Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      So, ich danke mal wieder allen Lesern. :)

      @Evil Bakura
      Gemischtes Feedback deshalb, weil der Sprung zwischen Kampf und Flashbacks nicht überall gut ankam. Aber ich bin froh, dass die Choreographie an sich gefallen hat. :D

      Anyas Fortschritte werden langsam sichtbar. Sie ist zwar noch kein Nick oder Levrier, aber sie lernt dazu, auch wenn sie noch einen weiten Weg vor sich hat. Jedenfalls bin ich froh, dass das Duell übersichtlich blieb.
      Hmm Zachs Verhältnis zu seinem Vater ist schwierig, aber mehr möchte ich erstmal nicht dazu sagen. Nicht weils jetzt direkt Spoiler sind, aber ich will erstmal sehen, wie ich das aufziehe und jetzt vorab etwas dazu zu sagen wäre da natürlich gefährlich.
      Kali und Zach sind als Partner gleichwertig, so viel kann ich schon mal sagen. Sie arbeiten für dieselben Ziele.

      Zu Exa hatte ich einer anderen Leserin schon was gesagt. Aber darauf komme ich im übernächsten Kommentar nochmal zurück. Musst mich nur dran erinnern. xD
      In dem Sinne, lasse ich jetzt erstmal die nächste Folge sprechen. xD


      Und die nächste Folge ist da! Viel Spaß!

      Turn 62 – Determination
      Ungefähr drei Stunden vor dem ersten Viertelfinalspiel des Legacy Cups …

      Anyas, Zanthes und Matts Hotelzimmer war verlassen. Während Letzterer bereits am gestrigen Tage seine Reise angetreten hatte, um mehr über den nächsten Hüter in Erfahrung zu bringen, befanden sich die anderen auf dem Weg zum Frühstücksbuffet.
      Mittlerweile hatte das ein wenig trist erscheinende Zimmer mit den drei nebeneinander stehenden Betten eine gewisse Note von Anya angenommen, was nicht zuletzt daran lag, dass deren Klamotten überall verteilt lagen. Eine ihrer durchlöcherten Jeans lag mitten auf dem runden Tisch in der Ecke, ein gefühltes Dutzend schwarzer T-Shirts dekorierte wahlweise den Boden, Anyas Bett und sogar die Klinke zum Badezimmer.

      Könnte ihre Kleidung sprechen, würde sie einen konzentrierten, spitzen Schrei der Warnung ausstoßen. Aber es waren eben nur T-Shirts und Jeans, die nie verraten würden, dass sich mitten im Hotelzimmer ein schwarzes, ovales Portal öffnete. Seine reflektierende Oberfläche spiegelte die Unordnung wieder, bis zwei Personen daraus hervor traten.
      Die erste war gehüllt in eine schwarze Kutte und verbarg ihr Gesicht hinter einer weißen Porzellanmaske. Bei der anderen hingegen handelte es sich um niemand Geringeren als Anyas Bruder Zachariah.
      Nachdem beide das Portal verlassen hatten, schloss sich jenes und Zach sah sich neugierig und mit leicht angewidertem Gesichtsausdruck um. Seine wesentlich kleinere Begleiterin Kali fragte mit gedämpfter Stimme: „Hier sind wir. Mach was du willst, aber beeile dich.“
      „Nicht so kratzbürstig“, murmelte Anyas älterer Bruder im blauen, karierten Hemd unter schwarzem Sakko und fixierte seinen Blick auf deren Nachttisch. „Da ist es.“
      Besser gesagt galt dem D-Pad, welches dort lag, sein Augenmerk. Gemütlich schlenderte er herüber zum letzten Bett der Reihe, welches sich am weitesten von der Tür entfernt befand, und nahm den Apparat in seine Hand.
      Kali derweil war an das Panoramafenster herangetreten. „Verrätst du mir, was du vorhast?“
      „Gib' mir ein paar Minuten“, erwiderte er und nahm das Gerät mit sich zum kreisrunden Tisch neben dem Fenster, wo er zuerst Anyas Jeans vom Stuhl nahm und wegwarf, ehe er sich setzte.
      Er zog aus der Brusttasche seines Hemds einen Schraubenzieher heraus und löste nach und nach eine Abdeckung unterhalb des roten D-Pads, bis er dessen Inneres vor sich offenbarte.
      „Ich will nur kurz dieses kleine Baby hier verstecken“, sagte er und holte noch etwas aus der Tasche. Es handelte sich um ein rechteckiges, schwarzes Stück Plastik, nur unwesentlich größer als eine Batterie. „Das dauert einen Moment.“

      Während er ein paar Drähte innerhalb des D-Pads löste und mit seinem Mitbringsel verband, warf Kali ihm aus ihrer starren Maske einen Seitenblick zu. „Das ist eine Bombe.“
      „Was dagegen?“, fragte Zachariah abwesend, ohne dabei aufzusehen.
      „Ich weiß nicht …“
      „Mach dir nicht ins Hemd. Das ist nur Plan C, falls die anderen beiden scheitern.“
      Kali gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Unser Ziel ist es lediglich, ihre Teilnahme am Legacy Cup zu beenden. Wir müssen verhindern, dass sie an Claire Rosenburg herankommt. Möglichst ohne Blutvergießen.“
      Nun sah Zach doch auf, mit ernstem Gesichtsausdruck. „Denkst du, mir fällt das leicht? Aber hast du jemals darüber nachgedacht, dass selbst wenn wir sie von Claire fernhalten, ihr Blut dennoch an unseren Händen kleben wird?“
      „Ich denke jeden Tag daran.“ Die Maskierte legte ihre Hand gegen das Fenster. Genau vor ihr flimmerte die Werbung der amtierenden Duel Monsters-Weltmeisterin über den Bildschirm des Wolkenkratzers, welcher gegenüber dem Hotel stand. „Aber sie soll nicht unwissend sterben. Das ist alles.“
      „Ist es das wirklich?“, fragte Anyas Bruder skeptisch. Dann schnalzte er mit der Zunge. „Aber es ist in Ordnung. Dass du zweifelst, meine ich. Sieh es doch mal so: Wir verbinden deinen Rachefeldzug gleichzeitig mit einer guten Tat.“
      Kali stieß sich vom Fenster ab und wandte sich Zachariah zu, der gerade damit beschäftigt war, das Gehäuse wieder zuzuschrauben. „Wie soll Plan C überhaupt funktionieren?“
      „Hiermit“, antwortete er und zückte eine Karte aus seiner Brusttasche. Es war eine Falle namens [Avalon]. „Sie ist der Zünder, den ich jederzeit bei Bedarf ziehen kann. Wenn ich [Avalon] aktiviere macht es 'Boom'!“
      Als Kali jedoch nichts erwiderte und nur die Karte anstarrte, verzog der Blonde eine säuerliche Miene. „Jetzt bleib mal locker. So weit wird es gar nicht kommen.“
      „Unterschätze sie nicht, nur weil du sie zu kennen glaubst“, mahnte Kali ihn streng.
      „Ich weiß, sie hat Levrier. Aber auch um den werde ich mich kümmern.“

      Nachdem die Duel Disk wieder in ihren vermeintlichen Ausgangszustand zurückgebracht war, erhob sich Zach und schritt auf Anyas Nachttisch zu. „Keine Sorge. Die Bombe brauchen wir nicht, denn ich werde sie so oder so vom Platz fegen.“
      Den Apparat wieder zurücklegend, zwinkerte er seiner Partnerin verschwörerisch zu. „Vertrau mir, du bekommst deine Rache. Oder willst du plötzlich nicht mehr?“
      „Es gibt nichts, was ich mehr will, als sie zu vernichten“, verkündete Kali düster, „aber auf meine Weise. Überleg' dir gut, ob du Plan C durchziehen willst.“
      Nicht weniger ernst erwiderte er: „Vergiss nicht, dass ich auch ein Wörtchen in der Sache mitzureden habe.“
      „Du hättest schon einmal beinahe alles durch dein überstürztes Handeln verdorben“, warnte sie ihn nichtsdestotrotz und streckte den Arm aus. Ein schwarzes Portal öffnete sich neben ihr. „Du solltest sie nur ablenken, aber stattdessen wärst du ihr beinahe ans Leder gegangen.“
      Der Blonde schlürfte lässig auf sie zu und winkte dabei ab. „Aber, aber, wer ist denn da nachtragend? Ist doch alles bestens.“
      „Und so soll es auch bleiben. Bis ich anders entscheide.“
      Daraufhin zwinkerte ihr Zachariah nur zu, ehe er das Portal betrat. Kali warf einen letzten Blick zurück in das unaufgeräumte Hotelzimmer, ehe sie ebenfalls in die Dunkelheit eintauchte und verschwand.

      ~-~-~

      Erstauntes Raunen ging durch die Ränge der Zuschauertribünen. Einige sprangen von ihren Sitzen auf, um besser das Mädchen sehen zu können, das vorne über auf dem Boden lag. Mit einem Schlag wurde es ganz still in der kreisrunden Arena.
      Anya sah mit zornesrotem Gesicht auf. „Du-!“
      Direkt vor ihr verharrte [Gem-Knight Pearl], der weiße Ritter, um den sieben kohlkopfgroße Perlen schwebten. Neben ihm zur Rechten der geflügelte Smaragdkrieger [Daigusto Emeral], zur Linken dagegen der kleine, rothaarige Boxer mit der Gasmaske auf, [Battlin' Boxer Rabbit Puncher].

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 0]
      Daigusto Emeral [ATK/1800 DEF/800 {4} OLU: 0]
      Battlin' Boxer Rabbit Puncher [ATK/800 DEF/1000 (3)]

      Es erschien Anya, als gäbe es keine Faser ihres Körpers, die nicht schmerzte. Durch den gescheiterten Angriff Rabbit Punchers auf Zachs in blau strahlender Rüstung steckenden König Artus hatte sie fast all ihre Lebenspunkte eingebüßt.

      Sacred Noble Knight Of King Artorigus [ATK/2700 DEF/2200 {5} OLU: 0]

      Dazu war sie noch von [Noble Arms – Excaliburn II] getroffen worden, dem riesigen, goldenen Schwert in des Königs rechter Hand, durch welches rote und blaue Energielinien über Kreuz verliefen. Auch wenn der fixe Schaden der Klinge ihr gleichzeitig den Hintern gerettet hatte, waren die dadurch verursachten, unerklärlichen Schmerzen vermutlich mehr als Kompensation genug aus der Sicht ihres Bruders.

      [Anya: 100LP / Zachariah: 1200LP]

      Anya biss die Zähne zusammen.
      Und doch! All ihre Attacken hatten versagt. Rabbit Puncher war an dieser Nervensäge von Königin, Gwenirgendwas gescheitert, Pearl dagegen an [Noble Arms Of Destiny], dem leuchtenden Schild an Artus' linken Arm.
      „Was ist mit ihr!?“, schrie der Kommentator Mr. C von seiner Lounge aus besorgt ins Mikrofon. „Sanitäter, schnell!“
      Unter einem leisen Keuchen stützte Anya sich vom Boden ab. Alles, bloß das nicht. Wackelig auf die Beine kommend, winkte sie ab. „Schon gut, bin nur ausgerutscht. Alles okay!“
      Eine schlechte Ausflucht, aber besser als gar keine. Wenn die Zuschauer erfuhren, mit was für Bandagen hier gekämpft wurden, wer wusste schon, was dann geschah und welche Konsequenzen es nach sich zog. Anya wollte sich das gar nicht ausmalen.
      Mit zusammengekniffenen Augen hielt sie sich den Magen. Er schmerzte besonders und Anya vermutete, dass dies nicht nur an ihrem Bruder, sondern auch ihrer eigenen Kondition lag. Jedoch bereitete ihr das weniger Sorgen als Levrier … Wie es ihm wohl ging? Hoffentlich war er okay und nur bewusstlos, oder was auch immer Immaterielle waren, wenn sie ausnahmsweise mal nicht ihre große Klappe aufreißen konnten.
      „Für dich ist hier Endstation“, sagte Zachariah und machte mit seiner Hand eine Bewegung, als wolle er sie an sich vorbei durchwinken, „mach jetzt bitte Platz für die nächsten Duellanten, ja?“
      „Nope …“
      „Pardon?“
      Anya setzte schlagartig ihr durchtriebenstes Grinsen auf. „Ich sagte nein! Schon vergessen? Du bist genau da, wo ich dich die ganze Zeit haben wollte!“
      „Was soll das jetzt heißen!? Jeder deiner Angriffe ist erbärmlich gescheitert!“
      „Jeder? Wenn ich richtig sehe, habe ich noch ein Monster, mit dem ich angreifen kann“, erwiderte Anya altklug und beäugte dabei die Karte auf ihrem roten D-Pad, die sie von Henry erhalten hatte, „also sollten du und dein Artorigus sich schon mal frisch machen! Volle Fahrt voraus, [Daigusto Emeral]! Emerald Storm!“
      Ihr Ritter des Emeralds mit den blassgrünen Flügeln der Gusto stieg in die Luft auf. Dabei streckte er seine Arme nach vorne und schoss die beiden kreissägenhaften Schilde an ihnen in breitem Bogen auf den brünetten König Artus ab.
      „Du bist doch vollkommen durchgeknallt!“, schimpfte Zach auf einmal gar nicht mehr ruhig und unbesorgt.
      „Genau! Deswegen funktioniert diese Karte auch so gut mit mir!“ Anya drehte mit süffisantem Grinsen einen Schnellzauber zwischen ihren Fingern um. „Kennst du die schon? [Ego Boost]! Sieh hin, was passiert. Und sieh gut hin!“
      Während sie die Karte noch in ihren Apparat einlegte, schwoll die Brust Emerals vor Stolz geradezu an. Aus beiden Richtungen flogen die sich rapide drehenden Waffen auf Artus zu.

      Daigusto Emeral [ATK/1800 → 2800 DEF/800 {4} OLU: 0]

      Und trafen ihn mitten in die Brust. Mit weit offen stehenden Augen beobachtete Zachariah, wie sein Monster in einer gewaltigen Explosion niederging.
      „Booyah!“, jubelte Anya inmitten eines aufgeregten Publikums. „Endlich ist die Ära der Tafelrunde zu Ende, Mistkerl! Also auch keine Schwerter mehr!“
      Der Rauch lichtete sich und alles, was ihrem Bruder noch geblieben war, war seine verdeckte Karte. Mit offenem Mund stand er da, brachte keinen Ton heraus.
      „Schade, dass der [Ego Boost] nur einen Zug anhält, aber das reicht schon“, sinnierte Anya und nahm ihre letzte Handkarte, welche sie ebenfalls in das D-Pad schob, „Zug beendet.“
      Sogleich nahm ihr Krieger wieder eine normale Körperhaltung an. Die Falle materialisierte sich vor Anya, die sich wieder den Bauch zu halten begann. „Ugh!“

      Daigusto Emeral [ATK/2800 → 1800 DEF/800 {4} OLU: 0]

      „Du bist“, murmelte Zach und sein Gesicht wurde plötzlich zu einer zornigen Fratze, „die größte Plage, die man sich überhaupt vorstellen kann. Lerne endlich, wo du hingehörst! Auf die Knie! Draw!“
      Mit von ihm ungewohnten Elan zog er eine Karte. „Du hast eins nicht beachtet, wertes 'Schwesterherz'! Ich brauche dich nur noch anzuhauchen, damit du-!“
      Plötzlich stiegen von seiner Duel Disk gleißende Blitze grünlicher Färbung auf, die um sich schlugen und den Blonden taxierten. Der schrie schmerzerfüllt auf.

      [Anya: 100LP / Zachariah: 1200LP → 200LP]

      Anya begriff die Welt nicht mehr. Sie hatte nichts gemacht!

      Werd' das Schwert los, mit dem er mich besiegt hat. Dadurch kannst du es drehen.


      Sich an Kakyos Worte erinnernd, benutzte sie erstmals den Bildschirm ihres D-Pads oberhalb der Kartenzonen und durchforstete Zachariahs Friedhof. An den Tipp des jungen Mannes hatte sie gar nicht mehr gedacht! Und tatsächlich: Dieser Stromschlag eben war [Noble Arms – Excaliburn II] zuzuschreiben, das sich jede Runde dafür rächte, auf dem Friedhof zu liegen!
      Das Mädchen blickte auf. Dampfend stand ihr Bruder dort drüben, in gebeugter Haltung, doch er sah zu ihr herüber.
      „Nochmal überstehst du das nicht!“, rief Anya ihm zu.
      „Danke für die Warnung, aber sie ist unnötig“, erwiderte er leise, „denn dazu kommt es nicht mehr. Ich beschwöre ein Monster! [Noble Knight Peredur]!“
      Im selben Moment, in dem er dessen Karte auf die mittlere Monsterkartenzone legte, tauchte vor ihm ein wunderschöner Rappe auf, dessen glänzendes Fell nur von der blonden Haarpracht seines Reiters übertrumpft wurde. Der edle Ritter Percival führte sein Pferd erhobenen Hauptes einmal auf der Stelle im Kreis und bezog vor seinem Herrn Stellung.

      Noble Knight Peredur [ATK/1900 DEF/300 (4)]

      Zach streckte den Arm aus. „Und ich rüste ihn mit [Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms] vom Friedhof aus, was ihn sowohl stärker macht, als auch durch seinen eigenen Effekt eine Stufe steigen lässt!“
      Missmutig beobachtete Anya, wie sich die brünette, kindliche Königin auf dem Sattel des Rappen an dessen Reiter schmiegte und verschwand.

      Noble Knight Peredur [ATK/1900 → 2200 DEF/300 (4 → 5)]

      „Willst wohl ganz sicher gehen, huh?“, fragte Anya grimmig. Die dämliche Pute konnte sich selbst opfern, um Lichtritter wie Percival vor dem Tod durch Karteneffekte zu bewahren.
      Zach starrte seine Schwester unentwegt finster an. „Ist auch in deinem Interesse, glaub mir.“
      Damit streckte er die Hand nach vorne aus. Geradezu flehend murmelte er vor sich hin: „Bitte … es muss irgendwann Schluss sein!“ Um dann lautstark fortzufahren. „Angriff auf [Battlin' Boxer Rabbit Puncher]! Lösche ihre restlichen Lebenspunkte aus, [Noble Knight Peredur]!“
      Der Ritter nickte und straffte die Zügel. Sein Rappe setzte sich in Bewegung, sodass der Blonde mit einer Hand losließ, um sein Schwert zu ziehen. Im wilden Galopp näherte er sich dem kleinwüchsigen Boxer.
      „Du-kapierst-es-nicht!“ Anya schwang den Arm über ihrer gesetzten Karte aus. „Du bist längst in meiner Falle! Und hier kommst du nicht mehr raus! [Soul Strike]!“
      Die Karte sprang auf und plötzlich begann ihr Boxer in flammend-roter Aura aufzuleuchten. Zach zuckte zusammen.
      „Denkst du, ich habe nicht mit so etwas gerechnet, Blödmann?“, raunte Anya. „Alles, was ich habe, geht in diesen letzten Gegenangriff! So auch die Hälfte meiner Lebenspunkte!“
      Ebenso wie um ihr Monster entstand auch um Anya besagte Aura, die wie ein Herzschlag regelmäßig pulsierte.

      [Anya: 100LP → 50LP / Zachariah: 200LP]

      „Diese Falle macht [Battlin' Boxer Rabbit Puncher] stärker, genau genommen um die Differenz zwischen meinen derzeitigen Lebenspunkten und 4000!“
      „Das gibt’s nicht!“ Der Kommentator war völlig aus dem Häuschen, als die Angriffspunkteanzeige des schwächlich anmutenden Boxers förmlich zu explodieren schien.

      Battlin' Boxer Rabbit Puncher [ATK/800 → 4750 DEF/1000 (3)]

      „Wirst du denn nie damit aufhören!?“, ereiferte sich Zachariah, der den Ritt seines Kriegers nicht mehr aufhalten konnte. Er riss die Karte der edlen Königin aus seinem D-Pad. „Effekt von [Gwenhwyfar, Queen Of Noble Arms]!“
      Mit einem Male leuchteten Percivals Augen rot auf.
      „Ich kann sie zerstören, um das Monster zu vernichten, mit dem ihr Liebster kämpft!“
      Anya klappte die Kinnlade hinunter. „Aber das geht nur bei Finsternis-Rittern!?“
      „Und genau das ist [Noble Knight Peredur], solange er mit einer Noble Arms-Karte ausgerüstet ist, wozu auch die Königin selbst zählt!“
      Im Licht der Scheinwerfer funkelte das Schwert, als Percival damit vor dem Boxer angekommen ausholte. Jener hob die Faust zum Gegenschlag.

      Noble Knight Peredur [ATK/2200 → 1900 DEF/300 (5 → 4)]

      Ein ekelhaftes Surren durchdrang die plötzliche Stille. Anya sah nur noch die Gasmaske ihres Rabbit Punchers fliegen, an der noch dessen Kopf haftete. Eine tiefe, zornige Falte bildete sich auf ihrer Stirn. „Wirklich, dass du selbst jetzt noch so etwas abziehst …“
      Zachariah stand aufrecht auf der anderen Spielfeldseite. Sein Gesicht war versteinert. Und Anya wusste genau warum. „Aber selbst wenn du dich wieder gerettet hast, Schaden konntest du mir nicht zufügen. Nächste Runde wird dich dein Schwert holen. Ich habe gewonnen!“
      Der Blonde neigte den Kopf nach unten. „Richtig. Es gibt nichts mehr, was ich noch tun kann, um das zu verhindern. Aber …“
      So wie er sprach, so völlig emotionslos, es bereitete Anya eine Gänsehaut. Irgendetwas stimmte da nicht.
      „... das heißt nicht, dass ich nicht noch etwas in der Hinterhand habe. Einen letzten Trumpf …“

      Gleichzeitig im spärlich beleuchteten Gang, der zum Duellfeld des Stadions führte …

      Aus einem Portal mitten im Gang erscheinend, rannte Kali dem Licht des Ausgangs entgegen, welches sie von den beiden Duellanten noch trennte. Viel Zeit blieb ihr nicht mehr, denn Zachariah würde das hier durchziehen, dessen war sie sich inzwischen sicher. Sie musste ihn aufhalten und eine Katastrophe verhindern!
      Nur noch wenige Schritte vom Ausgang entfernt, ertönte hinter ihr eine tiefe, weibliche Stimme, welche der Maskierten sofort Einhalt gebot.
      „Du solltest dich nicht einmischen.“
      Kali stöhnte ärgerlich. „Gardenia …“
      Sich umdrehend, konnte Kali gerade so im dunklen Gang die Silhouette einer Person sehen, die einen braunen Umhang trug. Die Halogenleuchte über ihr war defekt, die Frau daher in Schatten gehüllt. „Wenn er -diese- Karte aktiviert, wird er sie umbringen!“
      „So lautet der Plan.“
      „Nein!“, widersprach Kali zornig. „Der Plan lautet, sie aus dem Turnier zu schmeißen! Damit sie nicht an Claire herankommt!“
      Tadelnd bekam sie als Antwort: „Deine Naivität steht dir einmal mehr im Weg. Der Sammler wird einen anderen Weg finden, Anya zu ihrem Ziel zu führen. Zachariah weiß das.“
      „Und riskiert dafür für immer hinter Gitter zu kommen!“ Kali wirbelte herum. „Das werde ich nicht zulassen!“
      „Also willst du dein größtes Begehren hinten anstellen?“ Die Frage war so provokativ gestellt, dass Kali schnaubte. Gardenia fügte hinzu: „Gehst du jetzt durch dieses Tor, wird es sich womöglich für immer hinter dir schließen.“
      Die Maskierte sah dem Licht entgegen. „Das nehme ich in Kauf. Wenn dir das nicht passt, sorg' dafür, dass er ihr nicht mehr schaden kann. Ich werde mich um sie kümmern, aber zu -meinen- Bedingungen!“
      Jene, die Gardenia genannt wurde, hielt jedoch in derselben Schärfe wie schon zuvor dagegen und erwiderte: „Du bist unsicher. Hin und her gerissen zwischen deinem Gelüst nach Rache und deinem Gewissen. Zwei mögliche Wege. Wisse, dass keiner davon weder als gut, noch als böse bezeichnet werden kann.“
      Kali schwieg währenddessen und hörte aufmerksam zu.
      „Genauso wenig, wie Lebewesen in gut oder böse eingeteilt werden können. Es gibt nur verschiedene Betrachtungswinkel. Stellst du dich Zachariah in den Weg, würde es zweifelsohne jene geben, die dich dafür bewundern.“
      Draußen waren lautstarke, aufgewühlte Reaktionen vom Publikum zu vernehmen.
      „Andere hingegen werden dich für deine Entscheidung anklagen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, egal wie du dich entscheidest. Aber du weißt ebenso, was getan werden muss. Nicht wahr, Dämonengöttin Kali?“
      Jene gab nur trotzig wieder, als sie einen Schritt Richtung Ausgang trat: „Ich weiß, dass das nicht das ist, was ich mir vorgestellt habe!“
      „Ich habe dich nicht gelehrt, derart töricht zu handeln.“
      Plötzlich ertönte noch eine Stimme, quietschig, von Gardenias Schulter. Auf welcher eine etwa kopfgroße Gestalt mit leuchtend violetten Augen saß. „Keine Sorge, Oma-dono, ich passe schon auf sie auf!“
      Gardenia seufzte schwer. „Also gut. Ich hoffe, dass es nichts an deiner Entscheidung zu bereuen geben wird, Kali.“
      „Darauf kannst du Gift nehmen!“, hielt jene an ihrer Vorstellung fest. „Niemand hat das Recht, ihr das Leben zu nehmen. Niemand außer mir!“

      „Meine letzte Karte: [Avalon]!“
      Eine eisige Kälte durchfuhr Kali, als sie die Stimme Zachariahs aus der Arena vernahm.
      „Ich verbanne fünf Monster von meinem Friedhof, darunter mindestens eine Form von König Artus und Lancelot“, erklärte er den Effekt, „um im Gegenzug das gesamte Spielfeld zu vernichten. Um -dich- zu vernichten!“
      Orion, seines Zeichens ein Schattengeist, hielt sich die Stummelärmchen über den Kopf und kauerte sich zusammen. „Oh oh …“
      Wutentbrannt wirbelte Kali herum. „Gardenia!“
      „Es war sein Wunsch. Für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass du dich einzumischen versuchst, bat er mich darum, Zeit für ihn zu schinden.“ Die im Schatten stehende Gardenia drehte sich mit Orion auf der Schulter um. „Nichtsdestotrotz waren meine Worte aufrichtig gemeint, Kali. Es gibt kein Richtig oder Falsch.“
      Ein ohrenbetäubender Knall drang von der Arena zu ihnen.

      ~-~-~

      „Duell!“, riefen Exa und Kakyo unison.

      [Exa: 4000LP / Kakyo: 4000LP]

      Etwas am Rand des engen Duellfelds stand Zanthe und verschränkte angespannt die Arme. Um sein Gesicht flackerte ein blaues, zackiges Symbol, einem Schmetterling nicht unähnlich. Durch Exas Zauber konnte Kakyo ihn nicht sehen, solange er nicht unmittelbar vor ihm stand. Ohne diesen hätten sie Kakyo nicht unbemerkt in die Seitengasse neben einer Kneipe zerren können.
      „Mach nichts Dummes“, flüsterte Zanthe noch einmal seine Worte von zuvor.
      Er begriff jetzt, dass Exa es nicht wirklich darauf anlegte, Kakyo zu töten. Alles bis hierher hatte nur der Einschüchterung gedient, um seine Zunge zu lockern. Wenn der brünette, unscheinbare Bursche das Duell gegen Exa verlor, würde dies auch geschehen.

      Beide zogen schließlich ihr Startblatt. Und es war der langgewachsene Exa, der schließlich mit autoritärem Tonfall entschied: „Ich fange an. Und beende den Zug.“
      Der Kopftuchträger blinzelte verdutzt. „Wie … wie bitte?“
      „Im ersten Zug kann man doch eh nichts machen“, rechtfertigte sich der Blonde mit dem Rasterzopf und drehte sich zu seinem Freund um. „Hast du mir doch gestern selbst beigebracht.“

      „Draw!“, schrie Kakyo aufgewühlt, während Zanthe sich die Hand gegen die Stirn schlug.
      „Du hast nicht zugehört“, fauchte der Werwolf im Anschluss wütend, „man kann nicht im ersten Zug angreifen und eine Karte ziehen, mehr nicht.“
      Exa legte eine Hand auf den Kopfhörer um seinen Hals und tippte abgelenkt gegen das Gehäuse. „Ich dachte das gilt für-!“
      „Ich aktiviere [Spell Economics]“, übertönte Kakyo seinen Gegner lautstark. Vor ihm klappte die permanente Zauberkarte auf, aus der ein alter Lederwälzer samt Schreibfeder erschien. „Solange ich sie besitze, werden sämtliche Lebenspunkte bedingten Aktivierungskosten von Zauberkarten unwirksam. Wie zum Beispiel bei [Instant Fusion]!“
      Der junge Mann legte sogleich noch eine Karte in sein D-Pad ein: Das Buch vor ihm klappte von selbst auf, die Feder neben ihr setzte am oberen Rand der linken Seite zum Schreiben an.
      „Normalerweise müsste ich 1000 Lebenspunkte bezahlen, um [Instant Fusion] benutzen zu dürfen.“ Eine Klappe an seinem D-Pad seitlich der Monsterkartenzonen sprang auf. Sie verbarg ein Fach voller Karten, von dem sich Kakyo die oberste nahm und vorzeigte. „Jetzt aber sind die Kosten gleich 0. Von daher beschwöre ich jetzt ein Fusionsmonster mit maximal Stufe 5 von meinem Extradeck: [Flame Swordsman]!“
      Exa drehte sich erschrocken wieder zu seinem Gegner um. Vor dem stand bereits besagtes Monster: Ein Krieger in blauer Robe, um dessen Hüfte sich ein roter Umhang breit machte. Von gleicher Farbe waren auch sein breiter Hut und die Klinge, die er mit sich führte.

      Flame Swordsman [ATK/1800 DEF/1600 (5)]

      „Da ich nicht mit ihm angreifen kann, opfere ich ihn für ein stärkeres Monster!“ Kakyo nahm seine Karte sofort wieder vom D-Pad und tauschte sie mit einer anderen von seinem Blatt aus. Der Flammenschwertkämpfer löste sich in einer weißen Lichtsäule auf, wobei sein Besitzer rief: „Zeig ihm, was du drauf hast, [Dark Magician Girl]!“
      Dem Licht entstieg eine wunderschöne, blonde Magierin in blauer Robe, die sich ihren spitz zulaufenden Hut hielt und dabei zwinkerte. In der anderen Hand schwang sie ihren Zauberstab.

      Dark Magician Girl [ATK/2000 DEF/1700 (6)]

      „Black Burning!“, befahl Kakyo und deute mit aneinander gelegtem Zeige- und Mittelfinger auf seinen Gegner.
      Sofort streckte seine Magierin den Arm mit dem Zauberstab in der Hand nach vorne und schoss daraus eine violette Energiekugel, die mitten in Exas Brust einschlug und explodierte.
      „Halt-!“, schrie der, wurde aber von dem Knall übertönt.

      [Exa: 4000LP → 2000LP / Kakyo: 4000LP]

      Zanthe schüttelte fassungslos den Kopf. „Hast du es jetzt kapiert!? Wenn du dir nicht mal die Grundregeln merken kannst, dann lass mich lieber ran!“
      Wieso hatte er bloß zugelassen, dass sich Exa mit einem angehenden Profi wie Kakyo duellierte!? Zweifelsohne war sein Freund ein kluger Mensch, aber er hatte ihm die Regel nur kurz in einer Bar erläutert! In einer Bar, die sehr viel Alkohol an den Blonden ausgeschenkt hatte!
      „Geht schon“, sagte Exa wieder ernster, mit Blick auf Kakyo, „war nur die Aufwärmrunde.“
      „Dasselbe gilt auch für mich“, erwiderte jener entschlossen und schob eine Karte unter die Monsterzone seines [Dark Magician Girls]. „Ich spiele eine Karte verdeckt aus und gebe an dich ab.“
      Nachdem die Karte vor seinen Füßen vergrößert erschien, hielt er nun lediglich zwei Karten auf der Hand.

      Bei Exa waren es dagegen, kaum hatte er wortlos aufgezogen, immerhin sechs. Der drehte sich schließlich mit sichtbar ratlosem Gesichtsausdruck Zanthe zu. „Und jetzt?“
      „Du musst ein Monster beschwören, das stärker ist als seines“, riet der ihm genervt.
      „Ich hab keins!“
      „Dann zerstöre [Dark Magician Girl] durch einen Karteneffekt.“
      Sich daraufhin seinem Blatt widmend, zuckte der Blonde mit den Schultern. „Da ist nichts. Ah! Aber ich hab doch ein Monster, das stärker ist!“
      Zanthe legte seine Hand an die Stirn und schüttelte den Kopf. „Worauf wartest du dann?“
      „Alles klar“, rief sein Freund mit wiederkehrender Ernsthaftigkeit, „ich beschwöre ein Monster. [Satellarknight Rigel]!“
      Es war, als würde ein Blitz Zanthes ganzen Körper durchfahren. Der Klang dieses Namens ließ ihn augenblicklich erstarren. Über Exas Spielfeldseite begann eine helle, weiße Sphäre zu strahlen, die ihr Licht in Form einer Säule hinab sandte. Dort, wo der Kegel den Boden traf, stieg eine edle, humanoide Gestalt aus dem Nichts empor.

      Satellarknight Rigel [ATK/1900 DEF/700 (4)]

      Es war ein Ritter mit blonder, wallender Mähne, welcher in einer weiß-goldenen Rüstung steckte. In einer Hand hielt er seinen Umhang fest, den er scheinbar nicht tragen wollte, wohingegen er mit den Fingern der anderen einen weißen Schlagstock führte. Zudem drehte sich ein Ring aus Gold auf Hüfthöhe um ihn, an welchem der strahlende Stern in Miniaturversion hing.
      „Das … kann nicht sein …“, stammelte Zanthe fassungslos und ließ die Hand von seiner Stirn sinken.
      Als der Sternenritter vollkommen aufgetaucht war, schwanden die Sphäre und das Licht über ihm.
      „Dieses Monster hat auch einen Effekt“, erklärte Exa ungerührt, „und der macht ein Satellarknight-Monster stärker. Ich hab nur eins, von daher …“
      Kakyo ballte seine leere Hand zu einer Faust. „Nicht gut.“

      Satellarknight Rigel [ATK/1900 → 2400 DEF/700 (4)]

      Mit dem Finger auf die blonde Hexerin deutend, befahl Exa seinem nun in gelber Aura leuchtendem Monster: „Greif an!“
      Augenblicklich holte Rigel mit seiner Waffe aus und richtete sie auf das [Dark Magician Girls]. Schlagartig wurde der Stab immer länger und schoss auf die Magierin zu. Jene wich erschrocken zurück und sah hilfesuchend zu ihrem Herrn.
      „Nichts da! So leicht kriegst du sie nicht“, verteidigte jener sein Monster umgehend und schwang den Arm aus. Seine Falle klappte auf. „[Black Illusion]!“
      Die Magierin nickte und verschwand plötzlich. So verfehlte sie der Angriff und traf stattdessen Kakyo an der Wange, welcher von der Wucht glatt auf die Knie gezwungen wurde.
      „Ahhh!“, stieß er dabei schockiert hervor und hielt sich den Schnitt an der Wange, um welchen sich ein roter Film sowie leichter Dampf bildete.

      [Exa: 2000LP / Kakyo: 4000LP → 3600LP]

      Kurz darauf tauchte das Magiermädchen wieder vor ihm auf und fasste ihm mit mitleidigem Blick auf die Schulter. Kakyo nuschelte etwas und erhob sich wieder.
      Gleichzeitig stand Zanthe der Mund weit offen. Nicht nur spielte Exa -diese- Monster, nein, er fügte seinem Gegner realen Schaden zu. Wer … wer war er!?
      „Ist nur ein Kratzer“, murrte der Brünette unter dem strengen Blick seines Gegners, „solange ich [Dark Magician Girl] beschützen konnte, war es den Schmerz wert. [Black Illusion] behütet sie einen Zug lang davor, im Kampf zerstört oder von Karteneffekten beeinflusst zu werden!“
      „Aber er bewahrt dich nicht vor Schäden aus dem Kampf, wie es aussieht“, stellte Exa richtigerweise fest.
      In dem Moment stieß Zanthe einen erschrockenen Schrei aus. „Exa! Du musst sofort etwas tun, sonst stehst du am Ende des Zuges ohne Monster da!“
      „Was!?“, drehte der sich mit verwirrtem Gesichtsausdruck um.
      „Wenn du Rigels Effekt benutzt, verlierst du das Monster, das davon betroffen war!“, erklärte der Kopftuchträger wild gestikulierend.
      Sein Freund machte große Augen. „Oh Mist, das wusste ich gar nicht!“
      So suchte er sein Blatt nach einer hilfreichen Karte ab. „Monster … Falle, also … ah, wie wär's mit der hier? Die dürfte doch funktionieren, oder? Ich wechsele in die Main Phase 2 und aktiviere [Satellarknight Skybridge]!“
      Vom Himmel herab schoss ein leuchtender, bunter Pfad in die Seitengasse, direkt vor Exas Füße. Während sein Rigel damit begann, jenem schwebend entlang zu folgen, passierte er einen anderen Ritter, der gerade auf dem Weg nach unten war. Dieser war jedoch nicht mehr als eine blau leuchtende Silhouette.
      „Ja, das ist gut“, meinte Zanthe nachdenklich, „aber du kannst Schnellzauberkarten wie diese auch in deiner Battle Phase von der Hand aktivieren, schon vergessen?“
      Der Blonde rieb sich verlegen den Hinterkopf. „Irgendwie schon. Ist auch egal. Dank dieser Karte darf ich einen Satellarknight von meiner Spielfeldseite mit einem aus meinem Deck austauschen, wenn man es so ausdrücken möchte. Und meine Wahl fällt auf, hmm, ah! [Satellarknight Capella]!“
      Als der blau leuchtende Ritter vor Exa ankam, gewann er die Form eines weiß-goldenen Ritters, der in einem Streitwagen saß und Zügel aus gleißendem, gelbem Licht führte. Mit der Besonderheit, dass es gar kein Pferd gab, welches den Wagen zog. Genau wie bei Rigel, drehte sich auch um ihn ein goldener Ring.

      Satellarknight Capella [ATK/1100 DEF/2000 (4)]

      „Großartig!“, jubelte Exa sich selbst an Zanthe gewandt zu. „Da kommt seine Magierin nicht drüber!“
      „Yeah“, kam es zögerlich zurück.
      „Aber ich hab auch noch eine Falle. Die sollte ich auch noch ausspielen, da ich sie sonst nicht benutzen kann“, murmelte der junge Mann nachdenklich und mit einer gewissen Vorfreude. „Also setze ich sie!“
      Er führte die Karte in seiner weiß-hellblauen Duel Disk ein, sodass sie zischend vor seinen Füßen auftauchte. Zanthe schnalzte mit der Zunge. „Du solltest so etwas nicht hinausposaunen! Jetzt weiß er, dass er vorsichtig sein muss!“
      „Halb so wild“, winkte Exa jedoch unbekümmert ab. Seinem Gegner hingegen zeigte er kurz darauf wie gewohnt seine eisige Seite. „Ich bin hier fertig.“

      Zanthe atmete beruhigt aus. Immerhin hat der Dummkopf es geschafft, nicht gleich zu verlieren und war jetzt hoffentlich abgesichert. Dafür, dass er ihm nur das Grundprinzip kurz erklärt hatte, machte sich Exa gar nicht so schlecht. Aber mit Kakyo als Gegner? Zumindest besaß Exa ein starkes Deck.
      Sofort war es wieder da: Dieses beklemmende Gefühl in seiner Brust, ein Kampf zwischen Hoffnung und der Furcht vor der Gewissheit. Eine, die er erlangen musste, egal was es kostete.
      „Woher hast du dieses Deck?“, fragte er Exa scharf, während Kakyo stillschweigend aufzog.
      „Weiß nicht“, antwortete der schulterzuckend, ohne sich umzudrehen.
      Was dem Werwolf alles andere als gefiel. „Das glaube ich dir nicht!“
      „Ich weiß es nicht, okay!?“, wirbelte Exa nun erzürnt zu ihm herum. „Vor ein paar Minuten hatte ich noch gar keins. Du wolltest mir eins besorgen, schon vergessen?“
      „Aber es muss doch irgendwie in deinen Besitz geraten sein!“, blieb Zanthe beharrlich wie zunehmend verzweifelt zugleich. „Ohne Deck kann man sich nicht duellieren, aber genau das wolltest du, also-!“
      Exa breitete aufgeregt die Arme aus. „Ich weiß nicht, wie -das- genau funktioniert! Nenn' es Instinkt oder was auch immer. Dieses Deck habe ich mir nicht ausgesucht, das hat- egal, das erkläre ich dir später. Zumindest falls ich bis dahin schlauer bin als du ...“
      „Versprich es mir!“, forderte Zanthe.
      Sein Freund nickte fest. „Versprochen.“

      Indes nahm Kakyo eine Zauberkarte aus seinem Blatt hervor und legte sie in das rote D-Pad ein. Das Blut, das seine Wange entlang rann, beachtete er gar nicht. Doch auch wenn er entschlossen klang, so hörte man in seinen Worten auch eine unterschwellige Furcht durchklingen. „Ich aktiviere [Dark Magic Curtain], für den ich die Hälfte meiner Lebenspunkte zahlen müsste, aber …“
      Seine andere offen stehende Zauberkarte, [Spell Economics], leuchtete auf. Das magische Buch vor dem jungen Mann bekam einen weiteren Eintrag durch die schwebende Feder.
      „... ich muss sie nicht zahlen, wie ihr seht“, erklärte Kakyo. Unterdessen tauchte vor ihm ein dunkelblauer Vorhang auf, dessen oberes Ende von einem Skelett gehalten wurde. „Zwar kann ich den Rest des Zuges über nicht mehr beschwören, dafür wird aber sofort mein Assmonster aus dem Deck herbeigerufen!“
      Mit einem Ruck riss das Skelett den Vorhang beiseite. „Erscheine! [Dark Magician]!“
      Ebenjener war es auch, der schließlich hinter dem Stoff auftauchte und in abwartender Pose verharrte. Ganz in violett gekleidet, umklammerte der Magier seinen grünen Zauberstab. Das Magiermädchen neben ihm strahlte vor Freude und die beiden nickten einander zu.

      Dark Magician [ATK/2500 DEF/2100 (7)]

      „Dein Monster hat keine Chance“, verkündete Kakyo aufgeregt und zeigte auf den Streitwagenführer Capella, „greif es an, [Dark Magician]! Black Magic!“
      „Er ignoriert die Falle einfach!?“ Zanthe weitete die Augen.
      Erbarmungslos streckte der Hexer seinen Zauberstab nach vorne und schoss aus dessen Spitze eine violette Energiekugel ab, die durch die Seitengasse fegte und den Sternenritter zerfetzte.
      „Und gleich darauf greift [Dark Magician Girl] direkt an!“, befahl der Brünette mit bebender Stimme. „Black Burning!“
      So tat es die blonde Magierin ihrem Meister gleich und lud an der Spitze ihres Zauberstabs eine flammend-violette Lichtkugel auf, die sie auf Exa abschoss.
      „Der will unbedingt gewinnen, komme was wolle!“, stellte jener erhitzt fest. „Aber nicht mit mir, ich habe die Falle nicht umsonst gesetzt! Los!“
      Besagte Karte namens [Stellarnova Wave] sprang auf. Aus ihr traten ein blauer und ein roter Schwarm funkelnden Staubs in die Höhe und formten dort das Symbol eines Sechsecks, aus dem in alle Himmelsrichtungen Lichtstrahlen abgingen.
      „Diese Falle kann ich nutzen, um während deiner Battle Phase einen Satellarknight aus meinem Blatt zu rufen!“ Im Antlitz der violetten Energiekugel schmetterte Exa sein Monster auf die Duel Disk. „Spezialbeschwörung, [Satellarknight Alsahm]!“
      Aus der Mitte des Hexagons schoss ein weiterer Lichtstrahl nach unten und schlug dort in Form eines kleinen, weiß-goldenen Ritters ein, der dank abgerundeter, Flügeln nachempfundener Triebwerke über der Luft schwebte …

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      … und sofort im Anschluss von einer Explosion zerstört wurde. Plötzlich schoss aus dem Rauch jedoch ein goldener Strahl, der zwischen den beiden Magiern hindurch flog und Kakyo direkt in die Brust traf. Jener wurde von den Füßen geholt und durch die Luft geschleudert.

      [Exa: 2000LP / Kakyo: 3600LP → 2600LP]

      Unter einem schmerzerfüllten Aufschrei prallte er mit dem Rücken auf den Boden und rutschte noch ein Stück weiter an den Mülltonnen vorbei.
      „Geschieht dir recht“, sprach Exa unterkühlt, „du musst wissen, wenn Alsahm beschworen wird, fügt er dem Gegner 1000 Schadenspunkte zu. Hättest du mich nicht angegriffen, hätte ich ihn nicht beschwören müssen.“
      Kakyo hob den Oberkörper an und sah seinem Gegner trotzig entgegen. „So funktioniert das Spiel aber. Und ich hätte ihn auch beschworen, wenn es nicht nötig gewesen wäre …“
      Damit erhob er sich, indem er sich an einer der Mülltonnen hochzog. In seinem T-Shirt klaffte ein faustgroßes Loch, die Haut dahinter war sichtbar blutig und gerötet.
      „Wenn ich dir einen Tipp geben darf: Rede. Das wäre die einzige Chance, hier lebend herauszukommen.“
      Aber Kakyo winkte das Angebot mit einem ungläubigen Lachen ab. „Nein danke. Außerdem darf ich gehen, sollte ich das hier gewinnen, oder hältst du dich etwa nicht an Abmachungen?“
      „Wer weiß“, erwiderte Exa vielsagend.
      „Dann habe ich erst recht keinen Grund, frühzeitig das Handtuch zu werfen.“ Der junge Mann nahm seine vorletzte Handkarte und ließ sie in das D-Pad ein. „Ich spiele die hier verdeckt aus und gebe an dich ab.“
      Mit einem Zischen materialisierte sie sich Stück für Stück vor Kakyo, welcher sich an die schmerzende Brust fasste.
      „Denk an deine Gesundheit!“, mahnte Zanthe und versuchte es mit einem etwas freundlicherem Tonfall. „Wir wollen nur wissen, wer Kyon ist und wie du mit ihm in Verbindung stehst.“
      Allerdings blieb der Brünette stur und nickte zu Exa herüber. „Dazu müsste er mich schon besiegen. Aber wenn das passiert, wer weiß, ob ich dann noch lebe!“

      „Das finden wir bald heraus“, prophezeite der düster und zog seine nächste Karte, womit er bei drei Stück angelangt war. „Hmm … jetzt wird es wirklich schwierig.“
      Zanthe seufzte. Er schlenderte herüber zur Außenwand der Kneipe und lehnte sich an ebenjene, verschränkte dabei die Arme. Neben ihm befand sich die Hintertür.
      Das Symbol vor seinem Gesicht berührend, fragte er sich, wie das alles hier wohl ausgehen mochte. Hätte er doch bloß das Ruder in die Hand genommen …
      „Denk dran, dein Deck ist nicht die einzige Quelle von starken Monstern“, sagte er dabei in Exas Richtung.
      „Oh, richtig!“ Der nahm eine Karte aus seinem Blatt. „Ich brauch drei, richtig?“
      „Ja. Aber woher weißt du das, ohne nachgesehen zu haben?“, hakte Zanthe skeptisch nach.
      „Instinkt“, erwiderte Exa ernst, „und ich weiß sogar, was ich dafür tun muss. Als ob …“
      „... du dieses Deck bereits benutzt hast.“
      „Ja. Nur ist das völlig unmöglich.“ Der Blonde nahm eine Karte aus seinem Blatt. „Aber vielleicht lösen wir dieses Rätsel, wenn wir den da zum Sprechen bringen.“
      Zanthe schloss die Augen und nickte. „Ja …“
      Das Monster auf seine Duel Disk legend, rief Exa: „Dann tun wir es! Normalbeschwörung, [Satellarknight Vega]! Und wenn sie gerufen wird, kann ich noch einen spezialbeschwören: [Satellarknight Altair]!“
      Gleich im Anschluss legte er noch ein Monster von seiner Hand auf den Apparat an seinem Arm. Zwei grelle Sterne begannen über dem Feld zu leuchten und schickten ihr Licht in die Gasse hinab. Als die Kegel den Boden erreichten, stiegen dort zwei Krieger auf. Die eine trug ein weiß-rosanes Kleid und eine goldene Metallstola. Altair dagegen war ein blau-weißer Ritter mit leuchtend blauen Energieflügeln. Wie bei allen ihrer Art, drehten sich auch um ihre Hüften goldene Ringe mit einem Miniaturplaneten daran.

      Satellarknight Vega [ATK/1200 DEF/1600 (4)]
      Satellarknight Altair [ATK/1700 DEF/1300 (4)]

      Exa streckte den Arm nach unten gerichtet aus. „Und Altair besitzt auch einen Beschwörungseffekt. Er holt einen Sternenritter vom Friedhof, im Verteidigungsmodus, aufs Feld!“
      Sein Monster imitierte die Pose und ließ eine goldene Lichtsäule vor sich aus dem Boden brechen, die den Bogen schießenden Krieger mit sich brachte.

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      Jener spannte seine Waffe unverzüglich und schoss einen Pfeil ab, welchem Kakyo mit einem Hechtsprung zur Seite ausweichen konnte. Dabei stieß er gegen die Mülltonnen und musste sich an ihnen festhalten, um nicht umzukippen. Nicht weit hinter ihm knallte es.

      [Exa: 2000LP / Kakyo: 2600LP → 1600LP]

      „Nochmal passiert mir das nicht!“ Kakyo stieß sich von der Mülltonne ab. „Aber trotzdem, gut gespielt. Dafür, dass du offenbar ein Anfänger bist, hast du Einiges auf dem Kasten.“
      „Spar' dir die Schmeicheleien“, schmetterte sein Gegner diese eiskalt ab. „Abgesehen davon kommt der wirklich schlimme Teil erst jetzt!“
      In diesem Moment riss Exa seinen Arm in die Höhe. „Ich führe eine Xyz-Beschwörung durch!“
      Zanthe musste in sich hineingrinsen, wie ungekünstelt sein Freund mit dem Duellieren doch umging. Was das anging, hatte er recht wenig mit -ihm- gemeinsam. Sofort durchbohrte ein bitterer Schmerz sein Herz. „Alessandro …“
      Ein Schwarzes Loch öffnete sich vor Exa, dessen drei Ritter sich in gelbe Lichtstrahlen verwandelten und in es hineingezogen wurden. „Erscheine, Herr des Winterdreiecks! [Stellarknight Triverr]!“
      Gleißendes Strahlen drang aus dem Overlay Network. Diesem entstieg ein weißer Ritter, prachtvoller als seine Vorgänger es je hätten sein können. Unbeständig flatterte der weiße Umhang um seine Schultern, als er sein Lichtschwert zog. An seinem anderen Arm hingegen befand sich ein Schild, geformt aus den drei Ringen der Satellarknights. Zwischen ihnen spannte sich ein Dreieck aus purem Licht, welches die eigentliche Schutzfunktion einnahm. Jene drei Ringe drehten sich und mit ihnen auch die Miniplaneten daran, in denen sich die leuchtenden Overlay Units befanden.

      Stellarknight Triverr [ATK/2100 DEF/2500 {4} OLU: 3]

      „Dieser sagenhafte Sternenritter hat einen besonderen Effekt, der dich zu Fall bringen wird“, drohte Exa seinem Gegner an und schwang den Arm aus, „bei seiner Beschwörung schickt er alle anderen Karten auf dem Feld ins Blatt ihrer Besitzer zurück!“
      Kakyo erwiderte trocken: „Aha …“
      „Great Southern Triangle!“, befahl Exa lautstark.
      Der weiße Ritter begann sich in um die eigene Achse zu drehen. Dabei ließ er sein Schwert nach links und rechts ausschwenken, bei jeder Bewegung löste sich eine eisige Schockwelle von der Klinge. Es war wie die Aufführung eines Balletts, wie Triverr tanzte. Eine der Wellen erfasste Exas [Stellarnova Wave]-Fallenkarte, eine andere dagegen Kakyos [Spell Economics]-Zauber. Auch auf das Magiergespann schossen die weißen Lichtklingen zu. Und durch sie hindurch, da sie plötzlich verschwanden. Womit es Kakyo war, der beide Angriffe abbekam.

      [Exa: 2000LP / Kakyo: 1600LP → 600LP]

      „Ahhh!“, schrie der, von dessen Schultern nun blutige Schnitte klafften. Seine freie Hand auf den einen legend, sagte er: „Ich hab dir gesagt … du kriegst sie nicht. Keinen der beiden!“
      Vor ihm stand die Falle [Trap Of Darkness] offen. Kakyo erklärte: „Sie lässt mich eine Falle in meinem Friedhof kopieren, aber das kostet 1000 Lebenspunkte. [Black Illusion]!“
      Seine beiden Magier tauchten wieder an genau derselben Stelle auf, an der sie eben verschwunden waren. Zusammen hielten sie ihre Zauberstäbe vor Kakyo über Kreuz, als ob sie zum Ausdruck bringen wollten, dass Exa erst an ihnen vorbei musste, um den jungen Mann zu bekommen.
      „Der Trick bringt dir auch nur so viel“, murrte der fast zwei Meter große Exa, „Effekt von Triverr! Ich hänge ein Xyz-Material ab, damit du eine durch den Zufall bestimmte Karte abwerfen musst!“
      Besagter Sternenritter hielt seinen Schild schützend vor sich. An dessen oberem Ring verschwand der Planet.

      Stellarknight Triverr [ATK/2100 DEF/2500 {4} OLU: 3 → 2]

      Infolge dessen schoss aus der Mitte des Energiedreiecks ein Strahl, der an den erschrockenen Magiern vorbei zischte und Kakyo in die Hand traf. Der schrie schmerzhaft auf und ließ eine Karte fallen, die mit der Vorderseite nach unten auf dem Boden landete. Blut tropfte auf sie hinab.
      „Gut, ich kann deine Magierin nicht zerstören. Aber dir Schaden zuzufügen reicht mir völlig.“ Exa streckte die Hand nach vorn. „Angriff auf [Dark Magician Girl]! Southern Cross!“
      Um seinen Winterritter peitschten plötzlich sturmartige Winde, die Schneeflocken mit sich wirbelten. Dann schoss er wie ein Pfeil auf die blonde Magierin zu, drehte sich dabei in der Luft einmal um die eigene Achse und verpasste ihr schließlich zwei entgegen gesetzte Hiebe, sodass aus der kreischenden Hexerin spitze Eisspeere in alle Richtungen schossen. Kakyo, welcher sich gerade nach seiner verlorenen Karte bückte, sah einen nur knapp über seinen Kopf hinweg fegen.

      [Exa: 2000LP / Kakyo: 600LP → 500LP]

      Kaum war das getan, zog sich Triverr zurück.
      „Ich setze die hier“, meinte dessen Besitzer und schob die Karte in seine Duel Disk, „Zug beendet.“
      Schließlich zersprang das Eis und die Magierin atmete erleichtert auf. Zeitgleich tauchte die gesetzte Falle vor Exas Füßen auf.
      Insgeheim musste Zanthe staunen, wie er das alles aus den Augenwinkeln mit ansah. Für einen Anfänger machte sich sein Freund immer besser. Ob das auch in Zusammenhang mit der Tatsache stand, dass er -dieses- Deck besaß? Alessandros Deck …

      „Was ist das für ein Krach!?“, donnerte plötzlich eine tiefe Stimme und die Tür neben Zanthe wurde aufgerissen.
      Ein bulliger, bärtiger Mann stampfte heraus, in weißem Hemd und dunkler Weste steckend. Scheinbar der Barkeeper, wenn man dem Geschirrtuch an seinem Hosenbund trauen konnte.
      „Ihr da!“, fauchte er die beiden Duellanten an, als er sie bemerkte. „Was treibt ihr da!?“
      Von Zanthe nahm er keine Notiz, obwohl dieser direkt neben ihm an der Wand lehnte und sich aufgeschreckt von dieser abstieß.
      „Locker bleiben, wir duellieren uns doch nur“, äußerte sich Exa dem Barkeeper gegenüber heiter, wobei er ihn dabei dennoch nicht einmal ansah.
      Jener bemerkte plötzlich, dass Kakyo verletzt schien. „Bursche, du blut-!“
      In dem Moment krachte schon Zanthes flache Hand gegen seinen dicken Hals. Der Bärtige fiel bewusstlos vorne über, ganz zum Schrecken des angehenden Profiduellanten. Unruhig betrachtete Zanthe seine Tat. „Wo der her kommt, gibt’s bestimmt noch mehr.“
      „Egal, das hier dauert nicht mehr lange. Gut gemacht“, wurde er dabei noch von Exa gelobt.
      „Wie könnt ihr so etwas tun? Der Mann hat euch nichts getan!“
      Auf Kakyos Empörung hin erwiderte der Blonde: „Dazu wäre es gar nicht erst gekommen, wenn du gleich auf unsere Forderung eingegangen wärst. Daran bist du schuld. Ach, und du mach die Tür zu.“
      Zanthe wusste nicht so recht, was er davon halten sollte, tat aber wie ihm geheißen und stieg über den Barkeeper hinweg. Als er die Tür zu schob, warf er einen Blick über die Schulter zu Exa herüber. Ob es ihm überhaupt etwas ausmachte? Dann wunderte er sich, ob es -ihm- etwas ausgemacht hatte, diesem Mann sofort einen Schlag zu verpassen. Es war eine instinktive Reaktion gewesen, denn hätte der Kerl Alarm wegen Kakyos Wunden geschlagen, hätten sie das hier abbrechen müssen …

      „Ihr seid wirklich das Letzte!“, ereiferte sich jener zornig und griff nach seinem Deck. „Hoffentlich bekommt ihr dafür eure gerechte Strafe! Draw!“
      Mit Schwung zog er eine Karte nach. Zunächst warf er seinem Gegner einen abweisenden Blick zu, bis er schließlich leise vor sich hin murmelte: „… kein Risiko eingehen …“
      Zu Exas und Zanthes Überraschung streckte er seinen Arm mit dem D-Pad aus, um dann auf den oberen Bildschirm zu tippen, welcher die feindliche Spielfeldseite abbildete. Besser gesagt war es Triverrs Karte dort, welche er berührte.
      „... dacht' ich's mir doch, das Ding hat noch einen Effekt!“
      Sein Gegenüber blinzelte erstaunt. „Was? Worum geht es hier?“
      „Das weißt du genau!“, erwiderte Kakyo und nahm seine beiden Handkarten und schob sie parallel in den Apparat. „Klappen wird das jedoch nicht! Ich aktiviere [Diffusion Wave Motion]! Und natürlich auch [Spell Economics], wodurch ich keine 1000 Lebenspunkte zahlen muss, um Erstere zu aktivieren!“
      Gleichzeitig sprangen beide Zauberkarten vor ihm auf. Sein violetter Magier streckte im Anschluss unvermittelt den Zauberstab in die Höhe.
      „Das ist doch …“, nuschelte derweil Zanthe nachdenklich.
      „Dieser besondere Zauber wirkt nur auf besonders hochstufige Hexer“, erklärte Kakyo zeitgleich und zeigte auf [Stellarknight Triverr], „damit wird der Effekt jedes Monsters annulliert, das von ihm im Kampf vernichtet wird. Los! Black Magic Wave!“
      [Dark Magician] schwang den Zauberstab nach vorne und schickte von ihm eine wellenförmige Schockwelle los, die geradewegs auf den Sternenritter zuschoss. Es folgten drei weitere. Wie sie sich ihren Weg durch die Gasse bahnten, fingen sie hellblau-schwarze Flammen und durchtrennten ihr Ziel schließlich an mehreren Stellen des Körpers. Exa wich schnaufend zurück.

      [Exa: 2000LP → 1600LP / Kakyo: 500LP]

      Vor ihm öffnete sich im Boden unerwartet ein goldenes Portal. „Ah, das ist-!“
      Der Blonde sollte den Satz jedoch nicht beenden, da tosende Blitze aus jenem Runenzirkel schlugen, welcher sich sogleich wieder schloss.
      „Wie ich sagte“, sprach Kakyo entschlossen, „[Diffusion Wave Motion] lässt den Hexer die Effekte der zerstörten Monster negieren. Also kann dein Triverr kein Monster vom Friedhof beschwören, wie du es gerne hättest. Eines wie [Satellarknight Alsahm] zum Beispiel …“
      Im selben Moment kam auch Zanthe zu dieser Erkenntnis und sah auf. „Natürlich! Damit hättest du ihn besiegen können! Alsahm hätte ihm genug Schaden zugefügt.“
      „Hätte ich?“, schien sich Exa da jedoch gar nicht so sicher zu sein und drehte sich um. Dann zuckte er mit den Schultern. „Wäre ich nie drauf gekommen.“
      Was den Werwolf zurückgiften ließ: „Vielleicht solltest du seinem Beispiel folgen und die Effekttexte deiner Karten auch mal durchlesen!“
      Jedoch wirbelte sein Freund bereits wieder herum. „Mach ich. Aber wenn ich jetzt nichts unternehme, wird seine üppige Magierin dort mir eins überbraten. Effekt von [Stellarnova Wave]!“
      Seine Falle klappte auf. Seine letzte Karte vorzeigend, rief Exa Kakyo entgegen: „Damit beschwöre ich [Satellarknight Sirius], in die Verteidigung!“
      Ein Lichtstrahl schoss aus dem Sechseck am Himmel und schlug vor Exa ein. Mit der Hand über die Duel Disk fahrend und dabei das Monster ablegend, ließ der große Blonde einen Ritter vor sich erscheinen, der vor ihm in die Knie ging. Auffallend an ihm war sein Helm, der mit seinen Ohren und dem einer Schnauze ähnelndem Visier dem Kopf eines Wolfes nachempfunden war. Auch um ihn kreiste ein Ring mit einem Stern daran.

      Satellarknight Sirius [ATK/1600 DEF/900 (4)]

      „Damit aktiviere ich auch gleich den Effekt dieses Monsters“, rief Exa. Nach und nach schoben sich fünf Karten aus seinem Friedhof, die er vorzeigte und dann aufs Deck legte, „ich mische Rigel, Altair, Alsahm, Vega und Triverr in mein Deck zurück. Und ziehe anschließend eine Karte! Draw!“
      Noch während er im Begriff war zu ziehen, schüttelte Kakyo kaum merklich den Kopf. „Unnötige Aktion …“
      „Hm?“, wunderte sich Exa, ohne seine neue Handkarte anzusehen.
      „Du hättest ebenso nachschauen sollen, was [Diffusion Wave Motion] bewirkt. Sie lässt nur das von ihr betroffene Monster in diesem Zug angreifen“, erklärte sein Gegner und formte mit Daumen und Zeigefinger eine Pistole, „dafür aber darf es jedes Monster meines Gegners angreifen!“
      Zanthe schlug sich kopfschüttelnd die Hand vor die Stirn. „Ist nicht wahr …!“
      „Nochmal lasse ich dich kein Xyz beschwören! [Dark Magician], Black Magic Wave!“
      Kakyo machte mit seiner Hand eine Bewegung, als würde er eine Kugel auf Exas Sternenritter abfeuern. Sein Hexer aber schickte mehrere der violetten Energiewellen in dessen Richtung, die Sirius in seine Einzelteile zerlegten.
      „Das gibt’s doch nicht! Und ich dachte-!“, schnaubte Exa verärgert.
      „Da sie nicht angreifen kann, wechsle ich [Dark Magician Girl] in den Verteidigungsmodus. Du bist dran“, wurde er von Kakyo übertönt, der besagte Karte auf seinem D-Pad in die Horizontale drehte.
      Sogleich hielt die hübsche, blonde Magiern schützend ihren Zauberstab vor den Körper.

      Dark Magician Girl [ATK/2000 DEF/1700 (6)]

      „Ugh!“ Unvermittelt sackte der Brünette beinahe zusammen, fand nur dadurch Halt, dass er sich Richtung der Mülltonnen fallen ließ und sich an einer davon abstützte.
      „Du bist nicht der Verfassung, noch weiter zu kämpfen“, quittierte Exa dies mit einem geradezu herrischen Blick, „also mach es nicht noch schlimmer. Beantworte einfach-!“
      „Nein!“, presste Kakyo durch seine Zähne.
      „Gut, wie du willst?“ Gar nicht lange fackelnd, riss Exa eine zweite Karte von seinem Deck und sah sie neugierig an. „Oh …“
      Alarmiert horchte Zanthe auf. „Was ist? Kannst du mit den Karten nichts anfangen?“
      „Nicht wirklich“; erwiderte sein Freund abwesend.
      „Dann gib auf und lass mich gehen. Ich werde niemandem von dieser Begegnung erzählen, versprochen!“ Doch Kakyos Bitte wurde mit einem Kopfschütteln abgetan.
      „So schnell kann sich das Blatt wenden“, sinnierte Exa und sah plötzlich gen Himmel, „sollte ich wirklich …?“
      Mit nachdenklichem Blick senkte er den Kopf wieder und warf einen Blick auf seine Duel Disk, wobei er flüsterte: „Schätze, eine andere Wahl bleibt mir nicht. In dem Fall hätte ich auch gleich sein Angebot annehmen können. Aber das ist nicht meine Art, schätze ich. Wenn ich so etwas benutze, bestimme ich selbst, wie es auszusehen hat …“
      Zanthe, der dank seiner übermenschlich ausgeprägten Sinne jedes Wort verstanden hatte, verkrampfte. Hatte sein Freund noch ein Ass im Ärmel?
      Jener ballte urplötzlich eine Faust und presste sie gegen seine Brust, wobei er die Augen schloss. „The stars have decided! Summoning contract established!“
      Wie in Zeitlupe nahm er die Hand und streckte sie in die Höhe. Sieben Lichter stiegen aus seiner Brust auf, kreisten umeinander und positionierten sich dann über ihm in einem ganz bestimmten Muster. Jedes erwies sich als Bestandteil eines bestimmten Kreises, die wie die Wellen einer Wasseroberfläche ineinander lagen.
      „Witness the creation of the eternal gate!“
      Die Lichter erloschen und kurzerhand verwandelten sich die Kreise in verschiedene Schichten einer Steintafel. Jede drehte sich dabei entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn, und dort, wo einst das Licht schien, leuchtete stattdessen eine Rune mit einem unbekannten Symbol.
      Der Anblick des riesigen Tores verunsicherte den sonst so bodenständigen Zanthe endgültig. „Was zum Henker ist das!? Kein Synchro, aber auch kein Xyz!?“
      Nicht weniger gebannt starrte Kakyo die insgesamt sieben ineinander liegenden Steinkreise an. Er war sichtbar sprachlos, wenngleich sein Mund auch offen stand.
      „The contract is established!“ Schlagartig riss Exa die erhobene Hand wieder herunter und präsentierte seinem Gegner den Handrücken, auf dem ein kompletter, türkis leuchtender Schriftzug eingraviert war. Es handelte sich um die sieben Runen in den Kreisen. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      „Excel Summon!?“, wiederholten Zanthe und Kakyo im selben Atemzug entgeistert.
      In diesem Moment schoss aus Kakyos Sicht der innerste Steinkreis nach hinten, in die Ferne, in das Nichts einer bunten Raumverzerrung. Ihm folgte der nächstgelegene, dann wiederum der nächste. Als ob sie einen Pfad in eine andere Welt bildeten, bis nur noch der äußerste Ring übrig blieb,
      „Grade 7! Rule indefinitely, [Cosmic Enforcer – Event Horizon]!“
      Der Pfad über ihm weitete sich in alle Richtungen aus, ganz an seinem Ende sah Kakyo ein strahlendes Licht. Das direkt aus dem Tor schoss. Ein dunkler Schatten legte sich über die Gasse. Alle drei legten ihre Köpfe in den Nacken, um das Monster zu sehen, was dort mehr über Kakyo, denn über seinem eigentlichen Besitzer schwebte. Jener pfiff anerkennend. „Das kommt also dabei heraus, wenn ich Excelsior direkt ins Spiel bringe? Coole Sache!“
      Etwas, das Kakyo mit Sicherheit anders sah, konnte man seiner versteinerten Miene Glauben schenken. Mit geweiteten Augen betrachtete er das riesige Schlachtschiff, welches sich nun im Rückwärtsflug über Exa positionierte. Der Schwerpunkt der Maschine befand sich ganz an deren hinterem Ende in Form einer sphärischen Hauptkomponente mit vier in jeder Richtung abstehenden Tragflächen, wobei der innere Teil besagter Zentrale ausgehöhlt und mit einem leuchtenden Kern versehen war. Von dort an befanden sich in regelmäßigen Abständen spitz zulaufende Mini-Tragflächen vor den eigentlichen Tragflächen, die jedoch in keinster Weise mit dem Schiff verbunden waren.
      Selbst Zanthe war sprachlos bei diesem Anblick.

      Cosmic Enforcer – Event Horizon [ATK/2500 DEF/2000 X7]

      ~-~-~

      Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Einige der Zuschauer erhoben sich von ihren Sitzen, dennoch konnten sie nicht durch den Rauch sehen, der Anyas ganze Spielfeldseite einnahm.
      „Das war ein lauter Knall!“, durchbrach Mr. C die Stille, klang dabei ungewöhnlich verloren. „Ist, also ist …?“

      Zachariah stand regungslos da, sein Finger lag noch auf dem Auslöser unterhalb der Fallenkarte, die aufgeklappt vor ihm stand. Abgebildet war ein bewusstloser König Artus, wie er inmitten einer grünen Wiese nahe einer Klippe lag und von der blonden Herrin des Sees, Viviane, sowie Königin Gwenwhyfar umsorgt wurde. Ansonsten war sein Feld leer.
      Der Schweiß rann seine Stirn hinab. Der Rauch verzog sich nicht. Aber es wurde auch kein Feueralarm ausgelöst. Hatte es geklappt? War sie wirklich tot? Er wollte dem nachgehen, doch sein Körper rührte sich nicht. Gelähmt wie er war, vom Gedanken an die eigene Tat, konnte er nur dort stehen und warten.
      „Zach!“, hörte er jemanden seinen Namen rufen.
      Er drehte sich um, blickte zu dem Gang, durch den die Duellanten in die kreisrunde Arena geführt wurden. Dort stand sie, Kali, in ihrer schwarzen Kutte und verharrte ebenso erstarrt wie er. Sein Name war alles, was sie herausgebracht hatte, ihm folgten keine weiteren Worte.
      Der große Blonde wollte etwas erwidern. Dass er es geschafft hatte, sie von ihrem Leid befreit hatte, aber … es ging nicht. Wieso konnte er sich nicht freuen!?

      „Ist Anya Bauer in Ordnung?“, wunderte sich der Kommentator schließlich aufgeregt. „Immer noch keine Reaktion!“
      Zach spürte die erwartungsvollen, teils unsicheren Blicke des Publikums, wie sie sich in seinen Nacken bohrten. Er musste etwas tun, und sei es nur, um nicht aufzufallen. Daher verkündete er, mit aller Fassung, die er aufbringen konnte: „Zug beendet.“

      „Na endlich, ich dacht' schon, ich muss hier noch drei Stunden warten!“
      Mit nur einer Handbewegung von der anderen Spielfeldseite wurde der Rauch regelrecht davon geblasen. Anya stand völlig unversehrt dort, mit deutlich hervorstechender, pochender Ader auf der Stirn und ebenso wie Zach mit keiner einzigen Karte unter ihrer Kontrolle.
      Der Mund ihres Bruders öffnete sich, doch es kam nur ein ersticktes Geräusch daraus hervor.
      „Was!? Dachtest du, ich gehe vor Schreck drauf oder was?“, giftete das Mädchen scheinbar ahnungslos. „Was sollte diese dämliche Aktion überhaupt!?“
      Nur eine Frage hämmerte in diesem Moment im Kopf des ältesten Bauer-Sprosses. Wie hatte sie die Explosion überlebt? Nein … Das D-Pad an ihrem Arm war intakt. Demnach war die Bombe nie hochgegangen …

      „Was hast du gemacht!? Hast du es gewusst!?“
      „Was gewusst? Dass ich jetzt gewinnen werde?“, hakte die deutlich Kleinere grantig nach und griff nach ihrem Deck. Anders als ihr Bruder hielt sie auch keine Karten auf der Hand. „Natürlich weiß ich das! Als ob ich an jemandem wie dir scheitern werde! Draw!“
      Voller Schwung zog sie, sich dessen bewusst, dass dies die entscheidende Runde war – und die Sache war entschieden, denn [Noble Arms – Excaliburn II] würde Zach ins Verderben stürzen. Aber Anya wollte mehr. Sie wollte in ihrem Zug gewinnen. Und nur ein Blick auf die nachgezogene Karte verriet ihr, dass ihr dieser Wunsch erfüllt wurde. „Ich aktiviere [Monster Reborn]!“
      Zachariah zuckte zusammen. „Machst du Witze!?“
      „Könnte das die alles entscheidende Aktion sein!?“, überschlug sich Mr. C derweil.
      „Jetzt komm und hol dir, was schon längst überfällig ist!“, stieß Anya einen Schrei in die Luft aus, als sich vor ihr ein Runenzirkel öffnete. „Eine mächtige Tracht Prügel! Kehre zurück, [Gem-Knight Pearl]!“
      Unter den aufgeregten Zurufen des Publikums entstieg dem Lichtkreis der weiße Ritter mit den blauen Augen, welcher wie so oft die Arme verschränkt hielt. Um ihn herum schwebten die sieben Riesenperlen.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 0]

      Zeitgleich wich Zach immer mehr zurück. „D-du warst das, nicht wahr!?“
      Er zeigte mit dem Finger auf Pearl, der sich jedoch nicht regte. Was auch Grund genug für Anya war, vorsichtig nachzufragen, obwohl sie das eigentlich nicht in aller Öffentlichkeit tun sollte. „Bist … bist du in Ordnung?“
      Nichts. Das Mädchen schluckte. Jedoch mahnte sie sich, dass sie gleich noch genug Zeit haben würde, um sich mit Levrier zu beschäftigen. Zuerst musste sie ihren verdammten Bruder einstampfen. Und das würde sie jetzt auch, endgültig!
      Den Arm ausschwingend, kniff sie fest die Augen zusammen und befahl: „Los, [Gem-Knight Pearl]! Lösche seine restlichen Lebenspunkte aus! Direkter Angriff mit Sacred Spheres of Purity!“
      Wie ein Puppenspieler hob der weiße Ritter seine rechte Hand und musste nur ein wenig die Finger bewegen, damit die kohlkopfgroßen Perlen um ihn herum wie Kanonenkugeln auf Zachariah zu schossen.
      „Sayonara, Arschloch!“, feixte Anya dabei bitterböse grinsend.
      Dann wurde ihr Bruder schon von den Perlen erfasst, die um ihn herum im Boden einschlugen und mehrere kleine Explosionen verursachten. Alles, was sie noch hörte, als ihr Bruder im daraus resultierenden Qualm verschwand, war „Scheiße!“.

      [Anya: 100LP / Zachariah: 200LP → 0LP]

      „Das ist es, das Ende dieses fantastischen Duells! Wer hätte gedacht, dass die kleine Schwester am Ende als Siegerin hervortreten würde!?“
      Anya nahm Mr. Cs aufgeregte Worte und den anschließend einsetzenden, teilweise schon tosenden Applaus des Publikums, aber auch deutlich daraus hervorstechende Buhrufe kaum wahr. Sie sah nur auf den Ergebnisbildschirm oberhalb der Zuschauerränge zu ihrer Rechten, wo eindeutig stand, wer dieses Duell gewonnen hatte.
      Mit einem Schlag überkam es sie. Sie hob die Faust in die Luft und schrie: „Booyah! Wer ist hier der Boss, Mistkerl!?“
      Die Hologramme verschwanden und mit ihnen auch der Rauch, der Zach kurz zuvor noch umgeben hatte. Jener steuerte bereits festen Schrittes auf den dunklen Gang am Ende des Spielfelds zu, ohne seiner Gegnerin überhaupt zu gratulieren.
      Anya sah ihm nachdenklich hinterher. „Zach … tch!“

      Wie ein … geprügelter Hund …

      Levrier, schoss es Anya durch den Kopf und ihre Miene hellte sich schlagartig auf. „Du bist-!?“
      Tatsächlich sollte sie nicht dazu kommen, sich nach dessen Befinden zu erkundigen, da sie plötzlich von allen Seiten von Kameraleuten und Reportern mit Mikrofonen in der Hand umzingelt wurde. So sehr, dass die Leute ihr glatt auf die Pelle rückten.
      „Wie fühlt sich der Sieg an?“, fragte eine Journalistin.
      „Erzählen Sie uns etwas über ihre Familientragödie, Mrs. Bauer!“, ein anderer, der ihr glatt mit seinem Mikrofon gegen die Wange stieß.
      Anya, die kaum mehr Luft zum Atmen bekam, stammelte verloren: „H-hey, macht mal halblang!“

      ~-~-~

      Kyon schob seine Sonnenbrille mit der Spitze des Zeigefingers zurück auf die Nase. Der ganz in Schwarz gekleidete Butler des Sammlers sah auf zu dem riesigen Raumschiff, das sich über der Seitengasse befand.
      „Beeindruckend“, flüsterte er für sich, „aber ich habe nichts Geringeres von dir erwartet.“

      Völlig von den Ereignissen abgelenkt, bemerkte Zanthe nicht, wie der Mann mit dem schulterlangen, schwarzen Haar auf dem Dach der Kneipe stand und ihn beobachtete. Auch er hatte seinen Kopf in den Nacken gerissen, betrachtete die seltsame Maschine mit diesen von ihren vier Tragflächen abstehenden, regelmäßig auftauchenden Spitzen.
      Dieses Ding, Exa hatte es aus dem Nichts beschworen. Ohne dafür etwas zu tun! Excel Summon hatte er es genannt!? Was für eine Art Monster war das dann!?
      „Exa!“, wollte er seinen Freund umgehend dafür zur Rede stellen, doch der winkte mit erhobener Hand ab.
      „Nicht jetzt.“

      Der Blonde drehte den Kopf leicht zur Seite und sah aus den Augenwinkeln zum Dach der Kneipe, vor dessen Außenwand Zanthe stand. Anders als der Werwolf, hatte er Kyon sehr wohl bemerkt, wandte sich jedoch wieder ab, ohne dies kundzutun.
      Also war seine Eingebung richtig gewesen, dass sein Retter auftauchen würde, wenn man diesen Knirps dort bedrohte. Ab wann würde er sich preisgeben, fragte sich Exa. Vielleicht, wenn man den Druck auf seinen Schützling oder was auch immer erhöhte?
      Der stand da wie angewurzelt, hatte ebenfalls nur Augen für jenes unbekannte Monster. Exa warf daraufhin ebenfalls einen Blick auf seine Duel Disk, wo die Karte lag. Anders als andere Monsterarten, fehlte ihm ein farblicher Rahmen. Stattdessen war die komplette Karte mit dem dunklen Artwork von Event Horizon ausgefüllt, mit Ausnahme des Effekttextes, dessen Abschnitt davon deutlich blasser hervorgehoben war.
      „Excel Summon, huh?“, nuschelte er selbst ein wenig fasziniert. „Das wolltest du mir also andrehen?“
      Dann aber blickte er zu Kakyo auf. „So, genug gegafft! Das Duell geht weiter!“
      Keuchend riss sich sein brünetter Gegner von dem Anblick los. „Was ist das!?“
      „Etwas, das nicht jeder zu sehen bekommt“, erwiderte Exa bestimmend. Plötzlich streckte er den Arm vor, „wie wäre es also mit einer Kostprobe seines Effekts? [Cosmic Enforcer – Event Horizon]! Black Hole Distortion!“
      Sowohl Kakyo, als auch Zanthe stießen erschrockene Seufzer aus, als sich die verschiedenen, vor dem Schiff schwebenden Spitzen zu allen Seiten ruckartig ausbreiteten. Unvermittelt schoss aus jeder der über ein dutzend Maschinen ein weißer Lichtstrang, die allesamt dasselbe Ziel hatten: [Dark Magician]. Jener wurde erfasst und gefesselt, und trotzdem er sich mit aller Kraft zu wehren versuchte, wurde er von Kakyos Spielfeldseite fortgerissen.
      „Nein!“, schrie der mit ausgestreckter Hand. Auch [Dark Magician Girl] sah ihrem Lehrmeister verzweifelt hinterher.
      In der Innenseite des Raumschiffes schob sich derweil aus jeder Tragflächen eine Antenne, die zusammen unter großer Spannung einen dunklen Riss generierten, der rasend schnell anwuchs. Und in genau jenen wurde [Dark Magician] hineingeführt, bis er vollständig verschwand.
      Kakyo weitete die Augen. „W-was hast du getan!?“
      „Keine Bange, dein [Dark Magician] ist nicht wirklich verloren. Du bekommst ihn wieder.“
      Dies ließ seinen Gegner aufhorchen. „W-was?“
      Vor Exa tauchte plötzlich drei Reihen a fünf Karten auf, wobei in der letzten eine fehlte. Manche mit violettem Rand, andere mit schwarzem. Zanthe erkannte sie als Kakyos Extradeck wieder.
      „Nun ja, nicht in seiner ursprünglichen Form zumindest“, erklärte der Blonde derweil und überflog mit einem kurzen Blick die Karten. „Sondern als eine der Karten in deinem Extradeck, die mithilfe deines Magiers beschworen werden kann. Ah! Die nehm' ich, die sieht schwach aus!“
      Er hob seine Hand in die Höhe. „White Hole Emission!“
      Plötzlich änderte das Schwarze Loch inmitten des Schiffes seine Farbe und wurde weiß. Aus ihm schoss ein gleichfarbiger Strahl direkt vor Kakyons Füße und gab ein völlig neues Monster preis.
      „[Dark Flare Knight]!?“, nannte der den schwarzen Ritter beim Namen, welcher einen rot umrandeten Schild sowie eine glühende Klinge mit sich führte.

      Dark Flare Knight [ATK/2200 DEF/800 (6)]
      Dark Magician Girl [ATK/2000 → 2300 DEF/1700 (6)]

      „Genau“, bestätigte ihm Exa nickend, „schließlich ist [Dark Magician] eines seiner Fusionsmaterialien. Und da die Umwandlung geglückt ist …“
      Die Spitzen des Raumschiffes formierten sich wieder vor den Tragflächen in einer geraden Linie, woraufhin es selbst weiß aufzuleuchten begann.
      „… erhält Event Horizon bis zur End Phase die Hälfte der Angriffspunkte des Originalmonsters.“

      Cosmic Enforcer – Event Horizon [ATK/2500 → 3750 DEF/2000 X7]

      Kakyo stieß einen erschrockenen Seufzer aus, sah sofort auf sein D-Pad. Dann murmelte er: „Für jeden [Dark Magician] auf meinem Friedhof erhält [Dark Magician Girl] 300 Punkte …“

      [Exa: 1600LP / Kakyo: 500LP]

      „Letzte Chance. Sprich“, forderte Exa mit scharfem Tonfall.
      Sein Gegner blickte mit widerspenstigem Gesichtsausdruck auf. „Nein!“
      „Dann nicht. Aber sage nicht, ich hätte dich nicht gewarnt“, erwiderte der Blonde und hob seinen ausgestreckten Zeigefinger in die Höhe, „greif [Dark Flare Knight] an, Event Horizon! Planet Obliteration!“
      „Hör auf!“ Ohne Vorwarnung packte Zanthe den Arm seines Freundes. Mit eindringlichem Blick sah er zu ihm auf. „Willst du etwa wirklich-!?“
      Doch es war bereits zu spät für solche Aktionen, der Angriff war befohlen. Die Spitzen des Raumschiffes gingen wieder auseinander und schossen allesamt gleichzeitig orangefarbene Laserstrahlen auf Kakyo ab. In der Seitengasse gab es eine gewaltige Explosion.
      Entgeistert sah Zanthe Feuer und Rauch aus Kakyos Richtung schlagen. Selbst Exas diesbezüglich hartherzige Fassade bröckelte, als er das sah. Mit offenem Mund stand er da, mit erhobenem Arm, der von Zanthe festgehalten wurde.
      Dann aber sagte er leise: „Er hat nicht eingegriffen.“
      „Wer hat nicht …?“
      Aber da nickte Exa schon gen Dach, sodass Zanthe der Richtung nur folgen brauchte, um Kyon dort oben stehen zu sehen.
      „Unser kleines Duell hat ihn auf den Plan gerufen“, fügte Exa hinzu, „er ist es. Der, für den du mich gehalten hast.“

      „Um den kümmere ich mich!“
      Blitzschnell ließ Zanthe von seinem Freund ab, rannte quer durch die Gasse, nur um von einer Wand zur anderen zu springen, damit er aufs Dach gelangte. Exa sah ihm erstaunt nach.
      „PPKM.“
      Irritiert drehte sich der großgewachsene Mann um. Der Rauch hatte sich verzogen, jedoch war in einer der offen stehenden Mülltonnen lichterloh Feuer ausgebrochen. Kakyo stand noch dort, unverletzt, zumindest wenn man den letzten Angriff als Ausgangspunkt nahm. Und vor ihm ein Ritter in glänzender, weißer Rüstung.
      „PPKM“, wiederholte er seine Worte, „Persönliches Pech, kein Mitleid. Von allen Monstern, die du aus meinem Extradeck auswählen konntest, hast du ausgerechnet [Dark Flare Knight] genommen.“
      Exa verzog keine Miene. „Und das ist schlecht für mich?“
      „Sein Effekt hat dafür gesorgt, dass ich keinen Kampfschaden erleide. Und, dass nach seinem Tod [Mirage Knight] beschworen wird.“ Kakyo nickte besagtem weißen Ritter zu, um dessen Schultern ein blauer Umhang wehte. Eine violette Haarsträhne in seinem Gesicht verriet, welches Monster dort in der Rüstung steckte. Mit sich führte der gepanzerte [Dark Magician] eine riesige Sense, dessen massives Klingenblatt allein jedem Gegner Furcht einflößte.

      Mirage Knight [ATK/2800 DEF/2000 (8)]

      Jedem außer Exa. Geradezu unbeeindruckt entgegnete er: „Vielleicht sollte ich wirklich anfangen, Karteneffekte durchzulesen. Zumindest eine Karte setze ich noch, bevor ich an dich abgebe.“
      Jene schob er in seine Duel Disk, sodass sie neben der offen stehenden [Stellarnova Wave] in verdeckter Position erschien. Damit klang auch das Leuchten seines riesigen Raumkreuzers ab.

      Cosmic Enforcer – Event Horizon [ATK/3750 → 2500 DEF/2000 X7]

      „Draw!“, schrie Kakyo sofort im Anschluss und riss die Karte von seinem Deck. Ohne sie überhaupt anzusehen, zeigte er gen Himmel. „Du hättest -wirklich- besser aufpassen sollen! Dieses Duell ist zu Ende! [Mirage Knight], greif [Cosmic Enforcer – Event Horizon] an! Illusion Breaker!“
      Der Ritter stieß sich vom Boden ab und schoss wie ein Pfeil quer durch die Luft, Richtung seines anvisierten Ziels. Dabei zischte er unmittelbar an Zanthe vorbei, der am Rande des Dachs direkt vor Kyon stand.

      „Also ist es wahr“, sagte er leise und zerbrach das Schmetterlingssymbol vor seinem Gesicht mit der Hand, „du und er, zwischen euch besteht eine Verbindung.“
      Kyon folgte mit seinem Blick dem Flug des weißen Ritters. „Ja.“
      „Mehr nicht!? Ja!?“ Zanthe ballte eine Faust. „Ich will Antworten, verdammt! Wer ist dieser Kakyo!?“
      „Ein Mensch, wie du siehst. Und nichts weiter.“
      Daraufhin weitete der Werwolf die Augen. Seine aufkochenden Emotionen nicht unter Kontrolle halten könnend, stürmte er auf sein Gegenüber zu und packte es am Kragen der Butleruniform.

      Gleichzeitig war [Mirage Knight] hoch genug aufgestiegen, um direkt vor dem Inneren des Schiffes zu schweben. Mit seiner Waffe ausholend, warf er sie mit aller Kraft in Richtung des Kerns. Wie ein Chakram kreiste sie dabei um ihre eigene Achse.
      Unten, am Boden, erklärte Kakyo: „[Mirage Knight] ist besonders. Nur einmal, wenn er kämpft, kann er sich um die Grundangriffskraft seines Gegners stärken. Aber das bedeutet seinen Tod.“
      „Und den bist du bereit einzugehen?“, fragte Exa ungerührt.
      „Nein. Weil das Duell vorbei sein wird, ehe es dazu kommt!“ Ruckartig sah Kakyo nach oben zu seinem Monster. „Gib alles! Mirror Resonance!“
      Sogleich strahlte sein Ritter regelrecht von Innen. Und die fliegende Sense duplizierte sich einmal, dann zweimal, bis eine ganze Horde jener Waffen auf den Kern zuflog.

      Mirage Knight [ATK/2800 → 5300 DEF/2000 (8)]

      „Illusionen“, erwiderte Exa ungerührt, „sind leider nur das. Illusionen.“
      Statt eine massive Explosion auszulösen, die mit Sicherheit den ganzen Stadtteil erschüttert hätte, prallte die originale Sense einfach am Metall des Schiffes ab. Die anderen verschwanden gar.
      Kakyo klappte die Kinnlade hinunter.
      „Du hättest auch etwas Recherche betreiben sollen, Kurzer“, fügte Exa noch an, „dann wüsstest du, dass Event Horizon den Effekt des von ihm beschworenen Monsters kopiert und grundsätzlich nicht durch Kämpfe zerstört werden kann.“
      Fassungslos sah der angehende Profiduellant nach oben. „Dann habe ich …“
      „Dein Monster doch ins Verderben geschickt.“
      „Noch bin ich nicht am Ende!“, zeigte sich Kakyo trotz allem noch kämpferisch. Er nahm seine einzige Handkarte und schob sie in die Duel Disk. „Ich rüste mein [Dark Magician Girl] mit [Wonder Wand] aus.“
      Deren Zauberstab wurde kurzerhand durch einen neuen ausgetauscht, dessen Spitze in einer grässlichen Silberfratze endete, auf deren Kopf ein grüner, runder Edelstein thronte.

      Dark Magician Girl [ATK/2300 → 2800 DEF/1700 (6)]

      „Vergib mir …“, murmelte Kakyo traurig. Seine Magierin drehte sich zu ihm um, lächelte ihn jedoch aufmunternd an. Woraufhin er verkündete: „[Wonder Wand] lässt mich das ausgerüstete Monster opfern, um zwei Karten zu ziehen.“
      Exa verschränkte die Arme. „Jetzt musst du schon über die Leichen deiner Monster gehen, um noch mitzuhalten.“
      „Ihr Opfer wird nicht vergebens sein!“, konterte Kakyo mit derartiger Inbrunst, als würde es sich bei der Magierin um einen echten Menschen handeln. „Draw!“
      Die obersten zwei Karten von seinem Deck ziehend, betrachtete er sie konzentriert.
      „Dein 'Freund' oder 'Meister' oder was auch immer ist hier. Jetzt ist die Frage, ob er redseliger ist als du“, sagte Exa und deutete mit dem Daumen zum Dach.
      Für einen Moment blickte der junge Mann erstaunt drein, verzog dann aber zornig das Gesicht. „Das ist seine Sache. Ich für meinen Teil halte mein Versprechen. Zwei Karten verdeckt, du bist dran!“
      Er schob beide Karten in sein D-Pad, sodass sie je links und rechts neben seiner [Spell Economics]-Zauberkarte erschienen. Als Resultat jener Ankündigung löste sich [Mirage Knight] sang- und klanglos auf.

      „Mal sehen“, murmelte Exa und zog auf eine zweite Handkarte auf. Mit großem Erstaunen betrachtete er sie einen Moment, ehe er sich wieder seinem Gegner widmete.
      Der schwang den Arm aus. „Ich aktiviere [Eternal Soul]!“
      Sogleich sprang die linke gesetzte Karte auf und erwies sich als dauerhafte Falle, auf der eine Steintafel abgebildet war. Jene schob sich aus dem Artwork hervor und manifestierte sich in vergrößerter Form auf Kakyos Spielfeldseite. Die Umrisse eines Monsters begannen auf ihr zu funkeln.
      „Diese Karte lässt mich [Dark Magician] vom Friedhof beschwören!“
      Dessen Silhouette war es schließlich auch, die auf dem braunen Gestein eingemeißelt war. Wie von Kakyo angekündigt, drang aus der Tafel ein Licht, welchem schließlich sein violetter Magier entsprang. Jener schwang seinen Zauberstab und fasste sich an den spitz zulaufenden Hut.

      Dark Magician [ATK/2500 DEF/2100 (7)]

      „Ganz egal, wie oft du ihn vernichtest, er kehrt immer wieder zu mir zurück!“, rief Kakyo ehrgeiziger denn je.
      Exa quittierte das mit einem schelmischen Grinsen. „Das muss man ihm lassen. Aber ich habe nicht vor, ihn zu vernichten. Event Horizon, Black Hole Distortion!“
      Gnadenlos zeigte er auf den Hexer. Die metallischen Spitzen, die vor dem Raumkreuzer flogen, schossen weiße Lichtstränge auf [Dark Magician] ab, wie es schon beim letzten Mal der Fall gewesen war. Doch plötzlich ging ein grelles Licht von der immer noch hinter dem Magier verharrenden Steintafel aus, welches die Fesseln kurz vor ihrem Ziel zum Bersten brachten.
      „Also das hab ich mir anders gedacht“, staunte Exa nicht schlecht und blinzelte verdutzt.
      „[Eternal Soul] hat noch einen Effekt, der [Dark Magician] vor Effekten meines Gegners beschützt. Und zwar vor allen!“
      Einen tiefen Seufzer ausstoßend, zuckte Exa mit den Schultern. „Im Ernst jetzt? Musst du es uns so verdammt schwer machen? Wenn Duelle immer so sind, machen sie mir keinen Spaß …“
      „Das sind wir schon zwei“, erwiderte Kakyo. „Duelle sind nicht dazu da, anderen weh zu tun.“
      „Sei froh, dass es Duelle gibt, sonst hätte ich dir auf andere Weise weh getan.“ Exa kniff die Augen zusammen. „Außerdem solltest du eines nicht vergessen. Event Horizon kann nicht durch Kämpfe zerstört werden, weshalb ich kein Problem damit habe, deinen [Dark Magician] anzugreifen.“
      „Darauf bin ich vorbereitet!“
      Der Blonde grinste wieder verschlagen. „Ich habe auch noch ein Ass im Ärmel.“
      Womit er die vor ihm liegende, gesetzte Karte neben [Stellarnova Wave] meinte.

      Gleichzeitig stieß Zanthe Kyon von sich fort. „Das ist alles, was du mir zu sagen hast!?“
      „Ja.“
      „Es war noch nie gut, jemanden vor Wissen zu beschützen!“, widersprach Zanthe aufgebracht und schwang den Arm aus. „Wer bist du, dass du dir anmaßt-!?“
      „Planet Obliteration!“, hallte Exas Stimme plötzlich durch die Gasse.
      Erschrocken wirbelte der schwarzhaarige Kopftuchträger herum und sah nur noch, wie sich die kleinen Spitzen vor dem Raumschiff über ihnen bereits in orangem Licht aufluden.
      „Das reicht jetzt!“, donnerte Kyon plötzlich ungewohnt zornig und schnippte mit dem Finger. „Dein Freund wird uns nur in Schwierigkeiten bringen!“

      Exa, der seine Hand nach vorne ausgestreckt hielt, sah Kakyo ehrgeizig entgegen. Jener war gerade im Begriff, seine letzte gesetzte Karte zu aktivieren, da tauchte direkt unter seinen Füßen ein schwarzes Portal auf.
      „Was-? Ah!“, stieß der einen erschrockenen Schrei aus, wie er immer tiefer in der sich spiegelnden, schwarz-violetten Oberfläche verschwand.
      Aber nicht nur ihm ging es so, auch Exa steckte in einem vergleichbaren Phänomen fest. Statt seine Laserstrahlen abzufeuern, löste sich das riesige Raumschiff in Luft auf. Genau wie sein Besitzer und dessen Gegner, die spurlos verschwunden waren.
      Zanthe, der all dies beobachtet hatte, wirbelte zu Kyon herum. „Was hast du mit ihnen gemacht!?“
      Erstaunt musste er feststellen, dass sich zwischen ihm und dem Butler des Sammlers ebenfalls ein Portal öffnete, doch jenes war in seiner Form um die zwei Meter hoch.
      „Sie vor so einigen Problemen gerettet. Genau wie uns, wohlgemerkt.“
      „Wirst du jetzt abhauen?“, verlangte Zanthe zu wissen. „Dann sag mir wenigstens, wo Exa jetzt ist!“
      „Nichts dergleichen habe ich vor.“ Kyon schritt an dem Portal vorbei, streckte jedoch seinen Arm danach aus, als wolle er es seinem Gegenüber präsentieren. „Deine Worte sind wahr. Dir essentielles Wissen vorzuenthalten ist falsch. Aber ich kann es dir nicht überlassen, ohne sicherzugehen, dass es dich nicht zerstört.“
      Zanthe nickte mit verzogenen Mundwinkeln. „Verstehe schon. Also gut, ich komme mit …“

      ~-~-~

      Völlig erschöpft trat Anya über die Schwelle, die das Stadion von dem dunklen Gang trennte. Irgendwie war es ihr gelungen, diesen Nervensägen von Reportern zu entkommen, was nicht zuletzt mit ein paar nicht TV-tauglichen Schimpfwörtern verbunden war. Und kaum war sie außerhalb der Sichtweite des Publikums, kippte sie zur Seite und musste sich an der Wand abstützen.
      Von weiter vorne hörte sie Stimmen, verstand aber nicht, was sie sagten. Doch es war ihr gleich, denn in diesem Moment zähle nur eines: Sie hatte gewonnen. Aus eigener Kraft, ohne Levriers Hilfe! Und es ging ihm gut!

      „… wirst du immer eine Gefangene sein …“
      „… dich nicht darum gebeten!“

      Anya schleppte sie sich weiter voran. Dabei wurden die Stimmen deutlicher und ihre Besitzer traten zunehmend in ihr Blickfeld. Als Anya sie erkannte, blieb sie abrupt stehen. Dort standen sie, ihr Bruder Zach und Kali in ihrer schwarzen Kutte. Beide diskutierten heftig und schienen keine Notiz von ihr zu nehmen.
      „Hör' auf mich zu verarschen“, zischte der wesentlich größere Zach und schlug seine flache Hand gegen die Wand, direkt neben Kalis maskiertes Gesicht, „du bist die Einzige, die davon wusste!“
      „Ich war es nicht!“, beteuerte die und stieß den Arm mit ihrer eigenen Hand weg. „Wann hätte ich das tun sollen!?“
      „Du? Gar nicht. Aber Gardenia, die bringt so etwas mit Sicherheit fertig!“ Zach drehte Kali den Rücken zu und hielt sich die Stirn, senkte das Haupt. „Ich habe Kopfschmerzen …“
      Mit ihrer von der weißen Porzellanmaske gedämpften Stimme redete Kali hitzig auf ihn ein. „Mach dich nicht lächerlich! Gardenia wollte, dass du diese Schnapsidee durchziehst! Sie hat mich mit ihrem Gequatsche aufgehalten, damit ich mich nicht einmischen kann!“
      „Und wer soll es dann gewesen sein?“
      „Ich kenne jemanden … Nick Harper. Aber der ist meilenweit von hier entfernt, er hätte unmöglich -da- herankommen können, schon gar nicht so kurz vor dem Duell.“
      Wieder wirbelte Zachariah herum, doch blieb diesmal mitten in der Bewegung mit offenem Mund stehen. Er hatte Anya bemerkt, die sich ein paar Meter von ihnen entfernt von der Wand abstieß und auf sie zusteuerte.
      Kali hingegen schien sie nicht bemerkt zu haben, mutmaßte sie wild weiter. „Möglicherweise war sie es selbst? Aber … nein, das ist unmöglich. Dazu fehlen ihr die nötigen Fähigkeiten.“
      „Vielleicht kann die gute Anya uns selbst ein wenig auf die Sprünge helfen?“, sprach der große Blonde an seine Schwester gewandt.

