie sich beeilten oder nicht. Im Gegenteil, je später sie ihn überraschten, desto schneller würden die Wachmänner dann auftauchen.
      Velvet wurde ganz schwindelig bei diesen kindlichen Berechnungen, die sie da anstellte.
      Es folgte wieder ein langer Gang, aus dem bereits orangefarbenes Licht drang. Welches plötzlich einen langen Schatten warf. Melinda und Velvet blieben abrupt stehen, als sie die Gestalt sahen, die auf sie zu kam. Jene trug einen Koffer mit sich.
      „Bingo“, zischte Melinda düster, als die kaum erkennbare Person ihnen auf ein paar Metern gegenüber stand, „auf mein Bauchgefühl kann ich mich immer verlassen.“
      „Miss Ford“, sprach der Mann mit heller, eisiger Stimme, „Bauchgefühl brauchen nur diejenigen mit begrenztem Intellekt.“
      „Ich weiß genau, wer du bist. Du hast neulich schon beinahe unser System gehackt“, fauchte die zukünftige Erbin des Ford-Unternehmens zornig, „und jetzt bist du persönlich gekommen, um es durchzuziehen, nicht wahr?“
      Der Mann lachte. Es war ein kaltes, berechnendes Lachen. Er setzte seinen Koffer ab. „Sie irren sich. Ich hätte schon damals Erfolg haben können. Aber meine persönliche Neugier hat mich dazu bewogen, mir ein paar Dinge 'aus der Nähe' anzusehen.“
      Dabei führte er seine Hand zu seinem Gesicht, aber Velvet konnte nicht erkennen, was er dort tat.
      Melinda verlange zu wissen: „Wer bist du!?“
      „Ich bezweifle, dass Sie schon einmal von mir gehört haben, aber kann ihnen gerne meinen professionellen Namen nennen: Harrier.“

      Harrier? Velvet zumindest hatte tatsächlich nie von jemandem gehört, der so hieß. Vermutlich eine Art Spitzname. Der eines Hackers?

      „Habe ich nicht, aber das reicht mir schon“, knurrte Melinda zornig und hob den Arm, „und jetzt stell dich mir! Ich werde dich zur Rechenschaft ziehen!“
      Er drehte sich zur Seite weg, stand da, als wolle er gleich in die andere Richtung gehen. Von der Velvet wusste, dass sie in einer Sackgasse enden würde.
      „Keine Frage, was ich überhaupt getan habe?“
      „Das finde ich noch früh genug heraus.“ An Melindas Arm fuhr ein rotes D-Pad aus. „Vielleicht ja früher als mir lieb ist? Oder könnte es sein, dass du noch gar nicht fertig warst? Immerhin sind höchstens zehn bis fünfzehn Minuten vergangen. Du hättest dran denken sollen, dass mein Team immer noch über Mobilfunk Kontakt halten kann. Und dadurch habe ich dich erst gefunden.“
      Harrier antwortete herausfordernd: „Was soll ich sagen? Ihr Team ist mit der Jagd nach zwei nicht existierenden, bewaffneten Männern beschäftigt. Und das -durch- den 'Mobilfunk'.“
      „Eine Finte. Hmpf, wusste ich es doch.“
      „Mehr noch, hat sie Sie direkt zu mir geführt, Miss Ford.“ Harrier hob in seiner halb weg gedrehten Position seinen Arm. Es surrte. Und kurz darauf breitete sich vor jenem eine Art gebogener, roter Duel Monsters-Spielplan aus, genau wie es bei diesem Zyxx der Fall gewesen war. Und die Worte, die dann folgten, ließen Velvet das Blut in den Adern gefrieren. „Und Sie haben direkt Velvet Thorne mitgebracht. Würde ich an Glück glauben, nun ja, wäre dies mein Glückstag.“
      „W-was?“
      „Kennt er dich?“, wandte sich Melinda an das erschrockene Mädchen, was dieses mit einem Kopfschütteln verneinte.
      Durch das Licht, das von Harriers Duel Disk ausging, konnte man sie nun sehen. Die Augen eines Raubtiers hinter zwei Brillengläsern, die die beiden Frauen anstarrten, als wären sie Beute. Blondes, eine Handbreit langes Haar, das ihm über der Stirn lag. Er trug eine graue, dünne Jacke.
      „Aber ich kann Sie beruhigen, Miss Thorne. Ich bin nicht wegen Ihnen hier und habe bedauerlicherweise auch weder Zeit noch Mittel, mich in angemessener Form um Sie zu kümmern.“
      „Ganz recht, du tust hier niemandem was!“, fauchte Melinda dazwischen. „Du wirst dich mir stellen und schön ausplaudern, was das hier werden soll, wenn es fertig ist!“
      „Heh, ist es denn fertig? Ist eine Viertelstunde nicht zu wenig gewesen, um mein Werk zu beenden?“ Harrier lachte kalt. „Das überlasse ich Ihrer Fantasie.“
      Melinda schrie bis aufs Mark provoziert: „Duell!“

