Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      So, melde ich mich auch mal wieder. So viel Spaß wie die Serie macht schreibe ich viel zu selten, dabei weiß ich doch wie sehr man sich als Autor über Feedback freut. Aber als Ausgleich verspreche ich, sollte ich jemals genug Ressourcen haben, dass ich die Serie als Anime verfilmen lasse, und du bist natürlich engagiert und darfst alles entscheiden :))
      Hach, Träume sind schon was schönes :)

      Kommen wir zur Folge: ich fand Levriers selbstironische Kommentare einen gelungenen Ausgleich zu Othellos ernster Geschichte. Es hätte ein ganz gewöhnliches Drama werden können, beide Kontrahenten müssen gewinnen und haben eine schwere leidvolle Vorgeschichte, die Heldin bekommt Zweifel im Angesicht des Schicksals ihres Gegners, dann will sie aufgeben, aber ihr Gegner lässt das nicht zu...aber dann entstand eine seltsame und überaus reizvoll zu lesende Spannung und gegenseitige Anerkennung zwischen den beiden, wenn Anya ihn im Kontrast zu ihrem Mitleid ganz anya-typisch beleidigt und beide sich dann voll auf das Spiel konzentrieren, das jetzt aufgeladen ist mit Bedeutung und beide ihre "Broken Beat & Scarred" Mentalität rauslassen. Hat mir sehr gut gefallen.

      Nicks Gefühlskälte kommt hier besonders stark raus und dass sein Mutter das alles hinnimmt ist wirklich erstaunlich. Da fragt man sich schon nach dem Hintergrund. Abgesehen davon geht die Suche weiter, mal sehen was du diesmal wieder für einen Charakter aus dem Hut zauberst, Xiphos war für einen Dämon ja ziemlich ungewöhnlich.

      Der Auftritt der Undying war ein rätselhafet Einblick, der Körper ist der Dämon, aber das bleibt auch undurchsichtig. Und wer ist die weiße Hexe?

      @-Aska-

      Auch wenn ich mir damit sicher viele Feinde mache. Sowas sehe ich nicht als Entschädigung fürs Aus, sondern als Dreingabe :3 *duck und weg - die heranrauschenden Ziegelsteine verdunkeln schon den Himmel*

      Joa, sogesehen hast du mit Nick natürlich recht. Ich hatte den anderen Hackern nicht soviel Interesse an Nick zugemessen. Sondern halt eher so wie "Er hat gecheated? Hab ich eh schon immer vermutet. Ist halt nen [insert random rant]"

      Genau, bei gemeinsamen Hobbys kann man seine Freundschaften schnell wieder intensivieren. Muss sich nur zeigen, ob und wie lange das jetzt anhält. Denn letztlich steht ja immer noch das Problem mit Anya und Exa im Raum, was es für ihn zu lösen gilt, oder?

      Jep, lang ist's her. Könnte mal wieder passieren. Aber bitte den richtigen Chara ne, und nicht du weißt schon wen ich meine xD



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      Die Fortsetzung des Duells zwischen Othello und Anya war weiter spannend, auch wenn Othello in dem Part durch seine eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten zunächst einmal einen Gang zurück geschaltet worden war. Aber genau dadurch bekam Anya hier die Möglichkeit, gut mitzuhalten und ihm die Stirn zu bieten, so dass es über den Verlauf der Folge doch relativ ausgeglichen blieb, so wie es die Vorschau der letzten Folge prognostiziert hatte.

      Mit einer guten Mischung aus Intuition und Strategie gelang es Anya, sich gegen Othellos wiederholte Beschwörungen seines Odd-Eyes zu Wehr zu setzen. Schön war auch die Szene, als Othello drohte in das Justibreak von Anya hineinzulaufen, dann aber sich durch die veränderte Feldsituation ins Replay retten konnte, den Zug dadurch aber dann sozusagen passen musste. Aber auch Othello dürfte noch die eine oder andere Überraschung für Anya bereithalten, wenn man an verschiedene Situationen in der Folge denkt und dass noch einige Effekte nicht vollständig bekannt sind.

      Ein wenig schade war nur, dass Anya bei der Sache mit Stargazer für sie ganz ungewöhnlich auf die Idee kam, die Karte zu lesen, aber an anderen stellen dies eben nicht machte, und so vermutlich nicht in sowas wie das andere Fettnäpfchen Kopf voran gesprungen wäre. Aber das find ich ist schon Meckern auf hohem Niveau, weil wenn alle Charas die Karten ihrer Gegner durchlesen würden, dann gäbe es viel weniger Situationen, wo die Duellanten und damit auch die Leser von einem unerwarteten Effekt bzw Wendung überrascht werden können.


      Kernpunkt und damit im Bezug zu dem Titel der Folge war die Stelle, als Anya über ihrer beider Situationen nachdachte und sie zu dem Schluss kam, dass sie mehr bzw bessere Chancen hätte, Claire auch noch auf andere Weise zu stellen, aber Othello nur diesen Weg hat und ihn zudem ebenso die Zeit davonlief, womöglich mehr als Anya. Und sie dadurch bei dem Gedanken landete, dass sie 'für ihn' aufgeben könnte. Etwas eigentlich total Untypisches für Anya. Aber durch die schöne Darstellung, wie sie sich in dem Moment verbunden fühlte, eben weil sie sich in ähnlichen Lagen befanden, passte es einfach. Und dann natürlich auch das im Anschluss, als sie sich kurz danach bei ihm dafür entschuldigt, dass sie einen Totalaussetzer gehabt haben musste, so etwas überhaupt machen zu wollen.
      Dem gegenüber stand Othello, der wie erwartet einen solchen falschen Sieg auf keinem Fall geschenkt bekommen wollte und Anya dazu anhielt, weiter mit aller Kraft zu spielen. Da hast du auch den Kontrast zu Anya schön hervorgehoben, die zwar die Art und Weise wie sie gegen Valerie gewonnen hat ebenso missbilligte, aber ihr eben das Mittel zum Zweck am Ende doch willkommen war, selbst wenn sie ebenjenes nicht offen sagte. Othello jedoch sagt klar heraus, dass er sich den Weg zu Claire aus eigener Kraft verdienen will, egal welche Richtung das Duell auch nehmen würde.

      Dass rausgekommen ist, wie Othello in seiner jetzigen Situation gelandet ist war auch okay. Zumal es ja gut gepasst hat, um letztlich doch Mitleid bei Anya hervorzurufen. Generell denke ich war seine Krankheit auch relative authentisch. Kompatible Spenderorgane erstmal bekommen ist das eine, dann hoffen, dass sie nicht abgestoßen werden. Dann das künstliche Herz mit Infektion der Lunge war dann die Spitze, die sein Schicksal besiegelte. Außer es fände sich da noch eine mehr maschinelle Lösung.


      Die kleine Szene mit Claire hat bei mir gemischte Gefühle ausgelöst. Wird interessant zu sehen sein, wieviel wirklich von ihr ausgeht und was dem entgegen von ihrem Manager. Aber wenn Anya die Aufmerksamkeit der beiden derart erregt, ist das ja schon mal ein gutes Zeichen, oder?

      Etwas vernachlässigt hab ich bisher die Eingangsszene von Nick, welche wieder einmal sehr witzig gewesen ist, so wie die mit ihren bissigen Sprüchen um sich warfen und sich gegenseitig nicht schonten. Später dann noch der Lachmoment, dass Alex' Ambitionen, ihren geheimnisvollen Kontakt namens Drazen aufzutreiben von vornherein zum Scheitern verurteilt waren, weil ebenjener schon lange nicht mehr unter ihnen weilte. Dafür gab es dann aber eine neue Option, die sich am sprichwörtlichen Horizont auftat. Bin schon gespannt, wie sich jener Joel gestalten wird.

      Was die letzte Szene angeht, da fand ich, dass auf den kurzen Platz einige sehr wichtige Dinge angeschnitten beziehungsweise angeteased worden waren. Der Körper und die Seele scheinen ja einen sehr grundlegenden Platz in dem ganzen, noch unbekannten Konstrukt der Handlung zu haben. Zumal haben wir ja bisher bei mehreren Gelegenheiten (Kali, dem Battle Royal und nun auch Stoltz) gesehen, wie mächtig der Körper allein schon ist. Was würde erst sein, wenn die Seele und der Körper zueinander finden (sofern das natürlich möglich ist. Aber es klingt ja ein wenig so, als ob das zwei Teile von einem Ganzen sein könnten (nur ist unklar, ob es nicht noch mehr Teile gibt xD)?
      Auch interessant war die Tatsache, dass die Undying scheinbar eine Behüter- bzw. Wächter-Rolle für jenen Körper innezuhaben scheinen, offensichtlich, um zu verhindern, dass andere Mächte in Kontakt mit diesem kommen. Aber wie dies und die anderen Sachen zusammenspielen werden, da kann man momentan eigentlich nur Vermutungen ins Blaue hinein anstellen. Aber es scheint jetzt schon sehr spannend zu sein, vielleicht bald mehr dazu zu erfahren.

      Was die Preview angeht, klingt es danach, als würden wir uns mit dem Ende des Finales mit großen Schritten nähern. Zu dem Titel könnte ich mir spontan zwei Dinge vorstellen, sofern es auf Anya und Othello bezogen ist. Zum Einen der Unterschied im Können, dass der eine dem anderen mit Erfahrung überlegen ist, oder eben der Unterschied, wie weit man für sein Ziel gehen würde. Was respektive für je einen der beiden dann auch stehen könnte. Nur die Sache mit dem Gedanken wirft ein wenig einen Schatten auf den Ausgang des Duells, wobei ich mir relativ gut vorstellen kann, was sich dahinter verbergen könnte.
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Oh mein Gott, sind schon wieder 3 Wochen vergangen?
      Anyway, wie immer danke für's Lesen und viel Spaß mit der nächsten Folge! ^^

      @Deckcreator16
      Schön, dass du noch mit an Board bist. ^^
      Claires Deck ist kein Dragon Ruler oder etwas Vergleichbares. Aber es ist ziemlich gemein, wenn man es im gegebenen Kontext sieht. Was wirklich nicht mehr lange dauert, nach dem Legacy Cup-Finale folgt Claires Debut. ^^

      Aus TLA wird kein Fight Shounen, keine Sorge, aber ein paar Kampfszenen gibt es hin und wieder. Ich gebs zu, ich bin RWBY-geschädigt. XD (Die Kampfszenen hätte es aber trotzdem gegeben.)
      Die Artefakte sind schließlich vorrangig Waffen, die sich nur in Karten umformen lassen.

      Wegen Othello ... sorry. XD
      Aber ich denke, auch wenn Anya in einer blöden Situation steckt, vermittelt ihr Othellos Schicksal, dass es immer schlimmer sein könnte. Und er macht trotzdem das Beste daraus.

      Vielen Dank jedenfalls für deinen Kommi. ^^

      @Mcto
      Also gegen das wenige Feedback kann man was machen. XD
      Aber ich will niemanden dazu zwingen. Solange TLA zumindest gelesen wird, bin ich zufrieden. Btw., die sollten mal wirklich überlegen, ob sie nicht zwei YGO-Animes produzieren. Einen im Stil von ZeXal/Arc-V und einen mehr wie 5D's. Wäre interessant zu sehen, welcher erfolgreicher wäre. Der Traum vom eigenen Anime, der mit einem von Tokyo NAS konkurriert ... hach. ^^

      Othello hat sich auch zu einem meiner geheimen Favorites gemausert. Ihm gelingt, was sonst kaum jemand schafft – Anya zu bewegen. Und ich denke, er wird einen positiven Effekt auf ihre Entwicklung haben.

      Nicks Mutter ist auf jeden Fall nicht die typische Mutter. Man könnte schon sagen, dass sie genauso berechnend ist wie er, aber gleichzeitig ist sie doch anders als Nick. Ich weiß allerdings noch nicht, wann und ob ich sie überhaupt vorstelle.
      Hehe, Joel ist nochmal ganz anders als Xiphos ...
      "Weiße Hexe" ist Gardenias Titel, die du vielleicht aus den Folgen des Duells Anya VS Zach noch kennst.

      Auch dir herzlichen Dank für deinen Kommi. ^^

      @Evil Bakura
      Ich war gestern so müde, als ich deinen Kommi gelesen hab, dass ich das erst gar nicht verstanden habe mit den Ziegelsteinen. Da halt ich mich mal gepflegt raus. xD
      Joa, es muss von beiden Arbeit in die Freundschaft gesteckt werden. Und Exa macht die Sache nicht einfacher, das stimmt.

      Welcher Charakter soll denn deiner Meinung nach sterben? Lee? xD

      Das mit dem Karten-durchlesen ist immer wieder so'n kleines Problem. Wie begründet man es, dass Spieler X es bei Karte A macht, bei Karte B dagegen wiederum nicht? Allenfalls Überheblichkeit, evtl. Zugzwang, aber blöd ist das trotzdem.

      Wie ich schon in Mctos Kommentar sagte, hat Othello einen merklichen Einfluss auf sie innerhalb des Duells gehabt.
      Dass Claire und Nigel Anya Aufmerksamkeit schenken ist gut. Hauptsächlich für Livington. Könnte man meinen. xD

      Die Undying bewachen den Körper, so viel ist klar. Und der Körper ist der Katana-Dämon, so viel ist auch klar. But other than that ... xD
      Lass dich überraschen. Auch dir vielen Dank für den Post. ^^


      So, dann hier mal die nächste Folge. Viel Spaß. ^^

      Turn 76 – The Difference
      Ein roter Lichtstrahl schoss auf den weißen Ritter mit den Kristallschulterplatten zu. Doch bevor dieser in [Gem-Knight Crystal] einschlagen konnte, rief Othello: „Stopp! Die Replay-Regel greift, da sich deine Monsterzahl verändert hat! Angriff abbrechen!“
      Augenblicklich verpuffte die Attacke aus [Odd-Eyes Pendulum Dragons] Maul, sodass Anya mit den Zähnen knirschte. Ihr Plan, ihre letzte, verdeckt liegende Falle [Justi-Break] zu aktivieren, die bei einem Angriff auf ein normales Monster alle Nicht-normalen-Monster zerstörte, war rigoros gescheitert.

      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]
      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      [Anya: 1000LP / Othello: 2250LP]


      Der rote Drache mit dem silbernen Brustpanzer, aus dem knorrige Auswüchse wie Flügel an Odd-Eyes Rücken emporragten, war das einzige Monster des Jugendlichen. Der strohblonde Bursche lächelte, als Mr. C ausrief: „Was ist da passiert? Othello bricht den Angriff ab, obwohl Anyas Monster schwächer ist!“
      Anya, die ebenfalls nur ihren Crystal kontrollierte, verschränkte grimmig die Arme. „Du wusstest es, huh?“
      Othello nickte mit dem leichten Anflug eines Grinsens. „Ich war vorgewarnt. [Justi-Break] liegt seither verdeckt auf deiner Spielfeldseite. Ohne [Timegazer Magician] kann ich die Aktivierung nicht verhindern. 'Odd-Eyes' jetzt zu verlieren kann ich mir nicht leisten, verstehst du?“
      Nein, dachte Anya, konnte er tatsächlich nicht, weil er wusste, was ihm sonst blühte. Da er nur einmal pro Zug Pendelbeschwörungen durchführen konnte und jene in diesem bereits geschehen war, würde er das Mistvieh nicht gleich wieder aufs Spielfeld kriegen. Trotzdem waren die beiden Pendelmagier ihr ein Dorn im Auge.
      Zwei Lichtsäulen ragten neben Othello im riesigen Stadion empor, in denen besagte Magier verweilten. Das waren zum einen der weiße [Stargazer Magician] und zum anderen der blaue [Cardgazer Magician], wobei vor Letzterem zwölf Karten in einem Kreis rotierten.

      <1> Othellos Pendelbereich <8>


      Die Idee war gut, Anya Bauer! Da Othello Nikoloudis schon eine Pendelbeschwörung durchgeführt hatte und du durch [Justi-Breaks] Effekt alle Nicht-normalen-Monster vernichtet hättest, wäre er danach schutzlos gewesen, ohne Chance, seinen Drachen noch einmal im selben Zug zu rufen.

      Anya ballte eine Faust hinter ihrem Arm. Alles, was sie danach noch hätte tun müssen, wäre mit Crystal anzugreifen. Sie war so nah dran!
      „Ich werde kämpfen, selbst wenn ich auf dem Zahnfleisch krieche!“, ließ Othello Anya unmissverständlich wissen.
      Doch die grinste. „Eins kannst du wissen: Ich auch! Und bei mir hat das bisher immer sehr gut funktioniert.“
      „Ich erwarte nichts anderes“, strahlte ihr Gegner genauso ehrgeizig wie sie und nahm seine letzte Handkarte, die er vor sich auf den Spielplan legte. „Diese setze ich verdeckt. Du bist am Zug!“
      Zischend materialisierte sich die Karte vor seinem Rollstuhl. Damit kontrollierten beide jetzt eine gesetzte Karte, hatten keine Handkarten mehr übrig und besaßen je ein Monster.
      „Mir scheint, dieser Krimi ist noch nicht so bald vorbei!“, rief der Kommentator wieder von seinem kleinen Turm aus, der sich zu Anyas Rechten befand.

      Die griff nach ihrem Deck und sah herüber nach links, zur ersten Reihe der Zuschauerplätze. Dort saßen sie nebeneinander, Logan, der Flohpelz, Redfield, Kakyo – Was hatte ausgerechnet der dort zu suchen? – und hinter der Schwarzhaarigen Summers, der sein Plakat hochhielt. Anya kam nicht umher, ihren Daumen nach oben zu strecken. Sie würde auf den letzten Metern nicht schlapp machen, ganz bestimmt nicht!

      Indes hatte sich die Stimmung unter ihren Freunden wieder normalisiert. Als Anya tatsächlich erwogen hatte aufzugeben, war greifbares Entsetzen unter ihnen ausgebrochen. Aus den verschiedensten Gründen.
      „Sie scheint sich wieder gefangen zu haben“, stellte Matt erleichtert fest, „ein Glück.“
      „Entweder das oder Levrier kontrolliert sie.“ Zanthe schnalzte mit der Zunge. Nuschelte von Logan abgewandt: „Hoffentlich kontrolliert er sie, denn dann könnte sie das womöglich noch gewinnen.“
      Der seinerseits hielt sich wie eh und eher wortkarg und reagierte nicht darauf. Anders als Valerie, die vor sich hinmurmelte: „Tu das bloß nie wieder …“
      „Eure Freundin ist seltsam“, lautete Kakyos Kommentar dazu.
      Nur um von Zanthe korrigiert zu werden. „Nein, sie ist dämlich. Aber das ist je nach Betrachtungswinkel krankhaft. Und unheilbar. Definitiv unheilbar.“
      „Musst du einen der wenigen Momente zerstören, in denen Anya mal Größe beweisen wollte?“, zischte Matt dem Werwolf angesäuert zu.

      Anya, die gar nicht ahnte, dass schon wieder über sie gelästert wurde, griff nach ihrem Deck. Noch immer wusste sie nicht, was sie da vorhin geritten hatte. Mitleid … nein, niemand wurde davon glücklich. Sie sollte Othello dankbar sein, dass er sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt hatte.
      Dementsprechend ehrgeizig rief sie schließlich: „Draw!“
      Und zog mit Schwung ihre nächste Karte. Diese betrachtete sie eine Weile. Sie hatte jederzeit die Option auf [Angel Wing Dragon] zu gehen, aber das hieße, dass [Justi-Break] ohne normales Monster wieder nutzlos wurde. Und Othello würde …
      Das Mädchen grinste. „Ich passe!“
      Sofort erntete sie dafür erstaunte Ausrufe aus dem Publikum.
      „Hat unser Geheimtipp des Turniers eine schlechte Karte gezogen?“, wunderte sich Mr. C. Und er war ja so ahnungslos, dachte Anya dabei mit grimmiger Vorfreude.

      ~-~-~


      Im strömenden Regen standen Nick und Alexandra vor einem kleinen Gebäude an der Ecke einer Kreuzung. In neongrünen Lettern stand auf dem Schild über dem Eingang 'Internet Café', darunter dessen Name 'tRUE iDEOLOGY' mit kleinen Anfangsbuchstaben.
      „Was wollen wir hier?“, fragte die Blonde im braunen Trenchcaot mit einem Hauch Abneigung, als Nick die Holztür öffnete und, drinnen angekommen, den Regenschirm in einem dafür vorgesehenen Korb abstellte.
      „Uns Anyas Duell ansehen. Es würde zu lange dauern, zurück ins Büro zu fahren“, erwiderte er und lief mit der schönen Schatzjägerin im Schlepptau zum Tresen.

      Nachdem sie sich für eine Stunde einen der PCs gemietet hatten, schlenderten sie in die hinterste Ecke des kleinen Cafés. Eine Wendeltreppe führte nach oben, wo man Kaffee trinken und ungestört eines der Bücher lesen konnte, die hier zu dutzenden in Holzregalen zu finden waren.
      Die beiden hatten Glück, denn an dem runden Tisch ganz hinten, an dem sich vier PCs befanden, getrennt durch blickhohe Wände, befanden sich keine 'Störfaktoren', wie Nick sie bezeichnete.
      Dieser setzte sich mit dem Rücken zur Wand an das Gerät, während sich Alex einen der Stühle vor den anderen PCs schnappte und an seiner Seite niederließ.

      „Denkst du wirklich, sie hat eine Chance?“, fragte die Blonde zweifelnd.
      Nick, der den Live-Stream gerade öffnete, sah sie aus den Augenwinkeln düster an. „Natürlich.“
      „Aber du glaubst nicht daran, dass sie die auch nutzt. Sonst würdest du nicht zusehen wollen.“ Ein überlegenes Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit. „So etwas tust du nicht, wenn du dir deiner Sache sicher bist. Ich habe dich beobachtet.“
      Ihr zerzauster Begleiter wandte sich dem Stream zu, der immer noch im Begriff war zu laden. Anders als die Kommentare seiner Zuschauer, die niveauloser teilweise kaum sein konnten. Oft fielen negative Bemerkungen zu Anya, aber auch Othello wurde beschimpft, wobei es zum Glück auch jene User gab, die sich für die beiden einsetzten.
      „Hab ich ins Schwarze getroffen?“, bohrte Alexandra nach.
      „Anya ist schwierig. Zerrissen zwischen den Möglichkeiten, die sich ihr durch Levrier bieten und dem Willen, aus eigener Kraft ihre Ziele zu verwirklichen.“ Nick atmete tief durch. „Nicht einmal ich kann sagen, wie sie sich jetzt entscheiden würde, müsste sie wählen.“
      Alexandra schlug ein Bein über das andere. „Sie wird sich entscheiden müssen. Und sie wäre dumm, nicht den einfachen Weg zu gehen.“

      Inzwischen hatte der Stream geladen und zeigte gerade Anya, wie sie mit unbedarfter, fast schon herausfordernder Mimik passte. Die Kamera wechselte zu Othello, der aufzog.

      Nick bemerkte, wie Alexandra ihn nachforschend beobachtete. „Was ist?“
      „Ich frage mich, was du als Nächstes vor hast. Willst du wirklich noch einen Dämon aufsuchen? Wenn mich nicht alles täuscht, war deine letzte Begegnung schon sehr riskant.“
      Sich nicht vom Stream abwendend, erklärte Nick: „Irgendwo musste ich anfangen. Wenn die eigenen Fähigkeiten nicht ausreichen, um die Kontrolle zu behalten, muss man Risiken eingehen.“
      „Was hast du mit diesem Joel vor?“
      „Das wird sich noch zeigen. Zuerst gilt es, mehr über die Struktur der Dämonenwelt zu erfahren, insbesondere ihrer Anführer. Joel könnte dabei nützlich werden.“ Nick warf ihr wieder einen Blick aus den Augenwinkeln zu. „Wenn der Sammler ihn versiegelt hat, heißt das, er konnte ihn nicht vernichten.“
      Alex schloss die Augen. „Aber das bedeutet auch, dass er potentiell gefährlicher als der Sammler ist.“
      „Das hoffe ich doch, andernfalls heißt es umdenken.“
      Erstaunt öffnete sie wieder die Lider. „Sag bloß, du willst die großen Fünf gegeneinander ausspielen?“
      „Nicht nur ausspielen. Ich will, dass sie sich gegenseitig vernichten. Solche wie der Sammler dürfen nicht existieren.“ Der hochgewachsene, junge Mann kniff die Augen fest zusammen. „Meine Aufgabe ist es, einen Anlass zu erschaffen, warum sie sich bekriegen werden.“
      Was die hübsche Blonde zum Lachen brachte, wenngleich es auch düster und besorgt klang. „Dann möchte ich gar nicht wissen, welche Rolle ich in deinem Plan spiele.“
      Nick antwortete nicht darauf. Denn er wusste es nicht. Alexandra … Er wusste nicht, was sie war. Was sie für ihn war. Aber er vertraute ihr nicht, weshalb er ihr nur den oberflächlichen Teil seines Plans verraten hatte.

      ~-~-~


      „Draw!“, verkündete Othello und zog auf. „Ich setze eine Karte verdeckt.“
      Neben seiner im letzten Zug ausgespielten Karte tauchte eine weitere auf. Dann streckte er die Hand nach vorne aus. „Ich habe keine Wahl, ich muss deine Falle auslösen um weiterzukommen! 'Odd-Eyes', greif [Gem-Knight Crystal] an! Spiral Strike Burst!“
      Kreischend lud der rote Drache seinen Signaturangriff auf und feuere ihn in einem Lichtstrahl ab, um den schwarze Entladungen schlugen.
      „Ein geschickter Schachzug von Othello Nikoloudis! Zwar muss er seinen Odd-Eyes opfern, aber dank der unbegrenzten Kraft der Pendelbeschwörung kann er ihn während seiner zweiten Main Phase einfach zurückbeschwören!“, legte Mr. C Othellos Absichten offen.
      Anya schwang den Arm aus und grinste dabei heimtückisch. „Wie du willst! Ich aktiviere den Effekt! Aber nicht von meiner Falle, sondern vom [Gem-Merchant] in meiner Hand!“
      Der Grieche weitete seine Augen, als hinter dem weißen Ritter seiner Gegnerin eine kleine Gestalt erschien, aus nichts weiter bestehend als einem spitz zulaufendem Körper, zwei Armen und einem Spitzhut.
      „[Gem-Merchant] lässt sich abwerfen, um bis zum Ende des Zuges beide Werte eines normalen Erd-Monsters wie Crystal zu boosten!“ Anyas Grinsen wurde immer breiter, als sie die Karte in den Friedhofsschacht schob. „Und das um glatte 1000 Punkte!“
      Das Zauberwesen verschwand in Crystal, dessen Kristalle an den Schulterplatten grelles Licht auszustrahlen begannen. Anya befahl mit ausgestrecktem Arm: „Gegenangriff! Clear Punishment!“

      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 → 3450 DEF/1950 → 2950 (7)]

      Sofort schmetterte der Ritter seine Faust in den Boden, aus dem überall spitze Kristalldornen geschossen kamen. Odd-Eyes Angriff traf auf die rasend schnell näher kommenden Gebilde und wurde wie Licht in alle Richtungen gebrochen. Nur eine Sekunde später wurde der flügellose Drache aufgespießt und explodierte. Othello ächzte.

      [Anya: 1000LP / Othello: 2250LP → 1300LP]


      Aus dem Rauch stieg ein roter Lichtstrahl auf, welcher von dem sich öffnenden Pendelportal absorbiert wurde.
      „Anya Bauer holt langsam aber sicher auf!“, stellte Mr. C das Offensichtliche fest.
      „Der geht an dich“, gestand indes ihr Gegner dem Mädchen zu. Streckte aber nur eine Sekunde später die Hand in die Höhe. „Aber du weißt, dass [Odd-Eyes Pendulum Dragon] mich nie verlassen wird! Main Phase 2! Pendulum Summon!“
      Das Pendelportal, das immer noch zwischen den beiden Magiern offen stand, schoss den Strahl direkt wieder auf das Spielfeld, wo er die Form des roten Drachen annahm, welcher kämpferisch aufschrie.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      Damit hatte sie sich nicht nur Zeit erkauft, die Othello damit verschwenden musste, ihre Falle loszuwerden. Nein, sie hatte ihm auch noch eine Menge Schaden reingedrückt, dachte Anya zufrieden unter dem Applaus so einiger Zuschauer. Noch ein wenig mehr, nur ein wenig!
      Othello hustete ein paar Mal, bevor er mit einer Handgeste ausdrückte, dass sein Zug beendet war. Und auch wenn Anya es ungern zugab, fühlte sie sich schlecht, ihn so zu sehen. In so einem Zustand konnte man ein so anstrengendes Duell wohl kaum genießen, schoss es ihr dabei durch den Kopf, als sie sich an seine Worte erinnerte. Sie wusste es, denn auch sie konnte Duelle kaum noch genießen, so viel, wie inzwischen von ihnen abhing …

      ~-~-~


      Alexandra sah Nick in einer Mischung aus Bewunderung und Ablehnung an. Die fünf mächtigsten Dämonen und diesen Joel gegeneinander aufzuhetzen. Da hatte er sich einiges vorgenommen. Als er sie aus den Augenwinkeln ansah, lächelte sie. „Manchmal kannst du richtig furchteinflößend sein.“
      „Findest du?“
      „Ich habe noch nie jemanden so etwas Dummes von sich geben hören. Aber bei dir habe ich das ungute Gefühl“, erklärte sie und seufzte dabei, „dass du deine Vorhaben tatsächlich über die Bühne bringst.“
      „Warte einfach ab. Du bist nicht Teil des Plans, falls es dich beruhigt.“
      Nick richtete sein Augenmerk wieder auf den Bildschirm. Das Mädchen, seine Freundin, hatte ihren Gegner gerade in eine Falle gelockt mit ihrem Monster auf der Hand.
      „Stimmt, ich bin die Gefangene, deren Beziehungen du für deine Vorstellungen ausnutzt.“
      „Du kannst jederzeit gehen. Den Rest schaffe ich auch ohne dich.“
      Die Blonde lachte. „Nein, tust du nicht. Wenn Joel sich als unnütz erweist, wirst du meine Hilfe benötigen.“
      Zwar sagte er nichts, aber Alexandra wusste, dass sie damit ins Schwarze getroffen hatte. Er mochte noch so ein Stratege und Technik-Genie sein, sein Wissen um die Unterwelt war begrenzt und seine Beziehungen dahingehend praktisch nicht vorhanden. Er brauchte sie. Und sie brauchte ihn.
      „Wie sieht es eigentlich mit deinem Boss aus?“, fragte sie. Aiden Reid. Sie konnte diesen Mann nicht einschätzen, wusste aber, dass Nick gezwungen war für ihn zu arbeiten, warum auch immer.
      „Nichts. Alles bestens“, log er dazu ganz offensichtlich.

      Aiden konnte warten, dachte sich Nick. Sollte er ruhig denken, er hätte ihn in der Hand. Nachdem Zachariah erfolglos versucht hatte, die Bombe platzen zu lassen, war Aiden beinahe eines seiner Druckmittel durch die Lappen gegangen. Aber Anya hatte diesem Dummkopf zum Glück nicht geglaubt und wenn sie ihm nicht glaubte, dann erst recht nicht Aiden. Schon gar nicht da sie wusste, dass Zach für ihn gearbeitet hatte.
      Damit gab es nur noch zwei Personen, denen Anya glauben würde, dass es vor langer Zeit noch einen Bauer-Spross gegeben hatte: Ihren Eltern. Und beide wagten es selbst heute nicht, darüber auch nur ein Wort zu verlieren. Mrs. Bauer hauptsächlich vor Scham, Mr. Bauer … nun ja.
      Trotzdem sollte er den nicht aus den Augen lassen, mahnte sich Nick, immerhin war Aiden imstande mit ihm Kontakt aufzunehmen.
      Und was Monochrome anging, musste Nick sich gedulden. Aiden hatte das Programm zwischenzeitlich auf einen anderen, ihm unbekannten Server übertragen. Den könnte er sicherlich ausfindig machen, aber der junge, zerzauste Mann hatte auch für Aiden und Monochrome Pläne …

      „Hörst du mir überhaupt zu?“, hörte er Alexandra eingeschnappt fragen.
      Er drehte ihr den Kopf zu. „Tut mir leid, war gerade in Gedanken versunken.“
      „Du bist wirklich wie mein Ehemann.“
      „Dein Ehemann?“
      Alexandra winkte ab, mied auf einmal den Augenkontakt. „Ja, manchmal war er einfach ganz woanders.“
      Nick bohrte nach. „Du sprichst in der Vergangenheitsform.“
      „Er ist tot, schon seit Jahren. Ein Dämon hat ihn und seine Partner umgebracht.“
      „Dein Mann war ein Jäger?“
      Alexandra nickte. Nick stellte keine weiteren Fragen mehr. Alles Wichtige war schon gesagt worden.

      ~-~-~


      Anya sah zur gläsernen Kuppel des Stadions. Inzwischen war das Gewitter verklungen, doch nicht der Regen, der immer noch aus grauen Wolken herab prasselte.
      Ihre Augen zusammenkneifend, fokussierte sie sich auf Othello und legte die Finger an die oberste Karte ihres Decks. „Mach dich schon mal frisch! Draw!“
      Den aufgezogenen Zauber identifizierte sie noch in der Bewegung als [Silent Doom]. Sofort ratterte es in ihr. Damit konnte sie ein normales Monster von ihrem Friedhof in die Verteidigung beschwören, auch wenn es danach nicht mehr aus dieser gewechselt werden konnte. Derzeit gab ohnehin nur [Gem-Knight Amber] als Auswahlmöglichkeit, der als Zwilling ein legitimes Ziel darstellte. Doch was sollte sie mit ihm anfangen?

      Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt gekommen, um [Angel Wing Dragon] zu beschwören.

      Levriers Rat erreichte Anya durchaus, aber es gab noch eine andere Möglichkeit. Amber besaß einen Effekt, den sie bei einer Dualbeschwörung auslösen konnte. Mit ihm konnte sie eine Gem-Knight-Karte abwerfen, um einen verbannten Gem-Knight zu recyclen. Einen wie Prismaura, der Othellos Pendelkarten zerstören könnte …
      „Ich aktiviere [Silent Doom]! Damit rufe ich [Gem-Knight Amber] vom Friedhof zurück!“, entschied Anya lautstark, ihre Karte erstmal auszuspielen.
      Othello nickte verständig. „Gute Idee.“
      Ein klaffendes Loch öffnete sich vor dem Mädchen. Aus ihm stieg der Ritter in der goldenen Rüstung, welcher anschließend vor ihr in die Knie ging und einen Blitzdolch aus seiner Handfläche zog.

      Gem-Knight Amber [ATK/1600 DEF/1400 (4)]

      „Da Amber ein Zwilling ist, kann ich ihn als Dualbeschwörung rufen!“ Anya schwang den Arm aus, wodurch um ihren Krieger herum für einen kurzen Augenblick eine weiße Lichtsäule aus dem Boden aufstieg. „Damit ist meine Normalbeschwörung für diese Runde verbraucht.“
      Das Mädchen ächzte. Es hatte sie viel Zeit gekostet zu kapieren, dass eine Dualbeschwörung nichts anderes war als die Normalbeschwörung eines Zwillings, der sich schon auf dem Feld befand. Und dass die die einzigen waren, die davon Gebrauch machten, wodurch sie immerhin ihre eigentlichen Effekte erhielten und damit keine normalen Monster mehr waren.
      „Ich verbanne [Gem-Knight Master Diamond] von meinem Friedhof, um [Gem-Knight Fusion] von dort auf die Hand zu nehmen.“ Besagtes Monster landete prompt in Anyas Hosentasche aka 'muffiges Loch'. Und kaum hatte Anya den Zauber aufgenommen, hielt sie ihn ihrem Ablagestapel schon zum Fraß hin. Doch sie zögerte noch.

      Was sollte sie tun? Prismaura würde im Extradeck landen, andere Gem-Knights durch den Effekt von Amber auf ihrer Hand. Und sie brauchte jetzt so viele Ressourcen wie möglich. Eine Fusion würde zwangsweise Amber UND Crystal verschlingen. Dem gegenüber stand die wesentlich einfachere Beschwörung von [Angel Wing Dragon], welcher sie nur Amber kosten und gleichzeitig ihren Friedhof füllen würde.
      Anya schloss die Augen. Angel Wing wäre die perfekte Waffe gegen Odd-Eyes' zerstörerische Fähigkeit, doppelten Kampfschaden auszuteilen. Mit ihm konnte sie die Angriffe gleichzeitig umlenken, wenn sie musste. Levrier hatte Recht, sie sollte ihn ausspielen. Aber dann wäre sie wieder abhängig von einer Karte, die sie eigentlich gar nicht besitzen dürfte. Argh!

      „Monstereffekt von [Gem-Knight Amber]! Ich werfe eine Gem-Karte ab, um einen verbannten Gem-Knight auf die Hand zu nehmen!“ Entschlossen schob sie den Zauber letztlich in den Friedhofsschacht. „Und ich entscheide mich für [Gem-Knight Alexandrite]!“
      Amber rammte seinen Dolch in den stählernen Boden der leicht erhöhten Duellplattform und schnitt einen leichten Riss hinein, aus dem Blitze sprühten. Aus ihm entstieg eine leuchtende Kugel, die zu Anya flog und in der Karte Alexandrites verschwand, welchen sie aus ihrer Hosentasche gefischt hatte und nun vorzeigte.
      „Und jetzt schicke ich ein Licht-Monster von meinem Deck auf den Friedhof, um es auf Amber einzustimmen!“ Das Mädchen riss den Arm in die Höhe. Selbst wenn sie die Pendelmagier erneut angriff, würde Othello sowieso nur einen neuen Weg finden, seine Pendelbeschwörungen aufrecht zu erhalten. Es war das Beste, ihre Kräfte in Dinge zu stecken, die -sie- kontrollieren konnte! „Ich schicke [Alexandrite Dragon] auf den Friedhof! Der ist Stufe 4, abgestimmt auf Amber, ebenfalls Stufe 4!“
      Über ihren Fingern stieg ein goldener Ring auf, bestückt mit vier weißen Federschwingen, die eng an das Gebilde angelegt waren. In ihm befand sich eine wässrige Oberfläche.
      „From the light of a different world, the herald of starlight descends upon the ravaged land! By discarding a single star, I call upon you!“, begann Anya dabei zu rezitieren.
      Amber stieg in die Luft auf, zerteilte sich in vier grüne Energiekugeln, die rückwärts durch den Ring glitten und verschwanden. Dann schoss ein greller Lichtblitz aus jenem.
      Anya schrie förmlich: „Synchro Summon! Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      Und mit einem Ruck schossen von hinten der Schweif und von vorn der Kopf des länglichen, weißen Drachen aus dem Ring, bis sie ein Ganzes ergaben. Majestätisch baute sich das Ungetüm auf, an dessen Kopf sich ein goldenes Kragengestell befand, welches ihm Ähnlichkeit mit einer Kobra verlieh.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Mr. C staunte nicht schlecht, ebenso wie das Publikum. „Jetzt greift Anya Bauer tief in die Trickkiste! Angeblich handelt es sich bei diesem Drachen um ein seltenes Einzelstück, welches sich passenderweise in seiner ungewöhnlichen Art der Synchrobeschwörung widerspiegelt! Woher sie ihn wohl haben mag!?“
      „Ist doch egal“, raunte die Blonde und streckte den Arm aus. Der Typ da oben sollte am besten schon mal damit anfangen, eine Lobeshymne für sie einzustudieren, denn dieses Duell könnte jeden Moment vorbei sein. „Angel Wing, zeig' ihnen, was du drauf hast! Seraphim Judgment auf [Odd-Eyes Pendulum Dragon]!“
      Kreischend riss Erstgenannter sein Maul auf und sammelte darin weiße Flammen, die er im Anschluss als stechenden Strahl abfeuerte. Um diesen rotierte eine weitere, goldene Spiralflamme. Othello sah betrübt zur Seite, als sein roter Drache von dem Angriff getroffen wurde und explodierte. Über ihm öffnete sich das Pendelportal und absorbierte wie gewohnt die Reste Odd-Eyes'.

      [Anya: 1000LP / Othello: 1300LP → 1100LP]


      Anya steckte die Hände in beide Hosentaschen und scharte mit dem Fuß hin und her. Als Othello sie wieder ansah, sagte sie: „Sorry, aber du wolltest es so. Ich greife dich mit [Gem-Knight Crystal] direkt an.“
      „Heh“, lächelte er glücklich, was Anya nur verwirrte.
      So rief sie genervt: „Verdammte Grinsebacke, hör' bloß auf damit! Clear Punishment!“
      Ihr weißer Ritter schmetterte seine Faust in den Boden. Sofort bildete sich eine Schneise im Metall, die sich bis zum Rollstuhlfahrer hinzog, wobei immer wieder spitze Kristalldornen daraus in alle Richtungen schossen.
      „Ich grinse, weil ich froh bin, dass du wirklich alles gibst! Aber es reicht noch nicht! Verdeckte Falle: [Escape From The Dark Dimension]! Sie bindet sich an eines meiner Finsternis-Monster in der Verbannungszone und holt es aufs Feld!“ Othello hielt die Karte bereits in den Händen. Und da war es plötzlich, ein Funkeln voller Entschlossenheit und Stolz. „Darf ich ihn dir offiziell vorstellen? Mein Assmonster aus vergangenen Tagen! [Odd-Eyes Dragon]!“
      Anya weitete die Augen, als die rechte seiner verdeckten Karten hochfuhr. Über Othello öffnete sich ein schwarzes Loch, aus dem eine rote Gestalt geschossen kam. Mit einem Satz landete sie vor dem Jugendlichen – [Odd-Eyes Pendulum Dragon]! Nein, nicht ganz. Dieser hier wirkte etwas simpler, seine Brustplatte war nicht so massiv wie die seines Gegenstücks und auch die Auswüchse daran waren kleiner, klingenartiger und es fehlten die farbigen Kugeln daran.

      Odd-Eyes Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      In dem Moment erinnerte sich Anya.

      „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Stufe 7-[Odd-Eyes Dragon] von meiner Hand, erscheine! Pendulum Summon!“
      Zwischen dem weißen und dem schwarzen Pendelmagier begann sich plötzlich ein riesiges Portal zu öffnen, um welches sich aberdutzende Ellipsen aus glänzendem Licht bildeten. Ein roter Lichtstrahl schoss aus jenem Loch heraus und schlug wie ein Blitz vor Othello ein.
      Anya weitete die Augen. „Da ist er!“
      Der rote Drache, sein Assmonster!

      Odd-Eyes Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Anya grinste breit. „Darauf habe ich gewartet! Der ist Geschichte!“
      Sie schwang ihren Arm über die linke verdeckte Karte. „Jetzt lernst du meine Anti-Pendel-Karte kennen! [Bottomless Trap Hole]!“
      Wie aus dem Nichts verschwand der Boden unter den Füßen des Odd-Eyes. Sogleich begann er unter Anyas geradezu hysterischem Gekicher von finsteren Händen in die Tiefe gezogen zu werden.
      „Sorry, aber da er über 1500 Angriffspunkte besitzt, wird er sofort zerstört und verbannt! Also kannst du ihn auch nicht aus dem Extradeck beschwören!“

      Gleichzeitig waren auch ihre Freunde überrascht davon, den roten Drachen wiederzusehen.
      „Wieso spielt er eine Karte, die verbannte Monster zurückholt?“, wunderte sich Matt. „Er spielt doch keine Karten, die Monster verbannen.“
      Kyon drehte sich zu ihm um. „Gerade deswegen doch. Wäre Anyas Plan zu Beginn des Duells aufgegangen, hätte er [Odd-Eyes Pendulum Dragon] verloren und hätte ihn mit dieser Falle zurück ins Spiel bringen können.“
      Neben ihm nickte Valerie. „Sozusagen als Rückversicherung. Gute Idee.“
      „Nun, früher hat er diese Karte oft in Verbindung mit seinen anderen benutzt“, erklärte der brünette Bursche weiter, „aber seitdem hat er sein Deck angepasst und neue Einsatzgebiete für seine alten Karten gefunden.“
      Anyas Erzrivalin nickte. Von Othello konnte Anya noch viel lernen …

      „Tch, wieder nichts mit Sieg. Hätt' ich mir ja denken können! Aber egal, das ist also dein altes Assmonster?“, wunderte sich Anya, die zwischenzeitlich von derselben Regel wie Othello zuvor Gebrauch gemacht hatte, um [Gem-Knight Crystals] Angriff abzubrechen – dem Replay. „Wozu spielst du es noch, du hast doch jetzt [Odd-Eyes Pendulum Dragon]?“
      „Würdest du deine alten Karten wegschmeißen, nur weil es jetzt bessere Versionen davon gibt? Mit ihm habe ich viele Duelle gewonnen“, sagte Othello stolz und nickte seinem Drachen zu. „Ich habe jetzt zwei Partner, auf die ich mich verlassen kann.“

      Partner, auf die man sich verlassen konnte? Anya sah hinauf zu Angel Wing. Wenn das so war, könnte dies denn nicht auch für sie gelten?
      Langsam begriff sie, was Valerie ihr wirklich sagen wollte. Es war Quatsch, die Hüterkarten nie wieder benutzen zu wollen. Die Botschaft lautete, dass jene nicht ihre alten Streiter ersetzten, sondern die ganze Gruppe stärker machten. Keine One-Man-Show waren.

      „Du bist ein komischer Vogel“, schmunzelte Anya, „aber das wird dich auf Dauer auch nicht retten. Zug beendet!“
      Beinahe kam es dem Mädchen so vor, als würde der Knirps ihr helfen wollen. Und vielleicht war ihm das sogar gelungen. Denn … er war einer der wenigen Duellanten, für den sie – und es fiel ihr äußerst schwer das vor sich selber zuzugeben – Respekt empfand.

      „Retten werden mich meine Fähigkeiten. Und etwas Glück, hoffe ich“, hielt Othello dagegen und griff nach seinem Deck. „Draw!“
      Kaum hielt er seine neue Karte zwischen den Fingern, zeigte er sie nach einem kurzen Seitenblick zufrieden strahlend vor. „Damit lässt sich etwas anfangen. Sieh her, jetzt lernst du ein neues Pendelmonster kennen! Normalbeschwörung!“
      Er klatschte die Karte auf den Spielplan über seinem Schoß. „[Archfiend Eccentrick]!“
      Nicht nur Anya war beim Anblick des Monsters erstaunt, das vor Othello erschien. Auch das Publikum gab überraschte Laute von sich, als die violetthaarige, in einen Schleier und weißen Umhang gehüllte Dämonin das Spielfeld betrat.

      Archfiend Eccentrick [ATK/800 DEF/1000 (3) PSC: <7/7>]

      „Keine Magierin?“, wunderte Anya sich offenkundig. „'kay, wenn du die spielst, muss sie ordentlich was auf dem Kasten haben.“
      „Hat sie! Pass gut auf! Ich benutze [Archfiend Eccentricks] besondere Fähigkeit! Dafür muss ich sie opfern …“ Othello nahm ihre Karte vom Feld und legte sie neben sich auf das Extradeck, wo schon sein [Odd-Eyes Pendulum Dragon] lag. Die fliederfarbene Dämonin hielt sich daraufhin das kurze Mikrofon an den Mund, welches sie mit sich führte. „... um eines deiner Monster augenblicklich zu zerstören!“
      „Huh!?“
      Sich um die eigene Achse drehend, begann [Archfiend Eccentrick] in die Luft aufzusteigen, dabei ein gar grässliches Lied zum Besten gebend. In alle Richtungen schoss ihr Mikro den Ton gewordenen Terror in Form von Schallwellen in die Welt. Und eine davon traf [Angel Wing Dragon], der sich sofort in sich zusammenzog und implodierte. Kichernd löste sich die Teufelin daraufhin auf und ließ Anya mit weit geöffneten Augen zurück.
      „In der Tat eine mächtige Karte“, erklärte Mr. C derweil dem Publikum, „besonders, da sie jede Runde durch die Pendelbeschwörung gerufen werden und somit ein Monster beseitigen kann. Damit ist das Duell für Anya Bauer gerade um Einiges schwieriger geworden! Ein Glück für sie, dass dieser Effekt nur einmal pro Zug benutzt werden darf!“
      Die aber blieb wie gewohnt stur. „Und wenn schon. Selbst wenn du jetzt all deine geliebten Pendelmonster auspackst, kommst du doch nicht an mich ran!“
      Sie sah hinunter zu ihrer Falle, die noch immer unbenutzt zu ihren Füßen lag.
      „Leider.“ Othello senkte den Blick. „Es tut mir leid, 'Odd-Eyes', aber ich muss dich opfern. Angriff auf [Gem-Knight Crystal]! Spiral Flame!“
      Aufgeschreckt sah Anya zu, wie der flügellose Drache einen wirbelnden, knallroten Flammenstrahl in [Gem-Knight Crystals] Richtung ausstieß. Er wollte also immer noch die Aktivierung von [Justi-Break] erzwingen, erkannte die Blonde grimmig. Na schön, eine andere Wahl blieb ihr eh nicht!
      „Falle aktivieren!“, raunte sie und schwang den Arm darüber aus, sodass die Karte aufklappte. „Du hast ein normales Monster angegriffen, also kann ich [Justi-Break] benutzen, um alle Nicht-Vanillas einzustampfen!“
      Immerhin, dachte Anya für sich, wenigstens -einmal- konnte sie ihre Falle damit benutzen! Sonst wurde ihr ja jedes Mal ein Strich durch die Rechnung gemacht!
      Parallel dazu streckte ihr weißer Ritter beide Arme von sich. Schlagartig schlugen elektrische Ladungen um ihn, welche er mit einem Brunstschrei in Richtung seines Feindes ausstieß. Die Blitze trafen auf den Flammenwirbel, verschmolzen mit ihm und wurden zu einer grellen Lichtexplosion, die, als sie auf [Odd-Eyes Dragon] traf, alles in seinem näheren Umfeld in nichts als Staub verwandelte. Es donnerte heftig innerhalb des Stadions.
      Othello seufzte, nachdem sein altes Assmonster verschwunden war. „Danke, 'Odd-Eyes'. Aber dein Opfer wird nicht vergebens sein! Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Ruckartig stieß der Junge seine Hand in die Höhe und ließ über sich das Pendelportal erscheinen, um das sich dutzende Lichtellipsen bildeten. „Von meinem Extradeck in Verteidigungsposition: [Odd-Eyes Pendulum Dragon] und [Archfiend Eccentrick]! Pendulum Summon!“
      Die beiden roten Lichtstrahlen, die aus dem Portal schossen, spiegelten sich in Anyas Augen, welche jene fest zusammenkniff. Odd-Eyes und die Dämonin nahmen vor ihrem Gegner Form an. Der Drache zeigte ihr seine Rückseite, seine Partnerin kniete nieder und hielt die Arme grinsend über Kreuz.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]
      Archfiend Eccentrick [ATK/800 DEF/1000 (3) PSC: <7/7>]

      „Du bist dran, Anya“, sagte Othello und nickte jener zu.
      „Sehr gut! Während der End Phase, in der Angel Wing das Zeitliche segnete, kann ich zwei Stufe 4-Monster vom Friedhof verbannen“, kündigte Anya grimmig an und zeigte [Gem-Armadillo] sowie [Alexandrite Dragon] vor, die beide in ihrer Hosentasche verschwanden, „und ihn dann von dort reanimieren! Meine eigene Art der Pendelbeschwörung!“
      Wie ihr Gegner es getan hatte, stieß das Mädchen die flache Hand in die Höhe. „Sei wiedergeboren, [Angel Wing Dragon]!“
      Über ihr stieg der goldene, vier-geflügelte Ring auf. Die Fläche in seinem Inneren schimmerte und es dauerte nur einen Herzschlag, da schoss der weiße Drache daraus empor, bäumte sich gefährlich knurrend auf.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Die beiden Rivalen tauschten ehrgeizige Blicke aus, ehe sie simultan grinsten. Dann zog Anya mit Schwung auf. „Draw!“
      Sie hoffte auf ein Monster, wurde aber enttäuscht. Doch jene Karte war auf den zweiten Blick nicht weniger nützlich, als Anya erkannte, dass sie sie unwissentlich dringend gebraucht hatte.
      Dann nahm sie ihre andere Handkarte und legte die auf das rote D-Pad. .„Normalbeschwörung! Erscheine, [Gem-Knight Alexandrite]!“
      Unter dem Drachen des Mädchens erschien neben Crystal ein Ritter in silberner Rüstung. Entlang dieser befanden sich in regelmäßigen Abständen Edelsteine, die je nach Betrachtungswinkel eine andere Farbe besaßen.

      Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Drei gegen zwei. Sieht schlecht aus für dich.“ Anya stemmte eine Hand in die Hüfte. Am besten wäre es, wenn sie Odd-Eyes mit Angel Wing angriff. Denn für den unwahrscheinlichen Fall, dass Othellos letzte Karte die Werte eines ihrer oder seiner Monster veränderte, würde sie durch Angel Wings Effekt dem Kampfschaden und der daraus resultierenden Reaction Force entgehen.
      So zeigte sie auf den roten Drachen: „Los, [Angel Wing Dragon], er will Nachschlag! Seraphim Judgment!“ Ihr Finger schwang herum zur fliederfarbenen, aufgebrezelten Dämonin. „Und die da ist sowieso nur Kanonenfutter für dich, [Gem-Knight Alexandrite]!“
      Letzterer streckte seine Handläche aus und schoss daraus eine schier unendliche Salve funkelnder Edelsteine, die [Archfiend Eccentrick] im Handumdrehen vernichteten. Gleichzeitig stieß der kobraartige Drache seinen weißen Odem aus, um den eine goldene Flammenspirale kreiste. Odd-Eyes ging in einem Knall unter und sorgte damit bei Othello für eine verärgerte Miene, als dessen Kamerad und seine Partnerin als rote Lichtstrahlen vom Pendelportal absorbiert wurden.
      „Tja, einen Angriff habe ich noch frei“, verkündete Anya düster und zog dabei die Schultern an, während ihr [Gem-Knight Crystal] sich kampfbereit machte. Othellos Feld war abseits seiner gesetzten Karte und den Pendelmagiern links und rechts in den Lichtsäulen leer.

      „Es kann nur einen Sieger geben“, erwiderte der junge Grieche nachdenklich, „aber was wäre, wenn es eine Möglichkeit gäbe, wie wir beide gewinnen könnten?“
      Das Mädchen lockerte seine verkrampfte Haltung. „Huh?“
      „Würdest du sie ergreifen?“
      „Wie wir beide … Sieger sein können?“, wiederholte Anya seine Worte. „Wie soll das funktionieren?“
      Verwirrtes Gemurmel machte sich im ganzen Stadion breit.
      Othello senkte seinen Kopf, nickte der verdeckten Karte zu. „Durch ein Unentschieden. Wir wären weder Gewinner noch Verlierer. Vielleicht lassen sie uns gemeinsam gegen Claire antreten.“
      Sofort hatte Anya ein Bild vor Augen. Sie, neben dem Knirps, gegen die übermächtige Claire Rosenburg kämpfend. Ein schwächlicher Junge gegen eine Hüterin!
      „Meine gesetzte Karte ist [Ring Of Destruction]. Mit ihr kann ich ein beliebiges Monster zerstören, um uns beiden Schaden in Höhe seines Angriffswertes zuzufügen. Das wäre automatisch ein Unentschieden“, führte Othello seine Idee weiter aus.
      Anya sah ihn ungläubig an. Damit würden sie einen Präziirgendwasfall schaffen. Etwas, das es so noch nicht gegeben hatte. Mit ihm an ihrer Seite gab es eine reelle Chance, dieses Motorrad fahrende Miststück zu besiegen. Aber …
      „Nein“, entschied sich Anya dagegen, „das willst du nicht wirklich. Für so etwas wird man sich an dich erinnern, doch nicht als Duel King. Sondern als gutmütigen Trottel, der es nicht übers Herz brachte, den Traum seiner Gegnerin zu zerstören.“
      Othello lächelte in sich hinein, während Anya den Zeigefinger ausstreckte. „Oder sagst du das bloß, weil du im Begriff bist zu verlieren? Tch, ist ohnehin egal, die Entscheidung triffst letztendlich du. Aber das hält mich nicht davon ab, auf Sieg zu spielen!“

      Er würde doch jetzt nicht wirklich verlieren, oder? Nein, selbst wenn es so war, hieß das lediglich, dass er trotzdem noch nicht aufgegeben hatte. Es war seine Art, dem Schicksal zu trotzen. Wenn für dich kein Platz auf dem Siegertreppchen war, musste eben angebaut werden.
      Anya musste grinsen. Der Gedanke, sich mit ihm den Sieg zu teilen, war gar nicht so schlecht. Doch nicht der, ihn in die Schlacht gegen Claire mitzunehmen. Denn eines stand fest: Claire Rosenburg wusste genau, warum Anya hier war! Und ein Kampf mit ihr könnte Othello das restliche Leben, das noch in ihm steckte, kosten.
      Es durfte überhaupt gar nicht erst dazu kommen, dass diese beiden sich begegneten! Das war am sichersten!

      „[Gem-Knight Crystal]“, schrie sie förmlich und weitete die Augen, „direkter Angriff auf seine verbliebenen Lebenspunkte! Diesmal schaffst du es!“
      Er musste einfach! Vielleicht hatte Othello nur geblufft?
      „Clear“, hob sie ihre Stimme auf das Maximum an. Die Menge verstummte. „Punishment!“
      Und sie ballte ihre Hand zu einer Faust, die sie gen Himmel rammte. Anders als ihr weißer Ritter, der die seine auf den harten Metallboden schmetterte und eine Schneise der Zerstörung auf Othello zuschnellen ließ.
      „Tut mir leid, Anya, aber ich habe dich angeschwindelt.“
      „W-was?“
      „Meine verdeckte Karte ist kein [Ring Of Destruction]. Jener würde sowieso nicht so funktionieren, wie ich es dir erklärt habe.“ Othello lächelte sanftmütig. „Ich wollte nur sichergehen, dass du keine Rücksicht auf mich nimmst. Denn die traurige Wahrheit ist: Unsere Träume können nicht nebeneinander koexistieren.“
      Das Mädchen fasste sich entnervt an die Stirn. Gestand sich aber ein, dass er Recht hatte.
      „Du bist eine der interessantesten Gegnerinnen, die ich je hatte, deswegen möchte ich nicht, dass du irgendeine Form von Schwäche zeigst.“ Der Jugendliche im Rollstuhl setzte eine ernste Mimik auf, als riesige Kristallspitzen aus dem Riss im Boden schräg empor schießend auf ihn zukamen. „Tut mir leid, es ist selbstsüchtig, das weiß ich. Aber ich finde, sich für sich selbst zu entscheiden, muss nicht zwangsweise eine schlechte Eigenschaft sein.“
      Der Junge schnippt plötzlich mit dem Finger. Und prompt tauchte vor ihm der blaue Hexer [Cardgazer Magician] aus seiner Lichtsäule vor ihm auf, streckte die Hände nach vorne und ließ die zwölf Karten vor sich schneller und schneller gegen den Uhrzeigersinn drehen. „Einen Wettstreit gewinnt man schließlich nicht durch Sympathie. Ich benutze [Cardgazer Magicians] Effekt. Nur einmal während des gesamten Duells kann ich einen direkten Angriff abwehren und den Angreifer zerstören, wenn ich erraten kann, von welchem Typ die oberste Karte meines Decks ist.“
      „Na toll, ein Glücksspiel?“
      „Glück gehört leider dazu. Es ist die eine Komponente, die wir nicht beeinflussen können, die, die uns Hoffnung und Verderben bringt.“ Othello legte Zeige- und Mittelfinger auf das Deck in der Duel Disk, die sich vor ihm befand. „Es gibt nur eine Person, die über all dem erhaben ist, für die selbst Glück keine Bedeutung hat.“
      Anya sprach es aus. „Die Duel Queen …“
      „Ja. Also werde ich das Schicksal überwinden, indem ich es selbst bestimme! Ich sage Zauber!“ Mit einem von ihm ungekannten Aufschrei riss Othello die Karte von seinem Deck.
      Wie es nicht anders zu erwarten war, hatte auch Mr. C seinen Senf dazu zu geben. „Jetzt gewinnt das Duell auch noch eine philosophische Note! Und Othello verleiht seinen Worten mit einem geschickten Manöver Geltung, denn Pendelmonster sind sowohl Monster-, als auch Zauberkarten. Das heißt, wenn er so eines zieht, greift [Cardgazer Magicians] Effekt trotzdem!“
      Gleichzeitig hatten die Kristalldornen Othello fast erreicht. Einer schoss aus dem Ende der Erdspalte quer auf ihn zu, zielte auf den Hals. Doch mit klarer Stimme rief er ins Stadion: „Nicht nötig! Ich habe eine normale Zauberkarte aufgedeckt!“
      Diese präsentierte er. Sein Cardgazer schwang beide Arme weit aus, ließ seine Karten in Crystals Richtung fliegen. Auf ihrem Weg dorthin brachten sie die Kristalle zum Zerbersten. Anya biss sich wütend auf die Unterlippe, als ihr Gem-Knight von den Karten getroffen wurde und explodierte.
      „Nachdem ich diesen Effekt aktiviert habe, kann ich bestimmen, ob ich die Karte auf oder unter mein Deck lege. Ich wähle Ersteres“, erklärte Othello ihr bestimmt, dessen blauer Magier wieder seine Stellung in der Lichtsäule eingenommen hatte. „Du musst es wohl auf einen weiteren Versuch ankommen lassen.“
      „Unglaublich, wieder hat dieser Jungspund es geschafft, einer Niederlage effektiv aus dem Weg zu gehen!“, feuerte Mr. C das Publikum zu richtigem Sprechgesang an, dessen Mittelpunkt Othellos Name war.
      Aber Anya zuckte nur mit den Schultern. „Kannste Gift drauf nehmen! Aber vorher aktiviere ich [Gem-Knight Alexandrites] Effekt! Ich kann ihn opfern, um einen normalen Gem-Knight aus meinem Deck zu beschwören!“
      Sie nahm dieses aus dem Schacht, obwohl sie es dank Sprachsteuerung nicht müsste, wobei sich Alexandrite in weißem Licht auflöste. Danach zeigte Anya den gewählten Ritter vor. „[Gem-Knight Garnet]!“
      Die Lichtpartikel waren noch nicht vollständig verschwunden, da setzten sie sich zu einem neuen Krieger zusammen. In bronzener Rüstung stand er da, mit einem rotbraunen Edelstein in der Rüstung, und bildete eine Flammenkugel zwischen den Händen – der Ritter des Granats.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Eine Karte verdeckt“, verkündete Anya sofort im Anschluss und schob sie in den Apparat an ihrem Arm, woraufhin sie sich zischend vor ihr in vertikaler, vergrößerter Form materialisierte. „Damit bin ich durch!“
      Beim nächsten Versuch würde sie nicht scheitern, dachte die Blonde dabei grimmig. Und zwar weil Othello ihr dabei helfen würde!

      „Sie spielt ihn im Angriffsmodus aus?“, wunderte sich indes Kakyo bei ihren Freunden und sah jene von der Seite an.
      Zanthe beugte sich vor. „Ja, eine furchtbar offensichtliche Falle, wenn du mich fragst.“
      „Hoffen wir, dass sie funktioniert“, gab Matt hinter ihnen zum Besten und sprang dann auf, um Anyas Plakat in die Höhe zu halten.

      Besonnen schloss Othello die Augen und griff nach seinem Deck. Offensichtlich dachte er kurz nach, dann riss er die Lider mit zuversichtlicher Miene wieder auf. „Draw!“
      Natürlich war er nicht überrascht von der Karte, die sein [Cardgazer Magician] ihm bereits prophezeit hatte. Trotzdem war es nicht jene, die er ausspielte, sondern seine verdeckte Falle, die er auf seinem Spielplan umdrehte. „Sicher möchtest du wissen, welche Karte da nun wirklich lag.“
      „Nein“, brummte Anya knapp.
      Ihr Pech, dass darauf herzlich wenig Rücksicht genommen wurde. Mit tendenziell steigender Anspannung musste sie beobachten, wie erst der weiße [Stargazer Magician] seine Arme weit ausstreckte, dann auch [Cardgazer Magician].
      „Ich aktiviere [Pendulum Back]!“ Othello griff nach seinem Friedhof. Zeitgleich begann ein riesiges, metallisches Pendel zwischen den beiden Lichtsäulen seiner Magier hin und her zu schwingen. „Diese gibt mir zwei Monster von meinem Friedhof zurück, deren Stufen innerhalb meines derzeitigen Pendelbereichs liegen.“

      <1> Othellos Pendelbereich <8>


      Also von Stufe 2 bis 7 war hier die Rede, stellte Anya fest. Aber seine besten Monster waren doch Pendelmonster und die befanden sich im Extradeck … nein! Eines nicht! Aber die Rede war von zwei Monstern, also welches noch?
      Zwei grüne Lichtstrahlen schossen aus der Mitte des schwingenden Pendels, welches daraufhin verschwand. Othello zeigte die Karten im selben Augenblick vor, sodass das Licht in sie eintauchte und verschwand. „Ich wähle [Odd-Eyes Dragon] und [Doomstar Magician]!“
      Verdammter Kackmist, erinnerte sich Anya, Letzteren hatte er ja auch ausgespielt gehabt und geopfert, um seinen [Odd-Eyes Pendulum Dragon] zurück ins Spiel zu bringen!
      „Es sieht ganz danach aus, als wolle Othello gleich eine ganze Armee an Monstern beschwören“, johlte Mr. C hibbelig, als Othello die Hand in die Höhe reckte.
      „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Von meinem Extradeck [Odd-Eyes Pendulum Dragon] und [Archfiend Eccentrick]!“ Doch nicht nur die legte er aufs Feld. „Und aus meiner Hand [Odd-Eyes Dragon]!“
      Zum wiederholten Male öffnete sich über ihm ein buntes Loch zwischen seinen Magiern, um welches dutzende Lichtellipsen lagen. Gleich drei rote Lichtstrahlen kamen diesmal daraus hervorgeschossen. „Pendulum Summon!“
      In der Mitte stand die junge Dämonin, breit grinsend, flankiert von den zwei roten Drachen. Die Ursprungsform war im direkten Vergleich nicht so kräftig gebaut, wie Anya jetzt sehen konnte, und der Unterschied der Metallauswüchse von seinem Brustpanzer umso deutlicher. Es wurmte sie, davon getäuscht worden zu sein.

      Archfiend Eccentrick [ATK/800 DEF/1000 (3) PSC: <7/7>]
      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]
      Odd-Eyes Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Othello griff mit seiner Hand nach dem Spielplan. „Du weißt, was ich jetzt tun werde, Anya.“
      „Uh-huh“, gab diese betont gelangweilt von sich und bohrte dabei zur Seite blickend mit dem kleinen Finger im Ohr herum.
      „Effekt von [Archfiend Eccentrick]!“, sprach Othello es für alle noch einmal aus. Die fliederfarbene Unterweltlerin im Divenkostüm stieg in die Luft auf. „Einmal in jedem Zug kann ich sie opfern, um ein anderes Monster zu zerstören! Ich wähle [Angel Wing Dragon]!“
      Kichernd führte die Möchtegern-Sängerin ihr Mikrofon an den Mund, begann sich zu drehen und fing an zu trällern. Nur hörte sie keiner. Denn Anyas verdeckte Karte sprang auf.
      „Nein danke. Die soll lieber ein Leben als Rockstar führen“, winkte Anya lässig ab, „[Forbidden Chalice]! Sie annulliert den Effekt eines Monsters um gibt ihm 400 Angriffspunkte. Geh dir erstmal Mut antrinken, Miststück!“
      Wie schon auf dem Artwork ihres Schnellzaubers, tauchte auch in [Archfiend Eccentricks] Hand ein goldener Kelch, mit Rotwein gefüllt, auf und ersetzte das Mikro. Neugierig nahm die Dämonin einen Schluck …

      Archfiend Eccentrick [ATK/800 → 1200 DEF/1000 (3) PSC: <7/7>]

      … nur um sich daran prompt zu verschlucken. Würgend stürzte sie, die Kontrolle offensichtlich verlierend, zu Boden und zersprang in ihre holografischen Einzelteile.
      „Das war ein erstaunlich guter Konter von Anya Bauer!“ Mr. C klang aufrichtig überrascht. „Zwar wird der Effekt von [Archfiend Eccentrick] aufgehoben, doch opfern musste Othello sie dennoch, da es sich um einen Kosteneffekt handelt, der vor allem anderen Priorität besitzt!“
      Viele Zuschauer gaben verwirrte Laute von sich, da sie sich gar nicht der komplexeren Regeln von Duel Monsters, so wie dieser beispielsweise, bewusst waren. Und noch viel weniger hatten damit gerechnet, dass ausgerechnet Anya Bauer nicht dazugehörte.

      Das war wirklich gut! Beachtlich, wie du dich inzwischen entwickelt hast, Anya Bauer!

      Die Blonde zuckte mit den Schultern, als sie Levriers Stimme vernahm. „Kinderspiel.“
      Sie konnte ihm ja jetzt schlecht sagen, dass sie davon ausgegangen war, dieses Miststück von Pendelmonster damit lediglich aufzuhalten, nicht gleich ganz loszuwerden.
      „Anya“, begann Othello und sah das Mädchen eindringlich an, „falls ich gewinnen sollte, dann muss es ein Sieg sein, auf den ich stolz sein kann.“
      „Ich hab's kapiert. Aber noch hast du nicht gewonnen, also Klappe zu!“, winkte das Mädchen schroff ab.
      Tatsächlich fiel es ihr schwer, den Unterschied zwischen ihnen beiden zu akzeptieren. Dass er den langen, schwierigen Weg suchte, wohingegen sie in der Vergangenheit viel zu oft den einfachen gegangen war. Oder eher noch, gehen musste. Würde jemand wie er auf Levriers Kräfte zugreifen, wenn er keine andere Wahl hatte?
      „Stimmt, aber ich werde solange weitermachen, bis ich gewonnen habe! Also sieh' dich vor!“ Entschlossen blickte der Jugendliche von einem seiner roten Drachen zum anderen. Dann streckte er den Arm aus. „[Odd-Eyes Pendulum Dragon]! [Gem-Knight Garnet] ist ihre Schwachstelle! Besiege ihn und wir haben gewonnen! Spiral Strike Burst!“
      Gehorsam lud der Drache rote Energie in seinem Maul auf.
      „Geht dieser Angriff durch, wird Anya Bauer durch den Effekt [Odd-Eyes Pendulum Dragons] doppelten Schaden erleiden und damit ihre restlichen Lebenspunkte verlieren!“, fasste Mr. C die Situation für alle noch einmal zusammen.
      Es stimmte, dachte Anya, als der eindrucksvollere der beiden Odd-Eyes den Strahl abfeuerte, um welchen schwarze Energie schlug. Ein dreckiges Grinsen machte sich auf ihrem Gesicht breit. Denn die Sache war: Genau das sollte Othello denken!
      „Tja, da habt ihr wohl alle eine Kleinigkeit übersehen!“ Anya blickte hinauf zu ihrem eigenen Drachen. „[Angel Wing Dragon] hat einen netten Effekt! Verteidige Garnet!“
      Schlängelnd bewegte sich das weiße Monstrum hinab vor den Bronzeritter, welchem der immer näher rückende Lichtstrahl eigentlich galt. Die Blonde rief energisch: „Angel Wing kann sich zum Ziel jeder Attacke machen! Und jetzt wird der Gegenangriff eingeleitet! Seraphim Judgment!“
      Entsetzte Schreie ertönten von den Zuschauerrängen. Manche sprangen auf, andere wiederum riefen die Namen der beiden Duellanten. Der weiße, kobrahafte Drache Anyas öffnete seinerseits das Maul und spie einen weißen Odem aus, um den sich eine goldene Flammenspirale drehte. Beide Attacken trafen auf Anyas Spielfeldseite aufeinander, doch es gelang Angel Wing mühelos, den Strahl seines Widersachers mit seinem eigenem zurückzudrängen.
      Othello zeigte keine Regung, als sein Drache überrumpelt wurde und in einer heftigen Explosion niederging. Er flüsterte nur, als [Odd-Eyes Pendulum Dragon] als roter Lichtstrahl von dem sich über ihm öffnenden Pendelportal absorbiert wurde: „Das letzte Mal …“

      [Anya: 1000LP / Othello: 1100LP → 900LP]


      Aufrichtig erkannte Mr. C an: „Ein gelungener Konter! Dagegen scheint Othello Nikoloudis machtlos!“
      „Greife [Angel Wing Dragon] an, [Odd-Eyes Dragon]! Spiral Flame!“, befahl ebenjener urplötzlich.
      Die Rufe aus dem Publikum verstummten, als sein altes Assmonster einen roten, wirbelnden Flammenstrahl in Richtung des weißen Drachen ausstieß, welcher noch immer vor Anya und ihrem [Gem-Knight Garnet] verharrte.
      Anya blinzelte verdutzt: „Was wird das, huh?“
      „Das werde ich dir zeigen! Kennst du diesen Schnellzauber?“ Othello zeigte ihn vor. „Es ist der aus [Cardgazer Magicians] Prophezeiung und er nennt sich [Swords At Dawn]! Damit statte ich ein Monster auf meinem Feld mit einer Ausrüstungszauberkarte von meinem Friedhof aus!“
      Ein glänzender Schimmer legte sich um seinen Odd-Eyes.
      „Moment, du hast während des ganzen Duells keinen einzigen gespielt, wie kannst du-!?“
      „Gespielt vielleicht nicht, aber sehr wohl abgeworfen“, widersprach Othello seiner Gegnerin. Welche dann von selbst darauf kam.

      Othello betrachtete nachdenklich seine eben gezogene Karte und zeigte sie schließlich mit entschlossenem Gesichtsausdruck vor. „[Pendulum Call]. Auf Kosten einer Handkarte erhalte ich zwei Pendelmagier von meinem Deck.“
      Er legte eine seiner beiden verbliebenen Handkarten auf den Ablagestapel seiner Duel Disk und zog das Deck aus dessen Schacht. „Ich wähle [Dharma-Eye Magician] und [Dreamgazer Magician]!“

      „Die Karte auf meinem Friedhof nennt sich [Megamorph]!“
      Und als Anya den Namen hörte, schrillten bei ihr alle Alarmglocken, benutze sie diesen Zauber doch selbst mit Vorliebe. „Damit verdoppelst du die Angriffskraft des Ziels, wenn deine Lebenspunkte niedriger sind als meine …“
      Plötzlich entflammte um [Odd-Eyes Dragon] eine gewaltige Aura, ähnlich Hitzeflimmern, nur viel intensiver.

      Odd-Eyes Dragon [ATK/2500 → 5000 DEF/2000 (7)]

      Die Blonde weitete die Augen. Dann war der Angriff mit [Odd-Eyes Pendulum Dragon] kein Missgeschick … sondern pure Berechnung gewesen, um genug Lebenspunkte zu verlieren!
      „Unfassbar!“ Mr. Cs Stimme überschlug sich förmlich. „Damit hat Othello das Blatt wieder zu seinem Gunsten gewendet!“
      „Tch, linke Bazille.“ Anyas Mundwinkel zuckten wieder nach oben. „Aber etwas kannst du trotzdem nicht wissen. [Angel Wing Dragon] beschützt mich vor Kampfschäden.“
      Die roten Flammen schlugen in ihrem Drachen ein und versengten ihn erst, ehe er unter gewaltigem Druck explodierte.
      Das Mädchen atmete auf. Damit hatte sie das Ding im Kasten, denn Angel Wing würde wiederkommen und sich rächen …
      „Das war mir klar.“
      Erschrocken horchte Anya auf.
      „Ich habe von deinem Duell gegen die Ford-Geschwister gelesen und wusste daher, wie [Angel Wing Dragon] funktioniert.“ Othello senkte sein Haupt. „Tut mir leid, aber ich habe gewonnen, nicht du. [Odd-Eyes Dragon] … mein Partner …“
      Plötzlich wurde der Junge von einem heftigen Hustenanfall geplagt. Er hielt sich die Hand vor den Mund. Gleichzeitig öffnete besagter Drache noch einmal sein Maul, doch dieses Mal lud er pechschwarze Energie darin auf.
      „Er …“, hustete Othello, „fügt dem Gegner Schaden zu ... die der Hälfte ... der Angriffskraft des zerstörten Monsters entspricht. Disintegration Force!“

      Die Zeit stand still, aber gleichzeitig auch nicht. Die Hälfte von Angel Wings Angriffspunkten? Das waren 1350. Sie besaß nur noch 1000 Lebenspunkte. Dann …!
      Anya begriff, dass sie dagegen nichts mehr unternehmen konnte. Das Duell war verloren. Sein altes Assmonster würde jeden Moment das Urteil sprechen, vielleicht über ihre Zukunft. Aber das Mädchen war nicht gewillt, sich dem so einfach zu beugen.

      Anya begann zu rennen. Wenige Sekunden später feuerte Odd-Eyes einen schwarzen Strahl ab, bestehend aus elektrischen Ladungen. Jener fegte über die Plattform hinweg, direkt auf die Blonde zu, welche gerade die Grenze zwischen ihrer Spielfeldseite und der ihres Gegners passierte.
      „Was macht Anya Bauer dort!?“, donnerte Mr. C erschrocken.
      Anya sah die Attacke auf sich zukommen, von der sie sich aber nicht aufhalten lassen würde. Geschickt setzte sie zu einer Blutgrätsche an und rutschte darunter hinweg. Während die Disintegration Force unterhalb der Tribünen einschlug, sprang Anya wieder auf und nahm strauchelnd die letzten Meter zu Othello, welcher nicht weniger überrascht war als der Rest der Anwesenden.

      [Anya: 1000LP → 0LP / Othello: 900LP]


      Als sie ihn erreicht hatte, klatschte Anya mit beiden Händen auf die Duel Disk vor Othello, beugte sich vor und flüsterte ihm etwas in Ohr.
      „W-was?“ Erstaunt riss er den Kopf weg.
      „Später.“ Anya funkelte ihn mit einem undeutbaren Blick an, als sie sich aufrichtete. Dann reichte sie ihm die Hand entgegen.
      Es dauerte einen Moment, ehe Othello die Geste als solche erkannt.
      „Glückwunsch“, rang Anya um Fassung, „du hast mich besiegt. Der Pokal gehört dir.“
      Zögerlich nickend nahm er ihre Hand. Und die große Halle explodierte förmlich vor Jubel. Jeder der Bildschirme zeigte sein Gesicht, die Zuschauer sprangen auf, waren so laut, dass Mr. C kaum zu hören war.

      Und Anya? Sie hielt die Hand desjenigen, der nicht nur die ihre in seiner hielt, sondern so viel mehr, von dem er jetzt noch gar nichts ahnte.
      Es war so schnell gekommen, so unerwartet. Für einen Augenblick hatte sie geglaubt, gewonnen zu haben. Dann hatte er es mit seinem alten Partner gedreht, in allerletzter Sekunde …

      Melindas Stimme über die Lautsprecher holte Anya aus ihrer versetzt eingetretenen Starre.
      „Was für ein großartiges Duell!“ Ihr Antlitz ersetzte das von Othello. Die Rothaarige mit der Turmfrisur wurde nun statt Othello gezeigt. Sie hielt ein Mikrofon in der Hand und strahlte über beide Backen. „Herzlichen Glückwunsch an dich, Othello! Und vielen Dank für diese spektakuläre Show!“
      Nachdem Anya sich gefangen hatte, schnaubte sie wütend. Die blöde Kuh war ja verdammt gut drauf dafür, dass der Traum ihrer Freundin gerade zerstampft worden war. Vielleicht hatte sie ja vergessen, wer dringender gegen Claire Rosenburg antreten musste? Tch …
      „Bist du wenigstens glücklich?“, fragte Anya und drehte sich von Othello weg.
      Jener betrachtete seine Hand, an der Blut klebte. „Noch nicht.“
      Die Blonde bemerkte erst jetzt, dass auch ihre Finger vom Rot benetzt waren. „Verstehe.“
      „Du solltest nicht so ein Gesicht machen“, sagte Othello plötzlich und sah zu ihr auf, „auch als Zweitplatzierte des 'Legacy Cups' hast du in der Profiszene Chancen.“
      Anya zuckte mit den Schultern. Erwiderte: „Sagt derjenige, der das Duell gewonnen hat. Du siehst aus wie …“
      … ich, beendete Anya den Satz im Gedanken. Wie jemand, der das Duell eigentlich verloren hatte.
      Das Traurige aus seinen Augen wich nicht, als er versuchte zu grinsen. Anya ahnte, dass es mit seiner Gesundheit zusammenhing. Was hatte er doch gleich gesagt? Dass er den Legacy Cup deswegen nicht so genießen konnte, wie er es gern getan hätte?
      „In fünf Minuten beginnt die Siegerehrung!“, sprach Melinda derweil zu allen. Danach verschwand ihr Bild und wurde von den offiziellen Logos der AFC und des Legacy Cups, eines dünnen Männchens mit in die Höhe gehobenen Händen, ersetzt.
      Eine andere, weibliche Stimme hallte durch das Stadion: „Wir bitten Othello Nikoloudis, Anya Bauer und Kakyo Sangon sich auf dem Duellfeld zu versammeln.“

      Nachdenklich blickte das Mädchen zum gläsernen Dom. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass das Wetter sich aufgeklärt hatte. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein …

      ~-~-~


      In einer Reihe standen sie auf der leicht erhöhten Plattform, zumindest zwei von ihnen. Kakyo rechts, in der Mitte Anya, dann Othello in seinem Rollstuhl sitzend ganz links. Aus den Augenwinkeln schielte das Mädchen zu dem brünetten Kerl. Es missfiel ihr, dass Valerie nicht um den dritten Platz gekämpft hatte, obwohl die Vorwürfe gegen sie zumindest von offizieller Seite aus der Welt geschafft worden waren.

      Anya drehte den Kopf in die andere Richtung, als Melinda, vier Männer in schwarzen Anzügen und, zu ihrem Erstaunen, auch Claire Rosenburg in ihrem Motorradanzug die Plattform betraten. Im Hintergrund huschten Kameramänner und Produktionsassistenten um das Spielfeld.
      „Ich möchte noch einmal meinen Dank an euch aussprechen“, sagte der Rotschopf, welcher nun ein elegantes, schwarzes Kleid trug. Neben ihr stellte sich Claire auf, hinter ihnen die vier Schränke, von denen drei je einen gläsernen Koffer mit sich führten. Der letzte hielt einen riesigen Check in der Hand.
      „Ihr habt alle Großes geleistet. Obwohl das Turnier in einem vergleichsweise kleinen Rahmen stattfand, habt ihr ein gewaltiges Interesse daran geschürt.“ Melinda zwinkerte Anya verschwörerisch zu.
      Gleichzeitig folgte ein fünfter Mann in Schwarz, welcher ein Tablett in den Händen hielt. Darauf befanden sich drei Pokale. Anyas Augen wurden größer und größer.
      Ihre Freundin schritt herüber zum bronzenen, dessen Spitze aus dem Logo-Männchen des Legacy Cups bestand und nahm ihn vom Tablett. Zusammen mit einem der Männer trat sie an Kakyo heran und schüttelte erst seine Hand, ehe sie ihm mit ein paar Worten den Pokal und dann den Glaskoffer überreichte.
      „Herzlichen Glückwunsch.“
      „Danke“, erwiderte der brünette, junge Mann freundlich.

