Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      @-Aska-

      Ich kann es mir denken, von dem, was du geteased hat. Aber bei der Karte haben wir wohl beide nen Hang dazu, sie richtig heftig zu machen xD

      Nein, ist klar, das muss erst mal aufgebaut werden, bis die dran kommt. Aber freue mich schon, wenn es soweit ist.

      Ja, da hast du sicherlich recht. Die grundsätzliche Tendenz ist von früh an in einen drin und macht einen aus. Und hinter ihrer Fassade hat Anya ja doch einige positive Eigenschaften - auch wenn man die nur allzu oft suchen muss oder gänzlich vermisst.

      Der Undying findet, du würdigst ihn nicht genug. Der Undying denkt, das verdient, eine Warnung auszusprechen :evil:


      Folge

      'Dem Undying reicht das nicht, er hat nicht ansatzweise zeigen können, was er drauf hat, ehe die Feinde der ewigen Ordnung mit eingekniffenen Schwanz zwischen den Beinen das Weite gesucht haben. Der Undying will mehr. Mehr Schmerz, mehr Blut, mehr Tod. Hihihi.'

      Was stimmt an dem möglichen Satz von Stoltz nicht? Richtig, nichts, es ist alles wahr :D Wobei man bei der Sache mit dem drauf haben definitiv streiten kann, denn er hat ja schon in dem Duell bewiesen, was für ein beinharter Gegner ist. Er hat gegen zweieinhalb gute Duellanten gleichzeitig gespielt und beinahe einen dreifachen OTK hingelegt. Wenn das nicht mal heftig ist xD

      Insgesamt war das Duell auch gut aufgebaut gewesen. Gerade die Gedankengänge der Protagonisten, die bei ihren jeweiligen Feldern dachten, dass sich Stoltz daran die Zähne ausbeißen und keineswegs so einfach dran vorbeikommen würde, die passten da, wenn jeweils das, was sie kategorisch ausschlossen dann aber passierte. Ins besondere bei Matt, der ja wirklich einen enormen Verteidigungswall aufgebaut hatte - nur um genau über die kleine Lücke, die in der Abwehr verblieben war, von den Centurion/Age Karten auseinander genommen zu werden.

      Aber mal abgesehen von dem Duell drehte sich die Folge natürlich von vorne bis hinten um den Undying. Optisch sprengte er dabei natürlich jeden Rahmen. Was müssen einem die Knie schlottern, wenn man so einem creepy Vieh begegnet, dass keine Wunde oder Verletzung auch nur im Geringsten stört. (Mal ganz abgesehen von der 360° Kopf Nummer oder dem abgeknickten Hals)
      Zumindest fühlte es sich so bei deinen Beschreibungen an, dass Stoltz so unnatürlich wirkt, dass einen die Angst bei seinem Anblick packen tut. Und ich will nicht lügen, ich glaub das würde wahrscheinlich jeden so gehen, wenn er völlig unvorbereitet zum ersten Mal auf so etwas trifft.
      Seine ganz eigene Art zu sprechen hatte auch etwas. Gerade die Art und Weise, wie er die Handlungen der Protagonisten regelrecht geringschätzte und voraussah, was sie vorhatten und dies gleich als vergeblich abtat. Leider konnte man aber aus seinen Aussagen nicht wirklich viel in Erfahrungen bringen, für mehr als Andeutungen hat es nicht gereicht. Aber auf der anderen Seite fand ich es auch wieder authentisch, dass jemand wie Stoltz die an ihn gerichtete Fragen einfach abschmettert, geichwie einem "mit Störenfrieden wie euch hab ich nichts zu bereden". Auch das zeigte noch einmal, was er von den 'Feinden' hielt.

      Was aber ein paar Fragen anderer Art aufwarf, war der unvermittelte Auftritt von Kyon gewesen. Zum Einen natürlich, was er dort gesucht haben könnte, wobei wohl die Grimoire ein heißer Kandidat wäre. Zum anderen aber die nun enthüllte, tatsächliche Verbindung zwischen Kyon und Zanthe. Natürlich bleibt noch unklar, was es damit wirklich auf sich hat und warum es Zanthe so in Rage gebracht hat. Ich kann mir vorstellen, dass da noch mehr dahintersteckt als man auf den ersten Blick vermuten mag.

      Im Gegensatz zu den ersten Teilen bildete der Rest der Folge einen richtigen Kontrast dazu. Gerade Anyas unbeholfene Art und Weise, Zanthe aufzumuntern, was in einer freundschaftlichen Rangelei endete, wusste zu amüsieren. Da kam man richtig ins Schmunzeln. Einen Dämpfer bekam der hintere Teil der Folge aber noch einmal durch die nicht angesprochene Sache, was Matts Superheilung und seine Lüge um das Schicksal von Drazen angeht. Kann mir aber nicht vorstellen, dass bei dem angedachten, klärenden Gespräch tatsächlich geklärt werden kann, was es damit auf sich hat. Das Damokles-Schwert dürfte nämlich noch eine ganze Weile über ihnen hängen.

      Zur nächsten Preview sag ich erstmal gar nichts. Ich mein, wenn die Drei es in dieser Folge schon praktisch nicht geschafft haben, gegen den Undying anzukommen, was will man sich bei einem solchen Ausblick nur denken, wo einer allein gegen den Kerl ran muss. Aber es verspricht auf jeden Fall ein verdammt heftiges Duell zu werden, wenn jemand wie Alastair dem die Stirn bietet. Und vielleicht steigt ja sogar der alte Meister ins Duell ein und regelt das selbst :3

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Vielen Dank für die Kommentare und natürlich auch an die, die hier mitlesen. :)

      @Lenant
      Erstmal gesondert noch einmal vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Freut mich, wieder was von dir zu lesen. ^^

      Zu Matt VS Drazen sei gesagt, dass Matt mit dem Ophion halt all out gehen wollte, das aber leider nicht geklappt hat. Schon doof, seinen besten Out so zu opfern, aber daraus kann er nur lernen. :D
      Drazens Tod stimmt mich auch traurig, vor allem da es noch so einiges zu ihm zu erzählen gäbe. Aber das lässt sich sicher auch über Flashbacks einbauen. ;)

      Was Stoltz angeht, gegen den gibt es generell wenig "Lösungen". Das mit Pleiades stimmt natürlich, aber wie sollte Zanthe das auch ahnen? Aber eins kann ich verraten: Stoltz hätte sich nicht wirklich dran gestört. ;)

      Zanthes Vergangenheit wird immer mal wieder aufgegriffen und Stück für Stück offenbart werden. Auch was sein Verhältnis zu Kyon angeht, welches eine bedeutende Rolle spielen wird.
      Was allerdings die Conqueror's Soul ist, das bleibt noch eine Weile im Dunkeln verborgen. Tja, Geheimnisse sind eben fun!

      Auf jeden Fall danke für dein Lob! :)

      @Evil Bakura
      Was anderes als heftig kann eine Inkarnation von Trishula/Ouroboros auch nicht werden. Ich meine, hallo? xD
      Manchmal frag ich mich, wie die Leute Anya aufgenommen hätten, hätte ich so nur etwas weniger "krass" geschrieben. Aber ehrlich, das wäre ja langweilig. Ich mag MCs, die einfach mal scheiße sind. :D

      Weil du gerade das mit den jeweiligen Gedankengängen ansprichst: Ich würde gerne irgendwann nochmal ein Duell mit dem Dreiergespann schreiben, wo sie dann nicht nur jeweils unterschiedliche Strategien verfolgen, sondern auch richtig gutes Teamwork hinlegen. Aber naja, du kannst dir denken, an wem das aus Prinzip scheitern müsste. xD

      Stoltz gehört eben auch nicht zu der Sorte, die ihre Hintergründe und Vorhaben erläutert. Das ist ja so etwas, was man oft sieht, wenn die Antagonisten sich sicher fühlen und alles ausplaudern. Würd ich an deren Stelle nie machen, aber manchmal muss das auch sein, weil es z.B. kein anderer könnte. Naja, oder man lässt den Leser bis zum Schluss rätseln.

      Btw wird Anyas und Zanthes gemeinsame Freundschaft auch hin und wieder mal thematisiert werden. Fragt sich bloß, ob es dann bei so einer Rangelei bleibt. XP
      *schon Todesblicke durch die Luft zischen sieht*

      Danke für deinen Kommi!


      Dann folgt jetzt ein kleines Jubiläum, die 50. Folge von TLA.
      Und noch lange nicht die letzte! ^^ Viel Spaß!

      Turn 50 – Mercy
      Der nächste Morgen begann für alle zunächst mit einem gemütlichen Frühstück. So gemütlich es eben ging, wenn man mit über 60 Kindern im selben Raum verweilte. Wie üblich ging es in der riesigen, ausgebauten Küche hoch her. Die drei langen Tafeln der Kinder waren bis auf den letzten Platz besetzt, lautes Geschnatter und Gekicher drang zu dem kleinen Tisch der Erzieher.

      An jenem saßen auch Anya und Zanthe, aßen zusammen mit den beiden Erzieherinnen sowie Matt und Alastair Rührei und etwas Toast. Während die anderen vier sich über die finanzielle Lage des Waisenhauses unterhielten – offenbar ein echter Dauerbrenner – warfen Anya und Zanthe sich immer wieder verschwörerische Blicke zu.
      Letzterer nickte in Matts Richtung, als wolle er Anya auf etwas aufmerksam machen. Matt hatte bereits aufgegessen und seine Ellbogen auf den Tisch abgestützt. Erstaunlich ausgelassen scherzte er mit Alastair, wie der nur ohne seine Hilfe in dem Frauenhaushalt zu recht kommen würde.
      Anya drehte irritiert den Kopf zu Zanthe. „Was denn!?“
      „Guck doch mal seine Arme an!“, flüsterte Zanthe, auch wenn es schon mehr nach einem Zischen klang.
      Das Mädchen musterte Matt erneut. Die Ärmel seines schwarzen Hemdes hatte er hochgekrempelt, weil er zuvor in der Küche geholfen hatte. Keine Narben waren an ihnen, keine Kratzer, gar nichts.
      „Da ist nichts!“
      „Eben“, erwiderte Zanthe eindringlich, „was haben diejenigen, die sich mit Immateriellen vergnügen?“
      Anya ging ein Licht auf. Natürlich, ein Paktmal! Sie selbst und ihre Freunde hatten solche besessen, darunter auch Matt. Als die Immateriellen, von denen sie sie hatten, dann das Zeitliche segneten, verschwanden die Male. Es war also nicht ungewöhnlich, dass Matt kein Paktmal- moment! Darauf wollte Zanthe hinaus! Wegen Matts unglaublichem Heilungsprozess hatten sie vorhin beim Aufstehen die Vermutung angestellt, ob er nicht vielleicht einen Pakt geschlossen haben könnte. Offensichtlich nicht.
      „Sackgasse“, nuschelte Anya. „Ich sagte doch, er-“

      Unvermittelt sah der Schwarzhaarige mit dem nach hinten gekämmten, etwas nach oben stehendem Haar seine Gegenüber fragend an. „Was tuschelt ihr die ganze Zeit?“
      „Nichts“, log Zanthe, „wir finden nur dein Hemd total schick.“
      „Erzähl das deiner Großmutter“, murrte Matt und kniff die Augen zusammen. „Lästert ihr über mich?“
      Anya grinste keck. „Klar, Summers! Wir sind total erstaunt darüber, wie fit du im Vergleich zu uns bist. Aber wen wundert das, du hast ja auch total auf Nummer sicher gespielt.“
      Darauf wusste Matt im ersten Moment nichts zu erwidern, blinzelte nur verdutzt.
      „Sieh an, wer da spricht“, fiel ihr Zanthe unvermittelt in den Rücken. „Wer war denn von uns am wenigsten vorbereitet? So wirst du nie Duel Queen werden. Und sowieso, du bist derart eingerostet, dass du dem Typen kein Haar krümmen konntest in deinem Wutanfall. Andererseits, ob du nun dabei warst oder nicht, es hätte wohl eh nichts geändert …“
      Den Kopf ganz langsam, fast schon in Zeitlupe zu ihm drehend, traten aus dem Weiß in Anyas Augen bereits deutlich die Äderchen hervor. „Was hast du gerade gesagt?“
      Plötzlich lachte Alastair schallend auf. „Ich wäre an deiner Stelle auch wütend, wenn die einzige Qualität, die ich besitze, derart herabgestuft wird.“
      Damit hatte Anya endgültig das Nachsehen und wurde von allen Seiten auf äußerst fragwürdige Art und Weise aufgemuntert.

      Während sie sich den Seitenhieben der anderen ausgesetzt sah, traten zwei Kinder an ihren Stuhl heran, kaum älter als zehn Jahre.
      „Du“, begann der Junge schüchtern, „willst du mit uns spielen?“
      „Wir haben gesehen, dass du ein Deck hast“, plapperte das Mädchen dagegen drauf los, „vielleicht-“
      Die beiden verstummten abrupt, als Anya ihren Kopf in beängstigender Geschwindigkeit zu ihnen drehte. Das eine Auge von ihrem Pony verdeckt, sah sie die beiden geradezu manisch an.
      „Ä-äh vielleicht gehen wir besser“, stammelte der Junge erschrocken.
      „Nicht doch“, murmelte Anya und ein gehässiges Grinsen bildete sich auf ihren Lippen, „ich liebe Kinder. Lasst uns spielen.“
      Damit stand sie auf und ließ sich wegführen, wobei die Kinder alles andere als glücklich dabei anmuteten. Zanthe sah ihnen mit gemischten Gefühlen hinterher. „Ich glaube, das wird in einer Katastrophe enden.“
      „Immerhin beschäftigt sie sich mit ihnen“, brummte Alastair, „das rechne ich ihr hoch an.“
      „Du glaubst doch wohl nicht im Ernst, dass sie dabei keinen Hintergedanken hat?“ Matt seufzte. „Das da ist Anya.“
      Zanthe nickte. „Da wird jemand einfach sein angeknackstes Ego aufpolieren wollen …“

      ~-~-~

      Wesentlich später als ursprünglich vorgesehen machte sich die Gruppe schließlich abreisefertig. Hauptsächlich lag dies an Anya, die ein Kind nach dem anderen zu einem Duell herausforderte, offenbar regelrecht in einem Rausch verfallen war. Am liebsten hätte sie sich gleich mehrere auf einmal zur Brust genommen, doch da die Kinder nur eine Duel Disk hatten, war dies nicht möglich. Dennoch hatten die Kinder Spaß dabei, da sie es mal mit einem anderen Gegner zu tun bekamen.
      Denen, die gegen Anya gewannen, verging der Spaß allerdings ganz schnell. Dann schrie sie so lange nach einer Revanche, bis die Kinder panisch zustimmten. Anya war nach einer etwas längeren Serie von Niederlagen – zwei Stück um genau zu sein – schon drauf und dran, ihre neue schwarze Weste zu verwetten, hätte Matt sie nicht aufgehalten.

      Am späten Vormittag hatten Anya und Zanthe ihre Koffer schließlich gepackt. Jene lud Alastair in den vor dem Waisenhaus stehenden VW-Bus, während Matt noch auf sich warten ließ. Das Duo wartete im Türrahmen auf das fehlende Gruppenmitglied.
      Zu ihrer Überraschung trat aber nicht Matt, sondern Alector zwischen sie und betrachtete Alastair nachdenklich. Dann richtete er sich an Anya.
      „Kann ich kurz mit dir reden? Unter vier Augen?“
      Die sah verwirrt Zanthe an, während der sich hämisch hinter Alectors Rücken mit dem Finger über die Kehle fuhr. Der warf daraufhin dem Werwolf einen scharfen Blick aus dem Augenwinkel zu. „Lass das!“
      Mit der Zunge schnalzend, zuckte Zanthe mit den Schultern und rannte herüber zu Alastair, vermutlich um ihn wieder einmal erfolglos anzuflirten.
      „Was ist?“, wollte Anya wissen. „Sind Sie böse auf mich, weil ich ihren Liebling mitnehme?“
      Alector fuhr sich über den Bart. „Böse trifft es nicht einmal annähernd. Du hast ihn in etwas hineingezogen, aus dem er womöglich nicht so leicht wieder herauskommt. Mach mir nichts vor, es hängt mit dem Gefallen zusammen, den du von ihm eingefordert hast. Er ist ein schlechter Lügner.“
      „Keine Ahnung, sieht ganz danach aus“, gestand Anya, da sie keinen Sinn darin sah, es abstreiten zu wollen.
      „Da er jetzt mit dir reist, hast du die Verantwortung, ihn ebenso zu beschützen wie er dich beschützen wird. Ich hoffe, dessen bist du dir bewusst.“ Alector sah sie scharf von der Seite an.
      Sie erwiderte den Blick unerschrocken. „Gibt Schlimmeres.“
      Der alte Mann trat einen Schritt vor. „Glaub mir, das gibt es. Und höre ich davon, dass ihm etwas geschehen ist, während er mit dir zusammen war, werde ich dich finden und dir zeigen, von welcher Art von 'schlimm' ich rede.“

      Anya lachte plötzlich belustigt und schlug ihm unvermittelt auf die Schulter. „Bevor das passiert, zeig ich Ihnen erstmal, was ich unter 'schlimm' verstehe, 'kay?“
      Er drehte sich, etwas aus dem Konzept gebracht, perplex zu ihr um, doch starrte er nicht etwa in ein vergnügtes, sondern sehr ernstes Gesicht. „Aber das ist doch gar nicht, worüber Sie wirklich reden wollten, oder? Dieselbe Predigt haben Sie uns gestern schon gehalten.“
      „Nein“, erwiderte er schließlich, „ich habe eine Frage an dich. Ich hoffe, du kannst mir die Antwort geben, die Matt mir nicht geben konnte.“
      „Und worum geht’s?“
      „Es dürfte dich nicht überraschen, dass dein Name mir schon bekannt war, noch bevor du hierher gekommen bist. Wie du dich sicher noch erinnern wirst, hat Matt mich bezüglich deines damaligen Problems um Hilfe gebeten.“ Zur Verdeutlichung zeigte er auf ihren nackten Unterarm. „Es ging um den Pakt, aus dem du dich lösen wolltest.“
      Das Mädchen hob jenen Arm und betrachtete ihn. „Ja, da war doch diese Geschichte mit dem Jinn. Sie haben uns diese Lampe geschickt. Natürlich ist alles schief gegangen … das war alles Ihre Schuld, wenn man's recht betrachtet!“
      Alector überhörte den Kommentar und sah sie eindringlich an. „Anya, du warst gefangen, während der Jinn sich deines Körpers bemächtigt hat. Warst du da alleine? Oder waren da noch andere, die mit dir eingesperrt waren und jetzt vielleicht frei sind?“
      Blinzelnd sah sie von ihrem Arm auf und schüttelte den Kopf. „Nein, ich war alleine, in meinem Elysion.“
      Daraufhin ließ Alector den Kopf hängen. „Schade … ich hatte gehofft, dass du vielleicht auf einen Mann getroffen wärst. Du musst wissen, ich habe lange gebraucht, um diese Lampe ausfindig zu machen. Alastairs Großvater ist ebenfalls auf der Suche nach ihr gewesen und verschwunden. Ich habe alles in dem Brief erklärt gehabt, der dem Paket beilag.“
      Das Mädchen kratzte sich am Kopf. „Sorry, aber da war kein Brief. Vielleicht 'ne Notiz, aber kein Brief, in dem etwas über Big Als Opa stand.“
      „Das hat Matt mir auch gesagt.“ Alector drehte sich um und ging an ihr vorbei. „Gut, dass ich Alastair nichts davon erzählt habe, er hätte sich nur falsche Hoffnungen gemacht. Nun habe ich Gewissheit. Bitte behalte das für dich.“
      Auf der Türschwelle drehte er sich ihr noch einmal zu. „Gute Reise und viel Glück. Du wirst es brauchen …“
      Damit ließ er sie zurück und verschwand ins Innere des Waisenhauses. Mitten auf dem Gang traf er auf Matt, aber Anya entschied sich außer Hörweite zu gehen, damit die beiden sich ungestört voneinander verabschieden konnten.

      Zanthe kam ihr vom VW-Bus aus entgegen, die Mundwinkel erwartungsgemäß tief nach unten gezogen. Anya grinste dreckig. „Na, haste wieder festgestellt, dass er nichts von dir will?“
      „Ein Wort, Anya, und ich stell dich dem Erdboden vor“, erwiderte er griesgrämig, „und glaub mir, eure Beziehung wird sehr intim werden.“
      Das Mädchen winkte ab und rückte dann ihre Weste zurecht. „Hey, der Spruch könnte von mir sein. Tch, nimm's nicht so schwer. Mach lieber was kaputt, das hilft.“
      „Und was?“
      Matt trat unvermittelt hinter Anya hervor. „Das kannst du meinetwegen machen, wenn wir in Livington sind.“
      „Hat der Alte dir nochmal 'ne Tracht Prügel verpasst?“, fragte Anya hoffnungsfroh, während sie zu dritt zum Wagen liefen.
      Matt nickte. „Verbal, ja.“
      „Sag mal, Summers“, fiel Anya noch etwas ein, „wieso heilen deine Wunden eigentlich so schnell? Der Flohpelz meint, die würden verschwinden, noch bevor sie richtig zu bluten anfangen?“
      Matt blieb abrupt stehen. Zanthe auch, der Anya umgehend einen Jetzt-wälzt-du's-auf-mich-ab-was?-Blick zuwarf. Die zeigte ihm ungekünstelt den Mittelfinger.
      Matt drehte sich zu Zanthe um, in seinem Blick lag dabei etwas Undeutbares. Dann schob er den Ärmel seines schwarzen Mantels und anschließend den seines gleichfarbigen Hemdes hoch.
      „Was ist da?“, fragte Anya, die nur gesunde Haut sah.
      „Nichts“, erwiderte Matt und zupfte seine Sachen wieder zurecht, „wo ich nicht verletzt werde, kann ich logischerweise auch keine Wunden haben. Einleuchtend, oder?“
      Ohne sich weiter mit ihnen abzugeben, schritt Matt herüber zu Alastair und unterhielt sich noch kurz über die Zukunft des Waisenhauses.
      Zanthe legte den Kopf schief. „Das Thema war für ihn aber schnell erledigt.“
      „Na ja, klingt doch logisch. Nur weil seine Kleidung zerfetzt wird, heißt das ja nicht, dass dasselbe auch mit seiner Haut passiert.“
      Der Kopftuchträger stöhnte. „Anya … wirklich jetzt?“
      Wirklich jetzt, wie sie ihm dadurch ausdrückte, dass sie ihn ebenfalls stehen ließ.
      „Das stinkt doch alles zum Himmel“, zischte er frustriert.

      Schließlich fuhren sie los, nachdem sie sich noch einmal von den Erzieherinnen und Kindern verabschiedet hatten, die ihnen wild hinterher winkten. Anya hatte dieses Mal nicht das Glück, vorne zu sitzen und durfte sich die Ladefläche mit Zanthe teilen, während Alastair den Wagen fuhr. Der Weg zum Bahnhof war derselbe, den sie letztes Mal genommen hatten. Sie fuhren durch das kleine Dorf San Augustino, über eine Landstraße vorbei an der kleinen Kapelle, bis sie letztlich den
      Bahnhof mit dem Uhrenturm erreicht hatten.

      Anya öffnete die beiden Türen des VW-Busses und wartete darauf, dass Matt ihr seinen Koffer abnahm. Danach sprang sie von der Ladefläche, mit dem ihren in der Hand und wartete auf Zanthe, der die ganze Zeit vor sich hin schmollte und erst gar nicht daran dachte, dass er jetzt aussteigen musste.
      Derweil umarmten sich Matt und Alastair fest. Letzterer klopfte seinem Freund sanft auf den Rücken. „Halt die Ohren steif, Matt. Wenn etwas ist, du etwas brauchst, sag uns unbedingt Bescheid.“
      „Ach, die Telefonrechnungen sind schon bezahlt?“, gluckste der. „Mach ich.“
      Die beiden lösten sich voneinander. Der Hüne drehte sich zu Anya und reichte ihr seine Hand, die jene eher zögerlich annahm, da sie sich noch nicht so recht dran gewöhnt hatte, nicht mehr die Schlangenzunge zu sein. „Du gib ebenfalls auf dich Acht. Und auf Matt.“
      „Wenn's sein muss“, nölte sie.
      Zanthe stellte sich neben sie und reichte ihm ebenfalls die Hand, aber ein böser Blick Alastairs reichte aus, damit er sie prompt wieder wegzog.
      „Alter, was hast du zu ihm gesagt?“, wollte Anya fasziniert von der Reaktion wissen.
      Dass ihr Begleiter sich darüber ausschwieg ließ viel Raum für Interpretationen.
      Alastair stieg in den VW-Bus und winkte ihnen aus dem offenen Fenster noch einmal zu, ehe er losfuhr und dabei noch einmal kräftig auf die Hupe drückte.
      Die Hände in die Hüften stemmend, meinte Anya: „Tja, ohne ihn wird’s wohl nicht dasselbe sein. Ach ja“, fiel ihr da ein und sie wandte sich an die anderen beiden, „kann ich Nick noch schnell anrufen? Muss da was klären.“
      „Meinetwegen, aber beeil' dich, der Zug dürfte gleich kommen“, willigte Matt ein.

      ~-~-~

      Währenddessen saß Alastair am Lenker des schwarzen VW-Busses und war in Gedanken versunken. Ob es wirklich richtig war, diese Kinder und Matt alleine losziehen zu lassen? Wenn es nicht für das Waisenhaus wäre, hätte er sie begleitet. Aber er wurde dort gebraucht, Alector konnte die Arbeit nicht ohne ihn bewältigen. Matts Verlust war schon schlimm genug.

      Er schaute aus dem Fenster nach links, wo er die kleine, weiß gestrichene Kapelle sah. Für die Drei hatte er sogar gebetet, obwohl sein Glaube an Gott seit Anothers Taten zunehmend ins Wanken geraten war. Manchmal fürchtete er, dass Gott tot war und nur noch Böses diese Welt heimsuchte. Matt hatte es ihm erzählt. Was der Sammler Anya antat, indem er sie erpresste.
      Allein der Gedanke, dass der Collector nicht einmal das einzige Wesen seiner Größenordnung war, ließ ihn zutiefst erschaudern. Und er konnte verstehen, dass Matt Anya nichts von den anderen erzählen wollte, denn mit ihnen zu verkehren würde die Sache mit Sicherheit nur komplizierter machen. Keiner von denen würde ihr ohne Gegenleistung helfen. Wenn sie es überhaupt täten.

      Als Alastair das Dorf erreichte, fühlte er sich mit einem Male unwohl. Es war nur ein Bauchgefühl, aber etwas stimmte nicht. Draußen gingen die wenigen Leute, die man sah, ihrem gewohnten Tagesablauf nach. An einer Straßenecke stand ein kleiner Fischstand, aber irgendetwas störte Alastair und er konnte nicht beschreiben, was es war.

      Die Gedanken durch das Schütteln seines Kopfes vertreibend, durchquerte er das Dorf und nahm die Straße Richtung des Waisenhauses. Je näher er diesem kam, desto stärker wurde das Unwohlsein. Bis er es begriff. Einige Meter vor der Auffahrt bremste er den Wagen und stieg hastig aus.
      Er konnte das weiße, leicht marodierte Haus bereits sehen. Nichts. Kein Kind draußen, etwas, das ganz gewiss nicht normal war. Niemand war hier, das spürte Alastair.
      Noch ein paar Schritte ging er vorwärts, dann blieb er stehen. Und streckte den Arm nach vorne aus, welcher von rosafarbenen Entladungen heimgesucht wurde. Keuchend riss er die Hand weg.
      „Bannkreis … Alectors!“, erkannte er und versuchte, sich selbst Einlass zu schenken. Er kannte die Art, wie sein alter Lehrmeister seine Schutzfelder aufbaute. Täte er das nicht, gäbe es keine Chance für ihn, den Bannkreis zu betreten.

      Er brauchte eine Weile, aber dann gelang es. Regelrecht hinein gezogen wurde er in den von außen her unsichtbaren Kasten. Innen jedoch konnte er erkennen, wie sich die Mauern rund um das Grundstück erhoben und es in eine künstliche Dimension verschoben hatten. Wie abgeschnitten, in einem rosafarbenen Kasten sah es hier aus, denn nach den Barrieren hörte das Blickfeld abrupt auf.
      Alastair konnte keine Kampfspuren sehen, während er sich dem großen Gebäude näherte. Und dass der Bannkreis noch funktionierte, bedeutete, dass Alector noch am Leben war. Aber weshalb hatte er diesen überhaupt errichtet?
      Mehr noch, etwas irritierte den Hünen im roten Mantel. Es hatte ihn ungewöhnlich viel Zeit gekostet, sich Eintritt zu verschaffen. Fast, als wäre der Bannkreis von doppelter Intensität, was allerdings jeglicher Logik entbehrte – ein normaler war für gewöhnlich völlig ausreichend und besonders die von Alector waren ohnehin so stark, dass niemand sie ohne Weiteres durchbrechen konnte, wenn er nicht genau wusste wie.

      Er sah herüber zu dem kleinen Schuppen. In dem Moment drang ein Surren an ein Ohr. Ohne nachzudenken sprang Alastair zur Seite. Seine weit offen stehenden Augen verfolgten den hellblauen Energiestrahl, wie er sich seinen Weg an ihm vorbei bahnte und regelrecht in den Boden fraß. Sofort sah er nach oben, zur Quelle.
      Dort stand sie, eine Gestalt, wie sie absurder nicht sein konnte. Bandagiert waren ihre unglaublich langen Gliedmaßen, gekleidet in eine weiße Panzerung samt Helm. Eines der Augen war ebenfalls eingewickelt, das anderen hingegen leuchtete rötlich.
      „Er ist endlich gekommen, der Dämonenjäger, der den Feinden der ewigen Ordnung hilft.“
      Anstatt von der Dachkante zu springen, tauchte die Gestalt wie aus dem Nichts vor dem Eingang des Waisenhauses auf.
      „Wer bist du!?“, wollte Alastair wissen, der seitwärts ging, da er es nicht wagte, diesem unbekannten Wesen zu nahe zu kommen.
      „Dieser ist ein Undying namens Stoltz. Gekommen, um …“, aber statt den Satz zu beenden, kicherte jener nur geheimnisvoll.
      Sofort erkannte Alastair ihn als denjenigen aus Matts Berichten wieder. Ein unsterbliches Wesen. Also waren die Befürchtungen berechtigt gewesen, es war hinter Matt und Anya her.
      „Die, die du suchst, sind nicht mehr hier!“, polterte er.
      „Oh doch, er ist genau hier. Vor des Undying Nase.“
      Der Hüne weitete die Augen. „Von wem sprichst du …? Wo ist Alector!?“
      Ein bösartiges Grinsen huschte über Stoltz' spröde Lippen, als er seinen langen Arm anhob und präsentierte. Er war voller Blut. „Jener Mann hat tapfer gekämpft, doch am Ende verloren. Und doch weigert er sich zu vergehen. Hat den Undying in einen separaten Bannkreis eingesperrt. Narr. Dachte er, er würde den Undying damit aufhalten können?“

      Alastairs Kinnlade klappte herunter.
      Sein Mentor war schwer verwundet!? Ein zweiter Bannkreis? Natürlich, jetzt begriff es Alastair. Alector musste erkannt haben, dass er diesen Stoltz unmöglich besiegen konnte und sperrte ihn daher in einem sich mit dem anderen Bannkreis überlagerndem Gefängnis ein! Deshalb war es so schwer gewesen, hier einzudringen, in die zweite Ebene.

      Plötzlich schlug Alastair die Hände zusammen und schrie auf. Die quaderförmige Barriere, die das Waisenhaus umgab, leuchtete grell auf, verfärbte sich grünlich.
      „Du wirst hier nicht rauskommen!“, knurrte Alastair.
      Stoltz kicherte. „Der Dämonenjäger benutzt seinen eigenen Bannkreis als zusätzliches Siegel. Also muss der Undying erst ihn töten, bevor er hoffen kann, dass das Leben des anderen gänzlich schwindet …“

      Alastair stand der Schweiß auf der Stirn.
      Spätestens jetzt musste sein Mentor bemerkt haben, dass er wieder zurück war und Stoltz festhielt. Inständig hoffte der Hüne, dass Alector verstehen und sich daran machen würde, die Kinder zu evakuieren, die sich vermutlich in seinem ersten Bannkreis befanden.
      Er würde diesen Dämon aufhalten, egal was es kostet-

      „... aber genau deswegen ist er doch hier. Und ein Exempel an den Feinden der ewigen Ordnung zu statuieren.“
      Der Schwarzhaarige horchte auf. „Was!?“
      „Dies ist die Warnung, die der Undying seinen Feinden noch nicht hat zukommen lassen.“
      Stoltz streckte den langen Arm aus, an dem eine goldene, am Ansatz des Spielplans zur Seite gerichtete Duel Disk erschien.
      „Du bist wegen uns hier“, erkannte Alastair, „widerliche Kreatur! Statt dich deinen Feinden zu stellen, greifst du lieber ein Waisenhaus an! Dafür wirst du bezahlen!“
      Unter einem wütenden Aufschrei holte er aus seinem roten Mantel ein schwarzes D-Pad hervor und rüstete sich damit aus.
      Die gelben Zähne zeigend, rief Stoltz zusammen mit Alastair im Einklang: „Duell!“

      [Alastair: 4000LP / Stoltz: 4000LP]

      Alastair atmete hastig. Sein Bannkreis beschützte das Waisenhaus vorerst vor Schäden, doch nur solange er lebte. Würde er sterben, hieße das, dass alle Schäden innerhalb des Bannkreises sich auf die Realität übertragen würden. Denn den Worten dieses Wesens entnahm er, dass sein Meister es nicht schaffen und sein Bannkreis damit bald schwinden würde. Dann gab es nur noch den seinen.
      Er durfte also nicht verlieren!
      Das konnte nicht sein! Alector konnte doch unmöglich …

      „Ich beginne!“, polterte er und zog sein Startblatt. „Draw!“
      Sein Gegner kicherte nur bösartig. „Dem Undying macht das nichts aus.“
      Sofort zeigte Alastair eine Karte vor, nachdem er die aufgezogene in sein Blatt gesteckt hatte.
      „Schnellmagie! [Celestial Transformation]! Sie beschwört einen Engel als Spezialbeschwörung von meiner Hand, doch sein Angriffswert wird halbiert und der Ende des Zuges ist auch sein Ende. Erscheine, [Vylon Stigma]!“
      Vor ihm tauchte eine beinlose, mechanische Gestalt auf. Der schwarze Körper war mit Gold verziert, selbst die jeweils vier Klauen, die sich an den beiden schlauchartigen Armen befanden.

      Vylon Stigma [ATK/1600 → 800 DEF/1000 (4)]

      Sofort legte Alastair noch eine Karte auf seine Duel Disk. „Als Normalbeschwörung rufe ich [Vylon Cube]!“
      Noch eine der seltsamen Kreaturen erschien. Es war ein weißer Würfel mit goldenen Armen und einem kleinen Auswuchs, der als Kopf diente.

      Vylon Cube [ATK/800 DEF/800 (3)]

      Alastair streckte die offene Handfläche in die Höhe. „Da [Vylon Cube] ein Empfänger ist, stimme ich ihn auf [Vylon Stigma] ein!“
      Seine beiden Monster stiegen in die Luft auf. Der Würfel zersprang in drei leuchtende, grüne Energieringe, die die andere Maschine durchquerte.
      „Level 3, [Vylon Cube] und Level 4, [Vylon Stigma]! Infinite potential lies within the heart of steel. Cover this infected world with your sacred wings! Synchro Summon! [Vylon Delta]!“
      Ein greller Lichtblitz schoss durch die Ringe. Und aus ihnen flog schließlich eine weiße Gestalt mit stählernen Flügeln, die stark an einen Engel erinnerte. Ihr Leib endete in einer rot glühenden Spitze, eingerahmt von drei schwebenden, goldenen Ringen. Delta legte schützend die Schwingen vor seinen Körper, während es über Alastair verharrte.

      Vylon Delta [ATK/1700 DEF/2800 (7)]

      Alastair nahm sein Deck aus der Halterung. „Wenn [Vylon Cube] für die Synchrobeschwörung eines Licht-Monsters verwendet wird, erhalte ich eine Ausrüstungsmagie von meinem Kartenstapel. Und da ich meinen Zug gleichzeitig beende, erhalte ich eine weitere durch [Vylon Deltas] Effekt.“
      So nahm er gleich zwei, [Vylon Material] und [Vylon Filament], und zeigte sie vor.

      Stoltz indes gab sich gänzlich unbeeindruckt und zog auf. „Der Dämonenjäger möchte das hier schnell beenden, aber er weiß nicht wie. Ist dem nicht so?“
      „Ich bin kein Dämonenjäger mehr!“, erwiderte Alastair ungehalten. „Ich habe keine Absichten, irgendjemandem zu schaden!“
      „Der ehemalige Dämonenjäger nicht, seine Freunde jedoch schon. Und er riecht nach ihnen. Nein, stinkt förmlich danach.“ Stoltz zeigte seine fauligen, gelben Zähne. „Widerlicher kleiner Mensch.“
      Der Hüne schnaubte. „Welchen Verbrechens beschuldigst du Matt!?“
      „Namen sind unwichtig, genauso das, was mit ihnen verbunden wird. Einzig das Resultat ist entscheidend. Die Feinde der ewigen Ordnung sind entwischt, aber um die Botschaft zu verdeutlichen, wird der Undying ein Exempel statuieren. Jeder soll wissen, was geschieht, wenn man die Undying herausfordert.“
      Was Alastair dazu brachte, wütend den Arm auszuschwingen, hatte er das Gefühl, als würden sie völlig aneinander vorbeireden. „Selbst wenn sie Unrecht tun, wie kannst du es wagen, mich ausgerechnet hier dafür zur Rechenschaft zu ziehen!? Ich bin bereit zu verhandeln, wenn es nötig ist. Ich werde mit ihnen reden-“
      Stoltz grinste noch breiter, als es ohnehin schon möglich für ihn schien. „Der Undying hat kein Interesse. Die Botschaft wird zu seinen Konditionen übermittelt. Und nun: Beschwörung, [Centurion Atlas]!“
      Alastair wurde von einem kalten Wind erfasst, der entstand, als hinter seinem bandagierten Gegner ein mehrere Meter großer, mechanischer Zentaur auftauchte, bestehend aus unzähligen Würfeln, die sich hin und wieder zurück bewegten, um die Umrisse des Wesens zu korrigieren. Unter seinem Helm stach ein rot leuchtendes Auge hervor.

      Centurion Atlas [ATK/2500 → 0 DEF/2500 (10)]

      Alastair keuchte irritiert, als er Zeuge wurde, wie der in Atlas' Brust leuchtende Energiekern sich verdunkelte und das Wesen plötzlich den Oberkörper hängen ließ und wie tot da stand.
      „Der Undying hat [Centurion Atlas] ohne Tribut beschworen, obwohl keine passende Energiequelle vorhanden ist, weshalb die Stärke seines Monsters auf 0 fällt.“ Allerdings zeigte Stoltz bereits eine Zauberkarte vor, die dies ändern sollte. „Aber das ist nur ein Vorteil, denn er kann dadurch [Age Of Change] aktivieren, die die Stärke eines Monsters verdoppelt, wenn seine Angriffskraft auf 0 reduziert wurde. Zusätzlich fügt es durchschlagenden Kampfschaden zu.“
      Mit einem Ruck richtete sich Atlas wieder auf. Der Kern in seiner Brust leuchtete nun bedrohlich rot.

      Centurion Atlas [ATK/0 → 5000 DEF/2500 (10)]

      „Centurions können allerdings nur angreifen, wenn der Undying eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte als Kompensation anbietet. Alles hat seinen Preis“, kicherte Stoltz und setzte eine Zauberkarte, die vor ihm erschien und sich sofort auflöste, „doch manchmal zahlt das Schicksal ihn zurück.“
      Ganz zu Alastairs blankem Entsetzen materialisierte sich die eben geopferte Karte zurück aufs Feld.
      „[Age Of Wonders] setzt sich zurück aufs Feld, wenn sie durch einen Karteneffekt des Undying auf den Friedhof gelegt wurde.“ Stoltz grinste und streckte die Hand aus. „Und nun erlebe den Zorn eines Undying am eigenen Leib! Angriff!“
      Im rot leuchtenden Auge des Zentauren sammelte sich Energie an, die dieser in Form eines gebündelten Strahls auf [Vylon Delta] gerichtet entlud. Dieses wurde getroffen und explodierte in einem ohrenbetäubenden Knall. Seine Trümmerteile gingen wie ein Regen nieder und schlugen unter anderem in das Dach des Waisenhauses ein. Alastair wurde von der Druckwelle auf den Boden gepresst und schrie fassungslos, als er die Zerstörung mit ansah, die sein Monster gebracht hatte.
      „Nein!“
      Ein herabfallendes, spitzes Teil drohte ihn aufzuspießen, doch Alastair rollte sich instinktiv zur Seite und entging seinem sicheren Tod in letzter Sekunde. Dann zersprangen die umliegenden Trümmerteile.

      [Alastair: 4000LP → 1800LP / Stoltz: 4000LP]

      Zufrieden grinste Stoltz und legte seinen Kopf schief. Dabei griff er eine Karte aus seinem Blatt und setzte sie neben [Age Of Wonders] verdeckt, wo jene sich dann auch materialisierte.
      „Der Undying beendet seinen Zug. Armer kleiner Dämonenjäger, erkennt er doch den Ernst der Lage nicht.“
      Er spielte darauf an, dass der inzwischen aufgeraffte Alastair mehr mit den Schäden an Haus und Hof der Anstalt beschäftigt war, denn mit seinem eigenen Wohlbefinden.
      „Du Monster!“, bellte er und wandte sich an Stoltz, zeigte mit dem Finger auf ihn. „Dort drinnen sind vielleicht noch Kinder! Weißt du was geschehen könnte, wenn du mich jetzt tötest!?“
      Stoltz leckte sich über die Lippen. „Der Undying ist neugierig …“
      Sein Gegenüber keuchte, fassungslos vom Blutdurst der grotesken Gestalt.

      „Draw!“, brüllte Alastair im Anschluss außer sich und riss eine Karte von seinem Deck.
      Umgehend schnappte er sich eine Zauberkarte aus seinem Blatt und zeigte sie vor: „Dafür wirst du büßen! [Monster Reborn], eine Magie, die gefallene Soldaten wieder kämpfen lässt!“
      Schon erhob sich über dem Hünen der riesige Mechaengel.

      Vylon Delta [ATK/1700 DEF/2800 (7)]

      Das Wesen war noch gar nicht vollständig erschienen, da knallte Alastair bereits ein Monster auf sein schwarzes D-Pad. „Und dieses hier wird zu deinem Untergang beitragen! Normalbeschwörung, [Vylon Stella]!“
      Eine Gestalt in Form eines sechszackigen, weißen Sterns mit Armen tauchte vor dem fliegenden Delta auf. Die drei goldenen Ringe, die um jede zweite Spitze levitierten, begannen grün zu leuchten, als Alastair verkündete: „Ich stimme mein Stufe 3-[Vylon Stella] auf mein Stufe 7-Synchromonster [Vylon Delta] ein!“
      Er streckte den Arm in die Höhe. Sein Stern zersprang in drei grüne Lichtringe, die der geflügelte Metallkoloss durchflog. „Infinite evil, waiting for the purge! Be the voice of his justice! Synchro Summon! Purify this twisted world! [Vylon Ultima]!“
      Ein greller Blitz schoss durch die Ringe, als Delta den letzten passiert hatte.
      Die neue Kreatur stellte alles in den Schatten. War das vorherige Synchromonster schon groß gewesen, machte Ultima seinem Superlativ alle Ehre. Es kreiste mit seinem langen, kreuzartigen Körper um Alastair, bis es über diesem verharrte. Insgesamt sechs mechanische Schwingen hielten es in der Luft, der Querbalken des Kreuzes war gleichzeitig das massive Paar goldener Arme. Aus ebendiesem Edelmetall war auch das Kragengestell, das um den kugelrunden, einäugigen Kopf des Wesens aufgebaut war, welcher auf der Spitze der Figur saß.

      Vylon Ultima [ATK/3900 DEF/3500 (10)]

      Ein funkelnder Lichtschimmer stieg von Alastair aus in die Höhe. „Der Effekt von [Vylon Stella] aktiviert sich jetzt, wodurch ich mein Leben um 500 verringere, um es zu einer Ausrüstungsmagie für Ultima zu machen.“
      Jenes verschwand in einer der Schwingen des Wesens, welche rot aufzuleuchten begann.

      [Alastair: 1800LP → 1300LP / Stoltz: 4000LP]

      Alastair zeigte mit einem Schlag gleich drei Ausrüstungszauberkarten von. „Nun werde ich mit diesen Magien [Vylon Ultima] zu weiterer Macht verhelfen! [Vylon Material], die es um 600 Punkte stärkt, [Vylon Filament] und [Vylon Segment]!“
      Drei weitere grelle Lichter flogen von der Duel Disk des ehemaligen Dämonenjägers in die einzelnen Schwingen des Monstrums, wodurch nunmehr nur noch zwei derer nicht rötlich leuchteten.

      Vylon Ultima [ATK/3900 → 4500 DEF/3500 (10)]

      „Jedes Mal, wenn [Vylon Ultima] eine Ausrüstungsmagie erhält, versiegelt es für beide Spieler eine Beschwörungsart“, erklärte Alastair, „und ich benenne Xyz-, Synchro-, Fusions- und Tributbeschwörung! Doch das spielt im Moment keine Rolle.“
      Stoltz reckte den Kopf auf seinem dürren Hals im Takt von links nach rechts und zurück, wobei es gelegentlich unangenehm knackte. Dabei grinste er still vor sich hin. Alastair verzog von diesem Verhalten angewidert den Mund, streckte aber zielstrebig den Arm aus. „Mein Monster wird deines jetzt attackieren! Und du wirst nichts dagegen tun können, da [Vylon Filament] während eines Kampfes Aktivierungen deiner Karten unterbindet! Holy Extermination Beam!“
      Zwischen seinen Händen bündelte Ultima eine rote Lichtsphäre, aus der ein greller Strahl abgeschossen wurde. [Centurion Atlas] konterte, indem er aus seinem Auge einen eigenen Laserstrahl abfeuerte, welcher ohne Probleme den seines Widersachers zurückdrängte und in jenen einschlagen ließ. Alastair wurde von der dadurch entstandenen Druckwelle erwischt, hielt sich schützend den Arm vors Gesicht. „Ugh!“

      [Alastair: 1300LP → 800LP / Stoltz: 4000LP]

      Über ihm explodierte Ultima und verschwand in einer Rauchwolke. Genau in dem Moment schwang Alastair den Arm aus. „Effekt meiner Kreatur! Bevor sie zerstört wird, werden zunächst alle Ausrüstungsmagien geopfert! Gleichzeitig aktiviert sich [Vylon Stellas] Fähigkeit: nach einem Kampf wird der Feind automatisch vernichtet, wenn Stella als Ausrüstungsmagie für eines meiner Monster diente.“
      Der Qualm verzog sich und unbeschadet schwebte Ultima über seinem Herrn, auch wenn seine Schwingen verdunkelt waren. Es absorbierte den letzten Rest von [Centurion Atlas'] Angriff in der roten Sphäre zwischen seinen Händen und feuerte mit nun doppelter Wucht erneut auf den riesigen Maschinenzentaur. Und diesmal hatte der nichts entgegen zu setzen und ging nach dem Treffer in seiner Brust lichterloh in Flammen auf, ehe er unter einem unsäglich lauten Donnern explodierte. Dieses Mal war es Stoltz' Spielfeldseite, die in Rauch eingedeckt wurde.
      Alastair führte derweil seinen Zug ungerührt fort und zeigte die drei Ausrüstungszauberkarten, die er auf den Friedhof schicken musste. „Wenn eine Vylon-Magie zerstört wird, kann ich mit ihrer Fähigkeit eine weitere aus meinem Kartenstapel meiner Hand hinzufügen. Kurz gesagt ersetze ich damit die drei verlorenen Magien einfach durch exakt dieselben Exemplare!“
      Mit einem siegessicheren Schmunzeln suchte sich Alastair [Vylon Material], [Vylon Segment] und [Vylon Filament] aus seinem Deck und rüstete sie alle an Ultima aus. Drei seiner Schwingen leuchteten nun wieder, nur [Vylon Stella] fehlte jetzt, da dieses verbannt werden musste, sobald es als Ausrüstungsmagie nicht länger gebraucht wurde.
      Alastair erklärte abschließend: „Nun versiegele ich erneut verschiedene Beschwörungstechniken. Synchro-, Xyz- und Tributbeschwörung sollen es sein.“
      Dazu schob er seine letzte Handkarte in einen Backrow-Slot seines D-Pads. Die Falle materialisierte sich vor seinen Füßen. „Nun wird es schwer für dich, etwas zu beschwören, das [Vylon Ultima] übertrumpfen kann. Mein Zug ist beendet!“

      Vylon Ultima [ATK/4500 DEF/3500 (10)]

      Genau in jenem Moment lichtete sich auch der Rauch auf Stoltz' Spielfeldseite und zu Alastairs Schrecken war dort etwas. Ein kleiner, hellblau leuchtender Zylinder.
      Sein Gegner kicherte böse. „Wenn ein Centurion versagt, hinterlässt es seine Energiequelle für die Nachwelt.“

      Centurion Core-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (10)]

      Eine Schweißperle rann über Alastairs Stirn. Umso grimmiger wurde sein Ausdruck, als sein mumifizierter, halb androidischer Gegner leise kichernd zog und aufsah. „Dank der neuen Energiequelle ist es dem Undying nun möglich, Centurions als Normalbeschwörung zu rufen, ohne dass sie dabei ihre Stärke verlieren. Also ruft er [Centurion Meridias]!“
      Die Erde gab nach, als sich ein Riese aus dunklen Partikeln bilde und niederkniete. Wie Atlas bestand auch er aus tausenden winziger Kuben, die seinen Körper formten. Dabei setzte sich der blaue Zylinder, welchen Stoltz meinte, wie von Zauberhand in seine Brust ein. Mit beiden Händen hielt der rotäugige Gigant dabei eine Kugel fest, die auf seinem Rücken lagerte und aus horizontal und vertikal verlaufenden, blauen Energielinien bestand. Alastair verfolgte angespannt, wie dessen Gewicht sich auf den Hof des Waisenhauses auswirkte, welcher zunehmend nachgab.

      Centurion Meridias [ATK/2400 DEF/2700 (10)]

      Stoltz streckte die flache Hand aus. „Einmal pro Zug ist es dem Undying erlaubt, mit dem Effekt des [Centurion Meridias] ein Centurion aus dem Deck auf seine Hand zu erhalten, doch am Ende des Zuges muss er eine Karte abwerfen.“
      Aus denselben Partikeln, die zuvor Meridias gebildet hatten, entstand nun eine Duel Monsters Karte, die über Stoltz' Hand schwebte und welche jener sich schnappte. „Die Wahl des Undying fällt auf [Centurion Hemis]. Und um es zu beschwören, aktiviert er die Zauberkarte [Lost Age]. Er opfert die Energiequelle, um für diesen Zug ein Centurion ohne Tribut und Werteverlust als zusätzliche Normalbeschwörung beschwören zu können.“
      Der Zylinder innerhalb der Brust des Riesen löste sich auf. Alastair hörte ein unangenehmes, hohes Surren und sah nach oben. Über Stoltz und Meridias flog eine Art goldene Kugel, aus der genau in der Mitte zwei lange Tragflächen ragten, die nach hinten verliefen. Ebenso befand sich an ihrer Unterseite etwas, das wie ein Teleskop aussah und sich automatisch auf Alastair richtete. Dieser erkannte darin ein orangefarbenes Auge leuchten.

      Centurion Hemis [ATK/2600 DEF/2800 (10)]

      Stoltz beugte sich vor und streckte die langen, spindeldürren Arme aus. „Na, fühlt der ehemalige Dämonenjäger schon die Furcht?“
      Alastair wollte nicht antworten. Nicht weil es ihm peinlich war, denn ja, er empfand Angst – Angst um die Kinder, die sterben könnten, wenn er diesen Irren nicht zurecht wies. Nein, solchen Wesen gestand er nicht zu, durch Emotionen Besitz von ihm zu ergreifen. Stoltz war das, was Alastair als Dämonen bezeichnete. Und denen schuldete er keine Antwort.
      „Kehehe … der Narr glaubt, durch Schweigen den Undying belügen zu können“, gurrte Stoltz und schnüffelte mit seiner verkümmerten Nase, „doch der riecht es. Die Angst. Der Duft unterscheidet sich nicht von denen, die Angst um das Wohl ihres Planeten haben.“
      „Geht es dir darum!? Was tun Anya und Matt, um dieses Wohl zu gefährden!?“, verlangte Alastair zu wissen.
      „Siegel brechen“, lautete die knappe Antwort, „und der Dämonenjäger sollte wissen, warum man das nie tun sollte, egal was versiegelt wurde. Es hat immer einen Grund.“
      Stoltz richtete sich wieder auf. Sein verspielter Ton wurde merklich härter. „Doch den soll er nie erfahren. Der Undying aktiviert den Effekt von [Centurion Hemis]. Durch das Abwerfen einer Handkarte kann es direkt angreifen. Stirb, Helfer des Chaos!“
      Es traf Alastair so unvorbereitet, dass er sichtlich zusammenzuckte. Die linke gesetzte Karte von Stoltz löste sich plötzlich auf und der erklärte abermals: „Centurions brauchen viel Energie zum Angreifen, deshalb opfert der Undying [Age Of Wonders], welches sich durch dessen eigenen Effekt zurück aufs Feld setzt.“
      Wie sie verschwunden war, so setzte sich die Karte wie durch Zeitumkehr wieder vor Stoltz' Füßen zusammen. Dann leuchtete es nur noch grell und ein roter Lichtstrahl schoss von der Kanone der geflügelten Goldkugel auf Alastair herab. Eine Explosion folgte.
      „Der Dämonenjäger hat sicher nicht damit gerechnet, dass keine Karte einen Centurion aufhalten kann, wenn dieser erst angreift“, gurrte Stoltz wieder diabolisch süßlich, „bestimmt hat er-“
      „Nein, ich wusste es!“
      Der Rauch verzog sich und Alastair stand unbeschadet vor seiner aufgedeckten Falle [Delta Shield] und genau wie auf dem Artwork, hatten drei fliegende Drohnen ein dreieckiges Kraftfeld über ihm erschaffen, das den Angriff abgewehrt hatte.
      So verging Stoltz das Grinsen schlagartig. „Er missachtet die Regeln …?“
      „Nein, aber Matt hat mir genau erzählt, wie ihr Duell mit dir abgelaufen ist“, widersprach Alastair, „und so wusste ich, dass ich die Karte vor dem Angriff aktivieren muss. Dank [Delta Shield] bleibt mein Monster bis zur End Phase dank seiner hohen Stufe nicht nur vor all deinen Tricks sicher, nein, ich habe auch den Schaden abgewehrt und darf eine Karte ziehen.“
      Was der schwarzhaarige Hüne auch tat und dabei zufrieden lächelte.
      Ganz zu Stoltz' Ärgernis, welcher einen deutlich schlechter gelaunten Tonfall annahm. „Keiner entkommt den Undying auf Dauer. [Centurion Hemis] wechselt nach Nutzung seines Effekts in die Verteidigungsposition.“
      Die Tragflächen und das Laserteleskop wurden in das Innere der Sphäre hineingezogen, die sich nun vollkommen zu einer perfekten Kugel umfunktionierte.

      Centurion Hemis [ATK/2600 DEF/2800 (10)]

      „Da der Undying keine Karten mehr auf der Hand hält, kann er auch keine solche mehr abwerfen“, sagte jener wieder beherrschter, „so gilt sein Zug als beendet.“
      Alastair war bewusst gewesen, dass Stoltz versuchen würde, den Effekt von [Centurion Meridias] zu umgehen. Das taten sie doch alle.

      Der Hüne warf einen besorgten Blick zur Seite, betrachtete das Waisenhaus. So wie er Alector kannte, musste der hoffentlich bemerkt haben, dass sein Bannkreis durch Alastair verstärkt wurde, selbst wenn er ihn nicht sehen konnte. Ein alteingesessener Dämonenjäger wie dieser alte Kauz musste doch längst dabei sein, die Kinder zu evakuieren, besonders in seinen letzten Atemzügen. Alector hatte immer für dieses Waisenhaus gekämpft und würde bis zum Ende dafür sorgen, dass keinem Kind ein Leid geschah. Sie waren bereits auf der Flucht, sie mussten einfach!
      Auch fragte sich Alastair, was er tun sollte, wenn er Stoltz besiegt hatte. Gefangen nehmen mithilfe des Bannkreises? War dies überhaupt auf Dauer möglich und wenn nicht, wäre er dann dazu gezwungen, ihn entkommen zu lassen? Was wiederum nur bedeutete, dass dieser Bastard erneut angreifen würde, womöglich mit fatalen Folgen. Alastair durfte nicht zulassen, dass Matt, Anya oder jemand anderes zu Schaden kam. Musste er dann dafür …?
      Ohne es zu realisieren, griff der Hüne in die Innentasche seines roten Mantels, zog daraus ein Wurfmesser und schleuderte es geschickt in Stoltz' Richtung. In dessen linker Brusthälfte blieb es stecken, hatte die dünne, weiße Panzerung mühelos durchbohrt. Stoltz sah an sich herab, dann grinste er über beide Backen.
      „Es steckt wohl doch noch etwas Dämonenjäger in ihm. Er wollte sicher testen, ob ein Undying wirklich unsterblich ist.“ Als würde er den ultimativen Beweis erbringen, zog Stoltz die Klinge heraus und ließ sie fallen. Kein Blut.
      Der Schwarzhaarige wusste in dem Moment nicht, ob ihm nun heiß oder kalt war. Das Loch schloss sich vor seinen Augen einfach von selbst. Dort, wo das Herz sein musste.

      „Draw!“, rief Alastair ärgerlich und riss eine Karte von seinem Deck, während bei Stoltz immer lauter werdendes, höhnisches Gelächter einsetzte.
      „Es gibt nichts, das einen Undying töten kann“, flötete jener.
      „Nicht alles muss mit dem Tod enden“, widersprach Alastair, „Unsterblichkeit ist kein Geschenk, sondern ein Fluch. Das werde ich dir beweisen!“
      Während er aus seinem zwei Karten starken Blatt einen Zauber herausnahm, überlegte er, welche Tricks Stoltz lange genug beschäftigen würden, um zumindest Alector etwas Extrazeit zu verschaffen. Doch das Problem war, dass Alastair keinen seiner Dämonenjägerzauber dabei hatte, schließlich war er seit Monaten nicht mehr interessiert daran gewesen, jene mit sich zu führen, geschweige denn neue herzustellen. Diesbezüglich war er unbewaffnet, abgesehen von dem Messer, das er geworfen hatte und zu Selbstverteidigungszwecken mit sich führte.
      „Magiekarte, [Vylon Matter]“, raunte er aufgeregt ob dieser ernüchternden Erkenntnis, „ich mische drei Ausrüstungsmagien von meinem Ablagestapel in meinen Kartenstapel, um entweder eine Karte zu ziehen oder eine auf dem Feld zu zerstören.“
      Zunächst die Kopien von [Vylon Material], [Vylon Filament] und [Vylon Segment] aus seinem Friedhof nehmend und ins Deck schiebend, schwang Alastair im Anschluss wie ein Richter den Finger aus und zeigte auf Stoltz' linke gesetzte Karte. Der verstummte in seinem Spott schlagartig.
      „Diese da ist die wahre Energiequelle deiner Centurions“, brachte Alastair es auf den Punkt, „dauernd Karten für Angriffe zu opfern würde deine Ressourcen im Nu erschöpfen. Solange du jedoch [Age Of Wonders] hast, ist das kein Problem. Damit ist jetzt Schluss!“
      Von der Fingerspitze des Hünen entlud sich ein Blitz, der auf Stoltz' gesetzte Karte geschleudert wurde und diese in tausend Stücke zerbersten ließ. Zu Alastairs Entsetzen sprang schon im nächsten Augenblick die rechte Karte seines Gegners auf, eine Falle namens [Age Of Grotesque].
      „Er überschätzt seine Fähigkeiten“, gurrte Stoltz, „jedes System hat seine Schwächen, auch der Undying ist sich dessen bewusst und hat dementsprechend vorgesorgt. Nicht nur setzt [Age Of Grotesque] die verlorene Karte wieder zusammen, nein, sie verbannt nun auch ein Monster des Feindes!“
      Genau wie Alastair einen Moment zuvor, streckte der Bandagierte seinen langen, dürren Finger aus und schoss einen Kugelblitz auf [Vylon Ultima] ab. Und sorgte dafür, dass diesmal Alastair in höhnisches Gelächter ausbrach, da besagter Kugelblitz einfach abprallte.
      „Nicht nur du sorgst vor. [Vylon Segment] schützt Ultima davor, das Ziel von Monsterkarten- und Falleneffekten zu werden“, erklärte der Hüne triumphierend. „Diese Kreatur wirst du nie wieder los.“
      Trotzdem war sein Versuch fehlgeschlagen, die wahre Energiequelle der Centurions zu vernichten, dachte Alastair ärgerlich und wischte sich mit dem Ärmel seines Mantels über die Stirn.
      „Im Gegenteil, gleich hast du zwei von der Sorte am Hals!“, versprach er grimmig. „Ich aktiviere meine letzte Handkarte, die Magie [Battle Waltz], die eine perfekte Kopie eines meiner Synchromonster erschafft!“
      Eine durchsichtige Silhouette Ultimas schoss aus jenem nach rechts und verfestigte sich dort zu einer absolut identischen Kopie der riesigen, kreuzförmigen Engelsmaschine, von denen Alastair nun zwei kontrollierte.

      Waltz-Spielmarke [ATK/4500 DEF/3500 (10)]

      „Der einzige Unterschied zu seinem Original ist, dass die Nachahmung keinen Effekt besitzt und ebenso keinen Kampfschaden zufügen kann“, erklärte Alastair und streckte die Hand aus, „aber da du sowieso nur ein Monster in Angriffsposition besitzt, macht das nichts! Los meine Ultimas, doppelter Angriff auf seine Kreaturen. Holy Extermination Beam!“
      Gleichzeitig bündelten die beiden Maschinenwesen zwischen ihren massiven Händen rote Sphären, aus denen sie Laserstrahlen abfeuerten. Zuerst wurde die goldene Kugel am Himmel getroffen, die lautstark explodierte. Dann wurde der Riese vom originalen Ultima zerfetzt. Alastair schnaubte dabei, denn da er sein übliches Equipment nicht benutzte, fügte er Stoltz auch keinen realen Schaden zu.

      [Alastair: 800LP / Stoltz: 4000LP → 1900LP]

      Jener wusste das nur zu gut und grinste hämisch. Als die letzten Trümmer sich auflösten, schwebten vor ihm zwei blau leuchtende Zylinder – die Überbleibsel seiner Centurions.

      Centurion Core-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (10)]

      Alastair runzelte die Stirn. Er hätte mit Ultimas Effekt die generellen Spezialbeschwörungen versiegeln müssen, dann wäre Stoltz nicht imstande, dauernd Spielmarken zu beschwören. Aber dann wäre er auch nicht in der Lage gewesen, [Battle Waltz] zu aktivieren. Trotzdem, hätte er das früher gewusst … aber vermutlich war Matt gar nicht so weit gekommen, diesen Nebeneffekt der Centurions kennenzulernen, sonst hätte er ihm sicher davon berichtet.
      Aus Ermangelung an Handkarten knurrte der Hüne: „Ich gebe ab.“

      Sein Gegner bewegte seine dürren Finger hin und her, als er nach seinem Deck griff, als könne er es kaum abwarten zu sehen, was er ziehen würde. Als er sich die gezogene Karte dann ansah, kicherte er und zeigte sie vor. „Der Undying aktiviert [Age Of Miracles]. Sie lässt ihn eine Karte ziehen, wenn sich ein Centurion auf seinem Friedhof befindet. Aber mehr noch, er kann dazu Monster der Stufe 10 opfern, um für jedes eine weitere Karte dazu zu addieren.“
      Einer der Zylinder vor Stoltz löste sich in blauen Funken auf. Das nahezu vollständig einbandagierte Wesen zog daraufhin zwei Karten von seinen Deck, die er im Anschluss sofort vor sich setzte, je eine rechts und links neben der verdeckten [Age Of Wonders]-Zauberkarte, die Alastair nach wie vor ein Dorn im Auge war.
      „Der Undying beendet seinen Zug damit“, gab jener mit seinen drei verdeckten Karten und leerer Hand ab.

      Gerade wollte Alastair ziehen, da spürte er einen heftigen Schmerz in seiner Brust und verkrampfte. In gebeugter Haltung fasste er sich an die Stelle, wo sein Herz lag, die Augen weit aufgerissen.
      „Alector ist …“
      Es war, als würde eine unsichtbare Macht ihn erdrücken wollen.
      Passend dazu wurde der quaderförmige Bannkreis, der den Hof des Waisenhauses einschloss, von heftigen Fluktuationen heimgesucht. Es entstanden Risse in der grünen Schicht, die sich nur sehr langsam von selbst wieder schlossen, aber gleich wieder aufplatzten. An anderen Stellen flackerte er auf, dann fraßen sich regelrechte Löcher in ihn hinein.
      Alastair legte die Hände aufeinander und konzentrierte sich. Ein Bannkreis war menschengemachte Magie. Besonders talentierte Jäger konnten sie auch ohne Karten als Katalysator wirken. Der Hüne gehörte zu ihnen. Er musste seine Energien darauf fokussieren, die Lücken zu schließen, sonst würde die Zerstörung, die in dieser künstlichen Zwischendimension entstanden war, die Realität heimsuchen.
      „Leb' wohl“, murmelte er dabei leise.
      Es bestand kein Zweifel daran, dass Alectors Tod den Bannkreis instabil gemacht hatte. Nun lag die Verantwortung für diesen allein auf Alastairs Schultern. Eine, die umso schwerer wog, da er sich gleich um zwei Bannkreise kümmern musste.
      „Ich hoffe, du hast die Kinder in Sicherheit bringen können.“
      „Des Narren letzter Herzschlag ist vorüber. So wie der dieses Menschlings im Antlitz des Undying.“
      Hasserfüllt sah Alastair auf. „Du wirst mich niemals unterwerfen, dämonische Brut!“
      Zunehmend schlossen sich die Risse und Löcher durch dessen Einwirken, bis der Bannkreis seine ursprüngliche, stabile Form zurückgewonnen hatte.

      Keuchend griff Alastair nach seinem Deck und riss in einer schwungvollen Bewegung die oberste Karte fort. In der Bewegung schwang sein schwarzer Zopf mit, der narbengesichtige Hüne warf nur einen kurzen Blick auf die Karte, ehe er den Arm ausstreckte.
      „Ich befehle meiner Ultima-Kopie den Angriff! Holy Extermination Beam!“
      Der kreuzförmige Mechaengel rechts von Alastair aus gesehen konzentrierte zwischen seinen Händen eine rote Energiesphäre, aus der er einen grellen Strahl abfeuerte. Stoltz' verbliebener Energiekern wurde zerfetzt, doch dessen Besitzer bedauerte dies nicht im Geringsten – er grinste unentwegt, wie er es immer tat.
      Indes hielt Alastair den Arm weiterhin aufgerichtet nach vorn und zeigte mit dem Finger auf Stoltz. „Dies ist deine Niederlage, Undying! Direkter Angriff, [Vylon Ultima]! Holy Extermination Beam!“
      Das Original tat es ihrer Kopie gleich und bündelte eine Kugel aus roter Energie, welche ihrerseits einen mächtigen Lichtstrahl abfeuerte. Jenem sah Stoltz geradezu sehnsüchtig entgegen.
      „Falle!“, rief er und ließ eine seiner drei verdeckten Karten aufklappen. „[Ultima Ratio]! Der Undying zahlt die Hälfte seiner Lebenspunkte, um ein Rang 10-Monster von seinem Extradeck zu beschwören und ein Centurion auf seinem Friedhof zu dessen Xyz-Material werden zu lassen.“
      Alastair schwang energisch den Arm aus. „Unmöglich, [Vylon Ultima] unterbindet jegliche Xyz-Beschwörungen!“
      „Aber das ist keine“, kicherte Stoltz. „Also wähle ich [Centurion Atlas] als Xyz-Material.“

      [Alastair: 800LP / Stoltz: 1900LP → 950LP]

      Sein Gegner ließ den Arm sinken. Die Erde bebte. Dann schoss etwas aus ihr, weit hinter Stoltz entfernt hervor. Ein riesiges schwarzes Gebilde, höher als jedes Monster, das Alastair kannte. Zehn Meter, zwölf Meter, immer größer wurde es. Die Bäume des angrenzenden Waldes wurden ausgerissen, Erde, Steine, Dreck, alles was über dieser Kreatur gelegen hatte wurde aufgewühlt, flog im hohen Bogen durch die Luft. Das Waisenhaus wurde von einem fliegenden Baum durchbohrt, was Alastair einen entsetzten Schrei entlockte. Steine und aufgerissene Erde schlugen neben ihm ein.
      Und da stand er, der Riese, schwarz wie die Nacht. Aus massiven, glänzendem Gestein geformt, Arme und Beine so breit wie der Schuppen des Waisenhauses. Zwei Köpfe besaß er, ohne einen Hals ragten sie direkt aus den Schultern der Kreatur. Jedoch leuchte nur eines der Augenpaare goldgelb auf.
      „Der [Centurion Titan] ist all seinen Feinden erhaben“, kicherte Stoltz bösartig.

      Centurion Titan [ATK/4000 DEF/3500 {10} OLU: 1]

      Alastair musste seinen Kopf in den Nacken legen, um das Monstrum in seiner ganzen Größe zu erfassen. Dieses reichte bis an den Rand des Bannkreises und vermutlich würde es noch darüber hinaus wachsen, wenn es nur könnte.
      Ruckartig wandte sich Alastair an seinen Gegner. „Ein beeindruckender Anblick, fürwahr. Aber er hat ein wesentliches Manko! Er ist zu schwach! [Vylon Ultima], zerstöre ihn! Holy Extermination Beam!“
      „Heh …“
      Nachdem ihr erster Angriff einfach vor Stoltz verpufft war, feuerte die Engelsmaschine im Anschluss gleich einen weiteren ab. Dieser sauste mehrere Meter über den Undying hinweg und schlug direkt in der Brust des Titanen ein. Bis auf ein paar schwarze Steinbrocken, die aus seinem Körper brachen, geschah jedoch gar nichts.

      [Alastair: 800LP / Stoltz: 950LP → 450LP]

      „Der [Centurion Titan] ist im Kampf unzerstörbar, solange er sich in Angriffsposition befindet“, ließ Stoltz verlauten und begann hysterisch zu lachen, warf zwischendurch ein: „wer wird an wem scheitern, fragt der Undying?“
      „Meine einzige Karte setze ich verdeckt! Zug beendet!“
      Vor Alastair materialisierte sich jene Falle. Dem Hünen stand der Schweiß auf der Stirn: er war nur noch einen Angriff vom Sieg entfernt, doch was kam dann? Wäre es richtig zu fliehen? Nicht, solange er nicht sichergestellt hatte, dass alle evakuiert waren!

      Stoltz derweil zog auf und kicherte noch immer unentwegt hämisch. Er streckte seinen langen, dürren Arm aus und ließ seine Handfläche über eine seiner verdeckten Karten gleiten. „Der Undying aktiviert [Age Of Wonders]. Sie stellt nicht nur eine Energiequelle für Centurions dar, sondern auch für ihren Herren. So heilt sie diesen auf Befehl um 1000 Lebenspunkte.“
      Die Karte löste sich in grünen Partikeln auf, welche von Stoltz' hageren Körper aufgenommen wurden.

      [Alastair: 800LP / Stoltz: 450LP → 1450LP]

      Er gibt freiwillig eine seiner wichtigsten Karten auf, wunderte sich Alastair. Das verhieß gewiss nichts Gutes.
      Und er sollte richtig liegen, denn Stoltz streckte seinen langen Arm gen Himmel. „Erfahre den Zorn des Titanen! Der Undying aktiviert seinen Effekt! Im Austausch für 1000 Punkte seines Lebens und ein Xyz-Material vernichtet der Titan jede andere offene Karte auf dem Spielfeld, indem er die Hälfte seiner Macht opfert. Leide. Leide!“
      Alastair weitete die Augen. An einigen Stellen platzten Stoltz' Bandagen ab, tiefe Risse schnitten sich in seinen Körper und verheilten sofort wieder. Dazu begann um ihn herum eine durchsichtige Aura zu entbrennen, die zunehmend dafür sorgte, dass er vor Alastairs Auge verschwamm. Gleichzeitig trat aus dem Kopf mit dem leuchtenden Augen eine gleißende Energiesphäre aus, welche [Centurion Titan] zu umkreisen begann.
      „Leide!“

      [Alastair: 800LP / Stoltz: 1450LP → 450LP]

      Die Lichtkugel wurde von dem Titanen mit seiner Faust geschnappt und zerquetscht. Dann begann gleißendes Feuer um sie zu schlagen, ehe der Centurion ausholte und [Vylon Ultima] anpeilte.

      Centurion Titan [ATK/4000 → 2000 DEF/3500 {10} OLU: 1 → 0]

      Alastair spürte den Windzug, der ihm entgegen kam. Dann prallte die gigantische Faust zunächst auf die Kopie seines Ultimas, welche sich schützend vor das Original positioniert hatte. Doch sie gab der gewaltigen Kraft umgehend nach und zersprang, sodass als Nächstes das richtige Synchromonster an der Reihe war. Die Engelsmaschine über ihm wurde von der flammenden Faust erfasst, hielt dem Druck aber stand. Jedoch wurde dadurch eine Druckwelle erzeugt, die den Hünen fortschleuderte. Dabei rief er noch: „Nicht so schnell! Effekt [Vylon Ultimas]! Bevor er zerstört wird, werden all seine Ausrüstungs-!“
      „[Declaration Of The Maker]. Ein beliebiger Effekt wird mit der Macht der Centurions unterbunden.“
      Noch während Alastair in den Schuppen hinter ihm einschlug, sah er von Stoltz' Finger ausgehend einen Lichtblitz Richtung Ultima schießen, welcher jenes Wesen traf. Vor dem Undying stand seine letzte Falle aufgeklappt. Die kreuzförmige Engelsmaschine leuchtete kurz bläulich, dann löste sie sich auf wie Papier, das in ein Kaminfeuer gehalten wurde.

      Der ehemalige Dämonenjäger wurde durch die hölzerne Wand des Schuppens geschmettert und krachte in den Kaninchenstall, der sich in dessen Innerem befand. Halb liegend, gab er dem metallischen Geschmack auf seinen Lippen nach und spuckte Blut.
      Er raffte sich auf, knickte aber wieder ein und stieß gegen die Ställe. Erst jetzt bemerkte er, dass sich ein Stück Holz durch den Unterschenkel seines rechten Beins gebohrt hatte. Während er hinab sah, spürte er nur einen leichten Windzug.
      Stoltz stand direkt vor ihm. „He he …“
      „Ich bin noch nicht … am Ende“, keuchte Alastair. „Ich aktiviere den Effekt vo-!“
      Ehe er das tun konnte, führte der über zwei Meter große Undying mit seiner Hand eine ausholende, quer verlaufende Bewegung aus. Die Augen des Dämonenjägers folgten ihr und wanderten dann dorthin, wo sein D-Pad war. Nur dass dieses zusammen mit einem großen Stück seines Unterarms fehlte und stattdessen auf dem Boden lag. Blut spritzte.
      Alastair öffnete den Mund, doch Stoltz kam ihm zuvor. „Und wie will der Menschling das tun?“
      „Du elender-!“
      „Das Gesetz der Undying ist absolut“, sagte ebenjener unter einem süffisanten Grinsen, „jeder, der es bricht, wird bestraft. Die ewige Ordnung muss gewahrt werden. Wer sie gefährdet, kann keine Gnade von den Undying erwarten.“
      Stoltz sah gebieterisch auf seinen verstümmelten Gegner herab. „Die Warnung ist ausgesprochen. Der [Centurion Titan] wird nun das Ende herbeiführen.“
      Mit diesen Worten verschwand Stoltz so schnell vor Alastairs Augen, wie er gekommen war.

      Stille. Dann das ohrenbetäubende Getöse gigantischer Fäuste, die einfach alles in ihrem niederhagelnden Zorn zerstörten. Unter ihrer Wucht gab das Waisenhaus wie Pappe nach, die Erde wurde zerschmettert. Und der Schuppen.
      Der Bannkreis flackerte unruhig auf, ehe er wie ein Spiegel in tausend Stücke zerbarst.

