Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      -Aska-

      Joa. Ich denk bei dem Umfang, den du damals schon hattest immer nur, wie schade es ist, wenn die ganze Arbeit praktisch 'unter den Tisch' fällt. Aber andererseits ist TLA ja doch eine andere Story, insofern kann ich nachvollziehen, dass es da nicht wirklich gibt, Ideen zu übernehmen. Und im Endeffekt soll ja TLA auch TLA sein und nicht SoW 4.1.

      Richtig, zumal das ja auch immer derartige Duelle sind, die tödliche Konsequenzen hätten, wenn man sie verliert. Insofern kann man das wirklich nicht einfach so bringen, und eine "Trumpfkarte" ala "Du kommst aus dem Duell frei" wie es hier war kann man ebenso nur begrenzt nutzen. Und jo, für den begrenzten Platz war es auf jeden Fall sehr gut und mit viel Effekt zum Ende ;)

      Exa ist und bleibt für mich ein Rätselkandidat. Manchmal hat man wie ich es hier und da schon mal geschrieben habe, dass er relativ "unschuldig" bzw unbedarft wirkt, fast wie so ein unbeschriebenes Blatt, was ersteinmal gefüllt werden will. Und dann sind da Momente, da ist er fast eine andere Persönlichkeit. Aber gerade das macht es so spannend, Stück für Stück rauszufinden, was es nun mit ihm auf sich hat.

      Was die "Regel" angeht, ich denke, die wird auch noch öfters aufkommen werden.


      Folge

      Wieder einmal eine interessante Folge, die schön den Übergang zu den nächsten Duellen auf dem Weg zum gespannt erwarteten Finale ebnet. Oder sollte ich eher sagen, dass erste Halbfinale >:3

      Dann aber gleich mal zum Titel. Für einen kurzen Moment hätte man da ja vermuten können, dass dieser irgendwie in Verbindung mit der Hüterliste steht, von der es Namen zu streichen gab. Aber im Endeffekt spricht ja einiges dagegen, ohne das man groß überlegen muss. Zumal Claire momentan das übergeordnete Ziel aller ist, hätte es sich bei ihr nicht um jenen Hüter handeln können. Und jeden anderen Hüter hätte sich wie aus dem Ärmel geschüttelt angefühlt. Also musste es irgendetwas anderes sein.

      So aber war diese Pitchest Black Liste ein schöner Aspekt an Anyas Charakter, die neben ihrem Traum von der Duel Queen ganz klar zeigt, dass auch jemand wie sie ganz normale Ambitionen hat. Gerade auch, dass sie diese Liste an Leuten etwas ist, was sie ganz aus ihrer eigenen Kraft schaffen möchte.
      Nur, wie umfangreich diese Liste tatsächlich ist, darüber gab es keine Aussage. Jedoch dürfte man bei Anya annehmen, dass diese Liste mindestens zweistellig ist und einen Großteil in der FF bereits aufgetretene Nebencharaktere umfasst xD
      Auch ist der Name wieder ganz typisch für Anya. Für eine eigentlich positive Ambition, hat sie einen völlig "verfremdenden" Namen.

      Man kann es zwar nicht direkt miteinander vergleichen, aber von der Qualität finde ich, ähnelt Anyas Liste in gewisser Weise Valeries Frage, ob es für Anya jemand gibt, dem sie unbedingt beweisen will, wie gut sie ist. In erster Linie ist dies natürlich sie selbst, die sich beweisen will, dass sie es draufhat, aber im Endeffekt will sie es ja auch allen auf ihrer Liste zeigen. Was aber Valerie angeht, da bleibt noch offen, wer ebenjene Person konkret ist, aber es wurde sehr deutlich, wie wichtig dies für sie zu sein scheint, dass man es definitiv auf eine Ebene mit Anyas Pitchest Black Liste stellen kann.

      Schön eingesetzt war es, die Liste mit der Möglichkeit, etwas über die Pendelmonster zu lernen und schon einmal einen Namen von der Liste zu 'streichen'. Stellt sich nur die Frage, wann Melinda überhaupt erst auf dieser gelandet ist, aber wahrscheinlich war der Name "Ford" und die Verwandschaft zu Henry bereits Grund genug.
      Richtig gut fand ich am Ende des Duells, wie Anya sich selbst eingestand, dass sie noch keinen guten Weg gegen Pendelmonster gefunden hat, und es ihren Sieg für sich selbst madig gemacht hat, dass sie nur durch rohe Gewalt gewonnen hat. Aber letztlich ist ein Sieg ein Sieg, und das darf und sollte man anerkennen dürfen.
      Denn insgesamt konnte Melinda mit ihren Pendeln ziemlich Drcuk ausüben, und es ist erschreckend, wie die kleinen Monster anwachsen können, wenn sich deren Effekte bündeln. Deshalb war das Ende des Duells an der richtigen Stelle, denn jeder weiß genau, wenn Anya es in der Runde nicht geschafft hätte, würde Melinda sie praktisch ungehindert überrennen können.

      Aber damit kommen wir zum Knackpunkt der Folge. Nachdem Anya nun ihr Deck zurückhat, bahnte sich das an, was bereits vorher von verschieden Charas beobachtet wurde, insbesonders Valerie, und das war ihre Fixierung auf Angel Wing.
      Denn es ist ganz deutlich rübergekommen, wie Anya zu einem AWD Junkie verkommen ist. Zwar sind ihre Züge immer noch kreativ und sie nutzte ja auch ihre Fusionen, aber im Endeffekt versteift sie sich nahezu einzig und allein auf die Effekte von Angel Wing. Was natürlich durch die deutliche Darstellung super mit Valeries Reaktionen darauf passend einherging. Da kann ich mir auf jeden Fall vorstellen, dass sie diese Beobachtungen zu ihrem Vorteil nutzen könnte.

      Insgesamt gefiel mir auch die ganze Situation um die beiden, die du da verwendet hast. Mit Anya im Duell eingespannt und Valerie, die ohne deren Wissen dies verfolgte. Besonders, weil man in solchen Momenten Dinge bringen kann, die die CHaras in gegenseititger Anwesenheit so wohl nicht sagen würden. Umso lustiger war es da natürlich auch, diesen Tick von Anya einzuführen, mit dem unbewussten Bewegen der Lippen, wenn sie angestrengt nachdenkt. Gerade deshalb auch, weil Anya für sie völlig atypisch Valerie für ihren Sieg lobte - und da es eine Lippenbewegung war, bedeutet das ja, dass es wirklich ernstgemeint war.

      Achja, bevor ich es vergesse, da gab es ja auch noch die Eingangsszene. Die fand ich echt witzig, wie Nick ihr im Abgang den Rücken zudreht und Anya dann über Zanthe herfiel, nachdem sie schon vorher Versuche in der Richtung unternommen hatte. diese umfangreicheren Interaktionen zwischen Anya und Zanthe sind ja generell oft extrem witzig. Was es so schade macht, dass er sich aktuell aufgrund von Exa zunehmend von dieser absondert. Aber Matt wirft mit der Jadgzeit, die offensichtlich naht, noch einen weiteren Schatten, der für Probleme sorgen könnte.

      Was Nick und Alex angeht, darin sehe ich wirklich eine sehr profitable, aber leider auch zerbrechliche Partnerschaft. Jeder der beiden wird diese wohl nur solange aufrechterhalten, wie sie Nutzen für ihn/sie selbst hat. Aber das wird hoffentlich noch nicht so bald sein, denn bisher ergänzt sich das Duo charakterlich sehr gut, wie ein Schlüssel zum Schloss ^^

      Die Preview lässt mich natürlich Freudensprünge machen, beginnt doch demnach in der nächsten Folge endlich das heiß ersehnte Duell zwischen Anya und Val :D
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Mal wieder danke an alle Leser. Updates kommen momentan etwas langsamer als sonst, da ich mich gerade in den Vorbereitungen zu meiner Abschlussprüfung befinde.

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      Das Thema SoW und die ganze erste Fanfic-Welt ist für mich nun mal abgeschlossen. Ich habe aber nicht vor, TLA mit einem offenen Ende wie damals bei SoW abzuschließen. ^^
      Ich sehe Exa nicht so extrem wie du. Vielleicht weil ich mehr über ihn weiß. Mal schauen.

      Dieses Kapitel habe ich übrigens spontan dazwischengeschoben, um die Liste einzuführen. Vorher sollte das in einem Special passieren, welches nun aber nicht mehr auf dem Plan steht.
      Außerdem war es auch eine gute Gelegenheit, Melinda noch einmal in Aktion zu zeigen. Zweistellig ist die Liste auf jeden Fall, ja. Melinda steht drauf, weil sie Anya damals hatte gewinnen lassen und sie so nie herausfinden konnte, wie stark sie wirklich ist.
      Ich fand auch, dass der Sieg etwas für sie hatte, denn damit kann Anya sich trotzdem noch weiterentwickeln.

      Was Nicks und Alex' Partnerschaft angeht, tja ... sie passen auf jeden Fall gut zusammen. Und sie brauchen einander, vielleicht mehr als der jeweils andere zugeben möchte.

      Dann vielen Dank für deinen Post und viel Spaß mit dem lang von dir ersehntem Duell. xD


      Also dann, ich hoffe gut für eure Unterhaltung gesorgt zu haben. Viel Spaß!

      Turn 70 – Clash Of Ambitions
      Anya schloss die Augen und ballte eine Faust, die sie energisch in die Höhe streckte. Um sie herum die Dunkelheit eines Elysions, doch nicht etwa ihr eigenes, sondern das des hochgewachsenen, blonden Mannes mit dem aus einzelnen Braids bestehendem Zopf: Exa. Sie standen einander in feindseliger Haltung gegenüber auf einer kreisrunden Plattform, das Mosaik zeigte vom Rand ins Zentrum dringende Flammen. Alles, was sich hinter Exa befand, wurde von einem dunklen Schatten verborgen.
      „The fallen comrades become witnesses of a new beginning!“, rezitierte Anya und riss die Augen auf. „Summon contract established!“
      Mehr als ein halbes Dutzend Lichter stiegen aus dem Friedhof von Anyas Battle City-Duel Disk auf und positionierten sich über dem Mädchen. Jedes davon war Bestandteil eines bestimmten Kreises, die perfekt ineinander lagen.
      „Open the eternal gate!“, schrie Anya aus voller Lunge.
      Die Energiekreise verwandelten sich in Fragmente einer runden Steintafel, dort wo einst das Licht geschienen hatte, glimmte stattdessen eine Rune unbekannter Herkunft. Jedes Teilstück des Portals drehte sich im oder gegen den Uhrzeigersinn, jeweils genau in die andere Richtung des darauf folgenden.
      Anya ballte eine Faust, auf der ebenjene Rune in den Farben des Regenbogens leuchtete und hielt sie Exa entgegen. „Excel Summon!“
      Eine Raumverzerrung entstand. Das Mittelstück des Portals schoss meterweit nach hinten, die anderen Teile folgten ihm auf einiger Distanz. Ein Wurmloch wurde erzeugt, aus dem ein silbriger Schimmer drang.
      „Grade …! Rage onwards, [… … Excel Dragon]!“

      „Anya!“
      Die Blonde schreckte auf. Benommen nahm sie die angeregten Zurufe aus dem Publikum wahr, welches gespannt das Duell zwischen Marc und Kakyo Sangon verfolgte.
      Neben ihr saß Valerie und verschränkte unter einem tadelndem Blick die Arme, betrachtete sie in einer leicht nach vorne gebeugten Haltung.
      „Sorry, bin kurz weggenickt“, nuschelte Anya verschlafen und gähnte demonstrativ, „hab ich was verpasst?“
      Matt, der eine Reihe hinter ihr saß, stöhnte genervt. „Das halbe Duell. Aber selber schuld, wenn du gestern auch die ganze Nacht am Laptop sitzt und Computerspiele spielst.“
      „Hey, das musste mal wieder sein!“, drehte sie sich mit grimmiger Visage zu ihm um.
      „Hört ihr bitte auf damit? Ich möchte das Spiel verfolgen“, empörte sich Valerie und zeigte mit der flachen Hand Richtung des kreisrunden Spielfelds weiter unten. Sie saßen in der ersten Reihe.
      Verlegen nuschelte Matt: „Entschuldige bitte.“
      Dagegen gab es von Anya nur ein Stirnrunzeln als Reaktion. Redfield, diese heuchlerische Mistmade. Tat ja gerade so, als hätte sie ihre eigenen Worte von neulich schon vergessen.
      Wütend verschränkte Livingtons Terrormaschine #1 die Arme vor der Brust und sank tiefer in ihren Sitz. Dabei innerlich Marc anfeuernd, denn -ihm- wollte sie im Finale begegnen. Allein, um es ihrer Erzrivalin richtig heimzuzahlen, auch wenn das hieß, den Kampf auf Marcs Rücken auszutragen. Aber hier ging es ums Prinzip! Welches auch immer …

      Nicht nur Anyas Stimmung war erhitzt, auch das Publikum fieberte dem Duell mit. Dank seines [Laval Judgment Lords], eines Kriegers, dessen rote Haut von einer Skelettrüstung und einem zerfetzten, roten Umhang bedeckt war, war es Marc gelungen, Kakyo in arge Schwierigkeiten zu bringen.

      Laval Judgment Lord [ATK/2700 DEF/1800 (7)]

      Neben einer Handkarte besaß der Schwarzhaarige, welcher sich extra für das Duell den Bart abrasiert hatte und in einem schwarzen Blazer und dazu passender Hose auftrat, auch eine verdeckte Karte.

      Doch es war Kakyo, der am Zug war und zuvor den [Skilled Dark Magician] in einem braunen Gewand beschworen hatte. Dieser hielt einen weißen Zauberstab, nicht länger als eine Rohrzange, in beiden Händen. Soeben hatte Kakyo eine Zauberkarte aktiviert, sodass ein grünes, dreieckiges Symbol unterhalb der Brust besagten Magiers aufzuleuchten begann.

      Skilled Dark Magician [ATK/1900 DEF/1700 (4) SC: 1]

      [Marc: 1100LP / Kakyo: 200LP]

      Der Brünette nahm zwei seiner drei Handkarten, beides Zauber, und schob sie parallel nebeneinander in sein D-Pad. „Gleich darauf aktiviere ich noch [Emblem Of The Dragon Destroyer] und [Fusion Sage]! Beide erlauben es mir, ganz bestimmte Karten von meinem Deck auf die Hand zu nehmen!“
      Zunächst tauchte vor dem brünetten Burschen ein goldener Pokal auf, dessen Fuß an eine Drachenklaue angelehnt war. In seiner Mitte funkelte ein himmelblaues Juwel, in dem das Symbol eines von einem Schwert aufgespießten Drachenschädels zu sehen war.
      „[Emblem Of The Dragon Destroyer] sucht mir ein Monster namens [Buster Blader]. Und [Fusion Sage] lässt mich die [Polymerization]-Fusionskarte meinem Blatt hinzufügen!“
      Automatisch schoben sich beide an unterschiedlichen Stellen aus seinem Deck hervor, sodass Kakyo sie nur aufzunehmen brauchte. Zeitgleich begannen die beiden farblosen Kugeln an den Schultern des [Skilled Dark Magicians] grün zu leuchten.

      Skilled Dark Magician [ATK/1900 DEF/1700 (4) SC: 1 → 3]

      „Wie du siehst, hat mein Magier jetzt auch die restlichen beiden Zauberzähler bekommen“, rief dessen Besitzer energisch und streckte die Hand mit gespreizten Fingern aus, „damit kann er sich als Tribut anbieten, um die nächste Stufe zu erreichen! Erscheine, mein Assmonster!“
      Der Hexer ließ seinen weißen Zauberstab vor sich im Kreis drehen. Jener verwandelte sich in ein längliches, schwarzes Modell. Ebenso färbte sich die Robe des Hexers ebenso pechschwarz, langes, weißes Haar begann unter einer spitzen Haube hervorzulugen.
      „[Dark Magician]!“, strahlte Kakyo unter lautem Beifall.

      Dark Magician [ATK/2500 DEF/2100 (7)]

      „Das ist die seltene Anniversary-Version!“, drang Mr. Cs erstaunte Stimme aus den Lautsprechern des kreisrunden Stadions. „Davon gibt es auf der Welt nur eintausend Exemplare!“
      Sogar Marc klatschte anerkennend. „Ein echtes Prachtstück, dein schwarzer Magier.“
      „Jeder der drei, die ich im Deck spiele, hat ein anderes Artwork“, erwiderte Kakyo stolz.
      Passend dazu wirbelte dieser finstere Zauberer mit seiner Waffen in der Hand, um die Menge zu begeistert. Was er auch schaffte.
      „Besonders lustig wird es jedoch, wenn ich das hier mache!“, rief Kakyo und rammte seine [Polymerization]-Zauberkarte in das rote D-Pad. „Ich verschmelze [Dark Magician] und [Buster Blader]!“
      Mit einem ehrgeizigen Blick schlug Kakyo die Hände über den Kopf zusammen und ballte mit beiden zusammen eine Faust. Direkt darüber entstand ein blau-orangener Wirbelstrom, der zuerst den Hexer in sich hineinzog, dann ein zweites über Kakyo erscheinendes Monster, einen kräftiger Krieger in dunkelblauer Rüstung, der ein massives Breitschwert schwang. Als beide im Sog verschwunden waren, drang daraus ein grelles Licht hervor.
      Kakyo riss die Faust nach unten. „Fusion Summon! Die perfekte Verbindung aus Krieger und Magier betritt das Spielfeld! Erscheine, [Dark Paladin]!“
      In schwarzer Robe, die glänzte wie eine Rüstung, landete jener mit einem Satz vor ihm. Das weiße Haar war noch länger geworden und lag ihm über den Schultern, wie er sein Doppelschwert schulterte, das von der Form her stark dem Zauberstab seines Vorgängers ähnelte.

      Dark Paladin [ATK/2900 DEF/2400 (8)]

      Die Menge im kreisrunden Stadion jubelte.
      In der ersten Reihe beugte sich Anya nach vorne, hin zum Geländer, welches sie mit ihren Händen umklammerte. „Jetzt wird’s interessant, Redfield.“
      Jene saß verkrümmt neben dem Mädchen, den Arm angewinkelt auf dem Oberschenkel gestützt, sodass sie mit dessen Hand unter ihr Kinn streichen konnte. Ihr rechter Fuß tippte im regelmäßigen Takt aufs Parkett. Anya bemerkte es aus den Augenwinkeln, entschied sich aber dagegen, aufmunternde Worte zu sprechen. Wenn Valerie Redfield nervös war, hatte das meist einen guten Grund. So richtete Anya ihr Augenmerk wieder aufs Duell.

      Gerade verkündete der brünette Kakyo selbstsicher: „Du hast einen fatalen Fehler begangen, [Lavalval Dragun] und [Lavalval Dragon] in diesem Duell einzusetzen.“
      Marc verschränkte die Arme, erwiderte selbstironisch: „Wenn du damit meinst, dass du sie beide problemlos umgenietet hast, stimme ich dir zu.“
      Die Lacher waren auf seiner Seite. Kakyo schwang mahnend den Zeigefinger. „Sie überhaupt zu benutzen war der Fehler. [Dark Paladin] erhält 500 Angriffspunkte für jeden Drachen, ob im Friedhof oder auf dem Spielfeld.“
      Die Abbilder der beiden Synchromonster tauchten hinter dem finsteren Hexenkrieger auf. Es handelte sich dabei um einen Flugsaurier mit flammenden Schwingen und Schopf sowie um einen aus glühendem, braunem Gestein bestehenden Drachen. Beide verpufften, dagegen begann [Dark Paladin] in weißer Aura aufzuflammen.

      Dark Paladin [ATK/2900 → 3900 DEF/2400 (8)]

      „Na toll“, murmelte Marc angefressen.
      Sein Gegner ballte demonstrativ eine Faust. „Das dürfte dann wohl reichen, um deine restlichen Lebenspunkte auszulöschen! [Dark Paladin], greife [Laval Judgment Lord] an! Super Magical Shadowless Slash!“
      Der finstere Krieger hob seine Doppelklinge in die Höhe. Dann zischte er innerhalb eines Sekundenbruchteils wie ein schwarzer Pfeil nach vorne, tänzelte auf den letzten Metern mit ausholenden Bewegungen seiner Waffe auf den Feind zu.
      „Das hättest du wohl gern!“, fauchte Marc ehrgeizig und betätigte den Knopf an seinem D-Pad, sodass seine gesetzte Karte aufsprang. „Ich aktiviere den Schnellzauber [Mirage Tube], die den Angriff umleiten und dich 1000 Lebenspunkte kosten wird!“
      „Von wegen“, erhitzte sich auch Kakyo, „noch habe ich eine Handkarte übrig!“
      Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still wurde es im Stadion, als Kakyo besagte Karte in den Friedhofsschacht schob und rief: „Effekt von [Dark Paladin]! Black Magic Jammer! Für eine Handkarte negiere ich deine Zauberkarte!“
      Die Zauberkarte, die vor Marc aufsprang, verfärbte sich von unten aufwärts pechschwarz. Der Schatten des dunklen Paladins hatte sich heimlich unter den Beinen des [Laval Judgment Lords] hinweg geschlichen und befiel Marcs letzten Trumpf, der in tausend Stücke zerbarst.
      Dann hallte ein Sirren durch die Arena. Mit einer Drehung versetzte [Dark Paladin] dem gleichgroßen Lavalord einen Kreuzhieb.
      Stille. Dann folgte die Explosion.

      [Marc: 1100LP → 0LP / Kakyo: 200LP]

      Es dauerte einen Moment, ehe die Menge zu jubeln begann. Marc stand etwas verloren da, regungslos.
      „Und der erste Teilnehmer des zweiten Halbfinales ist Kakyo Sangon!“, verkündete Mr. C aufregt.
      Marc gewann seine Fassung wieder und schritt erhobenen Hauptes auf seinen Gegner zu, nachdem die Hologramme verschwunden waren. Der tat es ihm gleich, sodass sie in der Mitte aufeinander trafen und die Hände schüttelten.

      Indes waren Valerie und Anya gleichzeitig von ihren Plätzen aufgesprungen.
      „Herzlichen Glückwunsch“, zischte Letztere böswillig, „jetzt hast du, was du wolltest.“
      Valerie senkte das Haupt und schwieg, als der Jubel im Publikum eintrat.

      ~-~-~

      Behutsam drehte Nick den goldenen Handschuh in seiner Hand. Er war tatsächlich so lang, wie er ihn geschätzt hatte, reichte einem durchschnittlichen Menschen bis zum Ellbogen. Vom Ende, der aus einem Ring bestand, wanden sich so drei goldene Schlangen den Arm entlang, bis sie in der Einstülpung endeten. Er war federleicht.
      Nick, mit nichts als weiß-blau gestreiften Boxershorts am Leib, legte das gute Stück auf die Kommode neben dem Fenster zurück.
      „Woher hast du den?“ Er drehte sich zum Himmelbett um, in dem Alexandra lag.
      Lasziv auf der Seite liegend, die Decke knapp über den roten BH gezogen, lockte sie ihn mit dem Zeigefinger zu sich. „Komm wieder ins Bett.“
      „Ich mein's ernst.“
      Die Dunkelblonde mit dem leicht welligen, schulterlangen Haar rollte mit den Augen, die von dunklen Ringen gezeichnet waren. „Bist du immer so neugierig?“
      „Das ist der Deal. Du bist hier“, sagte Nick und deutete mit beiden Zeigefingern auf den Boden, wobei eigentlich das luxuriöse, ganz in Weiß gehaltene Hotelzimmer gemeint war, „und ich da.“
      Seine Finger richteten sich auf die leere Betthälfte.
      Alexandra schnappte sofort: „Hältst du mich für eine Prostituierte!?“
      „Genauer gesagt“, wollte Nick sie korrigieren, brach dann aber ab, da er es sich doch lieber verkniff, sie direkt als Werkzeug zu bezeichnen. „Nein. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.“

      Sie stöhnte genervt und drehte sich auf den Rücken. „Das ist der Reif von Loiré.“
      „Nie davon gehört. Aus welcher Mythologie …?“
      „Gar keiner. Loiré war ein mächtiger Dämon, der die europäische Unterwelt vom 16. bis 18. Jahrhundert beherrscht haben soll“, erklärte die selbsternannte Schatzjägerin ihm altklug, „den da hat er sich schmieden lassen. Der Reif kanalisiert die verborgenen Kräfte seines Trägers und schleudert sie seinen Feinden entgegen.“
      Nick kratzte sich am zerzausten Hinterkopf, ehe er langsam auf das Himmelbett zu schlenderte. Wie sie da lag, halb verborgen von den Schleiern, die an der Decke befestigt waren. So hatte er noch nie eine Frau gesehen, jedenfalls nicht in der Realität. Ein betörender Anblick, zweifellos, aber … nicht annähernd so sehr, wie er sich das vorgestellt hatte.
      Sie war es gewesen, die ihn verführt hatte. Und er hatte bewusst nachgegeben, um ihr ein trügerisches Gefühl von Macht zu verleihen.

      „Halt“, gebot Alexandra ihm mit erhobener Handfläche, als er unter die Bettdecke kriechen wollte. „Um deine Frage zu beantworten: Ich habe ihn aus dem verfallenen Herrenhaus geborgen, in dem Loiré gelebt hat.“
      Nick zog eine Augenbraue hoch. „Nicht gestohlen?“
      Auf seine todernst gemeinte Antwort hin ließ die junge Frau den Arm entnervt seufzend sinken. „Nein. So, jetzt beantwortest du mir was. Woher kommen die da?“
      Als der hochgewachsene Mann sie fragend ansah, ließ sie den Zeigefinger vor ihm demonstrativ kreisen, sodass er ihr, der Anweisung folgend, den Rücken zudrehte. Und damit die Narben an seinem Rücken präsentierte.
      „Die da.“
      „Ich wäre vor Jahren beinahe in einem brennenden Haus gestorben“, erklärte Nick ihr und zeigte den rechten Arm vor, der ebenfalls Narben aufwies, „und da habe ich Säure abbekommen, ist noch gar nicht lange her.“
      Alex grinste. „Würde ich dich nicht besser kennen, hätte ich rein vom Äußeren vermutet, dass du ein Weichei bist.“
      „Du kennst mich nicht“, reagierte Nick kalt.

      Ein Moment verstrich, an dem beide nichts sagten. Nick saß auf der Bettkante, der jungen Frau zugewandt und studierte sie eingehend. Sie hielt seinem Blick selbstbewusst stand, sogar der Anflug eines herausfordernden Lächelns umspielte ihre Lippen.
      „Können wir das Thema wechseln?“, gab Nick nach. „Ich fahre andere Menschen nicht gerne an.“
      „Schon gut. Ich weiß, was ich wissen wollte und du auch.“
      „Wann lerne ich deinen Informanten kennen?“, erkundigte sich der zerzauste Kerl. In dem Moment begann sein Handy, das auf dem weißen Nachttisch neben dem Bett lag, zu vibrieren.
      „Sobald die Zeit gekommen ist. Er ist ein sehr beschäftigter Mann.“
      Nick wälzte sich über das Bett und landete neben ihr, Kopf an Kopf. „Besteht die Chance, dass das Treffen in Livington stattfindet? Ich muss bald zurück.“
      Seine Gespielin kicherte. „Geh' ran, das ist jetzt schon das vierte Mal heute.“

      Stöhnend taste Nick blind nach dem alten Mobiltelefon und schnappte es sich. Es sich vor die Nase haltend, überlegte er noch einmal kurz. Ewig würde er Aiden nicht aus dem Weg gehen können. Also warum es nicht endlich hinter sich bringen?
      Er nahm ab und legte das Handy ans Ohr. „Hi Schatz, du störst mich gerade beim Fremdgehen.“
      Aidens Stimme klang beherrscht, aber sein ehemaliger Verlobter wusste nur zu gut, dass es in ihm brodelte. Allein die Wortwahl verriet ihn. „Nick, da wo ich herkomme, lässt man sich ungeplanten Urlaub vorher genehmigen.“
      „Ich hab' ihn mir doch genehmigt“, mimte der den Ahnungslosen.
      „Du bist seit fast einer Woche weg. Wir warten alle auf dich. Mr. Ford ist außer sich, weil das Projekt ohne deine Hilfe praktisch auf Eis liegt!“
      „Daddy Ford oder Henry?“
      „Beide, wenn es dich glücklich macht. Ich erwarte, dass du spätestens übermorgen pünktlich im Büro erscheinst!“ Jetzt hörte man die Wut raus, stellte Nick mit Zufriedenheit fest.
      Daher fragte er geradezu provokativ: „Sonst?“
      Aber statt die Frage zu beantworten, hatte Aiden aufgelegt. Das machte er gelegentlich. Statt seine Drohungen in Worte zu fassen, ließ er seine Opfer im Ungewissen. Allerdings funktionierte das nur bei denen, die nicht ahnten, womit genau er drohen wollte.

      Nick packte das Handy wieder auf den Nachtisch.
      „Dein Boss?“, hakte Alex nach und rollte sich an seine Seite. Mit dem Zeigefinger strich sie ihm über die hagere Brust.
      „Ja. Ich muss zurück, sobald ich hier noch eine Kleinigkeit erledigt habe. Und du kommst mit.“
      „Ich denke, es sollte klappen, wenn du gut bezahlst. Nur würde mich interessieren, was genau du überhaupt wissen willst.“
      Als er seinen Arm um ihre Schulter legte, erwiderte der junge Mann: „Alles. Und du?“
      Wieder bedachte er sie von der Seite mit seinem nachforschenden Blick. „Wofür genau brauchst du meine Hilfe? Du hast es mir noch nicht verraten.“
      „Das wirst du dann schon merken“, gab sie sich geheimnisvoll. Dann beugte sie sich vor, legte ihre Hand an seine Wange und küsste ihn.

      „Eine Sache noch“, nuschelte Nick, dem es bedingt durch ihren fester werdenden Griff sehr schwer fiel, sich von ihr zu lösen, „woher weißt du von den Hüterkarten? Du warst hinter Claire Rosenburg her und hast nur durch Zufall Anya entdeckt.“
      Unter einem ungläubigen Gesichtsausdruck riss sie abrupt den Kopf von ihm weg.
      „Ich frage das, weil du sagtest, dass eines von Anyas Artefakten die Lebenszeit verlängern kann.“ Sein Blick war völlig untypisch, bat förmlich um Entschuldigung, flehte um eine Antwort. „Denkst du, das könnte bei Anya auch klappen?“
      „Ich habe keine Ahnung, woher du das weißt“, erwiderte sie unterkühlt. Sie fuhr sich mit der Hand über die Stirn, wischte ein paar Strähnen weg, aber sein Hundeblick wollte nicht aufhören. Den Kopf schüttelnd, fragte Alexandra schließlich: „Deine Freundin liegt im Sterben, so war das doch, oder?“
      Nick schwieg, aber allein sein verkniffener Mund war Antwort genug. Was ihr ein Stöhnen entlockte. „Könnte sein. Jedes dieser Artefakte hat eine besondere Fähigkeit. Ich war hinter dem her, das das Leben seines Trägers verlängert. Ich dachte, Claire hat es, aber dann war da plötzlich deine Freundin. Den Rest kennst du.“
      „Wer könnte mehr darüber wissen? Dein Kontakt?“
      „Nein, aber er kennt jemanden, der es tut. So'n Treffen zu arrangieren wird aber nicht billig.“
      Nick ließ sich in das Kopfkissen sinken. „Ist egal.“
      „Gut“, nickte Alexandra, als ob das Thema damit endlich beendet wäre, „ich wollte sowieso noch einmal mit dem Kerl reden. Ich komme mit nach Livington. Und jetzt …“
      Statt den Satz zu beenden, stürzte sie sich auf Nick …

      ~-~-~

      Am nächsten Morgen standen Matt, gekleidet in schwarzer Unterhose und gleichfarbigem T-Shirt sowie Zanthe, bereits in Jeans, weißem T-Shirt und orangenem Kopftuch steckend, gemeinsam vor Anyas Bett in der Ecke des Hotelzimmers. Dessen Besitzerin lag nichts ahnend darin, mit über der Kante ragendem Arm, und befand sich im Land der Träume.
      „Was macht sie da?“, fragte Matt fasziniert beim Anblick der Blonden.
      „Sie redet im Schlaf“, antwortete Zanthe mit erstickter Stimme.
      Denn das, was Anya da von sich gab, gefiel ihm gar nicht.
      „The fallen comrades become witnesses of a new beginning! Summon contract established! Grade …! Rage onwards, Arblexldagn!“
      Vorsichtig beugte sich Matt über sie. „Klingt wie ein … Beschwörungsspruch. Aber von was?“
      „Ist doch egal“, schnarrte Zanthe und trat mit voller Wucht gegen Anyas Arm. „Aufwachen, Zeit für's Frühstück!“

      Anya schreckte aus ihrem Traum kerzengerade hoch. Es dauerte einen Moment, ehe sie ihre beiden Freunde überhaupt wahrnahm. Verschlafen fragte sie: „Was macht ihr hier?“
      „Du hast im Schlaf irgendwas gefaselt“, klärte Zanthe sie auf, „was hast du geträumt?“
      „Ich hab irgend'son cooles Monster beschworen, glaub ich. Was geht dich das überhaupt an!?“ Sofort sprang Anya aus dem Bett und baute sich mit ihren 1,60 m vor den beiden größeren Jungs auf. „Geht's eigentlich noch!? Wer hat mich getreten!?“
      Mit einem Nicken deutete Matt sofort auf Zanthe, welcher nur grimmig: „Verräter!“ zischte.
      Im Anschluss bekam er einen Tritt gegen sein Schienbein spendiert. Dabei hatte er noch Glück, dass Anya inzwischen Wert auf Körperhygiene legte und ihre Zehennägel in regelmäßigen Abständen schnitt und sie so nur unwesentlich an seiner Haut entlang schabten. Ansonsten hätte er sich, wie schon Isabelle Boyd bei einem Klassenausflug im Schwimmbad vor einigen Jahren, jetzt vermutlich eine Infektion eingefangen. Damals hatte Anya damit geprahlt, dass in jedem Zeh eine andere 'versteckt' sei.

      „Hat auch schon mal mehr weh getan“, grummelte Zanthe und bevor Anya es erneut versuchen konnte, zog er Leine. Im Weggehen fragte er beiläufig. „Was war denn das für ein Monster, von dem du geträumt hast?“
      „Weiß nicht.“ Anya, in Boxershorts und Feinrip-Hemd, verschränkte die Arme voreinander. „Hab's ja nicht gesehen, dank dir!“
      Der Werwolf, der an den Betten vorbei schlenderte, gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. Auf das Bad zusteuernd, drehte er sich vor der Tür noch einmal um. Und sah Anya mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an. „Hast du diese Beschwörungsart denn schon mal irgendwo gesehen?“
      „Nö, woher denn, es gibt keine Exe-Monster.“ Anya zeigte grinsend mit dem Daumen auf sich. „Das ist alles meinem genialen Geist entsprungen.“
      „Wohl kaum“, zischte Zanthe leise, riss die Tür auf und ließ sie hinter sich laut zufallen.
      Matt kratzte sich am Hinterkopf. „Toll, ich wollte eigentlich ins Bad. Wieso macht er das, er ist doch schon fertig?“
      Keine Sekunde später hörten sie ihn lautstark würgen. Und dann die Spülung.
      „Weil er schwanger ist“, kommentierte Anya das Ganze giftig.

      ~-~-~

      Für den Nachmittag hatten sich Anya, Matt und ausnahmsweise sogar Zanthe mit Valerie und Marc verabredet. In deren Hotel wurde das letzte Viertelfinal-Spiel übertragen. Da keiner der Fünf Lust auf das lärmende Stadion hatte, wollten sie es hier mitverfolgen.

      So standen das Dreiergespann schließlich vor der weißen Tür von Valeries Hotelzimmer, obwohl eigentlich ausgemacht war, sich gleich in der Lounge zu treffen.
      Anya hämmerte mit der Faust gegen das Holz, bis eine sichtlich genervte Valerie die Tür öffnete.
      „Ihr seid eine halbe Stunde zu früh“, merkte sie wenig begeistert an.
      „Was' los, Redfield? Du siehst aus, als ob du gleich Falten bekommst“, fragte ihre Freundin und drängelte sich an ihr vorbei in das schneeweiße Zimmer. „Nicht, dass mich das stören würde.“

      Natürlich, dachte Anya grimmig, als sie sich in dem luxuriösen Zimmer umsah. Es gab eine Sitzecke samt Fernseher, mit modernen, schwarzen Ledermöbeln. Irgendwie kam ihr das hier vor wie ein Schachbrett, obwohl sie von dem Spiel keine Ahnung hatte. Und dieses Himmelbett am anderen Ende des Raumes erst, oberster Kitsch!

      Marc stand mit verschränkten Armen neben dem runden, schwarzen Tisch, auf dem auch die blaue Deckbox von Valerie lag.
      „Okay, Butcher“, murmelte sie beim Anblick des Schwarzhaarigen, auf dessen Stirn tiefe Falten geschrieben standen, „-du- siehst aus, als ob du gleich jemanden umbringst. Scheiße, wäre ich doch erst später gekommen. Man, wäre das lustig gewesen, dich zu sehen, wie du Redfield erwürgst.“
      „Nicht witzig, Anya!“, wurde sie von der Schwarzhaarigen hinter ihr angemotzt.

      Zanthe und Matt, die den Anstand besaßen, nicht ungefragt ein fremdes Hotelzimmer zu betreten, schüttelten nur mit den Köpfen.
      „Die haben sich gestritten, jede Wette“, vermutete Zanthe klatschfreudig. „Ne Ahnung wieso? Wären wir bloß früher gekommen, dann hätte ich vielleicht noch was mithören können.“
      „Vielleicht wegen dem Turnier? Anya hat da so etwas Komisches fallen lassen …“
      „Was denn?“
      Matt zuckte mit den Schultern. „Na ja, es klang fast so, als ob Valerie gewollt hätte, dass Marc ausscheidet. Sicher bin ich mir aber-“
      In dem Moment baute sich ebenjene in ihrem rosafarbenen Kleid vor ihnen auf. „Können wir jetzt bitte gehen?“

      Wenig später schloss sich die Tür des Zimmers. Die Gruppe steuerte, inzwischen in eine Debatte vertieft, wer das Viertelfinale gewinnen wird, auf den Aufzug zu. Othello Nikoloudis oder Justin Walker? Anya war ganz klar Team Krüppel wegen des Mitleidsbonus, Valerie enthielt sich, obwohl ihre Freundin längst wusste, dass sie ebenfalls den Jungen im Rollstuhl als Sieger antizipierte. Die Jungs dagegen wogen hingegen noch die Stärken und Schwächen der beiden ab.

      Das weiße Hotelzimmer mit den schwarzen Möbeln war verlassen. Zumindest sollte es so sein. Doch das änderte sich, als sich die Zimmertür öffnete. Abgetragene Turnschuhe schritten über das Parkett, blieben dann in der Mitte des Raums stehen. Dann bahnten sie sich ihren Weg zu dem kleinen Tisch in der Ecke.
      Valeries Deck, welches dort lag, wurde in eine Hand genommen und durchgesehen. Und wieder abgelegt. Die Hand zückte eine Karte und schob diese in die Mitte des Stapels.
      Damit solltest du gewinnen können, dachte die Person, welche sich anschließend von dem Tisch abwandte und das Hotelzimmer wieder verließ, vorsichtig die Tür schloss.

      ~-~-~

      „Wollen wir nach dem Duell in die Pizzeria um die Ecke?“, schlug Marc wenig später vor, als sie sich in der Lounge eingefunden hatten.
      Sie war nicht weiß wie Valeries Hotelzimmer, zumindest nicht die Wände. Diese waren mit dunklen Holzmustern versehen. Unregelmäßig unterteilten Säulen den Saal, an denen blau leuchtende Halogenröhren befestigt waren.
      Am Eingang, den das Fünfergespann passierte, befand sich eine Bar.
      „Können wir machen“, erwiderte Anya, „hab' eh Bock auf Pizza.“
      „Ich muss nicht mitkommen, oder?“
      Auf Zanthes Frage hin, fragte Matt neben ihm: „Ist dir immer noch übel?“
      „Ja … und Kopfschmerzen habe ich auch. Warum weißt du sicher.“
      „Yeah.“

      Zusammen schlenderten sie weiter nach vorne. Dort befand sich eine riesige Fläche, wo mindestens ein Dutzend Tische mit Stühlen aufgestellt waren. Ganz am Ende gab es eine Leinwand, auf der das Duell übertragen wurde.
      „Können wir dorthin?“, fragte Valerie und zeigte nicht etwa geradeaus, sondern auf eine der Nischen, die mit Ecksofas ausgestattet waren. „Da ist mehr Platz für uns.“
      „Schnappen wir uns die besten Plätze, bevor sie weg sind“, stimmte Matt ein.
      Sie nahmen zwei Stufen, die hinauf zur Sitzecke führten. Von dort hatte man auch einen guten Blick auf das Bild. Nacheinander ließen sie sich auf den cremefarbenen Möbeln fallen.

      Eine halbe Stunde später begann das Duell. Die Bildqualität hätte besser sein können, aber es reichte aus, um die mittlerweile volle Lounge gut zu unterhalten. Am Tisch der Runde standen diverse Getränke und eine Schale voller Chips, derer Anya sich ein halbes Dutzend in den Mund stopfte.
      „Masch Pendelschummon“, richtete sie ihre Worte an den jungen Mann im Rollstuhl auf der Leinwand.
      „Ich würde unter normalen Umständen sagen, dass man nicht mit vollem Mund spricht“, seufzte Valerie ihr gegenüber, „aber mit dir sind es nie normale Umstände …“
      Othello tat Anyas Worten derweil Geheiß, ließ blaue Lichtsäulen vor sich aufsteigen, in denen sich der weiße [Stargazer Magician] und der schwarze [Timegazer Magician] befanden.
      „Pendulum Summon“, rief er mit schwacher Stimme, „komm herbei, Odd-Eyes!“
      Aus dem Portal über ihm schoss ein roter Strahl, der die Form des dinosaurierähnlichen Drachen annahm. Sein Besitzer befahl den Angriff auf die riesige [Mother Spider]-Spinne von Justin, einem hageren, blonden Jungen in schlabbrigen Klamotten. „Spiral Burst Strike!“

      Bisher lieferten sie sich einen ausgeglichenen Schlagabtausch, überlegte Anya. Rollstuhl-Othellos Spiel war die meiste Zeit über eher defensiv gewesen, aber sie hatte genau gesehen, dass er einige schwächere Pendelmonster von seinem Gegner hat zerstören lassen. Wieso hatte er die nicht beschworen, sondern nur Odd-Eyes?

      Je länger das Duell anhielt, desto mehr bestätigte sich Anyas Erkenntnis aus dem Duell mit Melinda: Pendelmonster waren der schlimmste Feind, wenn es um eine Materialschlacht ging. So konnte Justin Irgendwer zwar Othellos Odd-Eyes zerstören, aber der kam jede Runde wieder. Und dem zunehmend nervöser werdenden Teenager gingen die Optionen aus.

      „Er verlässt sich echt nur auf den Drachen und seine beiden Funzelmagier“, stellte Anya fest, nachdem der Kampf zugunsten des kränklichen Othellos entschieden war.
      Ausgerechnet Valerie war es, die ironisch auflachen musste. „Dann habt ihr ja was gemeinsam.“
      „Was soll das heißen?“, fragte Anya das Mädchen gegenüber verständnislos.
      Die Jungs, Marc neben seiner Verlobten sowie die anderen beiden neben Anya, hielten sich geschickt aus der Sache heraus.
      „Angel Wing?“
      „Versteh' ich nicht. Du willst nur wieder auf mir rumhacken, Redfield.“
      Die lächelte jedoch herausfordernd. „Ein bisschen, aber eine kleine Stichelei unter Rivalinnen wird doch wohl erlaubt sein, oder?“
      „Wenn du auf das Halbfinale morgen anspielst“, murmelte Anya und beugte sich mit dem Arm auf ihrem rechten Schenkel abgestützt vor, „mach dich schon mal frisch.“
      „Ich bin schon bestens vorbereitet“, verkündete das andere Mädchen selbstsicher. „Du auch?“
      „Darauf kannst du …“

      ~-~-~

      „... Gift nehmen“, wiederholte Anya dieselben Worte, die sie am Vortag gesprochen hatte.
      Alleine schritt sie den schwach beleuchteten Gang entlang, der ins Innere der Arena führte. Das würde das beste Halbfinale aller Zeiten werden!

      Hoffentlich kamen ihre Freunde pünktlich, denn Anya war diesmal alleine hierher gefahren. Zanthe ging es nicht so gut, weshalb er noch etwas schlafen wollte und Matt war schon weg gewesen, bevor sie aufgestanden war. Eine Notiz, wohin er gegangen war, hatte er nicht hinterlassen.
      Aber das war vielleicht auch gut so. Anya fühlte sich müde, angespannt. Nicht, dass ihr je etwas leid tat, das ihr über die Lippen kam, aber jede kleinste Reizung könnte sie in diesem Moment zum Explodieren bringen.
      Sie wollte Redfield besiegen, ein für alle Mal, ohne Hilfe. Denn sie stand ebenfalls auf ihrer 'Pitchest Black'-Liste und die bettelte förmlich darum, um einen Namen ärmer zu werden.
      Und es ging um die Chance, sich mit Claire Rosenburg zu duellieren, was Anya nicht vergessen durfte. Gut, davor käme noch das Finale, aber wenn sie Redfield aus dem Weg räumen konnte, würde der Rest auch kein Problem sein!

      So schritt sie dem Licht entgegen. Nicht so zuversichtlich, wie sie es bei ihren vorherigen Gegnern gewesen war. Nein, Redfield war eine ganz eigene Hausmarke …
      „Mach dich schon mal frisch“, zischte Anya.

      Als sie die Arena betrat, blieb sie sofort wie angewurzelt stehen. Der ganze Boden um die kreisrunde Duellfläche, er war nicht mehr metallisch wie noch zuvor. Offenbar war diese erste, obere Schicht eingefahren worden. Denn was Anya sah, war ein Feld voller viereckiger Mini-Monitore, durch die immer wieder die Paarung des ersten Halbfinales in gelben Lettern huschte und das gegen den Uhrzeigersinn. Abwechselnd wurden dann Szenen aus den vergangenen Duellen der beiden Mädchen präsentiert, welche das bereits aufgeheizte Publikum dank der erhöhten Lage der Zuschauerränge gut sehen konnte.
      Vor Anerkennung pfeifend, schritt Anya über ihr eigenes Gesicht, das gerade ihrem Bruder etwas entgegen schrie. Zeitgleich kam Valerie von der anderen Seite aus dem Gang. Auch sie schien merkbar überrascht, ihr Blick haftete am Boden.
      „Na klar, musstest dich mal wieder fein rausputzen, was?“, giftete Anya, obwohl ihre Erzrivalin das gar nicht hören konnte, schon gar nicht unter dem Lärm, den die da oben veranstalteten. Valerie trug ihr Haar hoch angesetzt zu einem Pferdeschwanz, gebunden von einer blauen Schleife. In himmelblauen Leggins und seidig-weißer, ärmelloser Bluse marschierte die Schwarzhaarige ihr entgegen. Dagegen mutete Anya, nicht zuletzt dank ihres peinlichen Werbe-T-Shirts für Mr. Palmers Shop, nicht gerade wie eine Halbfinalistin des Legacy Cups an.

      „Unglaublich, wie die Zeit vergeht“, hallte Mr. Cs Stimme durch das Stadion. Die Leute explodierten förmlich, pfiffen, brüllten, tröteten und trommelten sogar. „Heute findet das erste Halbfinale des Legacy Cups statt.“
      Anya und Valerie erreichten zeitgleich die Stufe, die sie auf die Plattform führte. Die Bildschirme unter ihnen wechselten zu einer Verbildlichung der Lebenspunktezähler, beide versehen mit den Profilen ihrer Besitzer.
      „Es tritt Anya Bauer, dank ihrer Exzentrik und ihres zügellosen Gebrauchs von Schimpfwörtern die derzeit meistgesuchte Duellantin der bekannten Internetsuchmaschinen, gegen Valerie Redfield an, die inzwischen als geheime Favoritin auf den Titel gehandelt wird.“

      Hatte sie da gerade richtig gehört, fragte sich Anya perplex. Sie war die meistgesuchte Duellantin, ihr Name!? Dann war sie berühmter als Claire Rosenburg, die Leute kannten sie, die wollten mehr von ihr, die-… wonach suchten die überhaupt?

      Ich weiß, was du denkst und glaub mir, Anya Bauer, denk nicht zu sehr darüber nach. Es ist wahrscheinlich, dass du die Antwort gar nicht wissen willst.

      „Uh-huh“, nickte die klamm.
      Von ihrem zweifelhaften Ruhm überrascht, nahm sie die letzten Meter bis zur Feldmitte deutlich angespannter. Valerie hingegen winkte den Leuten zu, ganz so, als ob sie gleich Feenstaub versprühte.
      „Duellantinnen“, rief Mr. C, „gebt euch die Hand!“
      Beide taten wie ihnen geheißen. Anya zischte leise: „Na, ist es schön im Mittelpunkt zu stehen?“
      „Weiß nicht. Ist es schön zu wissen, dass im Internet nach Nacktbildern von einem gesucht wird?“
      Auf das neckische Zwinkern hin biss die Blonde sich auf die Lippen. Nicht nur vor Wut, sondern auch wegen der Frage, ob das wirklich jemand machte. Und was er wohl fand!?
      „Du kannst loslassen“, bemerkte Valerie trocken, da Anya in ihren Gedanken vergaß, den Griff zu lösen.
      „Nehmt jetzt eure Positionen ein“, half auch Mr. C nach, da Anya abwesend an ihrer Gegnerin vorbei in die Leere starrte. Die beiden entfernten sich daraufhin voneinander und stellten sich am Ende ihres jeweiligen Feldes auf.

      „Bevor das hier losgeht, möchte ich, dass du eines weißt. Ganz egal wer von uns gewinnt, wir kämpfen trotzdem für dieselbe Sache“, verkündete Valerie mit einem verschmitzten Grinsen, das jedoch einem ernsteren Ausdruck schwand. „Also keine Verbitterung nach dem Duell, bei keinem von uns, okay?“
      Anya rümpfte die Nase. „Ach ja? Wofür denn?“
      „Um dich zu retten.“
      Die Zuversicht, die dabei in der Stimme ihrer Rivalin mitschwang, stachelte auch Anya an.
      „Verdammt richtig, Redfield! Aber ich hab's schon zum Flohpelz gesagt: Manchmal muss man sich selbst retten! Ich brauche deine Hilfe nicht!“ Sie ballte eine Faust. „Und viel weniger brauch ich dich als Gegnerin, also mach's wie die Hunde und zieh Leine!“
      Ihr Gegenüber schloss die Augen. „Ich habe es dir bereits einmal gesagt, Anya. Du bist nicht annähernd gut genug, um gegen Claire zu bestehen.“
      Schlagartig riss sie die Augen wieder auf. „Und das werde ich dir jetzt beweisen!“
      Damit fuhr ihr rotes D-Pad aus und die Schwarzhaarige stieß den berühmten Schrei aus. „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Valerie: 4000LP]

      Sofort rissen beide Mädchen unter dem tosenden Gejohle der Zuschauer ihr Startblatt vom Deck und kamen so beide auf fünf Karten.
      „Das ist es, liebe Leute! Das erste Halbfinale des Legacy Cups beginnt! Was für eine hitzige Ansprache unserer zunehmenden Favoritin Valerie Redfield! Es scheint, als würde sie Anya Bauer kennen! Wovor will sie diese wohl retten? Einer peinlichen Niederlage?“
      Fast das gesamte Publikum brach in hämisches Gelächter aus. Augenblicklich spürte Anya die liebliche Hitze grenzenloser Wut in sich aufsteigen. Da würde jemand nach diesem Duell keine Freude daran haben, in sein Hotelzimmer zu fahren. Nicht, wenn sie im Zimmer dieses Jemands saß und-!
      „Ignoriere ihn einfach, der ist ein Idiot“, versuchte Valerie sie mäßig erfolgreich zu beruhigen. „Konzentriere dich lieber auf mich, denn ich beginne jetzt!“
      Unmittelbar danach legte sie eine Karte auf ihr rotes D-Pad. „Da ich nicht ziehen darf, rufe ich sofort ein Monster: [Gishki Abyss]!“
      Während sowohl Publikum als auch Moderator noch geschockt von Valeries jüngster Aussage waren, tauchte vor dieser ein Fischmensch auf. So besaß er zwar Beine, dafür aber begann ab seinem Hals der Übergang in einen kompletten Hai samt Flossen.

      Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

      Valerie hob den Arm mit ihrem D-Pad daran demonstrativ und griff nach ihrem Deck. „Bei seiner Beschwörung erhalte ich ein Gishki-Monster mit maximal 1000 Verteidigungspunkten.“
      Zwischen ihren Fingern hielt sie die gewählte Karte. „[Gishki Vision]. Diesen kann ich abwerfen, um ein Gishki-Ritualmonster von meinem Deck zu bekommen.“
      Zähneknirschend nahm Anya zur Kenntnis, wie über ihrer ewigen Rivalin die schattenhafte, durchsichtige Silhouette einer zweibeinigen, amphibischen Gestalt auftauchte, verhüllt in einem blauen Cape. Wie die Oberfläche einer Wasserlache verschwamm sie jedoch kurze Zeit später.
      „Tch. Von all deinen potthässlichen Mistviechern musstest du gerade dieses wählen?“, fragte die Blonde entnervt, als Valerie ihr die gesuchte Karte zeigte.
      „Sicher. Ich habe [Gishki Psychelone] schon lange nicht mehr benutzt“, nickte diese und fügte das blau umrandete Monster ihrem Blatt hinzu. Aus selbigem zog sie eine Zauberkarte hervor. „Außerdem brauche ich sie, um dir eine Ritualbeschwörung zu zeigen, die du so von mir noch nicht gesehen hast! Also pass' auf, Anya!“
      Valerie wirbelte jene Magie um ihren Zeigefinger und rammte sie mit voller Wucht in ihr D-Pad. „Hier kommt der [Gishki Photomirror]!“
      Eine grelle, golden schimmernde Lichtsäule schoss vor Valerie aus dem Boden. In deren Mitte stieg ein aus selbigem Edelmetall bestehender Spiegel empor, in dessen Innerem sich Valeries Antlitz widerspiegelte. Und dieses, ebenso wie das Original, sprach zu Anya. „Mit dieser Ritualzauberkarte beschwöre ich ein Gishki-Monster. Anders als bei den anderen muss ich hierfür jedoch kein Monster opfern.“
      „Na fein! Gerade wo ich mir gemerkt habe, dass deine Missgeburten ganz einfach die Kosten decken können!“, beklagte sich Anya genervt.
      Valerie zwinkerte verschwörerisch. „Keine Sorge, das hier ist noch einfacher und wird dir sicher gefallen! Denn für jede Stufe des zu beschwörenden Monsters muss ich 500 Lebenspunkte zahlen.“
      Unter einem erstaunten Ausruf Anyas – und des Publikums – knallte Valerie das erwählte Monster auf ihr D-Pad. „Zeit, dich aus der Mottenkiste zu holen! Erscheine, [Gishki Psychelone]!“
      Das Glas des Spiegels zersprang und somit auch Valeries Gesicht darin.

      [Anya: 4000LP / Valerie: 4000LP → 2000LP]

      Stattdessen flackerte kurz der Kopf einer rothaarigen Hexe auf, ehe aus der goldenen Lichtsäule eine Kaskade empor schoss und ebenjene Kreatur mit sich brachte. Doch hatte diese etwas Insektoides, Unnatürliches an sich. Schwingen spreizten sich von ihrem schwarzen Körper, auf dessen Haupt der Helm eines Zangenkäfers thronte. Sie selbst, die einst Noellia hieß, saß auf dem abgetrennten Kopf eines Rieseninsekts.

      Gishki Psychelone [ATK/2150 DEF/1650 (4)]

      Anya lief eine einzelne Schweißperle von der Stirn. „Scheiße Redfield, wo hast du die denn ausgegraben? Das letzte Mal, als ich diese irre Psychohexe gesehen habe, war in-!“
      „Exakt“, erinnerte sich auch Valerie an den Kampf gegen Anya und Orion in Anyas Elysion, damals als sie von der falschen Joan of Arc manipuliert worden war. „Für diesen Kampf ziehe ich alle Register! Und demnach aktiviere ich ihren Effekt!“
      Valerie streckte den Arm nach vorne. „Einmal pro Zug benenne ich Typ und Attribut eines Monsters und wenn beides mit einer zufällig gewählten Handkarte deinerseits übereinstimmt, wird diese zurück in dein Deck geschickt.“
      Die Zähne zusammengepresst, zischte Anya: „Na toll!“
      „Das Attribut ist in deinem Deck leicht zu bestimmen, du benutzt fast nur Erd-Monster! Beim Typ wird es dagegen schwerer“, meinte Valerie, „daher gehe ich danach, welcher am häufigsten vorkommt: Fels!“
      Schnaufend wurde Anya Zeugin davon, wie ihre fünf Handkarten mit dem Rücken zu Valerie gerichtet in holografischer Form über der Blonden auftauchten. Rasend schnell schoss eine rote Umrandung von einer Karte zur nächsten, bis sie schließlich genau in der Mitte Halt machte und jene Karte herumwirbeln ließ. Und ganz zu Anyas Entsetzen war jene ihr [Gem-Knight Alexandrite], dessen Eigenschaften perfekt zu Valeries genannten passten. Dementsprechend hob Psychelone ihre Hand nach oben und schleuderte hysterisch kichernd einen roten Energieball auf die Karte, welche daraufhin zersprang.
      Anya schob wütend Alexandrites Karte ins Deck, welches sich automatisch durchmischte. „So ein Schwein möcht' ich haben! Tch!“
      „Unglaublich, schon im ersten Zug wird Anya Bauer von unserer geheimen Favoritin unter Druck gesetzt! Doch dafür hat Valerie Redfield die Hälfte ihrer Lebenspunkte eingebüßt. Ob es das wert war?“
      Jene rollte jedoch nur genervt mit den Augen. „Unglaublich, wie einfallslos hier kommentiert wird. Wie dem auch sei, ich setze diese beiden verdeckt. Ich bin auf deine Antwort gespannt, Anya!“
      Unter einem Zischen materialisierten sich die beiden Fallen vor der Schwarzhaarigen, die damit nur noch eine Handkarte besaß, dafür jedoch zwei Monster.

      „Wie wird der Underdog darauf reagieren?“, fragte der Moderator von seiner erhöhten Position in der gläsernen VIP-Lounge hitzig.
      Anya zeigte es ihm per eindeutiger Fingergestik, ohne überhaupt in seine Richtung zu sehen. Dann griff sie nach ihrem Deck und zog unter einigen bösen Buhrufen, aber auch vereinzelten Zurufen schwungvoll auf. Dabei hatte sie sich einzig auf ihre Gegnerin fixiert, die stocksteif, beinahe schon verkrampft dastand. Als würde sie mit aller Macht ihren Rücken durchstrecken.
      „Verdächtig“, murmelte Anya vor sich hin. „Als ob das Rückenschmerzen wegen ihren riesigen Hupen sind, pah!“

      Meinst du nicht, dass selbst eine Valerie Redfield aufgeregt sein kann?

      Livingtons ureigene Terrormaschine musste gar bei Levriers Worten auflachen. Redfield? Aufgeregt? Selbst bei ihrer Hochzeit war sie nicht so angespannt! Da war irgendetwas im Busch und wie Anya ihre Erzrivalin kannte, war es sicherlich nichts, was ihr auch nur im geringsten Maße gefiel. Oder die Kuh ahnte schlichtweg, dass ihre Worte gegenüber Anya, besonders was Marc anging, noch nicht vergessen waren …
      Jedoch schob Anya die Gedanken beiseite, denn was jetzt wirklich wichtig war, ist Everybody's Darling keine Gelegenheit zu geben, sich entfalten zu können. Und Anya wusste genau, wie sie schnell und effektiv zuschlagen konnte.
      „Ich beschwöre [Gem-Knight Sapphire]!“, rief sie und pfefferte dessen Karte nur so auf das D-Pad.
      Schon stand er vor ihr, der Ritter des Saphirs und Herr über das Eis – der Edelsteinkrieger in der hellblauen Rüstung.
      Es folgte sogleich ein Kommentar von Mr. C. „Wie es aussieht, spielt Anya Bauer heute ein anderes Deck. Nun, wir befinden uns damit innerhalb der Regeln, doch was ist der Hintergrund dafür?“

      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]

      „Sperr' jetzt schön die Glubscher auf, Redfield!“, flötete Anya selbstherrlich, reckte die nichtexistente Brust vor und zeigte mit dem Daumen auf sich selbst. „Jetzt kommt mein Assmonster! Indem ich ein Lichtmonster von meinem Deck auf den Friedhof schicke, kann ich es mit der Stufe eines meiner Monster auf dem Feld verrechnen und als Empfänger behandeln!“
      Das Mädchen streckte den Arm in die Höhe. Über diesem erschien in einigen Metern Höhe ein goldener Ring, von dem sich vier weiße Federschwingen erstreckten.
      Valerie zog die Stirn kraus. „Wie zu erwarten war … ach Anya …“
      „Ich schicke den Stufe 4-[Alexandrite Dragon] auf den Friedhof!“ Diesen rammte Anya förmlich in den Friedhofsschacht und rief: „From the light of a different world, the herald of starlight descends upon the ravaged land!“
      Ihr Ritter zersprang während des Spruchs in vier grüne Lichtsphären, welche allesamt in die Höhe stiegen und in einem leichten Bogen den goldenen Ring nacheinander durchquerten. „By discarding a single star, I call upon you! Synchro Summon!“
      Aus dem goldenen Ring schoss nach hinten ein langer, weißer Schweif. Dagegen drang ein schlangenhafter Drachenkopf samt goldenem Krangengestell nach vorn, sodass allmählich der Körper Angel Wings den Ring in beide Richtungen verließ.
      „Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      Und mit lautem Gebrüll verkündete dieser schließlich, dass er komplett aus der wässrigen Oberfläche zwischen dem goldenen Ring erschienen war.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Anya fasste sich bösartig grinsend ans Kinn. „Wen nehm' ich mir jetzt vor? Die Hexe oder den zahnlosen Hai? Hmm, wenn ich den angreife, wären deine Life Points runter auf 100, Redfield.“
      Doch die grinste plötzlich verschlagen. „Ich fürchte, dieses Mal trifft es keinen der beiden. Ich aktiviere meine verdeckte Falle!“
      Sie schwang den Arm aus und ließ die linke aufspringen. „Leider bist du ein wenig zu berechenbar geworden, Anya.“
      Aus der purpur umrandeten Karte schoss der Rahmen eines leeren Portraits heraus.
      „Was wird das, 'ne verdammte Malstunde!?“, raunte Anya. „Ich hasse Kunst!“
      „Ich liebe sie, besonders wenn ich von ihr profitiere. [Grisaille Prison] lässt sich dann aktivieren, wenn ich zum Beispiel ein Ritualmonster besitze.“ Psychelone kicherte dabei hinterlistig, war sie doch ein solches.
      Plötzlich schossen aus der weißen Leinwand des Bildes vier Lichtstränge, die Angel Wings Hals, Kragengestell und seinen Ring umwickelten. Zunehmend zogen sie diesen in das Portrait.
      „Mit dieser Karte kann ich bis zum Ende deines Zuges Synchro- und Xyz-Monsterbeschwörungen versiegeln und deren Angriffe von vornherein verhindern sowie ihre Effekte negieren!“, erklärte Valerie unter lautem Jubel des Publikums.
      Mit einem Ruck wurde Angel Wing in das Bild gezogen und zierte dieses nun, eingeschlossen darin wie er war. Anya weitete bei dem Anblick die Augen. „Fuck! Na toll, ich kann kein weiteres Monster beschwören! Tch, Zug beendet!“
      „Vielleicht solltest du dich auf deine Wurzeln zurückbesinnen?“, sagte Valerie.
      „Was soll das denn heißen!?“
      Doch die Schwarzhaarige winkte ab. „Nichts. Das wirst du selbst noch erkennen.“
      Das Gemälde zerplatzte derweil und Angel Wing spreizte sich in voller Pracht über Valerie, ehe er zu Anya zurückkehrte und sich vor dieser aufbäumte.

      Zerknirscht schielte Anya herüber zu den Zuschauertribünen, aber nirgendwo konnte sie auch nur einen ihrer Freunde auf Anhieb entdecken. Wo waren die alle!? Niemals würden sie es wagen, dieses wichtige Spiel zu verpassen … irgendwo mussten sie sein.
      Es versetzte ihr einen schmerzhafteren Stich als sie selbst zugeben wollte. Denn auch wenn sie Zanthes abfällige Kommentare zehn Meilen gegen den Wind hören konnte, war es nicht dasselbe, sie sich im Moment nur vorzustellen! Redfield hatte wenigstens Marc, aber selbst den sah sie nirgendwo!
      „Konzentriere dich!“, forderte die Schwarzhaarige, welche Anyas Abwesenheit bemerkte. „Was da draußen ist, interessiert jetzt nicht. Ich bin deine Gegnerin, deine Feindin! Die, die du vernichten willst! Da ist kein Platz für andere Gedanken, für Ablenkungen!“
      Verblüfft von diesen strengen Worten blinzelte Anya. „Huh? Was geht'n mit dir ab, Redfield!?“
      „Wirst du gleich sehen!“, verkündete diese selbstbewusst. „Draw!“
      Schwungvoll zog sie die nächste Karte und grinste bei deren Anblick zufrieden, ehe sie sie direkt auf ihr D-Pad legte. „Ich beschwöre [Gishki Chain]! Dadurch aktiviere ich auch gleichzeitig deren Effekt, welcher mich die obersten drei Deckkarten ansehen lässt!“
      Vor dem Mädchen materialisierte sich ein grünes, humanoides Amphibienmonster auf zwei Beinen, das eine Kette in seinen Händen über dem Kopf schwang. An deren Ende war ein Haken angebracht, welchen die Kreatur direkt auf Valerie beziehungsweise deren angehobenen Arm mit dem D-Pad schleuderte.

      Gishki Chain [ATK/1800 DEF/1000 (4)]

      Der Haken versank in ihrem Deck, woraufhin über ihr in vergrößerter Form besagte drei Karten erschienen. Es waren zunächst das Ritualmonster [Evigishki Soul Ogre], danach kam das Stufe 8-Effektmonster [Moulinglacia The Elemental Lord] und zuletzt der Zauber [Salvage].
      Anya weitete die Augen beim Anblick des Hochzeitsgeschenks, das sie Valerie gemacht hatte. Also hatte die es tatsächlich in ihr Deck integriert. Die Blonde wusste nicht, ob sie fluchen oder schreien sollte.
      „Sollte unter jenen Karten eine sein, die mit Gishki-Ritualen in Verbindung steht, erhalte ich sie auf mein Blatt“, erklärte Valerie und zeigte Soul Ogres Karte vor, „die restlichen kann ich nach eigenem Ermessen auf meinem Deck anordnen.“
      Was sie auch tat, ehe sie den Arm ausschwang. „Das bringt mich dazu, deine Karten noch mal durcheinander zu bringen! Effekt von [Gishki Psychelone]. Dieses Mal bestimme ich Erde und Donner, den gefährlichsten Typen deiner Gem-Knights!“
      Psychelone hob unter einem diabolischen Grinsen ihre rechte Hand, über welcher ein roter Energieball entstand. Anyas vier Handkarten tauchten wie schon zuvor in vergrößerter Form über dem Mädchen auf, allesamt mit dem Kartenrücken entgegen Valeries Blickrichtung. Ein roter Cursor wählte in zufälliger Manier nacheinander die Karten durch, bis er bei der zweiten von rechts stehen blieb. Jene wirbelte um und präsentierte ein normales Stufe 6-Monster.
      Valerie las den Namen vor. „[Labradorite Dragon]?“
      „Hah, der ist ein Drache vom Attribut Finsternis! Pech gehabt, Redfield!“, flötete Anya sofort höhnisch. „Raten allein reicht nicht, um eine Anya Bauer zu besiegen.“
      Allerdings war deren Gegnerin gar nicht aufgelegt zuzuhören. Vielmehr murmelte sie: „Wenn sie schon den auf der Hand hält, kann -er- nicht mehr fern sein …“
      Derweil ließ Psychelone frustriert ihre Hand sinken und verschränkte die Nase rümpfend ihre Arme.
      „Oh, dieses Mal ging der Versuch daneben. Was hat Valerie Redfield jetzt vor? Wie wird sie an [Angel Wing Dragon] vorbeikommen?“
      Auf den Ausruf Mr. Cs hin streckte sich Valerie gerade, als hätte man sie regelrecht ermahnt, das eigentliche Duell nicht zu vergessen. Plötzlich richtete sie ihre von sich gestreckte Hand nach vorne. „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Zu Anyas großer Überraschung öffnete sich inmitten des Spielfelds ein finsterer Vortex. [Gishki Chain] und die mit dem Verz-Virus infizierte Hexe Psychelone verwandelten sich in blaue Energiestrahlen, die in dem Schwarzen Loch verschwanden.
      „Höre meinen Ruf, oh Wesen aus tausend Legenden! Zeige dich, [Evigishki Merrowgeist]!“, rief Valerie energisch und ließ ihre Hand nach oben fahren.
      Aus dem Overlay Network schoss eine fliegende Meerjungfrau. Wallend war ihr rotes Haar, wie Flügel muteten die Flossen auf ihrem Rücken an. Während sie und ihre zwei um sie kreisenden Lichtkugeln über Valerie Stellung bezogen, glänzte jede einzelne Schuppe ihres Körpers durch die starke Beleuchtung der Arena.

      Evigishki Merrowgeist [ATK/2100 DEF/1600 {4} OLU: 2]

      „Bist du jetzt völlig durchgeknallt!?“, übertönte Anya die überraschten Laute aus dem Publikum. „Zwei gute Monster für eines zu opfern, das noch weniger Angriffspunkte hat als deine Ritualschnepfe!? Das ist Harper-Niveau! Du weißt schon, der schlechte Harper!“
      Valerie aber stierte Anya derart streng an, dass diese glatt verstummte. „Wann lernst du endlich deine Gegner ernst zu nehmen, selbst wenn ihre Vorgehensweise zunächst unlogisch erscheint? Willst du so Claire gegenüberstehen? Hochmütig und dumm!?“
      Wütend rammte Valerie eine Zauberkarte in ihr D-Pad. „Immer wenn ich glaube, du hast dazugelernt, fällst du in dein bekanntes Muster zurück! Von so jemandem lasse ich mich nicht besiegen, Anya! [Aqua Jet]! Er erhöht Merrowgeists Angriff um 1000!“
      Anya hatte noch gar nicht aufgenommen, was ihre Gegnerin ihr da an den Kopf knallte, da erschienen bereits zwei Düsentriebwerke unter den Flügelflossen ihrer Meerjungfrau.