      [Melinda: 4000LP / Harrier: 4000LP]

      Beide zogen ihr Startblatt. Kaum hatte die Rothaarige ihre fünfte Karte in der Hand, bestimmte sie aufgebracht: „Da das hier meine Firma ist, ist es nur fair, wenn ich auch beginne.“
      „Von mir aus“, gab sich der immer noch seitwärts stehende Hacker mit dem Pseudonym Harrier unbeeindruckt. „Ihre Chancen auf Sieg sind ohnehin nicht existent.“
      Zu Melindas Schrecken musste sie feststellen, dass ihre Hand nur aus Monstern bestand, vier davon mit halb orangenem, halb grünem Kartenrand. Sie könnte demnach sofort eine mächtige Armee von Monstern beschwören. Melinda entschied sich jedoch bewusst dagegen – denn das würde sie sich für den nächsten Zug aufheben, wenn sie ihren Gegner angreifen konnte.
      „[Performapal Gold Fang]!“
      Vor ihr materialisierte sich ein goldgelber Löwe, dessen Mähne nach hinten über den Rücken gekämmt war. An seinen Vorderpfoten hingen die Reste von Eisenketten und wie jedes Zirkustier aus Melindas Arsenal, besaß auch er eine Fliege um den Hals. Das Biest brüllte wütend.

      Performapal Gold Fang [ATK/1800 → 2000 → 1800 DEF/700 (4) PSC: <3/3>]

      „Wenn er beschworen wird, erhöht er bis zum Ende des Zuges die Angriffskraft aller Performapals um 200. Jetzt bringt mir das noch nichts. Du bist!“

      Velvet, die hinter Melinda stand, konnte kaum fassen, dass sie schon wieder in Schwierigkeiten geraten war. Der nur durch den anschließenden Serverraum beleuchtete Korridor war nicht einmal das Unheimlichste. Nein, der Mann, dieser Harrier, er schien sie zu kennen. Konnte es sein, dass er mit Zyxx zusammenarbeitete? Es musste so sein, wenn sie dieselbe Duel Disk verwendeten!
      „Melinda, bitte verliere bloß nicht“, flehte die Brillenträgerin ängstlich.
      „Hey“, drehte die sich um und zwinkerte ihrem Gast keck zu, „ich bin die Erfinderin der Pendelmechanik! So einen in die Tasche zu stecken ist meine leichteste Übung.“

      Wortlos zog der blonde Mann auf und rückte dabei mit seinem Zeigefinger die dezente Brille auf seiner Nase zurecht. Selbst jetzt drehte er sich nicht um, sondern legte lediglich ein Monster auf den rein aus Energie bestehenden, roten Spielplan seiner Duel Disk.
      „Normalbeschwörung: [Digital Bug Websolder].“
      Höchstens einen halben Meter groß war jene hellgrün leuchtende Spinne, die vor ihm erschien. Bis auffiel, dass sie mechanischer Natur war – die Beine bestanden aus dünnen Nadeln, über den Leib zogen sich dünne Linien, wie man sie auf Platinen und Mikrochips vorfand.

      Digital Bug Websolder [ATK/500 DEF/1500 (3)]

      Melinda zuckte provozierend mit den Schultern. „Oh, ein PC-Geek, der ein Computerbug-Deck spielt. Für einen angeblich professionellen Hacker bist du aber nicht besonders originell.“
      Wie sie es sagte, musste Velvet kichern. Anders als sie, schien der Rotschopf gar keine Angst zu haben. Wenn sie doch auch nur so sein könnte …
      „Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie so einen Spruch loslassen, betrug 100%, Miss Ford.“ Ein dünnlippiges, berechnendes Lächeln zierte Harriers Gesicht.
      Dann streckte er den Arm nach vorne aus. „Aktivierung des Effekts von [Digital Bug Websolder]: Er wechselt eines meiner Monster in die Verteidigungsposition, demnach sich selbst, und beschwört einen Insekt-Typus von meiner Hand in ebenjener Lage. [Bachibachibachi].“
      Die Riesenspinne senkte ihren Körper herab, wodurch die Gummigelenke an ihren Beinen besonders beansprucht wurden. Dabei piepte sie unaufhörlich einen Signalton, bis neben ihr eine mechanische Biene auftauchte. Ihr Gesicht war eine einzige Fratze, der Körper langgezogen wie eine Batterie und neben den gelb-schwarzen Streifen auch mit Blitzsymbolen versehen und Beine fehlten ihr auch.