      Die gab ihr Bestes, beim Laufen einen selbstbewussten, festen Eindruck zu erwecken. Es bestand kein Zweifel daran, dass sie in ihrer jetzigen Kondition kein Gegner für die beiden war.
      „Worum geht es denn, huh?“, zischte sie bitterböse. „Ein vereiteltes Mordkomplott etwa? Pech für euch Kackratten, ich lebe nämlich noch.“
      Kali trat daraufhin vor Zachariah. „Misch dich nicht in unsere Angelegenheiten ein.“
      „Da es um mich geht, sind es sehr wohl auch meine Angelegenheiten, dämliche Pisskuh!“ Entgegen ihres Zustands konnte Anya ihre ureigenen Angewohnheiten einmal mehr nicht unterdrücken. „Lass uns doch hier und jetzt darüber entscheiden, ob du deine Rache an mir bekommst!“
      „Die ist so sicher wie das Amen in der Kirche“, versicherte ihr Kali jedoch unbeeindruckt, „dich mir jetzt vorzunehmen wäre nicht besonders befriedigend.“
      Anya grinste hässlich. „Hast du etwa Schiss, weil du mir jetzt höchstpersönlich gegenüber stehst?“
      „Denk was du willst …“ Ihre verhasste Feindin drehte sich um. „Seid dir nur im Klaren darüber, dass du nächstes Mal -mir- gegenüber stehen wirst. Vielleicht solltest du ja Schiss haben?“
      Das gesagt, streckte Kali die Hand aus. Direkt hinter Zachariah öffnete sich ein schwarzes Portal, das das schwache Licht der Lampen über ihnen spiegelte.
      „Hey, warte!“, wollte Anya ihr hinterher, doch verlor die Kontrolle über ihren Körper und sackte gegen die Wand. „Bleibt stehen!“
      Auch Zach drehte sich um und folgte Kali, wie sie auf das schwarze Loch inmitten des Ganges zuschritt. „Nichts für ungut, aber … nein.“
      „Gebt mir gefälligst mein Zeug wieder!“, forderte Anya zornig.
      „Es gibt nichts in dieser Welt“, entgegnete Kali plötzlich und blieb vor dem Portal stehen, „das dir gehört.“
      „Wenigstens mein Deck“, flehte die Blonde jedoch plötzlich.
      Kali schwieg erst eine Sekunde, bis sie sagte: „Davon weiß ich nichts.“
      Dann trat sie ein, kurz darauf auch Zach, und mit ihnen verschwand auch die Krümmung im Raum. Anya rutschte an der Wand entlang auf die Knie. Und schlug mit der Faust auf den metallischen Boden. „Scheiße!“


      Turn 63 – Day Of The Ghost
      Durch Kyons Einmischen sind Exa und Kakyo verschwunden. Stattdessen will Zanthe jetzt ein Duell mit dem Immateriellen austragen, um die Wahrheit über ihn zu erfahren. Sich darauf einlassend, bringt Kyon sie beide an einen anderen Ort, wo sie ungestört duellieren können. Und beginnt sich im Verlauf ihrer Konfrontation, ganz zu Zanthes Verblüffung, zu öffnen …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Battlin' Boxer Rabbit Puncher

      Ego Boost
      Monster Reborn

      Soul Strike

      Gem-Knight Pearl
      Daigusto Emeral

      Zachariah

      Noble Knight Artorigus
      Noble Knight Borz
      Noble Knight Peredur
      Gwenwhyfar, Queen Of Noble Arms

      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms Of Destiny

      Noble Arms – Excaliburn II
      Zauber/Ausrüstung
      Du kannst nur 1 offene "Noble Arms - Excaliburn II" kontrollieren. Rüste nur ein „Noble Knight“-Xyz-Monster mit dieser Karte aus. Wenn das mit dieser Karte ausgerüstete Monster Kampfschaden zufügt, wird der zugefügte Kampfschaden zur Anzahl deiner Life Points. Du kannst diesen Effekt von "Noble Arms – Excaliburn II" nur einmal pro Spielzug verwenden. Falls diese Karte auf deinem Friedhof liegt: Während jeder deiner Standby Phasen füge deinen Life Points 1000 Punkte Schaden zu.

      Avalon

      Ingnoble Knight Of High Laundsallyn
      Artorigus, King Of Noble Knights
      Sacred Noble Knight Of King Artorigus

      Exa

      Satellarknight Rigel
      Satellarknight Capella
      Satellarknight Alsahm
      Satellarknight Vega
      Satellarknight Altair
      Satellarknight Sirius

      Satellarknight Skybridge

      Stellarnova Wave

      Stellarknight Triverr

      Cosmic Enforcer – Event Horizon
      Monster/Effekt/Excel
      Maschine/Licht
      ATK/2500 DEF/2000 X7
      Kondition: {????}
      Einmal pro Zug: Wähle 1 offenes Monster auf der Spielfeldseite deines Gegners als Ziel; lege das Ziel auf den Friedhof. Danach siehe dir die Karten im Extradeck deines Gegners an. Wenn du dort Monster findest, die mit dem Ziel als Material als Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung beschworen werden können: beschwöre eines dieser Monster als Spezialbeschwörung auf die Spielfeldseite deines Gegners. Diese Karte erhält die Effekte aller mit diesem Effekt beschworenen Monster und bis zur End Phase ATK in Höhe der Hälfte des Ziels. Diese Karte kann nicht durch Kampf zerstört werden.

      Kakyo

      Dark Magician
      Dark Magician Girl
      Mirage Knight

      Dark Magic Curtain
      Diffusion Wave Motion
      Wonder Wand
      Spell Economics
      Instant Fusion

      Eternal Soul
      Black Illusion
      Trap Of Darkness

      Flame Swordsman
      Dark Flare Knight


      Über euer Feedback würde ich mich natürlich sehr freuen. :)
      Spoiler anzeigen
      ​Also zur Doppelfolge kann ich nur sagen; Wow. Beide Duelle waren echt spannend. Wie Anya ohne Leviar mal strategisch dachte, war echt eine nette Abwechslung. Ihre Duell Künste sind von Mittel zu "fast" gut inzwischen angestiegen. Der Einsatz von Seelentritt war auch episch. Cooler Nachteil Effekt haste Excalibur 2 gegeben. Hätte doch Anja die Karte bloss früher vom Feld genommen.^^ Das Duell gegen Exa vs Kakyo war auch echt gut geschrieben. Kakyo hat mit DM Stella gut eingeheitzt. Mann hat mit Kakyon immer mit gefierbert und gehoft das er gewinnt, so so als währe er Yugi. Nostalgie over 9000! Wie diese Exel Summoning funktioniert will ich dann aber auch noch wissen^^

      Story technisch hätte ich Anjas Sieg nicht erwartet^^ Aber ich gönne es ihr. Das Kali Gewissensbisse bekommt, macht sie inzwischen ziemlich interessant als Charakter. Zwischen Gut und Böse muss sie wählen und will das aber nicht. Warum auch? Mann kann ja auch beides haben XD
      Nächste Folge wirds ja anscheinend noch spannender. Wenn du uns dann endlich verartest was das mit Zach und seiner Vergangenheit mit Kyon und co zu tun hat.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Aska

      Dann bin ich mal gespannt mit den beiden. In der Folge hatte man ja auch den Eindruck gewonnen, dass da zwischen den beiden noch mehr vorgeht, was man insbesondere daran gemerkt hat, dass Zach Kali von ihrem Joch befreien wollte. Was genau bleibt halt abzuwarten, aber irgendwie scheint es für mich da eine tiefere Verbindung bei ihrer Partnerschaft zu geben.


      Folge

      Wieder eine sehr spannende Folge gewesen. Der Flashback gleich zu Beginn mit der Enthüllung, dass sich in Anyas Duel Disk eine Bombe befindet, lieferte gleich mal einen gelungenen Einstieg. Denn damit war jetzt nicht mehr nur noch ihre weitere Turnierteilnahme gefährdet, sondern sogar ganz unmittelbar auch ihr Leben. (Was es aber auch deutlich stärker wäre, wenn sie aus dem Turnier fliegt) Klang also schon mal ziemlich nach einer Lose-Lose Situation, egal wie es ausgehen sollte.

      Aber auf jeden Fall ist in dieser Folge klar geworden, dass beide Teil einer Gruppe sind, deren übergeordnetes Ziel es offenbar ist, Anya davon abzuhalten, die Artefakte zu sammeln. Oder vielleicht eher, dass der Collector diese durch Anya in seine Finger bekommt? Davon unabhängig haben die Charas aber auch noch ihre eigenen Motive, so wie Kali, die auf diesem Weg auch ihre Rache an Anya bekommen kann, sofern diese zu ihren Bedingungen stattfinden kann. Das fand ich insofern interessant, dass Kali nicht wie ein Unmensch oder kaltblütige Killerin rüberkam. Der wäre es wohl egal gewesen, aber unabhängig davon will sie wohl, dass Anya im Moment ihrer Rache ihr ins Auge blickt und erkennt wieso, oder es auf jeden Fall selbst sein will, die diese Tat vollbringt.

      Viel mehr Fragen aber hat der Auftritt einer 'alten' Bekannten aufgeworfen (oder neu für alle, die die alten Geschichten nicht kennen xD).
      Dass es über den beiden noch jemand geben musste, war irgendwie absehbar, was aber die Enthüllung nicht weniger überraschend machte. Aber Kali selbst wirkte ja je mehr man von ihr erfuhr wie jemand, der das ganze Übernatürliche erst von jemand anderem gelernt hatte. Und auch Zach war ja von sich aus wohl niemand, der schon vorher Kontakt mit hatte. Noch durften die beiden ganz alleine alles um Anya herausgefunden haben. Insofern musste es da irgendjemand geben, der sie zumindest mit Informationen versorgte und dadurch mehr oder weniger lenkte.
      Bin aber mal gespannt, wie Gardenia nun in TLA sein wird. Wenn ich ehrlich bin ist ihr letzter Auftritt in deiner anderen Geschichte so lange her, dass ich mich kaum noch daran erinnere, wie ihr Charakter war, aber das ist ja zum Glück auch nicht notwendig, außer man will die beiden Varianten jetzt unbedingt vergleichen - was aber wirklich nichts bringt, da die Namensvettern in dieser Geschichte bisher eigentlich durchweg als völlig eigenständige Charas zu betrachten waren.
      Die größte Verblüffung war bei ihrem Auftritt aber wohl gewesen, dass Orion an ihrer Seite war und das offensichtlich auch aus freien Stücken. Das wirft natürlich die gigantische Frage auf, was der (ehemalige?) DIener des Sammlers gerade bei jemandem macht, der offensichtlich dem Sammler geradezu schon "Hinkelsteine" in den Weg legt? Da muss also doch mit großer Wahrscheinlichkeit etwas passiert sein, dass es dazu gekommen ist. Aber irgendwie kann ich mir schwer vorstellen, dass der Sammler ihn schlicht verstoßen hat. Immerhin hat er ihm ja selbst den Verrat zum Ende von S1 durchgehen lassen. In der Hinsicht hatte es mich ja damals schon gewundert, als Kyon als Diener des Sammlers eingeführt wurde, dass jede Spur von Orion fehlte und dessen Verbleib auch überhaupt nicht erwähnt wurde.
      Dennoch denke ich, dass es sicherlich einen Grund gibt, warum Orion nun aktuell auf Seiten der gegnerischen Fraktion zum Sammler steht. Also lass uns nicht zu lange warten (iwo, das dauert eh bis zum Finale, dass das rauskommt xD)

      Ansonsten um noch ein paar Worte zu dem Duell zu sagen, da ging es selbst zum Ende nochmal in raschen Zügen hin und her. Das unterstrich seinerseits nochmal schön, dass die beiden sich bis zur letzten Sekunde nichts zu schenken hatten. Besonders toll war der Moment, als es für Zach keinen anderen Ausweg mehr gab, das Duell zu gewinnen, außer indem er Anya per Bombe tötet. Als der fast schon obligatorische Rauch die Sicht versperrt und er ordnungsgemäß den Zug beendet, damit keiner skeptisch werden würde, was da eben passiert ist, und Anya ihrem Charakter typisch aus dem Rauch rüberruft, dass das mal Zeit wurde und den Rest des Dunstes kurzerhand beseite schlug.

      Und dann gab es da noch das Duell zwischen Exa und Kakyo. Trotz oder vielleicht gerade wegen Exas "Unerfahrenheit" mit Duel Monsters war das wirklich witzig sowie interessant zu lesen gewesen. Kakyo kämpfte mit aller Kraft, schließlich ging es um sein eigenes Wohl, während Exa diverse Böcke schoss und ihm trotzdem die Stirn bieten konnte. Wobei ich mich zum Ende hin teils echt fragen musste, ob das noch Zufall war oder eventuell gar schon Absicht.
      Aber sagen wir es ganz deutlich. Unter normalen Umständen und gleichen Vorraussetzungen hätte Exa hier klar gewonnen gehabt, aber so war er dann dazu gezwungen, die neue Kartenart zu rufen, die hier geteasert wurde. Bin mal gespannt, wie das genau funktioniert. Dankt des X7 hab ich schon einen gewissen Verdacht, aber ich lass mir das lieber von dir erklären, wenn es dann soweit ist :)

      Ansonsten hat sich die Verbindung zwischen Kakyo und Kyon in dieser Folge weiter verdichtet, aber was es damit genau auf sich hat, das wurde noch nicht geklärt. Aber wenn man die Vorschau betrachtet, stehen die Chancen gut, dass es in der nächsten Folge thematisiert wird. Aber auch die Fragen blieben, warum der Duell Neuling Exa ausgerechnet das Deck jenes Alessandros hatte und teils instinktiv wusste, was man machen musste, war etwas verdächtig gewesen und blieb unbeantwortet. Man will ja nicht skeptisch sein, aber wenn sich da zu viele Zufälle häufen, hat man gar keine andere Wahl, und das war hier definitiv der Fall.
      Schön fand ich in dem Duell aber auch, wie Kakyo fortlaufend seine Monster zu schützen versuchte und man dabei deutlich spürte, dass es eine starke Verbindung zwischen ihm und ihnen gab. Insbesondere hat man das auch beim DMG nochmal gemerkt. Bin da gespannt, ob das auch noch einen tiefergehenden Grund dafür geben wird.

      Davon ab war es wieder typisch lustig, wie in dem Fall Zanthe glaubte, Kyon einschüchtern zu können, und der praktisch mit einem Fingerschnipp mal eben Kakyo und Exa verschwinden lässt ohne dass die was machen konnten. Soviel zum Thema, wie groß der Unterschied zwischen beiden ist und die Sache, Antworten erzwingen zu wollen xD Die Androhung von Gewalt dürfte den wohl sowas von gar nicht jucken.
      Aber dennoch bin ich drauf gespannt, was es so an Antworten in der nächsten Folge geben wird. Die hier hat ja doch wirklich einen Haufen aufgeworfen, die es erstmal wieder zu klären gilt. (Nicht, dass ich die Hoffnung hab, dass einige allzu bald geklärt werden *pfeif*) xD

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      So, vielen Dank mal wieder an euch alle.

      @WiR
      Tja, Anya ist eben besser geworden. Ich hoffe, auch weiterhin ihre Entwicklung glaubhaft darstellen zu können. ^^
      Joa, Kakyo als Charakter gefällt mir, weil er auch mal ein altes Thema spielt. DM hat ja in letzter Zeit guten Support bekommen und der verdient es gezeigt zu werden.

      Excel Summons kann ich dir noch nicht in allen Einzelheiten erklären, da ich selber noch nicht entschieden habe, was dazu gehört und was nicht.
      Eins verrate ich aber schon: Das X steht für Grade und der Grade steht im direkten Verhältnis zur Beschwörungsmethode. Momentan sieht es so aus, dass zwei Bedingungen erfüllt werden müssen, um ein Excel-Monster zu beschwören und beide haben mit dem Grade zu tun. Eine steht bereits fest, nämlich die Zugzahl. Du kannst ein Excel-Monster erst ab dem Zug beschwören, die sein Grad angibt. Also X7 = Zug 7 (oder später). Mehr kann ich aber noch nicht dazu sagen. ;)

      Danke für den Kommi, freut mich, dass dir die Duelle gefallen haben. Ich denke, die nächste Folge wird einige Fragen beantworten. Hehe.

      @Evil Bakura
      Anya ist ja nun wirklich für jeden ein Joch, nicht nur für Kali. xD Aber ja, Zach ist tatsächlich um Kali besorgt.

      Das Witzige ist ja, dass die Bombe immer noch in Anyas D-Pad sein könnte und keiner außer Zach, Kali, Gardenia und eventuell eine vierte Person wissen davon. Gardenia hat die Bombe nicht entschärft, ich habe ihre Wortwahl in der finalen Version etwas angepasst um Missverständnisse zu vermeiden wie's in der Korrektur von dir der Fall war.
      Was Gardenia selbst angeht kann ich dazu leider mal wieder nicht viel sagen. Sie spielt eine andere Rolle als in SoW, logisch, aber ich denke von den Grundzügen her ist sie ihrer Vorgängerin ähnlich. Und warum ausgerechnet die Pornozwiebel bei ihr ist? Dunno. Aber lustig, du hast echt vergessen, dass der Sammler in der zweiten Folge von Staffel 2 zu Anya gesagt hat, dass Orion fort ist, als jene um Unterstützung "gebeten" hat.

      Was Exa angeht: Er ist wirklich ein Noob, aber jemand von der Sorte, die relativ schnell begreift worauf es ankommt. Und er hat einen ... unbewussten Vorteil, nebst Event Horizon. ;)

      Insofern auch dir vielen Dank. Mal sehen, ob Kyon sich von Zanthe nun einschüchtern lässt oder nicht. ;)


      Tut Tut, der Folgenzug! Nächster Halt ...

      Turn 63 – Day Of The Ghost
      Das schwarze, ovale Portal öffnete sich und voran trat Zanthe heraus, der sich im Gehen umsah. Sofort fiel ihm die Umzäunung auf, die seine Umgebung in alle Richtungen abgrenzten, kurz darauf ein kleines Treppenhäuschen hinter ihnen.
      „Hier sind wir ungestört“, sagte Kyon, als sich das Portal schloss.
      Jubel drang an Zanthes Ohr, sodass er abgelenkt an den Zaun heran schlenderte. Sich mit einer Hand darin festkrallend, blickte er hinab zur Straße, in der sich das Gebäude befand, auf dessen Dach Kyon sie geführt hatten. Dort unten standen ein paar Jungs vor einem Elektronikgeschäft, das um diese Uhrzeit noch geöffnet hatte. Auf dutzenden Fernsehern wurde das Duell zwischen Anya und ihrem Bruder Zachariah übertragen. Die Kinder standen in dem Lichtkegel einer der Straßenlaternen.
      „Wo ist Exa?“, fragte Zanthe tonlos, ohne seinen Blick abzuwenden.
      „Ganz in der Nähe. Ich musste ihn von Kakyo Sangon trennen“, versicherte ihm Kyon.
      Der Werwolf löste seine Finger aus dem Maschendraht und drehte sich um. „Exa, Kakyo, der Sammler … und mittendrin du. Ich will Antworten.“

      Kyon streckte seinen Arm vor. Dort befand sich seine flügelähnliche Duel Disk, die mit einem leisen Klacken ausfuhr. „Und du sollst sie bekommen. Sofern du dich mit mir duellierst.“
      „Und wenn ich verliere, gehe ich leer aus?“, hakte Zanthe misstrauisch nach.
      Sein Gegenüber schüttelte den Kopf. „Nein. Wenn du verlierst, weiß ich, dass ich noch besser auf dich Acht geben muss. Dann bist du noch nicht bereit für-“
      „Was soll das alles!?“, brach es plötzlich aus dem immer zorniger werdenden Werwolf heraus, der die Arme weit von sich streckte. „-Du- willst auf mich aufpassen!? Bist du mein Vater!? Meine Mutter!? Ach nein, du steckst ja im Körper meines Bruders Alessandro! Aber du bist nicht er!“
      „Dennoch habe ich es ihm versprochen, bevor seine Seele in den Limbus überging.“
      Zanthe weitete die Augen, als er dieses Wort hörte. Erinnerungen wurden wach, die er sofort wieder unterdrückte.

      Aus der Ferne hallte ein mächtiges Donnern bis zur Lichtung. Zanthe hockte auf den Knien, stützte sich mit den Händen im Moos ab. Unter ihm lag eine einzelne Karte, [Angel Wing Dragon]. Die Augen fest zugekniffen, fielen von ihnen die Tränen hinab.
      „Geh weg“, presste er mühsam mit zitternder Stimme hervor.
      Inmitten dieser schicksalsträchtigen Nacht ragte über die Bäume hinaus ein riesiger Turm. Von Explosionen heimgesucht, stürzte er langsam ein, doch verschwand inmitten dieses Prozesses urplötzlich.
      „Er hat dich als seinen Nachfolger auserwählt, Zanthe Montinari“, sprach Kyon, der hinter dem jungen Mann stand. Sein Erscheinungsbild damals war gänzlich anders als heute, so trug auch er sein langes, schwarzes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden. Gehüllt war er in einen weißen Mantel, auf eine Sonnenbrille verzichtete er.
      „Ich will das nicht! Und jetzt verschwinde!“, wimmerte Zanthe.
      Kyon sah auf seinen vor sich ausgestreckten Arm herab, an dem ein Duellhandschuh derselben Machart wie Zanthes befestigt war. Diesen griff er und zog ihn von der Hand. „Dein Bruder-!“
      Mit einem Ruck sah der Kopftuchträger mit geweiteten Augen über seine Schulter. „Auch wenn du im Körper meines Bruders steckst, werde ich-!“
      Er verstummte, als etwas Nasses seine Wange streifte. Doch es waren nicht seine eigenen Tränen, sondern die des Himmels.


      Zanthe zuckte zusammen, als er sich bewusst wurde, woran er sich gerade erinnerte.
      Zu allem Überfluss benetzte plötzlich eine winzige Wasserperle seine Wange. Dann noch eine. Beide blickten nach oben, in den wolkenverhangenen Nachthimmel. Es begann zu regnen. Genau wie damals, als Zanthe um Kyons Existenz erfuhr – und seinen Bruder verlor.
      Er war es auch, der als Erster den Kopf wieder senkte. „Ich werde mich mit dir duellieren, alles klar? Aber nicht, weil ich von dir beschützt werden will. Deine Hilfe brauche ich gewiss nicht!“
      „Mir ist gleich, aus welchen Beweggründen du zusagst. Zeig mir, wie viel Hüter noch in dir steckt!“, rief Kyon streng und schwang seinen Arm aus. „Zanthe Montinari!“
      Ebenjener drückte mit dem Daumen das Juwel in seinem Armreif, welcher sich umgehend um seine Hand schloss und zu dem Handschuh wurde, welchen er für seine Duelle verwendete. In diesen schob er sein Deck, welches er aus der Hosentasche zauberte.
      „Gut“, war alles, was Kyon dazu zu sagen hatte.
      Zanthe nahm es jedoch kurzerhand wieder aus der Halterung seines Duellhandschuhs und begann es nach einer Karte zu durchsuchen. „Bevor wir beginnen, gibt es noch etwas, das ich dir zurückgeben muss.“
      Als er sie gefunden hatte, warf er sie Kyon unvermittelt zu. Der fing sie zwischen Zeige- und Mittelfinger auf, drehte sie zwischen ihnen und lächelte geheimnisvoll. „Oh, [Spellbooks Of Tetrabiblos]. Ich nehme an, du brauchst sie nicht länger?“
      „Ich habe sie nie gebraucht! Ich weiß ja nicht einmal, wie sie in mein Deck gelangt ist!“, stellte Zanthe nicht ganz wahrheitsgemäß klar, denn gegen Edna hatte sie ihm auf Valeries Hochzeit sehr wohl geholfen. „Wie dem auch sei, es ist deine, also nimm sie.“
      Dem folgte Kyon auch, indem er die Karte ins Deck seiner flügelartigen Duel Disk steckte. „Also gut. Bist du bereit?“
      „Und wie ich das bin! Klären wir das ein für alle Mal, Duell!“

      [Zanthe: 4000LP / Kyon: 4000LP]

      Kyon streckte einladend den Arm aus. „Der erste Zug ist deiner.“
      „Ja, weil er nicht mehr so viele Vorteile wie vor der Regeländerung birgt, nicht wahr?“ Der Kopftuchträger rümpfte die Nase. „Aber wenn du meinst, dann fange ich an.“
      So zogen beide fünf Karten von ihrem Deck.
      „Dieses Monster setze ich!“, verkündete er und ließ es in horizontaler Position mit nach oben zeigendem Kartenrücken vor sich in vergrößerter Form erscheinen. „Dazu setze ich was. Du bist.“
      Noch eine Karte materialisierte sich auf seiner Spielfeldseite, allerdings in vertikaler Lage.

      „Alles geschieht zur rechten Zeit unter den rechten Bedingungen. Dieses Duell war lange vorhergesehen.“ Kyon lächelte geheimnisvoll, als er nach seinem Deck griff. „Draw!“
      Die sechste Karte zu seinem restlichen Blatt steckend, zückte er jene neben ihr und zeigte den Spielfeldzauber vor. „Ich aktiviere [The Grand Spellbook Tower]!“
      Die Umgebung veränderte sich. Plötzlich standen beide auf einer breiten, schier unendlich langen Straße, die zu einem riesigen Turm führte, indem gerade ein blitzender Wirbelsturm einschlug. Ihr Umfeld flackerte kurz auf, dann standen beide wieder auf dem Dach des mehrstöckigen Bürogebäudes.
      Zanthe hielt die Hand gespreizt vor seiner offen stehenden Schnellzauberkarte. „Das kannst du vergessen, es gibt kein Heimspiel für dich. [Mystical Space Typhoon] hat deinen Turm zum Einsturz gebracht.“
      „Aber einer seiner Einwohner konnte sich retten“, meinte Kyon unbesorgt. „Und je höher die Zahl der Spellbooks auf meinem Friedhof war, nachdem der Turm zerstört wurde, desto größer auch die Stufe des Hexers, den ich vom Deck beschwöre.“
      In einer abwertenden Geste winkte Zanthe ab. „Kann ja nicht viel sein, denn außer dem Turm gibt es da rein gar nichts.“
      „Deswegen ist jenes Monster auch der Stufe 1-[Stoic Of Prophecy].“
      Zwei lange Stäbe knallten vor Kyon in den Boden. Zwischen ihnen tauchte ein rothaariger Zauberer auf, der sie mit je einer Hand aufnahm. Die Kristalle an ihren Spitzen begannen zu glimmen.

      Stoic Of Prophecy [ATK/300 DEF/200 (1)]

      „Sicherlich wirst du mir zustimmen, dass dieses Monster zu schwach ist, um auf dem Feld zu verweilen“, sagte Kyon und nahm es von seiner Duel Disk, „deswegen biete ich es als Tribut für [Prophecy Destroyer] an.“
      Der Stoiker löste sich in Luft auf. An seiner Statt entstand ein dunkler Nebel, aus dem eine gehörnte Gestalt trat. Über zwei Meter groß, lief der geflügelte, teuflische Dämon aufrecht. In der Hand hielt er ein rot leuchtendes Kurzschwert.

      Prophecy Destroyer [ATK/2500 DEF/1200 (6)]

      Nebenbei schoss eine einzelne Karte aus Kyons Deck, welcher jene vorzeigte und dann in sein Blatt aufnahm. „Selbstverständlich hat es einen tieferen Sinn, warum ich [Stoic Of Prophecy] gerade jetzt geopfert habe. Wird er auf den Friedhof geschickt, erhalte ich einen Stufe 3-Magier wie [Temperance Of Prophecy] von meinem Deck. Jeder meiner Züge ist exakt geplant.“
      „Schön für dich“, zischte Zanthe gehässig zurück, „du hast ja auch geplant, -seinen- Körper zu übernehmen, nachdem er … nachdem er …“
      Der junge Mann senkte den Kopf. „Nachdem er -fortgegangen- ist.“
      „Es war seine Entscheidung. Alles. Das habe ich dir bereits mehr als einmal versucht ans Herz zu legen.“
      Ruckartig richtete Zanthe sich auf. „Ach ja!? Also behauptest du, nichts von dem sei deine Schuld gewesen!?“
      Während er wild zu gestikulieren begann, regte sich der Sonnenbrillenträger keinen Millimeter. Er antwortete geradezu berechnend: „Das ist korrekt. Ich habe ihn über alles im Vorfeld aufgeklärt.“
      „Als ob ich dir das jemals glauben würde!“
      Der Butler des Sammlers rückte die kreisrunde Sonnenbrille auf seiner Nase mit dem Handrücken zurecht. „Ich fürchte, dir bleibt nichts anderes übrig, Zanthe Montinari. Aber das ist eins, mein Zug das andere. Diesen setze ich fort, indem ich [Spellbook Of Secrets] aktiviere und damit ein neues Spellbook von meinem Deck erhalte: [Spellbook Of The Master].“
      Dieses zeigte er vor und aktivierte es im Anschluss sogleich, während er dabei einen blau leuchtenden Wälzer in der anderen Hand hielt. „Es imitiert den Effekt eines bereits genutzten Spellbooks und funktioniert dementsprechend. So wähle ich [Spellbook Of Secrets] und erhalte ein neues Buch von meinem Deck.“
      Die Farbe seines Buches änderte sich, wurde violett. Auch der Einband, die Form, sie wechselten kaum merklich ihre Erscheinung. „Dieses Mal fällt die Wahl auf [Spellbook Of Wisdom].“
      Und Zanthe schnaubte bereits, gefiel ihm nicht, dass sein Gegner scheinbar für irgendetwas seinen Friedhof mit diesen Büchern füllte.
      „Also dann, ich deklariere einen Angriff auf dein gesetztes Monster. [Prophecy Destroyer], Prophecy #15 – Road to One's Demise!“
      Der teuflische Dämon schwang nur einmal seine Klinge in Richtung von Zanthes gesetzter Karte, aus der im selben Moment ein weißer Krieger mit orange leuchtenden Zangenarmen erschien.

      Constellar Acubens [ATK/800 DEF/2000 (4)]

      Von der Waffe löste sich ein Lichtstreifen, der durch die Luft glitt und Acubens zerteilte. Dessen zwei Hälften zersprangen dann in tausend Einzelteile.
      Kyon nahm eine Karte aus seinem Blatt und schob sie in seine Duel Disk. „Ich setze wie du es getan hast eine Karte. Zug beendet.“
      Zischend materialisierte jene sich vor ihm.

      Aufgeregt zog Zanthe nach und präsentierte die neue Karte sogleich. „Ich aktiviere den permanenten Zauber [Constellar Star Chart]. Was er bewirkt dürftest du wissen!“
      Weit über den Dächern begann ein goldenes Symbol zu leuchten, ein Kreis, der in sich einen Windrosen ähnlichen Stern einschloss.
      „Ich beschwöre [Constellar Algiedi] und durch ihren Effekt noch [Constellar Pollux] hinterher, da er genau Stufe 4 ist.“
      Er hielt Kyon die beiden Karten geradezu demonstrativ entgegen, ehe er sie in seinen Duellhandschuh schob. Zu beiden Seiten neben ihm tauchten kleine Schlüssel aus Kupfer auf, die er nahm und zwischen den Fingern geklemmt ausschwang. Zwei runenverzierte Portale bildeten sich daraufhin zu seiner Linken und Rechten. „Open a door to the goat! Open a door to the twins!“
      Beide zersprangen und somit stand links neben Zanthe eine in Weiß gekleidete Hexe in blauem Cape und mit Zauberstab bewaffnet, rechts ein maskierter Schwertkämpfer, ebenfalls ganz in Weiß, welcher ein Schwert mit zwei parallel zueinander verlaufenden Klingen führte.

      Constellar Algiedi [ATK/1600 DEF/1400 (4)]
      Constellar Pollux [ATK/1700 DEF/600 (4)]

      Beide wurden aber sogleich wieder von Zanthe aus dem Handschuh genommen, übereinander gelegt und in die Luft gehalten. „Aus meinen beiden Stufe 4-Sternen wird ein großer Stern.“
      In seiner Hand materialisierte sich ein fast ein Meter langer, massiver Goldschlüssel, den er gegen die Stirn legte. „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network!“
      Vor ihm öffnete sich ein schwarzer Galaxienwirbel, welcher seine beiden Monster in sich aufsaugte. Zanthe rammte den Schlüssel unter einem ehrgeizigen Aufschrei in den Boden. Unter ihm breitete sich daraufhin ein gewaltiger Runenzirkel aus, der von den Symbolen der Sternzeichen geprägt war. „Xyz Summon! Erstrahle, [Constellar Praesepe]!“
      Der Schlund verschwand. Stattdessen wuchs vor Zanthe aus dem Boden ein in weiß-goldener Rüstung gepanzerter Krieger, der massive Schlagringe aus purem Gold schwang. Auf seinem Rücken befand sich ein metallischer Umhang, der verschieden lange Spitzen in alle Richtungen aufblitzen ließ. Um Praesepe kreisten zwei Lichtkugeln.

      Constellar Praesepe [ATK/2400 DEF/800 {4} OLU: 2]

      Das über den Dächern leuchtende Symbol begann zu pulsieren. „Einmal pro Zug, wenn ein Constellar-Xyz unter der [Constellar Star Chart] beschworen wird, darf ich eine Karte ziehen.“
      Zanthe riss die oberste Karte von seinem Deck und schob sie im Anschluss in seinen Handschuh, die sich vor ihm materialisierte. „Setzen wir sie doch gleich.“
      Dann streckte er den Arm aus und zeigte mit dem Finger auf den Dämonen. „Komm Praesepe, der ist doch ein gefundenes Fressen für dich! Angriff, Sacred Star Raid!“
      Zunächst hielt der Krieger seine Rechte hoch in die Luft, welche eine der Lichtkugeln absorbierte.

      Constellar Praesepe [ATK/2400 → 3400 DEF/800 {4} OLU: 2 → 1]

      Er verschwand im Folgenden so schnell, dass selbst Kyon einen erstaunten Laut von sich gab. Denn sein Dämon sah nur noch die Faust auf sich zufliegen, ehe er in einer Explosion unterging. Der schwarzhaarige Butler wich zurück. „Eine interessante Wendung.“

      [Zanthe: 4000LP / Kyon: 4000LP → 3100LP]

      „Praesepe kann sich oder andere Constellar im Kampf temporär stärken, wenn ich dafür ein Xyz-Material locker mache“, erklärte Zanthe, „dein Zug, Kyon.“

      Constellar Praesepe [ATK/3400 → 2400 DEF/800 {4} OLU: 1]

      „Interessant, doch nicht völlig unerwartet“, sinnierte dieser weiter und zog auf.
      Der Gegensatz konnte nicht krasser sein, hielt er doch fünf Karten fest, sein Gegner dagegen nur eine einzige. Der schwarzhaarige Butler überlegte eine ganze Weile, in welcher Zanthe bereits ungeduldig mit der Fußspitze auf den Boden tippte, ehe er sich für eine Vorgehensweise entschied.
      „So soll es sein: Ich beschwöre [Temperance Of Prophecy].“
      Ein hellblauer Dampf stieg von den beiden goldenen Kelchen auf, die zuerst das Spielfeld betraten. Zwischen ihnen gewann eine in brauner Kutte verhüllte Schamanin Gestalt, welche Hand an die wertvollen Stücke legte.

      Temperance Of Prophecy [ATK/1000 DEF/1000 (3)]

      Schlagartig stieg ein wesentlich dunklerer Nebel vor Kyon auf und ehe Zanthe sich versah, kam daraus mit erhobenem Schwert der [Prophecy Destroyer]. Rot glühte seine Klinge wie je her.
      „Der Teufel kommt immer wieder, solange man für ihn drei Spellbooks vom Friedhof verbannt“, erklärte Kyon mit einem spitzbübischen Grinsen, während er [Spellbook Of Secrets], [Spellbook Of The Master] und [The Grand Spellbook Tower] in der Hand hielt.

      Prophecy Destroyer [ATK/2500 DEF/1200 (6)]

      Der Werwolf verschränkte argwöhnisch die Arme voreinander. „Dafür also …“
      „Es wird noch besser, denn mein Vorhaben ist brillant. So aktiviere ich jetzt [Spellbook Of Power].“
      In der freien Hand des Dämons tauchte ein roter, leuchtender Wälzer auf, welcher jenen aufmerksam durchlas. Das neu errungene Wissen stellte sich als glühende Aura dar, welche um den Zerstörer aufflackerte.

      Prophecy Destroyer [ATK/2500 → 3500 DEF/1200 (6)]

      „Derjenige Magier, der das [Spellbook Of Power] liest, erhält 1000 Angriffspunkte für einen begrenzten Zeitraum“, erklärte Kyon und streckte den Arm aus, „mehr noch, wird ein Spellbook gelesen, vermag [Temperance Of Prophecy] ihren Effekt zu aktivieren.“
      Jene schrie plötzlich hysterisch auf und ließ die Kelche fallen. Während sie sich ebenfalls in blauen Nebel verwandelte und mit dem aus den Kelchen verschmolz, nahm Kyon eine hervorstehende Karte aus seinem Deck und legte sie auf die Duel Disk. „So opfert sie sich für eine andere Weissagung. Diese ist [Wheel Of Prophecy]!“
      Der Nebel zog sich zusammen und bildete den Körper eines humanoiden Löwenkriegers, der einen mächtigen, runenverzierten Schild mit sich führte.

      Wheel Of Prophecy [ATK/2700 DEF/1700 (8)]

      „Und da das Rad durch den Effekt eines Magiers beschworen wurde, beginnt es sich nun zu drehen“, verkündete Kyon. „Es schickt nun eine beliebige Anzahl an verbannten Spellbooks in mein Deck und den Rest auf meinen Friedhof.“
      Genau das tat der kräftige Löwenmann auch: Er drehte seinen Schild in der Hand im Uhrzeigersinn, aus dem dutzende Symbole durch die Luft schossen. Kyon schob [The Grand Spellbook Tower] zurück in sein Deck, danach legte er die anderen beiden auf seinen Friedhof zurück.
      Zanthe stand der Schweiß auf der Stirn. „Natürlich, du willst deinen Teufel auf dem Feld halten.“
      „Ich denke viel vorausschauender als das. Nun, ich greife deinen [Constellar Praesepe] an! [Prophecy Destroyer], Prophecy #15 – Road to One's Demise!“
      Zanthe ballte eine Faust mit seinem Handschuh und schlug diesen direkt über seine gesetzte Karte in die Luft aus. „Vergiss es! Falle aktivieren, [Draining Shield]! Dein Angriff wird annulliert und direkt meinen Lebenspunkten gutgeschrieben!“
      Die Karte klappte auf. Am Arm seines Sternenkriegers materialisierte sich ein spiegelnder Schild, den er erhob, als sein Feind die rote Klinge ausholend schwang und damit einen roten Lichtstreifen auf ihn schleuderte. Plötzlich nahm dieser einen purpurnen Ton an und zerschmetterte Schild und Träger gleichermaßen.
      Zanthe keuchte auf. „Du machst wohl Witze …!“
      „Mitnichten. Auch ich habe eine Karte aktiviert, mein verdecktes [Spellbook Of Wisdom]. Es beschützt einen Magier wahlweise vor dem Einfluss feindlicher Zauber oder Fallen. Der Angriff ging also durch …“
      Zanthe zuckte mit den Schultern. „Und wenn schon. Lebenspunkte bekomme ich trotzdem, da jener Teil des Effekts von [Draining Shield] mich betrifft und nicht dein Monster.“
      Die leuchtende Energieklinge schoss an ihm vorbei, denn Zanthe wich ihr aus, indem er den Kopf zur Seite neigte. Trotzdem strich sie seine Wange, aus der ein Rinnsal an Blut über die Haut trat und krachte anschließend durch den Zaun, welcher jetzt durch einen leicht schräg verlaufenden Schnitt gezeichnet war.

      [Zanthe: 4000LP → 7500LP → 7400LP / Kyon: 3100LP]

      Kyons Deck begann plötzlich rötlich zu strahlen. Eine einzelne Karte stand daraus hervor und Zanthe rollte nur noch mit den Augen.
      „Zusätzlich zum stärkenden Effekt des [Spellbooks Of Power] kommt, dass es, sollte sein Wissen korrekt angewendet werden, ein neues Buch ins Leben ruft. Und du kennst es.“ Der Sonnenbrillenträger drehte jene Karte zwischen seinen Fingern. „[Spellbooks Of Tetrabiblos]. Bereust du jetzt, mir die Karte zurückgegeben zu haben?“
      Zanthe schüttelte trotzig den Kopf.
      „Du solltest aber. Nicht jede Entscheidung ist die richtige, schon gar nicht, wenn sie aus Trotz getroffen wurde. Doch noch ist nicht der rechte Zeitpunkt, dir diese Lektion zu erteilen. Zunächst befehle ich einen direkten Angriff. [Wheel Of Prophecy], Prophecy #10 – Motion of the Stars!“
      Zunächst drehte der Löwenkrieger seinen Schild vor sich, dann nahm er ihn und warf ihn wie einen Diskus auf Zanthe. Dieser wich nach hinten aus und duckte sich so unter dem Angriff geschickt hinweg. Kopfüber sah er, wie der Schild kurz vor dem abgrenzenden Zaun einen Bogen machte und zurückkehrte, dieses Mal tiefer fliegend. Schnell richtete er sich auf und machte einen Sprung aus dem Stand über die Waffe hinweg, die sicher in die Hände ihres Besitzers zurückkehrte, welcher sie in gebückter Haltung auffing.

      [Zanthe: 7400LP → 4700LP / Kyon: 3100LP]

      „Kinderspiel“, flötete der junge Mann selbstbewusst.
      „Für deinesgleichen unbedingt.“ Kyon rückte seine Sonnenbrille zurecht. „Zug beendet.“
      Die rote Aura um seinen Teufel legte sich schließlich.

      Prophecy Destroyer [ATK/3500 → 2500 DEF/1200 (6)]

      Die Augen zusammenkneifend, bewegte Zanthe seine Hand in Richtung Deck. „'Meinesgleichen'? Was ist denn 'meinesgleichen'!?“
      „Ein Werwolf natürlich. Eure athletischen Fähigkeiten werden nur von wenigen anderen Dämonen übertroffen.“
      „Nur bin ich kein Dämon!“, protestierte Zanthe erzürnt, hatte er mit genau dieser Antwort gerechnet. „Ein Werwolf ja, noch! Aber kein Dämon!“
      „Ich habe lediglich simple Fakten genannt.“
      „Dann nenne ich dir jetzt auch einen! Du steckst im Körper meines toten Bruders und besitzt die Dreistigkeit, -mich- zu beleidigen!“ Zanthes Pupillen leuchteten für einen kurzen Augenblick golden auf. „Ich kann dir nur raten, dieses Duell zu gewinnen und mich zu töten, denn lieber sehe ich meinen Bruder unter der Erde, als mit dir darin über ihr!“
      „Also bist du bereit, dich mit so einem Schicksal abzufinden?“ Ehe sein Gegenüber etwas darauf erwidern konnte, schnitt ihm Kyon das Wort ab. „Kannst du deinen Bruder nach all der Zeit nun endlich gehen lassen? Das überrascht mich.“
      „Was weißt du?“ Zanthe versuchte mühsam, seine Fassung zu wahren. „Mein Bruder ist tot. Alles, was von ihm übrig ist, ist sein Körper. Ich habe jetzt andere Verpflichtungen. Anya, Matt, Exa …!“
      „Dieser Mann bedeutet dir sehr viel, obwohl ihr euch erst wenige Tage kennt“, erwiderte Kyon und sah gen Himmel in den Regen, welcher seine Sonnenbrille mit dicken Tropfen benetzte, „weißt du auch, warum das so ist?“
      Zanthe, dessen Hand bereits vor seinem Deck angelangt war, hielt in der Bewegung inne. Er ließ den Arm sinken und zuckte mit den Schultern. „Weil er … irgendwie der erste Mensch ist, der sich mit mir anfreunden wollte. Und nicht etwa umgedreht.“
      „Er hat dich nicht erkannt, du ihn aber. Dieser Mensch ist für dich ganz besonders, ohne, dass du davon weißt. Als du ihm zum ersten Mal begegnet bist, hast du ihn für mich gehalten, nicht wahr? Oder eher …“
      Der Werwolf keuchte, als er sich zurückbesann. „Alessandro … Moment!“
      Sein Gegenüber nickte. „Es ist, wie du vermutest. In Exa schläft die Seele deines Bruders. Mir ist es gelungen, Alessandro Montinaris Seele aus dem Limbus zu befreien. Dein Bruder ist noch nicht tot, deshalb solltest du deine Worte in Zukunft mit mehr mit Bedacht wählen.“
      Mit offenem Mund starrte Zanthe Kyon an.

      Das konnte nicht sein! Er log, so hämmerte es förmlich im Kopf des Schwarzhaarigen. Der Limbus war der Ort, wo all jene Seelen landeten, die einen Pakt mit einem anderen Wesen brachen oder die unter besonderen Umständen den Tod fanden. Alessandro gehörte zu Ersteren, er verlor seine Seele, da er seinen Pakt mit Kyon nicht erfüllen konnte.
      Obwohl nicht viel über den Limbus in Erfahrung gebracht werden konnte, so galten zwei Dinge als gesichert: Er galt als das, was die Menschen sich unter der Hölle vorstellten. Und es gab kein Entkommen. Nicht einmal einem Dämon vom Kaliber des Sammlers war es je gelungen, in den Limbus einzudringen!

      „Ich weiß, was du jetzt denkst“, sagte Kyon, der plötzlich nach seiner Sonnenbrille griff und sie abnahm. Dahinter traten braune Augen hervor, die den Werwolf genau musterten. „Doch glaube mir, es gibt eine 'Person', die den Limbus betreten kann. Ich habe sie ausfindig machen und um Hilfe bitten können.“
      Zanthe aber schüttelte vehement den Kopf. „Du lügst!“
      „Es ist die Wahrheit. Hör mir zu.“ Der Butler streckte beide Arme zur Seite aus. „Sobald ich mein Ziel erreicht habe, werde ich diesen Körper verlassen. Bis dahin jedoch musst du Exa unter allen Umständen beschützen.“
      „Was beabsichtigst du hiermit, huh!?“ Zanthe wurde zunehmend lauter. „Ich glaube dir kein Wort!“
      „Exa ist ein Hüter, genau wie du einer warst“, überging Kyon die Frage glatt, „er darf unter keinen Umständen mit Anya Bauer in Kontakt treten! Wenn sie ihre Conqueror's Soul benutzt, um seine Kräfte zu absorbieren, wird Alessandro Montinaris Seele zerstört werden. Und darüber hinaus wird Exa dabei sterben!“
      Zwar hörte dessen Bruder jene Worte, doch glitten sie an ihm vorbei, als wären sie nichts als Wind. Er vermochte in diesem Moment nicht, sie überhaupt zu erfassen. Da es nur eines gab, was er wissen wollte. „Was verdammt noch mal willst du erreichen!? Wer bist du!?“
      „Hör mir zu, Zanthe Motinari!“, übertönte Kyon ihn jedoch mit voller Lautstärke. „Verhindere, dass Anya Bauer deinen Freund konfrontiert! Es gibt noch etwas, was du über ihn wissen solltest, aber das musst du unter allen Umständen für dich behalten! Exa ist …“

      ~-~-~

      Mühsam schleppte sich Anya durch den dunklen Gang. Immer noch litt sie unter den Nachwirkungen von Zachs Angriffen, welche sich als besonders fiese Gliederschmerzen äußerten. Aber auch allgemeine Erschöpfung machte es ihr zunehmend schwerer, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Allerdings konnte sie bereits die Tür sehen, welche zurück zum Vorbereitungsraum führte. Genau davor gingen noch zwei Gänge nach links und rechts ab, welche sich wie ein Ring um das Gebäude zogen und hauptsächlich vom technischen Personal benutzt wurden.

      Kaum hatte Anya die Tür erreicht, ließ sie eine bekannte Stimme innehalten.
      „Gut gespielt, Kleine“, lobte sie Logan, der an der Wand des linken Ganges lehnte und die Arme verschränkt hielt.
      Die Blonde drehte träge den Kopf zur Seite, konnte sich aber trotz der natürlich-absolut-böse-gemeinten Anspielung auf ihre Körpergröße ein Grinsen abringen. „Danke. War doch gar nicht so schwer, wie ich dachte.“
      „Trotzdem siehst du aus wie jemand, der jetzt eine Pause braucht.“ Der Schwarzhaarige mit den buschigen Koteletten löste sich von der Wand. „Ich bring' dich zurück ins Hotel.“
      „Ich schaff das-!“
      Nein, tat sie nicht, wie sie selber merkte, als sie in seine Richtung kippte und von dem gleichgroßen Mann aufgefangen werden musste.
      „War kein Angebot“, stellte Logan daraufhin klar und half dem Mädchen, wieder gerade zu stehen.
      „M'kay“, willigte Anya ein, da sie zu müde war, um ihrem Drang zum Widersprechen nachzugeben.
      „Hab 'ne Idee“, meinte er plötzlich, als er völlig unerwartet seinen Arm um sie schlang und so abstützte. „Könnten ja deinen Sieg feiern. Kenne da 'ne gute Bar.“
      „W-was!? L-lass mich los!“, stammelte Anya, die in Windeseile knallrot anlief.
      Als würde er sie gar nicht hören, zog er sie regelrecht zum Ausgang. „Ohne Alkohol für dich versteht sich, bist ja noch minderjährig. Lad' ruhig alle deine Freunde ein, geht alles auf mich.“

      Verblüfft betrachtete das Mädchen ihn von der Seite. Er strahlte mit einem Male förmlich. So hatte sie ihn noch nie gesehen. Und irgendwie steckte es an. „M'kay …“
      „Aber erstmal gönnste dir 'ne Mütze Schlaf.“
      „War ich denn … gut?“, fragte Anya verlegen.
      „Mhm“, brummte er nachdenklich, „du wärst besser, wenn du deine Familienangelegenheiten außen vor gelassen hättest. Oder vielleicht warst du gerade deswegen gut?“
      Die beiden blieben direkt vor der metallischen Tür stehen. Anya fragte: „Wohl eher Letzteres. Die Leute werden jetzt über mich reden, was?“
      „Werden sie“, versicherte Logan ihr ernst, „so läuft das in dieser Branche. Aber davon darfst du dich nicht beeindrucken lassen, sonst machen sie mit dir, was sie wollen.“
      „'kay …“, gab Anya müde zurück.

      Sei froh, dass sie mich nicht interviewen können, Anya Bauer. Ansonsten wäre das Erste, was ich den Reportern sagen würde, dass du eine verdammt dämliche Kuh bist!

      Vor Schreck stieß Anya einen spitzen Schrei, wodurch selbst Logan zusammenzuckte und fragte: „Bin ich dir auf den Zeh getreten?“

      Selbst wenn, wäre das nicht halb so schmerzhaft wie die Hölle, durch die ich gehen musste! Hast du eine Ahnung …

      Glücklich schloss Anya die Augen. Dem schien es wohl wieder gut zu gehen, wenn er meckern konnte …

      ~-~-~

      „… lächerlich.“ Zanthe zog geradezu lasch von seinem Deck, nahm dann eine Karte aus seinem Blatt. „Und selbst wenn es wahr wäre, warum ist er dann hier?“
      „Wegen mir. Ein anderer kam nicht infrage.“
      „Natürlich. So ein Zufall aber auch“, spottete Zanthe grimmig. „Erspar' mir deine Lügen! Es sagt doch schon alles, dass du dich nur ins Turnier gemogelt hast, um Anyas Position zu sichern! Damit alles so läuft, wie der Sammler sich das vorstellt!“
      Kyon regte sich nicht. „Es war eine Anweisung.“
      „Natürlich war es das“, zischte der Bruder seines Wirtes ärgerlich und schob die Zauberkarte in seinen Handschuh. „Wie auch immer, ich aktiviere [Constellar Star Cradle]!“
      Das über den Dächern hängende Symbol der Sternenkundler schoss zwei Lichtstrahlen ab, deren Weg direkt in Zanthes Hand führte. Der erklärte dazu: „Dafür, dass ich diese Runde nicht angreifen darf, bekomme ich zwei gefallene Sterne zurück, nämlich [Constellar Pollux] und [Constellar Algiedi]. Genau Letztere beschwöre ich jetzt auch!“
      Zwischen seinen Fingern tauchte ein einfacher Schlüssel aus Kupfer auf, den er zur Seite ausschwang. „Open a door to the goat! Erscheine, [Constellar Algiedi]. Und ihr Effekt erlaubt es mir, ein Stufe 4-Constellar aus meiner Hand zu rufen!“
      Noch während neben ihm, dort wo der Schlüssel mündete, ein Energieportal verziert mit astronomischen Symbolen entstand, tauchte in seiner anderen Hand ein weiterer dieser Schlüssel auf, den er ebenfalls weit zur Seite streckte. „Open a door to the archer! [Constellar Kaus]!“
      Als die weiße Hexe bereits aus ihrem Siegel brach, bildete sich das zweite erst noch, bis schließlich ein weißer Zentaursoldat, welcher einen goldenen Bogen mit sich führte, neben Zanthe erschien.

      Constellar Algiedi [ATK/1600 DEF/1400 (4)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4)]

      Jener Krieger richtete seine Waffe gen Himmel und schoss zwei gelb glühende Pfeile in gerader Linie ab.
      „Zweimal pro Zug kann Kaus die Stufe eines belieben Constellars um eins verändern.“
      Beide Monster auf Zanthes Spielfeldseide wurden schließlich von jenen getroffen und erstrahlten in derselben, grellen Farbe wie die Pfeile.

      Constellar Algiedi [ATK/1600 DEF/1400 (4 → 5)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4 → 5)]

      „Du weißt, was jetzt kommt“, kündigte der Werwolf grimmig an und streckte die Hand aus. Zwischen seinen Fingern materialisierte sich ein goldener Schlüssel von der Größe eines Schwertes, den er ergriff und gegen die Stirn legte. „Aus meinen beiden Stufe 5-Monstern wird ein gleißender Stern. Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network! Xyz Summon!“
      Seine Monster verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, die von dem Schlüssel in Zanthes Hand absorbiert wurden. Jenen rammte er mit der Spitze voran in den Boden.
      „[Constellar Pleiades], erscheine!“
      Unter Zanthe bildete sich ein neuer Zirkel, aus dem ruckartig ein großer Krieger brach. Wie alle seine Monster kam er ganz in Weiß daher, wobei die dunkle, siebenzackige, schwarze Platte auf seinem Rücken einen deutlichen Kontrast dazu bildete. Seine zwei Xyz-Materialien zogen ihre Bahnen um den Hünen, der seine Klinge verkehrt herum hielt, sodass ihre Spitze gen Boden zeigte.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2]

      Über Zanthe begann das Sternensymbol zu pulsieren. „Da ich wieder ein Constellar-Xyz gerufen habe, darf ich diese Runde einmal aufziehen.“
      Sogleich tat er das, betrachtete die Karte zufrieden und steckte sie dann in eine für Handkarten vorgesehene Halterung an seinem Duellhandschuh. „Die behalte ich für später.“
      Mit ausgestreckter Hand leitete er den nächsten Schritt seines Zuges ein: „Wie gesagt, angreifen kann ich diese Runde wegen [Constellar Star Cradle] nicht mehr. Aber für etwas Unfug ist immer Zeit. Also benutze ich Pleiades' Effekt!“
      Jener absorbierte mit seiner Klinge eine der Leuchtsphären, die um ihn rotierten und warf die Waffe dann in die Höhe. Sie aufrecht auffangend, drehte er sich einmal um 360° und schleuderte so eine Schockwelle in Kyons Richtung.
      „Hmm“, gab der nur von sich.
      Es war sein [Prophecy Destroyer], der letztlich getroffen wurde und sich auflöste.
      „Jetzt kannst du ihn nicht mehr reanimieren, da ich ihn durch Pleiades' Effekt auf deine Hand zurückgegeben habe“, erklärte Zanthe, „Zugende!“
      Kyon war noch dabei, die Karte seines Monsters von der Duel Disk zu nehmen. Dabei sagte er: „Du hast das schwächere Monster gewählt? Interessant. Doch im Endeffekt weiß ich bereits, was passieren wird, weshalb ich dir dennoch einige Schritte voraus bin.“
      „Glaub was du willst. Duelle werden nicht nur durch akribisches Planen gewonnen.“ Zanthe schlug sich mit der Faust gegen die Brust. „Sondern auch mit Herz.“

      Als der Butler des Sammlers zog, entgegnete er: „Dein Bruder glaubte ebenfalls daran. Vielleicht spiegelte sich dieser Glaube sogar in dem Duell wieder, das Exa und Kakyo Sangon ausgetragen haben.“
      Plötzlich verdunkelte sich Zanthes Miene jedoch. Statt seinen Freund lobend hervorzuheben, sagte er: „Soll ich ich dir verraten, warum Exa das Duell gewonnen hätte? Weil er einen unfairen Vorteil besaß. Dieses … Ding!“
      „Wahre Worte. Hätte er sein Artefakt nicht zu einem Excel-Monster umgeformt, wäre seine Niederlage unvermeidlich gewesen.“ Kyon neigte den Kopf ein wenig nach unten, schob mit dem Zeigefinger seine Sonnenbrille zurecht.
      Zanthe wich mit einer Kopfdrehung seitwärts dem Blick aus, den der Immaterielle ihm dabei über die Ränder der Brille hinweg zuwarf. „Yeah … aber das ist schließlich das Privileg eines Hüters, oder? Dennoch …“
      Er wandte sich letztlich doch an Kyon. „Was sind Excel-Monster?“
      „Nichts, worum du dir Sorgen machen musst. Außer mir, Exa, dem Collector und dem Schöpfer der Excel-Monster gibt es niemanden, der solche Karten besitzt. Es ist ironisch, dass Exa die meine abgelehnt hat, nur um später eine eigene zu erschaffen.“ Kyon nahm eine gerade Haltung an.
      „Ich mag Exa“, gestand Zanthe, „aber in ihm steckt kein Duellant. Und er weiß vermutlich nicht mal, dass er eine Karte dieses Kalibers gar nicht besitzen dürfte.“
      „Deswegen musste ich das Duell unterbrechen.“
      Zanthe schnaufte wütend. „Dann muss ich dir wohl am Ende doch danken, was?“
      „Wenn du das möchtest? Ich fürchte nur, nach meinem Zug wird von deinem Dank nicht mehr viel übrig sein.“

      Dies gesagt, zog er in einer zackigen Bewegung seine nächste Karte. Obschon er im Angesicht der anderen fünf auf seiner Hand kaum nötig hatte. So landete sie letztlich auch in seinem Blatt, denn Kyon entschied sich dafür, stattdessen eine andere auszuspielen. „Wissen ist Macht, Zanthe Montinari. Aber Macht ist auch Zerstörung in der Hand eines Narren. Diese Karte ist der Beweis: [Fool Of Prophecy]!“
      Er legte das Monster auf seine flügelartige Duel Disk, woraufhin sie vor ihm in Gestalt eines Jünglings in Erscheinung trat. Ein goldenes Zepter schulternd, erweckte der Bursche im gelben Mantel mit seinem vergnügten Grinsen auf den Lippen einen unbeschwerten Eindruck.

      Fool Of Prophecy [ATK/1600 DEF/900 (3)]

      „Da er nie die Grausamkeit dieser Welt kennengelernt hat, weiß er nicht, wie töricht sein Effekt ist“, philosophierte Kyon und griff nach seinem Deck, „alles was er damit bewirkt, ist das Ablegen eines Spellbooks auf meinen Friedhof.“
      Eine einzelne Karte schob sich aus dem Stapel und wurde von Kyon vorgezeigt, [Spellbook Organization], die sogleich im passenden Schlitz entsorgt wurde.
      Der schwarzhaarige Butler streckte den Arm nach vorn aus. „[Wheel Of Prophecy], kümmere dich um das Problem. Prophecy #10 – Motion of the Stars!“
      Schon war der Löwenkrieger im Begriff, seinen radähnlichen Schild wie einen Diskus auf [Constellar Pleiades] zu schleudern, doch genau dieser war es, der als Erster sein Schwert zückte.
      „Nicht so hastig!“, gebot Zanthe seinem Widersacher Einhalt. „Wenn du dich so gut auskennst, weißt du, dass Pleiades' Effekt jederzeit eingesetzt werden kann! Aus dem Angriff wird also nichts!“
      Der Krieger warf seine Waffe in die Luft, begann sich um die eigene Achse zu drehen und fing sie mitten in der Bewegung auf. Was folgte war eine gewaltige Schockwelle, die über das Dach fegte und Kyons Monster trotz gezücktem Schild mit voller Wucht traf.
      Wortlos, aber mit einem geheimnisvollen Lächeln auf den Lippen, nahm der Butler des Sammlers daraufhin [Wheel Of Prophecy] von seiner Duel Disk.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 1 → 0]

      „Ein Jammer“, sagte er, „demnach muss ich meinen Zug beenden.“
      Zanthe rümpfte die Nase. „Schwache Leistung dafür, dass du so große Töne spuckst.“
      „Mit Verlaub, nur weil ich den Zug beendet habe, ist das letzte Wort dazu noch nicht gesprochen.“
      Unerwartet begann der [Fool Of Prophecy] in goldenem Licht zu erstrahlen. Dies ließ den Werwolf augenblicklich verstummen, was Kyon wiederum nutzte, um das Phänomen zu erklären. „Hat der Narr seine Macht genutzt und das fünfte Spellbook auf den Friedhof gelegt, entfesselt er die wahre Tragödie.“
      „Aha. Und welche wäre das?“, gab sich Zanthe betont desinteressiert, obschon seine verkrampfte Körperhaltung eine andere Sprache sprach.
      Der Narr löste sich auf. Und dort, wo er gestanden hatte, begann dunkler Nebel aufzusteigen.
      „Er beschwört das größere Übel. Einen Hexer der Finsternis, mit nicht weniger als fünf Stufensternen.“
      Mit dem Dunst erhob sich eine schattenhafte Gestalt.
      „Die Prophezeiung, die niemand gerne hört. Gesprochen vom [Reaper Of Prophecy]!“
      Als Kyons Monster sich vor ihm aufgerichtet hatte, festigte sich der Nebel um ihn herum als sein Mantel. Von violetter Farbe, schwang der Hexer eine massive Sense.

      Reaper Of Prophecy [ATK/2000 → 2600 DEF/1600 (6)]

      Beim Anblick der Punkte gab Zanthe ein gedämpftes Stöhnen von sich.
      „Sieh dir an, was das törichte Handeln des Narrs bewirkt hat: [Reaper Of Prophecy] erhält für jede Art von Spellbook einen besonderen Effekt, beginnend ab einer Anzahl von drei, bis hin zu fünf verschiedenen.“ Kyon schnippte mit dem Finger. „Effekt Nummer 1: Ein Angriffsboost von 600. Nummer 2: Ein Spellbook für mich, direkt von meinem Deck. Und der letzte: Die Beschwörung eines weiteren Finsternis-Hexers.“
      Zwei Karten schoben sich aus Kyons Deck. Die eine präsentierte er, einen Zauber namens [Spellbook Of Fate]. Die andere legte er auf seine Duel Disk. „Erscheine, [Emperor Of Prophecy]!“
      Ein Thron erschien. Auf ihm saß ein Magier in violetter Robe, der sich unter einem äußerst gelangweilten Gesichtsausdruck Luft mit seinem Fächer zuwedelte.

      Emperor Of Prophecy [ATK/2300 DEF/2000 (5)]

      „Was soll das?“, hakte Zanthe schließlich nach. „Denkst du, die beiden da beeindrucken mich?“
      „Ich kenne dich und dein Deck. Dachtest du, du könntest aufhalten, was nicht aufgehalten werden kann?“, stellte Kyon stattdessen eine seelenruhige Gegenfrage. „Sieh dir das an.“
      Er präsentierte ihm seine Hand, natürlich mit dem Kartenrücken voran. Allerdings fiel Zanthe nichts Ungewöhnliches daran auf.
      So forderte sein Gegner: „Zähle sie.“
      „Eins, zwei, drei, hmm, fünf, sechs … sieben?“
      „Exakt. Da es immer noch meine End Phase ist, muss ich eine Karte abwerfen, um das maximale Handkartenlimit einzuhalten.“ Kyon zog sie zwischen Zeige- und Mittelfinger aus der Menge heraus und drehte sie dann um.
      Zanthe klappte der Mund auf, als er begriff. „[Prophecy Destroyer]!“
      „Von Anfang an war ich mir im Klaren darüber, wie du [Constellar Pleiades] einsetzen würdest. Dies ist das Resultat.“ Damit schob Kyon die Karte in seinen Friedhofsschlitz. „Nichts hat sich geändert.“

      Beim Klang dieser Worte weitete Zanthe die Augen. Was sollte das heißen!? Dass er zu unfähig war, einen einfachen Immateriellen zu besiegen? Selbst Anya hatte das geschafft! Glaubte er, nur weil er ein paar Züge durchgeplant hat, schon das ganze Spiel gewonnen zu haben? Allein der Gedanke an so viel Hochmut, nicht zuletzt ihm gegenüber, brachte den jungen Mann regelrecht zum Kochen.
      „Manchmal muss sich nichts ändern“, konterte er zorniger denn je und riss schwungvoll eine Karte von seinem Handschuh. „weil die Dinge gut so sind, wie sie sind. Du beschwörst deinen [Prophecy Destroyer] jede Runde? Dann zerstöre ich ihn jede Runde! Genau, nichts hat sich geändert!“
      Kyon nahm das alles mit angehobener Augenbraue zur Kenntnis. Sein Gegner schmetterte förmlich eine Karte in den Handschuh. Seinen Arm zur Seite ausstreckend, erschien in Zanthes Hand ein kleiner Schlüssel. „Open a door to the twins! Normalbeschwörung, [Constellar Pollux]!“
      Dort, wo die Zähne des Schlüssels mündeten, entstand ein aus diversen Kreisen und astronomischen Symbolen bestehendes Portal, aus dem der weiße Krieger regelrecht herausbrach. Wie zuvor, führte er ein Schwert mit zwei parallel zueinander verlaufenden Klingen mit sich.

      Constellar Pollux [ATK/1700 DEF/600 (4)]

      „Pollux gestattet mir eine zusätzliche Normalbeschwörung für einen Constellar“, rief Zanthe inbrünstig aus und schwang mit der anderen Hand den nächsten Schlüssel aus. „Open a door to the dragon!“
      Noch ein Runenportal entfaltete sich neben Zanthe, doch dieses wirkte ein wenig anders als seine Vorgänger. Zwar bestand es auch aus mehreren Kreisen, doch statt Symbolen der Astronomie, wurden sie mit griechischen Buchstaben gefüllt.
      „Verlorener Tänzer! [Constellar Alrakis]!“
      Das Tor zersprang und gab einen weißen Krieger preis, dessen Helm in einem schier unendlich langen, goldenen Federschweif endete. Statt eines Visiers, verhüllte ein goldener Schleier sein Gesicht. Er führte zwei Schellenringe mit sich.

      Constellar Alrakis [ATK/1200 DEF/1500 (4)]

      Zu Zanthes Überraschung musterte Kyon jenes Monster skeptisch. „Es gehört nicht zu den Tierkreiszeichen, ganz im Gegensatz zu den restlichen Monstern deines Main Decks. Ein Außenseiter.“
      „Er kommt in keiner der Geschichten der Constellar vor“, erklärte Zanthe daraufhin. „Weil er eigentlich gar nicht existieren sollte.“
      „Wie du. Ein Fremder, der in die Gruppe aufgenommen wurde. Sind das die Gedanken, die du mit dieser Karte verbindest?“
      Der Werwolf schnaubte. „Nein. Meine Gedanken drehen sich hierum!“
      Seine Hand in einem Stoß ausstreckend, rief er: „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network!“
      In ihr materialisierte sich ein aus purem Gold gemachter, schwertgroßer Schlüssel, den er gegen die Stirn legte. „Xyz Summon!“
      Mit voller Wucht rammte er diesen in den Boden, woraufhin sich das Schwarze Loch vor ihm öffnete und sowohl Alrakis, als auch Pollux als gelbe Lichtstrahlen absorbierte.
      „Zeig dich uns, [Constellar Omega]!“
      Über das Overlay Network zog sich ein weitflächiger Runenzirkel. Sogleich zerbarst dieser und brachte einen weißen Zentaur hervor. War sein Körper der eines Schimmels, begann ab der Hüfte der gepanzerte Krieger, aus dessen Rücken darüber hinaus ein Gestell aus schwarzen Metallplatten wuchs, Flügeln nicht unähnlich. Zwei Lichtkugeln rotierten dabei um ihn.

      Constellar Omega [ATK/2400 DEF/500 {4} OLU: 2]

      Am Himmel begann das Wappen der Sternenkundler zu leuchten. Zanthe riss eine Karte von seinem Deck. „Einmal pro Zug, wenn ich einen Xyz-Constellar rufe, darf ich ziehen. Beim zweiten Mal nicht mehr. Wie zum Beispiel jetzt!“
      Unvermittelt faltete er beide Hände auf Kopfhöhe zusammen. „Denn jetzt rekonstruiere ich das Overlay Network!“
      Als er sie wieder auseinander zog, manifestierte sich ein Platinschlüssel desselben Kalibers wie der goldene in seinen Händen. „Aus meinem Rang 5-Pleiades wird ein Rang 6-Monster!“
      Besagter Sternenritter verwandelte sich in einen goldenen Lichtstrahl, der von dem noch immer vor Zanthe wirbelnden Schwarzen Loch absorbiert wurde.
      „Rank-Up Incarnation Summon!“, schrie der aus voller Lunge und schmetterte den Schlüssel, auf dass sich erneut ein Runenzirkel über das Overlay Network legte, in den Boden. „Lass alles um dich herum verblassen!“
      Ein ohrenbetäubender Schrei drang aus dem Inneren des Phänomens. Begleitet wurde er durch rote, schwarze und goldene Blitze, die letztlich auch den Kreis zum Explodieren brachten. „[Constellar Ptolemy M7]!“
      Mit einem Ruck schoss ein gewaltiger, weißer Drache aus dem sich schließenden Loch empor. Von gold-weißer Farbe, positionierte er sich über Zanthe. In seinen schwarzen Energieschwingen war ebenfalls ein Teil des Constellar-Wappens eingelassen.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 1]

      Die goldene Sphäre, die um ihn kreiste, flackerte unruhig. „Wenn ich Messier 7 inkarniere, kann er seinen Effekt im selben Zug nicht mehr nutzen. Was nur gut für dich ist!“
      Kyon sah an dem Drachen empor und nahm dafür sogar die Sonnenbrille ab. Geradezu ehrfürchtig murmelte er: „Das ist er … wunderschön.“
      „Glaubst wirklich, dass ich dir alles abnehme?“, fragte Zanthe geradezu hasserfüllt. „Dir? Dem Diener des Sammlers? Ich wette, selbst das hier ist nur Schauspielerei!“
      Kyon setzte seine Sonnenbrille wieder auf. „Du wolltest Antworten, ich habe sie dir gegeben.“
      „Ach so? Eine fehlt immer noch.“
      „Meine Ambitionen werde ich dir nur mitteilen, wenn du mich in diesem Duell besiegen kannst.“
      Der Werwolf rümpfte die Nase. „Eigentlich sind es dann zwei. Da ist immer noch dieser Kakyo.“
      „Diese Wahrheit ist Teil der Antwort, die du dir erkämpfen musst.“
      Verächtlich kam es wieder: „Falls irgendetwas von dem überhaupt der Wahrheit entspricht. Was nicht heißt, dass ich nicht trotzdem kämpfen werde!“
      Er nahm seine vorletzte Handkarte und zeigte sie vor. Und sein Gesichtsausdruck hellte sich für einen Moment auf, gewann etwas Melancholisches.
      „Die hier kennst du bestimmt noch nicht! Ich aktiviere [Xyz Scales]!“
      Plötzlich stiegen [Constellar Omega] und M7 in die Höhe, aufgetrieben von weißen Lichtsäulen, die rechts und links von Zanthe aus dem Boden schossen. Unter dem Zentaur leuchtete eine verzerrte Ziffer auf, die 4, dagegen war es bei dem Drachen die 6.
      „Mit dieser Zauberkarte kann ich eine Art Pendelbeschwörung für Xyz-Monster durchführen“, erklärte Zanthe und schloss lächelnd die Augen, „ein Xyz-Monster, dessen Rang zwischen den Rängen der beiden Ziele liegt, kann damit direkt aus meinem Extradeck beschworen werden …“

      Die Lichter der Geschäfte um sie herum blendeten Zanthe und Exa regelrecht, wie sie durch die Shopping Mall zogen. Über ihnen der klare Sternenhimmel. Trotz fortgeschrittener Stunde waren immer noch viele Leute unterwegs. Besonders an der offenen Mall war, dass in ihrer Mitte durchgehend Blumen und Bäume gepflanzt waren, deren Beete regelmäßig durch Sitzbänke unterbrochen waren. Die Gebäude der Geschäfte dagegen standen auf engstem Raum nebeneinander.
      „Wow!“, staute Exa nicht schlecht, der sich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen umsah. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“
      „Kommst wohl nicht oft raus, huh?“, stichelte Zanthe neben dem großen Blonden vergnügt.
      „Kann man so sagen. Ist mein erstes Mal in einer so großen Stadt. Dagegen kommt mir meine Heimat so winzig vor.“
      Zanthe nickte. Er kannte das Gefühl nur zu gut, auch für ihn war das alles hier Neuland. Gerne hätte er die Stadt mit Anya und Matt erkundet, aber so wie die im Moment drauf waren, hätte er auch gleich ein Rudel tollwütiger Pitbulls mitnehmen können. Gerade Anya dürfte jetzt nicht ansprechbar sein. Er fragte sich, ob sie sich für die Finalrunden des Legacy Cups qualifiziert hatte, schließlich waren Zweifel daran durchaus berechtigt.
      „Sag mal“, begann er schließlich neugierig, um den Gedanken zu vertreiben, „du sagtest vorhin, du hast noch nie Duel Monsters gespielt?“
      Ein Schulterzucken war die Antwort. „Glaube nicht. Aber es kommt mir bekannt vor.“
      „Soll ich es dir beibringen?“ Zanthe blieb stehen und sah sich links und rechts um. Dann deutete er auf ein Geschäft schräg gegenüber. „Dort verkaufen sie Duel Monsters-Karten. Ich besorg' uns ein paar und zeige dir dann, wie's geht.“
      „Ich dachte, du hättest kein Geld?“, hakte Exa grimmig nach.
      „Für Duel Monsters hat man immer Geld“, erwiderte Zanthe grinsend und war schon im Begriff, sein Vorhaben umzusetzen.
      Seufzend, aber mit einem Lächeln auf den Lippen, nickte Exa mit dem Kopf Richtung des Geschäfts. „Eigentlich habe ich keine Lust. Aber ok, kurz zeigen kannst du es mir ja mal. Na los, geh schon.“
      Zanthe rannte zufrieden strahlend los, da rief ihm Exa hinterher: „Aber lass uns das woanders machen. In einer Bar oder so, ich habe Durst.“


      Über Zanthe öffnete sich ein Portal, um das sich dutzende, hellblaue Ellipsen zogen. Der Werwolf riss die Augen auf und nahm die aus seinem Extradeck hervorstehende Karte zwischen Mittel- und Zeigefinger. „Komm zu mir, [Constellar Pleiades]!“
      Aus dem rosafarbenem Loch am Himmel schoss ein einzelner, gelber Lichtstrahl, der vor Zanthe im Dach einschlug. Aus diesem erhob sich der weiße Ritter, der seine Klinge mit der Klinge nach unten zeigend führte. Wie gut, dass er zwei Kopien davon besaß, dachte Zanthe dabei zufrieden.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 0]

      [Xyz Scales] war eine der Karten gewesen, die der Werwolf letztlich aus den an diesem Tag gekauften Boostern gezogen hatte. Er musste, wie er so an den Abend zurückdachte, über Exas teilweise sehr dummen Fragen lächeln, da er manche Spielmechaniken einfach nicht verstanden hatte. Kaum zu glauben, wie gut er sich trotz seiner Unerfahrenheit gegen Kakyo angestellt hatte. Aber das lag dann wohl an …
      „Oh! Stimmt ja!“ Neben den Boostern hatte er einen kostenlosen Werbeprospekt erhalten, den er unbedingt Anya zeigen musste. Die würde ausflippen!
      Aber zuerst musste er dieses Duell zu Ende bringen. Indes hatten sich die Lichtsäulen aufgelöst und die Monster ihren Weg zurück zu Zanthe gefunden. Dessen Gegner sagte: „Tatsächlich. Damit habe ich nicht gerechnet. Jedoch ändert das nichts an dem, was ich für dich zurecht gelegt habe.“
      „Das werden wir ja sehen!“, erwiderte Zanthe zornig und riss den erhobenen Zeigefinger gen Himmel. „[Constellar Omega], [Constellar Pleiades] und Messier 7! Greift Kyons Monster und ihn alle zusammen an! Unison Star Raid!“
      Erstgenannter streckte seine Brust vor, auf der das Wappen der Sternenkundler zu leuchten begann. Daraus schossen dutzende Lichtpfeile, die allesamt den in Violett gekleideten [Emperor Of Prophecy] anvisierten. Messier 7 dagegen feuerte aus seinem Maul einen orangefarbenen Lichtstrahl ab, der von goldenem Schimmer begleitet wurde. Sein Ziel war der Sensen schwingende [Reaper Of Prophecy] Während beide Hexer zeitgleich getroffen wurden und explodierten, zischte etwas an Kyon vorbei. Dieser drehte sich noch um, sah aber nur noch, wie Pleiades wieder verschwand und hinter ihm auftauchte. Kurz darauf wurde der Butler von allen Seiten mit Hieben eingedeckt.

      [Zanthe: 4700LP / Kyon: 3100LP → 3000LP → 2900LP → 400LP]

      Jedoch gänzlich unbeeindruckt, drehte sich Kyon schließlich wieder Zanthe zu, dessen Krieger bereits zu ihm zurückgekehrt war. „Unglücklicherweise war das nicht ausreichend.“
      „Aber ich habe immer noch diese hier!“, erwiderte der Kopftuchträger grimmig und schob seine letzte Handkarte in den Handschuh. „Du bist dran.“
      Zischend materialisierte sich die Karte vor seinen Füßen.

      Zwar stand Kyon jetzt mit völlig leerem Feld da, was angesichts der Zahl seiner Handkarten unerheblich war, nachdem er auf eine siebte aufgezogen hatte. Sie zu den vielen anderen steckend, nahm er die beiden Karten ganz rechts aus seinem Blatt und spielte sie aus. „[Monster Reborn]. Ich hole den [Emperor Of Prophecy] aus dem Reich der Toten zurück. Dazu [Strength Of Prophecy] als Normalbeschwörung.“
      Vor ihm öffnete sich ein Runenzirkel, aus dem der violette Hexer auf seinem Thron hervor schwebte und sich dabei desinteressiert Luft zu fächerte. Neben ihm materialisierte sich eine rothaarige Kriegerin in gleichfarbiger Robe, die ihre riesige Axt mit dem Schaft voran in den Boden rammte, ehe sie ihre Hände auf das brusthohe, diamantenbesetzte Mordinstrument abstützte.

      Emperor Of Prophecy [ATK/2300 DEF/2000 (5)]
      Strength Of Prophecy [ATK/1500 DEF/1400 (4)]

      Kyon schob bereits noch eine Karte in seine Flügel-Duel Disk. „Nun, da ich wieder über Hexer verfüge, kann ich das [Spellbook Of Fate] aktivieren. Durch das Verbannen von drei anderen Büchern auf meinem Friedhof …“
      Diese zeigte er vor, es waren die Spellbooks Of Secret, Master und Wisdom. Gleichzeitig erschien in des Emperors freier Hand ein gelb leuchtender Wälzer, aus dem er in einer fremden Sprache zu zitieren begann. „... vermag ich augenblicklich eines deiner Monster ebenfalls ins Exil zu schicken.“
      Er streckte den Arm aus und deutete auf den Drachen M7. Selbiges tat auch sein Magier, der seinen Fächer mit einem herrischen Schrei ausschwang. Von dessen Spitze löste sich ein gelber Blitz.
      „Netter Versuch, aber vergebens!“, konterte Zanthe und riss ein Xyz-Material unter [Constellar Omega] hervor. „Omega kann meine Constellare immun gegen Zauber und Fallen machen! Star of Protection!“
      Sogleich streckte der Zentaur beide Arme weit aus und ließ das Wappen der Sternenkundler in riesiger Form vor Zanthes Spielfeld erscheinen. An dem leuchtend weißen Symbol prallte der gelbe Blitz hoffnungslos ab.

      Constellar Omega [ATK/2400 DEF/500 {4} OLU: 2 → 1]

      „Interessante Reaktion“, gestand Kyon seinem Gegner zu. „Ich war unvorbereitet.“
      Dieser erinnerte sich plötzlich. Natürlich! Damals, da hatte er Omega nicht ausgespielt … also kannte Kyon diesen auch nicht.
      „Dieser Rückschlag ist jedoch vernachlässigbar“, relativierte dieser plötzlich, „Effekt von [Strength Of Prophecy]. Sie schickt ein benutztes Spellbook zurück in mein Deck, um selbst Kraft daraus zu gewinnen.“
      Jene magische Kriegerin schloss die Augen und murmelte etwas. Ein roter Lichtfunke stieg von ihrer Axt auf und wurde von Kyons Deck absorbiert. Dieser zeigte [Spellbook Of Power] von seinem Friedhof vor und legte es auf den Kartenstapel, der anschließend durchgemischt wurde.

      Strength Of Prophecy [ATK/1500 → 2000 DEF/1400 (4 → 5)]

      Nicht völlig unerwartet für Zanthe, öffnete sich vor Kyon ein Schwarzes Loch. Als violette respektive rote Lichtstrahlen wurden Emperor und Strength vom Überlagerungsnetzwerk absorbiert. Kyon rief: „Werde Zeuge, wie ich das Overlay Network erschaffe! Aus meinen Stufe 5-Hexern wird ein Rang 5-Monster!“
      Ein gelbschwarzer Blitz brach aus diesem hervor.
      „Xyz Summon! Erhebe dich, Herrin des Schicksals! [Empress Of Prophecy]!“
      Auf einem steinernen Thron sitzend, tat jene in Weiß gehüllte Magierin das auch. Die Finger ihrer linken Hand umklammerten fest einen goldenen Zauberstab, an dem dünne Stoffbänder gebunden waren. Dagegen lehnte zu ihrer Rechten ein massiver Schild mit rosafarbenen Perlen am Thron, die zusammen mit der goldenen Randverzierung das Symbol der Venus ergaben. Zwei der Edelsteine leuchteten besonders stark.

      Empress Of Prophecy [ATK/2000 DEF/1700 {5} OLU: 2]

      Kyon zeigte aber längst seine nächste Handkarte vor. „Nun rufe ich durch [Spellbook Of Life] einen gefallenen Hexer zurück. Zuvor muss ich jedoch ein Spellbook vorzeigen.“
      Dieses nannte sich [Spellbooks Of Tetrabiblos]. Stimmt, erinnerte sich Zanthe dabei, das Teil besaß er ja auch noch!
      „Außerdem muss erst ein Opfer gebracht werden. Also verbanne ich [Stoic Of Prophecy]“, sagte er, wodurch ein weißes Grimoire auf dem Spielfeld erschien und wie von Zauberhand durchgeblättert wurde, „damit [Prophecy Destroyer] zurückkehrt.“
      „Was!? Aber das ergibt keinen Sinn!“, kommentierte Zanthe dies verwirrt.
      Wieso sollte er das tun, wo jener sich ohnehin durch seinen Effekt wiederbeleben konnte!? Darauf hatte er es doch die ganze Zeit abgesehen!
      Noch während Zanthe darüber rätselte, erschien der dämonische Krieger vor Kyon. Welcher plötzlich die Hand ausstreckte. „Du wirst es gleich verstehen. [Spellbook Of Life] erhöht die Stufe des beschworenen Monsters um die des verbannten. Und nun …“

      Prophecy Destroyer [ATK/2500 DEF/1200 (6 → 7)]

      Zanthe nahm ihm jedoch die Erklärung ab, als er geschockt rief: „[Spellbooks Of Tetrabiblos]!“
      „Exakt“, nickte Kyon und legte die Zauberkarte ein. Um den Zerstörer begannen insgesamt vier Bücher zu rotieren, wobei sie rosafarbend aufleuchteten.
      Plötzlich öffnete sich unter dem [Prophecy Destroyer] erneut das Overlay Network, welches jenen als violetten Energiestrahl verschlang. Mehr noch, folgten die vier Bücher diesem in das Schwarze Loch. Kyon erklärte: „Wie du weißt, werden die [Spellbooks Of Tetrabiblos] ebenfalls zu einem Xyz-Material, wenn das andere ein Hexer ist. Und nun erlebe, wie das mächtigste Zauberwesen seine Weissagung spricht! Xyz Summon!“
      Erneut schlugen schwarze und gelbe Blitze aus dem Überlagerungsnetzwerk. Durch Kyons Jacke hindurch schimmerte ein weinrotes Symbol, eine Rose. Jenen Arm riss er in die Höhe. „Erhebe dich, [Hierophant Of Prophecy]!“
      Begleitet von den Blitzen stieg aus dem Wirbel ein groß gewachsener Magier empor. In eine schwarze Robe gehüllt, flatterten unzählige weiße Stoffbänder mit Zaubersprüchen darauf von ihr durch die Luft. Dabei hielt er seinen langen Zauberstab fest umklammert, um welchen zwei Lichtkugeln kreisten.

      Hierophant Of Prophecy [ATK/2800 DEF/2600 {7} OLU: 2]

      Mit einem Male schwang der Hexer besagten Stab aus, ganz zu Zanthes Argwohn.
      „Das Wissen der Vergangenheit nutzend, wird der Hierophant die Zukunft beeinflussen“, sagte Kyon und zog unter dessen Karte eine Overlay Unit hervor, „für jedes auf dem Friedhof liegende Spellbook vermag er eine Zauber- oder Fallenkarte zu zerstören.“
      Entgeistert schnappte Zanthe: „Nicht im Ernst!“
      „Wie erwartet …“, murmelte Kyon. Sein Magier absorbierte mit der Spitze seines Stabes eines der darum kreisenden Xyz-Materialien, ehe er ihn nach vorne richtete. Grünes Licht strahlte vom Stab, von dem sich dann ein schwarzer Feuerball löste. Jener schlug in Zanthes gesetzte Karte ein und pulverisierte sie im wahrsten Sinne des Wortes.
      Kyon aber schwang bereits den Arm aus. „Nun das, was ich dir versprochen habe: Ich verbanne drei Spellbooks, damit der [Prophecy Destroyer] zurückkehrt.“
      Die Abbilder der Spellbooks Of Fate, Life und der [Spellbook Organization] tauchten vor Kyon auf und verschwanden im Nichts. An ihrer Statt machte sich dunkler Nebel vor Kyon breit, aus dem der teuflische Krieger mit seiner rot-glühenden Klinge in der Hand erschien, zwischen seinen beiden Kameraden.

      Prophecy Destroyer [ATK/2500 DEF/1200 (6)]

      Drei gegen drei, dachte Zanthe nervös. Sein Omega, Pleiades und M7 gegen Kyons Hierophant, Empress und Destroyer. Dummerweise waren zwei der Monster seines Gegners stark genug, um mit den Sternkundlern kurzen Prozess zu machen.
      „Zweifelsohne glaubst du, aufgrund deiner hohen Lebenspunkte nichts zu befürchten zu haben. Doch ich muss dich enttäuschen“, gab Kyon geheimnisvoll zu bedenken, „dem ist nicht so. Effekt von [Empress Of Prophecy]! Sie lässt mich die obersten fünf meiner Deckkarten ansehen, um für jedes Spellbook darunter ein Monster zu zerstören.“
      Besagte Magierin schnippte nur einmal mit dem Finger und schon flogen nacheinander fünf holografische Karten von Kyons Deck und bauten sich mit dem Rücken zu Zanthe gewandt auf, wobei sie automatisch vergrößert worden. Parallel dazu erlosch das Licht einer der Perlen im Schild der Empress.
      Starker Wind begann plötzlich zu wehen, der Regen schlug den beiden nur so entgegen. Kyon sagte: „Eine verhängnisvolle Prophezeiung.“
      Dann wirbelten die Karten nacheinander herum, sodass der Werwolf sie sehen konnte. Links ein Monster namens [Hermit Of Prophecy], daneben ebenfalls eines, [Charioteer Of Prophecy]. Erschrocken bemerkte Zanthe, dass sich in der Mitte der Zauber [Spellbook Of Judgment] befand. Dann kamen die Monster [World Of Prophecy] und [Justice Of Prophecy].
      „Wohl eher für dich, als für mich“, konterte der junge Mann schließlich schnippisch und hob den Arm, um sich vor der Windbö zu schützen.
      Kyon dagegen stand unbeeindruckt da, rührte sich nicht. „In der Tat ein enttäuschendes Ergebnis. Aber es reicht, um [Constellar Ptolemy M7] zu zerstören.“
      Aus dem Zauber in der Mitte schoss ein silberner Blitz, der in der Brust des edlen Mechadrachen einschlug und ihn zerstörte. Gleichzeitig legte Kyon, der die fünf Karten die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte, diese auf sein Deck. „Nach der Prophezeiung schreibt [Empress Of Prophecy] die Zukunft neu, sodass ich die Karten frei anordnen kann.“
      „Also weißt du, was du nächste Runde ziehen wirst …“
      „So ist es.“ Kyon hob den Zeigefinger und deutete damit auf die Magierin zu seiner Rechten. „Eins solltest du noch wissen, bevor ich zum Kampf übergehe. [Empress Of Prophecys] Potenz steigt, je mehr Xyz-Materialien sich auf meiner Spielfeldseite befinden, de facto um 300.“
      Sowohl die Perle im Schild der Hexerin, als auch die Lichtkugel, die um des Hierophants Stab kreiste, begannen zu pulsieren.

      Empress Of Prophecy [ATK/2000 → 2600 DEF/1700 {5} OLU: 1]

      Also wäre es so oder so ein Leichtes für Kyon gewesen, seine Constellare auszuschalten, begriff Zanthe ärgerlich. Hatte er das alles von Anfang an so geplant? Spielte das Schoßhündchen des Sammlers ein Spiel mit ihm, dass er nur gewinnen konnte?
      Der junge Mann ballte eine Faust und sah weg, als Kyon befahl: „Los, [Empress Of Prophecy] und [Prophecy Destroyer]! Greift [Constellar Pleiades] und [Constellar Omega] gleichzeitig an! Prophecies #3 und #15!“
      Der Teufel schwang seine Klinge nur einmal, damit sich von ihr ein dünner Lichtstreifen löste. Dieser schoss so schnell am Zentaur vorbei, dass nur der abgetrennte, herabrutschende Kopf des Monsters davon zeugte, dass jener überhaupt getroffen worden war. Zeitgleich schlug die Empress mit dem Ende ihres Zauberstabs auf den Boden, was dazu führte, dass um Pleiades vier riesige, gelbe Portale entstanden, allesamt aus dutzenden, ineinander fassenden Kreisen und Symbolen bestehend. Und aus jedem davon schoss ein Lichtstrahl, welche sich überkreuzten und vom jeweils gegenüberliegenden Portal wieder absorbiert wurden.
      „Ugh“, keuchte Zanthe, der nebenbei noch mit dem heftigen Regenschauer zu kämpfen hatte.
      „Und jetzt der direkte Angriff“, verkündete Kyon gnadenlos. „[Hierophant Of Prophecy]! Prophecy #5 – Road To The Stars!“
      Mit einem Ruck riss der schwarzhaarige Hexer seinen Stab in die Höhe, ehe er ihn nach vorne stieß und dutzende winziger Lichtsterne auf Zanthe abfeuerte. Der wurde unter dem Hagel zurückgeschleudert und stieß gegen den abgrenzenden Zaun, der in diesem Moment verhinderte, dass der Werwolf in die Tiefe stürzte.

      [Zanthe: 4700LP → 4600LP → 4500LP → 1700LP / Kyon: 400LP]

      „Ich überlasse dir den nächsten Zug. Eins ist bereits gewiss: Es ist dein letzter“, ließ Kyon ihn wissen.

      „Mein letzter Zug, was?“, flüsterte Zanthe vor sich hin. Seinen Arm mit dem Duellhandschuh vor sich ausstreckend, griff er nach seinem Deck. „Ist doch logisch. Den letzten Zug macht der, der gewinnt. Draw!“
      Mit vollem Schwung riss er die Karte vom Stapel, etwas, das er sich wohl unbewusst von Anya abgeschaut haben musste. Was ein deutliches Zeichen dafür war, dass er zu viel Zeit mit ihr verbrachte. Andererseits gab es wohl Schlimmeres als das. Zum Beispiel ihre Wortwahl!
      Als Zanthe die Karte betrachtete, musste er jedoch ungewollt schlucken. Die allein würde ihm nicht helfen. Es sei denn …
      „Ich aktiviere eine Ausrüstungszauberkarte!“ Zanthe schob jene in den passenden Schlitz an seinem Handschuh. Daraufhin brach der Beton vor ihm auf, ein nicht unwesentliches Loch entstand direkt vor seinen Füßen. „[Premature Burial]! Zuerst muss ich 800 Lebenspunkte zahlen. Im Gegenzug kann ich jedoch ein Monster aus meinem Friedhof wiedererwecken, was mit ihr ausgerüstet wird.“
      Mit einem schrillen Schrei brach der weiß-goldene Maschinendrache mit den schwarzen Energieschwingen aus dem Dach und stieg in die Lüfte.

      [Zanthe: 1700LP → 900LP / Kyon: 400LP]

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 0]

      Seine Bahnen über den Köpfen der beiden Duellanten ziehend, stieß Messier 7 ohne Unterbrechung laute, stolze Schreie aus. Noch weiter am Himmel begann das Wappen der Constellare wieder zu leuchten.
      „Du hast einen Fehler gemacht!“ Zanthe nickte der permanenten Zauberkarte vor sich, [Constellar Star Chart], zu. „Anstatt alle Zauber- und Fallenkarten mit deinem Hierophanten zu vernichten, hast du nur Augen für die gesetzte gehabt und die hier ganz vergessen.“
      „Anscheinend.“ Kyons tonlose Antwort sprach Bände. Er senkte sogar den Kopf.
      „Jetzt darf ich, da ein Constellar-Xyz beschworen wurde, eine Karte ziehen!“ Mit brennendem Ehrgeiz in den Augen sah Zanthe auf sein Deck. Etwas Starkes, irgendetwas, flehte er still im Geiste und umfasste die Karte mit seinen Fingern. „Los!“
      Er riss sie von seinem Deck. Sein Atem ging schneller und schneller, als er sie vor sich hielt und begriff. „W-was?“
      Damit hatte er nicht gerechnet. Der Anflug eines Grinsens begann um seine Lippen zu spielen.
      „Das dürfte reichen. Messier 7, nimm dir [Hierophant Of Prophecy] vor!“ Passend dazu streckte Zanthe den Arm aus. „M7 Star Launcher!“
      Mit einem Ruck hob Kyon den Kopf an. „Das ist deine Lösung? Hast du es vergessen? Den zweiten Effekt von [Spellbooks Of Tetrabiblos]?“
      Sein Gegner weitete die Augen. Die Bücher konnten nicht nur als Xyz-Material verwendet werden. Nur einmal gaben sie dem beschworenen Xyz-Monster die Kraft, einen angreifenden Feind unverzüglich zu vernichten! Er selbst hatte damals, als Valeries Hochzeit gecrasht worden war, versucht die Dämonenjägerin Edna und ihren [Mermail Abyssgaios] in genau diese Falle zu locken! Allerdings wurde das Duell vorzeitig unterbrochen, ehe es dazu kam.
      Oben am Himmel öffnete der majestätische Drache jedoch schon sein Maul und schoss einen orange-roten Lichtstrahl hinab, der von goldenen Partikeln umgeben war. Kyon streckte den Arm aus. „[Hierophant Of Prophecy], wirf den Angriff zurück auf deinen Feind. False Prophecy!“
      Besagter, schwarzhaariger Hexer hob seinen Zauberstab und ließ schräg über sich ein grünlich schimmerndes Loch im Raumgefüge erscheinen, das den Angriff absorbierte, um ihn dann eine Sekunde später mit doppelter Intensität zurück auf den Absender zu feuern. Weit über Zanthe gab es eine gewaltige Explosion.
      „Ein Jammer“, murmelte der mechanisch. Kyon schwieg. „Aber ich hab's nicht vergessen! Im Gegenteil, ich wollte es so! Schnellzauberkarte!“
      Mit grimmiger Genugtuung rammte Zanthe seine letzte Karte in die Duel Disk. Diese sprang vor ihm auf und präsentierte einen weißen Engelskrieger und einen schwarzen, dämonisch wirkenden Krieger, wie sie aus einem roten Abgrund in Richtung des Betrachters flogen.
      „[Xyz Double Back]!“, benannte sie dessen Besitzer zufrieden. „Du musstest meinen M7 zerstören, verstehst du? Nur dadurch kann ich diese Karte ausspielen, die mich das zerstörte Xyz-Monster zurückrufen lässt.“
      Als würde jemand ein Video zurückspulen, zog sich der Rauch der Explosion über ihnen wieder zusammen, verschwand und hinterließ einen unversehrten Drachen, der auf der Stelle verharrte.
      „Du denkst jetzt, dass das nicht reicht, aber du irrst“, sprach Zanthe leise. Er nahm eine aus dem Friedhofsschlitz hervorstehende Karte und zeigte sie vor. „[Xyz Double Back] trägt das Doppel nicht umsonst im Namen. Sie lässt mich ein zweites Monster reanimieren, solange es von den Angriffspunkten her schwächer ist als M7.“
      Zanthe legte das Monster auf die Duel Disk. „Erinnerst du dich noch an den hier? Du hast ihn ganz am Anfang des Duells zerstört. Open a door to the crab! [Constellar Acubens]!“
      Besagter weißer Krieger brach neben Zanthe aus dem astronomischen Rundenzirkel und klackerte gefährlich mit seinen orangefarbenen Scherenarmen.
      „Acubens hat einen Effekt, der sich bei seiner Beschwörung aktiviert“, rief Zanthe und sah zu seinem Drachen hoch, „er gibt allen Constellaren einen Angriffsbonus von 500!“
      Sowohl der Sternenkundler im Zeichen des Krebses, als auch Messier 7 in der Luft begannen in einer orangefarbenen Aura aufzuleuchten.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 → 3200 DEF/2000 {6} OLU: 0]
      Constellar Acubens [ATK/800 → 1300 DEF/2000 (4)]

      „Und jetzt frag mich noch einmal, ob das meine Lösung ist!“, schnauzte Zanthe seinen Gegner förmlich an. Erbarmungslos richtete er den Zeigefinger auf ihn beziehungsweise den schwarzen Hierophanten. „M7 Star Launcher!“
      Sein gold-weißer Drache holte tief Luft, um dann einen gewaltigen, orangefarbenen Lichtstrahl abzufeuern. Kyon machte sich nicht einmal die Mühe, dem Angriff entgegen zu blicken, sondern verharrte regungslos. Und diesmal schlug der Strahl im wahrsten Sinne des Wortes wie eine Bombe ein. Es gab eine Explosion, zu allen Seiten stieß Rauch und aufgewirbelter Staub über das Dach.