      Evigishki Merrowgeist [ATK/2100 → 3100 DEF/1600 {4} OLU: 2]

      „Merrowgeist ist das beste Monster in dieser Situation!“, zeigte Valerie sich weiterhin aufgebracht und deutete auf Angel Wing. „Gleich wirst du wissen, warum! Angriff, [Evigishki Merrowgeist]! Sceptre of Foresight!“
      Der Rotschopf schwang ihren Zauberstab über den Kopf, um anschließend eine nicht enden wollende Salve aus Wasserblasen auf Angel Wing abzufeuern. Jene zerplatzten bei Kontakt lautstark, sodass der Drache schmerzerfüllt aufschrie.
      „Tch, netter Versuch, Redfield! Aber Angel Wing beschützt mich vor Kampfschaden!“
      Auf Anyas abfällige Aussage hin erwiderte Valerie: „Schaden auszuteilen war auch gar nicht meine Absicht. Mein Ziel war Angel Wing selbst.“
      „Huh!?“
      Die Blonde bemerkte es selbst. Merrowgeist hatte noch während des Angriffs damit begonnen, einen seltsamen Singsang von sich zu geben und zeichnete mit dem Zauberstab vor sich das Wappen der Gishki, eine Art blauer Spiegel mit Totenkopf darin. Jenes absorbierte auch eines der Xyz-Materialien Merrowgeists.

      Evigishki Merrowgeist [ATK/3100 DEF/1600 {4} OLU: 2 → 1]

      Dasselbe Symbol tauchte unter dem Kinn Angel Wings aus, breitete sich als transparentes Abbild in Sekundenschnelle um den ganzen Drachen aus. Und dann passierte es: Er war einfach verschwunden, weg!
      „Ganz richtig Anya, ich habe [Evigishki Merrowgeists] Effekt benutzt, um dein Assmonster dahin zurückzuschicken, woher es gekommen ist: das Extradeck!“ Valerie reckte das Kinn. „Demnach kannst du ihn nicht in der End Phase reanimieren!“
      Anyas Mundwinkel krachten praktisch durch den Boden.

      Obwohl sie [Angel Wing Dragon] nur zweimal in Aktion gesehen hat, hat sie seine Schwäche begriffen und gekonnt ausgenutzt. Du tätest-

      „Schnauze!“, zischte Anya wütend auf Levriers Kommentar hin. „Mir doch egal, ich hab noch mehr in petto!“

      Hoffentlich mehr als nur halbgare Sprüche.

      Gekonnt lässig stemmte Valerie eine Hand in die Seite, als wolle sie damit ihre Skepsis ausdrücken. Sie schloss dabei die Augen. „Ich auch. Direkter Angriff, [Gishki Abyss].“
      „Shit, den hatte ich total vergessen!“
      Der Haimann Anya hingegen nicht. Wie ein Pfeil schoss er durch die Luft und rauschte geradewegs durch das Mädchen hindurch, welches froh sein konnte, dass es nur ein gewöhnliches Duell war. Andernfalls hätte sie der Tackle vermutlich bis zum anderen Ende der Arena geschleudert.

      [Anya: 4000LP → 3200LP / Valerie: 2000LP]

      „Ich bin hier fertig“, sagte Valerie mit einer Spur Enttäuschung in der Stimme. „Oder eher habe ich gerade erst angefangen …“
      „Was auch immer das jetzt heißt!“

      Anya runzelte die Stirn. Lag es nur an der Aufregung oder war Redfield heute besonders ehrgeizig? Selbstbewusst war die dumme Pute ja schon immer gewesen, aber dieses hoheitliche Getue weckte in der Blonden die alten Fantasien vergangener Tage. Wie schön es doch jetzt wäre, auf ihrer Wirbelsäule Klavier zu spielen!
      „Hast du ein Glück, dass ich mich benehmen muss!“, raunte Anya, die keine Lust hatte, aufgrund eigentlich -ganz harmloser- Aussagen disqualifiziert zu werden. „Ich bin dran! Draw!“
      Mit Schmackes riss sie die oberste Karte von ihrem Deck und betrachtete diese. Dann schob sie sie ins Blatt, um die Karte daneben zu zücken. „Die hier wird gesetzt!“
      Vor ihren Füßen materialisierte sich jener Zauber. Einen weiteren nahm Anya aus dem Blatt und zeigte diesen vor: „Und jetzt werden wir beide unsere Karten abwerfen und dieselbe Zahl an neuen aufziehen: [Card Destruction]! Pech für dich, dein Assmonster Soul Ogre ist damit hinüber!“
      Valerie quittierte dies mit einem Schnalzen und legte ihre einzige Handkarte auf den Friedhof, genau wie Anya es mit ihren eigenen drei verbliebenen tat. Beide zogen anschließend auf, Anya dreimal, Valerie nur einmal.
      „Tja, mein Plan ist perfekt! Verdeckte Zauberkarte, zeig dich!“ Stolz streckte Anya den Arm über diese aus und ließ sie auffahren. „[Silent Doom]! Damit kommt ein Vanilla zurück auf meine Spielfeldseite, im Verteidigungsmodus! Erwache, [Labradorite Dragon]!“
      Ein Loch im Boden tat sich vor dem Mädchen aus. Aus ihm entstieg, empor gehoben von dutzenden knorrigen Händen ein eleganter, schwarzer Drache, in dessen Haut mehrere, ovale Edelsteine grünlicher Farbe eingelassen waren.

      Labradorite Dragon [ATK/0 DEF/2400 (6)]

      „Und dazu gibt’s noch [Gem-Knight Garnet] als Normalbeschwörung!“, donnerte Anya und knallte diesen auf ihr D-Pad. Neben ihrem Drachen tauchte der Bronzeritter und sowohl Herr über das Feuer, als auch des Granatedelsteins auf.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      Gleichzeitig durchforstete Valerie auf dem Display oberhalb ihres roten D-Pads Anyas Friedhof und machte eine erstaunliche Entdeckung. „[Gem-Knight Fusion]? Aber willst du sie nicht-!?“
      „Aufgepasst, Redfield“, verkündete Anya jedoch in diesem Augenblick und streckte den Arm in die Höhe, „jetzt lernst du mein stärkstes Monster kennen! Ich stimme den Stufe 6-Empfänger [Labradorite Dragon] auf meinen Stufe 4-Garnet ein!“
      Der Drache erhob sich in die Luft und flog ein Stück geradeaus, ehe er in sechs grüne Lichtringe zersprang. Garnet folgte ihm dabei.
      „A heart of iron rests within the void of time and space! One beat, powerful enough to reverse the laws of nature!“
      Ein Raunen ging durch das Publikum. Der Edelsteinritter schoss durch die Ringe, zersprang in vier Lichtkugeln, ehe ein Blitz durch das Gebilde schoss. Und Anya schrie: „Synchro Summon! Break loose, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]!“
      Erst geschah gar nichts. Die Leute verstummten, als Anyas Monster einfach verschwunden waren. Doch dann erhob er sich. Meterhoch, reichte er fast bis an die Decke des Stadions.
      „Was für ein Koloss! Ist das Anya Bauers Geheimwaffe, nachdem sie ihr Deck gewechselt hat?“, überschlug sich Mr. C am Mikrofon.
      Der cyan-farbene Roboter mit dem silbernen T auf der Brust verschränkte die Arme, deren Segmente scheinbar lose an elektrischen Energieseilen aneinander hingen. Er hatte etwas Teuflisches an sich, dank der vier ineinander gewundenen Hörner an seinem Helm.
      „Heh, diesmal hat er die richtige Größe“, stellte Anya zufrieden mit Blick nach oben fest, „passend dazu, dass er pro Synchromaterial für diesen Zug 500 Angriffspunkte bekommt.“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4000 DEF/0 (10)]

      Ihrer Gegnerin stand der Schweiß auf der Stirn. Trotzdem fragte sie, mit einem zweifelnden Unterton: „Du wählst lieber ihn als …?“
      „Gib's zu, du hast Schiss, Redfield. Hätte ich auch, wenn das Ding mich mit nur einem Angriff besiegen kann“, prahlte Anya und streckte den Zeigefinger aus. „Was bist du auch so blöd, den da im Angriffsmodus zu lassen?“
      Sie deutete auf den Haimenschen [Gishki Abyss].
      „Wobei, dank Heavy Ts Effekt spielt es eh keine Rolle, in welcher Position der Feind liegt", fügte Anya dann hinzu.
      „Was für eine gefährliche Situation für Valerie Redfield“, heizte der Kommentator das Publikum dazu an, Valerie lautstark zu unterstützen.
      „Danke für das Gratisticket ins Finale. So musst du dir keine Sorgen machen, irgendjemanden, der dir nahe steht, aus dem Turnier zu kicken. Pech für dich, dass ich solche Gewissenskonflikte nicht habe“, zischte Anya plötzlich bitterböse.
      Ihre Gegnerin schüttelte leicht den Kopf. „Das war unangebracht, Anya. Du verstehst das nicht …“
      „Was auch immer“, winkte die ab, „ich verstehe eins: Mein Heavy T ist meinem Duellstil wie auf dem Leib geschrieben! Er macht dich jetzt fertig! Los, Gravity Reverse auf [Gishki Abyss]!“
      Valerie wich einen Schritt zurück, als der Titan seine rechte Faust ballte und sie an dem gleißenden Seil direkt auf ihren im Vergleich dazu winzigen Haimenschen abfeuerte. Dabei spreizten sich die Finger der Hand voneinander und offenbarten eine blaue Energiesphäre in der Handfläche. Heavy T wollte seinen Gegner zerquetschen wie eine Fliege.
      Mit Schwung ließ Valerie den Arm über ihre verbliebene gesetzte Karte gleiten. „Als ob ich es dir und deinem Größenwahn so leicht machen würde! Falle, [Destruct Potion]! Sie zerstört eines meiner Monster und heilt mich um dessen Angriffspunkte!“
      Jene Falle sprang sofort auf. Die Hand war in etwa über das halbe Spielfeld geflogen, da zerplatzte ihr Ziel in roten Schimmer, der in einer schnellen Bewegung zu Valerie flog und sie umgab.

      [Anya: 3200LP / Valerie: 2000LP → 2800LP]

      „Hätt' ich mir ja denken können“, knurrte Anya wütend, auch wenn es nicht unerwartet kam, „dann musst du aber damit leben, dass ich deine kleine Meerjungfrau einstampfe! Neues Ziel: [Evigishki Merrowgeist]!“
      Heavy T musste die Hand nur minimal umlenken, um die rothaarige Sagengestalt mit voller Wucht in den Boden zu rammen. Eine Schockwelle wurde ausgelöst, doch sie ging spurlos an Valerie vorbei.

      [Anya: 3200LP / Valerie: 2800LP → 1900LP]

      „Nach dem Kampf wechselt Heavy T leider seine Position“, murrte Anya. Ihr Titan ging in die Knie, als seine Hand zu ihm zurückkehrte. „Und da ich den Zug beende, verliert er auch den Punktebonus.“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4000 → 3000 DEF/0 (10)]

      Aber was spielte das für eine Rolle? Redfield hatte ein leeres Feld und nur eine Handkarte übrig, Anya dagegen zwei, wobei eine davon eine nette Überraschung sein würde. Nächste Runde war die Nervensäge fällig!

      Ebenjene seufzte schwer, als sie aufzog. „Weißt du, Anya, ich hatte eigentlich gehofft, gegen deine besten Monster anzutreten.“
      „Tust du doch?“
      „Ich meinte die, die du schon immer benutzt hast. Aber inzwischen verlässt du dich wohl mehr auf deine Synchromonster als alles andere.“ Die Schwarzhaarige senkte den Kopf. „Genau wie ich es befürchtet hatte, als ich deine Duelle gesehen habe … aber gut.“
      Mit entschlossenem Blick sah sie wieder auf. „So muss ich kein schlechtes Gewissen haben, dich zu besiegen. Denn mit dieser Einstellung hast du keine Chance gegen Claire.“
      Anya breitete fassungslos die Arme von sich aus. „Was soll das denn heißen!?“
      „Das wirst du jetzt sehen“, lautete die unterkühlte Antwort. Valerie nahm eine Zauberkarte aus ihrem Blatt. „Wie du weißt, habe ich durch [Gishki Chains] Effekt mein Deck angeordnet. Derzeit befinden sich Moulinglacia und [Salvage] auf meiner Hand.“
      Sie steckte die grün-umrandete Karte in ihr D-Pad. „Und dazu noch sechs Wasser-Monster auf meinem Friedhof, nämlich [Gishki Vision], [Gishki Chain], [Gishki Psychelone], [Evigishki Soul Ogre], [Evigishki Merrowgeist] und [Gishki Abyss]. Zwei davon bekomme ich dank [Salvage] jetzt zurück, aber sie dürfen nicht mehr als 1500 Angriffspunkte haben. Also kommen nur Abyss und Vision infrage.“
      Zwei blau leuchtende Wassertropfen stiegen von ihrem Deck auf und wurden kurz zu Karten, ehe die Originale sich aus dem Friedhof schoben und von Valerie aufgenommen wurden.
      „Jetzt sind es nur noch vier Wasser-Monster“, fuhr Valerie fort, „was eins zu wenig ist. Aber dem kann ich Abhilfe schaffen, indem ich [Gishki Vision] abwerfe, um ein Gishki-Ritualmonster von meinem Deck zu erhalten. Ich wähle [Gishki Zielgigas].“
      Auch dessen Karte stand mit einem Ruck automatisch aus ihrem roten D-Pad hervor, nachdem Valerie [Gishki Vision] dem Friedhof zugeführt hatte. Als sie das Ritualmonster ihrem Blatt hinzufügte, murmelte sie: „Damit sind es jetzt genau fünf.“
      Plötzlich lief ein kalter Schauder Anyas Rücken entlang. Es war, als wäre die Temperatur um mehrere Grad gesunken.
      „Hätte ich dir das Teil bloß nie geschenkt“, murrte sie, wusste sie doch bereits, was auf sie wartete.
      „Ich bin dir dafür dankbar“, erwiderte Valerie eisig, „und ich finde es bezeichnend, dass -es- für deinen Untergang verantwortlich sein wird.“
      Passend zu ihren Worten breitete sich von dem Mädchen ein kühler Nebel aus. Nicht allzu dicht, überzog er das Spielfeld mit einer dünnen Schicht Eis. Selbst die Bildschirme um die Plattform waren betroffen, fielen nacheinander aus.
      Anya fasste sich an die Stirn und schüttelte den Kopf. „Großartig.“
      „Fünf Wasser-Monster liegen auf meinem Friedhof, also kann ich von meiner Hand als Spezialbeschwörung diese Kreatur rufen: [Moulinglacia The Elemental Lord]! Erscheine!“
      Valerie schmetterte dessen Karte auf das D-Pad. Hinter ihr schoss eine gewaltige Eissäule aus dem Boden, fast so hoch wie der kniende Heavy T. Ein übernatürlicher Glanz schoss über ihre Oberfläche aufwärts und offenbarte, dass sich etwas darin verbarg. Anya konnte nur einen kurzen Blick erhaschen, da platzte die Säule auseinander. In alle Richtungen flogen Eisbrocken.
      „Shit“, fluchte Anya beim Anblick dessen, was eben noch geschlafen hatte. Eine fliegende, drachenähnliche Gestalt, welche aber gleichzeitig auch etwas von einem Vogel hatte. „Das hat man davon, wenn man einmal, uah, nett sein will. Mach' ich nie wieder!“
      Der schlangenhafte Körper bestand aus weiß-goldenen Segmenten, die sich aufreihten zu der gewaltigen Kreatur und von deren mit je einem Horn besetzten Schultern Flügel spannten. Der Kopf verbarg sich hinter einer goldenen Maske.

      Moulinglacia The Elemental Lord [ATK/2800 DEF/2200 (8)]

      Die ganze Spielfeldseite Valeries wurde von einem nicht allzu dichten Wirbelsturm aus Schneeflocken umgeben. Jene verkündete: „Bei seiner Beschwörung vernichtet Moulinglacia zwei zufällig gewählte Handkarten meines Gegners. Instant Freeze!“
      „Was!?“, keuchte Anya mit Blick auf ihr Blatt, das genau aus zwei Karten, [Gem-Knight Turquoise] und [Gem-Knight Iolite] bestand. Jene wurden schlagartig mit Eis überzogen.
      „Leg sie ab“, forderte Valerie so eisig wie das über ihr fliegende Monster.
      Wie gelähmt kam Anya dem nach und schob die Karten in den Friedhofsschacht des D-Pads. Ihr glasiger Blick war auf ihre Erzrivalin gerichtet.
      „Hat Valerie Redfield damit die Hoffnungen ihrer Gegnerin auf einen Schlag vernichtet?“, wunderte sich Mr. C und das Publikum tobte.
      Die schwarzhaarige, junge Frau, deren Pferdeschwanz im Sturm mit wippte, nahm eine ihrer verbliebenen beiden Handkarten und legte sie auf das D-Pad. „Ich beschwöre [Gishki Abyss] und erhalte von meinem Deck [Gishki Shadow], da seine Verteidigung gering genug ist.“
      Der Haimann tauchte vor ihr auf.

      Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

      Besagte Karte stand bereits aus dem Schacht leicht ab, sodass Valerie sie nur noch aufzunehmen brauchte. Anya stand dem fassungslos gegenüber, denn mit [Gishki Shadow] und [Gishki Zielgigas] auf dem Blatt ihrer Gegnerin hatte die nahezu alles bereit, um neben dem Eisdrachenvogel noch ihr bestes Ritualmonster zu rufen.
      „Angriff auf Heavy T, [Gishki Abyss]!“, befahl Valerie im Anschluss.
      Wie ein Pfeil schoss jener auf den riesigen, knienden Titanen zu. Dabei öffnete er sein mit spitzen Zähnen bespicktes Maul und biss sich kurzerhand durch die Brust Heavy Ts, welcher folgenschwer explodierte.
      „Verdammter Kackmist!“, schrie Anya panisch, die nun völlig schutzlos war.
      „Den hast du dir selbst eingebrockt. Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte, Moulinglacia. Neverwinter Blizzard!“ Valerie wandte den Kopf ab, als könne sie Anyas Anblick nicht länger ertragen.
      Über ihr holte der Eisvogeldrache mit seinen Schwingen aus und ließ einen Schneesturm los, der es in sich hatte. Anya konnte vor Weiß nichts mehr sehen, als sie erfasst wurde. Die Zuschauer staunten Bauklötze, als sie die Blonde sahen, wie sie sich mit Armen vor dem Kopf gegen den Blizzard aufbäumte.

      [Anya: 3200LP → 400LP / Valerie: 1900LP]

      Valerie, die immer noch abgewandt von dem Spielfeld stand, sagte: „Jetzt ist dir nichts mehr geblieben. Keine Handkarten, kein Feld mehr. Aber sicher wirst du ein glückliches Händchen beim Ziehen beweisen, oder? Du bist dran.“
      Es klang beinahe wie eine Herausforderung. Nachdem der Schneesturm sich aufgelöst hatte, stand Anya mit weit aufgerissenen Augen auf der anderen Spielfeldseite. Dann knurrte sie zerknirscht: „Kannst du mir mal verraten, warum du plötzlich zur Eiskönigin mutiert bist?“
      „Weil du mich enttäuscht hast …“
      „Was hab ich denn jetzt schon wieder angestellt!?“, wollte Anya voller Unverständnis wissen.
      Aus den Augenwinkeln sah Valerie herüber und die Blicke der beiden trafen aufeinander. Und Anya hätte schwören können, wäre es irgendwie möglich, hätte es eine Explosion gegeben, so feindselig starrten sie einander an …
      Und Valerie murmelte: „Das musst du schon selbst herausfinden.“


      Turn 71 – Resolve
      Valerie ist fest dazu entschlossen, Anya eine Lektion zu erteilen, doch diese erweist sich als genauso hartnäckig, wie man es von ihr gewohnt ist. Dennoch muss sie der Versuchung widerstehen, Levriers Kräfte einzusetzen. Doch nicht nur Anya steht vor einem Gewissenskonflikt …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Sapphire
      Alexandrite Dragon
      Labradorite Dragon
      Gem-Knight Iolite
      Gem-Knight Alexandrite

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Indem du diese Karte und ein anderes "Gem-Knight" Monster von einem Xyz-Monster abhängst oder wenn ein "Gem-Knight"-Monster als Xyz-Material von diesem Xyz-Monster abgehangen wird, indem du zusätzlich diese Karte abhängst: verdopple bis zur End Phase die ATK jenes Xyz-Monsters.

      Gem-Knight Fusion
      Card Destruction
      Silent Doom

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. Wenn diese Karte ein Monster als Ziel eines Angriffs wählt: du kannst die Position des Ziels wechseln. Nach der Schadensberechnung, wenn diese Karte angegriffen hat: wechsle ihre Position. Jederzeit während den Zügen beider Spieler: biete ein Monster als Tribut an; wechsle die Position dieser Karte. Wenn du das tust: diese Karte bleibt von den Effekten von Monsterkarte bis zur End Phase unberührt und dein Gegner zieht eine Karte.

      Valerie

      Gishki Abyss
      Gishki Vision
      Gishki Shadow
      Gishki Chain
      Gishki Psychelone
      Gishki Zielgigas
      Evigishki Soul Ogre
      Moulinglacia The Elemental Lord

      Gishki Photomirror
      Aqua Jet
      Salvage

      Grisaille Prison
      Destruct Potion

      Evigishki Merrowgeist

      Marc

      Laval Judgment Lord

      Mirage Tube

      Lavalval Dragon
      Lavalval Dragun

      Kakyo

      Dark Magician
      Buster Blader
      Skilled Dark Magician

      Emblem Of The Dragon Destroyer
      Fusion Sage
      Polymerization

      Dark Paladin
      Achtung Spoiler von Folge 69 und 70.
      Spoiler anzeigen
      ​Folge 69+70

      Highlights;

      -Anya hat ihr Deck wieder^^ Hatte zwischendrin befürchtet das sie es erst am Ende der Staffel kriegt. Ich habe wie Zathe und co auch erwartet das Anya sich mehr freut. Zanthes unpassende Aussage passt da so gut rein.

      -Anya vs Pendelum Reloaded. Sie wird richtig von der Mechanik überagt, gewinnt aber dann durch Rohe Gewalt. Wie in ihren alten Schultagen, von allen durch Inteligenz überragt und dann immer am Ende durch rohe Gewalt gewonnen :drunk:
      Wie es wohl sie selbst sagen würde; Gewalt ist die Lösung.

      -Liste: Anya hat also eine Liste von Leuten die sie selber durch eigene Kraft besiegen möchte. Irgetwie seltsam. Den in meinen Augen sind die Hütter Karten nicht etwas das ich "aus eigener Kraft" bezeichnen würde. Ohh wenn sie das herausfindet... dann müsste sie von vorne anfangen. :OO:
      Nick im Bett mit einer anderen Frau: Wie es Nicks fake Persona sagen würde; Ich habe Liebe gemacht. :ausgezeichnet:
      Abschlussball Duel Reloaded: Valerie ist richtig angepisst weil Anya nicht mehr ganz :eek: dicht im Schädel ist. Und sich nur auf die Hüterkarten verlässt, anstatt auch ihre eigene Stärke zu benutzen.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      -Aska-

      Was Exa angeht, schreib ich nur, was mir so zu ihm auffällt. Was natürlich die zukünftigen Wendungen und Entwicklungen nicht beinhalten kann. Kann also durchaus den ganzen momentanen Eindruck nochmal kurzerhand kippen, wenn -dies- oder -das- passiert ;)

      Joa, das eingeschobene Kapitel hat sich gut eingefügt und ich denke, man hat ihm diesen Charakter nicht angemerkt. Zumal wenn man zwei Sachen auf für den Preis von einer bekommt, klare Sache!

      Ja, sie 'passen' zusammen *duck und weg*. Aber um ernsthaft zu bleiben, ich bin bei den beiden gespannt zu sehen, wie lange diese Geschäftsbeziehung währen wird, und ob sie in Krisenmomenten behaupten kann oder schnell zerbricht.



      Folge


      Ich fand die Folge mit dem heißersehnten Duell sehr spannend und bisher erfüllte es alle meine Erwartungen. Genau wie ich es gehofft hatte, geht Valerie auf Anyas favorisierten Synchros, die Artefakte, los und kann beide gekonnt an ihren Schwachstellen packen und gerade zu leicht beseitigen. Das war sehr gut, besonders bei Angel Wing, wo sie es ihr kurzerhand unmöglich gemacht hat, diesen zu reanimieren.

      Ebenso schön kam die Haltung Valeries durch, wie enttäuscht sie von Anya ist, und es zum Ende einfach nur noch hinter sich bringen will. Und dennoch hat sie während des Duells und auch noch weiterhin gehofft, dass Anya sich wieder auf das besinnt, was sie bisher stark gemacht hat, und die Artefakte nicht das Einzige sind, was sie zu bieten hat - auch wenn sie ohne Frage ein gewisses Power-Up ihres Decks darstellen.

      Entsprechend sah es für Anya in dem Duell recht düster aus, eben weil sie sich nur auf die Artefakte verließ, aber das war ja nach den letzten Folgen geradezu auch zu erwarten.

      Was bisher aber noch ein unklarer Faktor sein dürfte, wird wohl die von der unbekannten Person hinzugefügte Karte sein, wenn Valerie sie zieht. Ganz abgesehen von der Frage, wer hier konkret ein Interesse an Valeries Sieg hat wird es auch interessant zu sehen sein, ob oder besser wann sie sie zieht und wie sie sich dann verhält. Anders als Anya denke ich, dass jemand wie Valerie vielleicht in unterschiedlicher Weise darauf reagieren könnte, wenn sie eine Karte zieht, von der sie sicher weiß, dass sie nicht in ihrem Deck sein sollte. Unter Umständen könnte sie deshalb auch Gewissensbisse haben, sie in dem entsprechenden Fall zu aktivieren.
      Aber insgesamt wird es wohl auf die Situation ankommen, in der sie sie zieht. Denn neben der Frage, ob sie unentschlossen ist, sie dann zu spielen, ist es auch relevant, ob sie dazu gezwungen ist, sie zu aktivieren, um nicht zu verlieren. Was widerum davon abhängen dürfte, was für eine Karte sie da überhaupt 'bekommen' hat."

      Aktuell ist es echt schwer, darauf zu tippen, wer von den beiden das Rennen machen wird, aber irgendwie fürchte ich, wenn Valerie Anya tatsächlich besiegt, dass es einen großen Knick in ihre "Freundschaft" machen könnte. Zumindest von Anyas Seite her. Aber vielleicht entwickelt sich es auch wieder ganz anders. EIn paar Ideen hab ich dazu noch.

      Genauso ein Rätsel ist momentan die ganze Clique, die mit Abwesenheit glänzt. Noch ist ja unklar, ob Anya in den kurzen Momenten des Umsehens nur nicht in der Lage war, sie auszumachen, oder sie tatsächlich alle nicht da sind. Das könnte ja auch eine unerwartete Wendung werden, wenn da jemand seine Finger im Spiel hat? Ich mein, dass einer oder zwei ala Zanthe nicht dabei sind, wäre das eine. Aber alle auf einmal ist schon sehr merkwürdig. Andererseits, mir kommt da auch der Unsichtbarkeitszauber von Exa in den Sinn. Damit wäre es nicht undenkbar, dass jemand die Gruppe unsichtbar macht, damit Anya glaubt, keine anfeuernden Freunde zu haben. Wobei das irgendwie sehr weit hergeholt wäre xD

      Abgsehen von dem Highlight Duell war in der ersten Hälfte dann noch geklärt worden, wer die beiden anderen Kandidaten für das Halbfinale und potentielle Gegner für unsere Heldinnen sein wird. Aber wer von den beiden das Rennen macht, das ist wirklich genauso schwer zu sagen.
      Auf der einen Seite haben wir Kakyo, der ja zu Kyons Fraktion gegen den Sammler gehört und damit sich anbieten würde als ein Gegner für Anya, der das Ziel hat, sie im Turnier aufzuhalten. (wobei da auch einige Punkte dagegen sprechen könnte, was auf der Sache mit dem Namenstausch von Kyon und Kakyo gründet?)
      Zum anderen wäre Othello natürlich sehr gut denkbar, damit Anya oder Valerie im Finale noch einmal gegen Pendel ran müssten, was von der Logik her die vorherige Folge unterstreichen würde, damit Anya und Valerie noch einmal einen gewissen Crashkurs bekommen haben und sich ein paar Strategien zwischenzeitlich überlegen könnten.


      Was Anyas Traum von der Konfrontation mit Exa zu Beginn der Folge angeht, da hab ich irgendwie das Gefühl, dass der Traum starken visionshaften Charakter haben dürfte und einen Ausbick auf eine so oder so ähnliche Situation in der Zukunft bot.
      Aber zum einen bedeutet dies dann, dass Anya auch die Fähigkeit zur Excelbeschwörung erlangt und andererseits, es zu einem direkten Duell mit Exa kommt. Aus dem kurzen Traum war ein Grund dafür nicht zu erkennen, aber ein paar wären dafür denkbar.
      Auch klang die Darstellung des Elysions etwas beunruhigend. Bei den bisher dargestellten Elysion waren die ja immer mit positiven Aspekten verbunden (Sonne/Erdscheibe), hier aber hatten wir verzehrende Flammen umgeben von Dunkelheit. (Und da fragst du, warum ich so ein zwiespältiges Bild von Exa hab? xD).

      Nächste Folge wird wohl weiterhin spannend bleiben. Besonders welche Gewissenskonflikte Valerie dagenau plagen werden. Da sie eigentlich ja fest entschlossen war, Anya zu besiegen. Aber klingt so, als ob sie in der entsprechenden Situation dann doch Hemmungen zu haben scheint.
      Klar war jedoch, dass Anya auf jeden Fall noch einmal zurückfinden wird, auch wenn sie sich momentan gerade in einer recht aussichtslosen Situation befindet. Zumal dürfte sie durch das Beseitigen von Moulinglacia auch einen Zug 'Ruhe' vor Angriffen bekommt.

      In dem Sinne, bin auf jeden Fall ganz neugierig auf den zweiten Teil und will wissen, wie die Konfrontation zwischen den beiden ungleichen Freundinnen ausgeht ^^

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Zeit für die nächste Folge. Danke an alle, die weiterhin hier fleißig mitlesen. :)

      @WiR
      Hey, schön wieder was von dir zu lesen. :)

      Joa, war langsam Zeit. Die Boxer sind zwar ganz nett, aber auf Dauer nicht abwechslungsreich genug. Da haben die Gem-Knights halt einfach den größeren Kartenpool, aber auch so musste sie es wegen der Hüterkarten auf kurz oder lang ja zurückerlangen. Also musste in Anführungszeichen. ^^

      Tja, momentan ist es eben so, dass Anya gegen die Pendel noch nicht wirklich was ausrichten kann. Dem würde ich nicht einmal unbedingt mangelnde Intelligenz zugrundelegen, sondern einfach Unerfahrenheit. Denn allein die Erkenntnis, -dass- sie noch unerfahren ist, sollte man ihr anrechnen, ebenso wie die Feststellung, dass ihr Sieg nicht die Lösung des Problems war.

      Einen sehr interessanten Punkt, den du aufwirfst, ist die Frage ob das Verwenden von Hüterkarten bei einem Sieg diesen gewissermaßen davon entbindet, überhaupt aus eigener Kraft errongen worden zu sein. (Gott, ist das ein Satz ...)
      Würde ich weder mit ja oder nein beantworten wollen, weil's wirklich Ansichtssache ist. Immerhin muss sie sich die Hüterkarten auch erst verdienen, zumindest hat sie dies bei ihrer meistgenutzten. Dann widerum kann man natürlich sagen, dass das trotzden ein unfairer Vorteil ist.

      (Nick überhaupt im Bett mit einer Frau ist schon etwas Bedeutendes btw. xD)

      Vielen Dank auf jeden Fall für deinen Input.

      @Evil Bakura
      Ich finds immer toll, wenn ich deine Kommentare lese und gar nicht mehr weiß, was ich vor 2-3 Wochen geschrieben hatte. xD
      Freut mich jedenfalls, dass das Kapitel sich gut eingefügt hat und dass Nick sich gut in Alexandra eingefügt hat und Alexandra eine interessante Kombination abgibt.

      Das Duell mit Val ist auch eines der Highlights der Staffel für mich. Insofern bin ich auch ein kleines bisschen stolz drauf, dass es bisher gut bei dir ankommt, gerade weil Valerie so gut mit Angel Wing Dragon umgehen konnte, ohne dabei unglaubwürdig zu werden. (Was natürlich auch den Gishki-Karten an sich zu verdanken ist.)

      Es stimmt schon, Val würde eine Niederlage besser wegstecken als Anya, aber ist halt die Frage, wie persönlich Anya das Ganze nehmen würde. Und ob sie nicht in ihrer Entwicklung inzwischen weit genug ist, es vielleicht als das zu akzeptieren, was es wirklich ist: ein verlorenes Spiel. Aber es steht für sie halt auch extrem viel auf dem Spiel.

      Kakyo oder Othello gibts in voller Länge nach Val VS Anya. Das verkürze ich nicht so wie die Nicht-Anya-Duelle davor.
      Und ihr Excel-Exa-Extermination-Traum könnte alles mögliche sein. ;)

      Danke auch an dich für deinen Kommentar.


      So, viel Spaß mit dieser Folge, die nächste werde ich dann schon nach meinen schriftlichen Prüfungen posten, wenn sich die Lage dann vll auch entspannt hat. Wünscht mir Glück!

      Turn 71 – Resolve
      „Sicher wirst du ein glückliches Händchen beim Ziehen beweisen, oder? Du bist dran.“
      Valeries Worte hallten durch Anyas Gedanken, immer und immer wieder. Die Schwarzhaarige stand ihr leicht abgewandt auf der anderen Spielfeldseite gegenüber, bedachte sie eines feindseligen Blickes und Anya wusste dieses Mal wirklich nicht warum. Dabei war sie doch eigentlich auf Redfield wütend und nicht etwa umgedreht!

      „Anscheinend ist Anya Bauer wirklich verzweifelt“, erklang Mr. Cs Stimme im kreisrunden Stadion, „seit Valerie Redfield ihr gesamtes Feld samt Handkarten ausgelöscht hat, steht sie da wie eine Salzsäule! Denkt sie etwa darüber nach aufzugeben?“
      Einige Zuschauer unterstützten diesen indirekten Vorschlag lautstark. Ein regelrechter Singsang entstand, der Anya dazu aufforderte, das Spiel zu schmeißen. Ihre Lage war schließlich mehr als schlecht.

      [Anya: 400LP / Valerie: 1900LP]

      Ihr war nichts geblieben. Alles hing jetzt davon ab, was sie zog. Valerie dagegen besaß den großen, weiß-goldenen Eisvogeldrachen Moulinglacia, der über ihr flog sowie den Haimenschen [Gishki Abyss], welcher vor ihr verharrte.

      Moulinglacia The Elemental Lord [ATK/2800 DEF/2200 (8)]
      Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

      Außerdem lauerten auf Valeries Blatt noch [Gishki Shadow], ein Ritualhelfer und das Ritualmonster [Gishki Zielgigas] – ihr stärkstes und fiesestes von allen.
      Anya schluckte. Wie sollte sie da bloß wieder heil rauskommen? Und dann wieder Valeries Worte.
      „Sicher wirst du ein glückliches Händchen beim Ziehen beweisen, oder?“
      Vorsichtig legte die Blonde ihre Hand ans Deck. Redfield wusste genau, dass sie in solchen Situationen mithilfe Levriers das Schicksal zu verändern versuchte. Sie rechnete damit. Und forderte sie heraus, genau das zu versuchen. Aber wenn sie das tat, dann …

      Du denkst an deine Liste, nicht wahr?

      Kaum merklich nickte Anya. Die aberdutzenden Bildschirme, die die Duellplattform umgaben, schalteten sich plötzlich wieder ein. Alle zeigten ihr Stirn runzelndes Antlitz.
      Wenn sie jetzt den Cheat Draw benutzte, hatte sie ihr Recht verwirkt, bei einem Sieg Valerie von ihrer 'Pitchest Black'-Liste zu streichen. Andererseits, wenn sie es nicht tat und etwas Unbrauchbares zog, war es vorbei. Redfield würde ins Finale einziehen und Anyas Traum, Duel Queen zu werden, war damit vielleicht für immer zerstört. Was sollte sie tun!?

      Verzweifelt suchte sie unter den Zuschauerrängen nach ihren Freunden, aber die waren nirgendwo zu entdecken. Kein Matt, kein Zanthe … kein Logan. Selbst von Marc fehlte nach wie vor jede Spur. Wo waren die bloß alle!?

      Die Entscheidung liegt bei dir. Aber wenn du Valerie Redfield wirklich deine Freundin nennst, tu es nicht.

      Levrier, der Unsichtbare, hatte Recht. Das wusste Anya. Was sie nicht wusste, war der Grund, warum sich Redfield plötzlich so abweisend verhielt. Wenn sie jetzt aber ein bisschen mit übernatürlicher Kraft nachhalf, würde das nur schlimmer werden.
      „Verdammter Kackmist!“, schrie Anya und schloss die Augen. Mit dem Entschluss, nicht den Fehler zu begehen, der von ihr erwartet wurde. „Draw!“

      ~-~-~

      Der Klang von Schritten hallte durch den Schacht. In unregelmäßigen Abständen waren kleine Scheinwerfer, Lampen, teilweise auch von der Decke hängende Glühbirnen aufgebaut, allesamt mit dem Zweck, den Besuchern der 'Temptation Lair' den Weg durch das dichte Netz an Tunneln zu weisen.
      Zanthe und Exa folgten nebeneinander den Schienen.
      Letzterer schluckte. „Gleich ist es soweit. Um ehrlich zu sein, bin ich etwas aufgeregt.“
      „Du wirst das schon schaffen“, erwiderte Zanthe müde.
      „Und deine Freundin? Schafft die es?“
      „Wie oft noch, ich finde es überbewertet, bei jedem ihrer Spiele dabei zu sein. Ich hab die Wiederholung vom Viertelfinale angesehen. Hätte nie gedacht, das mal zu sagen, aber sie braucht mich gar nicht.“
      Der große Blonde sah seinen Freund von der Seite mit großer Skepsis an. „Wieso habe ich das Gefühl, zwischen euch zu stehen?“
      „Weil sie mir das Gefühl gibt. Können wir nicht über etwas anderes reden?“, fragte der Werwolf mit dem orangefarbenen Kopftuch genervt.

      So sah sich sein Freund im engen Tunnel um. „Was ist das hier eigentlich?“
      „Ein unbenutztes U-Bahn-Netzwerk. Sie hatten die Arbeiten daran fast fertig gestellt, aber dann hat der Senat den Geldhahn zugedreht und stattdessen in den Bau von Riding Duel-Strecken investiert.“
      „Das war bevor diese Stadt zum Kartenspielhimmel erhoben wurde?“
      „Genau. Dieses Netz ist weit ab vom Schuss, also sahen sie wohl keinen Bedarf, es jemals zu reaktivieren“, erklärte Zanthe, während sie den Lichtern folgten.
      Neugierig fragte Exa weiter: „Und so hat sich der Untergrund eingenistet?“
      „Ja. Sie benutzen die Subway Stations als Austragungsort für die Duelle.“
      Sein Freund neben ihm verschränkte die Arme. „Kaum zu glauben, dass die Behörden davon nichts ahnen.“
      „Natürlich wissen sie Bescheid“, belehrte Zanthe ihn altklug eines Besseren, „aber das ist nicht offiziell. Viele reiche Leute, die auch zum Wachstum und Wohlstand der Stadt beitragen, schließen hier Wetten ab, machen Geschäfte. Das zu zerstören bringt mehr Schaden als Nutzen, besonders wenn man sich vor Augen hält, dass Ephemeria City viermal so hohe Ausgaben im Jahr hat als New York, obwohl sie kaum größer als die Bronx ist.“
      „Ja, was auch immer“, winkte Exa ab, da er offensichtlich den Faden verloren hatte.

      Schließlich gelangten sie ins Herz der Temptation Lair. Einer mittelgroßen U-Bahnstation, dunkel, nur von einigen Lichterketten und Scheinwerfern erhellt, die gen Decke gerichtet war. In neongrünen Lettern war der inzwischen etablierte Name über die ursprüngliche Bezeichnung der Station geschmiert worden, welche nicht mehr lesbar war.
      Die beiden hielten auf eine Holzrampe zu, die von den Gleisen hinauf zum Bahnsteig führte. Nicht wenige Menschen tummelten sich dort. Es gab ein paar kleine Holzstände, die mit allerlei Kram handelten. Doch wirklich voll waren nur jene, die Wetten auf den Sieger annahmen.
      „Die Quote steht 20 zu 1!“, rief ein breit gebauter Mann durch die Menge. „Wer hält dagegen?“
      „Wow, glauben die, ich bin so gut?“, fragte Exa fast ein wenig naiv, als sie sich an den Leuten vorbei schoben, ins Innere der Station.
      „Nein. Genau das Gegenteil ist der Fall.“
      „Autsch. Wieso?“
      „Weil du das das erste Mal machst und dein Gegner sozusagen ein Star ist. Denk dran, du wolltest es ja so“, murmelte Zanthe schnippisch.
      Aber sein Freund erwiderte ernst: „Wenn die Alternative heißt, alte Frauen auszurauben, ist mir das nur recht. Ich hasse so etwas.“
      „Deswegen habe ich dich ja hierher gebracht.“

      Mit hierher meinte er mehr oder weniger das, was ihnen begegnete, als sie den Bahnsteig verließen und die daran anschließende Halle betraten. Sie war groß, gestützt von vier Säulen. Um diese war ein Stacheldrahtzaun bis hoch an die Decke gezogen, um sie herum waren Lichterketten gewickelt.
      Überall standen hohe Tische, an denen Menschen dem Alkohol frönten. Eine kleine Minibar war von den Jungs aus zu ihrer Rechten eingerichtet worden, in dem kleinen Raum, der ursprünglich für den Fahrkartenverkauf vorgesehen war.
      „Einladend“, kommentierte Exa den Anblick wenig begeistert und zeigte auf den abgesperrten Ring inmitten der vier Säulen, „und da muss ich rein?“
      „Ja. Ihr werdet euch mit runter geschraubten Sicherheitseinstellungen duellieren“, erklärte Zanthe, „die Angriffe der Monster richten keinen großen Schaden an, aber mit etwas Pech knallst du gegen den Zaun. Und der steht unter Strom, wenn du noch mehr Pech hast.“
      An den beiden vorbei stolzierte eine leicht bekleidete, blonde Dame im Hasenkostüm, die mit Tablett in der Hand die Getränke servierte. Exa kam nicht daran vorbei, ihr hinterher zu sehen.
      „In fünf Minuten fängt es an. Wenn du ihre Nummer willst, beeil' dich“, schnarrte Zanthe.

      ~-~-~

      Den Arm mit der gezogenen Karte in der Hand von sich gestreckt haltend, wagte Anya es nicht, sich das Ergebnis ihres Entschlusses anzusehen. Sie wusste, dass das, was sie getan hatte, richtig war. Und sie glaubte, den kurzen Anflug eines Lächelns auf Valeries Gesicht zu erblicken, welche sich ihr nun wieder zu wandte.
      „Ein Problem wäre wohl damit gelöst“, hörte Anya sie murmeln.
      Das musste sich noch zeigen, dachte sie dabei und sah sich die Karte nun an.
      „Tch.“ Sie schob sie in das rote D-Pad. „Ich setze diese da. Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sich die Falle vor ihren Füßen in vergrößerter Form.

      „Draw!“ Valerie zog auf, doch runzelte die Stirn.
      Und Anya flehte innerlich: „Bitte, wechsle [Gishki Abyss] in den Verteidigungsmodus, bitte. Wenn du das tust, könnte ich …“
      „Ich weiß, was auf deinem Friedhof liegt“, sagte Valerie jedoch, „ich werde also nicht auf Nummer Sicher gehen. [Moulinglacia The Elemental Lord], greife sie direkt an! Neverwinter Blizzard!“
      Anya weitete die Augen. Woher wusste sie von-!?
      Der weiße Drachenvogel mit der goldenen Maske schlug heftig mit seinen Schwingen, von denen sich ein derart dichter Schneesturm löste, dass binnen kürzester Zeit die komplette Duellplattform davon eingehüllt war.
      Mr. C brachte die Lage auf den Punkt. „Wenn dieser Angriff durchgeht, haben wir unsere erste Finalistin!“
      „Kannst du vergessen. Shit, habe ich eben keine Wahl“, fluchte Anya und schwang den Arm über ihrer verdeckten Karte aus, „Falle, [Negate Attack]! Sie stoppt den Angriff und beendet die Battle Phase!“
      Kurz bevor sie drohte, im Schneegestöber unterzugehen, prallte dieses an einer unsichtbaren Barriere ab, ausgehend von der aufgeklappten Falle.
      „Ich wechsle [Gishki Abyss'] Position. Du bist dran“, verlautete Valerie und drehte dessen Karte auf ihrem D-Pad, sodass der Haimann in die Hocke ging.

      Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

      Die wirbelnden Schneeflocken nahmen in ihrer Zahl rapide ab, bis sie ganz verschwunden waren. Anya wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Phew.“
      „Dieses Mal konnte Anya Bauer der Niederlage entkommen, doch jetzt steht sie wieder vor der selben Ausgangssituation“, hallte Mr. Cs Stille durch das Stadion, „der nächste Zug wird über ihr Schicksal entscheiden.“

      Die Blonde biss sich auf die Lippe. Der Schwachkopf ahnte ja gar nicht wie sehr er damit Recht hatte. Allein der Gedanke daran, Redfield gegen Claire Rosenburg in den Ring steigen zu lassen, verursachte bei ihr Magenkrämpfe. Nein, -sie- musste ihres Schicksals Schmied sein, niemand sonst! Für ihr Leben und für ihren Traum!

      Valerie bemerkte den verkniffenen Gesichtsausdruck ihrer Gegnerin und seufzte schwer. „Anya …“
      Jene packte die oberste Karte ihres Decks. „Du denkst, ich habe keine Chance gegen Claire? Du wirst dich umgucken! Fucking Mega-Draw!“
      Für einen Moment rutschte Valeries Herz in die Hose. Würde Anya oder würde sie nicht …
      Als die mit Schwung zog, war sich Valerie für einen Moment nicht sicher. Etwas versetzte ihr einen Stich. Hatte sie …?
      „Ich setze mein Monster“, verkündete Anya. „Zug beendet!“
      Die Zuschauer hielten gespannt den Atem an. In horizontaler Lage materialisierte sich die Karte des sogenannten Underdogs vor diesem.
      Valerie fuhr sich mit der rechten Hand über den nackten Oberarm. Wenn Anya Levriers Kräfte benutzte, versuchte sie für gewöhnlich das Duell im selben Zug zu drehen. Die grimmigen Gesichtszüge ihrer Gegnerin verrieten nichts.

      ~-~-~

      Zwei Männer öffneten jeweils eine der Türen, die ins Innere des Stacheldrahtrings führten. Zanthe klopfte Exa auf den Rücken, welcher sofort verkrampfte. „Viel Glück. Pass auf dich auf.“
      „Hoffentlich blamiere ich mich nicht vor Candy“, stammelte Exa nervös und schritt vorwärts.
      Abseits von ihnen lief ein Mann mit Mikrophon durch die Massen. Mit dem Markenzeichen eines schwarzen Cowboy-Huts mit entsprechendem Outfit, war Roy McGilbert sozusagen der Manager der Temptation Lair.

      Dieser Mann liebte den Kontakt mit seinen Kunden. Das hatte er mehr als deutlich gemacht, als er Zanthe und Exa vor Kurzem mit offenen Armen empfangen hatte. Natürlich ging es ihm in erster Linie um eine gute Show, doch entgegen der Annahme, ein Mann wie er hätte kein Herz, zeigte er sich Exas Lage gegenüber verbunden. Weshalb er in Absprache mit Zanthe ein Duell vorbereitet hatte, von dem niemand erwartete, dass der Neuling es bestand.

      „Wer ist Candy?“, fragte Zanthe den Mann mit blondem Vollbart, als dieser sich neben ihn stellte.
      „Das Mädchen dort“, erklärte ihm Roy und zeigte mit dem Mikro auf die dunkelhaarige Kellnerin, die gerade Exa zuwinkte, welcher vor dem Eingang des Rings Halt machte.
      Der Werwolf rollte mit den Augen. Erst die Blondine, zwei Minuten später eine Candy …
      Zusammen beobachteten sie, wie Exa zögerlich als Erster den Ring betrat. Hinter ihm wurde die Tür geschlossen und mit einem Vorhängeschloss abgeriegelt. Von seinem Gegner fehlte bisher jede Spur.
      Die Stimmung wurde zunehmend gespannter. Immer mehr Leute versammelten sich um den Käfig, tuschelten aufgeregt und tauschten Wettgeschichten aus. Und ein Name fiel immer wieder: Jack Leonhart Jr., Exas heutiger Gegner.
      „Ist das nicht der ehemalige Weltmeister, der gegen diese Anya Bauer verloren hat?“, wandte sich Zanthe erschrocken an Roy. Natürlich wusste er das längst, aber nicht, was dieser Typ ausgerechnet hier verloren hatte.
      Der bedachte ihn aus seinen grünen Augen eines entschuldigenden Blicks. „Willst du, dass Exa seine finanziellen Schwierigkeiten in den Griff bekommt? Dann muss er einen starken Gegner besiegen.“
      „Das ist ein Profi! Was hat der überhaupt hier zu suchen!?“
      „Nach seiner schicksalhaften Niederlage gegen Claire Rosenburg hat er immer weniger Verträge angeboten bekommen. Dazu geht es seit Jahren mit der Firma seiner Familie abwärts, also musste er sich etwas überlegen, um an Geld zu kommen.“ Roy ließ ein bärbeißiges Lachen los. „Mittlerweile ist er sozusagen die Hauptattraktion. Auch wenn sein Ruf nach seinem Ausscheiden aus dem Legacy Cup gelitten hat. Deswegen war es so einfach, dieses Duell zu arrangieren.“

      Zanthe verschränkte mit skeptischem Blick die Arme. Das konnte ja heiter werden. Er war sich zwar sicher, Exa gut vorbereitet zu haben, aber dennoch missfiel ihm dieser Einstieg in die Untergrundszene. Gäbe es eine andere Möglichkeit, hätte er diese gewählt, aber ohne festen Wohnsitz, Papiere und Green Card war es Exa nicht vergönnt, irgendwo Arbeit zu finden …

      „Da ist er ja, unser Star!“, rief in dem Moment Roy und seine Stimme hallte durch die überall an der Decke angebrachten Lautsprecher.
      Zanthe musste zweimal hinsehen, um Jack als ebendiesen zu erkennen. Sein blondes Haar, das zuvor beim Duell gegen Anya bis zu den Augenbrauen reichte, war zu einer spitz zulaufenden Frisur hochgegelt, der Anzug war einer schwarzen Jeans mit dazu passender Motorradjacke gewichen.
      „Ich werde nie die Leute verstehen, die im Dunkeln Sonnenbrillen tragen“, schnarrte Zanthe beim Anblick des ehemaligen Weltmeisters, welcher wortlos den Käfig betrat.
      Roy legte seine Hand auf das Mikrophon und zwinkerte dem Werwolf zu. „So ist er eben, will jeden beeindrucken. Hoffen wir, dass ihm das heute nicht gelingt. Wir brauchen dringend einen neuen Star.“
      Dann sprach er in das Mikro: „Wie es aussieht, sind unsere beiden Kontrahenten jetzt versammelt. Ihr kennt das Spiel ja inzwischen: Do or die! Wer die Angriffe des Gegners nicht ab kann, ist nicht für die Temptation Lair geschaffen.“
      Die umstehenden Leute jubelten.

      Während Roy noch einmal die Regeln erklärte und die Wettquoten wiederholte, standen sich Exa und Jack gegenüber in dem Käfig, der nun von beiden Seiten abgeschlossen war.
      „Viel Glück“, wünschte Exa seinem Gegner und schritt mit ausgestreckter Hand auf ihn zu.
      Doch der Sonnenbrillenträger zischte: „Halt's Maul!“
      Sofort blieb der Größere stehen, runzelte ärgerlich die Stirn.
      „Nur damit du es weißt: Ich habe keinen Bock darauf, einen Anfänger wie dich zu zerquetschen, aber Roy hat mir keine Wahl gelassen.“ Jack senkte leicht den Kopf, lugte über den Rand seiner Brille herüber. „Wenn du uns beiden einen Gefallen tun willst, wehr' dich nicht zu sehr. Dann ist es wenigstens schnell vorbei.“
      Der Vorschlag traf jedoch auf taube Ohren. Exa wirbelte wortlos herum und kehrte zu seiner Ausgangsposition zurück.
      „... jetzt, wo alles geklärt ist“, rief Roy Gilbert erwartungsvoll, „lasst das Spiel beginnen!“
      Exa streckte den Arm aus, an dem bereits seine abgerundete, weiß-blaue Duel Disk haftete, welche lediglich ein Stück weit ausfuhr. Dagegen spielte Jack mit einem schwarzen D-Pad, wie auch Matt eines besaß – Standardware vom Schwarzmarkt, da man sie nicht so leicht orten konnte.
      „Duell!“, schrien die beiden sich gegenseitig an.

      [Exa: 4000LP / Jack: 4000LP]


      ~-~-~

      Als Valerie aufzog, stand ihr die felsenfeste Entschlossenheit ins Gesicht geschrieben.
      „Ich wechsle [Gishki Abyss] zurück in den Angriffsmodus“, entschied sie und drehte dessen Karte auf ihrem D-Pad wieder in aufrechte Position. Der blaue Haimensch erhob sich aus seiner niedergeknieten Haltung.

      Gishki Abyss [ATK/800 DEF/500 (2)]

      „Valerie Redfield will unter allen Umständen zum letzten Schlag ausholen“, ließ sich Mr. C es nicht nehmen, die Aktion zu kommentieren. „Wird es ihr diesmal gelingen, die verbliebenen 400 Lebenspunkte von Anya Bauer auszulöschen?“
      Die Schwarzhaarige fuhr sich durch den hoch angesetzten Pferdeschwanz, der bis weit über die Schultern reichte, und schloss die Augen. Ganz als würde sie die Antwort schon kennen. „Angriff auf Anyas gesetztes Monster, Moulinglacia. Neverwinter Blizzard!"
      Wieder entstand ein Schneegestöber um die Duellantinnen, ausgehend von dem weißen Drachenvogel über Valerie, der mit seinen Schwingen in Anyas Richtung schlug. Dadurch entstand ein Schneesturm, der über das Feld wirbelte und die verdeckte Karte Anyas zerfetzte. Aus ihr entsprang ein steinerner Krug, in dessen Inneren sich ein Auge verbarg.

      Morphing Jar [ATK/700 DEF/600 (2)]

      Von tanzenden Schneeflocken umgeben, frohlockte Anya trotz ihrer ernsten Lage. „Pech für dich, Redfield! [Morphing Jar] ist ein Flippeffektmonster, das uns beide alle Karten aus der Hand abwerfen lässt, wenn er aufgedeckt wird. Danach ziehen wir beide fünf neue!“
      Ihr Grinsen wurde breiter, als die Blonde die Hand an ihr Deck legte und Valerie kommentarlos ihre vier Handkarten, nämlich die Monster [Gishki Zielgigas] und [Gishki Shadow], den Zauber [Forbidden Arts Of The Gishki] sowie die in diesem Zug aufgezogene Falle [Aquamirror Cycle], in den Friedhofsschacht schob.
      „Sieht wohl so aus, als hätte ich dein miesestes Ritualmonster entsorgt, noch bevor du es überhaupt ausspielen konntest“, flötete Anya, „und mit meinem [Morphing Jar] finde ich sogar ins Spiel zurück! Fünffacher Fucking-Mega-Draw!“
      Mit einem Mal riss sie fünf Karten von ihrem Deck und fächerte sie stolz vor sich auf, wohingegen Valerie besonnen eine nach der anderen zog. Dann lächelte sie kühl. „Du hast eins vergessen: Ich kann dich noch direkt mit [Gishki Abyss] angreifen. Los!“
      … sie war noch nicht fertig, also …
      Der Haimann stieß sich vom Boden ab und flog mit hoher Geschwindigkeit auf Anya zu, nein, schwamm vielmehr durch die Luft. Sein mit spitzen, weißen Zähnen bestücktes Maul weit öffnend, wollte er nur eins: Anya bei lebendigem Leib verschlingen.
      Allerdings hatte die andere Pläne, als sie rief: „Pah, als ob mich das besiegen könnte! Effekt von [Kuriboss] auf meinem Friedhof!“
      Abyss war nur noch etwa einen Meter von Anya entfernt, da tauchte vor ihr der braune Fellball mit dem grauen Cape und der Sonnenbrille auf der Nase auf. Panisch mit seinen Stummelarmen wedelnd, landete er genau zwischen den Zähnen des Haimanns, der seinen Ansturm abrupt stoppte.
      „Wenn ich [Kuriboss] vom Friedhof verbanne, kann ich Kampfschaden negieren!“, erklärte Anya.
      Und Mr. C staunte Bauklötze. „Sie hat den Angriff abgewehrt, aber wie ist diese Karte dort gelandet!?“
      „Heh, das ist doch echt nicht schwer gewesen“, gab die Blonde im dunklen T-Shirt mit der Anschrift ihres Kartenladens auf dem Rücken großspurig an.

      Anya nahm aus ihrem Blatt eine Zauberkarte und zeigte diese vor: „Und jetzt werden wir beide unsere Karten abwerfen und dieselbe Zahl an neuen aufziehen: [Card Destruction]! Pech für dich, dein Assmonster Soul Ogre ist damit hinüber!“
      Valerie quittierte dies mit einem Schnalzen und legte ihre einzige Handkarte auf den Friedhof, genau wie Anya es mit ihren eigenen drei verbliebenen tat. Die letzte war [Kuriboss].

      Während das Publikum begeistert applaudierte, verzog Valerie keine Miene. Sie starrte Anya an, wie sie sich im kurzen Ruhm ihrer vermiedenen Niederlage sonnte. Dann richtete sie ihr Augenmerk auf die fünf Karten, die sie durch [Morphing Jars] Effekt gezogen hatte.
      „Ich setze zwei Karten verdeckt“, entschied sie und schob beide nebeneinander in das rote D-Pad, wodurch sie vor ihren Füßen vergrößert Form annahmen. „Dein Zug, Anya.“

      Jene grinste breiter denn je. „Sieht so aus, als würde es nochmal richtig spannend werden, nicht wahr, Redfield?“
      „Ja“, antwortete diese knapp.
      Was Anya gar nicht schmeckte. „Was ist los? Hast du heute deine Tage oder was?“
      Selbstverständlich reagierte Valerie gar nicht erst auf die Provokation. Was ihre Gegnerin nur umso fuchsiger werden ließ, welche mit Schwung zog. „Pah, dann schmoll' doch vor dich hin, Redfield! Draw!“
      Ihre nun sechs Karten vor sich haltend, konnte Anya ihr Glück kaum fassen. Sie war bis hierher gekommen, ohne Levriers Kräfte zu benutzen! Jedenfalls nicht -diese Art- von Kräften. Aber hey, sie gönnte es ihm, wenn er das Spiel wenigstens für sie beendete!
      „Ich habe mit [Card Destruction] übrigens noch eine Karte abgeworfen, die ich jetzt zurückhaben will!“
      Anya holte bereits zwei Karten aus ihrem Friedhof, um sie vorzuzeigen, da kam Valerie ihr zuvor. „Ich weiß. [Gem-Knight Fusion].“
      „Huh!? … 'kay, dann bist du heute nicht nur besonders zickig, sondern auch besonders dämlich, wenn du die bemerkt hast, aber [Kuriboss] nicht.“ Anya runzelte argwöhnisch die Stirn, als sie die Zauberkarte zusammen mit dem durch Moulinglacias Effekt abgeworfenen [Gem-Knight Turquoise] präsentierte. „Was auch immer, ich bekomme [Gem-Knight Fusion] zurück, indem ich einen gefallenen Gem-Knight verbanne.“
      Statt diese aber in ihr Blatt zu packen, zog sie noch eine Zauberkarte aus jenem hervor und schob die eben erst erhaltene [Gem-Knight Fusion] wieder in den Friedhofsschacht. „Indem ich eine Handkarte abwerfe, kann ich [D.D.R. - Different Dimension Reincarnation] aktivieren, sie an ein verbanntes Monster ausrüsten und dieses zurück aufs Feld rufen! Also komm, [Gem-Knight Turquoise]!“
      All das beobachtete Valerie mit starrer Mimik. Vor Anya erschien ein Ritter in einer hellblauen, mit dutzenden himmel- bis grünblauen Edelsteinen besetzten Rüstung, der einen Bogen mit sich führte.

      Gem-Knight Turquoise [ATK/1400 DEF/2000 (4)]

      Noch bevor er den Bogen spannen konnte, hatte Anya schon ihre [Gem-Knight Fusion] sowie [Gem-Knight Iolite] aus ihrem Friedhof geschnappt, seines Zeichens ebenfalls ein Opfer Moulinglacias.
      „Ich verbanne Iolite, um [Gem-Knight Fusion] zurück auf die Hand zu bekommen, aber da wird sie nicht lange bleiben, denn ich werfe sie dank Turquoises Effekt ab, um einen verbannten Gem-Knight zu beschwören!“ Anya holte kurz Luft, da sie schneller gesprochen hatte, als man es je von ihr gewöhnt war. Dabei entledigte sie sich ihrer Zauberkarte wieder. „Und das ist der eben verbannte Iolite!“
      Ihr Ritter des Türkis schoss einen Pfeil angewinkelt neben sich in die Luft, sodass er neben ihm einschlug und einen Runenzirkel um sich bildete. Aus diesem schwebte langsam ein blauer Krieger, welcher eine Wasserklinge mit sich führte.

      Gem-Knight Iolite [ATK/1300 DEF/2000 (4)]

      Mit fest entschlossenem Blick streckte Anya die Hand nach vorne aus. „Pass schön auf, Redfield, denn hier kommt dein Untergang! Ich erschaffe das Overlay Network!“
      Ein Schwarzes Loch öffnete sich inmitten des Spielfelds. Die tausenden von Zuschauern gaben erstaunte Laute von sich, waren gespannt auf Anyas nächsten Schachzug. Beide Edelsteinritter wurden als braune Lichtstrahlen von dem Wirbel absorbiert.
      „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon!“ Eine Explosion erschütterte das Überlagerungsnetzwerk. „Stehe mir bei, [Gem-Knight Pearl]!“
      „Ich wusste es“, murmelte Valerie tonlos.
      Aus dem Lichtfeuerwerk entstieg ein weißer Ritter mit blau leuchtenden Augen, umgeben von sieben Perlen, so groß wie Menschenköpfe. Mit verschränkten Armen schwebte er rückwärts herüber zu Anya und positionierte sich vor ihr.
      Die Schwarzhaarige funkelte ihn fast schon böse an. „Hi.“

      Guten Tag, Valerie Redfield.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Zwei Energiesphären umkreisten Levrier wie Motten das Licht, als er zur Verdeutlichung seines Grußes die Hand hob.
      „Dieses Monster hat Anya Bauer bereits in ihren vorherigen Duellen benutzt! Unsere Analysen ergaben, dass es sich hierbei um ein besonders seltenes Exemplar handelt, ein Fehldruck, um genau zu sein.“ Mr. C konnte sich dabei ein Lachen nicht verkneifen, genauso wenig wie viele Valerie-Fans.
      Anya verzog ein Gesicht, als hätte sie in eine Zitrone gebissen.

      Ist das eine Geschichte von Henry Ford, um meine Existenz zu rechtfertigen? Wie überaus verletzend. Ich will nicht wissen, was er [Gem-Knight Master Diamond] unter diesen Umständen angedichtet hat.

      Die Farbe von Anyas Gesicht schwang bereits deutlich ins Rote über.

      Andererseits sollten wir froh sein, dass er offenbar an so etwas gedacht hat. Das erspart uns lästige Fragen.

      Aber es sorgte nicht dafür, dass Anyas Blutdruck sank. Im Gegenteil, die schnaufte wie ein Stier, weil dieser dämliche Schnöselprinz ihr mal wieder durch einen Tritt in die Eierstöcke zeigen musste, wie wenig er sie mochte.
      „Das wird er mir noch büßen!“, knurrte die Blonde außer sich.
      „Hoffentlich hat das Zeit“, drang sich Valerie ungebeten wieder in Anyas Wahrnehmungsbereich und zwar, indem sie eine ihrer Fallen auslöste. Wie schon seit Beginn des Duells, erklärte sie ziemlich unterkühlt: „Ich kenne den Effekt von Turquoise, solange er ein Xyz-Material ist. Du willst ihn mit Iolite abhängen, um Pearls Punkte zu verdoppeln. Aber das hat schon bei unserem letzten Duell nicht funktioniert und heute ebenso wenig! Ich aktiviere [Torrential Tribute]!“
      Die Falle stellte sich vor Valerie auf. Zu sehen war ein mächtiger Wasserstrahl. Und genau das, Wasser, begann aus der Falle herauszusprudeln.
      „Huh!?“, gab Anya dümmlich zum Besten.

      Sie will alle Monster auf dem Feld zerstören!

      „Diese Karte ist ein zweischneidiges Schwert, denn bei der Beschwörung eines Monsters reißt sie alle auf dem Spielfeld ins Verderben“, bestätigte Valerie Levriers Aussage, „[Gishki Abyss], Moulinglacia … und Pearl. Nun Anya, was wirst du tun?“
      Panisch sah die in ihr Blatt, hatte aber nichts auf der Hand, um das zu verhindern. Indes begann das Wasser aus der Falle regelrecht zu sprudeln.
      „Levrier“, kam Anya doch kurzerhand ein Geistesblitz, „ich habe eine Idee! Sie wird dich nicht direkt retten, aber …“

      Du willst mich inkarnieren!? Vor allen Leuten!?

      Als Valerie das mitbekam, kniff sie die Augen so fest zusammen, dass bestenfalls eine Rasierklinge zwischen die Lider passte. „Anya …“
      Die bekam davon gar nichts mit. „Eine andere Wahl haben wir nicht!“

      Aber-!

      Weiter kam Levrier nicht, denn das Unumgängliche geschah. Aus [Torrential Tribute] schossen in alle Richtungen Wasserfontänen, die den weiß-goldenen Vogeldrachen, den Haimann und den Immateriellen mit sich rissen.
      „Los jetzt!“, befahl Anya schroff.
      Doch es passierte nicht das, was sie erwartet hatte. Die Zeit fror unvermittelt ein. Die Wassermassen hingen in der Luft, bewegungslos. In ihnen gefangen die drei Monster. Es war mit einem Male mucksmäuschenstill. Und die Umgebung verblasste, bis sie komplett schwarz wurde.

      Dann drang ein goldenes Leuchten von unterhalb Anyas zu dieser. Jene sah erschrocken nach unten, entdeckte, dass sie sich in der Mitte eines Elysions befand. Doch war es nicht ihre eigenes, denn das Mosaik zeigte eine goldgelbe Sonne, groß, in alle Richtungen strahlend.
      „Wieso bin ich-!?“
      „Hier können wir ungestört reden.“ Valerie stand dem Mädchen unvermittelt gegenüber. „Du bist in meinem Elysion, Anya.“
      Die Blonde schreckte zurück. „Huh!? M-Moment, was ist los!? Wie komme ich hierher?“
      „Ich erwarte nicht, dass du verstehst, warum ich jetzt sagen werde, was mir auf der Seele liegt, aber-!“
      „Redfield, what the fuck!? Du bist ungefähr so magisch wie eine Polly Pocket-Puppe, wie hast du das hier geschafft!?“

      Anya hatte die Phase der fünf W-Fragen ganz offensichtlich noch nicht überwunden, welche da lauteten:
      „Wo bin ich?“
      „Warum bin ich hier?“
      „Wer hat mich hierher gebracht?“
      „Was will derjenige von mir?“
      Und, ihre Lieblingsfrage: „Wie viele Schläge in die Nieren verträgt er, bis er mich freiwillig gehen lässt?“
      Dementsprechend perplex breitete sie zur Untermalung ihrer eigentlichen Frage die Arme aus.