      Digital Bug Websolder [ATK/500 DEF/1500 (3)]
      Bachibachibachi [ATK/800 DEF/800 (3)]

      Schließlich konnte Melinda sich ein höhnisches Glucksen nicht verkneifen. „Oh, dann kommt wohl als Nächstes Uga Uga Uga.“
      „Ein weiterer, traurig vorhersehbarer Spruch, Miss Ford. Aber ich verstehe, dass Sie Ihr Gesicht mit aller Macht wahren möchten – und sei es nur vor diesem Mädchen.“
      Ihre grimmige Fratze entlockte ihm ein schmales, bitterböses Grinsen. Dann streckte er erneut den Arm aus. „Ich errichte das Overlay Network!“
      Unmittelbar danach öffnete sich ein Schwarzes Loch, seine Monster verwandelten sich in goldene Lichter, die als Strahlen hineingezogen wurden. „Aus meinen beiden Stufe 3-Insekten wird ein Rang 3-Monster! Xyz Summon! Erscheine, [Digital Bug Scaradiator]!“
      Eine Lichtexplosion erfolgte. Leises Surren füllte den Korridor, als aus dem Strom ein hellgrün leuchtender Mistkäfer erschien, der mit seinen hinteren Beinen einen Lüfter festhielt. Durch diesen zirkulierten zwei Lichtsphären.

      Digital Bug Scaradiator [ATK/1800 DEF/1400 {3} OLU: 2]

      „Ich weiß, was Ihnen gerade durch den Kopf geht“, sprach Harrier und schob seine Brille arrogant zurecht, „schwach und widerlich. Aber praktisch. Sehen Sie, da ich [Digital Bug Websolder] als Xyz-Material verwendet habe, wird Ihr [Performapal Gold Fang] sofort in dem Verteidigungsmodus gewechselt und verliert obendrauf all seine Punkte in diesem Bereich.“
      Der Käfer drehte sich zur Seite, genau wie Harrier zu Melinda seitwärts stand, und erzeugte mit dem Lüfter einen gewaltigen Luftstoß, der ihren Löwen in die Knie zwang.

      Performapal Gold Fang [ATK/1800 DEF/700 → 0 (4) PSC: <3/3>]

      Velvet stammelte: „Oh nein …“
      „Keine Sorge, der kann das ab“, versuchte Melinda weiterhin zuversichtlich zu bleiben. Aber auch ihr stand inzwischen Schweiß auf der Stirn. Dieser Kerl nahm sie nicht ernst und musste offenbar gute Gründe dafür haben. Sie kannte sich in der Hackerszene nicht aus, meinte aber im Nachhinein, den Namen Harrier doch schon einmal in den Nachrichten gehört zu haben. Was bedeutete, dass dieser Mann hochgefährlich war.
      Und er hatte die AFC als sein Ziel auserkoren. Der Gedanke, was er mit der Firma ihres Vaters vorhatte, erfüllte Melinda mit einem ganz unangenehmen Kribbeln im Bauch.
      „Fühlen Sie sich sicher? Ich hoffe nicht.“ Harrier nahm eine Zauberkarte aus seinem Blatt. „Ich rüste [Digital Bug Scaradiator] mit [Xyz Drain Cannon] aus. Zusätzlich sollten Sie wissen, dass [Bachibachibachi] einem Xyz-Monster die Fähigkeit 'Durchschlagschaden' verleiht.“
      Die beiden Xyz-Materialien, die durch den Lüfter des Mistkäfers flogen, begannen sich giftgrün zu verfärben und leicht zu pulsieren.

      Dieses Mal wich Melinda erschrocken zurück. Spätestens jetzt war sich Velvet nicht mehr so sicher, ob ihre Gastgeberin wirklich furchtlos war. Das Mädchen blickte auf ihre eigene, deaktivierte Duel Disk. Sollte sie sich in das Duell einmischen?

      Mit erhobenem Zeigefinger deutete Harrier auf den kauernden Löwen. „Vernichten.“
      Immer schneller begann sich die Turbine im Lüfter Scaradiators zu drehen, bis sie Feuer fing. Daraus entstand ein Flammenzyklon, der Melinda und ihr Monster erfasste. Die junge Frau schrie gequält auf, als ihr Monster explodierte und sackte geschwächt auf die Knie. Analog dazu leuchtete der Harrier grünlich, genau wie es die Overlay Units von Scaradiator taten.

      [Melinda: 4000LP → 2200LP / Harrier: 4000LP → 5800LP]

      „Er hat sich geheilt!“ Velvet schlug ihre Hände vor den Mund. „Oh nein!“
      „Äußerst 'scharfsinnig'. Und das ist der Grund, warum Sie Zyxx nur um Haaresbreite entkommen sind, Miss Thorne.“ Harrier lachte gehässig und schob seine Brille zum gefühlt hundertsten Male zurecht. „Dafür steht das Drain in [Xyz Drain Cannon]. Zugefügter Kampfschaden wird auf mein Konto übertragen. Einfache Mathematik.“
      Melinda fasste sich in ihrer Hocke an die Stirn. „Ugh ...“

      Also hatte sie Recht! Dieser Verrückte gehörte zu Zyxx! Dann … dann war vielleicht eine ganze Gruppe von Leuten hinter ihr her! Aber warum!?
      Velvets Herz schlug schneller und schneller beim bloßen Gedanken daran. Wie gelähmt sah sie den Blonden an, der seine Worte wieder an Melinda richtete.