      [Zanthe: 900LP / Kyon: 400LP → 0LP]

      Acubens und M7s Hologramme lösten sich auf. Mit ihnen auch der Rauch. Und Kyon stand immer noch da, ohne seine Hexer. „Gut gemacht.“

      „Ist das alles!?“, fauchte Zanthe zornig. „Ist das alles, was du kannst!?“
      „Hast du mehr erwartet?“
      Allein die Art, wie er das fragte, brachte das Blut des Werwolfs in Wallung. Geradezu provozierend, als wäre all das auf seinem Mist gewachsen!
      Sich auf die Lippen beißend, konnte Zanthe seine Fassung letztlich nicht wahren und fuhr Kyon wild gestikulierend an. „Du bist ein Immaterieller! Durch Anya weiß ich, dass ihr eure Paktmonster inkarnieren könnt! Wieso hast du das nicht getan!?“
      „Sollte ich etwa“, fragte Kyon langsam und deutete nach oben, „das Monster meines Gegners inkarnieren?“
      Sein Finger war genau auf die Stelle gerichtet, wo M7 eben noch verharrt hatte. Zanthe folgte der Richtung des Arms und begriff zwar, aber war in diesem Moment nicht imstande, die Information zu verarbeiten.
      „Und warum dann kein Excel-Monster!?“, schrie er stattdessen ungehemmt weiter. „Du sagtest, du hättest eins!? Warum hast du das nicht benutzt!?“
      Bevor Kyon auch nur den Mund zum Antworten geöffnet hatte, fuhr ihm der Werwolf schon über diesen. „Ist das deine Vorstellung davon, mich zu prüfen!? Indem du fair bist!? Oder sogar nachlässig? Wolltest du die ganze Zeit, dass ich gewinne?“
      Der Immaterielle stieß ein leises Lachen aus und griff den Bügel seiner Sonnenbrille. „Wer weiß. Nur eins ist gewiss. -Diese Erinnerungen- schlafen noch in dir, trotz unseres Duells. Anscheinend bin ich selbst noch nicht bereit …“
      „Bereit oder nicht, jetzt gibt es keine Ausflüchte mehr!“ Zanthe nahm einen Schritt nach dem anderen auf sein Gegenüber zu. In seiner gebeugten Haltung wirkte er dabei, als plane er fest ein, Kyon an die Gurgel zu gehen, sobald er ihn erreicht hatte. Seine Worte sprach er jedoch mit plötzlich einkehrender, aber bitterböser Ruhe aus. „Was ist dein Plan, Speichellecker des Sammlers?“
      „Seine Auslöschung.“

      Stille. Mitten auf der Strecke verharrte Zanthe in seinen Bewegungen.
      „Meine Ambition ist es, dieses Wesen zu töten. Und dich zu beschützen, wie ich es deinem Bruder versprochen habe.“
      „Du willst … was?“
      Kyon sah gen Himmel. Erst jetzt bemerkte Zanthe, dass der Regen ausgesetzt hatte. Im Dunkel der Nacht hatten sich die Wolken über ihnen aufgelöst. Ein voller, strahlender Mond hing über ihnen.
      „Der Sammler ist der Feind allen Lebens.“
      „Also weißt du, was er mit Anya vorhat!?“, überschlug sich die Stimme des Jüngeren der beiden förmlich. „Sag es mir!“
      Allerdings schüttelte Kyon den Kopf. „Das geht nicht. Du würdest es ihr sagen und dann wäre alles umsonst.“
      „Und damit willst du mich abspeisen!?“ Zanthe schüttelte den Kopf vehement. Damit wollte er sich nicht abfinden.
      Plötzlich aber, völlig ungewohnt für ihn, wurde Kyon laut. „Die Mühen vieler Individuen werden vergebens gewesen sein, wenn der Sammler davon erfährt! Du musst mir vertrauen, Zanthe Montinari! Genau wie ich dir vertraue, indem ich dir bereits diese entscheidenden Informationen zuteil werden lasse! Bringe mich nicht dazu, dies zu bereuen!“
      „Er ist das mächtigste Wesen auf diesem Planeten!“, argumentierte Zanthe jedoch weiter. „Wenn er es wissen will, weiß er bereits davon! Genauso gut könntest du einen Elefanten hinter einer Mücke verstecken!“
      „Deshalb habe ich Kakyo Sangon ins Spiel gebracht“, erwiderte Kyon nun wieder ruhig, „oder sollte ich ihn bei seinem richtigen Namen nennen? Kyon Sangon.“

      Für einen Moment verharrte Zanthe schweigend, ehe er die Arme verschränkte und trocken anmerkte: „Jetzt wird’s albern.“
      „Es ist die Wahrheit. Du wolltest wissen, was dieser Junge für mich ist.“ Der Butler hob die Hand und streckte sie nach vorne aus, in Zanthes Richtung. Dabei spreizte er die Finger so weit es ging auseinander. „Erinnerst du dich nicht an meinen wahren Namen?“
      Obschon Zanthe den Sinn dieser Worte nicht verstand, verließ doch ein einzelnes Wort seine Lippen. „Kakyo …“
      Schlagartig erinnerte er sich. Diesen Namen, er hatte ihn schon einmal gehört, aus dem Mund seines Bruders. Und der Immaterielle, der jetzt in dessen Körper steckte – das war Kakyo! Wie hatte er-!?
      „Ja. Die Erinnerungen kehren wieder, nicht wahr? Begreifst du es? Ich und Kyon Sangon, wir haben unsere Namen getauscht.“
      „Aber … aber warum?“
      Kyon, oder eher Kakyo, ließ den Arm sinken. „Alles liegt meinem Wunsch zugrunde, den Sammler zu töten. Doch um ihm nahe zu sein, muss ich gleichzeitig außerhalb seiner Reichweite sein.“
      Der Kopftuchträger hob eine Hand und fasste sich ans Kinn, dabei sein Gegenüber nicht aus den Augen lassend. „Und das hast du erreicht, indem du Namen mit diesem Jungen tauscht? Lass mich raten … um zu seinem Diener zu werden, musstest du …?“
      „So ist es. Ich musste ihm meinen Namen versprechen. Und damit absolute Kontrolle. Während man mit einer Seele über alle zukünftigen Inkarnationen einer Person herrscht, so verleiht einem der Name die Macht über die Person der Gegenwart.“ Kyon faltete die Hände vor seinen Schoß ineinander. „Mehr noch, gebietet der Besitzer des Namens auch über alles, was in unmittelbarem Zusammenhang jenes Namens steht. Die Excel-Monster sind ein Beispiel für solch ein Vorkommnis.“
      „Also benutzt du Kakyo ... oder Kyon, keine Ahnung, wie ich ihn nennen soll, als Schutzschild?“
      „Er weiß um seine Rolle. Und wie gefährlich es für ihn wird, wenn der Sammler dahinter kommt. Du musst wissen, er sieht alles. Durch die Augen desjenigen, dessen Name er besitzt.“ Plötzlich tippte Kyon gegen seine Sonnenbrille. „Solange ich jedoch die hier habe, wird er durch die Augen einer der Personen sehen, die ich bestimme. Mich selbst eingeschlossen.“
      Zanthe reckte den Kopf zur Seite. „Schön hast du das alles geplant. Und feige.“
      „Ich muss verhindern, dass er Macht über mich gewinnt. Soviel solltest selbst du verstehen.“
      „Das geht doch niemals gut!“, schrie Zanthe jedoch unerwartet an Kyon gewandt. „Du ziehst andere da mit rein und gefährdest auch ihr Leben! Ist Exa etwa auch einer davon!? Oder vielleicht sogar ein anderer meiner Freunde!?“

      Statt aber eine Antwort darauf zu geben, drehte sich Kyon plötzlich um und streckte die Hand nach vorne aus. Es entstand ein schwarzes, ovales Portal, das in verzerrter Form das Ebenbild des in Schwarz gekleideten Butlers widerspiegelte.
      „Entschuldige, aber ich habe nicht mehr viel Zeit. Ich kann diesen Dämon nicht ewig glauben lassen, er würde durch meine Augen sehen, wenn es tatsächlich die eines anderen sind.“
      „Warum gerade dieser Junge!?“
      „Sein Name und meiner sind sich sehr ähnlich. Das ist die Voraussetzung für so einen mächtigen Zauber. Und“, fügte Kyon dabei noch an, „weil er ein reines Herz besitzt. Aber das ist nur ein Bonus.“
      „Warte-!“, rief Zanthe und begann dem Schwarzhaarigen hinterher zu rennen, welcher langsamen Schrittes auf das Portal zuging.
      Der meinte: „Ich denke, ich habe deine Fragen hiermit beantwortet. Dennoch sind wir beide nicht bereit, uns schon jetzt einem so mächtigen Feind zu stellen. Aber wisse: Ich werde immer auf dich Acht geben. Und alles, was geschehen wird, wurde von mir zurecht gelegt.“
      Zanthe, der Kyon beinahe erreicht hatte, streckte die Hand nach ihm aus.
      „Denn nicht nur der Sammler ist imstande, Pläne zu schmieden. Also bitte ich dich“, sagte jener und drehte sich lächelnd zu dem jungen Mann um, „um etwas Geduld. Und um dein Vertrauen. Vergiss nicht das Versprechen, das ich dir gegeben habe.“
      Damit trat er durch das Portal, welches binnen eines Herzschlags verschwand. Und Zanthes Hand griff ins Leere.

      Du bist nicht mehr allein.

      Plötzlich stand er allein auf dem Dach und seine Gedanken rasten. Vertrauen, Zweifel, Hoffnung, Angst, alles kreuz und quer in seinem Kopf. Nur eins kristallisierte sich heraus. Etwas, das er ihm noch mitteilen wollte.
      „Planen?“ Zanthe seufzte mit gesenktem Kopf. Dabei betrachtete er seine Finger, um die schwarze Schlieren aufstiegen, Überreste des Portals. „Das hat doch schon im Duell nicht funktioniert …“


      Turn 64 – Lee And Lie
      Anderenorts ist Matt auf der Suche nach dem nächsten Hüter. Sein Weg führt in zu einer abgelegenen Villa, wo sich der nächste von ihnen, ein Mann namens James Carrington aufhalten soll. Bevor er jedoch in das Gebäude gelangen kann, wird er von einem Bediensteten namens Lee Anderson entdeckt. Welcher sich als äußerst schwierig entpuppt …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Zanthe

      Constellar Acubens
      Constellar Algiedi
      Constellar Pollux
      Constellar Kaus

      Constellar Alrakis
      Donner/Licht/Effekt
      ATK/1200 DEF/1500 (4)
      Indem du diese Karte während des Zuges eines beliebigen Spielers von deiner Hand abwirfst: wechsle die Position eines "Constellar"-Monsters auf deiner Spielfeldseite. Indem du diese Karte von deinem Friedhof verbannst: in diesem Zug musst du für die Tributbeschwörung eines "Constellar"-Monsters keine Tribute anbieten.

      Constellar Star Chart
      Constellar Star Cradle

      Xyz Scales
      Zauber/Normal
      Wähle zwei Xyz-Monster, die du kontrollierst und deren Ränge um mindestens 2 Ränge auseinander liegen als Ziel: Beschwöre als Spezialbeschwörung 1 Xyz-Monster von deinem Extradeck als Spezialbeschwörung, dessen Rang zwischen den Rängen der beiden Ziele liegt.

      Xyz Double Back
      Mystical Space Typhoon
      Premature Burial

      Draining Shield

      Constellar Pleiades x2
      Constellar Praesepe
      Constellar Omega
      Constellar Ptolemy M7

      Kyon

      World Of Prophecy
      Wheel Of Prophecy
      Prophecy Destroyer
      Reaper Of Prophecy
      Emperor Of Prophecy
      Strength Of Prophecy
      Charioteer Of Prophecy
      Temperance Of Prophecy
      Stoic Of Prophecy
      Fool Of Prophecy
      Amores Of Prophecy
      Hermit Of Prophecy
      Justice Of Prophecy

      Spellbook Of Secrets
      Spellbook Of The Master
      Spellbook Of Wisdom
      Spellbook Of Power
      Spellbook Of Fate
      Spellbook Of Life
      Spellbook Of Judgment
      The Grand Spellbook Tower

      Spellbooks Of Tetrabiblos
      Zauber/Normal
      Wähle 1 offenes Monster vom Typ Hexer, das du kontrollierst, als Ziel: wenn du das Ziel als Xyz-Material für die Xyz-Beschwörung eines Xyz-Monsters vom Typ Hexer oder eines Xyz-Monsters mit demselben Attribut verwendest, kannst du statt anderer Monster diese Karte auf deinem Friedhof als Xyz-Material verwenden. Nur einmal, wenn ein Xyz-Monster, das mit dieser Karte als Xyz-Material beschworen wurde, angegriffen wird: zerstöre das angreifende Monster. Du kannst nur 1 "Spellbooks Of Tetrabiblos" pro Zug aktivieren.

      Spellbook Organization
      Monster Reborn

      Empress Of Prophecy
      Hierophant Of Prophecy


      Anregungen, Lob und Kritik sind wie immer gern gesehen.
      Dann melde ich mich mal wieder zurück :)

      Spoiler anzeigen

      Auch wenn es immer lahm klingt, wenn ich das schreibe, hat mir die Folge gefallen. Ich hatte mich schon lange gefragt, wie das mit Zanthes Bruder jetzt war und inwiefern Zanthe seine Finger dabei im Spiel hatte, das hat sich ja wohl jetzt geklärt...Kyon bzw. Kayko im Auftrag des Sammlers, sehr interessant. Der Namenstausch ist interessant, damit hätten wir schon eine zweite durchaus wichtige Antwort auf all die wichtigen Fragen, die noch offen stehen, nämlich Kyons ( oder Kaykos, du weißt ja gar nicht was du deine Kommentarschreiber durcheinander bringst mit dieser Wendung bzw. wie lang die Sätze werden müssen um einen eindeutigen Bezug zu einer der beiden Personen herzustellen :D :D ) Verbindung zu Kayko ( oder eben Kyon ). Interessant auch, dass Alessandro aus dem Limbus befreit wurde und jetzt irgendwie in Exa ist, sehr verworren, aber jetzt da es aufgeklärt wurde auch irgendwie reizvoll, besonders interessant ist auch dass der eine Dämon aus der einen Folge mit Kali, wohl der war, der ihn in den Limbus geführt hat, aber über diesen Dämon wissen wir wieder nichts. Dass Kayko den Sammler verraten hat, ist erstaunlich, das gibt allen seinen Aktionen eine ganz neue Dimension, auch die Conquerers Soul wurde wieder erwähnt, der Sammler muss davon wahrscheinlich wissen und damit planen.

      In dem Duell ist dabei Zanthes ganze Entschlossenheit druchgebrochen und hat Kaykos ( also, hehe, jetzt der, der den Namen in Wirklichkeit trägt ) ganzen Pläne durchbrochen und mehr als das noch hat er auch noch über die eine Karte gesiegt, von der er teilweise abhängig gewesen war. Kann man das alles als einen Befreiungsschlag deuten? Stellt sich nur die Frage, von wem man sich die eigentlich befreit hat, wenn der scheinbare Gegner doch auf der eigenen Seite steht. Spannend ist, dass offen blieb, ob Kayko ( also, hehehe, jetzt wieder der echte, also der falsche Kyon ) ihn wirklich hat gewinnen lassen, wovon man auf die Qualität seiner Pläne schließen könnte, an denen Zanthe noch zu zweifeln scheint. Ist dies der Ausdruck des generellen Zweifels an der Situation in der sich unsere Protagonisten zur Zeit befinden? Er ist durchaus berechtigt, wenn man bedenkt, wie viele große Unbekannte noch auf dem Weg liegen, der Sammler als der wahre Feind in all seiner Macht, wie soll er überwunden werden und wie kann Anya sich retten? Auf jeden Fall haben sie jetzt einen ganz neuen Verbündeteten. Würde mich auch mal interessieren, warum der Sammler eigentlich der wahre Feind ist, man weiß so wenig über ihn.

      Logan wird seiner Rolle als "Prinz" mal wieder hinreichend gerecht, mal sehen was daraus wird, bin schon auf die Folge gespannt, in der Anya sich seiner Stellung in ihrem Leben bewusst wird. Insgesamt könnte man die Folge als Wendepunkt bezeichnen, in der Folge davor Anyas Sieg über ihren Bruder, und jetzt steht ein Plan in Aussicht, nicht nur dem Sammler in die Hände zu spielen, sondern auch endlich mal Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Hey, es gibt wieder echte Anzeichen auf Hoffnung :)

      -Aska-

      Hm, interessant, also kann es immer noch zu einer "explosiven" Situation da kommen. Und warum denk ich gerade daran, dass das D-Pad ja nur 'geliehen' ist. Drama incoming? oo

      Jop, hab ich vergessen, dass er das gesagt hat, aber sei mir bei über nun fast 30 Folgen bestimmt verziehen, dass ich das Detail vergessen hab. ^^§ Aber bin mal gespannt, welche Rolle Gardenia im weiteren Verlauf noch haben wird.


      Folge

      Wieder einmal eine Top Folge. Ein starkes Duell und haufenweise Enthüllungen, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Da ich das Duell zuerst genannt hab, leg ich deshalb auch einfach da mal los:

      Das war bis zum Ende spannend geblieben, man konnte ja auch wirklich nicht sagen, wer gewinnen würde. Oft kann man ja von der Rahmenhandlung drauf schließen, wer gewinnen wird bzw muss, damit es in eine bestimmte Richtung weitergeht, aber hier war es ja so, dass wirklich beide Ausgänge bis zum Schluss denkbar waren. Sowohl ein Sieg Zanthes, wie es dann schließlich kam, aber auch eine Niederlage gegen Kyon wäre denkbar gewesen. Immerhin hat er im Verlauf schon Einiges verraten gehabt, und in dem anderen Fall eben noch ein paar andere Brocken für sich behalten.
      Schön aber fand ich auch den gegensätzlichen Kontrast zwischen Kyon, der einem vorgefertigten Plan folgt und stets von Vorherbestimmung spricht, und Zanthe, der ihm beweist, dass man sein Schicksal verändern kann, indem man etwas in der bisherigen Gleichung verändert und so eben auch das Ergebnis beeinflusst. Hier in dem Fall waren das die Karten, die Kyon nicht kannte und in seinem vorgefertigten 'Plan' entsprechend nicht vorkamen.
      Aber wer weiß, wie es ausgegangen wäre, wenn Kyon mit seiner vollen Kraft hätte kämpfen können? Unter normalen Bedingungen hätte er ja Paktkarte oder Excel Monster rufen können, was womöglich zu einem anderem Ergebnis geführt hätte. Aber so war es schöner, da beide mehr oder weniger die gleichen Voraussetzungen hatten.

      Dann aber mal weiter mit dem Kanonenfeuer der Enthüllungen, das die Folge einem geliefert hat.
      Zum Einen, dass Kyon (der Einfachheit halber bleibe ich bei den aktuellen Namen und nicht den richtigen) Alessandro, bzw. dessen irdischen Überreste, ist. Es war ja wiederholt angedeutet worden, dass Kyons 'Wirt' früher jemand sehr Wichtiges für Zanthe war. Aber nachdem ein Alessandro in dem Turnier auftauchte, rechnete sicher niemand damit, dass ebenjener in Wirklichkeit schon längst tot war und der Immaterielle Kyon in dessen Körper lebte.
      Zum Anderen, dass Exa in welcher Form auch immer ein Gefäß für die Seele von Alessandro bildet, die Kyon eigenhändig aus dem Limbus zurückgeholt hat. Damit hat sich im gleichen Atemzug bei der Kali Folge geklärt, was bzw zu wem Kyon im Limbus wollte. Die Frage, die ich mir dabei aktuell noch stelle ist, warum er das unbedingt jetzt machen musste? Denn wenn durch den Kontakt von dem Hüter Exa mit Anya Alessandros Seele unwiderruflich zerstört werden könnte, wirkt das im ersten Moment nicht so durchdacht. Schließlich ist Anya ja gezwungen, alle 7 Hüter zu finden, und wird so zwangsläufig auf Exa treffen müssen, oder? Aber ist ja auch unklar, ob er überhaupt die Wahl hatte oder was der Zweck dahinter ist. Je nachdem erklärt es sich ja doch. Und zumindest so hat er praktisch Zanthe für seine Seite gesichert, da der im Zweifelsfall Exa vor Anya priorisieren dürfte. Und vielleicht war das genau der Sinn, damit Anya es nicht so leicht schafft, alle 7 zu besiegen?

      Auch wurde die Verbindung zwischen Kakyo und Kyon näher erklärt. Die ganze Erklärung mit den Namen fand ich gelungen, auch unter dem Aspekt, was wir mehrmals gehört haben, dass der Name dem Collector unheimliche Macht über dessen Besitzer verleiht. Da muss man sich am Ende ja doch fragen, ob das damals nicht doch die echte Valerie war und sie sich nur nicht dran erinnern kann, weil mindcontrolled usw.
      Auch die Erklärung mit der Sonnenbrille, die dazu dient, den Collector zeitweilig zu täuschen, war eine nette Idee. Kann mir auch vorstellen, dass das funktioniert, solange der Collector keine Zweifel an seiner Loyalität hegt. Wenn er Kyon aber aufschalten täte, glaube ich, würde es in der Praxis imo nicht mehr so einfach funktionieren.

      Und da kam auch schon Kyons Primärziel durch, was er ebenfalls in der Folge enthüllt hat: Er will den Collector aufhalten!
      Nach seinen Worten ist der Collector 'der Feind allen Lebens'. Allein das impliziert ja förmlich, dass der Collector damit - wie Nick einst vermutet hat - der wahre Feind ist, oder ferner zu diesem gehört bzw. mit ihm zusammenarbeitet.
      Aber irgendwie kommen mir - so plausibel das alles auch klang - ein paar Dinge an diesem Feindbild doch sehr merkwürdig vor. Will da aber hier nicht drauf eingehen, aber ich sag mal so, wenn etwas zu gut klingt, dann bin ich eher skeptischer Natur. Aber in jedem Fall ist es ja schon ein Plottwist, dass gerade die Person, die dem Collector offenscheinlich am nächsten steht, in Wirklichkeit gegen ihn taktiert - und damit auch nicht allein steht.

      Neben dem großen Fokus auf Zanthe und Kyon war aber auch Anya in der Folge noch eine knappe Szene gegönnt. Die gefiel mir ebenfalls, weil es mal wieder die andere Seite von Anya zeigt, wenn sie bei einer der ihr wichtigen Personen ihre Verteidigung komplett fallen lässt. Ich meine, für ihre verkappte Art dabei müsste man fast schon sagen, dass sie Szene zuckersüß, in seiner eigenen Art romantisch gewesen ist. ^^

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Soa, mal wieder vielen Dank an euch alle!

      @Mcto
      Du hast mich jetzt auch gar nicht mit deinem Kommentar durcheinander gebracht. xD
      Bleiben wir der Einfachheit halber bei den Namen, mit denen die beiden eingeführt wurden, ok? ^^

      Ich bin jedenfalls froh, diese Folge endlich an die Öffentlichkeit gebracht zu haben. Kyons fragwürdige Loyalität habe ich ja ab und zu minimal angedeutet, sie jetzt auszusprechen ist befreiend.
      Es ist wie du sagtest, der Dämon aus der Kali-Folge hat Kyon in den Limbus geführt, wo er die Seele Alessandros in Exa "verpflanzt" hat. Ums einfach auszudrücken. Deswegen ist Exa auch inzwischen so wichtig. ^^

      Ob es ein Befreiungsschlag ist, jemand zu besiegen, der eigentlich auf derselben Seite steht? Berechtigte Frage, die man, denk ich, nicht mit einem klaren ja oder nein beantworten kann.
      In gewisser Hinsicht ist es Zanthe gelungen, einen Teil seiner Vorurteile gegenüber Kyon abzulegen. Auch wenn er es nie zugeben würde, hat er begriffen, wie weit Kyon für ihn zu gehen bereit ist.
      Auf der anderen Seite ist er noch viel zu weit davon entfernt, das ganze Ausmaß der gegenwärtigen Situation zu erfassen.

      Das mit der Hoffnung ist wohl wahr: Team Anya hat jetzt endlich Unterstützung außerhalb der gewohnten Umgebung, besser gesagt noch direkt von der Quelle allen Übels. Bleibt nur die Frage, wieviel Kyon alleine auszurichten vermag. Den ersten Schritt, Zanthe einzuweihen, ist er bereits gegangen.

      Vielen Dank für deinen Kommentar! ^^

      @Evil Bakura
      Da hast du was durcheinander geworden. Anyas rotes D-Pad ist "bombig", nicht das schwarze von Logan. xD
      Aber für die Idee bekommste nen fetten Weihnachtskeks. Selbstgebacken. *schon überlegt, wie er Logan das rote D-Pad unterjubeln könnte* xD So sei dir auch dein peinlicher, überaus verwerflicher Fauxpas verziehen, dich nicht an eine Randbemerkung von vor 2 Jahren zu erinnern. Aber gerade nur so. ;)

      Was das Duell angeht: Joa, im Endeffekt wurde der interessante Teil sowieso vorweg gegriffen, sodass das Ergebnis nur der Zuckerguss am Ende war. Eins steht fest: Kyon hat nicht zu 100% gespielt und hätte, denk ich, gewonnen, wenn dem so gewesen wäre. Aber dazu müsste ich erstmal wissen, wie sein Excel-Monster und eine mögliche Inkarnation der Xyz-Prophecys aussehen. xD

      Ich fand das ja so witzig, wie wirklich all meine Leser die ganze Zeit like: "Huh, Montinari!? Zanthes Verwandter, huh!?" waren, aber keiner auf die Idee gekommen ist, dass Kyon besagter Montinari ist. Der Kyon, der im Auftrag des Sammlers für Anyas Weiterkommen sorgt und auf den Zanthe schon immer sehr intensiv reagiert hat. Gold, wirklich. xD
      Was Kakyo angeht: Ich denke, ich spoilere nicht wenn ich sage, dass das natürlich keine dauerhafte Lösung sein kann. Aber so konnte ich endlich die Brücke schlagen und Kakyo den Namen geben, den er eigentlich verdient hat. *Kyonx zuwink*
      Dass es sich wunderbar in das Gefüge rund um die Bedeutung der Namen eingefügt hat ist da nur ein Bonus. Aber du hast Recht, theoretisch könnte es wirklich Val gewesen sein, die Nick beinahe einen neuen Anstrich verpasst hätte. =D

      Und yay, du fandest die Anya/Logan-Szene romantisch. Pass bloß auf, dir werd ich das Pairing auch noch schmackhaft machen, du alter Anya/Matt-Fanboy, du! xD

      Vielen Dank für den Kommi!


      ... okay, für diese Folge werde ich vielleicht nicht ganz so viel Lob bekommen wie für die letzte, aber hey ... so schlimm ist -er- nicht. *duck und weg*

      Turn 64 – Lee And Lie
      Der Bus war unangenehm voll. Matt hätte sich in den Allerwertesten beißen können, ausgerechnet dieses öffentliche Verkehrsmittel gewählt zu haben, um zu seinem Ziel, Greenville, zu gelangen. Es gab keinen freien Sitzplatz mehr, mit Ausnahme einiger weniger, die von den Handtaschen und Rucksäcken egoistischer Jugendlicher und junger Erwachsener belegt waren. Matt, der neben einer alten Frau saß, seufzte. Hätte er sich doch lieber irgendwo ein Auto geschnappt …

      Dazu musste man wissen, dass Matt eine leichte klaustrophobische Veranlagung besaß. Spätestens seit dem Tag, als er während einer Mission mit Alastair für mehrere Tage hinweg in einer dunklen Höhle eingeschlossen war, mied er enge Räume so gut es ging. Nicht nur die Enge selbst und die Dunkelheit hatten ihn an seine Grenzen getrieben, sondern vor allem der Geruch und die nicht mehr ganz so frische Luft. So wurde Matt hin und wieder übel, wenn jene Erinnerungen aufkeimten.
      Natürlich bedauerte er es, dass er Anya während ihres Duells gegen ihren Bruder nicht anfeuern konnte, andererseits vermisste er das Stadion kein bisschen. Wie er aus der Zeitung von heute Morgen jedoch erfahren hatte, war sie siegreich aus der Begegnung hervor gegangen, auch wenn dabei unschöne Details aus ihrem Privatleben an die Öffentlichkeit gelangt waren. Aber so brauchte er kein schlechtes Gewissen zu haben, sie hatte es geschafft und war eine Runde weiter.
      Und es war ja nicht so, als wäre er hier zum privaten Vergnügen unterwegs.

      Einen Blick auf das deaktivierte D-Pad werfend, verriet es ihm, dass es kurz vor 16 Uhr war. Seit vorgestern hieß es von einer Bushaltestelle in die nächste umzusteigen. Er war teilweise sogar etwas trampen gewesen, dort, wo kein direkter Anschluss herrschte. Ein Zugticket hatte er sich nicht leisten können und Nick um finanzielle Unterstützung zu bitten kam für ihn seit der Sache mit dem Messer nicht mehr infrage.
      So war er nun unterwegs mit dutzenden Menschen, die sich im Gang des Busses auf Kuschelkurs befanden. Allein der Gedanke, vielleicht noch zwischen ihnen stehen zu müssen, ließ Matt erschaudern. Lieber nahm er es mit mehreren Dämonen gleichzeitig auf, als das!

      Je näher der Bus an den Stadtrand gelangte, desto mehr Leute stiegen aus. An der Endstation, vor einem großen Busbahnhof, verließ ihn letztlich auch Matt. Von hier aus musste er nur unter einer Brücke zu seiner Rechten hindurch, um aus der Stadt zu gelangen.
      Als er sie passierte, rauschte ein Zug über ihn hinweg. Sein Ziel lag etwas außerhalb der Stadt, im Wald. Dort hatte der reiche Mr. Carrington vor einigen Jahren eine Villa erbauen lassen. Vom Highway nach Westen aus führte eine kleine, gepflasterte Nebenstraße zum nahegelegenen Greenville Forest. Zu Fuß war es sicher eine dreiviertel Stunde bis dorthin, aber das störte Matt nicht. Er hatte ohnehin vor, erst im Schutze der Dunkelheit aktiv zu werden.

      Daher ließ er sich auch Zeit und schlenderte seelenruhig am Wegesrand entlang. Zu seiner Linken erstreckte sich eine endlose, triste Graslandschaft, die durch den Highway geteilt wurde. Doch die enge Straße führte von diesem weg, am Waldrand vorbei. Dort sollte sich auch das Anwesen der Carringtons befinden.
      Matt hatte zwar nicht allzu viel Recherche anstellen müssen, um herauszufinden, wo der nächste Hüter lebte, doch die Hintergründe durchzuchecken hatte ein paar Tage und einige Gespräche mit ehemaligen Angestellten gekostet. Letztlich wusste er aber immer noch nicht, mit wem genau er es am Ende zu tun bekommen würde. Aber der junge Mann fühlte sich der Aufgabe gewachsen.

      Wie er die Straße entlang lief, seinen Rucksack geschultert, merkte er zunehmend, dass es keine gute Idee war, in einem schwarzen Ledermantel unterwegs zu sein, wenn einem die Sonne nur so im Nacken brannte. So zog er diesen schließlich aus, klemmte ihn unter den Arm und setzte seinen Weg nur im weißen Hemd fort.
      Nebenbei überlegte er, was wohl geschah, wenn er erst auf Mr. Carrington traf. Ein Duell war ohnehin unausweichlich, die Frage war, was danach geschah. Der Gedanke an Drazens Schicksal bereitete ihm Unbehagen.

      Die Zeit verstrich und Matt hatte das Ende der Straße erreicht, welches in einer Auffahrt mündete, die hinter einem zwei Meter großen Eisentor verschwand. Matt hielt sich hinter einem Baum verborgen, da er nicht von den Kameras gefilmt werden wollte. Jene befanden sich direkt über der großen Flügeltür der Villa, aber auch an anderen Schlüsselpunkten. Er hatte überlegt, einfach zu klingeln, aber da eine Konfrontation unvermeidlich erschien, wollte er das Überraschungsmoment auf seiner Seite wissen.
      Passend zum Tor zog sich ein Zaun im gleichen Stil um das Grundstück, das sowohl eine mehrstöckige, weiße Villa beherbergte, als auch einen kleinen Schuppen und eine Garage im hinteren Teil. Jenen wollte sich Matt genauer ansehen. Ein Blick gen Himmel verriet ihm, dass es schon dämmerte.

      Um nicht entdeckt zu werden, machte der Schwarzhaarige einen großen Bogen um das Anwesen. Schlussendlich war Matt an der hinteren Seite des Grundstücks angelangt, dort wo der Wald erst richtig begann. Sich hinter einem der massiven Nadelholzbäume verbergend, spähte er herüber zu dem Flügel, welcher wohl das Esszimmer darstellte. In regelmäßigen Abständen gewährten hohe Bogenfenster den Blick ins Innere, auf eine lange, hölzerne Tafel. Jeder der Stühle dahinter war mit rotem Saum bezogen und verlieh dem ansonsten auch mit roten, gemusterten Teppichen versehenem Zimmer ein klassisches Auftreten.
      Aber auch hier, so stellte Matt fest, gab es Kameras. Befestigt an der weißen Fassade der Villa, würde man ihn sofort entdecken, wenn er sich dem Gebäude näherte. Mit Sicherheit wäre es kein Problem, diese zu umgehen, allerdings waren die Kameras nur der Anfang. Das wahre Problem war die Alarmanlage. Matt hatte keinen Anhaltspunkt zu dieser bei seinem Rundgang entdecken können, bezweifelte jedoch nicht, dass es eine gab. Ohne Verteilerkasten, den es lahmzulegen galt, würde es schwierig werden, unbemerkt das Anwesen zu betreten.
      Und das Letzte, was er brauchte, war die Polizei an seinen Fersen. Nach wie vor wurde Matt wegen Mordes an seinem Vater gesucht, auch wenn tatsächlich seine Schwester Sophie diesen begangen hatte.
      Auf seinem Weg hierher hatte er weder besagten Verteilerkasten, noch Strommäste entdecken können, die in den Wald führten. Vermutlich liefen die Leitungen unterirdisch, wodurch es ihm unmöglich war, auf herkömmlichem Wege für einen Stromausfall zu sorgen.

      Matt seufzte und holte aus der Innentasche seines schwarzen Mantels ein Handy.
      „Hilft wohl alles nichts“, murmelte er und wählte eine Nummer.
      Kaum hatte er den Apparat ans Ohr gelegt, zischte es genervt aus dem Hörer: „Ich bin beschäftigt.“
      „Guten Abend, Nick. Nach Feierabend noch so umtriebig?“, stichelte Matt.
      „Mein 'Boss' besteht darauf. Was willst du?“
      „Ich bin gerade in Sachen Anya unterwegs.“ Der schwarzhaarige Dämonenjäger hoffte, damit wenigstens ein Minimum an Kooperation herausschlagen zu können. „Allerdings stehe ich sozusagen vor verschlossenen Türen. Ich muss da-“
      „Du musst in dieses Anwesen, nahe Greenville? Lass mich raten, du machst dir wegen der Alarmanlage in die Hosen. Ist doch so, oder?“
      Matt verstummte erschrocken. Er hatte noch gar nichts weiter gesagt, woher wusste Nick dann, wo er sich befand!? Umgehend spürte er, wie ihn die Antwort darauf das Blut in den Adern gefrieren ließ.
      „Beobachtest du mich etwa?“
      „Ja“, kam die schonungslos trockene Antwort, „ich will kein Risiko eingehen.“
      Matt schnaubte bei dieser eindeutigen Implikation. Und mahnte sich, gar nicht erst darauf einzugehen, sondern einfach bei der Sache zu bleiben. „Kannst du's?“
      Sein Gesprächspartner rümpfte hörbar die Nase. „Willst du mich beleidigen? Wenn ich nur die Alarmanlage ausschalten soll, bist du in fünf Minuten drin. Allerdings könnte ich dir auch anbieten, das ganze Stromnetz der Region lahmzulegen, aber das dauert etwas länger.“
      „Damit kann ich leben.“ So wäre es möglich im Dunklen zu agieren, zumal es ohnehin noch dämmerte. „Er ist da drin, also gib dir Mühe.“
      „Um etwaige Probleme wirst du dich selbst kümmern müssen“, meinte Nick provokant angehaucht. „Kriegst du es hin, notfalls mit Gewalt zu arbeiten? Doch sicher, oder?“
      Die Antwort blieb ihm Matt jedoch schuldig, da er einfach auflegte. Um den Baum auf das Grundstück schauend, konzentrierte er sich lieber darauf, nach Anhaltspunkten zu suchen, wo dieser Hüter sich aufhalten könnte. Die Schlafzimmer waren garantiert in einem der oberen beiden Stockwerke.
      Was nichts daran änderte, dass er innerlich trotzdem brodelte und Nick am liebsten eine reinpfeffern würde. Verdammt, Anya färbte zunehmend auf ihn ab!

      Matt staunte wirklich nicht schlecht, als nicht einmal zwanzig Minuten später sämtliche Lichtquellen des Anwesens versiegten. Mit einem Schlag war es stockdunkel, passend zum Tageszeitenwechsel.
      „Nicht schlecht“, lobte Matt Nick leise. Und nahm darüber hinaus zur Kenntnis, wie gefährlich doch jemand mit seinen Fähigkeiten war. Das Telefon würde er definitiv früher oder später entsorgen und sein D-Pad austauschen.

      Bevor Matt sich ins Abenteuer stürzte, lauschte er aufmerksam. Er hörte keine Geräusche, wenn man das gelegentliche Knarzen der Bäume oder den Ruf eines Tieres außen vor ließ. Scheinbar war niemand der Belegschaft nach draußen gegangen. Gute Voraussetzungen für eine Infiltration.

      Vorsichtig stahl sich Matt hinter dem Baum hervor und huschte vorbei zu dem kleinsten der drei Gebäude, das vermutlich ein Geräteschuppen oder dergleichen war. Zum Zaun hin gab es dort keine Fenster, aus denen jemand schauen und ihn zufällig entdecken konnte.
      Dort angelangt, schaffte es Matt in erstaunlich leisen und agilen Bewegungen, sich über den Zaun zu ziehen und mit einem Satz auf dem Grundstück zu landen. Er war jetzt auf der Ostseite, nicht weit befand sich ein Seiteneingang für die Bediensteten. Direkt neben dem Schuppen lag die Garage, deren weißes Tor heruntergefahren war.
      „Dann mal los“, flüsterte Matt sich selbst ermutigend zu.

      ~-~-~

      Anyas Augen hatten Schwierigkeiten, sich an die schlechten Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Die Kneipe oder was auch immer war größtenteils in rötliches Licht getaucht, ausgehend von der Bar, die sich direkt gegenüber dem Eingang befand.
      „Da drüben“, meinte Logan an ihrer Seite und deutete auf die hintere Ecke, „hab sozusagen die VIP-Lounge gebucht.“
      „Das ist 'n Ecksofa, mehr nicht“, brummte Anya, die der schwarzen Ledercouch auf den ersten Blick nicht viel abgewinnen konnte.

      Hier sollte also ihr Sieg gefeiert werden? In einer lausigen Bar, in der sie garantiert nicht einmal ein Bier bekommen würde, weil sie noch nicht volljährig war?
      Es fiel der Blonden äußerst schwer, ihr Missfallen für sich zu behalten. Was auch nur daran lag, dass sie immer noch müde war. Immerhin war es nicht ihre Schuld, dass sie bis zum späten Nachmittag durchgeschlafen hatte. So erschöpft war sie noch nie gewesen, das Duell gegen Zach hatte ihr alles abverlangt.
      Als Zanthe sie dann irgendwann gegen 15 Uhr weckte und das mit einer Laune, die sie sonst nur von sich kannte, da ahnte Anya schon, dass der Tag beschissen werden würde. Aber als dann ein halbes Dutzend Reporter vor ihrer Zimmertür auf sie lauerte, da -wusste- sie es. Und die loszuwerden war erstaunlich schwierig gewesen.

      Und jetzt war sie also hier. Zusammen mit dem Zwerg, einem unberechenbaren Werwolf, Redfield und Marc.
      „Anya …“, sprach Valerie das Mädchen von hinten an und legte ihre Hand auf deren Schulter.
      Jene drehte sich zu ihrer Erzrivalin um und musste den wenig begeisterten Ausdruck gar nicht deuten. „Ich weiß Redfield. Aber da musst du jetzt durch.“
      Ohne es zugeben zu wollen, brachte Anya es nicht übers Herz, Logans Wahl der Location zu kritisieren. Wie auch, wenn er bereits vorging und sie in Richtung der Sitzecke winkte. Der Laden war außer ihnen komplett leer, was vielleicht noch daran liegen konnte, dass die Kernzeit eines solchen Etablissements noch nicht angebrochen war.
      „Sieht doch ordentlich aus“, kommentierte Marc, der an den beiden Mädchen vorbei zog und sich dabei umschaute.
      Sich auf die leeren Barhocker fixierend, zuckte Anya mit den Schultern. „Yeah.“
      „Ich dachte eigentlich, wir würden essen gehen“, murmelte Valerie noch immer leicht unterwältigt.
      „Und plötzlich ist das hier gar nicht so schlecht“, erwiderte die Blonde, welcher allein beim Gedanken an ein Candlelight Dinner zu fünft schlecht wurde. Womit sie ihre Freundin auch stehen ließ.

      ~-~-~

      Vorsichtig schlich sich Matt am Schuppen vorbei, Richtung der Garage. Dabei fixierte er seinen Blick auf den Bediensteteneingang quer gegenüber, welchen er nehmen würde, um in die Villa zu gelangen. Sich an der weißen Fassade der Garage anlehnend, blickte er um die Ecke. Niemand war zu sehen. Auch die Fenster nahm er ins Visier, doch er konnte nirgendwo die Silhouette eines ungewollten Zeugen entdecken.
      Dann war es soweit, eine dunkle Wolke zog vor den jungen Mond.

      Tief durchatmend, ließ Matt sein Versteck hinter sich und rannte auf die Tür zu. Er ahnte nicht, dass auf dem Dach der Garage unlängst jemand Notiz von ihm genommen hatte. Ebenso wenig ahnte er, dass dieser jemand bereits mit ausgestreckten Gliedmaßen in seine Richtung flog. Und ihn letztlich in den Boden rammte. Etwas knackte laut, aber da war kein unmittelbarer Schmerz.
      „Argh!“
      Der Schwarzhaarige fackelte nicht lange. Obschon sein Gesicht in das Gras gepresst wurde, verpasste er seinem Angreifer eine Kopfnuss, rammte dann seinen Ellbogen in dessen Bauch. Der Mann keuchte und ließ von ihm ab, sodass Matt die Gelegenheit nutzte, sich in die andere Richtung wegzurollen. In einer wirbelnden Umdrehung gelangte er auf die Beine. Wesentlich unbeholfener versuchte dies auch sein Gegenüber, was jedoch erst beim zweiten Versuch eher schlecht als recht gelang.

      Matt traute seinen Augen kaum, als sein Angreifer sich vor ihm aufbaute. In diesem Moment zog die graue Wolke schon wieder am Vollmond vorbei, sodass der Dämonenjäger sein Gegenüber gut erkennen konnte.
      Kurzes, schwarzes Haar, das hinten erstaunlich lang war. Eine Rotzbremse vom Feinsten. Eine Lederweste über einem weißen Muskelshirt, nur dass es kaum erkennbare Muskeln an dem schlanken, langen Körper gab. Dazu eine Sonnenbrille.
      Der junge Mann musste ein Grinsen unterdrücken. Vor ihm stand ein waschechtes Relikt der 90er.
      „Hab' ich dich, Einbrecher!“, zeigte der schon etwas ältere Mann mit dem Finger auf ihn. „Sprich dein letztes Gebet, bevor ich deinen Arsch eigenhändig in den Knast katapultiere.“
      „Was bist du denn für einer?“, kratzte sich Matt am Kopf. Soviel dazu, hier unbemerkt hineinzukommen.
      Breit grinsend mit dem Daumen auf sich zeigend, antwortete der Kerl tatsächlich so stolz, als hätte er nur auf diese Frage gewartet. „Ich bin Lee Anderson, der Wachhund der Carrington-Familie. Der Krieger im Dunkeln, der Streiter für Gerechtigkeit, der beste Dämonenjäger des Planeten. Ein Prototyp, der nie in Serie ging! Und ich habe ganz gewiss nicht die ganze Nacht vor der Alarmanlage gesessen und gewartet, dass irgendetwas passiert, nein, habe ich nicht!“
      „Hast du doch“, entfleuchte es Matt, welchem es schwerfiel, diesen Lee ernst zu nehmen.
      Jener stampfte überführt auf den Boden. „Dammit! Das bleibt unter uns, verstanden!?“
      „Hör mal … Lee.“ Der Schwarzhaarige hob beschwichtigend die Hände. „Ich will keinen Ärger machen. Genau wie du bin ich ein Dämonenjäger und-“
      „Du Grünschnabel nennst dich Dämonenjäger!? Haaah!“ Der Typ rotzte vor ihm auf den Boden.
      Matt dachte ärgerlich, dass er genau dasselbe über ihn sagen könnte.

      Unvermittelt begann sich der Typ in Bewegung zu setzen. Wie ein Raubtier zog er seinen Kreis um Matt, ihn nicht aus den Augen lassend. „Worauf hast du es abgesehen, häh? Den Schmuck meiner Herrin? Oder gar-!?“
      „Was?“, hakte Matt missmutig nach, Lees Bewegungen aus den Augenwinkeln folgend.
      Ahnte er, weshalb es ihn wirklich hierher verschlagen hatte?
      „Nie im Leben!“, keuchte Vokuhila-Lee aufgebracht. „Du kannst unmöglich davon wissen!“
      Matt schmunzelte und erwiderte leise, als der Größere sich direkt hinter ihm befand: „Was, wenn doch?“
      „Ihre Unterwäsche wirst du nicht entweihen!“
      Ohne Vorwarnung stürzte sich Lee auf den Dämonenjäger … und stürzte nur noch, als jener ihn mit einem Griff und einer flinken Drehung aufs Kreuz legte.
      Auf den verdutzten Kerl herabblickend, murmelte Matt: „So einer bin ich nicht …“
      Sofort sprang Lee wieder auf und torkelte erst einmal rückwärts, spuckte Gras und Erde, dabei die Arme kämpferisch in Kung-Fu-Haltung erhoben.
      „Noch bin ich nicht besiegt, Tiger!“, raunte er dabei atemlos.

      Matt biss sich auf die Lippe, dabei aus den Augenwinkeln das Grundstück musternd. Niemand schien diesem Verrückten zu Hilfe zu kommen. Vielleicht hatte noch niemand im Anwesen bemerkt, dass es einen 'Einbrecher' gab.
      Sein Fokus richtete sich wieder auf Vokuhila-Lee. Es erschien ihm sinnlos, dem noch weiter irgendwelche Informationen entlocken zu wollen. Der war das fleischgewordene Gegenstück zu Anya. Wenn er ihn ohne Aufmerksamkeit zu erregen ausschalten könnte …
      Ohne lange darüber nachzudenken, griff Matt in die Innentasche seines Mantels. Wie gut, dass er sich vorbereitet hatte. Denn kaum hatte er die weiße Karte gezückt, schoss aus ihr ein silbernes Licht. Nur einen Moment später befanden die beiden sich in einer quadratischen Barriere, die gerade groß genug war, um das Grundstück samt Villa einzuschließen. Danach sah man nur noch die Unendlichkeit. In Schweinchenrosa. Man musste Abstriche machen, das hatte Al ihn früh gelehrt, dachte Matt und gluckste in sich hinein.
      „Was hast du getan!?“, kreischte Lee mehr, als dass er sprach.
      „Das, was richtige Dämonenjäger tun, wenn sie ungestört sein wollen. Ich habe einen Bannkreis errichtet.“ Matt musste ein Auflachen unterdrücken. Wieso überraschte es ihn nicht, dass sein Gegenüber scheinbar keine Ahnung hatte, was gerade geschehen war?

      Entscheidender war allerdings, ob Mr. Carrington den Zauber bemerken würde. Diese Art Bannkreis war für viele übernatürliche Wesen unsichtbar und präsenzlos, aber wie verhielt es sich mit Hütern? So oder so, er hatte jeden der hier Anwesenden eingesperrt, wenn der alte Mann also nicht schon im Bett war und schlief, würde er auf Kurz oder Lang etwas bemerken müssen. Spätestens wenn er aus dem Fenster sah …

      „Du hast jetzt-“
      „Ich duelliere mich mit dir!“, stotterte Lee, bevor Matt aussprechen konnte.
      „Nei-“
      „Doch!“
      „Ne-“
      „Doch!“
      „N-“
      „Doch!“
      Matt öffnete den Mund fasziniert. Dann seufzte er. „Und warum?“
      „Warum nicht? Oder bist du nicht nur ein Einbrecher, sondern auch ein Feigling!?“ Dass der Typ dabei noch den Zeigefinger erhob, zerrte bedrohlich am immer dünner werdenden Geduldsfaden des Schwarzhaarigen.

      Aber wieso eigentlich nicht?
      Könnte sich hinter dieser Masche vielleicht mehr verbergen, als es den Anschein hatte, so fragte sich Matt? Vielleicht war dieser Lee derjenige, nach dem er wirklich suchte? Wer würde in ihm schon den neunten Marquise Exeters, bürgerlich William Theodore James Cecil, auch Marquise James Carrington genannt, vermuten?
      Es wäre so perfide, dass Matt es fast für denkbar hielt. Und sich sogleich die weißen, fingerlosen Handschuhe aus seiner Manteltasche zog und überstreifte. Einen Versuch war es allemal wert!

      Als Matt jedoch einen Blick auf sein D-Pad am linken Arm warf, weitete er erschrocken seine Augen. Nicht nur auf auf dem Display ein tiefer Sprung zu sehen, nein, genau dort war eine deutliche Delle zu sehen.
      „Verdammt!“, fluchte der junge Mann und aktivierte das Gerät, das jedoch nicht reagierte. „Sag bloß nicht-!“
      Er versuchte es wieder, allerdings ohne Erfolg. Der Apparat fuhr nicht einmal hoch.
      „Wegen dir ist mein D-Pad jetzt im Eimer“, fuhr Matt Lee an. So viel dazu, dass er sich bald ein neues besorgen müsse. Der junge Mann verfluchte das Pech, das ihn Zeit seines Lebens zu verfolgen schien.
      Der nicht ganz so clevere Vorschlag Lees lautete: „Dann schmeißen wir mit Karten um uns!“
      „Nein. Das geht auch anders! Zeit für einen alten Klassiker!“ Matt zückte grimmig dreinblickend eine weitere weiße Karte und fuhr in einer geraden Linie direkt auf Brusthöhe vor sich mit dem Arm nach rechts. Dabei zog er eine schwarze Schliere nach sich. „Gott, wie lange ist das her, dass ich das das letzte Mal benutzt habe …“
      Schwarzer Staub wirbelte genau auf der Stelle, wo das dunkle Licht von seiner Hand entlang geglitten war. In wahnsinniger Geschwindigkeit setzten sich jene Partikel zu einem Duel Monsters-Spielplan zusammen, gemacht aus einer festen Marmorplatte.
      Matt grinste frech. „Etwas gewöhnungsbedürftig. Normalerweise wird die für … andere Zwecke eingesetzt. Aber das weißt du sicher.“
      Wusste Lee nicht, wie man anhand seines weit offenen Mundwerks und den bis zum Anschlag aufgerissenen Augen ablesen konnte. So starr wie er da stand, machte er glatt den Eindruck einer Statue. Vielleicht war er doch nur ein Holzkopf …
      „Da der Strom ausgefallen ist, musste ich hierauf zurückgreifen“, erklärte Matt, „aber du kannst deine Duel Disk oder was auch immer trotzdem benutzen. Es reicht, wenn der Zauber von einer Spielfeldseite wirkt.“
      Keine Reaktion von Statuen-Lee. Auch nicht nach einer Minute. Matt lehnte leicht den Kopf zur Seite und wollte gerade fragen, ob sein Gegenüber noch am Leben sei, da schnellte dessen Zeigefinger derart unerwartet nach vorn, dass es den Dämonenjäger glatt erschrak.
      „Jetzt hab ich's!“ Lees Blick war geradezu fixiert auf den marmornen Spielplan vor Matt. „Ich weiß, was du bist!“
      „Ein Dä-!“
      „Ein Dämon! Du willst mich in die Hölle zerren!“ Unter einem Wutschrei streckte Lee den Arm aus. An dem wohlgemerkt keine Duel Disk befestigt war. „Aber da bist du an der falschen Adresse! Diesen Kampf verlierst du, dich schicke ich in die Hölle zurück, denn -ich- bin ein Dämonenjäger! Der beste!“
      Sich an der Wange kratzend, fragte sich Matt, ob sein Gegner auch nur ein Wort von dem verstanden hatte, was er gesagt hatte. Seufzend redete er sich ein, dass es ohnehin egal war, solange er erstmal diesen Typen nur loswurde, ob nun Hüter oder nicht …
      „Dann zeig mir, was du drauf hast“, forderte Matt und winkte demonstrativ mit der Hand zu sich, dabei ein gehässiges Grinsen nicht unterdrücken könnend. Denn unabhängig von seinem Status würde Lee sein blaues Wunder erleben.
      „Duell!“, schrien beide schließlich synchron.

      [Matt: 4000LP / Lee: 4000LP]

      „Ich fange an!“, entschied Lee kurzerhand.
      Matt schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn, als sein Gegner tatsächlich sein Startblatt direkt aus der Deckbox an seinem Gürtel zog. Wo wollte er überhaupt die Karten platzieren, wenn er keine Duel Disk dabei hatte!?
      Die Antwort kam prompt, als sich Idioten-Lee kurzerhand in den Schneidersitz begab und den Rasen als Spielfläche nutzte.
      „Ich setze zwei Karten, Monster und Falle! War'n nettes Spiel, Dämon! Und jetzt geh sterben!“
      Er legte die Karten vor sich in den entsprechenden Positionen hin, in vergrößerter Form tauchten sie weiter vor ihm auf, wie bei einem normalen Duell.

      Matt kratzte sich am Kopf. „Oh man …“
      Es war wirklich nicht seine Art, seine Gegner beleidigen zu wollen, aber seit der ersten Sekunde war es schier unerträglich, dem Drang in Lees Fall zu widerstehen. Verdammt, Anya färbte -wirklich- auf ihn ab!
      Sich möglichst rasch durch das Schütteln des Kopfes von diesen wenig erheiternden Gedanken befreiend, griff er nach dem Deck auf seinem Spielplan und zog. Nein, er würde Lee respektieren, auch wenn er etwas … seltsam war! Außerdem durfte er nicht vergessen, dass dies vielleicht nur eine Fassade war, wenngleich ein nicht geringer Teil in ihm dies immer mehr bezweifelte.
      „Draw!“, rief er in der Bewegung und sah die Karte an. „Cool, die spiele ich gleich aus! Erscheine, [Evilswarm Zahak]!“
      Unter lautem Gebrüll stieg über Matt ein schwarzer, dreiköpfiger Drache auf. Zwar nicht so eindrucksvoll wie sein Ourorobos, hatte jener dennoch etwas für sich – die messerscharfen Klingen auf jedem seiner Häupter.

      Evilswarm Zahak [ATK/1850 DEF/850 (4)]

      „Es ist wirklich erschienen!“ Lee sprang auf und machte Augen wie ein Politiker nach seiner Wiederwahl. Was Matt mehr als verwunderte, hatte der Typ nicht reagiert, als seine eigenen Karten erschienen waren. Dessen Staunen hielt jedoch nur kurz an, denn wieder zeigte er ungeniert mit dem Finger auf den Dämonenjäger. „Okay, was für ein Dämon bist du genau!? Eine Hexe!?“
      „Eine ... was!?“
      „Oder ein Vampir!?“
      „N-nein! Verdammt, ich bin kein-!“
      Lee hielt beide Arme über Kreuz. „Nein, mich kannst du nicht täuschen, dreckige Brut!“
      Genervt durchatmend, schluckte Matt den zunehmend wachsenden Kloß an Beleidigungen in seinem Hals herunter. Schon jetzt wusste er, dass er seine Beherrschung irgendwann in diesem Duell verlieren würde. Was für Lee schmerzhaft enden würde.
      Vielleicht gelang es ihm aber auch, das Duell schnell zu beenden. Den Arm ausstreckend, zeigte er auf das gesetzte Monster. „Los Zahak, schauen wir mal, was sich da drunter versteckt!“
      Einem Dreizack gleich, flog der Drache mit den Köpfen voran Richtung Lees Spielfeldseite. Zeitgleich wirbelte die Karte des gesetzten Monsters um die eigene Achse und die angekündigte Falle sprang auf. Zahak bekam es mit einem weißen, schlangenhaften Drachen zu tun, der eindeutig chinesisch angehaucht war. Solche Wesen sah man oft auf Paraden, aber nur als Puppen oder Seidenhüllen. Besonders an diesem hier war zudem sein leicht durchscheinender Körper, als wäre er nur ein Trugbild. Was nichts daran änderte, dass er von Zahak durchbohrt wurde und sein Schmerzschrei hörte sich durchaus real an.

      Chiwen, Light Of The Yang Zing [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Gerade stemmte Matt zufrieden eine Hand in die Hüfte, da verging ihm sein Grinsen. Zwei leuchtende Funken, Sternen gleich, stiegen aus Lees Deck auf. Jener hatte von Matt unbemerkt zwei Karten von dort aufgenommen und legte sie nun vor sich auf den Boden. Keine Sekunde später tauchten über ihm ein roter, vierbeiniger Drache mit wallender, schwarzer Mähne und ein finsteres, ebenfalls auf vier Beinen gehendes Biest auf. Während ersterer sich dank seiner Schwingen in der Luft hielt, landete der zweite auf dem Boden, streckte die beiden Arme, die er im Gegenzug besaß, weit aus und stieß einen schrillen Schrei aus. Beiden mangelte es ebenfalls an einer festen Gestalt.

      Suanni, Fire Of The Yang Zing [ATK/1900 DEF/0 (4)]
      Taotie, Shadow Of The Yang Zing [ATK/2200 DEF/0 (5)]

      „Na, verschlägt es dir die Sprache? Huh!?“, bellte Lee, welcher es sich inzwischen wieder im Schneidersitz bequem gemacht hatte. „Du hast Chiwen auf dem Gewissen, du Schwein! Aber zumindest konnte er mit seinem letztem Atemzug ein anderes Yang Zing beschwören.“
      Gerade wollte Matt Lee darauf hinweisen, dass er noch einmal nachzählen sollte, da sprang ihm die Falle ins Auge, die zu dessen Linken offen stand.
      „[Yang Zing Creation] …“, las Matt den Namen vor.
      „Ahja, und die auch. Die macht dasselbe nochmal, halt einmal pro Zug, weißte“, fasste sein Gegner den Effekt äußerst knapp zusammen.
      Matt stöhnte. „Großartig, die Hydra in Drachengestalt also. Irgendwie habe ich keine Lust, da irgendwelche Köpfe abzuhacken …“
      Was sich wohl leider nicht vermeiden ließ, wie Matt befürchtete. Er nahm eine Karte aus seinem Blatt und positionierte sie direkt unter Zahaks. „Die hier setze ich. Du bist am Zug.“
      Zischend tauchte sie vor seinen Füßen auf.

      „Oh, das bin ich!“ Unter einem kehligen Kampfschrei, oder was auch immer jener schiefe Ton darstellen sollte, zog Amazonen-Lee eine Karte. „Okay, Dämon! Bete schon mal zu Gott!“
      Und Matt schüttelte einmal mehr an diesem Tag mit dem Kopf. „Dämonen beten nicht zu Gott …“
      „Dann … mach was anderes! Egal! Ich aktiviere eine Zauberkarte, [Yang Zing Prana]!“
      Der Vokuhilaträger schmetterte die dauerhafte Zauberkarte in den Boden – wortwörtlich. Und während er sich darüber ärgerte, dass jene dadurch dreckig geworden war, schreckte Matt zurück. Denn überall auf dem Grundstück spaltete sich die Erde und gelb leuchtende Energiekanäle kamen zum Vorschein. Auch das Spielfeld selbst wurde zerteilt, die dadurch entstandenen Plattformen drifteten auseinander. Einzig die Villa sowie der Schuppen und die Garage waren davon nicht betroffen.
      „Was ist das für eine Karte!?“, grübelte Matt.
      „Nun empfange dein Urteil, Hexe! Ich beschwöre [Bixi, Water Of The Yang Zing]!“ Lee streckte mit viel zu sehr angezogenem Kinn den Finger aus. „Attacke!“
      Zunächst bildete sich der Panzer, dann tauchte der Rest der vierbeinigen, bärtigen Drachenkreatur auf, die einer Schildkröte nicht unähnlich war. Das blau leuchtende Wesen öffnete sein Maul.

      Bixi, Water Of The Yang Zing [ATK/0 DEF/2000 (2)]

      „Er greift an!? Warte …!“ Matts Blick richtete sich auf Lees Fallenkarte. „Du willst dein Feld mit Monster fluten!“
      Die Stirn kraus ziehend, schwang der richtige Dämonenjäger unter ihnen den Arm aus. „Gar nicht so dumm, dafür ein wenig Schaden einzustecken! Aber daraus wird nichts, Falle!“
      Seine Karte sprang auf. Von dauerhafter Natur, war auf ihr ein älterer Mann in rot-orangener Robe abgebildet, der über eine Masse an vor ihm niederknienden Menschen gebot. Aus der Karte selbst kam jedoch nicht er, sondern ein ganzes dutzend stählerner Ketten hervorgeschossen.
      „[The Regulation Of Tribe] lässt mich einen Monstertypen wählen, welcher, solange diese Karte auf dem Spielfeld liegt, nicht angreifen kann!“, erklärte Matt den Effekt.
      Wie Schlangen bewegten sich die Ketten in der Luft und bahnten sich ihren Weg zu den drei Drachen, die sich auf Lees Plattform befanden. Matt grinste. „Da du scheinbar nur einen Typen spielst ist die Wahl nicht weiter schwierig. Drache!“
      In Bixis Maul quoll derweil eine regelrechte Flut als die Ketten ihn erreichten – und durch ihn hindurch glitten. Selbiges geschah mit dem dunklen Taotie und dem über ihn fliegenden Suanni.
      Dann schoss Bixi eine Fontäne aus seinem Maul in [Evilswarm Zahaks] Richtung. Der dreiköpfige Drache wich der Attacke jedoch problemlos aus, setzte zum Sturzflug an und zerteilte den vermeintlichen Drachen mithilfe der Klingen an seinen Häuptern. Lee kicherte geheimnisvoll dabei.

      [Matt: 4000LP / Lee: 4000LP → 2150LP]

      „Besitzen deine Monster einen Effekt, der sie vor Fallen schützt!?“ Matt war fassungslos darüber, dass die seine nicht funktioniert hatte. Wild gestikulierte er mit dem Armen. „Verdammt, antworte!“
      Lee grinste breit und erhob sich aus seinem Schneidersitz. „Nein, da liegst du völlig daneben, Dämonenhexe.“
      „Uh …!“
      Stolz schlug sich sein Gegner auf die Brust. „Meine Monster sind keine -einfachen- Drachen. Sie sind Phantome, mächtiger als es -bloße- Drachen je sein könnten. Sie sind vom Typ Wyrm.“
      Matt horchte erstaunt auf. „Typ was? Moment, so einen gibt es nicht!“
      „Oh doch!“ Zum Beweis hob Lee Bixis Karte auf und warf sie Matt zu, welcher sie zwischen den Fingern auffing.
      Und tatsächlich, als er die Karte betrachtete, war dort definitiv besagter Wyrm-Typ angegeben. Aufgebracht blickte der junge Mann auf. „Das kann nicht sein, ich habe noch nie davon gehört!“
      Überheblich verschränkte Lee die Arme. „Natürlich nicht, Amateure wie du werden nie in den Genuss der Wyrm kommen. Jene Karten sind so selten, dass sie nur der absoluten Überelite vorbehalten sind.“
      Er setzte sein schmierigstes Grinsen auf. „Wyrm-Monster werden als Preiskarten auf großen Turnieren verteilt. Nur so bekommt man sie, nicht anders! Und ich hab meine bestimmt nicht von einem Profi-Duellanten oder so gestohlen!“
      Genervt erwiderte Matt mit zusammengekniffenen Augenlidern: „Hast du wohl.“
      „Verdammt!“, schrie Lee ertappt und hielt sich die Hände vor den Mund. Drohend richtete er zum x-ten Male den Finger auf Matt. „Wage es nicht, das irgendwem zu erzählen! Petzen mag ich gar nicht!“
      Schlaff entgegnete Matt, als er die Karte zurückwarf, die seinen Gegner nicht völlig unabsichtlich ins Gesicht traft: „Ich … werde es in Erwägung ziehen …“
      „Was auch immer!“ Lee nahm zwei Karten von seinem Deck, das er seither auf seinem Handrücken balancierte und schmiss sie mit aller Kraft auf den Boden. „Da Bixi fixi ist, darf ich dank seines Effekts ein Yang Zing in Verteidigung beschwören. Und mithilfe von [Yang Zing Creation] ein weiteres noch dazu!“
      Es tauchte ein kreischender, grüner Drache auf, der seine spitzen Zähne aufblitzen ließ. Neben ihm materialisierte sich sein gehörnter Kamerad, länglich wie eine Schlange, mit der Farbgebung eines Tigers.
      Doch noch etwas geschah in diesen Moment. Überall innerhalb der aufgerissenen Erde stieg gleißende, gelbliche Energie empor, welche die gesamte Umgebung erleuchtete.
      „Pualo, Bi'an, Suanni und Taotie erhalten dank [Yang Zing Prana] endlich den wohlverdienten Angriffsboost von 500, jetzt da zwei Yang Zing unterschiedlichen Attributs unter der Erde liegen.“
      Matt fiel aus allen Wolken. „Wie bitte!?“
      Jeder der vier Phantomdrachen begann ebenso gelblich aufzuleuchten wie die Energieadern, die das Grundstück durchzogen.

      Pualo, Wind Of The Yang Zing [ATK/0 → 500 DEF/1800 (1)]
      Bi'an, Earth Of The Yang Zing [ATK/1600 → 2100 DEF/0 (3)]
      Suanni, Fire Of The Yang Zing [ATK/1900 → 2400 DEF/0 (4)]
      Taotie, Shadow Of The Yang Zing [ATK/2200 → 2700 DEF/0 (5)]

      „Das ist mehr als genug, um dich deines Platzes zu verweisen, Dämonenhexenfinsternismensch!“ Lee streckte den Arm ruckartig nach vorn, wobei die Deckbox auf seinem Handrücken gefährlich hin und her kippte. „Mach dich bereit exkommuniziert zu werden!“
      „Du meinst exorziert …“
      „Ja! Das! Angriff auf den Loserdrachen, Bi'an!“
      Unter einem majestätischem Brüllen tauchte der Tigerdrache kurzerhand unter der Erde ab, nur um wenige Sekunden später direkt unter [Evilswarm Zahak] wieder aufzutauchen. Jener konnte nicht rechtzeitig reagieren und wurde von einem Prankenhieb niedergestreckt.

      [Matt: 4000LP → 3750LP / Lee: 2150LP]

      Matt stieß einen leisen Seufzer aus. Zum Glück hatte er nicht mit seinem Finsternisdrachen, Taotie, angegriffen. Denn so erfüllte Zahak zumindest noch einen Zweck …
      „Effekt meines Monsters!“, bellte Matt. „Bei seiner Zerstörung reißt er ein anderes Monster mit sich, vorausgesetzt es wurde spezialbeschworen und ist mindestens Stufe 5!“
      Besagter Taotie war es schließlich auch, der aus dem Nichts von drei ihn heimsuchenden Klingen aufgeschlitzt wurde und explodierte.
      „Dämlicher Hexendämonendepp!“, ereiferte sich Lee wutentbrannt. „Das bringt dir gar nichts, denn Taotie lässt mich ein Yang Zing vom Deck in Verteidigungsposition rufen.“
      Zunächst manifestierte sich am Boden ein auf vier Beinen laufender, finsterer Drache, dessen schildkrötenartiger Panzer mit blauer Panzerung versehen war. Doch plötzlich erschien neben ihm noch ein weiterer, weiß leuchtender, der mit seiner Flosse am Ende des Schweifes einem Fisch nicht unähnlich war – Chiwen, der Drache, den Matt ganz am Anfang besiegt hatte.
      „Ja, du siehst richtig! Wenn ein Yang Zing ins Gras beißt, kann ich Chiwen zurück aufs Feld bringen! Der andere ist übrigens Jiaotu, nur so zur Info.“

      Jiaotu, Darkness Of The Yang Zing [ATK/0 → 500 DEF/2000 (2)]
      Chiwen, Light Of The Yang Zing [ATK/0 → 500 DEF/0 (1)]

      Matt traute seinen Augen kaum: Lees ganze Spielfeldseite war voll von diesen Drachen oder Wyrm, was auch immer. Am Boden der finstere Jiatou, in der Luft Chiwen, der rote Suanni, der Windbeherrscher Pualo und Bi'an, der über das Element Erde gebot.
      „Direkter Angriff, Suanni!“; befahl Lee aus voller Kehle.
      Und Matt musste nicht lange überlegen um zu wissen, welche Suannis Waffe war. Eine fiese Stichflamme, die ihn voll erfasste und sein ganzes Feld in ein einziges Inferno verwandelte.

      [Matt: 3750LP → 1350LP / Lee: 2150LP]

      „Lausiger Amateur, nächste Runde bist du erledigt!“ Lee verschränkte selbstbewusst und fest nickend die Arme, fing dabei seine herunterfallende Deckbox auf. „Mach deinen letzten Zug, Xenu!“
      „… wer?“

      Matt hatte andere Probleme, als permanent die seltsamen Bezeichnungen verstehen zu wollen, die ihm sein Gegner an den Kopf knallte.
      Eins hatte er begriffen: Der Typ war ein Volltrottel ohne nennenswertes, strategisches Geschick. Aber das brauchte er auch nicht, denn sein Deck war derart mächtig, dass wohl selbst ein Neugeborenes es erfolgreich spielen könnte. Es ließ gar nicht erst zu, dass eine Lücke sowohl in der Offensive, als auch Defensive seines Besitzers entstand.
      Wie konnte er diese ewig anhaltende Flut an Monstern bloß stoppen!?

      Als Matt nach seinem Deck griff, kam er zu der Erkenntnis, dass er womöglich mit härteren Bandagen als eigentlich beabsichtigt kämpfen musste. Und das, obwohl es in diesem Duell mit immer größerer Wahrscheinlichkeit um nichts ging. Keiner würde verletzt werden, auch wenn ein Bannkreis die beiden im Moment einschloss. Darum ging es auch gar nicht. Es ging um Matts Ehre, seinen Stolz.
      Wenn er schon an einem von Lees Sorte scheiterte, wo würde das Ganze am Ende hinführen? Seine eigentlichen Gegner waren die Undying, Kali und nur Gott wusste wer sonst noch auf dem Plan stand. Außerdem musste er sich noch um Mr. Carrington kümmern. Er durfte nicht verlieren. Nicht gegen Lee!

      „Draw!“, schrie Matt angestachelt von der drückenden Vorstellung, womöglich ganz unten am Ende der Duel Monsters-Nahrungskette zu stehen. Mit Schwung riss er die Karte von seinem Deck und sah sie hoffnungsfroh an. Nur um sie wieder umzudrehen und den Kopf hängen zu lassen. „Wieso immer ich … vollkommen nutzlos.“
      In der Zwischenzeit zersprang seine dauerhafte Falle [The Regulation Of Tribe], da Matt kein Monster zu ihrer Erhaltung opfern konnte und es auch nicht tun würde, da sie ohnehin den falschen Monstertypen unterdrücken würde.
      Trotz der Enttäuschung war Matt noch lange nicht bereit das Handtuch hinzuwerfen. Energisch klatschte er eine Karte auf den marmornen Spielplan. „Normalbeschwörung! [Evilswarm Castor]!“
      Ein Krieger, halb weiß, halb schwarz, manifestierte sich vor dem jungen Mann.

      Evilswarm Castor [ATK/1750 DEF/550 (4)]

      „Sein Effekt ermöglicht es mir, noch einen Schwärmer als Normalbeschwörung aufs Spielfeld zu bringen“, erklärte Matt und legte neben sein Monster ein weiteres mit gelbem Rahmen. „Los, [Evilswarm Heliotrope]!“
      Schwarze Partikel sammelten sich neben Castor und bildeten einen grünlichen Ritter mit Schwert in der Hand und eingesetztem Smaragd in der Mitte seiner Rüstung.

      Evilswarm Heliotrope [ATK/1950 DEF/650 (4)]

      Matt griff gerade in sein Blatt, da geschah etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte. Lee bückte sich, schnappte sich drei seiner Monster auf dem Feld und zeigte sie vor. „Jetzt hat dein letztes Stündlein geschlagen, Dracula!“
      Hinter ihm stieg sein Chiwen in die Höhe und zersprang in einen grünen Lichtring. Der Feuerdrache Suanni und Bi'an mit den Tigerstreifen folgten ihrem Lichtgegenstück.
      Und Matt wollte nicht wahrhaben, was er dort sah: „Synchro!? In meinem Zug!?“
      „Hast du gut erkannt! Jedes Yang Zing kann das und es nennt sich … keine Ahnung wie das heißt!“
      Die beiden Nicht-Empfänger passierten den Ring und wurden zu in der Summe sieben Lichtkugeln.
      „Stufe 1-Chiwen plus Stufe 4-Suanni und Stufe 3-Bi'an ergibt …!“
      Ein greller Lichtblitz schoss durch den Ring. Das schrille Gebrüll eines Drachen erklang, während Matt noch gar nicht begriff, was ihm da gerade widerfuhr.
      „Synchro Summon! Beiß' ihn, [Baxia, Brightness Of The Yang Zing]!“
      Ein schier unendlich lang erscheinender, schlangenhafter Drache breitete sich auf Lees Spielfeldseite aus. Sein Körper war gezeichnet vom Tigermuster Bi'ans und endete in einem flossenartigen Schweif, dem von Chiwen nicht unähnlich. Auch der schwarze Schopf und der dazugehörige Bart waren Matt nicht ganz unbekannt, gehörten sie doch zu Suanni.

      Baxia, Brightness Of The Yang Zing [ATK/2300 DEF/2600 (8)]

      „Wie du siehst hat er das gute Aussehen seiner Synchromaterialien geerbt“, grinste Lee breit wie ein Nilpferd. „Aber nicht nur das. Auch ein paar ihrer Effekte, gewissermaßen. Doch erst …“
      Es passierte so schnell, dass Matt nicht darauf reagieren konnte. Und selbst wenn, hätte er in diesem Moment nicht gewusst, was er dagegen unternehmen sollte.
      Baxias Augen leuchtenden gleißend weiß auf und schossen Lichtstrahlen auf seine Spielfeldseite. Die Monster des Dämonenjägers wurden in die Brust getroffen und lösten sich unvermittelt in glänzenden Partikeln auf.
      „Gut, was!?“, feixte Lee. „Baxias Synchrobeschwörung führt dazu, dass ich für jedes verwendete Wyrm-Monster mit unterschiedlichem Attribut eine deiner Karten ins Deck schicken darf!“
      „Wie bitte!?“ Matt wich zurück. „Verdammt, dann-!?“
      Während Lee Chiwens Karte in die Hosentasche schob, scheinbar ein negativer Effekt der einsetzte, wenn er vom Friedhof aufs Spielfeld geholt wurde, rief er: „Ach das war doch noch lange nicht alles! Suannis Kraft geht auf Baxia über, wodurch er 500 Angriffs- und Verteidigungspunkte erhält! Und vergiss nicht, dass Baxia auch durch [Yang Zing Prana] noch stärker wird!“
      Eine feurige Aura schlug um den weißen Drachen, der hysterisch brüllte. Matt lief bei seinem Anblick der Schweiß von der Stirn.

      Baxia, Brightness Of The Yang Zing [ATK/2300 → 2800 → 3300 DEF/2600 → 3100 (8)]

      Mehr mit sich selbst redend, grübelte er: „Das kam völlig unvorbereitet. Was tun …?“
      Seine übrigen drei Handkarten ansehend, schien eigentlich nur noch eine Vorgehensweise sinnvoll und zwar ausgerechnet die, die er eigentlich hatte vermeiden wollen. Andererseits konnte eine kleine Lektion für Lee sicherlich nicht schaden, zumal sie niemand von Bedeutung beobachte. Nicht einmal Nick konnte in seinen Bannkreis spähen. Zumindest hoffte Matt das …
      „So wird’s gemacht!“, entschied er sich mit einem unterstreichenden Nicken. „Ich aktiviere die Zauberkarte [Monster Reborn]! Sie ruft [Evilswarm Zahak] zurück auf mein Feld!“

      Evilswarm Zahak [ATK/1850 DEF/850 (4)]

      Noch während der dreiköpfige Drache seinem Grabe entsprang, tönte Vokuhila-Lee: „Renn' ruhig in Baxia rein, Hexe, wirst doch nur verlieren! Meinetwegen beschwör' sogar ein stärkeres Monster, dank Bi'an kriegst du Baxia sowieso nicht durch reines Angreifen klein!“
      Matt blinzelte mehrmals hintereinander. „Danke für die Warnung.“
      „Scheiße!“, fluchte Lee und schlug die Hand vor den Mund.
      „Völlig egal, ich habe sowieso etwas anderes vor! Da ich einen Schwärmer mit mindestens 1500 Angriffspunkten besitze, kann ich diesen hier von meiner Hand rufen: [Evilswarm Dullahan]!“
      Matt pfefferte dessen Karte auf die Marmorplatte und ließ damit eine kopf- wie beinlose, düstere Kreatur erscheinen, deren massive Goldarme in noch kräftigeren Fäusten endeten.

      Evilswarm Dullahan [ATK/1150 DEF/1550 (4)]

      Matt nahm die Karten seiner beiden Monster vom Spielplan, legte sie übereinander und platzierte sie sogleich wieder in die mittlere Zone. „Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Inmitten des Spielfelds öffnete sich ein schwarzer Galaxienwirbel, der seine Kreaturen als violette Lichtstrahlen absorbierte.
      „Aus zwei Stufe 4-Schwärmern wird ein Rang 4-Monster!“
      Eine finstere Explosion erschütterte das Überlagerungsnetzwerk und darüber hinaus das gesamte Spielfeld. Aus dem Loch inmitten des Stroms spreizten sich zwei von Eis durchzogene Schwingen.
      „Xyz-Summon!“, brüllte Matt nun. „Steige empor, [Evilswarm Ophion]!“
      Ein pechschwarzer Drache erhob sich, wild mit seinem langen Schweif peitschend. Mit einem Satz vor Matt landend, stieß er ein verächtliches Gebrüll aus, blickte gierig nach den beiden Lichtkugeln, die ihn wie kleine Monde umkreisten.

      Evilswarm Ophion [ATK/2550 DEF/1650 {4} OLU: 2]

      Mit ihm als einzige Karte auf dem Feld und einer weiteren auf der Hand sagte Matt: „Du bist dran.“
      Und ließ dabei ein geheimnisvolles Schmunzeln aufblitzen.

      Lee, der dies nicht bemerkte, zog ruckartig auf. Wieder warf er eine Karte zu Boden. „Dich mach ich fertig, [Burial From A Different Dimension]!“
      In durchsichtiger Form stieg sein Lichtdrache Chiwen aus einem Dimensionsspalt empor und verschwand sogleich im Erdboden. Matt kannte den Effekt von Lees Zauberkarte, welcher es ihm ermöglichte, verbannte Monster zurück auf den Friedhof zu legen. Zweifelsohne würde er Chiwen erneut vom Friedhof rufen, sollte Matt ein Yang Zing zerstören.
      Statt sich darüber jedoch den Kopf zu zerbrechen, blieb Matt unerwartet gelassen. Er stemmte eine Hand in die Hüfte, als Lee rief: „Jetzt kannst du einpacken!“
      Unter den riesigen Rissen im Erdboden, die das Grundstück in nahezu ein Dutzend Teile spalteten, begann plötzlich die gelbliche Aura zu schwinden. Matt wurde nun doch etwas unruhig. „Was ist das?“
      Sein Gegner kicherte böse. Unvermittelt schossen ganze Lavafontänen an allen möglichen Ecken und Enden aus den Spalten. „Das Ende von allem!“
      Die Erde begann zu erzittern, sodass Matt auf seiner Plattform ungewollt hin und her stolperte.
      „Ich aktiviere [Yang Zing Pranas] Effekt, der nur funktioniert, wenn fünf verschiedene Attribute der Yang Zing auf dem Friedhof liegen.“ Lee bückte sich nach der Karte, nahm sie zwischen Zeige- und Mittelfinger auf und präsentierte sie prahlerisch. „Das ganze Feld wird damit zerstört!“
      Matt weitete die Augen: „Was!?“
      „Ganz recht! Zwar kostet mich das Baxia, aber du weißt ja, die anderen Yang Zing stört das überhaupt nicht!“
      Womit er Jiaotu und Pualo meinte, die nur andere dieser Wyrm-Monster an ihre Stelle rufen würden. So ungern Matt es auch zugab: Dagegen war er machtlos. Zumindest unter normalen Umständen. Doch dies waren keine normalen Umstände …
      „Ich werde“, murmelte er und ballte vor sich eine Faust, nur um sie wieder zu öffnen, „dich nicht verletzen. Versprochen.“
      Langsam streckte er die Hand nach oben und schloss die Augen. „Ich rekonstruiere das Overlay Network …“
      Statt etwa in der Mitte der Duellzone, öffnete sich der schwarze Wirbel weit über dem Dämonenjäger. Ophion zersprang in drei violette Lichtkugeln, die quer nach oben schossen.
      Lee klappte die Kinnlade hinunter.
      „Du bist nicht der Einzige, der im gegnerischen Zug vom Extradeck beschwören kann“, murmelte Matt vor sich hin. „Aus meinem Rang 4-Schwärmer wird die erste Saat geboren. Rank Up-Incarnation!“
      Die drei herrenlosen Overlay Units zerschmetterten das Schwarze Loch förmlich, als sie auf seinen Sog trafen. Finstere Blitze begannen um sich zu schlagen. Und dann erhob sie sich hinter Matt, riesig, absolut.
      Der schwarzhaarige Vokuhila-Träger nahm Schritt für Schritt rückwärts, als der oder besser gesagt die Schatten, die jene Kreatur warf, zunehmend seine Spielfeldseite einnahmen, oder nein, gar verschlangen. Besagte Schatten bewegten sich in ihren scheinbar unberechenbaren Bahnen wie lange, massive Schlangen, bis sie Lees Feld völlig verdeckten.
      „… Scheiße“, lauteten die erstickten Worte des Hofhüters.
      „Dominiere, [Primalswarm Yggdrasil]!“, schrie Matt im selben Augenblick. Und eine sämtliche Farben ins Negative umkehrende Schockwelle erfasste Lee, welcher als Einziger in seinem direkten Umfeld von diesem Effekt verschont blieb. „Inkarnationseffekt: Chain Annihilator!“
      Jener schwang den Arm aufgebracht aus. „Toller Trick, Dämonenhexe, aber trotzdem wird dein Fe-!“
      Doch blieben Lees Worte in seinem Halse stecken, als er bemerkte, dass seine dauerhafte Karte die einzige war, die zersprang. In jenem Moment fand das Innere des Bannkreises zu seiner alten Form zurück.
      „Chain Annihilator negiert alle Effekte in derselben Kette, in der [Primalswarm Yggdrasil] beschworen wurde, beendet die Kette und zerstört alle anderen Karten darin“, erklärte Matt mit einem verschmitzten Grinsen.
      Die Kreatur über ihm brüllte mit verschiedenen Stimmen, teils sehr hohe hin bis extrem niedriger Natur. Plötzlich begann alles im Bannkreis zu vibrieren. Matt stolperte rückwärts und sah mit aufgerissenen Augen, wie die schlangenhaften Auswüchse Yggdrasils wild um sich schlugen.
      Das konnte doch nicht-!

      Es passierte jedoch bereits. Einen letzten, unsäglichen Schrei ausstoßend, sendete die Inkarnation eine Schockwelle in alle Richtungen aus. Matt hielt die Arme über Kreuz, sein Mantel flatterte im immer stärker werdenden Wind. Im Gegensatz zu ihm konnte Lee seine Position nicht halten und wurde von den Füßen gerissen, flog direkt in Richtung des Speisesaals der Villa. Eine Erschütterung suchte den Bannkreis anheim und ließ ihn wie eine Seifenblase zerplatzen.
      Binnen eines Herzschlags zog sich die gesamte Umgebung wieder zu ihrer ursprünglichen Gestalt zusammen. Es gab ein dumpfes Geräusch, als würde ein Ballon platzen. Matt, der über seinen Arm lugte, sah es. Sah, wie sein schwarzer Marmorspielplan zu Staub zersprang.

      [Matt: 1350LP → 0LP / Lee: 2150LP]

      Der immer noch anhaltende Wind wirbelte die Karten darauf in seine Richtung, welche er auffing. Im gleichen Moment schepperten lautstark Glasscherben, sodass Matt erschrocken aufsah.
      „Das kann doch nicht wahr sein!“, schrie er entsetzt und rannte auf das Gebäude zu.
      Gleichzeitig rutschte der Körper des nicht ganz so taffen, selbsternannten Dämonenjägers über den Teppich neben der langen Tafel und rollte diesen unter einem ekelhaft klingenden Schleifen auf. Als Lee auf dem Rücken liegend zum Stehen kam, streckte er die Hand in die Höhe.
      „Mir … geht’s prächtig …“ Der Arm kippte zur Seite, ebenso sein Kopf. „Wirklich … uh!“

      Keine Sekunde später bahnte sich Matt seinen Weg durch den Scherbenhaufen des zertrümmerten Fensters, mit dem Ausdruck tiefster Erschütterung im Gesicht. Das hatte er nicht erwartet!
      Er sah den Mann in einiger Entfernung liegen, vor der offen stehenden Flügeltür. War er tot!?
      Matt sah an sich herab. Sein Hemd und der Mantel waren weißgrau vom Staub, den die explodierende Marmortafel aufgewirbelt hatte. Dass Yggdrasils Macht so enorm war, dass es einen Standard-Bannkreis mit seiner bloßen Anwesenheit vernichten konnte und ihm dadurch automatisch eine Niederlage einbrachte, weil es theoretisch er war, der das Duell abgebrochen hatte …
      Matt fühlte sich einmal mehr von seinem Schicksal auf die Schippe genommen.

      Bevor er sich Lee überhaupt nähern konnte, kam unvermittelt ein grelles Licht um die Ecke in den Speisesaal gebogen. Eine Person trat an Lee heran, mit einem Kerzenständer in der Hand.
      „Oh je …“, murmelte die Frau bei seinem Anblick.
      Matt verharrte erstarrt auf der Stelle. Ohne Zweifel war sie von dem Lärm wach geworden. Um ihren dunklen Schopf lag ein Haarnetz, die Dame trug über ihrem Nachthemd einen violetten Bademantel.
      Und als sie aufblickte entdeckte sie Matt.
      Sofort schoss es aus ihm heraus: „Das wollte ich nicht! Er-! Ich-!“
      „Wieso bist du hier?“, hauchte sie unterkühlt.
      „Ich bin kein Einbrecher oder dergleichen!“, beteuerte Matt aufgeregt. „Ich wollte nur jemand Bestimmtes treffen.“
      Hinter ihren dick umrahmten Brillengläsern funkelte etwas für einen kurzen Moment auf. „Wen?“
      „Einen Mann namens James Carrington.“
      „Du bist zu spät“, erwiderte sie nun weniger eisig als zuvor, „mein Mann ist bereits vor etwa einem Jahr verstorben.“

      Matt verschlug es die Sprache. Wieso hatte er das nicht gewusst!? War dies das Geheimnis, das diese Familie hütete? Tausende Fragen schossen ihm in diesem Moment durch den Kopf.
      „Es … es tut mir leid“, stammelte er. „I-ich wollte nur mit ihm reden, unter vier Augen, aber- und dann ist …“
      „Du musst jemand sein, der James kannte, wenn du nicht weißt wie man eine Türklingel benutzt.“ Es klang wie ein missglückter Witz, der an der steifen Darbietung seiner Erzählerin scheiterte.
      „Nein, ich kannte ihn nicht persönlich. Aber ich habe von ihm gehört. Dass er … anders ist. Ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen, deshalb … das hier.“ Er schwenkte die Hand zum Fenster.
      „Gute Arbeit bisher“, erwiderte die Dame des Hauses scharf. Dann machte sie ihrerseits eine einladende Geste. „Setz' dich. Wir werden reden.“
      Den immer größer werdenden Kloß in seinem Hals hinunterschluckend, nickte Matt. Die Frau trat an die Spitze der Tafel und stellte dort den Kerzenständer ab. Zögerlich näherte sich der Schwarzhaarige der Frau.
      „Und er?“, fragte er dabei und deutete auf den regungslos daliegenden Lee.
      „Ihm geht’s gut“, versicherte Mrs. Carrington in resoluter Zuversichtlichkeit. „Unkraut vergeht nicht.“

      Als Matt das Ende des Tisches erreicht hatte, zog er den ersten Stuhl zu sich und nahm Platz. Sein Gegenüber tat es ihm an der Spitze der Tafel gleich.
      „Ist er Ihr Sohn?“, fragte Matt vorsichtig.
      Er hatte mit vielem gerechnet aber nicht mit dem schallenden Gelächter, das ihm entgegenschlug. Äußerst amüsiert fragte Mrs. Carrington: „Erst brichst du in mein Haus ein und jetzt beleidigst du mich noch?“
      „Ah nein!“ Matt hob beschwichtigend die Hände. „Ich wollte nicht unhöflich sein, ich dachte nur-!“
      „Tu uns beiden einen Gefallen und lass das Denken zu so später Stunde.“ Die Frau schürzte die Lippen. „Lee ist nicht mein Sohn, obwohl er einem solchen in gewisser Hinsicht sicherlich gleichkommt. Offiziell ist er jedoch mein Hausmädchen, Koch, Gärtner und Wachmann in Personalunion.“
      In diesem Moment konnte sich Matt einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen. „Dann hat er bisher ja einen guten Job geleistet.“
      Im Kerzenschein erkannte er, wie sich die Krähenfüße um die Augen der Frau daraufhin zusammenzogen. Sie schmunzelte. „Tja, leider bin ich nicht so reich wie es den Anschein hat.“
      Matt wurde leiser. „Im Ernst. Es tut mir leid dass ich einfach so hier eingedrungen bin. Ich wusste nicht, womit ich es zu tun bekomme und wollte auf Nummer Sicher gehen. Sie wissen, dass ihr Mann besonders war?“
      „Das war er in der Tat, in vielerlei Hinsicht.“ Mrs. Carrington sah Matt fest in die Augen. „Was ist der Grund warum du ihn sprechen wolltest?“
      „Seine Kräfte. Ich brauche sie. Hätte sie gebraucht …“
      „Warum?“
      „Um einer Freundin von mir das Leben zu retten. Doch um das zu erreichen hätte ich sie ihm abnehmen müssen, notfalls mit Nachdruck.“ Matt erschien es wichtig, von Anfang an ehrlich an die Sache heran zu gehen. „Es tut mir leid.“
      Die Frau legte ihre Ellbogen auf den Tisch und faltete die Hände ineinander. „Das ist seltsam. Du bist nicht der Erste, der genau dasselbe Anliegen hat.“
      „Jemand war vor mir hier!?“ Matt beugte sich ruckartig vor. „Wer!?“
      „Eins nach dem anderen“, gebot sie seiner Wissbegierde Einhalt. „Vorher erzählst du mir, wer genau du eigentlich bist und warum deine Freundin Hilfe benötigt.“

      Was Matt auch im Großen und Ganzen wahrheitsgemäß tat. Einige Details ließ er aus, insbesondere die Tatsache, dass es der Sammler war, der Anyas Lebenskraft an sich gerissen hatte. Es wäre nicht gut für alle Beteiligten, wenn sich dieses Wissen verbreitete.

      „Verstehe“, sagte Mrs. Carrington und nickte. „Ich bin mir sicher, mein Mann hätte dir geholfen. Er war gütig vom Grunde seines Herzens. Aber wie gesagt, du kommst zu spät.“
      Matt seufzte. „Ich weiß nicht ob ich das fragen sollte, aber wann ist Ihr Mann gestorben? Und … wie?“
      Unvermittelt ließ die Dame ihre Hand über die Flammen der einzelnen Kerzen gleiten. „Schon vor einigen Jahren. Er wurde nicht ermordet sondern ist seinem Krebsleiden erlegen.“
      „Das tut mir leid.“
      „Braucht es nicht.“ Da Matt von sich aus nichts erwiderte, fragte sie: „Gibt es sonst noch etwas, das du wissen möchtest?“
      Der Schwarzhaarige nickte. „Hat ihr Mann jemals über seine Kräfte gesprochen?“
      „Nicht viel. Ich weiß nicht einmal, wie genau sie ausgesehen haben. Aber ich wusste, dass er sie besaß. Du siehst aus wie ein Kämpfer.“ Sie musterte Matt eindringlich, wandte dann aber den Blick ab. „James war keiner. Er hat mir hin und wieder ein wenig von den verborgenen Konflikten dieser Welt erzählt, sich jedoch stets aus ihnen herausgehalten. Er sagte, als Hüter wäre es wichtig, sich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen.“
      Matt rieb sich angespannt über die Stirn. Er hatte Kopfschmerzen. „Erwähnte er, was genau die Aufgaben eines Hüters sind? Oder vielleicht … wie man zu einem wird?“
      „Nein. Und ich habe auch nicht danach gefragt.“

      Deprimiert ließ Matt den Kopf hängen. Dann gab es wohl keine Möglichkeit herauszufinden, wer nach James Carrington den Platz des Hüters eingenommen hatte. Es sei denn …
      „Sie haben erwähnt, dass es noch jemand anderes gab, der nach ihrem Mann und seinen Kräften gefragt hatte.“
      Jetzt sah sie ihn wieder an und wenn auch nur für einen kurzen Moment, so glaubte Matt doch ein von Hass erfülltes Funkeln in ihren Augen zu erkennen.
      „Ja, das war etwa zwei Jahre vor seinem Tod. Also vor drei Jahren.“
      „Erzählen Sie mir die Geschichte“, bat Matt.

      Die Frau atmete tief durch. Ihr verbitterter Gesichtsausdruck sprach Bände. Sie starrte in die Flamme der mittleren Kerze und begann zu erzählen. „Zu diesem Zeitpunkt lebten wir noch in London.“
      Matt erinnerte sich, davon hatte ihm auch einer der ehemaligen Angestellten erzählt, welcher ebenfalls mit der Familie Carrington in die Staaten ausgewandert war.
      „Es war mitten in der Nacht als es an der Tür klingelte. Ich persönlich habe geöffnet.“ Die Frau schürzte die Lippen. „Da stand er, draußen im Regen. In einen gelben Regenmantel gehüllt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen.“
      „Was wollte er?“
      „Dasselbe wie du. Ohne Umschweife bat er darum, mit meinem Mann zu sprechen. Ich … versuchte ihn abzuwimmeln, aber er blieb hartnäckig.“ Sie seufzte. „Er fiel sogar auf die Knie. Und als er sagte, er wisse wer James wirklich ist, da konnte ich ihn nicht länger fortschicken.“
      Der Schwarzhaarige gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Weshalb?“
      „Weil mein Mann … so etwas erwartet hatte. Ich weiß nicht, ob es dieser Bursche oder jemand anderes war, aber er sagte, er würde jeden Gast empfangen, der um sein Geheimnis wusste.“
      Es war ein verrückter Gedanke, doch Matt sprach ihn aus. „Vielleicht wusste er, dass es unvermeidbar war.“
      Die Frau nickte. „Das denke ich auch. James war kein Kämpfer, aber auch kein Feigling.“
      „Gab es denn einen Kampf?“
      „Nein. Nicht dass ich wüsste.“
      Matt lehnte sich zurück. „Was ist dann geschehen?“
      „Ich weiß es nicht. Sie haben die ganze Nacht durch geredet, schätze ich. Der junge Mann ist kurz nach Tagesanbruch gegangen. Er schien … zufrieden.“
      Die Lider schließend, fragte Matt: „Hat sich Ihr Mann danach verändert? In irgendeiner Form?“
      „Nein. Obwohl … auch er schien danach erleichtert. Als ich ihn jedoch danach fragte, hat er abgeblockt. Und ich habe seitdem nie wieder den Versuch unternommen, mehr über dieses Treffen herauszufinden.“
      „Können Sie sich noch an seinen Namen erinnern?“
      Mrs. Carrington lachte spitz auf. „Hast du mir deinen genannt als du hier eingebrochen bist?“
      „N-nein.“ Matt verneigte sich vor ihr. „Es tut mir leid!“
      Amüsiert kicherte sie plötzlich. „Du bist ziemlich höflich für einen Dämonenjäger. Wie gesagt, einen Namen hat er nicht fallen gelassen.“
      Als Matt sich aufrichtete, fragte er: „Wissen Sie wenigstens noch wie er aussah?“
      „Nein … ich kann mir Gesichter nicht sehr gut merken. Er wirkte recht erwachsen, aber ich glaube, er war etwas jünger als du. Ich erinnere mich nur an ein paar rote Haarsträhnen, die ihm im Gesicht hingen, nass vom Regen.“

      Alarmiert schreckte Matt auf. „Rotes Haar?“
      „Ja.“
      Könnte das der Sammler gewesen sein!? Die Idee war nicht abwegig. Der Sammler war hinter den Hütern her, wieso sie also nicht persönlich aufsuchen? Vielleicht hat er während des Gesprächs erkannt, dass er selbst nicht dazu in der Lage war, die Artefakte zu versammeln?
      „Sonst noch irgendetwas, das außergewöhnlich an ihm war?“
      „Er wirkte wie ein normaler Mensch. Nicht übernatürlich. Aber ich bin die Falsche um das zu beurteilen“, antwortete Mrs. Carrington. „Ich weiß nur, dass mein Mann nach seinem Auftauchen umziehen wollte.“
      Matt, der ihr ansah, dass sie selber nicht zufrieden mit James' Entscheidung gewesen war, fragte: „Anders als Sie.“
      „All meine Freunde, Bekannten und Familienmitglieder im Vereinten Königreich zurücklassen? Was glaubst du wohl?“

      Wollte Mr. Carrington vor etwas fliehen? Auch das passte, wenn es der Collector war, der James damals besucht hatte. Andererseits: Wie sehr war Mr. Carrington mit dem Übersinnlichen vertraut gewesen? Jemand wie dem Sammler entkam man nicht durch bloßes Wechseln des Wohnorts. Das hätte er wissen müssen. Und vielleicht hat er dies auch. Was wiederum gegen seine Vermutung sprach, generell gegen einen feindlich gesinnten Besucher. Und nicht zuletzt hatte jener auch um Hilfe gebeten, sie nicht eingefordert – und Mr. Carrington schien in irgendeiner Form geholfen zu haben, machte er doch nach dem Treffen einen erleichterten Eindruck.

      Plötzlich hatte Matt eine seltsame Eingebung. „Haben Sie einen Sohn?“
      Mrs. Carrington sah ihn fragend an.
      „Heißt er Strife Carrington?“, hakte Matt nach, ohne zu wissen, wie er auf diesen Namen kam oder warum er überhaupt fragte.
      „Nein. James und ich führten eine kinderlose Ehe.“
      Doch Matt gab nicht nach. „Haben Sie unter Um-“
      Ihr Ton wurde merkbar schärfer. „Ich bin unfruchtbar, Mr. Summers.“
      Matt verschlug es zum wiederholten Male an diesem Tag die Sprache. „Es tut mir leid …“

      Er stampfte munter von einem Fettnäpfchen ins nächste. Was war eben überhaupt in ihn gefahren!? Verdammt, nie hätte er sich vorgestellt, dass es so laufen würde.
      Aber doch war es seltsam, diese ganze Geschichte. Matt wusste nur eins: Es war jetzt ein anderer an James Carringtons Stelle als Hüter getreten. Womöglich dieser ominöse Besucher. Vielleicht aber auch nicht. Dies ließ den jungen Mann erkennen, dass sie unbedingt herausfinden mussten wie man zu einem Hüter wurde.

      „Deswegen bin ich ihr einziger Sohn, Hexe!“
      Matt fiel fast vom Stuhl als Lees angeschlagene Fratze unter dem Tisch, direkt zwischen seinem Schritt hervorlugte und ihn feindselig anstarrte. Derart erschrocken von seinem unerwarteten Auftauchen kippte der Schwarzhaarige samt Stuhl schreiend hintenüber.
      Über den Dämonenjäger krabbelnd, funkelte Lee jenen böse an. „Am besten du gehst jetzt!“
      Matt drängte ihn mit dem Arm beiseite und erhob sich. Da der Klügere jedoch nachgab, sah er Mrs. Carrington tief in die Augen und nickte. „Ich denke, das wäre wohl das Beste. Aber erlauben Sie mir noch eine Frage.“
      „Frag“, erwiderte diese mit einer ausschweifenden Bewegung ihrer Hand.
      „Erinnern Sie sich, ob Ihr Mann jemals davon gesprochen hat, wer nach ihm den Platz des Hüters einnimmt?“
      Die Frau schüttelte den Kopf. „Auch das ist etwas, das ich nicht beantworten kann. Wie so vieles was -das- angeht, haben wir nie darüber gesprochen.“
      Resignierend rieb sich Matt über die Stirn. „Schade …“

      Den Stuhl aufstellend, neben dem Lee noch auf dem Rücken lag und ihn voller feindseliger Inbrunst anstarrte, streckte Matt Mrs. Carrington die Hand entgegen. „Ich bedanke mich für das Gespräch und möchte mich noch einmal für die Unannehmlichkeiten entschuldigen, die ich verursacht habe.“
      Statt ihn zu verabschieden, erwiderte sie unterkühlt: „Ich fürchte, eine Entschuldigung reicht mir nicht.“
      Verdutzt zog Matt die Hand zurück. Hinter seinem Rücken schnellte Lee hervor und flüsterte in sein Ohr: „Du wirst den Schaden bezahlen, den du angerichtet hast, Hexe!“
      Entgeistert drehte sich Matt zu ihm um, wurde sogleich von Lees überlegener Körpergröße gegen den Tisch gedrängt. „W-warte mal, das-!“
      Mrs. Carrington fügte hinzu: „Ich denke, wir sind uns einig, dass das das Mindeste ist.“
      Matt drehte sich panisch zu ihr um. „Aber das kann ich mir gar nicht leisten!“
      „Dann hoffe ich für dich, dass dein handwerkliches Geschick deinem 'magischen' in Nichts nachsteht.“ Dass sie sich bei diesen Worten keinen Millimeter rührte war Beweis genug, dass sie es ernst meinte.

      Schicksalsergeben ließ Matt den Kopf hängen. Alastair wäre so etwas gewiss nicht passiert. Was hatte er sich da nur eingebrockt!?

      ~-~-~

      Mit zunehmender Stunde lockerte sich die Stimmung unter Anyas 'Partygästen'. Inzwischen hatte sich die schwach beleuchtete Bar gefüllt und auch, wenn die Blonde sich nicht an alkoholischen Getränken erfreuen durfte, machten das die von Logan empfohlenen Mixgetränke wett.
      „Und, wie findest du es nun?“, fragte er, der neben ihr am Rand der Eckcouch saß und sich eben noch ausgelassen mit Marc am anderen Ende der Couch über Football unterhalten hatte.
      Das Mädchen musste grinsen. Hier wurde Metal aufgelegt. „Ich liebe es!“
      „Ich nicht“, schmollte Valerie neben ihr mit verschränkten Armen.
      Marc neben ihr tätschelte seiner Verlobten die Schulter. „Komm schon, seit wann bist du die Spaßbremse?“
      „Schon immer“, stand für Anya sofort fest. „Hör' auf dich zu beklagen, Redfield.“
      „Noch eine Runde Billard ertrag ich nicht!“
      Mit vorgehaltener Hand flüsterte Logan ins Ohr der Blonden: „Ich auch nicht …“

      Was wollte die eigentlich, fragte sich Anya grimmig!? Bisher hatte sie jedes Spiel mit Ausnahme des ersten gewonnen! Anfangs hatte es der Ziege auch ansatzweise Spaß gemacht, aber scheinbar war es ziemlich schwierig, Redfield dauerhaft bei Laune zu halten.
      Blöde Kuh!

      Anya schlürfte bewusst laut an ihrem grünen, alkoholfreien Cocktail, weil sie genau wusste, wie sehr dies ihrer Erzrivalin auf die Nerven ging. Die verkrampfte augenblicklich und warf Anya einen Noch-einmal-und-ich-gehe!-Blick zu, den Anya grinsend mit einem Na-endlich!-Blick konterte.
      Inzwischen war sie etwas munterer geworden, auch wenn der typische, verrauchte Kneipengeruch sie etwas benommen machte. Als Logan und Marc jedoch zum wiederholten Male mit Football anfingen und die beiden Mädchen komplett ausblendeten, dämmerte es Anya, warum Valerie so schlecht gelaunt war.
      Warum unterhielt sich der Zwerg nicht mit ihr!? Also, in Redfields Fall nicht der Zwerg und auch nicht mit ihr, also Anya! Langsam ging ihr das auch auf den Zeiger!