      Valerie hob demonstrativ ihr D-Pad an, auf dem Anya [Moulinglacia The Elemental Lord] pulsieren sah.
      „Dass du sogar deinen Freunden solche Karten gibst“, murmelte Valerie zerknirscht, fand jedoch wieder zu alter, unnahbarer Form zurück. „Allerdings sollte ich dir wohl dankbar sein, denn ich denke, die Karte hat auf meinen Wunsch reagiert, hier mit dir zu reden. Aber das klären wir später.“
      Anya schwang wütend den Arm aus. „Wo ist Levrier?“
      „Das ist mein Elysion und ich will ungestört mit dir reden. Also hör zu. Ich möchte nicht, dass du ihn inkarnierst.“
      Ihr Gegenüber ließ verwundert den Arm sinken. „Du ziehst so eine Show ab, um mir das zu sagen?“
      „Versteh mich nicht falsch, es geht nicht darum, dass ich Angst vor dem Ausgang des Duells habe, falls du inkarnierst. Es ist nur …“ Valerie wandte sich von Anya ab. „Mir ist aufgefallen, dass du dich immer mehr auf diese … seltsamen Karten verlässt.“
      „Meinst du Angel Wing?“
      „Ja. Ich habe dich beobachtet, auf der Feier und wie du dich gegen Melinda ein zweites Mal duelliert hast. Auch Marc hat es bemerkt.“ Valerie seufzte schwer. „Seit du diese Karten jagst, verlässt du dich zunehmend auf übernatürliche Kräfte aller Art. Du benutzt in jedem Duell [Angel Wing Dragon], jetzt auch Heavy T und gegen Ricther hast du nur gewonnen, weil du Pearl inkarniert hast.“
      Ihre Freundin sah sie mehr als verständnislos an. „Und du sagst mir das weil …?“
      „Du bist abhängig davon geworden.“ Valerie wandte sich ihr wieder zu, ein bedauernder Ausdruck lag in ihren Zügen. „Du bist berechenbar wie nie zuvor. Deine Gem-Knights, die früher alles für dich waren, sind plötzlich nur noch schmückendes Beiwerk für deine Hüterkarten.“

      Wie es nun mal in Anyas Natur lag, konnte sie diesen Informationsinput nicht so schnell verarbeiten und das schon gar nicht, wenn es um Dinge ging, über die sie sich noch nie Gedanken gemacht hatte.
      Demnach lautete die logische Konsequenz: „Das ist doch Schwachsinn, Redfield! Du willst doch bloß nicht verlieren!“
      „Mit dieser Einstellung wirst du definitiv gegen Claire Rosenburg verlieren“, prophezeite Valerie düster und wandte sich vollends von Anya ab. „Ich habe dir schon bewiesen, wie leicht es ist, die Hüterkarten auszuschalten.“
      Als sie über ihr Elysion zog, erhobenen Hauptes, hallten ihre Schritte durch die Dunkelheit. „Alles was ich dir sagen will ist, dass du wieder zu dir selbst finden musst. Als es noch keine Immateriellen und Hüterkarten gab.“

      Mit Valeries Fortgang ins Nichts lösten sich auch ihr Elysion und die Dunkelheit auf. Anya stand wieder auf der Duellplattform, die Zeit fand wieder zu ihrem Fluss zurück. Pearl, Moulinglacia und [Gishki Abyss] wurden von der Flut aus Valeries Fallenkarte mitgerissen und zersprangen alle gleichzeitig.
      „Denk über meine Worte nach“, forderte Valerie eindringlich.
      Und Anya biss sich auf die Lippen. Denn nun musste sie entscheiden, ob sie [Gem-Knight Pearl] inkarnierte oder nicht. Falls sie das nämlich tat, hätte Redfield nur noch einen Grund, mal wieder auf sie herabzusehen und sie schlecht zu machen …

      ~-~-~

      „Jetzt aktiviert sich [Satellarknight Alsahms] Effekt“, verkündete Exa, welcher jenen als Auftakt des Duells beschworen hatte. „Das sind dann 1000 Punkte Schaden für dich!“

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      Der kleine Ritter, der mit seinem gespannten Bogen Amor nicht ganz unähnlich war, löste von der Sehne seines goldenen Bogens einen Lichtpfeil. Jener schoss geradewegs auf Jack zu und traf diesen in die Brust.
      „Urgh!“, keuchte jener und wurde so weit zurückgeworfen, dass er beinahe gegen den mit Stacheldraht ausgelegten Käfig krachte. Aber da genau dies nicht geschah, hallten enttäuschte Pfiffe und Buhrufe durch die umfunktionierte U-Bahn-Station.

      [Exa: 4000LP / Jack: 4000LP → 3000LP]

      Der blonde Ex-Weltmeister hielt sich den schmerzenden Brustkorb. „Das büßt du mir, Frischling!“
      Exa zuckte mit den Schultern. „Versuchs doch, es ist dein Zug.“

      Zanthe, unter den Zuschauern, schüttelte fassungslos den Kopf. Roy war inzwischen abgezogen, denn der Leiter der Temptation Lair zog es vor, ganz im Gegensatz zu Mr. C, die Duelle an sich unkommentiert zu lassen. Also gab es niemanden, dem Zanthe in diesem Moment seinen Frust anvertrauen konnte.
      „Wow, du machst es ihm aber leicht, sich zu rächen“, rief er seinem Freund zu, auch wenn dieser es aufgrund des Lärmpegels wohl kaum hören würde.
      Dem Werwolf war überhaupt nicht mehr wohl bei der Sache, jetzt wo er Exa in Aktion sah. Immerhin schlummerte in dem die Seele seines Bruders. Und wenn der Dummkopf sich bei dem Duell verletzte, dann …
      „Wir sind Freunde. Und ich hab dich da hineingezogen“, sprach Zanthe seine verworrenen Gedanken laut aus. „Was hab ich mir bloß dabei gedacht …“

      „Draw.“ Mit herabhängenden Mundwinkeln zog Jack auf. „Normalbeschwörung, [Dragunity Pilum]. Und wenn das geschieht, ruft er ein Vogel-Dragunity aufs Feld, welches sich mit ihm ausrüstet. Erscheine, [Dragunity Militum]!“
      Zuerst erschien ein giftgrüner Drache in dunkler Ganzkörperpanzerung, an dessen Kopfende ein kurzer Speer steckte. Direkt über ihm tauchte kurz darauf eine Kriegerin mit langem, dunkelblondem Haar auf, die Schwert und Dolch schwang. Von ihrem Rücken erstreckten sich metallische Schwingen, die in ihrer Aufmachung eher an die eines Schmetterlings, denn an die eines Vogels erinnerten. Mit einem Satz landete sie auf dem Rücken des Drachen.

      Dragunity Militum [ATK/1700 DEF/1200 (4)]

      „Militum hat jedoch den Effekt, ihr Reittier zurück als Monster aufs Spielfeld beschwören zu können“, erklärte Jack ruhig.
      Die Reiterin stellte sich auf den Rücken Pilums, stieß sich ab und sprang hoch in die Luft.

      Dragunity Pilum [ATK/1400 DEF/1000 (3)]

      Der junge Mann ballte eine Faust. „Damit kann ich den Stufe 3-Empfänger Pilum auf den Stufe 4-Vogeltyp Militum abstimmen!“
      Ebenjenen Arm stieß er in die Höhe und zitierte: „Whispering winds are the envoys of a combinated assault! The valley of mist shaken upon your mighty presence!“
      Kerzengerade nach oben schoss Pilum an Militum vorbei und legte eine unglaubliche Verwandlung hin. Statt einer normalen Synchro-Sequenz, wuchs der Drache, wurde seine Rüstung los und färbte sich hellblau. Ledrige, schwarze Schwingen spreizten sich von seinem Rücken, als auf jenem die Kriegerin landete.
      „Synchro Summon! Dominate, [Dragunity Knight – Trident]!“
      Um die Leute ins Staunen zu versetzen, wirbelte der Drache einmal um die eigene Achse, ehe er Exa furchteinflößend anbrüllte.

      Dragunity Knight – Trident [ATK/2400 DEF/1700 (7)]

      „Los! Divine Trident Strike!“, befahl Jack mit ausgestrecktem Arm, dabei auf den kleinen Engel zeigend.
      Der Drache, dessen Unterkiefer golden war und an eine Speerspitze erinnerte, besser gesagt an einen Dreizack, wenn man die beiden Auswüchse rechts und links vom Maul dazu nahm, flog wie ein solcher auf Exas Monster zu. Dieses konnte dem nichts entgegensetzen, wurde aufgespießt und der junge Mann selbst an der linken Schulter gerammt.

      [Exa: 4000LP → 3000LP / Jack: 3000LP]

      Der Schwung der Attacke schleuderte Exa bis in den Stacheldraht, wo dieser sofort mit dem Rücken hängen blieb. Als wäre dies aber nicht schon schlimm genug, bekam er unmittelbar effektreich einen Stromschlag verpasst, welcher ihn aufschreien ließ.
      „Exa!“, rief Zanthe erschrocken dessen Namen.
      Jener riss sich sofort los, was an sich schon so manchen Zuschauer erstaunte. Seine blaue Strickjacke war im Eimer und der Rücken voller Kratzer.
      Keuchend murmelte der Blonde: „War doch gar nichts …“
      „Sicher, spiel' ruhig den Taffen“, winkte Jack desinteressiert ab und nahm drei Handkarten, die er in sein schwarzes D-Pad schob. „Die drei verdeckt. Und nun Tridents Effekt. Ich kann bis zu drei Karten von meiner Spielfeldseite opfern …“
      Jene tauchten in einer Reihe vor seinen Füßen auf, nur um sich allesamt in Millionen goldene Partikel zu spalten, die in [Dragunity Knight – Trident] verschwanden.
      „… um dieselbe Anzahl an Karten aus deinem Extradeck zu eliminieren. Da du Satellarknights benutzt, muss ich mir das Ganze gar nicht ansehen. Ich wähle [Stellarknight Delteros], [Stellarknight Triverr] und [Tellarknight Ptolemaeos]. Cease Existence!“
      Sowohl im Maul des Drachen, als auch an den beiden Spitzen zu dessen Seiten entstanden goldene Entladungen, die er in Exas Richtung entfesselte. Der gebündelte Strahl traf dessen Duel Disk, aus der die genannten drei Xyz-Monster geflogen kamen. Geschickt fing Exa sie auf und schob sie zähneknirschend in den Friedhofsschlitz.
      „Der Rest ist nur eine Frage der Zeit. End Phase“, sagte Jack mit einer Spur Boshaftigkeit, die ihm einige begeisterte Zurufe bescherte.

      Exa kniff die Augen zusammen, als er wortlos aufzog. Sein ganzer Rücken fühlte sich taub an, obwohl er hätte schmerzen müssen. Solche Untergrundduelle waren definitiv ungesund, aber davor hatte Zanthe ihn ja gewarnt.
      Mit halb geschlossenen Lidern nahm er Jack ins Visier. Der selbstherrliche Mistkerl war genau die Sorte Mann, der Exa nur zu gerne eine Lektion erteilte. Er brauchte nur seine Geheimwaffe rufen und das Duell war vorbei. Wäre da doch nur nicht sein Versprechen gegenüber Zanthe, genau dies nicht zu tun …

      Die beiden schritten den ausgeleuchteten U-Bahn-Schacht entlang.
      „Dir ist doch klar, dass du vorsichtig sein musst?“, fragte Zanthe unvermittelt.
      „Bin ich doch immer.“
      „Du darfst diese Karte, die du gegen Kakyo benutzt hast, auf keinen Fall ausspielen. Die sollte es gar nicht geben.“ Der Kopftuchträger blieb unvermittelt neben ihm stehen und sah seinen größeren Freund eindringlich an. „Versprich es.“
      Exa seufzte. „Wenn's sein muss, okay.“
      „Absolut niemand darf wissen, dass du so etwas hast. Es wirft bloß Fragen auf, die wir nicht gebrauchen können“, erklärte Zanthe ernst. „Oder schlimmer, es lockt Leute … oder Dinge an, mit denen wir uns nicht anlegen wollen.“
      Um seine vorherige Aussage noch einmal zu betonen, nickte der Blonde. „Ich lass die Finger davon, Ehrenwort.“
      Und der Schwarzhaarige vor ihm lächelte dankbar. Dann weitete er plötzlich die Augen, als wäre ihm etwas eingefallen. Und er griff in seine Hosentasche …

      Exa schluckte seine Wut auf Jack herunter. Es war wichtiger, Zanthe nicht zu enttäuschen, also würde er auf das Excel-Monster verzichten. Auch wenn das hieß, vorerst den Schwanz einziehen zu müssen. Was nicht im Sinne der Zuschauer war, die in synchronem Zurufen forderten, dass Exa zum Gegenschlag ausholte.
      „Ich setze ein Monster und eine verdeckte Karte“, weigerte dieser sich allerdings, als er zwei der fünf Karten aus seinem Blatt auf die entsprechenden Zonen verteilte. Zischend materialisierte sich in horizontaler Lage zunächst ein Kartenrücken, dann dahinter in vertikaler noch einer. „Dein Zug, Abruelio.“
      Jack runzelte die Stirn über seiner Sonnenbrille. „… was?“
      „So nennen wir Angeber.“
      Scheinbar hatte nie einer der Leute hier diesen Begriff schon einmal gehört, weshalb eine peinliche Stille sich verbreitete. Aber Exa zuckte nur mit den Schultern.

      „Deine seltsame Sprache spreche ich nicht“, zischte Jack abweisend und zog auf, „Draw!“
      Er nahm jene zusammen mit seiner verbliebenen Handkarte und zeigte beide vor. „Ich aktiviere [Dragon Mastery], mit deren Effekt ich [Dragunity Brandistock] an Trident ausrüsten kann. Das steigert zudem dessen Angriffskraft um 500!“
      Der permanente Zauber stellte sich vor dem Blonden auf. Kurzerhand erschien die durchsichtige Gestalt eines dunkelblauen Drachens in saphirfarbener Rüstung, welche in der größeren Daddy-Version verschwand. Jene erstrahlte in weißer Aura.

      Dragunity Knight – Trident [ATK/2400 → 2900 DEF/1700 (7)]

      Jacks rechter Mundwinkel zuckte nach oben. „Trident, greife sein verdecktes Monster an. Divine Trident Strike!“
      Wie ein Pfeil schoss der Drache, getrieben von seiner Reiterin, im Sinkflug auf Exas verdeckte Karte zu. Jene wirbelte um die eigene Achse, wodurch aus ihr ein weißer, fast noch kindlicher Ritter entsprang, dessen Helm dank der Edelsteine daran an einen Hund erinnerte.

      Satellarknight Procyon [ATK/1300 DEF/1200 (4)]

      Jener wurde gnadenlos niedergemäht. Jack wandte sich höhnisch an Exa. „Denkst du, das reicht, um dich zu schützen? Ich zeig dir was! Dank [Dragunity Brandistocks] Effekt, solange dieser ein Monster ausrüstet …“
      Der blaue Drache, welcher gerade eine Kehrtwende in dem engen Käfig machte und zurück zu seinem Herr wollte, zog einen Kreis und schoss abrupt auf Exa zu.
      „.. kann Trident jetzt zweimal angreifen. Das war's für dich. Divine Trident Strike!“
      Der große Blonde stieß einen erschrockenen Laut aus, erwiderte dann aber bissig: „Rechnen ist wohl nicht-!?“
      In dem Moment klappte vor dem grinsenden Jack eine Fallenkarte auf. Nur, dass dort nie eine gelegen hatte.

      Dragunity Knight – Trident [ATK/2900 → 3700 DEF/1700 (7)]

      „Was!?“ Exa weitete die Augen.
      „Und deswegen bist du ein Amateur.“ Sein Gegner strich sich über das hochgegelte Haar. „Dachtest du, ich hätte meine drei Karten vorhin einfach so geopfert, nur um dein Extradeck zu schwächen? Ich bitte dich. Diese Karten haben Effekte, die sich auch aus dem Friedhof aktivieren lassen, wenn man sie von dort verbannt.“
      Exa las still den Namen der Falle, die sich vor Jack aufzulösen begann. Es war [Skill Successor] und sein Lesetempo reichte gerade so aus, um zu begreifen, dass er damit die Punkte Tridents bis zum Ende des Zuges um 800 erhöht hatte. Wenn dieser Angriff durchging-!
      „Das lasse ich nicht zu!“, musste Exa davor jedoch gar keine Angst haben. Er ließ die Hand über die eigene gesetzte Falle fahren, die aufsprang. „[Stellarnova Wave]!“
      Vor ihm entstand ein Lichtsymbol, besser gesagt ein Sechseck, aus dem ein roter Strahl schoss.
      „Damit kann ich pro Zug einen Sternenritter von der Hand beschwören! [Satellarknight Deneb]!“
      Er schmetterte dessen Karte auf die Duel Disk, wodurch der Strahl quer nach oben schlug und die Form eines Vogelritters annahm, der ein Schwert schwang, dessen Klinge aus zwei umeinander verschlungenen Spiralen bestand. Um ihn drehte sich ein weitläufiger Ring, an dem ein Miniaturplanet hing.

      Satellarknight Deneb [ATK/1500 DEF/1000 (4)]

      Der Krieger positionierte sich zwischen seinem Besitzer und dem herannahenden [Dragunity Knight – Trident], sodass er es war, der die Wucht des Dreizack-Kiefers abbekam. Unter einem lauten Schrei zersprang er in tausende gelber Funken.
      „Wenn Deneb beschworen wird, erhalte ich einen anderen Sternenritter vom Deck“, holte Exa in der Zwischenzeit den Effekt seines gefallenen Monsters nach, „und ich habe genau den Richtigen gefunden, um dich zu ärgern. Sirius …“
      Dessen Karte schob sich automatisch ein Stück weit aus dem Deck und wurde von Exa zufrieden grinsend aufgenommen. Jack schnalzte mit der Zunge. „Und du glaubst wirklich, ich lasse dich einfach so deine verlorenen Xyz-Monster retten? Gut … wenn ich dir die nicht nehmen kann, dann das Mittel, das du für ihre Beschwörung benötigst.“
      Er hob den Zeigefinger und deutete auf die offen stehende Falle vor Exa, die noch immer das Sechseck vor sich projizierte. In dem Moment klappte eine vorher nicht da gewesene Zauberkarte vor Jack auf. Mit einem Male öffnete sich ein Riss vor dessen Fingerkuppe, schwarz und funkelnd, als wäre er ein Wurmloch, das ins All führte. Und genau aus diesem Spalt fegte plötzlich ein strahlender Wirbelsturm übers Feld, der auf Exas [Stellarnova Wave] traf und sie zerfetzte.
      Verwirrt kratzte sich jener am Kopf. „Noch so ein Trick?“
      „[Galaxy Cyclones] Effekt ist kein 'Trick', du hoffnungsloser Anfänger. Dieser Zauber lässt sich ebenso vom Friedhof aktivieren und verbannen, um eine deiner offenen Zauber- oder Fallenkarten zu vernichten.“ Der Sonnenbrillenträger lachte bitterböse auf. „Ich sagte ja, ich lasse auf keinen Fall zu, dass du Xyz-Beschwörungen durchführst. Aber du kannst es gerne probieren, es ist dein Zug.“

      Dragunity Knight – Trident [ATK/3700 → 2900 DEF/1700 (7)]

      Zur selben Zeit fasste sich Zanthe an die Stirn. Dieser elende, arrogante Dreckskerl von Jack, der spielte förmlich mit Exa! Von seiner Position aus sah er durch die Maschen des Zauns, wie dessen Rücken voller Wunden war. Dünne Rinnsale an Blut liefen aus jenen herab. Blut …
      Sofort wandte der Werwolf den Blick ab. Er durfte auf keinen Fall jetzt an -solche Dinge- denken, nicht hier, unter hunderten von Beobachtern! Allein deren Gestank, deren Lärm, deren Anwesenheit stellten Zanthes Geduld auf eine harte Probe. Und seine dauerpochende Stirn natürlich …

      „Ist das dein ominöser Freund?“
      Worte, die Zanthe zusammenfahren ließen. Gesprochen von einer Person, die er hier niemals erwartet hätte. Der Schwarzhaarige wirbelte sofort herum und sah sich Logan gegenüber, was an sich schon merkwürdig genug war, wo dieser doch fast 20 Zentimeter kleiner war als er.
      Der Zwerg, in brauner Lederjacke mit dunklem Shirt darunter unterwegs, verzog wie so oft keine Miene.
      „Wieso bist du hier!?“, fuhr Zanthe ihn sofort an. „Solltest du nicht Anya zugucken?“
      „Sollt' ich. Mach ich aber nicht, wie du siehst. Muss ja irgendwie kompensieren, dass meine Werkstatt geschlossen hat.“
      Und das tat er ausgerechnet hier, fragte sich Zanthe mehr als skeptisch. Als ob! Der spionierte ihm garantiert nach, vermutlich noch auf Anyas Geheiß! Wieso konnte sie sich nicht einfach aus seinen Angelegenheiten raushalten, auch wenn sie es – für ihre Verhältnisse – nur gut meinte!?

      Logan deutete an Zanthe vorbei auf Exa. „Hab' übrigens auf den da gewettet. Wenn er also dein Freund ist, mach ihm ruhig etwas Dampf. Steht 'ne Menge Kohle auf dem Spiel.“
      „Mach's selbst. Wäre das dann alles?“, murmelte Zanthe verstimmt.
      „Willste mich loswerden?“
      Der Werwolf rollte genervt mit den Augen. „Nein, das ist meine unbeholfene Art, dir meine Zuneigung zu gestehen …“
      „Du siehst blass aus“, wechselte Logan das Thema, „alles in Ordnung mit dir?“
      „Mir geht’s gut! Ich stehe übrigens total auf die Aufmerksamkeit, die meine natürliche Blässe mit sich bringt. Wink verstanden? Ja?“ Er blinzelte böse. „Könntest du mich also bitte in Ruhe lassen?“

      Exa ahnte nichts von Zanthes zunehmendem Ärgernis, das in Form Logans nicht so einfach verschwinden wollte. Er hatte inzwischen auf vier Karten aufgezogen und sah sich genau dem Problem gegenüber, das Jack ihm hatte verursachen wollen.
      Gut, die verlorenen Xyz-Monster konnte er mit [Satellarknight Sirius] zurück ins Extradeck verfrachten. Aber für die guten brauchte er mindestens drei Monster auf dem Feld. Er hatte sogar genau so viele auf der Hand … konnte aber höchstens zwei davon beschwören. Das dritte hätte durch seine nicht mehr existierende Falle kommen müssen.
      „Was ist am Duellieren nur so toll?“, brummte er ärgerlich. Ihm schwebten ganz andere Methoden der Konfliktlösung vor, aber ihm war eindringlich von Kyon-Kakyo-oder-wer-auch-immer geraten worden, sich den allgemeinen Moralvorstellungen anzupassen.
      So zog er eine säuerliche Schnute. Was sollte er jetzt tun!? Wenn er wieder defensiv spielte, würde der Aasgeier da drüben nicht nur mehr seiner unerträglichen Sprüche vom Stapel, sondern vermutlich auch Taten folgen lassen. Und Exa hatte für seinen Geschmack heute schon genug Narben davon getragen.
      „Sorry Zanthe, ich habe keine Lust mehr. Wird schon keiner Fragen stellen, wenn ich …“
      Na ja, wenn er ehrlich war, glaubte er selber nicht daran. Sein Freund würde solche Warnungen niemals ohne Grund aussprechen. Aber nicht umsonst hatte der ihn einst 'one of the bad kids' genannt. Exa grinste, schloss die Augen, ballte eine Faust und schlug sie gegen die Brustmitte.
      „The stars have decided! Summoning contract established!“, murmelte er vor sich hin und konnte hören, wie die Zuschauer erstaunte Laute von sich gaben. Er wurde konsequent lauter. „Witness the creation of the eternal gate!“
      Die Hand von der Brust in die Höhe streckend, rief er: „The contract is established! Open the eternal gate! Excel Summon!“

      Mitten in einem schnippischen Spruch unterbrach Logan sich selbst und gluckste: „Was macht der da?“
      Zanthe drehte sich erschrocken um. „Was!? Dieser Dummkopf! Hör-!“
      Von allen Seiten stellten die Leute Fragen zu dieser seltsamen Beschwörungsformel.

      „Grade 7! Rule indefinitely, [Cosmic Enforcer – Event Horizon]!“, beendete Exa seine Ansprach und riss die Augen auf.
      Jack stand ihm mit offenem Mund gegenüber. Nur einen Moment. Dann schloss er ihn und schwieg einen Moment.
      „Eh?“ Exa sah nach oben. Da war kein riesiges, an einen Satelliten erinnerndes Schlachtschiff.
      „Das war mit Abstand das Dümmste, das du heute verbrochen hast. Und entschuldige, wenn ich das sage, aber deine Quote hattest du eigentlich schon erfüllt.“ Jack entfuhr ein schier perplexes Lachen. In das viele Anwesende einstimmten.
      Selbst Roy Gilbert, der inzwischen an der Bar saß, war so verblüfft, dass er in das Duell eingriff und in das Mikro fragte: „Was sollte das? Ist alles in Ordnung mit dir, Frischling?“
      Dem aufkommenden Spott zum Trotz, war Exa viel zu verwirrt, um die Auswirkungen seiner misslungenen Beschwörung vollends zu begreifen. „Wieso hat es nicht geklappt!? Letztes Mal hat es doch auch-!?“

      Zanthe klatschte sich die Hand vor die Stirn. Selbst Logan konnte sich ein Kichern nicht verkneifen, wobei sein Kichern eher ein Knurren war und nur rudimentär als amüsierte Reaktion interpretiert werden konnte.
      Erleichtert atmete der Werwolf vor ihm aus. Wenigstens war Exa damit nicht aufgeflogen …
      „Was denkst du dir dabei!?“

      Diesmal hörte Exa ihn und wirbelte mit verzweifeltem Gesichtsausdruck herum. „Was mach ich jetzt, es hat nicht funktioniert?“
      „Mach etwas, das funktioniert?“
      Exa nickte wenig schlauer als vorher. Das war wohl die Strafe dafür, sein Versprechen gebrochen zu haben. Moment mal, jetzt, wo er genauer darüber nachdachte … !

      Zanthe zog unter dem grellen Licht des von allen Seiten beleuchteten U-Bahn-Schachts eine Karte aus der Hosentasche. „Da du auf die Excel-Beschwörung verzichten musst, dachte ich, ich gebe dir das als Ausgleich.“
      „Hm?“ Erstaunt nahm Exa sie entgegen. „Ist das nicht eine von deinen?“
      „Ich habe mir neulich eine zweite davon besorgt.“ Der Werwolf grinste verschlagen, aber versprühte auch eine gewisse Art der Wärme dabei. „Ich dachte mir, da du das Deck meines Bruders spielst und seine Seele in dir trägst, solltest du auch einen Teil von mir haben. Nicht zuletzt, weil mein Bruder mir mein Deck einst geschenkt hat.“
      Nicht so recht wissend, was er darauf erwidern sollte, nickte der Blonde dankbar. „Ich werde sicher einen Weg finden, deine Karte zu nutzen.“
      „Besser ist's“, zwinkerte sein Freund. „Komm jetzt, die warten nicht auf uns.“

      Vielleicht war das weniger die Strafe, sondern ein Hinweis. Einer, dass es gar nicht nötig war, Event Horizon zu beschwören. Alles in seiner Hand war doch versammelt, um …
      Exa blickte zuversichtlich nach vorn. Jack kicherte abwesend vor sich hin.
      „Ich rufe [Satellarknight Vega]!“ Exa legte deren Karte auf die Duel Disk.
      Ein goldenes Licht trat vor ihm aus dem Boden aus und brachte eine Kriegerin in pinkfarbenem Kleid mit sich, welche ihr Antlitz hinter ihrer goldenen Stola verbarg.

      Satellarknight Vega [ATK/1200 DEF/1600 (4)]

      „Wie bei jedem Satellarknight aktiviert sich Vegas Effekt bei deren Beschwörung. Sie lässt mich sofort noch einen Sternenritter aus der Hand rufen.“ Exa und sein Monster schnippten synchron mit dem Finger. Ohne Umschweife tauchte neben Vega ein schlanker, großer Krieger auf, dessen schwarzer Helm entfernt die Form eines Hundekopfs besaß. „Welcher [Satellarknight Sirius] wäre.“

      Satellarknight Sirius [ATK/1600 DEF/900 (4)]

      „Und bei dessen Beschwörung mische ich fünf Tellarknight-Karten ins Deck zurück, um eine Karte zu ziehen.“
      Exa zeigte diese auch vor, wobei es sich um seine drei Xyz-Monster Delteros, Triverr und Ptolemaeus sowie um Procyon und Alsahm handelte. Den Regeln entsprechend verteilte er die fünf aufs normale und das Extradeck. Erst dann riss er schwungvoll eine Karte von seinem Deck.
      Jack, der sich entschieden hatte, dem Duell wieder beizuwohnen, grinste gehässig. „Oh? Du willst tatsächlich Ernst machen?“
      „Und wie ich das will“, erwiderte sein Gegner grimmig und strecke die Hand aus, „ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Seine Ritter verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, die von einem in der Mitte des Spielfelds entstehenden Schwarzen Loch absorbiert wurden. Eine Explosion erfolgte daraus.
      „Xyz Summon! Strahle, [Tellarknight Ptolemaeus]!“
      Nach der Erschütterung schoss aus dem Wirbel eine Lichtsäule, die gleichzeitig eine imposante Kreatur empor hob. Es handelte sich um einen voll gepanzerten, schlanken Zentaur, ganz in Weiß und Gold gehalten. Von dem Rücken der menschlichen Hälfte erstreckten sich Flügel, die in langen, spitzen Enden mündeten und welche bunt leuchteten. Zwei Lichtkugeln umkreisten das Wesen dabei.

      Tellarknight Ptolemaeus [ATK/550 DEF/2600 {4} OLU: 2]

      „Was willst du mit dem? Der nützt dir nichts“, spottete Jack. „Du bräuchtest schon drei Overlay Units, um überhaupt-“
      „Danke für den Tipp, aber darauf bin ich schon selbst gekommen! Ich aktiviere [Xyz Unit]!“ Exa schob den Ausrüstungszauber in seine Duel Disk. Kurzerhand umkreiste eine weitere Lichtkugel Ptolemaeus.

      Tellarknight Ptolemaeus [ATK/550 → 1350 DEF/2600 {4} OLU: 2]

      Anschließend erklärte der Größere: „Diese Karte hat zwei Nutzen. Einerseits verstärkt sie das ausgerüstete Xyz-Monster um seinen Rang mal 200. Und sie kann als zusätzliche Overlay Unit verwendet werden, auch wenn sie eigentlich keine ist. Macht drei.“
      Demonstrativ zeigte Exa seinem Gegenüber den mittleren Finger seiner rechten Hand. Der war mit einem Mal verdächtig still geworden. Was Exa mit einer gewissen Genugtuung wahrnahm, denn könnten Blicke töten, wären die Gläser von seiner Sonnenbrille längst geschmolzen.
      „Da du dich so gut auskennst, muss ich dir den nächsten Schritt nicht erklären. Ich rekonstruiere das Overlay Network mit Ptolemaeus' Effekt!“
      Der dunkle Wirbel öffnete sich erneut inmitten des Spielfels, direkt unter dem Sternenritter. Eine nach der anderen wurden die drei Lichtkugeln des Zentauer davon absorbiert, sodass es sich selbst in grellem Gelb verfärbte.
      „Mein Rang 4-Ptolemaeus inkarniert sich in ein Rang 5-Monster!“ Daraufhin tauchte letztlich auch Ptolemaeus in das Überlagerungsnetzwerk ein. „Rank-Up-Incarnation! Erscheine!“
      Eine grelle Lichtexplosion entstand. Die Besucher der Temptation Lair grölten und riefen Exas Namen, feuerten ihn an. Und staunten, als aus dem gold-gelben Wirbel ein weißer Krieger erschien, auf dessen Rücken sich eine schwarze Platte befand, die mit ihren spitzen Ausläufen fast genauso aussah wie die Flügel Ptolemaeus'. „[Constellar Pleiades]!“

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 1]

      Er war eines von Zanthes Aushängeschildern, sein Markenzeichen war das Schwert, das er mit der Klinge nach unten gerichtet führte. Nur eine Energiesphäre umkreiste ihn.

      Beim Anblick des Monsters, das er Exa geschenkt hatte, begann Zanthe zu strahlen. Exa blickte in dem Moment über seine Schulter, sodass sein Freund ihm den ausgestreckten Daumen zeigte.
      „Damit wird er gewinnen“, war er sich sicher.
      Logan verschränkte mit grimmigem Gesichtsausdruck die Arme. „Jack ist vielleicht ein arroganter Scheißkerl, aber er war einer der besten Duellanten Amerikas.“
      „Bis Claire Rosenburg kam. Jetzt ist er nicht mal mehr Anya-Level“, erinnerte Zanthe ihn altklug.
      „Hmm …“

      Gleichzeitig drehte sich Exa seinem Gegner wieder zu und schwang den Arm aus. „Effekt von [Constellar Pleiades] aktivieren!“
      Jener warf seine massive Klinge in die Höhe, welche im Flug das Xyz-Material absorbierte. „Damit kann ich eine Karte auf die Hand ihres Gegners schicken!“

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 1 → 0]

      Pleiades setzte zu einer 360°-Drehung an, die begann, als er die Klinge auffing. Von ihr löste sich eine Schockwelle, die wie eine funkelnde Sternenflut auf [Dragunity Knight – Trident] zu schoss.
      „Heh … Amateur.“ Und konsequent abprallte, als aus dem Nichts eine Fallenkarte vor Jack erschien.
      Nicht nur Exa weitete in diesen Moment die Augen, als die Schockwelle quer gegen die Decke der U-Bahn-Station schlug und dort zerschellte.
      Nur Logan verzog keine Miene. „Wie erwartet …“

      ~-~-~

      Inkarnieren oder nicht inkarnieren? Das war hier die Frage und Anya wusste sie nicht zu beantworten. Was sie wusste war, wenn sie sich nicht gleich entschied, das Zeitfenster für eine Effektaktivierung vorbei sein würde.
      Planlos sah sie in ihr Blatt, dann wieder auf zu ihrer Gegnerin, die die Arme verschränkte und abwartete. Fast als wolle Valerie ihr sagen, dass egal wie sie sich entscheidet, leicht machen würde sie es ihr auf keinen Fall.
      „Anscheinend hat Valerie Redfield voraus gedacht und die potentielle Gefahr von Anya Bauer Xyz-Monster beseitigt, ehe diese einen Nutzen daraus zog“, hallte Mr. Cs Stimme durch das Stadion.

      Anya bekam langsam Panik. Die blöde Schnepfe hatte bestimmt vorgesorgt! Wenn sie jetzt auf Pearl Radiance verzichtete, könnte das vielleicht das Ende des Duells bedeuten. Redfield hatte bereits bewiesen, wie scharf sie auf den Titel war, wieso sollte sie also überhaupt auf sie hören!?

      Wir können gar nicht inkarnieren, Anya! Ich habe nicht genug Kraft dafür gespeichert!

      „Dann eben ohne das Oomph, nur die Karte!“

      Das ist zu gefährlich. Wir könnten disqualifiziert werden, denn die Inkarnation befindet sich im Moment nicht einmal in deinem Extradeck!

      „Aber ich habe keine Wahl!“, zischte Anya verzweifelt.

      Man hat immer die Wahl. Sieh doch, links von dir, erste Reihe.

      Anya reckte den Kopf verwirrt herum. Dort, von zwei leeren Sitzen umgeben, saß Matt und hielt ein selbstgemachtes Plakat in die Höhe, das „Go Anya!“ las. Bestehend aus verschiedenen Gem-Knight-Karten. Eine, [Gem-Knight Zirconia], war selbstgezeichnet und der Punkt des Ausrufezeichens.
      „W-wo kommt der denn jetzt her, ich dachte-!?“

      Du hast nur noch ein paar Sekunden, also triff deine Wahl! Ich denke, wenn es nur um die Karte an sich geht, könnte ich das hinbekommen! Aber du musst entscheiden, ob es dir das wert ist!

      Anya aber sah nur das Plakat an und den dazu grinsenden Matt. Ihr Blick gewann etwas Entschlossenes und sie betrachtete nur einmal kurz ihr Blatt. Und sagte nichts, sah kämpferisch zu Valerie auf, die zum ersten Mal an diesem Tag lächelte. Denn die Entscheidung war getroffen.
      „Sieht so aus, als könnte ich jetzt anfangen, das hier zu genießen“, strahlte Valerie zufrieden.
      „Ich muss erst darüber nachdenken, ob das, was du gesagt hast, wirklich stimmt“, erwiderte Anya grimmig, „aber mir ist selbst gerade aufgefallen, dass ich mich in etwas hineingesteigert habe.“
      Sie nahm Pearls Karte sowie [Gem-Knight Fusion] von ihrem Friedhof, schob Erstere in ihre Hosentasche und Letztere in ihr Blatt, bevor sie fortfuhr. „Denn es sieht so aus, als müsste ich nichts mehr tun, als …“
      Zusammen mit zwei Monstern zog sie die Zauberkarte wieder aus ihrem Blatt und hielt alle drei in die Höhe. Ein Wirbel entstand über ihr, der dutzende verschiedener Edelsteine aus dem Nichts in sich hinzog. „… als meine Lieblingskarte zu aktivieren! [Gem-Knight Fusion]!“
      Über Anya tauchten zwei Ritter auf, einer in weißer Rüstung mit Kristallen an den Schulterplatten und einer in hellgrüner, welcher einen Rundschild mit sich führte, in dessen Mitte ein Smaragd platziert war.
      „[Gem-Knight Crystal], du bist das Element, [Gem-Knight Emerald], du der Ursprung! Vereinigt eure Kräfte“, schrie Anya, als beide in den Sog hineingezogen wurden, „Fusion Summon!“
      Ein Lichtblitz schoss aus dem Vortex. Mit einem Satz landete ein massiver Krieger vor ihr, silbern gepanzert, dessen Arme so breit waren wie Laternenmäste, an ihren Enden prangerten pizzagroße, transparente Edelsteine. Ein blauer Umhang flatterte um seine Schulter.
      Als er sich vor Anya erhob, nannte diese ihn: „[Gem-Knight Zirconia]!“

      Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

      Sofort wirbelte Anya herum zu den Zuschauersitzen, wo Matt aufsprang und das Plakat in die Höhe riss. Sie zeigte ihm beide Daumen, drehte sich dann aber sofort wieder zu Valerie um.

      Gute Entscheidung.

      Und auch wenn Anya Stolz verspürte, nagten auch Zweifel an ihr. Wieso hatte sie nicht gesehen, dass sie mühelos fusionieren konnte? Hatte Redfield etwa Recht?
      Die Fragen mit einem Kopfschütteln vertreibend, zeigte sie auf ihre Erzrivalin. „Ich hoffe, du bist gut gewappnet, denn jetzt gibt’s hart aufs Maul! Zirconia, direkter Angriff! Zirconia Smasher!“
      Unmittelbar ihrem Befehl Folge leistend, stampfte der Ritter lautstark auf Valerie zu. Deren Lächeln nicht schwand, schon gar nicht, als sie den Arm über ihrer verdeckten Karte ausschwang. „Denkst du wirklich, dass es so einfach wird? Ich aktiviere [Call Of The Haunted]!“
      Die Falle sprang auf, zeigte einen Friedhof bei Nacht. „Damit kann ich ein Monster von meinem Friedhof im Angriffsmodus reanimieren. Da das bei Moulinglacia leider unmöglich ist, wähle ich [Evigishki Merrowgeist]!“
      Dutzende Grabsteine schoben sich aus dem Boden. Zwischen ihnen die rothaarige, fliegende Meerjungfrau mit dem blauen Zauberstab in der Hand.

      Evigishki Merrowgeist [ATK/2100 DEF/1600 {4} OLU: 0]

      Zirconia stoppte. Und Anya sah das Xyz-Monster perplex an. Wenn Redfield schon andere in ihr Elysion einladen konnte, war sie dann auch imstande zu inkarnieren!? Dann saß sie richtig tief in der Scheiße!
      … nein! Mit Ausnahme von [Gem-Knight Pearl] konnten die Paktmonster nicht im selben Zug inkarniert werden, in dem sie beschworen wurden! Das hatte sie vom Sammler erfahren, als er sie damals in sein perfides Spiel hineingezogen hatte! Damals, als sie auf der Suche nach Antworten war, wie man zu Eden wurde, damals, als dieser Scheiß hier anfing!
      „Es gibt nichts zu befürchten“, rief Anya ihrem Ritter grimmig zu, „hau mächtig drauf!“
      Die einzige Person, die hier noch inkarnieren durfte, war sowieso sie, Anya Bauer!
      Ihr Monster setzte den Ansturm fort, hob seine Rechte und schmetterte diese mit aller Kraft in Richtung Merrowgeists, die von dem Treffer weggeschleudert wurde und in die Fassade unterhalb der Zuschauerränge hinter Valerie krachte, wo sie in tausend Teile zersprang.

      [Anya: 400LP / Valerie: 1900LP → 1100LP]

      Anya wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Dann nahm sie eine Fallenkarte, [Return From The Different Dimension], aus ihrem Blatt und schob sie in das D-Pad, sodass diese sich vor ihr materialisierte. „Die setze ich. Zug beendet! … phew, für einen Moment dachte ich echt …“

      Ihre Gegnerin, die dabei war aufzuziehen, lachte vergnügt. „Wirklich? Wie kommst du auf so etwas?“
      Doch ihre Stimme und ebenso ihr Gesichtsausdruck wurden schlagartig ernst. „Außer, in -dieser- Karte steckt noch mehr von dem ich nichts weiß. Anya?“
      Jene verschränkte trotzig die Arme. „Heb' dir deine Fragen für später auf!“
      „Na, wenn du es so eilig hast zu verlieren“, stichelte Valerie versöhnlich und nahm ein Monster aus ihrem Blatt, „das lässt sich arrangieren! Zunächst aber aktiviere ich [Pot Of Desires]!“
      Plötzlich nahm die Schwarzhaarige einen ganzen Batzen an Karten von ihrem Deck auf. „Zwar muss ich dafür die obersten zehn Karten meines Decks verdeckt verbannen, darf aber danach zwei ziehen.“
      „Bist du bescheuert!?“, herrschte Anya ihre Gegnerin verständnislos an. „Was, wenn dadurch wichtige Karten wie deine Ritualzauber verloren gehen!?“
      „Seit wann kümmert dich so etwas? Aber keine Sorge, diese Karte kann strategisch ebenso eingesetzt werden, um mein Deck auszudünnen. Eigentlich benutze ich sie erst, wenn [Gishki Aquamirror] schon auf meinem Friedhof liegt, aber …“
      Anya keuchte, als eine Vase vor Valerie erschien. Halb grün, halb violett, bestand sie aus den Töpfen der Gier und der Trägheit. Zehn symbolisch ließ Valerie die aufgenommen Karten in ihn hineinfallen, um dann zwei aufzuziehen. Und wenn sie schon ihre Strategie erklärte, dann …
      „… ist der Spiegel längst in ihrem Blatt“, begriff die Blonde.
      „Haha, wer weiß“, zwinkerte Valerie ihr zu. „Ich beschwöre [Gishki Marker], mit dessen Effekt ich ein Ritualmonster von meinem Friedhof ins Blatt nehmen kann!“
      Vor der Schwarzhaarigen tauchte ein weiteres Seeungeheuer auf. Bei diesem handelte es sich um einen Humanoiden, dessen Kopf ein roter Tintenfisches war. Jener hielt in seinen Tentakeln zwei Schwerter, wohingegen der menschliche Teil mit einem Speer bewaffnet war.

      Gishki Marker [ATK/1600 DEF/1200 (4)]

      Genau diesen rammte das Wesen in den Boden. Valerie benannte das Ziel, dessen Karte sich infolge dessen aus ihrem Friedhofsschacht schob: „[Gishki Zielgigas]!“
      „Ugh!“, keuchte Anya.
      „So leicht war es dann wohl doch nicht, ihn loszuwerden.“ Ihre Rivalin zückte eine Zauberkarte und zeigte diese vor. „Ich aktiviere [Gishki Aquamirror]! Um [Gishki Zielgigas] zu beschwören, muss ich Monster mit insgesamt zehn Stufen opfern! Das sind [Gishki Marker] von meinem Feld und [Evigishki Tetrogre] von meiner Hand!“
      Ein goldener Spiegel tauchte aus dem Nichts vor Valerie auf. Seine runde Fläche bekam nach und nach Sprünge, bis der Spiegel in tausend Stücke zerbarst. „Erstehe auf aus der Finsternis des Ozeans! [Gishki Zielgigas]!“
      Die vor ihr verteilt liegenden Scherben verflüssigten sich und bildeten eine wässrige Oberfläche, die die ganze, leicht erhöhte Duellplattform zu überfluten begann.
      Anya staunte nicht schlecht. „Wow Redfield, du zahlst zur Abwechslung mal die vollen Ritualkosten? Gerade jetzt, wo ich mir endlich gemerkt hatte, wie deine Substitut-Monster funktionieren! Tch!“
      Diese erwiderte: „Man tut was man kann.“
      Passend dazu erhob sich vor ihr eine düstere, drei Meter große Kreatur, die selbst Zirconia damit noch überragte. Dieses Monster glich mit seinen vier Armen und breiten Schwingen eher einem menschgewordenen Herkuleskäfer, denn einer Meereskreatur, aber das war nicht weiter verwunderlich, handelte es sich hierbei um eine wiedererweckte Form von [Steelswarm Hercules], einer Karte, die Matt einst gespielt hatte.

      Gishki Zielgigas [ATK/3200 DEF/0 (10)]

      Valerie schwang den Arm aus. „Das ist mein stärkstes Ritualmonster! Jetzt erlebe seinen Effekt! Für 1000 Lebenspunkte darf ich eine Karte ziehen und wenn diese ein Gishki ist, schicke ich deine gesetzte Karte postwendend ins Deck zurück!“
      Die oberste Karte ihres Decks umfassend, riss die Schwarzhaarige sie förmlich davon und präsentierte sie stolz als das Effektmonster [Gishki Emilia].

      [Anya: 400LP / Valerie: 1100LP → 100LP]

      „Huh!?“, staunte Anya Bauklötze. „Jetzt fängst du hier mit Cheat Draws an oder was!?“
      „Nichts da, das war alles 100% ehrlich“, konterte Valerie, als ihr riesiges Insektenungeheuer alle vier Handflächen aufeinander legte und dazwischen eine schwarze Energiekugel auflud, die es wie eine Kanonenkugel auf die verdeckte Karte der Widersacherin seiner Herrin abfeuerte.
      Die weitete die Augen, als ihre Falle getroffen wurde und sich zersetzte, als wäre sie von Säure übergossen worden.
      Tosender Applaus und Jubel wurde Valerie zuteil, die eine kerzengerade Haltung annahm.
      Anya flüsterte fassungslos: „Das kann nicht sein … ich-!?“
      „Nun benutze ich den Zauber [Double Summon] und rufe damit [Gishki Emilia] als zweite Normalbeschwörung!“, ließ Valerie sie nicht dazu kommen, die bittere Erkenntnis in ihrer Ganzheit zu erfassen und schob den Zauber in ihre Duel Disk.
      Zuerst war es nur eine Silhouette, die vor Valerie entstand, die eines Mädchens mit langem Haar. Erst nach und nach gewann diese an Gestalt, der rote Schopf wurde von einem Zauberhut bedeckt, der Körper steckte in einem Korsettkleid. Heiter drehte sich der immer noch leicht durchsichtige Geist Emilias einmal um die eigene Achse, ehe er energisch einen Zauberstab entstehen ließ und ergriff.

      Gishki Emilia [ATK/1600 DEF/800 (4)]

      Der Anblick der beiden Monster verschlug Anya die Sprache. Zielgigas war stark genug, um Zirconia zu vernichten. Emilia würde es danach beenden. Ihre verdeckte Karte war fort und konnte sie nicht mehr schützen …
      Schlaff sank Anya auf die Knie.
      „Sieht ganz danach aus, als hätte Anya Bauer ihre Niederlage vor Augen!“, röhrte Mr. C und das Publikum explodierte förmlich vor Enthusiasmus. Matt, der immer noch stand, ließ langsam Anyas Plakat sinken.
      „Tut mir leid Anya“, murmelte Valerie aufrichtig und senkte ihr Haupt, „aber wir wussten beide, dass es nur eine schaffen kann. Danke, dass du … auf mich gehört hast. Ich bin mir sicher, du-“
      Dass Anya sie gar nicht schroff unterbrach, anfauchte, beleidigte, ließ das Mädchen verstummen. Sodass es sich schuldbewusst abwandte. „Dann ist das wohl das Ende. [Gishki Zielgigas], Infestation's Solitude Beam und Emilia, direkter Angriff!“
      Der schwarze Insektenkoloss streckte seine Brust vor, in welcher das Wappen der Gishki in Rot eingelassen war … und fror ein, wurde binnen eines Herzschlags zu einer Eissäule. Emilia stoppte ebenfalls jegliche Bewegung und gab weißen Dunst von sich ab, als wäre sie von Innen tiefgefroren.
      „Nanu!?“, erschrak Valerie und wirbelte verwundert herum.
      Auch Anya sah überrascht auf, zeigte dann auf das D-Pad ihrer Erzrivalin. „Huh!? Redfield, da!“
      Ein blaues Licht drang aus Valeries Friedhof, pulsierte in regelmäßigen Intervallen. Die bemerkte es auch und zog die eine Karte vorher, von der das Strahlen ausging: [Moulinglacia The Elemental Lord].
      „Falls diese Karte das Spielfeld verlässt, überspringe die Battle Phase deines nächsten Spielzugs“, las Valerie den letzten Satz vor und sah ungläubig von der Karte hervor, „Anya! Dieser Satz stand dort vorhin noch nicht!“


      Turn 72 – Dear Agony
      Exas Versuch, Jacks [Dragunity Knight – Trident] zu Fall zu bringen, ist gescheitert, wodurch er in eine gefährliche Lage gerät. Diese verschlimmert sich noch, als die Zankerei zwischen Logan und Zanthe aus dem Ruder zu laufen droht. Anderenorts erreicht auch das Duell zwischen Anya und Valerie seinen Höhepunkt …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Crystal
      Gem-Knight Emerald
      Gem-Knight Iolite

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Indem du diese Karte und ein anderes "Gem-Knight" Monster von einem Xyz-Monster abhängst oder wenn ein "Gem-Knight"-Monster als Xyz-Material von diesem Xyz-Monster abgehangen wird, indem du zusätzlich diese Karte abhängst: verdopple bis zur End Phase die ATK jenes Xyz-Monsters.

      Kuriboss
      Fee/Licht/Empfänger
      ATK/300 DEF/200 (1)
      Wenn einem Spieler Kampfschaden zugefügt wird, während sich diese Karte auf deinem Friedhof befindet: du kannst diese Karte verbannen, um den Schaden auf 0 zu setzen. Wenn du durch diesen Effekt Kampfschaden, den dein Gegner erleiden würde, annulliert hast: ziehe eine Karte; du kannst die ATK eines offenen Monsters um 300 erhöhen.

      Morphing Jar

      Gem-Knight Fusion
      D.D.R. - Different Dimension Reincarnation

      Negate Attack
      Return From The Different Dimension

      Gem-Knight Zirconia
      Gem-Knight Pearl

      Valerie

      Gishki Abyss
      Gishki Shadow
      Gishki Marker
      Gishki Emilia
      Gishki Zielgigas
      Evigishki Tetrogre
      Moulinglacia The Elemental Lord

      Gishki Aquamirror
      Forbidden Arts Of The Gishki
      Pot Of Desires
      Double Summon

      Aquamirror Cycle
      Torrential Tribute
      Call Of The Haunted

      Evigishki Merrowgeist

      Exa

      Satellarknight Alsahm
      Satellarknight Procyon
      Satellarknight Deneb
      Satellarknight Vega
      Satellarknight Sirius

      Xyz Unit

      Stellarnova Wave

      Stellarknight Delteros
      Stellarknight Triverr
      Tellarknight Ptolemaios
      Constellar Pleiades

      Jack

      Dragunity Pilum
      Dragunity Brandistock
      Dragunity Militum

      Dragon Mastery
      Galaxy Cyclone

      Skill Successor

      Dragunity Knight – Trident


      Anregungen und Meinungen sind gerne gesehen. ^^

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Aska- ()

      Zu Folge 71:
      Spoiler anzeigen
      ​Also duelliert sich Exa wirklich im Untergrund und ich dachte das war nur ne Ausrede von Zathe um Anya los zu werden :D Der Höhepunkt der Folge war Logans plötzlicher Auftritt als Zuschauer. Was macht er dort? Wer ist er wirklich? Ist er vllt doch kein Unschuldiger Normalo?Und wenn Jack gegen Exa verliert wird der noch wahnsinnig. Einst King und dann nur noch Ritter (niederlage gegen Claire) und dann nur noch Bube (Niederlage gegen Anya) und dann ned mal mehr das (wenn er gegen Exa verliert) . Abschlussduell Reloaded ging in seine 2 phase. Anya hatte das ganze Duel versucht nicht zu cheaten. Trotz ihres Come backs behält ihre Rivalin die überhand. Ich denke mal im restlichen Duel wird die blonde sich auf ihre Wurzeln berufen und mit Gem-knights gewinnen oder sie wird am Ende verlieren weil sie sich auf das übernatürliche doch verlassen wird. Im Finale muss dann eine von beiden gegen Pendel ran und im richtigen Finale dann gegen Claire. Irgetwie habe ich das gefühl das Drachenherrscher als Deck für Clair echt gut passen würde. Ihre Hüter Karte könnte Trishula sein lol. Bzw ein Trishula Monster da Hüterkarten bis jetzt alle nicht Real life Karten waren. Oder ein Quaser wesen :P. Ich glaube aber das Anya ihr am Ende gegenüberstehen wird. Because: Duel der Blondinen!

      P.S: Von den 4 Duellanten waren in der Folge heute 3 blond.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Spoiler anzeigen
      Ich melde mich auch mal wieder. Ich finde es, auch wenn das eigentlich nichts in dieser Folge neues ist, die Liste von Anya interessant, so wird der ferne Traum von der Duell-Queen endlich manifest, bin gespannt wer sonst noch auf dieser Liste steht. Du hältst dir eben typischerweise immer Überraschungen offen Was hat Zanthes dauerpochende Stirn zu bedeuten? Ist das eine Anspielung auf etwas unbekanntes oder ist es nur die Sorge um Exa? Dass Blut und die Menschen ihn stressen bringt mich zurück auf seine Suche nach der Heilung seiner Lykanthropie, bin gespannt wann du diesen Seitenfaden wieder aufgreifst oder ob das in dieser Staffel noch was wird...Die Excel Summon hat wohl vielleicht auch einige verborgene Nachteile, oder sie hängt von irgendeinem externen Faktor ab den wir noch nicht kennen, da besteht definitiv noch Klärungsbedarf. Wie bei so vielem. Die letzten paar Folgen dürften uns Leser vor lauter Enthüllungen regelrecht erschlagen, Moment, hast du schon mal was gesagt wie viele Folgen noch kommen? Wenn das ein Kartenspiel wäre und jedes dieser Geheimnisse wäre ein Ass von dir dann wäre dieses hypothetische Kartenspiel völlig witzlos. Und du ein offensichtlicher Cheater :P ;)

      Ich finde es auch gut, dass Anyas Status als Heldin im Konflikt mit der Welt, in dem sie ja schon von Natur aus steht, immer mehr in den Vordergrund rückt, letztendlich wird sie hart auf die Probe gestellt, ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass ihr ganzes Duell mit Redfield, äh, ich meine Valerie (verdammt, Anya beeinflusst mich!!!) die Überwindung ihrer Rivalin und die Verteidigung ihres Selbst schlechthin darstellt. Ich bin sehr gespannt, wie du Anyas Entwicklung fortsetzt. Und natürlich auch was aus Exa wird. Anyas Rettung ganz am Schluss ist auch mal eine interessante Finte, wie man einem Duell eine unerwartete Wendung geben kann, finde den Einfall gut gemacht.

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      -Aska-

      Ja, das geht mir auch so, dass ich je nachdem, was du antwortest, nochmal schauen muss, was ich zuvor geschrieben habe. Zumindest wenn es um unsere Unterhaltungen nebenher geht. Lustigerweise habe ich die Kommentare zu den Kommentaren immer noch recht gut drauf..

      Deinen Ausführungen zu dem Duell stimme ich vorbehaltlos zu ;) (jetzt muss er wieder scrollen, hehe)

      Zu den Duelllängen der beiden Halbfinale will ich im Vorausblick das mehr als 50% davon noch ausstehen jetzt nicht eingehen, aber wenn wir beide Duelle miteinander vergleichen, kannst du dir sicher denken, was ich hier schreiben würde, oder? ^^ (Und ja, ich finds gut xD)

      Und zum guten Schluss: Es ist niemals Lupus alles mögliche! xDD


      zur Folge 71

      Das Duell gefiel mir weiterhin sehr gut. Direkt begonnen mit der Stelle, wo es hier losgeht und die das Ende der vorherigen Folge gewesen ist. Scheinbar fordert Valerie Anya heraus, ihren Hax Draw zu nutzen. Wie erwartet war das aber nicht so gemeint, sondern eher eine Provokation, um Anya zu provizieren, sich genau nicht darauf zu verlassen. Auch wenn in gewisser Weise Valerie nicht wirklich erkennen kann, ob es besondere "Draws" oder ganz normale waren. Woran wiederum Anya nicht unschuldig war, wenn sie mit ihren "Mega"-etc Steigerungen vorweg aufzog.
      Aber gerade, weil der Hax Draw ja oft mit Herzstechen und Luftwegbleiben einherging, war das relativ nice und für Valerie ambivalent gehalten, als ihr kurzzeitig unwohl wurde.

      Genauso passend war dann die Stelle, als Valerie Anya in ihr Elysion versetzte, um ungestört mit ihr reden zu können. Hier konnte sie ihr endlich mitteillen, was ihr auf dem Herzen lag. Auch die Warnung, Pearl nicht zu inkarnieren, war aus mehreren Gründen sehr treffend. Denn einerseits wäre es einere weitere magische Karte in Anyas Repertoire gewesen, und noch eine weitere Karte, die eigentlich nicht wirklich existieren dürfte, oder zumindest große Aufmerksamkeit erregen würde. Auf jeden Fall besser dass sie bewusst auf Pearl verzichtet, und nicht durch irgendeinen anderen Effekt oder Situation ihr die Entscheidung darüber abgenommen wurde.
      Auch der damit verbundene Übergang zur Rückkehr zu den klassischen Gem Knights war gut gelöst. Schön durch mehrere kleine Schübe wurde Anya in die richtige Richtung gedrückt. Passt auch zu ihr, weil irgendwie stell ich sie mir zu stur vor, sich auf einen Schlag bei sowas zu ändern. Und letztlich begreift sie dann selbst, dass sie gar keine übernatürliche Karte mehr brauchte, um den "finalen" Schlag auszuführen.

      Aber genauso war auch nicht zu erwarten, dass Valerie klein beigibt. Wie schon an anderer Stelle zu dir gesagt, man muss schauen, in welche Richtung sich das Duell entwickelt. Noch ist alles offen, und man weiß nicht, wie die Weichen letztlich gestellt sind, und gerade deshalb wird es auf jeden Fall weiter spannend bleiben.

      Bleibt nur zu hoffen, dass Valerie wegen der Sache mit Moulinglacia nun nicht das Nachsehen hat. Und wie Anya darauf reagiert: Wird sie ihrer Freundin glauben, oder es einfach abtun? Aber wenn Valerie die Wahrheit sagt, dann hat eine bestimmte Person sicher ihre Finger mit im Spiel. Andererseits hab ich auch etwas die Sorge, weil Valerie Moulin von Anya erhalten hat, dass die Sache mit dem nun plötzlich aufgetretenden nachteiligen Effekt mit Pech einen Riss in das Verhältnis zwischen Anya und Val zurückbringen könnte.

      Was den zweiten Handlungspfad anging, mit dem hätte ich an der Stelle wirklich nicht gerechnet. Irgendwie hätte ich eher eine Fortsetzung von Nick und Alex erwartet, als Exa und Zanthe. Nichtsdestotrotz war es auch interessant zu verfolgen - auch wenn es zu Lasten von Anya und Val ging xD

      Aber damit auch die zweite Sache, mit der ich so schnell nicht gerechnet hätte: Die Rückkehr von Jack auf die Bildfläche. Wir hatten uns ja darüber unterhalten, dass er noch einen Auftritt haben würde, aber joa, wie gesagt, so schnell hätte ich es nicht gedacht.
      Aber irgendwie passte es genau zu jemanden mit einer gescheiterten Karriere, dass er an so einem Ort zu finden ist. Und wie man sieht, hat die Niederlage gegen Anya seinem arroganten Ego nichts ausgemacht.
      Mal abwarten, wie es für Exa weitergehen wird. Momentan sieht es ja eher schlecht für ihn aus, aber falls er es noch richtig drehen kann, wird das für Jack psychisch echt heftig. Von Claire vom Thron gestoßen, dann von einem Rookie ausgetrickst, und jetzt noch von einem Noob besiegt, und das unter verschärften Bedingungen.

      Eine gewisse Parallelität zu Anya und Valerie wiesen die Unterhaltungen von Zanthe und Exa auf, in denen er ihn ermahnte, nicht seine besondere Karte zu verwenden. Auch wenn es hier eine anderen Grund hatte, die gleichen Konsequenzen/Risiken. Eigentlich noch mehr, weil anders als Incarnates, die grundsätzlich ja existieren bei manchen Karten, wäre eine Excel Summon praktisch etwas "Unmögliches", weshalb es noch viel auffälliger gewesen wäre.
      Als Exa sich dann angepisst von Jack doch nicht dran halten wollte, war schön genutzt um zu zeigen, dass man die nicht einfach so rufen kann, sondern dass das offensichtlich mehr Kriterien dahinterstecken.

      Sicherlich unerwartet war dann auch noch das Auftauchen von Logan im Untergrund. Aber wahrscheinlich hätte es einen nicht überraschen dürfen, nachdem er zuvor auf Zanthe und Exa bereits aufmerksam geworden war. Aber ziemlich tapfer, bei der Quote auf einen Rookie zu setzen, wobei er ja selbst gesagt hat, dass er das Geld jetzt braucht, und die Quote ist dann natürlich sehr verlockend, einen großen Gewinn zu machen. Mal hoffen, dass das Glück mit ihm sein wird.

      Derweil scheint es bei Zanthe langsam aber stetig wieder kritisch zu werden und deshalb wird bald wohl wieder die Jagdzeit anstehen. Aber auch in der Hinsicht reiht es sich gut ein in den Rest der Folge, denn wie man sehen kann, kriselte es in dieser Folge an allen Ecken und Enden xD
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      So, vielen Dank mal wieder an alle Leser und inbesondere die Poster. :)

      @WiR
      Also niemand kann mir vorwerfen, die Blondinenquote nicht erfüllen. xD
      Stimmt, für Jack wäre es eine Demütigung ohnegleichen, wenn jetzt auch noch Exa ihn einstampft. Aber ob er das schafft? Aber hey, Untergrundduelle sind cool, ich wollte auch mal eins schreiben. xD
      Claire spielt leider keine Dragon Ruler, aber ein anderes Deck, das gut zu ihr passt, wie ich finde. Und man sieht sie auch bald in Aktion, endlich. xD
      Ihre Hüterkarte ... ist nicht das, womit man rechnen würde, wenn man die Hintergründe nicht kennt. ;)

      Danke für die Posts, auf die Sache mit Zanthe gehe ich gleich noch ein.

      @Mcto
      Hey, schön wieder von dir zu hören.
      Wie gesagt, zu Zanthe komm ich gleich gesondert noch. Auf Anyas Liste stehen eigentlich so ziemlich alle Charaktere, die in der Fanfic was zu sagen haben. Und vielleicht 1-2 Kandidaten, die man bis dato noch nicht kennt. Und ja, es ist sozusagen ein Leitfaden ihres Traums. Es wäre ja auch absurd, wenn es unter dem Fußvolk welche gibt, die der Königin in ihrer Macht gleichkommen. ;)
      Die Excel Summon ist von zwei Faktoren abhängig. Einen kann (und muss) man beeinflussen, beim anderen wirds schwieriger, aber nicht unmöglich. ;)

      Wie viele Folgen noch kommen? Das verrate ich nicht. =P Genug. ;)
      Danke für das Lob bezogen auf das Ende des Duells. Tja, was da wohl wirklich vorgefallen ist? Was auch immer, es hat Anya den Hals (fürs Erste) gerettet.
      Auch dir herzlichen Dank für die Posts.

      @Zanthe-Diskussion
      Pochende Stirn = Kopfschmerzen. Wusste nicht, dass das fehlinterpretiert werden kann. Die Kopfschmerzen sind das Resultat von Zanthes Krankheit, da er inzwischen sein Limit fast erreicht hat. Körperliche Signale sind die letzte Stufe bevor es gefährlich wird.

      @Evil Bakura
      Dann sind wir uns ja einig. xD
      Hätte Anya gecheatet, hätte Valerie das gemerkt. Wobei ich gerade selber in Konflikt mit mir stehe, wie das mit dem Publikum dann aussähe. Genauso. Die würden dann alle unison nen Herzkasper kriegen. Hat auch was für sich, dann wäre wenigstens Ruhe. xD

      Joa, ich denke Valeries Anstoß hat letztlich zum Erfolg geführt. Wobei das Thema "Power Greed" damit auch noch nicht beendet ist.
      Wenn ich zu Moulinglacia etwas einwerfen darf: Wenn -er- seine Finger im Spiel hat, warum dann nur "so ein Effekt"? ;)
      Nick und Alex haben bis zum Finale erstmal Pause. Der junge Mann muss ja auch mal am Projekt Monochrome weiterarbeiten. =P
      Da der Untergrund-Teil auch eine spontane Ergänzung war, die sich prima ins Gesamtbild einfügt, war Jacks Rückkehr zu einem bestimmten Zeitpunkt auch auf viel später angesetzt. Und Logan bekam mehr Screen Time, was das Ganze perfekt gemacht hat. ^^

      Auch dir vielen Dank für den Post.


      Dann mal gleich zur Sache!

      Turn 72 – Dear Agony
      Die glitzernde Schockwelle, die der weiße Sternenkrieger [Constellar Pleiades] mit seinem massiven Zweihänder auf den fliegenden, hellblauen Drachen und seine metallisch gefiederte Reiterin, [Dragunity Knight – Trident], geschleudert hatte, prallte einfach an diesem ab und krachte gegen die Decke der stillgelegten U-Bahn-Station.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 0]
      Dragunity Knight – Trident [ATK/2900 DEF/1700 (7)]

      Exa stand da wie angewurzelt, als sich vor seinem Gegner eine Fallenkarte aus dem Nichts aufstellte. „[Skill Prisoner] ist eine weitere jener Karten, die sich auch aktivieren lassen, wenn sie auf dem Friedhof liegen. Man muss sie nur verbannen, um eine seiner Karten vor zielenden Monstereffekten zu schützen.“
      Genüsslich rückte Jack seine Sonnenbrille zurecht und breitete danach die Arme aus. „Du wolltest doch hier dein Glück versuchen. Wie soll ich sagen? Du hast einfach Pech gehabt, an mich zu geraten.“
      Der größere Exa funkelte ihn böse an. Sie befanden sich hier in diesem abgeschlossenen Stacheldrahtkäfig, der zu allem Überfluss auch noch Stromschläge austeilte, wenn man ihn berührte. Diese Erfahrung hatte er schon gemacht, wie die aufgerissene, blaue Strickjacke an seinem Rücken bewies. Dazu noch überall diese gaffenden Typen, die auf ihre Köpfe wetteten.

      „Hab doch gesagt, der Junge mag arrogant wirken“, sagte Logan indes hinter Zanthe, der fassungslos zu Exa herübersah, „aber er ist und bleibt ein Profi. Kann nahezu jede seiner Karten zweimal benutzen, weshalb er sich nicht scheut, sie auch mal zu opfern.“
      „Wenn du schon jemanden auf die Nerven gehen musst, dann doch bitte jemandem, der gerade nicht so blutdurstig ist wie ich“, schnarrte Zanthe, dabei böse über die Schulter blickend, „deine Organe werden's dir danken, glaub mir!“
      Unbeeindruckt winkte der knapp einen Meter fünfundsechzig große Logan ab. „Witzig.“

      Die Lage war ernst, mahnte Zanthe Exa in Gedanken und drehte sich diesem wieder zu. Jack kontrollierte ein Synchromonster, das dank der permanenten Zauberkarte [Dragon Mastery] 500 Angriffspunkte erhielt, solange es mit einer Dragunity-Karte ausgerüstet war. Und auch wenn der Schein trog, so war genau das der Fall: [Dragunity Brandistock] befand sich in Jacks Zauberkartenzone und erlaubte es Trident obendrauf noch, zweimal pro Battle Phase anzugreifen. Was im nächsten Zug reichen würde, wenn man sich die Lebenspunkte Exas genau ansah …

      [Exa: 3000LP / Jack: 3000LP]

      Immerhin hielt sein Freund noch zwei Karten auf der Hand, Jack nicht. Dafür kontrollierte Exa neben [Constellar Pleiades] keine anderen Karten.
      Wenn er nicht schon seit geraumer Zeit welche hätte, würde diese Situation Zanthe ziemliche Kopfschmerzen bereiten. Besonders, weil Exa längst noch nicht bereit war, es mit einem Profi wie Jack aufzunehmen, wie der Werwolf inzwischen begriffen hatte. Und am schlimmsten von allem, war alles hiervon seine Schuld …

      „Uh, das ist jetzt schlecht“, murmelte Exa vor sich hin und betrachtete seine Handkarten, ein Monster und eine Falle. Da war es wohl offensichtlich, was zu tun war. „Ich setze eine Karte verdeckt.“
      Die purpur umrandete Karte erschien vergrößert mit dem Kartenrücken nach oben zu seinen Füßen und stellte damit gleichzeitig seine letzte Hoffnung dar, irgendwie aus dieser Sache heil heraus zu kommen.

      Jack fuhr sich mit beiden Händen über das blonde, hochgegelte Haar. „Bist du endlich fertig?“
      Als Exa grimmig nickte, griff der arrogante Ex-Weltmeister nach seinem Deck und zog schwungvoll. Nachdem er sich die Karte kurz zu Gemüt geführt hatte, grinste er bitterböse. „Na das passt doch perfekt. Ich aktiviere den Ausrüstungszauber [Dragunity Divine Lance].“
      Auch wenn der Name der Karte verriet, dass es sich um eine Lanze handelte, erschien in der Hand der grünen Reiterin Tridents vielmehr ein Schwert. Es bestand aus verschiedenen Körperteilen des Dragunity-Stamms: Insgesamt acht verschiedene, getrimmte Schwingen bildeten die Parierstange, wohingegen die Klinge selbst aus diversen Waffenteilen bestand, die man sonst an den Köpfen der Drachen fand – allen voran eine kurze, breite Lanze.
      „Dieses Prachtstück erhöht nicht nur die Angriffskraft des ausgerüsteten Monsters um das Hundertfache seiner Stufe“, erklärte Jack zufrieden, „nein, sie lässt mich auch einmal pro Zug einen Dragunity-Empfänger mit jenem Monster ausrüsten.“
      Sowohl der himmelblaue Drache mit dem Dreizack-Unterkiefer, als auch seine Reiterin erstrahlten in goldener Aura.