      Von ihm und Melinda wurden danach ein paar Aufnahmen gemacht, ehe sie den nächsten Pokal vom Tablett nahm – den silbernen. Anya schluckte. Das war ihrer.
      „Du hast uns ein paar tolle Momente beschert“, kicherte der Rotschopf, als sie Anyas Hand schüttelte und ihr dann den Pokal überreichte, „manche hätten ruhig weniger Presse involvieren können.“
      „Was auch immer“, murrte Anya und betrachtete den Silberpokal. „Tch, was solls, Zweite ist auch nicht übel …“
      „Hier, als kleiner Trostpreis.“ Ihre Freundin nahm den zweiten Glaskoffer entgegen, welchen Anya ihr wiederum etwas umständlich abnahm. Deren Augen weiteten sich, als sie darin ein Fusionsmonster eingeschweißt vorfand. „D-das ist-!“
      „Eine kleine Aufmerksamkeit von uns. Es sind die einzigen Exemplare.“
      Melinda hakte sich unter Anya ein und zog sie einen Schritt nach vorne, damit auch von ihr ein paar Aufnahmen gemacht werden konnten. Trotz ihrer Aufforderung weigerte sich die Blonde jedoch beharrlich zu lächeln.

      Während Anya, genau wie Kakyo, die Karte in ihrem Koffer eingehend studierte, schritt Melinda herüber zu Othello. Jener blickte ausdruckslos zu ihr auf und schüttelte die Hand der jungen Frau. „Du hast allen bewiesen, wie mächtig die Pendelmonster sind. Und wie man alt und neu miteinander verbinden kann. Danke.“
      Missmutig schielte Anya zu ihnen herüber. Schön, dachte sie sich grimmig, nur noch mehr Salz in die Wunde, Schnöselschwester!

      In dem Moment streifte sie ein Luftzug. Claire Rosenburg zog an ihr vorbei. Und aus den Augenwinkeln warf sie ihr einen eiskalten Blick zu, der Anya regelrecht lähmte. Diese grünen, klaren Augen! Sie wusste es, sie wusste alles! Dass sie Feinde waren, worauf Anya es abgesehen hatte, einfach alles.

      Es dauerte nur einen kurzen Moment, aber Anya fühlte sich in diesem schwach und zerbrechlich. Erst als Claire sie passiert hatte und sich neben Melinda stellte, konnte Anya es wagen wieder zu atmen. Was war das eben gewesen!?
      „Herzlichen Glückwunsch. Du hast heute nicht nur den Legacy Cup gewonnen, sondern auch die Herzen vieler, vieler Duel Monsters-Fans“, sprach Melinda feierlich, „aber noch mehr, du hast dir den großen Preis verdient.“
      Anya sah nicht hin, wie ihm nach und nach Pokal, eine eingeschweißte Karte und dann der riesige Check von der wie üblich wortkargen Claire überreicht worden. Viele Fotos wurden geschossen, die Zuschauer jubelten und klatschten. Das Mädchen wagte es nicht, in Claires Richtung zu sehen. Was musste das Biest froh sein, nicht gegen sie antreten zu müssen. Oder war sie gar der Typ, der eine Herausforderung suchte?
      Anya zog grimmig die Augen zusammen. Wenn dem so war, würde sie schon bald eine böse Überraschung erleben.

      Nachdem die Siegerehrung vorbei war, hallte wieder die Stimme der Mitarbeiterin durch das Stadion: „Das Abschlussduell zwischen Othello Nikoloudis und Claire Rosenburg wird um 15 Uhr, also in einer Stunde, beginnen. Wir bitten alle Zuschauer das Stadion nicht zu verlassen, da Ihre Karten sonst ihre Gültigkeit verlieren.“
      Erst als Melinda mit den Männern und Claire im Schlepptau abzog, wandte sich Anya wieder Othello zu. Bevor sie etwas sagen konnte, rauschte Kakyo an ihr vorbei.
      „Das war klasse!“, nahm der seinen Rivalen sofort in Beschlag. Die beiden schlugen ein, Othello hustete und ehe sich Anya versah, schob der Drittplatzierte seinen Freund Richtung Ausgang.
      Etwas verloren blieb das Mädchen einen Moment auf der Stelle stehen, ehe sie dem Sieger zurief: „Vergiss' es nicht, 'kay?“
      Othello sah über den Rand seines Rollstuhls zu ihr zurück und nickte knapp. Das reichte Anya.

      Sie drehte sich um und rannte quer über das Feld zu den Zuschauertribünen. Genauer gesagt zu ihren Freunden, die dort auf sie warteten.
      Das Erste, was sie zu hören bekam, war Zanthes schnippische Bemerkung: „Oh, schaut, da kommt die Zweitplatzierte. Oder sollte ich eher sagen, die zukünftige Leiche?“
      „Halt den Rand, Flohpelz“, zischte Anya und reichte ihm Pokal und Koffer hoch, „halt mal.“
      Jener nahm beides entgegen und stichelte weiter. „Scheint dich ja nicht hart zu treffen, so kurz vor dem Ziel zu scheitern. Aber wen wundert's, wenn du sogar freiwillig für deinen Gegner ins Grab springen wolltest.“
      Matt beugte sich hinter Valerie und Kakyos leerem Platz nach vorne. „Hör' nicht auf ihn. Ich finde, du hast wirklich Größe dadurch bewiesen.“
      „Warst gut“, lautete Logans knapper Kommentar dazu.
      Nur Valerie sagte nichts, blickte abwesend zur Seite. Anya starrte sie abwartend an, bis sich ihre Blicke kreuzten. Die Schwarzhaarige nickte knapp, was ihrer Freundin genügte.
      „Keine Zeit, das Ganze jetzt auszuwerten.“ Sie musste sich beeilen. Er würde sicher nicht ewig auf sie warten, dachte Anya. „Summers, hast du die Handschuhe dabei, die ich dir mal gegeben habe?“
      „Ja“, erwiderte Matt überrascht. „Warum?“
      „Gib sie mir.“
      Ohne weiter nachzufragen holte der Dämonenjäger die weißen, fingerlosen Handschuhe aus der Tasche seines schwarzen Ledermantels und reichte sie Valerie, die sie weiter an Anya gab, welche sich ganz schön strecken musste, um an jene heran zu kommen.
      „… du gerissenes Luder“, pfiff Zanthe plötzlich anerkennend, „deswegen bist du so gelassen. Ich hab mich schon gewundert.“
      „Keine Zeit für Erklärungen“, entgegnete Anya auf die fragenden Blicke ihrer anderen Freunde und rannte mit den Handschuhen Richtung des Ausgangs, den Othello und Kakyo genommen hatten.

      Anya atmete tief durch, als sie endlich den schützenden Gang betrat, der vom Duellfeld wegführte. Sie wusste nicht, wie sie sich fühlte, nun da die Siegerehrung vorbei war. Zweite. Ohne nur einmal während des Duells auf übernatürliche Kräfte zurückzugreifen, hatte sie es auf den Platz geschafft, welcher dem Sieger am nächsten war. Aber sie hatte den Titel nicht geholt. Ihren Traum, eine Profikarriere zu starten und Duel Queen zu werden, nicht erfüllt.

      Ich weiß, ich wiederhole mich, aber du warst großartig. Du hast selten so gut gekämpft wie heute.

      „Ich habe Fehler gemacht. Ich … habe auf dich gehört“, murrte sie und lief eiligen Schrittes durch den Gang, nahm bei einer Abzweigung den linken Weg. Sie musste Othello einholen. Ihre Finger umklammerten die Handschuhe, die sie sich von Matt eben geholt hatte, kurz nachdem die offizielle Übertragung des Finales für beendet erklärt worden war.

      Wie meinst du das?

      Levrier erschien als durchsichtiger [Gem-Knight Pearl] neben ihr und folgte dem Mädchen schwebend. Anya sah ihn nicht an.
      „Redfield hatte die ganze Zeit Recht. Diese Hüterkarten haben mir etwas zu sehr den Kopf verdreht. Ich hätte das Risiko eingehen müssen und statt Angel Wing zu rufen, lieber [Gem-Knight Prismaura] beschwören und die Pendelkarten Othellos zerschießen sollen. Er hätte keine Pendelbeschwörung mehr zustande bekommen, da [Archfiend Eccentrick] nicht gut mit seinen Magiern zusammenarbeitet, zumindest in den Pendelzonen.“

      Niemand hätte das vorher wissen können. Ein Monster zu beschwören, das [Odd-Eyes Pendulum Dragon] nicht ohne Hilfe besiegen kann, wäre ein zu großes Risiko gewesen.

      „Eines, das ich nicht eingegangen bin“, hielt Anya beherrscht dagegen. „Levrier …“
      Das Mädchen blieb plötzlich stehen. „… du hast auch nicht immer Recht. Diesmal lagst du falsch und das hätte mich in einem Duell gegen die Undying den Kopf gekostet.“

      Es tut mir leid.

      Anya schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht wütend. Aber ich habe nicht gehandelt, wie ich es würde und das ist … falsch.“
      Dann lief sie weiter. Levrier verschwand von ihrer Seite und sagte nichts mehr. Anya setzte sich wieder in Bewegung, nicht ahnend, dass ihr Freund und personifiziertes Gewissen ihr einen wichtigen Fakt vorenthalten hatte.
      Sie hätte eine Fusion nie zustande bringen können, da es auf ihrem Friedhof keinen Gem-Knight mehr gegeben hätte, den sie zum Recyclen für [Gem-Knight Fusion] hätte verbannen müssen.

      Es dauerte nicht lange, da sah sie Othello vor sich, welcher auf sie wartete. Hinter ihm stand seine Mutter, die abwesend zur Seite blickte. Kakyo war inzwischen verschwunden.
      „Hey“, rief Anya ihm schon aus der Ferne zu, „danke, dass du auf mich gewartet hast.“
      Die letzten Meter rannte sie regelrecht zu ihm. Der Junge sah sie neugierig an. „Worum möchtest du mich denn bitten?“
      „Zwei Dinge.“ Die Blonde reichte ihm die Handschuhe. „Wenn du nachher gegen Claire kämpfst, wäre es cool, wenn du die hier tragen würdest.“
      Sichtbar erstaunt nahm der Jugendliche im Rollstuhl sie entgegen. Die weißen, fingerlosen Handschuhe mit den goldenen Nähten, ihres Zeichens Werkzeuge, um an die Artefakte zu kommen.
      Davon ahnte Othello nichts, so hoffte Anya. Sie erklärte ihm: „Die wollte ich bei meinen Duellen tragen, sobald ich in die Profiliga aufgenommen werde. Da daraus so schnell nichts wird, sollst du sie haben.“
      „Okay“, erwiderte der Junge mit dem schulterlangen, strohblonden Haar etwas verloren.
      „Hey.“ Anya zwinkerte ihm keck zu. „Die sind jetzt Symbol unserer Freundschaft, 'kay?“
      Ziemlich verwirrt kam als Antwort: „Wir sind Freunde?“
      „Klar. Das Duell mit dir war das beste, das ich je erlebt habe. Selbst Redfield sah gegen dich blass aus.“ Der Ton des Mädchens wurde ernster. „Außerdem hast du mir auch Dinge über mich selbst beigebracht. Dafür bin ich dir dankbar. Also, sind wir jetzt Freunde?“
      Sie reichte ihm die Hand. Die der Junge griechischer Wurzeln lächelnd entgegennahm. „Natürlich! Danke, Anya! Ich verspreche dir, sie nachher zu tragen.“
      Was dem Mädchen ein zufriedenes Grinsen entlocktes. „Sehr gut!“
      „Und die zweite Sache?“, fragte seine Mutter. Auch sie strahlte förmlich, scheinbar hätte sie nie erwartet, jemanden wie Anya Bauer so zu erleben. „Du wolltest ihn um zwei Dinge bitten.“
      Die nickte und sah dann Othello schlagartig ernst an. „Mach sie alle. Wenn es jemanden gibt, der Claire besiegen kann, dann du. Ich will, dass du der stärkste Duellant wirst, damit ich stolz darauf sein kann, gegen dich verloren zu haben!“

      Für einen Moment sah er unentschlossen zu Anya auf, dann nickte er. Doch gerade als er etwas antworten wollte, begann er stark zu husten. Zwischen den Fingern der Hand, die er sich vor den Mund hielt, sickerte Blut hervor.
      „Entschuldige bitte, aber Othello muss sich dringend etwas ausruhen, bevor nachher das Duell beginnt“, sagte seine Mutter, während ihr Sohn noch im Begriff war, sich zu fangen.
      „Kein Ding, Mrs. N“, winkte Anya ab. „Ich werde dich von den Zuschauertribünen aus anfeuern.“
      „Danke“, röchelte Othello mehr als er sprach.
      Damit verabschiedeten die beiden sich von Anya. Othellos Mutter schob ihren Sohn in die andere Richtung davon, da jener immer noch von Hustenanfällen geplagt wurde. Nachdenklich sah Anya den beiden hinterher, wie sie den gut beleuchteten Gang mit den Topfpflanzen entlang gingen, bis sie hinter einer Kurve verschwunden waren.
      Kaum waren sie weg, tauchte Levrier wieder neben ihr auf.

      Raffiniert, ihn zu so etwas zu überreden. Wenn er Claire Rosenburg besiegt, erhält er ihre Hüterkarte. Du musst sie dann nur noch von ihm einsammeln. Aber ist das nicht riskant, immerhin wird es vor laufenden Kameras geschehen?

      „Besser als nichts“, erwiderte Anya kühl, „ist im Moment meine einzige Option.“

      War das ernst gemeint, was du zu ihm gesagt hast? Dass ihr Freunde seid?

      Anya senkte ihr Haupt. „Yeah, ich glaube schon. Ich weiß nur nicht, ob ich es richtig gemacht habe.“

      Hast du.

      Trotzdem fühlte sich Anya, als würde sie Othello nur benutzen, obwohl ihre Offerte aufrichtiger Natur war. Aber ihm in so kurzer Zeit zu erklären, wieso er sie besiegen musste und was für Anya auf dem Spiel stand war unmöglich. Selbst wenn, würde es nur genauso laufen wie bei Logan und das wollte sie nicht, nicht schon wieder.

      Ich glaube, wir bekommen Gesellschaft. Und zwar von der eher fragwürdigen Sorte.

      Überrascht drehte Anya sich um. Und da kam sie. Claire Rosenburg, flankiert von ihrem rothaarigen, bärtigen Manager mit der Narbe oberhalb des rechten Auges. Anya öffnete den Mund, doch bekam keinen Ton heraus.
      Majestätisch schritt Claire voran, bis sie abrupt einige Meter vor der Kleineren Halt machte.
      „W-was willst du?“, stotterte die sonst so taffe Anya, nachdem zumindest ihr Sprachzentrum wieder die Arbeit aufgenommen hatte.
      „Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Platzierung, Miss Bauer“, sprach jedoch Claires Begleiter an ihrer Statt. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass Sie so weit kommen.“
      „Uh, danke?“

      Die sind sicher nicht hier, um ein wenig zu plauschen.

      Anya warf Levriers durchsichtiger Pearl-Form einen Seitenblick zu und nickte knapp. Dann richtete sie ihr Augenmerk einzig auf Claire, die mit starrer Miene da stand. „Aber das hättet ihr mir auch vorhin schon sagen können, nicht in einem dunklen Gang, wo niemand uns sieht.“
      „Nigel“, sprach Claire monoton den Namen ihres Managers aus.
      Welcher daraufhin fortfuhr: „Sie haben Miss Rosenburgs Interesse geweckt, Miss Bauer. Dafür verdienen Sie meinen Respekt.“
      „Komm zum Punkt“, forderte Anya zunehmend ungehaltener und scharte mit dem Fuß aus.
      „Für gewöhnlich wünscht Miss Rosenburg keine Duelle, die nicht in ihrem Terminplan vorgesehen sind. Aber in Ihrem Fall möchte sie eine Ausnahme machen.“
      Die Blonde warf Anya wieder diesen Blick zu, diesen hoheitlichen, welchem sich jeder, der zu schwach war, unmittelbar beugen musste. Und sie sagte: „Übermorgen, Riding Strecke 02, zum Sonnenaufgang an der Startlinie.“
      Damit drehte sich die Weltmeisterin um und lief an ihrem im schwarzen Anzug gekleideten Manager vorbei. Welcher Anya riet: „Bereiten Sie sich gut vor, Miss Bauer, sollten Sie mit den Regeln der Riding Duels nicht vertraut sein.“
      Jene nahm die Worte kaum wahr, sondern sah Claire wie gelähmt hinterher. Hatte diese arrogante Schnepfe -sie- tatsächlich zu einem Duell herausgefordert? Da war doch was faul. Und mit faul meinte sie faul wie Nicks ungewaschene Socken!
      Auch dieser Nigel drehte sich jetzt um, sagte abschließend: „Seien Sie pünktlich, Miss Bauer.“
      Dann hallten nur noch seine Schritte durch den Gang.

      Das ist zweifelsohne eine Falle, Anya Bauer. Claire Rosenburg dürfte bereits seit der Abendgala wissen, dass du zwei Hüterkarten besitzt.

      Anya erinnerte sich, Matt hatte sie mal davor gewarnt, dass Claire vermutlich im Groben über den Grund ihrer Teilnahme Bescheid wusste. Wenn Zanthe Ednas Artefakt hatte spüren können, dann war dies sicher auch bei Claire der Fall gewesen.
      „Wenn die wüsste“, brummte Anya und verschränkte die Arme, „dass ich es nicht nötig haben werde, mich in zwei Tagen noch mit ihr zu duellieren …“
      Dieses hochnäsige Miststück würde nie damit rechnen, dass jemand viel Besseres ihr das Artefakt abluchsen würde!

      ~-~-~


      Die Tür schloss sich automatisch hinter ihr. Edna straffte die Schultern und trat noch einen Schritt in dem kargen, länglichen Konferenzsaal vor. Es war das erste Mal, dass sie ihren Vorgesetzten von Angesicht zu Angesicht begegnete.
      An dem länglichen Mahagonitisch saßen drei Personen. Dahinter befand sich in der weißen Wand ein Bildschirm, auf dem nur ein Logo eingeblendet wurde. Fünf Buchstaben: CLEAR. So lautete der Name ihrer Organisation. Jener, welcher das dunkelhäutige Mädchen nun etwa einem halben Jahr angehörte.

      „Edna Caines“, rief der hellblonde Mann an der rechten Seite des Tisches, „wie schön, dich endlich in Farbe zu sehen.“
      Sofort wusste Edna, dass er kein Mensch war. Sein Alter war unmöglich zu bestimmen, er wirkte glatt wie ein Jugendlicher, aber hatte die Züge eines Erwachsenen. Blasse Haut, das Haar zu einem Pagenschnitt verunstaltet mochte man schon sagen, und ein neongrüner Anzug mit pinker Federboa um den Hals. Der war eindeutig Zyxx.
      „Ich wurde gerufen“, stellte Edna diszipliniert klar, warum sie hier war.
      Aus den Augenwinkeln betrachtete sie die beiden, die Zyxx gegenüber saßen. Ein Berg von Mann, ein Glatzkopf mit schwarzem Bart, welcher schon leicht angegraut war. Sicher auch kein Mensch, aber sie kannte seinen Namen nicht. Ebenso wenig den der Frau neben ihm, deren feuerrotes Lockenhaar ihr über die Schultern fiel.
      „Wir haben eine neue Aufgabe für dich“, sprach die letzte Person im Raum sie an.
      Es war eine Frau schwarzen Haares in einem eleganten, roten Kleid, die am Ende des Tisches stand und sich mit beiden Händen davon abstützte. Einige Strähnen fielen ihr dabei über die Schulter, ab dem letzten Viertel gingen sie von grauer in schneeweiße Farbe über. Kathea.
      Jene lächelte sie freundlich an. „Sicher wird es dich freuen, dass wir die Daten, die ihr auf Valerie Redfields Hochzeit für uns gesammelt habt, gut verwenden konnten, trotz eures kleinen Alleingangs. Unser AAS steht kurz vor der Vollendung.“ Eine kurze Kunstpause folgte. „Sag, wie geht es Harris?“
      „Seine Wunden sind fast verheilt“, entgegnete Edna knapp.
      „Er wurde schlimm zugerichtet, habe ich gehört“, mischte sich Zyxx an Kathea gewandt ein, welche ihm mit bedauerndem Gesichtsausdruck zunickte.
      Dann stieß sie sich vom Tisch ab. „Bis er völlig genesen ist möchte ich, dass du ein paar Tests mit unserem Duel Enforcing-Modus durchführst. Wir werden dir ein paar der Neuzugänge dafür bereitstellen, sobald die letzten Kalibrierungen vorgenommen wurden.“
      Die dunkelhäutige junge Frau mit den zu einem Zopf geflochtenen Rastern legte den Kopf schief, verzog die vollen Lippen. „Und deswegen bin ich hierher gebeten worden?“
      „Ein schlaues Kind“, bemerkte Zyxx und drehte sich ihr auf seinem Stuhl zu, „nein, leider nicht nur deswegen, fürchte ich. Der DEM kann noch ein wenig warten.“

      Kathea umrundete ihn, setzte mit ihren roten Lippen ein trügerisches Lächeln auf. „Die Undying haben den 'Körper' entwischen lassen.“
      „Den was?“, fragte Edna unwissend.
      „Sie sollten ihn bewachen. Aber das freche Ding hat ein Eigenleben entwickelt und ist schwuppdiwupp ihren Fittichen entfleucht“, erklärte Zyxx mit gar ausschweifenden Handbewegungen, die kurzerhand aufhörten, als er erklärte: „Der 'Körper' wird als solcher bezeichnet, weil er von seiner 'Seele' getrennt ist. Für unser Vorhaben sind beide von entscheidender Bedeutung.“
      „Die Undying haben Seraphix nun schon zum zweiten Mal einen Besuch abgestattet. Beim ersten ging es nur darum, abzuklären, ob er im Spiel des Sammlers involviert ist. Der zweite galt dem Körper.“ Kathea näherte sich geradezu schleichend, tänzelnd der etwas kleineren Edna. „Sie sind verzweifelt, wissen nicht, wo er sich versteckt, was er vorhat. Das ist unsere Chance.“
      Edna verzog keine Miene. „Und ich soll ihn finden und in Gewahrsam nehmen?“
      „Wenn du das schaffst? Aber nein“, winkte Kathea mit dem Zeigefinger ab, „der 'Körper' ist zu mächtig. Er würde dich zerstören, solltest du es wagen, ihn 'in Gewahrsam' nehmen zu wollen.“
      „Und was ist dann meine Aufgabe?“
      „Wir brauchen etwas, das es mit dem 'Körper' aufnehmen kann.“ Kathea stand der jungen Frau nun direkt gegenüber. „Etwas wie einen Undying. Hefte dich an ihre Fersen und besorg' uns DNA-Proben, vornehmlich von Stoltz. Die, die wir durch ihre Besuche gewonnen hatten, waren nicht ausreichend.“

      Edna war es gewohnt, keine Emotionen zu zeigen, doch in diesem Moment hätte sie ihrer Vorgesetzten am liebsten ins Gesicht gelacht. Den Undying Proben entnehmen? Das war ein Himmelfahrtskommando!

      „Wenn jemand dazu in der Lage ist, dann du“, versicherte Kathea ihr lächelnd, legte ihr dabei die Hand auf die Schulter, „du bist eine Hüterin. Sie werden dir nichts tun.“
      Entgegen ihrer Gedanken nickte Edna gehorsam. „Ich werde die Proben besorgen.“
      „Sehr gut.“ Die Schwarzhaarige ließ sie los. „Du kannst wegtreten. Sämtliche für deine Mission nötigen Informationen werden wir dir in Kürze übermitteln.“
      Damit drehte Edna sich um, war im Begriff, den Konferenzsaal zu verlassen, als Kathea ihr noch eine letzte Botschaft mit auf den Weg gab. „Denke bitte daran, dass die Existenz von CLEAR strengster Geheimhaltung unterliegt. Wir sind noch nicht bereit, uns der Welt zu offenbaren. Solltest du gefangen genommen werden oder etwas anderweitig Unerwartetes passieren …“
      „Ich weiß, was ich in einem solchen Fall tun muss“, murrte Edna grimmig und verließ den Raum.




      Turn 77 – Iron
      Durch seinen Sieg erhält Othello die Chance, sich vor einem Millionenpublikum mit Claire Rosenburg zu duellieren. Obwohl Anya sich um sein Wohlbefinden sorgt, setzt sie all ihre Hoffnungen in ihn. Und dann …



      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Crystal
      Gem-Knight Amber
      Gem-Knight Alexandrite
      Gem-Merchant
      Gem-Armadillo

      Gem-Knight Fusion
      Silent Doom
      Forbidden Chalice

      Birthright
      Justi-Break

      Gem-Knight Master Diamond

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Othello

      Doomgazer Magician
      Odd-Eyes Dragon
      Odd-Eyes Pendulum Dragon
      Stargazer Magician

      Cardgazer Magician
      Monster/Effekt/Pendel
      Hexer/Finsternis
      ATK/1200 DEF/300 (2) PSC: <4/4>
      Pendeleffekt: Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen DEF geringer als 1200 ist: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 1. Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen DEF höher als 1200 ist: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 8. Nur einmal, solange diese Karte in deiner Pendelzone liegt und dein Gegner einen direkten Angriff deklariert: Nenne eine Kartenart und grabe die oberste Karte deines Decks aus. Wenn du richtig liegst: Zerstöre das angreifende Monster, danach kannst du die ausgegrabene Karte auf oder unter dein Deck legen.
      Monstereffekt: {????}

      Archfiend Eccentrick

      Swords At Dawn
      Megamorph

      Pendulum Back
      Escape From The Dark Dimension


      Über Posts etc. würde ich mich natürlich wie immer freuen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von -Aska- ()

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      Das Duel war klasse. Der Schlagabtausch zwischen Anya und Orthello war sehr spannend zu lesen. Als Leser wusste man das ganze Duel lang nicht wer gewinnen wird und wem man es gönnen wurde. Anyas kurzer Mitleids-Anfall hat es da nicht besser gemacht :P . Ihre Freunde lästern sogar über sie im Finale. Wer solche Freunde hat braucht (keine) Feinde. Rückblickend betrachtet ging das Duel im best-Case Szenario für Anya aus. Durch ihren Einfall mit den Handschuhen hat sie nun ihre Chancen an Claires Hüterkarten zu gelangen um 101% erhöt (und irgetwie ihr IQ auch). Clair muss aber noch stärker sein als du es uns Leser bis jetzt klar machen wolltest. Wenn selbst Anya Bauer, die vorm Sammler keine Angst hat, in ihrer Gegenwart Atemnot bekommt... Ich bin gespannt welches Deck sie nun spielt. Du sagtest ja Drachenherrscher sind es nicht. Ein Pendel Thema kann es nicht sein. Und die Pendelbeschwörung wurde ja von ihrem Deck inspiriert. Yang Zing spielt auch schon einer. Vllt Shadoll oder Burning Abyss? Nach dieser Folge glaube ich nämlich das ein Finsternis Deck ihr gut stehen würde. Oder vllt ein Synchro Deck? Wegen dem Motorad.

      Nicks Plan einen Dämonen Weltkrieg zu starten passt gut ins gesamte Bild. Ich vermute mal das dieser versiegelte Dämon die Seele des "Körpers" ist. Nick wird wohl beide zusammenbringen und dann beginnt der Krieg. Während dieses Krieges wird Anya wohl alle 7 Hütterkarten zusammensammeln und irgentjemanden in den Arsch treten. ODER Nick wird selber zum Super Dämon und der End Gegner xD

      Dann haben wir wieder Edna getroffen und eine neue Geheim Organisation, die wohl wirklich geheim ist xD. Was ist wohl deren Ziel? Der Name CLEAR deutet für mich daraufhin das sie alle Dämonen auslöschen wollen. Haben sie vllt den selben Plan wie Nick, bloss brutaler (Quatsch natürlich, keiner ist so brutal wie Nick).

      Es wird wohl spannend bleiben bei Bauers vs The World
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
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      Wenn ich diese Folge rückwirkend betrachte mausert es sich zu einer echten Reifeprüfung für Anya, und man kann sagen dass sie aus dieser nicht nur verändert hervorgegangen ist, sondern auch einiges an Handlungsgeschick beweist. Es wäre meiner Ansicht nach eine Täuschung, wenn man sich nur auf den Abschluss des Duells konzentriert, da die Wandlungsanzeichen gleich an einigen Stellen zum Vorschein treten. Als ersten Moment würde ich Anyas Reaktion auf das Plakat von Matt hervorheben. Wenn man an Anya zu Beginn von TLA zurückdenkt, dann hätte sie niemals sich von etwas derartig aufbauenden berühren lassen, ihre Reaktion hätte wahrscheinlich zwischen einem abwertenden Kommentar und einem Schulterzucken eingeordnet werden können. Aber sie geht darauf ein und zeigt damit erstmals ein beiläufiges – und das bedeutet routiniert, was ich als Anzeichen auf einen höheren Grad der Verinnerlichung begreife – Anzeichen von argloser Bindung. Beachtung verdient auch Matts Zuwendung zu Anya, die ja nicht gerade die Person ist, zu der man so ohne weiteres Sympathie aufbaut, an einer Stelle wurde sogar über eine Beziehung zwischen den beiden spekuliert, das Ergebnis war jedoch, dass es sich um eine rein platonische Form handelt. Mal sehen was du daraus noch machst, oder ob es eine Detail mittleren Grades bleibt. Im Gegensatz zu dieser günstigen Positionierung bildet Zanthes Stellung zu Anya den negativen Gegenpol, der weniger auf die Größe Einzelner Chancen sondern mehr auf die grundlegenden Probleme und deren bisherige Konstanz im Auftreten fokussiert ist, er hat keine Hemmungen seine Befürchtungen ganz offen zu kommunizieren und in diesem Fall sogar ein bisschen mehr als das. Natürlich hat er hier auch eine erzählerische Funktion, an Anyas Defizite zu erinnern.

      Ein Detail, das mir noch aufgefallen ist, und das ich zwar in etwa glaube zu verstehen, dessen Bedeutungsreichtum aber an einer denkbar desintegrierten Stelle recht irritierend daherkommt. Die Rede ist von dem Namen des Internet Café´s, tRUE iDEOLOGY. Die Umkehrung der Groß- und Kleinschreibungsregeln in Kombination mit der Bedeutung deute ich als Aussage in Richtung „Wir verkörpern die echte Ideologie, welche aber genau nicht das ist, was man denkt und auf das achtet, was sonst zurückgestellt wird“. Dieser Ort dient als Basis für Nick´s und Alexandras Gespräche und als Beobachtungspunkt für Anyas Duell durch die beiden, eine Relation zu finden ist bei genauerem Hinsehen aber möglich , Alexandra und Nick sind zwar eigentlich kaum ideologisch handelnde Menschen, es sei denn man kehrt das Prinzip um, man achtet weniger auf das Ziel und die gelebten positiven Emotionen, was ich als Kern, als die Großbuchstaben am Anfang, deuten würde, sondern auf die Pragmatik und den Wert der Effizienz Handlungen für einen Zweck, sozusagen ein von-den-Füßen-auf-den-Kopf-stellen, womit ich Nick durchaus identifizieren kann, und auch Alexandra scheint in gewisser Weise dazu zu passen,. Sie ist die erste, die Nicks wahre Dimension am ehesten kennt, und für die das weniger unnormal daher kommt als alle anderen, mit denen Nick eigentlich umgeht, und die wie gegen Ende des Gesprächs klar wird, auch eine schwierige Vergangenheit und schwere Verluste hinter sich hat. Für Nicks Verhältnisse auch eine denkbar unkomplizierte Verbindung, er hat keine Verpflichtungen, er kann weitestgehend er selbst sein. Und sie beginnt ihn zu verstehen, ihn WIRKLICH kennenzulernen, als Erste seit langem. Um zurück auf die Bedeutung des Café Namens zurückzukommen könnte es auch als Detail bezüglich der generellen Stimmung der Folge gesehen werden, wie sie in dem Duell zwischen Anya und Othello auftritt, wenn auch nur zwischen den Zeilen, dann wäre der Kontrast zu Nick und Alexandra wohl als denkbar groß festzustellen.
      Nicks Plan die Dämonen gegeneinander aufzuhetzen klingt interessant, aber er hat ein sehr brüchiges Fundament. Aber was hat Nicks schon zu verlieren? Er existiert weitestgehend als Zweck, wie schon einige Posts vorher mal erwähnt wurde. Eine Detail hat mich aufhorchen lassen – inwiefern braucht Alexandra Nick?

      Kommen wir nun zu dem, was wohl den Hauptteil der Folge darstellt: das Duell und Anyas Entwicklung. Sie zeigt durchaus einige überraschende Spielzüge, ihre Erkenntnis, dass sie die Hüterkarten durchaus ohne schlechtes Gewissen benutzen kann ist sicherlich sehr wichtig für sie. Am Ende war jedoch Othello raffinierter und natürlich liegt seine ganz besondere Stärke darin, dass er in der Lage war mit der seiner eigenen Person näher stehenden Karte zu gewinnen, sowie seine Klugheit sein Ziel, einen ungetrübten Sieg, zu erreichen durch den Bluff mit dem Ring der Zerstörung, nicht zu vergessen seine, hm, man könnte von Weisheit sprechen, wenn er sagt, dass es legitim ist, sich für sich zu entscheiden, eine Erkenntnis die für Anya ein große Bedeutung hat, war sie doch oft in Konflikten in dieser Hinsicht. Aber was Anya tut, oder eher denkt, ist eigentlich noch viel bemerkenswerter: sie will Othello schützen, vor Claire und denkt nicht nur aus Eigeninteresse an den Sieg, sie nimmt sich die Freiheit ihm zu gratulieren, einen Freund aus eigener Initiiative zu gewinnen und kann dabei gleichzeitig noch ihr Hauptziel erreichen. Sie erkennt sich in ihm wieder, ein besonderer Moment für jeden, der das Gefühl kennt, auf die Anya wie sie nach dem Duell sein wird kann man gespannt sein. Und das Duell gegen Claire findet dann trotzdem statt…hm, mal sehen.
      Das Wetter ist ein tolles Mittel, um die Stimmung sich manifestieren zu lassen, das gibt dem Leser ein klares Zeichen bezüglich insgesamt sehr positiven Endergebnis.
      Mal was ganz anderes: wann taucht Marc wohl wieder auf? Er wird wahrscheinlich eine deutliche Wandlung durchmachen, ich bin mal gespannt.

      Zu der Hintergrund Organisation von Edna kann man dagegen nicht viel sagen, ein weiteres ungelöstes Rätsel, eine weitere Unbekannte in der Informationsgleichung der Geschichte. Ebenso wie die neue Fusionskarte für Anya und die anderen auf dem Siegertreppchen.
      Kommen wir jetzt zu etwas oft vernachlässigtem: dem Titel. Denn es gab in der Geschichte einen Haufen Punkte auf die sich der Titel sehr gut hätte beziehen können. Ich weiß nicht, ob du die meisten davon geplant hast oder ob es dir nur um einen ging, Fakt ist, es bieten sich sehr viele an, ich zähle mal ein paar auf, man könnte aber sicher ein Dutzend finden. Der Unterschied zwischen Anya und Othello s Können, um mal ganz platt den offensichtlichsten zu nennen. Aber auch: der Unterschied, den es ausmachte, dass Anya verloren hat, denn dieser ist sogar relativ gering. Der Unterschied, den es macht, dass Anya glaubt, dass sie ohne Angel Wing Dragon besser gefahren werden, weil sie nicht weiß, dass es eben doch nicht möglich gewesen wäre. Der Unterschied, zwischen Anyas und Othellos Motivation, wieder ein Beispiel für einen sehr geringen Unterschied. Dan vielleicht noch ein paar kleinere Beispiele: der Unterschied den die Groß-/Kleinschreibung im Namen des Internetcafés ausmacht und der Unterschied zwischen Zanthe und Matt. Ja, es gibt wirklich viele feine Unterschiede in der Geschichte. Der Titel ist ein Musterbeispiel für Wendungen mit großem Interpretationsspielraum.
      @-Aska-

      Ich hatte für ein frühzeitiges Ableben keinen bestimmten Chara im Kopf gehabt, aber dafür eben ein paar Charaktere, die dieses Schicksal auf jeden nicht erleiden sollen. Ach wem mach ich etwas vor, es ist eh nur -eine- gewesen. xD

      Genau, das Problem mit dem Durchlesen ist allgegenwärtig. Weshalb es eben gut ist, wenn man für die Momente Begründungen hat, wo sich jemand eine Karte anschaut. Aber denke das größere Problem ist halt einfach den Überraschungseffekt, dessen man sich damit idR unmittelbar beraubt. Außer man nutzt genau das aus, aber das ist halt auch so ne "Einmal"-Option, die man nicht ständig bringen kann.

      Joa other than this chapter, gell? xD Da kamen ja auch einige Dinge vor, die damit im Zusammenhang stehen. Was ich da aber interessant war, dass sie es u.a. auf den Körper abgesehen haben, aber die Seele, die sicherlich genauso dazu gehört, für die schienen sie sich nicht oder aktuell nicht zu interessieren. Könnte natürlich bedeuten, dass sich diese bereits in ihrem Besitz befindet. Oder aber sie diese vielleicht doch nicht brauchen, für was auch immer sie vorhaben xD

      Nebenbei, *Proben* von einem Undying. Haben die die unauffällig gepiekt oder wie sind die daran gelangt? Aber bei dem Gedanken an Undying DNA, Klonen usw muss ich noch an einen anderen Chara denken, der schon einen Auftritt hatte. Wer weiß, ob der auch mit denen zu tun hat. Immerhin sprachen sie ja von "gesammelten Daten" *hust* XD



      @Folge


      Der letzte Teil des Duells hat in dieser Folge nochmal an Fahrt aufgenommen gehabt. Man mag ja eigentlich keine Wertung vornehmen, aber nach dem Auftakt und dem weiteren 'Kennenlernen' im Mittelteil hob sich der Schluss noch einmal dadurch ab, dass sie jetzt wirklich mit Herzblut kämpften und, sogesehen mit Respekt unter Duellanten, auch für den Gegner alles gaben. Das hat man gerade an Othellos Frage gemerkt, ob Anya mit einem Unentschieden einverstanden wäre, und Anya darauf für jeden von ihnen beiden antworten konnte, das keiner der beiden das wollte und jeder darum kämpft um zu gewinnen.

      Aber auch sonst merkte man wieder, wie Anya sich inzwischen gewandelt hat. Sie wirkt immer öfter erwachsener als früher, mal abgesehen von sowas wie der Pseudoattacke am Ende des Duells im Fall dieser Folge. Dennoch richtig reif, wie sie der Niederlage ins Auge geblickt hat. Wer weiß, vielleicht war es bereits dadurch, dass sie eigentlich gegen Valerie verloren hätte und es dort schon soweit gewesen wäre, oder ob sie gedanklich bereits in der vorherigen Folge für einen Moment bereit war, das Duell zu seinen Gunsten zu schmeißen. Andererseits könnte es auch einfach sein, wie sie sich mit Othello verbunden fühlt, weil beide einen Kampf gegen das Schicksal führen und sie ihm, mehr als jedem anderen, den Sieg trotz allen Frustes gönnen kann.

      Die Idee mit den Handschuhen, die sie hatte, war sehr gut. (Was natürlich auch ein Grund gewesen sein könnte, warum sie es leichter nehmen konnte bei der sicheren Niederlage, wenn sie dieses Ass im Ärmel da schon bekommen hatte). Aber so erhält sie nun eine weitere Chance, das Artefakt von Claire zu bekommen - auch wenn ich persönlich nicht daran glauben mag, dass ihre Idee von Erfolg gekrönt sein wird.
      Schön war auch die Stelle, als sie beiläufig zu Othello meinte, dass sie doch Freunde sind - und Anya dies auch so meinte, und nicht nur, um ihm die Handschuhe aufzudrücken.
      Ja, wirklich, an der Folge hat man gemerkt, wie anders Anya innendrin doch sein kann. Vielleicht muss man bei ihrem Traum von einer Karriere wirklich noch nicht schwarz sehen, dass sie untragbar wäre xD

      Ansonsten dürfte damit auch der gedankliche Wandel von Anya langsam zum Abschluss kommen, was ihre Hüterkarten und deren Einsatz angeht. Hier war es zwar so, dass sie etwas über das Ziel hinausschießt und es gleich wieder absolut sieht, aber ingesamt kommt sie so wieder zurück zu ihrem eigenem Spiel. Und wer weiß, vielleicht hätte sie ja doch einen Weg gehabt zu gewinnen, den selbst Levrier nicht gesehen hat - aber das würde sie sicherlich tierisch aufregen, wenn sie es wüsste ;)


      Auch gut waren die Stellen der Begegnungen mit Claire, sowohl auf dem Podium und auch später in dem Gang, wo nochmal richtig schön das Gefühl vermittelt wurde, wie imposant und einschüchternd Claire rüberkommen muss. Natürlich dürfte ihre kalte, wortkarge Art auch einen großen Anteil daran haben, aber denke auch ihre generelle Ausstrahlung macht einiges her. Bei ihr bin ich wirklich gespannt, wie sie ist wenn man erst einmal mehr von ihr gesehen hat. Und das Spekulierende in mir, was mit ihr nach der Begegnung mit Anya wird. Bei Zanthe und Drazen hatte die Begegnung mit Anya/der Kampf um das jeweilige Artefakt immer Konsequenzen für sie. Für Zanthe waren sie positiv, er hat Freunde und Kameraden gefunden, Drazen hatte, nunja, nicht soviel Glück. xD

      Aber bleiben wir bei Zanthe. Und jetzt stellt man sich Claire vor, naja, weniger Kopftuch; schwarzer Tanga jedoch ist als Kopfkino okay xD weniger ihre eisige Aura, zu vielleicht jemand, der einfach nur schlecht im Umgang mit anderen Leuten ist und sich deshalb nicht so gut öffnen kann, es sich aber langsam aber stetig bessert.

      Lustig fand ich insgesamt auch noch, auf wie viel der Titel der Folge letztlich zutraf. Der Unterschied zwischen Othello und Anya in ihrer Art, mit ihrer Situation umzugehen, die Fähigkeiten der beiden. Der Unterschied zwischen der aktuellen Anya und ihrem früheren Ich in so allerlei Aspekten, ihr Stand zu den Hüterkarten und ihren alten Karten. Und natürlich zu guter Letzt der krasse Unterschied, den sie gegenüber Claire verspürte und der ihr das Blut in den Adern gefrieren lassen wollte. (Und das bei einer Anya Bauer, die selbst nicht vorm Collector kuscht...)

      Zu der Szene mit Nick kann man noch nicht soviel sagen, aber solche Pläne klingen mehr als ambitioniert. Ob er wirklich in der Lage dazu sein wird, die Großen gegeneinander aufzuhetzen? Auszuschließen ist es jedoch auch nicht. Naja, erstmal wird man sehen müssen, was sich da mit dem Dämon Joel ergibt und was es mit diesem auf sich hat.
      Interessant fand ich da aber noch die Sache, dass Alex' verblichener Ehemann ein Dämonenjäger gewesen ist. Das wirft eventuell auch ein ganz anderes Licht nochmal auf sie. Vielleicht beschäftigt sie sich nicht nur für den Lebensunterhalt mit dem ganzen Übernatürichen, sondern ist vielleicht auch auf der Suche nach dem/der, die für dessen Tod verantwortlich ist. Mancher Frau steht so ein Rachefeldzug gut. Ist aber schwer einzuschätzen, ob sie solch eine ist.


      Ganz im Kontrast dazu warf die Szene um CLEAR einen sehr düsteren Schatten, auch wenn noch ziemlich unklar ist, was die eigentlich vorhaben. Aber etwas, dass die Undying einsperren bzw bei sich verwahren, in ihren Besitz bringen zu wollen, ich bin mir ziemlich sicher, dass das keine 'guten' Ziele sein dürften. Und sich einen Undying zu klonen (so klang es ein wenig), da weiß ich auch nicht, aber in Filmen würde man sowas sicherlich als eine 'ganz blöde Idee' bezeichnen xD
      Und wie Edna es selbst feststellte, die Operation klingt sehr nach einem Himmelfahrtskommando. Außer dieser Aspekt mit den Hütern bewahrheitet sich, aber selbst dann hätte sie wohl mehr Glück bei Ricther. Denn Stoltz is irre, wirklich irre. Und Zed kann manipulieren, also fällt die imo auch flach. Zumal sie aktuell eigentlich die EInzige ist, die so richtig kampftauglich ist.

      Was die Oberen von CLEAR angeht, das waren imo ja allesamt neue Namen bzw. unbekannte Charaktere (auch wenn ich für einen kurzen Moment erwartet hätte, dass da jemand wie Gardenia oder ein anderes, bekanntes Gesicht zu sehen sein würde.) Aber gut, denke da wird man eben nach weiteren Auftritten mehr sagen können, aber davon ab, vielleicht kriegen wir ja dank CLEAR genug Abkürzungen/Wörter für einen Fantastischen-4 mäßigen Song zusammen xDDD


      Was die nächste Folge angeht, da wird man sehen müssen, wie Othello sich gegen Claire hält. Meine Meinung dazu kennst du ja bereits, aber in jedem Fall freue ich mich aufs Claire Duell und die Enthüllung des Decks, das sie spielt. Da gab es ja jetzt bereits einige Spekulationen zu. Ich aber finde, das Deck das sie verwendet hat etwas und es passt zu ihr ^^

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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Mööööp! Danke fürs Lesen! *mit dem Hype Train auf euch rast*

      @WiR
      Freut mich, dass dir das Duell gefallen hat. ^^
      Anyas Freunde sind manchmal wirklich eher ihre Feinde als alles andere. Andererseits tut sie auch genug dafür, zum Lästeropfer zu werden. Und sie ist es inzwischen ohnehin gewöhnt. XD
      Manchmal hat sie aber eben auch helle Momente. Ob ihre Idee, Othello vor zu schicken klappen wird, wird sich zeigen müssen. Zeit, den Hype um Claires Person aufzulösen.

      Nick und CLEAR ... zu denen sag ich lieber erstmal nichts.

      Danke für deinen Post. ^^

      @Mcto
      Schön, dass dir all diese kleinen Details so auffallen. Das freut mich wirklich sehr, denn du hast völlig Recht. Die Anya Bauer aus Staffel 1 hätte sich von 'Cheerleadern' allenfalls genervt gefühlt.

      Anyas Freundschaft zu Zanthe ist auch ein wichtiger Punkt der zweiten Staffel, auf den zu gegebener Zeit immer wieder eingegangen wird. Auf ihre Entwicklung hinsichtlich eigener Initiative bist du schon so ausführlich eingegangen, dass ich gar nichts mehr dazu sagen muss. ^^

      Was du aus "tRUE iDEOLOGY" rausliest finde ich sehr interessant. Nicks Welt ist in der Tat verdreht, einerseits will er "Gutes" tun (Anya retten), andererseits schafft er damit viel "Böses".
      Alexandra passt da gut rein, denn auch wenn sie Skrupel kennt, ist sie auch jemand, der weiß, dass man sich manchmal die Hände dreckig machen muss und akzeptiert diese Seite an Nick.
      Wozu sie ihn braucht, nun ... das ist etwas für später. (Natürlich ... xD)

      Marc taucht bald wieder auf. CLEAR ist auch was für später. Das war mehr ein Wink, dass ich Edna und Harris nicht vergessen habe.

      Und der Titel? Der ist reine Interpretationssache. ^^

      Danke für dein Feedback. :)

      @Evil Bakura
      Wut? Nur -eine- Figur, die du auf keinen Fall sterben sehen willst? Im Umkehrschluss könntest du den Verlust aller anderen verkraften!? I am dissapoint! XD

      Piek mal Stoltz, see what happens. XD
      Ne, ich stell mir das so vor, dass sie Proben von dem genommen haben, was die Undying berührt haben, aber das ist natürlich viel zu wenig.
      Und einen Undying klonen? Davon hab ich nie irgendwas erwähnt. :P

      Respekt für den anderen war auch eines der Themen dieses Duells. Ebenso Anyas Entwicklung, wie ja schon mehrfach erwähnt. Was ihren Traum angeht, naja ... Ash versucht seit 20 Jahren die Pokémon-Liga zu gewinnen. Und ist seitdem nie gealtert. Vielleicht kann Anya damit irgendwie einen Plan B entwickeln, maybe, hopefully? XD
      Ihre Entwicklung hinsichtlich des Einsatzes ihrer Karten findet bald ein Ende, jop.

      Es gibt übrigens mehr als nur Rache für jemanden wie Alexandra. ;)
      Wer weiß, vielleicht will sie Nick auch nur nackt an einen Baum binden und opfern? XD

      Eigentlich müsste Claire Trains spielen mit ihrem Assmonster, den Hype Train. Welcher gerade einfährt ... xD

      Auch dir danke für deinen Post.


      *mit dem Hype Train an euch vorbei rauscht*

      Turn 77 – Iron
      Anya kämpfte sich genervt durch die lange Reihe von Zuschauern in der ersten Reihe. Sie sah ihre Freunde bereits, wie sie gespannt auf sie warteten und peilte den leer gewordenen Platz neben Valerie an. Dabei ließ sie es sich nicht nehmen, auf ein paar Füße zu stampfen und jeden anzufahren, der sich darüber beschwerte.

      Nachdem Anya endlich den leeren Platz erreicht hatte, ließ sie sich stöhnend fallen.
      „Oh man, ihr werdet nie erraten, wer mir gerade im Gang begegnet ist …“
      „Der Sensenmann?“, fragte Zanthe drei Plätze weiter schnippisch. „Hab gehört, du bist neuerdings ganz oben auf seiner 'Absolutely Dead'-Liste.“
      Anya beugte sich wütend keifend vor: „Schnauze, Flohpelz!“
      „Claire. Wir haben gesehen, wie sie und ihr unheimlicher Manager dir in den Gang gefolgt sind“, traf Matt eine Reihe weiter oben hinter Anya ins Schwarze.
      „Denkst du, du kannst jemanden wie Othello mit der Aufgabe betrauen, eine unbesiegte Duellantin wie sie zu Fall zu bringen?“, fragte Valerie danach skeptisch.
      Schnaubend ließ sich Anya wieder auf ihrem Platz zurückfallen. „Was soll ich sonst tun? Ich habe das verdammte Turnier schließlich -nicht- gewonnen.“
      „Dir das Blondchen schnappen, in 'kompakte Form' bringen und in deine Hosentasche stopfen, wo sie schon mal ungeschützt vor deiner Nase rumsteht?“ Zanthe schnalzte mit der Zunge. „Nur so ein Gedanke.“
      Logan neben ihm mischte sich brummig ein. „Wovon redet ihr da?“
      „Anya will sie unbedingt besiegen und wäre vor Kurzem noch vor nichts zurückgeschreckt, um ihr ein 'Duell' zu stehlen“, log sein Sitznachbar ohne rot zu werden.
      Und Logan verzog keine Miene. Auch dann nicht, als der Kopftuchträger noch grinsend eins drauf setzte: „Aber sie hat Schiss bekommen und wollte sogar im Finale aufgeben, wie du gesehen hast. Ist doch so, oder Anya?“
      „Ich zeig dir gleich, vor wie wenig ich wirklich zurückschrecke!“
      „Komm doch!“
      Valerie sprach genervt ein Machtwort: „Hört auf!“
      Und Matt fragte einfühlsam: „Ist es wirklich okay für dich, jetzt hier oben zu sitzen, statt in wenigen Augenblicken da unten zu stehen?“
      „Yeah.“

      Hier war sie wenigstens in Sicherheit vor dem alles einfrierendem Blick der Eiskönigin, dachte Anya dabei. Und es wäre gefährlich, selbst da draußen zu stehen, besonders wo diese Kuh doch genau wusste, worauf sie es abgesehen hatte. Weshalb sie auch nie damit rechnen wird, dass Othello, bewaffnet mit den Handschuhen des Sammlers, die eigentliche Gefahr darstellte.

      „Wie lange noch bis es losgeht?“, fragte Anya ungehalten.
      Logan brummte: „Halbe Stunde.“
      „Verrätst du uns auch, was die wahre Duel Queen von ihrer selbsternannten Nachfolgerin wollte, hm?“ Zanthe spitzte neugierig die Lauscher.
      Nicht vor Logan, mahnte sich Anya. Der musste nicht alles wissen. „Nichts, nur quatschen.“
      „Eine Claire Rosenburg quatscht nicht. Böse Zungen behaupten, ihr Wortschatz befände sich im dreistelligen Bereich“, ließ ihr Freund das aber nicht durchgehen. „Also?“
      Matt gluckste bitterböse. „Diese Zungen gehören nicht zufällig alle zu dir?“
      „Nur ein paar. Nun sag schon, Anya!“
      Valerie rollte nur mit den Augen. Und ihre Erzrivalin hätte es ihr zu gern gleich getan, aber das hätte bedeutet, genau dasselbe zu tun und das war absolut nicht drin! Also stöhnte sie und begann leise zu erzählen, wobei sie den Teil mit der Falle bewusst außen vor ließ. Denn Logan war schon skeptisch genug für ihren Geschmack …

      ~-~-~

      Anders als in Ephemeria City, hatte der strömende Regen in Livington mit dem Ende des Finales nicht aufgehört. Nick saß in einer Bücherecke des Internet-Cafés 'tRUE iDEOLOGY' vor dem Bildschirm eines Rechners. Die Übertragung des Turniers hatte vorübergehend ausgesetzt.
      „Oje“, seufzte die blonde Alexandra neben ihm nach einer Weile merkwürdigen Schweigens. „Jetzt ist die Sache erst richtig interessant geworden.“
      „Nein, sie ist gerade um einiges leichter geworden“, lautete Nicks Kommentar dazu. „Othello ist ein weitaus fähigerer Duellant als Anya. Ich habe gesehen, wie sie sich von Matt die Handschuhe geholt hat. Kein Grund zur Sorge.“
      „Der Junge ist sterbenskrank und muss sich mit einer Hüterin duellieren. Für mich wäre das ein Grund zur Sorge.“
      „Es zählt nur das Ergebnis.“
      Die Blonde im braunen Trenchcoat bedachte Nick eines mitleidigen Blickes. „Vor einem Ergebnis steht immer eine Gleichung. Und wenn die nicht passt, ist das Ergebnis falsch.“
      Womit sie erstaunlicherweise Nicks Aufmerksamkeit gewann. Er lächelte sie an, aber nicht herablassend, sondern auf eine warme Art und Weise, wie Alexandra es nicht von ihm erwartet hätte. „Das kann ich wohl nicht abstreiten. Aber denkst du, Anya würde besser in die Gleichung passen?“
      „Ich weiß nur, dass es auch unlösbare Gleichungen gibt. Und hoffe für dich, dass dies keine ist.“
      „Wenn eine Gleichung unlösbar ist, muss sie umformuliert werden.“ Nicks Lächeln verschwand so schnell wie es gekommen war und mit ihm auch Alexandras Lust, das Gespräch fortzusetzen.

      ~-~-~

      Eine halbe Stunde später war Anyas Freundeskreis immer noch in der heißen Debatte vertieft, wie Anya auf einem D-Wheel aussah, wie sie an so eines herankommen sollte oder, Zanthes Liebling, wie lange sie sich überhaupt unfallfrei auf einem halten können würde.
      Natürlich war Anya selbst wenig angetan vom Gesprächsstoff ihrer Freunde und hielt sich daher, wie Logan, grimmig aus der Sache hinaus.
      „Hab'n D-Wheel. Kann's dir gerne leihen“, brummte der von der einen Seite.
      Von der anderen kam es ebenso mürrisch zurück: „Danke. Werd' vielleicht drauf zurückkommen, wenn ich Bock hab.“
      „In wenigen Minuten beginnt das Abschlussduell“, erklang plötzlich eine Durchsage, „wir bitten Sie, sich jetzt zu Ihren Plätzen zu begeben.“

      Unten auf dem Spielfeld hatte sich bereits das Produktionsteam breit gemacht. Gleich vier Kameramänner waren diesmal dabei. Anya konnte sich nicht erinnern, dass es bei ihrem Duell gegen Othello so viele gewesen waren.
      „Was für'n Rummel um dieses Miststück gemacht wird.“
      Anya sah herüber zum gläsernen Turm auf der anderen Seite, wo sich die VIP-Lounge und Mr. Cs Kommentatorenkabine befanden.
      „Das 'Miststück' bringt eben Quoten“, erklärte ihr Zanthe schulterzuckend. „Sie ist halt irgendwie einzigartig.“
      „Gab es eigentlich jemals Betrugsvorwürfe gegen sie?“, fragte Anya neugierig, jetzt wo sie darüber nachdachte, wie unwahrscheinlich es war, so lange unbesiegt durch die Profiszene zu marschieren.
      Valerie nickte. „Ja, aber die haben sich immer als haltlos erwiesen. Einmal hat sie zum Beweis mit einem ihr bis dato völlig fremden, von Kritikern bereit gestellten Deck ein Turnier bestritten. Ich muss wohl nicht ausführen, wie das für ihre Gegner ausging.“
      „Also ein echtes Wunderkind?“ Matt grübelte lautstark. „Hmm, vielleicht ist es ganz gut, wenn Othello sich mit ihr duelliert und nicht Anya.“
      Was die natürlich sofort persönlich nahm. „Noch so'n Spruch und mit dir passiert dasselbe wie mit diesem Freak von heute Morgen, Summers!“
      „Welchem Freak?“, fragte Logan nach.
      „In Anyas Augen sind wir alle Freaks. Woher sollen wir wissen, wen sie meint?“ Zanthe warf seiner Freundin einen finsteren Blick zu, der ihr sagen sollte, diesen Lee nicht in Logans Anwesenheit zu erwähnen.
      „Punkt für dich“, nickte Logan mit verschränkten Armen.
      Und Anya konnte sich kaum noch auf ihrem Stuhl halten. Warum hackten immer alle auf ihr herum!?

      „Meine Damen und Herren!“ Das Gezanke der Gruppe wurde jäh unterbrochen, als auf jedem der Bildschirme rund um die Zuschauertribünen Mr. Cs Konterfei erschien. Der bärtige Kommentator mit der Elvistolle strahlte über beide Backen. „Othello Nikoloudis hat den Kampf gegen Anya Bauer vielleicht gewonnen, doch die größte Herausforderung steht ihm noch bevor.“

      Elektronische, basslastige Musik füllte das Stadion. Die Menschenmassen begannen lautstark auszuflippen. Von der einen Seite rollte Othello aus dem Gang zur Duellfläche. Er war blass, wirkte müde und Anya hoffte, dass es ihm nicht allzu schlecht ging. Zwar war es unwahrscheinlich, dass Claire sich vor einem Millionenpublikum an ihm vergriff, doch in diesem kränklichen Zustand bestand die Gefahr bei ihm, dass er Fehler beging. Und das durfte er gegen Rosenburg nicht!
      Und dann, als die blonde Claire von der anderen Seite über den Metallboden schritt, explodierte die Halle. Schreie, Gekreische, Getröte, alles, was das Trommelfell zum Platzen brachte. Nach wie vor steckte die junge Frau in ihrem weiß-hellblauen Motorradanzug und schritt gelassen voran.
      Man verstand Mr. C kaum bei dem, was er sagte. Der Jubel, die Anfeuerungsrufe, die begeisterten Schreie – dagegen wirkte die Aufregung, die während der vorherigen Duelle des Legacy Cups geherrscht hatte, wie ein Treffen tibetanischer Mönche. Dazu war das Stadion zum Brechen voll, was Anya zuvor gar nicht aufgefallen war. Diese hielt sich zeitweise die Ohren zu, denn immer wieder ertönten hinter ihr lästige Tröten.
      „Verdammt, das nervt“, murrte sie, war sich aber nicht sicher, ob ihre Freunde sie überhaupt hörten.
      Was zumindest Zanthe tat, doch seine Antwort war nur schwer vernehmlich unter all dem Lärm. „... immer so bei … Cla … osenburg … Duellen.“
      „Was?“
      Ehe der Werwolf überhaupt dazu kam, seine Antwort zu wiederholen, trötete es hinter ihnen und Anya sprang wutentbrannt auf. Sich umwirbelnd, fauchte sie den Übeltäter an: „Alter, leg das Ding weg, sonst leg ich dich weg!“
      Der Typ, zwei Reihen über ihr, trötete breit grinsend in ihre Richtung. Ein Claire-Fan, wenn man bedachte, das sein T-Shirt ihr Abbild auf einem D-Wheel zeigte, er einen Schal mit Rosenburg-Aufschrift trug und nun laut ihren Namen schrie.
      „Setz' dich hin“, forderte Valerie seufzend, „das bringt nichts.“
      „Dem werd' ich die Fresse so blitzeblank polieren, dass sie glänzt!“
      Ihre Sitznachbarin zuckte mit den Schultern. „Bitte, wenn du von den Ordnungswächtern abgeführt werden möchtest.“
      Anya ließ sich neben ihr frustriert in ihren Sitz fallen. „Pah!“
      „Komm schon, das willst du dir doch nicht entgehen lassen, oder?“, fragte Matt hinter ihr beschwichtigend. „Immerhin sitzen wir in der ersten Reihe. Ich bin wirklich gespannt, da ich schon lange keines ihrer Duelle mehr mitverfolgt habe.“

      Inzwischen standen sich Claire und Othello auf der Plattform gegenüber. Melindas Antlitz wurde nun auf den Bildschirmen gezeigt, welche gerade ihre Rede beendete. „… also liefert den Leuten eine einzigartige Show! Und an euch Zuschauer hier und da draußen: Viel Spaß!“
      Mr. Cs Abbild wechselte ihres ab.
      „Ihr habt es gehört, Duellfans auf der ganzen Welt! Das letzte, das große, das spektakulärste Duell des Legacy Cups beginnt … jetzt!“, schrie der Kommentator in sein Mikrofon. Und die Halle explodierte, metaphorisch gesprochen. Anya hielt sich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Ohren zu, denn diesmal trötete nicht nur der Typ hinter ihr. Sie konnte nicht einmal hören, ob die beiden „Duell“ riefen oder nur Othello, da Claire sich vielleicht zu cool dafür hielt. Tch!

      [Othello: 4000LP / Claire: 4000LP]

      Da standen sie sich nun gegenüber, auf der einen Seite der Rollstuhlfahrer mit dem strohblonden, langen Haar und dann die blonde Duel Queen, wie Anya sie betitelte. Zugegeben, in ihrer jetzigen Aufmachung sah sie nicht so deplatziert aus wie damals auf der Einführungs-Veranstaltung. Die beiden grünen Strähnen standen geradezu symmetrisch von ihrem Gesicht ab, der Bob war kerzengerade geschnitten.
      Aber eins störte Anya an ihrem Anblick. „Man, die steht so … teilnahmslos da.“
      „Ja. Macht bei normalen Duellen nicht die beste Figur. Weniger leblos, sondern einfach unbekümmert.“
      Anya sah Logan fragend an. „Wieso? Sie weiß doch gar nicht, wie gut der Knirps ist.“
      „Sieh es dir einfach selbst an, dann verstehst du, warum die Leute sie lieben, obwohl sie keine gute Performerin ist“, meinte Valerie daraufhin.

      „Du kannst beginnen“, gestand Othello derweil seiner Gegnerin zu und huste leise.
      Diese nickte und zog fünf Karten von ihrem Deck. Eine von ihnen wählend, legte sie jene auf ihr D-Pad. „Ich setze ein Monster.“
      Dazu schob sie gleich den ganzen Rest ihrer Karten in die Rückseite des Apparats. „Vier Karten verdeckt. End Phase.“
      Zunächst materialisierte sich das Monster in Form eines horizontal liegenden, vergrößerten Kartenrückens vor ihr. Hinter ihm dann zischend die vier anderen Karten in vertikaler Lage.

      Othello griff nach dem Deck auf seinem Spielplan und zog. „Draw! I-“
      „Permanente Falle aktivieren“, schnitt ihm Claire gleich darauf das Wort ab, „[Cyber Summon Blaster].“
      Die links außen liegende ihrer vier gesetzten Karten sprang auf. Hinter Claire öffnete sich eine Falltür, aus welcher, wie auf der Karte abgebildet, ein mannshohes Geschoss aus dem Erdboden fuhr, obgleich es mit seiner trichterförmigen Kanone auf den ersten Blick harmlos erschien.
      Sofort jubelte ihr beinahe das gesamte Publikum zu.
      „Das sieht böse für den Herausforderer aus“, gluckste Mr. C verschwörerisch.
      Nachdem jener die sechste Karte seinem Blatt hinzufügte, merkte er erst, wie sehr seine Hände doch zitterten. Wie schnell sein Herz schlug. Er sah auf zu Claire, die sich keinen Millimeter rührte und ihn anstarrte. Doch kam es ihm so vor, als würde sie eher durch ihn hindurchschauen, als wirklich wahrzunehmen.
      „Ich weiß, ich kann dich besiegen“, sagte er leise, „und dir einen spannenden Kampf bieten. Versprochen!“
      „Hört ihr das!? Unser Othello will uns eine Show der Extraklasse bieten!“
      Die Zuschauer überschlugen sich vor Zurufen für den jungen Mann förmlich, wobei der nur ein gequält lächelndes Gesicht verzog. De facto wusste er nicht einmal, ob er sein Versprechen einlösen können würde.
      Trotzdem nahm er schließlich zwei Karten aus seinem Blatt und zeigte sie vor. „Ich aktiviere den gefährlichsten aller Drachen, [Odd-Eyes Pendulum Dragon] mit dem Pendelbereich 4 und die Magierin, die die Träume deutet: [Dreamgazer Magician], Pendelbereich 4! Pendulum Scale set!“
      Zwei Lichtsäulen schossen links und rechts neben ihm aus dem Boden. In Ersterer befand sich sein Assmonster, der rote, mächtige Drache, an dessen silbernem Brustpanzer sich flügelartige Auswüchse befanden. Auf der anderen Seite hingegen stieg ein weiblicher Magier auf, gekleidet in einer himmelblauen Robe. Sie ließ eine Kristallkugel mit quer liegendem, symbolischem Auge darauf vor sich schweben.

      <4> Othellos Pendelbereich <4>

      Verwirrte Gesichter im Publikum, betont durch Getuschel und verwirrte Ausrufe.
      Auch Anya verstand es nicht. Wie wollte er Pendelbeschwörungen durchführen, wenn seine beiden Monster denselben Wert besaßen!?
      „Wird vielleicht interessanter als ich dachte“, murmelte Logan nachdenklich, sodass sie zu ihm herübersah.
      „Hm?“
      „Wart ab und sieh selbst“, erwiderte er, als er den neugierigen Blick bemerkte.

      „[Dreamgazer Magicians] Pendelbereich ändert sich je nachdem, ob die Stufe ihres Partners größer oder kleiner als ihre eigene ist. Da 'Odd-Eyes' die Stufe 7 besitzt und damit über ihrer Stufe 4 liegt“, erklärte Othello angespannt, „wird [Dreamgazer Magicians] Pendelbereich zu 8!“
      „Für einen Moment dachte ich schon, unserem Wunderkind wäre ein Fehler unterlaufen“, atmete Mr. C entsprechend auf.
      Eine blaue Aura begann um die Magierin zu leuchten, als sich das Auge auf ihrer Kristallkugel schloss, dieselbe Farbe annahm und wieder öffnete.

      <4> Othellos Pendelbereich <4 → 8>
      „Und jetzt“, verkündete Othello und streckte den Arm in die Höhe, „schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Aus meiner Hand beschwöre ich den Magier, der die Welt überwacht: [Dharma-Eye Magician]! Pendulum Summon!“
      Ein gewaltiges Tor in eine andere Welt öffnete sich über Othello zwischen seinen beiden Monstern. Um das Pendelportal spannten sich aberdutzende, ovale Lichtringe, die ein Muster ergaben. Aus dem Loch schoss ein einzelner, roter Lichtstrahl, der vor dem Burschen im Rollstuhl einschlug.
      Dieser nahm am Boden die Gestalt eines in dunkelblauer Kleidung steckenden Magiers an, der eine massive Goldkeule mit beiden Händen führte.

      Dharma-Eye Magician [ATK/2000 DEF/2500 (7) PSC: <2/2>]

      Die Leute applaudierten ihm, aber längst nicht so euphorisch wie während des Duells mit Anya.
      Jene fasste sich an die Stirn, nachdem sie kurz über seinen Zug nachgedacht hatte. „Was macht der da!?“
      Othello hätte genauso gut [Dharma-Eye Magician] in die Pendelzone platzieren können und dann [Odd-Eyes Pendulum Dragon] rufen können, ein wesentlich stärkeres Monster im direkten Vergleich.
      Zanthe seufzte. „Ach Anya, du hast dich vorher gar nicht informiert, was? [Dharma-Eye Magician] schützt Magician-Pendelmonster im Zug seiner Beschwörung vor Zerstörungseffekten.“
      Ihre Erzrivalin nickte. „Bei so vielen verdeckten Karten muss er sicherstellen, nicht in eine Falle zu tappen. Da die Pendelbeschwörung nur einmal pro Zug zur Verfügung steht, wäre er aufgeschmissen, wenn er seinen Odd-Eyes jetzt verliert.“
      Schmollend verschränkte Anya die Arme. Was auch immer, solange er nur das verdammte Duell gewann!

      Othello zog die Augenbrauen an. Er hatte keine Angst vor ihr, mahnte er sich. Sie war der letzte Stein, der ihm noch im Weg lag, um seinen Wunsch zu erfüllen.
      „Angriff auf ihr verdecktes Monster, [Dharma-Eye Magician]! Burden Carrier!“
      Von einem Augenblick zum anderen hatte sich der Magier direkt zur verdeckt liegenden Karte teleportiert, die daraufhin um die eigene Achse wirbelte. Ein riesiges Tankflugzeug mit aufgemaltem Hamstergesicht stieg daraus in die Höhe auf. Neben ihm entstanden unmittelbar zwei holographische, durchsichtige Versionen seiner selbst.
      „Das ist [Mecha Phantom Beast Hamstrat]! Also eine typische Rosenburg-Eröffnung!“, johlte Mr. C unter dem Lärm des Publikums.

      Mecha Phantom Beast Hamstrat [ATK/1100 DEF/1600 (3)]

      Doch [Dharma-Eye Magician] ließ sich davon nicht irritieren, folgte dem Metallkoloss quer durch die Luft und schaffte es mit einem gezielten Hieb, den Goliath zum Explodieren zu bringen.
      „[Mecha Phantom Beast Hamstrat] erschafft zwei Mecha Phantom Beast-Projektionen, wenn es aufgedeckt wird“, lautete Claires tonloser Kommentar dazu, als die letzten Trümmerteile ihres Tankers sich in Luft auflösten, anders als die beiden, bunten Hologrammen daneben, die dem Original 1:1 entsprachen.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Eine Sekunde später stand [Dharma-Eye Magician] wieder vor Othello. Dessen Züge schienen ihm jedoch regelrecht entglitten zu sein, denn seine erschrockene Mimik sprach Bände. Plötzlich zischte es. In Claires Geschütz lud sich ein bläulicher Blitz auf, der aus der Kanone direkt auf den Jungen abgefeuert wurde.
      „Argh!“, presste er unter den um ihn schlagenden Entladungen heraus.

      [Othello: 4000LP → 3700LP / Claire: 4000LP]

      „Wenn ein oder mehrere Maschinen-Typ-Monster spezialbeschworen werden, erhält der Gegner 300 Punkte Schaden.“ Claire verzog dabei keine Miene.

      Anya verschränkte missmutig unter dem lautstarken Jubel hinter ihr die Arme. „Die redet, als ob sie selber eine Maschine wäre.“
      „Wer weiß, vielleicht ist sie sogar eine“, gluckste Zanthe bitterböse. Er sah Anya neugierig an. „Wie kommt es eigentlich, dass eine Kartenverkäuferin Claire Rosenburg nicht kennt?“
      Die Blonde zuckte mit den Schultern. „Hab mich nie wirklich mit der Pro-Liga und dem ganzen Scheiß auseinandergesetzt. Wenn ich in Zukunft was reißen will, muss ich das wohl ab jetzt?“
      „Wow, deine Ignoranz wird nur noch von deiner mangelnden Intelligenz übertroffen.“
      „Schnauze, Flohpelz!“, fauchte Anya mit der Faust wedelnd, doch der Werwolf kicherte nur vergnügt.
      Ihre Sitznachbarin indes nickte. „Vieles hängt schon davon ab, wie du dich vorbereitest. Einige Duelle werden entschieden, noch bevor sie ausgetragen werden, Anya.“
      Diese verzog ihre Augen zu Schlitzen und betrachtete dabei Claire. „Wirklich, huh?“

      „Da ich noch keine Normalbeschwörung durchgeführt habe, setze ich ein Monster“, rief Othello entschlossen aus und legte die Karte auf seinen Spielplan, wodurch sie in vergrößerter Form in horizontaler Lage vor ihm erschien, „und dazu noch eine weitere Karte verdeckt!“
      Hinter dem Monster materialisierte sich eine vertikal liegende Falle.
      In dem Moment meldete sich seine Gegnerin zu Wort. „Permanente Falle aktivieren: [Aerial Recharge]. Einmal pro Zug erschafft sie ein Mecha Phantom Beast-Projektion.“
      Die purpur umrandete Karte sprang auf. Aus ihr schoss ein drittes Hologramm des zerstörten Lufttankers, welcher auch auf der Falle abgebildet war, und stieg in die Luft zu den anderen beiden auf.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      „Da die Projektion vom Typ Maschine ist, erleidest du 300 Punkte Schaden“, erklärte die Blonde tonlos. Gleichzeitig begann die Kanone hinter ihr damit, sich aufzuladen, um einen Blitzstrahl auf Othello zu schießen. Jener stöhnte bei dem Treffer erschrocken.

      [Othello: 3700LP → 3400LP / Claire: 4000LP]

      „Nicht schlecht! Ich gebe an dich ab, Claire.“ Der strohblonde Junge hustete, dann fügte er an: „In der End Phase aktiviert sich der Effekt von [Odd-Eyes Pendulum Dragon] in meiner Pendelzone!“
      Der rote Drache in der Lichtsäule neben ihm begann laut aufzuheulen. Dann zersprang er in tausend Teile, was die Zuschauer verwirrt zurückließ.
      „Pendulum Cry! Ich erhalte ein Pendelmonster von meinem Deck, dessen Angriffskraft maximal bei 1500 liegt!“
      Aus der Säule stiegen die restlichen Partikel als roter Lichtstrahl auf, welcher vom sich öffnenden Pendelportal absorbiert wurde. Othello zeigte indes die gesuchte Karte vor. „Ich wähle [Wisdom-Eye Magician]. Damit wird der Pendelwert von [Dreamgazer Magician] wieder zu 4.“
      Das blaue Auge auf deren Kristallkugel schloss sich, wurde rot und öffnete sich wieder.

      <X> Othellos Pendelbereich <8 → 4>

      „Während jeder End Phase muss ein Mecha Phantom Beast als Tribut angeboten werden, oder [Aerial Recharge] wird auf den Friedhof geschickt.“ Nach Claires Einwurf löste sich eines der drei Hologramme über ihr auf.

      In der ersten Reihe beugte sich Zanthe grinsend nach vorne. „Nicht schlecht. Nächste Runde kann er sie nach Herzenslust ausspielen. [Wisdom-Eye Magician] kann sich in der Pendelzone zerstören, um einen beliebigen anderen Magier an seine Stelle zu setzen.“
      Valerie verschränkte die Arme. „Wie die Magier, die während eines Angriffs Kartenaktivierungen unterbinden.“
      „Und er hat dann auch Zugriff auf [Odd-Eyes Pendulum Dragon]“, stimmte Matt mit ein.
      Nur Anya wusste nichts Konstruktives dazu zu sagen, sondern fragte stattdessen: „Wieso ist das so wichtig?“
      „Wir wollen dir nur veranschaulichen, wieso -du- nicht da unten stehst“, stichelte Zanthe und traf damit mal wieder Anyas wunden Punkt, welche beleidigt schnaubte.
      Am liebsten würde sie diesen vorlauten Pelzträger erwürgen, dachte Anya zerknirscht, wusste aber, dass sie sich auf das Duell konzentrieren sollte. Nur für den Fall …

      „Draw“, rief Claire Rosenburg fast schon gelangweilt und zog mit einer entsprechend unspektakulären Bewegung eine Karte von ihrer grauen, halbmondförmigen Duel Disk, welche sonst Teil ihres D-Wheels war.
      „Effekt von [Aerial Recharge]. Diese Falle beschwört eine Mecha Phantom Beast-Projektion.“
      Womit wieder ein Hologramm aus der Falle austrat und in die Höhe aufstieg. Gleichzeitig reaktivierte sich das Geschütz hinter der jungen Frau und feuerte eine elektrische Ladung auf Othello ab. „Eine Maschine wurde spezialbeschworen, also fügt [Cyber Summon Blaster] 300 Punkte Schaden zu.“
      Als der Rollstuhlfahrer getroffen wurde, keuchte er angespannt.

      [Othello: 3400LP → 3100LP / Claire: 4000LP]

      „So kennen und lieben wir sie, unsere Claire Rosenburg“, lobpreiste Mr. C die Weltmeisterin, „obwohl sie noch gar nicht richtig aktiv geworden ist, hat sie Othello bereits einen beachtlichen Teil seiner Lebenspunkte genommen!“
      Was ihre Fanboys und -girls auf den Plan rief, die in immer kürzer werdenden Intervallen den Namen der Blonden kreischten.
      Jene betätigte umgehend eine Taste an ihrer Duel Disk und ließ die dritte ihrer vier Backrow-Karten aufspringen. „Schnellzauber: [Scramble!! Scramble!!]. Wenn mein Gegner mehr Monster als ich kontrolliert, ausgenommen Spielmarken, opfert diese Karte sämtliche meiner Projektionen und ersetzt sie durch reale Mecha Phantom Beasts aus meinem Deck.“
      Eine Alarmsirene erklang. Hintereinander lösten sich die drei Hologramme auf. Aus dem Nichts schossen aus der Glaskuppel des Stadions drei Flugzeuge. Das erste verfügte über zwei Rotoren, sein Cockpit besaß die Form eines stilistischen Pferdekopfs. In der Mitte hingegen befand sich ein goldener Düsenjet mit Löwenkopf-Cockpit, rechts außen dagegen eine taktischer Kampfjet, angelehnt an einen Velociraptor.
      „[Mecha Phantom Beast Coltwing], [Mecha Phantom Beast Harrliard], [Mecha Phantom Beast Megaraptor]“, benannte Claire sie der Reihe nach und fügte gleich hinzu: „Monstereffekt: Wenn Coltwing spezialbeschworen wird, wenn ich ein weiteres Mecha Phantom Beast kontrolliere, erschafft er zwei Projektionen.“
      Neben dem Wandelflugzeug tauchten zwei bunte, durchsichtige Hologramme auf, die ansonsten absolut identisch zum Original waren.

      Mecha Phantom Beast Coltwing [ATK/1600 DEF/1500 (4 → 10)]
      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4 → 10)]
      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 DEF/1000 (4 → 10)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      „Uh, hat sie gerade mit nur einer Karte fünf Monster aufs Feld gebracht?“ Anya schaffte es nicht, ihren Mund danach wieder komplett zu schließen.
      „Wenn du wüsstest“, prophezeite der Kopftuchträger neben Logan düster.
      Mit Mühe wandte sich Anya kurz vom Duellgeschehen ab. „Wieso sind die Stufen dieser Dinger gestiegen?“
      „Jedes Mecha Phantom Beast erhöht seine Stufe um die Gesamtstufe der sich derzeit im Spiel befindlichen Projektionen. Also in diesem Fall um 6“, erklärte Valerie ihr, „nicht, dass Claire jemals meines Wissens nach davon Gebrauch gemacht hat …“
      Ihre Freundin richtete den Blick wieder auf das Spielfeld. „'kay …?“

      Dort begann Claires Kanone sich wieder aufzuladen. „Ich habe zweimal hintereinander Maschinen-Typ-Monster spezialbeschworen, also fügt [Cyber Summon Blaster] dir 600 Punkte Schaden zu.“
      „Ich weiß.“ Othello schloss die Augen, als das Geschütz hintereinander zwei Energieladungen abfeuerte, die links und rechts neben ihm einschlugen.

      [Othello: 3100LP → 2800LP → 2500LP / Claire: 4000LP]

      „Monstereffekt von Coltwing. Ich deaktiviere zwei Projektionen und konzentriere Energie in die Zerstörung einer Karte. [Dharma-Eye Magician]“, sprach Claire, ohne sich auch nur einen Millimeter dabei zu bewegen.
      Das Wandelflugzeug über ihr fuhr unterhalb des Cockpits ein Maschinengewehr aus. Seine beiden holografischen Abbilder lösten sich auf, im Anschluss folgte rapides Sperrfeuer, das den dunkelblauen Magier zerfetzte. Und die Blonde fügte an: „Die Karte wird verbannt.“
      Entsetzte Ausrufe erklangen, als sich die Überreste von Othellos Monster auflösten, aber kein Pendelportal erschien, um sie zu absorbieren. Doch der konzentrierte Ausdruck des jungen Mannes vermittelte, dass ihn das nicht unvorbereitet getroffen hatte.
      „Monstereffekt: Wenn ein Monster durch einen Karteneffekt geopfert wird, erschafft [Mecha Phantom Beast Harrliard] pro Zug eine Projektion. Monstereffekt: Wenn eine Projektion aktiviert wird, erschafft [Mecha Phantom Beast Megaraptor] pro Zug eine weitere.“
      Erst gewann die bunte, durchsichtige Gestalt des Löwen-Kampfjets an Form, gleich im Anschluss die des Raptorenjägers.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      „Zweimal hintereinander wurden Maschinen-Typ-Monster spezialbeschworen. [Cyber Summon Blast] fügt also 600 Punkte Schaden zu“, setzte Claire ihre Effektkette mechanisch fort.
      Das Geschütz hinter ihr feuerte nacheinander zwei Energiestrahlen ab, die wieder links und rechts um Othello einschlugen, welcher keuchend das Haupt senkte.

      [Othello: 2500LP → 2200LP → 1900LP / Claire: 4000LP]

      „Irre, wie sie ihn systematisch fertig macht, ohne bisher auch nur einmal angegriffen zu haben“, staunte Matt hinter Anya.
      Die knurrte etwas Unverständliches vor sich hin. Über die Hälfte der Lebenspunkte ihres neuen Freundes waren schon weg, verdammt! Diese dämliche Rosenburg durfte nicht gewinnen!

      Erstaunlicherweise streckte die blonde Duellantin im weiß-hellblauen Motorradanzug den Arm aus und befahl: „Battle Phase: Megaraptor greift das verdeckte Monster an.“
      Unterhalb des dunklen Jets befanden sich zwei Klauen, dort wo sich sonst das Fahrwerk befand. In ihnen tauchten aus dem Nichts zwei Raketen auf, die einfach losgelassen wurden und im Fall starteten.
      Anya biss sich auf die Unterlippe. Wenn sein Monster zu schwach war, würde Claire-
      „Falle! [Waboku]! Sie beschützt meine Monster und meine Lebenspunkte für den Rest des Zuges!“
      Energisch drehte der junge Mann die Karte auf dem Spielplan vor ihm um. Drei Priesterinnen in blauen Roben tauchten um ihn herum auf und bildeten durch ein gemeinsames Gebet ein kuppelförmiges Kraftfeld. Gleichzeitig wirbelte die verdeckte Monsterkarte herum, aus der eine typische, verschleierte Wahrsagerin in rot-schwarzer Robe stieg. Die beiden Raketen prallten vor ihr an dem Kraftfeld ab.