      Gerade wollte Anya das Gespräch unterbrechen, da bemerkte sie aus den Augenwinkeln Zanthe, der einsam vor der Jukebox in der Ecke des Ladens stand. Der hatte sich den ganzen Abend schon abgekapselt und kaum ein Wort mit den anderen gewechselt.
      „Geh mal zu ihm“, sagte Valerie, die Anyas Blick bemerkte und nickte in seine Richtung.
      Jene rollte mit den Augen. „Wieso sollte ich?“
      „Meinst du nicht, ihn bedrückt irgendetwas? Ich würde ja selbst gehen, aber ich kenne Zanthe nicht besonders gut“, erwiderte die Schwarzhaarige mit klagendem Unterton, fügte noch grimmig und ganz leise hinzu: „Dann hätte ich wenigstens was zu tun …“
      Den beiden lautstark lachenden Kerlen an den jeweiligen Enden der Sitzecke sich einen genervten Blick zuwerfend, kam Anya zu der traurigen Erkenntnis, dass die auch für einen Moment ohne sie auskommen würden. So stöhnte sie leidig: „Also schön, ich schau mal nach dem Flohpelz.“

      Sprachs und schob sich am Tisch vorbei, auf dem kaum mehr Platz war, so wild wie Marc und Logan das Getränke-Angebot der Bar durchprobierten. Schlendernden Ganges näherte sich Anya dem Kopftuchträger, der immer noch mit der Jukebox beschäftigt war.
      „Hey“, rief sie ihm dabei zu.
      „Hey“, kam es träge zurück, „weißt du, ich versuche die ganze Zeit herauszufinden, wer diese bekloppte Musik aufgelegt hat. Bis ich festgestellt hab, dass dieses Ding nur zur Deko rumsteht.“
      Ein kurzes Lachen konnte Anya sich nicht verkneifen. „Diese Teile sind schon seit Jahren out.“
      Zanthe beugte sich vor und stützte seine Hände dabei an den Kanten der Jukebox ab. „Schade.“
      „Ist alles in Ordnung?“, fragte das Mädchen schließlich ernst.
      „Was hat sie gemacht, dass du dich tatsächlich danach erkundigst?“ Er gluckste. „Ich hab alles gehört, Anya …“
      Grimmig warf sich jene an die Wand neben der Jukebox, um ihren Freund ins Gesicht sehen zu können. Er wirkte müde, lächelte aber. Sie schnalzte genervt mit der Zunge. „Gar nichts, mir ist auch aufgefallen, dass dir irgendwas quer sitzt.“
      „Gestern war ein langer, anstrengender Tag. Nicht nur für dich.“
      „Hab ich gemerkt. Irgendwann warst du nicht mehr im Publikum“, erwiderte Anya plötzlich ungewöhnlich streng für ihre Person, „wo warst du? Und wenn du jetzt sagst, du hast dich mit irgendeinem Kerl getroffen, muss ich dich leider eines qualvollen Todes sterben lassen.“
      „Das schaffst du ni-“

      Weiter kam Zanthe nicht, denn in diesem Moment drangen Schimpfworte und Geschrei zu ihnen. Er drehte sich um und zusammen mit Anya sah er, wie der Türsteher von zwei Männern ins Innere der Bar zurückgedrängt wurde. Der glatzköpfige Schrank hatte seine lieben Mühen, die anderen beiden im Zaun zu halten. Beide hatten Kameras um ihren Hals hängen. Und noch mehr Fotografen verschafften sich Einlass, wie sie schnell feststellen mussten.
      Eine weibliche Journalistin mit Hornbrille auf der Nase erspähte Anya. Und zeigte konsequent mit dem Finger auf sie: „Da ist sie!“

      Es passierte so schnell, dass das Mädchen kaum Zeit zum Reagieren hatte. Binnen weniger Sekunden hatte sich eine ganze Wand an Fotografen, kniend, hockend, stehend aufgebaut, die sie ablichteten und wild durcheinander mit Fragen bombardierten.
      „Was ist das denn!?“, beklagte sich Zanthe, der sich die Hand vor das Gesicht hielt.
      Anya tat dasselbe. „Was wollen die hier!?“
      „Miss Bauer, stimmt es, dass Ihr Vater wegen … vor Gericht stand und …“
      „Uns ist zu Ohren gekommen, dass Ihnen Ihr Deck während der …“
      „... Sie uns kurz schildern, was Sie dazu bewogen hat …“
      Das Mädchen traute ihren Ohren kaum, wie sie nur Wortfetzen und unvollständige Sätze verstand, die aber allesamt nicht gerade zu Dingen gehörten, über die sie gerne redete. Manche davon auch noch komplett unwahr! Wo kamen diese Spinner plötzlich her!?
      „Haut ab!“, fauchte das Mädchen wütend, aber als sie in die Masse an Fotografen sah, vom Blitzlichtgewitter geblendet, fühlte sie sich plötzlich hilflos. Denen durfte sie kein Haar krümmen, sonst stand das morgen überall in den Zeitungen!
      „Wurden Sie als Kind vernachlässigt?“
      „Wie würden Sie das Verhältnis zu Ihrem Bruder beschreiben?“
      Panisch wich das Mädchen zurück und stieß gegen die Wand, hektisch von einem Journalisten zum anderen blickend. Was sollte sie jetzt tun!? Sie saß in der Falle! Die würden sie nicht eher gehen lassen, bis-!

      „Schluss mit der Autogrammstunde!“, donnerte Logan, der unvermittelt neben ihr auftauchte und Anya unsanft am Arm packte. „Sie hat euch nichts zu sagen.“
      Auch Marc und Valerie gelangten neben sie, schirmten die Blonde ab, als Logan sie kurzerhand durch die Gruppe der Reporter Richtung Ausgang schleifte, mit Zanthe als Nachhut. Ihre Freunde verstanden es, und Anya wusste in der Hektik beim besten Willen nicht wie, diese Typen in Schach zu halten.

      Kaum waren sie an der frischen Luft, eilte Valerie zum Straßenrand und hob auffällig die Hand.
      „W-was war das!?“, stammelte Anya panisch, als sich ein Taxi nährte, gerufen von der Schwarzhaarigen.
      „Die Schattenseiten des Ruhms, wie man so schön sagt“, meinte Marc, der sich dann aber von der Gruppe löste, um zusammen mit Zanthe zwei Fotografen aufzuhalten, die gerade den Laden verlassen wollten.
      Logan legte seinen Arm um Anyas Schulter. „Komm.“
      Zusammen mit Valerie stiegen sie in das Taxi, Letztere gab dem Fahrer konkrete Anweisungen, sie zu Anyas Hotel zu bringen. Zanthe und Marc wehrten derweil konsequent die Reporter ab. Erst jetzt merkte das blonde Mädchen, wie schnell ihr Herz klopfte.
      Und sie begriff es nicht. Vorhin hatten die Typen ihr auch schon aufgelauert, aber da war sie spielend leicht mit ihnen fertig geworden, es waren nur drei oder vier gewesen. Aber das eben …
      „Die sind jetzt natürlich scharf drauf, alles Mögliche aus dir herauszukitzeln, nach deinem Duell gegen deinen Bruder“, erklärte Logan der in der Mitte sitzenden Anya.
      Die stand völlig neben sich. Murmelte: „Woher wissen die das mit Dad …“
      „Du glaubst gar nicht, was die alles so ausgraben können“, sagte Valerie ärgerlich.
      „Was ist, wenn die wegen dem Tu-“, schoss Anya da ein erschreckender Gedanke durch den Kopf, den sie aber unterbrach, als sie Logan ansah. Nein, das Thema war in seinem Beisein tabu! Hoffentlich kapierte Redfield auch so, worauf sie hinaus wollte.
      „Ich glaube, die Einzige, die jemals auf diesen Zug aufspringen wird, ist Nina Placatelli.“
      „Hör zu, Kleine, in Zukunft musst du wohl vorsichtiger sein“, redete Logan gleich darauf auf sie ein. „Wenn du was reißen willst als Duellantin, musst du dich darauf gefasst machen, dass so etwas zu deinem Alltag dazugehören wird.“
      Anya versank tiefer und tiefer im Sitz, als sie das hörte. Denn so sehr er auch Recht hatte, war dies nichts, worüber sie sich je Gedanken gemacht hatte. Was es bedeutete, Duel Queen zu sein, eine Person des öffentlichen Interesses. Solche Verhöre sollten nicht Teil ihres Traums sein!


      Turn 65 – Xiphos
      Völlig unerwartet tappt die Diebin von Anyas Deck in Nicks Falle, sodass es ihm endlich gelingt, ihren Standort ausfindig zu machen. Jedoch wird er unvermittelt von einer anderen Entdeckung abgelenkt, die sich ihm im Zuge seiner Recherchen bezüglich der Undying eröffnet. Zusammen mit einer alten Feindin nimmt er einen nicht ganz risikofreien Umweg in Kauf, um …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Matt

      Evilswarm Heliotrope
      Evilswarm Zahak
      Evilswarm Castor

      Evilswarm Dullahan
      Fee/Finsternis/Effekt
      ATK/1150 DEF/1550 (4)
      Wenn du ein offenes "Lswarm"-Monster mit 1500 oder mehr ATK kontrollierst: beschwöre diese Karte von deiner Hand als Spezialbeschwörung. Wenn ein "Lswarm"-Xyz-Monster, welches diese Karte als Xyz-Material besitzt, zerstört wird, nur einmal während des Duells: wähle das zerstörte Monster als Ziel von deinem Friedhof und beschwöre es mit diesem Monster als Xyz-Material in offene Angriffsposition. Es erhält folgenden Effekt: O Diese Karte kann nicht durch Kampf zerstört werden.

      Monster Reborn

      The Regulation Of Tribe

      Evilswarm Ophion

      Primalswarm Yggdrasil
      Monster/Xyz/Effekt
      ???/Finsternis
      ATK/???? DEF/????
      {????}

      Lee

      Chiwen, Light Of The Yang Zing
      Taotie, Shadow Of The Yang Zing
      Suanni, Fire Of The Yang Zing
      Bixi, Water Of The Yang Zing
      Bi'an, Earth Of The Yang Zing
      Pulao, Wind Of The Yang Zing
      Jiaotu, Darkness Of The Yang Zing

      Yang Zing Prana
      Burial From A Different Dimension

      Yang Zing Creation

      Baxia, Brightness Of The Yang Zing


      Shhhh ... es ist ja vorbei. Ihr müsst nicht mehr manisch vor und zurückwippen, alles ist gut!
      Spoiler anzeigen


      Also das war echt mal eine lustige Folge, warum liegt ja wohl auf der Hand. Was den Hüter angeht hast du es geschafft, dass man rückblickend nicht sagen kann, dass auch nur eine Vermutung bezüglich der genauen Interaktion mit dem Hüter vorhersehbar gewesen wäre. Zum einen gab es kein Duell mit dem Hüter selbst, sondern mit diesem urkomischen Vogel ( von wegen Dämonen zu Gott beten xD plus den ganzen anderen Schwachsinn, den Lee von sich gegeben hat ), der dann aber unerwarteter Weise eine sehr starkes Deck hatte, trotzdem war es ebenfalls eine Überraschung, dass Matt gegen ihn verloren hat. Dazu kommt noch die Art und Weise, wie er dann verloren hat, mit so einem Mechanismus hätte ich nie gerechnet, hat mir gut gefallen, weil du damit eine Form von interner Logik aufzeigst, die der ganzen Geschichte Substanz verleiht. Nicht zu vergessen, dass Matts besondere Karte enthüllt wurde. Aber zurück zum Unerwarteten: dass der Hüter gar nicht mehr am Leben ist und auch noch nicht durch Fremdeinwirkung gestorben ist, war ebenso kaum zu erwarten. Fragt sich nur, wer der mysteriöse Besucher war und wie Anya jetzt an die Karte kommen soll.
      Außerdem bin ich auf Matts Wiedergutmachung gespannt.

      Zu guter Letzt noch ein paar Worte zu diesem versteckten Hinweis über Anyas Vater, den du hast fallen lassen, interessant wie du es immer wieder schaffst, gewisse Hinweise zu geben.

      -Aska-

      Ach stimmt, die haben ja fürs Turnier die eigenen Duel Disks bekommen, weil Pendel *blub* xD

      Tja, die Frage ist, wann und ob er irgendwann dazu gezwungen ist, mal ernst zu spielen (was ne Frage, ne? xD). Aber bis dahin hast du sicher eine konkrete Vorstellung, wie seine Karten dann aussehen. Nicht, dass er am Ende einen Anya baut und sein Excel ein Vanilla ist, weil der Autor noch keine Idee für hatte ;)

      Jop, das mit Kyon und Alessandro stimmt schon. Rückblickend betrachtet ist es dann aber fast schon verwunderlich, dass Matt genausowenig mitbekommen hat, dass der am Turnier teilnimmt - nicht wegen Alessandro, sondern weil er Kyon schon gesehen hat und als Diener des Sammlers kennt. Gerade auch weil Alessandro einer der Top Spieler in den Vorrunden war und sicherlich stärker gefeatured worden ist als Anya.
      Im Bezug auf Zanthe hatten wir ja in dem Kontext über die Sache gesprochen, dass ihm der Name unter den Teilnehmern nicht auffallen durfte/konnte, weil er das sonst sicherlich aufgeschaltet hätte.

      Das mit der Val oder Val 2.0, wie auch immer es einmal aufgelöst wird, darauf bin ich wirklich sehr gespannt. Beides lässt einige Ideen und Spekulationen zu, was noch kommen könnte. Und eine dritte Option, was es damit auf sich hatte, ist genauso gut noch möglich.

      Näh, bevor das Pairing passiert, befürwortest du das Trikolore-Pairing :P



      Folge

      *Fahnen schwenk für Sailor Lee*
      Achne, das war gar nicht sein Künstlername im Kampf für die Gerechtigkeit und freie Liebe, oder? Wie war der noch gleich? Batlee, der dunkle Springer? Superlee, der Held ohne Cape und Strumpfhose? Nein, es ist Vokuhila-Lee mit seinem Lakaien, Rotzfänger-Bart xD

      Lee war witzig und lustig zu lesen, das will ich gar nicht erst abstreiten. Gerade mit etwas Abstand zum ersten Mal lesen. Bei ihm wurde denk ich ganz klar, dass er ein Comic Relief Chara ist. Die Parallen zum frühereren Nick sind dabei enorm.
      Das ist aber momentan auch das, was mich an Lee stört und weshalb ich nicht so wirklich warm werden kann mit ihm. Bei Nick hatte man schnell das Gefühl, dass bei ihm irgendwas nicht passte, das da noch was hinter diesem Gehabe war. Bei Lee fehlt mir das bisher komplett und ich kann mir nicht vorstellen, dass der mit etwas Vergleichbarem wie Nick aufwarten kann. Aber natürlich lass ich mich da gerne vom Gegenteil überzeugen und warte seine nächsten Auftritte ab. Ihn nach einer Folge bereits zu verdammen wäre sicherlich mehr als vorschnell.
      Aber momentan ist er wirklich wie Nick ohne Eli - nur das er offensichtlich etwas besser Duel Monsters spielt als jene Rolle. Außer natürlich man nimmt es wie Matt und stellt fest, dass Lee's Deck praktisch ein Selbstläufer ist und vermutlich jeder halbwegs vernünftig damit spielen könnte.

      Das Duell war ganz okay und zugleich eine nette Einführung für die Yang Zing sowie den mit Wyrm in deiner Geschichte nicht sehr verbreiteten Typ, welchen man dort nur auf besonderem Wege erhalten konnte. (In dem Kontext bin ich schon gespannt, wie jemand wie z.B. Anya Lee sehen wird, wenn rauskommt, dass sein Deck - wie er zugibt - geklaut ist? KA ob das bei Anya aktuell ein Reizthema sein könnte?)
      Aber ist schon immer lustig, wie die Charas manchmal nur durch Fehler oder Unachtsamkeiten der Gegner Glück haben und sich im Duell halten können. Sonst hätte Matt wohl gar kein Land mehr gesehen. Aber ich denke das macht es nur umso realistischer. Es gibt nicht immer perfekte Spiele, wo jeder Zug die beste Antwort auf alles ist, was der Gegner einem so entgegen wirft.
      Man könnte es natürlich auch einfach unter 'Lee' verbuchen, aber ich muss da wirklich sagen, für das was man bei ihm erwarten würde, spielt er weit besser und taktischer, als man vermuten täte.

      Interessant war auch der Effekt von Matts Incarnate, soweit man ihn bisher gesehen hat. Ich finde so einen Effekt per se schon einmal sehr mächtig. Gerade, wenn es Leute gibt, die freiwillig oder gezwungenermaßen mehrere Effekte für ihre Strategien/Züge aneinander ketten, haut das echt rein, da er ja mit mind. Instant-Spell Speed beschworen werden kann.
      Unerwartet, aber eine lustige Abwechslung war dann auch der Selbst-KO ohne 'ernste' Konsequenzen zu dem üblichen "Einer muss gewinnen". Aber im Endeffekt ging es in dem Duell auch nicht wirklich um etwas, insofern konnte man es sich da gut erlauben.
      Dazu zeigte es zum Einen, dass Matt selbst noch gar nicht richtig erkannt zu haben scheint, wie mächtig seine Karte da überhaupt ist, und zum Anderen bildete seine Niederlage (oder besser gesagt, Lees Abgang durch die Wand) eine nette Überleitung zu der Unterhaltung mit der Dame des Hauses.

      Spannend zu lesen waren die Enthüllungen um James Carrington. Es macht auf jeden Fall neugierig, was da wirklich dahintersteckt. Erfahren hat man da zwar jetzt noch nicht so viel, und teilweise wirkte manches auf dem ersten Blick vielleicht sogar widersprüchlich, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass das nur einzelne Teile eines größeren Puzzles sind und es erst dann richtig Sinn ergibt, wenn man im späteren Verlauf zurückblickt. Sozusagen "Ah!"-Momente.
      Bisher war das aber noch alles sehr mysteriös, besonders in Hinsicht auf den rothaarigen Jungen, der James aufgesucht hat. Auf jeden Fall war auch die Anspielung sehr nett, worauf man wohl direkt wie Matt glaubte, dass es sich dabei um den Sammler handeln könnte - was aber durch den von Mrs. Carrington geschilderten Rahmen jener Begegnung offenscheinlich ausgeschlossen wird.
      Damit sind sie aber momentan scheinbar erst einmal in einer Sackgasse gelandet, was die Spur nach dem Hüter angeht. Aber in dem Hinblick gibt es momentan absehbar zwei Probleme bzw Fragen, die es zu lösen gilt:
      - Was sind Hüter bzw. wie wird man ein Hüter?
      und
      - Wie kann man Hüter aufspüren?

      Denn ansonsten würde deren Suche wohl ein rasches Ende nehmen, wenn nicht Freund Zufall einen Gastauftritt bekommt, in welcher Form auch immer. Die wahrscheinlichste Spekulation wäre in James' Fall wohl, dass Lee der Hüter ist, wobei das fast schon zu naheliegend wäre xD

      Dazwischen gab es in der Fortsetzung des begonnenen Abstechers in die Bar für Anya eine Begegnung mit dem Schattenseiten des Promilebens, was ihr als Duel Queen später auch mal blühen würde. War richtig schön zu spüren am Ende, dass das so gar nicht den tollen Erwartungen an ihren Traum entsprach. Und ich finde, du hast die Reporter und Paparazzi genau richtig dargestellt. Das ist öfter als nicht wirklich ein widerliches Pack, das alles für seine Story tut und jeden Dreck über dich und die Leute in deinem Umfeld ausgraben sowie Fakten mit Fiktion durcheinander werfen (Paradebeispiel Nina Placatelli, gell?)
      Wie Mcto schon sagte, war auch die dezent plazierte Anspielung auf Anyas Vater sehr nice dort integriert.

      Was die Belohnung Logans für Anyas Sieg anging war auch lustig mitzuerleben, wie das so gar nicht den Erwartungen der meisten Teilnehmern entsprach. Zumindest war Anya solange damit zu frieden, wie es Valerie nervte. Aber der Moment war sehr gut, als sie dann schließlich begriff, dass sie und Val eigentlich die gleichen Gefühle über die Situation verspürten, dass ihr jeweiliger Schwarm keine Augen für sie hatte und die beiden Jungs sich stattdessen ganz und gar mit sich beschäftigten. In der Hinsicht ist Anya wohl auf dem besten Weg in eine feste Beziehung, wenn sie sich da schon wie eine 'Freundin' verhält ;)

      Zanthe hatte auch seinen kleinen Moment, der aber noch die jüngst erlebten Ereignisse mit Kyon aufzuarbeiten hatte. Bevor es aber an den Kern der Sache ging, wurde er von den Reportern sozusagen gerettet. Schön war auch Anyas verkappte Art, ihm ein Ohr zu schenken. Die alte Anya hätte ihn mind. angeschnauzt, warum er auf ihrer 'Siegesfeier' alle anderen mit seiner Depri-Stimmung runterzieht.


      Und damit verbleibe ich in Erwartung auf die nächste Folge. Nach dem Preview Text scheinen wir uns ja erst einmal wieder von Matt und Lee wegzubewegen und bei Nick zu landen, wobei grundsätzlich ein sekundärer Handlungsstrang wie hier mit Anyas Kneipenbesuch auch denkbar wäre.
      Muss aber etwas sehr Wichtiges sein, auf das Nick da stößt, dass er dafür sogar die Jagd auf die Diebin hintenanstellt. Und dann ist da noch die Sache mit der alten Feindin. Ich hab da schon einen guten Verdacht ...
      Nebenbei erwähnt finde ich auch den Namen der Folge interessant, wenn man mal nachschaut, was Xiphos heißt. ^^

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      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Da bin ich wieder, kurz vor den Feiertagen! Aber zunächst mal wieder ein Danke fürs Lesen an euch alle. ^^

      @Mcto
      Lee ist ... Lee. Der ist auf jeden Fall nicht dazu gemacht, von irgendjemandem gemocht zu werden. ^^
      Matt kann die Kraft seiner Inkarnation noch nicht richtig einschätzen. Für Duelle wie diese ist sie definitiv nicht geeignet.

      Was Mr. Bauer angeht, mit dem möchte ich gerne eine Art Figur schaffen, die zwar selbst noch nicht aufgetreten ist, aber trotzdem irgendwie präsent ist. In einer gestrichenen Szene gabs ja schon mal ein Telefonat zwischen ihm und einer anderen Figur, aber wann und wie das veröffentlicht wird, muss ich erstmal sehen.

      Danke für deinen Kommi! ^^

      @Evil Bakura
      Ich hab sogar ne Idee für Kyons Excel, aber die wird sobald nicht realisiert werden, leider.
      Tricolore-Pairing *Insider* ... das ist gut. xD Das ist wirklich gut. xD

      Val 2.0 ist ... ich hab ein genaues Bild im Kopf, das die ganze Situation ziemlich gut zusammenfassen würde. Schade, dass ich es dir nicht verraten kann. <.<

      Sorry für Idioten-Lee. Er ist einerseits nicht ganz so dämlich wie Idioten-Nick, aber das liegt auch nur daran, dass Nick es mit seiner Darbietung bewusst sehr übertrieben hat. Dass der sich entsprechend bei YZ keine Mühe geben muss ist klar, das Deck spielt sich fast von alleine. Was Matts Karte angeht, joa, allein bei der Inkarnation an sich schon so ein Effekt ... da möchte man doch gar nicht wissen, was die kann, wenn sie ihre "Feldeffekte" einsetzt. xD
      ... sie ist absolut bösartig und ich denke, das ist kein Spoiler. xD

      Was Hüter sind weiß man ja so teils. Sie be"hüten" die Artefakte. ... wie, die Erklärung ist mangelhaft? Schu! xD
      Hüter aufspüren wird schwierig für normale Personen, ja selbst für den Sammler. Naja fast für den Sammler, von fünf wusste er ja immerhin.

      Zur Anya-Szene hast du schon alles soweit gesagt. Sie ist eifersüchtig, das hat bisher nur Marc geschafft. xD
      Und sie sorgt sich um Zanthe ... Human Being confirmed? Nah, sie ist trotzdem Lucifer (w). xD

      Ansonsten lass dich von der nächsten Folge überraschen, wobei du die inzwischen ja schon kennst. ^^ Danke für den Kommi!


      Und jetzt ohne große Umschweife:

      Turn 65 – Xiphos
      Jedes Mal, wenn Nicks Blick bei der Wand neben der Tür seines Büros landete, breitete sich ein zutiefst von Wonne erfülltes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Eingerahmt, hing dort ein Zeitungsartikel. Mit dem Bild Anyas, wie sie [Gem-Knight Pearl] den finalen Angriff auf die Lebenspunkte ihres Bruders befahl. Zugegeben, der Inhalt besagten Artikels war Mist, aber darum ging es nicht. Das Bild würde ihn für die nächsten Wochen immer wieder an den Triumph erinnern, den sie beide vor zwei Tagen über Aiden genossen hatten. Allein deshalb war es ihm wichtig, ihn genau dort hängen zu haben.

      Fröhlich vor sich hin pfeifend, widmete sich Nick wieder seinem PC. Dabei tippte er nachdenklich mit einem Kugelschreiber auf einem linierten Papierblock, der neben der Tastatur auf dem gläsernen Tisch lag.
      Auf dem Bildschirm war eine Blaupause von Henrys Projekt abgebildet. Genau jenes, das eines Tages eine ganze Halle füllen sollte. Zumindest diese Version, die 'kompaktere' dagegen stand auf einem anderen Blatt Papier. Die grobe Zeichnung, die angab, wo welche Maschine positioniert war, bereitete Nick einiges an Kopfzerbrechen. Es galt noch so vieles zu optimieren.
      Zwar plante der zerzauste, junge Mann nicht im Entferntesten, sein Versprechen an Henry einzuhalten, welches besagte, einen Prototyp möglichst bald fertig zu stellen. Aber da er inzwischen eine gewisse Hassliebe für dieses Mammutprojekt entwickelt hatte, ließ es ihn auch in seiner spärlichen Freizeit nicht los.

      Nick lehnte sich in seinem Sessel zurück und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Dabei ließ er in seinem Hawaiihemd den Blick aus der vor ihm liegenden Fensterfront schweifen, sah vor sich andere Bürogebäude.
      Wenn er ehrlich zu sich selbst war, gefiel ihm dieser Job sogar ein wenig. Gut, Henry war ein überambitionierter Idiot, aber der Gedanke an ein völlig neues TCG mit einzigartiger Technologie machte selbst ihn von Zeit zu Zeit ein wenig hibbelig. Es schmerzte regelrecht, dass er dieses Projekt eines Tages eigenhändig zerstören musste.
      Und das nur wegen Aiden. Und Monochrome.
      Der Blick des jungen Mannes verfinsterte sich. Er hatte es versucht. Versucht, Aiden diesen Quatsch auszureden, aber der hielt an seinem Plan fest. Sobald sich Monochrome über das neue TCG verbreitet hatte, würde alles besser werden, betete der ihm immer wieder vor. Aber Nick wusste es besser. Kein Computerprogramm dieser Welt konnte die Herzen der Menschen kontrollieren …

      Seufzend widmete sich Nick wieder dem Bildschirm, als ihm etwas auffiel. Eines seiner Programme blinkte in der Taskleiste auf. Als er es öffnete, bot sich ihm nur ein schwarzer Bildschirm mit dutzenden Textzeilen mit scheinbar willkürlichem Inhalt. Aber Nick wusste diese zu lesen und öffnete ungläubig den Mund.
      Sie hatte sich verraten! Diese kleine, dreckige Diebin hatte vor wenigen Minuten ihre Kreditkarte benutzt.
      Sofort machte Nick sich ans Werk. In wahnsinnigem Tempo tippte er auf der Tastatur herum, gab Befehle ein. Jetzt wusste er, wo sie sich gerade befand! Also musste er sich nur noch ihr Smartphone hacken, um dafür zu sorgen, dass dies auch so blieb. Aber dafür musste er erst einen Zugang finden und viel Zeit blieb ihm hierfür nicht.
      Sein Herz schlug schneller und schneller. War dieses Miststück noch im Besitz von Anyas Karten? Er hoffte es für sie, denn er wollte nicht in ihrer Haut stecken, wenn dem nicht so war. Nicht zuletzt, weil nicht Anya die Erste sein würde, die sie dafür entsprechend bestrafte …
      Da er die Meldung rechtzeitig bemerkt hatte, überraschte es Nick nicht im Geringsten, dass sein Vorhaben mit Erfolg gekrönt wurde. Kaum hatte er die letzte Taste gedrückt, öffnete sich ein neues Fenster mit einer Landkarte, auf der die diebische Elster mit einem Fadenkreuz markiert war.
      „Jetzt gehörst du mir“, murmelte er bitterböse.
      Nebenbei öffnete er seinen Webbrowser und googlete ihren derzeitigen Aufenthaltsort, Garland.

      Eine texanische Stadt, von der er noch nie gehört hatte. Livington befand sich im Südosten der USA, genauer gesagt Mississippi. Ephemeria City dagegen weit im Westen, Oregon. Demnach war sein Weg dorthin kürzer, als wenn jemand aus Anyas Gruppe die Verfolgung aufnahm.
      Sofort ratterte es in Nicks Kopf. Wie lange würde er brauchen, um dorthin zu gelangen? Mindestens einen Tag. Dann musste er noch einrechnen, dass Miss Langfinger die Stadt verlassen könnte …

      Weiter kam Nick in seinen Gedanken nicht, als es an der Tür klopfte und Aiden hereintrat.
      „Jetzt nicht“, lautete die Begrüßung seines Mitarbeiters.
      „Ich wollte mich nur erkundigen, ob du mich heute zum Essen begleiten möchtest?“, fragte sein brünetter Boss höflich. Der Mann im grauen Anzug wartete auf eine Antwort.
      Aber Nick weitete die Augen, als ihm einfiel, dass er bereits verabredet und darüber hinaus auch noch zu spät war. Schnell schloss er alle Programme und sprang auf, dem seitwärts von ihm wartenden Aiden regelrecht entgegen.
      „Ist das ein Ja?“, fragte der mit einem Schimmer Hoffnung in der Stimme überrascht.
      Als Nick direkt vor ihm stand, blinzelte er Aiden verständnislos an. „Wie lange arbeite ich jetzt hier?“
      „Die Frage war auch eher rhetorischer Natur“, entgegnete ihm jener, ohne Platz zu machen. „Ich wollte nur mal schauen wie es so läuft.“
      „Wie gesagt, keine Zeit. Ich habe einen Termin.“
      „Mit wem? Du hast nichts in deinen Kalender eingetragen.“
      Nick schnalzte mit der Zunge. „Trägst du denn ein, wann du deine PA bumst?“
      Ein verschmitztes Lächeln kam daraufhin als Reaktion, doch entgegen Nicks unausgesprochener Forderung, verharrte Aiden auf der Stelle.
      „Was?“, raunte der Größere verärgert. „Immer noch beleidigt, weil mein Bauer deinen geschlagen hat? Ich hab's eilig, also geh aus dem Weg, sonst schlägt gleich noch ein Bauer um sich!“
      Als Aiden von seinem ehemaligen Verlobten regelrecht zur Seite gedrängt wurde, hob er noch den Zeigefinger und lobte diesen: „Gutes Wortspiel. Und nein, ganz und gar nicht. Es freut mich für Anya, wirklich.“
      „Keine Zeit für deine Lügen“, lautete Nicks knappe Verabschiedung, wie er durch den Korridor hastete und den CEO von Micron Electronics hinter sich zurückließ.

      ~-~-~

      Wenig später betrat ein schweißnasser, keuchender Nick den Italiener zwei Straßen weiter. Obwohl es noch nicht einmal 13 Uhr war, wirkte es hier durch die schweren, roten Vorhänge an den Fenstern und der schwächlichen Beleuchtung so, als wäre der Abend längst angebrochen.
      Dem herannahenden Kellner sagte Nick: „Ich habe auf den Namen Harper reserviert.“
      „Bitte der Herr, dort drüben“, erwiderte dieser freundlich und zeigte mit der ausgestreckten Hand zu einem Platz am Fenster.
      Nick zog am Tresen aus dunklem Eichenholz vorbei. Die Tische waren im selben Stil gehalten. Eine Reihe aus fünf Stück zog sich an den Fenstern vorbei, Nicks Ziel war der vorletzte. Und wie er es befürchtet hatte, saßen seine zwei Gäste bereits dort, ihm den Rücken zugewandt.
      Als er den Tisch erreicht hatte und den Stuhl zurückzog, entschuldigte er sich zunächst. „Tut mir leid, ich wurde im Büro aufgehalten.“
      „Kindchen, hat deine Mutter dir nie beigebracht, dass man eine Dame nicht warten lässt?“
      „Ich sehe keine, also wo ist das Problem?“, ließ Nick provokativ eine Gegenfrage und sich selbst auf den Stuhl fallen.
      Er blickte geradewegs in die grünen Augen Nina Placatellis, Livingtons Klatschkolumnistin #1, die immer wieder durch ihre verrückten Artikel zum Übernatürlichen auffiel und ihm letztes Jahr die Begegnung mit Drazen ermöglicht hatte.
      Die gereifte Frau hatte sich kein bisschen verändert. Ihr Haar war immer noch lang, gelockt und vor allem feuerrot, genauso wie ihr Lippenstift und die dicke Hornbrille auf ihrer Nase. Sie trug ein schwarzes Kostüm, passend zu ihrer Seele, zumindest wenn es nach Nick ging. Selbst ihre riesige, giftgrüne Riesenhandtasche hatte sie dabei.
      Nina schürzte die Lippen. „Ich sehe, du bist noch genauso frech wie letztes Mal.“
      „Ich mag den Kerl“, gluckste der Mann neben Nina.
      „Hallo. Sie sind dann wohl Brody?“, wurde der sogleich freundlich gefragt.
      Jener bestätigte dies mit einem Nicken. Brody Jenkins war ungefähr im selben Alter wie Nina, trug einen bereits leicht grau werdenden Schnäuzer und Kinnbart sowie ein braunes Barett auf dem rothaarigen Kopf. Seines Zeichens war er Ninas Cousin. Und Autor von 'Thirty Legends – The Whole Truth', dem Buch, das Nick erst auf Drazens Spur – und nun auch die der Undying – gebracht hatte.

      „Damit eins klar ist“, schnarrte Nina, vor der bereits ein halb geleertes Rotweinglas stand, „wenn du unsere Hilfe willst, dann nur, wenn ich daraus eine Story machen darf.“
      Zu ihrer sichtbaren Überraschung nickte Nick. „Geht klar. Sie können schreiben, was immer Ihr pechschwarzes Herz begehrt. Solange keine Namen fallen.“
      Wer Nina kannte, wusste, dass sie sich nur selten an den Tatsachen und vielmehr an ihrer eigenen Fantasie orientierte, wenn es um ihre Artikel ging.
      „Sehr schön“, schnurrte das Reptil, wie Nick sie insgeheim titulierte, versöhnlich und beugte sich vor. „Dann schieß' mal los. Was bringt dich dazu, meinen lieben Cousin Brody den ganzen Weg hierher zu beordern? Geht es um das Schicksal der Welt? Ich will alle Details.“
      In diesem Moment trat jedoch ein Kellner an den Tisch heran, sodass die Drei zunächst ihre Bestellungen aufgaben, ehe sie sich wieder dem geschäftlichen Teil zuwendeten.

      Nick war innerlich unruhig wie selten zuvor. Jetzt war ihm die diebische Elster endlich ins Netz gegangen. Nur ein wenig mehr und er würde sie zwischen seinen Fingern zerquetschen wie eine reife Tomate und Gott, nach allem, was Nick wegen dieser Hexe durchgemacht hatte, sehnte er sich geradezu danach, auch mal Anyas Form der 'Stressbewältigung' auszuprobieren!
      Aber dieses Treffen war wichtig, er hätte es unmöglich absagen können. Er musste mehr herausfinden über das, was die Undying so verzweifelt versuchten zu wahren. Und der einzige Mensch, der etwas darüber wissen könnte, war dieser Brody, der einst Drazen interviewt und seine Geschichte in besagtes Buch aufgenommen hatte.

      „Also?“, horchte Nina gespannt auf, kaum war der Kellner verschwunden. „Erzähl endlich! Mit was nehmen wir es diesmal auf?“
      „Wir nehmen es mit gar nichts auf“, wies Nick sie sogleich unterkühlt zurecht. „Es geht nur darum, Informationen zu sammeln.“
      Brody warf ein: „Und ich kann dabei helfen?“
      „Ja. Lassen sie mich Ihnen eine Frage stellen. Wie viele Geschichten aus 'Thirty Legends' sind wahr?“, fragte Nick frei heraus. Dabei nahm er den Mann, der ihm schräg gegenüber saß, scharf ins Visier.
      Trocken entgegnete der: „Eine.“
      „Und wie viel davon haben Sie nicht niedergeschrieben?“
      „Ein paar kleinere Details, aber nichts Wichtiges.“
      Nick kniff die Augen fest zusammen. „Für mich kann jedes kleine Detail entscheidend sein. Fangen wir bei Eden an. Was genau ist das?“
      Auch Nina drehte sich gespannt zu ihrem Cousin um. Dabei griff sie nebenbei nach der Tasche, die an ihrer Stuhllehne hing und wühlte kurz darin herum, bis sie einen kleinen Notizblock samt Stift fand. Dabei murmelte sie: „Jetzt geht’s los.“
      Brody aber zögerte und sah aus dem Fenster auf die Straße. Nicks Augen folgten dem ausweichenden Blick. „Ich zahle Ihnen eine Menge Geld dafür, dass Sie heute hier sind. Lassen Sie mich das nicht bereuen.“
      „Drazen hat sie als eine künstlich erschaffene Welt beschrieben, die niemand ohne Weiteres betreten kann.“ Brody sah Nick dabei nicht an. „Eine Zuflucht für Menschen, aber auch für andere Wesen. Verfolgte. Ich glaube, er nannte sie Immaterielle.“
      „Wer hat sie erschaffen?“ Natürlich wusste Nick das längst, schließlich stand das alles in dem Buch geschrieben. Aber er wollte es aus Brodys Mund hören.
      Jener haderte wieder einen Moment, bevor er sagte: „Die Undying. Aber fragen Sie mich nicht, was es mit denen auf sich hat. Darüber wollte Drazen nicht reden. Oder eher … er konnte nicht, durfte nicht.“

      Inzwischen wurde Nick sein bestelltes Wasser gebracht, was er aber nicht weiter beachtete, nachdem es neben ihm abgestellt wurde.
      „War das Ihr Eindruck oder hat er das wortwörtlich so gesagt?“, lautete seine nächste Frage.
      Nina indes notierte sich Einzelheiten des Gesprächs aufgeregt und legte eifrig ihre Zunge an die Oberlippe.
      „Mein Eindruck.“ Brody starrte geradezu fest entschlossen aus dem Fenster, als wolle er Nick nie wieder ansehen. „Noch etwas, das Sie wissen wollen?“
      Nick, der schon damit gerechnet hatte, nicht viel aus dem Mann herauszubekommen, lachte plötzlich leise. „Sicherlich, aber ich denke, das würde, bezogen auf Ihr Buch, zu nichts führen. Stattdessen beantworten Sie mir doch Folgendes: Wie kommt jemand wie Sie dazu, einen Mann wie Drazen zu interviewen?“
      „Zufall. Er wollte sich jemandem mitteilen und ist dabei zufällig auf meine Annonce gestoßen.“
      „Wohl kaum.“ Nick lehnte sich zurück, verschränkte genau wie in seinem Büro die Hände hinter dem Kopf. „Zu der Zeit hatten Sie die Arbeiten an dem Buch bereits aufgenommen, ergo waren Sie auf der Suche nach Quellen.“
      Brody gluckste. „Habe ich das abgestritten?“
      „Nein. Aber Sie reden auch nicht gerne darüber, habe ich Recht?“ Nick war nicht danach, erst um den heißen Brei herumzutanzen. Demnach schoss er bewusst ins Blaue, als er sagte: „Fast so, als hätten Sie Angst. Vor was?“
      „Sie sehen Gespenster“, tat Brody die Frage gelangweilt ab.
      Nick ließ die Arme sinken. „Ich habe schon wesentlich Schlimmeres als Gespenster gesehen.“
      Dabei wanderte sein Augenmerk unwillkürlich auf Nina, die aber zu abgelenkt mit ihren Kritzeleien war, um den versteckten Seitenhieb zu bemerken.
      „Glauben Sie mir“, hauchte Nick anschließend leise und beugte sich vor. „Wenn es um dieses 'Gewerbe' geht, ist immer Angst im Spiel. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, Brody. Ihren Lebenslauf überprüft. Ich habe sogar Zugriff auf Ihre alten Manuskripte.“
      In diesem Moment wirbelte der Rothaarige erschrocken herum, brachte aber keinen Ton heraus.
      „Ich weiß im Grunde genau, wovor Sie Angst haben“, log Nick, denn hundertprozentig sicher war er sich dessen nicht, „davor, ihr Schweigen zu brechen. Ein erzwungenes Schweigen.“
      Der Mann schluckte schwer.
      „Sie sind kein Dämonenjäger, Brody“, redete Nick weiter auf ihn ein, „niemand, der sich wehren kann. Aber Sie kennen Wahrheiten, die nicht an die Öffentlichkeit dringen dürfen, weil sie die Welt ins Chaos stürzen könnten. Sie hatten Beweise.“
      Je mehr er sprach, desto eindringlicher wurde er dabei. „Wen haben Ihre Nachforschungen auf den Plan gerufen? Wer hat Ihnen den Maulkorb verpasst, der dazu geführt hat, dass nie eines dieser Manuskripte veröffentlicht wurde?“

      Aber Brody Jenkins starrte ihn nur ausdruckslos an. Und dann geschah etwas Unerwartetes. Er schnappte sich Ninas Stift und Zettel aus deren Hand, riss ihre beschriebene Seite ab, nur um die nächste mit einem einzigen Wort zu füllen.
      „H-hey!“
      Als er den Block zu Nick schob, war dieser im Begriff, von diesem vorzulesen. Doch ein Tritt gegen sein Schienbein hinderte ihn daran und als er aufsah, hielt Brody den Zeigefinger auf den Lippen und schüttelte den Kopf.
      „Sprechen Sie nie diesen Namen aus, oder er wird sie für immer verfolgen.“
      Also las Nick ihn still ab: 'Xiphos'. Er blickte auf und fragte: „Wer ist das?“
      „Einer der fünf mächtigsten Dämonen auf diesem Planeten. Er sorgt dafür, dass das Übernatürliche im Dunkeln bleibt.“ Brody atmete schwer. „Und er war damals sehr überzeugend.“
      Nick schloss die Augen. „Wo finde ich ihn?“
      „W-was?“ Sein Gegenüber wartete einen Moment, als ob er sich verhört haben könnte.
      So stieß ihm Nina kichernd mit dem Ellbogen in die Seite. „Schätzchen, jetzt mach dir nicht gleich in die Hose. So schlimm kann dieser Xiphos doch nicht sein. Wir sind Schlimmeres gewöhnt, nicht wahr, Nick-Darling?“

      Mit Sicherheit, erwiderte der im Gedanken spöttisch. Ob sie sich noch daran erinnerte, wie sie als Harpyie Livington letzten November unsicher gemacht hat? Wohl kaum. Andererseits war Nina die Art Mensch, die wohl noch während ihres letzten Herzschlags den Ernst der Lage nicht begriff.

      Gerade seufzte er, da sprang Brody leichenblass auf. Mit geweiteten Augen sah er seine Cousine an, die immer breiter grinste. „Jetzt wird’s melodramatisch!“
      „Was hast du getan!?“
      „Beruhigen Sie sich“, gebot ihm Nick.
      „Sie hat seinen Namen genannt! Wissen Sie, was das bedeutet!?“, geschah jedoch genau das Gegenteil. Mit ausgestrecktem Finger zeigte Brody auf die rothaarige Frau.
      Der zerzauste junge Mann ließ die Schultern zucken. „Nein, aber wenn es Sie tröstet: Es ist kein Verlust für die Welt, wenn Nina diesen Namen nennt. Und jetzt sagen Sie mir, wo ich dieses Wesen finden kann.“

      Xiphos hatte Nicks Interesse geweckt. Ein Dämon, der in etwa auf einer Stufe mit dem Sammler stand? Nach so etwas hatte er schon seit einer Weile nebenbei gesucht, aber selbst für jemanden wie ihn war es bisher ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, tatsächlich ein Wesen dieser Art ausfindig zu machen. Es gab eben Dinge, die fand man selbst in den Tiefen des Netzes nicht.
      Und seine einzigen anderen Quellen waren Abby, die in solchen Dingen auch wenig Ahnung hatte und die Dämonenjäger, die er ganz bestimmt nicht in alles einweihen wollte. Selbst Zanthe kam nicht infrage, denn auch ihm traute Nick nicht.
      Daher war es ein Geschenk Gottes, dass Brody ihn in diesem Augenblick auf so eine aussichtsreiche Spur gebracht hatte. Er musste ihr folgen, unbedingt. Wenn er den 'wahren Feind', den Collector, besiegen wollte, brauchte er einen Verbündeten! Selbst wenn das hieß, die Diebin erstmal ziehen zu lassen!

      „Sie sind doch völlig durchgedreht!“, schrie Brody, sodass sich die Leute spätestens jetzt nach ihm umdrehten. Er ließ seine Hand um die Schläfe kreisen. „Völlig plemplem! Nie im Leben sag ich Ihnen, wo er sich versteckt! Es ist zu Ihrem eigenen Besten, glauben Sie mir!“
      „Also wissen Sie es.“
      „N-nein!“
      Nick öffnete seine Augen und funkelte den Mann gefährlich drohend an. „Brody. Ich weiß um Ihre finanzielle Lage Bescheid. Als Autor haben Sie versagt und daran ist Ihr 'Freund' sicher nicht unschuldig. Wie lange haben Sie Ihre Miete schon nicht mehr bezahlt?“
      Brody öffnete mit entrüstetem Blick den Mund, aber Nick fuhr ihm scharf über diesen. „Ich biete Ihnen einen Ausweg, Brody. Und alles, was ich dafür will, ist eine Adresse.“
      „Oh-oh!“, hyperventilierte derweil Nina förmlich beim Bekritzeln ihres zurückerlangten Notizblocks. „Der große Moment! Wie wird er sich entscheiden? Geld für eine unmoralische Antwort oder seinen ziemlich wertlosen Stolz!?“
      Wie ihr Cousin so auf Nick herab sah, schluckte er. Dann ließ er sich wieder in seinen Stuhl fallen und atmete tief durch. „Er lebt in einer ganz normalen Wohnung. Warten Sie, ich schreib Ihnen die Adresse auf.“
      Prompt war Nina ihren Block wieder los. Nick staunte. Selbst den Wohnort nannte Brody nicht beim Namen? Hatte er solche Angst vor Xiphos?
      „Sie sollten da dennoch nicht hinfahren“, rief ihm Brody während des Schreibens. „Sie sind nur ein Mensch. Sein Spielball. Tun Sie das nicht, Nick.“
      „Ich habe keine Wahl“, entgegnete er wahrheitsgemäß.

      Sein Gegenüber riss den Zettel ab und reichte ihn herüber, doch als Nick danach griff, zog Brody die Adresse wieder weg. „Was haben Sie vor, wenn Sie ihn gefunden haben?“
      Nick wich seinem Blick plötzlich aus, indem er sich auf den Kellner konzentrierte, der gerade Ninas Pizza und Brodys Spaghetti Carbonara servieren wollte.
      „Das kann ich Ihnen leider nicht sagen. Aber es ist von derartiger Wichtigkeit, dass ich bereit bin, mein Leben aufs Spiel zu setzen, wenn nötig.“
      Als er das hörte, schob Brody die Adresse letztlich herüber. „Sie sind ein mutiger Mann, Nick.“
      Ich bin verzweifelt, korrigierte dieser ihn ernst in Gedanken.

      Damit erhob er sich. „Nun, ich muss los.“
      „Aber wir haben doch noch gar nicht gegessen“, klagte Nina sofort und ließ Gabel und Messer sinken.
      Allerdings wurde ihr Kommentar ungerührt abgewunken. „Das war Singular, Nina.“
      Jene sprang ebenso auf. Und plötzlich gewann ihre Stimme einen drohenden Unterton, der selbst Nick ein wenig imponierte. „Nie im Leben lass ich dich kleinen Scheißer alleine ziehen, wenn so etwas Großes wartet! Also denk nicht mal dran, ohne mich loszufahren!“
      Ihren rot lackierten Zeigefinger unter der Nase sehend, rollte Nick mit den Augen. Wenn er sie mitnahm, würde sie ihn nur in Schwierigkeiten bringen. Genau wie damals, als sie sich Drazen in einem Duell gestellt hatten.
      „Das geht nicht, Nina.“
      „Oh doch!“, krächzte die, wobei Brody bereits nervös zwischen beiden hin und her blickte. „Du könntest mir eine Milliarde schenken und ich würde trotzdem nicht davon ablassen.“
      Gerade wollte er widersprechen, da fasste sie sich mit beiden Händen auf die Brust. Diesmal flehend, sah sie ihn eindringlicher denn je an: „Versteh' doch! Dafür lebe ich!“
      Dem hochgewachsenen Brünetten ging jedoch etwas anderes in diesem Moment durch den Kopf. Geschenke? Vielleicht wäre es nicht schlecht, im Antlitz von Xiphos etwas anzubieten zu haben. Nur für den Fall.
      Nina ahnte in diesem Moment nicht, dass der plötzlich interessierte Blick ihres Gegenüber in keinster Form ihren eigenen Bedürfnissen zugrunde lag.
      „Also schön“, gestand Nick ihr zu, sodass sie glatt einen Freudenschrei ausstieß. Damit wandte er sich an Brody. „Ich kann es kaum erwarten, zu sehen, wie viel an ihrer Geschichte dran ist.“
      „Beten Sie lieber, es nicht herauszufinden“, erwiderte dieser eisig.
      „Ich bete nie, Brody“, lauteten Nicks letzte Worte, bevor sie sich verabschiedeten.

      ~-~-~

      Der Jubel war in Anyas Ohren geradezu unerträglich. Als wäre es nicht schon genug, dass sie vom gestrigen Abend immer noch Kopfschmerzen hatte. Logan, dieser Volltrottel! Es war allein seine Schuld, dass sie bis um 3 Uhr nachts in der Bar abgehangen hatten, nur um dann von tollwütigen Paparazzi vertrieben zu werden.
      Obwohl die Leute um sie herum schrien und pfiffen und Anya am liebsten jeden einzelnen von ihnen vermöbeln wollte, musste sie insgeheim grinsen. Der Zwerg hatte mächtig für Stimmung mit seinen wilden Geschichten gesorgt, so viel stand fest.
      Wie sie Marc neben sich betrachtete, der genauso müde neben ihr saß, gluckste sie. Und wenn der Schwarzhaarige mit dem Kinnbart schon seine dunklen Augenringe für alle sichtbar heraushängen ließ, wie ging es dann erst Redfield da unten?

      Oh wie sie sich wünschte, die dumme Nuss verlieren zu sehen.
      Allein ihre schlaffe, von Übermüdung zeugende Haltung. Die konnte sich doch bestimmt kaum konzentrieren, dachte Anya mit Blick auf den Duellring.
      Dort stand ihre Erzrivalin, heute ein marineblaues, knielanges Kleid ausführend, das an den Trägern mit hässlichen Rüschen ausgestattet war, und legte gerade ein Monster auf ihre dazu farbig passende Duel Disk.
      „Ritualbeschwörung!“, rief sie träge. „Kristallkaskaden … [Evigishki Soul Ogre].“
      Überall um sie herum schossen Wassersäulen aus dem Boden, bis aus jener direkt vor ihr eine dunkle Silhouette trat. Die riesige, auf zwei Beinen stehende Amphibie positionierte sich vor dem Mädchen.
      „Und das ist dann wohl ihr Assmonster!“, rief Mr. C von seiner speziellen Lounge im oberen Teil des kreisrunden Stadions aufregt.

      „Gib alles, Valval!“, grölte Marc und sprang auf, wobei er die Faust in die Luft streckte.
      Anya dröhnten davon glatt die Ohren. Sie waren alleine hier. Der Flohpelz wollte lieber in der Stadt unterwegs sein und Logan kurierte seinen Kater aus. Anya rümpfte die Nase. Sie vermutete nämlich, dass Zanthe heimlich einen Lover traf, so selten wie er sich in letzter Zeit blicken ließ. Ob das der war, den er mit seinem Rückruf warten lassen wollte? Blöder Kackmist, warum schwieg sich diese dumme Töhle nur so aus, wenn es um ihr Privatleben ging!? Sie wollte es wissen, verdammt! Wenigstens würde Summers sehr bald zurück sein, immerhin etwas.

      Bevor Anya sich weiter ereifern konnte, drang plötzlich ein penetranter Klingelton an ihr Ohr. Marc fasste überrascht in seine Hosentasche und holte ein weißes Smartphone hervor. Sich auf seinen Platz fallen lassend, legte er das Gerät an sein Ohr: „Hallo?“
      Einen kurzen Moment später staunte er: „Woher hast du meine Nummer? … okay?“
      Dann reichte er Anya irritiert das Telefon. „Ist für dich.“
      Die Stirn runzelnd, riss sie es ihm aus der Hand und schnarrte: „Wer ist da? Ich kaufe nichts von Pennern, auch nicht übers Telefon.“
      Als sie jedoch Nicks Stimme vernahm, machte sie große Augen. „Dir auch einen schönen, guten Tag. Und herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg. Alles okay bei dir?“
      „D-danke. Und ja. Wieso willst du das wissen?“
      „Nur so. Hör mal, Anya.“ Jedoch war genau das das Problem. Sie verstand ihn nur sehr schlecht, da er so leise war und irgendein Rauschen ihn zu übertönen drohte. „… gefunden.“
      „Huh? Was hast du gefunden?“, ranzte sie ihn an.
      Es half auch nichts, dass in diesem Moment das Publikum förmlich ausflippte, weil Redfield dort unten irgendeine tolle Kombo hinlegte. Und Anya damit indirekt einen Hörsturz bescherte.
      „Dein …“
      „Was?“
      „Dein Deck!“, schrie Nick scheinbar schon, aber diesmal verstand sie ihn wenigstens.
      Und sie glaubte, ihr Herzschlag setzte einen Moment aus.
      „Sofern unsere diebische Elster es noch hat. Bin schon dran, sie zu verfolgen, aber es dauert noch eine Weile, bis ich sie erreiche. Muss noch einen Umweg machen.“

      Anya wusste gar nicht, was sie sagen sollte. In den letzten Tagen hatte sie schon fast die Hoffnung aufgegeben und sich mit dem Gedanken abgefunden, ihre Karten vielleicht nie wieder zu sehen, besonders nachdem sie Zach auch ohne jene besiegt hatte. Auch wenn ihr immer klar gewesen war, was dies für sie bedeutete: Ohne Angel Wing und Heavy T würde sie …

      „Ich melde mich, wenn ich … und mehr sagen kann“, verstand sie ihn plötzlich wieder nur abgehackt.
      Leicht durcheinander stammelte sie zurück: „D-das ist … genial. Wehe, du vergeigst es! Du darfst sie nicht entkommen lassen!“
      „Werd' ich nicht“, versprach Nick.
      „Und wenn sie es nicht mehr hat, dann …“
      Ihr Freund vollendete den Satz: „Sorge ich dafür, dass du sie in die Finger bekommst. Gott stehe ihr bei, wenn das passiert.“
      „Sollte es dazu kommen, will ich die Exklusivrechte an der Story!“, krähte da plötzlich eine weibliche Stimme, die Anya unangenehm bekannt vorkam.
      Ehe sie aber nachhaken konnte, sagte Nick: „Ich muss jetzt Schluss machen. Wir hören voneinander. Bye.“
      „C-ciao“, nuschelte sie perplex. Da hatte er aber schon aufgelegt.
      Geistesabwesend reichte sie Marc sein Smartphone, welches jener gähnend entgegen nahm. „Gute Nachrichten?“
      „Wird sich noch zeigen“, murrte Anya und runzelte ärgerlich die Stirn, verschränkte die Arme und ließ sich in den Sitz fallen. „Für diese Sumpfkuh, die mein Deck gestohlen hat, jedenfalls nicht!“
      Sie bekam gar nicht mehr mit, dass Valerie gerade erfolgreich den finalen Angriff ausgeführt und damit ihr Achtelfinalspiel gewonnen hatte. Die Zuschauer tobten. Bis auf einer, der zwei Reihen hinter den beiden saß und der sein Gesicht mit einer tief über die Stirn gezogenen, schwarzen Mütze sowie einer Sonnenbrille verbarg. Nur die dunklen Haare, die ihm ausschließlich über dem Nacken hingen, mochten ein Indiz auf seine Identität sein …

      ~-~-~

      „Wie weit ist es noch?“, quengelte Nina auf dem Beifahrersitz.
      Der weiße Neon Chrysler fegte geradezu über die Interstate. Nick spielte mit dem Gedanken, sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten. Das Risiko, von etwaigen Cops angehalten zu werden, war ihm aber zu groß, weshalb er das Tempo letztlich drosselte. Selbst er würde nicht so ohne Weiteres aus einer Zelle ausbrechen können, wenn er ungehemmt Beamte provozierte.

      Er warf einen Blick auf die Freisprechanlage, die sich unterhalb des stumm geschalteten Radios befand. Also ging es Anya gut. Leider war es ihm nach ihrem Achtelfinalspiel nicht gelungen, sie zu erreichen, weil sie das Telefon auf ihrem Zimmer ausgestöpselt hatte. So war sie eben, wenn sie nicht gestört werden wollte. Dabei war er ziemlich in Sorge um sie gewesen, da sie bei der Siegesverkündung blass und zerbrechlich gewirkt hatte. Was man ihr nach dem, was sein widerlicher Halbbruder gesagt hatte, auch nicht verdenken konnte. Allerdings kannte er seine Schwester gut genug um zu wissen, dass sie dieser Ratte kein Wort glauben würde. Und da er ebenso gut wusste, dass Mrs. Bauer das Geheimnis seiner Existenz nie lüften würde, wog er sich im Moment noch in Sicherheit. Doch insgeheim fragte er sich, wie lange diese 'eine Wahrheit' an Anya noch vorbeigehen würde? Es war unausweichlich, dass er früher oder später einen Plan zurechtlegen musste, wie er ihr begegnete, wenn sie erst wusste, dass in ihren Venen dasselbe Blut floss.

      „Ich warte immer noch auf eine Antwort“, zischte Nina neben ihm und drang auf diese Weise ungebeten in seinen Wahrnehmungsbereich vor.
      Nick brummte: „Vielleicht zwei, drei Stunden.“
      „So viel!? In der Zeit könnte ich locker ein halbes Dutzend Artikel schreiben!“
      „Sie wissen, wo die Tür ist. Und wenn Sie nett fragen, halte ich sogar an“, entgegnete Nick trocken.
      Beleidigt verschränkte Nina die Arme. „Oh Brody, wenn das hier eine Niete ist, bring ich dich um.“

      Der Großteil ihrer Fahrt beschränkte sich auf die Interstate. Als Nick die von Ninas Cousin angegebene Stadt schließlich erreichte und die Abfahrt nahm, beschlich ihn schon ein ungutes Gefühl. Würde er hier finden, was er suchte? Einen Verbündeten? Oder einen Feind? Oder am Ende gar nichts? Was konnte er tun, um Xiphos davon zu überzeugen, mit ihm gegen den Sammler zu agieren?
      Ihm gefiel es nicht, daran zu denken. Viel konnte er im Gegenzug nicht anbieten. Bestenfalls das, was da auf dem Nebensitz seit Stunden nichts anderes tat als Textnachrichten zu verfassen.
      Nick sah aus dem Augenwinkel zu Nina, die zu seiner eigenen Überraschung eher zurückhaltend geblieben war und nur hin und wieder ein Wort mit ihm wechselte. Entweder hatte sie begriffen, wer hier die Ansagen machte, oder so etwas wie Zurückhaltung gelernt.
      Der junge Mann fühlte sich schlecht. Dass Nina unbedingt mitkommen wollte kam ihm letztlich doch sehr gelegen. Denn so stand er nicht ganz mit leeren Händen da. Auch wenn er hoffte, sie nicht für seine eigenen Ambitionen opfern zu müssen. Aber er würde es tun, käme es darauf an.
      Hatte sich seine Schwester auch so gefühlt, als sie ihre Freunde damals dem Turm von Neo Babylon und dem Tor Eden überließ? Nein, sagte sich Nick. Denn, anders als Valerie und der Rest, war Nina nicht seine Freundin. Sie war … entbehrlich.

      Während er so darüber nachdachte, fuhr er durch ein Industriegebiet und erreichte schließlich das Wohnviertel. Es wirkte heruntergekommen. Überall waren Wände mit Graffiti besprüht. Nirgendwo Menschen auf den Straßen. Der Putz der Reihenbauten war teilweise abgesprungen.
      Und irgendwo in der Nähe versteckte sich vermutlich einer der mächtigsten Dämonen dieses Planeten.

      Erst nach mehrmaligem Umkreisen der Wohnblöcke fand Nick schließlich in die richtige Straße. Er hielt den Wagen im Anschluss vor einem fünfzehnstöckigen Wohnhaus, das genauso wenig einladend wirkte wie der Ort an sich.
      Zusammen mit Nina stieg er aus und betrachtete das Gebäude, welches in einem fließenden Übergang direkt neben anderen Wohnhäusern eingepfercht war.
      „Hier soll es sein?“, fragte die Reporterin abfällig. „Pah! Allein beim Anblick bekomme ich schon eine Geschlechtskrankheit.“
      Nick ignorierte sie und schlenderte auf die Eingangstür zu. Er betätigte wahllos eine der dutzenden, daneben liegenden Klingeln, sodass die Tür unter einem Surren aufsprang.
      „Merkwürdig“, sinnierte er beim Eintreten. „Es wird nicht einmal gefragt, warum wir hier sind?“
      Er hatte bewusst nicht die Klingel desjenigen benutzt, der auf Brodys Zettel stand.
      „Nicht jeder ist so misstrauisch wie du“, merkte Nina spitz an. Ein Punkt für sie.

      Schon als Nick das Gebäude betrat, überkam ihn ein eisiger Schauder. Vor ihm erstreckte sich ein schwach beleuchteter Flur, zu seiner Rechten gab es ein ganzes Bataillon an Briefkästen, manche davon völlig überfüllt. Das Laminat unter seinen Füßen schmatzte unangenehm, schien es nicht richtig verlegt worden zu sein.
      „Also das ist überhaupt nicht aufregend“, beschwerte sich Nina und ließ die Tür hinter ihnen ins Schloss fallen. „Hat dieser Dämon kein Geld für etwas Besseres?“
      „Ich glaube, Geld spielt im Leben eines Dämonen eine eher untergeordnete Rolle“, erwiderte Nick schnippisch und ging weiter. Gleichstand.
      Er betrat das Treppenhaus, das ebenfalls nicht gerade einladend wirkte, da es schmutziger war als seine zehn Tage getragene Unterwäsche. Und das wollte etwas heißen.
      „Wir nehmen den Aufzug“, entschied Nina und deutete mit ihrem roten, lackierten Zeigefinger beziehungsweise der Kralle, die jenen vermutlich darstellen sollte, auf die Tür links neben sich.
      „Außer Betrieb“, las ihr Begleiter düster von einem kleinen Aufsteller ab, der neben der Tür stand und welchen Nina offenbar übersehen hatte. „Wir müssen wohl die Treppen nehmen.“
      Sofort klagte es hinter ihm entrüstet: „Das sind fünfzehn Stockwerke! Bis wir da oben angekommen sind, bin ich eine alte Frau!“
      „Was eine Verbesserung darstellt“, konterte Nick gehässig. Schon nahm er die erste Stufe.

      Hätte er geahnt, was das für Konsequenzen mit sich ziehen würde, hätte er Nina gleich unten gelassen. Während sie bis zum dritten Stockwerk nur leise vor sich hin meckerte, fluchte sie lauthals ab dort weiter. Sofern sie nicht damit beschäftigt war, lautstark Luft zu holen. Ab dem achten Stockwerk hatte sie dazu keine Kraft mehr, stattdessen hallte nun ihr rasselnder Atem durch das Gebäude, während sie immer weiter zurück fiel.
      Nick, der kurz davor war, seine Beherrschung zu verlieren, ließ sie einfach links liegen – im wahrsten Sinne des Wortes, siehe elftes Stockwerk – und schritt alleine weiter. Auch er hatte Schweißperlen an der Stirn kleben, aber anders als sie beklagte er sich jedoch nicht. Sein Ehrgeiz trieb ihn an. Dabei bemerkte er, dass es still war. Zu still. Müsste man nicht von wenigstens einer der Wohnungen, die sie passierten, irgendwelche Laute hören? Aber nichts. Als würde niemand hier leben.

      Als er schließlich an seinem Ziel angelangt war, weitete er die Augen. Keine Türen. Nur Wände. Irritiert umrundete er das Treppengeländer und sah nach oben, wo sich die Stufen um so einige Ebenen fortsetzten. Aber das war unmöglich! Mehr Stockwerke konnte es gar nicht geben, dies hier müsste das letzte sein.
      Dann wusste Xiphos bereits, dass er wegen ihm hier war. Unschlüssig, ob er seinen Weg fortsetzen sollte, blieb er vor der nächsten Stufe stehen.
      „Bin … gleich … da!“, hörte er Nina von weiter unten erschöpft röcheln.
      „Sparen Sie sich die Kraft. Hier ist nichts.“
      „W-was?“
      Nick seufzte ärgerlich. „Nur noch mehr Treppen. Er spielt mit uns.“
      „Oh-mein-Gott! Wenn das so weitergeht, bekomme ich noch einen Herzinfarkt.“
      Zwar zweifelte Nick nicht daran, dass es verwerflich war, an dieser Vorstellung Gefallen zu finden, doch das hielt ihn nicht davon ab, es auf einen Versuch ankommen lassen zu wollen. Auch wenn es sinnlos war, noch weiter zu gehen. Vermutlich würden sie nie am Ziel ankommen.

      „Lass die Spielchen“, rief er deshalb lautstark. Erstaunlicherweise gab es sogar ein Echo. „Wenn du uns empfangen willst, dann zeig dich. Unserer beider Zeit ist zu kostbar, um sie für Taschenspielertricks zu verschwenden.“
      Keine Reaktion. Nur Nina, die tatsächlich die letzten Stufen hoch kroch, so erschöpft war sie. Ihr rotes Haar klebte ihr im Gesicht, die Brille auf ihrer Nase war leicht verrutscht.
      „Herzchen“, schnaufte sie und rappelte sich mühselig auf, „denkst du wirklich, dass ein mächtiger Dämon wie er auf -dich- hören wird?“
      Die Treppe vor Nick begann zu flackern, ebenso die Wände hinter ihm. Zwar verschwand die Treppe nicht, änderte jedoch ihre Form und führte nun lediglich zu einer Tür, die ans Dach anzuschließen schien. Ebenso erschien plötzlich genau dort eine Tür an der kahlen Wand, wo zuvor keine gewesen war.
      Nina stand der Mund sperrangelweit offen.
      „Tue ich“, sagte Nick schnippisch und wandte sich der Wohnung zu. „Aber nur, weil ich weiß, dass er etwas von uns will.“
      „Und was soll das sein?“
      „Finden wir's heraus“, entgegnete Nick ihr entschlossen und drückte die Klingel neben der grünen Tür.

      Welche kurz darauf von alleine aufschwang. Und Nina ein schrilles Kreischen entlockte, auf welches beinahe noch eines von Nick folgte, als sie sich um ihn schlang.
      „I-ich bin Profi in solchen Angelegenheiten, aber das ist unheimlich!“, beteuerte sie, rückte ihre Brille zurecht und ließ ihn augenblicklich wieder los, weil sein finsterer Blick Bände sprach.
      Doch so düster der auch anmutete, war er nichts im Vergleich zur Dunkelheit, die im Flur herrschte. Nur vorsichtig wagten die beiden sich ins Innere der Wohnung vor. Das Erste, was Nick auffiel, war, dass nirgendwo Schuhe standen. Aber ein Dämon brauchte vermutlich auch keine.
      Zusammen zogen sie an dem Spiegel vorbei und landeten in einem kleinen Gang. Links war eine verschlossene Tür, die Nina sofort öffnete. Aber zu ihrer Enttäuschung fand sie nur ein kleines Badezimmer, das man auch nur Anhand der Silhouetten im Inneren als solches erkannte.
      Aber Nicks Augen hatten Licht erspäht, direkt geradeaus. Dort flackerte etwas. Und leise Geräusche drangen an sein Ohr. Schüsse. Und leise, rockige Musik. Er bedeutete Nina mit einem Nicken ihm zu folgen.

      Sie gingen den Gang weiter entlang, zogen an einer Küche und einem Schlafzimmer vorbei. Ihr Weg führte sie in das Wohnzimmer. Die Vorhänge waren allesamt zugezogen, was auch der Grund war, warum man in der Wohnung kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte.
      Schräg gegenüber gab es einen alten Röhrenfernseher auf einer Kommode. Er war es, der die Geräusche auf minimaler Lautstärke produzierte. Es flackerten Bilder von schießenden Soldaten in einer militärischen Einrichtung über den Bildschirm, am unteren Rand hielten zwei Arme ein Maschinengewehr in der Hand.
      Nina stieß Nick in die Seite. Er folgte ihrem Blick und richtete sein Augenmerk auf den Jungen, der vor der Flimmerkiste saß und den schwarzen Controller einer Videospielkonsole in der Hand hielt.
      „Da seid ihr ja endlich“, sagte er mit seltsam schiefer Stimme. Scheinbar war er im Stimmbruch. „Ihr habt mich ganz schön lange warten lassen.“
      „Und da wolltest du uns bis in alle Ewigkeit Treppen steigen lassen?“, fragte Nick frei heraus.
      Sein Blick schweifte durch das Zimmer, entdeckte aber bis auf einem Sofa, einem Sessel und einem Schrank links von ihm keine nennenswerten Einrichtungsgegenstände.
      „Das war zur Bestrafung.“ Der brünette Junge lachte. „Wie dumm von mir. Hätte ich das durchgezogen, hätte ich noch länger auf euch warten müssen. Also hab ich's gelassen.“
      Nick fragte misstrauisch: „Du hast uns erwartet?“
      „Nina hat meinen Namen gesagt. Also wusste ich, dass ihr kommt.“
      Also war das der Grund, warum Brody ihn nicht aussprechen wollte? Weil der Knirps offenbar ein übersinnliches Radar besaß, das ihn sofort alarmierte, wenn man über ihn sprach?
      „Es ist komplizierter, Nick. Aber im Wesentlichen hast du Recht.“

      Ihm gefror förmlich das Blut in den Adern. Nina blinzelte ihn bloß dämlich von der Seite an. „Wie kommt er jetzt darauf? Hast du etwas gesagt?“
      „Nein“, erwiderte der Zwei-Meter-Mann leise. „Aber gedacht.“
      Xiphos, der scheinbar gar keine Anstalten machen wollte, sein Spiel zu beenden, lachte wieder in kindlicher Unschuld. „Ha ha. Du hast Angst, aber das ist okay. Ich kann nichts dafür. Ich höre sie einfach. Eure Gedanken. Und nein, Nina. Du wirst nichts hiervon veröffentlichen.“
      Jene keuchte empört. „D-das werden wir ja sehen!“
      „Weißt du dann auch, warum ich hier bin?“, wollte Nick wissen. Auch wenn die Frage im Grunde genommen überflüssig war.
      Der spielende Junge lachte erneut. „Natürlich. Zu schade, dass ich dir nicht helfen werde.“
      Nick verschlug es einen Moment die Sprache. Der entschied darüber, ohne ihn überhaupt angehört zu haben? Wusste er so viel? Gab es nichts, das Nick ihm im Gegenzug bieten konnte?
      „So einfach ist das nicht“, erklärte Xiphos abwesend, „entgegen weitläufiger Meinung bin ich niemand, der für den eigenen Vorteil arbeitet. Mein Job ist es, die Dämonen vor der allgemeinen Bevölkerung verborgen zu halten. Damit kein Chaos ausbricht.“
      „Aber es gibt Menschen, die über die Existenz des Unerklärlichen Bescheid wissen.“
      „Nichts ist unerklärlich, Nick“, belehrte Xiphos ihn jedoch. „Mir geht es nicht darum, jeden einzelnen Menschen unwissend zu lassen, sondern die Allgemeinheit. Stell dir vor, was passiert, wenn die Existenz von Vampiren, Werwölfen, Sirenen und anderen Lebewesen ans Licht kommt.“
      Sie würden vermutlich verfolgt werden, lautete Nicks erster Gedanke, was als Gegenreaktion wahrscheinlich einen Krieg heraufbeschwören würde. Menschen gegen Dämonen …
      „Exakt. Und das zu verhindern ist meine Aufgabe. Dafür muss ich neutral bleiben. Du siehst also, Nick, ich kann dir nicht helfen. Und selbst wenn ich es könnte, würde ich es nicht.“
      Fest entschlossen, nicht so leicht das Handtuch zu werfen, fragte Nick: „Warum?“
      In diesem Moment verpasste Xiphos einem feindlichem Soldaten auf dem Fernseher per Scharfschützengewehr einen Kopfschuss. „Weil ich ein Freund des Sammlers bin.“

      Zum zweiten Mal an diesem Tag hatte Nick das Gefühl, ihm würde das Blut in den Adern gefrieren. Xiphos, ein Freund des Sammlers? Er hätte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Konnte so etwas zwischen diesen fünf großen Dämonen denn existieren? In seiner Vorstellung waren sie Konkurrenten, die die Kontrolle über die Unterwelt … und über die Menschen anstrebten.
      Darüber hinaus hieß das … dass er wieder in eine Falle des Sammlers getappt war …

      „Diese Freundschaft hat schon immer zwischen uns existiert, Nick“, sagte Xiphos. Plötzlich schaltete sich der Fernseher aus und es wurde mit einem Schlag stockdunkel im Wohnzimmer. „Vielen halten uns für das, was du aus uns machst. Aber wir sind keine Fürsten. Wir sind ja nicht einmal mehr zu fünft. Wir waren auch nie fünf. Das habt ihr euch zusammengereimt.“
      Nick bemerkte, wie sich Xiphos' Silhouette langsam erhob. „Aber das ist unerheblich. Es spielt keine Rolle. Wenn es diese Welt zusammenhält, dann lasse ich euch in dem Glauben.“
      „Und was der Sammler beabsichtigt, bringt das die Welt nicht in Gefahr!?“, platzte es da aus dem jungen Mann heraus. „Seine Taten haben die Undying geweckt!“
      Der Junge lachte wieder. „Die Undying sind nicht ganz unschuldig an der derzeitigen Situation. Auf sie ist kein Verlass. Ich glaube an Strife und daran, dass er das Richtige tut. Selbst wenn ich nicht weiß, was genau das letztlich sein wird.“
      Xiphos drehte sich zu ihnen um. Er war einen ganzen Kopf kleiner als Nick, welcher spürte, wie Nina schon wieder seinen Arm umklammerte.
      „Welcher Situation?“
      „Sie sehen zu, wie andere Welten zerstört werden. Sie unternehmen nichts dagegen.“
      „Aber der Sammler schon?“ Von wegen, sagte sich Nick. Es würde ihn nicht verwundern, wenn der Collector selbst dafür verantwortlich ist, dass irgendwo im Nexus der 'wahre Feind' besagte Parallelwelten vernichtete. Sofern er es nicht sogar selbst tat.
      Xiphos brach in schallendes Gelächter aus. „Glaubst du das wirklich? Oh man …“
      „Hör zu! Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Freundschaft blind machen kann.“
      „Du meinst, weil Anya beinahe ihre Freunde geopfert hätte, obwohl sie ihr am Herzen lagen?“, fragte er. „Du hast Recht, Freundschaft ist kein Garant dafür, dass dein Freund nicht niedere Absichten hegen kann. Aber wenn ich nicht an Strife glauben kann, woran dann?“

      Plötzlich schnippte er. Nick und Nina wurden durch ein von ihm ausgehendes, grelles Licht geblendet und schrien auf. Sie wandten sich mit erhobenen Armen ab.
      „Weißt du was? Ich werde dir zeigen, dass wir nicht das sind, für das du uns hältst. Machen wir einen Deal aus. Besiege mich in einem Duell und ich schenke dir eine Kraft, die dich stärker macht“, sagte er, relativierte jedoch im Anschluss: „Du wirst aber nicht imstande sein, Strife oder einen der Undying zu vernichten. Dafür reicht meine Macht nicht aus und selbst wenn sie es täte, würde ich dir nichts in der Art verleihen. Im Gegenzug erwarte ich nichts von dir als Gegenleistung.“
      Als das Licht langsam schwand, öffnete Nick sein rechtes Auge einen Spalt breit und nahm im ersten Moment nur ein saftiges Grün wahr. Und Xiphos' Gestalt, die vor ihnen stand.
      „Und wenn ich verliere?“
      „Dann gehst du, mehr nicht.“
      Wieso sollte er ihm trauen, fragte sich Nick innerlich. Das klang doch geradezu nach einer Falle, so ähnlich hatte der Sammler schließlich schon Anya einst in seine Intrige eingesponnen!
      Xiphos hörte diese Gedanken natürlich. „Er hat seine Gründe, sie für sich arbeiten zu lassen. Ich bin mir sicher, dass er dies nur getan hat, da nie eine Chance auf die freiwillige Mithilfe Anyas bestand.“

      Jetzt, wo sich Nicks Augen an die Helligkeit gewöhnten, öffnete er sie vollständig. Und fand sich auf einer endlosen, grünen Wiese unter strahlend blauem Himmel wieder. Fast wie in diesem alten Windows-Desktopbild, nur dass die Landschaft komplett eben war.
      Da stand er vor ihm, der höchstens 16-jährige Junge mit dem handbreit langen, nach oben stehenden Haar. Genauso blassbraun wie sein T-Shirt. Sein Gesicht war nichts Besonderes, etwas pickelig. Auffälliger war vielmehr, dass er barfuß dort stand.
      „Bin ich dir zu langweilig?“, stichelte Xiphos grinsend. „Sorry, aber ich kann nichts für mein Aussehen. Ich habe die Pubertät halt nie verlassen.“
      „W-wo sind wir hier?“, fragte Nina ängstlich. Nick musste insgeheim schmunzeln. Jetzt, wo sie wirkliche Magie erlebte, war sie überhaupt nicht mehr darauf aus, sich realitätsfremde Notizen zu machen. Vielleicht hatte sie sich ja ein wenig gebessert seit ihrer letzten Begegnung?
      „Nirgendwo. Ich wollte nur eine etwas ansprechendere Umgebung für uns schaffen“, entgegnete Xiphos ihr gut gelaunt. „Also Nick? Dass du in meine Fänge geraten könntest, war dir von Anfang an bewusst gewesen. Du willst nicht kneifen.“
      „Nein“, erwiderte jener fest. „Aber was du mir anbietest reicht mir nicht.“
      „Wie gesagt, ich werde nicht mit dir kooperieren, wenn es darum geht, den Sammler aufzuhalten.“
      Nina stieß dem Größeren mit missbilligendem Blick in die Seite. „Sei nicht gierig, Kindchen! Besser ein kleines Upgrade als gar keins! Wenn du nicht willst, -ich- nehme gerne deinen Platz ein.“
      Passend dazu legte Xiphos schmunzelnd den Kopf schief. Nick atmete tief durch.

      Sie hatte Recht. Er selbst hatte nichts im Gegenzug zu bieten, denn scheinbar hielt sich Xiphos' Interesse an Nina in argen Grenzen. Wenn er also an Macht gelangen wollte, wäre dies immerhin ein Schritt. Seine Position erlaubte es nicht, nach mehr zu verlangen.
      Und war er nicht hierher gekommen, damit sich etwas änderte? Damit er sich änderte?

      „So ist es“, sagte Xiphos, „du hast Glück, einer friedliebenden Person wie mir gegenüber zu stehen. Andere hätten dich sofort vernichtet. So aber steht es dir frei, mein Angebot anzunehmen oder nicht.“
      Nick biss die Zähne zusammen und trat einen Schritt vor. „Also schön.“
      „Gute Wahl“, lobte sein Gegenüber und streckte die Hände zu beiden Seiten aus.
      „Ich will mitmachen.“
      „Nein!“, donnerte Nick sofort alarmiert, als Nina sich an ihm vorbeidrängen wollte.
      Allein der Gedanke an das Desaster vom Duell gegen Drazen ließ ihn erschaudern, noch bevor es überhaupt an den eigentlichen Feind ging. Nie und nimmer würde er noch einmal ein Team mit ihr bilden.
      „Hören Sie, Nina“, versuchte er es daher diesmal auf die versöhnliche Tour, „ich will nicht, dass Ihnen etwas geschieht. Er mag vertrauenerweckend wirken, aber er ist ein Freund desjenigen, der all die Fäden im Hintergrund zieht. Wenn ich in diesem Duell sterben sollte, muss jemand Anya warnen. Und das können nur Sie, Nina.“
      Einen Moment blieb die Rothaarige sprachlos. Gerührt wischte sie sich ein Tränchen aus den Augenwinkeln hinter ihrer Hornbrille, ehe sie erwiderte: „Pft, als ob die Masche zieht, Kleiner!“
      Nick verzog die Augen zu Schlitzen. „Es ist die Wahrheit, auch wenn ich die Emotionen dahinter gerade nur vorgetäuscht habe. Sie halten sich da raus, verstanden?“
      „Hmpf, meinetwegen“, giftete sie beleidigt.

      „Dann rufe ich jetzt die Schiedsrichter“, lenkte Xiphos wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Von seinen beiden nach oben gerichteten Handflächen begannen schwarze Flammen zu brennen. „Kommt, meine Schattengeister! Snuggly! Sparkly!“
      Besagte Feuerkugeln schossen in die Höhe und verwandelten sich in zwei schwarze Krähen, die um die beiden ihre Kreise zogen. Alle drei sahen gebannt in den Himmel, bis eine Krähe auf Nicks Schulter landete und die andere auf Xiphos'.
      „Keine Angst. Sie sollen uns nur davon abhalten unfair zu spielen“, versicherte der seinem Gegner.
      Verständlicherweise war Nick alles andere als begeistert, wusste aber, dass Widerspruch sinnlos war. Die Krähe auf seiner Schulter fühlte sich seltsam an. So leicht, als würde sie nicht mehr als eine Feder wiegen. Obwohl sich ihre Krallen in Nicks Schulter bohrte, schmerzte es nicht. Wenn das Schattengeister waren, sahen diese aber nicht im Geringsten Orion ähnlich, der zur selben Spezies zählte.
      „Leg dich nicht mit uns an, krah!“, raunte das Federvieh auf Nicks Schulter plötzlich. Jener schreckte zusammen.
      Xiphos indes kehrte seinem Gegner den Rücken zu, wobei sich seine Krähe wiederum Nick zudrehte. „Genau. Hör auf das, was Sparkly sagt, rraaah!“
      „Sprechende Vögel, was?“ Nick fasste sich stöhnend an die Stirn. „Mir bleibt wohl nichts erspart.“
      Nachdem der Junge ein paar Meter weiter Position bezogen hatte, grinste er Nick frech an. „Sie sind nicht so schlimm, wie sie auf den ersten Blick wirken.“
      „Snuggly schlau!“, röhrte jene auf Xiphos' Schulter.
      „Eher nicht“, kam Nicks blinder Passagier dagegen altklug daher.
      Auch Nina hatte sich inzwischen gefasst und war längst dabei, sich Stichpunkte zu notieren. Dabei redete sie leise mit sich selbst, ohne überhaupt noch auf ihr Umfeld zu achten.
      „Wollen wir?“, fragte Xiphos schließlich mit unterschwellig forderndem Unterton. An den Armen der beiden erschienen die typischen, mittlerweile eingestellten Standardmodelle des Battle City-Turniers. Nick nahm sein Deck aus seiner Hosentasche und schob es in den passenden Schacht. Was für eine seltsame Wahl, ging es ihm dabei durch den Kopf.
      „Bin bereit!“ Dann schrien sie synchron: „Duell!“

      [Nick: 4000LP / Xiphos: 4000LP]

      „Ich beginne!“, entschied Nick grimmig.
      „Wie du weißt, darfst du dann jedoch nicht mehr ziehen, laut der Regeländerung“, unterwies Xiphos seinen Gegner. Wodurch diesem bewusst wurde, dass er schon länger kein Duell mehr ausgetragen hatte.
      Nick zuckte dennoch oder wohl eher gerade deswegen nicht einmal mit der Wimper. „Das nehme ich in Kauf.“
      Stattdessen zog er fünf Karten von seinem Deck und zeigte gleich zwei davon auf einmal vor. „Ich rufe [Wind-Up Hunter] und, da ich ein Wind-Up-Toy beschworen habe, auch noch [Wind-Up Shark] als Spezialbeschwörung.“
      Beide Monster tauchten im Anschluss vor ihm auf der grünen, endlosen Wiese auf. Das linke war ein violetter, etwa ein Meter großer Spielzeugzentaur, der eine Armbrust mit sich führte. Neben ihn gesellte sich ein blauer, mechanischer Hai, nicht viel größer und genau wie bei seinem Kameraden, ragte aus seinem Rücken ein goldener Aufziehschlüssel.

      Wind-Up Hunter [ATK/1600 DEF/500 (3)]
      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4)]

      „Du gibst dir besser mehr Mühe als beim letzten Mal“, stichelte Nina nebenbei gehässig, „um eine Dame wie mich zu beeindrucken musst du dich schon etwas ins Zeug legen!“
      „Und immer noch sehe ich hier nirgendwo eine Dame“, konterte Nick, der froh war, diesmal alleine antreten zu können. Dann fixierte er sich auf Xiphos. „Und Sie sind es nicht, die ich beeindrucken muss, Nina.“
      Dies entlockte dem jugendlichen Dämon ein vergnügtes Grinsen.
      „Effekt von [Wind-Up Shark]“, rief Nick daraufhin lautstark aus und streckte den Arm nach vorne. „Er reduziert seine Stufe um 1.“
      Dies sorgte dafür, dass sich der goldene Schlüssel auf dem Rücken des Hais in hoher Geschwindigkeit zu drehen begann.

      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4 → 3)]

      Kaum war das geschehen, verzog Nick die Augen zu Schlitzen und schwang den Arm aus.
      „Ich errichte das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 3-Monstern wird ein Rang 3-Monster!“ Ein Schwarzes Loch öffnete sich in der Mitte des Spielfelds und zog den Jäger als violetten und den Hai als blauen Lichtstrahl in sich. „Xyz Summon! [Wind-Up Carrier Zenmaity]!“
      Ein riesiger Flugzeugträger erhob sich aus dem Überlagerungsnetzwerk. Im Gegensatz zu Nicks üblichen Monstern war es mehrere Meter lang und überragte den jungen Mann um mindestens einen Kopf. Um das Schiff kreisten zwei leuchtende Sphären.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      „Effekt von Zenmaity! Im Austausch gegen ein Xyz-Material ruft er ein Wind-Up-Monster von meinem Deck!“, rief der hochgewachsene, junge Mann energisch, zog den Hunter unter Zenmaity hervor und knallte stattdessen ein anderes Monster auf die Duel Disk. „Zeig dich, [Wind-Up Rat]!“
      Wenn er schon gegen einen der mächtigsten Dämonen kämpfen musste, sollte dieser nicht ohne beträchtliches Handycap ins Duell starten, dachte Nick dabei ehrgeizig. Eine der Lichtsphären um der Kriegsmaschine verschwand in ebenjene, wodurch diese einen leuchtenden Signal-Torpedo abschoss, weit über Xiphos hinweg. Unterhalb des schwebenden Flugzeugträgers materialisierte sich daraufhin eine blaue Ratte auf Rädern, die geradezu winzig im Vergleich erschien.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2 → 1]
      Wind-Up Rat [ATK/600 DEF/600 (3)]

      „Effekt von [Wind-Up Rat]“, führte Nick seinen Zug mit exakt denselben Worten wie zuvor fort, drehte das Monster auf seiner Duel Disk in die Horizontale. „Ich wechsle den Nager in Verteidigung, um ein Wind-Up vom Friedhof zu rufen, in selbiger Position!“
      Auch der goldene Aufziehschlüssel der Ratte begann sich zu drehen. Genau wie jene selbst, die immer schneller einen Kreis im Gras zog, aus dem schließlich der Zentaur auftauchte und sich zunächst am Schiffsträger über ihm den Kopf stieß.

      Wind-Up Rat [ATK/600 DEF/600 (3)]
      Wind-Up Hunter [ATK/1600 DEF/500 (3)]

      „Effekt von [Wind-Up Hunter]“, ratterte Nick sein Programm weiter herunter. „Ich kann ein anderes Wind-Up opfern, um meinen Gegner eine durch Zufall bestimmte Handkarte abwerfen zu lassen.“
      Nina weitete die Augen, als ausgerechnet der riesige Flugzeugträger zu einem winzigen, blauen Lichtpfeil zusammenschrumpfte, welcher sich in des Jägers Armbrust einlegte. Und prompt abgefeuerte wurde. Von den fünf Karten, die der vor sich hin schmunzelnde Xiphos hielt, wurde die mittlere getroffen. Eine Falle, die der Bursche daraufhin herauszog und in den Friedhofsschacht schob.
      Plötzlich schwang Nick den Arm wieder aus. „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen Stufe 3-Monstern wird ein Rang 3-Monster. Xyz Summon!“
      Wieder öffnete sich das Schwarze Loch und absorbierte seine beiden Monster als violette beziehungsweise braune Lichtstrahlen. Und einen Moment später schob sich ein neuer Flugzeugträger daraus empor, um den zwei Lichtkugeln kreisten.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      Nick rief: „[Wind-Up Carrier Zenmaity]! Und ich nutze seinen Effekt! Ein Xyz-Material für ein Wind-Up von meinem Deck.“
      Wie sein Vorgänger, schoss dieser Zenmaity ebenfalls einen Torpedo in den strahlend blauen Himmel. Eine zweite Kopie der Ratte erschien, als Nick diese von seinem Deck auf die Duel Disk legte.
      „Effekt der Ratte. Du weißt bereits, was passiert.“
      Xiphos lächelte geheimnisvoll, als das Nagetier auf Rädern wieder einen Kreis zog, aus dem diesmal ein geduckt stehender Spielzeugzentaur erschien. Nicht umsonst hing Nick diesen jedes Mal bei Zenmaitys Beschwörung ab.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2 → 1]
      Wind-Up Rat [ATK/600 DEF/600 (3)]
      Wind-Up Hunter [ATK/1600 DEF/500 (3)]

      „Muss ich dir noch erklären, wie es weitergeht?“, hakte der hagere Brünette nach. Er ging stark davon aus, dass Xiphos die Kombo – anders als Anya damals – sehr wohl verstand.
      Und er lag richtig, als jener abwehrend die Hand hob. „Nicht nötig.“
      „Dann Hunters Effekt.“
      Woraufhin sich der Flugzeugträger wieder in einen leuchtend blauen Pfeil verwandelte, der aus der Armbrust des Jägers abgeschossen wurde. Dieses Mal kostete er Xiphos ein Monster. Oder einen Zauber? Nick konnte nicht genau erkennen, worum es sich handelt.
      „Xyz Summon!“, kürzte er das Folgende zur Zeitersparnis einfach ab. „[Wind-Up Carrier Zenmaity].“
      Dadurch war das Overlay Network jedoch noch nicht einmal erschienen. Es öffnete sich erst nachdem er den Namen längst gerufen hatte, absorbierte das violett-braune Lichtstrahlduo und spuckte einen dritten Flugzeugträger aus.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      Schon im nächsten Augenblick riss Nick die unter diesem liegende Karte des [Wind-Up Hunters] hervor, behielt diese aber zwischen Ring- und kleinem Finger, als er anschließend die dritte Kopie seiner [Wind-Up Rat] auf die Duel Disk legte.
      „Dasselbe Spiel“, merkte er wortkarg an, als diese ein weiteres Mal ihre Kreise unterhalb des Flugzeugträgers zog und den geduckt stehenden Plastikzentaur zurück beschwor, den Nick nur noch auf die Monsterkartenzone legen sollte. Jener füllte seine Armbrust mit der blauen Essenz, in die sich Zenmaity verwandelte und feuerte einen Pfeil auf Xiphos' Hand ab. Von den drei übrigen Karten, die er geradezu demonstrativ vor sich hielt, traf es die ganz rechts außen: Wieder fiel es Nick schwer, sie zu identifizieren, aber er ging von einem Monster aus.
      Derweil sah Nina zwischen beiden mit offenem Mund hin und her. Offenbar konnte sie sich nicht entscheiden, ob sie von Nicks Kombo oder Xiphos' unbesorgter Miene beeindruckt sein sollte. Dann zückte sie Zettel und Stift und begann wieder zu notieren, was garantiert nicht geschehen war.
      „Jemand wie du verkraftet sicher ein paar verlorene Handkarten. Bestimmt bist du erleichtert, da ich alle Exemplare meiner beiden Schlüsselkarten aufgebraucht habe“, hauchte Nick gefährlich, zückte jedoch entgegen des angedeuteten Friedens eine Zauberkarte aus seinem Blatt, „aber täusch' dich nicht, diese Kombo ist erst beendet, wenn du blank bist. [Pot Of Avarice]!“
      Nick rammte ebenjene förmlich in seine Duel Disk und nur einen Moment später stand diese vor ihm aufgerichtet. Aus der Karte schob sich ein violetter, juwelenbesetzter Krug mit einem Gesicht, das breit grinste und seine lange Zunge heraus steckte. In diesem verschwanden drei Kopien des [Wind-Up Carriers Zenmaity] und zwei der [Wind-Up Rat].
      „Wie du zweifelsohne weißt, lässt dieser Schatz mich fünf Monster vom Friedhof ins Deck zurückmischen“, erklärte Nick nichtsdestotrotz und griff nach seinem Deck, „und dann zwei ziehen.“
      Mit Schwung stockte er sein Blatt auf vier Karten auf. „Du weißt, wie das jetzt weitergeht …“
      Keinen Moment später öffnete sich das Schwarze Loch, diesmal sogar ohne Ankündigung, ein weiteres Mal und absorbierte die Ratte und den Jäger auf dem Feld, um einen der recycelten Flugzeugträger auszuspucken.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      „Effekt Zenmaitys!“, donnerte Nick mit ausgestreckter Hand.
      Die Ratte erschien, reanimierte den Jäger, welcher wiederum das Xyz-Monster in einen leuchtend blauen Pfeil verwandelte und auf Xiphos abfeuerte. Dem blieb nur noch eine Handkarte.
      „Xyz Summon!“, rief sein Gegner, dabei immer lauter werdend. Seine beiden Monster auf dem Feld verschwanden in dem Schwarzen Loch und ließen Zenmaity nunmehr zum fünften Male erscheinen.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      Und danach [Wind-Up Rat]. Und [Wind-Up Hunter]. Ninas Kinnlade klappte herunter, während sie dabei zusah, wie Nick seinem Gegner systematisch die Handkarten nahm.
      „Effekt des Hunters!“, rief Nick lautstark aus. „Das ist die letzte!“
      Der riesige Flugzeugträger verwandelte sich in hellblaues Licht, das als Pfeil in des Zentaurs Armbrust eingelegt wurde. Diese feuerte ihn zielgenau auf die letzte Handkarte Xiphos' ab, die damit ebenfalls verschwand. Doch der Junge, entgegen des gewaltigen Nachteils, in dem er sich nun befand, lächelte unbesonnen.
      „Du bist … gut!“, musste Nina dagegen atemlos zugeben.
      „Danke. Ich dachte mir einfach, wir gestalten das Ganze etwas mehr nach meinen Regeln“, erwiderte Nick wesentlich entspannter, als er die Hand dennoch in die Luft hob, „trotzdem erschaffe ich noch ein weiteres Mal das Overlay Network! Aus meinen Stufe 3-Monstern wird ein Rang 3-Monster!“
      Die Ratte als brauner und sein Jäger als violetter Lichtstrahl, sie beide stiegen hoch in die Luft auf. Analog dazu öffnete sich das Schwarze Loch nun zum sechsten Male im selben Zug und absorbierte beide.
      Nick donnerte. „Xyz Summon! Beschütze mich!“
      Diesmal ging das Overlay Network förmlich in einer Explosion auf, als sich eine jetartige, violette Kriegsmaschine erhob, von deren Schultern Flugzeugflügel abgingen, an denen sich wiederum Propeller drehten. Vor dem Kampfbomber schwebten zusätzlich zwei massive Zangenhände, die bedrohlich ins Nichts schnappten. Zwei Lichtsphären tanzten um ihn wie Glühwürmchen.
      „[Wind-Up Zenmaines]!“, benannte jener diesen schließlich.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 2]

      „Damit gebe ich an dich ab“, verkündete der zerzauste Mann im Hawaiihemd, nachdem sein Zug so einige Zeit gekostet hatte.
      Nina schnaufte durch die Nase. „Na endlich! Ich will sehen, wie der Knirps sich da wieder herauswinden will.“
      Jener lächelte nur geheimnisvoll vor sich hin. Nicht eine Karte hatte Nick ihm gelassen. Ob es Xiphos gelingen würde, überhaupt ins Spiel zu finden?
      „Wir werden sehen“, sagte dieser, die Gedanken seines Gegners hörend.
      „Egal was es mich kostet“, versprach Nick ihm düster, „ich werde gewinnen.“
      Dabei warf er einen finsteren Blick auf die Krähe, Sparkly, auf seiner Schulter. Würde sie ein Hindernis darstellen? Er konnte sich nicht vorstellen, dass Xiphos seine Schattengeister nur der Fairness halber gerufen hatte. Was also beabsichtige dieses Wesen wirklich mit ihm?


      Turn 66 – Eli
      Trotz seines erheblichen Nachteils gelingt es Xiphos binnen weniger Züge, ins Spiel zurückzufinden. Obwohl Nick mit allen Mitteln versucht, die größte Schwäche seines Decks auszugleichen, muss er in seiner zunehmenden Verzweiflung auf unerwartete Hilfe zurückgreifen…



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick

      Wind-Up Hunter
      Wind-Up Rat x3
      Wind-Up Shark

      Pot Of Avarice

      Wind-Up Carrier Zenmaity x3
      Wind-Up Zenmaines

      Xiphos

      keine


      Für Meinungen bin ich natürlich immer zu haben. ^^
      -Aska-

      Sag niemals nie. Nachher kommt dir ein paar Ideen und du schiebst eine Folge ein, und schon begegnet man ihr viel eher als man zuerst angenommen hatte.

      Jep, aber Tricolore < oder > Kanaren Shipping, gell *mit den Insidern um sich wirft*

      Ich hab zu Val auch einige Bilder im Kopf, aber ich hab natürlich keine Idee, welches das korrekte ist, oder ob es überhaupt darunter ist. Und natürlich ist klar, dass du das nicht vorzeitig anschneiden kannst. Zumal ich mir vorstelle, wenn du nur nen kleinen Hinweis zu fallen lassen würdest, der eine oder andere *wink* mit Pech schnell drauf kommen würde ^^

      Wie gesagt, Lee ist einfach schlecht nach einem Auftritt zu beurteilen. Und jemand, bei dem die Überspitzung Show ist, bei dem fällt es einfach leichter, ihn zu mögen, da man weiß, dass er auch anders ist. Auf welche Änderung will man bei Lee hoffen. Frei nach dem Motto "Ich bin dick und du bist bescheuert. Ich kann abnehmen, und du?" Aber warten wir einfach mal ab, was alles so kommt.

      Absolut kein Spoiler. Erwartet man aber von der Incarnate der >Evil<swarm irgendwie auch, oder? xD

      Ja, das war doch sehr eine sehr flache Erklärung, schu dich bitte mal selbst, dreifach! xD Aber ich möchte meinen, dass die Hüter einige Geheimnisse und Unklarheiten umfassen, die erst noch auf den Tisch kommen werden. Und der Sammler wusste von 5? Das wäre sicher eine Glanzleistung, wenn nicht: - Einer davon tot gewesen wäre und ein anderer nur durch sein eigenes Zutun aufzuspüren war. Die dritte Person ist nahezu unerreichbar, benötigt fast allein die Hälfte der verfügbaren Zeit und selbst dann ist "fraglich", ob sie besiegbar ist? (Wie gut, dass niemand auf die Idee kommt, Anya einfach per Hax-Teleportal direkt vor Claire zu bringen xD)

      Nicht nur die nächste, im Endeffekt bin ich ja immer etwa 2 Folgen voraus >:3 *gar nicht angeb*



      Folge

      Diese um Nick zentrierte Folge gefiel mir sehr gut (gerade weil wir ja just noch den Idioten-Nick als Thema hatten, der hier gänzlich fehlte xD) und las sich wirklich flott trotz des üblichen Umfangs. Zumal es auch den Anschein hat, als ob einige Details zur Haupthandlung wieder vorkommen dürften.
      Auch wenn du dafür (abermals!) Valerie geskippt hast, kann ich dir das deshalb gerade noch so verzeihen xD
      Ebenso die Rückkehr von Nina, die zwar wieder gerne gewohnt nervig sein wollte, aber dieses Mal kam sie doch unerwartet handzahm daher und sorgte so gut es ging für ein wenig Comic Relief.