      ~-~-~

      Das schwarze Portal schloss sich hinter Stoltz, als der magere Hüne einen kreisrunden, dunklen Raum betrat. Um ihn herum leuchteten verschiedene, holografisch dargestellte Anzeigen auf, größtenteils von hellblauer Farbe.
      „Wir haben dich erwartet, Stoltz“, hallte eine weibliche, leicht mechanisch klingende Stimme zu seiner Rechten durch den Raum.
      „Zed“, erwiderte Stoltz und kicherte böse, „die Undying ist auch endlich erwacht. Wie schön.“
      Sein Blick war jedoch auf den Thron gerichtet, der sich inmitten des Saals befand. Auf diesem saß eine in Dunkelheit gehüllte Gestalt.
      „Ricther“, säuselte Stoltz weiter belustigt, „der Undying hofft, seine Mission zur Zufriedenheit aller ausgeführt zu haben.“
      Dessen Silhouette ließ zumindest erahnen, dass er ebenfalls großer Natur war, wenn auch nicht so extrem wie Stoltz. Dafür war er deutlich kräftiger gebaut.
      Neben den Thron trat die Gestalt namens Zed. Es war eine Frau von normaler Statur, mit bis zum Boden hängenden, schwarzen Haar. Das Markante an ihr war nicht etwa die weiße, ärmellose Robe mit Goldverzierungen und Umhang. Nein, es war die Maske, die weit über ihren Scheitel hinausragte und wie ein Turm anmutete, der ihr gesamtes Gesicht ab den Augen verdeckte.
      „Wieso bist du so spät zurück?“, fragte sie scharf.
      „Die Undying weiß doch, warum. Der Undying hat ein Exempel statuiert.“ Das sagend, schloss sich sein Griff fester um das in Leinen gehüllte Bündel in seiner Hand.
      „Das war nicht Teil deiner Aufgabe“, erwiderte Zed ungehalten, welcher dies nicht entgangen war. „Was ist das?“
      Stoltz verneigte sich in bester Butlermanier. „Nur ein wenig Lektüre zur Unterhaltung. Der Undying entschuldigt sein Verfehlen. Es geschah in der Hoffnung, dass der Tod des Dämonenjägers Alastair van Hellsing die anderen Menschlinge davon abhalten wird, weitere Siegel zu brechen.“
      „Trotzdem hattest du nicht das Recht, Unschuldige in-“

      Ricther, der auf seinem Thron saß, hob die Hand und brachte die einzige Frau in der Runde sofort zum Schweigen. Seine tiefe Stimme hallte durch den kleinen Raum. „Was geschehen ist, kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wenn die Warnung ihren Sinn erfüllt, wurde dadurch zumindest weiteres Blutvergießen verhindert.“
      Gleichzeitig erhob sich Stoltz wieder aus seiner Verneigung und zeigte sich demütig. „Der Anführer der Undying sieht wie immer klarer als seine Hände. Er erinnert sich genau an die Regel.“
      So begann der Bandagierte zu rezitieren: „Das erste gebrochene Siegel weckt die Undying. Das zweite beschwört sie zum Ort der Sünde, damit sie ihre Warnung aussprechen. Und ab dem dritten … töten sie.“
      Gerade die letzten beiden Worte betonte er dabei besonders.
      „Uns obliegt es, ob wir dieser Regel und allen anderen Folge leisten. Zumindest solange das Wohl der ewigen Ordnung nicht gefährdet ist“, antwortete Ricther streng, „du hast deine Mission erfüllt, Stoltz, ohne eine davon zu brechen. Geh jetzt und lade dich auf. Deine Kraft muss fast verbraucht sein.“
      Sein Gegenüber nickte. „Wie der Anführer wünscht.“
      Damit drehte er sich um und verließ den Raum durch eine nahezu unsichtbare Tür, die sich automatisch vor ihm öffnete.

      Zed wandte sich umgehend an Ricther. Dabei strich sie über einen der Schläuche, die von der Decke hingen und überall am Körper des Undying angeschlossen waren.
      „Was er getan hat, wird ihn tagelang außer Gefecht setzen“, sagte sie und sah zu Ricther auf, „es kommt mir vor, als wären wir nur fehlerhafte Kreaturen, die für wenige Momente-“
      „Rede nicht weiter, Zed. Wir sind Undying. Wenn alles zerbricht, sind wir es, die für Ordnung im Chaos sorgen.“
      „Ein Chaos, das von einem der unseren heraufbeschworen wird“, erwiderte sie und wurde nun trotz ihrer mechanisch anmutenden Stimme eindringlicher, „willst du es ihm etwa durchgehen lassen!?“
      „Er hat keine der Regeln gebrochen, auch wenn sein Vorgehen nicht ideal war.“ Ricthers Stimme wurde leiser und gewann einen nachdenklichen Ton. „Du wirst ihn im Auge behalten, während ich abwesend bin. Ich will über alles, was er tut, im Bilde sein.“
      Die Frau an seiner Seite nickte. „Dann hast du es auch bemerkt. Dass er sich verändert hat … blutrünstiger geworden ist.“
      „Noch ist es zu früh, um ein Urteil zu fällen. Stoltz' gesamte Natur unterliegt seiner Herkunft. Und ein unendlich scheinender Schlaf kann selbst die stärksten Geister aus dem Gleichgewicht bringen.“ Ricther drehte seinen Kopf zu Zed. „Aber wenn er jenes nicht wiederfindet, werde ich da sein. Und ein Urteil fällen. Denn das ist meine Aufgabe.“


      Turn 51 – Into The Abyss
      Während Anya und Co den Weg zur Heimreise antreten, bringen Nicks Recherchen erschreckende Erkenntnisse zutage. Darüber hinaus erhält er einen Brief von Kali, die ihn auffordert, sie in einer leer stehenden Lagerhalle zu treffen. Eine Falle witternd, macht Nick sich dennoch auf den Weg …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Alastair

      Vylon Stigma
      Vylon Cube
      Vylon Stella

      Vylon Material x 2
      Vylon Filament x 2
      Vylon Segment x 2
      Vylon Matter
      Celestial Transformation
      Monster Reborn
      Battle Waltz

      Delta Shield
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, indem du eines deiner offenen Monster wählst. Folgende/r Effekt/e gelten entsprechend der Stufe des gewählten Monsters: O 1+: Einmal während diesem Zug erhältst du keinen Kampfschaden. O 5+: Das gewählte Monster kann bis zur End Phase nicht als Ziel eines Angriffs gewählt werden; ziehe eine Karte. O 8+: Bis zur End Phase bleibt das gewählte Monster von allen gegnerischen Karteneffekten unberührt.

      Vylon Delta

      Vylon Ultima
      Maschine/Licht/Synchro
      ATK/3900 DEF/3500 (10)
      "1 Empfänger" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger LICHT Synchro Monster"
      Wenn diese Karte mit einer Ausrüstungszauberkarte ausgerüstet wird: wähle Tribut-, Spezial-, Ritual-, Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung; die gewählte Beschwörungsart kann von keinem Spieler verwendet werden, solange diese Karte mit der Ausrüstungszauberkarte ausgerüstet ist. Während diese Karte zerstört wird: zerstöre stattdessen alle Ausrüstungszauberkarten, mit denen diese Karte ausgerüstet ist.

      Stoltz

      Centurion Atlas
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/2500 DEF/2500 (10)
      Kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Kann ohne Tribut als Normalbeschwörung beschworen werden; die ATK dieses Monsters wird zu 0, außer du kontrollierst ein offenes Monster der Stufe 10 oder höher mit 0 ATK. Damit diese Karte angreifen kann, musst du während der Main Phase 1 eine verdeckte Karte von deiner Zauber- und Fallenkartenzone auf den Friedhof schicken. Diese Karte bleibt während eines Kampfes von gegnerischen Karteneffekten bis zum Ende des Damage Steps unberührt. Wenn diese offene Karte zerstört wird: beschwöre eine Centurion Core-Spielmarke (Maschine/Licht/10/ATK 0 DEF/0) als Spezialbeschwörung. Indem du eine Handkarte abwirfst: erhöhe die ATK dieser Karte um 500.

      Centurion Meridias
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/2400 DEF/2700 (10)
      Kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Kann ohne Tribut als Normalbeschwörung beschworen werden; die ATK dieses Monsters wird zu 0, außer du kontrollierst ein offenes Monster der Stufe 10 oder höher mit 0 ATK. Damit diese Karte angreifen kann, musst du während der Main Phase 1 eine verdeckte Karte von deiner Zauber- und Fallenkartenzone auf den Friedhof schicken. Diese Karte bleibt während eines Kampfes von gegnerischen Karteneffekten bis zum Ende des Damage Steps unberührt. Wenn diese offene Karte zerstört wird: beschwöre eine Centurion Core-Spielmarke (Maschine/Licht/10/ATK 0 DEF/0) als Spezialbeschwörung. Einmal pro Zug während deiner Main Phase: füge deiner Hand ein Centurion-Monster von deinem Deck hinzu; während der End Phase wirf eine Karte ab.

      Centurion Hemis
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/2600 DEF/2800 (10)
      Kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Kann ohne Tribut als Normalbeschwörung beschworen werden; die ATK dieses Monsters wird zu 0, außer du kontrollierst ein offenes Monster der Stufe 10 oder höher mit 0 ATK. Damit diese Karte angreifen kann, musst du während der Main Phase 1 eine verdeckte Karte von deiner Zauber- und Fallenkartenzone auf den Friedhof schicken. Diese Karte bleibt während eines Kampfes von gegnerischen Karteneffekten bis zum Ende des Damage Steps unberührt. Wenn diese offene Karte zerstört wird: beschwöre eine Centurion Core-Spielmarke (Maschine/Licht/10/ATK 0 DEF/0) als Spezialbeschwörung. Indem du eine Handkarte abwirfst: diese Karte kann deinen Gegner direkt angreifen, aber wenn sie das tut, wechlse sie in offene Verteidigungsposition.

      Age Of Miracles
      Zauber/Normal
      Wenn ein Centurion-Monster auf deinem Friedhof liegt: ziehe eine Karte. Außerdem, indem du eine beliebige Anzahl an Stufe 10 oder höher Monstern als Tribut anbietest: ziehe für jedes von ihnen eine zusätzliche Karte.

      Age Of Change
      Zauber/Normal
      Wähle ein Monster, dessen ATK auf 0 reduziert wurde. Die ATK jenes Monsters wird Doppelten seiner Grund-ATK und es fügt Durchschlagschaden zu.

      Age Of Wonders
      Zauber/Normal
      Erhöhe deine Life Points um 1000. Wenn diese verdeckte Karte durch einen deiner Karteneffekte auf den Friedhof gelegt wird: setze sie auf dein Feld.

      Lost Age
      Zauber/Normal
      Biete 1 Monster als Tribut an: du kannst zusätzlich zu deiner regulären Normalbeschwörung in diesem Zug ein Centurion-Monster ohne Tribut als Normalbeschwörung beschwören, aber außer dem beschworenen Monster können keine anderen Monster Angriffe in diesem Zug deklarieren.

      Age Of Grotesque
      Falle/Normal
      Wenn genau eine gesetzte Zauber- oder Fallenkarte zerstört wird: setzte sie zurück in die Zone ihres Besitzers und wähle dann ein gegnerisches Monster auf dem Spielfeld als Ziel: verbanne das Ziel.

      Ultima Ratio
      Falle/Normal
      Wenn du keine Monster kontrollierst, zahle die Hälfte deiner Life Points: beschwöre ungeachtet der Beschwörungsbedingungen ein Rang 10-Xyz Monster von deinem Extradeck oder Friedhof als Spezialbeschwörung und lege ein Centurion-Monster von deinem Friedhof unter es als Xyz-Material.

      Declaration Of The Maker
      Falle/Konter
      Wenn du ein Centurion-Monster kontrollierst: annulliere die Aktivierung einer Zauber- oder Fallenkarte oder eines Monsterkarteneffekts und verbanne jene Karte.

      Centurion Titan
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/4000 DEF/3500 {10}
      2 x Stufe 10 Centurion-Monster
      Kann nicht vom Friedhof als Spezialbeschwörung beschworen werden. Solange diese Karte sich in offener Angriffsposition befindet, kann sie nicht durch Kampf zerstört werden. Indem du ein Xyz-Material von dieser Karte abhängst, 1000 Life Points zahlst und die ATK dieser Karte bis zur End Phase halbierst: zerstöre alle offenen Karten auf dem Spielfeld außer dieser Karte. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden.


      Jep ...
      @ Aska

      Wir kriegen mehr von Drazen zu hören :klatsch: freut mich, der ist mein Lieblingsgegner und hat noch für mich ein paar Geheimnisse zu viel übrig gelassen.
      Das Play von Matt war wie du es dargestellt hast dann OK, er wusste ja dass Drazen als Hüter noch bestimmt ein bisschen mehr kann als nur sein Feld sprengen.
      Und bei Stoltz hab ich wenig anders erwartet wenn der schon so gnadenlos den FTK legt.
      Zathne machst du durch die Vergangenheit wieder interessant für mich, der geht von "Werwolf, cool, ja und? die find ich in jeder Vampierschnulze" stark zu "Werwolf mit Vergangenheit..." und das macht neugierig.
      Zur Conquerers Soul muss ich nur sagen dass ich da gerne früher als das Geheimnis um Eden und die Immateriellen in der ersten Season alles wissen würde.


      @ Folge

      Anya muss mal wieder nach der krachenden Niederlage ihr Selbstbewusstsein aufpolieren gehen, wenn auch mit durchwachsenem Erfolg (war mal wieder amüsant sie in Aktion zu erleben), Zathne macht sich Gedanken um Matts fehlende Verletzungen, Matt geht mit, Alector nimmt sich Anya zur Brust, soweit alles wie erwartet.
      Dass Stoltz sich allerdings entschieden hat das Waisenhaus anzugreifen, Alector, Alastair und die Kinder zu töten ist ne andere Gangart.
      Allerdings hätte ich zu gerne mal Alector in Aktion erlebt, schade dass er schon tot ist, er hatte was.
      Zurück zu Alastair, man sieht dass er, obwohl er mit Matt nicht sonderlich erfolgreich war, trotzdem ein guter Dämonenjäger ist.
      Er erkennt den Bannkreis und schließt aus seiner Beschaffenheit und seiner Stärke direkt auf die Situation und bereitet sich dementsprechend vor. Problem ist nur dass man sich auf so jemanden wie Stoltz schlecht vorbereiten kann.
      Aus Mangel an Alternativen beiderseits muss man sich also im Duell messen (gefällt mir auch sehr gut wie du die Situation darauf hast hinauslaufen lassen da Stoltz sicherlich nicht jedes einzelne Kind im Duell geschlagen hat).
      Im Duell kommt Alastair dann anfangs sein Wissen über die Karten des Undying zu Hilfe und er wehrt den OTK ab.
      Dann entwichelt sich ein Duell auf höchstem Niveau zwischen Vylon und Centurionen (eventueller Bezug zum alten Rom?) das Alastair fast gewinnt. Naja, Arm abschlagen um zu gewinnen ist einfach mal unterste Schublade.
      Danach kommt find ich der interessanteste Teil, der Auftritt der anderen beiden Undying und du deckst auch etwas über ihre Natur und ihr Verhalten (vor allem im Vergleich zu dem von Stoltz auf). Dass sich Stoltz "aufladen" muss passt wieder gut zu seinem Deck, die Centutionen haben ja ebenfalls einen Energiekern. Dass eine Hierarchie zwischen ihnen herrscht und sie bald anfangen werden zu töten ist eine Hausnummer wenn man sich ihre "Warnung" ansieht.
      Als naächstes kommt ein Nick-Kapitel, ich freu mich total drauf, frag mich nur was Kali von ihm will, sie hat ihn ja bereits geschlagen.
      Spielerisch haben Raritäten auch Vorteile: Eine UMR Veiler negiert dich krasser
      -Aska-

      Ja, deshalb lass uns nicht zu lange warten, bis du diese Incarnate enthüllt ;)

      Man kann ja noch die Hoffnung haben, dass Anya im Verlauf der Geschichte besser wird und dann irgendwann wirklich so ein gut funktionierendes Dreier-Team denkbar wird. *bedächtliche Pause* *laut loslach* Nein, niemals, nicht solange Anya in dem Team ist xD /jk

      Das mit dem Ausplappern, so wie es schon klischeehaft immer wieder vorkommt, das werde ich auch nie verstehen. Von einem logischen Standpunkt ist es absoluter Schwachsinn es zu machen, bevor sein Plan erfolgreich durchgeführt worden ist. Denn es zieht einem Antagonisten automatisch ein billiges T-Shirt mit ner Anleitung ala "Wie kann man mich aufhalten" über.
      Aber stimmt schon, in bestimmten Fällen ist es trotzdem nötig um Motive oder so herüberzubringen.


      Folge

      Zu allererst einmal eine Schweigeminute für Alastair.

      Also, wo leg ich los? Am besten beim Titel. Nach dem Beenden ist man definitiv davon überzeugt, dass du da vergessen hast, ein "no" dort mit hinzusetzen. Auch der Titel der nächsten Folge hätte durchaus zu dem Inhalt dieser Folge gepasst.
      Aber ich hätte nicht erwartet, dass du direkt nach Drazen gleich noch einen Charakter (bzw mehrere) töten würdest, und mit Alastair ja sogar einen Semi-Main Charakter dazu. Natürlich kann man noch ein wenig Hoffnung hegen, da Stoltz verschwand bevor der finale Schlag ausgeführt wurde, aber richtig viel Platz dafür bleibt nicht wirklich.
      Geht man vom Worst Case aus, dann war das natürlich ein tolles Ende für ihn. Er konnte sein Leben für das geben, was ihm so am Herzen lag. Auch wenn man gar nicht erfährt, inwieweit sein Straucheln von Erfolg gekrönt war. Das Einzige, von dem man weiß, ist ja wie lange Alector den Bannkreis aufrecht erhalten konnte und dass dieser schließlich kollabierte, als jener es durch Ableben nicht mehr konnte. Aber ob die Kinder tatsächlich evakuiert werden konnten, da kann man als Leser nur spekulieren.
      Genauso gut hätte Stoltz die alle bereits getötet haben können, und Alector hat in seinen letzten Zügen lediglich versucht, den Undying im Inneren des Bannkreis gefangen zu halten.
      Doch genau diese Unsicherheit machte es umso spannender und man fieberte mit, ob Alastairs Bemühungen erfolgreich sein würden. Gönnen würde man es ihm diesen letzten Wunsch ja.
      Aber echt, gerade wo man Alastair etwas mehr zu mögen beginnt, dann sowas...

      Was das Duell selbst angeht, so wäre es natürlich interessant zu wissen gewesen, ob Alastair in der Lage gewesen wäre, mit seiner gesetzten Karte dem von Stoltz ausgeübten Druck etwas entgegen zu setzen. In jedem Fall ist ihm etwas gelungen, was Anya, Matt und Zanthe nicht so leicht gefallen ist.
      Während des Lesens dachte ich mir, dass Stoltz das Duell relativ egal sein kann und wie auch immer es ausgehen würde, deshalb nicht von seinem Vorhaben abgehalten wird. Und im Endeffekt hat das Ende das auch entsprechend wiedergespiegelt. Er hätte das Duell auf diese Art und Weise jederzeit beenden können. Aber es passt zu seinem Charakter, der gerne zum Vergnügen seine Opfer quält und foltert, dass er Alastair erst einmal schön leiden ließ, ehe er ihm den Gnadenstoß versetzte und ihn in tiefe Verzweiflung stürzte.

      Aber insgesamt ist Stoltz ein schwer einzuschätzender Charakter, in welche Richtung er sich entwickelt. Gerade bei der letzten Szene hatte ich das Gefühl, dass er durchaus am Ende so eine Art abtrünniger Einzelgänger werden könnte, der die Regeln komplett nach seinem Verständnis auslegt oder sich sogar über diese Beschränkungen durch Regeln hinaus entwickelt und vollständig sein eigenes Ding verfolgt (womit er durch seine Lektüre ja unter Umständen sogar ein geeignetes, gefährliches Mittel bekommen hat). Auf jeden Fall scheint sein Verhalten ja selbst innerhalb der Undying auf lange Sicht unvorhersehbar zu sein.

      In dem Sinne lass ich es erst einmal gut sein. Die Folge war auf der einen Seite wie gewohnt gut und spannend geschrieben, aber das Ende muss man erst einmal sacken lassen. Nächste Folge verspricht ein Wiedersehen mit Kali. Könnte mir gut vorstellen, dass sie vielleicht versuchen könnte, Nick auf ihre Seite zu ziehen, um so Anya noch ein Ding zu rauben, was ihr (ohne das sie es zugibt) sehr wichtig, fast schon wie eine Säule ist.

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Vielen Dank wie immer an alle Leser und Kommentatoren. :)

      @Lenant
      Drazen bekommt noch Screentime, aber das kann noch eine ganze Weile dauern. ^^'
      Was die Conqueror's Soul ist, werde ich auf jeden Fall früher verraten als Edens Geheimnisse. ;)

      Freut mich, dass dir die Folge wieder gefallen hat. Stoltz ist leider die Art von Figur, die vor absolut gar nichts zurückschreckt. Insofern kann man nur in Zukunft hoffen, dass keiner der anderen Charaktere auf ihn stößt.
      Die Centurion haben zwei Hintergründe. Einmal, wie du sagtest, den römischen und einmal ist es ein Wortspiel aus "Century" und "Oblivion", was find ich sehr gut zu dem Thema passt.
      Aber nicht nur Stoltz muss sich aufladen, jeder Undying muss das von Zeit zu Zeit und je nach Kraftverbrauch. Andernfalls würden die vermutlich wie Mähdrescher durch meinen Cast fahren. xD (Hat natürlich noch andere Gründe außer Charakter-Balacing. ;))

      @Evil Bakura
      Jep, dieses Ausplappern ist praktisch der ultimative Wink mit dem Zaunpfahl. Und sobald ein Antagonist das tut, ist es nur ne Frage der Zeit, ehe er eingestampf wird. xD
      Wie heißt ein Sprichwort so schön? The good die young oder so?
      Ist echt bitter, dass es soweit gekommen ist. Tut mir fast weh, wenn Al sich gerade etwas beliebter gemacht hat und dann gleich im Sarg die Fanfic verlässt. Aber naja, spätestens jetzt sollte jeder wissen, dass die Undying keine halben Sachen machen. Schön, dass es rübergekommen ist, dass Als Schicksal praktisch von Anfang an feststand.


      Dann viel Spaß mit der nächsten Folge: Agent Nicks nächste Solomission. :P

      Turn 51 – Into The Abyss
      Man konnte es geradezu als Hämmern bezeichnen, wie Anya in die Tasten des öffentlichen Münztelefons schlug, welches sich vor dem beschaulichen kleinen Bahnhof von San Augustino befand. Matt und Zanthe warteten mit gepackten Koffern an der Treppe, die direkt zum Bahngleis führte.
      Angespannt hielt Anya sich den Hörer ans Ohr, war sie schließlich erst jetzt dazu gekommen, Nick anzurufen. Und es dauerte eine schiere Ewigkeit, bis der sich bequemte abzunehmen.
      „Das hat aber gedauert“, hörte sie ihn schnarren.
      Die Blondine runzelte ärgerlich die Stirn. „Woher willst du wissen, dass ich es bin?“
      „Habe ich das etwa behauptet? Aber schön, dass du es trotzdem bist. Wie ist es gelaufen?“
      Anya sah am Telefon vorbei zu ihren beiden Begleitern, deren Blessuren für das bloße Auge zwar nicht mehr sichtbar, deswegen aber noch längst nicht vergessen waren. Anya mahlte mit dem Kiefer. „Ich würde sagen nicht so gut.“
      „Hast du die Karte etwa nicht?“
      „Doch, das schon“, erwiderte sie zögerlich, „aber der Typ ist jetzt so'n bisschen … tot.“
      Es dauerte einen Moment, bis Nick reagierte. Ziemlich geschockt, sogar für seine Verhältnisse. „Er ist -was-!?“
      „Zu Staub zerfallen.“ Anya zuckte mit den Schultern und stöhnte. „Keine Ahnung wieso. Der Flohpelz meint, sein Status als Hüter könnte seinen Alterungsprozess aufgehalten haben und nun, da er keiner mehr war, ging's rapide bergab.“
      Zugegeben, was sie da wiedergegeben hatte, entsprach nur bedingt der eigentlichen Erklärung, aber wen juckten schon Details? Die änderten eh nix mehr daran, dass der Typ tot war.
      Sie hörte, wie Nick schluckte. „Und das ist okay für dich …?“
      „Hab ich das behauptet!?“, brauste sie sofort auf. „Aber Matt sagt, dieser Drazen habe es selbst so gewollt, sonst hätte er sich nicht beschwören lassen. Wusstest du, dass er mal ein Bewohner der heiligen Stadt Eden war? In der niemand je stirbt?“
      „Ja … das wusste ich.“
      Anya stöhnte abermals und legte, an den Telefonmast lehnend, ihre Hand auf die Stirn. „Ich will nicht sagen, dass mir egal ist, was mit dem Typen passiert ist. Aber …“
      „Schon gut, Anya. Ich verstehe schon, worauf du hinaus willst.“

      Das Mädchen sah wieder herüber zu Matt, der mit dem Kopf nickte. Gerade fuhr der Zug unter lautem Getöse ein.
      „Harper, das ist nur die Spitze des Sahnehäubchens“, fuhr Anya eilig fort, „gleich als Summers ihn besiegt hatte, tauchte plötzlich so'ne uralte Mumie auf. Nannte sich Undying oder so. Weißt du zufällig, was das ist?“
      Am anderen Ende der Leitung gab Nick ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Undying? Ich weiß nicht, kommt mir irgendwie bekannt vor. Aber wie auch immer, es klingt ziemlich … unsterblich.“
      „Sag mir was, was ich noch nicht weiß. Der Spinner hat damit unentwegt geprahlt und mich provoziert, also hab ich's so'n bisschen ausprobiert! Und naja“, Anya schnaubte wütend, „er hat wohl nicht gelogen. Jedenfalls hat der uns angegriffen und selbst zu dritt hatten wir keine Chance. Das war der totale Freak!“
      „Warte einen Moment, ich checke mal kurz etwas. Vielleicht kann ich herausfinden, wo er sich jetzt aufhält. Wann war das Duell ungefähr und wo?“
      „Gestern Abend, vielleicht ein paar Kilometer von San Augustino entfernt, in einem Wald.“

      An einem weit entfernten Ort legte Nick den Hörer seines Schnurlos-Telefons neben sich auf die Bettdecke und öffnete bei seinem, vor ihm aufgeklappten, Laptop ein Programm, auf welches er eigentlich gar keinen Zugriff haben dürfte. Schnell tippte er ein paar Tastenkombinationen ein, gab dann den Namen der von Anya genannten Ortschaft ein und dazu ein Zeitfenster. Jedoch wurde ihm ein leerer Bildschirm präsentiert.
      Die angewinkelten Beine aufs Bett niederfallen lassend, griff er nach dem Hörer und sagte: „Nichts. Da sind keine Aufzeichnungen von eurem Duell auf den Servern der AFC.“
      „Bist du sicher?“, quakte Anya. „Guck noch mal, aber beeil' dich, der Zug fährt gleich los!“
      „Warte.“
      Nick legte den Hörer noch einmal beiseite und gab diesmal in einem anderen Fenster die ID-Nummer von Anyas Duel Disk ein. Doch das letzte Duell, das vor dem gestrigen Datum in der Registratur fand, war jenes mit Abby am Flughafen gewesen. In dem Moment erinnerte sich Nick, dass Anya inzwischen Logans D-Pad benutzte und ihr Log dementsprechend nutzlos war. Kurzerhand, da er Logans ID nicht kannte, schwenkte er auf Matts um. Aber auch hier wurde deutlich, dass dieser sich nach seinem Kampf mit Drazen nicht mehr duelliert hatte.
      „Was immer dieser Undying getan hat, seine Spuren verwischt er gut“, sprach Nick schließlich mit unter dem Ohr geklemmten Hörer.
      Währenddessen hatte längst etwas anderes seine Aufmerksamkeit erregt – Matts vorletzter Zug im Duell gegen Drazen. Denn dort fand er etwas, das mit Sicherheit nicht da sein sollte. Nicks Augen weiteten sich, als er begriff, was er da vor sich hatte. „Anya? Nimm dich-“
      „Sorry Nick, muss Schluss machen, der Zug ist gleich weg. Bin irgendwann abends zuhause. Hol' uns ab, bye!“
      Schon hatte sie aufgelegt.
      „-vor Matt in Acht“, beendet er übergangen seinen Satz.

      Das schnurlose Telefon rutschte ihm von der Schulter und fiel auf die Tastatur. Nick schob ihn beiseite und öffnete die Datei der einen Karte Matts, die ihn so unvorbereitet getroffen hatte.
      „Keine Daten vorhanden“, murmelte er fassungslos.
      Sich aufrichtend, fuhr sich der junge Mann durchs zerzauste Haar, fasste sich dann mit beiden Händen an die Wangen. Unmöglich, wie konnte das sein? Was hatte Matt da angestellt, dass er so eine Karte besaß?
      Eigentlich kannte Nick die Antwort, fürchtete sich jedoch davor, sie auszusprechen. Denn sie ließ ihn an den guten Absichten des Dämonenjägers arg zweifeln.

      Schließlich rollte sich Nick über sein Bett und watete durch sein unordentliches Zimmer, in dem sich die Klamotten nur so übereinander stapelten. Mit nichts als einer Boxer Short bekleidet, schnappte er sich wahllos ein dunkelgrünes T-Shirt, roch dran, verzog eine angeekelte Miene, nur um es sich dann trotzdem anzuziehen. Dabei sah er, das Shirt halb übergezogen, einen Augenblick lang an seinen hageren Körper hinab, der auf den ersten Blick unscheinbar wirkte, doch auf den zweiten deutliche Ungleichmäßigkeiten aufwies … Brandnarben. Unzählige. Nick schüttelte den Kopf. Kurz darauf hatte er auch noch eine graue Hose gefunden, die er sich überzog und warf sich dazu eine dünne, hellgrüne Jacke über.
      Es war Zeit für einen kleinen Stadtbummel. Das Undying-Problem ordnete er derzeit als größer ein als Matts kleines Geheimnis, weshalb er sich zuerst darum kümmern wollte. Was aber nicht hieß, dass er sich nicht Sorgen um Anya diesbezüglich machte. Ausgerechnet Matt …

      -~-~-

      Die abgeblätterten Lettern waren tatsächlich übermalt worden. Nur leider nicht mit passender Farbe, sondern Graffiti, stellte Nick mit bedauernder Mimik fest, als er über die Straße der großen Kreuzung ging, direkt auf die kleine Stadtbibliothek zu.

      Es brannte Nick unter den Fingernägeln, Anya von seinem Fund zu berichten, wusste er doch nicht, was er daraus schließen sollte. War Matt gefährlich? So oder so, selbst wenn er sie jetzt kontaktierte, würde er den Dämonenjäger im Schlimmstfall aufmerksam machen und das wollte er vermeiden. Zumindest, solange er sich der Sache nicht selbst angenommen hatte. Dementsprechend musste er sich wohl oder übel darauf verlassen, dass Zanthe solange auf sie aufpasste. Was seine ohnehin schon große, innere Nervosität alles andere als linderte.
      Solange er auf seine Freundin warten musste, sagte sich Nick, konnte er wenigstens versuchen, etwas über diesen neuen Feind, die Undying, herauszufinden. Und obwohl man es nicht glauben wollte, zog der hagere junge Mann in dem Fall alte Wälzer moderner Technologie vor. Aus einem ganz bestimmten Grund.

      Nick betrat das orange gestrichene, mit silbernem Grafitti übersäte Gebäude. Sofort kam ihm ein muffiger Geruch entgegen, als er die Tür hinter sich schloss. Er wandte sich rechts an den Holztresen und stellte unmittelbar fest, dass sich auch im Inneren der Bibo seit seinem letzten Besuch nichts getan hatte. Der uralte, angegilbte PC, den die Bibliothekarin Mrs. Wilson benutzte, fing immer noch Staub.
      Jene, ein grauhaariges Reptil, saß auf ihrem Stuhl und schien vor sich hin zu dösen. Selbst das hatte sie schon letztes Mal getan.
      „Entschuldigung“, sprach Nick sie an.
      Die Alte öffnete ihre Augen und zischte: „Vergiss es, wir haben keine Pornos und auch keine Comics.“
      „Daran erinnern sie sich noch?“ Nick staunte nicht schlecht.
      „Alt zu sein bedeutet nicht automatisch an Alzheimer zu leiden“, krähte sie ärgerlich, „du kleiner Perverser hast nur Unruhe gestiftet.“
      Abwehrend hob Nick die Hände. „Und das tut mir auch unendlich leid.“
      Er neigte sich über den Tresen. „Aber ich verspreche, heute keinen Ärger zu machen. Ich suche ein ganz bestimmtes Buch. Der Titel lautet 'Thirty Legends – The Whole Truth'“
      Aus ihrer Hornbrille sah Mrs. Wilson ihn verständnislos an. „Für diesen Plunder interessiert du dich?“
      „Ich will eine Parodie darüber schreiben“, log Nick, ohne rot zu werden.
      „Für mehr taugt es auch nicht“, erwiderte sie abfällig, „du findest es im dritten Regal von rechts, ganz hinten.“
      Der zerzauste brünette Bursche zog sich vom Tresen zurück und bedankte sich artig.

      Keine fünf Minuten später saß er an einem der Tische zwischen den Regalen und machte eine der Bankerleuchten vor ihm an. Dabei blätterte er bereits in dem Schinken, den ein Verwandter der regionalen Trash-Reporterin, Nina Placatelli, geschrieben hatte.
      Warum war dieses Buch so wichtig? Nun, Nick wusste, dass der Autor unter anderem ein Interview mit Drazen geführt und das Erfahrene in einem der Kapitel niedergeschrieben hatte. Erst durch diese Umstände hatten Nick und Drazen sich kennenlernen können.
      Der größte Teil des Kapitels drehte sich um die Stadt der Unsterblichen, Eden, in der Drazen einst gelebt hatte. Sie galt als Utopia der Menschen, eine künstlich erschaffene Welt inmitten des Nexus, erbaut, um seine Bewohner vor den Fängen des 'wahren Feindes' zu schützen. Niemand wusste genau, wer oder was der 'wahre Feind' war, von dem Another gesprochen hatte. Fest stand, dass Eden bereits vor über einem Jahrtausend errichtet worden war und sich nun irgendwo im Nexus befand, abgeschottet und unerreichbar.
      Doch darum ging es Nick gar nicht. Eher um eine Aussage Drazens, die sich in dem Buch befand und sich auf diejenigen bezog, die zusammen mit den Menschen und Immateriellen Eden erschaffen hatten.
      „Die Undying“, fand Nick den Absatz dazu schließlich.
      Jedoch wurden sie nur ein einziges Mal erwähnt, als unsterbliche Wächter der ewigen Ordnung, die mit ihrer Macht die Stadt der Allerheiligsten, Eden, aufgebaut haben. Mehr hatte Drazen nicht über sie verloren.

      Nick schloss das Buch und schob es beiseite, stützte seine Ellbogen auf dem Tisch ab und legte sein Kinn auf die mit beiden Händen geballte Faust.
      Nun, das war weniger als er erhofft hatte zu finden. Im Grunde sagte es nichts aus, was ihm bezüglich ihrer Motive weiterhelfen könnte. Und doch ratterte es in seinem Inneren.
      „Sie beschützen die ewige Ordnung“, murmelte er, „also bedroht Anya diese.“
      Und sie waren die Schöpfer der Stadt Eden. Könnte das bedeuten, dass sie sich auch dort aufhielten? Zumindest schienen sie nicht prinzipiell feindlicher Natur zu sein, wenn sie den Menschen und Immateriellen halfen. Im Gegenteil, anscheinend beschützten sie diese.
      Umso dunkler wurde Nicks Ahnung, dass das Tun des Sammlers nicht im Interesse der Allgemeinheit war.
      „Du bist der 'wahre Feind'“, schloss er kurz darauf. „Es ergibt Sinn! Urila sagte, einer von ihnen wäre in dieser Welt gestrandet. Und niemand kommt an deine Macht heran …“
      Die Erkenntnis traf ihn wie einen Schlag. Es passte auf abstruse Weise, auch wenn er sich nicht hundertprozentig sicher sein konnte. Aber … Anya stand im Dienste des 'wahren Feindes'. Wenn dem so war, würde sie sterben, ob sie ihre Mission erfüllte oder nicht.
      Sofort sprang Nick auf, auch wenn er nicht einmal wusste, was er jetzt tun sollte. Wie er dagegen vorgehen konnte. Nick Harper verspürte in diesem Augenblick dieselbe Machtlosigkeit wie damals, als er Anya hinterher sah, wie sie sich zum Turm von Neo Babylon aufmachte.

      -~-~-

      Zuhause angekommen, stürmte Nick umgehend in sein Zimmer. Er musste irgendwie Anya kontaktieren und warnen, aber die war nicht erreichbar, solange sie mit Matt und Zanthe im Zug saß. Unter Umständen könnte er Alastair anrufen, aber das würde genauso wenig nützen und im Schlimmstfall nur für mehr Ärger sorgen. Aber er kannte vielleicht noch eine Möglichkeit, Anya die Botschaft sofort zukommen zu lassen.
      Warum hatte er ihr kein neues Handy besorgt!? … richtig, weil sie die letzten zwei binnen Rekordzeit in ihre Einzelteile zerlegt hatte. Großartig!

      Nick sah sich aufgeregt in seinem völlig zugemüllten Zimmer um, auf der Suche nach seinem Festnetztelefon. Da fiel ihm ein flacher Umschlag auf, der auf seinem Schreibtisch in der Ecke des Zimmers lag. Er war sich sicher, ihn vorhin noch nicht dort gesehen zu haben. Höchstwahrscheinlich war er von seiner Mutter, die hoffentlich verkündete, ein neues Leben in Alaska anzufangen!
      Neugierig ging er auf den Schreibtisch zu, schnappte sich den unbeschrifteten Umschlag und holte den Brief daraus hervor.

      Triff dich heute um 14 Uhr mit mir im Gewerbegebiet nahe der Müllhalde. Lager 17, das leer stehende. Dort werde ich dir Rede und Antwort stehen. Keine Lügen. Kali


      Die relativ kurze Botschaft versetzte Nick in erstauntes Schweigen. Hatte er richtig gelesen, Kali? Die, die ihn angegriffen hatte!? Und Anyas geliebte Battle City-Duel Disk gestohlen hatte? Warum sollte sie ihn jetzt treffen wollen, wenn sie auf Rache nach Anya aus war?
      Das roch nicht nur nach einer Falle, das stank förmlich danach.
      Aber wieso ausgerechnet zu diesem ungünstigen Zeitpunkt? So blieb ihm nur noch knapp eine halbe Stunde, wie ihm ein Blick auf seine Armbanduhr verriet. Und er hatte gerade andere Probleme!

      Nick überlegte, ob er der Aufforderung nachkommen sollte. Einerseits bot sich so die Möglichkeit, mehr über sie herauszufinden und zudem war das Ganze doch etwas zu offensichtlich. Sie musste damit rechnen, dass er es durchschaute. Bloß wieso machte sie sich dann die Mühe?
      Dass sie wiederum einen so abgelegenen Ort aussuchte, deutete durchaus daraufhin, dass sie ihn entsorgen wollte. Dort würde sie niemand stören. Aber selbst wenn das der Fall war … er konnte ihr zuvor kommen. Er musste es zumindest versuchen. Dann hatte Anya ein Problem weniger, mit dem sie sich herumärgern musste.
      „No risk, no fun“, lautete seine Devise.

      Zwar gefiel es ihm nicht, aber vielleicht wäre es sogar das Beste, Anya noch nicht sofort über die Herkunft des Sammlers in Kenntnis zu setzen. Zumal er für seine Theorie noch keine handfesten Beweise hatte. Am Ende tat Anya nur etwas, das sie am Ende bereuen würde. Was den Sammler und auch Matt anging, wäre es am besten, das Mädchen vorerst im Unwissenden zu lassen.
      Was die beiden anging, würde er sich noch früh genug mit ihnen auseinandersetzen. Zunächst war aber Kali an der Reihe.

      Er nahm aus der Innentasche seiner grünen Jacke ein altmodisches Handy und betrachtete das Display. Er schnappte sich den Laptop von seinem Bett, trug ihn herüber zu seinem Schreibtisch und setzte sich, während er den Apparat aufklappte. Mit der Intention, im Falle des Falles eine ganz eigene Überraschung für Kali vorzubereiten.

      -~-~-

      Etwa eine dreiviertel Stunde später fand Nick sich auf einem riesigen Gelände wieder. Die meisten Lagerhallen vor ihm wurden nicht länger genutzt, da die Firmen entweder zugrunde gegangen beziehungsweise aufgekauft worden waren oder schlichtweg umgezogen sind. Nick verstand selbst nicht, warum niemand hier Gewerbe betrieb, obwohl die Lage eigentlich recht gut war.

      Er marschierte weiter geradeaus. Vor ihm befand sich das riesige, heruntergefahrene Tor, über dem die Zahl 17 in roter Farbe prangerte. Die vergleichsweise kleine Tür nebenan stand einen Spalt weit offen.
      Das hier war sein Ziel.

      Ohne Umschweife trat Nick ein. Durch die Fensterreihe an der Hinterseite des Gebäudes drang genug Tageslicht, um einigermaßen gut sehen zu können.
      Die Halle selbst war komplett leergefegt. Zur linken Seite gab es eine Stahltreppe, die zu den im oberen Geschoss liegenden Büroräumen führte. Vier massive Säulen stützten das Lager. Nick war allein.
      „Ich bin da, wenn auch etwas verspätet“, verkündete er das Offensichtliche, doch keine Reaktion folgte. Bissig fügte er noch hinzu: „Ich hoffe, nicht zu spät für den Nachtisch.“
      Er schritt vorsichtig durch das Lager, sah sich um. Etwa auf der Hälfte des Weges zum anderen Ende bemerkte er einen Schatten. Hinter einer der Säulen auf der rechten Seite trat eine komplett in schwarzer Kutte verhüllte Gestalt vor. Es war dieselbe, die Kali getragen hatte, ohne Zweifel.
      „Wie schön, dass -du- pünktlich bist“, schnarrte Nick, „also, was willst du von mir?“
      Keine Antwort. Stattdessen hob Kali den Arm, an welchem eine blaue Duel-Disk angebracht war und aktivierte diese.
      „Im Ernst?“ Nick schnalzte mit der Zunge. „Ich dachte wir wollten nur reden?“
      Er sah auf den Apparat an seinem Arm. Immerhin hatte er mit so etwas schon gerechnet, doch das hier war ihm etwas zu plump.
      Sein Blick richtete sich wieder auf Kali. „Komm schon, so eine armselige Falle?“
      Wieder gab es keine Reaktion ihrerseits. Nick seufzte. „Na schön … aber ich warne dich. Ich bin vorbereitet. Wenn du mich auch nur versuchst umzubringen, wirst du diesen Raum selbst nicht lebend verlassen.“
      Dafür hatte er gesorgt.

      So standen er und Kali sich in der leeren Lagerhalle gegenüber. Nick griff unter seine Duel Disk und deaktivierte die Sicherheitsmechanismen des Solid Vision-Systems, welches dafür sorgte, dass die Spieler keine Verletzungen durch die Duelle erlitten. Denn er war sich sicher, dass Kali ebenfalls mit harten Bandagen kämpfen würde.
      „Wenn du offenbar nur hier bist, um mich endgültig aus dem Weg zu räumen, dann gut!“, rief Nick zornig. „Aber heute wird es nicht so enden wie letztes Mal! Duell!“
      Seine vermummte Gegnerin schwieg, wie sie es schon die ganze Zeit getan hatte.

      [Nick: 4000LP / Kali: 4000LP]

      Umgehend zogen beide der Reihe nach fünf Karten. Bevor Nick das Wort ergreifen konnte, kam ihm Kali zuvor, indem sie stillschweigend eine sechste Karte zog und damit offiziell das Duell begann. Selbst ihre Hände steckten in schwarzen Handschuhen.
      Ihr erster Zug sah dabei erstaunlich kurz aus: sie legte ein Monster verdeckt auf ihre Duel Disk und verharrte dann, nachdem es auf dem Spielfeld erschienen war, solange, bis Nick irritiert nachzog.

      „Nicht mal im Duell sagst du was?“, fragte jener missmutig und setzte seinerseits ebenfalls ohne Ankündigung ein Monster, welches in horizontaler Lage vor seinen Füßen auftauchte. „Na gut, ich setze die da und beende.“
      Noch eine Falle gesellte sich verdeckt hinter seinem Monster dazu.

      Kali zog erneut auf und wiederholte die Prozedur ihres letzten Zuges, indem sie ebenfalls wieder ein Monster setzte, dessen Karte sich neben dem anderen materialisierte. Danach blieb sie regungslos stehen, bis Nick sagte: „Gut, wenn du nichts mehr tust, bin ich dran!“

      Sofort riss er die nächste Karte von seinem Deck. Jetzt war es an der Zeit, ihre Verteidigung zu durchbrechen. „Ich beschwöre [Wind-Up Knight]!“
      Vor dem großgewachsenem jungen Mann tauchte ein etwa anderthalb Meter großer, weißer Spielzeugritter mit Aufziehschlüssel auf dem Rücken auf.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Zum Angriff!“, befahl Nick lautstark. „Nimm das Monster, das sie als Erstes gesetzt hat!“
      Sein Krieger stürmte auf die von Kali aus linke gesetzte Karte zu. Jene wirbelte herum und präsentierte eine gar groteske Gestalt. Ganz aus schwarzer, schlammiger Masse bestehend, hockte dort etwas, das entfernt an die Form eines jungen Mädchens mit langem Haar und Priesterhaube erinnerte. Dabei hielt das Wesen einen ebenfalls mit jener dunklen Flüssigkeit überzogenen Zauberstab fest in den Händen.

      ??? [ATK/1000 DEF/800 (4)]

      Mit einem Schwerthieb zerteilte Nicks Ritter die Kreatur. Kali streckte den Arm aus, ohne jedoch etwas zu sagen. Aus ihrem Deck schob sich automatisch eine Karte, die sie auf den Friedhof legte.
      Nick stand der Mund offen. Dieses Monster eben, das erinnerte nicht im Entferntesten an die Celestial Gears, die Kali bei ihrem letzten Aufeinandertreffen benutzt hatte! Und jetzt, wo er genauer hinsah – ihre Duel Disk war eines der typischen, blauen Standardmodelle des letzten Jahres. Kali hingegen benutzte eine rote V-Duel Disk unbekannter Bauart.
      „Du bist nicht Kali!“, schloss er verblüfft. „Aber wer bist du dann!?“
      Keine Reaktion. Was Nick dazu brachte, die Stirn zu kräuseln. „Wenn du nicht freiwillig reden willst, werde ich dich eben zwingen! Ich aktiviere meine verdeckte Falle, [Zenmairch]!“
      Die Karte klappte vor ihm hoch und Nick nahm seinen Ritter von der Duel Disk, welcher im Folgenden auch vom Spielfeld verschwand. „Diese Falle tauscht eines meiner Spielzeuge mit einem gleicher Stufe von meiner Hand aus! Ich beschwöre [Wind-Up Juggler]!“
      Vor ihm tauchte ein grüner, auf einer Feder springender Spielzeug-Jongleur auf, dessen unbekümmertes Katzengesicht nicht darüber hinwegtäuschte, wie gut er mit seinen Bällen jonglieren konnte.

      Wind-Up Juggler [ATK/1700 DEF/1000 (4)]

      Nick streckte den Zeigefinger aus und deutete auf das andere verdeckte Monster seines Gegenüber, wer auch immer unter der Kutte stecken mochte. „Vernichte es!“
      Der Jongleur tat dies sogleich und befehligte seine insgesamt fünf Bälle in Richtung jenes Monsters, welche wie von Zauberhand Kanonenkugeln gleich auf die Karte zuschossen und sie bombardierten. Jene wirbelte um, präsentierte ebenfalls eine annähernd humanoide, schwarze Schleimgestalt mit knochigen Auswüchsen auf dem Rücken, welche gnadenlos durchlöchert wurde.

      ??? [ATK/1750 DEF/1000 (4)]

      Nichts geschah, nachdem die Kreatur vernichtet worden war. Was Nick zum Anlass nahm, sein Handy aus der Innentasche seiner Jacke zu ziehen und damit per Remotesteuerung die Daten des Duells aufzurufen, die sein Rechner zuhause aufnahm. Doch zu seinem Entsetzen konnte er keinerlei Infos über Kalis oder wessen Karten auch immer einholen. Es war, als duelliere er sich alleine.
      „Wer oder was bist du!?“, wollte er nun deutlich aufgeregter wissen.
      Wie üblich erfolgte keine Reaktion seiner- oder ihrerseits.
      „Ich habe dich was gefragt! Was soll das hier? Wieso hast du mich hierher gerufen?“
      Nichts. Nick atmete tief durch. So kam er nicht weiter!
      „Also schön, ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“
      Jene materialisierte sich vor seinen Füßen und ließ Nick mit drei Handkarten zurück.

      Sein Gegner zog derweil auf sechs auf und tat nun endlich etwas anderes, als nur Monster zu setzen. Allerdings missfiel Nick zutiefst, dass jene Person ihm im übertragenen Sinne plötzlich kommentarlos einen Ritualzauber vor die Nase hielt, dessen Name er nicht lesen konnte. Und auch als sein Gegenüber die Karte in die Duel Disk schob und jene sich vergrößert auf dem Spielfeld zeigte, schien sie irgendwie verschwommen. Nick konnte lediglich das Artwork erkennen, eine Art schwarzen Schlund mit mehreren Ebenen, in denen sich immer wieder Spiegel befanden.
      Plötzlich stieg ein schwarzes Licht aus dem Friedhof der blauen Duel Disk auf, der oder die Fremde nahm ein hochstufiges Monster von dort und platzierte es in die Verbannungszone. Zahlte er so etwa die Kosten für die Ritualbeschwörung!?
      Nick wich zurück, als sich derselbe Schlund vor seinem Gegner auftat, der auf der Karte zu sehen war. Und ihm entstieg eine schier grauenhafte Kreatur. Größtenteils bedeckt von Teer und einer anderen, bläulichen Flüssigkeit, waren die sichtbaren Stellen des Körpers dieser zweibeinigen, knapp zweieinhalb Meter hohen Kreatur nur Knochen. Zwischen ihren Fingern befanden sich gelbliche Schwimmhäute, genau dasselbe konnte man auch vom Kopfansatz an bis zum Rücken in Form eines Kamms beobachten.

      ??? [ATK/2600 DEF/2400 (8)]

      Plötzlich streckte die verhüllte Gestalt den Arm aus und zeigte auf Nicks Monster. Dabei entstieg die eben erst verbannte Kreatur ihrer Verbannungszone und glitt als leuchtende Kugel zurück in den Friedhofsschlitz der blauen Duel Disk.
      Nick war bewusst, dass sein Gegner wohl zur Aktivierung des Effekts ein verbanntes Monster zurück auf den Friedhof legen musste – es ergab nur Sinn, da dies insgesamt eine gute Kombo darstellte.
      Die Kreatur öffnete das Maul ihres knochigen Schädels und verspritzte ein blaues Sekret in Richtung seines Jongleurs, weshalb Nick reflexartig den Arm ausschwang.
      „Wenn das ein zielender Effekt ist, werde ich ihn abwehren! Ich aktiviere meine verdeckte Falle [Zenmailstrom] und opfere Juggler, um dafür ein Spielzeug von meiner Hand zu rufen!“ Er knallte jenes auf seine Duel Disk. „Erscheine, [Wind-Up Knight]! Und wenn ich dies getan habe, darf ich vom Deck ein weiteres Wind-Up mit gleicher Angriffskraft rufen! Los, [Wind-Up Soldier]!“
      Vor ihm materialisierten sich zwei Gestalten. Eine war der weiße Spielzeugritter und die andere ein gleichgroßer, hellgrüner Roboter, dessen Kopf die Form eines Magneten hatte.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]
      Wind-Up Soldier [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Die Flüssigkeit schoss an ihnen vorbei ins Leere und fraß, unbemerkt von Nick, ein Loch in die Wand der Lagerhalle hinter ihm. Derweil war er froh, dafür gesorgt zu haben, dass es kein legitimes Ziel mehr für den Effekt gegeben hatte und dieser somit verpufft war.
      Umso überraschter war er, als sein Gegner oder seine Gegnerin schließlich ein anderes Monster vom Friedhof vorzeigte und verbannte: es war das mit 1750 Angriffspunkten, welches er zuvor im Kampf zerstört hatte. Sein Gegenüber zeigte im Anschluss die groteske Ritualzauberkarte vor, die er seinem Ablagestapel entnahm und fügte sie seiner Hand hinzu. Nur um dann den Effekt des Ritualmonsters vor ihm erneut zu aktivieren, ganz zu Nicks Entsetzen. Denn nachdem jener sein 1750-Angriffspunkte-starkes Monster wieder von der Verbannung auf den Friedhof gelegt hatte, ging das Ganze von vorne los. Und diesmal konnte Nick sich nicht wehren.
      So schoss die riesige Kreatur ihr blaues Sekret auf [Wind-Up Knight] und verätzte ihn derart, dass Plastik und Metall zu schmelzen begannen und er am Ende völlig deformiert war.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 → 900 DEF/1200 → 600 (4)]

      Nick schluckte. „Nicht gut …“
      Damit schwang sein stiller Feind den Arm aus und befahl offenbar den Angriff. Seine schlammige Kreatur mit dem Rückenkamm rollte sich zu einem einzigen Matschball zusammen und fegte über das Feld, wobei der Kamm dabei den Boden regelrecht zersägte. Sein Ziel war Nicks geschwächter Ritter, obschon er noch ein gesetztes Monster kontrollierte.
      Der junge Mann streckte den Arm aus. „Effekt vom [Wind-Up Knight] aktivieren! Nur einmal solange er offen liegt kann er einen Angriff abwehren!“
      Doch anstatt dem etwa Folge zu leisten, rührte sich bei dem verätzten Spielzeug gar nichts. Sein Effekt musste negiert worden sein, erkannte Nick fassungslos und sah zu, wie sein Ritter einfach überrollt wurde. Dabei spritzte ein wenig vom Teer der Kreatur durch die Gegend und erwischte Nick am Arm, fraß sich durch seine hellgrüne Jacke. Dieser fackelte nicht lange und zog diese hastig aus, warf sie weg, ehe er noch verletzt wurde. Fassungslos betrachtete er das Kleidungsstück vor ihm am Boden, welches sich immer mehr zersetzte.

      [Nick: 4000LP → 2300LP / ???: 4000LP]

      Zeitgleich nahm sein Gegenüber eine Handkarte und setzte sie in die Duel Disk ein, womit sie zischend vor dessen Füßen erschien. Der Zug galt damit als beendet, wobei Nick einen Moment brauchte, um sich vom Anblick seiner Jacke loszureißen.

      Schließlich zog er auf und verfiel in grüblerisches Schweigen. Das lag an der simplen Tatsache, dass er mit der wohl größten, vielleicht einzigen Schwäche seines Decks konfrontiert sah: starken Monstern. Keines der Monster in seinem Deck kam über 2600 Angriffspunkte hinaus, weshalb Nick auf Zauber und Fallen zurückgriff, um jene zu verstärken. Ferner benutzte er Karteneffekte, wenn er doch einmal stärkeren Feinden gegenüber trat, da es in der Regel seine Strategie war, den Gegner in ein bis zwei Zügen mit Monstern zu überrennen.
      Allerdings verfügte er im Moment weder über stärkende Karten, noch über Feldsäuberer. Was ihm im Grunde nur eine Wahl ließ …
      „Ich beschwöre [Wind-Up Dog]!“, verlautete er und legte jenen auf seine Duel Disk.
      Vor ihm tauchte ein kleiner, blauer Spielzeughund auf, der in einer Tour ein mechanisch klingendes Kläffen von sich gab.

      Wind-Up Dog [ATK/1200 DEF/900 (3)]

      Nick legte Zeige- und Mittelfinger an die Stirn, erkläre: „Ich aktiviere die Effekte von Soldier und Dog. Sie erhöhen nur einmal ihre Stufe und Angriffspunkte um ein gewisses Maß, solange sie auf dem Feld liegen.“
      Die beiden Aufziehschlüssel, die sich auf den Rücken der Spielzeuge befanden, begannen sich rapide zu drehen.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 → 2200 DEF/1200 (4 → 5)]
      Wind-Up Dog [ATK/1200 → 1800 DEF/900 (3 → 5)]

      Das erledigt, schwang Nick den Arm weit aus. „Jetzt erschaffe ich das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 5-Monstern wird ein Rang 5-Monster!“
      Beide lösten sich in braune Lichtstrahlen auf. Gleichzeitig öffnete sich inmitten von Nicks Spielfeld ein schwarzer Wirbel, der die beiden Energien absorbierte und schließlich einen mannshohen Robokrieger ausspuckte. „Erscheine, [Wind-Up Arsenal Zenmaioh]!“
      Die rote Maschine bezog vor Nick Position. Bewaffnet mit einem Bohrkopf als rechte Hand und einer vom Körper getrennten, frei schwebenden Faust machte er einen imposanten Eindruck im Vergleich zum Rest von Nicks Monstern. Dabei wurde er von zwei Lichtsphären umkreist, die hinter sich gelbe Schlieren zogen.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5} OLU: 2]

      Nick sah eine Fallenkarte auf seinem aus zwei Karten bestehenden Blatt an und überlegte, ob er sie setzen und durch Zenmaiohs Effekt zusammen mit der verdeckten Karte seines Gegners zerstören sollte. Aber er brauchte seine eigene und wollte nicht das Risiko eingehen, dass diese Person dort drüben ihre Karte ankettete.
      So streckte er den Arm zum Befehl aus. „Los, greife dieses Ding an! Wind-Up Power Punch!“
      Ja, dachte er dabei, er würde dadurch Zenmaioh verlieren. Aber eine andere Möglichkeit zur Bekämpfung des Ritualmonsters sah er derzeit nicht.
      So schoss sein Roboter seine Faust ab, direkt auf die Teerkreatur zu, welche ihrerseits mit dem Spucken von Säure antwortete. Zwei Explosionen erfolgten am Ende und das Feld war monsterfrei.
      „Ich setze die hier verdeckt und beende meinen Zug!“
      Vor Nick tauchte die Karte auf. Ein diebisches Grinsen umspielte dabei seine Lippen.

      Nach wie vor stumm zog sein Gegner eine Karte auf, nur um sofort im Anschluss die Hand über die verdeckt liegende Karte vor sich fahren zu lassen. Jene normale Falle klappte auf und zu Nicks entsetzen war dort der mit Spiegeln bedeckte Abgrund abgebildet, aus welchem ein ganzes Bündel violetter Lichtstrahlen Richtung des Betrachters schoss, die von der schattenhaften Gestalt des 1750-Angriffspunkte-Monsters dieses Themas ausgingen. Passend dazu zeigte Kali oder wer auch immer die Ritualzauberkarte vor, die sie im vorigen Zug auf die Hand genommen hatte. Aus ihrem Deck schob sich eine blau umrandete Karte, die sie umgehend ihren Blatt hinzufügte.
      „Noch ein Ritual?“, fragte Nick. „Verstehe, damit holst du Nachschub!“
      Wortlos bestätigte sein Gegner die Annahme mit der Aktivierung der Ritualzauberkarte und verbannte das Stufe 8-Monster vom Friedhof, wie er es schon bei der letzten Beschwörung dieser Art getan hatte. Vor ihm erschien der Schlund in die Tiefe, dem eine weitere dieser merkwürdigen Kreaturen entsprang. Ein knorriges, dürres Gebilde in gebückter Haltung, überzogen mit dem schwarzen Teer. An seinen Armen hingen riesige Beutel gefüllt mit einer gelben Flüssigkeit.

      ??? [ATK/2400 DEF/1800 (8)]

      „Gut, der ist nicht ganz so stark“, überlegte Nick laut und strich sich übers Kinn.
      Zu seinem Erstaunen aktivierte sein Gegner eine weitere Zauberkarte, eine dauerhafte. Auf ihr war das zuvor zerstörte Ritualmonster mit dem Kamm abgebildet, wie es die violetten Strahlen aus dem Abgrund empfing.
      „Eine Geschichte?“
      Nebenbei versuchte Nick den Kartennamen zu lesen, um einen Anhaltspunkt über das Thema zu finden, doch egal wie sehr er sich konzentrierte, es war, als habe er einfach das Lesen verlernt.
      Derweil legte der Kuttenträger das verbannte 'Ritualopfer' wieder auf den Friedhof, um offenbar den Effekt des Ritualmonsters auf dem Feld zu aktivieren. Dieses biss in einen der gelben Beutel an seinem Arm und spuckte die Säure auf Nicks gesetzte Karte.
      „Falle aktivieren, [Xyz Reborn]! Die kriegst du nicht!“, donnerte Nick, der ahnte, dass sein Gegner sie zerstören wollte. „Sie reanimiert ein Xyz-Monster auf meinem Friedhof und wird gleichzeitig zu seiner Overlay Unit!“
      Aus dem Boden vor ihm brach sein Zenmaioh, während sich die Falle in eine leuchtende Kugel verwandelte, die um ihn zu kreisen begann.

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5} OLU: 1]

      Plötzlich leuchtete die dauerhafte Zauberkarte seines Gegenübers auf, um die plötzlich ebenfalls eine finstere Energiekugel rotierte.
      Nick schloss daraus: „Zählmarken? Aber wofür? Und wie hast du sie bekommen?“

      ??? [???-Zählmarken: 0 → 1]

      Plötzlich verbannte sein Gegner wieder das Ritual-recycelnde Monster auf seinem Friedhof, um dementsprechend den Abgrundzauber wieder auf seine Hand zu bekommen. Diesen aktivierte er sofort im Anschluss und verbannte dafür das Stufe 8-Monster von seinem Friedhof.
      Ein zweites Mal in diesem Zug öffnete sich der dämonische Spiegelabgrund und würgte regelrecht ein weiteres Ungetüm hervor. Dieses neue war eine Art vierbeiniger Knochenkäfer, ebenfalls mit Teer überzogen und dazu noch mit einem riesigen Gefäß auf dem Rücken beladen, in dem eine schwarze Flüssigkeit brodelte.

      ??? [ATK/0 DEF/3000 (8)]

      Um dessen Effekt zu aktivieren, legte der Verhüllte das eben verbannte Ritualsubstitut wieder auf den Friedhof und schwang den Arm dabei aus. Der Käfer beugte sich daraufhin vor und vergoss einen Teil seiner Flüssigkeit, die sich wie ein Schatten über den Boden schlängelte und dann um Zenmaioh wand, um den sofort Blitze schlugen. Er ging in die Knie, während der Schatten herüber zu dem Säurebeutel-Monster schlich und in ihm verschwand.
      „Was!?“, keuchte Nick. „Zenmaioh wechselt in-!?“

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh [ATK/2600 DEF/1900 {5} OLU: 1]
      ??? [ATK/2400 → 2900 DEF/1800 (8)]

      Zusätzlich dazu gesellte sich eine weitere violette Kugel zur Zauberkarte seines Gegners, weshalb Nick vermutete, dass immer eine neue dazu kam, wenn eines dieser Ritualmonster seinen Effekt aktivierte. Aber wozu dienten sie? Nein, anders gefragt: Was wäre das Schlimmste, womit er nicht rechnen würde?

      ??? [???-Zählmarken: 1 → 2]

      „Automatischer Sieg …?“, konnte er eine heimliche Vermutung nicht unterdrücken.
      Wenn ja, wie viele brauchte diese Person dann!? Oder vielleicht war es doch etwas ganz anderes?
      Er hatte jedoch keine Gelegenheit, sich weitere Gedanken zu machen, denn sein Gegner zeigte auf Zenmaioh. Nick wusste: „Der Angriff kommt …“
      Und er musste den kompletten Effekttext der Karten dort drüben nicht kennen um zu wissen, was ihn erwarten würde. So streckte das Monster seines Feindes die Arme aus, aus denen schlauchartige Auswüchse direkt an seinen Hals schossen und die Säure von seinen Beuteln ins Maul pumpten. Es spie einen Säurestrahl auf Nicks Roboter, der sofort zerschmolz wie Eis in der Wüste. Nick wich mit einem Seitwärtsschritt der Attacke rechtzeitig aus. Und diesmal konnte er aus den Augenwinkeln beobachten, wie die Wand hinter ihm ein neues 'Fenster' verpasst bekam.
      „Ugh“, stöhnte er dabei, auch wenn er nicht überrascht war, von durchschlagendem Kampfschaden erwischt zu werden. Sonst hätte der Wechsel seines Zenmaiohs in Verteidigungsposition keinen Sinn ergeben.

      [Nick: 2300LP → 1300LP / ???: 4000LP]

      Doch was dann folgte war selbst für ihn ein Schock. Die dauerhafte Zauberkarte seines Gegners leuchtete auf und prompt spie die Kreatur noch einen Strahl Säure – auf Nicks verdecktes Monster.
      „Noch ein Angriff!?“
      Der junge Mann erblasste, als seine Karte getroffen wurde und um die eigene Achse wirbelte. Aus ihrer Vorderseite entstieg eine putzige, mechanische Spielzeugbiene, die regelrecht zerfetzt wurde.

      Wind-Up Honeybee [ATK/100 DEF/300 (1)]

      Nick aber dachte in diesem Moment nicht an ihr Schicksal, sondern nur an das seine. Der durchschlagende Kampfschaden, er würde ihn-!
      Doch zu seinem Erstaunen wurde er nicht von der Säure angegriffen. Die Quelle seines Schmerzes sollte von ganz woanders herrühren: der Zauberkarte. Denn die beiden Sphären, die um sie kreisten, wurden schlagartig mobil und schossen auf Nick zu. Wie dünne Klingen wirbelten sie dutzende Male um ihn und zerfetzten seine Kleidung. Er schrie panisch auf, ehe die Tortur stoppte und der junge Mann in die Knie sackte.

      [Nick: 1300LP → 700LP / ???: 4000LP]

      Nick verstand die Welt nicht mehr. Der sogenannte Trampelschaden hätte ihn auslöschen müssen, doch stattdessen wurde ihm viel weniger Schaden berechnet. Oder vielleicht … vielleicht gab es auch nie Kampfschaden und stattdessen rührte jener vom letzten Angriff von einem Effekt? Aber wie sollte er das wissen, wenn er die Kartentexte nicht lesen konnte!? Langsam begriff er, wie sehr er doch im Dunkeln tappte.
      Schließlich sagte er keuchend: „Da du [Wind-Up Honeybee] durch einen Kampf zerstört hast, kann ich jetzt ein Spielzeug von meinem Deck beschwören. [Wind-Up Magician] in Verteidigungsposition!“
      Er knallte vor Wut die Karte heftiger als nötig auf seine Duel Disk. Vor ihm tauchte ein Spielzeugmagier auf, der einen Zauberstab in seinen Kneifzangenhänden hielt.

      Wind-Up Magician [ATK/600 DEF/1800 (4)]

      Im Gegenzug zeigte sein Gegenüber plötzlich selber ein Monster vor und legte es auf die Duel Disk, woraus Nick schloss, dass er eine Normalbeschwörung durchführte. Vor ihm tauchte eine weitere, mehr humanoid wirkende Teerkreatur auf, die statt auf Beinen auf acht Knochenauswüchsen ging, was ihr ein spinnenhaftes Äußeres verlieh.

      ??? [ATK/0 DEF/0 (4)]

      Zunächst bemerkte Nick es nicht, doch als sich in der Magengegend der Kreatur ein Maul öffnete, verschlug es selbst ihm die Sprache. Jenes sog plötzlich Luft in sich auf, wobei gleichzeitig ein violetter Lichtball aus dem Schlund schoss. Analog öffnete dazu der Magier gegen seinen Willen den Mund und spuckte seinerseits eine rote Kugel aus. Und während die sinistre Kreatur die rote verschlang, verleibte sich [Wind-Up Magician] die violette seines Gegners inne. Woraufhin sich seine Augen schwarz wie die Nacht verfärbten.

      Wind-Up Magician [ATK/600 → 0 DEF/1800 → 0 (4)]
      ??? [ATK/0 → 600 DEF/0 → 1800 (4)]

      Als dem seltsamen Schauspiel nichts mehr folgte, galt der Zug als beendet und das giftige Ritualmonster spuckte das schwarze Wasser in das Behältnis seines käferartigen Kameraden zurück.

      ??? [ATK/2900 → 2400 DEF/1800 (8)]

      Sofort im Anschluss erhob sich Nick langsam und hielt sich den linken Arm, der am meisten von dem Angriff abbekommen hatte. Das würde ein paar tolle Narben geben, dachte er dabei ärgerlich, was wiederum keine Rolle spielte, da ohnehin … nein, daran wollte er jetzt nicht denken!
      „Draw!“, rief er nichtsdestotrotz wütend und zog auf. Froh über seine neueste Errungenschaft, zeigte er zunächst seine andere Handkarte vor. „Ich beschwöre [Wind-Up Rat]! Nur einmal, solange sie auf dem Feld ist, kann ich sie in Verteidigung wechseln und ein Spielzeug von meinem Friedhof ebenfalls in Verteidigung reanimieren!“
      Zu seinen Füßen eine kleine, blaue Spielzeugratte auf, die auf Rädern im Kreis rollte. Dabei drehte sich der Aufziehschlüssel auf ihrem Rücken wie verrückt.

      Wind-Up Rat [ATK/600 DEF/600 (3)]

      Vor ihm entstieg aus einem sich öffnenden Runenzirkel der Spielzeugsoldat mit dem Magnetkopf, welcher augenblicklich in die Knie ging.

      Wind-Up Soldier [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Er streckte den Arm aus, erklärte: „Da sich jetzt der Effekt eines Wind-Ups aktiviert hat, beschwört [Wind-Up Magician] nur einmal einen Kameraden vom Deck! Los!“
      Doch zu seinem Erstaunen geschah gar nichts.
      „Wieso-!? Ah … natürlich.“
      Nick fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn. Der Seelenaustausch zwischen seinem Spielzeugmagier und dieser Spinnenkreatur eben, vermutlich wurden nicht nur die Werte ausgetauscht sondern auch die Effekte negiert. Großartig …
      „Dann muss es eben ohne funktionieren! Ich erschaffe das Overlay Network und lasse meine beiden Stufe 4-Monster zu einem Rang 4-Monster werden!“ Den Arm in die Höhe reißend, ließ er den dunklen Galaxienwirbel inmitten seiner Spielfeldseite erscheinen. Magician und Soldier wurden als rote beziehungsweise braune Lichtstrahlen in ihn hineingezogen. „Erscheine, [Wind-Up Zenmaister]!“
      Aus dem Schwarzen Loch baute sich vor Nick ein großer Roboter auf. Von weißgrüner Lackierung, besaß Zenmaister vier Düsenantriebe statt Beinen und ballte seine mächtigen Fäuste. Die zwei Lichtsphären, die um ihn rotierten, gaben regelmäßig elektrische Entladungen an ihn ab. Hierzu erklärte Nick: „Zenmaister bekommt für jedes Xyz-Material 300 Angriffspunkte spendiert.“

      Wind-Up Zenmaister [ATK/1900 → 2500 DEF/1500 {4} OLU: 2]

      Zwar würde Nick am liebsten das schwache Spinnenmonster angreifen, doch war es wichtiger, zunächst das offensive Ritualmonster loszuwerden. So zeigte er auf jenes. „Zenmaister, dort ist dein Ziel! Wind-Up Armored Fist!“
      Zenmaister fuhr einen seiner Arme an einer Zugfeder aus und schlug damit aus der Distanz die Säurekreatur seines Gegners wortwörtlich zu Brei. Doch plötzlich drehte das Xyz-Monster sich um, die Augen schwarz leuchtend und ehe Nick sich versah, bekam er die andere Faust in den Magen und wurde von den Beinen gerissen.

      [Nick: 700LP → 600LP / ???: 4000LP → 3900LP]

      Vor sich hin hustend, drehte sich der auf dem Rücken liegende Nick um und hielt sich, abgewandt von seinem Gegner, den Bauch. Seine Augen geweitet, konnte er nicht fassen, dass sein eigenes Monster ihn angegriffen hatte. Doch ihm ging ein Licht auf … [Wind-Up Magician] war besessen worden und nun Teil Zenmaisters. Kein Wunder, genau das hatte sein Gegner beabsichtigt und offenbar gehofft, er würde die schwächere Kreatur angreifen, was seine Niederlage bedeutet hätte.
      „... aber dem kann ich Abhilfe leisten!“, stieß er stur hervor und richtete sich auf. „Ich aktiviere [Wind-Up Zenmaisters] Effekt und verdeckte damit [Wind-Up Rat] bis zur End Phase.“
      Bewusst seinen Magier unter dem Xyz-Monster hervor ziehend, ließ er seinen Roboter mit einer sanften Kopfnuss dafür sorgen, dass die Maus sich unter ihrer Karte verkroch.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/2500 → 2200 DEF/1500 {4} OLU: 2 → 1]

      Doch Nick haderte. Xyz-Materialien galten ohnehin nicht als auf dem Feld, ergo besaßen sie keine eigenen Effekte mehr, was bedeutete … sein Monster stand immer noch unter dem finsteren Einfluss seines Gegners! Aber wie konnte er sich sicher sein?
      Nick legte seine letzte Handkarte in die Duel Disk ein. „Mit [Pot Of Avarice] mische ich fünf Monster von meinem Friedhof in mein Deck zurück und ziehe dann zwei Karten.“
      Er entschied sich für die Wind-Ups Magician, Knight, Juggler, Honeybee und Zenmaioh, schob sie in sein Deck, ließ dieses durchmischen und zog dann zwei Karten auf. Eine davon setzte er sofort in seine Zauber- und Fallenkartenzone, wodurch diese sich vor ihm materialisierte. Mit seiner letzten Handkarte sagte er unruhig: „Ich beende den Zug.“
      Ihm gefiel gar nicht, eine tickende Zeitbombe auf dem Feld zu haben. Nicht, wenn er so wenig Lebenspunkte besaß. Derweil wirbelte die verdeckte Karte seiner [Wind-Up Rat] wieder herum und präsentierte das kleine, blaue Spielzeug auf Rädern.

      Wind-Up Rat [ATK/600 DEF/600 (3)]

      Ohne Umschweife zog sein stiller Gegner und legte ein Monster auf seine Duel Disk, vermutlich als Normalbeschwörung. Vor ihm tauchte eine mit Teer überzogene, humanoide Gestalt auf, die einen pechschwarzen Schleier trug und sich rückwärts beugte. Aus ihrem Abdomen wuchsen sechs Knochenarme, die gen Himmel gerichtet waren und der ganzen Kreatur eine bedrückende Note der Verzweiflung verliehen.

      ??? [ATK/1900 DEF/500 (4)]

      Allerdings löste die Kreatur sich zusammen mit ihrem spinnenartigen, seelentauschenden Artgenossen unter einem klagenden Schrei plötzlich in schwarze Lichtpartikel auf, welche vom Deck ihres Besitzers absorbiert wurden. Aus diesem schoben sich dann zwei Karten. Nick erkannte eine weitere Kopie des Ritualzaubers und dazu ein blau umrandetes Monster.
      „Runde 4 … was kommt diesmal, ein Matschgolem?“, fragte er zynisch.
      Er sollte es schnell herausfinden, denn sein Gegenüber aktivierte den Ritualzauber und ließ den Schlund voller Spiegel vor sich erscheinen. Dieser absorbierte das violette Licht, das vom Friedhof ausgesendet wurde, als der Kuttenträger sein Stufe 8-Ritualsubstitut wieder einmal von dort verbannte.
      Dem Abgrund entstieg eine geflügelte Gestalt, einem Drachen nicht unähnlich, wie alle Monster dieser Art pechschwarz. Zwischen seinen knorrigen Schwingen befand sich nichts außer dichtem, weißem Nebel.

      ??? [ATK/2500 DEF/2300 (8)]

      Der Unbekannte streckte den Arm aus: sogleich kehrte das verbannte Stufe 8-Monster auf seinen Friedhof und der Nebel durchzog binnen Sekunden die gesamte Lagerhalle. Nick verspürte aus dem Nichts einen Stich in seiner Hand und als der Nebel sich verzog, war seine letzte Handkarte verschwunden. Dafür umkreisten nun drei violette Sphären die dauerhafte Zauberkarte auf der Spielfeldseite seines Gegners.

      ??? [???-Zählmarken: 2 → 3]

      „Ich hätte mehr erwartet“, spottete Nick, „diese Karte habe ich ohnehin nicht gebraucht.“
      Sein Gegenüber aber hielt den Arm weiterhin ausgestreckt und lenkte ihn lediglich herüber zu dem Teerkäfer samt dessen riesigem Behälter mit der schwarzen Flüssigkeit darin. Sein verbanntes Ritualzauber-Recycling-Monster mit den 1750 Angriffspunkten stieg als holographische Version seiner Karte auf und verschwand in seinem Friedhofsschlitz.
      Daraufhin beugte sich der Käfer über und vergoss einen Teil seiner Ladung, die wie ein Schatten über den Boden schlich, kurz Nicks Zenmaister umschlängelte, kurzschloss und in die Verteidigungsposition zwang, ehe es zum geflügelten Ungetüm sprang und in dessen Maul verschwand.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/2200 DEF/1500 {4} OLU: 1]
      ??? [ATK/2500 → 3000 DEF/2300 (8)]
      ??? [???-Zählmarken: 3 → 4]

      Gleichzeitig war um die dauerhafte Zauberkarte eine vierte Lichtsphäre dazugekommen, die bedrohlich mit den anderen wie ein Bienenschwarm um die Karte zog. Nick schwante Böses.
      So streckte sein Gegner nun den Zeigefinger aus und deutete auf das Monster des zerzausten jungen Mannes. Die geflügelte Teerkreatur öffnete ihr Maul und stieß eine dichte, weiße Nebelwolke in Richtung des lahmgelegten Zenmaisters aus.
      „Du bist ein Idiot“, grinste Nick, „es war ein Fehler, seine Position zu wechseln!“
      Natürlich war es im ersten Moment ein logischer Schritt, schließlich war der Durchschlagschaden das Ziel seines Gegners. Aber hatte jener vergessen, dass Zenmaister besessen war und den Kampfschaden zurück geleitet hätte, wenn er einfach mit dem Seelenräuber angegriffen hätte? Oder funktionierte das in diesem Fall nicht? So oder so, er würde nicht nur den Schaden abfangen, sondern einen zweiten Angriff sponsored by weird Spellcard aufhalten!
      „Falle aktivieren! [Overwind]! Sie verdoppelt die Werte meines Monsters, schickt es aber während der End Phase ins Extradeck zurück.“
      Der Aufziehschlüssel auf dem Rücken seines Monsters begann sich derart rapide zu drehen, dass schon Rauch aus allen Öffnungen Zenmaisters aufstieg, welcher sich noch einmal aufrappelte und den Nebelstrahl mit gekreuzten Armen abwehrte.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/2200 → 4400 DEF/1500 → 3000 {4} OLU: 1]

      „Kein Schaden!“, jubelte Nick. „Und lass mich raten? Da du mein Monster nicht zerstören konntest, darfst du auch nicht noch einmal angreifen, richtig?“
      Sein Blick fiel dabei auf [Wind-Up Rat], die ihm mit ihrer niedrigen Verteidigung das Genick brechen würde, wenn er sich irrte.
      Da sein Gegner aber keine Regung zeigte und auch keinen neuen Angriff befahl, ging Nick davon aus, im Recht zu sein. Trotzdem stand ihm der Schweiß auf der Stirn, denn so einem derart schwierigen Gegner hatte er noch nie gegenüber gestanden.
      Zu seinem Erstaunen löste sich sein Roboter plötzlich in leuchtende Partikel auf, während das geflügelte Ungetüm die schwarze Flüssigkeit zurück in den Behälter des Käfers spuckte. Der Zug war also beendet, ohne dass sein Gegner eine Karte setzte?