      „Aber es geht noch weiter. Der Effekt von [Digital Bug Scaradiator] setzt ein und absorbiert das zerstörte Monster als Overlay Unit.“
      Der Rotschopf sah kämpferisch auf. „Dann habe ich schlechte Nachrichten für dich-“
      „Ich weiß, als Pendelmonster wird [Performapal Gold Fang] in Ihr Extradeck gelegt. Ich wollte nur sichergehen, dass -Sie- das nicht vergessen haben.“ Er sah prüfend auf seine Duel Disk und gab einen sich bestätigt fühlenden Laut von sich. Dann blickte er Melinda in die Augen. „Wie zu erwarten war. Sie besitzen einen überdurchschnittlich starken Äther, Miss Ford.“
      Jene erhob sich, torkelte aber rückwärts und musste von Velvet aufgefangen werden. „D-danke. Was besitze ich?“
      „Selbstverständlich wie jeder“, ignorierte Harrier ihre Frage, „der damals im Turm war.“
      „Woher-!?“
      „Wenn ich recherchiere, dann gründlich. Ich kenne Ihre dunkelsten Geheimnisse, Miss Ford.“
      Die Tochter des CEOs der Abraham Ford Company riss sich von einer erschrockenen Velvet los und streckte ihrem Gegenüber frech die Zunge raus. „Und wenn schon, ich war eben erst 13. Das ist alt genug, wenn du mich fragst.“
      „Wie hat Ihr Vater auf die Konsequenz ihrer Jugendsünde reagiert? Das konnte ich leider nicht herausfinden. Obschon dafür nicht sonderlich viel Fantasie notwendig ist.“
      Melinda erstarrte. Und ballte wortlos eine Faust, was Velvet hinter ihr sehen konnte. Sie wollte gar nicht genau darüber nachdenken.
      „Heh. Natürlich.“ Harrier nahm eine Karte aus seinem Blatt und schob sie in seine Energie-Duel Disk. „Ich setze eine Karte und beende meinen Zug.“
      Leise zischend materialisierte sich die Falle zu seinen Füßen.

      „Mein Kopf“, knurrte Melinda und fasste sich an die Stirn, „dieses Duell beginnt mir langsam auf die Nerven zu gehen. Und das sage ich nicht oft.“
      „G-geht es Ihnen nicht gut, Miss Ford?“, fragte Velvet und erinnerte sich an ihre Auseinandersetzung mit Zyxx, bei der sie ebenfalls von Schwindelgefühlen geplagt worden war.
      „Nein, alles gut.“ Melinda versuchte heiter zu klingen, scheiterte dabei aber an ihrer eigenen, zittrigen Stimme. Selbst als sie besonders betont ihr Selbstvertrauen zur Schau stellen wollte. „Jetzt verteile ich ein paar Backpfeifen. Sieh zu und lerne, Velvet! Und wir waren beim Du, schon vergessen?“
      „E-entschuldigung“, stammelte Velvet, strahlte dann aber zuversichtlich. „Dem zeigen Sie, i-ich meine, dem zeigst du es!“

      „Draw!“ Nachdem Melinda auf eine fünfte Karte aufgezogen hatte, nahm sie zwei andere aus ihrem Blatt und zeigte sie vor. „Ich aktiviere [Performapal Monkeyboard] mit dem Pendelbereich 1 und [Performapal Guitartle] mit dem Pendelbereich 6! Pendulum Scales set!“
      Tatsächlich legte sie die Karten aber in genau der entgegengesetzten Reihenfolge auf ihre Duel Disk, sodass erst eine Gitarre mit dem Kopf einer hellblauen Schildkröte und ein Affe, dessen breites Maul gefüllt mit Klaviertasten war, in zwei Lichtsäulen neben ihr empor stiegen.

      <1> Melindas Pendelbereich <6>

      „Da ich technisch gesehen [Performapal Guitartle] zuerst aktiviert habe, kann ich ihren Effekt nutzen, der mich eine Karte ziehen lässt, wenn auch die andere Pendelzone mit einem Performapal gefüllt wird.“ Melinda zog schwungvoll von ihrem Deck und streckte die Hand aus. „Und wenn [Performapal Monkeyboard] aktiviert wird, erhalte ich einen belieben Performapal vom Deck. Drummerilla!“
      Dessen Karte schob sich aus ihrem roten D-Pad. Die immer noch ausgestreckte Hand nach oben richtend, rief der wilde Rotschopf. „Und jetzt schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihr öffnete sich ein riesiges, bunt schimmerndes Loch, umgeben von dutzenden Lichtellipsen.
      „Pendulum Summon! Aus meinem Extradeck [Performapal Gold Fang]! Und von meiner Hand [Performapal Silver Claw], [Performapal Drummerilla], [Performapal Trumpanda] und [Performapal Camelump]!“
      Velvet klappte die Kinnlade hinunter, als nacheinander fünf rote Lichtstrahlen aus dem Pendelportal herab schossen und vor Melinda einschlugen. Es erhoben sich der goldgelbe Löwe, sein blau-grauer Rivale der Wolf, ein massiver Gorilla, auf dessen Brust zwei Trommeln hafteten, ein kleiner Pandabär, welcher eine gewaltige Tuba spielte und zu guter Letzt ein gelbes Kamel mit dunkelblauer Melone auf dem Kopf.