      Crystal Seer [ATK/100 DEF/100 (1)]

      „Er hat den Angriff abgewehrt und gleichzeitig sein Überleben für diesen Zug gesichert“, rief Mr. C unter dem Applaus der Leute aus, „oder?“
      Anya atmete erleichtert auf.
      „Der Flippeffekt von [Crystal Seer] wird jetzt ausgelöst!“ Othello nahm die obersten beiden Karten von seinem Deck und zeigte sie vor. „Eine der beiden darf ich mir aussuchen und behalten, die andere wird unter mein Deck gelegt.“
      In vergrößerter Form erschienen über ihm die Monsterkarte [Odd-Eyes Dragon] und der Zauber [Gift Of The Martyr]. Der junge Mann im Rollstuhl entschied sich zum Erstaunen vieler für Letztere, fügte sie seiner Hand hinzu und legte dann sein altes Assmonster unter sein Deck.
      „Warum nicht dein Odd-Eyes?“, wunderte Anya sich leise.
      „Die Zauberkarte wird ihm viel mehr nutzen“, erwiderte Logan daraufhin.
      Gleichzeitig verkündete Claire: „Wechsel in Main Phase 2. Monstereffekt: Megaraptor deaktiviert eine Projektion, dafür wird ein Mecha Phantom Beast von meinem Deck meiner Hand hinzugefügt. [Mecha Phantom Beast Harrliard].“
      Automatisch wurde eine zweite Kopie jener Karte aus ihrem Deck geschoben, kurz nachdem das Hologramm des Raptorjets sich auflöste. Aber die Blonde war noch nicht fertig. „Monstereffekt: Einmal pro Zug deaktiviert Harrliard eine Projektion, um ein Mecha Phantom Beast von meiner Hand spezialzubeschwören. [Mecha Phantom Beast Harrliard].“
      Auch das bunte Ebenbild des Löwenjets verschwand. Stattdessen erschien an derselben Stelle das Original, wodurch die beiden Harrliards nebeneinander flogen.

      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4)

      Abermals begann das Geschütz hinter Claire zu rütteln. Dieses Mal sparte die sich die Erklärung gleich und sah ausdruckslos mit an, wie Othello unmittelbar von einem weiteren Energiestoß getroffen wurde.

      [Othello: 1900LP → 1600LP / Claire: 4000LP]

      „Verdeckte Schnellzauberkarte aktivieren“, rief Claire plötzlich aus und ließ die flache Hand über die letzte ihrer vier eingangs gesetzten Karten fahren, „[Vertical Landing]. Damit kann ich beliebig viele Wind-Monster als Tribut anbieten, um eine identische Zahl an Mecha Phantom Beast-Projektionen zu erschaffen.“
      Der Löwenjet, den sie zuerst gerufen hatte, löste sich auf und an seiner Statt begann sein buntes Hologramm zu leuchten.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Und [Cyber Summon Blaster] bombardierte Othello erneut, welcher dieses Mal einen nervösen Laut ausstieß. Denn er wusste, dass er nur noch wenige dieser Treffer wegstecken konnte.

      [Othello: 1600LP → 1300LP / Claire: 4000LP]

      „Monstereffekt: Ein Monster wurde als Tribut für einen Karteneffekt angeboten, also erschafft das neue [Mecha Phantom Beast Harrliard] eine Projektion.“
      Eine zweite Kopie des Kampfjets gesellte sich zur ersten, wodurch Claires Monsterzonen wieder allesamt mit Coltwing, Megaraptor, Harrliard und den zwei Spielmarken besetzt waren. Unnötig zu erwähnen, dass Othello gleich noch eine Energieladung abbekam.

      [Othello: 1300LP → 1000LP / Claire: 4000LP]

      Indes krallte sich Anya in die Plastiklehnen ihres Sitzplatzes und beugte sich vor. Fassungslos nuschelte sie: „Die nimmt ihn völlig auseinander! Er hat ihren Angriff abgewehrt, aber sie dezimiert seine Lebenspunkte trotzdem!“
      „Verstehst du jetzt, warum ich lieber an deiner Stelle gegen sie gekämpft hätte?“, wurde das Mädchen von Valerie mitleidig gefragt.
      Klamm nickte Anya.

      „Ich setze eine Karte“, sprach Claire nach wie vor ohne jegliche emotionale Regung und ließ zwischen ihren beiden dauerhaften Fallen eine verdeckte Karte erscheinen. „End Phase. Damit werden jetzt die negativen Effekte von [Scramble!! Scramble!!] sowie [Aerial Recharge] ausgelöst. Erstere schickt sämtliche Monster zurück ins Deck, die durch sie gerufen wurden.“
      Sowohl Megaraptor, als auch Coltwing machten aus dem Stand einen Rückwärtslooping und verschwanden ins Nichts.
      „Und sollte ich kein Mecha Phantom Beast als Tribut anbieten, muss ich [Aerial Recharge] auf den Friedhof legen. Ich entscheide mich dafür, die Falle zu behalten.“
      Sofort löste sich eines der bunten Hologramme auf, wodurch sie plötzlich nur noch den zweiten Harrliard sowie sein verbliebenes Ebenbild kontrollierte.
      „Was für ein Zug von unserer Weltmeisterin! Die Luft wird dünn für unseren Herausforderer und das nach bereits wenigen Zügen!“, fasste Mr. C die Situation unnötigerweise noch einmal zusammen.

      „Noch habe ich nicht verloren!“ Entschlossen sah Othello auf sein Deck herab. Er wusste, dass Claire ihm keinen weiteren Zug mehr gestatten würde, also musste dieser die Entscheidung bringen. Aber er wusste, was zu tun war. So nahm er seine letzte Karte auf. „Draw!“
      Sie zu den anderen dreien steckend, nahm er gleich im Anschluss eine andere aus seinem Blatt und zeigte sie vor. „Ich aktiviere den Magier, der das Wissen bewahrt: [Wisdom-Eye Magician] mit dem Pendelbereich 5! Pendulum Scale set!“
      In der von [Odd-Eyes Pendulum Dragon] leer zurückgelassenen Lichtsäule neben Othello erschien ein Hexer, ganz in Schwarz gekleidet, welcher eine Laterne an einem Stab hängend mit sich führte, und stieg in die Höhe auf.

      <5> Othellos Pendelbereich <4>

      „Sowohl [Wisdom-Eye Magician], als auch [Dreamgazer Magician] sind auf Stufe 4, weshalb der Effekt Letzterer nicht greifen kann. Aber“, murmelte Othello leise, „dank seines Effekts kann ich ihn zerstören und einen anderen Pendelmagier an seine Stelle setzen.“
      Der in Schwarz gekleidete Magier zersprang in tausend Teile. Othello nahm sein Deck in die Hand und suchte sich die Karte raus, von der er sich am meisten versprach. Denn wenn seine Offensive gelingen sollte, gab es wenige Optionen.
      „Ich aktiviere den Magier, der die Zeit versteht: [Timegazer Magician] mit dem Pendelbereich 8! Pendulum Scale set!“
      Neben ihm in der Lichtsäule tauchte ein anderer, schwarzer Magier auf, an dessen Arm sich eine goldene Klinge, ähnlich einem Zahnradkranz, die sich beinahe einmal im Kreis um ihn schloss. Langsam schwebte der Hexer nach oben, wo seine Wahrsager-Kollegin auf der anderen Seite wartete. Auf ihrer Kristallkugel leuchtete das Auge grün auf.

      <8> Othellos Pendelbereich <4 → 1>

      „Da [Timegazer Magicians] Stufe kleiner als Dreamgazers ist, wird ihr Pendelbereich zu 1.“
      Unmittelbar nach dieser Erklärung reckte der Rollstuhlfahrer mit dem strohblonden, schulterlangen Haar die Hand in die Höhe. „Und jetzt schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihm öffnete sich das bunte Tor in eine andere Dimension, umgeben von vielen, vielen blauen Lichtellipsen.
      „Aus meinem Extradeck! [Odd-Eyes Pendulum Dragon]! [Wisdom-Eye Magician]! Pendulum Summon!“
      Zwei rote Lichtstrahlen schossen aus dem Pendelportal und schlugen vor ihm ein. Zunächst erhob sich der rote, flügellose Drache zu voller Größe und schrie stolz. Neben ihm bezog der Magier mit dem Laternenstab neben der Wahrsagerin [Crystal Seer] Stellung.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]
      Wisdom-Eye Magician [ATK/1500 DEF/1500 (4) PSC: <5/5>]

      Mr. C flötete: „Da ist es endlich, Othellos Assmonster! Ob es wohl eine unverhoffte Wendung mit sich bringen wird?“
      Dessen Besitzer verzog konzentriert das Gesicht und legte eine Zauberkarte auf den Spielplan vor sich. „Ich aktiviere jetzt [Gift Of The Martyr]!“
      Unerwartet streckte sein Laternenmagier beide Arme weit von sich und stieß einen energischen Schrei aus, ehe er sich in weiße Lichtpartikel auflöste. Dazu erklärte sein Besitzer: „[Gift Of The Martyr] ist eine Zauberkarte, die mich ein Monster opfern lässt, um seine Angriffskraft auf ein anderes bis zum Ende des Zuges zu übertragen. Sie ist wie gemacht für Pendelmonster, insbesondere Odd-Eyes!“
      Die Wolke teilte sich in zwei. Während Odd-Eyes eine davon über sein Maul einsog, stieg die andere in die Höhe auf und wurde vom sich über Othello öffnenden Pendelportal absorbiert.

      Odd-Eyes Pendulum Dragon [ATK/2500 → 4000 DEF/2000 (7) PSC: <4/4>]

      „Wow“, staunte Anya, „das ist irgendwie genial! Der blöde Drache richtet doppelten Kampfschaden an. Das heißt, wenn das jetzt durchgeht …“
      „… hat er Claire mit einem Angriff besiegt“, schloss Valerie den Satz für ihre Freundin ab. „Dazu kommt, dass sein [Timegazer Magician] während des Angriffs verhindert, dass sie Fallenkarten aktiviert.“
      Logan seinerseits gab nur ein leises „Hmpf.“ von sich. Mit verschränkten Armen beobachtete er das Schauspiel dort unten.

      Othello streckte den Arm aus. „Und jetzt greife ich dein [Mecha Phantom Beast Harrliard] mit meinem Odd-Eyes an! Bring' mir den Sieg!“
      Sein flügelloser Drache öffnete sein Maul und sammelte darin rote und schwarze Partikel.
      Mr. C keuchte: „Ohne lange zu fackeln will unser Othello zum Finalschlag ausholen! Aber kann das gegen die stärkste Duellantin auf diesem Planeten wirklich funktionieren!“
      „Spiral Strike Burst!“, donnerte der kränkliche Junge in diesem Moment und übertönte den Kommentator damit, begann dann aber zu husten.
      Sein Drache stieß einen roten Lichtstrahl aus, um den schwarze Energie schlug. Quer nach oben schoss er auf den Löwen-Kampfjet zu, welcher regungslos in der Luft verharrte.
      „Verdeckte Karte aktivieren“, sprach Claire ungerührt.
      „Effekt von [Timegazer Magician]! Er verhindert, dass du während des Angriffs eines Pendelmonsters Fallenkarten aktivierst! Inverse Gears!“
      Doch zu Othellos Schreck geschah gar nichts, denn als die Karte seiner blonden Gegnerin aufklappte, musste er feststellen, dass es sich um einen Schnellzauber handelte. Einen, den er in diesem Duell schon einmal gesehen hatte.
      „[Scramble!! Scramble!!]“, nannte Claire seinen Namen. „Wenn mein Gegner mehr reale Monster kontrolliert als ich, werden sämtliche Projektionen mit Mecha Phantom Beasts aus meinem Deck ausgetauscht.“
      Erschrocken betrachtete Othello das Feld. Sie kontrollierte Harrliard und ein Hologramm von ihm, wohingegen er Odd-Eyes besaß … und [Crystal Seer] im Verteidigungsmodus! Mist!
      Sogleich löste sich die Spielmarke auf Claires Seite in Luft auf. Und an genau der Stelle schoss aus dem Nichts ein Kampfjet hervor, den Othello ebenfalls bereits kannte. „[Mecha Phantom Beast Megaraptor]. Da ein Monster geopfert wurde, erschafft [Mecha Phantom Beast Harrliard] eine Projektion. Wenn eine Projektion erschaffen wird, aktiviert [Mecha Phantom Beast Megaraptor] eine weitere. “
      Zwischen dem Jet mit dem Velociraptorkopf-Cockpit und seinem Kameraden tauchten zwei bunte Abbilder der beiden auf. Alle vier wichen [Odd-Eyes Pendulum Dragons] Angriff aus, da die Replay-Regel einsetzte.

      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 DEF/1000 (4 → 10)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      „Da ich drei Mal hintereinander Maschinen-Typ-Monster spezialbeschworen habe, fügt [Cyber Summon Blaster] dir entsprechenden Schaden zu.“
      Die Kanone hinter Claire rüttelte wie verrückt, ehe sie hintereinander gleich drei Energiestrahlen auf den Jugendlichen im Rollstuhl abfeuerte. Der weitete die Augen und wurde zielgenau getroffen, verschwand in einer dunklen Rauchwolke.

      [Othello: 1000LP → 700LP → 400LP → 100LP / Claire: 4000LP]

      „Oh! Oh! Oh! Das sieht gar nicht gut aus!“, jaulte Mr. C. „Nochmal verkraftet Othello so einen Treffer nicht.“
      „Effekt von [Aerial Recharge]. Sie erschafft eine Projektion.“ Auf Claires Geheiß materialisierte sich ein drittes, buntes Hologramm, in Form eines riesigen Lufttankers mit aufgemaltem Hamstergesicht auf dem Cockpit.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Das Publikum hielt den Atem an, als Claire tonlos erklärte: „Ein Maschinen-Typ-Monster wurde spezialbeschworen. Du erleidest durch [Cyber Summon Blaster] 300 Punkte Schaden.“
      Daraufhin brachen nicht wenige Leute in wilden Jubel aus. Das Geschütz der Weltmeisterin warf sich erneut an und lud Energie auf.
      Othello senkte den Kopf. Und richtete ihn gleich darauf wieder mit engstirnigem Blick auf. „Nein! Soweit kommt es nicht! Effekt von [Dreamgazer Magician] in meiner Pendelzone!“
      Die Wahrsagerin in hellblauer Robe teleportierte sich aus der Lichtsäule direkt vor Othello und streckte die Hände aus. Ihre Kristallkugel schwebte ein Stück nach vorne.
      „Nur einmal kann ich eine Kartenart benennen und wenn die oberste Karte meines Decks dazugehört, wird der nächste Schaden, den ich erleide, nichtig gemacht!“ Entschlossen griff der Junge mit dem schulterlangen Haar nach seinem Deck. „Defy Vision!“
      Er schloss die Augen, das Publikum wurde still. Nur das Geräusch von Claires Kanone war noch zu vernehmen, die in den letzten Zügen des Aufladungsprozesses steckte.
      „Ich sage Zauberkarte, denn jedes Pendelmonster ist auch ein Zauber“, verkündete Othello konzentriert, riss die Augen auf und zog die oberste Karte von seinem Deck.
      In dem Moment feuerte der [Cyber Summon Blaster] seinen Strahl ab. [Dreamgazer Magician] ließ ihre Kristallkugel wachsen und wachsen, sodass sie Othello komplett verdeckte. Der drehte die Karte in seiner Hand um. „[Echo Oscillation] …?“
      Der Lichtblitz traf auf die Kristallkugel, zerschmetterte sie, sodass ihre Bruchstücke dem Jungen um die Ohren flogen. Dem Jungen, der eine Fallenkarte gezogen hatte und dann von der Ladung erbarmungslos getroffen wurde. Ein lauter Knall und eine Rauchwolke waren das Resultat.

      [Othello: 100LP → 0LP / Claire: 4000LP]

      „U-unglaublich!“, stammelte Mr. C. „Unsere Claire hat gewonnen, ohne einmal Schaden zu nehmen, ohne überhaupt einmal erfolgreich angegriffen zu haben! Das ist unsere Weltmeisterin, die stärkste Duellantin auf diesem Planeten!“

      Und der Jubel brach aus. So ohrenbetäubend, dass Anya sich die Hände auf die Ohren pressen musste. Auch die Tröten waren zurück.
      „Shit“, murmelte sie.
      Der Rauch um Othello verzog sich unten auf dem Feld, die Hologramme lösten sich auf. Er saß in seinem Rollstuhl leicht vorgebeugt, als wäre er gebrochen, stellte das Mädchen fest. Sein Traum war damit geplatzt … genau wie ihrer. Und mehr noch, er hatte es nicht geschafft, Claire deren Hüterkarte abzunehmen. Verdammt!

      Jene schritt mit ausdrucksloser Miene auf den Jungen im Rollstuhl zu und reichte ihm der Form halber die Hand. Zwar nahm und schüttelte Othello sie, ohne dabei jedoch aufzusehen. Anschließend drehte er stumm ab und rollte zum Ausgang.

      Schlagartig sprang Anya von ihrem Platz auf und zwängte sich an ihren Freunden, dann anderen Besuchern vorbei. Sie musste zum Ausgang bei den Treppen, von dem man in den Gang zum Duellfeld gelangte und mit dem Knirps reden, ihm irgendetwas sagen. Shit!

      ~-~-~

      „Wie schade“, kommentierte Alexandra Othellos Niederlage bedauernd. Stuhl neben Stuhl, hatte sie ihren Kopf an Nicks Schulter angelehnt und verfolgte mit, wie er den Livestream beendete und sich dran machte, den PC herunterzufahren.
      Nick sagte nichts, aber sein verkniffener Gesichtsausdruck sprach Bände.
      „Ich kann mir denken, was du jetzt vorhast“, sagte sie leise und hob ihren Kopf an, „du willst dich persönlich mit ihr anlegen.“
      Aus dem Augenwinkel warf er ihr wieder diesen Blick zu. Eiskalt und abgebrüht, stolz und selbstbewusst, aber auf merkwürdige Art auch verletzlich. Wie ein angeschossenes Tier. Eine Form der Verzweiflung, die niemand je sehen sollte. Aber auch wenn seine Worte voller Lügen waren, seine Augen waren es nicht.
      Alexandra seufzte und legte ihre Hand auf die seine. Mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen bat sie: „Tu's nicht. Wir sind uns gerade erst näher gekommen. Ich habe keine Lust auf eine Beerdigung.“
      „Ich schaffe das schon“, wies Nick ihre Bedenken jedoch sofort zurück und riss die Hand unter ihrer weg. Er stand auf. „Ich habe Xiphos besiegt, da sollte eine Claire Rosenburg kein Problem sein.“
      „Du überschätzt dich“, mahnte Alexandra ihn, amüsiert und doch insgeheim erschrocken von so viel Selbstbewusstsein, „du hast diesen Dämon besiegt? Weißt du, Nick, manche Dämonen lassen ihre Opfer gerne in dem Glauben, sie hätten die Oberhand.“
      „Ich weiß, dass er mich für irgendetwas benutzen will. Aber wenn ich dadurch Anya retten kann, lasse ich mich bereitwillig von ihm benutzen“, erwiderte er auf sie herab sehend. „Denn du hast Recht, manchmal sind es die vermeintlichen Opfer, die nachher die Fäden ziehen.“
      Alexandra schenkte ihm ein falsches Lächeln. Wie konnte ein Genie wie er gleichzeitig so dumm sein?

      Voller Tatendrang schob sich Nick zwischen ihr und dem Bücherregal vorbei, schritt Richtung Ausgang. Die blonde Frau erhob sich und zog hinterher.
      „Sprich wenigstens vorher mit ihr“, riet sie ihm. „Sag ihr, was du vor hast.“
      „Sie würde sich nur Sorgen machen“, kam die erwartete, abweisende Antwort.
      „Oh, das hoffe ich“, gluckste Alexandra belustigt, „dann wäre wenigstens eine Person in deinem Umfeld normal.“
      Indes zog Nick an der Kasse vorbei zur gläsernen Ausgangstür. Draußen regnete es immer noch in Strömen. Mit der Klinke unter den Fingern drehte er sich zu Alexandra um, die ihn daraufhin freundlich anlächelte. Er zögerte. Er wollte etwas sagen, das ihm widerstrebte. Dann drehte er sich wieder weg. „Einverstanden. Ich rede mit ihr. Aber ich werde ihr nur sagen, dass ich mich um die Sache kümmern werde. Dieses ganze Turnier war reine Zeitverschwendung.“
      „Objektiv betrachtet ja“, erwiderte seine Partnerin, „aber trotzdem hast du sie nicht davon abgehalten teilzunehmen.“
      „Es war ihr Traum. Aber Träume … sind bedeutungslos.“ Sprachs und schritt alleine heraus in den strömenden Regen.
      Alexandra sah ihm nachdenklich hinterher, wie er sich die Kapuze seiner Jacke überzog und mit Händen in den Hosentaschen eiligen Schrittes die Straße überquerte. Sie würde ihm nicht folgen. Er war ein interessanter Mann. Aber sie würde ihm nicht folgen …

      ~-~-~

      „Hey“, rief Anya dem Rollstuhlfahrer im Gang hinterher, als sie ihn endlich erreicht hatte.
      Anders als vorhin war er dieses Mal nicht in Begleitung seiner Mutter. Und er hielt auch nicht an, obwohl er das laute Organ des Mädchens vernommen haben musste.
      Die legte daraufhin grummelnd einen Zahn zu und holte den Jungen griechischer Wurzeln letztlich ein. „Nimm's nicht so schwer, 'kay? Du hast dein Bestes gegeben.“
      Othello reagierte gar nicht. Zähneknirschend sprang Anya ihm daraufhin vor den Rollstuhl, sodass er notgedrungen anhalten musste.
      „Reiß dich zusammen!“, fuhr sie ihren neugewonnenen Freund an. „Sie hätte gewonnen, egal was du versucht hättest! Also steh' drüber!“
      Völlig sicher war Anya sich mit der Aussage zwar nicht, aber ihr Bauchgefühl betrog sie in solchen Angelegenheiten selten. Das Miststück hatte von Anfang an viel zu viele Optionen gehabt.
      Der strohblonde Junge sah schließlich zu ihr auf. „Das ist es ja gerade. Ich hatte von Anfang an keine Chance.“
      Anya konnte diese bittere Erkenntnis zu gut nachvollziehen. So weit gekommen zu sein, nur um am Ende vor einer undurchdringlichen Eisenmauer zu stehen.
      „Hier“, sprach Othello und streifte die fingerlosen, weißen Handschuhe von den Händen, „die haben mir leider kein Glück gebracht. Aber trotzdem danke.“
      Wortlos nahm Anya sie entgegen und betrachtete sie, schloss sie dann aber mit kämpferischem Gesichtsausdruck in ihrer Faust ein. „Sie hat mich herausgefordert. Also Claire meine ich. Übermorgen früh. Und ich werde sie besiegen, für dich!“
      „Viel Glück“, wünschte Othello und senkte das Haupt.
      Er wollte weiter, doch Anya versperrte ihm beharrlich den Weg. „Ich meine es ernst! Dieses Miststück bekommt eine heftige Abreibung dafür, dich so fertig gemacht zu haben. Und wenn ich erst Duel Queen bin, kannst du mich solange herausfordern, bis du mich besiegt hast. Deal?“
      Obwohl er scheinbar dagegen ankämpfte, musste Othello auflachen. Schwach schmunzelnd blickte er zu Anya auf. „Du spinnst. Außerdem habe ich dich schon besiegt.“
      „Die alte Anya vielleicht. Nicht die Duel Queen-Anya.“
      „Dann wünsche ich dir viel Erfolg. Ehrlich. Oh, bevor ich es vergesse, wir reisen bereits morgen ab. Also sollten wir Telefonnummern austauschen, damit wir den Kontakt halten können.“
      Die Blonde nickte. „Yeah. Warte, hast du was zum Schreiben?“

      Oh, dass ich noch miterlebe, wie ein Junge um deine Telefonnummer bittet. Der arme Tropf hat keine Ahnung, worauf er sich da einlässt.

      Anya knirschte nur zornig mit den Zähnen, während Othello in seiner Hosentasche nach irgendetwas Beschreibbaren suchte. Für den blöden Kommentar würde sie sich an Levrier rächen, eines Tages!
      Schade, dass ihr Plan, Othello in den Ring zu schicken letztlich nicht aufgegangen war. Andererseits, der Grundgedanke war gar nicht so übel, schoss es dem Mädchen durch den Kopf. Man müsste nur …

      ~-~-~

      „… er wohnt irgendwo in Oregon, den genauen Ort hab ich vergessen“, erzählte Anya ihren Freunden etwa anderthalb Stunden später vom Rest des Gespräches mit Othello.
      „Oh mein Gott, sie interessiert sich wirklich für jemanden anderen als sich selbst“, staunte Zanthe neben ihr übertrieben, wie sie zu dritt den immer ein wenig dunkel anmutenden Flur zu ihrem Hotelzimmer entlang schritten.
      Matt zu Anyas Rechten grinste. „Ist doch gut.“
      „Ich find's bedenklich, weil es den Glauben vieler Amerikaner an Außerirdische, die Menschen entführen und austauschen, nur festigen wird.“

      Verärgert biss Anya die Zähne zusammen. Immer sagten ihr alle, sie solle etwas mehr auf andere zugehen und sich gut mit ihnen stellen. Jetzt versucht sie es -einmal- und das ist auch wieder nicht recht! Bah!
      Vor der Zimmertür angelangt, zog sie mit mehr Schwung als nötig ihre ID-Karte durch den kleinen Apparat direkt daneben. Das rote Licht daran wechselte auf Grün, die Tür ließ sich öffnen.
      „Ich muss mich jetzt abreagieren“, schnaubte das Mädchen beim Eintreten, „und ich weiß auch schon ganz genau an wem!“
      Denn da wartete noch immer jemand im Badezimmer auf sein Verhör! Und das würde die ganze Nacht in Anspruch nehmen, so viel stand schon mal fest!

      Während Anya mit grimmiger Vorfreude ohne Umweg zum Bad zu ihrer Rechten stampfte, bemerkte Zanthe, dass auf der kleinen Kommode direkt neben der Tür ein quadratischer Notizzettel lag, den er beim Verlassen des Zimmers vor ein paar Stunden noch nicht gesehen hatte.
      „Hm?“ Er nahm ihn an sich.
      Seine Freundin riss ihres Zeichens die Badezimmertür auf, nur um ein langes Gesicht zu ziehen. Lees Fesseln lagen zwar noch in der Badewanne, aber von dem länglichen Vokuhila-Träger selbst fehlte jede Spur.
      „Scheiße!“, entfuhr es ihr.
      Zögerlich trat sie näher an die Badewanne und betrachtete besonders den Knebel interessiert, ein umfunktioniertes Stück Unterwäsche von ihr. Es war … durchgebissen …
      „Leute“, schnellte sie kurzerhand aus dem Bad, „unsere Geisel ist weg.“
      „Was!?“, fiel Matt aus allen Wolken.
      „Schade“, zuckte Zanthe dagegen unbedarft mit den Schultern. „Naja, während Matt dir die Schuld dafür gibt, geh ich mal schnell an die Rezeption. Da wurde ein Päckchen abgegeben.“

      Anya stand der Mund offen aufgrund der Tatsache, dass ihr Freund so gelassen blieb und einfach das Zimmer verließ.
      „U-uh. Wie ist der bloß entkommen?“
      Matt zuckte mit den Schultern. „Vielleicht hast du die Fesseln nicht fest genug gezogen?“
      „Ach, also hörst du auch noch auf den Flohpelz!?“, brauste Anya sofort auf. „Ich war gründlich, verdammt! Außerdem wäre das garantiert nicht passiert, wenn ich mein -übliches Equipment- gehabt hätte!“
      Der unmissverständlich abweisende Gesichtsausdruck Matts sprach Bände darüber, dass er ihr weder glaubte, noch wissen wollte, wie Anyas -übliches Equipment- überhaupt aussah.
      Nachdenklich schritt er durch das Zimmer. „Hm. Er muss entkommen sein bevor der Zimmerservice die Nachricht hinterlassen hat. Ansonsten wären wir schon längst von Polizisten in Empfang genommen worden.“
      „Was für eine Nervensäge“, brummte Anya und schnaubte. „Und nun?“
      Matt drehte sich vor dem Panoramafenster zu ihr um. „Ich kann ihn verfolgen wenn du willst.“
      Die Blonde machte ein überraschtes Gesicht, als sie zu ihrem Bett watete und sich sinken ließ.
      „Nennen wir es einfach Revanche. Durch ihn bin ich in ziemliche Schwierigkeiten mit Mrs. Carrington geraten“, erzählte Matt, „und gleich als wir diesen Spinner im Bad eingesperrt haben, habe ich ihn heimlich mit einem Zauber markiert. Nur für den Fall.“
      „Cool“, gluckste Anya. Verschränkte dann aber die Arme. „Bloß was haben wir davon, den wieder zurückzuholen?“
      „Nichts. Er ist ein Idiot.“
      „Hm. Aber vielleicht weiß er was über die Hüter.“
      „Wohl kaum. Wenn Mrs. Carrington nichts wusste, dann der erst recht nicht. Und Kooperation ist nicht gerade seine Stärke, wie du selber gemerkt hast.“ Matt seufzte. „Außerdem wird’s schwer, ihn hier langfristig unbemerkt festzuhalten.“
      Seine Freundin verzog das Gesicht. „Und das fällt dir jetzt ein, wo wir ihn schon einmal eingesperrt haben?“
      „Vielleicht trügt mich mein Erinnerungsvermögen, aber ich war derjenige von uns Dreien, der sich dagegen ausgesprochen hat.“ Matt kniff die Augen zusammen. „Aber die beiden rachsüchtigen Furien aka meine Zimmergenossen haben gar nicht zugehört.“
      „Weiß nicht wovon du redest“, zuckte Anya mit den Schultern und sprang von ihrem Bett auf.

      „Was auch immer“, nuschelte sie und reckte dabei den Kopf hin und her, „Summers, als ich von Othello die Handschuhe zurückbekommen habe, ist mir noch ein anderer Gedanke gekommen, wie ich mein Problem lösen könnte.“
      Überrascht sah der schwarzhaarige Dämonenjäger sie an, wie sie auf ihn zu schlenderte. „Mit Claire?“
      Wie selbstverständlich kam es zurück. „Überhaupt. Mit dem Sammler. Es gibt doch bestimmt noch mehr Dämonen seines Kalibers, oder?“
      Einen Moment schwieg Matt und musste sich dem bohrenden Blick seines Gegenüber aussetzen, welcher zunehmend ungeduldiger auf eine Antwort wartete. Als Anya es nicht mehr aushielt, fragte sie genervt: „Und, ja oder nein?“
      „Es gibt mit ihm fünf Wesen vergleichbarer Kräfte“, erklärte er schließlich, „aber ich-“
      „Welche sind das?“
      Resignierend zuckte Matt mit den Schultern. Schön, wie sie ihn immer so offen und höflich ausreden ließ. „Den Collector-Dämon, oder kurz Sammler, kennst du ja. Dazu kommt Gardenia, die Gelehrte oder auch die Weiße Hexe genannt, eine, nun ja, uralte Hexe eben. Dann wäre da noch Athena, die Botschafterin, aber die hat man seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen. Viele vermuten, dass sie tot ist.“
      Es war erstaunlich, wie interessiert Anya ihm zuhörte, ging es Matt dabei durch den Kopf. „Und die übrigen zwei?“
      „Anderslord oder auch Outsider Seraphix und ein Dämon, dessen Namen man nicht laut aussprechen darf, da er dich sonst für den Rest deines Lebens beobachten kann, so heißt es.“
      Verständig nickte sein Gegenüber und kratzte sich am Hinterkopf. „Und, uh, könnte einer von denen den Sammler einstampfen?“
      „Denkst du etwa daran, eines dieser Wesen um Hilfe zu bitten!?“
      „Warum nicht?“, nickte Anya.
      „Bist du verrückt!?“ Matt packte sie unerwartet an den Schultern, wodurch Anya erschrocken zurückwich. „Wer sagt, dass sie dir helfen werden? Und woher sollen wir wissen, ob es außer dem Sammler überhaupt jemanden gibt, der dein gestohlenes Leben wiederherstellen kann? Du kannst ihn nicht töten, ohne damit dein eigenes Leben in Gefahr zu bringen!“
      Anya schob mit grimmigem Gesichtsausdruck erst seine eine Hand, dann die andere mit ihrem Arm von den Schultern. „War doch nur ein Gedanke!“
      „Den Sammler anzugreifen sollte unsere allerletzte Option sein. Schon so einige Dämonenjäger und Dämonen haben versucht, ihn umzubringen, ohne Erfolg. Und die sind besser als wir!“
      Schmollend wandte sich die Blonde von ihm ab. „Deswegen habe ich auch nach den großen Geschossen gefragt. Geez!“
      „Das würde nur nach hinten losgehen“, prophezeite ihr Matt, als sie wegging.

      Im selben Augenblick flog die Tür auf und ein grinsender Zanthe schneite herein. „Anya, der Weihnachtsmann ist da!“
      „Huh?“
      „Und Matt hat Recht, das ist eine unglaublich dämliche Idee von dir. Wie immer.“
      In den Händen hielt der Kopftuchträger ein kleines Päckchen, das ihm, als Anya ihn erreichte, schnurstracks entrissen wurde.
      „Für mich?“, fragte sie und betrachtete es neugierig.
      „Steht doch drauf, du hohle Nuss. Natürlich ist es für dich, oder heißt Matt neuerdings auch Anya?“
      Etwas Verächtliches vor sich hin zischend, drehte sich Anya von ihm weg und schritt eilig zum kleinen Tisch. Der Werwolf folgte ihr dabei. „Mach's auf, ich will wissen, was da drin ist!“
      Nicht weniger neugierig war auch die Empfängerin selbst, die das Päckchen ablegte und erst noch einmal genau ansah. Der Absender war … Mr. Palmer, ihr Chef!
      „W-wieso schickt der mir ein Paket?“, staunte Anya.
      „Die wichtigere Frage: Wieso schaust du nicht endlich nach was drin ist?“ Auf Zanthes permanentes Drängeln hin gesellte sich auch Matt interessiert dazu.

      Etwas unbeholfen kämpfte Anya damit, es überhaupt aufzubekommen. Aber letztlich landeten in ihrer Hand drei Dinge. Ein noch völlig ungeöffnetes Structure Deck und zwei Zettel. Und Anya staunte Bauklötze, als sie den Namen des Decks las: 'The Dormant Gem-Knights'.
      Und darüber war ein Covermonster abgebildet, dass sie gar nicht kannte. Eine weibliche Ritterin, in blassgoldener Rüstung steckend, die ein einfaches Schwert mit sich führte. Doch ihr Brustpanzer und ihr Helm, sie bestanden fast vollständig aus Brillanten.
      „Oh! Das fällt mir ein! Verdammt, dass hatte ich wegen dem ganzen Stress völlig vergessen“, schoss es aus Zanthe heraus, welcher sofort Kehrt machte und zu seinem Bett rannte.
      Anya, völlig im Bann der Verpackung gefangen, legte die beiden Notizzettel beiseite, die sich Matt an ihrer Stelle nahm.
      „Der eine ist von deinem Chef. Ich les' mal vor“, sagte er und begann laut vorzulesen.

      Hallo Anya,

      ich hätte nie gedacht das zu sagen, aber ich bin stolz auf dich. Du hast es weit gebracht. Und du trägst das T-Shirt, wie ich es angeordnet hatte. Die Leute rennen mir seitdem praktisch die Bude ein. Danke!

      Im Übrigen wurde ich von Mr. Benjamin Ford höchstpersönlich darüber informiert, dass du dein Deck kurz vor dem Legacy Cup verloren hast. Ich kann mir schwer vorstellen, wie schmerzlich dieser Verlust für dich ist. In Absprache mit ihm schicke ich dir daher dieses Deck, welches eigentlich erst in zwei Wochen offiziell auf den Markt gebracht wird. Aber du weißt ja, manche Läden brechen hin und wieder die Regeln und verkaufen verfrüht Ware. ;-)

      Lass nie den Kopf hängen! Ganz Livington steht hinter dir. Oder beinahe ganz Livington. ;-)

      Liebe Grüße

      Nico Palmer

      Indes hatte Zanthe in seinem Koffer gefunden, wonach er gesucht hatte und war an Anyas Seite zurückgeeilt. „Hier, das wollte ich dir schon die ganze Zeit zeigen. Aber das hat sich dann wohl erübrigt.“
      Er hielt ihr einen Prospekt vor die Nase, auf dem neben dem bald erscheinenden, neuen Duel Monsters-Set auch das Structure Deck in Anyas Händen abgebildet war, mit dem Zusatz 'Coming Soon'. Anya sah nur kurz wortlos hin, betrachtete stattdessen die ungeöffnete Verpackung in ihrer Hand und umklammerte sie fester.
      „Hm“, machte Matt und schnappte sich die Überreste des Pakets, „der Poststempel ist schon ein paar Tage alt. Das Deck sollte wohl spätestens zum Finale eintreffen. Schade, damit hättest du Othello sicher überraschen können.“
      „Alles in Ordnung?“, fragte Zanthe das Mädchen, das sich zwischen den beiden jungen Männern befand.
      „Yeah.“
      Unzufrieden mit ihrer abwesenden Antwort richtete sich der Werwolf an Matt. „Was steht auf dem zweiten Zettel?“
      „Ist eine Rechnung. Oh, das Datum ist falsch.“ Matt nickte. „Verstehe, für den Fall, dass irgendjemand Anya des Betrugs anschuldigen will. Damit könnte man nachweisen, dass das Deck erst später hätte versendet werden sollen und aus Versehen … Anya?“
      Jene murmelte in dem Moment: „Das Schnöselkind und Mr. Palmer, sie …“
      „Sag einfach danke, wenn du sie das nächste Mal siehst“, schlug Zanthe ihr aufmunternd vor.
      Anya nickte fest. „Werd' ich. Und verdammt, was genau ist da jetzt drin!?“

      Was dann folgte war ein Mädchen, das sich wie ein Aasgeier auf die Verpackung stürzte und die Karten wild über den Tisch verteilte. Während Matt zur Toilette entschwand, ließ Zanthe sich auf einen der drei Stühle nieder und betrachtete Anya vergnügt, wie sie die Karten vor sich verteilte.
      „Moment mal! D-das kann doch nicht wahr sein!“
      Direkt vor ihr lagen ausgebreitet Ausführungen von [Kuriboss], [Gem-Knight Turquoise], dem Zauber [Gem-Knight Power Bracelet] sowie den Fusionsmonstern [Gem-Knight Seraphinite] und … [Gem-Knight Master Diamond]! Alles Karten, die sie vom Jinn erhalten hatte, ergo -einzigartige- Karten! Die jetzt ganz offensichtlich nicht mehr so einzigartig waren!
      „Dieser verdammte-!“, schnaubte Anya. „Das hat er doch mit Absicht gemacht! Wenn ich den erwische, reiß ich ihm das Rückgrat raus und stecke es verkehrt herum in sein verdammtes Maul! Argh!“
      Zanthe kicherte nur amüsiert, wie sie die Karten hochrot zusammenpackte und auf einen Stapel legte, wo bereits die anderen Karten lagen, die Anya schon besaß.

      Wie ich sehe hat es meine Karte nicht in das Deck geschafft. Ich fühle mich einen Hauch beleidigt.

      „Deine blöde Karte braucht eh kein Mensch! Aber er hat sich an meinem Deck vergangen, es entweiht! Es wird nie wieder dasselbe sein! Jeder kann es jetzt so spielen wie ich!“
      Bissig erwiderte Zanthe: „Also du hast Pearl regelmäßig gebraucht.“
      „Schnauze, Flohpelz!“
      „Sei doch froh. Jetzt wird dich nie wieder jemand danach fragen, was das für Karten sind.“
      „Hat auch so keiner gemacht!“
      Mit der Zunge schnalzend und den Augen rollend, erwiderte ihr Freund: „Statt sich zu freuen … Das sind doch mindestens zehn neue Karten, die du dafür in dein Deck einbauen kannst. Nein, Quatsch, noch mehr sogar!“
      Anya legte ihre Hand ans Kinn. „Tch, was auch immer, den knöpf' ich mir beim nächsten Mal vor! Aber bei so vielen Karten muss ich wohl mein Deck völlig neu bauen, schätz' ich.“
      „Wenn du willst, kannst du es danach an mir testen“, schlug Zanthe vor, „es wäre ziemlich dämlich, ein ungetestetes Deck gegen Claire Rosenburg einzusetzen.“
      „Uh-huh.“
      „Warte! Mir fällt da gerade noch etwas ein!“

      Zanthe sprang vom Tisch auf und eilte wieder zu seinem Bett in der Mitte des Raums, welches sich direkt neben der Zimmertür befand. Den sich darauf befindenden, offenen Koffer kurz durchwühlend, kam er mit einer Karte in der Hand zurück.
      „Hier“, reichte er sie Anya, „dann kannst du die gleich mit einbeziehen. Ich brauche sie nicht.“
      Irritiert nahm die Blonde sie entgegen. „D-danke?“
      „Oh, du kennst das Wort tatsächlich. Das muss ich mir rot im Kalender eintragen“, grinste der junge Mann mit dem zum Pferdeschwanz gebundenen, vom Kopftuch bedeckten Haar und setzte sich wieder. Im Hintergrund drang aus dem Bad der Klang der Spülung.
      „Hmpf. Wieso gibst du mir die überhaupt?“
      „Habe sie neulich aus einem Booster gezogen. Weißt du“, sagte er und seine Gesichtszüge wurden ernst, „sieh' es als Entschuldigung an.“
      Anya blinzelte verdutzt. „Wofür?“
      „Oft kann ich der Versuchung nicht widerstehen, dir fiese Kommentare reinzudrücken.“ Zanthe sah betrübt auf die vor Anya ausgebreiteten Karten. „Obwohl ich das gerade heute eigentlich lassen sollte, nachdem dein Traum-“
      „Schon okay“, schnitt Anya ihm da plötzlich das Wort ab.
      Ihr Freund blickte überrascht auf. „Was?“
      Bewusst zur Seite, aus dem Fenster blickend, erwiderte sie: „Irgendwer muss mir die Fehler aufzeigen, die ich als zukünftige Duel Queen nicht mehr begehen darf. Und da du dich ungefragt dafür bereit erklärt hast, nun, dann mach halt. Kann dich sowieso nicht von abhalten. Hmpf.“
      Woraufhin Zanthe regelrecht strahlte: „Ich wusste, du würdest es verstehen.“

      Ich glaube, das hättest du nicht sagen dürfen. Jetzt wirst du den Stempel 'hohle Nuss' nie wieder los.

      „Hrgh!“ Levrier hatte Recht! Elender Flohpelz, der wollte nur ein Freiticket für seine blöden Kommentare!
      In dem Moment kam Matt aus dem Bad. „Ich habe dich schreien hören und irgendwas mit Rückgrat. Will ich mehr wissen?“
      „Nein, möchtest du nicht“, beantwortete Zanthe die Frage für Anya grinsend. „Nur ihre üblichen Zwangsneurosen, mehr nicht.“
      „Schnauze! Hey Summers, du stehst gerade gut. Hol' mir mal den Koffer!“
      „Welchen? Den etwa?“ Er zeigte auf den gläsernen auf der kleinen Kommode, wo die Notiz vom Hotelpersonal gelegen hatte und in dem Anyas Preiskarte eingebettet war. Die Blonde nickte.
      Als Matt sich ebenfalls an den Tisch gesetzt und Anya das gute Stück vor der Nase liegen hatte, schnaubte sie. „Dann kann der Deckbau ja beginnen.“
      „Moment, du willst die doch nicht-?“
      Aber Zanthes Einspruch wurde von einer ernsten Anya abgewiesen. „Wenn ich das Ding rumstehen lasse, besteht nur die Gefahr, dass Kali es sich unter ihre gierigen Krallen reißt. Also komme ich ihr zuvor und packe es in mein Deck, welches ich -nie wieder- unbeaufsichtigt liegen lassen werde!“
      „Und der Pokal?“, fragte Matt.
      „Hab mich längst damit abgefunden, den zu verlieren. Und mal ehrlich, der ist aus Silber. Wer will 'nen beschissenen Silberpokal im Zimmer stehen haben, der einen ständig daran erinnert, dass man für Gold nicht gut genug war?“
      Zanthe seufzte. „Was für eine naive Ansichtsweise.“
      „Typisch Anya eben“, pflichtete Matt ihm bei.
      „Schnauze!“, wiederholte die sich und schlug dann die Faust in die flache Hand. „Helft mir lieber dabei, das Deck der zukünftigen Duel Queen zu bauen! Und zwar pronto!“

      Du lässt dir tatsächlich helfen? Ich bin geschockt. Und ein kleines bisschen stolz.

      Nicht nur er, dachte das Mädchen dabei glücklich. Mit den neuen Karten von Mr. Palmer, ihrem Trostpreis und vielleicht auch ein bisschen der vom Flohpelz würde sie endlich die nächste Stufe erreichen. Und dann war Claire Rosenburg fällig, aber sowas von!




      Turn 78 – Encircled
      Anya nutzt den Tag vor dem Duell mit Claire dafür, sich die Grundlagen von Riding Duels anzueignen. Natürlich mit niemand anderem als Logan. Auch ihre Freunde nutzen die Zeit, um sich ihren Problemen zu stellen. Und plötzlich ist es soweit: Die aufstrebende versus die amtierende Duel Queen …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Othello

      Crystal Seer
      Odd-Eyes Dragon
      Odd-Eyes Pendulum Dragon
      Timegazer Magician
      Wisdom-EyeMagician
      Dharma-Eye Magician

      Dreamgazer Magician
      Monster/Effekt/Pendel
      Hexer/Finsternis
      ATK/1200 DEF/1500 (4) PSC: <4/4>
      Pendeleffekt: Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen Stufe kleiner ist als die dieser Karte: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 1. Wenn du ein "Magician" oder "Odd-Eyes"-Monster in deiner anderen Pendelzone kontrollierst und dessen Stufe größer ist als die dieser Karte: Der Pendelbereich dieser Karte wird zu 8. Nur einmal, solange diese Karte in deiner Pendelzone liegt und dein Gegner dir Schaden zufügt: Nenne eine Kartenart und grabe die oberste Karte deines Decks aus. Wenn du richtig liegst: Der zugefügte Schaden wird zu 0, danach kannst du die ausgegrabene Karte auf oder unter dein Deck legen.
      Monstereffekt: Wenn eines deiner als Pendelbeschwörung beschworenen Monster kämpft: du kannst diese Karte von deiner Hand, Spielfeldseite, deinem Friedhof oder deinem Extradeck verbannen; erhöhe die ATK deines kämpfenden Monsters um 500. Bis zur End Phase fügt es durchschlagenden Kampfschaden zu.

      Gift Of The Martyr

      Echo Oscillation
      Waboku

      Claire

      Mecha Phantom Beast Hamstrat
      Mecha Phantom Beast Megaraptor
      Mecha Phantom Beast Coltwing
      Mecha Phantom Beast Harrliard x2

      Scramble!! Scramble!! x2
      Vertical Landing

      Aerial Recharge
      Cyber Summon Blaster


      The Hype Train: crushing dreams since #Q?&%!
      Spoiler anzeigen

      • [Spoiler]Wieder eine sehr gelungene Folge. Der Auftakt beginnt ganz lustig. Vor allem der Spruch "diese Zungen gehören nicht vielleicht alle dir". Anya entwickelt sich immer mehr vom Mobber zum Mobbingopfer. Karma eben. Das duel war sehr kurz. 2 Runden konnte sich der Grieche halten. Dachte es werden wenigstens 3. Auch clairs Deck war übberaschend. Dachte nach Qliphort kommt ein anderes Ex-Meta. Anya hatt nun endgültig einen neuen Freund. Der 2 Teil ging um ihren buff. Das sie nicht merkte das sie selbst das Vorbild des neuen Ace Monster von Dormant Gem Knights ist irgendwie ironisch. Sie hat es viel weiter in diesem Tunier geschaft als sie glaubt. Ihr Chef wird wohl weiter ihr Sponsor bleiben. Mit über 12 neuen Karten wird sie nun ein komplett neues Deck bauen können. Mann muss dazu bedenken das es ihr erster zu 100 Prozent verdienter Power up ist. Dank ihr wurde dieses Structure Deck überhaupt erst konzepiert. Und ich bin mal gespannt was Anya als gemknight drauf hat (zerstört alles xD auch eigene Karten xD). Und da ist nun auch noch Nick. Nun will er die Dame vom Schachbrett stoßen. Folgende Szenarien schweben mir da im kopf herum.
      1. Anya verliert und nick rettet sie und gewinnt.
      2. Umgekehrt.
      3. Ein 2v1 oder gar 2v2.

      Übrigens stelle ich mir das Ace Monster von Dormant Gemknight so vor:
      Edelsteinritter Brilliant Anya
      Fusion/lv10/Licht/Krieger/3100/2600
      1 Edelsteinritter Fusionmonster + 1 Edelsteinritter Nicht Effektmonster
      Diese Karte kann nicht als Ergebnis eines Kampfes zerstört werden. Einmal pro Spielzug eines beliebigen Spielers falls du Schaden nimmst, wähle 1 offene Karte auf dem Spielfeld, zerstöre sie und mische sie in das Deck ihres Besitzers. Wenn du 2000 oder weniger Lebenspunkte hast und falls du dann Schade nimmst: Halbiere die Atk dieser Karte, anschließend wähle 1 verbanntes Monster eines beliebigen Spielers und lege sie auf den Friedhof ihres Besitzers und dann erhöhe die Atk dieser Karte um die Atk des auf den Friedhof gelegten Monsters.

      Würde doch zu ihr gut passen
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:

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      -Aska-

      Why not? Dann änder wir noch das "Last Asylum" in sowas wie "I am Redfield" und es gibt sicher auch ne sehr interessante Storyline >:3

      Ich will ja hier nicht zu viel spekulieren und am Ende Vermutungen mit Tatsachen vermengen, aber sogesehen gibt es doch eigentlich nur 3 wahrscheinliche Richtungen, warum man Undying DNS haben wollen würde:
      a) Klonen
      b) Menschen o.ä. mit Undying DNS 'verbessern'
      c) die DNS wird für irgendetwas benötigt, was normal nur die Undying z.B. bedienen oder passieren können, um als Nicht-Undying das auch zu tun bzw. das System auszutricksen.

      Und Stoltz muss man nicht pieksen, der lässt seine DNS sowieso überall "fallen" *insider* xD

      Wenn Pokemon keine Happy-go-Around Sendung wäre, würde ich da am Ende immer noch nen Twist erwarten, ala dass Ash das alles nur geträumt hat und nie wirklich ausgezogen ist, weil kA, er im Koma liegt oder so.
      Aber joa, irgendwie würde man doch mal erwarten, dass er wenigstens einmal gegen die T4 der jeweiligen Region in einem offiziellen Match ran darf. Aber andererseits, wenn er außer Pikachu ml seine Pokemon weitertrainieren würde und nicht jedes Mal nach nem Ausscheiden neu anfängt...
      Ich verfolg das ja nicht mehr, aberhat er überhaupt mal ein Turnier gewonnen? Ich glaube am nahesten ran kam er noch bei der Orange League, aber kA ob er da am Ende der Sieger gewesen war.

      BIs nackt ist Alex ja schon gekommen. An den Baum binden würde sie bestimmt auch noch im Zuge dessen hinkriegen, und von da wäre das Opfern dann nicht weit weg xD (Glaube aber, ich hab dir meine Vorstellung, wie sich das mit ALex verhält, irgendwann auch schon mal gesagt gehabt)
      PS.: Aber damit haste eigentlich auch schon noch was gesagt, was es für Alex gibt, Abbau von sex. Frustration xD Aber um wieder


      It's a Hype Car, no, it's a Hype Train, wait.... IT'S A HYPE PLANE!!! xD
      Siehste, ergibt doch Sinn >:3


      Also, the Hype Plane has landed!


      -Aska-

      Denke das Ergebnis des Duells war wenig überraschend. Selbst die Folgennummer hat schon unverschämteses Glück für Claire prognostiziert - oder hätte jemand erwartet, dass hier Othello das Glück hold ist? Meine Erwartungen zumindest wurden vollkommen erfült mit dem sehr einseitigen Gemetzel, was Claires Nummer 1 Position mehr als deutlich unterstreichen konnte.

      Auch war es sehr schön, damit nun das letzte der vier Element-Themen von damals in Aktion zu sehen. Ich wusste ja schon, was sie spielt und als MPB Spieler kannte ich die meisten der Combos auch aber trotzdem hatte mir das alles richtig gut gefallen und war klasse umgesetzt. Bin aber gespannt, welche Strategien Claire noch so zu bieten hat. Nach dem Publikum schient das mit Cyber Summon Blaster eine zu sein, die sie bereits öfters verwendet hat, aber bin mir sicher, dass sie noch andere Alternativen hat.


      Othello jedoch konnte einem während der Folge schon richtig Leid tun. Egal was er versuchte, sobald es mit Claire interagierte, hat sie entsprechend darauf reagieren können. Und von dem Kühlschrank auf zwei Beinen so abgefertigt worden zu sein dürfte ihn gewaltig aus der Bahn werfen wenn nicht am Ende ganz gebrochen haben (aber Anya konnte ihn ja wenigstens etwas aufheitern). Trotzdem, ich mein, das ist auf so vielen Ebenen für ihn gegen die Wand gefahren worden:
      - Er hat Claire nicht einmal einen Punkt Schaden zugefügt.
      - Claire hat nicht einmal einen Angriff auf seine Lebenspunkte durchbringen müssen und allen Schaden durch CSB gemacht.
      - Sie hat ihn in seinem Zug besiegt, nicht in ihrem.
      - Und zu guter Letzt hat ihn am Ende sein eigenes Deck praktisch den Todesstoß versetzt, bevor er überhaupt wirklich etwas machen konnte.

      Ja, für Othello war das definitiv eine üble Klatsche gewesen. Aber gut, es war wie gesagt auch absolut unrealitisch, dass er hier gewinnen würde, dennoch, die Art und Weise, da hätte es sicherlich vielerlei Möglichkeiten geben können.


      Anya ihrerseits konnte in der Folge wieder mit einigen positiven Momenten punkten. Auch wenn es eine kurze Szene war, toll ihre Einsicht während des Duells, was für ein Monster Claire als Gegnerin darstellt. (Auch wenn es ihr nicht hilft, weil sie ja binnen Tagen selbst trotzdem gegen sie ran muss.
      Auch noch unklar, wie sehr ihr die neuen Karten helfen werden, aber sehr schön integriert, mit der Veröffentlichung des Gem Knight Decks. Einerseits sind ihre einmaligen Karten damit besser legitimiert und zum anderen bekommt sie auch noch ganz neue Karten, die früher oder später sicher nützlich sein werden.)
      Eine andere Stelle von Anya war, wie sie Mitgefühl für Othello zeigte, der ja ihren Traum teilte, Claire zu besiegen. Und dann musste sie miterleben, wie er in Stücke gerissen wurde.
      In der Hinsicht war das Ende der Szene auch ein kleiner Höhepunkt, als sie ihm verspricht, dass sie ihm eine neue Chance bieten wird, wenn sie erst einmal Duel Queen ist. Gerade weil es auch ein wenig traurig ist, wenn man davon ausgeht, dass Othello vermutlich so viel Zeit nicht mehr haben wird. Und beide das eigentlich auch wissen dürften/sollten.

      Ansonsten scheint es bei ihr auch ein wenig Annäherung zu Zanthe wieder zu geben. Dafür passte auch das Gespräch mit den regelmäßigen Spitzen von Zanthe super. Und auch da war es für Anya atypisch, dass sie ihn sogar lobt, dass er diese Rolle einnimmt und ihr wenn nötig sogesehen Vernunft einbläut.
      Auch wenn es sogesehen ein wenig so ist, als wenn man den Wofl zum Schäter macht xD - Nein, im Ernst, manchmal hat Zanthe auch seine Momente, aber im Großen und Ganzen nimmt er die Dinge öfter schon umfassender als Anya wahr, die eher ein Faible für Kurzsichtigkeit hat. Ganz davon ab, sind die Spitzen nahezu immer auch sehr lustig (und das nicht nur bei den beiden)



      Bei der Sache mit den Dämonenfürsten, da hat man nun ein wenig mehr Vorstellung, wie die einzelnen Fraktionen aussehen, die hier mitmischen dürften. Aber wenn man ehrlich ist, ich seh da momentan nicht wirklich eine Seite, die für Anya wirklich gut wäre oder der sie gar beitreten könnte, selbst wenn sie wollte. Entweder ist sie mit denen jeweils bereits indirekt aneinander geraten, oder die stehen sowieso besser mit dem Sammler xD


      Nicks Szene war auch wieder sehr gut. Wenn die beiden sich so unterhalten, das geht einem teils auf seine eigene Weise schon unter die Haut. Und so kleine Momente, Gesten, Emotionen kommen da richtig groß rüber. So auch der letzte Satz zu Alex. Sie würde ihm nicht folgen, und dann mit einem Einschub nochmal mit einem 'aber' wiederholt.
      Aber mal abwarten, was das jetzt wird. Von Anyas Duell weiß er ja noch nichts, aber auch ihm würde ich keine großen Chancen anrechnen, gegen Claire zu bestehen. DIe ist einfach in einer anderen Liga.
      Wobei man bei Nick immer noch damit rechnen muss, dass er zu allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln greifen würde wenn nötig. (Was btw, sehr lustig wäre, wenn Claire so gut ist, dass sie ihn z.B. trotzdem besiegen würde)


      Was die Preview angeht, richtig interessant wäre es, wenn Logan sich da als Anya ausgibt und für sie fährt. (Zumal er ja auch noch eine Rechnung mit Claireoffen hat). Ich mein, ansonsten gibt das am Ende eine "fahrerische" Katastrophe, wenn sie selbst lenken muss. Und mal ehrlich, unter dem Helm sieht man eh nicht, wer es ist, und beide haben eine sehr ähnliche Kürze Statur
      Aber das wird die nächste Folge sicher zeigen, wie Anya sich schlägt. Sicher besser als in der Schule, was das Lernen angeht. Fahren ist ja viel cooler. So lange der Titel der nächsten Folge nicht darauf anspielt, dass sie nen Kreiselkollar beim Fahren bekommt xD



      Nein, um mal ein wenig ernsthafter zu sein, für jemand, der Gefühle für eine andere Person hat, denke ich ist Motoradfahren immer eine gute Gelegenheit, ein wenig auf "Tuchfühlung" zu gehen. Und wenn sie es selbst lernen soll, dann ist sowas sicher noch ein wenig beherzter, wenn er hier und da eingreifen wird ;)
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Dann wieder danke an alle Leser. ^^

      @WiR
      Vielen Dank!
      Tja, damit ist die Katze aus dem Sack, Claire spielt Mecha Phantom Beasts. With a twist. ;)
      Hmm, man könnte es tatsächlich so interpretieren, dass die Cover-Karte ein wenig von Anya inspiriert wurde. Die Idee ist mir gar nicht gekommen.
      Was ihr Deck angeht, oh well, Arc-V hat ja einige Karten eingeführt, die sie bisher nicht gespielt hat. Daher auch das Structure Deck, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Lass dich überraschen. ;)

      Deine Idee zur Fusion ist an sich gar nicht mal verkehrt. Wäre mal was Neues, ein Nicht-Effekt-Gem-Knight als Fusionsmaterial zu verwenden.

      Danke für den Post. ^^

      @Evil Bakura
      Nope. Valerie ist eine tolle Figur, aber als MC kann ich sie mir einfach nicht vorstellen.

      Mit deinen Vermutungen der Undying-DNS hast du wirklich die wichtigsten Möglichkeiten abgedeckt. Aber wirklich alle? =)

      Ash ist beim XY-Anime bis ins Finale gekommen. Ganz ehrlich, die hätten ihn gewinnen lassen sollen. Und mit Sonne/Mond dann einen neuen MC einführen, der meinetwegen auch ein Pikachu haben kann als Starter.
      Ich stelle mir das so frustrierend für die Zuschauer vor, die das seit Jahren gucken ... zu wissen, dass der MC NIE seinen Traum erfüllen wird, weils immer ne nächste Generation geben wird.

      Hype Plane? Hype Plane! Das ist gut, das merk ich mir! XD

      Gemetzel trifft es gut. Zumindest hat Claire damit ihren Ruf schon mal unterstrichen, anders als Yuri aus Arc-V, der von allen gefürchtet wird, aber noch nicht ein vernünftiges Duell hatte.
      Zumindest habe ich deine Vermutung entkräftet, Othello würde während des Turniers "ausfallen". Er hat durchgehalten. Aber du hast Recht, Anyas Versprechen ihm gegenüber ist süß, aber auch bitter. Doch wer weiß, vielleicht kommt der Tag schneller als beide für möglich halten? Bloß reicht es, "nur" Claire zu besiegen?

      Freut mich, dass Zanthe dir insgesamt gefällt. Er ist auch einer meiner Lieblingscharas, gerade weil ich jemanden habe, der wirklich immer seinen Senf unaufgefordert dazugeben kann. =D

      Wenn du übrigens Tuchfühlung sagst, seh ich immer das typische Anime-Girl, das sich fest um ihren Schwarm klammert. Anyas Variante dieser Szene wäre sicher nicht ganz so romantisch. XD

      Auch dir danke für den Post. ^^

      PS: Das @ in PNs klappt übrigens nicht, ich hatte neulich aus eigenem Antrieb geantwortet ... <.<


      No time to waste. Have fun!

      Turn 78 – Encircled
      Der nächste Morgen sollte für Anya mit einer Überraschung beginnen.
      Sie lag noch im Bett und hatte sich Matts Laptop geschnappt. Dessen Besitzer schnarchte noch leise auf dem Bauch liegend im mittleren Bett vor sich hin. Bei dem Flohpelz hingegen war sie sich sicher, dass er längst wach war.
      Mit scheelem Blick lugte sie herüber zum Bett, das der Tür am nächsten war. Sie sah nur schwarzes Haar. Er lag von ihr weggedreht.
      „Bist du schon wach?“, fragte sie leise.
      „Wie könnte ich nicht, bei dem Lärm, den der veranstaltet?“
      „Yeah. Wenn er noch einmal dieses Geräusch macht, das wie ein verstopfter Abfluss mit Schluckauf im Stimmbruch klingt, dann schwöre ich dir, reiße ich ihm die Nase aus und nähe sie dort an, wo er sie bestimmt nicht haben will!“
      Zanthe kicherte vergnügt und drehte sich auf den Rücken. Sein Kopf lugte unter der Decke hervor, er starrte die Zimmerdecke an. „Ich halte ihn fest. Aber nur weil ich seinen nackten Hintern sehen will.“

      Genervt stöhnte das Mädchen auf und öffnete das Skype-Programm. Hätte sie dieses Gespräch bloß nie angefangen. Zu ihrem Erstaunen musste sie feststellen, dass Nick online war – und sie angeschrieben hatte.
      Kaum hatte sie jedoch die Nachricht geöffnet, bekam sie bereits eine Video-Chat-Anfrage.
      „Was will der denn jetzt schon von mir? Ist doch noch nicht mal 7 Uhr“, knurrte Anya und nahm an.
      „Ist doch klar, Matts Geschnarche hört man selbst in Livington noch“, klagte Zanthe und setzte sich aufrecht hin, „naja, dann viel Spaß mit Nick. Ich geh mal ins Bad. Was meinst du, wie hoch stehen die Chancen, dass er dich zur Schnecke macht?“
      Sprachs und schritt schlaftrunken herüber zur Badezimmertür. Und Anya ahnte schon, dass er jedes Wort von dem Gespräch mitbekommen würde.

      „Guten Morgen, Anya“, sah diese sich aber plötzlich Nicks grimmiger Fratze entgegen. Um ihn herum war es stockdunkel.
      Etwas erschrocken stammelte seine Sandkastenfreundin: „W-was willst du schon so früh? Es ist praktisch noch mitten in der Nacht!“
      Ohne überhaupt auf ihre Kritik einzugehen, kam er direkt zum Punkt. „Es tut mir leid, dass du so kurz vor dem Ziel gescheitert bist.“
      „Danke. Jedes Mal, wenn ich den Satz höre, spüre ich das dringende Bedürfnis, demjenigen eine reinzupfeffern.“
      „Natürlich, entschuldige. Aber ich muss mit dir darüber reden, wie es jetzt weitergehen soll. Dein Hotelzimmer ist nur noch bis zum Ende der Woche gebucht. Also, diesen mit inbegriffen, drei Tage.“
      Plötzlich grinste das Mädchen bitterböse. „Du wirst es mir nicht glauben, aber kurz bevor die blonde Schnepfe sich mit Othello duelliert hat, ist sie zu mir gekommen und hat mich herausgefordert.“
      „Was?“, fragte ihr Freund ungläubig.
      „Jep. Morgen bei Sonnenaufgang. Es soll ein Riding Duel werden.“
      „Anya, sei nicht dumm, das ist eine Falle“, protestierte Nick sofort. „Halt dich von ihr fern. Ich übernehme-“
      „Reg' dich ab, Harper, das weiß ich selbst. Aber das ist meine Chance, verstehst du?“ Anya schloss die Augen, erklärte ernst: „Ich werde mich heute den ganzen Tag mit Logan darauf vorbereiten.“
      „Mit dem? Lass das lieber.“ Wie er es aussprach, so abwertend, dass selbst Anya es bemerkte. „Ein Tag reicht nicht, um zu lernen, wie man-“
      „Doch“, erwiderte Anya stur, „halt dich da raus, Harper. Ich werde schon klar kommen. Wenn sie mir an die Gurgel will, werd' ich ihr zeigen, dass man sich besser nicht mit mir anlegen sollte. Sonst noch irgendwas?“
      „Anya-“
      „Nein?“ Grimmig fuhr das Mädchen mit ihrer Hand über das Mousepad. „Dann bis später.“
      Und ehe der zerzauste Nick sich versah, sah er gar nichts mehr, denn Anya hatte das Gespräch sowie das Skype-Programm beendet.
      „Tch, warum muss der sich immer überall ungefragt einmischen“, murmelte Anya zerknirscht.
      Die Antwort kam prompt wie ungebeten aus dem Bad. „Weil du eine wandelnde Katastrophe bist.“
      „W-wah?“ Matt schreckte auf. „Hat mich jemand gerufen?“
      Während er von Anya eines vernichtenden Blicks gestraft wurde, drang hinter der Tür auf der anderen Seite des Zimmers nur gedämpft Zanthes frenetisches Gekicher zu ihnen.

      ~-~-~


      Als Nick aus dem Aufzug trat, gekleidet in einem schlabbrigen, weißen T-Shirt und zerschlissenen Jeans, zog er umgehend ein genervtes Gesicht. Er hasste den 8. Stock des Micron Electronics-Gebäudes, denn dort befand sich unter anderem Aidens Büro. Und in dieses war er, kaum dass er hier angekommen war, sofort beordert worden.

      Entsprechend schlecht gelaunt schlurfte Nick an den verschiedenen Büros und dessen Glastüren vorbei, die bis zur Schulterhöhe einer normalen Person mit silbriger Glasdekorfolie versehen waren.
      Als er Aidens Büro erreichte, klopfte er gar nicht erst, sondern riss die Tür auf.
      „Guten Morgen, Sonnenschein“, schnappte er seinen Vorgesetzten an, der an seinem Schreibtisch zu Nicks Linker saß und gerade am PC beschäftigt war, „was willst du von mir?“
      „Dir auch einen guten Morgen, Nick.“ Mit einer Handgeste deutete Aiden gleich auf den Stuhl, der sich vor seinem Schreibtisch befand.
      Trotzig ließ der großgewachsene junge Mann die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Er fühlte sich immer noch nicht wohl in diesem Büro, obwohl es einladend gestaltet war mit seinen dunklen Holzmöbeln und der Sitzecke hinter ihm. Aber vermutlich würde er sich nie wieder in der Gegenwart dieses Mannes wohlfühlen können.

      Nachdem Nick sich gesetzt hatte, ließ Aiden vom Bildschirm ab und wandte sich seinem ehemaligen Geliebten zu. „Ich möchte gleich zur Sache kommen. Du glänzt in letzter Zeit immer öfter durch Abwesenheit.“
      „Ich werde nicht gebraucht. Die Arbeiten an 'Monochrome' gehen auch ohne mich gut voran.“
      „Trotzdem gilt für dich dasselbe wie für alle anderen Mitarbeiter.“
      Gespielt schnappte Nick: „Aber Schatz, wie kannst du nur? Ich dachte, das zwischen uns beiden wäre besonders?“ Dann fügte er sarkastisch hinzu: „Ach wie konnte ich das nur vergessen, ich bin ja nur hier, weil du mich erpresst. Womit doch gleich?“
      „Nick …“
      „Ich frage mich, wer von uns beiden mehr geschwitzt hat, als Zachariah Bauer der Welt weiszumachen versucht hat, es gäbe mich wirklich.“ Nick grinste. „Ich wette, du warst es.“
      „Du meinst, weil ich damit ein Druckmittel verloren hätte, sofern Anya ihm geglaubt hätte?“ Aiden sah aus dem Fenster zu seiner Linken. „Nein. Ich bin mir sicher, dir war dabei wesentlich unwohler als mir, denn ich hatte nichts zu verlieren. Nicht, solange ich nur deinem Vater-“
      Nick beugte sich vor: „Er ist nicht mein Vater.“
      „Biologisch gesehen schon. Aber ich möchte nicht, dass wir uns gegenseitig drohen.“ Aiden wandte sich ihm wieder zu. „Im Gegenteil. Ich mache mir Sorgen um dich. Wegen dieser Frau, die seit Neuestem immer an deiner Seite ist.“
      Entspannter als zuvor lehnte sich Nick zurück. „Ach daher weht der Wind. Du bist eifersüchtig. Sie ist meine Freundin, ja.“
      „Sie ist gefährlich“, sprach Aiden ruhig weiter, „sie hat hier herumgeschnüffelt. Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sie dich bloß benutzt.“
      „Alexandra würde so etwas nie tun.“ Nick klang bewusst aufrichtig, obgleich er seinen eigenen Worten keinen Glauben schenkte.
      „Ich kann dir nicht vorschreiben, mit wem du dich triffst. Aber bitte, sei ihr gegenüber ruhig etwas skeptischer.“ Wie ernsthaft besorgt er klang. Erstaunlich zu sehen, dass Aiden immer noch etwas für ihn empfand, schoss es Nick durch den Kopf. Was musste er noch alles tun, damit dem nicht mehr so war?

      „Inzwischen habe ich übrigens herausgefunden, warum du Zachariah Bauer als deinen 'Champion' ausgewählt hast“, wechselte Nick aus einer Laune heraus das Thema und schlug dabei ein Bein über das andere, „herzlichen Glückwunsch, du kannst jetzt jederzeit Duel Monsters crashen.“
      „Es war nur ein Test um zu sehen, ob Monochrome funktioniert.“
      „Und jetzt schlummert es auf den AFC-Servern. Schon eine Idee, was du damit als Erstes anstellen wirst?“

      Natürlich wusste Nick, dass Aiden ihm darauf keine Antwort geben würde. Aber es war offensichtlich: Sobald das Spiel 'Monochrome' erst das Licht der Welt erblickt hat, wird es immer öfter zu Ausfällen der Duel Monsters-Server kommen und zu anderen technischen Schwierigkeiten, alle ausgelöst durch dieses kleine Programm, das Zach während des Legacy Cups bewusst oder unbewusst in die AFC-Server geschleust hatte. Das war typisch Aiden: Um sich selbst besser dastehen zu lassen, scheute er nicht davor zurück, andere in ein schlechtes Licht zu rücken.

      „Ich habe nichts vor“, log Aiden wie erwartet, „ich bewundere nur das, was du geschaffen hast. Innerhalb weniger Minuten war es drin, hatte jede Firewall unbemerkt überwunden und sich seiner neuen Umgebung perfekt angepasst. Du könntest eine Revolution auslösen, Nick. Die Welt retten. Oder zerstören.“
      All das war ohne Bedeutung für ihn und das wusste der brünette CEO von Micron Electronics auch nur zu gut, dachte Nick und schwieg.
      „Wobei, eine Sache gibt es, die ich bereits mit Monochrome erreicht habe“, korrigierte sich Aiden jedoch plötzlich. Nick wurde hellhörig. Sein Gegenüber fuhr fort: „Dir ist es wohl entgangen, aber jemand hat einen Sprengsatz in das D-Pad deiner Schwester eingebaut.“
      Sofort versteinerte Nicks Gesichtsausdruck. „Was?“
      „Ganz recht. Aber keine Sorge, Monochrome hat ihn aufgespürt. Ich konnte ihn rechtzeitig untauglich machen.“
      „Wieso ….?“
      „Weil du mir mehr bedeutest als irgendetwas anderes. Triff die richtige Entscheidung und-“
      Schlagartig sprang Nick auf. „Ich bedaure es.“
      Überrascht sah ihn sein Vorgesetzter an.
      „Ich bedaure es, mich nicht selbst klonen zu können und Selfcest zu betreiben. Der einzig wahre Partner für mich bin nämlich ich selber. Ein Jammer um all meine Bedürfnisse. Schade, aber unsere Zeit für heute ist damit wohl um.“
      Mit diesen bewusst sehr spitz gewählten Worten drehte Nick sich um und verließ eiligen Schrittes das Büro, hörte aufgrund des Rauschens in seinen Ohren kaum, wie Aiden verwirrt seinen Namen rief. Aber die Vorstellung, dass Aiden ihm geholfen hatte, dass -er- Anya beschützt hatte, war so demütigend und niederschmetternd, dass Nick nicht länger im selben Raum wie er verweilen konnte.
      Eine Bombe … Zachariah!

      ~-~-~


      Kurz nach 9 Uhr klopfte es an der Tür. Anya saß inzwischen angezogen am Tisch und arbeitete an Matts Laptop, während dieser mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf dem Bett lag und in die Luft starrte.
      Zanthe schlenderte zur Tür und wollte gerade öffnen, da sauste Anya wie ein Blitz an ihm vorbei und riss die Tür auf.
      „Hey“, brummte Logan ihr entgegen.
      „Guten Morgen“, wünschte der Werwolf als Erster hinter seiner Freundin grinsend.
      Die hatte nur Augen für den in Plastik gehüllten, dunkelroten Motorradanzug und den Helm, den ihr der Zwerg in der linken Hand entgegen hielt.
      „Sollte deine Größe sein“, erwiderte der auf Anyas forschenden Blick hin.
      „Wo hast du den gekauft, in der Kinderabteilung?“, stichelte Zanthe und musste erstmal Anyas Fuß ausweichen, welche zornesrot nach hinten austrat.
      Danach riss sie Logan das gute Stück aus den Händen und betrachtete es mit einer Spur Ehrfurcht in den Augen. „Das werde ich tragen? Hm.“
      „Zieh dich um. Wir haben keine Zeit zu verlieren“, wies Logan sie kurz angebunden an.
      „Kann ich mitkommen?“, fragte Zanthe hoffnungsfroh, welcher sich an die Wand neben der Tür lehnte.
      Und ein vernichtender Seitenblick des Mädchens ließ ihn kurz darauf aufseufzen. „Ach ja, auf seinem Motorrad ist ja nur Platz für zwei. Wie praktisch.“
      Sprachs und löste sich wieder von der Wand, während Anya auch noch den Helm entgegen nahm, um ihn zu mustern. Heute würde sie den Grundstein für ihre Zukunft als Duel Queen legen, so viel stand schon mal fest! Und dafür brauchte sie den Flohpelz nicht!

      „Dann schon mal viel Glück“, wünschte Matt ihr und raffte sich auf, „ich werd' jetzt erstmal frühstücken gehen und dann unseren kleinen Flüchtling aufspüren.“
      „Huh?“, drehte sich Anya zu ihm um.
      „Nur um sicher zu gehen“, zwinkerte er ihr zu, zog an dem Mädchen vorbei, grüßte Logan und war auch prompt auf dem Gang verschwunden.

      „Hey, du nimmst das ja tatsächlich ernst“, staunte derweil Zanthe, der sich an den Tisch gesetzt und eine Seite über D-Wheels vor Augen hatte.
      „Ich zieh mich um“, murrte Anya Logan zu und verschwand kurzerhand im Bad. Knurrte dabei noch: „Wehe, ich sehe darin albern aus …“

      ~-~-~


      Weiß. So grell, dass Valerie den Anblick kaum ertragen konnte. Auch wenn dies letztlich nicht an dem Hotelzimmer selbst lag, sondern an den Erinnerungen, die damit verbunden waren. Hier hatte alles seinen Anfang gefunden. Also war es nur richtig, es hier auch enden zu lassen.

      Leise schloss Valerie die Tür hinter sich. Marcs Koffer lag auf dem Doppelbett, der junge Mann davor. Er sah sie nicht an, wie er die letzten Kleidungsstücke einpackte.
      „Ich wollte mich verabschieden“, sagte Valerie entschlossen, „bevor du nach Livington zurückfliegst.“
      „Nicht Livington“, kam eine knappe Gegenantwort zurück.
      „Gainesville?“ Valerie musste ihr Erstaunen unterdrücken.

      Wollte er etwa direkt das Studium an der University of Florida wiederaufnehmen!? Aber dann würden sie sich dort schon bald jeden Tag über den Weg laufen!

      „Nein.“ Er drehte sich ihr zu. „Neuseeland.“
      Überrascht von dieser Wendung verschlug es der Schwarzhaarigen im hellblauen Sommerkleid die Sprache.
      Marc zuckte unbeholfen mit den Schultern. „Auf dem Campus brauche ich mich nicht mehr blicken lassen.“
      „W-was willst du-?“
      „Irgendwas. Ich habe noch keine genauen Vorstellungen. Aber da kennt mich wenigstens niemand.“
      „Verstehe.“ Valerie senkte den Kopf. Dann kramte sie aus ihrer weißen Handtasche zwei einzelne Karten heraus. Zunächst zögernd, schritt sie auf Marc zu und reichte ihm die Zauber [Unstable Evolution] und [Change Of Heart] mit festem Blick. „Ich denke, die brauche ich nicht mehr. Sie haben ihren Zweck erfüllt.“
      Marc nahm sie prompt und zerriss sie vor ihren Augen. „Sehe ich ähnlich.“

      Unangenehmes Schweigen machte sich in dem schneeweißen Hotelzimmer breit wie eine Plage. Die beiden standen voreinander und sahen doch aneinander vorbei. Erst als Valerie dabei war sich wegzudrehen ergriff Marc noch einmal das Wort. „Ich werde mich nicht noch einmal dafür entschuldigen.“
      „Verstehe“, kam es leise aus Valeries Mund.
      „Das würdest du auch nicht. Um ehrlich zu sein bin ich verdammt froh, dass es so gekommen ist. Auch wenn der Preis letztlich zu hoch war. Ich bin mir nicht einmal sicher, wieso ich es gerade auf diese Weise getan habe. Nur dass ich es wollte, unbedingt.“
      „Verstehe“, wiederholte sich Valerie bitter.
      „Tust du nicht“, schüttelte ihr Ex-Verlobter jedoch betrübt den Kopf, „du verstehst nicht, dass ich es tun musste. Valerie … niemand ist perfekt. Selbst die größten Champs der vergangenen Jahre haben ab und zu auch mal ein Duell verloren. Claire nicht. Zu sehen, wie sie Othello pulverisiert hat, hat meinen Eindruck nur bestätigt.“

      Valerie sah herüber zu den mit prächtigen Vorhängen versehenen Fenstern. Eines stand offen, sodass ein angenehmer Luftzug durch das Hotelzimmer ging und die Vorhänge zum Wehen brachte.
      „Ich bin verdammt stolz darauf, verhindert zu haben, dass du ihr gegenüberstehen musstest“, gestand Marc.
      „Anya wird sich morgen mit ihr duellieren.“
      „Das ist ganz offensichtlich eine Falle. Claire hat sie durchschaut. Uns alle, von Anfang an.“ Marc seufzte, wandte sich von der abwesend da stehenden Schwarzhaarigen ab und drückte seinen Koffer zu. „Wenn du eine echte Freundin bist, solltest du sie davon abhalten. Sonst könnte Anya morgen ihren Tod finden.“
      „Darum geht es doch. Wenn wir nichts tun, dann wird sie definitiv sterben.“
      Seinen Koffer vom Bett ziehend, schritt Marc auf Valerie zu und wollte ihre Schulter berühren, doch jene wich prompt zurück. „Nicht.“
      Marc ließ seine Hand sinken. „Man kann gegen sein Schicksal nicht ankämpfen.“
      „Der Satz kommt mir bekannt vor. Als hätte jemand ihn irgendwann einmal zu mir gesagt.“ Valerie drehte sich zu ihm um. Sie lächelte nicht.
      „Ich weiß auch nicht, woher ich ihn habe. Aber es ist die Wahrheit. Wir haben getan was wir konnten, aber das ist zu wenig, um Anya eine wirkliche Hilfe zu sein. Und wir müssen auch an uns selbst denken.“
      Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf. „Sprich für dich, Marc. Solange noch Zeit ist, werde ich einen Freund nicht im Stich lassen.“
      „Verstehe“, nickte Marc, „leb' wohl, Valerie. Ich werde dich immer lieben, das weißt du.“

      Sie mit diesen Worten zurücklassend, schritt der sportliche junge Mann an ihr vorbei und drückte bereits die Klinke der Tür hinunter, als Valerie leise flüsterte: „Nein. Du bist es, der nicht versteht.“
      Dazu konnte Marc nur traurig nicken. „Vielleicht verstehen wir beide am Ende nichts.“

      Valerie biss sich auf die Lippen, um nicht in Tränen auszubrechen, als die Tür letztlich ins Schloss fiel und damit auch ein Abschnitt ihres Lebens für immer fort war. Es dauerte einen Moment bis sie ihre Fassung fand und sich umdrehte, um das weiße Zimmer zu verlassen.
      Sie wurde jedoch jäh in ihrem Vorhaben unterbrochen, als das Smartphone in ihrer Handtasche zu klingeln begann. Überrascht kramte sie es heraus. Es war ein weißes Modell einer bekannten Marke, geschützt durch eine schwarze Hülle. Das Besondere an dieser war ein kleiner Anhänger, der daran befestigt war: Ein kleiner, schwarzer Würfel mit dem Gesicht eines Maulwurfs mit Schnurrbart, von dem kleine Stummelarme – und Beine abgingen.
      Jenen hatte Marc ihr damals auf dem Fest vor dem Turnierauftakt geschenkt, da er ihn mit seinem heimtückischen Blick an eine gewisse Person aus ihrem Freundeskreis erinnerte. Seitdem baumelte er von Valeries Smartphone.
      Jene betrachtete ihn einen Moment betrübt, ehe sie ein „Oh!“ von sich gab und endlich abnahm.

      Und kaum hatte Valerie das Mobiltelefon ans Ohr gelegt, drang aus dessen Hörer bereits ungezügeltes Gezeter. „Auch endlich aufgewacht, Prinzessin!? Verdammter Kackmist, ich dachte schon das Teil ist defekt!“
      „A-Anya?“
      „Wer sonst, Hohlbirne? Ich wollte nur mal eben testen, ob ich mit meinem Helm wirklich telefonieren kann.“
      Valerie blinzelte dabei verdutzt. „Und du rufst mich an?“
      „Wen sonst, Einstein? Könnte vielleicht praktisch werden, auch wenn ich wohl kaum dich anrufen werde, sobald-“
      „Anya, jetzt ist wirklich kein guter Zeitpunkt. Lass uns später reden, okay?“
      Die schnaubte wütend. „Ich wollt eh nur testen, ob das funktioniert. Bild dir bloß nichts darauf ein, klar!?“
      „Natürlich nicht“, reagierte Valerie distanziert, „also dann viel Spaß beim Training. Pass auf, dass du keinen Unfall baust, in Ordnung?“
      „Was soll das denn heißen!?“
      „Bis später.“ Schon hatte Valerie aufgelegt.