      ??? [ATK/3000 → 2500 DEF/2300 (8)]

      Sofort griff Nick nach seinem Deck, hielt aber inne, als ihm mit einem Schlag etwas klar wurde. Sein Mund öffnete sich langsam, doch kam kein Ton daraus hervor. Dann ballte er eine Faust.
      Er konnte gar nicht gewinnen. Die Lage war aussichtslos für ihn. Seine Ressourcen waren verbraucht und egal was er zog, er würde niemals beide Monster loswerden können. Die Verteidigung dieses Teerinsekts war einfach zu hoch. Und es würde nur dafür sorgen, dass er nächste Runde wieder durchschlagenden Kampfschaden erleiden würde. Sein Gegner besaß noch eine Handkarte und war sicherlich in der Lage, wieder ein Ritualmonster zu beschwören.

      Als Nick das erkannte, ließ er die Arme kraftlos sinken. Wie hatte er das all die Zeit übersehen können, ausgerechnet er!? Diesen Kampf darum, wer länger mit seinen Ressourcen zurecht kam, ein Kampf, den er nur hatte verlieren können, weil er nicht seinem Duellstil entsprach. Er war am Ende seines Lateins.
      „Gut gemacht“, murmelte er abwesend, „wirklich gut.“
      Er schritt auf die zerschmolzene Jacke zu, die vor ihm lag. Und trotz der Säure nahm er sie in die Hand, verätzte sich und holte dort sein auf den ersten Blick unmodern wirkendes Handy hervor, das zum Glück nur am Gehäuse etwas Schaden genommen hatte.
      „Ich werde jetzt einen Anruf tätigen“, sagte er, „mich verabschieden.“
      Ohne eine Reaktion zu erwarten, wählte er eine Nummer und legte den Apparat ans Ohr. Seine Hand war rot und voller Blasen. Dabei sah er seinen Gegner entschlossen an. „Hi Mum. Du weißt schon, Farewell. Episode 911.“
      Mehr sagte Nick nicht und legte wieder auf.
      Dann griff er nach seinem Deck. „Tut mir leid, aber das musste sein. Draw.“
      Völlig gelassen zog er seine Karte. Dann streckte er den Arm aus. „Ich wechsle [Wind-Up Rat] in den Angriffsmodus und aktiviere ihren Effekt. Da sie kurzzeitig verdeckt lag und somit ihr Effekt zurückgesetzt wurde, kann ich nun erneut ein Wind-Up von meinem Friedhof beschwören. Erscheine, [Wind-Up Hunter], welchen du eben durch den Effekt deines Monsters hast abwerfen lassen! Dazu erschaffe ich das Overlay Network!“
      Die Maus drehte sich wild im Kreis, dann verwandelte sie sich schon anlässlich des sich öffnenden Schwarzen Lochs in einen braunen Energiestrahl. Das andere Spielzeug erschien gar nicht erst, sondern stieg gleich als violetter Strahl aus dem Boden auf und wurde ebenfalls verschluckt.
      „Aus meinen beiden Stufe 3-Monstern wird ein Rang 3-Monster! Xyz Summon! Erscheine, [Wind-Up Carrier Zenmaity]!“
      Aus dem Wirbel tauchte ein längliches Spielzeugschiff auf, das größer als alles war, was Nick zu bieten hatte. Um genau zu sein war es ein Flugzeugträger, nur dass dort verschiedene Wind-Up-Monster in Reihe an Deck standen. Zwei Lichtkugeln umkreisten das gewaltige Boot.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      Das Handy fest in der Hand umklammert, streckte er den Arm aus. „Indem ich einmal pro Zug ein Xyz-Material abhänge, kann ich direkt ein Spielzeug vom Deck aufs Feld beschwören! [Wind-Up Kitten]!“
      Der Flugzeugträger schoss eine kleine, goldene Spielzeugkatze in Richtung des Teerkäfers ab, welche in der Luft wild mit ihren Gliedmaßen fuchtelte. Dabei drehte sich auf ihrem Rücken ihr Aufziehschlüssel.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2 → 1]
      Wind-Up Kitten [ATK/800 DEF/500 (2)]

      „Diese kleine Mieze kann nur einmal, solange sie offen liegt, eines deiner Monster zurück auf die Hand geben. Damit ist dein 'Tank' Geschichte!“, verlautete Nick, als Kitten in ebenjenen Teerkäfer krachte und dafür sorgte, dass dieser sich in Luft auflöste.
      Damit stand er jetzt nur noch dem geflügelten Etwas gegenüber, das aber stärker als seine beiden Monster war. In der einen, herabhängenden Hand das Handy haltend, zeigte Nick seine verbliebene Handkarte vor und drückte klammheimlich den Abnehmen-Knopf seines Mobiltelefons.
      „Diese Karte nennt sich [Generation Force].“ Nick verzog plötzlich die Augen, setzte eine grimmige Miene auf. „Damit übernehme ich für einen Zug die Kontrolle über dein Monster. Komm her!“
      Die Kreatur schwang sich herüber zu Nick und bezog über ihm Stellung.
      Nick schnaubte, weil sein Gegner keine Reaktion zeigte und nur die Ritualmonster-Karte herüber warf, die er zwischen den Fingern auffing. Wusste er es nicht besser? Dass Nick gerade alles auf den Kopf stellte, die AFC-Server veralberte und einen völlig anderen Effekt ausgelöst hatte als auf der Karte stand? Den von [Change Of Hearts], einer der wenigen verbotenen Karten Duel Monsters.
      Leise murmelte er: „Wenn es ums Überleben geht, hat jeder seine eigenen Methoden. Und wer kann, der wird. Ich kann. Also nimm's mir nicht übel, aber ich lebe lieber und verzichte dafür auf Ehre und Gewissen! Los meine Monster, gemeinsamer direkter Angriff!“
      Während sein Flugzeugträger Raketen auf den Feind abfeuerte, stieß die geflügelte Kreatur einen weißen Odem aus. Beide erfassten gleichzeitig die verhüllte Figur und sorgten mit einer Explosion dafür, dass jene im hohen Bogen durch die Luft geschleudert wurde. Dabei lockerte sich die Kapuze und verlor gänzlich den Halt. Und Nick stockte der Atem.

      [Nick: 600LP / ???: 3900LP → 0LP]

      Schwarzes Haar peitsche um ihr Gesicht, als die Gestalt sich mitten in der Luft fing, eine Rückwärtsdrehung machte und auf beiden Beinen in kniender Haltung landete. Rehbraune Augen starrten Nick ausdruckslos an. Ein bekanntes Gesicht. Valerie Redfield.
      Ehe Nick auch nur begriff, mit wem er es zu tun hatte, machte diese noch einen Sprung zurück und verschwand in einem schwarzen Portal, das sich hinter ihr geöffnet hatte und sogleich wieder schloss.
      Und Nick war plötzlich alleine in der Lagerhalle, die Hologramme verschwanden.

      „Valerie“, stammelte Nick fassungslos. „Warum ausgerechnet-!?“
      Er sah auf seine Duel Disk und betrachtete das Ritualmonster, das auf dieser lag. Nun konnte er endlich den Namen lesen. „[Ateritus Mist]. Ater … böse.“
      Jetzt wurde ihm klar, woher er diesen Erzählstil der Artworks und die Funktionsweise des Decks kannte: Valeries Gishkis!
      Nick sank in die Knie. Niemals hätte er erwartet, dass Valerie seine Feindin wäre. Nein, viel eher glaubte er, dass sie Anyas Feindin war. Was einerseits Sinn ergab, hatte sie schon in der Vergangenheit Anyas Pläne torpediert und sie sogar angegriffen. Aber dass sie so weit gehen würde!
      Bloß woher hatte sie diese Kräfte? Durch einen Pakt? Oder steckte sie mit jemandem unter einer Decke? Wer würde … der Sammler! Natürlich!
      Die Falle galt ihm, weil er zu viel wusste! Wusste, dass der Sammler höchstwahrscheinlich der 'wahre Feind' war. Also schickte er Valerie, die ohnehin gegen Anyas Vorhaben war, um ihn zu beseitigen. Welche Lügen er ihr auch immer erzählt haben mochte. Es gab nur einen Weg, Klarheit zu schaffen.

      Nick raffte sich auf und betrachtete die Karte.
      Valerie wollte laut eigener Aussage noch bis Ende der Woche in Livington bleiben, angeblich um sich von dem Schock der ruinierten Hochzeit zu erholen. Plötzlich sah Nick das alles in einem ganz anderen Licht. So konnte Valerie insgeheim die Order des Sammlers ausführen. Vermutlich hatte sie sich zurückgezogen, um ihre Wunden zu lecken. Dann würde er ihr einen netten Empfang bereiten!

      -~-~-

      Keuchend stand Nick vor den Toren des Redfield-Anwesens. Vor ihm erstreckte sich hinter den Gittern ein riesiger Garten, der seit seinem letzten Besuch vergangenen Herbst um einige farbenprächtige Blumensorten erweitert worden war. Dahinter erhob sich die weiße Villa, deren Vorbild nur das Weiße Haus gewesen sein konnte.

      Notdürftig hatte er seine Hand mit Bandagen versorgt und sich umgezogen, trug jetzt Jeans und ein weißes, zerknittertes Hemd.
      Im Blick des jungen Mannes stand eine unheimliche Entschlossenheit geschrieben, die etwas Gefährliches barg. Wenn Valerie Redfield sein Feind war und ihn ausschalten wollte, würde er ihr zuvor kommen. Nichts anderes sollte dieses Funkeln in seinen Augen ausdrücken.
      Nicks Hand glitt in seine Hosentasche und holte das Handy hervor. Zwei Knopfdrücke später und das Tor zog sich automatisch nach links zurück, ohne dass im Haus jemand dazu die Genehmigung gegeben hatte.
      Der brünette junge Mann schlenderte gelassen den Kiesweg geradeaus entlang auf die Villa zu, sah dabei zur linken Seite, wo ein Weg um das Anwesen herumführte. Dort befand sich die pompöse Garage, deren Fuhrwerk aus mehreren sündhaft teuren Wagen und einer blauen Yamaha bestand, die direkt vor einem der insgesamt drei Toren stand. Dementsprechend war es sehr wahrscheinlich, dass Valerie hier war, gehörte schließlich ihr das Motorrad.

      Seelenruhig schritt Nick herüber zur weiß gestrichenen Haustür aus Holz. Ohne Schlüssel kam er dort nicht rein, doch auch hier spielte ihm der Fortschritt des 21. Jahrhunderts in die Hände. Eine Familie wie die Redfields vertraute auf allen möglichen technischen Schnickschnack, um sich vor dem ungeliebten Pöbel zu schützen. Dazu gehörte auch ein elektronisches Schloss samt Alarmanlage, die Nick kurzerhand mit einem weiteren Knopfdruck seines Handys lahmlegte.
      Dieses Haus gehörte jetzt ihm.
      Einfach mit der Hand die Tür aufstoßend, verschaffte er sich Einlass in den eher bescheiden eingerichteten Flur. Von innen wirkte das Haus gleich ganz anders, viel rustikaler und gemütlicher, nicht so pompös wie von außen. Und dunkel.

      Von weiter vorne drang lautes Gerede an Nicks Ohr. Er schlich sich zum Wohnzimmer, wo er Marc entdeckte, der auf der halbmondförmigen Couch saß und sich auf dem Flachbildfernseher gerade ein Football-Spiel laut mitgrölend ansah.
      Umso besser, war der wenigstens abgelenkt und würde sich nicht einmischen.
      Nick drehte sich wieder um und ging auf leisen Sohlen zur Treppe, die er nahm, um sich schließlich nach einigem Suchen vor der Tür von Valeries Zimmer wiederzufinden. Sie war geschlossen.
      Sollte er das wirklich tun? Nick kamen Zweifel. Er hatte 'so etwas' noch nie getan und wusste nicht, ob er wirklich das Zeug dazu besaß. Solche Dinge regelte im Normalfall Anya. Aber die war nicht hier und ahnte nichts vom Verrat ihrer Erzrivalin. Und Nick war nicht gewillt zu warten, bis sie zurück war. Er musste die Sache selbst klären.

      Zögerlich umschloss seine Hand die Klinke und drückte sie behutsam herunter. Ob sie ihn schon bemerkt hatte? Wer wusste schon, über welche Fähigkeiten sie noch verfügte.
      Langsam öffnete Nick die Tür und sah in das Zimmer. Tatsächlich, da saß sie, an ihrem Schreibtisch und verfasste offenbar einen Brief. Für den Sammler? Oder eine weitere Falle, für wen auch immer?
      Nick schlich sich vorsichtig hinein und setzte einen Fuß vor den anderen. Der Lärm unten kam ihm dabei zugute, so würde Valerie ihn womöglich erst hören, wenn es schon längst zu spät war. Beim Anschleichen fiel ihm auf, wie bescheiden auch Valeries Zimmer eingerichtet war. Ziemlich klein erschien es für so eine große Villa, kaum größer als das von Anya. Nie würde jemand auf die Idee kommen, dass hier ein stinkreiches Mädchen wohnte. Beziehungsweise vor Kurzem noch gewohnt hatte.

      Schließlich hatte Nick sie erreicht, stand direkt hinter der Schwarzhaarigen, die ihn offenbar nicht bemerkt hatte. In seinen Augen breitete sich ein bitterböses Funkeln aus.
      Er legte seine Hände vorsichtig über ihre Augen.
      Valerie kicherte vergnügt, nichts ahnend. „Marc, lass das, ich muss den noch fertig kriegen. Mutter-“
      „Oh“, hauchte er in ihr Ohr, „ich glaube, das kann warten.“
      Damit riss er sie herum und drückte das vollkommen aus dem Konzept gebrachte Mädchen brutal gegen ihren Schreibtisch.
      „Nick!?“, keuchte sie. „Was machst-!? Was soll das!?“
      „Ich stelle jetzt die Fragen“, zischte er und verlagerte sein Gewicht so, dass sie ihm nicht so einfach entfleuchen konnte. Für Außenstehende musste der Anblick der beiden eine sehr eindeutige, widerwärtige Absicht Nicks ausdrücken, auch wenn dem nicht so war.
      „Lass mich los!“, forderte Valerie lautstark.
      „Wer hat dir gesagt, du sollst mich umbringen!? Sag es!“
      „Ich weiß nicht, wovon du redest!“
      Nick erhöhte seinen Druck auf ihre Schultern, spürte anhand ihres aufzuckenden Körpers, dass ihr das weh tun musst-

      Ein infernaler Schmerz breitete sich in seiner Lendengegend aus. Nick krümmte sich zwangsweise, ließ nur kurz von Valerie ab, sodass diese ihn kurzerhand am Arm packen und ihm diesen auf den Rücken drehen konnte.
      „Marc!“, schrie sie mit aller Kraft. „Komm, ich brauche Hilfe! Schnell!“
      Obwohl Nick versuchte sich zu befreien, fügte er sich mit jeder Bewegung nur mehr Leid zu, da Valerie nicht weniger zimperlich war als er.
      „Du hast zehn Sekunden mir zu erklären“, flüsterte sie und wurde schlagartig sehr laut, „was du hier machst!“
      „Tu doch nicht so, du wolltest mich tot sehen!“, erwiderte er zornig, hörte nebenbei, wie jemand mit polternden Schritten die Treppe hoch eilte.
      Sie gab ihm einen Stoß und rammte ihn gegen den Schreibtisch, sein Gesicht wurde auf das Kiefernholz gedrückt. „Warum sagst du so etwas? Warum sollte ich!?“
      Keuchend presste er hervor: „Sag du es mir doch!“

      Im gleichen Augenblick kam Marc hereingeschneit, der beim Anblick seiner mit Nick ringenden Verlobten kurz die Sprache verlor. Dann aber wurde auch er äußerst ungehalten. „Was hat der hier zu suchen!?“
      „Er sagt, ich hätte versucht ihn umzubringen!“
      „So ein Schwachsinn, du warst die ganze Zeit hier!“
      Nick funkelte über den Schreibtisch herüber Marc an. „Das würde ich an deiner Stelle auch sagen. Wieso sollte ich gerade dir glauben? Du bist doch der Erste gewesen, der solche krummen Dinger-“
      Sofort stürmte Marc auf ihn zu, sodass Valerie gezwungenermaßen von Nick ablassen musste, um Schlimmeres zu verhindern. Trotzdem beugte der schwarzhaarige, kernige Mann sich über ihren ausgestreckten Arm und hielt Nick den Zeigefinger unter die Nase. „Vorsicht Freundchen!“

      Nick, der endlich frei war, richtete sich sofort auf und wich zurück, stieß dabei gegen eins von Valeries Bücherregalen.
      Er musste sich eingestehen, dass er körperlich gesprochen leider schlechte Karten hatte. Das war eben das Manko eines Meisterhackers – keine Zeit für die Muckibude. Er schüttelte die Gelenke, sich darauf vorbereitend, trotzdem kämpfen zu müssen.

      Valerie, die ihr Haar offen trug, stellte sich zwischen die beiden und funkelte Nick mit einer Missbilligung an, die selbst Anya hätte vor Neid erblassen lassen.
      „Nick“, begann sie scharf, „was immer du gesehen hast, ich war es nicht! Das solltest du wohl am besten wissen!“
      „Ich weiß was ich gesehen habe!“, verharrte er beharrlich auf seinen Standpunkt.
      „Und ich weiß, dass du gleich für lange Zeit nichts mehr sehen wirst-!“
      Wieder musste Marc von seiner Freundin gezügelt werden, damit er dem hageren Zwei-Meter-Mann nicht den Hals umdrehte.
      „Ich habe einen Beweis!“, fauchte Nick unbeirrt zurück und zückte kurzerhand die [Ateritus Mist]-Karte aus seiner Hosentasche.
      Zwar riss Valerie sie ihm aus der Hand, doch gab sie binnen weniger Sekunden zurück. „Solche Monster spiele ich nicht und das weißt du!“
      Nick wollte sofort widersprechen, sah jedoch ein, dass sein Argument keines war. Natürlich hätte sie ein anderes Deck für diese Aktion verwenden können, aber wie wollte er ihr das nachweisen?

      „Vielleicht hast du etwas gesehen, was wie ich aussah, aber nicht ich war“, versuchte Valerie trotz ihrer eigenen Wut objektiv zu bleiben, „erzähl uns genau passiert ist. Dann sehen wir weiter.“
      Nick funkelte die beiden böse an. „Also schön …“
      Was Nick dann auch tat. Und es half ihm, sein eigenes Temperament ein wenig in den Griff zu bekommen, denn je mehr er berichtete, desto klarer wurde ihm, dass die Valerie vor ihm vielleicht gar nicht so Unrecht haben könnte.

      „Aber wenn du es nicht warst“, meinte Nick schließlich und lehnte sich mit verschränkten Armen an ihren Schreibtisch, „wer dann? Oder eher was?“
      Marc war immer noch hochrot vor Wut aufgrund von Nicks Beschuldigungen. „Was spielt das für eine Rolle? Hast du eine Ahnung, was du eben tun wolltest!?“
      „Es tut mir leid, okay!?“
      Um ehrlich zu sein, nein, hatte Nick nicht. Er wusste ja nicht einmal, was er mit Valerie angestellt hätte, wenn sie geständig gewesen wäre. Was ihm ein wenig Angst vor sich selbst einflößte und schmerzhaft bewusst werden ließ, dass er sich nicht zu solchen Affekttaten hinreißen lassen durfte.
      „Wer könnte ein Interesse daran haben, meine Gestalt anzunehmen?“, fragte Valerie, ohne eine Antwort auf Marcs Frage abzuwarten. Sie stand noch immer vor ihm, was Nick in diesem Moment erst richtig zu schätzen lernte. Marc hätte ihn längst zu Brei geschlagen, jede Wette.
      „Praktisch jeder, der Anya scheitern sehen will“, antwortete Nick, „also allen voran Kali. Sie will Rache, wofür auch immer und hat auch den Brief signiert. Aber ich glaube, jemand benutzt sie nur als Sündenbock. Eher denke ich-“
      „Fragen wir mal anders“, schnitt Marc ihm das Wort ab, wenn auch in einem etwas ruhigerem Tonfall als zuvor, „wer könnte überhaupt Vals Gestalt annehmen?“
      „Der Sammler.“
      „Exakt“, konnte Nick seinen Hauptverdächtigen endlich benennen, „der Sammler. Und er hat gute Gründe, mir an die Gurgel zu wollen. Denke ich jedenfalls.“
      Plötzlich ließ Valerie die Arme sinken, sah mit einem Mal ziemlich erschrocken aus. Sie drehte sich zu Marc um. „Er hat meinen Namen.“
      „Das heißt?“, fragte Nick.

      Kurz darauf erklärte sie ihm, wie sie Marc durch einen Handel mit dem Collector zurück ins Leben gerufen hatte. Und dass ihr Preis dafür ihr Name gewesen war, durch den der Sammler Informationen sammeln konnte.
      Nick hing am Ende die Kinnlade hinunter. Er fasste sich an die Stirn und lachte leise, dann immer lauter. „Natürlich … was für ein perfider Plan. Darauf hätte ich kommen müssen.“
      „Worauf hättest du kommen müssen?“, fragte Valerie irritiert.
      „Tut mir leid, ich muss los“, meinte Nick plötzlich kurz angebunden und schnellte an ihr vorbei. Jedoch stieß Marc ihn mit der Hand zurück.
      „Du gehst nirgendwo hin! Wir holen die Cops!“
      „Tu das, aber bitte warte damit noch wenigstens, bis ich mehr herausgefunden habe, okay?“
      Valerie nickte zögerlich. „Wir werden es uns überlegen.“
      „Es tut mir leid, dass ich euch zu Unrecht verdächtigt habe“, gab Nick aufrichtig, aber gleichzeitig auch nicht sehr überzeugend klingend aufgrund seiner Eile von sich. Es half auch nicht, dass er unruhig zur Tür blickte. „Solange ich mir nicht sicher bin, was das alles sollte, ist es das Beste, wenn ihr nicht mehr wisst.“
      Damit war Valerie hingegen nicht einverstanden, wild gestikulierte sie mit den Händen. „So lasse ich mich aber nicht abspeisen. Nicht, nachdem du mich in meinem eigenen Haus angegriffen hast. Was hat das alles zu bedeuten!?“

      Er konnte es ihnen nicht sagen.
      Dass der Sammler hinter dem Mordversuch steckte. Denn der schien tatsächlich bestens darüber Bescheid zu wissen, dass Nick ihm auf die Schliche gekommen war und versuchte nun sofort, ihn mit allen Mitteln loszuwerden. Der 'wahre Feind', der sich Valeries Namen bediente, um damit offenbar eine Art Double zu erschaffen, welches er für seine Zwecke verwenden konnte. Zum Beispiel ungeliebte Mitwisser zu beseitigen, um dann dieser Kali die Schuld in die Schuhe zu schieben.
      Wer wusste schon, was er noch alles mit diesem Klon anzustellen vermochte!?
      Aber wenn Nick den beiden dies anvertraute, besonders da Valerie unter permanenter Beobachtung stehen könnte, würde er sie zu Mitwissern machen. Den nächsten auf der Todesliste des Sammlers. Und das konnte er nicht verantworten.

      „Nein, Valerie“, widersprach Nick scharf, „das hat nichts mit dir zu tun.“
      „Und ob es das hat!“
      Plötzlich trat er so rasch auf sie zu, dass selbst die taffe Valerie vor Schreck gegen ihren Schreibtisch stieß.
      „Du willst nur glücklich sein, nicht wahr?“, fragte Nick leise, während er von ihr abließ. „Wenn dir an diesem Wunsch etwas liegt, dann stell keine Fragen, die dafür sorgen könnten, dass du für immer unglücklich wirst.“
      Er konnte ihrer entgeisterten Mimik entnehmen, dass ihr schlichtweg die Worte fehlten. Und Nick nutzte den Moment aus, als Marc seiner Verlobten entgegen kam und sie ihn den Arm nehmen wollte.
      So stahl er sich an ihnen vorbei. „Tut mir leid, dass ich euch so viel Ärger gemacht habe …“
      Ehe sie reagieren konnten, flitzte er aus dem Zimmer und rannte die Treppen zum Erdgeschoss hinunter, unsicher, was er von nun an tun sollte. Der Sammler wollte ihn tot sehen und das war sicher nicht sein letztes Attentat auf ihn. Er musste also einen Weg finden, sich gegen den nächsten Angriff zu wehren, egal was es ihn kostete …


      Turn 52 – Demise
      Nachdem Anya zurück in Livingon ist und es schon zu lange hinausgezögert hat, verabredet sie sich schließlich mit Logan, um endlich ein Freundschaftsspiel gegen ihn auszutragen. Nick, der zusieht, erhält überraschend einen Anruf, der dunkle Erinnerungen weckt und ihn dazu zwingt, sich seiner Vergangenheit in Form eines ihm alten Bekannten zu stellen …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick

      Wind-Up Juggler
      Wind-Up Knight
      Wind-Up Soldier
      Wind-Up Magician
      Wind-Up Rat
      Wind-Up Hunter
      Wind-Up Dog
      Wind-Up Kitten
      Wind-Up Honeybee

      Generation Force
      Pot Of Avarice

      Zenmairch
      Zenmailstrom
      Overwind
      Xyz Reborn

      Wind-Up Arsenal Zenmaioh
      Wind-Up Zenmaister
      Wind-Up Carrier Zenmaity

      ???

      Ateritus Sorrow
      Aqua/Finsternis
      ATK/1000 DEF/800 (4)
      FLIPP: Schicke 1 "Ateritus"-Monster von deinem Deck auf den Friedhof.

      Ateritus Grief
      Aqua/Finsternis
      ATK/1750 DEF/1000 (4)
      Du kannst diese Karte von deinem Friedhof verbannen, um 1 "Ateritus Lament Mirror" von deinem Friedhof deiner Hand zuzufügen.

      Ateritus Hate
      Aqua/Finsternis
      ATK/0 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte beschworen wird, während du 1 offenes "Ateritus"-Ritualmonster kontrollierst: wähle 1 offenes Monster deines Gegners als Ziel; vertausche den Effekt und die Grund-ATK und DEF dieser Karte mit dem Ziel. Wenn das Ziel als Material für eine Fusions-, Ritual-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung oder als Tribut für eine Tributbeschwörung benutzt wird, wird jeder Kampfschaden, den das dadurch beschworene Monster durch einen von deinem Gegner deklarierten Angriff zufügt auch deinem Gegner zugefügt.

      Ateritus Victim
      Aqua/Finsternis
      ATK/1900 DEF/500 (4)
      Du kannst diese offene Karte und 1 anderes offenes "Ateritus"-Monster auf deiner Spielfeldseite als Tribut anbieten: füge deiner Hand 1 "Ateritus Lament Mirror" und 1 "Ateritus"-Ritualmonster von deinem Deck deiner Hand hinzu.

      Ateritus Morpho
      Aqua/Finsternis
      ATK/1300 DEF/2500 (8)
      Wenn du 1 "Ateritus"-Ritualmonster als Ritualbeschwörung beschwören würdest, kannst du diese Karte von deinem Friedhof verbannen, um die Kosten für die Ritualbeschwörung zu zahlen.

      Ateritus Moisture
      Aqua/Finsternis/Ritual
      ATK/2600 DEF/2400 (8)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss erst als Ritualbeschwörung beschworen werden. Du kannst diese Karte mit jeder "Ateritus"-Ritualzauberkarte als Ritualbeschwörung beschwören. Indem du 1 verbanntes "Ateritus"-Monster auf den Friedhof legst: wähle 1 offenes Monster als Ziel; der Effekt des Ziels wird negiert und seine ATK und DEF halbiert. Diese Änderungen halten bis zur End Phase an.

      Ateritus Acid
      Aqua/Finsternis/Ritual
      ATK/2400 DEF/1800 (8)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss erst als Ritualbeschwörung beschworen werden. Du kannst diese Karte mit jeder "Ateritus"-Ritualzauberkarte als Ritualbeschwörung beschwören. Einmal pro Zug, indem du 1 verbanntes "Ateritus"-Monster auf den Friedhof legst: wähle 1 gesetzte Karte als Ziel; zerstöre sie.

      Ateritus Blackwater
      Aqua/Finsternis/Ritual
      ATK/0 DEF/3000 (8)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss erst als Ritualbeschwörung beschworen werden. Du kannst diese Karte mit jeder "Ateritus"-Ritualzauberkarte als Ritualbeschwörung beschwören. Indem du 1 verbanntes "Ateritus"-Monster auf den Friedhof legst: wechsle alle Monster deines Gegners in Angriffsposition in offene Verteidigungsposition; erhöhe die ATK aller anderen offenen "Ateritus"-Monster für jedes von diesem Effekt betroffene Monster deines Gegners um 500. Von diesem Effekt betroffene "Ateritus"-Monster fügen durchschlagenden Kampfschaden zu. Diese Effekte halten bis zur End Phase an. Einmal pro Zug, wenn diese offene Karte durch einen Karteneffekt zerstört werden würde, wird sie nicht zerstört.

      Ateritus Mist
      Aqua/Finsternis/Ritual
      ATK/2500 DEF/2300 (8)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss erst als Ritualbeschwörung beschworen werden. Du kannst diese Karte mit jeder "Ateritus"-Ritualzauberkarte als Ritualbeschwörung beschwören. Indem du 1 verbanntes "Ateritus"-Monster auf den Friedhof legst: dein Gegner wirft eine Handkarte ab. Du kannst den Effekt von "Ateritus Mist" nur einmal pro Zug aktivieren.

      Ateritus Lament Mirror (2x)
      Zauber/Ritual
      Diese Karte kann verwendet werden, um ein beliebiges "Ateritus"-Ritualmonster als Ritualbeschwörung zu beschwören. Du musst zusätzlich Monster vom Spielfeld oder deiner Hand als Tribut anbieten, deren gemeinsame Stufe der Stufe des Ritualmonsters entspricht, das du als Ritualbeschwörung beschwörst.

      Transcending Ateritus
      Zauber/Dauerhaft
      Wenn ein "Ateritus"-Ritualmonster ein Monster durch Kampf zerstört: es kann noch einmal angreifen. Wenn es durch diesen Effekt noch einmal angreift und Kampfschaden zufügt, wird dieser zur Anzahl der Lament-Zählmarken auf dieser Karte x 300. Wenn ein verbanntes "Ateritus"-Monster auf den Friedhof gelegt wird: lege 1 Lament-Zählmarke auf diese Karte.

      Lament Mirror Resonance
      Falle/Normal
      Zeige 1 "Ateritus Lament Mirror" von deiner Hand vor; füge 1 "Ateritus"-Ritualmonster von deinem Deck deiner Hand hinzu.


      Über Anregungen und Kommentare würde ich mich wie immer freuen. ^^
      So, um zu beweisen, dass ich immer noch da bin und immer noch gerne Feedback gebe, melde ich mich mal wieder zu Wort, auch wenn ich nur ein Kapitel weiter bin als beim letzten Mal. (Ja, ich bin tatsächlich so langsam, bzw. brauche so lang, um wieder mit dem Lesen anzufangen.)

      Wie auch immer, zu meinem letzten Kommentar:
      Spoiler anzeigen
      Was die Ultimania angeht, so habe ich auch nur einen Gedanken zu den Figuren gelesen und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass ich es lieber bleiben lasse. Generell komme ich aber gut mit Spoilern klar und sie beinträchtigen mein Vergnügen beim Weiterlesen kaum bis gar nicht. (Was wohl auch der Grund ist, warum die Spoiler bei mir und meiner Geschichte relativ locker sitzen, aber das ist eine andere Sache.)

      Zu der Sache mit den Scheidungen: Ja, es gibt eine Menge Psychopathen und noch viel mehr Scheidungskinder, logischerweise gibt es da auch eine gewisse Schnittmenge. In Frage gestellt habe ich, ob zwischen diesen beiden Eigenschaften auch ein direkter Zusammenhang besteht. Eine Scheidung als alleinige Ursache für so eine schwere Störung halte ich für unglaubwürdig.


      Zu Kapitel 15:
      Spoiler anzeigen
      War eher ein Filler, aber ein guter. Statt dich auf epische Dämonen-Action zu konzentrieren, stehen die Figuren im Fokus, und das finde ich klasse. Es macht sich auch direkt bemerkbar. Ich finde es gut, dass du den Ausflug in Anyas Psyche fortsetzt. Du hast angekündigt, dass sie noch feindseliger wird. Das tritt auch ein, aber auf eine andere Weise als bisher. Bisher hatte ich den Eindruck, dass ihre Aggressionen für sie nur eine Art Unterhaltung waren und dass sie einfach aus Prinzip aggressiv war. Jetzt schottet sie sich ab und wenn ihr Kontakt zu anderen Menschen aufgezwungen wird, wird sie aggressiv um zu verhindern, dass die anderen zu ihr durchdringen. Sie kommt sich selbst nicht mehr menschlich vor, deshalb fühlt sie sich nicht dazu in der Lage, mit anderen Menschen Kontakt aufzubauen. Sie schließt sich in ihrer eigenen Welt ein, wodurch ihr die wahre Welt weniger wirklich vorkommt. Dadurch wird ihre Lage erträglicher. Vielleicht hattest du dies von Anfang an beabsichtigt, darzustellen, aber erst jetzt, wo sie sich schweigsam gibt, kommt es auch so rüber.
      Aber allein die Tatsache, dass es einem Leser wie mir möglich ist, so genaue Psychogramme deiner Figuren zu entwickeln, beweist dein unglaubliches Talent als Autor. Da finde ich es fast schade, dass Story und Charaktere (bisher) relativ simpel gehalten sind. Das hat irgendwie den Beigeschmack von verschenktem Potenzial. Und das finde ich immer schade. (Aus diesem Grund würde ich im Duell auch immer eher direkt meinen Zug beenden, bevor ich einen Gerümpelsynchronisierer ohne Ziel im Friedhof beschwöre...) Erst jetzt in Kapitel 13-15, wo endlich mal Anyas emotionale Seite (Also andere Emotionen als Wut) bedient wird, wird mir allmählich die ganze Qualität deiner Fanfic bewusst.

      btw, eine Figur, die dieses Mal besonders mein Interesse geweckt hat, war Nick. Ich habe diesem nie besonders viel Beachtung geschenkt. Er war immer nur der Volltrottel vom Dienst, manchmal lustig, wenn er durchblicken lässt, dass er in Anya verknallt ist, meist jedoch nur zum Kopfschütteln. So dämlich kann doch kein Mensch sein, habe ich immer gedacht. Und in diesem Kapitel lässt du durchblicken, dass er es vielleicht auch gar nicht ist. Manchmal verhält er sich auffällig ruhig und ernst. Das weckt in mir den Verdacht, dass er vielleicht die ganze Zeit über nur so tut als ob, um irgendjemandem hinters Licht zu führen. Ein bisschen wie Ray Shadows alias Vector in Zexal.

      Cool fand ich auch, dass Abby endlich mal Naturia Exterio ausspielt. Ich hatte schon darauf gewartet.

      Ich freu' mich schon aufs nächste Kapitel, die Preview ist vielversprechend. Mal sehen, ob du deinen Charakterintensiven Trend mit Valerie fortsetzt.

      So, das war's erstmal wieder. Ich hoffe, ich bekomme das nächste Kapitel schneller gelesen. Das schwierige ist der Anfang. Aber vielleicht fange ich heute Abend noch an, ich wollte nur, bevor ich mit TLA weitermache, erstmal ein wenig an Pfannkuchens FF weiter lesen. Wie auch immer, man sieht sich ;)

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      -Aska-

      Seh ich genauso. Deshalb bin ich bei vielen "Klischees" oft versucht, diese gegen alle Erwartungen zu durchbrechen. xD


      Folge

      Sehr interessante Entwicklungen, die sich in dieser Folge entfaltet haben.

      Die Situation, dass jemand etwas extrem Wichtiges herausfindet, aber kurz darauf von einem der Strippenzieher im Hintergrund eliminiert werden sollte kam mir direkt vertraut vor und war deshalb auch genau das, was ich erwartet hab. Gerade nach der vorherigen Folge musste man ja fast befürchtetn, dass du Nick ein ähnliches Schicksal wie Alastair erleiden lassen würdest, nur von anderer Seite. Aber auch so hatte das etwas den bitteren Beigeschmack gehabt, dass die Protagonisten in dem großen Ganzen praktisch nur ein Spielball der höheren Mächte sind. Und deshalb fragt man sich auch, wie die es gegen solche "Feinde" schaffen wollen, sich dauerhaft zu wehren. Andererseits ist das ja aus meiner Sicht eines deiner Kernmotive, das Ankämpfen gegen das eigene (von anderen) vorherbestimmte Schicksal.

      Dann mein Highlight, dass wir in dieser Folge nicht nur mit einer Valerie, nein, gleich mit zwei beglückt wurden. Gerade bei der "Dark Val" wie ich sie vorerst nennen werde, bin ich wirklich gespannt, was es mit ihr auf sich haben wird. Da gibt es noch so viele unklare Dinge, die die Pfade in verschiedene Richtungen vorantreiben könnten, dass sich bei mir die Spekulationen nur so häufen. Insbesondere oft diese Dark Va, die ja offensichtlich eine Art Klon/Doppelgänger der echten Val ist, über einen eigenen Willen verfügt oder lediglich eine stumpfe Marionette ist. Ersteres könnte natürlich irgendwann dazu führen, dass sie eigene Entscheidungen fällt und sich gegen ihren Herren stellt.
      Auch sehe ich später noch Potential darin, dass es zu Verwechslungen zwischen beiden Vals kommen könnte, eine Spur davon hat man ja schon in der Folge gesehen, da Nick diese Val für die echte Val gehalten hat.

      Damit erst einmal zur Dark Val. Da bin ich natürlich sehr gespannt, was es mit ihr auf sich haben wird. Ich hab ja an mehreren Stellen was zu ihr und dem Collector-Plot gesagt, wie ich das sehen würde und wo ich da Schwächen in Nicks Argumentation sehen täte. Aber für den Moment bleiben wir erst einmal bei der Variante. Andererseits ist das wohl wieder erst relevant, wenn die Doppelgänger Val sprechen lernt, sonst dürfte man die beiden nur aus der Ferne verwechseln können.
      Und lustig, für einen Moment hab ich beim Lesen an eine Art Matrix Szenario gedacht, mit Anya in der Rolle des Neo und die Dark Val in einer schier endlosen Zahl als Smith-Pendant. (Passend zu Anyas klassischen Feindbild von Val). Meh, beruhig dich, Phantasie xD

      Das Duell war sehr interessant geschrieben, Ungewöhnlich war hier natürlich dabei die stumme Duellantin sowie ein unbekanntes Deck, von dem man nur Stück für Stück während des Duellverlaufs die Einzelheiten erfährt. So erlebte man das Duell natürlich sehr aus Nicks Sicht, denn man erfuhr nur mehr, wenn er etwas beobachte und versuchte daraus entsprechende Rückschlüsse zu ziehen. Das war eine wirklich spannende Abwechslung zum Üblichen. Durch die detaillierten Beschreibungen behielt man auch ohne Namen den Überblick über die von D-Valerie verwendeten Karten. (Die Beschreibungen waren btw schön creepy und düster, aber das passt sehr gut zu eine an Valeries Deckthema angelehnte, dunkle Variante.)

      Gut gefallen hatte mir auch das Ende, als Nick erkannte, dass er da einen hoffnungslosen Kampf geführt hat, weil im direkten Vergleich sein Deck den ihrem darin unterlegen, was den langen Atem zu haben anging. Vielleicht aber zieht er daraus für sich die entsprechenden Züge und nimmt ein paar Änderungen an seinem Deck vor, um auch gegen solche Gegner zukünftig gewappnet zu sein.

      Der Hack am Ende unterstrich für mich schön seinen Charakter, dass er bereit ist skrupellos zu handeln, wenn es seinem Ziel (oder wie hier: seinem Überleben) hilft. Ebenso empfand ich es als stimmig, dass er bereits im Vorhinein für einen solchen Fall, sozusagen den Worst Case, vorgesorgt und ganzen entsprechenden Vorbereitungen dafür getroffen hatte

      Was die weitere Handlung angeht, hoff ich nach dieser Folge irgendwie stark, dass es irgendwann noch ein Duell zwischen Val und Val geben wird oder so. Das wäre bestimmt ein Highlight, wenn die Arme gegen ihren Doppelgänger ranmüsste. Und am Schluss, wenn das Duell geendet hat, keiner der Hinzugekommen erkennen kann, welche Val denn dann gewonnen hatte xD Aber falls so etwas tatsächlich kommt, werde ich mich wohl noch eine Weile in Geduld üben müssen xD

      In jedem Fall war die Folge wieder sehr spannend geschaltet sowie geschrieben, und schon eine Folge von dem Kaliber macht für sich wieder direkt Lust auf mehr von der Sorte. Und im Endeffekt kratzen wir ja eigentlich immer noch ander Oberfläche von dem Ganzen, und man muss auch erst einmal sehen, was alles von den Dingen die Nick in dieser Folge herausgefunden hat, wirklich zutreffen und welche vielleicht einen trügerischen Anschein hatten. Aber diese Spekulationen hab ich dir ja schon auf anderem Wege mitgeteilt ^^

      Nächste Folge gibt es dann das Duell zwischen Anya und Logan. Von der Preview klingt es erst einmal nach einem ruhigeren Duell, keines auf Leben und Tod wie die letzten vier/fünf Konfrontationen. Aber mal abwarten, das erste was man hier lernt ist ja, dass der Schein oft trügt ^^
      Auf der Suche nach den neusten Infos oder Bildern zu Yu-Gi-Oh!-Karten aus Japan? =>> Spoiler-Forum


      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Vielen Dank fürs Kommentieren und Lesen.

      @Lenant
      Spoiler können auch Stilmittel sein. Manchmal ist die Frage ja nicht, wo man am Ende landet, sondern wie man dort hingekommen ist. Insofern sehe ich das z.B. bezogen auf dein Weihnachtsspecial auch nicht so eng wie manch anderer. Man muss eben wissen, was man erreichen will. ^^
      Und ja, eine Scheidung allein wird natürlich nicht reichen, da muss schon eine gewisse Veranlagung da sein. Aber vergiss auch nicht, dass Anya von Anfang an als ein extrem überzeichneter Charakter gedacht ist.

      Dann erstmal danke für dein Lob zur Folge, die du gelesen hast. Das Ziel, das ich mit Anya verfolge, erstreckt sich bis zum noch nicht geschriebenen Ende, insofern freue ich mich über deine Reaktion. Sie hat defintiv eine verletzliche Seite, die immer wieder auftreten wird. So eben auch in dieser Folge. Ich denke, wenn du erst da angelangt bist, wo ich aktuell bin, wirst du sie vielleicht nicht mehr ganz so schlimm finden. ^^

      Was das mit der eher simplen Story bzw. den Figuren angeht: Du bist eben erst bei Folge 15, nicht, sag wir, 55. Mal ganz blöd ausgedrückt. ^^''
      Es stimmt, mein Stil zeichnet sich durch eine eher lineare Herangehensweise aus. Ich mag Flashbacks usw. als Stilmittel eher weniger und verzweige meine Geschichte daher auf andere Weise. Aber meiner Einschätzung wird das alles irgendwann gar nicht mehr simpel sein. Da, wo du grad bist, würde ich dem aber vorbehaltlos zustimmen.
      Ich bin auch ganz ehrlich, es gibt rückblickend einige Stellen, die ich anders geschrieben hätte hier und da.
      Abgesehen davon, finde ich, dass YGO-FFs an sich verschenktes Potential sind. Ich meine, man macht sich die Mühe, (fast) alles auf dieses Kartenspiel auszurichten, nimmt in vielerlei Hinsicht diese verkorksten Animes als Vorbild usw. Ist aber wayne, solange es Spaß macht. ^^

      Zu Nick sag ich gar nix, außer dass ich deine Reaktion wohlwollend zur Kenntnis genommen hab. ^^
      Mal sehen, ob Val auch bei dir punkten kann.

      Insofern: Danke!

      @Evil Bakura
      Dass Nick jetzt 'ne Death Flag übern Kopf hat, dürfte offensichtlich sein. Und du kennst mich lang genug um zu wissen, dass ich bereit bin, wirklich -jeden- Charakter bei Bedarf zu töten. Also wäre etwas bangen um den Guten durchaus nicht verkehrt.

      Die doppelte Val kannste unter Wiedergutmachen verbuchen für die Klatsche gegen Edna. xD
      Aber ne, ernsthaft, Verwechslungsgefahr besteht da auf jeden Fall. Natürlich kann ich mich zu nix bezüglich Dark-Val äußern, aber die Vorstellung von Anyas persönlicher Hölle (1000 Vals um sie herum) ist sehr ... verlockend. :D

      Was Nicks Handeln angeht: absolut. Er ist relativ zielstrebig, wenn es darum geht, die eigenen Ziele durchzusetzen. Das wird sich noch öfter zeigen. Wobei man, wie in diesem Beispiel, auch ehrlich sein muss: Hätte man nicht selbst genauso gehandelt? Wenn die Alternative Exitus heißt? Zumal es nicht so ist, dass er damit prinzipiell jemandem geschadet hat. (... gell? xD)

      Auch dir natürlich wieder herzlichen Dank für den Kommi. ^^


      Dann viel Spaß mit der nächsten Folge! (In Überlänge!)

      Turn 52 – Demise: Part I
      Am späten Nachmittag erreichte der Zug, in dem Anya und ihre Freunde saßen, den Livingtoner Bahnhof. Mit ihren Koffern beladen stiegen die Drei, angeführt von der Blonden, aus dem Waggon und schlenderten über den Bahnsteig. Von Nick war weit und breit keine Spur zu erkennen, aber Anya überraschte das nicht. Wer wusste schon, was der Chaot während ihrer Abwesenheit alles angestellt hatte?

      Vor der Treppe, die hinunter ins Erdgeschoss des Bahnhofs führte, blieb Matt plötzlich stehen. Anya und Zanthe drehten sich neugierig zu ihm um, als sie bemerkten, dass seine Hand zwar auf dem Geländer lag, welches die Treppe teilte, er aber nicht weiterging.
      „Ist was, Summers?“, fragte Anya irritiert.
      „Über ein halbes Jahr ist es jetzt her“, murmelte der mit gesenktem Blick, „hier habe ich Tara Lebwohl gesagt.“
      Zanthe spitzte die Ohren. „Tara? Wer ist-?“
      Doch Anyas plötzlicher, fester Griff um seinen Oberarm unterbrach ihn. „Stell keine Fragen, Nervensäge. Er will einen Moment allein sein.“
      „Wenn du meinst“, seufzte Zanthe und zuckte mit den Schultern, bevor er sich unter Anyas Führung wieder den Stufen zuwendete. Nicht zuletzt weil sie ihn unsanft in deren Richtung stieß.
      Das Mädchen sah noch kurz zu Matt zurück, der ihr als Zeichen seines Dankes zunickte. Sie sagte zwar nichts, aber ihr Blick sprach Bände. Zerbrich' dir nicht den Kopf darüber, teilte sie ihm still mit. Dann drehte sie sich auch um und folgte Zanthe nach unten.

      Draußen vor dem Bahnhof befand sich ein Parkplatz. Während Matt seiner Schweigeminute nachkam, erklärte Anya dem Werwolf was damals vorgefallen war.
      „Es war kurz nachdem der Turm von Neo Babylon durch uns zerstört wurde“, sprach sie angespannt, da sie für gewöhnlich ungern alte, dazu noch unschöne Erinnerungen mit anderen teilte, „eine Immaterielle namens Urila wurde dadurch aus ihrem Gefängnis befreit und wollte die ganze Stadt umbringen. Hat die Leute in Dämonen verwandelt.“
      „Wie geht denn so etwas?“, staunte Zanthe nicht schlecht.
      Die beiden schlenderten zu einem Hot Dog-Stand unweit des großen Flügeltors aus Eiche, welches in das Innere des Bahnhofs einlud und immer offen stand. Während sie Zanthe zuerst bestellen ließ, erzählte sie die Geschichte weiter.
      „Keine Ahnung, sie hat wohl einen Zauber aus so'nem komischen Buch genommen, das sich in Matts Besitz befindet.“ Sie machte eine Kunstpause. „Jedenfalls war zufällig Matts Freundin Tara zu diesem Zeitpunkt in Livington. Komischer Zufall. Urila hat sie zu ihrem Gefäß gemacht und sie dabei ziemlich übel zugerichtet.“
      Sie unterbrach die Story kurz, als sie selbst bestellte und allen Ernstes feststellen durfte, dass Zanthe keinen müden Cent mit sich führte. Nur sehr widerwillig für beide bezahlend, beließ sie es bei einem blöden, vor sich hin genuschelten Kommentar.
      Mit ihren Hot Dogs in der einen und den Koffern in der anderen Hand, stellten sie sich etwas abseits auf den Parkplatz. Herzhaft biss Anya in die längst überfällige Mahlzeit und redete schließlich mit vollem Mund weiter. „Ih hae keie Ahnun wie Matt ie ieder in einem Stü-“
      „Anya, man redet nicht mit vollen Mund“, belehrte Zanthe sie genervt, „ich verstehe kein Wort.“
      Das Mädchen schluckte den Bissen herunter und funkelte ihr Gegenüber böse an. „Also ob mich das juckt. Ich esse wie ich will.“
      „Wie ein Schwein?“ Matt trat hinter Zanthe hervor, womit für die beiden die Erzählstunde automatisch beendet war. Anklagend sagte er: „Ihr hättet mir ruhig auch einen mitnehmen können.“
      Anya nickte nach links. „Da drüben. Aber sag mir, dass wenigsten du dich nicht bei mir durchschnorren musst.“

      Die beiden Jungs aber reagierten nicht mehr. Sie sahen jemanden hinter Anya an und als diese sich umdrehte, stand sie Nick gegenüber. Welcher ihr nebenbei bemerkt viel zu nah auf die Pelle rückte. Sofort trat sie ihm gegen sein Schienbein.
      „Wie oft noch, Harper!? Nicht von hinten anschleichen, wenn dir deine Knochen lieb sind!“
      Der verzog nur schmerzhaft das Gesicht und hielt sich kurz die getroffene Stelle, ehe er die Drei knapp begrüßte.
      „Warum hat das so lange gedauert?“, motzte Anya sofort drauf los. „Wir warten hier schon seit einer gefühlten Ewigkeit.“
      Zanthe und Matt hinter ihr hoben synchron die Hand hoch und zeigten Nick mit ihren gespreizten Fingern, dass gerade einmal fünf Minuten vergangen waren.
      „Heute war'n stressiger Tag“, meinte der hoch gewachsene, zerzauste junge Mann gleichgültig, „können wir los? Ich habe noch was zu erledigen und eigentlich keine Zeit. Mein Wagen ist da drüben.“
      Als Nick über die parkenden Wagen zum Straßenrand zeigte, fiel Anya ein blutdurchtränkter Verband um seine rechte Hand auf, der bis weit über sein Gelenk reichte.
      „Aber ihr könnt meinetwegen noch aufessen.“
      „Harper, was hast du denn da gemacht?“, warf sie ein.
      Sofort zog Nick den Ärmel seines ungebügelten, weißen Hemdes über den Verband, um zumindest den größten Teil der Verletzung zu verbergen. „Mich vorhin geschnitten.“
      „Biste jetzt unter die Ritzer gegangen oder was?“
      „Nein, es ist … komplizierter“, erwiderte ihr Freund aus Kindheitstagen und sah herüber zu den beiden Jungs. Besonders Matt nahm er ins Visier. „Manchmal passieren Unglücke, nicht wahr?“
      Der schwarzhaarige Dämonenjäger nickte zustimmend. „Solange es nur Unfälle in der Küche sind, ist es ja halb so wild.“
      „Natürlich.“ Nicks Stimme hatte einen seltsamen, schneidenden Ton angenommen. „Andererseits, die eigenen Missgeschicke hält man am liebsten geheim.“
      Matt bemerkte es scheinbar gar nicht. „Mir ist so etwas nicht peinlich. Als Küchenhilfe im Waisenhaus hab ich mich irgendwann dran gewöhnt.“
      Schließlich wandte sich Nick vielsagend mit den Augen rollend von den anderen ab und trottete bereits zum Wagen. Die Hot Dogs hinunter schlingend, folgten Anya und Zanthe ihm eilig, mit Matt als Schlusslicht.
      „Der ist ja heute mal wieder ganz komisch drauf. Grassiert im Moment irgendwas, dass all meine Freunde neuerdings total launisch oder gleich fucking Weirdos sind?“, murmelte Anya zu Zanthe, der ihr aber auch keine befriedigende Antwort liefern konnte.

      -~-~-

      Nick fuhr den weißen Chrysler Neon die Einfahrt hinauf, direkt in die offen stehende Garage hinein. Kurz darauf stiegen die Vier aus dem Wagen und es dauerte keine fünf Sekunden, da platzte Anya bereits der Kragen.
      „Harper!“, fauchte sie ihn von der Beifahrerseite an. „Was wollen wir hier!? Du solltest mich nachhause fahren. Heißt so viel wie zu mir, nicht zu dir!“
      Nick sah sie über das Dach des Wagens in der dunklen Garage abwartend an. „Und weiter?“
      „Bring mich-!“
      Scharf schnitt er ihr ins Wort. „Hast du je einen Gedanken daran verschwendet, dass es im Moment nicht die beste Idee ist, bei dir Zuhause zu wohnen?“
      Verdutzt blinzelte das Mädchen. „Was meinst-“
      „Du wirst von einem unsterblichen Dämonen verfolgt, der nichts lieber täte, als dich und alle in deiner Nähe in klitzekleine Stückchen zu schneiden.“ Nick schnalzte mit der Zunge. „Ich bin mir ziemlich sicher, wenn er an der Tür klingelt, wird deine Mutter ihm mit ihrem wundervollen Lächeln aufmachen. Willst du das?“
      Leider verstand Anya nicht ganz, worauf er hinaus wollte. Also übernahm das Zanthe, der hinter ihr stand. „Was er sagen will: Es ist das Beste für deine Mum, wenn du dich eine Weile von ihr fern hältst, um diesen Stoltz nicht auf sie aufmerksam zu machen.“
      „Oh!“ Anya ging ein Licht auf. „Daran habe ich gar nicht gedacht!“
      Der Werwolf hinter ihr seufzte mitleidig. „Natürlich nicht …“
      Im Gegensatz dazu war Matt erstaunt von Nicks eigenem Handeln. „Aber es ist okay, wenn du stattdessen deine Eltern in Gefahr bringst?“
      „Was mit denen geschieht, ist mir völlig gleichgültig“, erwiderte der Größte in der Gruppe in einer Eiseskälte, die selbst die beiden Streithähne erschaudern ließ, „abgesehen davon ist mein Vater im Moment auf einer Tagung und kommt so schnell nicht wieder. Bedankt euch bei seiner Affäre. Und Mum wird sich freuen, mal anderen Leuten als mir auf die Nerven gehen zu können.“

      Die Drei verdutzt hinter sich lassend, ging Nick ungestört um die Motorhaube, an Anya vorbei und öffnete eine Tür, die ins Innere des Hauses führte. Nebenbei drückte er auf einen Schalter und ließ das Garagentor hinunter fahren.
      „Tolle Familienverhältnisse“, staunte Zanthe, als es zunehmend dunkler wurde.
      Matt gesellte sich neben ihn. „Bin ich froh, nicht sein Bruder zu sein.“
      Selbst Anya pfiff anerkennend. „Wow Harper, aus dir wird ja doch noch'n Mann. Aber im Ernst, in meinem Freundeskreis ist das total normal.“
      Der Kopftuchträger – heute strahlte besagte Kopfbedeckung in knalligem Rot – musste auflachen. „Echt?“
      „Na ja“, begann Anya schulterzuckend und folgte nun mit den anderen beiden im Gepäck Nick ins Haus, „überleg' mal. In Nicks Familie hassen sie sich gegenseitig, Abbys leibliche Eltern sind tot, genau wie Big Als, dann haben wir noch Matt, dessen Schwester seinen Dad umgenietet hat …“
      „Musste das sein?“, brummte Matt, der verständlicherweise nicht so gerne an seine Vergangenheit erinnert werden wollte.
      „Oh, Redfields Mutter lebt auch in Paris als Designerin. Aber die zählt nur halb, weil die Ehe intakt ist, nur sehen die sich eben nicht so häufig“, plapperte Anya einfach weiter. „Ah ja und ich? Dad hab ich auch schon bestimmt'n Jahr nicht mehr gesehen. Die Einzigen, bei denen es wirklich läuft, sind Butchers Familie und eventuell noch das Pennerkind-Imperium.“
      Zanthe kam nicht umher, ein amüsiertes Glucksen von sich zu geben. „Hast wohl'n Händchen dafür, dir solche Freunde anzulachen.“
      „Wem sagste das?“
      „Und deine Familie, Zanthe?“, hakte Matt neugierig nach, während sie einen kleinen Vorraum durchquerten, in dem Waschmaschine, Trockner und ein Schrank voll mit Putzmitteln und Ähnlichem standen.
      Der Werwolf winkte ab und blieb kurz stehen, sodass der Dämonenjäger ihn überholte. „Meine Eltern waren okay, auch wenn ich mich kaum noch an sie erinnern kann. Sind schon lange tot.“
      „Wie alt bist du eigentlich?“ Interessiert drehte sich Matt im Laufen zu Zanthe um.
      „Du fragst mich Sachen“, lachte der vergnügt auf, „geboren 1871. Rechne es dir aus.“
      Anya kam nicht umher, einen galligen Kommentar abzugeben. „Wow, seit über 100 Jahren in der Pubertät. Das hat bisher nur Levrier geschafft.“
      Strike, gleich zwei Seitenhiebe auf einmal! Anya bekam gleich bessere Laune. Und scheinbar wollte die ewige Nervensäge in ihrem Ohr ihr beweisen, dass sie falsch lag, indem sie allen Zweifeln erhaben reagierte. Nämlich gar nicht.

      Ausgelassen gegenseitige Sticheleien austauschend, durchquerten die Drei einen Flur. Nick war schon vorgegangen, um die Sache mit seiner Mutter zu klären.
      Als Anya sie kurz darauf in das Wohnzimmer führte, saßen Mutter und Sohn auf dem Sofa und sahen zusammen Fernsehen.
      „Ihr könnt bleiben“, meinte Nick lässig.
      „Ja! Setzt euch!“ Seine Mutter drehte sich zu den Neuankömmlingen um und winkte sie mit einer Tüte Chips in der Hand herüber. Kurze, dunkelrot gefärbte Haare, eine böse Hakennase, erinnerte sie Anya immer wieder an einen Geier, der um seine Beute kreiste. „Das große Millionen-Quiz fängt gleich an!“
      „Hi, Mrs. H!“, grüßte Anya sie träge.
      „So schnell ging das?“, flüsterte Matt ihr erstaunt ins Ohr, während Zanthe die Einladung prompt annahm und sich zu der Frau aufs Sofa warf.
      Anya antwortete ebenso leise. „Frag nicht, Summers. Denk dir deinen Teil einfach.“
      „Na ja, ganz nett scheint sie wohl zu sein.“ Kurz mit der Schulter zuckend, gesellte sich Matt ebenfalls zu den anderen. „Schon lange her, dass ich ferngesehen habe. Ein bisschen Entspannung tut jetzt sicher gut. Für heute lassen wir es gut sein, oder?“
      Zanthe lud sich seine Futterluke bereits mit Chips voll. „Da kannst du Gift drauf nehmen.“
      Seinerseits erhob sich Nick, den Blick auf den Flachbildfernseher gehaftet, über den gerade der Vorspann der Quizsendung flackerte. „Anya, kann ich dich kurz-“
      „Nicht jetzt, Harper, die Show fängt an!“
      Verdutzt durfte er im selben Atemzug feststellen, dass Anya ebenfalls auf dem Sofa saß, oder besser gesagt dessen Lehne, und sich von Matt die Chips geben ließ. Seit wann verbrachte Anya Bauer freiwillig Zeit mit seiner Mutter!? Anya hasste Mrs. Harper wie die Pest!
      „Ist wichtig“, startete er einen neuen Versuch.
      „Ich will das jetzt sehen!“, keifte die zurück. „Dachte, du hast sowieso noch was Wichtiges vor!?“
      „Ja!“, nickte seine Mutter mit diebischem Vergnügen grinsend. „Lass die arme Anya, sie ist erschöpft von der langen Reise!“
      Resignierend seufzte der junge Mann. Da war nichts zu machen. Musste er Anya eben später von seinen ganzen Entdeckungen berichten, sofern sie jene überhaupt interessierten. Manchmal könnte er sie-!
      Verstimmt drehte er sich um und verließ die Wohnstube. „Ich bin oben in meinem Zimmer, falls mich jemand sucht.“

      -~-~-

      Ganz zu Nicks Ärgernis hatte ihn niemand gesucht. Bis spät in die Nacht vergnügten sich die Vier dort unten, machten ausgelassen sprich lautstark zusammen Essen, schauten fern, machten sich einen Mitternachtssnack, schauten weiter fern, und immer so weiter.
      Irgendwann früh morgens kam seine Mutter dann auf die Idee, ihre Gäste auch mal einzuquartieren. Zanthe und Matt teilten sich das Gästezimmer, während Anya freiwillig das Sofa nahm – um näher bei der Glotze zu sein, wie sie unverhohlen zugab.

      Als Nick gegen 8 Uhr des nächsten Tages die Treppen hinunter stieg, sah er schon, dass Anya mit ausgestrecktem Arm auf dem Sofa lag und vor sich hin schnarchte. Die Decke war verrutscht, das Mädchen lag auf dem Rücken und träumte vermutlich gerade von irgendwelchen Orks, die sie niedermetzelte, wenn man den unregelmäßig auftretenden, grunzenden Geräuschen aus ihrem Mundwerk trauen konnte.
      Der dünne junge Mann, noch in Boxer Shorts und weißem Shirt, trat an sie heran und zog ihr die Bettdecke ordentlich über den Körper. Sie hatte sich nicht mal umgezogen, lag in schwarzen T-Shirt und ihrer Weste da.
      Aber Nick lächelte versöhnlich. Er konnte ihr einfach nicht böse sein, so sehr er es wollte. Womit er vermutlich der einzige Mensch auf Erden war, sogar noch Abby hinter sich zurücklassend.

      Doch sein Blick verhärtete sich. Für ihn gab es eine Sache zu klären und er hoffte, dies möglichst unauffällig über die Bühne bringen zu können. Nick drehte sich um, schlich durchs Wohnzimmer, ging an der Treppe vorbei und betrat einen kleinen Flur mit nur zwei Zimmern. Das rechte war lediglich ein kleines Bad für Besuch, wohingegen das linke das dazugehörige Gästezimmer war.
      Nick öffnete vorsichtig die Tür. Er spähte hinein, sondierte angespannt die Lage. Das Zimmer war recht klein und hell gehalten, in jenen Pastelltönen, die seine Mutter am liebsten überall sehen würde. Die beiden Koffer der Jungs lagen offen auf dem Boden, allerdings herrschte trotzdem eine erstaunliche Ordnung, wenn man bedachte, dass zwei junge Chaoten darin hausten. Sie hatten das Doppelbett auseinander gezogen, um nicht unmittelbar nebeneinander liegen zu müssen. Ihnen gegenüber befand sich ein großer Schrank mit Spiegel, dazu zu beiden Seiten der Betthälften Nachttische, auf denen die Decks und in Matts Fall auch dessen Brieftasche lagen.

      Auf leisen Sohlen stahl sich Nick hinein. Zanthe lag im rechten Bett, die Decke weit über sich geschlagen. Matt hingegen mochte es offenbar auf dem Bauch zu schlafen, genau wie bei Anya hing auch sein linker Arm die Bettkante hinab. Zu diesem beugte er sich hinab, hob ihn vorsichtig an, konnte jedoch nicht entdecken, wonach er suchte. Und den Rest seines Körpers abzuchecken erschien Nick zu riskant. So ließ er den Arm behutsam wieder sinken.
      Vorsichtig schlich er daraufhin an Matt vorbei, machte einen Bogen um dessen Arm und erreichte seinen Nachttisch. Matts schwarze Deckbox in die Hand nehmend, öffnete Nick sie neugierig. Er musste es mit eigenen Augen sehen. Doch während er die Karten eine nach der anderen nach oben schob, wurde er zunehmend unruhiger.
      Wo war sie!? Sie musste doch darunter sein! Doch als Nick mit dem Extradeck fertig war, traf ihn die Erkenntnis: Die gesuchte Karte war hier nicht zu finden. Was ihn dazu brachte, über Inkarnationen zu grübeln. Er hatte Anya nie gefragt, ob jene nur dann eine feste Form annahmen, wenn sie gebraucht wurden oder ob sie, nachdem sie geboren worden waren, kontinuierlich existierten. Sie hatte ihm nur erzählt, dass die Inkarnationen nach dem Tod der Immateriellen verschwunden waren, aber das konnte auf diese Situation bezogen vieles heißen.
      Allerdings gab es doch etwas, das Nicks Aufmerksamkeit beim zweiten Durchlauf erregte. So stieß er zwar nicht auf -jene- Karte, dafür bemerkte er aber, dass Matt eine andere integriert hatte.
      „[Steelswarm Roach]?“, wunderte er sich im Flüsterton.
      Waren nicht alle Steelswarm-Monster Matts verschwunden, nachdem Urila den Dämonenjäger kurzzeitig kontrolliert hatte? Wieso besaß Matt dieses dann noch? Lag es daran, dass es seine alte Paktkarte gewesen war und dementsprechend einen besonderen Status innehielt?
      Wie auch immer, Nick war nicht gewillt, Matts Treiben einfach nur mit anzusehen. So nahm er die Karte [Evilswarm Ouroboros] und entfernte sie kurzerhand aus dem Deck des Dämonenjägers, indem er sie sich unbemerkt in die Tasche seiner Boxer Shorts steckte.
      Er spürte nichts. Da war kein unangenehmes, unerklärliches Gefühl irgendeiner Dunkelheit, wie Anya sie während des Duells mit Urila beschrieben hatte. Vielleicht war damals jene Immaterielle die Quelle gewesen, doch mittlerweile müsste es einen anderen Grund dafür geben. Kurzum: Wenn es dieses Dunkelheit noch gab – und dessen war sich Nick ziemlich sicher – dann ging sie von Matt aus, nicht von der Karte. Daher war es das Beste und einzig Richtige, sie ihm abzunehmen. Ohne Ouroboros würde er keine Inkarnation mehr durchführen können und genau das war auch Nicks Absicht.

      „Was machst du da?“
      Es kam so unvermittelt, dass Nick zurückschreckte und dabei gegen die Wand stieß, wobei er die Deckbox schnell auf den Nachttisch zurücklegte. Nur einen Sekundenbruchteil später hob Matt seinen Kopf an und musterte sein Gegenüber aus halb zusammengekniffenen Augen.
      Nick fackelte gar nicht lange. Er griff nach etwas, das im Bund seiner Boxershorts steckte, versetzte Matt einen Stoß mit seiner bandagierten Hand und drückte ihn konsequent auf den Rücken. Und ehe der sich versah, hatte er ein blitzblank geputztes Küchenmesser an der Kehle.
      „Ich weiß ganz genau, was mit dir los ist“, zischte Nick voller Verachtung den verdutzten Matt an. „Red' dich gar nicht erst raus. Was hast du gemacht, um so eine Karte in deinen Besitz zu bringen!?“
      Matt blickte in Nicks funkelnde Augen, wobei er die seinen nun weit aufriss. „Wovon redest du!?“
      „Sei leise!“, drohte ihm Nick. Zanthe sollte nichts davon mitbekommen. Im Flüsterton fügte er hinzu: „Tu nicht so. Ich rede von deiner Inkarnation!“
      Der zerwühlte Schwarzhaarige weitete die Augen noch ein Stück. „Was erzählst du da?“
      „Ich habe sie gesehen, während des Duells mit Drazen. Du hast sie belogen, nicht wahr!? Drazen ist nicht zu Staub zerfallen, du hast ihn umgebracht!“
      „Nein!“, widersprach Matt, blickte Nick selbst dann widerspenstig an, als dieser die Klinge so fest in die Haut des jungen Mannes drückte, dass Blut über dessen Hals rann.
      Doch Nick löste den Druck, als Zanthe ein Geräusch von sich gab, das irgendwo zwischen „Ja“ und „Mjam“ einzuordnen war. Dabei machte der vollkommen in seine Bettdecke Verhüllte Anstalten, sich umzudrehen.
      Nick ließ daher von Matt ab, aber hielt ihm das Messer unter die Nase. „Egal was du vor hast, wenn du Anya schaden willst, wirst du es mit dem schlimmsten Dämon von allen zu tun bekommen. Mir! Ich weiß mehr über dich und deine Familie als dir bewusst ist und ich werde dieses Wissen benutzen, sollte es auch nur den geringsten Anlass geben, deine Loyalität gegenüber Anya infrage zu stellen.“
      „Du bist doch völlig durchgedreht“, erwiderte Matt zornig, obschon man seiner völlig perplexen Mimik entnehmen konnte, dass er Nick gar nicht recht folgen konnte.
      Der drehte sich von ihm ab. „Wir reden ein anderes Mal weiter. Und dann wirst du die Wahrheit sagen.“

      Damit verschwand der Hausherr aus dem Zimmer.
      Matt fasste sich an seinen Hals, der Angstschweiß stand ihm auf der Stirn geschrieben. Nie hätte er damit gerechnet, dass Nick derart durchdrehen konnte.
      „Wieso hast du mich nicht gewarnt?“, flüsterte der Schwarzhaarige immer noch erschüttert von dem eben Erlebten.
      „Weil ich keine Ahnung hatte, dass er so ein Freak ist?“ Zanthe richtete sich auf, das lange, schwarze Haar über die Schultern liegend. „Junge, wenn der und Anya jemals ein Kind kriegen, haben wir den neuen Fürst der Hölle gefunden.“
      Der Dämonenjäger sah völlig überrascht, geradezu erschrocken herüber zu dem Werwolf, der vielsagend zurück starrte. Im Anschluss nickte Matt zögerlich. „Allerdings … kein Wort davon zu Anya, hast du mich verstanden? Ich regele das alleine, offenbar hat er etwas missverstanden.“
      „Hat er das?“, fragte Zanthe zu Matts eigener Überraschung erstaunlich misstrauisch.
      „Hat er. Oder glaubst du ihm etwa?“ Die Augen des jungen Mannes verengten sich zu Schlitzen. „Denkst du, ich würde Anya vor einem irren, unsterblichen Dämon retten, wenn ich ihr in Wirklichkeit schaden will?“
      Ein Schulterzucken später hieß es: „Ich glaube, hier hat jeder so seinen Dreck am Stecken. Meinetwegen, ich halte die Klappe. Aber nur unter einer Bedingung …“
      „Und die wäre?“, fragte Matt skeptisch.

      -~-~-

      „Was ist denn mit dir passiert, Summers?“, fragte Anya belustigt, als die ganze Sippe zu viert am langen Frühstückstisch saß. Sie spielte auf den Schorf an, der sich an Matts Hals befand.
      Der rieb darüber und log: „Bin beim Rasieren abgerutscht.“
      Gleich daraufhin warf die Blonde Zanthe einen 'Ich-hab-dir-doch-gesagt-du-bildest-dir-was-ein'-Blick zu, den jener mit undeutbaren Kopfschütteln zur Kenntnis nahm.
      Nick, der neben Anya saß und gerade sein Brötchen mit Senf beschmierte – ja, Nick Harpers Geschmack trieb so manch Unwissendem die Tränen in die Augen – funkelte den jungen Mann ihm gegenüber feindselig an und schwieg.

      Anya rührte in ihrem Joghurt herum und erwähnte beiläufig: „Ich habe heute übrigens etwas vor, weshalb ich euch Knalltüten eine Weile allein lassen muss.“
      Sofort begann Zanthe zu kichern. „Hat es was mit -ihm- zu tun?“
      Das Mädchen, welches gerade den Löffel im Mund stecken hatte, zog diesen schlagartig heraus. „Woher weißt du das!?“
      „Nur so ein Gefühl“, antwortete ihr Gegenüber und zwinkerte verschwörerisch.
      Nick wurde hellhörig. „Von wem redet ihr?“
      „Von Anyas neuem Freund.“
      „Er ist nicht mein Freund!“, betonte Anya sofort sauer. „Nur ein Bekannter, der mir mal geholfen hat. Ich habe ihm ein Duell versprochen. Und meine Therapeutin hat neulich gesagt, Versprechen soll man halten.“
      Matt konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. „Lass mich raten, sie heißt nicht zufällig Abby mit Vornamen?“
      Die zusammengekniffenen, vor Ärger gefährlich aufblitzenden Augen des Mädchens drücken aus, dass es sich sehr wohl um ihre beste Freundin handelte. Wer sagte schließlich, dass Moralpredigten nicht auch am Telefon ausgesprochen werden konnten? Wobei Anya zugeben musste, im Vorteil zu sein: Noch nie hatte Abby es bisher geschafft, jene auch zu Ende zu bringen, ehe Anya aufgelegt hatte.
      „Und wer ist das?“, bohrte Nick nach. „Kenn' ich ihn?“
      „Keine Ahnung, ein Mechaniker, Logan heißt er … Was geht dich das überhaupt an, Harper!?“
      „Hast du was dagegen, wenn ich mitkomme?“, fragte Nick mit einem Male deutlich aufgeschlossener. „Ich würde gerne zusehen.“
      Anya starrte ihn wenig begeistert von der Seite an. „Muss das sein?“

      „Nimm's ihm nicht übel“, scherzte Matt böse und sah Nick dabei ebenfalls an, jedoch deutlich provozierender, „er ist eben eifersüchtig.“
      „Irgendwer muss schließlich auf sie aufpassen“, erwiderte der stets zerzaust aussehende, junge Mann an den Dämonenjäger gewandt.
      „Klar, er wird sie bestimmt vergewaltigen, wenn du nicht hinsiehst.“
      „Deswegen sehe ich hin.“
      „Siehst du auch was anderes als Hirngespinster?“
      „Sag du es mir, Matt.“

      Während die beiden sich zunehmend aggressiver gegenüber einander verhielten, löffelte Anya genüsslich ihren Joghurt aus. So gefiel ihr das, Zank und Zoff schon zum Mittag. Fast wie in den guten, alten Zeiten, als sie noch durch die Gänge der Livington High schlurfte und den Urin roch, der so manches Bein herablief, wenn sie ihre Runde machte. Was war nur aus der glorreichen High School-Zeit geworden, dass sie es jetzt genoss, mit solchen Deppen an einem Tisch zu sitzen?
      Einerseits vermisste sie es, andere nach Herzenslust zu tyrannisieren, auf der anderen Seite fühlte sie, wie sie sich immer mehr von ihrem alten Selbst entfernte. Eine Veränderung, von der sie sich nicht sicher war, ob sie ihr behagte.

      Zanthe stieß ihr, genervt von dem Streit zwischen Matt und Nick, mit der Fußspitze gegen das Schienbein und riss sie aus ihrer Nostalgie.
      „Mach was!“
      Augenblicklich trat Anya mit doppelter Wucht zurück und sorgte so dafür, dass der ganze Tisch erschüttert wurde, weil ihr Gegenüber so vor Schmerz zusammenzuckte, dass seine Knie von unten gegen das Holz stießen.
      Sofort war Ruhe.
      Das schmerzende Bein an den Stuhl ziehend und festhaltend, raunte Zanthe: „Ghar! Doch nicht so!“
      „Wieso, hat doch funktioniert?“, zuckte Anya unbedarft mit den Schultern. Immerhin, es hatte ihr Spaß gemacht, ihn zu treten. Vielleicht war sie doch noch nicht ganz in der Spießerliga angelangt und ein Comeback als Livingtons Terminatrix nicht völlig ausgeschlossen?
      Trotzdem sah sie ein, dass es das Klügste wäre, die beiden Streithähne für eine Weile zu trennen, ehe sie sich noch wie die Tussifreundinnen von Redfield die Augen auskratzten.
      Anya stöhnte genervt. Sie wollte doch heute einfach mal einen Tag für sich haben! Aber unter diesen Umständen wäre es besser, wenn sie Nick mitnahm.