      Performapal Gold Fang [ATK/1800 DEF/700 (4) PSC: <3/3>]
      Performapal Silver Claw [ATK/1800 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Drummerilla [ATK/1600 DEF/900 (5) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/800 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]
      Performapal Camelump [ATK/800 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]

      Die Schülerin konnte nicht mehr an sich halten. „Wahnsinn! D-damit können Sie, k-kannst du ihn regelrecht über-“
      „Berechenbar“, schnitt ihr der Hacker kühl ins Wort, „aber etwas anderes war in der Tat nicht zu erwarten. Sie sind die Schöpferin der Pendelmechanik und verpflichtet, mit positivem Beispiel voran zu schreiten.“
      Der Blonde in der grauen Windjacke schob seine Brille zurecht. „Zumindest soll die Öffentlichkeit das denken. Als Sie damals Anya Bauer durch das gestellte Duell in den Legacy Cup geschleust haben, sind sie ein großes Risiko eingegangen. Das Debüt der Pendelkarten – ein totaler Reinfall.“
      Statt beleidigt zu kontern, winkte Melinda grinsend ab. „Ach hier weißt du auch Bescheid? Wie schön für dich. Aber mir war und ist bis heute völlig Banane, was die Leute von mir oder den Pendelmonstern halten.“
      Harrier schnippte mit dem Finger, wodurch seine gesetzte Falle aufklappte. „Sehen Sie, das ist Ihr Fehler. Kein Antrieb, sich weiterzuentwickeln. Vermutlich verstehen Sie sich deshalb so gut mit Anya Bauer.“
      Auf dem Bild der Falle war ein bunter Galaxienwirbel abgebildet, nicht ganz unähnlich dem Inneren des Pendelportals. Jener Sog öffnete sich vor dem Blonden, welcher ungestört weiter sinnierte. „Dadurch haben Sie Ihren Untergang noch vor dem Duell besiegelt. Diese Falle nennt sich [Time-Space Trap Hole] und schickt alle von der Hand und dem Extradeck beschworenen Monster sofort ins Deck des Besitzers zurück, auch wenn mich das für jedes von ihnen 1000 Lebenspunkte kostet.“
      „D-diese Karte-“
      „Hat Ihr eigener Bruder als Gegenmaßnahme dieser Mechanik entworfen. Bitter, ich weiß.“
      Eines der Zirkustiere nach dem anderen wurde in das bunte Loch gezogen und verschwand von Melindas Feld, deren eingefrorene Gesichtszüge Bände sprachen.

      [Melinda: 2200LP / Harrier: 5800LP → 800LP]

      Das konnte doch nicht sein, überschlugen sich Velvets Gedanken. Dieser Harrier schien das ganze Duell wie ein Computer simuliert zu haben. Erst seine Lebenspunkte zu erhöhen, um sie dann zu nutzen, um Melindas Pendelbeschwörung zu unterbinden. Sie grauste sich regelrecht davor, was er als Nächstes im Sinn hatte.
      Panisch blickte sie ihre Duel Disk an. Jeder gute Plan konnte jedoch durch unvorhergesehene Umstände über den Haufen geworfen werden. Wenn sie sich ins Duell einschaltete und ihren [Ebon Sky Pegasus] beschwor, konnten sie Harrier vielleicht zusammen besiegen. Aber was, wenn sie scheiterte? Was würde dann mit ihr geschehen? Würde ihre Todesvision dann zur Realität werden?

      Das Mädchen blickte ängstlich auf. „N-nein. I-ich werde mich nicht drücken. W-wenn dein Zug beendet ist, werde ich einsteigen, Melinda!“
      „Nein!“, bestimmte die und streckte den Arm von sich weg, um die Schwarzhaarige daran zu hindern, neben sie zu treten. „Das ist mein Kampf. Bitte versteh' das, Velvet.“
      „A-aber-!“
      „Als Erbin der Abraham Ford Company muss ich sie in Zeiten der Not beschützen. Außerdem kann ich keine Unbeteiligten in die Sache hineinziehen.“ Der Rotschopf sah über ihre Schulter und zwinkerte dem Mädchen zu. „Und mal ehrlich, mit dem werde ich auch alleine fertig.“
      Velvet nickte zögerlich und trat ein paar Schritte zurück. „Okay.“
      „Wenn es danach geht, haben Sie bisher einen hervorragenden Job geleistet, Miss Ford“, spottete Harrier sarkastisch und rückte seine Brille zurecht. „Ich hoffe, Ihre kleine Ansprache hält was sie verspricht. Wobei -das- noch nie eine der Stärken Ihres Unternehmens war.“
      „Und ich hoffe, dass du mehr als nur ein Haufen heiße Luft bist. Da ich noch kein Monster als Normalbeschwörung gerufen habe, hole ich das jetzt nach und setze es.“ Melinda legte ihre letzte Handkarte auf ihr D-Pad, woraufhin jene zischend zu ihren Füßen erschien. „Du bist!“
      Dabei begann sie schelmisch zu grinsen.