      Das Smartphone vor sich halten, packte die junge Frau den Anhänger daran und wollte ihn im Anflug eines urplötzlichen Wutanfalls abreißen, doch es ging nicht. Der Maulwürfel, wie er genannt wurde, hatte Besseres verdient …

      ~-~-~


      „... blöde Kuh“, fluchte Anya noch hinterher, auch wenn ihre Erzrivalin längst aufgelegt hatte.
      Mit dem roten Helm auf dem Kopf drehte sie sich zu Logan um, der neben seinem schwarzen Motorrad Schrägstrich D-Wheel stand. „Okay, der Kram funktioniert tatsächlich. Damit werden wir morgen in Kontakt bleiben?“
      „Jup“, nickte er.

      Sie befanden sich am Stadtrand auf einem verlassenen Parkplatz, der zu einer inzwischen stillgelegten Textilfabrik gehörte. Das rote Backsteingebäude befand sich direkt hinter ihnen.
      „Hab gehört, du hast dich schon ein wenig informiert“, begann Logan, als Anya näher trat.
      „Ein bisschen“, zuckte die unbedarft mit den Schultern, „ich weiß, dass es zwei Wege zum Gewinnen gibt. Den klassischen via Duel Monsters … und den, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Deswegen auch 'Riding Duel', ein Rennen.“
      Wieder nickte der gleichgroße Mann mit den buschigen Koteletten. „Gibt noch weitere Regeln. Bevor wir jedoch darauf zu sprechen kommen, möchte ich dir einen Rat geben.“
      „Schieß' los!“
      „Lernst zwar heute, wie man Motorrad fährt, aber zu deiner eigenen Sicherheit sollteste den Autopiloten während des Duells nie deaktivieren.“
      Anya verschränkte die Arme. „Yeah, der Autopilot. Das Teil fährt das D-Wheel für dich, solange du mit deinem Zug beschäftigt bist.“
      „Nicht nur das. Er hält dich auf der Strecke. Natürlich kannst du Richtung und Geschwindigkeit bestimmen, aber in Gefahrensituationen übernimmt der Autopilot.“ Logan tat es dem Mädchen gleich und verschränkte die Arme voreinander. „Die wenigsten Duellanten verzichten darauf. Hat versicherungstechnische Gründe. Bauste einen Unfall, während du manuell gefahren bist, wird keine Versicherung für die Schäden aufkommen. Ist wirklich gefährlich, sich gleichzeitig zu duellieren und zu fahren. Merk dir das.“
      Sein Gegenüber aber winkte typisch altklug ab. „Ja ja, mach dir nicht ins Hemd. Zeig mir lieber, wie man dieses Baby fährt!“

      ~-~-~


      „Puh!“, ächzte Zanthe, als er die heruntergekommene Bar betrat. Der Geruch, eine Mischung aus Alkohol, Zigarettenrauch und Schweiß, war stark genug, seine Sinne derart zu benebeln, dass er beinahe ins Schwanken geriet.
      Eins musste er Exa lassen. Er mochte Ironie. Wieso sonst sollte er ausgerechnet die Kneipe besuchen, dessen Besitzer Zanthe vor wenigen Tagen erst mit einem Schlag in den Nacken niedergestreckt hatte.

      Der junge Mann, der wie immer nicht ohne Kopftuch aus dem Haus gehen konnte, erspähte seinen Freund jäh am Tresen. Neben ihm stand ein bereits geleertes Bierglas. Zwar kostete es ihn einige Mühe, bei diesem Gestank nicht sein Frühstück auf dem Boden zu verteilen, aber ein Gespräch war inzwischen unausweichlich. Er hatte Exa seit dem Vorfall im Untergrund nicht mehr gesehen.
      So setzte er sich wortlos neben diesen auf einen Barhocker und bestellte ein Glas Wasser, für das er auch noch spöttisch angeguckt wurde.
      Als Exa das Gespräch von sich aus partout nicht beginnen wollte, seufzte Zanthe: „Wo warst du?“
      „Hab mich'n bisschen zurückgezogen. In den letzten Tagen habe ich dich nur in Schwierigkeiten gebracht.“
      Das klang gar nicht nach dem sonst so unbekümmerten Exa, schoss es dem Werwolf durch den Kopf, welcher daraufhin mit der Zunge schnalzte. „Halb so wild. Um ehrlich zu sein hätte ich mich zu Tode gelangweilt, die ganze Zeit nur die Duelle des Legacy Cups zu verfolgen.“
      „Zanthe … ich kann hier nicht bleiben.“
      „Und wo willst du dann hin?“, fragte jener einfühlsam. „Deine Welt ist fort. Du musst dir ein neues Zuhause suchen.“
      „Ich weiß … aber hier ist es nicht.“ Der Blonde mit dem Rasterzopf hob sein gesenktes Haupt sowie die rechte Hand. „Barkeeper, noch ein Bier für mich.“
      Der bärtige Glatzkopf hinter dem Tresen, der gerade mit einem schmutzigen Handtuch ein Glas abwusch, nickte. Zanthe seinerseits hob die Augenbrauen. „Kannst du das überhaupt bezahlen?“
      „Nein.“
      „Dann kannst du es jetzt.“ Zanthe zückte aus der hinteren Hosentasche seiner Jeans eine Brieftasche und legte sie seinem Freund vor die Nase.
      Welcher darauf erwiderte: „Das ist nicht deine.“
      „Nö, aber der, dem sie gehört, hat sicher genug Geld. Du brauchst es dringender.“
      Exa aber drehte den Kopf ab und schob dabei gleichzeitig die lederne Börse dorthin zurück, wo sie hergekommen war. „Ich will nicht mehr stehlen …“

      „Wie du bezahlst ist mir egal, nur tu es“, brummte der Barkeeper, der das alles mitbekommen hatte und setzte dem Blonden das Bier vor die Nase.
      Zanthe funkelte den Mann böse an. Am liebsten würde er ihm an den Kopf knallen, dass, wenn er sich nicht gleich verzog, noch eine Nackenklatsche bekommen würde. Aber der Blick reichte auch aus, der Glatzkopf verzog sich.
      „Dann nimm das Angebot von Logan an“, riet Zanthe ihm.
      „Logan? Ach der Typ, den du beinahe umgebracht hast.“ Sein Freund lachte bitter. „Ja klar, der wird mich mit offenen Armen empfangen.“
      „Ich hab mit ihm gesprochen und mich entschuldigt. Du kannst jederzeit bei ihm anfangen.“
      „Und was soll ich da machen? Diese … Autos reparieren?“
      Zanthe nickte mit dem Anflug eines Grinsens. „Genau.“
      „Die Fahrzeuge in meiner Welt sind dagegen viel komplizierter. Aber sie gingen ständig kaputt, weil sie teilweise sehr alt waren. Wir mussten den Schutz der Stadt oft verlassen, um Ersatzteile zu finden.“ Ein wehmütiges Lächeln zierte Exas Gesicht. „So war das, als meine Welt noch existiert hat.“
      „Du hast nicht viel darüber gesprochen, als wir am Feuer saßen. Wie war deine Welt so?“
      „Gefährlich.“ Exa gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Ich habe dir ja erzählt, dass eine Seuche dazu geführt hat, dass Hybrids entstanden. Monster, halb Mensch, halb Pflanze. Sie haben die Menschen immer weiter zurückgedrängt, bis unsere Stadt die letzte war, die noch existiert hat.“
      Betrübt von der Geschichte senkte Zanthe sein Haupt. „Yeah. Ihr musstet jeden Tag ums Überleben kämpfen.“
      „Aber wir waren gut. Stärker als die Hybrids. Wir mussten manchmal fürchterliche Dinge tun, aber wir haben überlebt. Vielleicht gab es noch andere Überlebende, irgendwo da draußen, aber wir haben nie welche gefunden.“ Exa schluckte. „Doch gegen das, was meine Welt vernichtet hat, hätten wir nichts tun können.“
      „Was war es, das deine Welt zerstört hat?“
      „Der Planet Eater. Ein riesiges Ding, selbst ein Planet, nur viel größer.“ Exa nahm sein Bier in die Hand und trank es bis zur Hälfte leer. Dann fuhr er fort. „Er hat seinen riesigen Schlund geöffnet und meine Welt verschluckt. Alles wurde binnen weniger Minuten stockfinster. Ich weiß, dieser Kyon hatte nicht viel Zeit und konnte nur einen von uns retten … wieso mich?“

      Diese Frage konnte Zanthe ihm auch nicht direkt beantworten. Theoretisch hätte Kyon die Seele seines Bruders an jeden der Hüter aus Exas Welt binden können, solange sie stark genug waren. Vermutlich hatte er einfach den stärksten unter ihnen ausgesucht, also Exa.

      „Komm mit nach Livington“, bat Zanthe, um seinen Freund auf andere Gedanken zu bringen, „ich hab mich dort auch eingelebt. Ist ein netter Ort. Okay, die Autos sind dir vielleicht zu primitiv, aber du wirst dich eingewöhnen. Ein Freund von einer Freundin wird dir die nötigen Papiere verschaffen, damit du legal arbeiten darfst.“
      Ernst fügte der schwarzhaarige Kopftuchträger noch hinzu: „Aber hör auf, dich schuldig zu fühlen, weil du lebst und deine Freunde nicht. Daran lässt sich nichts mehr ändern.“
      Exa hob seinen Kopf und schenkte ihm ein erzwungenes Lächeln. „Das stimmt. Ich werde darüber nachdenken …“
      Sprachs und wandte sich wieder deinem Bier zu.
      „Ach komm“, schlug Zanthe ihm seinerseits herzhaft auf den Rücken, „sobald du all meine Deppenfreunde kennen und lieben gelernt hast, wirst du gar nicht anders können, als Teil der Gemeinschaft werden zu wollen!“
      So war es schließlich auch bei ihm gewesen …

      ~-~-~


      Kreise. Alles drehte sich. Aber Anya schrie förmlich vor Vergnügen, wie sie die schwarze Maschine im Kreis um den Parkplatz fuhr. Dieses Gefühl, sie konnte es kaum beschreiben. Fühlte sich so etwa Freiheit an?
      In einer mehr als waghalsigen Halbdrehung bremste sie vor Logan ab, welcher die Arme verschränkte. „Die Grundlagen sind dir recht schnell in Fleisch und Blut übergegangen.“
      Anya nahm den Helm ab, wobei ihr blondes Haar offen über ihre Schultern fiel. Sie strahlte förmlich. „Yeah, als ob ich es schon immer gekonnt habe.“
      „Vielleicht hast du das sogar. In einem früheren Leben.“
      Das Mädchen blinzelte. „Huh? Glaubst du an sowas?“
      „Nö.“
      Sie musste bei der Antwort grinsen. Natürlich nicht, sonst wäre es ja nie zu dem Streit zwischen ihnen beiden gekommen. Und eigentlich war es auch ganz cool so, wie es jetzt war.
      „Gut, fahren kannst du jetzt einigermaßen. Jetzt müssen wir über die speziellen Regeln eines Riding Duels reden.“ Er zeigte ihr eine Hand mit drei Fingern. „Die musst du dir merken, wenn du gewinnen willst.“
      „Yeah, die kann ich dir auch so sagen! Erstens: Wer als Erster durchs Ziel fährt, hat das Duell unabhängig vom Lebenspunktestand gewonnen. Zweitens: Wer zum Stehen kommt, hat automatisch verloren.“ Parallel dazu ließ Logan für jeden richtigen Punkt einen Finger sinken. „Und drittens … uh.“
      „Drittens: Nur der Spieler, der in Führung liegt, kann Zauberkarten aktivieren.“
      „Was!?“, platzte es aus Anya heraus. „Ist das dein Ernst!?“
      „'türlich.“

      Schnaubend blickte sie sofort in die andere Richtung, herüber zu dem Backsteingebäude, der stillgelegten Textilfabrik. Die Fenster waren teilweise eingeschlagen, das Gebäude voller Graffiti.
      „Würde dir empfehlen, nicht zu viele Zauberkarten in dein Deck zu packen. Ist unwahrscheinlich, dass du sie verwenden wirst.“
      Eine zornige Falte bildete sich auf Anyas Stirn als sie sich ihm wieder zu wandte: „Danke für das Vertrauen!“
      „Da ist keins. Kleine, ich kenne Claire Rosenburg. Du wirst Schwierigkeiten haben, überhaupt ihren Staub zu fressen. Also nimm dir meinen Rat zu Herzen.“
      Anyas Finger bohrten sich tiefer in ihren Helm. „Ich muss vielleicht Staub fressen, aber sie wird den Asphalt küssen. Darauf kannst du wetten.“
      „Werd' ich aber nicht.“ Logan kratzte sich am Hinterkopf. „Aber wenn du meinst. Nun, jetzt kannst du das Ding einigermaßen unfallfrei fahren und kennst die Regeln. Wie sieht's aus, willst du dich duellieren?“
      Die Miene seines Gegenübers hellte augenblicklich auf. „Und mein neues Deck testen? Fuck yeah! Warte!“
      Sie war schon im Begriff abzusteigen, da hielt Logan ihr im übertragenen Sinne die flache Hand vors Gesicht. „Nein. Auf dem D-Wheel. Du wirst mich während des Duells umkreisen.“
      „Aber-“
      „Schalte den Autopiloten ein, dann sollte es für den Anfang leichter werden. Wenn das klappt machen wir ohne weiter. Du musst lernen, dich gleichzeitig zu duellieren und zu fahren.“ Der Anflug eines Grinsens zierte seinen rechten Mundwinkel.
      Anya ihrerseits blinzelte verdutzt. „Huh? Ich dachte, du hast gesagt …“
      „Ich weiß, was ich gesagt habe. Und ich weiß, dass du sowieso nicht auf mich hören wirst.“
      Erst als sie einen intensiven Blick untereinander austauschten verstand Anya. Und nickte anschließend grinsend. „Mir gefällt wie du denkst! Also los, mach dich schon mal frisch!“
      Sprachs und setzte den Helm wieder auf, trat in die Pedale und nahm das Deck aus ihrer Box am Gürtel des roten Motorradanzugs. Logan seinerseits ging in eine kämpferische Haltung und aktivierte Anyas rotes D-Pad an seinem Arm.
      Beide schrien unter Motorengeheul: „Duell!“

      ~-~-~


      Der junge Mann stieß einen voller Selbstmitleid erfüllten Seufzer aus und blickte auf die weiße Karte in seiner Hand. Auf ihr abgebildet war nichts weiter als ein schwarzer Punkt, welcher sich am oberen Rand des Papiers befand.
      „Wie lange willst du dich noch verstecken?“, murrte Matt, der gemächlich über den Bürgersteig schlenderte. An einer Kreuzung stoppte er vor einer Fußgängerampel, neben ihm staute sich der Verkehr.

      Über eine Stunde suchte er nun schon nach Lee, aber bisher hatte er kein Glück. Solange der Punkt auf seiner Karte noch am oberen Rand war, war der selbsternannte beste Dämonenjäger noch weit entfernt – aber noch in Reichweite seines Zaubers, immerhin.
      Als die Ampel vor ihm von einer Hand zu einem Fußgängersymbol wechselte, überquerte Matt gedankenverloren die Straße.
      Was erhoffte er sich überhaupt von diesem Typen? Mrs. Carrington hatte Lee hierher geschickt, offensichtlich um ihm etwas Wichtiges mitzuteilen. Aber Matt zweifelte daran, dass diese Botschaft den Lee-Filter überstand. Geschweige denn überhaupt überbracht wurde, wenn man bedachte, wie bockig der Kerl sich ihm gegenüber verhielt.

      Am anderen Ende der Kreuzung, welche gespickt war mit diversen kleinen Geschäften, schritt der Schwarzhaarige im Ledermantel stur geradeaus, wie es seine Karte ihm gebot. Wahrscheinlich wäre es klüger, seine Zeit in die aussichtslose Suche nach Edna zu investieren. Welche an sich schon ein Mysterium darstellte.
      Wer waren dieses Mädchen und sein Begleiter Harris? Keine Dämonenjäger, dessen war sich Matt inzwischen sicher. Irgendjemand hätte mehr von ihnen gehört als ein paar halbgare Geschichten, die man den beiden im Endeffekt nicht einmal mit absoluter Klarheit zuordnen konnte. Agierten sie auf eigene Faust, oder steckte mehr dahinter?

      Gerade als Lee bereits Gefahr lief, aus Matts Gedankengängen verbannt zu werden, verschob sich der schwarze Punkt auf der Karte langsam Richtung Mitte. Erstaunt blieb Matt einen Moment stehen, denn das hieß, dass der Typ irgendwo in der Nähe war. Anschließend beschleunigte er seine Schritte, dabei den Blick abwechselnd auf den Weg vor sich und auf die Karte fixiert.
      Heute war viel los in Ephemeria City, es war Wochenende, die Leute tummelten sich auf den Straßen. So auch hier. Regelmäßig überholte er Fußgänger und wich dem 'Gegenverkehr' aus, seinem Ziel immer näher kommend.
      Und dann sah er ihn, besser gesagt seine Rückansicht, drei Gebäude von ihm entfernt. Keine Sekunde später verschwand Lee in einem Geschäft, welches sich, nachdem Matt es erreicht hatte, als Waschsalon entpuppte. Gar nicht lange fackelnd, öffnete der junge Mann die Tür und sah sich um.

      In zwei gleichmäßigen Reihen befanden sich hier Waschmaschinen und Sitzbänke. Von Lee hingegen fehlte jede Spur, das Geschäft war leer. Aber es gab eine Tür im hinteren Teil des Salons, vielleicht war er also durch den Hintereingang geflüchtet.
      Matt warf einen prüfenden Blick auf seine Karte. Der Punkt war direkt in der Mitte der Fläche angelangt. Nein, Lee Anderson war nicht geflüchtet … er hatte sich versteckt. Was, angesichts seiner fragwürdigen Intelligenz, vielleicht gar nicht so dumm war. Sein Pech war nur, dass es hier nahezu keine Möglichkeiten zum Verstecken gab. Entspannt zog Matt an den beiden Waschmaschinenreihen vorbei und trottete herüber zur Tür, die er grinsend öffnete.

      Kaum fiel diese ins Schloss, schob sich langsam die Klappe der Waschmaschine in der Mitte der rechten Reihe auf und die Visage eines ziemlich mitgenommenen Lees mit seinem Schnauzer schob sich daraus hervor. Er schielte zum Ausgang des Waschsalons, in der Hoffnung, schnell genug zu sein, bevor Matt zurück war. Und bemerkte nicht, dass der direkt neben ihm stand und zunächst mit der Faust gegen besagte Klappe donnerte.
      „Hab dich- Au!“, rief er, nur um dann schmerzhaft zu erfahren, dass er keine Anya war, deren Knöchel scheinbar aus Stahl zu bestehen schienen.
      Grimmig schüttelte er die Hand und hockte sich vor die wieder geschlossene Waschmaschine, in welcher Lee benommen und eingekauert hockte. Aber er war ja nicht so, also öffnete er die Tür wieder, statt dem Drang nachzugeben, das Ding stattdessen testweise mal anzuwerfen.
      „Unmöglich! Du hast einen faulen Zauber benutzt, Dämonenhexe!“, schrie dieser und zeigte aus seiner Wäschetrommel heraus auf den jungen Mann mit der sich auflösenden Karte in der Hand.
      Der funkelte Vokuhila-Lee bitterböse an. „Komm da raus. Wir müssen reden.“
      „Mit dir rede ich kein Wort!“
      Schon landete Matts, wohlgemerkt noch immer schmerzende, Hand neben der Einschalttaste. So viel zu seinen guten Vorsätzen. Aber bei Idioten-Lee war es schwer die Beherrschung zu wahren.
      „Und wenn ich dir eine kostenlose Grundreinigung spendiere. Dann vielleicht?“
      Die Augen des bestimmt schon an die 40 herangehenden Mannes weiteten sich. Seine Lippen, nunmehr nichts als eine gerade Linie, pressten hervor: „Erpresser-Dämon!“
      „Raus mit dir“, winkte Matt ihn zur Bank inmitten der beiden Waschmaschinenreihen.

      Auf jene setzten sie sich schließlich auch zusammen. Schmollend verschränkte der Pseudo-Dämonenjäger die Arme, während der echte ihn von der Seite her forschend ansah. Er trug eine weiße Damenbluse unter einer Jeansweste, eine dreckige Cargohose und keine Schuhe, nur Socken. Vermutlich hatte er das alles irgendwo mitgehen lassen, nachdem Anya – und hier schieden sich die Geister, ob es aus reiner Boshaftigkeit oder Großzügigkeit – seine Klamotten vor ihrem Duell an ein paar Obdachlose verschenkt hatte.
      Etwas, das Lee ihm allen Anschein nach sichtlich übel nahm. Vorsichtig versuchte Matt das Eis zu brechen. „Tut mir leid, dass wir dich gestern bei uns im Bad eingesperrt haben. Ich war dagegen, nur damit du es weißt.“
      „Geh sterben“, verlangte der und drehte sich beleidigt weg.
      Wenn Matt es nicht besser wüsste, hätte er jetzt das Gefühl mit einem 5-Jährigen zu sprechen. Ob behinderte Angestellte günstiger zu halten waren, fragte er sich unweigerlich, denn anders konnte er sich nicht erklären, warum der bei den Carringtons arbeitete. Apropos …
      „Du hattest gesagt, deine Herrin, Mrs. Carrington, hat dich geschickt um uns zu helfen. Das ist sehr nett von ihr.“
      „Natürlich ist es das!“, fauchte der Schwarzhaarige seinen Sitznachbarn an, als er sich ruckartig wieder ihm zu wandte. „Ich habe sie angebettelt, dich anzuzeigen, aber stattdessen soll ich dir von dem Abend erzählen, an dem Mr. Carrington seine Kräfte verlor!“
      „Ok?“
      „Denk nicht, ich wüsste nicht, worüber ihr geredet habt! Über Vaters Tod und was er mit diesem rothaarigen Jungen gemacht hat! Als Mutter erwähnte, dass du danach gefragt hast, musste ich ihr unbedingt erzählen, dass ich damals hinter dem Fenster zugeschaut habe. Man, war die baff!“
      Nicht weniger als Matt selbst, welcher Lee in einer Mischung aus Faszination und Mordlust anstarrte. Damit rückte er erst -jetzt- raus!? Mrs. Carrington war zwar etwas unterkühlt gewesen, hatte aber nicht den Eindruck erweckt, etwas vor ihm zu verbergen. Ergo musste diese Information auch für sie neu gewesen sein.
      Unwillkürlich packte der junge Mann das 80er-Jahre-Abwrackmodell am Kragen seiner 80er-Jahre-Jeansweste. „Und das fällt dir jetzt auf einmal ein!? Ein rothaariger Junge war derjenige, der euch in dieser Nacht besucht hat!?“
      Anstatt zu antworten, biss Lee sich mit geweiteten Augen auf die Zunge. „Crap, das hätte ich nicht sagen dürfen.“

      Da er sich aber längst in eine für ihn nicht sehr angenehme Situation manövriert hatte und Matt sowieso alles aus ihm herauskriegen würde, was er wissen wollte, ließ er Lee letztlich los.
      Rothaariger Junge? Meinte er etwa den Sammler?

      „Wie genau sah der aus? Hatte er eine Narbe auf der Wange?“, fragte er daher sofort nach.
      „Dir sag ich-“ Aber als Lee eine weitere Sache an Matt kennenlernte, die dieser sich bei Anya abgeschaut hatte, sprach er. So im Angesicht des Todesblicks. „Nein, keine Narbe, aber Tattoos am linken Arm. Er war groß und sportlich und sehr aufbrausend, aber ich habe nicht viel von dem Gespräch verstanden. An das Meiste davon erinnere ich mich nicht mehr, nur, dass er am Ende gebettelt hat, zum Hüter gemacht zu werden!“
      Erschrocken hielt sich Lee daraufhin beide Hände vor den Mund, weil er wieder hemmungslos seine vermeintlichen Geheimnisse ausgeplaudert hatte.
      Matt legte die Hand ans Kinn und überlegte. Die Beschreibung kam ihm bekannt vor, aber er- Harris! Edna war laut Zanthes Aussage eine Hüterin und Harris' Freundin. DIE Freundin. Welche er damals hatte retten wollen. Es ergab Sinn.
      „Hast du zufällig mitbekommen, wie der Typ hieß?“
      „Ich rede nicht mehr mit dir!“
      „Ja oder nein?“
      „Nein“, quiekte Vokuhila-Lee unter einem weiteren Todesblick von der Seite. „Mehr weiß ich nicht, ich schwör's beim Leben meiner toten Großmutter! Und selbst wenn, würde ich es -dir- bestimmt nicht sagen!“

      Die Beschreibung passte auf Harris. Zwar hatte Matt ihn selbst nie gesehen, da er nicht auf der Hochzeit anwesend war, doch Zanthe hatte ihn ziemlich genau beschrieben. Rote Haare, Tattoos, etwa Mitte 20. Zurückgerechnet wäre er damals ein Jugendlicher gewesen.
      Könnte er damit wirklich der fünfte Hüter sein?

      „Kann ich jetzt gehen?“, fragte Lee vorsichtig, nachdem Matt seit geraumer Zeit nachdenklich in die Leere starrte.
      „Uh-huh“, nickte jener abwesend.
      Vorsichtig erhob sich der nicht mehr ganz so junge, schwarzhaarige Mann.
      „Danke für diese Informationen“, fügte Matt hinzu und sah zu ihm auf, „wenn das stimmt, gibt es jetzt einen Hauptverdächtigen.“
      Aber konnte das sein? Hätte Zanthe Harris nicht ebenfalls als Hüter identifizieren müssen?
      „Sieh's ein, Rookie, ohne mich wärst du aufgeschmissen!“, prahlte Lee gleich darauf los, seine Angst von einer Sekunde zur anderen vergessend.
      Matt rang sich ein müdes Lächeln ab. „Vielleicht. Also, man sieht sich. Oder auch nicht, ich werde dich nicht mehr verfolgen. Und wäre im selben Zuge dankbar, wenn du auch davon ablassen könntest, uns hinterher zu schnüffeln. Deine Tarnung ist mies, wenn ich das so sagen darf.“
      Erschrocken weitete Vokuhila-Lee die Augen, nur um dann zornesrot anzulaufen. „Die kannst du nur durch Hexenwerk durchschaut haben, eine andere Erklärung gibt es nicht! Und merke dir“, fauchte er und richtete seinen Zeigefinger ruckartig unter Matts Nase, „ich tue das nur, um zu verhindern, dass du die Welt zerstörst!“
      „Was wir tun wird die Welt nicht zerstören“, widersprach jener ernst und sprang auf, „nur ein Menschenleben retten.“
      Lee funkelte ihn an. „Nicht jedes Leben ist es wert gerettet zu werden.“
      „Vielleicht“, hielt sein Gegenüber engstirnig dagegen, „aber wer entscheidet das?“

      Der Diener der Carringtons schnaufte und wandte sich ab. Matt zog an ihm vorbei und klopfte ihm dabei auf die Schulter. „Nichts für ungut. Wenn du dich doch dazu entschließen solltest, uns zu helfen … such um Himmels Willen bloß nicht nach uns. Das wäre für alle Beteiligten das Beste.“
      Damit ließ er Lee stehen und verließ den Waschsalon.

      ~-~-~


      Es musste schon weit nach Mitternacht sein, aber Anya konnte einfach nicht einschlafen. Zu überwältigt war sie noch von dem Gefühl, ein D-Wheel gefahren zu haben. Dazu Matts Vermutung, dass dieser dämliche Harris der fünfte Hüter ist und ihr damals somit gleich zwei von der Sorte durch die Lappen gegangen waren. Hrgh!
      Zanthe hatte beteuert, dass ihm an dem Kerl nichts aufgefallen war, aber schließlich hatte er auch bei Edna nur kurz etwas gespürt, als sie sich unmittelbar in seiner Nähe befand.
      Und dann war da immer wieder Claire Rosenburgs regungslose, arrogante Miene. Ob sie wohl heute Nacht in den Schlaf der Gerechten eintauchte? Bestimmt. Die Idee zu verlieren musste ihr doch vollkommen fremd sein.

      Anya drehte sich auf die Seite. Die Vorhänge des Panoramafensters waren zugezogen, es war nahezu stockdunkel im Zimmer. Morgen würde sie mit Logan in aller Frühe aufbrechen. Aber würde sie auch wiederkehren? Wollte Claire sie aus dem Weg räumen, weil sie Bedrohung erkannt hatte oder nicht? Es musste so sein, denn einen anderen Grund gab es nicht für eine Weltmeisterin, sie, Anya Bauer, zu einem bedeutungslosen Duell wie diesem herauszufordern.

      „Du solltest langsam mal einschlafen, findest du nicht?“ Zanthe seufzte. „Sonst bist du morgen völlig hinüber und das ist für jemanden, der von Hause aus wenig Denkkapazität besitzt, ziemlich gefährlich.“
      Auch Matt im mittleren der drei Betten schien noch wach zu sein. „Jetzt beleidige sie nicht noch.“
      „Hab mich schon gewundert, warum die Wände noch nicht wackeln“, stichelte Zanthe und spielte auf Matts Schnarcherei an.
      Anya kicherte bitterböse. „Denk dran, was wir besprochen haben, Flohpelz. Sobald er damit anfängt geht’s los.“
      „Ouh, ich freu mich schon drauf.“
      „Wegen der Gewalt oder seinem Hintern?“
      Auf die Frage des Mädchens antwortete der Werwolf glucksend. „Beidem natürlich.“
      „Ich drücke diese Nacht garantiert kein Auge zu“, beklagte sich der Gebeutelte verärgert.
      „Geht uns wohl allen so“, überlegte Zanthe laut.
      Matt seufzte und drehte sich seinerseits auf den Rücken. „Anya, wenn du morgen Probleme haben solltest, frag Levrier um Rat.“
      „Oh ja, das solltest du“, pflichtete der Werwolf ihm bei. „Spiel' bloß nicht das stolze Mädchen, das alles aus eigener Kraft erreichen möchte. Nicht morgen.“
      „Levrier -ist- schließlich ein Teil von dir. Hilfe macht einen nicht schwächer, sondern stärker.“
      „Ein großes Hurra fürs Schummeln – ich meine die Freundschaft!“
      Der Dämonenjäger schnalzte mit der Zunge. „Natürlich, -du- musst natürlich das Negative darin sehen.“
      „Die Wahrheit ist neutral, nicht negativ“, murrte Zanthe.
      „Ja nachdem wie man sie auslegt, nein, ist sie nicht“, widersprach sein Zimmergenosse, „was meinst du, Anya?“
      Von der kam jedoch keine Antwort. So wiederholte Matt: „Anya?“
      „Herzlichen Glückwunsch, du hast sie zum Einschlafen gebracht“, gluckste Zanthe.
      Denn tatsächlich, das Mädchen lag mit einem Ausdruck voller Wonne auf der Seite und träumte vom Sieg.

      ~-~-~


      Es war noch halb dunkel, als Anya und Logan auf dessen schwarzem D-Wheel vor einem Torgitter zum Stehen kamen. Der Zwerg stieg ab und schritt herüber zu einem kleinen Wachhäuschen. Auf dem Weg hierher hatte er erklärt, dass Riding Duel-Strecken nur mit Genehmigung betreten werden durften.

      Nach einem kurzen Gespräch zwischen Logan und dem Wärter fuhr das Tor zur Seite und gewährte Einlass. Anya, gerade wach genug um nicht vom Motorrad zu fallen, sah durch das Visier ihres roten Helms, dass hinter dem Tor Scheinwerfer ansprangen. Sie alle beleuchteten eine Start- beziehungsweise Ziellinie sowie die Boxen daneben. Logan winkte sie herüber.

      Hinter ihrem Helm grinsend, griff Anya nach dem Lenker und fuhr langsam herüber zur Startlinie, an der sie sich platzierte. Von Claire war noch keine Spur zu sehen.
      Logan trat an Anya heran. „Werde alles von hier aus überwachen. Denk dran: Nicht zum Stehen kommen, sonst heißt es Game Over.“
      Dabei zeigte er auf ein noch leeres Pult bei den Boxen. Sie nickte.
      „Gehe mal das Equipment aufbauen. Kannst dich schon mal sammeln, in ein paar Minuten geht die Sonne auf. Dann wird’s ernst.“
      „Ich habe keine Angst vor Claire Rosenburg!“
      „Gut so“, nickte der Mechaniker und grinste vergnügt, ehe er seine Ankündigung wahr machte und zu besagtem Pult herüber schritt. Dort schloss er einen Laptop via USB-Kabeln an ein Terminal an, welches sich darunter befand.
      Nachdem der Laptop hochgefahren war, erschien auf dem Bildschirm die vereinfachte Karte der Strecke, die aus mehreren Kurven bestand, welche ihr eine zu unregelmäßige Form gaben, um sie zu beschreiben. Durch farbliche Abweichungen der gelben Linie wurde deutlich, dass es auch Steigungen und Gefälle gab.

      Aber dazu musste Anya nicht auf einen Laptop schauen, das sah sie auch von ihrer Position aus. Nach der ersten Kurve in der Ferne stieg die Strecke langsam aber stetig an, verlief über massive Säulen über der Stadt, in dessen südwestlichen Teil sie sich befand. Die nähere Umgebung war nicht bebaut, dafür aber alles, was hinter besagter ersten Kurve lag.

      „Guten Morgen“, wurden Anya und Logan aus dem Nichts gegrüßt.
      Ganz am Ende der Boxen stand Claires Manager Nigel in seinem schwarzen Anzug und näherte sich langsam. Letzterer warf dem Geschäftsmann, welcher eine Sonnenbrille auf der Nase sitzen hatte, einen bösen Blick zu, als dieser das Pult erreichte.
      „Claire wird gleich hier sein. Sie ist pünktlich. Immer“, sprach der Bärtige mit Nachdruck.
      Inzwischen war der Himmel rötlich verfärbt, hinter ihnen stieg langsam ein grelles, gelbes Licht den Horizont empor.

      Und tatsächlich: Wenige Minuten später drang Motorengeheul vom Eingang. Claire schoss durch denselben Eingang wie zuvor Anya und vollzog auf der Strecke eine Kehrtwende hin zur Startlinie.
      Das schneeweiße D-Wheel kam rechts neben dem Mädchen zum Stehen. Anya blickte stur geradeaus, über die Stadt, die in die Morgenröte getaucht war. Eine unheimliche Farbe, sie kam ihr intensiver als sonst vor, ganz als prophezeie sie eine blutige Schlacht.
      „Wir können beginnen“, drang Claires Stimme gedämpft hinter ihrem hellblauen Helm hervor, über den in der Mitte ein weißer Streifen vertikal vom Visier bis zum Nacken verlief.
      Wie immer verlor sie nicht gerade viele Worte, dachte Anya dabei und setze ihren eigenen, knallroten Helm auf.
      „Yeah. Wenn ich gewinne, bekomme ich dein Artefakt.“
      Natürlich äußerte sich die amtierende Weltmeisterin gar nicht dazu, denn gewiss rechnete sie nicht damit, überhaupt zu verlieren. Aber Anya würde sie eines Besseren belehren.
      „Okay, kann losgehen“, sprach Anya in das Mikrofon, welches in ihren Helm eingebaut war.

      Bei der Startlinie, wo sich die offenen Boxen befanden, saß Logan direkt an der Strecke vor dem Pult und arbeitete weiterhin am Laptop. Aus der Vogelperspektive konnte er Anyas und Claires Position auf der Minikarte sehen.
      „Mache das Startsignal bereit“, erwiderte er auf Anyas Worte hin.
      Dabei warf er aus den Augenwinkeln einen Blick zur Seite, wo der rothaarige, bärtige Manager von Claire sich gegen die Wand der kleinen Box lehnte. Zu dessen Rechten befand sich die Einfahrt in die Boxengasse.
      „Hmm.“

      „Woah!“, schoss es aus Anya heraus, als plötzlich zu beiden Seiten der Strecke meterhohe, gläserne Absperrungen hochfuhren. Diese zogen sich um die erste, nach rechts verlaufende Kurve und darüber hinaus, vermutlich bis zur Zielgeraden, hin. Und so zerbrechlich sie wirken mochten, verbarg sich dahinter dickes Panzerglas.
      Plötzlich erschien auf jeder einzelnen davon eine durchsichtige Ampel. Claire trat in die Pedale, Motorengeheul erklang. Rot. Anya tat es ihr gleich und startete die Maschine.
      „Duel Modus, Autopilot, Standby“, drang von der vor ihr ausgebreiteten Duel Disk eine Computerstimme an ihr Ohr. Gelb. Bei ihrer verhassten Widersacherin geschah dies nicht. Aber wen wunderte es, sie war ja ein Profi, der keinen Autopiloten brauchte. Grün.
      „Riding Duel, Acceleration!“, schrien beide synchron und schossen mit ihren Maschinen nach vorn.

      [Anya: 4000LP / Claire: 4000LP]


      Zwar hatte Anya schon gestern während des Trainings mit Logan dieses wahnsinnige Gefühl von Geschwindigkeit verspürt, doch dieses Mal war es noch intensiver. Sie beugte sich nach vorn und drehte voll auf. Die erste Kurve war nicht mehr weit entfernt, wer sie nahm, würde das Duell beginnen. Sie blicke nach rechts, wo ihre Gegnerin etwa gleichauf lag. Nein, sie fiel sogar ein wenig zurück. Perfekt!
      Die beiden D-Wheels rasten über den Beton auf die nach rechts verlaufende Kurve zu. Anya gewann immer mehr an Vorsprung, zog während der Fahrt ihr Startblatt und steckte es in die Halterung hinter ihrer Duel Disk, da der Autopilot sie durch die Kurve geleiten würde. Zwar versuchte Claire Anya zu überholen, doch es war zu spät: Jene bog als Erste ein und hatte damit die Eröffnung sicher.

      „Ich aktiviere eine Zauberkarte“, rief jene sofort und schob jene in den entsprechenden Slot, „[Absorb Fusion]! Damit erhalte ich sofort eine Gem-Knight-Karte aus dem Blatt. Außerdem dürfte ich danach sofort fusionieren, aber das würde die Materialien verbannen. Das will ich nicht, also soll [Gem-Knight Fusion] übernehmen!“
      Bunte Edelsteine entstanden um Anyas Fahrzeug während ihrer Fahrt um die längliche, leicht nach aufwärts verlaufende Kurve, welche in den Deckschacht vor ihr schossen. Aus dem schob sich besagte Zauberkarte, die das Mädchen nahm und sofort in die Höhe hielt. „Ich aktiviere [Gem-Knight Fusion] …“
      Hinter ihr holte Claire mit beachtlichem Tempo auf.
      „… und verschmelze Gem-Knights von meiner Hand.“
      Doch als Anya die Karte einlegte, erschien auf dem Display ihres D-Wheels der Schriftzug ERROR. Und das Mädchen schnappte: „W-was? Ah!“
      Jetzt sah sie es. Ihre verhasste Widersacherin zog mühelos von der Innenseite der Strecke an ihr vorbei und verließ als Erste die Kurve. Und nur wer führte, durfte Zauberkarten aktivieren.
      „Shit!“, schoss es aus dem Mädchen da heraus. So war das nicht geplant!
      „Ist doch eine typische Strategie von ihr“, drang da plötzlich Logans Stimme zu ihr, „lässt ihren Gegner vor, um zu sehen was er vorhat, bevor sie ihm in die Parade fährt.“
      Sofort schnauzte Anya zurück: „Hättest du mir das nicht früher sagen können!? Was soll ich jetzt machen!?“
      „Haste dich nicht informiert? Denk selber nach.“
      Anya zischte verstimmt. Die Strecke verlief nach oben, sie passierten gerade ein paar Wolkenkratzer zu ihrer Linken. Inzwischen führte Claire bereits um eine ganze Motorradlänge und der Abstand zu ihr vergrößerte sich zunehmend.
      Was sollte sie jetzt ohne ihre wichtigste Zauberkarte tun? Das Mädchen im schwarzen Motorradanzug stöhnte. „Verdammter Kackmist! Ich setze ein Monster. Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sich die Karte links neben ihr und verschwand dann.

      Stillschweigend zog Claire auf. Da sie momentan geradeaus fuhren, musste sie nur mit einer Hand lenken. Mit der anderen nahm sie eine Karte aus der seitlich neben ihr platzierten Halterung und legte sie auf die Duel Disk daneben.
      „Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Tetherwolf].“
      Ein weißblauer Helikopter erschien weit über ihr und folgte der jungen Frau, welche das Duell momentan anführte. Dabei besaß seine Vorderseite die unmissverständliche Form eines Wolfkopfes. Gleichzeitig besaß er zwei an langen Kabeln hängende Greifkrallen dort, wo sich sonst bei anderen Hubschraubern die Landevorrichtungen befanden.
      „Wenn Tetherwolf normalbeschworen wird erzeugt er eine Projektion“, erklärte Claire, woraufhin neben ihrem Monster ein buntes, holografisches Abbild von jenem auftauchte.

      Mecha Phantom Beast Tetherwolf [ATK/1700 DEF/1200 (4 → 7)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Wütend knirschte Anya mit den Zähnen, da ihr dieser Schrotthaufen nichts sagte. Ihre Gegnerin hatte ihn im Duell gegen Othello nicht eingesetzt. Vielleicht hätte sie sich auch über deren Karten informieren sollen und nicht nur über Riding Duels an sich.
      „Tetherwolf greift das gesetzte Monster an“, verkündete Claire tonlos.
      Mitten im Flug schwenkte der Heli herum und ließ seine Greifkrallen auf Anya los.
      „Pah, dumm gelaufen!“, schnarrte die.
      Direkt vor ihr tauchte schlagartig ein Ritter auf, in einer abwechselnd smaragdgrün und hellblau schimmernden Rüstung steckender. Mit sich führte er einen langen Metallstab, bestückt mit gleichfarbigen Edelsteinen, den er über den Kopf kreisen ließ und welcher ihn daraufhin in dichten Nebel tauchte.
      „An der Verteidigung meines neuen [Gem-Knight Malachites] kommst du nicht vorbei!“

      Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4)]

      „Monstereffekt: Wenn Tetherwolf kämpft, kann ich eine Projektion deaktivieren, um seine Angriffskraft temporär um 800 zu erhöhen.“
      Anya schnappte erschrocken: „Huh!?“
      Schon löste sich das Hologramm neben Claires Helikopter auf.

      Mecha Phantom Beast Tetherwolf [ATK/1700 → 2500 DEF/1200 (7 → 4)]

      Dessen Greifarme schnappten sich daraufhin den im Nebel steckenden Malachite und rissen ihn brutal auseinander. Ein roter Blitz drang aus dem Dampf, ehe dieser sich auflöste.
      „Shit“, fluchte Anya.
      „Ich setze drei Karten. End Phase“, verkündete Claire und steckte nacheinander besagte Karten in die Slots rechts neben sich. Alle drei erschienen in vergrößerter Form auf ebenjener Seite, tarnten sich jedoch anschließend und wurden wie zuvor Anyas Monster unsichtbar.

      Mecha Phantom Beast Tetherwolf [ATK/2500 → 1700 DEF/1200 (4)]

      Wie im letzten Duell, schoss es Anya durch den Kopf. Wer wusste schon, was die blöde Kuh da alles an Fallen liegen hatte. Einer Sache war sich das Mädchen aber bewusst: Sie würde es herausfinden, ob sie wollte oder nicht.
      „Ich werde nicht gegen dich verlieren“, knurrte sie.
      Inzwischen hatte Claire ihre Führung ausgebaut, fuhr nun mindestens drei Motorradlängen von Anya entfernt. Sie bog bereits in die nächste Kurve ein, wohingegen Anya wie eine lahme Ente versuchte mitzuhalten. Verdammt, wieso war die bloß auf einmal so schnell!?
      Als Anya einbog, wechselte sie auf den inneren Teil der Strecke, in der Hoffnung, ein bisschen Land wett zu machen. Solange sie hinten lag, war ihre [Gem-Knight Fusion] zur Nutzlosigkeit verdammt.
      „Kch, shit!“, keuchte sie, nachdem sie aus der Kurve raus schoss, aber Claire immer noch genauso weit entfernt war wie bisher. Der verdammte Autopilot sorgte dafür, dass sie nicht die volle Geschwindigkeit aus Logans Maschine herausholen konnte! Am liebsten würde sie es ohne ihn versuchen, aber davor hatte er sie mehrmals gewarnt.

      „So ein Kackmist! Draw!“, fluchte sie bei der Erkenntnis, Claire wohl so schnell nicht einholen zu können und riss ruckartig eine Karte von der Duel Disk vor ihr. Als sie die Falle erblickte, machte sich hinter ihrem Visier ein bösartiges Grinsen breit.
      „Die setze ich gleich mal“, entschied sie, sodass die Karte zu ihrer Linken auftauchte und dann unsichtbar wurde. Danach nahm sie ein Monster aus ihrem Blatt in der Halterung und schmetterte es auf die Monsterkartenzone. „Mal sehen, wie dir der hier gefällt! Noch ein brandneuer Kumpel aus meinem Arsenal! [Gem-Knight Jasper]!“
      Auf der gegenüberliegenden Seite materialisierte sich ein Ritter in einer schwarz-roten, massiven Rüstung, welcher eine lange Hellebarde mit sich führte. In der Brustpanzerung war ein einzelner, rot-orangener Edelstein eingelassen.

      Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4)]

      Ohne Probleme konnte der schwebende Krieger mit seiner Herrin mithalten. Die zeigte geradewegs auf den Wolfshubschrauber in der Luft. „Der ist reif für den Schrottplatz! Angriff!“
      Eine entsprechende Reaktion von Claire folgte auf dem Fuße. Ohne sich umzudrehen streckte sie die Hand zur Seite aus, wo gleich zwei ihrer Fallen aufsprangen. „Fallenaktivierung: [Aerial Recharge] und [Cyber Summon Blaster]. Letztere fügt meinem Gegner für jede spezialbeschworene Maschine 300 Punkte Schaden zu. Mit [Aerial Recharge] kann ich pro Zug eine Projektion eines Mecha Phantom Beast-Monsters erschaffen. Vom Typ Maschine.“
      Anya keuchte, als zunächst am Rahmen über dem Hinterrad von Claires D-Wheel ein trichterförmiges Geschütz aufsetzte. Zwar war es viel kleiner als die Version im Duell gegen Othello, doch leider genauso gefährlich. Denn als neben Tetherwolf ein buntes Hologramm seiner selbst auftauchte …

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      … richtete sich die Kanone zielgenau auf Anya aus und feuerte eine blitzende Energieladung auf das Mädchen ab. Jene wich nach links aus und stieß ein erschrockenes Keuchen aus, als neben ihr der Asphalt vom Treffer zerbarst.

      [Anya: 4000LP → 3700LP / Claire: 4000LP]


      Für einen kurzen Moment kam Anyas Motorrad ins Stocken, fuhr in Schlangenlinien. Das Mädchen hatte ihre liebe Mühe, die Maschine wieder unter Kontrolle zu bringen.
      Verdammt, fluchte sie dabei in sich hinein. Nicht nur, dass ihre Gegnerin von Anfang an mit harten Bandagen kämpfte, nein, solche Treffer verlangsamten sie auch noch! Der Abstand zu Claire wurde größer!
      „Willst du mich umbringen, blöde Kuh!?“, fluchte Anya in ihrem Frust wütend, während die Strecke eine leichte Steigung nahm, die sie an diversen Bürogebäuden und Hotels vorbeiführte.
      „Replay-Regel. Die Zahl meiner Monster hat sich verändert.“ Ging ihre Gegnerin jedoch nicht darauf ein. „Wähle ein Monster, das du angreifen willst.“
      Dadurch wurde Anya sich ihrer Lage erst gewahr. Claire kontrollierte Tetherwolf und dessen Ebenbild. Das hieß, wenn sie jetzt das Original angriff, würde dieses nur sein Abbild opfern, um sich auf 2500 Angriffspunkte zu bringen. Genau wie letztes Mal!
      Dann blieb ihr gar keine andere Wahl. „[Gem-Knight Jasper]! Nimm dir die Projektion vor!“
      Mit atemberaubender Geschwindigkeit schoss jener an Anya vorbei. Dabei holte er mit der Hellebarde aus und ließ jene, kaum hatte er Claire und ihre Monster erreicht, durch das bunte Hologramm sausen, welches daraufhin auch verschwand.
      „Zug beendet“, knurrte Anya missmutig, als Jasper an ihre Seite zurückkehrte.
      „Zweiter Effekt von [Aerial Recharge]. Ich muss pro Zug ein Mecha Phantom Beast als Tribut anbieten oder aber diese Karte auf den Friedhof legen. Ich verzichte auf [Mecha Phantom Beast Tetherwolf].“
      In bunten Funken löste sich der wölfische Helikopter auf. Was für Anya überraschender kam als es sollte. Sie erinnerte sich, dasselbe war ebenfalls im Duell gegen Othello geschehen. Vielleicht würde sich das noch als nützlich erweisen, wenn sie wirklich jeden Zug etwas opfern musste …

      Wortlos zog Claire eine Karte auf. Übergangslos nahm sie eine andere aus der Halterung neben sich und legte sie auf die Duel Disk. „Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Harrliard].“
      Über ihr tauchte aus dem Nichts ein Kampfjet auf, golden und anmutig, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sein Cockpit einem Löwenkopf nachempfunden war. Anya erkannte ihn wieder.
      „Dieses Teil!“, knurrte sie ärgerlich.

      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4)]

      „Effekt von [Aerial Recharge]. Sie erschafft eine Projektion meines Monsters.“ Besagte permanente Fallenkarte klappte wieder neben ihr auf. Aus ihrem Artwork schoss eine bunte, holografische Version von Harrliard, die sich hoch zu jenem gesellte.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]
      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4 → 7)]

      Anya schnaufte nur wütend als der Kanonenaufsatz an Claires D-Wheel Energie aufzuladen begann. Sich auf den kommenden Treffer vorbereitend, begann Anya sich zunehmend nach links zu lehnen.
      „Eine Maschine wurde spezialbeschworen, also fügt [Cyber Summon Blaster] 300 Punkte Schaden zu“, drang Claires Stimme aus den Kopfhörern in Anyas Helm.
      „Denk dir was Neues aus“, brummte die, als der Schuss kam. Statt ihm einfach nur auszuweichen, duckte sie sich regelrecht in ihrer nach links geneigten Haltung hinweg. „Nochmal wirst du mich nicht damit verlangsamen, blöde Kuh!“

      [Anya: 3700LP → 3400LP / Claire: 4000LP]


      „Ich greife mit [Mecha Phantom Beast Harrliard] [Gem-Knight Jasper] an.“
      Der Jet über Claire setzte zu einer langsamen Kehrtwende über Kopf an und schoss noch mitten in der Bewegung mehrere Raketen aus den krallenartigen Triebwerken an seinen Tragflächen.
      Sie auf sich und ihren Ritter zukommen sehend, stockte Anya innerlich. Ein Doppelkill!? War die jetzt völlig bescheuert? Wobei …
      „Pah, denkste! Falle aktivieren!“ Nicht mit ihr, sagte sich die Blonde und ließ ihre eigene gesetzte Karte neben sich aufspringen. „Wenn du denkst, meine Fusionen versiegeln zu können, täuscht du dich gewaltig! [Pyroxene Fusion]! Damit kann ich eine Gem-Knight-Fusion durchfü-“
      „Konterfalle: [Do A Barrel Roll]. Ich opfere sämtliche Projektionen, um eine Kartenaktivierung zu vereiteln.“
      „Huh!?“ Anya weitete die Augen während Claire in die nächste Kurve einbog. Das bunte Hologramm über ihr verschwand und die Raketen schlugen rings herum um Anya ein. Ihre Falle zersprang und [Gem-Knight Jasper] ebenso, jedoch nicht, ohne eine rötliche Explosion dabei auszulösen.
      „Das gibt’s doch nicht! Aber unsere Monster waren gleichstark, also …“
      Hinter Anya, die nun ebenfalls einbog, schoss aus der zurück gebliebenen Rauchwolke die gewaltige Hellebarde ihres Ritters. Ihr Ziel: der in der Luft verharrende Löwen-Kampfjet.
      „… bist du deins auch lo-“
      „Effekt meines Monsters. Wird eine Projektion aufgelöst, erschafft er einmal pro Zug eine neue.“
      So schnell wie das bunte Hologramm Harrliards verschwunden war, tauchte an seiner Stelle augenblicklich ein neues auf.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Und Claires Kanone setzte sich wieder in Gang. Doch statt Anya anzuvisieren, schoss sie diesmal die fliegende Waffe ab.

      [Anya: 3400LP → 3100LP / Claire: 4000LP]


      „D-das gibt’s nicht“, stammelte die Jüngere fassungslos. „Aber wie-!?“
      „Jedes Mecha Phantom Beast ist unzerstörbar, solange Projektionen auf dem Spielfeld existieren.“ Und zum ersten Mal sagte Claire etwas, das nicht zum absolut Nötigsten gehörte. „Dieser Angriff hätte mich nie mein Monster kosten können.“
      Anya zuckte innerlich zusammen. Mit welcher Eiseskälte sie das ausgesprochen hatte, als hätte nie ein Zweifel daran bestanden. Frustriert blickte das Mädchen auf ihre Handkarten. So ein Kackmist, wie sollte sie jetzt fusionieren!? Ihre Zauber waren nutzlos, ihre Ersatz-Falle ausgehebelt – was blieb ihr da noch!?
      „Ich setze eine Karte. End Phase“, drang die nun wieder mechanisch klingende Stimme Claires an ihr Ohr. Parallel dazu verschwand gerade neben deren D-Wheel wieder eine verdeckte Karte. Gleichzeitig löste sich Harrliards buntes Ebenbild auf, da Claire es scheinbar als Tribut anbot, um [Aerial Recharge] nicht aufgeben zu müssen.

      Sie musste aufholen, dachte Anya panisch. Irgendwie! Ansonsten würde sie dieses Duell verlieren, denn auch wenn jenes noch nicht lange lief, wurde eines bereits jetzt deutlich. Claire Rosenburg schien jeden ihrer Tricks mühelos kontern zu können …




      Turn 79 – Absolute Configuration
      Durch Claires Führung ist es Anya unmöglich eine Fusionsbeschwörung durchzuführen, wodurch sie sich einmal mehr auf [Angel Wing Dragons] Stärke verlassen muss. Zur selben Zeit suchen Nick und Alexandra den versiegelten Dämonen Joel auf, welcher sich nicht nur als äußerst undurchsichtig, sondern auch gut informiert erweist …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Jasper
      Monster/???
      Pyro/Erde
      ATK/1800 DEF/600 (4)
      {????}

      Gem-Knight Malachite
      Monster/???
      Aqua/Erde
      ATK/1000 DEF/1900 (4)
      {????}

      Gem-Knight Fusion
      Absorb Fusion

      Pyroxene Fusion

      Claire

      Mecha Phantom Beast Tetherwolf
      Mecha Phantom Beast Harrliard

      Aerial Recharge
      Do A Barrel Roll
      Cyber Summon Blaster


      Über Rückmeldungen würde ich mich wie immer freuen.
      -Aska-

      Hm, schwer zu sagen, ich hätte da nicht so große Zweifel. Es gab ja auch schon Folgen, wo sie alleiniger Handlungsträgerin gewesen war. Da hat es ja auch funktioniert. Denke eher es wäre halt nicht so umfangreich wie mit Anya ;)

      Keine Ahnung, sicherlich gibt es noch andere Möglichkeiten für die DNS, aber das ist wie frei nach Heisenberg, je konkreter man versucht zu werden, desto ungenauer wird es am Ende XD

      Ja, da hast du Recht, ich hatte schon bei vs Anya vermutet, dass Othello gesundheitlich bedingt ausfallen würde. Aber als er dann ins Finale einzog, wurde das halt widerlegt und immer unwahrscheinlicher, weil es Claire eben eher geschadet hätte, wenn er während des Duells das Zeitliche segnet. So gut ist so nun auch nicht, dass ihre Gegner vor Ehrfurcht im Duell sterben xD
      Und haha, ich weiß was du da "gemacht" hast, aber ehrlich gesagt, keine Ahnung, wie das in deinem Universum abläuft? Da es eine ganze Pro Liga gibt, wird es sicherlich nicht einfach so funktionieren, die amtierende Duel Queen zu besiegen, um selbst diesen Titel zu erlangen. Ich denke vielmehr, dass man halt die Liga über einen Zeitraum bestehen/anführen muss und dann die Chance auf einen Titelkampf mit dem Champ bekommt, um diesem/r seinen/ihren Titel abzunehmen.
      Aber alles der Reihe nach, erstmal muss Anya überleben, um sich diesen Traum zu erfüllen. Aber zu wissen, die unbesiegte Duel Queen zu besiegen, könnte ein Höhenflug an Motivation sein ;)

      Ja, Zanthe und Anya ergänzen sich wirklich prima. Beide auf ihre Art und den losen Mundwerken xD

      Warum stell ich mir bei dieser sehr bildlichen Szene dann aber gerade Lee vor, der sich um Anya klammert, und sie ihn mit handfesten Mitteln versucht, von sich loszubekommen? Soviel zu wenig romantisch.
      Spaß beiseite, Anya ist klischeemäßig wahrscheinlich jemand, der unkontrollierte Bewegungen (ließ Schläge) macht, wenn jemand unvermittelt bei ihr auf Tuchfühlung gehen würde, selbst wenn es ihr Schwarm wäre xD



      Folge

      Nachdem sich Anya noch bei dem Training mit dem D-Wheel Mühe gegeben hat, Dinge zu lernen und sich selbst zuvor ein wenig über die Regeln zu informieren, hatte man etwas Zuversicht, dass sie das auch bei Claire und ihrem Deck gemacht hätte, aber das hat sie in ihrer Euphorie dann doch komplett versäumt wie es den Eindruck erweckte. Auch wenn es keinesfalls weniger wichtig gewesen wäre, aber okay, man kann nicht alles haben. Selbst das Eine war für Anya schon ein positiver Punkt.

      Dabei war die Sonderregel, dass nur der vorne liegende Spieler Zauberkarten aktivieren kann, eine interessante Idee, die sich auf ihre Art dem Motiv von Speed Spells wie man sie aus 5D's kannte annäherte, ohne sich darauf zu versteifen, dass man eben jene speziellen Zauber samt der Zählmarken braucht. Und wie man sah, geht es eben auch ohne, und bleibt gleichermaßen spannend.
      Die einzige Problematik, die ich da momentan nur sehe, ist, dass Anya in der Theorie vermutlich keine Chance mehr haben wird, in dem Duell noch einmal Zauber zu aktivieren. Außer sie findet eine Möglichkeit, die Führung zurückzuerobern, wie z.B. Claire richtig Schaden reinzudrücken. Ansonsten halt byebye Spells.
      Worauf man sich aber grundsätzlich in der Erwartung sowieso vorbereiten konnte, indem man die Menge an Zaubern drastisch reduziert und sich mehr auf Fallen konzentriert. Aber das wird man ja im Verlauf sehen, wie sie das handhaben wird.
      Claires Dominanz auf der anderen Seite war wieder schön in Szene gesetzt. Ebenso nice war der Trick zu Beginn, Anya absichtlich ins Messer laufen zu lassen. Einerseits war es zwar schade, dass Logan sie vor so etwas nicht gewarnt hat, aber dann hätte man den Moment so gar nicht erst gehabt.
      Aber wie gesagt, momentan sitzt aktuell arg in der Zwickmühle, wenn Claire ihr alle Optionen kontert. Trotzdem, irgendeinen Rettungsanker muss es ja noch geben, weil sonst wäre dieses Duell sehr sehr schnell vorbei. Aber zum Glück hat sie ja auch ein paar Optionen, die nicht auf Zauberkarten angewiesen sind, wie der bereits angekündigte Angel Wing Dragon.


      Abseits des Duells, war es ein kleiner Wow-Moment in der Folge, als enthüllt wurde, dass derjenige, der Anya im Duell mit Zach davor bewahrt hat, in Einzelteile zerlegt zu werden, niemand Geringeres als Nicks Hassfeind Aiden war. Das kam wirklich unerwartet, aber irgendwie ist das rückblickend mit Monochrome betrachtet (von dem man jetzt erstmals weiß, was es eigentlich ist, offiziell wie inoffiziell) und allem anderen sehr plausibel gewesen.
      Generell ist man bei Aiden inzwischen etwas hin und her gerissen. Einerseits stellt Nick ihn ja immer wie den leibhaftigen Teufel dar, und vermutlich gibt es dafür auch gute Gründe, aber mit seinen Handlungen ist Aiden andererseits sehr oft intensiv bemüht, Nick zu helfen oder ihm gar zu imponieren. Ihn zu überzeugen, dass er gute Absichten hat. Womit ich jetzt nicht sagen will, dass das nicht andere Motive hat, was Nick, der ihn wohl am besten kennt, eben bereits durchschaut.
      Aber dass selbst ihn die Enthüllung kalt erwischt hat, merkte man daran, wie auch er nur noch die Flucht ergreifen konnte.

      Die Trennung von Valerie und Marc scheint mit dieser Folge dann nun auch vollzogen zu sein. Die Szene war wirklich schön dargestellt, vom Anfang bis zum Ende. Besonders auch der Moment, wo sie das Andenken an ihrem Handy sieht, und es eigentlich nur noch abreißen will, dies dann aber doch nicht übers Herz bringt - auch wenn das Schicksal des Maulwürfels noch offen geblieben ist. Aber ich denke, genau bei solchen Momenten zeigt sich, warum sie der Chara ist, der mir am meisten gefällt. Eben weil man mit ihr immer am besten mitfühlen kann.

      Denke die kurze Lee Szene wird auch noch wichtig sein können, wenn man so darüber nachdenkt. Aber letztlich kann man sowas nur im Rückblick sagen, wenn man das Gesamtbild kennt. Weil man eigentlich noch gar nicht richtig, wie das alles zusammenpasst. Ist Harris, sofern er es war, damals überhaupt ein Hüter geworden oder nicht - und wenn ja, ist er es -noch-? Ich mein, da gibt es soviele Möglichkeiten und Variablen, wie das abgelaufen und weitergegangen sein könnte.

      Zu guter Letzt war da noch Exa und die Infos über seine Welt. Denke da muss man auch noch abwarten, wie das alles in die aktuelle Handlung hineinspielt und wie das miteinander verwoben ist. Weil sonst wäre das ja doch ein ziemlich ausladender Hintergrund für die Handlung, will nicht fast sagen wie ein Backdoor Pilot für eine Art Spin-Off mit Exa in Vergangenheitsform, von seiner Welt bis zu ihrem Ende ;)

      Insgesamt war es wieder eine interessante Folge, aber mehr von der Art, die zwar viele Dinge angesprochen hat und ein paar Antworten lieferte, aber eben auch einen Teil neue Fragen aufwarf. Aber das ist wohl wie mit Wein, damit der gut wird, muss er reifen ;)

      Was die nächste Folge angeht, kann man mal auf den neuen Dämon gespannt sein. Bisher hat man irgendwie den Eindruck, die Dämonen haben alle eine Art voyeuristische Neigung. Der Sammler beobachtet gerne Leute, Xiphos kann das auf seine Art auch sehr gut, und dieser Joel scheint nun auch 'sehr gut informiert' zu sein XD
      Aber genauso wichtig ist, wie es bei Anya weitergeht, und ob sie etwas aus dem Ärmel zaubern kann, worauf Claire keine passende Antwort parat hat ;)
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      Hallo. Danke fürs Lesen und viel Spaß mit der nächsten Folge.

      @Evil Bakura
      Hmm, die genauen Details der Profiliga habe ich noch nicht festgelegt, z.B. ob es mehrere Ligen wie beim Fußball gibt, wie lange eine Saison dauert und so weiter.
      Was ich dazu sagen kann ist, dass Weltmeisterschaft und Liga unabhängig voneinander laufen. Der Weltmeister nimmt entsprechend auch nicht an der Liga teil. Andersherum können Ligateilnehmer auch an den Meisterschaften teilnehmen. Ich denke auch, dass es bei der Liga dann nur ein Titelmatch zwischen amtierendem Champ und den Sieger der Liga geben würde.
      Aber das ist alles nicht so genau ausgearbeitet, weil ich's (noch?) nicht brauche.

      Ich hatte sogar überlegt, das Riding Duell wirklich im Stil von 5D's zu schreiben, aber ich fand, da hatten Duell und Fahren trotz allem nichts miteinander zu tun. Du hast die Speed Counter ja nicht durchs Führen bekommen, sondern einfach jede Runde. Und dann braucht man es gar nicht machen, find ich.

      Aiden ist sicherlich nicht ganz so schlecht wie Nick ihn darstellt. Mehr sag ich nicht.

      Bevor ich'n Exa-Spinoff schreibe, würden da ganz andere Sachen kommen. XD
      Zumal das Ende ja jetzt gespoilert wurde. XD

      Die großen Dämonen sind eben alle vom selben Schlag: Spanner. XD

      Danke für deinen Post. ^^


      Turn 79 – Absolute Configuration
      Anya stieß einen wütenden Schrei aus. Claire bog bereits in die nächste Kurve ein, von der sie noch weit entfernt war. Um sie herum die Wolkenkratzer von Ephemeria City im Glanz des Sonnenaufgangs.
      „Mein Zug! Draw!“, schnaufte das Mädchen, als sie sich der Kurve langsam näherte und riss eine Karte vom Stapel aus der Duel Disk vor ihr. Die Strecke führte minimal bergab, wurde von massiven Säulen gehalten, die überall in der Stadt verteilt waren.
      Anya betrachtete ihre neue, vierte Handkarte. Solange der Autopilot aktiviert war, konnte sie sich voll auf ihr Spiel konzentrieren, doch zum Preis von Kontrolle und Geschwindigkeit. Ihre Gegnerin im hellblauen Motorradanzug auf dem weißen D-Wheel war so weit entfernt, dass es nicht einmal mehr etwas brachte, ihren Windschatten ausnutzen zu wollen, da sie außerhalb jenes Bereiches lag.

      [Anya: 3100LP / Claire: 4000LP]


      Das Feld der Livingtoner Terrorkönigin war leer, Claire hingegen kontrollierte den goldenen Kampfjet [Mecha Phantom Beast Harrliard], dessen Cockpit einem Löwenkopf nachempfunden war und welcher hinter der Weltmeisterin her flog.

      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4)]

      Dazu besaß sie noch die beiden permanenten Fallen [Aerial Recharge] und [Cyber Summon Blaster], wobei Letzterer in Form einer kleinen Kanone am Hinterteil ihres D-Wheels befestigt war. Außerdem hatte sie in ihrem letzten Zug eine dritte Karte gesetzt und hielt, laut dem Bildschirm an Anyas Lenker, noch eine Karte auf der Hand.

      Was sollte sie tun, fragte sich Anya verzweifelt. Sie konnte die [Gem-Knight Fusion] in ihrem Blatt nicht benutzen, solange sie hinten lag. Und auch ihre neue Karte war mehr oder minder nutzlos dadurch.
      „Was meinst du?“, stellte sie ihre Frage an Levrier.

      Nun, besonders viele Optionen hast du nicht, Anya Bauer.

      In Anbetracht der Tatsache, dass auch keines der Monster auf ihrer Hand über den Angriffswert von Harrliard kam, blieb Anya eigentlich nur noch eine Wahl. Eine, die sie sofort wieder an die Worte ihrer Erzrivalin erinnerte: Sie durfte sich nicht allein auf die Artefakte verlassen, die sie auf ihrer 'Mission' in ihren Besitz brachte. Doch welche Wahl hatte sie denn in diesem Augenblick? Keine!
      „Tch, also schön! Ich beschwöre [Gem-Knight Tourmaline]!“, rief sie und schmetterte dessen Karte auf den Spielplan vor sich.
      An der Seite ihres schwarzen D-Wheels erschien ein goldener Ritter, von dessen Handflächen Blitze sprühten. Nebenbei bemerkte Anya, dass die Strecke jetzt ebenerdig durch einen durch Gitterzäune abgesperrten Teil der Stadt verlief. Dort waren schon einige Passanten unterwegs, die dem Schauspiel erstaunlicherweise keinerlei Beachtung schenkten.

      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]

      Anya streckte einen Arm nach vorne. „Effekt aus meinem Extradeck! Indem ich ein Licht-Monster von meinem Deck auf den Friedhof schicke, kann ich es als Empfänger für eine Synchrobeschwörung für ein ganz besonderes Monster benutzen! [Alexandrite Dragon]!“
      Die gelb umrandete Karte besagten Monsters schoss aus ihrem Kartenstapel und wurde dem Friedhof zugeführt. Über Anya stieg ein bunt schimmernder Drache in die Höhe, welcher sogleich in zahlreiche Funken zersprang, die ihrerseits über Anya einen riesigen, goldenen Ring mit vier weißen Federschwingen daran bildeten, welcher ihr während der Fahrt folgte.
      „From the light of a different world, the herald of starlight descends upon the ravaged land!“, begann Anya zu zitieren. Dabei zersprang ihr Ritter in vier grüne Lichtkugeln. Gleichzeitig bildete sich im Inneren des Rings eine wässrige Oberfläche, durch die die Sphären eine nach der anderen glitten. „By discarding a single star, I call upon you! Synchro Summon!“
      Ein greller Lichtblitz drang durch den Ring. Im Anschluss schoss ein schlangenhafter Körper aus seinem hinteren Teil, ein weißer Drachenkopf samt goldenem Kragengestell aus dem vorderen, bis beide Hälften das komplette Ungetüm ergaben. „Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      Jener brüllte majestätisch, wie er über Anya verharrte und Claire ins Visier nahm.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Plötzlich drehte sich ihre weit vorne liegende Gegnerin zu ihr um und streckte die Hand aus. „Fallenkarteneffekt: [Aerial Recharge]. Sie erschafft eine Mecha Phantom Beast-Projektion. Diese ist vom Typ Maschine, wodurch der Effekt von [Cyber Summon Blaster] einsetzt und meinem Gegner 300 Punkte Schaden zufügt.“
      „Argh!“, keuchte Anya, als neben [Mecha Phantom Beast Harrliard] eine bunte, holografische Kopie von ebendiesem auftauchte und die Kanone am Heck von Claires D-Wheel einen elektrischen Energiestrahl in ihre Richtung abschoss.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]
      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (4 → 7)]

      Mit einem geschickten Manöver wich Anya, der dank ihres Abstands zu ihrer Gegnerin genug Reaktionszeit eingeräumt wurde, zur Seite aus. Dabei platzte die vom Blitzstrahl getroffene Stelle des Asphalts auf. Dabei knallte einer der Splitter gegen ihren Helm, was das Mädchen fuchsteufelswild machte.

      [Anya: 3100LP → 2800LP / Claire: 4000LP]


      „Immer noch im Killmodus, huh!?“, fauchte die Blonde. Aber es wäre auch verwunderlich, wenn diese blöde Kuh plötzlich damit aufhören würde.
      Hinter dem Visier ihres Helms verfinsterte sich Anyas Blick jedoch. Jetzt besaß sie zwar ein starkes, schwer loszuwerdendes Monster, aber dasselbe war auch auf Claires Spielfeldseite der Fall. Solange die auch nur eine Projektion kontrollierte war Harrliard unzerstörbar. Das hieß, selbst wenn sie jetzt angreifen würde, würde ihre Gegnerin lediglich 900 Lebenspunkte verlieren, mehr nicht …
      Anyas Blick senkte sich auf den Bildschirm vor sich, auf dem Claires Feldsituation angezeigt wurde. Während jeder End Phase musste die entscheiden, ob sie ein Mecha Phantom Beast oder aber [Aerial Recharge] opferte, welche hauptsächlich dafür da war, jene Hologramme zu erschaffen – ein ziemlich hoher Preis.
      Anschließend spähte Anya herüber zu dem bunten Hologramm von Harrliard. Wenn sie dieses also loswurde, musste Claire zwischen ihrem Monster und ihrer Falle wählen – ein potentieller Schwachpunkt den sie ausnutzen könnte. Andererseits, wenn sie Claire Schaden zufügte, würde sie das verlangsamen und damit bestünde die Chance sie einzuholen.
      „Was soll ich tun?“, überlegte Anya laut.

      Ich glaube nicht, dass es so einfach wird, Claire Rosenburg auszubremsen.

      „Yeah … okay, der Fall ist klar!“, rief Anya schließlich und deutete mit dem Zeigefinger auf ihr Ziel. „Los, [Angel Wing Dragon]! Zerstöre die Projektion! Seraphim Judgment!“
      Der über ihr fliegende, kobrahafte Drache öffnete sein Maul und stieß einen grellen Lichtstrahl aus, um welchen eine goldene Spirale kreiste. Die Flamme schoss über die Strecke hinweg und schlug in das bunte Hologramm über Claire ein, ohne dass diese überhaupt Notiz davon nahm.

      Mecha Phantom Beast Harrliard [ATK/1800 DEF/800 (7 → 4)]

      Eine Karte würde Claire damit auf jeden Fall verlieren, dachte Anya zufrieden. Egal welche es war, das war momentan besser als ein bisschen Kampfschaden!
      „Zug beendet!“, verkündete sie daher stolz. „Also, was wird es sei-“
      „Ich biete [Mecha Phantom Beast Harrliard] als Kosten für die Erhaltung von [Aerial Recharge] an“, schoss es da so schnell aus Claires Mund, dass Anya verstummte.
      Der Kampfjet der Weltmeisterin löste sich schnurstracks ins Nichts auf.

      Claire hatte inzwischen den nächsten, ansteigenden Teil der Strecke erreicht, welcher über ein Wohngebiet verlief. Von den flachen Dächern der Wohnhäuser hatte man einen guten Blick auf die Strecke, die parallel zu jenen gebaut war.
      „Draw Phase“, verkündete Claire monoton, „Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Sabre Hawk].“
      Aus dem Nichts tauchte über ihr ein schwarzes Überwachungsflugzeug auf, dessen Tragflächen erst kurz vor dem Heck begannen. Wie all ihre Monster besaß auch es ein animalisches Cockpit, das eines Säbelzahntigers.
      „Fallenkarteneffekt: [Aerial Recharge]“, rief Claire danach aus und ließ neben ihrem Sabre Hawk einen zweiten, durchsichtig-bunten erscheinen. „Damit wird der Effekt von [Cyber Summon Blaster] ausgelöst.“

      Mecha Phantom Beast Sabre Hawk [ATK/2100 DEF/100 (4 → 7)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Das Geschütz an Claires D-Wheel richtete sich wieder auf Anya, die gerade den Punkt der Strecke erreicht hatte, an dem man wieder über die Stadt blicken konnte. Inzwischen hatten sie gut ein Drittel hinter sich gebracht, wenn Anya der Minikarte neben dem Spielplan auf ihrem Bildschirm trauen konnte. Als schließlich der elektrische Energiestrahl auf sie zukam, wich Anya abermals gekonnt zur Seite aus.
      „Yeah, das liegt mir echt im Blut!“, prahlte sie dabei, als es hinter ihr zu einer weiteren kleinen Explosion kam. „Mich wirst du nicht so leicht los!“

      [Anya: 2800LP → 2500LP / Claire: 4000LP]


      „Fallenkartenaktivierung“, setzte ihre Gegnerin jedoch desinteressiert ihren Zug fort. Neben ihr klappte die gesetzte Fallenkarte hoch, „[Sonic Boom]. Sie schützt [Mecha Phantom Beast Sabre Hawk] in diesem Zug vor sämtlichen Karteneffekten, verdoppelt seine Stärke und verleiht ihm Durchschlagsfähigkeiten. Dafür zerstört diese Karte am Ende des Zuges sämtliche meiner Maschinenmonster.“
      Anya weitete die Augen als Claires urzeitlich angehauchtes Flugzeug stark zu flimmern begann und eine Drehung in ihre Richtung vollzog.

      Mecha Phantom Beast Sabre Hawk [ATK/2100 → 4200 DEF/100 (7)]

      „Willst du mich verarschen!?“
      „Angriff auf [Angel Wing Dragon]“, gab Claire ihr die passende Antwort dazu.
      Und dann knallte es nur noch. Sabre Hawk war mit einer derartig hohen Geschwindigkeit auf Anyas weißen Drachen zugeschossen, dass jene nur noch etwas Dunkles auf sich hatte zukommen sehen. Mit voller Wucht prallten die Monster aufeinander und lösten eine Druckwelle aus, die Anya samt D-Wheel zur Seite drängte. Dabei zerschmetterte die Wucht des Angriffs die gläsernen Absperrungen zu beiden Seiten der Strecke.
      Anya rief dabei: „Bist du irre!?“
      Ihre Maschine kam ins Schlittern, wodurch das Mädchen dem Abgrund zu ihrer Rechten bedrohlich nahe kam. Auch ihr Visier hatte tiefe Sprünge davongetragen.

      Du musst bremsen!

      Nie im Leben, dann war das Duell gelaufen, dachte Anya ehrgeizig. Stattdessen streckte sie den linken Arm aus und ließ Angel Wing in seiner Speerform erscheinen, welchen sie griff und kurzerhand in den Boden rammte, um ihren Kurs zu korrigieren. Dabei leuchtete Heavy Ts Handschuh für einen Moment kupferfarbig auf. Claire beobachtete das alles über die Schulter, drehte sich dann aber wieder wortlos dem zu, was vor ihr lag.
      „Ich sag doch, so schnell kriegst du mich nicht!“, fauchte Anya, die dadurch wieder ein ganzes Stück zurückgeworfen worden war. „Im Kampf mit [Angel Wing Dragon] erleide ich keinen Kampfschaden!“
      „Schnellzauber: [Greed Grado]“, ignorierte Claire den Ausruf ihrer Gegnerin abermals und schob ihre letzte Handkarte in die Duel Disk neben sich, „da ich ein Synchromonster zerstört habe, kann ich nun zwei Karten ziehen.“
      „Na prima! Kommt ja wie gerufen!“ Anya schnaubte, als ihre Gegnerin im hellblauen Motorradanzug zweimal aufzog.
      Gleich danach kündigte Claire an: „Phasenwechsel. Indem eine Projektion deaktiviert wird, kann [Mecha Phantom Beast Sabre Hawk] ein Monster auf dem Friedhof verbannen.“
      „Wozu das denn?“, wunderte sich Anya, doch weitete die Augen, als sie den Sinn dahinter erkannte.
      Das holografische Abbild von Sabre Hawk verschwand. Aus dessen geöffnetem Maul schoss grelles Scheinwerferlicht, welches die hinten liegende Duellantin genau ins Visier nahm. Durch den Strahl wurde der Geist [Angel Wing Dragons] über dem Mädchen sichtbar, welcher sich letztlich in grelle Funken auflöste. Anya schrie: „Nein!“

      Verbannt kann er nicht zurückbeschworen werden!

      Levrier hatte vollkommen Recht, schoss es Anya durch den Kopf! Diese dämliche Ziege, es war nie ihre Absicht gewesen, Kampfschaden zuzufügen! Nein, Claire Rosenburg hatte es die ganze Zeit darauf abgesehen, ihren Trumpf aus dem Spiel zu nehmen. Womit sie ihrem Kurs, systematisch jede von Anyas Strategien zunichte zu machen, treu blieb und dabei kontinuierlich Schaden zufügte. Sie hatte das Spiel fest im Griff.
      „Ich setze eine Karte“, verkündete Claire und ließ jene links neben sich verdeckt erscheinen, wo sie kurz danach verschwand, „End Phase. Damit wird [Mecha Phantom Beast Sabre Hawk] zerstört. Da [Aerial Recharge] Kosten erfordert, werde ich diese mit jenem bezahlen und umgehe den negativen Effekt von [Sonic Boom].“
      So löste sich das Überwachungsflugzeug einfach auf, statt etwa zu explodieren.

      Damit mag sie zwar ihre Position weiter gefestigt zu haben, hat aber auch an Feldpräsenz eingebüßt. Wir sollten die Chance nutzen und zurückschlagen, Anya Bauer! Zumindest würde ich dir das gerne raten, aber ich wittere eine Falle.

      Die war noch völlig weggetreten wegen des Verlustes von [Angel Wing Dragon].
      „Logan“, murmelte sie in das Mikrofon in ihrem Helm, „was kann ich tun? Die macht mich kategorisch fertig!“
      „Sag nicht, du hättest das nicht kommen sehen“, drang seine Stimme zu ihr. „Wie auch immer, bleib ruhig. Und werd' nicht unvorsichtig.“
      Anya schluckte. Hätte Levrier nicht einfach unter die gesetzte Karte lugen können, als jene kurz erschienen war!? Verdammt, was sollte sie nur tun!?

      Mit großem Abstand folgte sie Claire über den geradlinigen Abschnitt der Strecke, welcher einen Panoramablick über Ephemeria City bot. Unwissend, dass auf einem der Dächer Zanthe stand und alles mitverfolgte.
      „Das endet in einer Katastrophe, garantiert“, murmelte er skeptisch.

      ~-~-~


      Als Nick den weißen Neon Chrysler pünktlich zum Sonnenaufgang startete, schlief die Livingtoner Nachbarschaft noch und träumte von einer besseren Welt. Unwissend, dass der allgemein als verrückt, aber harmlos eingestufte Harper-Spross alles daran setzte, dies zu verhindern, indem er Anya Bauer vor dem sicheren Tod zu retten versuchte. Welche ihrerseits zu diesem Zeitpunkt noch vom Sieg träumte, ohne auch nur zu ahnen, was sie in weniger als zwei Stunden erwarten würde.

      Alexandra, die auf dem Beifahrersitz saß, winkte lächelnd mit einem braunen Umschlag.
      „Gute Nachrichten?“, fragte er und fuhr die Auffahrt seiner Garage hinunter.
      „Vielleicht? Hängt davon ab was du hören willst“, erwiderte die schöne Blonde im Trenchcoat geheimnisvoll. „Ich finde sie beunruhigend.“
      „Rück' raus damit“, forderte Nick.
      Die Augen verdrehend, ob seiner ihr gegenüber typisch herrischen Art, öffnete die Schatzjägerin den Umschlag und zog zunächst ein paar ausgedruckte Satellitenaufnahmen hervor.
      „Durch Tony wissen wir, dass dieser Joel in einem alten Schulgebäude versiegelt wurde, welches sich am Rand von Rockfort Hill befindet, einem alten Bergbaudorf. Dieses ist seit gut 60 Jahren eine Geisterstadt.“
      Nick, der mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Nachbarschaft düste, stellte fest: „So lange ist er dort also schon versiegelt.“
      Alexandra grinste vergnügt. „Gut kombiniert. Ein Erdbeben hat dafür gesorgt, dass die Minenschächte eingestürzt sind. Das hat nicht nur vielen Minenarbeitern das Leben gekostet, sondern auch einige Bewohner in den Tod gerissen. Kurz darauf kam es zu einem Brand in besagter Schule, was dazu führte, dass die restlichen Bewohner Rockfort Hill verlassen haben.“
      „Hm, fragt sich nur, ob das auf freiwilliger Basis geschah oder sie bei dieser Entscheidung unter irgendeinem Zauber standen.“
      „Da die Minen ohnehin nahezu erschöpft waren, hat man das Dorf schließlich aufgegeben.“
      Ihr Partner stöhnte. „Wann kommt der beunruhigende Teil?“
      „Nun, keiner meiner Kontakte hat je etwas von einem Dämon namens Joel gehört.“
      „Hm.“ Nick überlegte kurz. „Also hat der Sammler mit allen Mittel versucht, das Geheimnis zu bewahren.“
      Die Blonde schwieg, denn sie wartete darauf, dass er es selbst aussprach. Was Nick auch leise flüsternd tat: „Woher weiß dein Tony dann davon?“
      „Ich habe keine Ahnung.“

      Völlig unerwartet tauchten auf Nicks Schultern in einer kleinen, schwarzen Rauchwolke die Krähen Snuggly und Sparkly auf.
      „Dorf abgeschirmt. Bannkreis, kraw“, schnatterte die etwas lahme Snuggly zu seiner Linken.
      „Irgendetwas ist dort versteckt“, bestätigte Sparkly gleich darauf.
      Nick, der schon auf die Rückkehr der beiden gewartet hatte, warf einen Seitenblick zu Alexandra herüber, welche ihn jedoch abwartend anstarrte. Scheinbar bemerkte sie die beiden Federviecher nicht, aber Nick wusste bereits, dass nicht jeder Mensch Schattengeister wahrnehmen konnte. Die Gangster von damals waren dazu in der Lage gewesen, sie hingegen nicht – warum? Was unterschied sie? Aber das war momentan zweitrangig.