      „Okay, sperrt die Lauscher auf!“, verkündete sie und sprang auf. „Summers und Flohpelz, ihr habt für heute die ehrenvolle Aufgabe, diese Pseudo-Michonne für mich ausfindig zu machen. Wie hieß sie doch gleich, Eddy?“
      „Edna. Und wie sollen wir das anstellen?“, fragte Zanthe wenig erfreut.
      Anya zuckte mit den Schultern. „Summers, du bist auch ein Dämonenjäger. Telefonier' 'n bisschen 'rum oder so.“
      „Ich kenne keine Edna“, erwiderte der jedoch perplex.
      „Dann mach dich schlau! Ich bin jetzt jedenfalls weg! Harper, du kommst mit! Irgendwer muss mich ja hinfahren.“
      Immerhin ein halbwegs guter Grund, den Deppen mitzunehmen, sagte sich Anya. Oh wie sie hoffte, auf dem Weg zu Logans Werkstatt auf irgendeine barbusige Schrulle zu treffen, um Nick loszuwerden. Egal wie hoch sein IQ war, seine Perversionen stellten jenen locker in den Schatten.

      -~-~-

      Nick hielt auf der weiten, leerstehenden Fläche vor der kleinen Werkstatt, die direkt am Stadtrand lag. Das linke Garagentor dieser stand weit offen, gewährte den Blick auf einen weißen Porsche. Anya fielen beinahe die Augen raus, als sie ausstieg und den Wagen ihrer Träume erblickte, wenn man von der Farbe mal absah.
      „Was zum-!? Wer würde dem Zwerg so ein teures Teil anvertrauen!?“, staunte sie, als sie die Tür zuschlug. „Dagegen stinkt die Karre deines Alten ab, Harper.“
      „Wenigstens gehört sie ihm dafür auch“, erwiderte der unbeeindruckt. „Wo ist er denn nun, dein sogenannter neuer 'Freund'?“
      Selbst der sonst eher gleichgültigen Anya entging die schon fast höhnische Bemerkung Nicks nicht, aber sie machte sich nichts daraus. Es gab noch viele Seiten, die sie an Brainiac-Nick nicht kannte, vermutlich gehörte diese besitzergreifende dazu, jetzt, da er sie ausleben konnte. Was sie wiederum doch störte, denn die Vorstellung, dass Nick sie als sein 'Revier' betrachtete, war für Anya mehr als nur irritierend. Abstoßend traf den Nagel am ehesten auf den Kopf, denn der junge Mann war nun wirklich nicht das, was sie sich unter einem Beschützer vorstellte, der ihrer ebenbürtig war. Nicht Nick, und wenn er noch so viele Millionen von reichen Promikonten abstauben konnte. Hirn ersetzte keine Muskelmasse, etwas, das Anya immer bevorzugen würde.

      Deswegen lachte sie sich auch leise ins Fäustchen, während die beiden über den leeren Parkplatz schlenderten. Nick im Fitnessstudio, das wär's! Nein, selbst wenn er einen Körperbau wie Logan besaß, das … nein. Einfach nein.
      „Igitt“, nuschelte sie leise, als sie sich erst richtig bewusst wurde, -worüber- sie gerade allen Ernstes nachdachte.
      „Was ist?“, fragte er sie, ihre Rechte flankierend.
      „Nichts“, log Anya verstimmt, „hab nur gerade Gedanken an Beziehungen verschwendet. Du weißt schon, mit Liebe und diesem Kack.“
      Nick kam nicht umher, nun selbst aufzulachen. „Du weißt gar nicht, wie froh es mich macht, dass sich deine Einstellung diesbezüglich nicht verändert hat.“
      Anya blieb abrupt stehen und drehte sich zu ihm um. „Huh? Wieso?“
      „Nur so. Weil wir da einfach gleich denken“, meinte er gut gelaunt und schlurfte an ihr vorbei.

      Zusammen betraten sie schließlich das Innere der Werkstatt. Es stank nach Öl und anderem Zeug, das Anya nicht definieren konnte. Verbrannter Gummi vielleicht?
      Sie sah zur Werkbank, die links an der Wand stand, dann zum Porsche, herüber zu einer leeren Hebevorrichtung weiter hinten im Inneren.
      „Wo ist der Kerl?“
      „Wenn er nicht hier ist, können wir ja gehen“, schlug Nick umgehend vor.
      Anya schüttelte aber den Kopf. „Harper, der wandelnde Meter muss irgendwo hier sein. Denkste, der lässt dieses Teil hier einfach so unbeaufsichtigt rumstehen?“
      Zur Verdeutlichung trat sie näher an den Porsche. „Ich frag' mich, wem der wohl gehört. Ob es demjenigen was ausmacht, wenn ich da ein paar Kratzer reinritze? Natürlich erst -nach- einer kleinen Spritztour.“
      Sofort zierte ein bitterböses Grinsen ihre Lippen. Wenn sie ihre alte Boshaftigkeit schon nicht mehr an den Leuten aus ihrem Umfeld ausließ, dann wenigstens an ihrer Umwelt. Nicht, dass sie am Ende noch völlig ihr Mojo verlor! Wäre doch geil, GTA mal mit realistischer Grafik zu spielen!
      „Keine gute Idee“, vermieste Nick ihr tonlos die Laune, „wenn er dich erwischt, bist du bestimmt nicht mehr seine 'Freundin'.“
      Da war es, schon wieder! Was hatte Nick für ein verdammtes Problem!? Jetzt ging es ihr doch auf die Eierstöcke.

      Aber ehe Anya ihre entbrannte Wut in eine entsprechende Form wenig unterhaltsamer Schimpftiraden verwandeln konnte, wurden die beiden unterbrochen. Unvermittelt kam Logan von irgendwoher hinter dem Porsche hervor. In dreckigem Blaumann gekleidet, schulterte er ein schmutziges Handtuch.
      „Du hier? Dachte, du wolltest 'ne Weile Urlaub machen?“
      „Der ist ja wirklich so klein, wie du ihn mir beschrieben hast“, stichelte Nick unvermittelt drauf los.
      Anya verspürte den dringenden Zwang, ihren Freund ohne Apostrophe dafür zu schlagen. Aufgrund eines Gefühls, mit dem sie selbst noch so gar keine Erfahrungen gemacht hatte. Peinliche Berührtheit.
      „Ich hab gesagt, so groß wie ich“, knurrte die im Vergleich zu Nick einen Kopf kleinere Anya, fügte dann noch für Logan hinzu: „Wollte ja nicht lange weg sein.“
      Zu ihrer Beruhigung zeigte sich Logan wie üblich von derartigen Scherzen unbeeindruckt. „Und wer ist der da?“
      „Anyas Freund.“
      Diesmal hatte er es ordentlich, ja fast schon zu ordentlich betont.
      „'Ein' Freund“, korrigierte sie ihn reflexartig, „wollte zusehen. Ich hoffe nämlich für dich, dass du Zeit hast. Ich hab nämlich wenig, also sei zufrieden, dass ich sie für dich erübrige!“
      Der Schwarzhaarige mit den, Zitat Anya 'Mörderkoteletten', zog erstaunt die Augenbrauen hoch. „Redest du von dem Duell?“
      „Von was denn sonst!?“, regte sich das Mädchen auf und stemmte die Hände in die Hüften. „Also, was ist?“
      Logan zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen, viel zu tun ist im Moment ohnehin nicht. Ich will mich nur schnell umziehen.“
      „Dann beeil' dich!“

      Wenige Minuten später standen die beiden sich auf dem Vorplatz der Werkstatt gegenüber. Auf der Straße neben ihnen herrschte reger Betrieb, sie befanden sich unweit der Stadtausfahrt Süd, wie sie inoffiziell hieß.
      Nick lehnte etwas abseits an seinem weißen Chrysler Neon und beobachtete Anya und Logan, wie sie die Apparate an ihren Armen aktivierten. Es waren beides schwarze D-Pads identischer Bauart. Sein Blick wanderte herüber zu dem schwarzen Motorrad, welches ebenfalls auf dem Parkplatz stand und Logan gehörte, denn von dort hatte er den Apparat geholt. Er musterte die Maschine mit einem missbilligenden Blick.

      Logan hatte sich ein kariertes Shirt und eine schwarze Lederjacke angezogen, passend zu seinen bereits abgetragenen Jeans. Er fixierte Anya. „Bin überrascht, dass du so scharf auf dieses Duell bist. Hatte bisher den Eindruck, du würdest dich drücken wollen.“
      Mit einer abwinkenden Geste grinste Anya ihn frech an. „Ich? Eine Anya Bauer drückt sich vor gar nichts.“
      Im Gegenteil, insgeheim hatte Anya sich zunehmend auf dieses Duell gefreut. Was nicht immer so war, anfangs empfand sie den Gedanken daran wirklich als lästig. Aber Logan war kein übler Typ, wie sie zugeben musste. Da er außerdem noch Anfänger war, würde sie ihre eigenen Fähigkeiten durch ihn besser einzuschätzen lernen. Es gab also nichts gegen ein kleines Spielchen einzuwenden.
      „Hoffen wir es“, murmelte der Schwarzhaarige.
      „Duell!“, riefen beide anschließend synchron.
      Nick verschränkte derweil die Arme und behielt Logan im Auge. Seine abwartende Haltung wirkte auf den ersten Blick gespannt, doch wenn man genauer hinsah, wurde anhand von Mundwinkeln und den leicht zugekniffenen Augen deutlich, dass er nicht allzu viel von Logan leistungstechnisch erwartete. So als würde er sagen: „Mechaniker … na klar.“

      [Anya: 4000LP / Logan: 4000LP]

      „Hey, Zwergnase“, raunte Anya erhaben, bereits völlig im Geschehen vertieft, „weil du noch'n Noob bist, kannste meinetwegen anfangen.“
      Logan stieß einen gedämpften Lacher aus. „Ganz so unerfahren bin ich nicht. Aber nehm' das Angebot an.“
      Nick derweil ließ perplex seine Arme sinken. Murmelte: „Das hat sie doch noch nie-!?“
      Beide Kontrahenten nahmen fünf Karten auf, ehe der dunkelhaarige Mann schließlich nachzog. Ein kurzer Blick auf sein Blatt genügte, um ihn ein Monster auswählen zu lassen, welches er auf sein D-Pad legte. „'beschwöre [Battlin' Boxer Headgeared]!“
      Zu Logans Rechten baute sich ein schlanker Boxer auf, dessen dunkelblauer Oberkörper derart durchtrainiert war, dass jener wie Stein anmutete. Sein Kopf wurde durch einen roten Kopfschutz abgedeckt, welcher ihm seinen Namen gab.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      „Bei seiner Normalbeschwörung schickt er einen Boxer von meinem Deck auf den Friedhof“, erklärte Logan weiter, nahm aus jenem ein passendes Ziel und schob es konsequent in den entsprechenden Schacht seiner Duel Disk. „Kannst weitermachen, Kleine.“

      „Wer ist hier klein!?“, fauchte Anya sofort wutentbrannt und riss die nächste Karte von ihrem Deck, welches immerhin in Logans D-Pad steckte. Was Anya aber nur allzu gerne vergaß. „Schau dich mal an! Kommst du überhaupt in irgendwelche Clubs rein? Außer, du gehst aufrecht unter dem Türschlitz durch!?“
      Logan reagierte gar nicht, was Anya umso fuchsiger machte. „Schön, ignorier' mich ruhig, Gimli! Mal sehen, was du dazu sagst! Ich aktiviere [Gem-Knight Fusion] und verschmelze damit [Gem-Knight Garnet] mit [Gem-Knight Crystal] von meiner Hand!“
      Über Anya tat sich ein Strom aus aberdutzenden Edelsteinen auf, in den die Abbilder ihrer beiden Krieger gezogen wurden. „[Gem-Knight Garnet], du bist das Herz, [Gem-Knight Crystal], du die Rüstung! Vereint euch!“
      Ein grelles Leuchten trat aus dem Wirbel aus, dann landete mit einem Satz ein Ritter in knallroter Rüstung und blauem Umhang vor Anya. Er schwang stolz seine Lanze. „Lass es krachen, [Gem-Knight Ruby]!“

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

      „Hau ihn aus dem Ring!“, befahl Anya und zeigte auf Logans Monster. „Sparkling Lance Thrust!“
      Gehorsam sprintete Ruby los und holte mit der Lanze nach Headgeared aus. Doch dieser wich mit einem flinken Schritt zur Seite aus und lenkte den Angriff mit einem geschickt platzierten Boxschlag von sich weg.
      „Was geht'n hier ab!?“
      Auf Anyas Frage hin antwortete ihr Gegner: „Bisschen Training. Einmal pro Zug wird [Battlin' Boxer Headgeared] nicht durch Kampf zerstört, wenn er in Angriffsposition liegt.“
      Funken flogen von Rubys Lanze und erwischten Logan, der jedoch nicht einmal mit der Wimper zuckte.

      [Anya: 4000LP / Logan: 4000LP → 2500LP]

      „Oh, wie schön für dich“, raunte Anya zynisch, „Zug beendet!“

      Logan zog sofort auf und legte anschließend eine andere Karte auf seine Duel Disk. „[Battlin' Boxer Glassjaw]!“
      Im Gegensatz zu Headgeared war der nun erscheinende Boxer ein wahrer Hüne von äußerst muskulöser, grüner Gestalt. Anya runzelte argwöhnisch die Stirn bei seinem Anblick.

      Battlin' Boxer Glassjaw [ATK/2000 DEF/0 (4)]

      Logan nickte in ihre Richtung. „Angriff, [Battlin' Boxer Glassjaw]!“
      Trotz seiner klobigen Statur war Glassjaw erstaunlich flink zu Fuß und holte mit der Faust aus, als er Ruby erreicht hatte. Die begann mitten im Hieb zu brennen. Als Antwort hob der Ritter seine Lanze und wehrte den Schlag spielend leicht mit jener ab.
      „Pah, was soll das denn werden?“, tönte Anya großkotzig.
      „Indem ich [Battlin' Boxer Counterpunch] von meinem Friedhof entferne, verstärke ich temporär den Angriff eines Boxers um 1000.“

      Battlin' Boxer Glassjaw [ATK/2000 → 3000 DEF/0 (4)]

      Die Flammen um Glassjaws Boxhandschuh schienen in diesem Moment regelrecht zu explodieren, was dazu führte, dass Rubys Lanze unter der Wucht des Schlages in der Mitte durchbrach und er die volle Ladung direkt in die Brust geschlagen bekam. Anya fluchte dabei laut. „Shit!“
      Kaum hatte sie geendet, wich sie erschrocken zurück, da ihr völlig entgangen war, wie sich [Battlin' Boxer Headgeared] an sie herangeschlichen hatte. Seine Faust ging durch ihren Unterleib hindurch, ohne aber Schmerzen zuzufügen. Trotzdem krümmte sie sich rein aus Reflex.
      „Das war dann der direkte Angriff“, sagte Logan nebenher.

      [Anya: 4000LP → 3500LP → 2500LP / Logan: 2500LP]

      „D'nke“, knurrte das Mädchen und richtete sich auf. „Hab ich auch gemerkt! Dafür brech' ich dir mindestens einen Knochen, Mistkerl!“
      Spätestens jetzt hatte sie längst verdrängt, dass ihr das Duell eigentlich Spaß machte. Platt gerollt vom Ehrgeiz persönlich, gefüllt mit Anyas Ego und garniert mit einer saftigen Priese Boshaftigkeit. Ungefähr das wäre ihr Duellstil, würde man ihn mit einer Frühlingsrolle vergleichen.
      Logan aber schreckte das nicht ab, er streckte den Arm weit aus. „Da es unklug wäre, Glassjaw auf dem Feld zu behalten, wenn nur ein Angriff ihn durch seinen negativen Effekt automatisch zu Fall bringt, werde ich eine Xyz-Beschwörung durchführen. Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Seine beiden Monster lösten sich in flammenrote Lichtstrahlen auf und stiegen in die Höhe, wo sich ein schwarzer Wirbel öffnete und sie willkommen hieß.
      „Aus meinen beiden Stufe 4-Boxern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon! [Battlin' Boxer Lead Yoke]!“
      Mit einem Satz landete aus dem Galaxienstrom vor ihm eine hünenhafte Gestalt, noch kräftiger als sogar Glassjaw, vor ihrem Besitzer. Dabei war es erstaunlich, dass die Kreatur überhaupt so gebeugt stehen konnte, waren sein Hals und die Arme doch fixiert von massiven Stahlpfeilern, die er auf dem Rücken trug und mit Handschellen an ihnen gefesselt war. Wie ein Gefangener mutete er an. In jedem der beiden Träger befand sich eine Leuchtsphäre.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/2200 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Logan schmunzelte. „Kannst weitermachen … Kleine.“

      Seine Gegnerin mahlte regelrecht mit ihrem Kiefer. „Alter … du traust dich was! Jeder andere wäre jetzt längst tot!“
      „Und warum nicht ich?“
      Anya reckte erstaunt den Kopf nach hinten. Das war, so ungern sie es auch zugab, eine berechtigte Frage. Wieso zur Hölle verschonte sie ihn vor der Anya Bauer-Premium-Wut!? Es gab keinen größeren Volltrottel! Selbst Summers war da noch unterwürfiger. Und Big Al zählte sowieso nicht, der lief eh nicht richtig im Oberstübchen. Dieser Typ da gehörte mit Boy George-Musik gefoltert für seine Dreistigkeit, sich ihr permanent zu widersetzen!
      „Keine Ahnung“, brummte sie träge, ihren inneren Monolog wie immer auf das Wesentliche reduzierend. „Keine Lust heute.“
      „Hm“, bekam sie nur als Antwort zurück.

      „Deswegen verlierst du jetzt trotzdem!“, fauchte sie sofort im Anschluss, wieder zu ihrem liebgewonnenen Freund zurückfindend, der schlechten Laune. „Draw!“
      Schwungvoll zog sie und zeigte im Anschluss sofort die Karte vor. „Kannst dich auf ein Date mit einem alten Bekannten freuen! Zauberkarte [Monster Reborn]!“
      Sie legte jene sofort in ihr D-Pad ein und keinen Moment später stieg aus dem Boden ihr [Gem-Knight Ruby] hervor, frisch dem Grabe entsprungen.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

      „Sparkling Lance Thrust!“, befahl sie auf der Stelle und zeigte auf Logans unterdrückten Boxer.
      Unter lautem Kampfgeschrei rannte ihr roter Ritter auf Lead Yoke zu und schlug mit seiner Lanze nach ihm. Sein Gegner wandte sich dabei ab, sodass einer der Metallpfeiler getroffen und zerstört wurde – nicht aber Lead Yoke selbst. Um den entbrannte stattdessen eine flammende Aura.

      [Anya: 2500LP / Logan: 2500LP → 2200LP]

      „Wieso lebt der noch!?“
      Logan zeigte [Battlin' Boxer Headgeared] vor, welchen er unter seinem Xyz-Monster hervorgezogen hatte und nun in den Friedhofsschacht bugsierte. „Auf Kosten eines Xyz-Materials kann ich verhindern, dass [Battlin' Boxer Lead Yoke] oder einer seiner Trainingspartner zerstört wird. Obendrauf gibt’s 800 Angriffspunkte.“

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/2200 → 3000 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 1]

      Anya nahm irritiert einen Schritt zurück. „Uh, so war das nicht geplant …“
      Sofort sah sie eindringlich ihr Blatt an. „'kay, dann eben anders! Ich setze ein Monster und zwei Karten verdeckt! Zug beendet!“
      Neben ihrem Ruby materialisierte sich in horizontaler Lage das verdeckte Monster, hinter ihnen die anderen beiden Karten. Damit hatte Anya ihr gesamtes Blatt ausgespielt.

      Nick indes beobachtete nur mäßig interessiert, wie die beiden sich in ihrem 'Freundschaftsspiel' gegenseitig übertrumpften. Dabei war schon seinem abweisenden Blick, den er immer dann aufsetzte, wenn er Logan betrachtete, anzumerken, wie wenig er von Anyas neuem Freund hielt.
      Es war nicht etwa so, dass er Anya keine anderen Freunde gönnte, im Gegenteil. Aber da war etwas, was er an Logan nicht mochte. Nicht die Tatsache, dass er sich von ihren Gebärden unbeeindruckt zeigte, dafür verdiente er sogar eine Auszeichnung. Nein, was Nick so an ihm störte, war die Tatsache, dass … er Anya gefallen könnte. Mehr noch, dass er ihr längst gefiel. Denn seine Sandkastenfreundin hatte es in ihrem Blick, auch wenn sie es selbst noch gar nicht zu begreifen schien. Dieses Funkeln in den Augen, wenn Logan sie ignorierte. Diese ungewohnte Zurückhaltung, wenn er ihr frech kam. Und die Tatsache, dass sie sich für das interessierte, was er erzählte, wie sie selbst auf der Fahrt hierher zugegeben hatte. Etwas, das man einer Anya Bauer höchstens im Alkoholrausch zutrauen würde – Gott schütze uns, wenn sie erst volljährig wurde!
      Das letzte Mal, als sie einem Mann derart viel Aufmerksamkeit zukommen ließ, wurde sie am Ende mit gebrochenem Herzen und Blut an ihren Händen zurückgelassen. Und Nick ahnte, dass zumindest Ersteres wieder passieren würde. Denn was sollte ein Mann wie Logan schon mit ihr anfangen können? Spätestens dann, wenn er die Wahrheit über sie erfuhr, würde er sie zurückweisen, ungeachtet seiner Haltung zum Übernatürlichen. Das hatte Nick im Blut.

      So biss er sich verbittert auf die Lippen, wissend, dass er nichts dagegen tun konnte, ohne alles nur noch schlimmer werden zu lassen. Hoffentlich täuschte er sich. Bis vor Kurzem hätte er noch damit leben können, wenn es wenigstens Matt wäre, für den Anya sich interessiert. Bei dem war er sich sicher gewesen, dass sie ihm nicht scheißegal war. Doch seit seiner Entdeckung war er froh, dass die Beziehung der beiden rein platonisch war. Denn Matts Motive und Hintergründe waren für ihn ein Rätsel.
      Wieso eine Inkarnation und woher? Immer wieder ging es ihm durch den Kopf. Wer stand hinter Matt, oder eher, was? Kaum ein anderer hatte Anya so oft geholfen, damals wie heute. Das erkannte Nick an. Umso mehr musste er hinter Matts Geheimnis kommen, unbedingt.
      Ob es richtig gewesen war, ihm so frei heraus im wortwörtlichen Sinne ein Messer an die Kehle zu legen? Das hatte Nick nicht geplant gehabt, er wollte ursprünglich nur die Inkarnation von [Evilswarm Ouroboros] mit eigenen Augen sehen und an sich nehmen. Das Messer hatte er nur mitgenommen, falls Matt aufwachen und ihn angreifen sollte. Zumindest Ersteres war auch eingetreten, doch … Nick gestand sich selbst ein, in letzter Zeit ziemlich impulsiv zu handeln. Er musste vorsichtiger werden, denn diese Aktion war, genau wie die mit Valerie, viel zu undurchdacht gewesen.
      Umso mehr lasteten all seine Erkenntnisse und Erlebnisse auf Nicks Schultern, da er sie bisher niemandem anvertraut hatte. Würde er Anya davon erzählen was Matt getan hat oder was der Sammler -wirklich- war, so könnte sie das am Ende nur dank ihres Dickschädels ins Verderben reißen. Sie war einfach nicht der Typ für eine vorsichtige Herangehensweise … was sollte er tun?
      Dass Nick derart vor sich hin grübelte bekamen die anderen beiden gar nicht mit.

      Logan zog und analysierte kurz das Spielfeld, ehe er sagte: „Muss zugeben, das Duell ist in Ordnung. Aber wirklich gut bist du nicht.“
      „Ach ja!?“ Man konnte den Farbwechsel in Anyas Gesicht regelrecht mitverfolgen. „Und du!? Kriegst es ja nicht mal fertig, was anderes außer Monster zu spielen!“
      „Habe ich schon gewonnen?“ Der knapp Eins-sechzig große Mann zuckte mit den Mundwinkeln, als Anya ihn verwirrt anstarrte. „Eben. Bin auch nicht besser als du.“
      Baff davon, dass kein überheblicher Spruch gekommen war, blieb Anya glatt die Spucke weg. Indes machte Logan weiter. „Ich beschwöre [Battlin' Boxer Rabbit Puncher].“
      Ein eher hagerer Boxer betrat den Ring, dessen markantestes Merkmal neben den durchwühlten, roten Haaren der gasmaskenähnliche Kopfschutz war, den er an hatte.

      Battlin' Boxer Rabbit Puncher [ATK/800 DEF/1000 (3)]

      Befehlend streckte Logan den Arm aus und zeigte auf Anyas gesetztes Monster. „Wenn [Battlin' Boxer Rabbit Puncher] Gegner in Verteidigungsposition angreift, zerstört er sie, bevor der Schaden berechnet wird.“
      Anya sah ihn zunächst perplex an, begriff aber schnell, was dies bedeutete, als der Boxer des Schwarzhaarigen grazil über das Spielfeld huschte und seine Faust in der Karte ihres Monsters versenkte. Diese zersprang in tausend Stücke. Wohlgemerkt ohne aufgedeckt zu werden.
      „Fuck“, entfuhr es ihr, „wieso wurde [Morphing Jar] nicht geflippt!? Was ist das für ein Scheiß!?“
      So konnte sie die fünf Karten nicht ziehen, die er ihr vermacht hätte. Von wegen Anfänger, dieser Typ duellierte sich fast besser als Redfield oder das Pennerkind und das wollte was heißen! Wenigstens bekam er jetzt auch keine fünf neuen Karten, selbst schuld!
      „Nennt sich Regeln. Kennste wohl nicht besonders gut“, stichelte Logan und rief sofort im Anschluss: „beim zweiten Mal tut es nicht mehr so weh. [Battlin' Boxer Lead Yoke], zerstöre [Gem-Knight Ruby]!“
      Den nun vom Gewicht der Metallsäule freigewordenen Arm schwingend, stürmte der gebeugt laufende Boxer auf Anyas Ritter zu und zerschmetterte ihn regelrecht mit seinem Hieb. Anya wich keuchend zurück.

      [Anya: 2500LP → 2000LP / Logan: 2200LP]

      „Da's dir wohl zu langweilig ist, wenn ich nur Monster spiele, setze ich diese Karte verdeckt“, verkündete Logan, „mach dein Ding, Kleine.“
      Deren Feld war nur noch mit zwei gesetzten Karten gefüllt, anders als ihre Hand, die leer war. Wie sollte sie da ihr Ding machen, fragte sich Anya wütend. Er hatte auch gut reden, hatte er ein noch fast volles Blatt mit vier Karten.
      Und dann dieses 'Kleine' …!

      „Ich bin verdammte Durchschnittsgröße“, fauchte sie bis aufs Blut provoziert, „du bist ein Fall fürs Kuriositätenkabinett, Mini-Me. Ich hab Ameisen gesehen, die waren größer als du!“
      „Komisch, wieso interessiert dich meine Größe so?“, erwiderte er über alle Beleidigungen erhaben. „Möchtest du, dass ich mich für dich auf einen Hocker stelle?“
      „Ja, damit ich dich runterstoßen kann, Mistkerl!“, zischte Anya und griff nach ihrem Deck. „Fucking-Mega-Draw!“
      In einer ausholenden Bewegung zog sie und betrachtete die neue Karte im Anschluss, welche ihr zumindest ein diebisches Grinsen entlockte. Dann schwang sie den Arm über ihre verdeckten Karten aus, von denen die linke aufsprang, eine Zauberkarte, auf der ein Rubin, ein Topaz und ein Saphir abgebildet waren, die aus einem Wirbelsturm voller Edelsteinen in Richtung des Betrachters schossen. „Ich brauch noch mehr! Und zwar dank [Gem-Trade]. Mit dieser Zauberkarte verbanne ich ein Gem-Knight-Fusionsmonster, wenn eine Karte auf meinem Friedhof liegt, die ein solches beschwören kann.“
      Unnötig zu erwähnen, dass [Gem-Knight Fusion] diese Karte war. Das Bestmögliche erwartend, nein sogar insgeheim einfordernd, griff Anya erneut nach ihrem Deck. „Und für jeden Intervasall von drei Stufen des verbannten Gem-Knights darf ich eine Karte ziehen, muss dafür aber auch jeweils eine Draw Phase aussetzen!“
      Da sie sich von [Gem-Knight Ruby] trennte, dessen Stufe 6 war, durfte sie zweimal aufziehen. Als Symbol dieses Akts tauchte auf Anyas Brusthöhe ein faustgroßer Rubin auf, der in zwei Teile zerbrach. Sie riss die Karten förmlich vom Deck, während er verschwand. Und spätestens jetzt, da sie schon auf ganze drei Handkarten kam, war ihr Grinsen derart bösartig und vielsagend, dass vermutlich in ganz Livington alte Opfer Anyas spüren konnten, wie ihre physischen und Schrägstrich oder emotionalen Narben zu schmerzen begannen.
      Unvermittelt holte sie zwei Karten aus ihrem Friedhof hervor und präsentierte sie in kämpferischer Haltung. „Ich bin noch nicht fertig mit Aufstocken! Indem ich [Gem-Knight Crystal] vom Friedhof verbanne, erhalte ich [Gem-Knight Fusion] von dort zurück!“
      Dementsprechend landete das normale Monster in ihrer Hosentasche, während sie [Gem-Knight Fusion] zu ihrem restlichen Blatt steckte.
      Schließlich atmete sie tief durch, hielt ihre nunmehr vier Handkarten vor der Brust.
      „Alter, wenn ich mit dir fertig bin, wirst du nochmal'n Stück geschrumpft sein, auch wenn das nicht mehr möglich ist!“, protzte sie kurz darauf überheblicher denn je und war dabei schon im Begriff, wieder den Arm auszuschwingen.
      Logan regte sich kaum, brummte nur: „Hmm.“
      „Ganz recht, widersprech' gar nicht erst! Verdeckte Falle! [Return From The Different Dimension], welche jetzt möglichst viele von mir verbannte Monster beschwört, auch wenn ich dafür die Hälfte meiner Lebenspunkte zechen muss!“

      [Anya: 2000LP → 1000LP / Logan: 2200LP]

      Zwei Dimensionslöcher öffneten sich vor Anya, in ihnen sah man nur ein Gemisch bunter Farben. Doch dann sprangen aus ihnen [Gem-Knight Ruby] und [Gem-Knight Crystal], ein Ritter in weißer Rüstung mit kristallinen Schulterplatten, hervor.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]
      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      „Die beiden gehen mir in der End Phase zwar wieder flöten, aber wen juckt's? Bis dahin bist du sowieso nur noch Pampe unter meinem Schuh!“, prahlte Anya ungehemmt weiter. Sie streckte den Arm weit aus. „Ich aktiviere Rubys Effekt und opfere damit Crystal, um Rubys Power um Crystals zu erhöhen!“
      Der weiße Ritter löste sich in weißen Funken auf, die sein Kamerad mit seiner Lanze absorbierte.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 4950 DEF/1300 (6)]

      Indes konnte sich Nick ein verschmitztes Schmunzeln nicht verkneifen. Unter seinem Alter Ego hätte er jetzt sicher einen lahmen Crystal Meth-Witz gerissen, aber er war froh, es nicht mehr zu müssen. Niemand ahnte, wie anstrengend es war, sich permanent als dämlichster Mensch der Welt auszugeben. Er fragte sich insgeheim, ob es noch Verwendung für jenen Nick gab, nun da die wichtigsten Menschen in seinem Leben eingeweiht waren.
      „Heh … man kann nie wissen“, lautete sein Schluss.
      Aber Anya hatte nicht übertrieben. Sie würde Logan mit dem nächsten Angriff auseinander nehmen, vorausgesetzt, er konnte nichts tun um das zu verhindern. Es machte ihn stolz zu sehen, welche Fortschritte sie bereits gemacht hatte, auch wenn sie ihre Kopf-durch-die-Wand-Philosophie wohl nie ablegen würde.
      Gerade wollte er Anya anfeuern, während sie befahl, [Battlin' Boxer Rabbit Puncher] und damit Logan den Gnadenstoß zu versetzen, da klingelte sein altes Handy. Erschrocken holte er es aus der Innentasche seiner Jacke hervor. Während es in seiner Hand vibrierte, starrte der junge Mann es entgeistert an, wurde zunehmend blasser, was sowieso kaum möglich war.
      „Willste nicht rangehen?“, raunte Logan mit leicht genervtem Unterton.
      Nein, wollte Nick ihm sagen. Nicht, wenn er sich absolut sicher war, dass niemand die Nummer des Geräts kennen sollte.
      Es hörte nicht auf. Nick entschloss sich, den Wagen zu Umrunden, damit die anderen beiden ungestört vom Telefonat ihr Duell fortsetzen konnten. Und nicht mithören würden. Er hob ab.

      „Wie ich gerade sagte, nachdem Harpers nerviger Bimmelkasten aus dem letzten Jahrhundert mich unterbrochen hat: Du bist erledigt!“ Anya streckte den Arm aus. „Dein Rabbit Puncher wird jetzt wirklich zum Hasenfuß! Ruby, beende es! Sparkling Lance Thrust!“
      Turn 52 - Demise: Part II
      Mit seinen gerade einmal 800 Angriffspunkten konnte der Gasmasken tragende Boxer den Angriff nicht genug abfangen, um Logans Niederlage zu verhindern, dachte Anya zuversichtlich. Ihr Krieger ließ seine Waffe einmal über dem Kopf kreisen, ehe er auf den Boxer zu schnellte. Nur leider den falschen, wie Anya erschrocken feststelle, als ihr Ritter ausholte und nach [Battlin' Boxer Lead Yoke] schlug.
      „[Shift]!“, rief Logan, dessen Fallenkarte aufgesprungen war. „Sie ändert das Ziel deiner Effekte und Angriffe.“
      Lead Yoke drehte dem angreifenden Ruby den Rücken zu, dessen Lanze daraufhin in den übrig gebliebenen Pfeiler gerammt wurde und diesen zum Zerbersten brachte. Logan regte sich nicht im Angesicht der Spitze jener Waffe, die ihren Weg in seine Richtung fortsetzte und einen halben Meter vor seiner Brust in ihrer Bewegung verharrte.

      [Anya: 1000LP / Logan: 2200LP → 250LP]

      Mit der gigantischen Fessel verschwand das Xyz-Material darin, das Logan abhing und erklärte: „Lead Yoke schützt sich vor dem KO und wird wieder um 800 Angriffspunkte stärker. Außerdem habe ich Glassjaw auf den Friedhof geschickt, wodurch ich jetzt einen Boxer vom Friedhof erhalte.“
      Er zeigte Anya [Battlin' Boxer Headgeared], den er seiner Hand hinzufügte. Das Mädchen knirschte mit den Zähnen, als der nun völlig freie Lead Yoke seine Muskeln anspannte und Ruby mit einem Faustschlag wegstieß.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3000 → 3800 DEF/2000 {4} OLU: 1 → 0]

      Das Heulen eines Motors erklang. Anya und Logan drehten sich überrascht zur Seite, sahen wie Nick das Fenster der Fahrertür herunter fahren ließ und sie ansah. In seinen Zügen stand tiefste Anspannung geschrieben. „Ich muss dringend weg. Sorry Anya, du musst leider zu Fuß nachhause. Oder lass dich von deinem neuen 'Freund' fahren.“
      Was er wieder mit dieser gewissen Prise Abneigung betonte.
      „Huh!? Aber sonst geht’s dir gut, Harper!?“, fauchte das Mädchen baff. „Was soll der Scheißdreck denn, hat deine Mu-!?“
      Doch Nick ignorierte sie und setzte seinen Chrysler in Bewegung, drehte auf dem Parkplatz und verschwand ohne Erklärung.

      Der Mechaniker lachte bitterböse auf. „Scheinbar hat's dem nicht gefallen, wie wir spielen.“
      Unter einem ärgerlichen Stirnrunzeln wandte sich Anya ihrem Gegner zu. „Tch! Mich einfach sitzen zu lassen. Der kann was erleben! Dem ramme ich meine Faust so tief in den Arsch, bis er freiwillig mit mir als Bauchrednerin auftritt!“
      Oh ja, und das war nur der Auftakt zu Nicks persönlicher Hölle, sponsored by Anya Bauer. Wie konnte der es wagen, mitten in ihrem Duell abzuhauen!? War sie wirklich so schlecht, dass es ihn langweilte oder hatte da gerade irgendeine Bank angerufen, die seine Betrügereien aufgedeckt hatte? Sie wollte es wissen, verdammt!
      Logan zuckte mit den Schultern. „Bringt nichts, sich jetzt darüber aufzuregen. Lass uns weitermachen.“
      Er erntete ein ärgerliches Schnaufen. „Ja …“

      Anyas Laune besserte sich auch nicht gerade dadurch, dass Logan ihr die Suppe versalzen und den Angriff knapp überstanden hatte. Mit dem Unterkiefer mahlend, betrachtete sie angestrengt ihre Handkarten. Sie musste etwas tun, denn Ruby würde am Ende des Zuges wieder in die Verbannung verschwinden.
      Energisch zog sie [Gem-Knight Fusion] aus ihrem Blatt und rammte diese in das D-Pad an ihrem Arm. „Ich verschmelze Ruby und [Gem-Knight Alexandrite] von meiner Hand und lasse sie zu [Gem-Knight Citrine] werden!“
      Wie immer, wenn das Mädchen äußerst erbost war, vergaß sie dabei ihren selbst ausgedachten Beschwörungsspruch und ließ lediglich durch einen gen Himmel gerichteten Schwenk mit der Hand einen Strudel aus Edelsteinen erscheinen. Ruby stieg in die Luft auf und ließ sich mit ausgestreckten Armen einsaugen, danach folgte ihm der in silberner Rüstung steckende Alexandrite. Keinen Moment später flatterte ein blauer Umhang durch die Luft, dessen Träger mit einem Satz vor Anya landete. Glühend rot erstrahlten die Oberarme des Ritters in bronzener Rüstung, der lässig ein Breitschwert, bestehend aus ebenso flackerndem Magmagestein, schulterte.

      Gem-Knight Citrine [ATK/2200 DEF/1950 (7)]

      „Heute nur ein Kurzauftritt für dich, Citrine!“, verlautete Anya autoritär und schwang den Arm weit aus. „Denn ich benutze den Effekt meines [Angel Wing Dragons] im Extradeck und schicke das Licht-Monster [Kuriboss] von meinem Deck auf den Friedhof! Damit wird [Kuriboss] als Empfänger behandelt, der gerade für eine Synchrobeschwörung benutzt wird!“
      Nachdem sie die Karte ihres [Kuriboss'] in den Friedhofsschlitz geschoben hatte, ballte sie eine Faust und streckte jene in die Höhe. „Stufe 1 und Stufe 7 ergeben Stufe 8! From the light of a different world, the herald of starlight decends upon the ravaged land! By discarding a single star, I call upon you!“
      Weit über dem Mädchen glänzte es und ehe Logan sich versah, erblickte er einen riesigen, goldenen Ring, in dessen Innerem eine wässrige Oberfläche schimmerte. Citrine stieg in die Luft auf und durchquerte jene Masse, ohne auf der anderen Seite wieder aufzutauchen.
      „Synchro Summon!“
      Stattdessen streckten sich von dem Ring vier weiß befiederte Schwingen. Gleichzeitig schoss von vorne ein schlanker Drachenkopf hervor, an dessen Nacken ein goldenes Kragengestell befestigt war. Aus der anderen Seite schnellte sein langer, weißer Schweif, bis beide Parteien einen ganzen Körper ergaben.
      „Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      Unter majestätischem Gebrüll verkündete der Drache, nun einsatzbereit zu sein und richtete dabei wie eine Kobra sein Haupt auf.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Derweil kniff Logan die Augen zusammen und kratzte sich am Kinn. „Könnte schwierig werden.“
      „Oh das wird es“, versprach Anya sehr überzeugt von sich, „und fertig bin ich auch noch nicht! Da ich noch gar keine Normalbeschwörung getätigt habe, hole ich das jetzt nach und rufe [Gem-Armadillo]!“
      Ohne lange zu zögern knallte sie jenen auf ihr D-Pad. Unter Angel Wing tauchte ein beinloses Gürteltier auf, das mithilfe von Düsenantrieben vom Erdboden abhob. Anya derweil griff nach ihrem Deck und suchte eine Karte von dort hervor, die sie Logan zeigte. „Wenn der beschworen wird, erhalte ich einen Gem-Knight auf mein Blatt!“

      Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/500 (4)]

      Dieser war kein geringerer als [Gem-Knight Turquoise]. Und Anya grinste plötzlich wieder so diabolisch, wie sie es immer tat, wenn sie sich im Vorteil wähnte. Wenn alles andere fehlschlug, würde Turquoise sie retten! Doch dazu brauchte sie etwas.
      „Effekt von [Gem-Knight Fusion] auf meinem Friedhof! Ich erhalte sie zurück, indem ich Citrine verbanne!“ Sie steckte das Fusionsmonster in ihre Hosentasche und ihre Zauberkarte wieder ins Blatt zurück. Nur um dann eine andere von dort zu nehmen und in das D-Pad einzulegen. „Die da setze ich. Jetzt bin ich aber durch!“
      Zischend materialisierte sich der Schnellzauber vor ihren Füßen. Das Grinsen wurde noch breiter. Der würde sich wundern, freute sich Anya. Niemand trotzte ihr, wenn sie erst ihre Turquoise-Kombo durchzog!

      Davon schien Logan gar nichts zu ahnen. Sein Blick haftete an [Angel Wing Dragon], den er interessiert betrachtete. „Netten Brummer hast du da.“
      „Jep“, erwiderte Anya unter stolz geschwollener Brust, „mein Ass-Monster!“
      „In einem Deck voller Fusionsmonster ist er dein Ass-Monster?“, staunte Logan und richtete seinen fragenden Blick auf Anya. Dann zuckte er die Schultern. „Nun, was auch immer für dich am besten funktioniert.“
      Plötzlich sah Anya auf ihr D-Pad. So lange hatte sie Angel Wing noch nicht, aber es machte Spaß, ihn zu beschwören, weil es so einfach und nahezu immer möglich war. Er machte ihr Deck noch abwechslungsreicher, was ihr gut gefiel. Was sie wiederum selbst ein wenig überraschte, war sie doch sonst kein Freund von Veränderungen.
      Der Anflug eines Lächelns stand ihr im Gesicht geschrieben. Und verschwand augenblicklich, als sie sich gewahr wurde, warum sie Angel Wing überhaupt besaß.
      „Wenn er nicht funktioniert, werde ich sterben“, murmelte sie geistesabwesend vor sich hin.
      „Du meinst, du verlierst“, korrigierte sie Logan.
      Anya sah auf, dann aber mied sie seinen Blick, indem sie zur Seite starrte. „Is' doch dasselbe.“
      „Hm. Nein.“

      Es dauerte einen Moment, ehe sie sich ihm wieder zu wandte und mit einem kurzen Nicken bedeutete, er solle seinen Zug endlich beginnen.
      Das tat er auch, ohne weiter auf ihre Worte einzugehen und zog auf sechs Handkarten auf. Eine davon legte er sofort auf sein zu Anya identisches, schwarzes D-Pad. „Den habe ich vorhin zurückbekommen, wenn du dich noch erinnerst! [Battlin' Boxer Headgeared]! Und er schickt bei seiner Beschwörung einen Trainingspartner auf den Friedhof: [Battlin' Boxer Rib Gardna].“
      So tauchte der blaue, drahtige Boxer mit dem roten Kopfschutz wieder auf.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      Logan nahm eine Karte, die unvermittelt aus seinem Deck hervorstand und schob sie in den Friedhofsschlitz. Anschließend zeigte er eine Zauberkarte vor: „Jetzt aktiviere ich [Batllin' Boxing Spirits]! Im Austausch gegen die oberste Karte meines Decks kann ich einen Boxer in Verteidigung reanimieren!“
      So nahm er eine Karte ab und schickte sie auf den Ablagestapel, ehe er mit einer Handbewegung [Battlin' Boxer Rib Gardna] erscheinen ließ: Einen massiven Boxer in einem braunen Bodysuit, dessen klobiger, unförmiger Körper eine erstaunlich gute Zielscheibe abgab.

      Battlin' Boxer Rib Gardna [ATK/100 DEF/1400 (3)]

      Unerwartet streckte Logan den Arm in die Höhe. Sein eben erst beschworener Boxer und dazu noch der kleine, flinke [Battlin' Boxer Rabbit Puncher] verwandelten sich in rote Lichtstrahlen. „Ich öffne das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 3-Monstern wird ein Rang 3-Monster! Xyz Summon!“
      Beide wurden in ein schwarzes Loch gezogen, welches sich inmitten des Feldes auftat. „[Battlin' Boxer Cheat Commissioner]!“
      Aus dem Wirbel heraus trat eine dubiose Gestalt, gekleidet in einem schwarzen Mantel. In der einen Hand einen Schlagstock für disziplinarische Maßnahmen, hielt er in der anderen ein grünes Megafon, dessen Ende mit spitzen Zähnen gespickt war. Um den Schiedsrichter kreisten zwei leuchtende Lichtsphären.

      Battlin' Boxer Cheat Commissioner [ATK/0 DEF/1300 {3} OLU: 2]

      Logan betrachtete einen Moment sein Blatt, als ob er sich über seine nächste Aktion nicht ganz schlüssig war, ehe er entschlossen nach zwei nebeneinander steckenden Karten griff und jene vorzeigte. „Ich aktiviere zwei Exemplare dieser Karte. Sie nennt sich [Solidarity] und erhöht die Angriffskraft meiner Monster eines bestimmten Typs, wenn all ihre gefallenen Kameraden auf dem Friedhof denselben besitzen.“
      Überrascht verschränkte Anya die Arme. Der Hände haltende Kreis der fünf Ojama-Geschwister auf dem Artwork der Karten entlockte ihr bestenfalls ein müdes Grinsen. „Übst wohl schon den Zwergenaufstand, was? Komm sag schon, um wie viel werden sie stärker?“
      „Pro [Solidarity] um 800. Wie du dir sicher denken kannst, besteht mein Deck nur aus Kriegern.“
      Da klappte der Blondine dann doch die Kinnlade hinunter, als sie sich unter Mühen ausrechnete, was das wirklich bedeutete. „So viel!?“
      Logan legte die beiden Karten in sein D-Pad ein, woraufhin jene sich vor seinen Füßen in aufgedeckter Lage materialisierten. Seine drei Boxer begannen in roter Aura aufzuleuchten.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/3800 → 5400 DEF/2000 {4}]
      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 → 2600 DEF/1800 (4)]
      Battlin' Boxer Cheat Commissioner [ATK/0 → 1600 DEF/1300 {3}]

      „Shit“, fluchte Anya leise vor sich hin. „Der will mich platt walzen!“
      „Selbst die Schwächsten können stark sein, wenn sie die richtigen Freunde haben“, sinnierte Logan geradezu philosophisch, was zu einem auf den ersten Blick eher bodenständigen Mann wie ihm gar nicht passen wollte.
      Seine Gegnerin wiederum sann eher danach, erst mit einem patzigen Spruch zu kontern, doch unverhofft fing sie an, die Bedeutung seiner Worte und der Karte auf sich zu beziehen. Ohne den Beistand anderer wäre sie jetzt nicht hier. Hieß das wiederum, dass sie schwach war?
      Als würde Logan ihre Gedanken in jenem Moment erahnen, sagte er: „Man ist nicht schwach, weil man Hilfe annimmt. Und du brauchst welche, stimmt doch, oder?“
      Blinzelnd sah Anya ihn an. Dann ballte sie mit ihrer herabhängenden Hand unbewusst eine Faust. Sie löste jene jedoch recht schnell wieder und grinste gelassen. „Pft, jetzt auch noch unter die Pfarrer gegangen oder was!? Wir duellieren uns hier aus Spaß, nicht um meine Seele zu retten!“
      Logan lachte kurz auf und nickte dann knapp. „Bah, hast natürlich recht.“
      Und obwohl er davon abließ, blieb bei Anya ein fader Beigeschmack. Schwäche … was war das überhaupt für sie, jetzt wo sie darüber nachdachte?

      Sie hatte jedoch keine Möglichkeit, alsbald zu einem Ergebnis zu kommen, denn Logan streckte den Arm aus. „Dann zeig mal was du noch so drauf hast, Kleine!“
      „Ich bin beschissene Durch-schnitts-grö-ße!“, keifte Anya unverzüglich zurück.
      Gekonnt ignorierte er ihren Einwurf und rief: „[Battlin' Boxer Lead Yoke], greife ihren [Gem-Armadillo] an!“
      Nun frei von seinen Fesseln, schlug der größte und massigste der Boxer nur einmal in die Luft, um eine Druckwelle zu erzeugen, die Anyas fliegendes Gürteltier voll erfasste. Dessen Herrin schwang panisch den Arm aus. „Verdammter Kackmist, ich bin erledigt, wenn der durchgeht! [Angel Wing Dragon], nimm du den Angriff dank deines Effekts entgegen!“
      Elegant glitt der schlangenhafte Drache hinab und platzierte sich schützend vor Anyas anderem Monster. Die Druckwelle traf ihn und schleuderte ihn in Anyas Richtung, doch bevor er sie mit ins Unglück riss, zersprang er fünf vor zwölf in tausend Teile.

      [Anya: 1000LP / Logan: 250LP]

      „Sorry Kumpel, Angel Wing verhindert auch, dass du mir Schaden in Kämpfen mit ihm zufügst.“
      Trotzdem zog Anya die Stirn kraus. So stark, wie Lead Yoke jetzt war, gab es kaum mehr etwas, das ihn noch aufzuhalten vermochte. Sein nächster Angriff würde fatal enden, das stand fest.
      „Bin noch nicht fertig. Effekt von [Battlin' Boxer Cheat Commissioner] aktivieren!“, rief Logan plötzlich und riss die beiden Xyz-Materialien unter besagtem Monster hervor.

      Battlin' Boxer Cheat Commissioner [ATK/1600 DEF/1300 {3} OLU: 2 → 0]

      Jener saugte die leuchtenden Kugeln durch sein Megafon ein, ehe er eine ohrenbetäubende Schimpftirade in einer unbekannten Sprache zum Besten gab. Anya presste vor Schreck beide Hände auf die Ohren und war umso überraschter, als sie dabei beobachtete, wie sich auf Logans Feld eine gesetzte Zauber- oder Fallenkarte materialisierte.
      Noch entsetzter aber war sie anschließend, als Logan ihr entgegen kam und kurzerhand ihre [Gem-Knight Fusion] aus dem Blatt riss, während sie noch damit beschäftigt war, ihre Lauscher zu verdecken.
      „Hey, was soll der Mist!?“
      „Die wird konfisziert“, erwiderte er gelassen, „so ist das eben, wenn ein Boxer kämpft, während der korrupte Schiedsrichter dabei ist. Eine der Zauberkarten auf deiner Hand wird auf mein Feld gesetzt.“
      Prompt drehte er sich mit Anyas Karte in der Hand um, die er der Form halber noch einmal in sein D-Pad einlegte. Seine Gegnerin sah ihm hinterher, als hätte er ihr gerade Barbie für immer weggenommen.
      „Du verdammter-!?“, kreischte sie außer sich. „Was soll ich denn jetzt machen, ich brauch die!“
      „Denk dir was aus.“ Logan war auf seine alte Position zurückgekehrt. „Außerdem, hast du nicht andere Sorgen? So zum Beispiel den Angriff meines [Battlin' Boxer Headgeared]?“
      „Häh?“
      Zur Verdeutlichung zeigte er auf Anyas Gürteltier mit Düsenantrieb. „Diesen Angriff da.“
      Ehe Anya aber schalten konnte, tauchte schon aus dem Nichts ein Boxhandschuh samt Besitzer auf und verpasste [Gem-Armadillo] eine heftige Linke. Der zersprang mit Tränen in den Augen und eingedrückter Wange unter jämmerlichem Quieken.

      [Anya: 1000LP → 100LP / Logan: 250LP]

      Anya wich den umherfliegenden Partikeln mit Seitwärtsschritt aus. Dabei knirschte sie mit den Zähnen. „Großartig …“
      Nicht zuletzt deshalb, weil Logans Zeigefinger auf sie gerichtet war, der ihrer Bewegung unbarmherzig folgte. „Sieht nach 'nem Sieg für mich aus. Gutes Spiel, Kleine.“
      „Sei nicht so vorlaut, noch steh ich!“
      „Direkter Angriff, [Battlin' Boxer Cheat Commissioner]!“, befahl ihr schwarzhaariger Gegner jedoch ehrgeizig.
      So stürmte der bestechliche Schiedsrichter auf Anya zu und schwang seinen Schlagstock hysterisch lachend in ihre Richtung.
      „Mich knockst du nicht aus!“, schrie die und griff nach ihrem Friedhof. „Ich verbanne [Kuriboss] von meinem Friedhof und negiere den Kampfschaden!“
      Kurz bevor Anya den schwarzen Stab mit voller Wucht in die Seite gepfeffert bekam, tauchte genau dort ein brauner Fellball auf und wurde stattdessen erwischt, während Anya die Flucht nach hinten antrat. Die Sonnenbrille des Anführers der Kuribohs flog im hohen Bogen durch die Luft, als der wie ein Baseball mit flatterndem, grauem Cape davon geschlagen wurde.
      „Könnte 'nen Home Run werden“, scherzte Logan und sah dem kreischenden Knäuel hinterher.
      Anya stemmte wütend die Hände in die Hüften, nachdem sie [Kuriboss'] Karte in ihre Hosentasche gesteckt hatte. „Zu blöd aber auch, da ich meinen eigenen Kampfschaden negiert habe, darf ich keine Karte durch seinen Effekt ziehen.“
      „Ist deine geringste Sorge“, reagierte Logan lässig. „Bist.“
      „Du bist der Falsche, um von Sorgen zu reden, Grumpy!“, rief Anya daraufhin und streckte den Arm in die Höhe. „Sieh her! Ich verbanne zwei Stufe 4-Monster von meinem Friedhof und reanimiere [Angel Wing Dragon]!“
      So entledigte sie sich auch noch des [Gem-Armadillos] und [Gem-Knight Garnets], während über ihr der goldene Ring erschien, aus dem kurzerhand der weiß-goldene Drache geschossen kam und wütend aufschrie.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Gerade wollte Anya die oberste Karte ihres Decks greifen, da machte Logans strenges Kopfschütteln sie darauf aufmerksam, dass sie aufgrund des Effekts von [Gem-Trade] gar nicht ziehen durfte.
      Für einen kurzen Moment verharrte Anya. Auf ihrer Hand war nur noch [Gem-Knight Turquoise], aber der war komplett nutzlos, solange ihre [Gem-Knight Fusion] verdeckt vor den Füßen ihres Gegners lag. Also konnte sie [Gem-Knight Pearl] nicht beschwören und stärker machen.
      „Schade“, nuschelte sie, rang sich dann aber doch ein grimmiges Lächeln ab, „nur zu dumm, dass ich ihn gar nicht brauche.“
      Ihr Blick lag dabei auf der verdeckten Karte zu ihren Füßen. Lead Yoke würde sie zwar nicht im Zweikampf besiegen, aber dafür einen anderen Boxer.
      „Zu dumm, dass du die beiden kleinen Fische so schutzlos zurückgelassen hast“, flötete sie und spielte darauf an, dass Logan keine Karten neben ihrer [Gem-Knight Fusion] gesetzt hatte.
      Doch der ließ sich nicht einschüchtern und winkte ab. „Musst wissen, [Battlin' Boxer Cheat Commissioner] kann nicht angegriffen werden, solange andere Boxer im Ring sind. Also kein Ding.“
      Zuckte demonstrativ mit den Schultern. „Na und? Zu dumm nur, dass das Rotkäppchen auch noch da ist!“
      Sie hob den Zeigefinger und richtete ihn unter einem gehässigen Grinsen auf [Battlin' Boxer Headgeared]. „Der da reicht völlig. Los, [Angel Wing Dragon], beende das Duell! Seraphim Judgment!“
      Der majestätische Drache öffnete sein Maul und lud darin weiße Energie auf.
      Logan zuckte mit den Schultern. „Reicht nicht, um mich zu besiegen.“
      „Reicht wohl! Verdeckte Schnellzauberkarte, [Forbidden Chalice]!“, übertönte Anya ihn und schwang den Arm über jene Karte aus. „Sie verstärkt- Huh!?“
      Vor ihren Augen verschwand der Boxer mit dem roten Kopfschutz einfach. Wie eine Illusion, die nie da gewesen war. Angel Wing stieß derweil ungehindert seinen weißen, flammenden Energiestrahl aus, um den eine goldene Lichtspirale kreiste. Der Angriff war direkt auf die Lücke zwischen den beiden Xyz-Monstern gerichtet.
      Fassungslos breitete Anya die Arme aus. „Was soll der Kackmist!? Ich habe-!? Wo ist dieser Bastard hin!?“
      „Verbannt auf Zeit durch [Battlin' Boxer Rib Gardnas] Effekt“, erklärte Logan, „den kann ich vom Friedhof entfernen, um ein bisschen Katz' und Maus zu spielen. Sieht so aus, als gäbe es jetzt nur noch ein legales Ziel für deinen Angriff.“
      Mitten in der Luft machte [Angel Wing Dragons] Lichtstrahl eine Kurve und steuerte geradewegs auf [Battlin' Boxer Lead Yoke] zu. Anya stand der Mund offen.

      Los, benutze jetzt endlich deine Zauberkarte, Anya Bauer!

      Die aber hatte nur ihren gescheiterten Plan vor Augen. [Forbidden Chalice] erhöhte die Angriffskraft eines Monsters um 400, was gereicht hätte, Logans Lebenspunkte mit einem Angriff auf Rotkäppchen auszulöschen. Aber was brachten ihr die schon, wenn plötzlich der übermächtige Lead Yoke das Ziel war!?
      „Das ist viel zu wenig“, knurrte sie leise, „denk dir was Besseres aus, Levrier!“
      Sie hörte ihn, wie er schon fast niedergeschmettert stöhnte.

      … Anya Bauer, hängst du eigentlich an deinem Leben?

      „W-was!?“
      Und was sie dann hörte, war der wohl erste Wutausbruch Levriers in der Geschichte ihrer Bekanntschaft.

      Denkst du nicht mit deinem eigenen Kopf!? Liest du dir nicht durch, was auf den Karten steht, die du benutzt!? Wie viele Kämpfe auf Leben und Tod hast du bis heute ausgetragen, um zu wissen, dass jede Unachtsamkeit das Ende bedeuten könnte!?

      Bei der sich überschlagenden Stimme in ihrem Kopf zuckte selbst Anya zusammen. „Was ist auf einmal dein Problem!?“

      Du bist das Problem, Anya Bauer. Du kämpfst wie die Versagerin, die du nicht mehr sein wolltest! Jetzt ist es zu spät. Game Over, wie du-!

      Anya ließ noch einmal den Arm über ihre verdeckte Karte gleiten, mit einem zutiefst erschütterten Gesichtsausdruck. „Falle! I-ich meine Zauberkarte, [Forbidden Chalice]! Sie erhöht- nein, sie negiert den Effekt eines Monsters auf dem Feld, gibt ihm aber 400 Angriffspunkte dafür.“
      Das Megafon in der Hand des Schiedsrichters löste sich plötzlich auf und wurde durch ein Glas gefüllt mit Rotwein ausgetauscht, nachdem Anyas Karte aufgesprungen war. Nur ein Schluck reichte, um ihn zum Würgen zu bringen.

      Battlin' Boxer Cheat Commissioner [ATK/1600 → 2000 DEF/1300 {3}]

      Sehr gut. Und nun beende es!

      „Da der Effekt dieses Typen negiert wurde, kann ich ihn als Ziel des Angriffs auswählen!“
      Nur wenige Zentimeter bevor der Lichtstrahl in Lead Yokes Brust einschlug, machte er abermals wie von Zauberhand eine Kurve und traf unvermittelt auf dessen Mitstreiter. Logan wich erstaunt der nachfolgenden Explosion aus.

      [Anya: 100LP / Logan: 250LP → 0LP]

      Anya stand der Mund offen, denn sie war nicht imstande, das Geschehene sachgerecht zu verarbeiten.

      Das war eine schlechte Leistung für ein unnötiges Duell, Anya Bauer. Ich kann nicht glauben, dass du wieder in deine alten, ignoranten Muster verfallen bist.

      Das unerwartete, abrupte Ende des Duells traf sie nicht weniger hart als die Worte Levriers. Plötzlich hörte er sich nicht mehr wie ihr Freund an, sondern wie dieser Immaterielle von damals, der sie herumkommandieren wollte.
      „I-ich …“
      „Alles in Ordnung?“, fragte Logan überrascht und deaktivierte sein D-Pad. Die Hologramme verschwanden.
      Anya sah ihn an, nahm wie in Trance die [Gem-Knight Fusion] entgegen, die er ihr zurückgab. Und plötzlich fühlte sie sich unendlich hilflos. Dumm. Schwach. Alles was sie gewollt hatte, war Spaß zu haben. Einen normalen Tag mit einem normalen Menschen zu verbringen. Ausgerechnet Levrier musste ihr das vermiesen. Wieso!?
      „Ich … weiß es nicht.“
      Sich gegenüberstehend, legte Logan seine Hand auf Anyas Schulter. „Siehst definitiv nicht danach aus. Das Angebot mit der Hilfe steht noch.“
      Unvermittelt riss sie sich von ihm los, sah ihm aufgelöst in die Augen. „Wie könntest du mir jemals helfen, huh!? Ich werde krepieren, wenn ich nicht besser werde! Und mir läuft die Zeit davon, verstehst du!? Schwach! Verdammte scheiße, ich bin … schwach.“
      „Wovon zur Hölle redest du?“ Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Natürlich konnte er ihr nicht folgen.
      Etwas, das Anya zu ändern gedachte. „Das willst du wissen? Fein! Dann sperr mal schön die Lauscher auf!“

      Impulsiv zischte sie an ihm vorbei und packte seinen Arm, schleifte Logan hinter sich her. Er ließ es widerstandslos geschehen.
      „Alles ist scheiße!“, fluchte sie dabei. „Dieser beschissene Traum, ich hätte nie daran denken dürfen!“
      Sie steuerte das offene Garagentor an. „Und statt meine Zeit hier zu verschwenden, sollte ich vermutlich irgendwo im Nirgendwo sein und jemanden ordentlich verdreschen. Weil das nun mal so läuft, seit die ganze Scheiße angefangen hat. Fuck!“
      Als sie ins Innere der Werkstatt gelangten, sprang unweigerlich der weiße Porsche in Anyas Blickfeld. Logan wurde losgelassen, ebenso ein wütender Aufschrei. Der erste Tritt galt dem Nummernschild, das solange beharkt wurde, bis es auf dem Boden lag. Danach schnappte Anya sich aus einem unweit stehenden Werkzeugkoffer einen schweren Schraubenschlüssel und begann, auf die Windschutzscheibe einzuschlagen. Zunächst erschuf sie ein schönes Spinnennetz, ehe sie nach mehrmaligem Zulangen schließlich einen Scherbenhaufen folgen ließ. Keuchend warf sie den Schraubenschlüssel beiseite, nahm Abstand und betrachtete ihr Werk.
      „Wird teuer für dich“, merkte Logan trocken an.
      Anya winkte ab. „Mir doch egal. Nick bezahlt das.“
      „Und, geht es dir besser?“
      „Nein.“

      Sie drehte sich zu ihm um, den Kopf gesenkt haltend und setzte sich auf die Motorhaube des ramponierten Wagens. Dann kam die Stille. Sich neben sie setzend, starrte Logan geradeaus und wartete darauf, dass sie das Wort ergriff.
      „… ich stecke in Schwierigkeiten“, begann sie plötzlich tonlos, „ganz tief in der Scheiße.“
      „Hast wohl den falschen Leuten ans Bein gepinkelt?“
      Anya schüttelte den Kopf. „Ne. Nur mein Leben verkauft. Unwissentlich, damit das ja mal gleich klar ist!“
      Sie reckte das Kinn vor, in ihrem Blick stand unbändige Wut geschrieben. „Was glaubst du wohl, wie leicht es ist, jemanden auszunutzen, der glaubt, bald sterben zu müssen? Fuck …“
      Dann ließ sie den Kopf wieder hängen. „Jetzt sitze ich in derselben Scheiße wie letztes Mal.“
      Logan sah sie forschend von der Seite an. „Klär mich auf.“
      Als Reaktion darauf entfuhr Anya ein bitteres Kichern. „Sicher? Wenn ich dir das erzähle, wirst du mich in Victim's Sanctuary einweisen wollen. Und wenn du mir glaubst, dann werde ich dich dort einweisen müssen, weil du dann der größte Idiot auf diesem Planeten wärst, noch vor Harper.“
      Er zuckte mit den Schultern. „'bilde mir meine eigene Meinung. Und selbst wenn ich ein Idiot wäre, solche Leute muss es auch geben, damit freche Mädchen wie du sich abreagieren können, wenn sie Probleme haben.“
      Anya sah ihn verdutzt von der Seite an. „War das ein Kompliment?“
      „… nein.“
      Trotzdem gelang ihm das Unmögliche. Anya lachte. Nur ganz kurz, aber er entlockte ihr ein, für ihre Verhältnisse, ziemlich authentisches Lachen. Welches sie, als sie es bemerkte, sofort unter ihren gefühlten hundert Kilo schweren Mundwinkeln begrubt. „Arschloch!“
      „Erzähl's, bevor ich das Interesse verliere.“
      Anyas Finger krallten sich um den Rand der Motorhaube. „Ich kann's nicht.“
      Sie zuckte anschließend zusammen, als sie seine Hand auf der Schulter spürte. „Du kannst. Werd' auch nicht lachen, versprochen.“
      „'kay. Wenn du's tust, ramm' ich dir 'nen Schraubenzieher in den Hals und dreh solange, bis du deine Eier schmecken kannst!“ Anya sah ihm tief in die Augen. „Glaubst du an das Übernatürliche?“
      „Bin mir nicht ganz sicher. Eher nicht.“ Logan hielt ihrem Blick locker stand. „Sollte ich etwa?“
      „Wenn's nach mir geht, nicht. Hab ich das bis vor knapp einem Jahr nämlich auch nicht. Aber blöderweise hat selbst eine Anya Bauer nicht immer das Sagen, schon gar nicht in solchen Angelegenheiten.“

      Welche sie ihm im Anschluss fast zwei Stunden lang ausbreitete, mit allen Details. Einfach allem, selbst einigen Dingen, die ihre Freunde so nicht kannten. Wie sie Levrier zuerst begegnete, was sie fühlte, als sie den Pakt schloss, wie sie davon erfuhr, was ihr widerfahren würde, wenn sie nicht zu Eden würde und dem Plan des Sammlers, der aus der ganzen Sache seinen eigenen Nutzen zog. Sie gestand sogar, indirekt verantwortlich für Drazens Tod zu sein. Und für Marcs, welcher zumindest wieder lebte.

      Als sie geendet hatte, war Logan längst aufgesprungen, hatte sich vor Anya aufgebaut und sah sie mit verschränkten Armen an. Sein tadelnder Blick sprach Bände. „Schöne Geschichte hast du dir da ausgedacht.“
      Anya sah beleidigt zur Seite. Wie sie das gewusst hatte! Natürlich würde er ihr nicht glauben, egal wie sehr sie auf das Gegenteil gehofft hatte. Sich ihm zu öffnen war so befreiend gewesen, weil er ein Außenstehender war, den sie dazu noch kaum kannte. So gut es auch war um den Beistand ihrer Freunde zu wissen, so wollte sie nicht jedes Mal dieselben Versprechen und Gebete hören.
      „Ist nicht ausgedacht“, brummte sie düster.
      „Erzähl das jemandem, der'n Huhn nicht von 'nem Pferd unterscheiden kann.“
      Täuschte sich Anya, oder klang Logan irgendwie enttäuscht. Fast so, als hätte er Erwartungen gehegt, die sie nicht erfüllt hatte. Was bildete der sich eigentlich ein!?
      Wutentbrannt sprang sie ebenfalls auf, stand ihm direkt gegenüber. „Was hast du für ne Ahnung, huh? Levrier könnte mit dir den Boden wischen, wenn ich nur wollte.“

      Ich will aber nicht.

      Die Stimme der Vernunft konnte sich gepflegt verpissen, dachte sich Anya sauer über Levriers unproduktive Worte und schnaubte. „Du hast doch selber gesehen, wie Zach mit dieser verfickten Kali abgezischt ist!“
      „Ich weiß nicht, was ich dort gesehen habe! Entweder hast du mich damals belogen oder jetzt. Soll ich mich jetzt glücklich schätzen? Was für'n Spiel ist das hier, die versteckte Kamera?“
      Anya stampfte mit dem Fuß auf, um wenigstens ein bisschen Wut abzulassen, nachdem aus dem Porsche nicht mehr viel herauszuholen war. „Ach und du? Du tust so, als wärst du der größte Anfänger auf Erden, hast aber ein D-Wheel, greifst in ein Spiel ein, von dem ich nicht mal wusste, dass ich es verlieren würde und duellierst dich besser als ich es je könnte! Wer ist hier der Lügner?!“
      Das kalte Aufblitzen in seinen Augen ließ sie verstummen. „Wann habe ich jemals behauptet, ein Anfänger zu sein?“
      Es nahm ihr glatt den Wind aus den Segeln. Gar nicht. Davon war sie selbst ausgegangen, nachdem er um ein Duell gebeten hatte. In Ermangelung eines passenden Konters fauchte sie: „Bitteschön, ich bin weder dir noch sonstwem Rechenschach schuldig!“

      Rechenschaft.

      Logan schüttelte langsam den Kopf. „Is' richtig. Dasselbe gilt aber auch für mich. In den zwei Stunden, in denen du meine Zeit mit diesem Mist verschwendet hast, hätte ich etwas Sinnvolles tun können. Wie dieses Chaos zu beheben, das du angerichtet hast.“
      Dabei richtete er die flache Hand auf den demolierten Porsche.
      Es war ein Stich ins Herz für Anya. Den sie unkommentiert ließ, weil ihre Unerfahrenheit in Sachen Gefühlspolitik erneut verhinderte, dass ihren Gehirnwindungen eine passende Antwort entsprang.

      Anya Bauer, lass es gut sein.

      Levrier erschien neben ihr und sah in seiner schwebenden Haltung auf sie herab. Sein weißer Helm und das blaue Augenpaar brachten, wie immer, keinerlei Gefühle zum Ausdruck. Doch sein Tonfall drückte, selbst für Anya unmissverständlich, Mitgefühl aus.

      Du kannst nicht erwarten, dass ein normaler Mensch, dem nie etwas Außergewöhnliches widerfahren ist, dir Glauben schenkt. Er will dich sicher nicht verletzen.


      Die Blonde sah zerrissen zu Logan herüber, um festzustellen, dass er sich längst abgewandt hatte und die Garage verließ. Ohne es zu wollen, setzten sich ihre Füße in Bewegung. Levrier folgte ihr.

      Im Gegenteil, ich denke, du hast ihn verletzt. Für ihn ist es eine Lüge, auch wenn du die Wahrheit kennst. Du solltest davon ablassen, ihn einweisen zu wollen. Denn wenn er einmal in diesem Sog steckt, kommt er nie wieder heraus.

      Anya blieb direkt unter dem Garagentor stehen, sah Logan dabei zu, wie er sich auf sein draußen stehendes Motorrad schwang und sich den Helm umschnallte.
      Sie wollte es ihm beweisen. Einfach nur zeigen, dass sie keine Lügnerin und er im Unrecht war, sie als solche zu bezeichnen. Es wäre genug, Angel Wing in seiner Waffenform zu beschwören.

      Ist es nicht zuletzt diese Unbefangenheit, die du an ihm schätzt? All die Leute, die du kennst, sind bereits Mitwisser deiner Tragödie. Das verbindet. Aber manchmal ist es auch ein Fluch, du weißt es besser als jeder andere.

      Anya hob langsam die Hand an, spreizte die Finger auseinander.

      Beschütze ihn vor deiner Vergangenheit und Gegenwart, Anya Bauer. Zieh ihn nicht in des Sammlers Spiel hinein. Wenn er dir erst glaubt, wird er versuchen wollen, dir zu helfen. Das ist die Sorte Mensch, die er ist.

      Auf Höhe ihrer Hüfte ließ sie ihren Arm verharren. Es war sowieso zu spät, Logan trat in die Pedale und fuhr unter lautem Motorengeheul einfach los. Ohne sich noch einmal umzudrehen oder etwas zu ihr zu sagen.
      „Idiot …“, stammelte sie leise.

      Glaub mir, ich will nur das Beste für euch beide, Anya Bauer. Deswegen werde ich mich auch nicht für meine Worte von vorhin entschuldigen.

      „Doch nicht du“, murmelte Anya niedergeschmettert, „ich bin der Idiot …“

      -~-~-

      Die beiden Türhälften bewegten sich automatisch beiseite, als Nick das mehrstöckige Firmengebäude von Micron Electronics betrat, dem größten Computer-Chip-Hersteller in der ganzen Region, mit Hauptsitz in Livington.
      Nein, hiermit hatte Nick nicht gerechnet. Er kannte die Firma aus der Zeitung, aus Medienberichten, aber er hätte nie gedacht, einmal hierher zu kommen.

      Ungestüm durchquerte er das schlichte, weiße Foyer und fegte regelrecht an der Empfangsdame hinter dem gläsernen Tresen vorbei.
      „Sie können nicht-!“
      „Ich kann“, widersprach Nick resolut, als er einen der Fahrstühle weiter hinten anvisierte.
      Die adrett in Uniform gekleidete, junge Frau stöckelte ihm unbeholfen hinterher.
      „Haben Sie einen Termin?“, fragte sie, nur um dann selbst zur einzig richtigen Erkenntnis zu gelangen: „Natürlich haben Sie nicht. Sie sind Nick Harper!“
      Vor dem Fahrstuhl angelangt, wirbelte er mit eisigem Blick zu ihr herum, während er noch in der Bewegung gegen die Aufwärtstaste hämmerte.
      „Und wenn ich es wäre?“
      „Er wartet in seinem Büro auf Sie, 8. Stock“, sagte die Empfangsdame mit fester Stimme.
      Ohne zu antworten drehte Nick sich wieder um und stieg wenige Sekunden später in den Aufzug.

      Besagte acht Stockwerke später stieg er wieder aus, sah sich kurz um. Überall gläserne Türen, in die man erst etwa auf Brustbeinhöhe hinein starren konnte, denn alles darunter war mit matter Glasdekorfolie beschichtet. Auf jeder Tür war mit schwarzen Lettern der Besitzer des Büros samt seiner Stellenbeschreibung angegeben. Anhand einer Wegbeschreibung neben dem Aufzug fand Nick heraus, dass er nach rechts gehen musste, wenn er den Obersesselpupser sehen wollte. Wobei von wollen gar keine Rede sein konnte.
      Er folgte dem Gang nach rechts und fand sich bald vor einer Tür mit Aufschrift „Aiden Reid, CEO“ wieder. Ohne auch nur anzuklopfen riss er die Tür auf.
      Je schneller er das hier hinter sich brachte, desto besser.