      Dragunity Knight – Trident [ATK/2900 → 3600 DEF/1700 (7)]

      Anstatt einfach einen Namen zu nennen, nahm Jack sein Deck aus der Halterung des schwarzen D-Pads und fächerte es vor sich auf. Dabei grübelte er laut: „Welches nehm' ich denn? Ah, das ist gut!“
      Der Kartenstapel wurde zurück in seinen Schacht gezogen und sein Besitzer präsentierte die Karte vor Exa. „[Dragunity Corsesca]! Wie gesagt, der wird jetzt auch an Trident ausgerüstet.“
      Ein hautfarbener Drache mit breiten, ledrigen Schwingen und einem Mithrildreizack auf dem Kopf erschien kurz vor seinem Daddy, ehe er als geisterhafte Silhouette in ebenjenem verschwand.
      „Und was soll das bringen?“, fragte Exa und verschränkte die Arme.
      „Im besten Fall? Gar nichts.“ Jack setzte ein süßliches, falsches Lächeln auf. „Das kommt ganz auf dich an, mein Bester.“
      Schlagartig stieß er seine Hand nach vorne. „Machen wir dem Trauerspiel ein Ende! [Dragunity Knight – Trident], greif' [Constellar Pleiades] an! Divine Trident Strike!“
      Der Drache setzte sofort zum Sturzflug auf den weißen Krieger an, welcher schützend sein Schwert vor sich hielt.
      „Wessen Trauerspiel?“, fragte Exa bissig und betätigte den Auslöser seiner verdeckten Karte. „Meines sicher nicht! Ich aktiviere [Stellarnova Burst], eine dauerhafte Fallenkarte! Pro Zug kann ich ein Tellar-Monster, wozu auch Pleiades gehört, vor einem Angreifer bewahren …“
      Die Falle sprang auf, zeigte die Silhouette eines Kriegers, von dem in alle Richtungen flammende Wellen ausgingen. Exa fügte hinzu. „… indem er direkt zerstört wird!“
      Sein Pleiades imitierte die Körperhaltung seines Vorbilds auf der Fallenkarte, streckte sich voll durch und löste eine gewaltige Flammenwelle von sich, die dem Drachen und seiner Reiterin entgegen schlug.
      „... langweilig.“
      Unbeschadet passierte [Dragunity Knight – Trident] den Gegenangriff. Auf dessen Rücken holte die Vogelkriegerin [Dragunity Militum] mit der heiligen Lanze ihres Stammes aus und köpfte Pleiades im Vorbeiflug.
      „Aber ich habe doch-!?“, schoss es aus Exa, welcher kurz darauf selbst zum Opfer ebenjener Waffe wurde. Militum streifte damit seine Schulter, wodurch der Blonde gequält aufschrie, nach hinten geworfen wurde und gegen das Gitter des Zaunes stieß.

      [Exa: 3000LP → 1900LP / Jack: 3000LP]

      Einige Zuschauer jubelten, andere buhten lautstark, wobei die Verschmähung noch eher Exa galt, als seinem Gegner. Umso lauter wurden die Zurufe noch, als der junge Mann von einem Stromstoß gepeinigt wurde.
      „Ahhh!“
      Kraftlos fiel Exa vorne über und landete auf dem Bauch. Sein ohnehin schon geschundener Rücken dampfte regelrecht, sein Körper zitterte unkontrolliert.

      Zanthe weitete die Augen. „Exa!“
      „[Dragunity Divine Lance] macht seinen Träger vor Fallenkarteneffekten immun“, erklärte Logan hinter ihm und strich sich von seiner rechten Kotelette hin über das Kinn, „sieht übel aus.“

      Indes schob sich eine Karte aus Jacks Deck, die dieser aufnahm und vorzeigte. Es handelte sich um ein Effektmonster namens [Dragunity Darkspear].
      „Unnützes Wissen: Wenn ein mit Corsesca ausgerüstetes Monster ein anderes im Kampf besiegt, bekomme ich ein Monster mit demselben Typ und Attribut seines Trägers. Also ist es in dem Fall ein Wind-Drache.“ Kaum war das gesagt, schnippte Jack provokant mit dem Finger und zeigte damit nach unten, ganz als würde er einem Hund das Sitz-Kommando geben. „Tu uns beiden einen Gefallen und bleib gleich liegen, ja?“
      „Meine Falle hätte-!“
      „Deine Falle ist ganz nett, aber nutzlos gewesen im Angesicht von [Dragunity Divine Lance]“, wurde Exa dasselbe wie Zanthe erklärt, „was wiederum heißt, dass ich dich ungehindert noch einmal dank des Ausrüstungseffekts von [Dragunity Brandistock] angreifen kann. Also, bye bye!“
      Jacks Drache zog im Stacheldrahtkäfig seine Bahn, umkreiste den blonden Ex-Weltmeister und visierte anschließend den liegenden Exa an, welcher sich gerade in die Hocke aufgerichtet hatte. Passend zu seinen Worten winkte Jack und drehte sich um.
      Exa weitete die Augen, als der hellblaue Drache direkt auf ihn zugeflogen kam. Dann betätigte er noch einmal den Auslöser seiner Falle. „Zweiteffekt von [Stellarnova Burst]! Ich kann sie opfern, um direkten Kampfschaden zu halbieren.“
      Die Karte löste sich auf und erzeugte einen weißen Schimmer um Exa, da wurde dieser auch schon vom Drachen erfasst und per Kopfnuss fortgeschleudert. Mit voller Wucht knallte er in den Zaun, stieß einen bestialischen Schrei aus, welcher jedoch verstummte, als der Stromschlag folgte.

      [Exa: 1900LP → 100LP / Jack: 3000LP]

      „Oh nein“, stammelte Zanthe beim Anblick seines Freundes, der sich nicht mehr vom Zaun lösen konnte und immer weiter gepeinigt wurde, „das ist alles …“
      „Deine Schuld?“, beendete Logan den Satz für ihn und fasste sich an die Stirn. „Damit haste nicht ganz Unrecht.“
      Sofort wirbelte der Werwolf um. „Was weißt du schon!?“
      „Dass hierher zu kommen eine dumme Idee war.“
      „Er hat kein Zuhause, kein Geld, gar nichts! Irgendwie muss er doch-!“
      Der kleinere, aber ältere Mann schnitt ihm scharf ins Wort: „Seine Gesundheit aufs Spiel setzen? Großartiger Einfall, den du da hattest …“

      Gleichzeitig kippte Exa leblos nach vorne und knallte auf den Marmorboden.
      Jack drehte sich ihm wieder zu, beäugte den Blonden abschätzig. „Hartnäckig wie eine Kakerlake, wirklich wahr. Na ja, ob du nun eine Runde länger vor dich hinschmorst soll mir auch egal sein. Effekt von [Dragunity Knight – Trident]. Ich opfere zwei meiner Karten …“
      Die aufrecht stehende Zauberkarte [Dragon Mastery] löste sich in goldene Funken auf, ebenso die ausgerüstete Monsterkarte Corsescas. Zusammen wurden die Partikel von Trident absorbiert.
      „… um zwei aus deinem Extradeck zu eliminieren. Nur für den unwahrscheinlichen Fall, du verstehst? Cease Existence!“
      Im Maul und an den daneben befindlichen Spitzen des Drachen entstanden goldene Entladungen, die dieser als gebündelten Strahl auf den regungslosen Exa abfeuerte. Dessen Duel Disk wurde getroffen und warf die Xyz-Monster [Stellarknight Triverr] und [Stellarknight Delteros] aus, welche vor dem jungen Mann auf dem Boden liegen blieben.
      „Da [Dragon Mastery] fort ist, verliert Trident die 500 Extrapunkte, die meine Zauberkarte ihm verliehen hat. Aber das ist nicht weiter schlimm …“

      Dragunity Knight – Trident [ATK/3600 → 3100 DEF/1700 (7)]

      „… ich weiß, wie es ist, alleine zu sein! Niemanden und nichts zu haben! Sich um sich selbst kümmern zu müssen, weil kein einziger Mensch sich um dich schert!“, brüllte Zanthe Logan regelrecht an. Seine Halsschlagader pochte wie verrückt.
      Logan funkelte den Kopftuchträger böse an. „Und da ist dir nichts Besseres eingefallen, als ihn hierher zu bringen? Warum hast du nicht selbst gekämpft?“
      „Was!?“ Zanthe verkrampfte.
      „Du bist mit Sicherheit erfahrener als er, wenn du ihm das Spiel beigebracht hast, wie du eben sagtest. Warum bist du es nicht, der im Ring steht, wenn du schon so gute Einfälle hast?“ Es war pure Verachtung, die aus seinen Worten sprach.
      Der junge Mann, welcher tatsächlich viel älter als Logan war, biss sich auf die Lippen. Und ballte beide Hände zu Fäusten …

      Exa hielt die Augen geschlossen, hörte aber verschwommen, wie die beiden sich stritten. Sein Körper gehorchte nicht mehr, war taub. Verdammt, ausgerechnet Elektrizität, sein geschworener Erzfeind! Lebte er überhaupt noch? Musste doch so sein, wenn man Zanthes Geschrei nicht überhören konnte. Und wenn er dieses richtig deutete, würde bald ein Unglück geschehen, sofern niemand etwas unternahm. Zanthe war längst an seinem Limit …
      „Du kleiner Scheißer“, murmelte Exa.
      Jack schnaubte. „Meinst du mich?“
      „Wen sonst? Du hast noch nie richtig geblutet, nicht wahr?“ Exa öffnete das rechte Augenlid und bewegte mit größter Mühe seine Hand zum Deck. „Solche wie du sind hier fehl am Platz. Draw.“
      Während er aufzog, herrschte sein Gegner ihn ungehalten an: „Was willst du mir damit sagen? Dass ein lausiger Amateur wie du-!?“
      „Es tut mir leid, Zanthe. Aber ich muss mein Versprechen brechen. Einen anderen Weg gibt es nicht für mich.“
      Exas blau-weiße Duel Disk leuchtete plötzlich in ihren eigenen Farben auf. Nur für einen kurzen Moment, unbemerkt von den Anwesenden. Oder nicht als das wahrgenommen, was es bedeutete. Denn diese Sekunde war es, in der Exa sich mit einem Schlag so schnell erhob, dass Jack vollends verstummte.
      Mit fester Entschlossenheit wurde der Blonde mit der Sonnenbrille angefunkelt. Dann ballte Exa eine Faust und presste sie gegen seine Brust, wobei er sein offen stehendes Augenlid wieder schloss. „The stars have decided!“
      Jene Hand streckte er in die Höhe aus. Sieben Lichter stiegen aus seiner Brust auf, kreisten umeinander und positionierten sich. Um das erste schloss sich ein Energiering. Ein größerer schloss diesen ein, wobei sich an dessen Rand ein weiteres der Lichter positionierte. Das Ganze wiederholte sich noch fünfmal und Exa rief: „Witness the creation of the eternal gate!“
      Die Lichter schwanden, die Kreise transformierten sich in verschiedene Schichten einer Steintafel, die sich abwechselnd im oder gegen den Uhrzeigersinn drehten. Wo die Lichter einst strahlten, hatten nun Runen ihre Position eingenommen. „Summoning contract established!“
      Damit riss Exa die erhobene Hand herunter und präsentierte seinem Gegner den Handrücken, auf dem ein kompletter, türkis leuchtender Schriftzug eingraviert war. Es handelte sich um die sieben Runen in den Kreisen. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      Ein Steinkreis nach dem anderen schoss schräg nach hinten, über Exa hinweg und öffnete damit ein Portal. Eines, das Einblick in das Weltall bot.
      „Grade 7! Rule indefinitely, [Cosmic Enforcer – Event Horizon]!“
      Ein Licht schoss daraus hervor und blendete insbesondere die beiden Duellanten, wobei immer mehr geschockte Ausrufe seitens der Zuschauer laut wurden.

      Aber Zanthe bemerkte das gar nicht. Das Blut rauschte in seinen Ohren.
      „Du elender Bastard, wer glaubst du eigentlich, wer du bist?“
      „Kannst du die Wahrheit nicht vertragen?“, herrschte Logan ihn ungewohnt zornig an. Wütend klopfte er gegen seine Brust. Zanthe hörte das Herz, das darin heftig schlug. „Ich habe auch alles verloren, als Claire Rosenburg meine Karriere beendet hat! Meine Freunde haben sich von mir abgewendet, das Geld wurde knapp! Aber ich habe nicht rumgewinselt wie ein Baby, nur weil die Zeiten schlechter wurden!“
      Dieser Duft … es war Logans Schweiß.
      Etwas flackerte in Zanthes Augen auf. Er zeigte Zähne. „Das ist mir egal …“
      Seine Fäuste lockerten sich. Weil seine Fingernägel sich in Krallen transformierten. Unbemerkt blieb im Dunkel der 'Temptation Lair' auch, dass sich seine Haut im Gesicht langsam schwarz verfärbte.

      Einige der Anwesenden stießen Schreie aus, als sie sahen, was dort im Riss des Raum-Zeit-Gefüges über Exa lauerte. Ein riesiges, weißes Schlachtschiff, nicht unähnlich einem Satelliten. Das Heck bestand aus einer ausgehöhlten Sphäre, in welcher ein blauer Kern leuchtete und von der sich vier gigantische Tragflächen erstreckten, die spitz zuliefen. In regelmäßigen Abständen wurden diese fortgesetzt von spitzen Minitragflächen, die jedoch nicht mit dem Schiff verbunden waren. Wie Dornen ragten besagte Auswüchse nach vorn.

      Cosmic Enforcer – Event Horizon [ATK/2500 DEF/2000 X7]

      „Du willst mich verarschen, oder? Wo kommt die her?“ Jacks aufgerissene Augen hinter der Sonnenbrille waren einzig auf den Dimensionsriss über Exa gerichtet. „Was ist das für eine Karte!?“
      Ebenjene nahm Exa von seiner Duel Disk und präsentierte sie. Statt eines farbigen Rands vorzuweisen, wie es alle anderen Karten taten, bestand diese vollständig aus ihrem Artwork.
      „Ein Excel-Monster. So etwas hast du noch nie gesehen, nicht wahr?“
      „So etwas gibt es nicht!“
      „Anscheinend schon. Frag mich nicht, wie sie funktionieren, vorhin ging es nicht. Aber“, sagte Exa, legte eine Pause ein sowie ein siegessicheres Grinsen auf, „ich schätze, sie stehen in Verbindung mit der-“

      Er wurde von lautem Geschrei diverser Zuschauer unterbrochen. Noch einen kurzen Blick über die Schulter erhaschend, konnte er verfolgen, wie sich Zanthe auf Logan stürzte und ihn zu Fall brachte. Umgeben von einer Traube Männer, die die beiden Kämpfenden anfeuerten.

      Sofort wandte sich Exa seinem Gegner wieder zu. „Keine Zeit mehr für Spekulationen! Effekt von Event Horizon aktivieren! Black Hole Distortion!“
      Die kleinen Spitzen vor den Tragflächen schwärmten aus und schossen, jede für sich, dutzende Lichtstränge ab, die aus dem Spalt drangen und den Drachen samt Reiterin fesselten. Dann leuchtete der blaue Kern des Schiffes auf, Trident verzerrte sich immer mehr zu einem einzigen Farbenbrei, wurde von den Strängen ins Loch des Raum-Zeit-Gefüges gezogen.
      „Was tust du da!?“, überschlug sich Jacks plötzlich erstaunlich heisere Stimme.
      Sein Drache tauchte auf 'der anderen Seite' wieder auf und wurde in den blauen Lichtkern Event Horizons geführt, in dessen Licht er endgültig verschwand.
      „Mit diesem Effekt wird dein altes Monster transformiert und zwar in eines, das aus ihm entstehen könnte. White Hole Emission!“
      Just in diesem Moment tauchten drei Reihen weiß umrandeter Karten vor Jack auf, in der letzten fehlte jedoch die unterste rechte. Und sie alle verschwanden wieder. Im All bei Event Horizon passierte rein gar nichts.
      „Oh? Keines deiner Synchromonster könnte [Dragunity Knight – Trident] als Material gebrauchen?“ Exa lachte auf. „Das ist schlecht. Für dich. Denn unabhängig davon, erhält mein Monster die Hälfte der Angriffskraft deines absorbierten!“
      Panisch wich Jack zurück, quiekte förmlich: „Du machst doch Witze!“
      Während sich die Spitzen wieder vor den Tragflächen des Kampfschiffes formierten, begann der ganze Raumkreuzer weiß aufzuleuchten.

      Cosmic Enforcer – Event Horizon [ATK/2500 → 3700 DEF/2000 X7]

      „Für so etwas habe ich keine Zeit mehr! Beende es, Event Horizon! Direkter Angriff mit Planet Obliteration!“
      Sofort verteilten sich die Mini-Tragflächen in alle Richtungen vor dem Mutterschiff, wie ein Wespenschwarm. Sie alle feuerten gleichzeitig orangefarbene Laserstrahlen ab, die dem Dimensionsriss bedrohlich näher rückten.
      Der Größere wirbelte um und streckte den Arm aus. „Viel Spaß noch …“

      Indes hockte Zanthe auf Logan und schlug wiederholt in dessen Gesicht. Seine Augen leuchteten schwach grünlich. Blut spritzte ihm an die Wange.
      Der 'Zwerg' jedoch wehrte sich, obwohl er aus beiden Mundwinkeln stark blutete. So packte er kurz vor dem nächsten Treffer die Rechte des Werwolfs. Presste hervor: „Was ist los mit dir!?“
      Doch es gab keine Antwort, nur ein Schnaufen. Zanthe versuchte sich loszureißen und schlug diesmal mit seiner Pranke über Logans Brust. Das schwarze Shirt riss, blutende Kratzer waren die Folge.

      „Hör auf!“, schrie Exa, der den beiden im Käfig zugewandt stand.
      Die abgerundete Duel Disk an seinem Arm ruckte ein Stück nach vorne, klappte an der Plastikverkleidung aus und offenbarte ein Sägeblatt an den Monsterkartenzonen. Dieses hob der Blonde über seinen Kopf, näherte sich noch einen Schritt dem elektrisierten Zaun.
      Indes schossen über ihm dutzende, nein hunderte Lichtstrahlen aus dem Dimensionsriss und schlugen in Jacks Umfeld ein.
      „Nein!“, schrie dieser panisch und wurde weggeschleudert, wobei er seine Sonnenbrille verlor.
      Mit voller Wucht krachte er in den Gitterzaun und wurde dafür sofort mit Stromschlägen bestraft, die ihn entsetzlich aufschrien ließen.

      [Exa: 100LP / Jack: 3000LP → 0LP]

      Und während der Dimensionsriss verschwand, ließ Exa den Arm herab schnellen. Funken sprühten, als sich das Sägeblatt an seiner Duel Disk in Bewegung setzte und die Maschen mühelos durchtrennte. Überall um ihn schlugen elektrische Ladungen, ohne den jungen Mann jedoch diesmal in irgendeiner Form zu behindern.

      Zanthe verpasste Logan einen weiteren Hieb ins Gesicht. Seine Hände waren blutverschmiert, ebenso das Gesicht seines Gegners. Überall um sie herum standen Männer, die die beiden anfeuerten. Dass Exa durch ein unbekanntes Monster gewonnen hatte, war fast völlig in den Hintergrund geraten.
      Gerade wollte Zanthe wieder auf seinen inzwischen regungslosen Gegner einschlagen, da bemerkte er, wie blutig seine Klauen inzwischen waren. Fasziniert hob er sie auf Augenhöhe und drehte sie vor sich hin. Führte sie zu seinem Mund und streckte die Zunge danach aus.

      Inzwischen hatte Exa es geschafft, ein kleines Loch in den Zaun zu sägen, welches er mit einem Fußtritt freilegte. Sich darunter hindurch duckend, eilte er auf seinen Freund zu, der gerade seine Finger ablecken wollte. Das musste er verhindern, sonst würde Zanthe nie wieder der sein, der er war!
      Unerwartet stellte sich ihm jedoch der Leiter der 'Temptation Lair', Roy Gilbert, in den Weg.
      „Was denkst du, tust du da!?“, fauchte er, mit Zeigefinger auf den zerstörten Käfig gerichtet, wo Jack im Hintergrund noch immer von wiederholten Stromstößen gefoltert wurde, sodass er inzwischen seine Hose 'benetzt' hatte.
      Exa schwang die Sägeklinge nach ihm, sodass der Mann mit dem Cowboy-Hut erschrocken zurückwich, auf dem Hosenboden landete und dem großen, jungen Mann wie gelähmt hinterher sah.
      Nur noch ein paar Zentimeter trennten Zanthe davon, ein Sklave seines Fluchs zu werden. So hatte er es einmal beschrieben, als sie sich darüber unterhalten hatten, was es bedeutete, ein Werwolf zu sein.

      Als sie Exa näher kommen sahen, wichen die Gaffer beiseite. Der Blonde schloss die Augen und setzte zum Sprung an. Er verlagerte sein Gewicht nach vorn und versetzte Zanthe einen derartigen Stoß, dass dieser zusammen mit ihm von Logan geschleudert wurde. Der kam seinerseits zu Sinnen und rollte sich von den beiden weg.

      Nach einem kurzen Gerangel der beiden Freunde war es Exa gelungen, die Oberhand zu gewinnen, sodass er auf Zanthe hockte und ihn am Kragen seines Hemds festhielt.
      „Hör auf damit!“, schnauzte er ihn an.
      Der stieß jedoch nur unmenschliche Schreie aus und holte nach dem Blonden aus, welcher eine unschöne Backpfeife verpasst bekam.
      „Was ist mit ihm los!?“, fragte der unweit von ihnen am Boden liegende Logan, wobei er sich seine blutende Nase hielt.
      „Drogenentzug“, log Exa, ohne den anderen Mann anzusehen. Und verpasste Zanthe kurzerhand mit seiner inzwischen wieder eingefahrenen Duel Disk einen Schlag so hart ins Gesicht, dann noch einen und einen dritten, dass der Werwolf am Ende reglos liegen blieb. Das Dunkle aus seinem Gesicht schwand, die Klauen wurden wieder zu Händen – seine unvollständige Verwandlung war mit seiner Bewusstlosigkeit beendet worden.

      Den Berserker damit endlich zur Ruhe gebracht habend, stand Exa auf, schnappte sich Zanthe und schulterte ihn sich, als wäre der nichts weiter als eine Strohpuppe.
      „Schnappt euch den Neuling und seinen Freund!“, hallte von irgendwo Roys Stimme durch die dunkle U-Bahn-Station.
      Kaum einer der Männer um sie herum rührte sich jedoch bei dem Anblick des großen, jungen Mannes, der mühelos einen mindestens 70 Kilogramm schweren Burschen wie Zanthe schultern konnte.
      „Ich habe keine Ahnung, was du zu ihm gesagt hast, aber … komm ihm noch einmal zu nahe und du endest wie der da“, zischte Exa hasserfüllt und deutete auf Jack, der mittlerweile im Käfig lag, ebenso bewusstlos wie Zanthe. Hinter ihm wurde gerade die Tür geöffnet.
      Logan versuchte sich aufzurappeln, doch ihm fehlte im ersten Moment schlichtweg die Kraft dazu. Er erwiderte mit einem grimmigen Lachen: „Der Kleine ist ganz schön kräftig dafür, dass er so unscheinbar ist. Verträgt nur die Wahrheit nicht sehr gut.“
      Wortlos führte Exa seine freie Hand zu seinem Gesicht.
      „Hey, wenn du Arbeit brauchst … ich suche noch jemanden für meine Werkstatt“, bot Logan an, „ist besser, als hier wie ein Tier im Käfig behandelt zu werden.“
      „Nein danke.“
      Und dann war Exa einfach an Ort und Stelle verschwunden, gerade als Roy sich durch die Zuschauertraube gedrängt hatte und dazu gestoßen war. Zwei Männer, die hinter Logan standen, wurden plötzlich zur Seite geschmissen und schrien dabei erschrocken.
      Das Augenmerk der Anwesenden richtete sich mangels Alternativen auf den blutverschmierten KFZ-Mechaniker, der ironisch anmerkte: „Hab' mal wieder besonders viel Glück heute, was?“

      ~-~-~

      „Ich will eine Erklärung dafür, sofort!“, verlangte Valerie aufgebracht.
      Statt den finalen Schlag auszuteilen, war ihr drei Meter großer, vierarmiger Herkuleskäfer-Krieger zu einer Eissäule gefroren. Neben ihm verharrte ebenso erstarrt der Geist von [Gishki Emilia], einer rothaarigen Magierin mit Hut auf dem Haupt und Stab in der Hand.

      Gishki Zielgigas [ATK/3200 DEF/0 (10)]
      Gishki Emilia [ATK/1600 DEF/800 (4)]

      [Anya: 400LP / Valerie: 100LP]

      Die Finger der Schwarzhaarigen mit dem voluminösen Pferdeschwanz klammerten sich um ihre letzte Handkarte und diese eine, wegen der sie jetzt in diese Lage geraten war. Verkrampft stand sie da, im Angesicht der auf die Knie gesunkenen Anya, die mit weit aufgerissenen Augen ihre Fähigkeit zu Sprechen eingebüßt zu haben schien.
      Vor der Blonden in dem dunkelblauen Werbe-T-Shirts stand ein massiver Ritter in silberner Rüstung, dessen Arme so dick wie Pfeiler waren, an deren Enden sich pizzagroße, durchsichtige Edelsteine befanden.

      Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (9)]

      Anya blinzelte.
      Was war da gerade geschehen? Redfield wollte sie angreifen und … auf der Karte von [Moulinglacia The Elemental Lord] war ein Satz erschienen, der ihre Battle Phase unterbrochen hatte? Das war doch Schwachsinn!
      „Du hast ihn bestimmt nur übersehen, weil du nur das Finale im Kopf hattest“, giftete Anya und erhob sich wieder. „Also erfinde keine Ausreden, Redfield!“
      „Das ist keine Ausrede!“, donnerte die zurück und sah prüfend noch einmal Moulinglacias Karte in ihrer Hand an.
      „Nanu?“ Mr. Cs Stimme unterbrach die beiden Streitenden. „Offenbar gibt es dort unten ein Problem?“
      Das Publikum war mucksmäuschenstill. Anya verschränkte mit ihren beiden Karten in der Hand provokativ die Arme und starrte ihre Rivalin herausfordernd an.

      Jene biss sich auf die Lippen. Da ging doch etwas nicht mit rechten Dingen zu! Aber das konnte sie unmöglich beweisen, wenn der Effekttext von Moulinglacia sofort das Gegenteil bewies. Wütend rammte sie den wieder in ihren Friedhofsschacht. Außerdem durfte sie keine Aufmerksamkeit erregen, sonst zog das am Ende nur unangenehme Fragen nach sich.
      Valerie schluckte ihren Ärger hinunter. Nein … Anya war unschuldig, das wusste sie, immerhin hatte sie ihre Niederlage bereits vor Augen gehabt und war deswegen auf die Knie gesunken. Und da ihre Schauspielkünste miserabel waren, gab es auch keinen Grund, an dieser Reaktion zu zweifeln. Was aber nicht bedeutete, dass Valerie das so einfach hinnehmen würde. Dafür musste sie Anya nach dem Duell zur Rede stellen!

      Ihre letzte Handkarte nehmend, schob sie diese in ihr rotes D-Pad. Zischend materialisierte sich die Falle zu ihren Füßen. „Diese setze ich und beende meinen Zug. Das heißt, dass [Gishki Emilia] wieder auf meine Hand zurückkehrt, da es sich bei ihr um ein Spirit-Monster handelt.“
      Der tiefgekühlte Geist der rothaarigen Magierin verschwamm und löste sich in blauem Licht auf, als Valerie sie von der Monsterkartenzone nahm. Gleichzeitig platzte das Eis um [Gishki Zielgigas] weg, sodass der schwarze, vierarmige Insektenkrieger wieder zum Leben erwachte.
      „So ein Scheiß“, fluchte Anya lautstark, „dann kann ich das Miststück gar nicht angreifen!“
      „Damit hat Valerie Redfield gleich einer potentiellen Niederlage vorgebeugt! Ich muss sagen, liebe Zuschauer, diese beiden Damen schenken sich nichts!“
      Was die Zuschauer wohlwollend und unter lautstarken Zurufen begrüßten.

      „Ich bin so weit gekommen, da werde ich mit dir auch noch fertig!“ Anya griff nach ihrem Deck und funkelte dabei Zielgigas an, welcher ihr mehr als nur ein Dorn im Auge war. „Draw!“
      Schwungvoll riss sie die Karte vom Deck und identifizierte sie als [Gem-Knight Alexandrite], den Valerie zu Beginn des Duells von ihrem Blatt ins Deck geschickt hatte. Perfekt, genau was sie brauchte.
      „[Gem-Knight Turquoise] wird vom Friedhof verbannt, damit ich [Gem-Knight Fusion] von dort zurückerhalte“, erklärte Anya, steckte sich erstgenannte Karte in die Hosentasche und zückte letztere zusammen mit zwei anderen. „Jetzt zeige ich dir, wie man dein dämliches Ritualmonster noch toppen kann, Redfield!“
      Voller eifriger Vorfreude nahm das Mädchen [Gem-Knight Zirconias] Karte vom D-Pad und hielt sie zusammen mit den anderen dreien in die Höhe. „Ich benutze [Gem-Knight Fusion], um Zirconia von meinem Feld mit [Gem-Knight Sardonyx] und [Gem-Knight Alexandrite] von meiner Hand zu verschmelzen.“
      Über ihr entstand ein mächtiger Vortex, der dutzende Edelsteine, welche aus dem Nichts auftauchten, in sich hineinzog. Auch der massive Zirconia wurde in die Luft empor gehoben und schwebte rückwärts auf den Sog zu. Links neben ihm erschien ein Ritter in metallischer Rüstung, welcher einen Morgenstern aus rot-weißem Mineral an einer Kette schwang. Dagegen gewann zu seiner Rechten ein weißer, unbewaffneter Krieger Form, dessen ganze Rüstung mit bunten Edelsteinen besetzt war.
      Zu dritt wurden sie von dem Edelsteinwirbel absorbiert. Und Anya zitierte: „Drei Lichter kreuzen den Weg des Lichts! Körper, Seele und Herz verschmelzen und werden zu der Macht, die in ihrer Reinheit einem Diamanten gleicht! Werdet eins!“
      Ein grelles Licht drang aus dem Mittelpunkt des Sogs, aus welchem eine massive Klinge geflogen kam und knapp zwei Meter vor Anya im Untergrund stecken blieb. „Werdet [Gem-Knight Master Diamond]!“
      In dem Moment schwang Anya ihre rechte Hand zur Seite aus, die in violetten Flammen aufging.
      Die sieben Edelsteine, die in der Klinge des Schwertes befestigt waren, begannen einer nach dem anderen in den Farben des Regenbogens zu leuchten. Um die Waffe herum sammelte sich winziger, mit bloßem Auge kaum erkennbarer Diamantenstaub, der die Gestalt eines mächtigen, zwei Meter großen Ritters bildete. In silberner Rüstung, zog er das Schwert unter wehendem Umhang mit nur einer Hand aus dem Boden.
      „So sieht ein richtiger Boss aus!“, flötete Anya.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 DEF/2500 (9)]

      „Anya Bauer hat offenbar ihr stärkstes Monster aufs Spielfeld gebracht! Was hat sie wohl dazu getrieben, gleich drei ihrer Gem-Knights zu fusionieren!? … und wieso brennt ihre Hand? Fragen, liebe Zuschauer, Fragen!“
      Erschrocken schüttelte die Blonde ihre entflammte Hand, sodass das violette Feuer sich verzog wie Rauch im Wind. Mr. Cs Einwand war jedoch nicht der Grund dafür. Diese Flamme symbolisierte die Fähigkeit, anderen physisches Leid durch Master Diamond zuzufügen und das wollte Anya nicht. Auch wenn der Gedanke, dass Redfield ein paar Kratzer davontrug, durchaus verlockend war.
      Andererseits, es reichte ihr schon, ihre Erzrivalin aus dem Turnier zu kicken und damit deren Name von der 'Pitchest Black'-Liste zu streichen.
      „Ich hoffe, du bist bereit für ein wenig Action“, erkundigte sich Anya kampflustig. „Master Diamond kennst du ja noch von unserem letzten Duell. Für jeden Gem-Knight auf meinem Friedhof erhält er 100 Angriffspunkte. Und im Moment sind da genau acht!“
      Mühelos nahm ihr strahlender Ritter das massive Breitschwert und schulterte es, seine Konturen begannen leicht zu verschwimmen.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 → 3700 DEF/2500 (9)]

      Erschrockene Laute aus dem Publikum, die wie Musik in Anyas Ohren waren. Ihr Zeigefinger schnellte nach vorne, deutete auf [Gishki Zielgigas]. „Dein letztes Stündlein hat geschlagen und das deiner Herrin mit den riesigen Eutern gleich mit!“
      „Anya!“, fauchte Valerie peinlich berührt und hielt sich die Arme vor die Brust.
      „Nicht Anya, 'aua' heißt das! [Gem-Knight Master Diamond], greif ihren hässlichen Mistkäfer an und hol' das Ding für mich!“ Anya holte tief Luft. „Shining Wave Breaker!“
      Jener umfasste den Schwertgriff nun mit beiden Händen und holte zu einem geraden, horizontalen Schlag aus. Im Schwung löste sich feinster Diamantenstaub von der Klinge, der durch die Bewegung aufgewirbelt, von einer unsichtbaren Kraft aufgeladen und letztlich durch den symbolischen Schrei Diamonds in Form einer Schockwelle entfesselt wurde.
      Mit hohem Tempo raste der glänzende Schwall auf Valerie zu, was dieser aber nur das Zucken eines Mundwinkels entlockte.
      „Netter Versuch, aber das wird so nichts!“, konterte sie kurz darauf und ließ ihre Falle aufklappen. „[Poseidon Wave]! Sie negiert den Angriff!“
      Anyas Kinnlade klappte hinunter. „Das kann nicht wahr sein! Oh, du-!“
      Unter Zielgigas stieg eine mächtige Flutwelle empor, die Master Diamonds Schockwelle abfing oder besser gesagt in einem minimal abweichenden Winkel nach oben ablenkte.
      Um sich vor der Attacke zu schützen, drehte Valerie sich seitwärts ab und duckte sich. Die Schockwelle fegte über ihr hinweg, wobei das Haarband, welches ihren Pferdeschwanz zusammenhielt, aufplatzte. Wie ein Regen fiel ihr das schwarze, glatte Haar um die Schultern.
      „Ups“, grinste Anya frech.
      Und Valerie schmunzelte, weil sie genau wusste, wie sie sich revanchieren konnte. „[Poseidon Wave] hat noch einen zweiten Effekt. Erinnerst du dich noch an damals, auf dem Schulhof?“
      Die ohnehin blasse Anya schien innerhalb eines Herzschlags kreidebleich zu werden. „Oh shit!“
      „Diesmal wird dich kein Stromausfall retten! [Poseidon Wave] fügt nach dem Stoppen des Angriffs 800 Schadenspunkte pro Fisch-, Aqua- oder Seeschlangenmonster zu!“
      Anya ließ die Schultern hängen und wartete auf den großen Knall.

      [Anya: 400LP / Valerie: 100LP]

      Welcher zur Überraschung aller jedoch ausblieb.
      „Ach ja“, schnippte Valerie gekünstelt mit dem Finger, als hätte sie sich gerade an etwas erinnert, „[Gishki Zielgigas] ist ja gar nicht von einem der drei Typen, er ist ein Unterweltler. Ups.“
      Normalerweise müsste Anya von weißer zu roter Hautfarbe umschwenken, doch entgegen ihrem üblichen Muster, blieb die Blonde gelassen. „Keh, sieht dir ähnlich, Redfield. Nie bringst du es zu Ende. Aber glaub mir, ich werde es! Meine letzte Handkarte setze ich verdeckt!“
      Jene erschien mit dem Kartenrücken nach oben zu deren Füßen.

      „Draw!“, ließ Valerie ihr keine Zeit, noch einen Spruch zu bringen.
      Als jene die aufgezogene Karte allerdings betrachtete, weitete sie erschrocken ihre Augen. „W-woher kommt die denn!?“
      Denn was sie dort gezogen hatte, war definitiv nie Teil ihres Decks gewesen! Verwundert betrachtete sie die Karte, fragte sich, was sie damit anstellen sollte.
      „[Unstable Evolution] …“
      Es durchfuhr sie wie ein Blitz. Marc! Er musste die Karte heimlich in ihr Deck geschmuggelt haben! Sie hatten sich so oft darüber unterhalten, ob man Anya zutrauen konnte, gegen Claire anzutreten. Einmal hatte Marc gesagt, Anya hätte sich weiterentwickelt.
      „Ich habe dir widersprochen und gesagt, ihr Fortschritt würde immer wieder gebremst werden“, murmelte Valerie in der Erinnerung versunken vor sich her.
      Und Marc hatte erwidert, dass das manchmal auch auf die Beziehung der beiden zutraf. Diese Aussage hatte zu einem schlimmen Streit geführt, kurz bevor die anderen gekommen waren, um zusammen in der Lounge ihres Hotels das Viertelfinale zu verfolgen, aus dem Othello Nikoloudis erfolgreich hervorging.
      Was wollte Marc ihr mit dieser Karte sagen? Und wie sollte diese Ausrüstungszauberkarte ihr nützen, wo sie doch die Grundstärke eines Monsters auf 2400 setzte, wenn ihre eigenen Lebenspunkte niedriger als die des Gegners waren?
      „Was ist los, Redfield!?“, klagte Anya inzwischen nervös, weil es nicht weiterging. „Bist du eingeschlafen oder was?“
      „Die Dinge können sich in mehr als eine Richtung entwickeln, Valerie“, wiederholte diese Marcs Worte abwesend. Und sah dann auf.
      Anya verschränkte grimmig die Arme, an ihrem Mittelfinger brannte die violette Flamme, welche zwischenzeitlich wieder von selbst entfacht worden war. Stolz stand [Gem-Knight Master Diamond] vor der Blonden, hatte sein Schwert in den Boden gerammt.
      „Die Dinge … können sich in mehr als eine Richtung entwickeln.“ Valeries Augen weiteten sich. Natürlich, das war die Lösung! Sofort rammte sie die Karte in ihr D-Pad. „Ich aktiviere [Unstable Evolution]! Das ausgerüstete Monster erhält eine Basisstärke von 2400, wenn meine Lebenspunkte unterhalb von deinen liegen.“
      Ihre Gegnerin zog eine spöttische Fratze. „Huh!? Bist du dämlich, Redfield!? [Gishki Zielgigas] hat doch schon 3200 Angriffs-!“
      Sie unterbrach sich mitten im Satz selbst, da ihr die Erkenntnis kam, dass vielleicht gar nicht Valeries Monster das Ziel war.
      „[Gem-Knight Master Diamond] wird sich bestimmt über das Geschenk freuen!“, rief Valerie ehrgeizig.
      Jener Krieger fasste sich plötzlich an den Kopf, als sei ihm schwindelig. Und mir nichts, dir nichts wuchsen ihm zwei braune Flügel aus dem Rücken und der Schwanz einer Echse aus … einer weniger angenehmen Stelle. Verwirrt von seiner Evolution sackte er in die Knie.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/3700 → 3200 DEF/2500 (9)]

      Was für eine fabelhafte Idee von Valerie Redfield! Damit hat sie die Grundstärke deines Monsters von 2900 auf 2400 herabgesetzt, wodurch sie-

      „... ebenbürtig mit der von Zielgigas ist“, beendete Anya Levriers Satz erschüttert.
      „Was für ein kluger Schachzug, den Zweck dieser Karte einfach zu entfremden, um das gegnerische Monster zu schwächen!“, lobte auch Mr. C Valeries Einfall.
      Die war allerdings schon dabei, den nächsten Schritt zu gehen und überhörte die Worte schlichtweg. So rief sie: „Normalbeschwörung! Erscheine, [Gishki Emilia]!“
      Erst war es ein dünner Nebel, nur halb so hoch wie der Insektenkrieger Zielgigas, der da neben diesem erschien. Doch dann gewann er Form und wurde zur durchsichtigen Gestalt der rothaarigen Hexe, die ihren Zauberstab auf Anya richtete.

      Gishki Emilia [ATK/1600 DEF/800 (4)]

      „Tja Anya, du wirst jetzt leider noch eine bittere Pille schlucken müssen“, verkündete Valerie und streckte bereits den Arm aus, „wenn Emilia im Beisein eines anderen Gishkis beschworen wurde, werden bis zur End Phase sämtliche Falleneffekte unwirksam. Was du da also auch liegen hast, es ist unbrauchbar!“
      Die Blonde schreckte zurück. „Nicht dein Ernst, oder!?“
      „Und wie es das ist! Jetzt bringe ihren [Gem-Knight Master Diamond] zu Fall, [Gishki Zielgigas]! Infestation's Solitude Beam!“
      Und diesmal tat der drei Meter große, vierarmige Herkuleskäfermann, was man ihm sagte. Das rote Wappen der Gishki in seiner Brust leuchtete auf, absorbierte erst feine Lichtpartikel aus der Umgebung, ehe es einen kraftvollen, blutroten Laserstrahl abfeuerte.
      Anya kniff die Augen fest zusammen und streckte die Hand aus. „Gegenangriff, Master Diamond! Shining Wave Breaker!“
      Ihr Ritter zog die Klinge mit beiden Händen aus dem Boden und schwang sie in einer horizontalen Linie aus. Von ihr löste sich Kristallstaub, der sich in eine gleißende Schockwelle verwandelte, welche auf Zielgigas zu und unter dessen Angriff hinweg raste.
      „Kch!“
      „Nichts für ungut.“
      Beide Monster wurden zeitgleich von der Attacke des jeweils anderen getroffen und explodierten lautstark, sodass die Felder beider Mädchen in dichten Rauch gehüllt wurden.
      Mr. C war ganz aus dem Häuschen. „Was für eine Schlacht, verehrte Zuschauer!“
      Aus Valeries Richtung hallte es: „Jetzt kann ich dich direkt angreifen und das Spiel gewinnen! [Gishki Emilia], los!“
      Und aus Anyas: „Kannst du knicken, Redfield!“
      Ein kochend heißer Wasserstrahl schoss von Valeries Seite auf die ihrer Gegnerin zu, wobei sich der Rauch um die Schwarzhaarige damit auflöste. Den Ursprung fand der Strahl von Emilias Zauberstab.
      „Verdeckte Karte aktivieren!“, keifte Anya, die ebenfalls wieder auf der Bildfläche erschien.
      Was sofort ungebetenen Widerspruch auf den Plan rief: „Du kannst keine Fallen aktivieren, solange Emilia auf dem Feld ist!“
      „Von wegen, Redfield! Das ist ein Schnellzauber, [Revenge De-Fusion]! Du killst eines meiner Fusionsmonster? Dann verlieren all deine Monster ihre Angriffspunkte!“
      „Ah!“
      Die Karte klappte vor der Blonden auf und zeigte ein unbekanntes, entflammtes Drachenmonster, wie es sich im Sturzflug auf einen erschrockenen Duellanten befand. Eben solche Flammen schossen Emilias Angriff entgegen und fingen ihn ab, wodurch es in der Mitte des Spielfelds eine mächtige Explosion gab.

      Gishki Emilia [ATK/1600 → 0 DEF/800 (4)]

      Valerie schmunzelte. „Wieso überrascht mich das nicht?“
      „Spuck' nicht so große Töne, Redfield“, erwiderte Anya gallig, begann dann aber dreckiger denn je zu grinsen, „das ist nur eine Hälfte des Effekts. Der zweite wird dich am Ende des Zugs Lebenspunkte kosten und zwar genau so viele, wie deine Monster auf dem Feld verloren haben! Wer gewinnt das hier, huh?“
      Ihre Erzrivalin weitete die Augen, als weißer Dampf von ihrer Geistermagierin auszutreten begann. Doch ganz schnell verwandelte sich der Schrecken in Zuversicht. „Wenn das so ist, beende ich den Zug.“
      Mr. C staunte: „Was für eine Wende! Dami-“
      Doch gerade wollte er Anya als Siegerin erklären, da löste sich Emilia in blauen Funken auf. Und nichts geschah.
      „Oh! Natürlich“, kam die Erkenntnis vom Kommentator, „[Gishki Emilia] ist ein Spirit-Monster, also kehrt sie auf die Hand Valerie Redfields zurück, bevor der Effekt von [Revenge De-Fusion] greifen kann!“
      Anyas Nasenflügel bebten förmlich beim Anblick Valeries, wie sie ihr Monster vom D-Pad nahm und dabei ach so selbstherrlich in sich hineingrinste. „Oh, Redfield, du …!“

      „Und wieder wurde Anya Bauer ein Schnippchen geschlagen! Dennoch hat sich der Vorteil [Gishki Emilias] gleichzeitig zu einem Nachteil entwickelt, denn Valerie Redfield ist jetzt vollkommen schutzlos!“
      Mr. C hatte Recht, dachte Anya. Scheiß drauf, dass ihr Plan nicht funktioniert hat! Jetzt war ihre Chance! Mit Schweiß auf der Stirn griff sie nach ihrem Deck. Diese Karte könnte alles entscheiden! Bitte, wenn es einen Gott gab, dann sollte der gefälligst auf ihrer Seite sein!
      „Draw!“, schrie Anya in der Hoffnung, ein Monster zu ziehen.
      Doch es war keins. Schlimmer noch, es handelte sich um eine Karte, die einen verdammten Zug zu spät kam! Aber sie würde nicht aufgeben. „Eine verdeckt, Zug beendet!“
      Zischend tauchte jene vor ihr auf.

      Kaum hatte sie die Worte gesprochen, riss Valerie nicht weniger energisch ihre nächste Karte vom Deck. „Draw! Normalbeschwörung, [Gishki Emilia]!“
      Der Geist der rothaarigen Magierin tauchte wieder vor ihr auf. „Direkter Angriff!“

      Gishki Emilia [ATK/1600 DEF/800 (4)]

      Sofort im Anschluss streckte jene ihren Zauberstab nach vorne und schoss daraus einen Strahl kochend heißen Wassers auf Anya, die den Arm über ihrer gesetzten Karte ausschwang. „Von wegen, ich aktiviere [Burial From A Different Dimension]! Damit lege ich bis zu drei meiner verbannten Monster zurück auf den Friedhof.“
      Der weiße Ritter [Gem-Knight Pearl], sein türkisfarbener Kollege [Gem-Knight Turquoise] und zuletzt [Kuriboss], ein brauner Fellball mit Stummelarmen und -beinen, einer Sonnenbrille auf der Nase und einem grauen Cape über den nicht existierenden Schultern tauchten hinter Anya auf. Während die beiden Krieger sich in weiße Lichtkugeln verwandelten, die vom Ablagestapel des Mädchens absorbiert wurden, flog [Kuriboss] mit kreisenden Armen dem Strahl entgegen.
      „Du weißt, dass ich den Schaden jetzt abwehren kann.“
      Valerie biss sich auf die Lippe, als Anyas kleines Monster getroffen wurde und explodierte. Vor Aufregung atmete sie viel schneller als sonst. Mit angespanntem Gesichtsausdruck nahm sie ihre aufgezogene Falle und schob sie in den mittleren der dazugehörigen Slots. „Eine verdeckt!“
      Zischend nahm jene Karte vor ihr Gestalt an.
      „Ich gehe in die End Phase, also kehrt Emilia auf meine Hand zurück!“, rief Valerie entschieden.
      „Der Krimi geht weiter!“, tönte Mr. C aufgeregt, als sich der Geist wieder auflöste und Valerie ihn von dem D-Pad nahm. „Beide sind ohne Monster unterwegs und Anya Bauer ist am Zug!“

      „Draw!“, schrie die. Diesmal! Diesmal musste es klappen!
      Genau das tat es auch, sie hatte ein Monster aufgezogen. Voller Eifer schmetterte sie dieses auf die mittlere Monsterkartenzone. „[Gem-Knight Tourmaline]!“
      „Falle! [Torrential Tribute]!“, rief Valerie dazwischen, da war der Ritter in der goldenen Rüstung noch gar nicht vollkommen erschienen.
      Die Karte klappte hoch und schoss einen gewaltigen Wasserstrom auf den Krieger ab, welcher ungünstigerweise gerade zwischen seinen Händen elektrische Ladungen entstehen ließ. Die Wassermassen rissen ihn mit sich, er explodierte vor Anyas Nase.
      Die war einmal mehr sprachlos.
      Sie hatte gewonnen. Redfield hatte … gewonnen.
      Es gab nichts mehr, das Anya tun konnte, um das zu verhindern.
      „Zug beendet“, flüsterte das Mädchen tonlos.

      Valerie senkte das Haupt. „Es tut mir leid, Anya. Aber ich verspreche dir, dass ich es zu Claire schaffen werde. Und sie für dich besiege.“
      Nervös sah die Schwarzhaarige wieder auf. Ihre Freundin zeigte keine Regung, starrte an ihr vorbei in die Leere.
      Nachdem nichts geschah, Mr. C irgendetwas im Hintergrund sagte, griff Valerie nach ihrem Deck.
      „... tritt dem Miststück in den Arsch, Redfield.“
      Deren Miene hellte sich auf, nachdem Anya damit deutlich gemacht hatte, dass sie ihre Niederlage verkraften würde. Valerie nickte entschieden. Dann zog sie schwungvoll auf.

      Ein schrilles Hupen hallte durch das Stadion. Valerie fror in ihrer Bewegung ein, den Arm mit der aufgezogenen Karte von sich gestreckt.
      Einige der Zuschauer sprangen von ihren Sitzen auf, darunter auch Matt. Anya drehte sich verwirrt zu diesem um, welcher jedoch nur geradeaus zeigte – mit erstarrter Mimik. Die Blonde musste einen Moment suchen, ehe sie bemerkte, dass sein Finger auf den Bildschirm ihr gegenüber über den Zuschauertribünen gerichtet war.
      Jedoch wurde sie von rotem Licht abgelenkt, das um sie herum zu strahlen begann. Es ging von den dutzenden kleinen Bildschirmen aus, die den Weg hin zur Duellplattform pflasterten.
      „Huh!?“ Anya klappte die Kinnlade hinunter, als sie sah, was dort abgebildet wurde.
      Wie gelähmt ließ Valerie den Arm sinken und zog ihn zu sich, um die gezogene Karte anzusehen. Ihre Augen weiteten sich.
      Gleichzeitig sah ihre Gegnerin, die zur Seite auf die Bildschirme unter ihnen starrte, wie auf jedem von ihnen das Bild Valeries mit einem roten Kreuz durchgestrichen war.

      [Anya: 400LP / Valerie: 100LP → 0LP]

      Dasselbe wurde auf den großen Versionen über den Zuschauerrängen angezeigt. Anya wirbelte erschrocken zu ihrer Freundin herum. „Redfield, what the fuck!? Was hat das zu bedeuten!?“
      „Ich … weiß es nicht …“, stammelte die zittrig und drehte die aufgezogene Karte zwischen ihrem Zeige- und Mittelfinger um, damit Anya sie sehen konnte. „Ich glaube, ich … wurde gerade disqualifiziert.“
      Denn bei der Karte handelte es sich um [Change Of Heart], eine der mächtigsten Duel Monsters-Karten, die bereits seit Jahren von sämtlichen offiziellen Spielen ausgeschlossen war ob ihrer Stärke. Und Valerie hatte sie gezogen …
      „Das gibt’s nicht“, kommentierte Mr. C die Szene fassungslos, „Valerie Redfield wurde aufgrund eines Betrugsversuchs disqualifiziert!“

      Eine eisige Stille legte sich über das Duellfeld, nein, das ganze Stadion. Bis die ersten Aufschreie der Entrüstung seitens der Zuschauer laut wurden.
      In all dem standen die beiden Mädchen wie gelähmt da.
      Bis eine weibliche Stimme durch die Arena hallte. Es war Melindas. „Valerie Redfield, bitte folgen Sie den Aufsehern in unser Büro.“
      Aus dem Gang hinter Valerie tauchten zwei Männer in Dunkelblau auf, die sich dem Mädchen eiligen Schrittes näherten.
      Anya fand ihre Stimme wieder. „Redfield … was hast du getan?“
      „Ich … war das nicht“, stammelte die aufgelöst. Als die Wachmänner sie erreichten und an den Schultern packten, schrie sie: „Anya, ich habe das nicht getan! Irgendjemand-“
      Valerie verstummte und sah die Blonde an. Die Männer baten sie, mit ihnen zu kommen. Selbst als sie sie mit sanfter Gewalt in die andere Richtung drehten, blickte die Schwarzhaarige ihre Rivalin bis zuletzt erschüttert an. Bis sie fortgeführt wurde.

      „Wie tragisch! Damit ist Anya Bauer die Siegerin dieses Duells und damit unsere erste Finalistin!“
      Mr. C hatte in diesem Moment keine Ahnung, wie wenig Anya sich als Siegerin fühlte …

      ~-~-~

      Einige Stunden später stand Anya vor Valeries Hotelzimmer, wollte anklopfen, doch stoppte ihre Faust kurz davor. Nachdem Valerie abgeführt und zu einem Gespräch mit der Turnierleitung geladen worden war, hatte man Anya zur Siegerin erklärt gehabt. Seitdem hatte sich die AFC nicht zu dem Vorfall geäußert, aber bereits jetzt berichteten die einschlägigen Medien von nichts anderem mehr. Es gab kaum noch Duellanten, die nicht von Valeries vermeintlichem Betrugsversuch wussten.

      Anya biss sich auf die Lippen, wenn sie an die Hetzkampagne dachte, die im Entstehen war. Redfield war unschuldig, verdammt! Jemand wie sie hatte es nicht nötig zu betrügen! Aber egal wie oft Anya versucht hatte, diese Wahrheit gegenüber den Reportern zu äußern, die vor dem Stadion gewartet hatten, niemand schien daran interessiert zu sein.
      Natürlich gab es auch andere Stimmen. Welche, die behaupteten, einer von Valeries Gegnern hätte ihr eine Falle gestellt. Womit natürlich niemand Geringeres als Anya gemeint war. Ja, auch diese Gerüchte machten die Runde. Und Valeries Blick, als sie abgeführt wurde … sie hatte dasselbe gedacht, garantiert!
      Damit war auch das Interesse an Anyas Person maßgeblich gestiegen. Es war die Hölle gewesen, von dort zu entkommen. Matt hatte seine liebe Mühe gehabt, sie von dort wegzubringen, aber irgendwie war es ihm gelungen. Am liebsten wäre er hierher mitgekommen, doch Anya wollte das nicht. Es war für sie schon schwer genug gewesen, sich an den Journalisten ungesehen vorbei zu mogeln, die das Hotel belagerten. Alles was sie jetzt wollte, war mit Valerie zu reden.

      So fasste sich die völlig für sie untypisch aufgewühlte Anya ein Herz und klopfte gegen die Zimmertür. Ohne eine Antwort zu erhalten.
      „Redfield!?“, rief sie. „Ich weiß, dass du da bist! Lass mich rein, wir müssen reden!“
      Nichts.
      „Wenn du nicht aufmachst, trete ich die Tür ein!“
      Und Gott, würde sie diese Tür eintreten, wenn diese dumme Pute nicht gleich ihren fetten Arsch her schwang und sie öffnete!
      Die Drohung hatte scheinbar Wirkung, es waren Schritte zu hören. Als die Tür aufschwang, stand Anya einem blassen Marc gegenüber. Sie mussten keine Worte miteinander austauschen. Anya kam einfach herein.

      Das weiße Hotelzimmer wirkte irgendwie befremdlich. Als wäre es irgendwie verdorben worden. Vielleicht lag es an der Stimmung, wunderte sich Anya. Valerie stand vor einem aufgerissen Vorhang am Fenster und sah hinab, beobachtete vermutlich die Reporter, die sich vor dem Eingang tummelten.
      „Hey …“, rief Anya ihr im Näherkommen zu.
      „Ich bin jetzt -wirklich- nicht in der Stimmung um mit irgendjemandem zu reden!“
      Ihre Freundin erwiderte sofort nicht minder aufgebracht: „Redfield, ich weiß, was du denken musst! Aber ich war das nicht, ich schwör's!“
      „Wen interessiert das jetzt noch?“ Sie klang so seltsam. So gebrochen. Anya sah, wie ihre Hand, die auf dem Fenster lag, regelrecht bebte.
      „Mich! Weil jeder denkt, dass ich das geplant habe!“
      „Anya, geh jetzt! Ich will alleine sein!“
      „Mir doch latte!“ Bei jenen Worten ballte Valerie eine Faust. „Wir müssen herausfinden, wer uns da-!“
      Ehe der Satz zu Ende gesprochen werden konnte, wirbelte ihre Erzrivalin um. Anya hatte vieles erwartet, eine zornige Fratze, ein breites, kämpferisches Grinsen … aber keine tränennasse Valerie Redfield.
      „Wie kannst du die Nerven haben, hier von 'uns' zu reden!?“, klagte die vorwurfsvoll und schniefte. „Dir ist das doch alles egal. Was andere über dich denken! Du bist eine Runde weiter!“
      Verständnislos erwiderte Anya in einem für sie ungewohnt ernstem Tonfall: „Und darüber soll ich mich freuen?“
      Valerie verstummte.
      „Redfield … wir sind beide Verlierer. Die einen denken jetzt, ich hätte dir die Karte untergejubelt und die anderen, dass du eine Betrügerin bist.“ Anya verschränkte die Arme. „Dass sie meine Meinung dazu nicht interessiert hat war doch abzusehen.“
      Etwas gefasster nickte Valerie. „Sie haben keine Wahl, der Beweis war in meiner Hand …“
      „Jemand hat uns einfach ziemlich abgefuckt.“ Anya trat einen Schritt vor. „Wir müssen herausfinden wer es war und unsere Namen wieder reinwaschen! Auch wenn das bei mir eh nichts bringt, du weißt schon, Schimpfwörter und so. Aber-!“

      Entgegen Anyas eigentlicher Absicht aber drehte sich ihre Lieblingsrivalin weg. „Lass es gut sein, Anya …“
      „Warum!?“
      „Ich bin's einfach“, begann Valerie unvermittelt zu schluchzen, „leid. Erst zerstört jemand meine Hochzeit, dann meine Aussichten auf einen Platz in der Profiliga, was kommt als Nächstes? Wird jemand Marc umbringen? Damit ich gar nichts mehr … gar nichts mehr habe?“
      „Valval …“, rief dieser ihr betroffen von der Tür zu, der er alles bisher still beobachtet hatte.
      Die Schwarzhaarige vergrub ihr Gesicht in den Händen und begann bitterlich zu weinen. Anya stand da wie gelähmt, einerseits unfähig dem Mädchen Trost zu spenden, andererseits auch gar nicht gewillt dazu. Dass Valerie soeben indirekt zugegeben hatte, aus noch anderen Gründen am Turnier teilgenommen zu haben, abseits davon ihr zu helfen, versetzte ihr einen Stich. Redfield wollte also auch aufsteigen? Anya wurde bei diesem Gedanken übel. Als hätte man ihr plötzlich ein Stück ihres Traumes entrissen, Duel Queen zu werden. Es war irgendwie … falsch von Redfield, auch wenn Anya selbst nicht genau erklären konnte, warum sie so dachte.

      Sich nun selbst umdrehend, murmelte sie missmutig: „Wenn du nichts unternimmst, wird nichts besser werden. Aber meinetwegen, kümmere ich mich eben alleine drum.“
      Valerie sagte gar nichts, sondern schluchzte nur bemitleidenswert. Anya marschierte zur Tür mit dem Entschluss, trotz der möglichen Konsequenzen den Drahtzieher dieser Intrige zu finden und nach allen Regeln der Kunst windelweich zu prügeln. Nicht weil er ihren Namen in den Dreck gezogen hatte, sondern weil sie plötzlich das Gefühl hatte, ihr Traum wäre nichts Besonderes mehr. Wo er doch im Moment einer der wenigen Gründe war, warum sie trotz all des Drucks weiterkämpfen konnte. Und das wog tausendmal schlimmer als eine Niederlage, eine Disqualifikation oder weiß der Geier was noch.
      War es ungerecht, es Valerie nicht zu gönnen, ebenfalls eine anerkannte, berühmte Duellantin zu sein? Gewiss. Aber was im Leben war schon gerecht, fragte Anya sich verbittert und knallte die Tür hinter sich zu.

      ~-~-~

      Benommen öffnete Zanthe die Augen. Er hörte es knistern, der Geruch von brennendem Holz lag in der Luft. Unter seinem Kopf spürte er etwas Weiches, das, als er den Oberkörper erhob, wegrutschte.
      „Wo bin ich?“, fragte er leise.
      Exa saß ihm gegenüber an dem kleinen Lagerfeuer, das fröhlich unter dem klaren Nachthimmel einer Lichtung vor sich hin brodelte. Zwei Spieße hatte jener davor in den Boden gerammt, an dem bereits knusprig gebratene Fische steckten.
      „Weit weg von dieser stinkenden Stadt.“
      „Wie weit?“ Zanthe fasste sich an die pochende Stirn. „Was ist überhaupt passiert?“
      „Ein paar Meilen sind es schon, schätze ich. Du wärst beinahe zum Fleischfresser mutiert. Diesen Kerl hast du ziemlich übel zugerichtet.“ Exa seufzte. „Aber ich konnte dich davon abhalten, sein Blut von deinen Fingern zu lecken.“
      Der Werwolf drehte sich dem Feuer zu. Neben ihm lag Exas Strickjacke, auf der er geruht hatte. Reumütig entschuldigte Zanthe sich bei seinem Freund. „Es tut mir leid. Ich habe dich an diesen schrecklichen Ort gebracht …“
      „Du hast es gut gemeint. Geld konnte ich leider keins abgreifen.“ Trotzdem strahlte der Blonde. „Aber ich habe diesen Lackaffen fertig gemacht. Ist doch auch was.“

      Plötzlich erinnerte sich Zanthe daran, dass Exa auch während des Duells zu Schaden gekommen war. Sofort sah er besorgt auf. „Dein Rücken!“
      „Ach, nur ein paar Kratzer“, wurde sein Einwand abgewinkt. Plötzlich jedoch verfinsterte sich Exas Miene. „Dein Zustand hingegen verschlechtert sich zunehmend.“
      „Hast du mich deswegen hierher gebracht?“, fragte Zanthe träge.
      „Natürlich. Du musst etwas jagen. So funktioniert das doch bei Werwölfen, oder?“
      Ebenjener nickte knapp. Dann schloss er jedoch die Augen und presste bitterlich hervor: „Muss ich … wirklich … immer und immer wieder …“
      „H-hey, jetzt fang' bloß nicht an zu weinen“, stotterte Exa, als Zanthe sich eine Träne aus dem Augenwinkel wischte. „Hier bemerkt uns keiner, wir-“
      „Du verstehst das nicht! Als ich noch alleine war, da … aber jetzt, heute, habe ich beinahe jemanden … und dann noch Logan …! Ich hab's satt, ein Monster zu sein!“
      Exa senkte sein Haupt. „Du bist kein Monster, Zanthe. Ich habe schon richtige Monster gesehen, welche, deren einziger Lebenssinn es war, anderen Lebewesen zu schaden. Jeden Tag habe ich gegen sie gekämpft. Mit meinen Freunden. Bis …“

      Eine bedrückte Stille legte sich über die beiden. Das Feuer knisterte vor sich hin. Schließlich zog Exa einen der Fisch-Spieße aus dem Boden und reichte ihn Zanthe. „Du musst was essen.“
      „Kein Hunger“, schob der das lecker riechende Fleisch von sich weg.
      „Trotzdem wirst du das jetzt essen.“
      „Lass mich in Ruhe …“
      Schmollend zog Exa den Spieß wieder zurück, bevor es noch Feuer fing, so nah wie es an der Flamme war. Er räusperte sich. „Wenn das so ist, musst du selbst jagen gehen. Hier gibt es bestimmt etwas, das deinen kulinarischen Ansprüchen gerecht wird.“
      Zanthe schüttelte den Kopf. „Wenn ich das tue, wird der Kreislauf nie ein Ende finden.“
      „Wenn du es nicht tust, wirst du garantiert zu dem, was nicht sein willst. Oder noch schlimmer, du stirbst. Und auch wenn du gerade sehr deprimiert bist“, sagte Exa mitfühlend, „das würdest du mir und deinen anderen Freunden nicht antun. Schlaf einfach noch die Nacht drüber. Morgen sieht die Zukunft dann schon gar nicht mehr so schlimm aus.“
      Tatsächlich nahm sich Zanthe den Rat zu Herzen, drehte sich dem Feuer seitlich zu und legte sich zurück auf die zusammengerollte, weiche Strickjacke seines Freundes.
      „So ging es mir auch immer, wenn ich Liebeskummer wegen einem Mädchen hatte, weißt du?“
      Was dem Werwolf sogar ein Lachen abrang. Welcher da erwiderte: „Fang nicht wieder mit deinen Weibergeschichten an, davon bekommt man ja Albträume.“
      Wodurch beide in friedliches Gelächter ausbrachen. Und Zanthe dachte dabei, wie froh er doch sein konnte, dass die Seele seines Bruders ausgerechnet in einem Menschen steckte, welcher ihm ähnlicher nicht hätte sein können …


      Turn 73 – Unforgiven
      Da Anya den Stand der Dinge nicht auf sich beruhen lassen kann, macht sie sich auf die Suche nach dem Schuldigen an Valeries Misere. Mit weitreichenden Folgen für alle Betroffenen. Gleichzeitig findet das zweite Halbfinale des Legacy Cups statt. Mit Kakyo Sangon und Othello Nikoloudis treffen zwei alte Rivalen aufeinander, die …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sardonyx
      Gem-Knight Alexandrite

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Indem du diese Karte und ein anderes "Gem-Knight" Monster von einem Xyz-Monster abhängst oder wenn ein "Gem-Knight"-Monster als Xyz-Material von diesem Xyz-Monster abgehangen wird, indem du zusätzlich diese Karte abhängst: verdopple bis zur End Phase die ATK jenes Xyz-Monsters.

      Kuriboss
      Fee/Licht/Empfänger
      ATK/300 DEF/200 (1)
      Wenn einem Spieler Kampfschaden zugefügt wird, während sich diese Karte auf deinem Friedhof befindet: du kannst diese Karte verbannen, um den Schaden auf 0 zu setzen. Wenn du durch diesen Effekt Kampfschaden, den dein Gegner erleiden würde, annulliert hast: ziehe eine Karte; du kannst die ATK eines offenen Monsters um 300 erhöhen.

      Gem-Knight Fusion
      Burial From A Different Dimension

      Revenge De-Fusion
      Zauber/Schnell
      Aktiviere nur, wenn ein Fusionsmonster zerstört wird: Die ATK aller offenen Monster deines Gegners werden zu 0. Während der End Phase: Füge deinem Gegner Effektschaden in Höhe der Grund-ATK des Monsters mit der höchsten Grund-ATK zu, das von diesem Effekt betroffen ist.

      Gem-Knight Zirconia
      Gem-Knight Master Diamond
      Gem-Knight Pearl

      Valerie

      Gishki Emilia
      Gishki Zielgigas

      Unstable Evolution
      Change Of Heart

      Poseidon Wave
      Torrential Tribute

      Exa

      Stellarnova Burst
      Falle/Dauerhaft
      Einmal pro Zug, wenn ein "-tellar"-Monster als Ziel eines Angriffs gewählt wird: Du kannst das angreifende Monster zerstören. Wenn du Kampfschaden durch einen direkten Angriff erleidest und ein "-tellar"-Monster auf deinem Friedhof liegt: Du kannst diese offene Karte auf den Friedhof schicken; halbiere den Schaden.

      Stellarknight Delteros
      Stellarknight Triverr
      Constellar Pleiades

      Cosmic Enforcer – Event Horizon
      Monster/Effekt/Excel
      Maschine/Licht
      ATK/2500 DEF/2000 X7
      Kondition: ???
      Einmal pro Zug: Wähle 1 offenes Monster auf der Spielfeldseite deines Gegners als Ziel; lege das Ziel auf den Friedhof. Danach siehe dir die Karten im Extradeck deines Gegners an. Wenn du dort Monster findest, die mit dem Ziel als Material als Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung beschworen werden können: beschwöre eines dieser Monster als Spezialbeschwörung auf die Spielfeldseite deines Gegners. Diese Karte erhält die Effekte aller mit diesem Effekt beschworenen Monster und bis zur End Phase ATK in Höhe der Hälfte des Ziels. Diese Karte kann nicht durch Kampf zerstört werden.

      Jack

      Dragunity Darkspear
      Dragunity Brandistock
      Dragunity Corsesca

      Dragunity Divine Lance
      Dragon Mastery

      Skill Prisoner

      Dragunity Knight Trident



      Wie immer ist Feedback gerne gesehen. :)
      -Aska-

      Ja, aber dann wäre Anya wirklich der größte Unruhestifter, wenn sie mit einem Hax-Draw das gesamte Publikum abmurkst xD Kann man eigentlich dafür disqualifiziert werden, wenn alle Leute im Stadion umkippen, während die eigene Hand leuchtet? xD

      Wir reden von Anya. Da ist das Thema "Power Greed" wahrscheinlich niemals erledigt. Die reckt wahrscheinlich noch aus dem Grab die Hand aus der Erde heraus, wenn einer mit ner starken Karte sich nähert xD

      Warum nur "so einen Effekt" bei Moulinglacia? Wenn du mir verratest, wer es gewesen ist, sag ich dir, warum, Deal? ^^ Nein, im Ernst, ohne irgendeinen Anhalt kann man das nur schwer sagen. Aber ich gehe mal stark davon aus, ein "Du setzt deinen nächsten Zug aus" wäre etwas auffälliger gewesen.
      Aber weil du es aufgreifst, natürlich liegt -er- nahe, weil die Karten von ihm stammen. Aber grundsätzlich gäbe es ja noch andere, die die Karten verändert haben könnten als nur -ihn-. Zweifel nur ob die anderen drei Exemplare Aufschluss geben können? Wenn wirklich eine Veränderung stattfand, wahrscheinlich bei allen gleichzeitig. Wenn nicht, kann man es auch nicht feststellen, da alle bereits über den Satz verfügen.
      Andererseits, am Ende hat Valerie es vielleicht wirklich nur überlesen, auch wenn das für mich irgendwie die unliebsamste Erklärung sein würde.

      Ja ja, ich kann mir genau vorstellen, wie Nick an Monochrome arbeitet. Die ungeteilte Aufmerksamkeit haben da aber trotzdem andere 'Dinge(r)' xD


      Folge

      Ja, der Ausgang des Hauptduells ließ einen recht sprachlos zurück. Das war wirklich ein unerwartetes Ende. Ich bin ehrlich gesagt von einem klaren Sieger ausgegangen - den ich eigentlich auch bekommen habe in Person von Valerie (thx alot meine Träume zu zerschmettern xD) - aber nicht, dass das Duell eine solche Wende bekommen würde.