      „Scheinbar ist das ganze Dorf von einem abschirmenden Feld umgeben“, erklärte Nick, „wir müssen also einen Weg finden es zu durchbrechen. Irgendwelche Ideen?“
      Etwas überrascht erwiderte die Abenteurerin: „Woher weißt du das?“
      „Unwichtig. Also?“
      „Es gibt viele Arten von Bannkreisen“, stotterte Alexandra noch immer irritiert und unzufrieden, „es ist allein schon ein Unterschied ob man etwas einsperren oder andere aussperren will. Oder beides.“
      „Da wird sicher keine Fußmatte mit 'Welcome' liegen. Die Barriere ist vom Sammler.“
      „Ach, warum hast du das nicht gleich gesagt? Lass uns doch umdrehen und den Sprit sparen.“
      Nick reagierte nicht auf die schnippische Bemerkung seiner Begleiterin, während er langsam das Stadtzentrum erreichte mit dem riesigen, ovalen 'Kolosseum' direkt vor ihm, dem gläsernen Einkaufszentrum Livingtons.
      „Eine Möglichkeit, kraw“, schnatterte Snuggly.
      Deren Schwester fügte hinzu: „Jeder Bannkreis hat einen Punkt, an dem er am schwächsten ist. Xiphi kennt sie, raw.“
      Xiphos? Der würde ihm niemals helfen, schoss es Nick durch den Kopf. Nicht, wenn es darum ging etwas zu erreichen, von dem der Sammler ganz gewiss wollte, dass es für immer verborgen lag. Aber er würde sicher nicht umkehren, ohne sich das Ganze zumindest einmal angesehen zu haben.

      ~-~-~


      Anya zog unter ihrem Helm die Stirn kraus. Das Duell lief noch gar nicht lange und sie wurde schon hoffnungslos in jedem ihrer Versuche, die Oberhand zu gewinnen, ausgebremst. Verdammter Kackmist, irgendetwas musste sie tun. Der Abstand zu Claire war inzwischen so groß, dass es hoffnungslos erschien, sie überhaupt noch einmal einzuholen.
      Unsicher warf das Mädchen einen Blick herunter zu ihrem Deckschacht. Eine Idee keimte auf, welche Anya jedoch kategorisch ausschloss. So war sie nicht mehr, so wollte sie nicht mehr sein – abhängig von irgendwelchen magischen Kräften, die das Schicksal lenkten. Sie wollte ihr Schicksal selbst bestimmen, aber nicht durch Betrug! Wie konnte sie sich sonst Duel Queen nennen?

      Ihr Blick richtete sich geradeaus auf die Strecke. „Ich bin am Zug. Draw!“
      Kein Cheat Draw! Nicht heute, nicht morgen, nie wieder! Mit Schwung riss sie die Karte von ihrem Deck und erschrak. Das war der Dank dafür, eine ihrer neuen Zauberkarten … nutzlos.
      „Kch!“
      Was nun? Ihr Blatt bestand neben [Gem-Knight Fusion] und der neuen Zauberkarte noch aus zwei Monstern. Eines davon besaß zwar einen akzeptableren Angriffswert und Claire war vermeintlich ungeschützt, doch Anya wusste es im Grunde besser.
      Es gab zwei Möglichkeiten: Entweder würde Claire einen direkten Angriff mit [Aerial Recharges] Projektion abwehren, was sie besagte Falle allerdings kosten würde, da sie danach nichts mehr als Tribut für ihre Erhaltung anbieten können würde. Oder aber sie ließ den Angriff durchgehen, beschwor die Projektion erst danach und opferte sie im Anschluss, damit sie [Aerial Recharge] behalten konnte.
      Anya nahm ein Monster aus ihrem Blatt. Inzwischen schossen die beiden Duellantinnen unter strahlend blauem Himmel über die Strecke. „Ich setze ein Monster! Zug beendet!“
      Besagte Karte erschien in vergrößerter Form vor Anyas D-Wheel in horizontaler Lage, nur um dann zu verschwinden. Lieber baute sie eine Verteidigungslinie auf, dachte sich Anya, denn sie durfte das andere Monster nicht ausspielen, würde sie es sowieso nur im nächsten Zug verlieren …
      „Vor der End Phase Fallenkarteneffekt: [Aerial Recharge]“, ging Claire wie erwartet dazwischen, über ihr erschien eine bunte, holografische Version eines riesigen Lufttankers mit Hamstergesicht, welcher sich gleich wieder auflöste. „Fallenkarteneffekt: [Cyber Summon Blaster]. Ich habe ein Maschinen-Monster spezialbeschworen, wodurch mein Gegner 300 Punkte Schaden nimmt.“
      Die Minikanone an Claires D-Wheel richtete sich wieder auf Anya, welche den blauen Blitzstrahl keine Sekunde später auf sich zukommen sah. Die Zeit stand für einen Moment still, so schien es. Denn Anya bemerkte es: Das Geschütz feuerte dieses Mal einen viel schnelleren Schuss ab als zuvor. Er würde sie treffen!
      Reflexartig streckte das Mädchen die flache Hand aus. „Heavy T!“
      Während der Blitzstrahl über die Strecke fegte, materialisierte sich an besagter Hand ein massiver, metallischer Handschuh. Anya wusste gar nicht, was genau sie da tat, denn das Artefakt zog die Energieladung förmlich an, bündelte sie in Anyas ausgestreckter Handfläche.
      „Oh shit!“, fluchte die und schwang den Arm aus, schleuderte den Blitz damit in den Himmel.

      [Anya: 2500LP → 2200LP / Claire: 4000LP]


      Völlig entgeistert blickte Anya daraufhin ihre von Heavy T umschlossene Hand an. „Was zur Hölle!? Wie habe ich das gemacht!?“
      Levriers Stimme wusste dazu eine Antwort.

      Nun, bei [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T] scheint das zentrale Thema Polarität zu sein. Du musst dieses Wissen instinktiv genutzt haben, um den Angriff abzulenken. … oder du hattest einfach nur Glück.

      „Kch, ist auch egal, es hat funktioniert.“ Anya lehnte sich ein wenig vor. „Da muss der Eisklotz schon schwerere Geschütze auffahren, um mich umzunieten. Miststück, schreib dir das hinter deine Ohren!“
      Keine Reaktion.
      „Hmpf. Ich glaube, der Flohpelz hat mit dem dreistelligen Wortschatz noch übertrieben.“

      Wo wir gerade dabei sind. Ist es dir auch aufgefallen, Anya Bauer?

      Anya gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. Dann nickte sie. „Yeah, ich denke ich weiß was du meinst. Sie ist seltsam.“

      In der Tat. Obwohl du eine Bedrohung für sie darstellst, spricht sie dich nicht darauf an. Sie greift dich an, aber nicht auf eine Art und Weise die suggeriert, dass sie etwas zu beschützen versucht. Vielmehr erscheint es so, als würde sie gar nichts empfinden.

      Genau das war auch, was Anya so sehr an Claire Rosenburg störte. Kein Herzblut, keine Leidenschaft. Sie kämpfte ohne 'dabei' zu sein. Fast so als …
      „Denkst du, sie macht das nicht freiwillig?“, überlegte sie beim Einbiegen in eine Serpentine.

      Wer weiß. Mir erscheint es auch so, als würde sie vielmehr Anweisungen folgen, anstatt aus eigenem Antrieb zu handeln.

      „Tch. Bloß wer macht dann die Ansagen?“

      Ihr Manager. Etwas an diesem Mann erscheint mir merkwürdig.

      Anya schluckte. Ausgerechnet der Spinner war unten bei den Boxen. Beim Zwerg!
      „Hey Logan, alles klar bei dir?“
      „Jep.“
      „Pass auf dich auf, klar? Lass diesen Typen nicht aus den Augen, verstanden? Der ist mir suspekt!“
      Ihr Freund gab ein verwirrtes Grunzen von sich. „Meinste Nigel? Ist eigentlich 'n netter Kerl.“
      „Nicht so laut!“ Dieser Idiot, fluchte Anya innerlich. „Sei einfach vorsichtig!“

      Gleichzeitig hatte Claire die Serpentine verlassen und keine Zeit verstreichen lassen, um aufzuziehen. „Draw Phase. Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast – Megaraptor].“
      In Form eines schlanken, taktischen Kampfjets tauchte das Monster über ihr auf. Sein Cockpit war dem Kopf eines Velociraptors nachempfunden, statt einem Landefahrwerk besaß er Klauen.

      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 DEF/1000 (4)]

      „Falleneffekt: [Aerial Recharge]. Sie erschafft eine Projektion. Kette, Monstereffekt“, begann Claire ihr Programm förmlich herunterzurattern, „wird eine Projektion beschworen, erschafft Megaraptor einmal pro Zug eine weitere.“
      Gleich zwei holografische Abbilder des urzeitlichen Flugzeugs manifestierten sich zu beiden Seiten von diesem.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]
      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 DEF/1000 (4 → 10)]

      Und Claires Minigeschütz richtete sich wieder zielgenau auf Anya.
      „Gleich zwei diesmal, huh?“, murrte die, als die Waffe wie erwartet zweimal feuerte.
      Das Mädchen fackelte gar nicht lange, sondern schwang die Hand mit Heavy Ts Artefakt daran nach links und rechts, sodass die beiden Blitzstrahlen auf halber Strecke zu beiden Seiten abgelenkt wurden und stattdessen in die gläserne Panzerglasabsperrungen einschlugen, welche trotz ihrer stabilen Herkunft deutliche Sprünge bekamen.

      [Anya: 2200LP → 1900LP → 1600LP / Claire: 4000LP]

      „Monstereffekt: Ich deaktiviere eine Projektion und erhalte von meinem Deck ein Mecha Phantom Beast-Monster“, fuhr Claire derweil fort. Ihr Megaraptor leuchtete kurz bräunlich auf, dann ebenso das Hologramm links neben ihm, welches daraufhin verschwand. Eine Karte schob sich aus Claires Deck, welche jene kurz vorzeigte. „Ich wähle [Mecha Phantom Beast Blackfalcon].“
      Plötzlich drehte sich die Weltmeisterin mit ausgestreckter Hand herum. „Battle Phase. [Mecha Phantom Beast Megaraptor] greift an.“
      Eine Schraube drehend, ließ sich jener weit zurückfallen, bis er einige Meter vor Anya flog. In seinen Klauen erschienen zwei Raketen, die er fallen ließ und welche sich von da an selbstständig machten.
      „Oh so'n Dreck!“, keuchte jene, welche die explosiven Geschosse auf sich zukommen sah und bremste ab. Ihre verdeckte Karte erschien, aus welcher wiederum ein brauner Fellball in grauem Cape und mit Sonnenbrille auftauchte.

      Kuriboss [ATK/300 DEF/200 (1)]

      Wild mit seinen klauenbesetzten Stummelarmen zappelnd, wurde er zum unfreiwilligen Ziel des Angriffs und verendete in einer mächtigen Explosion, die den Asphalt aufriss.
      „Shit“, fluchte Anya, die sich mühsam einen Weg durch den Rauch und die beschädigte Strecke bahnte, dabei immer wieder stark ins Holpern geriet.
      „Fallenkartenaktivierung“, hörte sie Claires Stimme über die Kopfhörer in ihrem Helm, „dauerhafte Falle [Vic Formation]. Wenn ich genau zwei Mecha Phantom Beast-Monster kontrolliere, beschwöre ich ein weiteres von meiner Hand als Spezialbeschwörung. [Mecha Phantom Beast Blackfalcon].“
      Zwischen Megaraptor und seinem Abbild erschien ein schwarzes, längliches Aufklärungsflugzeug, dessen Cockpit an einen Falken angelehnt war. In einer V-Formation führte es die anderen beiden Maschinen an.

      Mecha Phantom Beast Blackfalcon [ATK/1200 DEF/1700 (4 → 7)]

      Moment, hallte es Anya da durch den Kopf, welche sich mitten in der Rauchwolke befand. Eine Spezialbeschwörung? Dann würde [Cyber Summon Blaster] wieder nach ihr feuern! Und wie die Dinge gerade standen, würde sie den Angriff nicht sehen. Shit!
      Kaum war sie zu dieser Erkenntnis gelangt, hörte sie schon das Knistern des Blitzstrahls. Energisch streckte sie den metallischen Panzerhandschuh nach vorne aus. Da kam es, das blaue Licht! Statt in ihr einzuschlagen, wurde es mit aller Macht von Anya zurückgedrängt.

      [Anya: 1600LP → 1300LP / Claire: 4000LP]


      Doch die hatte eine Idee. „Nicht mit mir, Miststück!“
      Während sie das rief schoss sie aus der Rauchwolke und zog den Arm nach hinten weg, wobei die gebündelte Energiekugel der Bewegung folgte. Unter einem gellenden Schrei schwang sie die Hand gleich darauf wieder aus und schleuderte die Entladung postwendend an den Absender zurück. Und dieses Mal reagierte Claire, sie drehte sich erstaunt um und wich gerade noch seitwärts aus. Da sie sich kurz vor der nächsten Kurve befand, musste sie abbremsen. Der Angriff schlug in die Absperrung vor ihr ein und zerschmetterte das Glas, welches ihr in glitzernden Splittern entgegenschlug.

      Brillant! Damit hast du dir etwas Zeit zum Aufholen verschafft!

      Das ging runter wie Öl!
      „Das werde ich jetzt jedes Mal machen, wenn sie mich abballern will!“ Anya grinste hinter dem Visier bösartig. „Sie wird schon sehen, was sie am Ende davon hat.“
      Dabei hatte sie wirklich Glück. Hätte Heavy T nicht so funktioniert wie sie sich das vorgestellt hatte, dann wäre jetzt alles vorbei.
      „Direkter Angriff“, rief Claire jenen tonlos aus, während sie in die ramponierte Kurve einbog. Tatsächlich, der Abstand zu ihr war geringer geworden, stellte Anya zufrieden fest.
      Nur um dann einen gewaltigen Schreck zu bekommen als sich der schwarze Falkenjet zu ihr umdrehte und aus ihm heraus ein buntes Abbild fuhr und dem Original folgte. Zu seiner Rechten und Linken positionierten sich Megaraptor und dessen Kopie.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0 (3)]
      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 DEF/1000 (7 → 10)]
      Mecha Phantom Beast Blackfalcon [ATK/1200 DEF/1700 (7 → 10)]

      Damit kontrollierte Claire nun vier Monster, die in einer V-Formation flogen.
      „Bei der Deklaration eines Angriffs erzeugt [Mecha Phantom Beast Blackfalcon] eine Projektion. Demnach wird der Effekt von [Cyber Summon Blaster] ausgelöst.“
      Aus der Kurve heraus schoss Claires Geschütz einen Strahl auf Anya ab, welche gerade ihr Gewicht verlagerte, um in jene zu gelangen. Der resultierende Blitzstrahl verfehlte das Mädchen jedoch deutlich, schoss über ihr hinweg und schlug in die Absperrung ein.

      [Anya: 1300LP → 1000LP / Claire: 4000LP]


      Anya rümpfte die Nase. „Die hat doch absichtlich daneben geschossen!“

      Natürlich. Sie will verhindern, dass du ihren Angriff erneut auf sie zurückwirfst. Aber das bedeutet im Gegenzug, dass du vorerst etwas entspannter fahren kannst.

      „Witzig, ist ja nicht so, als ob sie diesen Effekt noch oft benutzen muss.“
      Das herannahende Geschwader betrachtend, wusste Anya allerdings auch, dass ihre Widersacherin gar nichts mehr tun musste, wenn Blackfalcons Angriff durchging. Aber das würde sie nicht zulassen!
      In dem Moment, als Blackfalcons Augen aufleuchteten und zwei rote Laserstrahlen auf Anya abfeuerten, schwang die den Arm aus. „Ich verbanne [Kuriboss] von meinem Friedhof und negiere den Kampfschaden!“
      Unmittelbar danach materialisierte sich das kleine Fellknäuel wieder vor ihr und wurde von beiden Strahlen erfasst. Wie ein Schwamm sog es die Energie in sich auf, schwoll dabei gefährlich an, nur um dann in einer dünnen Rauchwolke zu verschwinden.
      Anya kicherte böse. „Angriff erfolgreich abgewehrt.“

      Mag sein, aber wenn du nicht bald selbst angreifst, wird sie kurzen Prozess mit dir machen, Anya Bauer! Der nächste Zug ist entscheidend!

      Auf Levriers Hinweis hin zischte Anya angespannt. „Weiß ich selbst!“
      Aber was sollte sie tun? Zwei ihrer drei Handkarten waren Zauber und das eine Monster darunter war genauso nutzlos. Selbst wenn sie einen Cheat Draw vollzog, was hätte sie davon? Eine Falle wäre zu langsam, ein Monster dagegen nicht ausreichend. „Shit!“
      Sie steckte in einer beschissenen Sackgasse, aus der selbst Levrier sie nicht herauszuholen vermochte!

      ~-~-~


      Der weiße Chrysler Neon kam zum Stehen, wirbelte dabei Sand und Staub auf. Auf etwa 300 Meter Entfernung sah Nick es, das Bergbaudorf irgendwo im Nirgendwo. Um es herum eine einzige Steppe, viel Sand, wenig Grün.
      „Also wenn ich nicht genau wüsste, dass ich hierher will, würde ich nicht mal Notiz von diesem Ort nehmen“, überlegte Alexandra auf dem Beifahrersitz laut.
      Das Dorf war auf einem Hügel gebaut, durch den die Minenschächte verliefen. In unregelmäßigen Abständen waren kleine und große Holzhäuser verteilt, insgesamt vielleicht dreißig, an denen der Zahn der Zeit genagt hatte.
      „Genau das will der Sammler“, sprach Nick und öffnete die Tür.
      Alexandra tat es ihm gleich. Ihr Begleiter verschloss den Wagen mitten auf der Landstraße, während die hübsche Blonde sich die flache Hand über die Stirn hielt. Die grelle Sonne blendete die junge Frau. „Müssen wir den ganzen Weg laufen?“
      „Ja. Der Bannkreis beginnt ganz in der Nähe. Näher kommen wir nicht ran“, erwiderte Nick und setzte sich in Bewegung. Zähneknirschend folgte Alex ihm.

      Nach etwa zwanzig Metern stoppe Nick abrupt. „Hier ist die Stelle.“
      „Ich sehe nichts.“ Die Schatzjägerin verschränkte die Arme. „Demnach muss er wirklich gut sein.“
      Der großgewachsene, zerzauste Nick streckte die Hand aus. Doch sie berührte nichts. Überrascht wandte er sich seiner Begleitung zu. Die zuckte mit den Schultern und deutete mit einer Handbewegung an, einfach weiterzugehen.
      Aber Nick verharrte auf der Stelle. „Es ist hier. Wieso stoße ich nicht auf Gegenwehr?“
      „Vielleicht gehört das dazu. Nicht jeder Bannkreis hat eine physische Form. Manche manifestieren sich durch Illusionen, die Außenstehenden etwas vorgaukeln um sie wegzuschicken.“
      Nick aber glaubte nicht daran, dass es sich ausschließlich um so eine Art von Barriere handelte. Sparkly und Snuggly waren immun gegen solche Einwirkungen, waren jedoch während ihres Erkundungsflugs auf eine unsichtbare Mauer gestoßen, die sie nicht hatten durchdringen können.
      „Das ist eine Falle“, sprach Nick seinen Gedanken entsprechend laut aus.
      „Wir können gerne umdrehen“, schlug Alexandra vor.
      „Nein. Gehen wir weiter.“
      Woraufhin sie schnippisch erwiderte: „Wir könnten ja nur sterben.“

      Wenn es eine Falle war, waren sie ohnehin längst hinein getappt, dachte Nick und zog weiter durch das Ödland Richtung der Geisterstadt. Sollte dem also so sein, wäre der nächste Schritt, die Intentionen ihres Feindes zu erkennen und das ging nur, indem sie dieses Dorf unter die Lupe nahmen.
      Zumindest war das der Plan, doch als Nick hinter sich plötzlich ein Stöhnen hörte und sich umdrehte, sah er Alexandra den Kopf schütteln. „So viel dazu.“
      „Was?“, fragte Nick desinteressiert.
      „Ich komme nicht weiter. Schön, dass du keine Barrieren spürst – ich schon.“
      „Dann gehe ich alleine weiter“, entschied Nick kurzerhand.
      „Und ich soll hier in der Zwischenzeit vertrocknen!?“, empörte sich die Blonde fuchsig. „Nein, das kannst du vergessen! Gib mir wenigstens die Schlüssel!“
      Nick schüttelte den Kopf. „Nein.“

      Nimm ihre Hand.

      Während die Schatzjägerin – inzwischen hatte sie ihren Trenchcoat abgelegt und ihr knappes, weißes Tanktop offenbart – wütend eine Diskussion anfangen wollte, zuckte Nick beim Klang dieser seltsam verzerrten Stimme in seinem Kopf zusammen.
      „Was …?“, murmelte er leise.

      Nimm ihre Hand, dann kann auch sie den Bannkreis betreten.

      Dieses Phänomen, es war Nick nicht neu. Schon damals, als der Immaterielle Isfanel versucht hatte sich in ihm einzunisten, hatte er eine solche Stimme vernommen. Zwar war die Besessenheit nur von sehr kurzer Dauer gewesen, hatte Isfanel sich schließlich nicht in ihm verankern können, doch den Klang seiner Stimme würde er nie vergessen.
      „Wer bist du?“, fragte Nick, wobei er gleichzeitig zu Alexandra zurück lief und ihr die Hand reichte, dabei abgelenkt sagte: „Nimm sie.“
      Skeptischen Blickes tat diese wie ihr geheißen, sodass Nick sie problemlos durch die scheinbar doch existierende Barriere hindurchziehen konnte.
      „W-was!? Aber eben-!“, stammelte die Blonde verwirrt und sah über die Schulter.

      Was glaubst du wohl, Dummerchen? Aber lass uns nicht hier reden. Du weißt, wo du mich findest. Die Schule ist das Gebäude mit dem blauen Anstrich.

      Indes wollte Alex in Erfahrung bringen, wie Nick sie durch gelotst hatte. „Woher wusstest du …?“
      „Er ist hier. Joel“, kam es als Antwort. Der junge Mann ließ seinen Blick über das Dorf schweifen, das noch etwa zweihundert Meter entfernt lag, bis er besagte Schule ganz am rechten Ende, etwas abseits der anderen Gebäude, fand. Sie war ziemlich klein, zweistöckig, vermutlich gerade mal ausreichend für zwei Unterrichtsräume.
      „Dorthin müssen wir.“ Er zeigte auf das Gebäude. „Joel wartet auf uns.“

      Zusammen zogen sie durch die Steppe. Besonders Alexandra sah sich immer wieder um, konnte jedoch nichts Ungewöhnliches entdecken.
      „Die am häufigsten verwendete Falle von Dämonen sind Verträge“, begann sie zu erzählen.
      Nick steuerte stur geradeaus. „Aha.“
      „Darauf wird es hinauslaufen.“
      „Mag sein.“
      „Wieso bist du so?“ Alexandra konnte kaum mit ihm mithalten.
      „Wie bin ich denn?“
      „Dumm.“ Sie lachte höhnisch. „Und damit meine ich wirklich dumm. Du versuchst dir zwanghaft Zutritt in eine Welt zu verschaffen, die dich auffressen wird. Doch du schmeißt dich mit ausgebreiteten Armen ins offene Feuer.“
      Nick sah über die Schulter. „Und das fällt dir jetzt ein?“
      Seine Partnerin lächelte herausfordernd. „Vielleicht ist es mir nicht mehr egal?“
      „Und mir ist nicht egal, dass der Sammler Anya dafür missbrauchen will, dieser Welt zu schaden.“
      „Dreht sich alles nur um dieses Mädchen? Und woher willst du wissen, was der Sammler genau vorhat?“

      Eine Antwort blieb Nick ihr schuldig, was Alexandra argwöhnisch dreinblickend zur Kenntnis nahm. Letztlich hatten sie das kleine Bergbaudorf erreicht. Von Nahem sahen die Gebäude noch verfallener aus, aber zumindest in einem Stück.
      Mit Nick an der Spitze liefen sie die einzige Straße entlang in Richtung des Schulgebäudes, welches in einer Kurve an ihrem Ende lag. Weiter hinauf ging es zu noch mehr Hütten und den Minenschächten.
      Schon von Weitem konnte man Brandspuren erkennen, die die linke Hälfte der Schule zeichneten.
      „Ziemlich dürftige Kampfspuren“, stellte Alexandra fest, „scheint schnell vorbei gewesen zu sein.“
      Auch dazu sagte Nick nichts.

      Als sie vor der Schule standen, fragte er: „Alles dabei?“
      „Natürlich. Meinst du, er wird es bemerken?“ Dabei griff sie in die Hosentasche ihrer Jeans, holte die angedeuteten Gegenstände aber nicht hervor.
      „Ja. Aber wenn er klug ist, hält er den Mund.“
      Die blaue Farbe von den Außenwänden der Schule war bereits an einigen Stellen abgeplatzt, der rechts liegende Eingang ohne Tür. Jenen steuerten die beiden an.

      Innen angekommen, landeten sie zunächst in einem kleinen Flur, an dessen Ende sich eine Treppe befand. Oder was noch davon vorhanden war, pechschwarz und verbrannt wie die noch übrig gebliebenen Dielen waren.
      Nick deutete mit einer Kopfbewegung zu einer Tür in der Mitte des länglichen Flurs, welche ins untere Klassenzimmer führte. Alexandra verzog ein grimmiges Gesicht.
      Seelenruhig schlenderte Nick durch den Gang. Die Tür stand einen Spalt weit offen, knarrte, als der junge Mann sie aufschob.

      Kaum hatte er den Raum betreten, fielen ihm die Holzpulte und -stühle auf, die in Zweierreihen nebeneinander standen. Alt und verstaubt.
      Dann bemerkte er ihn zu seiner Linken, den Jungen, der an einem Platz in der ersten Reihe saß, mit dem Blick auf die alte, grüne Tafel gehaftet. Genau vor einer Stelle, an der es ebenfalls gebrannt hatte. Das blondgelockte, eine Handbreit lange Haar stach sofort hervor. Es war so schön, hell und füllig, dass es glatt einem Mädchen hätte gehören können.
      Vorsichtig näherte sich Nick Joel, Alexandra blieb angelehnt im Türrahmen stehen.

      „Grüße dich“, sprach der optisch höchstens 15-Jährige, als Nick ihn umrundete und sich vor der Tafel platzierte.
      Joel lächelte ihn freundlich an, seine Hände ruhten auf den Oberschenkeln. Er trug eine Schuluniform, bestehend aus einem hellblauen Hemd und dunklem Pullover mit einem Wappen darauf, das Nick bekannt vorkam, welches er aber nicht einordnen konnte.
      Die strahlend blauen Augen des androgynen Joels ruhten auf ihm.
      „Warum ich hier bin weißt du.“ Es war mehr eine Aussage denn eine Frage.
      Der Dämon in Gestalt eines Jungen nickte und erwiderte: „Ich kenne dich bereits, Nick. Xiphos' Fähigkeiten entspringen den meinen.“
      Ein Gedankenleser also? Nick hatte so etwas schon befürchtet, nachdem er seine Stimme vernommen hatte. „Sehr gut, damit erspare ich mir lange Erklärungen.“
      „Wie du siehst bin ich hier gefangen. Und solange das so ist, werde ich leider nichts für dich tun können.“
      „Bist du stark genug den Sammler zu töten?“
      Joel lächelte. „Denkbar.“
      „Warum bist du dann hier?“
      „Weil er besser vorbereitet war als ich.“

      Nick verschränkte die Arme. „Das ist nur die eine Hälfte der Antwort. Warum?“
      „Weil ich eine Bedrohung für ihn dargestellt habe. Für alles, was er begehrt. Aber was das ist, das fragst du ihn am besten selber.“ Joel seufzte. „Aber das zu gegebener Zeit. Um mich zu befreien wirst du dir selbst Kräfte aneignen müssen. Als Zeichen meines guten Willens werde ich einige Informationen mit dir teilen.“
      Nick sah herüber zu Alex, die jedoch nur mit den Schultern zuckte. Sein Augenmerk richtete sich wieder auf den versiegelten Burschen. „Also?“

      „Dazu muss ich ein wenig ausholen. Dir ist der Begriff 'Äther' in dem Zusammenhang, in dem ich ihn verwenden werde, nicht bekannt. Deiner Freundin schon.“
      Wieder blickte der junge Mann zu der Blonden herüber, die sich vom Türrahmen abstieß, mit deutlich erstauntem Gesichtsausdruck. „Das sind nur Vermutungen, unbestätigte Thesen.“
      „Der Äther existiert. Er ist die Grundlage allen Seins. Jedes Lebewesen trägt den Äther in sich, die einen mehr, die anderen weniger.“ Joel zwinkerte seinem Gegenüber zu. „Genau, Nick, es ist wie du es bereits vermutest: Die sogenannten Dämonen besitzen einen wesentlich höheren Ätherlevel als normale Menschen.“
      Nick aber betrachtete noch seine Begleiterin: „Alexandra?“
      „Allgemein anerkannt ist, dass Magie eine Grundlage besitzt, die nicht jedem Individuum zugänglich ist. Da die meisten Dämonen sie in irgendeiner Form verwenden können, Menschen jedoch nicht, hat man die Äthertheorie aufgestellt“, erklärte die etwas perplex, „eine Masse von Energie, die sich dem Willen ihres Trägers beugt. Dämonen sind in diesem Fall als Mutanten anzusehen, die auf unerklärliche Weise besonders viel Äther besitzen, der sie auch körperlich beeinflusst.“
      Als sich der zerzauste, junge Mann stumm an Joel wandte, nickte der. „Das ist im Großen und Ganzen korrekt. Äther ist auch die Basis der Magie. Eine besonders hohe Menge an Äther kann das äußere Erscheinungsbild eines Lebewesens beeinflussen. Die Bezeichnung Mutation gefällt mir, sie passt.“
      „Und warum erzählst du mir das?“
      „Du weißt es doch schon längst“, lächelte Joel sein Gegenüber an, „denk nach, Nick.“
      Jener atmete durch. „Der Sammler … sammelt durch seine Verträge Äther, richtig?“
      Prompt kam ein Einwurf von Alexandra. „Durch Handeln macht man sein Opfer willig, da ihm die Aussicht geboten wird, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.“
      „So könnte man es beschreiben. Wieso nennen andere Dämonen ihn sonst Collector? Um ihn zu besiegen, müsste jemand auf eine ähnliche Stufe gelangen.“ Der hübsche Blonde machte eine kurze Pause, scheinbar um die Gedanken seines Gegenübers dazu zu analysieren. „Ganz genau. Ich bin auf dieser Stufe. Und du könntest es auch sein. Zusammen können wir ihn besiegen.“
      Nick zog eine Augenbraue an. „Wie?“
      „Du besitzt bereits die Grundvoraussetzung. Hast sie immer besessen.“ Joel kicherte schelmisch und legte den Kopf in den Nacken, um zur Decke zu sehen. „Du hast dich schon gefragt, warum du den Bannkreis betreten konntest. Weißt du, der Sammler mag ihn zwar erschaffen haben, doch die Kenntnisse dazu hat er von Xiphos erworben. Und Xiphos von mir. Dadurch, dass er einem Duell mit dir zugestimmt hat, hat er indirekt die Fähigkeit an dich weitergegeben, seine Bannkreise zu durchschreiten.“
      „Ich wiederhole mich: Wie?“
      Joel richtete wieder seinen Blick auf ihn. „Dummerchen. Durch deine latente Conqueror's Soul natürlich.“

      Nick wirbelte herum, da er deutlich hörte, wie Alexandra nach Luft schnappte. Ihre Augen waren geweitet, der Blick lag auf Joel, welcher einladend lächelte. „Sie ist kein Mythos? Die Conqueror's Soul existiert wirklich?“
      „Was ist das?“, fragte ihr Begleiter. Dann richtete er sich an den Dämon. „Warum besitze ich sie?“
      „Jeder deines Blutes besitzt sie. Es ist eine vererbbare Gabe. Ich werde sie dir so einfach wie nur möglich versuchen zu erklären.“

      Alexandra gesellte sich neben Nick und warf ihm einen vielsagenden Blick zu. Der nickte und versuchte zu begreifen, dass es in seiner Familie übernatürliches Potential gab. War das der Grund, warum der Sammler Anya als seine Sklavin ausgesucht hatte?
      „Denkbar“, bestätigte Joel ihm, sein Lächeln schwand plötzlich, „sie ist aufgrund ihrer Einfalt die am einfachsten zu Lenkende aus eurer Familie.“
      „Conqueror's Soul“, murmelte Alex derweil und senkte den Kopf ein wenig. „Dass sie wirklich existiert. Kein Wunder, dass du den Bannkreis betreten konntest und die Schattengeister eines anderen zu kontrollieren vermagst …“
      Nick verschränkte zunehmend genervt die Arme, denn den essenziellen Teil enthielten sie ihm vor.
      „Natürlich“, reagierte Joel darauf, „die Conqueror's Soul ist in ihrem Kern eine passive Fähigkeit, die ihren Besitzer den Äther anderer absorbieren lässt. Unbewusst. Je mehr Äther der andere freisetzt, desto mehr wird auch absorbiert.“

      Eine Kraft, die Äther absorbiert? Wieso sollte der Sammler so etwas brauchen, wenn er durch seine Verträge im Endeffekt dasselbe erwirkte, schoss es Nick sofort durch den Kopf. Und er besaß diese Gabe ebenfalls? Wofür war sie gut, schließlich hatte er nie irgendwelche besonderen Kräfte an sich bemerkt?

      „Viele Fragen. Natürlich warst du bisher schwächer als Anya, du hast bisher nur ein paar Mal gegen Dämonen gekämpft. Anya dagegen viel öfter.“ Joel legte den Kopf in den Nacken, sah Richtung Decke. „Die Conqueror's Soul ist wie ein Magnet, der den Äther anzieht. Dadurch erklärt sich, warum Levrier sie ausgesucht und Isfanel versucht hat, dich als Paktpartner zu gewinnen.“
      Nick löste die Arme aus der Verschränkung. „Das erscheint plausibel. Meine Kernfrage hast du nicht beantwortet.“
      „Mit der Conqueror's Soul baut dessen Träger nach und nach eigene Kräfte auf. Je mehr Gegner er bekämpft, insbesondere je öfter er obsiegt, so stärker wird er auch.“ Joel lächelte. „Ich bin jedoch nicht ausreichend mit den Hütern vertraut, um dir beantworten zu können, warum der Sammler Anya braucht. Doch so gesehen ist sie ihr natürlicher Feind, da sie ihnen ihre Artefakte entreißen kann.“
      Das war es, erkannte Nick! -Das- war der Grund, der Sammler selbst besaß keine Kraft, die die Artefakte zu seinem rechtmäßigen Eigentum machte!
      „Denkbar“, entgegnete Joel. „Jetzt weißt du genug. Wirst du mich befreien, damit wir den Sammler gemeinsam töten?“
      Der zerzauste Zwei-Meter-Mann blickte Joel scharf aus den Augenwinkeln an, während er sich von ihm wegdrehte. „Was muss ich tun?“
      „Genug Kraft ansammeln, um das Siegel zu brechen. Folge dem Ruf der Conqueror's Soul und bekämpfe Dämonen, eigne dir ihre Gaben an.“
      Bevor Nick etwas darauf erwidern konnte, fuhr Alexandra plötzlich aufgebracht dazwischen. „Wie wird das enden!? Was geschieht mit denen, die immer mehr Macht durch die Conqueror's Soul ansammeln!? Werden sie irgendwann zu 'Mutanten'!?“
      „Zu Schimären, wie man sie nennen würde.“ Joel lächelte wieder zuckersüß. „Deswegen solltest du nicht mehr Macht ansammeln als gut für dich ist, Nick. Zu viel, und du verlierst die Kontrolle. Das beantwortet auch deine Frage, ob du nicht genauso gut alleine gegen den Sammler antreten solltest, anstatt mich zu befreien. Denn nein, dieses Siegel zu brechen macht dich nicht automatisch stärker als den Sammler. Es wurde vor 60 Jahren erschaffen und ist seitdem schwächer geworden, anders als dein Feind, der in dieser Zeit genug Macht angesammelt hat, um keine Einmischung in sein Vorhaben zu dulden. Du wirst mich brauchen, Nick.“

      Der funkelte Joel finster an. Schimären … zu so etwas würde Anya werden? War das des Sammlers Absicht bei dieser ganzen Aktion? Warum!? Warum sie, warum nicht er …
      Nick fuhr innerlich zusammen. Warum nicht Zach? Und wenn alle drei Bauer-Kinder diese Gabe besaßen, bedeutete das, dass die Quelle von all dem-!

      Indes drehte sich Alexandra zur Tafel um. Mit dem Zeigefinger wollte sie etwas auf der staubigen Oberfläche zeichnen, doch Nick griff geistesgegenwärtig ihr Handgelenk. „Nicht.“
      Keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Nur das, was sie abgesprochen hatten, mahnte er sie dabei mit finsterem Blick. Die Blonde funkelte böse zurück.
      „Wir können ihm nicht trauen“, zischte sie. „Tony wusste, dass es ihn gibt. Also muss er in irgendeiner Weise Menschen kontrollieren können.“
      „Nein, ich habe nur ein paar Samen gesät, um jemanden zu finden, der mich befreit. Keine Kontrolle.“ Joel kicherte. „Ich gebiete schließlich nicht über Namen, anders als der Sammler.“

      „Indem ich Dämonen bekämpfe, werde ich also stärker und gewinne die Kraft, deine Ketten zu sprengen?“, fasste Nick das Gehörte zusammen, als er sich dem unheimlichen Jugendlichen wieder zudrehte.
      Da waren noch so viele Fragen, die jedoch unbeantwortet blieben, denn Nick wusste bereits jetzt: Heute hatte er Joel nicht zum letzten Mal besucht. Die wichtigsten Dinge waren ihm nun bekannt.
      „So ist es. Woher die Conqueror's Soul kommt, das kann ich dir nicht erklären, ebenso wenig, wieso sie in deiner Familie auftritt.“ Das Grinsen auf seinem Gesicht wurde breiter. „Schön, dass wir eine Abmachung haben.“
      „Wir werden sehen“, entgegnete Nick kalt.
      „Dann möchte ich noch eine Information mit dir teilen. Sie betrifft Claire Rosenburg.“
      „Claire?“, wiederhole Alexandra erstaunt, griff kurz hinter die Tafel, um sich dann ebenfalls umzudrehen. „Woher weißt du …?“
      Der Lockenkopf sagte: „Ich habe Tony in freudiger Erwartung auf euren Besuch Nachforschungen anstellen lassen. Als Zeichen meines Wohlwollens.“
      Plötzlich wurde Nick unwohl zumute. Anya dürfte sich inzwischen mit der amtierenden Weltmeisterin duellieren. Wieso rückte der nicht früher mit der Sprache raus!?
      Und Joel lächelte. „Weil es nichts ändert. Sieh, die Leute denken, es wäre ihr Schicksal zu gewinnen. Tatsächlich aber hat sie ihr Schicksal selbst in die Hand genommen.“
      Er drehte den Kopf zu Alexandra, die mit den Schultern zuckte. „Es ist wie du sagtest. Der einfachste Weg für einen Dämonen, einen Menschen für sich zu gewinnen, ist durch einen Handel, einen Pakt.“
      Geradezu strahlend richtete er sich wieder an Nick: „Was glaubst du wohl hat sie angeboten, um niemals eine Niederlage zu erleben? Kommst du drauf, Nick? Ich gebe dir einen Tipp: In dieser Hinsicht eiferst du ihr gewissermaßen nach.“
      Jener weitete die Augen. „Doch nicht etwa ihre Seele?“
      Und Joel lächelte, breiter denn je. So sehr, dass sein hübsches Äußeres schon wieder einer Fratze glich. Einen Moment später riet er: „Nicht ganz. Du solltest dich beeilen und Anya warnen. Wie du sagtest, sie dürfte inzwischen mitten in ihrem Duell stecken …“

      ~-~-~


      „Draw!“, fauchte Anya mit einer Spur Verzweiflung in der Stimme, zog schwungvoll während des Fahrens auf. Claire, die so weit vorne lag, hatte während der End Phase eine ihrer beiden Projektionen geopfert, um ihre Falle im Spiel zu halten. Damit kontrollierte sie wieder drei Kampfjets in einer V-Formation.
      Als das Mädchen die gezogene Karte sah, versetzte der Anblick ihr einen Stich. Gerade jetzt! Unbrauchbar! Sie steckte die Falle zu den anderen drei Karten und betrachtete diese nachdenklich.

      Dann schaute sie wieder nach vorne. Und unerwartet hörte sie ein Klingeln von ihrem Helm ausgehen.
      „Nicht jetzt, Logan“, rügte die diesen genervt.
      „Anya“, erklangt stattdessen Nicks Stimme aufgeregt, „hör mir gut zu! Du musst das Duell sofort abbrechen, verstanden? Du kannst nicht gewinnen!“
      Völlig überrascht von dieser Wendung stammelte die: „N-Nick? Wie bist du-!?“
      „Dich kann man keine Sekunde aus den Augen lassen, also habe ich mich vorhin in das Riding Duel-Network gehackt, nur für den Fall. Aber das ist jetzt unwichtig! Tu, was ich dir gesagt habe!“
      Voller Unverständnis erwiderte Anya: „Okay, es läuft grad' nicht so gut, aber-!“
      „Sie ist einen Pakt eingegangen! Im Austausch für ihre Emotionen hat sie sich Unbesiegbarkeit erkauft!“

      Was!? Ein Pakt!? Mit einem Immateriellen!? Aber ich fühle keine Präsenz in der Nähe!

      So erschrocken hatte man Levrier selten erlebt.
      „Was sagst du da?“, wiederholte Anya, doch deutlich leiser, allerdings nicht weniger erschüttert. Sie schüttelte den Kopf. „Das hast du dir gerade ausgedacht, oder, Harper?“
      Erstaunlich schnell gewann sie ihre Biestigkeit zurück. „Sorry, aber das Thema ist durch! Ich weiß, du willst mich nur beschützen, aber ich komme schon klar! Also lass-“
      „Das ist keine Lüge! Ich habe zusammen mit einer erfahrenen Dämonenspezialistin Nachforschungen angestellt! Ihr Manager, dieser Nigel, ist ihr Paktpartner! Bevor wir einen Finger an Claire legen können, müssen wir ihn aus dem Weg räumen! Anya-“
      Doch die hörte gar nicht mehr zu, sondern fragte: „Levrier … könnte … könnte er Recht haben?“

      Die Möglichkeit besteht. Eine Siegesquote von hundert Prozent ist verdächtig, so viel haben wir schon immer gewusst. Dieser Mann als treibende Kraft hinter ihr … ich denke nicht, dass Nick Harper dich anlügt.

      „Aber dann“, murmelte das Mädchen, während sie die Strecke nur noch unwesentlich wahr nahm.
      Dann war alles eine Lüge. Die größte Duel Queen aller Zeiten war nichts weiter als eine …
      „Betrügerin“, fuhr es aus Anya mit einem Male heraus. Sie richtete ihr Haupt auf und sah Claire hinterher. „Stimmt es? Du müsstest gehört haben, was Levrier gesagt hat. Dass du nur durch den Pakt deine Duelle gewinnen konntest. Ist das wahr!?“
      Keine Reaktion.
      „Anya, das Wichtigste-“
      Doch die ließ Nick gar nicht ausreden, sondern deaktivierte per Tastendruck an der linken Seite ihres Helms die Verbindung.
      „Antworte!“, verlangte das Mädchen zu wissen.
      Nichts.
      „Verteidige dich gefälligst!“
      Trotzdem keine Reaktion.

      Anya spürte, wie das Herz in ihrer Brust pulsierte. So etwas Niederträchtiges, Feiges, Verlogenes hatte sie noch nie erlebt. Der Zorn zog sich um ihren Verstand wie ein Nebel. Ohne zu wissen, was sie da tat, streckte sie den rechten Arm von sich. In dem keine Sekunde später Angel Wing in seiner Speerform erschien. Wie eine Lanze auf ihrem D-Wheel führte sie diesen mit sich.
      „Du hast alles nur erreicht, weil du deine Seele verkauft hast! Dein ganzes Image ist eine Lüge! Die Leute bewundern dich, obwohl du es gar nicht verdient hast! Weil du eine miese Betrügerin bist!“
      Da drehte sie sich um. Sagte nichts, aber drehte sich um.
      „Soll ich dir was sagen!? Wenn das Ganze hier so ablaufen soll“, fauchte Anya und weitete dabei die Augen bis zum Anschlag. „Wenn du mich mit derselben Masche aufs Kreuz legen willst … Dann hab ich kein Problem -damit-!“
      Sprachs und stieß im Anschluss einen gellenden Schrei aus. Von der Spitze des Speers löste sich ein Lichtblitz, der keine Sekunde später neben Claire im Asphalt einschlug und sie ins Schleudern brachte.
      „Gegen eine wie dich werde ich nicht verlieren!“, fauchte Anya derweil und schoss den nächsten Blitz ab, der diesmal knapp hinter ihrer Feindin einschlug, die sich alarmiert nach vorne umdrehte, da bereits die nächste Kurve wartete.

      Anya Bauer, hör auf damit!

      Doch Anya sah, dass sie genau das erreichte, was sie wollte. „Weißt du, wie man das nennt!? Schwach!“
      Der nächste Treffer verfehlte Claire knapp, sauste beim Einbiegen in die Kurve an ihrem Rücken vorbei und zerschmetterte das Panzerglas der Absperrung, welches sich wie ein Scherbenregen über sie ergoss.
      „Verteidige dich!“, verlangte Anya, richtete den Speer neu aus und schoss diesmal direkt vor Claires Vorderreifen, sodass diese stark abbremsen musste. „Dich mach ich fertig, du elende Kackbratze!“

      Du wirst sie töten!

      „Nein, Levrier“, erwiderte Anya mit blitzenden Zähnen. „Ich sorge nur für Gerechtigkeit.“
      Es ging dem Mädchen nicht darum, das Leben dieser miesen Made zu nehmen. Da stand sie drüber. Alles was sie wollte war dafür zu sorgen, dass wieder Chancengleichheit bestand. Und es klappte, Claire wurde langsamer, der Abstand zu ihr kleiner.

      Anya Bauer, denk nach! Du kannst nicht wild um dich schießen! Auch wenn der Tag gerade erst begonnen hat, könnte jemand uns sehen! Wenn du sie überholen willst, dann warte nicht länger und benutze gefälligst das, was Logan Carter dir hinterlassen hat!

      Anya schreckte zusammen. Was Logan …? Oh shit, daran hatte sie gar nicht mehr gedacht. „Tch!“
      Nein, so nicht! Wieder nahm sie Claire ins Visier, doch ehe sie sich versah, lag [Gem-Knight Pearls] Hand auf Angel Wing. Er schüttelte den Kopf.

      Wie willst du die wahre Duel Queen sein, wenn du genauso betrügst wie sie?

      Anya sah ihn einen Moment an und ging in sich.
      „Yeah, hast Recht.“ Der Speer löste sich in gleißendes Licht auf.
      Das, was Levrier ihr riet, war legal. Und verdammt, warum war sie da nicht früher drauf gekommen, fragte sie sich, als sie in die Kurve einbog und an den auf der Strecke liegenden Glassplittern vorbeifuhr.

      „Wir sind fast durch. Nur eins noch“, sprach Logan.
      Anya verharrte vor ihm auf dem Parkplatz vor der Textilfabrik und nahm strahlend den Helm ab. Dieses Gefühl, ein D-Wheel zu fahren, war unbeschreiblich. Wieso war sie nie auf die Idee gekommen, es zu probieren?
      „Was gibt’s?“
      „Das Ding hat eine Geheimwaffe. 'Nen Turbo. So was haste noch nie gesehen. Hab ich selbst gebaut“, prahlte der Zwerg breit grinsend.
      Sein Gegenüber glaubte sich zu verhören. „Turbo? Das geht?“
      „Ja, solange die Behörden eine Genehmigung erteilen.“ Sein Blick verfinsterte sich. „Wozu es nicht mehr kam, da ich aufgehört hab, kurz nachdem der Booster fertig gestellt war.“
      Überrascht blinzelte Anya, deren Hände auf dem Helm vor sich ruhten. „Wieso? Was ist passiert?“
      „Nicht so wichtig“, wiegelte Logan ihr Interesse an seiner Geschichte jedoch mit einer Handbewegung ab, „ich würde das Teil gerne mit dir testen, aber das geht nur auf einer geraden Strecke. Und eigentlich möchte ich nicht, dass du ihn benutzt.“
      „Eh?“ Voller Unverständnis schürzte Anya die Lippen. „Erst machste mir den Mund ganz wässrig und jetzt sagst du, ich soll die Finger von ihm lassen?“
      Der Schwarzhaarige verschränkte die Arme, sah das Mädchen eindringlich an. „Das Ding hat so'ne Wucht, dass du ihn nicht benutzen kannst, solange der Autopilot aktiv ist. Den müsstest du erst deaktivieren.“
      „Und dann müsste ich mich aufs Fahren und aufs Duellieren gleichzeitig konzentrieren, was man der hohlen Nuss nicht zutrauen darf“, schnappte Anya beleidigt. „Sag mir einfach wie, 'kay?“
      Sein Blick blieb streng. „Im Manual Mode bist du nicht versichert. Wenn etwas passiert …“

      Anyas Nasenflügel blähten sich unter dem roten Helm. Von wegen, als ob! Wenn etwas bald passierte, dann Claire die Ziellinie. Vor ihr! Sofern das Duell überhaupt noch so lange dauerte.
      „Sorry Logan, da musst du jetzt durch“, knurrte die Blonde zornig, denn sie würde eine Betrügerin wie Claire niemals gewinnen lassen.
      Mit einer flinken Handbewegung auf dem Display oberhalb des D-Pads an ihrem Motorrad sorgte sie dafür, dass alles bereit war. Eine mechanische Stimme erklang. „Autopilot off. Switching to Manual Mode.“
      Das sonst blaue Hintergrunddesign des Bildschirms änderte sich in rot, die durchgegebene Aussage überspielte für einen Moment den abgebildeten Spielplan. Und sofort merkte Anya, wie die Maschine an Geschwindigkeit sowie ihren Kurs verlor, da der Autopilot nicht mehr für sie mitsteuerte.
      Jedoch konnte sie das D-Wheel schnell in den Griff bekommen, sodass sie mit dem rechten Daumen entschlossen eine Abdeckung an der Innenseite des Lenkers hochschob. Die Strecke verlief im Moment gerade. Perfekt! Dann blieb nur noch eines. Anya drückte den darunter befindlichen Knopf so fest sie konnte. „Wir sehen uns in der Hölle, Miststück!“

      Zwei längliche, zylindrische Apparaturen fuhren an beiden Seiten neben ihrem Hinterreifen aus einer bis dato nicht sichtbaren Abdeckung des Rahmens hervor und begannen blau zu glühen. Dann ging es los. Die Beschleunigung war gewaltig. Anya spürte, wie es sie vom Motorrad reißen wollte, sodass sie ihr ganzes Gewicht nach vorne verlegte und sich beinahe schon an die Maschine presste.
      Sie sah Claire, wie sie näher und näher kam. Die Betrügerin drehte sich aufgrund von dieser unerwarteten Wendung um, doch in dem Moment sauste Anya schon mit Pauken und Trompeten an ihr vorbei. Für einen Sekundenbruchteil fuhren sie nebeneinander und die Blicke der beiden Duellantinnen trafen sich, bis Anya sie überholt hatte.

      Das hätten wir geschafft!

      Levrier, der in seiner Pearl-Form durchsichtig wie ein fliegender Pfeil neben ihr flog, lachte so herzhaft, dass Anya für einen Moment glaubte, Logan zu hören statt ihn.

      Haha! Das ist unterhaltsam! Aber wir haben nicht viel Zeit! Du musst deine Zauberkarten ausspielen, jetzt!

      „Geht nicht“, schrie Anya, deren Stimme sich bei der Fahrt verlor. „So kann ich mich nicht duellieren! Ich muss warten bis der Turboboost abklingt!“

      Deine Führung ist nicht besonders groß. Willst du das wirklich riskieren?

      Anya schnaubte. Sie wusste, dass das ihre einzige Chance war, denn Logan hatte ihr erklärt, dass der Boost sich nach seiner Verwendung erst wieder aufladen musste, was vermutlich nicht mehr im selben Duell geschehen würde. Aber Levrier hatte Recht. In wenigen Sekunden würde die Beschleunigung nachlassen und dann war das blonde Drecksweib bestimmt schon zur Stelle, um ihre verlorene Führungsposition zurückzugewinnen.
      „Tch! Also schön!“
      Da sie noch ein Stück gerade Strecke vor sich hatte, wagte Anya es, sich langsam aufzurichten. Alles musste jetzt so schnell wie möglich geschehen. Sie griff nach einer Karte in ihrer Halterung.
      „Jetzt gibt’s eine Premiere“, raunte sie und richtete die Hand mit der Karte darin in die Höhe, „zwar hasse ich diese Dinger, doch -diese- Idee ist wirklich genial, das muss man dem Schnöselkind lassen.“

      Beeilung, du wirst schon langsamer!

      „Tch!“ Anya nahm den Arm zurück und legte das Monster auf die Zone ganz links auf dem D-Pad vor sich. „Ich aktiviere [Gem-Knight Tiger's Eye] als Zauberkarte mit dem Pendelbereich 2!“
      Selbst Claire musste überrascht die Augen weiten, als links neben Anya eine blaue Lichtsäule in die Höhe schoss, welche einen schlanken Ritter in goldener Rüstung mit Bronzeakzenten in die Höhe hievte. Dessen Helm erinnerte dank der entfernt dreieckigen Form an einen Tigerkopf. Dazu schwang der Krieger eine Peitsche, die in mehrere Segmente unterteilt war, in denen schwarz-gelbe Edelsteine steckten.
      „Effekt von Tiger's Eye“, bellte Anya, die merkte, wie abrupt die Maschine plötzlich an Geschwindigkeit verlor. „Ich kann eine [Gem-Knight Fusion] abwerfen, um ein normales Monster von meinem Deck zu erhalten!“
      Während Tiger's Eye seine Peitsche über dem Kopf schwang, lehnte sich nun Claire nach vorn und setzte zur Verfolgungsjagd an.
      „Ich wähle [Gem-Knight Pyrite], den ich auch gleich ebenfalls aktiviere mit dem Pendelbereich 8!“
      Nun schoss auch rechts neben Anya eine hellblaue Lichtsäule aus dem Boden, die einen weißen Ritter in sich trug, dessen Schulterplatten silbrige Würfel waren. An beiden Armen führte er je eine Hälfte eines riesigen, goldenen Schildes.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>


      Anya strecke die Hand in die Höhe. „Und jetzt sieh gut hin! Pendulum Scales set! Pendulum Summon!“
      Über ihr öffnete sich ein riesiges Portal, um das sich etliche Lichtellipsen schlossen. Zwei rote Blitze schossen daraus hervor. „Aus meinem Extradeck: [Gem-Knight Malachite] und [Gem-Knight Jasper]!“

      Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>]

      Neben ihr tauchten ein Ritter in blau-grün schimmernder Rüstung mit einem Stab in der Hand sowie ein hünenhafter, roter auf, welcher eine mächtige, lange Hellebarde mit sich führte. Anya warf einen Blick über die Schulter und erschrak. Denn ihre Widersacherin rückte zunehmend näher. Hatte sie ebenfalls eine Art Turbo aktiviert oder wieso geschah das so schnell!? Verdammter Kackmist!
      „Kch!“, zischte das Mädchen und richtete den Blick nach vorne. „Effekt von Pyrite in meiner Pendelzone! Einmal pro Zug schickt er einen Gem-Knight von meinem Deck auf den Friedhof! Damit macht er den Nachtteil von Pendel-Gems wett, die nach der Zerstörung ins Extradeck gelangen statt auf den Friedhof, wo ich sie nicht verbannen kann, um [Gem-Knight Fusion]-“

      Unwichtige Details! Konzentriere dich aufs Wesentliche!

      Obwohl Anya Levriers Warnung nur mit großem Widerwillen annahm, konnte sie nicht abstreiten, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Strategiegespräche war. Schon gar nicht mit der!
      „Ich schicke [Gem-Knight Lazuli] auf den Friedhof! Dadurch aktiviert sich auch gleich ihr Effekt!“
      Als durchsichtige Gestalt tauchte eine kleine Ritterin neben ihr auf, in khakifarbener Rüstung, an deren Helm zwei Bänder befestigt waren. Sie verschwand, stattdessen schob sich eine andere Karte aus Anyas Friedhof, die jene sofort aufnahm und vorzeigte. „Durch den erhalte ich ein normales Monster von meinem Friedhof, [Gem-Knight Tourmaline]!“
      Womit sie wieder auf drei Handkarten kam.

      Anya Bauer! Sie ist fast da!

      „Was!?“
      Anya drehte sich wieder um. Tatsächlich, diese blöde Schnepfe hatte sie fast erreicht. Aber wie!? Als wäre sie der Wind höchstpersönlich. Da ging Anya ein Licht auf: Der Windschatten ihrer Maschine, natürlich! Die hatte sich direkt an ihre Fersen geheftet!
      Sofort leitete Anya ein Ausweichmanöver ein, doch Claire folgte ihr so geschickt, dass auch die nächsten Versuche fehlschlugen, sie abzuwimmeln. „Shit!“
      Unter dieses Umständen war die Zeit zu knapp, noch [Gem-Knight Fusion] zu recyclen! Sie hatte noch eine Zauberkarte auf dem Blatt. Dann eben die!
      „Bevor du dich wieder vor schummelst, habe ich noch eine Überraschung für dich!“, schrie Anya und rammte besagte Karte schon in den passenden Slot. „Mit freundlichen Grüßen vom Flohpelz! [Pendulum Fusion]!“
      Das Pendelportal öffnete sich erneut über Anya, doch anstatt etwas auszustoßen, bildete sich im Dimensionsloch selbst ein bunter Wirbel, welcher zunächst Anyas Ritter auf dem Feld und schließlich den goldenen Tourmaline in ihrer Hand absorbierte.
      „Diese Karte funktioniert wie eine stinknormale Fusionskarte mit dem Unterschied, dass mindestens ein Pendelmonster unter den Materialien sein muss“, erklärte Anya und streckte eine Hand in die Höhe. Doch plötzlich ließ auch die andere den Lenker los, sodass das Mädchen beide über ihrem Kopf faltete, als ob sie bete.

      Was machst du da!? Der Autopilot ist noch nicht wieder aktiviert! Hör auf damit, du baust sonst einen Unfall!

      Nichts da, fauchte Anya still zurück. Erst würde sie das hier durchziehen!
      In genau jenem Moment holte Claire auf, sodass sie wieder nebeneinander fuhren. Anya funkelte ihre Feindin böse von der Seite an, als jene, ignorant wie sie war, stur an ihr vorbeizog. Aber die Karte war bereits gespielt, daran ließ sich nichts mehr rütteln!
      „Jetzt gibt’s die volle Ladung!“, prophezeite Anya finster. „Herz, Seele, Gefäß! Vereint euch zur reinsten aller Ritterinnen, deren Klinge jeden Hoffnungsstrahl zerteilt! Fusion Summon!“
      In dem Moment riss sie die Hände energisch hinunter. „Strahle, [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond]!“
      Aus dem Pendelportal schoss ein glänzender, weißer Lichtstrahl, welcher neben Anya die Form einer edlen Kriegerin annahm. In einer blassgoldenen Rüstung steckte ihr neuestes Assmonster, von dessen länglichen Schulterplatten ein kurzer, roter Umhang hing. Brustpanzer und Helm waren von schimmernden Brillanten bedeckt. Und so schlicht ihr Schwert auch wirken mochte, so stark war es doch tatsächlich.

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 DEF/2000 (10)]

      Anya wusste, dass nun, da Claire wieder führte, ihre Chancen noch einmal eine Zauberkarte zu aktivieren bei 0 lagen. Aber sie hatte jetzt Lady Brilliant Diamond. Sie brauchte keine mehr!
      „Effekte von Jasper und Malachite!“, donnerte sie.
      Wieso aber sollte sie sich eigentlich damit abfinden? Wenn diese Schlampe den Windschatten ausnutzen konnte, warum nicht auch sie?
      Während sie besagte Effekte ihrer Pendelmonster erklärte, versuchte sie sich direkt hinter Claire zu positionieren. „Die Bedingung ist bei beiden dieselbe: Das Monster muss als Fusionsmaterial für einen Gem-Knight benutzt werden! Jasper stärkt das beschworene Monster um 600 Punkte! Und dank Malachite darf ich eine Karte ziehen!
      Ihre Ritterin begann umgehend in rotem Licht aufzuglühen.

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 → 4000 DEF/2000 → 2600 (10)]

      Indes bemerkte Claire Anyas Manöver, wich entsprechend zur Seite aus. Und da Anya noch nicht geübt genug war, gelang es ihr nicht, dauerhaft hinter Claire zu fahren, zumal diese langsam die Distanz zwischen beiden vergrößerte.
      Was Anya quittierte mit: „So ein Kackmist! Hmpf! Ich ziehe erstmal! Draw!“
      Nach der schwungvollen Bewegung musste sie einsehen, dass Claire sie nicht noch einmal an sich vorbeiziehen lassen würde. Widerwillig gab Anya dementsprechend ihre Versuche auf. Stattdessen schmetterte sie unzufrieden das aufgezogene Monster auf den Spielplan. „Normalbeschwörung: [Gem-Knight Amber]!“
      Sofort erschien neben ihr ein goldener Ritter, der aus seiner Handfläche einen Blitzdolch zog.

      Gem-Knight Amber [ATK/1600 DEF/1400 (4)]

      „Jetzt zeig' ich dir was richtig Cooles“, schnarrte Anya, deren Hand noch auf ihrem Monster lag, „sowas hast du noch nie gesehen! Effekt von [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond]!“
      Jene, die neben dem Neuankömmling her flog, richtete ihr Schwert auf ebenjenen.
      „Einmal pro Zug kann ich einen Gem-Knight auf den Friedhof legen, um im Gegenzug einen aus meinem Extradeck zu beschwören!“ Anya nahm Amber wieder vom Feld. „Contradiction Fusion!“
      Hinter jenem öffnete sich ein bunter Edelsteinwirbel, welcher einzig den goldenen Krieger absorbierte, anstatt wie sonst mindestens zwei Monster. Anya schrie: „Auf sie mit Gebrüll, [Gem-Knight Prismaura]!“
      An seiner Statt schoss ein weißer Ritter in rotem Cape aus dem Wirbel, welcher einen Schild sowie eine Mischung aus Lanze und Schwert mit sich führte, die aus blauem Kristall bestand.

      Gem-Knight Prismaura [ATK/2450 DEF/1400 (7)]

      „Da staunst du, was? Tch, natürlich nicht, deine Gefühle haste ja in eine Kiste gesteckt und deinem Dämonenfreund als Geschenk überreicht“, stichelte Anya grimmig. Keine Reaktion seitens Claire, womit sie allerdings auch nicht gerechnet hatte. „Was auch immer, ich verbanne Amber von meinem Friedhof, um [Gem-Knight Fusion] von dort zurückzuerhalten!“
      Jene Karte schob sich automatisch aus dem Friedhofsschacht hervor, sodass Anya sie nur noch hervorziehen und zeigen musste. In dem Moment erwiderte Claire: „Effekt von [Aerial Recharge]: Sie erschafft eine Projektion. Effekt von [Mecha Phantom Beast Megaraptor]: Er erzeugt bei der Beschwörung einer Projektion eine weitere.“

      Sie weiß, was sie erwartet, deswegen holt sie noch einmal alles heraus, was möglich ist.

      Levrier, der neben seinen beiden sichtbaren Artgenossen schwebte, verschränkte die Arme, während zwei bunte Hologrammversionen des dinoartigen Kampfjets über Claire erschienen. Damit kontrollierte sie nun drei Projektionen und zwei reale Monster, die in einer V-Formation durch die Lüfte zogen.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      Sofort richtete sich das Geschütz an Claires D-Wheel auf Anya aus. „Effekt von [Cyber Summon Blaster]: Für jedes spezialbeschworene Maschinen-Monster fügt sie 300 Punkte Schaden zu.“
      Schon lösten sich zwei Blitzstrahlen von der Kanone. Anya, die immer noch via Manual Mode fuhr, wich beiden Schüssen geschickt aus, neben ihr flog der aufgeplatzte Asphalt nur so durch die Luft.

      [Anya: 1000LP → 700LP → 400LP / Claire: 4000LP]


      Dennoch entschied sie sich im Anschluss, den Autopiloten wieder zu aktivieren. Voraus lag nämlich eine Reihe heikler Kurven. Und da sie für Claire so einiges geplant hatte, das ihre ganze Konzentration erforderte, blieb ihr kaum eine andere Wahl.
      „Mode Switch. Autopilot on“, drang die Stimme des Computers an ihr Ohr und der Hintergrundbildschirm wechselte seine Farbe wieder von rot auf blau. Sofort verlor sie etwas an Geschwindigkeit, aber das war inzwischen nebensächlich, da sie Claire ohnehin nicht noch einmal überholen würde.
      „[Gem-Knight Fusion] wandert aber gleich wieder auf den Friedhof, denn die werfe ich zur Aktivierung von Prismauras Effekt ab“, verlautete Anya und streckte die Hand nach vorne aus. Gleichzeitig lud sich in der Schwertlanze ihres Ritters elektrische Energie auf. „Damit kann ich sofort eine deiner Karten zerstören.“
      Anya betrachtete nachdenklich den Spielplan vor sich. Entweder [Cyber Summon Blaster] oder [Aerial Recharge]. Würde sie Ersteren loswerden, müsste sie keinen Schaden mehr erleiden, doch Claire konnte weiterhin Spielmarken produzieren. Letztere waren die Hauptverantwortlichen für den ganzen Schaden, den sie schon genommen hatte, doch da es auch andere Methoden gab, um Maschinen-Monster spezialzubeschwören und sie maximal noch einen Treffer verkraftete, war die Wahl offensichtlich.
      Entschieden richtete Anya den Zeigefinger auf das Geschütz an Claires D-Wheel. „Ich zerstöre [Cyber Summon Blaster]!“
      Mit einem gellenden Schrei schoss Prismaura den Blitzstrahl ab, welcher jedoch nicht Claires Motorrad traf, sondern stattdessen die aufrecht neben ihr stehende Fallenkarte. Als diese explodierte, verschwand die Waffe gleich mit.

      Damit sind wir ein Problem los.

      Mit einem Ruck stieß Anya ihre Hand nach vorn. „Mal sehen, was du dazu sagst! Ich greife mit [Gem-Knight Prismaura] dein [Mecha Phantom Beast Blackfalcon] an! Divine Lance Strike!“
      Ihr Ritter warf die Schwertlanze in die Luft, fing sie am Griff auf und schleuderte sie mit aller Macht in Richtung des schwarzen, länglichen Falkenjets. Im Flug gab sie dabei elektrische Ladungen von ihrer Kristallklinge ab.
      Claire drehte sich um und schwang ebenfalls den Arm aus. „Effektaktivierung von [Mecha Phantom Beast Blackfalcon]. Einmal pro Zug kann es eine Projektion deaktivieren, um die Position eines Monsters zu wechseln.“
      Von den drei bunten Hologrammen löste sich die Kopie des Blackfalcons auf. Jener sendete dann eine Art Schockwelle aus, welche den Flug der Lanze bremste und gleichzeitig Prismaura in eine kniende Position zwang, während er weiter neben Anya her flog.

      Gem-Knight Prismaura [ATK/2450 DEF/1400 (7)]

      Anya knirschte wütend mit den Zähnen. „Mal wieder Glück gehabt, was? Aber noch hab ich Lady Brilliant Diamond! Das Ziel ist immer noch Blackfalcon! Brilliant Fate Severing!“
      Wie ein Pfeil flog die Ritterin voran und holte mit ihrer Klinge weit aus. Claire, die immer noch nach hinten sah, trotz der nahenden Kurven, erwiderte: „Effekt von [Vic Formation]. Ich schicke sie auf den Friedhof, um eine Projektion zum Angriffsziel zu machen!“
      „Was!?“, donnerte Anya, als sich die Falle neben Claire auflöste.
      Lady Brilliant Diamond änderte den Kurs, schoss an Blackfalcon vorbei und schlug stattdessen nach einer der beiden Kopien Megaraptors, welche sich auflöste.
      „Das gibt’s doch nicht! Shit“, fluchte Anya, als ihre Kriegerin zu ihr zurückkehrte. Wie konnte diese dämliche Pute gleich beide Angriffe abwehren!? Hatte sie das geahnt oder war das Teil dieses verdammten Paktes!? Natürlich, denn wären beide durchgegangen, hätte sie das Spiel gewonnen!
      Wütend nahm Anya ihre letzte Handkarte und schob die Falle in den entsprechenden Slot. „Die hier setze ich verdeckt. Zug beendet, Miststück!“
      Zischend materialisierte sich die Karte neben ihr und verschwand, ebenso wie die letzte verbliebene Projektion Claires, die jene opferte, um [Aerial Recharge] im Spiel zu behalten. Dann ging es schon in die Serie aus Kurven.

      „Draw Phase“, rief jene monoton wie eh und je und richtete ihr Augenmerk wieder auf die Strecke, zog ihre Karte auf. Gleich im Anschluss verkündete sie: „Effekt von [Aerial Recharge]: Sie erschafft eine Projektion. Effekt von [Mecha Phantom Beast Megaraptor]: Er erzeugt bei der Beschwörung einer Projektion eine weitere.“
      „Exakt dasselbe hat sie eben schon gesagt!“
      Ganz zu Anyas Unzufriedenheit tauchten auch nacheinander die beiden Hologramme Megaraptors neben diesem und Blackfalcon auf.

      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      „Effekt von [Mecha Phantom Beast Megaraptor]: Ich deaktiviere eine Projektion und erhalte ein Mecha Phantom Beast-Monster von meinem Deck“, ratterte Claire ihr Programm weiter runter, während eines der beiden eben erst erschienenen Hologramme wieder verschwand, „[Mecha Phantom Beast Aerosguin]. Zauberkartenaktivierung: [Scramble!! Scramble!!]!“
      Kaum hatte Claire ihr Monster aus dem Deck gezogen, sprang vor ihr schon besagte Schnellzauberkarte auf. Und Anya stöhnte: „Die kenn' ich! Shit!“
      „Sämtliche Projektionen werden mit Mecha Phantom Beast-Monstern aus meinem Deck ausgetauscht“, erklärte Claire. Megaraptors zweites Ebenbild löste sich alsdann auf. „Spezialbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Coltwing].“
      Besagtes Monster war ein Kipprotor-Wandelflugzeug, dessen Cockpit einem Pferdekopf nachempfunden war. Neben ihm tauchten gleich zwei weitere Abbildungen seiner selbst auf.

      Mecha Phantom Beast Coltwing [ATK/1600 DEF/1500 (4 → 10)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (3)]

      „Erster Effekt von [Mecha Phantom Beast Coltwing]: Bei seiner Beschwörung erschafft er zwei Projektionen.“ Claire drehte sich wieder zu Anya um und das, obwohl sie in Schlangenlinien die Kurven nehmen musste. „Zweiter Effekt von [Mecha Phantom Beast Coltwing]: Im Austausch für zwei Projektionen kann er eine Karte meines Gegners zerstören und verbannen.“
      Sie hob ihren Zeigefinger und deutete auf Anya, die ohnehin schon Mühe hatte, mitzuhalten. Parallel dazu verschwanden die beiden Abbilder Coltwings. Dann schwang Claire ihren Arm herüber zu der neben Anya fliegenden Ritterin Lady Brilliant Diamond. „Sie.“
      Anya stieß einen wütenden Schrei aus. „Was!? Nein!“
      Doch das Flugzeug ihrer Feindin eröffnete bereits breit gefächertes Sperrfeuer, welches den Asphalt vor dem Mädchen regelrecht zum Zerbersten brachte. In wahnsinniger Geschwindigkeit kam es näher. Und Anya wusste, dass selbst wenn sie das überlebte, sie ohne ihre Ritterin verloren war …


      Turn 80 – Rage Unlimited
      Trotz ihrer misslichen Lage ist Anya fest entschlossen Claire zu besiegen und damit zu beweisen, dass ihr Pakt mit Nigel nicht absolut ist. Während des Duells wird zudem etwas Erstaunliches über Claires Deck enthüllt. Und …



      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Amber
      Gem-Knight Lazuli

      Gem-Knight Pyrite
      Monster/Normal/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/0 DEF/2800 (6) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight"-Karte von deinem Deck auf den Friedhof schicken.
      Monstereffekt:Einer der verlorenen Edelsteinritter, die nach einer langen Reise zurückgekehrt sind. Doch die Welt, die sie einst ihre eigene nannten, ist nicht mehr.

      Gem-Knight Jasper
      Monster/Effekt/Pendel
      Pyro/Erde
      ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Erhöhe die ATK und DEF jenes Monsters um 600.

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster von deinem Deck hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: {????}

      Gem-Knight Malachite
      Monster/Effekt/Pendel
      Aqua/Erde
      ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Ziehe 1 Karte.

      Kuriboss
      Fee/Licht/Empfänger
      ATK/300 DEF/200 (1)
      Wenn einem Spieler Kampfschaden zugefügt wird, während sich diese Karte auf deinem Friedhof befindet: du kannst diese Karte verbannen, um den Schaden auf 0 zu setzen. Wenn du durch diesen Effekt Kampfschaden, den dein Gegner erleiden würde, annulliert hast: ziehe eine Karte; du kannst die ATK eines offenen Monsters um 300 erhöhen.

      Gem-Knight Fusion

      Pendulum Fusion
      Zauber/Normal
      Beschwöre 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck und verwende dabei Monster von deiner Hand oder deiner Spielfeldseite als Fusionsmaterial, darunter mindestens 1 Pendelmonster. {Rest unbekannt}

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond
      Gem-Knight Prismaura

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Claire

      Mecha Phantom Beast Harrliard
      Mecha Phantom Beast Sabre Hawk
      Mecha Phantom Beast Megaraptor
      Mecha Phantom Beast Blackfalcon
      Mecha Phantom Beast Aerosguin
      Mecha Phantom Beast Coltwing

      Scramble!! Scramble!!
      Greed Grado

      Aerial Recharge
      Sonic Boom

      Vic Formation
      Falle/Dauerhaft
      Aktiviere, wenn du genau 2 "Mecha Phantom Beast"-Monster kontrollierst; beschwöre 1 "Mecha Phantom Beast"-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung. Wenn ein "Mecha Phantom Beast"-Monster als Ziel eines Angriffs gewählt wird und du eine "Mecha Phantom Beast"-Spielmarke kontrollierst: Du kannst diese offene Karte auf den Friedhof schicken; ändere das Angriffsziel in eine "Mecha Phantom Beast"-Spielmarke um, die du kontrollierst.

      Cyber Summon Blaster
      -Aska-

      Ne, ist okay, das kam im Endeffekt auch nur innerhalb des Gedankens auf, wie schnell Anya theoretisch Duel Queen werden könnte, eben weil bei Othello die Zeit drückt. Aber denke auf die Frage mit dem Titel kommen wir früher oder später eh nochmal zurück.

      Wenn wir ehrlich sind, 5D's hatte keinerlei Stil, wenn es um die Riding Duelle ging. Ich erinnere mich jetzt nicht wirklich mehr daran, aber ich glaube es gab sie nicht einmal bei allen Duellen, weil nicht jedes Riding Duell auf einer Ringstrecke mit Start Ziel war. Und die einzigen Effekte, die Speed Counter hatten, waren die Einschränkung der Aktivierung von starken Karten sowie eben dass man sie proportional verlor, wenn man Schaden einsteckte. Da fand ich deine Variante wirklich dutzend Mal besser. Aber es ist generell schwierig, ein stationäres Spiel in eine sich bewegende Umgebung zu transferieren

      Wird ja nicht das letzte Mal gewesen sein, das man AIden zu Gesicht bekam - Außer er liegt irgendwann erstochen auf seinem Schreibtisch, und Detektiv Nick Holmes wird zusammen mit seiner Sidekick Alex Watson gerufen, um den Mord aufzuklären. Nur um dann desinteressiert herauszugehen und es als Selbstmord abzutun xD

      Ich sag dir nicht, wie viele Serien und Folgen von Serien kenne, die das Ende spoilern, und dann in Flashbacks aufschlüsseln, wie es dazu kam. Die Krimiserie Motive z.B. basiert sogar komplett darauf, das Motiv für die Tat innerhalb der Folgendauer zu ergründen.

      Hast du bei den Dämonen jetzt den universellen Plural verwendet, oder den maskulinen Plural? xD Weil ich mir gerade du weißt schon wen mit blutender Nase beim Spannen vorstellen muss. xDD


      Folge


      Zum Duell Claire vs Anya selbst muss ich denke ich nicht viele Worte verlieren. Bei Claire zeigst du wie gut die Mecha Phantom Beasts unter idealen Bedingungen miteinander harmonieren und ineinander übergehen können. Anya hingegen durfte direkt mit ihren neuen Karten loslegen. War nur ein wenig von ihren beiden Gem Knight Pendelmonster überrascht, die aus dem Extradeck zurückkamen. Hab in der letzten Folge echt nicht mitbekommen, dass sie zuvor dort gelandet waren.
      Bei Claire war nur ein wenig schade, das sie im Endeffekt exakt die gleiche Strategie wie im Duell gegen Othello gefahren ist, dabei nur in den Karten etwas variiert wurde. Aber für die nächste Folge hab ich da jetzt mehr Zuversicht, weil sie nun ohne Cyber Summon Blaster definitiv anders spielen muss, als sich nur auf schnell hintereinander kommenden Special Summons zu verlassen. (außer sie zieht ein weiteres Exemplar auf xD)

      Aber alles in Allem eine sehr spannende Folge, in beiden Handlungsfäden. Auf der einen Seite das besagte, heftige Riding Duell. Natürlich war klar, dass Claire dies wie gehabt dominierte, aber Anya hat sich trotz aller Nachteile bisher auch wacker geschlagen. Sicherlich wäre die Verwendung von Angel Wing als Waffe unter normalen Umständen ein unmittelbarer Grund zur Disqualifikation gewesen, aber hier schien das keinen der Beteiligten zu stören. Wobei das wohl in erster Linie wenn überhaupt Logan betreffen würde. Hängt natürlich aber auch davon ab, was er von seinem Kommandostand sehen kann. Wenn ich das mit dem Zuschauen bei Autorennen vergleiche, sieht er vielleicht auch nur die Punkte auf dem Parcours, die sich bewegen, aber kein Live Feed von Kameras auf der Strecke (ist ja kein Coverage-Team vor Ort). Bei Nigel denke ich hingegen eher, dass der schon darum weiß, aber einfach keinen Grund hatte, sich einzumischen.
      Naja, egal. Auf jeden Fall hat Claire ja auch mit 'harten' Bandagen gekämpft, und Anya sich dank Logans geheimem Extra zurück nach vorne kämpfen und einen fulminanten Zug hinlegen können, insofern kann man das denke ich einfach so hinnehmen. Außerdem fand ich es schön zur Verdeutlichung, wie wütend Anya in dem Moment auf Claire gewesen war. Ich meine, trotz all ihrer Abneigung hat sie die Duel Queen sicher bewundert und ihre Position verehrt.

      Interessant zu sehen wird auch noch sein, wie sich das alles bei dem Bordfunk verhält, und was Logan von den ganzen gesagten Dingen mithören konnte. Wäre nämlich sehr spannend zu wissen, wenn er die ganzen Vorwürfe mitbekommen hat und wie er es eben aufnehmen würde, das Claire betrügt. Die haben ja auch eine gewisse Backstory, weshalb er dann seine Karriere als Pro-Duellant beendet hat. Und dann da noch die ganzen übernatürlichen Dinge, die aufgekommen sind. Alternativ könnte es natürlich einen weiteren Schauplatz geben bei Nigel und Logan, entweder verbal als Unterhaltung oder als Duell. Denn Claire ist ja nicht gerade so der redselige Typ, die jetzt wie in der Preview angedeutet von ihrem Deck usw. erzählen dürfte. Aber gut, vielleicht verschätze ich mich da ja auch, denn inzwischen würdig sie Anya zwischenzeitlich mit mehr Blicken als vermutlich ihre letzten zehn Gegner in ihren Riding Duellen.


      Auf der anderen Seite waren da noch die Szenen um den Dämon Joel und Nick. Die haben sicherliche einige Dinge angeschnitten, aber gleichzeitig auch nochmal mehr Fragen aufgeworfen. Aber allmählich lassen sich immer mehr ein paar Strukturen hinter dem ganzen Gebilde erkennen. Nur bleibt halt der Zweifel, ob das am Ende nicht nur täuscht.
      So wie man in der Folge feststellen konnte, dass die Dämonen bisher alle eher "unscheinbar" wirken wollen. Der Sammler, Xiphos und nun Joel, alle optisch eher die harmlose Sorte. Und doch sind sie eine Kraft, die man niemals unterschätzen darf. Deswegen bin ich mir bei Joel auch nicht sicher, wie man ihn einschätzen soll. Wenn es wirklich stimmt, dass der Sammler sich Dinge von ihm angeeignet hat, und Xiphos wiederum auch, ob es nicht auch noch Dinge gibt, die er noch für sich behalten hat.

      Aber für Nick ist das wirklich so, als ob er einen Pakt mit einem Teufel eingeht, wenn er sich auf ihn einlässt. Nur stellt sich für ihn die Frage, welcher Teufel in seinem Umfeld das kleinere Übel ist.
      Immerhin beobachtet ihn ja schon ein anderer Dämon. Wird man auch sehen müssen, wie Xiphos darauf reagiert, sofern er davon überhaupt erfährt oder es ihm etwas ausmacht. Kann ja auch sein, dass er sich da komplett raushält? Aber vom Gefühl her würde ich davon jetzt nicht ausgehen.

      Auch der Einwand von Alex bzgl Joel/Tony war sicher nicht außer Acht zu lassen. Keiner weiß wirklich, wie weit er genau außerhalb seines Gefängnisses interagieren kann. Gut informiert ist er ja, wie man das so mitbekommt. Ich mein, wer da nicht hellhörig wird? xD

      Bei ein par andere Sachen rund um Alex, Nick und Joel muss noch man abwarten, was da nachkommt. Aber allen voran nun, wo die Conqueror's Soul nun richtig enthüllt ist, dürfte demnächst auch Daddy Bauer mehr in den Fokus rücken können, da nun die Chance besteht, dass er sie auch hat. Stellt sich nur die Frage, wer der Bauer-Sprößlinge das zweifelhafte Vergnügen haben wird, und das kann dann ja auch böse nach hinten losgehen, wenn da die Conqueror's Soul aufeinander treffen ;)

      Dass Nick auch die Conqueror's Soul besitzt, fand ich war sogar fast eine größere Enthüllung als die Sache mit Claire's Pakt. Aber das liegt mehr daran, dass man bei Claire sowieso schon vermutet hat, dass es einfach nicht mit rechten Dingen zugehen kann, so unglaublich wie die Siegessträhne von ihr ist. Gerade in einem Universum, wo das Übernatürliche so zahlreich ist.
      Aber das dürfte dann ja früher oder später genauer geklärt werden, wie sich dieser Pakt gestaltet. Schön war aber auf jeden Fall schonmal das gezeichnete Bild, wie sie ihre Emotionen, sozusagen ihr "Herzblut" dafür hergegeben hat, um immer zu gewinnen. Nur sagt das ja auch noch nichts darüber aus, was ihre Gründe für ihren Pakt gewesen sind. Denke die Motivation dafür wird auch noch interessant zu erfahren sein.

      In dem Sinn, bitte weiter mit der nächsten Folge, in der (kleinen) Hoffnung auf Antworten ^^
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Ermahgerd it's erh newh erpisohd!

      @Evil Bakura
      So richtig genutzt hat 5D's die Idee mit den Riding Duels nicht, das stimmt. Aber auch wenn die Idee sowieso immer etwas Lächerliches an sich hatte, war sie irgendwo auch cool. Sogesehen sind die Action Duels in Arc-V ein Schritt in die richtige Richtung, wie man "Bewegung" ins Spiel bringt, haben aber wieder genug eigene Probleme.

      Enden spoilern ist doch lame. Zumindest für jemanden wie mich, der Leute lieber 100 Folgen lang quält mit Teasern, aber nie konkreten Aussagen. >D
      Man muss nur aufpassen, dass das nicht irgendwann zu viel wird.

      Zur Folge: Danke. Aber leider ist es wie du sagtest: So funzen die MPBs nur idealerweise. Die bräuchten vielleicht 2-3 Karten, die alles etwas stabiler machen. Aber wer weiß, heutzutage supportet Konami ja viele alte Themen.
      Anyas Pendelmonster wurden durch rote Blitze in den Rauchwolken angedeutet. Zumindest wollte ich das so darstellen. Hab ich das vergessen? Hmm ... naja, ist jetzt eh wayne.

      Logan sieht, wie du sagtest, nur die Statistiken etc., kein Live Feed.
      Für Anya ist das alles ein Schock, so viel ist klar. Die Frage wird auch sein, was aus ihrem Traum danach wird. Aber das wird noch dauern, bis das geklärt ist.

      Joel ist ein Bishi. Nuff said. Also sollte Nick sich von ihm fern halten. XD
      Ernsthaft, traue keinem von denen. Die haben alle ihre Agenda. Nick muss jetzt herausfinden, wie die bei Joel aussieht.

      Ansonsten danke für den Kommi. Und Antworten? Phah, wer braucht die schon!


      Turn 80 - Rage Unlimited
      „Anya?“, wunderte sich Nick, als plötzlich nur noch ein Tuten aus seinem alten, stellenweise verätzten Handy drang. „Anya!?“
      Wunderbar, dachte er sich ärgerlich und nahm den Apparat vom Ohr. Irgendwo in Ephemeria City war seine Schwester gerade dabei, zum Berserker zu mutieren. Die Chance, dass sie jetzt noch für Vernunft offen war, und sei es auch nur Levriers, war schwindend gering.
      „Spielt es denn eine Rolle? Weiter mit ihr zu telefonieren wird nichts an dem Ausgang des Duells ändern“, sprach da der blonde Lockenkopf Joel.
      Die Stirn runzelnd drehte sich Nick, der in der Ecke des verstaubten Klassenzimmers stand, dem androgynen Burschen wieder zu. Alexandra, die genau auf der anderen Seite der Tafel stand und somit nur wenige Schritte von dem Jungen in der ersten Reihe entfernt, verschränkte die Arme. „Er hat Recht. Wenn der Pakt besagt, dass sie ihre Duelle immer gewinnt, dann lässt sich nichts daran rütteln.“
      „Nicht mal mit der Kraft eines Immateriellen.“
      „Soll das ein Witz sein!?“, platzte es aus Nick heraus.
      „Der Äther fließt zu ihren Gunsten. Immaterielle können nur ihren eigenen Ätherfluss manipulieren und den jener, mit denen sie verbunden sind, nicht jedoch den anderer.“ Joel schloss die Augen, öffnete sich dann aber gleich wieder. „Ich frage mich, was für ein Dämon Nigel ist, wenn er den Äther überhaupt beeinflussen kann. Davon habe selbst ich nie gehört.“

      Nick packte das Handy weg und stürmte auf den Dämon zu, packte ihn wutentbrannt am Kragen und versuchte ihn hochzureißen, doch eine unsichtbare Kraft verhinderte dies.
      „Hey! Lass das!“, mischte sich die dunkelblonde Alexandra ein und griff seinen Arm.
      „Du wusstest das schon seit geraumer Zeit und hast mich nicht vorgewarnt!? Du hättest Tony schicken können! Denkst du, unter diesen Umständen werde ich dich befreien!?“
      „Ich bin der Einzige, der deine Fragen beantworten kann. Und du hast noch viele. Manche sind dir noch nicht einmal bewusst.“ Joel lächelte. „Außerdem ist Tony tot.“
      Jetzt war es Alexandra, die beinahe die Beherrschung verlor. „Was!?“
      „Um Informationen für euch zu beschaffen musste ich ihn derart beanspruchen, dass der arme Tropf zwischendrin einfach gestorben ist. Menschen sind so zerbrechlich.“
      Schnaubend ließ Nick ihn los, doch nicht, ohne Joel gewaltsam gegen die Lehne seines Stuhls zu stoßen. Aus den Augenwinkeln sah er den fassungslosen Blick seiner Partnerin, der ihm unmissverständlich mitteilte, dass er daran Schuld war. Nicht, dass ihn der Tod dieses Mannes berührte …
      Joel grinste. „Deswegen mag ich dich, Nick. Du bist skrupellos. Und das musst du sein, wenn du stark genug werden willst, um zu tun, was du tun musst.“
      „Gibt es noch andere mit der Conqueror's Soul?“
      „Ja. Aber die sind uninteressant für uns. Wichtig ist, dass -du- dir ein breites Spektrum an Fähigkeiten aneignest.“ Das Lächeln des blonden Dämons verschwand. „Und halt dich von Kali fern. Sie ist zwar vergleichsweise schwach, verfügt aber ebenfalls über die Conqueror's Soul. Du hattest Glück, weil deine eigene zu dem Zeitpunkt eures Kampfes noch latent war. Beim nächsten Mal könnte es ernsthafte Probleme geben.“

      Es war also gefährlich, wenn zwei Träger dieser Gabe sich bekämpften. Dann galt diese Warnung auch für Anya, Zach und seinen Vater. Anya … gegen sie hatte er sich auch duelliert, kurz nachdem sie vom Sammler versklavt wurde. Vermutlich war auch hier nichts geschehen, weil seine Kräfte noch geschlafen hatten. Aber wann waren sie erwacht?

      Darauf wusste Joel die Antwort. „Xiphos. Er sagte, er kann dir keine Kraft verleihen. Stattdessen hat er dir Snuggly und Sparkly geliehen, die dich 'geöffnet' haben.“
      „Was hat Xiphos vor?“
      „Dieser Junge ist unberechenbar. Wenn ich dir einen Tipp geben darf“, sprach Joel und lächelte süßlich, „sobald du glaubst stark genug zu sein, versuch ihn zu töten. Er könnte ein Problem werden.“
      Dessen war Nick sich bewusst. Allerdings würde er nicht so leichtsinnig werden, sich mit einem der fünf großen Dämonen anzulegen, solange er sich nicht absolut sicher war, siegreich aus der Konfrontation hervorzugehen. Schließlich sollten sie sterben. Alle …
      „... und nur du kannst das erreichen. Ich glaube an dich, Nick. Das nächste Mal, wenn du kommst, habe ich vielleicht mehr Antworten für dich. Was der Sammler plant, was Xiphos plant, wer sonst noch im Hintergrund die Fäden zieht.“
      Nick verzog den Mund. „Wir werden sehen. Alexandra, ich denke, wir sind hier fertig.“
      „J-ja“, erwiderte die, war in der Zwischenzeit deutlich erblasst.

      ~-~-~

      Überall vor Anya platzte der Asphalt unter dem Sperrfeuer von [Mecha Phantom Beast Coltwing] auf, einem Wandelflugzeug, dessen Cockpit an einen Pferdekopf angelehnt war. Dessen Ziel war Anyas [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond], welche sich schützend vor Anya positionierte und ihre schlichte Klinge mit beiden Händen fest umschloss.
      Doch das Mädchen hatte weiß Gott nicht vor zuzulassen, dass ihre verhasste Rivalin ihr ihren größten Trumpf nahm. So streckte sie die Hand nach vorn aus. „Nix da! Ich aktiviere meine verdeckte Falle! [Gem-Enhancement]!“
      Jene sprang aus dem Nichts neben ihr auf. Sogleich begann Licht aus den Kristallen zu strahlen, die sich an Lady Brilliant Diamonds Schulterplatten und ihrem Brustpanzer befanden.
      „Damit biete ich einen Gem-Knight als Tribut an, um danach einen aus meinem Friedhof wiederzuerwecken!“
      An Anyas Handschuh materialisierte sich ein zweiter von metallischer Natur. Das Leuchten an ihrer Kriegerin wurde stärker, so stark, dass sie damit verschmolz und schlagartig verschwand. Plötzlich sah sich die Jüngere dem Kugelhagel selbst ausgesetzt.
      „Das ist doch, was du wirklich willst“, knurrte Anya, „mich zu durchsieben, huh? Aber daraus wird nichts! Heavy T!“
      Zum zweiten Mal nutze sie die Kraft der Hüterkarte in ihrer Panzerhandschuh-Form in diesem Duell, um sich das Leben zu retten. Kurz bevor der Kugelhagel sie erreichte, hob Anya die Hand an und ließ förmlich die Zeit für die Projektile anhalten – Heavy Ts Macht, die Schwerkraft zu beeinflussen, wirkte der Schusskraft entgegen. Grinsend fuhr Anya unter der Attacke hindurch.
      Wie üblich reagierte Claire auf ihrem weißen D-Wheel gar nicht.
      „So, und jetzt sieh her, wer dank meiner Falle zurückkehrt!“
      Sprachs und keine Sekunde später strahlte über ihr erneut grelles Licht. Und sie war wieder da, die Ritterin des Brillanten.

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 DEF/2000 (10)]

      „Tja, den Angriffsbonus durch die Fusion von [Gem-Knight Jasper] hat sie zwar verloren, aber da [Gem-Enhancement] mir nicht untersagt, das geopferte Monster zurückzubeschwören, hast du effektiv versagt!“ Anya reckte das Kinn vor. „Denk dir was Besseres aus!“
      Das gesagt, war es trotzdem noch der Zug ihrer Gegnerin. Welche neben ihrem Coltwing noch den an einen Velociraptor angelehnten Jet sowie den länglichen Falkenjet kontrollierte. Dazu kamen noch ihre Falle [Aerial Recharge], die Anya seither ein Dorn im Auge war und zwei Handkarten.

      Mecha Phantom Beast Coltwing [ATK/1600 DEF/1500 (4)]
      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 DEF/1000 (4)]
      Mecha Phantom Beast Blackfalcon [ATK/1200 DEF/1700 (4)]

      Claire indes verkündete: „Battle Phase. [Mecha Phantom Beast Megaraptor] greift [Gem-Knight Prismaura] an.“
      Jener schwebte neben Anya her, die dank des Autopiloten nicht allzu große Schwierigkeiten hatte, ihrer Gegnerin in einer schnellen Abfolge von Kurven zu folgen. Der kniende, weiße Ritter im roten Umhang hielt schützend seine blaue, kristallene Schwertlanze vor sich und hob zusätzlich dazu noch seinen anderen, den Schildarm, an.

      Gem-Knight Prismaura [ATK/2450 DEF/1400 (7)]

      In Megaraptors Klauen unterhalb des Bugs erschienen Zielsuchraketen, die jener einfach fallen ließ. Wenige Sekunden später fanden die ihr Opfer und zerfetzten dieses regelrecht in einer umfassenden Explosion, die Anya ins Schleudern brachte.
      „Shit!“
      „Ich setze eine Karte. End Phase. Damit muss ich durch [Aerial Recharge] ein Mecha Phantom Beast als Tribut anbieten, wenn ich sie weiterhin im Spiel behalten will.“
      Coltwing löste sich daraufhin in Luft auf, was Anya nur nebenbei wahrnahm. Sie hatte genug damit zu tun, ihre Maschine nicht gegen die Panzerglas-Absperrungen zu fahren.

      Clever. Da [Mecha Phantom Beast Coltwing] durch den Effekt von [Scramble!! Scramble!!] beschworen wurde, opfert sie ihn, ehe er durch den negativen Effekt ihres Zaubers ins schickt ins Extradeck geschickt wird.

      Levrier, der ebenfalls noch neben Anya her glitt, legte eine Hand ans Kinn.

      Aber eines irritiert mich. Sie hat noch keine Normalbeschwörung durchgeführt. Mit dem Monster in ihrer Hand, [Mecha Phantom Beast Aerosguin] hätte sie eine zusätzliche Spielmarke beschwören und die Stufe all ihrer Monster auf 7 anheben können. Und dann …

      Anya wusste genau, worauf er anspielte. Es. Das Bossmonster dieses verfluchten Themas, ein Rang 7-Xyz-Monster, das zerstörerisch und gleichzeitig schwer zerstörbar war. Damit hätte sie Lady Brilliant Diamond spielend leicht abschießen können und gleichzeitig war diese Tatsache eine der wenigen, über die Anya sich vorab informiert hatte. Solange man das Assmonster des Gegners kannte, war alles andere halb so schlimm.
      „Vielleicht spart sie sich das Ding noch auf“, mutmaßte Anya mürrisch, nachdem sie endlich wieder die volle Kontrolle über das schwarze D-Wheel zurückgewonnen hatte, „und ihre Hüterkarte hat sie auch noch nicht gespielt. Was, wenn sie ein und dasselbe sind?“

      Ist es wirklich so einfach?

      „Wer weiß? Ich weiß, dass wir noch lange nicht gewonnen haben.“ Sie warf einen Blick auf den Lebenspunktestand auf dem Monitor über ihrem Lenker.

      [Anya: 400LP / Claire: 4000LP]

      Und knirschte mit den Zähnen. „Falls wir überhaupt gewinnen können. Fuck! Ich habe noch nie von einem Pakt gehört, der nicht mit einem Immateriellen geschlossen wurde.“

      Solche existieren. Ihr Dämon muss besonders sein, wenn er ihr die Fähigkeit verleihen kann, jedes Duell zu gewinnen. Sie muss ähnlich wie die Kräfte der Immateriellen funktionieren.

      „Das Schicksal ändern, huh? Meinste, wir kriegen das auch dieses Mal hin?“

      Dies kann ich dir nicht beantworten, Anya Bauer. Aber du weißt, dass du auf mich zählen kannst.

      „Yeah“, erwiderte die und beugte sich kämpferisch nach vorn, um das maximale Tempo aus ihrer Maschine herauszuholen. Dann griff sie nach ihrem Deck.
      Neben [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond] waren die einzigen Karten, die sie kontrollierte, die Gem-Knights Tiger's Eye und Pyrite, die weit über ihr in hellblauen, aufrecht stehenden Lichtsäulen schwebten und ihr darin auch folgten. Erstgenannter war ein goldener Ritter mit Kettenpeitsche in der Hand, Letzterer dagegen ein weißer mit silbrigen, würfelförmigen Schulterplatten, an dessen Armen sich die Hälften eines riesigen Rundschilds befanden.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>
      Abseits von denen besaß Anya nicht einmal mehr Handkarten. Aber das sollte sich bald ändern!
      „Mein Zug, Miststück! Draw!“, fauchte Anya und riss die Karte von ihrem Deck. Wohlgemerkt ohne Levrier um Hilfe zu bitten. Denn -sie- würde nicht schummeln!
      Ohne Umschweife streckte sie die Hand in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Pendulum Summon!“
      Über ihr öffnete sich ein riesiges Loch im Himmel, wie gewohnt mit dutzenden Ellipsen, die sich darum schlossen. Zwei roten Lichtstrahlen schossen aus dem Pendelportal.
      „Aus meinem Extradeck: [Gem-Knight Jasper] und [Gem-Knight Malachite]!“
      Links und rechts neben ihr tauchten ein hünenhafter Ritter mit langer Hellebarde in der Hand sowie einer in blau-grün schimmernder Rüstung, welcher einen Stab mit sich führte.

      Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>]

      Energisch blickte Anya nach oben, wo ihre Ritterin bereits mit der Schwertspitze auf Malachite zeigte. „Lady Brilliant Diamonds Effekt kennst du bereits! Sie kann einen beliebigen Gem-Knight auf dem Feld in ein Fusionsmonster transformieren. Leider ist das keine echte Fusionsbeschwörung, weshalb ich keine Boni von Jasper oder Malachite erhalte.“
      Nun schwang sie den Arm aus. „Aber das ist es trotzdem wert! Ich wähle Malachite! Contradiction Fusion!“
      Hinter dem blau-grünen Stabkrieger öffnete sich ein Edelsteinwirbel, welcher jenen regelrecht verschluckte. Dann drang grelles Licht daraus hervor.
      „Die hier hast du auch noch nie gesehen! Zeig uns deine Macht, [Gem-Knight Lady Lapis Lazuli]!“
      Blaue Blütenblätter flogen plötzlich aus dem Wirbel und vermengten sich mit einem bräunlichen Schimmer, der ebenfalls aus dem Fusionssog drang. Zusammen formten sie eine humane Gestalt, gehüllt in eine dunkelblaue Rüstung, die dank ihrer langen Schleppe und den weiten Ärmeln stark an einen Kimono erinnerte.

      Gem-Knight Lady Lapis Lazuli [ATK/2400 DEF/1000 (5)]

      Inzwischen hatten die beiden Duellantinnen den Serpentinen-Abschnitt der Strecke verlassen und fuhren wieder auf gerader Strecke. Um sie herum gab es vereinzelt riesige Hochhäuser, meist Hotels, in der Ferne war der Flughafen samt seiner Landebahnen zu sehen.
      Anya streckte den Arm aus. „Natürlich besitzt Lady Lapis Lazuli auch einen Effekt, den du gleich schmerzhaft am eigenen Leib spüren wirst! Dazu muss ich zunächst einen Gem-Knight von meinem Deck oder auch von meinem Extradeck auf den Friedhof schicken. Topaz!“
      Tatsächlich schob sich [Gem-Knight Topaz'] Karte aus Anyas Extradeck-Schlitz, nur um von dem Mädchen aufgenommen und wieder auf den Ablagestapel entsorgt zu werden. Mit dem Hintergedanken, dass er dort womöglich noch nützlich werden könnte.
      Plötzlich begann sich die neue Ritterin des Mädchens mit erhobenen Armen um die eigene Achse zu drehen, ganz, als führe sie einen Tanz auf, ohne sich dabei wirklich zu regen. Gleichzeitig schoben sich aus den Oberkörpern Jaspers und Lady Brilliant Diamonds kleine, blaue Edelsteine, die herüber zu Lady Lapis Lazuli flogen, um jene zu umkreisen. Aber nicht nur bei diesen beiden geschah dies, auch aus [Mecha Phantom Beast Megaraptors] Cockpit schoss so ein Edelstein. Und nicht zuletzt auch die Tänzerin selbst erzeugte einen Lapislazuli, womit sie insgesamt vier Stück mit ihrer Rotation bewegte.
      „Ich hoffe du magst Klunker, immerhin kannst du dir durch deine Betrügereien sicher genug leisten“, wurde Claire erneut von ihrer Gegnerin ohne Erfolg provoziert. Jene schnappte: „Dafür gibt’s jetzt die Quittung! Für jedes spezialbeschworene Monster auf dem Feld fügt [Gem-Knight Lady Lapis Lazuli] dir 500 Schadenspunkte zu! Das sind insgesamt 2000 Punkte! Shimmer Shards!“
      Mit Schwung beendete die edle Kriegerin ihren Tanz und schleuderte ihre namensgebenden Edelsteine auf Claire, welche sich umdrehte. Wie Pfeile schossen die kleinen Schmuckstücke auf sie zu.

      Gleichzeitig beobachtete Logan bei den Boxen über seinen Laptop, wo Anya und Claire sich inzwischen befanden. Etwa drei Viertel der Strecke hatten sie geschafft, wobei anzumerken war, dass sich das Ziel nicht direkt bei den Boxen befand, sondern bereits etwa einen Kilometer davor. Von dort ging es erst über eine letzte Kurve zu den Boxen.
      „Wieso antwortet sie nicht?“, knurrte der Schwarzhaarige wütend darüber, dass Anya ganz offensichtlich ihren Kommunikationskanal gekappt hatte.
      Der rothaarige, bärtige Nigel stand einige Meter hinter ihm und hielt die Arme verschränkt. Dabei warf er hinter seiner Sonnenbrille einen finsteren Blick auf den Mann vor sich, welcher am Pult saß und gerade den Spielplan des Duells aufrief, welcher in diesem Moment die Beschwörung von [Gem-Knight Lady Lapis Lazuli] darstellte.
      „Irgendwelche Kommentare zu den Vorwürfen?“, brummte Logan, ohne sich dabei umzudrehen. „Keine Ahnung, warum die Kleine auf einmal auf 180 ist und diese seltsamen Sachen von sich gibt.
      Hilf mir auf die Sprünge. Oder soll ich mir stattdessen ansehen, was ich hier gespeichert habe?“
      Dabei deutete er auf einen USB-Stick, welcher am Laptop hing. Nigel strich sich abwesend mit der Hand über den feinen, schwarzen Anzug und ließ dann die Arme sinken. „Ein verletztes Tier brüllt bekanntlich am lautesten.“
      „Sicher?“, kam es skeptisch zurück. „Ich kenne das Mädel inzwischen ganz gut. Schlechte Verliererin, das stimmt schon …“
      Langsam begann der Manager auf den Mann vor ihm zu zu schreiten. Dabei schoss lautlos aus seiner Handfläche ein langes Schwert, dessen gezackte Klinge fast schon einem Blitz glich. Sorgsam war in ihrem inneren Bereich goldene Verzierung eingearbeitet.
      „…aber solche Anschuldigungen würde sie nicht in den Raum werfen, wenn es nicht irgendeinen Anhaltspunkt gäbe.“ Logan lehnte sich zurück und lachte laut. „Hah, vielleicht hat sich Mrs. Rosenburg ja beim Schummeln ausnahmsweise ungeschickt angestellt?“
      „Mitnichten“, erwiderte Nigel tonlos, als er direkt hinter Logan stand. Und die Klinge über seinen Kopf erhob. „Ich kann Ihnen versichern, dass diese Vorwürfe völlig haltlos sind. Dürfte ich mir diese 'Aufzeichnungen' einmal ansehen?“

      Claire konnte den fliegenden Edelsteinen rechtzeitig mit einem gewagten Manöver ausweichen, doch als jene sie verfehlten, explodierten sie wie ein Feuerwerk.
      „Was sagst du dazu!?“, triumphierte Anya hämisch.

      [Anya: 400LP / Claire: 4000LP → 2000LP]

      „Fallenkarte aktivieren“, kam die ungebetene Antwort prompt zurück. Neben Claire klappte aus dem Nichts eine violett umrandete Karte auf, aus dessen Artwork die dort abgebildete Maschine austrat. Es handelte sich um eine Art überdimensionalen, spitz zulaufenden Dynamo, von dem rote und blaue Kabel ausgingen, welche sich mit Claires D-Wheel verbanden. „[Damage Vaccine Ω MAX]. Sie macht eine Schadenseinwirkung ungeschehen.“
      „Huh!? Das gibt’s doch nicht!“
      Kaum war Claires Maschine mit holografischem Strom versorgt, verschwanden die Falle und jene seltsame Apparatur wieder.

      [Anya: 400LP / Claire: 2000LP → 4000LP]

      Für alles hat sie die passende Antwort parat. Das ist nicht gut.

      Anya knirschte mit den Zähnen. Wie Recht Levrier neben ihr doch hatte. Sie wollte fusionieren? Claire konterte sie aus. Sie rief Angel Wing? Claire zerstörte ihn mühelos und verbannte ihn obendrein noch, damit er sich nicht reanimieren konnte. Fügte man ihr großen Schaden zu, machte sie diesen einfach ungeschehen.
      „Verdammter Kackmist!“, fluchte das Mädchen aus sich hinaus. Dann aber lehnte sie sich ehrgeizig wie eh und je nach vorn. „Aber ich bin noch lange nicht fertig mit dir! Hörst du mich!? Ich habe gerade erst angefangen! Los, [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond]! Greif' [Mecha Phantom Beast Blackfalcon] an! Brilliant Fate Severing!“
      Sofort folgte die Ritterin über ihr dem Befehl und flog mit erhobener Klinge in erstaunlichem Tempo voraus.
      „Effekt von [Aerial Recharge]“, rief Claire dagegen aus, „sie beschwört eine Projektion, welche durch [Mecha Phantom Beast Megaraptor] verdoppelt wird. Dazu der Effekt von [Mecha Phantom Beast Blackfalcon].“
      Zunächst traten aus dem Velociraptorjet links und rechts bunte Hologrammversionen seiner selbst heraus, von denen eine jedoch alsbald wieder verschwand. „Mit ihm deaktiviere ich eine Projektion und ändere die Kampfposition eines gegnerischen Monsters.“
      Der schwarze, längliche Falkenjet drehte sich seiner Angreiferin zu. Über seine aufgemalten Augen sendete er eine Schockwelle aus, die Lady Brilliant Diamond in ihrem Anflug stoppte und stattdessen schwebend in die Knie zwang.

      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 DEF/2000 (10)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke [ATK/0 DEF/0(3)]

      Die Herausforderin schnappte nach Luft, denn wenn sie das nicht tat, würde sie vermutlich jeden Moment implodieren. Wie war das möglich!? Wenn dieser Angriff zusammen mit denen ihrer anderen beiden Monstern durchgegangen wäre, hätte der gesammelte Schaden punktgenau ausgereicht! Aber nein, Miss Cheato Cheap musste -natürlich- wieder die passende Antwort parat haben!
      „Garrr“, stieß Anya frustriert hervor und streckte den Arm nach vorne, „zerstöre die Projektion, Jasper!“
      Pfeilschnell zischte ihr massiger Krieger nach vorn und schwang seine Hellebarde aus, um durch das bunte Hologramm Megaraptors über Claire durchzuschlagen. Es löste sich daraufhin auf.
      „Ohne Spielmarken kann ich deine Monster im Kampf besiegen!“ Anya ballte die ausgestreckte Hand zu einer Faust. Keine verdeckten Karten mehr, keine Handkarten, die sie auf mirakulöse Weise retten konnten. Der Angriff würde sitzen! „Dem kannst du nicht entgehen! [Gem-Knight Lady Lapis Lazuli], Attacke auf Blackfalcon! Luster Ray!“
      Ihre fein gekleidete Ritterin legte beide Handflächen aufeinander und ließ darin Energielinien entstehen, die sich zu der Skizze eines komplizierten Vielecks verbanden. Aus jenem schoss keine Sekunde später ein lehmbrauner Lichtstrahl.
      Als der schwarze Falkenjet über ihr getroffen wurde und als Ergebnis in tausend Teile zersprang, reagierte Claire nur mit einem Schnalzen. Was mehr war, als Anya von ihr erwartet hatte.

      [Anya: 400LP / Claire: 4000LP → 2800LP]
      „Tch!“ Es hätte wirklich gereicht, trauerte Anya ihrem Sieg immer noch hinterher. Nichtsdestotrotz hatte sie es geschafft, sie hatte ihrer Gegnerin Schaden zugefügt. Endlich! Noch ein paar Treffer mehr! Sofern sie vorher keinen eigenen kassierte zumindest. „Ich setze eine Karte verdeckt!“
      Ihre einzige Handkarte in den Kartenschlitz unter der Zone ihrer Chefritterin schiebend, rümpfte Anya die Nase. So leicht würde sie es dieser Schnepfe nicht machen!
      Zischend materialisierte sich die Falle neben ihr und verschwand. „Zug beendet!“
      „Falleneffekt von [Aerial Recharge]. Entweder verzichte ich auf ein Mecha Phantom Beast-Monster oder auf [Aerial Recharge].“
      Jede Runde dasselbe Spiel. Claires letztes verbliebenes Monster, [Mecha Phantom Beast Megaraptor], löste sich kurzerhand in Luft auf. Damit war die Falle die einzig verbliebene Karte auf der Spielfeldseite der Weltmeisterin, die außerdem nur noch [Mecha Phantom Beast Aerosguin] auf der Hand hielt, wie Anya wusste.

      Was sich aber kurzerhand änderte, als Claire aufzog. „Draw Phase.“
      Keine Sekunde später verkündete sie: „Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Aerosguin].“
      Jener stellte sich als riesiges Luftschiff heraus, dessen Laderampe sich tatsächlich am Bug befand. Die obere Hälfte bestand aus etwas, das einen Heißluftballon glich – und einem Pinguin, dessen Kopf nach vorne starrte.
      „Definitiv das seltsamste ihrer Viecher“, kommentierte Anya den Anblick.

      Mecha Phantom Beast Aerosguin [ATK/1600 DEF/400 (3)]

      „Monstereffekt: Indem ich ein Mecha Phantom Beast vom Friedhof verbanne, erschafft [Mecha Phantom Beast Aerosguin] eine Projektion.“ Claire zeigte bereits [Mecha Phantom Beast Harrliard] vor und schob ihn in den speziellen Schlitz der Verbannungszone. „Falleneffekt: [Aerial Recharge] erschafft eine zweite Projektion.“
      Gleich zwei riesige, bunte Abbilder des gigantischen Pinguinträgers tauchten links und rechts neben diesem auf.

      Mecha Phantom Beast Aerosguin [ATK/1600 DEF/400 (3 → 9)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0(3)]

      Gleich im Anschluss schob Claire ihre letzte Handkarte, einen Zauber, in die entsprechende Zone und sprach: „Zauberkartenaktivierung: [Wingover]. Dazu muss die Zahl meiner Mecha Phantom Beast-Monster mit der meines Gegners übereinstimmen, wobei mindestens eines davon ein Original und keine Projektion sein muss.“
      Schlagartig richteten sich ihre drei Träger steil nach oben aus und gewannen rasch an Höhe. Anya verfolgte das alles nervös, biss die Zähne zusammen, als die drei Schiffe in der Luft eine Kurve machten und allesamt rasend schnell wieder nach unten schossen – und ihren Weg dabei kreuzen würden!
      „[Wingover] zerstört im Anschluss alle Monster meines Gegners zusammen mit den Projektionen.“
      Anya traute ihren Ohren kaum. Wie Pfeile flogen die Gigapinguine über ihr hinweg und ließen aus ihren Laderampen Bomben fallen. Bomben, die alles zerstörten. Ihre beiden Ritterinnen und Jasper, die halbe Strecke. Anya zischte jedoch rechtzeitig unter den Explosionen hinweg, um nicht noch selbst erfasst zu werden.
      „Das gibt’s doch nicht!“, fauchte sie ungläubig, als die beiden bunten Versionen Aerosguins sich auflösten und das Original zu Claire zurückkehrte.
      „Im Anschluss ziehe ich für jede verlorene Projektion eine Karte, muss aber die Battle Phase in diesem Zug überspringen“, fuhr jene seelenruhig mit ihrem Zug fort und riss zwei Karten von ihrem Deck, „ich setze zwei Karten. End Phase.“
      Je links und rechts tauchte eine Falle neben ihr auf und verschwand, zusammen mit Aerosguin, den Claire ganz offensichtlich opferte, um ihre Falle zu behalten. Anyas Feld war monsterleer.

      Nun, das ging noch einmal glimpflich aus. Dennoch, Zurückhaltung sieht anders aus. Spätestens jetzt muss jeder in der Stadt auf uns aufmerksam geworden sein.

      Anya warf einen Blick über die Schulter. Ja, der Rauch, der von der bombardierten Stelle aufstieg, war wohl eindeutig. „Shit! Wir müssen hier schnell fertig werden! Wenn die mich erwischen …“

      und deine Polizeiakte lesen, meinst du? Herrje, deine letzten Tage in einer Zelle zu verbringen wäre in der Tat Verschwendung. Aber ich befürchte, der Sammler würde das nicht zulassen.

      Die Stichelei gekonnt ignorierend, musste Anya grimmig nicken. „Yeah, vermutlich hast du Recht. Hoffen wir's einfach.“

      Trotzdem sollten wir es nicht dazu kommen lassen. Konzentriere dich. Wir haben sie offensichtlich in eine Ecke gedrängt, wenn sie schon auf solche Mittel zugreifen muss. Ein gezielter Treffer und der Kopf der Königin rollt dir vor die Füße.

      Anya beugte sich vor, leckte sich hinter dem gesprungenen Visier ihres Helms über die Lippen. Oh ja, sie schmeckte das Blut der ehemaligen Duel Queen schon. „Halt dich bloß gut fest, Levrier. Gleich geht’s rund!“

      ~-~-~

      Nebeneinander stampften Nick und Alexandra durch den Sand, hinter ihnen in der Ferne das verlassene Bergbaudorf. Entschlossen steuerte der große, zerzauste Mann auf den weißen Chrysler Neon zu.
      „Bist du damit einverstanden?“, fragte seine Begleiterin plötzlich ungläubig und blieb stehen. Streckte die Hand Richtung der Schule aus. Sie hatten die Barriere längst verlassen, also waren sie vermutlich vor Joels Gedankenlesekunst sicher. „Mit diesem Monster zusammenzuarbeiten?“
      Auch Nick hielt an. „Das wird sich zeigen.“
      „Wegen ihm ist Tony jetzt tot!“
      „Bedauerlich. Aber nicht mehr zu ändern.“
      Alexandra schnaufte aufgrund der gefühlskalten Antwort. Aber wirklich überrascht war sie von der nicht, wenn sie ehrlich war. Ob sie ihm nun die Schuld dafür gab oder nicht, es kam letztlich auf das Gleiche hinaus.
      Sie wartete einen Moment, bis sie sagte: „Es ist doch offensichtlich, dass er dich in eine Falle locken will.“
      „Selbstverständlich ist es das. Wann immer das Gespräch in eine für ihn womöglich unvorteilhafte Richtung zu verlaufen drohte, hat er etwas gesagt, das ich hören will.“
      Mit Unwohlsein blickte die Blonde zurück. „Auf mich und meine Gedanken hat er gar nicht reagiert. Vielleicht kann er sich nur auf eine Person gleichzeitig konzentrieren.“
      Indes setzte Nick seinen Weg fort und zückte die Autoschlüssel. „Unwahrscheinlich. Du warst einfach nicht interessant genug.“
      „Tu dir einfach selbst einen Gefallen und vergiss diesen Joel.“

      Doch Nick sah das anders. Die Informationen dieses Dämons waren zweifelsohne hilfreich, besonders, weil er jetzt wusste, was er tun musste, um stärker zu werden. Er würde abwägen müssen, ob es sinnvoll war, Joel zu befreien.
      Aber wie ging der Spruch doch gleich? Der Feind meines Feindes ist mein Freund.
      Eins stand jedoch fest: Er durfte Joel nicht eher wieder aufsuchen, bis er einen Weg gefunden hatte, seine Gedanken zu verschleiern. Ansonsten lief er Gefahr, seinen Plan ungewollt zu offenbaren.

      „Und falls es dir nicht aufgefallen ist-“
      „Die Uniform“, schnitt Nick ihr abwesend ins Wort, „sie -ist- mir aufgefallen.“
      „Für jemanden, der dort seit über 60 Jahren sitzt, war sie viel zu modern.“ Alexandra umrundete den Wagen und öffnete die Beifahrertür. „Ich habe mir das Muster eingeprägt und werde ein wenig recherchieren.“
      Analog zueinander stiegen beide ein. Nick jedoch ging längst etwas anderes durch den Kopf. „Was weiß die Unterwelt über die Conqueror's Soul?“
      „Es gab vor etwa 20 Jahren einen legendären Dämonenjäger, der über Mächte verfügte, die ein einfacher Mensch nie hätte besitzen dürfen. Gerüchte besagen, er habe sie seinen Feinden abgenommen. Dieses Phänomen hat man Conqueror's Soul getauft.“ Alexandra schloss die Tür und schnallte sich an. „Aber das sind ungesicherte Informationen. Wir wissen, dass es diesen Mann tatsächlich gab, mehr jedoch nicht.“
      Nick legte beide Hände ans Lenkrad und beugte sich vor. „Hast du einen Namen?“
      „J.B.“
      Ein Schnalzen entfuhr den Lippen des jungen Mannes. „Passt nicht. Hm. Es besteht die Möglichkeit, dass dieser Mann selbst ein Dämon war. Ich kann mir vorstellen, dass auch Dämonen Gründe haben, ihresgleichen zu jagen. Besonders wenn in ihnen auch ein Mensch steckt.“
      Er musste dabei an Abby denken. Sie unterschied nichts von einem Menschen, auch wenn sie die Form einer Sirene annehmen konnte.
      „Ein Dämonenjäger-Dämon“, wiederholte Alexandra den Gedanken und lachte spitz, „ironisch. Er hätte seine Identität geheim halten müssen. Du kannst dir sicherlich denken, dass die meisten Jäger den 'Feind' in den eigenen Reihen nicht dulden würden.“
      Der junge Mann reckte den Kopf nach oben und nickte. „Was ist aus ihm geworden?“
      „Er ist einfach verschwunden. Ob untergetaucht oder getötet, das weiß keiner …“

      Abwesend schob Nick den Schlüssel ins Zündschloss.
      Konnte dieser legendäre Dämonenjäger wirklich sein Vater sein? J.B. … das waren nicht seine Initialen, auch wenn das B für Bauer passte. Dagegen stand die Tatsache, dass dieser Mann schon immer nur eine Schattengestalt innerhalb seiner eigenen Familie war. Wochenlange Geschäftsreisen ins Ausland, Überstunden, vergessene Familienabende, von denen Anya oft erzählt hatte. Alles Lügen, um eine geheime Identität zu verbergen?
      Und dann war der Dämonenjäger einfach verschwunden. Etwa zu der Zeit, als Anya auf die Welt kam. Nick überlegte, ob es nicht an der Zeit war, sich seinem Vater nach über fünf Jahren zu stellen. Und damit auch Aiden, der Vergangenheit, allem …
      Nick dachte an den Tag zurück, als er Abby sein Geheimnis anvertraut hatte. Er hatte Tränen vergossen. Er wünschte, er könnte diesen Tag ungeschehen machen, denn er würde nie wieder vor irgendjemandem weinen.
      Seine Hände krallten sich fest in das Lenkrad.
      „Alexandra, ich möchte, dass du eine Liste mit allen dir bekannten Dämonen und ihren Fähigkeiten erstellst.“
      Jene stöhnte jedoch nur genervt. Nickte trotzdem stumm, entgegen Nicks Erwartungen.

      ~-~-~

      „Mein Zug!“, schrie Anya förmlich, als es in eine leichte Rechtskurve ging. „Draw!“
      Schwungvoll zog sie eine Karte – ihre einzige. Als sie sie betrachtete, musste Anya glucksen. Noch eine ihrer neuen Fallen? Na ob sie die noch brauchen würde? Immerhin lag schon die andere unbenutzt und unsichtbar neben ihr, Claire hatte sie nicht einmal dazu gezwungen, sie auszulösen.
      „Hm. Ha!“ Anya griff nach ihrem Friedhof. „Ich hoffe du magst unangenehme Überraschungen, denn davon habe ich noch mehr als genug für dich auf Lager. Wie diese! Ich verbanne [Pendulum Fusion] von meinem Friedhof durch ihren eigenen Effekt!“
      Unerwartet öffnete sich zwischen ihren beiden Rittern weit oberhalb des Spielfelds das Pendelportal. Ein roter Lichtstrahl stieg von Anyas D-Wheel auf und wurde verschluckt, ehe sich das Loch wieder schloss.
      „Heh. [Pendulum Fusion] hat das Pendulum nicht umsonst im Namen. Nachdem ich sie verbannt habe, schicke ich ein Fusionsmonster von meinem Friedhof in mein Extradeck – als Pendelmonster!“
      Anya grinste und zeigte [Gem-Knight Lady Brilliant Diamonds] Karte vor. Dann äffte sie die Stimme einer ahnungslosen, dummen Göre nach. „Aber Anya, dein Monster ist auf Stufe 10, das liegt doch gar nicht mehr in deinem Pendelbereich. Ha!“
      In diesem Moment begann der weiße [Gem-Knight Pyrite] in der hellblauen Lichtsäule rechts neben Anya in dunkelblauer Aura aufzuleuchten. „Natürlich sorgt [Pendulum Fusion] dafür, dass ich mein Monster auch beschwören kann, indem es den Pendelwert von Pyrite bis zur End Phase auf 12 erhöht!“

      <2> Anyas Pendelbereich <8 → 12>

      „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“, schrie Anya gleich darauf und richtete den Arm in die Höhe. „Pendulum Summon!“
      Wieder öffnete sich das Pendelportal über ihr und stieß drei rote Lichtstrahlen aus. „Aus meinem Extradeck: [Gem-Knight Jasper], [Gem-Knight Malachite] und [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond]!“
      Links und rechts neben ihr gewannen der rote Hüne mit der Hellebarde sowie der grün-blau schimmernde Stabschwinger Gestalt, während über ihr ihre Schwert schwingende Brillantritterin Stellung bezog.

      Gem-Knight Jasper [ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Knight Malachite [ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>]
      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond [ATK/3400 DEF/2000 (10)]

      „Heh, ich muss schon sagen, dieser Pendelmist ist ziemlich nützlich“, grinste Anya hinter ihrem zersprungenen Visier und schwang dann den Arm aus, „aber Fusionen finde ich trotzdem cooler! Los, Lady Brilliant Diamond! Schnapp' dir Jasper! Contradiction Fusion!“
      Prompt schwang ihre Kriegerin das Schwert aus und zeigte mit dessen Spitze auf Jasper, hinter dem sich ein Edelsteinwirbel öffnete und ihn verschluckte.
      Langsam hob Anya die ausgestreckte Hand an. Welche in violetten Flammen aufging. „Jetzt kommt die Abrechnung!“
      Aus dem Wirbel flog ein einzelnes Schwert, in dem sieben Edelsteine in den Farben des Regenbogens eingelassen waren. Feiner, glitzernder Staub tanzte um dieses und formte sich zu einer gar eindrucksvollen Gestalt. Mit nur einer Hand schulterte der Ritter in silberner Rüstung seine Waffe und ballte mit der freien Hand eine Faust, in der dieselbe violette Flamme wie bei Anya entstand.
      „Strahle, [Gem-Knight Master Diamond]!“ Jener stieß einen entschlossenen Ruf aus. „Er erhält für jeden Gem-Knight auf meinem Friedhof 100 Angriffspunkte. Und weil dem so ist, schicke ich mit Pyrites Pendeleffekt gleich mal noch einen von meinem Deck auf den Friedhof! Ich wähle Garnet!“
      [Gem-Knight Garnets] Karte schob sich automatisch aus Anyas Kartenstapel und wurde von dieser in den Friedhofsschlitz geschoben. Gleichzeitig begann um Master Diamond eine weiße Aura aufzuflackern.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/2900 → 3500 DEF/2500 (9)]

      „Aber das ist noch lange nicht alles!“ Stolz sah Anya zur Seite, wo ihr Ritter neben ihr schwebte. „Master Diamond kann ein Gem-Knight-Fusionsmonster der Stufe 7 oder niedriger vom Friedhof verbannen, um dessen Effekt kurzweilig zu erhalten!“
      Sie konnte also zwischen Prismaura und Lady Lapis Lazuli wählen. Eine Karte zerstören oder Schaden zufügen. Letzteres erschien Anya in Angesicht der Tatsache, dass Claire am Ende noch einen Weg fand, den Schaden auf sie zurückzuwerfen, doch etwas riskant. Andererseits, wenn sie endlich [Aerial Recharge] loswurde, könnte sie die Strategie ihrer Gegnerin nachhaltig stören.
      „Heh, dann also [Gem-Knight Prismaura]!“
      Besagter Ritter tauchte mit seiner kristallenen Schwertlanze in der Hand durchsichtig hinter Master Diamond auf und verschwand in jenem.
      „Aber da ich für seinen Effekt eine Gem-Karte abwerfen muss, verbanne ich [Gem-Knight Lazuli] von meinem Friedhof, um [Gem-Knight Fusion] zu recyclen!“
      Anya nahm besagte Zauberkarte auf und entsorgte im Anschluss ihr Monster in die Verbannungszone. Dabei war ihr bewusst, dass ihr Co-Assmonster ein paar Punkte einbüßen würde, aber das war es wert.

      Gem-Knight Master Diamond [ATK/3500 → 3300 DEF/2500 (9)]

      „Und jetzt verabschiede dich von deiner beknackten [Aerial Recharge]! Ich werfe [Gem-Knight Fusion] ab, um sie zu zerstören! Master Diamond“, rief sie und streckte den brennenden Zeigefinger aus, „los!“
      Jener hob sein riesiges Breitschwert in die Höhe, in welches ein aus dem Nichts kommender Blitz einschlug. Dann richtete er es nach vorne, bereit, die Ladung in gebündelter Form abzufeuern.
      Claire streckte während des Fahrens einen Arm von sich. „Kette: Ich aktiviere den Effekt von [Aerial Recharge], um eine Projektion zu erschaffen.“
      „War klar“, knurrte Anya, denn natürlich würde ihre Gegnerin vorher noch einmal einen Nutzen aus ihrer Karte ziehen wollen.
      „Kette“, rief jene aber gleich noch einmal zu Anyas Erstaunen aus, „ich aktiviere [Powerful Rebirth]. Sie beschwört ein Monster mit maximal Stufe 4 von meinem Friedhof in Angriffsposition und verstärkt seine Stufe um 1 sowie seine Werte um 100. Ich wähle [Mecha Phantom Beast Megaraptor].“
      Anya weitete die Augen, als hinter ihrer Gegnerin der Asphalt aufbrach und der Raptorenkampfjet sich in die Lüfte erhob.

      Ein exzellenter Schachzug. Ketten werden rückwärts aufgelöst, dass heißt, ihre [Powerful Rebirth] aktivieren ihren Effekt zuerst. Danach erschafft sie noch eine Projektion, bevor [Gem-Knight Master Diamond] [Aerial Recharge] erst zerstören kann. Du weißt, was das heißt?

      Ganz sicher war sich Anya nicht, sicher nichts Gutes. Ihr mächtiger Krieger feuerte den Blitzstrahl von seinem Schwert auf die Falle neben Claire ab. Kurz bevor er traf, schoss eine bunte Version Megaraptors rechts aus diesem, um sich neben ihm zu platzieren. Dann wurde die Falle auch schon in Fetzen gerissen.
      „Monstereffekt: Da eine Projektion beschworen wurde, erschafft [Mecha Phantom Beast Megaraptor] eine weitere.“
      Jetzt erkannte Anya den Sinn dahinter. „Ach so! Deswegen die blöde Kette, damit sie gleich zwei bekommt.“
      Eine solche, zweite Hologrammkopie des Kampfjets schoss diesmal links aus diesem, sodass sie zu dritt nebeneinander her flogen.

      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/1900 → 2000 DEF/1000 → 1100 (4 → 5 → 11)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0(3)]

      Nun hat sie wieder drei Monster, aber du nur zwei im Angriffsmodus. Das ist schlecht, Anya Bauer.

      „Nicht wirklich“, antwortete Anya und wich dem Krater aus, den Claires Falle hinterlassen hatte, „mit irgendwas in der Art hatte ich schon gerechnet. Sehr gut.“

      Was meinst du?

      „Sie hat zwar noch eine gesetzte Karte, aber ich glaube nicht, dass ich mich vor der in Acht nehmen muss.“ Anya spähte dabei auf eine Anzeige über ihrem Tacho. Einem Balken, der gerade erst zur Hälfte gefüllt war. Dann setzte sie ihre Erklärung fort. „Ist dir aufgefallen, dass sie ihre Monster mit den Spielmarken beschützt? Die sind unzerstörbar, solange sie die Projektionen hat. Damit kann sie ihr Fallenrepertoire darauf ausrichten, den Gegner zu blockieren.“

      Du denkst, sie wird nicht auf deine Angriffe reagieren können?

      „Finden wir's heraus!“, entgegnete die Blonde angriffslustig und streckte den Arm nach vorne. „Der muss jetzt sitzen! [Gem-Knight Master Diamond], [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond]! Euer Ziel ist diese beschissene Blechbüchse am Himmel! Das Original!“

      Was!? Wäre es nicht klüger, die Projektionen aus dem Weg zu räumen, damit sie sie nicht für ihre Zwecke nutzen kann!?

      „Vertrau mir, Levrier. Ich weiß, was ich tue! Shining Wave Breaker! Brilliant Fate Severing!“
      Die Hand, die sie nach vorne gerichtet hatte und um welche die violette Flamme züngelte, ging regelrecht in einem lodernden Inferno auf.
      Neben ihr schwang Master Diamond seine massive Klinge und schickte eine von Diamantenstaub glitzernde Schockwelle Richtung Claire, welche den Asphalt regelrecht aufriss, sodass Anya sich an den Rand der Strecke begeben musste, um nicht versehentlich zu fallen. Gleichzeitig hob Lady Brilliant Diamond ihr Schwert in die Luft und schwang es dann ebenfalls in einem Halbkreis horizontal aus, wodurch sich ein weißer Lichtbogen von ihr löste, der wie ein Bumerang herumwirbelte. Dieser rauschte ebenso über die Strecke, schneller als Diamonds Angriff, sodass er auf diesen traf und mit ihm verschmolz. Das Ergebnis war ein regelrechter Sturm, der auf die Weltmeisterin zu raste.
      Erwartungsvoll beobachtete Anya, was geschah. „Heh, mal sehen, was du dazu sagst, Miststück.“
      Denn als der Angriff in Claire einschlug, war die Gewissheit da, dass diese ihn nicht abwehren konnte. Ihr D-Wheel wurde in die Höhe gerissen und umher gewirbelt wie in einem Tornado. Der Diamantensturm reichte bis zum Kampfjet, konnte jedoch nur ein paar Kratzer im Lack anrichten, da dieser dank seiner Projektionen vor Zerstörung geschützt war. Anders als Claire, die immer noch in der Luft hing.

      [Anya: 400LP / Claire: 2800LP → 1500LP → 100LP]

      „Heh, das geschieht dir recht“, zischte Anya boshaft, während sie der Weltmeisterin unaufhaltsam näher kam.
      Der Sturm löste sich prompt auf, sodass Claire mit ihrem D-Wheel in die Tiefe fiel. Allerdings konnte die ihre Landung geschickt gestalten, sodass sie nur beim Aufprall ein paar Millisekunden verlor. Was jedoch genug war, dass Anya aufgeholt hatte und direkt neben ihr fuhr.
      „Na, hat's wehgetan?“, fragte Anya mit grimmigem Vergnügen die Gegnerin neben ihr. Natürlich ohne mit einer Antwort zu rechnen, welche auch ausblieb. „Dann zeig mir doch mal, wie toll dein Pakt funktioniert. Das heißt -wenn- er jetzt noch funktioniert …“
      Da horchte Claire auf einmal auf. „Hm?“
      „Ich setze eine Karte verdeckt. Zug beendet!“ Ihre letzte Karte in den Zauberfallen-Slot steckend, versuchte Anya ihr Bestes, gleichauf mit dem anderen D-Wheel zu bleiben. Die purpur-umrahmte Karte tauchte kurz zu ihrer Linken auf, ehe sie verschwand.

      <2> Anyas Pendelbereich <12 → 8>

      Das klingt ja fast, als würdest du hoffen, dass sie mit einer Gegenmaßnahme auffährt!?

      Levrier, der immer noch in seiner [Gem-Knight Pearl]-Form transparent neben dem Mädchen her flog, schüttelte den Kopf, als jene erwiderte: „Darauf muss ich nicht hoffen, oder? Pakt-dies, Comeback-das, richtig?“
      Doch bevor es dazu kam, musste die dämliche Ziege erstmal an ihr vorbei!

      Während die zwei die gerade verlaufende Strecke entlang fuhren, bemerkten sie gar nicht, dass etwas versetzt dazu eine Straße durch die Stadt verlief. Ein einsamer LKW fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit durch Ephemeria City und hielt gerade so mit den beiden Duellantinnen mit.
      Am Steuer saß niemand Geringeres als Exa, der fröhlich vor sich hin pfiff, während der tatsächliche
      Fahrzeugführer auf dem Beifahrersitz bewusstlos lag.
      Auf der Fahrerkabine hingegen hockte Zanthe, welcher nachdenklich zur Strecke hinauf starrte.
      „Gib dir bloß Mühe“, murmelte er zu Anya im Gedanken. Ihm war gar nicht wohl dabei, dass Exa den LKW 'ausgeborgt' hatte, damit sie das Duell verfolgen konnten. Ein Grund mehr, warum seine Freundin das Duell gewinnen musste, denn dann hätte sich diese Aktion wenigstens gelohnt.

      Gleichzeitig zog Claire oben auf der Strecke ihre Karte. Und fuhr nebenbei langsam aber sicher an Anya vorbei, die einen entsetzten Schrei von sich gab.
      „Was zum Henker!?“
      Aber dann begriff sie. Ihre Widersacherin hatte einen eigenen Turbo, den sie nun nutzte. Damit war sie zwar nicht so schnell wie Anya, jedoch hielt dieser vermutlich länger an und konnte schneller aufgeladen werden. Den hatte sie sich also die ganze Zeit aufgespart. „Tch!“
      „Monstereffekt: [Phantom Beast Megaraptor] deaktiviert eine Projektion, damit ich ein Mecha Phantom Beast von meinem Deck erhalte“, verkündete Claire.
      Eines der beiden bunten Hologramme verschwand. „Ich wähle [Mecha Phantom Beast Hamstrat]. Normalbeschwörung: [Mecha Phantom Beast Hamstrat].“
      Inzwischen hatte Claire es schon wieder geschafft, knapp einen Meter zwischen sich und Anya zu bringen, welche aber diesmal alles unternahm, um den Windschatten ihrer Gegnerin auszunutzen.
      Über der erschien ein riesiger Lufttanker, auf dessen Cockpit ein Hamstergesicht gemalt war.

      Mecha Phantom Beast Hamstrat [ATK/1100 DEF/1600 (3 → 6)]

      „Monstereffekt: [Mecha Phantom Beast Hamstrat] deaktiviert eine Projektion und beschwört ein Mecha Phantom Beast-Monster von meinem Friedhof.“
      Unter jenem materialisierte sich plötzlich das Wandelflugzeug mit dem Pferdecockpit. „Monstereffekt: Wenn [Mecha Phantom Beast Coltwing] spezialbeschworen wird, erschafft es zwei Projektionen.“

      Mecha Phantom Beast Coltwing [ATK/1600 DEF/1500 (4 → 10)]
      Mecha Phantom Beast-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0(3)]

      „Nicht schon wieder!“, stöhnte Anya genervt auf, folgte mittlerweile wesentlich geschickter den Schlangenlinien, die ihre Feindin fuhr, um sie abzuschütteln. Dadurch war es Claire trotz des anhaltenden Boosts kaum möglich, Abstand von Anya zu gewinnen.
      „Monstereffekt: [Mecha Phantom Beast Coltwing] deaktiviert zwei Projektionen, um [Gem-Knight Lady Brilliant Diamond] zu verbannen.“
      Die beiden Abbilder des Flugzeugs lösten sich auf, während dieser eine Kehrtwende vollzog und Anya samt ihrer Ritterin ins Visier nahm. Jene sahen sich kurz darauf breit gefächertem Sperrfeuer ausgesetzt.
      „Shit!“, fluchte Anya, die ihre Ritterin diesmal nicht retten konnte. Aber wenigstens sich selbst, indem sie wieder die Hand mit Heavy Ts Handschuh daran erhob und die Kugeln über sich zum Stehen brachte. Lady Brilliant Diamond hingegen konnte nicht von diesem besonderen Schutz profitieren und wurden regelrecht durchlöchert. „Sorry. Aber ich werde dich rächen, versprochen!“
      Denn noch hatte sie Master Diamond und Malachite. Und ihre gesetzten Karten …
      Nachdem Anya die gefährliche Stelle passiert hatte, schossen die Kugeln abwärts und zertrümmerten den Asphalt hinter dem Mädchen regelrecht.
      Claire indes hatte längst ihre letzte Handkarte gezückt und schob diese in die Zauberfallenzone. „Schnellzauberkartenaktivierung: [Limiter Removal]. Sie verdoppelt die Angriffspunkte aller Maschinen unter meiner Kontrolle, zerstört sie jedoch zum Ende des Zuges.“
      Hinter ihrem Helm klappte Anya die Kinnlade hinunter. „Willst du mich verarschen!?“
      Nein, als Anya mit ansah, wie von allen drei Flugzeugen ihrer Gegnerin aus allen Ritzen Qualm aufstieg und sie rötlich vor Überhitzung zu glühen begannen.

      Sie will es ein für alle Mal beenden!

      Mecha Phantom Beast Megaraptor [ATK/2000 → 4000 DEF/1100 (11 → 5)]
      Mecha Phantom Beast Hamstrat [ATK/1100 → 2200 DEF/1600 (9 → 3)]
      Mecha Phantom Beast Coltwing [ATK/1600 → 3200 DEF/1500 (10 → 4)]

      Anya ahnte, dass sie schnell sein musste. „Dann reagiere ich damit: Falle aktivieren, [Tri-And-Guess]!“
      Jene hatte sie bereits während ihres vorletzten Zuges gesetzt, war zum Glück aber noch nicht in die Verlegenheit geraten, sie aktivieren zu müssen. „Diese Falle lässt mich eine Monsterart bestimmen, die im Extradeck zuhause ist. Danach wird verglichen, wer mehr Monster dieser Kategorie dort drinnen hat und der Gewinner erhält 3000 Lebenspunkte bar auf die Kralle.“
      Während der Erklärung warf Anya einen Blick auf den Ladebalken auf dem Bildschirm, welcher inzwischen zu einem Dreiviertel gefüllt war. Dann sah sie wieder auf und sagte selbstsicher: „Niemand macht mir was bei Fusionsbeschwörungen vor, also wähle ich Fusionsmonster!“
      Gleich im Anschluss tauchten drei Reihen vor ihr auf, die fast nur aus violett umrandeten Monstern bestanden. Bei Claire blieb jene Animation allerdings aus.
      „Huh!? Funktioniert meine Falle nicht, oder …?“
      „Ich besitze kein Extradeck. Du gewinnst den Vergleich“, bekam sie eine kühle Antwort.

      Sie verzichtet freiwillig auf ein Extradeck!? Auf das Assmonster ihres Themas!?

      Anya konnte es selbst kaum glauben. Erst als ihr Lebenspunktestand sich tatsächlich veränderte, begriff sie. Und wurde nur noch wütender. Denn das hieß im Endeffekt, dass ihre Gegnerin ein Extradeck gar nicht benötigte, warum auch, wenn sie sowieso jedes Duell nach Belieben gewinnen konnte!?
      „Arrogante Schnepfe!“, schimpfte sie Claire.

      [Anya: 400LP → 3400LP / Claire: 100LP]

      Anya Bauer, selbst mit dieser Erhöhung deiner Lebenspunkte wird es nicht genug sein, um ihren Angriff zu überstehen. Ich hoffe, du weißt, was du tust!

      „Oh ja, darauf kannst du Gift nehmen. Gib mir nur etwas Zeit.“
      Was Levrier sicherlich gerne getan hätte, schloss Claire dagegen kategorisch aus. „Battle Phase. Ich greife [Gem-Knight Master Diamond] mit [Mecha Phantom Beast Megaraptor] an.“
      In dessen Klauen tauchten wieder zwei Raketen auf, die jener nur fallen lassen musste, damit sie von selbst ihr Ziel suchten. Anya blickte panisch auf den Ladebalken. Das dauerte zu lange, verdammt!
      Noch bevor ihr Ritter getroffen wurde, hob Anya die freie Hand mit dem Artefakt daran und schwang sie zur Seite aus. Master Diamond folgte der Bewegung nickend und flog über die Absperrung der Strecke hinweg, sodass die Raketen zur Verfolgung ansetzten. Damit ging sie sicher, dass die nahende Explosion sie nicht aus der Bahn warf. Und tatsächlich hatte ihr Ritter es geschafft, sich weit genug zu entfernen, bevor er getroffen wurde und unter einem Knall in einer Rauchwolke unterging.

      [Anya: 3400LP → 2700LP / Claire: 100LP]

      „Heh … dumme Kuh.“
      Claire horchte auf und drehte sich um. Neben Anya klappte deren letzte Fallenkarte auf.
      „Danke, dass du Master Diamond zerstört hast“, kicherte die Blonde bitterböse, auch wenn sie insgeheim ein schlechtes Gewissen deswegen hatte. „Damit hast du die Falle ausgelöst, die deinen Untergang besiegelt: [Brilliant Spark]!“
      Obwohl Anya in der Zwischenzeit den Windschatten ihrer Feindin verloren hatte, konnte diese ihren Vorsprung nicht mehr ausbauen. Scheinbar war ihr Geschwindigkeitsboost vorüber. Was hoffentlich keine Rolle mehr spielen würde. Denn wie Anya erklärte: „Damit nehme ich Rache für meinen gefallenen Freund und füge dir Schaden in Höhe seiner aufgedruckten Angriffskraft zu! Los!“
      Weit von ihr entfernt, wo Master Diamond sein Ende gefunden hatte, sammelte sich in der Sonne glitzernder Diamantenstaub und formte sich zu einem spitzen Kristall, um den elektrische Ladung schlug. „Das sind 2900 Punkte! Dem kannst du nicht mehr-!“
      „Konterfalle“, schnitt Claire ihr ins Wort und ließ ihrerseits die eigene, zuletzt verbliebene Fallenkarte aufspringen, „[Trap Jammer]. Dieser annulliert die Aktivierung einer Falle während der Battle Phase und zerstört sie.“
      Mit offenem Mund warf Anya einen Blick über die Schulter, wo ihr Kristall zersprang, bevor er sich entladen konnte. Dann richtete sie ihr Augenmerk wieder auf Claire und beugte sich vor. „Schon wieder! Wie oft hast du dich jetzt schon durch deinen verdammten Pakt gerettet, huh!?“
      Ihr Blick wanderte wieder auf den Bildschirm ihres D-Wheels, doch diesmal auf die Karte. Noch etwa zwei Kilometer gerader Strecke und eine große, U-förmige Kurve, dann kam das Ziel. Der Balken war fast voll.
      „Ich greife mit [Mecha Phantom Beast Hamstrat] [Gem-Knight Malachite] an.“
      Der riesige Lufttanker machte, wie davor schon sein Kamerad, in der Luft eine Kehrtwende und droht auf Anya und ihr Monster herabzustürzen. Die schwang den Arm aus und befahl ihrem schimmernden Ritter, auf der Stelle zu verharren. Jener hielt prompt in der Luft an, sodass Hamstrat ihnen nicht folgen konnte. Stattdessen krachte er in die Strecke und brachte sie mit seiner Wucht zum Einsturz.
      „Scheiße!“, keuchte Anya über die Rücksichtslosigkeit ihrer Gegnerin. Dort unten waren Wohnhäuser! „Bist du irre!?“

      Noch ein Kilometer und die verdammte Kurve. Aber der Balken …
      „Antworte mir!“, verlangte das Mädchen aufgebracht. „Willst du die Leute da unten umbringen!?“
      „Meine Aufgabe ist es, dich zu besiegen. Mit allen Mitteln.“
      Nur noch ein paar Sekunden …!
      „Aber du musst das nicht tun! Nicht so!“
      „Mir wurde befohlen, dich mit all meiner Macht aufzuhalten. Also tue ich das. Ich greife …“
      Voll! Anya drückte den Knopf, der ihr D-Wheel sprechen ließ. „Autopilot off. Switching to Manual Mode.“
      Und das Mädchen gab Gas. Wieder schoben sich die beiden zylindrischen Vorrichtungen an der Rückseite ihres D-Wheels über dessen Hinterrad hervor und begannen blau zu glühen. Die Wucht der Beschleunigung riss das Mädchen fast vom Motorrad.
      Claire war noch dabei, ihren finalen Angriff zu befehlen, da zischte Anya auf sie zu. Und lenkte in ihre Richtung. Ehe die Weltmeisterin sich versah, wurde sie gerammt und an den Rand der Strecke gedrängt.
      „Du wirst mich nicht kriegen, elende Betrügerin!“, schnauzte Anya sie dabei an und schob sie immer mehr beiseite, bremste sie aus. „Nicht du!“
      Als Claire drohte, gegen die Absperrung zu knallen, musste sie notgedrungen bremsen. Der Überraschungseffekt verhalf Anya dabei, die Führung zu übernehmen. Die Kurve war bereits nahe!
      „Direkter Angriff von [Mecha Phantom Beast Coltwing]“, sprach Claire trotz allem tonlos.
      Jenes Wandelflugzeug setzte zur Verfolgung an und eröffnete das Sperrfeuer, das den Asphalt hinter Anya aufplatzen ließ. Jene wusste, dass sie es nicht rechtzeitig schaffen würde. Zwar war das Ziel bereits kurz hinter der Kurve, aber um diese zu nehmen und die Linie zu überqueren würde mindestens zehn Sekunden kosten. So viel Zeit hatte sie nicht mehr. Es sei denn …
      Das Mädchen drehte sich um und erhob die Hand mit dem Artefakthandschuh daran. Solange sie nicht getroffen wurde, galt der direkte Treffer nicht. Und ehe das System die Sachlage korrekt ausgewertet hatte …

      Ein Blitz. Anya sah es noch aus den Augenwinkeln auf sich zukommen, dieses riesige Etwas, das einem Blitz glich und doch so viel mehr war als das. Obwohl es sie nur streifte, reichte das schon aus, um absolutes Chaos auszulösen. Dann der Einschlag, die Erschütterung. Es schepperte lautstark und das Mädchen fühlte sich, als würde sich ihr Körper von der Welt loslösen. Ohne es zu wollen richtete sich ihr Blick gen Himmel, der erst näher kam, dann sich aber immer schneller entfernte.

      [Anya: 2700LP → 0LP / Claire: 100LP]

      Zusammen mit ihrem D-Wheel fiel sie im hohen Bogen von der Strecke, der Asphalt war aufgekratzt und verschmort von einer inzwischen unsichtbaren Kraft.
      Zur selben Zeit befand sich der LKW, den Zanthe und Exa gekidnappt hatten, noch in der letzten Kurve, doch auch so hatte der Werwolf den entsetzten Schrei des Mädchens und den schrecklichen Knall gehört. Sowie er auch gesehen hatte, was sie dort getroffen hatte. Ein riesiges, vierbeiniges Wesen. Doch so weit oben hatte er nicht alles sehen können und so schnell wie es gekommen war, war es auch wieder verschwunden.
      Der junge Mann beugte sich herunter zur Tür der Fahrerkabine und klopfte dagegen.
      Exa senkte die Fensterscheibe per Knopfdruck. „Das macht echt Spaß.“
      „Hör zu, meine Freundin ist in irgendwas reingekracht. Bringt du das hier in Ordnung“, verlangte Zanthe kopfüber und nickte dem bewusstlosen Fahrer zu. „Ich knöpf mir Claire vor, bevor die noch abhaut.“
      „Und deine Freundin?“
      „Die ist hart im Nehmen.“

      Was Zanthe jedoch nicht hatte sehen können ist, wie jene von der Strecke gerammt worden war.
      Anya fiel und sah noch, wie Claire an den Rand der Strecke fuhr, wo die gläserne Absperrung aufgebrochen war . Dann der Aufprall. Aber er war nicht hart, sondern fast schon sanft.
      „Was?“, stieß das Mädchen hervor. Sie sah nach unten, befand sich noch mitten auf dem Weg hinab, direkt zu einer kleinen Müllhalde im Schatten der Strecke.
      Moment, sie schwebte hinab!?
      Doch statt sich Gedanken darüber zu machen, wurde sie von dem an ihr vorbei sausenden D-Wheel abgelenkt. Sie sah das Unglück, sah, wie es neben der Müllhalde auf der Straße unter der Riding Duel-Strecke aufschlug und in aberdutzende Einzelteile zerbarst.
      „Nein!“, schrie das Mädchen zutiefst erschrocken.

      Dann folgte ein Ruck, sie kam auf dem Boden an. Oder besser gesagt derjenige, der sie in seinen Armen trug und von dem Anya erst jetzt wirklich Notiz nahm. Sie starrte geradewegs den Helm Ricthers an. Anya öffnete den Mund, reagierte dann aber prompt und versetzte dem Undying mit beiden Händen einen Stoß, sodass der sie gezwungenermaßen losließ.
      Umzingelt von mannshohen Schrotthaufen wich Anya ein paar Schritte zurück und bemerkte erst jetzt, dass ihr Helm beim Aufprall ebenfalls verloren gegangen war.
      „Hast du“, sprach sie fassungslos, „hast du mich gerade gerettet!? Du!?“
      „Du bist darauf hineingefallen. Nicht Claire Rosenburg allein ist die Hüterin, sondern ebenso ihr Manager. Sie war nichts als ein Köder.“
      Warum sagte er ihr das!? Wieso hatte er nicht zugelassen, dass sie in den Tod stürzte!? Sie, seine Feindin!?
      „Ich bin eine Feindin der ewigen Ordnung“, stammelte Anya fast schon hysterisch, denn sie konnte und wollte es nicht begreifen, „warum erzählst du mir das?“
      „Es ist ohnehin nicht mehr von Belang.“ Er richtete sein Haupt nach oben, Anya folgte dem Blick und sah Claire dort oben.
      „Ich habe mich entschieden. Das Urteil wird vollstreckt. Doch nicht gegen dich, Anya Bauer.“
      Verwirrt wirbelte sie zu ihm herum. „Was?“
      Der Hüne Ricther stand dort in seiner silber-goldenen Rüstung und betrachtete sie still. Dann sah er vorbei an ihr, nur für einen kurzen Moment. Wieder folgte sie seinem Blick, welcher nun auf dem D-Wheel lag, welches mitten auf der Straße lag in all seiner Zerstörung.
      „Oh shit, mein Deck! Oh shit, oh shit, Logan!“

      Und als sie sich dem Undying wieder zu wandte, war dieser fort. Anya blinzelte noch einmal, dann machte es Klick. Sie musste ihr Deck dort rausholen, ehe das Ding noch hochging! Sofort wirbelte das Mädchen herum und stürmte auf den Maschendrahtzaun zu, welcher den kleinen Schrottplatz von der Straße trennte und kraxelte geschickt über diesen hinüber.
      Mit einem Satz landete sie auf dem Bürgersteig und eilte zu den Trümmern des D-Wheels, um zunächst die verstreuten Karten aufzulesen. Zum Glück war keine davon beschädigt oder mit Öl beschmiert, welches auslief. Im Gegensatz zu Logans D-Pad.
      „Shit“, fluchte sie wieder und nahm einen Schritt zurück, um das grauenhafte Bild noch einmal zu erfassen. Der Zwerg würde sie umbringen.
      Gefährlich langsam drehte Anya den Kopf und blickte hinauf zu der Stelle, von der sie hinab gestürzt war. Claire beobachtete das Geschehen immer noch, war inzwischen abgestiegen.
      Und Anya entschied, dass bevor -sie- umgebracht wurde, noch jemand vor ihr das Vergnügen haben würde, dem Tod ins Auge zu sehen.
      „Diesmal klappt es“, knurrte sie und wirbelte einmal um die eigene Achse. In der Bewegung erschien Angel Wing in seiner Speerform in ihrer rechten Hand. Anya hob die Waffe schräg an und schleuderte sie mit einem Schrei in Claires Richtung.
      Der Speer zischte durch die Luft und anstatt an Auftrieb zu verlieren, schoss aus dem Ende seines Schafts plötzlich weißes Feuer und verlieh ihm noch mehr Schwung.

      Claire sah die Waffe zielgenau auf sich zufliegen und wich mit einem Rückwärtsschritt zurück, sodass jene sie knapp verfehlte. Doch ehe sie sich versah, ging ein Schatten über ihr auf Konfrontationskurs. Anya hing an Angel Wing und holte mit dem Stiefel aus.
      „Ah!“
      Von dem unerwarteten Auftauchen ihrer Gegnerin überrascht, konnte Claire den Tritt nicht mehr abwehren und wurde zurückgeschleudert, wobei es nur ihrem hellblauen Helm zu verdanken war, dass sie vergleichsweise unverletzt blieb.
      Anya landete vor ihr in geduckter Haltung, während die Weltmeisterin zurück torkelte. Dabei beließ es Livingtons Terrormaschine #1 aber nicht, sie wirbelte wieder um die eigene Achse und stach mit dem Speer in Claires Richtung. Die holte mit der Hand aus, in welcher keine Sekunde später eine lange, gezackte Klinge erschien und parierte den Angriff.
      Zumindest einen davon, denn Anya setzte ohne Zeit zu verlieren nach, wirbelte und schlug diesmal wie mit einer Stabwaffe zu. Mühelos duckte sich Claire unter dem Angriff hinweg, doch Anya wusste auch ihre Füße weiterhin einzusetzen und verpasste ihr einen Aufwärtstritt, der ihre Feindin zurückwarf. Einen Hieb später wurde diese entwaffnet und hatte die Speerspitze gegen ihren Hals gerichtet.
      „Wow, in einem richtigen Kampf bist du gar nicht so tough, was?“, schnarrte Anya etwas außer Atem. Die Waffe in ihrer Hand bebte förmlich. Mit der freien Hand zeigte sie zu der aufgerissenen Stelle der Absperrung. „Erstens: Du wirst dafür aufkommen und sämtliche Schuld auf dich nehmen, kapische?“
      Ihre Gegnerin hob zwar die Hände, antwortete jedoch nicht auf die Forderung.
      „Zweitens: Du wirst mir dein Hüterartefakt geben. Mir egal wie, aber-“

      „Das ist nicht möglich.“
      „Huh!?“
      Anya wich gerade noch rechtzeitig aus, als an ihr die gezackte Klinge vorbeiflog. Und da stand er vor ihr, wie aus dem Nichts. Dieser bärtige Rotschopf mit der Narbe, Nigel McPherson. Der Dämon!
      In dessen rechter Hand tauchte das Zackenschwert auf. Da fiel Anya auf, dass Claires Waffe immer noch etwas abseits der Drei am Boden lag. Zwillingsschwerter … das also hatte Ricther gemeint!
      „Entschuldige, dass ich das Duell so abrupt beenden musste.“
      „Du warst das!?“, schnauzte Anya ihn gleich darauf an.
      „Ich musste sicherstellen, dass das Artefakt in unserem Besitz bleibt. Deine Kraft, sie zu sammeln, ist unnatürlich.“ Nigel ließ die Klinge verschwinden. „Du solltest sie nicht besitzen. Deswegen musste ich Claire anweisen, dich zu eliminieren.“

      „Aber so ein riesiges Monstrum am helllichten Tag zu beschwören ist a-o-kay oder was?“
      Anya wirbelte herum. Zanthe hockte gebeugt auf der Panzerglas-Absperrung zu ihrer Rechten und verschränkte die Arme auf den Knien. „Ich hab's gesehen. Kurz, aber es hat gereicht um zu wissen, dass Anya gewonnen hätte, wenn du dich nicht eingemischt hättest.“
      Das gesagt, erhob er sich und landete mit einem Satz neben dem Mädchen. „Und was war das? Ich habe zwar nicht alles verstanden, während ich euch gefolgt bin, aber das mit dem Pakt klingt doch reichlich interessant.“
      Levrier erschien auf der anderen Seite neben Anya.
      Welche da Nigel murmeln hörte: „Wie kann er …? Interessant.“

      Leider muss ich euch beide enttäuschen. Ich habe die Geschwindigkeit des Angriffs berechnet und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass er Anya Bauer vor dem Überqueren der Ziellinie getroffen hätte.

      Der Kopftuchträger zuckte mit den Schultern. „Spielt das eine Rolle? Er hat trotzdem geschummelt.“
      Was Anya sofort benickte. „Yeah. Und jetzt gebt mir, was ich will.“
      „Nicht jetzt.“ Nigel griff in die Innentasche seines schwarzen Sakkos und warf einen kleinen Gegenstand in Anyas Richtung. Welchen Zanthe vor ihrer Nase zwischen den Fingern auffing. Es war eine Visitenkarte. Der Dämon erklärte: „Ich wohne etwas abseits von Ephemeria City. Das ist die Adresse. Trefft mich heute Abend, dann sehen wir weiter.“
      Im Hintergrund erklang unterstreichend Sirenengeheul. Derweil zückte Nigel noch etwas aus der Innentasche hervor. Einen USB-Stick. „Das hier jedoch bekommt ihr nicht zurück.“
      Und zerbrach jenen in seiner Faust, bis er wortwörtlich zwischen seinen Fingern davon bröselte.
      „Was war das?“, wollte Anya wissen.
      „Dein Freund hat das Duell aufgezeichnet. Ich kann nicht dulden, dass solches Material Claires Karriere gefährdet. Selbst wenn die Anschuldigungen noch so haltlos sind.“ Der Mann senkte sein Haupt und blickte gefährlich funkelnd zu Anya herüber. „Also musste ich es deinem Freund abnehmen.“
      Die Blonde weitete die Augen. „Logan? Was hast-“
      Ihr Gegenüber hob die Hand. „Heute Abend. Wir erwarten euch.“
      Keine Sekunde später flimmerte die ganze Umgebung um ihn und die still verharrende Weltmeisterin. Die Konturen der beiden vermischten sich mit dem Grau des Asphalts und wurden von jenem binnen eines Herzschlags verschlungen, bis nichts mehr von ihnen übrig blieb. Erst dann ließ der optische Effekt nach. Selbst Claires D-Wheel war fort.

      „Was war das?“, murrte Zanthe. „Eine Kriegserklärung? Etwas spät, findest du nicht?“
      Doch Anya rannte ihm glatt davon. „Shit, wir müssen zu Logan!“
      Der Werwolf fasste sich an die Stirn. „Oh man, kaum ist ihr Lover in Gefahr, lässt sie alles stehen und liegen. Wer hätte das gedacht?“
      Augenrollend machte er sich daran, ihr zu folgen.

      ~-~-~

      Bereits völlig außer Atem rannte Anya das letzte Stück der Strecke entlang Richtung der Boxen. Dort vorne sah sie die Ecke, von der das Duell überwacht wurde. Und Logan …
      Sie weitete die Augen. Regungslos lag er mit Kopf und Oberkörper auf dem Pult, drohte in seiner Haltung jeden Moment vom Stuhl zu rutschen. Ein dünnes Rinnsal Blut lief vom Tresen hinab.
      „Nein!“, stieß das Mädchen einen entsetzten Schrei aus.
      Und auch Zanthe, welcher nicht ansatzweise so erschöpft war wie Anya, riss den Mund auf. „Scheiße.“

      Das Blut pumpte in Anyas Wesen, das Adrenalin verlieh ihr neue Energie, sodass sie die letzten fünfzig Meter wie im Fluge nahm und zu Logan eilte.
      „Hey“, flüsterte sie und streckte vorsichtig ihre Hand nach ihm aus, zog sie jedoch sofort wieder weg, „du … du bist doch nicht tot, oder?“
      Keine Antwort. Zanthe war inzwischen an ihre Seite geeilt. „Ich kann ihn nicht atmen hören!“
      Diesmal griff Anya beherzt zu und richtete den Mann vorsichtig auf, indem sie die eine Hand auf seine Brust legte und mit der anderen seinen Hals festhielt. Das Blut stammte aus einer Platzwunde an seiner Stirn.
      „I-ich spüre aber sein Herz schlagen“, stammelte Anya sich an Zanthe gewandt.
      „Atmet er?“, stellte Zanthe hektisch seine eigene Feststellung infrage.
      Das Mädchen schüttelte den Kopf.
      „Dann müssen wir uns beeilen, wer weiß, wie lange er schon in diesem Zustand ist.“
      „Was soll ich tun!?“
      „Leg ihn flach auf den Rücken“, wies Zanthe sie an.
      Panisch nickte Anya und zog den erstaunlich schweren Mann vom Stuhl. Als er vor ihr lag, mit geschlossenen Augen, spürte das Mädchen eine unangenehme Hitze in sich aufsteigen.
      „Kopf zurückbiegen. Pass auf, dass seine Zunge nicht im Weg ist.“
      „Im Weg von was?“, stotterte Anya, während sie versuchte, Logans Kopf in den Nacken zu legen.
      „Mund-zu-Mund-Beatmung. Was denkst du, was wir hier machen!?“
      Anyas innere Hitze verwandelte sich in eine Supernova. „Was!?“
      „Willst du -jetzt- mit so was anfangen!? Die schüchterne Schlägerbraut kannst du danach noch-!“
      „Wach auf, du elender Volltrottel!“, kreischte die ganz und gar schüchterne Schlägerbraut und rammte ihren Ellbogen dermaßen in Logans Brustkorb, dass dieser schreiend nach oben schnellte und sich keuchend die wunde Stelle hielt.