      Nick fühlte sich schlagartig unwohl, als er das Büro betrat. Das lag aber nicht an der Inneneinrichtung, die tatsächlich sehr geschmackvoll gewählt war mit den dunklen Holztönen und Wohnzimmer tauglichen Möbeln. Es war ein sehr einladendes Büro. Nein, was Nick so schwer im Magen lag war der Mann, der ihn hierher bestellt hatte und bereits, angelehnt an seinen Schreibtisch, hinter diesem auf ihn wartete.
      Der erste und vor ein paar Wochen noch einzige Mensch, der über seine Geheimnisse Bescheid wusste.
      „Aiden“, brummte Nick beim Anblick des Mannes und das in einem Tonfall, der stärksten Würgereiz ausdrücken sollte. „Was verschafft mir die zweifelhafte Ehre?“
      „Du und Ehre? Das wäre mir neu“, scherzte der brünette Mittdreißiger von Micron Electronics auf eine nicht weniger bissige Art und Weise und verschränkte dabei die Arme.
      Nick schloss auf einen Wink Aidens hin die Tür und betrachte den Mann, der für ihn Anyas Valerie war. Er hatte sich kaum verändert seit damals, mit Ausnahme davon, dass er Chef eines millionenschweren Unternehmens geworden war. Ein Wissen, das selbst Nick bisher entgangen war.
      Kurzes, braunes Haar, fein gegelt, die Andeutung eines Barts um den Mund und klare, graue Augen, die binnen kürzester Zeit die noch so cleversten Lügen entlarven konnten. Nur Satan war noch heimtückischer als dieser Mann.
      „Ich habe nicht viel Zeit. Was willst du?“, raunte Nick missgelaunt.
      „Wenn du schon so direkt fragst … dich.“ Ein chauvinistisches Lächeln begleitete die Worte des CEOs.
      Nick lachte auf. „Bedauere, ich mag meine Männer etwas … weiblicher, du verstehst?“
      „Ich mag meine kompetent. Wie soll ich anfangen? Sagen wir einfach, ich habe dich vermisst und dachte, es wird Zeit, dir die Einladung zu schicken, die ich schon seit einer gefühlten Ewigkeit loswerden möchte. Immerhin sind mir deine derzeitigen Aktivitäten in der Szene nicht entgangen“, sagte Aiden, stieß von seinem Schreibtisch ab und stellte sich hinter jenen, „nur kann ich mir keinen Reim daraus machen. Wonach suchst du? Planst du eine Reihe von Attentaten?“

      Eine zornige Falte bildete sich auf Nicks Stirn. Aiden spielte auf die Personen an, die Nick für Anya versuchte ausfindig zu machen. Wie naiv von ihm zu glauben, dass Aiden das Hinterherspionieren aufgegeben hatte, nachdem er ihn vor Jahren dafür fertig gemacht hatte. Zwar hatte er befürchtet, nie ganz aus seinen Fängen entkommen zu sein, aber ausgerechnet heute? Ganz schlechtes Timing.
      „Wenn, dann würde ich es dir ganz sicher nicht sagen.“
      „Ach bitte, Nick.“ Der versöhnliche Ton rief in Nick Gefühle hervor, die er sonst nur von Anya kannte. Und nein, es waren keine guten. „Das würde doch noch zu deinen harmloseren Sünden zählen.“
      „Unseren Sünden“, korrigierte Nick ihn steif.
      „Unseren Sünden“, bestätigte Aiden ihm lächelnd und faltete die Hände ineinander, „andererseits, dagegen ist dein neuester Affront … traurig. Für ein Genie wie dich sogar jämmerlich.“
      „Wovon sprichst du?“
      Aiden drehte den Laptop auf seinem Schreibtisch mit einer Handbewegung um. Auf dem Bildschirm war ein Duel Monsters-Spielfeld abgebildet. Dort zu sehen war der letzte Zug von Nicks Duell mit Valeries Klon, oder was auch immer es war. Ihre Seite war komplett leer, es gab keine Daten ihres Decks.
      „Und was sehe ich da?“
      „Die Frage habe ich mir auch gestellt, Nick. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet du kleines Wunderkind jemals in die Lage gerätst, faule Tricks anzuwenden.“ Aiden tippte auf die [Change Of Heart]-Karte, die der virtuelle Nick gerade aktivierte. „Schäm' dich, mein Junge. Das habe ich dir nicht beigebracht.“
      „Stimmt. Dagegen ist das noch harmlos.“
      Zu seinem Erstaunen bemerkte Nick nebenbei, dass die Ateritus-Karten nun deutlich dargestellt wurden, als hätte es sie schon immer gegeben …
      „Dir ist doch klar, dass das hier unser Geheimnis bleiben sollte, oder?“, fragte Aiden plötzlich nach und stützte sich mit beiden Händen auf die Tischkante. „Du weißt, unsere Szene ist sehr eigenwillig. Hat ihren Stolz.“
      Nick kam nicht umher, den Kopf zu schütteln. „Wegen so einer Lappalie bestellst du mich hierher? Pft. Ich gebe nichts auf Stolz. Im Moment ist Stolz etwas, das ich mir nicht leisten kann.“
      „Oh, dem stimme ich zu.“
      „Was soll das heißen?“

      Ein siegessicheres Lächeln schmückte Aidens ansehnliches Gesicht. Wie es das immer tat, wenn er glaubte, alle Karten auf der Hand zu haben. „Nun, du wärst sicher nicht sehr erfreut darüber, wenn diese Aufzeichnung ihre Runden macht. Die Konkurrenz schläft nicht und würde das sicher dazu benutzen wollen, deinen Ruf in der Szene zu torpedieren.“
      „Ist das dein Ernst?“ Der zerzauste junge Mann lachte halb fasziniert, halb irritiert auf. „Ich sehe nicht, warum ein kleiner Hack mit einer verbotenen Karte-“
      „Es geht nicht darum, was man da sieht. Sondern was man nicht sieht, Nick.“ Aiden stieß sich von seinem Schreibtisch ab und trat langsam an Nick heran. „Du bist in der Vergangenheit einigen Leuten böse auf die Füße getreten. Gib ihnen Angriffsfläche und sie werden nur allzu gerne deine Leichen ausgraben. Ganz zu schweigen davon, was geschieht, wenn jemand aus falschem Stolz die Öffentlichkeit von deinen Aktivitäten in Kenntnis setzt. Hiermit hätten sie den ultimativen Beweis, Schwarz auf Weiß. Einfacher geht es gar nicht. Willst du das?“
      Der größere Nick legte den Hals schief, als sein Mentor sich vor ihm aufbaute. Sein zynischer Ton war allen Zweifeln erhaben. „Bedaure, habe gerade nicht ganz zugehört. Hab ich da etwas von Erpressung gehört?“
      „Selbstverständlich. Anders würdest du ja nicht freiwillig mit mir reden.“
      Nick schnalzte genervt mit der Zunge. „Und was muss ich tun, um die Verbreitung des Videos zu verhindern?“
      „Ich sagte bereits“, murmelte Aiden und stieß Nick mit der Faust gegen die Brust, „ich will dich. Ich habe noch eine Stelle zu besetzen und du bist der ideale Mann. Kreativ, kompromisslos-“
      „Abgelehnt“, wies Nick ihn eiskalt zurück und schob Aidens Faust beiseite, „eher steige ich mit dem Teufel ins Bett als mit dir.“
      Aiden lachte stumm auf und zog seine Hand, die er vorher kurz betrachtete, langsam zurück. „Ich habe nichts anderes erwartet. Scheinbar kannst du dir doch noch ein bisschen Stolz leisten.“

      Nick, der sich Aidens Nähe mit einem flinken Seitenschritt entzog, eilte auf die Tür zu. Als er schon die Klinke in der Hand hielt, drehte er sich noch einmal um. „Wenn es um dich geht hat mich die Vergangenheit eines gelehrt. Gib Aiden Reid den kleinen Finger und er benutzt ihn, um einen Regen der Zerstörung auf die Welt niedergehen zu lassen.“
      Aiden schloss die Augen und nickte. „Schade. Das letzte Mal, als ich einen deiner Finger genommen habe, hätte beinahe ein Ring dran gesteckt.“
      „Das Gespräch ist beendet“, flüsterte Nick unterkühlt, fügte anschließend noch hinzu: „Tu was du willst, meinetwegen fang' einen Krieg mit mir an. Aber den verlierst du.“
      Und riss die Tür weit auf. Aiden blieb stumm, drehte sich zum Schreibtisch und klopfte mit dem Fingern nachdenklich darauf herum, als jener junge Mann davon eilte.
      „Denk an deine Sünden“, sagte er dabei vor sich hin, laut genug, dass Nick es noch vernehmen konnte, bevor die Tür ins Schloss fiel.

      Und so verließ Nick schnellstmöglich das Micron Electronics-Gebäude. Froh, seinem Fast-Verlobten zu entkommen. Dem einzigen Menschen neben Anya, dem es jemals gelungen war, ein Gefühl namens Liebe in Nick zu wecken. Und der Mensch, der ihn im Stich gelassen hatte, als er ihn am meisten gebraucht hatte.

      -~-~-

      „Abby“, flüsterte Nick einige Stunden später in den Hörer, nachdem er sich in seinem Zimmer verbarrikadiert hatte, „ich muss reden.“
      „Worum geht es denn?“, hörte er sie besorgt fragen.
      Der schlaksige junge Mann setzte sich an den Rand seines Bettes, zerrte nervös am Laken. „Du erinnerst dich doch sicher noch an die Zeit im Kindergarten. Anya und ich, ich habe immer versucht, sie durch mein albernes Verhalten zum Lachen zu bringen.“
      „J-ja?“
      „Es ist alles eine Lüge. Dieser Junge von damals … das war jemand anderes. Ich bin nicht Nick Harper.“


      Turn 53 – Never Fall Forever
      Nick fasst den Mut, Abby von seiner Vergangenheit zu erzählen und eröffnet ihr in diesem Zug Wahrheiten, die niemand je für möglich gehalten hätte. Am nächsten Tag findet ein Treffen zwischen ihm, Aiden und Anya statt, welcher ein besonders für Anya sehr interessantes Angebot unterbreitet. Kurze Zeit später hat diese jedoch ganz andere Sorgen, denn …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Crystal
      Gem-Knight Alexandrite

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Indem du diese Karte und ein anderes "Gem-Knight" Monster von einem Xyz-Monster abhängst: verdopple bis zur End Phase seine ATK.

      Gem-Armadillo
      Morphing Jar

      Kuriboss
      Fee/Licht/Empfänger
      ATK/300 DEF/200 (1)
      Wenn einem Spieler Kampfschaden zugefügt wird, während sich diese Karte auf deinem Friedhof befindet: du kannst diese Karte verbannen, um den Schaden auf 0 zu setzen. Wenn du durch diesen Effekt Kampfschaden, den dein Gegner erleiden würde, annulliert hast: ziehe eine Karte; du kannst die ATK eines offenen Monsters um 300 erhöhen.

      Gem-Knight Fusion

      Gem-Trade
      Zauber/Normal
      Aktiviere nur, wenn sich auf deinem Friedhof eine "Gem-Knight Fusion", "Particle Fusion", "Pyroxene Fusion" oder "Fragment Fusion" befindet. Wähle ein "Gem-Knight"-Fusionsmonster von deinem Friedhof als Ziel und verbanne es; ziehe für jeden Intervall von 3 in seiner Stufe eine Karte. Du überspringst dann eine Anzahl an Draw Phasen, die der Zahl der durch diesen Effekt gezogenen Karten entspricht.

      Monster Reborn
      Forbidden Chalice

      Return From The Different Dimension

      Gem-Knight Ruby
      Gem-Knight Citrine

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Logan

      Battlin' Boxer Headgeared
      Battlin' Boxer Glassjaw
      Battlin' Boxer Counterpunch
      Battlin' Boxer Rib Gardna
      Battlin' Boxer Rabbit Puncher

      Battlin' Boxing Spirits
      Solidarity x2

      Shift

      Battlin' Boxer Lead Yoke
      Battlin' Boxer Cheat Commissioner


      Na was da wohl auf euch zu kommt? :P
      -Aska-
      Naja, sagen wir mal so, dass du durchaus am Ableben von sekundären Charakteren Schuld bist, das war mir klar. Aber Alastair kürzlich kam doch etwas unerwartet. Aber denke dass Nick noch zuviel Geschichte hat, ehe sich da die Gefahr eines vorzeitigen Todes anbahnt. Andererseits, man kann auch viele Dinge über andere Charaktere erzählen, insofern jepp, die Ungewissheit :)

      Die doppelte Val ist erst genug Wiedergutmachung wenn sie beide in einer Folge auftreten und sich in irgendeiner Form begegnen xD

      Vielleicht ist diese 'persönliche Hölle' ja so verlockend, dass sie noch vorkommt ^^

      Klar, in der Situation hätte vermutlich jeder sein Ehrgefühl seinem Überlebenstrieb hintenan gestellt. Und du hast vollkommen recht, geschadet hat er in erster Linie niemanden. Aber ich denke, in gewissen Grenzen hätte er das trotzdem in Kauf genommen.

      Folge

      So, damit ist die Bombe gezündet. 'Nick' ist nicht Nick. Was erst passiert, wenn sie platzt und all die Wahrheiten ans Licht kommen? Aber ich verzichte, ihn in Zukunft jemals Fake-Nick zu nennen, denn die Verkürzung davon würde bestimmt zensiert werden xD

      Mir gefiel es auf jeden Fall, dass er sich in seinem Zimmer verbarrikadierte. Dem einzigen Ort, der für ihn vermutlich so etwas wie ein Refugium darstellt. Auch, dass er jemanden zum Reden nach der Begegnung mit Aiden brauchte, und er eigentlich auch niemanden wirklich hat, an den er sich damit wenden kann, außer eben Abby.
      Was das Treffen mit Aiden angeht, da hat man nicht zuletzt an der Unlust von Nick deutlich gemerkt, dass dieser alle Fäden in der Hand hielt. Aber Aiden scheint auch genau zu wissen, was er will und wie er es bekommt. Er ist wie ein Schachspieler, der seinem Gegner eine Falle stellt, die der erst sieht, wenn er schon längst in sie hineingetappt ist. Insofern wäre es nicht verkehrt, ihn als sehr durchtrieben zu bezeichnen.
      In der Preview erfährt man ja schon, dass es gleich in der nächsten Folge ein Wiedersehen mit ihm gibt. Hätte ja nicht gedacht, dass das so Schlag auf Schlag geht, aber auch das spricht ja dafür, dass er Nick keine Zeit zum Nachdenken bzw. Ausruhen gibt und ihn gleichermaßen in Zugzwang bringt.

      Aber das Nick kaum noch die Kontrolle hatte, spürte man auch schon zu anderer Stelle am Beginn der Folge bei der Szene, als er mehr über Matts mysteriöse Karte, die gar nicht existieren dürfte, herausfinden wollte. Das sind Momente, die nur wenig mit dem minutiös planenden und vorbereiteten Nick zu tun haben, vielmehr sehr von Impulsivität geprägt. Und insgesamt war das ja auch dann wirklich nicht von Erfolg gekrönt, aber immerhin konnte er ihm Ouroboros abluchsen. Die Frage ist da nur, ob man jemand eine Paktkarte so einfach wegnehmen kann. Und im Fall von Ouroboros gibt es noch eine andere Sache. Wenn man an das Special zurückdenkt und alle Auftritte von Matt danach, der deutlichen Unwillen zeigte, diese überhaupt zu rufen, könnten solche Auswirkungen jetzt durchaus mit Pech auch bei Nick passieren.
      Aber auch wenn Matt hier das Opfer war, bleiben mir bei ihm immer noch Zweifel, obgleich er ja wirklich den Eindruck erweckte, dass er unschuldig wäre und tatsächlich von nichts wüsste. Lustig waren da auf jeden Fall aber im Anschluss die Momente zu Tisch, als beide ihre Anspielungen/Andeutungen machten, von denen nur Anya am Tisch nichts blickte - sowie der friedensstiftende, fehlgeleitete Tritt! Herrlich xD

      Der zentrale Part der Folge war das Fun-Duell zwischen Logan und Anya. Wobei ich da relativ schnell gemerkt hat, dass das von einem Fun Duell zunehmend nur noch wenig hatte. Was eigentlich hatte Spaß sein sollen, wurde von Anyas Seite aus zum bitteren Ernst. Logan gelang es kontinuierlich, ihre teils plumpen Züge geschickt auszukontern und so über den Verlauf des Duells die Oberhand zu behalten. Und es ist wie es ist, hätte Levrier ihr nicht die Meinung am Ende gegeigt, wäre sie auch da mit Pauken und Trompeten untergegangen. Aber für Anya war es eben ein bitteres Duell, weil es ihr ihre eigene Schwäche auf deutliche Weise vorgeführt hat. Dabei hatte sie sich ja erhofft, inzwischen stärker geworden zu sein.
      Vielleicht kann man ihr aber auch zu Gute halten, dass sie im Unklaren über ihre Gefühle zu Logan einfach unfähig war, ihre emotionale Verteidigung aufzugeben und ihm deshalb ständig die Stirn in verbaler Weise bieten musste, damit sie da auch ja keine Schwäche zeigt. Gerade weil die letzten Male, als sie verliebt war, ihr jedes Mal geschadet hat und zu großen Schäden geführt hat.

      In dem Zusammenhang passte da Anyas Geständnis nach dem Duell sehr schön. Trotz allem wagt sie es, sich einer nicht involvierten Person zu öffnen, und wird dann von dieser praktisch aufs Entschiedenste zurückgewiesen. Für jemand wie Anya, die normalerweise nur schwer Vertrauen zu anderen fasst, ein absolut herber Schlag. Die Frage wird aber erstmal bleiben, wie man Logans Empörung, dass sie ihn "vermeintlich" anlog, auslegen muss? War er wirklich entäuscht, dass sie ihm einen solchen magischen Humbug aufzutischen versuchte? Oder brauchte er erst einmal einen Moment für sich, um das alles zu verdauen, bevor er ihr wieder gegenübertreten kann? Bei der letzten Variante könnte es natürlich auch sein, dass er ihr in Wirklichkeit geglaubt hat, aber für sie aus einem Grund den Skeptiker gespielt hat, vielleicht damit er etwa nicht darin involviert wird, oder sich selbst zu einem Druckmittel für sie macht. Da gibt es soviele Möglichkeiten, wie man das auslegen könnte ...

      Insgesamt aber hatte das Ganze für Anya jedoch zwei wichtige Lektionen. Zum Einen wieder die, dass sie in einem Duell ihre Karten wirklich kennen und nachdenken muss, bevor sie eine ausspielt, wie sie sie nutzt. Levrier kann ja nicht jedes Mal da sein und ihr in den Arsch treten, wenn sie Gefahr läuft, es zu verbocken. Gerade weil so ein Fehler wie in dem Fun-Duell sie in einem scharfen Duell gegen jemand wie einen Undying definitiv das Leben gekostet hätte.
      Zum anderen bei der Sache mit Logan, dass es womöglich besser ist, keine unschuldigen Leute in ihre Probleme zu involvieren, gerade die, die ihr am Herzen liegen. In der Hinsicht wäre es zusätzlich ausschlaggebend gewesen, wenn sie da schon von Nicks Begegnung mit der Faux Valerie gewusst hätte und irgendjemand existiert, der bereit ist über Leichen zu gehen, um seine Geheimnisse zu bewahren.

      Auf jeden Fall wieder eine gute, etwas längere Folge. Aber damit gehen wir die letzten Schritte Richtung Halbzeit, gell?


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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Wie immer vielen Dank fürs Lesen. :)

      @Evil Bakura
      Mach mir die persönliche Hölle doch schmackhaft. :P

      Inwiefern Fake-Nick überhaupt ein berechtigter Name ist, findest du in diesem Kapitel heraus. xD
      Was Aiden angeht, durchtrieben trifft es sehr gut. Wobei er gewisse Grenzen kennt, anders als Nick, aber in der Hinsicht haben sie sich mal sehr gut ergänzt. Aber mehr dazu dann in den entsprechenden Folgen. Das Problem bei Nick ist, dass er wie ein verletztes Tier agiert. Je mehr in die Ecke gedrängt, je aussichtsloser/gefährlicher die Lage, desto unvorsichtiger und gefährlicher wird auch er.

      Freut mich, dass rübergekommen ist, wie fast schon stümperhaft Anya hier gespielt hat. So etwas war man von ihr, so hatte ich mir das gedacht, nicht mehr in dem Ausmaß gewohnt gewesen. Daher auch der Popotritt von Daddyvrier.
      Und ähnlich wie Nick ergeht es letztlich auch ihr. Ihre Gedanken sind immer bei der Gefahr, die sie umgibt, statt bei dem Spaß, den sie eigentlich haben wollte. Dass das dann noch nach ihrer Beichte noch in einer derart herben Nackenklatsche endet, lässt selbst mich etwas Mitleid für sie fühlen. Und entgegen etwaiger anderer Stimmen hab ich relativ selten Mitleid mit ihr. *ahem, auf die ganzen Seitenhiebe von Levrier verweis*

      Halbzeit, joa so inetwa, die erste Hälfte ist halt nur etwas kürzer als die zweite. So um 10 Folgen ... xD


      Turn 53 – Never Fall Forever
      „W-wie bitte? Oh Nick“, fauchte Abby Masters wütend durch den Hörer, „deine Scherze waren auch schon mal besser! Ich dachte, das gehört jetzt der Vergangenheit an!“
      Nicks Stimme zitterte. „Abby, das ist kein Scherz. Ich bin nicht Nick Harper. Nicht … gebürtig.“
      Eine Weile schwieg die Chefsirene in all ihrer Strenge. Nick wagte es nicht zu fragen, ob sie noch dran sei. Dann kam die zweifelhafte Erlösung, in ihrer eisigsten Form. „Erkläre.“
      „Die komplette Geschichte kann ich dir nicht erzählen, nicht am Telefon. Es ist keine schöne, wie du dir sicher denken wirst.“
      „Ist jemand gestorben?“, fragte sie scharf.
      „Ja. Aber nicht gewaltsam“, brach Nick augenblicklich ein, „es war … ich war … ah … Weißt du, wie man Eltern nennt, die ihre eigenen Kinder nicht erkennen? Die nicht merken, dass ihr Sohn plötzlich anders aussieht, sich anders benimmt. Sehr ähnlich, aber doch nicht wie immer?“
      „Worauf willst du hinaus?“
      Nick schluckte. „Dass meine … 'Stiefeltern' … nicht wissen, dass ihr richtiger Sohn bereits seit über fünf Jahren tot ist. Und dass sie mich seither für ihn halten, aufgrund unserer Ähnlichkeit.“
      Abby schwieg wieder.
      „Ich weiß, ich hätte es dir früher sagen müssen … euch.“
      „Vor fünf Jahren? Als du ziemlich lange im Krankenhaus gelegen hast, weil du in eurem alten Haus warst, als es abgebrannt ist? Das ging doch beinahe ein Jahr, oder? Du wurdest deswegen zurückgestuft, in unseren Jahrgang.“ Abbys Stimme verlor nun auch ihren Halt. „W-willst du mir sagen, dass … dass ab dem Zeitpunkt … du …?“
      „Ja. Der echte Nick ist damals in dem Feuer gestorben. Ich war mit ihm zusammen, als es passierte. Keiner wusste es. Dass wir beide an dem Tag im Haus waren. Sie haben mich … für ihn gehalten. Die Brandwunden haben es versteckt.“
      Man konnte Abbys Sprachlosigkeit am anderen Ende förmlich greifen.
      Nick erzählte weiter. „Dank meiner geheimen Einnahmequellen habe ich den Harpers Geld zugespielt, damit sie sich die plastischen Operationen für mich leisten können. Die Ärzte haben mich natürlich zu ihm gemacht.“
      „I-Ich versteh gerade gar nichts mehr. Was zum Teufel ist passiert!? Wer bist du!?“
      „... Eli … Bauer.“
      Nick hörte nur noch einen Piepton. Abby musste in ihrer aufkommenden Fassungslosigkeit kurzerhand aufgelegt haben.

      Fünf Minuten später klingelte das Telefon, das neben ihm lag.
      Nick, der die ganze Zeit wie erstarrt da gesessen und ins Nichts gestarrt hatte, griff mit zitternder Hand den Hörer. „Abby?“
      „Du willst mir erzählen, dass du Anyas Bruder bist? Aber sie hat nur einen und der heißt Zachariah!“
      „Nein, sie hat zwei“, erwiderte Nick, „einen richtigen. Und einen Halbbruder. C'est moi.“
      „Aber- aber-!“
      „Kennst du die Geschichte, warum sich Anyas Eltern getrennt haben? C'est moi.“ Nicks Stimme war mittlerweile sehr kratzig geworden. „So trug es sich an einem schönen Mai-Tag zu, dass die holde Misses Stevens den potenten Mr. Bauer traf. Aus ihrer recht kurzweiligen Verbindung entstand ein Bastard, dessen Existenz sein Vater sieben Jahre versuchte zu leugnen, bis Mrs. Bauer dahinter kam.“
      „Oh Gott, Nick … ich, ich meine Eli …“
      „Nenn' mich Nick um Himmels Willen“, forderte der klamm. „Eli gibt es nicht. Ich bin der Grund, warum Anya unglücklich sein musste. Der echte Nick Harper war tatsächlich nur ein Idiot. Aber er war mein Freund, ich mochte ihn. Er erzählte mir viel von eurer Freundschaft. Als er starb und ich in seine Rolle schlüpfen konnte, da …“
      Er schniefte. „War ich ihr endlich mal nahe. Ihre Mutter hatte mir zuvor jeden Kontakt untersagt. Vermutlich auf Drohung von Mr. Bauer hin. Es war eine Fügung des Schicksals, dass Nick und ich uns so ähnlich sahen, auch wenn er zwei Jahre nach mir geboren wurde.“
      „Dann bist du schon …?“
      „Dreiundzwanzig, ja.“
      Abby fand langsam ihre Fassung wieder. „Dann … ich hab das die ganze Zeit falsch verstanden. Ich dachte, du wärst verliebt in Anya. Aber dann ist das ja …“
      „Bruderliebe. Oder … Schuldgefühle. Vielleicht was dazwischen.“
      „Nick, du brauchst deswegen keine Schuldgefühle zu haben!“
      Der großgewachsene junge Mann, dem eine Träne die Wange hinunterlief, lachte bitter auf. „Das hat mir Aiden damals auch gesagt.“
      „Wer ist Aiden?“
      „Aiden Reid, CEO von Micron Electronics. Der Mann, der mir gezeigt hat, wozu ich mit meinem Hackerwissen wirklich in der Lage bin. Neben dir der einzige Mitwisser. Jemand, der vor anderthalb Jahren um meine Hand angehalten hat. Und neuerdings mein Erpresser.“ Nicks Stimme klang wieder belegt. „Abby. Dieser Mann kann mich zerstören mit all seinem Wissen. Mit einem Knopfdruck. Jetzt ist er zurück aus der Versenkung erschienen und will, dass ich für ihn arbeite.“
      Abby klang verwirrt. „U-und was will er von dir?“
      „Sicher nichts Gutes. Stell dir Anya in weniger aggressiv, dafür aber absolut skrupellos vor. Dann weißt du, wie Aiden tickt.“
      „Ach du scheiße“, entfleuchte es völlig untypisch für Abby. „I-ich versteh langsam gar nichts mehr. Nick, das wird mir zu viel!“
      Nick aber hörte sie kaum noch in seiner Panik. „Er hat es mir nie verziehen, dass ich ihn im letzten Moment habe abblitzen lassen. Wahrscheinlich hat er mich die ganze Zeit ausspioniert und durch eine Lappalie einen Grund gefunden, wieder Kontakt aufzunehmen.“
      „I-ich nehme nicht an, dass Anya weiß, dass sie noch einen zweiten Bruder hat?“
      „Nein. Und wenn sie es erfährt, dann weiß ich nicht, was sie tun wird.“ Nick wischte sich die Träne ab. „Stell dir vor, was passiert, wenn Aiden sie aufklärt …“
      Abby musste plötzlich auflachen. „Dann wäre das Problem wenigstens gelöst, denn das Erste, was Anya brauchen wird, ist ein Sündenbock. Wenn sie ihm überhaupt glaubt.“
      Nick grinste nun auch. Wie ungemein erheiternd so ein kleines bisschen Galgenhumor sein konnte, besonders wenn er von Abby kam.

      „Also bleibt das hier erstmal unter uns?“, fragte diese dann wieder ernst.
      „Ich bitte darum. Ich … als ich ihn, Aiden, heute gesehen habe, da ist alles wieder hochgekommen. Alles, was ich dachte überstanden zu haben.“
      Abby seufzte. „Nick, du bist der größte Lügner auf diesem Planeten. Aber ich verstehe dich. Es muss schrecklich gewesen sein, all das die ganzen Jahre mit sich herum zu tragen. Und wenn ich ehrlich bin, komischerweise bist du mir auch erst seit fünf Jahren einigermaßen sympathisch.“
      Nick beugte sich lächelnd nach vorne. „Wie ich sagte, das Original war wirklich nur ein Hohlschädel, den ich über euch ausgefragt habe. Es ist tragisch, was mit ihm geschehen ist.“
      „Aber eins muss ich noch wissen.“ Nun klang Abby wieder nervös. „Das Feuer von damals … euer Haus. Also Nicks Haus, das alte Harper-Haus. War das wirklich nur ein Unfall?“
      „Ja.“
      „O-okay, sorry, dass ich gefragt habe.“
      „Das ist dein gutes Recht.“ Nick schloss die Augen.
      „Wo hast du dann vorher gelebt, als du noch nicht Nick warst? I-ich weiß gar nicht, was ich dich zuerst fragen soll.“
      Er öffnete sie wieder. „Das ist eine lange Geschichte. Ein anderes Mal vielleicht.“
      „Ist mir nur recht. Puh … das muss ich erstmal verdauen.“
      „Es tut mir leid, Abby. Vielen Dank, dass du mir zugehört und … und mich nicht sofort verurteilt hast. Das bedeutet mir sehr viel.“
      Abby sagte leise: „Ich tue was ich kann. Weil ich daran glaube, dass du ein guter Mensch bist, dem nur … sehr viel Schlechtes widerfahren ist.“
      „Danke, Abby. Dann … gute Nacht. Ich werde mir überlegen, was ich wegen Aiden unternehme. Sei dir sicher, dass er mich nicht davon abhalten wird, Anya zu retten.“
      „Ich glaube an dich. Wenn einer das alles kann, dann du. Dir auch eine gute Nacht, Nick.“

      Nick legte auf. Dann holte er das Handy aus seiner Tasche hervor und las noch einmal die Nachricht, die er auf dem Nachhauseweg erhalten hatte.

      „Eli,

      ich habe eben ein nettes Telefonat mit deiner Schwester geführt. So sehr das eben geht. Aber schön, dass sie bei dir wohnt, so hast du sie immer im Auge. Ich habe sie mir von deinen Beschreibungen her anders vorgestellt. Du wirst überrascht sein zu hören, dass ich morgen um 13 Uhr mit ihr zum Lunch verabredet bin. Du kannst uns gerne besuchen, wir sind im Trahison Culinaire.

      Grüße,

      Aiden“


      Nicks Hand zitterte, als er die Zeilen wieder und wieder las. Wie um Himmels Willen hatte er Anya dazu gebracht mit ihm Essen zu gehen!? Und was bezweckte er damit!?
      Eins stand fest. Wenn er Aiden darin aufhalten wollte, sein Leben und womöglich auch das von Anya und Gott allein wusste wem noch zu ruinieren, dann brauchte er Unterstützung. Und wenn es überhaupt jemanden gab, der seinem ehemaligen Geliebten die Stirn bieten konnte, dann Abigail 'The Justice' Masters … aber bevor er sie dazu benutzte, würde er selbst sein Möglichstes tun!

      -~-~-

      Zu dritt saßen sie am nächsten Morgen vor dem Fernseher im Wohnzimmer der Familie Harper. Anya in der Mitte, links neben ihr Matt, rechts Zanthe. Sie verfolgten eine Krankenhausserie, an der sich besonders der Kopftuchträger mit dem schwarzen Haar erfreute, seit er letzte Nacht die Wiederholung der vorherigen Episode gesehen hatte.
      So meinte er: „Eigentlich ist das cool, so zusammen auf der Couch zu sitzen.“
      „Hmm“, erwiderte Anya desinteressiert, die ihre Arme verschränkt hielt.
      Matt rieb sich über die rechte Gesichtshälfte. Seine halb geschlossenen Augen, die tiefen Falten auf seiner Stirn, der abwesende Blick, sie alle sprachen Bände. „Sicher …“
      „Nein, ernsthaft“, plapperte Zanthe weiter, „ich hab ganz vergessen, wie es ist, unter Leuten zu sein. Wir sollten öfter etwas zusammen machen.“
      „Hmm.“ Derselbe, monotone Tonfall von Anya.
      Diesmal antwortete Matt sogar gar nicht.

      Was Zanthe dazu brachte, sich den beiden zuzuwenden und sie verärgert anzustarren. „Okay, offenbar ist es euch egal, dass ich euch gerade mein Herz öffne. Wenn ihr mir jetzt noch sagen würdet, was ich ausgefressen habe?“
      Die junge 'Dame' in der Mitte schnalzte genervt mit der Zunge. „Haben wir behauptet, dass das was mit dir zu tun hat, Flohpelz?“
      „Ich habe den ganzen Tag und die halbe Nacht über telefoniert, um diese Edna ausfindig zu machen“, erklärte Matt ebenfalls gereizt, „ohne wirklich Erfolg gehabt zu haben. Sorry, wenn ich gerade etwas unempfänglich bin für Sentimentalitäten …“
      „Ach, und was genau -hast- du herausgefunden?“, hakte Zanthe beleidigt nach. „Mit wem Anya gestern telefoniert hat vielleicht? Denn -das- würde mich auch mal interessieren.“
      Die reckte den Kopf zur Seite, fixierte ihren Freund mit dem berüchtigten Todesblick. „Geht dich'n Feuchten an! Frag erst gar nicht, 'kay?“
      „Hat es etwas damit zu tun, dass Nick erst ziemlich spät nachhause gekommen ist? Habt ihr euch gestritten?“, ließ Zanthe nicht locker.
      Ohne Vorwarnung stieß Anya ihren Ellbogen in seine Seite. „Frag nicht!“

      Der Dritte im Bunde verdrehte kopfschüttelnd die Augen. „Mit wem Anya telefoniert hat weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass Edna und ihr Freund in der Dämonenjägerszene recht unbekannt sind. Lange dabei sind sie jedenfalls nicht, vielleicht ein oder zwei Jahre. Kaum einer meiner Bekannten kannte überhaupt ihre Namen.“
      „Für Noobs waren die eindeutig zu gut ausgerüstet“, widersprach die Blonde umgehend, ohne wirklich zu wissen, was überhaupt zum Equipment eines Dämonenjägers gehörte.
      Zanthe richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Serie, die vor ihnen flimmerte. „Das sagt nicht viel aus.“
      „Nein, sie hat schon Recht. Es dauert Jahre, überhaupt zu lernen, wie man als Mensch Zauber webt und darüber hinaus haltbar macht“, erklärte Matt, „mal abgesehen davon waren ihre Methoden ziemlich ungewöhnlich. Womöglich haben sie sich erst gründlich vorbereitet, ehe sie dieses Leben gewählt haben.“
      „Und was weißt du noch über sie?“, wollte Anya wissen.
      „Nur, dass sie es tunlichst meiden, mit anderen Dämonenjägern zusammenzuarbeiten.“
      Zanthe zuckte mit den Schultern. „Ist das so ungewöhnlich?“
      „Eigentlich nicht. Aber je nach Auftrag lässt es sich manchmal nicht vermeiden. Auch ich und Alastair haben schon mit anderen Dämonenjägern zusammengearbeitet.“ Matt beugte sich vor, faltete die Hände ineinander. „So eine Verbindung funktioniert natürlich nicht immer, aber wenn doch, können die Parteien viel voneinander lernen. Aber egal. Diese beiden haben jedenfalls nichts erreicht, das ihnen einen Namen verschafft hat.“
      „Das heißt aber nicht automatisch, dass sie kleine Fische sind.“
      Auf Zanthes Einwand hin nickte Matt. „Nein … sie verwischen ihre Spuren sehr gut und das macht mir Sorgen. Ich möchte nicht wissen, wie Valeries Hochzeit noch hätte enden können. Aber zumindest wissen wir dadurch, dass auch sie Fehler machen.“
      „Ja“, raunte Anya, „den, sich mit mir anlegen zu wollen.“
      „Ruf sie doch einfach hierher mit deinem Zauberbuch“, schlug Zanthe vor, korrigierte sich dann aber, „wobei, nein, die würden sicher nie auf deinen Ruf antworten.“
      „Wenn ich das Grimoire hier hätte, würde ich es auf einen Versuch ankommen lassen“, antwortete Matt, „aber ich habe es bei Alastair gelassen. Wie du sagtest, es würde uns ohnehin nichts nützen.“

      Sich wieder zurücklehnend, seufzte Matt resignierend. „Wie es aussieht, tappen wir zurzeit ein wenig im Dunkeln, was die beiden angeht.“
      „Vielleicht kann Anya wenigstens für etwas Licht sorgen, indem sie uns sagt, mit wem sie da gestern telefoniert hat“, versuchte Zanthe erneut, seine immense Neugierde zu befriedigen.
      Anya ruckte demonstrativ den Kopf zur Seite, von ihm weg.
      „Komm schon, sei keine Memme. War es der Zwerg? Hat er dich abblitzen lassen? Sei ehrlich, als du gestern zurückgekommen bist, hast du jede einzelne Blume im Garten von Mrs. Harper zertreten.“ Zanthe beugte sich verschwörerisch zu ihr herüber. „Wenn du mir sagst, was passiert ist, werde ich sie anlügen und behaupten, Nick sei es gewesen.“
      „Hmpf!“
      „Oder war es etwa schon ein neuer Lover? Sei ehrlich, du hast doch bestimmt mehrere Feuer im Ofen. Ich mein, da wäre der gute Matt hier …“
      Der schreckte sofort auf, bekam in rasender Geschwindigkeit eine ganz neue Gesichtsfarbe. „W-wie bitte!?“
      „… dann wäre da noch Nick, der dir ja nur so hinterher lechzt. Und was sich liebt, das neckt sich, also ist der Zwerg sicher auch ganz hoch oben im Kurs. Die Stimme war auf jeden Fall männlich, und ich möchte sagen, ich kannte sie nicht. Also, wer ist Nummer Vier?“
      „Das hast du gehört!? Du warst doch gar nicht im selben Zimmer!“, staunte Anya mit offener Kauleiste.
      Zanthe grinste schelmisch. „Da staunste, was?“
      „Tch, okay, ich sag's dir! Aber nur, wenn du aufhörst, solchen Mist zu erzählen! Ich stehe weder auf Summers, noch auf Harper und schon gar nicht auf den Kleinwüchsigen!“
      „Gottseisgedankt …“, nuschelte der Erstgenannte leise in seinen nicht vorhandenen Bart und sank noch tiefer in das Sofa, sodass er schon fast wegrutschte.
      „Okay. Also?“

      Bevor sie zu erzählen begann, machte Anya zunächst eine langgestreckte Kunstpause.
      „Irgendein Firmenboss. Will mich heute zum Mittagessen treffen, weil er nach einem neuen Gesicht für irgendeine Werbekampagne sucht. Ehrlich gesagt hab' ich kaum zugehört, war mit den Gedanken woanders. Aber scheinbar hat sich 'rumgesprochen, wer hier in Livington das Sagen hat. Kannte mich ziemlich gut, der Spinner.“
      Zanthe zog die Augenbrauen hoch. „Und, gehst du hin?“
      „Vielleicht. Hab heute eh nix Besseres zu tun. Nick ist nicht da. Keine Ahnung, wo der sich 'rumtreibt, hat mich gestern mitten im Duell sitzen lassen und glänzt seither durch Abwesenheit. Ohne ihn wäre es sinnlos, Recherchen anzustellen. Wenn Matt nix herausfinden kann, dann bleibt uns nur noch der Spinner.“
      „Na ja okay. Aber ist das eine gute Idee, da hin zu gehen? Auch auf die Gefahr hin, dass du mal wieder schön verarscht wirst?“, fragte Zanthe und begann zu kichern. „Ich meine, für was sollst du bitteschön werben? Mobbing-Hotlines?“
      Anya zuckte mit den Schultern. „Mir egal, mir geht’s nur um das Essen. Ist so ein ganz teurer Laden.“
      Was ihre beiden Freunde dazu brachte, in lautstarkes Gelächter auszubrechen.
      „Was denn!?“, fauchte Anya. „Wenn der mich verarscht, prügel' ich den solange durch, bis man mit ihm einen Kuchen backen kann! Den Bloody Sunday, 'ne Eigenmarke von mir.“
      „Klingt eher nach 'nem Cocktail“, scherzte Zanthe, „man sollte seine Rezepte des Terrors schon auswendig kennen. Aber im Ernst, bist du kein bisschen misstrauisch?“
      „Wie gesagt, wenn er mich verarscht, spendiere ich ihm ein One-Way-Ticket direkt in seinen eigenen Anus.“ Anya beugte sich vor, sah Zanthe von der Seite an. „Tut er es nicht, könnte er noch nützlich für mich werden. Nick fällt dazu sicher was ein.“
      Der Schwarzhaarige verzog den Mund. „Denkst du auch mal mit deinem eigenen Kopf?“
      „Mein eigener Kopf sagt mir, dass ich mich jetzt fertig machen muss“, zischte Anya zurück, „und wenn du es unbedingt wissen willst: Nein, manipulative Machenschaften sind Nicks Revier.“

      Die Hände von den Oberschenkeln abstützend, richtete sich das Mädchen langsam auf, drehte sich um und sah die beiden Jungs der Reihe nach an. „Ich muss mal schnell nachhause, hab nicht die passenden Klamotten hier. Will ja nach was aussehen.“
      „Schlägerbraut?“, gluckste Zanthe und lehnte sich zurück.
      „Schlägerbraut“, bestätigte Anya ihm mit diabolischem Lächeln. „Was steht bei euch heute auf dem Programm?“
      „Wir sind auch verabredet“, meldete sich Matt auch mal wieder zu Wort, allerdings alles andere als euphorisch, „mit Nicks Mutter. Ein Stadtbummel. Zanthes Idee, bevor du fragst …“
      Anya sah den Werwolf überrascht an. „Was hat dich denn geritten?“
      „Ich dachte, sie könnte ein wenig Gesellschaft vertragen.“ Zanthe grinste vergnügt. Allerdings wurde sein Tonfall bedrückter, als er erklärte: „Weißt du, ihr Mann ist ein Idiot, etwas, das er eindeutig an seinen hochtalentierten Sohn weitervererbt hat. Keiner der beiden kümmert sich wirklich um sie. Da dacht' ich mir, hey, mache ich ihr doch eine kleine Freude. Und da Matt mir ohnehin noch einen Gefallen schuldete …“
      Sichtlich erstaunt verschränkte Anya die Arme. „'kay, du wirst mir gerade richtig unheimlich.“
      „Das, was er da hat, nennt man Empathie“, brummte Matt, „und nein, das ist keine ansteckende Krankheit. Was du wissen würdest, wenn du das schon mal gefühlt hättest.“
      „Hast du von meiner Schlechte Laune-Frucht genascht, Summers!?“ Das Mädchen schnaufte und schüttelte sichtlich genervt den Kopf. „Tch, was auch immer, ich bin sozusagen weg … viel Spaß oder was auch immer.“
      Wütend stampfte sie um das Sofa herum zur Haustür, wobei Zanthe ihr noch hinterher rief: „Er ist sauer, weil du ihm einen Korb gegeben hast!“
      Noch während Anya die Tür hinter sich zuschlug, schickte sie dem verhassten Flohzirkus per eindeutiger Fingergestik übelwollende Grüße.
      Als sie außer Reichweite war, atmete Matt lautstark auf. „Ich weiß nicht, wie lange ich diese Fassade noch aufrecht erhalten kann.“
      „Du musst es ihr sagen“, riet ihm Zanthe besserwisserisch, „je länger du es hinausschiebst, desto schlimmer wird es, wenn die Wahrheit ans Licht kommt. Und das wird sie.“
      Matt stand ruckartig auf, sah mit hasserfüllter Miene den anderen jungen Mann an. „Mit jemandem wie Nick in ihrem Umfeld ganz bestimmt …“

      -~-~-

      Anya sah sich in dem französischen Restaurant um. Und verspürte sofort den Drang, möglichst schnell das Weite zu suchen. In ihrer gewohnt düsteren Kleidung sah sie im direkten Vergleich mit dem eigentlichen Klientel des Edelrestaurants wie das sprichwörtliche schwarze Schaf aus. Nicht, dass sie das störte. Es war nur, dass jeder dieser Sesselfurzer hier mit Besteck zu essen schien, das mehr wert war als Anyas ganze Zimmereinrichtung. Was sie zu der Frage brachte, was ein elitärer Firmenboss, der ja ganz offensichtlich jener höheren Schicht angehörte, von ihr wollen könnte.

      An der Garderobe am Eingang ihre geflickte Lederjacke abgebend, ließ sie sich von einem Kellner zum Tisch geleiten.
      „Oh, Miss Bauer“, hörte sie da schon die Stimme des Mannes, die sie vorher nur am Telefon gehört hatte. „Wie schön, dass Sie meiner Einladung doch noch gefolgt sind.“
      Aiden kam ihr entgegen, in feiner schwarzer Hose mit dazu passendem Sakko. Er reichte ihr die Hand, als wolle er sie zum Tanzen auffordern.
      „Ja, schon kapiert, ich bin zu spät!“, nölte Anya, ließ ihn eiskalt stehen und setzte sich an den viel zu kleinen, runden Tisch. Aber vermutlich waren die Teller auch darauf abgerichtet, denn solche Nobelschuppen waren eh nur was für Magermodels und soziale Auslaufmodelle. Und wehe, der Fraß hier schmeckte nicht!
      Der CEO von Micron Electronics zog sich das Sakko aus, ließ es von einem Kellner zur Garderobe bringen und setzte sich Anya gegenüber. Die starrte ihn mit einem derart übelgelaunten Blick an, dass es selbst ihm für einen Moment die Sprache verschlug. Was bei Aiden Reid äußerst selten der Fall war.
      „Also wie gesagt, danke, dass Sie hier sind.“
      „Dürft ich auch erfahren, warum ich hier mit dir Froschschenkel mampfen soll, Milchbubi?“
      „Temperamentvoll. Gefällt mir“, versuchte er ihr zu schmeicheln und strich sich dabei mit den Fingerspitzen nachdenklichen Blickes über die Stirn.
      Fataler Fehler, dachte sich Anya bereits mit diebischer Zufriedenheit. Er hatte ihr gerade Tür und Angel geöffnet, ihn nach allen Regeln der Kunst zu beleidigen. Zumindest war das ihre Auffassung seiner Worte.
      „Oh ja, Froschschenkel, mhmmm …“
      Die beiden sahen überrascht auf, als unvermittelt Nick sich einfach einen Stuhl von einem der anderen Tische schnappte und sich heran setzte. Gekleidet in einen feinen, rot-blau karierten Designeranzug. Ein echter Hingucker.
      „Was willst du denn hier, Harper?“
      Nick lehnte sich mit dem Ellbogen auf den Tisch, legte die Hand provokativ gelangweilt an die Wange und sah herüber zu Aiden, dem nun schon zum zweiten Mal an einem Tag die Worte fehlten. „Das würde ich auch gerne wissen. Aber das musst du Milchbubi fragen, nicht mich.“

      Aiden nahm eine von drei Gabeln auf seinem Tisch und begann, sie in mit seinen Fingern zu drehen. Dabei sah er bewusst nur Nick an. „Gut, dann kommen wir gleich zum Geschäftlichen. Mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie am Legacy Cup teilnehmen wollen, Miss Bauer.“
      „... huh?“
      „Ja, das wird sie“, bestätigte Nick knapp. „Und? Gibt es ein Problem?“
      „Meine Firma, Micron Electronics, sucht noch nach einem Repräsentanten. Und wer wäre da besser geeignet als jemand aus Livington, wo sich der Hauptsitz von ME befindet?“
      „Du willst also, dass Anya dein Logo trägt, während sie am Turnier teilnimmt?“ Nick klang alles andere als begeistert.
      Und Anya wusste gar nicht, worum es ging. „Legacy Cup?“
      „Später, Anya“, wiegelte Nick sie ab. „Und die Gegenleistung, Mr. Reid?“
      „Abhängig vom Erfolg von Miss Bauer“, erwiderte er und sah herüber zu Anya, „kann ich mir vorstellen, neben dem eigentlichen Preisgeld eine großzügige Wiedergutmachung für die entstandenen Umstände auszuzahlen. Ich war so frei und habe bereits einen Vertrag aufsetzen lassen, in dem alles dazu geschrieben steht.“
      „Bedauere, wir sind nicht interessiert“, gab Nick eiskalt zu verstehen.
      Anya aber war sehr wohl interessiert. Und eine Anya Bauer musste nicht wissen, worum es ging, wenn am Horizont die Scheinchen winkten. „Wie viel?“
      „Im Falle eines Titels eine Million“, antwortete Aiden mit einem geschäftsmännischen Lächeln auf den Lippen.
      „Wo muss ich unterschreiben!?“, schrie Anya förmlich und beugte sich derart vor, dass es Nick ein Leichtes war, sie schnell wieder auf den Stuhl der Realität zu stoßen.
      „Anya, nein! Glaub mir, das ist keine gute Idee.“
      Eine imaginäre Zielscheibe erschien auf Nicks Stirn, die Anya mit ihrem Todesblick augenblicklich versuchte zu durchbohren. „Alter, Harper, hast du deine eigene Wichse in den Ohren? Eine Million!“
      „Im Falle eines Titels“, wies Aiden sie auf das Kleingedruckte hin.
      „Pft, das Ding gewinn' ich locker. Harper, eine Million!“
      Nick hielt ihrem Blick stand. „Wenn du auf Blutgeld stehst, klar, warum nicht? Ist ja nicht das erste Mal, dass du deine Seele verkaufst.“
      Getroffen, verstummte Anya sofort mit großen Augen.
      „Nick war schon immer ein Scherzkeks“, lachte Aiden amüsiert, „mein Vertrag ist sehr fair. Mir geht es in erster Linie darum, meine Firma bekannter zu machen.“
      „Indem du die Konkurrenz als Werbeplattform benutzt?“ Nick drehte sich zu Aiden und lächelte plötzlich bitterböse. „Wie überaus gerissen.“

      Der brünette Mann beugte sich zu Nick vor, so nah, dass man meinen könnte – würde man den Hass der einen Seite außen vor lassen – dass sie sich jeden Moment küssten.
      „Mir scheint, du weißt bereits von meiner Partnerschaft mit der AFC.“
      Nick legte den Kopf hin zur Seite, demonstrativ von Aiden weg und schnalzte genüsslich mit der Zunge. „Oh, ich wusste nicht, dass das bisher nur intern bekannt war. Die AFC und Micron Electronics schließen sich zusammen, um unter Benjamin Henry Ford ein Konkurrenzprodukt für Duel Monsters zu entwerfen.“
      Nun drehte sich Nick wieder zu Aiden. „Wie erzürnt Industrial Illusions sein muss, wenn sie davon erfahren. Was dann wohl passieren würde? Gar nicht auszudenken. Ein Verlust der Markenrechte an Duel Monsters könnte im Schlimmstfall zum Ruin der AFC führen. Denn wir alle wissen ja, dass sie außer Duel Monsters in der Vergangenheit nicht viel richtig gemacht haben.“
      „Das zu ändern ist meine Aufgabe als Geschäftspartner“, erklärte Aiden, „ich hoffe, ich kann auf deine und Miss Bauers Unterstützung zählen.“
      „Dazu müsstest du erstmal die Investoren davon überzeugen, dass etwas Werbung für deine Firma im Turnier sinnvoll erscheint“, erwiderte Nick majestätisch, „und dann noch mit Anya.“
      „Darum musst du dir keine Sorgen machen“, versicherte Aiden ihm selbstbewusst. „Das habe ich bereits.“

      Anya indes bemerkte gar nichts von dem Kleinkrieg der beiden, der nur so von den Drohungen triefte, die sie um einiges einfacher auszudrücken vermochte. Die Blonde hatte nur eins vor Augen, dass sie vergessen ließ, Nicks Verbindung zu diesem Aiden und überhaupt seine reine Anwesenheit zu hinterfragen.
      Eins Punkt null null null Punkt null null null. Und dafür hatte sie nur ein beklopptes Turnier zu gewinnen? Wie geil war das bitte?

      „Hoffen wir, dass diese Details nicht durchdringen, solange das Produkt noch in Planung ist“, lamentierte Nick, als wäre er ernsthaft um Aidens Erfolg besorgt. „Der Image-Schaden wäre zweifelsohne beträchtlich. Für beide Firmen. Man würde hinterfragen, mit welchen Geldern das alles finanziert wird.“
      „Ich bin mir sicher, außer dir weiß kein Außenstehender davon. Und ich bin mir sicher, dass du mit diesem Wissen sehr vertraulich umgehen wirst“, sagte Aiden zuversichtlich und nahm das Glas Wein, das er sich zwischenzeitlich bestellt hatte. Lächelnd hob er es an, obschon seine beiden 'Geschäftspartner' nichts zu Trinken bestellt hatten. „Zum Wohl.“
      „Zum Wohl“, erwiderte Nick freundlich und doch so heimtückisch zugleich.

      Und so speisten sie in stiller Feindseligkeit. Anya verfolgte nur mäßig interessiert, wie der unterschwellige Schlagabtausch nach der Vorspeise, leckeren Canapé, in die nächste Runde ging. Jener setzte sich auch über Hauptgang und Nachtisch hinweg fort, redeten die beiden ununterbrochen in dieser seltsamen Sprache, die dem Mädchen völlig fremd war.
      Schließlich wurde es ihr aber zu viel, nämlich als Nick seine alte Freindin Nina Placatelli mit ins Boot zu holen drohte.
      „Okay, keine Ahnung wie ihr das seht, aber ich bin voll“, murrte sie und lehnte sich zurück, gab sogar ein lautstarkes Bäuerchen zum Besten. „Kann ich jetzt gehen?“
      Aiden zog überrascht die Augenbraue hoch. „Interessantes Mädchen. Sag Anya, hast du eigentlich Geschwister?“
      Sofort verkrampfte Nick, während Aiden eine vorbeigehende Kellnerin um die Rechnung bat.
      „Nur einen Bruder, aber das ist ein Spacko der Sonderklasse“, brummte sie, „kann ich jetzt den Vertrag unterschreiben und die Kohle haben?“
      Den Kopf leicht zur Seite nickend, schmunzelte der CEO von Micron Electronics. „Das überrascht mich. Wie schön, dass du dich so schnell entschieden hast, mit uns zusammenzuarbeiten.“
      „Du hast dich verhört, sie überlegt noch“, ging der größte der Drei sofort wieder missbilligend dazwischen. „Ein bisschen hat das noch Zeit. Nicht wahr, Anya?“
      „Hat es, Harper? Seh' ich anders!“
      „Siehst du nicht“, zischte er nun äußerst verärgert.
      Aiden zahlte nebenbei und gab dazu ein äußerst großzügiges Trinkgeld, während er amüsiert verfolgte, wie die beiden sich anfingen zu streiten.
      Schließlich erhoben sie sich. Nick nahm all seinen Mut zusammen, indem er den Arm um Anyas Schulter legte und sie fester an sich drückte, während sie zu dritt zur Garderobe schlenderten, wo Anya und Aiden ihre Jacken abgegeben hatten.

      Als die Dame am Tresen ihnen die guten Stücke reichte, schulterte Aiden das seine und reichte Anya die Hand. „Ich verstehe es, wenn du erst überlegen musst. Daher bekommst du eine Kopie des Vertrages mit der Post zugeschickt, dann kannst du dich in Ruhe damit auseinandersetzen. Immerhin birgt ein Vertrag auch Pflichten, aber das weißt du sicher.“
      Wusste sie nicht, wollte Nick am liebsten losschreien, denn genau das wusste sein ehemaliger Geliebter nur allzu gut. Weswegen sonst wäre es so leicht für ihn, Anya ausnutzen? Instinktiv presste er sie noch fester an sich.
      Die blickte die Hand nur an, ohne sie zu nehmen. „Was auch immer. Eins will ich aber wissen.“
      „Nur zu, frag“, bot Aiden mit einem freundlichen Lächeln an.
      „Eigentlich sind es zwei Fragen. Erstens: Warum ich?“
      „Durch meine Geschäftsbeziehungen mit der AFC bin ich imstande, die Duellstatistiken der Spieler dieser Region auszuwerten. Und du warst erstaunlich weit vorne mit dabei.“
      Anya kräuselte die Stirn. „Wie weit genau?“
      „Das darf ich nicht sagen, aber ziemlich weit. Die, die vor dir waren, sind … langweilig.“ Aiden lächelte. „Ich suche nach jemandem mit Ecken und Kanten. Wenn du dir die Pro-Szene ansiehst, wirst du so etwas kaum finden, zumindest nicht ohne Skandal als Anhang, der die Karriere binnen weniger Wochen völlig ruiniert.“
      Er hielt ihr die Hand immer noch hin. „Sie sind Marionetten, nichts weiter. Sagen sie etwas Kontroverses, dauert es keine 24 Stunden, ehe eine geheuchelte Entschuldigung folgt. Du bist echt und das ist etwas, was sicherlich viele schätzen würden.“
      Nick, der immer noch Anya gegen ihren Willen an sich gedrückt hielt, verzog keine Miene. „Und woher willst du das beurteilen können?“
      „Ich sehe es einfach“, erwiderte er selbstsicher, zog letztlich aber seine Hand zurück. „Nun, ich muss mich von euch verabschieden, habe noch einige wichtige Termine. Denk über mein Angebot nach. Wir hören voneinander.“
      Zusammen traten sie zum Ausgang des Restaurants. Sich verabschiedend, trat Aiden aus der Tür und wurde prompt von einer schwarzen Limousine empfangen, in die er einstieg. Dabei warf er Nick ein letztes Lächeln zu, ehe er die Tür hinter sich zuschlug und verschwand. Auch die beiden verließen den teuren Laden.

      „Nick“, schoss es aus Anya, nachdem er sie losgelassen und beide nur einen Schritt an die frische Luft getan hatten, „Turnier? Warum weiß ich nichts davon?“
      Nick, der die Führung übernahm und nur so über den Bürgersteig flog, drehte sich nicht einmal zu ihr um. „Weil es noch recht neu ist. Der Legacy Cup ist die einzige Chance für dich, um an Claire Rosenburg heranzukommen. Eine der Zielpersonen. Ich bin derzeit im Begriff, dich dort einzuschleusen. Auf meine Weise.“
      „Wow“, staunte die Blondine und holte zu ihm auf, „danke, denk ich. Aber die Arbeit kannst du dir sparen. Ich mein, eine fucking Million, um dann noch meine Mission zu erfüllen? So gefällt mir das.“
      „Freu' dich lieber nicht zu früh. Dieses Turnier ist eigentlich eine Privatveranstaltung für aufstrebende Duellanten.“ Nick blieb abrupt stehen und wirbelte zu ihr um. „Dass du auf normalem Wege eine Einladung dazu erhältst ist in etwa so realistisch wie die guten Absichten unseres vermeintlichen Geschäftspartners. Du solltest nicht auf das Angebot eingehen, Anya. Der Vertrag wird nur so von Fallen gespickt sein. Lass mich das regeln! Es gibt dutzende Gründe, sein Angebot nicht anzunehmen.“
      „Und es gibt eine Million Gründe, es sehr wohl anzunehmen! Sieh's ein, ich bin zahlenmäßig im Vorteil!“
      Er packte sie eindringlich am Arm, weil er schon genau sah, wie sie aus Trotz aufhörte ihn wahrzunehmen. „Der Mann ist schlimmer als jeder Dämon, mit dem du es bisher zu tun hattest. Entscheide dich nicht für ihn, ich bitte dich!“
      „Was mich zu Frage zwei bringt, die ich nun dir stelle: Warum zur Hölle hasst du ihn so!?“ Dabei befreite sie sich mit einem Ruck aus seinem Griff.
      „Weil er genau das ist, was du an den Menschen verabscheust“, konterte Nick verbittert.
      Anya gluckste. „Er ist ein Mensch, schon klar. Aber ein reicher. Und er hat sein Geld wenigstens wirklich verdient.“
      Unvermittelt getroffen von dieser unbedachten Äußerung ließ Nick den noch nach ihr ausgestreckten Arm sinken. Dann breitete er ihn und sein Gegenstück im Anflug eines Wutanfalls weit aus. „Weißt du was? Fein! Wenn es das ist, was du willst, werde ich dir nicht im Wege stehen! Aber sage später nicht, ich hätte dich nicht gewarnt!“

      Anya rief ihm noch etwas hinterher, was weniger wie eine Entschuldigung, denn mehr als eine fiese Beleidigung klang, als Nick die Flucht ergriff. Das Rauschen seines Bluts in den Ohren ließ ihn dafür jedoch taub werden.
      Wie konnte sie nur so verblendet sein!? Sah sie denn nicht, dass die ganze Geschichte von hinten bis vorne erstunken und erlogen war!? Anya war nicht einmal ansatzweise so hoch im Ranking der AFC positioniert wie Aiden behauptete!
      Aber wenn sie der Meinung war, sich mal wieder unnötig ins Verderben stürzen zu müssen, dann würde er dafür sorgen, dass jemand anderes vor ihr stürzen würde.
      „Ich werde dich vernichten, Aiden“, zischte er hasserfüllt, „zähl' schon mal die Stunden …“

      Derweil stand Anya vor einem Blumengeschäft auf verlorenem Posten. Sie blickte herüber zu den Körben, in denen sich die farbenprächtigsten Pflanzen befanden, die sie jemals gesehen hatte. Ja, dachte sie, danke für die Blumen …
      Was war denn nun in ihn gefahren? Wenn er ihr wenigstens erklären würde, woher er diesen Typen kannte und weshalb dieser Aiden Reid offenbar seine persönliche Valerie Redfield war!
      „Idiot!“, schrie Anya dem sich längst außer Reichweite befindenden Nick frustriert hinterher. „Wehe, der entschuldigt sich nicht bei mir …!“
      Sie begann langsam in dieselbe Richtung zu laufen wie er.
      Heute war echt der Wurm drin. Erst Matt, jetzt auch noch Nick! Und wetten, wenn sie Abby anrief und ihr von alldem erzählte, würde die am Ende ebenfalls auf ihr herumhacken? Keinem konnte man es recht machen. Nicht, dass sie sich diesbezüglich Mühe gab, aber langsam bekam sie den Eindruck, im Vergleich zu ihren launischen Freunden regelrecht harmlos zu sein. Es war frustrierend!
      Wütend trat sie einen Stein vor sich her, während sie den Bürgersteig entlang schlenderte. Noch vor einigen Monaten wäre ihr das alles egal gewesen, sollte doch jeder tun und lassen was er wollte. Diese Anya war sie jedoch nicht mehr, wie sie sich eingestehen musste. Und sie wusste nicht, ob sie das gut oder schlecht finden sollte. Denn eins stand fest: Damals war alles viel einfacher gewesen.

      Es passierte so plötzlich, dass Anya nach Luft schnappte. Ohne Vorwarnung durchzog ein heftiger, ziehender Schmerz ihren ganzen Torso. Das Mädchen kippte beinahe vorneüber und presste ihre rechte Hand auf die Brust, in der es regelrecht zu pulsieren schien.
      „Nicht jetzt!“, ächzte sie.
      War das ein Wink des Sammlers, dass ihre Zeit zunehmend knapper bemessen war? Egal, es sollte aufhören.
      „Hgn!“
      Es war, als würde ein Sturm in ihrem Inneren wüten und ihre Organe mitreißen. Anya war hart im Nehmen, doch selbst sie konnte dieses Mal nicht an sich halten und ächzte jämmerlich, während sie in die Knie sackte. Selbst das Atmen fiel ihr zunehmend schwerer, schmerzte jeder noch so kleine Zug nach Luft unsäglich in ihrer Brust.
      „Scheiße …!“
      Warum ging es nicht weg!? Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer. Ihr wurde heiß, dann eisig kalt, während sich ihre Gedärme munter zusammenzogen, um eine Rave-Party zu feiern.
      „Fuck …“
      Kleine schwarze Punkte bildeten sich vor ihren Augen, während sie auf die grauen Pflastersteine des Bürgersteigs starrte.

      Unvermittelt aber wurde Anyas Wunsch erhört. Der Druck in ihrem Inneren schwand langsam, doch sie wagte es nicht, richtig durchzuatmen. Zu groß war die Angst, damit einen erneuten Anfall auszulösen. Nie hatte sie etwas so Schönes verspürt wie dieses Gefühl des schwindenden Schmerzes.
      Das Mädchen stützte sich mit beiden Händen vom Boden ab, durchnässt vom Schweiß, der ihr zwischenzeitlich ausgebrochen war.
      „Brauchst du einen Krankenwagen!?“
      „Hast du einen Herzinfarkt!?“
      Das junge Pärchen, welches geradewegs mit besorgten Mienen auf sie zu eilte, wies sie scharf zurecht: „Was glotzt ihr so!? Haut ab, bin nur gestolpert!“
      Allerdings ließ sich der junge Mann, den Anya nur verschwommen wahrnahm, nicht so leicht abwimmeln. „Du siehst aber nicht gut aus.“
      „Verpisst euch!“
      „O-okay“, stammelte die junge Frau, „wir wollten doch nur helfen.“
      Ihr Freund fand da eindeutigere Worte. „Wenn du meinst … blöde Kuh!“
      Sie schritten an ihr vorbei, nicht ohne sie dabei im Weggehen noch zu betrachten.
      „Ich brauche keine Hilfe“, murmelte Anya zu sich selbst und stemmte sich langsam vom Boden ab, das Bild vor ihren Augen wurde langsam wieder klarer.
      Es war demütigend, so machtlos zu sein. Und die würden das jetzt bestimmt überall herum tratschen, um sie zur Lachnummer ganz Livingtons zu machen.

      Gerade wollte Anya zu ihnen umwirbeln, da spürte sie einen weiteren Stich in der Brust. Alles wurde schwarz vor ihren Augen, doch das war keine Ohnmacht und auch nicht ihrem Zustand geschuldet. Die Farbe kehrte innerhalb eines Herzschlages zurück.
      Erschrocken von diesem plötzlichen Impuls drehte sich Anya langsam um die eigene Achse. Die ganze Straße war völlig verändert. Der Himmel war in düsteres Rot getaucht, mehr noch, das Pärchen war nicht mehr zu sehen oder besser gesagt, gar kein Mensch mehr. Aber wäre es nur das gewesen, hätte Anya nicht einmal anerkennend die Augenbrauen angezogen.
      Dass ihre Umgebung aber aussah, als hätte ein Amateur unter Nutzung Photoshops erfolglos versucht, sich am Ausschneiden bestimmter Abschnitte der Straße zu üben, hob das alles auf ein ganz anderes Level. Es war, als wären Stücke der Realität einfach herausgeschnitten und an irgendeiner anderen Stelle völlig verquer wieder hingesetzt worden. So fehlte dem kleinen Café gegenüber des Blumenladens ein Tisch samt Stühle und Sonnenschirm, nur um etwas weiter in der Luft inklusive seinem gewohnten Hintergrund auf dem Kopf zu stehen. Dabei war alles nur noch ein Bild, es waren keine dreidimensionalen Gegenstände mehr.
      Als Anya fertig damit war, sich umzusehen, seufzte sie schicksalsergeben. „Okay, wer will mich heute umbringen?“
      „Ob du heute stirbst oder nicht, hängt von deiner Entscheidung ab, Anya Bauer.“
      Das Mädchen traute ihren Augen kaum, als sie sich zum Ursprung der tiefen Stimme umdrehte. Da stand er, direkt vor ihr. In all seiner Pracht. Nahezu einen ganzen Meter größer als sie, starrte er unter der Maske an seinem Helm auf sie herab.
      „Noch so ein Freak“, knurrte Anya, ohne einen Millimeter zurückzuweichen. „Ein Undying, wenn man dem Gestank der Arroganz trauen darf.“
      Levriers Abbild erschien hinter ihr.

      Aus welchem Film hast du dieses Zitat geklaut, Anya Bauer? Aber es besteht kein Zweifel, er ist einer von ihnen. Seine Präsenz ist überwältigend, wenn man bedenkt, wie er uns eben noch unbemerkt in die Falle locken konnte.

      Beide betrachteten ihn, den Hünen. Von seinen Schultern reichte ein roter Umhang bis zum Boden, befestigt an der goldenen Panzerung, die über einer zweiten, silbernen lag. Auch der Helm war aus jenem Edelmetall, verziert mit einem aus roten Fasern bestehenden Kamm. An seiner Hüfte befand sich ein Waffengurt samt massivem Schwert.
      „Was verschafft mir die Ehre?“, zischte Anya angespannt. „Und wer bist du?“
      Sie verzog ärgerlich die Augen, denn der Helm wurde von einer metallischen Maske verdeckt, aus der nur die braunen Augen andeuteten, dass sich etwas Lebendes unter dieser Rüstung verbarg.
      „Ich werde Ricther genannt. Der, der über die Feinde der ewigen Ordnung urteilt.“
      „Das schon wieder …“
      Vor ihren Augen streckte Ricther seine Hand aus. „Ich halte mich kurz, denn die Zeichen der Zeit zwingen mich, vom gewohnten Kurs abzuweichen.“
      „Soll heißen … ?“

      Er will deinen Tod. Erinnerst du dich noch, als Stoltz sagte, beim zweiten Mal sprechen sie nur eine Warnung aus? Wie du sicherlich noch weißt, wäre diese schon beinahe tödlich für uns ausgegangen. Aber soweit ich mich erinnere, ist das dritte Siegel noch nicht gebrochen …

      Der mechanisch, Anyas Meinung nach römisch anmutende Hüne ballte eine Faust vor ihrer Nase.
      „Stoltz' Taten sprechen für das Verbrechen, was du im Begriff bist zu begehen. Wir haben bereits einmal eine Katastrophe abwenden müssen, die durch das Brechen der Siegel entstanden wäre. Und so habe ich mich entschieden, dass die Regeln nicht länger gelten. Und du an Ort und Stelle dein Urteil erfahren wirst, bist du schließlich nicht diejenige, die zum Brechen der Siegel berechtigt ist.“
      Nun wich Anya zurück. „Ahja, und wie sieht dieses Urteil aus!?“
      „Wähle: Entweder gibst du die Artefakte zurück und verzichtest auf die weitere Jagd danach, oder ich beende es mit Gewalt.“
      „Das muss ich wohl gar nicht erst beantworten, oder!? Was ist das hier überhaupt!?“, wollte Anya wütend wissen. „Warum müsst ihr Freaks immer so'ne Show abziehen, wenn ihr mir auch einfach 'ne beschissene Kugel durch die Rübe jagen könntet!?“
      „Wir befinden uns in einem zerbrochenen Pfad. Unfertig, ist er nur das Konzept dessen, was geschehen könnte. Du selbst müsstest am besten wissen, wovon ich rede.“
      Das machte Anya hellhörig. „Meinst du die Pfade des Schicksals? Die, die ich mit meinem Cheat Draw ändern kann?“

      Musst du das immer so nennen, Anya Bauer? Es ist so viel mehr als das.


      „Levrier spricht die Wahrheit.“ Ricther nickte. „Nur Undying und Immaterielle sind unter normalen Voraussetzungen imstande, diese Kraft zu nutzen. Weswegen es jene gibt, die die Immateriellen ausgelöscht wissen wollen.“
      Anyas beseeltes, ehemaliges Paktmonster schwebte ein Stück vor, auf die Höhe des Mädchens.

      Und wer wäre das?

      Bevor der Hüne jedoch antworten konnte, kam ihm die Nase rümpfende Blonde zuvor: „Na wer wohl? Der 'wahre Feind'. Denk dran, was er mit deiner Welt gemacht hat.“

      Ich selbst war nicht Teil davon, wie du weißt. Ich bin nur ein Abkömmling eines echten Immateriellen.


      „Trotzdem war das deine Familie!“, pochte Anya auf ihren Punkt.
      „Und nun bist du im Begriff, etwas zu tun, das die deine in Gefahr bringt, Anya Bauer. Für sie bist du ihr -wahrer Feind-.“ Ricther schwang den linken Arm zur Seite. „Zerbrochen wie dieses Bild auch ist, können deine Aktionen es zur Realität werden lassen. Genauso verhält es sich mit deinem Körper: Du bist nur ein Avatar in dieser noch nicht existierenden Möglichkeit. Doch wenn er hier vergeht und dieser Pfad zur Realität wird, schwindet deine Existenz, entsprechend der Geschichte, die jetzt geschrieben wird.“
      Anya blinzelte zweimal. „Huh?“

      Anya Bauer, was er damit sagt ist, dass dein Körper in diesem Moment auf demselben Was-wäre-wenn?-Szenario basiert wie der noch unfertige Pfad. Und wenn du hier stirbst, wirst du es auch in der Realität, sollte dieser Pfad vollendet werden.

      „Und dieser Mistkerl hat genau das vor, oder?“
      Als Antwort griff Ricther nach dem Schwert an seinem Waffengurt und zog es, streckte es in die Höhe, nur um dann dessen Spitze auf Anya zu richten. „Dein engstirniges Verhalten und die Unfähigkeit, die Konsequenzen deines Handelns zu erfassen zwingen mich dazu, dir deine Entscheidung abzunehmen. Kraft meines Amtes als Wächter der ewigen Ordnung verurteile ich dich ob deiner Taten zum Tode, Anya Bauer!“
      In diesem Moment ummantelte das Schwert Ricthers Arm und verband sich problemlos mit ebendiesem, wobei sich der Griff automatisch einzog. Die Klinge wiederum fuhr ebenfalls ein ganzes Stück zurück, bis sie nur noch etwa einen halben Meter lang war. Dafür öffneten sich kleine Schlitze – im Handumdrehen hatte der Hüne nicht nur eine Klinge am Arm, sondern auch eine Duel Disk.
      Das Mädchen nahm noch einige Schritte zurück, dabei seitwärts über die Straße gehend, doch hielt sie Ricther mit ihrem Blick geradezu gefangen. Dieser folgte ihr im selben Tempo. „Oh, jetzt sprichst du dein Urteil, huh? Hoffentlich ist das nicht alles heiße Luft! Nur damit du's weißt, du bist nicht der Erste, der sich das falsche Urteil über mich bildet, Blechbirne. Du willst Krieg? Dann sollst du ihn haben! Ich gehe meinen eigenen Weg und niemand wird mich davon abbringen!“
      „Dann soll es so sein!“
      Anya aktivierte ihr D-Pad und beide riefen: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Ricther: 4000LP]

      Anyas Atem ging stoßweise. Das letzte Mal, als sie sich gegen einen dieser Undying hatte behaupten müssen, war sie unangespitzt in den Boden gerammt worden. Dabei war sie nicht einmal alleine gewesen! Hatte sie überhaupt eine Chance?
      Selbst Levrier schien zu zweifeln, schüttelte er gedankenversunken den Kopf. Dann sagte er:

      Das wird womöglich dein härtester Kampf, Anya Bauer. Hätten wir die Möglichkeit zur Flucht, würde ich sie dir unbedingt ans Herz legen. Aber so bleibt uns nur der Kampf. Möge er nicht aussichtslos sein.

      Aussichtslos? Sie war Anya Bauer! Sie hatte schon mehr aussichtslose Kämpfe ausgetragen als Deutschland während der Kriege und das wollte was heißen! Noch dazu hatte -sie- ihre auch gewonnen! Meistens …
      „Ich komme schon klar! Pass auf, dass dir deine Perlen nicht wegfliegen!“, knurrte sie angespannt und schrie kurz darauf: „Hey, Blechbüchse, ich mache den ersten Zug! Draw!“
      Sofort riss sie sechs Karten auf einmal von ihrem Deck und musste entsetzt feststellen, dass das Glück ihr nicht gerade hold war. Aber vielleicht konnte sie trotzdem aus dem Blatt etwas machen. Wenn nicht, würde sie zumindest vor allen anderen auf ihrer Schwarzen Liste erfahren, wie 'die andere Seite' aussah – und was man dort alles so anstellen konnte.
      Anya fischte ein Monster aus ihrem Blatt und rief: „[Gem-Knight Garnet], ready and waiting!“
      Auf ihrer Spielfeldseite erschien ein bronzener Ritter, in dessen Brust ein Granatstein eingelassen war. Zwischen seinen Handflächen erzeuge er demonstrativ eine Flamme.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Zug beendet“, verkündete sie.

      Das massive Schwert an seinem Handrücken mühelos hochhebend, griff Ricther mit der anderen nach dessen Unterseite, nahe des eingezogenen Hefts. Dort befand sich eine Einlassung, in der sein Deck zu finden war und von dort nahm er eine Karte auf. Diese legte er sogleich in die stumpfe Seite der Klinge ein. Und es wurde plötzlich unheimlich kühl in der starr gewordenen, verzerrten Welt. Karte um Karte flog aus dem Deck des Hünen, entlang des Klingenblatts und löste sich vor seinen und Anyas Augen an der Spitze auf.
      „Zehn Karten werden verdeckt verbannt, um sie zu beschwören“, erklärte er und streckte den Arm in die Höhe, „erscheine, [Different Dimension Deity – Lastelise]!“
      Überall um Ricther herum brachen riesige, pinke Kristallfragmente aus dem Boden hervor und stiegen in die Luft. Einer flog an der Spitze. In ihm war ein blauer Kern eingelassen, der wie ein Auge wirkte. An seinem hinteren Ende platzierten sich drei weitere, die eine Art Kragen dazu bildeten. Je rechts und links verbanden sich die restlichen Kristalle zu gigantischen Händen, bestehend aus drei Fingern, die abseits des 'Kopfes' ihre Position einnahmen. Dem Mädchen blieb die Luft weg bei dem seltsamen Anblick, der sich ihr bot.

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/3000 DEF/3000 (10)]

      „Solange Lastelise über den Raum herrscht, kann ich keine anderen Kreaturen beschwören. Dies wird auch nicht von Nöten sein.“ Erhaben streckte Ricther den Arm aus und zeigte auf Anyas Krieger. „Vernichte! Declaration of D!“
      Die beiden 'Arme' der körperlosen, riesigen Gestalt begannen sich wie Bohrer zu drehen und schossen parallel aus der längsten Spitze gelbe Laserstrahlen auf Garnet.
      „So stark!? Da reicht nicht mal-!“, stammelte Anya, doch schon explodierte der Ritter vor ihr.
      Von der entstandenen Schockwelle wurde sie mitgerissen und flog im hohen Bogen über die Straße, kam hart auf dem Rücken auf und rutschte noch ein Stück weiter.
      „Argh!“, keuchte sie dabei.

      [Anya: 4000LP → 2900LP / Ricther: 4000LP]

      „Ich erkläre meinen Zug als beendet“, verkündete Ricther.
      Anya richtete sich schwankend auf und hielt sich die linke Schulter, die Einiges bei ihrem Fall abbekommen hatte. Es war alles so schnell geschehen, dass sie kaum den Ablauf hatte erfassen können. Levrier drehte sich, am Rand ihres Spielfeldes verharrend, zu ihr.

      Er steht Stoltz im Nichts nach. Im ersten Zug ohne Aufwand ein so starkes Monster zu beschwören? Das wird noch nicht das Schlimmste sein, was er besitzt, Anya Bauer.


      „Was du nicht sagst, Einstein“, ätzte Anya und schleppte sich zurück zum Duellfeld.
      Was wollten diese Undying bloß von ihr!? Feindin der ewigen Ordnung? Das war sie ja nun nicht gerade erst seit gestern! Sie hasste alle Art von Ordnung, damit das mal klar war! Wenn die jetzt schon so ausflippten, weil sie zwei dieser Siegel oder was auch immer gebrochen hatte – technisch gesehen nur eins, Matt war genauso schuld! – dann wollte sie gar nicht wissen, was diese Undying unternahmen, wenn sie alle Siegel gebrochen hatte. Gäbe es dann einen Undying-Gangbang?