      Das große Mysterium, was sich aber über die ganze Folge zog, war, ist und wird vermutlich der neue Superdämon bleiben. Ging ich in der letzten Folge noch davon aus, das Xiphos dem Namen nach ein weiteres Artefakt sein könnte, stellte sich in dieser Folge schnell heraus, dass es sich um den Namen ebenjenes Dämons handelte.
      In der Folge hat man zudem schon erlebt, dass er über einiges an Macht verfügte und sogar in der Lage war, die Realität nach seinem Belieben zu verändern. (Zumindest gehe ich mal davon aus, dass die Veränderung der Umgebung nicht nur ein reiner Illusionszauber gewesen ist. Natürlich wäre auch sowas wie Hosentaschendimensionen denkbar.)
      Jedoch - was ich auch gleichermaßen interessant fand - hielt jener relativ früh fest, dass seine Macht aber nicht so groß sei und dadurch nicht in der Lage wäre, den Sammler oder die Undying zu vernichten. Ersteres war jedoch sowieso irrelevant, da er dies als dessen Freund nicht vorhätte. (Inwieweit es bei den Undying hilfreich wäre, das sei mal dahingestellt, da sie ja dem Plan des Collectors soweit man das beurteilen kann bisher im Weg standen)

      Auffällig fand ich jedoch den krassen Unterschied zwischen dem, wie Xiphos in der Beschreibung oder besser gesagt den Reaktionen von Brody erschien und dem, wie doch relativ locker und ungezwungen er gegenüber Nick und Nina dann rüberkam.
      Obgleich das nichts daran änderte, dass er bei dem Duo immer noch Nachdruck vermittelte, muss er Ersteren damals wirklich ganz schön eingeschüchtert haben, so panisch und verstört wie der reagierte?
      Aber natürlich ist das auch immer eine rein subjektive und situationsabhängige Sache. Xiphos will ja offensichtlich was von Nick, sonst würde er ihm kein 'Power-Up' in Aussicht stellen ohne was dafür einfordern zu wollen.
      Wenn dem nicht so wäre kann ich mir nämlich vorstellen, dass jener Dämon auch sehr 'klare' Worte finden würde, um seinen Standpunkt durchzusetzen. Ebenso wie bei den Szenen mit Nick durchgekommen ist, dass er letztlich auch nur bedingt die freie Wahl lässt in seinen Entscheidungen.

      In der Folge hat man zudem ja sehr deutlich gesehen, dass Xiphos eine Menge darüber zu wissen scheint, was da gerade alles passiert und in welchen Beziehungen alle zueinander stehen. Insofern wäre es echt klasse, wenn im Zuge der Fortsetzung des Duells da noch mehr Informationen fallen gelassen werden würden. Es ist nämlich sehr spannend, mit Xiphos jemand greifbar vor sich zu haben, der mehr als nur 'etwas' Licht ins Dunkle bringen könnte.
      Aber wahrscheinlich wird Xiphos nur soviel anschneiden, wie ebengerade nötig ist, und gleichermaßen so wenig wie möglich, damit es nicht dazu führt, dass der Plan des Sammlers in Gefahr gerät oder gar scheitern könnte. (Was aber auch so eine Sache ist, denn die Frage ist ja, inwieweit sein Vertrauen in diesen gerechtfertigt ist und, im erweiterten Sinne, wie viel der Sammler noch wirklich von dem ist, was Xiphos zu kennen glaubt. Gerade wenn man an Nicks Theorien vom wahren Feind denkt, die rund um die Begegnung mit Val 2.0 aufkamen.)

      Damit aber komm ich lieber noch schnell zu dem Duell. Es war zwar kein One Turn Kill, aber dennoch -ein- sehr eindrucksvoller Zug von Nick, der aufzeigte, warum Wind-Up auch im realen Leben einst so stark gewesen ist. Denn im wahren Leben kommt man mit einer aufgezogenen Karte wohl kaum noch zurück, und mit dem berüchtigten Loop gelang es dem Deck ja konstant, einem mindestens drei Karten zu klauen.
      Auch war es trotz der Länge dieses Monsterzuges recht gut und nachvollziehbar beschrieben und auch Nicks Straffungen aufgrund der bekannten Wiederholungen fügten sich da schön ein.
      Aber die Vorschau kündigt ja schon an, dass es Xiphos gelingt, wieder ins Spiel zurückzukommen und seinerseits Nick in die Ecke drängen wird. Also wird es absolut nicht so leicht, wie Nick es vielleicht zwischenzeitlich gehofft hatte.
      Aber ich denke, er wäre nicht Nick, wenn er keinen Trumpf mehr im Ärmel hätte. (Auch wenn das dieses Mal kein Hack sein dürfte, denn sowas würde gegen Xiphos wohl kaum funktionieren.)

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Wie immer an dieser Stelle ein herzliches Danke an alle Leser.
      Ich hoffe, ihr seid gut ins neue Jahr gerutscht. ^^

      @Evil Bakura
      In dem Fall wirklich nicht, leider. Kyon duelliert sich sobald nicht mehr.
      Also das mit dem Kanaren-Shipping hast du aber gesagt. xD

      Wegen dem Val-Bild ... ich weiß ja, dass du kein Fan von Spoilern bist, deswegen werde ich wohl keinen Handel mit dir schließen können. Aber wer weiß ... Also, ich verrate dir, wie dieses Bild aussieht und du zeichnest es für mich, okay? xD

      Hax-Portal vor Claires Nase? Die Idee ist gut, aber macht way too much sense. Ey, ich muss hier schließlich mein Turnier irgendwie rechtfertigen! xD

      Zur Folge: Bisher ist die Staffel Valerie gegenüber sehr ungnädig, nich? xD

      Xiphos' Szenenwechsel war definitiv keine bloße Illusion. Taschendimension trifft es da sehr gut. ^^
      Aber klar, bei dem Namen denkt man eben sofort an das gleichnamige Kurzschwert. Joa, Xiphos ist zu Nick definitiv anders gewesen als zu Brody, wobei er trotzdem nicht der Typ Anya ist, der einen gnadenlos zermalt. Er nutzt eher die Fantasie seines Gegenübers, um seine Forderungen durchzusetzen. Aber das nur am Rande.

      Danke für das Lob mit dem Duell. Es wird definitiv noch interessant. Schon krass, was WU damals konnte ... aber ohne diese Kombo ist es eher meh. Ich meine, wenn man sich den Power Creep inzwischen so anschaut ...

      Anyway, thx for Kommi. ^^


      So, jetzt der zweite Teil der Konfrontation Nick/Xiphos. Viel Spaß!

      Turn 66 – Eli
      „Was sollte ich mit dir beabsichtigen?“, fragte Xiphos offen heraus, als er nach seinem Deck griff und aufzog. Noch immer sah er Nick mit diesem neugierigen, dennoch geheimnisvollen Gesichtsausdruck an. Als wüsste er die Antwort auf dessen Gedankengänge nur zu genau.

      Die von ihm erschaffene Illusion einer endlosen, flachen Wiesenlandschaft an einem wolkenlosen, blauen Sommertag täuschte. Tatsächlich war es bereits früher Abend, vor einem Moment hatten sie sich noch in Xiphos trister, dunkler Wohnung befunden.
      Nina, die dem Geschehen zu Nicks Rechten beiwohnte, strahlte wie ein Honigkuchenpferd. Sie konnte es kaum erwarten, den barfüßigen, brünetten Teenager in Aktion zu sehen. Noch dazu, weil er so normal wirkte, harmlos. Aber das war er nicht, wusste Nick. Nicht, wenn er sich selbst als Freund des Sammlers bezeichnete.

      Daher hatte Nick von Anfang an mit vollem Einsatz kämpfen müssen. So hatte seine [Wind-Up Carrier Zenmaity]-Schleife Xiphos sämtliche Handkarten gekostet, sodass er nach seiner Draw Phase nur eine einzige besaß. Dazu verfügte Nick über den violetten Kampfbomber mit den Zangenarmen vor den Tragflächen, um welchen dazu noch zwei leuchtende Sphären rotierten.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 2]

      Anders als Xiphos hielt er vier Karten auf der Hand. Da bisher nur Nick am Zug gewesen war und seinem Gegner keinen Schaden zugefügt hatte, blieb der Lebenspunktestand bisher noch unberührt.

      [Nick: 4000LP / Xiphos: 4000LP]

      „Du hast mich wirklich in Schwierigkeiten gebracht“, gestand der Bursche, dessen hellbraunes T-Shirt bereits deutlich abgetragen war. Seine ganze Erscheinung wirkte verwahrlost, wie Nick sich erst jetzt gewahr wurde.
      „Du musst dir keine Sorgen um mich machen“, lächelte Xiphos ihn an, „mir geht es gut. Und auch wenn ich im Nachteil bin, bekommst du einen würdigen Gegner.“
      Er nahm seine einzige Karte und legte sie auf die Duel Disk. „Ich beschwöre normal: [Qliphort Helix].“
      Ein grelles Licht begann weit über ihm zu leuchten. Es formte sich zu einer mehr als merkwürdigen Gestalt. Das hintere Ende wirkte wie eine Glühbirne, von welcher aus sich zwei Stränge wie eine Spirale nach vorne arbeiteten, einer golden, der andere metallisch. Oberhalb der Spitze befand sich an der merkwürdigen, zeppelinartigen Maschine eine Kommandozentrale, die einer Sänfte nicht unähnlich war.
      „Die sehen alle so seltsam aus, aber keine Bange. Wenn ich Qliphorts ohne Tribute beschwöre, sind sie harmlos und sinken auf 1800 Angriffspunkte sowie Stufe 4 ab.“

      Qliphort Helix [ATK/2400 → 1800 DEF/1000 (6 → 4) PSC: <9/9>]

      „Da das leider nicht genug ist, um die Verteidigung deines Monsters zu überwinden, beende ich meinen Zug“, sagte Xiphos und fügte noch an, „enttäuschend. Tut mir leid, Nina.“
      Die rothaarige Reporterin in ihrem schwarzen Kostüm war so überrascht, dass es ihr glatt die Sprache verschlug. Dann winkte sie heiser ab. „N-nicht doch, so war das gar nicht gemeint!“
      Erstaunlich, vor Dämonen hatte sie also Respekt, schoss es Nick grimmig durch den Kopf.
      „Anders als du, krah!“, hallte es von Nicks Schulter, auf welcher die schwarze Krähe Sparkly saß, tatsächlich aber ein Schattengeist war. Genau wie Snuggly, jenes Federvieh, die auf Xiphos' linker Schulter hockte. „Ja, respektlos, raw!“
      Ihre Daseinsberechtigung hatte Nick nach wie vor nicht durchschaut. Doch das interessierte ihn in diesem Moment weniger als die Tatsache, dass sein Gegner ziemlich wenig aus seinem Zug gemacht hatte. Lag es an den nicht vorhandenen Optionen? Zumindest muteten diese Qliphorts ihm seltsam an, wenn sie alle Tributmonster waren, die für Angriffseinbußen in geschwächter Form gerufen werden konnten.

      Sich davon nicht verunsichern lassend, griff der zerzauste, junge Mann in seinem Hawaiihemd nach der Battle City-Duel Disk an seinem Arm und zog. „Draw!“
      Die aufgezogene Falle betrachtend, schob er sie sogleich in den Apparat, sodass sie zischend vor seinen Füßen erschien. „Du bist also ein Freund des Sammlers?“
      „Ja“, nickte Xiphos. „Überrascht?“
      „Ich wusste nicht, dass der Sammler Freunde hat.“
      „Dummerchen. Jeder hat Freunde“, kicherte der Jugendliche, korrigierte sich dann aber grinsend: „Fast jeder.“
      Als Nick die nächste Karte ausspielte und auf eine Monsterzone legte, fragte er: „Und über welche Art von Freundschaft reden wir? Gegenseitiger Profit, gute Geschäftsbeziehungen-“
      Der Junge unterbrach ihn: „Freundschaft. Du weißt welche Art gemeint ist.“
      „Verstehe“, murmelte Nick kaum hörbar, nur um dann zu verkünden: „Normalbeschwörung, [Wind-Up Warrior].“
      Jener tauchte vor ihm in Form eines gebeugt stehenden, orangefarbenen Roboters auf, dessen Panzerfäuste größer als sein Kopf waren. Ein goldener Aufziehschlüssel befand sich auf seinem Rücken. Noch während er sich materialisierte, drehte Nick die Karte seines anderen Monsters in die Vertikale.

      Wind-Up Warrior [ATK/1200 DEF/1800 (4)]
      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 2]

      „Den Modus meines Zenmaines habe ich nicht grundlos gewechselt“, klärte Nick seinen Gegner unterkühlt auf, während Nina mit Zunge an der Oberlippe jedes Detail auf ihrem Notizblock aufschrieb. „Effekt des [Wind-Up Warriors]: Er erhöht den Angriffswert eines Spielzeugs zeitweilig um 600. Und die Stufe um 1, wenn es eine geben sollte …“
      Da es aber der Kampfbomber war, der bunt aufzuleuchten begann, hätte sich Nick diesen Hinweis ebenso gut sparen können. Eigentlich hatte er das auch nur gesagt, da Nina es garantiert festhalten und ihre Finger damit nur umso mehr glühen würden.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 → 2100 DEF/2100 {3} OLU: 2]

      Als Xiphos den Kopf leicht in den Nacken legte, schnappte Nick: „Kein Wort dazu. Wir wollen doch ihre Gefühle nicht verletzen.“
      Kurz huschte ein breites Lächeln über Xiphos' Lippen. Vielleicht weil er in diesem Moment genau hörte, wie Nick seine eigene Entscheidung infrage stellte, Nina mitgenommen zu haben. Wenn er sie hier offensichtlich nicht gegen Macht eintauschen konnte, hätte er sie auch gleich in Livington lassen können …
      „Mieses Stück, kraw!“, krächzte Sparkly von seiner Schulter, sodass der hochgewachsene Mann zusammenfuhr und Xiphos entschuldigend mit den Schultern zuckte, als Nick ihn böse anstarrte.
      „Damit kann ich leben“, murrte dieser und schwang den Arm aus, „vielleicht solltest du dein Augenmerk eher auf deinen Meister richten. Angriff, Zenmaines! Wind-Up Air Strike!“
      Jener stieg in einer immer steiler verlaufenden Kurve in die Luft auf und fegte schließlich über das seltsame Gebilde, das [Qliphort Helix] darstellte, hinweg. Aber nicht, ohne einen Gruß in Form eines Bombenhagels dazulassen. Eine heftige Explosion erschütterte die Idylle. Und Xiphos lächelte geheimnisvoll.

      [Nick: 4000LP / Xiphos: 4000LP → 3700LP]

      Kaum war der Jet zurückgekehrt, zeigte Nick bereits mit ausgestrecktem Finger auf seinen barfüßigen Gegner. „Direkter Angriff, [Wind-Up Warrior]!“
      Nun vollkommen schutzlos, ließ der brünette Junge den Faustschlag über sich ergehen, den ihm der Krieger in die Magengrube versetzte. Und auch wenn Nick sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, die Sicherheitsvorkehrungen an seiner Duel Disk zu deaktivieren, sah es doch so schmerzhaft aus, dass Nina ein leiser Aufschrei entfuhr.

      [Nick: 4000LP / Xiphos: 3700LP → 2500LP]

      Und seine übrigen drei Handkarten und die gesetzte Falle vor sich begutachtend, entschied Nick, dass er fürs Erste genug Druck ausgeübt hatte. Xiphos befand sich immer noch in derselben, unangenehmen Lage. Und das würde sich nie wieder ändern …
      „Zug beendet.“
      Damit verlor Zenmaines über ihm seinen bunten Glanz.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/2100 → 1500 DEF/2100 {3} OLU: 2]

      „Und wie wird man zum Freund des Sammlers?“, fragte Nick provokativ nach und verschränkte dabei die Arme. „Was machen solche wie ihr zusammen? Geht ihr ins Kino und seht euch Filme an wie: 'Die Zerstörung der Welten' oder 'Wie werde ich sie in 100 Tagen los'?“
      Xiphos zog seelenruhig auf. Er lächelte nicht mehr. Und gerade als Nick erwartete, eine nicht weniger schnippische oder wenigstens eine drohende Antwort zu erhalten, bekam er … gar nichts.
      Seine aufgezogene Karte zwischen Zeige-, Mittel- und Ringfinger hin und her drehend, senkte der Jugendliche sein Haupt.
      „Habe ich deine Gefühle verletzt?“, konnte Nick die seinen nicht im Griff halten. Stattdessen wurde er immer lauter und aggressiver, bis er förmlich schäumte. „Wenn ja, hoffe ich, dass es in dir brennt wie Feuer. So wie es in mir, in Abby, in Valerie, in Zanthe und in allen anderen brennt, weil wir Angst um unsere Freundin haben!“
      „Ich kann dir nicht helfen, sie zu retten“, sagte Xiphos leise. „Ein Versuch wäre Verrat an meiner Freundschaft mit Strife.“
      Nick, der schwer atmete, strich sich über die Stirn und sagte nichts. Und als beide nicht mehr den Ansatz machten, das Gespräch aufzunehmen, streckte der Kleinere plötzlich seine Duel Disk vor sich aus. Und wie aus dem Nichts schossen zwei zusätzliche Kartenzonen an den Enden der Monsterzonen heraus, welche Nick noch nie gesehen hatte.
      „Ich aktiviere [Qliphort Scout] als Zauberkarte“, rief Xiphos plötzlich so gut gelaunt, als wäre nichts gewesen. Es handelte sich dabei um eine gelb-grüne Karte, die in der rechten der neuen Zonen platziert wurde.
      Zu seiner Rechten schoss eine blaue Lichtsäule aus dem Boden, welche eine nicht weniger seltsame Kreatur als die vor ihr in die Luft hievte: ein ovales Flugschiff, das vorne spitz zulief und nur ganz an seinem Ende je zwei spitze Ausläufe besaß, die aber kaum Flügel sein konnten. Eine goldene Sphäre war in seiner Mitte eingelassen und strahlte beständig.
      „Das ist …“, murmelte Nick nachdenklich.

      <X> Xiphos' Pendelbereich <9>

      Wie selbstverständlich brachte Xiphos seine Überlegungen zu Ende. „Neu für dich, ich weiß. Ich benutze Scouts Effekt und zahle 800 Lebenspunkte, um an eine Qli-Karte aus meinem Deck zu kommen.“
      Inzwischen hatte das Konstrukt seinen Höhepunkt erreicht, sodass nun unter ihm eine verzerrte 9 aufzuflackern begann. Genau wie das ganze Schiff, als Xiphos seine Worte gesprochen hatte.

      [Nick: 4000LP / Xiphos: 2500LP → 1700LP]

      Ohne Vorwarnung schob sich eine einzelne Karte aus dem Deck des Burschen hervor, welche dieser aufnahm. „Es ist [Qliphort Monolith] und auch ihn aktiviere ich wie eine Zauberkarte.“
      „Pendel“, raunte Nick ärgerlich, als links neben seinem Gegner eine zweite, blaue Lichtsäule aus dem Boden brach und dieses Mal eine unglaublich riesige, längliche Steintafel nach oben hob, die mit einem rot strahlenden Zickzack-Muster versehen war.

      <1> Xiphos' Pendelbereich <9>

      Zwischen den beiden obskuren Maschinen in der Luft bildete sich ein kreisrundes Loch, umgeben von dutzenden Energieellipsen. Xiphos rief: „Pendulum Scale set!“
      Ein einzelner, roter Lichtstrahl schoss aus dem Portal und manifestierte sich über dem jungen Mann. „Pendulum Summon! Vom meinem Extradeck: [Qliphort Helix]!“

      Qliphort Helix [ATK/2400 → 1800 DEF/1000 (6 → 4) PSC: <9/9>]

      „Wahnsinn! Das ist das erste Mal, dass ich das sehe!“, staunte Nina ehrfürchtig.
      Er hätte es wissen müssen, tadelte sich Nick selbst, schon als er sich nicht sicher gewesen war, was für Karten sein Gegner vorhin abgeworfen hatte. Nun hatte er die Antwort dazu. Zwar kannte er die Pendelmonster nur in der Theorie, war sich ihrer Stärken aber durchaus bewusst. Dieses Duell war gerade um einiges anspruchsvoller geworden …
      „Natürlich“, schnarrte er, um seine Anspannung zu überspielen, „es mir einmal einfach zu machen wäre auch zu viel verlangt gewesen.“
      „Nichts im Leben ist einfach“, kommentierte sein Gegner dies mit Nachdruck.
      „Außer man macht es sich leicht, indem man die Augen verschließt“, setzte Nick nach.
      „Manche Bilder verschwinden selbst dann nicht.“ Der brünette Jugendliche lächelte geheimnisvoller denn je. Dann legte er den Kopf leicht schief. „Also dann, ich greife mit [Qliphort Helix] deinen [Wind-Up Warrior] an. Spiral of Avarice!“
      Nick war aber schneller, betätigte er doch den Knopf an seiner Duel Disk, welche die Falle hochklappen ließ. „Mach das, aber nicht mit meinem Krieger. [Zenmaiday]! Diese Karte lässt mich einmal pro Zug eines meiner Wind-Ups zu einem Xyz-Material für ein Maschinen-Xyz-Monster machen!“
      Und noch während sich die Energie in dem Flugschiff entlang der beiden Spiralen auflud, verwandelte sich der orangefarbene Warrior in eine leuchtende Sphäre, die sich zu den anderen beiden gesellte, welche um den Kampfjet kreisten.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 2 → 3]

      „Was ist?“, fragte Nick provokativ mit ausgestreckten Armen, als Xiphos stumm lächelnd da stand und schwieg. „Da sich die Zahl meiner Monster auf dem Feld verändert hat, erfolgt ein Replay. Und wenn ich das richtig sehe ist mein Monster von den Werten her im Nachtteil.“
      „Vergiss es, Xiphi greift nicht an, kraw!“, raunte die Krähe Sparkly auf Nicks Schulter.
      „Nie. Nie, raw!“, blies Snuggly auf der seines Gegenüber ins selbe Horn.
      Jener winkte letztlich auch mit der Hand ab. „Nein, Nick. Wir wissen doch beide, dass das genau das ist, was du willst. Dazu muss ich nicht einmal deine Gedanken hören. Ich beende meinen Zug.“

      „War das so offensichtlich? Jammerschade“, gab sich ebenjener nicht einmal Mühe, seine mangelnde Überraschung zu verbergen. „Aber Feigheit ist wohl das, was dich auszeichnet.“
      Sofort holte Nina mit dem Fuß aus und trat Nick gegen das Schienbein. Jener wich unter einem Schmerzschrei zurück und sah sie irritiert an. „Willst du uns umbringen, du Trottel!? Das ist ein Dämonenlord! Beleidige ihn gefälligst nicht, nur weil du nicht bekommst was du willst!“
      „Ist schon okay, Nina“, schenkte Xiphos ihr ein vergnügtes Grinsen. „Du hast es treffend zusammengefasst. Ich sage nicht, was er hören will, also ändert er seine Strategie. Eindringliche Anschuldigungen, nun das Provozieren von Rechtfertigungen durch Beleidigung. In diesem Moment dürfte er bereits nach einem Weg suchen, wie er mich erpressen könnte.“
      Gerade wollte Nick wutentbrannt widersprechen, da hob der Bursche den Zeigefinger. „Und nein, Nick, denk nicht einmal dran. Sparkly ist nicht so harmlos wie du denkst.“
      „Genau!“, beteuerte die nickend.
      Schnaubend wandte sich Anyas Halbbruder daraufhin von Nina ab, die ihn mit ihrem strengen Blick regelrecht durchbohrte. „Sind wir jetzt hier, um ein Psychoprofil von mir zu erstellen?“
      „Vielleicht ist unser Treffen aus genau diesem Grund erfolgt“, überlegte Xiphos mit einem geheimnisvollen Unterton. „Hast du jemals daran gedacht, dass du vielleicht das bist, was du selbst als 'böse' bezeichnest?“
      Nick blieb ihm die Antwort darauf schuldig und starrte den Dämon nur sprachlos an.
      „Was du anderen Menschen bereit bist anzutun, nur um deine selbstsüchtigen Ziele zu verfolgen, stellt so manchen 'Dämon' in den Schatten.“ Dass Xiphos' Blick bewusst auf Nina lag, versetzte dem Größeren einen kleinen, aber feinen Stich in die Magengegend.
      Trotzdem konnte er das nicht so stehen lassen. „Ich bin nicht selbstsüchtig! Alles was ich tue, tue ich allein für Anya!“
      „Eben. Nicht für die ganze Welt, wie du es mir gegenüber vorgeben wolltest. Es ist schade, dass ausgerechnet du hierher finden solltest.“ Plötzlich schwang in Xiphos' Worten Enttäuschung mit. Aufrechte Enttäuschung. „Mit dir konnte ich mich schon immer am allerwenigsten identifizieren.“
      „Mit wem du dich identifizieren kannst ist mir scheißegal. Mir zu helfen und den Sammler zu stürzen bedeutet, der Welt einen Gefallen zu tun. Wen schert es, ob ich es aus egoistischen Gründen will oder nicht? Das Ergebnis ist dasselbe.“
      Der Junge schüttelte den Kopf. Ernst erwiderte er: „Das ist es nicht, Nick. Und weil du das nicht begreifst, kann ich dir nicht helfen, selbst wenn ich wollte. Aber was ist mit dir? Weißt du noch, wer du wirklich bist? Wo ist die Grenze zwischen Nick Harper und Eli Bauer?“
      Ohne es zu wollen, weckten Xiphos' Worte Erinnerungen. Eine Szene, die Nick mit aller Macht aus seinem Gedächtnis hatte verdrängen wollen.

      Er biss die Zähne so fest zusammen wie nur irgendwie möglich. Obwohl er das Schmerzmittel bereits eingenommen hatte, entfaltete sich dessen Wirkung noch nicht. Das Brennen an seinem Arm, dort wo er die Säure vom Angriff der 'anderen' Valerie abbekommen hatte, es brachte ihn fast um den Verstand.
      Nick beugte sich von dem Rand seines Bettes nach vorn, wippte dann aber nach hinten zurück. Von unten drang die nervige Dudelmelodie des Vorspanns der Show 'Das große Millionenquiz' an sein Ohr. Anya, Matt, Zanthe und seine Mutter vergnügten sich bereits seit Stunden köstlich vor der Flimmerkiste. In seinem weißen Hemd aufrecht sitzend, betrachtete er den von Blut durchtränkten, linken Ärmel, sich einredend, dass es nicht so schlimm war wie es auf den ersten Blick aussah.

      Nick erhob sich ruckartig und eilte zur Tür, mit dem Entschluss, Anya von seinen Entdeckungen zu berichten. Doch als schon die Hand auf der Klinke lag, zögerte er. Weil etwas ganz anderes sich in sein Herz schlich. Zweifel.
      Ihr von einer Valerie-Kopie zu erzählen würde ihm leicht fallen. Aber eines Tages, eines Tages musste er die Wahrheit sagen. Über sich. Und dass auch er gewissermaßen nur eine Fälschung war. Wie würde sie dann reagieren? Mit Hass und Zurückweisung, denn das war die einzig logische Schlussfolgerung. Anya war keine Abby, sie war nicht so naiv und vergebend. Er hatte ihr damals, als sie sich ausgesprochen hatten, gesagt, er habe ihr die ganze Wahrheit über sich erzählt. Noch einen Vertrauensbruch würde seine Schwester nicht verkraften.
      Und so ließ Nick die Klinke wieder los, schlurfte zurück und setzte sich an den Rand seines Bettes.


      Alles, was ihm blieb, war Nick zu bleiben. Eli gab es nicht mehr. Eli war tot.
      Langsam legte er seine Hände an den Kopf. Versuchte sich an all das zu erinnern, was der echte Nick ihm über dessen Zeit mit Anya erzählt hatte. Bilder entstanden vor Nicks innerem Auge, wie er sich begann einzureden, er selbst habe all das erlebt.
      „Ich bin Nick Harper“, murmelte er und begann vor und zurück zu wippen.
      Da waren sie, als kleine Kinder. Er schenkte ihr einen bunten Strauß Blumen, den er aus dem Garten seiner Mutter gerupft hatte. Die Wurzeln waren noch dran. Anya sagte ihm, dass sie Blumen hasste.
      „Ich bin Nick Harper.“
      Sie waren im Unterrichtsraum für Biologie und er zog die damals zwölfjährige Anya damit auf, dass sie niemals Brüste haben würde.
      „Ich bin Nick Harper.“
      Feuer. Überall.
      „Ich bin Nick Harper.“
      Er ließ den Benzinkanister sinken. Der Körper, der vor ihm lag, stand bereits lichterloh in Flammen.
      „Ich bin Nick Harper.“
      Da saß er. Sein Ebenbild. Und erzählte, dass er Anya bald gestehen wolle, wie verliebt er in sie war.
      „Ich bin Nick Harper.“
      So ein Idiot hätte nie eine Chance bei jemandem wie Anya. Aber der hatte das nicht begriffen, denn er war ja ein dummer, dummer Junge.
      „Ich bin Nick Harper.“
      Und alles, was dieser Typ jemals gefühlt hatte, das fühlte jetzt er an seiner Statt. Denn …
      „Ich bin Nick Harper.“
      In diesem Moment ließ Nick sich mit einem glücklichen Lächeln rückwärts aufs Bett fallen. Und selbst der Sammler würde das nicht ändern können, egal ob er versuchte ihn zu ermorden oder nicht.
      „Ich bin Nick Harper.“


      Nur nebenbei bekam Nick mit, wie Nina ihn verwirrt ansah. „Wovon redet er da, wer ist Eli Bauer?“
      „Nick“, erklang im selben Augenblick Xiphos' Stimme, „wenn Strife dich tot sehen wollte, wärst du es längst.“
      Ruckartig blickte der optisch Ältere auf, war wieder in der Realität angelangt. Und setzte ein unterkühltes Lächeln auf. „Im Moment verlasse ich mich darauf, dass ich ihm für seinen Plan nützlich bin. Aber irgendwann werde ich entbehrlich sein. Und dann weiß ich zu viel.“
      Xiphos sah ihn mitleidig an. „Du weißt gar nichts, Nick Harper.“

      „Ich bin am Zug“, erwiderte dieser vollkommen von seiner vorherigen Wut losgelöst und zog blitzschnell auf.
      Für ihn war der Fall klar. Dieser Dämon versuchte ebenfalls, seinen Willen durchzusetzen. Durch Ablenkung. Also entschied Nick, dass es an der Zeit war, die Ohren auf Durchzug zu stellen und mit dem zu kämpfen, was ihn wahrlich ausmachte: Seine Fähigkeiten.
      „Nick Harper besitzt solche nicht. Nur Eli Bauer.“
      Doch selbst Xiphos musste in diesem Moment wissen, dass diese Worte an Nick abprallten wie Regen an einer Fensterscheibe.
      Leider musste Nick beim Anblick seiner vier Handkarten feststellen, dass Fähigkeiten allein manchmal nicht ausreichten. Er sah sich einem alten Problem gegenüber gestellt: Keines seiner verfügbaren Monster würde mit [Qliphort Helix] im Kampf fertig werden.
      Aber Nick wäre nicht Nick, wenn er nicht trotzdem einen Vorteil aus so einer Situation ziehen könnte. Wenn die Offensive zu wünschen übrig ließ, so dachte er mit einem verschmitzten Grinsen gegenüber Xiphos, musste eben die Verteidigung perfekt sein. Und schwupp war sein Zenmaines in die Verteidigungsposition gedreht.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 3]

      „Ich führe eine Normalbeschwörung durch“, verkündete Nick gut gelaunt, „[Wind-Up Bat].“
      Während die schwarze Spielzeugfledermaus über ihm wild flatternd auftauchte, warf Nina dem jungen Mann einen fragenden Blick zu. „Kindchen, ist alles in Ordnung mit dir?“
      „Alles bestens, Nina.“
      „Wieso bist du plötzlich so …“
      „Fröhlich?“, beendete Nick die Frage und legte seine Finger auf die Karte seines neuen Monsters. Die Rothaarige nickte mit skeptischem Gesichtsausdruck.
      Und der Hochgewachsene riss [Wind-Up Bats] Karte förmlich in die Horizontale. „Einfach so.“
      „Einfach … so …“, wiederholte Nina die Worte ungläubig.
      „Einfach so“, tat es Nick ihr gleich und richtete das Wort an Xiphos. „Ich kann, nebenbei bemerkt, meine Fledermaus in die Verteidigung drehen. Dafür erhalte ich eines meiner Spielzeuge aus der Mottenkiste.“

      Wind-Up Bat [ATK/300 DEF/350 (1)]

      Kaum hatte sich die Fledermaus den [Wind-Up Shark] von Nicks Friedhof mit ihren Fängen geschnappt und jenem überreicht, schwang ihr Meister den Arm aus. „Und jetzt der Effekt von [Zenmaiday]!“
      Womit das Spielzeug sich in eine nunmehr vierte Lichtkugel verwandelte und Zenmaines zu umkreisen begann.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 3 → 4]

      „Was wird das!?“, beklagte sich Nina über Nicks Handhabung seiner Karten. „Willst du nicht auf ihn losgehen, er ist doch fast wehrlos!“
      „Alles Strategie, Nina“, versicherte Nick ihr freundlich. Damit nahm er eine Fallenkarte aus seinem Blatt und legte sie in die Duel Disk ein, sodass sie zischend neben seiner aufrecht stehenden erschien. „Die lasse ich hier. Zug beendet.“

      Xiphos schmunzelte. Und sagte während des Ziehens: „Wie du meinst. Draw.“
      Sofort im Anschluss streckte er den Arm in die Höhe, deutete mit dem Finger auf das ovale Flugschiff in der blauen Lichtsäule rechts neben ihm. „Für 800 Lebenspunkte erhalte ich eine Qli-Karte von meinem Deck.“
      „[Qliphort Shell]!“, krächzte Snuggly auf seiner Schulter.
      Die Karte schob sich aus der Battle City-Duel Disk hervor, wodurch der einen Kopf Kleinere sie nur noch aufzunehmen brauchte.

      [Nick: 4000LP / Xiphos: 1700LP → 900LP]

      „Er erholt sich ziemlich schnell von deinem Schlag, Kindchen“, zischte Nina ihrem Begleiter nervös zu, betrachtete die beiden Handkarten des Jungen aus den Augenwinkeln.
      „Auf Kosten seiner Lebenspunkte. Wieso soll ich die Schlacht schlagen, wenn er das selbst übernimmt?“
      Auf Nicks unbekümmerte Aussage hin verschränkte die Reporterin die Arme. „Hmpf! Übernimm dich bloß nicht. Egal wie clever du bist, der da … ist cleverer. Das hab ich im Urin.“
      „Und den behalten Sie bitte in sich, Nina“, verwies Nick sie mit klarem Unterton, „alles ist bestens.“
      „Das soll es aber nicht, Herrgott!“, explodierte die urplötzlich und stampfte auf. „Ich bin hergekommen, um etwas Action zu sehen, keine verdammte Seifenoper!“
      Das schallende Gelächter des Jungen auf der anderen Spielfeldseite unterbrach den kleinen Streit der beiden prompt. Xiphos sagte: „Für ein wenig Unterhaltung kann ich gerne sorgen.“
      Sogleich streckte er den Arm aus. Zwischen den beiden Lichtsäulen öffnete sich das Portal, um welches sich die unzähligen Ellipsen schlossen. „Pendulum Summon! Von meiner Hand!“
      Ein roter Lichtblitz schoss aus dem Portal und manifestierte sich neben dem [Qliphort Helix] als flaches Flugschiff, einem Diskus gleich, dessen Oberfläche in den Farben des Regenbogens strahlte.
      „Stufe 7, [Qliphort Disk]!“, benannte es Xiphos.

      Qliphort Disk [ATK/2800 → 1800 DEF/1000 (7 → 4) PSC: <1/1>]

      „Oh, jetzt hat er zwei Monster derselben Stufe“, giggelte Nina aufgeregt und machte sich wieder mit der Hüfte wackelnd ans Notieren, „Xyz-Boss incoming!“
      „Leider nicht, Nina“, stellte der Dämon jedoch freundlich klar, „solange ein Qli-Pendelmonster aktiv ist, kann ich nichts anderes beschwören, außer den Bestandteilen des Qliphots. Und da es keine Qli-Xyz-Monster gibt …“
      Nick stöhnte. „Ich weiß längst, was du vorhast. Das da ist nicht das Monster, welches du deiner Hand hinzugefügt hast.“
      Und es gab nur eine Form der Beschwörung, bei der diese Kreaturen ihre Kraft beibehielten.
      „Richtig“, entgegnete Xiphos und nahm die beiden Monster von seiner Duel Disk, „ich biete meine Monster als Opfer dar!“
      Statt sie in den Friedhofsschlitz zu jagen, schob er Helix und Disk in den Extradeck-Slot, wie es sich für Pendelmonster gehörte. Beide lösten sich am Himmel auf, wurden zu blauen Funken.
      „Tributbeschwörung! Erhebe dich, [Qliphort Shell]!“
      Jene stieg hinter Xiphos in die Höhe. Es handelte sich um ein muschelförmiges Gebilde, eine Maschine, an der sich zu allen Seiten spitz zulaufende Fortsätze befanden.

      Qliphort Shell [ATK/2800 DEF/1000 (8) PSC: <9/9>]

      Eine interessante Mischung, befand Nick. Ein Deck, das Tributbeschwörungen benutzte, obwohl es mit einem so großen Pendelbereich davon völlig unabhängig sein sollte.
      „Es ist gewissermaßen ein Widerspruch des Konzepts“, befand auch Xiphos, „aber gerade das macht dieses Deck so eindrucksvoll. Sieh her.“
      Als schemenhaftes Gebilde tauchte [Qliphort Helix] über dem neuen Schiff auf und feuerte einen Lichtstrahl quer hinab auf Nicks gesetzte Karte, die sofort explodierte. Der junge Mann wich erschrocken zurück.
      „Diese Monster haben verschiedene Funktionen. [Qliphort Helix] ist beispielsweise dafür geschaffen, als Tribut angeboten zu werden. Wenn das passiert, zerstört es eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Spielfeld.“
      Nick runzelte ärgerlich die Stirn, wie vor ihm der Rauch seiner verlorenen Karte aufstieg.
      „Und dann gibt es diejenigen unter ihnen, die am besten funktionieren, wenn sie per Tribut gerufen wurden“, erklärte Xiphos weiter und hob die flache Hand, „wie [Qliphort Shell]. Greife [Wind-Up Zenmaines] an! Rejection Sequence!“
      „Jetzt geht’s endlich lo-hos!“, fieberte Nina dem Angriff entgegen.
      Anders als Nick, der schluckte. Was würde ihn erwarten, ein fataler Schlag, wie damals im Duell gegen Valerie 2.0? Das war vermutlich noch ein sanftes Streicheln im Vergleich zu dem, was Xiphos anzurichten vermochte. Ihm gefiel jedenfalls nicht, dass diese mechanische Kampfmuschel sich um die eigene Achse zu drehen begann. Und einen pinkfarbenen Laserstrahl auf seinen Kampfbomber abfeuerte!
      Zwar kreuzte Nick die Arme vors Gesicht, verkündete jedoch selbstbewusst: „Wenn du denkst, dass dieser Angriff Zenmaines zerstören wird, liegst du falsch. Stattdessen kann ich-!“
      „Ich weiß“, erwiderte Xiphos ihm lächelnd.
      Schon schlug der Lichtstrahl in dem Kampfbomber ein, der zurückgeschleudert wurde, doch ansonsten unbeschadet blieb. Dabei absorbierte er eines seiner vier Xyz-Materialien.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 4 → 3]

      [Nick: 4000LP → 3300LP / Xiphos: 900LP]

      Ziemlich überrascht starrte Nick das Display seiner Duel Disk an, welches seine Lebenspunkte angab.
      „Ich hätte es vermutlich erwähnen sollen, aber [Qliphort Shell] fügt Durchschlagschaden zu.“
      Der zerzauste Zwei-Meter-Mann im Hawaiihemd aber schnalzte nur abfällig mit der Zunge.
      „Und sie kann zweimal pro Battle Phase angreifen, kraw“, fügte Sparkly belehrend hinzu, sodass Nick doch ein überraschter Laut entwich.
      Die Maschine in der Luft drehte sich munter weiter und feuerte von seiner unteren Spitze einen zweiten, pinken Laserstrahl auf den Bomber ab. Dieser absorbierte wieder eine der um ihn kreisenden Sphären, ehe er in einer Explosion unterging.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 3 → 2]

      [Nick: 3300LP → 2600LP / Xiphos: 900LP]

      Und unversehrt vor Nick wieder auftauchte, welchem der ganze Rauch entgegen schlug. Zu seiner eigenen Überraschung musste der junge Mann jedoch feststellen, dass er unverletzt geblieben war.
      „Habe ich je eine Absicht dieser Art angedeutet?“, fragte Xiphos geradezu unschuldig grinsend.
      Nein, dachte Nick säuerlich. Aber er wünschte sich, dass sein Gegner es getan hätte. Es fühlte sich nicht richtig an, irgendetwas stimmte da nicht!
      „Das ist deine Meinung, Nick. Es ist nicht das eingetreten, was du erwartet hast. Statt aber froh darüber zu sein, dass deine Vorurteile nicht erfüllt wurden, suchst du krampfhaft nach einem Weg, sie auf andere Weise zu bestätigen. Warum?“
      „Ich kenne eure Methoden! Und ich wäre nicht hier, würdest du nicht irgendetwas mit mir beabsichtigen!“
      „Was kennst du denn? Wie vielen von uns bist du begegnet, um dir ein Urteil erlauben zu können?“
      Nick schnappte nach Luft, aber Xiphos ließ ihn nicht zu Wort kommen.
      „Und bist du nicht aus eigenem Antrieb hier? Habe ich dich zu mir befohlen oder warst du es, der mich gesucht hat?“
      Er konnte nicht anders, musste eine Faust bilden. Denn um eine Antwort auf diese Fragen war er verlegen. Und dieser Junge, er lächelte. Wie immer. „Ich verstehe es. Als du nichts hattest, hat der Hass dich angetrieben. Das ist immer so, wenn du nicht weiter weißt. Dann lässt du den Hass sprechen, weil er dich immer am Leben gehalten hat. Daher hasst du mich an -seiner- Statt.“
      Luft durch die Nase blasend, murmelte Nick: „Ich würde es vorziehen, wenn wir unser Gespräch auf das Duell beschränken könnten.“
      Wieder diese Mundwinkel, die immer nach oben verzogen waren. „Es tut mir leid, dir das zu sagen, Nick. Aber … keine Kraft der Welt könnte dir helfen, deine wahren Probleme zu lösen. Ich beende meinen Zug.“
      Sofort schwang sein Gegner energisch den Arm aus. „Im Moment habe ich nur ein Problem und das wäre dein Monster. Aber darum kümmert sich jetzt [Wind-Up Zenmaines]!“
      Plötzlich löste sich der Kampfbomber mit einem Ruck von seiner Position und fegte in hoher Geschwindigkeit auf das muschelförmige Gebilde über Xiphos zu. „Wenn Zenmaines es geschafft hat, der Zerstörung dank seines Effektes zu trotzen, kann -ich- am Ende eine Karte zerstören!“
      In seinem Flug über das seltsame Objekt ließ Zenmaines in seinen Zangenhänden Torpedos mit Gesichtern erscheinen, die er direkt über [Qliphort Shell] fallen ließ. Doch bevor sie jene überhaupt erreichten, schlug sie auf einem unsichtbaren Energiefeld auf und explodierten. Nick stand wie angewurzelt da.
      „Ich weiß, Nick. Aber Qliphorts sind immun gegen die Effekte aller Monster, deren Rang oder Stufe unterhalb ihrer eigenen liegt. Es gibt also nicht eine Monsterkarte in deinem Deck, die es in dieser Hinsicht mit meinen aufnehmen könnte.“
      Nick knirschte regelrecht mit den Zähnen, als sein Spielzeug-Jet zu ihm zurückkehrte.
      „Und noch etwas“, fiel es Xiphos ein. Im selben Augenblick begann ein rotes Licht entlang der gezackten Linien des [Qliphort Monoliths] zu seiner Linken zu verlaufen. „Für jedes als Tribut angebotene Qliphort darf ich während der End Phase eine Karte ziehen, solange Monolith in einer Pendelzone liegt.“
      In seiner garantiert unechten, kindlichen Unbekümmertheit zog der Bursche zwei Karten und grinste breit. Erst jetzt begriff Nick, dass seine Kombo im ersten Zug keine Bedeutung mehr hatte. Und da dieser Bengel Zug um Zug die geopferten Pendelmonster zurück aus seinem Extradeck beschwören konnte …
      „… musst du dieses Duell so schnell wie möglich gewinnen. Sonst bist du es bald, dem nichts mehr bleibt. Einen kleinen Vorgeschmack bekommst du bereits: Ich aktiviere den Schnellzauber [Space Cyclone].“
      Die Karte wurde von Xiphos' in dessen Duel Disk geschoben und prompt zischte ein blauer Wirbelsturm vom Himmel über Nicks Spielfeld hinweg. Dabei nahm er eine der zwei verbliebenen Lichtsphären mit, die um [Wind-Up Zenmaines] kreisten.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 2 → 1]

      Nick biss sich auf die Lippe. Wirklich clever, den Schnellzauber zu aktivieren, solange er noch die Zeit dazu hatte, dachte er dabei. Das machte die ganze Sache noch komplizierter, denn er brauchte jede einzelne Overlay Unit.
      „Ich weiß. Deswegen habe ich es ja getan“, strahlte Xiphos ihn an.
      „Natürlich“, knurrte Nick und griff nach seinem Deck. Mit Schwung zog er seine vierte Handkarte auf. „Draw!“
      Seine Hand betrachtend, erkannte Nick, dass ihm mit diesem einen Xyz-Material die Chance zum Sieg genommen worden war. Zwar besaß er noch eine ganz bestimmte Zauberkarte, aber die würde er nicht benutzen können, da sie die Aktivierung des Effekts eines Xyz-Monsters vorschrieb. Und genau daran würde es letztlich scheitern.
      Nick durchlief verschiedene Szenarien in seinem Kopf, aber sie alle endeten in einer Sackgasse: Er würde die Bedingungen, die Karte zu aktivieren, nicht erfüllen. In manchen gar nicht, in anderen nicht rechtzeitig. Nein, so konnte er die Sache nicht angehen.
      „Ich beschwöre [Wind-Up Shark]“, entschied er sich daher für sein einziges Monster auf dem Blatt, welches in Form eines blauen Metallhais vor ihm auftauchte. Und Sekunden später schon die Gestalt einer leuchtenden Kugel annahm, die um Zenmaines kreiste. „Dank [Zenmaiday] transformiere ich ihn in eine Overlay Unit. Und da man davon nie genug haben kann, aktiviere ich [Overlay Regen].“
      Kaum hatte Nick den Zauber in die Duel Disk gerammte, sprang jene vor ihm auf und verwandelte sich ebenfalls in ein Xyz-Material, sodass diese nun zu dritt den Kampfbomber umschwirrten wie die Motten das Licht.

      Wind-Up Zenmaines [ATK/1500 DEF/2100 {3} OLU: 1 → 3]

      Xiphos kniff kurz die Augen zusammen. „Ist nicht so einfach, stimmt's?“
      „Ja. Weil du alles versuchst, um mir in die Quere zu kommen“, schnarrte Nick missbilligend. „Aber ich verrate dir etwas: Immer wenn jemand glaubt, mich am Boden zu wissen, zaubere ich noch ein Ass aus dem Ärmel.“
      „Und wenn keines mehr übrig ist, erschaffst du dir ganz einfach welche.“
      Nick wusste genau, worauf dieser kleine Mistkerl anspielte. Umso wichtiger war es, nicht drauf einzugehen. Er hatte schon viel zu lange geredet!
      „Bis dahin ist noch Zeit. Versuchen wir es zunächst mit meinem ersten Ass: Den zweiten Effekt von [Zenmaiday]! Und der rekonstruiert das Overlay Network für mich!“
      Ein schwarz-goldener Galaxienwirbel öffnete sich inmitten des Spielfelds. Nicks Zenmaines manövrierte sich oberhalb des Stroms und tauchte in diesen ein, bis er vollkommen verschwunden war. Elektrische Entladungen stiegen empor und mit ihm ein großer Roboter, weißgrün lackiert.
      „Damit wird das alte Xyz-Monster zu einer Overlay Unit für ein neues Wind-Up-Xyz-Monster, dessen Rang um 1 höher liegt als der des alten. Sieh her, Xyz Summon! Zeige deine Stärke, [Wind-Up Zenmaister]!“, brüllte Nick förmlich.
      Kaum war seine Kriegsmaschine dem Wirbel entsprungen, schloss dieser sich. Der Zenmaister besaß vier Düsenantriebe als Beine und ballte seine Hände zu Fäusten. Ganze vier Lichtkugeln umkreisten ihn dabei, verpassten ihm hin und wieder stärkende Stromstöße.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/1900 → 3100 DEF/1500 {4} OLU: 4]

      Xiphos sah ihn nachforschend an. „Du hast viel in dieses Monster investiert.“
      „Du kannst mich sabotieren so oft du willst, ich finde immer einen Weg, mich zurückzukämpfen“, schnarrte Nick entschlossen, „du hast ein Monster, das stärker ist als alles, was mein Deck zu bieten hat? Dann finde ich einen Weg, ein noch besseres zu rufen! Zenmaister ist schwach, ja, aber er erhält 300 Punkte für jedes Xyz-Material, das er besitzt. Deshalb der ganze Aufwand!“
      Ziemlich überrascht von der Ansprache, zischte Nina ihm zu: „Wem willst du was beweisen? Wir alle wissen doch, dass du gut bist.“
      „Ach ja!?“
      Wen gab es denn schon, der das wusste, fragte sich Nick bitter. Er hatte sich bisher immer nur denen beweisen müssen, die stärker waren als er: Drazen, Kali, die 'andere' Valerie, Xiphos … und außer Anya und Abby wusste vermutlich niemand, wie geschickt er sein konnte.
      „N-natürlich“, stotterte Nina erschrocken, wie er ihr den Kopf zuwendete und ansah, als würde er ihr gleich an die Kehle springen, „d-damals, als wir uns mit Drazen duelliert haben, hast du nur wegen mir verloren.“
      Sofort wich der Zorn aus Nicks Zügen. Nina seufzte und zuckte mit den Schultern: „Ja, ich weiß, ich bin eine schlechte Duellantin und hätte mich nicht einmischen dürfen! Deswegen habe ich es diesmal auch gelassen. Konnte ja nicht ahnen, wie das an deinem Ego kratzt …“
      Ein schwaches Lächeln huschte über die Lippen ihres Gegenüber. „Ich … wusste es auch bis eben nicht. Mir ist nur klar geworden, dass es wenige gibt, die mich je in Aktion gesehen haben.“
      „Das muss doch nicht immer so bleiben“, nuschelte Nina, für ihre Verhältnisse erstaunlich einfühlsam. Gewann aber schnell die alte Kratzbürstigkeit zurück. „Also was ist jetzt!? Fang endlich damit an, mach den da platt, ich schlage schon Wurzeln!“
      Der zerzauste, junge Mann wandte sich an Xiphos. „Du hast die Dame gehört. Ich greife [Qliphort Shell] an! Wind-Up Armored Fist!“
      Der Kampfroboter holte augenblicklich mit der Faust aus und ließ jene an einer Sprungfeder befestigt durch die Luft sausen, den ganzen Weg hin bis zu dem Muschelgebilde über Xiphos. Der Treffer zerschmetterte jenes, wodurch es explodierte.

      [Nick: 2600LP / Xiphos: 900LP → 600LP]

      Mit unbedarfter Mimik nahm der Dämon [Qliphort Shells] Karte von der Duel Disk und schob sie in seinen Extradeck-Schacht. Jedes Pendelmonster würde zurückkehren können, wenn es vom Feld beseitigt wurde, so wusste Nick. Und drei davon befanden sich jetzt bereits in Xiphos' Extradeck.
      „Ich setze diese hier verdeckt“, verlautete er und ließ die Falle, welche er aufgezogen hatte, in den dazugehörigen Slot ein. Das Zischen ihrer Materialisierung übertönend, rief er: „Zug beendet.“

      Wortlos nahm Xiphos eine Karte von seinem Deck auf und fügte sie seiner anderen Handkarte hinzu, welche er auch gleich stattdessen zückte. Mit ihr zwischen Zeige- und Mittelfinger, hob er die Hand in die Luft.
      „Du hast es richtig erkannt, Nick.“ Das kreisförmige Portal öffnete sich zwischen [Qliphort Scout] und [Qliphort Monolith] erneut, umspannt von dutzenden Lichtellipsen. „Pendulum Summon!“
      Drei rote Lichtstrahlen schossen daraus nach unten und nahmen die Formen von …
      „[Qliphort Helix], [Qliphort Disk] und [Qliphort Shell]!“ … an.
      Geradezu gefährlich muteten die drei Flugschiffe, angelehnt an eine DNA-Spirale, einen Diskus und eine Muschel, an, obwohl sie alle Angriffspunkte und Effekte einbüßten.

      Qliphort Helix [ATK/2400 → 1800 DEF/1000 (6 → 4) PSC: <9/9>]
      Qliphort Disk [ATK/2800 → 1800 DEF/1000 (7 → 4) PSC: <1/1>]
      Qliphort Shell [ATK/2800 → 1800 DEF/1000 (8 → 4) PSC: <9/9>]

      Das Lächeln, das Xiphos seinem Gegner im Anschluss schenkte, unterschied sich von denen davor. Es war eines jener Sorte, die Nick noch nie zuvor gesehen hatte. Mitleidig, aber auch enttäuscht. Ein unausgesprochenes 'Vielen Dank für deine Bemühungen, und tschüss'. Sein rechter Nasenflügel zitterte, als diese Erkenntnis zu ihm durchdrang.
      Mit einem Wisch nahm Xiphos all seine Monster von der Duel Disk, nur um in entgegengesetzter Richtung die gezückte Karte auf ebenjene zu legen. Eins nach dem anderen lösten sich die Qliphorts in blauen Funken auf.
      „D-drei Tribute!?“, keuchte Nina und ließ den Arm mit dem Block in der Hand sinken.
      „Du hast es begriffen, nicht wahr, Nick?“, erkundigte Xiphos sich freundlich. „Das, was jetzt kommt, kannst du nicht besiegen. Tributbeschwörung, [Apoqliphort Towers]!“
      Mit leerem Blick nahm Nick keine Notiz davon, dass ein gleißender Laserstrahl ihn erfasste, ausgehend von der Silhouette des [Qliphort Helix']. Dann gewannen Nicks Augen ihre engstirnige Entschlossenheit zurück und schnurstracks bewegte er die Hand zum Auslöser, genau in dem Moment, als der Strahl in seine gesetzte Karte einschlug. Für einen kurzen Augenblick war Nick von Rauch umgeben, bis jener sich verzog.
      „Oh große Güte“, stammelte Nina beim Anblick von dessen Erzeuger.
      Auch Nick legte den Kopf in den Nacken. Da war es also, das vermeintlich mächtigste von allen. Ein schwebender Turm, von dem vier Tragflächen ausgingen, aufgebaut wie die Beine eines Wasserläufers. Je zwei waren schwarz mit weißem Zickzack-Muster, bei den anderen beiden verhielt es sich umgekehrt.

      Apoqliphort Towers [ATK/3000 DEF/2600 (10)]

      Plötzlich begann ein grünes Licht an der Unterseite des Turms aufzuleuchten. Und ehe Nick sich versah, kippte sein Kampfroboter leblos zur Seite. Auch er erstrahlte in smaragdfarbenem Licht, das sich wie eine Schicht um ihn legte. Dabei entstanden durch die Partikel an der einen oder anderen Stelle des Metalls immer wieder für einen kurzen Moment Symbole, die Nick nicht vertraut waren.

      Wind-Up Zenmaister [ATK/3100 → 2600 DEF/1500 → 1000 {4} OLU: 4]

      „Das sind die Apocrypha. Sie schwächen sämtliche Monster, die spezialbeschworen wurden, um 500 Punkte auf beiden Werten.“
      Nick brachte nichts hervor. Wieder war sein Monster unterlegen. Dabei hatte er alles versucht, um es so stark wie möglich zu machen!
      „Nimm es mir nicht übel, Nick, aber das allein reicht nicht aus. Gegen die Apocrypha bist du machtlos.“ Wieder bedachte Xiphos ihn mit diesem mitleidigen Blick. „Ich benutze einen weiteren Effekt!“
      In jenem Augenblick leuchtete die obere Spitze seines riesigen Himmelsgebildes rötlich auf, woraufhin sich um Nick und seinen Roboter verschiedene Linien zogen und ihn umkreisten. Es war das Sephiroth, der kabbalistische Lebensbaum, mehrmals aneinander gereiht.
      „D-das ist unheimlich“, stotterte Nina und nahm einen respektvollen Schritt Abstand von ihrem Begleiter. Dann begann sie wild Notizen zu machen. „Wieso nicht gleich so, verdammt!?“
      „Du musst dich jetzt entscheiden, Nick“, erklärte ihm Xiphos freundlich, „auf ein Monster wirst du verzichten müssen. Entweder auf das auf dem Feld, oder eines in der Hand. Welches opferst du?“
      Ein Auflachen unterdrückend, betrachtete Nick seine einzige Handkarte. „Als ob du das nicht wüsstest …“
      Der Ring zog sich zusammen, drang durch Nick hindurch und verschluckte kurzerhand den am Boden liegenden Zenmaister.
      „Es war mir ein Vergnügen, Nick“, sagte Xiphos abschließend und hob eine flache Hand in die Höhe, „direkter Angriff, Discard Materialism!“
      Die Zackenlinien auf [Apoqliphort Towers] 'Beinen' begannen rosafarbend aufzuleuchten. Dann löste sich das Licht von ihnen. Es spiegelte sich in Ninas Brillengläsern wieder, dieses Gewitter, das auf Nick zuzog. Aberdutzende Strahlen, die im hohen Bogen den jungen Mann anpeilten.
      Jener stand stocksteif da, als der Regen sich über ihn ergoss. Überall in und um ihn herum schlugen sie ein, lösten eine Explosion nach der anderen aus. Nina wich noch weiter zurück, ihr fiel vor Schreck der Stift aus der Hand, wie sie all dies miterlebte.
      „Netter Versuch. Aber mehr auch nicht …“
      Der Klang von Nicks Stimme sorgte dafür, dass gleich darauf auch noch der Notizblock im Gras landete. Das Bombardement hörte schlagartig auf. Der junge Mann stand unversehrt auf der Stelle, ohne den Hauch einer Emotion zu zeigen.

      [Nick: 2600LP → 1100LP / Xiphos: 600LP]

      „Natürlich musste es so kommen.“ Vergnügt kicherte Xiphos, als er das sagte. „Du hast [Damage Diet] gerade noch rechtzeitig aktiviert. Nur eine Sekunde später, und sie wäre durch den Effekt von [Qliphort Helix] wirklich zerstört worden.“
      „Aber so habe ich dafür gesorgt, dass ich diesen Zug über nur den halben Schaden erleide“, beendete Nick die Erklärung für Nina.
      Der Bursche mit seiner Krähe Snuggly auf der rechten Schulter zuckte mit ebenjenen. „Leider war das schon dein zweites Ass. Viel bleibt dir nicht mehr.“
      „Du könntest es genauso gut auch lassen, kraw“, schimpfte Sparkly in Nicks Ohr.
      Welcher eisig konterte: „Ich könnte dir auch genauso gut den Hals umdrehen. Wollte schon immer wissen, ob Schattengeister dadurch sterben.“
      Er dachte an Orion, den Schattengeist des Sammlers, mit dem er damals einige Tage verbracht hatte. Ein fürchterlich nerviges, verfressenes Wesen, das den ganzen Tag an nichts außer weibliche Rundungen, Schlammpfützen und japanische Cartoons dachte. Wie gern hätte er diese schwarze Knolle damals lebendig begraben, aber seine Maskerade als Idioten-Nick hatte ihm dies untersagt.
      „Ich mochte Orion schon immer. Er ist auf seine Weise sehr liebenswert“, tadelte Xiphos sein Gegenüber. „Und das, obwohl er mit einer so großen Bürde geboren wurde. Ah, wie auch immer, ich beende den Zug.“
      Kaum hatten die Worte seine Lippen verlassen, leuchtete das Muster auf [Qliphort Monolith] in der blauen Lichtsäule auf. Nick klappte beinahe die Kinnlade hinunter, als Xiphos ganze drei Karten zog. Daran hatte er gar nicht mehr gedacht, aber ja, sein Gegner hatte drei Qliphort-Monster als Tribut angeboten. Jetzt kam Xiphos auf vier Handkarten.
      „Scheint, als habe sich das Blatt im wahrsten Sinne des Wortes gedreht“, versetzte dieser ihm noch einen Seitenhieb.

      „Es gibt immer vier Asse“, erinnerte Nick seinen Gegner schnaubend an jene allseits bekannte Tatsache und riss die oberste Karte von seinem Deck, „Draw!“
      Sein Gesicht war zu einer grimmigen Fratze verzogen. Er hatte keine Zeit mehr, denn im nächsten Zug würde dieses dämonische Kind ihn besiegen, ohne Zweifel. Seine gezogene Karte, [Wind-Up Magician], war in Kombination mit -dieser- Zauberkarte nutzlos.
      „Gib schon auf!“, krächzte Sparkly auf seiner Schulter. „Du kannst Xiphi nicht besiegen.“
      „Ja. Verloren, verloren!“, gackerte auch Snuggly.
      „Ich bin nicht einmal ansatzweise daran, zu verlieren“, widersprach Nick zornig und streckte unvermittelt den Arm aus. „Effekt meiner Fallenkarte!“
      Sofort überschlug sich Nina vor Fassungslosigkeit, begann wild mit den Händen zu fuchteln. „Hast du jetzt völlig den Verstand verloren!? Da ist keine Falle auf deinem Spielfeld! Kindchen, für dich ist es ge-lau-fen! Sieh's ein!“
      Der junge Mann blickte allerdings stur geradewegs seinen Gegner an. „Du weißt, wovon ich spreche, oder?“
      „[Zenmaistery]. Eine Falle, die nicht nur Monster zerstören, sondern auch recyclen kann“, erwiderte der Knirps mit einem Lächeln. „Aber ich musste sie zerstören.“
      „Stimmt, trotzdem kann ich sie jetzt, da ich keine Karten kontrolliere, von meinem Friedhof verbannen“, erklärte Nick an eine überraschte Nina gerichtet, „und erhalte von dort [Wind-Up Shark] zurück.“
      „O-oh“, machte die rothaarige Reporterin, als besagte Karte sich aus Nicks Friedhof schob und von diesem aufgenommen wurde.
      Statt sie seiner Hand hinzuzufügen, nahm Nick gleich noch das andere Monster aus seinem Blatt und legte erst dieses und gleich darauf den Hai auf die Duel Disk. „Du weißt was jetzt kommt! Ich beschwöre [Wind-Up Magician] normal und als Antwort darauf auch gleich [Wind-Up Shark] spezial!“
      Nebeneinander materialisierten sich ein violetter Spielzeugmagier mit Zauberstab in den Händen und das blaue Meerestier, nicht weniger metallisch glänzend als sein Kamerad.

      Wind-Up Magician [ATK/600 DEF/1800 (4)]
      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4)]

      „Aber das ist noch nicht alles: Da ich den Effekt eines Wind-Ups dank Shark aktiviert habe, kann mein Magician jetzt noch eines aus meinem Deck beschwören!“, verlautete Nick ehrgeizig und knallte jenes bereits auf seine Duel Disk. „[Wind-Up Knight]!“
      Der Aufziehschlüssel auf dem Rücken des Magiers rotierte förmlich, als jener den Zauberstab neben sich ausschwang. Ein etwa anderthalb Meter großer, weißer Spielzeugritter mit Schwert und Schild in der Hand erschien daraufhin zu seiner Linken.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Unvermittelt ballte Nick seine freie Hand zu einer Faust und hob sie langsam in die Luft. „Ein Ass habe ich noch im Ärmel. Eines, mit dem du nicht gerechnet hast. Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Der schwarze Sog öffnete sich in der Mitte des Spielfeldes. Wie Nick es inzwischen von Xiphos gewohnt war, verzog dieser keine Miene. Ob er es etwa ahnte?
      „Aus meinen drei Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“, schrie Nick förmlich und riss seine Faust in die Höhe.
      Als roter Strahl wurde der Magier vom Schwarzen Loch absorbiert, es folgten der Hai als blauer und schließlich der Ritter als gelber. Dann erfolgte eine gewaltige Explosion aus dem Überlagerungsnetzwerks. So stark, dass eine Schockwelle die endlose Wiese anheim suchte und eine schreiende Nina glatt von den Füßen riss.
      „Wa-wa-wa-was ist das!?“, quiekte sie panisch.
      Der Himmel verdunkelte sich zunehmend. Selbst Xiphos' Lächeln war inzwischen verklungen und einer nicht zu deutenden Mimik gewichen. Stattdessen waren es jetzt Nicks Mundwinkel, die nach oben zuckten. So hauchte er leise: „Xyz Summon …“
      Ein grässlicher, schriller Schrei erklang aus der Mitte des Sogs. Dann erhob er sich, der erste Kopf des Drachen. Schwarz war er, von einer Maske bedeckt und gehörnt. Ebenso die beiden anderen, die nach diesem auftauchten. Als sich die Kreatur langsam erhob, entfuhr Nina noch ein Schrei. Aber nicht, weil der majestätische Drache mit seinen aus gefrorenem, schwarzen Eis bestehenden Flügeln so furchteinflößend war. Nein. Livingtons meist gehasste Klatschkolumnistin hatte Angst. Denn die Schatten, die sich auf Nicks Haut immer weiter ausbreiteten, waren dunkler als alles, was sie je gesehen hatte.
      „[Evilswarm Ourorobos]“, nannte der nahezu unbekümmert das Biest beim Namen. Um jeden Kopf dieser Kreatur kreiste ein Xyz-Material.
      Doch noch ehe es richtig abhob, riss eine unsichtbare Kraft den Drachen kurzerhand wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, wortwörtlich. Er schlug mit seinem massigen Körper dort ein, wo sich das Overlay Network gerade geschlossen hatte.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 → 2250 DEF/1750 → 1250 {4} OLU: 3]

      Das riesige Gebilde über Xiphos war schuld daran. Ganz an seiner unteren Spitze leuchtete ein grünes Licht, das sich ebenfalls kaum merkbar um Ouroboros wie einen Schleier gelegt hatte.
      „Ah, die Apocrypha wieder“, summte Nick förmlich vor guter Laune. Sein halbes Gesicht hatte sich binnen Sekunden pechschwarz in Schatten gelegt. Und der Teil, bei dem das noch nicht der Fall war, wurde zunehmend 'gefressen'. Kurzerhand ergriff Sparkly die Flucht. Sich von Nick abstoßend, flog die schwarze Krähe zu Xiphos zurück und landete auf dessen freier, linker Schulter.
      Der brünette Jugendliche sagte: „Diese Karte gehört nicht dir, Nick. Sie wurde nie für dich gemacht.“
      „Nein“, erwiderte dieser eisig. „Ich habe sie demjenigen genommen, bevor er mir etwas nimmt.“
      „Du kannst ihre Kraft nicht kontrollieren“, prophezeite Xiphos seinem Gegner.
      „Also ich fühle mich erstaunlich gut.“
      Nina indes rappelte sich langsam auf. „Bist du dir sicher, Kindchen? Schau in den Spiegel und sag das nochmal!“
      Sie öffnete ihre giftgrüne Riesenhandtasche und holte einen kleinen Spiegel daraus hervor, näherte sich Nick aber nur mit gehörigem Respekt, als sie ihm diesen vors Gesicht hielt. Zwar warf der junge Mann tatsächlich aus den Augenwinkeln einen Blick auf sein Ebenbild, zuckte aber nur mit den Schultern. „Und wenn schon. Wenn dieses Ding mir zum Sieg verhilft, ist es das wert.“
      „Das ist es nicht“, widersprach Xiphos bestimmend.
      „Hast du etwa Angst?“, fragte Nick herausfordernd. „[Evilswarm Ouroboros] ist von einer Immateriellen erschaffen worden. Sag bloß, so eine Kreatur könnte sogar dir gefährlich werden?“
      Xiphos allerdings entgegnete: „Weißt du noch, warum du ursprünglich hierher gekommen bist?“
      „Wenn ich nicht bekommen kann, wofür ich 'ursprünglich hierher gekommen bin'“, sagte Nick und seine Augen verengten sich zu Schlitzen, „habe ich keine Verwendung mehr für dich.“
      In diesem Augenblick riss er den Zeigefinger nach oben. „Ich aktiviere den Effekt von [Evilswarm Ouroboros]! Durch das Abhängen einer Overlay Unit kann ich [Apoqliphort Towers] auf die Hand zurückgeben!“
      Der am Boden liegende Drache schnappte mit seinem mittleren Kopf nach der leuchtenden Sphäre, die diesen umkreiste. Nick brüllte: „Infestation's Viciousness!
      Besagtes Haupt sammelte in seinem Maul zunächst schwarze Partikel an, ehe es diese quer in die Höhe spie, in Form einer mächtigen Flamme.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2250 DEF/1250 {4} OLU: 3 → 2]

      Doch es waren in Wahrheit winzige Insekten, die, als sie in das riesige Himmelsgebilde einschlugen, damit begannen, es regelrecht zu verseuchen. Binnen weniger Herzschläge hatten sie sich auf die vier Beine ausgebreitet.
      „Hm“, kam es von Xiphos bloß nachdenklich. „Apocrypha!“
      Schlagartig stieß [Apoqliphort Towers] eine grüne Schockwelle von seinem ganzen Körper aus, die die winzigen Insekten im Nu absterben und von ihm herabfallen ließ. Wie ein schwarzer Regen gingen sie auf Xiphos nieder, der sagte: „Die Apocrypha haben mehrere Wirkungsbereiche. Einer davon besagt, dass kein Monstereffekt auf [Apoqliphort Towers] Wirkung hat, solange die Stufe oder der Rang des Verursachers niedriger ist.“
      „Kommt mir bekannt vor“, sagte Nick und schnippte mit dem Finger, „ah, stimmt ja. Dann verfügen alle Qliphorts über diese Fähigkeit, selbst die Nicht-Pendelmonster.“
      „Du hast keine Chance mehr, kraw!“, krächzte Snuggly.
      Was ihre Schwester genauso sah. „Gib schon auf!“
      Selbst Nina, die ihren Spiegel inzwischen wieder in der Handtasche verstaut hatte, redete eindringlich auf Nick ein: „Sie haben Recht. Mit so einem schlappen Drachen kommst du nicht gegen ihn an. Gib lieber auf, bevor dir noch etwas passiert.“
      „Sehe ich so aus, als würde mir etwas passieren?“, fragte Nick Nina scharf. Als sie verschreckt zurückwich, fügte er hinzu: „Ehrlich gesagt hätte ich, nach Anyas Schilderungen, erwartet, dass auch ich ein Opfer dieser Karte werde. Dass sie mich in ihren Bann zieht. Aber …“
      Er wandte sich an Xiphos, der die Arme voreinander verschränkte. „… meine eigene Dunkelheit ist mehr als ausreichend, um diese hier im Keim zu ersticken.“
      Zeitgleich nahm er seine letzte Handkarte und legte sie in die Duel Disk ein. „Was auch der Grund ist, warum ich so enttäuscht bin. Ich verfüge über keine eigenen Kräfte. Aber ich hätte etwas mehr von [Evilswarm Ouroboros] erwartet. Vielleicht sollte ich versuchen, ihn zu inkarnieren?“
      „Das geht nicht. Dazu brauchst du die Kraft eines Immateriellen, Nick“, sagte Xiphos.
      „Technisch mag das sogar stimmen. Aber … ich brauche diese Kraft gar nicht. Ich kann dich auch so besiegen, ohne magischen Hickhack.“ Vor ihm sprang eine Zauberkarte auf. „Indem ich diese hier aktiviere: [Xyz Overload]. Da mir [Evilswarm Ouroboros] nicht mehr nützlich ist, zerstöre ich ihn stattdessen.“
      Der geschwächte, dreiköpfige Drache begann panische Schreie auszustoßen, nahm all seine verbliebene Kraft zusammen, um sich panisch hin und her zu bewegen. Parallel dazu überzogen die Schatten auf und um Nick ebenjenen völlig, hüllten ihn in eine dunkle Wolke ein.
      Ninas Mund stand so weit offen, dass ein Golfball darin Platz finden würde. Wie von magischer Hand wurde Ouroboros in die Höhe gehievt, ließ letztlich vor Erschöpfung Köpfe und Schwingen schlapp herab herabhängen. Sein Körper begann in einem langsamen Intervall gelblich zu flackern.
      „Bist du verrückt!?“, überschlug sich Nina, die ihre Stimme zurückgefunden hatte. „Ich kenne diese Karte! Ihr werdet beide verlieren! Dafür bist du nicht hergekommen!“
      Aus dem finsteren Wirbel, der Nick umgab, hallte es entschlossen heraus: „Es ist entschieden, Nina. [Xyz Overload] zerstört ein Xyz-Monster, welches in diesem Zug seinen Effekt aktiviert hat und dessen Angriffsstärke größer als meine Lebenspunkte ist und fügt beiden Spielern die Hälfte davon als Schaden zu.“
      „Das sind 1125 Punkte!“, stieß Sparkly und schlug dabei panisch mit ihren Flügeln.
      „Zu viel. Zu viel! Tu was, Xiphi!“, ermahnte ihn auch Snuggly. Aber der Brünette verharrte regungslos mit versteinerter Mimik.
      Der Takt des Aufleuchtens von Ouroboros wurde zunehmend schneller. Genauso wie die Schreie des Drachen immer schriller und ängstlicher wurden.
      Unterkühlt sagte Nick: „Matt braucht dich vielleicht, um seine Duelle zu gewinnen. Ich nicht. Leb' wohl.“
      Und in diesem Augenblick brach das Wesen in einer tosenden Explosion förmlich auseinander. Wellen von schwarzen Flammen überzogen die gesamte Wiese, sodass Nina kreischend davon rannte. Aber auch sie wurde erfasst und mitgerissen.

      Als die Rothaarige zur Besinnung kam, merkte sie, dass sie am Boden lag. Die Augen vorsichtig klimpernd öffnend, sah sie den Himmel. Er war wieder strahlend blau. Das Gras neben ihr jedoch verschwommen. Ihre Brille war fort. Sich auf die Knie rollend, tastete sie das Grün ab, fand aber nicht, wonach sie suchte.
      „N-Nick?“, rief Nina orientierungslos und sah sich nach ihm um.
      Sie entdeckte diesen auch. Er stand wohl noch da, zu ihrer Linken, wo er vor der Explosion gestanden hatte. Die dunkle Wolke um ihn existierte nicht mehr, was sie insgeheim aufatmen ließ. Dem Strubbelkopf, den sie nur im Profil sah, stand auf einige Meter Entfernung Xiphos gegenüber.
      „So etwas aber auch!“, fluchte sie und griff kurzerhand in ihre Tasche, wo sie ein Brillenetui hervorzauberte. „Immer gut, Ersatz dabei zu haben.“
      Kaum hatte sie das Modell mit den schwarzen Bügeln aufgesetzt, erkannte sie die beiden besser. Nicks Hautfarbe hatte sich normalisiert. Xiphos lächelte. „Glückwunsch.“

      [Nick: 1100LP → 537LP / Xiphos: 600LP → 0LP]

      Die verblieben Hologramme verschwanden.
      „Nicht mal ein Kratzer“, ärgerte sich Nick leise. Nina stellte fest, dass der Jugendliche trotz der heftigen Explosion unversehrt geblieben war. Ebenso die Graslandschaft selbst, die doch inzwischen einem Krater hätte ähneln müssen. Auffällig war auch, dass die Krähen mit Abwesenheit glänzten.
      Viel mehr aber wunderte die Journalistin eins: „Wie zur Hölle hast du gewonnen!? Und das mit so einem seltsamen Lebenspunktewert!?“
      „Er hat sich Zunutze gemacht, dass [Damage Diet] einen zweiten Effekt besitzt“, erklärte ihr Xiphos freundlich. „Sie aus dem Friedhof zu verbannen sorgt dafür, dass Effektschaden, den er erleidet, halbiert wird.“
      „O-oh!“ Nina straffte ihre Schultern. „G-gut gemacht.“
      „Ich weiß“, gab sich ihr Begleiter wieder betont distanziert. Seinen Blick starr auf Xiphos fixiert, begann er unerwartet zu schmunzeln. „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mit einem anderen Ausgang gerechnet. Du scheinst ein vernünftiger, fairer Dämon zu sein. Du hast nicht einmal versucht, in das Schicksal einzugreifen.“
      Xiphos grinste breit. „Das hätte sonst auch keinen Spaß gemacht.“
      „Mag sein.“ Nick wurde wieder deutlich ernster. „Aber das heißt auch, dass du dich an die Abmachung halten musst.“
      Statt etwas daraufhin zu erwidern, hob der Dämon seinen Zeigefinger und deutete auf Nick. Besser gesagt dessen Gesicht. Nina bemerkte, wie der junge Mann verwirrt die rechte Augenbraue anhob und sich dann mit einem fragenden Ausdruck zu ihr drehte.

      Als Nick die Klatschreporterin so sah, wie sie mit ihrem durcheinander geratenem Haar da stand und die Hände vor den Mund schlug, wusste er nicht, warum sie das tat. Und das erfüllte ihn mit einer gewissen Unruhe. „Was ist?“
      „D-dein linkes Auge.“
      Nick fuhr instinktiv mit der Hand über das Lid, aber dort war nichts.
      „Da sind zwei Krähen-Tattoos. Direkt neben dem Auge!“
      „Was!?“, stieß er hervor und wirbelte zu Xiphos herum.
      „Das ist die Kraft, die ich dir geben kann. Von nun an gehören Snuggly und Sparkly dir.“ Xiphos lächelte geheimnisvoll. „Keine Sorge, Nick. Niemand außer dir und Nina wird die Veränderung an dir sehen können. Diese beiden Schattengeister sind besonders. Ich bin überzeugt davon, dass sie dir gute Dienste leisten werden.“

      Nick breitete die Handfläche seiner linken Hand vor sich aus. Er stellte sich vor, irgendetwas damit zu bewirken. Eine Flamme erscheinen zu lassen, oder eine Waffe. Oder wenigstens eines dieser Viecher, aber nichts geschah.
      „Du wirst schon noch dahinter kommen“, versicherte Xiphos ihm. „Snuggly und Sparkly sind eigenwillig. Aber sie werden da sein wenn du sie brauchst.“
      „Wieso habe ich das Gefühl, dass ich mir damit keinen Gefallen getan habe?“, stellte Nick die vorletzte Frage, die er Xiphos zu stellen gedachte.
      „Du wirst ihnen – und mir – vertrauen müssen.“
      Nick hob die Handfläche und strich sich mit den Fingerspitzen über die Stelle, die Nina ihm beschrieben hatte. „So wie du dem Sammler vertrauen musst, weil ihr Freunde seid.“
      „Wir sind jetzt ebenfalls Freunde, Eli.“
      „Ich bin Nick Harper“, murmelte jener leise und schloss die Augen, „aber sind dein Strife und der Sammler überhaupt ein und dieselbe Person?“

      Dann lauschte er nach der Antwort. Es kam keine. Und als der junge Mann die Lider wieder anhob, fand er sich zusammen mit Nina in der verdunkelten Wohnung wieder. Der Fernseher flimmerte schwarz-weiß, als würden Ameisen darüber krabbeln. Von Xiphos fehlte jegliche Spur.
      „Das weißt wohl nicht einmal du“, flüsterte der junge Mann vor sich hin.
      Nina ihrerseits fasste das Erlebte für sich zusammen. „Okay … okay! Das war … eine seltsame Begegnung. Und etwas enttäuschend.“
      Sich noch einmal im Wohnzimmer umsehend, entschied Nick: „Das wird sich wohl erst zeigen. Ich weiß nicht, ob ich wirklich das bekommen habe, was ich wollte. Und Sie?“
      „Ich glaube nicht, dass ich darüber schreiben werde. Mit so einer Geschichte gewinne ich bestimmt keine neuen Leser.“
      Nick musste auflachen. „Sicher, dass Sie nicht einfach nur Angst haben, weil Xiphos Ihnen untersagt hat, damit an die Öffentlichkeit zu gehen?“
      „N-nein, überhaupt nicht. Wo denkst du hin?“ Die Nase rümpfend, stürmte Nina aus dem Zimmer hinaus. „Komm jetzt, Bürschlein, ich will hier nicht eine Minute länger meine Zeit verschwenden!“
      Nick folgte ihr aus der Wohnung. Sich dabei immer wieder fragend, was er durch diese Begegnung genau gewonnen hatte. Und was im Gegenzug verloren …

      ~-~-~

      Nick ließ die Tür seines Motelzimmers hinter sich ins Schloss fallen. Endlich war er diese verdammte Nina los! Hatte sie ernsthaft erwartet, dass er sie mitnahm, um die Diebin von Anyas Deck zu stellen? Sie mochte sich minimal gebessert haben, aber in diesem Fall wäre sie nichts weiter als ein Klotz am Bein. Also hatte er sie am nächsten Bahnhof mit ein paar Scheinen abgesetzt, auf dass sie allein ihren Weg nach Livington zurückfand.
      Letztlich hatte er sich dann hier abgesetzt.

      Nick ließ sich rückwärts gegen die Tür fallen und rutschte an ihr hinab bis auf den Hosenboden. Das kleine Motelzimmer war spärlich eingerichtet. Die beigefarbenen Wände und die hölzerne Einrichtung versprühten einen gewissen Charme, sofern man auf Seitensprünge stand. Nick fühlte sich hier nicht wohl. Was wiederum eher an dem Erlebten lag. Sofort fasste er wieder die Stelle neben seinem linken Auge an, welche nun von zwei stilisierten Krähen gezeichnet war.
      So vieles war ihm seitdem durch den Kopf gegangen. Sparkly und Snuggly … waren sie wirklich seine Verbündeten? Oder Spione für Xiphos und den Sammler? Andererseits, so etwas brauchten Wesen wie diese beiden überhaupt nicht. Und dann die Frage, über welche Kräfte sie und damit im weiteren Sinne auch er verfügten? Nick überlegte hin und her, ob er die Krähen rufen und bitten sollte, ihn im Umgang damit zu schulen.

      Langsam richtete er sich auf. Zunächst musste er etwas anderes erledigen. Seit seinem letzten Anruf war inzwischen einiges an Zeit verstrichen und Abby war bestimmt schon sauer deswegen.
      Gemächlich schlenderte er daher um das Bett herum zu einer Kommode, auf dem das Telefon stand, welches er sich nahm. Die Schnur bis zum Bett ziehend, setzte er sich auf dessen Rand. Nachdem er Abbys Mobilfunknummer aus dem Kopf gewählt hatte, dauerte es einen Augenblick, bis sie auch abnahm. „Masters?“
      „Hi Abbs.“
      „Nick? Seit wann nennst du mich Abbs?“
      Er grinste verlegen. „Mir war einfach danach.“
      „Na wenn du meinst“, kicherte sie und er sah sie geradezu vor sich, wie sie-
      Nick blinzelte. Er -sah- sie vor sich! Abigail Masters stand direkt neben ihm, vor dem großen Eichenschrank. Sie hielt ihr Smartphone am Ohr und sah gen Boden. Ihr brünettes Haar war hochgesteckt, dazu trug sie ein farbenfrohes Shirt mit Spagettiträgern. Und natürlich ihre dezente Brille, nicht das gefärbte Monsterteil von damals. Sie war hübsch anzusehen, wenn man davon absah, dass er ganz offensichtlich halluzinierte.
      „Ähm, Abby … ich“, stotterte er verwirrt. Ihre Erscheinung war verschwommen und transparent, sodass sich Nick mit der freien Hand die Augen rieb.
      Indes summte sie förmlich: „Ja, Nick?“
      Als der zerzauste Mann im Hawaiihemd fertig und sie immer noch da war, konnte jener nur müde lächeln. „Das ist kein Zufall, dass ich dich sehe, oder?“
      „Ja!“, strahlte sie ihn an, während ihre Stimme aus dem Hörer kam. „Das kann ich jetzt auch! Sirenenkräfte sind so abgefahren!“
      Allein, dass er sie noch nie so reden gehört hatte, versetzte Nick ins Staunen. „Ist das eine Astralprojektion?“
      „Glaube schon“, sagte sie und nickte dabei. „Ich habe erst vor Kurzem entdeckt, dass ich das kann. Weißt du, Timothy, einer aus meinem Psychologie-Kurs, hatte mich neulich so auf die Palme gebracht. Er hat doch tatsächlich Tierversuche damit gerechtfertigt, dass-“
      Okay, sie war immer noch die alte Abby, atmete Nick erleichtert auf. „Ja, ja, ja, wie konnte er das nur tun, dieser Mistkerl.“
      „Genau, und da war mir mit einem Mal danach – nachdem er jedes meiner wirklich guten Argumente ignoriert hat! – so richtig aus der Haut zu fahren.“
      Nick musste auflachen und strahlte das geisterhafte Mädchen vor ihm an. „Und das ist dir gelungen, nehme ich an.“
      „Jap. Vor mindestens zehn Mitkommilitonen. Ich habe sie sofort glauben lassen, sie wären Bananen.“
      „Biobananen?“
      „Fair Trade-Biobananen.“
      Nick taten schon die Mundwinkel beim Grinsen weh. „Sieht dir ähnlich. Sie haben es danach vergessen, richtig? Oder denken sie immer noch, sie wären für eine bessere Welt angebaut worden?“
      Abby zwinkerte ihm verschwörerisch zu. „Nein, neun von ihnen geht es wieder gut. Aber genug von mir und meinen unnötigen Sirenenupgrades, wie geht’s dir?“

      Das breite Lächeln wich sofort aus Nicks Gesicht.
      „Das hab ich gesehen“, klang Abby am Hörer sofort besorgt, „also ich sehe dich nicht richtig vor mir, eher wie vor so einem inneren Auge. Was ist los? Hat Aiden wieder versucht, an Anya heranzukommen?“
      Ihr Freund stockte. „N-nein, ich denke, den habe ich unter Kontrolle. Sagen wir einfach, du bist nicht die Einzige, die ein, wie soll ich es nennen, Upgrade erhalten hat.“
      Die Abby-Projektion ließ erschrocken das Smartphone in der Hand sinken. Nur um es dann hastig wieder ans Ohr zu legen. „Sag nicht, du-!?“
      „Ich habe schon seit einiger Zeit nach einem Dämon gesucht“, erklärte Nick und sah das durchsichtige Mädchen bewusst nicht mehr an, „der mir Kräfte verleiht. Siehst du das an meinem linken Auge?“
      Das flimmernde Ebenbild seiner Freundin schlug erschrocken die Hand vor den Mund. „N-nein, w-was ist da? Oh Nick, das hättest du nicht tun dürfen! W-was ist passiert?“
      „Letztlich bin ich der Spur eines der fünf mächtigsten Dämonen auf diesem Planeten gefolgt: Xiphos. Und ich habe ihn gefunden.“
      Das Mädchen vor ihm ging in die Knie, als wolle sie in sein Gesicht blicken. Auch wenn sie ihn, wie sie selber gesagt hatte, gar nicht direkt sehen konnte. „Was ist passiert Nick? Geht es dir wirklich gut? Ist … ist jemand verletzt worden?“
      „Nein“, schüttelte der den Kopf, „aber Xiphos hat sich als Freund des Sammlers herausgestellt.“
      Vor Schreck sprang Abby wieder auf. Für einen Moment verzerrte sich ihr Ebenbild derart stark, dass es sich drohte aufzulösen.
      „Das Duell, das über mein Anliegen entscheiden sollte, habe ich gewonnen. Also hat er mir bestimmte Kräfte verliehen“, redete Nick in seiner monotonen Art weiter.

      Erst als die Astralprojektion sich einigermaßen wieder in seinem Motelzimmer gefestigt hatte, erwiderte Abby aufgebracht: „Nick, sag, dass du mich nur aufziehen willst! Wenn er ein Freund des Sammlers ist, dann war das eine Falle! Vielleicht hat er jetzt Macht über dich!?“
      „Möglich“, entgegnete Nick, „aber ich bezweifle es.“
      Abby legte ihre Hände auf die Brust, fragte eindringlich: „Wieso!? Wieso hast du so etwas Dummes getan!?“
      „Weil ich machtlos bin“, erwiderte ihr Freund bemüht darum, seine Fassung zu wahren.“
      Die Brünette schüttelte vehement den Kopf. „Aber so etwas sieht dir nicht ähnlich! Der Nick, den ich kenne, würde sich doch nicht waghalsig in so große Gefahr stürzen. Es hätte sonst etwas passieren können. Oder vielleicht ist es das sogar und du weißt es nicht. Nick!“
      „Manchmal muss man Risiken eingehen. Weißt du“, ruckartig drehte er sich zu ihr um, sodass sie glatt noch einmal zurückschreckte, „ich bin der Überzeugung, dass Xiphos nicht unser Feind ist. Ich will jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber seinen Worten nach ist er nicht einfach nur ein guter Bekannter des Sammlers. Er ist sein Freund. So wie wir beide Freunde sind.“
      Ihre Brille von der Nase nehmend, legte das Mädchen ihr Smartphone außerhalb des Bereiches der Astralprojektion ab und rieb sich die Augen. „Das macht mir Kopfschmerzen. Und Bauchschmerzen. Alle möglichen Arten von Schmerzen. Oh verdammt, Nick!“
      „Lass mich zu Ende erklären“, verlangte dieser in einem besänftigenden Tonfall, „Xiphos hat von Anfang an klar gemacht, dass er nicht mehr für mich tun kann und will. Aber ich habe eine Theorie.“
      Als Abby sich die Brille wieder aufsetzte, fragte sie streng: „Und die wäre?“
      „Er will, dass ich ihn rette. Also den Sammler.“
      „I-ist das dein Ernst!?“, fiel das leicht leuchtende Abbild seiner Freundin aus allen Wolken.
      „Weil er es nicht kann. Weißt du noch, was Anya uns berichtet hat, als sie Anothers Beweggründe erklärte? Er sagte, der 'wahre Feind' nahm zunächst die Form der Immateriellen an, bevor er ihre Welt vernichtete.“ Je mehr er sagte, desto schneller sprach er und erhob sich sogar mit dem Telefon in der einen und dem Hörer in der anderen Hand von seinem Bett, sah Abby derart flehend an, dass diese ihren durchbohrenden Blick nicht aufrecht erhalten konnte.
      Er breitete sogar die Arme weit aus, als er sagte: „Dieser 'wahre Feind' ist der Sammler. Aber was, wenn er nicht eine beliebige Form imitiert, sondern stattdessen übernimmt?“
      „Von was redest du da?“, fragte Abby halb fasziniert, aber auch genauso ängstlich.
      „Xiphos hatte seine Unarten und wirkte unnahbar, aufgesetzt. Meine Vermutung: Er war einmal ein Mensch wie wir. Und“, begann er leise zu flüstern, „ebenso der Sammler. Es wäre denkbar, dass der 'wahre Feind' eine parasitäre Lebensform ist. Aber es gibt zu viele offene Fragen, als dass ich diesen Schluss schon als plausibel bezeichnen würde. Möglich, aber nicht definitiv.“

      Nachdem er das ausgesprochen hatte, zog sich der Mantel der Stille um die beiden. Nick wusste, dass dies nur eine Hypothese war, basierend einzig auf seinem subjektiven Empfinden. Aber er hatte sich schon länger gefragt, wie solche mächtigen Wesen wie der Sammler oder Xiphos überhaupt entstanden waren? Oder welchen Pfad man beschreiten musste, um dort anzugelangen.

      „Was wirst du jetzt tun?“, fragte Abby verunsichert. „Dass du … so weit gehst, um … ich habe Angst um dich, Nick.“
      „Sag niemandem davon ein Wort. Bitte. Ich muss das in Ordnung bringen, irgendwie. Und dazu muss ich vielleicht zu jemandem werden, der ich nicht sein will.“ Nick nahm langsam den Hörer vom Ohr. „Aber einer muss es tun.“
      Dann legte er auf, ließ den Apparat neben sich auf das Bett fallen. Und Abbys Astralprojektion löste sich überraschenderweise auf.


      Turn 67 – Ordeals
      Einige Tage sind seit Anyas Sieg über Zachariah vergangen und das erste Viertelfinale steht an. Doch ihr Gegner Jack Leonhart Jr., welcher die Vorrunden mit fast perfekter Punktzahl absolviert hat, ist nicht die einzige unangenehme Überraschung, die Anya erwartet …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick

      Wind-Up Bat
      Wind-Up Warrior
      Wind-Up Shark
      Wind-Up Magician
      Wind-Up Knight

      Overlay Regen

      Xyz Overload
      Zauber/Normal
      Wähle 1 offenes Xyz-Monster, das in diesem Zug seinen Effekt aktiviert hat und dessen ATK höher ist als deine Life Points, als Ziel: Zerstöre das Ziel und füge beiden Spielern Schaden in Höhe der Hälfte der ATK des Ziels zu.

      Zenmaiday

      Zenmaistery
      Falle/Normal
      Wenn ein "Wind-Up"-Monster als Ziel eines Angriffs gewählt wird: Zerstöre das Ziel. Du kannst diese Karte während deiner Main Phase 1 von deinem Friedhof verbannen, außer in dem Zug, in dem sie auf den Friedhof gelegt wurde und während du keine Karten kontrollierst: Füge deiner Hand 1 "Wind-Up"-Monster von deinem Friedhof hinzu.

      Damage Diet

      Wind-Up Zenmaines
      Wind-Up Zenmaister
      Evilswarm Ouroboros

      Xiphos

      Apoqliphort Towers
      Qliphort Scout
      Qliphort Monolith
      Qliphort Helix
      Qliphort Shell
      Qliphort Disk

      Space Cyclone


      Ich hoffe, es hat euch gefallen. Die Folge hat definitiv die Weichen für die Zukunft gestellt. ;)
      Das ist aber ein mauer Start in 2016, kein Kommentar in gut 2 Wochen. *das jetzt ändern wird* :3

      @-Aska-

      Joa, aber wir kennen ja oft genug die Situationen, wo wir unseren eigentlichen Plan über den Haufen werfen und plötzlich findet sich doch ein Duell mehr als wir ursprünglich wollten.
      (Was das Shipping angeht, hoffe ich, dass du auf die Farben der Flagge gefolgert hast, und nicht eine Abkürzung dahinter vermutet hast, was - so lustig es ist - auch möglich wäre, aber einen komplett anderen Sinn ergibt xD)

      Da muss ich momentan leider passen. Auch wenn die Versuchung sehr groß wäre, gerade weil ich Val ja viel lieber mal als Anya , wie du weißt xD
      Und ja, Val hat definitiv nicht genug Screentime. Ich hoff ja wieder mal auf eine Folge wie in S1, wo man die Folge nahezu komplett aus ihrer Sicht erzählt wird. Und sonst tröste ich mich mit dem Gedanken, dass *du weißt schon was* bald kommt ^^

      So hab ich mir Xiphos auch in etwa vorgestellt, dass es nicht sein Stil ist, so wie Anya zu handeln und aufzutreten. Was natürlich nicht ausschließt, dass er dazu sicherlich in der Lage wäre. Aber es zeugt davon, wenn man die von dir anderen genannten Wege geschickt zu nutzen weiß.

      Joa, damals war das echt übel. Hab auch jemand im Bekanntenkreis, der das damals gespielt hat, ehe er mit Yugi aufhörte. Und es stimmt, die Kombo sorgte dafür, dass du in deinen Möglichkeiten eingeschränkt wurdest, während dein Gegner da einfach weitermachen konnte. Aber generell ist es ja immer so, die Decks waren an einem Punkt stark, dann wurde etwas daraus verboten, oder limitiert, und schon sind die Decks verschwunden und den neu eingeführten, starken Decks gewichen.


      Folge


      Hm, damit ist dann das bestätigt, was ich bei der vorherigen Folge bereits vermutet hatte, aber spoilern wollte. Auf jeden Fall freut es mich, dass Nick tatsächlich die beiden Raben als Power-Up erhalten hat. Bin mal gespannt darauf, was ihm dadurch möglich wird, bzw wie sich die Fähigkeit gestaltet. Irgendwie mag ich nämlich nicht glauben, dass es 'einfache' Schattengeister sind, die ihm einfach Gesellschaft leisten.
      Zudem würde dieses Mal um das Auge herum nahelegen, dass es sich unter Umständen um eine visuelle Fähigkeit handeln könnte, in dem Sinn, dass er DInge sieht oder wahrnimmt, die andere nicht sehen. (was ich lustigerweise im ersten Moment bestätigt sah, als er Abby plötzlich vor sich erblicken konnte, was sich dann aber als Abbys neueste Fähigkeit herausstellte)
      Zudem, wer denkt bei zwei Raben nicht automatisch auch an Odin, und wenn man jetzt überlegt, dass dieser ein Auge geopfert hat um...

      Aber gut, alles der Reihenfolge nach. Für Xiphos waren die Qliphorts eine interesante Deckwahl. Sowohl von der Art und Weise, als auch von der Symbolik des Ganzen. Letzteres in mehrfacher Hinsicht. Zum einen sind die Qliphorts in der DT Welt ja sowas wie das Reboot Instrument, um nach dem Reset die Welt wieder neu auferstehen zu lassen. Zum anderen die Sache mit der Apocrypha, geheime bzw. verborgene Schriften, dem Namen nach - fast so, als ob es in der Welt geheime Gesetzmäßigkeiten gibt, die den Bewohnern aber unbekannt sind.
      Was wiederum sehr toll zu Nick passen würde, denn er denkt ja, er weiß bereits so viel über den Sammler, Xiphos und diverse andere DInge. Worauf ihm Xiphos ja doch sehr deutlich vermittelt, dass er praktisch gar nichts weiß. In der Hinsicht fand ich es toll, dass sich dieses Motiv nicht nur in den Dialogen, sondern eben auch im Duell selbst wiederfand.

      Highlight war aber für mich die Stelle im Duell, als Nick auf Ouroboros zurückgriff und ihn die Dunkelheit von da ab förmlich zu verschlingen drohte. Aber dies schien momentan nur optisch gewesen zu sein, denn obwohl er bisher mit sowas fast keinen Kontakt hatte, ließ er sich anders als Matt nicht davon kontrollieren. In der Hinsicht fand ich auch die Stelle besonders schön formuliert, als er meinte, dass seine eigene Dunkelheit größer als die von Ouroboros wäre, und ihm diese deshalb nicht stört (oder ausmacht?).
      Die Frage, die ich mir aber gestellt habe war, ob er nicht auch grundsätzlich auf ein anderes Xyz neben seiner Zenmais zurückgreifen hätte können, um diese Combo mit Overload durchzubringen, oder ob er bewusst Ouroboros dafür gewählt hat. Letzteres wirf natürlich ein ganz anderes Licht darauf, wenn er unbedingt Ouroboros rufen wollte.

      Insgesamt kam aber die Aussichtslosigkeit, mit der sich Nick konfrontiert sah, rüber. Egal was er machte, Xiphos schien sich nicht daran zu stören und setzte einfach einen drauf, während Nick schon damit strauchelte, überhaupt mitzuhalten. Zudem hast du ja betont, dass darin gerade die Schwachstelle seines Decks liegt, aber eben auch gezeigt, dass er inzwischen begonnen hat, sich damit auseinanderzusetzen und sie mit ein paar neuen Karten in Grenzen zu überkommen.

      Interessant zu lesen waren auch die Passagen, wie es für Eli ist, Nick zu sein, und da besonders die Stelle, wo er sich geradezu mantraartig einredet, 'Nick Harper' zu sein. Das hatte schon was von "Selbsthypnose". Außerdem ließ mich eine bestimmte Stelle aufhorchen, weil sie ein Widerspruch zu allem bisher dazu gesagtem darstellte, aber ich sag nicht welche, die soll ruhig jeder selbst finden ;)

      Nina war auch erstaunlich ertragbar in dieser Folge. Ehrlich gesagt war meine Erwartungshaltung was sie anging wirklich nicht hoch gewesen, aber war schon gut, dass sie dabei war. Allein schon, um Nick im Angesicht von Xiphos unter die Augen zu halten, was für ein Mensch er ist, ohne Skrupel die 'unschuldige' Nina als Opfer zu verwenden. Aber die fehlende Skrupel findet sich nicht nur bei anderen Menschen, sondern auch bei ihm selbst wieder. Denn er ist ohne großes Zögern entschlossen, notfalls zu jemandem zu werden, der er eigentlich nicht sein will, aber der nötig ist, weil nur er diese Dinge erledigen kann.

      Aufmerksamkeit verdient denke ich aber auch das Ende der Folge, und das was in der Unterhaltung von Abby und Nick zur Sprache kam: Was der Sammler ist und wie seine Beziehung zum wahren Feind ist.
      Da es nur eine Spekulation von Nick ist und seinem Bauchgefühl entspricht, ist es natürlich schwer, es als Basis für Theorien zu verwenden, aber von dem, was er ihr erzählte, hat man tatsächlich den EIndruck, dass da etwas dran sein könnte. Etwa in der Richtung hatte ich glaube ich auch schon irgendwo mal geäußert.
      Wie gesagt, ich finde seinen Gedankengang sehr interessant, aber dort anzusetzen würde in dieser Phase der Handlung so viele mögliche Verzweigungen für Spekulationen bieten, dass man sich allzu leicht verzetteln dürfte. Und da du ja zwangsläufig keine Antwort vorwegnehmen kannst, lass ich es darauf auch beruhen und warte erstmal ab, wie es sich weiter entwickelt.

      In der nächsten Folge hat Anya also wieder einen dieser harten Brocken als Gegner? Scheinbar hat sie ja ein richtiges Talent, immer auf die Top-Kandidaten zu treffen. Aber sie ist ja auch niemand, der sich lange von sowas einschüchtern lässt. Aber was wohl die anderen bösen Überraschungen sind? Genug Material, was sie kalt erwischen könnte, hat sich ja tatsächlich inzwischen angesammelt.
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Dann melde ich mich auch mal wieder. Frohes neues Jahr übrigens!