      Gerade die Sache mit der Szene, als jemand eine Karte in Valeries Deck getan hat, war da eine richtig fiese Fährte. Da die Person zu der Zeit sogar gesagt hat, hiermit 'wirst du gewinnen', ging man zwangsläufig davon aus, dass es Valerie galt, ud durch die Instabile Evolution nochmal bekräftigt.
      Aber nun sieht es vielmehr so aus, als ob stattdessen Anya damit gemeint wäre. Aber letztlich ist es immer noch ambivalent gehalten, da Valerie über den letzten Part insgesamt eben diese 2 Karten hatte, die nicht in ihr Deck gehörten, und man auch nicht erfahren hat, welche an dieser Stelle dem Deck hinzugefügt worden war. Also kann das genauso wirklich Valerie gegolten haben, während an einer nicht beschriebenen zweiten Stelle die andere, fatale Karte von jemandem hinzugefügt worden sein könnte.

      Die Frage ist da eben, wann der Change of Heart in ihrem Deck gelandet ist? Bei einem übernatürlichen Urheber kann der ja wirklich in dem Moment dort gelandet sein. Schwieriger wird es, wenn er schon vorher wie in der beschriebenen Szene ins Deck gesteckt wurde. Weil eigentlich würde man ja meinen, dass die Disk/Server bereits beim ersten Mischen kontrollieren sollten, ob da verbotene Karten im Deck sind und nicht erst wenn man die dann zieht. Für den Server sind ja alle Karten Public Knowledge.
      Und da die Karte ja auch physisch in ihrem Deck präsent war, fällt ein Hack auch flach, wie in Nicks Duell gegen die Bizarro Val, als er sich einen Change of Heart gecheated hat. Interessanterweise wurde der damals ja auch von den Servern akzeptiert, aber das kann man ja insofern erklären, dass Nick da auch vorgesorgt hat.
      Aber wenn man es so betrachtet, ist es richtig tragisch ironisch, dass es der Change of Heart die Karte war, die Valerie in mehrfacher Sicht das Genick gebrochen hat. Damals bei Nick gegen Bizarro Val, und jetzt wieder ebenjene Karte, die für ihre Niederlage sorgte. Ist es Zufall, Karma, oder gar Absicht?

      Enscheidend ist deshalb eben, herauszufinden, wer hier die Fäden im Hintergrund zog und die ominöse Person im Hotelzimmer gewesen ist. Momentan ging man ja davon aus, dass die Szene Marc zeigt, als er Valerie die Instabile Evolution ins Deck legte, damit sie gewinnt. Aber dafür gibt es ja noch keinen Beleg, aus der Vermutung von Val, dass dies so war. Ebenso, ob beide Karten eben von der gleichen Person hineingetan wurden, was irgendwo ja etwas widersprüchlich anmutet. Spräche eher dafür, dass zwei Fraktionen Valerie zu ihrem Spielball erklärt hätten. Aber andererseits, welche Übernatürlichen, die das in deiner Geschichte tun könnten, nutzen schon die Tür? xD
      Naja gut, die Preview deutet ja an, dass Anya in der nächsten Folge dem Urheber bereits auf die Spur kommt.

      Aber mal von diesem Schlüsselereignis ab, muss ich denke ich nicht mehr großartig erwähnen, wie sehr mir die Folge trotz der harschen Siegerlage von Valerie gefallen hat. Gerade ab der Stelle steckte noch einmal sehr viel Emotion drin, was wirklich toll war. Die ganze Hotelzimmerszene war im Großen und Ganzen echt schön mitzuverfolgen. Aber auch vorher im Duell, als beide sich absolut nichts schenkten, das war bereits sehr gut. Besonders auch der Nervenkrimi, als Anya einfach nichts zog, um aus der Defensive herauszukommen und das Duell sich immer wieder verlängerte.


      Bei Zanthe und Exa gab es dann paralle dazu auch einen Umkehrsieg, dort mit einer fulminanten Klatsche für Jack. Denn auch das Duell stand zunehmend im Zeichen eines klaren SIegers, der am Ende dann doch der Verlierer war. Nur verlor Jack gegen eine (theoretisch) 'erlaubte' Karte, die offiziell aber eigentlich gar nicht existieren sollte.
      Denke aber, es war sehr aussagekräftig, dass Exa am Ende doch durch Event Horizon gewonnen hat, wenn er damit auch sein Versprechen gegenüber Zanthe gebrochen hat.

      Was den und Logan angeht. Da wird man auch anhand der nächsten Folgen sehen müssen, wie sich das verhält. Wurde er schnell genug aus der Besinnung geprügelt, um nicht bewusst mitzubekommen, welche Verwandlung da nach und nach bei Zanthe stattfand? Oder waren das dunkle Setting und Logans Kampfunfähigkeit auf Zanthes Seite, dass er dies nicht wirklich wahrgenommen hat.
      Ist schwer zu sagen, weil Logan jemand ist, der normal erscheint, aber einen sehr scharfen Blick fürs Detail hat, und es mich deshalb nicht wundern würde, wenn er mehr mitbekommen hätte als er zunächst den Eindruck erweckt.
      Auch stellt sich jetzt die Frage, ob Logan nach der Aktion nun auch ein Werwolf werden könnte, so übel wie er von Zanthe zugerichtet wurde. Aber da müsste man erstmal klären, was in deiner Geschichte die Kriterien dafür sind, wie man zum Menschwolf wird.
      Btw, eine interessante Info, die fast schon nebenbei rauskam war gewesen, dass Logan auch mal ein Pro Duellant gewesen ist, und das ebenjene Claire daran Schuld war, dass seine Karriere vorbei ist. (Was nebenbei lustig ist, wieviele Karrieren die zu beenden scheint. Entweder stürzen ihre Gegner total ab, oder hängen ihre Duel Disk an den Nagel xDDD)

      Preview der nächsten Folge klingt schon spannend. Gerade das mit den weitreichenden Folgen, die du erwähnst. Aber die Frage ist ja wirklich, wie das ausschaut, immerhin kann das in mehr als eine Richtung gehen.
      Was das andere Halbfinale angeht, wird sich zeigen müssen, wer ins Finale einziehen darf. Grundsätzlich haben ja beide das Potential, ein Gegner für Anya zu sein. Für Kakyo spräche, dass er eher auf Seite Kyons steht, die den Sammler aufhalten will - und so indirekt Anya. Für Othello, dass er als Pendelnutzer Anyas Hassgegner wäre und Anya nach Melinda nun unter scharfen Bedingungen gezwungen ist, gegen einen Pro Duellanten die Pendel zu überkommen.


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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Mal wieder vielen Dank an euch alle!

      @Evil Bakura
      Wenn das so wäre mit der Gier aus dem Tod, müsste Anya wenigstens keine Angst vorm Sterben haben, wenn jede halbwegs gute Karte sie gleich erwachen lässt. xD
      Was für Dinge(r) haben denn Nicks ungeteilte Aufmerksamkeit? xD

      Tja, wie das Ganze nun ausgegangen ist, ist wirklich blöd. Einerseits kann man auch sagen, das Duell hat gleich zwei Lager befriedigt: Val-Fans wissen, sie hat gewonnen, Anya-Fan weiß, dass sie eine Runde weiterkommt. Und ja, das 's am Ende des zweiten Lagers fehlt bewusst. Und ich hab schon nach oben hin geschätzt. xD
      Andererseits ists halt trotzdem kein zufriedenstellender Abschluss.

      Zu den Vermutungen sag ich mal nicht allzu viel, sondern lass lieber die Folge sprechen.
      Zufall ist die Sache mit CoH ganz gewiss nicht, das hab ich extra so eingefädelt. ;)

      Was Logan angeht, würde ich schon sagen, dass er einen Blick für Details hat. Ob er allerdings gleich ableiten kann, was ihm da geschehen ist, ist eine andere Sache. Zumal er sich gegen Anyas Story damals ja heftig gewehrt hat. Andererseits könnte es in ihm zu rattern anfangen, wer weiß.

      Claires Talent, Karrieren zu zerstören, ist gewissermaßen schon vorhanden. Wobei man bei Logan und Jack unterscheiden muss. Jack ist abgestürzt nach seiner Niederlage, Logan ... oh, da würde ich spoilern, wenn ich weiterrede. Ups, my bad. :P

      Anya VS Finalgegner: Die sind beide kacke für sie, denn gegen den einen hat sie schon mal verloren und gegen den anderen noch nie gespielt. xD
      Pals und Magier sind ja dann doch noch mal zwei verschiedene Welten.

      In dem Sinne: Merci für den Post! ^^


      Also dann, viel Spaß bei:

      Turn 73 – Unforgiven
      Es schüttete in Strömen. Schon seit es draußen hell geworden war. Anya wusste das, sie hatte die Nacht kein Auge zu getan.
      Jetzt saß sie hier, in der Niederlassung einer einschlägig bekannten Fast Food-Kette mit Matt und aß Frühstück. Schließlich brauchte sie sich im Restaurant ihres Hotels nicht mehr sehen lassen und daran trug -ausschließlich- Zanthe die Schuld, der seit gestern spurlos verschwunden war.
      „Tch!“
      Der Dämonenjäger im schwarzen Ledermantel biss genüsslich in seinen Double Cheeseburger.
      „Wie kannst du nur so gelassen sein?“, fuhr Anya ihn genervt an und warf sich ein Chicken Nugget ein. Er war in der Tat so ruhig geblieben während des ganzen Stresses mit den Reportern, den Fragen und Gerüchten rund um Valeries Disqualifikation, dass es glatt beängstigend war. Nicht einmal hatte er nachgehakt, ob Anya mehr wusste.
      „Ich bin eben froh, dass ich nicht an diesem Turnier teilnehmen muss. Dass die Dinge etwas aus dem Ufer gelaufen sind, tut mir leid, besonders für Valerie“, erklärte er, „aber ändern kann ich nichts daran. Außerdem habe ich im Moment ganz andere Dinge im Kopf.“
      „Die wären?“
      Matt seufzte schwer. „Ich kann Alastair einfach nicht erreichen. Bisher dachte ich, sie hätten einfach nicht das Geld, um die Telefonrechnungen zu bezahlen. Aber es ist jetzt schon fast einen Monat her.“

      Noch ein Chicken Nugget flog im hohen Bogen in die Luft, direkt in Anyas Gierschlund. Zwei junge Frauen, die mit Regenschirm an der Fensterscheibe des Restaurants vorbeiliefen, guckten erstaunt. Nur um kurz darauf ihre Smartphones zu zücken und ein Foto von Anya zu machen, die das Ganze bemerkte und ihnen mit dem Mittelfinger eindeutig vermittelte, was sie davon hielt.
      „Bah!“, schnarrte sie, als die Weiber kichernd abzogen. „Wenn das jetzt zum Dauerzustand wird, muss ich mir etwas überlegen, um nicht erkannt zu werden.“

      Dich wird man immer erkennen, Anya Bauer. Allein schon wegen deines großen Mundwerks.

      Anya schlug wütend auf den Tisch. „Schnauze, Levrier! Das ist einfach nur nervig!“
      Ihr Gegenüber zuckte, den Burger aufessend, mit den Schultern.
      „Was ist schon ein Monat?“, fragte die Blonde und lehnte sich schließlich zurück an die roten Polster ihrer Sitzecke. „Wenn sie wirklich keine Kohle haben, dann dauert das eine Weile. Ich meine, was soll er sonst tun, dir 'nen Brief schreiben? Der weiß doch gar nicht, dass wir hier sind.“
      „Ich weiß. Trotzdem … ich mache mir Sorgen.“
      „Mach dir die lieber um Redfield.“ Schon als sie den Namen aussprach, spürte Anya wieder diesen Stich. Die Erinnerungen an den gestrigen Nachmittag kamen wieder hoch, als klar wurde, dass es mehr als ein Mädchen gab, das davon träumte, Duel Queen zu werden.
      „Wie gesagt, ich kann nichts tun, um ihr zu helfen.“
      „Du kannst gut mit Leuten reden.“ Zumindest ging Anya davon aus. Aber so naiv wie Matt war, konnte er sicher auch andere mit seiner positiven Weltanschauung anstecken. Etwas, das sie nicht konnte – nicht, dass das wirklich eine Fähigkeit war, um die sie ihn beneidete, aber genau das war jetzt eben gefragt. „Sprich mal mit ihr, wenn du Zeit hast.“
      „Zeit habe ich viel“, merkte Matt missmutig an, „was die Suche nach den Hütern angeht, stecke ich in einer Sackgasse. Seit Tagen sitze ich 'rum, wenn ich nicht gerade die Spiele anschaue. Meine Kontakte sind ausgeschöpft.“
      „Passt doch perfekt. Du munterst Redfield für mich auf. Und ich“, erklärte Anya und ihr Blick verfinsterte sich derart, dass Matt, der gerade einen Schluck Cola aus seinem Pappbecher nehmen wollte, glatt darauf verzichtete, „finde den Kerl, der sie zum Buhmann der Duel Monsters-Community gemacht hat. Irgendwer aus dieser Stadt muss es gewesen sein!“
      Matt zog schließlich doch an seinem Strohhalm und stellte das Getränk wieder auf dem Tisch ab. „Da hast du dir ja etwas vorgenommen. Aber meinetwegen, ich rede nachher mal mit ihr. Dann bin ich immerhin nicht ganz nutzlos …“
      „Auf dich kann man sich verlassen, Summers!“

      Nachdem sie das Frühstück beendet hatten, trennten sich die Wege der beiden vor dem Fast Food-Restaurant.
      Mit Händen in den Hosentaschen ihrer Jeans schlenderte Anya über den Bürgersteig, einen Regenschirm schützend über sich haltend. Matt hatte versprochen, ihr eine Sonnenbrille und ein Barett zu kaufen, damit sie sich in Zukunft noch unauffällig auffälliger durch die Stadt bewegen konnte. Ob Anya das aber wirklich wollte, wusste sie selbst nicht genau.

      Das Mädchen grübelte. Leider war detektivisches Denken nicht gerade ihre Stärke, sodass sie schon am Motiv der 'Tat' zu scheitern drohte. Einerseits war sie sich sicher, dass irgendwer Valerie schaden wollte und da kamen zunächst die restlichen Turnierteilnehmer in den Sinn.

      Ich ahne, worüber du dir den Kopf gerade zerbrichst. Was glaubst du, wird passieren, wenn du den Schuldigen findest?

      „Ich sorg' für Gerechtigkeit“, kam die Antwort ganz klar.

      Auch wenn das bedeuten könnte, dass das Halbfinale wiederholt wird? Oder dir gar der Sieg aberkannt wird?

      „Dann ist's eben so. Immerhin hätte es sowieso so enden sollen.“

      Sagt das Mädchen, das bei jeder Gelegenheit versucht, ihrem Schicksal zu trotzen.

      „Genau das tue ich auch diesmal“, gab Anya grimmig zu verstehen. „Ich werde einen Weg finden, mich mit Claire auch ohne offizielle Genehmigung zu duellieren. Heh, vielleicht entführe ich sie ja?“

      Wie schön, dass du dieser Idee nicht länger abgeneigt bist. Wäre das von Anfang an so gewesen, hätte uns das eine Menge Mühe und vergeudete Zeit erspart. Von der du nicht mehr besonders viel hast, wie ich anmerken möchte.

      „Ja ja, schon klar. Jetzt sei still, ich muss mich konzentrieren!“
      Also! Die Einzigen aus dem Turnier, die etwas von Valeries Disqualifikation hätten, wären neben ihr Kakyo und Othello. Andererseits waren die beide im anderen Halbfinale, was hatten sie denn davon, wenn Valerie disqualifiziert wurde?
      Unglücklicherweise kam Anya gar nicht erst auf den Gedanken, dass die beiden mir ihr die theoretisch schwächere Finalgegnerin gegenüberstehen hätten.

      Sie sollte auch nie auf jene Fährte kommen, denn plötzlich kam zu ihrer Linken auf der Straße ein schwarzes Motorrad zum Stehen. Erstaunt blickte Anya herüber. Na toll, wahrscheinlich noch so einer, der sie erkannt hatte!
      „Hau ab, Autogramme gibt’s höchstens auf die Zähne“, fuhr sie den Fahrer an. Verstummte aber glatt, als jener den Helm abnahm und sich als Logan entpuppte.
      Bei seinem Anblick konnte sie sich jedoch nicht verkneifen zu sagen: „Okay, das haben offenbar schon andere für mich erledigt … was ist passiert!?“
      Sein ganzes Gesicht war, wenn man mal von den riesigen Koteletten absah, von Kratzwunden und blauen Flecken übersät. Mal davon abgesehen, war es geschwollen wie Anyas Ego nach ihrem Sieg über Zachariah.
      „Dein Freund ist passiert“, murrte er, „ich habe dich gesucht. Wir müssen uns unterhalten.“
      „Alter, du gehörst ins Krankenhaus. Wenn wir reden, dann da!“ Mäßig geschickt lenkte sie davon ab, sich darüber den Kopf zu zerbrechen, -welcher- Freund da gemeint war.
      „Geht schon. Halb so schlimm.“ Logan winkte ab.
      Und Anya stampfte auf. „Verarschen kann ich mich alleine! Du fährst uns jetzt in die Notaufnahme, damit die dich zusammenflicken, klar?“

      Verdammt, was, wenn er irgendwelche inneren Verletzungen davongetragen hatte? So'n Werwolf konnte ganz schön fest … oh scheiße, jetzt hatte sie ja doch drüber nachgedacht! Aber fuck, niemand sonst würde den Zwerg so sehr verdreschen können. Und die Abwesenheit des Flohpelzes warf kein gutes Licht auf die Sache.

      Logan rollte mit dem Auge, das er noch einigermaßen gut öffnen konnte. „Meinetwegen. Bei dir muss eben der Kranke den Gesunden ins Krankenhaus fahren, richtig?“
      „Laber' nicht.“ Anya schloss ihren Schirm und trat im prasselnden Regen an ihn heran. „Fahr einfach.“
      Sie bemerkte gar nicht, wie unweit in einer Seitengasse der Deckel einer Mülltonne hochfuhr und der Kopf eines Mann mit Sonnenbrille, Schnauzbart und vorne kurzem, hinten langem Haar zum Vorschein kam, welcher beobachtete, wie Anya sich einen Helm aufsetzte und sich aufs Motorrad schwang.

      ~-~-~

      Sie lag auf der Seite, nahezu regungslos. Erst jetzt wurde ihr gewahr, wie taub sich ihr Körper inzwischen anfühlte. Ohne es zugeben zu wollen, hatte sie in der Nacht die Berichterstattung der Medien wie ein Schwamm aufgesaugt.
      Valerie lag da, in der Kleidung von gestern, auf ihrem weißen Himmelbett und hoffte immer noch, dass alles nur ein Albtraum war, aus dem sie bald erwachte. Auch wenn es eine falsche Hoffnung war. Sie hätte damit leben können, wenn Anya sie besiegt hätte. Aber das …

      „Komm, steh auf“, hörte sie Marc sagen. Ihr schwarzhaariger Verlobter kniete sich nieder an ihre Seite. Einfühlsam, aber auch bestimmend, sagte er: „Das Leben muss weitergehen.“
      „Ich kann nicht zurück“, flüsterte Valerie, „nicht an die Uni, nicht nachhause, nirgendwo hin. Jeder der mich sieht, wird jetzt das Mädchen erkennen, das im Halbfinale des Legacy Cups versucht hat zu betrügen.“
      Sanft strich Marc ihr eine Strähne aus dem Gesicht. „Das stimmt nicht. Warte einfach eine Weile ab, bis sich die Wogen geglättet haben.“
      „Nein. Wenn sie schon in Duellen schummelt, dann sicher auch bei ihren Noten. Das werden sie sagen.“ Valerie schloss die Augen. „Als das Turniergremium mich hat gehen lassen und ich das Stadion verließ, standen dort so viele Menschen und Reporter. Und sie alle haben mich angesehen, als hätte ich jemanden umgebracht.“
      Marc rümpfte die Nase. „Die übertreiben ja auch maßlos. Für manche scheint Duel Monsters schon eine richtige Religion zu sein.“
      Als Valerie die Lider wieder öffnete, war ihr Blick leer. „Ich wurde noch nie so angesehen.“

      Liebevoll streichelte Marc die Wange des Mädchens. Sie sagte nichts mehr, aber bestimmt plagten sie noch ganz andere Gedanken. Was ihre Eltern davon hielten. Wie der Mann, der ihr Duel Monsters beigebracht hatte, ihr alter Lehrer, das Ganze aufnahm. Und wer sonst noch enttäuscht von ihr war.
      Der Schwarzhaarige ließ von Valerie ab und strich sich über das stoppelige Kinn. Könnte er sie doch nur irgendwie aufheitern, ihr Hoffnung schenken.
      „Die ganze Zeit frage ich mich, wer so feige war und das getan hat. Und warum“, äußerte er seine Gedanken. „Aber ich bin mir sicher, dass der oder die Schuldige gefunden und dein Name reingewaschen wird.“
      Seine Verlobte antwortete nicht, sondern lag nur da, geradezu lethargisch.
      „Weißt du“, überlegte er weiter, „als ich die [Unstable Evolution]-Karte in dein Deck integriert hatte, wollte ich dir zeigen, dass du immer einen Weg finden kannst, die Dinge zu deinen Gunsten zu wenden. Seltsam, dass die Tat eines anderen genau das widerlegt hat.“
      Plötzlich erhob sich der Schwarzhaarige. Seine Augen funkelten zornig. „Ich sage das nicht gerne, aber ich habe einen Verdacht, wer dahinter steckt.“
      Seine Worte waren stark genug, Valerie aus ihrer Trance zu wecken. Sie richtete sich langsam auf, sah ihn fragend an. Dann drehte sie den Kopf weg. „Es war nicht Anya. Sie hatte sich damit abgefunden, das Duell zu verlieren. Und es ist nicht ihre Art.“
      „Ich rede nicht von Anya“, widersprach Marc, „ich denke eher an Nick.“
      Sofort wirbelte sie wieder zu ihm herum. „Was?“
      Der Schwarzhaarige ging wieder in die Hocke, redete eindringlich auf seine Verlobte ein. „Überleg' doch mal! Er würde alles tun, um Anya gewinnen zu sehen. Und er war vor Kurzem noch in der Stadt. Für jemanden wie ihn wäre es doch ein Leichtes, sich in unser Zimmer zu schleichen.“

      Entgegen seiner nicht von der Hand zu weisenden Argumente war Valerie jedoch nicht überzeugt von dieser Vermutung. Sie schüttelte den Kopf. „Nick ist ein seltsamer Mensch, in gewisser Hinsicht noch impulsiver als Anya. Aber wir hatten unsere Differenzen geklärt, mehr oder weniger.“
      „Jemandem, der dich mitten am Tag in deinem eigenen Zimmer angegriffen hat, ohne je eine anständige Erklärung dafür abgegeben zu haben, würde ich absolut alles zutrauen“, zischte Marc jedoch böse.
      „Selbst wenn er es war, würde er sicherstellen, dass es keine Spuren gibt.“ Valerie schwang die Beine über die Bettkante. „Und es ändert sowieso nichts mehr an der Tatsache, dass die Menschen mich für eine Betrügerin halten.“
      Sie stand neben ihrem hockenden Verlobten auf, welcher sich daraufhin erhob. Als er seine Hand auf ihre Schulter legen wollte, ging sie jedoch fort. „Bitte entschuldige, aber ich möchte … jetzt woanders sein. Alleine.“
      Mit kurzen, trägen Schritten steuerte sie auf die Tür des komplett weißen Hotelzimmers zu und verließ dieses, ohne noch etwas zu sagen. Marc blickte ihr hilflos hinterher. Und trat dann, auf dem Höhepunkt seines Frusts, gegen das Bein des Himmelbetts. „Scheiße!“

      ~-~-~

      Er war es wirklich gewesen. Und er hatte nicht gelogen, schoss es Anya durch den Kopf. Zanthe hatte an Untergrundduellen teilgenommen, wenn auch nur als Zuschauer. Sein Freund, dessen Name Logan nicht kannte, war in Geldnot, schon klar. Aber das war doch kein Grund … schon gar nicht, wenn der Werwolf doch genau wusste, dass Nick jegliche finanziellen Sorgen verschwinden lassen konnte. Also warum?

      Sie saß neben Logan in einem Raum, der eher wie das bunt bemalte Wartezimmer einer Arztpraxis anmutete, als einer Notaufnahme. Durch eine halb-offene, gläserne Front war es vom Eingangsbereich abgetrennt, die eigentliche Notaufnahme befand sich genau gegenüber.
      Sie warteten nun schon eine ganze Weile. Logans einzige Sorge waren die Kosten, die durch die Untersuchungen entstehen würden, die ihm noch bevorstanden. Er war nicht krankenversichert, aber das hielt Anya nicht davon ab, ihn trotzdem zumindest dazu zu zwingen, sich durchröntgen zu lassen.

      „Also hast du ihn provoziert“, kam sie irgendwann zu dem einzig logischen Schluss, nachdem sie das von Logan berichtete Revue passieren ließ.
      Der rümpfte die Nase. „Hab ihm gesagt, dass er schuld daran ist, dass sein Freund verletzt wurde. Immerhin war es seine Idee. Mehr nicht.“

      Ich denke nicht, dass du ihm die Schuld daran geben solltest, Anya Bauer. Zanthe Montinari reagiert für gewöhnlich nicht auf Provokationen. Ich vermute eher, dass sein Blut dafür verantwortlich ist. Werwölfe müssen alle zwei bis drei Wochen jagen, sonst …

      Anya stöhnte und stemmte den Ellbogen auf den Oberschenkel, um das Kinn auf dem Handrücken abzustützen. Wenn das so war, wie sollte Zanthe in einer Stadt voller Menschen jagen? Zwar gab es in der näheren Umgebung den ein oder anderen grünen Landstrich, aber Wild? Sie glaubte nicht dran. Es gab nicht einmal einen Tierpark in Ephemeria City und wenn der eines Tages kam, dann höchstens mit sich duellierenden Affen.

      „Ich rede mit ihm, wenn ich ihn gefunden habe“, versprach Anya, „und wenn er sich röchelnd bei dir entschuldigen muss!“
      „Lass gut sein, bin nicht nachtragend.“
      Anya musste grinsen. Denn dafür war sie sehr dankbar.

      Gerade als sie aufsah, bemerkte sie einen Rollstuhl an dem Raum vorbeiziehen, der von einem schwarzhaarigen Mann geschoben wurde. Und dort drinnen saß niemand Geringeres als Othello, der kränkliche, junge Mann mit dem schulterlangen, strohblonden Haar.
      Anya sprang auf, eilte aus dem Raum und rief den beiden ein „Hey!“ zu.
      Erst drehte der Mann sich um, dann machte er dasselbe mit dem Rollstuhl. Das Gesicht des Mannes wies tiefe Furchen auf, wirkte alt und müde.
      „Du bist Anya Bauer“, stellte Othello fest und ein schwaches Lächeln huschte ihm über die Lippen, „meine nächste Gegnerin, sofern ich nachher gewinne.“
      „Hoffentlich nicht“, brummte Anya scherzhaft, da sie Othello als gefährlicher als Kakyo einstufte.
      Im selben Moment flüsterte der Mann mit dem Schnauzer etwas in einer seltsamen Sprache – Griechisch? – ins Ohr des Jungen, der daraufhin eine wütende Grimasse verzog. „Dad!“

      Er hat ihm dazu geraten, sein Deck vor dem Duell zu überprüfen.

      Anya ignorierte die Spitze nur deshalb, weil sie wusste, dass sie dummerweise nicht ganz unbegründet kam – auch wenn nichts an den Vorwürfen ihr gegenüber dran war!
      „Was machst du hier?“, fragte sie, um abzulenken.
      „Eine Routineuntersuchung, nichts weiter.“
      „Ach so …“
      Anya wusste nicht, ob sie nachhaken sollte, was ihm überhaupt fehlte. Sie erinnerte sich, dass Redfield sagte, er wäre erst seit einem Unfall auf vier Rädern unterwegs.
      Als sie das Gespräch nicht mehr fortführte, sagte Othello freundlich: „War schön, dich außerhalb eines Duellfelds zu treffen, Anya. Wir müssen jetzt los, sonst komme ich zu spät.“
      „Yeah. Viel Glück“, wünschte sie ihrem potentiellen letzten Gegner im Turnier.
      Der Vater sagte nichts, schaute sie nur grimmig an und fuhr seinen Sohn dann Richtung Hauptausgang. Und Anya trottete zurück zu Logan.

      Es dauerte noch gut eine halbe Stunde, bis er endlich von einer Schwester für die Untersuchungen abgeholt wurde. Anya, die alleine zwischen hustenden, keuchenden und jammernden Menschen saß, versuchte ihre Gedanken wieder auf den 'Täter' zu fixieren.
      Nein, Othello war es definitiv nicht gewesen und Kakyo erschien ihr ein aufrichtiger, freundlicher Trottel zu sein. Aber wer kam dann überhaupt infrage? Es muss sich ja irgendwer in Redfields Zimmer geschlichen haben, kurz vor dem Duell. Oder zumindest irgendwann zwischen ihrem Viertelfinal- und dem Halbfinalduell, denn wie sie sie kannte, überprüfte die Schwanenprinzessin ihr Deck regelmäßig.

      Der Knackpunkt war, dass ein Einbruch Spuren hinterließ. Und es gab ja keine, davon hatte sie sich selbst überzeugen können, als sie zu Redfield geeilt war, um sie zu beruhigen. Der Typ musste also gut darin sein, Schlüsselkarten zu fälschen. Konnte man so etwas überhaupt fälschen? Verdammt, sie hatte hier kein Internet!
      Genervt stöhnte Anya auf. Vielleicht hatte der Typ ja gewusst, dass sie alle das Viertelfinalspiel von Othello in der Lobby ansehen wollten und war eingebrochen, als keiner da war? Ach so'n Quatsch!

      Vielleicht sollte man die Sache anders angehen, überlegte sie. Am besten, indem sie jemanden mit einbezog, der nur zu gerne seine Gedanken mit ihr teilte.
      „Wen würdest du verdächtigen, Levrier?“, fragte sie frei heraus und wurde von den anderen Patienten dafür merkwürdig angesehen, was sie aber nicht mal ansatzweise störte.

      Oh, du hast tatsächlich Interesse an meiner Meinung? Dann bist du wohl an deine Grenzen gestoßen.

      Er lachte in ihrem Kopf, als er das zerknirschte Gesicht des Mädchens sah. Oder wie auch immer er es überhaupt wahrnahm, denn so genau wusste sie das gar nicht.

      Die Frage, die gestellt werden sollte, ist: Wer hat etwas davon, wenn du gewinnst?

      „Ich?“, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen, doch mit einem Hauch Zweifel unterlegt. Anya kratzte sich am Hinterkopf. „Jemand, für den ich wichtig bin?“
      Sie richtete sich kerzengerade auf. „Der Sammler!“

      Naheliegend. Erinnerst du dich noch an Valerie Redfields seltsame Aussage?


      Es dauerte einen Moment, bis Anya begriff was er meinte. Als sie mit ihren Monstern für den Sieg hatte angreifen wollen, waren diese durch [Moulinglacia The Elemental Lords] negativem Effekt eingefroren. Welcher angeblich vorher nicht auf der Karte gestanden hatte.
      „Ah, warte mal.“
      Das war doch eine der Karten vom Sammler. Wenn Redfield sich das nicht eingebildet hatte, dann wäre dies wohl ein Beweis, der gegen ihn spräche. Aber …
      Anya griff in die Innentasche ihrer schwarzen Lederjacke und zückte die letzte der vier Karten heraus, die sie einst vom Collector-Dämon als Präsent für ihr erstes Hüter-Artefakt bekommen hatte. Es war ein vogelähnliches Monster namens [Windrose The Elemental Lord]. Und der letzte Satz seines Effekts war identisch mit dem, was Redfield gestern vorgelesen hatte.
      „Huh, ist sie sich wirklich sicher, dass das da vorher nicht stand?“

      Schwer zu sagen. Einerseits ist sie eine gewissenhafte Duellantin, doch auch sie war sehr aufgeregt an diesem Tag. Und mein Gefühl sagt mir, dass der Sammler subtiler vorgehen würde. Wieso sollte er sich darauf verlassen, dass sie eine bestimmte Karte in ihrem Deck zieht? Oder Unruhe durch einen ergänzten Effekt verursachen, wenn diese Karten offiziell nicht einmal existieren? Jemand wie er wäre imstande, das komplette Duell nach seinem Ermessen zu steuern.

      Anya nickte und steckte die Karte wieder weg. „Yeah. Irgendwie unheimlich, wenn man so drüber nachdenkt. Aber mal ehrlich, wieso dann überhaupt eine verbotene Karte in ihr Deck stecken? Das ist so plump, das passt wohl kaum zum Sammler. Ich meine, was, wenn sie die gar nicht gezogen hätte?“

      Jemand hätte sie nachträglich melden können. Doch ich stimme dir zu, die Idee dahinter ist denkbar schlecht, denn nehmen wir an, Valerie Redfield hätte wirklich betrügen wollen, wäre sie beim Ausspielen der Karte ohnehin aufgeflogen.

      „Und trotzdem kaufen die Leute die Story ab, ohne sie zu hinterfragen“, murrte Anya, „wirklich dämlich. Tch!“
      Zumindest war sie sich jetzt sicher, dass ein Mensch dahinter stecken musste. Doch die Frage blieb, wer sie denn unbedingt gewinnen sehen wollte? Ihre Freunde, aber keiner von denen tat so etwas, dafür legte sie ihre Hand ins Feuer.
      Vielleicht musste sie die Frage dann anders stellen? Wenn es niemand war, der ihren Sieg herbeisehnte, dann womöglich jemand, der Redfield verlieren sehen wollte. Nur kannte sie deren Feinde nicht. Es gab ja auch keine, die dumme Kuh war bei jedem beliebt. Allenfalls Claire Rosenburg könnte etwas dagegen haben, aber wieso sollten ausgerechnet der die Knie schlottern?
      Eher in Anyas eigenem Umfeld machten alle eine Riesenwelle, unbesiegbar dies, unschlagbar das, alles Hirngespinste …
      Moment! Anya beugte sich keuchend mit geweiteten Augen nach vorne.

      „Ich wette, Justin Walker gewinnt“, plauderte Zanthe nebenher, als er, Anya, Matt, Marc und Valerie auf dem Weg zur Hotellobby durch den weißen Gang mit rotem Teppich schritten.
      Anya neben ihm runzelte die Stirn. „Häh? Wie kommst du darauf?“
      „Weil er eindeutig 'fitter' ist, wenn du weißt, was ich meine.“
      „So'n Quatsch, der wird doch garantiert weich, weil sein Gegner im Rollstuhl sitzt“, wies Anya ihn kalt ab. „Das sagste nur, weil du ihn süß findest.“
      „Und wenn schon“, giftete Zanthe zurück.
      „Justin hat noch keine nennenswerten Erfolge zu verbuchen“, überlegte Marc laut.
      Matt zuckte mit den Schultern. „Othello hat mal bei der griechischen Meisterschaft den dritten Platz belegt, ist aber nie in die Profiliga eingetreten, obwohl er gekonnt hätte.“
      Valerie seufzte. „Denkt ihr denn, man kann die Qualität von jemandem nur anhand seiner Titel bewerten?“
      „Wenn man sich Anya ansieht, würde ich glatt sagen 'nein'“, kicherte Zanthe bitterböse und stieß dem Mädchen seinen Ellbogen in die Rippen, die daraufhin nach ihm schlug – erfolglos natürlich.
      „Claire Rosenburg würde da gerne ein Wörtchen mitreden“, warf Matt jedoch ein. „Die unbesiegte Duel Queen. Ich frage mich, wie sie das anstellt.“
      „Sie ist 'ne beschissene Hüterin. Vielleicht kann sie wie Levrier das Schicksal manipulieren?“, überlegte Anya.
      Der Dämonenjäger fasste sich während des Gehens ans Kinn. „Dann könnte es problematisch werden, mit ihr fertig zu werden.“
      „Meint ihr, sie kann das wirklich?“, fragte Marc nachdenklich.
      Anya zuckte mit den Schultern, Matt seufzte. „Wer weiß. Möglich ist alles.“
      „Siehst du, ich sag's ja“, richtete sich der angehende Profi-Sportler an seine Verlobte mit einem altklugen Tonfall. „Ist keine gute Idee, sich mit der anzulegen.“
      „Nicht schon wieder“, beklagte sich Valerie.
      „Ganz Unrecht hat er nicht.“
      Auf Zanthes Einwurf hin zischte Anya böse. „Tja, ihr seid eben Memmen. Ich musste schon mit Schlimmerem fertig werden. Wenn ihr Schiss habt, lasst es gleich bleiben.“
      Eine ganze Diskussion entstand daraus, wie gefährlich die amtierende Weltmeisterin wirklich sein könnte. Fast am Ende des Ganges angelangt, blieb Marc plötzlich stehen. „Ich gehe nochmal kurz auf die Toilette. Bin gleich zurück.“

      Anya war sich nicht sicher, ob sie ihren Verdacht überhaupt genau begründen konnte, aber eine innere Eingebung sagte ihr, dass jener nicht falsch sein konnte. Man brauchte kein Einbrecher sein, wenn man auch so Zugriff auf Redfields Deck hatte. Und die beiden hatten sich kurz vor der Verabredung zum Duellabend gestritten …
      Aber warum? Marc war derjenige, der Valerie am nächsten stand, wieso sollte er so etwas tun!? Sie musste mit ihm reden! Mit ihm und Redfield!
      Die Blonde sprang auf und hastete regelrecht durch den Warteraum. Dass Logan noch untersucht wurde und garantiert nicht erfreut sein würde, sie abwesend vorzufinden, musste sie in Kauf nehmen. Sie wollte Klarheit, jetzt!

      ~-~-~

      Anya rannte durch die Straßen, der Regen hatte schon seit Stunden aufgehört. Es war erstaunlich, wie gut sie ihr Tempo halten konnte, ohne aus der Puste zu kommen. Das Problem war nur, dass sie nicht wusste, wo sie Redfield und Marc antreffen könnte. Levrier meinte, sie irgendwo am anderen Ende der Stadt gespürt zu haben, zumindest Valerie. Aber da die inzwischen so übernatürlich wie ein Fisch im Wasser war, konnte er das nicht mit Gewissheit sagen.
      Das reichte Anya jedoch schon, denn wer dauernd seine Mobiltelefone zerstörte, hatte es nicht anders verdient, als durch die Stadt zu rennen, anstatt die Freundin einfach kurz anzurufen. Zumindest war das Levriers Meinung, aber wen interessierte die schon?

      Gerade rauschte sie an einem Elektronik-Fachmarkt vorbei, da stieß sie auf eine Art kleinen Marktplatz, dessen fünf Zugangsstraßen allesamt mit Schranken abgesperrt waren. Dort, vor der Statue des Duos [Dark Magician] und [Dark Magician Girl], tummelten sich dutzende Menschen. Stühle waren auch aufgestellt, allesamt gerichtet auf die Wand eines Gebäudes, an dem ein riesiger Monitor befestigt war.
      Als Anya den Platz betrat, murmelte sie: „Stimmt, das Duell beginnt ja jetzt.“
      Sie sah den brünetten Kakyo und Othello im Stadion, wie sie sich gerade die Hand gaben, ehe Letzterer rückwärts ans Ende der leicht erhöhten Duellplattform rollte, während Kakyo langsamen Schrittes zur anderen Seite zog. Wie üblich lullte Mr. C die Leute mit seinem belanglosen Gequatsche ein, ehe die beiden Kontrahenten letztlich riefen: „Duell!“

      [Othello: 4000LP / Kakyo: 4000LP]

      „Ich beginne, wenn du nichts dagegen hast“, sagte Othello, nachdem beide ihr fünf Karten umfassendes Blatt gezogen hatten. Sein brünetter Gegner nickte.
      Sofort zog Othello zwei Karten aus seinem Blatt und zeigte sie vor. „Ich aktiviere zwei Pendelkarten. Den Magier, der die Sterne liest: [Stargazer Magician] mit dem Pendelbereich 1! Und den Magier, der die Zeit versteht: [Timegazer Magician] mit dem Pendelbereich 8! Pendulum Scale set!“
      Zwei hellblaue Lichtsäulen brachen vor ihm aus dem Boden. In der von ihm aus gesehen linken befand sich ein blonden Magier ganz in Weiß, mit spitzem Hut, welcher einen langen Stab waagerecht vor sich hinhielt. Auf der anderen Seite handelte es sich um einen brünetten Hexer in Schwarz, an dessen rechtem Arm sich ein Klingenblatt befand, das einmal um ihn herum führte und einen beinahe geschlossenen Kreis bildete.

      <1> Othellos Pendelbereich <8>

      „Othello Nikoloudis beginnt mit seiner typischen Eröffnung! Dann kommt jetzt gleich …!“, rief Mr. C aufgeregt und die Masse tobte.
      Als die Magier im Licht in die Höhe stiegen, rief Othello: „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Pendulum Summon!“
      Über ihm öffnete sich ein blaues Portal, von dutzenden Lichtellipsen umgeben. Aus diesem schoss ein roter Lichtstrahl und schlug vor dem Rollstuhlfahrer ein, welcher die Monsterkarte vor sich auf den Spielplan der Duel Disk legte. „Erwache von meiner Hand, Odd-Eyes!“
      Vor ihm erhob sich ein roter Drache ohne Flügel, dafür aber mit knochenartigen Auswüchsen auf dem Rücken, in denen auf der linken eine rote und auf der rechten Seite zwei grüne Kugeln eingelassen waren.

      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      „Damit beende ich den Zug“, erklärte Othello mit zwei verbliebenen Handkarten. Und fing an stark zu husten.

      Kakyo, der gerade aufzog, rief: „Ist alles okay mit dir?“
      „Ja, danke“, fing sich sein Kontrahent wieder. „Keine Sorge, nichts in der Welt wird mich davon abhalten, dieses Duell zu genießen.“
      Als er das hörte, strahlte Kakyo zufrieden und nickte.
      „Was für eine Szene, liebe Zuschauer. Freunde und Rivalen!“

      Anya, die immer noch auf dem Marktplatz auf den Bildschirm starrte, gab ein überraschtes Geräusch von sich. Die beiden kannten sich, waren sogar Freunde? Dann befanden sie sich ja in einer ähnlichen Situation wie sie und Redfield …

      Seine sechs Karten fest umschlossen haltend, wartete Kakyo noch einen Moment, ehe er drei Zauberkarten hervorzog. „Ich aktiviere den dauerhaften Zauber [Spell Economics]. Jetzt muss ich keine Lebenspunkte mehr zahlen, um Zauberkarten zu aktivieren. Danach folgt [Dark Magic Chamber], auch ein dauerhafter Zauber! Normalerweise müsste ich 2000 Lebenspunkte dafür berappen, aber nun …“
      Neben ihm tauchten zwei grün umrandete, aufrecht stehende Karten auf. Die erste zeigte ein Buch, samt Stift und Abakus, allerdings leicht übernatürlich angehaucht mit Augen daran. Dagegen war auf der anderen nur ein dunkler Raum abgebildet, in dem man an einer Wand einen grünen Zauberstab lehnen sah, eine große Kiste, auf der ein paar Messer und ein rot-oranger, spitz zulaufender Stein lagen und anderes Equipment eines ganz bestimmten Monsters.
      „Die nächste Karte, die ich aktiviere, ist [Dark Magic Curtain]“, erklärte Kakyo und schob den dritten vorgezeigten Zauber in das rote D-Pad. „Für die Aktivierung müsste ich die Hälfte meiner Lebenspunkte zahlen, aber dank [Spell Economics] ist das auch hier nicht der Fall.“
      Vor Kakyo tauchte ein dunkler Vorhang auf, an der Oberseite festgehalten von einem Skelett.
      „Damit kann ich sofort [Dark Magician] aus meinem Deck beschwören, dafür aber keine anderen Monster mehr in diesem Zug.“
      Das Skelett riss den Vorhang zur Seite und eröffnete den Blick auf einen Hexer ganz in Rot, der einen spitz zulaufenden Hut besaß und einen grünen Zauberstab schwang, wie der im Artwork der Zauberkarte.

      Dark Magician [ATK/2500 DEF/2100 (7)]

      „Liebe Zuschauer, wieder überrascht uns Kakyo mit seiner Vielfalt an Magiern. Dieses Exemplar ist der sogenannte Arkan-Magier, wie Fans ihn gerne nennen. Jetzt stehen sich die Assmonster der beiden Kontrahenten gegenüber!“
      Die Zuschauer jubelten. Sogar Othello strahlte freudig beim Anblick des grauhaarigen Hexers.
      „Ich benutze den Effekt von [Dark Magic Chamber]. Einmal pro Zug, solange ich einen [Dark Magician] oder ein [Dark Magician Girl] kontrolliere, bekomme ich von meinem Deck eine Zauberkarte, in der einer ihrer beiden Name genannt wird. Ich entscheide mich für [Thousand Knives]!“
      Sofort wurde die Karte aus dem Stapel vom D-Pad hervor geschoben, sodass Kakyo sie nur noch aufnehmen und in den entsprechenden Slot schieben musste, was er auch tat. Um seinen Magier tauchten dutzende Messer auf.
      „Mit dieser kann ich deinen Odd-Eyes jetzt zerstören! Instant Kill!“
      Mit einer Handbewegung Richtung des Drachen sorgte [Dark Magician] dafür, dass die Messer wie ein Wespenschwarm auf seinen Kontrahenten zuschossen. Und immer wieder neue entstanden dort, wo die alten ihre Stellung verlassen hatten. Am Ende war der rote Drache nur noch ein winselnder Messerblock, der lautstark explodierte.
      In diesem Moment öffnete sich über Othello das blaue Portal und zog von dort, wo Odd-Eyes eben noch gewesen war, eine rote Lichtessenz in sich, ehe es sich wieder schloss.
      „Wenn ein Pendelmonster zerstört wird, kannst du es einfach wieder aus dem Extradeck beschwören, solange dein Pendelbereich das zulässt. Aber“, überlegte Kakyo laut in einem begeisterten Tonfall, welcher jedoch schlagartig ernst wurde, „wenn es keinen solchen gibt, wird das nichts. Und da deine Magier in den neuen Pendelzonen Zauberkarten sind, kann man sie auch ganz leicht zerstören. Hiermit: [Dark Magic Attack]!“
      Sein Hexer ließ den grünen Zauberstab einmal in seiner Handfläche kreisen, ehe er ihn nach vorne richtete und zwei violett-blaue Feuerbälle abschoss. Jene rauschten über das Feld hinweg und trafen die beiden Hexer in den Lichtsäulen, die daraufhin verendeten. Wieder öffnete sich über Othello das blaue Portal, welches beide Magier als rote Essenzen absorbierte.
      „Was für eine gewitzte Strategie! Nun kann Othello Nikoloudis keine Pendelbeschwörungen mehr durchführen!“ Mr. C klatschte symbolisch in sein Mikrofon. „Wirklich gut gemacht.“

      „Yeah, als ob das funktioniert“, murmelte Anya skeptisch. Sie wusste es, dank ihrer Erfahrung mit Melinda, besser. Und drehte sich in diesem Sinne um. Schließlich hatte sie schon viel zu viel Zeit hier vertrödelt!

      „Direkter Angriff auf seine Lebenspunkte!“, befahl gleichzeitig Kakyo mit dem Finger auf den schutzlosen Othello gerichtet. „Black Magic!“
      Sein Hexer schwang noch einmal den Zauberstab und feuerte einen weiteren Flammenball ab, diesmal auf den Rollstuhlfahrer selbst, welcher in einem Knall samt Rauchwolke unterging.

      [Othello: 4000LP → 1500LP / Kakyo: 4000LP]

      Mit zwei verbliebenen Handkarten verkündete Kakyo: „Du bist dran.“

      ~-~-~

      Langsamen Schrittes näherte sich Matt dem kleinen Café an der Ecke 19. Straße. Er wusste, dass er Valerie hier antreffen würde und tatsächlich – sie saß als einer von wenigen Gästen unter einem Sonnenschirm und las ein Buch. Was sicherlich nicht einfach war, hatte sie doch eine Sonnenbrille auf der Nase und ihr Haar unter einem weißen Hut versteckt. Wie ähnlich sie sich waren, dachte Matt grinsend und betrachtete im Laufen die weiße Tüte in seiner Hand, in der das Zeug für Anya steckte – ebenfalls eine Sonnenbrille und ein braunes Barett.
      Vorsichtig trat der junge Mann an ihren Tisch heran, auf dem ein Teller mit halb gegessenem Erdbeerkuchen und eine Tasse Tee standen.

      Tief in ihren Roman versunken, bemerkte Valerie erst die Anwesenheit Matts, als dieser den Stuhl ihr gegenüber griff und zurückzog. Mit überschaubarer Begeisterung blickte die Schwarzhaarige auf und beobachtete ihn, wie er sich setzte.
      „Was tust du hier?“, fragte sie frei heraus.
      „Ich wollte mit dir reden“, begann Matt zögerlich.
      Valerie seufzte. Höflich klappte sie das Buch zu und erwiderte: „Danke, aber mir ist momentan nicht danach.“
      „Nicht mal mit Marc?“ Matt spielte auf dessen Abwesenheit an.
      „Mein Verlobter ist momentan auch nicht sonderlich gut drauf. Und ich bin ehrlich gesagt ganz dankbar dafür, dass er mir meinen Freiraum lässt.“
      Der Dämonenjäger nickte. „Ich kann mir vorstellen, wie belastend die Situation für euch beide sein muss.“
      Völlig untypisch für sie, lachte Anyas Erzrivalin geradezu schnippisch auf. „Ach, dass man mit dem Finger auf mich zeigt, daran habe ich mich gewöhnt. Und wenn ich Anya das nächste Mal sehe, kann ich ihr das ein oder andere neue Schimpfwort beibringen.“

      Matt blickte ihr tief in die braunen Augen hinter den dunkel getönten Gläsern, ohne sie wirklich sehen zu können. Waren sie traurig oder trotzig? Er seufzte.
      Egal wie sehr Valerie Redfield versuchte davon abzulenken, tief in ihrem Inneren war sie verletzt. Spätestens als sie seinem Blick ertappt auswich wusste er, dass sie sich dessen selbst wieder bewusst geworden war.

      „Darf ich dich bitten, mich jetzt alleine zu lassen?“ Sie griff nach ihrer Teetasse und nippte vorsichtig daran.
      Der Dämonenjäger sah zur Seite. Gerade zog ein Oldtimer an ihnen vorbei, laut und irgendwie so fremd in der Stadt der Duellanten, die vor Technik sonst nur so strotzte. Selbst hier, in der Altstadt, gab es große Bildschirme an Häuserfassaden, die die Duelle des Turniers übertrugen.
      „Nur eine Sekunde, bitte. Weißt du, Anya wäre selbst gekommen, aber sie ist sich nicht sicher, wie sie dir begegnen soll“, erklärte Matt, „und Zanthe kennt dich kaum, aber auch er macht sich Gedanken um dich.“
      Okay, der Teil war dazu gedichtet, aber er schätzte den Werwolf durchaus so ein. Sofern der überhaupt etwas von dem Vorfall wusste …
      Seine Worte rangen Valerie ein Lächeln ab. „Das ist nett von euch. Aber ihr müsst euch um mich keine Sorgen machen.“
      „Nun, auch wir beide haben in der Vergangenheit nicht viel miteinander zu tun gehabt, aber“, begann Matt und sah sie ernst an, legte eine Hand auf den Tisch, „ich denke, du solltest das nicht auf sich beruhen lassen.“
      „Was geschehen ist, ist geschehen.“
      „Unrecht ist geschehen“, blieb Matt beharrlich, „irgendjemand hat sich gegen euch beide verschworen und-“
      Er verstummte, als Valerie ihm plötzlich unerwartet finster widersprach. „Nein, Matt. Wenn jemand gegen mich -und- Anya arbeiten würde, hätte diese Person sicher auch einen Weg gefunden, uns beide zu eliminieren. Nein. Diese Aktion galt allein mir.“

      Matt überlegte einen Moment. Wie es schien, hatte Valerie sich dazu so einige Gedanken gemacht, aber wie könnte sie auch nicht? Zumindest klang sie sehr überzeugt von ihrer Version.

      Deshalb fragte er, sich auf diesen Gedankengang einlassend: „Und wer käme infrage?“
      „Eine Person, die“, begann Valerie, doch brach den Satz ab, „vergiss es.“
      „Die?“
      „Nein, schon gut, ich …“ Nervös griff sie nach ihrem Roman, doch bevor sie ihn in ihre Handtasche neben dem Stuhl stecken konnte, legte Matt seine Hand auf die ihre.
      Ernst, aber dennoch mit einem einladenden Lächeln auf den Lippen, sah er sie an.
      Valerie biss sich auf die Lippen, ehe sie schließlich einbrach. „Jemand, der Anya mit allen Mitteln vorne sehen will.“
      „Derer gibt es nicht sehr viele.“
      „Der Sammler, eventuell Anyas Boss Mr. Palmer …“
      Sofort erkannte Matt an ihrem unterschwellig skeptischen Tonfall, dass das nicht die Leute waren, an die sie wirklich dachte. Tatsächlich war er sich ziemlich sicher, dass sie jemand völlig anderes verdächtigte. Dieselbe Person wie er, jene, die sich einem doch förmlich aufdrängte, kannte man sie nur gut genug.
      „Nick“, sprach er den Namen aus.
      Die Schwarzhaarige zuckte zusammen. „D-das hast du gesagt.“

      „Was für ein Treffer“, hallte in diesem Moment von den Lautsprechern eines Monitors gegenüber des Cafés die Stimme Mr. Cs über die Straße.
      Zu sehen war Othello, um den sich eine Rauchwolke verzog.

      [Othello: 1500LP / Kakyo: 4000LP]

      Matt musste schmunzeln. „Ist das Zufall, dass du gerade jetzt hier bist, wo das letzte Halbfinale im vollen Gange ist?“
      „Ja“, erwiderte Valerie knapp und fügte hinzu: „Vergiss bitte, was ich gesagt habe. Ich möchte nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen. Es reicht schon, dass alle anderen das tun.“
      Ihr Gegenüber nickte mit Verständnis. Eine Weile schwiegen sie und sahen dem Duell zu.

      Gerade zog Othello auf. Dann nahm er zwei seiner drei Handkarten und zeigte sie vor.
      „Da du meine Magier zerstört hast, muss ich zwei neue ins Spiel bringen! Ich aktiviere den Magier, der die Welt überwacht: [Dharma-Eye Magician] mit dem Pendelbereich 2! Und den Magier, der das Wissen bewahrt: [Wisdom-Eye Magician] mit dem Pendelbereich 5! Pendulum Scale set!“
      Die Zuschauer jubelten, als links und rechts vom blonden Rollstuhlfahrer zwei neue, hellblaue Lichtsäulen entstanden. Eine hievte einen Magier in dunkelblauer Lederkleidung empor, welcher mit beiden Händen eine massive, goldene Keule schwang, die andere einen Magier in schwarzem Umhang, welcher eine Laterne an einem Stab mit sich trug. Beide stiegen bis fast an die Decke des Stadions in die Höhe.

      <2> Othellos Pendelbereich <5>

      Kakyo musste auflachen. „Oje, hätte nicht erwartet, dass du einfach neue aktivieren kannst. Aber mit dem kleinen Pendelbereich kannst du nur Stufe 3 und 4-Monster beschwören.“
      Auch sein Gegner grinste. „Stimmt. Deswegen sehe ich mich gezwungen, [Wisdom-Eye Magicians] Effekt zu benutzen. Ich kann ihn, wenn in der anderen Pendelzone ein Magier verweilt, zerstören. Danach wird er durch einen anderen Magier von meinem Deck ersetzt!“
      Der Hexer hob seinen Stab mit der Laterne weit in die Höhe, von der ein grelles Licht zu strahlen begann. Er löste sich in grellen Funken auf, die von dem Pendelportal absorbiert wurden, welches sich wieder über Othello öffnete.
      „Ich aktiviere von meinem Deck die Magierin, die die Träume deutet: [Dreamgazer Magician] mit dem Pendelbereich 4!“
      In der rechten, nun leeren Lichtsäule, tauchte ein weiblicher Magier auf, gekleidet in einer himmelblauen Robe, an dessen Saum in regelmäßigen Abständen weiße Bänder hingen. Ihr Gesicht war verschleiert, wie das einer Wahrsagerin, was auch die Kristallkugel erklärte, die vor ihr schwebte. Auf jener war ein rotes, um 90° gedrehtes, symbolisches Auge zu sehen.

      <2> Othellos Pendelbereich <4>

      „Aha“, gab Kakyo trocken von sich, „du tauscht deinen Magier aus, um deinen Pendelbereich zu verkleinern?“
      Othello schüttelte den Kopf. „[Dreamgazer Magicians] Pendelbereich ist abhängig von der Stufe des Magiers, der sich in der anderen Pendelzone befindet. Ist dessen Stufe kleiner, wird ihr Pendelbereich zu 1, ist er dagegen größer, wird er zu 8. [Dharma-Eye Magician] ist auf Stufe 7, [Dreamgazer Magician] auf 4. Also …“
      Die Hexe strahlte in blauer Energie auf, das Auge auf ihrer Kristallkugel schloss sich, wurde ebenfalls blau und öffnete sich wieder.

      <2> Othellos Pendelbereich <4 → 8>

      Der brünette, junge Mann schluckte. „Oha …“
      Als Othello die Hand in die Höhe reichte, begann das Publikum zu rufen: „Pendulum! Pendulum!“
      „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Pendulum Summon!“
      Über ihm öffnete sich das blaue Portal mit den dutzenden Ellipsen, doch diesmal schossen vier rote Strahlen auf einmal ab.
      „Aus meinem Extradeck: [Stargazer Magician] und [Timegazer Magcian] im Verteidigungsmodus und [Wisdom-Eye Magician] sowie Odd-Eyes im Angriffsmodus!“
      Die Menge tobte, als die Strahlen vor ihm einschlugen. Erst waren da der schwarze Zeitmagier und der weiße Sternenmagier, die in die Knie gingen, dann der Hexer mit dem Laternenstab und zum Schluss, hinter ihnen, der rote, flügellose Drache.

      Stargazer Magician [ATK/1200 DEF/900 (3) PSC: <8/8>]
      Timegazer Magician [ATK/1200 DEF/2400 (5) PSC: <1/1>]
      Wisdom-Eye Magician [ATK/1500 DEF/1500 (4) PSC: <5/5>]
      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      Mr. C überschlug sich förmlich vor Euphorie. „Das ist die Macht der Pendelbeschwörung, liebe Zuschauer! Jedes zerstörte Pendelmonster kehrt ins Extradeck zurück und kann von dort erneut beschworen werden! So ist es unserem Othello gelungen, gleich eine ganze Armee an Monstern aufzubauen!“
      Jener zeigte auf den roten [Dark Magician]. „Angriff, Odd-Eyes! Spiral Strike Burst!“
      „Gegenangriff, Black Magic!“, reagierte Kakyo angespannt.
      Zeitgleich luden der Drache und der Magier ihre Attacken auf, ehe Ersterer einen roten Energiestrahl mit schwarzem Flammenrahmen abfeuerte. Die Antwort des Magiers war seine Signaturattacke, der violette Feuerball. Die Angriffe zogen aneinander vorbei, statt sich zu treffen, sodass jeder der beiden im Anschluss mit voller Wucht erwischt wurde. Zwei Explosionen waren die Folge, doch während bei Kakyo nichts geschah, öffnete sich über Othello das Pendelportal und absorbierte die Überreste Odd-Eyes.
      Letzterer befahl sofort im Anschluss: „Direkter Angriff, [Wisdom-Eye Magician]! Lost Magic!“
      Jener hob seine Laterne in die Höhe, deren Klappe sich öffnete, woraufhin aus ihr ein ganzes Geschwader kleiner Feuerbälle abgefeuert wurde. Kakyo hielt die Arme über Kreuz, als er erfasst wurde.

      [Othello: 1500LP / Kakyo: 4000LP → 2500LP]

      „Heh“, grinste der brünette Bursche dann verschmitzt.
      Ebenso wie Othello, der seine letzte Handkarte in die Duel Disk über seinem Schoß schob. „Die setze ich verdeckt. Du bist am Zug.“
      Zischend materialisierte sich die Falle zu seinen Füßen.

      ~-~-~

      Die Farben flogen nur so an Anya vorbei, wie sie durch die Straßen Ephemeria Citys rannte, um Redfield die Wahrheit zu erzählen. Die Riding Duel-Strecke direkt über ihr warf einen dunklen Schatten auf die parallel dazu verlaufende Straße, doch nicht halb so düster wie die Gedanken, die dem Mädchen im Kopf herumschwirrten.
      Natürlich hatte Anya keinen handfesten Beweis, aber sie -wusste- einfach, dass es Marc gewesen sein musste, der Valerie verraten hatte. Niemand würde denjenigen verdächtigen, der dem 'Opfer' so nahe stand wie er.
      Bloß warum? Was könnte ausgerechnet er davon haben, dem Menschen, den er am meisten liebt, so zu schaden? Sie hatte bereits einen Verdacht, der das alles erklären könnte.

      Anya Bauer, du solltest dringend eine Pause einlegen! Dein Brustkorb wird noch explodieren, wenn du so weiter rennst!

      „Mir geht’s gut“, erwiderte Anya nicht im geringsten Maße erschöpft.
      Ihre Denkweise war einfach falsch gewesen. Vielleicht wollte Marc Valerie mit seiner Aktion nicht schaden, sondern beschützen. Schon einmal hatte er dafür alles riskiert, dabei sein Leben verloren, was ihm damals durchaus bewusst gewesen war.

      Ich meine es ernst! Du rennst seit geraumer Zeit ohne Unterbrechung, dein Körper kann dieser Belastung unmöglich noch länger standhalten!


      „Stell dich nicht so an, von so'n bisschen Rennerei werde ich nicht gleich zusammenbrechen“, murmelte die grimmig, wich verschiedenen Menschen auf dem Bürgersteig aus, die ihr auf der Einkaufsstraße entgegenkamen.
      Was hatte der Trottel jetzt schon wieder? Sie war fit wie ein Turnschuh und mindestens so schnell wie einer, nein, sie hatte längst ihre Bestmarke übertroffen. Sollte Harper jemals wieder vor ihr weglaufen müssen, würden seine langen Beine ihn dann nicht mehr außerhalb ihrer Reichweite tragen!

      Könnte das … Anya Bauer, ich glaube, du benutzt die Macht deiner Hüterkarte [Angel Wing Dragon]!

      „Huh!?“ Jetzt bremste das Mädchen doch ab, was gar nicht so einfach war, wenn man so schnell unterwegs war wie sie. Ihr Bremsweg war so lang, dass sie beinahe mit jemandem zusammenstieß.

      Sieh' dir dein Deck an!


      Das Mädchen nahm besagte Box von ihrem Gürtel und holte Angel Wings Karte daraus hervor. Und tatsächlich, jene pulsierte regelrecht.

      Du bist nicht einmal außer Atem! Wenn Drazens Karte seinen Alterungsprozess angehalten hat, dann könnte diese womöglich die körperlichen Fähigkeiten ihres Besitzers erweitern. Es passt, wenn man bedenkt, wie flink Zanthe Montinari damals war, als wir ihn gestellt haben.

      Noch eine Sekunde das weiße Synchromonster betrachtend, landete dieses in der nächsten wieder in der Deckbox, die sich Anya wieder umschnallte. „Coole Sache, aber können wir später darüber reden? Ich muss jemandem nämlich dringend die Meinung geigen!“
      Sprachs und begann weiter zu rennen.

      Deine Prioritäten sind erschreckend … wenngleich auch faszinierend, wie eh und je. Du weißt nicht einmal, ob du in die richtige Richtung läufst. Valerie Redfield könnte überall in der Stadt sein, meine Ortungsfähigkeiten funktionieren nicht akkurat bei normalen Menschen.

      „Sie ist ganz in der Nähe! Ich renne einfach dem Blauen entgegen, dann find' ich sie!“

      Hm? Dem … Blauen?

      „Keine Ahnung, frag mich nicht. Ist halt so. Und jetzt halt die Klappe, ich muss nachdenken!“

      ~-~-~

      Das Duell eine Weile schweigend beobachtend, ergriff Matt schließlich das Wort. „Othello hat seine Magier in Verteidigung gespielt. Interessant.“
      „Ihre kombinierte Angriffskraft wäre nicht ausreichend, um Kakyo zu besiegen“, erwiderte Valerie und nahm einen Schluck Tee. Sie fügte danach hinzu: „Er will kein Risiko eingehen.“
      Mit unterschwelliger Traurigkeit murmelte Matt: „Genau wie du.“
      „Selbst wenn es eine Möglichkeit gäbe, Nick das Ganze nachzuweisen“, sagte Valerie und starrte in den blauen Himmel, nahm die Sonnenbrille dabei ab, „würde ich das nicht tun.“
      „Weil du Angst vor ihm hast?“
      „Nein.“ Sie lachte plötzlich spitzbübisch. „Nick mag schlauer sein als so mancher denkt, aber wenn er alleine mit mir in einem Raum ist, käme er anschließend nicht aufrecht gehend wieder raus.“
      „Sofern er kein Messer hat“, merkte ihr Gegenüber ärgerlich an. Sofort fuhr er sich unwillkürlich mit der Hand über die kleine Narbe an seinem Hals, die Nicks impulsives Handeln verursacht hatte.
      „Ich denke mir nur“, sagte Valerie zögerlich und sah ihn wieder an, ernst, geradezu verbittert gar, „wenn das die Profiliga ist, will ich gar nicht mehr Teil davon sein.“
      Matt nickte, verstand er doch sofort, worauf sie hinaus wollte. „Stimmt, Intrigen wie diese sind dort sicherlich nicht neu, aber … nicht alle sind so.“
      „Bestimmt nicht. Vielleicht-“

      Ehe Valerie jedoch dazu kam, ihre Gedanken zu äußern, trat jemand neben sie. Die beiden sahen auf und erblickten Marc. Ungewöhnlich blass war er, hatte dunkle Ringe unter den Augen. Schweiß stand ihm auf der Stirn, kam er doch gerade vom Jogging, was sich auch anhand des durchnässten grauen Sportanzugs zeigte.
      „Hey.“
      „Hey“, erwiderte Matt erstaunt.
      „Oh, du hier?“, begrüßte Valerie ihren Verlobten irritiert und stand auf.
      Marc schien es kaum wahrzunehmen, war sein Augenmerk auf Matt gerichtet. „Sorry, aber ich kam nicht umhin, etwas von eurem Gespräch aufzuschnappen. Du willst deine Unschuld beweisen, Valval?“
      Jene schüttelte den Kopf. „Nein. Du weißt, das wäre …“
      „Habt ihr daran gedacht, was das für Anya bedeuten würde? Und für Nick, wenn er es tatsächlich war!?“ Marc redete sich geradezu in Rage. „Was wolltest du ihr da einreden, Matt!? Diesen Typen sollte man nicht provozieren!“
      Der Dämonenjäger, nicht weniger überrascht von dem Ausbruch als Valerie selbst, stand langsam auf. „Gar nichts. Ich-!“
      „Wenn man nicht handfest beweisen kann, dass jemand anderes dahinter steckt, wird sich Valerie nur noch mehr vor aller Welt lächerlich machen. Die Leute reden schon genug!“ Der Schwarzhaarige mit dem Spitzbart kam gar nicht mehr zum Ende. „Willst du, dass es noch schlimmer wird, als es sowieso schon ist?“
      In einem Anflug trotziger Wut breitete Matt die Arme aus. „Ach, willst du etwa nicht, dass sie ihren Namen reinwäscht? Wo es doch so offensichtlich ist, wer dahinter steckt!?“
      „Ich will sie beschützen!“, fauchte Marc und trat an den etwas kleineren Dämonenjäger heran. „Sie hat genug gelitten, findest du nicht!?“
      „Hört auf!“, forderte Valerie lautstark, ehe ihr Verlobter noch auf Matt losging. „Beide.“
      „Pah!“ Schnaubend zog Matt an Marc vorbei, jedoch nicht, ohne ihn dabei bewusst mit der Schulter anzurempeln. Jener warf ihm als Reaktion einen mörderischen Blick zu, wahrte aber seine Beherrschung. Im Vorbeigehen sagte Matt mit Blick über der Schulter zu Valerie: „Wenn du es dir anders überlegst, werde ich dir gern helfen.“

      „Draw!“, rief Kakyo im Hintergrund auf dem Bildschirm aus und betrachtete seine gezogene Karte. Welche ihn zum Strahlen brachte. Sofort im Anschluss nahm er eine der anderen beiden auf seiner Hand und legte sie auf das rote D-Pad. „Ich beschwöre [Legion The Fiend Jester]!“
      Eine kniende Gestalt aus hellem Holz tauchte vor dem jungen Mann auf. Seine markante, lange rote Nase sowie die spitze, rote Mütze ließen ihn wie einen Gaukler erscheinen.

      Legion The Fiend Jester [ATK/1300 DEF/1500 (4)]

      Kakyo erklärte: „Legion kann mich sofort noch einen Hexer normalbeschwören lassen, aber es muss eine Tributbeschwörung sein. Also opfere ich ihn …“
      Sein Monster löste sich in blauem Licht auf.
      „… und rufe das [Dark Magician Girl]! Denk dran, sie wird mit jedem [Dark Magician] auf meinem Friedhof stärker!“
      Die Menge explodierte vor Jubel, als -die- Ikone der Duel Monsters-Gemeinde das Feld betrat. In ihrem engen, hellblauen Gewand für begeisterte Aufschreie sorgend, schob sie die blonde Magierin ihren Hut mit dem Zauberstab in ihrer Hand zurecht und zwinkerte.