      „Draw!“, raunte sie, angefacht von ihrer Wut auf den Sammler, der ihr das alles eingebrockt hatte.
      Es war falsch, was sie da tat, das wusste Anya instinktiv. Siegel zu brechen war nie eine gute Idee, da musste man nur die Winchester-Brüder fragen. Bloß scheiße, sollte sie stattdessen freiwillig in die Kiste springen!? Solange sie – sprich Nick – keinen Ausweg aus dem Schlamassel gefunden hatte, würde sie einen Teufel tun, egal wer ihr in die Quere kam!
      „Was? Hast wohl plötzlich deine Zunge verschluckt, huh?“, hakte Anya nach und beäugte nebenbei ihr Blatt. „Dein Kumpel war da witziger. Der Vollpfosten hat wenigstens gar nicht erst so getan, als hätte er keinen Spaß daran, uns zu quälen. Und ein kleiner Hinweis an dich, Robocop: Du wirst's genauso versemmeln wie er!“
      Im Feuereifer knallte sie ein Monster verdeckt auf Logans schwarzes D-Pad und schob anschließend eine Falle hinterher. „Viel Spaß mit den beiden! Zug beendet!“
      In horizontaler Lage beziehungsweise vertikaler Lage materialisierten sich jene Karten vor Anya. Und ja, dieses defensive Spiel war reine Strategie und nicht etwa ein hilfloser Versuch, sich über den nächsten Zug zu retten, weil es sonst keine Optionen gab!

      „Du bist Stoltz nur entkommen, weil mehrere Individuen dich schützten, Anya Bauer“, erklärte Ricther und zog nebenbei von unterhalb seiner Schwert-Duel Disk, „doch keines von ihnen kann jetzt eingreifen. Gib mir die Artefakte zurück, dann verschone ich dich.“
      Unterstreichend streckte er fordernd die freie Hand mit der gezogenen Karte zwischen Mittel- und Zeigefinger aus.
      Wäre jene in Anyas Reichweite, würde sie sie sofort wegschlagen. „Verschonen? Entweder krepiere ich, weil ich auf dich höre oder weil ich es nicht tue. Bei Letzterem habe ich größere Erfolgsaussichten, also verpiss' dich!“
      „Ganz wie du willst.“ Ricther zog den Arm zurück und fügte die Karte seinem Blatt hinzu, schob anschließend eine andere mit seinem Daumen ein Stück weit daraus hervor. „Dann musst du mit den Konsequenzen rechnen. Ich aktiviere die Zauberkarte [Dimensions Reach]. Ein damit ausgerüstetes Monster erhält für jede verdeckt verbannte Karte 100 Punkte auf seinen Angriff.“
      Er legte die Karte mit der anderen Hand in den Schlitz direkt unter der Zone seines Monsters ein. Das Innere der pinken Kristalle Lastelises begann daraufhin zu glühen. Und Anya schluckte.

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/3000 → 4000 DEF/3000 (10)]

      „Tch, dann wird das ja wieder nichts.“
      Ricther streckte den Arm wieder befehlend aus. „Vernichte das gesetzte Monster! Declaration of D!“
      Wieder drehten sich die aus drei Kristallen bestehenden 'Hände' des göttlichen Wesens rapide um die eigene Achse und feuerten gelbe Lichtstrahlen auf Anyas horizontal liegende Karte. Die wirbelte herum und offenbarte einen Ritter in hellblauer Rüstung, welcher mit nur einer Handbewegung vor sich eine Eismauer errichtete.
      „Pech gehabt, [Gem-Knight Sapphire]“, murmelte Anya wenig mitfühlend.

      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]

      Schon schossen die Strahlen durch Sapphires Brust und trafen Anya direkt in die ihre. Jene weitete erschrocken die Augen, ehe sie hustete und Blut ausspuckte. An sich herab sehend, sah sie nur zwei dunkle, verkohlte Stellen auf ihrem T-Shirt und an den Rändern ihrer geflickten Lederjacke. Entgeistert schaute sie anschließend auf, in Ricthers Richtung.

      [Anya: 2900LP → 1000LP / Ricther: 4000LP]

      „[Dimensions Reach] ermöglicht es, jede Verteidigung zu durchdringen und durchschlagenden Kampfschaden zuzufügen“, erklärte Ricther emotionslos und legte eine weitere Karte in die Klinge an seinem Arm ein. „Diese Karte wird verdeckt ausgespielt. Ich erkläre meinen Zug hiermit als beendet.“
      Sofort setzte diese sich vor ihm aus dutzenden Partikeln zusammen.
      Indes blickte die Blondine wieder an sich herab und berührte die verbrannten Stellen, die furchtbar schmerzten. Genau genommen war das mit ihrem ganzen Brustkorb der Fall. Sie hatte keine Ahnung, ob irgendwelche Organe verletzt waren. Wenn ja, war das … schlecht. Blut rann ihr von den Mundwinkeln.
      „Kacke …“, hustete sie, das Blut spritze nur so aus ihr.
      Etwas Unsterblichkeit wie zu Edens Zeiten wäre jetzt wirklich nicht verkehrt.

      Reiß dich zusammen, Anya Bauer. Das ist nicht dein Blut! Zumindest noch nicht!


      Verwirrt sah sie nach rechts zu Levrier.

      [Different Dimension Deity – Lastelise] verzerrt Raum und Zeit. Es hat nicht dir den Schaden zugefügt, sondern deinem Ich, welches das Duell verlieren wird. Vergiss das nicht.

      „Der Abkömmling hat Recht“, bestätigte Ricther, „es ist eine Warnung an dich, was mit dir geschieht, wenn du dich uns widersetzt. Der Schmerz und das Blut sind echt, aber zur selben Zeit noch nicht geschehen, weshalb du noch lebst. Überlege gut, was du tust. Solange du lebst, steht mein Angebot.“
      Anya ließ den Kopf hängen, das Atmen fiel ihr ziemlich schwer unter diesen seltsamen Bedingungen.
      „Wenn ich die Karten zurückgebe … hilfst du mir dann?“
      „Nein. Die Angelegenheiten der Sterblichen sind nicht die unseren“, antwortete Ricther kühl, „unsere Aufgabe ist es allein, die ewige Ordnung aufrecht zu erhalten. Ist dies getan, versinken wir in einen tiefen Schlaf, der nicht eher endet, bis die ewige Ordnung erneut in Gefahr ist.“
      Anya schwang wütend den Arm aus, als sie sich wieder straffte. „Du bist ja ein toller Vogel! Ich soll auf so'ne scheiß Ordnung Rücksicht nehmen, biete sogar meine Kooperation an und du? Du speist mich bestenfalls mit 'nem verfickten 'Danke' ab!?“
      „Ich wiederhole mich: Die Angelegenheiten der Menschen gehen uns nichts an. Deine bisherigen Taten sind bereits Sünde genug und bedrohen diese Welt.“ Ricther ballte demonstrativ vor ihr eine Faust. „Mehr davon und du wirst sterben, Anya Bauer. Denn auch wenn ich meine Gnade als Angebot bezeichne, bin ich kein Bittsteller!“
      „Ach ja!? Sterben muss ich so oder so, wenn das hier schief geht! Dann aber lieber kämpfend!“ Anya zeigte ihm als Antwort den Stinkefinger. „Also fuck off!“

      Sofort im Anschluss griff sie nach ihrem Deck und zog schwungvoll. „Draw! Jetzt gibt’s auf die Fresse, Freundchen!“
      Sich die neue Karte ansehend, zog Anya den Mund schief. Dann streckte sie die Hand über die vor ihr liegende Falle aus. „Los, [Fragment Fusion]! Zwei Gem-Knights werden im Friedhof durch ihr Verbannen miteinander verschmolzen! [Gem-Knight Garnet], du bist das Herz, [Gem-Knight Sapphire], du die Rüstung! Vereint euch!“
      Plötzlich tauchten vor Anya die verschiedensten Edelsteine auf. Zwischen ihnen bildeten sich weiße Linien, zeichneten nach und nach ein Netz, in dessen Mitte eine Art Portal entstand. Aus diesem tauchte schließlich ein Krieger in roter Rüstung und wehendem, blauen Umhang auf, der sich vor Anya positionierte.
      „Wurde auch Zeit, [Gem-Knight Ruby]!“ Die Blonde verschränkte die Arme. „Dummerweise kratzt er am Ende des Zuges ab, weil er mit [Fragment Fusion] beschworen wurde.“

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

      Sie löste ihre überhebliche Haltung und legte noch ein Monster auf ihr D-Pad. „Jetzt als Normalbeschwörung: [Gem-Knight Emerald]!“
      Die Karte, die sie in diesem Zug gezogen hatte. Neben Ruby materialisierte sich sein blassgrüner Kamerad mit dem runden Armschild, der Herr der Smaragde.

      Gem-Knight Emerald [ATK/1800 DEF/800 (4)]

      Sofort streckte Anya den Arm aus. „Zu dumm für ihn ist allerdings, dass er nur als Kanonenfutter für Ruby herhält! Indem ich ihn durch dessen Effekt opfere, erhält Ruby seine Angriffspunkte!“
      So löste sich der Ritter augenblicklich in grüne Lichtpartikel auf, die der rote Krieger mit seiner Waffe, einer Lanze, absorbierte.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 4300 DEF/1300 (6)]

      „Gib's dem Riesenklunker!“, fauchte Anya und zeigte nach oben über Ricther, wo [Different Dimension Deity – Lastelise] verharrte. „Sparkling Lance Thrust!“
      Wie eine Rakete löste sich Ruby vom Boden und schoss durch die Luft, die Lanze nach vorne gerichtet. Sein Ziel war der Kern inmitten des Kopfs. Als er diesen erreichte, rammte er seine Waffe bis zum Anschlag hinein. Was folgte war eine gewaltige Explosion, die eine rosafarbene Staubwolke zur Folge hatte, die Ricthers komplettes Feld verhüllte und selbst noch Anyas erreichte.

      [Anya: 1000LP / Ricther: 4000LP → 3700LP]

      „Rest in pieces, Bitch!“, jubelte Anya, als Ruby zu ihr zurückkehrte.
      Der Rauch verzog sich und – es war noch da! Über Ricther schwebte Lastelise mit seinen beiden, aus drei Kristallpfeilern bestehenden Händen und dem Kopfkragen, als wäre nie etwas geschehen.
      Anya stand der Mund offen. „Aber ich habe doch-!?“

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/4000 → 3000 DEF/3000 (10)]

      „Der Effekt von [Dimensions Reach] hat sich aktiviert“, erklärte Ricther, „würde das ausgerüstete Monster zerstört werden, kann ich stattdessen [Dimensions Reach] opfern und zehn verdeckt verbannte Karten in mein Deck zurückschicken, um [Different Dimension Deity – Lastelise] bis zur End Phase vor Zerstörungen aller Art zu wahren.“
      Vor dem Hünen öffnete sich ein kleiner Spalt, aus dem die Karten geflogen kamen und sich zurück zum Heft seines Schwertes begaben, um im Deck dort drinnen zu verschwinden. Gleichzeitig sprang Ricthers gesetzte Karte auf. „Ich aktiviere als Reaktion darauf [Dimensions Downfall]. Wenn verdeckt verbannte Karten in mein Deck zurückkehren, kann ich den Fluss umkehren und während der End Phase eine Zauber- oder Fallenkarte von meinem Friedhof auf die Hand nehmen. Dafür darf ich bis zum Ende meines nächsten Zuges nur diese eine Karte aktivieren.“
      Kaum waren alle zehn Karten wieder in seinem Deck, welches automatisch durchgemischt wurde, da schossen zehn neue genau in die andere Richtung und verschwanden wieder in dem Riss vor Ricthers Schwertspitze.
      Anya hatte alles mit großer Irritation beobachtet.

      Anya Bauer! Er wird mit großer Wahrscheinlichkeit [Dimensions Reach] auf die Hand nehmen. Du musst etwas unternehmen!

      Levriers geisterhafte Gestalt an ihrer Seite war keine große Hilfe, denn das wusste sie auch selbst! Aber was sollte sie tun mit diesem Rotzblatt!? Ruby würde sowieso krepieren, dann stand sie ohne Monster da!
      Sie hatte im Grunde gar keine andere Wahl. So zückte sie widerwillig die einzige Zauberkarte auf ihrer Hand. „Ich aktiviere [D.D.R. - Different Dimension Reincarnation]!“
      Um die Kosten zu zahlen, legte Anya den [Labradorite Dragon] aus ihrer Hand auf den Friedhof, ehe sie erklärte: „Damit beschwöre ich ein verbanntes Monster auf meine Spielfeldseite und rüste es mit dieser Karte aus! Kehre zurück, [Gem-Knight Sapphire]!“
      Vor ihr öffnete sich ein mannshoher Spalt, welcher in seinem Inneren ein weißes Energiegitter zeigte. Daraus zwängte sich der hellblaue Ritter, welcher, als er die Verzerrung überwunden hatte, vor Anya auf die Knie ging und eine schützende Eisbarriere um sich schuf.

      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]

      Anya hielt sich die schmerzende Schulter und schluckte, sah wieder auf ihre Brust herab, durch die sich zwei Löcher gebrannt hatten. Sie war machtlos gegenüber diesem Typen! Nicht einmal [Angel Wing Dragon] konnte sie beschwören, da sie dafür [Alexandrite Dragon], sozusagen der Ersatz-Empfänger für Angel Wings Beschwörung, vom Deck auf den Friedhof schicken müsste. Aber genau der gammelte seit Beginn des Duells auf ihrer Hand herum! Scheiße!
      „Zug beendet“, murmelte sie verbittert mit ihren letzten beiden Handkarten, wodurch Ruby in tausend Teile zersprang.
      Ricther streckte den Arm aus. „Damit erhalte ich durch [Dimensions Downfall] eine Nicht-Monsterkarte von meinem Friedhof. Ich wähle [Dimensions Reach].“
      Er nahm sie aus seinem Friedhofsschacht, steckte sie in sein Blatt, das er unterhalb der Klingen-Disc festhielt und besaß damit ganze fünf Karten.

      Sofort im Anschluss nahm er noch eine weitere von seinem Deck auf. Dabei fixierte er seinen Blick auf Anya, die unter all den Schmerzen ihre Schwierigkeiten hatte, aufrecht zu stehen. „Ein letztes Mal frage ich dich: Wirst du kooperieren und die Artefakte zurückgeben?“
      „Nur wenn du mir hilfst“, erwiderte sie stur, „mach den kalt, der mich dazu zwingt eure beschissenen Siegel zu brechen, dann kannst du meinetwegen meine ganze Sammlung haben.“
      Levrier neben ihr räusperte sich.
      „Sogar den da!“, raunte sie böswillig und zeigte auf ihren Partner. „Na ja, 'kay, eher nicht …“
      „Meine Stellung dazu ist dir bereits bekannt, Anya Bauer. Wir Undying mischen uns nicht in die Angelegenheiten der Sterblichen ein.“
      Anyas Mundwinkel zuckten nach oben. „War ja klar. Dann tu, was du nicht lassen kannst, Mistkerl.“
      Ricther nahm eine Karte aus seinem Blatt. „Wie du willst. Ich aktiviere [Dimensions Reach]!“
      Das Innere der Kristalle Lastelises begannen wieder unheimlich zu glühen, als Ricther es mit seiner Karte ausrüstete.

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/3000 → 4000 DEF/3000 (10)]

      Ricther streckte erhaben den Arm aus. „Dann empfange jetzt mein Urteil! Für das Brechen zweier Siegel der ewigen Ordnung soll dich der Tod ereilen, Anya Bauer! Greife [Gem-Knight Sapphire] an und lösche Anya Bauers verbliebene Lebenspunkte dank Durchschlagschaden aus, [Different Dimension Deity – Lastelise]! Declaration of D!“
      Anya nahm einen Schritt zurück, der Schweiß stand auf ihrer Stirn geschrieben. Wie bei den letzten beiden Malen drehten sich die Kristallhände der gewaltigen Dimensionsgottheit wie Bohrmaschinen und feuerten auf ihren Ritter zwei gelbe Laserstrahlen ab.
      „Shit …“
      Jener wurde zerfetzt, als sich die Strahlen durch seine Brust bohrten. Dabei trafen sie auf den Asphalt, rissen diesen anschließend auf ihren Weg zu Anya auf. Jene wandte sich schnell an Levrier.
      „War schön, dich gekannt zu haben! Irgendwie jedenfalls …“

      Anya Bau-!

      Dann wurde sie erfasst, alles um sie herum explodierte. Ihr Schrei hallte durch die ganze Straße und wurde doch von niemandem vernommen.


      Turn 54 – Matches
      Nicht ahnend, welchem Gegner Anya gegenüber steht, hat Nick sich in der Zwischenzeit zu Aidens Firma begeben. Dort auf seinen Ex-Freund wartend, ist er bereit, sich ein für allemal von ihm loszureißen. Doch …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Labradorite Dragon
      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Sapphire
      Gem-Knight Emerald

      D.D.R. - Different Dimension Reincarnation

      Fragment Fusion

      Gem-Knight Ruby

      Ricther

      Different Dimension Deity – Lastelise
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/3000 DEF/3000 (10)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du die 10 obersten Karten deines Decks verdeckt verbannst, während du keine Monster kontrollierst. Du kannst keine anderen Monster außer diesem kontrollieren. {????}

      Dimensions Reach
      Zauber/Ausrüstung
      Ein mit dieser Karte ausgerüstetes Monster erhält ATK in Höhe der Anzahl an verdeckt verbannten Karten x 100 und fügt durchschlagenden Kampfschaden zu. Wenn das ausgerüstete Monster zerstört werden würde, kannst du diese Karte zerstören und 10 verdeckt verbannte Karten ins Deck ihres Besitzers zurückschicken. Wenn du diesen Effekt aktivierst: das ausgerüstete Monster kann bis zur End Phase nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden.

      Dimensions Downfall
      Falle/Normal
      Bis zu deiner nächsten End Phase (außer du hast diese Karte im selben Zug aktiviert) kannst du keine Karten beschwören oder aktivieren, außer du hast sie durch den Effekt von "Dimensions Downfall" deiner Hand hinzugefügt. Du kannst einen der folgenden Effekte aktivieren:
      O Wenn eine oder mehrere Karten von deinem Deck verdeckt verbannt werden: schicke dieselbe Anzahl an verdeckt verbannten Karten in dein Deck zurück. Füge während der End Phase die oberste Karte von deinem Deck deiner Hand hinzu; zeige sie vor.
      O Wenn eine oder mehrere verdeckt verbannte Karten in dein Deck zurückgeschickt werden: verbanne eine gleiche Anzahl an Karten verdeckt von deinem Deck. Während der End Phase füge deiner Hand eine Karte von deinem Friedhof hinzu.


      Hoffe es hat gefallen.
      Hi Lex,

      die Auswahlmöglichkeiten, wo ich TLA nach der Arena hätte fortführen können, waren arg begrenzt. eTCG und fanfiktion.de eben, ich nutze beides.
      Zwischen den beiden Staffeln gibt es ein fünfteiliges Special, das ist korrekt. PDFs wollte ich am Ende der zweiten Staffel in einer zweiten Ultimania wieder bereitstellen, zur Not würde ich das aber auch jetzt schon machen, falls Bedarf besteht.

      Aber schön zu sehen, dass es dich auch wieder hierher geführt hat.
      @-Aska-

      Wenn eine Chance besteht, dass das kommen könnte, dann doch immer gern xD

      Was den Fake Nick angeht, darüber könnte ich ja jetzt hier oder im anderen Spoiler schreiben: Aber im Endeffekt pflichte ich dir bei, dass man gewissermaßen schlecht von einem Fake Nick sprechen kann. Natürlich ist er nicht der echte "Nick Harper", aber irgendwie ja auch doch. Denn egal was er die letzten 5 Jahre gemacht hat, war er 'Nick Harper' und hat ihm Leben verliehen. Das Leben als Eli hat er ja nahezu komplett aufgegeben, wenn auch nicht vergessen. Irgendwie kommt das gerade nicht so rüber, wie ich es gern sagen würde, aber ich denke du weißt auch so, was ich meine.

      Die Kopfwäsche war aber auch dringend nötig gewesen, sieht man ja am aktuellen Kapitel, dass es keine Sekunde zu früh gewesen ist. In diesem Duell hätte es ihr ganz schnell schon Kopf und Kragen gekostet.

      Anya ist aber auch als Chara konzipiert, mit dem man nur wenig und phasenweise Mitleid haben kann, allein weil sie meist schon selbst im nächsten Moment dafür sorgt, dass es einem wieder vergeht. Aber das zeichnet auch ihren Charakter irgendwo aus. Generell ist sie der EInzelgänger, der sich selbst als sehr unliebsam und unnahbar gibt, aber in den bestimmten Momenten zeigt sie sich auch verletzlich, versucht aber, diese Schwächen zu verheimlichen so gut es geht.

      Ich fühl mich betrogen, dann ist das ja gar keine Halbzeit. xD


      Folge

      Da hast du die Folge aber an der spannensten Stelle enden lassen. Bei deinem "Tötungswahn" in letzter Zeit muss man ja echt Muffel haben. Wäre in jedem Fall eine echt interessante Wendung ^^

      Aber erst einmal der Reihe nach. Das Gespräch zwischen Abby und Nick zu Beginn der Folge war natürlich wie erwartet sehr emotional. Es las sich aber auch zu schön, wie er sich jemandem, ihr, endlich offenbarte. Besonders die Stelle, als sie erst einmal kurzerhand auflegte und den großen Schock überwinden musste, die passte perfekt. In ihrer Unterhaltung ist aber auch so einiges anderes angesprochen worden, das sehr interessant war:
      Wie er den Platz des echten Nicks einnehmen konnte, wieso sich die Bauers getrennt haben usw. Wenn man sich bei Letzterem überlegt, dass er indirekt Schuld daran ist, dass das passiert ist, ist das auch so ein unvorhersehbarer Faktor, wie Anya darauf reagieren könnte, falls sie jemals die ganze Wahrheit erfährt. Ebenso drängt sich da die Frage sofort auf, wie sich das Verhältnis zwischen Zach und Nick darstellen wird. Da er ja Anya schon so verachtet, dann dürfte er für den Bastard-Sohn noch weniger übrig haben als überhaupt geht.
      Tiefgründig fand ich auch die Frage von Abby, ob er für den Tod von Nick#1 verantwortlich war. Ich meine, die Frage hat sich bestimmt bei einigen sofort aufgedrängt, als er mit seinem Geständnis daherkam. Gerade bei jemand so hochintelligenten wie Nick. Dennoch klang seine Antwort darauf überzeugend.
      Schön war es da natürlich am Ende, dass sie als seine Freundin trotz aller seiner Lügen in der Vergangenheit (und Gegenwart) weiterhin zu ihm hält, fast schon durch solche Sätze symbolisiert, als sie ihm gestandt, dass sie "Nick" erst ab dem Zeitpunkt mochte, als er dessen Platz eingenommen hatte.

      Bei dem Treffen von Aiden, Anya und (dem 'ungeladenen') Nick haben wir dank Letzterem einen kleinen Einblick bekommen, um was es bei Aiden und seinem Masterplot geht, und im gleichem Atemzug bestätigt bekommen, dass er offensichtlich keine guten Absichten mit Anya hat. Insofern muss man natürlich automatisch an praktisch allem, was er ihr gegenüber gesagt hat, seine Zweifel haben, ob es auch die Wahrheit ist, denn oftmals steckt die Täuschung nur im Detail. In jedem Fall würde so etwas wie "Hintertüren in einem Vertrag" auf jeden Fall zu jemandem wie ihm passen.
      Gut bei der Szene gefiel mir auch, wie beide sich gegenseitig die Spitzen nur so um die Ohren warfen, während Anya das nur bedingt wahrnimmt. Insbesondere die Stelle, als Aiden sich an sie wendet und ganz scheinheilig nach Geschwistern fragt, da kann man sich regelrecht vorstellen, dass Nick das Herz für einen Moment in die Hose gerutscht ist.
      Fast schon überraschend kam zum Ende der Bruch von Nick und Anya, und dass Nick sie praktisch in ihr Verderben laufen lassen würde. Zum Glück hat sich das aber gleich für den Leser geklärt, dass er ihr in Wahrheit zuvorkommen und so doch schützen will. Das gefiel mir, dass er sie egal was sie macht dennoch nicht aufgibt - was ein wenig das widerspiegelt, wie es bei Abby mit Nick der Fall war. Selbst wenn man sich mal heftigt zofft, sitzt die Verbundenheit doch tiefer.
      Aber mal ehrlich, dass Anya bei der Aussicht auf eine Menge Knete für etwas, das sie sowieso gezwungen ist zu machen, sofort die Ohren auf Durchzug stellt und nur noch in ihrem Oberstübchen die Kasse klingeln hört, das war sowas von klar. Typisch Anya eben. xD


      Unerwartet schnell gab es dann in der Folge direkt die nächste Begegnung mit einem Undying. Dabei muss ich aber sagen, dass mir Ricther deutlich sympathischer ist als Stoltz. Der ist einfach nur kaltblütig und creepy. Ricther dagegen hat mehr was von so nem alten Ritter. Er steckt als Undying zwar auch in seine festen Verhaltensmuster fest, aber ist dennoch viel umgänglicher als sein Untergebener. Im Endeffekt geht er ja auch auf Anyas Sprüche und Vorschläge ein, auch wenn er ihr nicht entgegen kommt.
      Interessant wäre es gewesen, zu sehen, ob es ihr gelungen wäre, ihm dennoch ein paar kleine Infos zu entlocken, die ihr später hätten helfen können.
      Aber Ricther ist denke ich auch niemand, der so gesprächig ist. Ist aber auch nicht verwunderlich. Er gibt ihr ja die Option, "auszusteigen", und da sie sich nicht fügt, bleibt ihm nur, sie zu töten, also warum groß Erklärungen an eine Todgeweihte verschwenden.

      Dafür interessiert mich umso brennender, was es mit dem "Versiegelten" auf sich hat. Es hatte sich ja schon zunehmend verdichtet, dass der Collector einen ganz eigenen, großen Plan mit Anyas Kreuzzug verfolgt. Eden und der Turm sollten damals das Portal öffnen. Urilas Plot im Special sollte auf einen anderen Weg das Gleiche erreichen. Jetzt haben wir hier etwas, dass durch ein Siegel geschützt ist und geöffnet werden soll. Würde mich wirklich nicht wundern, wenn alle drei "Dinge" auf verschiedenen Wegen am Ende das gleiche Ziel haben. Dem entgegen steht aber momentan noch, dass die Undying ja aktuell ausschließlich auf das Vorhaben, die SIegel zu brechen, anspringen und den Verursacher auslöschen wollen. Sonst würde man ja annehmen, dass sie bei den anderen beiden Vorfällen auch aktiv geworden. Also könnte es auch doch nicht ein und dasselbe Ziel sein.

      Ähnlich wie das Deck von Stoltz verspricht auch Ricthers Deck in jedem Fall recht explosiv zu sein. Genauso wie sein Untergebener kann er schnell und unkompliziert ein dickes Monster raushauen und muss dafür anders als Stoltz icht einmal Kombinationen verwenden. Problematisch scheint es in seinem Deck nur zu werden, wenn du an einen Punkt kommst, wo du keine Karten verbannt hast, die du für Effekte brauchst, oder umgedreht, keine Karten mehr im Deck um etwas zu machen. Da man aber gesehen hat, dass die Effekte gegensätzlich wirken und Karten von einem zum anderen Stapel schieben, dürfte der Fall aber nur äußerst selten wenn überhaupt eintreten.
      Auf jeden Fall ist es für Anya und die meisten anderen enorm schwierig, gegen so einen Brocken, der sich zu allem Überfluss auch noch selbst schützen kann, überhaupt zur Wehr zu setzen. Da bin ich in jedem Fall gespannt, wie das später klappen wird.


      In dem Sinne bin ich natürlich gespannt auf den zweiten Teil der Doppelfolge. Sowohl wie Nick es mit Aiden zu einem Ende bringen will, aber besonders auch, was nun bei Anya und Ricther passiert. Ich starte mal die Initiative #DontkillAnyaBauer ^^

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Wieder einmal vielen Dank an alle Leser.

      @Evil Bakura
      Ich denke ich verstehe schon, was du damit meinst, dass Nick Eli hinter sich gelassen, aber ihn nicht vergessen hat.
      Was Anya und das Verheimlichen von Schwächen angeht, hast du es auf den Punkt gebracht. Gewissermaßen schämt sie sich dafür, diese - in ihren Augen - Schwächen zu besitzen. Ergo darf sie niemand sehen.

      Ich mag mir nicht ausmalen was passiert, wenn Anya das erfährt, besonders wo ihr Verhältnis mit Nick sowieso angespannt ist. Umso wichtiger ist es für ihn, eine Bezugsperson in Abby zu haben. Gerade jetzt, wo Aiden seine Klauen in Nick schlägt. Was Zach angeht, wird das Thema Nick auch noch angesprochen werden.

      Dass es für Nick unmöglich war, Anya in ihrem $__$-Modus zur Vernunft zu bringen, war klar. Was bleibt, ist das Übel bei der Wurzel zu packen.

      Schön, dass Ricther im Vergleich zu Stoltz besser wegkommt. Wobei er auch keine Hilfe in dem Sinne ist, denn wie du sagtest, viel zu verfahren in irgendwelche Regeln und Verhaltensweisen. Nicht selten sind solche der Grund dafür, dass die Dinge überhaupt erst aus dem Ruder laufen.
      Zur Spekulation sag ich jetzt mal nichts, aber einen kleinen Krümel Info gibt es in der Folge ja. ^^

      Ricthers Deck ist schon recht flexibel im Nutzen seiner Ressourcen, insofern sollte man nicht gleich davon ausgehen, dass ihm irgendwann die Deckkarten ausgehen. Da müsste man schon nachhelfen. ;)


      So, viel Spaß mit der nächsten Folge!

      Turn 54 – Matches
      Ricther streckte erhaben den Arm aus. „Dann empfange jetzt mein Urteil! Für das Brechen zweier Siegel der ewigen Ordnung soll dich der Tod ereilen, Anya Bauer! Greife [Gem-Knight Sapphire] an und lösche Anya Bauers verbliebene Lebenspunkte dank Durchschlagschaden aus, [Different Dimension Deity – Lastelise]! Declaration of D!“

      [Anya: 1000LP / Ricther: 3700LP]

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/4000 DEF/3000 (10)]
      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]

      Anya nahm einen Schritt zurück, der Schweiß stand auf ihrer Stirn geschrieben. Die Kristallhände der gewaltigen Dimensionsgottheit drehten sich wie Bohrmaschinen und feuerten auf ihren Ritter zwei gelbe Laserstrahlen ab.
      „Shit …“
      Jener wurde zerfetzt, als sich die Strahlen durch seine Brust bohrten. Dabei trafen sie auf den Asphalt, rissen diesen anschließend auf ihren Weg zu Anya auf. Jene wandte sich schnell an Levrier.
      „War schön, dich gekannt zu haben! Irgendwie jedenfalls …“

      Anya Bau-!

      Dann wurde sie erfasst, alles um sie herum explodierte. Ihr Schrei hallte durch die ganze Straße und wurde doch von niemandem vernommen.


      Aufrecht stand der über zwei Meter große Ricther in seiner gold-silbernen Rüstung und wartete darauf, dass der Rauch und aufgewirbelte Staub sich legte. Sein weißer Umhang flatterte in dem Wind, den die pinkfarbene Kristallkreatur über ihm entfacht hatte.
      Leises Gestöhne drang an sein durch den Helm nicht sichtbares Ohr. Ein Schatten lag dort drüben auf dem Boden und rührte sich nicht. Sie lebte, und wie er bemerkte, als der Rauch sich verzog, mehr schlecht als recht. Auch wenn es im Angesicht dieser verzerrten Dimension, jenes ungeschriebenen Pfades bedeutungslos erschien.

      [Anya: 1000LP → 100LP / Ricther: 3700LP]

      Anya lag auf dem Bauch, quer auf der Straße und sah ihn kämpferisch aus einem blauen Auge an. Die Stirn blutete, ihre Kleidung mehr Fetzen denn alles andere, aber sie lebte – und grinste. Von Levrier alias [Gem-Knight Pearl] war keine Spur mehr. Die ganze, der Realität entfremdete Einkaufsstraße war durch Ricthers Magie leergefegt, wirkte verzerrt unter dem rötlichen Licht seines Bannkreises oder auch dem potentiellen Pfad der Zukunft, wie er ihn nannte.
      „Na? Hab ich dir die Suppe versalzen, Blechbüchse?“, krächzte sie in ihrer regungslosen Haltung.
      „Anscheinend.“
      „Ha ha. Willst sicher auch wissen wie, huh?“ Anya streckte den Arm aus und tippte auf eine Karte, die vor ihr lag. „[Gem-Merchant]. Kann normale Erd-Monster wie [Gem-Knight Sapphire] um 1000 Punkte in Angriff und Verteidigung stärker machen, wenn ich ihn abwerfe.“
      „Also hast du den Schaden verringert? Deine Entschlossenheit ist lobenswert“, erkannte Ricther ebenjene an, „aber du bist nicht mehr imstande weiterzukämpfen.“
      „Halt's Maul. Und wenn ich mich im Liegen duellieren muss“, fauchte Anya, „dann tu' ich's!“
      Ricther nickte. „Ich habe nichts anderes erwartet. Nun, da ich für diesen Zug keine weiteren Karten aktivieren kann, erkläre ich ihn für beendet.“

      Schwer atmend nahm Anya ihren [Gem-Merchant] und presste sich mit ihm zwischen den Fingern von Boden ab. Langsam erhob sie sich, drohte kurz wieder zusammenzusacken, schaffte es dann immerhin auf die Knie.
      Neben den zwei Löchern in ihrer Brust gesellten sich nun auch tiefe Einschnitte, die das Resultat des letzten Angriffs waren. Der ganze Torso war voll von Anyas Blut, welches auf den Asphalt tropfte. Wenn sie dieses Duell verlor, würde dieser zukünftige Körper Realität werden. Und eins hatte Anya begriffen: Der letzte Angriff hatte dessen Leben ausgehaucht. Ihr Herz schlug nicht mehr, was sie durch das Auflegen ihrer Hand spürte.
      „Ich geb' nicht auf“, sagte sie zu sich selbst, setzte einen ihrer Füße auf den Asphalt und stand schwankend auf, „ganz egal, ob du ein Undying oder meinetwegen Gott höchstpersönlich bist. Dafür bin ich zu weit gekommen!“
      Wie durch ein Wunder hielt sie sich auf den Beinen. Und ein solches forderte sie jetzt auch ein, als sie nach ihrem Deck griff. „Levrier! Einmal Cheat-Draw zum Mitnehmen!“
      Obwohl er nicht erschien, konnte sie zumindest seine Stimme vernehmen. Nur leider hatte er keine guten Nachrichten.

      Unmöglich. Ich habe nicht genug Kraft übrig, um jetzt dem Schicksal einen neuen Pfad hinzuzufügen.

      „Dann fang' an zu sammeln, du Volltrottel!“

      Was denkst du, was ich die ganze Zeit tue? Anya Bauer, muss ich dich daran erinnern, dass ich längst kein immaterieller Abkömmling mehr bin, dessen Kraft an die der Originale heranreicht? Im Gegenteil, ich spiele mittlerweile eher in der Schattengeist-Liga.

      „Was auch immer das jetzt heißt!“, pflaumte Anya zurück. „Was auch immer, beeil' dich gefälligst, lange stehe ich das hier nicht mehr durch, ohne deine Hilfe!“
      Schnaubend umschloss sie die oberste Karte ihres Decks. Also keine Spielereien mit dem Schicksal, vorerst. Musste es eben so gehen! Immerhin stand sie ja auch, obwohl sie technisch gesehen tot war. Sie würde das Beste draus machen. Schwungvoll zog sie jene dann und warf noch in der Bewegung einen Blick auf sie.
      „Tch, mehr nicht!?“, beklagte sie sich lauthals. Dann sah sie zu Ricther auf. „'kay, mal sehen was du hierzu sagst. Ich setze ein Monster und diese da noch dazu! Zug beendet!“
      Vor ihr materialisierten sich die beiden Karten in horizontaler beziehungsweise vertikaler Lage, wobei letztere direkt vor ihren Füßen auftauchte.

      Zwar zog Ricther sofort auf, beachtete seine neue Karte jedoch gar nicht und steckte sie ins Blatt unter seinem Schwertarm, zu den anderen. Er hob die frei gewordene Hand und spreizte die Finger. „Egal wie hoch die Verteidigungspunkte deines Monsters sein mögen, sie werden niemals genügen, um [Different Dimension Deity – Lastelises] Angriff vollständig abzuwehren! Füge dich deinem Urteil, Anya Bauer! Declaration of D!“
      Anya aber grinste diesmal, statt erschrocken zurückzuweichen. „Ne.“
      Die aus drei spitzen Kristallen bestehenden Arme der Dimensionsgottheit begannen um die eigene Achse zu drehen und feuerten aus der längsten Spitze zwei gelbe Lichtstrahlen. Die Karte von Anyas gesetztem Monster wirbelte um. Aus ihr entstieg ein weißer Drache, dessen ganzer Körper mit einer Schicht von funkelnden, durchsichtigen Edelsteinen bedeckt war.

      Alexandrite Dragon [ATK/2000 DEF/100 (4)]

      Plötzlich aber sprang auch Anyas andere gesetzte Karte auf. Während die beiden Laserstrahlen auf den Drachen zusteuerten, fegte unter ihnen ein Wirbelsturm hinweg, direkt in Ricthers Richtung. Dieser sah erstaunt mit an, wie seine offene Zauberkarte [Dimensions Reach] von besagtem Zyklon zerrissen wurde.
      „Oh, hat der [Mystical Space Typhoon] dir einen Strich durch die Rechnung gemacht?“, feixte Anya. „Damit habe ich [Dimensions Reach] zerstört, also nix mit Durchschlagschaden!“
      Deswegen überlebte ihr [Alexandrite Dragon] den Angriff trotzdem nicht und implodierte bei Kontakt mit den Strahlen.

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/4000 → 3000 DEF/3000 (10)]

      „Du schindest nur Zeit, Anya Bauer“, sprach Ricther und schob eine Fallenkarte in die entsprechende Zone der stumpfen Seite seiner Schwertarm-Duel Disk, „diese setze ich und erkläre den Zug für beendet.“
      Zischend materialisierte sie sich vor seinen Füßen.
      Damit war Anya komplett blank. Kein Feld, keine Handkarten, nichts.
      „Levrier, Statusbericht!“, forderte sie daher.

      Nichts, was du hören willst.

      Eine zornige Falte bildete sich im Anschluss auf ihrer Stirn. „Na ganz klasse!“
      Sie musste sich eingestehen, dass sie noch nicht stark genug war, um ohne jene sagenhafte Fähigkeit Levriers auszukommen. Der Weg zur Duel Queen war dementsprechend noch sehr lang. Aber wenn sie überhaupt etwas von ihrem Traum haben wollte, musste sie eben solche Vorsätze wie das Verzichten auf Schicksalsbeeinflussung vorübergehend außen vor lassen.
      Plötzlich spürte sie einen Stich in ihrem nicht mehr schlagenden Herzen, als sie sich an den gestrigen Tag und den Streit mit Levrier und Logan erinnerte. Sie wurde sich ihrer eigenen Hilflosigkeit, ihrer Schwäche wieder bewusst. Die Schwäche, die sie an ihrem Traum zweifeln ließ.
      „Wie konnte ich … jemals …“

      Gib nicht auf, noch hast du nicht verloren, Anya Bauer! Eine Duel Queen zeichnet sich gerade dadurch aus, sich ihrer Fehler bewusst zu sein!

      Levriers Worte schreckten Anya auf. Hatte er ihre Gedanken gehört!? Oder kannte er sie mittlerweile einfach zu gut um zu wissen, was in ihr vorging. Das Mädchen seufzte. Selbst wenn, im Endeffekt änderten seine Worte nichts an ihrer Abhängigkeit von ihm.
      „Was auch immer …“
      Es half aber alles nichts, zur Zeit stand das sowieso nicht zur Debatte. Kämpfen würde sie trotzdem bis zum Schluss, so viel stand fest. Nervös griff sie nach ihrem Deck. Kacke, ihr ganzer Körper schmerzte. Wenn das nicht noch schlimmer werden sollte, musste sie unbedingt etwas Gutes ziehen!
      „Komm schon!“, flehte sie ihr Deck an und riss die oberste Karte fort. „Draw!“
      Würde ihr Herz noch schlagen, hätte es in diesem Moment regelrecht gegen ihre Brust gehämmert, als sie die Karte zwischen ihren Fingern umdrehte und tatsächlich [Pot Of Avarice] erkannte.
      „Hell yeah!“, jubelte sie und legte jenen sofort in das schwarze D-Pad ein. „Guck dir den an, du Psycho! Dieser nette Zauber namens [Pot Of Avarice] mischt fünf Monster auf meinem Friedhof in mein Deck zurück und lässt mich zwei Karten ziehen.“
      Anya entschied sich für [Gem-Knight Sapphire], [Gem-Knight Emerald], [Gem-Merchant], [Alexandrite Dragon] und ihre neueste Errungenschaft, den [Labradorite Dragon], der wohl in diesem Duell nicht mehr glänzen würde. Als durchsichtige Abbilder tauchten die Karten über ihr auf, bis Anya sie auf ihr Deck legte und jenes durchmischen ließ. Danach legte sie Zeige- und Mittelfinger auf ihr Deck fuhr mit dem Fingernagel ihres Daumens von unten nach oben über den Kartenstapel, bis sie genau die zwei obersten Karten im Griff hatte. Und zog.
      „Heh“, gluckste sie beim Anblick der neuen Karten, „das wird lustig!“
      Sofort zeigte sie eine davon vor, um sie anschließend auf die Duel Disk zu klatschen. „Ich beschwöre [Gem-Knight Alexandrite], einen Kumpel von meinem Drachen!“
      Tatsächlich materialisierte sich ein weißer Ritter vor ihr, in dessen Rüstung die gleichen Edelsteine eingelassen waren wie auf der Haut des [Alexandrite Dragons].

      Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Anya streckte den Arm weit aus. „Aber leider ist seine Screentime eher kurz bemessen, denn durch seinen Effekt opfere ich ihn, um einen normalen Gem-Knight von meinem Deck zu beschwören. Mach Platz für [Gem-Knight Tourmaline]!“
      In funkelnden Partikeln löste sich ihr Ritter auf, welche sich sofort wieder zusammensetzten und einen Krieger in goldener Rüstung bildeten, der zwischen seinen Handflächen elektrische Ladungen austauschte.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      Natürlich hatte Anya bei all dem einen Hintergedanken – den Friedhof mit Stufe 4-Monstern zu füllen. Denn gleich würde dieser Spinner ihre neue Lieblingskarte kennenlernen!
      Die Blonde nahm ihr Deck aus der Halterung. „In meinem Extradeck gibt es ein ganz besonderes Synchromonster, das ich beschwören kann, wenn ich ein Lichtmonster von meinem Deck auf den Friedhof lege. Und egal ob es ein Empfänger ist oder nicht, durch diesen Effekt wird es dann als einer behandelt, der gerade für die Beschwörung des [Angel Wing Dragons] auf den Friedhof gelegt wurde!“
      Endlich konnte Anya ihren [Alexandrite Dragon] nehmen und in den Friedhofsschacht rammen. Über ihr erschien ein massiver, goldener Ring mit über einem Meter Durchmesser. Das Mädchen reckte die Hand nach oben, als wolle sie das Gebilde berühren. „From the light of a different world, the herald of starlight decends upon the ravaged land! By discarding a single star, I call upon you! Synchro Summon! Shine forth!“
      Während ihr Tourmaline zersprang und in Form vierer grüner Lichtkugeln durch den Ring glitt, begannen sich vier weiße, federbesetzte Schwingen von ebenjenem zu spannen.
      „[Angel Wing Dragon]!“
      Innerhalb des Gebildes befand sich eine wässrige Oberfläche, ein Tor in eine andere Dimension, aus dem nach vorne ein weißer, schlangenhafter Drachenkopf mit Goldgestell um den Kragen schoss. Aus der anderen Seite drang ein peitschender Schweif, bis beide Seiten perfekt aneinander passten und die komplette Kreatur ergaben.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Anya ballte eine Faust, während ihr majestätischer Drache über ihr verharrte. „Zeit zum Gegenangriff, Angel Wing! Los, Seraphim Judgment!“
      Jener öffnete sein Maul und feuerte umgehend einen weißen Lichtstrahl auf den Kopf des Kristallgottes ab, wobei der Strahl noch von einer goldenen Flamme wie eine Spirale umkreist wurde.
      „Du greifst ein stärkeres Monster an?“, wunderte sich Ricther. „Sicher nicht ohne Hintergedanken.“
      „Was denkst du denn!? Sieh dir die hier an!“, raunte Anya und schob einen Schnellzauber in das D-Pad. Vor ihr klappte die Karte hoch und zeigte eine junge, brünette Frau in weißer Tunika, die ausgiebig einen Speer in ihren Händen betrachtete. „[Forbidden Lance]!“
      Genau jene Waffe schoss plötzlich mit wahnsinniger Geschwindigkeit aus der Karte, überholte spielend leicht den Lichtstrahl Angel Wings und traf genau in den blauen Kern des Kopfes von Lastelise. Um den schlugen sofort blaue Blitze.

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/3000 → 2200 DEF/3000 (10)]

      „Das war also deine Absicht.“
      „Pft!“ Anya reckte stolz das Kinn. „Nicht nur der Angriffsmalus von 800, mir geht’s auch darum, dass dein Monster jetzt von Zauber- und Fallenkarten unberührt bleibt. Also kannst du es nicht wieder stärker machen!“
      Ricther zeigte keine Regung. In diesem Moment schlug Angel Wings Angriff genau dort ein, wo auch die Lanze steckte. Eine heftige Explosion folgte, tausende pinker Kristallsplitter flogen durch die Gegend. Der Hüne wehrte sie ab, indem er einfach seine Schwert-Duel Disk über sich hob. Deren Klinge breitete sich weitflächig aus und war nun mehr ein Schild, denn eine todbringende Waffe. Wie ein Hagel gingen die Splitter auf diesen nieder und prasselten laut klirrend ab.

      [Anya: 100LP / Ricther: 3700LP → 3200LP]

      Anya atmete tief durch, als es aufhörte. Diesmal war tatsächlich nichts mehr von dem Monster zu sehen. Sie hatte es geschafft!
      „Der Effekt von [Different Dimension Deity – Lastelise] setzt nun ein!“, erklärte Ricther plötzlich und riss sie aus ihrem voreiligen Triumph. „Wenn er das Feld verlässt, wird eine meiner verdeckt verbannten Karten gewählt und wenn ein selbiges Exemplar davon sich in meinem Deck befindet, erhalte ich es.“
      Im Bruchteil einer Sekunde war Ricthers Schutzschild wieder zu einem Schwert geworden. Aus dem Nichts stieg vor seiner Spitze eine einzelne Karte auf, die er sich schnappte und zwischen den Fingern zu Anya umdrehte. „Diese Falle nennt sich [Dimensions Foreboding] und in der Tat befindet sich noch ein Exemplar davon in meinem Deck.“
      Aus jenem, welches sich am zurückgezogenen Heft des Schwertes befand, schob sich eine Karte hervor, während Ricther das vorgezeigte Exemplar wieder ins Nichts hinab fallen ließ.
      „Na ganz toll“, stöhnte Anya, die wieder blank auf der Hand war. „'kay, Zug beendet.“

      Ricther zog und besaß nun ganze sieben Handkarten, was einen schier unwirklichen Kontrast zu Anya bildete.
      Eine davon nahm er und legte sie in seine Klinge ein. „Ich erwecke [Different Dimension Deity – Astellante] aus seinem Schlaf. Genau wie [Different Dimension Deity – Lastelise] muss ich zehn Karten von meinem Deck verdeckt verbannen, um ihn zu beschwören. Wie jede Dimensionsgottheit duldet er keine anderen Monster auf meinem Feld während seiner Anwesenheit.“
      Verblüfft sah Anya mit an, wie sich nach und nach zehn Karten aus Ricthers Deck lösten und um die Klinge wirbelnd in einem schwarzen Loch an ihrer Spitze verschwanden. Damit hatte er die Hälfte seines Decks verbannt und vielleicht noch zehn oder so übrig. Wenn sie lange genug durchhielt, würde er sich am Ende selbst besiegen …
      Jedoch vergaß Anya jenen Gedanken, als aus dem Asphalt um Ricther herum zehn grüne Kristallsäulen geschossen kamen und in die Luft aufstiegen. Zwei davon führten die anderen an und flogen parallel nebeneinander, bis sie etwa zehn Meter über dem Erboden abrupt stehen blieben. Zwischen ihnen bildete sich eine feuerrote Entladung, aus der plötzlich eine schmale Iris drang. Die anderen Kristalle schwebten in zwei Vierergruppen neben den beiden Hauptsäulen und bildeten etwas, das entfernt an Flügel erinnerte.
      „Uh. Da guckt jemand zu viel Herr der Ringe“, kommentierte Anya gallig das Auge, was auf sie gerichtet war.

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/? DEF/? (10)]

      „[Different Dimension Deity – Astellantes] Werte richten sich danach, wie viele meiner Karten verdeckt verbannt sind“, erklärte Ricther. „Sie entsprechen dem Zweihundertfachen.“
      Weitere Ladungen wurden zwischen den 'Schwingen' der Kreatur ausgetauscht.

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/? → 4000 DEF/? → 4000 (10)]

      „Oh shit!“, keuchte Anya, die damit nicht gerechnet hatte. „Die Dinger werden ja immer stärker!“
      Ricther schwang den Arm aus. „Vernichte [Angel Wing Dragon]! Judgment of D!“
      Die acht Kristalle, die eben noch Flügel gemimt hatten, richteten sich ruckartig auf Anyas Drachen und gingen dann wie ein Kugelhagel auf diesen nieder. Überall neben ihr schlugen sie ein und letztlich durchbohrte einer von ihnen Angel Wing.
      „Aus Kämpfen mit Angel Wing erhalte ich keinen Schaden!“, rief Anya aufgeregt.
      Jener explodierte schließlich. Und genau so schnell, wie die spitzen Kristalle gekommen waren, flogen sie wieder zurück zu Astellante, als hätte jemand einfach ein Video rückwärts gespult.
      Erst in diesem Moment bemerkte Anya die dauerhafte Fallenkarte, die vor Ricther offen stand.
      „Wie du siehst, habe ich vor dem Angriff [Dimensions Twilight] aktiviert, was nur möglich ist, wenn mindestens zehn meiner Karten verdeckt verbannt sind“, berichtete ihr Gegner, „wenn ein Stufe 10-Monster nun einen Feind im Kampf schlägt, bleibt es bis zum Ende deines Zuges vor deinen Zaubern und Fallen immun.“
      Anya glaubte sich verhört zu haben. „Was!?“
      Dann war dieses Ding ja beinahe unantastbar, solange sie nichts besaß, was stärker war!
      Das wusste auch Ricther, der eine weitere Karte nahm und in die Armklinge einlegte. „Du kannst nur scheitern, Anya Bauer. Diese Karte setze ich und erkläre meinen Zug für beendet.“
      Vor ihm materialisierte sich seine Falle. Und Anya schwang den Arm aus. „Jetzt kann ich zwei Stufe 4-Monster von meinem Friedhof verbannen und [Angel Wing Dragon] reanimieren! Komm zurück!“
      Sie schob [Gem-Knight Alexandrite] und [Gem-Knight Tourmaline] in ihre Hosentasche, wobei gleichzeitig der goldene Ring über ihr auftauchte. Aus ihm schoss der imposante, kobraähnliche Drache.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Die Hand über ihrem Deck verharren lassend, verzog Anya schmollend die Lippen. „Lass mich raten, Levrier. Diese Runde wird es wieder nichts?“

      Ich muss meine Machtlosigkeit entschuldigen, Anya Bauer. Hätte ich gewusst, dass uns ein Undying auflauert, hätte ich vorher den hiesigen Walmart aufgesucht und ein dutzend schicksalsändernder Donuts gekauft. Was glaubst du wohl!?

      Anya zuckte zusammen. So wütend hatte sie Levrier selten erlebt, dass er sogar eine für seine Verhältnisse moderne Sprache benutzte. War das jetzt bei ihm Dauerzustand, ihr so ans Bein zu pissen!?
      „Ist ja schon gut!“ Grimmig zog sie eben ohne übernatürliche Hilfe ihre Karte, ihr doch egal, würde schon irgendwie passen. … oder auch nicht. „Na toll.“
      Kurz überlegte sie, ob sie die Karte ausspielen sollte, entschied sich letztlich auch dafür. Nicht, dass ihr Gegner am Ende auf die dumme Idee kam, mehr als einmal angreifen zu wollen. „Ich aktiviere [Silent Doom]! Dieser Zauber belebt einen Vanilla vom Friedhof in Verteidigungsposition, allerdings kann der nicht angreifen. Da dort sowieso nur noch [Alexandrite Dragon] liegt, nehm' ich den.“
      Vor ihr setzte sich aus funkelnden Partikeln der weiße Drache zusammen, dessen Haut von schimmernden, farblosen Edelsteinen überzogen war, die durch Lichteinwirkung trotzdem bunt anmuteten. Schützend legte er seine Schwingen um den schlanken Körper.

      Alexandrite Dragon [ATK/2000 DEF/100 (4)]

      Anya verschränke, mal wieder ohne Blatt, die Arme. „Dein Zug, Fettsack!“
      Ihr gingen langsam die Optionen aus, dachte Anya aufgeregt. Wenn sie weiterhin so beschissen zog, würde sie verlieren und elendig krepieren! Und das so gar nicht Duel Queen-haft.

      Der Undying in seiner gold-silbernen Rüstung und der helmartigen Maske zog und ließ Anya dabei nicht aus seinen dunklen Augen. Mit dem Ausschwingen seines Arms ließ er seine gesetzte Karte schließlich aufspringen. „Ich aktiviere [Dimensions Foreboding].“
      Anya erinnerte sich, die hatte er vorhin seiner Hand zugefügt. Da kam sicher nichts Gutes bei raus.
      „Benötigt werden zunächst fünf verdeckt verbannte Karten, ehe ich sie aktivieren kann. Dann wähle ich eine Karte in meinem Friedhof als Ziel und wenn sich eine desselben Namens unter meinen verdeckt verbannten Karten befindet, erhalte ich das Ziel auf die Hand.“
      Demonstrativ zeigt Ricther [Dimensions Reach] vor und erntete augenblicklich von Anya entnervtes Gestöhne. Aus dem Boden schossen die insgesamt zwanzig verbannten Karten Ricthers und staffelten sich in zwei Reihen á zehn Karten vor ihm auf. Die meisten waren Zauber und Fallen, aber Anya sprang sofort die eine Karte ganz rechts in der oberen Reihe ins Auge, die sie nicht sehen wollte. „Großartig … der luckt mich hier weg!“
      „Wie du siehst, befindet sich [Dimensions Reach] unter ihnen, wodurch ich das Exemplar von meinem Friedhof erhalte und sofort aktiviere.“
      Während die zwanzig Karten wieder im Asphalt verschwanden, begannen die beiden Hauptkristalle Astellantes, zwischen denen sich das Auge befand, grell aufzuleuchten.
      „Wie du weißt, erhöht [Dimensions Reach] [Different Dimension Deity – Astellantes] Angriffspunkte um ein Hundertfaches meiner verdeckt verbannten Karten“, erklärte Ricther, „und lässt ihn Durchschlagschaden zufügen.“

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/4000 → 6000 DEF/4000 (10)]

      Anya sagte dazu gar nichts mehr, so sehr stand ihr das Wasser bis zum Hals.
      Gebieterisch streckte ihr Gegner den Arm aus. „Ich befehle dir, [Alexandrite Dragon] zu vernichten und Anya Bauers Lebenspunkte ein für allemal auf 0 fallen zu lassen! Judgment of D!“
      Clever, dachte sich Anya. [Alexandrite Dragon] war nicht vor Durchschlagschaden gefeit, anders als sein großer Bruder Angel Wing. Aber leider wusste Ricther eines nicht.
      „Pech für dich, [Angel Wing Dragon] kann sich zum Ziel des Angriff machen, wenn mir danach ist!“
      Wie beim letzten Mal feuerte Astellante seine insgesamt acht Kristallsäulen auf Anyas Spielfeldseite ab. [Angel Wing Dragon] drängte sich dabei vor den wesentlich kleineren [Alexandrite Dragon] und war es schließlich, der einen der Pfeiler direkt ins Herz bekam und explodierte.
      „Der zweite Effekt von [Dimensions Foreboding] wirkt“, rief Ricther, „solange diese Falle auf dem Friedhof liegt, werden alle Monster sofort verbannt, sollten sie den Friedhof betreten.“
      Die Nase rümpfend, nahm Anya das Synchromonster von ihrer Duel Disk und stopfte es in die linke, hintere Hosentasche ihrer Jeans. Dann sagte sie: „Is' sowieso egal, habe keine Monster mehr auf dem Friedhof, die für Angel Wings Reanimation herhalten könnten.“
      Pfeilschnell flogen derweil die Kristalle zurück zu Astallante und bildeten je zu viert dessen Flügel. Zwischen ihnen entluden sich rote Blitze.
      „Der Effekt von [Dimensions Twilight] wirkt und macht [Different Dimension Deity – Astellante] immun vor feindlichen Zauber- und Fallenkarten, bis dein nächster Zug verstrichen ist, Anya Bauer.“
      „Oh wie toll“, ätzte die aufgebracht und runzelte ihre Stirn, „ein Monster, das nicht durch Zauber und Fallen besiegt werden kann, trampelt und mal eben 6000 Kilo auf die Waage bringt. Ich Glückspilz!“
      „Du zögerst das Unvermeidliche nur hinaus“, sagte Ricther, „Zug um Zug. Aber deine Lage bessert sich nicht, im Gegenteil. Einerseits ist deine Hartnäckigkeit bewundernswert, aber …“
      Anya horchte auf. „Aber was?“
      „Nichts. Vergiss, was ich gesagt habe. Meinen Zug erkläre ich für beendet.“

      Jetzt hatte sie nur noch [Alexandrite Dragon], überlegte Anya. Ihre beste 'Wall' war weg und würde nicht wiederkommen. Und der Typ hatte noch ganze sechs Karten, um ihr das Leben schwer zu machen und dazu noch genug Lebenspunkte, um selbst einer billigen Verzweiflungstat zu entkommen, sollte Anya irgendeine einfallen.
      Sie kam nicht umhin sich zu fragen: Wie zur Hölle sollte sie ihn besiegen? Ewig würde sie seinen Angriffen nicht entkommen, das wusste er genauso gut wie sie. War das alles, zu was sie alleine imstande war?
      Unsicher, ob dieser Kampf überhaupt noch Sinn ergab, sah sie ihr D-Pad an. Beziehungsweise Logans. Der würde ausrasten, wenn er … wenn er erfuhr, dass sie tot war. Toll! Wahrscheinlich würde ihn das nicht mal jucken, nachdem sie sich ja zerstritten hatten. Gott, dieser Idiot!

      Du wirst ihn wiedersehen, Anya Bauer. Halte noch ein bisschen durch.


      „Darum geht’s doch gar nicht, Levrier“, murmelte sie betrübt, „ich …“
      Sie sah zu Ricther auf, welcher sie die ganze Zeit genau beobachtet hatte. „Wieso? Wieso seid ihr so scharf darauf, dass ich ins Gras beiße? Ich dachte, wir Menschen interessieren euch nicht!“
      „Das Brechen aller sieben Siegel hat zur Folge, dass ein Schlüssel geboren wird. Nur mit ihm kann der Narthex betreten werden.“
      Anya runzelte die Stirn. „Ist das so etwas wie der Nexus?“
      „Nein. Der Narthex ist Teil dessen, was alle Welten vereint.“ Ricther sah gen Himmel. „Wer den Narthex betritt, vermag den Nexus zu lenken.“

      Ist es das, was der Sammler vorhaben könnte?

      Die Blonde zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Ist das was Schlechtes?“
      „Wenn jene Person sinistre Absichten hegt, ja.“ Ricther richtete sich wieder an Anya. „Das, was sich noch im Narthex befindet, ist nicht weniger gefährlich. Deswegen darf niemand ihn betreten.“
      „Und lass mich raten, du sagst mir sicher nicht, -was- genau sich noch im Nardings befindet?“
      Ihr Gegner schüttelte den Kopf. „Es ist besser, wenn du das nicht weißt.“
      „Wer hätte das gedacht“, gab Anya ärgerlich von sich.
      Dann griff sie nach ihrem Deck. „Aber fein, hatte eh nicht vor, jetzt noch einen Rückzieher zu machen. Ich werd' dir 'ne Karte aus dem Nardings schicken, wenn ich fertig bin und dann werden wir ja sehen, wer zuletzt lacht! Draw!“
      Anya schloss dabei die Augen. Sie spürte nichts, kein Netz aus Pfaden, welches sie zu ihrem Ziel beschreiten musste. Aber Levrier hatte sie ja vorgewarnt, dass es noch dauern würde.
      Die Augen öffnend, entlockte ihr die gezogene Zauberkarte einen erstaunten Seufzer. „Huh? Die kommt gerade recht!“
      Sofort rammte sie sie in ihr D-Pad. „Lauscher aufgesperrt! [Gem-Trade]! Um sie aktivieren zu können, muss sich zunächst [Gem-Knight Fusion] oder zumindest irgendwas, was Gem-Knight-Fusionen beschwören kann, auf meinem Friedhof befinden.“
      In diesem Fall dachte Anya an [Fragment Fusion], war ihr das Original ja in diesem Duell verwehrt geblieben. „Dafür darf ich dann ein Gem-Knight-Fusionsmonster verbannen und für jede drei Stufen eine Karte ziehen. Allerdings muss ich dann für dieselbe Zahl an Zügen meine Draw Phase überspringen.“
      Sie zeigte [Gem-Knight Ruby] vor und schob sich diesen dann in die hintere Hosentasche, ehe sie zwei Karten aufzog.

      Anya Bauer! Beschwöre mich!

      Anya, die unter anderem ein Monster gezogen hatte, sah sich verwirrt um. Levrier war aber nicht erschienen. „Warum!? Ich sollte eher mehr Monster rufen, damit er mich nicht klein kriegt! Vielleicht halte ich durch, bis er keine Karten mehr im Deck hat!“

      So viel Zeit hast du nicht, deine Mittel sind nicht unerschöpflich, um seinen Angriffen auszuweichen. Vertraue mir!


      Was leichter gesagt als getan war. Ricther würde Levrier sofort überrennen und Anya wollte sich nicht ausmalen, was dann mit ihm geschah. Schließlich wusste sie nicht, ob dieses Zukunftspfaddingens nur für sie galt oder für alles, was sich in dieser verzerrten Welt befand.
      „Bist du sicher?“, fragte sie skeptisch. „Du weißt, was dich erwartet, wenn …“

      Wie ich sagte, vertraue mir.

      Sich an die Stirn fassend, lenkte Anya skeptisch ein. „Also schön, aber wehe das geht schief. Ich beschwöre [Gem-Knight Turquoise]!“
      Neben ihrem Drachen erschien ein Ritter in hellblauer Rüstung, die mit gleichfarbigen Edelsteinen gespickt war. Mit sich führte er einen Bogen.

      Gem-Knight Turquoise [ATK/1400 DEF/2000 (4)]

      In die Verteidigungsposition.

      Das wusste sie selbst, dachte Anya, sie war schließlich nicht lebensmüde! Zumindest nicht mehr als sonst!
      Selbstbewusst streckte sie den Arm gen Himmel aus. „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Ihre beiden Monster verwandelten sich in einen gelben und einen braunen Lichtstrahl und verschwanden in dem Schwarzen Loch, das sich inmitten des Spielfelds auftat. Aus diesem entstieg ein weißer Ritter.
      „Erscheine, [Gem-Knight Pearl]!“
      Dieser schwebte sofort zu Anya herüber und baute sich zusammen mit seinen sieben riesigen Perlen sowie den beiden Overlay Units vor ihr auf. Unter seinem Helm leuchteten blaue Augen.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Gut gemacht, Anya Bauer. Du wirst es nicht bereuen.

      „Das hoffe ich auch für dich!“, schnauzte sie Levriers physische Gestalt nervös an. Dabei zückte sie ihre letzte Handkarte und schob sie in den schwarzen Apparat an ihrem Arm. „Die da setze ich verdeckt und beende meinen Zug.“
      Mit einem Zischen tauchte die Falle vor ihren Füßen auf.

      Ricther nahm stillschweigend die nächste Karte von seinem Deck, verharrte anschließend einen Moment, bis er sie wegsteckte und den Duel Disc-Arm anhob. Zwar mochte sein Kopf seinem Blatt zugewandt sein, doch sein Augenmerk lag allein auf Anya.
      Die fühlte sich regelrecht durchbohrt von seinem nachdenklichen Blick, was ätzender war als jeder seiner Angriffe. „Was ist!?“
      Er murmelte etwas, doch Anya konnte nicht verstehen, was es war. Schließlich ergriff er lautstark das Wort. „[Different Dimension Deity – Astellante], vernichte [Gem-Knight Pearl]! Judgment of D!“
      „Levrier!“, schrie das Mädchen aufgeregt, als der Kristallgott seine acht unbenutzten, spitzen Säulen auf ihren Partner richtete.

      Alles wird gut. Du bist nicht schwach, Anya Bauer!

      Ehe sie antworten konnte, schossen die Kristalle nacheinander in ihre Richtung. Zwei von Ihnen trafen Levrier direkt in die Brust, spießten ihn auf. Dabei entglitt ihm ein grauenhafter Schrei, der Anya erschaudern ließ.

      Vergiss … die … Falle nicht …!


      „Ah! Ja, Falle aktivieren!“ Zerstreut schwang Anya den Arm aus. „[Magic Deflector]! Für diesen Zug setzen die Effekte aller dauerhaften Zauber, Ritualzauber, Schnellzauber und Ausrüstungszauber aus. Also kein Trampelschaden!“
      Aus der magenta-farbenen Karte schwebte ein Satellit, der mit seiner Antenne grüne Wellen aussendete. Diese erreichten Ricther gerade rechtzeitig und ließen um seine offen stehende [Dimensions Reach] Funken schlagen. Das innere Leuchten von Astellante erlosch.

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/6000 → 4000 DEF/4000 (10)]

      Eine Sekunde später explodierte Levrier bereits. Von einem heftigen Windstoß erfasst, schütze Anya sich mit ihren Armen gegen die Schockwelle und konnte sich gerade so auf den Beinen halten, während sie zurückgedrängt wurde.
      „Da [Dimensions Foreboding] auf meinem Friedhof liegt, werden all deine Monster verbannt, Anya Bauer“, sagte Ricther.

      Jetzt! Die Zeit ist gekommen!

      Plötzlich befand sie sich nicht mehr inmitten der puzzlehaften Einkaufsstraße, sondern in einer dunklen Welt, die nur noch aus dem bunten Mosaik der Erde bestand, in dessen Mitte sie stand – ihr Elysion. Um sie herum schwebten die sieben Perlen von [Gem-Knight Pearl], doch sie leuchteten nicht, waren seltsam farb- und glanzlos.
      „Ich … erinnere mich …“, stammelte sie.
      Vor ihr materialisierte sich Pearl, dessen weiße Rüstung an allen Ecken und Enden aufgeplatzt war.
      „Wir haben unseren Pakt damals neugeschrieben, Anya Bauer.“
      „Willst du damit sagen, dass-!? Ich meine, ich wusste, dass du irgendwas vorhast, aber-“ Ihre Stimme überstürzte sich regelrecht. „Aber ich dachte, -die- gibt es nicht mehr!? Und außerdem, zwischen uns besteht kein Pakt mehr, wie kannst du da-?“
      Levrier streckte ihr die Handfläche aus, hielt sie ihr entgegen. „Indem ich lebe.“
      Der Gedanke an das Kommende gefiel Anya gar nicht. „Aber wird das nicht all deine Kraft verbrauchen?“
      „Dann sei es so. Ich lasse dich nicht sterben, Anya Bauer!“
      Das Mädchen biss sich auf die Lippen, rang mit sich selbst. „Ich dich auch nicht!“
      Dann legte sie ihre Handfläche auf die seine. Von dort begann ein grelles Licht zu leuchten …

      … und Anya war zurück in der noch nicht geschriebenen Realität.
      Sofort streckte sie den Arm mit gehobenem Zeigefinger in die Höhe. „Mach dich auf was gefasst und diesmal meine ich es so! Ich rekonstruiere das Overlay Network!“
      Vor Anya öffnete sich der schwarze Wirbel, doch gab es nichts, was er hätte absorbieren können.
      Dies überraschte selbst den sonst so gestandenen Ricther derart, dass er zurückwich. „Du tust was?“
      „Ich zeige dir die Inkarnation, die jede Regel missachtet! Du hast Pearl zerstört, also wirst du jetzt den Preis dafür zahlen!“
      Anya atmete tief durch. „Wenn der letzte Krieger fällt, wird das Licht der Hoffnung in ihm erwachen! Eine neue Kraft wird geboren, geformt von Kameradschaft und Stolz! Steige wie Phönix aus der Asche!“
      Mit einem Mal schoss eine gewaltige Energiesäule aus dem Überlagerungsnetzwerk bis in den Himmel. In ihr war eine schattenhafte Gestalt wahrzunehmen. Anya nannte sie: „[The Last Gem-Knight – Pearl Radiance], zeig dich!“
      Gleichzeitig explodierte die Lichtsäule regelrecht und löste eine Schockwelle aus, die sämtliche aus dem Gefüge gerissenen Teile ihrer Umgebung zerspringen ließ und selbst den Hünen beinahe von den Füßen riss.
      Und da war er dann schließlich. In pechschwarzer, mit allen nur erdenklichen Edelsteinen gespickter Rüstung trat der neue Pearl aus dem Overlay Network hervor. Hinter seinem Rücken schwebten die sieben Perlen, verbunden durch Energielinien in einer Formation, mit der sie an Engelsflügel erinnerten. Die bunten Federn an seinem Helm wippten ob seiner kaum wahrnehmbaren Aura hin und her. Und in seiner Brust gab eine achte Perle goldenes Licht frei.

      The Last Gem-Knight – Pearl Radiance [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 1]

      Ich hoffe, das Ergebnis meines Walmart-Besuchs ist zu deiner Zufriedenheit ausgefallen, Anya Bauer.

      „Abso-fucking-lut.“ Anya grinste wie ein Honigkuchenpferd. „Da du Pearl vernichtet hast, hast du seine Inkarnation ausgelöst. Dabei bekommt Levrier seine alte Version obendrein als Xyz-Material, egal ob er durch deine Falle verbannt wurde oder nicht.“
      Diese stieg als Licht aus Anyas D-Pad auf und verschwand in der goldenen Perle in Levriers Brust.
      „Eine interessante Wendung“, kommentierte Ricther dies und nahm eine Karte aus seinem Blatt, „diese Karte setze ich und erkläre meinen Zug für beendet.“
      Die Verdeckte erschien vor seinen Füßen, ganz zu Anyas grimmiger Freude.
      Ihr Gegner erklärte: „Da der Zug nun beendet ist, verliert dein [Magic Deflector] seine Wirkung. Darüber hinaus verbannt sich [Dimensions Foreboding] nun, nach der dritten End Phase ihrer Aktivierung, verdeckt von meinem Friedhof. Zudem ist mein Monster vor deinen Zauber- und Fallenkarteneffekten geschützt, da es wieder einen Feind niedergerungen hat.“

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/4000 → 6300 DEF/4000 (10)]

      „Oh guck mal Levrier, der ist ja noch stärker geworden“, gab Anya hämisch zum Besten. Auch wenn rote Entladungen zwischen den Kristallsäulen stattfanden, war es ihr egal, ob das Ding nun vor ihren Zaubern und Fallen sicher war – sie hatte und brauchte ohnehin keine.

      Stattdessen verschränkte sie hochmütig die Arme und legte den Kopf schief. „So, da ich [Gem-Trade] letzte Runde aktiviert habe, darf ich nicht ziehen. Sei's drum, für mich ist die Standby Phase sowieso viel wichtiger!“
      Ricther fragte: „Aus welchem Grund?“
      „Weil du ein Trottel bist“, zischte sie voller Genugtuung, „dank deiner blöden Falle hast du so viele meiner Monster verbannt, dass Levrier jetzt ein wahres Festmahl an Xyz-Material erhält!“
      Insgesamt sieben Lichter traten plötzlich aus ihrem D-Pad aus. Sie gehörten zu den Gem-Knights Alexandrite, Tourmaline, Garnet, Ruby, Turquoise sowie zu [Angel Wing Dragon] und [Alexandrite Dragon]. Sie alle verschwanden in Pearl Radiances Brust.

      The Last Gem-Knight – Pearl Radiance [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 1 → 8]

      „Ganz richtig, in meiner Standby Phase erhält Levrier alle verbannten Monster zu seiner freien Verfügung. Oh, und er wird verfügen! Zeig's ihm doch mal!“ Anya zog zwei Xyz-Materialien unter Pearls Karte hervor. „Der chronologisch zweite Effekt von meinem Buddy besagt, dass ich jetzt alle Karteneffekte für diesen Zug lahmlegen werde, außer sie gehören zu Gem-Knights!“
      Levrier streckte seine Arme weit aus. An seinem rechten Panzerhandschuh war ein Rubin angebracht, am linken ein Saphir. Mit ihnen absorbierte er zwei Lichtstrahlen, die aus seiner Brust austraten.

      The Last Gem-Knight – Pearl Radiance [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 8 → 6]

      Anya schwang den Arm aus. „Chains of Virtue!“
      Ihr Krieger ballte zwei Fäuste, nur um diese wieder zu öffnen. Aus ihnen schossen dutzende Kristallketten, die zu Ricthers verdeckter Karte, seiner offenen [Dimensions Reach] und hin bis Astellante flogen und diese fest umwickelten. Sogar er selbst wurde zum Opfer, schlangen sich gleich vier davon um seinen ganzen Körper.
      „Ist nicht so angenehm, huh!?“
      Ricther wehrte sich allerdings gar nicht weiter gegen seine Fesseln, was Anya ein wenig aus dem hochmütigen Konzept brachte. Drum wollte sie umgehend eins drauf setzen.
      „Jetzt pass' mal auf, was Levrier noch drauf hat! Ich hänge ein weiteres Xyz-Material ab und aktiviere seinen nächsten Effekt! Half Gem!“
      Mit seiner Faust schlug sich Pearl Radiance in die Brust, genauer gesagt in die Perle dort, welche in zwei Teile zerbarst und ein grelles Licht freigab. Jenes begann auch von Innen heraus aus den Kristallen Astellantes zu glühen, welcher daraufhin begann, sich durch ruckartiges Hin-und-her-Bewegen mit aller Macht gegen seine Fesseln zu wehren – vergebens.

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/6300 → 3150 DEF/4000 (10)]
      The Last Gem-Knight – Pearl Radiance [ATK/2600 → 5200 DEF/1900 {4} OLU: 6 → 4]

      „Half Gem halbiert die Angriffskraft deines Monsters“, erklärte Anya und zeigte noch ein Xyz-Material vor, welches sie zwischendurch abgehangen hatte, „und [Gem-Knight Turquoise] verdoppelt die von Levrier, da ich ihn abhängen kann, wenn ein Gem-Knight als Xyz-Material entfernt wurde, um meinem Kumpel ein bisschen stärker zu machen.“
      Tja, das wusste niemand, dachte sich Anya zufrieden. Dass man Turquoises Effekt auch dann aktivieren konnte, wenn er nicht selbst dafür sorgt, dass er und ein Gem-Knight abgehangen wurden.
      „Sieht ganz so aus, als wäre ich dir jetzt so'n bisschen überlegen“ meinte sie stolz und schwang den Arm aus, „noch irgendwelche letzten Wünsche?“

      Anya Bauer, sei nicht so voreilig. Wir haben noch lange nicht gewonnen!

      Allerdings juckte Levriers Mahnung sie überhaupt nicht.
      Der gefesselte Ricther erwiderte knapp: „Ich habe dir alles gesagt, was es für dich zu wissen gilt.“
      „Blechbüchse“, begann sie dann plötzlich in einem völligen Stimmungswechsel und sah ihren beinahe einen Meter größeren Gegner fest in die Augen, „falls du überleben solltest, dann … hilf mir. Egal ob du es darfst oder nicht, ist mir scheißegal.“

      Anya Bauer, was sagst du da!?

      „Ganz egal was ich tue, wenn ich wirklich alle Siegel breche“, erklärte sie weiter, „wird der Sammler mich wegwerfen. Oder weiter benutzen, falls das nur der Anfang war. Aber du hättest vielleicht eine Chance gegen ihn.“
      Ricther schwieg.
      „Ich werde nicht vor dir auf Knien drum flehen, klar!? Wenn du mir nicht hilfst, such ich mir jemand anderes!“
      Der hatte ja keine Ahnung, wie schwer ihr es fiel, diese Worte überhaupt auszusprechen. Um Hilfe zu bitten. Das letzte Mal dieser Größenordnung war, als sie im Turm von Neo Babylon festgesteckt und sich alle ob ihres Verrates von ihr abgewandt hatten. Und doch hatten ihre Freunde ihr am Ende versucht beizustehen. Aber ob das bei dem auch funktionieren würde …? Eher nicht.
      „'kay, wenn du nichts zu sagen hast, beende ich das hier jetzt! [The Last Gem-Knight – Pearl Radiance], greife [Different Dimension Deity – Astellante] an! Divine Sword of Purity!“
      Ihr schwarzer Ritter streckte den Arm aus. Ein gleichfarbiger Blitz fuhr über seine gespreizte Handfläche und erzeugte eine düstere Klinge, in die das komplette Arsenal der Gem-Knight-Edelsteine eingelassen war. Würdevoll umschlossen seine Finger den Griff, da schoss er auch schon pfeilschnell vom Boden in die Luft, mitten auf das Auge zwischen den beiden Hauptkristallen zu.
      „Mach es kalt!“, knurrte Anya.
      Und das tat Levrier. Mit zwei Hieben über Kreuz zerstörte er die beiden Kristalle und sorgte so dafür, dass das projizierte Auge zwischen ihnen explodierte. Die anderen Kristalle verloren ihre Kraft und fielen wie abgeschossene Vögel in die Tiefe – dorthin, wo Ricther stand.

      [Anya: 100LP / Ricther: 3200LP → 1150LP]

      „Jetzt lernst du den letzten Effekt von Pearl Radiance kennen!“, schrie Anya aufgeregt. „Vier Xyz-Materialien kostet er, wenn er ein Monster besiegt. Und wenn du jetzt genau so eins nicht von deiner Hand abwerfen kannst, habe ich automatisch gewonnen! Los, Levrier, The Last Strike!“

      The Last Gem-Knight – Pearl Radiance [ATK/5200 DEF/1900 {4} OLU: 4 → 0]

      Unmöglich, schoss es ihr dabei durch den Kopf. Das würde nie funktionieren, Ricther hatte ganze sechs Handkarten. Da würde mit Sicherheit ein Monster drunter sein. Aber wenn er dieses wenigstens verlor, war ihr schon gut geholfen …

      Levrier indes machte einen Bogen und flog an den in die Tiefe fallenden Kristallsäulen vorbei, auf den gefesselten Ricther zu. Die Klinge vor sich gerichtet, rammte er diese direkt in seines Feindes Nacken. Es folgte eine finstere Explosion, die Rauch aufwirbelte. Keine Sekunde später krachten zwei der Kristalle genau in die Stelle, an der der Hüne gestanden hatte. Die anderen schlugen rings um ihn ein.
      Anya stockte der Atem. Vielleicht musste sie gar nicht gewinnen? Würde es nicht reichen, wenn diese Teile Ricther erschlugen? Nein … er war unsterblich. Vermutlich würde selbst Levrier ihn mit all seiner Macht nicht töten können, weshalb sie überhaupt erst um Hilfe gebeten hatte. Und doch, ein Funken Hoffnung war da.

      Ihr Fuß wippte aufgeregt, wartete sie darauf, dass der Rauch sich legte. Wo zur Hölle blieb Levrier?
      Der Lebenspunktestand änderte sich auch nicht mehr, was war da los? Hatte er tatsächlich ein Monster abgeworfen? Wieso meldete sich die Schrottkiste dann nicht?
      Jene Ungewissheit zerrte derart an ihren Nerven, dass sie sich auf den Daumen biss. Dann löste sich der Rauch langsam auf, Anya streckte sich kerzengerade. Da war eine schattenhafte Gestalt und stand aufrecht. Aber wer war es, Levrier oder Ricther? Sie konnte es nicht genau erkennen.
      „Lass es Levrier sein“, murmelte sie. Wenn er es nicht war, konnte sie davon ausgehen, dass ihr Partner das Zeitliche gesegnet hatte. Wortwörtlich …
      Schließlich hatte sich der Qualm ganz verzogen. Um die Gestalt herum lagen die zerborstenen Kristalle. Ein Schwert in ihrer Hand wurde sichtbar, als sie sich Anya zu wandte. Aber ihre Größe verriet sie. Denn Pearl Radiance war bestenfalls so groß wie Nick! Es war Levrier, der dort stand!

      [Anya: 100LP / Ricther: 1150LP → 0LP]

      Anya begann zu rennen. Ihre Beine wollten sie kaum tragen, so wabbelig fühlten sie sich an. Doch das hielt das Mädchen nicht davon ab, ihrem Freund um den Hals zu fallen. Der schwarze Ritter brach ob jener unerwarteten Geste fast unter Anyas Umarmung ein.
      „Der Mistkerl ist weg! Du hast ihn in die Hölle geschickt, wo sein unsterblicher Kadaver hoffentlich für immer schmoren wird!“

      Er ist nicht tot, sondern hat die Flucht ergriffen.

      Etwas unbeholfen, nicht zuletzt weil er es nicht gewohnt war, eine physische Form zu besitzen, tätschelte Levrier den Rücken der Blondine. Die sah enttäuscht zu ihm auf, auch wenn es sie nicht überraschte.
      „'kay, hätte ja sein können …“

      Ich fürchte, ich muss jetzt für eine lange Zeit ruhen. Du hörst von mir, Anya Bauer.

      „D-danke“, murmelte sie verhalten und ließ ihn los. Vor ihr löste er sich in schwarzen Partikeln auf.
      Als er weg war, erlaubte Anya ihren Beinen endlich nachzugeben. Sie sank auf die Knie und sah gen Himmel.
      „Tch … wieder einmal davongekommen, huh?“

      Das Rot um sie herum verflog zunehmend. Stimmen drangen an ihr Ohr, die Einkaufsstraße war wieder belebt, ja geradezu überfüllt mit Menschen. Alles sah wieder normal aus, der Blumenladen, das Café gegenüber.
      Und sie? Saß mitten auf der Straße. Und wurde fast überfahren, als unvermittelt hinter ihr ein Wagen mit quietschenden Bremsen hielt und hupte. In dem Moment spürte sie, wie ihr Herz schlug.
      Anya sprang auf und streckte dem Fahrer noch den Mittelfinger entgegen, während sie planlos über die Straße eilte.

      Was sollte sie jetzt tun? Matt und Zanthe davon erzählen? Musste sie wohl oder übel.
      Es war kaum zu glauben wie viel Glück sie gehabt hatte. Wer hätte gedacht, dass sie Ricther tatsächlich besiegen konnte? Ohne Levrier wäre ihr das nie gelungen, ein weiterer Beweis dafür, dass sie … schwach war. Aber das war jetzt nebensächlich. Hoffentlich hatte das Duell Levrier nicht zu sehr geschafft.
      Dagegen sah sie selbst ganz gewiss nicht mehr so aus, als ob sie gerade einen ihrer schwersten Kämpfe ausgetragen hatte. Dieser zukünftige Pfad, er war nicht zur Realität geworden, nichts verriet mehr von ihren Wunden.
      Aber was sollte sie jetzt tun?

      Am besten wäre es, wenn sie jetzt erstmal nachhause ging und dort nach dem Rechten sah, nur für alle Fälle. Außerdem war es an der Zeit, einen alten Langzeitplan aufzutauen. Eins war so sicher wie das Amen in der Kirche: Diesen Deppen hatte sie nicht das letzte Mal gesehen! Aber nächstes Mal würde sie vorbereitet sein!
      Wie schön für Zanthe und Matt, dass die beiden Napfsülzen sich mit Nicks Mutter vergnügten und so schön um den Kampf drumherum gekommen waren. Denen würde sie die Hölle heiß machen, dachte Anya grimmig und überlegte schon, wie sie die beiden am besten als Bodyguards missbrauchen konnte.

      Und doch … so sehr sie versuchte, einen auf taff zu machen, ihre Beine waren immer noch weich wie Pudding, als sie den Bürgersteig entlang lief. Die Undying waren schlimmer als alles, was sie bisher kennengelernt hatte. Konnten die denn wirklich nicht sterben? Wie sollte sie dann mit ihnen fertig werden?
      Gedankenverloren rannte sie dabei durch Livington, rempelte unbeholfen Leute an und beschimpfte sie nicht einmal dafür.

      -~-~-

      Eine halbe Stunde später war Anya zuhause angekommen, doch ihre Mutter traf sie nicht an. Die Stufen ins obere Stockwerk nehmend, fragte sich Anya, ob sie nicht im Büro ihrer Mum anrufen sollte, nur um sicherzugehen, dass es ihr gut ging.
      Aber als sie ihr Zimmer betrat, um nach dem Telefon zu suchen, wurde sie bereits erwartet. Der rothaarige Sammler stand am Fenster neben ihrem Schreibtisch und sah hinaus in die Ferne.
      „Du hast überlebt. Damit bist du eindeutig die richtige Wahl“, sinnierte er zufrieden und drehte sich zu ihr um, „aber ich fürchte, das war nicht der letzte Angriff seiner Art.“
      Anya krallte sich am Türrahmen fest, nur um nicht sofort auf ihn loszugehen. „Ein bisschen Hilfe hätte nicht geschadet!“
      „Wenn ich dir helfe, werden sie wissen, dass ich dein Auftraggeber bin. Und das kann ich nicht gebrauchen.“ Er strich sich mit angewidertem Blick einen Fussel von seinem schwarzen Sakko. „Keine Sorge, ich unterstütze dich bereits auf andere Weise. Schließlich ist mir dein Wohl sehr wichtig.“
      Die Zähne zusammenbeißend, versuchte Anya ihre ohnehin sehr sparsam bemessene Geduld nicht zu verlieren. „Laber' keinen Schwachsinn! Ich bin dir scheißegal! Dir geht’s um den Narsonstwas, sonst nichts!“
      „Oh?“ Der Rothaarige zuckte mit den Augenbrauen. „Wer hätte gedacht, dass der Gute so mitteilungsfreudig ist. Nun, ob dem so ist, überlasse ich allein deinem Urteil.“

      Dies gesagt, trat er auf sie zu. Anya wich keinen Millimeter zurück, obwohl sie wusste, dass dieser Dämon sie auf ein Himmelfahrtskommando geschickt hatte.
      „Du bist hier in ernster Gefahr, Anya Bauer“, sagte er, als sie sich näher waren, als ihr lieb war, „im Moment ist Ricther mit sich selbst beschäftigt, das Duell muss ihn erschöpft haben. Aber wenn er erst wieder bei Kräften ist oder eine seiner beiden Hände schickt, dann solltest du bereits an einem weit entfernten Ort sein, wenn du leben willst.“
      „Ahja? Und wo soll ich hin?“ Leise fügte sie hinzu: „Der Job erledigt sich nicht von allein …“
      „Nicht umsonst habe ich dir mehr als ein Paar meiner Handschuhe überlassen.“
      „Ach, meine Freunde sind gut genug, um für dich zu sterben, ja!?“, fauchte Anya ihn wutentbrannt an, aber er winkte ab.
      Stattdessen lächelte der Sammlerdämon geheimnisvoll. „Es ist deine Entscheidung. Wie du weißt, findet bald der Legacy Cup statt. Eines deiner Ziele, Claire Rosenburg, wird dort ebenfalls zugegen sein.“
      „Also soll ich sie dort einschleusen, huh?“ Das erinnerte die Blonde an etwas. „Nick hatte auch so etwas erwähnt. Kannst du vergessen, wenn jemand daran teilnimmt, dann ich!“
      „Betrachte meine Worte als gut gemeinten Ratschlag: Du solltest das Angebot von Aiden Reid ausschlagen und einen anderen Weg finden, sie zu stellen.“ Der Collector verengte seine Augen. „Dieses Turnier wird in allen erdenklichen Medien übertragen werden. Sie – und andere – würden dich sofort entdecken.“
      Plötzlich legte er seine Hand auf die ihre am Türrahmen, auch wenn er einen Moment zögerte, höchstwahrscheinlich aufgrund seiner Bakterien-Phobie. Welche bei Anyas, für gewöhnlich nicht gerade pflegeleichtem, Erscheinungsbild vermutlich schon für innere Panikattacken bei ihm sorgte. „Und weil mir dein Wohl so sehr am Herzen liegt, gebe ich dir noch einen Rat. In deinem jetzigen Zustand wirst du sie nicht besiegen können. Egal wie gut du glaubst zu sein, kein Mensch könnte es. Also rate ich dir, dich nach einem neuen Paktpartner umzusehen.“
      Nun reagierte Anya doch und riss sich von ihm los, stolperte rückwärts aus dem Zimmer. „Nie im Leben! Eher sterbe ich, als noch einmal diese Scheiße mitzumachen!“
      Der Sammler nahm einen Schritt zurück. „Oh, glaube mir, das wirst du auch. Claire Rosenburg ist anders als alle deiner bisherigen Gegner. Aber es war nur ein Rat, die Entscheidung liegt letztlich bei dir allein.“
      Hinter ihm öffnete sich ein schwarzes Portal. „Wir werden uns zu gegebener Zeit wiedersehen. Aber jetzt solltest du deine Koffer packen und so schnell wie möglich verschwinden.“
      Dann drehte er sich um und verschwand in dem Tor, welches sich sofort hinter ihm schloss.

      Anya stand nur sprachlos im Flur und wusste nicht, wohin ihre Gedanken als Erstes gehen sollten.
      Abhauen? Jetzt sofort? Was würde dann aus ihrer Mutter werden? Und ihrem Job? Mr. Palmer würde sie umbringen, wenn sie wieder eine Auszeit nahm! Wenn sie das Nick, Abby und den anderen erzählte, würden die durchdrehen.

      Langsam trat Anya wieder in ihr unaufgeräumtes Zimmer ein, welches mit einem Mal befremdlich auf sie wirkte. Orientierungslos ließ sie sich auf ihr Bett fallen und begann, so sehr sie sich auch dagegen strebte, nachzudenken.

      Einige Zeit verging, da stürmten plötzlich Matt und Zanthe in ihr Zimmer.
      „Was ist passiert?“, fragte Ersterer sofort. „War jemand hier?“
      Abwesend erwiderte Anya: „Was macht ihr denn hier?“
      „Ich hab irgendwas gerochen, was mir bekannt vorkam“, meinte der Werwolf, „es stank ganz schön arrogant. So sehr, dass es selbst über tausende Meter hinweg bis hierher verfolgen konnte.“
      Anya brummte: „Der Sammler …“
      Und erzählte ihnen im Anschluss von ihrem ach-so-tollen Tag.

      -~-~-

      Als Aiden Reid sein Büro betrat, hatte er am allerwenigsten damit gerechnet, dass sein Chefsessel bereits von einem anderen in Beschlag genommen wurde. Der Sessel, den er sich erst vor einem Jahr schwer erarbeitet hatte. Und derjenige, der auf diesem Stuhl saß, war imstande, all diese Mühen innerhalb kürzester Zeit zunichte zu machen. Das wusste Aiden auch ohne zu sehen, wer auf dem ihm abgewandten Stuhl Platz genommen hatte.
      Ungeachtet dessen war es die Art des brünetten Geschäftsmanns immer zu lächeln. In dem Fall fiel ihm das aber nicht außergewöhnlich schwer.

      „Du erzböser kleiner Teufel“, sagte Nick und drehte sich zu ihm mit einem zuckersüßen Lächeln um, „du wartest nicht einmal vierundzwanzig Stunden und ziehst schon meine Familie in deine Abgründe. Verhöre ich mich oder tickt da die biologische Uhr?“
      Aiden grinste. „Seit wann bist du so spitzzüngig?“
      „Das habe ich mir von einer guten Bekannten abgeschaut.“
      „Und du? Du lässt keine vierundzwanzig Stunden verstreichen und hackst dich schon in unseren Main Server.“ Aiden schloss die Tür hinter sich, ohne Nick dabei aus den Augen zu lassen. „Man möchte meinen, du hörst eine Bombe ticken.“
      Nick erwiderte das Grinsen. „Oh ja. Tick tack … tick tack …“
      „Du hast die Dateien nicht gefunden, die dich belasten, nicht wahr? Oder vielleicht hast du es auch, weißt aber, dass es längst Kopien davon gibt, die sich deiner Kontrolle entziehen. Sonst wärst du jetzt nicht hier.“
      „Ich arbeite daran“, versprach Nick gut gelaunt, „aber ich habe dafür etwas ganz anderes gefunden, Aiden.“
      Jener durchschritt das Büro und setzte sich auf seinen Schreibtisch. „Deinen Arbeitsvertrag?“
      „Nein.“ Nick beugte sich vor und verlor plötzlich all sein Strahlen. „Monochrome.“
      Ebenso Aiden. Der sah sofort weg.

      „Tu nicht so, Aiden. Du wolltest, dass ich es finde“, sagte Nick mit schnarrender Stimme, „jemand wie du würde sonst niemals riskieren, dass etwas von dieser Tragweite von einem der besten Hacker auf diesem Planeten entdeckt wird.“
      Nick lehnte sich entspannt zurück. „Die Frage ist nur, warum? Warum sollte ich Monochrome sehen?“
      „Um dich zu erinnern, was wir uns einst versprochen haben“, sagte Aiden steif.
      „Die Welt verändern, richtig? Ich bitte dich“, gab Nick voller Verachtung wieder und beugte sich aufs Neue vor, „dafür ist es zu spät und das weißt du. Ich kann dir nur den 'freundschaftlichen' Rat geben, dieses Programm zu zerstören.“
      „Dein Baby zerstören?“ Aiden sah Nick liebevoll an. „Das würde ich nie tun und das weißt du.“
      „Das solltest du aber“, erwiderte der junge Mann eiskalt, „bevor jemand herausfindet, was -du- damit angestellt hast.“
      Aiden sah Nick fragend an, also nahm sich dieser seinen Laptop und drehte ihn so um, dass Aiden sehen konnte, was dort schwarz auf weiß stand. Und es ließ ihn erblassen.
      „Leb' wohl, Aiden“, hauchte Nick mit unterschwelliger Endgültigkeit, richtete sich sprunghaft auf und watete durchs Zimmer.
      Sein Ex-Freund aber lachte plötzlich vergnügt. „Wie berechenbar du bist, Eli.“
      „Nenn' mich nicht so“, verlange Nick und drehte sich um. Er spürte, wie sich sein Magen zusammenzog.
      „Papi schmeißt dir ein paar Brotkrumen hin und du folgst brav der Spur“, Aiden nickte, „ja, Eli, du bist wirklich außer Form. Dachtest du, ich wüsste nicht, dass du das Programm starten würdest?“
      Nicks Lippen umspielten plötzlich ein zuckersüßes Lächeln. „Hast du überhaupt nachgesehen, wer der Empfänger ist?“
      „Das war gar nicht nötig. Denn das wusste ich schon bevor du überhaupt den ersten Tastenschlag getätigt hast. Und -er- auch.“
      „Das ist unmöglich!“, verlor Nick die Fassung. „Er würde-“
      „Er ist genau wie alle anderen, Eli. Und du hättest ihn getötet, ohne mit der Wimper zu zucken, hätte ich nicht vorher Kontakt mit ihm aufgenommen und gewarnt.“ Aiden sah Nick eindringlich, gleichwohl herausfordernd an. „Wer ist jetzt das böse kleine Teufelchen von uns?“

      Nick verlor den Halt und sackte gegen die Tür, sah Aiden in einer Mischung von Entsetzen und aufrichtiger Bewunderung für so viel Hinterlist an. Jetzt hatte Aiden noch ein Druckmittel mehr in der Hand. Und jemanden auf seiner Seite, den Nick niemals als Feind gewollt hatte. Mr. Bauer höchstpersönlich. Welcher jetzt womöglich von Monochrome wusste und dass Nick es gegen ihn eingesetzt hätte …

      „Nimm mein Angebot an und ich sorge dafür, dass dein Vater ein Auge zudrückt. Und Gott allein weiß, wie oft er schon Augen und sämtliche anderen Körperöffnungen für dich zugedrückt hat“, sagte Aiden mit einer Spur Triumph in der Stimme, „noch weiß er nicht, wer genau ihm da an die Gurgel wollte. Wenn er erfährt, wessen Identität du angenommen hast, dann wirst du dir wünschen, in dem Feuer umgekommen zu sein. Er hält dich für tot, genau wie der Rest der Welt.“
      „Und dafür gehst du das Risiko ein, dass er von Monochrome weiß? Obwohl ich es von deinem Rechner abgeschickt habe? Du hast keine Beweise, dass ich es war!“, fauchte Nick verzweifelt.
      „Sieh mal neben dem Bild nach“, wies Aiden ihn an und deutete auf die Stelle.
      Nick eilte wieder herüber hinter den Schreibtisch. Erst jetzt bemerkte er es. Das eingerahmte Bild von ihm und Aiden vor drei Jahren, als er noch inoffiziell für die Firma gearbeitet hatte. Beide nebeneinander, die Arme um die Hüften gelegt und in die Kamera lächelnd. Nick nahm es in die Hand, es weckte ungewollt die schöneren Erinnerungen ihrer Beziehung.
      „Das will ich zurückhaben, Eli“, sagte Aiden.
      Nick sah neben das Bild und entdeckte eine Katzenfigur aus Porzellan. Erstaunlich, da Aiden solchen Kitsch verabscheute.
      „Eine Kamera“, murmelte er, ohne sich das alles genauer anschauen zu müssen. Wieso hatte er nicht auf so etwas geachtet!?
      „Damit kann ich beweisen, dass du an meinem Rechner warst. Du bist so verdammt unvorsichtig geworden“, tadelte Aiden ihn. Und es klang ernsthaft besorgt.
      Nick schluckte und sah zu Aiden auf, während er das Bild wieder wegstellte. „Glaub mir, das passiert mir kein zweites Mal.“
      „Dann nehme ich an, dass du weiterhin deiner eigenen Wege gehst?“
      Der hochgewachsene junge Mann straffte sich. „Nein. Du kannst annehmen … dass ich jetzt deinen Weg beschreite.“
      Dann streckte Nick die Hand nach ihm aus. Aiden nahm sie zufrieden. „Das höre ich gerne. Willkommen zurück.“
      Der einzige Gedanke, der Nick in diesem Moment noch Halt gab, war der an Rache.

      -~-~-

      Als das Portal sich hinter ihm schloss, befand sich Ricther in dem kreisrunden, finsteren Raum, umgeben von dutzenden holografisch dargestellten Bildschirmen und dem mechanischen Thron in dessen Mitte. Sofort spürte er, dass er nicht alleine war.
      „Der Anführer kehrt unverrichteter Dinge zurück.“ Es war Stoltz' kratzende Stimme. „Der Undying möchte wissen, warum der Richter Gnade gezeigt hat.“
      Der Hüne drehte sich zu der dürren Gestalt um, die regungslos nur wenige Schritte von ihm entfernt stand und schief grinste.
      „Mein primäres Ziel war es nie, sie zu töten“, erwiderte Ricther unterkühlt, „aber mein Einschüchterungsversuch ist zweifelsohne erfolglos gewesen, ebenso wie deiner.“
      Stoltz kicherte. „Ist das auch die Wahrheit?“
      „Die Wahrheit ist, dass ihr Tod bedeutungslos wäre. Wir würden das Unvermeidliche nur verzögern, denn das Mädchen ist lediglich Mittel zum Zweck und würde nach ihrem Tod durch ein neues Opfer ersetzt werden.“
      „Fürwahr, der Gedanke erscheint einleuchtend. Doch wie lange noch, bis das Mädchen ihr eigenes Todesurteil unterschreibt?“, gurrte Stoltz und streckte seine langen Arme einladend aus. „Auch wenn dem Undying das Gefühl beschleicht, dass sein Anführer nicht aufrichtig handelt.“
      Ricther fragte daraufhin: „Woher kommen deine Zweifel?“
      Sein Gegenüber sah bewusst zur Decke. „Wie konnte er das Mädchen finden, wenn doch all die Versuche der anderen beiden Undying gescheitert sind? Ihre Augen sind trübe, das Bild wird von geheimnisvollen Mächten verschleiert.“
      „Hast du solange geschlafen, dass du nicht mehr in der Lage bist, deinen Verstand einzusetzen?“, fragte Ricther scharf. „Wir sind Undying und sollten uns nicht auf die Mittel beschränken, die nicht einmal unserer eigenen Hand entstammen.“
      Stoltz nahm wieder eine aufrechte Haltung an. „Natürlich nicht. Trotzdem ist es erstaunlich. Unwissende könnten zu dem Schluss kommen, der Anführer selbst würde das Werk seiner rechten Hand behindern.“

      „Du gehst zu weit, Stoltz!“, donnerte es.
      Eine mechanische Tür öffnete sich, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen gewesen war. Die Frau mit dem schwarzen, beinahe bodenlangen Haar in der weißen Robe trat herein. Zed stellte sich zwischen die beiden und richtete sich an den bandagierten Undying. „Ricther des Verrats zu beschuldigen ist selbst für deine Verhältnisse vermessen. Zügle deine Zunge!“
      „Der Undying wird den Rat beherzigen“, erwiderte jener und verneigte sich.
      „Seine Zweifel sind unbegründet, haben aber einen berechtigten Hintergedanken“, schlichtete Ricther, „es gibt neben uns nur fünf Wesen, die in der Lage wären, unserem allsehenden Auge zu entkommen.“
      Die Frau mit der turmartigen Maske in der Runde nickte. „Ohne die Eine sind es vier.“
      „Der Undying würde nicht ausschließen, was vielleicht ausgeschlossen werden will.“
      Sich zu Stoltz drehend, erwiderte Zed: „Die Möglichkeit besteht. Aber ich bezweifle, dass sie dahinter steckt.“
      „Um das herauszufinden werde ich euch zunächst zu zwei von ihnen schicken. Zusammen solltet ihr keine Schwierigkeiten haben, die Wahrheit herauszufinden“, ordnete Ricther an und drehte sich um, schritt in Richtung seines Throns.
      „Undying brauchen sich vor ihresgleichen nicht zu fürchten“, widersprach Stoltz, „einer der unseren ist mehr als genug.“
      „Ihr werdet zusammen gehen. Ihre Macht ist während unseres Schlafes gewachsen, weshalb selbst wir vorsichtig sein müssen.“ Ricther drehte sich um und nahm Platz. Automatisch schossen aus der Decke mehrere Schläuche und verbanden sich mit seinen Armen und Beinen.
      Zed trat vor. „Es soll so geschehen, wie du es sagst. Wer sind die Ziele?“
      „Die 'Gelehrte' und derjenige, der für das Verschwinden der 'Botschafterin' verantwortlich ist.“
      „Dann wird der Undying sich umgehend aufladen“, zeigte sich Stoltz nun gefügig, verneigte sich und verschwand dann durch die Tür, die hinter Zed noch offen stand.

      Als die beiden alleine waren, seufzte Zed. „Du weißt genau, dass diese beiden gewiss nicht in Anya Bauers Feldzug involviert sind. Die 'Gelehrte' aus Prinzip nicht und 'er' wird vermutlich nicht einmal wissen, dass es die Siegel gibt.“
      „Dein Verstand ist scharf wie immer. Nein, ich kaufe mir dadurch nur Zeit“, gestand Ricther, „und Abstand von Stoltz. Deine Befehle bleiben dieselben, behalte ihn unbedingt im Auge, während ich die Sache kläre.“
      Seine tatsächliche rechte Hand nickte. „Natürlich. Aber du wirst dein Geheimnis nicht ewig vor Stoltz verbergen können. Er weiß jetzt, dass du imstande bist, Kontakt mit Anya Bauer herzustellen, selbst ohne unsere üblichen Methoden.“
      „Sollte er sich einmischen, werde ich ihn unverzüglich vernichten, auch wenn er Stoltz ist.“ In seinem Ton lag eine Endgültigkeit, die ihresgleichen suchte. „Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass das Problem ohne großes Aufsehen gelöst wird. Dazu müssen wir es an den Quellen anpacken. Etwas, zu dem Stoltz nicht imstande ist.“
      „Er mag die Brutalität bevorzugen, weil er nicht an Diplomatie glaubt, aber-!“
      Ricther's gehobene Hand unterbrach Zed. „Wann habe ich behauptet, mich nur auf Diplomatie zu beschränken?“
      Ruckartig wirbelte Zed um, klang plötzlich verstimmt. „Es ist deine Entscheidung, wie du von hier an vorgehen willst. Aber was immer du zu tun gedenkst, tu es schnell.“
      Mit diesen Worten verließ sie ebenfalls den kleinen Raum. Ricther fasste sich an die Stirn, als sie weg war. „Warum …?“


      Turn 55 – Metropolis Of Duelists
      Über eine Woche ist vergangen. Anya, die den Rat des Sammlers befolgt und Livington verlassen hat, schmuggelt sich zusammen mit Zanthe und Matt in eine Veranstaltung der Abraham Ford Company, die den Auftakt zum Legacy Cup darstellt. Dort sollen alle Teilnehmer über den Ablauf des Turniers informiert werden. Leider entdeckt Henry, dass Anya sich unrechtmäßig auf die Teilnehmerliste gesetzt hat und denkt nicht im Traum daran, es dabei zu belassen …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Labradorite Dragon
      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sapphire
      Gem-Knight Emerald
      Gem-Knight Alexandrite

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Während des Zuges eines beliebigen Spielers: Du kannst diese Karte und 1 "Gem-Knight"-Monster von einem Xyz-Monster abhängen, das beide Karten als Xyz-Material besitzt: Verdopple bis zur End Phase die ATK des Xyz-Monsters. Wenn ein anderes "Gem-Knight"-Xyz-Material abgehangen wird: Du kannst diese Karte vom selben Xyz-Monster abhängen; verdopple die ATK jenes Xyz-Monsters.

      Gem-Merchant

      Gem-Trade
      Zauber/Normal
      Aktiviere nur, wenn sich auf deinem Friedhof eine "Gem-Knight Fusion", "Particle Fusion", "Pyroxene Fusion" oder "Fragment Fusion" befindet. Wähle ein Gem-Knight-Fusionsmonster von deinem Friedhof als Ziel und verbanne es; ziehe für jeden Intervall von 3 in seiner Stufe eine Karte. Du überspringst dann eine Anzahl an Draw Phasen, die der Zahl der durch diesen Effekt gezogenen Karten entspricht.

      D.D.R. - Different Dimension Reincarnation
      Mystical Space Typhoon
      Pot Of Avarice
      Forbidden Lance
      Silent Doom

      Magic Deflector

      Gem-Knight Ruby

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Gem-Knight Pearl

      The Last Gem-Knight – Pearl Radiance
      Fels/Erde/Xyz
      ATK/2600 DEF/1900 {4}
      Nur wenn "Gem-Knight Pearl" vom Spielfeld entfernt wird: beschwöre diese Karte von deinem Extradeck und lege einen verbannten "Gem-Knight Pearl" oder einen "Gem-Knight Pearl" von deinem Friedhof oder Extra-Deck unter diese Karte als Xyz-Material. Diese Karte kann im Kampf nur durch Xyz-Monster zerstört werden. Während der gegnerischen End Phase: lege eine beliebige Anzahl deiner verbannten Monster unter diese Karte. Jeder der folgenden Effekte dieser Karte kann einmal pro Zug aktiviert werden:
      O Entferne 1 Xyz-Material: Halbiere die ATK eines offenen Monsters.
      O Entferne 2 Xyz-Materialien: Bis zur End Phase kann kein Spieler Effekte aktivieren, außer von "Gem-Knight"-Monstern.
      O Entferne 4 Xyz-Materialien: Wenn diese Karte Kampfschaden zufügt, wirft dein Gegner eine Monsterkarte von seiner Hand ab. Wenn er das nicht tut: du gewinnst das Duell. Dieser Effekt kann nicht in dem Zug aktiviert werden, in dem diese Karte beschworen wurde.

      Ricther

      Different Dimension Deity – Lastelise
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/3000 DEF/3000 (10)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du die 10 obersten Karten deines Decks verdeckt verbannst, während du keine Monster kontrollierst. Du kannst keine anderen Monster außer diesem kontrollieren. Wenn diese offene Karte das Spielfeld verlässt: wähle zufällig eine deiner verdeckten verbannten Karten und zeige sie vor; füge anschließend eine Karte von deinem Deck mit demselben Namen deiner Hand hinzu, wenn möglich.

      Different Dimension Deity – Astellante
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/? DEF/? (10)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du die 10 obersten Karten deines Decks verdeckt verbannst, während du keine Monster kontrollierst. Du kannst keine anderen Monster außer diesem kontrollieren. Die Grund-ATK und DEF dieser Karte entspricht der Anzahl an verdeckt verbannten Karten x 200.

      Dimensions Reach (2x)
      Zauber/Ausrüstung
      Ein mit dieser Karte ausgerüstetes Monster erhält ATK in Höhe der Anzahl an verdeckt verbannten Karten x 100 und fügt durchschlagenden Kampfschaden zu. Wenn das ausgerüstete Monster zerstört werden würde, kannst du diese Karte zerstören und 10 verdeckt verbannte Karten ins Deck ihres Besitzers zurückschicken. Wenn du diesen Effekt aktivierst: das ausgerüstete Monster kann bis zur End Phase nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden.

      Dimensions Twilight
      Falle/Dauerhaft
      Aktiviere nur, wenn mindestens 10 Karten verdeckt verbannt sind. Wenn eines deiner Monster der Stufe 10 oder höher ein Monster durch Kampf zerstört, bleibt es bis zur nächsten End Phase deines Gegners von gegnerischen Zauber- und Fallenkarteneffekten unberührt.

      Dimensions Foreboding (2x)
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, wenn mindestens 5 Karten verdeckt verbannt sind. Wähle eine Karte in deinem Friedhof als Ziel und zeige dann deine verdeckt verbannten Karten vor: ist unter ihnen eine Karte mit demselben Namen wie das Ziel, füge das Ziel deiner Hand hinzu. Solange diese Karte auf deinem Friedhof liegt: Monster, die auf den Friedhof gelegt werden würden, werden stattdessen verbannt. Während der dritten End Phase, nachdem diese Karte auf den Friedhof gelegt wurde: verbanne sie verdeckt.
      -Aska-

      Genau, im Endeffekt lebt er 'Nick' ja an dessen Stelle weiter.

      Ja, Ricther kommt einem - so gut das geht - deutlich sympathischer rüber. Es ist, als ob da nicht viel fehlen würde, und man echt mit ihm reden könnte. Aber eben leider nur fast. Doch es ist eben genau wie du es sagst, das sture Festhalten an überholten Strukturen und Verhaltensweisen führt nur zu oft der Grund, dass etwas schiefläuft. Und den Undying ist das ja scheinbar mit auf den Weg gegeben worden, dass sie sich an bestimmte Regeln/Verhaltensmuster halten sollen.


      Folge

      Na, das war doch noch einmal ein fulminanter Abschluss des Duells zwischen dem Anführer der Undying und der verzweifelten (Anti-)Heldin, die es einmal mehr wider allen Wahrscheinlichkeiten geschafft hat, sich gegen das ihr zugedachte Schicksal zu erwehren.
      Richtig gut dabei war vor allem, dass Anya ständig einem dicken Monster gegenüberstand und man spürbar merkte, wie sie sich von Zug zu Zug hangeln musste, um zu überleben. Und gerade wo sie es zwischendrin schaffte, das erste Ungetüm loszuwerden, zaubert Ricther ein noch dickeres Ding aus dem Ärmel. (Props auch für die Gestaltung der D.D.D.s ^^)
      Ebenso ein Lob, dass Anya in dem wichtigen Duell auf ihre Allzeit-Hilfsmittel, den Hax-Draw, zwangsweise verzichten musste. Dadurch rückte wirklich mehr das spielerische Können und nicht das Zurechtlegen, wie man es gerade brauchte, in den Vordergrund. Andererseits wäre es ja auch fraglich gewesen, inwiefern Anya mit einem gezielten Ziehen mehr als sowieso gegen diese Deities erreichen hätte können?

      Letztlich fand ich auch genauso die Interaktion zwischen Anya und Levrier in der angespannten Situation sehr gut. Sie steht mit dem Rücken zur Wand und braucht dringend Hilfe. Levrier, der ihr diese nicht bieten kann und zunächst alleine ausharren lassen muss, gleichzeitig aber auch die Vorbereitungen trifft, damit sie hier lebendig aus der Raumzeitverwerfung kommt - selbst wenn es seine eigene Existenz kosten würde. Das Alles betonte wieder sehr deutlich die starke Bindung, die die beiden inzwischen haben.
      Da muss man schon fast 'leider' sagen, dass Anya immer beweisen will, wie stark sie ohne alle anderen ist, völlig außer Acht lassend, wie -stark- sie -mit- Levrier ist, welcher ja sowieso wie ein Teil von ihr ist. (*hust* Gewissen/Vernunft *hust*)

      Sehr gut kam auch die Stelle, als Anya Ricther um Hilfe bat - etwas, von dem man sich, wenn man die ganze Geschichte verfolgt hat, vorstellen kann, wie schwer es ihr sicher fiel - wenn sie lebend aus diesem Duell herauskäme. Gerade bei Anya wirkt so etwas umso aufrichtiger, weil man das normalerweise nie von ihr im vollen Ernst hören würde.

      Zum Ende gab es dann den verdienten Sieg mit einem unerwarteten, aber pompösen Comeback von Pearl Radiance. Das Ganze war super in Szene gesetzt und auch ganz am Schluss, als Anya noch bangte, wer von beiden nach der Attacke noch stand, und es noch unklar war, ob Ricther entgegen all ihren Erwartungen verloren hat oder nicht.


      Was die anderen Mächte abseits des Collectors angeht, hatte ich ja schon geschrieben, dass ich sehr gespannt auf sie bin. Hoffe es dauert nicht zu lange, bis welche von ihnen vorkommen. Die Namen zumindest lassen ja ein paar Spekulationen zu, aber für mehr reicht es nicht und man muss einfach abwarten.
      Doch langsam ahnt man, warum der Collector so im Schatten und mit größter Vorsicht agiert. Nicht, dass er sich nachher mit einem oder mehreren von diesen gleichzeitig anlegt, parallel zu den Undying.

      Deshalb war es auch in seiner Szene nachvollziehbar, warum er Anya zu einer anderen Methode drängen wollte, um in den Cup zu kommen. Er kann weder die Aufmerksamkeit der Undying noch der anderen auf Anya gebrauchen. Aber was seine Motive sind, bleibt nach wie vor unklar. Man könnte meinen, dass sein Vorhaben genau das ist, was einem in dieser Folge suggeriert wurde, aber genauso gut könnte es auch das komplette Gegenteil sein.
      Das Einzige, was wir bisher in dieser Richtung wissen, ist, dass jemand Nick für das, was er herausgefunden hatte, ausschalten wollte. Und dennoch bleibt es unklar, ob es wirklich der Collector war, jemand anderes, oder gar jemand, der die Schuld dem Collector in die Schuhe schieben wollte, um bewusst Spannungen zu provozieren.

      Was aber auch noch so einen Schatten warf, war die Aufforderung des Collectors, dass Anya sich am besten einen neuen Immateriellen als Paktpartner suchen sollte, um ihre Kräfte zu erhöhen. Gerade jetzt, wo Levrier zu einem Teil ihrer Familie geworden und praktisch eine Vaterrolle für sie einnimmt, soll sie ihn in den WInd schießen? Irgendwie kann ich mir das kaum vorstellen. Wobei ja sowieso die Frage ist, ob sie sich einfach einen zweiten anlachen kann? Oder platzt sie dann (lol, OP Analogie xD) oder wird der stärkere Immaterielle gar den schwächeren absorbieren oder beide zusammen einen neuen Formen. Denke aber, dass das noch große Bedeutung bekommen wird, denn aktuell ist Levrier war wirklich nur noch ein Schatten seines früheren Selbst. Mehr stoß ich aber nicht in diese Richtung vor, weil sich für mich da noch ein ganz anderer Verdacht auftut ^^)


      Worauf ich aber ebenso gespannt sein werde ist, inwieweit Ricther die Aussage von Anya zum Sammler während des Duells tatsächlich zur Kenntnis genommen hat. Damit wäre der 'Feind' für ihn nun bekannt.
      Aber es bleibt interessant abzuwarten, was er nun vorhat. Insgesamt ist es ja dennoch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein und jemand wie Stoltz dürfte früher oder später dahinterkommen, und wer weiß, was der dann macht.

      Aber der größte "Will wissen" Moment war natürlich die Frage, was sich dort im Narthex verbergen könnte. Nach dieser Folge zeigt sich nun, dass es im Endeffekt sogar zwei Motive gäbe, warum man dorthin kommen wollen würde. Zum Einen die Möglichkeit, den Nexus zu lenken, aber eben auch das, was im Narthex dort eingesperrt bzw. versteckt ist. Aber von der Stimmung, die dabei rüberkam, gewann man auf jeden Fall den Eindruck, dass beides nicht weniger schlimm sein würde, als dem 'Feind' aus der ersten Staffel den Weg zur Erde zu bereiten. Wie gesagt, auf die ganzen Geheimnisse rund um Nexus und Narthex bin ich in jedem Fall besonders gespannt.


      Noch kurz zur Nicks Szene. Der hatte es ja auch nicht leicht gehabt. Aiden hat ihn praktisch nach Strich und Faden manipuliert, und das mit Erfolg, denn für den Augenblick hat Nick keine andere Wahl, als nach seiner Pfeife zu tanzen. Das vorhergehende Ränkespiel zwischen beiden gefiel mir aber. Abwechselnd schien ja jeder den anderen auszukontern, bis sich zeigte, dass Aiden ihm am Ende doch einen Schritt voraus gewesen ist. Natürlich hat sich Nick dabei teils sehr ungeschickt angestellt, aber gerade deshalb war es irgendwo überzeugend. In Durcksituationen hört man manchmal auf, rational zu denken und sieht wie mit Scheuklappen, Dinge abseits davon außer Acht lassend. Was hier entsprechende katastrophale Auswirkungen für ihn hatte.

      In jedem Fall eine sehr tolle zweite Hälfte. Sowohl Duell als auch die kleineren Szenen waren bis zum Ende spannend zu lesen. Zusätzlich hat man überall ein wenig mehr erfahren, aber dennoch mutete das alles immer noch wie die Spitze eines riesigen Eisbergs an. Aber genau deshalb will man ja unbedingt wissen, wie es weiter geht. In dem Sinne, volle Fahrt voraus, Kurs auf den Eisberg, wir werden schon nicht sinken! ^^

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      So, da bin ich wieder. Bin jetzt wieder zwei Kapitel weiter und dachte, ich melde mich mal wieder zu Wort.
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      Zu meinem letzten Kommentar: Klar, vieles kann ich schlicht noch nicht wissen. Deshalb brauchst du meine Kritik auch im Prinzip gar nicht ernst nehmen. Ist jetzt eh zu spät, um noch etwas zu ändern.
      Allerdings finde ich etwas schade, dass du YGO-Fanfics von vorne rein als "verschenktes Potenziel" abtust. Eine solche zu schreiben ist meiner Meinung nach kein Grund, gewisse Dinge schleifen zu lassen bzw. unter seinen eigenen Ansprüchen zu schreiben. Ich persönlich versuche zumindest, meiner eigenen Fanfic trotzdem ein Bisschen Relevanz einzuhauchen. Das entspricht einfach meinem Anspruch an mich selbst, auch wenn ich gewiss nicht die Welt verändern werde. Aber natürlich hast du Recht: Am Ende des Tages ist es der Spaß, der zählt.

      Wie auch immer. Zu den beiden Kapitel (16&17) die ich zuletzt gelesen habe:
      Leider muss ich sagen, dass Kapitel 16 mich nicht so überzeugt hat wie zuvor 15. Statt der Figuren steht hier wieder, wie habe ich es genannt... "epische Dämonen-Action" im Vordergrund. Was mir an Valerie irgendwie gefehlt hat, war die Trauer, die Verzweiflung, der Hass auf Anya und vielleicht auch sich selbst. Sie (also Val) scheint mir eine gutherzige Person zu sein. Als solche würde sie sich wahrscheinlich selbst die Schuld an Marcs Tod geben. (Sie hätte früher da sein sollen; Hätte stärker versuchen sollen, in Kontakt mit Marc zu treten, als dieser so arschig war...)
      Du überspringst all diese Gefühle und setzt gleich in der Phase der Entschlossenheit ein, wo sie schon einen Plan hatte. Du benennst ihre Gefühle zwar, verpasst aber die Gelegenheit, den Leser mit ihr fühlen zu lassen. Außerdem ist mir nach wie vor schleierhaft, was denn nun so begehrenswert an Marc war. Aber das ist vielleicht ein Problem, das automatisch entsteht, wenn man als Mann aus der Perspektive einer Frau schreibt. Mit meinen männlichen Figuren ist es vielleicht genau so...
      Zumindest war es in meiner Erinnerung in Kapitel 16 so. Ist schon ne Weile her, dass ich es gelesen habe. Wenigstens fand ich diesen notgeilen, sprechenden Halloween-Kürbis cool, mit dem Valerie sich duelliert hat. Und technisch war das Kapitel wie immer sehr gut.

      Kapitel 17 fand ich da schon ansprechender. Anya ist eklig wie immer, klar. Und Matt macht den Erklärbär. Diese offensichtliche Rolle ist nicht weiter schlimm, jede Geschichte braucht so einen. Schließlich muss der Leser ja irgendwann die ganzen Hintergründe erfahren. Nett fand ich auch, dass er Anya erst bestechen musste, damit die ihm zuhört. Das war gut durchdacht. Aber warum besticht er sie ausgerechnet mit Gem-Knight Zirkonia? War Master Diamond noch nicht bekannt, als du das Kapitel geschrieben hast?
      Sehr gut finde ich außerdem den Streit zwischen Matt und Alastair. Generell mag ich Matt, endlich mal ein wirklich intensiver Charakter mit einer Menge innerer Konflikte. Der könnte mein Favorit werden.

      Btw, etwas das mir allgemein so aufgefallen ist: Dafür, dass in Livington so viel verrückter Shit abläuft (Die halbe Stadt muss doch mittlerweile in Trümmern liegen...), ist es da noch ziemlich ruhig. Mir fehlt irgendwie die Medienpräsenz. Reporter (Also ein paar mehr als die eine Knalltüte, wie hieß sie nochmal... Nina), die überall herumlungern, Anyas Haus belagern und das ganze so zu einem riesigen Medien-Event machen. Davon angelockt dann Touristenscharen und verrückte Verschwörungstheoretiker, die glauben, die Ereignisse in Livington seien Vorzeichen vom Ende der Welt oder das Werk von Aliens... Irgendwie sowas.

      Na ja, ich bleibe auf jeden Fall dran. Die Preview von Kapitel 18 klingt cool. Bis dahin, man sieht sich! ;)

      P.S.: In deiner Antwort auf meinen letzten Kommentar hast du mich mit Lenant verwechselt. :P

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Sorry für die etwas längere Abwesenheit. Ich hatte einiges um die Ohren und wollte zudem meine Reserven aufstocken und habe dabei die Zeit aus den Augen verloren.
      Zumal die kürzlichen Attacken auf eTCG auch nicht gerade zur Situaion beigetragen haben. Insofern danke für eure Geduld!
      Leider hab ich nicht viel Zeit und kann daher nur kurz auf eure Posts eingehen. (Evtl. editiere ich ein paar Sachen nach.)

      @Evil Bakura
      Anya ist eben die Art Person, die sehr fixiert auf die eigene Stärke ist. Sie ist (noch?) nicht imstande zu erkennen, dass Hilfe nichts Negatives ist, teilweise weil sie sich davor fürchtet "weniger" zu sein als andere, wenn sie etwas nicht aus eigener Kraft schafft. Aber mehr sage ich dazu mal nicht.

      Pearl Radiance musste einfach ein Comeback feiern, ich mein, für nur einen Auftritt hab ich mir den nicht ausgedacht. xD

      Ansonsten natürlich danke für den langen Post, wie gesagt, vielleicht editiere ich nächste Woche noch ein paar Sachen nach.

      @Leseleff
      Auch dir vielen Dank. Wobei ich sagen muss, dass du mir die Worte teils im Mund umdrehst. Nur weil ich sage, dass Fanfics verschenktes Potential sind, heißt das nicht, dass ich etwas schleifen lasse oder unter meinen eigenen Ansprüchen schreibe. Mit Fanfics erreicht man nur ein sehr spezifisches Publikum. Das meinte ich eigentlich damit. Man könnte dieselbe Geschichte auch ohne Vorlage schreiben und hätte eine potentiell größere Leserschaft, ist schöpferisch nicht an bestimmte "Regeln" gebunden und generell unabhängiger.
      Ich kann nur für mich sprechen, aber YGO-Fanfics haben mich seither mehr motiviert als all meine freien Arbeiten, von denen zwei schon zu 2/3 fertig wären.

      Übrigens habe ich den EIndruck, du bist generell kein Freund des Übernatürlichen bzw. von "Dämonen-Action". Ich weiß nicht recht, das ist praktisch das Thema meiner Fanfic, insofern wirds wohl immer mal Phasen geben, die du "meh" finden wirst, fürcht ich.

      Was du über Valeries Gefühle sagst, stimmt natürlich. Andererseits empfand ich es nicht nötig, Dinge anzuschneiden, die ich als selbstverständlich und auch ohne bildliche Darstellung nachvollziehbar erachte. Was nicht heißt, dass du Unrecht hast. Da hätte mehr sein können. Aber mMn war das kein Muss.

      Du hast übrigens Recht, Master Diamond gab es damals noch nicht. Aber der kommt noch. ;)

      Was Berichterstattungen über Livington angeht, das wird später noch angeschnitten werden. ^^

      Insofern, danke für deine ehrliche Meinung.


      So, jetzt aber eine neue Folge, ja? Hat ja auch lang genug gedauert!
      Ich bin für alles offen, Lob, Kritik, kreative Beleidigungen ...

      Turn 55 – Metropolis Of Duelists
      „Was soll das heißen, ihr werdet nicht mitkommen!?“
      Anya warf das T-Shirt in ihrer Hand in den Koffer zurück, welcher vor ihr auf dem Bett ausgebreitet lag. Sich von ihm weg drehend, starrte sie erst Matt an, der auf dem seinen lag und die Arme hinter dem Kopf verschränkt hielt, dann Zanthe, welcher auf einem Stuhl am Tisch ihr gegenüber saß und seelenruhig ein Buch von Goethe las.
      Es war auch der Werwolf, der ihr antwortete, ohne sich dabei die Mühe zu machen, sie anzusehen. „Diese Veranstaltung ist nur für Teilnehmer des Turniers. Sind wir das?“
      Anya schnaubte. „Nein, aber man darf Begleitung mitbringen!“
      „Solltest du dir nicht mehr Sorgen darum machen, was passiert, wenn sie herausfinden, dass du dich auf die Gästeliste gemogelt hast?“
      Unter einem abfälligem Pfeifen wirbelte Anya herum und schritt zu dem großen Panoramafenster ihres Hotelzimmers. „Das wird nicht passieren.“

      Sie legte ihre Hand gegen das Glas und sah nach draußen.
      Vor ihr bot sich ein unglaublicher Anblick. Dutzende Stadien verschiedener Größen füllten den Stadtkern, zwischen ihnen ragten mindestens genauso viele Hochhäuser aus dem Boden. Über den normalen Straßen waren auf massiven Steinpfeilern diverse Rennstrecken gebaut. In Schleifen und engen Kurven verliefen sie, verpassten dem Anblick dank unzählbarer elektronischer Werbemonitore an den Begrenzungen einen futuristischen Anstrich – schließlich waren es Riding Duel-Strecken, die es sonst nirgendwo in den Staaten gab. In der Ferne konnte man ein Flugzeug zum Landeanflug ansetzen sehen, dort, wo auch Anya und ihre beiden Begleiter vor einigen Stunden in Ephemeria City angekommen waren – der Stadt der Duellanten.
      Anya kniff böse die Augen zusammen, als am Hochhaus gegenüber auf einer riesigen, digitalen Werbefläche die Gestalt einer schlanken, jungen Frau eingeblendet wurde. Geradezu lasziv, aber doch mit beneidenswerter Lässigkeit saß sie auf ihrem Motorrad und hielt ihren Helm in der Hand. Gekleidet in einen weiß-silbernen Motorradanzug, blickte sie mit ihren strengen, grünen Augen fest in die Kamera. Geradezu überheblich selbstbewusst könnte man meinen. Das blonde Haar zu einem Bob geschnitten, stachen die beiden langen Strähnen hervor, die sich links und rechts von ihrem Pony bis zum Busen erstreckten.
      „Claire Rosenburg“, knurrte Anya.

      Wegen ihr allein war sie hier.
      Sie war eine der Zielpersonen, deren besondere Karte sie abnehmen musste, um ihr gestohlenes Leben vom Sammler zurückzuerhalten.
      Und der angeblich einzige Weg, sich mit ihr zu duellieren war der, als Sieger des Legacy Cups hervorzugehen. Denn neben einer Einladung in die Pro-Liga, einem Batzen Preisgeld und einem fetten Pokal bekam der Gewinner jenes Turniers die einmalige Möglichkeit geboten, sich mit der Weltmeisterin zu duellieren. Einer Frau, die bereits jetzt trotz ihrer relativ kurzen Karriere als beste Duellantin in der Geschichte Duel Monsters gehandelt wurde. Noch nie hatte Claire ein Duell verloren, so hieß es.
      Was mehr als genug Gründe für Anya waren, unbedingt an diesem Turnier teilnehmen zu wollen. Geld, Ruhm, die Pro-Liga, die sie näher an ihren Traum bringen würde und am wichtigsten, diese dämliche Hüter-Karte.

      Matt raffte sich derweil von seinem Bett auf. „Und du hast dir das gut überlegt, Anya?“
      Das Mädchen drehte sich zu ihm um, als Claires Werbung für eine große Motorradmarke durch eine für Duel Disks ersetzt wurde.
      Sie nickte heftig. „Was glaubst du denn? Jetzt sind wir hier, also gibt es kein Zurück mehr. So eine Chance kriege ich nie wieder. Ich will nicht das 'Hintertürchen' nehmen, wenn du verstehst?“
      „Sie werden dich wieder angreifen“, prophezeite der Dämonenjäger düster.

      Er sprach von den Undying, die bereits zweimal versucht hatten, Anya ins Jenseits zu schicken. Sie wollten verhindern, dass sie die sieben Karten sammelte, weil damit das Tor zum Narthex geöffnet werden konnte – das Ziel des Sammlers. Anya wusste nicht, was der Narthex genau war oder was der Sammler mit ihm beabsichtigte, aber er hatte sie davor gewarnt, an dem Turnier teilzunehmen. Da sämtliche Medien über das Ereignis berichteten, würden diese unsterblichen Kreaturen früher oder später unweigerlich auf sie aufmerksam werden.
      Aber genau das wollte Anya.

      „Wir haben das doch alles schon durchgesprochen“, raunte sie wütend, „wenn einer dieser Spinner es versucht, nehmen wir ihn gefangen und quetschen ihn aus.“
      Zanthe lachte erheitert auf und klappte sein Buch zu. „Du hast wohl vergessen, dass wir uns nicht so recht einig waren, wie wir diese Psychos einkerkern wollen?“
      „Ich bezweifle, dass normale Dämonenjäger-Techniken da reichen werden“, sagte Matt, was er schon mehrmals in den vergangenen Tagen betont hatte. „Die Idee ist ja nicht schlecht, etwas, das man nicht töten kann, stattdessen zu versiegeln. Aber wie stellen wir das an?“
      Anya stöhnte ob des leidigen Themas genervt. „Lass das mal meine Sorge sein, ich denke mir schon etwas aus.“
      „Genau das habe ich befürchtet“, kam es zweifelnd aus Zanthes Richtung.

      Trotzig stampfte sie wieder zu ihrem Bett in der Ecke des Zimmers und nahm erneut das dunkelblaue T-Shirt aus ihrem Koffer hervor, welches ganz oben auf ihren Sachen lag. Gerade mal mit den Fingerspitzen hielt sie es fest, drehte es zu Matt und sagte: „Vergesst die Undying, das Ding hier ist viel schlimmer.“
      „Werbung für deinen Shop?“, fragte Matt, der sich durchlas, was auf der Rückseite des Kleidungsstücks stand. „Nico's Card Shop? Sogar eine Adresse hat er angegeben.“
      „Tch, Mr. Palmer lässt mich nur teilnehmen, wenn ich das da während der Live-Duelle anhabe. Wenn nicht, feuert er mich. Glaub ich.“
      Zanthe kicherte voller bösartiger Genugtuung. „Tja Anya, du hättest eine Million haben können, aber lieber nimmst du das T-Shirt.“
      Als Reaktion bekam er es ins Gesicht gepfeffert. „Nicht witzig, Flohpelz! Das habe ich nicht selbst entschieden, falls du es vergessen hast!“

      Es hätte alles so schön sein können.
      Anya erinnerte sich noch genau an den Tag, an dem sie sich mit diesem Aiden Reid zum Essen verabredet hatte. Aus irgendeinem Grund hatte er ihr eine ganze Million Dollar geboten, wenn sie unter dem Banner seiner Firma, Micron Electronics, am Turnier teilnahm.
      Ganz zu Nicks Ärgernis, welcher alles getan hatte, um Anya von diesem Deal abzuhalten. Aiden sei gefährlich und würde ihr früher oder später einen Dolch in den Rücken rammen. Irgendwann hatte Anya nachgegeben, nachdem Nick angeboten hatte, ihr eines Tages das Doppelte zu zahlen. Ihr war es nur recht und wenn Anya ehrlich mit sich selbst war, nahm sie das Geld lieber von Nick an, als von irgendeinem Typen, den sie gar nicht kannte. Solange der Zaster in ihre Flossen wanderte, konnte sie damit leben.
      Zumal Nick wirklich alles tat, um ihr auf ihrer Mission zu helfen. Ohne ihn wäre sie nie bis hierher gelangt, dessen war sie sich mittlerweile bewusst geworden und es war auch der Grund, warum sie ihm endlich seine Schauspielerei und Lügen verziehen hatte. Zugegeben, er wusste davon noch gar nichts, aber auch das hatte Zeit. So konnte sie die Lage unter Umständen noch etwas ausreizen.
      Da sie allerdings ohne Aidens Hilfe nicht offiziell am Turnier teilnehmen konnte, hatte sie Nick damit beauftragt, sie nachträglich einzuhacken. Und er hatte wirklich gute Arbeit geleistet.

      Um sich diese noch einmal vor Augen zu halten, zog Anya aus der Innentasche der geflickten Lederjacke an ihrem Leib einen Briefumschlag heraus. Die Einladung für die Veranstaltung morgen Abend, die nur Teilnehmern des Turniers und einigen Sponsoren vorbehalten war. Nick hatte es irgendwie geschafft, eine auf ihren Namen ausstellen zu lassen. Ironisch, denn sie kam direkt vom Veranstalter höchstpersönlich – der Abraham Ford Company, Vertreiber von Duel Monsters in den Staaten. Es konnte also gar nichts schief gehen, Anya war im System als Teilnehmerin vermerkt und besaß obendrein einen schriftlichen Beweis.
      Der einzige Nachteil war, dass Nick nur sie hatte eintragen können, nicht Matt und Zanthe. Alle Einladungen waren bereits verschickt worden, doch aufgrund eines 'glücklichen Umstands' konnte Nick den Brief plus E-Mail an eine der Teilnehmerinnen abfangen und zumindest diese nachträglich durch Anya ersetzen. Bei den beiden Holzköpfen war das leider nicht drin gewesen, was natürlich ärgerlich war, hätten drei Teilnehmer vom Team Anya ihre Chancen auf einen Kampf mit Claire sicher erhöht.
      Zumindest konnte Anya selbst teilnehmen, hatte also die erste Hürde bereits genommen.

      Aber immer noch keinen Begleiter für diese kack Party!
      „Einer von euch kommt gefälligst mit! Wie sieht das aus, wenn ich da alleine hingehe, huh!?“
      Matt, aufrecht auf dem Bett sitzend, zuckte unbedarft mit den Schultern. „Ich würde mir nichts dabei denken.“
      Dagegen fand Zanthe wesentlich spitzere Worte. „Ich würde auch nicht allein gehen wollen, wenn ich Angst hätte, die Hälfte von dem, was man mir dort sagt, nicht zu kapieren. Mindestens.“
      „Als ob!“, fauchte Anya, doch das leichte Zögern in ihrer Stimme verriet sie. „Was soll da schon groß erzählt werden!?“
      „Oh zum Beispiel die neue Duel Monsters-Mechanik“, kam Zanthe ihr sofort altklug zuvor, „oder wie die neuen, Betrugs-geschützten D-Pads funktionieren, die ihr für das Turnier bekommt. Mir fällt da einiges ein.“
      Anya knurrte verstimmt: „Schön für dich.“
      Dann ließ sie sich auf dem Bettrand nieder. „Aber fein, wenn ihr nicht mitkommen wollt, gehe ich eben alleine.“

      Unvermittelt erhob sich Zanthe mit einem diebischen Grinsen und wand sich einer Schlange gleich herüber zu Anya, legte den Arm um die Schulter der Blonden, als er sich neben diese fallen ließ. „Ich könnte mich ja dazu erweichen, doch mitzukommen.“
      Matt wurde sofort hellhörig und starrte herüber zu den beiden.
      „Und was muss ich dafür tun?“, schnarrte Anya grimmig.
      „Shoppen.“
      „Huh?“
      Zanthe ließ sie los, stöhnte kopfschüttelnd. „Anya, das ist eine Veranstaltung für aufstrebende Talente. Will sagen: reiche, aufstrebende Talente. Betonung auf reich. Die AFC lädt nicht jeden ein, sondern vor allem Duellanten, deren Mommys und Daddys mit ihren Brieftaschen gewinkt haben.“
      Anya neigte den Kopf schief zur Seite. „Und das hat jetzt was mit Shopping zu tun?“
      „Denk doch mal nach! Die rennen dort sicher nur in den feinsten Fummeln 'rum. Wenn du dich nicht noch vor dem ersten Duell zur Lachnummer machen willst, musst du optisch mithalten!“
      Zanthe zupfte bewusst provokativ an ihrer Lederjacke. „In dem Ding lassen sie dich selbst mit Einladung nicht rein.“
      „Ich sehe das mit den reichen Teilnehmern zwar etwas anders“, meinte Matt und legte sich zurück auf sein Kissen, „aber Recht hat Zanthe. Wir können da nicht in unserer Alltagskleidung auftreten.“
      Anya wiederholte erstaunt: „Wir?“
      „Wenn er schon mitkommt, was für 'ne Wahl habe ich dann? Außerdem würde ich mich hier ohnehin nur langweilen, während ihr weg seid.“
      Zanthe hingegen sprang auf. Erstaunen und auch ein gewisser Verdruss schwangen in seiner Stimme mit. „Was meinst du damit, dass du das mit den reichen Teilnehmern anders siehst?“
      „Dass ich der Meinung bin, dass sie mehr nach Talent und weniger nach der dicksten Geldbörse bei der Auswahl der Teilnehmer gehen.“
      Der Schwarzhaarige, dessen Haupt heute mal ein grünes Bandana zierte, lachte abfällig. „Erzähl das deinem Alector. Ich hab mir die Liste der ausgewählten Teilnehmer angeschaut, die Nick uns gegeben hat. Viele von denen kommen aus gutem Hause!“
      „Und woher willst du das wissen?“
      „Recherche? Anya muss wissen, mit wem sie es zu tun bekommt und da sie selbst keinen Finger krumm macht und Nick nicht die ganze Arbeit machen sollte, hab ich selbst ein bisschen gestöbert, bevor wir losgefahren sind“, verteidigte sich Zanthe bissig.
      Matt erwiderte: „Und deswegen können sie nicht trotzdem talentiert sein?“

      Anya stöhnte und stieß sich von der Bettkante ab, lief wieder zum Fenster, während sich im Hintergrund eine handfeste, von vorn herein zum Scheitern verdammte Diskussion anbahnte.
      Sie wusste es ja zu schätzen, dass Zanthe trotz seines frechen Mundwerks ebenfalls bemüht war, ihr zu helfen. Aber Nick konnte er nicht ersetzen.
      Das Mädchen verstand nicht, warum ihr bester Freund in Livington geblieben war. Sein neuer Job verbot es ihm, hatte er gemeint. Bloß, seit wann scherte Nick sich darum? Mit seinen Hackerfähigkeiten konnte er alles haben, er brauchte keinen Job! Doch egal was sie gesagt hatte, mehr war aus ihm nicht herauszubekommen gewesen. Endlich selbst was schaffen, blah blah, als ob sie ihm das abnahm!

      „... ist doch purer Idealismus!“, war Zanthe derweil schon bei einer beachtlichen Lautstärke angekommen.
      Matt stand ihm direkt gegenüber und verschränkte die Arme. „Und was ist daran falsch? Wenigstens sehe ich nicht in allem nur das Schlechte!“
      „Wo tu ich das bitte!?“
      „Frag doch Anya, der hältst du ja nichts anderes vor als ihre Fehler.“
      Zanthes Kopf ruckte in einer derart raschen Bewegung zu Anya herum, dass gute Ohren ein ganz leises Knacken vernehmen konnten. Sein verkniffener Blick forderte absolute Rückendeckung von der Blonden, aber die schnaufte bloß verärgert. „Haltet die Klappe, alle beide!“
      Um sicherzustellen, dass sie auf andere Gedanken kamen, fügte sie noch höchst widerwillig hinzu: „Wir gehen jetzt shoppen!“

      ~-~-~

      Ephemeria City erwies sich als wahres Labyrinth. Die Straßen der Neustadt waren lang und breit, kreuz und quer, sodass es besonders Anya schwer fiel, sich zu orientieren. Anders als Matt kam sie nicht auf die Idee, ihr über 50 Stockwerke hohes Hotel als Orientierungspunkt zu nutzen. Selbst seine Idee, der über den kleineren Gebäuden verlaufenden Riding Duel-Strecke zu folgen traf bei Anya auf Unverständnis, denn wieso einfach, wenn es auch kompliziert ging?
      Unter Zanthes Führung jedoch gelang es ihnen erstaunlich schnell, die ersten Geschäfte ausfindig zu machen. Nicht weit von den Dreien weg gab es einen renommierten und unheilig preisintensiven Anbieter für Herrenmode. Die perfekte Gelegenheit für Anya, den beiden Jungs ein paar von Nicks ergaunerten Scheinen in die Hand zu drücken und sich von ihnen abzukapseln.

      Das letzte, was das Mädchen wollte war, wie Zanthe ihr Ratschläge in Punkto Mode gab. Zumal sie auch keine Lust hatte, der immer noch unterschwellig vorhandenen Spannung zwischen den beiden Streithähnen ausgesetzt zu sein.

      Gedankenverloren wanderte sie den Gehweg entlang, der erstaunlich voll war. Vermutlich alles Touristen beziehungsweise Zuschauer, die sich auf das anstehende Turnier freuten. Ihr Blick wanderte nach oben. Direkt über ihr verlief einer dieser Highways für Riding Duels. Das massive Konstrukt wurde regelmäßig von Säulen, so breit wie Limousinen, getragen. In Anyas Laufrichtung verlief die Neigung jener hoch gelegenen Straße ein wenig nach oben, ehe sie bei der nächsten Kreuzung in eine nach links gehende Kurve überging.

      Siehst du dich auch schon dort oben?

      Levriers Stimme in ihrem Kopf ließ Anya aufschrecken. Sie nickte fest.
      „Jup. Motorradfahren und sich dabei duellieren? Was gibt’s Besseres?“

      Nacktfotos von Valerie Redfield an das Playboy-Magazin verkaufen?

      „Außer das!“
      Anya beschleunigte ihren Schritt. An der Straßenecke hatte sie eine kleine Boutique erspäht, in der sie ihr Glück bezüglich geeigneter Festkleidung versuchen wollte. In ihrem Lauf gelangte sie aus dem Schatten der Riding Duel-Strecke und ehe sie sich versah, eilte sie die drei kleinen Stufen zur Tür hinauf und betrat unter Glockenbimmeln das Geschäft.
      Derweil machte sich Levrier daran, Modeberater zu spielen.

      Ich habe mir überlegt, dass dir dunkle Kleidung sehr gut steht, Anya Bauer. Sicherlich möchtest du auf zu formelle Kleidung verzichten, weshalb-

      „Halt die Klappe, Levrier“, brummte sie mit einem spitzbübischen Grinsen auf den Lippen, „ich hab schon so'ne Vorstellung, was ich anziehen werde.“
      Hier kannte sie niemand. Matt und Zanthe waren auch nicht da, um ihren Senf abzugeben. Also konnte Anya Dinge tun, die sie zuhause niemals erwägen würde …

      Das verspricht lustig zu werden.

      ~-~-~

      Als Anya am späten Abend ins Hotelzimmer zurückkehrte, erkannte sie, dass sie die letzte des Gespanns war. Wobei von Zanthe jede Spur fehlte, lediglich seine Einkaufstüten lehnten an dem vordersten der drei Betten des länglichen Zimmers.
      Auch Anya war gut beladen mit zwei großen, weißen Tüten.

      Matt lag auf seinem Bett in der Mitte, auf seinem Bauch ein Laptop.
      „Wo hast'n den her?“, fragte Anya irritiert, die sich sicher war, ihren Freund bisher nicht mit dem Ding gesehen zu haben.
      „Vom Restgeld gekauft“, erwiderte er gleichgültig, „ich hoffe, das ist okay.“
      „Bist du irre!?“
      Ehe Matt sich versehen konnte, schmiss sich Anya neben ihn aufs Bett und betrachtete das neue Gerät begeistert. „Kann man damit zocken?“
      „Glaube schon.“ Matt sah sie unsicher von der Seite an. „Hab ihn gekauft, um ein wenig im Netz recherchieren zu können, während wir hier sind. Frag nicht, was Herr Werwolf mit dem Geld anstellen wollte.“
      „Noch mehr Kopftücher und so'n Scheiß kaufen?“, fragte Anya hämisch.
      Matt schüttelte den Kopf. „Nein, ein paar Hotelmitarbeiter in der Umgebung bestechen, um Deckinfos über deine Gegner zu besorgen.“
      Gleichzeitig tippte er den letzten Satz in dem offenen Fenster zu Ende und drückte die Enter-Taste. Anya bemerkte, dass es sich um eine E-Mail an Alector handelte, in der Matt Alastair und die Kinder grüßte.
      „Denkst du, die lesen das?“, fragte die Blonde skeptisch.
      Der Dämonenjäger im schwarzen Hemd neben ihr zuckte schmunzelnd mit den Schultern. „Wenn sie endlich ihre Telefonrechnung zahlen, dann bestimmt. In 'nem Monat oder so. Würde sie ja gerne mal an die Strippe bekommen, aber das klappt ja schon seit über zwei Wochen nicht mehr.“

      Anya erhob sich vom Bett und drehte sich zu Zanthes nahe der Tür um. „Wo ist unser Flohzirkus eigentlich?“
      „Hatte keinen Bock auf mich und stellt sicher gerade irgendetwas an, für das wir uns am Ende schämen müssen.“
      „Klingt, als hätte ich Konkurrenz bekommen“, stellte Anya erstaunlich selbstironisch fest.
      Matt musste leise auflachen. „Sieht so aus.“

      Das Mädchen schlenderte zum Panoramafenster und betrachtete die nächtliche Stadt. Die ganzen Werbeanzeigen an den Hochhäusern waren so grell, dass sie Jalousien brauchen würden, um überhaupt schlafen zu können. Die Riding Duel-Strecken hatten eine eigene Beleuchtung, sogar die Straßenmarkierungen auf ihr waren erhellt. Ephemeria City ließ sich wirklich Einiges dafür kosten. Und irgendwo da draußen könnte schon Claire Rosenburg lauern. Oder ein Undying, der ahnte, dass Anya hier sein würde.
      „Ist das wirklich eine gute Idee, Levrier? Sie versiegeln zu wollen?“ Sie fasste sich an die Stirn, einen Hauch von Zweifel an der eigenen Entscheidung äußernd. „Nicht, dass ich das will, aber undercover zu agieren wäre vielleicht doch sicher …“

      Womöglich ist es das, aber ich bezweifle, dass wir damit dauerhaft Erfolg haben werden. Unsere Feinde werden uns früher oder später finden, also kommen wir ihnen zuvor, indem wir sie zuerst stellen, wenn sie am wenigsten damit rechnen.

      „Aber warum?“

      Da wir sie nicht töten können, müssen wir sicherstellen, dass wir sie dennoch dauerhaft aus dem Weg räumen. Dank meiner Abstammung von Isfanel kenne ich eine Möglichkeit, sie in einer separaten Dimension einzusperren. Es funktioniert ähnlich wie der Turm von Babylon, nur in viel kleinerem Rahmen. Außerdem habe ich noch eine andere Absicht …

      „Das höre ich zum ersten Mal!“
      Anya runzelte die Stirn und drehte sich zur Seite, wo sie Levriers Anwesenheit am ehesten vermutete, auch wenn das bei Immateriellen natürlich Quatsch war. Sie waren nirgendwo … und überall.

      … Ricther. Eine Kooperation mit ihm könnte sich als letzter Anker erweisen, sollten wir mit dem derzeitigen Plan scheitern und die sieben Karten nicht rechtzeitig sammeln. Doch dafür müssen wir etwas haben, um ihn unter Druck zu setzen.

      „Wir sperren ihn ein und holen ihn raus, wenn wir ihn brauchen …“

      Richtig. Ich bezweifle, dass wir Stoltz auf diese Weise benutzen können. Deshalb muss er es sein. Ich bin mir sicher, dass er genug Ehre besitzt, ein einmal gegebenes Versprechen nicht zu brechen.

      „Du hast vielleicht Ideen. Das ist so verrückt, das könnte sogar klappen“, meinte Anya belustigt.
      Matt sah vom Laptop auf. „Was sagt er denn?“
      Die Blonde drehte sich kess grinsend zu ihm um. „Dass wir Versager sind, die die Hilfe der Undying benötigen werden.“
      „Wenn er meint“, zeigte sich Matt gleichgültig und richtete seine Aufmerksamkeit wieder dem teuren Spielzeug auf seinem Schoß zu, „warn' mich nur rechtzeitig vor, wenn ihr irgendetwas ausheckt.“
      Was Anyas Mundwinkel noch weiter auseinander rückte. Dummer Matt, als ob man ihn vor so etwas vorwarnen könnte. Nicht mal sie selbst würde wissen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, bevor es bereits zu spät war.

      ~-~-~

      Ungeduldig pochte es am nächsten Abend, nach einem Tag voller Zank, Sticheleien und Cup Cakes gegen die Badezimmertür. „Anya, was dauert das so lange? Hast du endlich entdeckt, dass du ein Mädchen bist, oder warum wirst du einfach nicht fertig!?“
      Konzentriert blickte Anya in den Spiegel über dem Waschbecken und führte vorsichtig -es- Richtung ihrer Augen. Aber sie zögerte, nicht zuletzt auch deshalb, weil Matts ebenfalls ungeduldige Stimme durch die weiße Tür drang. „Das Taxi wartet bereits! Wir müssen los!“
      „Scheiße, dann fahrt doch vor, wenn ihr unbedingt wollt!“, raunte sie. „Ist mir sowieso nur recht!“
      „Für wen machen wir das doch-“, begann Zanthes typische Leier, die diesmal ein jähes Ende fand.
      „Ich sag dir gleich, was du nicht mehr machst, Flohpelz!“, überschlug sich ihre Stimme förmlich, ein Zeichen ihrer Überforderung. „Leben! Und jetzt schnapp' dir Summers und fahr vor, ich komme nach, sobald ich kann. Die werden euch schon reinlassen, ich steh immerhin auf der Gästeliste!“
      Zumindest ging sie stark davon aus. Wenn Nick Mist gebaut hatte, dann gab's Kloppe!
      „Na schön …“
      „Dann bis nachher“, verabschiedete sich Matt skeptisch. Sie hörte, wie die beiden leise irgendwas tuschelten und schließlich die Zimmertür ins Schloss fallen.

      Jetzt konnte Anya sich endlich wieder dem widmen, was sie bisher nur getan hatte, wenn sie absolut sicher war, dass niemand in der Nähe war, um sie zu beobachten. Wohlgemerkt niemand außer ihren Opfern, welchen der Akt bisher immer gegolten hatte. Aber diesmal war sie selbst an der Reihe.
      „... Gott, ich hasse Make-Up!“

      Ich liebe Clowns.

      Eine beängstigend große Zornesfalte bildete sich auf der Stirn des Mädchens. „Jetzt reicht's! Du-bleibst-hier!“
      Um ihren Worten Taten folgen zu lassen, schnappte sie sich ihre Deckbox, die neben ihrer Jeans auf dem Rand der Badewanne lag und holte [Gem-Knight Pearl] aus dem Extradeck hervor.
      „Drei von euch ertrage ich nicht!“, fauchte sie und stopfte Pearl in die Hosentasche der Jeans.
      Umso wütender wurde sie, als nur träge kam:

      Dein Verlust …

      „Tch!“
      Anya wirbelte um und hoffte, nun endlich ungestört 'ihr erstes Mal' zu Ende bringen zu können. Hätte sie sich doch bloß nie auf diese ganze Kacke von wegen 'hübsch machen' eingelassen!

      ~-~-~

      Das Taxi hielt an. Matt und Zanthe stiegen aus, Letzterer gab dem Fahrer noch ein großzügiges Trinkgeld, ehe sie sich ihrem Ziel widmeten.
      „Ich kann nicht glauben, dass wir noch so viel Kohle haben“, staunte Zanthe und steckte seine Brieftasche weg. „Schade, dass Nick so besessen von Anya ist. Mit mir hätte er viel mehr Spaß.“
      „Dazu sage ich besser nichts“, nuschelte sein Begleiter, der keine Lust auf Streit hatte.

      Er und Zanthe kamen so gestriegelt und gebürstet daher, wie man es von einer Veranstaltung dieser Art erwartete. Zanthe trug einen feinen, weißen Designeranzug samt silberner Krawatte, unter der ein schwarzes Hemd zum Vorschein kam. Einzig sein neuestes Kopftuch hatte er sich auch hier nicht nehmen lassen, war dieses doch farblich perfekt angepasst an sein übriges Auftreten. Matt hingegen hatte sich die Haare nach hinten gekämmt und gegelt, trat in einem schlichten, schwarzen Nadelstreifenanzug und weinrotem Hemd auf. Während das Sakko Zanthes mit schwarzen, unebenen Streifen verziert und daher mit dessen flippigen Charakter harmonisierte, war das von Matt gleichfarbig zu seiner Hose.

      Die beiden standen vor einem riesigen, offenen Bogentor, das Eintritt zu einem kunstvollen Garten samt Springbrunnen gewährte.
      „Dass es mitten in einer so technologisierten Stadt einen so konservativen Ort gibt …“, staunte Matt, während sie über den fein gepflasterten Weg liefen, vorbei an einem zu beiden Seiten verlaufenden Minihecken-Labyrinth. „Aber das ist eben die Altstadt von Ephemeria City.“
      „Der Besitzer des Anwesens ist einer der Sponsoren des Turniers, hab ich gelesen“, erklärte Zanthe die Zusammenhänge, „er hat ein Faible für Schlösser und sich daher selbst eins gebaut, mitten in der Stadt der Duellanten.“
      Beim Anblick des riesigen, dreistöckigen Gebäudes vor ihm stellte Matt bereits eine Vermutung an, welches Schloss es besagtem Sponsor besonders angetan hatte. „Versailles?“
      Zanthe drehte sich zu ihm um und grinste breit. „Dein Ernst? Meep!“
      Er deutete auf die Glaskuppel des mit dutzenden Scheinwerfern angeleuchteten Gebäudes. „Es hat keine konkrete Vorlage. Ein bisschen von Sanssouci, natürlich auch etwas Versailles, aber auch gotische Elemente wie diese dutzenden Bogensäulen, die du beim Eingang siehst.“
      „Interessierst du dich für so etwas?“
      „Ein bisschen.“ Zanthe schloss im Alleingang zu der Menschenschlange auf, die vor dem Eingang des Halbschlosses auf den Einlass wartete.
      Der zurückgelassene Matt musste schmunzeln. „Der ist immer wieder für 'ne Überraschung gut.“

      Kurz darauf waren sie drinnen und wurden in einen riesigen, ovalen Ballsaal geführt, in dem die Veranstaltung stattfinden sollte. Matt war erstaunt darüber, wie gut alles geklappt hatte. Tatsächlich hatte man sie ohne großes Aufsehen hineingelassen, als sie sich als Anyas Begleiter per Personalausweis identifiziert und das verspätete Kommen der Chefin entschuldigt hatten. Allerdings beschlich Matt der Verdacht, dass Nick bereits im Vorfeld die Anmeldungen der beiden vorgenommen haben musste, da die wirklich überall befindlichen Security-Leute sicher niemanden allein auf sein Wort einlassen würden.

      Der Saal war gut gefüllt mit sicher weit über hundert Leuten und einige würden sicher noch dazukommen. Über ihnen erstreckte sich die ganz aus bunten Gläsern bestehende Dachkuppel, welche religiöse Bilder wie die Geburt Jesu zeigten.
      „Er ist etwas verrückt, sagt man“, gluckste Zanthe und meinte damit den Besitzer des Anwesens, „liebt solchen Kram. Schick sieht's ja aus, ist aber nicht mein Ding.“
      Über zwei Stockwerke erstreckte sich der Saal. Abgehend vom Eingang verliefen zwei schier endlos wirkende Wendeltreppen zu einer Galerie, die schließlich in einem großen Balkon mündete. Sie mussten sich im hinteren Ende des Schlosses befinden, aber Matt hatte keine Ahnung, ob er damit richtig lag.

      „Wie lange, bis es losgeht?“
      Zanthe schob den Ärmel seines Sakkos weg und sah auf seine brandneue Armbanduhr. „Noch genug Zeit, über 'ne halbe Stunde. Prinzesschen wird schon kommen, mach dir da keine Sorgen.“
      „Wir reden hier von Anya“, stellte Matt trocken klar.
      Ein belustigtes Kichern war die Antwort. Sowie: „Stimmt. Mach dir Sorgen.“
      Der junge Mann im schwarzen Anzug sah sich um. Überall waren kleine, runde Tische aufgebaut, an die sich die Gäste stellen konnten. Umrandet waren sie von edlen Barhockern, falls jemand dabei sitzen wollte. Dazu verteilten dutzende Kellner Champagner. Im hinteren Teil des Ballsaals, wo die Treppen zusammenliefen, war ein riesiger Monitor aufgebaut. Unter ihm befand sich eine kleine Tribüne mit Rednerpult, die aber noch leer war. Rechterhand dieser sorgte eine eigens bestellte Band, bewaffnet mit klassischen Instrumenten, für die akustische Untermalung des Abends.
      „Wollen wir uns ein wenig unter die Leute mischen?“
      Aber Zanthe war Matts Vorschlag längst zuvor gekommen und hatte sich in ein Gespräch mit zwei jungen Männern verwickelt. Matt verzog die Augen zu Schlitzen.
      „Wieso habe ich das Gefühl, dass er nicht mit ihnen redet, weil er ihre Decks sehen will?“
      Das Wort, welches er Zanthe tatsächlich im Gedanken unterstellte, unterschied sich nur um einen Buchstaben von dem, welches er laut aussprach. Und das amüsierte Gekicher des Werwolfs, das an sein Ohr drang, bestätigte ihn in seiner düsteren Ahnung.

      Etwas verloren kam sich der junge Mann schon vor. Um nicht wie bestellt und nicht abgeholt auszusehen, stellte er sich an den nächstbesten Tisch, der bereits von einer jungen Dame besetzt war.
      Sie tippte an der Tischkante gelehnt auf ihrem Smartphone herum und nahm keine Notiz von ihm, weshalb er sie genauer betrachtete. Ihr aschblondes Haar war gefärbt, was er an den ganz minimal hervorstechenden, brünetten Ansätzen bemerkte. Etwas über die Schultern hinaus gehend, klemmte es hinter ihren Ohren, an denen zwei knallrote, an kurzen Ketten hängende Kugelohrringe hingen. Dieselbe Farbe wie ihr knielanges Cocktailkleid. Um den Hals trug sie einen Presseausweis.
      Matt spürte, wie sich die Farbe seiner Wangen unter einem flüchtigen Brennen der ihres Kleides anpasste. Sie war eine der attraktivsten Frauen, die er je gesehen hatte. Und jetzt bemerkte sie ihn. Ihre hellgrauen Augen drangen regelrecht durch ihn durch, als wüssten sie genau, was er dachte. Dann schenkte sie ihm ein einladendes Lächeln.

      Doch ehe Matt dieses erwidern konnte, spürte er, wie sich eine Armbeuge um seinen Nacken schlang. Zanthe hauchte ihm mit Blick auf die Journalistin ins Ohr: „Na, Lover Boy?“
      „Was soll das!?“, fauchte er unter dem belustigten Gekicher der Blondine.
      „Ich dachte, was ich entdeckt habe, willst du dir sicher nicht entgehen lassen. Komm.“
      „Sorry“, nuschelte Matt knallrot angelaufen und zog unfreiwillig dem Werwolf hinterher.
      Die Journalistin hauchte ihm ein „Bye!“ zu.
      Als sie außer Reichweite war, wandte Matt sich an seinen Begleiter. „Was ist denn, siehst du nicht, dass ich beschäftigt war!?“
      „Mit ihrem Ausschnitt?“
      „Nein!“ Was die Wahrheit war, den hatte Matt tunlichst vermieden anzusehen, obschon die Verlockung dagewesen war. „Und sowieso, wo bleibt überhaupt Anya?“
      „Na das will ich dir doch zeigen!“

      Zanthe führte Matt zu der rechten Wendeltreppe. Mit ausgestrecktem Finger deutete er auf eine junge Frau, die auf halber Höhe zur Galerie am Geländer entlang nach oben ging und nebenbei das Geschehen unten betrachtete.
      „Sie dachte wohl, sie könne sich an uns vorbei nach oben verkrümeln. Die Gute hat wohl der Mut verlassen, sich -so- zu zeigen.“
      Matt verzog auf Zanthes Kommentar hin den Mund. „Niemals, das ist nicht Anya.“
      „Bleib stehen“, rief der aber schon triumphierend, „wir haben dich entdeckt. Flucht ist zwecklos!“
      Abrupt blieb Anya-Fragezeichen stehen. Undeutlich kam die Antwort: „Ist sicher 'ne Verwechslung. Schönen Abend noch.“
      Zanthe zeigte jedoch einen Vogel. „Als ob! Du siehst zwar nicht so aus, aber du riechst definitiv nach Bauerntölpel.“
      Die vor Wut geballte Faust war Antwort genug.
      „Also dreh dich schön um, damit wir dich ansehen können“, forderte der Werwolf feixend.

      Anya murmelte leise vor sich hin: „Das wirst du bereuen, Flohpelz!“
      Es hätte alles so schön sein können. Sie stahl sich nach oben und wohnte der Rede von den anderen beiden unbemerkt bei, verschwand vor ihnen und niemand würde jemals erfahren, dass sie … dass sie … was hatte sie bloß dazu getrieben!?
      Auf dem Absatz drehte Anya sich langsam um. Schritt für Schritt nahm sie die Treppen nach unten, ihre weißen Stiefel strahlten regelrecht im Lichte der dutzenden elektrischen Kronleuchter, die im Saal angebracht waren.
      „Das kann nicht- träum ich?“, staunte Matt atemlos.
      Was er da sah, das waren Anyas Beine. Nackte Beine, von den Knien an bis zu diesem kurzen, engen, elfenbeinfarbenen Kleid, welches an ihrer linken Schulter gehalten wurde. Von ihrem Brustansatz herab ging eine Schleppe, die fast bis zum Boden reichte und dem Kleid den dezenten Eindruck eines Morgenmantels verschaffte.
      Anya war bereits Rot wie eine Tomate, als sie die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte. Sie hatte es vollbracht, sich dezent eines Kajalstiftes und Wimperntusche zu bedienen. Und scheinbar war sie auch nicht ungeschickt darin, wenn es darum ging, ihr Haar hochzustecken.
      „Siehst du bescheuert aus“, feixte Zanthe und krümmte sich vor Lachen.
      „Ich hasse euch! Ich hasse euch alle“, fluchte diese wütend. „Wieso ausgerechnet ich!?“
      „War doch deine eigene Entscheidung!“, erwiderte der Unruhestifter daraufhin patzig und giggelte weiter vor sich hin.
      „Haltet die Klappe, alle beide“, murmelte Matt mit fasziniertem Blick.

      Als Anya die letzte Stufe nahm, zögerte sie gar nicht lange und rammte ihren weißen Stiefel mit derartiger Wucht in Zanthes Erzeugerorgan, dass dessen Tonfall gefühlte zwei Oktaven nach oben schnellte.
      Trotz der Schmerzen keuchte er: „Vorsicht, man sieht deine Boxer-Shorts …!“
      Sofort stellte sich Matt zwischen die beiden, ehe einer der Securitys etwas mitbekam. Anyas Augen drohten aus ihren Höhlen zu ploppen.
      „Hätte ich doch bloß nie auf euch gehört! Shoppen gehen, am Arsch!“, schrie sie aufgebracht. „War doch klar, dass ihr es scheiße findet!“
      „Ich finde, du siehst umwerfend aus!“, beteuerte Matt sofort aufrichtig, wenn er sich auch bewusst war, dass Anya ihm kein Wort glauben würde.
      „Betrachte mich umgeworfen“, meldete sich Zanthe mit erhobener Hand böse kichernd hinter Matt.

      Anya war im Begriff ihre zum Kleid passenden Stulpen hochzuschieben, um ihn tatsächlich 'umzuwerfen', als hinter Matt die eine Person auftauchte, mit der Anya am allerwenigsten gerechnet hatte.
      „Also ich finde es auch toll“, sagte Valerie Redfield lächelnd, „endlich traust du dich mal zu etwas anderem, als zu deinen normalen Klamotten.“
      Anya sah die Schwarzhaarige vor ihr an. Valerie sah sie an. Anya blinzelte. Valerie wartete auf eine Reaktion. Sie bekam eine.
      „... hat wer 'ne Pistole?“, fragte Anya schlaff.
      „Ach komm schon, lass dich nicht von den Jungs ärgern“, versuchte Valerie sie aufzumuntern und hakte sich uneingeladen bei ihrer selbsternannten Erzrivalin ein.
      Ehe die überhaupt begriff, was gerade geschah, zog Valerie sie schon mit bestimmender, aber sanfter Gewalt davon. „Marc ist auch hier, kommt doch zu uns an den Tisch.“

      Erst jetzt konnte Anya den unverhofften Informationsinput 'Redfield' verarbeiten und riss sich prompt von jener los, wich geradezu von ihr weg, als wäre sie der Teufel, während die Jungs im Hintergrund dem Spektakel neugierig zusahen.
      „Was-zur-Hölle-willst-du-hier-Redfield!?“, brachte sie stoßartig hervor, ohne Luft zu holen.
      „Ich bin eingeladen?“, erwiderte die salopp. „Anders als du, nehme ich an.“
      „'türlich bin ich eingeladen!“
      Geradezu missbilligend warf Anya einen kurzen Blick auf ihr Gegenüber. Violettes, hauchdünnes Glitzerkleid, bis zu den Füßen reichend, dämonisch böser Ausschnitt, vermutlich extra für die Veranstaltung gelocktes, offenes Haar, eine dezente Halskette, gepaart mit protzigen Goldarmreifen. Wo war doch gleich die bestellte Pistole!?
      „Anya, erzählt das jemandem, der dich nicht kennt“, mahnte Valerie sie streng, „wie du es angestellt hast, ist mir egal. Sei bloß vorsichtig.“
      Die Blonde blinzelte verdutzt. „Huh? Du willst mich nicht anscheißen?“
      „Für wen hältst du mich?“, empörte sich Valerie und griff sie wieder am Arm. Leiser sagte sie zu Anya, als sie einen der dutzenden Tische ansteuerte: „So etwas würde ich nie tun. Im Gegenteil, ich hatte es sogar im Gefühl, dass du hier sein würdest. Wegen -ihr- nehme ich an.“
      Im Gehen winkte Valerie den beiden noch bei der Treppe stehenden Jungs zu, sie mögen ihr doch bitte ebenfalls folgen. Derweil antwortete Anya verdrießlich. „Na wie schön, dass das so offensichtlich ist. Ja, bin ich. Aber woher weißt du das?“
      Valerie starrte stur geradeaus. „Nick und ich hatten ein … kleines Gespräch, wegen so einer Sache, aber das ist nicht so wichtig. Er hat mir vor Kurzem verraten, wen du als Nächstes anpeilst. Um ihn gleich in Schutz zu nehmen, er hat nicht gesagt, dass er dich hier reinschmuggeln will, aber anders kommst du wohl kaum an Claire Rosenburg ran.“
      Das erklärte Anya aber nicht, wieso Miss Glanz und Gloria überhaupt hier sein konnte. Etwas, das Valerie ihr von den verkniffenen Augen ablesen konnte. „Erinnerst du dich an das Tag Duell-Turnier damals an der Livington High? Turniere dieser Art wurden letztes Jahr an vielen Schulen in den USA durchgeführt, aber nur wenige der Gewinner erhielten auch tatsächlich eine Einladung für den Legacy Cup. So wie ich und Marc.“
      Wie ein Schlag traf diese Nachricht Anya, der die Kinnlade hinunter klappte. Hätte sie das gewusst, wäre dieses beschissene Turnier damals anders gelaufen! Denn sie und Nick waren Zweite! Tch!

      Endlich angekommen, wartete der Kinnbart tragende Marc in einem schwarzen Anzug auf seine noch-nicht-ganz Ehefrau. Er hielt zwei Gläser Champagner in der Hand und staunte nicht schlecht, als er erkannte, wen Valerie da mit sich schleppte.
      „Und wieder hast du Recht“, beglückwünschte er sie, „hätte ich dir mal gleich glauben sollen, dann könnt ich jetzt jedem was anbieten.“
      „Ich will eh nix“, raunte Anya und stellte sich dazu. Kurz darauf folgten auch Matt und Zanthe.
      „Seid ihr Teilnehmer?“, fragte Valerie und bekam die Antwort als Kopfschütteln.
      „Nur sie“, deutete Matt auf Anya.
      Valerie stützte ihre Ellbogen am Tisch ab und legte ihren Kopf in geneigter Haltung gegen die Hände, nachdem sie sich auf einen der Hocker gesetzt hatte. „So hätte das nicht laufen dürfen …“
      Marc erklärte dazu: „Wir wollten es für dich tun, Anya. Als Nick uns sagte, dass Claire eines dieser Artefakte hat, wussten wir, dass wir die Chance haben sie zu stellen.“
      Das blonde Mädchen traute ihren Ohren kaum. „Ihr wolltet-!? Für mich!?“
      Ihre grübelnde Pose aufgebend, nahm Valerie die Arme vom Tisch und trank einen Schluck Champagner, ehe sie antwortete. „Warum nicht? In der Zeit hättest du dich um jemand anderen kümmern können. Aber Nick hat dir wohl nicht gesagt, dass wir hier sein werden.“
      Anya schüttelte den Kopf. „Nein, hat er nicht.“
      Unvermittelt packte Valerie Anya am Arm und sah sie eindringlich an. „Mit dir sind wir jetzt drei Leute, die die Möglichkeit haben, sich mit Claire zu duellieren. Aber …“
      „Aber?“, fragte Anya irritiert und sah Matt und Zanthe an, als ob die wüssten, was Valerie wollte.
      „Du kannst Claire nicht besiegen. Lass uns das machen.“
      Sofort riss Anya ihren Arm weg. „Was soll das denn heißen-!?“
      „Sie ist auf einem ganz anderen Level als du“, setzte die Schwarzhaarige ihre Erklärung fort, „als wir alle. Sie hat noch nie verloren. Und viele hier sind fast so stark wie sie. Ich will nicht, dass du deine Zeit hier verschwendest, um zwischendrin aus dem Turnier auszuscheiden. Genau die rennt dir davon, du solltest eher nach Edna such-“
      Sofort schlug Anya mit der Faust auf den Tisch. „Du spinnst wohl, Redfield! Denkst wohl, weil du mal besser als ich warst, kannst du dich jetzt aufspielen, huh!? Ich hab dich nicht darum gebeten, mir zu helfen, sofern ich mich recht erinnere! Das hier ist mein Ding, klar!?“
      Marc seufzte. „Was habe ich dir gesagt, Valval?“
      „Aber Anya, ich sage das doch nicht, um dich zu verspott-!“

      Lautes Geklatsche ertönte. Während Anya und Valerie stritten, betrat ein junger Mann in weißem Anzug die Bühne. Unter dem Arm des brünetten Henrys eingehakt war seine Schwester Melinda, die sich ihre Haare feuerrot gefärbt und zu zwei Pferdeschwänzen gebunden hatte. Sie trug ein marineblaues Abendkleid, hatte sich ein lavendelfarbenes Tuch um ihre Hüfte gebunden. Zusammen traten sie an das Rednerpult.
      „Guten Abend und vielen Dank, dass ihr alle so geduldig gewartet habt“, verkündete Henry stolz über das Mikrofon, „ich bin Hendrik Benjamin Ford und das ist meine Schwester Melinda Ford.“
      Der Applaus wurde intensiver. „Wir beide sind heute die Vertreter der Abraham Ford Company und begrüßen alle Teilnehmer sowie Sponsoren des Legacy Cups und auch alle anderen Anwesenden zu dieser Feier.“
      Etwas zu Melinda murmelnd, machte er ihr Platz. Voller Freude strahlend, sah sie in die große Runde. „Guten Abend. Lasst mich damit beginnen zu sagen, dass wir froh sind, euch endlich zu diesem Event einladen zu können. Wie ihr wisst, musste der Legacy Cup um ein Jahr verschoben werden, aber endlich ist die Zeit gekommen. Eure Zeit!“
      Die Gäste klatschten, einige hoben sogar die Gläser an und bekundeten ihre Dankbarkeit sowie die Hoffnung, die Geschwister haben sich endlich von ihrer langen Krankheit erholt. Die wenigstens wussten, dass es keine Krankheit war, die der Grund für den Aufschub des Turniers darstellte …
      Melinda bedankte sich und sprach weiter: „Aber was feiern wir wirklich? Natürlich den Auftakt des Turniers in einer Woche. Aber auch den Beginn einer neuen Ära von Duel Monsters.“
      Lautes Gemurmel ging durch den Saal. Einige Vermutungen bezüglich dieser Worte kamen von allen Seiten. Das Wort 'Pendel' fiel immer wieder.
      „Was wir euch heute vorstellen, ist für die Öffentlichkeit erst kurz vor dem Start des Turniers gedacht, wenn das nächste Erweiterungsset von Duel Monsters erscheint. Was in genau drei Tagen der Fall ist. Henry wird euch dazu mehr sagen.“
      Wieder ertönte Applaus, als die beiden die Position tauschten und der junge Mann erneut ans Mikrofon trat. „Heute gewähren wir euch einen ersten Einblick in die Funktionsweise der Pendelmonster, einer völlig neuen Art von Karte. Darüber hinaus wird es einige gravierende Regeländerungen am Spiel selbst geben, die mit dem Auftakt des Turniers weltweit eingeführt werden.“
      Noch lauteres Geraune hallte von den vielen kleinen Tischen. Henry sagte: „Doch bevor wir darauf eingehen, möchte ich daran erinnern, dass die Siegerin oder der Sieger des Legacy Cups neben einem Preisgeld von 500.000$ und der Einladung in die offizielle Profi-Liga auch die Chance erhält, sich mit der amtierenden Weltmeisterin zu duellieren. Und sie ist bereits heute extra für dieses Event angereist! Einen herzlichen Applaus für Claire Rosenburg.“

      „... das ist nicht wahr, Anya! Du verstehst das völlig falsch! Unglaublich, wie kannst du nur so verbohrt sein!?“, schimpfte Valerie beleidigt.
      Doch die Unruhestifterin selbst achtete gar nicht mehr auf ihre Erzrivalin, sondern blickte, wie alle anderen, herüber zur Bühne. Zwei Leute betraten diese in jenem Augenblick.
      Drei Stufen nahm 'sie'. Völlig gelassen, als wäre dies für sie nichts Besonderes. Und das war es vermutlich auch nicht. Sie sah etwas anders aus als in der Werbung, noch größer. Fast so groß wie Matt. Ihr blondes Haar hatte sie am Hinterkopf kurz rasiert, trug einen Bob. Ihr Pony ging bis zur Höhe ihrer grünen Augen und von ihm reichten ihr zwei einzelne, im Gegensatz zu der Werbung von gestern grün gefärbte Strähnen bis zur Brust.
      Und Claire Rosenburg sah merkwürdig aus. Das limettenfarbene, knielange Kleid stand ihr nicht besonders gut, denn ihre sehnigen, nackten Arme gaben einen unschönen Kontrast zu dem feinen Stoff. Auch ihre schwarzen Lederstiefel wollten einfach nicht zum Rest passen. Begleitet wurde sie von einem rothaarigen Mann in einem schwarzen Designeranzug. Nicht nur saß eine Sonnenbrille auf seiner Nase, nein, über seinem rechten Auge befand sich eine tiefe Narbe, die die Braue zerteilte. Dazu trug er einen Vollbart, lediglich das Kinn hatte er rasiert.
      Nebenbei murmelte Marc zu Zanthe und Matt: „Ihr Manager. Unheimlicher Typ.“
      „Hörst du mir überhaupt zu!?“, beklagte sich Valerie lauthals.
      Anya wandte sich tolldreist entrüstet zu ihr um. „Natürlich nicht!“
      Und der Streit ging in die nächste Runde.

      Nachdem Henry Claire auf die Bühne geholt hatte, erklärte er weiter: „Ihr Duellstil war eine große Inspirationsquelle für uns, was die Entwicklung der Pendelbeschwörung betrifft.“
      Plötzlich sprang der riesige Bildschirm über ihnen an. Auf ihm war der komplette Spielplan von Duel Monsters abgebildet.
      „Wie kann man etwas toppen, das so flexibel ist wie Claire, so die Kernfrage“, sagte Henry und tippte auf den Touchscreen in seinem Pult, „simpel, wir fügen eine völlig neue Komponente ein.“
      Plötzlich veränderte sich der Spielplan, Deckzone und Friedhof sowie Extradeck und Spielfeldkartenzone schoben sich auseinander. Und zwischen ihnen tauchten zwei neue Zonen auf.
      „Daher seht nun die Zukunft von Duel Monsters! Die Pendelzonen, ein Platz für die Monster einer neuen Generation, die Pendelmonster! Es sind doch Monster, oder?“
      Tosender Applaus, aber auch viel irritiertes Gemurmel, als er den letzten Satz mit einem Zwinkern beendete.

      Im Anschluss begann Henry zu erklären, wie diese neuen Karten funktionierten. Sie waren sowohl Monster, als auch Zauber, was durch ihren halb orangefarbenen, halb grünen Kartenrand deutlich wurde. Als letztere konnten sie ausgespielt werden, indem man sie in die Pendelzonen legte. Dort besaßen sie einen völlig anderen Effekt. Aber mehr noch, jedes Pendelmonster besaß einen neuen Wert, den Pendelbereich, der mit einem Wert von 1 bis 12 bemessen war. Besaß man zwei Pendelmonster in jenen Zonen, durfte man einmal pro Zug eine Pendelbeschwörung durchführen und beliebig viele Monster von der Hand rufen, deren Stufe zwischen dem Pendelbereich-Wert der linken Pendelzone und des Wertes der rechten lag. Dies zeigte er anhand einiger simpler Beispiele am Bildschirm. Einige Gäste lachten dabei, andere tuschelten aufgeregt.
      Dann erklärte Henry, dass Pendelmonster noch eine weitere Besonderheit aufwiesen. Wenn sie vom Feld auf den Friedhof gelegt wurden, gingen sie stattdessen aufgedeckt ins Extradeck – und konnten von dort ebenfalls per Pendelbeschwörung gerufen werden. Auch das zeigte er durch Beispiele, die nun unter großem Jubel aufgenommen wurden. Er schloss seine Rede mit der Hoffnung ab, vielleicht schon erste Spieler mit Pendelmonstern während des Turniers zu sehen.
      „Außerdem wird uns bald ein weiterer, spannender Umschwung in der TCG-Szene erwarten“, waren seine letzten Worte. „Vielen Dank!“
      Danach überließ er Melinda das Feld, die zunächst ankündigte, dass neue D-Pads zum Start des neuen Sets bereit stehen und für das Turnier sogar Pflicht sein würden, die alten aber weiterhin benutzt werden dürfen, wenngleich sie auch nicht mit den Pendelmonstern kompatibel waren. Teilnehmer würden ihre in den nächsten Tagen oder spätestens zu Beginn des Turniers erhalten. Anschließend klärte sie über die neuen Regeländerungen auf, derer es neben den Pendeln zwei gab: Der Spieler, der den ersten Zug machte, würde fortan seine Draw Phase überspringen müssen. Ein regelrechter Aufschrei seitens einiger entsetzter Gäste war die Folge. Die zweite Änderung erlaubte es nun beiden Spielern, eine Spielfeldzauberkarte gleichzeitig zu kontrollieren. In diesem Moment verstummte Melinda.

      Anya bekam davon allerdings nichts mit, sie schrie Valerie hinterher, die mit Marc im Schlepptau wutentbrannt das Weite suchte: „Gib einfach zu, dass du mir das nicht alleine zutraust, Redfield!“
      Zunächst fiel es Anya gar nicht auf, aber ihr Streit hatte die Aufmerksamkeit sämtlicher Anwesender erregt. Inklusive Henry, der etwas aus dem Konzept geraten ans Mikro trat. „Wie ich sehe, haben wir einen ungebetenen Gast. Guten Abend, Anya.“
      Die wirbelte herum und bemerkte erst jetzt, wie alle Augen nur auf sie gerichtet waren. Wütend schimpfte sie: „Pah, kümmere dich lieber um deine Angelegenheiten, ich hab ne' Einladung.“
      „Da muss ein Missverständnis vorliegen, denn die hast du garantiert nicht. Und selbst wenn du eine hättest, das Sicherheitspersonal wird dich allein für die Störung mit nach draußen begleiten.“
      Sofort war sie von zwei Schränken in Schwarz umzingelt, die sie ergreifen wollten. Ihnen ausweichend, schrie sie sie an: „Pfoten weg!“
      Die Ersten fingen bereits wild an zu tuscheln und zu spekulieren, was es mit Anya auf sich hatte. Jene rannte ein Stück vor und steckte den Finger aus, richtete ihn direkt auf Henry. „Ach ja? Dann schau doch in deiner Datenbank oder was auch immer nach!“
      „Wie du willst.“
      Zur Demonstration tippte er auf seinem Pult etwas ein und öffnete, für alle Anwesenden sichtbar, auf dem großen Bildschirm eine Liste. Er scrollte hinunter, jeder Duellant war mit gewissen Grunddaten und Profilfoto versehen. Valerie, Marc, ein blasser Junge mit hellem, langen Haar, ein brünetter junger Mann, dann Anya. Frech grinsend starrte ihr Antlitz in die Runde.
      „Das kann nicht sein!“, schoss es aus Henry heraus. „Was hast du da angestellt!?“
      „Mich qualifiziert, was sonst!?“

      Erzürnt sprang Henry in seinem weißen Anzug von der Bühne und ging schnellen Schrittes auf Anya zu. „Niemals, das wäre uns aufgefallen. Hier muss ein großer Fehler vorliegen!“
      Melinda eilte ihm hinterher, musste dabei den Saum ihres Kleid anheben. „Warte, ich glaube, ich weiß warum.“
      Als sie bei ihm ankam, reichte sie ihm ein Blatt Papier, das sie sich nebenher vom Rednerpult geschnappt hatte. „Hier! Das ist die Liste derer, die in die engere Auswahl kamen. Sie muss irgendwie durchgerutscht sein.“
      Ihr Bruder riss ihr das fragwürdige Beweismittel aus der Hand. Zornesfunkelnd sah er auf: „Sie hat Recht. Wer auch immer so dumm war, er hat dich als Teilnehmerin vorgeschlagen.“
      Anya streckte ihre flache Brust vor. „Und nun? Willst du mich rausschmeißen?“
      „Dieser Fehler würde einen anderen seinen Platz kosten. Sicher siehst du ein, dass das keineswegs fair wäre?“, lautete seine Antwort.
      Nein, tat sie nicht. „Quatsch nicht 'rum, du würdest doch alles tun, nur um mir eins auszuwischen!“
      Sich dazwischen drängend, sagte Melinda: „Na wenn das so ist, musst du dir den Platz eben verdienen. Indem du dich zum Beispiel gegen jemanden duellierst.“
      „Melinda!“
      Sofort hielt jene sich ertappt die Hände vor den Mund, hatte sie ihrem Bruder eben unbedacht ein Messer in den Rücken gerammt.
      „Kein Problem, ich nehme Claire Rosenburg!“, schlug Anya ohne Umschweife vor. Lautes Gelächter, welches das fein gekleidete Mädchen aufstampfen ließ. „Was!?“
      Henry schüttelte den Kopf. „Abgelehnt, dein Platz wird seinem rechtmäßigen Besitzer zugewiesen.“
      „Den gibt’s doch gar nicht, wen wollt ihr bei dieser riesigen Liste nehmen!?“ Anya schwang den Arm aus. Sie durfte sich diese Chance, ihrem Traum ein Stück näher zu kommen, auf gar keinen Fall nehmen lassen. „Komm schon, wenn nicht die Weltmeisterin, dann ihr beide. Mit euch werde ich doch locker fertig und würde so beweisen, dass ich die Richtige für euer Turnier bin! Was sagt ihr!?“
      Sie richtete sich dabei an die Gäste, traf aber auf gemischte Reaktionen. Einige nickten, andere hingegen sagten frei heraus, dass sie davon nicht viel hielten.
      „Abgemacht“, grinste Melinda, „du gegen uns beide? Wenn du -so- gut bist, hast du dir den Platz wirklich verdient!“
      Sie wandte sich an die beiden Männer von der Security. „Bitte holen Sie die neuen D-Pads.“
      „Melinda, was soll das!?“, zischte Henry. „Du kannst doch nicht einfach-!?“
      Seine Schwester aber bestand darauf. „Sie ist immerhin vorgemerkt gewesen, also hat sie diese Chance verdient.“
      „... meinetwegen“, ließ der Erbe der AFC sich breitschlagen, „aber nur, weil du es bist.“
      Sie fiel ihm um den Hals. „Bist der Beste.“
      Sich dann an die aufgewühlte Allgemeinheit wendend, rief sie: „Auch wenn sich einige von euch auf den Schlips getreten fühlen, als Entschädigung bekommt ihr einen Vorgeschmack auf die neuen Pendelmonster! Versprochen!“
      Damit konnten einige leben, andere nicht. Eine Wahl hatten sie ohnehin nicht, zum Glück für Anya.

      So stellten die Drei sich in der Mitte des Saals auf. Anya mit dem Rücken zum Ausgang, den sie wohl oder übel nehmen musste, wenn sie verlor. Henry und Melinda ihr gegenüber. Während sie auf die D-Pads warteten, schielte Anya herüber zur Bühne, die sich hinter den Geschwistern befand.
      Claire Rosenburg stand dort, regungslos mit versteinerter Miene. Und als sich die Blicke der beiden kreuzten, begann Anya zu frösteln. Ein Blick aus den grünen Augen, taxierend und erhaben. Als würde eine Göttin auf sie herabsehen. Unheimlich!
      Einen Moment später bekamen die Drei ihre D-Pads, die schlicht in Rot daher kamen und sich ansonsten kaum von den alten Modellen unterschieden.
      „Dann mal los!“, leitete Anya das Duell ein. Synchron riefen sie: „Duell!“
      Die drei D-Pads klappten sich aus. Neben den Monsterkartenzonen befanden sich nun die Slots für die Pendelmonster.

      [Anya: 4000LP //// Henry: 4000LP Melinda: 4000LP]

      „Bevor wir anfangen, sollte noch eine Sache geklärt werden“ verkündete Henry und sah sich unter den Gästen beziehungsweise Zuschauern um, damit auch jeder genau zuhörte, „auch die Regeln für Tag-Duelle wurden überarbeitet. Im Gegensatz zu einem Duell einer gegen einen ist es hier die Partei in der Überzahl, die nicht in ihrem ersten Zug ziehen darf. Welcher wie gewohnt erst nach demjenigen stattfindet, der alleine kämpft. Das hat sich nicht geändert.“
      Die hübsche Journalistin, die unvermittelt neben Matt auftauchte, hob den Arm. Der Erbe der AFC streckte ihr demonstrativ den seinen entgegen. „Ja?“
      „Und wenn beide Gruppen aus zwei Spielern bestehen?“
      „In dem Fall setzen alle ihre erste Draw Phase aus. Auch hier bleibt gleich, dass keiner in seinem ersten Zug angreifen darf.“
      Derweil schnaubte Anya wütend und hielt die Arme verschränkt. „Ist ja hochinteressant. Können wir endlich anfangen, oder muss ich dir erst ein paar Knochen brechen um zu zeigen, wie ernst mir das ist, Schnöselkind?“
      „Wie du willst“, murrte Henry und positionierte sich. Seine Schwester tat es ihm gleich, wobei er noch hinzufügte: „Tu dein Schlimmstes.“
      „Kannste Gift drauf nehmen!“

      Im Anschluss zogen alle drei ihr gewohntes Startblatt von fünf Karten. Und da fing das Drama schon an, denn eine dumme Angewohnheit Anyas war es, dass ihre Aufmerksamkeit bei ihrer Meinung nach uninteressanten Themen schnell abdriftete. Doch im dem Fall hätte sie besser genau zugehört, denn nun wusste sie nicht, ob sie überhaupt ziehen durfte oder nicht. Verwirrt starrte sie dieses neue, rote D-Pad an, welches angenehm leicht, dafür aber grottenhässlich war. Statt rechteckig zu sein, waren die Kanten des flachen Apparats abgerundet.
      „Uh …“
      „Anya, du darfst ziehen. Die Regel, dass du es nicht darfst, gilt für normale Duelle.“
      Sofort erntete Melinda einen bösen Blick von ihrem Bruder, sah er es schließlich gar nicht gerne, dass sie ihr auch noch half.
      „Weiß ich doch! Draw!“
      Nachdem Anya nun ihre sechs Karten in der Hand hielt, schloss sie aus reinem Trotz aus, sich in Zukunft an diese neuen Regeln zu gewöhnen. Spielfeldzauberkarten waren ihr egal, aber niemand nahm ihr -ihren- ersten Zug-Zug!
      „Fein, ich setze dieses Monster. Mach was, Ford, aber mach es schnell!“
      In vergrößerter Form materialisierte sich die Karte vor ihr.

      Henry machte sogleich weiter, allerdings, wie er erklärt hatte, ohne aufzuziehen. Genau wie Anya legte er ein Monster horizontal auf das D-Pad. „Ich setze auch ein Monster, da ich nicht angreifen kann. Melinda, dein Auftritt.“

      Noch während es vor ihm mit nach oben gerichtetem Kartenrücken auftauchte, legte auch Melinda ohne vorher zu ziehen ein Monster von ihrer Hand mit dem Kartenbild nach unten zeigend auf das D-Pad. Zischend materialisierte es sich vor ihr.
      „Soll das'n beschissener Scherz sein oder gibt’s jetzt auch 'ne Regel, die vorschreibt, mir alles nachmachen zu müssen!?“, brüskierte Anya sich gewohnt wenig herzlich.
      Melinda zwinkerte verschwörerisch. „Nein, wir sind nur nicht so dumm, dich zu unterschätzen. Aber ganz mache ich dich nicht nach, ich setze nämlich noch eine Karte.“
      Jene tauchte hinter ihrem Monster auf. „Du bist wieder dran.“

      „Draw!“, fauchte Anya aufgewühlt und drehte das Monster auf ihrem D-Pad um, indem sie es mit dem Bild nach oben legte. „Flippbeschwörung, [Gem-Turtle]. Wird die so aufgedeckt, fliegt 'ne [Gem-Knight Fusion] direkt vom Deck in mein Blatt.“
      So geschah es, dass ihre holografische Karte um die eigene Achse wirbelte und eine große Schildkröte hervorrief, deren Panzer aus einem einzigen, riesigen Smaragd bestand.

      Gem-Turtle [ATK/0 DEF/2000 (4)]

      Bereits kurz nachdem Anya es verkündet hatte, stand eine einzelne Karte aus ihrem Deck hervor, die sie nur noch aufzunehmen brauchte. Zugegeben, diese verbesserte Stimmenerkennung in den neueren Duel Disks und D-Pads hatte sie immer an ihrem alten Battle City-Modell vermisst. Aber niemals würde sie diese gegen eines dieser Teile eintauschen, sobald sie sie erst zurück hatte!
      Das Mädchen zückte ihre neue Karte und hielt sie in die Höhe, über ihr entstand ein kunterbunter Wirbel aus den verschiedensten Edelsteinen. „Dann los, Fusionsaction! [Gem-Knight Tourmaline], du bist das Herz, [Gem-Knight Obsidian], du die Rüstung! Vereint euch!“
      Ein Ritter in goldener und einer in schwarzer Rüstung wurden in den Sog über dem Mädchen gezogen. Dort entstand ein Lichtblitz und ehe das Geschwisterduo sich versah, landete vor dessen Gegnerin ein anderer Ritter, dessen wehender, schwarzer Umhang einen starken Kontrast zu seiner goldenen Rüstung darstellte. Er schwang zwei Dolche, deren Klingen aus Blitzen bestanden.
      „[Gem-Knight Topaz]!“

      Gem-Knight Topaz [ATK/1800 DEF/1800 (6)]

      Überraschenderweise tauchte neben dem noch ein Ritter auf, nämlich derjenige, der als erster in den Wirbel gezogen wurde. Von gleicher Farbe, aber ohne Umhang, ließ er zwischen seinen Handflächen regelmäßige Entladungen entstehen.
      „Wenn Obsidian von der Hand auf den Friedhof wandert, ruft er von dort ein normales Monster wie Tourmaline aufs Feld! Sofern es unter Stufe 5 liegt, natürlich!“

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      Anya war jedoch schon längst dabei, ihre Schildkröte von dem D-Pad zu nehmen. „Macht euch schon mal frisch! Tributbeschwörung! Mein neues Prachtstück, extra für ein ganz spezielles Monster in meinem Deck ausgewählt: [Labradorite Dragon]!“
      In dunklen Funken löste sich [Gem-Turtle] daraufhin auf, welche sich zu einem schwarzen Drachen formten, der in seiner lauernden Haltung fast so groß wie Anya war. Seine Haut war besetzt von ovalen, verschieden großen Edelsteinen, die einen grünlichen Schimmer von sich gaben.

      Labradorite Dragon [ATK/0 DEF/2400 (6)]

      Mit einem Ruck streckte Anya den Arm in die Höhe. „Labby mag zwar ein normales Monster ohne Angriffspunkte sein, dafür ist er aber ein Empfänger. Und diesen stimme ich jetzt auf Tourmaline ein! Stufe 6 und Stufe 4!“
      Plötzlich ließ sie den Arm sinken und guckte einen Moment verdutzt. „... shit, für das Ding habe ich bisher ja gar keinen Spruch.“
      Sie schüttelte den Kopf. Egal, dann musste es eben ohne gehen, auch wenn die Verlockung groß war, gerade wo Levrier nicht dazwischenreden konnte. Doch auch wenn einer Anya Bauer nahezu nichts peinlich war, wollte das winzige bisschen Selbstachtung in ihr sich nicht vor diesen ganzen Profiduellanten blamieren. Also rief sie schlichtweg: „Synchro Summon! Level 10, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]! Und er ist nicht nur groß, sondern bekommt für diesen Zug auch noch 500 Angriffspunkte pro Synchromaterial! Erschei- Was!?“
      Als der sogenannte Titan vor ihr auftauchte, konnte von groß jedoch gar keine Rede sein. Er sah genauso aus, wie auf der Karte abgebildet: Von hellblauer Farbe, prangte auf der Brust des Robokriegers ein fettes, silbernes T. Sein Helm war mit vier kompliziert ineinander verworrenen Hörnern bespickt, die geradeaus zeigten.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4000 DEF/0 (10)]

      Aber verdammt, der ging ihr nicht mal bis zum Knie!
      „Was soll das!?“, kreischte sie aufgelöst. „Als er gegen Matt gekämpft hat, muss er doch mindestens zehn Meter groß gewesen sein! Du solltest cool sein, kein beschissenes Spielzeug!“
      Indes brach Zanthe am Tisch in frenetisches Gelächter aus. Matt schüttelte beschämt den Kopf, teilte Anya mit: „Denk doch mal nach. Der passt hier nicht rein, deswegen ist er … geschrumpft.“
      Empört zeigte das Mädchen mit dem Finger auf den Roboter. „Aber so sehr!? Das ist nicht fair!“
      „Krieg dich wieder ein“, raunte Henry.
      „Krieg dich ein!?“, wiederholte Anya, ihre Lippen bebten. „Ich -stampf'- dich ein! Zauberkarte [Silent Doom]! Die reanimiert 'n normales Monster auf meinem Friedhof im Verteidigungsmodus!“
      Unter den Gästen gab es neugieriges Gemurmel von allen Seiten. Wenige achteten auf [Gem-Knight Tourmaline], welcher in kniender Position vor Anya auftauchte.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      Ihr Augenmerk galt viel eher ihrem Heavy T, der zwar harmlos aussah, aber durchaus Interesse weckte. Schließlich kannte keiner dieses Monster, wie konnten sie auch, war er doch eine Hüterkarte und damit einzigartig.
      „Und jetzt schicke ich ein Licht-Monster direkt von meinem Deck auf den Friedhof und simuliere damit einen Empfänger! Der Stufe 4-[Alexandrite Dragon]!“ Welchen Anya sofort in den Friedhofsschacht des D-Pads rammte. Dann streckte sie den Arm in die Höhe. „Und Tourmaline, auch Stufe 4! From the light of a different world, the herald of starlight descends upon the ravaged land! By discarding a single star, I call upon you!“
      Dort, wo ihre Finger hinreichten, entstand ein großer, goldener Ring. Ihr Ritter zerplatzte in vier grüne Lichter, die jenes Gebilde durchquerten. Dabei entstand in ihm eine wässrige Oberfläche.
      „Oh oh, jetzt ist sie richtig sauer“, gluckste Melinda vergnügt, „was sie wohl diesmal serviert?“
      Henry runzelte die Stirn argwöhnisch. Flüsterte: „Noch so eine Karte, die garantiert -nicht- in unseren Datenbanken drin ist.“
      Ein greller Lichtblitz schoss durch den Ring. „Synchro Summon! Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      Ein weißer Drachenkopf schoss aus der seltsam schimmernden Oberfläche nach vorne, während aus der anderen Seite sein Schweif heraus schnellte. Von dem Ring selbst begannen sich vier weiße Federschwingen zu strecken. Beide Körperhälften ergaben einen schlangenhaften Drachen, dessen goldenes Kragengestell ihm den Hauch einer Kobra verlieh.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      „Jemand muss jetzt bestraft werden“, schnaubte Anya und visierte bereits Henry an. Das erstaunte Getuschel der Zuschauer ob ihres Drachen nahm sie gar nicht wahr. „Und da du für diesen Kackmist verantwortlich bist, kriegst du die volle Dröhnung! Heavy T, greif sein Monster an! … wie heißt seine Attacke?“
      „Gravity Reverse“, rief Matt ihr gelangweilt zu.
      Anya schnippte unter der Erleuchtung unnützen Wissens den Finger. „Genau! Die! Attacke!“
      Ihr Spielzeugroboter streckte seine rechte Handfläche aus, in der eine blau strahlende Kugel eingelassen war. Die begann plötzlich Henrys gesetztes Monster anzuziehen, welches aus der Karte hervortrat und sich als grünhaariger Junge in beigefarbenem Umhang samt gelbem Halstuch präsentierte.
      „Das ist [Kamui, Hope Of Gusto]! Wenn er-!“
      „Falsch, das ist Matschepampe! Sieh hin, Schnöselkind!“

      Kamui, Hope Of Gusto [ATK/200 DEF/1000 (2)]

      Henry bemerkte es. „Wie hat er die Position gewechselt!?“
      „Na dank Heavy Ts Gravity Reverse! Mit dem kann er bei seinem eigenen Angriff die Position des Monsters ändern! Jetzt gibt’s auf die Fresse!“
      Immer stärker wurde der Sog, der den grünhaarigen Burschen anzog, der durch Rückwärtslaufen dagegen ankämpfte. Schließlich verloren seine Füße den Halt unter dem Parkett und er flog direkt auf den Spielzeugroboter zu, welcher mit der Linken ausholte und zuschlug. Eine heftige Schockwelle entstand, die Henry erfasste und auf den Rücken warf. Erschrockenes Raunen hallte durch den Saal.

      [Anya: 4000LP //// Henry: 4000LP → 200LP Melinda: 4000LP]

      Vorsichtig richtete er sich unter den verwirrten Ausrufen der Gäste auf und starrte Anya perplex an.
      „Wie hat sie das gemacht!?“
      „Die Sicherheitseinstellungen sollten so etwas doch verhindern!“
      „Was für Monster spielt sie da!?“
      Anya klatschte sich gegen die Stirn. „Ups, ganz vergessen, der kann das ja …“
      Die Hände beschwichtigend erhoben, erklärte Melinda hektisch: „Sorry Leute, ihr D-Pad muss spinnen. Wir benutzen noch die ersten Prototypen, da kommt so etwas vor, ahaha!“
      „Ja“, murmelte Henry und stand wankend auf. „Natürlich doch.“
      Heavy T, als wäre es ihm diese Aufregung zu peinlich, verschränkte die Arme vor der Brust.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4000 DEF/0 (10)]

      „Klar, wenn er kämpft, wechselt er danach die Position …“
      Für Anya war Heavy T noch Neuland. Entsprechend unbeholfen drehte sie ihn auf ihrem D-Pad in die Horizontale, hatte sie daran gar nicht mehr gedacht.

      „Interessantes Mädchen. Voller Überraschungen“, flüsterte derweil die hübsche Journalistin Matt zu, gestikulierte dabei mit einem Martiniglas, welches ein Kellner ihr serviert hatte.
      Der Schwarzhaarige rümpfte die Nase. „Nicht die Sorte Überraschungen, die man sich wünscht.“
      „Oh, das kommt immer auf den Blickwinkel des Betrachters an.“
      „Bei Anya gibt’s nur einen, den toten Winkel“, schnarrte Zanthe gewohnt spitzzüngig.

      „Wir können weitermachen, ist ja nichts passiert“, verkündete Henry, der zur Sicherheit seinen Anzug noch einmal von allen Seiten ansah, „und ich hoffe, dass es auch so bleibt, nachdem wir die Sicherheitseinstellungen -extern- wiederhergestellt haben.“
      Jene scharfen Worte waren unmissverständlich für Anya gedacht. Die aber war zu sehr damit beschäftigt, das Monster zu betrachten, das unerhörterweise just in diesem Moment vor ihrem Widersacher erschienen war. „Wo kommt das denn her!?“
      Der türkisgrüne Vogel, der mit Brustpanzerung und Stachelhelm aufwartete, flatterte auf Henrys Schulter. Jener sagte dazu: „Das wollte ich dir vor deinem Angriff erklären. Kamui ist ein Flippmonster, das einen Gusto-Empfänger beschwört, wenn es aufgedeckt wird. [Gusto Gulldo].“

      Gusto Gulldo [ATK/500 DEF/500 (3)]

      „Was auch immer, du bist eh gleich aus'm Rennen! Topaz, steck' ihm einen deiner Dolche dahin, wo die Sonne niemals scheint! Thunder Strike First!“
      Henry hielt entspannt dagegen: „Mach ruhig, greif so oft an wie du willst, aber sei dir im Klaren darüber, dass jedes Gusto-Monster ein anderes an seiner Stelle beschwören kann. Du kommst nicht nochmal an meine Lebenspunkte.“
      Schnippisch erwiderte Anya: „Beschwöre -du- doch so viel wie -du- willst. Hast wohl vergessen, dass Topaz deinen Lebenspunkten schaden kann, wenn er ein Monster zerstört. Nämlich für jeden einzelnen Angriffspunkt deines toten Monsters.“
      „Oh, ich erinnere mich noch an unser erstes Duell.“ Henry grinste plötzlich. „Damals hatte ich keine Ahnung, dass du so viel Ärger bedeutest. Aber ich habe ein gutes Gedächtnis und werde deshalb nicht verlieren. Melinda?“
      Die nickte wie auf Knopfdruck. „Richtig. Leider muss ich deine Angriffe umlenken, ich aktiviere meine gesetzte Karte [Hippo Carnival]!“
      Der Schnellzauber klappte vor ihr auf. Auf ihm waren je ein gelbes, oranges und blaues, übergewichtiges Nilpferd abgebildet, die im Outfit brasilianischer Tänzerinnen den berühmten Karneval nachtanzten. Jene entsprangen aus der Karte und begannen mit ihren gewagten Hüftschwüngen vor Henrys Monster.

      Hippo-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Anya klappte die Kinnlade hinunter beim Anblick der geschminkten Trampeltiere. „Ihr verarscht mich doch!“
      „Nicht doch. Technisch gesehen gehören sie zwar Melinda, aber im Zuge ihrer Beschwörung bist du gezwungen, sie anzugreifen.“ Henry verschränkte die Arme. „Noch Fragen?“
      „Ja, eine. Wieso!? Wer hatte die Idee zu diesen Missgeburten!?“ Ohne es zu einer Antwort kommen zu lassen, streckte Anya den Arm aus. „Aber fein, massakrieren wir diese … Dinger! Topaz, Thunder Strike First und Second! Angel Wing, Seraphim Judgment!“
      Ihr goldener Ritter schnellte mit gezückten Dolchen auf die Hippos zu, die sich erschraken und umdrehten, hastig weiter die dicken Hinterteile kreisen lassend, als würde dadurch irgendetwas besser werden. Gleichzeitig lud der majestätische Drache über Anya eine weiße Flamme in seinem Maul auf, die er abfeuerte. Um sie kreiste eine kleinere, goldene Spirale. So fielen zwei der fragwürdigen Gestalten Topaz' Dolchen zum Opfer, während die dritte im Bunde geröstet wurde.
      Anya runzelte nur verärgert die Stirn. „Ernsthaft, welche Drogen waren da im Spiel …“
      Viel wichtiger aber war: Wegen seiner Schwester hatte Anya es nicht geschafft, Henry postwendend aus dem Spiel zu werfen! Dabei hatte sie so gut vorgelegt! Wenigstens konnte Topaz zweimal pro Battle Phase angreifen, sonst wäre jetzt immer noch so ein Etwas auf dem Feld. Äußerst verstimmt verkündete die Blonde im elfenbeinfarbenen Kleid daher: „Meine letzten beiden Handkarten setze ich! Zug beendet!“
      Vor ihren Füßen materialisierten sie sich unter einem leisen Zischen. Damit verlor Heavy T auch seinen Angriffsbonus, noch etwas, das Anya nicht mit einkalkuliert hatte. „Bah …“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4000 → 3000 DEF/0 (10)]

      Sofort im Anschluss zog Henry auf, steckte die Karte in sein Blatt und legte dafür eine andere auf sein D-Pad. „Ich beschwöre [Winda, Priestess Of Gusto]! Damit stimme ich [Gusto Gulldo], Stufe 3, auf meine Stufe 2-Winda ein!“
      Während der kleine Vogel von seiner Schulter flog, erschien vor Henry ein grünhaariges Mädchen in einem weißen Kleid, über das sie einen beigefarbenen Mantel trug.

      Winda, Priestess Of Gusto [ATK/1000 DEF/400 (2)]

      Der brünette Erbe der Abraham Ford Company streckte den Arm in die Höhe. „The feather of hope is blown away by divine winds! A storm embraces the lost valley!“
      Anstatt in grüne Lichtringe zu zerspringen, flog der Vogel davon zur Bühne hinter Henry, machte dann eine Kehrtwende und wuchs dabei rapide. Winda sprang aus dem Stand in die Luft und in diesem Moment fegte Gulldo unter ihr hinweg und fing sie auf.
      „Synchro Summon! Reverberate, [Daigusto Gulldos]!“
      Kurz vor Anya stoppte der riesige Vogel samt Reiterin mit starken Flügelschlägen, sodass Anya eine grimmige Fratze zog im Anblick des Federviehs, dessen Pupillen nun rot waren, genau wie die neuen Stacheln an seinem Brustpanzer.

      Daigusto Gulldos [ATK/2200 DEF/800 (5)]

      Henry zeigte die Karten von [Kamui, Hope Of Gusto] und [Winda, Priestess Of Gusto] vor. „Ich aktiviere den Effekt Gulldos'! Dafür, dass ich zwei Gustos von meinem Friedhof ins Deck schicke, darf ich ein offenes Monster zerstören! [Angel Wing Dragon]!“
      Das Gespann stieg auf und machte dabei einige Schrauben, ehe es unerwartet hinab stürzte und beinahe auf das Parkett knallte. Panisch flatterte der Vogel, um wieder an Höhe zu gewinnen.
      Dessen Besitzer schielte zunächst abwesend an Anya vorbei, bemerkte dann aber, dass eine von Anyas verdeckten Karten aufgeklappt stand. Die erklärte: „Zu dumm, deine Winda ist besoffen. Sie hat aus dem [Forbidden Chalice] getrunken. Das negiert ihren Effekt und macht sie zeitweise um 400 Punkte stärker.“
      Und tatsächlich, die grünhaarige Reiterin torkelte auf dem Rücken des Vogels mit einem goldenen Kelch in der Hand.

      Daigusto Gulldos [ATK/2200 → 2600 DEF/800 (5)]

      „Na gut, ich habe noch etwas anderes in der Hinterhand. Ich aktiviere die Zauberkarte [Double Summon] und kann mit ihr eine zusätzliche Normalbeschwörung durchführen!“ Henry rammte die Karte in sein D-Pad und legte danach ein Monster hinterher. „Erscheine, [Pilica, Descendant Of Gusto]!“
      Das tat sie auch, ein kleines Mädchen in dunkelgrünen Shorts und hellgrünem Mantel. Ihr ebenso grünes Haar war an den Spitzen rötlich eingefärbt. Mit sich führte sie einen Zauberstab aus Holz, in dem ein Vogel eingeritzt war.

      Pilica, Descendant Of Gusto [ATK/1000 DEF/1500 (3)]

      Diesen schwang sie einmal zur Seite aus und ehe Anya sich versah, landete auf seiner Spitze der kleine, grüne Vogel Gulldo, völlig aus dem Nichts.

      Gusto Gulldo [ATK/500 DEF/500 (3)]

      „Na klasse …“, grummelte die Blonde.
      „Für mich ist sie definitiv eine Offenbarung, denn sie reanimiert bei ihrer Beschwörung einen Wind-Empfänger.“ Henry schwang den Arm aus. „Mach dich bereit! Ich stimme den Stufe 3-Gulldo auf meine Stufe 3-Pilica ein!“
      Der kleine Vogel hob vom Zauberstab der Zauberin ab und zersprang in drei grüne Lichtringe, die sich wie ein Schleier um Pilica legten, während sie die Arme weit ausstreckte.
      „The winds gather to celebrate the descent of the mistress of cardinal directions! Synchro Summon! Walk on air, [Daigusto Sphreez]!“
      Die Kleine stieg in die Höhe auf und wuchs dabei, wurde älter. Das Haargummi, welches ihren zu einem Pferdeschwanz gebundenen Schopf zusammen hielt, platze. Grelles Licht ging von Pilica aus, als sie sich schließlich als junge Erwachsene präsentierte, die in der Luft stand, gekleidet in grüner Robe mit schwarzen Stiefeln und einen neuen, dunkleren Zauberstab schwang.

      Daigusto Sphreez [ATK/2000 DEF/1300 (6)]

      „Bei ihrer Synchrobeschwörung erhalte ich ein Gusto-Monster von meinem Friedhof“, erklärte Henry und zeigte Pilicas Karte vor. „Damit greife ich deinen Heavy T mit Sphreez an! Calmanize!“
      Seine Magierin schwang ihren Zauberstab und schoss eine grüne Energiekugel ab, um welche dutzende Windklingen rotierten.
      „Effekt von Angel Wing! Ich mache ihn zum Ziel des Angriffs!“
      Der schlangenhafte, weiße Drache schob sich schützend vor den kleinen Roboter und antwortete auf die Attacke mit seinem weißen Flammenstrahl, um den eine goldene Spirale rotierte. Doch statt Sphreez zu erreichen, wurde er von der Sphäre einfach zerteilt. Die schoss geradewegs durch [Angel Wing Dragon] hindurch und traf niemand Geringeres als Anya selbst, die entgeistert zurückwich. „Was zum-!?“

      [Anya: 4000LP → 3300LP //// Henry: 200LP Melinda: 4000LP]

      Anya musste schon zweimal hinsehen, um zu verstehen was da gerade passiert war. Ihre Lebenspunkte waren gesunken, obwohl Angel Wing Kampfschaden verhinderte? Aber wie war das überhaupt möglich, schließlich waren Sphreez' Punkte gar nicht erst gestiegen!? Und wieso lebte die eigentlich noch!?
      „Deinem dummen Gesichtsausdruck nach zu urteilen hast du nicht begriffen, dass Sphreez Kampfschaden, den ich erleiden würde, auf dich zurückwirft.“ Henry lächelte tückisch. „Das gilt für jeden Gusto, solange sie hier ist. Und das wird sie wohl sehr lange sein, denn sie kann nicht durch Kämpfe zerstört werden. Willst du noch eine Kostprobe? Los, Gulldos, greife Heavy T an! Twin Cyclone!“
      Der immer noch benommene Riesenvogel stieg in die Luft auf, wobei seine Reiterin beinahe hinab fiel, und löste von seinen Schwingen zwei Wirbelstürme, die ebenfalls in Heavy Ts Richtung davon fegten. Da Angel Wing noch vor jenem verharrte, antwortete er auf Anyas Befehl hin mit seinem Feuerstrahl. „Dummkopf, das kostet dich nur dein Monster!“
      Gleichzeitig schwang Sphreez ihren Zauberstab und ließ ein unheimliches Funkeln um die Wirbelstürme erscheinen, die an [Angel Wing Dragon] vorbei sausten und Anya erfassten. Dabei setzte ihr Drache den Angriff dennoch fort und traf Gulldos in der Brust, woraufhin dieser samt Reiterin explodierte.

      [Anya: 3300LP → 3200LP //// Henry: 200LP Melinda: 4000LP]

      Der brünette, junge Mann streckte die Arme aus. „Wie du siehst, wirst du jetzt jedes Mal Schaden kassieren.“
      „Pah, für diese lausigen 100 Punkte hast du dein Monster verschleudert? Idiot!“
      „Fängt das jetzt an?“, murrte Henry und zeigte eine Zauberkarte vor. „Wenn ich mich recht entsinne, bin ich mit Duel Monsters wesentlich vertrauter als du. Demnach hatte das durchaus einen Grund! Ich aktiviere [Contact With Gusto]!“
      Seine Sphreez hob ihren Zauberstab mit beiden Händen in die Luft. Um ihn begannen Blitze zu schlagen, als Henry Gulldo und Gulldos zurück ins Deck beziehungsweise Extradeck mischte. „Da ich zwei Gustos auf meinem Friedhof brauche, um diese Karte zu aktivieren, musste ich vorher etwas nachhelfen! Mit dieser Karte werde ich Angel Wing nun sofort zerstören!“
      Damit schleuderte Sphreez den Blitz auf den Drachen.
      „Das kannste sowas von vergessen, der bleibt! Schnellzauberkarte [Forbidden Dress] aktivieren!“ Mit einem Knopfdruck löste Anya die Karte aus, die vor ihr aufsprang. „Sie reduziert Angel Wings Angriffskraft für diesen Zug um 600, macht ihn aber immun gegen zielende Karteneffekte!“
      Angel Wing machte große Augen, als zumindest der Teil vor seinem Ring plötzlich in einem nicht passenden, weißen Kleid steckte. Aber das Ganze hatte auch etwas Gutes, denn es absorbierte den elektrischen Angriff Sphreez'.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 → 2100 DEF/2000 (8)]

      „Hmpf, hartnäckig warst du ja schon immer“, gestand Henry seiner Gegnerin zu und schob seine vorletzte Karte in sein D-Pad. „Ich setze die hier und gebe an Melinda ab.“
      Seine Falle tauchte vor den Füßen ihres Besitzers auf.
      Anya, die ihrerseits nun nichts mehr in der Backrow hatte, erwiderte barsch: „Damit bekommt Angel Wing seine Punkte wieder zurück!“
      Und das Kleid verschwand auch, ganz zur Erleichterung seines Trägers.

      Angel Wing Dragon [ATK/2100 → 2700 DEF/2000 (8)]

      Die hübsche Schwester des jungen Unternehmers zog schwungvoll auf und zeigte ihr schönstes Strahlen. „So Anya, bist du bereit für die neue Pendelbeschwörung?“
      „Wenn's sein muss“, zischte die gallig zurück, „kann ja kaum schlimmer sein als das, was Schnöselkind vorhin gezeigt hat!“
      „Da täusche dich mal nicht.“ Melinda drehte das Monster auf ihrem D-Pad in die Vertikale. „Erst wechsle ich allerdings [Performapal Sword Fish] in den Angriff!“
      Ihre Karte wirbelte um die eigene Achse und ließ einen blauen, langen Fisch hervorspringen, welcher nicht nur mit Sonnenbrille und Fliege daher kam, sondern auch eine Klinge als Kammflosse besaß, die sogar über seinen Kopf hinausragte.

      Performapal Sword Fish [ATK/600 DEF/600 (2)]

      „Jetzt geht’s los! Ich aktiviere meine beiden Pendelmonster als Zauber! [Performapal Turn Toad] mit dem Pendelbereich 3 und [Performapal Silver Claw] mit dem Pendelbereich 5! Pendulum Scale Set!“
      Links neben ihr tauchte ein kleiner, grüner Frosch in blauem Frack mit Zylinder auf dem Kopf und zu ihrer Rechten ein silbergrauer Wolf auf, der ebenso wie die Amphibie eine rote Fliege mit gelben Punkten um den Hals trug. Unter beiden brachen hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden, die sie in die Höhe hievten. Dabei flackerte unterhalb des Frosches eine verzerrte Drei auf, bei seinem vierbeinigen Begleiter eine Fünf.
      „Wunderschön“, hauchte eine Zuschauerin, als sich passend dazu der Ballsaal verdunkelte. Auch andere Gäste bestaunten die bisher unbekannte Beschwörungsweise.

      <3> Melindas Pendelbereich <5>

      „Und jetzt kann ich so viele Monster von meiner Hand beschwören, deren Stufe im Pendelbereich liegt, ohne dabei einen der Grenzwerte zu berühren!“ Melinda streckte die flache Hand in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Erscheint, meine beiden Stufe 4-Monster! [Performapal Skeeter Skimmer] und [Performapal Whip Snake]!“
      Hoch oben, unter der Glaskuppel des Ballsaals zwischen den beiden Pendelmonstern, öffnete sich ein dunkles Loch, das von dutzenden Energieschleifen umgeben war, sodass es wie die Mitte eines Sterns anmutete. Im Hintergrund schwang ein riesiges Pendel aus Kristall. Aus dem Loch zwischen den beiden Monstern schossen zwei rote Blitze und schlugen direkt vor Melinda ein.
      Wenig überzeugt von dieser Vorstellung fasste Anya sich an die Stirn.. „'kay? Das ist alles?“
      Vor ihrer Gegnerin verharrten eine geflügelter Wasserläufer von der Größe eines Tretboots und eine violette Kobra, die einen Zylinder und mitsamt Fliege trug.

      Performapal Sword Fish [ATK/600 → 900 DEF/600 (2)]
      Performapal Skeeter Skimmer [ATK/500 → 800 DEF/1600 (4)]
      Performapal Whip Snake [ATK/1700 → 2000 DEF/1000 (4)]

      „Du wirst überrascht sein“, kicherte Melinda geheimnisvoll und zwinkerte ihrer Gegnerin zu, „auf dich wartet eine Menge Spaß.“
      „Das wage ich zu bezweifeln!“
      Anya schnaubte. Wenn sie mit Pippi Langstrumpf dort drüben fertig war, würde die AFC es sich zweimal überlegen, ob sie diese Dinger veröffentlichen wollten oder nicht!


      Turn 56 – Godslayer
      Während Anya um ihre Teilnahme am Legacy Cup kämpft, sieht sich andererorts ihre Feindin Kali einer ganz anderen Herausforderung ausgesetzt. Angegriffen von einem völlig unbekannten Wesen, versucht sie standzuhalten, doch …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Labradorite Dragon
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Obsidian
      Gem-Turtle

      Gem-Knight Fusion
      Forbidden Chalice
      Forbidden Dress
      Silent Doom

      Gem-Knight Topaz

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. Wenn diese Karte ein Monster als Ziel eines Angriffs wählt: du kannst die Position des Ziels wechseln. Nach der Schadensberechnung, wenn diese Karte angegriffen hat: wechsle ihre Position. Jederzeit während den Zügen beider Spieler: biete ein Monster als Tribut an; wechsle die Position dieser Karte. Wenn du das tust: diese Karte bleibt von den Effekten von Monsterkarte bis zur End Phase unberührt und dein Gegner zieht eine Karte.

      Henry

      Gusto Gulldo
      Kamui, Hope Of Gusto
      Winda, Priestess Of Gusto
      Pilica, Descendant Of Gusto

      Contact With Gusto
      Double Summon

      Daigusto Gulldos
      Daigusto Sphreez

      Melinda

      Performapal Sword Fish
      Performapal Whip Snake
      Performapal Skeeter Skimmer
      Performapal Turn Toad
      Performapal Silver Claw

      Hippo Carnival
      So. Jetzt habe ich es auch endlich geschafft, mich nicht weiter davor zu drücken (XD)(Ich muss sagen, es ist echt schwer, was bei dir zu finden, über das man reden möchte. Es ist einfach zu stimmig/selbsterklärend und schreckt regelrecht davor ab, Kommentare hier zurückzulassen)

      aktuellstes Kapitel

      Wie immer ein recht stabiles Kapitel.

      Ganz besonders sollte natürlich aufgefallen sein, das Anya sich endlich mal ihrer Weiblichkeit treu verhält und sich auch mal aufhübscht. Was natürlich sehr gut dazu passt, das sie sich inzwischen doch stark verändert(regelrecht „erwachsen wird“). Gerade das sie sich inzwischen sogar Gedanken darüber macht, ob es nicht besser wäre alles im geheimen zu erledigen, kommt recht interessant.

      Das sich Levrier inzwischen mitverändert sollte zwar auch schon aufgefallen sein, doch war gerade dies recht überraschend gekommen. Ich weiß zwar nicht mehr, wie lange sich Levrier nun etwas Spitzer in der Zunge verhält, doch kam dies irgendwann recht abrupt. Doch von seiner Spitzzüngigkeit übertrifft er schon langsam Anya. Es wirkt sogar so, als würde Levrier die Spitzzüngigkeit von Anya wie ein Schwamm aufsaugen...

      Lustig fand ich hingegen einige Sachen, die du in das Kapitel eingebaut hattest:
      1. An der Stelle, wo Anya über all das mit dem Narthex und den Undying nachdachte, erwähntest du, da ja sämtliche Medien darüber berichteten, würden diese Kreaturen davon erfahren. Da musste ich mir das Bild erstmal vorstellen: Der „Mumien-Undying“ sitzt vorm Fernseher und schaut sich die Duelle wie andere Menschen ein Fußballspiel beobachten. Am besten noch in Fantrikot und am Fahne-Schwingen :D
      2. Auch kam es ganz lustig. Anfangs wehren sich Zanthe und Matt als würde es um ihr Leben gehen, und anschließend werden sie einfach ohne groß nachzudenken dazu überredet, mitzukommen. Hat wohl nicht geklappt, sich gegen die Pläne einer Anya Bauer hinwegzusetzen. Und dafür brauchte sie nichtmal Gewalt androhen XD.
      3. Diesen Satz muss ich einfach mal zitieren: „Was wir euch heute vorstellen, ist für die Öffentlichkeit erst kurz vor dem Start des Turniers gedacht, wenn das nächste Erweiterungsset von Duel Monsters erscheint. Was in genau drei Tagen der Fall ist. Henry wird euch dazu mehr sagen.“ Ich musste dann erstmal daran denken: also drei Tage vor der Veröffentlichung ist der Kerninhalt noch nicht bekannt O.o Da würde die halbe reale Spielerschaft wohl einen Herzinfarkt bekommen.(wenn man mal bedenkt, das selbst ½ jahre vor dem Release für viele schon zu lange ist)

      Interessant ist auch, das du angibst, das D-Pads mit dem erscheinen der Pendelmonster diese nicht mehr funktionieren. Denn gerade wenn man von D-Pads redet(also wo nur der Handgelenk-Bereich noch mechanisch ist und der Rest eine feste Hologramm-Basis darstellt), hätte ich erwartet, das einfach nur ein „Software-Update“ gereicht hätte. Aber dies ist ja auch eine Form von Lösung. Schließlich kann man so ja auch nochmal doppelt Geld verdienen XD.

      Auch hast du ja jetzt die Änderungen in den Spielregeln erläutert. Somit kann man von ausgehen, das du die dann wohl in nächster Zeit auch endlich anwendest. Ist natürlich nur die Frage, ob dass dann auch für die Kämpfe gegen die Undying gilt. Schließlich werden die sich bestimmt keine neuen D-Pads kaufen(Das Kopfkino geht schon wieder an: „Mumien-Undying“ geht in den städtischen Kartenladen und sucht sich dort ein neues D-Pad aus, als wäre er eine Frau, die Klamotten einkaufen würde XD Erstmal in die Umkleidekabine und D-Pads-Probetragen XXD)

      Zum Duell brauch ich nicht viele Worte verlieren. Wie immer solide und nachvollziehbar. Das Melinda nun aber auf Perfomapal zugreift, hätte ich nicht erwartet. Zwar hatten wir ihr echtes Deck noch nicht gesehen gehabt(war ja vorher das Deck des Immatriellen), doch hätte ich mit allem gerechnet, nur nicht mit Perfomapal. Hoffen wir mal, das nicht die Stimmung des Decks auf den Nutzer abfärbt(ich kann diese dauernde Yuya-Happiness nicht leiden).

      Abschließend muss ich einfach sagen, das mich ein Satz von Henry immer weiter auf das zukünftige gespannt macht: „Außerdem wird uns bald ein weiterer, spannender Umschwung in der TCG-Szene erwarten“. Ich muss sagen, dies macht mich echt neugierig, obwohl du auch schon vorher immer mal ein paar Andeutungen gebracht hast. Gibt es bald ein alternatives Spiel in dem sich gemessen wird(sprich ein anderes „Du-musst-die-Welt-damit-retten-spiel“)? Oder ist es am Ende nur eine Finte? Ich freue mich schon jetzt, wenn endlich mehr davon kommt. Wobei ich irgendwie das Gefühl habe, dass dies eher ein Anknüpfungspunkt für eine dritte Season darstellt.


      Schön das es nach der langen Pause und den hackerbedingten Ausfällen des Forums wieder bei dir weitergeht. Und die Folge wirft einen auch gleich in die nächste Arc wie mir es scheint, dessen Fokus auf dem anstehenden Turnier liegt.

      @Folge
      Das gesagt, war die Folge wieder ein absolutes Highlight was das Amusement anging. Da gab es Szenen über die man einfach Schmunzeln musste bis hin zu denen, wo man durchaus herzhaft drüber lachen konnte. Sei es jetzt Anyas Klamottensuche gewesen oder die Szenen auf der Feier (so wie Anya versucht sich vor dem aufmerksamen Zanthe davonzustehlen xD)

      Weil ich den gerade erwähne, wahrscheinlich hätte Anya besser daran getan, ihn geknebelt im Hotelzimmer zurückzulassen als Levriers Karte, der stattdessen die Quittung für sein vorlautes Mundwerk erhalten hat und nicht mit auf die Party durfte. Wobei ich das an Anyas Stelle recht mutig fand. Immerhin hat man ihr schon zweimal Dinge (Isfanels Deck und ihre Battle City Disk) aus ihrem Zimmer (lies: unter ihrer Nase weg) geklaut, da würde ich meine wichtigste Karte nicht einfach so zurücklassen und lieber permanent am Leib tragen. Aber ob Anya soweit denkt?

      Angeteased wurde in der Folge auch Anyas nächstes Ziel, Claire Rosenburg, und ihres Namens nicht nur der Champion, sondern auch der nächste Hüter. Bin da schon gespannt, wenn sie einen weiteren Auftritt mit einem Duell haben wird. Immerhin ist sie die Weltmeisterin, da kann man schon von einer gewissen Stärke und Klasse ausgehen.
      Gefallen aber hat mir an ihrem "kurzen" Auftritt schon einmal, dass man deutlich den Unterschied zwischen ihr und Anya gespürt hat, so wie sie nicht nur im übertragenen Sinne auf einer erhöhten Position stand und unsere Protagonistin zu ihr hochschauen musste.
      Als aber die Hüterkarten in dem anschließenden Duell so schnell gerufen wurden, hätte ich stark damit gerechnet, dass man bei Claire eine Reaktion sehen würde. Aber kann natürlich auch sein dass man die nur nicht geschildert bekommen hat, oder vielleicht das Fehlen einer Reaktion für sich auch eine Reaktion war.
      So oder so aber wirkt die Frau für mich momentan wie ein Granitklotz, der keine Miene verzieht - was gewissermaßen auch etwas Profihaftes an sich sein könnte.

      Nochmal aber zurück zum Duell. Den Anlass dafür fand ich sehr gut gewählt. Ich mein, es gab sicherlich nicht viele Möglichkeiten zu begründen, warum man da auf der Party ein Duell vom Zaun brechen sollte. Aber mit Henry in der Rolle desjenigen, der sie rausschmeißen will, und Melinda in einer Vermittlerrolle, hatten sie ein perfektes Setting und konnten sogar mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem Melinda die just vorgestellten Pendelmonster verwendete. Und wenn Anya gewinnt, ist sie ganz 'offiziell' dabei.
      Anyas erster Angriff war beeindruckend offensiv und erlaubte es ihr, Henry ziemlich weit runterzubringen. Jedoch braucht Gusto ja einen Moment, um in Fahrt zu kommen und mit Sphreez hat Henry nun auch eine Verteidigungslinie, die Anyas offensivem Spiel komplett entgegensteht. Melinda hingegen finde ich schwer einzuschätzen, da man noch nicht so viel von gesehen hat. Kann mir aber vorstellen, dass in so einem FF Duell das Pal-Deck einen durchaus völlig unerwartet erwischen und auch an sich recht explosiv sein kann. Zudem hat sie ja als einzige den Vorteil, zerstörte Pendelmonster aus dem Extra-Deck zurückzuhoien. Wird man wirklich sehen müssen, wie Anya sich gegen beide gleichzeitig behaupten wird.

      Ein anderes Highlight war natürlich der Auftritt von Val (ich kann halt nicht anders :P ), der der weniger (aus Anyas Sicht) glamorös gekleideten Duel (Ice) Queen locker die Show stehlen konnte. Man hat zwar nur Ausschnitte aus den Anya/Val Szenen mitverfolgen können, aber die waren schon wieder sehr schön. Gut fand ich auch, dass sie und Marc an Anyas Stelle beabsichtigten, in dem Cup teilzunehmen, um an Claire heranzukommen. Daran merkt man wieder, dass sie ihre Differenzen überbrücken können, wenn es wirklich wichtig ist - und Anya spürt einmal mehr, dass sie mehr Verbündete hat als sie immer glaubt.

      Die nächste Folge verspricht auch interessant zu werden, da Kali nach langer Zeit wieder einen Auftritt bekommt. Finde es cool, auch mal Szenen aus Sicht eines anderen Charakters (lies: 'Antagonisten') mitzuverfolgen. Zudem ist man ja neugierig, was Kali derweil so treibt anstatt direkt die Konfrontation mit Anya und damit dem Ziel ihrer Rache zu suchen.
      In dem Sinne, auf zur nächsten Folge ^^

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