      Spoiler anzeigen

      Xiphos ist ein interessanter Charakter. Im Gegensatz zu Nick aka Eli, der voller Verbissenheit, Pläne und Altlasten ist, ja geradezu davor strotzt, ist Xiphos ganz natürlich, besonnen und gelassen. Man kann Nick gut verstehen, er hat immer zu kämpfen und muss immer auf Zack sein, ständig wird er gebraucht, er hat kein "natürliches" Leben, stattdessen sind da nur Pflichten und Aufgaben, außerdem hat er es mit einer gnadenlosen, übersinnlichen Macht zu tun, die er nicht verstehen kann und daher muss er umso stärker sein. Das entlädt sich in bissigen Kommentaren, aber bei Xiphos stößt er damit nicht auf Widerhall, vielmehr schluckt dieser alles und gibt ganz unkomplizierte Antworten. Das Duell spiegelt in gewisser Weise das alles wieder, Xiphos Deck kommt in seiner schlichten, hohen Funktionalität dermaßen in Fahrt, das es eine echte Herausforderung ist, wobei Nicks zu allem bereiter Wille am Ende triumphiert. An dieser Stelle will ich dem Duell auch noch mal Respekt zollen, die schlechte Ausgangssituation von Xiphos macht das ganze spannend. Die ganze Konfrontation mit Xiphos überhaupt lässt Nick über sich selbst nachdenken, und da Xiphos seine Gedanken lesen kann tritt viel mehr zutage, was sonst verborgen bleiben würde. Nick wird dadurch sich selbst gegenüber gestellt und wird sich seiner Lage bewusst. Habe ich das eigentlich richtig verstanden, er ist in Anya verliebt? Oder sind da nur brüderliche Gefühle? Man kann davon abgesehen erkennen dass Nick auf geradezu unmenschliche Weise berechenend ist, wie eigentlich schon immer, und sich seine Welt durch Schuldzuweisungen und Unterstellungen aufrecht erhält. Nur wenigen gilt seine Treue, allen voran Anya, zu der er aber nie ehrlich wird sein können, man darf gespannt sein, wie es in dieser Hinsicht weitergeht. Was ich nicht verstehe ist, was Nicks plötzliche gute Laune hervorgerufen hat, etwa das Vertrauen darin, dass er eben doch Nick ist? Und dass er dadurch seine ganzen Probleme beiseite schieben konnte? Und wen hasst er eigentlich statt Xiphos? Etwa Anyas Vater? Mit welcher Bürde wurde Orion geboren? Und was bringen die beiden Krähen? Ist Matts Karte jetzt eigentlich passé? Wie kam Nick an sie ran, und was meinte Nick mit seinem Kommentar "bevor er mir etwas nimmt"?
      Interessant auf jeden Fall, das Xiphos Nick jetzt als Freund betrachtet. Jetzt schon Fragen über Fragen, aber was Nicks Theorie angeht, die er Abby erzählt setzt dem ganzen die Krone auf.
      Hochinteressant. *mehr will*

      Well, thank you very much!
      Let's get started with our lesson today!

      @Evil Bakura
      Klar, diese Situationen gibts immer. Und das ist sicher auch ganz gut so, denn damit bleibt die Fanfic für einen selbst frisch. Wenn man bereits weiß, was man die nächsten drei Jahre über schreiben wird, kann's schnell passieren, dass das uninteressant wird. Muss nicht, aber kann. Denk ich mal, so gings mir im Endeffekt mit Staffel 4 der alten Saga. Da hab ich ewig lange dran geplant, fast jede Folge hatte schon einen Umriss, aber als ich sie dann schreiben wollte, hatte ich keine Lust mehr. Gab natürlich noch andere Gründe, aber das war eben einer davon.

      Schreib mir mal per PN, was "ich weiß schon was" überhaupt ist. Ich bin grad etwas verwirrt. xD

      Die Krähen sind Schattengeister. Ob nun einfach oder nicht, wie ordnet man das ein? Ist Orion denn einfach? xD
      Aber ich verstehe, was du meinst. Lass dich überraschen. Die Parallele zu Odin war btw. völlig unbeabsichtigt, aber definitiv willkommen. xD

      Schön, dass die Analogie zwischen Duell und Story gut ankam. Ich seh das so: Nick ist derjenige, der die Story vorantreibt und Anya die, die die Handlung vorantreibt. Durch Nick erfährt man mehr als durch Anya, dafür passiert bei Anya gewissermaßen mehr.
      Nick hätte kein Alternativ-Xyz gehabt, daher ist er um Ou nicht drum herum gekommen.
      Und gut aufgepasst, was "die Stelle" angeht. ^^
      Soll ich dir was sagen? Eine Leserin von mir fand Nina sogar ganz gut. Wie gut man Nina halt finden kann, aber da war ich auch erstaunt. Tja, war wohl doch gut, sie nicht den Wünschen anderer Leser entsprechend abzumurksen. xD

      Mal sehen, was Anya da wirklich gegenüber steht. Hah, du weißt es ja bereits. ;)

      Danke für den Post!

      @Mcto
      Dir auch ein frohes neues Jahr. ^^
      Joa, man kann durchaus sagen, dass Xiphos das komplette Gegenstück zu Nick ist. Was du übrigens sehr treffend gesagt hast ist, dass Nicks Existenz rein funktionell ist. Alles was er tut, entspricht einer Aufgabe. Er als eigene Person, die ihren eigenen Bedürfnissen nachgeht, existiert praktisch nicht. Und das macht ihn auch gefährlich, find ich.

      Das Duell war okay, aber ich hätte es gerne etwas länger gestaltet. Durch die Übermacht der Qliphorts war das aber nicht möglich. Trotzdem danke, freut mich sehr, dass du es spannend fandest.

      Schön find ich auch, dass dir aufgefallen ist, was zwangsweise irgendwann kommen muss: Sind Nicks Gefühle rein brüderlich oder ... anders. Dazu sollte man wissen, dass Nick in Staffel 1 noch nicht als Anyas Bruder vorgesehen war. Das kam tatsächlich erst kurz vor den Folgen auf, als Nick dies gegenüber Abby auch verriet. Insofern ist natürlich alles, was er davor gesagt hat, zu berücksichtigen. Denn nachträglich etwas wegeditiert hab ich nicht. ^^
      Kurz: Kann durchaus sein, dass mehr als Bruderliebe im Spiel ist. Muss aber nicht. ;)

      Die gute Laune ist eher eine Selbstschutzreaktion, um nicht noch tiefer in den eigenen Gedanken unterzugehen. Wen er hasst, ist tatsächlich sein Vater, aber dazu später dann mehr. Orions Bürde steht unter Spoilerquarantäne, den Nutzen der Krähen gibts bald zu sehen. Matts Karte hat er damals gestohlen, als er sich in Matts u. Zanthes Zimmer bei den Harpers zuhause geschlichen hat und der Kommentar "bevor er mir etwas nimmt" bezieht sich darauf, dass Nick seither ja glaubt, dass Matt etwas verbirgt und evtl. sogar ein potentieller Feind sein könnte.

      Danke für deinen Post, ich hoffe, es geht jetzt gleich auch hochinteressant weiter. ^^


      Börb!

      Turn 67 – Ordeals
      Mittlerweile war es vier Tage her, dass Anya in das Viertelfinale des Legacy Cups eingezogen war. Zusammen mit Matt und Zanthe lagen sie der Länge nach auf Anyas Bett am rechten Ende des Hotelzimmers, das Mädchen zwischen den beiden. Vor ihnen war Matts Laptop aufgeklappt.
      „Live Streams sind schon was Tolles“, meinte Zanthe vergnügt. Einen solchen verfolgten sie in diesem Moment: Das sechste Spiel des Achtelfinales.
      „Yeah“, bestätigte Matt und kratzte sich nebenbei am Hinterkopf, „hier ist es wenigstens nicht so laut.“
      „Und es gibt keine Reporter“, fügte Anya mürrisch hinzu. Den Schock von neulich hatte sie immer noch nicht ganz verdaut, zumal sie seitdem ständig den Eindruck hatte, beobachtet zu werden.
      „Tja“, gluckste Zanthe belustigt, „für morgen sind die letzten beiden Spiele angesetzt. Das heißt, Montag musst du wohl oder übel wieder ran. Denk dran, immer lächeln.“
      Anya schnaubte wütend. Heute war Samstag, also blieb ihr noch genug Zeit, sich ausgiebig vorzubereiten. Auch wenn sie das sowieso nicht tun würde, so ehrlich war sie zu sich selbst.
      Und doch, wer hatte diesen beschissen engen Zeitplan des Turniers ausgearbeitet, doch bestimmt Melinda, die blöde Schnepfe! Kein Tag ohne Duellübertragungen war wohl deren Leitmotto!
      Um daran keinen Gedanken verschwenden zu müssen, zischte sie: „Pscht, es geht weiter!“

      Dort, auf dem Bildschirm, standen sich zwei Duellanten gegenüber. Der brünette Kakyo Sangon, in einen violetten Pullover gekleidet und ein Chinese namens Jiang, einer der Bestplatzierten in den Vorrunden. Gerade zog Kakyo auf.
      „Mal sehen, ob er das noch drehen kann“, murmelte Zanthe verschwörerisch.
      Die anderen beiden waren erstaunt darüber, dass der Werwolf sich so sehr für das Duell interessierte. Schließlich war er es gewesen, der erst den Vorschlag gemacht hatte, es sich anzusehen. Warum er so neugierig war, verriet er ihnen jedoch nicht. Wie konnten sie auch ahnen, dass Zanthe mehr über Kakyo wusste und ihnen dies absichtlich vorenthielt? Aber für ihn spielte das keine Rolle, solange er damit Exa schützte.

      Kakyo kontrollierte sein Assmonster [Dark Magician] und befahl den Angriff, obwohl sein Gegner das wesentlich stärkere Fusionsmonster [Gaia Drake, The Universal Force] kontrollierte, einen Lanzenträger, der auf einem Pegasus ritt. Der violette Magier lud Energie an der Spitze seines Zauberstabs auf.
      „Den Rest kann man sich schenken“, meinte Zanthe urplötzlich förmlich desinteressiert und rollte sich seitwärts vom Bett. „Ist klar, wie das ausgehen wird.“
      Matt und Anya sahen ihn verwirrt an. Letztere fragte: „Sag bloß, du gehst schon wieder alleine weg?“

      Es gab praktisch keinen Tag mehr, seit sie hier waren, an dem er nicht über Stunden hinweg irgendetwas unternahm. Anya hegte den Verdacht, dass er sich heimlich mit diesem Typen traf, den er nach eigener Behauptung erst zappeln lassen wollte. Ohne es zugeben zu wollen, störte sie das zunehmend mehr.

      „Ich hab jemandem versprochen, ihm ein wenig in Sachen Duel Monsters auszuhelfen“, antwortete Zanthe fröhlich und schlenderte an den Betten vorbei.
      Matt sah ihm hinterher. „Wir könnten ja mitkommen und Anya gleich mittrainieren.“
      „Hey!“, empörte die sich beleidigt und stieß ihm sogleich den Ellbogen in die Seite.
      An der Tür angelangt, winkte der junge Mann, dieses Mal ein quietschgelbes Kopftuch tragend, wenig begeistert ab. „Nein danke. Ich glaube kaum, dass ich ihm das zumuten kann.“
      „Pah! Wenn du mich fragst, solltest du lieber mit uns abhängen, als mit deinem Lover!“
      „Er ist nicht mein Lover“, erwiderte Zanthe trocken auf den Einwand seiner Freundin, „und abgesehen davon fragt dich keiner.“
      „Schon mal was von Meinungsfreiheit gehört!?“
      Zanthe blinzelte genau einmal. „Anya … das Gesetz der Meinungsfreiheit sieht vor, dass dich der Staat nicht politisch für deine Meinungsäußerung verfolgen darf. Es heißt aber nicht automatisch, dass dir irgendein Arsch zuhören muss. In dem Sinne: Bis nachher.“
      Schon war die Tür auf und der Werwolf weg.
      „Autsch, der hat gesessen“, gluckste Matt. Denn tatsächlich war Anya so still, dass es schon glatt unheimlich war. Als sich das aber immer weiter hinzog und Kakyo nebenbei im Stream das Duell gewann, fragte der Dämonenjäger vorsichtig: „Anya? Ist alles in Ordnung?“
      „Tch! Sicher …“, brummte sie und ruckte demonstrativ den Kopf von ihm weg.
      „Sag bloß, du bist eifersüchtig?“ Matt klang beim Aussprechen des letzten Wortes geradezu fasziniert.
      „Als ob!“, wurde er sofort angefaucht. „Soll der sich doch 'rumtreiben, wo und wie er will! Mir doch egal!“

      Damit sprang auch sie auf und stampfte durchs Zimmer. „Ich gehe jetzt auch frische Luft schnappen. Und du mach dich lieber an die Arbeit!“
      „Ich bin an dem Fall dran“, erwiderte Matt ärgerlich und setzte sich dabei an den Rand des Bettes, „aber die Aussagen von Mrs. Carrington und ein paar Mitarbeitern reichen nicht, um denjenigen zu finden, der die Rolle des Hüters von Mr. Carrington übernommen hat. Wenn es überhaupt so war.“
      „Du machst das schon“, blieb das Mädchen stur und riss die Tür auf. Als sie zurück zu ihm sah, gewann ihr Blick etwas Trauriges. „Und … yeah, vielleicht bin ich doch eifersüchtig …“
      „Dann wäre es eine gute Idee, ihm zu zeigen, dass du gerne mit ihm zusammen bist“, schlug Matt vor.
      Das Mädchen verzog eine grimmige Fratze: „Wie denn, wenn er kaum noch hier ist? Ist ja schön, dass er neue Freunde gefunden hat, aber ...“
      Sie wollte einfach nicht, dass er -sie- dabei vergaß. Denn er war ihr ans Herz gewachsen, dieser altkluge, freche, arrogante, Sprüche klopfende, nervige, zickige Volltrottel. Warum auch immer …
      „Ich brauch frische Luft“, beendete sie das Gespräch, bevor Matt einsetzen konnte. Und knallte die Tür hinter sich zu.
      Der ärgerte sich leise vor sich hin: „Toll … wie wäre es, wenn du auch mal etwas für -deine- Rettung tun würdest? Immer bleibt der Dreck an mir stecken …“

      ~-~-~

      Indes befand sich Nick auf der Interstate 30 Richtung Garland. Entgegen seiner Absichten, unmittelbar nach seinem Treffen mit Xiphos die Verfolgung der diebischen Elster aufzunehmen, hatte ein Motorschaden an dem weißen Chrysler Neon ihn in seinem Zeitplan arg zurückgeworfen.
      Glücklicherweise war es Nick nun möglich, das Miststück jederzeit zu orten, wodurch er wusste, dass sie sich noch in der Gegend befand. Andernfalls hätte er sich um einen Leihwagen bemühen müssen. Und seinem Vater zu erklären, warum sein geliebtes Baby in einem anderen Bundesstaat zusammengeflickt wurde, dem wollte Nick lieber aus dem Weg gehen.

      Während er nur mäßig auf den mittelstark ausgeprägten Verkehr achtete, gingen ihm immer wieder allerlei Dinge durch den Kopf. Wurde er nicht im Endeffekt genauso beobachtet wie jene junge Frau? Zwar waren sie nicht hier, doch Nick spürte die Anwesenheit der beiden Schattengeister Snuggly und Sparkly. Es fühlte sich anders an als damals mit Orion. Denn mit der kleinen Knolle war er auf einer Wellenlänge gewesen, zumindest im Ansatz, anders als bei den beiden Krähen.
      Andererseits, wenn er jetzt so darüber nachdachte, war es wohl kein Zufall, dass Orion bei ihm gelandet war. So hatte der Sammler ihn ausspionieren können, wusste vermutlich schon seither um Nicks wahre Natur.
      „Geschichte wiederholt sich, huh?“, murmelte er in Gedanken versunken.
      „Nicht immer, rawww!“
      „Scheiße!“, stieß Nick einen erschrockenen Aufschrei aus, als die beiden Biester unvermittelt auf seiner Schulter erschienen. Durch die heftige Reaktion verriss er das Lenkrad, der Wagen scherte in Schlangenlinien aus. Jedoch konnte Nick ihn wieder unter Kontrolle bringen, allerdings nicht ohne von zwei anderen PKWs ausgehupt zu werden.
      „Was sollte das!? Ihr hättet mich umbringen können!“, schrie er aufgebracht.
      „An so etwas denkt Snuggly nicht“, sagte offensichtlich Sparkly, die auf seinem linken Schulterblatt hockte.
      Nick lief zunehmend rot an. „Ist mir egal! Verschwindet!“
      „Erst willst du uns, dann verscheuchst du uns. Snuggly versteht das nicht“, krähte das Federvieh zu seiner Rechten enttäuscht und löste sich wieder auf.
      „Ich wollte vieles, aber definitiv nicht -euch-!“, stellte Nick verärgert klar.
      „Wir sind nicht deine Feinde, kraw!“ Und schon war auch Sparkly wieder verschwunden.
      Aber der zerzauste, junge Mann schnaubte bloß. „Das wage ich langsam zu bezweifeln.“

      In dem Moment gab das alte Handy, welches auf dem Beifahrersitz lag, ein doppeltes Piepen von sich. Erstaunt griff Nick mit der rechten Hand danach, ohne den Verkehr aus den Augen zu lassen.
      „Ausgehender Anruf“, las er vom dunkelgrünen Display vor.
      Aber es war nicht er, der jemanden anrief. Sondern das Mobiltelefon derjenigen, in das sich der Apparat mit der leicht verschmorten Außenhülle infiltriert hatte. Die Diebin nahm mit irgendjemandem Kontakt auf.
      „Interessant“, murmelte Nick und drückte die Abnehmen-Taste.

      ~-~-~

      Zeitgleich in einem Lagerhaus in Garland watete eine junge Frau vor einem schmalen Tisch auf und ab. Um sie herum standen bergeweise Kisten gestapelt. Durch die Dachfenster fiel das Sonnenlicht sanft neben die kleine Sitzecke, die sich Alexandra Russo hier eingerichtet hatte.
      „Gehst du wohl endlich ran?“, murmelte sie nervös in ihr Smartphone.
      Sie sah anders aus als noch auf der Einführungsveranstaltung der Fords. In Wirklichkeit besaß ihr gewelltes Haar einen honigblonden statt hellblonden Ton und reichte ihr bis weit über die Schulter. Von der Eleganz an diesem Abend war nicht viel übrig geblieben. Statt eines aufreizenden Cocktailkleids, verhüllten einfache Jeans und ein pinkfarbenes Tank-Top ihre durchaus ansprechende, schlanke Figur. Doch ohne das Make-Up sah man deutlich die dunklen Ringe um ihre Augen.
      Gerade als sie herum wirbelte, nahm ihr Gesprächspartner mit leicht gebrochenem Akzent ab. „Ah, Alexandra, Sweetheart.“
      „Hören Sie auf, mich anflirten zu wollen, Diego“, erntete er eine unterkühlte Antwort.
      Die junge Frau lehnte sich rückwärts an den Tisch. Dabei warf sie einen Blick auf die darauf verteilten Karten. „Und, haben Sie noch Interesse?“
      „Immer, Teuerste.“
      „An den Karten, versteht sich.“
      Neben ihr lagen sie. [Angel Wing Dragon], [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T], die Gem-Knights Diamond, Seraphinite und Turquoise sowie Kuriboss und auch [Gem-Knight Zirconia]. Der Rest von Anyas Karten lag abseits auf einem Stapel.
      „Natürlich.“ Besagter Diego seufzte. „Aber für diesen Preis kann ich sie nicht abnehmen.“
      „Darunter sind echte Sammlerstücke, die es nur einmal auf der Welt gibt“, beteuerte Alex aufgebracht und stieß sich wieder vom Tisch ab, „für zehn Millionen gehören Sie Ihnen.“
      Der Mann lachte künstlich. „Für das Geld kann ich meine ganz eigenen Karten erschaffen lassen.“
      „Die verfügen aber nicht über besondere Kräfte“, erinnerte sie ihn. Dabei drehte sie sich den Karten zu und grinste.

      Er würde anbeißen, sie hatte es im Blut. Für Menschen wie Diego de la Rosa spielte Geld eine sehr untergeordnete Rolle, wenn es darum ging, sich mehr Macht anzueignen. Und dieser Mann gierte danach wie kein anderer. All die seltenen Artefakte, Masken, Zauberstäbe, die er ihr in den letzten zehn Jahren abgekauft hatte, ohne überhaupt zu wissen, was er da in seinen Besitz gebracht hatte …

      „Süße Alexandra“, hauchte Diego wehmütig, als habe er dies gehört, „du hast so viel für mich getan. Und ich für dich. Aber was ich brauche, sind keine mystischen Karten …“
      Die Frau nickte. „Ich weiß, was Sie brauchen. Und ich denke, ich habe es endlich gefunden. Sie müssen sich vor dem Älterwerden nicht mehr fürchten.“
      „Das hast du schon oft behauptet.“
      „Diesmal bin ich mir sicher.“
      „Dann beweise es“, lautete seine Forderung.
      Wenn es nur das war, dachte sie sich und schloss die Augen. „Okay. Übermorgen um Mitternacht an den Lake Ray-Docks, Pier 15. Aber ich zeige es Ihnen nur, wenn Sie das Geld dabei haben. Sollten Sie den Deal dann nicht eingehen, suche ich mir einen anderen Interessenten. Glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass es davon reichlich gibt.“
      „Abgemacht.“ Ein Knacken in der Leitung folgte.

      Für was hielt der Typ sich eigentlich, dachte sich die junge Frau schnaubend und steckte das Smartphone in die Hosentasche. Dabei sah sie noch einmal die Karten an, die ihr endlich ein Leben in Reichtum ermöglichen sollten. Dieser eine Coup noch und sie konnte die vergangenen Jahre voller Abenteuer und Verbrechen hinter sich lassen.
      „Ich sollte dir wirklich danken, Kleine“, murmelte sie vergnügt vor sich hin.
      Dass sie jemals in den Besitz von gleich zwei Hüterkarten gelangen würde … Dabei hatte sie sich eigentlich auf die Party geschlichen, um ein bisschen Industriespionage zu betreiben und nebenbei vielleicht das ein oder andere Schmuckstück mitgehen zu lassen. Aber dann hatte diese Anya ihre Monster ausgepackt und damit ohne es zu wissen Alexandras ungeteilte Aufmerksamkeit erregt.
      Jene ahnte in diesem Moment jedoch nicht, dass auch sie jemandes Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Die eines Racheengels, der nur zu gerne ebenfalls am Treffen im Mondschein teilnehmen wollte …

      ~-~-~

      Zwei Tage später stand Anya zusammen mit Zanthe im kargen Vorbereitungsraum, welcher direkt ins Stadion führte. Der Werwolf lehnte an einer der rot gestrichenen Wände und blätterte in einer Zeitschrift. Etwas abseits von ihnen stand Logan vor einem Getränkeautomaten, aus dem in diesem Augenblick eine Wasserflasche ausgeworfen wurde.
      „Und, aufgeregt?“, fragte Matt die Blonde behutsam, welche die Arme verschränkt hielt und stur auf die Tür starrte. Jeden Moment würde ihr Name durch die Lautsprecher in der oberen Ecke neben der Tür verkündet werden und dann hieß es Abmarsch.
      „Als ob“, schnaubte Anya grimmig.
      „Hast du dir gemerkt, was ich dir über diesen Jack erzählt habe?“, stieß der Zwerg zur Gruppe in der Ecke.
      Anya sah ihn verständnislos an. „Nein? Sollte ich etwa?“
      Unter lautem Knistern senkte Zanthe seine Zeitschrift und bedachte Anya eines Blickes, der selbst dem sonst so taffen Mädchen eine Gänsehaut bescherte. „Was ist! Wieso guckst du mich so an!?“
      „Weil da, wo dein Kopf sein sollte, ein hohler Kürbis sitzt.“
      Sofort zuckte er zusammen, als Anyas Fuß nur Millimeter unterhalb seiner primären Fortpflanzungsorgane gegen die Wand stieß.
      Matt fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn. „Ernsthaft, Anya. Jack hatte in den Vorrunden 37 Punkte und war vor Claire Rosenburg Weltmeister.“
      Logan nahm einen Schluck aus der Flasche und zeigte auf die Blonde. „Ihr Bruder hatte 40 und wir beide wissen, wie das ausgegangen ist.“
      „Genau“, pflichtete Anya ihm nickend bei und ließ den Fuß sinken. „Wie gut kann einer sein, der so tief abgestiegen ist, dass er sogar die Profiliga verlassen musste? Ich sag euch, das war das Jahr der Luschen, als der seinen Titel bekommen hat.“
      Matt gab einen tiefen Seufzer von sich. „Na offensichtlich will er zurück ins Rampenlicht. Unterschätze ihn einfach nicht, du weißt, wie er seine Spiele für gewöhnlich zu beenden versucht.“
      Diesmal war es Zanthes Bein, das hoch schoss und nur kurz vor Anyas spezieller Zone zum Stoppen kann. Unterkühlt gab er zu verstehen: „So nämlich.“
      „Ich hab's kapiert!“, wurde er sofort angefaucht.

      „In wenigen Minuten ist es soweit. Das erste Viertelfinale des Legacy Cups beginnt“, hörten sie in diesem Moment aus dem Lautsprechern Mr. Cs Stimme.
      Logan löste sich von der Gruppe, hob Anya die Hand zum Gruß. „Sieht so aus, als müssten wir jetzt gehen. Viel Erfolg, Kleine!“
      „Ja, du schaffst das schon“, sagte Matt und klopfte ihr auf die Schulter.
      Auch Zanthe löste sich von der Wand. Doch entgegen Anyas Erwartungen, gab es von seiner Seite keinerlei aufmunternde Worte. Er schloss sich einfach den anderen beiden an, die gerade an einem Putzmann und dessen Wagen vorbeiliefen. In einer Mischung von Enttäuschung und Anya Bauer-Premium Wut sah sie ihm offenen Mundes hinterher. Und nur Mr. C war es zu verdanken, dass an diesem Tag kein Unglück ungeahnten Ausmaßes vorfiel.
      „Heute begegnen sich Anya Bauer und der Weltmeister aus dem Jahre …“
      „Das gibt’s doch nicht“, knurrte Anya und stierte ihren Freunden hinterher, wie sie gerade in einen Gang nach rechts abbogen.
      Der Putzmann sah sie hinter einer dicken Sonnenbrille an. Anya bemerkte das und schenkte dem Typen mit seinem dämlichen Baseball-Cap der New York Yankees einen bösen Blick. Wie sah der überhaupt aus, Schnauzbart und Vokuhila, als ob er gerade von einer Zeitmaschine ausgekotzt worden war.
      „… Jack Leonhart Jr.!“
      In diesem Augenblick öffnete sich die Schiebetür hinter Anya. Das war dann wohl ihr Signal …

      ~-~-~

      Wie nicht anders erwartet, herrschte an den Docks von Garland eine Menge Lärm. Riesige Frachtschiffe ankerten an den Piers, wurden von blauen Kränen mit Containern beladen. Eine gewaltige Fläche, ähnlich der eines Parkplatzes, wurde allein von diesen zu Nicks Linker eingenommen. Neben Öl, Abgasen und anderem roch es hier auch nach Fisch, denn ebenso legten in diesem Bereich Fischerkähne an.
      Gelassen schlenderte Nick am Rand des Hafens entlang, nahm die Bilder seiner Umgebung in sich auf. Weiter vor ihm standen drei Lagerhäuser dicht beieinander. Aus einem von diesen war das ausgehende Telefonat dieser Alexandra gekommen. Inzwischen hielt die sich in einem Motel am Stadtrand auf. Nick ging davon aus, dass ihr Kreditkartenschwindel bemerkt worden war, da sie jene seitdem nicht mehr benutzt hat.
      Zuerst hatte er überlegt, sie noch vor dem Treffen zu stellen. Doch nach etwas Recherche hatte er ihren Geschäftspartner als Diego de la Rosa, einen mexikanischen Millionär entlarvt, welchem Verbindungen mit der La Cosa Nostra nachgesagt wurden. Der Gedanke, dass ein Mafioso indirekt mit Anya in Verbindung stand, missfiel Nick zutiefst und wenn diese auch noch so klein war. Alex zu erledigen würde im schlimmsten Fall nur diesen Mann auf den Plan rufen, deshalb musste er gegen beide vorgehen.

      Unwillkürlich griff Nick hinter seiner Windjacke an das Bund seiner Hose, in dem inzwischen eine Pistole steckte. Seine freie Zeit hatte er genutzt, um den Umgang damit zu erlernen, doch das allein würde nicht reichen, so viel wusste Nick. Er musste die Beteiligten des heute stattfindenden Treffens auslöschen. Alle. Und das ging nur mithilfe der Schattengeister.
      „Snuggly, Sparkly“, murmelte er, sich weiter umsehend. Ihm fiel auf, dass einige der Hafenarbeiter vor oder auf den Schiffen ihn argwöhnisch beobachteten.
      Beide Krähen tauchten auf seinen Schultern auf.
      „Was ist?“, krähte die kluge Sparkly auf seiner linken.
      „Ich möchte, dass ihr das Gebiet aus der Luft analysiert. Heute Nacht werdet ihr Patrouille fliegen und jeden ausschalten, der zu Diegos Stab gehört.“
      Verwirrt fragte Snuggly: „Nick will töten, raw?“
      Der junge Mann blieb abrupt stehen. „Diese Schweine haben nichts anderes verdient. Wenn es darum geht, zukünftige Verbrechen zu verhindern, nehme ich in Kauf, selbst solche zu begehen.“
      Er musste diese Menschen von Anya fern halten. Seine Finger ließen von der Waffe ab. Solange er unentdeckt blieb, würde er die Krähen die Drecksarbeit machen lassen.
      „Verschont niemanden, außer diese Alexandra und De la Rosa.“
      „Das ist nicht, was Xiphos wollen würde, kraw!“, protestierte Sparkly, als Nick sich wieder in Bewegung setzte.
      Der lachte kaltherzig. „Nein. Es ist, was ich will. Wenn euch das stört, könnt ihr gerne zu eurem Meister zurückkehren.“
      Woraufhin sich die beiden Krähen auf Nicks Schulterblättern hinter dessen Rücken ansahen. Sparkly zuckte mit den Flügeln. Keine der beiden sagte etwas.

      ~-~-~

      Erhobenen Kinns schritt Anya direkt auf die Mitte des kreisrunden Stadions zu. Dabei bemüht, dem Kameramann, welcher ihr unauffällig folgte, keine Beachtung zu schenken.
      Ihr Gegner wartete bereits auf sie. Ein recht großer Mann, vielleicht 25 Jahre alt. Seine Züge waren sehr fein, kein einziges Barthaar zierte das spitze Kinn. Sein hellblonder Pony verdeckte alles bis zu den Augenbrauen, obschon er den unteren Teil des Haars auf wenige Millimeter kurz geschoren trug.
      „Oh Gott“, stöhnte Anya jedoch, als sie bemerkte, dass er in einem grauen Anzug gekommen war. Mit Krawatte!
      Das Publikum johlte bereits regelrecht. Als Mr. C dann auch noch das Wort übernahm, brach endgültig ein lautes Durcheinander aus.
      „Hier sind sie, die beiden, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Anya Bauer, die durch ihren ungewöhnlichen Einstieg ins Turnier und ihr gefürchtetes Mundwerk bekannt geworden ist.“
      Einige klatschten sogar für sie, bemerkte Anya, wenn auch kaum einer es wagte, ihren Namen laut auszurufen. Statt den wenigen Fans zuzuwinken, die sie hatte, starrte sie bewusst Jack an, welcher sie interessiert musterte. Und dabei grinste. Sie hasste ihn jetzt schon!
      „Mit beinahe voller Punktzahl hat er den Einzug in die Hauptrunde geschafft! Allison Slater war keine Herausforderung für ihn“, rief Mr. C plötzlich wesentlich begeisterter ins Mikrophon, „der Duellant, der dieses Jahr sein großes Comeback feiern will: Jack Leonhart Jr.!“
      Sofort streckte ebendieser beide Hände in die Luft und winkte scheinbar -wirklich jedem- auf den Zuschauerrängen freudestrahlend zu. Was Anya dazu brachte, etwas zu tun, das noch nie jemand in diesem Stadion getan hatte. Sie rülpste.
      Die nachfolgende Stille, die entgleiste Mimik ihres Gegenüber und ein Gefühl der endlosen Erleichterung zauberten ein friedliches Lächeln auf Anyas Lippen.
      „Nun, also“, haderte Mr. C von seiner Lounge am oberen Ende der Tribüne peinlich berührt, „dann gebt euch die Hand, Duellanten.“
      Der Ex-Weltmeister gewann sein aufgesetztes, charmantes Lächeln zurück und reichte Anya die Hand. „Viel Spaß. Übrigens, ich muss dieses Duell gewinnen, wenn du also so freundlich wärst und schnell verlieren würdest? Aber gib dir ruhig Mühe, die Leute wollen trotzdem eine gute Show.“
      „Was du nicht sagst“, schlug die Blonde angriffslustig ein, „immerhin hast du die letzten zwei Jahre eine solche nicht mehr geboten, Milchgesicht.“
      „Wenn es danach geht, müssen wir die Zuschauer wohl auf ein besonders enttäuschendes Viertelfinale vorbereiten“, erwiderte Jack auf Anyas Aussage hin mit einem müden Lächeln, doch sein Griff um ihre Finger wurde unangenehm fest, „denn wie wir seit den Vorrunden wissen, wird Talentlosigkeit in Bauer gemessen.“

      Ein Teil der Zuschauer brach daraufhin in tosendes Gelächter aus. Etwas, das Anyas ohnehin schon leicht reizbare Natur praktisch genügend Nährboden für ihre in letzter Zeit abgeflachten Fantasien gab.
      „Was!?“ Der Speichel flog ihr nur so um die Ohren. „Wiederhol' das!“
      „Du solltest nicht hier stehen und das weißt du. Sicher, du bist nachgerutscht, aber nur weil einer der anderen Teilnehmer nicht wusste, was er überhaupt wollte. Wie man das nennt? Zweite Wahl.“
      Als er das sagte, zischten jedoch auch einige Leute aus dem Publikum oder buhten ihn sogar aus, während andere dies lautstark unterstützten. Letztlich löste er auch den Handschlag, aber nur aus einem Grund: So konnte er eine verscheuchende Handbewegung ausführen. „Also mach husch, ich habe andere Probleme als dich.“

      Beruhige dich. Tätliche Angriffe werden mit Disqualifikation geahndet. Nimm ein paar Schritte zurück, zähle bis zehn und wenn du ihn dann immer noch umbringen willst … tu's einfach nicht.

      Mit geweiteten Augen wirbelte Anya um die eigene Achse und stampfte davon. Eins! Ja, mit einem Ei würde es sich schlecht leben! Zwei! Genau so viele Rippen würde sie ihm brechen. Nein, mach drei draus! Vier? War im Japanischen mit dem Tod gleichzusetzen! Fünf!? Wenn er mehr als fünf Minuten mit ihr alleine in einem dunklen Raum aushielt, würde sie ihm eine Medaille schenken. Was wahrscheinlich der letzte Preis war, den dieser Typ jemals gewinnen würde, sobald sie erst mit ihm fertig war. Und fuck auf die anderen Zahlen, denn jetzt würde sie-!

      Sich umdrehen, ihm auf dem Feld gegenüberstehen und für den Rest des Duells auf eine Weise anstarren, die sehr deutlich machte, dass sie für die restlichen Zahlen mehr als genug Ideen parat hatte!
      „Lasset das Spiel beginnen!“, rief Mr. C inbrünstig aus.
      Und die Kontrahenten riefen unter lautstarkem Jubel: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Jack: 4000LP]

      „Ich mache den ersten Zug“, entschied Anya herrisch.
      Ihr fein gekleideter Gegner sah sie gar nicht an, sondern winkte lieber irgendwelchen Schnepfen aus dem Publikum zu. Plötzlich aber wandte er sich an das Mädchen. „Hör zu, ich muss dieses Duell -unbedingt- gewinnen, verstehst du? Deine kleinen, süßen Träume von Berühmtheit berühren mich zutiefst …“
      Wie er auch verdeutlichte, als er seine Hände aufs Herz legte. „ … aber ich werde sie gnadenlos zertrampeln müssen. Außer, du kommst mir entgegen und machst das selbst. Ist weniger schmerzvoll, glaub mir.“
      Das passende Zwinkern dazu gab seiner Gegnerin den Rest. Kurz drohten ihre Augen aus den Höhlen zu ploppen, sodass sie schnell nach unten starrte, um sie zur Not aufzufangen.

      Stell dir einfach vor-!

      „Schon dabei!“, knurrte Anya abgelenkt.
      Voller Inbrunst starrte sie in ihr Blatt, gewillt, es diesem Idioten mit aller Macht heimzuzahlen. Was war das überhaupt für ein abgehobener Dreckskerl!? Allein der Spruch mit ihrem Nachnamen qualifizierte ihn für einen Dauerplatz in einem Pflegeheim für Schwerbehinderte. Und Gott, würde er schwerbehindert sein, sobald sie erst mit ihm fertig war. Womit -nicht- das Duell gemeint war.
      „Was denn, Blondie? Ich warte hier“, drängelte Jack sie, ihren Zug auszuführen.
      Binnen Sekundenbruchteilen lief Anya gefährlich rot an. Wenn doch bloß nicht diese beschissenen Kameramänner wären. Sonst würde sie jetzt da rüber gehen und ihn … aber sie konnte nicht! Korrektur, durfte nicht. Selbst vor Schimpfwörtern hatte Logan sie eindringlich gewarnt. Aber was zum Teufel waren seines Verständnisses nach unangebrachte Wörter!? Wenn es nach Anyas ging gab es keine!
      „Tch. Das ist doch zum Heulen!“, ereiferte sie sich aufgebracht.
      Was natürlich sofort den Kommentator Mr. C in seiner am oberen Ende der Arena befindenden VIP.-Lounge auf den Plan rief. „Es sieht ganz danach aus, als hätte Anya Bauer Probleme, eine Strategie zu finden.“
      Sofort fingen auch erste Leute aus dem Publikum an, ihr zuzurufen, sie möge doch irgendetwas machen … oder gleich aufgeben.
      Hatten die eins an der Waffel!? In ihrem letzten Duell hatte sie teilweise mehr mit Zach gestritten, als sich duelliert!
      „Hmpf, na schön“, entschied sie schließlich. „Ich beschwöre [Battlin' Boxer Headgeared]!“
      Unvermittelt materialisierte sich vor ihr ein durchtrainierter, dunkelblauer Kämpfer mit rotem Kopfschutz, dessen Hände in gleichfarbigen Handschuhen steckten.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      Sie nahm das Deck aus ihrem D-Pad und erklärte: „Er schickt einen Trainingspartner auf den Friedhof.“
      Ein solcher Battlin' Boxer war es auch, den sie anschließend in den Friedhofsschacht schob.
      „Wie schön für dich“, spottete Jack ungehemmt weiter, „und weiter?“
      „Das wirst du gleich sehen! Da ich einen Boxer kontrolliere, kann ich [Battlin' Boxer Sparrer] von meiner Hand spezialbeschwören, dafür aber nicht in diesem Zug angreifen.“
      Neben Headgeared erschien ein weiterer Boxer in Grau, an dessen Armen dicke Schienen angebracht waren.

      Battlin' Boxer Sparrer [ATK/1200 DEF/1400 (4)]

      „Wow, und das im ersten Zug!?“, schauspielerte ihr Gegner hämisch mit einer ausschweifenden Handbewegung sein nicht vorhandenes Erstaunen. Die Hände sinken lassend, fügte er sarkastisch hinzu: „Kombos für Dreijährige. Fortschrittlich!“
      Die Zornesfalte auf Anyas Stirn pulsierte bereits gefährlich. Was bildete sich dieser schmierige Wichskopf eigentlich ein!? Da schon ihre verkrampfte Haltung jedem mit einem Fünkchen Verstand verriet, dass ein Verbrechen im Begriff war zu entstehen, tauchte Levrier neben Anya auf.

      Lass dich nicht von seinen Sprüchen ablenken. Er muss dein Duell mit deinem Bruder gesehen haben und versucht nun, dich auf die gleiche Weise zu verunsichern wie Zachariah Bauer.

      Die Blonde aber schnaubte nur stoßartig hintereinander weg.

      Konzentriere dich! Anders als dein Bruder, ist Jack Leonhart Jr. ein erfahrener Duel Monsters-Spieler. Du darfst dir keine Fehler erlauben, Anya Bauer!

      Um sie zu beruhigen, legte Levrier ihr seine durchsichtige Hand auf die Schulter. Anya atmete ein letztes Mal tief durch, ehe sie nickte. Dann setzte sie ein freches Grinsen auf. „Bessere Sprüche hast du nicht auf Lager?“
      „Doch, aber die spare ich mir für deine Niederlage auf.“
      „Ich wette, das hast du zu Claire Rosenburg auch gesagt, bevor sie mit deiner Fresse die Riding Duel-Strecke geputzt hat“, konterte Anya und spielte auf die Niederlage an, die sie ihm im Kampf um den Weltmeistertitel einst zugefügt hatte. Sofort vereiste sich die Miene ihres Gegners.
      Anya gluckste bösartig. „Jackpot! Got it?“
      „Nein.“
      Niemand, um genau zu sein, so still wie das Publikum war. Davon ließ Anya sich aber nicht beirren und streckte den Arm nach vorne aus. „Mir doch egal. Ich bin übrigens noch nicht fertig. Ich habe noch eine kleine Überraschung für dich. Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Vor ihr öffnete sich ein Schwarzes Loch, umgeben von einem leuchtenden Sternenwirbel. In jenes wurden ihre beiden Boxer als rote Lichtstrahlen hineingezogen.
      „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster“, rief das Mädchen. Oh ja, damit rechnete bestimmt niemand. „Xyz Summon!“
      Eine Explosion erfolgte aus dem Überlagerungsnetzwerk. Und empor stieg eine amphibische Gestalt, dürr und von dunkler Natur. Die Haut glühte an manchen Stellen rot, was kein Wunder war, brannte die Kreatur vom Schopf an bis zum langen Schweif lichterloh. Zwei Leuchtsphären umkreisten diese wie kleine Monde einen Planeten.
      „Zeig dich, [Lavalval Chain]!“, röhrte dessen Besitzerin.
      Und der sogenannte Anya-Block sprang jubelnd auf. Zu dumm, dass er im Vergleich zum Rest des Publikums im kreisrunden Stadion geradezu winzig wirkte. Genauer gesagt, bestand er nur aus Matt, Logan, Valerie und Marc. Letztere hatten sich bereits vor dem Stadion von ihr getrennt gehabt. Alle anderen Zuschauer, inklusive Zanthe, blieben beharrlich still.

      Lavalval Chain [ATK/1800 DEF/1000 {4} OLU: 2]

      Anya sah stolz zu ihren Freunden herüber. Besonders Marc und Valerie hatte sie dabei im Visier, denn diese Karte hatte der Sammler einst auf Basis ihrer Liebe erschaffen. Ohne die magischen Kräfte dieses Monsters wären sie alle im Turm von Neo Babylon drauf gegangen.

      Du solltest dich nicht zu sehr auf diese Karte verlassen. Denk daran, dass der, der sie erschaffen hat, dein Schicksal in den Händen hält.

      Auf Levriers Warnung hin verhärtete sich Anyas Gesichtsausdruck. „Yeah …“
      Dasselbe galt dann wohl für [Daigusto Emeral], der ihr gegen Zach gute Dienste geleistet hatte.
      Sich ihrem Gegner zuwendend, riss sie in der Drehung ein Xyz-Material unter [Lavalval Chain] hervor. „Pass gut auf! Ich kann eine Overlay Unit abhängen, um ein Monster von meinem Deck nach oben auf ebenjenes zu legen, damit ich es beim nächsten Mal ziehen kann.“
      Seit sie ihm den Seitenhieb mit Claire verpasst hatte, stand Jack nur noch mit verschränkten Armen da und sagte gar nichts. Aber umso besser. Derweil schnappte ihr Monster nach einer der beiden Lichtkugeln und verschlang sie, nur um dann eine Stichflamme in die Luft auszustoßen.

      Lavalval Chain [ATK/1800 DEF/1000 {4} OLU: 2 → 1]

      Als Anya gewählt hatte, schob sie die Karte oben auf ihren Stapel. Im Anschluss daran nahm sie noch zwei Karten aus ihrem Blatt und schob sie unter Chains Karte in das D-Pad. „Die setze ich. Zug beendet!“
      Zischend tauchten sie zu ihren Füßen auf.

      Anyas Block sprang auf und spendete dem bereits jetzt bis zum Anschlag gereizten Mädchen Applaus. Alle bis auf Zanthe, welcher lieber den Zeigefinger an die Zunge legte und seine Zeitschrift umblätterte.
      Als Matt dies bemerkte, stieß er den Werwolf mit dem Fuß an. „Hmm?“
      Zwar hatte das Nicken in Anyas Richtung eine eindeutige Botschaft, die Zanthe jedoch geflissentlich ignorierte.
      „Gibt es ein Problem?“, beugte sich Logan hinter Matt hervor. Auch Marc und Valerie neben ihm schauten schon fragend herüber.
      Betont abweisend antwortete der Werwolf: „Nein. Sollte es?“
      „Du könntest wenigstens so tun, als wärst du auf ihrer Seite“, brummte Matt.
      „Reg' dich ab, sie guckt sowieso nicht hierher.“
      „Trotzdem gehört sich das so!“
      Mit einem Ruck stand Zanthe und sah Matt strahlend in die Augen, welcher die Geste mit einem Lächeln honorierte. Welches alsbald in sich zusammenfiel, als der Kopftuchträger sich durch die Reihe an Zuschauern bahnte, um sich zu entfernen.
      „Wo willst du hin!?“, rief der Dämonenjäger ihm fassungslos hinterher.
      „Weg hier, siehst du doch. Sie wird das auch ohne meine 'Ahs' und 'Ohs' schaffen, ganz bestimmt.“
      Als Zanthe die Treppen erreichte, rannte er sie hinab zum weiter unten liegenden Ausgang.
      „Langsam verstehe ich, warum die Kleine so ist wie sie ist“, gluckste Logan.
      Matt ließ sich in den Sitz zurückfallen. „Das kann doch nicht wahr sein …“
      „Ich geh ihm mal nach“, schlug Logan vor und marschierte hinter dem Schwarzhaarigen im Ledermantel vorbei. „Bring' ihm ein paar Manieren bei.“
      Doch der Jüngere winkte bloß ab. „Dafür kommst du ein Jahrhundert zu spät …“
      „Hm?“
      „Nichts. Red' ruhig mit ihm, aber beeil' dich, denn wenn Anya merkt, dass ihr beide fehlt, bin garantiert ich der Leidtragende …“

      Doch der fiel überhaupt nicht auf, dass nun auch Logan sich durch die Zuschauerreihen hin zur nächstgelegenen Treppe bewegte. Sie fixierte sich allein auf Jacks Stirn, in der Hoffnung, eine Neuauflage des Todesblicks zu starten. Und verdammt, sie glaubte, da tatsächlich schon einen winzigen, roten Punkt zu sehen!

      In einer geradezu formvollendeten Bewegung zog Jack die Karte, was überspitztes Gekreische von seinen Fangirls in den ersten Reihen mit sich brachte. Er hatte Fangirls, stellte Anya fest. Als ob es nicht schon genug Gründe gab, ihn zu hassen! Wie sie aus den Augenwinkeln bemerkte, hielten einige sogar Banner mit Bildern von ihm hoch.
      „Ich bin in der Hölle gelandet“, stellte sie ernüchtert fest.
      „Schön, dass wir uns endlich in etwas einig sind“, schenkte Jack ihr sein Strahlemannlächeln. Dabei sprang das Fach für Spielfeldzauber an seinem roten D-Pad auf. „Sie nennt sich übrigens [Dragon Ravine].“
      Überall innerhalb der Duellfläche schoben sich massive, durchsichtige Felswände aus dem Boden. Die Dachkuppel verfärbte sich in einen gelben Sonnenuntergang, welcher durch umher kreisende, schattenhafte Drachensilhouetten noch betont wurde.
      „Gleich zu Beginn spielt Jack seine Schlüsselkarte aus!“, kommentierte Mr. C dies begeistert unter dem Jubel des Großteils der Zuschauer. Ein leichter Nebel waberte inzwischen bis etwa auf Kniehöhe innerhalb des Spielfelds.
      Der blonde Duellant im Anzug schob eine Handkarte in den Friedhofsschlitz. „Genau. Und jeder, der mich schon einmal hat spielen sehen, weiß, dass ich durch das Abwerfen einer Karte zwischen zwei Effekten wählen kann: Entweder schicke ich einen Drachen von meinem Deck auf den Friedhof oder ich erhalte ein Dragunity-Monster von meinem Deck.“
      Anya erinnerte sich, dass Zanthe vor dieser Karte gewarnt hatte. War sie erst im Spiel, würde es nicht lange dauern, bis Jack das Duell gewann. Außer seine Gegnerin hieß Claire Rosenburg und verdammt, Anya war in diesem Moment -so- kurz davor, sich umzubenennen!
      „Ich wähle letzteren Effekt“, verkündete ihr Gegner, „und bekomme [Dragunity Dux].“
      Die Karte schoss aus seinem Deck hervor und wurde sofort auf den Spielplan gelegt. „Erscheine!“
      Was die humanoide Gestalt auch tat. Verhüllt in einer weißen Tunika mit Schulterplatten, machte der Mann dank der Flügel an seinem Rücken und der Haube samt Schnabel daran tatsächlich den Eindruck, als wäre er ein Vogel.

      Dragunity Dux [ATK/1500 DEF/1000 (4)]

      Dank des siegessicheren Lächelns auf den Lippen fiel es Jack nicht schwer, vielen weiblichen Besuchern ein Seufzen zu entlocken, als er erklärte: „Mein Freund hat auch einen Effekt, den ich dir nicht vorenthalten will, liebe Anya. Er rüstet sich bei seiner Beschwörung mit einem Dragunity-Drachenmonster von meinem Friedhof aus. Woher das wohl kommt?`“
      Anya überhörte den gespielt verwunderten Tonfall des letzten Satzes gekonnt. „Du hast es eben abgeworfen, Schwachkopf.“
      „Natürlich habe ich das.“ An das Publikum gewandt, sagte er: „Es handelt sich um [Dragunity Phalanx]!“
      Ein kleinwüchsiger, dunkelblauer Drache, der in einer goldenen Ganzkörperrüstung steckte, stieg aus dem Nebel empor, direkt unter Dux, welcher befehlend die Geißel in seiner Hand nach vorne streckte.
      „Nicht umsonst habe ich mich für ihn entschieden“, schwärmte Jack weiter, „Phalanx hat einen Effekt, der ihn jetzt sofort von der hinteren in die erste Reihe befördert.“
      Der Ex-Weltmeister grinste, als Anya ihn nur skeptisch anstarrte. „Das heißt, dass Phalanx aus der Zauberkartenzone spezialbeschworen wird.“
      „Erzähl mir was Neues“, zischte das Mädchen zurück, als der Reiter wieder von seinem Drachen sprang und sich neben ihm positionierte.

      Dragunity Phalanx [ATK/500 DEF/1100 (2)]

      Währenddessen eilte Logan durch den verlassenen Gang und erreichte eine Gabelung. Gerade wollte er dem Pfeil folgen, der da sagte 'Exit', da bemerkte er Zanthe alleine stehen. Zumindest für einen Moment, bis direkt vor diesem ein etwas größerer, junger Mann auftauchte.
      „Was …?“, staunte der knapp 162 cm große Mann und zog sich hinter der Wand zurück.
      „Warum bist du abgehauen?“, fragte Exa derweil überrascht. „Ich dachte, sie wäre deine Freundin?“
      Zanthe zog an ihm vorbei, sodass der junge Mann mit dem blonden, zu Braids verknüpften Haupthaar mit den Schultern zuckte und ihm nacheilte. Logan hörte die Unterhaltung interessiert durch den Korridor mit an.
      Frustriert aufstöhnend, erwiderte Zanthe seinem Freund: „Ich habe keine Lust, verstehst du? Seit heute morgen versuche ich ihr zu erklären, wie dieser Jack kämpft. Glaubst du, sie merkt sich etwas davon?“
      „Klingt nicht danach.“
      „Eben. Und ich hab's satt. Wenn sie meint, das Ganze verhauen zu müssen, dann ohne mich.“
      Vorsichtig spähte Logan um die Ecke, sah die zwei jungen Männer nebeneinander her laufen. Sein Blick verfinsterte sich zunehmend.
      Nichts davon ahnend, zuckte Exa mit den Schultern. „Erwartest du denn, dass sie die Botschaft versteht, wenn sie dich nicht unter ihren Freunden entdeckt?“
      „Sie wird es nicht einmal bemerken. Es ist schließlich Anya. Und es ist mir inzwischen egal, ich bin nicht dazu da, sie zu erziehen.“
      Erst als die beiden den in einer Kurve verlaufenen Gang soweit passiert hatten, dass sie sich nicht mehr im Blickfeld des Mechanikers befanden, trat dieser aus seiner Deckung hervor.
      „Sieh einer an“, murmelte er düster. Und begann ihnen langsamen Schrittes zu folgen.

      Anderenorts stiegen der geflügelte Dux und sein Drachenpartner nebeneinander in die Luft auf, als Jack mir dem Finger schnippte. „Jetzt, meine verehrten Zuschauer, stimme ich den Stufe 2-Empfänger [Dragunity Phalanx] auf [Dragunity Dux] ein.“
      Statt in zwei grüne Synchroringe zu zerspringen, veränderte Phalanx stattdessen seine Form, wurde zu einem langen, schlangenhaften Drachen von weißer Farbe, der seine Schwingen weit ausspannte. „Filled with pride and blessed with victory to become the next in line of divinity!“ Der Drachenreiter Dux stieg mitten in der Luft auf dem wachsenden Drachen auf. „Synchro Summon! Soar, [Dragunity Knight – Gae Bulg]!“
      Von dem Gespann ging ein greller, grüner Blitz aus. Und die Menge tobte. Was auch der Grund war, warum Anya betont eine Hand vor den Mund hielt und gähnte, als Gae Bulg hinab stieg und sich vor Jack positionierte.

      Dragunity Knight – Gae Bulg [ATK/2000 DEF/1100 (6)]

      „Du siehst nicht gerade beeindruckt aus. Ein ziemlich schwaches Monster, nicht wahr?“
      Anya gelang es zunehmend besser, ihren Gegner einfach nur wortlos anzustarren.
      „Nun, nicht mehr lange“, räusperte sich Jack, als kein abfälliger Kommentar folgte, „ich habe noch die hier: [Dragon Mastery], ein dauerhafter Zauber.“
      Jene stellte sich vor ihm auf und bildete [Dragunity Phalanx] ab, an dessen Horn sich ein grüner Vogelmann festhielt.
      „Sie lässt mich von meiner Hand ein Dragunity-Monster an eines vom Feld ausrüsten und solange das der Fall ist, erhält Letzteres 500 Angriffspunkte.“
      „[Dragunity Brandistock], hab ich Recht?“, fragte Anya nach, noch bevor ihr die Karte gezeigt wurde.
      Für den Bruchteil einer Sekunde fror Jacks Mimik ein, ehe er genau diese Karte in sein D-Pad schob. „Gut geraten.“
      Die durchsichtige Gestalt eines dunkelblauen Babydachens in himmelblauer Rüstung verschwand im Drachenreiter, welcher daraufhin eine silberne Aura auszustrahlen begann.

      Dragunity Knight – Gae Bulg [ATK/2000 → 2500 DEF/1100 (6)]

      „Könnte das etwa das Ende bedeuten!?“, überschlug sich Mr. C bereits völlig.
      Anya hörte, wie das Publikum wild zu tuscheln begann. „Was regen sich alle so auf, so viel stärker ist es doch gar nicht geworden?“
      „Anya“, sprach Jack sie mitleidig an, „du hast ja keine Ahnung.“
      „Ach ja? Und wenn schon, ich hab zwei gesetzte Karten, das reicht locker!“
      Geradezu abfällig war das schwache Lächeln, das der blonde Mann seiner Gegnerin daraufhin schenkte. „Nein, das wird es nicht. Versuch' ruhig, mein Monster zu zerstören, nur zu.“
      Er blickte dabei siegesgewiss in sein aus zwei Karten bestehendes Blatt, von der die obere Karte [My Body As A Shield] war. Dann widmete er sich wieder Anya in aller Eiseskälte. „Ansonsten tu mir endlich den Gefallen und zieh dich in das Loch zurück, aus dem du gekrochen bist. Gae Bulg, Angriff auf … das Ding da. Dragunity Majestic Lance!“
      Dux, dessen Geißel zwischenzeitlich durch einen dünnen, langen Speer ausgetauscht worden war, schwang diesen über den Kopf, ehe sein Drache den Sturm nach vorn antrat.
      „Eins solltest du wissen“, rief Jack dabei entschlossen, „Brandistock verleiht dem ausgerüsteten Monster zwei Angriffe. Und …“
      Er griff gerade nach seinem Friedhof, als Anya den Arm ausschwang und ihren Gegner damit unterbrach. „Falle!“
      Sofort huschte dessen Hand daraufhin zum Blatt, griff bereits die angedachte Zauberkarte.
      „[Half Unbreak]!“
      Doch etwas überrascht davon, verfolgte Jack mit, wie aus Anyas aufrecht stehender Karte eine riesige Seifenblase stieg, die ihre brennende Amphibie in sich einschloss. Und selbst ein Stich mit Gae Bulgs Lanze brachte diese nicht zum Platzen, geschweige denn [Lavalval Chain] ins Grab.

      [Anya: 4000LP → 3650LP / Jack: 4000LP]

      „[Half Unbreak] macht eines meiner Monster für den Zug unzerstörbar und halbiert sämtliche Schäden, die ich im Kampf mit ihm erleide!“
      Jack klatschte sich vor die Stirn. Wie in Zeitlupe zog er die Hand übers Gesicht hinab und sah dann auf. „Ist das dein Ernst? Ist das wirklich dein Ernst?“
      Dagegen war Mr. C vollkommen aus dem Häuschen. „Da ist sie gerade noch einmal davon gekommen! Aber ihre Hartnäckigkeit hat Anya Bauer bereits zuvor oft genug bewiesen!“
      Den Kopf schüttelnd, schwang Jack den Arm aus. „Danke für meine gestohlene Lebenszeit. Noch ein Angriff, Gae Bulg …“
      Auch der zweite Stich nach [Lavalval Chain] führte zu nichts.

      [Anya: 3650LP → 3300LP / Jack: 4000LP]

      „Was weißt du von gestohlener Lebenszeit?“, schnaubte Anya. „Bist du jetzt fertig oder was?“
      Jack nahm seine Schnellzauberkarte und legte sie in sein D-Pad ein, woraufhin sie zischend zu seinen Füßen auftauchte. „Ja.“
      Und die Seifenblase platzte endlich.

      Als Anya sich mit einem verstohlenen Grinsen zur Seite drehte und ihren Freunden zuwinken wollte, stellte sie fest, dass zwei davon fehlten. Die Plätze rechts neben und hinter Matt waren unbesetzt.
      Das Mädchen legte den Kopf schief, woraufhin der Dämonenjäger nur entschuldigend mit den Schultern zuckte. Das Ganze wurde auch dadurch nicht besser, dass Redfield den Kopf schüttelte.
      Okay, sagte sich Anya, dass der blöde Flohpelz mit Abwesenheit glänzte, war ein Problem. Aber der Zwerg auch!? Vielleicht waren sie nur zusammen auf Toilette, wenn Mädchen das so machten, warum auch nicht Jungs … Oh Gott, hoffentlich nicht!
      Anya war noch dabei, den Gedanken aus ihrem Kopf zu vertreiben, da drang Jacks Stimme an ihr Ohr.
      „Was ist los, vermisst du zwei deiner Fans? Wie traurig, das sind ja 40% Verlust innerhalb von wenigen Minuten. Das hat bisher keiner geschafft, Glückwunsch.“

      In Zeitlupe drehte sich Anyas Kopf in Jacks Richtung. Und sie hauchte: „Draw …“
      Oh ja, sie brodelte innerlich. Es gab allerdings nur eine Person in ihrem unmittelbaren Umfeld, die in diesem Augenblick den Geschmack der Anya Bauer-Premium Wut auskosten konnte. Und sie würde, entschied das Mädchen kurzerhand.
      „[Battlin' Boxer Switchitter]!“, rief sie grimmig und knallte die gezogene Karte auf das D-Pad.
      Ein Umhang flog und da stand er, ein metallischer Cyborg-Boxer, der seinen Kopf unter einer beigefarbenen Kapuze versteckt hielt.

      Battlin' Boxer Switchitter [ATK/1500 DEF/1400 (4)]

      Anya legte ein fieses Grinsen auf. „Der trainiert nicht gern alleine, deswegen ruft er einen Boxer vom Friedhof aufs Feld!“
      Neben ihrem Kämpfer öffnete sich ein Runenzirkel auf dem Boden, aus dem der blaue [Battlin' Boxer Headgeared] aufstieg.

      Battlin' Boxer Headgeared [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      „Ich errichte das Overlay Network!“
      Ein schwarzer Galaxienwirbel öffnete sich vor Anya, als diese den Arm nach vorne streckte. Beide Boxer verwandelten sich in rote Lichtstrahlen, die absorbiert wurden.
      „Aus meinen beiden Stufe 4-Battlin' Boxern wird ein Rang 4-Brocken!“
      Eine Explosion erfolgte aus dem Schwarzen Loch, aus dem im Anschluss eine gar furchteinflößende Gestalt entsprang.
      „Xyz Summon! Mach ihn alle, [Battlin' Boxer Lead Yoke].“
      Anyas Hüne hielt sich gebeugt, was an den Stahlpfeilern lag, die auf seinem Kreuz befestigt waren und in denen sich seine beiden Xyz-Materialien befanden, die man nur schwach durchleuchten sah.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/2200 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Die noch immer ausgestreckte Hand ließ Anya zur Seite schwenken, hin zu ihrem brennenden Ungeheuer. „Ich nutze den zweiten Effekt von [Lavalval Chain]! Damit kann ich direkt eine Karte von meinem Deck auf den Friedhof schicken!“
      Was sie nur zu gerne tat. Statt aber den Namen zu nennen, zog sie bewusst provozierend ihr Deck aus dem Schacht und überlegte. So lange, dass Jack ungeduldig mit der Fußspitze auf dem metallischen Boden zu tippen begann. Und Anya überlegte weiter, wodurch die ersten Leute schon zu tuschelnd begannen.
      „Anscheinend ist die Gute etwas unentschlossen“, stammelte Mr. C verloren.
      „Wird das bald was!?“, fauchte Jack das Mädchen letztlich an, nachdem sie es endlich geschafft hatte, seinen Geduldsfaden zum Reißen zu bringen.
      Unschuldig mit den Schultern zuckend, nahm Anya eine Karte aus dem aufgefächerten Deck. Nur um sie dann zurückzustecken. „Nein.“
      Sie genoss den Anblick der Faust, die ihr Gegner daraufhin ballte. Und entschied sich, dass sie ihn noch ein paar Minuten zappeln lassen würde. Aber als das Geraune der Zuschauer zunehmend penetranter und nerviger wurde, entschloss Anya, dass es Zeit für den nächsten Schritt auf dem Weg zu Jacks persönlicher Bestrafung war.
      „Die hier“, murrte sie, zeigte das Monster kurz vor und schob es in den Friedhofsschacht.
      Ihr Gegner atmete sichtbar erleichtert auf. „Na endlich …“
      „Angriff auf seinen [Dragunity Knight – Gae Bulg]“, befahl die Blonde völlig unerwartet und löste damit erstaunte Reaktionen aus.
      „Du hast [Battlin' Boxer Counterpunch] abgeworfen“, schlussfolgerte Jack.
      Genau dieser schob sich in diesem Moment aus Anyas Friedhof, sodass sie ihn wieder aufnehmen und diesmal überall herumzeigen konnte. Ihr Boxer ging in eine geduckte Haltung, aus der er auf den Drachenreiter vor Jack zu sprintete.
      „Gut erkannt, Einstein!“, rief Anya. „Den muss ich nur verbannen, damit mein Lead Yoke ein nettes Punkte-Upgrade bekommt, nämlich ganze 1000 für diesen Zug!“
      Im Lauf hob der Hüne seine Rechte, die in lodernden Flammen aufging.

      Battlin' Boxer Lead Yoke [ATK/2200 → 3200 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Stille. Alle sahen Jack an, der unbedarft mit den Schultern zuckte. „Wenn du meinst? Immerhin spielst du mir damit genau in die Hände. Dank des Effekts von Gae Bulg.“
      Ebenjener ließ die Lanze wieder über seinem Kopf kreisen, richtete sie jedoch diesmal gen Sonnenuntergang. Wo sie plötzlich golden aufzuleuchten begann.
      Jack zog eine Karte aus seinem Friedhof hervor, die von [Dragunity Dux]. „Pech für dich, du hättest dich informieren sollen. [Dragunity Knight – Gae Bulg] kann sich genau wie dein Lead Yoke stärken, aber anders als der, bekommt er gleich den kompletten Wert des Geflügelten Ungeheuers gutgeschrieben, das ich für den Effekt vom Friedhof verbanne. Du rennst gerade in dein Verderben.“
      Entschlossen richtete der Vogelritter seine Lanze nach vorn und befahl seinem Reittier, ebenfalls in die Offensive zu gehen.

      Dragunity Knight – Gae Bulg [ATK/2500 → 4000 DEF/1100 (6)]

      Anya weitete die Augen. Die beiden Monster rasten aufeinander im nebligen Tal zu und tauschten die Angriffe aus. Die flammende Faust wurde ins Gesicht des Vogelmanns gerammt, wohingegen die Lanze ihr Ziel verfehlte und gegen einen der Pfeiler stieß. Eine gewaltige Explosion erfolgte und wirbelte sowohl Rauch als auch Nebel auf.
      „Ich weiß natürlich bestens Bescheid darüber, dass Lead Yoke sich durch das Entfernen einer Overlay Unit schützen kann“, meinte Jack nebenbei, „aber nächste Runde bringt ihm das auch nichts mehr.“
      Die Blonde senkte das Haupt. „Sicher?“
      „Hm?“
      „So wie ich das sehe“, murmelte Anya leise und ließ genau das Grinsen aufblitzen, das einst Patricia Kinsky dazu gebracht hatte, aus dem zweiten Stock der Livington Middle School in einen Busch zu springen. Nur dass das Grinsen von damals lediglich einen gebrochenen Arm bezweckt hatte. -Dieses- hingegen war für so viel mehr bestimmt, wie sich zeigen sollte, als Anya mit funkelnden Augen aufblickte, „gibt es keine nächste Runde mehr.“
      In genau diesem Augenblick entflammte der Rauch auf dem Spielfeld. Lead Yoke schoss aus der Wolke auf einen erschrockenen Jack zu, der die volle Dröhnung abbekam. Die Faust wurde in sein Gesicht geschlagen und trotzdem es sich um ein Hologramm handelte, kippte der blonde Schönling aus den Latschen und landete über einen Meter weit entfernt auf dem Bauch.

      [Anya: 3300LP / Jack: 4000LP → 800LP]

      „Ich weiß nicht, wie sie das angestellt hat, liebe Damen und Herren, aber sie hat Jack Leonhart Jr zu Fall gebracht!“, überschlug sich Mr. Cs Stimme.
      Die Antwort stand aufrecht vor Anya in Form einer Fallenkarte. Das Mädchen genoss den entsetzten Blick, den ihr Gegner ihr vom Boden zuwarf.
      „Du dachtest, ich wäre zu blöd, um über dich Bescheid zu wissen, huh?“, spottete sie bitterböse und sah auf ihn herab. „Dachtest, du wärst mir von Hause aus überlegen. Aber nicht ich bin es, der dich unterschätzt hat, sondern du mich. Das da ist [Jolt Counter].“
      Der flammende Rauch verzog sich vom Spielfeld und von Gae Bulg war keine Spur mehr zu sehen.
      „Mit dieser Konterfalle hebelt ein Boxer jeden Effekt aus, der in der Battle Phase aktiviert wird und zerstört dessen Auslöser.“
      „Oh …“, brach es aus Jack hervor.
      „Ich habe mir alles gemerkt. Wie du versuchst, die Angriffskraft deines Gae Bulgs zu erhöhen, um dann mit Brandistock zweimal für einen One Turn Kill anzugreifen“, erklärte Anya stolz. „Und was du versuchst, wenn das scheitert. So ein Pech bloß, dass ich dich das gar nicht erst ausprobieren lassen werde, nicht?“
      Erbarmungslos hob sie den Zeigefinger und deutete auf ihren am Boden liegenden Gegner. Keine Ahnung, wie er überhaupt dort gelandet war, aber umso besser. Das war sozusagen das Sahnehäubchen auf dem Kuchen seiner Bestrafung!
      „Direkter Angriff, [Lavalval Chain]! Burning Vision!“
      Einen Arm nach dem anderen schwang das Reptil aus und schleuderte damit Wogen puren Feuers in Jacks Richtung, der den Arm über den Kopf hielt und in den Explosionen unterging, die um ihn herum stattfanden.

      [Anya: 3300LP / Jack: 800LP → 0LP]

      Es dauerte einen Augenblick, bis der erste Zuschauer klatschte. Nach und nach folgte mehr Applaus für Anya, die stolz die Brust nach vorne reckte. Die Hologramme verschwanden, sodass sie sich wieder in der kreisrunden Arena befanden.
      „Das gibt es nicht!“, flötete Mr. C begeistert. „Anya Bauer hat den ehemaligen Weltmeister Jack Leonhart Jr. eiskalt abserviert. Sollte es noch eine Person im Stadion geben, die an den Fähigkeiten dieses Mädchens zweifelt, so möge sie ihn bitte umgehend verlassen.“
      Die Blonde konnte kaum glauben, was sie da hörte. Dieser dämliche Kommentator lobte sie, sie, Anya Bauer, die Quereinsteigerin, die Niete, die Lachnummer des Turniers, der niemand etwas zutraute!
      Während Jack sich aufrichtete, blickte Anya zu den Zuschauertribünen. Viele Leute waren für sie aufgesprungen, darunter auch ihre Freunde. Doch ihr Lächeln verlor sich, als die Plätze neben Matt immer noch leer waren und er sowie Redfield und Butcher die einzigen aus ihrem Kreis waren, die ihren Sieg live miterlebt hatten.
      Von der Ernüchterung zurückgeworfen, bemerkte sie Jack erst, als er direkt vor ihr stand.
      „Habe“, begann er heiser, aber hörbar aggressiv, „ich dir nicht gesagt … dass ich … unbedingt gewinnen muss?“
      Das Mädchen pfiff abfällig. „Hast du aber nicht. Zieh Leine.“
      „So kommst du mir nicht davon“, presste er hervor und hob die Faust, die auf Anyas Gesicht zu schnellte. Es gab einen Aufschrei unter den Zuschauern.

      Entgegen ihrer heimlichen Hoffnung, der Treffer würde sie zu einer entsprechenden Antwort berechtigen, blieb der Schmerz aus. Stattdessen starrte Anya die Knöchel an, die ruckartig von ihrem Gesicht weggezogen und stattdessen leicht gegen ihre Schulter getippt wurden. Dann reichte Jack ihr strahlend die Hand. „Nur Spaß. Glückwunsch für den Einzug ins Halbfinale.“
      Grimmig nahm Anya an. Weil sie ihm selbst diesen letzten Triumph nicht gönnen würde, den, dass sie aus Stolz nicht einschlug. Gerade weil sie aber letztlich seine Hand nahm, konnte Jack sie für einen kurzen Augenblick zu sich ziehen. Und ins Ohr flüstern. „Denk nicht, dass ich das vergessen werde. Wir sehen uns wieder.“
      Sofort riss sich Anya von ihm los. Er starrte sie an, aufgesetzt freundlich, aber aus seinen Worten war der pure Hass gequollen.
      „Anya Bauer ist damit unsere erste Halbfinalistin!“, schrie Mr. C aufgeregt.
      Die Blonde machte auf dem Absatz Kehrt und ließ Jack hinter sich zurück. Der Spinner war nur einer von vielen, die heute bestraft werden mussten.

      ~-~-~

      Zu viert schlenderten sie den Gehweg entlang, an den verschiedensten Geschäften vorbei. Das Abendrot schien bereits auf Ephemeria City hinab, als Anya, Matt, Valerie und Marc sich auf den Weg zurück zum Hotel der beiden Erstgenannten machten. Denn von der Ephemeria Duel Arena war es nur ein Fußweg von zwanzig Minuten bis dorthin.
      „Du hast ihn ziemlich vorgeführt“, meinte Matt, dessen Hände in seinen Manteltaschen steckten.
      Seit sie zusammen losgegangen waren, hatte Anyas miese Stimmung jedes Gespräch sofort im Keim erstickt. Valerie hatte sogar noch kein Wort außer einer knappen Beglückwünschung von sich gegeben. Sie und Marc liefen stumm hinter den beiden her.
      „Sag mir was, das ich noch nicht weiß“, schnaubte Anya, „zum Beispiel wieso sich die dumme Töle und der Zwerg verpisst haben?“
      „Keine Ahnung, was in Zanthe gefahren ist“, beteuerte Matt zum wiederholten Male, „Logan wollte nur kurz hinterher. Vielleicht sind sie raus und danach nicht mehr ins Stadion reingekommen?“
      „Dann hätten sie wenigstens auf uns warten können“, warf Marc hinter ihnen ein.
      Anyas Nasenflügel zitterten. „Ganz genau …“
      „Du solltest wirklich mit ihm reden“, schlug der Dämonenjäger neben ihr vor.
      Marc pflichtete ihm bei. „Scheinbar gibt es ja ein Problem zwischen euch.“
      „Mal sehen …“

      Als sie danach wieder in kollektives Schweigen zu verfallen drohten, drehte Matt sich um und lief rückwärts. „Was ist eigentlich mit dir, Valerie? Du bist so still, geht es dir nicht gut?“
      Die Schwarzhaarige blieb abrupt stehen, genau wie Marc und ein erstaunter Matt. Nur Anya lief abwesend weiter und musste durch ein Schnalzen des Dämonenjägers zum Halten gebracht werden. Als auch sie sich dann mit düsterem Gesichtsausdruck Valerie zuwendete, krallte die sich fester in den Gurt ihre weiße Handtasche, die sie über der linken Schulter trug.
      „Scheinbar ist es euch noch nicht aufgefallen, aber das nächste Viertelfinale findet morgen statt. Mit mir und Valmiro Guerri.“
      „Oh“, gab Matt betroffen von sich.
      Anya hingegen rollte mit den Augen. „Und was ist daran so schlimm, Redfield? Der hat in den Vorrunden schlechter abgeschnitten als du und nur mit Ach und Krach das Achtelfinale überstanden.“
      Valerie hielt ihren Blick gesenkt, starrte auf die weißen Pumps, die zu ihrer Hose passten. „Vor Valmiro habe ich keine Angst, wenn du darauf anspielst. Ich bin mir ziemlich sicher, ihn besiegen zu können.“
      „Was Valerie damit sagen will ist“, meinte Marc und kratzte sich am Kinnbart, „dass sie dann im Halbfinale auf dich treffen wird.“
      „Oh“, machte jetzt auch Anya, jedoch in einer wesentlich weniger mitfühlenden Tonlage.
      „Danach kämpft Marc gegen Kakyo Sangon. Die letzte Paarung ist Othello Nikoloudis versus irgendeinen Typen mit Walker als Nachnamen“, verdeutlichte Matt seiner Freundin die Situation.
      Valeries Verlobter ließ die Schultern hängen und blickte betreten zur Seite. „Es war doch klar, dass wir früher oder später gegeneinander ran müssen.“
      „Was auch immer“, brummte Anya und nahm Valerie fest ins Visier, die nun ihrerseits den Blick von ihren Schuhen löste, „mir ist egal, gegen wen ich mich duellieren muss. Claire gehört mir.“
      Ihre Erzrivalin atmete tief durch. „Anya … ich möchte dich eins wissen lassen. Sollte ich gegen Valmiro gewinnen, und das werde ich, wirst du im Halbfinale gegen mich ausscheiden.“
      Das gesagt, stürmte sie plötzlich geradeaus zwischen Anya und Matt vorbei. Leicht aus dem Konzept gebracht, entschuldigte sich Marc und eilte seiner Verlobten hinterher.

      Da sich ihre Wege sowieso trennen würden, da Valerie und Marc in einem anderen Hotel untergebracht waren, machte sich Anya gar nicht erst die Mühe, den beiden zu folgen.
      Matt sah die Blonde nachdenklich an. „Willst du wissen, was ich denke?“
      „Schieß' los, Summers …“
      „Sie hat gehofft, dass du heute verlierst. Damit sie nicht mit dem Gefühl leben muss, eventuell diejenige zu sein, die dich aus dem Turnier kickt.“
      „Wird sie nicht.“ Anya wandte sich ihm zu. „Ich habe mehr als einmal gegen sie gekämpft. Das Halbfinale wird der ultimative Test sein, der entscheidet, wer von uns beiden besser ist. Und den werde ich bestehen, nicht sie.“
      Der Schwarzhaarige konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, als sie wieder begannen, nebeneinander her zu laufen. „Vielleicht sollte sie dann nicht so große Töne spucken. Der Letzte, der das getan hat, hat es bereut …“
      Auch Anya gluckste. „Yeah. Ich hatte so gehofft, dass er mir zum Schluss eine reinhaut.“
      „Damit du auf Notwehr plädieren kannst?“
      „Bingo!“

      Zusammen liefen sie immer weiter die Straße hinab, zunehmend munterer über die Teilnehmer des Turniers herziehend. Anya war froh, dass sich wenigstens die Lage zwischen ihr und Matt ein wenig beruhigt hatte. Die letzten Tage war er wieder etwas besser drauf. Zu schade, dass es jetzt Zanthe war, der scheinbar alle um sich herum herunterziehen musste.
      Als die beiden an einer Polizeiwache vorbeikamen und Anya davor ein Münztelefon entdeckte, hielt sie an. „Sag mal Summers, könntest du schon vor gehen? Ich will mal eben Abby anrufen.“
      „Das kannst du doch auch im Hotel?“, wunderte der sich.
      „Weiß ich. Aber es muss jetzt sofort sein. Sonst vergesse ich noch, was mir gerade eingefallen ist.“
      Sie konnte ihm ja schlecht erzählen, dass sie beabsichtigte, sich bei ihrer besten Freundin auszuheulen. Allein der Gedanke daran war ihr so unbehaglich, dass sie ihn am liebsten sofort verwerfen wollte
      „Ganz ehrlich“, sagte Matt und hielt auch an, „ich hatte schon im Nachhinein ein schlechtes Gewissen, dich vorgestern alleine gehen zu lassen. Nach dem, was Zed dir neulich versucht hat anzutun.“
      „Ich kann auf mich alleine aufpassen, Summers“, versicherte Anya ihm grimmig. „Aber trotzdem danke.“
      Plötzlich grinste er. „Man, seit wann bedankst du dich eigentlich?“
      „Gar nicht. Und jetzt zisch ab, das hier ist eilig!“
      „Okay“, seufzte er mit einer Spur Sorge in der Stimme, „aber halte dich von Ärger fern.“
      „Es ist nur ein Telefonat, keine Kriegserklärung an die Undying!“
      Nachdem sie ihm das versichert hatte, ließ Matt endlich locker und zog von dannen. Von hier waren es sowieso nur noch ein paar Minuten bis zum Hotel.

      Allerdings wandte sich Anya erst dem Telefon etwas abseits des Präsidiums zu, als Matt außer Sichtweite war. Ein paar Münzen aus der Hosentasche ihrer Jeans suchend, warf sie diese ein und tippte Abbys Handynummer in die Tasten.
      Kaum erklang das erste Freizeichen, hallte schon aus dem Hörer: „Abby hier.“
      „Hi Masters“, nuschelte Anya nahezu unhörbar.
      „Anya! Oh mein Gott, herzlichen Glückwunsch, das war fantastisch!“
      Die Blonde war erstaunt. „Du weißt schon Bescheid?“
      „Natürlich! Ich habe es im Fernsehen mitverfolgt.“
      „Aber hast du keine Vorlesungen?“
      Ihre Freundin kicherte. „Es ist etwas knapp geworden, aber ich habe es rechtzeitig in meine WG geschafft. Übrigens ist Amanda, meine Mitmieterin, jetzt dein Fan!“
      „Oh toll, dann bin ich ja wieder bei vier angelangt“, grummelte Anya und drehte sich um. Gerade lief eine alte Frau mit ihrem Hund an der Leine an ihr vorbei. Mit einem Zischen und einer verscheuchenden Handgeste machte Anya klar, dass es nichts zu lauschen gab.
      „F-freust du dich nicht über deinen Sieg?“ Man konnte förmlich Abbys Alarmglocken hören, so dachte Anya insgeheim. „Deine Leistung wurde nicht schlecht gemacht, falls du …“
      Das Mädchen am anderen Ende der Leitung rollte mit den Augen. War ihr doch egal, was die jetzt im Fernsehen über sich brachten. „Darum geht es nicht. Es ist nur …“

      Anya haderte. Wie sollte sie Abby bloß verständlich machen, was genau das Problem war? Wenn sie direkt aussprach, dass Zanthes Verhalten ihr in letzter Zeit auf die Nerven ging, dachte Abby am Ende bloß, sie käme damit nicht zurecht. Aber das tat sie! Auch wenn es sie wirklich getroffen hatte, dass er weggegangen war. Das hatte er schon in den Vorrunden gemacht! Und er war in letzter Zeit so …
      Und natürlich war das sowieso ihr einziges Problem, denn eine gewisse andere Person würde sie definitiv mit keinem Wort erwähnen!

      Als Anya den Satz nicht beendete, hakte Abby selbst nach: „Was?“
      „Stell dir einfach vor“, versuchte Anya eine geeignete Parallele zu finden, damit keine garantiert falschen Vermutungen angestellt wurden, „Greenpeace beschützt … Bäume. Liebend gern. Aber auf einmal kommt keiner mehr zu den Greenpeace-Treffen. Und die armen Bäume …“
      „Ich kann dir nicht ganz folgen.“
      „Verdammter Kackmist, stell' dich nicht so an, Masters! Bäume, Greenpeace, klingelt's da nicht!?“
      Abby schluckte deutlich. „Nein? Oh, warte! Sag bloß, du spielst auf den Mitgliederschwund an und du willst jetzt beitreten, um-!“
      Da Anya schon einen Zug sah, der vor ihrem geistigen Auge mit 200 km/h auf sie zuraste, entschied sie sich kurzerhand, von den Gleisen zu springen, solange noch die Zeit dazu war. Indem sie einfach aussprach, was anlag. „Zanthe hasst mich und ich weiß nicht, wie ich das ändern soll. Ist ja toll, dass ich immer mehr Freunde finde, aber könnte mir bitte jemand verraten, wie ich die auch behalte?“
      „Ah-ach so.“ Täuschte sich Anya oder klang die Chefsirene ein bisschen enttäuscht? „A-also das ist nicht so leicht zu erklären, Anya.“
      „Du hast noch zwei Minuten und ich keine Vierteldollarstücke mehr. Mach hinne!“
      „Moment. Bist du etwa in ihn verliebt!?“
      „Und du!? Bist du auf Drogen!?“ Anya spürte bereits, wie ihre Gehirnzellen bei dem Gedanken daran ins vorzeitige Grab hüpften. „Lieber ertränke mich in einem Sumpf aus Scheiße! Und falls du es nicht weißt, ich stand schon mal kurz davor!“
      Abby kicherte künstlich. „Darüber sollten wir vielleicht auch mal reden … Also willst du einfach die Freundschaft erhalten? Dann … musst du ihm zeigen, dass sie dir auch etwas bedeutet.“
      „Und wie?“
      „Unternehmt ihr nichts zusammen?“
      „In letzter Zeit nur die notwendigen Sachen. Er ist ja in unserer Freizeit immer weg“, schnaufte Anya wütend. „Ich glaube, er hat einen Freund …“
      „Dann frag ihn, ob du ihn kennenlernen darfst. Macht alle etwas zusammen, du kannst ja Matt mitnehmen. Zeig Interesse an Zanthes Gefühlen. Fluche vielleicht etwas weniger und beleidige ihn nicht bei jeder Gelegenheit. Ansonsten folge einfach deinem Herzen.“

      Frustriert trat Anya gegen den Metallpfeiler, an dem die offene Telefonkabine befestigt war. Das hatte sie doch schon probiert, aber die Dreckstöle war lieber für sich.
      „Noch andere Vorschläge?“
      Ein Tuten.
      „Na toll“, schnaubte Anya und hakte den Hörer ein. Nein, falsch! Sie nahm ihn nochmal ab und rammte ihn derart fest in die Halterung zurück, dass das Plastik abbrach und er knapp über den Boden an der Strippe baumelte. Zufrieden nickte sie und spähte von der Kabine zum Eingang des Präsidiums, ob da irgendwelche Bullen herumlungerten.

      Da sie keine entdecken konnte, löste sie sich vom Telefon und setzte bereits einen Schritt geradeaus, als sie innehielt. Und umdrehte. Etwas hatte ihre Aufmerksamkeit erregt. Nicht durch ein Geräusch oder einen Schatten, nein, es war eine innere Eingebung.
      Anya lief zu der Seitengasse, die sich zwischen dem dreistöckigen Polizeipräsidium und einem zweistöckigen Verwaltungsgebäude befand. Sie endete in einer Sackgasse. Niemand war dort.
      „Ist klar“, raunte, „die Falle ist älter als Madonna. Und die ist fast so alt wie Jesus.“
      Sie spürte es. Da war etwas, irgendwo. Es gab keine Mülltonnen, hinter denen sich ein Angreifer verstecken konnte. Das Aufregendste hier waren ein paar dünne, abgenutzte Rohre, die zusammen mit ein paar Metallblechen am Boden lagen. Eines davon las Anya auf, als sie sich ihren Weg in den Zwischenraum der beiden Gebäude bahnte. Als sie drei Meter von der Sackgasse entfernt stand, meldete sich ihr selbsternanntes Gewissen zu Wort.

      Nimmst du etwas wahr, das ich nicht bemerke?

      Die irritierte Art, wie Levrier das fragte, machte Anya nur umso nervöser. So war es doch auch bei den Undying. Die waren erst bemerkbar, wenn es schon zu spät war.
      „Mach dich auf einen Kampf-“
      Weiter kam sie nicht. Aus der Mauer schnellte sie, wie ein Geist. Eine Kreatur, die Anya noch nie gesehen hatte. Sie holte mit ihrem Katana nach ihr aus. Anya duckte sich rückwärts darunter hinweg, machte einen gebeugten Seitenschritt, um dem nachfolgenden Aufwärtshieb zu entkommen. Instinktiv wusste sie, dass ihr Rohr sie nicht beschützen konnte. Sie hatte keine Zeit, auch nur etwas zu dem Dämon mit der weißen Fratze zu sagen. Seine Angriffe wurden schneller, Anya warf sich von einer Seite zur nächsten, nur um nicht getroffen zu werden.
      Plötzlich knickte sie bei einem Ausweichmanöver rückwärts um. In ihren Augen spiegelte sich die Klinge, wie sie auf ihre Brust zu schnellte. Metall schepperte auf Metall. Die Blonde stieß gegen etwas Großes, Hartes. Vor ihr hatte ein riesiges Breitschwert das Katana niedergeschlagen.
      Mit weit geöffneten Augen starrte Anya hoch und sah die silber-goldene Plattenrüstung Ricthers, diesen römisch angehauchten Helm mit den Federn daran.
      „Halt dich dicht hinter mir!“, sprach er in seinem tiefen Tonfall zu Anya.
      Nur ihrer mangelnden Fähigkeit, die gegebenen Fakten korrekt zu verarbeiten, war es zu verdanken, dass sie gehorchte und sich regelrecht um ihn herum schwang. Sein roter Umhang löste sich von den Schultern, als der Undying einen Schritt vortrat.
      „Ich hätte nie gedacht, dich-!“, redete er den Dämon im schwarzen Kimono an. Welcher sein Katana anhob, die flache Hand an den Griff presste und dann zustach. Was sich im Anschluss vor Anyas Augen abspielte, konnte nur als Feuerwerk aus Hieben und Funken bezeichnet werden. Präzise parierte der Hüne jeden Schlag, scheute sich jedoch eines Gegenangriffs. Immer weiter wurde er zurückgedrängt und Anya, die sich völlig perplex hinter ihm verborgen hielt, mit ihm.
      „Was tust du da!?“, polterte der Undying erschrocken im Angesicht seines Angreifers, doch wurde weiter belagert. Es gelang dem Dämon, zwischen die Armpanzerung und der Hauptrüstung einen Schnitt anzusetzen, der in einer Fontäne Blut aus der Schulter Ricthers spritzen ließ.

      Täusche ich mich, oder hat er dir das Leben gerettet!?

      Anya starrte das Rohr in ihrer Hand an. Wenn das so weiterging, dann war die Antwort auf die Frage definitiv nein! Immer öfter wurde der massive, aber ungelenke Hüne an scheinbar empfindlichen Stellen wie Gelenken getroffen. Und auch wenn das Blut kurz darauf versiegte, reichte ein Moment der Schwäche aus, um ihn zu überwältigen.
      Es erstaunte Anya selbst, dass sie zu diesem Schluss kam, aber vielleicht wäre es keine schlechte Idee, ihm etwas zur Hand zu gehen. So hob sie das Rohr über ihren Kopf, drängte sich an dem Undying vorbei und stieß bereits ihren gefürchtetsten Kampfschrei aus, da rief jemand: „Wusste ich doch, dass du das bist, Ricther!“

      Die drei Kämpfenden drehten ihre Köpfe zum Dach der Polizeiwache. Ein junger Mann stand dort, wirkte in seiner dunkelblauen Strickjacke, die Anya seltsam bekannt vorkam, geradezu harmlos. Sein blondes Haar war an den Seiten kurz rasiert, während das Haupthaar zu Braids verknüpft und einem Zopf gebunden war. Und er hielt etwas in der Hand, das wie ein hellblauer Cricketschläger aussah, nur etwas voluminöser.
      „Exa!?“, überschlug sich Ricther förmlich. „Wie kommst du-!?“
      Er war noch gar nicht fertig, da schwang sich der Blonde bereits in einer Halbdrehung mindestens sieben Meter in die Tiefe. Während er um die eigene Achse wirbelte, schwang sich seine Waffe von ganz alleine auf und präsentierte sich als eine Art Langschwert mit scharfen Reißzähnen. Oder war es eine Kettensäge, Anya konnte das alles nicht schnell genug erfassen.
      Ricther stieß sie mit dem ausgestreckten Arm weg und wich ebenfalls aus, als der junge Mann nach ihm schlug und seine Waffe daher in den Boden rammte. Er wirbelte so schnell um die eigene Achse und holte dabei zu einem Schlag aus, dass Anya nicht mehr mitkam und wie angewurzelt stehen blieb. Ricther parierte den Treffer, während das Mädchen erschrocken zurückwich und gegen die Wand des Verwaltungsgebäudes stieß.

      Exa bemerkte sie überrascht und ehe Anya sich versah, hatte er ihren Arm gepackt und zu sich gezogen. „Keine Sorge, der tut dir nichts mehr.“
      „Ich mache mir mehr Sorgen um den da!“, schrie sie jedoch aufgeregt den einen Kopf Größeren an, denn von der anderen Seite der Sackgasse lauerte noch die Gefahr des Dämons. Welcher scheinbar nach einem Moment der Überraschung wieder bereit war zuzuschlagen. Ein diagonaler Hieb sollte Anya den Tod bringen, jedoch gelang es Exa durch eine präzise Drehung, das Katana aus der Hand seines Besitzers zu schlagen. Gleich darauf trat er so fest in den Bauch des Angreifers, dass dieser zurückgeworfen wurde.
      „Keine Ahnung wer das ist, aber ich habe Wichtigeres zu tun. Kümmere du dich um den Verrückten in der Maske.“
      Schon ließ Exa Anya einfach stehen und schnellte wieder auf Ricther zu. Fassungslos verfolgte Anya mit, wie der junge Mann den Undying angriff und mit heftigen Hieben mit dieser seltsamen Waffe so weit zurückdrängte, dass er glatt auf die Straße geworfen wurde. Noch besser wurde es, als Exas Waffe sich in eine kompaktere Version verformte, ähnlich einer Wurfaxt, nur dass es eher eine Wurfkettensäge war. Von der es Exa sich offenbar nicht nehmen ließ, sie auf Ricther zu schleudern.
      „Hast du eine Ahnung, was du getan hast!?“, schrie er hasserfüllt, als die Funken auf dem Brustpanzer des getroffenen Undying nur so sprühten. „Du hast alle im Stich gelassen!“
      Im hohen Bogen prallte die Klinge schließlich von dessen Rüstung ab, sodass Exa sie gezielt mit einem Rückwärtsschritt auffangen konnte.

      Anya Bauer, hinter dir!

      „Scheiße, stimmt ja!“ Sie hatte diesen Drecksdämon glatt vergessen.
      Anya wirbelte um und sah bereits, wie jener sich nach dem Katana beugte, welches nahe der Wand zum Polizeipräsidium lag. Ohne lange nachzudenken, sprintete sie auf den Feind zu und schlug nach ihm. Aber leider wich der Bastard aus, wehrte sich sogar noch mit einem Tritt, den Anya mit ihrem Rohr parierte.
      Unglücklicherweise schleuderte sie das ein ganzes Stück zurück. Das Gleiche geschah im selben Augenblick auch mit Exa, welcher einen zerstörerischen Hieb von Ricther abbekommen hatte. Die beiden Menschen in der Runde stießen mit dem Rücken aneinander.
      „Was ist hier los, verdammter Kackmist?“, keuchte Anya panisch, als sie den sich bückenden Dämon sah, dessen Schwert sich durch eine unsichtbare Kraft vom Boden löste und förmlich in dessen Hand landete.
      „Sieht aus wie ein Treffen von alten Freunden“, atmete auch Exa hinter ihr schwer und hielt seine Waffe im Angesicht des nahenden Ricthers aufrecht. „Übrigens, ich bin Exa. Wer bist du, du kommst mir irgendwie bekannt vor?“
      „Batgirl“, nahm Anya ihn grimmig auf die Schippe. Was ging ihn das an!?
      „Keine Sorge, Batgirl, ich werde schon aufpassen, dass einem hüb- … netten Mädchen wie dir nichts geschieht.“
      „Ich bin nicht nett“, stellte Anya trotz der misslichen Lage klar.
      Ricther blieb stehen. „Solltest du das zu jemandem sagen, der die Artefakte der Hüter jagt, Exa?“
      Augenblicklich wirbelte der von Anya weg und sah sie perplex an, ließ seine Waffe sinken. „Stimmt das!?“
      Sein Gegenüber stöhnte schicksalsergeben. „Wow. Meine neueste Freundschaft hat gerademal ein paar Sekunden gehalten. Whoop-de-fucking-doo!“


      Turn 68 – Four Sides
      Nach einem kurzen Wortgefecht beginnt eine Battle Royal zwischen Anya, Ricther, Exa und dem maskierten Dämon. Anya, die sich um deren Ausgang sorgt, versucht unter ihren Gegnern einen Verbündeten zu finden. Gleichzeitig ist für Nick endlich der Zeitpunkt gekommen, um Anyas Deck zurückzubekommen. Um dies zu erreichen, nutzt er alle Mittel, die ihm zur Verfügung stehen …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Battlin' Boxer Counterpunch
      Battlin' Boxer Headgeared
      Battlin' Boxer Sparrer
      Battlin' Boxer Switchitter

      Jolt Counter
      Half Unbreak

      Battlin' Boxer Lead Yoke
      Lavalval Chain

      Jack

      Dragunity Phalanx
      Dragunity Brandistock
      Dragunity Dux

      Dragon Ravine
      Dragon Mastery
      My Body As A Shield

      Dragunity Knight – Gae Bulg


      Soa. Nächste Folge hätten wir dann das Ende des zweiten Abschnitts (von dreien) der zweiten Staffel erreicht.
      Spoiler anzeigen
      Zu Folge 64-66

      Der Focus in diesen Folgen lag ja weniger auf Anya sondern auf den neben Chars. Deswegen werden ich auf die einzelnen Charaktere eingehen.

      Matt; Matt fande ich ja besonderst interessant. Im Prinzip kämpfte der arme eine Folge lang um seinen Stolz. Erst nahm er den beschwerlicheren Weg um nicht von Nick abhängig zu sein. Dann musste er ihn wieder kurz opfern um in das Gebäude zu kommen. Dann musste er sein Ex-Dämonenjäger sein vor einem möchte-gern-Dämonenjäger verteidigen (fand Lee übrigens witzig). Und dann hören wir nur noch von ihm seine neusten 4 Lieblingsworte: "Es tut mir leid" . Ich stell übrigens mal die Theorie auf das der rothaarige, wenn nicht der Sammler, dann der Bruder von der Nina ist.

      Nick: Spätestens ab dem Duel mit Xi-sonstwas ist er zu meinem Lieblingschar geworden. Nick hat(te) keine außergewöhnlichen Paranormalen Kräfte. Als "normaler" Mensch hat er jedoch das größte Potenzial von allen aufgewiesen. So kaltherzig, zornig, rachesüchtig, arrogant, berechenbar und dem Tick zur Manipulation und Kontrolle.... das hat ihn ausgezeichnet und das Zeichnet die Menschliche Rasse aus. Jetzt hat er ja sein Upgrade bekommen. Ich spekuliere mal einfach das er damit alles sehen kann was er will. Und auf jedenfall auch Gedankenlesen kann, den die Raben konnten es auch beim Dämon.

      Anya; War überrascht von den Paparazis. Tja Anya mal sehen wie lange du noch Duel-Queen bleiben wollen wirst. Sie scheint sich auch immer mehr ihren Gefühlen von Logan zu gestehen. Die AnyaVal Momente fande ich wieder zuckersüß.^^
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:

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      @-Aska-

      Da warst du ja mal ziemlich ‚scary‘ mit deiner Begrüßung beim letzten Mal ;)

      Stimmt, man muss es auch für sich selbst interessant halten. Trotzdem ist man aus meiner Sicht aber auch auf einen gewissen Rahmen bzw Plan angewiesen. Wenn ich mir vorstellen würde, jede Folge einer umfangreichen aus dem Stehgreif zu schreiben, das wäre interessant, aber könnte sich ganz schnell irgendwohin entwickeln, wo es gar nicht hingehen sollte.
      Wer weiß, ob die Staffel 4 der alten Saga nicht irgendwann in irgendeiner Form doch noch kommt. Wobei ich es als schwierig sehen würde, den Kontext mit den ganzen alten Folgen, die man dazu bräuchte, erst wiederherzustellen. Trotzdem schade, dass sie es nie über die ‚Arbeitsphase“ geschafft hat, interessant hatte das, was ich von dir gehört habe, schon geklungen. Aber dafür haben wir jetzt das tolle Last Asylum. Insofern kann ich auch nur bedingt traurig drüber sein ;)

      Orion ist nicht einfach, der ist schwierig xD Aber ich erinnere mich nicht mehr so recht, ob Orion über irgendwelche Fähigkeiten verfügte, die er nutzen konnte. Daher kam die Unterscheidung zwischen einfach oder mehr. Und ja, das mit Odin hab ich inzwischen auch gemerkt ^^

      Ja, das kann ich unterschreiben. Und das obwohl Anya die ist, die in der Mehrzahl die Begegnungen mit den Wissenden hat. Ich mein, die hat sich schon mit drei Undying, dem Sammler und anderen angelegt, und man hat trotzdem den Eindruck, Nick hat mit viel weniger mehr in Erfahrung gebracht. Und klar passiert bei Anya mehr, die zieht das Chaos schließlich an wie … die Fliegen xD

      Tja, an Nina scheiden sich die Geister. Aber wenn ich die Wahl hab. Wenn lieber jemand, der mir ‚unlieber‘ ist als andere Chara, und nicht einen der Mains wie andere Serien das machen *hust* du weiß ja was ich mein *hust

      Jep weiß ich, und auch das danach, und teils das danach. xD

      Folge

      Wieder eine sehr interessante Folge, in der du einige Handlungen untergebracht hast. Zwar war dafür das Duell etwas kürzer, aber trotzdem sehr gut. Und in gewisser Weise spricht das symbolisch auch für Anya, dass diese es so schnell abgewickelt hat gegen einen so schwierigen Gegner. Andererseits hat sie bei einem Deck wie Dragunity auch nicht wirklich viel Zeit. Wenn das erst einmal loslegt, haut es dir schneller diesen oder jenen OTK hin.
      Besonders deutlich war auch, dass Anya hier trotz aller ersten Eindrücken und Provokationen sehr taktisch vorging, was bei einem solchen Gegner wie Jack besonders gut kam, weil der sie hoffnungslos unterschätzte und ihr so richtig ins Messer gelaufen ist, was auch sehr schön war.
      Aber denke auf lange Sicht war es noch nicht das letzte, was man von Jack gesehen hat. Die Drohung, dass sie sich noch einmal wiedersehen werden, war sicherlich kein leere Versprechen ^^

      Ansonsten bahnten sich auch ein paar Dramen in der Folge an. Zum einen Zanthe, wobei bei ihm das Schlimme aus meiner Sicht wirklich ist, dass er und Anya durchaus auf einer Wellenlänge sein könnten. Aber keiner zeigt es dem anderen wirklich. In etwa so, wie er denkt, dass Anya sich nicht um seine Ratschläge schert, sie die aber sehr wohl berücksichtigt hat. Was er wiederum nicht miterlebt hat, weil er wegen seiner vorschnellen Meinung abgehauen war.
      Und zum anderen war da Valerie, welche droht, Anyas nächste Gegnerin zu sein (als ob da ein Zweifel wäre, Val for Winner xD). Die Frage ist da aber noch, was genau sich dahinter verbergen wird.
      Will sie am Ende Anya schützen, weil sie sich selbst mehr Chancen ausrechnet gegen Claire zu bestehen? Oder kann man es als einen Test für Anya ansehen, dass wenn Valerie es ihr so schwer wie möglich macht, dass Anya besser das Finale und schließlich Claire vorbereitet wäre. Oder soll es vielleicht auch nur wirklich ein richtig ernsthaftes Duell zwischen sich und ihrer Freundin werden, wo beide alles um sich herum ausblenden und alles geben können?
      Im Endeffekt sind da sehr viele Richtungen möglich, aber ich glaube, von ihrer Reaktion gegenüber Anya ist es so, dass egal wie es am Ende ausgeht, sie vielleicht Sorge hat, dass es danach nicht mehr so sein wird wie vorher, und ihr das jetzt schon zusetzt. Aber wäre auch nachvollziehbar, wenn drei Freunde in den Endrunden eines solches Turnier stehen und drohen, sich gegenseitig rauszuschmeißen.