      Der blonde Hacker zog gelangweilt auf und zuckte. „Und das soll alles sein? Ich bin enttäuscht. Korrektur: Ich bin kein wenig überrascht.“
      Ruckartig streckte er die Hand nach vorne aus. „Double Rank Up-Incarnation! Ich kann zwei Overlay Units von einem Digital Bug-Monster entfernen, um es zwei Ränge aufsteigen zu lassen.“
      „Was!?“, keuchte Melinda. „Double Rank Up … Incarnation!?“
      Sie weitete die Augen, als die zwei leuchtenden Sphären um Scaradiator nach unten schossen und das Überlagerungsnetzwerk öffneten, in welches der Käfer eintauchte.
      „Noch nie davon gehört? Dabei ist das doch eine Erfindung aus dem Hause Ford. Ich rekonstruiere das Overlay Network. Aus der eigenen Kraft meines Rang 3-Monsters wird ein Rang 5-Monster! Xyz Summon! [Digital Bug Corebage]!“
      Eine optische Erschütterung suchte den Serverraum heim. Aus dem dunklen Wirbel entstieg eine riesiger, hellblauer Schmetterling. Auf seinem oberen Flügelpaar waren gelbe Platinen angebracht, die genau so leuchteten wie die Kreuze in seinen Facettenaugen.
      „Dieses Monster macht sowohl Scaradiator, als auch [Xyz Drain Cannon] durch deren eigenen Effekt zu Overlay Units“, erklärte Harrier, als zwei Lichtkugeln um den Falter zu rotieren begannen.

      Digital Bug Corebage [ATK/2200 DEF/1800 {5} OLU: 0 → 2]

      Melinda stand der Schweiß auf der Stirn. Hatte die AFC wirklich so etwas eingeführt? Wann? Etwa zu der Zeit, als sie in Livington, von Isfanel besessen, um ihre Zukunft gekämpft hatte? Eine andere Erklärung gab es nicht!
      Trotzdem würde Harrier sein blaues Wunder erleben, sobald er erst angegriffen hatte.
      „Natürlich weiß ich ganz genau, was Sie denken. Ihr überhebliches Grinsen verrät sie, Miss Ford“, sagte jeder und schob seine Brille zurecht, „'sobald er das verdeckte Monster angreift, wird er eine böse Überraschung erleben.' Aber dazu kommt es nicht.“
      Der Mann hob die Hand und schnippte mit den Fingern. „Effekt von [Digital Bug Corebage]. Im Austausch für eine Overlay Unit schickt er ein Monster im Verteidigungsmodus zurück in das Deck seines Besitzers.“
      Ein entsetztes Keuchen entfloh Melinda, als der Schmetterling mit seinem schlauchartigen Rüssel eine der beiden Lichtkugeln absorbierte. Seine Flügel begannen gelblich zu leuchten, als er in die Höhe stieg und sie, auf der Stelle verharrend, in schnellen Intervallen ausschlug.

      Digital Bug Corebage [ATK/2200 DEF/1800 {5} OLU: 2 → 1]

      Funkelnde Partikel flogen in Richtung des Rotschopfs und ihres gesetzten Monsters. Als sie auf jenes trafen, löste sich dessen Karte einfach auf. Genauer gesagt wurde sie Bit für Bit, Pixel um Pixel zersetzt, gelöscht.
      „Ah!“
      „M-Melinda!“, stieß Velvet panisch aus.
      Doch Harrier richtete bereits seinen Zeigefinger auf die junge Frau. „Wie ich es erwartet habe, große Klappe, nichts dahinter. Sie mögen die Tochter des Firmenbesitzers sein, doch verstehen Ihre eigenen Produkte nicht. Armselig. Direkter Angriff, [Digital Bug Corebage].“
      „W-wa-!?“ Melinda weitete die Augen.
      Die Facettenaugen des Schmetterlings leuchteten auf. Und keine Sekunde später feuerten sie feine Laserstrahlen auf die junge Frau ab, welche getroffen und fortgeschleudert wurde. Im Flug begann die Welt vor ihren Augen immer mehr zu verschwimmen. Den Aufprall bekam Melinda gar nicht mehr mit, sie spürte den Schmerz nicht.