      Dark Magician Girl [ATK/2000 → 2300 DEF/1700 (6)]

      „Zweiter Effekt von Legion!“ Kakyo streckte den Arm mit dem D-Pad daran nach vorn. „Wenn er geopfert wird, bekomme ich ein normales Hexer-Monster von meinem Deck auf die Hand. Den zweiten [Dark Magician] in meinem Deck!“
      Dessen Karte wurde daraufhin aus dem Kartenstapel gezogen. Kakyo zeigte ihn vor, es handelte sich um das schwarze Anniversary-Artwork.
      Kurz darauf verkündete er: „Ich bin aber noch nicht fertig. Schließlich ist [Dark Magician Girl] auf dem Feld und damit kann ich [Sage's Stone] aktivieren, den Stein der Weisen!“
      Kaum schob Kakyo seine Zauberkarte ins D-Pad, umschloss das hübsche Magiermädchen mit beiden Händen ihren Zauberstab. Vor ihren Füßen öffnete sich ein Runenportal, aus dem ein winziger Stein, halb orange, halb rötlich aufstieg.
      „Mit ihrer Hilfe beschwöre ich meinen dritten [Dark Magician] aus dem Deck! Erscheine!“
      Tobender Applaus aus dem Publikum hallte durch das Stadion, als der Stein zerplatzte. Kurz darauf, als wäre er schon immer da gewesen, tauchte neben [Dark Magician Girl] ihr Lehrmeister auf, der Hexer in violetter Robe, der seinen grünen Zauberstab schwang.

      Dark Magician [ATK/2500 DEF/2100 (7)]

      „Unglaublich, wie mühelos Kakyo Sangon das bekannteste Magier-Gespann des Spiels beschwören konnte“, lobte Mr. C von seiner gläsernen Lounge aus begeistert.
      „Wie schön, ihnen beiden wieder gegenüber zu stehen“, strahlte Othello glücklich.
      Was seinen Gegner dazu beflügelte, den Arm mit gespreizten Fingern auszustrecken. „Sie freuen sich auch, dich wiederzusehen! Schade, dass es nur so kurz ist, aber ich habe keine Wahl! Ich aktiviere den Effekt von [Dark Magic Chamber].“
      Seine dauerhafte Zauberkarte leuchtete violett auf. Kakyo erklärte: „Einmal pro Zug, sofern ich einen der beiden Magier kontrolliere, kann ich eine seiner Signaturzauberkarten vom Deck auf die Hand nehmen. Und wenn ich schon beide zusammen auf dem Feld habe, gibt es nur eine richtige Wahl: [Dark Burning Magic]!“
      Ebenjene schob sich aus Kakyos Deck und wurde sofort von diesem aktiviert. „Jetzt knallt's!“
      Meister und Schülerin legten ihre Zauberstäbe aneinander und richteten diese auf Othellos Feld, welcher die Augen weitete.
      „[Dark Burning Magic] lässt sich nur aktivieren, wenn ich die beiden kontrolliere“, erklärte Kakyo und schwang den Arm aus, „mit ihrer kombinierten Macht vernichten sie jede Karte auf deiner Spielfeldseite, Othello!“
      An den Spitzen der beiden Zauberstäbe entstanden schwarz-violette Entladungen, die das Hexergespann unter einem synchronen Aufschrei abfeuerte. Im Flug zerteilten sich die beiden Energiekugeln in weitere, kleinere, welche von Runenkreisen umgeben waren. Zwei flogen hoch in die Luft, direkt auf [Dharma-Eye Magician] und [Dreamgazer Magician] in deren Lichtsäulen zu. Drei weitere galten jedem Monster auf der Spielfeldseite des blonden Jugendlichen.
      Kakyo hatte Recht: Es knallte fürchterlich. Fünf Explosionen suchten Othellos Spielfeldseite gleichzeitig heim. Über dem öffnete sich das Pendelportal und absorbierte drei rote Lichtstrahlen, als sich dichter Rauch um dessen Spielfeld ausbreitete.

      „Ja, du hast vielleicht mit Nick ähnliche Erfahrungen wie wir gemacht. Ich sag es trotzdem nicht noch einmal“, murrte Marc derweil und funkelte Matts Rücken an. Hinter ihm stand Valerie und verzog keine Miene, als ihr Verlobter fortfuhr: „Stachele Valerie bitte nicht dazu an, in dieser Wunde herumzubohren. Da kommt nichts Gutes bei raus.“
      „Das ist ihre Entscheidung. Und wenn wir ehrlich sind, die hat sie doch längst getroffen“, erwiderte der Dämonenjäger im Weggehen.
      Valerie verkrampfte. „Du verstehst das nicht, Matt …“

      „Dann erklär's uns doch, Redfield!“
      Alle drei wirbelten herum. Da stand sie, ein paar Meter vom Café entfernt und atmete einmal tief durch – Anya. Und wie sie die Stirn runzelte und im Anschluss auf die Gruppe zustampfte, hatte ihre Anwesenheit nichts Gutes zu bedeuten.
      Auch Anya war sich dessen nur allzu sehr bewusst. Der Knall im Hintergrund, vom Duell herrührend, war im Vergleich dazu, was nach ihrer Offenbarung geschehen würde, ein lauer Furz.
      „Oder besser“, knurrte sie, als keiner der Drei Anstalten machte, sie zu begrüßen, „erklär' du uns, was du dir dabei gedacht hast, Butcher!“
      Der vom Joggen schweißnasse Marc machte große Augen. „Ich? Wobei denn?“
      „Tu nicht so, ich habe zwar nicht viel von eurem Streit mitbekommen, aber offensichtlich macht ihr euch ja genauso viele Gedanken darum wie ich.“ Anya kniff die Augen fest zusammen, als sie zu Valerie aufgeschlossen hatte. „Also, Butcher: Hast du uns etwas zu sagen?“
      „Sag bloß, du denkst, -er- hätte die Karte-!?“, schnappte ihre Erzrivalin, als ihr klar wurde, was sich hinter Anyas Worten verbarg.
      „Du beschuldigst mich?“ Marc öffnete den Mund, schloss ihn dann aber sprachlos wieder.
      Matt kehrte an dessen Seite zurück und schüttelte den Kopf. „Wirklich, Anya, so etwas gibt man nicht leichtfertig von sich.“

      Anya spürte, wie die Blicke der anderen sie durchbohrten. Scheiße, wie sollte sie Redfield und Summers das bloß begreiflich machen? Es -war- Butcher! Und der Mistkerl wusste das! Warum musste der auch ausgerechnet jetzt hier sein!?
      Sie hätte vielleicht einen etwas besseren Zeitpunkt abwarten sollen, um ihren Verdacht auszusprechen, kam es Anya in den Sinn. Aber die Vorlage von eben war einfach zu gut gewesen, um sie verstreichen zu lassen. Aber jetzt musste sie sich dringend etwas einfallen lassen.

      „Wie kommst du darauf?“, fragte Marc schließlich getroffen und fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn. „Anya, bei allem nötigen Respekt …“
      Valerie schwieg, während Matt fragte: „Hast du irgendeinen Anlass, das zu glauben?“
      „Es war Nick, okay?“, warf der Beschuldigte ein und streckte die Arme aus. „Dein Freund ist ein Psychopath, falls du es nicht weißt. Erzähl's ihr, Matt. Was er mit dir gemacht hat!“
      Anya spitzte die Ohren. „Huh?“
      „Ich hatte dir eben gesagt, dass das unter uns bleibt. Hör' nicht auf ihn, Anya, beantworte lieber meine Frage“, grätschte Matt grimmig dazwischen und verschränkte die Arme.

      Sie hatte keine direkten Beweise, verdammter Kackmist!
      „Keiner hätte es leichter, Redfields Deck zu manipulieren als du, elender Mistkerl“, zischte Anya den schwarzhaarigen Sportler an, „dafür, dass du Nick als Sündenbock vorschiebst, müsste ich dir eigentlich jeden Knochen einzeln brechen!“
      „Ach, weil ich im selben Zimmer schlafe wie meine Verlobte, bin ich automatisch der Täter?“, schnappte Marc provoziert zurück. „Ist ja interessant. Dein sogenannter bester Freund hat-“
      Matt donnerte dazwischen: „Marc!“
      „Was hat Harper!?“ Anya schwang wütend den Arm aus. „Red' schon! Und du unterbrich' ihn gefälligst nicht, Summers!“

      Im Hintergrund lief das Duell weiter. Einige der draußen sitzenden Gäste beschwerten sich bereits über den immer lauter werdenden Streit auf offener Straße.
      Othellos Spielfeldseite wurde zwar von Rauch eingehüllt, aber trotzdem erkannte man bereits, dass die Dinge nicht so gelaufen waren, wie Kakyo sich das vorgestellt hatte. Transparent, tauchte das Ziffernblatt einer Uhr schräg über der Rauchwolke auf und ließ die Zeiger rückwärts laufen. Kurz darauf durchdrang blaues Licht den Qualm – die Lichtsäulen der beiden Pendelmagier erstrahlten wieder, in ihnen [Dharma-Eye Magician] und [Dreamgazer Magician].
      „Nanu?“, wunderte sich Kakyo.
      In dem Moment verzog sich der Rauch. Othello saß mit einem geheimnisvollen Lächeln da. Tatsächlich waren all seine Monster und seine gesetzte Karte verschwunden, was aber nicht erklärte, wieso die Karten in seinen Pendelzonen noch quietschfidel waren.
      Etwas, das Mr. C natürlich nicht unkommentiert lassen konnte. Während der sprach, sagte Kakyo zerknirscht: „Das hab ich ganz vergessen …“
      „[Timegazer Magician] hat auch als Monster einen Effekt. Einmal pro Zug verhindert er die Zerstörung der Karten in meinen Pendelzonen.“
      „Trotzdem bist du jetzt schutzlos!“ Kakyo schloss die Augen. „Tut mir leid, Othello. Wirklich.“
      „Schon gut.“
      Daraufhin riss der Brünette seine Lider wider auf. „Direkter Angriff auf seine Lebenspunkte, [Dark Magician]! Black Magic!“
      Der violette Hexer schwang seinen Zauberstab und feuerte eine violette Feuerkugel auf den Rollstuhlfahrer ab, welche aber kurz vor diesem unvermittelt an einem hellblauen, kuppelförmigen Kraftfeld abprallte. Hinter ihm tauchten drei in blauer Robe steckende Priesterinnen auf, die im Chor seltsamen Singsang von sich gaben.
      „Eh“, stöhnte Kakyo kopfschüttelnd, „du hattest da [Waboku] liegen, richtig?“
      „Jap“, grinste Othello, „ich hab's aktiviert, kurz bevor deine Zauberkarte sie zerstört hatte. Diese Runde kannst du mir keinen Schaden mehr zufügen.“
      Sein Gegner zuckte mit den Schultern. „Aha. Na gut, ich gebe ab.“
      Womit die Priesterinnen samt Kraftfeld verschwanden.

      Bedächtig schloss Othello die Augen und griff nach seinem Deck. Dann zog er, dabei laut ausrufend: „Draw!“
      Gleich im Anschluss streckte er den Arm in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihm öffnete sich das blaue Portal und schoss vier rote Lichtstrahlen auf seine Spielfeldseite ab. „Pendulum Summon! Odd-Eyes, [Wisdom-Eye Magician], [Timegazer Magician] und [Stargazer Magician].“
      Der rote, flügellose Drache erhob sich vor seinem Meister, davor der Magier mit der Laterne, jener mit der Uhrenblattklinge am Arm und der weiße Hexer mit dem langen Stab.

      Stargazer Magician [ATK/1200 DEF/900 (3) PSC: <8/8>]
      Timegazer Magician [ATK/1200 DEF/2400 (5) PSC: <1/1>]
      Wisdom-Eye Magician [ATK/1500 DEF/1500 (4) PSC: <5/5>]
      „Odd-Eyes“ [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      Zuversichtlich hielt Othello seinem Gegner die aufgezogene Zauberkarte entgegen. „Ich verändere jetzt das Spielfeld zu meinen Gunsten! Spielfeldzauber [Sky Arc], erstrahle!“
      Über dem gesamten Spielfeld entstand ein Portal, ähnlich jenem, das für Pendelbeschwörungen benutzt wurde. Doch dieses besaß keine dutzenden Ellipsen, die sich um es zogen, sondern wurde von einem bunten Lichtschleier umgeben.
      „Was für ein Schauspiel, werte Zuschauer!“, hauchte Mr. C ehrfürchtig.
      „Effekt von [Sky Arc]! Einmal pro Zug kann ich eine meiner offenen Karten zerstören, um einen Odd-Eyes zu bekommen.“
      Plötzlich erhob sich der weiße [Stargazer Magician] unter Othellos Monstertruppe und stieg als roter Lichtstrahl in die Luft auf, nur um vom neuen Pendelportal absorbiert zu werden.
      „Ich entscheide mich für [Odd-Eyes Saber Dragon]!“, verkündete der Jugendliche im Rollstuhl.
      Ziemlich überrascht wiederholte Kakyo den Namen. „[Odd-Eyes Saber Dragon]!?“
      Dessen Karte schob sich aus dem Deckschacht vor Othello und wurde von jenem aufgenommen.

      „... du lügst doch, Butcher!“ Anya schüttelte kaum merklich den Kopf. „Nick würde nie-!“
      „Es ist die Wahrheit, Anya“, murmelte Valerie neben ihr. „Er wurde angegriffen von einer Person, die genauso aussah wie ich und ist dann am helllichten Tag bei uns eingebrochen.“
      Das war noch nicht alles. Marc fügte hinzu: „Er hätte ihr ohne mit der Wimper zu zucken sonstwas angetan, wenn ich nicht dazwischen gegangen wäre!“
      „Dass er mich mit einem Messer bedroht hat, ist auch wahr“, beugte sich Matt schließlich der Wahrheit. Denn wenn er ehrlich war, hätte er ihr das alles viel früher sagen müssen. „Um ehrlich zu sein, glaube ich auch, dass Nick den vermeintlichen Betrug inszeniert hat. Für ihn wäre es ein Leichtes, in das Hotelzimmer zu kommen.“
      „Er ist besessen davon, dich zu beschützen“, verdeutlichte Marc die Sachlage mit den Händen gestikulierend.

      Anya nahm das alles nur unbewusst wahr. Wenn das wirklich alles stimmte, was sie da sagten, warum hatten sie ihr das nie erzählt!? Wieso hatte Nick nie erwähnt, dass er von etwas mit dem Aussehen von Redfield angegriffen worden war!?
      Jetzt ergab es alles einen Sinn! Die Wunde an seinem Arm, als er sie damals vom Bahnhof abgeholt hatte, sie stammte von diesem Kampf.
      Die Sache mit Matt konnte Anya noch nachvollziehen, denn Nick wäre nicht der Erste, der dem Dämonenjäger misstraut. Vielleicht wusste ihr Sandkastenfreund etwas, das sie nicht wusste?
      Doch ganz gleich, wie seltsam sich Nick auch verhielt, eins stand fest.

      „Er war es nicht. Du warst es, Butcher.“ Anya straffte sich. „Ich weiß, warum. Du wolltest Redfield nur beschützen, genau wie damals. Als du den Pakt mit Isfanel eingegangen bist. Du hattest Angst, das war alles.“
      Marc zuckte zusammen, als die Blonde das für ihre Verhältnisse schon fast versöhnlich von sich gab. Dann schüttelte er den Kopf. „Schwachsinn! Akzeptiere die Tatsache, dass-“
      „Claire Rosenburg ist eine Hüterin, die noch nie besiegt wurde. Sie weiß, dass ihr meine Freunde seid. Sie weiß, dass ich die Hüter jage, denn ich habe vor ihren Augen zwei Hüterkarten ausgespielt“, sprach Anya sachlich weiter, denn zu diesen Erkenntnissen war sie während ihrer Suche nach Valerie gelangt, „und würde deshalb jeden vernichten, der ihr zu nahe kommt. Du hast Angst, dass sie genau das mit Redfield gemacht hätte, wenn sie als Siegerin aus dem Turnier hervorgegangen wäre.“
      Marc geriet ins Stottern. „Das ist nachvollziehbar, aber-“
      „Die Karte, die Redfield gezogen hat, war [Change Of Heart]. So eine ist extrem selten, die bekommt man nicht einfach im nächstbesten Laden. Sollen wir mal deine E-Mails checken, ob du irgendwo angefragt hast?“ Anya fühlte sich nicht wohl dabei, so strategisch vorzugehen, aber sie kam der Sache wie von Zauberhand näher. „Außerdem müssten auf der Karte auch Fingerabdrücke sein. Keine Ahnung, wie viel es kostet, das freiwillig testen zu lassen. Aber mein Dad würde das sicher irgendwie hinbekommen.“
      Die Blicke richteten sich auf den Schwarzhaarigen mit dem Spitzbart, der plötzlich verdächtig still geworden war. Anya formte stumm Worte auf ihrem Mund: „Danke, Levrier.“

      Das hast du gut nacherzählt. Auch wenn das alles keine ultimativen Beweise sind.


      Valerie sah ihren Verlobten fragend an. „Marc?“
      Der schluckte. „Wenn das so ist, hat es wohl keinen Sinn mehr, es zu leugnen. Was Anya sagt, stimmt. Ich … habe es getan.“
      „Du … lügst“, hauchte Valerie getroffen. „Sag, dass das nicht wahr ist!“

      Indes nahm Othello den [Wisdom-Eye Magician] von der Duel Disk vor ihm. Jener verwandelte sich ebenfalls in einen roten Lichtstrahl, welcher vom riesigen Pendelportal über den Köpfen der beiden Duellanten absorbiert wurde. Das Publikum gab erstaunte Laute von sich.
      „[Odd-Eyes Saber Dragon] hat eine besondere Methode, um ihn zu beschwören“, erklärte Othello und griff nach seinem Deck, „erst muss ich ein Licht-Monster opfern, danach einen [Odd-Eyes Dragon] auf den Friedhof legen.“
      Besagte Karte wurde automatisch aus dem Deck geschoben und von Othello entsorgt. „Und nun strahle, [Odd-Eyes Saber Dragon]!“
      Neben dem originalen Odd-Eyes begann von allen Seiten grelles Licht zu erstrahlen. Eine exakte Kopie seiner selbst erschien, doch trug sie eine silberne Rüstung, die selbst den langen Schweif überzog. Von überall an seinem Körper ragten lange Klingen empor, die die Quelle des Lichts waren.
      Kakyo weitete die Augen. „O-okay, der ist zur Abwechslung wenigstens kein Pendelmonster. Ist er etwa deine Geheimwaffe?“

      Odd-Eyes Saber Dragon [ATK/2800 DEF/2000 (7)]

      „Wer weiß?“ Sein Gegner zwinkerte ihm verschwörerisch zu. „Du zwingst mich eben dazu, alle Register zu ziehen!“
      Passend dazu brüllte der neue Drache stolz.
      „Dann habe ich …“, murmelte Kakyo enttäuscht.
      „Leider ja.“ Othello seufzte traurig. „Aber so ist das eben, es kann nur einer gewinnen. [Odd-Eyes Saber Dragon], greife [Dark Magician] an! Spiral Saber Strike!“
      Dank seiner Klingen am Körper, die gleichzeitig als Tragflächen zu fungieren schienen, konnte der leuchtende Drache in hoher Geschwindigkeit über den Boden gleiten und den violetten Magier ins Visier nehmen. Jener schoss einen violetten Feuerball nach ihm, welchem der Drache jedoch gekonnt auswich. Mit voller Wucht und sich dabei um die eigene Achse drehend, krachte er in den Hexer, was eine Explosion zur Folge hatte.

      [Othello: 1500LP / Kakyo: 2500LP → 2200LP]

      Die blonde Magierin, die alles erschrocken mit angesehen hatte, setzte einen grimmigen Blick auf, gerichtet auf die Rauchwolke neben ihr.

      Dark Magician Girl [ATK/2300 → 2600 DEF/1700 (6)]

      „Was ist das!? Natürlich, für jeden [Dark Magician] auf dem Friedhof wird sein weibliches Gegenstück stärker!“ Mr. Cs Stimme klang immer aufgeregter, als er fortfuhr. „Aber das heißt, dass sie stärker als der Rest von Othellos Monstern ist! Hat er nicht bedacht, dass er jetzt nicht mehr über diese Barriere hinweg kommt!?“
      Der Junge hustete ein paar Mal, ehe er mit einem schelmischen Grinsen erwiderte: „Mit Barrieren kenne ich mich aus und das ist keine. Effekt von [Odd-Eyes Saber Dragon]! Wenn er ein Monster im Kampf zerstört, kann er sofort danach noch eines vernichten! Illumination Force!“
      Grelle Strahlen drangen von allen Seiten aus der Rauchwolke. Die Magierin wich noch zurück, doch es war zu spät – ein Lichtstrahl erfasste sie und durchbohrte den üppigen Leib der Blonden, welche kreischend explodierte.
      „Gutes Spiel“, sagte Kakyo und rang sich ein Lächeln ab.
      „Ja. Gutes Spiel. Direkter Angriff auf seine Lebenspunkte, 'Odd-Eyes'! Spiral Strike Burst!“
      Der rote Pendeldrache stampfte nun über das Spielfeld und öffnete im Lauf sein Maul, um daraus einen roten Energiestrahl abzufeuern, um den schwarze Entladungen schlugen. Sein Opfer schloss besonnen die Augen, kurz bevor der Treffer in ihn einschlug.

      [Othello: 1500LP / Kakyo: 2200LP → 0LP]

      „Das ist es, das Ende eines spannenden Duells“, rief Mr. C unter dem tosenden Applaus und Jubel der Zuschauer, „der zweite Finalist heißt Othello Nikoloudis und wird damit übermorgen auf Anya Bauer treffen!“

      Valerie schlug schluchzend die Hände vor den Mund.
      „Das hätte ich dir nicht zugetraut“, gestand Matt und wich einen Schritt vom Schwarzhaarigen zurück, welcher entgegen seinem Geständnis nicht um Entschuldigung bat, sondern wehmütig lächelte.
      „Dafür, dass du Nick beschuldigt hast, müsste ich dir eine zimmern. Aber“, murrte Anya mit Seitenblick auf Valerie, die sichtbar zitterte, „du hattest deine Gründe, nicht wahr?“
      „Es war dumm. Aber bitte, versteh' doch“, stotterte Marc plötzlich an seine Verlobte gewandt, „ich konnte nicht zulassen, dass du gegen Claire antrittst.“
      „Red' nicht weiter!“, forderte die mit gebrochener Stimme.
      „Eine unbesiegbare Hüterin! Der Gedanke daran, was sie dir antun könnte, er kam mit einem Mal. Was, wenn sie weiß, dass wir hinter ihr her sind? Sie würde dich gnadenlos vernichten, du bist nur ein Mensch, du bist-!“
      Valerie standen die Tränen in den Augen. „Schweig!“

      Die anderen Gäste murmelten schon ungehalten, was Anya mit einem Blick aus dem Augenwinkel genervt zur Kenntnis nahm. Wenn die hier so weitermachten, landete das schneller in den Medien, als ihnen allen lieb war!

      Zeitgleich schüttelte Matt erschüttert den Kopf. „Und das rechtfertigt so eine Aktion? Warum hast du nicht mit Valerie darüber geredet?“
      „Habe ich!“, verteidigte sich Marc verzweifelt und zeigte auf das Mädchen. „Aber denkst du, dieser Sturkopf hat auch nur mit einem Ohr hingehört? Valerie, sei ehrlich, du warst nur noch auf eine Karriere in der Profiliga fokussiert!“
      „Sag … sag kein Wort mehr!“
      Gerade als Anya ihr in einem seltenen Moment der Nächstenliebe auf die Schulter fassen wollte, drehte Valerie sich um und rannte davon.
      „Valerie, warte!“, rief Marc ihr hinterher und setzte nur einen Fuß vor den anderen, da blockierte Matt ihm schon den Weg.

      Du musst ihr hinterher, Anya Bauer!

      „Nope“, erwiderte die und seufzte genervt, „sie will jetzt allein sein, Idiot.“
      „Was hast du dir nur dabei gedacht!?“, fuhr Matt den größeren Marc sauer an. „Deine Freundin so zu verletzen! Nimmst du in Kauf, ihr Herz zu brechen, nur weil du mit deinen Worten nicht zu ihr durchdringen konntest!? Was bist du für ein Mensch!?“
      Anya schnappte: „Summers, beruhig' dich, ist jetzt eh nicht mehr zu ändern!“
      „Du halt dich da raus, Anya!“, fauchte der über die Schulter blickend zurück.
      Die funkelte den Dämonenjäger böse an. „Fein. Vielleicht gehe ich doch Redfield suchen. Ihr beide könnt euch ja überlegen, wie du das wieder gutmachen willst, Butcher. Tch …“

      Es wäre ein Leichtes für sie, Valerie zu verfolgen, dachte die Blonde im Umdrehen. Aber was verstanden die beiden schon von den Gefühlen ihrer Erzrivalin? Den einen Traum in Trümmern zu sehen, durch die Hand desjenigen, der einem am wichtigsten war … Butcher war ein Idiot, wenn er glaubte, mit einer einfachen Entschuldigung wäre alles vergessen.
      Verdammter Kackmist. Sie sollte -wirklich- nach Redfield sehen und ihr anbieten, ihren Volltrottel von Verlobten nach allen Regeln der bauerischen Kunst zu vermöbeln.


      Turn 74 – Snowing Season
      Mit Othellos Einzug ins Finale und damit das ihres Angstgegners, muss Anya einen Weg finden, seine Pendelmonster auszuschalten, wofür sie nur einen Tag zur Verfügung hat. Außerdem taucht Zanthe wieder auf, was eine Aussprache unausweichlich macht. Und dann ist es endlich soweit, das Finale beginnt …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Othello

      Stargazer Magician
      Timegazer Magician
      Dharma-Eye Magician
      Wisdom-Eye Magician

      Dreamgazer Magician
      Monster/Effekt/Pendel
      Hexer/Finsternis
      ATK/???? DEF/???? (4) PSC: <4/4>
      Pendeleffekt: Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen Stufe kleiner ist als die dieser Karte: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 1. Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen Stufe größer ist als die dieser Karte: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 8. {????}
      Monstereffekt: Wenn eines deiner als Pendelbeschwörung beschworenen Monster kämpft: du kannst diese Karte von deiner Hand, Spielfeldseite, deinem Friedhof oder deinem Extradeck verbannen; erhöhe die ATK deines kämpfenden Monsters um 500. Bis zur End Phase fügt es durchschlagenden Kampfschaden zu.

      "Odd-Eyes"
      "Odd-Eyes" (?)
      Odd-Eyes Saber Dragon

      Sky Arc

      Waboku

      Kakyo

      Dark Magician x3
      Dark Magician Girl
      Legion The Fiend Jester

      Dark Magic Curtain
      Thousand Knives
      Dark Magic Attack
      Dark Burning Magic
      Sage's Stone

      Dark Magic Chamber
      Zauber/Dauerhaft
      Zahle 2000 Life Points, um diese Karte zu aktivieren. Einmal pro Zug, wenn du "Dark Magician" oder "Dark Magician Girl" kontrollierst: Füge deiner Hand 1 Zauberkarte von deinem Deck hinzu, in deren Effekttext "Dark Magician" und/oder "Dark Magician Girl" aufgelistet ist.

      Spell Economics


      Über Posts würde ich mich natürlich wie immer freuen. ^^
      zu Folge 72-73

      Spoiler anzeigen
      Das mit Zahnte war mal aber knapp. Die Duele in Folge 72 sind beide komplett anders ausgegangen als ich es erwartet hätte. Ich vermute auch mal das es nicht das letzte mal ist das wir Jack sehen werden. Es bleibt spannend wie dieser Charakter noch vorkommt. Wird er an Anya und Co. Rache nehmen oder wird er ihnen tipps geben (gewollt oder ungewollt) um Claire zu besiegen? Zahnte hätte fast einen Logan gegessen :P Sein blonder Freund/Typ der die Seele seines Bruders beherbert, hat ihn ja davor bewahrt. Währe einfach nicht gut für den Magen gewesen :P Also mus er jetzt mit ihm gassi gehen. Abschlussduel Re-loaded ging mir ner Überraschung zu ende. Jemand hat gecheatet! Ich muss sagen bei "Überläufer" musste ich sofort an Nick denken. Ich vermute einfach mal das du uns Leser absichtlich damit in die Irre führen wolltest. Leider war es "nur" Marc. :P Ist aber auch nicht schlecht. Gerät der Fokus halt mal wieder ein bisschen mehr auf ihn. Übrigens hat mir dieser ständige Wechsel zwischen Drama-Theater und Duel echt gefallen :D . Bin übrigens dieser mysteriöse Anya-Fan :D



      Einige spontane Fragen sind mir in diesen Folgen aufgetaucht:

      1. Wie groß ist der Magen von Werwölfen. Können die echt einen ganzen Menschen aufessen? Oder haben die keinen Manieren und lassen noch voll viel Fleisch dran?

      2. Wie sieht Leviar die Welt? Sieht er sie aus Anyas Augen?

      3. Anya begeht 2 gute Taten in einem Tag? Ist das noch überhaupt Anya? Aliens confirmed.

      4. Alle hassen Nick. Bis auf Abby und Anya. Ist das ne Anspielung zum Anfang der Serie wo alle Anya hassten außer Harper und Aby.

      5. Gibt es eigetlich in dieser Welt kein Forum wo man Regelfragen stellen kann? Ansonsten würden die das doch googeln können und rausfinden das Konterfallen echt gut sind gegen Pendels.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      -Aska-


      Was für Dinge(r) haben denn Nicks ungeteilte Aufmerksamkeit? xD
      Dsa war Sarkasmus oder? xD

      Ja, der Meinung bin ich auch gewesen. Im Endeffekt war es der ideale Weg, beide Ergebnisse zu haben, ohne eines für das andere zu opfern. Absolut zufriedenstellend wäre es letztlich nur, wenn beide weiter gekommen wäre, aber das steht ja nunmal außer Frage. Insofern ist es aber trotzdem meiner Meinung nach zufriedenstellend gewesen.

      Was den Change of Heart angeht, denke mal, damit meinst du, dass Marc darüber versucht hat, Nick die Schuld zu geben. War auf jeden Fall ein netter, wenn auch sehr peinlicher Versuch von ihm, die Schuld in letzter Sekunde von sich abzuwenden. Aber wen die Panik packt...
      In dem Fall aber nehme ich an, dass Nick damals Marc und Valerie mehr über den Angriff und seine "Rettung" durch Cheaten erzählt hat, sonst wäre der Aspekt von Change of Heart und Nick ja hinfällig, wenn Marc nichts davon wusste. In dem Fall würde ich annehmen, dass du noch einen anderen Grund hattest, das "einzufädeln", eh? xD

      Was Logan angeht, biste sicher schon genervt, so oft wie ich den auf den Kieker habe. Aber ich seh ihn halt immer als jemand, der sehr gut 1 und 1 zusammenzählen kann. Und dass er die Dinge wahrnimmt, bekommt man ja auch mit. Und wie heißt es so schön bei Holmes. Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hast, dann ist das, was übrig bleibt, die Wahrheit, wie unwahrscheinlich sie auch ist.
      Und in der Hinsicht -müsste- er eigentlich mal langsam drauf kommen, dass da mehr im Busch ist, als er vielleicht zunächst dachte. Deswegen glaub ich halt auch einfach dran, dass es bei ihm schon längst rattert und er halt einfach noch schweigt und als Ahnungsloser noch mehr in Erfahrung bringt, als jemand, von dem andere wissen, dass er sie aufgeschaltet hat.


      Naja, gegen Kakyo hatte sie imo ja nur verloren, weil sie "abgelenkt" war. Und Pendel sind Pendel, damit hat Anya so oder so Probleme. Nur die Strategie der Magier liegt Anya vielleicht noch weniger XD

      Aber durch diese Folge ist ja nun raus, dass Kakyos 'Kyon'-Bonus nicht gereicht hat, um ins Finale einzuziehen. Zumal Othello ja sowieso eher Anyas 'strategischer' Nemesis wie gesagt momentan ist. Bin gespannt darauf, welchen Weg Anya für sich finden wird. Den der rohen Gewalt, wie bei Melinda, der dürfte bei Othello sicherlich nicht so gut funktionieren.



      Folge


      Der Übeltäter ist als Marc gewesen. Ich bin ganz ehrlich, vor der Folge selbst habe ich mich nicht großartig mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass er für beide Karten verantwortlich war. Weil es irgendwo ja widersinnig schien, ihr einerseits eine Karte zu geben, die ihr helfen soll, und gleichzeitig eine, die ihr die sichere Niederlage einbringt.
      Deshalb war auch ein übernatürlicher Täter viel wahrscheinlicher, auch weil ich eher denken, würde, dass eine verbotene Karte jederzeit im Deck erkannt werden würde, und nicht nur erst, wenn man sie zieht.
      Genau da lag dann auch die entscheidende Crux. Abhängig ob die Karte erst im Duell im Deck auftauchte, oder schon vorher drin war. Und der zweite Fall war dann das, was Marc wieder wahrscheinlich gemacht hat. Spätestens nach der Flashblack Szene, als Marc ins Zimmer zurückkehrte und so den Grund geliefert hatte, eher er auch später aufgelöst wurde. Um Valerie zu beschützen. Und damit wurde auch die Problematik, um die zwei gegensätzlichen Karten, die Valerie von 'jemand' ins Deck gepackt wurden, geklärt.

      Genau das Motiv, fand ich sehr positiv und hat die erste Enttäuschung, dass die Auflösung um den Schuldigen so unspektakulär endete. Man wollte ja zuvor glauben, dass das alles einem größeren Zweck dienen sollte - oder wollte es einfach, wie man so oft gerne Verschwörungen sieht, wo gar keine sind.
      Und bei dem Erklären seiner Gründe hat man auch gut gespürt, wie dämlich alle anderen diesen Gedankengang von ihm fanden und wie er so Valerie die Entscheidung abgenommen und ihr nicht nur ihren Traum damit ruiniert hat.

      Naja, nach dieser Enthüllung bzw der Beichte unter Zwang wird Valerie verständlicherweise erstmal sehr verletzt fühlen und sich zurückziehen. Aber gerade deshalb interessiert es mich wirklich, wie es mit ihr weitergeht und ich hoffe, du lässt uns damit nicht zu lange warten ;)
      Aber was die Beziehung der beiden angeht, so sehe ich aktuell kaum eine Chance. Sowas redet man nicht einfach wieder gut, auch mit keiner Entschuldigung der Welt. Das sind im Endeffekt Narben, die vielleicht irgendwann mal weniger schmerzen werden, aber die gehen nie wieder weg. Egal aus welchem Antrieb, das ist ein Vertrauensbruch, der seinesgleichen sucht. Aber vielleicht gibt es da ja auch unerwartete Hoffnung, auch wenn ich nicht drauf bauen würde (Für sowas müsste schon jemand gegen Claire sterben, womit unterstrichen wird, dass Marc 'richtig' gehandelt hatte, um sie zu schützen)



      Das Duell von Othello und Kakyo war kurz und knackig, aber hatte schön den Eindruck von professionellen Duellanten vermittelt. Beide Decks verfügten vom Spielstil auch über einige Schlagkraft. Eigentlich fast schade, dass Kakyo nicht im Finale steht, denn in einem längeren Duell hätte man leicht den ganzen neuen Magiersupport, der demnächst bei uns erscheint, verwenden können. Aber Kayko hat sich sicher nicht zum letzten Mal duelliert, also besteht da immer noch die Möglichkeit, dass sowas noch kommt.
      So darf nun jedoch Othello Anya einiges an Nerven kosten. Daumen drücken, dass es so oder so mit einem echten Sieg endet, und nicht durch ein Ausscheiden von Othello, weil er z.B. aus gesundheitlichen Gründen spielunfähig wird.

      Zudem gab es einige Enthüllungen für Anya in der Folge, wo man abwarten muss, wie sie damit umgeht. Zanthes Schuld an Logans Zustand, das dürfte bei Zanthes Rückkehr nächste Folge unter Umständen schon auf den Tisch kommen, aber da waren ja auch noch die Dinge um den soziopathischen Nick. Aber Anya hat die für den Moment erst einmal ja abgetan, was aber nicht heißt, dass sie sich daran wieder erinnert, wenn sie jemand nochmal mit der Nase drauf stößt.

      Achja, und da war ja noch die Sache, dass Anya Valerie 'spüren', oder sollte ich eher sagen, 'sehen' konnte? Denke so ein Detail wird im weiteren Verlauf auch noch mehr Relevanz bekommen, aber für den Moment bedeutet das wohl, dass Anya mit ihren Kräften in der Lage ist, etwas anzuwenden, von dem sie nicht einmal wusste, dass sie es konnte. Da wäre eine Vertiefung bei Gelegenheit sicher auch toll.

      In dem Sinn, bis zur nächsten Folge, und lass mich mit Val nicht zu lang in der Schwebe ;)
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Hey, vielen Dank mal wieder fürs Lesen an alle!

      @WiR
      Schön, dass dich die Duelle überrascht haben. Jack sehen wir wieder, irgendwann.
      Wegen Change Of Heart habe ich natürlich damit gespielt, Nick als Täter in Verdacht zu bringen. Aber mehr dann auch nicht.

      Haha, Werwölfe fressen keine Menschen, es geht mehr um den Akt des Tötens an sich. ^^
      Levrier sieht die Welt ... anders. Aber dazu möchte ich jetzt noch nichts sagen, da ich die Details noch nicht festgelegt habe und ein wichtiger Storyaspekt bisher nicht angesprochen wurde. Vielleicht sag ich zu einem späteren Zeitpunkt etwas dazu.
      Wenn irgendein UFO Anya entführt, dauert es zwanzig Sekunden, bis es freiwillig abstürzt. Also nope, die war schon die echte. xD
      Find ich übrigens schön, dass dir aufgefallen ist, wie die Rollen sich umgekehrt haben zwischen Anya und Nick. ^^
      Es ging Regelfragen-Foren, Zeitschriften, alles mögliche. Man muss sie aber auch benutzen und dafür ist Anya nicht der Typ und Valerie jemand, der lieber selbst einen Weg findet, statt sich einen vorgeben zu lassen. Es gibt viele Strategien dagegen, aber längst nicht so viele wie im Real Life. Die Fords werden keine Anti-Pendel-Karten rausbringen, wenn das Geschäft gerade erst angelaufen ist.

      Auf jeden Fall vielen Dank für das Lob und den Kommi! ^^

      @Evil Bakura
      Nick wird bestimmt niemals jemandem erzählen, dass er gecheatet hat. Überleg mal, sonst wäre Aidens Drohung, das zu verbreiten, nicht sonderlich effektiv gewesen, oder?
      Das mit der CoH war nur eine falsche Fährte von mir, mehr nicht. xD
      Logan wird immer mehr zu einer Figur des allgemeinen Interesses, hab ich den Eindruck. Aber schön, immerhin ist er auch ein wichtiger Chara, der fast auf einer Stufe mit Zanthe/Matt steht. ^^
      Kakyo hat den Kyon-Bonus, aber was sollte er effektiv in einem Duell gegen Anya erreichen wollen? Kyon liegt nichts daran, Anya aus dem Weg zu räumen. Daher finde ich, ist Othello auch der interessantere Gegner, aber gut, das Finale wird ihn ja auch nochmal richtig vorstellen. ^^

      "Nur Marc" ist genau das, was im Endeffekt auch wieder keiner wirklich erwartet hat, glaub ich. Dabei hatte er diese Ader schon immer, nur dieses Mal ist es fürchterlich schief gegangen. Er hat in seinem Anflug von Panik einfach nicht weit genug gedacht und dieser Moment hat vll alles zerstört.

      Als ich das Duell fertig hatte, gabs kaum was von dem Magier-Support, leider. Aber er kommt ebenso wie Jack wieder, keine Frage. xD

      Und Anyas Kräfte? Alles wird mit den kommenden Folgen verständlicher werden. Da laufen einige Fäden von offenen Fragen, die zu Beginn der Staffel entstanden, endlich zusammen.
      Also, auch dir vielen Dank!


      Teil 1 des großen Finales kommt genau jetzt!

      Turn 74 – Snowing Season
      Vorsichtig schloss Zanthe die Tür hinter sich. Das Hotelzimmer war stockfinster, sämtliche Rollos der Fensterfront heruntergelassen, sodass nur winzige Spalten des Lichts der Werbeanzeigen in den Raum drangen. Aber selbst wenn es hell gewesen wäre, könnte der Werwolf nichts sehen, da er fest die Augen zusammenkniff.
      Er hatte Kopfschmerzen und zwar gewaltige. Den ganzen Vormittag hatte er mit Exa gejagt und Junge, war das ein Anblick, diesen Typen jagen zu sehen. Selten waren Erinnerungen an eine Jagd so klar wie dieses Mal. Nachdem Zanthe danach eine Weile geruht hatte, waren sie nach Ephemeria City zurückgekehrt, was Stunden gedauert hatte.

      Müde schlurfte der junge Mann zu seinem Bett, das der Zimmertür von den dreien am nächsten war. Dabei stieg ihm ein süßer Geruch von Lavendel in die Nase. Hatte Anya sich etwa gebadet oder gar Parfüm aufgetragen? Das war ja was ganz Neues! Falls er morgen aufwachte, bevor sie ihn mit einem Kissen erstickt hatte, würde er sich darüber lustig machen, nahm sich Zanthe vor.
      Er ließ sich auf die Bettkante nieder und legte sich der Seite lang hin. Dieser Trottel Exa, er würd-

      Etwas stieß gegen seinen Rücken. Sofort schreckte Zanthe auf, betätigte in der Bewegung den Lichtschalter über dem Kopfende, um die Seitenbeleuchtung des Zimmers zu aktivieren. Kaum war er auf den Beinen und hatte die Augen aufgerissen, da sah er vor sich eine Schwarzhaarige in einem schwarzen Totenkopf-Nachthemd liegen. Jene öffnete die Augen benommen.
      „Valerie!?“, platzte es aus Zanthe heraus.
      „Oh“, nuschelte die verschlafen, „tut mir leid, ich wusste nicht, dass du …“
      „Du bist zurück!“, stellte da noch jemand fest. Matt im mittleren Bett war aufgestanden und betrachtete den Werwolf erstaunt, trug dabei nur ein schwarzes T-Shirt und Boxershorts. „Wo warst du die ganze Zeit?“
      „Werwolfangelegenheiten regeln“, antwortete jener wahrheitsgemäß. Sein Blick richtete sich wieder auf Valerie, die sich jetzt an die Bettkante setzte. „Was machst du hier?“
      „Das ist etwas kompliziert“, antwortete Matt für sie, „Anya hat entschieden, dass sie heute bei uns bleibt. Wir erklären dir alles morgen, wenn dir das reicht.“
      „Meinet-!“

      Wenn man vom Teufel sprach, so kam er sprichwörtlich und holte einen. Jene Erfahrung machte in diesem Moment auch Zanthe, als hinter Matt ein Schatten aus dem Bett in der Ecke über jene gesprungen kam. Instinktiv und das trotz Migräne wich Zanthe nach hinten aus, als eine Speerspitze auf seine Kehle zielte.
      Da stand sie. Klein, grimmig und schlechter gelaunt denn je: Anya, in Boxershorts und Totenkopf-Shirt mit Angel Wing in seiner Speerform in den Händen. „Wie willst du sterben, Flohzirkus!?“
      „Wie wär's mit gar nicht?“, erwiderte der gallig.
      „Steht nicht zur Auswahl!“ Demonstrativ ließ Anya den Speer ein Stück nach vorne schnellen, was Zanthe in etwa so beeindruckte wie die sekundären Geschlechtsmerkmale einer Frau. Sprich gar nicht.
      „Sag bloß, er hat schon gepetzt“, schnarrte Zanthe daraufhin entnervt.
      „Was hast du dir dabei gedacht, den Zwerg zu vermöbeln!?“, fuhr Anya ihren Freund verständnislos an und zog den Speer zurück, um ihn mit dem Ende des Schafts auf den Boden zu setzen.
      Matt murmelte im Hintergrund an Valerie gewandt: „Fragt diejenige, die ihn in der Notaufnahme hat sitzen lassen …“
      „Ich habe mich schon dafür entschuldigt!“, schnauzte Anya zurück. Nur um den Werwolf im Anschluss wieder blutdurstig zu betrachten. „Was hat er dir getan, huh?“
      „Mir hinterher geschnüffelt. Hast du ihn darum gebeten?“ Bevor Anya verblüfft verneinen konnte, seufzte Zanthe jedoch einsichtig: „Es tut mir leid. Ich werde mich morgen bei ihm entschuldigen, sofern er mich sehen will. Es ist mit mir durchgegangen …“
      Der Dämonenjäger umrundete inzwischen Zanthes Bett und stellte sich neben Anya, gestikulierte mit der rechten Hand, als er meinte: „Ich habe dir ja gesagt, dass er überfällig war.“
      „Hmpf“, schnaubte Anya, wandte sich ab und ließ Angel Wing verschwinden. „Was auch immer, ist mir egal. Wenn du hier bleiben willst, musst du wohl oder übel auf dem Boden pennen …“

      Ohne es zugeben zu wollen, versetzte Anyas desinteressierte Art Zanthe einen Stich. Aber wen wunderte es, wenn man bedenkt, wie stiefmütterlich er sie und Matt in den letzten Tagen behandelt hatte. War es nun so weit, war er ihnen egal?

      „Tut mir leid“, brachte er schweren Herzens an Anya gewandt hervor, „für das Verhalten, das ich seit Kurzem an den Tage lege. Aber dafür gibt es einen guten Grund.“
      Anya, die vor ihrem Bett angelangt war, zuckte teilnahmslos mit den Schultern. „Was nützt mir das, wenn ich nicht mal weiß, was für ein Grund das sein soll.“
      „Ich erzähl's dir, irgendwann. Versprochen.“
      „Tch. Was auch immer …“ Damit legte sie sich wieder ins Bett und drehte ihm den Rücken zu.

      ~-~-~

      Am nächsten Tag saßen sie zu viert in einem kleinen Café um die Ecke.
      Zanthe sog jedes Wort in sich auf, das Matt neben ihm über Marcs Verrat verlor. Sie alle saßen über ihren Spiegeleiern, Toast Hawaii und anderen Speisen. In der Ecke des rustikalen Gebäudes, dessen Wände im Backstein-Look gehalten wurden, befand sich ein Fernseher, wo gerade auf einem der lokalen Duel Monsters-Channel über das Turnier berichtet wurde.
      „… und dann ist Anya ihr hinterher“, schloss Matt die Geschichte ab.
      „Yeah. Redfield wollte nicht zurück in ihr Zimmer, da hab ich sie mitgenommen. Konnte ja nicht ahnen, dass du nochmal auftauchst“, übertrieb Anya es wie gewohnt.
      Valerie schob ihren noch halb vollen Teller von sich. „Können wir bitte über etwas anderes reden?“
      „Tut mir leid, dass dir das widerfahren ist“, sagte Zanthe, dem vom auf den Boden schlafen noch immer der Kopf schmerzte. „So etwas tut man nicht, egal wie nobel die Intention dahinter ist. Trotzdem solltest du mit ihm reden-“
      „Bitte“, wurde Valerie deutlicher. „Das Letzte, worüber ich im Moment nachdenken möchte, ist Marc.“

      Mit diesen Worten zog sich einen Schleier des Schweigens um den Tisch in der Ecke. Im Fernsehen wurde über Othellos gestrigen Sieg gesprochen.
      „Der ist ein harter Brocken“, kommentierte Zanthe das Ganze mit Schulterblick auf den Bildschirm gerichtet, da die Jungs mit dem Rücken zum Fernseher saßen.
      „Ich habe keine Ahnung, wie ich den Krüppel besiegen soll“, gestand Anya ungewohnt selbstkritisch und tunkte lustlos eine Fritte in den Ketchup auf ihrem Teller. „Pendelmonster sind scheiße. Wer hat diesen Mist doch gleich erfunden?“
      „Melinda“, beantwortete Valerie die Frage tonlos.
      „Zur Hölle sollst du fahren, verdammte Schnöselschwester!“
      Das sah Zanthe als die Gelegenheit, mit aufmunternden Worten bei Anya Boden wieder gutzumachen. „Ach, sei doch nicht so negativ. Was dir an Intelligenz fehlt, machst du mit unverschämt viel Glück wieder wett. Wenn du nicht weiter weißt, wird Levrier dir schon helfen.“
      Selbst er musste allerdings erkennen, dass aufmunternde Worte anders klangen, als Anyas Spiegelei in sein Gesicht klatschte.

      Während Zanthe grimmig damit beschäftigt war, sich das Ganze mit einer Serviette aus dem Gesicht zu wischen, sagte Matt: „Du hast noch einen Tag Zeit, dich vorzubereiten. Das Finale findest erst morgen statt.“
      „Yeah“, brummte Anya, „aber was soll ich noch tun? Ich hatte mein Rematch mit Melinda schon, aber obwohl ich gegen sie gewonnen habe, konnte ich die Pendel an sich nicht besiegen.“
      „Hast du keine Karten in deinem Deck, die seine Monster mit anderen Methoden als Zerstörung entsorgen?“, fragte Valerie, jedoch ohne wirklichen Elan dahinter. Sie verfolgte nebenbei die Berichterstattung.
      „Ne. Ich dachte, es reicht, die Monster in den Pendelzonen zu zerstören, um ihn daran zu hindern, seinen Pendelbereich aufzubauen.“ Anya schnaufte wütend. „Aber Othello hat in seinem Duell mit Kakyo bewiesen, was ich vermutet habe. Selbst wenn beide Pendelkarten zerstört werden, kann er trotzdem im nächsten Zug einen neuen Pendelbereich aufbauen und eine ganze Armee an Monstern aus dem Extradeck beschwören, weil die zerstörten Pendelkarten ebenfalls dort landen.“
      „Vielleicht fällt dir noch was ein“, zeigte sich Matt optimistisch, „ich finde es gut, dass die Termine der ganzen Duelle so nah beieinander lagen. Dadurch hast du nicht allzu viel Zeit verloren. Ich meine, in der Profiliga musst du teils eine ganze Woche warten, bis das Finale der Saison stattfindet.“
      Die Schwarzhaarige neben Anya überlegte: „Vermutlich haben die Fords das bewusst arrangiert, um dich nicht zu lange an diesen Ort zu binden. Du hast wirklich Glück, Anya …“

      Zanthe, der endlich fertig damit war, sein Gesicht zu säubern, warf ein: „Also ich kenne mindestens eine Karte, die dir helfen könnte. Die hast du selber schon gegen mich eingesetzt.“
      „Ach ja?“, fragte Anya skeptisch. „Welche soll das sein?“
      Ihr in Ungnade gefallener Freund hob belehrend den Zeigefinger. „Erinnerst du dich noch an die Nacht, als du mich nach Livington mitgenommen hast?“
      „Leider …“
      „Wir haben uns mindestens zehnmal in deinem Zimmer duelliert“, ignorierte er ihren galligen Kommentar gekonnt und erklärte: „Du hast jedes Mal den gleichen Fehler begangen. Mindestens dreimal habe ich [Constellar Omega] beschworen, du hast deine Karte gespielt und siehe da: Mein Omega war plötzlich immun.“
      Die Blonde richtete sich kerzengerade auf. „Sag nicht … An -die- hatte ich gar nicht mehr gedacht!“
      Selbstherrlich grinste Zanthe das Mädchen an. „Wenn du die im richtigen Moment benutzt, kannst du seine Strategie vielleicht komplett lahmlegen.“

      Gerade als er dem interessiert dreinblickenden Matt erklären wollte, worum es sich bei dieser Karte handelte, stellte irgendjemand den Fernseher lauter.
      Eine weibliche Stimme erklärte: „Wir unterbrechen unsere Berichterstattung über Othello Nikoloudis für eine Eilmeldung! Gerade wurde ein Interview von der AFC mit Marc Butcher veröffentlicht, seines Zeichens einer der letzten acht Teilnehmer des Legacy Cups.“
      Sofort wandten sich alle vier in ihrer Ecke erschrocken dem Bildschirm zu, der noch für eine Sekunde das Bild einer adretten, brünetten Frau hinter einem Tresen zeigte, ehe in einen dunklen Raum mit zwei Sesseln gewechselt wurde.
      In einem davon saß Marc, gekleidet in weißem Hemd und schwarzer Hose. Im anderen ein älterer Mann, noch feiner angezogen. Doch was wirklich für erstaunte Blicke sorgte war die Schlagzeile, die unter den beiden durchscrollte.

      „Marc Butcher gesteht Betrugsversuch an Valerie Redfield!“

      Die Augen der Schwarzhaarigen neben Anya weiteten sich, ihre Hände umklammerten das Ende der Tischdecke und wurden zu Fäusten geballt.
      Gleichzeitig begann der grauhaarige Reporter zu fragen: „Mr. Butcher, Sie sind sicher, damit an die Öffentlichkeit gehen zu wollen?“
      „Ja“, erwiderte der junge Mann entschlossen.
      „Was haben Sie getan?“
      „Meine Verlobte betrogen und damit ihren Ruf vielleicht unwiderruflich zerstört. Deshalb gehe ich jetzt an die Öffentlichkeit.“
      „Um Ihre Verlobte zu entlasten? Man wirft ihr vor, im Halbfinalspiel des Legacy Cups gegen Anya Bauer betrogen zu haben.“ Die Worte des Mannes ließen Valerie sichtbar verkrampfen. „Sie hatte eine verbotene Karte in ihr Deck integriert.“
      „Ich war es gewesen“, gestand Marc ohne große Umschweife. Große Schweißperlen standen auf seiner Stirn. „Ich habe die Karte heimlich hinzugefügt.“
      „Warum haben Sie das getan, Mr. Butcher?“
      Der senkte sein Haupt. „Wir hatten uns am Tag davor gestritten. Ich war neidisch, weil sie weitergekommen ist und ich nicht. Also habe ich dafür gesorgt, dass sie ausscheidet. Hätte ich gewusst …“

      „Das ist doch eine glatte Lüge“, schoss es aus einem erstaunten Matt heraus, der ruckartig aufsprang, „was macht er da!?“
      „Er versucht, ihren Ruf wiederherzustellen. Siehst du doch“, gab Zanthe trocken zurück.
      In diesem Moment sprang auch Valerie auf und eilte von dannen. Die Tür des Cafés fiel ins Schloss, da hatten die drei anderen aufgrund des Interviews noch gar nicht begriffen, was hier geschah.
      „Anya, du musst ihr hinterher“, meinte Matt sofort.
      Die erhob sich, doch als sie ihn ansah, war ihr Blick düster: „Nein, du übernimmst das diesmal. Mir ist gerade eingefallen, dass ich meinem 'eigenen Marc' noch Hallo sagen muss.“
      „Du meinst“, fragte Matt erstaunt und sprach Nicks Namen nicht aus, nickte dann aber. „Na gut, vielleicht hole ich sie noch ein.“
      Das Interview lief im Hintergrund weiter und sorgte im Café für großes Getuschel. Anya aber interessierte das herzlich wenig, denn wenn das Marcs Art war, Valerie um Vergebung bitten zu wollen, hatte er kläglich versagt. Was für ein Idiot, dachte er wirklich, ihr würde es besser gehen, wenn die Leute sie jetzt bemitleideten!? Sofern überhaupt einer diesen Bullshit glaubte!?

      Anya schob sich aus der Ecke am Tisch vorbei, da rief Zanthe ihr hinterher: „Hey! Und was soll ich jetzt machen!?“
      „Bezahlen“, erwiderte Anya tonlos, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Sie fügte noch eisig hinzu: „Und dich bei Logan entschuldigen.“
      Zanthe erwiderte etwas darauf, doch Anya hörte es nicht mehr, denn ihre Gedanken waren bereits darauf ausgerichtet, Nick zur Rede zu stellen …

      ~-~-~

      „Hallo Sonnenschein“, strahlte Nick ihr etwa eine Dreiviertelstunde später vom Bildschirm des Laptops nichts ahnend entgegen. Seine freudige Mimik wich einer ernsten, als Anya ihrerseits keine Regung zeigte.
      „Ist etwas passiert?“, fragte er angespannt. „Ist Kali wieder aufgetaucht? Sag etwas, Anya!“
      „Hast du Redfield in ihrem eigenen Haus angegriffen?“, fragte diese nach fast einer Minute Stille tonlos. „Und stimmt es, dass du Summers ein Messer an die Kehle gedrückt hast?“
      Nick schloss die Augen. Er stützte sich mit den Ellbogen auf seinem gläsernen Tisch ab und faltete die Hände ineinander. „Ja, beides ist korrekt. Hat man dir gesagt, warum ich das getan habe?“
      „Marc hat erzählt, du wärst von einem Redfield-Lookalike in eine Falle gelockt worden.“
      „So ist es. Und ich habe genau den Fehler begangen, den unser Feind herbeigesehnt hat: Ich habe die echte Valerie verdächtigt.“ Nick öffnete die Augen. „Ich wollte dir nichts davon erzählen, solange ich nicht weiß, wer uns da hat auflaufen lassen. Du hattest und hast immer noch genug Probleme, als dich auch noch um so etwas zu kümmern.“
      Anya verzog noch immer keine Miene. „Und das mit Matt?“
      „Ich traue ihm nicht. Er ist irgendwie anders, seit er wieder in Livington ist.“
      „Du bist auch anders, seit du nicht mehr so tust, als wärst du ein Idiot“, erwiderte Anya grimmig.
      „Nein, ich war schon immer so, habe es nur nie gezeigt. Matt dagegen … ich weiß nicht, ob er dich beschützen kann, wenn es drauf ankommt. Ob er es überhaupt wird.“
      Trotzig zog Anya die Nase nach oben. „Niemand muss mich beschützen, ich kann auf mich selbst aufpassen!“

      Zed würde da gerne ein Wörtchen mitreden.

      Anya hörte Levriers Spitze gar nicht. Sie beugte sich nach vorne über den kleinen, runden Tisch in ihrem Zimmer und starrte Nick herausfordernd an.

      „Kannst du nicht“, widersprach der ihr ebenso und ließ die Arme sinken, „aber ich kann es auch nicht. Matt verheimlicht uns etwas und ich wollte herausfinden was. Eins hat zum anderen geführt. Ich bin nicht stolz darauf, bereue es aber auch nicht.“
      Seine Freundin schnaubte verärgert. „Ist ja kein Wunder, dass keiner meiner Freunde dich leiden kann, wenn du jedem bei der kleinsten Gelegenheit an die Gurgel gehst.“
      Ein freches Grinsen huschte über ihre Lippen. „Wüsst' ich es nicht besser, würde ich glatt sagen, wir wären verwandt.“
      Nick lachte düster auf. „Sag bloß, du glaubst den Mist, den Zachariah verbreiten wollte?“
      „Nö.“
      „Gut so.“ Der zerzauste, junge Mann lächelte zufrieden. „Dass sie mich nicht mögen ist verständlich, aber leider nicht zu ändern. Wenn sich die Wogen geglättet haben, werde ich Abby darum bitten, ein wenig ihren Charme spielen zu lassen.“
      Anyas Grinsen verlor sich. „Der Flohpelz misstraut Summers auch und du hast Recht, irgendwie ist er … anders. Kann ich mich wirklich auf ihn verlassen?“
      „Ich weiß es nicht, Anya“, gestand Nick, „aber im Moment brauchen wir jede Hilfe, die wir kriegen können. Behalte ihn einfach im Auge. So, ich muss Schluss machen. Meinen Arbeitgeber dürstet es nach meiner ungeteilten Aufmerksamkeit.“
      Die Blonde nickte knapp. „Ist gut. Ich muss sowieso nach Summers und Redfield suchen.“
      „Das Interview habe ich gesehen, kurz bevor du mich angeschrieben hast. Ich weiß nicht, ob ich ihn für seinen Mut, ein öffentliches Geständnis abzulegen, bewundern oder für diesen erbärmlichen Wiedergutmachungsversuch bemitleiden soll. Kümmere dich um Valerie, sie braucht dich jetzt“, riet Nick abschließend.
      „Yeah. Aber erstmal muss ich sie finden. Also gut, man sieht sich, Harper.“
      „Meld' dich ruhig, sobald du sie gefunden hast.“
      „Ah, und noch etwas“, fiel es dem Mädchen ein. Ihr Blick verdüsterte sich noch einmal merklich, als sie sich erhob, „beim nächsten Verdacht meldest du dich erst bei mir, ehe du handelst. Klar?“
      Emotionslos erwiderte ihr Freund. „Verstanden."

      Nachdem die beiden sich voneinander verabschiedet hatten, beendete Nick sein Skype-Programm. Wieder einmal hatte er seine Schwester angelogen. Aiden war gar nicht in seinem Büro und wartete auf ihn. Stattdessen lehnte Alexandra hinter ihm an der Wand, wohl gemerkt außerhalb des Winkels der eingebauten Kamera seines Laptops und hatte das Skype-Gespräch still mitverfolgt.
      Die Blonde war in einen braunen Trenchcoat gehüllt. Regentropfen prasselten gegen die Fensterfront von Nicks Büro. Es stürmte regelrecht in Livington.
      „Erstaunlich, wie eiskalt du sie anlügen kannst“, kicherte seine Partnerin, „zu mir hast du gesagt, dass dir ihre Freunde gleichgültig sind.“
      „So ist es auch, aber das muss sie nicht wissen.“ Nick klappte den Laptop zu, erhob sich und wandte sich Alex zu. „Ich hoffe, du konntest deinen Informanten erreichen.“
      „Ja, aber er kann sich erst morgen mit uns treffen.“
      „Wann?“
      Ein herausforderndes Lächeln zierte die roten Lippen der Schatzsucherin. „11 Uhr.“
      „Also kann ich Anyas Duell nicht mitverfolgen?“ Nick funkelte sein Gegenüber finster an. „Gut eingefädelt.“
      „Sei froh, dass ich dir helfe.“
      „Sei froh, dass du noch dazu in der Lage bist.“
      Schlagartig lachte die zierliche Frau mit dem leicht gewellten, dunkelblonden Haar vergnügt auf und stieß sich von der Wand ab. Sanft legte sie ihre Hand an Nicks Wange und küsste ihn auf die andere. „Bin ich.“
      Sie zog an ihm vorbei und sagte: „Wir sehen uns nachher. Lass dich nicht von Reid ärgern.“

      ~-~-~

      Verspielt tänzelte das schwarze Haar um Valeries Gesicht. Sie stand über das Geländer gelehnt, das den gepflasterten Gehweg vom Fluss trennte. Nicht weit von ihnen spannte sich eine riesige Brücke von einer Hälfte Ephemeria Citys zur anderen.
      „Ganz schön windig. Zu windig für meinen Geschmack“, beklagte sich Matt außer Atem, als er das Mädchen endlich erreicht hatte.

      Sie befanden sich am äußersten Rand einer der sechs Parkanlagen der Stadt, direkt unter dem Schatten einer der Bäume der Allee.
      Tatsächlich war die Erschöpfung des Dämonenjägers nur gespielt. Matt hätte Valerie schon viel früher einholen können, doch wollte er ihr zunächst ein bisschen Zeit mit sich selbst einräumen.
      Nachdenklich verharrte sie nun schon eine Weile dort. Erwiderte: „Ein Sturm zieht auf.“
      „Wirklich? Ich höre nur selten den Wetterbericht.“
      „Es ist nett, dass du mich aufmuntern möchtest, aber das ist nicht nötig.“
      Er gesellte sich zu ihr. Entgegen seiner Erwartungen war ihr Gesicht nicht nass von Tränen, wie es gestern der Fall war, als er ins Hotelzimmer zurückgekehrt war und sie dort mit Anya vorfand, die Schwarzhaarige in den Armen der Blonden. Wie hilflos und unbeholfen Anya dabei ausgesehen hatte, fast zum Schießen, wäre der Anlass nicht so bedrückend gewesen.
      Doch dieses Mal strahlte Valerie eine seltsame Form von Ruhe aus. Hatte sie Marc vergeben?
      „Wir sind alle Freunde, das ist selbstverständlich“, erwiderte er gutmütig.
      „Danke. Richte bitte auch Anya aus, dass ich froh war, die Nacht bei euch im Hotel verbringen zu dürfen. Aber ich suche mir nachher ein eigenes.“
      „Du willst nicht zu Marc zurück?“
      „Ich“, sagte Valerie und ihre Stimme senkte sich, „werde nie wieder zu Marc zurückkehren. Sobald ich den Scherbenhaufen zusammengesammelt habe, der mal mein Herz war, werde ich die Verlobung lösen.“
      Matt stand der Mund offen. „Was!? Aber er hat doch-!“
      Das Mädchen senkte den Kopf. „Ich fühle gar nichts mehr, Matt. Gar nichts. Weder Schmerz noch Hass noch irgendetwas anderes. Es ist beängstigend, aber ich bin froh, dass es so ist, auch wenn ich es nicht verstehe.“
      „Als wäre er gestorben und du durchläufst noch den Prozess des Begreifens?“
      „Marc ist schon lange tot.“ Valerie drehte sich ihm zu, ihre Mimik war frei von irgendwelchen Emotionen, als ihr Haar das Gesicht verschleierte. „Er ist nur hier, weil ich ihn nicht gehen lassen konnte. Versteh' mich bitte nicht falsch, ich bereue es nicht, ihn ins Leben zurückgeholt zu haben. Aber für mich ist er jetzt wirklich … tot.“
      Der Dämonenjäger drehte sich weg und lehnte sich nun seinerseits über das Geländer. „Sag so etwas nicht. Du bereust es später, glaub' mir. Das sind nur die ersten Tage, in denen du so viel fühlst, dass es dir vorkommt, als würdest du gar nichts empfinden.“
      „Mag sein. Es ist noch etwas Zeit, ehe ich Marc ein letztes Mal gegenüber stehe. Wenn du Recht hast, werde ich meine Worte bis dahin überdenken.“ Valerie entfernte sich von ihm. „Danke, Matt.“
      Betrübt sah er dem Mädchen hinterher, wie es alleine im Wind durch die Allee zog. Leise flüsterte er: „Wie kann man für so etwas dankbar sein?“

      ~-~-~

      Zum wiederholten Male klopfte Zanthe gegen die grüne Holztür. Dank Anya wusste er, dass Logan in einem kleinen Motel etwas abseits von Ephemeria City übernachtete. Draußen auf dem Parkplatz stand sein schwarzes Motorrad neben einigen, wenigen Fahrzeugen. Das gelbe, längliche Gebäude wirkte etwas heruntergekommen, da der Putz schon an einigen Stellen abgeplatzt war.
      „Ich weiß, dass du da bist, also hör' auf, dich unter dem Bett zu verstecken“, schnarrte der Werwolf ungeduldig. Er wollte das jetzt hinter sich bringen!
      Genervt nahm er einen Schritt zurück und verschränkte die Arme. In regelmäßigen Abständen gab es Türen, genau wie diese, bis zu seiner Linken ein Knick folgte, von wo aus es nach hinten noch weiterging. Der Parkplatz befand sich in der Innenseite des L-Schenkels.

      „Dann eben nicht.“
      Der Werwolf rollte mit den Augen und wollte schon abdrehen, da schwang die Tür auf und Logans demoliertes Haupt lugte durch den Schlitz. Zerzaustes, schwarzes Haar und Augen voller Schlaf sagten genug aus.
      „Was willste?“, brummte der Mann.
      Wie der größere, aber optisch jüngere Zanthe ihn betrachtete, mit den Pflastern an der linken Wange und Bandage um den Kopf, kam das schlechte Gewissen hoch. So ungern er es zugab, hatte Anya Recht, er schuldete Logan eine Entschuldigung.
      „Dich um Verzeihung bitten wegen dem, was vorgestern geschehen ist“, gestand er daher aufrichtig, „darf ich kurz reinkommen?“
      „Nein.“ Als Logan den getroffenen Gesichtsausdruck des jungen Mannes sah, fügte er hinzu: „Sieht dort drinnen gerade wie auf einem Schlachtfeld aus. Ist besser, wenn du das nicht siehst. Nichts gegen dich.“
      „Also wirst du keine Anzeige erstatten?“, fragte Zanthe vorsichtig.
      „Nein. Schnee von gestern.“

      Dem Kopftuchträger in seiner blauen Jacke entfuhr ein erleichterter Laut, denn ein wenig hatte er sich doch davor gefürchtet. Aber es war erstaunlich. Er hätte Logan nicht als jemanden eingestuft, der so locker drauf war. Zumindest von dem zu urteilen, wie Anya ihn beschrieben hatte.

      Allerdings war Zanthe ein Skeptiker, der lieber zweimal nachfragte. „Wirklich?“
      „Ja.“
      „Danke.“
      „Kein Ding.“
      Er traute es sich gar nicht, danach zu fragen, aber etwas ging ihm seit dem Weg hierher nicht aus dem Kopf. „Sag mal, war das Angebot ernst gemeint?“
      „Welches?“
      „Als wir abgehauen sind, da hast du gesagt, Exa könnte in deiner Werkstatt anfangen, sobald wir wieder in Livington sind. Oder habe ich mir das nur eingebildet?“
      „Hast du nicht“, erwiderte Logan und trat nun vor die Tür. Sein unbekleideter Oberkörper war haarig, sehr haarig. Nicht Zanthes Geschmack, wie dieser insgeheim feststellte. Aber schön durchtrainiert, das musste man ihm lassen. Davon musste er Anya unbedingt erzählen, sofern die sich überhaupt etwas daraus machte. Manchmal glaubte er wirklich, sie war asexuell.
      Logan bemerkte die musternden Blicke, während er sprach. „Wenn er ein bisschen von Maschinen versteht, können wir es gerne versuchen. … wieso starrste mich so an?“
      „N-nichts. Gegenfrage: Wieso bist du so nett zu uns? Du vergibst mir, obwohl ich dich krankenhausreif geschlagen habe, würdest Exa einstellen, obwohl du ihn nicht einmal kennst …“
      „Weiß halt, wie es ist, ganz unten zu sein.“
      Dem Schwarzhaarigen entfuhr ein betrübtes. „Oh“, gefolgt von: „Ich würde gerne mehr darüber erfahren. Anya redet nicht viel über dich und das, was sie sagt, naja …“
      … war meist nur wütendes Gebrabbel, das eigentlich verliebtes Getuschel sein sollte. Wäre doch zu interessant zu erfahren, wie der Mann, der ihr Herz zu erobern schien, so drauf war.
      „Willst dir ein eigenes Bild machen, was?“ Er nickte und lachte dann bissig: „Warte kurz hier, ziehe mir nur schnell was über.“

      ~-~-~

      Als Zanthe ein paar Stunden später gut gelaunt, das Hotelzimmer der Drei betrat, war er nicht alleine. Anya saß an dem kleinen Tisch und sah aus dem Fenster eine Werbung Claire Rosenburgs am Wolkenkratzer gegenüber an, in der es um Motorradanzüge ging.
      „Na, denkste, die stellen solche auch in deiner Größe her?“, neckte der Werwolf sie und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.
      „Mir doch egal“, murmelte Anya grimmig.
      „Du quillst ja mal wieder förmlich vor guter Laune über.“ Mit der Zunge schnalzend stellte sich der gebürtige Italiener neben seine Freundin. „Ich habe mich bei Logan entschuldigt, wie du es wolltest. Könntest du jetzt bitte aufhören 'rumzuschmollen und wieder damit anfangen, von mir genervt zu sein?“
      „Hmpf.“

      Zanthe zog hinter Anya vorbei, schnappte sich den anderen Stuhl und setzte sich ihr gegenüber. Abgewandt wie sie da saß, so nachdenklich drein blickend, wirkte sie irgendwie verloren. Der Schwarzhaarige ahnte warum. „Hast wohl Schiss, morgen zu verlieren, was?“
      „Geht dich 'nen Feuchten an.“
      „Du hast deinen Bruder, einen ehemaligen Weltmeister und beinahe auch Valerie besiegt.“ Zanthe seufzte. „Räum' dir ruhig bessere Chancen ein, so schlecht bist du nicht. Vielleicht etwas unbeholfen, aber du hast dich verbessert.“
      „Nein, mein Deck hat sich verbessert, weil ich jetzt Hüterkarten besitze.“
      „Oh man.“ Seufzend stützte Zanthe seinen Ellbogen auf den Tisch und seine Wange an der Handfläche ab, dabei Anya mitleidig betrachtend. „Dein Ego-Airbag ist tatsächlich geplatzt. Wer war's, Matt, Levrier oder gar Nick? Hast du ihn deshalb zur Rede stellen wollen?“
      „Wenn ich morgen verliere, war alles umsonst. All das Leid, das dadurch entstanden ist, weil ich an diesem beschissenen Turnier teilnehmen muss.“ Anya betrachtete Zanthe kritisch aus dem Augenwinkel. „Und mein Traum, Duel Queen zu werden, wird mit mir sterben, wenn ich verliere.“

      Sprachen da etwa Schuldgefühle aus ihr, fragte Zanthe sich erstaunt. So erlebte man das Mädchen äußerst selten. Aber anscheinend wurde selbst ihr der Druck mal zu viel. Wenn man bedachte, dass es wohl nie zum Zerwürfnis zwischen Valerie und Marc gekommen wäre, müssten sie nicht an Claire Rosenburg herankommen, war Anyas Aussage durchaus korrekt. Ohne das Turnier hätte er, Zanthe, vielleicht auch nie Exa kennengelernt und sich von seinen Freunden entfernt.
      Sie dachte wohl wirklich, alles wäre ihre Schuld …

      Gerade wollte Zanthe ihr mit tröstenden Worten versichern, dass dem nicht so war, da flog die Tür auf. Matt schlurfte erschöpft atmend ins Zimmer.
      „Hey, Summers“, rief Anya ihm träge zu, stand auf und ließ Zanthe links liegen, „wie ist es gelaufen? Wo ist Redfield?“
      „Valerie kommt nicht wieder.“

      Im Anschluss erklärte er den beiden, was Anyas Erzrivalin gesagt hatte. Zumindest waren sich die Drei diesbezüglich einig: Valerie sollte sich Zeit nehmen, ehe sie entschied, wie es mit Marc weitergehen sollte.
      Zwar boten Zanthe und Matt Anya danach an, sich noch ein wenig mit ihr auf den morgigen Tag vorzubereiten, doch die lehnte ab, nahm ihr Deck mit ins Bad und schloss sich eine ganze Stunde darin ein. Man hörte sie ab und zu mit Levrier reden, aber es ging lediglich um Strategien.
      Als sie wiederkam, wollte sie nur noch eins: Ins Bett.

      ~-~-~

      Gähnend richtete sich Anya langsam auf. Sich den Schlaf aus den Augen reibend, schwang sie die Beine über die Bettkante und setzte sich an den Rand ebenjener. Obwohl sie nur zur Hälfte wach war, kreiste bereits ein grundlegender Gedanke in ihren noch lahmen Gehirnwindungen: Gewinnen.
      Das Gesicht in ihren beiden Händen begrabend, dachte sie über das nach, was sie in wenigen Stunden erwartete: Der womöglich härteste Kampf ihres Lebens. Sie musste der Welt beweisen, dass sie imstande war, jene Person zu besiegen. Ganz egal was es sie kostete, und das obwohl Anya bereits entschieden hatte, Levrier heute auf der Ersatzbank zu lassen. Das war ein Kampf, den sie aus eigener Kraft gewinnen musste. Nein, einer, den sie ohne sein Zutun gewinnen -konnte-!
      Einziges Problem daran war, dass sie sich davor fürchtete. Pendelmonster …
      Sie hatte nur einen Versuch, diese Dinger zu besiegen. Wenn der misslang, wenn sie nicht die richtige Karte im richtigen Moment zog, könnte ihr Traum für immer ein solcher bleiben.

      Während sie bereits diverse Szenarien durchging, wie das Duell verlaufen könnte, schob sich von ihr unbemerkt ganz langsam ein Kopf unter dem Rand des Bettes hervor, direkt zwischen ihren Beinen. Die braunen Augen blinzelten neugierig, von unten das Mädchen ansehend. Dann nieste der Mann ungewollt.
      Anya riss die Hände überrascht von ihrem Gesicht und sah herab auf einen Mittdreißiger mit Oberlippenbart und Vokuhila. Sich gegenseitig einige Sekunden lang nur anstarrend, sagte keiner der beiden einen Ton. Bis Anya das Einzige tat, das eine Anya Bauer in dieser Situation tun würde: Den Eindringling mit dem nackten Fuß ins Gesicht stampfen!

      Unter einem lauten Aufschrei beiderseits huschte der Fremde zurück unter das Bett, nur um auf der anderen Seite stehend wieder aufzutauchen, mit blutender Nase. Während Anya von der Bettkante aufsprang und herumwirbelte, waren von dem Lärm auch Matt und Zanthe wach geworden, kerzengerade hochgefahren und starrten den 'Besucher' verblüfft an.
      „Wer zur Hölle bist du denn!?“, spie Anya Gift und Galle.
      Der Schwarzhaarige, der die beiden Jungs bemerkte, schluckte. „Ouh, nicht gut. Ich verschwinde! Und danke hierfür!“
      Sprachs und winkte mit einem schwarzen Tanga, ehe er schnurstracks an den Betten vorbei rannte und durch die Zimmertür verschwand.
      „Was ist denn hier los?“, staunte Zanthe nicht schlecht und stieg aus dem seinen.
      Anya eilte bis zur Tür und wandte sich an Matt. „Was war das für ein Typ!?“
      Der aber schien sich auf etwas anderes zu konzentrieren. „Die bessere Frage lautet: Wieso stiehlt er deine Unterwäsche?“
      „Das war nicht meine!“
      „Moment … hey!“
      Noch ehe Anya überhaupt Zanthes wutentbrannten Schrei vernommen hatte, war der schon an ihr vorbei geflitzt. Schnell schaltend, haftete sich die Blonde an dessen Fersen. „Hey, der gehört mir! Also der Typ!“
      Und während Matt im Bett sitzend nur dumm aus der Wäsche guckte, jagten die beiden ihrem Opfer über den Flur nach.

      Jenes erwies sich als erstaunlich schnell und erreichte vor den beiden den Fahrstuhl am Ende des Ganges. Schnell herumwirbelnd, hämmerte er gegen die Taste, die die Türen des Lifts schloss. Zwar sah er noch Zanthes Hand auf sich zuschnellen, doch zu spät. Zwei massive Metallplatten schoben sich schützend vor Lee Anderson.
      „Puh!“, wischte der sich den Schweiß von der Stirn und sackte langsam an der Wand hinab, dabei stolz das schwarze Stück Stoff in seiner Hand betrachtend.
      Dann wurde der Fahrstuhl von einer leichten Erschütterung getroffen. Es knirschte. Entgeistert starrte der selbsternannte Dämonenjäger der Tür entgegen, die sich vor ihm unter deutlichem Einfluss von Gewalt Millimeter für Millimeter wieder öffnete. Dann sah er die schwarzen Klauen, die sie auseinander schoben.
      „Schneller, Flohzirkus!“, forderte Anya auf der anderen Seite herrisch.
      „Den kauf ich mir!“, schwor Zanthe davon angestachelt, dessen beide Arme komplett verwandelt waren.
      Leichenblass sackte Lee nur noch an dem kalten Stahl auf den Hosenboden herab, als ihm zwei zornesrote Fratzen, kaum menschlicher Natur, mit weit aufgerissenen Augen entgegen blickten.

      ~-~-~

      „Gnade! Gnade!“, kreischte er zwanzig Minuten später weibisch.
      Wie ein kleines Kind hockte er in der Ecke von Anyas Hotelzimmer, umzingelt von der Herrin der Schmerzen persönlich, dem trotz Rückverwandlung nicht weniger dämonisch anmutendem Zanthe und Matt, der kommentarlos zusah. Allesamt inzwischen angezogen, verstand sich.
      „Sprich!“, forderte Anya und schlug abermals mit dem Gürtel in ihrer Hand gegen Lees nackten Oberarm. Generell gab es außer seiner Boxershorts nicht mehr viel, was der Gute noch am Leibe trug, dafür hatte Zanthe gesorgt.
      „Gnade!“, winselte der Mann nur.
      „Falsche Antwort!“ Anya ließ den Gürtel fallen und zückte aus dem Nichts einen Pin. Mehr als genug, um Lee ängstlich nach Luft schnappen zu lassen. „Wer zur Hölle bist du und warum stiehlst du Fuzzys Unterwäsche!?“
      In sich hinein murmelnd, gluckste Matt: „Die bessere Frage ist doch, wieso seine Unterwäsche unter deinem Bett liegt.“
      „Sprich, oder sie wird den Pin benutzen. Und Gott, sie weiß, wie man den Pin benutzt!“, drohte Zanthe derweil und hielt Anya die flache Handfläche hin, in die jene nickend abklatschte. Matt stellte belustigt fest, wie schnell ein gemeinsamer 'Feind' die beiden doch zusammenführen konnte.
      In einem plötzlichen Schub von Courage – oder purer Verzweiflung – sprang Lee auf und stellte sich in seiner typisch überheblichen Art vor. „Ich bin Lee Anderson, bester Dämonenjäger der Vereinigten Staaten und-“
      Anya stierte ihn feindselig an. „Sitz!“
      „Ja, Herrin!“, quiekte ihr neues Haustier sofort verschreckt und schrumpfte wieder in sich zu dem kümmerlichen Haufen Elend zusammen, den er eben noch abgegeben hatte.
      Endlich Erbarmen zeigend, stellte sich Matt beschwichtigend vor den Älteren. „Leute, der ist harmlos. Das ist der Kerl, mit dem ich mich neulich duelliert habe, als ich den Hüter besuchen wollte.“
      Die Blonde stemmte skeptisch eine Hand in die Hüfte. „Scheiße, Summers, wo gabelst du nur immer diese Freaks auf!?“
      Etwas, das jemand ganz Bestimmtes natürlich nicht unkommentiert lassen konnte.

      Fürwahr, dabei dachte er bestimmt, nach dir könne es nicht mehr schlimmer kommen.

      „Schnauze, Levrier!“
      „Wir fragen nicht nochmal, was willst du von uns?“, fragte Zanthe bitterböse. „Denk an den Pin!“
      Welchen Anya zur Verdeutlichung mit düsterer Miene hoch hielt. Die Spitze spiegelte sich in Lees Augen wieder, der rückwärts gegen das Fenster krabbelte und zitterte wie Espenlaub.
      „Er sagt, er wäre ein Dämonjäger“, wandte sich Zanthe aufgrund mangelnder Kooperation an den aus ihrer Gruppe, „muss man ihn kennen?“
      Matt grübelte einen Moment. „Nein. Der hat bestimmt noch nie einen echten Dämon gesehen.“
      „Jetzt schon“, knurrte Anya und rückte Lee mit erhobenem Folterinstrument näher und näher.
      Der quiekte panisch. Sehr panisch. Wie ein Schwein beim Schlächter. Nur dass das Schwein sein trauriges, aber in diesem Fall auch erlösendes Ende gefunden hätte. Lee hingegen … nicht wirklich, denn auch wenn Anya etwas außer Übung war, kannte sie noch mindestens 31 verschiedene Arten, jemanden mit einem Pin zu foltern. Und von denen hatte sie bisher nur 19 ausprobieren können!

      Sie würde mit dem Auge anfangen, entschied Anya, als sie sich mit dämonischer Fratze zu ihm herunter beugte. Lee konnte schon ihren stoßweise gehenden Atem auf seiner nackten Haut spüren. Das Auge, ein echter Klassiker. Man, die Leute ahnten ja nicht, wie gruselig es war, wenn man eine Spitze auf sich zukommen sah. Verdammt, wer immer der Typ auch war, wegen ihm hatte sie jetzt gute Laune. Dafür würde sie ihn nachher auch nur ein wenig mit dem Tanga vom Flohzirkus würgen! Moment … !
      Anya schreckte auf. „Verdammt, wir müssen bald los!“
      „Wie schön, dass dir das auch endlich auffällt“, schnarrte Zanthe spitz hinter ihr, „es sind noch zwei Stunden. Denk dran, wir haben noch nicht gefrühstückt und ich sehe schwarz für dich, wenn dein Magen so leer wie dein Kopf ist.“
      „Dafür brech' ich dir nachher was, du Allergien auslösende Misttöle! Okay!“ Anya wirbelte wieder mit leuchtenden Augen zu Lee herum. „Sprich, du hast zehn Sekunden, sonst bist du der erste Kaktus, dessen Spitzen nach innen wachsen!“
      „Gnade!“, schrie das schwarzhaarige Auslaufmodell der 90er abermals panisch und plapperte zusammenhangslos: „Meine Herrin hat mich beauftragt, euch zu helfen, aber ich helfe keinen Dämonenhexen und schon gar nicht, wenn sie so irre sind wie ihr. Ich habe euch genau beobachtet, ihr seid nicht nur ein bisschen gefährlich, sondern extrem hyper-gefährlich und solchen Leuten helfe ich bestimmumpf.“
      Anyas Schuh unterbrach ihn erbarmungslos. „Die zehn Sekunden sind um.“
      „Sind sie nicht“, lachte Zanthe trotz allem schadenfroh.
      „Ich würde sagen, wir verhören ihn später weiter.“ Matt watete zu seinem Bett in der Mitte, besser gesagt zu dem Koffer, der davor stand. „Wir fesseln und knebeln ihn, bis wir wieder zurück sind.“

      Tatsächlich zückte er ein Seil aus dem Koffer, das er den anderen grinsend präsentierte.
      „Wieso hast du so etwas mit?“, fragte Anya baff, doch ihre Mundwinkel zuckten nach oben. „Yeah, machen wir es so!“
      Und Zanthe murmelte: „Stell keine Fragen, deren Antworten du nicht hören willst …“
      Denn seiner Meinung nach hatte Matt das Ding nur mitgenommen, um jemand ganz Bestimmtes im Raum ruhig zu stellen, sollte sie mal zu sehr über die Stränge schlagen.

      Schon zum zweiten Mal innerhalb eines kurzen Zeitraums waren die Drei sich jedoch einig, was dazu führte, dass, als sie das Hotelzimmer verließen, ein halbnackter Lee gefesselt und geknebelt in der Badewanne lag. Und er weinte. Denn Anya hatte trotz allem noch ein paar Minuten Zeit gefunden, den Pin zu benutzen …

      ~-~-~

      Es war das letzte Mal, dass sie durch einen Gang wie diesen gehen würde, schoss es Anya durch den Kopf. Anders als im Stadion, in dem die vorherigen Spiele ausgetragen wurden, war dieser recht hell erleuchtet. In regelmäßigen Abständen standen Minipalmen in blauen Töpfen an den Wänden, um den schweren Weg nach vorn freundlicher zu gestalten.
      „Levrier?“, fragte Anya nachdenklich.

      Immer noch nervös?

      „Wenn ich keine andere Wahl habe, denkst du, ich sollte deine Kräfte benutzen?“ Die Blonde senkte das Haupt. „Ich meine, bisher habe ich im gesamten Turnier darauf verzichtet. Aber ich bin so nah dran, mich mit Claire Rosenburg zu duellieren.“

      Das musst du entscheiden. Ich bezweifle, dass man den Betrugsversuch bemerken würde, immerhin wurde noch nie ein Duell deswegen vom System beendet: Die Frage ist, ob es das ist, was du willst? Besonders nach dem, was mit Valerie Redfield vorgefallen ist.

      Anya verzog grimmig das Gesicht. „Sie sitzt im Publikum. Wenn ich das mache, denkt sie, ich hätte nichts dazugelernt. … nicht, dass mich das irgendwie juckt, klar?“

      Natürlich und in der Sahara bauen sie Iglus. Du hattest in diesem Duell die Niederlage bereits vor Augen und akzeptiert. Kannst du das noch einmal? Wie dem auch sei, ich hatte genug Zeit mich zu erholen, insofern kannst du dich auf mich verlassen.

      „Tch“, zischte das Mädchen, dem Licht entgegen laufend.
      Es würde gegen ihren Kodex verstoßen, den Cheat Draw zu benutzen. Sie wollte ihren Traum erfüllen, aber auf faire Art und Weise. Anders konnte man nicht Duel Queen werden.
      Jedoch ging es nicht nur darum, sie musste auch an ihre Zukunft denken, die ohne Claire und ihr Artefakt düster aussah. Othello war nicht wie ihre vorherigen Gegner, er benutzte eine neue Beschwörungsart, der sie nicht gewachsen war. Vielleicht musste sie wirklich …

      Mit sich hadernd blieb Anya vor dem Ausgang stehen. Hoffentlich zwang er sie nicht dazu, so weit zu gehen. Von Valerie wusste sie, dass Othello ebenfalls den Traum hatte, Claire zu besiegen und, wenn auch nur kurz, als stärkster Duellant gefeiert zu werden. Ihre Situationen waren so ähnlich, dass es glatt unheimlich war. Darauf konnte Anya jedoch keine Rücksicht nehmen. Nur einer konnte gewinnen. Und das würde, nein, das musste sie sein!

      Entschlossen trat sie ins Innere des Stadions. Und wurde überwältigt von den Eindrücken, die sich ihr boten. Überall an der Decke des kreisrunden Stadions befanden sich Scheinwerfer, fast doppelt so viele wie im alten. An dem Duellfeld in der Mitte hatte sich nichts geändert, es war ebenfalls eine kreisrunde Plattform, wenngleich der Weg dahin auch viel weiter war. Aber die Zuschauerränge! Im alten hatten vielleicht 20.000 Leute hineingepasst, wenn überhaupt. Hier waren es doppelt so viele und mehr. Reihe über Reihe ging es wie in einem Kolosseum nach oben, es war so unübersichtlich. Dazu kam noch ein kleiner Turm zu ihrer Linken, in dem sich diesmal die VIP-Lounge und der Kommentatorenplatz befanden.

      Anya schluckte ihre Nervosität herunter und schritt voran. Da hörte sie jemanden ihren Namen rufen und bemerkte ihre Freunde, wie sie in der ersten Reihe zu ihrer Linken saßen. Vorne Zanthe, Valerie und Logan, dahinter in der zweiten Matt, welcher wieder sein Plakat mitgebracht hatte.
      „Heh“, grinste Anya und zeigte ihnen einen Daumen nach oben.
      Ihren Weg stolz fortsetzend, sah sie nach oben und hielt erstaunt an. Das Dach bestand komplett aus Glas, auf das dicke Regentropfen prasselten. Der Himmel war grau, ganz anders, als sie mit dem Taxi losgefahren waren.
      „Schlechtes Wetter, huh? Dann ist man da oben wohl für mich“, schloss Anya und ging weiter. Von der anderen Seite sah sie schon Othello in seinem Rollstuhl näher rücken. Er trug ein weißes Hemd und eine weiße Hose, wirkte blass, vermutlich war er genauso nervös wie sie. Wenigstens musste er nicht dieses dämliche T-Shirt mit der Werbung von Mr. Palmers Shop tragen, dachte Anya ärgerlich.

      Entschlossen nahm Anya die drei Stufen hinauf zur Plattform. Auf Othellos Seite war extra eine Rampe angebracht worden, welche dieser mit emotionsloser Mimik hochfuhr.
      „Was für ein Anblick!“, hallte in dem Moment Mr. Cs Stimme durch den Saal. Die insgesamt zwei Dutzend Bildschirme über den Tribünen zeigten sein Gesicht. Der schwarzhaarige Bartträger mit der Elvistolle grinste in seinem türkisen Anzug das Publikum hinter seinem Pult an. „Das sind sie, unsere beiden Finalisten. Das Mädchen, das niemand auf dem Plan hatte, der Underdog in diesem Turnier: Anya Bauer!“
      Das Bild des Kommentators wich einem Portrait Anyas. Das Publikum jubelte und rief ihren Namen, viel lauter und intensiver als in den vorherigen Spielen. Es fühlte sich seltsam an, so gefeiert zu werden, ging es Anya dabei durch den Kopf.
      „Ihr Gegner ist jemand, der von Anfang an als einer der großen Favoriten galt: Othello Nikoloudis!“
      Dachte Anya gerade noch, ihr Applaus war laut, so wirkte er gegen den, den der Junge im Rollstuhl erhielt, geradezu lächerlich. Sie schrien seinen Namen in regelmäßigen Abständen, klatschten, salutierten, ganze Blöcke bestanden nur aus seinen Fans, die Fahnen, Transparente und Banner in die Luft hielten.
      „Doch bevor dieses letzte, einzigartige Duell beginnt, noch kurz ein paar Worte unserer Organisatorin, Melinda Ford!“, ließ Mr. C verlauten.
      Das Portrait Othellos, das eben noch eingeblendet worden war, schwand. Stattdessen sah man den Rotschopf Melinda, dieses Mal mit Turmfrisur, knalligem Lippenstift und langen Ohrringen. Sie hielt ein Mikrofon in der Hand. „Hallo Leute, schön, dass ihr euch so zahlreich im Stadion eingefunden habt beziehungsweise den Fernseher eingeschaltet habt.“
      Die Leute pfiffen fröhlich und klatschten, sodass die junge Frau glücklich strahlte. „Ha ha, keine Sorge, es geht gleich los. Aber davor möchte ich noch einmal allen danken, die dieses Turnier ermöglicht haben. Und das sind allen voran die Teilnehmer. Vielen Dank, ihr wart ohne Ausnahme Spitzenklasse!“
      Noch lauterer Jubel entstand, doch auch Pfiffe waren vereinzelt zu vernehmen. Es stand außer Frage, gegen wen die gerichtet waren. Unglücklicherweise nicht gegen sie selbst, wusste Anya.
      „Wie ihr alle wisst“, fuhr Melinda fort, „erhält der Sieger dieses Turniers ein Preisgeld von 500.000 Dollar, ein Ticket in die erste Profiliga sowie die einmalige Chance, sich mit der amtierenden Weltmeisterin Claire Rosenburg zu duellieren.“

      Plötzlich schwenkte die Kamera zur Seite, sodass man eine Person neben Melinda erkennen konnte: Es war tatsächlich die blonde, junge Frau mit dem kurzen, knapp bis über die Ohren reichendem Haar. Ihre zwei grünen, langen Strähnen lagen ihr im Gesicht, sie trug offenbar einen weiß-blauen Motorradanzug, wie in einer ihrer Werbungen.
      Anya gefror das Blut in den Adern bei ihrem Anblick, denn sie blickte stur geradeaus, kalt und berechnend, als würde sie sie – und nur sie – anstarren.

      „Ein paar kurze Worte für unsere Zuschauer und natürlich auch die beiden Finalisten, Claire?“, fragte Melinda mit einem aufgesetzten Grinsen.
      „Vielen Dank, dass ihr alle den Legacy Cup unterstützt habt“, sagte die Profiduellantin nahezu emotionslos, ohne der geringsten Form eines Lächelns auf den Lippen, „ich hoffe auf ein spannendes Finale und freue mich darauf, dem Sieger entgegentreten zu dürfen.“
      Obwohl sie dabei nicht sehr überzeugend klang, jubelten die Leute trotzdem und brüllten den Namen der amtierenden Duel Queen. Jene wurde auch schon wieder ausgeblendet, sodass nun Melindas Antlitz im Vollbild zu sehen war.
      „Ihr habt es gehört“, rief diese wieder euphorisch wie eh und je, „damit ist das Finale des Legacy Cups eröffnet!“
      „Lasst das Duell beginnen!“, überblendete sie kurz darauf Mr. C, bevor die Bildschirme aus verschiedenen Perspektiven die Duellplattform zeigten.
      Anya mahnte sich zur Konzentration, obwohl es hier inzwischen von Kameramännern nur so wimmelte. Jetzt gab es kein Zurück mehr!
      Sie aktivierte ihr rotes D-Pad, wohingegen die Duel Disk an der Seite von Othellos Rollstuhl hoch- und über seinen Schoß fuhr.

      [Anya: 4000LP / Othello: 4000LP]

      Statt wie üblich den berühmten Ausruf zu tätigen, schwiegen die beiden Finalisten, was das energetische Publikum etwas aus dem Konzept brachte. Anya fühlte sich unwohl wie nie in ihrer Haut. Einerseits war da die Aufregung. Ihr Herz schien förmlich aus ihrer Brust platzen zu wollen, denn nicht nur hatte sie es zu ihrer eigenen Überraschung bis hierher geschafft, nein, es ging nun um wirklich alles. Sie musste gewinnen, ansonsten könnte dies ihren Tod bedeuten, sollte kein anderer Weg gefunden werden, Claire herauszufordern.
      Aber dann war da dieser Junge, Othello. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet dieser Knirps so gut war? Dieser todkranke Knirps …
      „Ich muss gewinnen“, murmelte dieser plötzlich leise.
      „Ich auch!“, erwiderte Anya, doch zitterte ihre Stimme dabei kaum merklich. „Das hier ist jetzt nur noch etwas zwischen uns beiden. Und selbst wenn du am Abkratzen bist, werde ich keine Rücksicht nehmen und nichts zurückhalten!“
      Othello nickte mit leblosem Blick. „Ebenso wenig werde ich das tun.“
      „Dann fange ich jetzt an!“, schrie Anya und riss fünf Karten von ihrem Deck. Dasselbe tat auch der junge Mann im Rollstuhl.

      Sogleich begann der überdrehte Kommentator damit, seinen Job zu machen. „Wie wird dieses Duell wohl eröffnet werden? Die Wild Card, Anya Bauer, hat uns alle mit ihrer Performance überrascht! Wird sie heute den Sieg mit nachhause tragen, zusammen mit 500.000 Dollar Preisgeld, einem Platz in der Profiliga und der einmaligen Gelegenheit, sich mit der unbesiegten Weltmeisterin, Claire Rosenburg, zu duellieren!?“
      Das Publikum jubelte, aber ebenso waren auch Buhrufe zu vernehmen. Trotzdem wiederholten so einige Anyas Vornamen im regelmäßigen Takt.
      „Oder wird es Othello Nikoloudis sein, der dieses alles entscheidende Duell gewinnt und somit seinen großen Traum erfüllt!?“
      Wieder wesentlich lauter waren das Gekreische und die anfeuernden Ausrufe für den jungen Mann, als sie es bei Anya waren. Die Blonde schnalzte mit der Zunge. Als ob er der Einzige war, der Träume hatte! Sie würde nicht verlieren, niemals!

      Sofort griff sie in ihr Blatt und legte eines ihrer Monster auf die Duel Disk. „Los, du beginnst das Duell, [Gem-Knight Alexandrite]!“
      Vor ihr baute sich ein Krieger in silberner Rüstung auf, welche mit diversen Edelsteinen in verschiedenen Farben verziert war.

      Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Unerwartet aber löste er sich in gleißendes Licht auf, als Anya rief: „Ich biete ihn durch seinen Effekt als Tribut an. Dadurch kann ich einen normalen Gem-Knight direkt vom Deck beschwören und ich entscheide mich für [Gem-Knight Crystal]!“
      An die Stelle des verschwundenen Ritters trat ein größerer, in weißer Rüstung gekleideter Krieger, an dessen Schulterplatten durchsichtige Kristalle angebracht waren. Stolz stemmte er die Hände in die Hüften.

      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Anya nahm zwei Handkarten und betrachtete sie mit scharfem Blick, ehe sie Othello ins Visier nahm. Wenn der Typ meinte, sich blind auf die neue Beschwörungsart verlassen zu müssen, würde sie ihn nicht daran hindern. Na ja, doch, genau das hatte sie vor, denn sie hatte -die- Karte gezogen, zu der Zanthe ihr geraten hatte. Fuck yes!
      „Diese zwei verdeckt! Zug beendet!“
      Zischend materialisierten sich die Karten vor ihr. Während der Kommentator von seinem Turm zu ihrer Rechten wieder zu labern begann, keuchte sie. Verdammt, sie bekam kaum Luft! Und ihre Brust schmerzte auch! Alles, bloß nicht auch noch -das- jetzt! Oder war es am Ende nur die Aufregung?
      „… gönnt ihrem Gegner nichts. Unter diesen Voraussetzungen wird er es schwer haben, sie anzugreifen. Oder etwa nicht?“

      Mit trägem Blick sah der junge Mann auf den Spielplan vor sich herab und griff mit zittriger Hand nach seinem Deck. Er zog und betrachtete die Karte in seiner Hand.
      Dann sah er wesentlich lebendiger auf, in seinen Augen stand die pure Entschlossenheit. „Ich aktiviere den Magier, der die Sterne liest, [Stargazer Magician] mit dem Pendelbereich 1. Und den Magier, der die Zeit versteht, [Timegazer Magician] mit dem Pendelbereich 8!“
      Neben ihm schossen zwei Lichtsäulen in hellem Blau aus dem Boden. Aus ihnen empor gen Himmel stiegen ein Magier ganz in Weiß mit einer Stabwaffe in der Hand und ein schwarzer Magier, an dessen Arm eine um ihn herum verlaufende Klinge befestigt war, die entfernt an ein Zahnrad erinnerte.
      „Pendulum Scale set!“, rief Othello.

      <1> Othellos Pendelbereich <8>

      Unter dem weißen [Stargazer Magician] leuchtete eine verzerrte 1 auf, als er etwa auf der Höhe der Kommentatorenlounge stehen blieb. Dem entgegen eine 8 unter seinem Partner.
      Der junge Mann hielt eine Karte in die Höhe. „Damit kann ich Monster rufen, deren Stufe zwischen den Werten meines Pendelbereichs liegen! Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Stufe 7-[Odd-Eyes Dragon] von meiner Hand, erscheine! Pendulum Summon!“
      Zwischen den beiden Magiern begann sich plötzlich ein riesiges Portal zu öffnen, um welches sich aberdutzende Ellipsen aus glänzendem Licht bildeten. Ein roter Lichtstrahl schoss aus jenem Loch heraus und schlug wie ein Blitz vor Othello ein.
      Anya weitete die Augen. „Da ist er!“
      Der rote Drache, sein Assmonster! Weiße Auswüchse gingen von seinem Rücken hervor, dort wo normalerweise Flügel zu erwarten waren. In seiner ebenso weißen Brustpanzerung waren blaue Kugeln eingelassen, wild peitschte sein langer Schweif.

      Odd-Eyes Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Anya grinste breit. „Darauf habe ich gewartet! Der ist Geschichte!“
      Sie schwang ihren Arm über die linke verdeckte Karte. „Jetzt lernst du meine Anti-Pendel-Karte kennen! [Bottomless Trap Hole]!“
      Wie aus dem Nichts verschwand der Boden unter den Füßen des Odd-Eyes. Sogleich begann er unter Anyas geradezu hysterischem Gekicher von finsteren Händen in die Tiefe gezogen zu werden.
      „Sorry, aber da er über 1500 Angriffspunkte besitzt, wird er sofort verbannt! Also kannst du ihn auch nicht aus dem Extradeck beschwören!“
      „Unfassbar!“, rief der MC aufgeregt, während es seltsam wenig Reaktionen aus dem Publikum gab.
      Selbst Othello sah Anya nur ungläubig an, nachdem sein Drache verschwunden war.

      Zur selben Zeit stand Valerie Redfields Mund offen, wie sie neben Logan in der ersten Reihe der Tribüne saß und Anyas Leistungen auf einem der dutzenden Bildschirme mitverfolgte, die über der Arena aufgebaut waren. Es donnerte, denn nachdem der Regen eingesetzt hatte und das gläserne Dach des Doms benetzte, begann nun auch ein Gewitter das Szenario zu unterlegen. Und genau so wie es draußen gelegentlich blitzte, glaube auch Valerie, vom Blitz getroffen worden zu sein.
      „Anya … was machst du da!?“, fauchte sie förmlich erbost, sprang von ihrem Sitz auf und rannte zum Geländer.
      Die Blonde hörte den Ausruf selbst aus der Entfernung zu den Zuschauerrängen und sah perplex zu ihr herüber. „Was willst du jetzt, Redfield!? Ich muss mich konzen-!“
      „Bitte keine Konversationen mit den Zuschauern, ansonsten müssen wir Sie disqualifizieren, Miss Bauer“, unterbrach sie prompt die Durchsage einer jungen Frau.
      Valerie schüttelte nur den Kopf. Murmelte: „Das war der falsche …“
      „Schade. Die Kleine hat's vergeigt“, hörte sie Logan im Hintergrund seufzen.

      Othello indes nahm eine Karte aus seinem Blatt und legte sie auf eine der entsprechenden Zonen seines Spielplans. „Mein Zug ist beendet.“
      Während er dies verkündete, materialisierte sich die Falle vor dem Rollstuhl.
      „Er hat kein Monster mehr beschworen, obwohl seine Normalbeschwörung noch nicht verbraucht war. Könnte dieses Duell schneller enden als erwartet!?“
      Dieser Kommentar wurde vom Publikum mit lautem Gejohle und Buhrufen aufgenommen, wollten sie doch ein actionlastiges Finale erleben.

      Etwas, das ihnen, wenn es nach Anya ging, verwehrt bleiben würde. Diese griff nach ihrem Deck im roten D-Pad und riss schwungvoll die oberste Karte von dannen. Jene drehte sie noch in der Bewegung zu sich und grinste, ehe sie das Monster auf die Duel Disk knallte.
      „Perfektes Timing, erscheine, [Gem-Knight Amber]!“
      Es tauchte ein in goldener Rüstung steckender Ritter auf, in dessen Brust in Bernstein eingelassen war. Aus seiner Handfläche zog er einen Dolch aus purer, elektrischer Energie.

      Gem-Knight Amber [ATK/1600 DEF/1400 (4)]

      „Unglaublich! Das könnte reichen! Sie könnte Othello bereits in dieser Runde besiegen!“
      Anya runzelte verärgert die Stirn. Dieser Kommentator ging ihr wie immer massiv auf die Eierstöcke! Als ob es so einfach wäre! Bei der wandelnden Krankenstation da drüben doch nicht!
      Trotzdem würde sie ihr Glück versuchen, dementsprechend energisch streckte sie die Hand aus und rief: „Direkter Angriff! Amber! Crystal!“
      Zunächst stürmte ihr goldener Ritter auf den Feind los. Währenddessen schlug Crystal seine Faust in den Boden und ließ eine Schneise entstehen, die auf Othellos Rollstuhl zu schnellte und dabei immer wieder spitze Kristalldornen aus sich hervorschießen ließ.
      Lass es klappen, lass es klappen, lass es klappen! Immer wieder betete Anya diese Worte still hinunter. Vielleicht bestand ja Hoffnung darauf, dass er schlecht gezogen hatte.
      Aber wie von Anya ursprünglich erwartet, drehte der stetig müde wirkende Bursche seine gesetzte Karte auf dem Spielplan um. „[Waboku] schützt meine Lebenspunkte.“
      Um ihn herum tauchten drei in Blau gewandte Priesterinnen auf, die durch ihren Gesang ein kuppelförmiges Kraftfeld erschufen, an der sowohl die Kristalldornen als auch Ambers Dolch scheiterten.
      „Um ein Haar! Aber es bleibt spannend, werte Zuschauer!“
      Jene feixten und jubelten, nachdem Othello unbeschadet aus der Sache herausgekommen war.
      „Zug beendet“, verkündete Anya leise. „Fuck …“
      Für einen Moment hatte sie wirklich gehofft, jetzt schon gewinnen zu können.

      Othello zog auf und betrachtete die Karte kurz, ehe er herüber zu Anya sah. „Ich bin froh, dich als Gegnerin zu haben.“
      „Huh? Wieso?“, verlangte Anya im schroffen Tonfall zu wissen.
      „Verzeih mir bitte wenn ich das so sage, aber von allen potentiellen Gegnern bist du diejenige, die ich am wahrscheinlichsten besiegen werde.“
      Ein lautes Raunen ging durch Publikum. Anya stand für einen Moment der Mund weit offen, doch bevor sie ihn schließen beziehungsweise als Instrument verbalen Terrors einsetzen konnte, fügte Othello noch an: „Das soll nicht heißen, dass du schlecht bist. Aber vor dir muss ich keine Angst haben, verstehst du?“
      „Wieso Angst!?“, platzte es aus Anya heraus, die ihre Arme ausbreitete. „Brauchst du das Geld, um 'ne Operation zu bezahlen oder was!?“
      „Nein. Ich habe nicht mehr lange zu leben, daran ist nichts zu ändern. Doch bevor ich sterbe, möchte ich die stärkste Duellantin auf diesem Planeten besiegen. Duel Queen Claire Rosenburg. Denn wenn ich das schaffe …“
      Anya schnaufte wütend. „Dann?“
      „Wird man sich an mich erinnern. Selbst Menschen die ich gar nicht kenne.“
      Aus den blauen Augen seiner Gegnerin blitzte es nur so, als sie ihn scharf anstarrte. „Wie tragisch! Erwarte bloß kein Mitleid deswegen, denn zurückhalten werde ich mich trotzdem nicht!“
      Othello schloss die Augen. „Mitleid brauche ich nicht.“
      „Umso besser, denn im Grunde ist heute dein Glückstag. Du stehst nämlich bereits vor der besten Duellantin überhaupt, der wahren, noch ungekrönten Duel Queen. Nur mit dem Besiegen sieht's ein bisschen schlecht aus.“
      Fast das gesamte Publikum begann zu lachen. Selbst Othello musste kichern, als er das vernahm und sah Anya freundlich lächelnd in die Augen. „Nett, dass du das sagst, aber ich fürchte das bist du nicht.“
      „Ach ja!?“
      „Ja. Soll ich es dir beweisen? Sieh her!“
      Er streckte seinen Arm in die Höhe. „Zwischen den Pendulum Scales 1 und 8 liegt die Stufe 7!“
      Das blaue Pendelportal öffnete sich erneut zwischen seinen beiden Magiern. „Ich rufe den gefährlichsten aller Drachen! Pendulum Summon!“
      Unzählige Ellipsen entstanden um das Loch im Raum-Zeit-Gefüge. Aus diesem schoss ein roter Lichtstrahl, der vor Othello im Boden einschlug und zu einem roten, flügellosen Drachen wurde. Weiß war seine Brustpanzerung und die Auswüchse aus seinem Rücken, an denen zur Rechten eine grüne Kugel und zur Linken eine rote befestigt war. Wütend peitschte er mit seinem Schweif und schrie schrill. Sein Besitzer rief stolz: „[Odd-Eyes Pendulum Dragon]! Das ist sein voller Name!“

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      „The fuck!?“, schoss es aus einer entsetzten Anya. „Aber ich habe ihn doch verbannt, der dürfte gar nicht zurückbeschworen werden!?“
      Othello schüttelte den Kopf. „Ich habe ihn auch nicht aus dem Extradeck, sondern von meiner Hand beschworen. Was du eben vernichtet hast, war ein völlig anderes Monster.“
      „Willst du mich verarschen!?“
      Während das Publikum sich förmlich mit Zurufen für den jungen Mann überschlug, lächelte der nun verschmitzt. „Nein, Anya. Du hast dich selbst verarscht. Du hast schlichtweg nicht gut genug aufgepasst. Siehst du? Du bist nicht die beste Duellantin, denn Claire wäre dieser kleine Namensunterschied der beiden Odd-Eyes aufgefallen.“
      Anya knirschte mit den Zähnen. „Claire-Schmär, ich bin aber nicht Claire!“
      „Eben. Wie dem auch sei“, verkündete ihr Gegner und streckte die Hand nach vorn. „Odd-Eyes greift deinen [Gem-Knight Crystal] an! Spiral Strike Burst!“
      Sein Drache schrie noch einmal, ehe er einen roten Lichtstrahl ausstieß. Dieser war umgeben von schwarzen Entladungen und steuerte geradewegs auf Anyas Ritter zu. Dessen Besitzerin schnaubte wütend, ehe sie per Knopfdruck ihre Fallenkarte aufspringen ließ. „Falle, [Justi-Break]! Sie-“
      „[Timegazer Magician], Inverse Gears!“
      Bevor überhaupt etwas geschah, klappte Anyas Karte nach Othellos Ausruf auf halbem Wege nach oben wieder zu. Gleichzeitig tauchte der in Schwarz gekleidete Magier über Odd-Eyes auf. Die goldene Klinge an seinem Arm fuhr aus und bildete um ihn einen Kreis, das Ticken einer Uhr war im Hintergrund zu vernehmen.
      „[Timegazer Magician] beschützt Pendelmonster vor Fallenkarten solange sie angreifen“, erklärte Othello dazu. „Er dreht die Zeit zurück und verhindert die Aktivierung. Deshalb geht der Angriff auch durch!“
      Der Magier teleportierte sich zurück zu seiner ursprünglichen Position in der Lichtsäule. In dem Moment schlug der Angriff in Crystals Brust ein und brachte diesen zum Explodieren.
      „Jetzt wirkt die Reaction Force von 'Odd-Eyes' und verdoppelt den Kampfschaden!“
      Anya hob den Arm mit ihrem D-Pad, um sich unsinnigerweise vor dem Angriff zu schützen. „Verdammter Kackmist!“

      [Anya: 4000LP → 3900LP / Othello: 4000LP]

      „Der erste Treffer, liebe Zuschauer! Aber wieso hat Othello das stärkere Monster angegriffen!? Hat er Angst, seine Gegnerin könnte es stärken und zurückschlagen!?“
      „Du bist dran, Anya“, meinte der junge Mann freundlich.
      Jene schnaufte nur wütend. „Kaum zu glauben! So'n Knirps hat mich verarscht! Dafür allein gibt’s jetzt was aufs Maul!“

      Zanthe, Matt, Valerie und Logan waren indes nicht mehr alleine. Neben Letzteren hatte sich niemand Geringeres als Kakyo Sangon gesetzt, seines Zeichens Drittplatzierter des Turniers, da Valerie durch ihre Disqualifikation trotz Marcs Geständnis nicht um Platz 3 hatte spielen dürfen. Nicht, dass sie dies je wirklich gewollt hätte.
      „Wieso hat sie nicht besser darauf geachtet?“, verstand Valerie es einfach nicht. „Das hätte ihre Chance sein können, ihn nachhaltig zu schwächen.“
      „Das ist die Aufregung. Selbst eine Anya Bauer ist vor so etwas nicht gefeit, schon gar nicht, wenn es sprichwörtlich um alles oder nichts ging.“ Matt hinter ihr sah aus den Augenwinkeln skeptisch herüber zu Kakyo.
      Valerie seufzte bitter. „Vielleicht war es keine gute Idee, dass ich mir das Duell ansehe …“
      „Doch, ist es“, widersprach der Dämonenjäger und legte unerwartet seine Hand auf ihre Schulter, was jene zusammenzucken ließ, „glaub mir.“
      „J-ja.“
      „Er hat sie einfach überlistet“, wandte sich Kakyo an Valerie. „Vom ersten Augenblick an hat er begriffen, wie Anya tickt und deshalb [Odd-Eyes Dragon] als Köder benutzt, die evolutionäre Vorstufe seines Assmonsters.“
      Die Schwarzhaarige nickte und sah endgültig ein, dass ihre Freundin unschuldig an ihrer Misere war. „Anya hat Othellos Duellen auf dieser Ebene keine Beachtung geschenkt. Dieser kleine Unterschied im Namen und im Aussehen ist ihr gar nicht aufgefallen …“
      „Genau das hat er beabsichtigt“, erklärte Kakyo. „Ich kenne Othello persönlich. Obwohl er nicht den Eindruck erweckt, spielt er sehr strategisch und bezieht auch die persönlichen Schwächen seiner Gegner in seine Duelle mit ein. Die Meisten wären wohl darauf reingefallen, weil er den [Odd-Eyes Dragon] nicht einmal während des Turniers ausgespielt hat.“
      Valerie sah wieder herunter zum Duellfeld. „Anya ist aber auch nicht ohne. Und er weiß nicht, dass sie …“
      „… noch dämlicher ist, als sie ohnehin schon den Eindruck erweckt“, schnarrte Zanthe dazwischen.
      … Levrier an ihrer Seite hatte, beendete Valerie den eigentlichen Satz im Gedanken. Der Schwarzhaarigen blieb nur zu hoffen, dass das ungleiche Gespann das Beste aus ihrer Lage machte. Wo Levrier anscheinend selbst nichts von der kleinen Täuschungsaktion mitbekommen hatte.

      Anya schnaubte und friemelte dabei an ihrem dunklen T-Shirt mit dem Mikrophon daran herum, legte kurz die Finger darauf, als würde sie es zurecht rücken wollen.
      „Warum hast du mich nicht gewarnt!?“, knurrte sie dabei so leise es ging aus dem Mundwinkel, während sie nebenbei auf eine dritte Handkarte aufzog.
      Zwar konnte sie nicht mit Redfield kommunizieren, mit Levrier dagegen allemal. Und der hatte sich mal wieder als erstaunlich nutzlos erwiesen. So erschien er neben Anya in seiner altbekannten Form und verschränkte die Arme.

      Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich ebenfalls darauf hereingefallen bin. Abgesehen davon hätte ich ohnehin keine Zeit zum Reagieren gehabt, so schnell wie du deine Falle aktiviert hast, Anya Bauer. Außerdem hattest du dich nicht mehr dazu geäußert, ob ich dir helfen soll oder nicht.

      Das Mikrofon vermeintlich gerichtet, konnte Anya nicht mehr darauf antworten. Stattdessen sah sie herüber zu Levrier, der in seiner weißen Rüstung neben ihr schwebte. Dabei zog sie demonstrativ eine Karte aus ihrem Blatt hervor, den Stufe 4-[Gem-Knight Emerald].

      Du willst eine Xyz-Beschwörung durchführen? Nun, dir fehlt deine wichtigste Karte, [Gem-Knight Fusion]. Ich würde dir aber eher dazu raten, [Angel Wing Dragon] zu beschwören. Er ist die perfekte Waffe gegen [Odd-Eyes Pendulum Dragon] und seinen Effekt.

      Zu Levriers Erstaunen schüttelte Anya aber kaum merklich den Kopf. Denn sofort hatte sie wieder Valeries warnende Worte im Hinterkopf. Dass sie sich zu sehr auf die Karten verließ, die sie den Hütern abnahm und sich nicht von ihnen abhängig machen sollte.
      „Ich muss auf meinen eigenen Beinen stehen“, murmelte sie und knallte dann Emeralds Karte auf ihr rotes D-Pad. „Deshalb rufe ich dich, [Gem-Knight Emerald]!“
      Neben ihrem Ritter des Bernsteins tauchte sein in hellgrüner Rüstung gekleideter Kamerad auf, an dessen Arm ein mit einem Smaragd besetzter Rundschild befestigt war.

      Gem-Knight Emerald [ATK/1800 DEF/800 (4)]

      Geradezu herrschaftlich schwang Anya ihren Arm nach oben, mit den Karten ihrer beiden Monster auf dem Feld zwischen den Fingern. „Du rufst dein Assmonster? Dann kommt jetzt als Antwort meins! Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Inmitten des Spielfelds öffnete sich am Boden ein schwarzer Galaxienwirbel. Anyas Ritter verwandelten sich in hellbraune Lichtstrahlen, die in jenem Loch verschwanden, welches im Anschluss förmlich explodierte.
      „Zeig's ihm, [Gem-Knight Pearl]!“
      Aus dem Überlagerungsnetzwerk schwebte die nun sichtbare Gestalt des weißen Ritters, um den nicht nur sieben hellrosafarbene Perlen kreisten, sondern auch zwei Lichtsphären. Selbst jetzt hielt er noch die Arme verschränkt, während er vor Anya Stellung bezog. Das durchsichtige Abbild Levriers neben ihr verschwand daraufhin.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Ich hoffe, du hast keinen Fehler damit begangen, mich zu beschwören …

      Anya ignorierte den Einwand, ballte eine Faust und hob diese demonstrativ vor Othellos Augen. „Ich werde dieses beschissene Finale gewinnen, darauf kannst du deine überfällige Lebensversicherung verwetten!“
      Sie drehte ihren Kopf herum zur VIP-Lounge, die sich in der Spitze des Turms des Kommentators befand. Ihr Blick brachte die gläserne Fassade geradezu zum Zerbersten. „Hörst du mich, Rosenburg? Ich bin deine Gegnerin und werde dir in den Arsch treten!“
      Tatsächlich saß sie dort oben auf einem Sofa neben ihrem rothaarigen, bärtigen Manager sowie Melinda und starrte mit ausdrucksloser Mimik zurück. Das Publikum brach in schieres Gelächter aus. Die Blonde aber störte dies nicht, sie wandte sich wieder an Othello und seinen Drachen.
      „Ich habe auch einen Grund, warum ich mich unbedingt mit ihr duellieren muss. Du wirst dich hinten anstellen müssen!“
      „Manchmal fahre ich den Menschen, hinter denen ich mich anstellen muss, in die Hacken“, erwiderte der sonst so träge Bursche schlagfertig. „Denn ich mag es nicht, mich anstellen zu müssen.“
      „Dein Pech!“ Anya ließ die Hand nach vorne schnellen. „Dein Odd-Eyes kriegt jetzt ordentlich aufs Maul! Pearl, greif ihn an, Blessed Spheres of Purity!“

      Ha!

      Levrier schwang seinen Arm gebieterisch aus und kommandierte seine Riesenperlen, die wie ein Kugelhagel auf Odd-Eyes niedergingen. Wie Bomben schlugen sie in und um den roten Drachen herum ein und lösten Explosionen aus, in denen er schließlich unterging.

      [Anya: 3900LP / Othello: 4000LP → 3900LP]

      Othello lachte leise, als sich über ihm das Pendelportal öffnete und die Überreste seines Drachens als einen roten Lichtstrahl absorbierten. „Der kommt schneller wieder als dir lieb ist.“
      Ohne Vorwarnung jedoch begann er plötzlich zu husten. Obwohl er sich die Hand vor den Mund hielt, sickerte ein Rinnsal Blut zwischen seine Finger.
      „Das sieht nicht gut aus! Sollen-“
      Bevor Mr. C jedoch mehr sagen konnte, hob Othello die andere Hand und richtete sich auf. „Mir geht es gut.“
      „Kratz bloß nicht ab“, knurrte Anya.
      Erst rutschte sie nur durch die Vorrunden, weil einer der Endrunden-Teilnehmer absprang, dann wurde Redfield wegen Betrugs disqualifiziert. Wenn der Typ jetzt mitten im Duell abkratzte, würde sie -wirklich- in arge Erklärungsnöte geraten, ohne überhaupt etwas dafür zu können.
      Während der junge Mann ein Taschentuch zückte und seine Finger säuberte, sah er bewusst nicht zu dem Mädchen auf und versprach: „Werde ich nicht. Nicht heute.“
      Und irgendwie fühlte das Mädchen sich ihm in diesem Moment verbunden. Ahnte er doch nicht, dass auch sie womöglich bald ins Gras beißen musste und sich aus diesem Grund duellierte.




      Turn 75 – Memento Mori
      Der Schlagabtausch zwischen Anya und Othello wird zunehmend intensiver, keiner der beiden lässt sich von dem anderen in eine Ecke drängen. Othello erzählt Anya davon, weshalb er im Rollstuhl sitzt, was das Mädchen in ihrer Entschlossenheit schwanken lässt, doch …

      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Crystal
      Gem-Knight Amber
      Gem-Knight Alexandrite
      Gem-Knight Emerald

      Justi-Break
      Bottomless Trap Hole

      Gem-Knight Pearl

      Othello

      Odd-Eyes Dragon
      Odd-Eyes Pendulum Dragon
      Timegazer Magician
      Stargazer Magician

      Waboku


      Ich hoffe, es hat euch gefallen! Bis bald!
      @-Aska--
      Spoiler anzeigen
      Werwölfe essen also keine Menschen? Hm. Ich ging erlich davon aus das sie das tun xD Vampire wollen dich trinken und Werwölfe dich essen. Mein Weltbild bricht zusammen :P Bin dann mal gespannt wie Leviar die Welt sieht. Natürlich fällt mir die Sache mit Nick auf. Ist ja auch mein Lieblings Char^^ Gegensatz zu Anya ist ihm das aber wohl wirklich total egal. Anya hatte wenigstens noch sowas wie Gefühle. Was mich auch noch gerade auffällt ist die Frage welche Sexuelle Neigung Nick nun hat. Ist er schwul oder Bi? Ich dachte ja zuerst als du seinen jetzigen Boss vorgestellt hast das er schwul ist. Und nun vergnügt er sich mit ner Frau. Also ist Nick bi. Oder ist das alles nur Teil eines Planes von Nick?



      Zu Folge 75
      Spoiler anzeigen
      So weit sind wir also schon? Ich hoffe du meinst mit Finale das Finale des Tuniers^^ Und nicht Finale der Serie. Zahnte ist endlich wieder zuhause. Und Anya will zum ersten mal jemanden (Zahnte) berechtigt an die Gurgel. Marcs Geständnis ist vohersehbar gewesen und gleichzeitig sinnlos. Er ist doch ihr Man. Wer würde ihm da glauben? Außer... sie lässt sich "scheiden". Was sie nun wohl auch zu gedenken gibt. Und dann ist da noch Zante der sich bei Logan entschuldigt und ihn direkt (mehr oder weniger) darauf popen will. Passt echt gut zu ihm als Charakter. Also hast du NickXAnya, AnyaXMarc, MarcXValerie und AnyaXMatt mit AnyaXLogan, ZahnteXLogan, ValierieXAnya ersetzt. Schön zu sehen das sich deine Charaktere liebestechnisch weiterentwickeln.
      Der Werwolf gibt als Entschuldigung Anya einen guten Tipp für ihr Duel mit Orthello. Dann will Anya mit Leviar eine Strategie ausarbeiten. Wie weit sie damit kommt kriegen wir noch nicht mit. Das kommt wohl in Teil 2. Der Gast war ne Überaschung. Frag mich aber wie er wohl ihr helfen hätte sollen?

      Das beide Finalisten mit einem Bein im Grab stehen ist ja auch ein komischer Zufall. Wobei es mich echt interessieren würde wer mehr Tage zum Leben hat. Ihr Gegner macht natürlich den Fehler und unterschätzt sie total. Es ist aber auch schwirig für Anya. Wenn sie gegen ihn Cheat Draw einsetzt könnte es vielleicht das letzte Mal sein das sie gegen ihn spielt. Und somit kann sie ihn nicht von ihre Liste nehmen. Der Move mit Odd-Eyes war schon fies. Hätte so eine Spielweise ihm nicht zugetraut. Also das er erstmal den normalen pendelt statt den Pendel schon XD. Aber seine Bewegründe dafür waren schon leicht Arrogant. Es scheint mir das du ihn nicht als den Sterbenden Guten total darstellen willst. Auch Krübel können gemein sein. Ich glaube übrigens das es die richtige Entscheidung war erstmal Pearl zu rufen. Anya braucht erstmal lv4 Monster für ihr Ass Monster. Sonst ist er in nem Zug weg. Zum Schluss war es noch amüsant wie sie erkennt das sie nur mit Glück im Finale ist und wenn er jetzt stirbt sie nie Duel Queen werden könnte. Da sie jeder für einen Betrügerin hält.
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Oha, ich glaubm WiR hat schon mal in die Zukunft geschaut und die nächste Folge kommentiert ;)

      -Aska-

      Hm, ich hatte das mit dem Cheaten damals eher als leere Drohung empfunden, die Nick nicht wirklich was ausgemacht hätte. Zumindest im Vergleich mit einer Bombe wie wessen Bruder er ist. Aber okay ^^

      Jep, über Logan musste dir von mir immer wieder Spekulationen anhören, ich weiß, aber ist ja auch nicht so, als ob er keinen Grund dafür gäbe, ne? xD


      Jop, Marc kam wirklich unerwartet. Ich hatte es ja erst zu Beginn der Folge in Erwägung gezogen, unter der Annahme, was wenn es keiner mit übernatürlichen Kräften ist. Aber dann wollte man sich immer daran festhalten, dass er niemal einen solchen Verrat begehen würde.

      Nein klar, ich hätte auch nicht erwartet, dass der Magier Support da schon kommt. Aber für einen späteren Auftritt bietet er dir dann sicher gute neue Möglichkeiten ^^

      Von welchen Kräften reden wir hier? Anya hat ja einige Kräfte, vom Todesblick über die Fähigkeiten, andere Leute die Beine in die Hände nehmen bis hin zum "Facepalming at the speed of light" zu lassen XD Oder doch die übernatürlichen? ^^


      Folge

      Was den Titel der Folge angeht, Schneefall hat für mich immer ein wenig die Symbolik von Reminiszenz, wenn man sich an vergangene Dinge zurückbesinnt, aber genauso auch im Zeichen von Vergänglichkeit und Wandel. Und gerade in der ersten Hälfte hat die Situation um Valerie das sehr schön wiedergegeben.

      Aber gerade solche kleinen Szenen, wie die mit Matt und Val, das finde ich nochmal besonders lesenwert. Da bekommt man richtg Gänsehaut, wenn sie davon erzählt, wie Marc jetzt für sie gestorben ist und sie ihn jetzt 'endlich' loslassen konnte. Und das waren ja nur ein paar Zeilen aus einer ganzen Folge.


      Was das Geständnis von Marc in aller Öffentlichkeit anging, so empfand ich das wie viele deiner Charaktere. Es wirkt einfach wie ein verzweifelter Versuch, die Scheiße, die er verbockt hat, wieder auszubügeln - was ihm aber nur bedingt gelingt. Wobei man die generellen Auswirkungen, die sein Geständnis hatte, erst noch sehen muss. Immerhin weiß man ja aber, dass Valerie nicht mehr um Platz 3 trotz ihrer Rehabilitation hat spielen dürften (es aber wahrscheinlich auch nicht mehr gewollt hätte), obwohl Marc die 'Wahrheit' gebeichtet und zeitgleich Valeries Unschuld bekundet hatte. (Wie ich dir gegenüber auch ein paar Mal gemeint habe, die reine Tatsache, dass es eine verbotene Karte war, spricht ja schon dafür, dass nicht Valerie betrügen wollte - egal wie man es dreht, vor tausenden Zuschauern klappt sowas einfach nicht - sondern jemand explizit ihr damit schaden wollte.)

      Leider muss man aber berücksichtigen, dass die Presse sich eben nur für Drama und Skandale interessiert, und die Wahrheit leider viel zu oft das 5te Rade am wagen ist. Hat man hier auch gemerkt, wie gnadenlos Valerie vorverurteilt wurde. Wie gesagt, eine verbotene Karte im Deck nützt dir nirgendwo. Spielt man sie, sieht es jeder und man ist disqualifiziert, in der Hand ist sie tot, weil man sie nicht ausspielen könnte, und im Deck nimmt sie ja auch nur Platz weg. Jemand der wirklich betrügen wollen würde, würde seine beste Karte 4x spielen, damit er die Chance erhöht sie zu ziehen.
      Aber wie gesagt, diese Schlüsse will da ja gar keiner erst ziehen.

      Die Aussprache mit Zanthe war für Anyas Verhältnisse dahingegen eher recht zart gewesen. Zudem hatten die beiden sich so wirklich viel dann doch noch nicht zu sagen gehabt, aber zum Einen war da ja auch Val zu Gast gewesen (fand ich btw sehr nice, dass Anya sie zwischen den Folgen noch aufgegabelt und bei sich einquartiert hatte), und dann ging es ja zum anderen mit dem Unterwäschedieb weiter. Die Szene mit Lee war lustig wie eh und je, seit ich sie das erste Mal von dir bekam. Mal gespannt, wie es mit ihm weitergeht. Er nennt ja seine Gründe, dass Anya gefährlich wäre und alles, was weniger nach einem obzessiven Stalker klingt. Andererseits klaut er vermeintlich ihre Unterwäsche, und ein paar Mal hat man ihn ja in vorherigen Folgen schon "gesehen". Auf den Tanga geh ich aber nicht weiter ein xD



      Nicks Gespräch mi Anya war genau so wie ich es mir vorgestellt hätte. Dass er ihr gegenüber 'nachvollziehbare' Erklärungen liefert und gegenüber den anderen, die ihm eigentlich vollkommen egal sind, heuchelt er etwas Freundschaft. Schön war hier auch der Einwand, dass sie beide fast miteinander verwandt sein könnten, so wie er sich verhalten hätte. Da muss Nick doch auch ne kleine Magenverstimmung bekomen haben,wenn selbst Anya solche Parallelen aufallen. Aber er hat es dann ja direkt gekonnt entschärft.


      Das Duell ist ja gerade erst losgegangen, aber war schon sehr gut wie Othello Anya direkt in die Falle mit dem falschen Odd-Eyes hat tappen lassen, und all ihre Freunde sofort auf die Barrikaden gingen, weil sie anders als unser Starlett den Durchblick hatten. Auch der kleine EInblick von Kakyo war interessant, wie Othello so tickt und er taktischer und strategischer vorginge als der kränkliche Junge anmuten mag.
      Othellos Motiv war auch sehr nachvollziehbar, dass er "nicht vergessen werden will", sprich seine "Seite in der Geschichte" zu hinterlassen, als derjenige, der die Unbesiegte bezwungen hat.


      Aber mal abwarten, wie Anya sich nun weiter gegen ihn schlagen wird. Der Pendelbereich ist etabliert, die Pendulum Engine inzwischen auch, als kann Othello erstmal kontinuierlich stallen oder gegenhalten. Und Anya muss nicht nur die Offensiven von ihm aushalten, sondern auch zurückschlagen und ihm die Parade wiederholt vermiesen. Wird also nicht leicht für sie werden, soviel ist schonmal klar.

      Auf jeden Fall kann man auf die Fortsetzung gespannt sein. Der Titel bereitet einem zwar ein mulmiges Gefühl, aber muss ja nicht heißen, dass man ihn wortwörtlich verstehen muss. Ich habe zwar im Vorhinein schon einmal gemutmaßt, dass Othello aufgrund seines angeschlagenen Gesundheitszustandes Gefahr laufen könnte, irgendwann mittendrin auszufallen, aber der Junge scheint trotz seiner Leiden sehr zäh zu sein, und was diesen Biss angeht, da tun er und Anya sich sicher nichts. Insofern muss man sehen, wer am Ende länger zubeißen kann ;)

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Vielen Dank wieder an alle Leser. ^^

      @WiR
      Nick ist bisexuell. Er fühlt sich in der Tat zu vollbusigen Damen hingezogen, hatte aber in der Vergangenheit eben besagte Beziehung mit Aiden. Wobei Aiden der bisher einzige Mann war, für den er sich interessiert hat. Ob da natürlich noch ein Plan hintersteckt, werde ich nicht verraten. xD

      Nein, nein, Finale des Turniers meine ich. Bis zum Ende der Story sind es noch ein paar Episoden.
      AnyaxLogan ist offensichtlich, aber die anderen neuen Pairings leuchten mir grad nicht ein. xD
      Wobei es noch die ein oder andere neue Konstellation geben wird, höhö. Schon bald.
      Was Lee zu sagen hat erfährt man erst in ein paar Folgen.
      Und jop, würde Anya jetzt cheaten, könnte es bedeuten, Othello nie von der Liste streichen zu können. Ich würde Othello weniger als arrogant, sondern eher ziemlich berechnend bezeichnen. Ihm war klar, dass solch neue Karten schnell mal mit den alten (Odd-Eyes Dragon) verwechselt werden können, besonders wenn sie sich so ähnlich sehen. Und ein "Bauerntölpel" fällt eben auf sowas rein. xD

      Danke für den Post. ^^

      @Evil Bakura
      Die Drohung mit dem Cheaten lässt Nick sicherlich kalt im Vergleich zur anderen Sache, aber völlig ausblenden kann er sie nicht. Denn auch wenn die anderen Hacker nicht so gut sind wie Nick, können sie ihm das Leben ziemlich schwer machen.

      Ich kann selbst nur immer wieder betonen, wie oberdämlich Marcs Aktion insgesamt war. Wie du sagtest, wäre er raffinierter vorgegangen, hätte vielleicht selbst Valerie daran geglaubt, ungewollt durch z.B. eine vierte Karte desselben Namens betrogen zu haben. Aber nun ja.

      Zanthe hat sich bei Anya halt eher dadurch rehabilitiert, indem er ihr geholfen hat, Lee zu schnappen. Das ist zwar im ersten Augenblick völlig losgelöst vom eigentlichen Thema, aber da Anya bemängelte, dass sie immer seltener etwas zusammen unternehmen, ist das sozusagen die entsprechende Wiedergutmachung. Und was wäre da besser, als einen gemeinsamen Feind zu quälen? xD Ganz aus der Welt ist die Sache damit aber noch nicht.

      Anyway, schauen wir mal, wie's im Duell weitergeht. Ich habe schon seit viel zu vielen Folgen keinen Charakter mehr gekillt, wird langsam Zeit, näh? xD

      Auch dir vielen Dank, wie immer. ^^


      Dann viel Spaß mit:

      Turn 75 – Memento Mori
      Anya straffte sich. Ein Blitz fegte über den dunkelgrauen Himmel hinweg, den man durch den Glasdom des Stadions sehen konnte. Es donnerte. Und die Leute feuerten sie an. Mehr als jemals zuvor und obwohl Anya sich immer vorgestellt hatte, dass eine Duel Queen sich in einem solchen Moment unheimlich stolz fühlen musste, blieb dies aus. Eher war es ihr unangenehm, doch warum genau konnte sie nicht sagen. Lag es daran, dass es momentan einfach Wichtigeres gab?

      Ihr gegenüber saß Othello in seinem Rollstuhl und zog schweigend auf eine dritte Handkarte auf. Von ihm aus zu seiner Linken befand sich die hellblaue Lichtsäule, in der sich der weiße [Stargazer Magician] befand, auf der anderen Seite hingegen schwebte der schwarze [Timegazer Magician] in der Luft.

      <1> Othellos Pendelbereich <8>


      Solange er diese beiden in den Pendelzonen kontrollierte, konnte sie keine Zauber- oder Fallenkarten – wie ihre verdeckte [Justi-Break]-Falle – aktivieren, wenn Pendelmonster angriffen.
      Aber sie musste an Othello vorbei, unbedingt! Er war das letzte Hindernis! Er war alles, was noch zwischen ihr und ihrer Zukunft stand, in vielerlei Hinsicht! Allein beim Gedanken daran schlug Anyas Herz wieder schneller.

      Du darfst jetzt nicht den Kopf verlieren!

      Levrier, der in Form des weißen Ritters [Gem-Knight Pearl] zusammen mit seinen sieben Perlen und den beiden um ihn kreisenden Overlay Units vor ihr verharrte, drehte sich nicht zu ihr um, als er das sagte. Trotzdem wusste er wohl, dass Anya darauf mit einem Nicken reagieren würde, denn er erwiderte darauf:

      So ist es richtig.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Anya umklammerte ihre beiden Handkarten fester. Zwar kontrollierte der Jugendliche mit dem schulterlangen, strohblonden Haar gerade keine Monster, doch das würde sich bald ändern …
      Ein Blick auf den Lebenspunkte-Stand auf ihrem roten D-Pad verriet ihr jedoch, dass sie sich keine Sorgen machen brauchte. Noch nicht zumindest …

      [Anya: 3900LP / Othello: 3900LP]


      „Wie wird Othello Nikoloudis jetzt wohl vorgehen? Sein 'Odd-Eyes' allein wird es nicht schaffen, [Gem-Knight Pearl] zu besiegen, liebe Zuschauer!“, erklang in diesem Moment Mr. Cs Stimme von dem kleinen Turm innerhalb des Stadions, welcher sich rechts von Anya befand.
      Othello seinerseits betrachtete die gezogene Karte und zeigte sie dann mit entschlossenem Gesichtsausdruck vor. „[Pendulum Call]. Auf Kosten einer Handkarte erhalte ich zwei Pendelmagier von meinem Deck.“
      Er legte eine seiner beiden verbliebenen Karten auf den Ablagestapel seiner Duel Disk und zog das Deck aus deren Schacht. „Ich wähle [Dharma-Eye Magician] und [Dreamgazer Magician]!“
      Seiner Gegnerin schwante dabei Böses.
      „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum“, rief der blonde, junge Mann kurz danach aus und hob dabei die Hand in die Höhe.
      Über den zwei Magiern in den hellblauen Lichtsäulen öffnete sich ein Loch, umschlossen von unzähligen Lichtellipsen. „Aus meinem Extradeck der gefährlichste aller Drachen: [Odd-Eyes Pendulum Dragon]! Dazu von meiner Hand der Magier, der die Welt überwacht, [Dharma-Eye Magician] und die Magierin, die die Träume deutet: [Dreamgazer Magician]! Pendulum Summon!“
      Gleich drei rote Lichter schossen aus dem Portal über Othello und schlugen vor diesem ein. In der Mitte der flügellose Drache, aus dessen weißem Brustpanzer metallische Auswüchse nach oben ragten. Zu seiner Linken erschien ein in dunkelblauer Kleidung steckender Magier, der eine massive Goldkeule mit beiden Händen führte. Auf der anderen Seite dagegen befand sich eine Hexerin in himmelblauer Robe, die zwischen ihren Händen eine Kristallkugel schweben ließ.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]
      Dharma-Eye Magician [ATK/2000 DEF/2500 (7) PSC: <2/2>]
      Dreamgazer Magician [ATK/1200 DEF/1500 (4) PSC: <4/4>]

      „Na toll, jetzt legt er richtig los“, murmelte Anya vor sich hin. Zumindest sollte es für Außenstehende so wirken, tatsächlich aber waren ihre Worte an Levrier vor ihr gerichtet.
      Welcher prompt erwiderte:

      Richtig? Anya Bauer, ich fürchte, das ist noch die Aufwärmrunde.

      Wenigstens war keines seiner Monster stärker als –
      „'Odd-Eyes', greif' [Gem-Knight Pearl] an! Spiral Strike Burst!“, befahl Othello da mit ausgestrecktem Arm.
      „Huh!?“ Anya zuckte zusammen. „Sag nicht-!?“
      Doch schon lud der Drache in seinem Maul rote Energie auf, die er als einen Lichtstrahl in Levriers Richtung entfesselte. Dabei schlugen schwarze Entladungen um den Angriff.

      Zu Anyas Linken saßen Logan, Zanthe, Valerie, Kakyo nebeneinander in der ersten und hinter Valerie Matt in der zweiten Reihe der Zuschauerplätze.
      „[Dreamgazer Magician]“, murmelte die Schwarzhaarige vor sich hin, beobachtete, wie Pearl seine sieben Perlen per Handgestik zum Gegenangriff ausschwärmen ließ.
      Der Dämonenjäger erwiderte: „Hm?“
      „Exakt“, gab der brünette Kakyo mit einem Nicken von sich, „er kann sie verbannen, um ein Pendelmonster zeitweilig zu stärken.“

      „… macht ihn das um 500 Punkte stärker“, war derweil auch Othello an diesem Punkt angelangt, „los, [Dreamgazer Magician]! Future Warning!“
      Einen entschlossenen Laut von sich gebend, löste die hellblaue Magierin sich auf. Auf der blauen, kleinen Kugel in der Stirn des Drachen tauchte ein quer liegendes Auge aus rotem Licht auf, von dem sich insgesamt acht Schlangenlinien abzweigten.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 → 3000 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      Ein durchsichtiger Schleier legte sich um den Flammenstrahl, welcher Pearl fast erreicht hatte. Die letzten beiden Perlen, die sich ihm entgegen gestellt hatten, lösten sich bei Kontakt auf, sodass es nichts mehr gab, was Levrier vor dem Angriff hätte schützen können.

      Wieso immer ich …

      Seiner trägen Jammerei wurde jäh ein Ende gesetzt, als die Attacke in seiner Brust einschlug und eine heftige Explosion verursachte. Othello streckte die Hand nach vorne: „Jetzt wirkt der Effekt von 'Odd-Eyes', der jeden Schaden aus einem Kampf mit einem anderen Monster verdoppelt! Reaction Force!“
      Der Strahl bahnte sich seinen Weg zu Anya, die sich mit erhobenem D-Pad-Arm abwandte und getroffen wurde. „Shit, das auch noch!“

      [Anya: 3900LP → 3100LP / Othello: 3900LP]


      Dass das aber nur der Anfang war, wusste das Mädchen. Denn kaum war 'Odd-Eyes' Angriff verklungen, da befahl Othello bereits mit ausgestrecktem Arm: „Direkter Angriff, [Dharma-Eye Magician]! Burden Carrier!“
      Anya blinzelte nur einmal, da hatte sich der Hexer in Dunkelblau schon direkt vor sie teleportiert und schwang seine gewaltige, goldene Waffe. Reflexartig hob sie wieder schützend den Arm mit dem roten D-Pad daran, auch wenn der Angriff letztlich durch sie hindurch glitt.

      [Anya: 3100LP → 1100LP / Othello: 3900LP]


      „Jetzt legt Othello Nikoloudis richtig los, liebe Zuschauer!“, tönte Mr. C aus dem Häuschen. „Ob Anya Bauer Angriffen wie diesen lange standhalten kann? Immerhin können Pendelmonster jede Runde zurückgerufen werden!“
      Das Publikum feierte Othellos gelungenen Angriff, auch wenn Anyas 'Block' dem so lautstark wie möglich zuvor zu kommen versuchte.
      Der Bursche selbst hustete mehrmals, wieder klebte Blut an seinen Händen. Mit kratziger Stimme verkündete er: „Mein Zug ist beendet.“

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/3000 → 2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      „Hm, zwei Monster der Stufe 7“, überlegte indes Matt hinter seinen Freunden, „warum hat er nicht versucht, ein Xyz-Monster zu beschwören?“
      Kakyo wusste die Antwort und drehte sich zu ihm um. „Das ist ganz einfach. Pendelmonster werden nur durch das Portal gelassen, wenn sie das Spielfeld verlassen. Regeltechnisch sind Overlay Units aber nicht auf dem Feld.“
      „Das heißt, er würde sie verlieren und damit seinen größten Vorteil“, fügte Valerie noch hinzu.
      „Nur, weil er dieses Mal darauf verzichtet hat, bedeutet das nicht, dass er nicht noch etwas in der Hinterhand hält.“ Zanthe seufzte. „Nie im Leben wird Anya mit so etwas rechnen und ehe sie sich versieht, heißt es Good Game.“
      Logan ganz außen betrachtete den Schwarzhaarigen mit dem blauen Kopftuch, schwieg aber dazu.
      „Hoffen wir, dass sie es nicht so weit kommen lässt“, murmelte Valerie zweifelnd.
      Matt lachte unbekümmert. „Selbst wenn, hat sie selbst noch ein Ass im Ärmel.“
      Worüber sich Valerie natürlich im Klaren war. Und sie war sich sicher, dass Othello ebenso gut Bescheid über [Angel Wing Dragon] wusste.

      „Dann bin ich jetzt dran! Draw!“, bellte das gemeinsame Lästerobjekt und riss schwungvoll eine Karte von ihrem Deck. Als sie diese betrachtete, weitete sie freudestrahlend ihre Augen. „Hell yeah, das ist es!“
      Ehrgeizig fügte sie den Zauber ihrem Blatt hinzu, um dann die Karte daneben herauszuziehen und auf das D-Pad zu legen. „Normalbeschwörung! [Gem-Armadillo]! Wenn er auf diese Weise gerufen wird, erhalte ich einen Gem-Knight von meinem Deck!“
      Ein geisterhaftes, hellbraunes Gürteltier materialisierte sich vor Anya. An seinem Rücken befanden sich zwei Düsen sowie braune, kreisrunde Edelsteine. Ebenjene begannen in alle Richtungen licht auszustrahlen.

      Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/500 (7)]

      „Ich entscheide mich für [Gem-Knight Lazuli]“, rief Anya, wodurch besagte Karte aus ihrem Deck geschoben wurde. Das Mädchen nahm sowohl sie auf, als auch den eben ausgespielten [Gem-Armadillo] und hielt beide zusammen mit der gezogenen Zauberkarte in die Höhe.
      „Pass jetzt gut auf und stirb mir nicht mittendrin weg, klar!? Ich aktiviere [Gem-Knight Fusion] und verschmelze [Gem-Knight Lazuli] und [Gem-Armadillo]! [Gem-Armadillo], du bist das Element, Lazuli, du der Ursprung! Vereinigt eure Kräfte!“
      Über dem Mädchen öffnete sich ein Riss, in den aus dem Nichts entstehende Edelsteine gezogen wurden, zusammen mit dem Gürteltier und einer zierlichen, beigefarbenen Ritterin.
      „Fusion Summon!“, schrie Anya ehrgeizig. „Erscheine, [Gem-Knight Zirconia]!“
      Ein Lichtblitz schoss aus dem Sog und mit ihm ein Hüne von Krieger, welcher vor Anya landete. Dunkelblau war das Cape, das über der silbernen Rüstung lag, und massiv wie Pfeiler waren die beiden Arme Zirconias, an deren Enden sich die namensgebenden Edelsteine befanden, groß wie Pizzateller.
      In dem Moment riss Matt von den Zuschauerrängen sein Plakat mit Anyas Namen in die Höhe und rief ihren Namen. Etwas, das die anderen nicht taten.

      Gem-Knight Zirconia [ATK/2900 DEF/2500 (8)]

      „Effekt von Lazuli! Wenn sie durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wird, beispielsweise durch eine Fusion, gibt sie mir ein normales Monster von dort zurück.“ Anya zeigte die gewählte Karte vor. „[Gem-Knight Amber]. Eigentlich ist er ein Effektmonster, wird aber dank seines Status als Zwillingsmonster als normales Monster behandelt, solange er auf dem Friedhof liegt.“
      Plötzlich schob sie hinter seiner Karte eine weitere hervor: Ihre [Gem-Knight Fusion]. „Und da ich noch nicht fertig bin, lasse ich meine [Gem-Knight Fusion] einen Gem-Knight von meinem Friedhof verbannen, damit ich sie von dort zurückerhalte!“
      Dafür landete der [Gem-Knight Alexandrite] aus Anyas erstem Zug in deren Hosentasche und das, obwohl die neuen D-Pads mit einer Verbannungszone ausgestattet waren.
      „Sieht so aus, als wolle nun auch Anya Bauer voll aufdrehen!“, hörte man Mr. C rufen.
      „Ganz genau, Opa! Ich aktiviere [Gem-Knight Fusion] und verschmelze [Gem-Knight Amber] und [Gem-Knight Sapphire]!“ Wieder hielt sie die drei Karten in die Höhe, der Edelsteinwirbel öffnete sich über ihr. „Amber, du bist das Element, Sapphire, du der Ursprung! Vereinigt eure Kräfte! Fusion Summon! [Gem-Knight Prismaura]!“
      Diesmal schossen Blitzschläge aus dem Sog, welche einen weißen Ritter begleiteten, der elegant zum Spielfeld herunter schwebte. Bewaffnet mit einer Schwert-ähnlichen Lanze und einem Schild, knisterten elektrische Ladungen um die blauen Kristalle an den Schulterplatten des Kriegers.

      Gem-Knight Prismaura [ATK/2450 DEF/1400 (7)]

      Anya, die damit ihre komplette Hand ausgespielt hatte, streckte diese nach vorne. „Jetzt ist's Zeit für den Gegenschlag! Prismaura, greif' [Dharma-Eye Magician] mit Divine Lance Strike an! Zirconia, du nimmst dir den Drachen vor, Zirconia Smasher!“
      Während Letzterer auf den etwa gleichgroßen Drachen zuzurennen begann, streckte Primsaura seine Waffe nach vorne. Jene, deren Klinge ebenfalls aus dem dunkelblauen Kristall bestand, lud sich elektrisch auf und schleuderte einen Blitzstrahl auf den Magier, welcher beim Einschlag der Entladung in tausend Teile zersprang. Gleichzeitig hatte Zirconia seinen Feind erreicht und schmetterte ihn mit nur einer Faust nieder.

      [Anya: 1100LP / Othello: 3900LP → 3450LP → 3050LP]


      Unter einem Blitz am Himmel und dem darauf folgendem Gedonner verschränkte Anya stirnrunzelnd die Arme. „Hmpf.“
      Grund dafür war das Pendelportal, das sich über Othello öffnete und die Überreste seiner beiden Monster als rote Lichtstrahlen absorbierte. Nächste Runde würden sie wiederkommen. Das hieß, wenn sie ihn ließ!
      „Main Phase 2!“, verkündete Anya und griff nach ihrem Friedhof. „Ich verbanne [Gem-Knight Lazuli], um [Gem-Knight Fusion] zurück zu erhalten!“
      Jene landete bei ihrem Kameraden in Anyas Hosentasche. Kaum hatte diese ihren Zauber aufgenommen, schob sie ihn gleich wieder in den Friedhofsschacht. „Jetzt Prismauras Effekt!“
      Wieder begannen elektrische Ladungen um dessen Schwertspeer zu schlagen. Seine Besitzerin hob den Zeigefinger und deutete auf den schwarzen Magier in der rechten Lichtsäule neben Othello.
      „Einmal pro Zug lässt er mich eine offene Karte zerstören, indem ich eine Gem-Karte abwerfe! Dein Odd-Eyes kehrt immer wieder zu dir zurück? Pah, das wollen wir erstmal sehen! Los!“
      Jetzt war der beste Zeitpunkt dafür, dachte Anya zufrieden. Othello besaß nur eine Handkarte und bei der handelte es sich nicht um ein Monster, denn dann wäre das Duell schon vorbei! Wenn alles gut lief, musste er sich gleich eine neue Strategie ausdenken!
      Dem Befehl Folge leistend, schoss [Gem-Knight Prismaura] einen grellen, elektrisierten Lichtstrahl schräg nach oben, welcher ein Loch in [Timegazer Magicians] Brust bohrte. Jener explodierte stöhnend, wodurch sich das Pendelportal erneut öffnete und ihn absorbierte. Die Lichtsäule, in der er sich befunden hatte, verblasste, bis sie gänzlich verschwunden war.

      <1 → 4> Othellos Pendelbereich <X>


      „Zug beendet“, murrte Anya und zog eine grimmige Fratze. Warum hatte sich der Pendelwert des weißen [Stargazer Magicians] plötzlich verändert?
      Wobei, das konnte man ja nachschauen, was sie auch anhand des Bildschirms über ihrem Spielplan tat.

      Solange kein Magician- oder Odd-Eyes-Pendelmonster in der anderen Zone liegt, ändert sich der Wert auf 4. Interessant.

      „Hm“, gab Anya nachdenklich von sich. Ihr Gegner war gewiss klug genug, nur solche Monster im Deck zu spielen. Andernfalls könnte er sich seine Pendelbeschwörungen damit versauen. Sie sollte gar nicht darauf hoffen, das irgendwie für sich nutzen zu können. Besser gesagt hoffte sie darauf, dass Othello gar kein Pendelmonster mehr ausspielte.

      ~-~-~


      Anderenorts, im VIP-Turm, der zu Anyas Rechten stand, saß Mr. C, seines Zeichens optisch ein Elvis-Imitat mit Bart, vor seiner Konsole und schrie ins Standmikrofon: „Anya Bauer zielt ganz offensichtlich darauf ab, die Pendelbeschwörungen ihres Gegners zu versiegeln! Ob ihr das wohl langfristig gelingen mag?“
      Hinter ihm befand sich eine bequeme, weiße Couch, zu deren beiden Seiten kleine Tische mit Getränken und Snacks standen. Auf ihr saß Melinda, die die Beine in ihrem gelb-weiß gepunkteten Kleid überschlagen hielt und eine der beiden Strähnen um den Finger drehte, welche ihr von ihrer Turmfrisur im Gesicht hingen.
      Doch sie war nicht allein. In der Mitte saß Claire Rosenburg, deren Hände ruhig auf ihrem Schoß lagen. Melinda hatte ihr geraten, sich umzuziehen, doch die Blonde mit dem kurzen, bis zum Ende der Ohren reichendem Haar und den zwei grünen Strähnen hatte sich entschieden geweigert, ihren hellblau-weißen Motorradanzug auszuziehen.
      „Und, wie findest du das Duell?“, fragte Melinda mit breitem Grinsen an die Weltmeisterin gewandt. Welches merklich zuckte, als die tonlos erwiderte: „Interessant.“

      Melinda runzelte ärgerlich die Stirn und murmelte leise vor sich hin: „Hab schon bessere Lügen gehört …“
      Tatsächlich war Claire eine unangenehme Person. Ein Eisklotz, der nur sprach, wenn er dazu aufgefordert wurde. Die ganze Zeit verfolgte sie das Duell nun schon ohne die geringste emotionale Regung. Und der rothaarige, bärtige Kerl neben ihr, ihr Manager namens Nigel McPherson, war genauso schlimm. Eigentlich noch schlimmer, denn immer wieder flüsterte er Claire etwas ins Ohr, woraufhin diese, wenn überhaupt, mit einem knappen Nicken reagierte.
      „Stimmt etwas nicht?“, fragte er höflich, als er den Blick Melindas bemerkte.
      Die hob abwehrend die Hände. „Nein, nein. Mir ist nur aufgefallen, dass unsere Claire heute besonders wortkarg ist.“
      „Claire teilt ihre Gedanken ungern anderen mit“, sprach der Manager für sie und fuhr sich über das nackte Kinn, über das der fein geschnittene Bart nicht wuchs.

      Dabei fiel Melinda wieder einmal die Narbe auf, die seine rechte Augenbraue zerteilte. Woher er sie wohl hatte? Darüber sprach dieser Nigel nicht. Denn er wusste, dass seine Erscheinung dadurch Respekt einflößender war, irgendwie unheimlich und das nutzte er seither zu seinen Gunsten. Er war die Mauer, die Claire von der Welt abschirmte.
      Wenn Anya Pech hatte, musste sie, bevor sie an Claire überhaupt heran kam, erstmal mit dem fertig werden …

      „Tja, eine kleine Geheimniskrämerin eben“, plapperte Melinda und winkte mit der Hand mehrmals ab. Die waren beide unheimlich, vermutlich funktionierte ihre Zusammenarbeit deshalb so gut!
      Leise vor sich hin seufzend, erhob sich der Rotschopf und schritt herüber zu Mr. Cs Kommentatorenplatz, um mit ihm zu reden.
      Doch sie fror mitten auf dem Weg dorthin ein, als sie ein paar Wortfetzen vernahm, die Nigel McPherson seinem Schützling ins Ohr flüsterte: „… müssen die Bedrohung eliminieren … deine Karriere …“

      ~-~-~


      „Draw“, verkündete Othello und zog auf eine zweite Handkarte auf. Eine Weile sah er beide nachdenklich an, dann seufzte er bitter. „Leider habe ich keine andere Wahl. Ich aktiviere [Pot Of Riches]!“
      Anya zog erstaunt eine Augenbraue hoch, als Othello besagten Zauber auf den Spielplan vor sich legte und damit einen Kürbis-großen Topf aus purem Gold vor sich erscheinen ließ. Besetzt mit Edelsteinen, grinste er Anya mit seinem breiten, teils zahnlosem Gesicht an.
      „Mit dieser Karte mische ich drei Pendelmonster von meinem Friedhof oder Extradeck ins Deck zurück und ziehe anschließend zwei Karten. Da sich keine auf meinem Friedhof befinden, muss ich die drei aus meinem Extradeck nehmen“, erklärte Othello und zeigte [Odd-Eyes Pendulum Dragon], [Dharma-Eye Magician] und [Timegazer Magician] vor.
      Mr. C konnte das nicht unkommentiert lassen. „Was ist das, liebe Zuschauer!? Othello Nikoloudis gibt seine Pendelmonster auf, um mehr Karten zu ziehen? Das kann nur eins bedeuten!“
      Er konnte keinen neuen Pendelbereich aufbauen, dachte Anya mit grimmiger Zufriedenheit. Perfekt, das hätte gar nicht besser laufen können! Selbst wenn er jetzt ein Pendelmonster nachzog, waren die bisherigen verloren! Sie hatte seinen Vormarsch gestoppt!
      Othello indes legte die drei Monster mit nachdenklichem Gesichtsausdruck auf sein Deck, welches automatisch durchgemischt wurde. Nachdem er zweimal aufgezogen hatte, sah er die neuen Karten kurz an, ehe er beide ausspielte. „Ich beschwöre [Doomstar Magician] und aktiviere [Sky Arc], einen Spielfeldzauber!“
      Während sich über dem gesamten Spielfeld eine viel größere Version des Pendelportals auftat, umgeben von einem bunten Lichtschleier, tauchte vor Othello ein Hexer in schwarzer Lederkleidung auf. Der Magier mit dem spitz zulaufenden Hut streckte den Zauberstab, welcher in einem blauen Kristall endete, hoch in die Luft.

      Doomstar Magician [ATK/1800 DEF/300 (4)]

      An den erinnerte Anya sich noch, denn er wurde schon im Duell gegen Marc von Othello ausgespielt. [Doomstar Magician] war kein Pendelmonster. Eher noch eine Anti-Pendel-Karte, denn indem sein Besitzer eine Handkarte abwarf, konnte er eine Karte in einer beliebigen Pendelzone zerstören und dann eine neue Karte ziehen. War er so verzweifelt, dass er jetzt auch noch seinen [Stargazer Magcian] opfern würde?
      „Ich benutze [Sky Arcs] Effekt“, sprach Othello und widerlegte damit Anyas Vermutung, „damit zerstöre ich eine andere meiner Karten auf dem Feld, um einen 'Odd-Eyes' von meinem Deck zu erhalten!“
      „Huh!?“ Anya weitete die Augen.
      Der schwarze Hexer stieg mit voran gestrecktem Zauberstab in die Luft auf und wurde dabei von einem roten Blitz getroffen, der aus dem Pendelportal geschossen kam. Othello nahm sein Deck aus dem Schacht und fächerte es vor sich auf. „Welcher ist die bessere Wahl? Hmm …“
      „Nanu?“, wunderte sich Mr. C und auch das Publikum wurde zunehmend leiser, je länger Othello überlegte. „Scheinbar hat der Gute Schwierigkeiten, sich zu entscheiden.“
      In dem Moment aber zog der Jugendliche mit dem strohblonden, schulterlangen Haar eine Karte aus dem Deck, welches er wieder in den dazugehörigen Schacht schob. Er drehte die Karte zwischen seinen Fingern um: [Odd-Eyes Pendulum Dragon].
      „Er wird immer an meiner Seite bleiben.“

      Eigentlich hätte sie wütend sein müssen, dass es ihm wieder gelungen war, an sein Assmonster zu kommen, aber Anya lächelte kaum merklich. Denn in diesem Moment konnte sie sich nur zu gut in seine Gefühlslage versetze, gab es auch bei ihr ein bestimmtes 'Monster', auf das sie immer zählen konnte.

      Anya fuhr aus ihren Gedanken hoch, als plötzlich eine hellblaue Lichtsäule rechts neben Othello aus dem Boden schoss und damit den Platz der alten eingenommen hatte.
      „Ich aktiviere den Magier, der die Karten liest: [Cardgazer Magician]!“
      In der Säule stieg ein Magier von langem, weißem Haar auf, dessen rote Robe so lang war, dass sie weit über seine Beine hinausragte. Dabei war sie ab Hüfthöhe zweigeteilt, sodass sie in ihrer Form wie herab hängende Flügel aussah. Besonders aber waren die zwölf Duel Monsters-Karten, die er mit ausgestreckten Händen vor sich in einem Kreis rotieren ließ.
      „[Cardgazer Magicians] Pendelbereich liegt normalerweise bei 4, verändert sich aber in Abhängigkeit zur Höhe des Verteidigungswertes des Magiers in der anderen Pendelzone. Liegt dieser über 1200, wird sein Pendelbereich zu 8. Liegt er darunter, wird er zu 1. [Stargazers Magicians] Defensive liegt bei 2400, von daher …“
      Anya sah es selbst anhand der verzerrten Ziffern, die unter beiden Magiern aufleuchteten.

      <4 → 1> Othellos Pendelbereich <4 → 8>


      „Zurück auf Anfang, huh?“ Anya fasste sich an die Stirn. Genau das hatte sie erwartet.
      „Ganz genau! Pendulum Scale set!“ Ihr Gegner hob den Arm mit seiner letzten Handkarte in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Aus meiner Hand: [Odd-Eyes Pendulum Dragon]! Pendulum Summon!“
      Aus dem riesigen Portal schoss ein roter Lichtstrahl, welcher vor Othello die Gestalt des roten Drachen annahm, von dessen Brustpanzer metallische Auswüchse, Flügeln nicht unähnlich, nach oben ragten.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      „Greife [Gem-Knight Prismaura] an! Spiral Strike Burst!“ Sofort öffnete Odd-Eyes sein Maul und schoss daraus einen roten Lichtstrahl ab, um den schwarze Entladungen schlugen. „Dank seines Effekts wird der Kampfschaden verdoppelt! Reaction Force!“
      Der Ritter erhob seinen Schild, welcher dem Angriff jedoch nicht standhalten konnte. Sowohl er, als auch Anya verschwanden in einem roten Flammenmeer.

      [Anya: 1100LP → 1000LP / Othello: 3050LP]


      Othello hustete mehrmals. Indes tauchte Anya wieder aus den Flammen auf, welche nun lediglich [Gem-Knight Zirconia] kontrollierte. Nachdem der junge Mann sich gefasst hatte, verkündete er leise: „Du bist dran.“

      „Na endlich! Draw!“ Voller Schwung riss Anya die Karte von ihrem Deck und identifizierte sie anhand des purpurnen Rands als Falle. Also nichts, was sie sofort nutzen konnte, um Othello zu schaden. Verdammter Kackmist!“
      Ehrgeizig blickte die Blonde auf, nachdem sie sich die Karte angesehen hatte. „Du sagst, er wird dich nie verlassen, ja? Fein, ich sage, er kriegt jede Runde aufs Maul von mir! [Gem-Knight Zirconia], greif' ihn an! Zirconia Smasher!“
      Mit wehendem, blauem Umhang stampfte der Hüne auf den roten Drachen zu und schmetterte ihn mit seiner massiven Faust in den Boden, sodass ein roter Lichtstrahl in die Luft aufstieg und vom nun permanent geöffneten Pendelportal absorbiert wurde.

      [Anya: 1000LP / Othello: 3050LP → 2650LP]


      Einige Zuschauer klatschten begeistert oder riefen Anyas Namen.
      „Er kommt wieder“, versprach Othello und es klang beinahe so, als würde er das eher zu sich selbst sagen, als zu seiner Gegnerin.
      Die zuckte mit den Schultern. „Soll er doch. Zirconia wartet. Eine Karte verdeckt, Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sich die Falle zu ihren Füßen, gleich neben ihrer [Justi-Break]-Karte.

      Er verlässt sich anscheinend mehr auf diesen Drachen, als auf jedes andere Monster in seinem Deck. Er hätte vorhin noch andere Optionen gehabt, doch er entschied sich für ihn …

      Anya nickte aufgrund von Levriers Einwurf. Vielleicht war er genauso abhängig von Odd-Eyes, wie sie es von Angel Wing war. Mit dem Unterschied, dass -sie- sich nicht mehr nur auf dessen Kraft verlassen würde! Sie musste Redfield beweisen, dass sie sich in ihr irrte, unbedingt!
      Die Artefakte waren nichts weiter als Waffen für sie, um Undying und anderem Gesocks in den Arsch zu treten. Was Erinnerungen an ein Ereignis vor wenigen Tagen weckte …

      „So“, sagte Matt und verschränkte die Arme voreinander. Er lehnte an einer Mauer, die den Park von der dahinter liegenden Straße abschirmte. Direkt dahinter befanden sich jedoch keine Gebäude, sondern lediglich eine pinkfarbene Barriere. „Dann bin ich mal gespannt.“
      Der schwarzhaarige Dämonenjäger hatte auf etwa 100 Quadratmetern einen Bannkreis errichtet und das einzig auf Anyas Wunsch hin, ihre zurückerlangten Hüterartefakte auszuprobieren.
      „Ich will nur sehen, ob das Teil wirklich so funktioniert, wie ich es mir vorstelle“, erwiderte Anya passend dazu angespannt und fixierte sich auf den Baum, der etwa fünf Meter von ihr entfernt stand.
      Sie brauchten vermutlich Platz, den es in der Innenstadt nicht gab, weshalb sie Matt dazu überredet hatte, den Park als Trainingsstätte zu nutzen. Hier hatten sie und Valerie das Fest besucht, hier hatte Othello Marc besiegt. Außer besagtem Baum, einem Kiesweg direkt vor Matt und einer Bank nicht weit davon entfernt gab es hier nichts außer Gras.

      Anya kniff die Augen bitterböse funkelnd zusammen und fixierte sich einzig auf den Baum. Der Krüppel mit seinen Pendelmonstern. Vielleicht würde er es sein, gegen den sie im Finale antreten musste. Der Knirps war verdammt gut, das ließ sich nicht abstreiten. Es war geradezu verlockend, sich sein Gesicht auf der Rinde vorzustellen, um in Fahrt zu kommen.
      „Hmpf!“
      Anya schwang schnaufend den Speer aus, in der Hoffnung, er würde sich – wie in ihrem Elysion – in mehrere Segmente teilen, sodass sie ihn wie eine Mischung aus Peitsche und Nunchaku schwingen konnte. Aber Fehlanzeige: Gar nichts geschah.
      Matt, der sich abseits des Geschehens auf die Bank gesetzt hatte und alles von der Seite beobachtete, rief ihr zu: „Erwarte nicht, dass es beim ersten Mal klappt. Du warst so lange von den Artefakten getrennt, dass du dich erstmal wieder akklimatisieren musst.“
      Seine Freundin warf ihm einen skeptischen Blick aus den Augenwinkeln zu. Sie wusste ja nicht mal, was dieses komische Wort bedeutete, das er eben benutzt hatte! Warum mussten immer alle mit ihrer Pseudointelligenz angeben, indem sie chinesisch redeten!? Nervig!
      Unter einem wütenden Aufschrei schwang sie den Speer noch einmal im Halbkreis vor sich aus. Und nochmal. Wieder und wieder, aber die Waffe weigerte sich beharrlich, ihrem Willen Folge zu leisten.

      „Ach fuck, dann eben die Teleportationsnummer!“, schrie Anya, warf den Speer so in die Luft, dass sie ihn mit der Spitze voraus am Heft packen konnte und warf ihn volle Kanne Richtung des Baums.
      Jetzt! Gleich würde sie ihn in der Hand halten und vor dem Baum erscheinen! Jeden Moment, jeden-! Stahl krachte auf Holz, Holz barst, Speer prallte ab und fiel ins Gras. Anya sah die weiße Waffe wie ein begossener Pudel an, wie sie da im Gras lag.
      „Der hat ja nicht mal beim Aufprall einen Schuss abgegeben und sich abgefedert“, stellte sie aufrichtig enttäuscht fest.
      Matt musste kichern. „Das hast du dir vorgestellt, als du im Elysion gegen Zanthe und Levrier gekämpft hast? Was kommt als Nächstes, dass du ihn zur Schrotflinte umfunktionieren kannst?“
      Seine Worte blieben ihm im Halse stecken, als Anya ihn in einer gefährlichen Mischung aus Frustration und Wut anfunkelte.

      Anya runzelte ärgerlich die Stirn. Entgegen ihrem Vorhaben, hatte sie Angel Wings wahre Kräfte nicht entfesseln können – wenn es die überhaupt gab! All ihre tollen Ideen hatten sich als Hirngespinste erwiesen. Am liebsten würde sie Zanthe in die Nieren treten, weil er ihr so einen Floh ins Ohr gesetzt hatte! Andererseits würde sie dieser Rückschlag nicht davon abhalten, die Kräfte der Artefakte zu erforschen.
      „Ich werde immer darum kämpfen zu überleben“, schwor sich Anya leise.
      Etwas, das Othello zu hören schien, denn er fragte: „Überleben?“
      „Für mich ist dieses Duell wie ein Kampf. Verliere ich, nun“, erklärte seine Gegnerin und zog sich mit herausgestreckter Zunge über die Kehle.
      „Oh. Aber es ist nur ein Duell. Wenn es vorbei ist, wirst du trotzdem noch da sein.“
      Anya sah zur Seite. „Yeah. Weiß nicht.“
      „Doch, du wirst noch da sein. Und du hast Zeit, kannst es ein zweites Mal versuchen.“ Othello senkte selbst betrübt das Haupt. „Ich nicht. Deswegen genieße ich dieses Turnier auch nicht, obwohl ich es gerne würde.“
      „Huh?“ Anya horchte auf. „Hat das was mit deiner Gesundheit zu tun?“
      „Ja. Kennst du die Geschichte, warum ich im Rollstuhl sitze? Wenn nicht, möchtest du sie hören? Dann würdest du verstehen, in welcher Lage ich mich befinde. Danach kannst du mir auch gerne von deinen Gründen und Zielen erzählen.“
      Zwar wusste Anya nicht, ob sie das alles überhaupt interessierte und ob sie ihre Gedanken mit diesem Knirps da teilen wollte, aber warum ihn nicht ein wenig quasseln lassen? Vielleicht bekam sie bis dahin irgendeinen Geistesblitz, was sie gegen seinen 'Odd-Eyes' unternehmen konnte.

      „Vor zwei Jahren, an meinem fünfzehnten Geburtstag, bin ich mit ein paar Freunden in die Stadt gefahren. Wir waren mit dem Fahrrad unterwegs. Ich war nur einen Moment abgelenkt, da wurde die Welt plötzlich schwarz“, erklärte Othello leise, aber gefasst. Das Publikum wurde still, auch wenn die Geschichte um den Unfall für die meisten Zuschauer nicht neu war. „Ein LKW hatte mich erfasst. Durch den Sturz wurden meine Beine mehrfach gebrochen. Aber das war nicht das Schlimmste. Ich bin gegen eine Mauer gerammt worden, wobei sich der Lenker meines Fahrrads durch meine Brust bohrte. Es war ein Wunder, dass ich überlebt hatte, aber mein Herz wurde dabei so schwer beschädigt, dass ich ein neues benötigte.“
      Anya sah ihn streng an und schwieg.
      „Zwei Monate lang hing ich nur an Maschinen, bis endlich ein Spenderherz für mich freigegeben wurde. Für mich bedeutete das in erster Linie, dass ich nur weiterleben konnte, weil ein anderer gestorben war.“ Othello legte den Kopf in den Nacken. Draußen schüttete es nach wie vor wie aus Gießkannen, der Regen prasselte auf den gläsernen Dom. „Aber das sollte sich als falsch erweisen. Mein Körper hat das Herz abgestoßen, daran konnten selbst die Medikamente nichts ändern.“
      „Aber du bist jetzt hier. Hast du ein neues bekommen?“, fragte Anya plump.
      „Herzen wachsen nicht auf Bäumen“, belehrte Othello sie und senkte sein Haupt, „nein, die letzte Alternative war ein komplett künstliches Herz. Solche tragen viele Risiken mit sich. Bei der Transplantation kam es zu einer Infektion, welche meine Lunge geschädigt hat. Gegen die Folgen kann man nichts unternehmen und da ich schon das Herz abgestoßen habe, komme ich für weitere Organspenden nicht mehr infrage.“

      Die Blonde zuckte mit den Schultern. Sie wusste nicht so recht, was sie sagen sollte. Beileid zu bekunden erschien ihr heuchlerisch, wo sie doch keines empfand. Die Welt war eben nicht gerecht, was änderte Mitleid daran? Sie hasste Mitleid …

      „Deswegen muss ich aus der Zeit, die mir noch bleibt, das Beste machen. Und das geht nur, indem ich der Beste werde.“ Othello sah ihr milde lächelnd in die Augen. „Die Welt ist nicht gerecht. Sie möchte, dass ich von ihrem Antlitz verschwinde. Aber wenn das schon so ist, dann zu meinen Bedingungen.“

      In dem Moment fuhr Anya förmlich zusammen. Dieser Typ, der … dachte wie sie. Sie hatte sich so oft nachts Gedanken darüber gemacht, was geschehen sollte, wenn sie ihre Aufgabe nicht rechtzeitig erfüllte. Sich vor dem Sammler gesehen, wie sie ihn noch einmal herausforderte, auch wenn die Hoffnung ihn zu besiegen gleich null war.
      Nein, er dachte nicht wie sie, korrigierte Anya sich und umfasste dabei mit einer Hand ihr T-Shirt auf Brusthöhe. Othello hatte akzeptiert, dass sein Ende unausweichlich war, kämpfte aber trotzdem weiter. Er sah nicht das Ende, sondern das, was davor kam.
      Anya schluckte. Bilder schossen in ihr hoch, Erinnerungen an die Illusionen von Zed. Was würden ihre Freunde tun, fühlen, über sie sagen, wenn sie weg war? Dass sie nicht genug Zeit mit ihnen verbracht hatte, ihnen zu oft auf die Nerven gegangen und einfach zu selbstsüchtig gewesen war?
      Für sie gab es nur den Kampf gegen das Schicksal, alles andere musste hinten anstehen, alles außer ihr Traum. Aber sie, sie hatte eine Chance, es noch zu drehen. Othello nicht. Wenn sie Claire heute nicht stellen würde, dann an einem anderen Tag. Sie hatte Matt und Zanthe. Die dämliche Kuh würde erst bemerken, dass sie entführt wurde, wenn sie schon längst auf dem Verhörstuhl saß!
      Sie konnte Othellos Weg verkürzen, auch wenn ihrer dadurch länger wurde. Aber in einer Welt, die nicht fair war, konnte -sie- dem Schicksal trotzdem. Dem eines anderen. In diesem Moment konnte nur sie das tun, niemand sonst.

      Anyas Hand bewegte sich von der Brust zu ihrem D-Pad. Wenn sie jetzt aufgab, musste sie sich noch mehr ins Zeug legen. Aber sie konnte das Blatt wenden, sie musste! Allein schon, um nicht vergessen zu werden, um dafür zu sorgen, dass die Bilder aus Zeds Illusion nicht irgendwann zur Realität wurden.
      „Nicht!“, mahnte Othello sie, als die Hand schon fast auf dem Deck lag. „Das möchte ich nicht!“
      „Wieso?“, fragte Anya verwirrt. „Wenn ich jetzt aufgebe-“
      „Du gibst aber nicht auf. Ich will keinen geschenkten Sieg!“ Trotz stand in seinen Augen. „Wer hätte ahnen können, dass ausgerechnet jemand wie du Mitleid empfindest? War wohl eine dumme Idee, dir davon zu erzählen. Gerade wo ich dachte, dass du mich verstehen würdest …“
      Tatsächlich verstand Anya die Welt nicht mehr. Er war seinem Ziel zum Greifen nahe. Wieso wollte er nicht dort ankommen? Eine zweite Chance würde er womöglich nie bekommen!
      „Bist du vollkommen bescheuert, du dämliche Kackbratze!?“, fuhr sie ihn daher in einem spontanen Wutausbruch an. „Ich gebe dir das, was du haben willst und du sagst 'nein'!?“
      Der Jugendliche im Rollstuhl funkelte Anya böse an. „Ein geschenkter Sieg ist das Letzte, was ich mir wünsche. Würdest du das denn wollen?“
      Anya stampfte mit dem Fuß auf. „Und wie! Wenn ich bald sterben würde und keine zweite Chance hätte, keine Möglichkeit, das zu verhindern, dann fuck ja!“
      Im Grunde genommen war ihr dies schon widerfahren. Sie hatte sich nie offiziell dafür eingesetzt, dass das Halbfinalduell zwischen ihr und Valerie wiederholt wurde. Davon geredet, ja, aber wenn Anya ehrlich zu sich selbst war, kam dieser unverdiente Sieg ganz gelegen. Er hatte ihren Stolz verletzt, aber nicht den Drang zu überleben unterdrückt. Bei der Erkenntnis biss Anya sich verbittert auf die Lippe.
      „Mein Ziel ist es, der stärkste Duellant zu werden. Dazu muss ich dich besiegen. -Ich- muss dich besiegen, nicht du selbst“, erklärte ihr Gegner streng.
      Und Anya nickte mit Tränen in den Augen. „Okay … aber denk nicht, dass du das schaffst.“

      „Danke, Anya. Ich bin am Zug. Draw“, flüsterte Othello schon beinahe. Er betrachtete seine neue Karte und legte sie dann vor sich auf den Plan. „Diese hier setze ich verdeckt. Und nun schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Vom meinem Extradeck: [Odd-Eyes Pendulum Dragon]! Pendulum Summon!“
      Aus dem Spielfeld umfassenden Pendelportal, um welches ein bunter Schleier lag, schlug ein einzelner roter Lichtstrahl vor Othello auf der Duellplattform ein. Welcher zum roten Drachen wurde, der Anya zur Abwechslung seine Rückansicht zeigte, einen stacheligen, roten Schweif.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      Inzwischen hatte auch die verdeckte Karte vor Othellos Rollstuhl Gestalt angenommen. „Du bist wieder dran.“
      Mr. C wunderte sich: „Geht Othello nach diesem tiefgründigen Gespräch nun in die Defensive!?“

      Inzwischen hatte Anya wieder zu ihrer alten, kratzbürstigen Form zurückgefunden und rief energisch: „Mehr hast du nicht zu bieten und das bei all dem Gequatsche von eben? Wie langweilig, ich dachte schon, mich erwartet sonstwas! Draw!“
      Nachdem sie die Karte aufgezogen hatte und als Falle identifizierte, streckte sie den Zeigefinger zielsicher aus. „Zirconia, gehe deiner neuen Lieblingsbeschäftigung nach: Drachen einstampfen! Zirconia Smasher!“
      Es war die dritte Runde, in der der massive Ritter mit wehendem Umhang auf seinen Gegner zustürmte und mit seiner Faust in den Boden rammte. Schreiend löste sich 'Odd-Eyes' ein weiteres Mal auf und wurde vom Pendelportal absorbiert.
      „Anya Bauer kämpft mit aller Kraft, aber es scheint, als käme sie seither keinen Schritt weiter!“, wusste Mr. C dazu zu berichten.
      Wodurch er ungewollt den Mittelfinger erntete, den Anya zum Turm hochstreckte. „Schnauze da oben, das hier ist gleich sowas von vorbei!“
      Sie wandte sich an Othello. „Sorry für eben. Keine Ahnung, warum ich solchen geistigen Dünnschiss gelabert habe.“

      Wir verzeihen dir, liegt es doch in deiner Natur.

      Sofort pochte auf Levriers Spitze hin eine Ader auf Anyas Stirn, welche sich jedoch beherrschte. Was war nur in sie gefahren, aufgeben zu wollen!? Wer wusste schon, ob es für sie noch eine Chance gab, an Claire heranzukommen, wenn sie jetzt versagte? Sie hatte noch Hoffnung, wollte aber nur einen kurzen Augenblick darauf für jemanden verzichten, der keine besaß. Warum …?
      Sie seufzte schwer und schüttelte den Kopf. „Was für ein Scheiß. Egal! Ich aktiviere meine Falle [Fragment Fusion]! Sie verbannt Fusionsmaterialien eines Gem-Knights von meinem Friedhof, um ihn für einen Zug zu beschwören!“
      Anya nahm die Karten von [Gem-Knight Emerald], [Gem-Knight Sapphire] und [Gem-Knight Pearl] aus ihrem Friedhof und hielt sie in die Luft.

      Oh, ich bin auch Teil der Gleichung? Wie aufregend!

      Othellos Hände umfassten die Lehnen seines Rollstuhls fester, als er mit ansah, wie verschiedenfarbige Edelsteine rund um Anya auftauchten. Zwischen ihnen zogen sich weiße Energielinien, die ein netzartiges Gewebe bildeten, in welchem sich ein schwarzer Sog öffnete.
      Anyas Karten landeten in der Hosentasche, ehe sie ausrief: „Drei Lichter kreuzen den Weg des Lichts! Körper, Seele und Herz verschmelzen und werden zu der Macht, die in ihrer Reinheit einem Diamanten gleicht!“
      Ein riesiges Breitschwert flog aus dem Loch, landete im Stahlboden der Plattform. Weißer, feiner Staub folgte ihm, wirbelte um die Klinge.
      „Werdet eins! Fusion Summon!“, rief Anya und weitete die Augen. „Werdet zu [Gem-Knight Master Diamond]!“
      Dieses Mal erschien die violette Flamme gar nicht erst an ihrer Hand und Anya konnte nur vermuten, dass es daran lag, weil sie für Othello nichts als Mitleid empfand. Mitleid …
      Der Diamantenstaub indes bildete die Gestalt des mächtigsten Gem-Knights. In silberner Rüstung, zog der Zwei-Meter-Hüne das mit diversen Edelsteinen besetzte Schwert unter wehendem Umhang mit nur einer Hand aus dem Boden.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 DEF/2500 (9)]

      Der Kommentator zeigte sich geschockt. „Eine Fusion aus dem Nichts!“
      „Für jeden verbliebenen, gefallenen Gem-Knight erhält Master Diamond 100 Angriffspunkte.“
      Über Anya tauchten die Abbilder der Karten von [Gem-Knight Crystal], [Gem-Knight Amber] und [Gem-Knight Prismaura] auf. Ihr Anführer begann in weißer Aura aufzuleuchten.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 → 3200 DEF/2500 (9)]

      „Du wolltest verlieren. Also, verliere!“ Anya schwang den Arm aus. „Los, Master Diamond! Beende es mit einem direkten Angriff! Shining Wave Breaker!“
      Sorgfältig umschloss ihr Ritter sein Schwert mit beiden Händen und schwang es in einem Halbkreis vor sich aus. Das Publikum verstummte, als eine glänzende Schockwelle über den Boden rauschte.
      Anya schloss die Augen. Das musste das Ende sein! Sie konnte Othellos Pendelmonster nicht besiegen, aber sie konnte -ihn- besiegen. Sie musste!
      Erbarmungslos zischte der tosende Diamantenstaub näher.
      „Wird Othello Nikoloudis diesen Angriff abwehren können?“, rief Mr. C dazwischen.
      „Falle!“, lieferte der im letzten Moment die Antwort und ließ dabei seine Hand über den Spielplan vor ihm fahren, wobei er die gesetzte Karte umdrehte. „Ich wusste, es würde so kommen. [Punch-In-The-Box]!“
      Die Karte klappte fuhr vor ihm auf. Gleich darauf schoss eine violette Kiste mit Smileys darauf aus der Karte, wie sie auch auf dem Artwork abgebildet war. Der kranke Junge erklärte: „Wenn mein Gegner einen direkten Angriff deklariert und dabei mindestens zwei Monster kontrolliert, wird eines der nicht angreifenden Monster auf den Friedhof geschickt und schwächt dabei den Angriff des Angreifers um seinen eigenen Wert.“
      Erschrocken riss Anya die Augen auf. Sie sah nur noch, wie aus der Box zwei riesige, rote Fäuste an Federzügen befestigt auf ihre beiden Ritter zu schnellten. Beide durchdrangen dabei die Schockwelle und lösten sie nahezu auf. Die erste Faust traf Zirconia, welcher daraufhin in tausend Teile zersprang. Die andere Master Diamond, welcher geschwächt in die Knie sank.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/3200 → 300 → 400 DEF/2500 (9)]

      Nur ein paar Querschläger seines Angriffs waren verblieben, die an Othello vorbei zischten.

      [Anya: 1000LP / Othello: 2650LP → 2250LP]


      Anya knirschte mit den Zähnen. „Hartnäckiger Mistkerl!“
      „Heh“, grinste Othello herausfordernd.
      „Tch! Main Phase 2! Ich verbanne Zirconia von meinem Friedhof, um [Gem-Knight Fusion] zurückzubekommen! Außerdem“, murmelte Anya im Anschluss und schob neben Matts einstigem Bestechungsgeschenk auch Prismauras Karte in ihre Hosentasche, „benutze ich Master Diamonds anderen Effekt! Ich kann ein Gem-Knight-Fusionsmonster verbannen, damit er bis zur End Phase dessen Effekt erhält!“

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/400 → 200 DEF/2500 (9)]

      Der Ritter mit Schwertlanze und Schild tauchte kurz als Trugbild neben seinem niederknienden Kameraden auf, ehe er in diesem verschwand.
      „An Prismauras Effekt erinnerst du dich bestimmt noch! Ich kann eine Gem-Knight-Karte abwerfen“, was Anya auch gleich mit ihrem Zauber tat, „um eine deiner Karten zu zerstören!“
      Sie hob den Finger und zeigte auf den [Cardgazer Magician] in der blauen Lichtsäule, welcher Karten vor sich rotieren ließ.
      „Ein erneuter Versuch Anya Bauers, Othellos Pendelbeschwörungen anzugreifen!“
      Master Diamond streckte sein massives Breitschwert aus und feuerte einen Blitzstrahl ab.

      „Das ist gut!“, meinte Matt derweil bei den Zuschauerrängen. „Beide haben nahezu all ihre Ressourcen verbraucht. Es wird jetzt immer schwerer für Othello, den Pendelbereich aufrecht zu erhalten.“
      Kakyo neben Valerie drehte sich zu ihm um. „Die Idee ist gut, es gibt nur einen Haken …“

      Welchen Othello sogleich verkündete. „Tut mir leid, Anya, aber das kannst du nicht! [Sky Arcs] Effekt verhindert, dass du Karten in den Pendelzonen als Ziel für Effekte auswählst!“
      „Das gibt’s doch nicht!“ Anya biss sich auf die Lippe. „Dann bleibt mir nur der kack Spielfeldzauber selbst!“
      Mitten auf seinem Weg zum Magier in Rot wechselte der Strahl seine Richtung, schoss quer nach oben und schlug in das riesige Pendelportal ein. Jenes schloss sich, die bunten Schleier um es herum verschwanden umgehend.
      Und Anya zuckte mit den Schultern. „Was auch immer. Ich setze eine Karte. Zug beendet! Damit wird Master Diamond jetzt durch [Fragment Fusions] negativem Effekt zerstört.“
      Als der Ritter in tausend Teile zersprang, verzog Anya eine grimmige Miene. Zu gerne hätte sie gesehen, dass er das Spiel für sie entscheidet. Allein um Redfield für immer das Maul zu stopfen, was deren Anschuldigung anging!
      Die Falle materialisierte sich zu ihren Füßen. Sie war jetzt alles, was Othello noch daran hinderte, sein Vorhaben Wirklichkeit werden zu lassen. Hoffentlich würde er einen Fehler machen!

      Jener, ergriffen von ähnlichem Ehrgeiz wie Anya, zog unüblich für seine sonstige Art schwungvoll auf. „Draw! Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Sofort streckte er den Arm in die Höhe. Zwischen seinem weißen und seinem blauen Magier öffnete sich das Pendelportal, um welche sich unzählige Lichtellipsen bildeten.
      „Kehre zu mir zurück, [Odd-Eyes Pendulum Dragon]!“
      In Form des typischen roten Blitzes schlug der gleichfarbige Drache vor Othello ein, nur um sich stolz brüllend aufzubäumen und dabei wild mit dem dornigen Schweif um sich zu schlagen.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      Der strohblonde Jugendliche streckte den Arm nach Anya aus. „'Odd-Eyes', direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte! Bitte, hol' mir den Sieg! Spiral Strike Burst!“
      Gehorsam öffnete der Drache sein Maul und lud darin rote Energie auf. Mr. C flötete: „Wird dieser Angriff durchgehen oder müssen wir weiterhin mit unseren Favoriten bangen!? Alles ist noch drin!“
      Gleichzeitig feuerte Odd-Eyes seinen roten Lichtstrahl ab, um den schwarze Entladungen schlugen.
      Anya sah ihm kämpferisch entgegen und betätigte den Auslöser ihrer linken Falle. „Sei wiedergeboren, [Gem-Knight Crystal]! Die Falle [Birthright] reanimiert ein normales Monster von meinem Friedhof, solange es mit ihr verbunden ist!“
      Ein dunkler Anker schoss weit über Anya aus dem Nichts in den Stahlboden und verschwand in einem Dimensionsriss. Es dauerte nur einen Moment, da zog er den weißen Ritter mit den Kristallschulterplatten am Kragen so weit hervor, dass dieser in der Luft hing und hinuntergelassen werden konnte.

      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Der rote Lichtstrahl peilte Crystal geradewegs an. Und Anyas Finger lag bereits auf dem Auslöser ihrer zweiten Falle.
      „Stopp!“, befahl Othello alarmiert. „Die Replay-Regel greift, da sich deine Monsterzahl verändert hat! Angriff abbrechen!“
      Kurz bevor Crystal getroffen wurde, verpuffte der Lichtstrahl. Anya knirschte förmlich mit den Zähnen.
      „Was ist da passiert? Othello bricht den Angriff ab, obwohl Anyas Monster schwächer ist!“ Mr. C verstand die Welt nicht mehr, wie es schien.
      Die Blonde hingegen schon. Grimmig verschränkte sie die Arme. „Du wusstest es, huh?“
      Othello nickte. „Ich war vorgewarnt.“

      [Odd-Eyes Pendulum Dragon] schrie stolz auf, ehe er einen roten Lichtstrahl ausstieß, umgeben von schwarzen Entladungen. Sein Ziel war [Gem-Knight Crystal]. Dessen Besitzerin schnaubte wütend, ehe sie per Knopfdruck ihre verdeckte Fallenkarte aufspringen ließ. „Falle, [Justi-Break]! Sie-“
      „[Timegazer Magician], Inverse Gears!“
      Bevor überhaupt etwas geschah, klappte Anyas Karte nach Othellos Ausruf auf halbem Wege nach oben wieder zu. Gleichzeitig tauchte der in Schwarz gekleidete Magier über Odd-Eyes auf. Die goldene Klinge an seinem Arm fuhr aus und bildete um ihn einen Kreis, das Ticken einer Uhr war im Hintergrund zu vernehmen.
      „[Timegazer Magician] beschützt Pendelmonster vor Fallenkarten während sie angreifen“, erklärte Othello dazu. „Er dreht die Zeit zurück und verhindert die Aktivierung. Deshalb geht der Angriff auch durch!“

      „[Justi-Break] liegt seither verdeckt auf deiner Spielfeldseite“, erklärte Othello mit dem Anflug eines überlegenen Grinsens, „Ohne [Timegazer Magician] kann ich die Aktivierung nicht verhindern. 'Odd-Eyes' jetzt zu verlieren kann ich mir nicht leisten, verstehst du?“

      Die Idee war gut, Anya Bauer! Da Othello Nikoloudis schon eine Pendelbeschwörung durchgeführt hatte und du durch [Justi-Breaks] Effekt alle Nicht-normalen-Monster vernichtet hättest, wäre er danach schutzlos gewesen, ohne Chance, seinen Drachen noch einmal im selben Zug zu rufen.

      Anya ballte eine Faust hinter ihrem Arm. Alles, was sie danach noch hätte tun müssen, wäre mit Crystal anzugreifen. Sie war so nah dran!
      „Ich werde kämpfen, selbst wenn ich auf dem Zahnfleisch krieche!“, machte Othello Anya unmissverständlich klar.
      Doch die grinste. „Eins kannst du wissen: Ich auch! Und bei mir hat das bisher immer sehr gut funktioniert.“
      „Ich erwarte nichts anderes“, strahlte ihr Gegner genauso ehrgeizig wie sie.
      Und doch fühlte Anya sich unwohl, denn auch wenn dieses Duell diesen gewissen Nervenkitzel aufleben ließ, nach dem sie sich sehnte: Es konnte nur einer von ihnen gewinnen. Einer von ihnen würde leer ausgehen, vor den Scherben seiner Träume stehen …

      ~-~-~


      Etwa eine Stunde vor Anyas Duell mit Othello …

      Das Klacken von Alexandras Stiefeln hallte durch das Foyer, wie sie in Begleitung von Nick den Hauptsitz von Micron Electronics verließ. Letzterer erwiderte gar nicht den Gruß von der Dame an der Rezeption. Sein Augenmerk lag bereits vollständig auf den brünetten CEO der Firma, der gerade das Gebäude betrat und seinen Regenschirm zusammenzog. Draußen schüttete es wie aus Gießkannen.
      „Oh, willst du dich mal wieder vor der Arbeit drücken?“, fragte Aiden seinen wie üblich zerzaust aussehenden Angestellten im quietschgelben Hemd belustigt.
      „Ich habe sie schon bezahlt, also muss ich das jetzt durchziehen“, scherzte Nick träge zurück, ganz zum Ärgernis der blonden Alex, welche gekünsteltes Gelächter von sich gab und sich an seinen Arm schmiegte. Mit den leisen Worten: „Arschloch!“
      „Dein Outfit -ist- nuttig“, flüsterte Nick zurück, anspielend auf ihren Trenchcoat und die hohen, schwarzen Stiefel.

      Aiden betrachtete sie neugierig. „Darf man denn fragen, wer deine hübsche Begleitung ist?“
      „Sascha Irving, eine alte Freundin von Nick“, log die Schatzjägerin und reichte ihm die Hand.
      „Sehr erfreut, Aiden Reid“, stellte sich jener charmant vor.
      „Ich bin nicht erfreut. Du vertrödelst gerade meine Zeit. Und wenn du willst, dass ich heute noch zu irgendetwas komme, dann husch, aus dem Weg“, machte Nick ihm angespannt und mit einer passenden Handbewegung klar, wie sehr ihm der Sinn nach etwas Smalltalk stand. Nicht, dass er je etwas davon gehalten hatte, seit er für seinen Ex-Freund arbeitete.
      Alexandra lächelte schelmisch, als Aiden demonstrativ zur Seite trat und die beiden ihren Weg fortsetzten. „So war er schon immer.“
      „Ja“, erwiderte der CEO von Micron Electronics und reichte ihr seinen Regenschirm. „Kein Benehmen, der Gute. Nehmen Sie den.“
      Dankend nahm die Blonde ihn an und schenkte Aiden ein verführerisches Lächeln, ehe sie den Schirm aufspannte und zusammen mit Nick die Firma verließ.

      Von diesem Lächeln war etwa eine Stunde später nichts mehr zu sehen, als sie und Nick sich auf dem Livingtoner Friedhof mit ihrem Kontakt trafen. Inzwischen war der Hochgewachsene Gentleman genug, den Regenschirm selbst über sie beide zu halten. Tony Malroy hingegen musste mit seinem blauen Regencape Vorlieb nehmen, dessen Kapuze er so tief ins Gesicht gezogen hatte, dass man dieses Abseits eines dunklen Spitzbarts kaum erkannte.
      „Was soll das heißen, du hast ihn nicht erreichen können?“, fragte Alexandra verständnislos.

      Nick indes sah sich abwesend um. Wie viele amerikanische Friedhöfe, war auch dieser einheitlich gehalten. In dutzenden Reihen standen weiße Steinkreuze auf grünem Rasen voreinander. Ab und zu lockerte ein Baum die ebene Landschaft auf, weiter Richtung Wald befand sich das Mausoleum des Stadtgründers Irvine Hammond. Es war eine kleine, weiße Baute mit zwei Steinsäulen am Eingang und kunstvollen Fenstern zu den Seiten.
      Und irgendwo hier hatte Aiden vor fünf Jahren die Knochen des echten Nicks in einer Nacht- und Nebelaktion vergraben.

      Wir werden uns vermutlich nie wieder sehen, wenn du das wirklich tun willst.

      Das waren die letzten Worte seiner leiblichen Mutter Irene Stevens, gesprochen an seinem Bett im Krankenhaus, kurz nachdem er wegen des Feuers im alten Haus der Harpers dort eingeliefert worden war.
      Was sie ihm in nüchterner Art und Weise gesagt hatte, erwies sich letztlich als wahr. Denn seit seinen unzähligen Anpassungs-OPs war der Kontakt abgebrochen. Nicht, weil sie ihn verachtete, sondern weil sie es verstand. Er war jetzt Nick Harper, nicht mehr Eli Bauer. Und als solcher durfte er sich nicht mit ihr sehen lassen. Wie es ihr wohl ging? Nicht, dass es ihn wirklich interessierte …

      „Hörst du überhaupt zu?“, fuhr Alexandra ihn in diesem Moment genervt an, sodass Nick aus seinen Gedanken schreckte.
      Sich ihr und Tony zuwendend, erwiderte er unterkühlt: „Heißt das, wir sind umsonst hierher gekommen?“
      „Ganz offensichtlich.“ Alexandra verschränkte die Arme und betrachtete ihren Kontaktmann.
      Tony gestikulierte wild mit den Händen. „Ich verstehe das nicht, sonst hat Drazen immer auf meine Anrufe reagiert.“
      Nick wurde hellhörig. Drazen!? Der Drazen, den Anya unfreiwillig ins Grab gebracht hatte?
      „Warum hast du uns nicht Bescheid gesagt?“
      „Du weißt, wie Drazen ist“, verteidigte sich Tony gegenüber seiner Bekannten, „er kommt und geht wie er will. Ich dachte, er würde vielleicht schon hier auf uns warten!“
      Die Blonde schnalzte augenrollend mit der Zunge und sah Nick aus den Augenwinkeln düster an. „Wenn uns jemand bezüglich der Artefakte weiterhelfen kann, dann Drazen. Er war es, durch den ich von ihnen erfahren habe.“

      Nick fasste sich ans Kinn. Wieso sollte ein Hüter einer völlig Fremden von so etwas erzählen? Ihn beschlich der leise Verdacht, dass Alex diese Infos höchstens unter vollem Körpereinsatz und mit viel Alkohol erhalten haben konnte.
      Ironisch, dachte er sich, denn sie hatte nicht geahnt, dass eine der von Anya gestohlenen Karten einst in Drazens Besitz gewesen war.

      Nick tat es seiner Begleiterin gleich und verschränkte die Arme. „Drazen wird nicht kommen, denn er ist bereits seit gut einem Monat tot.“
      „Was!?“, fiel die Blonde aus allen Wolken.
      „Tot?“, wiederholte Tony ungläubig. „Das alte Unkraut? Wie-“
      „Unwichtig“, schmetterte Nick seine Frage ab, „gibt es noch jemand anderes, der über die Artefakte Bescheid weiß? Und damit meine ich weder den Collector, noch Xiphos oder einen anderen Dämon dieser Größenordnung.“
      Der Kerl im blauen Regencape zuckte regelrecht bei der Nennung dieser Namen zusammen, sprach Nick aber nicht darauf an. Er zuckte nur ahnungslos mit den Schultern.
      Alexandra fasste sich kopfschüttelnd an die Stirn. „Nicht soweit ich weiß. Der alte Drazen war der Einzige, aus dem man solche Infos herauskitzeln konnte.“
      Also schien sich seine Vermutung zu bestätigen, dachte Nick grimmig. Da fuhr die Schatzjägerin ihn schon an: „Woher weißt du, dass er tot ist? Hast du etwas damit zu tun?“

      „Joel“, warf Tony plötzlich einen Namen ein. „Joel könnte etwas darüber wissen.“
      „Wer ist Joel?“, wollte Nick an Alexandra gewandt wissen, doch die schüttelte den Kopf.
      „Kein Mensch.“ Tony drehte sich von den beiden weg. „Ein alter Dämon, der einst vom Collector versiegelt wurde. Er ist ungefährlich. Ich kann euch sagen, wo ihr ihn findet.“
      Alexandra sah Nick skeptisch an. „Ob das so eine gute Idee ist?“
      „Wieso hat der Sammler ihn versiegelt?“, fragte der.
      Tony zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht.“
      „Und wo ist er versteckt?“

      Nick hörte die Einwürfe Alexandras gar nicht mehr. Die Sache mit Xiphos war riskant gewesen, aber wenn dieser Dämon versiegelt war, gab es keinen Grund zur Sorge. Sicherlich würde dieser Joel seine Infos nicht ohne Gegenleistung mit ihm teilen, aber wie hieß es so schön? Eine Hand wusch die andere.
      Der großgewachsene junge Mann fuhr sich mit den Fingern über die Stelle neben dem rechten Auge, wo sich für alle verborgen die Krähentattoos befanden. Bevor er jedoch etwas Gefährliches unternahm, sollte er die beiden vorschicken …

      ~-~-~


      Als sich die automatische Tür des dunklen Raums öffnete und Licht hineinströmte, wirbelte Zed, die bei Ricthers leerem 'Thron' stand, sofort um.
      „Stoltz!“
      Tatsächlich stand der riesige, dürre Undying dort und schlenderte dann auf sie zu. Die Schwarzhaarige in der weißen Robe musterte ihren Kameraden, oder vielmehr, taxierte sie ihn. Denn Stoltz war nicht in einem Stück zurückgekehrt.
      „Du hast ihn gefunden“, stellte sie ernüchtert fest.
      Der bandagierte Undying streckte demonstrativ die Reste seines fehlenden Arms nach vorne. Dort, knapp unterhalb des Gelenks, war nichts mehr. Bläulicher Schimmer ging von dem Stumpf aus.
      „Fürwahr, der Undying konnte den 'Körper' aufspüren. Doch wie die Undying sehen kann, ist er mir entkommen.“ Stoltz kicherte bitterböse. „Selbst in diesem Zustand ist er uns gewachsen.“

      Zed wirbelte zischend herum. Wenn selbst Stoltz dieses Stück Fleisch nicht in den Griff bekam, dann war die Sache noch viel schlimmer als erwartet!
      „Geh dich regenerieren, Stoltz“, sagte sie vor sich hin.
      „Wie die Undying wünscht“, erwiderte dieser im Türrahmen, verneigte sich und verschwand dann wieder durch die Tür aus der er gekommen war, ließ Zed in nahezu vollkommener Dunkelheit zurück. Nur die Lichter der Bildschirme an den Wänden des kreisrunden Raumes gaben etwas Licht von sich.
      Zed war froh, dass Stoltz keine weiteren Fragen gestellt hatte. Und dass er für eine Weile außer Gefecht gesetzt war, denn Wunden dieser Art waren selbst für Undying nicht so leicht wegzustecken.

      Ähnlich schlimm war schon Ricther zugerichtet worden, nachdem er unverhofft auf den 'Körper' getroffen war. Es war Anya Bauers Schuld, sie hatte das Duell initiiert, ahnungslos, wie gefährlich dieses … Ding überhaupt war.
      Zed ballte eine Faust. Wie war es dem 'Körper' vor einigen Wochen gelungen, von hier zu entkommen? Er sollte keinen eigenen Willen haben, er war eine Hülle, mehr nicht!

      Nachdenklich schritt Zed an Ricthers Thron vorbei, welcher mit diversen Schläuchen von der Decke verbunden war. An seiner Rückseite befand sich eine längliche Einkerbung, gesichert mit massivem Glas. In ihr befand sich ein gewöhnlich aussehendes Katana. Es war dem 'Körper' nicht gelungen, es mit sich zu nehmen, bevor die Undying sein Erwachen bemerkt hatten. Dennoch war es ihm in so kurzer Zeit gelungen, eine annähernd mächtige Kopie zu erschaffen, die selbst Stoltz in seine Schranken verwies.
      Was auch immer mit dem 'Körper' vor sich ging, sie mussten ihn finden und hierher zurückbringen, bevor jemand davon Notiz nahm.

      Zed dachte auch über Stoltz' Hinweis nach, als sie darüber diskutiert hatten, wer hinter Anya Bauer die Fäden zog. Dass die 'Seele' womöglich im Verborgenen agierte, während sie die anderen glauben ließ, der Sammler, die Weiße Hexe oder einer der anderen beiden würde Krieg gegen die ewige Ordnung führen. Aber Zed hatte sie sich angesehen. Nichts deutete darauf hin, dass die 'Seele' erwacht war. Und wieso sollte sie auch, entsprach es doch ihrem Wunsch, für immer zu ruhen?

      Die Undying strich mit ihrer Hand über das Glas, welches das Schwert abschirmte. Sie mussten den 'Körper' finden, unbedingt! Er durfte auf keinen Fall in die falschen Hände geraten! Den 'Körper', oder der 'maskierte Dämon', als den er sich ausgab. Ein seelenloses Stück Fleisch mit einem eigenen Willen … wie war das möglich?




      Turn 76 – The Difference
      Mit aller Kraft treffen Anyas und Othellos Entschlossenheit aufeinander. Beide ziehen noch einmal alle Register, bis Othello einen ungewöhnlichen Gedanken ausspricht …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Sapphire
      Gem-Knight Crystal
      Gem-Knight Amber
      Gem-Knight Alexandrite
      Gem-Knight Emerald
      Gem-Knight Lazuli
      Gem-Armadillo

      Gem-Knight Fusion

      Fragment Fusion
      Birthright
      Justi-Break

      Gem-Knight Prismaura
      Gem-Knight Zirconia
      Gem-Knight Master Diamond
      Gem-Knight Pearl

      Othello

      Doomstar Magician
      Odd-Eyes Pendulum Dragon
      Stargazer Magician
      Timegazer Magician
      Dharma-Eye Magician

      Dreamgazer Magician
      Monster/Effekt/Pendel
      Hexer/Finsternis
      ATK/1200 DEF/1500 (4) PSC: <4/4>
      Pendeleffekt: Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen Stufe kleiner ist als die dieser Karte: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 1. Wenn du ein "Magician"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen Stufe größer ist als die dieser Karte: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 8. {????}
      Monstereffekt: Wenn eines deiner als Pendelbeschwörung beschworenen Monster kämpft: du kannst diese Karte von deiner Hand, Spielfeldseite, deinem Friedhof oder deinem Extradeck verbannen; erhöhe die ATK deines kämpfenden Monsters um 500. Bis zur End Phase fügt es durchschlagenden Kampfschaden zu.

      Cardgazer Magician
      Monster/Effekt/Pendel
      Hexer/Finsternis
      ATK/1200 DEF/300 (2) PSC: <4/4>
      Pendeleffekt: Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen DEF geringer als 1200 ist: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 1. Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen DEF höher als 1200 ist: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 8. {????}
      Monstereffekt: {????}

      Pendulum Call
      Sky Arc
      Pot Of Riches

      Punch-In-The-Box


      Ich hoffe, es hat euch gefallen. So als kleine Entschädigung für Deutschlands EM-Aus? ^^''
      So. Jetzt bin ich auch mal wieder dran, einen kurzen Kommentar abzugeben:

      letzten Kapitel+aktuellem

      Ich weiß nicht, ob ich es schon genannt habe, aber als du damals davon geschrieben hättest, dass die Pendelmechanik angeblich auf dem Deck von unserem Champion basiert, spukt in mir immer wieder die Frage auf: was hat sie bloß für ein Deck. Und jedesmal, wenn du davon sprichst, wie unüberwindbar doch die Pendelkarten wären beschleicht mich immer wieder das Gefühl, du wirst uns nachher ein Dragonruler-Deck/Abklatsch dieser präsentieren. Ich finde nämlich, das Parallelen zwischen den beiden Dingen exisitieren. Naja, aber wie es scheint wird es ja nur noch 1-2 Kapitel dauern, bis wir es endlich erfahren werden :D
      Valeries plötzliche Reaktion nach der Entschuldigung Matts ist aber auch ziemlich überraschend gewesen. Wobei ich denke, dass Valerie eher immer noch eine Riesenangst davor hat, zu heiraten. Und jetzt fand sie halt in letzter Zeit immer mehr und mehr Gründe, die Verlobung zu lösen.
      Finde auch recht interessant, wie du schritt für schritt immer mehr versuchst, die Hüterkarten als reale Kampfwaffen unterzubringen. Ich vermute sogar, dass das alles was mit dem Spiel zu tun hat, welches Harper als Konkurrenz für duel Monsters da auf den Markt bringen will. Nur solltest du darauf achten, dass dann nicht am ende ein "Fight-Shounen" aus TLA wird ;)
      Was noch sehr stark im Gedächtnis geblieben war, war wie du den jungen Othello einfach mal durch die Hölle hast gehen lassen XD erstmal nen Crash mit nem LKW, dabei richtig durchbohrt vom eigenen Fahrrad, anschließend 2 Monate mit kaputten Herzen an Maschinen foltern, und schlussendlich das Herz auch noch abstoßen. Und zur Krönung kriegt er noch ne Infektion von dir gespendet. Und ich dachte schon, dass ich ne schwarze Seele hätte XD Als hätte nicht schon eines dieser vielen Punkte gereicht, um einen Menschen umzubringen XXD