      Zum Ende der Folge wurde es für Anya dann nochmal unerwartet turbulent. Jedoch war es nicht Jack, der ihr auflauerte, sondern ein (für sie) neuer Feind, den wir aber offensichtlich schon von der Folge mit Kali kennen.
      Jedoch stellt sich für mich bei diesem die Frage, wenn er Anya töten wollte, warum er dies erst zu diesem Zeitpunkt versucht. Denke nämlich, dass der bereits eher schon praktisch jederzeit die Chance dazu gehabt haben dürfte. Aber vielleicht ist ja auch die einfachste Erklärung, dass er erst jetzt auf sie aufmerksam geworden ist.
      Doch dann tauchte auch noch Ricther auf, der unvermittelt nicht auch auf Anya losgeht, sondern sie sogar vor jenem Dämon schützt. Was aber wieder mit den Andeutungen aus den vorherigen Begegnungen zusammenpasst, dass Anya irgendetwas an sich hat, was jenen Anführer der Undying damals aufmerksam werden ließ.
      Und als letzte Partei mischt dann noch Exa mit, womit das Chaos dann komplett perfekt ist. Denn so sieht sich Anya mit drei Gegnern konfrontiert, die alle eine problematische Haltung zu hier haben sollten. Der Dämon, will sie aus irgendeinem Grund in kleine Stücke schneiden (falls diese Wahrnehmung der Wahrheit entspricht). Ricther, auch wenn er Anya kurzfristig geholfen hat, ist immer noch ein Undying und damit ein Feind, der sie aufhalten muss. Und Exa ist für Anye eine potentielle Beute, also kann das mit ihm auf lange Sicht auch nicht gut gehen.
      Darüberhinaus wurde aber noch eine Verbindung von Ricther und Exa angeteased, die zurzeit noch etwas undurchsichtig herüberkam. Dass es einen Background zwischen den beiden gibt, liegt aber denke ich unbestreitbar auf der Hand, aber gerade während ihrer Gespräche kam mir Exa wieder so komisch vor, wie phasenweise zuvor bereits mal. Manchmal ist er der lockere Exa, dann wieder wie ausgewechselt wie ein Rächer. Fast als ob da zwei Seelen in seiner Brust schlagen würden.
      Und gerade von diesem heiteren Typen, der mit Zanthe rumhängt, war nicht viel zu spüren, bis auf diesen Batgirl Moment mit Anya.

      Aber hier muss man wirklich abwarten, welche Fronten sich am meisten verhärten werden und wo sich tatsächlich eine Chance für eine Allianz bildet. Welche aber wahrscheinlich auch nur flüchtig sein kann, denn so wie ich Anya einschätze, schaut sie zwar, bei wem sie für den Augenblick am ‚sichersten‘ ist, aber wenn sich eine Gelegenheit ergibt, lässt sie diesen auch fallen. Was aber auch verständlich wäre, immerhin sind alle drei mit großer Wahrscheinlichkeit ihr nicht gut gesinnt, und in gewisser Weise ist sie ja eh ein „Jeder ist sich selbst der Nächste‘-Typ.

      Was die Preview angeht, denke ich sind ihre besten Optionen Ricther oder Exa, weil der Dämon der zu sein scheint, mit dem sie am wenigsten anbandeln kann. Bei Anya würde mich aber auch nicht wundern, wenn sie sich ihrem Charakter typisch, erstmal wieder jeden zum Feind macht, und am Arsch ist, bis sich irgendjemand erbarmt, ihr zu helfen.

      Davon ab denke ich, dass die Stelle mir Nick auch arg düster werden dürfte. Hat man in der Folge ja schon gemerkt, so von wegen jeden ausschalten, der zu den Verbrechern gehört. Und man kann sich sicher sein, damit wirklich töten und nicht einfach außer Gefecht setzen gemeint ist, wenn er sagt, keiner soll verschont werden. Insofern dürfte das für Nick ein weiterer, großer Schritt noch tiefer in die Finsternis sein.
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Wieder einmal vielen Dank an alle Leser. :)

      @WiR
      Ja, die Ironie bei Matt ist wohl nicht zu übersehen. Zumal alles, was er anpackt, doch irgendwie schief geht. Da hat er schon ein übermächtiges Bossmonster und verliert gerade deswegen das Duell. Interessante Theorie btw, wer der neue Hüter sein könnte. ^^
      Nicks Wandlung wird auch sehr spannend werden. Gedankenlesen kann er nicht, das ist eine Fähigkeit von Xiphos, nicht von den Raben. Aber er wird defintiv auch Kräfte bekommen. ^^
      Was Anya angeht, joa, das ist ihr sauer aufgestoßen. Aber damit hätte man rechnen müssen, ist ähnlich wie bei Profisportlern. Die haben ja auch massig Fangirls und Journalisten an den Backen.
      Ob und wann was mit Logan zustande kommt ... man munkelt, man munkelt ... ;)

      Anyway, danke für den Kommi. :)

      Evil Bakura
      Ohne Plan würden die Meisten es nicht weit schaffen, das stimmt. Zumal man sich, wie du sagtest, irgendwann in Widersprüchen und Plotholes verlieren würde.
      Ne ne, ist schon ganz gut, einen Masterplan zu haben. ^^

      Die Staffel 4 wirds nie geben, damit habe ich abgeschlossen. Erstens ists viel zu lange her, seit ich SoW geschrieben hab (bald 7 Jahre inzwischen), und wie du sagtest, der Vorlauf fehlt. Und war auch total grottig. Ne, da passe ich lieber und übernehme höchstens die ein oder andere Idee. ^^

      Es stimmt, die Kommunikation zwischen Anya und Zanthe ist ziemlich dürftig. Besonders seit Exa aufgetaucht ist.
      Jack sieht man wieder, keine Frage. Er ist zwar jetzt kein überwichtiger Chara, aber hat schon eine gewisse Daseinsberechtigung.
      Ich denke, du wirst überrascht sein, wenn du erfährst, was Valerie so alles fühlt.

      Eine Allianz? Mit Anya? Wer ist bitteschön so blöd? xD
      Okay, keiner von denen kennt sie so richtig, aber mal schauen, ob sich jemand, wie du sagtest, erbarmt. xD
      Btw. ja, das ist derselbe Dämon, den auch schon Kali kennenlernen 'durfte'.

      In dem Sinne, danke auch an dich. ^^


      Dann mal viel Spaß. In dieser Folge gibt es etwas intensivere Gewalt als bisher, also uhm, yeah. Nur dass ihr's wisst.

      Turn 68 – Four Sides
      „Ist das wahr!?“, fragte Exa fassungslos. „Du -jagst- die Hüter!?“
      Anya schluckte. Sein Blick hatte sich schlagartig so verfinstert, dass sie befürchtete, gleich noch einen Feind mehr zu haben, wenn sie seine Frage bejahte.
      Im Affekt hob sie den Arm und zeigte auf Ricther, der am Ausgang der Sackgasse verharrte. „Wenn der mir helfen würde, denjenigen festzunageln, der mich dazu zwingt, müsste ich keines dieser dämlichen Artefakte sammeln!“
      Mit einem geradezu manischen Blick wandte sich der große Blonde an den Undying.
      „Meine Position diesbezüglich hat sich nicht verändert“, sprach der zu Anya.
      „Hah, natürlich. Du kannst nie das tun, worum man dich bittet“, zischte Exa, „du tust nicht einmal deine Pflicht. Wegen dir ist …“
      „Ich weiß. Es tut mir leid.“
      „Mir tut es leid“, knurrte der junge Mann und hob das seltsame Kettensägenschwert an, richtete es wie einen erweiterten Zeigefinger auf den Hünen, „um all die Leben, um meine Freunde, meine Familie … meine Welt!“

      Wovon spricht er da?

      Anya indes beachtete Levrier nicht, sondern drehte sich zu dem Dämon um, der immer noch am Ende der Sackgasse zwischen dem Polizeirevier und dem Verwaltungsgebäude lauerte. Still verharrte er auf der Stelle, statt etwa seine Angriffe fortzusetzen. Eine Tatsache, die Anya in diesem Moment als wesentlich wichtiger empfand.

      „Es gab nichts, was ich hätte tun können, um das zu verhindern.“
      „Lügner!“, schrie Exa den Undying sofort an. „Du bist mit der Aufgabe betraut, für Gerechtigkeit, für Sicherheit zu sorgen! Aber was hast du getan!? Gar nichts!“
      Anya übertönte ihn jedoch plötzlich und formte mit den Händen ein T. „Auszeit! Ich will wissen, warum hier scheinbar jeder jeden umbringen will! Fangen wir mit dir an, Fratzenfresse!“
      Sie fixierte sich auf den Dämon im Kimono, dessen weißer, mit roten Linien versehener Kopf klobig und unproportioniert anmutete. Nur schwieg das Wesen seit seinem Auftauchen beharrlich.
      „Mir geht es nur um Ricther“, sagte Exa hinter ihr, „was ich von dir halten soll, weiß ich nicht.“
      „Ich hätte nie gedacht, das mal zu sagen, aber dann bin ich wohl die Einzige, die keinem von euch an die Gurgel will.“ Anya pfiff höhnisch durch die Zähne. „Kranke, verdrehte Welt.“

      Verdrehte Welt ist das Stichwort. Sieh dich um.

      Erst auf Levriers Wink mit dem Zaunpfahl begann Anya genauer auf ihre Umgebung zu achten. Einige der Backsteine des Verwaltungsgebäudes fehlten, stattdessen war dort nur eine schwarze Leere zu sehen. An anderer Stelle dagegen schwebten ganze Stücke der Wand in zweidimensionaler Form. Ihr ganzes Umfeld sah aus, als wäre es aus den Fugen geraten, als hätte jemand Dinge aus einer Zeitung geschnitten und woanders wieder draufgeklebt.
      „Das ist doch dein komischer Trick mit den ungeschriebenen Pfaden!“, wirbelte Anya herum zu Ricther.
      „Mir blieb keine Wahl. Die Realität darf keinen Schaden aus Konflikten wie den unseren nehmen, gemäß der ewigen Ordnung.“
      „Er hat die Phasen schon verlagert, als du dich noch mit dem da rumgeschlagen hast“, mischte sich Exa ein und zeigte auf den regungslos verharrenden Dämon.
      Ricther gab einen erstaunten Laut von sich. „Wie ist es dir gelungen, hier einzudringen?“
      „Das weißt du genau.“ Exa schob ein Bein ein Stück zurück, ging in eine gebeugte Haltung. Sein Schwert mit beiden Händen umschließend, machte er sich bereit für einen Angriff. „Ich habe viel dazugelernt, seit wir uns das letzte Mal begegnet sind. Mehr als dir lieb ist, möchte ich wetten.“
      Parallel dazu ging auch der Dämon wieder in eine kämpferische Haltung, besser gesagt nahm er die Ausgangspose in der Kunst des Kendo an. Beide Hände lagen am Katana, das etwa auf Hüfthöhe leicht angewinkelt nach oben gehalten wurde.
      „Hey!“, schrie Anya panisch, „Ihr wollt euch alle gegenseitig umbringen!? Fein, aber lasst mich da raus!“
      „Wenn ich mit Ricther fertig bin, helfe ich dir … vielleicht“, gab Exa zu verstehen.
      „Bis dahin passe ich längst in Tupperware!“ Nervös sah sich Anya um. Die Gasse war zu eng, selbst wenn sie an Exa vorbeikam, würde Ricther an ihrem Ausgang auf sie lauern. Flucht war ohnehin keine Option, ohne die Hilfe des Undying kam hier vermutlich keiner raus.
      Das Mädchen biss sich auf die Lippe. Verdammt, sie war die Schwächste unter ihnen, nahezu unbewaffnet, da ja eine blöde Schnalle, deren Name sie nicht kannte, der Meinung gewesen war, ausgerechnet ihre Hüterkarten stehlen zu müssen! Ob Ricther etwas davon ahnte?

      Ich sehe da nur eine Möglichkeit, vielleicht heil herauszukommen. Und sie wird mit einer Menge Hohn einhergehen.

      „Okay, Vorschlag zur Güte!“, rief Anya laut aus. „Wir …“
      „Nein!“, donnerte Ricther plötzlich und streckte den Arm aus. „Nicht-!“
      „… duellieren uns darum, wer hier unbeschadet gehen darf. Oder wer nicht, ist mir eigentlich egal, solange ihr aufhört, mit den beschissenen Schwertern herumzufuchteln!“
      Exa sah mit angezogenen Augenbrauen über seine Schulter zu ihr herüber. „Ist das dein Ernst? Ein Duell, jetzt, um zu entscheiden, wer leben darf? Wie kommst du auf so etwas!?“
      „Hast du eine Ahnung, was du gerade getan hast, Anya Bauer!?“, schrie Ricther jedoch völlig aus der Fassung gebracht, etwas, das Anya nie für möglich gehalten hätte.
      Die zuckte mit den Schultern. „Nö. Aber klär' mich auf. Ist ja nicht so, als ob ihr einwilligen müsst, oder?“
      Als der Undying jedoch schwieg und der maskierte Dämon seinen Arm ausstreckte, an dem eine grell leuchtende, rote Duel Disk aus purer Energie wie aus dem Nichts ausfuhr, gelang das Mädchen zu einer einzigartigen Erkenntnis. „Warte mal … ihr müsst! Levrier, wieso müssen sie?“

      Ich habe keine Ahnung. Die einzige Erklärung wäre, dass Ricthers ungeschriebene Zukunft auf irgendeine Weise beeinflusst werden kann. Vielleicht führt deine Aufforderung zu einer Art Zwang?


      „Das ist das Seltsamste, das ich je erlebt habe“, murmelte Exa. Seine Klinge verformte sich, zog sich zusammen und wurde innerhalb einer Sekunde zu einer abgerundeten, weiß-blauen Duel Disk, die sich an seinem Arm befand. „Aber das wäre eine gute Gelegenheit zu sehen, ob seine Hilfe sich schon bezahlt gemacht hat.“
      Anya weitete die Augen, als Exa sich um 90° der Wand des Verwaltungsgebäudes zu drehte, darauf zu zu sprinten begann und ein paar Schritte die Fassade hinauf lief. Als der Schwung nachzulassen drohte, stieß er sich einfach ab und sprang so im hohen Bogen auf die gegenüberliegende Mauer des Polizeipräsidiums.
      „Wie … macht der das?“, staunte Anya mit offenem Mund, als sie mit ansah, wie Exa von einer Wand zur anderen sprang, bis er letztlich auf dem Dach der Bullen landete und sich dort oben an dessen Rand positionierte.
      „Ich bin bereit“, sagte der junge Mann in der blauen Strickjacke fest entschlossen.
      Die Blonde betrachtete ihren eigenen Arm, an dem noch das rote D-Pad befestigt war. Welches sie kurzerhand ausfahren ließ. „Ich auch!“
      Demonstrativ hob der Dämon im Kimono noch einmal die rote Energie-Duel Disk an.
      „Es liegt nicht an dem ungeschriebenen Pfad“, murmelte Ricther leise, „sondern an einer Entscheidung, die niemand mehr rückgängig machen kann …“
      Seinen kryptischen Worten zum Trotz, schloss sich das Schwert in seiner Hand um seinen Arm, wobei die Klinge ein Stück zurückgezogen wurde. Kurz darauf war es zu einer Duel Disk, aber nichtsdestotrotz gefährlichen Armklinge umfunktioniert worden.
      „Duell!“, riefen alle außer dem maskierten Dämon laut aus.

      [Anya: 4000LP / Ricther: 4000LP / Exa: 4000LP / ???: 4000LP ]

      Wo war sie da bloß hineingeraten, ging es Anya halb fasziniert, halb mulmig durch den Kopf. Zu ihrer Linken ein Undying, der sich vollkommen anders verhielt als bei ihrer letzten Begegnung. Anya drehte den Kopf geradeaus und sah hinauf auf den Rand des Daches, wo der großgewachsene Mann namens Exa stand. Ein Krieger, der Ricther ebenbürtig schien. Dann war da noch rechterhand in der Sackgasse dieser mysteriöse Dämon, oder was auch immer es überhaupt war. Dieses Ding mochte zwar mit dem Rücken zur Wand stehen, aber Anya hegte nicht den leisesten Zweifel, dass dies nicht den Tatsachen entsprach.
      Und mitten in diesem Kampf der Monster eingekesselt war sie. Doch wenn diese Freaks dachten, das allein würde sie einschüchtern, täuschten sie sich!

      „Wenn keiner von euch will, beginne ich!“, entschied sie kurzerhand.
      Mittlerweile wusste sie, dass in einer Battle Royale niemand in seinem ersten Zug angreifen durfte, soweit nichts Neues. Doch auch die Draw Phase musste mit der vor Kurzem eingeführten Regeländerung jeder analog dazu einmal überspringen.
      Also betrachtete Anya gleich ihr Startblatt.
      „Sah schon mal besser aus“, knurrte sie ärgerlich und nahm ein Monster hervor, „das hier setze ich.“
      Unter einem Zischen tauchte die Karte in horizontaler Lage vor ihr stark vergrößert auf. Gleich danach geschah dasselbe noch einmal mit einer vertikal ausgerichteten. „Und eine Verdeckte. Zug beendet!“

      „Die Regeln besagen, dass nach dem Uhrzeigersinn vorgegangen wird. Demnach bin ich der Nächste“, verkündete Ricther und legte sogleich eine Monsterkarte auf die Schwert-Duel Disk an seinem Arm. „Um dieses Monster zu beschwören, müssen zunächst zehn Karten von meinem Deck verdeckt verbannt werden …“
      Kaum hatte er dies gesagt, flog eine Karte nach der anderen von seinem Deck an der Unterseite des Schwertes in einen sich vor Ricther öffnenden Spalt, der sich mit der letzten wieder schloss.
      Pechschwarze, matte Kristallsäulen brachen in einer Reihe um ihn herum aus dem Boden und flogen hoch in die Luft. „Erscheine, [Different Dimension Deity – Ubriq]!“
      Die spitz zulaufenden, fast zwei Meter langen Kristalle reihten sich aneinander wie eine Blüte, insgesamt acht Stück waren es. Zwei weitere positionierten sich in einem langen Balken in der Mitte des Gebildes, welches sich wie ein Rad zu drehen begann. Genau zwischen den beiden Teilstücken besagten Balkens bildete sich ein kleines, aus blauer Energie bestehendes Zentrum, aus dem die Pupille eines Auges durchschimmerte.

      Different Dimension Deity – Ubriq [ATK/0 DEF/3500 (10)]

      „Der ist neu“, murmelte Anya, die bei ihrem letzten Aufeinandertreffen mit Ricther nicht das 'Vergnügen' gehabt hatte, gegen jene Kreatur anzutreten. Dafür aber gegen andere, denen diese bestimmt in Nichts nach stand.
      Ricther streckte den Arm nach vorne aus. „Ich setze [Different Dimension Deity – Ubriqs] Effekt ein und biete diesen als Tribut an.“
      Erst lösten sich die acht 'Blütenblätter'-Kristalle in leuchtenden Funken auf. Dann begannen die letzten beiden sich wahnsinnig schnell wie ein Rotor zu drehen, ehe auch sie verschwanden. Ricther zog eine Karte aus seinem Deck hervor und zeigte sie.
      „Damit erhalte ich eine andere Different Dimension Deity. Diese beschwöre ich sofort.“
      Wie zuvor bei Ubriq, schossen zehn Karten von Ricthers Deck in einen Dimensionsspalt vor ebendiesen und verschwanden. „Erscheine, [Different Dimension Deity – Vem].“
      Ebenso brachen weitere, dieses Mal strahlend weiße Kristallsäulen aus dem Boden. Anders als bei ihrem Vorgänger, bildeten diese jedoch zwei parallel zueinander verlaufende Schwingen, bestehend aus fünf Kristallen. Zwischen den beiden Fragmenten wurden permanent Entladungen ausgetauscht, deren Form hin und wieder die eines Augapfels annahm.

      Different Dimension Deity – Vem [ATK/500 DEF/0 (10)]

      „Abscheulich“, kommentierte der blonde Exa den Anblick von seiner erhöhten Stellung abfällig.
      Ricther ignorierte ihn und sprach, Richtung des maskierten Dämons gewandt, der ihm in der Seitengasse direkt gegenüber stand: „[Different Dimension Deity – Vem] besitzt einen Effekt, der nur einmal pro Duell genutzt werden darf. Ohne Umschweife fügt er einem Spieler meiner Wahl Schaden in Höhe meiner verdeckt verbannten Karten multipliziert mal 100 zu.“
      Der Undying riss den erhobenen Finger in die Höhe, da rechnete Anya noch. Als sie zum Ergebnis kam, stockte ihr ein wenig der Atem. Das waren 2000 Tacken! Verdammter Kackmist, der würde doch bestimmt auf sie losgehen, immerhin war sie die personifizierte Anti-ewige Ordnung!
      „Gaze Of D!“, stieß Ricther aus und richtete den Finger auf den mysteriösen Dämon.
      Vom elektrischen Auge des Kristallbildnisses in der Luft wurde eine gewaltige Ladung ausgestoßen, die quer durch die Gasse schoss. Haarscharf an Anya vorbei, rauschte sie auf den Fremden zu und schlug in diesem so fest ein, dass dieser gegen die Wand geschmettert wurde. Wie Pappe gab diese soweit nach, dass sich einem Spinnennetz gleich ein Einschlagkrater bildete.

      [Anya: 4000LP / Ricther: 4000LP / Exa: 4000LP / ???: 4000LP → 2000LP]

      „Vergib mir“, bat Ricther völlig konträr zu seinen Taten.
      Anya verstand die Welt langsam nicht mehr. Wieso hatte er diesen Typen angegriffen und nicht etwa sie!? Aufgelöst sah sie von Ricther zurück zu der maskierten Gestalt, die gerade die eingebrochene Wand hinunter auf die Füße rutschte und unbekümmert einen paar Schritte nach vorn nahm, als wäre nichts geschehen.
      „So etwas wie Vergebung hast du nicht verdient!“, warf Exa hasserfüllt ein.
      Der stählerne Hüne nickte. „Du magst Recht haben. Näher betrachtet ist Vergebung jedoch nichts, das für einen Undying von Nutzen oder gar Bedeutung ist.“
      Sofort änderte er das Thema: „Der zweite Effekt von [Different Dimension Deity – Vem] setzt ein. Einmal pro Zug erhöht sich seine Angriffskraft entsprechend des Effektschadens, den ein Spieler erlitten hat.“
      Für einen kurzen Moment wurden zwischen allen Kristallen der beiden Flügelseiten Ladungen ausgetauscht. Dabei rief Ricther: „Und ich aktiviere eine Zauberkarte namens [Dimensions Reach], die die Stärke meines Monsters noch weiter erhöht, um die Zahl meiner verdeckt verbannten Karten mal 100.“
      „Noch mehr!?“, keuchte Anya ungläubig, während vor ihren Augen das Ding in der Luft jeden Moment vor der Spannung, unter der es stand, zerbersten musste.

      Different Dimension Deity – Vem [ATK/500 → 2500 → 4500 DEF/0 (10)]

      Ricther schob eine seiner verbliebenen drei Handkarten in den dafür vorgesehenen Schlitz seiner Schwert-Duel Disk. „Diese Karte wird gesetzt. Damit erkläre ich meinen Zug für beendet.“
      Genau wie in Anyas Fall, nahm sie unter einem Zischen vor ihm Gestalt an.

      Der blonde, junge Mann mit der seltsam abgerundeten Duel Disk an seinem Arm kniff die Augen so fest zusammen, dass sie nunmehr Schlitze waren. „Dann bin ich wohl …“
      Sofort knallte er eine Karte auf seine Monsterkartenzone. „Los, [Satellarknight Unukalhai]!“
      Weit über Exa begann eine grelle Kugel aus weißen Licht zu strahlen, fast wie es ein Stern tat. Sie sendete ein Licht hinab, direkt vor ihn auf den Rand des Daches. Aus diesem entstieg die edle Gestalt eines Ritters in gold-weißer Rüstung, die über einem dunkelblauen Anzug lag. Am hinteren Teil des Waffenrock jenes Kriegers erstreckte sich ein langer, spitz zulaufender Schweif, welcher ihm zusammen mit dem, an einen Kobrakopf angelehnten Helm, etwas Schlangenhaftes verlieh. Um Unukalhai herum kreiste zudem ein Ring, an dem an einer Stelle ein Miniaturplanet angebracht war.

      Satellarknight Unukalhai [ATK/1800 DEF/1000 (4)]

      „Dank dir bin ich schon viel besser geworden“, murmelte Exa nachdenklich vor sich hin und Anya wunderte sich, warum er das zu seinem Monster sagte. Dann rief er aber lautstark: „Unukalhais Effekt besagt, dass er pro Zug einmal bei seiner Beschwörung einen anderen Satellarknight von meinem Deck direkt auf den Friedhof schickt.“
      Ohne den Namen nur zu nennen, schob sich eine Karte aus Exas Deck hervor, die er sogleich vorzeigte und anschließend dem Friedhof zuführte. „Aber da wird der nicht allzu lange bleiben. Ich aktiviere von meiner Hand den Schnellzauber [Satellarknight Skybridge]!“
      Ein roter, schimmernder Pfad wandte sich vom Himmel, so schien es, hinab bis zu Unukalhai, der diesem schwebend entlang nach oben folgte.
      „Im fliegenden Wechsel wird ein Satellarknight auf meinem Feld mit einem anderen von meinem Deck ausgetauscht“, erklärte der schlanke, junge Mann mit fester Stimme. Auf seinem Weg passierte sein Krieger einen Artgenossen, der strahlend blaue Engelsflügel besaß und seinerseits dort ankam, wo Unukalhai einst gestartet war. Exa nannte den neuen Ritter: „[Satellarknight Altair].“
      Auch um dessen Hüfte schwebte ein großer Ring, an dem sich ein einzelner Stern befand.

      Satellarknight Altair [ATK/1700 DEF/1100 (4)]

      Ebenjener streckte seinen Arm zur Seite aus, von dem ein grelles Leuchten auszugehen begann.
      Exa erklärte konzentriert: „Altair ruft bei seiner Beschwörung einen Satellarknight von meinem Friedhof in die Verteidigung aufs Feld. Erwache, [Satellarknight Vega].“
      „Also deswegen“, begriff Anya nun leise vor sich hinmurmelnd, wieso Exa erst Unukalhai ausgespielt hatte.
      Wie eine Taschenlampe ließ Altair das Licht von seiner Hand neben sich auf den Dachrand scheinen. Daraus entstand eine goldene Lichtsäule, aus welcher wiederum eine Ritterin schoss, die ein weiß-rosafarbenes Kleid sowie eine goldene Metallstola am Leibe trug. Hinter jener verbarg sie schließlich auch ihr Antlitz.

      Satellarknight Vega [ATK/1200 DEF/1600 (4)]

      „Zuletzt der Effekt Vegas, der mich noch einen Sternenritter von der Hand rufen lässt“, fuhr Exa immer noch fort und legte diesen nun dritten Krieger auf seine Duel Disk. „[Satellarknight Alsahm]!“
      Einmal mit dem Finger schnippend, ließ Vega neben sich einen kleineren, gold-weißen Ritter auftauchen, der einen Bogen gespannt hielt und sich dank Flügeln nachempfundenen Triebwerken in der Luft hielt.

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      „Der ist ja noch schlimmer als der Flohpelz mit diesen ganzen Beschwörungen!“, empörte sich Anya lautstark.
      Der Blonde nahm dies wahr und zog eine Augenbraue an. „Hm?“
      Dann aber richtete er seine Aufmerksamkeit auf Ricther und erklärte diesem: „Alsahm fügt einem Spieler 1000 Punkte Schaden zu, sobald er gerufen wurde.“
      Mehr musste er dazu nicht sagen, denn es reichte, dass er seinen Arm ausschwang und auf den Undying deutete. Der leicht an Amor angehauchte Sternenritter löste seinen Pfeil von der Sehne, welcher in einem goldenen Strahl Ricther erfasste … und von dessen Schwertarm beiseite geschlagen wurde, wo er unweit über dem Hünen in das Verwaltungsgebäude einschlug und deutliche Schäden hinterließ.

      [Anya: 4000LP / Ricther: 4000LP → 3000LP / Exa: 4000LP / ???: 2000LP]

      Der Blonden brach beim Anblick des Lochs in der Wand langsam der Schweiß aus. Fast schon panisch wandte sie sich an den nahezu teilnahmslosen Dämon. „Verdammter Kackmist, sag bitte, dass du nicht auch so drauf bist … shit, wem mach' ich was vor, natürlich bist du!“

      Vielleicht können wir die gegenseitige Antipathie dieser Drei zu unserem Vorteil ausnutzen?

      „Und die Reste beseitigen?“ Anya konnte sich trotz ihrer misslichen Lage ein böses Grinsen nicht verkneifen. „Klingt nach 'nem Plan.“

      Alleine werden wir das jedoch nicht schaffen.

      Sie wusste, was er meinte. Und ihr Blick huschte unwillkürlich zu Exa. „Yeah.“
      Gleichzeitig rief Ricther: „Ein Spieler hat Effektschaden erlitten, weshalb sich [Different Dimension Deity – Vems] Angriffspunkte um dieselbe Summe erhöht.“
      Erneut wurden zwischen dem ganzen Kristallgebilde am Himmel elektrische, rötliche Ladungen ausgetauscht.

      Different Dimension Deity – Vem [ATK/4500 → 5500 DEF/0 (10)]

      „Was auch immer“, zeigte sich Exa gänzlich unbeeindruckt. Mit seiner Hand fuhr er über die Monsterkartenzonen seiner Duel Disk und las die Karten darauf auf.
      Gleichzeitig öffnete sich ein Schwarzes Loch vor ihm. „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen drei Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Altair, Vega und Alsahm verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, die von dem Wirbel absorbiert wurden. „Xyz-Beschwörung ausführen! Zeige dich, Herr des Sommerdreiecks!“
      Aus dem Überlagerungsnetzwerk drangen grelle Lichtstrahlen, unter denen sich der wohl bisher prachtvollste von Exas Kriegern erhob. Golden leuchteten die dünnen, spitzen Auswüchse seiner Flügel von seinem Rücken, nicht anders als der aus drei Ringen bestehende Schild an seinem Arm. Zwischen jenen drei Einzelteilen zogen sich Energielinien und formten ein aufrecht stehendes Dreieck.
      „[Stellarknight Delteros]!“
      Unter einem stolzen Ausruf schwang besagter Ritter sein Schwert in der anderen Hand aus.

      Stellarknight Delteros [ATK/2500 DEF/2100 {4} OLU: 3]

      Erst jetzt bemerkte Anya, dass an jedem der Ringe, die den Schild bildeten, diese kleinen Planeten hingen und vor sich hin leuchteten. Also das waren die Overlay Units.
      Plötzlich aber erlosch einer davon, als Exa eine der Karten unter Delteros' hervor riss. „Ich benutze auch sofort seinen Effekt! Mit dem Abhängen eines Xyz-Materials zerstöre ich-“
      Anya, die gleich begriff, was ihm im Sinn stand, schrie aufgebracht dazwischen: „Nicht! Das-!“
      „-ein Monster auf dem Spielfeld! Vem! Navigator's Strike!“
      „-wird nicht funktionieren“, beendete sie ihren Satz zu spät.

      Stellarknight Delteros [ATK/2500 DEF/2100 {4} OLU: 3 → 2]

      Schon richtete Delteros sein Schwert gen Himmel und ließ es sich erst in greller Aura aufladen, ehe er es in Richtung der Kristallflügel hielt und einen bohrenden Strahl von der Spitze abfeuerte.
      „Das wird nicht funktionieren“, wiederholte Ricther gelassen das, wovor Anya den Blonden versucht hatte zu warnen. Die aufrecht stehende [Dimensions Reach]-Zauberkarte vor dem Undying zersprang in tausend Stücke. Und der Lichtstrahl schlug in Vem ein, ohne Schaden anzurichten.
      Während sich vor Ricther ein Dimensionsriss bildete, aus dem nach und nach zehn Karten in einem Fluss zurück in sein Deck fanden, erklärte inzwischen Anya: „Du Idiot! Er kann [Dimensions Reach] zerstören und zehn seiner verdeckt verbannten Karten ins Deck scheffeln, um zu verhindern, dass das ausgerüstete Monster in diesem Zug gekillt wird! Hör nächstes Mal besser zu, ich weiß wovon ich rede! Immerhin habe ich schon mal gegen den Spinner gekämpft!“
      Doch als Exa ihr nur einen eisigen Blick aus seinen blauen Augen schenkte, unterließ Anya erschrocken weitere Kritik. Umso mehr, als er entgegnete: „Hätte ich lieber dein Monster als Ziel bestimmen sollen?“
      „Tch! Mach doch, was du willst!“
      Inzwischen war die letzte Karte in Ricthers Deck zurückgekehrt.

      Different Dimension Deity – Vem [ATK/5500 → 3500 DEF/0 (10)]

      „Aber komm ja nicht zu mir angeheult, wenn der sich nächste Runde mit dem Teil an dir rächt“, setzte sie nach und deutete auf die Kristalle am Himmel.
      „Damit werde ich schon fertig.“ Unerwartet lächelte Exa für einen kurzen Moment heiter. „Trotzdem danke für die nette Warnung.“
      Damit schob er seine letzten beiden Handkarten in die Duel Disk, sodass sie sich vor seinen Füßen materialisierten. Wieder ernst und mit versteinerter Mimik fuhr er fort: „Damit ist mein Zug am Ende angelangt. Jetzt du, Schönheit.“

      Die anderen drei Duellanten richteten gleichzeitig ihre Aufmerksamkeit auf den Dämon in der Maske, welcher sich bisher an keiner ihrer Konversationen beteiligt hatte.
      „Der ist am gefährlichsten“, brummte Anya.
      Exa weiter oben stimmte ihr nickend zu. „Ganz bestimmt.“
      „Du ahnst gar nicht wie sehr, Anya Bauer“, pflichtete ihr selbst Ricther bei.

      Mächtiger als ein Undying?

      Das fragte sich Anya ebenso wie Levrier. Egal was dieses Wesen war, wenn Ricther Respekt vor ihm hatte, dann vielleicht auch …

      Mit einer unmenschlichen, verzerrten Stimme sagte der Dämon schließlich: „Monster-Set.“
      Damit legte er eine Karte mit dem Bild nach unten auf die rote Energie-Duel Disk an seinem Arm. Genau wie bei Anya, tauchte jene in vergrößerter Form horizontal ausgerichtet vor ihm auf.
      „Zauberfalle-Set“, gab der Maskierte im Anschluss zum Besten.
      Noch eine Karte, diesmal direkt zu seinen Füßen, betrat das Spielfeld. „End Phase.“

      Belustigt platzte es aus Exa heraus: „Wow. Du bist ja echt nicht auf den Mund gefallen.“
      „Mach dir nicht die Mühe, mit 'ihm' zu sprechen, Exa“, mischte sich Ricther ein, „egal was du sagst, 'er' … wird es nicht verstehen.“
      Nicht nur der großgewachsene, junge Mann wandte sich dem gut gepanzerten Hünen zu.

      Auch Anya blickte den Undying fragend an. Der schien den Freak da drüben wohl ziemlich gut zu kennen. Langsam aber sicher bestätigte sich damit ihr Verdacht, dass Ricther vielleicht gar nicht ihretwegen hier war. Sondern wegen dem da …
      Aus den Augenwinkeln warf sie dem Dämon einen skeptischen Blick zu. Welches Geheimnis verbarg er wohl, wenn er einen Undying wie Ricther so … sorgenvoll klingen ließ?

      „Ich bin dran! Draw!“, entschied sie in Gedanken versunken und zog unüblich lasch für ihre Verhältnisse.
      Die Karte ansehend, frage sie sich, was sie jetzt tun sollte. Auf wen sollte sie sich konzentrieren? Ging sie auf Ricther los, würde der sie sofort zu Kleinholz verarbeiten. Selbiges galt vermutlich für den Fremden.
      Unweigerlich sah sie wieder zu Exa auf. Er war der einzige halbwegs Normale hier. Und, so recht betrachtete, auch ein potentieller Verbündeter. Immerhin hasste er Ricther wie die Pest. Das war doch ein guter Ansatzpunkt. Vielleicht konnte sie ihn auf ihre Seite ziehen, wenn sie ihre Energien ebenfalls auf den Undying fokussierte?
      „Hgnnn“, presste sie unsicher durch die Lippen hindurch.
      Sollte sie es versuchen oder nicht? Wenn das schief ging, hatte sie die Brille auf. Andererseits war es sowieso nur eine Frage der Zeit, bis Mr. Ewige Ordnung auf den Trichter kam, dass er noch eine Rechnung mit ihr offen hatte. Also blieb ihr ohnehin nichts anderes übrig, als ihn anzugreifen.
      „Ach scheiß drauf!“, entfuhr es Anya genervt. Ihren Arm über die verdeckte Karte ausschwingend, rief sie ziemlich zerknirscht: „Falle aktivieren, [Forced Ceasefire]!“
      Besagte, purpur umrandete Karte sprang auf. Und Anya entledigte sich einer Handkarte, die sie dafür als Kosten zu zahlen hatte. „Für diesen Zug ist nix mehr mit Fallenkarten aktivieren!“
      „Nicht fair!“, protestierte Exa geradezu kindisch.
      Von denen besaß jeder mindestens eine, besagter Schreihals sogar zwei. Dafür war sein Monster das vermeintlich schwächste auf dem Feld. Noch hatte sie Zeit, sich ein Ziel für ihre Offensive zu überlegen.
      „Flippbeschwörung“, verkündete sie derweil und deckte ihr Monster auf dem D-Pad nicht nur auf, sondern drehte es um 90° auf ebenjener, „[Battlin' Boxer Big Bandage]!“
      Exakt in derselben Abfolge wirbelte die vor ihr liegende, horizontal verdeckte Karte einmal um die eigene Achse und drehte sich nach rechts. Ihr entsprang ein Boxer, der komplett einbandagiert war, mit Ausnahme seiner roten, kurzen Trainingshose und dem muskulösen Bauchbereich.

      Battlin' Boxer Big Bandage [ATK/1100 DEF/1400 (2)]

      „Und hinterher als Normalbeschwörung [Battlin' Boxer Rabbit Puncher]!“
      Kaum hatte sie die Karte auf das D-Pad geknallt, manifestierte sich neben ihrem Big Bandage eine gebeugt stehende Gestalt, schmal und mit wuschigem, rotem Schopf. Der kleine Boxer hielt sein Gesicht hinter einer Ledermaske versteckt.

      Battlin' Boxer Rabbit Puncher [ATK/800 DEF/1000 (3)]

      Anya hatte Big Bandage vorsorglich gesetzt, da dieser nicht so leicht im Kampf zu zerstören war. Dafür war seine niedrige Stufe hinsichtlich Xyz-Beschwörungen ein Problem. Eigentlich, denn …
      „Effekt von Big Bandage! Er kann die Stufe eines Boxers in meinem Friedhof wählen, die dann von denen auf dem Feld angenommen wird!“
      Grinsend nahm sie [Battlin' Boxer Headgeared] aus dem Friedhof und zeigte diesen vor. Gleichzeitig begannen sich die Bandagen um dessen Träger zu lösen, nur um ihn dann komplett einzuwickeln. Und ebenso Rabbit Puncher, als ein paar von ihnen auf diesen übersprangen.

      Battlin' Boxer Big Bandage [ATK/1100 DEF/1400 (2 → 4)]
      Battlin' Boxer Rabbit Puncher [ATK/800 DEF/1000 (3 → 4)]

      „Ihr wisst, was jetzt kommt“, verkündete Anya und streckte den Arm in die Höhe, „ich erschaffe das Overlay Network!“
      Ebenjenes öffnete sich vor ihr in einem dunklen, schwarzen Schlund und zog ihre Krieger in sich hinein, welche zuvor die Form roter Lichtstrahlen angenommen hatten.
      „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon!“
      Aus dem Schwarzen Loch erfolgte eine gewaltige Explosion. Und dieser entstieg eine weiße Gestalt, die ihre Arme verschränkt hielt. Neben den zwei Xyz-Materialien war Levrier, wie immer, von sieben Kohlkopf-großen Perlen umgeben.
      „Lass es krachen, Kumpel! [Gem-Knight Pearl]!“

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Nur wenige Sekunden, nachdem der weiße Ritter mit den strahlend blauen Augen das Feld betreten hatte, fasste er sich vor Selbstmitleid stöhnend an den Kopf.

      Musste das sein, Anya Bauer?

      Die blinzelte verständnislos, fragte grimmig: „Was!?“

      Dass ich der Leidtragende sein werde, der wieder die Prügel einstecken darf.

      „Hör auf, so'ne Pussy zu sein“, schlug es ihm umgehend von einer leicht perplexen Anya entgegen, die gleich ihr Blatt fester umklammerte, „ich brauch deine Karte nun mal! Wenn's dir nicht passt, zieh doch in eine andere!“

      Glaubst du, das [Dark Magician Girl] von Kakyo Sangon ist noch frei?

      „Wenn's nach deren Fanboys geht, gibt’s von der kein Loch mehr, das nicht schon 'besetzt' ist. Und jetzt Schluss damit! Du hast viel zu tun.“

      Was meinst du damit, kein 'Loch' wäre mehr frei?

      Anya, die das beim besten Willen nicht vor drei Männern näher ausführen wollte – denn ja, in diesem Moment über'mann'te sie tatsächlich so etwas wie Schamgefühl – lief stattdessen puterrot an. Hätte sie das doch bloß nicht gesagt!
      „S-sie hat Ohrenschmalz! Und Popel! Und kriegt die Zähne nicht auseinander! In die kommst du garantiert nicht rein!“

      Ich kenne noch mindestens-

      „Ruhe!“, schrie Anya, der es endgültig zu viel wurde. Warum hörte Levrier nicht damit auf, nachzubohren!? Das machte der doch mit Absicht, der Penner! Exa dort oben kicherte bereits viel zu ungehalten für ihren Geschmack.
      Mit weit aufgerissenen Augen schwang sie den Zeigefinger in Ricthers Richtung. „Kümmere dich lieber um den da, statt so'n Schweinskram zu fragen!“

      Also bleibst du dabei?

      „Uh-huh!“ Mit düsterer Mimik nickte das Mädchen zur Untermalung. „Greif [Different Dimension Deity – Vem] an! Blessed Spheres of Purity! Und vergesst ja nicht, dass keiner von euch Fallenkarten benutzen kann!“
      Sonst wäre sie auch nie in die Offensive gegangen! Levrier wandte sich dem Undying ebenfalls zu und streckte, ähnlich seiner Freundin, den Arm nach vorne aus. Nacheinander schossen die sieben Perlen um ihn herum in die Luft, mit dem Ziel, die kristallenen Flügel am Himmel zu stutzen.
      Anya wartete. Aber es kam kein Spruch von wegen 'dein Monster ist doch viel zu schwach'. Und das ärgerte sie tierisch, denn immer, wenn sie mal so etwas unternahm, wusste sofort jeder, dass sie einen Hintergedanken dabei hatte.
      „Wenn keiner von euch was sagt, mach ich's eben selbst!“, ranzte sie die anderen Teilnehmer der Battle Royale giftig an und rammte dabei zeitgleich einen Schnellzauber von ihrer Hand in das D-Pad. „[Ego Boost]! Damit wird Pearl um 1000 Punkte stärker! Kapierst du nun, warum ich dich für den Job brauche!?“

      Klar, die anderen Napfsülzen sind zu erbärmlich, um meiner Größe gleichzukommen.


      Anya klappte die Kinnlade hinunter, als Pearl demonstrativ seine Muskeln anspannte und vor den anderen posierte wie ein Bodybuilder. „Hör' auf mich zu verarschen! [Ego Boost] ist nur eine Karte!“

      Genau wie ich. Und nun stör' mich nicht, ich muss noch Autogramme schreiben.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 3600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Mit Zornestränen in den Augen biss sich Anya so fest auf die Lippe, dass diese anfing zu bluten. Was ging denn mit dem ab!? Da war es fast nebensächlich, dass seine Perlen in diesem Moment in Vem einschlugen und das ganze Gebilde zertrümmerten. Ein Nieselregen aus Kristallstaub fiel auf Ricther hinab.

      [Anya: 4000LP / Ricther: 3000LP → 2900LP / Exa: 4000LP / ???: 2000LP]

      Plötzlich hallte Levriers Stimme in ihrem Kopf, obwohl er doch auf dem Feld war.

      Hör zu, Anya Bauer. Ich benehme mich nicht ohne Grund so, wie du es sonst tust.

      Ehe sie den Mund aufmachen konnte, fuhr er fort:

      Sieh dir Exa an. Die anderen beiden sind bereits unsere Feinde, er hingegen noch nicht. Wenn wir ihm beweisen können, wie menschlich und natürlich wir sind, dass wir keine sinistren Absichten hegen, könnten wir ihn vielleicht auf unsere Seite ziehen.


      Und das sollte funktionieren, fragte sich Anya unweigerlich. Ihrer Meinung nach musste man Exa beweisen, dass sie einen gemeinsamen Feind namens Ricther hatten. So würde die Allianz entstehen, nicht durch ein paar alberne Verrenkungen.

      Ich glaube daran, dass ein Lächeln den Pfad in das Herz eines Menschen öffnet. Es mag nicht der einzige sein. Aber vielleicht der sicherste.

      Nicht ganz freiwillig begann das Mädchen über die Worte nachzudenken. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, wusste sie nicht, wie man einen 'Pfad in das Herz eines Menschen' fand. Bei Abby und Nick war er einfach da gewesen, warum auch immer. Ihre Erfahrungen beschränkten sich eher darauf, sich von Menschen zu entfernen. Ihnen das Lächeln zu nehmen, wie sie es vor knapp einem Jahr noch regelmäßig mit ihren Mitschülern zu ihrer Unterhaltung getan hatte. Nicht, dass sie es wirklich bereute, aber … war das so ein Gegensatz-Ding? Wenn das eine von den Menschen weg führte, würde sie das andere dann zum Herz von Z-
      Sofort verwarf sie den aufkeimenden Gedanken wieder unter heftigstem Kopfschütteln. Nein, sie war nicht der Typ für so etwas! Außerdem ging es nur darum, Exas Unterstützung zu gewinnen, mehr nicht! Und das würden sie auf ihre Art erreichen, damit das mal klar war!
      „Ich setze eine Karte verdeckt“, rief Anya, ihre letzte Handkarte ausspielend, dabei an den Blonden auf dem Dach gewandt, „wenn du willst, helfe ich dir gerne, die Blechbüchse da loszuwerden!“
      Die Karte erschien zu ihren Füßen. Exa drehte den Kopf Richtung des Dämons. Aber er sagte nichts zu ihrem Vorschlag.
      „Fein“, knurrte Anya verärgert, „aber lass dir nicht zu lange mit dem Überlegen Zeit, sonst ist vielleicht einer von uns beiden bald weg vom Fenster. Zug beendet!“

      Sie bemerkte gar nicht, wie Ricther sie schon die ganze Zeit über beobachtete und nun wortlos aufzog. Dann richtete er sich nach vorne aus, wandte sich ebenfalls dem Maskierten gegenüber zu.
      „Durch das Verbannen von 10 Deckkarten in verdeckter Lage kann ich dieses Monster beschwören“, rief er aus und zeigte die Karte zwischen seinen, von dicken Silberhandschuhen bedeckten, Fingern vor, „[Different Dimension Deity – Astellante]!“
      Anya musste schluckten. Das Mistding hatte sie noch gut in Erinnerung. Aus dem Boden um Ricther brachen zehn grüne Kristallsäulen, flogen nacheinander in die Luft. Zwei davon führten parallel nebeneinander die restlichen an, welche sich nacheinander wie Blätter eines Zweiges je zu viert an sie reihten. Ein wenig erinnerte das Gebilde auch an zwei paar aufrecht stehender Flügel, abgesehen von der Farbe dem Bildnis von Vem sehr ähnlich sehend. Anders als bei diesem jedoch, bildeten sich zwischen den beiden Hauptsäulen rote Entladungen, die eine Iris bildeten. Hatte Vem in seiner Haltung jedoch mehr an einen Vogel erinnert, so wirkte Astellante eher wie ein Schmetterling.

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/? DEF/? (10)]

      In der Zwischenzeit hatte sich auch die letzte der zehn Karten von Ricthers Deck losgelöst und war im wieder erschienen Dimensionsspalt verschwunden, der sich anschließend schloss.
      „[Different Dimension Deity – Astellantes] Werte richten sich nach der Menge an verdeckt verbannten Karten im Faktor 200.“
      Eine gefährlich rote Aura begann um das Kristallwesen zu glühen.

      Different Dimension Deity – Astellante [ATK/? → 4000 DEF/? → 4000 (10)]

      Dem Mädchen brach beim Gedanken daran, was dieser Riesenklunker anrichten konnte, der Schweiß aus. Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, Ricther mit einem Angriff zu provozieren.
      „H-hey“, rief sie ihm daher unbeholfen zu, „wenn du mich vornehmen willst, dann vergiss das gleich wieder, klar? Ich meine, ja, ich hab dich vielleicht angegriffen, aber dadurch auch Platz für deinen richtigen Klopper gemacht, oder nicht?“
      Levrier schlug sich die Hand vor die Stirn.

      Wunderbar, du hast ihn gerade erst recht auf uns aufmerksam gemacht. Immer, wenn ich denke, du machst Fortschritte, erweist du dich als Paradebeispiel dafür, was die Evolution so alles falsch gemacht hat …

      Tatsächlich sahen sie hinter Ricthers maskiertem Helm kurz dessen rechtes Auge, wie es Anya ins Visier nahm, jedoch gleich wieder geradeaus zu starren begann. Und wieder ignorierte er sie.
      Die Zauberkarte, die er aus seinem Blatt nahm und vorstellte, war eindeutig für den mysteriösen Dämon bestimmt. „[Dimensions Disturbance].“
      Unmittelbar nach Ausruf des Namens der Karte tauchten hintereinanderweg alle zwanzig verdeckt verbannten Karten in einem weiten Kreis vor Astellante auf, der sich zunehmend schneller gegen den Uhrzeigersinn zu drehen begann. Der Maskierte umklammerte seine Handkarten fester.
      „Ich benötige mindestens zwanzig verdeckt verbannte Karten, um diesen Zauber über eine Different Dimension Deity wirken zu können“, sagte Ricther tonlos, „dadurch verbannt jener die Hand eines meiner Gegenspieler bis zum Ende seines nächsten Zuges. Was immer du planst, du wirst warten müssen, At-“
      Eine der sich drehenden Karten ging in einer blauen Flamme auf, welche sich schnell auf den Rest ausbreitete, dann zu einem einzigen Feuerball zusammenzog und in Richtung des Dämons von einer unsichtbaren Kraft abgefeuert wurde. Jener hielt der brennenden Kugel demonstrativ das Blatt entgegen, welches gerade getroffen wurde, als Ricther den Namen seines Gegenüber nennen wollte.
      Doch der verstummte, als nur ein Sekundenbruchteil später die verdeckte Karte des Fremden aufsprang.
      „Du hast einen Fehler gemacht“, rügte jener Ricther in seiner unmenschlichen, verzerrten Stimme emotionslos, „durch das Verbannen meiner ...-Karten hast du die Aktivierung von [Divine ...-Saber Ragnarök] ausgelöst.“
      Anya legte verwirrt den Finger ans Ohr. Sie war sich sicher, dass der Typ seine Karten irgendwie bezeichnet hatte, aber wie genau, das hatte sie akustisch nicht verstanden. Ehe sie genauer darüber nachdenken konnte, zog der Dämon schon das ellenlange Katana aus der Scheide.
      „Was geht denn mit dir ab!?“, keuchte die Blonde erschrocken. „Wir hatten uns auf ein Duell geeinigt!“
      Doch entgegen ihrer Erwartungen, wurde niemand angegriffen. Stattdessen hielt At-wer-auch-immer die Klinge gen Himmel gerichtet in die Luft. Es geschah gar nichts.
      „Dieser Schnellzauber lässt mich für jedes in diesem Zug verbannte ...-Monster ein Monster auf dem Spielfeld verbannen.“

      Schon wieder! Das war kein Ohrenschmalz, der sie daran hinderte, die Namen richtig zu verstehen, nein, irgendetwas blockierte dieses eine Wort regelrecht! Immerhin tauchten über dem Dämon die drei Karten auf, die Ricther erwischt hatte. Alles Pendelmonster, wie Anya erstaunt feststellte. Zwei Drachen und ein- Moment, das ganz rechte sah doch aus wie Matts-!?

      Anya wurde in ihren Gedanken einmal mehr unterbrochen, als plötzlich Exa lautstark erschrocken zurückwich. Den Blick gen Himmel gerichtet, der sich komplett mit schwarzen Wolken eingedeckt hatte. Und irgendetwas schob diese nach und nach auseinander, in einem gewaltigen Radius.
      „Oh shit“, fluchte Anya, als sie ebenfalls den Kopf in den Nacken legte. Nur Ricther regte sich nicht.
      Dort oben durchbrach ein grelles Licht die Wolkendecke. Ausgehend von einer Schwertspitze, die glatt mit der Größe eines Hochhauses konkurrierte. Nach und nach drang aus aberdutzenden, gar hunderten Lichtzirkeln über den Wolken eine Klinge ungeahnten Ausmaßes in das Sichtfeld der Anwesenden. Da es sich so hoch oben befand, war es schwer, Details zu erkennen. Aber Anya kam es so vor, als würde das Heft des Schwertes an verschiedenen Stellen aufleuchten, welche sich dann aber wieder verdunkelten. Als wäre es eine Art Maschine.
      „Oh shit!“, stieß sie noch intensiver hervor, als sie begriff, dass die blau leuchtende Schneide direkt auf das Duellfeld gerichtet sein musste. In dem Moment lösten sich bereits drei Schüsse in Form von Energiestrahlen von deren Spitze. Sie schlugen wie Bomben ein. Erst erwischte es [Stellarknight Delteros], wobei glatt ein Teil des Dachs vor Exa weggesprengt wurde. Der junge Mann wich mit einem Satz nach hinten zurück, um nicht auch getroffen zu werden. Gleich darauf traf der zweite Strahl Astellante, die in alle Himmelsrichtungen zerbarst. Ricther schützte sich mit erhobenem Arm und wehendem Umhang vor den Folgen.
      Anya sah mit geweiteten Augen nach oben, ebenso wie Levrier. Fassungslos hauchte sie: „Erwähnte ich schon fuck?“

      Nein. Das wäre eher mein Part.

      „Falle, [Dimension Gate]!“, schrie Anya geistesgegenwärtig.
      Levrier tauchte noch in das sich über ihm öffnende Portal ein, da regnete der Strahl schon auf Anya herab. Den Ritter um nicht einmal eine Millisekunde verfehlend, schlug er vor dem Mädchen ein und schleuderte es so hart gegen die Wand hinter sich, dass es keuchte und vom Gemäuer rutschte wie eine Fliege, die Bekanntschaft mit einer Fliegenklatsche gemacht hatte.
      Als sie vorneüber auf den Boden fiel, hustete sie unkontrolliert. Der Druck hatte ihr die Luft zum Atmen geraubt. Erst durch stoßartiges Hecheln und Husten konnte sie wieder Luft in sich aufnehmen.
      „Nicht schlapp machen, Sonnenschein“, mahnte Exa angespannt, der hockend vor dem Einschlagkrater im Dach verharrte.
      Sich mit den Ellbogen abstützend, hob Anya ihr Haupt. „Halt die Klappe!“
      Danach drehte sie den Kopf in Richtung des Auslösers für ihre Lage. „Und du! Wenn einer Levrier in den Arsch tritt, dann wohl nur ich, klaro!? Ehe du ihn verbannst, mache ich das lieber selbst mit meiner Karte [Dimensions Gate]!“
      Ebenjene Falle stand direkt vor ihr aufgerichtet. Einmal mehr an diesem Tag sollte Anyas Einwand völlig unbeachtet bleiben. Noch immer hielt der Maskierte sein Schwert zum Himmel gerichtet und sagte nun: „Nach diesem Effekt folgt ein zweiter. Für jedes verbannte ...-Monster erleidet mein Gegner Schaden entsprechend der Gesamtsumme an Stufen multipliziert mit 400.“
      Zur Verdeutlichung tauchten die drei Karten, die Ricther so unbedacht entsorgen wollte, noch einmal auf. Der eine Drache war Stufe 6, der andere 3 und dann -das- auf Stufe 4. Also über 5000 Punkte Schaden, rechnete sich Anya erschrocken aus. Wer würde den abkriegen, etwa Ricther!?
      „In einer Battle Royale wird dieser Effekt auf all meine Gegner angewandt. Dieses Duell ist entschieden.“
      Im selben Moment ließ der Dämon sein Schwert niederfahren. Und das riesige Gegenstück im Himmel setzte sich analog dazu ebenfalls in Bewegung.
      „Scheiße! Ist der irre!?“, kreischte Anya und rappelte sich hastig auf.
      Diesmal blickte selbst Ricther der drohenden Katastrophe entgegen. „Die Macht, das Ende der Welt zu beschwören …“

      Unerwartet zersprang das riesige Schwert am Himmel in tausende Stücke. Anya wusste nicht warum, aber sie atmete erleichtert auf. Okay, wer hatte da jetzt zwischengefunkt? Ein Blick auf Ricthers und Exas Spielfeldseiten verriet er jedoch: Niemand. Entsetzt sah sie wieder nach oben.
      Ragnarök war nicht zerstört worden … die Klinge hatte sich lediglich vom Heft abgekoppelt und war in tausende kleinerer Fragmente zersplittert. Fragmente, die sich ihnen wie ein Heer aus Pfeilen unweigerlich näherten! Die würden sie aufspießen wie Käsehäppchen!

      Mit zunehmender Panik rief sie den beiden anderen Bald-Cocktailkirschen zu: „Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem eine von euch Pappnasen etwas dagegen unternimmt!“
      Exa erhob sich mit gen Himmel gerichtetem Blick aus seiner Hocke. „Da muss ich passen …“
      „Und du!?“, wandte sich die Blonde aufgelöst an Ricther. „Du bist ein verdammter Undying! Sag mir nicht-“
      Der Hüne ließ die Hand über seine gesetzte Karte fahren, welche aufsprang und sich als Schnellzauber entpuppte. „[Dimensions Divergence].“
      Nach und nach öffneten sich über ein dutzend Risse im Raum-Zeit-Gefüge um Ricther, welcher der abrupt verstummten Anya erklärte: „Diese Karte kann nur aktiviert werden, wenn mindestens 15 meiner Karten verdeckt verbannt sind. Und sie bewirkt, dass die Schadensverhältnisse eines Spielers umgekehrt werden.“
      Exa verschränkte die Arme und fragte scharf: „Heißt im Klartext?“
      „Schaden, der für besagten Spieler vorgesehen war, wird stattdessen denjenigen zugefügt, die diesen verursachen wollten.“
      Anya schluckte, sah sie die Lichtpunkte am Himmel immer näher kommen. „Aber das hält diese Kacke da nicht auf! Damit beschützt du dich nur selber!“
      „Während Mystery Demon dort drüben seine eigene Medizin schlucken muss“, fügte der junge, blonde Mann leise hinzu, „geschickt eingefädelt.“
      „Du irrst dich, Exa. Ich wende [Dimensions Divergence] nicht auf mich selbst an.“
      Sowohl er, als auch Anya horchten überrascht auf. Langsam hob Ricther den Arm mit der Klingen-Duel Disk und zeigte damit auf Anya. „Sondern auf dich.“

      In dem Moment verschlug es ihr endgültig die Sprache. Sie begriff, was er da tat. Aber sie verstand nicht das Warum. Der Undying, der sie vor wenigen Wochen noch tot sehen wollte, der sich nicht für ein einzelnes Menschenleben interessierte, beschützte … sie!?
      Diejenige, die die Siegel brach? Die Feindin der ewigen Ordnung!?

      Die Risse um Ricther verschwanden wieder. Stattdessen trat das Phänomen nun um Anya auf, die davon aber kaum Notiz nahm. Selbst der in Sicherheit gebrachte Levrier konnte in diesem Moment nicht zu ihr durchdringen.

      Was hat das zu bedeuten!?

      „Du bist wirklich das Letzte“, zischte Exa verächtlich.
      Ricther sah ihn mit erhobenem Haupt an. „Vergib mir.“
      „Nein! So leicht mache ich es dir nicht!“ Das Gesicht des Mannes verzog sich zu einer zornigen Fratze, als er ebenfalls den Arm über seine gesetzten Karten schwang. „Nimm's mir nicht übel Sonnenschein, aber ich will hier genauso wenig sterben wie du! Falle aktivieren!“
      Die linke der beiden Verdeckten sprang auf und riss die Blonde aus ihrer Trance.
      „[Mystical Refpanel]“, benannte Exa schon ebenjene. Hinter ihm stieg eine blauhaarige Elfe empor, die einen kugelrunden Spiegel vor sich schweben ließ. In jenem entstand das Bild von Ricthers aufrecht stehendem Schnellzauber. „Diese Karte transferiert den Effekt eines Zaubers, der auf einen bestimmten Spieler wirkt, auf einen anderen.“
      „Ah!“
      Jetzt verschwanden die kleinen, rötlich leuchtenden Spalten auch um Anya, nur um im Anschluss Exa in sich einzuschließen. „Auf mich. Aber keine Sorge …“
      Mit einem Mal streckte er seinen Arm mit der Duel Disk nach vorne aus. Diese schob sich zu einer Einheit zusammen und drehte sich auf ihrer Halterung um 180°. Die Spielfeldkartenzone klappte aus.
      „... ich lass dich nicht im Stich“, zwinkerte der junge Mann Anya verschwörerisch zu.
      In diesem Moment schoss ein Enterhaken aus der Öffnung und verankerte sich weit über dem Mädchen in einem Wassertank, welcher auf der höher gelegenen, staatlichen Einrichtung stand, welcher sie den Rücken zugekehrt hatte.
      „Viel Spaß noch“, wünschte Exa dem Undying und auch dem Dämon böswillig, ehe er Anlauf nahm und über das Dach sprang.
      Anya sah nur noch, wie er sich herab schwang und auf sie zu schnellte, dabei an dem Seil hängend. In seinem Fall streckte er den freien Arm aus. Das Nächste, was sie fühlte, war ein ekelhafter Schmerz im Unterleib, als Exa sie mit Schwung packte und mitriss. Geschickt stemmte der sich mit beiden Füßen gegen die Wand, um sich und Anya abzufedern. Jene schulterte er sich kurzerhand mit den Beinen voran über, ehe er sich von seiner Duel Disk automatisch hin zum Wassertank ziehen ließ.

      Von Natur aus bedingt ausdruckslos sahen ihm Ricther und der Maskierte hinterher.
      „Lass mich runter!“, schrie Anya in einer Mischung aus Panik und Scham, wie sie da einfach mit den Beinen voran 'abgeschleppt' wurde. Auch sie war jetzt von den Dimensionsrissen umgeben, die Exa schützen.
      „Das willst du nicht“, erwiderte er streng. Kaum hatte er den Rand des Daches erreicht, löste er den Enterhaken, ehe dieser ihn komplett zum Wassertank hochzog. Das Mädchen absetzend, zeigte er geradeaus. „Renn!“
      „Wa-!?“
      „Los!“, schrie er.
      Nebeneinander nahmen sie die Beine in die Hand, dabei immer mehr in ein hellblaues Licht getaucht. Ohne zurück zu sehen, rannten sie über das Dach. Noch bevor sie dessen Ende erreicht hatten, rief Exa: „Wir müssen springen!“
      „Was!?“
      Anya sah geradeaus. Das nächste Gebäude lag um einiges tiefer als dieses und dazwischen befand sich, so wie sie das abschätzen konnte, eine schmale Gasse. Die plötzlich gar nicht mehr so schmal wirkte, je näher sie ihr kamen.
      Ihr Begleiter, der ihr einige Schritte voraus war, setzte direkt am Ende des Gebäudes zum Sprung an. Und er rauschte so elegant durch die Luft, dass Anya sich davon angestachelt fühlte, es ihm gleich zu tun. So etwas konnte sie auch!

      Als sie sich ebenfalls vom festen Boden losfederte, landete er bereits geduckt auf der anderen Seite. Über seine Schulter sehend, weitete er die Augen. In ihnen spiegelten sich die aberdutzenden Lichtpfeile wieder, die unweit von Anya einfach überall einschlugen. In der Seitengasse, auf der Straße, in den umliegenden Gebäuden, einfach überall.
      Die Blonde war noch mitten im Sprung, da wurden sie von einer Schockwelle sondersgleichen erfasst. Ohne eine Chance zum Landen gehabt zu haben, wurde Anya von ihr mitgerissen. Auch Exa erwischte es, sodass sie beide weggeschleudert wurden.

      Alles drehte sich und sie war taub. Da war nur noch dieses grelle Licht gewesen, dann der Druck, der sie weggefegt hatte wie ein Staubkorn. Anya hielt die Augen fest geschlossen. Sie befand sich noch mitten in der Luft, doch ihre Lage hatte sich verändert. Arme über den Kopf haltend, versuchte sie sich irgendwie zu schützen. Dann kam der Aufprall. Er war hart, aber irgendetwas musste ihn gedämpft haben, etwas Weiches. Aber sie bewegte sich weiter, konnte jedoch nicht einordnen, wohin es ging. Oder war sie gar tot?

      [Anya: 4000LP → 0LP / Ricther: 2900LP → 0LP / Exa: 4000LP / ???: 2000LP → 0LP]

      „Du … bist schwer …“
      Orientierungslos öffnete das Mädchen die Augen. Sie sah kaum etwas, nur dunkles Blau. Erst jetzt bemerkte sie, dass sich zwei Arme um ihren Rücken gelegt hatten. Dieser … sie lag … er hielt sie fest umschlossen!

      Sofort stieß Anya sich los. Beide lagen auf der Seite. Exas Lider waren noch fest geschlossen, doch ein Rinnsal an Blut rann von seiner Stirn. Er lächelte freundlich. „Alles okay?“
      Erst jetzt wurde sie sich ihrer Umgebung gewahr, die sie über die Schulter des Größeren im Blickfeld hatte. Vor ihr erstreckte sich ein weiteres Gebäude, höher als das, auf dem sie sich befanden und mit verspiegelten Fensterreihen versehen. Auf weißen Lettern wurde für ein Fitnessstudio geworben. Anya hob leicht den Kopf an.
      „Ah!“ Sofort umschloss sie seine Arme mit ihren Händen.
      Beinahe direkt unter ihnen befand sich eine stark befahrene Straße. Gerade schaltete eine Ampel auf Rot um, die Autos kamen zum Stillstand. Sie und Exa lagen direkt am Rand des Daches, Letzterer ragte schon leicht darüber hinaus.

      Schnell reagierend, griff Anya ihn am Kragen seiner blauen Strickjacke und hievte ihn über sich hinweg, bevor er noch in die Tiefe fiel. Der Kerl war erstaunlich leicht, stellte sie dabei fest und rollte sich in derselben Bewegung über den Blonden hinweg, denn sie wollte garantiert nicht diejenige sein, die mit dem Rücken zum Abgrund stand.
      Kaum lag sie neben ihm, raffte sie sich auf. Kurz an sich herabsehend, stellte sie bis auf ein paar Schrammen an den Händen und einem aufgescheuerten Knie keine sichtbaren Verletzungen fest.
      Stöhnend kam auch Exa langsam zur Besinnung.
      „Das war ganz schön knapp“, murrte sie, als der junge Mann sich aufrichtete und erstmal den Hinterkopf rieb. Dann sprang er auf, wandte sich dem Mädchen zu.

      Anya schluckte beim Anblick des Blutes an seiner Stirn, denn die Wunde hatte er sich nur zugefügt, weil er seinen Körper genutzt hatte, um ihren Aufprall zu dämpfen. Den Blick bemerkten, strich Exa mit den Fingerspitzen über die Stelle und sah sich das Rot an seiner Hand erstaunt an. Dann grinste er breit. „Ups.“
      Etwas ungläubig wiederholte Anya: „Ups? Alter, das muss genäht werden!“
      „Mach ich nachher“, winkte er ab, doch seine unbekümmerte Mimik schwand, wurde ersetzt von einer schon fast furchteinflößenden. Sein Blick schien das Mädchen regelrecht zu durchbohren, als er fragte: „Und jetzt Hand aufs Herz, welche Rolle spielst du in dem Ganzen eigentlich?“
      „Ich bin unschuldig!“, stellte Anya sofort klar. „Der Typ aus der Geisterbahn hat mich zuerst angegriffen!“
      „Warum?“
      „Woher soll ich das wissen, ich kenne die Fratze nicht mal! Dann kam Ricther dazu, aber statt mich zu killen, wie er und seine Speichellecker es sonst versuchen, beschützt er mich plötzlich!“ Anya ließ ihren rechten Zeigefinger um die Schläfe kreisen. „Abgedrehteren Scheiß gibt’s nur in Buffy-Fanfictions. Und glaub mir, die willst du nicht lesen.“

      Sein strenger Ausdruck wich einem verwirrten, ganz offensichtlich wusste der Trottel nicht, wer Buffy war. Nämlich ihr Fernseh-Idol, als sie noch jünger war, zumindest bis Anya eines Tages dahinter kam, wie bescheuert die Serie eigentlich und dass das einzig Übernatürliche in dieser Welt Nicks Dämlichkeit war. In beiden Fällen wurde sie Jahre später eines Besseren belehrt, aber hey, immerhin wurde in der Serie damals regelmäßig jemand verprügelt, viel besser als alles, was damals auf Nickelodeon lief …

      Anya, die immer mehr in Nostalgie abdriftete, wurde abrupt aus dieser gerissen, als Exa ihre Schulter fester als nötig packte. „Du jagst du Hüterartefakte, nicht wahr? Dann ist es offensichtlich, warum er dich beschützen wollte.“
      „Huh?“
      „Denkst du, sie sind unzerstörbar, nur weil sie keine festgeschriebene Form haben? In dem Fall sind die Prioritäten klar.“
      Anya schlug seinen Arm mit ihrem Handrücken beiseite. „Pfoten weg!“

      Das ist eine interessante Information. Vielleicht können wir dieses Wissen eines Tages nutzen, um den Sammler zu erpressen, wenn alle Stränge reißen?

      Levriers Stimme ließ Anya nachdenklich grunzen. Stimmte schon. Mehr noch, lieferte das zeitgleich einen möglichen Grund dafür, dass der Dämon sie angegriffen hat. Denn ganz offensichtlich war er kein Undying, sonst hätte er sich nicht gegen Ricther gestellt. War es sein Ziel gewesen, die Artefakte zu zerstören?
      Damit waren die möglichen Motive zweier Streithähne geklärt. Bliebe nur …
      „Und du?“, fragte Anya provokativ. „Wieso hast du dich mit Sir Klapp-a-lot angelegt?“
      „Das ist meine Sache. Sei lieber dankbar dafür, dass ich niemals ein Mädchen im Stich lassen würde, selbst wenn sie ganz offensichtlich nichts Gutes im Schilde führt!“
      „Tch!“
      „Du solltest aufpassen. Nach den Hüterartefakten zu suchen ist kein Spaziergang. Du wirst vermutlich sterben, bevor du die Hälfte davon überhaupt zusammengesammelt hast“, sagte Exa und Anya gefror förmlich das Blut in den Adern, wie er sie aus seinen dunkel umrandeten Augen mit dem Blut im Gesicht so überlegen anstarrte, „was auch der einzige Grund ist, warum ich mich nicht um dich kümmern muss.“
      Sie schnaubte grimmig und drehte sich weg. „Wenn ich es -nicht- versuche, bin ich erst recht tot, Einstein. Denkste, ich mach das freiwillig?“
      „Dann sollte ich dir wohl raten, dir genau zu überlegen, was du mit deinen letzten Tagen anstellen willst.“ Auch er wandte sich ab, trat an den Rand des Dachs.
      Anya sah ihm aus den Augenwinkeln nach und verschränkte die Arme. „Kämpfen.“
      „Heh. Gute Antwort. Übrigens bitte ich dich um ein wenig Diskretion, was deine Begegnung mit mir angeht. Es gibt bestimmte Gründe, warum niemand wissen darf, dass ich hier bin. Oder überhaupt existiere.“
      Nachdenklich sah Anya herüber zum Dach des Verwaltungsgebäudes eine Straße weiter. Er hätte sie auch zusammen mit Ricther und diesem Dämon sterben lassen können. Demnach schuldete sie ihm etwas. Und wenn sie Matt oder Zanthe davon erzählte, was in der Seitengasse geschehen war, würde sie vermutlich nicht einmal mehr alleine auf die Toilette gehen können.

      „Abgemach-“, drehte sie sich ihm wieder zu. Und stellte fest, dass er weg war. Mit ihrem Blick das Dach absuchend, konnte sie Exa nirgendwo entdecken. So stellte sie sich dort hin, wo er eben noch verharrt hatte und sah auf die Straße unter sich hinab, aber auch auf dem Bürgersteig oder sonstwo war keine Spur mehr von dem Typen zu entdecken.

      Er hat sich getarnt und ist dann von hier heruntergesprungen. Um genau zu sein läuft er gerade gen Westen vor dir davon.

      „Du kannst ihn sehen!? Wieso ich nicht!?“

      Ein einfacher Zauber, mehr nicht. Scheinbar wirkt er auf Immaterielle nicht.


      „Sollen wir ihm folgen?“, überlegte Anya laut.

      Ich fürchte, er würde darauf nicht besonders angetan reagieren. Es wäre unsinnig, das Leben aufs Spiel zu setzen, das er gerettet hat.


      Die Blonde zuckte mit den Schultern. „Meinetwegen. Den sehen wir früher oder später sowieso wieder, wollen wir wetten? Ich hab's im Urin.“
      Irgendetwas verband ihn schließlich mit den Hütern. So wie er kämpfte, war er vermutlich selbst einer, auch wenn seine Feindseligkeit gegenüber Ricther schon seltsam anmutete.
      Schlagartig senkte Anya den Blick. Stimmte es denn, dass der sie nur wegen der Hüterkarten versucht hatte zu beschützen, Karten, die sie nicht einmal mehr besaß? So etwas müsste jemand wie er eigentlich wissen, der hatte doch in seinem Helm bestimmt ein Radar für solche Angelegenheiten eingebaut!
      „Denkst du, die Blechbüchse ist im Eimer?“

      Es wäre ironisch, wenn sein eigener, ungeschriebener Pfad dafür gesorgt hat, dass er sein Ende findet. Andererseits, er ist und bleibt ein Undying. Niemand kann wissen, wie sich seine Magie auf ihn selbst auswirkt …

      Anya sah über die Schulter zurück. „Und der andere Kerl?“

      Dasselbe gilt für ihn … oder es.

      „Ich hoffe, Ricther lebt. Vielleicht … ach egal.“
      Anya wollte Levrier nicht sagen, dass sie sich an die Hoffnung zu klammern begann, der Undying könnte einen Sinneswandel gehabt haben und ihr nun helfen wollen.
      „Wir müssen los. Wetten, Summers dreht durch, weil ich so lange weg war?“

      ~-~-~

      Inzwischen war der Hafen verlassen, eingetaucht in das Licht eines Vollmonds.
      „Ihr wisst, was zu tun ist“, wies Nick die Krähen auf seinen Schultern an. Beide stießen sich mit starkem Flügelschlag von ihm ab und verschwanden in der Nacht.
      Der junge Mann zog die Kapuze seiner Windjacke tief ins Gesicht. Er hielt sich hinter der Reihe von drei nebeneinander stehenden Lagerhäusern verborgen. Genau im mittleren von ihnen hielt sich Alexandra in diesem Moment auf und bereitete alles vor.
      „Auf mein Kommando schalten wir 'die Kameras um'“, murmelte er leise vor sich hin. „Jetzt.“

      Und mit einem Mal verschwand die Wand aus gewelltem Blech vor ihm. Stattdessen sah er den Hafen von oben, aus den Augen Sparklys, die in etwa zweihundert Metern ihre Kreise zog. Noch war nichts zu sehen von dem geheimen Treffen. Die abgerundeten Dächer der Lagerhäuser betrachtend, wartete Nick darauf, dass Alexandra jene verließ.
      „Umschalten“, verlangte er leise.
      Schlagartig sah er den Hafen aus der Perspektive Snugglys, die auf einem der mobilen Krangestelle saß, mit Blick auf die Straße, die am Hafen vorbei führte. Und sie sah, wie das Scheinwerferlicht einer einzelnen, schwarzen Limousine sich näherte. Der Wagen passierte ein Tor, dessen Schranke sich nach einer kurzen Wartezeit anhob, sodass er das Innere des Hafens betreten konnte. Die Diebin hatte den Wachmann bestochen.
      „Umschalten“, murmelte Nick erneut.
      Er sah wieder die Lagerhäuser, aus dem in diesem Moment eine winzige Gestalt trat. Dunkelblondes Haar, schwarze Hosen und eine schwarze Lederjacke. An ihrem Hosenbund befand sich Anyas Deckbox. Schnellen Schrittes marschierte sie zum betonierten, riesigen Anlegeplatz. Bis sie ins Scheinwerferlicht eingetaucht wurde. Der Wagen hielt einige Meter vor ihr an.

      „Na endlich“, gurrte Alexandra, als der erste Mann ausstieg, „man lässt eine Dame nicht warten. Und ich habe schon sehr lange gewartet.“
      Dem Glatzkopf folgten noch drei weitere Männer einschließlich Fahrer, allesamt in schwarzen Anzügen. Einige hielten die Arme vor dem Schritt verschränkt. Mit Waffen in der Hand. Erst dann folgte De la Rosa.
      „Da bist du ja, du Schwein“, murmelte Nick hasserfüllt.
      Er hob sich von seinen Schergen ab, trug einen weißen Anzug, passend zu seinem Haar. Der Mafioso war groß und schlank, viele Ringe zierten seine Finger, sein Bart war getrimmt und verlief lediglich am Unterkiefer entlang. Nick hätte ihn gerne näher ins Visier genommen, aber dazu müsste Sparkly näher ran, was nicht klug wäre. Aber er würde ihm noch von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen …

      „Alexandra, meine Liebe!“, begrüßte der braungebrannte Mann und schritt auf die junge Frau mit ausgestreckten Armen zu. „Schön, dich wiederzusehen.“
      Zu Nicks Erstaunen ging sie darauf ein und ließ sich drücken. Als die beiden voneinander abließen, fragte die Diebin in kindlicher Neugier: „Und? Wie groß ist der Koffer, den Sie für mich haben?“
      „Das hängt davon ab, was du für mich hast“, ging er wie ein lachender Onkel darauf ein. Dann schnippte er mit dem Finger.
      Einer seiner Schergen trat um die Limousine herum und holte aus dem Kofferraum einen metallischen Koffer, den er auf beiden Handflächen tragend zu De la Rosa brachte.
      „Wie viel?“, fragte Alexandra angespannt.
      „Zehn Millionen.“ Als Beweis öffnete sein Angestellter den Koffer, in dem fein aneinander gereiht die blassgrünen Scheinchen auf ihre neue Besitzerin warteten.
      „Was ist los? Ich hatte Sie spendabler in Erinnerung“, scherzte Alex mit einer Spur Missgunst in der Stimme.
      „Bisher hast du gar nichts auf den Tisch gelegt, mein Täubchen“, wies er sie freundlich, aber bestimmend zurecht. Und ließ den Koffer mit einem Nicken wieder zuklappen.
      Alexandra griff an ihre Deckbox. „Vermutlich kennen Sie die Geschichte nicht, aber in dieser Welt existieren sieben Individuen, die Hüter genannt werden. Und jeder von ihnen beschützt ein Artefakt mit besonderen Kräften. Eines davon lässt die biologische Uhr seines Besitzers anhalten.“
      „Es verleiht Unsterblichkeit?“, fragte De la Rosa skeptisch. „Wie kommt es, dass ich von dieser Geschichte zum ersten Mal höre?“
      „Machen Sie sich nicht lächerlich. Was denken Sie denn?“ Sie kicherte. „Was werden Sie staunen, wenn ich Ihnen sage, dass ich sogar zwei Artefakte der Hüter besitze …“

      Nick rümpfte die Nase, als er sah, wie Alexandra den Verschluss bereits öffnete. Das war ihm genug Vorspiel. „Macht euch zum Angriff bereit. Los!“
      In dem Moment trennte sich seine Verbindung mit Sparkly und er blickte wieder auf das gewellte Blech der Lagerhäuser vor sich.

      Gerade als Alexandra ihre Finger an die vorderste Karte des Decks legte, schoss eine Art schwarzer Pfeil wie aus dem Nichts auf den Glatzkopf links neben De la Rosa hinab. Es passierte so schnell, dass die junge Frau nicht einmal aufschreien konnte. So hatte sie nicht einmal erkannt, dass es eine Krähe war, die den Hinterkopf des Mannes regelrecht durchbohrte und ihn damit zu Fall brachte. Im selben Moment wurde weiter hinten beim Wagen ein anderer von einer zweiten getötet, die ihm das rechte Auge aushackte.
      „Was ist-!?“, stammelte De la Rosa. „Wo kommen die her!? Erschießt sie!“
      Die verbliebenen Gefolgsleute zückten ihre Waffen und begannen auf die Krähen zu zielen, welche aber zu schnell waren. Jeder Schuss, der ihnen galt, verfehlte sie. Im großen Bogen mähte Sparkly den nächsten Mann nieder. Panische Schreie begannen den Hafen in Aufruhr zu versetzen.
      Gerade als auch Diego seine Waffe zückte, stieß einer sein Fahrer gegen ihn, als er Snuggly auswich. Der alte Mann wurde zu Boden geworfen.

      In all dem stand Alexandra wie angewurzelt da. Vor ihren Füßen lag der tote Scherge mit dem Koffer. Nach dem sie kurzerhand griff. Und anfing, davon zu laufen.
      Die Schritte hörend, sah der am Boden liegende De la Rosa ihr hinterher, wie sie Richtung der Lagerhäuser flüchtete. „Warte!“

      Die junge Frau warf einen Blick über die Schulter und sah De la Rosa, wie er sich aufrappelte und an die Verfolgung machte. Die Krähen dagegen kämpften mit den zwei verbliebenen Schergen des Mafioso, welcher hoffentlich lang genug andauern würde, um aus ihrem Blickfeld zu verschwinden.
      „Bleib stehen!“, hörte sie den Mann rufen.
      Zwischen ihnen waren mindestens fünfzehn Meter Abstand, aber er holte zum Schrecken Alexandras auf. Aber es wunderte sie nicht, denn dieser Mann hatte allerlei Experimente an sich durchgeführt, um sein Haltbarkeitsdatum zu verlängern.
      Ihr entfuhr ein leises: „Verdammt!“
      Sie hatte die Lagerhäuser inzwischen fast erreicht. Dort gab es genug Kistenstapel, um sich für einen Hinterhalt zu verstecken – aber die Tür neben dem Tor war zu! Dabei hatte sie diese extra offen gelassen, wie-!?
      Dann blieb ihr keine Wahl …

      „Bleib stehen!“, schrie Diego der jungen Frau zum wiederholten Male hinterher.
      Und dieses Mal beließ er es nicht dabei, sondern feuerte einen Schuss aus seiner Pistole ab. In diesem Moment huschte Alexandra zwischen die schmale Lücke der beiden Lagerhäuser linkerhand. Der nahezu lautlose Schuss ging daneben und prallte an der Ecke des Gebäudes ab.

      Zeitgleich war Nick nach einem kleinen, aber wenig aufschlussreichen Abstecher in Alex' Versteck wieder auf der anderen Seite der Lagerhäuser angelangt. Dank seiner neuen Kräfte spürte er, wie die beiden sich näherten, die Diebin voran. Mittlerweile hatten Snuggly und Sparkly die Handlanger De la Rosas besiegt, denn die Schüsse waren verklungen.

      Mit dem Koffer in der Hand, hastete Alexandra durch den Gang. Ein weiterer Schuss zischte über sie hinweg. Sie wurde immer langsamer, konnte das Tempo nicht mehr aufrecht erhalten und stürzte vorne über, sich die brennende Lunge haltend.
      Wenig später hatte Diego sie erreicht, seine mit einem Schalldämpfer ausgestattete Pistole auf die junge Frau gerichtet.
      „I-ich war das nicht“, keuchte sie über die Schulter sehend.
      „Sicher“, erwiderte er in seinem gebrochenen Akzent. „Deswegen hältst du auch mein Geld in deiner Hand.“
      „Sie wollten mich von Anfang an umlegen!“, fauchte Alexandra verächtlich.
      „Ja. Aber du wärst mir beinahe zuvorgekommen.“
      Die Dunkelblonde lachte zynisch. „Bestimmt, ich bin nebenberuflich Kampfvogeltrainerin.“
      „Einer wie dir würde ich das ohne Zweifel zutrauen.“ In seinen Worten war der Anflug von Faszination versteckt. Dann machte er mit seiner Waffe eine zu sich winkende Bewegung. „Den Koffer, wenn du gestattest.“

      Es knallte. Blut spritzte in Alexandras Gesicht, gefolgt von einem gellenden Schrei Diegos, der sich mit dem lautstarken Schreck der jungen Frau vermischte. Fassungslos hielt sich der Mafioso die Hand, der nun zweieinhalb Finger und die Waffe fehlten.
      Beiden war während ihres Streits entgangen, wie sich die vermummte Gestalt Nicks hinter dem Lagerhaus mit gezückter Waffe hervor geschoben hatte.
      Wimmernd klammerte sich Diego de la Rosa um seine stark blutende Hand. „Was hast du getan!?“
      Auch Alexandra sah entgeistert dem großgewachsenen Angreifer entgegen.
      „Dieselbe Frage könnte ich Ihnen stellen, De la Rosa“, erwiderte Nick unterkühlt, dabei seine Waffe auf sein Gegenüber gerichtet.
      „Weißt du, wer ich bin!?“, schrie dieser manisch.
      „Natürlich.“
      „Du warst das“, hauchte im selben Moment Alexandra fassungslos, jedoch ohne beachtet zu werden.
      De la Rosa verstummte. Leise frage Nick: „Haben Sie sich je gefragt, was all diejenigen gefühlt haben, deren Angehörige Sie haben töten lassen?“
      „Ich habe nie-!“
      Ohne einzulenken, schnitt der Vermummte ihm das Wort ab. „Und haben Sie jemals Reue gespürt? Schuldgefühle empfunden für das, was -Sie- getan haben?“
      Der ergraute Mann wich einen Schritt zurück. „Bist du etwa wegen Rache hier?“
      „Nein. Antworten Sie einfach auf meine Fragen“, forderte Nick, dem jedoch tatsächlich relativ wenig an jenen lag. Ihn interessierte mehr, was er dabei fühlte. Gar nichts …
      Beunruhigt sah Alexandra zwischen beiden hin und her. Ihr Griff um den Koffer mit Geld festigte sich. Eine grimmige Entschlossenheit bildete sich in ihren Gesichtszügen.

      Es dauerte einen Moment, ehe der Mafioso gedämpft antwortete. „Ja, das habe ich. Aber damit die einen leben, müssen manchmal andere sterben.“
      „Das ist richtig.“
      Nick drückte ab, es gab einen lauten Knall. Mit einem schmalen Loch in der Stirn stürzte De la Rosa hintenüber und blieb regungslos liegen. Alexandra unterdrückte einen Schrei, wimmerte stattdessen bloß und wandte den Blick ab.
      Als Nick ihr mit einer Bewegung seiner leeren Hand befahl, sich zu erheben, folgte sie dieser Anweisung kommentarlos. Dabei drehte sie sich nur minimal dem Mann seitlich zu, sodass er ihre eigene, leere Hand hinter ihrem Körper nicht sehen konnte.
      „Was willst du? Das hier?“, fragte sie provokativ und hielt ihm den Koffer entgegen.
      „Vielleicht?“, sagte Nick und richtete langsam seine Waffe auf ihren Kopf. In diesem Augenblick kamen von beiden Seiten Snuggly und Sparkly angeflogen und landeten wie gewohnt auf seinen Schultern. „Aber sagen Sie mir, Alexandra, wenn das Geld De la Rosas Teil des Deals ist. Was ist dann Ihrer?“

      Sie zögerte einen Moment und biss sich auf die Lippen. Von irgendetwas hatte er sie gerade abgehalten, erkannte Nick sofort. Alexandra griff nach der Deckbox an ihrem Gürtel und zeigte sie, genau wie den noch immer erhobenen Koffer, vor.
      „Das da. Hier sind Karten drin, die es nur einmal auf der Welt gibt. De la Rosa war ein Sammler, der bereit war, alles für sie zu zahlen“, log Alexandra.
      Nick wusste es besser. Der Mafioso hatte nicht nach den Karten, sondern der in ihnen enthaltenen Macht gesucht.
      „Fallen lassen“, befahl Nick und legte seine andere Hand an die Waffe, um besser zielen zu können.
      Im Antlitz des Vermummten und seinen beiden Krähen entfuhr Alexandra ein bitterböses Lachen. „Also bin ich jetzt die Nächste, ja? Du würdest dich einfach so an einer hilflosen Frau vergreifen?“
      „Sie sind nicht hilflos.“
      Ein Glucksen von sich gebend, ließ sie sowohl Deckbox, als auch den Koffer fallen. Analog dazu hauchte sie: „Da könntest du Recht haben.“
      Noch bevor Nick reagieren konnte, ließ sie den linken Arm, in dessen Hand sie die Karten gehalten hatte, nach vorne schnellen. Er erkannte lediglich eine Art goldenes Schmuckstück, das in einer gewundenen Form vom Mittelfinger unter ihrer Jacke verschwand. Als er begriff, schoss von dessen Spitze bereits eine grelle, hellblaue Lichtkugel auf ihn zu. Die Nick mit seiner flachen, orange aufleuchtenden Hand weg schlug. Sie krachte in die Wand oberhalb eines der Lagerhäuser und riss einen ganzen Teil davon in Stücke.

      Alexandra, die Hand noch nach vorne gerichtet, stand da wie eine Salzsäule. Es war zu offensichtlich, dass sie nicht mit den übernatürlichen Fähigkeiten ihres Gegenüber gerechnet hatte.
      Nicht weniger erstaunt war sie dann, als Nick die Waffe sinken ließ. „Im Grunde bin ich nur hier, um das zurückzuholen, was Sie gestohlen haben.“
      „Die Karten?“, fragte Alexandra und sah hinab zur Deckbox auf dem Boden. „Wieso?“
      „Ich weiß mehr als Sie denken. Über Sie, die Hüter-Artefakte … aber Sie wissen vielleicht noch viel mehr. Was genau sind Sie?“, wollte Nick mit einem Hauch Faszination in der Stimme wissen.
      Sein Herz klopfte vermutlich nicht weniger schnell als das ihre, hatte er zwar mit einem Angriff dieser Art gerechnet, doch ihn tatsächlich zu erleben war noch einmal etwas ganz anderes.
      „Eine Schatzjägerin, wenn du so willst.“ Beim Sprechen hob sie betont den Arm mit dem goldenen Handschuh hoch, dessen formlosen Windungen sich mindestens bis zu ihrem Ellbogen erstreckten.
      „Mit guten Kontakten, nehme ich an.“ Nick verfrachtete die Waffe hinter seinem Hosenbund.
      „Den besten“, nickte sie bestimmend. Ihre grünen Augen funkelten, als wären sie Smaragde, etwas, das der junge Mann noch bei niemandem sonst je wahrgenommen hatte. Sie setzte ein wissendes Lächeln auf. „Wenn du nicht zum Punkt kommst, dann übernehme ich das für dich: Wie wäre es mit einem Deal?“
      Sparkly spreizte die Flügel auf Nicks Schultern, doch sie sagte nichts. Nick wusste, dass sie ihm davon abraten wollte, aber diese Entscheidung war längst getroffen. „Deine Hilfe gegen …?“
      „Deine Hilfe. Und den Koffer“, hauchte sie und setzte ihren Fuß auf ebenjenen ab.
      „Hilfe wobei?“
      „Dasselbe könnte-“
      Doch Alexandra wurde unlängst vom Schrillen mehrerer Sirenen unterbrochen. Beide schreckten auf. Die Blonde fluchte. „Scheiße, der Wachmann hat die Bullen gerufen.“
      „War doch zu erwarten“, gab sich Nick gleichgültig. Und streckte ihr seine Hand aus. „Zurück zum Wesentlichen. Jemand mit Kontakten ist genau wonach ich suche. In Angesicht dessen kann ich über den Diebstahl wohl hinwegsehen. Also, wollen wir gegenseitig voneinander profitieren?“
      Sie lachte auf. Unterkühlt, mit einem Hauch Arroganz, aber gleichzeitig überrascht. Dann schlug sie ein.


      Turn 69 – Names To Cross Off
      Am nächsten Morgen erhält Anya völlig unerwartet ihr verloren geglaubtes Deck zurück. Doch die Wiedervereinigung mit Nick dauert nur kurz an, da dieser seinen eigenen Plänen nachzugehen gedenkt. Und auch Anya, die sich an Exas Worte zurückerinnert, kommt zu der Erkenntnis, dass es eine ganz besondere Liste gibt, die es abzuarbeiten gilt. Weshalb sie Melinda mit ganz bestimmten Absichten aufsucht. Womit sie jedoch nicht die Einzige ist …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Battlin' Boxer Headgeared
      Battlin' Boxer Rabbit Puncher
      Battlin' Boxer Big Bandage

      Ego Boost

      Forced Ceasefire
      Dimension Gate

      Gem-Knight Pearl

      Exa

      Satellarknight Unukalhai
      Satellarknight Vega
      Satellarknight Altair
      Satellarknight Alsahm

      Satellarknight Skybridge

      Mystical Refpanel

      Stellarknight Delteros

      Ricther

      Different Dimension Deity – Ubriq
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/0 DEF/3500 (10)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du die 10 obersten Karten deines Decks verdeckt verbannst, während du keine Monster kontrollierst. Du kannst keine anderen Monster außer diesem kontrollieren. Du kannst diese Karte als Tribut anbieten; füge deiner Hand 1 "Different Dimension Deity"-Monster von deinem Deck außer "Different Dimension Deity – Ubriq" hinzu.

      Different Dimension Deity – Vem
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/500 DEF/0 (10)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du die 10 obersten Karten deines Decks verdeckt verbannst, während du keine Monster kontrollierst. Du kannst keine anderen Monster außer diesem kontrollieren. Nur einmal während des Duells: Füge deinem Gegner Effektschaden in Höhe deiner verdeckt verbannten Karten x 100 zu. Einmal pro Zug, wenn einem Spieler Effektschaden zugefügt wurde: Erhöhe die ATK dieser Karte um die Summe des Effektschadens.

      Different Dimension Deity – Astellante
      Göttliches Ungeheuer/Göttlich/Effekt
      ATK/? DEF/? (10)
      Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen oder gesetzt werden. Muss von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du die 10 obersten Karten deines Decks verdeckt verbannst, während du keine Monster kontrollierst. Du kannst keine anderen Monster außer diesem kontrollieren. Die Grund-ATK und DEF dieser Karte entspricht der Anzahl an verdeckt verbannten Karten x 200.

      Dimensions Reach
      Zauber/Ausrüstung
      Ein mit dieser Karte ausgerüstetes Monster erhält ATK in Höhe der Anzahl an verdeckt verbannten Karten x 100 und fügt durchschlagenden Kampfschaden zu. Wenn das ausgerüstete Monster zerstört werden würde, kannst du diese Karte zerstören und 10 verdeckt verbannte Karten ins Deck ihres Besitzers zurückschicken. Wenn du diesen Effekt aktivierst: das ausgerüstete Monster kann bis zur End Phase nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden.

      Dimensions Disturbance
      Zauber/Normal
      Aktiviere nur, solange du 1 offenes "Different Dimension Deity"-Monster kontrollierst und mindestens 20 deiner Karten verdeckt verbannt sind: Verbanne die Karten auf der Hand deines Gegners bis zu seiner nächsten End Phase.

      Dimensions Divergence
      Zauber/Schnell
      Wenn mindestens 15 deiner Karten verdeckt verbannt sind: Wähle einen Spieler; bis zur End Phase wird jeder Kampf- und Effektschaden, den der gewählte Spieler erleidet, stattdessen seinem Gegner zugefügt und wenn der gewählte Spieler seine Life Points erhöhen würde, werden stattdessen die Life Points seines Gegners erhöht.

      ???

      unbekanntes Monster
      Stellarknight Zefraxciton
      Zefraxi, Treasure Of The Yang Zing
      Zefraniu, Secret Of The Yang Zing

      Divine Zefrasaber Ragnarök
      Zauber/Schnell
      Aktiviere diese Karte nur, wenn 1 deiner "Zefra"-Monster von deiner Hand, deiner Spielfeldseite oder deinem Friedhof durch einen gegnerischen Karteneffekt verbannt wird. Wähle eine Anzahl an Monstern auf dem Spielfeld als Ziel bis zur Anzahl deiner in diesem Zug verbannten "Zefra"-Monster als Ziel; verbanne die Ziele. Anschließend füge deinem Gegner Schaden in Höhe der Gesamtstufe deiner in diesem Zug verbannten "Zefra"-Monster x 400 zu. Du kannst die Effekte dieser Karte auch aktivieren, wenn sie zusammen mit deinen "Zefra"-Monstern verbannt wurde.


      Und?
      -Aska-

      Ich kann dann ja trotzdem schmunzeln, wenn ich irgendwann mal was lese, dass mir von den Dingen bekannt vorkommt, die du mir damals dazu erzählt hast. ^^

      Was Valeries Gefühlslage angeht, joa, werd ich. Oder sollte ich lieber sagen, bin ich. Höhö :D

      Allianzen bestehen oft aus dem geringeren Übel. Und in dem Fall wäre Anya in jedem Fall das geringste Übel, wenn man die jeweils anderen zwei Fraktionen sieht, oder? xD Aber im Endeffekt fand ich die potentiellen Kandidaten schon sehr klar abgegrenzt. Den Dämon konnte man ausschließen. Ricther und Exa hingegen hatten jeweils eigene Aspekte, die sie wahrscheinlich machten. Nur hat Anya andererseits auch kein wirkliches Talent, sich Verbündete zu suchen.


      Folge


      Das Setup zu dem Duell fand ich sehr interessant und spannend. Leider muss man eigentlich schon sagen war das Duell durch das aprupte Ende viel zu schnell zu Ende. Ich hätte da gerne mitverfolgt, wie es noch etwas länger angedauert hätte (so 1-2 Gesamtrunden). Aber dadurch wurde andererseits auch ein wenig deutlich, wie der Dämon damals gegen Kali gewonnen hat, da es durch Sophia damals eine ähnliche Situation wie hier gab mit dem Removen. Aber gerade das Ende war sehr stilvoll gehalten mit dem Effekt von Ragnarök.

      Mysteriös blieben aber alle drei Gegner Anyas, jeder auf seine Weise. Es gab immer noch keinen Hinweis auf die Motivation des Dämons, warum er Anya 'aufhalten' will. Aber da du ja selbst sagst, dass es der Gleiche wie bei Kali ist, dann muss man mutmaßen, dass die Kräfte, die er Kali gab, auch dazu dienen sollen, Anya zu bekämpfen. Hatte ja die Hoffnung, dass es zu einem Setup käme, wo beide gezwungenermaßen zusammenarbeiten müssen, obwohl die sich eigentlich an die Gurgel gehen wollten.
      Auch unbegründet blieb noch die gewandelte Haltung Ricthers, warum er Anya nun beschützt. Aber man kann zumindest als gesichert ansehen, dass es mit dem zu tun hat, was er damals bei Anya bemerkt hatte, und nicht aus dem Grund, dem ihm Exa nachsagte.
      Dessen Ziele sowie seine Rolle sind aktuell auch noch etwas nebulös. Aber man kann momentan wohl erwarten, dass er entweder selbst ein Hüter ist, oder unmittelbar mit diesen zu tun hat. Ansonsten aber ist und bleibt der Kerl ein dickes Rätsel. Jedoch seh ich bei den beiden, anders als Zanthe es momentan wohl fürchtet, einen Silberstreifen, dass die beiden nicht auf Dauer verfeindet sein müssten und eventuell ihre Differenzen überkommen können.