      [Melinda: 2200LP → 0LP / Harrier: 800LP]

      Der Rotschopf rutschte über den glatten Boden. Velvet eilte zu ihr und fiel auf die Knie, um dem entgegenzuwirken. Das Mädchen packte die Schultern ihrer Gastgeberin und sah nur noch, wie deren Lider sich schlossen. „M-Melinda!“
      Sie schüttelte die Frau, aber die reagierte nicht. „H-hey!“
      Entsetzt sah Velvet auf. „Sie ist doch nicht tot!?“
      „Unwahrscheinlich. Nebenwirkungen sind nicht ausgeschlossen, doch Todesfälle gab es bisher keine“, sprach Harrier kryptisch und schob seine Brille zurecht. Dann wandte er sich erstmals seinen Gegenübern zu. „Nun, ich würde mich gerne auch noch um Sie kümmern, Miss Thorne. Doch leider fehlt mir heute die Zeit dazu.“
      Er neigte sich hinab und las den Koffer auf, der die ganze Zeit neben ihm gestanden hatte.

      Passend dazu hörte Velvet die Stimme von mehreren Männern hinter sich. Sie sah über ihre Schulter und bemerkte zwei Männer in blauen Uniformen, die den kreisrunden Raum mit der Maschinensäule entlang und auf sie zu rannten. Wachmänner! Na endlich!
      „Man sieht sich“, sprach Harrier abschließend, griff in seine Jackentasche und warf etwas auf den Boden. Dabei legte er mit seiner anderen Hand eine Art schmale, weiße Atemmaske an seinen Mund an.
      Es knallte. Alles wurde in grelles Licht getaucht. Die Wachmänner, welche just in diesem Moment den Korridor zum Serverraum erreichten, bremsten und wandten sich stöhnend ab. Mehr noch, spürte Velvet, wie ihre Sinne schwanden. Gas! Das geblendete Mädchen kippte schwach zur Seite, hörte nur dumpf die Schritte Harriers, welcher an ihnen vorbei rannte. Danach Schreie der Wachmänner, die er anscheinend überrumpelte und mit Schlägen niederstreckte. Es folgte Dunkelheit.

      ~-~-~

      Drei Generationen von Bauer-Frauen saßen am kreisrunden Holztisch in der Küche der Bauers und starrten sich gegenseitig verstimmt an. Anya mit Eisbeutel in ein Handtuch gewickelt, das sie sich ans rechte Auge hielt. Sheryl, die ihre Schwiegermutter mit finsteren Blicken strafte. Und Margery, die ihre Hände ineinander gefaltet vor ihr Kinn gerichtet hatte.
      Zanthe, Matt und Claire waren da nur Pappaufsteller, die neugierig im Türrahmen standen und keinen Mucks von sich gaben.
      „Wo ist Zoey?“, fragte Anyas Großmutter scharf.
      „Nicht mehr hier. Du bist zu spät“, entgegnete Sheryl mit unterdrückter Wut, „ich hatte gehofft, dass du dich etwas beeilst. Wir waren uns einig, dass du sie so schnell wie möglich zurückholst.“
      „Hmpf.“
      „Oma, Zoey ist abgehauen“, versuchte Anya zu erklären. Und wer genau hinhörte, konnte ein leichtes Zittern in ihrer Stimme ausmachen. „Und es ist meine Schuld, irgendwie. Wir haben uns gestritten …“
      Ein Blick aus dem gesunden Auge der alten Frau genügte, um selbst eine Anya Bauer sofort zum Schweigen zu bringen. „Hmm.“
      „Es ist Zoeys Schuld“, stellte Sheryl jedoch klar, „sie hat angefangen, Anya aus Neid zu provozieren.“
      „Seid ihr beide zwölf, dass es bei euch darum geht, wer an was Schuld hat?“, raunte Margery verstimmt, schnappte sich die Büchse Bier, die neben ihr stand, und trank sie leer. „Bah! Ihr wisst, wie empfindlich das Gör ist!“
      Aber Sheryl ließ sich davon nicht beeindrucken. „Die kommt schon wieder. So sind Mädchen in ihrem Alter. Spätestens, wenn ein Anruf von der Polizei kommt, wissen wir wo sie ist. Und der wird nicht lange auf sich warten lassen.“
      Der letzte Satz war mit besonders viel Missachtung gesprochen. Anya schluckte, hoffte sie insgeheim doch inständig, dass genau das nicht geschehen würde. Zoey konnte sich keinen Ärger mehr leisten.
      „Meine Enkelinnen sind gute Mädchen“, stellte Margery klar. Anya lächelte sofort besonnen in sich hinein. „Nur etwas dumm. Aber sie finden immer ihren Weg zurück nachhause. Ich werde warten.“
      „Nicht-“
      „Hier“, schnitt die alte Dame ihrer Schwiegertochter ins Wort. „Bis die kleine Zoey wieder ins Nest zurückgeflogen ist. Und in der Zeit werdet ihr euch Gedanken machen, wie ihr euch bei ihr entschuldigt.“
      Kleinlaut murmelte Anya: „Ja, Grandma …“
      „Und ich sorge dafür, dass sie sowas nicht nochmal macht“, murrte jene hinterher, „und jetzt, Anya, erzähl deiner Grandma, was du so alles erlebt hast.“
      Deren Mimik hellte sich sofort auf. Sie wusste, dass ihre Oma entgegen ihrer rauen Schale ein guter Mensch war, der seine Familie liebte. Sofort verblasste ihre Euphorie wieder. Hoffentlich war das bei Zoey genauso. Aber Grandma kannte sie am besten und würde Recht damit haben. Zoey würde zurückkommen, sobald sie ihren Dampf abgelassen hatte. Und Grandma würde sie dafür bestrafen, aber …
      Anya seufzte schwer. Aber was wenn sie sich irrte?
      „Also, angefangen hat es …“