      In einer Mischung aus Ehrfurcht und Angst betrachtete Zanthe die beiden. „… was war das?“
      „Ja“, fauchte Anya wütend, „was war das!? Wir dachten, du wärst tot!“
      „Schrei nicht so“, brummte Logan allerdings wenig begeistert von der Anwesenheit der Blonden und hielt sich die blutende Stelle. „Ich glaube, du hast mir 'ne Rippe gebrochen.“
      „Du wurdest niedergeschlagen“, fasste Zanthe die Situation trocken zusammen, „und deine Atmung hatte ausgesetzt. Als die arme Anya dich beatmen sollte, hat sie kurzerhand entschieden, dich stattdessen umzubringen.“
      Knallrot im Gesicht fauchte die: „Das stimmt doch gar nicht! Ich wollte das Ganze nur etwas abkürzen!“
      Der grimmig dreinblickende Zwerg rieb sich wortlos über den Brustkorb.
      „Jedenfalls sind wir froh, dass es dir den Umständen entsprechend gut geht. Das hätte auch anders ausgehen können. Aber Nigel hat nur den USB-Stick geklaut“, erklärte Zanthe weiter. Dann huschte ein bitterböses Grinsen über sein Gesicht. „Oh, und Anya hat dein D-Wheel geschrottet.“

      Binnen eines Herzschlags wechselte die Körperfarbe der Blonden von rot zu weiß, besonders, als Logan schleichend langsam den Kopf in ihre Richtung drehte.
      „I-ich kann das erklären“, stammelte sie, die immer noch neben ihm kniete.
      „Ist mir egal.“
      Anya verschlug es die Sprache. Jetzt hatte sie es wohl endgültig geschafft, ihn zu vergraulen.
      „Es ist nicht ihre Schuld“, versuchte Zanthe schlechten Gewissens zu schlichten. „Nigel hat sie mit einem Fahrzeug von der Strecke gerammt. Um ein Haar wäre sie in den Tod gestürzt, wenn-“
      „Egal.“
      Keinen der beiden ansehend, stützte sich der Mann mit einer Hand auf seinem Knie ab und erhob sich langsam. Hastig tat Anya es ihm gleich. „E-es tut mir leid, ich-“
      „Wo ist es?“
      „In der Nähe von diesem kleinen Schrottplatz vor der letzten Kurve“, antwortete Zanthe für seine Freundin.
      Logan warf einen Seitenblick auf die immer kleiner werdende Anya. „Bringt mich dorthin.“
      „Für den Schaden werde ich aufkommen. Versprochen!“
      „Nein.“
      Panisch sah sie zu Zanthe, welcher aber auch nur ratlos mit den Schultern zuckte. Der Mann mit den buschigen Koteletten drehte sich dem Mädchen zu und packte es an den Schultern. „Rosenburg und ihr Manager werden dafür aufkommen. Ich werde sie in die Besinnungslosigkeit klagen!“
      Die Miene der Blonden hellte sich auf. „D-du bist nicht böse.“
      „Wir müssen diesen Verbrechern das Handwerk legen. Hier sind Kameras, mit denen wir beweisen, dass Nigel mich angegriffen hat, um zu vertuschen, dass sein Schützling irgendwie betrügt.“
      Zanthe derweil drehte den Kopf zur Wand der halboffenen Box. „Du meinst diese Kamera?“
      „Das Ding hat alles aufgezeichnet. Wie er mich angegriffen hat“, knurrte der Mann zornig.
      „Hmm.“ Zanthe verschränkte die Arme voreinander. „Hoffen wir's. Unabhängig davon wette ich, die Schuld für die Schäden an der Riding Duel-Strecke wird er Anya irgendwie zuschieben wollen. Denn das können die Aufzeichnungen nicht eindeutig widerlegen.“
      „Was!?“, kreischte Anya dazwischen.
      „Bringt mich zum D-Wheel“, verlangte Logan plötzlich. „Aber vorher ziehst du den Motorradanzug aus.“
      „Was!?“ Anya wich von ihm zurück. „Spinnst du!?“
      „Hast doch was drunter.“
      „S-schon, aber was soll das alles!?“
      Logan starrte sie finster an. „Siehst du dann.“
      Die beiden Freunde tauschten einen verwirrten Blick aus, ehe sie mangels einer Erklärung für seine Forderung einander zunickten.

      Zehn Minuten später näherten sich die Drei der Stelle, an der das schwarze, demolierte D-Wheel lag. Inzwischen umzingelt von einem Polizeiwagen und zwei Beamten, die gerade dabei waren, die entstandenen Schäden aufnehmen. Oberhalb davon, wo sich die Riding Duel-Strecke befand, stand ebenfalls ein Polizeiwagen. Das Loch in der Absperrung war mit gelb-schwarzem Absperrband abgeriegelt worden.
      „Also“, brummte Logan. Anyas Motorradanzug hing dabei über seinem Oberarm. Das Mädchen ihrerseits steckte inzwischen in zerschlissenen Jeans, einem schwarzen Shirt, mit Logans brauner Lederjacke darüber. „Werd' sagen, dass ich gefahren bin.“
      „Was!?“, fielen sowohl Anya, als auch Zanthe zu seiner Linken aus allen Wolken.
      „Bist du irre!? Das glaubt dir doch kein Schwein!“
      „Wir haben dieselbe Größe, etwa denselben Körperbau. Unter dem Ding hier würde man uns schwer auseinander halten können.“ Zur Verdeutlichung hob Logan den Anzug an. „Außerdem ist das D-Wheel auf meinen Namen gemeldet.“
      Zanthe klatschte seine linke Hand gegen die Stirn. „Ist dir klar, was das bedeutet? Der entstandene Sachschaden ist beträchtlich. Ich wette, du wirst dir nicht mal die Kaution leisten können.“

      Logan aber schritt voran und winkte dabei ab. „Dazu gehören immer zwei, vergesst das nicht. Bis später.“
      Völlig erstarrt sah Anya ihm hinterher, wie er sich den Polizisten näherte.
      „Der ist doch völlig balla balla“, staunte Zanthe und drehte sich ihr zu, „was haste mit dem gemacht?“
      „Nichts. Das ist ja das Problem.“
      „Yeah.“ Schlagartig wechselte der Gesichtsausdruck des Werwolfs von einem faszinierten zu einem düsteren, fast schon feindlichen. „Der Kerl ist eindeutig zu nett. So viel Nachsehen hat doch kein normaler Mensch.“
      Gleichzeitig drehte sich Logan noch einmal zu ihnen um. „Ach ja: Sieh zu, dass du mich so schnell wie möglich aus dem Kittchen holst, verstanden? Auf deine Kosten, versteht sich.“
      Anya, die Zanthes Kommentar dadurch überhört hatte, nickte heftig. „Wird erledigt!“
      Dann sprach der Mechatroniker die Beamten an.

      „Oh natürlich, wie konnte ich deine selektive Wahrnehmung bloß vergessen“, zischte Zanthe beleidigt.
      „Was?“, fragte Anya, die selbst das nicht wirklich mitbekommen hatte.
      Der Kopftuchträger aber winkte schicksalsergeben ab. „Nichts. Was jetzt?“
      „Na was wohl? Wir nehmen uns das nächste Taxi, gehen auf unser Zimmer und bereiten uns vor“, erwiderte sie und mit jedem Wort wurde ihre Mimik bedrohlicher, „schließlich wurden wir eingeladen. Und es wäre doch wirklich unhöflich, uns unseren Gastgebern nicht von unserer allerschlimmsten Seite zu präsentieren.“
      Zanthe sah herüber zu Logan, welcher gerade von einem Beamten abgeführt und mit Nachdruck in den Wagen geschoben wurde. „Wenn du meinst …“




      Turn 81 – Each Of Their Battles (1)
      Anya und Zanthe treffen Vorbereitungen, um sich Nigel und Claire zu stellen. Doch eine unerwartet kommende Aufforderung ändert Anyas Pläne kurzfristig, sodass Zanthe sich alleine auf den Weg macht. Zeitgleich kommt es auch anderenorts zu interessanten Begegnungen …

      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Lazuli

      Gem-Knight Pyrite
      Monster/Normal/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/0 DEF/2800 (6) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight"-Karte von deinem Deck auf den Friedhof schicken.
      Monstereffekt: Einer der verlorenen Edelsteinritter, die nach einer langen Reise zurückgekehrt sind. Doch die Welt, die sie einst ihre eigene nannten, ist nicht mehr.

      Gem-Knight Jasper
      Monster/Effekt/Pendel
      Pyro/Erde
      ATK/1800 DEF/600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Erhöhe die ATK und DEF jenes Monsters um 600.

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: {????}

      Gem-Knight Malachite
      Monster/Effekt/Pendel
      Aqua/Erde
      ATK/1000 DEF/1900 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Ziehe 1 Karte.

      Gem-Knight Fusion

      Pendulum Fusion
      Zauber/Normal
      Beschwöre 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck und verwende dabei Monster von deiner Hand oder deiner Spielfeldseite als Fusionsmaterial, darunter mindestens 1 Pendelmonster. Du kannst diese Karte von deinem Friedhof verbannen, um 1 Fusionsmonster in deinem Friedhof als Ziel zu wählen: Schicke es offen in dein Extradeck zurück und erhöhe bis zur End Phase den Pendelbereich eines deiner Pendelmonster um 4. Du kannst das Ziel in diesem Zug als Pendelbeschwörung beschwören.

      Gem-Enhancement
      Brilliant Spark
      Tri-And-Guess

      Gem-Knight Topaz
      Gem-Knight Lady Lapis Lazuli
      Gem-Knight Prismaura
      Gem-Knight Master Diamond
      Gem-Knight Lady Brilliant Diamond

      Claire

      Mecha Phantom Beast Megaraptor
      Mecha Phantom Beast Blackfalcon
      Mecha Phantom Beast Aerosguin
      Mecha Phantom Beast Coltwing
      Mecha Phantom Beast Harrliard
      Mecha Phantom Beast Hamstrat

      Wingover
      Zauber/Normal
      Aktiviere nur, wenn du mindestens 1 "Mecha Phantom Beast"-Monster (außer Spielmarken) und genug "Mecha Phantom Beast"-Spielmarken kontrollierst, sodass die Zahl jener Monster genauso groß ist wie die Zahl der Monster, die dein Gegner kontrolliert. Biete all deine "Mecha Phantom Beast"-Spielmarken als Tribut an; zerstöre alle Monster deines Gegners und ziehe Karte entsprechend der Anzahl der durch diesen Effekt als Tribut angebotenen "Mecha Phantom Beast"-Spielmarken. Überspringe in diesem Zug deine Battle Phase.

      Limiter Removal

      Aerial Recharge
      Damage Vaccine Ω MAX
      Powerful Rebirth
      Trap Jammer


      Ein wenig mehr Feedback wäre wirklich nett. =/
      Spoiler anzeigen
      So, melde mich auch mal wieder. Zunächst einmal bleibt Nigel mysteriös, was ich aber auch wichtig finde, denn wenn jeder Immaterielle in der Lage wäre, seinem Paktpartner Unbesiegbarkeit im Duell zu gewähren, wäre das schon irgendwie unlogisch. Das macht das Duo Claire/Nigel nur umso interessanter.

      Dann wird Kali noch mal am Rande erwähnt, bin gespannt wie du sie wieder in die Geschichte miteinbindest. Abgesehen davon spricht Joel sehr offen, was die spannende Frage aufwirft, was er selbst plant, was jedoch unklar bleibt. Sicher: seine Befreiung, aber mit welchem Zweck? Es ist so oder so ziemlich undurchsichtig, was genau diese großen Dämonen machen.


      Gefällt mir wie du das Duell durch das Riding Element und die Paktkarten variierst.


      Dass die CS und ihre Geschichte erklärt wurde, ist interessant. Dass es sich dabei um Mr. Bauer handeln könnte hast du gleich offenbart, tja, wir werden sehen was daraus wird. Du deutest da eine Verbindung zu Aiden an und gleichzeitig klingt es fast so, als ob Nick seinen Vater jederzeit finden könnte, erstaunlich…

      Warum Claire kein Extradeck nutzt, macht die noch ausstehende Begegnung besonders interessant, denn zu dieser Gelegenheit dürfte das noch geklärt werden. Wahrscheinlich hat es irgendwas mit Nigels Hintergrund zu tun. Und vor allem: wer sagt Claire, was ihre Aufgabe ist? Nigel? Und wer steht hinter dem? Darin dürfte sich der Grund für Ricthers plötzliche Hilfe verstecken.


      Anya hat ja mit den Artefakten so richtig losgelegt, gegen Claire. Ist interessant wie sie sich gegen deren Pakt wehrt, und wie sie kleine Erfolge erzielt, ohne wirklich je zu gewinnen.


      Hab ich das überlesen, oder gegen wen vollstreckt Ricther? Etwa Logan (Claire bleibt ja unbehelligt, so wie es scheint)? Aber der geht dann ja freiwillig ins Gefängnis und das wars. Ach ja, köstlich, wie Anya ihn wiederbelebt :D


      Auf jeden Fall bleibt Logan verdammt konstant in seiner Unterstützung und seiner generellen Haltung. Was genau seine Hintergründe sind muss auch noch geklärt werden.


      Die Excel Summon hast du dieses Duell noch nicht verwendet, nachdem du sie in einem Traum von Anya mal angedeutet hast. Vielleicht in der nächsten Folge?


      Alles in allem unterhält deine FF ausgezeichnet, ach ne warte, das war ja im Prinzip schon immer klar. Egal. Gibt noch genug Fragen zu klären, ich denke ich spreche auch für den Rest deiner stillen Leser, wenn ich sage, dass wir uns sehr auf die Fortsetzung freuen :)
      @-Aska-

      Richtig. Aber ich denke, unter dem Aspekt 'Action' bekommt man auch mit eigenen Ideen ganz gut bei, oder man benutzt die Umgebung, wie bei -du weißt schon welcher- bei dir damals nicht mehr umgesetzten Idee ;)

      Gängig sind ja in der Regel eh nur die drei Varianten: Story die auf ein Ende zusteuert. Ende bekannt, Flashbacks erzählt wie es zu kam, oder Story, die kein Ende findet (oder haben wird) ;)


      Das trifft aber generell auf viele Decks zu, dass man die etwas "idealisiert" darstellt, es sei denn, es wäre ein Metadeck, was die bestimmten Combos routiniert abrufen kann. Aber Support für MPB würde ich auch begrüßen. So vom Kaliber Zeug, was die Aliens in Form der letzten 2 Karten oder so bekommen hatten. Die waren in sich ja doch durchaus spielstark, auch wenn sie in der Duellumgebung dadurch dennoch nicht Tier 1 werden dürften.

      Denke nicht dass du das mit den Pendelmonstern vergessen hattest. Sagen wir eher, ich hab das garantiert einfach überlesen ^^


      Ja, für Nick ist Joel mit dem Aussehen in mehrfacher Hinsicht gefährlich xD Und was die Agendas angeht, im Endeffekt ist es am Ende eh egal, auf welche man setzt. Es wird wahrscheinlich immer die sein, die einem am Unwahrscheinlichsten vorkam, die die beste Wahl für einen selbst gewesen wäre.

      Wegen Antworten? Mach mal ne Folge im Jeopardy Style. Alle Antworten in die Folgen, und wir stellen die Fragen dazu >;3


      Folge

      Der letzte Teil des Duells zwischen Claire und Anya war weiterhin spannend und sehr intensiv geschrieben. Und dabei machte es schon die Tatsache interessant, dass Anya mit Claire eine Gegnerin hatte, die wirklich nicht verlieren können soll, sowie ihre Versuche, sich genau gegen diese 'Regel' aufzubäumen. Letzteres war auch das wiederkehrende Motiv der Geschichte, sich gegen das Schicksal aufzulehnen.

      Insgesamt fand ich es auch eine gute Lösung, dass Anya am Ende nicht gewonnen hat (wäre aber nach Claires erstem Duell auch etwas antiklimatisch gewesen). Dadurch, dass es offengehalten wurde, hat sie objektiv betrachtet aber auch nicht wirklich verloren. Auch wenn man den sonst stattgefundenen Ausgang wohl erahnen hätte können. Auf der anderen Seite dürfte Anyas "Off-the-track" aber ziemlich sicher als Game Loss gelten, weshalb sie das Duell dann eben so gesehen doch verloren hat. Aber als Leser wissen wir ja schon, dass das nicht ihre eigene Schuld war ;)

      Dass Anya dennoch bis zum bitteren Ende ihrer Linie treu geblieben ist und nicht ein einziges Mal gemogelt hat, war sehr positiv für sie zu sehen. Leider hat es in der Hinsicht am Ende nicht gereicht, 'ehrlich' zu sein. Wobei sich mir schon die Frage gestellt hätte, ob Claires "Unbesiegbarkeit" oder Anyas Cheat Draw am Ende die Oberhand behalten hätte. Wobei ich wohl eher auf Claire setzen würde, weil das auf mich eher permanent wirkt, während Anyas Destiny Draw ja eine Spot-Situation ist. Aber wer weiß?
      Nett war auch, dass sie gegen alle Widrigkeiten doch noch einen Weg für sich gefunden hatte, gegen Claire anzukommen, indem sie versucht, das Rennen zu gewinnen und nicht mehr das Duell. Selbst wenn es wirklich am Ende knapp geworden wäre oder eben nicht geklappt hätte, es war wieder ein auf die schnelle sehr gut überlegter Back-up Plan von Anya.

      Wird auf jeden Fall aber spannend zu erfahren sein, wie der Pakt von Claire genau funktioniert. An dem, was Joel darüber verlor, dürfte es ja nichts zu rütteln geben, aber ansonsten gäbe es ja noch einige Möglichkeiten, wie das ablaufen kann.
      Aber denke, dass sie immer die richtigen Karten passend hatte, war sicher gewollt auffällig gewesen. Ich mein, bei ein oder zwei rechnet man es der Handlung zu, aber regelmäßig ist dann schon suspekt. Wie gesagt, dafür muss man jedoch wissen, wie diese Verbindung zwischen Nigel und Claire sich gestaltet und wenn es ist, wieweit das Artefakt da auch noch reinspielt.
      Auch die Sache mit dem Extra Deck ist noch so ein Ding. Einerseits könnte das am Ende wirklich ein Tic sein, so von wegen hab ich nicht nötig, wie Anya in der Folge meinte. Kann ich mir bei Claire aber nicht so recht vorstellen. Andererseits, wenn der Vertrag sie in jedem Fall gewinnen lässt, dann hätte sie sogesehen natürlich auch keinen Grund, eins zu brauchen.

      An anderer Stelle der Strecke hat Logan den Angriff durch Nigel etwas lädiert, aber ansonsten doch relativ intakt überstanden. Wobei man ja sagen muss, in der Situation, wo er Nigel mit den "Beweisen" drohte, das war schon ne richtig typische Death Flag Situation, und man wurde ja auch ne Weile im Ungewissen gelassen xD
      Saulustig hingegen war dann die Stelle mit der nötigen Mund-zu-Mund Beatmung und der wohl Anya-gerechten Lösung dafür. Aber da merkt man auch, dass Anya ebenso die Gene einer Tomate hat, wenn es zu "Intimitäten" kommt ;)

      Zanthe hat mir in der Folge auch gut gefallen. Zum Einen, dass er bei dieser doch dramatischen Stelle mal toternst war und keinen seiner Scherze mehr machte, aber als sich die Lage wieder entschärft hatte, in seinen üblichen Charaker zurückgefallen war. Auf der anderen Seite passte es aber auch schön, dass Zanthe ihr bei dem Duell zuschaute, sogesehen auf sie aufpasste und ihr am Ende gar zur Seite stand, als es heikel wurde. Damit hat er sich wieder stark als ein echter Freund für sie etabliert. Selbstverständlich mit den kleinen, neckischen Makeln. xD

      Am Ende nahm dann Logan alle Schuld auf sich und opferte sich sogesehen für Anya. Die Entscheidung hatte auf jeden Fall Schneid. Wobei man noch im Unklaren bleibt, ob diese Handlung der Hoffnung geschuldet war, dass er davon überzeugt ist, Claire wäre genauso für die Aktion dran wie er jetzt. Denke da dürfte es auf jeden Fall noch eine Überraschung für ihn geben, die ihm nicht schmecken dürfte. Und wie schnell Anya ihn da wieder rausbekommt, hängt auch stark davon ab.

      Artefakt-Action gab es in der Folge auch im Überfluss. Nachdem Anya bereits Heavy T intuitiv 'gemeistert' hatte, gelang es ihr nun, Angel Wing im Zuge ihrer Rage (wo man ja bekanntlich nicht viel nachdenkt, sondern einfach 'macht') auch ihrem Willen zu unterwerfen und so zu nutzen, wie es sich damals erträumt hatte.
      Auf der anderen Seite hat man auch das Artefakt von Claire/Nigel gesehen. Zuerst als Waffe bei Nigel, mit der er Logan niedergeschlagen hatte (auch wenn da noch nicht wirklich klar sein konnte, dass es das war.) Aber spätestens als Claire eine identische Klinge hervorzauberte, konnte man sich dessen sicher sein. Mit hoher Wahrscheinlichkeit dürfte die auf der Strecke erschienene Kreatur, die Anya letztlich von der Strecke gedrängt hatte, ebenso darein spielen und es sich bei ihr um die Monsterform des Artefaktes handeln.

      Eine richtige Überraschung in der Folge war aber sicher auch das Auftauchen von Ricther gewesen, und dass ausgerechnet er Anya vor dem Fall rettete. Andererseits gab es so eine ähnliche Situation bei der Begegnung mit dem Schwert-Dämon bereits, wobei da noch unklar war, ob das mehr wegen Anya, oder wegen dem maskierten Dämon gewesen ist.
      Hier aber war es überraschender, weil Anya sich ja im Kampf mit einem Hüter befand, und da die Undying normalerweise die Hüter 'beschützen' bzw. konkreter dafür Sorge tragen, dass sich niemand die Artefakte aneignet, dürfte das definitiv eine andere Qualität haben.
      Bleibt nur offen, wer nun seinen Zorn auf sich gezogen hat? Da er direkt wieder verschwand, dürfte es wohl keiner der Anwesenden gewesen sein, weil normalerweise verschwinden Undying bisher nur, wenn sie geschlagen den Rückzug antreten xD

      Bei der Conqueror's Soul wird es jetzt dadurch nun umso spannender, dass Kali diese auch besitzt. Aber das geht denke ich mit dem Klimax einher, wenn gelüftet wird, wer sich hinter der Keramikmaske nun tatsächlich verbirgt.


      Was die Herausforderung für die nächste Folge angeht, muss man sehen, was da nun passieren wird. Einerseits sagte Nigel ja, das sie Anya das Artefakt nicht herausgeben könnten, aber dann sind die Chancen ziemlich gering, dass sie das freiwillig auf andere Weise rausrücken würden. Also muss man stark von einer Falle oder ähnlichem ausgehen.
      Und genau in so einer Situation soll Zanthe nun allein gegen die beiden ran? Da kann man doch nur davon ausgehen, dass das schiefgehen muss. Aber vielleicht bekommt er ja noch anderer Unterstützung. Mehrere Kandidaten würden mir auf jeden Fall einfallen xD

      Die Hauptfrage aber wird sein, was so wichtig ist, dass Anya davon abgehalten wird, Claire und Nigel selbst eine gehörigeAbreibung zu verpassen? Kann ja eigentlich nur etwas mit Logan, dem Sammler oder einer gewissen anderen 'Person' weit oben auf ihrer Liste zu tun haben ;)
      Aber da auch das waren noch mehr Begegnungen geben soll, klingt das ein wenig danach, dass es noch mehr Nick-Screentime geben könnte. Oder vielleicht Valerie... Ja bitte Val? *lieb schaut* ^^
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Uh, schon Anfang November. Machen wir mal weiter, huh?
      Vielen Dank an alle Leser.

      @Mcto
      Naja, noch ist ja gar nicht enthüllt, wie Nigel/Claire es machen.
      Kali ist ein wichtiger Bestandteil der Story. Es ist nur verdammt schwer, sie interessant erscheinen zu lassen, wenn man als Leser zu diesem Zeitpunkt so wenig wissen darf. ^^'
      Jeder hat Ambitionen, die einen mehr, die anderen weniger. Bei den großen Dämonen ist das nicht anders. Uh, schwer, auch hierzu mehr zu sagen. xD
      Danke für das Lob mit dem Riding Duel. Ich habe so lange schon geplant, eines zu schreiben und hatte echt Schiss, dass es nicht gut wird. Es war definitiv mal was anderes. Vielleicht wiederhole ich das ja irgendwann noch mal in einem kleineren Rahmen, wer weiß? ^^

      Nick kann Daddy Bauer jederzeit finden. Dessen Aufenthaltsort ist kein Geheimnis.
      Und vielleicht lernen die Leser ihn auch in absehbarer Zukunft kennen, wer weiß.

      Ricthers Ziel wird bald klar werden. Einige Antworten warten auf euch, damit aber auch neue Fragen. ^^
      Die Excel Summon kommt auf jeden Fall bald wieder vor. Also ein neues Excel Monster. :)
      Eigentlich wären es sogar zwei gewesen, aber das eine habe ich dann doch gestrichen, weil es nicht in das dazugehörige Duell gepasst hat. =/

      Wie gesagt, danke für das Lob und den Post. :)

      @Evil Bakura
      Auch dir vielen Dank für den Post.

      Ich hab, was "Action" angeht, noch ein paar ungenutzter Ideen aus der Signs Of War-Fortsetzung. Das war nicht nur -das- Szenario. ;)
      Verdammt, ich müsste mal wieder in den alten Aufzeichnungen schnüffeln, was die vierte Idee war. Drei fallen mir auf Anhieb ein, eine war auch ein Riding Duel. Dann -die- und die von dir erwähnte. Aber was war die letzte!? xD

      Weißt du, was das Schlimme ist? TLA hat von allen drei Varianten etwas. Es endet nie, weil mir ständig neue Ideen kommen, dann steuert es natürlich auf ein konkretes Ende zu, aber mir kommt es gerade wegen der vielen Ideen so vor, als wäre jenes nicht "vollständig". Aber irgendwann muss man ja ... ein Ende finden. :cain:

      Hmm, ein Kapitel voller Antworten, zu denen ihr die Fragen nicht kennt? ... netter Versuch. Nein. =__=

      Danke für deinen Post. Ich editiere die nächsten Tage noch ein wenig hier hinein, da ich grad zu müde bin, um noch mehr zu schreiben und nur noch schnell die Folge posten mag. xD

      Verspäteter Edit:

      Fakt ist: Im Duell hätte Anya verloren. Rechtzeitig durchs Ziel hätte sie es auch nicht geschafft. Dass Nigel dazwischengefunkt hat, hat letztlich nur dasselbe Ergebnis herbeigeführt - aber in gewisser Weise kann man daraus auch etwas ablesen. ;)

      Anya sollte sich übrigens drauf konzentrieren, Leben zu beenden statt retten zu wollen. Im Endeffekt kommt es bei beidem auf Letztes hinaus, zumindest wenn Logan der zu Rettende ist. xD
      Zanthe Freundschaft zu Anya hat sich letztlich wieder gefestigt, aber Exa ist immer noch mit im Spiel, das darf man nicht vergessen.

      Zu Val hab ich dir btw was versprochen, remember? ;)
      Also vielen Dank noch mal und sorry, dass ich erst so spät editiere. <.<


      ... Oh Gott, ich hätte beinahe die falsche Folge gepostet. Grad noch so gemerkt! OO"
      Scheiß Müdigkeit! Viel Spaß.


      Turn 81 – Each Of Their Battles (1)
      Das Wasser schwappte beinahe über den Rand der Wanne, als Anya so tief darin untertauchte, dass nur noch ihr Gesicht aus der Decke voller Schaum hervorragte. Die Mundwinkel hingen ganz tief unten und drohten zu ertrinken.
      Zu baden war das Erste, was Anya wollte, nachdem sie ohne Logan ins Hotelzimmer zurückgekehrt waren. Matt hatten sie nicht mehr angetroffen, aber er hatte eine Nachricht hinterlassen, in der er schrieb, dass er Harris als fünften Hüter in Erwägung zieht und sich abermals daran machte, ihn und seine Freundin Edna zu finden.

      Anya tauchte noch weiter unter, damit sie mit dem Mund Blasen des Schmollens pusten konnte.
      Bestand also die Möglichkeit, dass ihr am Tag von Redfields Hochzeit nicht gleich ein, sondern zwei Hüter durch die Lappen gegangen waren? Verdammter Kackmist, wie unfair war das!? Allerdings war es merkwürdig genug, dass beide ausgerechnet in ihre Arme gelaufen kamen.

      Doch auch wenn Anya sich mit diesen Gedanken abzulenken versuchte, war es eigentlich Logan, über dessen Lage sie sich seither den Kopf zerbrach. Inzwischen musste die Polizei ihn doch ausgequetscht haben wie eine rohe Tomate. Saß er hinter Gittern? Wie hoch war die Kaution? Was für eine Strafe folgte auf so schwerer Sachbeschädigung?
      Und warum hatte er das getan? Sich selbst beschuldigt, statt die Wahrheit zu sagen und sie dafür verantwortlich zu machen. Zanthe hatte ihr gesagt, dass er als Besitzer des D-Wheels ohnehin eine Teilschuld bekommen würde, weil ein potentieller Diebstahl des Motorrads seitens Anyas nicht nachweisbar war, aber gleich die ganze Schuld auf sich zu laden? Sie verstand es nicht. Oder wollte es nicht. Denn wenn sie so darüber nachdachte, tat es weh, jemanden zu kennen, der so viel für sie tat. Jemand, der nicht ahnte, welch schreckliche Dinge sie schon vollbracht hatte oder noch würde.
      Anya fühlte sich, als hätte sie Logans Freundschaft nicht verdient, denn sie konnte sich nicht erinnern, ihm irgendwann mal einen Gefallen getan zu haben. Immer war er es gewesen, der ihr aus der Patsche geholfen hatte, nicht umgekehrt.

      Der Blick des Mädchens festigte sich, sie tauchte mit dem Kopf wieder auf. Das blonde, nasse Haar lag ihr offen über den Schultern.
      „Levrier?“

      Ja?

      Der Edelsteinritter tauchte zu ihrer Linken auf, sitzend auf dem Waschbecken des kleinen Badezimmers, dessen Lichtquelle nur gedämpft leuchtete. Anya sah ihn nicht an, sondern blickte stur geradeaus zur weiß-gefliesten Wand gegenüber.
      „Wir müssen Logan da rausholen. Irgendwie.“

      Ich fürchte, das wird nicht so einfach. Das Rechtssystem hat ihn erfasst. Du kannst ihn nicht ohne Weiteres wieder dort herausreißen, ohne dass noch schlimmere Konsequenzen entstehen.

      Anya schluckte. Ihr Freund hatte Recht, wie so oft. Erstickt erwiderte sie: „Aber ich habe vielleicht … habe vielleicht … sein Leben ruiniert.“

      Nein, diese Entscheidung hat er selbst getroffen. Wir sollten Nick Harper um Hilfe bitten.

      Doch Anya fuhr weiter in ihrem gebrochenen Tonfall fort. „Was soll der schon tun? Wie du selbst sagtest, Nick kann nicht aus der Welt schaffen, was schon jeder weiß. Außerdem hasst er Logan. Ich glaube er hasst all meine Freunde und Bekannte. Wieso sollte er etwas für ihn tun?“

      Weil er es für dich tut. Deswegen solltest du dich nicht sorgen, Anya Bauer. Vergiss nicht, es existieren Kameraaufnahmen des Ganzen, die ganz klar zeigen, von wem die Zerstörung herrührt. Wenn Logan Carter fällt, dann Claire Rosenburg und ihr Manager mit ihm.

      Die warmen Worte spendeten Anya in der Tat ein wenig Trost, vermochten das schlechte Gewissen aber nicht zu unterdrücken. Sie musste sich trotzdem etwas einfallen lassen. Irgendwas …

      ~-~-~

      Nachdem Anya ihr Bad nach fast einer Stunde beendet hatte, suchten sie und Zanthe, der seltsam nervös war, ein bekanntes Fast Food-Restaurant auf, um das Frühstück nachzuholen, welches sie durch das Riding Duell verpasst hatten.

      Die Blonde ahnte nicht, dass ihr Freund ebenso von einem schlechten Gewissen geplagt wurde wie sie, denn ihm tat der LKW-Fahrer leid, dessen Wagen er und Exa sich 'ausgeliehen' hatten. Letzterer hatte sich von ihm getrennt, als Zanthe Anya direkt gefolgt war, um die Sache in Ordnung zu bringen. Doch bei dem Chaoten befürchtete der Werwolf, dass er alles nur noch schlimmer machen würde.

      Während sie beide an einem roten Tisch neben der Wand saßen, schwiegen sie sich die meiste Zeit über nur an. Wechselten ab und zu ein Wort, als im Fernseher hinter Anya Berichte über das Turnier liefen oder als Anya voller schlechter Laune einem anderen Besucher des Schnellrestaurants beim Vorbeilaufen ein Bein stellte, nur um sich dann zuckersüß zu entschuldigen.
      Was Zanthe sehr amüsant fand. „Das eben war aber gar nicht deine Art.“
      „Was?“, brummelte die und schob eine Fritte in sich hinein.
      „Einen auf Versehen machen. Sonst hättest du den Kerl noch beschuldigt, mit Absicht über deinen Fuß gestolpert zu sein.“ Natürlich interessierten ihn Anyas schlechte Angewohnheiten nur mäßig, aber irgendwie musste er endlich zu dem Thema kommen, das ihm neben Exas Fehltritt keine Ruhe ließ.
      Anya, ahnungslos wie eh und je, zuckte mit den Schultern. „Mag sein.“
      „Sag bloß, da will an seinen Manieren feilen? Hat das was mit Logan zu tun?“
      „Hör auf, Flohpelz“, murrte Anya mit finsterem Blick und tunkte eine weitere Fritte in die Ketchuplache auf dem Tablett vor ihr. „Das ist nicht witzig.“
      Der zuckte mit den Schultern. Dumme Anya. Hatte sie angebissen, ohne es überhaupt gemerkt zu haben. „Stimmt schon. Ich merk doch, wie es in dir rattert. Was denkst du gerade?“
      „Uh-!“
      Ihr Gegenüber aber fuhr ihr schamlos übers Wort. „Du nimmst ihm das doch bestimmt auch nicht mehr ab, oder? Diese ganze 'I save Anya'-Nummer.“
      Ebenjene spitzte die Ohren, verharrte mit dem Kartoffelstäbchen in ihrer Hand im Ketchup. „Huh?“
      Die Arme hinter dem Hinterkopf verschränkend, lehnte Zanthe sich auf der gepolsterten Bank zurück. „Ach komm schon, so naiv kannst doch nicht mal du sein.“
      „Willst du ihm etwa immer noch unterstellen, dass-!?“
      Wieder schnitt ihr der Werwolf ins Wort, diesmal verärgert. „Nein, ich will nur sagen, dass-!?“
      Ruckartig beugte sich Anya nach vorne. „Dass was!? Er irgendwelche Absi-!?“
      „Dass er-!“
      „Fahr mir nicht dauernd ins Wort!“
      „Lass du mich doch erstmal ausreden, Anya!“
      Woran jene aber nicht im Traum dachte. „Verdammt, Flohpelz, dann komm endlich zum Punkt!“

      „Welcher normale Mensch würde nach dieser Katastrophe von Turnier auch noch den Kopf für dich hinhalten“, keifte Zanthe erhitzt zurück, „und die Betonung liegt dabei auf 'für dich'.“
      Anya ballte beide Hände zu Fäusten, die prompt auf den Tisch gehämmert wurden. „Was soll das jetzt heißen!? Dass ich es nicht wert bin-!“
      „Es soll heißen, dass da definitiv mehr im Spiel ist als ein 'normaler Mensch'!“, nahm Zanthe ihr sofort den Wind aus den Segel.
      Selbstverständlich würde er ihr niemals zugestehen, dass auch er fand, dass sie durchaus 'rettenswert' war. Nicht jetzt, vermutlich auch nicht in naher Zukunft. Sie sollte endlich ihren Staub fangenden Hohlschädel benutzten!
      „Denk doch mal nach. Was für eine Sorte Mensch würde so etwas tun?“, versuchte er, genau dies mit ruhigerer Stimme zu erreichen.
      Sein Gegenüber zuckte verstimmt mit den Schultern. „Was weiß ich, Freunde?“
      Darüber konnte der Werwolf jedoch nur die Augen verdrehen. Und begann mit den Fingern aufzuzählen. „Er schenkt dir sein D-Pad. Er schenkt dir sein Deck. Er schenkt dir sein D-Wheel. Und er schenkt dir seine Freiheit.“
      Demonstrativ zeigte er ihr den kleinen Finger seiner Hand, welcher noch gegen die Handfläche gepresst war. „Was wird er dir als Nächstes schenken, sein Leben? Also für mich kommt da nur eine Erklärung infrage.“
      „Und die wäre!?“, verlangte Anya zu wissen und machte die Fritte in ihrer Hand schon wurfbereit.
      „Aus einem mir völlig schleierhaften Grund steht er auf dich.“
      Welche daraufhin flog, wie noch nie eine Fritte geflogen war. Und Zanthe fing sie geschickt mit dem Mund auf, um sie genüsslich zu verspeisen. Zumindest bis er merkte, dass sie bereits eiskalt war. „Igitt!“

      Als er aber Anyas betrübten, abwesenden Blick sah, erkannte er, dass er sie mit seiner Theorie lieber zu einem besseren Zeitpunkt konfrontieren sollte. Und doch würde er zu gern wissen, wie sie zu dem Thema stand.
      „Wer weiß“, murmelte sie schlechten Gewissens, „wenn ja, ist er auf jeden Fall bekloppt.“
      „Amen.“
      „Es ist nicht viel, aber ich habe überlegt, meine Preiskarte zu verkaufen. Die aus dem Turnier. Damit könnte ich vielleicht die Kaution bezahlen.“
      Zanthe bedachte das Mädchen eines mitleidigen Lächelns. „Das ist unverhältnismäßig nobel von dir, aber glaubst du wirklich, dass das reichen wird? Solche Karten bringen vielleicht 1.000$ ein, mehr nicht.“
      „Woher willst du das wissen!?“, schnappte Anya beleidigt.
      Und erntete gleich noch einen altklugen Blick obendrauf. „Weil -ich- meine Pausen genutzt habe, um die Duell-Zeitschriften zu lesen, die du in -deinen- Pausen einsortieren musstest, schon vergessen?“
      Einen Moment sah das Mädchen ihn tatsächlich an, als wüsste sie nicht, dass er von ihrem eigentlichen Job sprach, der einer Kartenverkäuferin in Mr. Palmers Laden. Versöhnlich fügte er hinzu: „Anya, das ist lieb von dir, aber der falsche Weg. Die Karte ist eine Erinnerung an das, was du schon erreicht hast. Du solltest sie nicht verkaufen. Nicht, wenn du einen Freund hast, der dir praktisch die 'Du kommst aus dem Gefängnis frei'-Karte drucken kann.“
      Dass Anya nicht begeistert von dem Gedanken schien, Nick um Hilfe bitten zu müssen, konnte Zanthe nachempfinden. Warum genau das so war, wollte sie ihm nicht verraten, was letztlich auch nicht wichtig war, solange auch ihr langsam ein Licht aufging, dass ihr Freund ein 'wenig' paranoid war. Wenngleich dies viel weniger der Fall war als sie tatsächlich ahnte …
      „Ich halt's nicht mehr aus. Wir müssen mit Logan reden!“, entschied Anya und sprang auf.
      Zanthe zuckte mit den Schultern. „Wir haben noch genug Zeit. Wenn Demon McCheatking uns schon zu sich einlädt, wird er wohl kaum weglaufen.“
      „Dem würd' ich alles zutrauen“, knurrte die Blonde säuerlich, „der wird nicht wissen, wie ihm geschieht, wenn wir beide heute Abend seine Bude auf den Kopf stellen!“

      ~-~-~

      Der nächste Tagespunkt auf Anyas To-Do-Liste sah vor, Logan vom Polizeipräsidium abzuholen, wohin dieser abgeführt worden war. Wie ein freundlicher, junger Polizist ihr jedoch schon im Eingangsbereich mit Nachdruck klar machte, würde sie ihren Freund so schnell nicht zu sehen bekommen. Denn dieser konnte sich die angesetzte Kaution nicht leisten. Und schon gar nicht Anya.

      So stand sie mit der gefürchteten Anya Bauer-Premium-Wut vor dem eierschalenfarbenen großen Gebäude und wusste nicht weiter. Neben ihr Zanthe, der sie bei der Diskussion mit dem blöden Bullen nicht mal unterstützt hatte, wo er doch sonst so schlagfertig war.
      „Scheiße!“, fluchte Anya.
      „Hast du wirklich geglaubt, ihn da so schnell rausholen zu können?“, fragte der Werwolf und betrachtete dabei interessiert das außer Betrieb genommene Münztelefon vor dem Polizeipräsidium. „Warst du das?“, wollte er mit Fingerzeig auf den herabhängenden Hörer wissen.
      „Nein“, log Anya auf die zweite Frage hin, da sie die erste ungern bejahen wollte. „Und jetzt?“
      „Muss er warten, bis Nick das regelt.“
      Anya schnaubte. „Das ist mir auch klar! Aber was dann?“
      Ihr Freund wandte sich ihr zu. Irgendwas an seinem nachdenklichen Gesichtsausdruck gefiel dem Mädchen ganz und gar nicht. Und ihr Gefühl sollte sich bestätigten, als der Werwolf den Kopf schüttelte. „Anya, es sieht ganz schlecht aus. Du hast es eben nicht mitbekommen, aber ich, dank meiner spitzen Lauscher. Videomaterial, das beweisen könnte, dass du und nicht Logan sich mit jemanden duelliert hat, ist nicht vorhanden.“
      „Was soll das heißen!? Ich dachte, die Strecken werden mit Videokameras überwacht!?“
      „Werden sie auch, aber die Aufnahmen fehlen.“ Der Kopftuchträger trat einen Schritt zurück und legte eine Hand an sein Kinn, betrachtete den Boden, als wäre dort irgendetwas wahnsinnig Interessantes zum Vorschein getreten. „Und es gibt bisher keine Zeugen, die gesehen haben, was da abgegangen ist. Da hat jemand ganze Arbeit geleistet.“
      „Das gibt’s doch nicht!? Zanthe, was machen wir jetzt!?“
      „Ohne Beweise … erstmal gar nichts, fürchte ich.“
      Anya zuckte hilflos mit den Schultern, hob nach einer Erklärung suchend die Hände. „E-es war früh am Morgen, die meisten haben noch geschlafen, a-aber …“
      „Aber sicher nicht alle. Auch zu dieser Tageszeit sind schon Menschen unterwegs“, bekam sie ob ihrer Panik eine zustimmende Antwort. „Denk doch mal nach. Videomaterial würde Claire belasten, da man sie anhand ihrer Monster und ihres D-Wheels erkennen würde. So entschieden, wie dieser Nigel versucht, ihre reine Weste zu wahren, hat er bestimmt seine Finger im Spiel.“

      Das Mädchen schluckte. Hatte dieser Typ irgendeinen Dämonenzauber über die Strecke gelegt, damit niemand etwas von dem Duell mitbekam? Wenn ja, hatten weder sie noch Levrier etwas davon bemerkt. Was hieß, dass dieser Freak noch viel mächtiger war als sie geglaubt hatte.

      Zanthe sah zu seiner Freundin auf. „Tut mir leid, dir das so zu sagen, aber Logan hat sich sein eigenes Grab geschaufelt. Er hat gestanden, vermutlich in dem Glauben, das Videomaterial würde ihn zumindest teilweise entlasten. Aber da es im Moment weder Zeugen noch Beweise gibt, dass noch jemand anderes mit von der Partie war, ist er derzeit-“
      „Halt!“ Anya wusste, was er ihr damit zu sagen versuchte. Aber sie wollte es nicht hören. Panisch versuchte sie etwas zu finden, das Logan entlasten könnte. „A-aber du hast das Duell doch auch beobachtet, oder nicht? Wenn ja, muss es doch noch andere Menschen gegeben haben.“
      „Hmm.“
      „Und sag mir nicht, es liegt daran, dass wir übernatürliche Fähigkeiten haben!“, setzte Anya nach.
      Ihr Gegenüber drehte sich von ihr weg, grübelte einen Moment vor sich hin, ehe er sich wieder an die Blonde richtete. „So plump die Idee dahinter ist, vielleicht ist genau das der Grund.“
      „Aber“, versuchte sie trotzdem noch mit ausgebreiteten Armen zu widersprechen, „das ist doch nicht definitiv. Vielleicht hat sich bisher nur niemand bei den Bullen gemeldet.“
      Zanthe seufzte schwer. „Anya … wie lange denkst du braucht der Durchschnittsbürger, um bei der Polizei durchzuklingeln, wenn vor seiner Nase ein ungenehmigtes Riding Duel stattfindet?“
      Betreten wich sie daraufhin seinem Blick aus. „Die Bullen sind doch gekommen …“
      „Weil die verdammte Strecke eingestürzt ist! Das merkt jeder, ob er nun getäuscht wird oder nicht.“

      Wie es aussieht, gibt es momentan keine Möglichkeit zu beweisen, dass Claire Rosenburg ebenfalls Teil des Duells war. Wenn man bedenkt, dass Nigel McPherson vermutlich geplant hatte, dich dafür verantwortlich zu machen, wäre es für ihn nicht mehr von Nöten gewesen, dich durch einen Kampf aus dem Weg zu räumen.

      Levrier erschien zwischen Anya und Zanthe, verschränkte die Arme.
      „Also können wir im Moment nichts tun?“, fragte Anya verzweifelt. Die beiden anderen nickten.
      „Kch!“ Mit geballter Faust wirbelte sie herum. „Die sperren den Zwerg einfach ein und …“
      „... trotzdem ist er die Gelassenheit in Person“, beendete der Werwolf hinter ihr den Satz auf etwas andere Weise als angedacht.
      „Weil er weiß, dass ich ihn da irgendwie herausholen werde!“
      „Wie denn? Willst du die Zeit zurückdrehen und sein Geständnis ungeschehen machen? Oder einen Handel mit dem Sammler schließen?“ Zanthe konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Falls du es vergessen hast: Dir geht die Lebenszeit aus, die du ihm aufschwatzen kannst. Und deine Seele wird er bestimmt nicht haben wollen.“

      Der Sammler, dachte Anya fieberhaft. Wenn es hart auf hart kam, könnte der tatsächlich noch etwas daran drehen. Ihr schlimmster Feind … bloß was blieb ihr für eine Wahl? Die wollten Logan hinter Gitter bringen, vielleicht für immer! Das mussten immerhin Schäden in Millionenhöhe sein, die da entstanden waren, da kam er nicht mal eben mit ein paar Sozialstunden und einem Bußgeld davon!
      Sofort überlegte sie, was sie dem Sammler anbieten könnte. Ihre Seele? Oder etwa ihren Namen, wie Redfield es getan hatte, um Marc wieder ins Leben zu holen?
      Nein, rügte sie eine warnende Stimme in ihrem Kopf, der Sammler hatte sie schon einmal über den Tisch gezogen. Er war an allem hier schuld! Bat sie ihn um Hilfe, würde er noch mehr Macht über sie gewinnen, sie würde nie frei sein!

      Entschlossen wirbelte Anya zu Levrier und Zanthe um. „Wir werden dafür sorgen, dass dieser Dreckskerl Nigel die Verantwortung dafür übernimmt, klar?“
      Ihr Freund, der gerade sein blaues Kopftuch zurecht zupfte, nickte. „Keine Frage, ich helfe dir dabei, ihn dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Aber selbst er wird wohl nicht alles einfach so ungeschehen machen können.“
      Wieder ballte Anya eine Faust, die sie diesmal langsam anhob. Versprach düster: „Aber er wird sich wünschen, dass er es könnte. Und dann wird er sich wünschen, dass er es kann, egal zu welchem Preis, egal bei wem er diesen Wunsch auch äußern wird.“
      Zanthe sah herüber zu Levrier, welcher mit Nachdruck den Kopf schüttelte. Doch keiner der beiden wagte es, dem wütenden Mädchen zu widersprechen.

      ~-~-~

      Die Wege der beiden trennten sich schließlich. Zanthe verabschiedete sich mit der Erklärung, noch etwas erledigen zu müssen, bis zum Abend. Matt indes war mit Valerie losgezogen, um seinen Nachforschungen nachzugehen. Dass ausgerechnet ihre Erzrivalin sich ganz plötzlich auch für solche Angelegenheiten interessierte, irritierte Anya zwar, doch war sie zu müde, um das Ganze zu hinterfragen. Schon gar nicht, da Redfield bereits einen Plan austüftelte, ihren Vater um Hilfe bei der Suche nach Harris und Edna zu bitten. Was wohl sicher nicht ganz uneigennützig war, wenn man bedachte, wer ihre Hochzeit gecrasht hatte.

      So entschied Anya letztlich, sich noch ein paar Stunden aufs Ohr zu hauen, bevor der Kampf Anya Bauer und Fuzzy McFlohpelz VS Claire Cheatingburg und ihrem Pimp Demon in die nächste Runde ging.
      Doch ihr Schlaf war unruhig. Albträume von Logan, den sie nie wieder sehen würde, plagten das Mädchen, welches an ihrem eigenen Sterbebett stand und zusehen musste, wie sie dahinsiechte, ohne ihren Freund noch einmal wiederzusehen. Oder sie fiel einfach nur in ein endloses Loch.

      Als Anya schließlich erwachte, geschah dies jedoch nicht durch das Ende ihrer Träume. Etwas klirrte in der Ferne, dann knackte es neben ihr. Die Blonde fuhr hoch. Es war inzwischen dunkel geworden.
      Es dauerte einen Moment, ehe Anya, die von der grellen Werbung an der Front des Wolkenkratzers gegenüber geblendet wurde, sich an die Lichtverhältnisse gewöhnte. Doch gleich das Erste, was sie sah, ließ sie augenblicklich auffahren. Ein Riss, direkt im Fenster, nicht breiter als eine halbe Hand.
      „Scheiße“, keuchte sie beim Anblick des gebrochenen Glases. Und sah neben sich, wo in der Wand eine Duel Monsters-Karte steckte.

      Sie ist eben wie ein Pfeil durch das Fenster geschossen. Dort drüben ist jemand, Anya Bauer!

      Jene rappelte sich auf, eilte vom Bett zum Panoramafenster und sah sofort, was Levrier meinte. Dort, auf dem Rand der Werbeanzeige von Claire Rosenburg, stand eine düstere Gestalt. Jene verharrte still auf der Stelle, bis ein ovales, schwarzes Portal sich neben ihr öffnete und sie darin verschwand.
      „Kali!?“, keuchte Anya, die glaubte, in der Person ihre geschworene Feindin erkannt zu haben.
      Augenblicklich rannte sie zurück zu ihrem Bett in der Ecke des Zimmers und riss die Karte aus der Wand. Doch jene war an der Front komplett weiß, während der Kartenrücken seine normale, braune Färbung besaß.
      In den Händen hielt sie eine kurze Botschaft, geschrieben in krakeligen Lettern.
      „Die Zeit ist gekommen. Triff mich heute um Mitternacht im Ephemeria Bridge Stadium, alleine“, las Anya vor. „Das war eindeutig Kali!“

      Auch wenn ich davon ausgehen sollte, dass du es selbst weißt: Das ist eine Falle.

      „Yeah. Und ich hab schon was anderes vor.“ Anya dachte an Nigel, der seine Bestrafung momentan dringender brauchte als diese blöde Ziege.
      Trotzdem fragte sich das Mädchen, was ihre Feindin dazu bewogen hatte, sie gerade jetzt herauszufordern. Bisher hatte sie immer Zachariah vorgeschickt oder Nick als Sündenbock missbraucht, statt sich ihr selbst zu stellen. Dieser Einladung nachzugehen hieße, vielleicht mehr über die Beweggründe von Kali zu erfahren. Nicht, dass Anya daran Interesse hätte …

      Als wenig später Zanthe zurückkam, zeigte sie ihm die Karte.
      „Das ist eine Falle“, meinte er, noch im Türrahmen stehend. „Um die Uhrzeit ist dort keiner. Da kann sie mit dir machen was sie will.“
      Er gab ihr die Einladung zurück. Erst jetzt, im Licht der Deckenbeleuchtung, fiel Anya auf, dass die Oberseite der Karte nicht natürlich weiß war, sondern Artwork und Effektbox entfernt worden waren. Merkwürdig.
      „Ich weiß“, nickte sie auf den Einwand hin, „aber ich habe mir überlegt …“
      „Oh nein!“
      „Lass mich ausreden, verdammt!“ Anya schnaufte. Sie wusste, dass ihm nicht gefallen würde, was sie gleich sagen würde. „Ich gehe hin. Mag ja sein, dass wir dort ungestört sind, aber irgendwann muss ich sie doch loswerden.“
      Zanthe ließ seinen Finger um die Schläfe kreisen. „Na klar, ungestört. Dein Bruder wird bestimmt nur auf der Bank sitzen und zusehen. Und was wird aus Nigel?“
      „Du gehst hin.“
      „Ich!?“, wiederholte Zanthe und fasste sich ungläubig mit beiden Händen auf die Brust. „Alleine!?“
      „Yeah, wieso nicht? Ich geb' dir den Handschuh, damit du das Artefakt bekommst und ihm eine fegen kannst, dann brichst du ihm solange Knochen, bis er Logan entlastet und gut ist.“ Für Anya klang es wie eine Selbstverständlichkeit. Sie schlenderte zu ihrem Koffer vor der Bettkante, in dem irgendwo das Handschuhpaar lag. „Du wirst schon damit fertig, immerhin bist du fast so gut wie ich.“
      „Der Sinn dahinter war aber, dass wir ihn zu zweit stellen“, beklagte sich der Werwolf und eilte ihr nach. „Die sind auch mindestens zu zweit, schon vergessen?“

      Schlagartig wirbelte Anya herum. Doch statt wie sonst aufgrund gewohnten Widerstands die Beherrschung zu verlieren, blickte sie Zanthe auf eine Art an, die ihn für einen Moment glauben ließ, dass sie ihm wirklich vertraute.
      „Yeah, wir sind in der Unterzahl. Und ehe wir Summers und Redfield finden, hat sich der Zwerg aus seiner Zelle gebuddelt.“ Sie sah zur Seite, aus dem Fenster. „Außerdem will ich die beiden da raushalten, besonders Redfield. Aber wenn ich Kali nicht zuvor komme, tut sie euch irgendwann noch was an. Spätestens wenn ihr die Sachen ausgehen, die sie mir klauen kann.“
      Zanthe folgte ihrem Blick, welcher an Claires Werbung haften blieb. „Ich verstehe, dass du dem nachgehen willst. Aber denkst du wirklich, dass du ihr gewachsen bist? Wir wissen viel zu wenig über sie.“
      „Ich bin ja nicht ganz allein. Levrier ist noch da.“
      Seufzend wandte der Schwarzhaarige sich ihr wieder zu. „Du hast es dir doch ohnehin schon in den Kopf gesetzt, also hab ich keine Wahl, oder?“
      „Nicht wirklich“, grinste Anya keck.
      „Also gut. Und was soll ich machen? Denk dran, die sind beide Hüter.“

      Dass Anya jedoch eine genaue Vorstellung davon hatte, was er alles mit den beiden anstellen sollte, überraschte Zanthe wenig. Doch ihr Hinweis, Claire mit anderen Mitteln als einem Duell auszuschalten, war gar nicht so dumm. Dann bliebe nur noch Nigel, von dem sie auch zu wenig wussten.
      Andererseits, so gluckste Zanthe in sich hinein, war Anya nicht die Einzige, die mit einer unsichtbaren Begleitung unterwegs war.

      So setzten die beiden ihren, wie sie zugeben mussten, nicht ganz so gut durchdachten Plan in die Tat um. Anya bestellte sich ein Taxi und ließ sich zum riesigen Stadion fahren, in dem die Vorrunden des Turniers stattgefunden hatten. Auf einer künstlichen Insel inmitten der Stadt gebaut, konnte man es nur über eine lange Brücke betreten. Das ovale, metallische Stadion unbemerkt zu betreten würde nicht einfach werden, aber Anya besaß gewisse Erfahrungen, was das unbefugte Betreten öffentlicher Gebäude anging.
      Zanthe seinerseits musste noch auf seinen eigenen Fahrer warten …

      ~-~-~

      …neben dem er kurze Zeit später auf dem Beifahrersitz eines „geliehenen“ roten Aston Martins saß. Wo auch immer Exa diesen aufgetrieben hatte. Jener saß am Steuer und grinste breit, den Blick konzentriert auf die Lichtkegel der Scheinwerfer fixiert. Es war stockdunkel draußen, sie fuhren über eine Straße, zu deren Rechten sich ein Wald auf einem Hügel erhob.
      „Langsam werd' ich richtig gut darin“, gluckste Exa.
      „Im Fahren oder im Stehlen?“, fragte Zanthe neckisch, klang dabei aber eher gelangweilt.
      „Wir geben es doch zurück. Wo ist das Problem?“
      „Ich habe kein Problem damit. Aber du auch nicht. Und das ist das Problem.“
      Sein Freund mit den blonden Braids gab ein nachdenkliches Geräusch von sich. „Für dich sieht es so aus, als würde ich jemandem etwas wegnehmen. Das ist okay, hier wird das schließlich als Diebstahl betrachtet.“
      „Und da, wo du herkamst, war das anders?“, wollte Zanthe neugierig wissen.
      „In gewisser Weise schon.“ Sein Freund nickte dabei. „Fahrzeuge waren für uns zweckmäßig. Sie haben niemandem gehört, sondern wurden benutzt, wenn sie gebraucht wurden. Das galt für Vieles. Aber es gab trotzdem auch private Besitztümer.“
      Der Werwolf starrte aus dem Seitenfenster und schmunzelte. „Klingt, als wäre alles sehr harmonisch gewesen.“
      „War es auch. Streit gab es selten und wenn, dann dauerte es nicht lange, bis man sich wieder vertragen hatte. Das mussten wir auch.“ Der Blick des jungen Mannes verhärtete sich, wie Zanthe aus den Augenwinkeln im Rückspiegel bemerkte. „Sonst wären wir ausgelöscht worden.“

      Eine unangenehme Stille zog sich wie ein Vorhang um die beiden. Zanthe hatte eine Menge Geschichten von Exa, seinen Freunden und seiner Heimat erfahren, seit sie sich zum ersten Mal begegnet waren. Manchmal kam es ihm so vor, als hätte Exa zwei Persönlichkeiten. Der Freund und der Krieger. Letzteren wollte niemand näher kennenlernen, aber ohne diesen Teil seiner selbst, hätte es den Freund Exa nie gegeben.

      „Ich muss diesem Kerl vielleicht sein Artefakt abnehmen“, gestand Zanthe schließlich.
      Exa reagierte ruhig, obwohl der Werwolf ganz genau wusste, dass er sich mit dem Geständnis auf dünnem Eis bewegte. Sein Begleiter fragte: „Hast du dir das gut überlegt?“
      „Nein. Ist nicht so, als ob ich nicht noch andere Anliegen hätte. Aber darauf wird es wohl hinauslaufen.“
      „Du weißt, was passiert, wenn sie irgendwann auf den Trichter kommt, mich anzugreifen.“
      „Yeah. Aber so weit wird es nicht kommen. Ich lasse nicht zu, dass noch einmal jemand, der mir nahe steht, sein Leben verliert.“ Der Schwarzhaarige schloss die Augen. „Weder du, noch Anya.“
      Plötzlich musste sein Freund wieder glucksen. „Ich bin ihr übrigens schon mal begegnet. Neulich, als wir uns kurz getrennt haben. Die ist wirklich 'ne Nummer für sich.“
      „Ist sie.“ Nachdenklich betrachtete der Kopftuchträger seine rechte Hand, welche er hob und die in dem weißen, fingerlosen Handschuh Anyas steckte. Wortlos ließ er ihn wieder sinken. „Wie besprochen, okay?“
      „Wie besprochen“, nickte Exa ihm mit ernstem Gesichtsausdruck zu.

      Etwa eine Viertelstunde später kam der Wagen vor einem kleinen Grundstück zu stehen, das sich auf einem Hang befand. Ein einzelnes Einfamilienhaus stand darauf, klassisch amerikanisch in weiß gehalten. Von hier hatte man einen guten Blick auf Ephemeria City, welches in der Nacht wie eine einzige Werbetafel leuchtete. So stark, dass es die Nacht zum Tage machte.
      Als Zanthe von der Fahrerseite ausstieg, erwartete Nigel McPherson ihn schon zusammen mit Claire vor seiner Haustür. Und doch zog er überrascht seine zerteilte Augenbraue hoch, als der junge Mann alleine näher kam.
      „Wo ist Anya Bauer?“
      „Verhindert“, erwiderte Zanthe knapp, „ich bin die Vertretung.“
      „Ein ehemaliger Hüter, der eine fehlgeleitete Irre unterstützt. Tiefer zu sinken ist kaum möglich“, kommentierte Nigel die Aussage abfällig.

      Zanthe staunte. Woher wusste der, dass er mal ein Hüter gewesen war? Die beiden waren sich vor heute Morgen noch nie begegnet. Vielleicht spürte Nigel es noch …
      Anstatt nachzufragen, konzentrierte der Werwolf sich jedoch lieber auf seine Umgebung. Da waren viele Gerüche. Seiner, Exas, die beiden Spinner da vorne … aber noch mehr. Zwei Menschen befanden sich im Inneren des verdunkelten Hauses. Schliefen vermutlich. Hatte Nigel etwa eine menschliche Familie?

      „Woher weißt du so viel über mich?“, fragte Zanthe zwischenzeitlich, um seine Umgebung ein wenig mehr zu erkunden. Die Straße hinter ihm verlief in einer Serpentine, etwa zwei Kilometer weiter folgte der nächste Ort. Grundstück und Haus waren von einem einfachen Lattenzaun umzogen. Hinter dem Haus gab es ein paar vereinzelte Bäume.
      „Drazen hatte einen Werwolf erwähnt, der zum Hüter geworden ist, nachdem sein Bruder …“
      „Danke“, unterbrach Zanthe ihn sofort zerknirscht. „Der Name sagt mir was.“

      Drazen, schoss es ihm durch den Kopf. Der Alte, der zweite Hüter, den Matt sich vorgenommen hatte? Was hatte der mit der ganzen Sache zu tun?
      Sein Gegenüber verschränkte die Arme. „Auch du bist Drazen bereits begegnet. Er ist der Hüter, der die Neulinge einweist, sobald sie auserkoren wurden. Der einzige unter den Hütern, der die Identitäten der anderen kennt.“
      Und da traf es Zanthe wie ein Blitz. An dem Tag … an dem Tag, als er kniend im Regen seinen Verlust betrauerte, da war neben Kyon noch ein anderer da gewesen. Ein Mann mit weißem Haar, der lächelnd seine Hand ausgestreckt hatte, ihm aufmunternde Worte zusprach und von der Aufgabe berichtete, die Alessandro ihm übertragen hatte.
      Ja, übertragen. Zanthe erinnerte sich. Vor seinem Tod konnte der Hüter einen Nachfolger erwählen, hatte Drazen gesagt. So war er zum nächsten Besitzer von [Angel Wing Dragon] geworden.

      „So ist das also“, erwiderte der Schwarzhaarige nach einer Zeit und warf einen Blick auf Claire, die stumm Nigels Rechte flankierte. Dann sah er dem Dämon direkt in die Augen. „Wie gesagt, ich bin in Anyas Namen hier. Und sie hat zwei Forderungen. Erstens: Sorg' dafür, dass ihr Freund auf freien Fuße kommt. Du weißt, wen ich meine.“
      Nigel hörte sich still an, was Zanthe zu sagen hatte.
      „Und zweitens: Übergib uns dein Hüterartefakt. Dann lassen wir dich unbeschadet gehen.“
      Schon verfiel der Bärtige in unverhohlenes Gelächter. Wovon sich Zanthe jedoch nicht im Geringsten beeinflussen ließ. Er wartete.

      Als der Anfall vorüber war, gab Nigel mit seinem normalen, monotonen Tonfall seine Antwort. „Nein. Was geschehen ist, kann ich nicht rückgängig machen. Ihr Freund ist selber schuld, wenn er die Bürde ihrer Taten auf sich nimmt.“
      Zanthe erwiderte schnippisch: „Die ganze Schuld. Ich kann mich nicht entsinnen, dass Anya damit angefangen hat, die Strecke zu verwüsten. Das war dein Schützling.“
      „Sie hat getan, was ich ihr aufgetragen habe.“ Nigel schüttelte den Kopf, wechselte unvermittelt das Thema. „Du weißt es nicht, nicht wahr? Was sie da wirklich tut.“
      Gebieterisch verschränkte Zanthe die Arme. „Ich höre.“
      „Deine Freundin ist keine Hüterin. Die Methode, mit der sie die Artefakte an sich reißt, ist mir nicht bekannt, doch eins zeichnet sich ganz klar ab. Jeder Hüter, den sie seiner Macht beraubt, wird nicht ersetzt.“
      „Was?“ Mit offenem Mund ließ Zanthe seine Arme wieder sinken.
      „Der Kreislauf wird durch ihr Wirken unterbrochen. Es werden keine neuen Hüter auserwählt. Und sie selbst ist nicht dazu imstande, neue zu deklarieren.“

      War das wahr!? Zanthes Blick wanderte zu Claire herüber, doch er starrte an ihr vorbei. Was hatte das zu bedeuten? Steckte der Sammler dahinter, war das Teil seines Plans?
      Zanthe wusste nicht, ob er jetzt, da er sich diesem Vorwurf gegenüber sah, noch duellieren konnte. Unsicher betrachtete er den blassgoldenen Armreif an seinem linken Handgelenk.

      „Es ist die Wahrheit.“ Nigel streckte bei diesen Worten seinen eigenen, linken Arm aus. An dem ein rotes D-Pad steckte. „Als Hüter ist es meine Pflicht, mein Artefakt zu verteidigen, bis derjenige kommt, dem es wirklich zusteht. Und das ist nicht Anya Bauer.“
      Wer? Wer war es dann? Aber Zanthe ahnte, dass selbst Nigel diese Frage nicht beantworten konnte, denn genau die gleiche hatte er vor etwa einem Jahr Drazen gestellt, als er klar machen wollte, dass dieser jemand das verdammte Artefakt behalten könne.
      „Du hast meine Antworten auf deine beiden Forderungen vernommen. Kehre um, und wir lassen dich ziehen. Begehrst du das Artefakt trotz allem noch, werde ich dich hier bekämpfen.“ Plötzlich änderte sich sein Ton jedoch, wurde ruhiger und menschlicher. „Bitte triff die richtige Wahl.“

      Anya helfen und damit den nächsten Hüter seiner Kräfte für immer berauben? Oder es nicht tun? Dann jedoch würde sie vielleicht sterben. Ihre Zeit war bereits so knapp. Was, wenn sie nicht rechtzeitig einen Weg fanden, sie zu verlängern oder den Sammler zu besiegen? Jeden Tag telefonierte Matt mit seinen Bekannten aus Dämonenjäger-Zeiten, um hinter ihrem Rücken nach Möglichkeiten zu suchen, ihr ein paar zusätzliche Tage zu schenken, sollte alles fehlschlagen.
      Der Werwolf biss die Zähne zusammen. Anya sollte nichts davon erfahren, sonst verfiel sie am Ende nur in eine Panik, was angesichts der bisher ergebnislosen Suche auch angemessen wäre.
      Er konnte sie jetzt nicht im Stich lassen!

      Wieder landete sein Blick bei Claire. So weit waren sie schon gekommen. Zwei Hüter waren ohnehin fort. Machte es überhaupt noch einen Unterschied, wie viele es gab? Er musste das jetzt entscheiden.
      Einmal tief durchatmen …

      Mit entschlossenem Blick streckte Zanthe den Arm aus. „Wem gegenüber bin ich mehr verpflichtet? Einer Welt voller Hass und Vorurteilen oder einer Freundin? Ich werde kämpfen …“
      Seine Miene verfinsterte sich, als sich der Duellhandschuh von seinem Armreif vollautomatisch um die ganze Hand schloss und die verschiedenen Zonen ausfuhren. „… für meine erste Freundin seit einem ganzen Jahrhundert!“
      „Am Ende verrätst du also doch deine ursprüngliche Bestimmung. Bedauerlich“, erwiderte Nigel und ließ das rote D-Pad an seinem Arm ebenfalls ausfahren.
      Beide schrien: „Duell!“

      [Zanthe: 4000LP / Nigel: 4000LP]

      Mit verschränkten Armen beobachtete Claire das Geschehen. Verstohlen sah Zanthe aus den Augenwinkeln zu ihr herüber.
      Auch konnte er dieses Mädchen nicht im Stich lassen. Irgendjemand musste diesen Fluch, diesen Pakt brechen. Aus eigener Erfahrung wusste er nur zu gut, dass es nichts brachte, die eigenen Emotionen auszuschließen. Sich selbst von der Welt abzuwenden. Die Realität blieb trotzdem bestehen, ob man wegrannte oder nicht.
      „Ich werd' dich mitnehmen. Versprochen“, sagte er zu ihr, ohne aber eine Antwort zu erhalten.
      „Das kann ich nicht zulassen.“
      Der Einwand seines Gegners brachte den Werwolf jedoch nur dazu, höhnisch aufzulachen. „Seit wann entscheidest du darüber? Ach ja, du hast sie ja in eine willenlose Puppe verwandelt, mein Fehler. Wäre doch interessant zu erfahren, wie sie reagieren würde, wenn sie sie selbst wäre.“
      „Sie -ist- sie selbst“, konterte der Bärtige, „diesen Zustand hat sie lange ersehnt. Was ist daran verwerflich, ihn ihr zu gewähren?“
      „Alles! Das ist unmenschlich!“ Zanthe griff nach seinem Deck. „Wenn -du- über Emotionen verfügen würdest, wüsstest du das! Ich fange an!“
      Mit einem Schlag zog er sein aus fünf Karten bestehendes Startblatt. „Und beginne gleich mit einem verdeckten Monster!“
      Welches sich in Form einer vergrößerten, horizontal vor ihm liegenden Karte manifestierte.
      Zanthe atmete einmal tief durch. „Das war's fürs Erste.“

      „Draw Phase“, rief sein Gegner bestimmend aus und zog auf. „Normalbeschwörung: [Phantom Beast Luster-Unicorn].“
      Während ein weißes Einhorn erschien, das im Mondlicht regelrecht mit seiner voluminösen Walle-Mähne, dem Spiralhorn auf seiner Stirn und dem Goldschweif erstrahlte, stemmte Zanthe eine Hand in die Hüfte. „Wow, genauso ausdrucksvoll wie sein Schützling. Mir tun jetzt schon die Ohren weh.“
      Nigels Monster wieherte majestätisch und stellte sich auf die Hinterläufe auf.

      Phantom Beast Luster-Unicorn [ATK/400 DEF/1700 (4)]

      „Monstereffekt: In dem Zug, in dem dieses Monster beschworen wurde, kann ich ein Phantom Beast von meinem Deck ablegen, um eines mit identischer Stufe von dort zu erhalten.“
      Anstatt die Namen zu nennen, nahm der Rothaarige seinen Kartenstapel aus dem Schacht, fächerte diesen auf und zog zwei Monster von dort hervor. Ersteres landete sofort auf dem Friedhof. Das andere zeigte er im Gegensatz dazu vor. „[Phantom Beast Cross-Wing]. Zauberkarte: [Fusion Sage]!“
      Gleich im Anschluss rammte er die Karte in sein D-Pad, wodurch jene aufrecht vor ihm aufklappte. Abgebildet war darauf ein alter, glatzköpfiger Mann, dessen oberer Teil des Kopfes mit vollständig grünen, aufrecht stehenden Augen bespickt war.
      „Damit erhalte ich die Fusionskarte, [Polymerization], von meinem Deck“, erklärte Nigel, wobei sich jene automatisch aus seinem Deck schob und sofort aufgenommen wurde, „die ich sofort aktiviere, um [Phantom Beast Luster-Unicorn] und [Phantom Beast Cross-Wing] zu verschmelzen.“
      Vor ihm öffnete sich ein rot-blauer Vortex, in den zunächst das anmutige Einhorn, dann ein goldgelber Vogel mit vier Flügeln, zwei davon am Unterleib, gezogen wurde.
      „Fusion Summon“, donnerte Nigel dann doch wesentlich beteiligter an der ganzen Sache als Claire bei ihren Duellen. Der Wirbel spuckte sein Monster aus. „[Phantom Beast Ascension-Patron]!“
      Vor ihm erhob sich der weiße Körper des Einhorns, welcher nun die vier goldenen Flügel von Cross-Wing besaß. Gleichzeitig waren auch die Hufe nun mit Miniflügeln besetzt. Am meisten hatte sich das Haupt verändert, denn der lange Hals war verschwunden. Statt eines Pferdekopfes, war dort nun ein Vogelkopf mit Spiralhorn auf der Stirn.

      Phantom Beast Ascension-Patron [ATK/2000 → 2300 DEF/2500 (6)]

      Zanthe kratzte sich an der Wange. „Ein gestandener Mannsdämon mit einem strahlenden Vogeleinhorn. Bist du zufällig ein Fan von Freddy Mercury?“
      „Solange [Phantom Beast Cross-Wing] auf dem Friedhof liegt, erhalten alle Phantom Beasts 300 Angriffspunkte“, erklärte Nigel jedoch stattdessen und ignorierte die unterschwellige Andeutung seines Gegenüber. „Monstereffekt: [Phantom Beast Ascension-Patron] kann sämtliche Effekte der Phantom Beasts auf meinem Friedhof imitieren. Ich nutze [Phantom Beast Luster-Unicorns] Effekt, um ein Phantom Beast auf den Friedhof zu schicken, um eines mit derselben Stufe zu erhalten.“
      „Oh man, kein Sinn für Humor“, murmelte Zanthe kopfschüttelnd, als Ascension-Patron auch noch wie ein Stern zu leuchten anfing, Nigel sein Deck wieder aufnahm und die gewählten Karten vorzeigte. „Ich erhalte [Phantom Beast Rock-Lizard].“
      Der Werwolf konnte dabei erkennen, dass eine zweite Kopie davon auf den Friedhof wanderte.
      Keine Sekunde später streckte Nigel den Arm aus. „Ich deklariere einen Angriff auf dein gesetztes Monster. Radiant Lightning Horn!“
      Seine Kreatur richtete sich auf, stieg ein wenig in die Höhe und ließ aus dem Nichts einen Blitz in sein Horn einschlagen, welches daraufhin zu glühen begann. Dann stürmte das Ungeheuer vorwärts, direkt auf Zanthes Karte zu, welche um die eigene Achse wirbelte. Aus ihr entsprang ein Krieger, dessen Helm mit einem Schleier bedeckt war. Um ihn gewickelt war der lange Federschweif besagten Helms, der durch das Verteilen goldener Energie die Verteidigung des Sternenkundlers zu stärken schien.
      „Bye bye, Alrakis“, winkte Zanthe zum Abschied …

      Constellar Alrakis [ATK/1200 DEF/1500 (4)]

      … bevor jener von dem Horn seines Widersachers aufgespießt wurde.
      „Monstereffekt. [Phantom Beast Ascension-Unicorn] kopiert den Effekt von [Phantom Beast Rock-Lizard], welcher besagt, dass es nach jedem erfolgreichen Kampf 500 Schadenspunkte zufügt.“
      „Ah!“ Zanthe wich zurück, als das Horn, welches durch den Angriff direkt auf ihn gerichtet war, noch stärker zu leuchten anfing. Mit einem Hechtsprung und anschließender Seitwärtsrolle wich er rechtzeitig aus, als Ascension-Patron einen grellen Lichtstrahl auf ihn abfeuerte.
      Und obwohl er dank seiner guten Reflexe nichts davon abbekommen hatte, spürte er dennoch die Hitze des Angriffs. „Also das ist nicht lustig!“

      [Zanthe: 4000LP → 3500LP / Nigel: 4000LP]

      „Kein Sinn für Humor?“, konterte Nigel und setzte den Anflug eines Grinsens auf, ehe er mit seinem Zug fortfuhr. „Ich setze eine Karte. End Phase.“
      Die Falle erschien zu seinen Füßen, der Manager verschränkte abwartend die Arme voreinander, dabei seine verbliebenen drei Handkarten haltend.

      Energisch zog Zanthe auf und zeigte seine neue Karte auch gleich vor. „Ich aktiviere den permanenten Zauber [Constellar Star Chart]!“
      Über ihnen am Himmel zeichnete sich das gleißende Wappen der Constellar ab, dargestellt durch einen Kreis, der in sich einen Windrosen ähnlichen Stern einschloss.
      „Solange ich die besitze, kann ich einmal während jedes Zuges eine Karte ziehen, wenn ich das Overlay Network errichte.“ Und genau das hatte Zanthe auch vor. Er schob eines seiner Monster in den linken Klingenabschnitt seines Handschuhs und streckte diesen dann mit gespreizten Fingern nach vorne aus. Vor ihm erschien ein kleiner Schlüssel, den er schnappte und zur Seite ausschwang. „Open a door to the twins! Zeig dich, [Constellar Pollux]!“
      Ein aus verschiedenen Schichten von Astronomiesymbolen bestehendes Portal entstand, das aufrecht neben Zanthe stand und wie Glas wirkte. Welches zerbarst, als ein stolzer, weißer Krieger wie aus dem Nichts daraus hervorbrach. Dieser schwang ein langes Schwert, aus dessen Parierstange zwei parallel verlaufende Klingen wuchsen, eine golden, eine weiß – genau wie die beiden Seiten seiner Maske.

      Constellar Pollux [ATK/1700 DEF/600 (4)]

      „Damit kann ich sofort noch ein Constellar als Normalbeschwörung rufen“, erklärte Zanthe und platzierte jenes schon auf dem Handschuh, „Open a door to the serpent! Los, [Constellar Rasalhague]!“
      Ein zweiter Schlüssel erschien vor Zanthe, welchen jener in derselben Prozedur griff und zur Seite ausschwang. Ein identisches Portal erschien und zerbrach mit der Ankunft eines kleinen, maskierten Jünglings in goldener Rüstung, welcher einen aus zwei Schlangen verwobenen Zauberstab mit sich führte.

      Constellar Rasalhague [ATK/900DEF/100 (2)]

      „Ich benutze Rasalhagues Effekt und biete ihn sofort als Tribut an, um Alrakis vom Friedhof in Verteidigungsposition zu beschwören.“
      Abermals streckte der Kopftuchträger den Arm aus, schnappte sich den vor ihm entstehenden Schlüssel. Gleichzeitig löste sich sein kleiner Krieger in weiße Funken auf, die ein neues Portal in der Luft bildeten, welches sich horizontal drehte und selbstständig auf den Boden presste.
      „Open a door to the dragon!“
      Nunmehr ein drittes Runenportal entfaltete sich neben Zanthe, doch dieses wirkte ein wenig anders als seine Vorgänger. Zwar bestand es auch aus mehreren Kreisen, doch statt Symbolen der Astronomie, wurden sie mit griechischen Buchstaben gefüllt.
      „Verlorener Tänzer! [Constellar Alrakis]!“
      Das Tor explodierte wie bei der Eruption eines Vulkans, als der Krieger mit dem langen Federschweif an seinem Helm daraus hervor brach.

      Constellar Alrakis [ATK/1200 DEF/1500 (4)]

      „Und jetzt das große Finale!“, verkündete Zanthe und legte die beiden Monster auf seinem Handschuh übereinander. „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network!“
      Stoßartig richtete Zanthe die Hand nach vorne. In ihr materialisierte sich ein aus purem Gold gemachter, schwertgroßer Schlüssel, den er gegen die Stirn legte. „Xyz Summon!“
      Mit voller Wucht rammte er diesen in den Boden, woraufhin sich ein gewaltiger, schwarzer Wirbel vor ihm öffnete. Parallel dazu verformten sich Pollux und Alrakis zu gelben Lichtstrahlen, die zielgenau in jenem Strom verschwanden.
      Über das Overlay Network zog sich ein weitflächiger Runenzirkel. „Kämpfe, [Constellar Omega]!“
      Sogleich zersprang das Gebilde in tausend Teile und brachte einen weißen Zentaur hervor, hinter dessen Rücken ein Gestell aus schwarzen Metallplatten hing, Flügeln dabei nicht unähnlich. Zwei Lichtkugeln kreisten dabei um ihn.

      Constellar Omega [ATK/2400 DEF/500 {4} OLU: 2]

      „Und jetzt setzt [Constellar Star Charts] Effekt ein“, sagte Zanthe, deutete auf den Himmel, wo das Wappen seiner Monster grell wie nie pulsierte. „Also ziehe ich!“
      Was er auch mit Schwung tat. Nachdem er die Karte zu den übrigen in seiner Hand hinzugefügt hatte, streckte er ebenjene mit dem Blatt nach unten gerichtet aus. „Ich greife dein Monster an! [Constellar Omega], Eye Of The Arrow!“
      Sein Sternenkrieger kreuzte die Arme vor seiner Brust, bevor er sie gleich wieder wegriss und den Torso nach vorne streckte. Aus ihm schossen dutzende golden leuchtender Pfeile, die wie ein Wespenschwarm auf den Vogelpegasus zu steuerten.
      Doch kaum hatte Zanthe den Angriff befohlen, reagierte Nigel mit einem Knopfdruck an seinem D-Pad. Die gesetzte Karte vor ihm sprang auf. „Fallenaktivierung: [Mirror Force]! Sie reflektiert den Angriff und zerstört [Constellar Omega]!“
      Kurz bevor Ascension-Patron getroffen wurde entstand um ihn herum eine halbrunde, spiegelnde Barriere, auf welche die Pfeile prallten.
      „Hmpf, 'ne mächtige Karte hast du da! Aber sie wird dir nicht helfen! Effekt von Omega!“, konterte Zanthe selbstsicher und riss eine Overlay Unit unter seinem Monster hervor. Im Anschluss wurde eine der beiden Lichtsphären, die um jenen kreisten, über dessen Brust absorbiert. „Star Of Protection! Dadurch werden alle Constellar bis zum Zugende immun gegen Karteneffekte!“
      Die Pfeile begannen damit, eine grelle Schliere hinter sich herzuziehen. Statt an der Barriere abzuprallen, durchbrachen sie diese, was schlussendlich dazu führte, dass sie in alle Himmelsrichtungen zerbarst. Aber kurz bevor der Angriff in sein Ziel einschlug, ertönte von weit oben ein Wiehern. Ein Donner, dutzende Blitzschläge, die jeden Pfeil einzeln niederstreckten und die Silhouette eines zweiköpfigen Pegasus mit Blitzschwingen, die vor Ascension-Patron auftauchte waren genug, um Zanthes Offensive niederzustrecken.
      Jener starrte verdutzt Nigel an, welcher eine Karte aus seinem Friedhof aufnahm und vorzeigte. „Das ist [Phantom Beast Thunder-Pegasus]. Sie beschützt mein Monster davor, zerstört zu werden und mich, Schaden aus dem Kampf zu nehmen.“
      „Wie ist die da hingekommen?“, begann Zanthe laut zu überlegen, kam jedoch schnell selbst zu der Erkenntnis, dass sie gleich zum Anfang des Duells von [Phantom Beast Luster-Unicorn] vom Deck abgelegt worden war. Er verschränkte die Arme. „Nicht übel. Sag mal, beeinflusst der Pakt eigentlich nur Claire oder auch dich?“
      Der Manager grinste plötzlich finster. „Das wirst du selbst herausfinden müssen.“
      „Hm. Dann zeig mal, ob das schon alles war, was du drauf hast.“

      Zanthe schloss die Augen und ging in sich. War es theoretisch möglich, dass der Paktauslöser von seinen eigenen Kräften profitierte? Es sprach insofern nichts dagegen, da eine Leistung gegenüber des Paktnehmers nur erfolgen konnte, wenn die benötigten Fähigkeiten beim Auslöser von Anfang an vorhanden waren. Wieso sollte er sie also nicht selbst für sich verwenden können? Dazu kam noch, dass er mit Claire auf besondere Weise verbunden schien.
      Es war klug, ihn darüber im Unklaren zu lassen. Besonders, falls er die Unbesiegbarkeit nicht auf sich selbst anwenden konnte. So wollte er ihn aus der Ruhe bringen, damit Fehler entstanden, dachte Zanthe.
      Das Wichtigste war, dass genau dies nicht geschah. Anya hätte Claire beinahe besiegt … beinahe. Wenn es stimmte, was Levrier sagte und der finale Angriff sie vor dem Ziel getroffen hätte, wäre der Sinn des Paktes jedoch erfüllt worden. Was hieß, dass dieser wirklich absolut war und selbst äußere Einwirkungen, die nichts mit dem Duell zu tun hatten, nichts daran änderten.
      Sogleich biss Zanthe die Zähne zusammen. Wie war das doch gleich mit dem sich nicht verrückt machen lassen?