      Jedoch bin ich gespannt, wie sich das mit den Hütern erklärt, falls er einer ist. Hinter Exa steht ja Alessandro, wie Kyon Zanthe erzählt hat. Und den hat er nach eigener Aussage erst kürzlich aus dem Limbus geholt. Demnach wäre Exa entweder momentan sowas wie ein achter Hüter, oder der ehemals im Limbus eingesperrte Alessandro wurde in den Körper eines Hüters mit hinein verfrachtet. Was zumindest erklären würde, warum ich manchmal so verschiedene Eindrücke bei Exa hatte. Aber was es genau mit Exa auf sich hat, wirst du sicher noch zu gegebener Zeit enthüllen. Was auf jeden Fall für einen Hüter spräche, wäre auch das Schwert, dass er mit sich führt. Weil da werde ich immer an diese Trainingskampfszene von Anya mit Zanthe erinnert, wo das, was sie in ihrer Phantasie mit den Artefakten anstellte, gewisse Parallelen zu jenem aufweist.

      Die Stelle, die denk ich aber ein großes Augenmerk verdient, war wohl diese Sache, durch die sowohl Ricther als auch der Dämon in das Duell gezwungen wurden. Da steckt sicher auch viel mehr dahinter, als man jetzt annimmt. Aber unabhängig von der Ursache ist es eine schöne Argumentation in deinem Universum und für die Zukunft, warum es verstärkt Duelle und keine Kämpfe geben wird. Das ist ja sonst auch eine gewisse Problematik, warum sich ein "kampfstarker" Chara sich auch überhaupt auf ein Duell einlassen sollte, anstatt seinen Feind einfach niederzuknüppeln.

      Richtig düster und nahezu kompromisslos war dann hingegen die andere Hälfte der Folge mit Nicks Angriff auf Alexandra und den Mafioso. Es war zwar klar, dass es sich so entwickeln würde, da er ja jüngst schon angedeutet hat, alles was nötig ist zu machen, aber es aus erster Hand so jetzt zu lesen, das war etwas anderes. Aber das, was dadurch entstanden ist, scheint Einiges an Potential zu bieten. Denn nicht zuletzt hat er nun eine neue "Verbündete", die offensichtlich einige Infos und viel mehr WIssen über Übernatürliches und im Speziellen die Artefakte hat, was für Nick ein enormer Vorteil im weiteren Verlauf und eine große Hilfe sein dürfte.

      Wird auf jeden Fall interessant, wenn Nick und Anya weiterhin separate Pfade gehen werden. Im Endeffekt hast du dadurch zwei Handlungsstränge, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Und kann mich nicht erwehren, jetzt schon zu sagen, dass mir das mit sehr großer Wahrscheinlichkeit gefallen wird. Auch wenn ich gerade glaube, dass Nicks Handlung kurzfristig gesehen mehr Potential für die Gesamtentwicklung bietet als Anyas, weil die ihre Hüterliste ja nur langsam abarbeiten kann, und bis zu Claire wird es ja auch noch etwas dauern.

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Wie immer an dieser Stelle kommt zuerst der Dank an alle Leser. ^^

      @Evil Bakura
      Manchmal überlege ich schon, bestimmte Elemente zu übernehmen. Aber das Meiste davon passt einfach nicht so richtig. Aber wir lassen uns mal überraschen, gelle? xD

      Ich weiß, das Duell hätte ruhig länger sein können. Aber das hätte den Rahmen, den ich ihm dafür eingeräumt habe, leider gesprengt. Wobei ich trotzdem stolz drauf bin, es nicht in einem Draw geendet haben zu lassen, da das ja allzu oft nicht anders geht. Du kannst bei so einem Mid-Season-Duell ja schlecht den MC oder die anderen wichtigen Charaktere darin verlieren lassen.
      Jap, der Dämon hat im Endeffekt mit genau derselben Karte Kali besiegt. Nur war sie da kompakter in Szene gesetzt worden. xD

      Bei Exa ist die Frage nach seinen Zielen berechtigt. Wer weiß, vielleicht nutzt er Zanthe auch nur aus.
      Die Idee mit dem achten Hüter ist aber interessant. Mal sehen, wie weit sich das bewahrheiten wird. ^^

      Nach dieser Folge ist hoffentlich klar geworden, dass es tatsächlich eine omninöse "Regel" gibt, die es Anya ermöglicht hat, ein Duell zu erzwingen. Die Frage ist hier, welche Rolle Ricther und dessen Dimensionsabgrenzung dabei eine Rolle spielt. Und ob überhaupt.

      Joa, Nick und Anyas Storypfade werden sehr verschieden ausfallen, das kann ich soweit schon verraten. Er hat jetzt eine Verbündete an seiner Seite, die sich als sehr wertvoll herausstellen kann. Ihm ist natürlich bewusst, dass Alexandra ihre eigene Agenda hat. Von daher ist auch eine gewisse Vorsicht geboten.
      Wir waren uns ja einig, Anya treibt die Handlung voran, Nick den Plot. Ich denke, daran wird sich so schnell auch nichts ändern.

      Danke für deinen Post. ^^


      So, liebe Leute, eigentlich wollte ich erstmal 1-2 Monate Pause machen, aber bei näherer Betrachtung ist das dann doch nicht nötig. Die FF kommt gut voran. Also viel Spaß mit ...

      Turn 69 – Names To Cross Off
      Es war ein gewöhnlicher Mittwochmorgen, als Nick Harper seiner Freundin und Schwester Anya Bauer die Hand reichte. In dieser Hand befand sich eine kleine, schwarze Box. Für Außenstehende hatte sie keinerlei Bedeutung, doch Anya bedeutete sie die Welt. In ihr befanden sich nicht nur Karten, sondern auch Erinnerungen. Und als das Mädchen die Box entgegen nahm, schenkte sie Nick das, wonach er sein ganzes Leben gesucht hatte: Ein aufrichtiges, glückliches Lächeln.

      „Ich habe nachgesehen“, sagte der junge, zerzauste Mann, der seine Windjacke anbehalten hatte, „keine fehlt, zumindest keine von der ich weiß.“
      Anya, die aufrecht vor ihm neben dem runden Frühstückstisch stand, strahlte wie ein Honigkuchenpferd. „Danke.“
      Direkt neben ihr schnitt Zanthe seinen Pfannkuchen. „Ende gut, alles gut.“
      Und das Lächeln wich schlagartig aus Anyas Zügen. „Einen Teil des Satzes hat der Flohpelz vergessen. Diebin tot?“
      „Nein. Sie ist entkommen. Aber sie wird es nicht nochmal versuchen, davon bin ich überzeugt.“
      „Wo ist sie?“, verlangte Anya zu wissen und rückte Nick so nah auf die Pelle, dass sie aufsehen und den Popel in seinem linken Nasenloch sehen konnte. „Ich will Vergeltung!“
      „Ich weiß es nicht, sie hat ihr Smartphone weggeschmissen, also kann ich sie nicht mehr orten.“
      Matt, der Zanthe gegenüber saß, mischte sich ein: „Willst du es nicht gut sein lassen?“
      Wie ein verschrecktes Huhn riss er den Kopf in den Nacken, als Anya den ihren zu ihm herum ruckte. „Im Ernst, Summers!? Nach allem, was ich wegen ihr durchmachen musste!?“
      „Ja, die vielen Duelle, die du mit einem geliehenen Deck besser bestritten hast, als du es vermutlich mit deinem eigenen getan hättest. Das Deck des Mannes, der dich eiskalt abserviert hat und dessen Existenz du es indirekt verdankst, dass ihr euch wieder vertragen habt“, murmelte Zanthe schnippisch vor sich hin, „ganz zu schweigen von deiner Qualifikation fürs Halbfinale. Böse Diebin, wirklich …“
      „Schnauze, Flohpelz!“
      „Ich mein ja bloß. Und übrigens, wenn selbst die Rückkehr deines Decks dich nur für magere fünf Sekunden glücklich macht, dann bedaure ich den armen Tropf, der eines Tages für deine Orgasmen zuständig ist.“
      Matts Messer fiel laut klimpernd auf den Teller. Es war mucksmäuschenstill im Restaurant des Ephemeria Grand Hotels. Und auch wenn Zanthe spürte, wie alle Blicke auf ihn gerichtet waren, aß er doch mit regelrechtem Genuss weiter, als wäre nichts geschehen. Was sowieso seine neue Strategie zu sein schien.

      Nick räusperte sich und drehte Anya an den Schultern in seine Richtung, versuchte ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, ehe ein tragisches, bewusst provoziertes Unglück geschah.
      „Hey, ich würde gerne noch länger bleiben, aber ich muss zurück nach Livington.“
      Anya sah ihn abwesend an. Ihr Gehirn hatte offensichtlich noch nicht rebootet, wahrscheinlich hatte es sich am Input 'Orgasmus' aufgehangen.
      „Das Projekt geht langsam in die nächste Phase über und die brauchen mich dort. Sollte es also irgendetwas geben, wobei ich dir helfen kann …“
      „So wie den Werwolf umbringen?“, fragte Anya in einem völlig untypischen, zuckersüßen Tonfall und tastete nebenbei den Tisch nach einem Messer ab. Was Nick unterband, indem er ihre Hand schnell in die seine nahm.
      „Ich meinte eher Geld oder andere …“
      „Geld für eine Waffe ist auch gut.“
      „Keine Waffe!“ Nick seufzte. „Wenn ich etwas für dich tun kann, was ich später nicht bereuen muss, sag es mir am besten jetzt.“
      Als sie ihn immer noch ansah, halb in Trance, welche eigentlich nur die tatsächliche Mordlust verbarg, richtete sich Nick tonlos an Matt. „Oder falls ihr etwas braucht …“
      „Kennst du gute Bestattungsunternehmen?“, fragte der scherzhaft und nickte zu Zanthe herüber.
      Sofort wurde er deutlich daran erinnert, dass Nick ihn nicht leiden konnte. „Nein. Also, Anya, kann ich dich ruhigen Gewissens mit den beiden alleine lassen?“
      Sie zuckte förmlich zusammen, ihr Blick wurde schlagartig klar. „Ja, kein Problem. Dieses Turnier hab ich so gut wie in der Tasche, jetzt wo ich meine Karten zurück habe.“
      Nicht vollständig überzeugt, nickte der zerzauste, junge Mann und sah die Drei der Reihe nach an. „Also dann, viel Erfolg. Meldet euch hin und wieder, ich will auf dem Laufenden bleiben.“
      „Ganz sicher ...“, raunte Matt mürrisch und nahm das Messer von seinem Teller wieder auf, um sein Brötchen zu beschmieren.
      Zu guter Letzt legte Nick noch einmal die Hand auf Anyas Schulter. „Pass auf dich auf, okay?“
      Mit fettem Grinsen im Gesicht, deutete sie mit dem Daumen auf ihre Brust. „Ich bin Anya Bauer. Aufpassen müssen nur die anderen.“

      Das gesagt, verabschiedete Nick sich und schritt von dannen. Er wusste bereits, dass er keine drei Schritte getan haben würde, bis seine Schwester explodierte. Das Klimpern von Besteck war zu hören und wie dieses mit voller Wucht in einen Teller gerammt wurde, sodass dieser zerbrach. Das Knacken deutete daraufhin, dass besagtes Messer – etwas anderes konnte es nicht sein – glatt durch
      den Tisch gejagt wurde. Die entsetzten Schreie eines Werwolfs erklangen, als eine Furie sich auf seinen Schoß schwang und würgte. Der Knall eines nach hinten gefallenen Stuhls rundete den Vorfall schließlich ab, welcher am nächsten Tag für Schlagzeilen sorgen würde.

      Und als Nick Harper das Restaurant verließ und in der Lobby des Hotels angelangte, wartete bereits eine Alexandra Russo auf ihn, die erstaunt die Augenbrauen angehoben hatte.
      „Ignorier' den Krach“, sagte er ihr friedlich, als sie nebeneinander zum Ausgang schritten.
      „Solltest du sie wirklich allein lassen? Das sah böse aus, wie sie versucht hat, ihm mit der Gabel die Nase auszureißen“, fragte die Blonde verunsichert, welche ihre Augen hinter einer Sonnenbrille verbarg.
      „Der kann das ab.“
      Seine Gefährtin zog ihre beige Jacke enger um sich, als sie in die Drehtür eintraten. „Deine Freunde sind unheimlich und das sagt jemand, dem schon viele unheimliche Personen begegnet sind.“
      Nick sah sie von der Seite her künstlich lächelnd an. „Und ich bin darunter die schlimmste.“
      Sie rümpfte die Nase. „Zweifelsohne. Und jetzt?“
      „Nutzen wir deine Beziehungen aus. Die der unheimlichen Sorte.“
      Zusammen traten sie auf die Straße, wo Nick sich erst einmal streckte und tief durchatmete. Der Tag hatte wirklich gut begonnen, also sprach nichts gegen ein paar 'Unterhaltungen'.

      ~-~-~

      Wenig später, Nick und Alexandra waren schon fort, fanden sich Anya, Matt und Zanthe vor dem Eingang des Restaurants neben ihrem Hotel wieder.
      „Großartig“, schnaubte Zanthe und hielt Anya sein in der Mitte durchgerissenes Kopftuch vor die Nase, „sieh' es als Metapher unseres Rufes an.“
      Sein schwarzes Haar war durcheinander, genauso wie Anyas blondes. Nur noch einzelne Strähnen ihres Pferdeschwanzes wurden von Haargummi gehalten, der Rest stand kreuz und quer ab. Matt, der einzig unversehrt Gebliebene von ihnen, merkte betrübt an: „Ich glaube, da brauchen wir uns jetzt nicht mehr blicken lassen.“
      „Mir doch egal!“, stampfte Anya wütend auf.
      „Mir aber nicht!“, donnerte Matt unerwartet zurück. „Was zum Henker ist los mit euch!?“
      Keiner bemerkte, dass die Leute hinter der Fensterfassade sie in einer Mischung aus Furcht und Neugier beobachteten.

      Abwechselnd starrte er die beiden auffordernd an, besonders die Blonde, da er zumindest bei ihr wusste, wo ihr Frust begraben lag. Dementsprechend harsch richtete er seine Worte an sie: „Sag ihm, was dir auf der Seele liegt, sonst müssen wir uns irgendwann noch nach einem neuen Schlafplatz umsehen!“
      Wie man es aber von Anya erwarten konnte, verzog die nur die Lippen. „Ich habe nichts zu sagen!“
      „Und du?“, wandte sich Matt an den Werwolf, der mit der Hand sein Haar glatt zu streichen versuchte. Ihm fiel auf, dass dieser ungewöhnlich blass wirkte.
      „Dito.“
      „Anya“, wirbelte Matt wieder scharf zu ihr herum und machte ihr mit einer nickenden Kopfbewegung mehr als deutlich, wer den ersten Schritt zu machen hatte.

      Frustriert seufzend ließ jene sich auf einen der leeren Stühle fallen, da sich hinter ihnen mehrere Tische befanden, die von Schirmen vor der grellen Sonne geschützt wurden. Auch hier gab es Gäste, die den Streit drinnen wie draußen gespannt verfolgten. Und es war Anya auch egal, dass an diesem, -ihrem- Tisch bereits ein älteres Ehepaars saß, das verschreckt die Augen weitete.
      „Können -wir- nicht mal wieder etwas zusammen unternehmen?“, fragte sie an Zanthe gewandt.
      „Wieso? Wir haben doch eben gefrühstückt.“
      „Ich meinte etwas Richtiges. Wo man Spaß hat. Nicht, dass mir das eben keinen Spaß gemacht hat, aber …“
      Matt, der schon kommen sah, wie dieses Gespräch ohne 'Leitung' verlaufen würde, sprach aus, wofür Anya noch mindestens eine halbe Stunde brauchen würde. „Uns ist aufgefallen, dass du dich immer mehr zurückziehst. Wir machen uns Sorgen um dich, insbesondere Anya.“
      Für einen Moment verloren sich Zanthes grimmige Gesichtszüge. Dann lächelte er gutmütig. „Braucht ihr nicht. Mir geht es gut.“
      „Wann hast du das letzte Mal … du weißt schon?“, fragte Matt ernst. „Du bist schneeweiß.“
      „Hört zu. Es gibt da jemandem, dem ich helfen muss. Und er hilft im Gegenzug mir“, versuchte Zanthe seine Freundschaft mit Exa zu umschreiben.
      Anya lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Warum treffen wir uns dann nicht zusammen, huh? Ist ja schön, dass du auch andere Freunde hast, aber scheiße, vergiss uns dabei nicht!“
      Für einen kurzen Moment wandte Zanthe den Blick ab, suchte nach den passenden Worten. „Es ist kompliziert. Ohne mich ist er … gewissermaßen verloren. Ich bringe ihm Duel Monsters bei, damit er sich etwas Geld in Untergrund-Duellen verdienen kann.“
      Als er sich wieder Anya zudrehte und die entsetzten Blicke der beiden Senioren bemerkte, fügte er noch bestimmend hinzu: „Das haben Sie nicht gehört!“
      „Warum helfen wir ihm dann nicht gemeinsam?“, fragte Anya voller Unverständnis.
      „Das geht nicht!“
      „Warum!?“
      Zanthe schnappte zurück: „Weil er es so will und das muss ich respektieren! Und nebenbei bemerkt, ich bin gleich mit ihm verabredet. Also bis dann!“
      Der Schwarzhaarige nutzte die Gelegenheit und ließ die verdutzte Anya einfach sitzen, rauschte quer über die Straße und wäre dabei fast noch angefahren worden.

      Völlig unfähig, seinen Ausbruch zu verarbeiten, saß Anya mit geweiteten Augen da. Matt stellte sich neben sie und sah dem Werwolf hinterher, der die andere Straßenseite erreichte. „Wow. Willst du ihm nach?“
      „Tch“, zischte das Mädchen, wieder zu Sinnen kommend, „der würde sofort bemerken, wenn wir ihm folgen.“
      „Ja, würde er. Wirklich schlauer sind wir nicht geworden. Wobei die Sache mit den Untergrund-Duellen nicht gerade gut klingt. Und meine Frage hat er glatt ignoriert.“
      Anya sprang auf. „Mir doch egal. Wenn er meint, dann soll er doch! Pft!“
      Kurzerhand schnappte sie sich das Stück Kuchen, das auf dem Teller ihres Tischnachbarn lag, und warf ihm einen eisigen Blick zu, der in etwa sagte: „Ich brauch das jetzt, wenn dir das nicht passt, können wir das gerne in einem Zweikampf klären! Keine Waffen, nur Fäuste!“
      Sich das ganze Stück mit einem Mal in den Rachen schiebend, stampfte Anya in die von Zanthe entgegengesetzte Richtung davon. Was sagte dieser blonde Weirdo von neulich doch gleich? Sie solle ihre letzten Tage genießen. Und genau das würde sie jetzt auch tun!
      „Wo willst du hin?“, rief Matt ihr hinterher.
      Anya schluckte erst hinunter, ehe sie erwiderte: „Es wird Zeit, endlich meine „Pitchest Black“-Liste abzuarbeiten. Ich muss mich jetzt nämlich dringend abreagieren! Und frag gar nicht erst, das ist ein Geheimnis!“
      Sprachs und ließ Matt einfach so stehen. Der warf dem älteren Ehepaar einen um Entschuldigung bittenden Blick zu, die ihm ihrerseits mit versteinerten Minen sehr deutlich machten, dass seine Anwesenheit keine Sekunde länger toleriert wurde.
      „Und was soll ich jetzt machen?“, fragte er verloren vor sich hin. Anya würde ihn auf der Stelle umbringen, wenn er ihr hinterher rannte. Zumal er gar nicht wissen wollte, was diese Liste genau war …

      ~-~-~

      Etwa eine halbe Stunde später hielt ein Taxi vor dem Anwesen an, in dem die Eröffnungsveranstaltung des Legacy Cups stattgefunden hatte. Von der Fahrerseite stieg niemand Geringeres als Anya aus, wirbelte einmal um den Wagen und riss die Tür des Beifahrers auf.
      „Wir sind da!“
      Völlig verängstigt kauerte dort ein schwarzer Mann mittleren Alters und wagte es nicht einmal, seine Chauffeurin nur anzusehen. Stattdessen schlug er die Hände über dem Kopf zusammen und das in einer Haltung, die stark an die eines Fötus im Mutterleib erinnerte.
      „Man, das habe ich echt mal gebraucht“, schwärmte Anya von der Fahrt, „oh und keine Sorge, die Cops haben wir abgehängt, als wir uns im U-Bahn-Schacht versteckt haben.“
      Was dem Mann ein entgeistertes Quieken unterdrückter Erinnerungen entlockte.
      „Also“, raunte Anya und hielt ihm die offene Handfläche vor die Nase, „das macht dann 100$.“
      Prompt hatte sie gleich die ganze Brieftasche des eigentlichen Taxifahrers in der Hand, welcher sich schnell auf den Fahrersitz schob, schreiend aufs Gaspedal trat und mit Vollgas das Weite suchte.
      „Das wär' doch nicht nötig gewesen“, rief Anya ihm hinterher, mit der Geldbörse winkend.

      Anya Bauer, dir ist doch klar, dass du ihm die zurückgeben wirst, oder? … Aber um seiner eigenen, mentalen Sicherheit Willen gib sie bitte in einem Fundbüro ab. Ich glaube nämlich nicht, dass sein Herz noch einer Begegnung mit dir standhalten wird.

      „Ich sollte echt überlegen, das beruflich zu machen“, stellte Anya zufrieden mit sich selbst fest und stopfte sich das gute Stück in die hintere Hosentasche ihrer Jeans.

      Melinda ist also die Nächste auf deiner 'Pitchest Black'-Liste?

      Anya trat zu dem hohen Tor mit der Freisprechanlage heran. Sie erinnerte sich noch, wie sie sich beim letzten Besuch über die Spitzen des zwei Meter hohen, schwarzen Zauns hinweg geschwungen hatte. Sie war schon im Begriff, eine der speerartigen Zaunlatten zu packen, da hallte es in ihrem Kopf:

      Nein. Du benutzt die Tür.


      „Da komme ich aber nicht rüber?“, erwiderte Anya verwundert.

      Ich bitte dich, genug Straftaten für einen Tag! Denk dran, die Presse hat ein Auge auf dich geworfen! Du klingelst gefälligst!

      Missmutig ließ Anya vom Zaun ab und machte einen Schritt zur Freisprechanlage. „Schon gut …“
      Nachdem sie geklingelt hatte, hallte eine irgendwie vertraute, männliche Stimme freundlich zu ihr. „Ja bitte?“
      „Den kenn' ich doch. Hank?“, erinnerte sich Anya an den dicklichen Wachmann.
      „Ja. Wer spricht da?“
      „Ich bin's, Anya Bauer, Schnöselschw- Melindas Freundin von neulich. Die, die ihr Deck verloren hat. Ist sie da?“
      Hank lachte. „Du bist das. Ja, Miss Ford befindet sich derzeit im Garten. Warte, ich mache dir auf.“
      Kurzerhand schwang das Flügeltor auf und Anya konnte passieren. Sie schritt eilends vorbei an den Blumenfeldern, direkt auf das Anwesen mit seinen Bogensäulen zu. Gerade erreichte sie den Eingang, da tauchte der Mann in Blau mit der Halbglatze zu ihrer Linken auf. Dabei hielt er ein Smartphone an sein Ohr. „Ja, sie steht gerade vor mir. Okay, Melly, sag ich ihr.“
      Dann legte er auf. „Sie wartet auf dich, hinten beim Eingang des Parks.“
      „Cool, danke“, erwiderte Anya.

      Siehst du, wie einfach man mit ein wenig Freundlichkeit bekommt, was man will?

      „Beängstigend“, schnarrte Anya leise, während sie dem untersetzten Mann ins Anwesen folgte.
      Er führte sie durch den leeren Ballsaal zu einer Terrasse nach draußen, wo Melinda bereits auf sie wartete.

      Geradezu euphorisch stürmte der Rotschopf auf sie zu. In einer himmelblauen Stoffhose und weißer Bluse steckend, fiel das ältere der Ford-Geschwister Anya um den Hals. „Wie schön dich zu sehen!“
      Vor Freude strahlend, schob sie Anya ein Stück weit an den Armen von sich weg, um sie zu betrachten. Die starrte mit weit geöffneten Augen zurück. „Hi, Schnöselschwester … Lässt du mich freiwillig los, oder muss ich dir erst ein paar Knochen brechen?“
      Sofort kam Melinda der eindeutigen Aufforderung nach. „'tschuldige.“
      „Hast du gekokst, dass du so gut drauf bist?“, fragte Anya unverblümt wie immer.
      „Nein, ich nehme keine Drogen mehr, seit ich 25 bin“, winkte die ab und deutete mit ausgestreckter Handfläche an, dass ihre Freundin ihr bitte folgen möge.
      Sie nahmen ein paar Stufen der Marmorterrasse herab und hielten auf die riesige Parkanlage zu. Von hier aus sahen die Hecken, die die Außenlinien beschrieben, gar nicht so hoch aus. In der Mitte der Wiese befand sich ein großer Springbrunnen, umgeben von vier Statuen von Reitern, allesamt auf das Wasserspiel gerichtet.
      „So lange kann das noch nicht her sein, oder?“, fragte Anya verspätet auf die etwas seltsame Antwort der Rothaarigen.
      Die winkte ab. „Ich verarsch' dich doch bloß. Darf ich mich nicht freuen, dass du mich besuchst?“

      Normale Menschen freuen sich nicht darüber. Sag ihr das, Anya Bauer.

      „Kommt drauf an? Du weißt, dass ich nur komme, wenn ich etwas von dir will, oder?“
      Die beiden liefen einen Kiesweg am Rande der Anlage entlang. Melinda reagierte gar nicht auf Anyas Frage, sodass diese ungehalten wurde. „Willst du gar nicht wissen, was es ist?“
      Mit einem Schlag blieb ihre Freundin stehen und wirbelte zu ihr herum. „Ganz egal, was es ist, mir ist so verdammt langweilig, also sag einfach Hü und ich sag Hott! Immer nur Papierkram, Anrufe von Investoren, Gespräche mit Reportern … ich dreh langsam durch!“
      Anya zog eine Augenbraue an, was nicht unerheblich an ihrem angezogenen Sprechtempo lag. „Ich dachte, dir macht dieser Kram Spaß?“
      „Ist ja auch so. Aber ich brauche eine Pause, etwas Abwechslung! Ich hab mich schon so gefreut, als … egal, jetzt sag, warum bist -du- hier?“
      Erwartungsvoll wurde die Blonde angesehen. Die hielt sich gewohnt knapp. „Ich will 'ne Revanche. Außerdem … will ich lernen, wie man gegen Pendel kämpft. Ihr habt die Scheiße jetzt auf den Markt geschmissen und ich fürchte, irgendwann kommt der Tag, an dem ich dagegen ran muss. Dann würde ich gerne gleich wissen, womit ich es zu tun habe.“

      Das ist so erstaunlich voraussehend, ich glaube, mir kommen glatt die Tränen. Wie du dein eines selbstsüchtiges Anliegen mit diesem unerwarteten zweiten verbunden hast, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob Melinda Ford überhaupt Zeit dafür opfern kann. … zu schade, dass ich nicht weinen kann.

      Anya wollte das -wirklich- kommentieren, aber als sie sah, wie in Melindas Gesicht förmlich die Sonne aufging, tat sie es jener stattdessen einfach gleich. Melinda Fords Name würde noch heute von der 'Pitchest Black'-Liste gestrichen werden.
      Der Liste, auf der der Name eines jeden stand, den sie einmal in einem Duell besiegen musste.

      „Natürlich helfe ich dir!“, sprach Melinda aufgeregt, „Komm, ich zeig dir was!“
      Sie führte sie über den Kiesweg zum hinteren Teil der Anlage. Und Anya musste bei dessen Anblick staunen. So hohe Hecken hatte sie noch nirgendwo gesehen, an die drei Meter mussten sie mittlerweile erreicht haben. Die waren ihr gar nicht aufgefallen. Angeordnet in einem Quadrat, gab es zu jeder Himmelsrichtung in der Mitte eine große Öffnung, durch die man ins Innere des abgegrenzten Gebiets gelang.
      „Insgesamt ist die Fläche innerhalb der Hecke fünfundzwanzig mal fünfundzwanzig Meter groß, also mehr als 600 Quadratmeter.“
      Das Mädchen neben ihr runzelte die Stirn beim Anblick dessen, was sich hier befand. Nämlich nichts außer einer Rasenfläche. „Und wozu das Ganze?“
      Mit einem Ruck streckte die Rothaarige ihre Arme aus und tänzelte einmal um die eigene Achse vorwärts, dann rückwärts, als schwebe sie auf einer Wolke. Einige Schritte von Anya entfernt, wandte sie sich ihr grinsend zu. „Eines Tages soll hier ein Labyrinth gepflanzt werden. Aber bis alles fertig ist, dauert es noch Jahre. Ich hoffe, irgendwann mit meinen Kindern hier durchlaufen zu können.“
      „Du hast Kinder!?“, fiel Anya aus allen Wolken.
      „Nein, Dummerchen. Aber irgendwann möchte ich welche haben. Am besten zwei Jungen und zwei Mädchen“, schwärmte die Ältere, blinzelte jedoch verwundert, als sie Anyas verstörten Gesichtsausdruck bemerkte, „hast du noch nie daran gedacht, wie es ist, Mutter zu werden?“
      Anya schüttelte mechanisch mit dem Kopf.

      Und wir sind dir auch sehr dankbar dafür.

      „Das kommt noch.“
      „Wir beenden dieses Gespräch auf der Stelle“, forderte Anya und streckte panisch den Arm nach vorne, an dem sich ihr D-Pad befand – das schwarze von Logan wohlgemerkt! „Lass uns lieber das tun, wofür ich hergekommen bin. Nicht, dass ich am Ende noch Ausschlag vom bloßen Gedanken an … wusstest du eigentlich, dass ich Kinder hasse? So richtig? Nein? Dann weißt du's jetzt!“

      Das beruht ganz gewiss auf Gegenseitigkeit.

      Melinda nahm noch ein paar Schritte zurück, bestückte ihren Arm jedoch bereits mit ihrem eigenen D-Pad, der roten Hausmarke. „Irgendwann siehst du das sicher anders. Aber du hast Recht, wir sollten jetzt erstmal zusehen, unser eigenes Kind auszuleben. Und glaub mir: Darin bin ich besser als du denkst.“
      „Wehe wenn nicht“, murrte Anya mit dem Anflug eines Grinsens, „nochmal lasse ich dir eine Performance wie auf dieser dämlichen Party nicht durchgehen.“

      Während die beiden sich gegenseitig anheizten, näherte sich noch eine weitere Person dem leeren Heckenlabyrinth. Melinda bemerkte sie, doch wurde durch die Geste eines Zeigefingers auf der Lippe des Neuankömmlings zum Schweigen aufgefordert. Dann verschwand jener hinter der Hecke.

      „Duell!“, rief Anya deshalb alleine, da Melinda etwas verloren an ihr vorbei starrte.

      [Anya: 4000LP / Melinda: 4000LP]

      „Ich fange-“
      „-nicht an“, kam der Rotschopf Anya nur einen Moment später frech in die Quere und schob schnell eine Zauberkarte in ihr D-Pad. „Nimm's mir nicht übel.“
      Der missmutigen Fratze ihrer Gegnerin zu urteilen, nahm jene ihr es durchaus übel. Doch das störte Melinda nicht, im Gegenteil, sie streckte Anya frech die Zunge heraus. Dann sagte sie: „Tja, da du das letzte Mal so enttäuscht von den Performapals warst, müssen wir einige Änderungen an der Besetzung vornehmen.“
      Die Zauberkarte stellte sich aufrecht vor ihr auf. Das ältere der Ford-Geschwister nahm drei ihrer vier Handkarten und zeigte sie Anya. Es waren [Performapal Hip Hippo], [Performapal Skimmer Skeeter] und [Performapal Sword Fish].
      „Das erreiche ich durch [Performapal Recasting]. Sie schickt beliebig viele meiner Freunde ins Deck zurück, um mich dann genauso oft und einmal mehr aufziehen zu lassen. Also viermal insgesamt.“
      Die Gestalten eines rosa Nilpferds mit Zylinder, eines überdimensionierten Wasserläufers und eines Fischs mit der Frisur eines Schwertes tauchten vor Melinda auf, nur um hinter einem roten Vorhang wieder zu verschwinden. Jene zog auf fünf Handkarten auf und grinste. „Na, das hätte besser ja gar nicht laufen können. Du willst also lernen, gegen Pendelmonster zu kämpfen?“
      „Ach, das hast du auch endlich kapiert? Glückwunsch!“, zischte Anya zynisch.
      „Dann werde ich mich gar nicht erst mit langen Erklärungen aufhalten“, störte sich Melinda nicht an der kratzbürstigen Ader ihrer Freundin. Stattdessen nahm sie zwei Karten aus ihrem Blatt und legte sie ganz auf die äußersten Randzonen ihres D-Pads. „Ich aktiviere [Performapal Pendulum Sorcerer] mit dem Pendelbereich 2 und [Performapal Lizardraw] mit dem Pendelbereich 6! Pendulum Scales Set!“
      Zwei blaue Lichtsäulen schossen links und rechts neben Melinda aus dem Boden. In der einen befand sich ein Zirkusmagier in rotem Mantel, welcher ein an einen Traumfänger erinnerndes Pendel vor sich ausschwingen ließ. Dagegen tauchte in der von der Rothaarigen aus rechten eine orangefarbene, aufrecht stehende Echse auf, die in einem Dompteurkostüm steckte, dessen Kragen aus Duel-Monsters-Karten bestand.
      „Die sind immer noch genauso lächerlich wie letztes Mal“, meckerte Anya, während beide Monster in die Höhe stiegen.

      <2> Melindas Pendelbereich <6>

      „Pendulum Summon!“, rief Melinda diese jedoch mit nach oben gestrecktem Arm aus.
      Ein Portal öffnete sich weit über ihr, umschlungen von dutzenden Lichtellipsen. Zwei rote Lichtstrahlen schossen daraus nach unten, direkt vor die Füße des Mädchens. „[Performapal Silver Claw], [Performapal Camelump], los!“
      Jene gewannen vor ihr die Formen eines silbergrauen Wolfes mit gepunkteter Fliege um den Hals und eines gelben Kamels mit Melone auf dem Kopf, während der Rotschopf beider Karten auf das rote D-Pad legte.

      Performapal Silver Claw [ATK/1800 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/800 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]

      „Das ist -auch- noch genauso langweilig wie letztes Mal!“, beschwerte sich Anya ungeduldig.
      Melinda nahm ihre letzte Karte und legte sie in das D-Pad ein. „Ich habe dir letztes Mal eine Menge Spaß versprochen, aber mich nicht daran gehalten. Diesmal wird das anders laufen, glaub mir.“
      Die gesetzte Karte materialisierte sich zischend vor ihren Füßen. Honigsüß zwinkerte der Rotschopf ihr zu: „Du bist dran.“

      „Draw!“, raunte Anya grimmig und zog auf eine sechste Handkarte auf. Dann hielt sie mit den Karten zwischen den Fingern geklemmt ihrer Gegnerin sozusagen die Pistole in Form ihrer Hand vor die Nase. „Das hoffe ich auch für dich, Schnöselschwester! Was ihr für mich getan habt war echt cool, aber wenn du nicht 200% gibst, geb' ich dir für jedes fehlende Prozent eine Nackenklatsche!“
      Melinda streckte ihr kess die Zunge raus. Was Anyas Mimik sofort aufhellte. Genau so wollte sie ihre Gegnerin, unnachgiebig und gefälligst besser als sie selbst!
      „Sieh' her, das habe ich eine verdammt lange Zeit nicht mehr gemacht“, verlangte Anya dann und riss eine Zauberkarte aus ihrem Blatt, „ich aktiviere [Gem-Knight Fusion]!“
      Über ihr entstand ein Sog, in den aus allen Richtungen aus dem Nichts auftauchende Edelsteine gezogen wurden.
      Der Rotschopf machte zunächst große Augen, dann klatschte sie fröhlich in die Hand. „Du hast es wieder!“
      „Das ist kein Grund zur Freude, nicht für dich! Ich verschmelze [Gem-Knight Iolite] und [Gem-Knight Lazuli] von meiner Hand!“
      Zunächst tauchte ein in Hellblau gerüsteter Ritter über Anya auf, welcher eine Wasserklinge schwang, danach eine lehmfarbene Kriegerin, von deren Helm zwei lange Stoffbänder herabhingen. Beide wurden in den Strom gezogen, aus dem im Anschluss ein heller Blitz drang.
      „Fusion! Erscheine, [Gem-Knight Amethyst]!“, donnerte Anya.
      Aus dem Vortex heraus sprang ein violetter Ritter, welcher sich mit einem kreisrunden Schild und einer Armklinge wappnete, beide komplett aus Eis.

      Gem-Knight Amethyst [ATK/1950 DEF/2450 (7)]

      Anya zeigte indes schon die Karte von [Gem-Knight Iolite] vor. „Weißt du, was praktisch ist? [Gem-Knight Lazulis] Effekt. Wenn sie auf dem Friedhof landet, bekomme ich von dort ein normales Monster wieder.“
      „Und da Iolite ein Zwillingsmonster ist und diese auf dem Friedhof als normale Monster behandelt werden, funktioniert deine Kombo wunderbar“, erklärte Melinda das Ganze aus für Anya nicht nachvollziehbaren Gründen.
      Daher schnarrte die auch: „Das weiß ich selbst.“
      „Ich wollte nur sichergehen“, erwiderte ihre Gegnerin und zwinkerte dabei den unerwarteten Zuschauer zu, der zur Hälfte von der Hecke hinter Anya verborgen lag.
      „Und ich geh sicher, dass ich dich fertig mache! Effekt von meinem Extradeck!“, bellte Anya und nahm ihr Deck auf, zeigte daraus eine ganz bestimmte Karte hervor. „Indem ich ein Licht-Monster von meinem Deck auf den Friedhof sende, kann ich es als Empfänger auf eines meiner Monster auf dem Feld abstimmen!“
      Vor ihr tauchte ein braunes Fellknäuel auf, dessen Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt lagen. Sein graues Cape flatterte unstet umher, obwohl es windstill war.
      „Stufe 1 [Kuriboss] auf Stufe 7 [Gem-Knight Amethyst]!“, rief Anya aus.
      Der Anführer der Kuriboh-Familie stieg meterweit in die Höhe und zersprang in einen transparenten, grünen Lichtring, der wiederum als goldener feste Form annahm, Vier schneeweiße Engelsschwingen spreizten sich von diesem.
      „From the light of a different world, the herald of starlight descends upon the ravaged land! By discarding a single star, I call upon you!“
      Amethyst zerplatzte in sieben grüne Lichtkugeln, die in einer Reihe durch die wässrige Oberfläche innerhalb des goldenen Rings schossen und verschwanden.
      „Synchro Summon! Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      In dem Moment schoss ein greller Lichtblitz aus dem Gebilde hervor. Und im Anschluss zur Mitte des Feldes ein weißer, schlangenhafter Körper. Um den Kopf des Drachen befand sich ein goldenes Kragengestell, welches ihn wie eine Kobra aussehen ließ. Gleichzeitig verließ auch ein weißer Schweif nach hinten weg den goldenen Ring, bis die beiden Körperhälften perfekt aneinander passten. Kaum vollendet, stieß Angel Wing ein majestätisches Gebrüll aus.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Plötzlich fror vor Anya das Gras ein. Der Effekt bewegte sich rasend schnell auf Melinda zu, die nur noch erstaunt schauen konnte, als ihre gesetzte Karte ebenfalls mit Eis überzogen wurde und zersprang.
      „Das ist der Effekt von [Gem-Knight Amethyst], wenn er auf den Friedhof geschickt wird. Dann gibt er alle gesetzten Backrow-Karten meines Gegners auf dessen Hand zurück.“
      „Oh! Deshalb hast du dich für ihn entschieden, guter Plan!“, lobte Melinda und nahm ihre Falle aus dem entsprechenden Slot zurück aufs bis dato nicht existierende Blatt.
      Anya grinste keck. „Hör auf zu schleimen, Schnöselschwester! Oder eher, heb' dir das für später auf. Ich verbanne [Gem-Knight Lazuli] von meinem Friedhof, wodurch ich [Gem-Knight Fusion] recyceln kann!“
      Erstgenannte landete prompt in Anyas Hosentasche, wohingegen sie ihre zurückgewonnene Zauberkarte zusammen mit zwei Monstern vorzeigte. „Zeit für noch eine Fusion! Ich verschmelze [Gem-Knight Garnet] und [Gem-Knight Iolite] von meiner Hand!“
      Erneut öffnete sich zwischen ihr und Angel Wing ein wirbelnder Edelsteinstrom, welcher einen in bronzener Rüstung steckenden Ritter und den Wasserkrieger Iolite in sich aufnahm.
      „Fusion Summon!“, schrie Anya förmlich. „Gib alles, [Gem-Knight Ruby]!“
      Grelle Funken schlugen aus dem Vortex, welcher einen roten Ritter in blauem Umhang ausspuckte. Jener landete mit einem Satz vor Anya und wirbelte stolz mit seiner Lanze in der Hand, welche er in einer gekonnten Bewegung auf Melinda und ihre beiden Monster richtete.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]

      Die heimliche Zuschauerin, die all dies hinter ihrem Versteck beobachtete, sprach leise vor sich hin: „Kein Beschwörungsspruch? Aber du hast doch sonst …“
      Valerie Redfields Züge gewannen etwas Sorgenvolles. Die junge Frau, gekleidet in schwarzen Overknee-Stiefeln, einem brauen Rock und cremefarbenem, ärmellosen Top, musste zum zweiten Mal an diesem Tag staunen. Zuerst forderte ausgerechnet Anya Melinda am selben Tag wie sie aus offensichtlich denselben Gründen zu einem Duell heraus. Und jetzt stellte sich nicht nur heraus, dass sie endlich ihr Deck zurückbekommen hatte, nein, wenn Valerie es nicht besser wüsste, schien Anya jegliche Wertschätzung in dieser Hinsicht verloren zu haben.
      Zwar konnte die Schwarzhaarige es nicht recht erklären, aber sie spürte, dass etwas nicht stimmte. Anya vergaß nicht einfach so Beschwörungssprüche, schon gar nicht zweimal hintereinander, außer sie war emotional zerrissen. Was sie, da sie das Mädchen lange genug kannte, in diesem Moment getrost ausschließen konnte.
      „Sag mir nicht …“, murmelte Valerie unter dem Anflug wütender Enttäuschung. Kurz darauf verschwand ihr Antlitz wieder hinter der Hecke.

      Nicht ahnend, dass ihr Spiel mit kritischen Augen beobachtet wurde, schwang Anya unter einem selbstbewussten Grinsen den Arm aus. „Macht Platz für mein Assmonster! [Angel Wing Dragon], röste den bösen Wolf! Seraphim Judgment!“
      Der schlangenhafte Drache öffnete das Maul und lud darin weiße Energie auf, die er sogleich als mächtigen Strahl abfeuerte, um den eine goldene Flammenspirale kreiste. Die Attacke schlug in Silver Claw wortwörtlich ein wie eine Bombe und löste eine Explosion aus, nach der von dem Zirkustier nichts mehr übrig blieb.

      [Anya: 4000LP / Melinda: 4000LP → 3100LP]

      „Hm?“, wunderte sich Anya, als sich zwischen dem Magier und der Dompteurechse in den Lichtsäulen das Dimensionsloch öffnete, aus dem die Pendelmonster vorhin erschienen waren. Es absorbierte einen roten Lichtstrahl, abgehend von Melindas D-Pad, ehe es sich wieder schloss.
      Das Mädchen schüttelte den Kopf. Denselben Mist hatte ihre Gegnerin doch schon letztes Mal abgezogen, ohne dass danach etwas passiert war. Schulterzuckend schwang die Blonde den Arm aus. „Und jetzt du, Ruby! Sparkling Lance Thrust!“
      Mit gezückter Lanze schnellte der Ritter wie ein Pfeil auf das gelbe Kamel zu und spießte es gnadenlos auf, sodass es in tausend Teile zersplitterte. Die weiter in feinen Staub zersprangen, welcher den Ritter in sich einzuschließen begann, als dieser gerade mit seiner Waffe weiter ausholte und Melinda am Oberschenkel traf.

      [Anya: 4000LP / Melinda: 3100LP → 2400LP]

      „Ruby fügt Durchschlagschaden zu, falls du es nicht weißt.“ Als Anya bemerkte, wie ihr Ritter immer stärker zu husten begann, fügte sie hinzu: „Was ist jetzt los?“
      „Oh, naja, [Performapal Camelump] bestraft das Monster, das es im Kampf zerstört, mit einem Angriffsmalus von 800.“
      „Indem es Ruby mit Feenstaub vergiftet?“ Anya rollte mit den Augen. Ihr Ritter torkelte mehr als dass er lief zu ihr zurück. Gleichzeitig öffnete sich das Ellipsentor erneut über Melinda und zog einen weiteren Lichtstrahl von ihrem D-Pad in sich hinein.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 1700 DEF/1300 (6)]

      „Ernsthaft, wer hatte die Idee zu diesen Witzfiguren?“
      „Ich“, strahlte Melinda.
      Anya entfuhr ein tonloses: „Oh. Nichts für ungut. Zug beendet.“

      Kaum hatte der Rotschopf aufgezogen, kicherte sie: „Keine Sorge, mein nächster Geniestreich wird ein Totenkopf-Thema, das dem Gegner das Blut, also die Lebenspunkte, aus den Knochen saugt.“
      „Darf ich die Artworks designen?“, kam es von Anya wie aus der Pistole geschossen.
      „... nein, wir wollen nicht von wütenden Eltern verklagt werden.“ Als Melinda die Mundwinkel ihrer Freundin in den Boden krachen sah, fügte sie hinzu: „Ich könnte es mir aber noch einmal überlegen. Wenn du mir erzählst, was es mit der 'Pitchest Black'-Liste auf sich hat.“
      „W-wann hab ich die erwähnt-!?“
      „Gar nicht, aber deine Lippen haben dieses Wort geformt, als ich deine Herausforderung angenommen habe.“ Melinda grinste breit. „Das machst du öfter, also stumm mit dir selbst sprechen.“
      Anya klappte die Kinnlade herunter. Das war ihr nie bewusst gewesen! Oh Gott, -deshalb- hatte Rosie Parks damals in der Middle School dieses Gerücht verbreitet, Anya würde heimlich auf Jonas Meyer stehen! Weil sie -dachte-, dass sie auf ihn stehen und jeden einzelnen seiner Wirbel mit ihren Zehen zum Brechen bringen würde! Jetzt wurde ihr einiges klar!
      „Ich warte.“
      „Sorry, ich war grad' woanders.“
      Melinda zog scheel die Augen zusammen. „Bei Rosie Parks?“
      Erschrocken schlug sich Anya die Hände vor den Mund. Dann schüttelte sie verärgert den Kopf. Wenn sie das seit jeher tat, warum hatte Levrier ihr das nie erzählt!? Und wieso konnte die Schnöselschwester so verdammt gut Lippen lesen!?
      „Hör zu, eigentlich ist die 'Pitchest Black'-Liste mein Geheimnis. Aber da du das eh von den Lippen lesen kannst, meinetwegen, erzähl' ich's dir eben“, brummte Anya. Eigentlich war sie sogar ein kleines bisschen stolz drauf, wenn sie ehrlich mit sich selbst war. „Auf der Liste steht eine Reihe von Namen, Leute, die ich unbedingt besiegen muss. Ohne … fremde Hilfe. Nicht einmal, wenn es Kräfte wären, die mir gehören.“
      „Das ist … schön“, erwiderte Melinda aus Ermangelung eines passenderen Wortes. Obschon sie aufrichtig dabei lächelte. „Und ich bin eine von denen?“
      Anya nickte.
      „Cool. Wer noch?“
      „Das bleibt geheim.“
      „Komm schon“, bettelte Henrys Schwester jedoch sofort drauf los, „wenigstens ein Name!“
      Im Anschluss kniff sie wieder die Augen fest zusammen und konzentrierte sich ganz offensichtlich auf Anyas Lippen, sodass die mit den Augen rollte und die Arme ausstreckte. „Fein, mein Bruder zum Beispiel! Ich hatte zwar Levrier, aber ich hab's geschafft, es ohne seine Hilfe durchzuziehen.“
      „Das bedeutet dir viel, oder?“, fragte Melinda nachdenklich und ließ den Schabernack sein.
      Ihre Freundin senkte den Blick. „Yeah. Mein Traum wird erst erfüllt sein, wenn diese Liste leer ist.“

      „Dann darfst du mich so oft herausfordern wie du willst“, strahlte Melinda und nur eine Sekunde darauf verhärtete sich ihr Gesichtsausdruck, „auch wenn du ein paar Anläufe brauchen wirst. Mein Zug!“
      Anya sah mit einem Schmunzeln auf. Die Schnöselschwester hatte es verstanden.
      Da jene bereits aufgezogen hatte, streckte sie kurzerhand den Arm in die Höhe. „Mach dich bereit für ein Wiedersehen! Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihr öffnete sich das kreisrunde Portal, umgeben von unzähligen Lichtellipsen. Aus ihm schossen drei rote Lichtstrahlen, die vor der Rothaarigen einschlugen.
      „Pendulum Summon! Von meinem Extradeck [Performapal Silver Claw] und [Performapal Camelump]! Und aus meiner Hand [Performapal Trumpanda]!“
      Der Wolf mit der Fliege um den Hals sowie das gelbe Kamel mit der Melone auf dem Kopf nahmen vor ihr Gestalt an, zusammen mit einem Baby-Pandabären, der eine Tuba mit sich führte.
      „W-woher kommen die denn, ich dachte-!?“
      Mit erhobenem Zeigefinger erklärte Melinda: „Anya, das hatte ich damals doch erwähnt. Pendelmonster, die vom Feld auf den Friedhof gelegt werden, landen stattdessen auf dem Extradeck. Und von dort können sie per Pendelbeschwörung zurückgerufen werden.“
      „Was auch immer“, rümpfte ihre Gegnerin die Nase, „sieh' dir die Schwächlinge an! Selbst deine Silver Claw kommt höchstens gegen Ruby an. Aber das wird Angel Wing nicht zulassen, denn so funktioniert das: Die nützlichen Monster geben auf die weniger nützlichen Acht!“
      Der Mundwinkel ihres Gegenüber zuckte ungewollt nach oben. „Und weil das so ist, wirst du jetzt gleich große Augen machen …“
      Denn plötzlich ließ der in Rot gekleidete Magier in seiner Lichtsäule das Pendel in seiner Hand ausschwingen. Strahlende Funken regneten davon hinab auf Melindas Monster, um welche sich weiße Auren entfachten.

      Performapal Silver Claw [ATK/1800 → 2800 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/800 → 1800 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/800 → 1800 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]

      „Eh!?“, fiel Anya aus allen Wolken. „Aber-!?“
      „Das ist der Effekt von Pendulum Sorcerer, solange er in einer Pendelzone liegt. Immer wenn eine Pendelbeschwörung auf meiner Seite durchgeführt wird, stärkt er sämtliche Performapals um 1000 Angriffspunkte bis zum Zugende.“ Melinda zuckte demonstrativ mit den Schultern. „Jetzt sind sie auf einmal gar nicht mehr süß und schwach, oder?“
      „Süß waren diese Missgeburten noch nie!“
      „Wir bringen dich schon noch auf den Geschmack“, zwinkerte Melinda ihrer Gegnerin zu und schwang den Arm aus. „Nicht wahr, [Performapal Silver Claw]? Angriff auf [Angel Wing Dragon]!“
      Den Rücken durchdrückend und dabei in die Luft starrend, stieß der Wolf ein sentimentales Geheul aus …

      Performapal Silver Claw [ATK/2800 → 3100 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/1800 → 2100 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/1800 → 2100 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]

      … welches die weißen Auren der Zirkustiere in lodernde Flammen umwandelte.
      „Das ist der Effekt von Silver Claw, solange er ein Monster ist! Er und all seine Kumpel erhalten bei einem Angriff bis zum Zugende einen Stärkebonus von 300! Jetzt kann's losgehen!“
      Anya, die auf Melindas Erklärung hin nur perplex blinzelte, bekam gar nicht so schnell mit, wie der Wolf zum Sprint ansetzte. Sie sah nur noch silbrig blaues Fell durch die Luft zischen, da wurde ihr Drache auch schon angefallen und mit einem Pfotenschlag zu Fall gebracht. Niedergerungen, explodierte er unter einem gequälten Schrei.
      „K-kein Kampfschaden für mich, wenn Angel Wing-“, stotterte Anya, wurde aber jäh unterbrochen.
      „Weiß ich! Camelump, nimm dir [Gem-Knight Ruby] vor!“
      Die Blonde konnte gar nicht so schnell gucken, da wurde ihr Ritter von einem Geschoss getroffen und zersprang in alle Einzelteile seines Hologramms. Das blöde Kamel hatte ihn niedergespuckt und sie beinahe mit dazu!

      [Anya: 4000LP → 3600LP / Melinda: 2400LP]

      Ein gefährliches Funkeln lag in Melindas Augen, als sie befahl: „Aller guten Dinge sind drei! Direkter Angriff, Trumpanda!“
      Jener blies in sein Musikinstrument, aus dessen Trichter nacheinander Schallwellen auf Anya abgefeuert worden – umgeben von bunten Musiknoten. Mit lächelnden Gesichtern! Als das Mädchen getroffen wurde, wusste sie nicht, ob sie vor Ekel einfach nur schreien oder gleich einen epileptischen Anfall bekommen sollte.

      [Anya: 3600LP → 1500LP / Melinda: 2400LP]

      „Ist doch cool, oder?“, fragte Melinda vergnügt. „Ganz egal, wie oft du Pendelmonster besiegst, sie kommen -immer wieder-!“
      Dass sie den letzten Teil des Satzes bewusst düster betonte, war für Anya der ultimative Beweis, dass hinter der harmlosen Fassade purer Sadismus steckte!
      „Dann setze ich meine Karte aus der letzten Runde mal wieder, hm?“ Das gesagt, schob die Hauptorganisatorin des Legacy Cups die Falle wieder in das rote D-Pad, wodurch jene mit einem Zischen zu ihren Füßen auftauchte. „Das heißt dann wohl, mein Zug ist beendet, wodurch die Werteveränderungen verfallen.“
      Die Flammen des Ehrgeizes erloschen um ihre drei Monster.

      Performapal Silver Claw [ATK/3100 → 1800 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/2100 → 800 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/2100 → 800 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]

      „Effekt von Angel Wing! In der End Phase kann ich zwei Stufe 4-Monster von meinem Friedhof verbannen, um ihn zurückzurufen!“, rief Anya und zeigte [Gem-Knight Iolite] und [Gem-Knight Garnet] vor, die beide in ihre Hosentasche wanderten.
      Kurz darauf stieg über ihr der goldene, von vier Flügeln besetzte Ring in die Höhe und begann sich zu drehen, ehe der weiße Drache aus der wässrigen Schicht in seiner Mitte herausschoss.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      „Gut, dich zurückzuhaben“, rief Anya dem Monster zu, welches jedoch nicht reagierte. Dann sah sie angespannt Melinda an. „In gewisser Hinsicht ist er mein ganz eigenes Pendelmonster …“
      Entschlossen griff sie nach ihrem Deck. Jetzt hatte sie bekommen, was sie wollte: Eine Herausforderung. „Draw!“
      Mit Schwung riss sie die oberste Karte von ihrem Deck und betrachtete sie nachdenklich. War doch eigentlich ein Vorteil für sie, wenn Melinda diese Kackbratzen jede Runde erneut beschwor. So konnte -sie- ihnen wieder und wieder aufs Maul geben! Und so schwach, wie sie jetzt waren, würde das eine Menge Spaß mit sich bringen, oh ja!
      „Normalbeschwörung“, verlautete Anya und knallte ein Monster auf ihr schwarzes D-Pad von Logan, „[Gem-Knight Alexandrite]!“
      Ein in weißer Rüstung steckender Ritter entstieg vor ihr aus dem Boden. Seine Panzerung war an Armen und Beinen mit verschiedenfarbigen Edelsteinen versehen.

      Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Leider ist er nur für einen Kurzauftritt hier“, rief Anya und nahm seine Karte im selben Moment vom D-Pad, „denn ich opfere ihn durch seinen eigenen Effekt, um ein normales Gem-Knight-Monster von meinem Deck zu beschwören!“
      Der Ritter löste sich in pures Licht auf, das als weiße Funken aufstieg. Anya nahm ihr Deck aus der Halterung und durchsuchte es. Und das, obwohl das Gerät über eine ziemlich genaue Spracherkennung verfügte, die sie selbst schon öfter genutzt hatte.

      Mit deinem Deck hast du auch deine alten Angewohnheiten zurückbekommen, hm?

      Anya musste schmunzeln, da auch Levrier dies sofort aufgefallen war. Nichtsdestotrotz war sie hier in einem wichtigen Duell, also keine Ablenkungen mehr!
      „Ich beschwöre [Gem-Knight Crystal]!“, verlautete sie, nachdem sie dessen Karte gefunden und auf die Monsterkartenzone neben Angel Wing gelegt hatte.
      Eine Lichtsäule schoss aus dem Boden und brachte einen weißen Ritter mit sich, mit Kristallen an den Schulterplatten und den Enden seiner Handschuhe, welcher stolz seine Hände in die Hüften stemmte.

      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      „Verglichen mit Angel Wing ist er langweilig, aber hey, selbst mit ihm kann ich diese Dinger ordentlich vermöbeln!“ Anya streckte den Zeigefinger aus. „Los, greife den Panda an. Gott, ich hasse diese Viecher, wenn sie nicht gerade abgefahrene Mönchkrieger sind! Clear Punishment!“

      Indes lehnte sich Valerie mit dem Rücken gegen die Heckenwand. Obwohl sie das Duell nicht mehr beobachtete, hatte sie einen Überblick über die Situation. Auch wenn diese sie weitaus weniger beschäftigte als so manche Aussage von Anya. Den blauen, wolkenlosen Himmel ansehend, stieß sie einen gedämpften Seufzer aus.

      Crystal holte mit seiner rechten Faust aus und rammte sie in die Erde. Dort bildete sich ein schmaler Riss, der zunehmend wuchs und sich seinen Weg in [Performapal Trumpandas] Richtung bahnte. Immer schneller wurde er dabei, bis zahllose Kristallspitzen daraus hervor schnellten, unmittelbar auf das unscheinbare Wesen gerichtet.
      „Dir werd' ich den Marsch blasen“, kicherte Melinda und schnippte mit dem Finger, „Trumpanda, Effekt bitte!“
      Einmal tief Luft holend, blies dieser in sein Instrument und sendete aus dessen Trichter eine einzelne, kunterbunte Schockwelle, die den nahenden Kristallstacheln entgegen schlug und sie zerbersten ließ.
      Anya setzte einen entgeisterten Blick auf, als wären es ihre Träume, die auf der gegenüberliegenden Spielfeldseite ineinander zusammenbrachen. „Huh!?“
      „Dummerchen, Trumpanda kann einen Angriff auf ein Pendelmonster abwehren.“
      „Tch! Wie nervig!“ Anya schnaubte. „Aber nur einen? Das ist einer zu wenig! Angel Wing, nimm es auseinander! Seraphim Judgment! Rest in pieces, Miststück!“
      Der weiße Drache öffnete sein Maul und entfesselte daraus einen weißen Lichtstrahl, um den eine goldene Feuerspirale kreiste. Die Attacke schlug mit voller Wucht ein und wirbelte holografischen Staub und Rauch auf.

      [Anya: 1500LP / Melinda: 2400LP → 500LP]

      Als dieser sich legte, öffnete sich über Melinda das Himmelsportal und absorbierte einen roten Lichtstrahl von ihrem D-Pad.
      Anya zog die Stirn kraus. Langsam kapierte sie, worum es bei den Pendelmonstern ging. Sie waren nicht besonders stark, aber jede Runde aufs Neue verfügbar. Selbst eine Witzfigur wie dieser Panda hatte seinen Nutzen, wenn er jedes Mal erneut einen Angriff für seinen Besitzer abwehren konnte. Genau das würde in ihrem nächsten Zug auf sie warten, so wusste Anya jetzt schon.
      „Egal wie oft ich sie zerstöre, sie kommen immer wieder …“
      Wie konnte sie dem entgegenwirken, fragte sich Anya verloren beim Anblick ihres Blatts. Diese Erkenntnis hatte sie noch nicht gewonnen.
      „Was auch immer, ich finde einen Weg! Die setze ich, Zug beendet!“ Sie rammte ihre vorletzte Handkarte in das schwarze D-Pad, sodass sie in vergrößerter Form vor ihren Füßen erschien.

      „Du zerbrichst dir echt den Kopf was? Soll ich dir einen Tipp geben?“, fragte Melinda und zog nebenbei auf.
      Anya schüttelte jedoch vehement den Kopf. „Wenn ich nicht selber auf die Lösung komme, ist sie nichts wert! Mir fällt schon was ein! Außerdem ist das hier ein Pitchest Black-Duell, schon vergessen!?“
      „'tschuldige!“ Der Rotschopf sah ihre einzige Handkarte an und legte dann den Zeigefinger mit nachdenklichem Gesichtsausdruck auf die Unterlippe. Welche sich in ein spitzbübisches Grinsen einfügte. „So wird'n Schuh draus! Effekt von [Performapal Lizardraw] in meiner Pendelzone!“
      Der Kragen des Echsendompteurs, welcher aneinander gereihten Karten mit einem Fragezeichen in der Mitte nachempfunden war, begann bunt zu blinken. Vom Boden aus stieg eine Schockwelle die blaue Lichtsäule, in der er sich befand, entlang.
      „Er kann sich selbst in der Pendelzone zerstören, damit ich eine Karte ziehen darf!“, erklärte Melinda. In diesem Moment wurde die Echse getroffen und zerplatzte in ein kunterbuntes Feuerwerk. Unter diesem riss Melinda eine Karte von ihrem Deck.

      <2> Melindas Pendelbereich <X>

      Anya weitete die Augen. „Dann kannst du nicht mehr- Moment mal!“
      Das ist es, erkannte das Mädchen. Wenn sie die Pendelbeschwörung übertrumpfen wollte, durfte sie es erst gar nicht dazu kommen lassen! Zum Beispiel indem sie den Pendelbereich des Gegners dazu brachte, unvollständig zu sein!
      Die Errungenschaft ihrer Erkenntnis stand dem Mädchen so sehr ins Gesicht geschrieben, dass Melinda zufrieden grinste. Zumindest für einen kurzen Augenblick, denn ihre Stimme nahm einen ernsten Unterton an, als sie verkündete: „Tut mir leid, dass deine Freude nur so kurz anhalten wird. Jetzt, wo die Pendelzone frei ist, kann ich sie mit einem neuen Monster besetzen! Ich aktiviere [Performapal Cheermole] mit dem Pendelbereich 5! Pendulum Scale Set!“
      Direkt neben ihr schoss eine neue, blaue Lichtsäule aus dem Boden. In ihr stieg ein kleines Maulwurfmädchen in die Höhe, das in einer grün-weißen Cheerleader-Uniform steckte und sich hinter ihren Pompons verbarg.

      <2> Melindas Pendelbereich <5>

      „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“, rief Melinda und streckte den Arm in die Höhe. Über ihr öffnete sich das Himmelsportal und schoss zwei rote Lichtstrahlen hinab. „Pendulum Summon! Von meinem Extradeck, [Performapal Trumpanda] und [Performapal Lizardraw]!“
      „Eh!?“, machte Anya große Augen.
      Zwischen Silver Claw und Camelump nahmen der Baby-Panda und der Echsendompteur Gestalt an. Gleichzeitig begann das Pendel des Zauberers in der Lichtsäule wieder auszuschlagen.
      „Da staunst du, was?“, kicherte Melinda und legte den Zeigefinger an die Wange. „Jep, auch wenn Pendelmonster in den Pendelzonen zerstört werden, werden sie aufs Extradeck gelegt. Und da sie gerade von dort beschworen wurden, gibt es jetzt dank [Performapal Pendulum Sorcerer] einen dicken 1000 Punkte-Boost.“
      „Eh!?“, wiederholte Anya ihre letzte Aussage eindringlicher.
      „Ah, und weil [Performapal Cheermole] in einer Pendelzone liegt, bekommen alle Pendel nochmal 300 Punkte obendrauf.“
      Es folgte eine schier unendlich lang gezogene Aussage. „Eh!?“
      Die eine ganze Oktave in die Höhe schoss, als Anya das Ganze bildlich vor Augen hatte, wie die vier Zirkustiere in weißer Aura aufgingen, über ihnen der Magier sein Pendel drehen ließ und dazu noch ein nerviger, kleiner Maulwurf unverständliche Lobeshymnen sang und dazu tanzte.

      Performapal Silver Claw [ATK/1800 → 3100 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/800 → 2100 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/800 → 2100 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]
      Performapal Lizardraw [ATK/1200 → 2500 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]

      „Aber, aber“, stammelte Anya mit Tränen purer Frustration in den Augen, „wie!? Und wieso!?“
      Sie erntete ein verspieltes Zwinkern. „Die Macht der Pendel. Du wolltest sie sehen, also da, hier ist sie!“
      Die Blonde stampfte mit dem Fuß auf. „Nicht fair!“
      „Doch fair“, widersprach Melinda belustigt und streckte den Zeigefinger aus, „noch etwas Salz in die Wunde, hm? Silver Claw, greife [Angel Wing Dragon] an! Dafür gibt es noch einmal 300 Angriffspunkte für alle! Hopp!“
      Woraufhin der dunkelblaue Wolf erst einmal die Sonne anheulte und das gesamte Ensemble in sichtbar feurigen Eifer versetzte. Im Anschluss sprintete er auf den majestätischen Drachen zu.

      Performapal Silver Claw [ATK/3100 → 3400 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/2100 → 2400 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/2100 → 2400 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]
      Performapal Lizardraw [ATK/2500 → 2800 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]

      Unnötig zu erwähnen, dass nur ein Schlag mit der Pfote ausreichte, um den wesentlich größeren Drachen quer über die Heckenwand hinweg zu fegen, als wäre er ein Tennisball. Und auch wenn Anya keinen Kampfschaden dank Angel Wings Effekt erlitt, sprachen ihre nach unten hängenden Mundwinkel Bände. Geschichten unverhohlenen Selbstmitleids. „Will nich' mehr …“
      „Uh-uh-uhhu!“, ließ Melinda den Zeigefinger wackeln. „Jetzt nicht kneifen! Wir befinden uns hier in einer wichtigen Phase der Selbsterkenntnis.“
      „Scheiße, jetzt hörst du dich schon wie Abby an!“
      „Angriff aus allen Rohren, Lizardraw! Vernichte Crystal, stampf' ihn ein, mach ihn alle!“
      Korrektur, dachte Anya grimmig, so hörte sich nur eine Schnöselschwester an, mit der gerade die Pferde und oder der Größenwahn durchgingen! Was auch nichts daran änderte, dass die kleine Echse die Karten von seinem Kragen griff und sie wie Messer auf den prächtigen Ritter schleuderte, der aufgespießt wurde und explodierte.

      [Anya: 1500LP → 1150LP / Melinda: 500LP]

      Mit scheelem Blick verschränkte Melinda die Arme. „Mal sehen, wie lange du meinen Angriffen standhalten kannst. Direkter Angriff, Trumpanda!“
      Ohne Umschweife trötete jener eine chaotische Melodie, die sich in mehreren Schallwellen voller bunter Musiknoten und -schlüssel präsentierte. In einer Reihe nahmen sie Kurs auf Anya, die sich jedoch nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen würde.
      „[Kuriboss]!“, befahl sie jenen zu sich.
      Aus ihrem Friedhofsschacht schob sich dessen Karte, wodurch das braune Fellknäuel im Cape und mit Sonnenbrille auf der nicht existierenden Nase plötzlich vor Anya auftauchte. Panisch mit seinen Stummelarmen wedelnd, wurde der Anführer der Kuribohs zum primären Opfer des Lärms, welcher ihn zum Platzen brachte. Farbenfrohes Konfetti flog durch die Luft.
      „Hmpf“, schnaubte Anya und zeigte die Karte vor, „ich kann [Kuriboss] vom Friedhof verbannen, um Kampfschaden zu negieren.“
      „Das klappt aber nur einmal, meine Liebe“, konterte Melinda ehrgeizig und setzte ein siegesgewisses Lächeln auf, „und ich kann noch mit [Performapal Camelump] angreifen. Also, wenn du noch eine Revanche willst, nur zu. Los!“
      Das gelbe Kamel blähte die Backen auf, aber Anya winkte mit der flachen Hand ab. „Als ob ich darauf nicht vorbereitet wäre …“
      Im selben Moment, als Camelump nach dem Mädchen spuckte, fuhr dessen verdeckte Schnellzauberkarte auf. Und ein unerwarteter Gast gewann erneut Gestalt vor ihr – [Kuriboss].
      „Kuri!“, jammerte dieser, als er von dem Speichel getroffen und in alle Richtungen zu funkelnden Wasserfontänen zersprang.
      Anya schnarrte: „So viel dazu … [Burial From A Different Dimension] ist eine nette Karte, die mich verbannte Monster auf die Friedhöfe zurücklegen lässt.“
      „Hm. Scheiße“, fluchte Melinda auf einmal leise vor sich hin. Jedoch fand sie ihr strahlendes Lächeln schneller wieder, als Anya lieb war. „Ach, eigentlich auch nicht so schlimm. Du bist.“
      Die Ankündigung sorgte dafür, dass die brennenden Auren um ihre Monster sich wieder auflösten, die eigentlich unsichtbare um Anya wiederum nicht. Denn die streckte ehrgeizig den Arm gen Himmel. „Damit kann ich zwei Stufe 4-Monster von meinem Friedhof verbannen, um Angel Wing zu reanimieren! So leicht kriegst du den nicht klein!“
      Tatsächlich waren es die Gem-Knights Iolite und Garnet, die in ihre Hosentasche wanderten. Jene hatte sie zusammen mit [Kuriboss] durch ihre Zauberkarte wieder friedhoftauglich gemacht, andernfalls wäre es ihr nicht möglich gewesen, ihren Liebling zurück aufs Feld zu holen. Dessen goldener Ring stieg in die Luft auf. Unter wütendem Gebrüll schoss der weiße Drache daraus hervor und bäumte sich wie eine lauernde Kobra weit über den im Vergleich dazu winzigen Zirkustieren auf, ganz als wolle er ihnen verdeutlichen, dass mindestens einer davon im nächsten Zug gefressen würde.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]
      Performapal Silver Claw [ATK/3400 → 2100 DEF/700 (4) PSC: <5/5>]
      Performapal Camelump [ATK/2400 → 1100 DEF/1800 (4) PSC: <2/2>]
      Performapal Trumpanda [ATK/2400 → 1100 DEF/800 (3) PSC: <3/3>]
      Performapal Lizardraw [ATK/2800 → 1500 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]

      Die Blonde legte ihre Finger ans Deck und betrachtete das Spielfeld. Solange Melinda dieses Mistvieh von Panda kontrollierte, konnte sie einen Angriff abwehren. Also musste sie diesen zunächst aus der Reserve locken.
      „Verdammt, sind diese Dinger nervig“, knurrte sie vor sich hin.
      Pendelmonster in den Pendelzonen zu erledigen brachte nur etwas, wenn der Gegner keine neuen ausspielen konnte. Und wenn dessen Deck voll davon war, erwies sich diese Option als unzureichend. Aber was konnte sie dann tun, fragte sich Anya ratlos.

      Erstmal ziehen, riet sie sich selbst mit einem festen Nicken und schrie, während sie schwungvoll ausholte: „Draw!“
      Die aufgezogene Zauberkarte erstaunt betrachtend, blickte Anya nachdenklich auf. Tatsächlich hatte sie eine Idee, wie sie diese Biester aus der Reserve lockte – indem sie genau das nicht tat. Solange Melinda keine Pendelbeschwörung durchführte, konnte der Zauberer dort oben nichts unternehmen, um die Performapals zu stärken. Andererseits, wenn Melinda noch eines dieser Viecher in der Rückhand hielt, immerhin besaß sie noch eine Handkarte, oder wenn sie eines nachzog, dann war Anya geliefert …
      „Sorry, Schnöselschwester“, murmelte Anya enttäuscht, „aber ich habe keine Lösung gefunden, wie ich deine Pendelmonster besiegen kann.“
      „Niemand erwartet das beim ersten Versuch. Auch V-“
      Jedoch wurde dem Rotschopf harsch ins Wort geschnitten. „Ich habe gesagt 'deine Pendelmonster', nicht 'dich'! Aber das ist okay, schätze ich. Beim nächsten Mal mach ich's besser, das weiß ich.“
      Anya zog die Augen zu Schlitzen zusammen. Wenn es nicht mit Strategie ging, half im Endeffekt nur eins: Rohe Gewalt. Und für die war sie mehr als qualifiziert. So schmetterte sie ihr letztes Monster förmlich auf das D-Pad. „Mach dich bereit, [Gem-Knight Tourmaline]!“
      In goldener Rüstung stieg er aus einem Portal im Gras vor ihr auf, der Ritter, der zwischen seinen Händen elektrische Ladungen austauschte.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      „Du kannst einen Angriff abwehren? Schön für dich!“ Anya rammte ihre geballte Faust in die andere Handfläche. „Dann werd' ich dafür sorgen, dass es einer zu wenig ist! Tourmaline, Angriff auf [Performapal Trumpanda]!“
      Ihr strahlender Krieger breitete die Handflächen so weit wie möglich auseinander, um über sich einen Bogen aus Blitzen zu bilden. Diesen bündelte er dann derart effektiv, indem er beide Handflächen zu seiner Linken aufeinander presste, dass er im Anschluss eine wahre Donnerkugel auf den Tuba spielenden Pandabären abfeuerte. Jener trötete panisch in das Instrument und schoss seine Schockwelle daraus ab, wodurch beide Angriffe in der Mitte des Feldes aufeinander prallten und eine blitzende, bunte Lichtshow erzeugten.
      „Das klappt nur einmal, Schnöselschwester!“, rief die Blonde ihrer Gegnerin zu und schwang den Arm aus. „[Angel Wing Dragon], streich' ihren Namen von der 'Pitchest Black'-Liste! Seraphim Judgment!“
      Im Angesicht des sie bei Weitem überragenden Drachen, der in seinem Maul weiße Energie aufzuladen begann, konnte Melinda nur eins: Schmunzeln. „Ich glaube, ich habe ein Déjà-vu!“
      „Ein was?“ Anya zog eine halb irritierte, halb ablehnende Grimasse. Im selben Augenblick entfesselte ihr Drache seinen mächtigen Lichtstrahl, wieder umkreist von einer goldenen Flammenspirale.
      „Die eine sagt, sie kann's“, erwiderte der Rotschopf keck und ließ den Arm ausschwenken, „die andere beweist das Gegenteil. Falle, [Performapal Pinch Helper]!“
      Jene sprang sofort auf. Da es wieder der Panda war, der Anyas grenzenloser Abneigung ausgesetzt war und somit das Ziel von Angel Wings Angriff, war es auch er, um den sich plötzlich ein kuppelförmiges Kraftfeld bildete.
      „Diese Falle hilft mir, Performapals vor Kampfschaden zu schützen!“, erklärte Melinda ihr. Fröhlich begann [Performapal Trumpanda] seine Tuba zu spielen. „Auch wenn ich sie opfern muss. Und mit sie meine ich die Falle und den Performapal, denn eigentlich schützt die Karte mich, nicht sie.“
      Das Seraphim Judgment prallte auf das Kraftfeld und wurde in alle Richtungen abgelenkt. Trotzdem brach es ein und eine Lichtexplosion blendete die Turnierorganisatorin für einen kurzen Augenblick. Als sie die Augen öffnete, war von ihrem Pandabären nichts mehr übrig.
      Sofort griff Melinda nach ihrem Deck und zog drei Karten. „Pech für dich! Das ist Lizardraws Monstereffekt. Wenn du einen seiner Kumpel ausrangierst, ziehe ich für jeden verbliebenen eine Karte. Hey, nimm's mir nicht übel, aber-“
      Melinda brach mitten im Satz ab. Anya stand da. Nicht mit einem zornigen Gesichtsausdruck, weil man ihr die Tour vermasselt hatte. Sie stand da wie eine Gewinnerin, mit verschränkten Armen. Über ihr stand ein Vortex aus buntem Licht offenen, jedoch wurden in ihn keine Edelsteine hineingezogen.
      „Sorry, Schnöselschwester. Im Endeffekt gab es nur eine Lösung für das Pendelproblem“, sagte Anya tonlos, „sie zu ignorieren und das tun, was ich am besten kann: Einfach draufkloppen.“
      „Das ist aber keine Lösung.“ Ihre Gegnerin sagte das mit einem betrübten Unterton.
      „Weiß ich. Aber was hätte ich sonst tun können? Ich bin nicht bereit, den Marsch dieser Dinger im Keim zu ersticken. Ich werde gerade so mit dir fertig.“ Auch Anya klang nicht gerade glücklich. „Aber ein Sieg ist ein Sieg. Und jetzt, da ich nichts mehr zu befürchten habe, kann ich das hier machen: [Flash Fusion]!“
      Die Karte des Schnellzaubers stand bereits vor dem Mädchen in aufgerichteter, vergrößerter Form.
      „'ne saucoole Karte ist das. Sie verschmilzt zwei meiner Monster vom Feld. Scheiße, hätte nie gedacht, das zu sagen, aber Angel Wing ist sogar dazu gut, Teil einer Gem-Knight-Fusion zu sein.“
      Melinda formte die Hände zu einem T. „Auszeit! Es gibt doch gar keine Gem-Knights, die mit Drachen fusionieren können!“
      „Doch, eine gibt es!“ Anya streckte die Hand in die Höhe. Sogleich wurden der goldene Blitzritter Tourmaline und der mächtige Schlangendrache in den Vortex gezogen, der sie wie in einem Mixer durchwirbelte. „Mach dich bereit! Fusion Summon! Das Attribut Licht trifft auf den Edelstein, [Gem-Knight Seraphinite]!“
      Mit flatterndem, weißem Umhang schoss sie aus dem Strom. Die Rüstung hatte einen leichten, grünlichen Schimmer an sich, wohingegen die durchsichtigen Flammenschwingen, die sich an ihren Schultern ausbreiteten, hellblau waren. Die Ritterin zog im Flug ihr kristallenes Rapier.

      Gem-Knight Seraphinite [ATK/2300 DEF/1400 (5)]

      „Gem Cutting Edge“, murmelte Anya vor sich hin.
      Wie ein Pfeil rauschte die Kriegerin an dem gelben Kamel [Performapal Camelump] vorbei und rammte die Klinge direkt in die Brust der überrumpelten Melinda. Dann flog der Kopf ihres Monsters mit heraushängender Zunge an ihr vorbei …

      [Anya: 1150LP / Melinda: 500LP → 0LP]

      … und die Hologramme lösten sich auf.
      „Sorry“, murmelte Anya und sah den Boden verhalten an, „hätte gerne cooler gewonnen.“
      Sie hob ihr Haupt wieder an und schritt mit ausgestreckter Hand auf Melinda zu. Die nahm sofort an. Gegenseitig sagten sie sich: „Gutes Spiel.“
      Und damit war Melindas Name von der 'Pitchest Black'-Liste gestrichen. Eine Tatsache, die Anya entgegen ihrer ursprünglichen Erwartung nur ein schwächliches Grinsen abgewann.
      „Du bist nicht zufrieden mit dir selbst, oder?“, stellte Melinda auf den ersten Blick fest.
      „Nicht so richtig“, gestand Anya erstaunlich offen.
      Schon wurde sie an die Seite der jungen Frau gezogen, wie sie zusammen zum Ausgang des unfertigen Heckenlabyrinths wateten. Jenem, dem Anya den Rücken zugekehrt hatte.
      „Dann verrate ich dir mal was: Stimmt, die Pendelmonster hast du heute noch nicht absolut fertig gemacht. Aber du hast sie und mich besiegt. Sei nicht so streng mit dir selbst.“
      Das fast einen Kopf kleinere Mädchen sagte nichts. Also ließ Melinda durch ihre Umarmung einen Ruck gehen, sodass Anya beinahe umkippte. „Mach nicht so ein Gesicht, das gibt Falten!“
      Gerade hatten sie das Ende der Wiese erreicht, stimmte jemand von der Seite ein. „Den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden ist in Ordnung. Aber man sollte nie vergessen, dass man erst säen muss, bevor man ernten kann.“
      Anya fuhr zusammen und beugte sich nach vorne. Dort stand Valerie, die linke Hand an die Hecke gelegt, und sah die beiden mit undurchschaubarer Mimik an.
      „Redfield!?“, platzte es sofort aus deren selbst erkorener Erzfeindin hinaus.
      „Den Spruch hast du von mir geklaut“, gluckste Melinda und ließ von ihrer Begleiterin ab. „Aber schön, du hast ihn dir gemerkt. Und Anya wird das bestimmt auch, gelle?“
      Die war aber bereits viel zu sehr damit beschäftigt, haltlose Anschuldigungen zu erfinden. Wie: „Bist du mir etwa gefolgt!? Stalkst du mich etwa!? Klar, du willst auf mich vorbereitet sein, falls wir-!“
      „Ich war vor dir hier, Anya“, stellte Valerie unterkühlt klar, ohne sich von der Stelle zu rühren.
      Was deren Vorwürfe vorzeitig im Keim erstickte. „Oh …“

      „Wisst ihr was?“ Melinda, die zwischen den beiden stand, wirbelte um die eigene Achse und entfernte sich rückwärts auf Zehenspitzen laufend von den beiden. „Ich glaube, ich lasse euch beide alleine. Anya, tausch' dich doch mit Valerie aus, immerhin geht es ihr ähnlich wie dir.“
      Sie zwinkerte verschwörerisch. „Wenn ihr mich entschuldigt, ich muss ganz dringend auf die Toilette!“
      Dann drehte sie sich um und rannte ihnen schlichtweg davon.
      „Sie ist schon manchmal etwas komisch“, sah Valerie ihr schulterzuckend hinterher.
      „Yeah, definitiv. Denkst du, sie nimmt nicht vielleicht doch Drogen?“ Doch Anya erlebte einen geradezu erschreckend spontanen Sinneswandel, denn eine Sekunde später keifte sie schon: „Moment mal, was machst du dann überhaupt hier!?“
      Die Schwarzhaarige atmete tief durch. „Ich schätze, wir beide hatten dieselbe Idee. Ich wollte auch gegen jemanden mit Pendelmonstern kämpfen.“
      „Das gibt’s doch nicht!“
      Vor Wut über die bloße Tatsache, dass ihre Erzrivalin das so offen zugab, stampfte Anya mit dem Fuß auf. Verdammte Mistkuh, die hatte alles mit angehört. Dann wusste sie auch von der Liste, und oh scheiße, hatte sie sonst irgendetwas gesagt, was nicht für die Ohren von Redfield bestimmt war!?
      „Reg' dich ab, ich hatte auch meine Probleme mit Melindas Deck. Ich hatte schon vorher einen Ansatz, der auch ganz gut ist, aber eben noch nicht ausgereift ist. Willst du ihn hören?“
      Anya starrte sie an, als hätte Valerie gerade den Legacy Cup gewonnen. „… nein.“

      Unter dem Anflug selbstsüchtigen Trotzes wirbelte Anya herum und rauschte den Kiesweg entlang wie ein frisches Sommergewitter. Was dachte die blöde Schnepfe sich bloß dabei!? Konnte man denn nirgendwo mehr hingehen, ohne dass die auftauchte und die Stimmung ruinierte!?
      Warum genau sie wütend war, wusste Anya nicht genau. Vermutlich, weil Redfield ihr mal wieder zuvor gekommen war. Weil sie nicht die Erste und Einzige war, die sich weiterentwickeln wollte, was auch immer.
      „Bist du jetzt ernsthaft sauer auf mich?“, hörte Anya sie schon hinter sich in ihrem typisch neunmalklugen, ach-so-coolen Ton rufen.
      Es dauerte keine zehn Sekunden, da hatte Valerie sie eingeholt. Aber Anya schenkte ihr nicht die Genugtuung indem sie zugab, dass sie voll ins Schwarze mit ihrer Aussage traf. Stattdessen stampfte sie wütend vor sich hin. Die Büsche und Blumenbeete flogen an ihnen vorbei, der Springbrunnen mit den Reiterstatuen. Anya drosselte nach und nach das Tempo, als der erste Frust durch die Bewegung abgebaut war.

      Hin und wieder warf die Blonde ihrer Erzrivalin einen verstohlenen Blick zu. Obwohl sie selbst nicht erklären konnte warum, wurmte es sie tierisch, dass auch Valerie Melinda um eine Trainingsstunde gebeten hatte. Vielleicht lag es ja wirklich nur daran, dass sie sich das Gleiche dabei gedacht hatten. Was Anyas Ansicht nach Grund genug war, sich die nächste Brücke hinunter zu stürzen. Sie durften nicht einer Meinung sein, das verstieß gegen ungeschriebene Naturgesetze!
      „Hattest du Spaß beim Spionieren?“, stichelte sie daher in einem Anflug aus Frustration.
      „Schmollst du etwa immer noch? Du warst gut.“
      Anya runzelte verärgert die Stirn. „Ich habe gewonnen!“
      „Das war ein Kompliment, falls du es nicht bemerkt hast“, entgegnete die Schwarzhaarige tonlos.
      „Klang aber nicht danach. Was wolltest du überhaupt noch hier, nachdem du-?“ Anya blieb stehen. Als ihre Freundin ungehemmt weiter ging, rief sie wütend hinterher: „Hey!“

      Valerie hielt an und sah über ihre nackte Schulter. „Ich musste es nochmal erleben. Wie sie funktionieren. Es ist immerhin möglich, dass Othello Nikoloudis ins Finale einzieht.“
      Perplex blinzelnd, musste Anya das eben Gehörte erst verarbeiten. Wieso redete Redfield schon vom Finale, immerhin musste erst entschieden werden, wer überhaupt ins Halbfinale einzog!?
      „Denkst du etwa“, murmelte sie fassungslos, als sie deren Anwärter im Kopf durchging, „dass Marc es nicht schaffen wird? Gegen Kakyo?“
      Ihr Gegenüber senkte den Kopf. Ein leichter Windhauch zog durch den Park und strich um ihr seidiges, schwarzes Haar. „Irgendwo ist für jeden Schluss.“
      Anya wollte nicht glauben, was sie da hörte. Wütend stampfte sie auf Valerie zu und baute sich mit ihren 160 cm vor ihr auf wie ein Ausbilder der US-Army. Nur dass sie wesentlich emotionaler auf die Freundin einredete. „Ist das dein Ernst!? Er ist dein Verlobter, solltest du nicht an ihn glauben!?“
      „Sei mir nicht böse“, meinte Valerie und das schlechte Gewissen stand in ihren traurigen Gesichtszügen geschrieben, „ich weiß, wie gut Marc ist. Aber die anderen sind …“
      „Besser“, brachte Anya es grimmig auf den Punkt.
      „Ja und nein, es ist … komplizierter.“
      „Weißt du Redfield, ich wollte gegen Pendelmonster kämpfen, weil ich in Zukunft vielleicht noch öfter gegen sie ran muss. Und wenn einer meiner Feinde sie benutzt – und wir wissen ja, wie die in letzter Zeit aus dem Boden ploppen – dann will ich wenigstens wissen, womit ich es zu tun habe. An den Krüppel habe ich dabei allerdings überhaupt nicht gedacht.“
      Valerie biss sich auf die Lippe, als wolle etwas über ebendiese kommen, das nicht für fremde Ohren gedacht war. Nur war Anya keine Fremde mehr. Und das schlechte Gewissen letztlich zu stark. „Ich will nicht, dass Marc ins Finale einzieht.“
      „Aber warum!?“, verstand Anya nicht und breitete die Arme aus. „Was ist daran so schlimm!?“
      „Weil ich es nicht sein will, die seinen Traum beendet!“ Als die Blonde jedoch nur verwirrt blinzelte, fuhr Valerie sie verzweifelt an. „Mach dir doch nichts vor, wer würde das Turnier nicht gerne gewinnen wollen? Ich bin seine Verlobte! Ich will nicht diejenige sein, die ihm das zerstört!“
      Es dauerte einen Moment, bis Anya dazu etwas sagen konnte. Aber als es soweit war, tat sie es mit einer von ihr selten erlebten Beherrschung. Eisiger Beherrschung. „Ich sag dir was, Redfield. Vor Marc komme erstmal ich. Und ich könnte ganz gut damit leben, -dich- aus dem Turnier zu schmeißen.“

      Sprachs und stampfte davon. Verzweifelt eilte Valerie ihr nach. „Anya, warte! Es tut mir leid, so war das nicht gemeint!“
      Doch die sagte kein Wort mehr, stürmte stur geradeaus auf das Anwesen zu, das nicht mehr weit entfernt lag.
      „Ich würde dir den Titel gönnen! Hauptsache einer von uns gewinnt das Duell mit Claire. Aber versteh doch, wenn es wirklich so kommt und Marc ausscheiden muss, dann doch lieber durch jemanden wie Kakyo oder Othello.“
      Nein, widersprach ihr Anya im Stillen. Das war nur eine Ausflucht. In Wirklichkeit nahm Valerie sie nicht ernst, die dämliche Ziege spielte scheinbar nicht einmal mit dem Gedanken, gegen sie zu verlieren. Sie rechnete sich gleich aus, im Finale gegen den Rollstuhlheini zu kämpfen, weil der sie ja in den Vorrunden einmal abserviert hatte!

      Es kam ganz plötzlich. Ein fürchterliches Stechen in ihrer Magengegend. Anya kam zum Stehen und hielt sich die schmerzende Stelle.
      „Anya, was ist los?“, fragte Valerie erschrocken und packte die Freundin von hinten an den Schultern. Doch die riss sich widerspenstig los.
      „Lass mich!“
      Der Schmerz wurde immer schlimmer, er raubte ihr zunehmend die Luft zum Atmen. Ihre Beine fühlten sich mit einem Male an wie Pudding, sie gaben nach und Anya stürzte auf die Knie.
      „Oh Gott, wir müssen einen Krankenwagen rufen!“
      Ihre Freundin hatte schon ihr weißes Smartphone gezückt, doch Anya, die über ihre Schulter blickte, raunte: „So'n Quatsch, mir geht’s gut. Pack das Ding weg.“
      Sich mit einer Hand im Kies abstützend und mit der anderen den Bauch haltend, schloss Anya die Augen. Atmete tief durch und wartete, bis der Schmerz langsam nachließ. Gut … dieser Anfall war nicht ganz so schlimm gewesen.
      Als sie sich aufrichtete und erhob, geriet das Mädchen jedoch ins Schwanken. Valerie eilte unter ihre Schulter und stützte sie ab. „Anya, du bist kreidebleich, nichts ist in Ordnung!“
      „Redfield, kein Arzt der Welt könnte etwas dagegen tun! Also lass es, verdammt!“
      Erschrocken erwiderte Valerie: „Kommt das daher, dass dir die Lebenskraft genommen wurde!?“
      „Wahrscheinlich … ich habe es erst seit einigen Monaten, nachdem dieser Dreckskerl von Sammler mich ausgesaugt hat wie … scheiße, mir fällt keine einzige Nicht-Vampir-Metapher dazu ein!“
      Anya nahm selbstständig den Arm von der Schulter ihrer Freundin und ging ohne Hilfe weiter.
      „Tut mir leid, aber du hast mir gerade noch einen Grund gegeben, dich im Halbfinale fertig zu machen.“
      Auf Valeries Aussage hin lachte Anya höhnisch auf. „Gewinn erstmal dein Viertelfinale heute.“
      „Dessen wirst du dich nachher vor Ort überzeugen können.“
      „Hatte nichts anderes vor. Immerhin will ich sehen, was für Tricks du inzwischen auf Lager hast“, sprach die Blonde mit einer Spur grimmiger Vorfreude, als sie die Terrasse der Villa erreichten.
      Und Valerie lachte nicht weniger selbstbewusst: „Ha ha. Glaub mir, es gefällt mir gar nicht das zu sagen, denn für dich habe ich etwas ganz Besonderes geplant. Aber sag mal … Wenn es eine Person gäbe, der du unbedingt beweisen willst, wie gut du bist. Welche wäre das?“

      Irritiert drehte Anya sich zu ihr um, als sie die kleine Treppe hinauf beschritt. „Wieso fragst du das plötzlich?“
      „Weil ich wissen möchte, ob es nur mir so geht.“ Erwartungsvoll starrte die Schwarzhaarige sie an. „Und? Gibt es da jemanden?“
      Darüber hatte sie nie wirklich nachgedacht, grübelte Anya. Hauptsächlich kämpfte sie für ihre Ziele und im weiteren Sinne für ihren Traum. Also war es das Wichtigste, die eigens gestellten Anforderungen zu erfüllen. Ob sie jemandem 'gefallen' wollte?

      And the winner is: Logan Carter!

      Oh Gott, wieso musste sich dieser Trottel -jetzt- einmischen!? Die ganze Zeit war er so schön still gewesen!

      Sorry, Daddy Bauer, für dich reicht's nur für den zweiten Platz!


      „Was für ein Schwachsinn! Halt die Schnauze, Levrier, du hast keine Ahnung!“ Sich an die von dem Ausbruch erschrockene Valerie wendend, fauchte Anya: „Nein, es gibt absolut niemanden! Kann ja nicht jeder einen Marc haben!“
      Plötzlich brach Valerie in heiteres Gelächter aus. Um jedoch nicht von Anya erschlagen zu werden, die gleich darauf wie ein wütender Stier zu schnauben begann, fügte sie hinzu: „Kleiner Tipp: Ich habe eine solche Person. Und nein, es ist nicht Marc und es bist auch nicht du. Genau genommen kennst du diese Person vermutlich nicht einmal. Frag erst gar nicht, um wen es sich handelt.“
      Anya blinzelte missmutig. „Hatte ich nicht vor.“
      „Dann ist ja gut. Und da du bestimmt immer noch nicht zum Arzt willst, sollten wir uns ein Taxi rufen, damit wir pünktlich im Stadion sind.“
      „Sag mal, Redfield, wenn ich vielleicht -doch- zum Arzt wollen würde … würdest du dann mitkommen?“
      Jetzt war es ihre Freundin, die genau einmal mit den Augen klimperte. „Und vielleicht mein Spiel verpassen? … nein.“
      „Shit, hätte ja klappen können!“
      Und auch wenn sie sich wieder gegenseitig neckten, so würde Anya das, was Valerie über Marc gesagt hatte, nicht so schnell vergessen …

      ~-~-~

      Mit verschränkten Armen saß Anya neben Marc in der untersten Reihe der Arena. Gerade zog Valerie schwungvoll auf.
      Eines war Anya während des Duells aufgefallen: Weder Mr. C, noch das Publikum zeigten sich sonderlich begeistert von Valeries Performance. Der Schlagabtausch zwischen ihr und Valmiro Guerri, einem jungen Mann mit dunklem Teint und schulterlangem, schwarz gelocktem Haar, hatte sich bisher als sehr ausgeglichen herausgestellt. Jeder der beiden schaffte es Zug um Zug, den anderen zu übertrumpfen, ohne aber eine wirkliche Dominanz aufzubauen.

      [Valerie: 400LP / Valmiro: 1200LP]

      „Könnte diese Karte endlich die Entscheidung bringen?“, hallte die Stimme des Kommentators durch das Stadion. Viele riefen Valmiros Namen, der in Texas, seinem Heimatstaat, eine kleine Berühmtheit zu sein schien.
      „Was finden die bloß an der Schmalzlocke?“, äußerte Anya ihre Gedanken dazu grimmig.
      „Er ist in einer Band. Kein Wunder, dass die Leute da kaum auf Valerie achten“, lieferte Marc ihr die passende Erklärung. „Aber mach dir nichts draus, sie kann das ab.“

      Mit einem strengen Blick sah sich Valerie ihre drei Handkarten an. Dank des [Beast King Barbaros'], welcher in der Gestalt einer aufrecht stehenden, humanoid-angehauchten Mischung aus Pantherunterleib und Löwentorso mit Lanze und Schild daher kam, hatte sie in der letzten Runde ihr komplettes Feld verloren.

      Beast King Barbaros [ATK/3000 DEF/1200 (8)]

      Jedoch hatte auch Valmiro bis auf dieses Monster all seine Ressourcen verbraucht.
      „Ich aktiviere die Ritualzauberkarte [Forbidden Arts Of The Gishki]!“, rief Valerie aus und rammte jene in ihr rotes D-Pad.
      „Schon wieder ein Ritual!?“, beklagte sich Valmiro mit der Spur eines mexikanischen Akzents.
      „Ja, aber diesmal opfere ich dein Monster!“, verkündete die Schwarzhaarige konzentriert.
      Unter dem bestialischen Krieger des jungen Mannes öffnete sich ein Runenzirkel, der ihn in die Tiefe zog.
      „Ritualbeschwörung! [Evigishki Levianima]!“
      Eine Wasserfontäne schoss vor Valerie aus dem Boden und als diese versiegte, befand sich vor ihr eine amphibische, drachenähnliche Gestalt, welche ein Schwert mit sich führte. Die dunkelblaue Haut wurde erstaunlicherweise von Kleidung bedeckt.
      „Ein durch die verbotenen Künste beschworenes Ritualmonster verliert die Hälfte seiner Angriffspunkte und verhindert, dass ich in diesem Zug angreifen kann“, erklärte dessen Besitzerin.

      Evigishki Levianima [ATK/2700 → 1350 DEF/1500 (8)]

      „Jedoch“, sprach sie weiter, „brauche ich das gar nicht mehr.“

      Indes rieb sich Marc verwundert seinen Kinnbart. „Was hat sie vor?“
      „Gewinnen, was sonst?“
      Wobei Anya insgeheim selber nicht wusste, wie ihre Erzrivalin das anstellen wollte. Was das Ganze nur umso interessanter machte.

      Ihre letzte Handkarte in das D-Pad einschiebend, atmete Valerie mit einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen tief durch. „Die hier habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben. Ich aktiviere [Misfortune], eine Zauberkarte.“
      Schwarze Entladungen begannen sich rund um den geflügelten Levianima auszubreiten. Erstaunte Ausrufe aus den Zuschauerrängen drangen von allen Seiten zum Spielfeld.
      „Heute ist dein Pechtag, Valmiro“, erklärte Valerie, „denn indem ich auf die Battle Phase verzichte, kann mein Monster dir die Hälfte seiner Angriffspunkte direkt als Effektschaden zufügen!“
      Der gebürtige Mexikaner wich erschrocken zurück. Mr. C hingegen klang unsicher, als er rief: „Eine interessante Strategie von Valerie Redfield. Statt einen Nachteil daraus zu ziehen, dass ihre Ritualzauberkarte sie diese Runde am Angriff hindert, nutzt sie eine zweite Karte mit demselben Haken, um daraus einen Vorteil zu machen. Aber kann das funktionieren?“
      „Nein!“, donnerte Valmiro Guerri überzeugt. „Dein Monster hat zu wenig Angriffspunkte übrig.“
      „Ich fürchte nicht, denn die Berechnungsgrundlage ist der Originalwert, nicht der aktuelle.“ Das hübsche Mädchen legte ein bedauerndes Lächeln auf. „Tut mir leid.“
      In diesem Moment öffnete Levianima sein Maul, welches die schwarzen Blitze um ihn herum in sich aufsog und entfesselte diese als mächtigen Strahl. Dieser schlug direkt in den Körper von Valeries Kontrahenten ein, welchem ein erschrockener Schrei entglitt.

      [Valerie: 400LP / Valmiro: 1200LP → 0LP]

      „Großartig!“, schrie Marc und sprang auf.
      Viele der Zuschauer applaudierten und riefen Valeries Namen, einige wenige hielten sogar Banner und Schilder mit Namen oder Bildern der Schwarzhaarigen in die Luft. Diese winkte ihren Fans bescheiden zu, drehte sich dann jedoch zu ihren beiden Freunden in der ersten Reihe um.
      „Gut gemacht, Redfield“, bewegte die sitzende Anya ihre Lippen, ohne jedoch einen Ton zu sagen.
      Und der entschlossene Blick der zweiten Halbfinalistin des Legacy Cups sagte: „Du bist die Nächste.“


      Turn 70 – Clash Of Ambitions
      Während die zweite Paarung des Halbfinales schließlich feststeht, erfährt Nick durch Alexandra ein interessantes Detail über die Hüterartefakte. Für Anya hingegen ist der Tag, an dem sie Valeries Namen von ihrer Liste streichen will, endlich gekommen …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Crystal
      Gem-Knight Iolite
      Gem-Knight Alexandrite
      Gem-Knight Lazuli

      Kuriboss
      Fee/Licht/Empfänger
      ATK/300 DEF/200 (1)
      Wenn einem Spieler Kampfschaden zugefügt wird, während sich diese Karte auf deinem Friedhof befindet: du kannst diese Karte verbannen, um den Schaden auf 0 zu setzen. Wenn du durch diesen Effekt Kampfschaden, den dein Gegner erleiden würde, annulliert hast: ziehe eine Karte; du kannst die ATK eines offenen Monsters um 300 erhöhen.

      Gem-Knight Fusion
      Burial From A Different Dimension
      Flash Fusion

      Gem-Knight Ruby
      Gem-Knight Amethyst
      Gem-Knight Seraphinite

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Melinda

      Performapal Hip Hippo
      Performapal Skimmer Skeeter
      Performapal Sword Fish
      Performapal Pendulum Sorcerer
      Performapal Lizardraw
      Performapal Silver Claw
      Performapal Camelump
      Performapal Trumpanda
      Performapal Cheermole

      Performapal Recasting

      Performapal Pinch Helper

      Valerie

      Evigishki Levianima

      Forbidden Arts Of The Gishki
      Misfortune

      Valmiro

      Beast King Barbaros