      Turn 95 – Bonds
      Anyas erster offizieller Termin zum Eintritt in die Profiliga ist herangerückt. Im Livingtoner Einkaufszentrum, dem gläsernen Kolosseum, soll sie sich ihrem Gegner stellen, der die neuesten Duel Monsters-Karten vorstellen soll. Jener entpuppt sich als ein bekanntes Gesicht, ganz zum Erstaunen des Mädchens. Und als besonders schwerer Widersacher …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Melinda

      Performapal Gold Fang
      Performapal Silver Claw
      Performapal Drummerilla
      Performapal Trumpanda
      Performapal Camelump
      Performapal Guitartle
      Performapal Monkeyboard

      The Harrier

      Digital Bug Websolder
      Bachibachibachi

      Xyz Drain Cannon
      Zauber/Ausrüstung
      Wenn das ausgerüstete Monster Kampfschaden zufügt, erhöhe deine Life Points um denselben Betrag. Wenn das ausgerüstete Monster als Material für eine Xyz-Beschwörung benutzt wird, kannst du diese Karte von deinem Friedhof als Xyz-Material an das beschworene Xyz-Monster hängen.

      Time-Space Trap Hole

      Digital Bug Scaradiator
      Digital Bug Corebage


      Die Folge als PDF

      Ich hoffe, es hat euch gefallen. Über konstruktive Kritik und Lob freue ich mich wie immer. ^^
      Spoiler anzeigen


      Zu Cythia; Nicht falsch verstehen. Der Name passt schon. Und wie du schon schriebst hatte ich als Leser sofort eine Idee wie dieser Charakter ungefähr so sein könnte. Beim bloßen Namen mit der Kombination eines ehemaligen Champions.

      Anyas Story faden: Oma Anya eh Bauer lernten wir also in dieser Folge kennen. Das Geheimnis warum Anya so ist wie sie ist ist damit gelüftet. Es ist zum Großteil die DNA schuld und die Schläge ihrer Oma. Aber auf den Satz "Eine Bauer verliert kein Finale" kann ich nur erwidern wie der Vater so die Tochter. Robo Clairs Entwicklung zu Anroid Clair hat also stattgefunden. Welches lv hat sie den erreicht? Und wann wird sie zu Cyborg Clair und Human Clair? Meine Vermutung ist ja ab lv50 und 75. Ich weiß nicht mehr ob es schon in älteren Folgen behandelt wird. Aber die Bauer Familie säuft schlechtes Bier. Ich meine Büchsen Bier... Realy? Ich weiß das ganze spielt in den USA aber ich hatte gedacht das Anya gutes Bier mag. Ich vermute mal bei der nächsten Rückkehr von Zoey wird es erstmal noch feindseliger zugehen als das erste Duell schon war. Wenn Zoey erstmal erfährt das ihre eigene Familie ihr die Existenz von gutem Bier all diese Jahre verschwiegen hatte... oh man dann geht die Post ab XD

      Velvets Story faden; Ok Velvet Ausflug in das dunkelste Geheimnis der Kartenherrstellung, aus Seelen, von Konami wird bestimmt spannend. Was es ist die Ford Company blos? Ich habe gehört die benutzen sehr gute Pappe und bieten dazu noch die Hologramm Technologie an. Und sie haben versprochen niemals Firerwall zu drucken. Gute Firma. Konami kann sich bei denen ruhig eine Scheibe abschneiden. Natürlich glaubt Velvet das sie für etwas verklagt wird das sie nie begannen hatte. Henry ist doch nicht böse. Kann sie halt nicht wissen. Melinda geht sogar noch mit ihr im dunklen joggen. Dazu treffen sie noch nen Bösewicht und Miss Ford wirft sich duellierend vor Velvet, auf den Boden... Das war schon eine harte und peinliche Niederlage für sie. Vor allem hätte sie doch in ihrem aller ersten Spielzug deutlich mehr machen können und müssen und sollen.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung: