Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      -Aska-

      Ja, darauf bin ich sehr gespannt. Aber das klingt nicht so, als ob es so bald sein würde. Meh xD

      Immerhin hat sich die Sammlerbotschaft nicht wie bei "Cobra, übernehmen Sie/Mission Impossible" am Ende selbst vernichtet. Stell mal vor, sind da in einer Halluzination, und auf einmal sagt der dir: 'Diese Halluzination vernichtet sich in 5 Sekunden von selbst' und du kommst da alleine nicht mehr raus xD


      Folge

      Wieder eine gute Folge. Schöne Highlights waren natürlich wieder die zahlreichen Interaktionen mit den herrlichen Spitzen zwischen Anya und ihren Bekannten. Ebenso empfand ich die Stelle, wo Anya zugibt, wie sehr sie Levrier schätzt und er im Endeffekt schon längst ein Teil ihrer Familie für sie geworden ist.

      Zach kam in dem Kapitel - und ich hab keinen Zweifel daran, dass das so beabsichtigt war - wie ein richtiges, unsympathisches A**** rüber. Ich meine, man hätte es Anya echt gegönnt, wenn sie ihn am Ende fertig gemacht hätte. Wie bei der vorletzten Folge war die Chance dafür natürlich erstmal sehr gering, wenn auch nicht komplett auszuschließen. Wie beim Nick/Kali Duell: Man hat die Vermutung zwar, wie es ausgehen dürfte, aber komplett sicher kann man sich bis zum Ende aber nicht sein. Das bewahrt die Spannung ;)

      Ich denke, in späteren Folgen bleibt noch viel aufzuarbeiten, was ihr kaputtes Verhältnis angeht. Will sagen der Hass, die Abneidung und gar die Verachtung, die Zach hier praktisch für Anya gezeigt hat, die muss ja irgendwo ihren Ursprung haben. Genauso, dass er als Kompagnon von Kali erstmal klar in eine Antagonistenrolle schlüpfen dürfte.
      Aber als hätte Zach nicht schon genug dunkle Schatten vorausgeworfen, haben wir mit dem 'Kampfzwerg' Logan noch einen weiteren neuen Charakter kennengelernt. (Naja, eigentlich hatte er ja namenslos schon einen Auftritt wenn man ehrlich ist xD). Der hingegen wirkt fast wie ein potentieller Love Interest für Anya (ehrlich, wen hat sie sonst schon mal großartig freiwillig umarmt? xD). Aber so wie es Levrier am Ende der Folge anmerkte, ein paar Dinge bei ihm sind nicht stimmig und hinterlassen einen schlechten Beigeschmack. Und wieso er bewusst log, das muss sich genauso wie die Dinge mit Zach erst einmal zeigen. Ohne mehr Hintergrund kann man echt nicht sagen, ob er ein Guter oder doch böse ist. In jedem Fall dürfstest du mit dieser Folge eine Menge Grundsteine für spätere Handlungen gelegt haben, ne?

      Nächste Folge endlich wieder was von Val, ja! Und wehe sie nimmt seinen Nachnamen an. Der hat einen schlechten Klang zusammen mit ihrem Vornamen xD

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Mal wieder vielen Dank dafür, dass ihr regelmäßig hier vorbeischaut.

      @Evil Bakura
      Viele Antworten werden leider noch länger auf sich warten lassen, als uns allen lieb ist. :(
      Aber wie sagte jemand einst so weise? Der Weg ist das Ziel.

      Im Grunde kann man durch Zachs Verhalten aber gut erkennen, dass die beiden Geschwister sind. Der Unterschied ist, dass Zach nicht so abgedreht ist wie Anya.
      Ich denke auch, dass man durchaus Anya den Sieg hätte zugestehen können, auch wenn es einem unwahrscheinlich erschien. Wie es letztlich ausgegangen wäre, habe ich ja nur angedeutet, auch wenn mehr gar nicht nötig war.
      Wobei ich bei Logan bis heute nicht so ganz nachvollziehen kann, warum du so an ihm zweifelst. Das kann doch nicht nur an seiner Debutszene liegen, die ich in der Urfassung etwas zu krass geschrieben habe.
      Grundsteine habe ich jedenfalls eine Menge gelegt, auch wenn ich das momentan fast jede Folge über mache. xD

      Danke für den Kommi!


      So, liebe Leser, nun habt ihr es in der Hand.
      Von einigen Seite wurde nach bestimmten Decks wie Fire Fist, Dark World etc. gefragt.
      In Folge 61 - ja das ist noch eine Weile hin, ich weiß - wird sich eine Figur duellieren, die eigentlich gar nicht als Duellant vorgesehen war. Was brauchts dafür? Richtig: Ein Deck. Und das dürft ihr bestimmen.
      Zur Auswahl steht Folgendes:

      - Satellaknight
      - Fire Fist
      - Vanilla-Pendel
      - Mischmasch-Donner
      - Mischmasch-Wyrm
      - selbstausgedachtes Themendeck, das Pendel-, Xyz- und Unionsmonster in sich vereint

      Ihr könnt gerne mehr als ein Deck aussuchen, sofern es nicht gleich die ganze Liste ist.
      Das Deck mit den meisten Votes wird der Charakter dann spielen. Wann genau das Voting endet weiß ich noch nicht, aber da ich bereits an besagter Folge sitze, wäre es natürlich schön, in den nächsten Tagen zu einem Ergebnis zu kommen.

      Jetzt aber viel Spaß mit der vorletzten "alten" Folge!

      Turn 45 – Starring: Bonnie & Clyde 2.0: Part I
      Abigail Masters war vieles. Geduldig, warmherzig, rücksichtsvoll, nachsichtig, stets um das Wohl anderer besorgt. Allerdings sorgte Anyas geradezu frenetisches, hämisches Gelächter in diesem Augenblick dafür, dass Abbys Tugenden drohten, alsbald der Vergangenheit anzugehören.
      Denn die hatte es sich offenbar zur Aufgabe gemacht, kein gutes Haar an Abbys eierschalenfarbenem, knielangen Kleid zu lassen. Die stand ratlos vor dem Innenspiegel ihres Kleiderschranks, in dem noch teilweise Abbys alte 'Kartoffelsäcke' hingen und wusste beim besten Willen nicht, was an ihrer Robe so verkehrt war.
      „Es steht mir doch!“, betonte sie ärgerlich und zupfte an den gewellten Ärmeln. „Was hast du denn!?“
      Anya, die auf Abbys Bett hockte, sah sich schelmisch in dem kleinen Zimmer um, das mit WWF-Postern regelrecht tapeziert und mit Bücherregalen überfüllt war. „Es sieht scheiße aus, Masters.“
      „Tut es nicht!“
      Abby wirbelte schnaufend zu ihrer besten Freundin herum, die sie nun eindringlich ansah und wesentlich direkter wurde. „Als hätte man Kotze zusammengekratzt und damit das Kleid eingefärbt!“
      „Anya! Das sind keine Flecken, das muss so sein!“, meinte Abby und spielte auf die dunkler hervorstechenden Formen des Kleides an.
      „Sagt 'Kroko Schrapnell'. Ich sage, das sieht aus wie hingekotzt!“
      Mit geradezu infernaler Wut im Bauch stemmte Abby die Hände in die Hüften. „Und du!? Schwarzes T-Shirt, zusammengeflickte Lederjacke, Jeans … so geht man nicht auf eine Hochzeit!“
      „Stimmt, -ich- gehe ja auch auf eine Beerdigung!“, stellte Anya klar und sprang auf. „Und zwar die des guten Geschmacks …“
      „Selbst wenn ich mir ein neues Kleid kaufen würde, die Zeit dafür haben wir nicht mehr! Die Zeremonie fängt in zwei Stunden an!“ Abby schwang den Zeigefinger und hielt ihn drohend unter die Nase ihrer Freundin. „Und jetzt kein Wort mehr darüber! Du wirst dich in den nächsten Stunden vorbildlich benehmen, haben wir uns verstanden?“
      Anyas zusammengekniffene Augen schrien geradezu das Nein heraus.
      Also wurde Abby deutlicher: „Wenn die Trauung vorbei ist, plane ich, wie ein Schlosshund zu heulen, weil alles so schön und romantisch ist! Solltest du es wagen, das zu versauen, werde ich dich für den Rest deines Lebens glauben lassen, du seist ein sprechender Affe!“

      „Kein Unterschied zu jetzt“, hallte es hinter der geschlossenen Tür, „denk dir was Besseres aus.“
      Zanthe, der nicht in Abbys Refugium geduldet wurde, solange diese sich umzog – trotz etlicher Betonungen seiner Homosexualität – fühlte sich wie im falschen Film. Er trug einen geliehenen, schwarzen Anzug. Nur sein blaues Kopftuch hatte er sich nicht nehmen lassen, trotz der Proteste von allen Seiten – Abby-Nord, Abby-Süd, Abby-Ost und Abby-West.
      Wenn es nach ihm ging, könnte jeder so zu dieser Hochzeit antanzen wie er es wollte. Ihm bedeuteten irgendwelche Dresscodes ungefähr so viel wie Anya sich für die Evolution der Prärielibellen interessierte. Leider hatte in dieser Hinsicht Abby das Sagen und machte schon den ganzen Tag allen das Leben schwerer, als es ohnehin schon war.
      „Mal sehen, wie lange das noch dauert“, murmelte er ärgerlich, „kann sich ja nur um Stunden handeln. Man sollte meinen, -sie- ist das Brautmonster …“

      „Halt die Fresse, Fellknäuel“, schnauzte derweil Anya und funkelte Abby böse an, „wenn ich Bock hab die Party zu sprengen, werde ich das auch, 'kay!?“
      „Sprechender Affe! Keine Diskussion mehr!“
      Schwungvoll schwang die Sirene, die ihr Haar offen trug, den Arm aus und zeige auf das große, quadratische Geschenk auf ihrem Schreibtisch. Entgegen allgemeiner Annahmen hatte Valerie darauf verzichtet, vorher eine Hochzeits-Party zu veranstalten, weshalb die Geschenke nun nach der Trauung während der Feier auf dem Redfield-Anwesen abgegeben werden sollten. „Ich hoffe, du hast auch etwas für die beiden!“
      Der Versuch, Anya von Thema Hochzeits-Crasher abzubringen, war leider vergebens. Denn die begann plötzlich voller boshafter Vorfreunde zu grinsen.
      „Noch nicht. Aber wer weiß, vielleicht backe ich ihr noch schnell einen Kuchen“, überlegte sie.
      „Lieber nicht“, erwiderte Abby skeptisch.
      „Warum?“
      Anyas angespannte Mundwinkeln, die es nicht gewöhnt waren, mal nicht bis zu den Kniekehlen zu hängen, hatten ernsthafte Schwierigkeiten, sich in ihrer ungewohnten Lage zurecht zu finden. Es war doch so simpel. Wenn Redfield auch nur ein Stück ihres Super-Special-Sonder-Kuchens probierte, würde aus ihrer Hochzeit die Neuverfilmung von Schneewittchen werden. Wohlgemerkt ohne Happy End. Das Teil war stark genug, um Chuck Norris ins nächste Leben zu schicken.
      „Nein“, flüsterte Abby leise, aber bestimmend, „kein Kuchen. Nicht von dir. Also, hast du ein Geschenk?“
      „Ja“, brummte Anya langgezogen und schicksalsergeben. Was hatte sie auch anderes erwartet?
      Abby mochte zwar jetzt aussehen wie ein Heidi Klum-Klon, aber an ihrem Spaßbremsen-Charakter hatte sich wenig geändert. „Geb's den beiden nachher irgendwann.“
      Die Chefsirene nickte streng. „Gut. Dieser Hochzeit wird nichts im Wege stehen!“

      ~-~-~


      Knapp eine Stunde später hatten sich bereits allerlei Gäste vor der kleinen Kirche eingefunden, welche am Stadtrand lag und von Bäumen umringt war. Im Kontrast dazu stand das beeindruckte Fahrwerk der Gäste, das am Straßenrand kaum Platz fand.
      Zusammen mit Sheryl, Abbys Eltern und einigen Geschwistern schritten Anya, die Chefsirene und Zanthe auf das Bauwerk zu. Damit Anyas Lüge bezüglich ihres 'Haustiers' nicht aufflog, hatte sie extra vorher die Masters eingeweiht und um Kooperation gebeten mit dem hoch und heiligem Versprechen, für eine wohltätige Organisation zu spenden. Später. Irgendwann vielleicht.
      Vor dem Eingang hatte sich eine kleine Schlange gebildet, was daran lag, dass die Gäste rigoros von muckibeladenen Männern in Schwarz kontrolliert wurden.

      Als Anya dann noch sah, wer das Schlusslicht besagter Schlange bildete, verging ihr endgültig die Lust an dieser seltendämlichen Hochzeit.
      „Oh, Pennerkind“, raunte sie, als die Gruppe aufgeschlossen hatte, „wie absolut unschön, dich zu sehen. Was machst du hier? Redfield kann dich nicht ausstehen.“
      Jener, in feinstem schwarzen Anzug gekleidet, drehte sich zusammen mit seiner Schwester Melinda, die in Weiß daher kam, wenig begeistert um.
      „Die ist auch eingeladen?“, flüsterte er seiner Begleiterin missmutig zu.
      Die brünette Frau stieß ihm als Antwort strafend den Ellbogen in die Rippen. Als Anya sie das letzte Mal gesehen hatte, waren ihre Haare noch kürzer. Diesmal lagen sie ihr schon lang über den Rücken. Im Gegensatz zu Henrys, welcher sie seit je her relativ kurz trug. Diesmal sogar zu einem Scheitel gegelt. Anya bekam Brechreiz bei seinem Anblick.
      „Schön euch zu sehen“, begrüßte Melinda Anya und umarmte Abby, „lange ist es her.“
      Als sie Anya ebenfalls umarmen wollte, starrte diese ihr Gegenüber nur einen Moment lang aussagekräftig an, um Melinda zum Umdenken zu 'überreden'. Stattdessen musste ein Händeschütteln reichen.
      Auch Zanthe wurde nicht ausgelassen, der sofort fragte: „Ihr kennt euch?“
      „Aus dem Turm“, erklärte ihm Anya mürrisch.
      Es folgte ein kurzes Gespräch, in dem Zanthe sich vorstellte. Abby indes versuchte erfolglos, Henry anzuflirten, doch der stierte übel gelaunt geradeaus an ihr vorbei und trat schließlich vor, um seine und Melindas Einladung und vorzuzeigen.
      „Was ist denn mit ihm los?“, wunderte sich Abby getroffen darüber, ignoriert und keines Blickes gewürdigt zu werden, obwohl sie sich nicht zuletzt extra für ihn so rausgeputzt hatte.
      „Probleme mit der Firma“, erklärte Melinda, „die AFC will expandieren und Henry soll dafür nach Europa. Davon hat er erst heute morgen erfahren.“
      Henry zischte böse: „Das sind Firmen-Interna, Melinda.“
      „N-nach Europa?“, horchte Abby sofort hoffnungsfroh auf. „Etwa nach Großbritannien!?“
      „Bulgarien“, ließ sich seine Schwester nicht von Henry zurechtweisen, „mein kleiner Bruder hat Angst davor. Dort soll er nämlich außerdem mit einem Experten an einem Konkurrenzprodukt für Duel Monsters werkeln. Daran soll gemessen werden, ob er fähig ist, die Firma zu übernehmen.“
      Der fauchte nun regelrecht. „Melinda, halt dich bitte zurück!“
      „Als ob mich das interessieren würde“, brummte Anya mürrisch.
      Abby warf ein: „Wir werden mit diesen Informationen natürlich vertraulich umgehen. Stimmt's, Anya?“
      „Wie ich sagte … uninteressant.“
      Henry schnaufte nur, während Melinda diebisch grinste. Scheinbar war sie ein kleines Plappermaul, wenn sie nicht gerade vor Dämonen flüchtete. Sie ging sogar noch weiter. „Eigentlich wollte Henry lieber die Veröffentlichung der neuen Duel Monsters-Karten übernehmen, aber da wurde ihm ein Strich durch die Rechnung gemacht. Er hatte sogar eigene Ideen, aber die wurden abgeschmettert.“
      „Ahja, davon habe ich gehört. Die werden doch kurz vor dem Start dieses Turniers nächsten Monat vorgestellt, oder? Sind sie denn da schon zugelassen?“, fragte Abby neugierig.
      Melinda nickte. „Jup. Wir wollen sehen, wie sie dort ankommen, ob sie schon erfolgreich gespielt werden. Das ist gute Publicity. Hoffe ich zumindest.“
      Ihr jüngerer Bruder schüttelte nur noch schicksalsergeben den Kopf. „Hörst du bitte auf, das alles auszutratschen, Melinda?“
      „Schon gut.“ Beleidigt drehte sie sich von Abby und Anya weg, nur um doch noch einmal über die Schultern zu sehen und zu zwinkern. „Hätte Paps Henrys Idee genommen, wäre er jetzt nicht so stinkig!“
      Anya selbst hatte auch von diesen neuen Karten gehört, konnte sich aber nicht einmal an deren genauen Namen erinnern. Nur irgendwas mit Pendeln. Also völlig uninteressant.
      „Geht's dir auch gut, Anya?“, hallte es hinter der Blondine.
      Ihre Mutter Sheryl unterhielt sich nebenbei mit Abbys Eltern, die von ihrer Tochter ordentlich eingekleidet worden und nur noch ein Schatten ihrer Hippieselbst waren.
      „Ja, Mum …“
      Schließlich wurden Henry und Melinda herein gelassen, sodass es nun an Abby war, die Formalitäten zu regeln.

      Keine fünf Minuten später watete die Gruppe durch die Kirche, was nur möglich war, weil Abby bei Valeries Personal ein gutes, sehr sirenisch angehauchtes Wort einwarf, welches Anya der Hochzeit aufgrund ihrer geschmacklosen Aufmachung frühzeitig verweisen wollte.
      Es ging durch einen etwas größeren Vorraum, von dem links und rechts weitere Vorbereitungsräume abgingen. Sogar ein kleiner Stand der Aktion „Bekämpft Brustkrebs!“ war hier aufgebaut, da Valerie die Gelegenheit nutzte, für besagte Sache Spenden zu sammeln. Von da aus ging es dann auch schon direkt in die eigentliche Kirche, die zwar nicht die größte war, aber immerhin noch Platz für die etwa hundert geladenen Gäste bot.

      Die meisten Sitze waren bereits besetzt und die, die noch frei waren, waren rigoros ausgeschildert. Während vorne die Familienmitglieder und engsten Freunde der Eheleute Platz fanden, waren die hinteren Ränge für ehemalige Klassenkameraden, Lehrer und Arbeitskollegen reserviert. So entdeckte Anya sofort mindestens zehn Leute, die sie an Ort und Stelle ordentlich verdreschen würde. Aber sie hatte Abby auf dem Hinweg geschworen, diesmal wirklich überhaupt nichts anzustellen. Das galt aber nur für die Zeremonie, nicht danach!
      „Macht euch schon mal frisch, ihr Kackratten“, raunte sie boshaft im Vorbeigehen an der Reihe mit ihren Ex-Klassenkameraden, von denen einige deutlich sichtbar zusammenzuckten.
      „Hier trennen sich unsere Wege. Ihr sitzt ja weiter vorne“, meinte Sheryl derweil, die ein weißes Kostüm trug und leitete die Großfamilie Masters zu den hinteren Sitzen der rechten Reihe.
      „Ja ja“, winkte Anya ab.
      Zu Dritt ging es noch weiter vorwärts, wobei Anya sich umsah. Alles war ausgeschmückt mit weißen Blumenkränzen und dergleichen, aber trotzdem wirkte es nicht aufdringlich überdekoriert. Halt eine ganz normale Kirche bei einer Hochzeit. Ekelhaft …
      „Hier vorne“, meinte Abby und zeigte auf zwei freie Bänke in der ersten beziehungsweise zweiten Reihe rechts, „das ist unsere.“

      Auf der hinteren saßen bereits Melinda und Henry. Neben ihnen waren noch mindestens drei Plätze frei, einen davon belagerte sogleich Zanthe. Dagegen war die vordere Reihe noch fast leer. Bis auf Nick, der in einem … recht ungewöhnlichen Aufzug daher kam, saß dort keiner.
      „Huch! Nick, wie siehst du denn aus!?“, begann Abby sofort zu zetern. „Pink!?“
      „Ich kann nichts dafür, Mum hat ihn ausgesucht!“
      „Oh, du elendes Muttersöhnchen! Da unterbrechen Valerie und Marc ihr Studium, um ganz romantisch in ihrer alten Heimat zu heiraten und DU …“
      Den aufkommenden Streit nahm Anya als Gelegenheit wahr, sich von den anderen abzukapseln. Bis zur Zeremonie war ohnehin noch etwas Zeit. „Ich geh mal schnell wohin.“
      Ehe Abby reagieren konnte, eilte Anya davon.

      Sie schnellte in den Vorraum der Kirche zurück und ignorierte gekonnt Valeries Stand. Ihr Blick wanderte nach rechts, wo sich zwei Türen befanden. Eine davon war der Vorbereitungsraum des Bräutigams, also Marcs. Auf diesen schritt sie zu.
      Das Mädchen verharrte vor der Tür und atmete tief durch. Ohne es sich eingestehen zu wollen, kostete es sie durchaus Einiges an Überwindung, Marc gegenüber zu treten.
      Er war der Erste gewesen, für den sie Gefühle entwickelt hatten, die über ihr übliches Repertoire von absoluter Abneigung, über Missgunst hin bis maximal Freundschaft hinaus reichten. Dieses eine Gefühl beim Namen zu nennen, das kam für sie nicht mehr infrage.
      Heute war sie darüber hinweg, dass er sich für Valerie entschieden hatte. Die Chemie zwischen ihnen beiden stimmte einfach, ganz anders als zwischen ihr selbst und Marc. Und Anya war ihre damalige, regelrechte Besessenheit gegenüber Marc mittlerweile fast peinlich.
      Doch trotzdem … jetzt da rein zu gehen hieß, ihre erste Dingsda endgültig loszulassen.

      „Ach scheiß darauf, ich geh da jetzt rein und beende den Mist“, knurrte sie, da sie das Limit ihrer Melancholie bereits weit überschritten hatte.
      Kurz klopfte sie an, wartete gar nicht erst auf eine Reaktion und öffnete die Tür.
      Marc, der den Mund bereits geöffnet hatte, stand direkt vor ihr in dem kargen Zimmer, das nur aus einer Kommode, einem Schrank und einem Vorstellumhangding bestand, wie Anya es eher weniger treffend bezeichnete.
      „A-Anya“, stotterte Marc verdutzt.
      Er trug einen schwarzen Anzug, passend zu der Farbe seines Haars und darunter ein weißes Hemd samt Krawatte. In der Brusttasche seines garantiert sündhaft teuren Fummels steckte eine einzelne, rote Rose. Anya musste den Würgreflex unterdrücken, auch wenn seine kräftige Figur durchaus ansprechend war.
      „Hey, Butcher!“, quasselte sie los und schlug ihm im Vorbeigehen zur Begrüßung fest auf die Schulter. „Wollte nur mal schauen, ob du schon kalte Füße bekommen hast.“
      „Valerie hat unter den Gästen Bodyguards versteckt. Wenn du irgendetwas planst, wird sie nicht zögern, dich von der Trauung zu entfernen“, erwiderte Marc irritiert, kratzte sich am Kinnbart.
      Anya wirbelte um und verzog ärgerlich das Gesicht. „Was du nicht sagst? Hätte ich mir ja denken können, Redfield denkt wirklich an alles!“
      Die beiden sahen sich an. Und lachten … nicht. Marc lachte, Anya schnaubte. „Sehr witzig, Butcher!“
      „Einen Versuch war es wert“, meinte er schulterzuckend, „sie hat mich gewarnt, dass du vorbeikommen würdest, daher sollte ich dir das mitteilen.“
      Hochnäsig verschränkte Anya die Arme. „Stehst wohl unter ihren Pantoffeln, was?“
      Marc rieb sich verlegen den Hinterkopf. „Total.“
      „Mein Beileid.“ Anya griff in die Innentasche ihrer zusammengeflickten Lederjacke und zog eine der drei verbliebenen Karten heraus, die sie vom Sammler erhalten hatte. „Im Ernst. Ich wollte dir eigentlich das hier geben. Ist'n Hochzeitsgeschenk. Sorry, mehr kann ich mir nicht leisten.“
      Erstaunt nahm Marc die Karte entgegen. „Danke?“

      Anya hatte sich dazu entschlossen, die vier Karten an ihre Freunde zu verteilen. Valerie würde auch gleich noch eine bekommen, womit nur noch eine übrig wäre. Zwar hatte sie noch keine Idee, wem sie die letzte schenken würde, aber das konnte ruhig warten.
      Zumindest hatte sie damit gleich eine Ausrede parat, kein Geld ausgeben zu müssen. So wurde sie die Teile wenigstens los. Aber nur, weil sie sie selbst ohnehin nicht benutzen konnte!

      „Die ist ziemlich stark“, stellte Marc beim Lesen des Effekttextes fest, „bist du dir sicher, dass du die so einfach hergeben willst?“
      Sein Gegenüber rollte genervt mit den Augen. „Nein, das Ganze ist nur ein Riesengag. Da ist ein Fernzünder drin, mit dem ich euch in die Luft jagen werde, sobald ihr euch das Kotz-Wort gebt! Natürlich ist das mein Ernst!“
      „Dann … danke“, wiederholte sich Marc.
      „Kein Ding“, wiegelte Anya genervt ab und schritt an ihm vorbei zur Tür, „das war's schon, mehr wollt' ich eh nicht. Jetzt werde ich erstmal Redfield die Laune verderben.“
      Die Tür öffnend, hörte sie Marc hinter sich sagen: „Pass lieber auf, dass sie dir nicht die Laune verdirbt.“
      Anya wirbelte um, grinste breit. „Mach dir da mal keine Sorgen! Übrigens, wenn sie dich jemals betrügen sollte, bei mir Zuhause ist noch ein Zimmer frei.“
      Eins, das Zanthe sofort 'räumen' würde, sollte es jemals dazu kommen, fügte Anya noch in Gedanken hinzu. Auch wenn sie der Gedanke nicht wirklich reizte. Anscheinend war sie wirklich über ihn hinweg.
      „Danke, aber nein“, bestätigte er dies ehrlich, „und ich weiß, dass Valerie die Letzte ist, die so etwas tun würde.“
      „Dann ist ja alles gut!“, erwiderte Anya zu ihrer eigenen Überraschung erstaunlich vergnügt für den eiskalten Korb, den sie sich eben noch einmal eingefahren hatte. „Viel Spaß beim Heiraten noch!“
      Und schwupps war die Tür zu, das Kapitel Marc endgültig im Papierkorb und Anya bereit, ihrer Erzrivalin mächtig in die Suppe zu spucken. Denn kein Mann der Welt würde ihr dies je nehmen können!

      Stolz wie Oskar stampfte sie durch den Vorraum, ignorierte erneut den aufdringlich direkt in dessen Mitte positionierten Stand und ging einmal quer herüber zur anderen Seite, wo ebenfalls zwei Türen waren. Eine unmissverständlich ausgeschildert mit dem Hinweis: „Ankleide Braut“.

      „Ring frei“, gurrte Anya voller grimmiger Vorfreude und riss erstmal das Schild ab, welches sie unauffällig hinter einem neben der Tür in der Ecke stehenden Blumentopf verschwinden ließ.
      Mit Schwung stieß sie die Tür auf und verschaffte sich ungebeten Einlass in Valeries Ankleide.
      Die stand direkt vor ihr, hinter ihr Caroline Mayfield, ein honigblondes, etwas blasses Mädchen, das ein wenig jünger als Valerie war. Gerade war sie dabei gewesen, den Reißverschluss von Valeries Hochzeitskleid hochzuziehen, das erstaunlich schlicht daher kam. Schulterlos, reichte es ihr knapp bis zu den Schuhen.
      „Tach, Redfield!“, grüßte Anya ihre ewige Rivalin locker und sah sich um.
      Der Raum sah fast genauso aus wie der von Marc, grau, mit einem Tisch in der Ecke, ein paar Stühlen einer Kommode und noch so einem Vorstellumhangding in der anderen.
      Knallrot im Gesicht, bedeckte die schwarzhaarige Valerie, die sich gegen einen Brautschleier entschieden hatte – war doch nirgendwo einer zu entdecken – das üppige Dekolletee. „Anya! Was soll das, warum platzt du einfach ohne anzuklopfen hier rein!? Hast du denn gar kein Fünkchen Manieren!? Oh, entschuldige, was frage ich überhaupt!?“
      Anya zuckte unbedarft mit den Schultern und schritt auf Valerie zu. „Hab dich nicht so, Redfield. Deine Euter interessieren mich nicht. Eigentlich bin ich nur gekommen, weil ich mich an einen alten Hochzeitsbrauch erinnert habe.“
      „Achso?“, horchte Valerie skeptisch auf. „Und der wäre?“
      „Na etwas Blaues. Du brauchst dringend noch etwas Blaues“, antwortete Anya mit schelmischer Boshaftigkeit, „mit Marc hast du ja schon was Altes. Was Geliehenes? Naja, das Kleid sieht aus, als hättest du es aus einem Klamottencontainer gestohlen. Was Neues kriegst du gleich noch von mir. Aber erst das Blaue.“
      Valerie seufzte, wahrte ihre Beherrschung meisterlich. „Blaue Augen zählen nicht, Anya. Aber danke für die 'gut gemeinte Geste'.“
      „Pft, hätte ja klappen können. Es hätte dich nichts gekostet, ehrlich!“
      „Ich habe schon etwas Blaues“, erwiderte Valerie und legte die Finger auf den saphirblauen Anhänger, den sie um den Hals trug, „von meiner Oma.“
      „Im Ernst?“ Anyas frecher Ton legte sich ein wenig. „Die, die an Krebs gestorben ist?“
      „Genau. Aber woher weißt ausgerechnet du das?“
      „Abby ist 'ne Quasselstrippe.“
      Valerie sah Anya dennoch ziemlich überrascht an. „Das ist so viele Jahre her. Und du merkst dir so etwas?“
      Sich mit dem Finger gegen die Stirn tippend, streckte Anya stolz die im direkten Vergleich zu Valerie kerzengerade Brust hervor. „Klar! Ansonsten könnte ich wohl kaum Rache an den ganzen Trotteln nehmen, die mir ans Bein pinkeln.“
      „Das ist wohl wahr, nachtragend sein war schon immer deine Spezialität.“

      „Ja ja, erzählt mir was Neues“, versuchte Anya, das Thema mit einem Male abzuwürgen, „hey, Psychopissnelke, schieb' deinen Arsch mal eben nach draußen, ich hab was mit Madame persönlich zu klären!“
      Caroline sah Anya dermaßen verschreckt an, als hätte die soeben ihre lange geplante Weltherrschaft verkündet. Sie wusste genau, worauf die Blondine anspielte. Auf Victim's Sanctuary, der Irrenanstalt, in der sie kurze Zeit eingeliefert und in der seltsame Dinge geschehen waren.
      „Schon gut“, streichelte Valerie ihr sanft die Schulter, „wenn sie mir was tun will, werde ich ihr schon Manieren beibringen.“
      „Tch, das will ich sehen!“, schnaubte Anya und verschränkte die Arme.
      Stumm nickte Caroline, zog Valeries Reißverschluss ganz zu und verließ kommentarlos, sofern das Stampfen nicht zählte, das Zimmer.

      Kaum waren die beiden alleine, löste Anya ihre überhebliche Haltung, griff in ihre Jackentasche und reichte Valerie die Karte des Sammlers. „Da, für dich. Das Neue, das ich dir versprochen habe.“
      Valerie machte keinen Finger krumm. Man sah ihr förmlich an, dass sie das Ganze für einen Scherz hielt und erwartete, in irgendeine Falle zu tappen. Anya Bauers Geschenke waren nichts, was man sich wünschte.
      „Was? Nicht gut genug für dich?“, schnappte die beleidigt. „Hab kein Geld für teuren Bling Bling und selbst wenn, würde ich dir nix Dergleichen kaufen!“
      „Nein, es ist nur … komisch“, erwiderte Valerie und nahm ihr die Karte zögerlich ab. „Danke. Vor einem Jahr hättest du mir noch die Augen ausgekratzt.“
      Anya winkte mit erhobenem Geruchsorgan ab. „Marc interessiert mich nicht mehr. Trotzdem, wenn du ihn schlecht behandelst, werde ich dir weitaus mehr auskratzen als nur die Augen.“
      „Das würde ich nie tun“, beteuerte Valerie.
      „Tch, natürlich nicht, Mutter Theresa Incarnate!“ Anya kehrte ihr den Rücken zu. „Na denn, ich gehe dann mal zurück zum Publikum. Ich warne dich, Redfield …“
      „Wovor?“
      „Nick hat ein Handy reingeschmuggelt und er wird es definitiv benutzen, wenn deine Möpse aus diesem engen Teil hüpfen.“ Anya kicherte bösartig. „Also sei vorsichtig, denn wenn ich die Bilder in die Finger bekomme – und das werde ich – wirst du bald eine neue Karriere starten. Als Playgirl. Freu' dich, solange diese Dinger noch von der Schwerkraft unabhängig sind, Redfield. Gott, wie ich den Tag herbeisehne, an dem sie nur noch hängende Schläuche sein werden…“
      „Da wirst du lange warten. Und wenn ich mich dafür unters Messer legen muss, nur um dir den Lebenshorizont zu verderben.“ Valerie grinste neckisch.
      Zufrieden mit sich, abschließend noch einmal ein paar fiese Sprüche über Valeries Hupen abgelassen zu haben, stolzierte Anya aufrecht aus dem Zimmer und hinterließ eine glucksende Valerie. Die keine Sekunde später, als die Tür ins Schloss fiel, an ihrem Dekolletee zu zupfen begann.

      Nun hatte sie alles erledigt, was es zu erledigen galt. Damit visierte sie wieder die Richtung des Trausaals an, doch nicht, ohne vorher beim Stand anzuhalten. Die Dame, die dahinter stand, strahlte freundlich.
      „Na ausnahmsweise …“, knurrte Anya und steckte einen Dollarschein, den sie aus ihrer Hosentasche gezupft hatte, in die Dose. „Mehr hab ich nicht.“
      Wenigstens war jetzt auch gleich das Versprechen an die Masters eingelöst worden.
      „Vielen Dank. Damit-“
      Aber die Blondine interessierte sich gar nicht weiter für das Gewäsch der Frau und eilte zurück zu ihrem Platz. Dabei huschten einige Gäste an ihr vorbei Richtung der Ankleideräume, von denen Anya Anthony, Marcs Trauzeugen, erkannte und Mr. Redfield, Valeries Vater.

      Schließlich nahm Anya zwischen Nick und Abby Platz.
      „Wo warst du solange!?“, ging das Theater gleich los.
      „Hey, die beschissene Hochzeit hat doch noch gar nicht angefangen!“, verteidigte sich Anya auf Abbys vorwurfsvollen Tonfall hin.
      „Aber sie wird es jeden Moment!“ Die Sirene gab einen wütenden Schnaufer von sich. „Und ist dir übrigens was aufgefallen?“
      Was ihre Freundin mit einem lahmen Kopfschütteln beantwortete. Abby zeigte daraufhin auf die beiden Bänke, wo sie und der Rest saßen. „Ganz schön viel Platz übrig, meinst du nicht?“
      Jetzt bemerkte Anya es auch. Da fehlte jemand! „Die Narbenfresse und Summers!“
      „Genau. Ich weiß hundertprozentig, dass beide eingeladen worden sind. Valerie hat's mir gestern bei der Generalprobe erzählt. Wie können die es wagen, nicht mal geantwortet haben diese … diese-!“
      „Vielleicht irgendwelches dringendes Dämonenjäger-Business?“, warf Nick schulterzuckend ein.
      Was Anya daran erinnerte, dass sie schon vor Wochen daran gescheitert war, Kontakt mit den beiden aufzunehmen. Irgendwie gefiel ihr das nicht.

      Einige Minuten später trat der Pfarrer hinter den massiven Holzaltar. Marc und Anthony stellten sich ebenfalls mit Händen vor dem Bauch gefaltet zu dessen Rechten vor den Altar. Das war der ultimative Startschuss, das Gemurmel verstummte nach und nach. Die Gäste saßen und sahen sich gespannt nach hinten um, als der Hochzeitsmarsch plötzlich einsetzte. Gespielt von einer Live Band in einer der Ecken des Saals.
      Die Flügeltüren öffneten sich. Zunächst traten die Familienmitglieder der zukünftigen Eheleute ein und schritten an den Bänken vorbei, sans der Eltern von Valerie. Danach folgte Caroline und verstreute aus einem Korb weiße Rosenblätter. Als sie fertig war, nahm sie an der Seite vor den Bänken Platz, direkt vor Abbys Nase – die schon anfing zu triefen.
      „Sie hat alles bis ins letzte Detail geplant“, schluchzte die junge Frau bereits mitgerissen.
      Dann kam sie – die Braut. Valerie schritt herein, am Arm ihres Vaters eingehakt. Sie strahlte wie ein Feuerwerk, hielt ihren Brautstrauß fest umschlungen. Langsam, aber zielsicher steuerte sie auf den Altar zu, dabei einzig und allein Marc anlächelnd.
      Als die beiden sich gegenüberstanden, begann der Pater zu sprechen: „Wir haben uns heute hier eingefunden …“
      Und Anyas Gehirn schaltete automatisch ab.

      Bla bla … zwei junge Menschen … bla bla, Bund der Ehe … Pflichten der Ehe … Gottes Wille … wie öde. Das Mädchen drohte fast wegzunicken, doch ehe das geschah, rammte eine bereits tränennasse Abby ihr den Ellbogen in die Hüfte. Genau im rechten Moment.

      Die Anspannung war zum Greifen nahe. So sehr, dass Valerie tatsächlich verkrampfte und derart gerade stand, dass Anya schon hoffte, ihre Erzrivalin würde jeden Moment in der Mitte durchbrechen. Aber auch Marc war nervös, rieb er die ganze Zeit die Stelle an Valeries Ringfinger, welche es zu 'besetzen' galt.
      Nach einer gefühlten Ewigkeit kam endlich das, worauf jeder der Anwesenden gewartet hatte. Der Pfarrer vor dem Alter fragte: „Wer nun etwas gegen diese Eheschließung einzuwenden hat, möge nun das Wort erheben oder für immer schweigen.“

      Kein Mucks von dir, Anya Bauer!

      Was Levrier aussprach, setzte ein gefühltes Heer an Augenpaare in eine derart stechende Sprache um, wodurch Anya fürchtete, einen ganzen Bienenschwarm im Nacken zu haben. Angeführt von Königin Abby, die sie mit ihrem Blick tatsächlich versuchte zu enthaupten, so schien es.
      „Ist ja gu-“, zischte Anya, doch wurde sie darin glatt unterbrochen.
      Mit einem lauten Knarren schwangen die Türen der Kapelle auf, die geladenen Gäste wirbelten erschrocken um.
      „Ich denke, ich erhebe Einspruch“, hallte die Stimme einer jungen Frau über die Schwelle.
      Neben ihr stand ein hochgewachsener Mann, bewaffnet mit einer Schrotflinte, die er an die Schulter angelehnt hielt. „Die Party ist vorbei, Freunde.“
      Es knallte. Zwar hatte der Rothaarige nur an die Decke geschossen, doch die Wirkung war groß. Sofort sprangen die ersten Gäste schreiend auf.
      „Anya, was hast du-!?“, polterte Valerie noch darüber hinweg, um dann vom Knall zu verstummen.
      „Ehrlich, damit hab ich nichts am Hu-!“, schwor die ebenso lautstark, ehe das Krachen ihr das Wort abschnitt.
      Valerie und Marc standen völlig entgeistert vor den Altar, nicht wissend, was sie tun sollten.
      Die dunkelhäutige Frau, die einen ganzen Kopf kleiner war als ihr Begleiter, zückte plötzlich eine weiße Karte aus der Brusttasche ihrer Jeansjacke und flüsterte, als sie jene in ihre seltsam anmutende, inaktive Duel Disk rammte: „Azoth!“
      Im nächsten Moment fielen die Gäste reihenweise um beziehungsweise sackten auf ihren Plätzen in sich zusammen. Nur das Brautpaar blieb wundersamerweise unberührt.
      „Was geht hier … vor?“, murmelte Valerie tonlos.
      „Wir haben gehört, hier wird eine Monsterparty gefeiert. Und da dachten wir es wäre nett, euch Freaks einen kleinen Besuch abzustatten“, erklärte der Rothaarige grinsend und legte seine Waffe an, gezielt auf Marc.
      „Harris! Da!“, nickte seine Kumpanin zu der ersten beiden Reihen. Da saßen nämlich doch noch einige Gäste aufrecht.

      Anya, Zanthe, Abby, Melinda und Henry, um sie beim Namen zu nennen. Nick lag ebenfalls schnarchend auf dem Boden, ganz zum Ärgernis der Allgemeinheit.
      „Da haben wir ja unsere Ziele. Ich kümmere mich um sie!“, rief die junge Frau sofort aus und aktivierte die schwarze Duel Disk an ihrem Arm.
      „Abby! Das sind Dämonenjäger“, wandte sich Anya geistesgegenwärtig an ihre Freundin. „Die wollen uns fertig machen! Mach sie fertig! Einmal Sirenpower zum Mitnehm-!“
      Die Blondine war noch gar nicht fertig mit ihrem Satz, da rammte die Afroamerikanerin schon eine weitere weiße Karte in ihre Duel Disk. „Restrain!“
      Aus einer schnabelartigen Öffnung unterhalb des Deckfachs schossen dutzende DNA-ähnliche Stränge, die sich in unglaublicher Geschwindigkeit im ganzen Saal verteilten und durch die Luft glitten. Dann gingen sie wie ein Regen aus Pfeilen auf die Gruppe nieder. Abby wurde sofort wie eine Mumie umwickelt, Anya hingegen wich mit einem Hechtsprung nach vorne aus, wobei sie aber mitten im Fall von weiteren Spiralen erwischt und gefangen genommen wurde. Parallel dazu stützte sich Zanthe an der Sitzbank ab, und machte mit Schwung einen astreinen Sprung nach hinten, wobei er ebenfalls sofort wieder erfasst wurde, aber mit einem Radschlag über die bewusstlosen Gäste unter ihm auch diesem Angriff auswich.

      Valerie und Marc sahen staunend zu, wie es Zanthe gelang, die lebenden Fesseln abzuhängen.
      „Obacht!“, stieß Valerie erschrocken hervor, als auch sie anvisiert wurden – und die Dinger mitten in der Luft an einer unsichtbaren Mauer zerschellten. Unbemerkt vom Beinahe-Ehepaar leuchteten deren Decks rot beziehungsweise blau auf.
      „Was zum Teufel!?“, stand der Dämonenjägerin der Mund offen. „Was war das denn!?“
      „Edna, der Werwolf ist ein Problem!“, meinte Harris derweil.
      Zischend drehte sich seine Partnerin um, riss ihm die Schrotflinte aus der Hand und schoss einfach auf Zanthe. Der konnte zwar mit einem Sprung nach hinten ausweichen, aber sie hatte erreicht was sie wollte. Da er den Schuss nicht hatte kommen sehen, war seine Aufmerksamkeit für einen Moment von den Strängen abgelenkt, die ihn nun erfassten und lahmlegten. Mitten im Gang knallte er wie eine aus dem Sarkophag gefallene Mumie auf den Boden. Aus den Augenwinkeln sah der Umwickelte Melinda und Henry, die noch vor allen anderen lahm gelegt worden waren.

      „Was um alles in der Welt“, stammelte Valerie und wurde mit einem Schlag sehr, sehr laut und sehr, sehr böse, „wollt ihr von uns!? Wieso-ruiniert-ihr-unsere-Hochzeit!?“
      „Nur noch die beiden sind übrig“, meinte Edna zu Harris trocken, ging gar nicht weiter auf das langsam entstehende Brautmonster ein, „mit denen werden wir auch so fertig.“
      „Heute kriegen wir 'nen ganzen Bus voll.“ Der Rothaarige, der ziemlich prollig daher kam mit Goldkette, gelbem Muskelschirt und Tattoos an beiden Armen, grinste siegessicher. „Der Informant hat nicht gelogen, so viele hatten wir noch nie auf einmal.“
      „Daran siehst du, wie viele von denen unter uns sind“, raunte Edna, „schlimmer noch, schau sie dir an. Von denen sind nur zwei richtige Dämonen.“
      Damit spielte sie auf die Farben der Stränge an, die bei Zanthe und Abby rötlich-pink, bei den anderen Gefangenen blau-violett glühten.
      „Das sind alles Paktträger. Freiwillige Dämonen …“
      „Ghgngagggnn!“, maulte Anya unter ihrem Knebel und versuchte sich wie eine Raupe aufzubäumen. Übersetzt hieß das so viel wie: „Wir waren mal welche, ihr Pissnelken! Und jetzt lasst mich frei, bevor ich eure Köpfe vom Körper schraube und damit Basketball spiele!“
      „Wir waren mal welche, aber das ist lange her!“, übernahm Marc das für sie und stellte sich schützend vor Valerie. „Ihr seid also Dämonenjäger? Wusste nicht, dass außer Alastair noch andere so extrem drauf sind.“
      Auch sein Ton wurde rauer. „Wenn ihr schon hier einbrecht und mal eben unsere Gäste angreift, seid ihr uns wenigstens eine Erklärung schuldig! Also los!“

      Der böse Blick Ednas ließ ihn insgeheim erschaudern. Die sah mit ihren vollen, verzogenen Lippen aus, als hätte sie in eine Zitrone gebissen. Generell erweckte die ganz leger gekleidete junge Frau mit den zusammengebundenen Rastersträhnen nicht den Eindruck, überhaupt zu wissen, wie man lächelte.
      „Wir sind euch 'nen Scheißdreck schuldig. Erklärt's euch selbst!“, fauchte Edna zurück. „Euresgleichen dulden wir nicht!“
      „Das klingt weniger nach Dämonenjagd, sondern mehr nach Rassismus“, warf Valerie klamm ein, „um was geht es euch hierbei eigentlich? Werdet ihr für unsere Köpfe bezahlt?“
      Plötzlich richtete die schwarzhaarige Jägerin ihre Waffe auf Valeries Haupt. „Ganz ruhig, Zuckerprinzessin. Reiz mich nicht, okay? Sonst wird aus der Hochzeit ganz schnell eine Bestattung.“
      „Lass das, Edna.“ Mit einem Ruck riss Harris ihr die Waffe aus der Hand. „Hey, 'solche' sind wir nicht, schon vergessen!? Wir ziehen das jetzt so durch wie besprochen!“
      Der jungen Frau, welcher trotz ihres selbstbewussten Auftretens der Schweiß auf der Stirn stand, entfleuchte nur ein zustimmendes Grummeln. Plötzlich sah sie herüber zu Anya und ihr eiserner Blick verlor für einen Moment seine Kälte, ehe sie sich kopfschüttelnd von dem motzenden Mädchen abwandte. „Die da ist Anya Bauer.“
      „Anya Bauer sagst du …?“, murmelte Harris. „Geht's nur mir so, oder sagt dir der Name etwas?“
      „K-keine Ahnung, in der Beschreibung hieß es nur, dass die mit dem größten Mundwerk Anya Bauer ist. Wie auch immer, ist jetzt nicht so wichtig“, wich sie aus.

      „Anyas Bekannte, was?“, mutmaßte Marc, doch Anyas heftiges Protestieren und Winden überzeugte ihn augenblicklich davon, dass sie wohl diesmal wirklich keine Schuld an den Ereignissen hatte.
      „Und wie regeln wir das jetzt?“, fragte er zornig weiter. „Kampflos ergeben wir uns nicht.“
      „Wir auch nicht.“ Harris aktivierte die schwarze, rundliche Duel Disk an seinem Arm, die genau wie Ednas mit roten, leuchtenden Runen bestückt war. Einer gebogenen Klinge gleich schoss der Auswuchs für die einzelnen Zonen aus ihr heraus.
      „Ich hätt's mir doch denken können.“ Belustigt klatschte Marc einmal in die Hände. „Was auch sonst?“
      Valerie, knallrot im Gesicht vor allen nur erdenklichen Gefühlen, nickte. „Sie hätten uns erschießen sollen. Denn das wird jetzt sehr, sehr unschön … ich nehme mir die Schwarze, wenn du nichts dagegen hast.“
      Das gesagt, griff sie unter ihren Rock und zog wie aus dem Nichts ein Deck hervor.
      „Du hast ein Deck in deinem Strumpfband versteckt?“, flüsterte Marc baff, als Valerie den Saum ihres Kleides wieder fallen ließ.
      Die runzelte ärgerlich die Stirn. „Anya ist unter den Gästen. Es ist schließlich nicht so, als ob ich nicht mit so etwas gerechnet hätte. Aber dass tatsächlich … oh Gott, ich brauch 'ne Therapie.“
      „Wie schön, dann sind wir schon zwei“, brummte ihr Beinahe-Ehemann zustimmend und zog ebenfalls ein Deck aus der Innentasche seines Anzugs hervor. Als Valerie ihn überrascht ansah, meinte er an die Störenfriede gerichtet: „Ich kann meine Verlobte unmöglich alleine kämpfen lassen. Nimm sie dir, wenn du sie willst. Für dich nur das Beste vom Besten.“
      Mal abgesehen davon, dass Valerie wie ein gleich zubeißender Pitbull dastand und kaum wiederzuerkennen war, gaben sie noch ein recht entspanntes Paar ab, dessen Hochzeit gerade gecrasht wurde, so fand Anya anerkennend.
      „Hmm? Du gegen mich, Sportsfreund? Na von mir aus“, erwiderte Harris gönnerhaft und zuckte mit den Schultern. „Brautpaar versus Bonnie und Clyde. Klingt sogar ganz lustig.“
      Offensichtlich fühlte Edna sich von seinem Kommentar angegriffen, denn sie brummte: „Bonnie und Clyde waren Verbrecher. Stell' mich nicht mit denen auf eine Stufe, klar?“
      „Spielverderberin.“
      „Wir haben keine Duel Disks“, meinte Marc aber plötzlich.
      „Schau hinter dem Altar nach, Schatz. Gleich unter dem Pult“, wies Valerie ihn unterkühlt an.
      Sofort zückte Harris die Schrotflinte. „Aber keine Mätzchen. Wenn schon, dann fair!“
      „Vorsicht Freundchen, du bist der falsche für solche Sprüche“, erwiderte Marc und schritt langsam unter den Argusaugen des Dämonenjägers am Pater vorbei, der, alle Viere ausgestreckt, am Boden lag und holte schließlich die beiden Duel Disks des Paares hervor. Jene in sich hinein grinsend betrachtend, war Marc nun endgültig davon überzeugt, dass seine Verlobte offenbar gehofft hatte, dass Anya irgendetwas anstellen würde. Umso bitterer musste die Erkenntnis sein, dass jemand anderes ihr die Suppe ebenfalls versalzen wollte – und es bis hierher auch geschafft hatte.
      Verdammt, er wollte jetzt wirklich nicht mit dieser Edna tauschen …

      Schließlich hatten beide Parteien ihre Duel Disks aktiviert und waren auf Abstand gegangen, wobei Edna und Harris nur so umzingelt waren von bewusstlosen Gästen respektive gefesselten Gespielen des Teufels – nach Auffassung der Eindringlinge verstand sich.
      „Ich hoffe, es macht dir nichts aus, wenn wir eine Spezialregel einführen“, richtete Edna sich an Valerie.
      Jene verengte die Augen zu Schlitzen. „Die da wäre?“
      „Wenn du Schaden nimmst, teilt meine Disk dir auf unmissverständliche Weise mit, dass du vorsichtiger spielen solltest.“
      „Denk dir etwas Neues aus, diese Masche kennen wir bereits zur Genüge.“
      Edna begann bösartig zu kichern und schob dabei unauffällig eine pechschwarze Karte in einen Schlitz oberhalb ihres Decks. „Nein Schätzchen, -das- kennst du bestimmt noch nicht.“
      „Zu schade dann, dass ich gar nicht erst in den Genuss kommen werde, nicht wahr?“, hauchte Valerie kampflustig zurück.
      „Schwing' ruhig deine Reden. Du bist nicht die Erste, die damit auf die Nase fällt!“
      „Dann waren deine Gegner einfach nur schlecht!“
      „Duell!“, riefen Edna und Valerie schließlich energisch.
      Turn 45 – Starring: Bonnie & Clyde 2.0: Part II
      [Valerie: 4000LP / Edna: 4000LP]


      Es war Letztere, die sofort ihr Startblatt zog und verkündete: „Als Braut, deren Hochzeit gerade ruiniert wurde, ist es nur fair, wenn ich den ersten Zug mache!“
      Damit riss die Schwarzhaarige noch eine Karte von ihrem Deck, was ihre Gegnerin nur mit einem grimmigen Blick quittierte. Nicht weniger eisig starrte Valerie zurück.

      Sie hätte es wissen müssen. Nein, sie -hatte- es gewusst. Dass irgendetwas an diesem einen Tag aus hunderten passieren würde, natürlich nur an diesem einen. Zugegeben, eher hätte sie damit gerechnet, Opfer eines von Anyas verrückten Plänen zu werden. Die war für ihre Verhältnisse aber sogar erträglich, also was hatte sie, Valerie, getan, um Gottes Unmut auf sich zu ziehen?
      Oder die bessere Frage: wer von ihren -Gästen- hatte sich die Aufmerksamkeit dieser beiden Irren auf den Hals gezogen?

      Sie warf einen skeptischen Blick zu den Bänken, wo ihre Freunde von den Energieseilen gefesselt saßen beziehungsweise lagen. Wem hatte sie das zu verdanken? Irgendwie landete ihr Blick doch immer wieder bei Anya, die vor Wut ganz rot im Gesicht ob ihres Knebels war.
      „Starrst du immer Löcher in die Luft?“, riss ihre Gegnerin sie herrisch aus ihren Gedanken.
      Valerie blickte sie demonstrativ unbeeindruckt aus den Augenwinkeln an. „Höflichkeit und Dämonen jagen schließt sich kategorisch aus, nicht wahr? Wenigstens bringe ich Blumen mit, wenn ich mich schon selbst auf eine Party einlade.“
      „Ach bitte“, schnalzte Edna mit der Zunge, „wir wollen das beide schnell hinter uns bringen. Also Quatsch keine Opern, sondern mach deinen Zug.“
      „Mit Wünschen sollte man vorsichtig sein, weil sie manchmal in Erfüllung gehen“, erwiderte Valerie spitzzüngig. Die Spannung zwischen ihr und dieser Zicke, sie spürte sie förmlich.
      Schließlich 'erbarmte' sich Valerie und legte ein Monster auf ihre Duel Disk. „[Gishki Avance], als Normalbeschwörung! Er wird mir die Zukunft voraussagen, indem er ein Gishki-Monster von irgendwo in meinem Deck ganz nach oben auf jenes legt.“
      Ein blau leuchtender Runenzirkel öffnete sich vor Valerie. Aus diesem hervor trat ein fein gekleideter Jüngling, dessen weißes Haar nach oben gesteckt war. Selbstbewusst warf er seinen Umhang fort und murmelte eine unverständliche Formel.

      Gishki Avance [ATK/1500 DEF/800 (4)]

      Derweil hatte Valerie sich für ein Monster entschieden, zeigte Edna [Evigishki Soul Ogre] und platzierte diesen ganz oben auf ihrem Kartenstapel. Anschließend schob sie zwei Karten von ihrem Blatt in die jeweiligen Zonen. „Ich setze zwei Karten, damit dir auch nicht langweilig wird. Zug beendet.“
      Zischend tauchten beide Karten mit dem Rücken nach oben vor ihr auf.

      „Langweilig? Du hältst dich wohl für eine ganz Schlaue“, hielt ihre dunkelhäutige Gegnerin dagegen und zog. „Wenn du möchtest, zeige ich dir, wem hier bestimmt nicht langweilig wird.“
      „Nur zu“, forderte Valerie eisig.
      Das war scheinbar Ednas Signal. Sie zog eine Karte aus ihrem Blatt hervor und präsentierte sie mit hochmütigem Blick. „Ich werfe vier Wasser-Monster von meiner Hand ab, um diese Karte zu beschwören. [Mermail Abyssbalaen], ich rufe dich!“
      „Vier!?“, wiederholte die Braut in Weiß ungläubig.
      Während sich eine Art blauer Walkrieger vor Edna manifestierte, bewaffnet mit einem massiven Eisenhammer, schob diese fast ihr gesamtes Blatt in den Friedhofsschlitz. Dort landeten [Mermail Abysslung], [Mermail Abyssmander], [Mermail Abyssgunde] und [Mermail Abyssmegalo], welche als Abbilder über ihrer Besitzerin erschienen.

      Mermail Abyssbalaen [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Valerie war sprachlos. Wieso hatte Edna für so ein vergleichsweise durchschnittliches Monster so viel aufgegeben?
      Diese schien die Verwirrung ihrer Gegnerin zu genießen, nickte sie mit dem Kopf arrogant zur Seite. „Renn', solange du noch kannst. Das, was jetzt auf dich zukommt, wirst du nicht aufhalten können.“
      „So jemand bin ich nicht.“
      „Den Spruch kannst du dir meinetwegen auf deinen Grabstein eingravieren lassen, aber komm mir nicht damit.“ Wie bei einem erbarmungslosen Stoß in die Tiefe schnellte Ednas Hand nach vorn. „Effekt des Abyssbalaen! Nach seiner Beschwörung erhält er 500 Angriffspunkte und zerstört für jedes Mermail-Monster auf meinem Friedhof eine deiner Karten.“

      Mermail Abyssbalaen [ATK/2500 → 3000 DEF/2000 (7)]

      Valerie weitete die Augen, als sie mit ansah, wie Ednas Monster in blauer Aura aufleuchtete. Dieser hob seinen Hammer mit beiden Händen über den Kopf, ehe er ihn auf den Boden niedersausen ließ. Der Marmor unter ihm zersprang donnernd, es entstand eine gewaltige Flutwelle, die Valerie erfasste und alle ihre Karten mitriss.
      „Oh nein! Ah!“
      „Doch, Schätzchen“, sagte Edna und beobachtete Valerie dabei, wie sie mit der Flut zu kämpfen hatte, welche fast bis an die Decke reichte.
      Schließlich löste jene sich auf. Und als Valerie wieder mehr als nur Wasser sehen konnte, war Ednas Monster nicht mehr alleine auf dem Feld. In der Luft schwebte er, der rote Fischkrieger in silberner Rüstung, bewaffnet mit einem Korallen-Schwert, dessen unzählige spitze Auswüchse wie Reizzähne anmuteten.

      Mermail Abyssmegalo [ATK/2400 DEF/1900 (7)]

      „W-wo kommt der her!?“, stammelte Valerie, die dagegen ein leeres Feld vorzuweisen hatte.
      Edna schnappte genervt: „Vom Friedhof? Eines der abgeworfenen Monster war [Mermail Abyssgunde], welche in so einem Fall ein anderes Mermail-Monster reanimieren kann. Daher kommt er.“
      „Unglaublich …“
      In einer Mischung aus Faszination und Horror starrte Valerie die beiden Monster Ednas an.
      „Was, dass du schon nach einem Zug verloren hast? Eher traurig würde ich sagen, nachdem du eben noch so angegeben hast!“ Die dunkelhäutige Dämonenjägerin streckte den Arm aus. „Los, greift ihre Lebenspunkte direkt an!“
      „Du irrst!“
      Während die beiden Meereskrieger schon die Waffen erhoben, sah Edna verblüfft auf. Blitze schlugen um ihren Walmann.

      Mermail Abyssbalaen [ATK/3000 → 1500 DEF/2000 (7)]

      „Wie das!?“
      „Eine meiner gesetzten Karten war [Half Shut] gewesen, die ich angekettet habe, bevor dein Monster seine Lawine an Effekten losgetreten hat“, erwiderte Valerie unterkühlt. „Die halbiert für diesen Zug die Punkte Abyssbalaens. So'n Pech, da hast du dich wohl verkalkuliert!“
      „Wenn du meinst.“ Gleichgültig schnippte Edna mit dem Finger. „Angriff fortsetzen!“
      Nebeneinander stürmten die beiden Meereskrieger auf Valerie zu. Von rechts kam der Hammer, von links die Korallenklinge. Durch die Wucht beider Treffer wurde Valerie von den Füßen gerissen und auf den Rücken geschleudert, wo sie weiter bis auf Höhe des Altars schlitterte. Dabei schrie sie schmerzerfüllt auf.

      [Valerie: 4000LP → 100LP / Edna: 4000LP]


      Valerie blieb liegen und regte sich nicht mehr. Jedenfalls nicht im ersten Moment. Dann aber schlugen parallel blaue Ladungen um Ednas Duel Disk sowie um Valerie selbst, die gequält aufschrie und damit ins Bewusstsein zurückgerufen wurde.
      Edna schnalzte mit der Zunge. „Armselig … aber von denen musst du jetzt noch, warte, 38 weitere ertragen. Pro 100 Lebenspunkte einen. Danach sehen wir, ob du noch weiter große Töne spucken kannst.“
      Derweil schrie Valerie schier wahnsinnig auf, schlug mit den Gliedmaßen ungewollt um sich, wie sie von den Ladungen gepeinigt wurde. Auf Höhe ihrer Lenden verfärbte sich ihr Kleid gelblich.

      ~-~-~


      Gleichzeitig zu Valeries und Ednas Duell starteten auch Marc und der Dämonenjäger Harris das ihre. Dabei sah der Bräutigam aus, als hätte er auf eine Zitrone gebissen.
      „Dafür, dass ihr meiner Frau das Herz gebrochen habt, werde ich euch das Genick brechen“, drohte er voller unterdrückter Wut, die jetzt langsam aufkeimte, nun da Valerie abgelenkt war. „Diese Hochzeit war ihr das Wichtigste …“
      Harris aber schien das nicht weiter zu beeindrucken. Er hob beide Hände grinsend. „Whoa whoa whoa, immer ruhig mit den jungen Pferden. Sieht doch fit aus, die Kleine. Noch.“
      Marc schnaufte zornig. Dass Valerie sich nichts anmerken ließ war ihm auch klar! Innerlich sah es gewiss anders aus. Ihre Traumhochzeit war zerstört.
      Er erhob den Arm mit seiner Duel Disk. „Bringen wir das hinter uns! Duell!“
      Harris tat es ihm gleich. „Ehe Edna mich noch anschreit, weil wir nicht anfangen, gerne! Duell!“

      [Marc: 4000LP / Harris: 4000LP]


      Genau wie Edna, schob auch Harris eine schwarze Karte in einen besonderen Schlitz oberhalb der kugelförmigen Oberfläche seiner Duel Disk. Sofort begannen rote Leuchten an ihr zu strahlen.
      „Das wird wehtun“, versprach er dabei, „ich beginne! Draw!“
      Nachdem beide ihr Startblatt auf der Hand hielten, zog der Rotschopf auf und zeigte sogleich eine dauerhafte Zauberkarte vor. „Ich aktiviere [Hazy Pillar]!“
      Marc weitete die Augen vor Schreck, als hinter seinem Gegner eine flammende Säule emporschoss. Dunkle Schatten bewegten sich in ihrem Inneren. Der Marmorboden um sie herum zerfloss regelrecht … was realen Schaden bedeutete, und zwar nicht durch das Solid Vision-System. Aber Marc hatte nichts anderes von einem Dämonenjäger erwartet.
      „Solange diese Karte im Spiel ist“, erklärte Harris und schnappte sich nebenbei ein Monster von seinem Blatt, „kann ich Hazy Flame-Kreaturen mit einem Tribut weniger als nötig aufs Spielfeld rufen. So wie diesen Badboy hier! [Hazy Flame Cerberus]!“
      Aus der Feuersäule hinter dem großgewachsenen Mann sprang eine lodernde, mannshohe Kreatur heraus. Sein Fell bestand unter anderem aus winzigen, roten Drachen. Und war der Körper schon der eines Flammenhundes, so machten die drei bestialischen Köpfe des Ungeheuers seinem Namen auch in letzter Instanz alle Ehre.

      Hazy Flame Cerberus [ATK/2000 DEF/200 (6)]

      Still schob Harris eine Falle in seine Duel Disk, die sich vor seinen Füßen sogleich vergrößert materialisierte. Abschließend sagte er: „Viel Spaß in deiner persönlichen Hölle, ehemaliger Paktträger. Ich hoffe, du hast noch etwas Feuer im Arsch! Zug beendet!“

      „Man sollte vorsichtig mit seinen Wünschen sein“, erwiderte Marc leise, aber drohend, „sie könnten nämlich in Erfüllung gehen. Draw!“
      Schwungvoll zog der fein in Schwarz gekleidete Bräutigam seine Karte. Der Kerl duellierte sich also ebenfalls mit Feuer-Monstern? Interessant, dachte sich Marc und sah sein Blatt an. Wie hieß es auch so schön? Man sollte Feuer mit Feuer bekämpfen. Das konnte er haben!
      „Ich beschwöre [Laval Magma Cannoneer] und benutze sogleich seinen Effekt“, entschied er sich und knallte das Monster auf die Duel Disk, „bis zu zwei Feuer-Monster kann ich pro Zug abwerfen, um dir für jedes 500 Lebenspunkte zu nehmen!“
      Vor ihm formte sich aus winzigem Staub eine kräftig gebaute, humanoide Kreatur mit zwei glühenden Kanonenrohren auf dem Rücken. Ganz aus blauem und grauem Gestein gemacht, absorbierte sie zwei lodernde Kugeln, die von Marcs Friedhof aufstiegen, als jener zwei Monster dorthin schob.

      Laval Magma Cannoneer [ATK/1700 DEF/200 (4)]

      Kurz darauf wurde Harris von zwei gewaltigen Flammenkugeln getroffen, die der Krieger auf ihn abfeuerte. Zwar hielt sich der Dämonenjäger den rechten Arm vors Gesicht, doch als die Explosionen ihn erfassten, lachte er auf.

      [Marc: 4000LP / Harris: 4000LP → 3000LP]


      „Sag nicht, das ist alles, was du drauf hast?“, sprach Harris und gluckste. „Kannst du mir keinen echten Schaden zufügen?“
      Tatsächlich, als der Rauch sich verzog, stand der junge Mann völlig unbeschadet da. Marc hingegen kräuselte ärgerlich die Stirn. Natürlich konnte er das nicht, Isfanel, sein ehemaliger Paktpartner, existierte nicht mehr!
      „Ich muss mich nicht auf euer Niveau herabsetzen und Leute verletzen“, verteidige er sich, obwohl er tatsächlich liebend gerne auf übernatürliche Fähigkeiten zurückgreifen würde, „ich habe meine eigenen Methoden.“
      „Bullshit. Du hast nichts drauf, das ist alles.“
      „Glaub was du willst! Effekt von [Laval Phlogis]!“, rief Marc wütend und streckte den Arm aus. „Den habe ich abgeworfen für Magma Cannoneers Effekt. Sobald Phlogis den Friedhof kennenlernt, verstärkt er alle zurzeit auf dem Spielfeld platzierten Laval-Monster um 300 Angriffspunkte!“
      Um seine Kreatur herum entflammte eine rote Aura, die geradezu flimmerte.

      Laval Magma Cannoneer [ATK/1700 → 2000 DEF/200 (4)]

      Harris verschränkte skeptisch die Arme. „Gleichstand, was?“
      „Von wegen! Ich aktiviere den Effekt des zweiten Monsters, das ich auf den Friedhof geschickt habe!“ Marc zog jenes hervor und drehte es zwischen seinen Fingern um, damit sein Gegner es sehen konnte. „Dieses nennt sich [Kayenn, The Master Magma Blacksmith] und kann verbannt werden, um die Stärke alle anwesenden Laval-Monster um weitere 400 zu steigern!“
      Die eben noch rote Aura um sein Monster verfärbte sich blau und explodierte regelrecht. Dies entlockte Harris immerhin ein anerkennendes Pfeifen.

      Laval Magma Cannoneer [ATK/2000 → 2400 DEF/200 (4)]

      „Nun habe ich das stärkere Monster von uns beiden! Also greif an, [Laval Magma Cannoneer]!“, befahl Marc mit ausgestrecktem Arm.
      Seine aus Stein bestehende Kreatur schoss aus seinen beiden Kanonen zwei massive Flammensäulen, denen der feurige Zerberus trotz seiner Beständigkeit gegen große Hitze nicht gewachsen war. Nach dem Angriff war nur noch ein Häufchen Asche von ihm übrig.

      [Marc: 4000LP / Harris: 3000LP → 2600LP]


      „Damit hast du den Effekt von [Hazy Flame Cerberus] aktiviert“, sprach Harris. Die Asche vor ihm stieg auf und begann bunt zu leuchten. „Wird er zerstört und auf den Friedhof geschickt, erhalte ich eine Hazy-Karte von meinem Deck.“
      Die mageren Überreste des dreiköpfigen Hundedämons formten sich zu einer Monsterkarte namens [Hazy Flame Peryton], die sogleich in Harris' Blatt wanderte.
      „Damit gebe ich ab“, sagte Marc. Es war ihm anzusehen, dass er mit seiner Leistung nicht zufrieden war, standen sich Zornesfalten und Schweiß auf seiner Stirn gegenüber.

      Harris zog ausholend und grinste dabei bereits verschmitzt.
      „Dann bin ich mal so frei und beschwöre das Monster, das ich mir durch Cerberus gesucht habe“, verkündete er gut gelaunt und legte jene Karte auf seine Duel Disk, „erscheine, [Hazy Flame Peryton]! Da ich [Hazy Pillar] im Spiel habe, brauche ich kein Tribut anbieten.“
      „Schon wieder kein Tribut …“, murmelte Marc vor sich hin.
      Hinter seinem Gegner kam aus der Feuersäule eine grazile Figur gesprungen. Auch es war ein Vierbeiner, genauer gesagt eine Mischung aus einem jungen Hirsch und einem Vogel. Die flammenden Schwingen waren sein Markenzeichen. Auch er besaß eine gelb-orange, schuppige Haut mit roten Akzenten.

      Hazy Flame Peryton [ATK/1600 DEF/1700 (6)]

      Sein Besitzer schob derweil ein Monster namens [Hazy Flame Mantikor] in seinen Friedhofsschlitz. „Natürlich hat Peryton auch einen Effekt. Zwar funktioniert der nur einmal pro Zug, aber es lohnt sich, kann ich dir sagen! So muss ich nur ein Feuer-Monster abwerfen, um Peryton in zwei neue Monster aufzuteilen, direkt von meinem Deck!“
      Einen grellen Laut von sich gebend, stellte sich der Flammenhirsch auf die Hinterläufe und verwandelte sich in eine Flamme, die sich zerteilte. Die neuen Flammen nahmen Abstand voneinander und Harris erklärte: „Natürlich kann er nur Hazy Flame-Kreaturen beschwören. Meine Wahl fällt hierbei auf zwei Exemplare von [Hazy Flame Hyppogrif]!“
      Die beiden Flammen nahmen nun die Gestalt zweier Flammengreife an, die auf allen Vieren verharrten und majestätisch die Köpfe nach oben reckten.

      Hazy Flame Hyppogrif x2 [ATK/2100 DEF/200 (6)]

      Marc stockte der Atem. Er ahnte, was jetzt passieren würde.
      Und tatsächlich, Harris enttäuschte ihn in der Hinsicht nicht. „Tja, wenn ich schon zwei Monster desselben Levels auf dem Feld habe, kann ich sie auch ruhig nutzen!“
      Der Rotschopf streckte den Arm aus. Seine Greife verwandelten sich in feuerrote Lichtstrahlen, während zeitgleich ein schwarzer Wirbel vor ihm erschien und die beiden schließlich absorbierte. „Aus meinen beiden Stufe 6-Feuer-Monstern wird ein Rang 6-Monster! Xyz-Summon! Zeige dich in all deiner Pracht, [Hazy Flame Basiltrice]!“
      Unter wildem Gekreische schwang sich eine geflügelte Gestalt aus dem Wirbel. Marc schaute alarmiert nach oben. Flammende Flügel, dazu ein schuppiger, ziemlich schmaler Körper und ein Vogelkopf, sechs Hühnerbeine – das Ding war eine Mischung aus dem Basilisk und Cockatrice! Als jener Hybrid landete, schmolz um ihn herum selbst der Marmor. Zwei Lichtsphären umkreisten den Monstervogel.

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/2500 DEF/1800 {6} OLU: 2]

      „Beeindruckend, was?“, brüstete sich Harris mit dem Ungetüm, welches er etwa um eine Kopflänge überragte. „Wusstest du, dass dieses Monster jeden Feind zu Stein erstarren lassen kann? Hier, ich geb' dir 'ne Kostprobe! Basiltrice, Perseus Eyes!“
      Marc stieß einen nervösen Laut aus, als der Feuervogel sich eines seiner Xyz-Materialien schnappte und verschlang. Dann wackelte er einen Moment mit dem Kopf, ehe er Marcs [Laval Magma Cannoneer] anzustarren begann. Die kugelrunden, komplett weißen Augen Basiltrices leuchteten grau auf – und schon verwandelte sich der ohnehin schon aus Gestein bestehende Krieger von unten nach oben in weißen Stein, der, nachdem die Transformation abgeschlossen war, in tausend Stücke zerbarst.

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/2500 DEF/1800 {6} OLU: 2 → 1]

      „Dein Monster wird augenblicklich verbannt!“, betonte Harris nochmal das Geschehene und rieb sich unter der Nase. „Hehe, sich so schutzlos zu präsentieren war ein Fehler. Jetzt kann ich dich direkt angreifen! Los, Basiltrice, Meteor Outburst!“
      Erschrocken wich Marc zurück. Der Basilisk begann wild um sich zu trampeln, dabei mit den Flügeln umher schlagend, ehe sich von denen eine ganze Salve an Feuerbällen löste. Diese schlugen überall um Marc herum ein. Jener spürte nur noch die unerträgliche Hitze und die Tatsache, dass er von den Beinen gerissen wurde. Er schrie auf, wurde durch die Luft geschleudert und landete hart auf dem Rücken, direkt in den Altar krachend. Dabei keuchte er auf, spuckte Blut.

      [Marc: 4000LP → 1500LP / Harris: 2600LP]


      „Das war's erstmal. Machst du schon schlapp?“, hakte Harris nach und bohrte dabei lustlos in seinem Ohr. „Wolltest du mir nicht das Genick brechen? Sieht er so aus, als wäre ich derjenige, der hier den Leuten die Knochen bricht.“

      Marc lag regungslos in den Trümmern des Altars und rührte sich nicht.
      Der Typ hatte recht. Was tat er da überhaupt? Gegen einen Dämonenjäger zu kämpfen war doch lächerlich, wenn man es recht bedachte. Schon damals hatte ein anderer, Alastair, ihn gnadenlos besiegt. Er war ein Verlierer. Schwach. Nutzlos. Schon immer gewesen, selbst, als Isfanel sich seiner bemächtigt hatte. Anya, Matt, Abby … sogar in ihrem Schatten zu stehen wäre noch ein Kompliment für das, was er wirklich war.

      Ein Schrei riss ihn aus seinen Gedanken. Nicht weit von ihm entfernt schlitterte Valerie über den Marmorboden. Plötzlich wurde ihr Körper von einer heftigen Entladung heimgesucht. Immer wieder und wieder!
      „Valerie …!“, keuchte er leise. Sein ganzer Körper schmerzte, er musste sich ein paar Rippen bei dem Fall gebrochen haben, denn besonders die rechte Seite war betroffen.
      Auch seine Verlobte schien nichts gegen die Dämonenjäger ausrichten zu können, hatte sie einen schweren Treffer einstecken müssen. Als sie sich trotz der Stromstöße langsam vom Boden abstützte, mit schier unermesslichen Kampfgeist in den Augen, da fühlte auch Marc, dass er nicht aufgeben durfte. Sie war doch genauso wie er, nur ein Mensch. Trotzdem kämpfte sie, für ihn. Und er für sie.
      „Es ist ...“, sprach er schwach und erhob sich langsam aus den Trümmern, „... noch nicht vorbei. Noch stehe ich!“
      „Aber nicht mehr lange“, versprach ihm Harris düster.

      ~-~-~


      „Armselig.“
      Bereits nach der Hälfte der Entladungen hatte Valerie aufgehört zu schreien.
      „Halt die Klappe“, maulte sie stattdessen mit dem Haar im Gesicht, während sie sich mühevoll aufzurichten versuchte, „so schlimm war das gar nicht.“
      Edna standen vor Schreck die Augen weit offen, damit hatte sie nicht gerechnet. Dann aber fand sie zu ihrer alten Bissigkeit zurück. „Dann hast du sicher nichts gegen eine weitere Runde, huh? Armselig bleibt armselig, immer.“

      Valerie stemmte sich mit aller Kraft vom Boden ab, kam torkelnd auf die Beine. Dabei funkelte sie Edna böse an, wischte sich das Blut von der Stirn, das aus einer kleinen Platzwunde austrat.
      Zeitgleich war auch Marc zu Boden gegangen, aber sie hoffte, nein sie wusste, dass er sich nicht so leicht unterkriegen lassen würde. Er war stark! Bärenstark, wenn er nur wollte!
      „So etwas sagen nur diejenigen, die selbst noch armseliger sind“, konterte die Braut selbstbewusst Ednas herablassenden Spruch, „weil sie es nötig haben, andere schlecht zu reden, um ihr eigenes Ego aufzupolieren. Keine Sorge, mir geht’s prächtig! Und wie war das? Noch 'ne Runde? Ich denke, wir fangen jetzt erstmal bei dir an!“
      Ihre dunkelhäutige Gegnerin schürzte überrascht die Lippen, ehe sie tief durchatmete. Es dauerte allerdings noch einen Moment, ehe sie antwortete. „Schätzchen, ich bin noch armseliger als du denkst.“
      Valerie horchte überrascht auf. „Wie bitte?“
      „Ich bin eine Mörderin. Eine Dämonenjägerin obendrauf. Wie tief kann man da noch sinken?“, fragte Edna ernst. „Also erspare uns beiden deine Moralpredigten, okay?“
      „Dann ändere dich!“
      „Und bei euch fange ich an, was?“, kam es zynisch zurück. „Als ob! Ich habe die Wahl gehabt und mich hierfür freiwillig entschieden, wie es jeder Dämonenjäger tut.“
      Natürlich hatte Valerie mit einer solchen Reaktion gerechnet. Trotzdem war es offensichtlich für sie, dass in dieser Edna noch Menschlichkeit steckte. Ansonsten würde sie sich kaum Gedanken darüber machen, ob sie armselig war und sich dazu noch dafür rechtfertigen. Zumindest hoffte Valerie, dass dem so war.
      „Ich kenne zwei Dämonenjäger, die wie du waren“, erklärte Valerie mit der Hoffnung, dass ihr Appell etwas bewirken würde, „sie haben das Andersartige auch verteufelt. Bis sie gelernt haben, dass auch Dämonen Gutes vollbringen können. Wie Levrier, der Anya beschützt! Nichts ist nur Schwarz und Weiß!“
      „Na und?“
      Die flapsige Antwort Ednas ließ Valerie verstummen.
      „Denkst du, das weiß ich nicht? Das hier ist kein Rette-die-Welt-vor-dem-Bösen-Quatsch!“ Die Afroamerikanerin kniff die Augenlider soweit zusammen, dass ihre Augen nur noch durch enge Schlitze Valerie anstarrten. „Das hier ist ein Geschäft, nichts weiter. Manche verkaufen Autos, wir handeln mit Dämonen. So einfach ist das.“

      Ruckartig streckte die junge Frau ihren Arm aus. „Und wir sind hier noch nicht fertig! Main Phase 2!“
      Über dem dunkelhäutigen Mädchen öffnete sich ein schwarzes Loch, welches ihre beiden Monster als blaue Energieessenzen in sich aufsog.
      „Xyz-Beschwörung“, murmelte Valerie zerknirscht, „natürlich …“
      „Aus meinen beiden Stufe 7-Monstern wird ein neues Monster vom Rang 7! Xyz-Summon! Erscheine, König von Lemuria! [Mermail Abyssgaios]!“
      In dem Moment schossen in alle Richtungen Fontänen aus dem Overlay Network. Die letzte barg einen imposanten Meermann, welcher durch die Luft schwamm und sich hinter seiner Besitzerin positionierte. Sein grauer Bart war nicht weniger lang als das Haar, das ihm über den Schultern lag. In den Händen hielt er dabei einen goldenen Dreizack, um den zwei Lichtsphären kreisten.

      Mermail Abyssgaios [ATK/2800 DEF/1600 {7} OLU: 2]

      „Bevor ich meinen Zug beende, rüste ich Abyssgaios noch mit der [Abyss-scale Of The Cetus] aus! Dadurch wird er um 800 Punkte stärker!“
      Erstaunt beobachtete Valerie, wie um den Körper des Meereskönigs eine silber-violette Brustpanzerung erschien und ihn umschloss, wobei sie fortan ein seltsames Glühen von sich gab.

      Mermail Abyssgaios [ATK/2800 → 3600 DEF/1600 {7} OLU: 2]

      „Das wurde aber auch Zeit!“, beklagte sich Valerie, die sogleich eine vierte Karte von ihrem Deck riss. Es war natürlich der [Evigishki Soul Ogre], den sie selbst dort platziert hatte.
      „Zauberkarte!“, rief Valerie. „[Gishki Aquamirror]! Ich biete Monster für die Ritualbeschwörung eines Wasser-Monsters an. Dabei übernimmt der [Gishki Shadow] von meiner Hand sämtliche Kosten!“
      Auf dem Boden vor Valerie erschien ein Spiegel, eingerahmt von purem Gold. In ihn zeigte sich die amphibische Kreatur [Gishki Shadow], ehe diese eine Transformation unternahm.
      „Erscheine aus endlosen Kristallfontänen! [Evigishki Soul Ogre]!“ Valerie riss den Arm in die Höhe.
      Und als wäre sie die Herrin über das Wasser, schossen überall um sie herum Wassersäulen aus dem Boden. In der direkt vor ihr verbarg sich eine Silhouette, die sich erst als halb amphibische, halb dinosaurierartige, zweibeinige Kreatur entpuppte, als das Nass versiegte.

      Evigishki Soul Ogre [ATK/2800 DEF/2800 (8)]

      Der hellviolette Kamm der dunkelblauen Kreatur zitterte unruhig, genau wie der Schweif, der in einer Fischflosse endete.
      „Bevor es weitergeht, muss mir jetzt erstmal das Glück hold sein“, meinte Valerie plötzlich und grinste angriffslustig, „ich dachte mir, es ist mal an der Zeit, etwas Neues für mein Deck zu probieren. Wieso es also nicht wie Anya machen und sich auf sein Glück verlassen?“
      Jene, die sich wütend in ihren Fesseln hin und her rollte, brabbelte etwas Unverständliches durch den Knebel, was sicher einige Beleidigungen enthielt mit der Beteuerung, dass sich eine Anya Bauer nie auf das Glück verließ.
      Valerie war es egal, sie zückte ihre letzte Karte. „Ich aktiviere den Zauber [Cup Of Ace].“
      In ihrer Hand erschien ein goldener Kelch, den sie lasziv an die Lippen setzte. „Es gibt genau zwei Möglichkeiten. Entweder das Leben schmeckt einem, oder nicht. Wenn ja, ziehe ich zwei Karten. Wenn nicht, nun ja, hast du in dem Fall das Glück.“
      Edna verschränkte nur die Arme und sah kopfschüttelnd zu Boden. „Na reizend, jetzt auch noch so etwas? Du lieber Himmel, dich habe ich echt überschätzt wie's aussieht …“
      „Wir werden sehen“, meinte Valerie und nahm einen Schluck. Ihre Augen weiteten sich. Dann zwinkerte sie vergnügt. „Hmmm, der gute Wein!“
      Der Kelch verschwand und das Mädchen, welches den eigentlichen Münzwurf der Karte mit Kopf gewonnen hatte, zog auf.

      Hätte sie hier versagt, wäre das Duell gelaufen gewesen, was aber offenbar keiner so recht bemerkt zu haben schien, dachte sich Valerie beim Anblick der neuen Karten und ihrer gefesselten Freunde, die nicht übertrieben besorgt um sie schienen. So kannten sie sie auch gar nicht.
      Aber die baldige Mrs. Butcher hatte sich verändert. War wagemutiger geworden, etwas, nach dem sie sich schon seit einer ganzen Weile gesehnt hatte. Was Anya damals im Elysion gesagt hatte von wegen Nervenkitzel, es wollte Valerie seither nicht mehr aus dem Kopf gehen. Nur wusste sie nicht, ob dieses Gefühl sie selbst zufrieden stellte. Darüber zu urteilen war noch zu früh, aber eben dieses Glücksspiel … hatte sie gar nicht berührt.
      Die junge Frau schüttelte den Kopf. Nein, darüber sollte sie nachdenken, wenn sie Zeit dazu hatte.

      „Ich aktiviere [Evigishki Soul Ogres] Effekt und werfe [Gishki Natalia] ab!“, verkündete Valerie und streckte den Arm aus. „D-“
      „Dann aktiviere ich den Effekt meines eigenen Monsters.“ Ihre Gegnerin zog ein Xyz-Material unter der Karte ihres Abyssgaios' hervor. „Royal Domination!“
      Ihr König absorbierte mit seinem Dreizack eine der Lichtsphären.

      Mermail Abyssgaios [ATK/3600 DEF/1600 {7} OLU: 2 → 1]

      Gleichzeitig sammelte Soul Ogre in seinem Maul Wasser an, welches er in einem mächtigen Strahl auf seinen Gegner schoss. Dieser antwortete mit einem Blitz aus seinem Dreizack, welcher das Wasser auflöste und Valeries Monster einen heftigen Stromschlag verpasste.
      „Pech für dich. Abyssgaios kann die Effekte aller gegnerischen Monster auf dem Feld mit weniger Angriffskraft als er selbst annullieren.“
      Valerie hob erstaunt eine Augenbraue an. „Nicht schlecht. Wenn wir gleichstark gewesen wären …“
      „Waren wir aber nicht“, rief Edna dazwischen. „Und werden wir auch nie sein!“
      „Stimmt!“ Valerie presste wütend die Lippen zusammen ob ihrer überheblichen Gegnerin. „Denn ich bin hier die bessere Wasser-Duellantin und dementsprechend eine Liga über dir! Ich aktiviere [Aqua Jet] und verstärke das Wasser-Monster Soul Ogre um 1000 Punkte!“
      Dieser streckte beide Arme weit aus, auf seinem Rücken entstand ein Gestell mit Düsentriebwerken, das anfing zu rumoren.

      Evigishki Soul Ogre [ATK/2800 → 3800 DEF/2800 (8)]

      „Greife [Mermail Abyssgaios] an und beweise deine Stellung, [Evigishki Soul Ogre]!“, donnerte Valerie und schwang den Arm aus. „Los!“
      Die Amphibie lud noch einen Wasserstrahl in seinem Maul auf und feuerte ihn ohne Umschweife ab.
      „Du kapierst es einfach nicht, Lady! Hier ist Endstation! Abyssgaios, wehre den Angriff ab! Torrential Current!“
      Mit dem Dreizack in der Hand wirbelnd, erschuf der Meermann umgehend zwei durch die Luft fließenden Strömungen, die sich in gegensätzlichen Richtungen umeinander schlangen und somit eine mächtige Barriere, an der Soul Ogres Angriff abprallte. Valerie stand da wie versteinert.
      „Armselig, sag ich ja“, hörte sie Ednas Stimmte hinter der Wassermauer, „Monster ab Stufe 5 können nicht angreifen, solange Abyssgaios Xyz-Material besitzt. Als 'bessere' Wasser-Duellantin solltest du das eigentlich wissen.“
      Sofort bereute Valerie ihre großspurigen Worte. Wie hatte sie sich zu solcher Arroganz hinreißen und dabei glatt übersehen können, in welcher Situation sie sich eigentlich befand!?
      „Z-Zug beendet“, stammelte sie beschämt aufgrund mangelnder Optionen, sprich Handkarten. Abyssgaios derweil ließ seine Barriere verschwinden.

      „Wurde auch Zeit“, murrte Edna und zog ruckartig auf, „ich hätte mich gar nicht auf so etwas einlassen sollen.“
      „Aber dein Freund wollte es. Und es scheint ihm … fast Spaß zu machen.“ Valerie nickte herüber zu Harris, der tatsächlich mit seinem vergnügt grinsenden Antlitz den Eindruck erweckte, als ginge es ihm eher um die Herausforderung als um das Jagen von Dämonen.
      Edna schnalzte mit der Zunge und fasste sich an die Stirn. „Weil er nicht erkennt worum es wirklich geht.“
      „Und das wäre?“, wollte Valerie wissen.
      Ihre Gegnerin funkelte sie zwischen den Spalten ihrer Finger aus dem verdeckten Auge an. „Verlust.“
      „Wie-“
      „Wo Dämonen sind, verlieren Menschen ihr Leben. Unabhängig davon, ob das gewollt ist oder nicht. Meistens ist es aber gewollt.“ Edna nahm die Hand von der Stirn. „Und wenn keiner etwas tut, wird es jeden Tag kleine Kinder geben, die sich die Augen aus dem Kopf weinen, weil Daddy nicht nachhause kommt. Weil ein Werwolf ihn in Fetzen gerissen hat.“
      Valerie streckte die Arme weit aus. „Aber dann bist du hier falsch! Hier gibt es solche Leute nicht!“
      „Dann sag mir“, fauchte Edna und zeigte auf den gefesselten Zanthe, „kannst du dem da trauen? Der Sirene? Oder den Paktträgern? Weißt du, was sie tun, wenn du nicht hinschaust!?“
      „I-ich-!“
      „Vielleicht schaust du ja absichtlich weg!“
      „Das würde ich niemals tun!“, verteidigte sich Valerie getroffen.
      „Ich“, hauchte Edna kalt, „auch nicht. Deswegen bin ich hier.“

      Ohne sich weiter an Valeries Protesten aufzuhalten, wirbelte Edna die nachgezogene Karte zwischen ihren Fingern und zeigte sie vor. „[Monster Reborn]! Damit reanimiere ich [Mermail Abysslung] vom Friedhof!“
      Neben dem Meereskönig tauchte einer seiner Soldaten auf. Von der Hüfte abwärts war der rothaarige Krieger ein Fisch, bewaffnet mit zwei massiven Panzerhandschuhen, die genauso gut als Schilde durchgehen konnten.

      Mermail Abysslung [ATK/1200 DEF/1800 (4)]

      „Eines der abgeworfenen Monster …?“ Valerie schluckte den Kloß in ihrem Hals herunter.
      „Exakt. Abysslung hat auch einen Effekt, der besagt, dass er all meinen Wasser-Monstern zusätzliche 300 Angriffspunkte gewährt.“
      Erschrocken beobachtete die Braut, wie um die Monster ihrer Gegnerin lauter Wasserblasen auftauchten, die bläulich schimmerten.

      Mermail Abyssgaios [ATK/3600 → 3900 DEF/1600 {7}]
      Mermail Abysslung [ATK/1200 → 1500 DEF/1800 (4)]

      „Hast du es jetzt kapiert? Der Grund, warum ich dich erbärmlich nenne“, tönte Edna und rümpfte die Nase regelrecht gen Himmel, „ist nicht wegen deines Spiels oder der Tatsache, dass du dich nicht zu wehren weißt. Erbärmlich bist du, weil du nicht mal den 'Schatten' bemerkst, der dich und deinen Ehemann umgibt. Derselbe Schatten, der dich vor 'Restrain' geschützt hat.“
      „Wovon redest d-“ Doch Valerie bekam einen Geistesblitz. „Etwa … der Handel mit … aber das-!“
      Edna war jedoch in ihrer Ausführung fertig und schwang den Arm aus. „Das war's. Los, Abyssgaios! Greife [Evigishki Soul Ogre] an! Sea Emperor's Bolt!“
      Der König der Mermails tat wie ihm geheißen und richtete seine Waffe auf die amphibische Gestalt vor Valerie. Die sah erschrocken auf und konnte nicht mehr reagieren. Der Blitz schoss erst durch die Brust ihres Monsters, dann durch sie selbst.
      Valerie wurde zurückgeschleudert. Als alles dunkel wurde, hörte sie nur noch Marc ihren Namen rufen.

      [Valerie: 100LP → 0LP / Edna: 4000LP]



      Turn 46 – And The Anwser Is … ?
      Valeries Niederlage entfacht in Marc eine derartige Wut, dass der alles versucht, um Harris fertig zu machen. Doch dieser scheint ihm immer einen Schritt voraus. Bevor Edna sich an Valerie vergehen kann, befreit sich Zanthe aus seiner Gefangenschaft und stellt sich ihr entgegen. Und während er sich mit ihr duelliert, gelangt er zu einer erstaunlichen Erkenntnis …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Valerie

      Gishki Avance
      Gishki Shadow
      Gishki Natalia
      Evigishki Soul Ogre

      Gishki Aquamirror
      Half Shut
      Cup Of Ace
      Aqua Jet

      Aquamirror Illusion

      Edna

      Mermail Abyssbalaen
      Mermail Abyssmegalo
      Mermail Abysslung
      Mermail Abyssmander
      Mermail Abyssgunde

      Abyss-scale Of The Cetus
      Monster Reborn

      Mermail Abyssgaios

      Marc

      Laval Magma Cannoneer
      Laval Phlogis
      Kayenn, The Master Magma Blacksmith

      Harris

      Hazy Flame Cerberus
      Hazy Flame Mantikor
      Hazy Flame Peryton
      Hazy Flame Hyppogrif x2

      Hazy Pillar

      Hazy Flame Basiltrice


      Ich hoffe, es hat euch gefallen.
      @Aska: Bei meinem Tempo könnte es zwar Jahre dauern, bis ich soweit bin, aber ich bin für das selbst ausgedachte Deck. Klingt spannend. Vanilla-Pendel wäre aber auch cool.

      @Fanfic:
      Spoiler anzeigen
      Ich lese gerade das Kapitel, indem Nina das erste Mal richtig auftritt. (Also das, wo sie Anya und Co. "auf die Eierstöcke" geht) Ich finde Nina soweit ganz witzig, lustigerweise gibt es in den Harry Potter-Romanen eine Figur namens Rita Kimmkorn, deren Rolle mit der Ninas quasi identisch ist. (Eine schrille, aufgedonnerte Reporterin mittleren Alters, die den Protagonisten Probleme bereitet, indem sie ihnen die Wörter im Mund umdreht...) gut bzw. interessant finde ich, dass Nina sich absolut nicht von Anyas Drohungen beeindrucken lässt. Dass sie dennoch gegen Mitte des Kapitels immer noch am Leben ist weckt in mir die Hoffnung, dass Anya vielleicht doch nicht so tough ist, wie sie immer tut und auch einiges an heißer Luft in ihren Drohungen liegt. Mal sehen...

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      -Aska-

      Jep, aber es ist vermutlich ein langer, steiniger Weg ;)

      Denke auch, dass das Ergebnis mehr als deutlich war. Bei bestimmten Begegnungen kann sich Anya auch abrackern wie sie will, letztlich kriegt sie trotzdem drauf xD

      Warum ich an Logan zweifel? Er lügt! Naja, nach Greg House lügt eh jeder, insofern wäre das kein Argument. Aber die Art und Weise, wie er verheimlicht, dass er ein besserer Duellant wohl ist als er vorgibt zu sein, die macht doch sehr stutzig. Und jein. Die Urszene die du da meinst, die hat sicherlich Spuren hinterlassen, aber darüber hatten wir ja gesprochen und du mir erklärt wie es gedacht war. Kann dir aber nicht sagen wo das herkommt, dass ich ihn jetzt so sehe. Für mich ist ein Charakter, der in speziellen Dingen lügt dubioser als jemand, der ständig lügt. Bei dem weiß man wenigstens, woran man ist. Aber jemand, den man nicht einschätzen kann, der ist in letzter Instanz womöglich gefährlicher.

      @Deckauswahl:

      Persönlich optiere ich bei den Auswahlmöglichkeiten für Satellaknights. Wobei die Sache mit dem eigenen Themendeck schwer zu beurteilen ist, wenn man da nichts Genaueres weiß. Das kann ja von hochinteressant (CGs) bis öde (gerade kein Beispiel eigener Ideen) reichen. Daher Satellaknights.

      Und ist die Figur, die du meinst, zufällig eine, über die wir mal ein Gespräch in letzter Zeit hatten? ^^§


      @Folge

      Wer hat denn da beim Polterabend eine Bloody Mary(age) bestellt, hm? xD

      Nein, Spaß beiseite. Aber eigentlich müsste ich hier total beleidigt sein. Was meinste, wie groß meine Enttäuschung gewesen war, dass Valeries Duell so niederschmetternd ausging? Naja, ich hak es unter notwendig ab und sehne mich stattdessem dem nächsten Duell entgegen, in der Hoffnung, dass sie da alles geben darf.
      Im Endeffekt ist der Ausgang so herum aber am verständlichsten gewesen. Edna musste Druck ausüben und sorgt so in der Konsequenz dafür, das Marc jetzt in Part 2 alles geben muss. Und natürlich konntest du Zanthe auf diesem Weg noch ein Duell ermöglichen. Sonst hätte er ja mehr oder weniger nur doof an der Seitenlinie gestanden. Trotzdem schade mit Val.

      Dafür bot die Folge an anderen Stellen auch einige schöne oder zum Schmunzeln animierende Momente. Wie Abby, die bemüht war Anya im Zaum zu halten, damit wirklich alles glatt über die Bühne geht. Oder Anya, die ihre Hochzeitsgeschenke an das Brautpaar verteilt. Nur bleibt noch offen, inwieweit sie sich später über diese Geschenke immer noch freuen werden. Im Augenblick haben sie ihnen ja vermutlich schon mal zu verdanken, dass sie von dem ersten Überfall geschützt blieben. Denn ich nehme an, ohne die hätten sie sich nicht so einfach gegen die Hochzeitscrasher wehren können.

      Was die angeht, da kann ich mir vorstellen, dass da nach den interessanten Andeutungen und Wendungen sicherlich noch mehr kommen wird. Unklar ist ja momentan noch das Motiv der beiden, warum sie das machen. Edna hatte verkündet, dass es für sie nur ein Geschäft sei. Also wäre die Schlussfolgerung, dass ja irgendjemand ihnen etwas dafür zahlt, dass sie die aus der Gruppe beseitigen oder festsetzen. Gegen beseitigen aber spricht die Aussage von Harris, dass sie keine Mörder seien, daher meine Folgerung, dass sie die Einzelnen offensichtlich lebend einkassieren wollen.
      Das wirft natürlich die brennende Frage auf, wer sie, oder speziell Anya, haben will - umso mehr, da ebendieser die beiden Kopfgeldjäger ja sogar vor Anya Bauer gewarnt haben bzw ihnen gesagt hat, wie sie diese erkennen.

      In dem Sinne auf zu Teil 2, und hoffentlich zu einem Happy End, denn alles andere als ein "Ja" akzeptiere ich nicht xD
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Ahoi. Mal wieder vielen Dank an alle Leser.

      @Leseleff
      Naja, selbst wenn du zwei Jahre brauchst, wenigstens musst du - anders als andere - dann so schnell nicht auf neue Folgen warten. ;)
      Ab und zu spuckt Anya schon mal etwas zu große Töne für ihre 1,60, was besonders deutlich wird, wenn sie es mit Leuten zu tun hat, die sich davon nicht beeindrucken lassen. So wie Nina.
      Letztlich diente Rita Kimmkorn sogar als Vorlage für Nina, da Kimmkorn komischerweise einer meiner geheimen Favs in Harry Potter war und ich so einen Chara einbauen wollte. Nina ist insofern anders, dass sie sich nur zu gerne offen in die Recherche stürzt, wohingegen Nina lieber verdeckt (= feige) agiert.
      Ich finds übrigens erstaunlich, dass du Nina magst. Von den Reaktionen damals in meinem ersten Thread kam die nämlich gar nicht gut bei den Lesern weg. xD (Was auch so gewollt war, ähnlich wie bei Anya.)

      @Evil Bakura
      Das ist ein handfestes Argument, was du da bringst. Wobei ich "Dauerlügner" als nicht weniger gefährlich erachte, aber ich weiß, worauf du hinaus willst.

      Klar weiß ich, dass dir das Ende gar nicht geschmeckt hat. Wusst ich immer. Aber wie du selber sagtest, es diente einerseits zur Unterstreichung und Abgrenzung von Ednas Skills, andererseits wollte ich auch nicht Marc verlieren lassen, weil der sowieso nicht die beste Bilanz hat. Und ja, Zanthes Duell war ein weiterer, beabsichtigter Vorteil.

      Und soweit ich mich erinnere, hat nur Team Livington Edna und Harris als Dämonenjäger bezeichnet. Inwiefern das korrekt ist, wird sich erst zeigen müssen.


      Das Voting läuft übrigens noch. Wie ihr seht, herrscht Gleichstand zwischen dem "Valiant Arms"-Deck (Work in Progress-Name) und den Satellaknights. Das Zünglein an der Waage darf gerne vortreten, sonst muss ich das machen.
      Jetzt aber viel Spaß mit ...

      Turn 46 – And The Answer Is … ? Part I
      Marc atmete schwer. Gerade seine rechte Körperhälfte hatte schwere Verletzungen erlitten, bestimmt waren dort einige Rippen hinüber. Trotzdem stand er noch, mit dem Entschluss, nicht aufzugeben. Selbst wenn er nur ein Mensch war, der sich gegen einen Dämonenjäger zu behaupten versuchte.
      Aber die Zweifel suchten ihn dennoch heim. Man musste sich nur die Kirche ansehen, die bereits durch die Spuren des Kampfes gezeichnet war. Vor Harris war praktisch alles zu einer Pfütze zerschmolzen. Hinter ihm lagen knapp einhundert Gäste bewusstlos auf oder unter den Bänken und seine Freunde waren von DNA-artigen Fesseln umschlungen und konnten sich ebenfalls nicht bewegen. Alles das Werk der Dämonenjäger. Und doch …
      „Mein Zug“, keuchte er und zog, wobei er zusammenzuckte und fast in sich zusammenbrach.
      „Willst du dich nicht lieber ergeben?“, fragte sein rothaariger Gegner versöhnlich. „Wenn du das jetzt durchziehst, wirst du wohl daran krepieren.“
      „Lieber das, als hilflos zuzusehen, wie du uns tötest oder was auch immer.“
      Harris nickte. „Was auch immer, heh …“

      Es sah schlecht für Marc aus. Die wenigsten seiner vier Handkarten nützten ihm etwas, besonders weil sein Feld leer war. Dagegen kontrollierte Harris die flammende Bestie namens [Hazy Flame Basiltrice], eine Mischung aus Reptil und Hahn mit lodernden Schwingen, welche vor ihrem Besitzer eine lauernde Haltung einnahm. Eine Lichtkugel tanzte um ihn herum.

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/2500 DEF/1800 {6} OLU: 1]

      Dazu besaß Harris noch die dauerhafte Zauberkarte [Hazy Pillar] und eine gesetzte Karte.

      [Marc: 1500LP / Harris: 2600LP]


      Schwitzend stand Marc also in seinem schwarzen Anzug da und wusste nicht, wie er seinem Gegner überhaupt ein Haar krümmen sollte. Etwas, das er um alles in der Welt wollte. Rache dafür, dass sie Valeries Traum zerstört hatten. Aber er war machtlos. Konnte nicht einmal einen ordentlichen Zug hinlegen …
      „Diese beiden hier verdeckt!“, rief Marc und setzte zwei Karten von seiner Hand in die Backrow. Beide tauchten vor seinen Füßen auf.
      „Und den da setze ich auch“, kündigte er weiter an und legte ein Monster in horizontaler Lage auf seine Duel Disk. Einen Moment später materialisierte sich die Karte mit dem Bild nach unten gerichtet vor seinen anderen beiden, wie eine Wegblockade. Auch wenn sie das weiß Gott nicht sein würde, nicht für diese Kreatur dort drüben. Aber immerhin war sie verdeckt sicher vor dem Effekt des Basilisken-Cockatrices oder was auch immer es darstellen sollte.
      Marc betrachtete seine letzte Handkarte, einen Zauber. „Mach deinen Zug!“

      Behände zog der tätowierte junge Mann im gelben Muskelshirt und schmunzelte vergnügst. „So, sind dir schon die Ideen ausgegangen?“
      „Wer weiß“, erwiderte Marc gereizt, „vielleicht ist genau das Gegenteil der Fall.“
      „Dann bin ich gespannt was du hierzu sagen wirst! Effekt von [Hazy Flame Basiltrice] aktivieren!“, rief Harris und riss das verbliebene Xyz-Material unter dessen Karte hervor.
      Marcs Augen weiteten sich. „Aber mein Monster ist verdeckt!“
      „Na und? Bloß weil die bekanntesten Karten nur offene Monster anzielen, trifft das nicht automatisch auf alle zu“, erwiderte Harris altklug, „Basiltrice kann auch Feinde versteinern, die sich verstecken! Los, Perseus Eyes!“

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/2500 DEF/1800 {6} OLU: 1 → 0]

      Gierig schnappte der schuppige Feuervogel nach der Lichtkugel und schlang sie herunter, ehe er penetrant damit begann, Marcs gesetztes Monster anzustarren. Dabei wurden seine kugelrunden Augäpfel zunehmend grau – genau wie besagte Karte. Jene zerbröselte innerhalb von Sekunden zu Staub.
      Und Marc fluchte in sich hinein. [Laval Miller] hätte durch einen Kampf zerstört werden müssen, damit er zwei Laval-Monster auf den Friedhof schicken konnte! Damit hatte Harris seine beste Strategie zunichte gemacht!
      „Tjaja“, meinte der und zuckte mit den Schultern, „was immer es war, jetzt ist es verbannt. Die gute Nachricht ist, dass Basiltrice jetzt kein Xyz-Material mehr hat und du dir keine Sorgen mehr um deine Monster machen musst. Die schlechte ist: du wirst gar nicht mehr dazu kommen.“
      Damit streckte er den Zeigefinger aus, welcher politisch völlig unkorrekt auf Marc zeigte. „Denn jetzt bekommst du den Gnadenstoß! Basiltrice, direkter Angriff auf seine Lebenspunkte! Meteor Outburst!“
      Seine krallenbesetzten Hühnerbeine auf den Boden stampfend, begann sich der Cockatrice-Basilisk-Hybrid wie von der Tarantel gestochen zu bewegen. Aus seinen flammenden Schwingen lösten sich dutzende Feuerbälle, die allesamt auf Marc zu schnellten. Der konnte nur noch die Augen weiten, da schlugen die Mini-Kometen schon rings um ihn ein und lösten ein Inferno aus, welches ihn innerhalb eines Sekundenbruchteils verschlang.
      „Schade schade Schokolade, da hat's einer nicht geschafft“, flötete Harris im Auftrieb seines vermeintlichen Sieges.
      Nur um schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt zu werden, als sich das Feuer um Marc herum auflöste und er noch stand. Vor ihm erlosch eine ganz eigene, kleine Flamme.
      „Oh.“ Der Rotschopf im gelben Muskelshirt kratzte sich an der Stirn. „Zu früh gefreut.“
      „Tja, ich hatte wohl doch noch ein Monster“, keuchte der schweißnasse, im teils versengten Anzug stehende Schwarzhaarige, „generiert durch den Schnellzauber [Searing Fire Wall]. Indem ich ein Laval-Monster vom Friedhof verbanne, erschaffe ich eine Spielmarke, die deinen Angriff abgewehrt hat.“
      Leider hatte er durch das Entfernen von [Laval Phlogis] nur eine einzige erzeugen können, da jener das letzte verbliebene Laval-Monster auf seinem Friedhof gewesen war. Aber sie hatte ihm das Leben gerettet – vorerst. Marcs Blick lag skeptisch auf seiner anderen verdeckten Karte.
      „Na ja, umso spannender wird es noch“, zeigte sich Harris optimistisch und nahm eine Falle aus seinem Blatt, „ich setze diese hier mal verdeckt. Du bist dran, Kumpel.“
      Zischend materialisierte sie sich vor seinen Füßen, direkt hinter Basiltrice.

      „Ich bin nicht dein Kumpel!“, erwiderte Marc zornig. „Draw!“
      Mit Schwung zog er seine neue Karte und sah sie augenblicklich gebannt an. Das war genau, was er in diesem Moment am besten gebrauchen konnte! Gott schien ihn doch nicht verlassen zu haben!
      Zwischen Zeige- und Mittelfinger gesteckt, präsentierte Marc jene Karte umgehend. „Sieh her, wie heiß Feuer wirklich sein kann! [Molten Conduction Field]! Ich schicke sofort zwei Laval-Monster von meinem Deck auf den Friedhof!“
      Jenes nahm er aus der Halterung und entschied sich nach kurzer Denkpause. Die beiden Karten zeigte er im Anschluss ebenfalls vor. „Meine Wahl trifft auf [Laval Volcano Handmaiden] und [Laval Lancelord]!“
      Im selben Moment tauchte ein braun gebranntes Mädchen hinter Marc aus, dass durch ihr knappes Kleid und vor allem ihr glühendes Lavahaar bestach. So erklärte der junge Bräutigam deren Auftauchen wie folgt: „[Laval Volcano Handmaidens] Effekt aktiviert sich, sobald sie auf den Friedhof geschickt wird, wenn sich dort schon ein Laval-Monster wie Lancelord befindet. Sie schickt dann gleich nochmal ein Laval-Monster von meinem Deck auf den Friedhof.“
      Plötzlich tauchte noch eines dieser Mädchen neben dem anderen auf. Und dann noch ein drittes. Schließlich zeigte Marc ein Monster vor, welches er sich aus seinem Deck geschnappt hat. „Wie du sehen kannst, ist das eine ganze Kette. Die letzte Handmaiden wird dafür sorgen, dass ich mich meines [Laval Magma Cannoneers] entledige.“
      So hatte er statt zwei Monstern tatsächlich ganze fünf ablegen können. Und nun war sein Friedhof derart gut gefüllt mit Kreaturen, dass er keine Scheu hatte, seine letzte Handkarte zu aktivieren.
      „Das Schönste an der ganzen Sache ist, dass ich sie jetzt alle wiederbeleben werde! [Rekindling]!“, rief er und streckte die Hand mit den Zauber zwischen den Fingern in die Höhe. „Dadurch werden so viele Feuer-Monster wie nur möglich auf meinem Friedhof mit maximal 200 Verteidigungspunkten reanimiert!“
      Die drei Schönheiten mit der hitzigen Haarpracht verschwanden hinter Marc und tauchten im Anschluss vor ihm wieder auf. Neben ihnen materialisierten sich dann noch ein Soldat aus blauem Gestein, auf dessen Schultern zwei riesige Kanonenrohre lagen und ein aus braunem Gestein bestehender Krieger, der eine glühend rote Lanze schwang.

      Laval Volcano Handmaiden x3 [ATK/100 DEF/200 (1)]
      Laval Magma Cannoneer [ATK/1700 DEF/200 (4)]
      Laval Lancelord [ATK/2100 DEF/200 (6)]

      Beschwichtigend hob Harris seine Hände, obschon seiner verspielten Mimik eine gewisse Gedankenlosigkeit entnommen werden konnte. „Hey Alter, übertreib's doch nicht gleich!“
      „Übertreiben? Ich habe noch nicht mal angefangen!“, knurrte Marc und streckte den Arm in die Höhe. „Ich stimme meine Stufe 1-Handmaiden auf meinen Stufe 4-Magma Cannoneer und noch eine Stufe 1-Handmaiden auf den Stufe 6-Lancelord ein! Doppelte Synchrobeschwörung, Stufe 5 und 7!“
      Zwei der Ladys verformten sich zu grünen, holografischen Ringen, die in die Höhe stiegen. Gleichzeitig zersprangen die beiden kriegerischen Monster in vier beziehungsweise sechs grüne Lichtkugeln, die ebenfalls aufstiegen und dabei durch die Ringe schossen. Zwei grelle Lichtblitze erhellten die Kirche.
      „[Lavalval Dragon], [Laval Stennon]!“
      Zwei flammende Gestalten schossen vor Marc auf den Boden und schlossen zwischen sich die verbliebene Handmaiden ein. So fand links von ihr ein Drache aus braunem Magmagestein zu pompöser Form, während rechts neben ihr ein massiver Hüne von blauer Farbe auftauchte. Dieser besaß neben einem Kanonenarm auch einen merkwürdigen, dreieckigen Auswuchs in seiner Brust. Da Marc keine Handkarten mehr besaß, musste er auch keine davon abwerfen, was Stennons Beschwörung normalerweise verlangte.

      Lavalval Dragon [ATK/2000 DEF/1100 (5)]
      Laval Stennon [ATK/2700 DEF/1800 (7)]

      Harris klatschte laut in die Hände. „Junge, gleich zwei so harte Brocken. Mir wird ganz Angst und Bange.“
      Auf Marcs Stirn zeichneten sich tiefe Zornesfalten ab. Diese respektlose Art trieb ihn an seine Grenzen. Es war natürlich sehr leicht auf ihn herabzusehen wenn man wusste, dass er ohne seinen Paktpartner sowieso nichts ausrichten konnte. Das Einzige, was Marc tun konnte, war mit seinen Fähigkeiten zu trumpfen und derweil zu hoffen, dass ein Wunder geschah.
      Er streckte daher konsequent den Arm aus, um zumindest seine professionelle Fassade aufrecht zu erhalten. „Mach dich nicht lächerlich! Warte erst mal ab, was passiert! Ich aktiviere [Lavalval Dragons] Effekt. Ich kann zwei Lavals von meinem Friedhof zurück ins Deck mischen, um eine beliebige auf dem Spielfeld befindliche Karte auf die Hand ihres Besitzers zurückzugeben.“
      „Und du dachtest da an [Hazy Flame Basiltrice], richtig?“, hakte Harris nach.
      „Genau! Los-!“
      Ein schrecklicher Schrei unterbrach Marcs Befehl. Jener wirbelte herum und sah, wie Valerie über das Feld flog und hart auf dem Boden aufkam. Blitze schlugen dabei um sie, ihre Lebenspunkte fielen auf Null.
      Valerie hatte verloren … sie, eine der fähigsten Duellantinnen, die Marc kannte. Er weitete fassungslos die Augen und schrie ihren Namen.

      ~-~-~


      „Valerie!“, hallte Marcs erschütterter Schrei durch die Kirche.
      Ednas Schuhe klackerten leise auf dem Marmor, als sie sich zielstrebig auf die bewusstlose Valerie zu bewegte. Ihr Augenmerk war nur auf ihre niedergegangene Gegnerin gerichtet, weshalb sie nicht bemerkte, wie sich bei den Bänken im hinteren Teil der Kapelle etwas bewegte.

      Zanthe lag gefesselt von den DNA-artigen Strängen auf dem Boden, neben ihm Melinda und Henry. In seiner liegenden Position konnte er herüber zur anderen Hälfte der Kirche sehen, wo die Familienmitglieder Valeries, Marcs und der anderen schlafend teilweise übereinander gestapelt lagen oder von den Bänken herabhingen.
      Er spannte seinen ganzen Körper an. Es musste doch einen Ausweg aus dieser Fessel geben, irgendeinen. Aber sie absorbierte seine Werwolfkräfte, sobald er nur daran dachte, sich zu verwandeln. Sein Ankämpfen gegen die rot leuchtenden Lichtstränge ohne jene war vergebens.
      Bis ihm etwas auffiel. Sie strafften sich nicht von alleine. Denn die um seine Schultern hatten sich nach seinen Bemühungen tatsächlich ein wenig gelockert.
      Sofort versuchte Zanthe seine These zu überprüfen, indem er probierte, seine Beine auseinander zu spreizen. Erst wollte es gar nicht funktionieren. Doch Millimeter um Millimeter erkämpfte er sich die Freiheit, wobei er alles mobilisierte, was ihm zur Verfügung stand. Auch wenn sein Werwolf-Ich unterdrückt wurde, für kurze Momente konnte er es aufflackern lassen, was sich immer wieder an einem Wechsel zwischen den golden-wölfischen und menschlichen Pupillen zeigte. Und nur dank dieser Mini-Verwandlungen gelang es ihm überhaupt, seine Fesseln zu lockern. Parallel dazu arbeitet er auch an seinen Armen. Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte er es, hinter der Bank versteckt aus seinen Fesseln zu schlüpfen und um jene in geduckter Haltung zu schleichen. Dabei löste er die letzten Bänder um Schultern und Hüfte per Hand. Die Dämonenjäger waren so konzentriert auf ihre Gegner, dass sie gar nichts davon bemerkten.

      Letztlich hatte Zanthe es geschafft und sich befreit. Doch anstatt Anya zu helfen, die ihn sehr wohl bemerkt und sich zu ihm herüber gerollt hatte, stieg er, sich um die Bank drehend, einfach über sie hinweg.
      Stattdessen nahm er plötzlich Anlauf und sprang kurzerhand meterhoch über Edna hinweg. Noch während des Weges nach unten versuchte er, ihr mithilfe eines Saltos einen Tritt in die Brust zu verpassen, den sie aber mit gekreuzten Armen unter schockierten Aufkeuchen blockierte. Elegant landete Zanthe in der Hocke auf halben Wege zwischen Edna und Valerie, richtete sich augenblicklich auf.
      Die dunkelhäutige Dämonenjägerin, die knapp einen halben Meter zurückgeworfen worden war, rieb sich den rechten Oberarm, der den größten Teil von Zanthes Angriff abbekommen hatte. Schweiß stand ihr auf der Stirn, Verbildlichung des Entsetzens auf ihrem Gesicht.
      „Nanu? Du hast wohl nicht damit gerechnet, dass ich noch mal aufstehe“, höhnte Zanthe breit grinsend.
      „Unmöglich! 'Restrain' ist perfekt!“, widersprach Edna trotz besseren Wissens. „Es umschließt jeden Dämonen und wehrt seine Kräfte ab!“
      „Hast du den erfunden?“, wollte Zanthe wissen. „Wenn ja, schlechte Arbeit.“
      Seine Gegenüber antwortete mit einem brüskierten Blick, welcher mehr als genug aussagte.
      „Ist ja schön, dass dein Zauber jeden Dämonen fängt und seine Kräfte in ihn zurück zwängt beziehungsweise abfängt.“ Er zuckte besserwisserisch mit den Schultern. „Aber genau dadurch, dass er sie nicht behält, sondern zurückschickt, schafft er einen Freiraum zwischen sich und dem Opfer, welcher nicht wieder geschlossen wird. So leiert er schnell aus, wenn man nur genügend Kraft einsetzt. Das ist der Fehler.“
      Edna knirschte mit den Zähnen. „Anscheinend … aber wenn dem so ist, bist du der Einzige, der sich befreien kann. Den anderen fehlt die körperliche Kraft dafür.“
      „Das weiß ich.“
      „Kommst du klar?“, rief Harris ihr plötzlich herüber, als er Zanthe bemerkte.
      Seine Partnerin nickte. „Keine Sorge, mit dem werde ich fertig.“
      „Glaubst du? So'n Pech für dich, das sehe ich nämlich anders. Leider werde ich nicht zulassen, dass du den Star dieser Vorführung einfach entführst“, gurrte er. „Im Gegenteil, das Mädel bleibt schön hier. Und übrigens …“
      Der Duell-Handschuh, den er immer im Form eines Armreifs mit sich trug, selbst jetzt, schloss sich um Zanthes Arm, als dieser sich schützend vor der bewusstlosen Valerie stellte. Dabei schnüffelte er provokant in der Luft. „Riecht das nach … was ist das? Rache?“
      „Du hättest einfach liegen bleiben sollen“, knurrte Edna und reaktivierte ihre Duel Disk sogleich wieder.
      „Nichts da. Ist an der Zeit, dass dir mal jemand 'ne Lektion erteilt.“
      Auch Marc mischte sich ein. „Bitte pass' auf sie auf! Ich helfe dir, sobald ich fertig mit diesem Typen bin!“
      „Keine Sorge, bei mir ist sie in guten Händen.“
      „Danke!“
      „Na da bin ich ja gespannt“, raunte die dunkelhäutige Dämonenjägerin überheblich.
      Plötzlich begannen Zanthes Augen wieder zu glimmen. Seine Tonspur wurde kaum merklich tiefer. „Ich auch. Also los, Duell!“
      Er nahm Valeries vorherige Position ein, während Edna stumm da stand, wo sie sich mit der Braut eben erst duelliert hatte.

      [Zanthe: 4000LP / Edna: 4000LP]


      „Du kannst gerne den ersten Zug haben“, bot Zanthe an und ließ seine spitzen Reißer aufblitzen. Seine Züge hatten etwas Böswilliges gewonnen, an einigen Stellen wiesen sie dunkle Verfärbungen auf.
      „Von mir aus. Draw!“, raunte Edna und zog mit einem Satz sechs Karten. Eine davon landete sofort in ihrem Friedhofsschlitz. „Ich werfe ein Wasser-Monster ab, um [Mermail Abyssteus] von meiner Hand zu beschwören.“
      Vor ihr materialisierte sich ein grüner, halb amphibisch, halb echsenartiger Meermann in silberner Panzerung, der seinen Korallenspeer schützend vor sich hielt.

      Mermail Abyssteus [ATK/1700 DEF/2400 (7)]

      Neben ihm tauchte zudem noch der Geist einer Meerjungfrau auf, die ab der Hüfte eine weiße Aalflosse ihr Eigen nannte. Ihr blonder Zopf peitschte wild umher, als sie eine Beschwörungsformel sprach.
      „Ich habe [Mermail Abysshilde] abgeworfen, was bedeutet, dass ich ein Mermail-Monster von meiner Hand spezialbeschwören darf. Also erscheine, [Mermail Abyssleed]!“
      Dort wo die Meerjungfrau Abysshilde eben noch war, erschien nun ein prähistorischer Fischkrieger in roter Rüstung.

      Mermail Abyssleed [ATK/2700 DEF/1000 (7)]

      „Und ein weiterer Effekt aktiviert sich noch. Da Abyssteus durch seinen eigenen Effekt aufs Feld gekommen ist“, erklärte Edna, „erhalte ich ein Mermail-Monster der Stufe 4 oder niedriger von meinem Deck.“
      Sie nahm jenes aus der Halterung und durchsuchte es nach der passenden Karte, die sich als [Mermail Abysslung] entpuppte. Den Kartenstapel wieder ins Fach zurück schiebend, rief sie bereits: „Und jetzt Xyz-Beschwörung! Aus meinen beiden Stufe 7-Monstern wird ein neues Monster vom Rang 7.“
      Über ihr öffnete sich das Überlagerungsnetzwerk und zog die beiden riesigen Meermänner in besagtes Schwarzes Loch, aus dem eine Fontänenexplosion folgte.
      „Erscheine, Herrscher über Lemuria! [Mermail Abyssgaios]!“
      Aus den Fluten entstieg der bärtige Meereskönig mit dem goldenen Dreizack, welcher sich vor Edna platzierte. Um seine Waffe kreisten zwei Lichtsphären.

      Mermail Abyssgaios [ATK/2800 DEF/1600 {7} OLU: 2]

      Doch die Dämonenjägerin war noch längst nicht fertig. „Ich aktiviere zwei Ausrüstungszauberkarten! [Abyss-scale Of The Cetus] und [Abyss-scale Of The Mizuchi]! Beide erhöhen die Stärke von Abyssgaios um je 800 Punkte!“
      Zwei Sätze von Brustpanzerung erschienen um den Oberkörper des Königs und umschlossen jenen, wobei sie ein grünviolettes Glühen von sich gaben.
      „Und ich beschwöre [Mermail Abysslung] als Normalbeschwörung, wodurch all meine Wasser-Monster noch einmal 300 Punkte bekommen. Außerdem kannst du jetzt nur noch Abysslung angreifen!“, rief Edna und knallte ihre vorletzte Handkarte auf die Duel Disk.
      Neben Abyssgaios erschien der verhältnismäßig kleine Meermann mit Panzerhandschuhen, die so groß wie Schilde waren.

      Mermail Abyssgaios [ATK/2800 → 4700 DEF/1600 {7} OLU: 2]
      Mermail Abysslung [ATK/1200 → 1500 DEF/1800 (4)]

      „Diese hier verdeckt. Zug beendet“, erklärte Edna und ließ die gesetzte Karte vor ihren Füßen erscheinen. Damit war sie jetzt komplett blank auf der Hand.
      Zanthe lachte ironisch. „Du machst wohl keine Kompromisse, was?“
      „Was denkst du wohl? Kann man sich das als Dämonenjäger leisten?“
      Der Werwolf kratzte sich nachdenklich an der Schläfe. „Ich weiß nicht. Vielleicht?“
      „Dann überleg' mal, warum Menschen Dämonenjäger werden.“
      „Muss ich das?“, erwiderte der Schwarzhaarige im geliehenen schwarzen Anzug, mit dem Kopftuch auf dem Haupt lapidar. „Ist nicht so, als ob ich jetzt scharf drauf bin, mir deine Lebensgeschichte anzuhören.“
      „Pfff. Dann sag ich es dir eben selbst.“ Ednas formvollendete Lippen verzogen sich, als hätte sie etwas furchtbar Bitteres gegessen. „Die Meisten werden Dämonenjäger, weil sie etwas durch Dämonen verloren haben.“
      Unter einem Nicken gab Zanthe zu verstehen, dass er diese Antwort nachvollziehen konnte. Jedoch blieb er ihr gegenüber zynisch. „Wer war es? Daddy? Mommy?“
      „In unserem Falle? Niemand … aber wie du selber sagtest, du willst meine Story nicht hören. Und ich habe auch keine Lust, sie dir zu erzählen.“ Edna schnaufte. „Ich dachte nur für einen Moment, du wärst genauso blauäugig und willst an mein Gewissen appellieren, wie das Mädchen, das du beschützt. Aber je weniger wir reden, desto besser!“
      Zanthe griff nach seinem Deck. „Sehe ich genauso …“

      ~-~-~


      Obwohl Zanthe ihm zugesichert hatte, sich gut um Valerie zu kümmern, zitterte Marc am ganzen Leibe. Wie stark musste diese Edna sein, wenn sie seine Verlobte so mühelos hatte besiegen können?
      Er drehte sich zu Harris um. Traf dasselbe dann auch auf den da zu? Er machte keinen überdurchschnittlich begabten Eindruck, eher im Gegenteil, am ehesten erschien er wie ein machohafter Angeber. Doch Marc wusste, dass solche Impressionen nur allzu leicht über die wahren Fähigkeiten eines Menschen hinweg täuschen konnten und sollten.
      Umso wichtiger war es daher, seine Provokationen zu ignorieren, egal wie schwer es auch fiel.
      „Autsch“, raunte Harris und verzog schmerzhaft das Gesicht, „ich glaub, deine Freundin hat sich grad' ganz schön weh getan.“
      „Sie ist zäh“, erwiderte Marc und ballte insgeheim eine Faust, „genau wie ich. Wenn du denkst, mich würde ihre Niederlage aus dem Konzept bringen, irrst du dich gewaltig.“
      „Wäre langweilig, wenn's so wäre. Aber mach dir nichts vor, die hat dich doch voll im Griff, man! Also steh zu deinem Ärger und setz' ihn im Duell um.“ Harris verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Mach mir'n bisschen Freude, ja?“
      „Die wirst du bekommen!“, versprach Marc und verzog eine hasserfüllte Grimasse. „Soweit ich weiß, wollte ich gerade den Effekt meines [Lavalval Dragons] erklären!“
      Er nahm die beiden [Laval Volcano Handmaiden]-Karten, die er für die Synchrobeschwörungen benutzt hatte, von seinem Friedhof und schob sie in sein Deck zurück, welches sich automatisch durchmischte. „Nur zwei Laval-Monster kostet es mich, dass ich eine deiner Karten vom Feld auf die Hand zurückschicken kann.“
      Harris zuckte gelangweilt mit den Schultern. „Ich glaube, soweit waren wir schon. Is' mir zu langweilig. Falle aktivieren, [Breaktrough Skill]!“
      Er brauchte nur den Knopf an seiner schwarzen Duel Disk betätigen, schon sprang die linke gesetzte Karte vor ihm auf. Noch während Marcs Magmagestein-Drache in seinem Maul eine rot glühende Masse ansammelte, schlugen plötzlich blaue Blitze um ihn und ließen ihn innehalten.
      „Kurz gesagt: diese Falle negiert den Effekt deines Monsters.“
      Marc aber blieb erstaunlich gelassen. „Ist dem so? Dann habe ich keine Verwendung mehr für [Lavalval Dragon]!“
      Schon streckte er den Arm in die Höhe. „Ich stimme meine letzte Stufe 1-Handmaiden auf den Stufe 5-Drachen ein! As flames of eternal wrath engulf the earth, all boundaries start to fall apart! Break free from limitations! Synchro Summon!“
      Die flammende Schönheit verwandelte sich in einen grünen Hologrammring, durch welchen der Drache flog. Während dieses Vorgangs verformte sich sein Körper, seine Schwingen wurden breiter und schmolzen dahin, bis sie ganz aus Lava bestanden.
      „Soar, [Lavalval Dragun]!“
      Ein Lichtblitz blendete die Anwesenden in der Kirche. Und als dieser sich legte, verharrte über Marc eher ein Flugsaurier mit flammenden Schwingen und Haupt, denn ein Drache.

      Lavalval Dragun [ATK/2500 DEF/1200 (6)]

      „Der Effekt des [Lavalval Draguns] besagt, dass ich mir ein Laval-Monster vom Deck auf die Hand nehmen darf“, verlautete Marc und zeigte ein Stufe 3-Monster namens [Laval Lakeside Lady] vor, „um danach ein solches wieder abzuwerfen. Und da ich keine anderen Karten auf der Hand habe, muss dieses eben erst gesuchte Monster wieder gehen.“
      Statt sie aber abzuwerfen, nahm er sie und [Lavalval Dragon] und zeigte beide vor. „Du solltest allerdings wissen, dass die Lakeside Lady sich auf dem Friedhof am wohlsten fühlt. Sind dort noch mindestens zwei andere Laval-Monster, kann ich sie und eines davon verbannen, um eine deiner gesetzten Karten zu vernichten.“
      Der schwarzhaarige junge Bräutigam nickte herüber zu Harris' verdeckter Karte. „Damit kannst du dich von der da verabschieden.“
      „Das gilt aber nur, wenn besagte Karte verdeckt liegt“, konterte Harris und grinste, „ist sie offen, hast du Pech. Ich aktiviere die permanente Falle [Hazy Glory]!“
      Gerade als Lava unter der Karte aufstieg, deckte jene sich selbst auf und entkam der Vernichtung. Plötzlich begannen um ihren Besitzer die buntesten Flammen zu flackern, verschwanden dann und tauchten an anderer Stelle erneut auf. „Wie [Hazy Pillar] muss ich ein Tribut weniger für Hazy-Monster anbieten, solange ich sie kontrolliere.“
      Harris verwies mit einem Fingerzeig auf seine bereits seit seinem ersten Zug offen liegende Zauberkarte.
      „Du bist mir immer einen Schritt voraus, oder?“, fragte Marc tonlos.
      Der Rotschopf ihm gegenüber verzog schmunzelnd den Mund. „Cool, was?“
      „Dann weißt du sicher auch, dass ich deinen [Hazy Flame Basiltrice] jetzt mit [Laval Stennon] angreifen werde.“ Marc schwang den Arm aus. „Mach dich bereit! Core Beam Cannon!“

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/2500 DEF/1800 {6} OLU: 0]
      Laval Stennon [ATK/2700 DEF/1800 (7)]

      Der breite Hüne aus blauem Gestein hob seinen Kanonenarm an und entlud einen mächtigen, gebündelten Flammenstrahl auf seinen Feind. Jener, halb Echse, halb Hahn, klackerte aufgeregt mit dem Schnabel, nur um jenen dann zu öffnen und eine eigene Flamme zu speien. Beide Angriffe trafen aufeinander und versuchten sich gegenseitig zu bezwingen. Doch Marcs Offensive erwies sich letztlich als die stärkere, was nicht zuletzt daran lag, dass Harris' dem tatenlos zusah. So wurde Basiltrices Angriff auf ihn mit doppelter Wucht zurückgeworfen. Das Fleisch schmolz ihm von den Knochen und so löste sich die Kreatur binnen Sekundenbruchteilen auf. Die nachfolgende Explosion wirkte sich allerdings nicht im Geringsten auf Harris aus.

      [Marc: 1500LP / Harris: 2600LP → 2400LP]


      Marc spreizte die Finger seiner ausgestreckten Hand. „Bereit für Nachschlag? [Lavalval Dragun], direkter Angriff auf seine Lebenspunkte! Primordial Flare!“
      Auch wenn er wusste, dass er Harris kein physisches Leid zufügen konnte, so würde der Sieg ihm zumindest ein kleines Gefühl von Überlegenheit vermitteln. Alles, was danach kam, würde er mit den Fäusten regeln. Eine andere Wahl blieb ihm nicht. Er musste nur schnell genug sein, um zu verhindern, dass Harris nach der Schrotflinte greifen konnte, die hinter ihm an einer Bank lehnte.
      So öffnete sein Flugsaurier-Drache sein Maul und feuerte eine schmale, aber unglaublich heiße Flamme auf Harris ab. Der aber tippte nur gelassen mit der Fußspitze auf den Marmor. „Soll das alles sein? Keine Chance, Kumpel! Von meiner Hand der Schnellzauber [Barrier Flame]!“
      Marc klappte die Kinnlade herunter, als sein Gegner jene Karte in seine Duel Disk schob und sich kurzerhand eine Mauer aus blauem Feuer um ihn zog, welche den Angriff seines Drachens regelrecht in sich aufnahm.
      Wütend protestierte der junge Mann: „Kennst du überhaupt die Regeln des Spiels!? Schnellzauberkarten dürfen höchstens in der eigenen Battle Phase aus der Hand gespielt werden, nicht in der des Gegners!“
      „Glaubst du! [Barrier Flame] lässt sich aktivieren, wenn ein Feuer-Monster hops geht und annulliert dann für den Rest des Zuges jeden Schaden, den ich abbekommen würde“, erklärte Harris, „sollte es dabei aber ein Xyz-Monster sein, geht das sogar wie jetzt im Zug des Gegners. Was glaubst du, warum ich sie nicht gesetzt habe? Um sie vor Zerstörung zu wahren und dein dummes Gesicht zu sehen!“
      Auf die Provokation hin blähte Marc seine Nasenlöcher auf wie die Nüstern eines Pferdes, doch sah er davon ab, einen verbalen Ausfall á la Anya zu erleiden. Dafür war er sich zu schade und Valerie würde es ebenfalls so handhaben. „Dann beende ich meinen Zug. Da keines der von [Rekindling] beschworenen Monster noch auf dem Feld ist, können sie folglich auch nicht verbannt werden.“
      Die Feuerbarriere rund um Harris verflüchtigte sich zischend, was ihn mit seinen beiden offenen Hazy-Karten zurückließ.

      Als der Rotschopf schließlich zog, huschte beim Anblick der neuen Karte ein süffisantes Grinsen über seine Lippen. Er griff nach seinem Friedhof und zog die Falle hervor, die er erst in Marcs Zug aktiviert hatte. „Wusstest du, dass [Breaktrough Skill] zweimal aktiviert werden kann? Einmal normal vom Feld und zusätzlich durch das Verbannen vom Friedhof?“
      „Sollte mich das scheren?“
      „Klaro, ich werde nämlich den Effekt deines [Laval Stennons] für diesen Zug blockieren!“
      Wie zuvor um Marcs Magmadrachen, schlugen mit einem Mal blaue Entladungen um Stennon. Wenn auch nur für einige Sekunden, denn als Marc [Laval Volcano Handmaiden] von seinem Friedhof nahm, hörten jene schlagartig auf, sein Monster zu peinigen. „Keine schlechte Idee, aber ironischerweise ist Stennon immun gegen zielende Effekte, wenn ich für jeden Versuch ein Laval von meinem Friedhof verbanne.“
      „Also nützen solche Effekte nichts?“ Sein Gegner kratzte sich am Kinn. „Gut zu wissen …“
      Dann streckte er den Arm aus. „Wie auch immer, dann geht’s jetzt weiter mit [Hazy Glorys] Zweiteffekt. Indem ich sie auf den Friedhof schicke, erhalte ich eine Hazy-Karte auf die Hand zurück.“
      Seine offen stehende Falle löste sich auf, wobei gleichzeitig aus den bunten Lichtern um Harris nun regelrechte Feuertornados wurden, die in den Farben des Regenbogens um ihn kreisten. Der Dämonenjäger zeigte [Hazy Flame Basiltrice] vor, welcher aufgrund seiner Herkunft nicht etwa auf die Hand, sondern in sein Extradeck gelegt wurde.
      Ein nervöser Seufzer entfuhr Marcs Kehle daraufhin. Sein Gegner würde dieses Biest wieder beschwören wollen. Nur gut, dass sich Stennon dank seines schützenden Effekts nicht versteinern ließ und obendrein stärker war!
      Harris indes knallte regelrecht das Monster auf seinem Blatt auf die Duel Disk. „Und heute auf der Liste: Ratespaß mit [Hazy Flame Sphynx]! Und dank [Hazy Pillar] auch ganz ohne Tributkosten!“
      Vor ihm machte sich augenblicklich eine gar merkwürdige Kreatur breit. So mochte der Körper zwar der eines Löwen mit flammend roter Mähne sein, gehörte zu ihm doch das Antlitz einer schönen Frau. Die Sphinx machte es sich bequem und legte sich hin, ohne dabei Marc aus den Augen zu lassen.

      Hazy Flame Sphynx [ATK/1900 DEF/1900 (6)]

      „Ihr Effekt ist mit ein wenig Glück verbunden“, erklärte Harris und legte seine Finger an die oberste Karte seines Decks, „beantworte ich ihre Frage richtig indem ich vorhersage, was für ein Grundtyp von Karte sich hier verbirgt, darf ich ein Feuer-Monster reanimieren oder von meiner Hand beschwören.“
      Ganz wie er es sich gedacht hatte, merkte Marc still an. Also wollte er erneut eine Xyz-Beschwörung durchführen!
      „Bist du gar nicht neugierig, wofür ich mich entscheide?“, hakte sein Gegner nach. „Nein? Na ja, ich bin ein eher wagemutiger Geselle und entscheide mich für den Typ Zauber, auch wenn ich wesentlich mehr Monster im Deck habe!“
      Harris zog und zeigte [Pot Of Dichotomy] vor, welchen er unter einem anerkennenden Pfeifen auf den Friedhof schickte. „Ich glaube, ich habe das Rätsel der Sphinx gelöst! Lass deine Flamme neu brennen, [Hazy Flame Mantikor]!“
      Harris nahm die Karte aus seinem Friedhof und legte sie prompt auf die Duel Disk. Er hatte sie abgeworfen, als er vor zwei Runden den Effekt von [Hazy Flame Peryton] aktivierte. Vor ihm entstieg aus dem Erdboden eine blutrote Gestalt mit ledrigen Flammenschwingen und dem Kopf eines dämonischen Löwen.

      Hazy Flame Mantikor [ATK/2200 DEF/300 (6)]

      Marc verschränkte die Arme. „Und jetzt? Diesmal bin ich auf deine Strategie vorbereitet!“
      Es war jedoch an Harris, selbstbewusst zu lächeln. „Glaub ich kaum. Kennst du den Spruch jemanden mit seinen eigenen Waffen zu schlagen? Diese Zauberkarte setzt ihn in die Tat um: [Double Spell]!“
      Sofort entledigte er sich seiner in diesem Zug gezogenen Karte und erklärte weiter: „Indem ich einen Zauber abwerfe, kann ich einen aus deinem Friedhof kopieren. Und mir fällt da nur ein passender Kandidat ein!“
      Es dauerte einen Moment, bis Marc begriff und darauf folgend entgeistert dreinschaute.
      „Bingo, [Rekindling]! Sie belebt alle Feuer-Monster mit höchstens 200 Verteidigungspunkten von meinem Friedhof! Da liegen gerade genau drei!“
      Drei Stichflammen schossen vor Harris aus dem Boden. Die beiden Äußeren verwandelten sich in flammende, vogelähnliche Kreaturen mit schlanken Beinen und einem langen Schweif. In der Mitte wurde die dreiköpfige Hundekreatur namens Zerberus wiedergeboren, ebenso lodernd wie seine Mitstreiter.

      Hazy Flame Hyppogrif x2 [ATK/2100 DEF/200 (6)]
      Hazy Flame Cerberus [ATK/2000 DEF/200 (6)]

      „Du kennst also meine Strategie? Komisch, mir war gar nicht klar, dass ich überhaupt eine habe!“, scherzte Harris selbstironisch und streckte den Arm aus. „Ich verlasse mich eigentlich nur auf mein Bauchgefühl und das sagt, dass du jetzt einer Xyz-Beschwörung beiwohnen wirst! Aus meinen Stufe 6-Monstern wird ein Rang 6-Monster!“
      Die beiden Hyppogrif verwandelten sich in rote Lichtstrahlen. Über Harris öffnete sich ein schwarzer Galaxienwirbel und absorbierte die beiden. Doch dann geschah das Unglaubliche: auch seine anderen drei Monster wurden plötzlich vom Overlay Network absorbiert. Jenes explodierte regelrecht.
      „Xyz Summon! Zeig deine volle Stärke, [Hazy Flame Basiltrice]!“
      Kreischend flog die Kreatur, halb Echse, halb Hahn, aus dem Wirbel und landete mit einem Satz vor ihrem Besitzer. Sie war viel größer als beim letzten Mal, überragte Harris nun um mehrere Köpfe, ganz anders als zuvor. Ganze fünf Lichtsphären kreisten dabei um sie. Marc konnte seinen Augen nicht trauen.

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/2500 → 3500 DEF/1800 {6} OLU: 5]

      Er stolperte beim Anblick des lauernden Ungeheuers zurück. „F-fünf? Wie ist das möglich? Vorhin hast du es doch mit nur zwei-!?“
      „Ganz einfach!“ Harris klopfte sich stolz auf die Brust. „Basiltrice ist nicht an eine bestimmte Anzahl an Xyz-Materialien gebunden, um ihn zu beschwören. Ich kann beliebig nach oben gehen. Und das Beste: je mehr ich benutze, desto besser wird der kleine Racker!“
      Marc spürte den Angstschweiß auf der Stirn. Damit hatte er nicht gerechnet. „Erklärt das auch, warum er so viel stärker geworden ist?“
      „Bingo! Ab drei Xyz-Materialien bekommt er 200 Angriffspunkte für jedes, das er gerade besitzt.“ Harris streckte den Arm weit aus. „Wenn das nicht reicht, um deinen [Laval Stennon] zu besiegen, weiß ich auch nicht! Meteor Outburst!“
      Der Basilisken-Cockatrice spreizte weit seine lodernden Flügel aus und stampfte mit seinen schuppigen Vorderbeinen auf den Boden. Aus seinem 'Federkleid' lösten sich sogleich dutzende Mini-Meteoriten, die allesamt in Marcs Richtung flogen. Sein ganzes Feld wurde von winzigen Explosionen heimgesucht, als sie dort ankamen. Der junge Mann flog über den Boden, während seine muskulöse Kreatur namens Stennon in tausende Einzelteile zersprang.
      „Ahhhhhhh!“

      [Marc: 1500LP → 700LP / Harris: 2400LP]


      Marc schlug mit dem Rücken auf dem Marmor auf und schlitterte über den Boden, wobei der ohnehin schon schreckliche Schmerz in seinem Brustkorb noch schlimmer wurde. Dabei hörte er Harris rufen: „Nichts für ungut! Main Phase 2! Ich aktiviere [Hazy Flame Basiltrices] Effekt und opfere ein Xyz-Material, um deinen [Lavalval Dragun] zu versteinern und dementsprechend zu verbannen! Perseus Eyes!“
      Noch ganz benommen von dem Angriff, richtete Marc sich auf und sah erschrocken mit an, wie die kugelrunden Augen Basiltrices ganz grau wurden, nachdem er eines seiner Xyz-Materialien gefressen hatte. Gleichzeitig verwandelte sich sein prähistorischer Drache von oben nach unten zu weißem Stein, fiel hinab und zerschellte beim Aufprall auf dem Boden zu Staub.
      Plötzlich blieb Marc nichts mehr außer seiner vor einigen Zügen gesetzten Falle.

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/3500 → 3300 DEF/1800 {6} OLU: 5 → 4]

      „Tja, sieht so aus, als wäre mein Monster schwächer geworden aufgrund akutem Xyz-Material-Mangels“, gluckste Harris und zog aus seinem Friedhof zwei Zauberkarten, „ich denke, dagegen sollte ich was tun! Ich verbanne die beiden [Barrier Flame]-Karten auf meinem Friedhof und füge meiner Hand so ein Feuer-Monster von genau dort hinzu!“
      Harris präsentierte stolz [Hazy Flame Sphynx]. Derweil richtete Marc sich erschrocken auf. „Aber du hattest nur eine-!?“
      „Bist du wirklich so unkonzentriert?“ Harris seufzte. „Alter, ich habe die zweite Kopie eben abgeworfen, als ich [Double Spell] aktiviert habe. Logisch, oder?“
      Marc verstummte und schnaubte, während er sich auf bemühte.
      „Na also! Und jetzt benutze ich [Hazy Pillars] zweiten Effekt! Ich nehme ein Feuer-Monster von meiner Hand und hänge es an ein Xyz-Monster an!“
      Die offene Zauberkarte hatte Marc völlig vergessen. Also konnte sie mehr, als nur Monster mit weniger Tribut beschwören!? Harris schob seine Sphinx unter Basiltrices Karte, woraufhin um den ein neues, fünftes Lichtkügelchen zu kreisen begann.

      Hazy Flame Basiltrice [ATK/3300 → 3500 DEF/1800 {6} OLU: 4 → 5]

      „Ganz schön warm hier drin, was?“ Harris ließ sein ohnehin weites, gelbes Muskelshirt mit der Hand etwas flattern. „Liegt sicher an meiner Perle da drüben. Na ja, wie auch immer, Zug beendet.“
      Damit hatte er jetzt, genau wie Marc, null Handkarten. Aber dafür ein beängstigend starkes Monster.
      Turn 46 – And The Answer Is … ? Part II
      Marc wollte nach seinem Deck greifen, da fiel ihm auf, wie sehr seine Hand doch zitterte. Er schüttelte sie, als würde seine Angst dadurch verschwinden und legte dann die Finger an seinen Kartenstapel. Noch hatte er nicht verloren!
      Er holte tief Luft und rief anschließend: „Draw!“
      Mit einer ausholenden Bewegung riss er die Karte von seinem Deck, nur um sie mit Schwung in seine Duel Disk zu rammen. „Das ist genau was ich gebraucht habe! [Hammer Shot]!“
      Vor ihm erschien die Zauberkarte, auf der eine Gruppe grüner Goblins gezeigt wurde, welche von einem massiven Hammer zerstampft wurde. Und genau jenes Schlagwerkzeug tauchte auch über [Hazy Flame Basiltrice] auf.
      „Diese Karte funktioniert sehr simpel!“, erklärte Marc zuversichtlich. „Sie zerstört sofort das stärkste Monster in Angriffsposition auf dem Spielfeld. Da es nur deinen- Ah!?“
      Harris' Kreatur reckte seinen Hahnenkopf nach oben, starrte gebannt den Hammer an, ehe der Basilisk-Cockatrice-Hybrid seinen Schnabel öffnete und eine derart heiße Flamme ausstieß, die den Hammer komplett in Rauch und Asche verwandelte.
      „Aber-!?“
      „Du hättest besser aufpassen sollen“, meinte der Rotschopf und zuckte arglos mit den Schultern, „Basiltrice wird komplett vor Kartenzerstörungseffekten immun, sollte er fünf Xyz-Materialien besitzen! Was glaubst du wohl, warum ich so penibel darauf geachtet habe?“
      Gebannt starrte Marc das riesige Monster vor seinem Gegner an. Wie sollte er es dann loswerden!?
      Statt aber klein beizugeben, wandelte sich seine anfängliche Erschrockenheit in engstirnigen Kampfeswillen. „Gut, dann anders! Verdeckte Falle aktivieren, [Return From The Different Dimension]! Für einen Zug beschwört sie möglichst viele meiner verbannten Monster, sofern ich bereit bin, die Hälfte meiner Lebenspunkte zu zahlen! Du hättest vorsichtiger sein sollen mit dem, was du versteinerst!“

      [Marc: 700LP → 350LP / Harris: 2400LP]


      Fünf kleine Spalten im Raum-Zeit-Gefüge öffneten sich vor dem lädierten Bräutigam. Heraus traten eine flammenhaarige Schönheit mit blasser Haut in einem blauen Kleid, [Laval Lakeside Lady], neben ihr die braungebrannte [Laval Volcano Handmaiden], in der Mitte der im dritten Zug von Basiltrice versteinerte Felssoldat mit den zwei Kanonenrohren auf dem Rücken, [Laval Magma Cannoneer] und zu guter Letzt die beiden Signatur-Drachen Marcs. Wie eine Armee bauten sie sich vor ihrem Herrn auf.

      Laval Lakeside Lady [ATK/200 DEF/200 (3)]
      Laval Volcano Handmaiden [ATK/100 DEF/200 (1)]
      Laval Magma Cannoneer [ATK/1700 DEF/200 (4)]
      Lavalval Dragon [ATK/2000 DEF/1100 (5)]
      Lavalval Dragun [ATK/2500 DEF/1200 (6)]

      Marc streckte den Arm weit aus: „Es gibt mehr Wege, als ein Monster einfach nur zu zerstören! Ich aktiviere [Lavalval Dragons] Effekt und schicke [Laval Stennon] und den [Laval Magma Cannoneer] auf meinem Friedhof ins Deck zurück!“
      Er schob Ersteren aufgrund der Regeln für Extradeck-Monster selbstverständlich in ebenjenes zurück, ehe er dann verkündete: „Dadurch kann ich eine Karte auf dem Spielfeld auf die Hand ihres Besitzers zurückgeben! Damit umgehe ich den Schutzeffekt von Basiltrice! Los!“
      Sein aus braunem Gestein mit Magmaadern bestehender Drache lud in seinem Maul eine glühend heiße Flammenkugel auf, die er augenblicklich auf den viel größeren Feind abfeuerte. Doch zu Marcs Entsetzen öffnete Basiltrice einfach den Schnabel und schluckte die Attacke.
      „Du hättest wirklich den Effekt meiner Karte lesen sollen“, belehrte Harris seinen Gegner altklug, „da steht doch, dass mein Dicker, wenn er mindestens vier Xyz-Materialien hat, nicht als Ziel von Karteneffekten gewählt werden kann. Bist du wirklich so dämlich, oder tust du nur so?“
      Plötzlich huschte über Marcs Lippen ein geheimnisvolles Grinsen. „Ich bin es. Aber vielleicht auch nicht … denn das heißt auch, dass ich jetzt ein anderes Ziel für den Effekt wählen muss.“
      Sein Arm schwang zur Seite aus, zeigte auf die Handmaiden. „Sie!“
      Harris kratzte sich verwirrt an der Stirn und sah zu, wie sein Basiltrice die Feuerkugel wieder auswürgte und auf die braungebrannte junge Dame schleuderte. Jene löste sich leise kichernd auf, als Marc sie in sein leeres Blatt aufnahm.
      Sie zwischen den Fingern haltend, streckte er die Hand aus. „Effekt von [Lavalval Dragun]! Ich kann meiner Hand ein Laval hinzufügen, muss aber im Gegenzug eins abwerfen! Ich entscheide mich für [Laval Forest Sprite]!“
      Die Karte wurde automatisch aus seinem Deck geschoben, sodass Marc sie nur aufzunehmen brauchte. Anschließend schickte er seine Handmaiden als Ausgleich für den Effekt auf den Friedhof. „Sicher kannst du dich noch daran erinnern was passiert, wenn [Laval Volcano Handmaiden] auf den Friedhof geschickt wird? Da ich noch [Laval Lancelord] dort liegen habe, kann ich jetzt noch ein Laval auf den Friedhof schicken.“
      So begann die Kette erneut: Marc schickte erst eine Handmaiden, dann noch eine und schließlich [Laval Judgment Lord] auf seinen Friedhof.
      „Und was hast du davon?“, wollte Harris irritiert wissen.
      Marc aber legte mit einem zufriedenen, gar böswilligen Grinsen seine neue Karte auf die Duel Disk. „Beschwörung, [Laval Forest Sprite]!“
      Vor Marc tauchte eine junge Frau in einem dunkelblauen Einteiler auf, um deren Haupt ein zerfetzter Schal gewickelt war und das flammende Haar teilweise bedeckte.

      Laval Forest Sprite [ATK/300 DEF/200 (2)]

      „Ich kann dein Monster nicht besiegen?“, schrie Marc regelrecht und schwang seinen Arm weit aus. „Du wirst dich noch umsehen! Ich stimme meinen Stufe 2-Empfänger [Laval Forest Sprite] auf meinen Stufe 4-[Laval Magma Cannoneer] ein!“
      Parallel dazu flogen seine Monster in die Luft, wobei sich das Mädchen in zwei grüne Ringe aufspaltete. „A spark lights the otherworldly flame of destruction! An inferno of tragedy unfolds! Synchro Summon! Ignite, [Laval The Greater]!“
      Nachdem Marcs Kanonier die Synchronringe passiert hatte, erleuchtete ein greller Blitz für einen Sekundenbruchteil die Kapelle. Rote und blaue Flammen kreisten um Marc, zischten dann nach vorn und verschmolzen zu einer Flamme, aus der eine humanoide Gestalt entstand. Deren Körper bestand aus verwaschenem, blauem Gestein, das von jeweils rotem und blauem Feuer von den Armen ausgehend umhüllt wurde.

      Laval The Greater [ATK/2400 DEF/800 (6)]

      Mit einem siegessicheren Grinsen auf den Lippen ballte Marc seinen ausgestreckten Arm zu einer Faust. „Jetzt, da er auf den Friedhof geschickt wurde, aktiviert sich der Effekt von Forest Sprite! Für jedes Laval-Monster auf dem Friedhof erhalten meine Monster 200 Angriffspunkte!“
      Nun war es an Harris, ein verblüfftes Gesicht zu machen. Welches umso mehr eine panische Form annahm, als er sah, was das wirklich bedeutete. Denn um Marcs Monster begannen tosende Flammen zu schlagen.

      Laval Lakeside Lady [ATK/200 → 1600 DEF/200 (3)]
      Lavalval Dragon [ATK/2000 → 3400 DEF/1100 (5)]
      Lavalval Dragun [ATK/2500 → 3900 DEF/1200 (6)]
      Laval The Greater [ATK/2400 → 3800 DEF/800 (6)]

      Das war's, dachte Marc und schnaubte. Diesmal würde er sich nicht aufhalten lassen! Valerie lag dort drüben, nur weil diese verdammten Dämonenjäger keine Rücksicht geschweige denn Gnade kannten. Er würde Harris Respekt lehren! Egal wie!
      Marc spürte, wie sein schmerzender Brustkorb sich zusammenzog, als er schrie: „Los, [Laval The Greater], greife [Hazy Flame Basiltrice] an! Otherworld Flame!“
      Der Krieger aus blassblauem Gestein legte seine Handflächen aufeinander, um sie kurz darauf wieder auseinander zu bewegen. Dabei erzeugte er eine Feuerkugel, in der sich blaue und rote Flammen einen regelrechten Kampf um die Vorherrschaft lieferten. Er streckte die Arme mit der Sphäre voran aus, nur um sie schließlich wie eine Kanonenkugel auf Harris' Monster abzufeuern.
      Dem Basilisk entfuhr ein schriller Schrei, als er getroffen und in Fetzen gerissen wurde. Sein Besitzer wich keuchend ob der Schockwelle zurück.

      [Marc: 350LP / Harris: 2400LP → 2100LP]


      Marc riss die Augen weit auf. „Jetzt kriech endlich in das Loch zurück, aus dem du gekommen bist! Los meine Monster, dreifacher direkter Angriff!“
      Seine Wut brodelte so sehr in ihm, dass sie ganz von Marc unbemerkt die Form einer roten Aura annahm. Und hinter ihm manifestierte sich eine riesige, auf zwei Beinen stehende Silhouette, die ebenfalls wie Feuer loderte. Auch pulsierte Marcs Deck, wobei der Rand einer einzelnen Karte darin rot hervorstach.
      Harris sah statt Marc die Gestalt an, die jenen überragte und murmelte nur: „Scheiße …“

      ~-~-~


      „Draw!“, polterte Zanthe und riss die Karte von seinem Deck.
      Im Antlitz der beiden Meermänner auf Ednas Spielfeldseite erschien der Werwolf geradezu winzig, doch das machte er durch seinen Ehrgeiz wieder wett. Denn er hatte bereits genau vor Augen, wie er diese übergeschnappte Dämonenjägerin besiegen würde. Da konnten ihre Monster noch so stark sein.

      Mermail Abyssgaios [ATK/4700 DEF/1600 {7} OLU: 2]
      Mermail Abysslung [ATK/1500 DEF/1800 (4)]

      Er wirbelte eine Zauberkarte zwischen Mittel- und Zeigefinger. Wie gut, dass er die Gelegenheit gehabt hatte, sich ein Bild vom Stil seiner Gegnerin zu machen. Dadurch war es nun ein Leichtes, den Spieß umzudrehen.
      „Ich aktiviere eine Zauberkarte namens [Constellar Belt].“ Zanthe schob die Karte in einen der Schlitze an seinem Duellhandschuh. „Sie verhindert, dass die Effekte von Licht-Monstern annulliert werden können!“
      Langsam bildete sich rund um Zanthes Spielfeld ein weißer Schimmer, der bei genauerem Hinsehen durch eine Art Sternenstaub erzeugt wurde, welcher sich in der Luft ausbreitete.
      „Ist das so, ja?“ Edna rümpfte die Nase. „Zu dumm! Der Effekt von [Abyss-scale Of The Mizuchi] greift ein! Zwar löst sich mein Ausrüstungszauber auf, dafür tut es ebenso deine Zauberkarte. Pech gehabt.“
      Zanthe sah sich verblüfft um, als der Sternenstaub um ihn herum verpuffte und seine Karte in tausend Stücke zersprang.

      Mermail Abyssgaios [ATK/4700 → 3900 DEF/1600 {7} OLU: 2]

      „So läuft der Hase also? Gar nicht so übel“, murmelte er und nahm ein Monster aus seinem Blatt. „Dann mal sehen, was du hierzu zu sagen hast!“
      Er legte das Monster in seinen Handschuh ein und streckte dann die Hand nach vorne aus. Zwischen seinen Fingern erschien ein kleiner, kupferner Schlüssel. „Open a door to the goat! Erscheine, [Constellar Algiedi]!“
      Damit schwang er den Arm seitwärts aus und ließ ein Portal umrandet von astrologischen Symbolen erscheinen, welches wie ein Spiegel zerbrach, als eine von Kopf bis Fuß in weißer Kleidung verhüllte Hexe daraus hervor sprang. Sie schwang ihren futuristisch angehauchten Zauberstab, dessen Kopf entfernt an die Hörner eines Steinbocks erinnerte.

      Constellar Algiedi [ATK/1600 DEF/1400 (4)]

      „Bei einer Normalbeschwörung aktiviert sich der Effekt Algiedis!“, erklärte Zanthe. „Damit darf ich ein Stufe 4-Constellar von meiner Hand aufs Feld rufen!“
      Doch Edna unterbrach ihn harsch. „Eher nicht, ich gehe mit Abyssgaios' Effekt dazwischen! Indem er ein Xyz-Material absorbiert, schwächt er alle Monster meines Gegners, die weniger Angriffskraft als er besitzen und macht damit ihre Effekte unbrauchbar! Royal Domination!“
      Mit seinem Dreizack absorbierte der König von Lemuria eines seiner Xyz-Materialien und lud seine Waffe damit elektrisch auf, ehe er den Blitz auf Algiedi abfeuerte. Die zitterte am ganzen Leib, als sie getroffen wurde.

      Mermail Abyssgaios [ATK/3900 DEF/1600 {7} OLU: 2 → 1]

      Wie er es erwartet hatte, dachte Zanthe und grinste heimtückisch. Dann nahm er zwei Karten aus seinem Blatt hervor. „Zuerst setze ich eine Karte verdeckt.“
      Jene materialisierte sich vor seinen Füßen. „Anschließend das hier! Wenn es auf normalem Wege nicht mit einer Xyz-Beschwörung klappen will, dann eben hiermit! Ich aktiviere [Spellbooks Of Tetrabiblos]!“

      Gleichzeitig wurde die gefesselte Anya hellhörig und sah herüber zu dem Werwolf, um dessen weiße Hexe vier rosa leuchtende Bücher erschienen, die auf Brusthöhe um sie zu kreisen begannen.
      Solche Karten hatte doch der Diener vom Collector benutzt. Wieso zum Geier besaß der Flohzirkus so eins?
      Sofort schrillten Anyas innere Alarmglocken. Zugegeben, die waren eigentlich im Dauereinsatz, aber hier war doch etwas oberfaul!

      „Diese Zauberkarte wird eingesetzt, um zusammen mit einem Hexer-Monster eine Xyz-Beschwörung durchzuführen“, erklärte Zanthe, „und ich kann nur Xyz-Monster beschwören, die dasselbe Attribut wie mein Ziel besitzen oder selber Hexer sind! Aber in dem Fall klappt alles!“
      Der junge Mann streckte die rechte Hand nach vorne aus, in welcher ein riesiger Schlüssel aus purem Gold erschien. Diesen lehnte er an seine Stirn an und murmelte. „Open a door to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network! Xyz-Summon!“
      Anschließend rammte er den Schlüssel in den Boden, auf dem ein mit Sternenzeichensymbolen verzierter Runenzirkel erschien. „Zeige dich uns, [Constellar Omega]!“
      Die vier Bücher und Algiedi verwandelten sich in zwei gelbe Lichtstrahlen, die in dem Kreis verschwanden. Aus diesem brach gleich im Anschluss ein weißer Zentaur hervor. War sein Körper der eines Schimmels, begann ab der Hüfte der gepanzerte Krieger, aus dessen Rücken darüber hinaus ein Gestell aus schwarzen Metallplatten wuchs, welche an Flügel erinnerten.
      Stolz positionierte sich das Wesen vor Zanthe, wobei zwei Lichtsphären es umkreisten.

      Constellar Omega [ATK/2400 DEF/500 {4} OLU: 2]

      Dieser warf einen erneuten Blick auf sein Blatt. Eigentlich war er in einer guten Ausgangslage. Aber wenn er jetzt gewinnen wollte, durfte er nicht Omegas Effekt benutzen, um jenen für diesen Zug vor Zauber- und Fallenkarten zu schützen. Denn er brauchte unbedingt seine beiden Xyz-Materialien.
      „Ich aktiviere meine Falle [Dimension Slice]!“
      „Verarsch' mich nicht! Die hast du eben erst gesetzt!“, protestierte Edna.
      Die Karte klappte entgegen aller Logik trotzdem auf. So erklärte Zanthe mit gehässigem Grinsen: „Oh, wie konnte die kluge Dämonenjägerin das nur übersehen? Eine Spezialbeschwörung auf meiner Spielfeldseite reicht, um dieses Schätzen hochgehen zu lassen. Allerdings stimmt es, normalerweise müsste ich einen Zug warten, wie bei jeder Falle. Aber! Da es eine Xyz-Beschwörung war, geht es sogar ohne die lästige Wartezeit.“
      „Und was bewirkt die Falle nun?“
      „Dass du bye bye zu deinem Big Daddy sagst! Der geht jetzt in die Verbannung!“
      Aus Zanthes Falle schossen dutzende violetter Lichtklingen, die es auf [Mermail Abyssgaios] abgesehen hatten. Doch dessen Brustpanzerung sendete auf einmal pulsierende Schwingungen aus, die mit dem Angriff resonierten und ihn schließlich im Nichts verlaufen ließen. Dann zerplatzte die Rüstung.

      Mermail Abyssgaios [ATK/3900 → 3100 DEF/1600 {7} OLU: 1]

      „Wie unglaublich vorhersehbar. Deine [Abyss-scale Of The Cetus] negiert Falleneffekte, richtig?“, hakte der Werwolf nach.
      Edna nickte knapp.
      Grinsend strich sich Zanthe übers Kinn. Hatte er es sich doch gedacht. Es bereitete ihm insgeheim ein diebisches Vergnügen, die Angriffspunkte Abyssgaios' fallen zu sehen. Ob die Zicke gegenüber schon etwas ahnte?
      Nun, dachte er und beäugte sein Blatt. Jetzt hatte er die Wahl. Alles auf einen Angriff setzen, oder lieber auf Nummer Sicher gehen? Er sah zu ihrem Feld herüber, wo zwischen den beiden Meermännern eine verdeckte Karte vor Ednas Füßen lag. Die könnte ihm die Tour vermasseln. Zwar konnte er [Constellar Omega] durch dessen eigenen Effekt immun vor gegnerischen Karteneffekten machen, aber dann fehlte jenem die nötige Stärke, um es in einem Schlag zu beenden. Andererseits, musste er sich wirklich fürchten? Seine Gegnerin war eine sehr offensive Zeitgenossin. Vermutlich besaß sie kaum Karten, die sie zu schützen vermochten, dazu war sie viel zu sehr darauf fixiert, möglichst schnell, möglichst unbarmherzig zu gewinnen – genau wie er in diesem Fall. Also war die Entscheidung eigentlich längst klar …
      „Ich aktiviere die Zauberkarte [Stoic Challenge]!“ Zanthe schob die Ausrüstung in seinen Duellhandschuh und grinste beim Anblick der Lichtsphären um Omega, die intensiv zu glühen begannen. „Zwar kann das Xyz-Monster, dass mit dieser Karte ausgerüstet wird, seinen Effekt nicht mehr aktivieren und stirbt während deiner End Phase, dafür erhält es für jedes seiner Xyz-Materialien 600 Angriffspunkte.“
      Edna runzelte die Stirn, blieb aber still, als sich eine gleißende, goldene Aura um den Zentaur auszubreiten begann.

      Constellar Omega [ATK/2400 → 3600 DEF/500 {4} OLU: 2]

      „Tja, jetzt ist mein Monster sogar stärker als dein König Triton da“, feixte Zanthe und schwang den Arm aus. Dabei funkelten seine Augen regelrecht vor Ehrgeiz. „Ich würde sagen, es ist Zeit zum Zuschlagen! Angriff, [Constellar Omega]! Eye of the arrow!“
      Der geflügelte Zentaur stieg in die Luft auf. Dabei streckte er seine Brust vor, auf dem das Wappen der Constellar prangerte – ein achtzackiger Stern, ähnlich der Windrose eines Kompass, in einem achtzackigen Stern. Und aus jeder der Spitzen drang ein golden leuchtender Pfeil hervor, den Omega unter einem Brunstschrei regelrecht von sich ausstieß, direkt auf Edna zu. Ihm folgten dutzende weitere.
      Die breitete die Arme weit aus. „Hast du dir so gedacht! Du kannst [Mermail Abyssgaios] nicht als Ziel eines Angriffs wählen, solange [Mermail Abysslung] im Spiel ist.“
      Zanthe legte das Kinn auf die Brust und sah die dunkelhäutige Dämonenjägerin herausfordernd an. „Und wann habe ich jemals behauptet, das tun zu wollen?“
      Als Antwort erhielt er ein perplexes Blinzeln.
      „Schätzchen, Abysslung war von Anfang an mein Ziel. Wieso sollte ich auch das stärkere Monster bekämpfen wollen, wenn [Stoic Challenge] den ausgeteilten Kampfschaden verdoppelt?“

      Mermail Abysslung [ATK/1500 DEF/1800 (4)]

      Mit Genuss beobachtete er, wie seiner Gegnerin ein Licht aufging. Nur zu spät, denn die goldenen Pfeile flogen bereits steil nach unten Richtung des jungen Meermannes, der sich hinter seinen Armschilden zu verstecken versuchte.
      „Vergiss es!“, fauchte Edna. „Mich mit so etwas Billigem besiegen wollen? Eher sterbe ich! Falle! [Abyss-scorn]! Sie erhöht die Angriffskraft eines Mermails um 1000!“
      Die Pupillen von Abysslung verloren ihre Farbe und verschwanden, als er seine Verteidigung schlagartig vernachlässigte und plötzlich zum Gegenschlag ausholte.

      Mermail Abysslung [ATK/1500 → 2500 DEF/1800 (4)]

      Doch die Idee war schlecht. Die goldenen Pfeile zerfetzten ihn regelrecht, lösten eine Explosion aus, deren Schockwelle Edna zurückschleuderte. Doch sie hielt sich im Rückwärtstaumeln tapfer auf den Beinen.
      Indes klatschte Zanthe anerkennend. „Oh? Die Berserkerfrau nutzt ihre Offensive, um sich zu schützen? Wie gut für dich, dass die Rechnung diesmal aufgegangen ist. Gerade so.“

      [Zanthe: 4000LP / Edna: 4000LP → 1800LP]


      Hätte sie die Falle nicht eingesetzt, hätte sie über 4000 Punkte Schaden kassiert. So waren es gerade einmal 2200. Ganz so blöde war sie dann wohl doch nicht, gestand ihr Zanthe insgeheim zu.
      „Aber jetzt steht dein Abyssgaios ganz ohne verstärkende Effekte da“, wies er auf das Offensichtliche hin, nun da Abysslungs Boost auch verloren war.

      Mermail Abyssgaios [ATK/3100 → 2800 DEF/1600 {7} OLU: 1]

      „Hmpf! Und du verlierst dein Monster trotzdem, ohne dass ich etwas machen muss!“, konterte Edna. „Nicht gerade clever.“
      Zanthe aber lachte süffisant. „Wer im Glashaus sitzt … du weißt. Komm, ich zeig dir was!“
      Das gesagt, streckte er den Arm in die Höhe. In seiner Hand materialisierte sich ein riesiger Platinschlüssel, wobei sich über dessen Spitze gleichzeitig ein schwarzes Loch öffnete.
      „Ich rekonstruiere das Overlay Network!“, rief Zanthe. „Aus meinem Rang 4-Monster wird ein Rang 6-Monster!“
      Als goldener Lichtstrahl wurde [Constellar Omega] in den Wirbel gezogen, aus dem eine Explosion aus schwarzen, gelben und roten Blitzen hervor drang. Zanthe legte den Schlüssel derweil gegen seine Stirn und murmelte: „Open a gate to the Sacred Star Knights!“ Danach begann er regelrecht zu schreien. „Incarnation Summon! Lass alles um dich herum verblassen, [Constellar Ptolemy M7]!“
      Unter infernalem Geschrei schoss ein gold-weißer Mecha-Drache aus dem Schwarzen Loch heraus, der sich vor Zanthe in voller Pracht aufbaute – um dann die schwarzen Flügel schützend vor sich zu halten. Dabei umkreisten ihn drei goldene Lichtsphären wie winzige Monde.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 3]

      Zanthe sah erst seine letzte Handkarte, [Constellar Sombre] und dann das Xyz-Monster auf seinem Duellhandschuh an. Er schmunzelte zufrieden. Sollte die Zicke so dumm sein und angreifen, würde sie ihr blaues Wunder erleben. Sein Blick lag dabei auf dem grünen Kartenrand, der unter Messier 7s Karte hervorlugte. Und selbst wenn es ihr gelang, irgendwie wieder an Boden zu gewinnen, würde er im nächsten Zug erst richtig loslegen.
      Der Schwarzhaarige sah auf. „War doch gar nicht so schlecht für den Anfang. Kannst weitermachen.“

      Edna griff nach ihrem Deck und riss schnaubend die oberste Karte von diesem mit Schwung weg. Jene zwischen den Fingern wirbelnd, war die Dämonenjägerin im Begriff, sie auszuspielen. „Deine Arroganz werd' ich dir in den Hals stopfen! Ich-“
      Es war nur eine Sekunde, mehr nicht. Zanthes Herz hörte auf zu schlagen, oder zumindest fühlte es sich so an. Und es war das Einzige, was er fühlte. Hörte, sah, roch. Nur eine Sekunde, in der es nichts anderes gab als ihn und 'es'. Das, was verborgen vor den Augen aller lauerte, tief in Edna selbst verborgen. Eine Macht, die er so nur vor einer anderen Person kannte …

      Ein Schrei durchbrach Zanthes Trance. Beide Duellanten schreckten auf und sahen herüber zu Marcs Duell, welches gerade sein spektakuläres Ende gefunden hatte. Harris wurde durch die ganze Kirche geschleudert, flog über die Bänke hinweg und wurde durch die Wand geschmettert, landete im Vorraum der Kirche.
      In Ednas Gesicht stand das blanke Entsetzen geschrieben.

      Dann rannte sie los.
      „Dafür habe ich keine Zeit mehr!“, fauchte sie und deaktivierte ihre Duel Disk, was zur Folge hatte, dass die Hologramme verschwanden.
      Geistesgegenwärtig lief Zanthe seiner Gegnerin hinterher, konnte sie auf halbem Wege im Gang zwischen den Bänken einhole und streckte die Hand aus, um nach ihrem Arm zu greifen. „Du entkommst mir nicht.“
      Dann setzte sein Herz wieder aus, er brach die Bewegung ab und blieb wie erstarrt stehen, während Edna sich immer weiter von ihm entfernte.
      „Hey!“, hallte Marcs aufgeregte Stimme durch die Kirche, welcher vor Erschöpfung in die Knie gesackt war und die Verfolgung nicht aufnehmen konnte. „Bleib gefälligst hier! Feigling!“
      Die junge Frau blieb vor der Flügeltür stehen und drehte sich noch einmal zum Bräutigam um, der zu seiner bewusstlosen Verlobten kroch.
      „Wir sehen uns wieder!“, schwor sie hasserfüllt, ehe sie davon stürmte.
      Es dauerte einige Sekunden, dann brach Zanthe in sich zusammen und hustete wie verrückt. In dem Moment gab es einen dumpfen Knall und ein violettes Licht, das aus dem von Harris geschaffenen Loch blitzte. Ohne Zweifel waren die beiden über alle Berge.

      „A-alles in Ordnung?“, hörte er Marc rufen.
      „G-geht schon“, keuchte der Werwolf, als er sich vom Boden abstützte und dabei die Kehle hielt.
      Ein leises Zischen kündete von dem Verschwinden der DNA-Stränge, die ihre übernatürlich angehauchten Geiseln fest in ihrem Griff gehalten hatten. Doch entgegen aller Annahmen war es Nick, der als Erster auf die Beine kam, war er aus seinem Schläfchen zwischenzeitig erwacht. Neben ihm stöhnte Abby, nicht weit von der brubbelte bereits eine bis aufs Äußerste erzürnte Anya vor sich hin.
      Nick half der Sirene auf, die kreidebleich war, gar nicht lange zögerte und sofort zu Valerie stürmte.
      „Oh Gott“, stammelte sie mit Tränen in den Augen, als sie die bewusstlose Braut erblickte, „was haben sie dir angetan, Valerie?“
      Nick eilte neben sie. Sein betroffener Blick sprach Bände. Auch Anya hatte sich derweil aufgerappelt und stieß zu den beiden. „Mistkerle! Einfach abzuhauen, wenn's plötzlich nicht mehr so läuft. Heute Nacht träum' ich von Tod und Verderben, so viel ist mal sicher!“
      „Anya!“, mahnte Nick seine Freundin. „Nicht jetzt.“
      Die blickte herüber zu ihrer Erzfeindin. Kurz angebunden wie immer kommentierte sie den Anblick nur lasch: „Scheiße, Redfield …“

      Derweil kniete der Bräutigam neben ihr und keuchte, teils vor Erschöpfung, teils vor Wut.
      Sie waren weg, entkommen! Marc drehte sich langsam um, sah die Kapelle. Trümmer lagen herum. Einschlaglöcher von den verschiedenen Angriffen zierten die Gemäuer. Sie war fast ausgestorben und doch gefüllt von schlafenden Gästen … und Valerie lag da, umringt von Abby, Anya und Nick. Hoffentlich ging es ihr gut!
      „Valerie!“, rief er panisch und packte sie an den Schultern.
      Doch noch ehe er weitere Worte sprechen konnte, richtete seine Verlobte sich stöhnend auf.
      „Das tut mir so furchtbar leid“, murmelte Abby und kniete sich behutsam im Angesicht des engen Kleides zu ihr. Ihre Augenränder waren gerötet, noch immer den Tränen nahe. Valerie nickte benommen.
      „Ist“, begann sie mit heiserer Stimme zu fragen, „ist jemand-“
      „Keiner. Uns geht’s gut, den ganzen Schnarchnasen hier auch“, antwortete Anya für Abby.
      „Verstehe …“ Dann nahm Valerie die von Abby angebotenen Hände und ließ sich aufhelfen, wobei sie allein nicht imstande war zu stehen.

      Das musste sie auch nicht, Marc fing sie auf. Und Valerie umarmte ihn so fest sie konnte. Abby wich aus Respekt sofort zurück.
      „Ich konnte sie nicht aufhalten“, murmelte er und küsste sie sanft auf die Stirn.
      „Du hast sie vertrieben“, flüsterte Valerie leise, „das ist mehr, als ich geschafft habe …“
      Ihr Verlobter schwieg, wusste er doch nicht, wie er das überhaupt vollbracht hatte. Die Enttäuschung, die sie durchmachte, konnte er am eigenen Leib spüren. Das Zittern, er fühlte es.
      „Aber es ist okay“, fügte sie hinzu, „niemand wurde ernsthaft verletzt, nicht wahr? Dafür bin ich dankbar und … deswegen werde ich nicht weinen. Wir werden eine zweite Chance erhalten.“
      Plötzlich lachte sie bitter auf. „Auch wenn du mein Kleid jetzt gesehen hast. Ob das … Unglück bringt?“
      „Vielleicht nicht, wenn du es bis zum nächsten Versuch an behältst“, scherzte er schwach.

      Jemand klatschte in die Hände.
      Die beide sahen auf und drehten sich herüber, wo Anya stand, flankiert von Nick und Abby. Das blonde Mädchen sah das Brautpaar in einer Mischung aus boshafter Genugtuung, gleichzeitig aber auch mitleidig an.
      „Das wird teuer“, sagte Anya und spielte auf die finanziellen Schäden an, die der Auftritt der beiden Dämonenjäger mit sich gebracht hatte, „ich hoffe, du bist schlecht versichert, Redfield.“
      „Ich glaube, das ist unsere geringste Sorge“, erwiderte die eisig.
      Sofort hob Anya die Hände hoch. „Hey, denkst du etwa, das hier ist meine Schuld!? Ich schwöre, alle meine Pläne, deine Party zu crashen hat Abby schon vorher im Keim ersticken lassen!“
      „Das kann ich so bestätigen“, nickte jene.
      „Selbst wenn, offenbar waren sie hinter dir her. Hinter uns allen“, murmelte Valerie. Sie ließ den Kopf hängen. „Sieht so aus, als könnten wir … kein friedliches Leben mehr führen.“

      Mit vorgehaltener Hand wandte sich Anya an Abby und Nick. „Okay, jetzt ist sie richtig schön down! Harper, du spendierst den Beat, Abby, du übertönst ihn. Los!“
      Wie auf Kommando begann Nick mit etwas, das man ihm nie zugetraut hätte: Beatboxen. Es klang etwas holprig, aber als Abby einsetzte und mit ihrem Sirenengesang den Hochzeitsmarsch anstimmte, sahen Marc und Valerie verblüfft auf.
      „Was soll das?“, fragte Letztere irritiert.
      Anya schlenderte auf die beiden zu. Dabei streckte sie die Arme schulterzuckend aus, als wüsste sie das selbst nicht so genau. „Nun, da ja nun doch jemand den Party Pooper gespielt hat, dacht' ich mir, setzen wir noch eins drauf.“
      „Anya, das ist nicht witzig! Nicht jetzt, nicht heute!“, fauchte Valerie getroffen.
      „Oh Redfield, du kriegst deine Hochzeit“, versprach Anya, die vor ihr angekommen war.
      Plötzlich schnappte sie sich von beiden die jeweils rechte Hand und zog sie zu sich, beide Handflächen nach oben gerichtet und nebeneinander. Im Hintergrund immer noch die improvisierte Hochzeitsmusik.
      „Da der dämliche Pater gerade alle Viere von sich streckt, bin ich jetzt eure Trauzeugin“, sprach Anya feierlich und grinste ihre verblüfften Freunde an, „aber nur, weil Marcs Vorschlag bescheuert ist. Irgendwann stinkst du darin wie Nick, wenn du das dämliche Kleid nicht ausziehst!“
      Valerie stand eine Träne im Auge. „A-Anya …“
      „Okay, jetzt die große Quizfrage, Redfield. Willst du Marc solange auf die Nerven gehen, bis er freiwillig in die Kiste steigt? Ja oder nein?“
      Anya richtete den Blick anschließend auf Marc. „Und du, Butcher … hast du nichts Besseres zu tun, als diese Schnarchnase von Redfield zu heiraten? Die falsche Antwort wird dich die Million kosten!“
      Es dauerte einen Moment, ehe Marc und Valerie realisiert hatten, wer da gerade allen Ernstes ihren Bund fürs Leben besiegeln wollte. Obwohl jeder der beiden in diesem Moment genug Gründe hatte, Anya postwendend aus der Kapelle zu werfen, rührte die Geste sie so sehr, dass es nur eine mögliche Antwort auf die Frage gab.
      „Ja, ich will“, hallte es synchron.
      „Super!“, grinste Anya schadenfroh. „Zeit für den Blutspakt!“
      „Blutspakt!?“, stammelte Valerie sofort und riss sich von der Blondine los. „Meinst du Blutsbrüderschaft? Was hat das mit einer Hochzeit zu tun!?“
      Marc grinste. „Ich glaub, sie hat das alles nur gemacht, um dich legal bluten zu lassen.“
      Woraufhin Anya boshaft erwiderte: „Bingo!“

      Derweil gesellte sich Zanthe zu den beiden Musikern im Hintergrund, die mittlerweile verstummt waren.
      „Wow“, staunte er, „hätte nicht gedacht, dass in ihr tatsächlich so etwas wie ein Fünkchen guter Wille steckt.“
      „Du würdest dich wundern“, erwiderte Nick sofort verkrampft.
      Abby seufzte verträumt. „Ich glaub, das kann ich mir auch zu meiner Hochzeit vorstellen … immerhin ist es doch noch irgendwie romantisch geworden.“
      Der Zwei-Meter-Mann neben ihr verschränkte die Arme. Dabei grinste er nichtsdestotrotz, als er sagte: „Lieber nicht, Abby.“
      Auch Henry und Melinda stießen nun zu den beiden, nachdem sie es geschafft hatten, wieder auf die Beine zu kommen. Henry schüttelte nur schicksalsergeben den Kopf. „Hätte ich geahnt, was hier abgeht, wäre ich nicht gekommen.“
      „Du bist doch nur sauer, weil du nichts tun konntest“, stichelte Melinda, streichelte dann aber freundschaftlich den Arm ihres Bruders, „ist aber nicht schlimm, das ging uns allen so.“
      Henry aber blieb unterkühlt. „Wenn du meinst.“
      „Zumindest ist es nicht so langweilig geworden wie ich befürchtet hatte“, relativierte Zanthe derweil an Nick gewandt und sah den drei Hochzeits-Spezialisten vor ihm zu, wie sie sich gegenseitig aufzogen, „auch wenn ich überrascht bin, dass sich meine Theorie bestätigt hat.“
      Nick warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Welche Theorie?“
      „Die eine“, antwortete Zanthe und senkte seine Stimme, „war wie ich. Eine Hüterin. Und ich habe keine Ahnung, warum sie ausgerechnet fast der Person ins Netz gegangen ist, die sie jagt.“

      ~-~-~


      „… und so habe ich den Tag gerettet!“
      „Indem du nichts getan hast? So möcht' ich auch meine Tage retten.“
      Logan rollte auf einer kleinen Unterlage unter dem Chevrolet hervor, an dem er gerade werkelte. Sein weißes Feinrip-Hemd war von Ölflecken gezeichnet, auch im Gesicht und an den Muskeln hatte er sich, gelinde gesagt, ganz schön eingesaut.

      Seine Werkstatt war nicht gerade groß. Zwei Wagen hatten in der offen stehenden Garage nebeneinander Platz, dazu gab es noch eine Abstellmöglichkeit für ein Motorrad. Seine schwarze F 800 S stand momentan dort.
      Er ging direkt auf Anya zu, die an einer Werkbank gleich neben dem Garagentor lehnte und die Arme verschränkt hielt. Sich direkt vor sie stellend, griff er nach einem Schraubschlüssel.
      „Muss ja trotzdem nett gewesen sein, wenn du so gut gelaunt bist“, stellte er dabei fest.
      Anya konnte ihn riechen. Den Geruch von Öl, der sich mit Schweiß vermischte. Eklig. Sie wich ihm sofort aus, zuckte dabei mit den Schultern.
      „War immerhin besser als so'ne Spießerveranstaltung“, meinte sie unbekümmert.

      Natürlich hatte sie ihm nicht alle Details verraten, nur die, die auch für die Öffentlichkeit bestimmt waren. So sehr traute sie ihm dann doch nicht. Zumal er sie ohnehin nur für verrückt erklären würde, wenn sie ihm sagte, dass die beiden Dämonenjäger waren. Vermutlich hatte er immer noch nicht gerallt, was neulich mit ihrem Bruder Zach und Kali überhaupt abgegangen war – was nur umso besser für ihn war. Und für Anya.

      Der Zwerg trottete wieder zum Wagen. Dabei warf er jedoch Anya über die Schulter einen skeptischen Blick zu. „Scheinst den Ärger ja magisch anzuziehen.“
      „Bist wohl neu in der Stadt“, erwiderte sie mit einem kecken Grinsen, „ich -bin- der Ärger.“
      „Ich halte mich da raus“, meinte er, legte sich zurück auf das fahrbare Holzbrett und rollte unter den Chevrolet zurück, „aber wenn du'n Tipp willst: gib nicht so damit an.“
      Anya schnaubte beleidigt. Was wollte er ihr denn damit bitteschön mitteilen!? Pah! Warum war sie überhaupt hierher gekommen und hatte ihm von der Hochzeit erzählt!?
      „Hmpf, was auch immer. Ich muss los, hab keine Zeit für'n Duell oder so. Dein D-Pad bekommst du so schnell nicht wieder“, pflaumte sie ihn an und stampfte aus der Werkstatt.
      „Mach's ja nicht kaputt“, rief er ihr noch hinterher. Sonderlich besorgt klang er dabei allerdings nicht. Was Anya nur umso mehr aufregte, der Typ war viel zu locker!

      Na ja … sie würde ihn eine Zeitlang nicht sehen, also ließ sie es ihm diesmal durchgehen. Denn was Nick ihr nach der Hochzeit eröffnet hatte, war alles andere als aufbauend gewesen. Nicht nur, dass diese beiden Dämonenjäger etwas hatten, was sie wollte und entkommen waren …
      Nein. Die andere Zielperson, die Nick seit Tagen versucht hat ausfindig zu machen, sie war einfach nicht zu schnappen. Und es gab nur noch einen Weg, den Kerl in die Fittiche zu bekommen. Dafür würde Anya allerdings ein paar alte Bekannte besuchen müssen …


      Turn 47 – Trial And Error
      Anya und Zanthe reisen schnellstmöglich nach San Augustino, einer kleinen Stadt im Herzen Amerikas, nachdem Nick ihnen nun sein Wissen über die zweite Zielperson eröffnet hat. Dort werden sie von niemand Geringerem als Matt Summers in Empfang genommen, seines Zeichens ein alter Mitstreiter Anyas und womöglich ihre letzte Hoffnung. Jedoch fällt das Wiedersehen anders als erwartet aus …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Marc

      Laval Volcano Handmaiden x3
      Laval Forest Sprite
      Laval Lakeside Lady
      Laval Miller
      Laval Phlogis
      Laval Magma Cannoneer x2
      Laval Lancelord
      Laval Judgment Lord

      Searing Fire Wall
      Molten Conduction Field
      Rekindling
      Hammer Shot

      Return From The Different Dimension

      Lavalval Dragon
      Lavalval Dragun
      Laval The Greater
      Laval Stennon

      Harris

      Hazy Flame Sphynx
      Hazy Flame Cerberus
      Hazy Flame Hyppogrif x2
      Hazy Flame Mantikor

      Hazy Pillar
      Double Spell
      Pot Of Dichotomy

      Barrier Flame (x2)
      Zauber/Schnell
      Aktiviere nur, wenn ein FEUER-Monster, das du kontrollierst, zerstört wurde: verhindere bis zur End Phase jeglichen Schaden an deinen Life Points. Wenn es sich dabei um ein Xyz-Monster handelt, kannst du diese Karte von deiner Hand während des Zuges deines Gegners aktivieren. Indem du diese Karte und 1 andere "Barrier Flame" von deinem Friedhof verbannst: füge deiner Hand 1 FEUER-Monster von deinem Friedhof hinzu.

      Hazy Glory
      Breaktrough Skill

      Hazy Flame Basiltrice

      Zanthe

      Constellar Algiedi
      Constellar Sombre

      Constellar Belt
      Stoic Challenge

      Spellbooks Of Tetrabiblos
      Zauber/Normal
      Wähle 1 offenes Monster vom Typ Hexer, das du kontrollierst, als Ziel: wenn du das Ziel als Xyz-Material für die Xyz-Beschwörung eines Xyz-Monsters vom Typ Hexer oder eines Xyz-Monsters mit demselben Attribut verwendest, kannst du statt anderer Monster diese Karte auf deinem Friedhof als Xyz-Material verwenden. Nur einmal, wenn ein Xyz-Monster, das mit dieser Karte als Xyz-Material beschworen wurde, angegriffen wird: zerstöre das angreifende Monster.

      Dimension Slice

      Constellar Omega
      Constellar Ptolemy M7

      Edna

      Mermail Abyssleed
      Mermail Abyssteus
      Mermail Abysslung
      Mermail Abysshilde

      Abyss-scale Of The Mizuchi
      Abyss-scale Of The Cetus

      Abyss-scorn

      Mermail Abyssgaios


      See ya next time. Dann mit brandneuem Material!
      -Aska-

      Wie gesagt, ich nehm es dir nicht übel, wenn ich absehbar ne "Kompensation" bekomme ;) Und ja, durch Vals Ausscheiden war es dir dann eben möglich, dass Marc den brennenden Rächer mimen durfte.

      Hm, kann mich nicht entsinnen, dass ich sie als Dämonenjäger bezeichnet hatte. Was ich verwendet habe aber war der Begriff "Kopfgeldjäger". Aber ist nicht so wichtig denk ich. Geht ja mehr um die Handlung an sich als einen Namen dafür zu finden xD


      Spoiler anzeigen

      Das war dann also das Ende der Hochzeitsdoppelfolge. Ganz klar hat mir da natürlich das Ende samt der improvisierten Trauung ala Anya Bauer gefallen. Fast zu schade, dass es nur so kurz abgehandelt wurde und wie man lesen kann nächste Folge schon ganz woanders wieder hinreisen. Aber das ist ja dem Plot geschuldet mit der Suche nach den 7 Hütern (bzw, verbleibenden 5, Zanthe haben sie ja schon und Edna kommt von allein), der vorankommen muss.

      Die Duelle waren wie gewohnt gut. Das Hin und Her zwischen Harris und Marc war sehr nett zu verfolgenden. Und irgendwie mag ich glauben, wenn die beiden sich nicht als Feinde begegnet wären und Harris nicht zu sehr seine Machoattitüde auslebt, dass die echte "Flame Buddies" werden könnten xD
      Was aber natürlich sofort aufgefallen war, dass er durch den (ich nehm es mal an) geschenkten Pyrorex (vermutlich unter gewissen Bedingungen) dazu in der Lage ist, realen Schaden zu verursachen. Was ihn sicherlich noch einmal sehr gelegen kommen wird, wenn es im späteren Verlauf gegen Feinde mit ähnlichen Fähigkeiten in den Kampf geht.
      Interessant ist natürlich unter dem Aspekt des Übernatürlichen, wenn man an Abbys Karte zurückdenkt, dass weder Val noch er eine unmittelbare Reaktion auf die Karte hatten, dennoch aber von ihnen ja mehr oder weniger geschützt wurden. Klar, das könnte man Abbys übernatürlichem Gespür zuschreiben, oder weil sie eine besondere Rolle innehatte. Aber genauso könnte man jetzt spekulieren, dass Abby von den bisherigen die Einzige war, die den Collector nicht kannte - oder im Gegenteil die beiden vielleicht sogar Visionen hatten, man das aber nicht erlebt hat, und sie diese im Nachhinein wieder vergessen haben. Mein persönlicher Verdacht wäre die mittlere Variante.

      Bei Ednas und Zanthes Duell hat man genau den umgedrehten Effekt zu Valeries Duell erlebt. Eben da er einige von Ednas Karten zuvor miterlebt hatte und so mehr wusste als unsere liebste Charakterin, was ihn erwarten wird. Besonders interessant gerade deshalb, dass er seine Karten mit einer ganz anderen Erwartung an ihre Reaktionen gespielt hat, so wie er sie und sich beide als offensive Spieler sieht und deshalb davon ausgeht, dass sie seinen überlegenen Angriff nicht so leicht abwehren kann.
      Überraschender war dann natürlich aber noch die Enthüllung, dass Edna genau wie Zanthe eine Hüterin ist. Das heißt wie anfangs schon gesagt, dass es definitiv ein Wiedersehen geben wird und vermutlich ein Duell mit Anya, sofern sie nicht auf irgendeine Weise noch die Möglichkeit erhält, dass Sammeln der Karten an andere zu delegieren. Dann hätte sie mit Zanthe schon mal einen guten Partner dafür dabei. Wobei, die Auswirkungen die die Begegnung mit Edna auf ihn hatte ja schon ein paar Sorgen um sein Wohlbefinden machen könnte.

      Bin schon gespannt wie lange es dauert, bis es ein Wiedersehen mit den beiden gibt. Sie scheinen ja ausreichend informiert zu werden, und könnten jeden von ihren "Zielen" erneut aufsuchen und im Zweifelsfall auch zusammen auf diese losgehen, wenn sie alleine sind. Andererseits kann das auch noch ne Weile dauern, wenn man das unter dem Aspekt bedenkt, dass Harris im wahrsten Sinne der Worte erst einmal seine Wunden lecken, will heißen, auskurieren muss.

      Nächste Folge gibt es dann wohl ein freudiges Wiedersehen mit dem Chaos-Dämonenjägertrupp. Gerade was das damit auf sich hat, dass sie sich nie zurückgemeldet haben, das macht ja neugierig. Auf der einen Seite mochte man ja zunächst annehmen, dass sie es aus irgendeinem noch unbekannten Grund einfach nicht konnten, aber die Preview ließt sich so, als ob sie es lediglich nicht wollten. Naja, wird man ja bald sehen ^^
      Auf der Suche nach den neusten Infos oder Bildern zu Yu-Gi-Oh!-Karten aus Japan? =>> Spoiler-Forum


      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Vielen Dank an alle Leser! Auch ein Danke für die Kommentare an dieser Stelle.
      Endlich kommt das neue Zeug!

      @Deckcreator16
      Na, das spoilern wird dir in Zukunft erspart bleiben. ^^

      @Evil Bakura
      Wenn du wüsstest ... wenn du wüsstest ... xD
      Im Endeffekt ists ja wayne, du weißt was ich meine, ich weiß was du meinst bzgl Kopf-/Dämonenjäger, was sowieso in dem Kontrast nahezu identisch ist imo. xD

      Du, ehrlich gesagt, was soll zu der Hochzeit noch groß geschrieben werden? Zu Beginn dieser Folge gibts noch einen Flashback, aber mehr brauchts auch nicht.
      Ich denke, ich verrate nicht zu viel, wenn ich bestätige, dass Pyrorex und Moulinglacia ihre Finger im Spiel hatten, wenn es um das Abwehren/Schaden der Feinde ging. Obs aber auch eine Vision des Sammlers dazu gab? Wer weiß. Die beiden haben ihre "Geschenke" nicht aussgespielt.
      Anyway, wie du richtig festgestellt hast, fällt Harris eine Weile aus und damit zwangsweise auch Edna.


      So, ich wünsche euch viel Spaß und hoffe doch, dass sich vielleicht der ein oder andere zur Deckwahl äußert.
      Mittlerweile ist es eh ein Stechen zwischen Satellaknights und "Valiant Arms". Was soll es sein? Ihr entscheidet!

      Turn 47 – Trial And Error: Part I
      Anya lehnte den Kopf gegen die Scheibe. Der Anblick der Landschaft, die sich ihr bot, war größtenteils ländlicher Natur, nur etwas Wald in der Ferne lockerte den ansonsten tristen Anblick etwas auf.
      „Wie lange noch?“, murrte sie ärgerlich.
      „Wir sind erst vor einer halben Stunde losgefahren. Sechs, sieben Stunden wird es bestimmt noch dauern, das Umsteigen mit eingerechnet“, erwiderte Zanthe beiläufig und blätterte weiter in seiner Oldtimer-Zeitschrift herum.
      Er saß neben Anya in dem ansonsten leeren Abteil. Die beiden hatten seither nicht viel geredet, was vor allem daran lag, dass Zanthe seiner Begleiterin möglichst wenig Beachtung zu schenken versuchte. Einzig um zu sehen, was sie sich einfallen ließ, wenn ihr langweilig war. Und ihr war -verdammt- langweilig.
      „Tch“, zischte sie ärgerlich und zog ein Taschenmesser aus ihrer Hosentasche hervor. Sie schob es unter die Abdichtung des Fensters und versuchte jene aufzuschlitzen, was sich als erstaunlich anstrengend erwies.
      Dabei dachte sie an vorgestern, kurz nach der gescheiterten Hochzeit von Valerie.

      „Du wolltest uns sprechen?“, fragte Abby irritiert.
      Die ganze Gruppe hatte sich, nachdem die Polizei sie zu dem 'Überfall' in der Kapelle befragt hatte, am Waldrand zusammengefunden. Sie alle, die einen wie Valerie und Marc mehr, die anderen wie Henry oder Melinda weniger, waren gezeichnet von den Geschehnissen. Gerade das Brautpaar sah in seinem zerfetzten, durchtränkten Hochzeitskleid beziehungsweise dreckigen Anzug furchtbar aus.
      Nick, der angesprochen worden war, befand sich in der Mitte des kleinen Kreises. Er richtete sich an Anya, die bereits wusste, was sie erwartete und dementsprechend grimmig zur Seite starrte.
      „Anya hat euch etwas zu sagen“, verkündete er ernst.
      „Hab ich das, Harper?“
      „Anya“, begann Abby gewohnt streng, wenn es um 'so etwas' ging, „hast du. Wenn du es nicht tust, werden wir es tun. Richtig, Nick?“
      Der zeigte zwar keine Regung, aber sein steifer Gesichtsausdruck war Antwort genug.
      Anya trat trotzig aufstampfend vor. „Das ist nicht fair! … aber ich schätze, 'ne andere Wahl hab ich nicht, oder?“
      Die Sirene strich ihr über den Rücken. „Wir sind deine Freunde. Wenn du uns nicht vertrauen kannst, wem dann?“
      Valerie, die von Marc gestützt wurde, hob interessiert die Augenbrauen. Dabei murmelte sie unter dem Schatten einer dunklen Ahnung: „Also hast du doch etwas mit dem zu tun, was passiert ist.“
      Zanthe, der Anyas Linke flankierte, schüttelte den Kopf. „Das ist noch nicht raus. Lass sie erstmal erzählen.“
      Die Blondine atmete tief durch, versuchte besonders die ebenso neugierigen Blicke von Melinda und Henry zu ignorieren, die hinter Valerie und Marc aufgestellt waren.
      „Leute … ich stecke ganz tief in der Scheiße.“
      „Wann tatest du das jemals nicht?“, fragte der Erbe des Ford-Imperiums sofort spitz und bekam unmittelbar den Ellbogen seiner Schwester in die Rippen gerammt. „Ist doch wahr!“

      So begann Anya nur unter gutem Zureden Abbys langsam zu erzählen, wie der Sammler sie bereits vor Monaten in eine Falle gelockt und nun fest im Griff hatte. Was sie für ihn tun musste, wie weit sie damit bereits gekommen war und was ihr noch bevorstand.

      Als sie geendet hatte, fühlte sich Anya keineswegs erleichtert. Im Gegenteil, es fühlte sich an, als hätten sich ihre Probleme gerade vervielfacht.
      „Anya“, sagte Valerie zögerlich, „… du kannst nichts dafür.“
      „Du hättest vorsichtiger sein müssen“, kam es ausgerechnet aus Henrys Mund geduldig, „dieser Dämon ist der gefährlichste von allen. Ihm zu trauen ist Selbstmord.“
      Anya schnaufte. „Das weiß ich mittlerweile auch. Verdammte scheiße!“
      „Er hat mich zurückgebracht. Er wird dich retten können“, meldete sich Marc zu Wort, „fragt sich nur, welchen Preis du dafür zahlen musst.“
      „Oder wir alle“, merkte Melinda an, „wer weiß, was der vorhat mit diesen Karten, Artefakten, Waffen oder was auch immer sie sind. Sicher ist es nichts Gutes.“
      Die ramponierte Braut schüttelte den Kopf. „Gut und Böse sind Konzepte, die wir auf den Sammler nicht anwenden sollten. Ohne seine Hilfe wären wir im Turm gestorben.“
      „Du hast doch gehört, es war alles nur ein Test“, relativierte Henry. „Und jetzt weiß ich auch, warum er mir damals seine Hilfe zu, wie sagte er, günstigen Konditionen angeboten hat …“
      Abby horchte auf. „Bist du etwa auch in seine Falle getappt!?“
      „Nein. Beziehungsweise, sicher bin ich mir da jetzt nicht mehr. Erinnerst du dich noch an die hier?“
      Henry griff in seine Hosentasche und zog drei Karten von dort hervor. Es waren jene drei, die damals im Turm von Neo Babylon dafür gesorgt hatten, dass sie trotz Edens paralysierendem Bann kämpfen konnten. Er reichte sie Anya.
      „Nimm sie. Und gib sie ihm zurück, wenn du ihn das nächste Mal siehst. Wer weiß, was passiert, wenn ich sie behalte.“
      Die Blondine nahm sie erstaunt entgegen. Dann runzelte sie die Stirn. „Jetzt krieg' ich wieder den Schwarzen Peter, huh? Wie immer!“
      „Ich glaube, die sind harmlos. Er hat doch längst alles, was er für sein Spiel braucht“, zuckte Melinda mit den Schultern.
      Dabei sah sie herüber zur Kirche, die nur so von Reportern umlagert war, die sich einen eher weniger stillen Kampf mit der Polizei lieferten.

      Nick, der die ganze Zeit über still geblieben war, meldete sich zu Wort. Er drehte sich zu Anya um. „Da gibt es noch etwas, das du wissen solltest. Zanthe …“
      Dieser trat in den Kreis neben Nick und sah Anya ebenfalls an. „Sicher hast du es auch bemerkt. Die Schwarze war eine Hüterin. Sprich, eine deiner Zielpersonen.“
      Anya klappte die Kinnlade hinunter. Das hatte sie -nicht- bemerkt. Umso lauter wurde sie, als die Erkenntnis folgte, dass Edna ihr durch die Lappen gegangen war. „Und du hast sie entkommen lassen, du Blödian!?“
      „Ihre Karte muss sie beschützt haben“, rechtfertigte sich Zanthe unbeeindruckt, rückte dabei sein blaues Kopftuch zurecht, das nicht recht zu seinem schwarzen Anzug passen wollte, „ich konnte nichts machen.“
      „Und jetzt!?“, fauchte Anya. „Die dumme Ziege könnte sonstwo sein!“
      „In dem Fall“, schritt Nick dazwischen und legte seine Hände beruhigend auf Anyas Schultern, „sollten wir sie einfach machen lassen und warten, bis sie ihr Versprechen einlöst.“
      Die einen Kopf kleinere Anya erinnerte sich. Bevor die Dämonenjägerin abgehauen war, hatte sie mehr oder weniger Rache geschworen. „Soll die Bimbo-Buffy ruhig kommen!“
      „Anya!“, fauchte Abby sofort brüskiert. „Höre ich noch einmal so einen rassistischen Kommentar von dir, dann ist der Sammler deine geringste Sorge!“
      Der unerwartete Ausbruch ließ selbst eine Anya Bauer vor Schreck zurückweichen, auch wenn sie allein aus Trotz so tat, als wäre ihr das völlig gleich, indem sie lautstark die Nase rümpfte.

      „Diese Edna scheint keine Ahnung zu haben, dass du eigentlich sie jagst und nicht umgekehrt“, setzte Nick nach einer unangenehmen Pause seine Erklärung fort, „dass sie heute hier aufgetaucht ist, ist entweder ein Zufall oder durch irgendjemanden arrangiert worden.“
      Henry schnalzte mit der Zunge. „Es gibt keine Zufälle. Nicht für solche wie uns.“
      „Richtig. Sie wussten viel zu gut Bescheid über uns, um einfach nur auf Dämonenjagd zu sein“, erwiderte Nick mit dem Blick auf Anya gerichtet, „aber unsere Stunde wird kommen, Anya. Doch solange wir auf ein Lebenszeichen von Edna warten, werden wir uns einem anderen Ziel widmen.“
      Melinda fragte: „Und was ist mit ihrem Partner, diesem Harris?“
      „Der scheint eher ein Mitläufer zu sein.“ Marc kratzte sich an seinem Kinnbart. „Für einen Dämonenjäger wirkte er ziemlich unreif und mir ist nichts an ihm aufgefallen, was Zanthe bei Edna bemerkt hat.“
      Anya sah Nick tief in die Augen. „Und wer steht nun als Nächstes auf meiner Schwarzen Liste?“
      Dieser schloss ebenjene plötzlich. „Jemand, den ich nicht ausfindig machen kann. Jemand, dem ich bereits einmal begegnet bin. Der Einzige, der dir vielleicht helfen kann, den Typen zu finden, ist …“


      „Summers“, brummte Anya nachdenklich und wandte den Blick von der Landschaft ab.
      Unglaublich, dass Nick mit seinen Wundern der Technik nicht in der Lage war, ihr nächstes Bauernopfer zu finden. Stattdessen hatte er ihr gestern zwei Zugtickets in die Hand gedrückt und angewiesen, nach San Augustino zu fahren. Wo Matt sie erwartete.
      Anya war noch immer baff, dass es Nick immerhin gelungen war, mit dem Dämonenjäger Kontakt aufzunehmen. Etwas, das ihr nicht vergönnt gewesen war. Matt und sein Partner Alastair waren bis vor Kurzem noch wie vom Erdboden verschluckt gewesen. Aber Nick hatte sie ausfindig gemacht.
      Warum er selber nicht mitkam, das verstand Anya beim besten Willen nicht. Fast hatte sie den Eindruck, Nick wollte nicht auf den Mann auf ihrer Liste treffen. Immerhin schienen die beiden sich zu kennen, auch wenn ihr Freund diesbezüglich erstaunlich sparsam mit Erklärungen umging.
      Stattdessen wollte er in Livington bleiben und versuchen, Ednas Spur zu finden. Seine bevorzugte Ausrede bezog sich entweder darauf oder auch wahlweise auf seinen Gesundheitszustand, der nach Kalis Angriff immer noch nicht zufriedenstellend war. Laut eigener Aussage verstand sich.
      Zudem hatte ausgerechnet Henry den rettenden Vorschlag gemacht. Wenn man jemanden nicht finden konnte, musste man ihn eben heraufbeschwören. Matt konnte das. Henry hatte seine Hilfe diesbezüglich selbst schon in Anspruch genommen und auch noch ausgerechnet um den Sammler zu beschwören, der ihm damals helfen sollte, seine Schwester Melinda zu finden.

      „Wie ist dieser Matt so?“, fragte Zanthe neugierig und ließ von seiner Zeitschrift ab.
      Anya raunte: „Keine Ahnung. Hab ihn ja seit Ewigkeiten nicht mehr gesprochen. Einfach so unterzutauchen, ohne jemandem was zu sagen. Also ein Idiot, wenn du's wissen willst!“
      Ihr Begleiter schüttelte schicksalsergeben den Kopf. „Deswegen heißt es doch untertauchen. Weil man nichts sagt.“
      Na und, dachte sich Anya? Sie hatte trotzdem jedes Recht, beleidigt von diesem miesen Zug zu sein. Nach allem, was sie und Matt zusammen durchgestanden hatten! Aber wenn sie ihn erst in die Finger bekam, dann-! Sie würde-!
      „Ach, leckt mich doch alle am Arsch!“
      „Bedaure, nicht mein Fetisch“, erwiderte Zanthe lakonisch und widmete sich wieder seiner Zeitschrift.

      Da Anya aber so derart langweilig war, dass ihr selbst die Lust am Beschädigen von fremdem Eigentum vergangen war, tat sie daraufhin etwas, das man ihr nie zugetraut hätte. Sie zeigte Interesse an ihren Mitmenschen. Und da es derer nur einen in ihrem direkten Umfeld gab …
      „Wie bist du eigentlich in der stinkenden Höhle gelandet?“
      „Kein Geld für 'ne Wohnung.“
      „Und was hast du gemacht, als du noch Geld hattest?“
      „Bin herumgereist auf der Suche nach einem Heilmittel für meine Lykantropie.“ Zanthe sah von seiner Zeitschrift auf. „Und davor bin ich mit meinem Rudel unterwegs gewesen. Aber das liegt so lange zurück, dass ich mich kaum noch an etwas aus dieser Zeit erinnern kann.“
      Anya gab ein Geräusch von sich, das irgendwo zwischen „Aha“ und „Wie langweilig“ anzusiedeln war. „Und wie war dein Rudel so?“
      Zanthe sah zu ihr herüber und zuckte mit den Schultern. „Irgendwie scheiße. Aber irgendwie auch nicht. Ich mein, sie hätten mich damals auch sterben lassen können. Stattdessen haben sie mich in ihren Kreis aufgenommen, nachdem … nicht so wichtig. So sieht's jedenfalls aus.“
      „Ist doch … gut?“
      „Da fingen die Probleme für mich erst richtig an. Was meinst du, welchen Stand ein vegetarischer, insgeheim homosexueller Werwolf in einem Rudel hat, das nur so vor Testosteron stank?“
      Anya kratzte sich am Kopf. „Du warst das Schlusslicht der Nahrungskette, oder?“
      „Sozusagen.“ Zanthe sah aus dem Fenster neben Anya. „Als sie erfuhren, dass ich Schwänze lutsche, haben sie mich verstoßen. Die Zeiten waren damals noch anders. Obwohl, wenn man ganz genau hinschaut, sind sie es eigentlich nicht wirklich. Nur die Masken sind andere.“
      Anya, die den Kommentar nicht verstand, blinzelte verdutzt.
      Der Werwolf winkte ab. „Vergiss es. Das interessiert dich eh nicht wirklich, oder?“
      Anya machte ein nachdenkliches Gesicht, ohne aber tatsächlich zu überlegen. „... nö.“
      „Na also“, lächelte Zanthe zufrieden, „und jetzt halt bitte die Klappe, du störst mich beim Lesen.“

      ~-~-~


      Am frühen Abend schließlich und nach mehrmaligem Umsteigen kamen Anya und Zanthe schließlich dort an, wo Matt und Alastair sich laut Nick aufhalten sollten: einem Dorf namens San Augustino.
      Die beiden stiegen aus dem Zug. Anya hatte nur einen Koffer dabei, von dem Zanthe jede Wette einging, dass er nur mit schwarzen Klamotten gefüllt war. Ganz anders als er, der gleich zwei Koffer mit sich trug. Er kam farbenfroh in einem grünen Shirt und weiß-blau-karierten Drei-Viertel-Shorts daher, wohin Anya wie immer auf Totenköpfe, diesmal mit Blut verschmiert, und das gewohnte Schwarz setzte.
      Die sah sich sofort um. „Wehe, wenn der nicht kommt!“
      „Ich würde es ihm nicht verdenken. Wer will dich schon als Besuch?“
      „Schnauze!“

      Aber da, unvermittelt erblickte sie ihn! Er lehnte an der Wand des kleinen Gebäudes, welches sich gegenüber der Gleise befand. An jenem angebaut war ein zweistöckiger Turm samt Uhr, die allerdings eine ganz falsche Zeit wiedergab, nämlich Punkt Mitternacht.
      Anya beschleunigte ihren Schritt und warf nebenbei ihren Koffer nach hinten, den Zanthe ungewollt und prustend mehr mit seiner Brust denn seinen Händen auffing und dabei noch seine eigenen Koffer fallen ließ. Als Matt die beiden bemerkte, stieß er sich von der Wand ab und kam Anya entgegen. Die machte, als er in ihrem unmittelbaren Umfeld angekommen war, einen hastigen Schritt nach vorn und umschlang den Schwarzhaarigen mit beiden Armen.
      „Summers, altes Haus! Lange nicht mehr gesehen!“, rief sie gelassen.
      Sie merkte genau, wie er zusammenzuckte, als sie ihre Umarmung intensivierte. Ein schadenfrohes Grinsen zierte daraufhin ihre Lippen und sie drückte noch fester zu. Um genau zu sein so fest, dass die nächste Stufe ihm definitiv etwas brechen würde.
      „Ich freue mich auch dich zu sehen“, gab der junge Mann schicksalsergeben von sich, „kannst du mich jetzt loslassen?“
      „Nein“, kam es kühl zurück, „sei froh, dass meine Anya Bauer-Wurstpresse dich noch nicht umgebracht hat. Warum zur Hölle hast du dich nie bei mir gemeldet, huh!?“

      Jetzt erst löste sie sich von Matt und stieß ihn weg, bemaß ihn dabei mit einem genauen Blick. Sein dunkles Haar war wie immer nach hinten gekämmt und zu spitzen Strähnen gegelt, dazu hatte er ein weißes Hemd unter einer legeren Lederjacke an. So kannte sie ihn gar nicht, sonst rannte er immer in einem schwarzen Mantel herum.

      Matt rieb sich mit finsterem Blick über den Arm. „Andere Dinge hatten Priorität.“
      „Ach ja? Ich dachte wir wären jetzt Freunde!“ Anya stemmte betonend die Hände in die Hüften.
      „Sind wir auch. Allerdings bedeutet das nicht automatisch, dass ich dir permanent Gefallen schuldig bin.“
      Nebenbei gesellte sich Zanthe zu den beiden. „Wow, du kennst sie also gut genug um zu wissen, dass sie sich nur meldet, wenn sie etwas von einem will.“
      Ertappt fauchte Anya ihren Begleiter an: „Halt deine Klappe, du Wannabe-Ginger!“
      „Ich was?“, wiederholte Zanthe irritiert, die Anspielung auf Anyas Lieblings-Werwolf-Film nicht verstehend.
      „Wer ist das überhaupt?“
      Auf Matts Frage hin antwortete Anya: „So eine Art Anhängsel, das eventuell mal nützlich wird.“
      Zanthe musste trocken auflachen. „Eventuell sagt sie …“
      'Sie' hatte sich längst wieder Matt vorgenommen. „Also, was hast du zu deiner Entschuldigung zu sagen, Summers!?“
      Mit den Schultern zuckend, erwiderte Matt desinteressiert: „Nichts. Du wirst es vielleicht verstehen, wenn du -es- siehst. Komm erstmal zum Wagen mit und erklär' mir, wie Nick uns gefunden hat und was so wichtig ist, dass ihr extra dafür hierher nach San Augustino reist.“

      Das gesagt, drehte er sich um und schritt vorwärts vorbei an den Bänken und der Laterne, die bereits ihr Licht auf den Steig scheinen ließ. Anya rannte ihm hinterher, gefolgt von Zanthe, der mürrisch das ganze Gepäck schleppen musste.
      Als Anya Matt eingeholt hatte, sagte sie: „Nick hat eure Duel Disks ausfindig gemacht. Neulich hat sich die Narbenfresse mit irgendwem duelliert, daher wusste Nick, dass es euch in dieses Kaff verschlagen hat.“
      „So ist das also. Ich hatte mir immer gedacht, dass der Typ irgendwas verheimlicht. Und er heißt Alastair, klar?“
      „Tch, seit wann so empfindlich!?“

      Dann begann Anya zu erzählen. Sie erreichten den VW-Bus des Dämonenjägers, da war Anya noch nicht einmal zu dem Punkt gekommen, wo sie sich dem Sammler im Duell stellte.
      Gelangweilt von ihrem untypischen Redefluss voller vulgärer Wörter betrachtete Zanthe den blauen Himmel, der bereits erste rote Spuren in sich trug. Die sich ganz schön ausgeweitet hatten, als Anya zum Ende kam. Matt hatte die ganze Zeit vor ihr an der Fahrertür gelehnt gestanden und keinen Mucks von sich gegeben.
      „Und deswegen müsst ihr diesen Typen für uns beschwören!“
      „Woher wisst ihr, dass wir das können?“, lautete seine erste Frage. Er machte sich offensichtlich gar nicht erst die Mühe, sich lang und breit über Anyas Verfehlungen hinsichtlich des Sammlers auszulassen.
      „Das Pennerkind hat da sowas erwähnt.“
      „Du meinst Henry?“ Matts Ausdruck wurde plötzlich düster. „Hat er euch auch gesagt, wen wir für ihn beschworen haben?“
      Anya nickte mit grimmiger Mimik. „Was denkst du denn, von wem er damals diese hier hatte?“
      Sie zeigte Matt die drei Karten vor, die damals im Turm von Neo Babylon dafür gesorgt hatten, dass die Gruppe Edens paralysierendem Bann entkommen war und sich gegen Another und Isfanel auflehnen konnte.
      „Damals wollte er, dass wir darüber kein Wort verlieren. Aber die Dinge ändern sich anscheinend. Also gut, wir werden versuchen dir zu helfen, diesen Drazen zu finden“, lenkte Matt schließlich ein, „aber dann lässt du uns in Ruhe, okay?“
      Damit ließ er eine verdutzte Anya zurück und stieg in den VW-Bus ein. Ehe er die Tür zuknallte, rief er auffordernd: „Los, steigt ein.“
      Seine beiden Gäste umrundeten den Wagen halb, da blieb Anya vor den Türen des Laderaums stehen und blockierte Zanthe den Weg: „Vorne ist nur für mich Platz. Du gehst da rein.“
      Demonstrativ öffnete sie ihm, beziehungsweise eher noch dem Gepäck, die Tür und präsentierte eine vollkommen leere Ladefläche. Zanthe sagte gar nichts und stieg einfach ein, sodass Anya die Türen hinter ihm zuknallte und sich zum Beifahrersitz bewegte.

      Nachdem sie sich angeschnallt hatte, begann die Fahrt. Anya fiel auf, dass die ganzen Anhänger und Kruzifixe fehlten, die an dem, dank der fensterlosen Türen, nutzlosen Rückspiegel einst gehangen hatten.
      Das veranlasste sie, sich umzudrehen und noch einmal in die Ladefläche zu schauen, wo Zanthe sich im Schneidersitz hingesetzt hatte und sie fragend anstarrte. Die Waffenkiste fehlte.
      „Sag mal, hab ich was nicht mitbekommen, oder habt ihr mit eurem ganzen Kram einen Flohmarkt veranstaltet?“
      „Wir haben aufgehört.“
      Sofort wirbelte Anya verblüfft herum und sah Matt an. „Im Ernst?“
      „Ja. Wir haben nach Urilas Angriff auf Livington noch eine Weile weitergemacht“, erwiderte der tonlos, „aber es war nicht mehr dasselbe. Für keinen von uns.“
      Er lachte bitter auf. „Um ganz ehrlich zu sein haben wir erkannt, dass wir einfach nicht gut in dem sind was wir tun. Das waren wir noch nie. Uns unterlaufen permanent Fehler, die andere Menschen in Gefahr bringen. Gerade die Sache mit Eden und alles danach. Das hat sich unter den anderen Dämonenjägern herumgesprochen. Wie unprofessionell wir sind.“
      Zanthe beugte sich von hinten über die beiden Sitze. „Ach lasst die doch quatschen. So schlecht könnt ihr nicht sein, wenn ihr immer noch lebt.“
      „Gerade Alastair hat das zunehmend zu schaffen gemacht. Er hat angefangen, seine Methoden infrage zu stellen.“
      Die Blonde auf dem Beifahrersitz rümpfte die Nase. „Zurecht. Dämonen jagen schön und gut, aber die Narbenfre- Big Al ist doch etwas zu krass drauf gewesen.“
      „Das hat er mittlerweile auch eingesehen. Deswegen hat er sich entschieden, seine Kräfte auf andere Sachen zu konzentrieren.“ Matt seufzte tief. „Und ich bin mitgezogen, hatte auch Gründe um aufzuhören. Komisch, normalerweise enden Dämonenjägerkarrieren tödlich. Bis auf Alectors halt. Den werdet ihr vielleicht auch kennenlernen, wohnt nämlich auch hier.“
      Anya spitzte neugierig die Ohren. „Was waren deine Gründe?“
      „Nicht so wichtig“, wiegelte er ab. Doch sie bemerkte sofort diese unterschwellige Kälte, die zwischen den Zeilen stand. Da Anya das Gefühl kannte, über bestimmte Dinge nicht reden zu wollen, beließ sie es dabei.

      Stattdessen wechselte sie das Thema. „Und wie ist dieser Alector so?“
      „Wie man sich einen pensionierten Dämonenjäger so vorstellen würde“, erwiderte Matt wieder besser gelaunt, mit hellerer Stimme, „misstrauisch, mürrisch, menschenscheu – meistens, aber nicht immer. Bei ihm glaub ich allerdings, dass er schon immer so war.“
      Zanthe blinzelte. „Ich glaube der Name sagt mir was. Das war doch der, der ein ganzes Rudel meinesgleichen alleine ausgelöscht hat.“
      Dass Zanthe gelegentlich Pelz trug, hatte Anya Matt während ihrer Geschichte ebenfalls erzählt.
      „Jap. Das war aber, bevor er angefangen hat uns auszubilden. Beziehungsweise Alastair, er und ich haben uns nur hin und wieder mal gesehen.“
      Der Werwolf gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Hmm. Ich hoffe, er wird mir nicht gleich an die Gurgel gehen.“
      „Du bist 'Vegetarier', also stehen die Chancen nur zu 95%, dass er dich umbringen wird.“
      „Oh, na dann …“
      Matt lachte auf. „Keine Sorge. Als Freund von uns genießt du Immunität. Ich weiß nur noch nicht, wie ich ihm das verklickern soll.“
      „Dir fällt sicher etwas ein“, sagte Zanthe darauf optimistisch. „Wäre übrigens nett, wenn ihr dafür sorgen könntet … ihr wisst schon. Ist'n bisschen eilig, hehe.“
      Sofort verstand Matt. „Ist die Zeit ran?“
      „Ja. Die ersten Symptome zeigen sich schon. Kopfschmerzen, Gereiztheit … aber ich versuch mein Bestes, mir nichts anmerken zu lassen.“
      Anya hingegen verstand jedoch nicht, worum es ging. „Huh?“
      „Er braucht Fleisch. Viel Fleisch“, erklärte Matt, „und Blut. Weißt du, Werwölfe sind rein körperlich nicht unbedingt von der Jagd abhängig. Sie können ohne das alles existieren. Es geht mehr um den psychologischen Effekt. Wenn sie lange Zeit nichts reißen, beginnt ihr Verstand zunehmend zu verwildern. Je größer und schwerer die Beute zu erlegen ist, desto länger bleiben sie anschließend 'clean'.“
      „Menschen sind die besten Opfer, weil sie einen besonderen Effekt erzielen. Bevor man Werwolf war, waren sie tabu, verstehst du? Deswegen werden Werwölfe von Dämonenjägern gejagt.“ Zanthe sah Anya ernst in die Augen, als die sich zu ihm umdrehte. „Weil die meisten die Kontrolle über sich verlieren und dem Drang erliegen, das zu reißen, was sie vorher nie durften. Dann gewöhnen sie sich dran und verfallen sozusagen in Muster. Wer als Werwolf einmal Menschenblut leckt, ist nahezu unmöglich wieder davon wegzubekommen.“
      Anya nickte verständig. „Und du brauchst jetzt was zu fressen, Flohzirkus?“
      „Bingo. Tote Beute ist leider nicht sehr befriedigend, es muss schon was sein, was wegrennen kann.“
      „Ich werde mir was überlegen“, versprach Matt, der bisher noch keine Erfahrungen mit 'vegetarischen' Werwölfen gemacht hatte.

      Dann begann das große Schweigen. Anya wunderte sich über das seltsam distanzierte Verhalten Matts. Hatte es damit zu tun, was damals vorgefallen war? Ihr Verrat? Vielleicht hatte er ihn schwerer verdaut als sie angenommen hatte. Aber sie hatte sich doch damals entschuldigt, als Urila in Livington eingefallen war und die Anwohner einer Monstertransformation unterzog.

      Grübelnd beobachtete sie die Gegend.
      Es hatte sich herausgestellt, dass der Bahnhof etwas abgelegen vom eigentlichen Ort lag. Sie fuhren auf einer ländlichen Straße Richtung San Augustino. Die saftige Grün der Wiesen um sie herum gab Anya erst recht das Gefühl, in einem Kaff gelandet zu sein. Auf dem Weg fuhren sie an einer weiß gestrichenen, kleinen Kapelle vorbei, wodurch Anya sich an etwas erinnerte.

      „Hey, Summers, wieso seid ihr nicht mal zu Redfields Hochzeit gekommen?“
      „Wir hatten keine Lust auf Geiselnahmen“, erwiderte Matt mürrisch.
      Anya schnaubte, da sie vergessen hatte, ihm auch von der missglückten Trauung zu berichten. „Das konnte vorher keiner wissen! Und scheiß auf das, was die Zeitungen schreiben, wie immer ist das eine von Redfields Geschichten. In Wirklichkeit waren das Dämonenjäger, die genauso krass drauf waren wie Big Al, als er noch ein Psycho war.“
      „Aha.“ Matt schien kurz zu überlegen, ob er noch etwas hinzufügen sollte, entschied sich schließlich dafür. „Verstehst du nun, warum wir das nicht mehr mitmachen wollen? Irgendwann verliert man seine Menschlichkeit.“
      „Die waren noch blutjung, jünger als du“, warf Zanthe nachdenklich ein. „Du hättest sie sehen müssen, gerade das Mädchen …“
      Der Schwarzhaarige reagierte geradezu gehässig: „Das geht mich nichts mehr an.“
      „Scheiße, Summers. Irgendwie bist du heut' nicht gut drauf“, zischte Anya und legte beleidigt ihren Kopf auf die Handfläche, während sie demonstrativ wegschaute.
      Sie rechnete mit einem fetten Seitenhieb, doch der blieb überraschenderweise aus. Obwohl Matts Wortlosigkeit gewiss nicht besser war.

      San Augustino war ein verschlafenes Nest, wie Anya feststellte, als sie den Ort durchquerten. Kaum Leute auf den Straßen, aber woher auch, sonderlich viele Häuser gab es sowieso nicht. Die standen alle so weit auseinander, dass man glauben wollte, die Einwohner würden sich bewusst meiden. Mehr als einen Supermarkt, eine Arztpraxis und ein kleines Rathaus gab es gar nicht. Und kaum hatten sie das Dorf kennengelernt, da verließen sie es auch schon wieder Richtung eines Waldes.

      Gut drei Minuten später hielt der VW-Bus und dessen Insassen stiegen aus.
      Zanthe sprang von der Ladefläche und ließ das Gepäck zurück, da er es nur als angebracht empfand, dass Anya jetzt mal mit Schleppen dran war. Kräftig genug war sie allemal.
      Überrascht betrachtete er das dreistöckige, weiße Gebäude vor sich. Weiter entfernt zur Linken stand ein kleiner Schuppen, in dem sich scheinbar zwei Personen unterhielten.
      „Was ist das hier?“, fragte Zanthe, als Matt ausstieg. „Ein Hotel? Hmm, also einladend sieht anders aus. Da geht ja schon teilweise die Farbe vom Holz ab.“
      „Das ist ein Waisenhaus. Hier leben ich, Alastair und Alector zusammen mit zwei Erzieherinnen und genug Kindern, um drei Schulkassen zu füllen.“
      Anya und Zanthe traten neben Matt. Erstere traute ihren Ohren kaum. „Ein was? Was zum Geier wollt ihr denn hier?“
      „Wir sind so etwas wie … Mitarbeiter.“
      Anya klappte die Kinnlade herunter. „Nicht dein Ernst! Oh-mein-Gott!“

      Irritiert wandten die anderen beiden sich zum Schuppen um, wo ein Mann so groß wie ein Baum zusammen mit einem Kind heraustrat. Das Junge hielt ein Kaninchen auf dem Arm und streichelte es liebevoll. Wie ein stolzer Vater sah Alastair ihn an.
      Der Hüne hatte langes, schwarzes Haar, das er nicht wie gewohnt zu einem Zopf gebunden hatte, sondern offen trug. Mehr als ein durchgeschwitztes weißes Feinrip-Hemd und eine ebenso schmutzige Hose sowie quietschgelbe Gummistiefel hatte er nicht an. Auffällig waren die vielen Narben, die seinen ganzen Körper zierten.
      „Sag mir, dass das nicht dein Ernst ist“, stotterte Anya bei dessen Anblick.
      Matt warf ihr einen scharfen Blick zu. „Wie du weißt, ist Alastair selbst mal ein Waisenkind gewesen. Als wir uns entschieden hatten aufzuhören, hatte Alector vorgeschlagen, uns hier nützlich zu machen. Wie dir sicher auffällt, geht es dem Haus nicht besonders gut.“
      „Das ist oft so, weil es einfach zu viele Waisen und zu wenig Unterstützung vom Staat gibt“, murmelte Zanthe, „tut mir leid, hätte ich das gewusst, hätte ich nicht so abfällig gesprochen.“
      Der Ex-Dämonenjäger winkte ab. „Schon gut. Al arbeitet hart. Er pflanzt Gemüse an, repariert vieles und kümmert sich auch um die Kinder.“
      Anya wagte es kaum, etwas Negatives zu sagen. Wahrscheinlich würde Matt sie postwendend zurück nach Livington schicken, was sie sich nicht leisten konnte. Also wählte sie ihre Worte mit Bedacht. „Aber ist das nicht total öde?“

      „Nein.“
      Alastair war auf die Drei zugekommen und sah Anya zunächst missbilligend an, ehe er sich dem Haus zuwandte, geradewegs weg von Zanthe, der gerade mit großen Augen die Hand ausstreckte. „Ein Leben ohne Eltern ist schwer. Vielleicht weißt du, dass ich meine durch Anothers Intrigen verloren habe. Hier kann ich wenigstens anderen Kindern, die ohne Eltern aufwachsen, eine möglichst schöne Kindheit schenken. Es gibt keinen besseren Ort für mich.“
      „Alector leitet dieses Waisenhaus, er hat es mit seinen Ersparnissen zu dem gemacht, was es heute ist“, erklärte Matt und Anya wagte es nicht, 'eine Bruchbude?' zu fragen. „Wir sollten ihn treffen.“
      „Er ist in seinem Büro“, meinte Alastair und ignorierte die Hand, die Zanthe ihm schon die ganze Zeit zur Begrüßung hinhielt.
      Die beiden Möchtegern-Normalos, wie Anya sie jetzt heimlich titulierte, gingen zum Eingang des Hauses, während die Blonde auf der Stelle vor dem VW-Bus verharrte und die Stirn runzelte.
      „Scheiße, die sind eiskalt Spießer geworden.“
      „So spießig können sie nicht sein, der hat mir nicht mal Tag gesagt“, zeigte sich Zanthe beleidigt.
      Anya sah ihn verwirrt an. „Hä? Matt hast du gar nicht die Hand gegeben.“
      „Der sieht aber auch nicht zum Anbeißen aus“, rümpfte Zanthe die Nase und folgte den beiden 'Erziehern' ins Innere des Waisenhauses, „aber so leicht geb' ich nicht klein bei. Auf zu Runde 2!“
      Anya sah ihm fassungslos hinterher. „Mal ehrlich, sieh ihn dir an! In den haben schon viel zu viele hineingebissen!“
      Sag bloß, der Flohzirkus stand auf die Narbenfresse? Ihr wurde regelrecht übel bei der Vorstellung, wie diese beiden sich näher kamen. Levrier erschien in seiner allseits von Anya ungeliebten [Gem-Knight Pearl]-Form und klatschte in die Hände.

      Immer wenn ich denke, mich kann nichts mehr überraschen, kommen du oder deine Freunde und bringen Schwung in mein tristes Kartenleben.

      „Für einen Tag sind das echt ziemlich viele Sachen, die ich verdauen muss …“
      Levrier hörte auf zu klatschen und schlug einen ernsteren Ton an.

      Ich fürchte, auf dich kommt noch mehr zu, Anya Bauer.

      „Du meinst Matt? Er ist komisch drauf …“

      Ihn auch. Etwas steht zwischen euch beiden, das dürftest du sicher bemerkt haben. Aber mehr Sorgen mache ich mir um diesen Alector. Ich hoffe, er wird sich nicht in unsere Angelegenheiten einmischen.

      Anya pfiff verächtlich und machte sich nun auch auf, diese Bruchbude von Innen kennenzulernen. „Wenn er das tut, lernt er mich kennen.“

      Sofern er nicht schon mehr über dich weiß, als dir lieb ist …

      Levrier verschwand. Als Anya im Flur ankam, wurde sie von einem kleinen Jungen angerempelt, der jauchzend von einem etwas älteren Mädchen verfolgt wurde.
      „Hey, ihr kleinen Kröten, macht das nochmal und hier werden ganz schnell zwei Betten frei!“, fluchte Anya ihnen wütend hinterher.
      Dass sie dadurch Matts und Alastairs böse Blicke erntete war ihr dabei ziemlich egal. Die beiden führten sie und Zanthe eine Treppe hinauf ins zweite Stockwerk, wo es einmal um die Ecke ging, ehe sie vor Alectors Büro standen.
      Matt klopfte zweimal an, ehe er sich unaufgefordert Einlass schenkte.
      „Ich bin wieder da“, sagte er im Hineingehen, gefolgt von den anderen.

      Das Büro von Alastairs ehemaligem Lehrmeister war klein. Neben einem Schreibtisch, einem Schrank mit Aktenordnern und einer großen Stehlampe gab es hier nur ein altes, schimmelgrünes Sofa.
      Alector sah gerade auf den uralten, riesigen Bildschirm seines PCs und tippte etwas auf der Tastatur herum. Er würdigte seine Gäste keines Blickes.
      Und Anya musste zugeben, ihn sich anders vorgestellt zu haben. Wenn man sich Alastair so ansah, vermutete man, dass alte Dämonenjäger kaum noch als Menschen zu erkennen waren, doch Alector besaß bis auf eine Narbe, die quer über seiner rechten Augenbraue verlief, keinerlei sichtbare Kampfspuren. Sein Haar war bereits zu einem ärmlichen, grauen Kranz verkommen, was er durch einen gut gepflegten, kurz geschnittenen Vollbart kompensierte.
      „Ihr seid also die beiden, die meine Jungs in Gefahr bringen wollen“, sagte er dann endlich und sah Anya ruckartig scharf in die Augen.
      Die stierte unverfroren zurück. „Bingo, Opa!“
      „Sie sind alt genug um selbst zu entscheiden und wenn sie dir helfen wollen, wird das seine Gründe haben“, reagierte er kratzbürstig, „aber gutheißen tue ich das nicht. Beeilt euch mit dem, was auch immer ihr vorhabt und verschwindet dann. Und wenn es zu einem Kampf kommt, dann gefälligst weit weg von hier.“
      Damit richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf die Arbeit.
      „Ich muss noch etwas mit dir besprechen“, sagte Matt und warf Zanthe aus den Augenwinkeln einen undeutbaren Blick zu, „ihr könnt schon mal in die Küche gehen, es gibt gleich Abendbrot. Al wird euch alles zeigen.“

      ~-~-~


      Wenig später hockten Anya und Zanthe an einem kleinen Tisch in der zu einem großen Saal ausgebauten Küche des Waisenhauses. Die Blonde und der Werwolf saßen Alastair und Matt gegenüber, an den beiden Spitzen die Erzieherinnen, eine im mittleren und eine im gehobenen Alter. Sie machten einen freundlichen Eindruck und fragten die Neuankömmlinge über alles Mögliche aus, insbesondere ihre Verbindung zu Matt.

      Anya warf einen Blick herüber zu den anderen Tischen, wo die lärmenden, für sie furchtbar nervigen Gören saßen. Drei jener langen Tafeln gab es für die Brut und wenn Anya bedachte, dass dieser Speisesaal nur halb so groß wie die Kantine der ehemaligen Livington High war, dafür aber randvoll, mussten hier doch bestimmt 60 bis 70 Kinder leben.
      „Ich habe dein Problem mit Alector besprochen“, sagte Matt an Zanthe gerichtet.
      Der saß vor seiner dünnen Gemüse-Suppe und bemühte sich, ein wenig davon hinunter zu würgen. Anya verstand, warum ihm das so schwer fiel, der Fraß war scheußlich. Zanthe legte den Löffel in den Teller und fasste sich an die Stirn, rieb sie sich, als habe er Kopfschmerzen. „Was sagt Daddy?“
      „Du lebst noch“, merkte Matt spitz an, „heute Nacht wird er dich in den Wald begleiten. Hier gibt es viel Wild.“
      Zanthe nickte verständig, wissend, dass Matt nicht zu viel wegen der beiden Damen am Tisch sagen durfte. Auch Anya kapierte es. Alector würde sozusagen mit dem Flohpelz Gassi gehen.
      „Benimm' dich“, riet der jüngere Ex-Dämonenjäger seinem Gegenüber. Dann wandte er sich an Anya. „Du solltest morgen nicht mit ihm rechnen, wenn es los geht. Ich werde heute noch ein paar Sachen vorbereiten. Das Ganze wird am Nachmittag stattfinden, in einer verfallenen Holzfällerhütte in der Nähe.“
      „Was denn?“, fragte die ältere Erzieherin sofort neugierig, woraufhin Anya genervt aufstöhnte und sich unter dem lauten Gequassel der Kinder wieder ihrer Suppe widmete.

      Wenig später hatte Alastair den beiden ihr Schlafquartier gezeigt, welches sich als der Dachboden des Hauses entpuppte. Dieser war entsprechend eng und statt Betten, mussten die beiden mit Schlafsäcken auskommen, da schon die Kinder zu zweit oder gar zu dritt in Ersteren nächtigen mussten, weil es nicht genug für alle gab.
      Anya hatte sich bereits umgezogen und lag in ihrem Schlafsack, hielt die Hand vor die Augen, da sie direkt in die über ihr hängende Glühbirne starrte, die sie strahlend 'anlächelte'.
      „Wir sind echt nicht willkommen, huh?“
      „Was erwartest du?“, fragte Zanthe, der sich wegen der bevorstehenden Jagd nicht umzog. Er hockte auf einer der herumstehenden Kisten, in denen er kaputtes Spielzeug entdeckt hatte. „Ich bin ein Werwolf und die drei sind Aussteiger. Den roten Teppich rollen sie für diejenigen aus, die Kinder adoptieren.“
      Was wohl nicht sehr oft vorkam, wie Anya aus den Gesprächen während des Abendbrots entnommen hatte.
      „Nein, von der ersten Minute an“, meinte sie ärgerlich, „Summers hat sich verändert. Als ich ihn kennenlernte, war er naiv und gutmütig.“
      „Vielleicht hast du ihn einfach zu oft ausgenutzt?“, stichelte Zanthe.
      Die Blonde drehte sich zur Seite, weg vom Nervtöter. Sie legte die Hände unter ihren Kopf und rümpfte die Nase. „Hmpf, dann soll er mir das ins Gesicht sagen. Und jetzt will ich schlafen, Nacht!“
      Der junge Mann mit dem Kopftuch auf seinem Haupt seufzte theatralisch. „Wenigstens ist deiner nicht total blind.“
      „Meiner!?“ Anya wirbelte alarmiert wieder herum und sah herüber zu Zanthe. „Wer?“
      „Na Matt. Ach gib doch zu, dass du auf ihn stehst. Wie du ihn die ganze Zeit ansiehst und tatsächlich verletzt von seinem Verhalten bist, wo gibt es das bei dir schon? Der muss was Besonderes für dich sein.“
      Was der junge Mann in diesem Augenblick beobachten konnte, war ein Schauspiel, für das jeder andere mit dem Leben bezahlt hätte. Anya lief knallrot an und brachte vor Schreck kein Schimpfwort heraus.
      „Bei dir hackt's wohl!“, stotterte sie und zeigte unverhohlen mit dem Zeigefinger auf ihn. „Schieß' nicht von mir auf andere! Du bist scharf auf die Narbenfresse, nicht ich auf Matt!“
      Zanthe korrigierte sie spitzzüngig: „Es heißt 'schließ nicht von dir auf andere', werte Anya. Und ja, bin ich. Aber bis der bemerkt, dass ich mich mit ihm unterhalten will, sind die Kinder hier Rentner. Ich sag dir, der ist garantiert noch Jungfrau!“
      Anya wirbelte sofort wieder herum und zog die Decke über den Kopf. Denn jetzt war der Punkt erreicht, wo jedes weitere Wort die Sache nur noch schlimmer machen könnte. Allein der Gedanke, dass Big Al … brrr!
      „Bist du noch Jungfrau?“
      Shit!

      ~-~-~


      Anya stöhnte und streckte sich erstmal ausgiebig in ihrem Schlafsack, ehe sie ihren Oberkörper aufraffte. Irgendwas hatte sie geweckt, wahrscheinlich dieses ätzende Kindergelächter draußen. Es war schon hell, wie ein Blick aus dem Fenster des Dachbodens verriet.
      Sie erinnerte sich. Zanthe war kurz nach dem peinlichen Gespräch von Alector abgeholt worden. Neugierig drehte sie sich um, doch er lag nicht in seinem Schlafsack. Ob er schon zurück war?

      Nachdem sie sich umgezogen und im von Kindern überfüllten Bad frisch gemacht hatte, schlenderte sie die Treppe hinunter in das große Wohnzimmer, wo sich die Waisen am Tage über hauptsächlich aufhielten. Matt spielte mit dreien ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Match, ließ dann aber einen anderen Knirps für sich einspringen, als er Anya bemerkte.
      „Komm mal mit“, meinte er und manövrierte sie etwas abseits der allgegenwärtigen Ohren des Hauses in eine Ecke hinter einem Schrank voller Bücher.
      „Hör mal“, fing er an und packte sie dabei am Oberarm, was Anya als äußerst unangenehm empfand. „Wir werden diesen Drazen nur für dich beschwören, wenn du versprichst, dass er nicht stirbt, nachdem wir ihm die Karte abnehmen.”
      Anya schlug überrumpelt von der Forderung seinen Arm weg. „Hey, mach mal halblang! Der Flohzirkus lebt doch auch noch, oder nicht?“
      Matt nickte, hatte ihre Aussage ihm den Wind aus den Segeln genommen. „Schätze schon.“
      „Hier.“ Anya holte aus der Innentasche ihrer schwarzen Weste – eine noch recht neue Errungenschaft, die sie heute zum ersten Mal trug – eines der Ersatzpaare dieser Handschuhe, die der Sammler ihr gegeben hatte. „Die wirste brauchen.“
      „Was ist das?“, fragte Matt und nahm das Paar entgegen.
      „Mit denen kannst du die Karte für mich krallen. Irgendwie sind die mit den Originalen verbunden, also denen, die ich benutze. Für den Fall, dass ich nicht dazu komme mich mit diesem Spinner anzulegen, kannst du damit einspringen.“
      „Also bleibt es an mir kleben?“ Matt runzelte die Stirn.
      „Nur, wenn du ihn vor mir in die Finger kriegst! Aber Nick meinte, du wärst besser dafür geeignet als ich“, erwiderte Anya grimmig. „Frag mich nicht, was im Kopf dieses Spinners manchmal vor sich geht.“
      Nachdenklich betrachtete er die weißen, fingerlosen Handschuhe mit den goldenen Nähten. „Wenn du meinst. Irgendwann nach dem Mittagessen geht es los. Wir fahren beide zur Hütte. Al ist bereits dort und bereitet schon mal alles vor, damit wir nachher nur noch die Verse sprechen müssen.“
      „Zwei Fragen. Erstens: sind Alector und der Trottel schon zurück? Und Nummer zwei: Mittagessen? Was ist mit Frühstück!?“
      Ein schelmisches Grinsen zierte Matts Lippen, als er sich ihrer Ahnungslosigkeit bewusst wurde. „Sorry Anya, aber das Frühstück gab's schon vor zwei Stunden. Wenn du nicht aus den Federn kommst, hast du Pech gehabt.“
      Sich still und heimlich an ihrer entgeisterten Miene ergötzend, fügte er noch hinzu: „Alector ist schon zurück. Dein Freund schläft im Schuppen und kuriert sich aus.“
      Die Blondine sah ihn schräg an. „Kuriert was aus?“
      „Wenn Werwölfe jagen und sich verwandeln, haben sie hinterher etwas, das einem Kater gleicht. Ihnen ist übel und dergleichen.“ Matt seufzte. „In dem Zustand sollte man sie in Ruhe lassen, da es passieren kann, dass sie die Kontrolle verlieren, wenn sie bestimmten Reizen ausgesetzt werden.“
      „Wird der Flohzirkus denn fit sein, wenn wir los wollen?“
      „Vielleicht. Das sehen wir später.“
      Turn 47 – Trial And Error: Part II
      Nach dem Mittagessen, das für Anya vor allem darin bestand, fliegenden Kartoffeln auszuweichen, fuhren sie, Matt und Zanthe los. Letzter hatte sich in letzter Minute zurückgemeldet, erschien aber immer noch blass um die Nase und dazu chronisch abwesend.

      Matt fuhr sie über eine schmale Straße ein ganzes Stück weit in den Wald, ehe er schließlich vor der verlassenen Holzfällerhütte Halt machte. Die Drei stiegen aus dem VW-Bus und wurden bereits von Alastair empfangen, der sich extra zur Feier des Tages in seinen roten Mantel geworfen hatte, genau wie es Matt mit seinem schwarzen tat.
      „Ich hoffe du weißt, was du da tust“, knurrte er, wobei die unterschwellige Drohung durchaus von Anya nicht unbemerkt blieb. Nur zeigte sie sich davon herzlich wenig beeindruckt. Äußerlich.
      Sie betrachtete stattdessen lieber die Stämme, aus denen die Hütte gemacht war, als ihm ins Gesicht zu sehen. Wie konnte sie ihm auch ihre Zweifel äußern ohne zu riskieren, dass er und Matt einen Rückzieher machten? Natürlich war sie unsicher. Wer half schon gerne dem Sammler und dann auch noch in einer so umfangreichen Art und Weise?
      „Na sicher tu ich das“, erwiderte Anya schließlich gespielt selbstbewusst.
      „Mir ist übel“, jammerte Zanthe derweil und stützte sich mit einer Hand am Wagen ab.
      „Du hättest nicht mitkommen brauchen“, rügte Matt ihn, „bleib lieber zurück, die Schwingungen der Beschwörung könnten es noch schlimmer machen.“
      Der junge Mann mit dem blauen Kopftuch winkte ab. „Ne, schon gut. Ich bin hart im Nehmen.“
      „Dann jammere gefälligst nicht 'rum“, motzte Anya und betrat als Erste die Holzfällerhütte.

      Das Innere war komplett leergeräumt. Das war auch gut so, in Anbetracht der Tatsache, dass Alastairs mit weißer Kreide auf die Dielen gezeichneter Bannkreis den Großteil des verfügbaren Platzes beanspruchte. Um den Kreis herum hatte er fünf noch nicht angezündete Kerzen aufgestellt, von denen ausgehend er mit roter Kreide ein Pentagramm gezeichnet hatte, dessen Inneres den weißen Kreis beherbergte. In jedem der Zacken hatte er mehrere Runen eingefasst.
      „Was ist das?“, fragte Zanthe.
      „Nun, das wirst du vielleicht noch sehen.“ Matt wandte sich an Alastair. „Wie lief der Test?“
      Alastair verzog seinen Mund zu einem, dank der Narben, schiefen Grinsen. „Funktioniert selbst jetzt noch.“
      „Sehr gut“, nickte sein Partner. „Denselben Fehler wie beim Sammler damals machen wir nicht nochmal.“
      Anya trat neben ihn. „Welchen?“
      „Ihn zu unterschätzen …“

      Damit schritt Matt in die andere Ecke des Raumes, wo ein dicker Wälzer lag. Anya erinnerte sich, das war vermutlich das Grimoire, welches Urila einst für ihre Zwecke gestohlen und missbraucht hatte. Im Grunde genommen konnte man es als eine Art Wikipedia für Dämoneninfos und Zaubersprüche bezeichnen. Selbst über den Turm von Neo Babylon standen ein paar Sachen drin, wenn auch viel zu wenig, um aufschlussreiche Einblicke zu liefern. Aber wer weiß, vielleicht hatte einer der beiden dazu etwas nachgetragen?
      Matt bückte sich nach dem aufgeschlagen Grimoire und drehte sich zu den anderen um.
      „Ich werde jetzt den Beschwörungstext rezitieren. Danach sollte Drazen auftauchen. Nick hat mir mitgeteilt, dass dieser Mann wohl in der Lage ist, sich nach Belieben überall hin zu teleportieren.“
      „Und wie kriegen wir ihn dann?“, fragte Anya skeptisch. „Ich mein, der haut doch sofort ab.“
      Der junge Dämonenjäger lachte leise auf. „Wer weiß, vielleicht gar nicht? Das kommt auf einen Versuch an.“
      „Dazu muss er aber erstmal den 'Anruf' annehmen, richtig?“, fragte Zanthe an Alastair gerichtet, doch zu seiner Enttäuschung nickte der bloß unter einem zustimmenden Brummen, während er die Kerzen mit einem Feuerzeug anzündete, statt lobende Worte zu spendieren.
      „Das ist die größte Hürde“, sagte Matt, „also dann, nehmen wir sie.“

      Er drehte sich zu dem Bannkreis um und begann einen Text zu rezitieren, von dem Anya vermutete, dass er auf Latein verfasst sein musste. Ein Fach, das sie in der High School wohlweislich gemieden hatte und wenn sie ihn so anhörte, wusste sie auch wieso.
      Abwartend starrte sie mal in den Bannkreis, mal aus dem eingeschlagenen Fenster zu ihrer Rechten hinaus in den dichten Wald. Gott, wenn das nicht funktionierte, war sie sowas von am Arsch. Sollte der Typ nicht kommen, war er sicher vorgewarnt und ihn dann zu finden … Anya konnte sich nicht vorstellen, wie das gehen sollte.

      „Okay“, sagte Matt und schlug den Wälzer zu, „jetzt müssen wir warten.“
      „Tch, und wie lange?“
      „Das letzte Mal hat es einen Moment gedauert“, erwiderte er auf Anyas hibbelige Frage.
      Alastair, im Gegensatz zur Beschwörung des Sammlers dieses Mal unbewaffnet, lehnte sich an die Wand und schnaubte verächtlich. „Ich kann nicht glauben, dass ich dir helfe, Mädchen.“
      „Immerhin bin ich nicht mehr die Schlangenzunge, huh?“, erwiderte die giftig.
      „Nein.“ Der Hüne sah sie aus den Augenwinkeln aufmerksam an. „Ich denke, ich muss mich bei dir entschuldigen.“
      Das machte die Blonde hellhörig. Sie kratzte sich am Hinterkopf und fragte: „Wofür?“
      „Dafür, dich ins Unheil gestürzt zu haben. Matt hat mir erzählt, was der Collector dir angetan hat. Wäre ich nicht gewesen und hätte damals versucht, dich umzubringen, hättest du nie einen Pakt mit Levrier geschlossen und wärst nun der Spielball dieses Teufels.“
      Anya sah plötzlich betreten zur Seite. „Entschuldigung angenommen. Stimmt, du bist schuld, aber ich hab dich damals im Turm verarscht und wollte dich opfern. Dann sind wir quitt, okay?“
      Ein Nicken der anderen Seite zusammen mit einem zustimmenden Raunen bezeugte den nun endgültig beigelegten Krieg der beiden, was Matt mit einem zufriedenen Lächeln hinnahm. Was Anya nicht unentdeckt blieb, woraufhin sie die Vermutung anstellte, dass der Schwarzhaarige seinem Kumpel wohl gestern ordentlich ins Gewissen geredet haben musste.
      Und ganz ungewollt verließ ein Gedanke ihre Lippen. „Aber eigentlich ist es okay. Wenn es nicht mich getroffen hätte, dann bestimmt jemand anderes. Levrier hätte sich einen anderen gesucht. Bei mir weiß man wenigstens, dass ich am Ende heil rauskomme. Hat einmal geklappt, wird wieder klappen.“
      „Das wirst du“, sagte Matt, „dafür sorgen wi-“

      Grelles Licht begann von dem Bannkreis auszugehen und unterbrach ihn. Stattdessen rief er nun aufgeregt: „Er hat geantwortet!“
      „Kommt er!?“, wollte Anya wissen und hielt sich wie die anderen einen Arm vors Gesicht.
      „Na wonach sieht's denn aus?“, fragte Zanthe bissig. Dann begann er unvermittelt zu würgen und tat etwas, bei dem die anderen sich bewusst abwandten.
      „Nicht nach dem, was ich erwartet hatte …“
      Die Vier senkten die Arme, als das Licht verblasste. Im Bannkreis stand er, ein in die Jahre gekommener, hoch gewachsener Mann, der diese Worte gesprochen hatte. Weißes, langes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden, trug er einen orange-roten Poncho und sah seine Gegenüber neugierig aus seinen Brillengläsern an.
      „Eine merkwürdige Gruppe“, schien er ganz in einem Selbstgespräch versunken, „zwei Grünschnäbel, ein Werwolf und … oh, du gefällst mir.“
      Anya klappte die Kinnlade hinunter, als er sie direkt ansprach. Dann knirschte sie entnervt mit den Zähnen. „Oh na großartig, ein notgeiler Opa! Dir werd' ich den Arsch bis zum Nacken aufreißen, du-!“
      „Sind Sie Drazen?“, übertönte Matt Anya, obwohl er die Antwort kannte.
      Mit der brüstete der Alte sich auch. „Der einzig wahre.“
      „Wir wollen-!“

      Puff. Er war verschwunden, ehe Matt auch nur seinen Satz hatte zu Ende bringen können. Einfach weg, als wäre er nie da gewesen.
      „Scheinbar interessiert ihn nicht, was wir wollen“, erhob sich Zanthe aus seiner gebückten Haltung und wischte sich über den Mund.
      „Das wird es“, knurrte der Schwarzhaarige nun gereizt und zog aus der Brusttasche seines Mantels eine weiße Karte hervor – und war einen Moment später ebenfalls wie vom Erdboden verschluckt.
      Und Anya stand da und glotzte wie eine Kuh wenn's donnert. „Was zum Geier geht denn hier ab!?“
      Das Lachen des Hünen reizte sie dabei nur noch mehr. Er sagte: „Matts Plan …“

      ~-~-~


      Eine Lichtung, sie war nur wenige Schritte von ihm entfernt. Wie weit die Holzfällerhütte jetzt weg war, wusste Matt nicht. Was er aber wusste war, dass der Mann, welcher mit dem Rücken zu ihm gewandt seelenruhig auf der Stelle verharrte, diesen Wald nicht so schnell verlassen würde wie ihm lieb war.
      „Oh, ich hätte schwören können, dass ich nach Madrid wollte“, wunderte sich Drazen lauthals.
      „Hier ist Endstation“, erklärte Matt, „als Sie der Beschwörung geantwortet haben und erschienen sind, haben Sie automatisch einen Zauber aktiviert, der Sie in einem Umkreis von zwei Kilometern festhält.“
      „Und du hast mich sofort gefunden?“
      Matt trat aus dem Schatten eines Baums hervor. „Natürlich wurde dabei gleichzeitig ein Markierungszauber freigesetzt. Selbst wenn Sie sich jetzt hin und her teleportieren würden, ich könnte Ihnen problemlos überall hin folgen.“
      Es hatte ihn die ganze Nacht gekostet, die dafür nötigen Zauber herzustellen, aber scheinbar hatte es sich bezahlt gemacht. Alastair hatte gute Arbeit geleistet, die Siegelkarten innerhalb des ganzen Waldes an den Knotenpunkten anzubringen, was ein notwendiges Übel war, da diese Art von Zauber nur großflächig funktionierte und eigentlich für ganz andere Zwecke gebraucht wurde.
      Matt hoffte nun, dass keine bösen Überraschungen auf ihn warteten.

      Der weißhaarige Mann im Poncho drehte sich langsam um. Als er Matt aus der Ferne der Lichtung gegenüber stand, wirkte er keinesfalls beunruhigt oder angespannt, im Gegenteil, er lächelte vergnügt.
      „Für dein Alter bist du ziemlich gewitzt“, lobte er den Ex-Dämonenjäger, „das alles auf die Beine zu stellen. Du weißt scheinbar ziemlich gut über mich und meine Fähigkeiten Bescheid.“
      Matt verharrte verkrampft auf der Stelle. „Wir hatten einen guten Informanten.“
      „Ich möchte wetten, das war der junge Mann von damals. Rick? Nein, nein, Nick!“

      Matt zog erstaunt die Augenbrauen an. Nick und dieser Drazen kannten sich? Das hatte Anya ihm nicht erzählt. Aber jetzt, wo er darüber nachdachte, natürlich! Diese ganzen Daten, die hatte Nick ihnen bereit gestellt.
      Langsam ergaben die Puzzlestücke ein großes Ganzes. Nick musste ihn von früher kennen und daher um seine Kräfte wissen. Deshalb schien Anya auch keine andere Wahl gehabt zu haben, als sich an ihn und Alastair zu wenden, denn jemanden wie Drazen konnte niemand so einfach aufspüren, auch Nick nicht.
      Bloß woher kannten sich die beiden? Wollte Nick womöglich nicht, dass ihre Verbindung entlarvt wurde und war deshalb zuhause geblieben?
      Die Stirn runzelnd, atmete Matt tief durch. Dieser Kerl war ihm wirklich ein Rätsel. So zu tun, als wäre er minderbemittelt und insgeheim mit Leuten von Drazens Schlag verkehren? Andererseits, stille Wasser waren tief und schmutzig …

      Aber erst einmal hatten andere Dinge Priorität. Nebenbei streifte er sich die Handschuhe über, die er von Anya erhalten hatte. Dabei begriff er auch, dass Nick diesen Ausgang offenbar vorgesehen oder gar beabsichtigt hatte. Es war einerseits nur nachvollziehbar, denn Anya war nicht dazu imstande, Drazen überhaupt zu folgen. Und dennoch vermutete Matt noch einen anderen Hintergedanken dabei, ohne jedoch die genaue Richtung benennen zu können, in die jener gehen könnte.

      „Also“, begann Matt und hob den Arm, an dem sein D-Pad befestigt war, ließ das Gerät leise zischend ausfahren, „Sie wissen bestimmt, was ich von Ihnen will.“
      „Natürlich“, erwiderte Drazen freundlich und hob den rechten Arm unter dem Poncho hervor, an dem eine Duel Disk im Stil der Duellakademien befestigt war, „jetzt, wo ich nicht mehr wegrennen kann, habe ich wohl keine Wahl, als mich hierauf einzulassen. Ihr Kids werdet immer verrückter, was eure Sucht nach Duellen angeht.“
      Matt verengte die Augen zu Schlitzen. „Tun Sie nicht so.“
      „Was meinst du?“, kam es unbeschwert als Antwort.
      „Beschwörungszauber funktionieren bloß, wenn das Ziel einwilligt.“
      „Ist das so? Das wusste ich gar nicht. Ha ha, selbst im Alter lernt man noch dazu.“ Der Alte rieb sich den Kopf verlegen. „Wie peinlich. Hätte ich das gewusst …“
      Derweil seufzte Matt leise. Von wegen! Jemand von seinem Kaliber wusste ganz genau von solchen wichtigen Details, dessen war er sich sicher. Er hatte bewusst auf den Ruf geantwortet. Natürlich konnte er vorher nicht wissen, wer ihn gerufen hatte. Aber als jemand, der nie lange an einem Ort verweilt und Kontakte mit anderen meidet, auf so etwas zu antworten? Das musste einen Grund haben. Matt gefiel das alles nicht.

      Im Wald war es unter dem Mantel des unsichtbaren Bannkreises mucksmäuschenstill. Diese Stille wurde gestört, als Drazen seine Duel Disk ausfahren ließ. „Nun denn, es ist nicht mehr zu ändern. Duellieren wir uns, in Ordnung? Wenn du gewinnst, erhältst du, was du so sehr begehrst.“
      „Ich tue das nicht für mich“, stellte Matt klar, „sondern weil ich es jemandem versprochen habe.“
      „Meinst du damit das freche Huhn? Oder etwa … du weißt schon, das Geheimnis, das du vor allen zu verbergen versuchst.“
      Matt zeigte keine Regung.
      „Keine Sorge, meine Lippen sind versiegelt. Aber du weißt, dass dir -das- nichts Gutes bringen wird, oder? Dass das ein sehr gefährlicher Pfad ist.“
      Der junge Mann hielt dem Blick seines Gegners fest stand. „Ich weiß nicht, was Sie meinen.“
      Obschon sie einander nicht kannten, spürte Matt die Besorgnis förmlich, die ihm entgegen gebracht wurde, ging dennoch nicht weiter auf Drazens Worte ein.
      „Beginnen wir doch einfach“, schlug dieser letztlich vor, „vielleicht ergibt sich noch die Chance, uns gegenseitig auszutauschen.“
      Matt löste seine Fixierung auf sein Gegenüber und so riefen beide im Chor: „Duell!“

      [Matt: 4000LP / Drazen: 4000LP]


      Beide zogen fünf Karten von ihren Decks.
      „Möchten Sie den ersten Zug machen?“, bot Matt an.
      Die Geste erstaunte seinen Gegner. „Oh? Das ist sehr zuvorkommend von dir. Da nehme ich doch gerne an.“
      Sogleich zog Drazen auf. Es erstaunte Matt, dass jener gar nicht erst irgendwelche Hintergedanken vermutete. Welche es im Übrigen tatsächlich nicht gab. Der junge Mann wusste selbst nicht genau, warum er diese Offerte gemacht hatte. Etwa um Drazens Worte zu entkräften?
      „Dann setze ich dieses Monster und dazu eine Karte verdeckt“, meinte dieser und legte beide auf beziehungsweise in seine Duel Disk ein. Surrend materialisierte sich vor seinen Füßen in vergrößerter Form eine vertikal nach unten gerichtete Karte und direkt vor jener noch eine horizontal liegende, ebenfalls mit dem Bild nach unten zeigend.

      Matt griff nach seinem Deck und zog. Ein kalter Schauder überkam ihn, als er die Karten in seiner Hand ansah.
      „Stimmt“, murmelte er.
      Seit damals auf dem Hinterhof jenes Bestattungsunternehmens hatte er sich nicht mehr duelliert. Sein altes Deck war fast vollständig fort, jetzt besaß er nur noch diese Karten – die Evilswarm. Es bereitete ihm großes Unbehagen, sich jetzt wieder mit diesen bösartigen Karten duellieren zu müssen. Trotzdem, er hatte es versprochen. Also würde er das hier durchziehen. Zumal er sich ohnehin immer bewusst gewesen war, dass er früher oder später zu diesen Karten greifen würde müssen. Nun war der Tag gekommen.
      „Ich beschwöre [Evilswarm Heliotrope]!“, rief er laut aus und knallte jenen auf das D-Pad.
      Vor ihm tauchte ein finsterer Krieger in dunkelgrüner Rüstung auf, mit einem Schwert bewaffnet. In seiner Brust war ein unreiner Smaragd eingelassen – er war die vom Verz-Virus infizierte Version von Anyas [Gem-Knight Emerald]. Alle Monster in seinem Deck waren korrumpierte Kreaturen aus anderen Themendecks …

      Evilswarm Heliotrope [ATK/1950 DEF/650 (4)]

      Da Heliotrope ein normales Monster war, blieb Matt nur eins zu tun. „Greif sein verdecktes Monster an!“
      Sofort stürmte der Krieger los. Doch mitten auf seinem Weg schnellte etwas unter dem Boden hervor, mit dem der düstere Ritter zusammenstieß. Torkelnd wich er zurück, wobei Matt leise erschrak.
      „[Scrap-Iron Scarecrow]!“, benannte Drazen die Falle, die sich vor ihm erhoben hatte.
      Tatsächlich, das Ding, in das Heliotrope gerannt war, glich einer Vogelscheuche aus Müll. Zusammengesetzt aus einem Rohrgestell, einem Pilotenhelm und anderen Teilen.
      „Sie annulliert einen Angriff. Danach wird sie aber nicht auf den Friedhof geschickt, sondern setzt sich zurück auf mein Feld, wodurch ich sie in deinem nächsten Zug erneut aktivieren kann“, erklärte Drazen mit erhobenem Zeigefinger und grinste verschmitzt, „so hält man sich Feinde vom Leib.“
      Die Falle glitt zurück in ihre verdeckte Position.
      „Oh“, murmelte Matt verblüfft. Das versprach schwierig zu werden, wenn er dieses Teil immer wieder aktivieren konnte. „Ich gebe ab.“

      Drazen zog auf und runzelte argwöhnisch die Stirn. „Ich mag ja alt sein, aber nicht senil. Wieso hältst du dich zurück, Junge?“
      „Ich halte mich nicht zurück, ich warte nur ab“, erwiderte Matt.
      Der skeptische Blick seines Gegners sprach Bände. „Wenn du meinst. Es wäre wirklich schön, wenn dies ein spannendes Duell wird. Aber vielleicht müssen wir dich erst auftauen. Probieren wir es hiermit!“
      Er nahm sein gesetztes Monster von der Duel Disk und ersetzte es durch ein anderes, das er diesmal offen spielte. „Ich führe eine Tributbeschwörung durch und rufe [Scrap Golem] aufs Feld.“
      Überrascht verfolgte Matt mit, wie diverse, in ihrer Größe stark abweichende Schrottteile durch die Luft flogen und einen zwei Meter großen Golem bildeten. Dessen Körper bestand aus einem alten Kühlschrank, die Arme wiederum aus Schläuchen mit darin mündenden Ventilatoren. Der Kopf schließlich war nichts weiter als eine alte Mikrowelle.

      Scrap Golem [ATK/2300 DEF/1400 (5)]

      „[Scrap Golem] besitzt einen interessanten Effekt, den ich dir nicht vorenthalten möchte“, verkündete Drazen fröhlich, „einmal pro Zug kann er ein kleinstufiges Scrap-Monster reparieren. Dabei kann ich wählen, auf welche Spielfeldseite es beschworen wird.“
      Er griff nach seinem Friedhofsschlitz und zog das geopferte Monster von dort hervor, [Scrap Searcher]. Und ehe Matt sich versah, wurde es in seine Richtung geworfen, sodass der junge Mann es zwischen Mittel- und Zeigefinger auffing. In der Zwischenzeit begann es im Inneren des Golemkühlschranks mächtig zu rumoren.
      „Ich bekomme es?“
      „Ja“, nickte Drazen und grinste schelmisch, „im Angriffsmodus.“
      Mit Unbehagen legte der Ex-Dämonenjäger die Karte auf sein D-Pad. In dem Moment klappte die Tür des Golems auf und ein aus Schrott bestehender Vogel mit mehreren Scheinwerfern am ganzen Leib flog auf Matt zu, wobei er mit ihnen die Gegend absuchte – und [Evilswarm Heliotrope] entdeckte.

      Scrap Searcher [ATK/100 DEF/300 (1)]

      „Oh, eins solltest du wissen. [Scrap Searcher] zerstört, wenn er spezialbeschworen wird, alle Monster seines Besitzers, die nicht wie er aus Abfällen bestehen.“
      Matt erschrak, als der Vogel seine Flügel spreizte und von dort in alle Richtungen scharfe Metallstücke abfeuerte, die nicht nur [Evilswarm Heliotrope] zerfetzten, sondern auch in den umstehenden Bäumen und im Moos stecken blieben.
      „Verdammt!“
      „Das ist doch gut geworden“, meinte Drazen im Kontrast dazu zufrieden, „dann kann ich ja jetzt unbekümmert angreifen. [Scrap Golem], vernichte deinen Kumpel!“
      Stampfend kam das Müllmonster auf Matt und dessen unfreiwilligen neuen Freund zu. Ein Schlag mit der Ventilatorenfaust reichte aus, damit der Vogel in alle Einzelteile zersprang. Einige davon zischten an Matt vorbei, der überall am Körper getroffen wurde.
      „Argh!“, schrie er und wurde zurückgeworfen, landete auf dem Rücken.

      [Matt: 4000LP → 1800LP / Drazen: 4000LP]


      Seine ganze Kleidung war zerfetzt, durchtränkt von dem Blut der Schnittwunden, die sich auch in seinem Gesicht wiederfanden.
      Drazen seufzte. „Tut mir ja leid für dich, aber du hättest wissen müssen, dass ich mich wehren werde.“
      Sein Gegner raffte sich auf und wischte sich etwas Blut direkt unter seinem linken Auge mit dem Handrücken ab. „Kein Problem. Um ehrlich zu sein werde ich das Gefühl nicht los, dass wir die Bösen sind.“
      „Das … liegt wohl, wie so vieles, im Auge des Betrachters.“ Der weißhaarige Mann schloss die seinen. „Zu wissen, was irgendwann geschehen muss, reicht leider nicht. Ich wüsste gern, was -er- vorhat. Du bist am Zug, Junge.“

      Matt riss förmlich die nächste Karte von seinem Deck und hielt inne. Dieser Kerl, der da so mitten auf der Lichtung stand, fast schon schicksalsergeben … hatte er gewusst, dass irgendwann der Tag kommen würde, an dem man ihn wegen seinem Artefakt stellen würde?
      „Haben Sie absichtlich auf den Ruf reagiert, weil Sie wussten, wohinter wir her sind?“
      Drazen öffnete die Augen und lächelte mild. „Vielleicht?“
      „Warum?“
      „Warum nicht?“ Der alte Mann gluckste. „Hätte ja sein können, dass eine hübsche Dame die Jägerin ist.“
      Matt schüttelte den Kopf. Er sah schon, das führte wohl zu nichts. Offenbar hatte Drazen zwar seine Gründe, war aber nicht bereit sie zu teilen. Noch nicht.

      „Dann werde ich mal meinen Zug durchführen“, kündigte Matt an und betrachtete die Falle, die er nachgezogen hatte.
      Er wusste, dass er in der Klemme steckte. Drazens Golem würde nächste Runde wieder diese Kombo benutzen und ihm [Scrap Searcher] unterjubeln. Noch so einen Angriff würde er nicht überstehen. Also musste er das Monster loswerden. Dummerweise war da noch Drazens Vogelscheuche, mit der er seine Angriffe verpuffen lassen konnte.
      „Sie duellieren sich ziemlich gut“, musste Matt anerkennen, „vorausschauend und wenige Ressourcen verbrauchend. Das sieht man selten.“
      „Ich tue, was ich kann, immerhin willst du mir ans Leder“, lachte Drazen bärbeißig und schlug sich dazu auf die leicht hervorstehende Wampe.
      Der Jüngere grinste schlagartig. „Aber ich bin auch nicht ohne! Sehen Sie her! Ich beschwöre von meiner Hand [Evilswarm Mandragora] als Spezialbeschwörung, da Sie mehr Monster kontrollieren als ich. Und hinterher kommt [Evilswarm Thunderbird] als Normalbeschwörung!“
      Zunächst wuchs vor ihm eine kleine, braune Gestalt mit weißem Haar und Blattarmen aus dem Boden, anschließend gesellte sich neben dieser ein majestätischer, schwarzer Vogel, von dessen Schopf lange, tentakelartige Auswüchse abgingen.

      Evilswarm Mandragora [ATK/1550 DEF/1450 (4)]
      Evilswarm Thunderbird [ATK/1650 DEF/1050 (4)]

      Doch Matts Grinsen verging recht schnell. Stattdessen stand plötzlich Anspannung in seinem Gesicht geschrieben. Seine restlichen vier Handkarten ansehend, überlegte er, ob es noch einen anderen Weg gab. Aber dem war nicht so. Er musste es tun.
      „Ich erschaffe das Overlay Network!“ Damit streckte er den Arm in die Höhe. Ein schwarzer Wirbel tauchte inmitten des Feldes am Rand der Lichtung auf und sog seine beiden Monster als violette Energiestrahlen ein. „Aus meinen beiden Stufe 4-Schwärmern wird ein Rang 4-Monster! Erhebe dich, mächtiger Drache! [Evilswarm Ophion]!“
      Lautes Gebrüll trat aus dem Loch, aus dem ein pechschwarzer Drache geflogen kam. Einzig die Zwischenhäute seiner Flügel waren von eisigem Blau, was allerdings am Ansatz der Schwingen in blutiges Rot überging. Der lange Schweif des Ungetüms peitschte wild, als es vor Matt landete und gierig nach den beiden Lichtsphären schaute, die es umkreisten.
      „Oh, das ist ja …“, staunte Drazen.

      Evilswarm Ophion [ATK/2550 DEF/1650 {4} OLU: 2]

      „... stärker als Ihr Monster“, beendete Matt den Satz, obwohl er genau wusste, dass dies nicht war, was sein Gegner gemeint hatte.
      Der spürte es auch. Die lauernde Finsternis, die in jener Kreatur verborgen lag. Aber Matt wusste, dass sie harmlos war. Kontrollierbar. Alles war gut, solange er -es- nicht beschwor.
      „Effekt von Ophion“, rief der junge Mann und streckte den Arm passend dazu aus, „ich kann ein Xyz-Material abhängen und mir dafür eine Infestation-Karte vom Deck auf die Hand suchen. Expand Infection!“
      Eine der Sphären hinunterschluckend, spreizte der ehemals als Gungnir bekannte Drache seine Schwingen und ließ sie schwarze Wellen ausstrahlen. Matt zog eine aus seinem D-Pad hervorstehende Karte und zeigte sie sogleich vor.
      „Die gewählte Karte nennt sich [Infestation Pandemic] und ist ein Schnellzauber, der meine Schwärmer für diesen Zug immun vor Zauber- und Falleneinwirkungen macht!“
      Schwarze Partikel bildeten sich um seinen Drachen und schlossen ihn ein, als Matt die Karte aktivierte, sodass Ophion aussah, als wäre er ein riesiges Gebilde aus Asche.
      Drazen klatschte in die Hände. „Gute Arbeit!“
      „Danke!“, erwiderte Matt und schwang den Arm aus. „Jetzt kann Ihre [Scrap-Iron Scarecrow] den Angriff Ophions nicht blocken! Los, Absolute Infestation!“
      Der vollkommen verhüllte Drache öffnete sein Maul und schoss einen schwarzen, partikelartigen Strahl auf den Schrottgolem. In Wirklichkeit war dies aber kein Feuer, sondern Milliarden winziger Insekten, die nun die Oberfläche von Drazens Monster überzogen und es in Windeseile zerfraßen, bis die letzten Teile in sich zusammenfielen. Auch der alte Mann bekam einen Teil des Strahls ab und stöhnte, als er zur Seite auswich.

      [Matt: 1800LP / Drazen: 4000LP → 3750LP]


      „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“, sprach Matt zufrieden mit seinem Manöver und setzte die in diesem Zug nachgezogene Falle, „die hier verdeckt.“
      Nachdem sie sich vor seinen Füßen materialisiert hatte, merkte er noch an: „Sie sollten übrigens nicht versuchen, Ihren Golem zu reanimieren oder ähnliches. Denn solange Ophion Xyz-Material besitzt, können keine Monster der Stufe 5 oder höher spezialbeschworen werden. Das sollte Ihre Synchromonster vollkommen blockieren. Damit bin ich erstmal fertig.“
      Seine drei verbliebenen Karten festhaltend, atmete Matt tief durch. Gleichzeitig fielen die schwarzen Partikel von Ophion ab, der somit wieder normal war.
      „Das ist sehr ehrenhaft von dir, mich vorzuwarnen.“ Drazen schaute hinter seinen kugelrunden Brillengläsern freundlich hervor, doch es lag auch etwas Scharfes in seinem Blick. „Von dir könnte man sich glatt eine Scheibe abschneiden. Jemand, der seine Tugenden so offen trägt, als hätte er geradezu Angst, sie sonst zu verlieren …“
      Matt zuckte ob der spitzen Worte zusammen, sagte aber nichts dazu. Dachte sein Gegner etwa, das alles wäre nur Show, um vorbildlich zu wirken? Der junge Mann schnaubte. Er musste sich nicht rechtfertigen, für gar nichts!

      Drazen zog und betrachtete die neue Karte. Dann schmunzelte er und legte sie in seine Duel Disk ein, sodass sie verdeckt vor seinen Füßen neben der gesetzten [Scrap-Iron Scarecrow] erschien, womit er nun zwei verdeckte Karten besaß.
      „Dann rufen wir mal diesen Racker in den Ring. [Scrap Goblin]!“
      Aus umherfliegenden Schrottteilen bildete sich ein kleiner, maulwurfähnlicher Gefährte, welcher aus einer Kamera als Körper, einer Gabel als Arm, einem Wasserhahn als Kopf und vielen weiteren Gegenständen gemacht war.

      Scrap Goblin [ATK/0 DEF/500 (3)]

      „Nach dir“, sagte Drazen und fügte verschmitzt hinzu: „Oh, keine Sorge, ich will dich nicht zwangsläufig in eine Falle locken. Wenn du angreifst, wird deinem Monster nichts passieren, selbst wenn du meine Vogelscheuche umgehen kannst wie eben.“
      „Was soll das denn?“
      „Ich wollte mich nur für deine Ehrlichkeit revanchieren.“
      Matt wusste nicht, ob er dafür dankbar sein sollte oder nicht. Zwar glaubte er nicht, dass Drazen log, aber trotzdem fühlte er sich wie ein kleines Kind behandelt. Wenn dieser Kerl angeblich so gut Bescheid wusste, warum verhielt er sich nicht so? Es machte ihn wütend.

      „Draw“, nuschelte der Schwarzhaarige entsprechend gelaunt und ließ sogleich den Arm ausschwingen. „Falle aktivieren, [Infestation Infection]. Damit mische ich einen Schwärmer von meiner Hand oder Spielfeldseite in mein Deck und erhalte dafür einen anderen von dort.“
      Matt nahm eine seiner vier Handkarten, die auf den Namen [Evilswarm Obliviwisp] hörte und schob sie in sein Deck zurück, welches er anschließend aus der Halterung heraus zog und nach einer ganz bestimmten Karte absuchte. Diese zeigte er schlussendlich vor, nachdem alles erledigt war.
      „[Evilswarm Ketos], mach deine Arbeit …“
      Aus einer schwarzen Lache, die sich vor Matt ausbreitete, entstieg ein amphibisches Wesen auf zwei Beinen. Gekleidet in einer Mischung aus schwarzer Robe und Rüstung, schwang die Kreatur ihren Zauberstab.

      Evilswarm Ketos [ATK/1750 DEF/1050 (4)]

      „Bevor dieses Monster der Infektion anheim gefallen ist, hieß es [Gishki Shadow]“, erklärte Matt völlig zusammenhangslos, „wenn Sie also jemals einer jungen Frau namens Valerie Redfield begegnen, grüßen Sie sie von mir.“
      Drazen strahlte vergnügt. „Das war doch die Gastgeberin von diesem Abschlussball. Die war eine wahre Schönheit, mein Junge!“
      „Und sie würde Sie eiskalt abblitzen lassen“, erwiderte Matt gallig. „Genau wie [Evilswarm Ketos]. Den kann ich opfern, um eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zu vernichten. Sorry, aber die Erntezeit ist vorbei, weg mit der Vogelscheuche …“
      Ketos versank wieder in seiner dunklen Teerlache. Diese huschte wie ein Schatten über den Boden, hin zu Drazens [Scrap-Iron Scarecrow]. Direkt unter ihr schnellten aus der Lache die Hände Ketos' hervor, von denen die Falle ins Schwarze gezogen wurde, welches sich damit auflöste.
      „Oh“, jammerte Drazen und fasste sich an die Stirn, „zu dumm aber auch.“
      Matt schwieg und funkelte seinen Gegner böse an.
      „Nicht sehr glaubwürdig, oder?“, ließ der die Scharade daraufhin sein. Durch seine Finger sah er den jungen Mann neckisch an. „Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob du eine Herausforderung bist oder nicht. Irgendwie hat mir dieser Nick besser gefallen. Der war … härter und mehr bei der Sache.“
      „Seit wann ist das was Gutes?“, erwiderte Matt spöttisch. „Außerdem bin ich sehr wohl bei der Sache.“
      „Natürlich. Du legst gute Züge hin. Aber du tust es mit der Motivation eines altersschwachen Faultiers. Da fehlt eine gehörige Portion Pepp!“ Drazen ließ den Arm sinken. „Ist es die Angst?“
      „Nein. Es ist, weil ich keine Angst habe. Nicht vor Ihnen.“
      So sehr Matt hoffte, sich damit herausgewunden zu haben, so dumm kam er sich vor. Weil es stimmte. Ihm fehlte der Eifer, den er sonst immer an den Tag legte. Was nicht hieß, dass er das Duell nicht ernst nahm, aber …
      Er schüttelte den Kopf. Das konnte er noch später auswerten! So griff er nach seinem D-Pad und riss unter [Evilswarm Ophion] das letzte Xyz-Material hervor. „Effekt Ophions! Expand Infection!“
      Sein Drache schnappte nach der verbliebenen Lichtsphäre und schlang sie herunter. Was darin resultierte, dass er erneut dunkle Schwingungen aussende. Er würde den alten Mann beim Wort nehmen, dachte Matt und zeigte die vom Deck gesuchte Infestation-Karte vor. „[Mutual Infestation]! Sie verdoppelt die Angriffskraft eines Schwärmers bis zur End Phase!“
      Daraufhin begann der schwarze Drache violett aufzuleuchten. Seine neue Aura pulsierte regelrecht, als er sich vom Boden in die Lüfte abstieß.

      Evilswarm Ophion [ATK/2550 → 5100 DEF/1650 {4} OLU: 1 → 0]

      Matt schwang den Arm aus. „Dann los! Greife [Scrap Goblin] an und bringe mir den Sieg! Absolute Infestation!“
      Ophion lud in seinem Maul schwarze Energie auf, die er in gebündelter Form auf seinen winzigen Widersacher abfeuerte. Doch noch ehe der überhaupt getroffen wurde, zersprang er plötzlich in tausend Einzelteile – Drazen hatte seine gesetzte Karte, einen Schnellzauber namens [Scrapstorm] aktiviert.
      „Die hier ist sehr praktisch. Erst schickt sie ein Scrap-Monster vom meinem Deck auf den Friedhof“, sagte er und zeigte demonstrativ [Scrap Chimera] vor, die er entsorgte, „dann ziehe ich eine Karte und wenn alles getan ist, zerstört sie eines meiner Scrap-Monster.“
      Drazen hatte längst besagte Karte aufgezogen und der Strahl, der nun auf ihn gerichtet war, hatte ihn beinahe erreicht. „Oh ja und wenn Letzteres geschieht, wird [Scrap Searcher] auf mein Feld gerufen, denn er kommt immer wieder, wenn ein Scrap-Monster durch einen Karteneffekt zerstört wird. Sofern ich das will, versteht sich.“

      Scrap Searcher [ATK/100 DEF/300 (1)]

      Gerade noch rechtzeitig tauchte der Vogel vor ihm auf, um die Wucht des Angriffs abzufangen und gleich wieder das Zeitliche zu segnen.
      Er hatte nicht gelogen, dachte Matt, der nie wirklich damit gerechnet hatte, schon jetzt siegreich aus dem Duell zu gehen.
      Drazen zeigte plötzlich die [Scrap Chimera] vor, die er aus seinem Friedhof geholt hatte. „Darüber hinaus sollten wir auch nicht vergessen, dass [Scrap Goblin] mir einen seiner Brüder zurückgibt, sollte er durch einen Scrap-Karteneffekt zerstört werden.“
      Plötzlich stand der alte Mann also nicht mehr mit drei, sondern fünf Karten in der Hand da.
      „Jetzt kommen wohl die besseren Kombos, was?“, mutmaßte Matt.
      „Das Beste bekanntlich ja immer zum Schluss. Das ist die alte Schule.“
      „Wie wahr.“ Der Schwarzhaarige zog eine Falle aus seinen drei Handkarten hervor. Jetzt wurde es höchste Zeit, dass er sie setzte. „Die verdeckt. Damit bin ich durch, was bedeutet, dass alle Schwärmer durch den Nebeneffekt von [Mutual Infestation] in die Verteidigung gewechselt werden.“
      Was nicht unbedingt schlecht sein musste, wie sich Matt sagte, als sein Drache vor ihm landete und schützend seine Schwingen über Körper und Kopf legte.

      Evilswarm Ophion [ATK/5100 → 2550 DEF/1650 {4} OLU: 0]

      Unmittelbar zog Drazen auf und musterte den jungen Mann. „Nun, da dir offensichtlich immer noch die richtige Portion Ehrgeiz fehlt, werde ich das Tempo wohl etwas anziehen müssen.“
      Er legte seine [Scrap Chimera] auf die Duel Disk. Jene setzte sich aus Schrottteilen vor ihm zusammen und präsentierte sich als schwarzer, mechanischer Löwe mit Flügeln.

      Scrap Chimera [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      „Sobald [Scrap Chimera] als Normalbeschwörung gerufen wird, repariert sie einen Scrap-Empfänger und beschwört ihn auf meine Spielfeldseite.“ Drazen zeigte jenes Monster mit dem Anflug eines Grinsens vor. „Komm, [Scrap Goblin].“
      Der zuvor durch Drazens Suizidkommando zerfallene Goblin setzte sich aus den Einzelteilen zusammen, die überall auf der Spielfeldseite seines Besitzers verstreut waren.

      Scrap Goblin [ATK/0 DEF/500 (3)]

      „Da dein Ophion kein Xyz-Material mehr besitzt, kann ich [Scrap Breaker] von meiner Hand spezialbeschwören, denn du kontrollierst ja ein Monster“, setzte der Weißhaarige seinen Zug gut gelaunt fort, „aber das heißt auch, dass eines meiner Scrap-Monster im Anschluss zerstört wird.“
      Kaum war der Oberkörper eines verfallenen Riesenroboters vor Drazen erschienen, zerplatzte seine Schimäre in alle Einzelteile, ganz wie angekündigt.

      Scrap Breaker [ATK/2100 DEF/700 (6)]

      Matt runzelte die Stirn. Was sollte das alles? Sein Gegner hätte längst eine Synchrobeschwörung durchführen können, worauf wartete Drazen also? Vielleicht auf den mit Scheinwerfern bestückten Schrottvogel, der sich über Drazen materialisierte, nun da ein Scrap-Monster zerstört worden war?

      Scrap Searcher [ATK/100 DEF/300 (1)]

      Trotzdem leuchtete ihm nicht ein, warum Drazen ein Monster zerstört hatte, bei dessen Ableben er nichts gewann? Immerhin hätte er [Scrap Goblin] loswerden können, um ein Monster auf die Hand zu bekommen.
      „Ich fürchte, ich werde noch eines meiner Monster vernichten müssen“, erklärte Drazen derweil und zeigte ein weiteres Monster von seiner Hand vor, „denn ich spezialbeschwöre jetzt [Scrap Orthros], was dann möglich ist, wenn ich ein Monster aus Schrott kontrolliere. Allerdings muss ich im Anschluss ein solches auch zerstören.“
      Zwischen seinem Goblin und dem beinlosen, halb zerstörten Roboter erschien ein zweiköpfiger Hund, natürlich ebenfalls ganz aus metallischen Abfällen bestehend. Dieser fiel im Anschluss über den kleineren Goblin her, den er in Stücke riss.

      Scrap Orthros [ATK/1700 DEF/900 (4)]

      Matt konnte darüber nur den Kopf schütteln. Drazen beschwor ein Monster nach dem anderen, nur um anschließend welche zu zerstören? Worin lag da der Sinn?
      Aber er erkannte es, noch bevor Drazen zu erklären begann. [Scrap Goblin] recycelte seine Artgenossen, aber er hatte gewartet. Gewartet, bis ein attraktives Ziel vorhanden war … und welches Monster würde Drazen lieber wollen als-!?
      „Nun, da mein Kleiner durch einen Scrap-Effekt zerstört wurde, darf ich mir die [Scrap Chimera] von meinem Friedhof auf die Hand nehmen.“
      Der junge Mann runzelte die Stirn. Natürlich. Solange er die Schimäre besaß, konnte er spielend leicht neue Monster beschwören und weiß Gott was damit anrichten.
      Drazen schmunzelte zufrieden, offensichtlich froh, dass Matt von selbst dahinter gestiegen war und steckte seine Schimäre zu den anderen drei Handkarten.
      „Dein unzufriedener Blick verrät mir, dass ich dir meine Strategie nicht weiter erklären muss“, sagte er und klang dabei mit einem Schlag gar nicht mehr vergnügt, sondern bitterernst, „leider siehst du den Wald vor lauter Bäumen nicht, Junge. Ich zerstöre nicht nur, ich erschaffe auch.“
      Mit einem Ruck streckte er seinen Arm in die Höhe. „Ich stimme den Stufe 4-[Scrap Orthros] auf den Stufe 6-[Scrap Breaker] ein! A heart of iron rests within the void of time and space! One beat, powerful enough to reverse the laws of nature! Synchro Summon! Break loose, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]!“
      Der zweiköpfige Schrotthund nahm Anlauf und sprang in die Luft, dicht gefolgt vom schwebenden Stück Altmetall namens [Scrap Breaker]. Orthros zersprang in vier grüne Ringe, die jedoch mitten in der Luft eine Kehrtwende machten und statt die Synchrobeschwörung vor Drazen durchzuführen, über ihn hinweg flogen. Weit hinter dem alten Mann schaffte der [Scrap Breaker] es schließlich, die Lichtringe zu durchqueren und die Lichtung in ein gleißendes Feuerwerk an Effekten zu tränken.
      Als Matt beobachtete, was für eine Kreatur da im Begriff war zu entstehen, wurden seine Beine zunehmend weicher. In dem Moment begriff er, dass er das Duell tatsächlich ernster nehmen musste – denn über Drazen erhob sich ein Wesen epischen Ausmaßes. Bestimmt über fünfzehn Meter groß, strahlte das cyanfarbene Metall des Titans in der Abendsonne. Auf der Brust prangerte ein in Silber gehaltenes T, der Helm war mit vier Hörnern versehen, die so ineinander gewunden waren, dass man ihrem Lauf zunächst nicht folgen konnte, doch sie zeigten alle nach vorn. Doch die Fäuste übertrafen alles, denn sie waren mit elektrischen Entladungen an den Armen gekoppelt – und besaßen die Größe eines Lastwagens.
      „Da staunst du, was?“, gluckste Drazen, der allein die Füße seines Mechas um gerade einmal einen Kopf überragte. „Und du musst wissen, Heavy T erhält bis zur End Phase einen Angriffsbonus von 500 für jedes benutzte Synchromaterial.“
      Matt torkelte panisch zurück, als der gesamte Boden innerhalb der Lichtung an manchen Stellen aufbrach. Der Titan streckte seine Arme aus und ließ ganze Erdklumpen in die Höhe steigen, selbst einige Bäume im näheren Umfeld wurden entwurzelt. Vor dem Auge des Dämonenjägers schwebte der gefühlte halbe Wald.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4000 DEF/0 (10)]

      Das musste sie sein, erkannte Matt. Die Karte, die Anya brauchte! Ein Relikt von solch großer Macht, dass es ganz von alleine die Realität beeinflussen konnte – etwas, das Matt am ganzen Leibe spürte, eine Energie, die weit über das hinausging, was Drazen bisher an den Tag gelegt hatte. Aber er konnte sie nicht erfassen, begreifen, denn dafür waren Menschen nicht geschaffen.
      Welche Macht war imstande, etwas Derartiges zu kreieren? Matt wollte es sich nicht ausmalen.
      „Also bezieht Drazen seine Kraft von diesem Ding …“
      „Hast du gerade etwas gesagt?“, fragte jener in einem viel zu wissenden Tonfall, um tatsächlich unsicher bezüglich Matts Worte zu sein.
      Und doch schüttelte der den Kopf. „Nein.“
      Der weißhaarige Mann rückte seine runde Brille zurecht. „Wie du meinst. Du liegst natürlich vollkommen richtig, denn wie du bin ich nur ein Mensch und verfüge über keine eigenen Kräfte. Stattdessen lasse ich Heavy T die ganze spirituelle Arbeit machen. Oh, und wenn wir schon dabei sind, ich muss ja noch angreifen!“

      [Matt: 1800LP / Drazen: 3750LP]


      Als Reaktion darauf verkrampfte Matt und nahm einen Schritt zurück. „Da kommt er!“
      „Zeig dem Kleinen was du kannst, Heavy T! Effekt: Gravity Reverse! Zwinge seinen [Evilswarm Ophion] in den Angriffsmodus und zerstöre ihn!“
      Matt öffnete vor Schreck den Mund, als er das vernahm. Im selben Zuge streckte Heavy T eine seiner Handflächen aus, in der eine blaue Energiesphäre eingelassen war. Diese änderte ihre Farbe auf rot und ehe der ehemalige Dämonenjäger sich versah, wurde sein Drache regelrecht vor ihm weggerissen, direkt in Richtung des Titans.

      Evilswarm Ophion [ATK/2550 DEF/1650 {4} OLU: 0]

      Wie ein Pfeil flog Ophion durch die Luft, als der Stahlkoloss seinen anderen Arm erhob und dem schwarzen Drachen mit geballter Faust entgegen kam.
      „Verdammt“, stammelte Matt, „das könnte weh tun.“
      „Ich fürchte, das wird es“, versprach Drazen.
      Dann erfolgte die unvermeidbare Explosion, als Ophion von der Faust getroffen und vernichtet wurde. Letztere machte aber nicht Halt, sondern steuerte geradewegs, hängend an den Energiesträngen, auf Matt zu. Das Schauspiel spiegelte sich in dessen weit aufgerissenen Augen wieder …


      Turn 48 – Little Lies
      Drazens mächtigem Monster gegenüberstehend, muss Matt all sein Können aufbringen, um sich gegen die gnadenlosen Angriffe zu wehren. Obwohl all seine Versuche, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T] aus dem Weg zu räumen scheitern, findet er eine Schwachstelle in Drazens Strategie und …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Matt

      Evilswarm Heliotrope
      Evilswarm Mandragora
      Evilswarm Thunderbird
      Evilswarm Ketos
      Evilswarm Obliviwisp

      Infestation Pandemic

      Mutual Infestation
      Zauber/Normal
      Die ATK eines offenen "Lswarm"-Monsters wird zum Doppelten seiner Grund-ATK bis zur End Phase; kein anderes Monster kann während diesem Zug angreifen. Während der End Phase: wechsle alle offenen "Lswarm"-Monster in die Verteidigungsposition.

      Infestation Infection

      Evilswarm Ophion

      Drazen

      Scrap Golem
      Scrap Searcher
      Scrap Chimera
      Scrap Breaker
      Scrap Goblin
      Scrap Orthros

      Scrapstorm

      Scrap-Iron Scarecrow

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. Wenn diese Karte ein Monster als Ziel eines Angriffs wählt: du kannst die Position des Ziels wechseln.{????}


      Leider gibt es auch einen Wermutstropfen. Von nun an gibts nur etwa alle 2 Wochen etwas Neues von mir.
      -Aska-

      Nein, davon konnte man ja ausgehen. Aber du hast vollkommen recht: Ich hab komplett vernachlässigt, dass Abby ihre Karte ausgespielt hatte, und die Vision erst daraufhin kam, was bei beiden wie du angemerkt hast ja noch gar nicht der Fall war, und somit die Vision im Endeffekt erst einmal hinfällig ist. (Also husch husch, ich will ein neues Val Duell, damit ich die miterleben kann xD)

      Und was Edna angeht: Mitgefangen, mitgehangen würd ich ja mal sagen. Wobei sowas ja auch oft Momente sind, wo so jemand dann am Ende Einzelgängeraktionen bringen könnte.


      Folge

      Wie gewohnt war die Folge wieder auf einem hohen Niveau. Zum einen war es natürlich sehr interessant zu erfahren, was mit Matt und Alastair in der Zwischenzeit seit dem Special passiert ist. Zudem fand ich ihre Entscheidung, ein solches Leben zu führen, authentisch und mehr als nachvollziehbar. Gerade bei Alastair passte das. Ich meine, gerade an so einem Punkt merkt man ja, dass auch so ein Raubein wie Al es immer gewesen ist, doch einen richtig guten Kern hat. Und dann gab es in dieser Folge sogar eine 'Versöhnung' von Anya und Al. in S1 wäre sowas noch undenkbar gewesen, so Hund und Katz die beiden da noch waren.
      Denke aber auch, bei dieser ganzen Waisenhaus-Sache ist von den beiden Alastair der Hauptträger. Matt empfinde ich da eher als eine Art Mitläufer, was aber keineswegs jetzt seine guten Absichten schlecht machen soll. Er sieht ja auch, dass sie mit ihrer Arbeit etwas Positives machen, und versteht ebenso, dass sie als Dämonenjäger viel Unheil anrichten, aber anders als Alastair hat er bei dieser Sache imo seinen Platz noch nicht gefunden. Dafür hängen ihm die Ereignissen in Livington mit Urila noch viel zu schwer nach.
      Vielmehr kann ich mir vorstellen, dass er gerne wie Anya aktuell ist wäre. Was ich meine ist, wie sie die beiden um Hilfe bittet und die - wenn auch nur widerwillig anfangs - machen das auch. Er jedoch bekommt bei seinen Problemen/Schmerz von niemandem Hilfe. Denn keiner weiß, welche schwere Lasten er mit sich herumträgt. Und deshalb kann ihm letztlich auch niemand helfen.

      Der erste kleine Ausblick auf Zanthes Backstory war auch ganz interessant. Es ging ja nochmal über das hinaus, was man bereits beim Duell von ihm mit Anya angedeutet bekommen hatte. Aber viel viel lustiger war ja seine Art, wenn es um seinen heimlichen Schwarm geht. Ich bin echt sowas von gespannt, was da am Ende rauskommt ;)
      Aber mal davon abgesehen gefiel mir natürlich auch wieder die Interaktionen zwischen Anya und Zanthe besonders gut. Das Spektrum reichte in der Folge ja von Anzicken (im Zug) über das gängige Necken bis hin zu den ernsten, wenn auch meist nicht weniger lustigen Unterhaltungen der beiden.

      Den Kern der Folge und den Auftakt zum Duell bildete natürlich dann die Beschwörung des nächsten Hüters, Drazen. Den hatte ich im Endeffekt auch wirklich nicht mehr auf dem Plan, und hätte bis kurz vorher gar nicht mehr an ihn als potentiellen Hüter gedacht. Umso freudiger aber war das Wiedersehen mit dem Scrap Spieler.
      Was die Beschwörung angeht, nach der Sache in S1 mit dem Collector war ja klar, wenn so etwas noch einmal gemacht wird, dass sie bessere Vorkehrungen treffen würden. Bei Drazen dachte ich in dem Moment, als er sich wegteleportierte scho gedacht "okay, und das wars dann". Aber dann erfuhr man, dass Matt und Al auf ihre ganz eigene Weise vorgesorgt hatten und nicht bereit waren, ihn so schnell entkommen zu lassen.

      Wie von Anya mehr oder weniger antizipiert (oder sollte ich eher sagen von Nick), lag es dann schließlich auch an Matt, sich Drazen zu stellen, da er als Einziger vorbereitet und in der Lage war, ihm zu folgen. Dabei mutete das Duell bisher aber weniger als ein Kampf um eine Hüterkarte an, als vielmehr als eine Art Therapiestunde und Prüfung durch Drazen.
      Man bekam sehr deutlich den Eindruck, dass er irgendetwas in Matt gesehen hatte (vllt. sogar wörtlich) und dem im Anschluss auf den Grund gehen wollte. Aber damit begibt er sich auch auf einen düsteren Pfad, denn ich kann mir bei ihm vorstellen, dass er genau weiß, wie schlecht es für ihn ausgehen könnte, wenn Matt seine finstersten Karten ruft, und dennoch forciert er das Duell regelrecht in diese Richtung. Das hat ja schon was von Todessehnsucht, was aber bei jemanden, der schon so lange lebt wie er, im übertragenen Sinne nicht einmal verwunderlich wäre.
      Auf der anderen Seite war Matts Vorsicht mit dem von Urila im Special geschaffenen Deck sehr überzeugend. Natürlich war auch hier klar, dass je mehr Drazen gegen ihn stichelt und ihn provoziert, dass er entsprechent aggressiver zu spielen beginnt, als weiterhin die Kontrolle (und damit Ruhe) zu bewahren. Und genau dadurch war Drazen in dieser ersten Hälfte des Duells im Endeffekt so etwas wie der heimliche Sieger, da er seine Strategie praktisch ungestört von Matts Karten hat durchbringen können. Aber der hat wie angedeutet sein Pulver auch noch nicht komplett verschossen.

      Insofern verspricht die Fortsetzung des Duells da auf jeden Fall spannend zu werden. Dabei ist es sehr wahrscheinlich, dass je mehr er von Drazen in die Ecke gedrängt wird, desto größer die Verlockung letztlich wird, die für ihn schlimmste Karte, Ouroboros, zu rufen. Im Special hat man ja schon miterlebt, dass diese Karte den stärksten Einfluss auf ihn ausübte, wenn sie erst einmal im Spiel war, und letztlich dafür gesorgt hat, dass er dann vollends die Kontrolle über sich verlor. Und wenn das erneut passieren sollte, dann kann Drazen sich definitiv keine Späße mehr erlauben wie bisher.
      Natürlich wird es auch interessant sein, Matts Bemühungen mitzuverfolgen, sich Heavy Ts zu entledigen, so wie es die Preview andeutet. Aber die Sache mit der Schwachstelle bringt mich doch ein wenig zum Schmunzeln: Ich mein, eine ganz konkrete Schwachstelle von Drazens Deck hat er ja schon in dieser Folge gespielt gehabt, und wäre er nicht so versessen gewesen, ihm 'aufs Maul zu geben', dann hätte der erst gar nicht so einfach mit Heavy T loslegen können. ^^
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      Ich melde mich auch mal wieder zu Wort :)
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      Zu Nina: Natürlich mag ich sie nicht, aber ich bin mir auch bewusst, dass du nie beabsichtigt hattest, dass die Leser sie mögen. Und das kriegst du gut hin. Sie ist lustig, und während die manisch-aggressive Anya und der grenzdebile Nick nicht ganz meinen Humor treffen, schafft Nina das schon viel eher. Ich finde es z.B. toll, wie sie Anya und Co. immer mit "Schätzchen", "Kindchen" o.Ä. anspricht. :D

      Ansonsten bin ich jetzt mit Kapitel 13 & 14 durch (Anya vs. Marc bzw. Levrier vs. Insfanel). Anfangs hat mich die sehr stark ausgeprägte Erwähnung realer Eigennamen gestört (u.A. VW, Harry Potter, H.P. Lovecraft und Yu-Gi-Oh Zexal - zumindest glaube ich, dass du auf Letzteres anspielen wolltest), aber das ist eine Frage des persönlichen Stils, braucht man nicht drüber zu diskutieren. Wenigstens weiß ich jetzt, dass Anya einen guten Musikgeschmack hat :D (Außer sie ist eine von denen, die Nirvana- und Ramones-Shirts tragen, ohne überhaupt zu wissen, dass es sich dabei um Bandshirts handelt...)

      Trotzdem muss ich sagen, dass diese beiden Kapitel die bisher mit Abstand besten waren. Lange habe ich auf den Moment gewartet, in dem Anyas harter Schildkrötenpanzer endlich zerbricht und das weiche, verletzliche Innere preisgibt. Es wäre zwar zu viel verlangt und äußerst unglaubwürdig, würde ihr Panzer nun für immer zerstört sein, aber ich hoffe doch sehr, dass er wenigstens ein paar Risse davonträgt. Du kündigst ja auch schon in der Preview zum nächsten Kapitel an, dass die Ereignisse Anya verändern und sie noch feindseliger wird. Ich Frage mich zwar ehrlich gesagt, wie das überhaupt gehen soll (Ich habe echt Angst, dass sie irgendwann noch ein Texas Chainsaw Massacre abfackelt :cain: ), aber ich bin auf jeden Fall gespannt auf die neuesten Entwicklungen. Genial fand ich auch Anyas und Valeries "Rollentausch" am Ende, den ich gerne noch weiter ausgeschmückt gesehen hätte. Schade finde ich auch, dass es mir auch nach diesem Kapitel schleierhaft ist, warum Anya überhaupt in Marc verliebt war/ist. Für mich wirkt es immer so, als wolle sie unbedingt in jemanden verliebt sein und habe sich einfach willkürlich Marc ausgesucht.

      Ich habe mir jetzt auch mal dein "Last Ultimania" runtergeladen. Du hast dir da ja echt Mühe gegeben, mit Soundtrack und alles ;)
      Ich habe auch mal deine "Gedanken zu den Figuren - Anya" gelesen, wo du ja ein bisschen auf ihre Vorgeschichte eingehst. Aber ich muss ehrlich sagen: Ich bin enttäuscht. Heutzutage werden die Hälfte aller Ehen geschieden, und nicht alle Scheidungskinder werden gleich zu Anyas. Klar, da spielt auch die persönliche Veranlagung zum Großteil mit rein, dennoch finde ich diese Erklärung ein wenig schwach und alibimäßig. Auch eifersüchtig auf den Bruder sein und am Vater hängen sind mMn ganz normale Empfindungen.
      Ich habe mir selbst mal ein paar Gedanken gemacht, was einem Menschen wiederfahren sein muss, um so kaputt wie Anya zu sein und habe mir selbst eine Vorgeschichte für sie überlegt. Vielleicht bin ich ein Schwarzseher, aber sie enthält u.A. Mobbing, Vergewaltigung und einen Selbstmordversuch...

      Aber vielleicht verschweigst du dem Leser ja auch noch einiges ;) Und überhaupt: Ich kritisiere hier auf sehr hohem Niveau.

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Erstmal wieder vielen Dank, dass hier so fleißig gelesen wird.

      @Lenant
      Sehr gut, danke! Das passt ehrlich gesagt wunderbar in die Story!

      @Evil Bakura
      Dass Edna keine Einzelreaktion gebracht hat, wirft dementsprechend doch ein wenig positives Licht auf sie. Immerhin ist Harris ihr wichtiger, als ihre "Mission" zu erfüllen.

      Jop, Big Al hat seine Mitte gefunden. Matt hingegen ... du hast es gut beschrieben. Wie soll jemand ihm beistehen, wenn keiner mehr weiß, was wirklich damals geschah bzgl. Tara? Und auch sonst ...

      Zanthes Backstory gibts nur häppchenweise, muss ich gestehen. Ist ja ähnlich wie bei Nick und Abby, die ja auch immer mal ein wenig bekamen, jedoch ist es bei Zanthe meines Empfindens nach "intensiver".

      Was Drazen betrifft, hast du auch das gut erkannt. Er sieht etwas in Matt, doch ob das der einzige Grund ist, warum er sich ihm stellt? Wer weiß ...
      Zu guter Letzt ist's schon richtig, Matt war doof, den Ophion-Effekt aufzugeben. xD

      Danke für den Kommi!

      @Leseleff
      Auch dir danke für den Kommentar.
      Ne, ich denke, Anya weiß schon gut, was für Musik sie da hört. Wenn sie schon nicht viel weiß, dann wenigstens das. xD
      Freut mich, dass du die 13+14 gut fandest. Keine Sorge, Anya wird nicht über Nacht zum Weltverbesserer. Aber das war nicht das letzte Mal, dass sie ihre guten bzw. emotionalen Seiten zeigt.
      Was ihre Empfindungen für Marc angeht, ehrlich gesagt habe ich mir über die Gründe nie Gedanken gemacht, vielleicht weil dieser Ausgang von Anfang an so angedacht war. Du könntest durchaus Recht insofern haben, dass sie sich völlig willkürlich jemanden ausgesucht und auf ihn eingeschossen hat. So nach dem Motto, "Der ist doch ganz cool, den nehm ich jetzt!". Andererseits hab ich Marc auch immer als jemanden gesehen, der sich nicht von Anya abschrecken lässt, sondern sie belächelt bzw. sogar ab und zu ganz lustig in ihrer Art findet, was auch ein Grund sein könnte, weshalb er sie beeindruckt.

      Was die Last Ultimania angeht, hgnn, ich glaub, du hättest dir die Gedanken zu den Figuren erst später durchlesen sollen. Dort ist alles sehr nüchtern geschrieben und innerhalb der Staffel 1 wird noch ein anderer Grund bekannt werden, weshalb Anya in ihre ganz eigene Kerbe schlägt. Nichtsdestotrotz verstehe ich auch, dass du enttäuscht bist, dass da nicht 'mehr' hinter steckt. Wenn es dich tröstet: in Staffel 2 werde ich noch genauer auf Anyas Beziehung zu Bruder und Vater eingehen, vielleicht findest du es dann nachvollziehbarer. Eventuell verschweige ich ja wirklich noch was. ;)
      Bloß, ganz ehrlich, wenn du selber sagst, die Hälfte der Ehen heutzutage wird geschieden, woher willst du dann wissen, ob nicht doch "Anyas" darunter sind? Sicherlich spielt da noch mehr mit, Veranlagung, traumatische Erlebnisse, aber an verhaltensauffälligen Jugendlichen/jungen Erwachsenen mangelt es dieser Welt nun wirklich nicht. Und ich möchte gar behaupten, da sind noch schlimmere bei als Anya. Welche, die gar keine Skrupel gegenüber ihren Mitmenschen haben. Effektiv gesehen ist Anya auch nicht mehr als ein überspitzter Bully.
      Aber gut, wie gesagt, ich kann gut nachvollziehen, dass die Erklärung unbefriedigend war.

      Danke in jedem Fall für deine ehrlichen Worte, find ich echt gut, wenn man auch andere Meinungen zu solchen Sachen hört.


      Jetzt aber etwas verspätet weiter im Text! Viel Spaß mit ...

      Turn 48 – Little Lies: Part I
      In Matts Augen spiegelte sich die gigantische Faust wieder, die seinen [Evilswarm Ophion] zerschmettert hatte und nun geradewegs auf ihn zu schoss. Dessen Besitzer Heavy T, ein gigantischer Stahltitan, feuerte sie von seinem Arm an elektrischen Strängen ab.
      Er würde diesen Angriff von den Lebenspunkten her überstehen, da er nur 1450 Punkte Schaden nehmen würde, schoss es Matt durch den Kopf …

      [Matt: 1800LP / Drazen: 3750LP]

      … aber da in diesem Ding unglaubliche Macht steckte, würde er zerquetscht werden wie eine Fliege – das durfte nicht geschehen!
      Geistesgegenwärtig schwang er den Arm aus. „Falle hoch! [Defense Draw], welche den Schaden annulliert und mich einmal ziehen lässt!“
      Gerade noch rechtzeitig klappte seine Falle auf und positionierte sich genau zwischen Matt und der nahenden Faust, welche als Folge an der scheinbar stahlharten Karte nicht vorbei kam, als sie auf sie prallte.
      „Na sieh an“, staunte Drazen und klatschte in die Hände, „jetzt wird das langsam was.“
      Matt zog dank des Effekts von [Defense Draw] auf und atmete tief durch. „Wer will schon gerne von einer riesigen Faust erdrückt werden?“
      „Oh, ich kenne da einige“, scherzte sein Gegner. Im gleichen Zug streckte er den Arm aus. „Da Heavy T angegriffen hat, wechselt er leider in die Verteidigungsposition.“
      Kaum zu glauben aber der hellblaue, vierhörnige Metallriese zog seine Faust zurück und kreuzte beide Arme über seine mit einem silbernen T verzierte Brust. Und mit einem Schlag fielen all die ausgerissenen Bäume, Moosfetzen, Steine und dergleichen, die zuvor über der Lichtung geschwebt hatten, einfach in die Tiefe – ziemlich lautstark wohlgemerkt.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4000 DEF/0 (10)]

      Matt zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Er ist vollkommen ungeschützt in diesem Zustand.“
      „Das weiß ich, weswegen ich diese Karte verdeckt ausspiele“, sagte Drazen und ließ jene vor seinen Füßen erscheinen, „und da ich jetzt meinen Zug beende, verliert Heavy T außerdem die 1000 Angriffspunkte, die er bei seiner Synchrobeschwörung erhalten hat.“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4000 → 3000 DEF/0 (10)]

      Sofort zog Matt auf vier Handkarten auf und hatte damit eine mehr als sein Gegner. Er war derart beschäftigt mit dem Riesen, wodurch er ganz vergessen hatte, dass Drazen ja noch ein zweites Monster besaß – den Schrottvogel [Scrap Searcher], an dessen ganzem Körper Scheinwerfer angebracht waren.

      Scrap Searcher [ATK/100 DEF/300 (1)]

      Neben seiner neuen verdeckten Karte war das alles, was Drazen derzeit auf dem Feld liegen hatte.
      „Ich werde nicht den Fehler machen und blindlings angreifen“, sagte der ehemalige Dämonenjäger und schwang den Arm aus, wodurch seine einzige Karte auf dem Feld, die offen liegende Falle [Infestation Infection], aufzuleuchten begann, „einmal pro Zug kann ich einen Schwärmer von meiner Hand oder dem Spielfeld mit einem aus meinem Deck austauschen.“
      Er schob zunächst seinen [Evilswarm Golem] zurück in sein Deck, ehe er dieses aus der Halterung seines D-Pads nahm und die gewünschte Karte heraussuchte, bis er schließlich seinen Kartenstapel wieder an seinen angestammten Platz brachte.
      „Diese hier nennt sich [Evilswarm Kerykeion] und ich werde sie auch beschwören!“
      Eine schwarze, humanoide Gestalt tauchte vor Matt auf. Ihre Schwingen waren aus Kristall gemacht und die Kreatur schwang gleich zwei Zauberstäbe, nämlich einen, der das Wappen der Gishkis trug und einen, der eigentlich aus zwei wie Schlangen in umeinander gewundenen Hölzern bestand, von schwarzer beziehungsweise goldener Farbe.

      Evilswarm Kerykeion [ATK/1600 DEF/1550 (4)]

      „Ich benutze Kerykeions Effekt, der besagt, dass ich einen Schwärmer von meinem Friedhof verbannen kann, um einen von dort auf meine Hand zu bekommen“, rief Matt und streckte den Arm aus, „ferner kann ich noch einen Schwärmer in diesem Zug als Normalbeschwörung rufen.“
      So verbannte er [Evilswarm Thunderbird], um sich [Evilswarm Mandragora] aufs Blatt zu nehmen, doch statt ebenjener beschwor er eine andere Kreatur. „Und diese nennt sich [Evilswarm Salamandra]!“
      Kerykeion stieg hoch in die Luft auf und ließ dabei mit nach unten gestreckten Zauberstäben einen Runenzirkel vor Matt erscheinen, aus dem besagtes Monster entstieg – ein pastellgrüner Dinosaurier in blau-schwarzer Panzerung, von welchem eine dunkle, bösartige Aura ausging.

      Evilswarm Salamandra [ATK/1850 DEF/950 (4)]

      Der junge Mann spürte wie sein Herz schneller schlug, als er auf sein Blatt starrte. Es bestand jetzt aus [Evilswarm Mandragora], [Creeping Darkness] und [Xyz Regret]. Demnach wäre es ein Leichtes, -es- zu beschwören. Genau davor fürchtete Matt sich aber – genau das Monster zu beschwören, das für alles verantwortlich war. Das alles war, was-
      „Ist es nicht ein schöner Anblick?“
      Matt ließ die Hand mit den Karten sinken und sah den in einen orangen Poncho gehüllten Drazen fragend an.
      „Das Abendrot. Immer wenn ich es sehe, werde ich daran erinnert, dass es wenige so perfekte Kreisläufe gibt wie Tag und Nacht.“ Drazen grinste verträumt. „Sie lassen sich durch nichts unterbrechen. Man weiß immer, dass auf die Sonne der Mond folgen wird. Das Leben ist da deutlich wählerischer mit seinen Aufs und Abs.“
      Was Matt mit einem Stirnrunzeln quittierte. „Ich will nicht unhöflich sein, aber was hat das mit unserem Duell zu tun?“
      „Eine Menge. Mehr als du denkst“, zwinkerte ihm Drazen zu.
      Im Endeffekt konnte Matt aber nicht entschlüsseln, was sein Gegner ihm sagen wollte. Und irgendwie wollte er das auch nicht, denn dieser Mann wusste mehr als gut für sie beide war.
      Er sollte das hier hinter sich bringen, sagte sich der Schwarzhaarige und streckte die Hand nach oben. „Ich erschaffe das Overlay Network! Meine beiden Stufe 4-Schwärmer werden zu einem Rang 4-Monster!“
      Inmitten des Feldes öffnete sich ein schwarzer Wirbel. Gleichzeitig verwandelten sich Kerykeion und Salamandra in violette Lichtstrahlen, die von besagtem Strom absorbiert wurden.
      „Erscheine, [Evilswarm Bahamut]!“, brüllte Matt über die Lichtung hinweg.
      Sofort wand sich der schwarze, schlangenhafte Drache aus dem Überlagerungsnetzwerk und zog eine Bahn um Matt. Der zur Hälfte aus Eiskristallen bestehende, ansonsten schwarze Körper der Bestie wirkte unnatürlich. Er machte vor Matt Halt und bäumte sich auf, spreizte seine Schwingen, deren Innenhäute ebenfalls aus purem Eis waren. Zwei Lichtsphären umkreisten ihn dabei.

      Evilswarm Bahamut [ATK/2350 DEF/1350 {4} OLU: 2]

      „Wie schon gesagt, werde ich nicht den Fehler machen und blindlings angreifen. Zumindest nicht mit meinem Monster!“, verkündete Matt und zeigte [Evilswarm Mandragora] von seiner Hand vor.
      Sein Gegner lächelte hocherfreut. „So gefällst du mir, Bursche!“
      „Effekt von [Evilswarm Bahamut]!“ Matt zog unter dessen Karte [Evilswarm Kerykeion] hervor und rammte diesen zusammen mit Mandragora in den Friedhofsschlitz seines schwarzen D-Pads. „Einmal pro Zug kann ich einen Schwärmer abwerfen und ein Xyz-Material abhängen, um die Kontrolle über eines ihrer Monster zu gewinnen!“ Matt zeigte auf den Titanen hinter Drazen. „Spread Infection!“
      Der ehemals als [Brionac, Dragon Of The Ice Barrier] bekannte Bahamut öffnete sein Maul und lud darin einen schwarzen Strahl auf. Doch tatsächlich waren es Millionen winziger Insekten, die er schließlich in Heavy Ts Richtung ausstieß.
      Matt verschränkte dabei die Arme. „Sie wollten, dass ich alles gebe! Dann sehen Sie mit an, wie ich Sie mit Ihrem eigenen Monster besiege!“
      Aber Drazen grinste nur verschmitzt, wie er da regungslos inmitten der Lichtung stand und darauf wartete, dass sein Monster getroffen wurde.

      ~-~-~

      Während Matt sich vermutlich wunderbar mit diesem Drazen amüsierte, stand Anya wie bestellt und nicht abgeholt vor der Holzfällerhütte und sah über das Dickicht, welches sich in einigen Metern Entfernung in all seiner Pracht präsentierte.
      „Sag mir jetzt nicht, dass wir da durch müssen!“, raunte sie herüber zu Alastair, der gerade aus dem Laderaum des VW-Busses in gebückter Haltung sprang. In seiner Hand hielt er ein Schrotgewehr, denn anscheinend hatte sich die Waffenkiste auf mirakulöse Weise wieder angefunden.
      „Ich fürchte, genau das müssen wir.“
      Anya drehte sich herüber zu Zanthe, der am Türrahmen lehnte. „Kannst du nicht irgendwas tun? Bisschen mit deiner Wolfsnase schnüffeln?“
      Der Kopftuchträger verdrehte genervt die Augen. „Bind mir doch gleich'n Halsband um.“
      „Gute Idee! Aber das ist nicht, wonach ich gefragt habe!“
      Mit der Zunge schnalzend stieß Zanthe sich ab. „Dann probier' es doch mal mit einem Nein! Schon mal versucht-“
      Anya verzog ihre Augen zu kleinen Schlitzen. „Nein. Komm zum Punkt.“
      „Wenn er sich wie ein Normalsterblicher verhalten und Drazen hinterher gerannt wäre, würde ich ihn sofort finden. Aber da er sich teleportiert hat und das scheinbar auch noch ziemlich weit weg, überdecken die Gerüche des Waldes den seinen.“ Zanthe latschte träge zu Anya und schlug ihr fest auf die Schulter. „Wenn du möchtest, kannst du ja mal deine Nase benutzen.“
      „Ich rieche hier nur Tod, wenn du mich noch einmal anfässt!“, fauchte sie und trat ihm gegen das Schienbein, oder zumindest versuchte sie das, doch Zanthe wich ihr mit einer Drehung um das Mädchen herum aus und legte den Arm um ihre Schulter, nahm sie kumpelhaft in den Würgegriff.
      „Bist wohl angespannt, weil dein kleiner Prinz weg ist.“
      Was ihm prompt einen Ellbogenstoß in seinen 'kleinen Prinzen' einbrachte.

      Und während Zanthe sich keuchend den Schritt hielt und rückwärts torkelte, beobachtete Alastair das Schauspiel gewohnt humorlos. „Unterlasst das gefälligst! Matt muss sich in der Nähe befinden.“
      Anya zuckte mit den Schultern. „Oh, was du nicht sagst? Erst justiert er den Bannkreis total falsch und statt ihn auf die Hütte zu beschränken, können wir jetzt den halben beschissenen Wald absuchen. Dann vergisst er natürlich, uns den Zauber mitzugeben, mit dem wir ihm folgen können, falls Drazen den Zauber doch durchbricht. Und jetzt duelliert er sich vermutlich mit dem Kerl, der selbst Brainiac-Nick geschlagen hat? Hab ich irgendwas ausgelassen?“
      Die Blondine stieß einen tiefen Seufzer aus. „Man, dafür, dass ihr nicht mehr als Deppenduo auftretet, seid ihr immer noch Experten, wenn es darum geht, Missionen zu verkacken!“
      Wie ein Gewittersturm sauste Alastair an ihr vorbei. „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass Matt versehentlich den Bannkreis falsch justiert hat …“
      Anya glotze ihm verwirrt hinterher, wie der Hüne auf die Bäume zusteuerte, dabei die Schrotflinte geschultert. „Was?“
      „Er sagt, es war Absicht. Und seiner Laune nach zu urteilen weiß er nicht warum“, half Zanthe ihr auf die Sprünge, als er ebenfalls an ihr vorbeiwanderte. „Komm jetzt, oder muss ich dir noch erklären wie man läuft?“
      Unter einem wütenden Zischen folgte Anya den beiden schließlich.

      ~-~-~

      Unaufhaltsam bahnte sich der schwarze Partikelstrahl von [Evilswarm Bahamut] seinen Weg zum Titanen Heavy T, der seine Arme über Kreuz hielt und einen Schritt zurück nahm. Doch mit erhobener Hand gebot Drazen seinem Monster Einhalt, ganz als würde dieses die Geste verstehen.
      „Weißt du, was das Problem am Altern ist, Bursche?“, wollte der Weißhaarige von seinem Gegner wissen. „Man vergisst so vieles. Schlimmer ist es noch, wenn das schon in jungen Jahren anfängt.“
      In diesem Moment sprang Drazens verdeckte Karte auf, eine Falle namens [Memory Loss]. „Nehmen wir doch deinen [Evilswarm Bahamut]. Eben will er noch seinen Effekt aktivieren und die Kontrolle über Heavy T gewinnen, dann vergisst er mittendrin was er tat und wechselt plötzlich in die offene Verteidigungsposition.“
      Matt biss sich auf die Lippen, als der Strahl sich auflöste und sein schwarzer Eisdrache seine Schwingen schützend über sich hielt, während er vor Matt hernieder sank.

      Evilswarm Bahamut [ATK/2350 DEF/1350 {4} OLU: 1]

      Damit hatte er nicht gerechnet. Ganz offensichtlich war Drazen ein außerordentlicher Stratege, welcher genau wusste, dass Matt Heavy T über einen Monsterkarteneffekt aus dem Weg zu räumen versuchen würde.
      „Wirklich gut … für jemanden, der so alt ist wie Sie“, gab Matt offen zu.
      „Vielen Dank. Du musst wissen“, sagte Drazen und seufzte plötzlich leise, „wenn man in einer Stadt gelebt hat, in der niemand altert, vergisst man auch nicht.“
      Matt wurde hellhörig. „Sie reden von Eden?“
      „Scheinbar hat der gute Nick kein Detail ausgelassen, als er über mich ausgepackt hat“, gluckste der alte Mann, „natürlich hast du Recht, ich spreche von Eden. Aber ich möchte dich nicht mit den Erinnerungen eines alten Bocks quälen. Sie würden dir nicht weiterhelfen bei dem, was du für deine Freundin erreichen willst. Außerdem ist das alles Vergangenheit.“
      „Und jetzt sind Sie hier in der Gegenwart. Trotzdem scheinen Sie nicht zu altern.“
      Bärbeißig lachte Drazen los. „Wie kommst du denn darauf?“
      „Der heimatlose Wanderer … Geschichten unter Dämonenjägern beschreiben, wie er bereits seit mehreren Jahrzehnten hier und da auftaucht und ihnen manchmal bei der Arbeit hilft, meist durch sein Wissen.“ Der junge Mann sah Drazen fest an. „Und jetzt, wo ich länger darüber nachdenke, passen Sie perfekt auf deren Beschreibungen.“
      Sein Gegenüber schloss mit angezogenen Mundwinkeln die Augen. „Du musst dich irren, ich helfe nur gegen Bezahlung und wie jeder weiß, seid ihr Dämonenjäger chronisch pleite.“

      Als die kleine Konversation verebbte, stand Matt wieder am Anfang. Sein Versuch, Heavy T aus dem Weg zu räumen, war gescheitert. Selbstverständlich könnte er es mit einem Angriff versuchen, die Mittel dazu hatte er – aber Drazen würde nicht zulassen, dass sein Riesenspielzeug so einfach kaputt ging. Oder genau das war sein Ziel, weshalb Matt erst recht davor zurückschreckte, es zu probieren. Die einzige Alternative die ihm jedoch blieb war das Unaussprechliche. -Es- zu beschwören.
      „… ich weiß“, murmelte er vor sich hin.
      Keine andere Wahl. Es war nicht so, dass er etwas -davon- zu befürchten hatte. Mehr ging es Matt darum, unliebsame Erinnerungen nicht wieder wachrütteln zu wollen.
      „Selbstbetrug?“
      Irgendwo stimmte es. Manchmal ertappte Matt sich dabei, wie er an den Tag zurückdachte, als Livington von der Immateriellen Urila angegriffen wurde. Der Tag, an dem seine geliebte Tara zu ihrem Opfer wurde und die einzige Möglichkeit, sie zu retten, gewesen war, ihr für immer Lebwohl zu sagen – auf Geheiß des Collectors. Das war der Tag gewesen, als sich für Matt alles verändert hatte.
      „Also schön“, zischte er, „was bleibt mir anderes übrig, wenn ich es so machen will? Ich aktiviere eine Zauberkarte, [Xyz Regret]. Sie splittet ein Xyz-Monster auf meiner Spielfeldseite in zu ihm passende Materialien von meinem Friedhof auf, aber dafür kann ich das Xyz-Monster für den Rest des Duells nicht mehr beschwören!“
      Bahamut löste sich in schwarzen Partikeln auf, als Matt es von seinem D-Pad nahm und ins Extradeck zurückschob. Stattdessen materialisierten sich vor ihm [Evilswarm Kerykeion] und das weißhaarige Riesengewächs [Evilswarm Mandragora], dessen erdig-brauner Körper in stummeligen Armen und Beinen endete, an deren Spitzen Blätter wuchsen auf denen winzige schwarze Insekten krabbelten.

      Evilswarm Kerykeion [ATK/1600 DEF/1550 (4)]
      Evilswarm Mandragora [ATK/1550 DEF/1450 (4)]

      Im Anschluss zeigte Matt noch eine Zauberkarte vor. „Danach aktiviere ich [Creeping Darkness], mit der ich zwei Finsternis-Monster von meinem Friedhof entferne und dafür eines der Stufe 4 von meinem Deck erhalte.
      Matt entledigte sich [Evilswarm Salamandra] und [Evilswarm Heliotrope], nahm sich dann die gewünschte Karte aus seinem Deck hervor und knallte sie umgehend auf sein D-Pad. „Ich wähle [Evilswarm Dullahan], den ich sofort spezialbeschwören kann, da ich einen Schwärmer mit mindestens 1500 Angriffspunkten besitze!“
      Zwischen seinen anderen Monstern entstieg aus einem finsteren Nebel eine kopf- und beinlose Gestalt, eine Maschine, die mit massiven, goldenen Armen ausgestattet war.

      Evilswarm Dullahan [ATK/1150 DEF/1550 (4)]

      Übelkeit stieg in Matt auf, er atmete stoßweise. Dann verkündete er atemlos, kurz angebunden: „Ich erschaffe das Overlay Network.“
      Jenes öffnete sich erneut vor ihm und absorbierte gleich alle drei Monster des jungen Mannes als violette Energiestrahlen. Wie ein Blitz durchzog es Matt, der sich krümmte.
      Erst ragte ein Drachenkopf aus dem Galaxienwirbel hervor. Bestückt mit einer halb weißen, halb schwarzen Maske, wurden seiner erst zwei und anschließend drei. Mit einem Ruck erhob sich der finstere Drache aus dem Overlay Network und hielt sich über Matt, peitschte mit einem langen Schweif, an dem eine Art Schild mit roter Insignie in dessen Mitte befestigt war, aus dem drei kurze Klingen ragten.
      „[Evilswarm Ouroboros]“, keuchte Matt und hielt sich die Brust, senkte den Kopf, „Mächtigster von allen.“

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4} OLU: 3]

      Drazen sah Matt irritiert an. „Junge, geht es dir gut?“
      „Sollten Sie sich das nicht selber fragen?“
      Überrascht von seiner tonlosen Antwort wich der Ponchoträger zurück, als um ihn herum finsterer Nebel aufstieg. Dieser bildete Auswüchse, Tentakeln gleich, die nach Drazen langten – und zerfetzt wurden, als ein gleißendes Licht ihn umgab. Ausgehend von Heavy Ts Karte auf seiner Duel Disk.
      „Diese Karte ist gefährlich!“, erkannte jener. „Daher also-!“
      Matt sah ruckartig auf, in seinen Augen spiegelte sich wilde Entschlossenheit wieder. Und vielleicht noch mehr. „Sie wollten es nicht anders! Effekt des mittleren Kopfes aktivieren! Ich gebe eine Ihrer Karten auf die Hand zurück! Infestation's Viciousness!“
      Um jeden der drei Köpfe Ouroboros' kreiste eine Lichtsphäre. Der mittlere schnappte nach seiner und verschlang diese, ehe er anschließend einen schwarzen Partikelstrahl auf Heavy T abfeuerte.
      Dieser wurde in die überkreuzten Arme getroffen. Sofort begannen diese sich zunehmend dunkel zu verfärben, selbst die Energiestränge die jene zusammenhielten waren betroffen. Drazen sah dem Ganzen mit in den Nacken gelegten Kopf unruhig zu, dann schrie er: „Nein! Effekt von Heavy T aktivieren! Safety Bit!“
      Der Titan streckte seine Arme nach vorn aus und ließ sich damit bewusst treffen. Das T auf seiner Brust begann plötzlich zu leuchten. Die Szenerie wurde umso merkwürdiger, als Drazens anderes Monster, [Scrap Searcher], um Heavy T kreiste und schließlich in genau jenem leuchtenden T verschwand. Dieses sendete direkt im Anschluss einen frontalen, aus dutzenden Waben bestehenden Energieschild aus, der den Strahl zurückdrängte, während Heavy Ts Arme und Brust wieder zu alter Farbe fanden.
      Mit einem Knall verpuffte Ouroboros' Attacke schließlich.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4} OLU: 3 → 2]
      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 DEF/0 (10)]

      Matt stand dem allen mit offenem Mund gegenüber. „Ouroboros' Effekt abgewehrt und zudem-!? Wie!?“
      Drazen erklärte: „Das ist Heavy Ts letzter Effekt. Er kann sich selbst jederzeit wieder in Angriffsposition bringen und zudem vor Monstereffekten schützen. Das kostet jedoch eines meiner anderen Monster. Des Weiteren ziehst du als Ausgleich jedes Mal eine Karte, wenn er das tut.“
      Mit einem Blick voller Erkenntnisse sah Matt sein Deck an. Das war alles Drazens Plan gewesen. Wenn er jederzeit dafür sorgen konnte, dass Heavy T die Position wechselt, dann war es die ganze Zeit seine Absicht gewesen, Matt in dem Glauben zu lassen, es würde sich eine Falle in der schwächlichen Verteidigung verbergen. Und die gab es auch, nur sah sie ganz anders aus, als Matt letztlich erwartet hatte: Ressourcenverbrauch. Matt hatte alles aufgegeben, um einen imaginären Feind loswerden zu wollen!
      Keuchend griff er nach seinem Deck. „Sie haben mich echt an der Angel. Wollten Sie das? Dass ich Ouroboros beschwöre!? Ihretwegen-!“
      „Zumindest hat der Schatten, der dich umgibt, jetzt eine Form“, erwiderte Drazen ernst, „aber was du getan hast, hast du aus eigenem Antrieb getan.“
      Der alte Mann zeigte mit dem Finger auf den dreiköpfigen Drachen. „Du hast Angst davor. Aber nicht, weil seine Finsternis Unglückselige vernichten könnte. Sondern weil du dich nach ihm verzehrst!“
      „Nein!“, polterte Matt. „Wie kommen Sie auf die Idee!?“
      „Weil du dir selbst eine scheinbar gefährliche Situation vor Augen gehalten hast, für die es keine Beweise gab.“ Drazen sah ihn fest an. „Und echtes Zögern sieht anders aus.“
      Matt senkte seine Stimme. „Glauben Sie was Sie wollen, ich kenne die Wahrheit. Ich muss noch durch Ihren Effekt ziehen, also …“
      … tat er dies auch und legte jene Karte sofort in sein D-Pad ein. Woraufhin sie sich vor seinen Füßen materialisierte. Ohne Handkarten verlautete er: „Zug beendet.“

      Gleich im Anschluss riss Drazen seinerseits eine Karte von seinem Blatt und schenkte ihr für einen kurzen Augenblick mit einem verschmitzten Grinsen Aufmerksamkeit, ehe er eine andere aus seinem Blatt mit dem Daumen vorschob und diese auf seine Duel Disk klatschte.
      „Komm zu Daddy, [Scrap Chimera].“
      Matt fasste sich stöhnend an die Stirn. „Stimmt, die hatte er ja auch noch … verdammt!“
      Es bedarf wenig Erklärung, warum auf Drazens Spielfeldseite gleich zwei statt einem Monster auftauchten. Das linke war die eben beschworene Schimäre, ein beflügelter Löwe bestehend aus Altmetall. Neben ihm setzte sich aus um Drazen herum auftauchendem Schrott ein zweiköpfiger Hund zusammen.
      „Natürlich“, sagte Matt dazu grimmig, „[Scrap Chimera] kann bei ihrer Beschwörung einen Scrap-Tuner wie Orthros reanimieren. Sie haben sie extra dafür im letzten Zug recycelt.“
      Drazen nickte grinsend.

      Scrap Chimera [ATK/1700 DEF/500 (4)]
      Scrap Orthros [ATK/1700 DEF/900 (4)]

      Im Anschluss erwiderte der Weißhaarige und streckte dabei bewusst den Arm in die Höhe: „Ich denke du weißt, was jetzt kommt. Ich stimme meinen Stufe 4-Orthros auf meine Stufe 4-Chimera ein!“
      Beide Monster stiegen ebenfalls in die Luft auf, etwa auf Höhe von Heavy Ts Kopf. Dort zersprang der zweiköpfige Schrotthund in vier grüne Lichtzirkel, die die Schimäre passierte und sich dabei selbst in gleich viele grüne Sphären verwandelte. Drazen zitierte: „From within a pile of junk a heart of steel is born! The embodiment of the discarded! Synchro Summon!“
      Ein greller Blitz durchschoss die Ringe. „Tear them appart, [Scrap Dragon]!“
      Unter einem metallisch hohl klingendem Schrei verkündete ein imposanter Drache sein Kommen. Bestehend aus dunklen Schrottteilen, waren seine Schwingen nichts weiter als zusammengeschweißte, verschieden große Metallplatten. Bedrohlich leuchteten seine Augen rot auf.

      Scrap Dragon [ATK/2800 DEF/2000 (8)]

      Während das Monster über Drazen verharrte, zeigte der Matt eine Karte mit dem Rücken vor. „Die da setze ich verdeckt und aktiviere anschließend den Effekt [Scrap Dragons].“
      Er legte die Falle [Scrap Rage] in seine Duel Disk ein, doch kaum materialisierte diese sich vor ihm, zerplatzte sie schon in tausend Stücke.
      „Einmal pro Zug erlaubt es mir mein Monster, eine meiner Karten zu zerstören, um im Gegenzug dasselbe mit einer von deinen zu tun.“ Drazen streckte den Arm aus und zeigte auf Matts dreiköpfigen Drachen. „Los, Scrap Burst Salvo!“
      [Scrap Dragon] saugte die entstandenen Partikel der zerstörten Karte in sein Maul auf, um im Anschluss ein ganzes Geschwader an, aus allen möglichen Schrottteilen bestehenden, Raketen in Ouroboros' Richtung abzufeuern. Kurz vor dem Einschlag schnappte der linke Kopf nach dem um ihn kreisenden Xyz-Material. Sofort darauf wurde der Drache an mehreren Stellen seines Körpers gleichzeitig getroffen und demnach in Explosionen regelrecht eingedeckt.
      „Das zum Thema dunkle Kräfte …“, flötete Drazen fröhlich.
      „Dunkle Kräfte haben die dumme Angewohnheit, sich nicht so leicht vertreiben zu lassen, finden Sie nicht?“
      Drazen gab ein überraschtes „Hmm?“ von sich und sah nach oben, wo der Rauch sich lichtete. Und Matts finstere Kreatur, als wäre nichts geschehen, weiter über ihm flog.
      „Nicht nur Sie können Ihre Monster schützen!“, raunte Matt und nickte zu seiner offen stehenden Schnellzauberkarte. „Ich habe es [Xyz Shift Break] zu verdanken. Denn diese Karte erlaubt es, für einen Zug den Effekt mit einem gleichrangigen Monster von meinem Extradeck zu tauschen.“
      Matt präsentierte eigens dafür [Evilswarm Thanatos], den er zwischen Zeige- und Mittelfinger hielt, ehe er diesen zurück in sein Extradeck schob. „Der da kann sich auch im Gegnerzug vor Monstereffekten immun machen, indem er auf eines seiner Xyz-Materialien verzichtet. Kommt Ihnen sicher bekannt vor?“
      Passend dazu kreiste nur noch um den rechten der Köpfe des maskierten Drachen eine Lichtkugel.
      „Das ist nichts, was man nicht durch einen gepflegten Angriff richten könnte“, erwiderte Drazen unbesorgt und befahl: „Greif [Evilswarm Ouroboros] an, [Scrap Dragon]! Scrap Burst Stream!“
      Ohne Umschweife feuerte der Schrottdrache einen heftigen, blauen Laserstrahl auf seinen Kontrahenten ab. Matt wich zurück, als jener mitten in der Brust getroffen wurde und explodierte. Eine Schockwelle entstand, die den ehemaligen Dämonenjäger noch weiter zurückdrängte, doch er hielt sich kämpferisch auf den Beinen.

      [Matt: 1800LP → 1750LP / Drazen: 3750LP]

      Dort, wo Ouroboros zerstört worden war, breitete sich derweil ein dunkler Nebel aus, welcher Drazen keinesfalls entging. Abwartend beobachtete er, wie sich das ganze Feld seines Gegners damit füllte – und jener zu keuchen begann. Was nicht zuletzt daran liegen konnte, dass das Gras und Moos, welches von dem Nebel berührt wurde, in Sekundenschnelle einging.
      „Wie es scheint geht das Ableben deines Monsters mit einigen unschönen Nebeneffekten einher“, sagte der Weißhaarige mit einer Spur Besorgnis, „Bursche, du solltest so eine Karte nicht spielen, wenn du sie nicht-“
      „Sie irren sich!“, fauchte Matt und ballte vor ihm eine Faust zusammen. „Sehen Sie genau hin!“
      Plötzlich zog sich der ganze violett-schwarze Nebel in atemberaubender Geschwindigkeit an einem Punkt über ihm zusammen und bildete den dreiköpfigen Drachen, der wütend aufschrie. Um ihn rotierte ein Xyz-Material, während er seine Schwingen schützend vor die Köpfe hielt.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4} OLU: 1]

      Matt hielt die Karte von [Evilswarm Dullahan] zwischen den Fingern. „Wenn ein Schwärmer-Xyz zerstört wird, während Dullahan noch sein Xyz-Material ist, kann er jenes Xyz-Monster nur einmal während des Duells reanimieren und erneut zu seinem Xyz-Material werden.“
      „Und du dachtest, ihn in Verteidigung zu beschwören würde etwas bringen?“ Drazen seufzte und fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn. „Na ja, du lernst es auch noch. Heavy T, greif Ouroboros an und benutze Gravity Reverse!“
      Matt weitete die Augen, als der Metallgigant einen seiner Arme ausstreckte, in dessen Handinnenfläche eine blaue Energiesphäre eingesetzt war. Diese wirkte eine Kraft aus, die den dreiköpfigen Drachen ohne Vorwarnung Richtung jener sich rot verfärbenden Kugel riss.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4} OLU: 1]

      „Verdammt“, murmelte Matt, der alles mit halb zu Schlitzen geschlossenen Augen beobachtete.
      „Wann immer Heavy T angreift, kann er die Position seines Gegners wechseln“, erklärte Drazen dazu.
      Derweil hatte Ouroboros sein unfreiwilliges Ziel fast erreicht. Sein gigantischer Gegner holte mit der anderen Faust aus und schlug zu. Es folgte eine gewaltige Explosion, die Matt beinahe von den Füßen riss.

      [Matt: 1750LP → 1500LP / Drazen: 3750LP]

      ~-~-~

      Sie hatte genug, was sie mit einem Schnaufen lautstark kundtat. Einem bockigen Kleinkind gleich blieb Anya einfach stehen und wurde entsprechend laut. „Mir reicht's! Wie lange wollen wir noch planlos durch diesen kack Wald latschen?“
      Die beiden vor ihr antworteten synchron, etwas, das sie seit einer gefühlten Ewigkeit perfektioniert zu haben schienen. „So lange wie es dauert.“
      „Mein Bauchgefühl sagt, wir sollten genau in die entgegengesetzte Richtung! Seid ihr sicher, dass es hier lang geht?“ Es war deutlich zu herauszuhören, wer hier das letzte Wort haben wollte.
      Zanthe, der sich durch einen Busch schob, drehte sich genervt um. „Natürlich. Dich am Waldrand auszusetzen ist zu riskant, du könntest zurückfinden.“
      Der schwarzhaarige Hüne, der die Dreiergruppe anführte, ignorierte die Streitigkeiten, was ihm aber sichtlich schwer zu fallen schien. Seine Mimik sprach Bände. Selbst die bitterste Zitrone könnte nicht solch verzogene, durch die Narben besonders schiefe Lippen hervorbringen. Aber er hatte etwas, was die beiden vermissen ließen: ein geringes Maß an Selbstbeherrschung.
      „Scheiße, wie weit wollen wir noch hinaus? Es dämmert bereits!“, zeterte Anya weiter.
      Zanthe drehte sich um und murmelte verschwörerisch. „Sag, für wen tun wir das noch gleich?“
      Stille.
      „Dacht' ich's mir doch.“ Der Werwolf setzte seinen Weg fort. „Das Einzige, was hier dämmert ist deine geistige Umnachtung. Also sei doch -bitte- endlich still und-!“

      Die Erde wurde erschüttert. Zu schwach, um irgendwelchen Schaden in ihrer Umgebung anzurichten, aber wiederum stark genug, dass es jeder der Drei bemerkte. Anya rutschte gar den kleinen Hang hinab, den die Drei beschritten und stieß fast in Zanthe.
      Sofort drehte das Mädchen sich um. Zunächst war sie sich nicht ganz sicher, doch irgendetwas war da. Etwas, das die Bäume überragte und in der untergehenden Sonne glänzte. Etwas, das nach Triumph roch.
      In einer voller Selbstgefälligkeit triefenden Umdrehung grinste Anya ihre beiden Weggefährten altklug an, die sich bereits mit vielsagender Miene zu ihr wandten und dank Fingerzeig unmittelbar auf das aufmerksam gemacht wurden, was Anya entdeckt hatte. „Wie war das? Diese Richtung ist die Richtige? Ja, ist sie das immer noch, huh!?“
      Zanthe ließ im Affekt den Kopf hängen, als wäre gerade jede Hoffnung gestorben, ihn von seinem Werwolffluch zu befreien. „Blinde Hühner und Körner, Anya. Blinde Hühner und Körner …“
      Die aber stierte geradewegs an ihm vorbei, schließlich musste noch ein anderer Anwesender seine Niederlage eingestehen. „Also Big Al, hast du wenigstens die Eier es auszusprechen? Wer hatte Recht, wer?“

      Diejenige, die vermutlich eines grausamen Todes sterben wird, wenn sie ihre beiden Begleiter weiterhin so terrorisiert.

      Levriers Stimme aus dem Off wurde gekonnt von Anya ignoriert.
      „Könnte mir jetzt einer von euch gefälligst Recht geben, damit in wir -die andere Richtung- können!?“

      Du meine Güte, mir dünkt, du willst dich für irgendetwas an den beiden rächen, Anya Bauer. Allerdings hätte ich dir schon vorhin sagen können, in welche Richtung du musst, wenn du Matt Summers finden willst. Dieses Monster befindet sich schon seit geraumer Zeit dort, geschweige denn von den Schwingungen, die selbst bis hierher reichen …

      Die bereits vom breiten Grinsen überstrapazierten Mundwinkel Anyas krachten metaphorisch gesprochen Meter tief in die Erde. „ … Levrier …?“

      Was? Du hast nicht gefragt. Das ist meine heutige Lektion für dich. Oh, eigentlich ist das eine gute Idee, dir auch in Zukunft ein paar grundlegende Kniffe im Umgang mit der Realität beizubringen. Ich fürchte nur, es wäre vergebene Liebesmüh.

      In Anyas Augen traten bereits die roten Äderchen hervor. Ihre Faust knallte gegen den nächstbesten Baum, der zum Glück nicht vor Schmerz schreien konnte. Aber selbst wenn er es doch könnte, würde er in diesem Moment ohnehin von Anya übertönt werden. „Levrier!?“

      Er will es alleine austragen, Anya Bau-

      Doch mitten in seiner mit einem wesentlich ernsteren Ton untermalten Rechtfertigung wurde Levrier vom Bimmeln eines Mobiltelefons gestört, welches sich in der Innentasche des roten Mantels von Alastair befand. Der fischte es raus und legte es ans Ohr.
      „Ja?“
      Dann geschah eine Weile nichts, bis der Hüne murmelte: „Komme sofort.“
      Schon legte er auf und stürmte geradewegs an den anderen beiden vorbei, die gar nicht wussten, was überhaupt los war. „Ihr müsst ohne mich weiter … es gibt ein Problem.“
      Turn 48 - Little Lies: Part II
      Drazen verzog ärgerlich die Mundwinkel. „Zähes Biest …“
      Obwohl der Angriff seines Heavy Ts voll ins Schwarze getroffen hatte, wurde Ouroboros lediglich von der Explosion zurück zu Matt geschleudert, ohne aber sichtbare Schäden genommen zu haben. Mitten im Flug spreizte Ouroboros die Schwingen und konnte sich so verlangsamen, bis er schließlich zum Halten kam.
      „Ahja, das hatte ich vergessen zu erwähnen. Nach dem Einsatz von [Evilswarm Dullahans] Effekt wird das Monster, welches er reanimiert hat, im Kampf unzerstörbar.“
      „Das ist ärgerlich. Aber wie sagt man so schön? Es gibt keine Probleme, sondern nur Herausforderungen“, Drazen rieb sich den Hinterkopf, „und ich habe deine angenommen, also muss ich da wohl durch.“
      Derweil kreuzte sein Stahltitan die Arme über das T auf seiner Brust. Dazu sagte Drazen: „Ah, natürlich, da Heavy T angegriffen hat, wechselt er die Position.“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 DEF/0 (10)]

      Der Weißhaarige nahm eine seiner verbliebenen beiden Handkarten und aktivierte sie. „In meiner Main Phase 2 spiele ich diese hübsche Zauberkarte aus. Sie nennt sich [Monster Reincarnation] und lässt mich eine Handkarte abwerfen, um ein Monster von meinem Friedhof zu erhalten.“
      Er schob seinen [Scrap Soldier] in den Friedhofsschacht seiner Duel Disk und präsentierte [Scrap Chimera], die er fest umschlossen hielt. „Damit du weißt, was dir im nächsten Zug blüht. Du bist dran, Kleiner.“
      Matt stöhnte ärgerlich. „Nicht schon wieder … nächste Runde [Scrap Twin Dragon], oder was?“

      Ohne langes Zögern griff Matt nach seinem Deck und zog. Jene neue Handkarte entlockte ihm ein zufriedenes Lächeln, ehe er sich an Drazen wandte und den Arm ausstreckte.
      „Ich aktiviere den Effekt des linken Kopfes von [Evilswarm Ouroboros]! Infestations Rejection!“
      Das um den Drachen kreisende Xyz-Material hielt vor besagtem Kopf und wurde umgehend verschlugen. Sofort spie dieser eine pechschwarze, aus winzigen Partikeln bestehende Wolke direkt auf Drazen ab. Jener wurde an seiner Hand getroffen und ließ [Scrap Chimera] fallen, da seine Haut sich zusammenzog und dampfte, als wäre sie von Säure getroffen worden.
      „Infestations Rejection sorgt dafür, dass Sie eine Handkarte abwerfen müssen“, erklärte Matt, „und da Sie nur eine hatten, war das Resultat offensichtlich.“
      Der Weißhaarige, welcher sich den verätzten Handrücken hielt, verzog die Augen. „Clever.“
      „Und jetzt befehle ich Ouroboros, Ihren Heavy T anzugreifen! Infestation Absolute MAX!“
      Alle drei Köpfe bündelten gleichzeitig schwarze Energie in ihren Mäulern, ehe sie diese simultan auf Heavy T abfeuerten.
      Drazen schwang den Arm aus. „Mein Monster ist nicht daran gebunden, wann es seinen Effekt aktivieren muss. Von daher opfere ich jetzt [Scrap Dragon], um Heavy Ts Position zu wechseln und ihn immun vor Monstereffekten zu machen. Safety Bit!“
      Während sich die drei Strahlen auf ihrem Weg zum Titanen vereinten, streckte dieser seine Hände aus und ließ ein aus vielen Waben bestehendes Kraftfeld vor sich erscheinen, während der Schrottdrache sich in weiße Partikel auflöste, welche vom T in der Brust des Riesen absorbiert wurden.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 DEF/0 (10)]

      Matt grinste. „Da sich Ihre Monsterzahl verändert hat, entsteht ein Replay. Und ich entscheide mich, nicht weiter anzugreifen.“
      Sofort lenkte sein Drache den Angriff an seinen massiven Gegner vorbei und ließ ihn stattdessen weit entfernt im Wald einschlagen, wo eine düstere Explosion entstand.
      „Dank Heavy Ts Effekt darf ich jetzt ziehen“, sagte Matt verheißungsvoll und tat auch dies, „ich setze eine Karte verdeckt. Sie sind.“
      Seine andere Karte nehmend, ließ er diese vor seinen Füßen erscheinen.

      Drazen stand absolutes Unverständnis ins Gesicht geschrieben. Nicht, weil er überrascht war von Matts strategischem Geschick, ihm sowohl [Scrap Dragon], als auch [Scrap Chimera] zu nehmen. Nein, es lag daran, dass der junge Mann keine Sekunde damit verbracht hatte, auch nur darüber nachzudenken, wie er vorgehen sollte. Es geschah alles in einer beängstigen Geschwindigkeit, dass Drazen nicht mehr an seinem Gefühl zweifelte.
      „Du bist nicht alleine“, mutmaßte er frei heraus. „Hat er, sie oder es dir gesagt, was du tun musst, um mich am effektivsten zu bekämpfen?“
      „Ich weiß nicht wovon Sie reden“, wies Matt ihn ab.
      Der alte Mann kratzte sich resignierend am Kopf. „Du bist ein ganz schöner Sturkopf, wenn du das Offensichtliche nicht aussprechen willst. Aber wie du meinst, schließlich ist es dein gutes Recht, mit deinem Leben zu tun, was immer du willst. Es ist nicht meine Aufgabe, dich zu belehren.“
      Der scharfe Tonfall Matts ließ ihn aufschrecken. „Und warum tun Sie's dann?“
      Allerdings enthielt Drazen ihm eine Antwort vor und rückte stattdessen mit geschlossenen Augen seine Brille zurecht.

      Dann rief er: „Ich bin am Zug! Draw!“
      In einer halbmondartigen Bewegung riss er die Karte von seinem Deck und drehte sie noch während des Schwungs um, betrachtete sie aus den Augenwinkeln. Und grinste.
      Sofort legte er sie in seine Duel Disk ein. „Ich aktiviere [Monster Reborn]! Hmm … welches nehm' ich …?“
      Als er seinen Friedhof aus der Duel Disk nahm, fiel ihm sofort der [Scrap Dragon] ins Auge, welcher ganz oben lag. Allerdings müsste er für seinen Effekt eine seiner eigenen Karten zerstören, um Ouroboros loszuwerden und da er sonst nur Heavy T besaß, erschien ihm dies zu riskant. Letztlich erkannte er beim genauen Durchsehen seiner Karten, dass er gar nicht auf [Scrap Dragon] angewiesen war. Es gab einen viel einfacheren Weg.
      „Das Monster, was ich wiederbelebe, ist [Scrap Golem]!“, verkündete er und legte dessen Karte auf die Monsterkartenzone links neben Heavy T.
      Vor Drazen erhob sich ein massives Konstrukt, bestehend aus einem Kühlschrank als Körper, einer Mikrowelle als Kopf und Ventilatoren als Händen. Ein richtiger Schrottgolem.

      Scrap Golem [ATK/2300 DEF/1400 (5)]

      Dessen Besitzer streckte den Arm aus. „Bist ja noch jung, vielleicht erinnerst du dich also noch, wie unser Duell begonnen hat? Einmal pro Zug kann [Scrap Golem] einen seiner Freunde der Stufe 4 oder weniger reparieren, wobei es keine Rolle spielt, auf wessen Spielfeld das Monster erscheint.“
      Sein schwarzhaariger Gegner in dem dunklen Ledermantel zeigte keine Regung.
      „Nun, ich wähle [Scrap Searcher]. Und du weißt, wird der spezialbeschworen, zerstört er alle Monster seines Herren, die nicht aus Schrott bestehen.“ Drazen zückte die Karte des Scheinwerfervogels und war bereits im Begriff, sie Matt zuzuwerfen, als dieser abwehrend die Hand hob.
      „Nicht nötig. Es mag eine nette Idee sein, aber ich aktiviere meine Falle!“
      Vor ihm sprang die violett umrandete Karte auf. Und ohne Vorwarnung gab Ouroboros einen gebieterischen, dreifach widerhallenden Schrei von sich, während Matt sich nebenbei seiner Handkarte [Evilswarm O'lantern] entledigte. Aus dem Nichts ging ein Blitzschlag auf [Scrap Golem] hernieder und zerlegte ihn kurzerhand in seine Einzelteile.
      Drazen überspielte seinen Schreck mit einem anerkennenden Pfeifen. „Das kam unerwartet …“
      „Der Effekt von [Xyz Wrath] erlaubt es mir, sofern ich ein Xyz-Monster kontrolliere, durch das Abwerfen einer Handkarte die Aktivierung von Monstereffekten zu annullieren und dessen Auslöser zu zerstören, solange dieser mindestens auf Stufe 5 ist“, erklärte Matt und fügte hinzu: „und da es eine dauerhafte Falle ist, kann ich sie mehrmals benutzen.“
      „Solange du Handkarten hast. Aber du hast keine mehr, genau wie ich“, merkte Drazen findig an.
      Matt erwiderte das mit einem selbstbewussten Grinsen. „Nein, im Moment nicht. Aber Sie sind auch nicht in der besten Position. Natürlich können Sie noch angreifen, werden [Evilswarm Ouroboros] aber nicht zerstören. Und da Sie keine anderen Monster besitzen, können Sie Heavy Ts Position nicht in meinem Zug ändern, nachdem er angegriffen hat.“
      Auch Drazen zeigte jetzt sein Pokerface und lächelte trügerisch. „Also bin ich gezwungen, auf meinen Angriff zu verzichten. Aber vergiss nicht, dein Ouroboros besitzt kein Xyz-Material mehr und ist auch so nicht stark genug, um Heavy T zu besiegen.“
      „Das muss er auch gar nicht“, erwiderte Matt unbeeindruckt, „nächste Runde ziehe ich nach und selbst wenn ich die Karte nicht gebrauchen kann, werden Sie ab diesem Punkt Heavy Ts Effekt nicht mehr einsetzen können, wenn Sie ihn nicht an meine Falle verlieren wollen.“
      Drazens Grinsen wurde breiter. „Gut durchdacht. Warst das du oder dein kleiner Mann im Ohr? Dann wollen wir doch mal sehen, was du mit deiner nächsten Karte anstellst. Ich gebe ab.“
      Die beiden standen sich engstirnig auf der Lichtung gegenüber. Über Matt flog der dreiköpfige, pechschwarze Drache, während Drazen sich vor seinem Mecha-Titanen Heavy T befand. Ersterer kontrollierte zudem die offenen Fallen [Infestation Infection] und [Xyz Wrath].

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4} OLU: 0]
      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 DEF/0 (10)]

      Matt zog auf. Die Karte in seiner Hand ansehend, zeigte sein missmutiger Blick, dass er nicht zufrieden war. Ein Schwärmer wäre jetzt sehr praktisch gewesen, denn den hätte er mit einem nützlicheren dank [Infestation Pandemic] austauschen können. Aber so war es eine nutzlose Zauberkarte.
      „Ich passe“, verkündete er nichtsdestotrotz selbstbewusst. Der Plan würde Erfolg haben, Drazen waren im Angesicht von [Xyz Wrath] die Hände gebunden.

      Dieser ließ ihn nicht lange warten und zog ebenfalls auf. Etwas veränderte sich schlagartig in seinem Blick, das bemerkte Matt sofort. Drazen kräuselte die Stirn und starrte ihn intensiv an, ernst, als wolle er allein dadurch ausdrücken, dass Schluss mit lustig war.
      „Du fühlst dich sehr sicher hinter deinem Drachen.“
      Matt korrigierte: „Ich verstecke mich nicht hinter ihm, wenn Sie das meinen.“
      „Das würde ich an deiner Stelle auch nicht. Er bringt nichts Gutes.“
      „Wann tun solche das jemals?“, lautete Matts vielschichtige Gegenfrage.
      Was Drazens Mundwinkel zumindest einen kurzen Augenblick hochzucken ließ. „Der Punkt geht an dich. Dummerweise ist der Sinn des Spiels aber, sie dir zu nehmen. Also bin ich ein braver Duellant und tue genau das!“
      Im gleichen Atemzug rammte er eine Zauberkarte in seine Duel Disk. „Ich rüste Heavy T mit der Zauberkarte [Axe Of Fools] aus!“
      Nicht schlecht staunte Matt, als in der rechten Hand des Titanen eine riesige, silberne Axt erschien. Inmitten des Klingenblattes war eine aus Gold bestehende, gackernde Fratze eingebaut, die tatsächlich Geräusche von sich gab.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4000 DEF/0 (10)]

      „Falls du dachtest, ich würde mich mit Angriffen zurückhalten, täuscht du dich“, rief Drazen mit ausgestrecktem Arm, „los Heavy T, schlag zu!“
      Sein stählerner Riese holte mit der Axt weit aus, ehe er seinen Arm nach vorne schwang. Dabei wurde dieser immer länger dank der elektrischen Stränge, die die einzelnen Komponenten verbanden. So reichte er mühelos über das gesamte Spielfeld und ließ die Axt einem Henker gleich auf Ouroboros niedergehen, welcher über Matt verharrte. Als sie Kontakt mit dem dreiköpfigen Drachen herstellten, sauste sie durch ihn durch, wobei sich die Konturen des Biests für einen Moment verzerrten. Stattdessen peilte die Klinge gleich Matt an, der ihr mit Schweiß auf der Stirn entgegensah.
      Er nahm zwei Sprünge rückwärts, um nicht erschlagen zu werden, als die Axt den Erdboden vor ihm spaltete. Doch Matt hatte nicht damit gerechnet, dass anschließend eine Schockwelle folgen würde. Noch mitten in seinem zweiten Sprung wurde er von dieser erfasst und fortgerissen, landete meterweit entfernt, vorbei an Bäumen in den Wald geschleudert.
      „Urgh!“

      [Matt: 1500LP → 250LP / Drazen: 3750LP]

      Drazen stand derweil mit seinen Armen verschränkt inmitten der Lichtung. Sein Poncho wurde von einer etwas stärkeren Brise angehoben, während er beobachtete, wie Matt sich zurück zu seiner Spielfeldseite schleppte.
      „Wie du sicher schon bemerkt hast, hat Heavy T seine Position nicht gewechselt“, erklärte er seinem Kontrahenten nebenbei, „das liegt daran, dass [Axe Of Fools] seinen Effekt negiert. Dachtest du wirklich, ich wäre nicht auf Situationen vorbereitet, in denen es mir an Monstern zum Opfern mangelt?“
      Matt, wieder in Ausgangsposition, wischte sich ein Rinnsal Blut mit dem Handrücken von der Wange. „Ich wäre enttäuscht, wäre das nicht der Fall.“
      „Du nimmst das alles viel zu leicht“, klagte Drazen seinen Gegner plötzlich lautstark an, „Zug um Zug verlierst du mehr Lebenspunkte, ohne eine geeignete Gegenoffensive zu starten, selbst mit den Kräften, derer du dich bedienst! Bist du dir im Klaren, worum es hier geht!?“
      „Einer Freundin zu helfen“, antwortete er nicht sehr überzeugend.
      Drazen stampfte wütend auf. „Warum tust es dann nicht!?“
      Als sein Gegner nichts sagte, straffte sich der Ponchoträger, als wäre die Sache für ihn damit beendet. Unterkühlt sprach er: „Ich werde dich töten, wenn du verlierst. Als Hüter kann ich nicht zulassen, dass dir Heavy T in die Hände fällt. Du hättest mich nie beschwören sollen. Zug beendet.“

      Matt zog lasch von seinem Deck und schenkte der Karte gar keine Beachtung. Stattdessen senkte er den Blick. „Wann habe ich jemals behauptet, dass ich mit allem kämpfe, was ich bieten kann?“
      „Hmm?“, horchte Drazen auf.
      „Sie unterschätzen mich maßlos.“ Matt hob langsam seinen Kopf. „Ich habe genug Gründe, hier als Sieger herauszugehen und glauben Sie mir, das werde ich auch.“
      In seinen Augen leuchtete etwas auf. Und es war nicht etwa brennender Kampfgeist, sondern etwas Sichtbares. Ein Symbol, in seiner rechten Pupille, zu klein, als dass Drazen es erkennen konnte.
      „Und irgendwo haben Sie die ganze Zeit gewusst, dass Sie nie eine Chance hatten, habe ich recht? Zwar wollen Sie selbst bestimmen, -wie- es geschieht, aber diese Wahl haben Sie nicht. Nicht alles im Leben ist eitel Sonnenschein.“
      Ruckartig streckte Matt die Faust nach oben. „Und nun sollen Sie wissen, wovon ich spreche! Rank-Up-Incarnation Summon!“
      Sein Drache schrie gleich dreifach wütend auf, als sich über ihm das Overlay Network bildete …

      ~-~-~

      Anya und Zanthe strichen eilig durch das Dickicht, an Bäumen und Wurzeln vorbei, mit dem Blick fest Richtung auf den Titanen gerichtet, der nicht mehr weit entfernt sein konnte.
      Die Blondine führte die mittlerweile nur noch zwei kleinen Jägermeister missmutig an. „Kann nicht glauben, dass er uns einfach zurückgelassen hat!“
      „Schien wichtig zu sein“, hörte sie Zanthe hinter sich mutmaßen, „an seiner Stelle hätte ich auch die Flucht vor dir ergriffen.“
      Mit geweiteten Augen wirbelte das Mädchen zu ihm um. „Was hast du gerade gesagt!?“
      „Putz dir die Ohren!“, zeigte sich der Kopftuchträger unbeeindruckt und rückte ihr mit seinem Gesicht so nahe, dass sie seinen Atem auf der Haut spüren konnte.
      Die beiden stierten sich Stirn an Stirn derart feindselig an, bis Zanthe unvermittelt von ihr zurückschreckte. Doch nicht etwa, weil Anya den Wettbewerb gewonnen hatte, sondern aus einem anderen Grund, auf welchen er mit dem Finger zeigte. „Grundgütiger, was geht denn da ab!?“
      Den Kopf zur Seite drehend, folgte Anyas Blick seinem Arm. Tatsächlich, nicht weit entfernt stiegen dutzende schwarzer Blitze aus dem Wald auf. Der ganze Wald wurde erschüttert, nur den Bruchteil einer Sekunde, dann drang ein grässliches, schrilles Gebrüll zu ihnen durch.
      „Scheint, als würde Summers endlich in die Puschen kommen! Los, mir nach!“

      Die beiden rannten los. Anya musste zugeben, sich ziemlich verschätzt zu haben. Es sah zwar nicht so aus, aber der Weg war doch noch länger als gedacht. Zumal er durch einen immer steiler werdenden Hang erschwert wurde.
      Sie kämpfte sich geradezu vorwärts. Bis etwas Seltsames geschah. Einen Moment lang fühlte sich ihr ganzer Körper taub an, sie verlor den Halt und stürzte rückwärts. Zanthe reagierte umgehend und fing sie ab, hielt sie an den Schultern fest.
      „Alles in Ordnung?“
      Anya brauchte einen Moment, ehe sie ihre Lage überhaupt erfassen konnte. Das Gefühl in ihren Gliedern kehrte wieder, doch ihr Herz raste. „I-ich denke schon.“
      „Ich werd' dich nicht tragen, dafür gibt’s Vampire“, spielte Zanthe auf einen gewissen Roman an und ließ sie los. „Ist nicht mehr weit, ich rieche sie schon …“

      Und tatsächlich, als sie den Hang erst nach oben geschafft hatten, gestaltete sich der restliche Weg wesentlich einfacher. Wenige Minuten später erreichten sie eine Lichtung – und erschraken.
      Überall waren Löcher und Spalten im Boden, entweder von Einschlägen oder anderen Methoden herrührend. Selbst einige Bäume waren ausgerissen und lagen wahllos am Rand der Lichtung verteilt übereinander.
      Und mitten drin Matt. Ihnen den Rücken zugekehrt, regungslos auf der Schulter liegend, allein.
      „Was ist … ?“ Anya stockte der Atem.
      „Wo ist der andere?“, wunderte sich ihr Begleiter nur, als würde ihn der Anblick des tatsächlich Anwesenden gar nicht berühren. „Seltsam, ich hätte schwören können, eben …“

      Die Blondine aber hörte gar nicht mehr zu, rannte herüber zu Matt und schlitterte das letzte Stück regelrecht, da sie eine astreine Blutgrätsche hinlegte. Sofort fasste sie ihn an den Schultern und drehte ihn auf den Rücken. Auf den ersten Blick konnte sie keinerlei Verletzungen feststellen.
      „Ist er tot!?“, schrie sie Zanthe an, als wäre er am Zustand des Dämonenjägers Schuld.
      Der aber, noch einige Meter entfernt, schlenderte seelenruhig auf die beiden zu und zuckte dabei mit den Schultern. „Weiß nicht. Kannst ja mal Mund-zu-Mund-Beatmung probieren.“
      Wie hätte der Werwolf auch ahnen können, dass sein Scherz derart für voll genommen wird, dass Anya sich über Matt schwang und kurzerhand ihre Hände übereinander auf seine Brust legte? Und zudrückte. Ihr Trommelfell war im Anschluss geneigt zu platzen, als Matt hoch fuhr und derart laut aufschrie, dass sie regelrecht von ihm herunter purzelte.
      Keuchend hielt er sich die Stelle nahe seines Herzens und betrachtete das völlig verdatterte Mädchen, als wäre sie eine Wahnsinnige. „Was soll das!?“
      „D-das ging aber schnell“, stotterte die sonst so taffe Anya überrumpelt. „Man bin ich gut, call me Jesus oder so!“
      „Anya … er war nicht tot, sondern nur bewusstlos“, seufzte Zanthe resignierend, „das war nur ein Scherz gewesen.“
      „Hast du eine Ahnung wie weh das getan hat und immer noch tut!?“, fuhr Matt sie weiter an.
      Nun schaltete sich Anyas üblicher Trotz ein, gepaart mit der ebenso lästigen Eigenschaft des Mädchens, abrupt das Thema wechseln zu wollen. Sie richtete sich auf und schnaufte wütend. „Nicht annähernd so doll wie das, was ich dir antun werde, wenn du mir nicht gleich sagst, was hier abgegangen ist! Wir wären ja früher hier gewesen, aber du hast vergessen, uns den Zauber mitzugeben, mit dem wir dir folgen können!“
      Matt funkelte sie böse an und drehte ihr seine rechte Handfläche zu, in der Heavy Ts Karte lag. „Beantwortet das deine Frage?“

      Einen Moment hockte das Mädchen mit offenem Mund da. Diese Zeit nutze Matt, sich der weißen Handschuhe zu entledigen und sie Anya zusammen mit der Karte in die Hände zu drücken.
      „Da“, raunte er in einem geradezu bösartigen Tonfall, „damit hab ich getan, was du wolltest.“
      Verdutzt nahm sie sie entgegen. Matt streckte seinen Arm in die Höhe, Richtung Zanthe, welcher ihn verwirrt anblickend aufhalf.
      „Das ist wohl jemand sauer, weil er den Boden geknutscht hat“, scherzte der Werwolf.
      Sofort als der ehemalige Dämonenjäger auf den Beinen war, stieß er jenen von sich und lief davon, nur um wieder herumzuwirbeln und Anya strafend anzustarren. „Du sagtest, er würde nicht-!“
      Das Mädchen schwang sich ebenfalls auf. „Würde was nicht?“
      „Sterben! Du hattest es versprochen! Wenn ich gewinne, würde ihm nichts passieren!“
      „J-ja, wieso-“
      „Er ist tot, Anya!“, polterte Matt.
      Jene drehte sich zu Zanthe, welcher einen ebenso entsetzten Gesichtsausdruck hatte wie sie selbst.

      ~-~-~

      Der Weißhaarige glitt mit einem milden Lächeln durch die Luft, ehe er auf dem Boden aufschlug und noch ein ganzes Stück weiter rutschte.

      [Matt: 250LP / Drazen: 3750LP → 0LP]

      Drazen blieb liegen, schloss die Augen. Ein Augenblick verging, in dem nichts geschah.
      Weiter von ihm entfernt stand Matt, mit gesenktem Haupt. Hologramme befanden sich bereits nicht länger auf dem Spielfeld.
      „Das kam unerwartet“, lachte der Ponchoträger leise, „du bist wirklich 'ne Marke …“
      „Geben Sie mir die Karte, dann können Sie gehen“, drang Matts feste Stimme an sein Ohr.
      „Die kannst du dir selbst nehmen. Deine Freundin besitzt die Conqueror's Soul und du bist mit ihr verbunden. Es sollte kein Problem für dich sein.“
      Als wäre das das entsprechende Signal gewesen, streckte Matt ungewollt den rechten Arm aus. Und aus Drazens Brust stiegen dutzende Lichtstrahlen auf, die sich zwischen Matts Fingern sammelten und schließlich Heavy Ts Karte bildeten.
      Jener betrachtete die Karte vor sich aufmerksam, ließ dann aber den Arm sinken. Und erschrak zutiefst, als er mit ansah, was dort drüben mit Drazen geschah.

      Er löste sich auf. Seine Haut hatte einen ungesunden, braunen Ton angenommen und zerbröselte Stück für Stück. Ein Windzug, der durch die Lichtung ging, trug seine Überreste zunehmend fort.
      „Leider werde ich nirgendwo mehr hingehen können“, krächzte Drazen, bei dem sich selbst dessen Kleidung und Duel Disk auflöste.
      „Was passiert mit Ihnen!?“, wollte Matt aufgebracht wissen.
      „Jetzt, wo ich nicht länger ein Hüter bin, kann ich in Frieden sterben. Aber ich wollte es so, du musst dich nicht schuldig fühlen.“ Drazen lachte bärbeißig auf. „Ha ha, jetzt weißt du, warum ich deinem Ruf gefolgt bin.“
      Der Schwarzhaarige schüttelte erschüttert den Kopf, streckte die Arme aus. „Das war nicht, was-!? Das ist nicht, was ich wollte!“
      Fast der ganze Körper des alten Mannes war bereits fort, als er sprach: „Natürlich nicht, du bist kein schlechter Mensch. Nur fehlgeleitet. Ich hoffe, dass du das selbst eines Tages einsiehst, bevor es zu spät ist …“
      Und als er sich schließlich ganz aufgelöst hatte und vom Wind davongetragen wurde, stand Matt mit einem Gefühl am Rande der Lichtung, welches er noch nie verspürt hatte und unmöglich beschreiben konnte. Schuld, Reue, Wut, Schmerz, Hilflosigkeit – es war ein bösartiger Cocktail, der seine Sinne regelrecht benebelte.
      Bis zu dem Moment, als eine eisige Kälte ihn durchzog. Und alles dunkel wurde …


      ~-~-~

      Als Matt das komplette Duell rekapitulierte, ließ er bestimmte Stellen bewusst außen vor.
      Die beiden anderen standen mit fassungslosen Gesichtsausdrücken vor ihm. Es war der Werwolf, der als Erster das Wort ergriff. „Ich glaube, ich weiß, warum er gestorben ist.“
      Matt sah ihn mit scharfem Blick an. „Ahja? Sag schon.“
      „Er war jemand, dessen innere Uhr durch diesen Zauber von Eden aufgehalten wurde. Er konnte nicht mehr altern, solange er in dieser Stadt war“, mutmaßte Zanthe, der sich am Kinn kratzte, „als er die Stadt verlassen hat, hätte er es aber müssen, zumindest gehe ich davon aus. Aber das ist nicht passiert. Vielleicht hat sein Status als Hüter ihn davor bewahrt. Und nachdem du ihn besiegt hast, hat die Uhr ihn eingeholt.“
      „Tch!“

      Anya wandte sich von den beiden ab. Niemals hätte sie damit gerechnet, dass diesem Drazen etwas Derartiges widerfahren würde. Der Sammler hatte es versprochen! Niemand würde sterben!
      Was, wenn es dasselbe bei den anderen Hütern war!? Das wären dann noch fünf Leute, die sie auf dem Gewissen hätte! Das war alles ihre Schuld und Matt hatte sie da auch noch mit reingezogen!

      Als sie sich zu den anderen beiden umdrehte, war ihr gar nicht bewusst, dass ihr Tränen in den Augen standen. In diesem Moment dachte Anya Bauer nicht daran, eine gefühlskalte, selbstsüchtige Jägerin zu sein. Sie war ein Mensch, der zutiefst darüber entsetzt war, was die eigenen Absichten angerichtet hatten.

      „Anya …“, murmelte Zanthe ungewöhnlich mitfühlend. „Gib dir nicht-“
      „Fuck!“, brüllte die los und stampfte auf. „Das hätte nicht passieren dürfen! Fuck!“
      Matt sah sie hingegen wesentlich weniger emotionsbeladen an und mahnte sie: „Bleib ruhig, wir können auch noch später trauern.“
      „Heißt das, dir macht das nichts aus!?“, fuhr sie ihn an.
      „Er war sich der Konsequenzen bewusst. Mehr noch, er hat selbst zugegeben, es so gewollt zu haben.“
      Ehe Matt sich versah, fiel Anya ihn an, packte den Kragen seines Mantels und riss ihn regelrecht zu sich. „Ahja!? Und weil du sein OK hast, ist die Sache für dich erledigt!?“
      „Schluss jetzt, das bringt nichts!“, ging Zanthe dazwischen und stieß die beiden mit seinen Handflächen voneinander weg.
      Als hätte Matt gar nicht weiter Notiz von Anyas Anklage genommen, fragte er den Werwolf: „Wo ist Alastair?“
      „Ist zurück zum Waisenhaus gefahren. Alector hat angerufen, irgendetwas ist passiert, aber wir haben keine Ahnung was.“ Der Kopftuchträger zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, ob er uns überhaupt abholen wird.“
      „Nicht gut“, erwiderte Matt mit Blick gen Himmel, „es ist fast dunkel. Und wir werden eine Weile brauchen, um zurückzufinden. Vielleicht …“

      Während er grübelte was sie tun sollten, betrachtete Zanthe den jungen Mann eingehend. Irgendetwas an seinem Anblick störte ihn. Der Ledermantel, sein Hemd und die schwarze Hose, sie alle waren beschädigt, wiesen Risse und Löcher auf. Aber etwas fehlte. Die Wunden!
      Matt selbst sah aus wie das blühende Leben, als hätte es nie einen Kampf gegeben. Völlig widersprüchlich zu seiner äußeren Erscheinung, nach der er Bekanntschaft mit einem Reißwolf gemacht haben müsste.
      Zanthe drehte sich herüber zu Anya. Aber die stand abseits von ihnen und kämpfte immer noch mit dem Schock, dass Drazen tot war. Vermutlich hatte sie von Matts optischem Zustand gar keine Notiz genommen.

      Es irritierte ihn, das Mädchen so betroffen zu sehen. Er hatte sie nicht so eingeschätzt, dass sie sich den Tod jenes Mannes so zu Herzen nahm, obschon sie sich nur kurz begegnet waren. Immerhin musste sie gewusst haben, welche Risiken in ihr Unterfangen involviert waren. Zumal es genauso Matt hätte erwischen können. Was wäre dann?
      Aber Zanthe sah davon ab, ihr das jetzt an den Kopf zu knallen. Es würde auch nichts besser machen. Dennoch würde er mit ihr darüber reden müssen, schließlich schien sie noch nicht begriffen zu haben, dass solche Dinge noch häufiger geschehen könnten.
      Es war einfacher, wenn nur das eigene Leben betroffen war und nicht das anderer … das verstand Zanthe schon. Aber hier war das nicht der Fall.

      Er hob die Hand und betrachtete jene betrübt, ballte sie zu einer Faust. Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, mit ihr mitzukommen, wenn sie innerlich nicht vorbereitet auf die Konsequenzen ihres Handelns war.
      Doch Zanthe ließ von diesen Gedanken ab, als er bemerkte, wie sich dünner Nebel, einer Schlange gleich, um seine Füße wand. Die ganze Gegend war von ihm erfüllt.

      „Sagt mal“, wandte er sich an die anderen und sah sich auf der mittlerweile vom Mond beleuchteten Lichtung nachdenklich um, „dieser Nebel, der war doch vorhin noch nicht hier.“
      Dies bemerkte auch Anya, die sich neben ihn stellte und dabei unter Stirnrunzeln die Arme verschränkte. „Jetzt wo du es sagst, nein. Aber wen interessiert das jetzt schon … “
      Auch war es kälter geworden, deutlich kälter.
      „Wir sollten lieber von hier-“

      Matt kam nicht weiter, denn eine unheimliche Stimme unbekannten Ursprungs unterbrach ihn. Verheißungsvoll flüsterte sie in ihrem kratzenden, seltsam mechanisch klingenden Tonfall: „Wenn das erste Siegel gebrochen ist, erwachen wir aus unserem endlosen Schlaf …“
      Anya wirbelte erschrocken herum. „Was war das!?“
      „Wenn das zweite Siegel gebrochen ist, sprechen wir eine Warnung aus.“
      Die Drei, Rücken an Rücken, sahen sich irritiert um, konnten jedoch die Quelle der Stimme nicht ausmachen. Da waren keine Schatten, die zwischen den Bäumen hin und her huschten oder irgendwelche Lichter. Gar nichts.
      „Alter, treib deine Horrorshow woanders! Ich hab jetzt grad' echt keinen Bock auf so'ne Scheiße!“
      „Und beim dritten Siegel … töten wir.“
      Matt weitete die Augen, als er herüber zur Blondine guckte. „Anya, pass' auf!“
      Die bekam gar nichts mit. Stattdessen starrte sie nur verwirrt den Dämonenjäger an, der sich ihr allen Ernstes entgegen warf und sie umriss. Keine Sekunde später schoss ein spitzer Pfeiler ganz aus Gestein gemacht genau dort aus dem Boden, wo noch einen Moment zuvor das Mädchen gestanden hatte. Mit ihr im Arm landete er im Moos.
      „Oh Mist!“, schrie Zanthe und sprang geschickt erst nach links, dann rollte er sich nach vorn, um so gleich zwei dieser Attacken zu entkommen, die sich wie von Zauberhand wieder in den Erdboden zurückzogen.
      „Nicht liegenbleiben! Achte auf die Vibrationen!“, schrie Matt Anya an und riss sie regelrecht am Arm hinauf, zog sie weg, da unter ihr schon wieder ein solcher Stalagmit emporschoss. Sie stolperte und knallte gegen Matt, der sie wegschubste und den entstandenen Schwung dazu zu nutze, sich ebenfalls wegzubewegen, da auch er angepeilt wurde.
      „Tanzt, tanzt um euer Leben, Kinder der Vergänglichkeit!“
      Zanthe, der dank seiner athletischen Fähigkeiten mühelos allen Angriffen ausweichen konnte, brüllte über die Lichtung hinweg: „Wer zum Teufel ist da!?“
      „Ein Wächter der ewigen Ordnung.“

      Schlagartig hörte es auf. Stattdessen trat aus dem Schatten zweier Bäume eine Gestalt hervor, von der Anya nie geglaubt hätte, dass es sie überhaupt gab. Auch Matts Augen weiteten sich, denn was er dort sah, war ihm nie zuvor begegnet. Selbst der sonst so unerschrockene Zanthe brachte kein Wort raus.
      „Die Narren haben etwas Unentschuldbares getan“, sagte die über zwei Meter hohe Gestalt, „nunmehr zum zweiten Male. Und nun ist es an der Zeit, dass der Undying seine Warnung ausspricht.“


      Turn 49 – Declaration Of Superiosity
      Das Wesen namens Stoltz, welches sich Anya, Matt und Zanthe in den Weg stellt, bezeichnet sich selbst als Undying, ein unsterblicher Hüter der sogenannten ewigen Ordnung. Er bezichtigt Anya und Matt, jene Ordnung durch ihre Verbrechen zu gefährden. Anya, durch Drazens Tod labil, greift ihn als Kurzschlussreaktion an, doch selbst mit der Unterstützung von Matt und Zanthe scheint es, als können sie ihm tatsächlich nichts anhaben. Mit vereinter Kraft stellen sie sich ihm in einem Duell, doch …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Matt

      Evilswarm Heliotrope
      Evilswarm Mandragora
      Evilswarm Thunderbird
      Evilswarm Golem
      Evilswarm Kerykeion
      Evilswarm Salamandra
      Evilswarm O'lantern

      Evilswarm Dullahan
      Fee/Finsternis/Effekt
      ATK/1150 DEF/1550 (4)
      Wenn du ein offenes "Lswarm"-Monster mit 1500 oder mehr ATK kontrollierst: beschwöre diese Karte von deiner Hand als Spezialbeschwörung. Wenn ein "Lswarm"-Xyz-Monster, welches diese Karte als Xyz-Material besitzt, zerstört wird, nur einmal während des Duells: wähle das zerstörte Monster als Ziel von deinem Friedhof und beschwöre es mit diesem Monster als Xyz-Material in offene Angriffsposition. Es erhält folgenden Effekt: O Diese Karte kann nicht durch Kampf zerstört werden.

      Creeping Darkness

      Xyz Regret
      Zauber/Normal
      Schicke eines deiner offenen Xyz-Monster in dein Extradeck zurück; beschwöre zwei Monster von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung, deren Stufe dem Rang jenes Monsters entspricht. Die Effekte der beschworenen Monster werden annulliert, sie können keinen Angriff deklarieren und kein Spieler kann ein Xyz-Monster während diesem Duell beschwören, das denselben Namen wie ein Xyz-Monster trägt, das durch diesen Effekt ins Extradeck zurückgeschickt wurde.

      Xyz Shift Break
      Zauber/Schnell
      Wähle eines deiner offenen Xyz-Monster und ein Xyz-Monster mit demselben Rang in deinem Extradeck als Ziel: bis zur End Phase wird der Effekt des ersten Ziels zum Effekt des zweiten Ziels.

      Infestation Infection
      Xyz Wrath
      Defense Draw

      Evilswarm Bahamut
      Evilswarm Ophion
      Evilswarm Thanatos
      Evilswarm Ouroboros

      Drazen

      Scrap Searcher
      Scrap Golem
      Scrap Chimera
      Scrap Orthros
      Scrap Soldier

      Monster Recovery
      Monster Reborn
      Axe Of Fools

      Scrap Rage
      Memory Loss

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. Wenn diese Karte ein Monster als Ziel eines Angriffs wählt: du kannst die Position des Ziels wechseln. Nach der Schadensberechnung, wenn diese Karte angegriffen hat: wechsle ihre Position. Jederzeit während den Zügen beider Spieler: biete ein Monster als Tribut an; wechsle die Position dieser Karte. Wenn du das tust: diese Karte bleibt von den Effekten von Monsterkarte bis zur End Phase unberührt und dein Gegner zieht eine Karte.


      Meinungen, Kritik und Anregungen wie immer erwünscht.
      Spoiler anzeigen

      So, gleich zu Anfang: Du teast hier eine Ouroboros Incarnate an, und dann ist das Einzige, was man erfährt, dass die dazu in der Lage war, trotz Heavy T auf dem Feld Drazens LP in einem Rutsch auf 0 zu hauen (und er hatte ja noch knapp 4000). Einfach nur fies. Aber das muss ein krankes Vieh sein xD


      Davon abgesehen war der Ausgang des Duells mit Drazen in etwa so, wie ich es erwartet habe. Im Verlauf hat man ja schon irgendwie gespürt, dass da die Death Flag für ihn gehisst werden könnte. Trotzdem kam die Art, wie Matt nun gewann, doch etwas unerwartet. Klar hätte man da durch Drazens Kommentare von wegen kleiner Mann im Ohr usw (was ja so ein wenig wie Immaterielle anmutet, die so wie Levrier Anya 'ins Ohr flüstert', sprich nur für sie zu hören ist (mit Ausnahmen)), aber darüber gab es keine Anzeichen dafür. Noch kann man momentan ja nicht einmal davon ausgehen, ob es überhaupt einen Pakt gibt, der für eine klassische Incarnate nötig ist. Schließlich handelte es sich um eine Rank-Up Incarnate, das kann was ganz Neues sein - oder eine Weiterentwicklung. Wobei, wer weiß, am Ende ist das Packsymbol das kleine DIng in seinem Auge, was keiner sonst wahrnahm? xD
      Die Pattsituation, die diesem abrupten Ende aber zuvor ging, fand ich nebenbei angemerkt sehr gut eingebaut. Man kam auch zu dem Schluss, dass Matt irgendetwas anderes brauchte, um das Duell in dem Moment zu seinen Gunsten zu drehen - auch wenn die Incarnate wohl das letzte war, das als Kandidat im Raum stand.

      Interessant fand ich auch Anyas Reaktion auf den Tod von Drazen. Man hätte bei ihr ja kaum erwartet, dass sie das so mitnimmt. Andererseits zeigt es nach allem, was ihr in S1 und dem Special widerfahren ist, dass sie wohl gehofft hat, dass der 'Kampf' um die Hüterkarten keine weiteren Leben mehr kosten würde - abgesehen von dem eigenen, was hier auf dem Spiel steht. Das wurde ja auch im Endeffekt dadurch bestärkt, dass Zanthe nach dessen Duell nichts passiert war. Aber nur allzu oft ist die Realität grausamer als wir sie uns vorstellen. Und das hat Anya nun wieder am eigenen Leib erfahren. Trotzdem gefallen mir die Szenen, wo man sieht, dass sie nicht mehr der Eisklotz wie zum Anfang von S1 ist und sich ihr Wandel zeigt.
      Die Erklärung von Zanthe aber, warum Drazen danach sein Ende fand, die ist denke ich ganz plausibel. Dürfte wohl auch die beste Erklärung dafür sein, wenn man keine Verschwörung dahinter sieht.

      Leider sind davon ab in der Folge wenig Antworten rübergekommen. Gerade im Duell mit Drazen hätte man ja gehofft, dass Matt ihm doch noch etwas über das Ganze entlocken könnte. Aber ich gebe gern zu, dass es vermutlich nicht wirklich gepasst hätte, wenn man Matt als Ganzes in den beiden Folgen sieht.
      Eigentlich hat die Folge sowieso viel mehr Fragen aufgeworfen als Antworten geliefert. Wir haben in Matt einen neuen (alten) Unsicherheitsfaktor, unklare Begriffe wie die Conqueror's Soul (also was das alles über dem Augenscheinlichen bedeuten könnte) und dann, um alles noch zu toppen, lebensgefährliche 'Wächter der ewigen Ordnung'.
      Insofern schossen die Fragen hier förmlich aus dem Boden - aber das ist hin und wieder auch ganz willkommen und soll keine Kritik hier sein. Denn so bleibt es spannend und du hast viele Dinge, die du in späteren Folgen aufgreifen und auf die du näher eingehen kannst.

      Aber noch einmal zurück zum Undying. Das scheint ja jetzt eine höchst interessante Entwicklung zu sein. Denn bisher konnte man fast davon ausgehen, dass die einzige Schwierigkeit für Anya und Co darin bestehen würde, die 7 Hüter zu finden und in einem Duell zu besiegen.
      Nun stellt sich denen aber Etwas - zudem Übernatürliches - in den Weg, was sie unbedingt von ihrem Vorhaben abbringen will. Und von seinen Worten erweckt es den Eindruck, als sei Anya die Böse, weil sie eine Veränderung heraufbeschwört, die es um jeden Preis zu verhindern gilt (Stichwort: ewige Ordnung und Unverzeihliches getan)
      Damit liegt eigentlich auf der Hand, dass das, was der Collector da mit Anya vorhat, ein viel größeres Ausmaß hat als man bisher angenommen hätte. Immerhin, wenn man sich an dem Wort 'ewig' festbeißt, scheint ja irgendjemand vor sehr langer Zeit den Undying geschaffen oder berufen hat, um jene Ordnung zu wahren und damit in der Konsequenz zu verhindern, dass jemand wie Anya alle Hüterkarten zusammenträgt. Und daraus kann man nur Folgen, dass das etwas sehr Mächtiges 'behütet'.
      Ich denke aber, ohne in der nächsten Folge möglicherweise mehr darüber erfahren zu haben, ist es ratsam, die ganzen Fragen, die dadurch aufgeworfen werden, erst einmal hintenanzustellen. Aber eins fällt doch in der Preview trotzdem ins Auge:
      Wenn der Undying so übel drauf ist, dass selbst die kombinierten Kräfte von Anya, Zanthe und Matt(lswarm) nicht vermögen, ihm überhaupt etwas anzuhaben - warum besitzen dann die Menschen überhaupt die Hüterkarten? In dessen Händen wäre so etwas eigentlich ja viel sinnvoller.
      Wobei ich mir die Frage vermutlich selbst beantworten kann, dass Hüter zufällig bestimmt sind und der Undying als Wächter erst eingreift, wenn jemand nach den Hüterkarten Jagd macht. So als letzte Firewall gegen einen Hack (keine Anspielungen auf Nick beabsichtigt xD)

      Zudem sehe ich da aber noch ein ganz anderes Problem. Der Undying ist ja unmittelbar dort aufgetaucht, wo Anya die Hüterkarte für sich akquiriert hat. Insofern müssen die eigentlich doch jetzt bei jeder weiteren dieser Karten damit rechnen, dass der wieder auftaucht, wenn sie ihn hier nicht besiegen können - und wenn man jetzt noch bedenkt, wie tödlich das vor der eigentlichen Warnung hätte sein können, dann will man gar nicht dran denken, was passiert wenn der erst richtig Ernst macht und nicht mehr nur 'warnt'.

      Naja, genug dazu, ich lass mich überraschen und warte geduldig auf die nächste Folge. Vielleicht können sie dem Undying ja sogar ein paar Dinge entlocken, die ihnen nützen werden ;)

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Vielen Dank an alle Leser. ^^

      @Evil Bakura
      Jep, die Incarnate ist denk ich mit das Krankeste, was ich je erfunden habe. ^^
      Danke für dein Lob, aber natürlich kann ich nicht vorweg nehmen, was es mit Matts mysteriösem Monster und den Hintergründen auf sich hat.
      Ebenso das mit Anya. Jep, vom Folge 1 bis hierher hat sie ne deutliche Wandlung gemacht. Wobei ich persönlich denke, dass so etwas schon immer in einem Menschen gesteckt hat und nie ganz ausgelöscht werden kann, egal wie sehr man sich selbst dagegen wehrt. Aber sie schafft es sogar schon, sich gar nicht erst gegen Gefühle wie Schuld wehren zu wollen, was ein deutlicher Fortschritt ist.
      Zu den Undying sag ich mal gar nichts ... ^^


      Viel Spaß mit der nächsten Folge!

      Turn 49 – Declaration Of Superiosity: Part I
      Deutlich konnte man an Anyas, Matts und Zanthes irritierten Gesichtern ablesen, dass sie nicht damit gerechnet hatten, einem derartigen Angreifer gegenüber zu stehen. Dieser bewegte sich aus den Schatten der Bäume und betrat die Lichtung.
      „W-was ist das!?“, stammelte Anya.
      Matt und Zanthe konnten ihr keine Antwort geben. Sie wussten es einfach nicht.
      Wie bei einer höflichen Form der Vorstellung legte ihr Gegenüber den unglaublich langen, dürren Arm auf die von einer weißen Panzerung bedeckte Brust. Es war abstrakt. Die Glieder des Wesens waren so lang, dass es jeden normalen Menschen überragte und doch so dürr, was die Vermutung nahelag, die Knochen würden jeden Moment unter ihrer Last brechen.
      „Dieser ist ein Undying. Stoltz wird er genannt und ist ein unsterblicher Hüter der ewigen Ordnung. Einer Ordnung, die diese beiden Menschlinge durch ihre Verbrechen stören.“
      Er zeigte auf Matt und dann auf Anya. Die aber konnte sich gar nicht von seinem Anblick lösen. Um die verschrumpelte, gebräunte Haut waren weiße Bandagen gewickelt, aber nicht sorgfältig genug, um alles zu verdecken. Dasselbe war im Gesicht der Fall, dessen gesamte rechte Hälfte betroffen war inklusive Auge. Über jenem verdeckten Auge lag ein Visier, welches seinerseits an dem dünnen, weißen Helm befestigt war, den dieser Stoltz trug.
      In Anyas simplen Worten gefasst: er war eine merkwürdige Mischung aus Mumie und Ritter und dabei sicher über zwei Meter groß.

      Matt derweil trat vor. „Was soll das heißen!?“
      „Die Menschlinge sind Feinde der ewigen Ordnung, die zwei ihrer Siegel gebrochen haben.“ Stoltz hob seinen langen Arm und zeigte direkt auf Anya. „Und das Mädchen weiß es. Es ist der Quell des Chaos.“
      Die Blonde zitterte, doch nicht wegen der eisigen Kälte. Der Finger, der auf sie gerichtet war, machte ihr wieder bewusst, was mit Drazen geschehen war. Deswegen war dieses Ding hier, um sie zu bestrafen!
      Der dichte Nebel waberte derweil geradezu friedlich über den Boden der Lichtung, unscheinbar, als wäre er nur ein Gast auf Durchreise. Keinesfalls war er natürlichen Ursprungs, genau wie diese Kälte.
      Zanthe stellte sich schützend vor Anya. „Hey, ist ja schön, dass du uns warnen willst, aber leider hören wir nicht sonderlich gern auf so dubiose Gestalten wie dich.“
      Ein fieses Grinsen bildete sich auf den vertrockneten Lippen des dürren Mannes. „Ein Werwolf beschützt einen Menschen. Ob er mehr kann, als nur zu reden?“
      „Ich kann dir gerne die Kehle aufschlitzen, wenn du möchtest“, bot Zanthe an und drehte sich zu Anya, „der Typ ist nicht zum Spielen hier. Schnappt dir deinen Lover und hau ab!“
      Doch die hörte ihm nicht zu. Anyas trüber Blick machte deutlich, dass sie in Gedanken versunken war. Sicherlich keine guten.
      „Dieser hier ist ein Undying“, meinte Stoltz derweil grinsend und legte wieder eine seiner Hände auf die Brust, „er kann nicht sterben. Anders als der Hüter, den das Mädchen auf dem Gewissen hat.“

      „Was hast du gesagt?“
      Ehe Zanthe sich versah, hatte Anya sich an ihm vorbei gedrängt. Sie wirkte geradezu manisch, zitterte, aber ballte dennoch entschlossen eine Faust. „Sag das nochmal!“
      „Die Mörderin hat offenbar ein schlechtes Gehör?“, giggelte Stoltz.
      Anya kniff ihre Augen zusammen. „Was weißt du von solchen Dingen … verpiss dich!“
      „Dieser süße Zorn. Woher rührt er wohl?“ Der Undying streckte ihr den Arm entgegen. „Er kann nichts als zerstören. Und das ist sie, ein Werkzeug der Zerstörung, das nur den Tod bringen kann.“
      Etwas in Anya wurde in diesem Moment entfacht. Ein Inferno, Sinnbild dafür, dass sie sich weigerte, jemandes Werkzeug zu sein. Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen. Es übermannte sie, dieses Gefühl, das die Hilflosigkeit wegfegte und in unbändigen Tatendrang umwandelte. Oder konkrete Zerstörungswut.
      „Dir zeig' ich's!“, schrie sie außer sich und rannte auf ihn zu.
      Matt wollte sie greifen, doch kam zu spät. „Anya, nicht!“
      Doch die streckte bereits ihrerseits im Lauf den rechten Arm aus und rief: „Angel Wing!“
      Was sich in ihrer Hand materialisierte, war nicht etwa die Karte des Drachen. Nein, es war die eigentliche Form seines Artefakts. Ein langer, weißer Speer, dessen Spitze aus einem Drachenmaul ragte.
      „Die bringt uns nur noch mehr in Schwierigkeiten!“, zischte Zanthe genervt und begann, ihr hinterher zu rennen.
      Matt seinerseits wich zurück und griff in die Innentasche seines schwarzen Mantels. „Ich glaube nicht, dass wir um einen Kampf herum gekommen wären. Sie verkürzt nur das Vorspiel.“

      Unter einem gellenden Schrei holte Anya mit ihrer Waffe aus, packte sie mit beiden Händen fest an und rammte sie in Stoltz' Richtung. Dieser bewegte sich nicht einen Millimeter. Seine Rüstung war so dünn, dass das Klingenblatt sie mühelos durchbohrte. Die Spitze schoss aus seinem Rücken heraus, und Anya starrte den Undying hasserfüllt an.
      Doch der grinste. Ehe Anya reagieren konnte, wurde sie am Hals gepackt und in die Höhe gehievt, wodurch sie den Speer losließ. Daraus resultierend knallte dessen Ende des Schafts auf den Boden.
      „Ein Undying kann nicht sterben, Kind der Vergänglichkeit.“
      Anya krallte sich mit den Fingern in seine Hand fest, ohne aber etwas damit zu erreichen. Im Gegenteil, Stoltz' Griff wurde fester, nahm Anya jegliche Möglichkeit nach Luft zu schnappen.
      „Lass sie los!“, fauchte Zanthe.
      Anya sah sie über sich, die wölfischen Pupillen. Dann fiel sie, zusammen mit einem Teil von Stoltz' Arm. In gebückter Haltung landete ihrer Freund vor ihr, hatte mit seinen Klauen einfach den Arm des Undying durchtrennt und schlug ihm in einer Halbdrehung noch eine tiefe Wunde in den Teil der Brust, der nicht von der Rüstung bedeckt war, ehe er sich Anya zu wandte, sie an der Hüfte packte und wegriss. Keine Sekunde zu früh, denn unter ihr schoss bereits eine spitze Steinsäule aus dem Boden.
      Stoltz' Mundwinkel huschten nach oben, aber nur für einen kleinen Moment. Als an ihm etwas vorbei surrte und in einem Baum hinter ihm stecken blieb, drehte er sich überrascht um. Drei Messer, fein auf engstem Raum untereinander steckend. Der Undying fasste sich an den Hals, der ebenfalls tiefe Schnitte aufwies – direkt an der Halsschlagader.
      Matt hatte die Klingen geworfen, während das Wesen mit den beiden anderen beschäftigt war.

      Zanthe schleppte Anya zurück zu Matt, schon längst wieder völlig zum Mensch geworden. Das Mädchen streckte schnaufend den Arm aus, woraufhin sich der Speer in Stoltz' Abdomen in gleißendes Licht verwandelte, welches sich einfach durch die Steinsäule fraß und in Anyas Hand zur Karte Angel Wings wurde. In dem Moment zerbarst der Stalagmit.
      „Unmöglich!“, keuchte Zanthe.
      Stoltz stand da. Mit zwei Armen, unversehrtem Hals, Magen, keinem Kratzer auf der Brust.
      Anya weitete die Augen, dann brüllte sie: „Mit dir bin ich noch nicht fertig! Heavy T!“
      An ihren Händen materialisierten sich massive Panzerhandschuhe, von sehr schlichter Aufmachung. Das Mädchen kreuze die Arme über die Brust und stieß einen unmenschlichen Schrei aus. Aus dem Boden in ihrem Umfeld wurden dutzende Erdbrocken und Steine gerissen, die um sie herum levitierten. Anya schlug mit der Faust in die Richtung ihres Feindes und schleuderte damit jene Stücke wie einen Bombenhagel auf Stoltz. Dieser wurde voll erfasst und von jedem einzelnen der nicht kleinen Brocken getroffen. Doch wie Regen prasselten sie an ihm ab, während er nur seine gelben Zähne blitzen ließ.
      Matt griff Anyas Schulter und riss sie zu sich herum. „Hör auf, das bringt nichts!“
      „Lass mich, Summers!“
      Gegen ihren Willen verschwanden jedoch die Panzerhandschuhe, wodurch es sich für sie zunächst ausgekämpft hatte.

      „Ich habe eine Idee“, meinte Matt zu seinen Mitstreitern, „wenn wir ihn nicht töten können, dann müssen wir ihn anders loswerden. Aber dazu muss ich mich mit ihm duellieren.“
      Zwar wollte Matt gar nicht daran denken, dass er -es- gleich zweimal an einem Tag beschwören musste, aber was für eine Wahl hatte er schon im Angesicht dieser Kreatur? Seinen Plan B wollte er jetzt noch nicht umsetzen, solange sie nicht wussten, womit sie es genau zu tun hatten …
      Zanthe schüttelte verständnislos den Kopf. „Ein Duell? Jetzt? Hast du dir vorhin den Kopf zu hart gestoßen!?“
      „Vertrau mir, ich weiß, was ich tue.“
      Anya sah über die Schulter zu den beiden. „Mir ist es egal, wie wir diesen Dreckskerl fertig machen, Hauptsache wir tun es!“
      Schulterzuckend resignierte Zanthe. „Na wenn ihr meint … dann wir drei gegen den.“
      „Die Verbrecher wünschen ein Duell?“ Stoltz zeigte seine widerlichen, gelben Zähne. „Der Undying ist offen für jede Art von Bestrafung.“

      Überrascht von der Kooperationsbereitschaft des Undying, platzierten Anya, Matt und Zanthe sich in genauer jener Reihenfolge am Rande der Lichtung, in einer Linie. Ihnen gegenüber die hagere Gestalt, deren Herkunft sie nicht kannten.
      „Nun zu eurer Bestrafung“, sagte jene und ließ an ihrem Arm eine goldene, an ihrem Ansatz leicht gekrümmte Duel Disk erscheinen. Dabei drehte er seinen Kopf einmal um 360°, was bei seinen Gegnern ein breites Spektrum an Emotionen, hauptsächlich Ekel und Fassungslosigkeit hervorrief. „Nun werden die ahnungslosen Tölpel den Terror erleben, die sie Feinde der ewigen Ordnung sind!“
      „Was willst du überhaupt von uns, du Freak!?“, fauchte Anya und trat vor. „Wenn du glaubst, mir Angst zu machen mit deinen Tricks, bist du schief gewickelt! Und das meine ich wörtlich, du verdammte Mumie!“
      Stoltz' unbedecktes Auge begann rot aufzuleuchten. „Was der Undying will, fragst du? Nur eins. Euer Verderben.“
      „Duell!“, hallte es anschließend im Chor von der Lichtung.

      [Anya: 4000LP Matt: 4000LP Zanthe: 4000LP //// Stoltz: 4000LP]

      „Der erste Zug gehört dem Undying“, verkündete Stoltz und zog sogleich sechs Karten auf einmal.
      Matt, dessen Kleidung von seinem Duell gegen Drazen übel zugerichtet war, stand nur wackelig auf den Beinen.
      „Mach jetzt nicht schlapp!“, mahnte ihn Zanthe, allerdings mit einem skeptischen Unterton. „Gegen diesen Typen da war dein Gegner eben nur die Aufwärmrunde.“
      Der schwarzhaarige Dämonenjäger biss die Zähne zusammen. „Geht schon.“
      Woher sollte Zanthe auch ahnen, dass es nicht physische Strapazen waren, die ihn belasteten?
      „Was soll der überhaupt darstellen?“, motzte Anya, die ihre düsteren Gedanken offenbar verdrängt zu haben schien. „Ist das ein Mensch, ein Dämon oder eine Maschine?“
      Mit den Schultern zuckend, erwiderte Zanthe: „Von jedem ein bisschen würde ich sagen.“
      „Er ist ein Undying“, erwiderte der über zwei Meter große Mann, „also zollt ihm Respekt, Feinde der ewigen Ordnung. Und er beendet seinen Zug.“
      Eine kalte Brise zog über die Lichtung hinweg, das Laub der Bäume raschelte unheimlich, fast einem Omen gleich. Von dem niemand Notiz zu nehmen schien.
      Anya legte den Kopf schief. „Huh!?“
      „Er spielt keine einzige Karte aus?“, wunderte sich auch der Werwolf der Gruppe.
      Gleichzeitig beschäftigte Matt etwas anderes. Abwesend murmelte er: „Undying …?“

      „Na dann bin ich jetzt eben dran!“, fauchte Anya und zog ebenfalls auf sechs Karten auf. „Ich beschwören [Gem-Knight Amber]!“
      Vor ihr tauchte ein Ritter in goldener Rüstung auf. Aus seiner linken Handfläche zog er einen knisternden Dolch, ganz aus Blitzen bestehend, hervor.

      Gem-Knight Amber [ATK/1600 DEF/1400 (4)]

      Anya grinste bitterböse in sich hinein.
      Drei gegen einen? Pah! Sie würden die Mumie überrollen, so viel stand schon mal fest. Und zwar mit allem was sie hatten. Der Spinner konnte sich unmöglich um sie alle drei gleichzeitig kümmern, dazu müsste er noch stärker sein als Isfanel. Und wenn man sein Feld so ansah, war er das gewiss nicht!
      „Amber wird aber nicht lange bleiben!“, rief die Blondine und streckte den Arm aus. „Ich aktiviere den Effekt des [Angel Wing Dragons] in meinem Extradeck. Indem ich ein Licht-Monster von meinem Deck auf den Friedhof schicken, kann ich es als Empfänger für Angel Wings Beschwörung benutzen!“
      Die gewählte Karte schob sich aus dem von Logan geliehenen, schwarzen D-Pad hervor. Anya zeigte [Alexandrite Dragon], ein normales Monster der Stufe 4 vor.
      „Damit komme ich zusammen mit Amber auf Stufe 8!“ Ein goldener Ring materialisierte sich über dem Mädchen. „From the light of a different world, the herald of starlight decends upon the ravaged land! By discarding a single star, I call upon you!“
      Ihr Ritter derweil begann in die Höhe zu schweben, zerplatzte in vier grüne Lichtkugeln, die von hinten nach vorne durch den goldenen Ring schossen.
      „Synchro Summon! Shine forth!“
      Ein gleißender Blitz durchdrang den Ring, von dessen Rändern sich vier weiße Schwingen zu strecken begannen.
      „[Angel Wing Dragon]!“
      Durch einen Dimensionsspalt schob sich nach hinten weg der massive Schweif des weißen Drachen, nach vorne hin drang der Kopf des Ungetüms hervor, welcher dank des goldenen Kragens stark einer Kobra ähnelte. Die beiden Körperhälften traten solange aus der wässrigen Oberfläche im Ring hervor, bis sie sich perfekt aneinander schmiegten und den kompletten Körper ergaben.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Ihr hünenhafter Gegner begann plötzlich zu gackern. „Ist das alles, was das Mädchen aus dem Artefakt der Hüter hervorbringen kann? Der Undying kommt nicht umher, sie als erbärmlich zu bezeichnen. Nur ein Schatten der wahren Kraft.“
      Anya schnaubte wütend. „Keine Ahnung wovon du redest, Schrumpfhirn! Ich für meinen Teil bin zufrieden!“
      Was selten genug vorkam. Sie schnappte sich eine Fallenkarte von ihrer Hand und schob sie in die Duel Disk. „Mit der wirst du noch ganz viel Spaß haben! Zug beendet!“
      Die Karte materialisierte sich vor Anyas Füßen, welche stolz die Brust nach vorn streckte. Diesmal würde es kein Desaster geben wie damals im Turm mit Isfanel. Dafür würde sie schon sorgen. Und die anderen beiden Flachzangen würden gefälligst mithelfen.
      „Los, Summers, gib ihm die volle Ladung!“

      „Das geht nicht, wir können erst ab unserem jeweiligen nächsten Zug angreifen“, belehrte Matt sie und zog nebenbei.
      „Als ob ich das nicht wüsste!“
      „Ist ja ein Wunder, dass sie es nicht trotzdem probiert hat“, murmelte Zanthe in die Richtung des Dämonenjägers, der aber nicht in Lästerlaune war.
      Tatsächlich war Matt froh, dass Anya ihre Probleme im Moment mit Bravour verdrängte und sie nicht noch mehr in Schwierigkeiten brachte. Nachdenklich betrachtete er sein Blatt. Wie er Anya allerdings kannte, würde sich das bald ändern und sie nächste Runde wie ein Stier ins Rote rennen. Und Zanthe schätzte er als die Art von Duellant ein, die sich eher auf Technik, statt auf rohe Gewalt verließ. Was dann noch blieb, war ein eher defensiver Stil. Er warf noch einmal einen Blick auf seine Handkarten. Wenn jeder von ihnen diesem Stoltz mit einer anderen Strategie begegnete, konnte dieser unmöglich alle drei auf einmal aushebeln. Also würde er die Rolle der 'Wall' übernehmen.
      „Ich beschwöre [Evilswarm Castor]!“, rief Matt und legte jenen auf sein schwarzes D-Pad. „Er lässt mich einmal zusätzlich einen Schwärmer als Normalbeschwörung rufen.“
      Es materialisierte sich auf seiner Spielfeldseite ein Krieger, dessen linke Hälfte der Rüstung schwarz, die rechte hingegen weiß war. An seinen Schultern hing ein zerfetzter, roter Umhang.

      Evilswarm Castor [ATK/1750 DEF/550 (4)]

      „Moment mal, den kenne ich doch“, schoss es aus Zanthe heraus, als er auf das Monster mit dem Finger zeigte, „das ist mein [Constellar Pollux]!“
      Als Beweis zeigte der junge Mann Matt Pollux' Karte, die er zufällig auf dem Blatt hatte. Und tatsächlich, das Artwork war fast identisch zu Castors Erscheinung. Einzig dass Pollux ganz in Weiß gekleidet und sein Umhang nicht zerschlissen war.
      „Interessant. Mein Schwärmer-Deck ist das Resultat eines … Zaubers“, erklärte Matt mit skeptischem Blick auf die Karte, die Zanthe daraufhin wieder in sein Blatt nahm, „alle meine Monster sind korrumpierte Versionen von Monstern meiner Bekannten. Was für ein Zufall, dass eines deiner Monster dazugehört, noch bevor wir uns kannten.“
      „Ja. Wirklich komisch“, murmelte Zanthe mechanisch.
      „Egal, zurück zum Duell!“, wandte sich Matt an deren gemeinsamen Gegner. „Ich nutze Castors Effekt und beschwöre jetzt [Evilswarm Heliotrope]!“
      Der Dämonenjäger im schwarzen Ledermantel knallte besagte Karte auf sein D-Pad. Und Anya pfiff spöttisch, als neben Pollux ein in dunkelgrüner Rüstung steckender Ritter auftauchte. Ihr [Gem-Knight Emerald], entsprechend generalüberholt durch finstere Kräfte.

      Evilswarm Heliotrope [ATK/1950 DEF/650 (4)]

      Matt schwang den Arm aus. Seine Monster lösten sich in violette Lichtstrahlen auf, die in die Höhe stiegen. „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Finsternis-Monstern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon! Erscheine, manipulative Schattengewalt!“
      Über dem jungen Mann öffnete sich ein schwarzer Wirbel, der die beiden Lichtstrahlen in sich aufsog. Anschließend landete mit einem Satz ein dunkler Krieger auf den Knien vor Matt.
      „[Evilswarm Nightmare]!“, titulierte jener sein neues Monster.
      Es handelte sich dabei um einen Ritter in dunkler Stahlrüstung, ebenfalls umhüllt von einem roten Umhang. In der Hand hielt er eine Klinge, die sich wand wie die Spitze einer Bohrmaschine. Um diese kreisten zwei Lichtkugeln.

      Evilswarm Nightmare [ATK/950 DEF/1950 {4} OLU: 2]

      „Das Vieh kenn' ich auch“, maulte Anya, „das ist eines dieser Monster von der dämlichen Lügenbaronin Nina Placatelli. Woher kennst du die denn, Summers?“
      „Gar nicht“, erwiderte Matt steif, „aber ihr. Vielleicht besitze ich deshalb eines ihrer Monster?“
      „Pft. Ist ja auch egal.“
      Der Dämonenjäger nickte. „Völlig richtig. Ich aktiviere jetzt den dauerhaften Zauber [Xyz Wall]!“
      Um Matts Teil des Spielfelds herum bildete sich ein bunter Schleier, den Nordlichtern nicht unähnlich. In ihm spiegelte sich das Antlitz von [Evilswarm Nightmare] dutzende Male wieder, als handle es sich um die Scherben eines zerbrochenen Spiegels.
      „Weiter geht’s mit [Xyz Shift Break]! Für einen Zug tauscht dieser Zauber den Effekt Nightmares mit einem gleichrangigen Xyz-Monster aus meinem Extradeck aus.“ Matt zückte bereits ein Monster namens [Evilswarm Ophion]. „Und jetzt aktiviere ich [Evilswarm Nightmares] neuen Effekt. Indem ich ein Xyz-Material abhänge, füge ich meiner Hand von meinem Deck eine Infestation-Karte hinzu! Expand Infection!“
      Schwarze Schwingungen begannen aus allen Richtungen Nightmares Körper zu verlassen. Sie resonierten mit denen, die Matts Deck zeitgleich aussendete, aus welchem im Anschluss eine einzelne Karte schoss. „Ich nehme [Infestation Pandemic]! Und jetzt, da ich ein Xyz-Material von Nightmare durch Aktivierung seines Effekts abgehangen habe, kommt [Xyz Wall] ins Spiel! Diese erhöht jetzt die Verteidigung aller Monster in offener Verteidigungsposition um 1000!“
      Der bunte Schleier um Matt herum wurde dichter. So dicht, dass man meinen konnte, es würde sich tatsächlich um eine echte Mauer handeln.

      Evilswarm Nightmare [ATK/950 DEF/1950 → 2950 {4} OLU: 2 → 1]

      Das getan, schob Matt eine seiner Handkarten in den mittleren Zauber- und Fallenkartenschlitz seines D-Pads. „Diese hier setze ich und gebe an Zanthe weiter. Damit erhält Nightmare seinen ursprünglichen Effekt zurück.“
      Perfekt, dachte er dabei noch. Sein Monster würde jedem Versuch, es zu Fall zu bringen, standhalten. [Xyz Wall] beschützte zusätzlich Monster in Verteidigungsposition vor anderen Monstereffekten, während seine gesetzte [Infestation Pandemic] ihn gegen Zauber und Fallen absicherte. Und sollte Stoltz auf die Idee kommen, ein stärkeres Monster spezialbeschwören zu wollen, würde Nightmare es in die verdeckte Verteidigungsposition bringen. So leicht würde man seine Verteidigung nicht knacken!
      Trotzdem schien Stoltz belustigt, denn er kicherte unentwegt und zeigte mit dem langen, dürren Finger auf Matt. „Der Junge glaubt, sich hinter seinen Karten verstecken zu können. Der Junge irrt.“
      „Wir werden sehen“, blieb dieser selbstbewusst.
      „Der Immaterielle irrt sich auch“, erwiderte Stoltz grinsend und sah abwechselnd von Anya zu Matt herüber.
      Anya verzog amüsiert die Mundwinkel. „Hast wohl gehört, was Levrier gesagt hat? Dass du keine Chance gegen uns drei hast.“
      Hinter ihr erschien [Gem-Knight Pearl], Levriers durchsichtiger Avatar.

      Um genau zu sein sagte ich, er würde es sehr schwer haben. Deine Interpretation meiner Worte weicht von der Realität ab, Anya Bauer. Wie immer.

      „Und trotzdem irrt der Immaterielle“, sagte Stoltz nur frohlockend.

      Während das Geplänkel zwischen der 'Mumie' und Anya stattfand, griff Zanthe nach seinem Deck, doch zog er nicht.
      Etwas beunruhigte ihn. Damals, als er gegen Anya verloren und [Angel Wing Dragon] abgegeben hatte, fand eine Veränderung statt. Mit ihm, mit Angel Wing – und noch mehr, da war eine Kraft gewesen, welche er nicht begreifen konnte. Unscheinbar nur, für normale Menschen wie Anya nicht zu bemerken. Der Fluss der Energien wich im Moment seiner Niederlage von seinem Kurs ab, nur einen kurzen Augenblick.
      Nur ein flüchtiges Gefühl war es gewesen, dessen er sich selbst erst jetzt vollständig gewahr wurde. Als wäre mit seiner Niederlage etwas aus einem langen Schlaf erwacht. Und nun, da Drazen ebenfalls seinen Hüterstatus und darüber hinaus noch sein Leben verloren hatte, war diese Kraft, deren Repräsentant Stoltz war, endgültig auf sie aufmerksam geworden. Zanthe war sich sicher, noch mehr über Stoltz' Hintergründe zu wissen. Selbst den Namen glaubte er schon einmal gehört zu haben. Doch die Erinnerungen schienen so weit entfernt, dass er sie nicht erfassen konnte.

      Unsicher, ob er die anderen beiden darauf hinweisen sollte, zog Zanthe auf sechs Karten auf. Er betrachtete sie.
      Vielleicht irrte er sich aber auch. Nein … Stoltz schien zu wissen, was Angel Wing war – und dass er offenbar nicht sein volles Potential entfaltete. Eines, um das selbst Zanthe bisher nicht wusste.
      „Ich beschwöre [Constellar Algiedi]“, rief er gedankenversunken und legte gleich zwei Karten in seinen Duellhandschuh ein, „und kann durch deren Effekt ein Stufe 4-Constellar spezialbeschwören. Also folgt [Constellar Kaus].“
      Dabei war er derart mit Grübeln beschäftigt, dass er die beiden Schlüssel, die in seiner offen gehaltenen Handfläche erschienen, einfach zur Seite warf. Dort bildeten sich zwei Runentore, aus denen die beiden weißen Krieger brachen.
      Die linke, Algiedi, war eine Hexe in blauem Umhang, die einen Zauberstab schwang. Ihr Helm mit den nach hinten gebogenen Hörnern zeichnete sie zum Stern des Steinbocks aus. Ihr Partner, Kaus, war ein bogenschießender Zentaur, der Schütze.

      Constellar Algiedi [ATK/1600 DEF/1000 (4)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4)]

      „Stoltz“, grübelte Zanthe leise, „wo habe ich den Namen bloß schon einmal gehört?“
      „Der verräterische Werwolf hat seine Pflicht vergessen“, gackerte Stoltz belustigt, „oder kennt er diese gar nicht? Wurde er nicht aufgeklärt darüber, was die Hüter beschützen?“
      Zanthe sah ruckartig auf. „... nein. Ich glaube nicht. Ich habe Angel Wing noch nicht lange besessen und ich weiß nur, dass ich ihn niemals hergeben durfte. Mehr nicht.“
      „Lügt der Werwolf? Oder will er wirklich nichts wissen?“ Stoltz legte seinen Kopf wortwörtlich auf die Schulter, da sein Hals bei der Bewegung einknickte. „Nun, es ist einerlei. Einem toten Wolf nützt das Wissen der Lebenden nicht.“
      Jener zuckte unbedarft mit den Schultern. „Nicht so voreilig, noch lebe ich. Also sprich schon.“
      „Der Wolf, der lebt, ist ein Fehlschlag. Die Undying teilen ihr Wissen nur mit denen, die ihnen ergeben dienen.“ Stoltz rückte seinen Kopf mit den Händen wieder in die richtige Position. Es war, als wäre sein Hals innerhalb einer Sekunde wieder stabil. „So einer ist der Werwolf nicht.“
      „Dann kann ich dir auch nicht helfen“, wies Zanthe ihn ab, „also werde ich, der unwürdige Werwolf und Feind der ewigen Was-auch-immer, einfach meinen Zug fortsetzen!“
      Dabei streckte er den Arm aus. „Bis zu zweimal pro Zug kann [Constellar Kaus] seine Stufe oder die seiner Mitstreiter um eins erhöhen. Los, bring euch beide aufs nächste Level!“
      Kaus spannte seinen goldenen Bogen und schoss zwei gleißende Pfeile kerzengerade gen Himmel. Es verstrichen einige Sekunden, bis sie direkt auf ihn und Algiedi niedergeschossen kamen und beide bei Kontakt in goldene Auren hüllten.

      Constellar Algiedi [ATK/1600 DEF/1000 (4 → 5)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4 → 5)]

      Der jung gebliebene Mann streckte den Arm aus. Seine Finger umschlossen den Griff eines langen, goldenen Schlüssels, der noch während der Bewegung entstanden war. Dabei sprach Zanthe, als er sich das seltsame Gebilde an die Stirn hielt: „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network! Aus zwei Stufe 5-Lichtern wird ein scheinender Stern! Rang 5! Xyz Summon!“
      Mit einer flinken Bewegung rammte er den Schlüssel in den Boden. Genau an der Stelle, in der jener versank, entstand ein sich weit ausbreitender Runenzirkel. Als dieser auch Algiedi und Kaus einschloss, versanken jene in ihm. Und als sie gänzlich verschwunden waren, trat vor Zanthe ein stolzer, weißer Krieger aus dem Kreis, der sein massives Goldschwert nicht etwa aufrecht führte, sondern falsch herum mit sich trug.
      „[Constellar Pleiades]!“, rief Zanthe seinen Namen.
      Um jenen rotierten seine beiden Xyz-Materialien.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2]

      Matt sah fragend herüber zu Zanthe, der den Blick bemerkte und unter stillem Verständnis nickte. Dann schob er zwei Fallenkarten in seinen Duellhandschuh. „Damit dir auch nicht langweilig wird, setze ich diese beiden Schätzchen verdeckt.“
      Zu beiden Füßen materialisierten sich die Karten vergrößert vor Zanthe.
      „Dein Zug, oh Undying Stoltz, hoher Herr von was auch immer und Verfechter von irgendwas, was du uns aber nicht so recht verraten willst! Mein Respekt ist dir gewiss!“
      Zanthe macht noch einen damenhaften Knicks.

      „Der verräterische Wolf mag Späße“, sagte Stoltz und zog schwungvoll auf, „der Undying auch. Deswegen soll der Wolf nicht der Erste sein, der stirbt.“
      Den Kopf wieder bedrohlich schief legend, sah die groteske Gestalt ihr Blatt an. Dann zupfte sie mit ihren dürren Fingern eine Karte heraus und legte diese auf die goldene Apparatur an seinem Arm. „Der Undying beschwört [Centurion Atlas]!“
      Ein kalter Wind fegte durch die Lichtung. Diesmal wurde er bemerkt, war sein Ursprung doch nicht zu übersehen. Hinter Stoltz baute sich eine mehrere Meter hohe Kreatur auf. Vier massive Beine aus Stahl stützten den Zentaur, dessen Körper aus unzähligen Würfeln bestand, die sich hin und her bewegten. In seiner Brustmitte war eine blaue Kugel eingelassen, die grell leuchtete. Sein Kopf war von einem Helm bedeckt, unter dem ein rotes Auge hervor stach.

      Centurion Atlas [ATK/2500 DEF/2500 (10)]

      „Nicht im Ernst.“ Anya stand mit offenem Mund da. „Krasses Teil.“
      Stoltz lachte bitterböse. „Der Centurion ist harmlos, da es ihm an einer geeigneten Energiequelle mangelt. So kann er auch ohne Tribute das Schlachtfeld betreten, doch verliert er in dem Fall ohne andere Monster der Stufe 10 mit genau 0 Angriffskraft die seine.“
      Und so verdunkelte sich erst der Kern des riesigen Zentaurs, dann auch sein Auge. Die Bewegungen der Würfel stoppten augenblicklich.

      Centurion Atlas [ATK/2500 → 0 DEF/2500 (10)]

      Die gewaltige Kreatur sank auf die Vorderbeine, ließ leblos die Arme hängen und drohte in diesem Zustand, Stoltz unter ihrem massiven Gewicht zu begraben.
      „Der Undying setzt eine Karte verdeckt“, verkündete jener und ließ sie vor sich erscheinen. „Doch das markiert nicht das Ende seines Zuges, im Gegenteil. Der Undying aktiviert [Age Of Termination].“
      Nichts tat sich um ihn und sein Monster herum, außer dass ein leises Klappern aus Atlas' Innerem zu vernehmen war.

      [Anya: 4000LP Matt: 4000LP Zanthe: 4000LP //// Stoltz: 4000LP → 2000LP]

      „Ahja? Und was macht die?“, hakte Anya der Form halber nach.
      „Ein Centurion vermag nun jeden Feind anzugreifen, wenn er dafür im Austausch ein Leben mal 2000 erhält.“
      Zanthe sah sofort herüber zu Matt. „Dann wird es sicher nicht bei 0 Angriffspunkten bleiben.“
      „Nie im Leben“, erwiderte der aus Erfahrung, „mach dich bereit.“
      „Der Werwolf hält sich für schlau“, kommentierte Stoltz dies und zückte eine weitere Zauberkarte, „vielleicht ist er es sogar? Der Undying aktiviert [Age Of Change]. Sie stellt vollkommen verbrauchte Energie wieder her und verdoppelt sie obendrein. Mit dem Zusatz, nun jede Verteidigung mit Durchschlagschaden zu strafen.“
      Anya, Zanthe und Matt gaben überraschte Laute von sich, als [Centurion Atlas] sich mit einem Ruck wieder aufrichtete. Dabei glühte sein Kern nun nicht mehr blau, sondern rot auf, im Einklang mit seinem Auge.

      Centurion Atlas [ATK/0 → 5000 DEF/2500 (10)]

      „Okay, genug davon!“, polterte Zanthe. „Hier ist Endstation für dich und deine Schrottkiste! Ich aktiviere [Constellar Pleiades'] Effekt! Indem ich ein Xyz-Material abhänge, gebe ich eine deiner Karten auf die Hand zurück!“
      Der weiße Krieger absorbierte eine der Lichtsphären um ihn herum mit dem verkehrt gehaltenen Schwert, welches er nun mit beiden Händen anpackte und in einer 360°-Drehung ausschwang.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2 → 1]

      Dabei schickte er eine Schockwelle los, die direkt auf die Brust des Titans zusteuerte – und an einem unsichtbaren Schild abprallte.
      „[Age Of Termination] verhindert im Zug der Aktivierung die Auswirkungen aller zielenden Karteneffekte“, erklärte Stoltz und kicherte böse, „vielleicht ist der Werwolf doch nicht so klug wie er dachte.“
      Alarmiert drehte sich Zanthe zu Matt um und machte mit den Händen eine ausholende Bewegung, die ausdrücken sollte: „Was nun!?“
      Matt nickte herüber zu Anya, die auch noch eine verdeckte Karte besaß. Zanthe schüttelte wiederum skeptisch den Kopf, woraufhin der Dämonenjäger zustimmend seufzte.
      Stoltz indes schwang den dürren Arm aus. „Damit ein Centurion angreifen kann, muss zuvor eine verdeckte Nicht-Monsterkarte geopfert werden. So geschehe es mit [Age Of Wonders], die sich durch ihren eigenen Effekt zurück auf das Feld setzt.“
      Die Karte vor seinen Füßen löste sich in bunten Partikeln auf, die vom Kern des Maschinenwesens absorbiert wurden. Gleichzeitig dazu entstand sie wieder vor Stoltz' Füßen. Dieser war aber längst damit beschäftigt, sich seiner übrigen drei Handkarten zu entledigen. „Und der Effekt von [Centurion Atlas] erhöht seine eigene Stärke um 500 für jede Karte, die sein Herr abwirft.“
      Nun begann dessen 'Herz' regelrecht zu pulsieren.

      Centurion Atlas [ATK/5000 → 6500 DEF/2500 (10)]

      Der Blondine stand der Mund weit offen. „Alter … und das Vieh kann uns alle angreifen! Scheiße!“
      „Und das wird der Centurion auch!“, versprach Stoltz düster.
      Anya weitete die Augen beim Anblick des riesigen, vierbeinigen Zentaurwesens, das sich wie ein Turm über der Lichtung erstreckte und die Bäume um sie herum winzig erschienen ließ. Langsam hob es seine Vorderläufe an.
      „Seht die Macht eines Undying! [Centurion Atlas], dreifacher Angriff!“, befahl der Bandagierte, der vor seinem Monster stand und brach in hysterisches Gelächter aus. „Sterbt! Sterbt, sterbt, sterbt, sterbt, sterbt!“
      „Nein!“, schrie Anya aufgeregt. „Verdeckte Falle! [Negate Attack]!“
      „[Draining Shield]!“, fauchte Zanthe in derselben Sekunde.
      „Falsch, falsch, falsch! Während eines Kampfes ist ein Centurion unantastbar!“, gackerte Stoltz und sah gen Himmel. „Die Feinde der ewigen Ordnung sollen den Schmerz spüren!“
      Anyas und Zanthes aufgesprungene Fallenkarten klappten sich wieder zu. Letzterer weitete die Augen, denn er würde den Angriff nicht überstehen, wenn dieser jetzt durchkam! So aktivierte er seine zweite Karte, die sofort aufsprang. „Dann [Reinforced Space]! Wenn ich dieses Ding nicht beeinflussen kann, dann wenigstens andere! Xyz-Monster erhalten 300 Angriffspunkte für jedes ihrer Materialien, bis zum Ende des Zuges!“
      Sein Monster und auch Matts [Evilswarm Nightmare] schrien stolz auf.

      Evilswarm Nightmare [ATK/950 → 1250 DEF/2950 {4} OLU: 1]
      Constellar Pleiades [ATK/2500 → 2800 DEF/1500 {5} OLU: 1]

      „Der Werwolf wird das Unvermeidliche nur hinauszögern! Leide!“
      „Nur damit du's weißt, Angel Wing-“
      „Wird den Kampfschaden nicht verhindern, da ein unter dem Einfluss von [Age Of Termination] stehendes Centurion dies unterbindet! Ihr werdet“, sagte Stoltz, „alle leiden! Und sterben! Sterben, sterben, sterben!“
      Damit ließ Atlas seine Vorderläufe hinunter sausen.
      Aus der Vogelperspektive sah man, wie die Erde vom Monster ausgehend in Form eines Dreiecks tiefe Risse bekam, ehe das gesamte erfasste Gebiet unter lautem Getöse einfach in sich zusammenbrach. Dabei erklang der Schrei eines Mädchens und zweier Männer.

      [Anya: 4000LP → 200LP Matt: 4000LP → 450LP Zanthe: 4000LP → 300LP //// Stoltz: 2000LP]

      Eine dichte Wolke aus aufgewirbeltem Staub überzog die gesamte Lichtung, die kaum noch als solche zu identifizieren war. Alles lag in Trümmern. Das finstere Gelächter des Undying durchdrang die Stille und als sich der Schleier lichtete, erblickte er vor sich zwei junge Menschen, die auf den eingebrochenen Stücken der Erde lagen und sich nicht regten.
      Aber Anyas Augen waren offen, obwohl sie drohte, in ihrer schrägen Lage auf dem angewinkelten Stück Boden in ein metertiefes Loch zu rutschen. Was für eine Macht! Sie hatte noch gesehen, wie der Angriff Angel Wing zerfetzt hatte, ohne dass dieser sie hätte vor dem Kampfschaden bewahren können. Gut, dass Levrier es nicht gewesen war, der diesen Angriff entgegen genommen hatte!
      Sie schielte in ihrem mitgenommenen Zustand herüber zu Matt, der auf dem Rücken lag und gen Himmel sah. Auf seinem blutverschmierten Gesicht stand das pure Entsetzen geschrieben.
      Nur Zanthe neben ihm war es gelungen, sich nicht der schieren Macht [Centurion Atlas'] zu beugen. Er hockte auf einem großen Stein, der durch den Angriff aus der Erde gehoben worden war und sah herüber zu Stoltz. Allerdings war auch seine Kleidung zerschlissen und an einigen Stellen rot getränkt.
      „Der hat's drauf, das muss man ihm lassen“, staunte er leise vor sich hin.
      „Wir müssen hier verschwinden, sofort!“
      Zanthe blickte herüber zu Matt, der sich langsam aufrappelte. „Glaubst du nicht, dafür ist es etwas zu spät?“
      Der Dämonenjäger kam schwankend auf die Beine und rannte herüber zu Anya. „Komm her, ehe er seinen Zug beendet! Höchste Zeit für Plan B!“
      „Wa-“
      „Mach schon!“
      Widerwillig sprang Zanthe von seiner erhöhten Position und hüpfte von den Steinen und aufgerissenen Bodenplatten herüber zu Matt, der die völlig planlose Anya am Handgelenk packte.
      „Gib mir deine Hand!“, wandte jener sich zu Zanthe um und streckte die seine nach ihm aus.
      „Zug-“
      Die beiden berührten sich schließlich. Ein grelles Licht begann von Matt auszugehen.
      „-beendet.“
      Und die ganze Lichtung ging in einer heftigen Explosion unter.
      Stoltz legte den Kopf schief, als ihn die Schockwelle erfasste, aber nicht mitriss. Als jene vorbei war, betrachtete er sein Werk der Zerstörung grinsend. Nun war die Lichtung vor ihm zu nichts weiter als einem riesigen Krater verkommen.
      „Die Vögelchen sind entkommen. Aber nicht für lange. Ein Undying hat Zeit und weiß Rat. Wir werden uns wiedersehen, wenn das nächste Siegel gebrochen wird. Und vielleicht sogar schon davor.“
      Turn 49 – Declaration Of Superiosity: Part I
      Matt lehnte sich keuchend an einen Baum, am Straßenrand vor dem Waisenhaus. Plan B – die Flucht durch Teleportation, sie war geglückt. Er hatte es gesehen, während sie angegriffen worden waren. Stoltz' Friedhof hatte aufgeleuchtet. Irgendetwas darin, etwas dass er mit [Centurion Atlas'] Effekt abgeworfen hatte, wäre ihnen zum Verhängnis geworden.
      „… gut geschaltet“, murmelte er leise vor sich hin.

      Nicht weit von ihm lagen Anya und Zanthe mit ausgestreckten Gliedmaßen mitten auf der Straße, völlig erschöpft.
      „Ich kann's nicht glauben“, murmelte die Blondine, „was war das für ein Freak?“
      „Wenn ich das wüsste“, erhielt sie eine wenig hilfreiche Antwort.
      Einen Moment ruhten sie sich still von den Strapazen aus, bis Matt schließlich an sie heran trat. In seinem Gesicht stand die Anspannung geschrieben. „Wir müssen Alector von dem in Kenntnis setzen, was eben passiert ist.“
      Mit einem Ruck hatte Anya sich kerzengerade aufgerichtet. „Spinnst du!? Der wird mir die Schuld dafür geben!“
      „Und, ist das etwa nicht die Wahrheit?“
      Die Blondine verstummte. Dann drehte sie den Kopf weg. „Yeah … Tch, meinetwegen, sagen wir's ihm. Hab eh keine Wahl, was?“
      „Wird schon halb so wild.“ Zanthe raffte sich auf und half Anya dabei, es ihm gleich zu tun. „Bisschen Geschleime und vielleicht lässt er uns leben.“
      Matt drehte sich in Richtung des Waisenhauses. Im Dunkel der noch jungen Nacht leuchtete es aus allen Fenstern hell wie eine Sonne.
      „Bin gespannt, was Alastair dazu bewegt hat, uns zurückzulassen …“
      Mit diesen Worten ging er die Straße entlang, gefolgt von den beiden anderen.
      „Stimmt, da war ja auch noch was“, grummelte Anya, „der Tag ist schon so scheiße genug, ich hab keine Lust auf noch mehr schlechte Nachrichten.“
      Zanthe neben ihr schnalzte mit der Zunge. „Schlimmer geht immer, liebe Anya. Gewöhn' dich dran, dann kannst du nicht enttäuscht werden.“

      Als sie das Waisenhaus betraten, wurden sie auf dem Weg in Alectors Büro von dutzenden großer Augen beobachtet. Einige der Kinder steckten bereits in Schlafanzügen. Die Stufen ins nächste Stockwerk nehmend, sah Anya betrübt zu ihnen herunter.
      Es war Alectors gutes Recht zu erfahren, was passiert war. Von diesem Stoltz ging eine ernsthafte Gefahr aus, über die er informiert werden musste. Was, wenn dieses Monster zurückkehrte? Anya wollte nicht wissen, was dieser Undying den Kindern antun könnte.
      Sie folgten dem Gang, bogen dann um die Ecke und wenig später klopfte Matt schon an Alectors Tür. Als er sie zu öffnen versuchte, bemerkte er jedoch, dass sie abgeschlossen war.
      „Nanu …?“
      „Bist du das, Matt?“, hörte er Als Stimme durch das Holz dringen.
      Irritiert davon, dass sein Freund in Alectors Büro eingeschlossen war, erwiderte er: „Ja. Warum ist-!?“
      Das Klicken eines sich öffnenden Schlosses ertönte. Schon schwang die Tür auf. Alastair, immer noch in seinem roten Mantel, sah kurz auf den Gang und stellte fest, dass außer den Dreien niemand sonst hier war. Mit einem Kopfnicken nach rechts forderte er sie auf, das Büro zu betreten und als sie alle drin waren, schloss er hinter ihnen wieder ab.

      Anya verstand sofort, was das alles sollte.
      Vor seinem Schreibtisch stand der erstaunlich kleine Alector und neben ihm ein alter Bekannter, eingekerkert in ein schmales, gelbes Kraftfeld. Langes, schwarzes Haar, eine Butleruniform.
      „Kyon …“, brummte sie.
      „Ich habe ihn dabei erwischt, wie er hier herumgeschnüffelt hat“, bellte Alector sofort, „aber er will mir nicht sagen, was er sucht.“
      Der Blondine entglitt ein erleichtertes Stöhnen. „Und ich dacht' schon, jemand wie der Sam-“
      Matt stieß das Mädchen von hinten an, sodass es jäh unterbrochen wurde. Die kapierte erst jetzt, dass sie Alector lieber nicht sagen sollte, wessen Vasallen er da gefangen hielt.
      Sofort richtete sie sich erschrocken auf. „Alter, lass den sofort frei!“
      „Ich danke dir, Anya Bauer. Endlich jemand mit etwas Verstand“, sagte Kyon, der wie immer seine Sonnenbrille trug und nickte ihr anerkennend zu.
      Anya wurde kreidebleich beim bloßen Gedanken daran, was der Sammler mit ihr anstellen würde wenn er erfuhr, dass sein Handlanger wegen ihr festgehalten wurde. Was natürlich die Frage aufwarf, warum der überhaupt hier war.
      Die beschäftigte scheinbar auch Alector brennend. „Ihr kennt euch? Dann erklärt's mir! Der Drecksack tut geradezu so, als hätte er seine Zunge verschluckt!“
      „Wie ich bereits sagte, mich zu foltern erzielt nicht den gewünschten Effekt“, sprach Kyon derart unbeeindruckt, als wären die garantiert unangenehmen Stunden mit Alector spurlos an ihm vorbei gezogen.
      „Keine Ahnung, so gut kenn' ich ihn auch nicht.“ Aber Anya fiel dabei etwas ein. Da gab es doch jemanden, der eine Karte von Kyons Deckthema spielte. Schelmisch schielte sie herüber zu Zanthe, der den direkten Blickkontakt mit dem Gefangenen mied. Zufall? „Warum sagst du nicht etwas dazu, Flohpelz?“

      Überrascht zuckte Zanthe zusammen. Nur sehr widerwillig trat er unter den strengen Blicken der anderen Anwesenden vor und kratzte sich nervös am Kopf. „Ich? Wieso ich?“
      „Tu doch nicht so“, schnarrte Anya. „Ich wette, ihr kennt euch!“
      „Nein.“ „Aber natürlich.“
      Der Werwolf weitete seine Augen, als ausgerechnet Kyons gleichzeitiger Ausruf den seinen übertönte und ihm darüber hinaus noch in den Rücken fiel.
      Die Unruhestifterin höchstpersönlich verschränkte triumphierend die Arme. „So so, sieh an. Und?“
      Zanthe drehte den Kopf zur Seite. „Ist kompliziert und geht euch nichts an.“
      „Eigentlich kennt er nicht mich, sondern mein Gefäß. Oder was mal mein Gefäß war, denn die Seele, die sich in diesem befand, ist bereits lange vor meiner Ankunft in diesem Waisenhaus fort“, erklärte der Immaterielle Kyon bereitwillig, „ihr müsst wissen, ich habe den Pakt geschlossen, weil in diesem Körper kein Bewusstsein mehr steckte. Ich denke, das ist besser, als ein denkendes Wesen zu bedräng-“

      Plötzlich brach es aus Zanthe heraus. Er stürmte auf Kyon zu und schlug mit seinen Fäusten gegen den gelblichen Energieschirm, der den Butler umgab. „Und da musstest du dir ausgerechnet diesen Körper aussuchen!? Huh!?“
      „Vorsicht!“, schrie Alector.
      Dampf stieg unter Zanthes Fäusten auf, die von der Energie versengt wurden. Jener ließ sich erst mit Gewalt von Alastair wegzerren. Zischend riss der Werwolf sich los und wandte sich von der ganzen Gruppe ab. Es brauchte einen Moment, ehe er seine Stimme wieder fand.
      „... er ist ungefährlich, soweit ich das beurteilen kann. Lassen Sie ihn bitte gehen.“
      Alector sah mit misstrauischem Blick herüber zu Zanthe. Matt ergriff das Wort. „Tu was er sagt. Er ist zwar kein Freund, aber auch kein Feind.“
      „Nein“, knurrte Alector, „der geht nirgendwo hin.“
      Sofort stampfte Anya auf den pensionierten Dämonenjäger zu. „Besorg' dir'n Hörgerät, Opa! Wir sind uns alle einig! Also mach hinne!“
      Gänzlich unbeeindruckt von der Blonden, sah Alector zu Matt und Alastair herüber. Während Letzterer keinen Hehl daraus machte, dass er die Meinung seines Mentors teilte, nickte Matt entschlossen. „Wenn wir ihn hier behalten, haben wir am Ende nur denjenigen an der Backe, der hinter ihm steht. Ich weiß, wie gerne du ihn umbringen möchtest, aber … lass es, okay? Das sorgt nur für mehr Probleme.“
      Alector zischte wütend, lenkte aber trotz wegwischender Handbewegung ein. „Ich hoffe, du weißt, was du da tust …“
      Er schnippte mit dem Finger und schon verschwand Kyons Käfig. Dieser verneigte sich höflich. „Ich bedanke mich, Matt Summers und entschuldige mich für den Ärger, den mein unbedachtes Handeln verursacht hat. Ich bürge dafür, dass es keine Konsequenzen bezüglich meiner Gefangenschaft für euch geben wird. Damit empfehle ich mich.“
      „Hau bloß ab“, raunte Anya gallig.
      Das tat Kyon auch. Vor ihm öffnete sich ein ovales, schwarzes Portal mit spiegelnder Oberfläche, welches er durchschritt und das schließlich mit ihm verschwand.

      Matt atmete tief durch. Die Frage, was der Kerl hier wollte, musste jetzt hinten anstehen. Zum Glück hatte sich Alector erstaunlich kooperativ gezeigt, ein Zeichen, dass er Matts Urteil vertraute, was bei dem alten Kauz selten genug vorkam. Aber es gab noch einen anderen Grund, warum Matt Kyon gehen ließ. Er wollte nicht, dass jener womöglich etwas von dem mithörte, was sie zu berichten hatten. Schließlich war es nicht auszuschließen, dass dieses Wissen über welchem Weg auch immer an den Sammler geriet, selbst wenn sie Kyon töteten. Bekanntlich konnte der Sammler Tote wiederauferstehen lassen.
      Es war das Beste so, zumindest hoffte Matt das.

      „Alector, wir haben ein Problem“, begann er dann.
      „Ich weiß. Etwas ist im Wald … war im Wald.“ Der pensionierte Dämonenjäger strich sich über den grauen, kurz geschnittenen Bart. „Die Resonanzchronosphären, die ich überall in der Gegend verteilt habe, sind mir durchgebrannt.“
      „Das ist ein Werkzeug um Dämonenaktivitäten zu messen“, erklärte Alastair der unwissend dreinblickenden Anya.
      Daraufhin schilderte Matt, wie es zu der Begegnung mit Stoltz gekommen war. Zu Anyas Erleichterung änderte er die Geschehnisse so ab, dass nicht offensichtlich wurde, wessen Tun den neuen Feind auf den Plan gerufen hatte. Stattdessen ließ er Stoltz eher wie ein Monster wirken, dass von Anyas bloßer Existenz angezogen wurde. Und von seiner.
      Als er geendet hatte, saß Alector an seinem Schreibtisch. Der Lichtpunkt der Lampe im Zimmer spiegelte sich auf seiner Glatze zwischen dem Haarkranz. Über diese strich er nachdenklich.
      „Undying. Nein, das ist kein Begriff, den ich in meiner Laufbahn jemals gehört habe“, sagte er schließlich. „Kind, was für einen Stein hast du da ins Rollen gebracht?“
      „Ich weiß es nicht“, seufzte Matt. „Aber ich glaube, wir haben ihn nicht zum letzten Mal gesehen. Er ist hinter mir und Anya her. Also sollten wir diesen Ort so schnell wie möglich verlassen.“
      Umgehend stürzte sich Alastair dazwischen und riss Matt an den Schultern zu sich. „Das kann nicht dein Ernst sein, Matt!“
      Jener drehte den Kopf zu Alector. „Du weißt, dass es nicht anders geht, oder?“
      Der alte Mann legte seinen Kopf auf den Handrücken, während er seine Arme mit den Ellbogen vom Tisch abstützte. Er sagte nichts, doch in seinen Augen stand es auch so geschrieben: er sah ebenfalls keine andere Möglichkeit.
      „Al“, richtete sich Matt an seinen Freund, „wir müssen an die Kinder denken. Bleibe ich hier, riskiere ich nur, dass ihnen etwas geschieht.“
      Langsam ließ Alastair ihn los. „Lass uns das alles in Ruhe bereden, Matt …“
      Und das taten sie auch. Lange und ausführlich, während ihre Wunden von Alector versorgt wurden.

      ~-~-~

      Als sie kurz vor Mitternacht geendet hatten, waren Anya und Zanthe auf ihr 'Zimmer' zurückgekehrt – den Dachboden. Nebeneinander saßen sie auf den Kisten, die in der Ecke des engen Raumes standen und schwiegen sich gegenseitig an.

      Die Gruppe hatte sich nach langer Diskussion geeinigt, wenigstens noch die Nacht hier zu verbringen. Am Morgen würden sie dann mit dem Zug wieder Richtung Anyas Heimat fahren, mit Matt im Gepäck. Jener war zwar alles andere als glücklich darüber, zeigte sich aber dennoch gefasst, Alastair, Alector und die anderen für eine Weile verlassen zu müssen. Denn jene würden hier bleiben, da sie die Kinder nicht alleine lassen konnten.
      Anya hatte keine Ahnung, wie es weitergehen sollte. Sie hatte zwar das Artefakt, Heavy Ts Karte, aber zu welchem Preis? Drazen war tot, einen neuen Feind gab es auch und zu allem Überfluss hasste Matt sie jetzt wahrscheinlich dafür, dass er wieder in ihre Probleme hineingezogen worden war.

      „Ist echt alles scheiße gelaufen, seit wir angekommen sind, huh?“, wandte sie sich an Zanthe.
      Der hatte ein Bein angezogen und legte sein Kinn auf dessen Knie, während er auf der Kiste hockte und ins Leere starrte. „Ist dir das auch schon aufgefallen, ja?“
      „Tch, wenn du jetzt Schiss hast und nicht mehr mit mir reisen willst, kannst du gerne gehen“, erwiderte Anya trotzig.
      Zanthe zuckte lustlos mit den Schultern. „Vielleicht, mal sehen.“
      Diese Antwort erschrak Anya mehr, als ihr lieb war. Er erwog tatsächlich zu gehen? Was würde dann aus seinem Heilmittel werden!? Und ihr? Immerhin wusste er eine Menge, was sie nicht wusste, besonders da er einer der Hüter gewesen war. Ganz zu schweigen davon, dass es dann niemanden gab, mit dem sie sich ordentlich zanken konnte!
      In dem Moment wurde ihr klar, dass sie Zanthe nicht ausschließlich als Nervensäge betrachtete. Eigentlich war sie recht froh, dass er sie begleitete, vielleicht weil er ihr irgendwie ähnelte und deswegen mit ihr mithalten konnte.
      „Hab ich nicht ernst gemeint“, brummte sie deswegen versöhnlich.
      „Ahja.“
      Nicht gerade, was sie sich als Reaktion erhofft hatte. Schnaufend blickte sie weg und überlegte, ob sie es für heute nicht gut sein lassen sollte. Womöglich sagte er das auch nur, weil er ebenso erschöpft von dem Kampf war wie sie, so ging es ihr durch den Kopf.

      Nein! Sie wollte es nicht dabei belassen. Ihre eigene Vergangenheit hatte sie gelehrt, dass es unendlich gut tat, wenn andere einem aufmunternd die Hand reichten. Nun war sie wirklich nicht die Art von Mensch, die so etwas sonderlich gut konnte. Um ehrlich zu sein, verschwendete sie an solche Gesten normalerweise keinen müden Gedanken. Aber so, wie sie sich Trost wegen ihres Fehlers wünschte, könnte das auch gerade bei Zanthe der Fall sein.
      Denn ja … Anya wünschte sich gerade nichts mehr, als dass jemand zu ihr sagte, dass es nicht ihre Schuld war, was mit Drazen geschehen war. Natürlich wäre das gelogen, darüber war sie sich im Klaren. Doch allein die Geste und das Gefühl, nicht verurteilt zu werden, waren, wonach sie sich sehnte. Gleichzeitig erkannte sie auch, dass sie niemals mit der Schuld hätte leben können, wenn sie damals im Turm von Neo Babylon ihre Freunde geopfert hätte. Auch wenn ein solches Leben ihr nie in Aussicht gestellt worden war. Dennoch … sie war froh, es nicht getan zu haben.

      Sie schwang sich von der Kiste und drehte sich zu Zanthe um, der nur mit einer Augenbewegung zu ihr aufsah.
      „Hey, Flohzirkus … was ist los?“, fragte sie frei heraus. „Du bist sonst nie so depri und ich glaube kaum, dass das mit der Gruselmumie zusammenhängt.“
      „Ich möcht' nicht drüber reden“, kam eine lasche Antwort.
      Anya fasste sich genervt an die Stirn. „Mir doch egal, ich will drüber reden! Glaubst du, es wird besser, wenn du vor dich hin schmollst? Wohl kaum!“
      Zanthe ließ sein Bein sinken, saß jetzt aufrecht vor ihr. „Ich weiß es zu schätzen, dass du dir Sorgen um mich machst. Um ehrlich zu sein wusste ich gar nicht, dass du das überhaupt kannst. Aber diese Sache ist etwas, worüber ich nicht reden möchte, okay?“

      Etwas Dunkles flackerte in Anyas Augen auf. Eine Art von Überlegenheit, die selbst Zanthe unheimlich war. Und er sollte auch wissen warum, als sie sagte: „Kyons Körper. Du bist schuld an dem Zustand desjenigen, der da vor ihm drin gesteckt hat, richtig?“
      Zwar war Zanthe immer etwas blass um die Nase gewesen, doch Anya glaubte zu erkennen, wie sich der Farbton um noch ein paar Nuancen aufhellte. Der Mund des jungen Werwolfs stand offen, aber kein Ton kam über seine Kehle.
      Anya setzte sich daraufhin wieder neben ihn. „Hab ich den Jackpot geknackt?“
      Keine Antwort.
      Das Mädchen legte behutsam ihre Hand auf seine Schulter. „Keine Ahnung was da zwischen dir und Pre-Kyon passiert ist, aber … es ist passiert. Ob du schuld bist oder nicht, es ist nicht mehr rückgängig zu machen. Wenn ich jetzt Abby wäre, würde ich so etwas sagen wie 'man muss lernen, sich selbst zu verzeihen' und solche Kacke. Da ich aber nicht Abby bin, musst du dir diesen Part selbst denken.“
      Sie seufzte. „Er war dein erster Freund oder sogar mehr als das, nicht wahr? Du kannst mir ruhig erzählen, was passiert ist. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie es ist … wenn man Fehler macht.“
      Langsam drehte Zanthe seinen Kopf in ihre Richtung und begann unvermittelt zu kichern. Ein kleines Äderchen zuckte an Anyas Schläfe. „Was ist daran so lustig!?“
      „Alter, Anya, du-!“ Aber weiter kam er nicht, da er von einem ernsthaften Lachkrampf geschüttelt wurde.
      Die Blondine, die nicht verstand was jetzt los war, fuhr sich über die Haare und über das Gesicht in der Annahme, dass vielleicht irgendetwas auf ihr herumkrabbelte. Dem war aber nicht so, weshalb sie langsam ungehalten wurde. „Was ist denn!?“
      „Du laberst so einen Schwachsinn und glaubst den dann auch noch“, prustete Zanthe und verstellte seine Stimme, so dass sie etwas tiefer klang, „ich habe meinen Freund ins Koma geprügelt, ich böser Junge. Aber jetzt ist Anya da und rettet mich!“
      Der platzte der Kragen, sodass sie kurzerhand Zanthe von der Kiste schubste und sich auf ihn schmiss. „Du elende Kackratte, wie kannst du es wagen, dich über mich lustig zu machen!? Sei froh, dass sich überhaupt jemand für deinen kümmerlichen Werwolfarsch interessiert! Alter, wenn ich mit dir fertig bin, gibt’s einen mietbaren Körper mehr für die Immateriellen!“
      Dabei drohte sie ihm mit erhobener Faust, doch Zanthe lachte weiter und drückte sie mit den Füßen von sich weg.

      „Ist doch nur Spaß“, meinte er im Gerangel versöhnlich, „aber so daneben lagst du noch nie mit dem, was du so vor dich her blubberst!“
      Anya aber hörte nichts mehr. Wäre Rot ein Ton, würde jetzt vermutlich eine Melodie namens Blutmarsch in ihrem inneren Ohr dudeln. Doch wenn man ehrlich war, tat sie das eigentlich immer, nur die Lautstärke variierte.
      „Vielleicht erzähl ich's dir irgendwann.“ Zanthe drehte kurzerhand den Spieß um, umklammerte Anyas Hüfte mit seinen Beinen und wälzte sie zu Boden. „Aber nicht heute. Und sicher auch nicht morgen.“
      Ihren Fäusten ausweichend, nahm er an, dass sie ihn schon verstanden haben würde.

      Wenig später lagen sie fix und fertig in ihren Schlafsäcken. Die einzelne Glühbirne, die das Zimmer zuvor erhellt hatte, war mittlerweile ausgeknipst.
      „Flohpelz?“, fragte Anya neugierig. „Meinst du, Summers hasst mich jetzt?“
      Zanthe lag auf der Seite und hatte bereits die Augen geschlossen. „Nö, denn wenn er ehrlich mit sich selbst ist, ist er selber schuld, dass er dir geholfen hat.“
      „Ich hab nur keinen Bock auf diese griesgrämige Masche, die er neuerdings an den Tag legt, damit das klar ist!“
      Unvermittelt richtete Zanthe sich auf. Anya, die auf dem Rücken lag, konnte seine Umrisse dank des durch ein kleines Fenster in den Dachboden einfallenden Mondlichts deutlich sehen. Er trug sein schulterlanges, schwarzes Haar offen, was Anya insofern erstaunte, dass er sein Kopftuch wenigstens zum Schlafen mal abnahm.
      „Anya“, begann er ernst, „da gibt es noch etwas, was ich dir sagen muss.“

      Er berichtete ihr von seiner Beobachtung bezüglich Matts Wunden beziehungsweise dem Fehlen ebenjener. Denn dasselbe war ihm abermals aufgefallen, als sie sich vom Schlachtfeld zurück zum Waisenhaus teleportiert hatten. Matts Kleidung war lädiert gewesen bis zum Geht-nicht-mehr, aber er selber? Kein Tropfen Blut, keine Schramme, nichts.
      Als Alector ihre Wunden versorgt hatte, war ihm nicht entgangen, dass Matt sich aus dem Zimmer gestohlen hatte unter dem Vorwand, mal eben auf die Toilette zu müssen. Eine halbe Stunde lang wohlgemerkt. Danach kam er in frischen Klamotten wieder und behauptete, ihn habe es nicht so schlimm erwischt, alles sei in Ordnung.

      Als er geendet hatte, hatte sich Anya ebenfalls aufgerichtet. „Ne, ist mir nicht aufgefallen.“
      „Vielleicht … hat er gelogen.“
      „Inwiefern?“
      Zanthe brauchte einen Moment, um seine Anschuldigung vor Anya auszusprechen. „Vielleicht ist Drazen nicht zu Staub zerfallen.“
      „Du meinst, der hat sich nur verduftet? Aber warum sollte Matt uns deswegen anlügen?“
      Der Werwolf klatschte sich die Hand gegen die Stirn, denn so viel Dummheit musste kompensiert werden und das ging nur durch Schmerz. „Anya! Du denkst in die falsche Richtung! Ich meinte, was ist, wenn er Drazen bewusst getötet hat?“
      Jetzt, wo er es ausgesprochen hatte, merkte er selbst, wie schwerwiegend sein Vorwurf überhaupt war. So extrem, dass Anya einem Moment gar nichts herausbrachte.
      „... geh schlafen, Idiot“, zischte sie böse, „hast dich wohl noch nicht ganz von deinem komischen Werwolf-Rausch erholt.“
      Zanthe war jedoch niemand, der einmal etwas Gesagtes nachträglich herunterspielte, weshalb er erwiderte: „Ich weiß, es ist verrückt, aber wir waren nicht anwesend. Und irgendwas Schräges ist da vorgegangen. Du hast doch diese schwarzen Blitze selbst gesehen, die waren doch äußerst ungewöhnlich, meinst du nicht?“
      Anya schnaubte. „Ahja? Fragen wir Levrier, der kennt sich in so etwas am besten aus! Also los, raus mit der Sprache!“
      Vor den beiden materialisierte sich [Gem-Knight Pearl] mit verschränkten Armen, direkt vor dem Fenster. Das Mondlicht drang durch seinen durchsichtigen Körper hindurch.

      Ich komme nicht umher, Zanthe Montinari insofern zuzustimmen, dass ich ebenfalls eine merkwürdige Präsenz während des Duells gespürt habe. Diese lässt sich jedoch ganz einfach dadurch erklären, dass Matt Summers Deck von der dunklen Magie der Immateriellen Urila geschaffen wurde und jene immer noch in sich tragen könnte.

      Anya warf sich regelrecht in ihren Schlafsack und drehte sich um. „Hörst du? Das hast du vermutlich gesehen. Ich kenne das Deck, ist halt etwas crazy! Matt würde nie jemanden kaltblütig ermorden.“
      Seufzend sah Zanthe Levrier an. „Danke. Ich hoffe, du hast Recht.“
      Überzeugt klang er dabei nicht.

      Das kann ich dir nicht versprechen. Doch wie Anya Bauer sagte, ist Matt Summers ein gewissenhafter, ehrlicher Mensch. Seine derzeitige seelische Verfassung mag zerrissen sein, aber solch dunklen Gedanken ist er erhaben.

      „Und die Wunden?“, fragte Zanthe, als wolle er nicht so leicht klein beigeben.

      Sprich ihn selbst darauf an. Mehr kann ich dir dazu nicht sagen.

      Levrier verschwand.
      „Können wir gerne morgen machen“, schlug Anya vor, „aber jetzt will ich pennen! Gute Nacht!“
      „Nacht“, murmelte Zanthe, der immer noch aufrecht saß.
      Vielleicht wäre es tatsächlich das Beste, Matt einfach zu fragen? Am Ende sah er wirklich nur Schatten, die ihm einen Streich spielten …


      Turn 50 – Mercy
      Anya, Matt und Zanthe verabschieden sich am nächsten Morgen von Alector und Alastair. Jener fährt sie noch zum Bahnhof, doch als er zurückkehrt, bemerkt er, dass ein Bannkreis um das Waisenhaus gesponnen wurde. Alarmiert betritt er diesen, nur um …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Gem-Knight Amber

      Negate Attack

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Matt

      Evilswarm Heliotrope
      Evilswarm Castor

      Infestation Pandemic

      Xyz Shift Break
      Zauber/Schnell
      Wähle eines deiner offenen Xyz-Monster und ein Xyz-Monster mit demselben Rang in deinem Extradeck als Ziel: bis zur End Phase wird der Effekt des ersten Ziels zum Effekt des zweiten Ziels.

      Xyz Wall
      Zauber/Dauerhaft
      Jedes Mal wenn eines deiner Xyz-Monster durch seinen eigenen Effekt ein Xyz-Material abhängt: erhöhe die DEF aller deiner Monster in Verteidigungsposition um 1000. Solange du diese offene Karte kontrollierst: Monster in Verteidigungsposition können nicht durch Effektmonstereffekte zerstört werden.

      Evilswarm Nightmare
      Evilswarm Ophion

      Zanthe

      Constellar Algiedi
      Constellar Pollux
      Constellar Kaus

      Draining Shield
      Reinforced Space

      Constellar Pleiades

      Stoltz

      Centurion Atlas
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/2500 DEF/2500 (10)
      Kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Kann ohne Tribut als Normalbeschwörung beschworen werden; die ATK dieses Monsters wird zu 0, außer du kontrollierst ein offenes Monster der Stufe 10 oder höher mit 0 ATK. Damit diese Karte angreifen kann, musst du während der Main Phase 1 eine verdeckte Karte von deiner Zauber- und Fallenkartenzone auf den Friedhof schicken. Diese Karte bleibt während eines Kampfes von gegnerischen Karteneffekten bis zum Ende des Damage Steps unberührt. Wenn diese offene Karte zerstört wird: beschwöre eine Centurion-Spielmarke (Maschine/Licht/10/ATK 0 DEF/0) als Spezialbeschwörung. Indem du eine Handkarte abwirfst: erhöhe die ATK dieser Karte um 500.

      Age Of Change
      Zauber/Normal
      Wähle ein Monster, dessen ATK auf 0 reduziert wurde. Die ATK jenes Monsters wird Doppelten seiner Grund-ATK und es fügt Durchschlagschaden zu.

      Age Of Wonders
      Zauber/Normal
      Erhöhe deine Life Points um 1000. Wenn diese verdeckte Karte durch einen deiner Karteneffekte auf den Friedhof gelegt wird: setze sie auf dein Feld.

      Age Of Termination
      Zauber/Normal
      Zahle 2000 Life Points und wähle ein Centurion-Monster, das du kontrollierst: es kann bis zur End Phase alle Monster deines Gegners angreifen, dafür aber nicht direkt und gegnerische Karteneffekte, die es als Ziel wählen, werden annulliert. Die Effekte von Monstern, die durch diesen Effekt angegriffen werden, werden annulliert (auch nachdem sie durch Kampf zerstört wurden). Kein anderes Monster kann während diesem Zug angreifen.


      Hope u liked it!
      Meld ich mich mal wieder, is zu lange her.
      Duell zwischen Matt und Drazen

      Hier hast du sehr gut auf das Duell hingeführt, Nick gegen die Ex-Dämonenjäger ausgetauscht und allgemein einen guten Bogen zur ungewohnten neuen Situation des Duos geschlagen. Dass Matt irgendetwas verbirgt hast du sehr gut dargestellt, auch wie sehr er und Alastair sich inzwischen unterscheiden. Alector kommt wie der grimmige Chef rüber mit dem man sich aufgrund seiner Erfahrung als Dämonenjäger besser nicht anlegt (es sei denn man heißt Anya oder hegt Selbstmordgedanken).
      Dass die beiden aus ihrem schweren Fehler beim "Fangen" des Collectors gelernt haben war klar, auch dass Matt sich ihm alleine in den Weg stellt (ich meine, wenn er schon mal die Handschuhe hat...).
      Das Duell war wieder mal sehr spannend und hochklassig geschrieben, das einzige was irgendwie stört ist das Abhängen des letzten Materials von Ophion (da Matt wusste dass Drazen viele High-Level-Monster wars nen bisschen ärgerlich, da hatte ich mir nen schönes Out erhofft, aber das kommt ja auch in den Animes öfter vor, vor allem in 5ds).
      Das Ende des hochklassigen Duells war sehr geheimnisvoll und überraschend, Ouroborus Inkarnation, das Ding in Matts Auge, Wunden geheilt, nuff said.
      Dass Drazen sterben musste stimmt mich ehrlich gesagt ziemlich traurig, aber mal sehen wie sich das auf die Story und Anyas geistige Lage auswirkt.

      Weiter gings danach mit dem Auftritt von Stoltz:
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      Hier gefällt mir am Anfang gleich die ziemlich erfolglose Kampfszene.
      Stoltz Auftreten passt perfekt zu seinem Status als Unsterblichem, da er seine Gegner verständlicherweise sehr gering schätzt und es ihm egal ist was sie machen solange sie nicht wegrennen.
      Dass der Angriff der Protagonisten fehlschlägt hat mich gefreut, da er die Angst vor Stoltz und gleichzeitig auch seine deutliche Überlegenheit darstellt. Dazu wird ein nettes Extra der Hüter-Synchros gezeigt. Auch hatte die Szene zumindest für mich eine "Gewalt ist keine Lösung"-Message, was wirklich gut zum Thema passt, da Anya zumindest bei ihren Gegnern nie etwas mit Gewalt oder Androhung dieser erreicht.
      Das Duell war genauso wie der Kampf-kurz und für Anya, Zathne und Matt mit einem Riesenfehlschlag geprägt.
      Alle Bossmonster versagen kläglich, auch wenn Pleiades Effekt ein etwas besseres Timing gehabt hätte, aber das hätte irgendwie alles kaputt gemacht.
      Die Flucht passt sehr gut ins Bild, auch wenn hier wieder mal Matts Kräfte(?) seine Verletzungen heilen.

      Nun da Stoltz auch weg ist kommen wir zum Abschluss, dem Gespräch mit Kyon
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      Das Thema "Dunkle Vergangenheit" passt sehr gut zu unserem Lieblingswerwolf (wer hätte Bock auf nen Chara der den ganzen Tag trotz starker Kräfte und Wolfsgene nur Blümchen plückt? -Genau, keiner.)
      Dass sehr viel im Verborgenen bleibt ist auch sehr schön, bleibt wenigstens Spannung und Unsicherheit wegen Zathnes Charakter übrig, so muss das sein.
      Zudem werden Alectors Erfahrung und auch seine Macht als Dämonenjäger wie seine Einstellung zu ebenjenen gut gezeigt.
      Dass Anyas "Emperor Spirit" (noch ein Element über das die Gegner mehr wissen als sie selbst) wieder zum Vorschein kommt (das wars tippe ich) passt auch sehr gut in den Kontext.

      Zum Schluss muss ich sagen dass deine beiden FFs (auch Pokemon Code Zero) mir sehr gut gefallen, da du aus der harmlosen Welt der Animes realistisch die Wahrheit rauholst.
      Freue mich immer wieder auf neue Kapitel, weiter so, du bist richig gut!
      Spielerisch haben Raritäten auch Vorteile: Eine UMR Veiler negiert dich krasser