      „Ich bin dran.“ Nigel zog schwungvoll und legte die Zauberkarte sofort in sein D-Pad ein. „[Pot Of Greed] lässt mich ohne Weiteres zwei Karten ziehen.“
      Als das grüne, riesige Behältnis mit dem fiesen Grinsen vor dem Dämon erschien, weitete der Werwolf erschrocken die Augen. „Was!? Das ist eine der seltensten Karten, die es in Duel Monsters überhaupt gibt!“
      Zwei holografische Karten stiegen aus dem Topf der Gier auf, Nigels Lebenspunkte-Anzeige änderte sich auf 'Draw Two'. Einer Aufforderung, der der Mann umgehend nachkam.
      „Du stehst vor dem Manager der Weltmeisterin“, belehrte er dabei seinen Gegner, „sollte sie jemals einen Wunsch haben, eine seltene Karte zu erlangen, werde ich ihr diese besorgen.“
      Zanthe stichelte zurück: „Mit Geld oder Magie?“
      „Mit einem guten Ruf. Einem, dem weder du noch deine vorlaute Freundin schaden werden.“ Nigel nahm sein Fusionsmonster von dem D-Pad, welches sich daraufhin vor ihm in blauem Licht auflöste. „Tributbeschwörung: [Phantom Beast Rock-Lizard]! Da ich ein Phantom Beast geopfert habe, ist nur ein Tribut notwendig!“
      Vor dem Rothaarigen brach der Erdboden förmlich auseinander. Eine riesige, vierbeinige Kreatur erhob sich, an den Armen seines Oberkörpers sowie der Brust und den Beinen durch massive Felsen geschützt. Wütend peitschte die Echsenkreatur mit ihrem langen Schweif umher.

      Phantom Beast Rock-Lizard [ATK/2200 DEF/2000 (7)]

      „Auch dieses Monster erhält 300 Angriffspunkte, da [Phantom Beast Cross-Wing] auf dem Friedhof liegt“, erklärte Nigel mit ausgebreiteten Armen.
      Doch als Zanthe sah, wie die Echse eine gelbliche Energie auszustrahlen begann, erkannte er sofort, dass etwas nicht stimmte.

      Phantom Beast Rock-Lizard [ATK/2200 → 2800 DEF/2000 (7)]

      „Warte! Du hast von 300 Punkten gesprochen, nicht von 600!“
      „Du erinnerst dich sicherlich, dass [Phantom Beast Ascension-Patron] die Effekte der Phantom Beasts auf dem Friedhof erhält?“ Nigel ließ die Arme sinken. „Das gilt selbst dann, wenn es selbst darunter ist.“
      Das war mal etwas Neues, schoss es dem Kopftuchträger erstaunt durch den Kopf. Also war das Ding selbst dann noch nervig, wenn es längst erledigt war!
      „Dein Monster ist völlig ungeschützt! Angriff, [Phantom Beast Rock-Lizard]! Calamity Spikes!“
      Mit seiner mächtigen Faust schlug das riesige Monstrum auf den Boden. Unter Zanthes fliegendem Zentaur schoss eine massive Felsspitze aus dem Boden, die dank ihrer Geschwindigkeit keine Chance auf ein Ausweichmanöver offen ließ. Als [Constellar Omega] aufgespießt wurde, brach eine kleine Nebenspitze des Steins ab und wirbelte auf Zanthe zu, welcher sich unter ihr hinweg duckte. Es krachte laut, als jene in Nigels teuren Porsche in der Einfahrt einschlug und ihn vollkommen demolierte.

      [Zanthe: 3500LP → 3100LP / Nigel: 4000LP]

      Überrascht drehte sich Zanthe um, als die Alarmanlage einen Moment aufheulte, aber gleich wieder verstummte, weil ihr die Energie ausging. Der Felsbrocken hatte den Wagen förmlich erschlagen, die Frontscheibe, Motorhaube, alles war eingedrückt.
      „Du musst ja Geld haben, wenn-“
      „Hast du nicht etwas vergessen?“
      Der junge Mann war noch im Begriff sich wieder umzudrehen, da traf ihn etwas unglaublich Hartes in den Rücken. Keuchend stürzte Zanthe vorne über und landete im Gras. „Argh!“

      [Zanthe: 3100LP → 2600LP / Nigel: 4000LP]

      Rock-Lizard hielt einen Arm nach vorne ausgestreckt.
      „Mein Monster fügt dir 500 Schadenspunkte zu, wenn es eine deiner Kreaturen besiegt.“ Nigel lachte finster. „Du tust mir leid, fehlgeleiteter Hüter. Deine Freundin hat dich zum Sterben hierher geschickt, anstatt selbst zu kommen. Wenn es dich beruhigt: Ich werde ihr einen Besuch abstatten, früher oder später, und dich rächen. Das heißt, wenn sie nicht als Erste nach Rache für deinen Tod sinnt.“
      Mühsam presste Zanthe sich mit beiden Händen wieder nach oben, ein Felsbrocken rollte von seinem Rücken, welcher furchtbar schmerzte. Verdammt, er war nur einen Augenblick abgelenkt gewesen!
      „Du planst ja ziemlich weit voraus“, zischte er dabei, „aber eins solltest du wissen. Du bist nicht der einzige Hüter, der was auf dem Kasten hat!“

      ~-~-~

      Wiederholtes Surren. Der Klang von Stahl, der auf Stahl traf. Ab und zu Schreie, Befehle, dann wieder die Geräusche eines Kampfes.
      Edna Caines hörte. Sie lauschte. Verborgen kniete sie neben einem Baum innerhalb eines kleinen Waldes und wartete. Einen prüfenden Blick auf das Gerät in ihrer Hand werfend, bei dem es sich um ein modifiziertes Smartphone handelte, das gerade eine Art Radar laufen ließ, versicherte ihr, dass sie hier genau richtig war. Drei blaue Punkte, dicht beieinander, bildete das Programm ab. Das hellste Blau, Sinnbild für den stärksten Äther, war, wonach CLEAR eigentlich suchte. So aber nicht Edna, die andere Befehle bekommen hatte.

      Die komplett in Schwarz gehüllte Afroamerikanerin mit dem Rasterzopf wartete auf den Moment, an dem der Kampf sein Ende fand. Vom Wald aus sah sie herüber zu einem Maschendrahtzaun, hinter dem sich eine Fabrik befand. In ihrem Sichtfeld befanden sich neben einem einstöckigen, grauen Gebäude auch drei Gastanks, vor denen sich die drei Zielobjekte einen unerbittlichen Kampf lieferten.

      „Der Bannkreis wurde sofort zerstört“, keuchte Zed und parierte mit einem weißen, schlichten Stab den Hieb des Katanas. „Wir müssen etwas tun, Stoltz!“
      Jener befand sich einige Meter von ihr und dem weiß-maskierten Dämon im Kimono entfernt und grinste bösartig. Er hob die bandagierte Hand, woraufhin sofort dutzende Felsspitzen unter dem Dämon empor schossen.
      Doch anstatt sich aufspießen zu lassen, wirbelte der herum und trat dabei Zed beiseite, die mit derartige Wucht in den Maschendrahtzaun krachte, dass jener beinahe aus den Trägern gerissen wurde. Elegant hüpfte der Einzelkämpfer von einem Stalagmiten zum anderen, wobei sein langes, schwarzes Haar wie ein Schleier hinter ihm her tanzte.
      Sein Ziel war der riesige, dürre Undying, welcher unbewaffnet war und stattdessen eine Mauer vor sich erscheinen ließ. Die mit einem diagonalen Hieb des langen Katanas prompt zerteilt wurde.
      Stoltz wich zurück, lachte aber. „Noch einmal entkommst du dem Undying nicht, Abnormität.“
      Er schwang den Arm aus. In der Luft sammelte sich in rasender Geschwindigkeit Staub, der zu spitzen Projektilen wurde, die auf den Dämon zuschossen. Und mit tänzelnden Bewegungen abgewehrt wurden.
      „Wir dürfen den 'Körper' nicht verletzen!“, rief Zed Stoltz alarmiert zu.
      Jener musste nun den Schwerthieben ausweichen. „Der Undying ist sich dessen bewusst.“
      Und packte, nachdem ein weiterer Schlag ihn verfehlt hatte, den nur kurz ungeschützten Dämon mit seinem unnatürlich langen Arm am Hals. Mühelos hievte er das Wesen vom Boden.
      „Zeit für die Abnormität, ihren Schlaf fortzusetzen“, gackerte Stoltz.
      Doch der Dämon dachte gar nicht daran, sich seinem Widersacher zu beugen, hob beide Beine an und stieß damit gegen dessen Brust, was dazu führte, dass er losgelassen wurde. Stoltz torkelte nur minimal zurück und griff erneut nach seinem Opfer, das diesmal nicht lange fackelte.

      Ein Surren. Im hohen Bogen flog der abgetrennte Unterarm durch die Luft und landete ein paar Meter weiter weg, nahe der Wand des Gebäudes.
      Für einen Moment starrte Stoltz den übrig gebliebenen Stummel seines linken Arms an. Von der anderen Seite stürmte die Undying mit der hohen, weißen Haube, die ihr Gesicht verdeckte, auf den den Dämon zu, der sich samt seiner Klinge zu ihr drehte und eine Schockwelle von dieser aussandte, die die Angreiferin augenblicklich wieder zurückwarf.
      Der Maskierte sprang aus dem Stand auf den mittleren der drei Gasbehälter, hob das Katana über den Kopf. Zed indes wirbelte den Stab, mit dem sie wieder pariert hatte und richtete ihn auf den Dämon, woraufhin sich ein Loch in der Spitze ihrer Waffe öffnete.
      „Oh!“, keuchte sie jedoch, als sie erkannte, dass ein Angriff die gesamte Anlage in die Luft jagen würde. „Stoltz!“

      Doch es war schon zu spät. Der Dämon riss sein Schwert in die Tiefe und öffnete damit einen Spalt, der sich zu einem großen, rot-schwarzen Loch ausweitete. Die Undying kamen von beiden Seiten angerannt, doch sie konnten nichts mehr tun. Ihr Widersacher floh durch das Portal, das sich augenblicklich wieder vor ihren Augen schloss. Doch nicht, bevor ein entsetzter, verzerrter Schrei daraus hervor drang.

      Edna zuckte dabei glatt zusammen.
      „Was war das!?“, hörte sie Zed aufgelöst fragen.
      „Da war eine Silhouette, vor der Schwelle des Limbus.“ Der Undying namens Stoltz kicherte. „Es ist also noch jemand hinter dem 'Körper' her.“
      Die dunkelhäutige, junge Frau sah die weibliche Undying, wie sie mit dem Ausschwenken ihrer Hand ein ovales, schwarzes Portal zwischen sich und ihrem Kameraden entstehen ließ. „Das darf nicht sein! Wir müssen sofort zurück! Du musst dich aufladen.“
      „Ein enttäuschendes Ende. Unsereins kann den Limbus nicht ohne Weiteres betreten.“
      „Aber wer dann!? Niemand außer ihm sollte das können!“
      Mehr bekam Edna von der Konversation allerdings nicht mit, da die beiden Undying durch das Portal schritten, welches sich daraufhin schloss.

      „Noch jemand?“, wiederholte sie erstaunt. Ob das einer von CLEARs Leuten, ihren Leuten, gewesen war?
      Nein, die Befehle lauteten, den 'Körper' solange zu meiden, bis der Inner Circle etwas anderes anordnete. Was, wenn man die Bedrohlichkeitsstufe dieses Dings betrachtete, eine kluge Entscheidung war. Nein, was immer ihm da aufgelauert hatte, gehörte weder zu CLEAR, noch zu den Undying.

      Edna erhob sich, schlich vom Wald aus zum Zaun und kletterte wie eine Katze daran hoch, um nahezu lautlos auf der anderen Seite zu landen. Der 'Körper' war fürs Erste also außer ihrer Reichweite, dachte sie, während sie zum dem Gebäude herüber ging und ihren Rucksack dabei abstreifte.
      Doch sie würde trotzdem nicht erfolglos zurückkehren, beendete die junge Frau den Satz in Gedanken, kniete vor dem abgetrennten Arm Stoltz' nieder und zog aus ihrem Rucksack einen zylindrischen, gläsernen Behälter. Welcher, wenn sie darüber nachdachte, eigentlich viel zu groß für eine einfache DNA-Probe war. Anscheinend hatte man wirklich von ihr erwartet, gleich ein ganzes Gliedmaß mitzubringen, nach welchem Edna schließlich mit angewidertem Gesichtsausdruck griff.
      Sie hasste ihren Job. Aber wenn sie es nicht tat, wer dann?

      ~-~-~

      „… wirklich? Danke, Papa“, strahlte Valerie in das weiße Smartphone an ihrem Ohr, „ich hab dich lieb. Bye.“
      Matt betrachtete die schwarzhaarige, junge Frau neben sich zufrieden, wie sie zusammen den Bürgersteig an verschiedenen, leicht heruntergekommenen Geschäften entlang gingen. „Und? Hilft er uns doch?“
      „Er hat es sich überlegt und wird ein paar Privatdetektive anheuern.“
      Zu so später Stunde war dieser Teil Ephemeria Citys nahezu verlassen, abgesehen von einem Bettler auf der anderen Straßenseite, dem sie ein paar Münzen in den Kaffeebecher gelegt hatten.
      Insgeheim musste Matt zugeben, dass er bezweifelte, wie nützlich sich jene erweisen würden, aber er sagte nichts. Valerie hatte ihn in den letzten Tagen immer wieder gefragt, ob sie vielleicht bei seiner Arbeit helfen könnte. Das wollte er ihr nicht kaputt machen.

      „Schade, dass deine Bekannten immer noch nichts von diesen beiden gehört haben“, sprach Valerie weiter. Sie war bei den Gesprächen dabei gewesen und hatte sich erklären lassen, wie dieses Netzwerk funktionierte.
      „Inzwischen bin ich mir sicher, dass sie keine Dämonenjäger sind. Irgendjemand hätte von ihnen gehört. Unsere Welt ist kleiner als du denkst, Valerie.“

      Ein ungeschriebenes Gesetz der Dämonenjäger besagte, dass Informationen hauptsächlich in Kneipen mit Namen ausgetauscht wurden, die etwas Dämonisches in sich hatten. Matt konnte selber nicht erklären, warum dies so war, fand es aber ganz unterhaltsam. Darüber hinaus arbeiteten die meisten von ihnen mit einer Computersoftware, über die Aufträge an einer Art schwarzem Brett ausgehangen wurden.
      Alastair, so hatte Matt ihr erklärt, war kein Freund dieser Technik und beschaffte sich seine Jobs lieber auf die traditionelle Weise, das Aufschnappen von Gerüchten. Die meistens von Alector kamen, der sehr wohl mit dem Programm arbeitete, was sein konservativer Freund jedoch nicht wusste.

      Plötzlich hielt das Mädchen an. „Danke.“
      „Wofür?“, wurde sie verwirrt gefragt.
      „Dass du mich ein wenig in das alles einbindest. Anya versucht ihr Möglichstes, mich da rauszuhalten.“ Deprimiert senkte Valerie ihr Haupt. „Seit der Sache mit Marc habe ich kaum ein Wort mit ihr gewechselt.“
      „Ihr geht’s gut.“ Matt lag auf der Zunge, dass es doch die Schwarzhaarige war, die sich zurückgezogen hatte. Aber es gab Dinge, die man besser nicht aussprach. „Sie will nur, dass du nicht noch tiefer in ihre Angelegenheiten gezogen wirst.“
      „Vielleicht möchte ich aber genau das“, gestand Valerie plötzlich so bestimmt, dass ihr Gegenüber zusammenzuckte. „Mein Verlobter ist fort, meine Karriere als Profi-Duellantin verbaut, mein Studienplatz weg. Mit irgendwas muss ich die Leere füllen. Matt, hilf mir dabei, eine-“

      Weiter kam sie nicht. Einige Meter von ihnen entfernt öffnete sich ein schwarzes, ovales Portal, in dem sich das Antlitz der beiden widerspiegelte.
      Matt stieß vor Schreck gegen Valerie, die lautstark nach Luft schnappte. Schwarze Stiefel traten aus dem Portal vor ihm, ihnen voran eine schier endlos erscheinende Klinge, die zu einem Katana gehörte. Jene Kreatur, in einem schwarzen Kimono samt dazu passender Hose gekleidet, trat ihm gegenüber. Hinter der weißen, mit roten Streifen verzierten Maske konnte Matt nicht erkennen, um was es sich hierbei überhaupt handelte.
      „Kali!?“, mutmaßte er von einer früheren Schilderung Anyas.
      Valerie fragte erschrocken: „Das ist Kali?“
      Aber nein, jene hatte die Maske anders beschrieben, denn eigentlich ging von jener kein fast bis zum Boden reichendes, strubbig-dunkles Haar aus.
      In einer langsamen Bewegung wurde die Klinge auf ihn gerichtet. Sofort wich Matt zurück, dabei schützend den Arm vor seine Begleitung haltend. „Hey, langsam, langsam. Du bist nicht Kali, oder? Wer dann?“

      Das Katana wurde überraschenderweise gesenkt. Die ihm unbekannte Person ließ es zurück in die Scheide an ihrem Gürtel sinken. Matt atmete tief durch. „Danke.“
      „Ich kenne einen Weg Anya Bauer zu retten, ohne dabei weitere Hüter zu verlieren.“
      Die verzerrte Stimme ließ Matt zusammenzucken, jagte einen Schauder über seinen Rücken. So sehr, dass er die eigentliche Botschaft erst einen Moment später begriff. „Warte! Was!?“
      Sein Gegenüber, dem so unmöglich ein Geschlecht zugeordnet werden konnte, verschränkte die Arme. „Ich sagte: Ich kenne einen Weg Anya Bauer zu retten, ohne-“
      „Das habe ich schon verstanden.“ Matt löste sich nur zögerlich von Valerie und trat einen Schritt nach vorne.
      „Warum bittest du mich dann, mich zu wiederholen?“
      „Ich-! Egal!“ Der Dämonenjäger trat näher an den Dämon heran. „Und was muss ich tun?“
      „Du brauchst das.“ Um zu verdeutlichen, was jenes Wesen meinte, legte es seine Hand darauf. Auf die Schwertscheide. „Töte den Sammler. Ich bin dazu nicht mehr imstande.“

      „Den Sammler töten!?“ Valerie eilte an Matts Seite. „Ist das möglich!? Mit diesem Schwert!?“
      „Nein. Nicht mit diesem. Dieses ist nur eine Nachahmung.“ Der fremdartige Dämon legte den Unterarm auf den Schwertgriff. „Das Original befindet sich in der Zuflucht der Undying.“
      „W-warte mal, das geht mir alles zu schnell …“
      „Ich habe keine Zeit mehr. Und du auch nicht. Rufe nach Stoltz, finde das Schwert Ragnarok und töte den Sammler.“
      Doch Matt kam nicht mehr dazu, seine Fragen zu stellen, denn das Wesen vor ihm wurde auf einmal wie Asche in einem Windstoß davon geweht. Unter einem merkwürdigen Geräusch, das klang wie ein weit entfernter, mechanischer Schrei.

      „W-was war das gerade?“, fragte Valerie verwirrt.
      „Eine Astralprojektion, schätze ich. Wem immer sie gehörte, irgendetwas ist ihm zugestoßen.“ Matt schluckte. „Dieses Wesen. Woher kennt es ausgerechnet mich?“
      „Was war das?“, wollte die junge Frau wissen.
      Wenn er das wüsste. Matt zuckte mit den Schultern. Als er die Schwarzhaarige neben sich jedoch ansah, platzte es aus ihr heraus. „Den Sammler töten … das ist doch verrückt!“
      Auch Matt konnte sich nicht vorstellen, wie das mithilfe eines Schwertes möglich sein sollte. Und dass ausgerechnet die Undying im Besitz davon waren. Er wusste ja nicht einmal, wo ihr Versteck sich befand, geschweige denn, wie er unbeschadet dort hineinkommen sollte. Betonung auf unbeschadet.
      „Wir sollten den anderen davon erzählen“, meinte er.
      Zu seinem Erstaunen jedoch schüttelte Valerie den Kopf. „Oder wir gehen dem ohne sie nach.“
      „Das ist viel zu gefährlich!“, protestierte Matt sofort, während hinter ihnen ein Auto über die Straße heizte. „Angenommen, dass es diese Waffe tatsächlich gibt, reden wir hier über die Undying! Gegen die haben wir keine Chance!“
      Stur wie sie manchmal sein konnte, schüttelte Valerie den Kopf. „Der Dämon hat gesagt, dass du nicht viel Zeit hast. Vielleicht meint er damit, dass die Undying derzeit unterwegs sind. Das wäre die Gelegenheit für eine Infiltration.“
      Der Dämonenjäger starrte sein Gegenüber erschrocken an. Sie meinte es tatsächlich ernst. Wusste sie nicht, wie gefährlich ihr Vorschlag war!?
      „Valerie, dein Tatendrang in allen Ehren, aber das geht nicht. Ohne zu wissen, wo sich-“
      „Du bist vielleicht ein Dämonenjäger“, konterte Valerie neckisch und verschränkte die Arme, „red' dich nicht damit heraus, deren Versteck nicht ausfindig machen zu können.“
      Matt machte Augen wie ein Mondkalb, besonders als sie fortfuhr. „Als Another sich als Joan ausgegeben hat, hat er mir erklärt, wie man Leute ausfindig machen kann. Eine Variante ist das Auspendeln. Eine weitere via Beschwörungsformeln.“
      „Damit rufen wir die Undying, nicht das Schwert“, wurde ihr erklärt, doch Valerie schüttelte den Kopf.
      „Und der Riss im Zeit-Raum-Gefüge, der dabei entsteht, befördert uns direkt vor ihre Türschwelle. Rufe Stoltz, hat dieses Wesen gesagt“, sagte sie und ihr Blick gewann etwas Herausforderndes, „und genau das werden wir auch tun. So eine Chance sollten wir uns nicht entgehen lassen.“
      Matt fühlte sich, als hätte ihn gerade ein Bus überfahren. Sie wussten ja nicht einmal, ob das nicht nur eine Falle war! Niemand konnte garantieren, dass das, was dieses Wesen ihnen gesagt hatte, überhaupt der Wahrheit entsprach.
      Und doch. Etwas Vertrautes hatte es umgeben. Nur konnte Matt beim besten Willen nicht sagen, was es damit auf sich hatte und ob das nicht nur Einbildung war …

      ~-~-~

      „… Blödian!“, schimpfte Anya vor sich hin. Das schwarze Mobiltelefon, welches sie sich unterwegs von irgendeiner blonden Schnepfe unbemerkt 'geliehen' hatte, landete zielgenau in einem Mülleimer neben dem Tor, das den Weg zu den Spielfeldern des Ephemeria Bridge Stadiums blockierte.
      Der Vorbereitungsraum war stockfinster. Dank Nick, welchem Anya ziemlich zeitaufwendig erklärt hatte, warum genau er dafür sorgen sollte, dass die Überwachungskameras den Geist aufgeben mussten.
      „Aber Anya, das ist eine Falle“, äffte sie ihn höchst erbost zum wiederholten Male nach. Mit dem Abgang des Telefons war auch ihre einzige Lichtquelle verloren gegangen. „Ernsthaft, wie lange machen wir diesen Job jetzt, Levrier?“
      Es war ein Leichtes gewesen, im Dunkeln hier reinzukommen. Scheinbar gab es hier nicht mal Wachpersonal und wenn doch, taten sie alles außer das, was in ihrer Stellenbeschreibung stand.

      Ich würde es nicht gerade als 'Job' bezeichnen. In deinem Fall viel eher als Berufung. Und damit beziehe ich mich auch nicht auf das Nachjagen unserer Feinde, sondern deine kriminelle Veranlagung.

      „Kannst du nicht einmal auf meiner Seite sein?“, schnarrte Anya und positionierte sich nachdenklichen Blickes vor dem Tor. Irgendwie musste sie da durch, aber von wo aus öffnete man das verdammte Teil?

      Ich könnte, aber das wäre nicht halb so unterhaltsam.

      Das Mädchen sah ihm seinen trockenen Kommentar nach. Sie ahnte, dass er nur versuchte, ihr ihre Aufregung zu nehmen. Es gab dabei nur zwei Probleme. Erstens war sie nicht aufgeregt und zweitens regte sie das nur an, sich aufzuregen, was ihr die Anregung nahm, jegliche Regung von Kali mit angemessener Gewalt zu unterbinden. Hrgh!
      „Schnauze, wenn du nichts Konstruktives beizutragen hast!“

      Stimmt. Hier ist dein destruktiver Typ gefragt. Denn wir wissen doch beide, dass du nicht den Umweg gehen wirst, um dieses Tor zu öffnen.

      Nein, antwortete Anya ihm mit diabolischem Grinsen auf den Lippen, während um ihre rechte Hand Heavy Ts metallischer Handschuh erschien. Diese brauchte sie nur einmal nach vorne zu stoßen, um die ungewünschte Blockade aus ihren Angeln zu heben und fünf Meter weiter ins Innere des Stadions zu buxieren.

      Als Anya mit einem erfüllten Lächeln auf den Lippen über das Tor schritt, blickte sie nach oben. Das Stadion war in seinem offenen Zustand, über ihnen herrschte eine klare Nacht. Die Sterne funkelten. Und Anya konnte förmlich die Botschaft in ihnen lesen, die irgendwo zwischen 'Kill Kali' und 'Drag her to hell' anzusiedeln war.
      Sie hatte noch nicht einmal die riesige Fläche erreicht, auf dem insgesamt 72 Duellfelder gezeichnet und nummeriert waren, da sah sie in deren Mitte bereits die dunkle Gestalt ihrer Widersacherin warten. Anya ließ sich Zeit dabei, sich ihr zu nähern.
      „Ich spüre nichts“, flüsterte sie leise, sah sich genau im Stadion um, das etwa anderthalb mal so viel Fläche einnahm wie ein Footballfeld. Nichts außer der selbsternannten Dämonengöttin zu sehen, aber das hieß nicht, dass sich nicht irgendwer auf den Zuschauertribünen verstecken könnte.

      Ich auch nicht. Sie scheint wirklich allein gekommen zu sein. Und seit wann kannst du Präsenzen spüren?

      „Keine Ahnung. Wenn ich mich auf eine gewisse Person konzentriere und die nicht allzu weit weg ist, sehe ich ihre Farbe.“ Anya dachte da nur an Redfield, die sie damals gespürt hatte. Blau wie das Meer. „Ist bekloppt. Seit wann kann man Farben erfühlen?“

      Warum hast du nie etwas davon gesagt?

      Unbedarft zuckte die Blonde mit den Schultern. „Wenn ich euch jeden Furz mitteile, der mir gerade quer liegt, darf ich irgendwann nicht mal mehr alleine kacken gehen.“
      Prompt war Levrier still. Anya fragte sich aufrichtig warum.

      Aber nachfragen war nicht mehr möglich, als sie Kali letztlich auf einigen Metern gegenüber stand.
      „Yo“, begrüßte sie die Kuttenträgerin grimmig. „Was willst du von mir?“
      „Von dir? Nichts“, drang deren Stimme gedämpft hinter ihrer weißen Porzellanmaske hervor. „Ich will mir selber einen Gefallen tun. Und endlich einfordern, was mir zusteht. Meine Rache.“
      Anya zuckte abfällig mit den Schultern. „Jetzt auf einmal? Hast dir ja ganz schön Zeit gelassen.“
      „Sich auf jemanden wie dich vorzubereiten ist nicht ganz so einfach. Aber jetzt bin ich bereit.“ Kali hob den linken Arm an, an dem ihre rote V-Duel Disk, pardon, -Anyas- rote V-Duel Disk steckte.
      Die gluckste aber nur bitterböse. „'kay, wenn du meinst. Dann geb' ich dir jetzt genau eine Chance, mir zu sagen, was dein Problem mit mir ist und wie ich dich beseitigen kann.“
      Und ja, Anya wählte bewusst 'dich' statt 'es'. Immerhin hatte der Beef nicht von ihrer Seite aus begonnen, damit das mal klar war!
      „Das erfährst du nur, wenn du verlierst“, antwortete Kali geheimnisvoll.
      „Und wenn ich gewinne?“
      „Mache ich so lange weiter, bis du freiwillig aufgibst.“
      Auf die düstere Drohung hin lachte Anya abfällig. „Sofern du noch dazu in der Lage sein wirst.“
      Die Duel Disk an Kalis Arm fuhr zu beiden Richtungen aus. „Immer diese leeren Drohungen.“
      Auch Anya aktivierte das rote D-Pad an ihrem Arm. „Komisch, dasselbe habe ich gerade auch über dich gedacht.“
      „Duell!“, bellte Kali jedoch zornig.
      Anders als Anya, deren Ausruf zur Abwechslung anders ausfiel. „Idiot!“

      [Anya: 4000LP / Kali: 4000LP]

      „Ich beginne!“, entschied Kali sofort im Anschluss, ehe Anya dazwischenfunken konnte und riss ihr Startblatt aus ihrer V-Duel Disk. Nach einer kurzen Denkpause sagte sie: „Ich setze diese hier und beschwöre [Celestial Gear – Synthetic Quail]!“
      Mit dem Kartenrücken nach oben zeigend materialisierte sich die Falle vor ihren Füßen. Gleichzeitig stiegen ein ganzes Dutzend Lichtpunkte über ihr in die Höhe, die sich durch Energielinien miteinander verbanden. Fast sah es aus, als würde dort ein Monster gezeichnet werden.
      Anya kommentierte den Anblick unbeeindruckt. „Hm. Das Ding ist neu.“
      Tatsächlich hatte sie den dort oben entstehenden, dickbäuchigen Mechavogel nicht im Duell gegen Isfanel gesehen. Jener streckte seine schmalen, aber langen Schwingen von sich. Durch eine graue Lichtbarriere konnte man in sein Inneres sehen, sehen, wie sich Zahnräder über Zahnräder drehten.

      Celestial Gear – Synthetic Quail [ATK/1600 DEF/1700 (4)]

      „Zug beendet.“

      Anya runzelte ärgerlich die Stirn. „Na endlich! Ich bin dran! Draw!“
      Schwungvoll riss sie die Karte von ihrem roten D-Pad und sah sie an. Jedoch musste sie enttäuscht feststellen, dass diese nicht wie erhofft ein Pendelmonster war, um ihren Pendelbereich wirksam aufzubauen.
      Trotzdem sah sie entschlossen nach vorn. Es gab mehr als genug Strategien, die sie inzwischen verfolgen konnte, jetzt, da sie ihre wahre Stärke glaubte gefunden zu haben. Ein selbstbewusstes Lächeln blitzte auf. „Dann eben so! Ich beschwöre [Gem-Knight Alexandrite]!“
      Vor ihr tauchte umgehend ein unbewaffneter Ritter in silberner Rüstung auf, welche mit bunten Edelsteinen gespickt war.

      Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Ich weiß, was der kann“, raunte Kali hinter ihrer Maske, „mach's endlich.“
      „Jeez, reg' dich ab.“ Widerwillig nahm ihre Gegnerin das Monster wieder vom D-Pad. „Er kann sich als Tribut anbieten, um einen normalen Gem-Knight aus meinem Deck zu beschwören. Und ich rufe [Gem-Knight Pyrite]!“
      Kali zuckte regelrecht zusammen. „W-was?“
      Derweil löste sich Alexandrite in weiße Funken auf, die sich an Ort und Stelle zu einem neuen Monster formten. Bei diesem handelte es sich um einen weißen Ritter mit würfelförmigen, silbrigen Schulterplatten, der an beiden Armen je eine Hälfte eines massiven Goldschildes befestigt hatte.

      Gem-Knight Pyrite [ATK/0 DEF/2800 (6) PSC: <8/8>]

      „Willst du etwa ernsthaft defensiv spielen?“ Es war das erste Mal, dass Anya Kali derart überrascht und skeptisch erlebte. Scheinbar kannte sie ihren Spielstil ziemlich gut, was wohl auch kein Wunder war, wen sie sie derart hasste.
      „Was wenn's so wäre? Würde das deine Strategie durcheinander bringen?“, stichelte die Blonde.
      „Niemals. Im Gegenteil.“
      „Na dann habe ich eine gute Nachricht für dich. Oder auch nicht. Ich habe nämlich nicht vor, mich zu verteidigen!“ Anya nahm eine Karte aus ihrem Blatt und zeigte diese stolz vor. „Ich aktiviere [Polymerization] und verschmelze den [Gem-Knight Pyrite] auf meinem Feld mit dem [Gem-Knight Sapphire] in meiner Hand!“
      Kali wich gar einen Schritt zurück. „Nicht [Gem-Knight Fusion]!? Was zur Hölle wird das!?“
      Über Anya öffnete sich ein orange-blauer Wirbel, in den erst der weiße Ritter gezogen wurde, dann noch einer in hellblauer Rüstung. Anya hob entschlossen dreinblickend beide Hände über den Kopf und faltete sie zusammen. „Ein Schrei aus vergangenen Tagen erschüttert die Zukunft! Erster deiner Art, höre meinen Ruf! Fusion Summon!“
      Regelrecht panisch fuhr Kali dazwischen: „Willst du mich verarschen!?“
      Nein, dachte Anya mit grimmiger Genugtuung ob der offensichtlichen Ratlosigkeit ihrer Gegnerin und riss die Hände nach unten. „Dominiere, [First Of The Dragons]!“
      Brüllend kam die Bestie aus dem Wirbel geschossen. Ihre mächtigen Schwingen, breit und mit mächtigen Schuppen bedeckt, wirbelten mit ihren Schlägen holografischen Staub auf. Zwar mangelte es dem Drachen an Gliedmaßen, was er jedoch mit den spitzen Hörnern an seinem langen Körper und den spitzen Zähnen wieder wett machte.

      First Of The Dragons [ATK/2700 DEF/2000 (9)]

      Kali keuchte wütend. „Woher hast du den!?“
      „Gewonnen“, erwiderte Anya grimmig und sah stolz hinauf zu dem mächtigen Drachen über ihr, „er passt wunderbar in mein Deck, da man nur zwei beliebige normale Monster fusionieren muss. Aber mit [Gem-Knight Fusion] geht das leider nicht, deswegen habe ich die herkömmliche Fusionskarte in mein Deck integriert.“
      Sich wieder an die selbsternannte Dämonengöttin wendend, verschränkte Anya die Arme. „Ich habe eine Menge beim Legacy Cup gelernt. Der hier ist die Belohnung dafür.“
      „Trotzdem bist du dem Tode geweiht.“
      „Keine Ahnung woher du das weißt, aber wenn dem so ist, wieso lässt du mich nicht einfach in Ruhe?“ Das Mädchen kniff die Augen fest zusammen. „Oder habe ich deinen Kopf in der High School einmal zu oft in die Kloschüssel getaucht, dass du es nicht abwarten kannst, bis ich in die Kiste springe?“
      Gesammelt konterte Kali: „Ich bin keines deiner Opfer von damals. Meine Rache an dir basiert ausschließlich auf der Tatsache, dass es dich gibt.“
      „Huh?“ Das verwirrte Anya doch ein wenig. „Nur weil es mich gibt? Ich hab dir nicht mal was getan!?“
      „Du wirst es verstehen, glaub mir. Dafür werde ich sorgen.“
      „Sorg' lieber dafür, dass du nicht dauernd einen Herzinfarkt bekommst, wenn ich eine Karte spiele, die du nicht kennst“, giftete Anya zurück und schwang den Arm aus; „und jetzt mach dich schon mal frisch! [First Of The Dragons], greif ihre komische Wachtel an! Burst Stream of Origin!“
      Gierig schnappte jener nach Luft und sammelte in seinem Maul eine rötliche Energie an, die er dann in einem vernichtenden Odem abfeuerte. Der riesige Mechavogel über Kali wurde von der Attacke durchbohrt und explodierte in alle Einzelteile.

      [Anya: 4000LP / Kali: 4000LP → 2900LP]

      Wie in Zeitlupe fielen die Schrottteile auf die Maskierte herab, welche erklärte: „Du kennst die Effekte der Celestial Gears: Wenn sie zerstört werden, kehren sie stattdessen auf meine Hand zurück. Und in Quails Fall passiert noch etwas. Sieh gut hin!“
      Ein Teil der Trümmer verwandelte sich in pures, gelbes Licht, welches sich in Kalis Hand zu einer Karte formte. Doch der Rest richtete sich wie von Geisterhand auf den mächtigen Drachen aus. Spitz wie sie waren, schossen sie auf Anyas Monster zu, mit der Absicht, es zu durchbohren.
      „Wenn Quail zerstört wird, zerstört sie die Karte, die für ihr Ableben verantwortlich war“, lautete Kalis Erklärung dazu.
      Anya sah mit gerunzelter Stirn zu, wie ihre wertvolle Preiskarte von den spitzen Trümmern getroffen und durchbohrt wurde. Eine Explosion folgte auf dem Fuß.
      „Das war ein kurzer Auftritt“, spottete Kali.
      „Ja, deine fette Wachtel war eben nicht gut genug.“ Anya grinste bösartig. „Siehst du?“
      In dem Moment hallte wütendes Gebrüll von der Stelle über ihr und blies den Rauch fort. Und [First Of The Dragons] verharrte unverletzt über dem Mädchen und stierte Kali an, als wolle er sie jeden Moment zerfleischen.
      „W-was!?“
      „Tja, Pech gehabt, denn mein Kumpel hier ist immun gegen Monstereffekte.“ Anya warf einen Blick auf ihr Blatt und konnte genau hören, wie ihre Feindin wütend schnaufte. „Naja, das soll's erstmal gewesen sein. Zug beendet!“

      Das ließ sich die selbsternannte Dämonengöttin nicht zweimal sagen und zog von ihrer V-Duel Disk schwungvoll auf. „Draw!“
      Gleich darauf streckte sie den Arm nach vorn. „Ich aktiviere meine Falle [Gear Crushing]!“
      Nervös beobachtete Anya, wie zwei riesige Zahnräder links und rechts vor Kali erschienen. Und dazwischen die Karte eines Monsters, das sie im Gegenzug zur Falle bereits kannte: [Celestial Gear – Synthetic Albatross].“
      „Diese Falle zerstört ein Celestial Gear in meiner Hand und erhöht meine Lebenspunkte um dessen Angriffswert“, bellte Kali förmlich.
      Ruckartig krachten beide Zahnräder zusammen, mit der Karte dazwischen, und zermahlten diese. Die daraus entstehenden Lichtfunken sprangen auf Kali über.

      [Anya: 4000LP / Kali: 2900LP → 3400LP]

      Doch mehr noch, zeigte Kali die eigentlich zerstörte Karte vor. „Wie du weißt, bekomme ich zerstörte Celestial Gears für gewöhnlich auf die Hand zurück. So wie dieses.“
      Wodurch die restlichen Funken statt Kali zu berühren, stattdessen in der Monsterkarte verschwanden.
      „Klar“, schloss Anya daraus, „damit hast du es leichter, Rückbeschwörungen durchzuführen.“
      Durch den Kampf mit Isfanel wusste sie bereits, dass diese Riesenvögel zusätzliche Effekte erhielten, wenn man sie nochmal von der Hand beschwor, nachdem sie auf jene zurückgekehrt waren.
      „Ganz recht. Ich beschwöre [Celestial Gear – Synthetic Quail] als Rückbeschwörung.“
      Tatsächlich war es nur eine reguläre Normalbeschwörung, wusste Anya. Trotzdem keuchte sie ärgerlich, als über Kali diverse Lichtkugeln aufstiegen und zwischen sich die Form der eben erst zerstörten Mechawachtel zeichneten, ehe jene sich mit ihrem fetten Körper über Kali erhob.

      Celestial Gear – Synthetic Quail [ATK/1600 DEF/1700 (4)]

      „Quails neuer Effekt lässt mich noch ein Monster aus meiner Hand beschwören.“ Kali donnerte jene Karte auf ihre Duel Disk. „Rückbeschwörung, [Celestial Gear – Synthetic Albatross]! Durch dessen Rückbeschwörungseffekt kann ich zwei Karten ziehen!“
      Und während sie das tat, zeichnete sich neben ihrem alten Vogel ein neuer von selbst, durch dessen rötliche Barriere man die mechanischen Innereien sehen konnte. Markant war besonders sein gebogener Schnabel.

      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]

      „Damit ist alles bereit“, verkündete Kali und hob ihren Arm in die Luft, „ich errichte das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Ein Schwarzes Loch auf ihrer Spielfeldseite öffnete sich, in das beide Vögel als gelbe Lichtstrahlen eintauchten.
      „Pass gut auf!“
      Ihre Gegnerin giftete zurück: „Als ob ich nicht wüsste, was du vor hast!“
      Anstatt ein neues Monster zu offenbaren, richtete sich das Phänomen auf, sodass es Anya wie ein Auge betrachtete. Und plötzlich verfärbte es sich rot-blau, wurde zu einem Vortex.
      „Tch, das ist neu. Aber ich kann mir denken, was es ist!“
      „Incarnation Fork Summon! Ich verschmelze die für die Xyz-Beschwörung genutzten Materialien miteinander! Xyz-Summon, Herald of Purity, [Celestial Gear – Synthetic Armored Dove]! Fusion Summon, Herald of Clarity, [Celestial Gear – Synthetic Armored Finch]! Arise!“
      Wieder wechselte der Wirbel seine Lage und richtete sich nach oben aus. Gleich zwei riesige Gestalten schossen aus ihm empor. Links handelte es sich um eine Mechataube, auf deren voluminöse Brust eine weiße Panzerung angebracht war, sodass nur an winzigen Spalten zwischen den spitz zulaufenden Flügeln weiße Energiebarrieren Einblick in ihr Innenleben gewährten. Neben ihr flatterte ein Maschinenfink, ebenfalls geschützt von weißen Platten am Körper. Einzig seine Beine und der Mittelteil seiner Schwingen waren von einer gelben Lichtschicht überzogen. Dabei wurde seine Partnerin von zwei goldenen Lichtsphären umkreist.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Dove [ATK/500 DEF/2500 {4} OLU: 2]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch [ATK/2000 DEF/0 (4)]

      „Dank Dove konnte ich ihre beiden Overlay Units fusionieren, ohne sie dabei zu verlieren.“
      Anya verschränkte die Arme. „Schön für dich, aber mehr auch nicht. Als Isfanel das gemacht hat, war es noch cool. Bei dir? Reden wir lieber nicht drüber.“
      Mit grimmigen Vergnügen vernahm sie, wie ihre Gegnerin schnaubte. Dabei ahnte die vermutlich nicht mal, dass Anya tatsächlich eine Fork Summon mit zwei gänzlich anderen Monstern erlebt hatte und diese beiden gar nicht kannte. Aber das würde sie ihrer Feindin gewiss nicht aufs Brot schmieren.
      Die streckte die geballte Faust mit der V-Duel Disk am Arm aus. „Dann weißt du sicherlich auch, dass Finch mir bei seiner Beschwörung eine Gear- oder Synthetic-Zauberkarte aus dem Deck zukommen lässt. Ich wähle [Destructo Gear]. Und aktiviere es auch gleich!“
      Lauter Zahnräder erschienen um den Apparat und begannen daran zu reiben. Funken sprühten, als Kali erklärte. „Damit wird sofort eine Zauberkarte von meinem Deck verbannt. [Banished Power Gear]!“
      „Nicht dein Ernst“, entfuhr es Anya da, bei der unschöne Erinnerungen an jene Karte geweckt wurden. Ein Abbild des Zaubers erschien und zersprang zusammen mit den Zahnrädern.
      „Du kennst sie offensichtlich schon. Dann weißt du auch, dass du sie nie wieder los wirst!“
      Ja, das wusste Anya. [Banished Power Gear] verstärkte diese blöden Metallhühner während jedes Kampfes um 500 Angriffs- und Verteidigungspunkte, solange sie verbannt war. Auch wenn dieser Boost nur während des Kampfes anhielt, so gab es keine Karten, die Anya kannte, welche einen verbannten Zauber entsorgen konnten. Und sie besaß solche schon gar nicht, womit sie nichts gegen dieses Power-Up unternehmen konnte.
      Kali kicherte böse. „Dich so zu sehen war all die Qualen wert, die ich wegen dir ertragen musste.“
      „Übertreibst du es nicht?“, konterte Anya giftig. „Seh' ich aus, als würde ich schon leiden? Das ist mein Standardgesicht.“
      „Mal sehen wie lange noch! Ich aktiviere jetzt [Celestial Gear – Armored Synthetic Doves] Effekt! Für eine Overlay Unit erhält ein Monster auf dem Feld 500 Angriffspunkte!“
      Anya machte große Augen, als sie das hörte. „Noch ein Boost!?“
      Eine der beiden goldenen Sphären, die die riesige Mechataube umkreisten, verschwand in deren Brust. Im Anschluss sendete jene ein hohl klingendes Gurren aus, was den Vogel neben ihr in eine weiße Aura hüllte.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Dove [ATK/500 DEF/2500 {4} OLU: 2 → 1]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch [ATK/2000 → 2500 DEF/0 (4)]

      Demonstrativ ballte Kali eine Faust und hob diese an. „Ich werde …“
      „Was?“
      „Es mir zurückholen! Angriff auf ihren [First Of The Dragons]!“, bellte die Maskierte wie ein Berserker und stieß die Faust nach vorn.
      Über ihr öffnete der riesige Mechafink seinen Schnabel, aus dem ein von Blitzen umschlungener Wirbelsturm schoss.
      „Und vergiss eins dabei nicht: Mein verbanntes [Banished Power Gear] verstärkt den Angriff, sodass mein Monster das stärkere ist!“
      Die Triebwerke in dessen Innerem begannen sich immer schneller zu drehen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch [ATK/2500 → 3000 DEF/0 → 500 (4)]

      Als ob sie das nicht wüsste, dachte Anya grimmig und bedeckte sofort ihr Gesicht mit überkreuzten Armen. Denn als der Drache getroffen wurde, bekam auch sie ein paar der Stromstöße ab. Doch die taten nicht einmal halb so weh wie befürchtet.

      [Anya: 4000LP → 3700LP / Kali: 3400LP]

      Hinter ihren Armen grinste die Blonde, als sie ihre Gegnerin nach Luft schnappen hörte.
      „D-das-!“

      First Of The Dragons [ATK/2700 DEF/2000 (9)]

      Der mächtige Drache thronte majestätisch über Anya und funkelte die Kuttenträgerin finster an, als wolle er ihr sagen, dass dieser Angriff keinesfalls ungesühnt bleiben würde.
      Langsam ließ dessen Besitzerin die Arme sinken. „Na sowas. Mein Drache ist ja gar nicht im Eimer. Was denkst du wohl, warum ich gerade den ins Rennen geschickt habe. Irgendne Idee, Einstein?“
      Nein, nur ein Keuchen kam als Antwort.
      „[First Of The Dragons] lässt sich nur im Kampf mit normalen Monstern besiegen. Und jetzt zähl mal 2 und 2 zusammen.“ Anya unterbrach ihre Rede nur kurz, da sie ein leichtes Zwicken in der Magengegend verspürte. „Unberührt von Effekten, unbesiegbar im Kampf. Klingelt's da nicht?“
      Es dauerte einen Moment, dann aber begann Kali düster zu lachen. „Verstehe … du hast Angst. Angst vor der Paktkarte Edens, [Sophia, Goddess Of Rebirth]. Natürlich. Dieses Mistvieh ist praktisch der perfekte Konter, da es nicht von Sophia verbannt oder besiegt werden kann.“
      „Was ist daran so witzig?“, fauchte Anya, die sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Unterleib halten musste. Hatte sie doch mehr von dem Angriff abbekommen als gedacht? Oder …
      „Weil jene nicht mehr existiert.“ Kali griff in die Innentasche ihrer schwarzen Kutte und zeigte etwas vor, das Anya mit geweiteten Augen betrachtete. Zwei Hälften einer Karte. Jener Karte!

      Ehe sie den Anblick aber infrage stellen konnte, wuchs der Schmerz so rasend schnell an, dass sie die Zähne zusammenbeißen musste, um nicht loszuschreien. Sie sah hinauf zu ihrem Drachen, der vor ihren Augen verschwamm. Nicht jetzt, verdammt! Wenn sie ohnmächtig wurde, konnte Kali mit ihr machen was sie wollte. Und diesmal war niemand da, der ihr helfen würde.

      Für einen kurzen Moment schloss Anya die Augen. Und sah Logan vor sich, der vermutlich in irgendeiner Zelle mit irgendwelchen Pennern steckte und auf ihre Hilfe wartete. Und die würde er bekommen, auch wenn Anya selber nicht genau wusste, was sie tun konnte. Aber egal was es war, sie schuldete es ihm. Sie schuldete ihm so vieles.
      Allen voran … ein friedliches Leben. Und das würde sie nur dann führen können, wenn ihre Feinde von ihr abließen. Auf die eine oder andere Weise.
      Ruckartig riss Anya die Augen wieder auf, in denen für einen kurzen Moment ein silbriger Ring um die Pupillen schimmerte. Der Schmerz war wie verflogen.
      „Umso besser für mich“, reagierte sie auf das Geständnis ihrer Gegnerin, „wenn du dich nicht hinter deiner Göttin verstecken kannst, sollte das ein Kinderspiel werden.“
      Doch Kali beteuerte. „Ich brauche diese Karte nicht! Wenn ich mit dir fertig bin, brauche ich weder dieses Deck noch diese Maske. Dann kann ich endlich ein friedliches Leben führen!“
      Für einen kurzen Moment war die Blonde erstaunt vom Ausruf ihrer Gegnerin, der ihrem stummen doch so ähnelte.
      „Das“, murmelte Anya dann aber unheilverkündend und legte ihr finsterstes Grinsen auf, „werden wir noch sehen …“




      Turn 82 – Each Of Their Battles (2)
      Während Anyas und Zanthes Kämpfe anhalten, setzt Matt die Idee des maskierten Dämons, das Versteck der Undying zu infiltrieren, in die Tat um. Doch trotz Ricthers und Stoltz' Abwesenheit wird der Weg zum geheimnisvollen Schwert Ragnarok blockiert. Gleichzeitig verfolgt der Anführer der Undying einen ganz eigenen Plan, welcher ihn zu niemand Geringerem führt als ...





      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Alexandrite

      Gem-Knight Pyrite
      Monster/Normal/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/0 DEF/2800 (6) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight"-Karte von deinem Deck auf den Friedhof schicken.
      Monstereffekt: Einer der verlorenen Edelsteinritter, die nach einer langen Reise zurückgekehrt sind. Doch die Welt, die sie einst ihre eigene nannten, ist nicht mehr.

      Polymerization

      First Of The Dragons

      Kali

      Celestial Gear – Synthetic Albatross
      Maschine/Licht/Empfänger
      ATK/500 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte kämpft: du erleidest keinen Kampfschaden. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: ziehe 2 Karten; verbanne diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Quail
      Maschine/Licht/Empfänger
      ATK/1600 DEF/1700 (4)
      Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor, dann kannst du die Karte zerstören, die diese Karte durch Kampf oder ihren Karteneffekt zerstört hat. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Du kannst 1 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen.

      Destructo Gear
      Zauber/Normal
      Verbanne eine Zauberkarte von deinem Deck.

      Banished Power Gear
      Zauber/Normal
      Wenn diese Karte aktiviert wird: verbanne eine Zauberkarte in deiner Hand. Wenn diese Karte verbannt ist: "Celestial Gear"-Monster erhalten 500 ATK und DEF während des Damage Steps.

      Gear Crushing
      Falle/Normal
      Zerstöre 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner Hand und erhöhe deine Life Points in Höhe ihrer Grund-ATK.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch
      Maschine/Licht/Fusion
      ATK/2000 DEF/0 (4)
      2 x "Celestial Gear"-Monster
      Wenn diese Karte als Fusionsbeschwörung beschworen wurde, füge deiner Hand 1 "Gear"- oder "Synthetic"-Zauberkarte deiner Hand hinzu. Wenn diese Karte zerstört wird, nur einmal während des Duells: beschwöre sie als Spezialbeschwörung mit einer Grund-ATK von 2500; während der End Phase verbanne sie.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Dove
      Maschine/Licht/Xyz
      ATK/500 DEF/2500 {4}
      2 oder mehr (max. 5) Stufe 4-Monster
      Wenn diese Karte als Xyz-Beschwörung beschworen wurde: beschwöre ein zu ihren Xyz-Materialien passendes Fusionsmonster von deinem Extradeck als Fusionsbeschwörung. Einmal pro Zug während des Zuges eines beliebigen Spielers, indem du ein Xyz-Material von dieser Karte abhängst: Wähle 1 anderes offenes Monster auf dem Spielfeld; erhöhe seine ATK um 500.

      Zanthe

      Constellar Pollux
      Constellar Rasalhague

      Constellar Alrakis
      Donner/Licht/Effekt
      ATK/1200 DEF/1500 (4)
      Indem du diese Karte während des Zuges eines beliebigen Spielers von deiner Hand abwirfst: wechsle die Position eines "Constellar"-Monsters auf deiner Spielfeldseite. Indem du diese Karte von deinem Friedhof verbannst: in diesem Zug musst du für die Tributbeschwörung eines "Constellar"-Monsters keine Tribute anbieten.

      Constellar Star Chart

      Constellar Omega

      Nigel

      Phantom Beast Cross-Wing
      Phantom Beast Thunder-Pegasus
      Phantom Beast Rock-Lizard x2

      Phantom Beast Luster-Unicorn
      Monster/Effekt
      Ungeheuer-Krieger/Licht
      ATK/400 DEF/1700 (4)
      In dem Zug, in dem diese Karte beschworen wurde: Du kannst 2 "Phantom Beast"-Monster mit derselben Stufe von deinem Deck wählen: Nimm 1 davon auf die Hand und lege das andere auf den Friedhof. Du kannst diesen Effekt von "Phantom Beast Luster-Unicorn" nur einmal pro Zug aktivieren.

      Polymerization
      Fusion Sage
      Pot Of Greed

      Mirror Force

      Phantom Beast Ascension-Patron
      Monster/Fusion/Effekt
      Ungeheuer-Krieger/Licht
      ATK/2000 DEF/2500 (6)
      "Phantom Beast Luster-Unicorn" + "Phantom Beast Cross-Wing"
      Diese Karte erhält die Effekte aller Ungeheuer-Krieger-"Phantom Beast"-Monster auf deinem Friedhof (auch während sie auf dem Friedhof liegt) und jener, die verbannt sind.


      Hmm. Meinungen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Aska- ()

      -Aska-
      Ja, kann ich nachvollziehen. Die Ideen wollen einem nie ausgehen, und man setzt immer noch etwas ein, wodurch das Ende irgendwie kontinuierlich, mal mehr mal weniger in weitere Entfernung rückt.Wichtig denke ich ist nur, dass man wie du sagst, irgendwann ein richtiges Ende findet. Nicht so wie in vielen Serien heutzutage, die mangels Einschaltquoten mit offenen Enden und ungelösten Handlungen abgesetzt werden - was bei den FFs wohl dem Entspräche, dass der Schreiber irgendwann auf der Weg zum Ende die Lust verlor.Du meinst, in gewisser Weise hat er Angst gehabt, dass es doch aus irgendeinem Grund hätte klappen können und Claire dann ergo nicht mehr unbesiegt gewesen wäre? Würde halt dafür sprechen, dass all das Grenzen hat ^^Anyas Lebensziel war gute 14 Jahre lang, "Leben" zu ruinieren, da darf sie jetzt ruhig versuchen, welche zu retten, so von wegen gutes Karma ansammeln bevor man abtritt. Dass dabei aber immer noch Leben vor die Hunde gehen sind die Überreste von damals. Weil alte Gewohnheiten legt man so schnell nicht ab xDBei Zanthe wird das in dem Moment relevant, wenn er sich (absolut) entscheiden muss. Bisher war das ja in der Regel immer ohne Konsequenzen verbunden. Aber wenn es heißt, Anya oder Exa, dann wird das richtig interessant werden.Was Val angeht, ich weiß, ich weiß. Alles kommt wie es kommen soll ^^Und welche Folge wolltest du denn posten? Eine ältere wäre ja nur merkwürdig gewesen, aber ich les daraus, dass die Folge einer Zahl größer als 81 entsprochen hätte? xD


      Folge


      Die Folge bot wieder eine interessante Aufsplittung der Geschichte mit mehreren Handlungsfäden, welche sich auf die beiden parallel stattfindenden Duellen von Zanthe gegen Nigel und Anya gegen Kali aufteilten.

      Bei Nigel fand ich es einen sehr gute Wahl, dass er Phantom Beasts spielt, weil es schön zu dem Motiv passt, dass er als ihr Manager seinen Schützling unterstützt, so wie die Effekte der Phantom Beasts ja auch auf die Mecha Phantom Beasts wiren. Mit den neuen Karten, die du dir ausgedacht hast, ergaben sich zudem auch interessante Zusammenspiele. Da muss man abwarten, wie gut sich Zanthe weiter dagegen hält. Ebenso welche Rolle Exa spielen wird, der bei dem Duell dann ja geradezu verdächtig mit Abwesenheit glänzte. Was aber vermutlich zu einem Plan gehören dürfte.
      Bei ihm konttest du es aber auch nicht lassen, in der Unterhaltung auf dem Weg dorthin wieder einen Schatten zu werfen, was eine mögliche Konfrontation mit Anya angeht.

      Was Nigel seinerseits zu den Hütern verlor war auch ein wenig aufschlussreich, auch wenn es eher kleinere Details wie die Rolle Drazens oder das die Art, wie Anya den Hütern ihre Macht nimmt, nicht natürlich ist, waren. Letztere Sache harmoniert in der Hinsicht auch mit den bisherigen Erkenntnissen über die CS.
      Zu der Sache mit dem Pakt gab es in der Folge eigentlich nur die Spekulation, inwieweit und ob er auch auf Nigel wirkt. Aber das rauszufinden wird ja jetzt Zanthes Aufgabe sein, indem er um den Sieg kämpft.


      Ein erwarteter Dämpfer nach der letzten Folge war im Vorhinein auch die Hiobsbotschaft, dass Logan nicht so schnell aus dem Gefängnis freikommen und gewaltigen Entschädigungsforderungen entgegensehen könnte. Was aber in gewisser Weise zu erwarten gewesen ist, dass Nigel kein Kratzer an das Image seines Schützlings Claire kommen lässt.
      Unterhaltsam war in den Unterhaltungen zwischen Zanthe und Anya auf jeden Fall Anyas Verhalten, und ihr Freund schon längst erkannt hat, was sie immer nicht einsehen will, was in einem handfesten Pommen-Stellungskrieg endete xD

      Im Verlauf gab es dann noch weitere Nicht-Duell Handlungsfäden, die der Geschichte nochmal ein paar neue Fragen mit auf den Weg gegeben haben.
      Zum Einen den Kampf der Undying mit dem Körper, den Edna von einem Logenplatz beobachten und am Ende sogar einen Arm von Stoltz ergattern konnte. Besonders neugierig machte hierbei die Flucht des Körpers, als er außer Reichweite der Undying von irgendetwas angegriffen worden ist. Umso mehr, weil diese noch meinten, dass nur der Körper so einfach in den Limbus rein und raus könne. Wobei der Körper scheinbar genau davor angegriffen worden war, also vllt gar nicht so mysteriös wie es der erste Eindruck machte.
      Aber das leitete dann unmittelbar über zu der Szene mit Matt und seiner neuen Protege Valerie ( guter Mann, du hörst auf die Wünsche deines Lesers, bevor er sie äußert ;) ), die ihrerseits eine kurze Begegnung mit einem Abbild des Körpers hatten. Dieser hinterließ ihnen einen Plan, wie sie Anya retten könnten, was doch etwas überraschend war. Zum Einen, weil man ja erst meinte, dass er zur "Anti-Anya" Fraktion gehören könnte, als er Kali Kräfte für die ihr auferlegte Mission gab. Zum Anderen, dass er ausgerechnet vor Matt und Valerie erschien. Zwar haben beide ja wiederholt gezeigt, dass sie ihrer Freundin helfen wollen, aber bei Matt ist ja immer noch dieser Schatten, dass bei ihm etwas nicht stimmt.
      Ambitioniert wirkt nicht nur das langfristige Ziel, den Sammler zu töten, sondern auch wie sie an das Instrument dafür gelangen, indem sie einen Undying zu sich beschwören. Und ausgerechnet Stoltz, der zwar gerade etwas "Hand"icaped ist, aber schon damals bei Alastair gezeigt hat, dass er sich nicht lange festhalten lässt.


      Aber gut, das zweite Duell der Folge war denk ich heißerwartet, denn endlich beginnt die direkte Konfrontation zwischen Kali und Anya. Keine Spielchen mehr, keine Stellvertreterkämpfe. Auf jeden Fall habe ich keinen Zweifel mehr daran, dass der Zeitpunkt wohlwissend von Kali gewählt wurde, damit Anya keine Hilfe von irgendjemand erwarten kann, wenn sie ihre Rache vollzieht.
      Interessant, aber wie gewohnt äußerst kryptisch, waren die ersten Minuten des Duells, was Motivation Kalis sowie ihre Identität angeht. Man hat das Gefühl, mit jeder Äußerung nähert man sich dem Geheimnis darum, aber man gelangt einfach nicht in greifbare Nähe. Meine Theorie zu ihr kennst du inzwischen schon zu genüge, und ich will andere nicht vom eigenen Spekulieren abbringen, also werde ich hier lieber nicht weiter darauf eingehen.
      Das Duell selbst war aber schon richtig energiegeladen. Gerade Anya war regelrecht phänomenal, wie sie Kali geradewegs mit ihren neuen Karten in die Schranken gewiesen hat. Insbesondere FIrst of the Dragon war eine richtig gute Mauer bei ihrer Gegnerin, auch wenn der angedachte Verwendungszweck gegen Sophia so nicht mehr zum Einsatz kommen wird.
      Insgesamt war das Duell von beiden Seiten mit Überraschungen gespickt. Anya, die Kali diverse neue Karten und Strategien bot. Kali, die zwar Sophia nicht mehr nutzen kann, dafür aber viel stärker ihr CG Deck nutzt und ebenso neue Karten auspackt, und diese mit ihren alten Strategien kombiniert. Köstlich waren aber während des Duells auch immerzu Kalis Reaktionen auf Anyas Aktionen und Züge/neue Karten hin. (Wie sie einmal so schön sagte: "Willst du mich verarschen"? xD)

      Vorschau verspricht auch wieder spannend zu werden, denn klingt stark danach, als würde sich zusätzlich zu den laufenden Duellen mit dem Undying-Versteck mindestens ein dritter Handlungsort ergeben. Und dann ist da noch besagter Ricther ;)
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Evil Bakura ()

      Spoiler anzeigen
      Als, na dann bin ich mal gespannt wie und ob Nick Logan aus dem Gefängnis holt. Das dürfte dann ja nächste Folge passieren, erzähltechnisch würde mich aber wundern, wenn das gar zu einfach werden würde, vielleicht benutzt er Alexandra oder ihre Kontakte? Auf jeden Fall könnte diese Aktion weitere Aspekte zum Aktionsplan von Anya & Co hinzfügen, aber das ist natürlich schwer abzusehen.

      Was Logans "Prinzenrolle" (*wahaha*) angeht hast du dich also entschlossen, dass Zanthe Anya aufklärt, das "dass-?!" Duell war schon leicht komisch, ich bin mir nur nicht sicher, was Anya beim ersten Mal meinte. Dass sie die Preiskarte überlegt hat zu verkaufen darf man wohl definitiv als Punkt auf der Entwicklungskriteriumsliste auf dem Weg zu einem normalen Menschen abhaken ;)

      Die Beweislastsituation bzw. deren Nichtexistenz ist irgendwie logisch, sonst wäre es zu einfach gewesen, aber es war natürlich hilfreich, um Logan einen Grund zu geben, wie nennt man das noch mal...? Wikipedia sei dank: "McGuffin"!

      Kali ist wieder mal auf den Plan getreten und ich kann mir irgendwie kein bisschen vorstellen, wie diese Situation ausgehen könnte. Interessant ist, dass Anya diesmal die Macht auf ihrer Seite hat, bzw. die Überraschungen. Ist das in Bezug zu sehen mit ihrer Entwicklung?

      Das Zanthe gegen Nigel duelliert an Stelle von Anya klingt für mich hart nach einem "Bauernopfer"(*wahaha*), bestimmt kommt alles aber noch mal ganz anders oder Exa springt ein, irgendwie...? Hm, ich muss mich wohl damit abfinden, dass ich es nicht wirklich vorhersehen kann, und selbst wenn wäre es nur die Ausnahme von der Regel.

      Und täglich grüßt das Murmeltier, bzw. ein neues Rätsel: was meint Nigel damit, dass die Hüter nicht ersetzt werden? Vor allem, wie soll das gehen, ich meine dann müsste die Hüterkarte ja wieder zurückgegeben werden...? Und wem stehen die Artefakte zu? Ich hatte angenommen, die sollten nie weggegeben werden?

      Außerdem, dass Zanthe von Anya so viel hält ist eine spannende Wendung, so wie er sie ständig kritisiert.

      Die Freddy Mercury Nummer ist mal wieder ein humoristisches Highlight ^.^

      Matt und Valerie sollen nun also den Sammler töten mit irgend einem Schwert? Wtf? Dann zeig mal, was du noch so in der Hinterhand hast an Geheimnissen hat es ja noch nie gemangelt ;)
      Und weiter gehts. Vielen Dank an alle Leser. :)

      @Evil Bakura
      Das ist eben das Problem, irgendwann muss man den Schnitt setzen. Was ist zu viel? Ich finde das ziemlich schwer einzuschätzen, weil man als Autor natürlich alles irgendwo relevant findet. Na ja, mal sehen, was bei mir alles im Papierkorb landet.

      Ich wollte die letzte Folge vom Finale posten. XD

      Danke für das Lob mit Nigel. Weiß gar nicht, was ich jetzt großartig zu dem Faden schreiben soll. War für mich eigentlich der am wenigsten interessante irgendwo.

      Was den Angriff auf den Körper angeht, habe ich das im Vergleich zur Testlese-Version der Folge nochmal deutlicher geschrieben. In dieser Folge solltest du die Zusammenhänge entsprechend verstehen und wenn nicht, sag bitte Bescheid. ^^

      Anya und Kalis Bitchfight wird noch ziemlich spaßig.

      In dem Sinne vielen Dank für den Post. ^^

      @Mcto
      Also bei Nick dürfte die Frage wirklich eher im "ob"-Bereich liegen. Wobei Anya schon Recht hat: Selbst Nick kann den angerichteten Schaden und die drückende Beweislast nicht einfach löschen.

      Naja McGuffin ist eins. Logan müsste eher einen McGuyver bringen. Aus nem Kugelschreiber 'nen Laser bauen und so. Und ich sehe nicht ein, warum Kugelschreiber -nicht- als Laser umfunktioniert werden können. =P

      Hey, sei doch froh, dass du nicht alles vorhersehen kannst. Du würdest dir ja selbst die Spannung nehmen. Wenn etwas vorhergesehen werden soll, schreibe ich das schon entsprechend. ^^
      (Und wenn trotzdem mal was ungewollt vorhersieht, wird er eben beseitigt. Muahahaha.)

      Oh und was die Geheimnisse angeht: Yeah. Dabei bin ich, denk ich, sogar noch harmlos. Es gibt Schlimmere.

      Danke für den Kommi. ^^


      Have fun!

      Turn 82 – Each Of Their Battles (2)
      Obwohl die Nacht längst über Hollow City hereingebrochen war, strahlte das Nobelviertel der Stadt mit seinen prächtigen Villen eine Eleganz aus, die es so nur an wenigen Orten auf der Welt gab. Unterschiedlichste architektonische Stile trafen aufeinander, verharrten Seite an Seite hinter wunderschönen Rosengärten, perfekt geschnittenem englischen Rasen oder sogar einem Palmenwald, über die die Gebäude wie Könige thronten.
      Ricther stand vor so einem Grundstück. Jenes war, im Gegensatz zu den meisten anderen, von einer hohen Hecke umgeben, größer noch als der Undying. Vom Tor der Einfahrt konnte man erkennen, dass jene in eine Tiefgarage führte. Doch Ricther wusste, derjenige, der hier residierte, hatte keine Verwendung für Kraftfahrzeuge.

      Als der Undying sich in Bewegung setzte, schwangen die Flügeltore der Einfahrt zur Seite und ließen ihn hinein. So groß wie die alte, im viktorianischen Stil erbaute Villa war, hatten darin mindestens zwei Einfamilienhäuser Platz.
      Seine Stiefel stampften über den gepflasterten Pfad zum Eingangsbereich des Gebäudes. Um ihn herum standen verschiedene Engelsstatuen, die allesamt so unecht waren wie ihr Besitzer.
      Ricther kannte den Sammler schon sehr lange. Und er hatte entschieden, sein Verhalten nicht länger zu tolerieren.

      Der Besucher des mysteriösen Anwesens hatte die Stufen hinauf zur Haustür noch nicht erreicht, da öffnete diese sich bereits nach innen. Des Sammlers Diener Kyon hatte sie geöffnet. Wie üblich steckte er in seiner schwarzen Uniform, bedeckte seine Augen mit einer Sonnenbrille, deren kreisrunde Gläser das schulterlange, schwarze Haar auf merkwürdige Weise betonten.

      „Also hast du dich entschieden, meiner Spur endlich zu folgen“, sprach Kyon leise, als Ricther durch die Eingangstür an ihm vorbei schritt. Der Immaterielle drehte sich nicht sofort um, sondern fügte noch hinzu: „Ich habe schon angefangen an dir zu zweifeln, Anführer der Undying.“
      Während der Hüne ruhigen, aber beständigen Schrittes voran ging, schloss der Diener des Sammlers die Tür und begann dem Gast zu folgen.
      Jener antwortete: „Hierher zu kommen war keine leichtfertig zu treffende Entscheidung gewesen.“
      „Aber die richtige. Er muss aufgehalten werden.“
      „Er wird sich nicht aufhalten lassen.“
      Der Butler räusperte sich. „Deswegen bist -du- hier. Folge mir.“

      Ricther wurde überholt und zu seinem Ziel geleitet. Über diverse Gänge, vorbei an auffällig wenig Dekoration wie Bildern, Kommoden und Blumenvasen, erstreckte sich ihr Weg. Ricther wusste, dass es ein Labyrinth war, geschaffen, um potentiellen Feinden die Flucht zu erschweren. Solange er hier war, war es unmöglich Portale zu öffnen. Es sei denn, man war willkommen in dieser Domäne. Und das war er nicht.

      Schließlich führte Kyon ihn in einen Ballsaal. Kreisrund, sich über zwei Stockwerke erstreckend, machte er trotz seiner geringen Fläche einen verlassenen Eindruck. Vor zog sich eine riesige, abgerundete Fensterfront entlang, doch gewährte sie nur Blick auf das Grundstücksinnere, besser gesagt, Rasen und Hecken. Vermutlich nur Illusionen, er dürfte sich nicht so nahe an potentieller Freiheit befinden. Zwei Wendeltreppen führten auf die obere Ebene. Aber alles wirkte so leer, unbewohnt, keine Möbel, nur das Parkett und ein festlicher Kronleuchter über ihm, welcher zumindest ein wenig Glanz ins Spiel brachte.
      Nicht, dass Undying auf so etwas Wert legten.

      „Willkommen“, wurde Ricther schließlich begrüßt. Der rothaarige Sammler trat an die Galerie des oberen Stockwerks und sah auf seinen Gast herab. „Du kommst reichlich spät. Kyon, sei bitte so freundlich und bring -es- zu mir.“
      „Sehr wohl“, reagierte sein Diener mit einer Verneigung und zog die Flügeltür hinter Ricther zu.
      „Es bedarf keiner Worte um zu erklären, was mich hierher bringt.“
      Der Sammler schlenderte an der Galerie vorbei. „Selbstverständlich nicht. Früher oder später musstest du dahinter kommen, dass ich die Siegel der Hüter breche. Mich irritiert dabei nur, dass du dies bereits seit geraumer Zeit weißt, ohne jedoch Gegenmaßnahmen einzuleiten.“
      Der rothaarige Brite erreichte die Treppe und nahm langsam Stufe um Stufe. „Ein paar lasche Angriffe auf meinen Schützling werte ich nicht als solche. Was hält dich zurück, alter Freund?“
      Seinerseits schwieg der Hüne in der silber-goldenen Rüstung und dachte über seine Antwort nach. Erst nachdem der Sammler die letzte Stufe genommen hatte, gab er diese. „Eine Erkenntnis.“
      „Ah, ich verstehe“, schmunzelte sein Gegenüber, das direkt auf die Mitte der Tanzfläche zusteuerte.

      Sie verfielen beide ins Schweigen und warteten. Warteten, bis Kyon wieder durch die Flügeltüren geschritten kam und einen metallischen Koffer mit sich führte. Jenen nahm er im Lauf in beide Hände und klappte ihn auf. Beim Sammler angekommen, würdigte dieser ihn zunächst keines Blickes. Sagte aber: „Danke, Kyon.“
      „Wir haben keine andere Wahl“, sprach Ricther.
      „Nein, die haben wir nicht. Aber das macht vieles leichter für mich.“
      Schließlich betrachtete der Sammler den Inhalt des Koffers neben ihm. In einer Fassung aus samtenem Polster lagen dort eine schwarze Battle City-Duel Disk sowie drei durchsichtige Deckboxen. Zwei davon präsentierten die jeweils obersten Karten, [The Fabled Cerburrel], das mittlere [Fabled Raven]. Jenes Deck ganz rechts hingegen lag mit den Kartenbildern nach unten und genau jenes war es, das der Sammler ohne überhaupt richtig hinzusehen aus der Fassung nahm.

      „Ich komme nicht umher, es als ironisch anzusehen“, sagte jener plötzlich mit einem geheimnisvollen Lächeln, „denn du bist nicht der Erste, der mich mit einem vergleichbaren Anliegen aufgesucht hat, Ricther.“
      Der Undying schreckte auf. „Was? Wer!?“
      „Ich hätte ehrlich gesagt erwartet, dass du vor -ihr- hier auftauchen würdest.“
      Wütend aufgrund der nichtssagenden Antwort streckte Ricther den Finger aus. „Redest du etwa von-!? Sprich!“
      Der rechte Mundwinkel des Sammlers zuckte. „Unserer gemeinsamen Freundin natürlich.“
      Ricther schwang den eben noch nach vorne gerichteten Arm weit aus. „Was hast du ihr angetan!?“
      „Angetan?“, fragte der Sammler unterkühlt und begann nach vorne zu schreiten, mit hinter dem Rücken verschränkten Armen. „Ich habe mich um sie 'angemessen' gekümmert.“
      Der Undying griff nach dem Schwert an seiner Hüfte, doch der Sammler streckte eine flache Hand aus. „Willst du nicht sehen, was ich damit meine?“
      Die Hand emporhebend, schnippte der rothaarige Brite. Über ihm blitzte es und ein schwarzes Portal öffnete sich. Aus ihm hervor schob sich ein prismatisches Behältnis, dessen Kanten aus purer Energie bestanden. In dessen Mitte, an einem Kreuz, hing eine leblose Gestalt. Den Kopf hängen lassend, fiel das schwarze Haar über die weiße, dämonische Maske – der 'Körper'.
      „Sie war schon lange vor dir hier“, sagte der Sammler und ließ das Gefängnis neben sich zu Boden sinken. Er legte eine Hand darauf, sodass deutlich wurde, dass zwischen den Kanten eine unsichtbare Barriere bestand. „Leider konnte ich sie nicht davon überzeugen, ein wenig zu bleiben. Wie du dir jedoch denken kannst, ist sie in diesem Zustand nicht wirklich imstande, sich zu artikulieren. Also musste ich die Initiative ergreifen und mich ihrer annehmen, während deine Untergebenen sie unwissentlich in ihrem Jagdeifer abgelenkt haben.“
      „Du elender-!?“, schrie Ricther wutentbrannt. „Dafür werde ich dich eigenhändig bestrafen!“
      „Angesichts unserer Lage, bin es da wirklich ich, der bestraft werden sollte?“, erwiderte der Sammler ungerührt.
      Indes trat der schwarzhaarige Butler neben ihn. „Die Duel Disk.“
      „Natürlich. Vielen Dank.“ Der Sammler nahm den Apparat aus der Halterung und schnallte ihn sich um. Sein Diener nickte kurz und trat zurück. Sein Meister sagte, ohne ihn anzusehen: „Kyon. Ich möchte jetzt ein wenig mit unserem Gast alleine sein.“
      „So soll es sein“, antwortete jener unter einer Verneigung. Seelenruhig lief er an Ricther vorbei. Und auch wenn es nur ein Gedanke war, war es doch einer, den der Undying klar und deutlich hörte.

      Verliere nicht!

      Knarzend fielen die Flügel der Tür hinter ihm zu. Der Sammler lächelte stumm sein falsches Lachen vor sich hin.
      Ricther sah gebannt das schwebende Objekt an, auf dessen unsichtbarer Oberfläche die Hand des Rotschopfs gelegen hatte. Er konnte nicht begreifen, was er dort sah. War dieser Mann wirklich so tief gefallen?
      „Gib sie zurück.“
      „Bedaure, aber sie darf mir nicht im Wege stehen. Oder sollte ich sagen: Er? Es?“
      „Wie kannst du es wagen!?“, fauchte Ricther vor Zorn. „Du, der du in dieser Welt gar nicht existieren solltest!?“
      Das Lächeln des Rothaarigen wurde einen winziges Bisschen größer. „Oh, aber ich existiere doch. Und du wirst daran auch nichts ändern können, Undying.“

      „Nun“, sagte der Collector-Dämon schließlich und aktivierte den Apparat an seinem Arm, „auch wenn du nur ein Undying bist, so wäre es töricht, dich zu unterschätzen. Und ich bin kein Tor.“
      Sanft schob er das Deck in den Apparat. Parallel dazu zog sein Widersacher endgültig dessen Schwert und ließ es sich automatisch zu einer Schwert-Duel Disk umfunktionieren, die sich an seinem linken Arm befestigte.
      „Dann lass uns überprüfen, ob sich seit damals etwas geändert hat“, verkündete der Sammler geheimnisvoll.
      Und Ricther erwiderte: „Ich werde dahinter kommen, was dich auf diesen Weg gebracht hat, Strife.“
      Beide donnerten schließlich energisch: „Duell!“

      [Ricther: 4000LP / Collector: 4000LP]


      Beide zogen ihr Startblatt. Freundlich bot der Sammler an: „Du kannst gerne beginnen.“
      Ricther überlegte kurz, ob sich dahinter eine Falle verbarg. Doch sein Gegner würde vermutlich unabhängig von der Entscheidung profitieren. Es war nichts als eine Farce.
      „Dann nehme ich den ersten Zug“, entschied der Undying trotzdem und legte sofort ein Monster auf die stumpfe Seite seiner Klinge. „Indem ich zehn Karten meines Decks verdeckt verbanne, vermag ich diese Kreatur zu beschwören. Erscheine, [Different Dimension Deity – Lastelise]!“
      Von seinem Deck an der Unterseite des Schwertgriffs flogen zehn Karten in einer Reihe hoch in die Luft, direkt in einen Dimensionsspalt, welcher sich auf Brusthöhe Ricthers öffnete. Der Sammler betrachtete das Schauspiel still, doch mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen.
      Rund um Ricther herum brachen insgesamt zehn riesige, pinke Kristallsäulen aus dem Parkett und bildeten über ihm eine seltsame Gestalt. Je drei dieser Pfeiler bildeten so etwas wie Schwingen, die an einer vertikal verlaufenden Säule verharrten, in welcher ein blauer Energiekern eingelassen war. Oberhalb jener formten die restlichen drei eine Art Kragen.

      Different Dimension Deity – Lasteliste [ATK/3000 DEF/3000 (10)]

      „Ich setze eine Karte und erkläre meinen Zug für beendet.“
      Zischend materialisierte sich ein Kartenrücken vor ihm.

      Als der Sammler aufzog, zierte ein wissendes Lächeln sein Gesicht. „Wirst du mich nicht fragen, was es ist, das ich durch das Brechen der Siegel beabsichtige?“
      Ricther schwieg jedoch.
      „Nun gut, du sortierst noch deine Gedanken. Dann beginne ich mit meinem Zug.“ Ohne Zeit verstreichen zu lassen, führte der rothaarige Dämon im feinen Anzug eine Zauberkarte in seine schwarze Battle City-Duel Disk ein. „[Shaddoll Fusion].“
      Sein Gegner gab einen überraschten Laut von sich, als sich über dem Sammler ein Wirbelstrom öffnete. Schatten waren es, die in sein Zentrum gezogen wurden.
      „Keine Bange, diese Karte funktioniert nicht anders als andere Fusionskarten. Mit ihr verschmelze ich [Shaddoll Falco] und [Shaddoll Dragon] vom Finsternis-Attribut in meiner Hand.“
      Lächelnd hielt der jung erscheinende Mann die drei Karten in die Höhe. Über jenen tauchten ein an violetten Lichtfäden hängender, düsterer Babyfalke sowie ein schwarzhaariger, bärtiger chinesischer Drache auf, ebenfalls an violetten Strängen wie eine Marionette hängend. Beide verschwanden in dem sinistren Wirbel.
      „Fusion Summon“, verlautete der Sammler gerade laut genug, damit Ricther es vernahm, „[El Shaddoll Winda].“
      Violetter Nebel schoss aus dem Vortex heraus. Ihm folgte ein größerer Drache mit weiten, runden Augen und einem Maul, das fast an einen Vogelschnabel erinnerte, jedoch mit fiesen Reißzähnen bespickt war. Doch wirklich hervor stach seine Reiterin, ein grünhaariges Mädchen, das wie der Drache selbst auch an Fäden hing, die irgendwo ins Nichts verschwanden.

      El Shaddoll Winda [ATK/2200 DEF/800 (5)]

      „Ich fürchte, durch die Fusion wurden die Effekte meiner beiden Monster [Shaddoll Dragon] und [Shaddoll Falco] aktiviert. Dazu müssen sie nur durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt werden.“
      Ricther stieß noch einen überraschten Laut aus, als aus Winda die geisterhafte Form des bärtigen Drachen auf seine verdeckte Karte zuschoss und diese mit offenem Maul aufsog, ehe er mit ihr im Boden verschwand. Der Sammler schmunzelte. „Ersterer zerstört eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Spielfeld. Und was Letzteren angeht …“
      Jener mechanisch anmutende Babyfalke tauchte neben der Drachenreiterin auf.

      Shaddoll Falco [ATK/600 DEF/1400 (2)]

      Unter seinen Füßen tauchte seine Karte auf, die sich wie ein Dach um ihn legte und in verdeckte Verteidigungsposition brachte, womit er, begraben von der Karte, verschwand.
      „… setzt er sich zurück aufs Feld.“
      „Also hast du trotz einer aufwendigen Beschwörung aus jeder der Karten deinen Nutzen gezogen.“
      Auf Ricthers Feststellung hin lachte der Sammler. „Richtig. So benutzt man Marionetten.“
      Doch noch mehr beschäftigte den Undying die Tatsache, dass sowohl [Shaddoll Falco], als auch [El Shaddoll Winda] Monster waren, die denen von Henry Ford unheimlich ähnlich sahen. Mit diesem hatte er sich infolge seiner Forschungen nach Anya Bauers Umfeld beschäftigt, ihn jedoch als ungefährlich eingestuft.
      „Da ich noch keine Normalbeschwörung durchgeführt habe, verzichte ich direkt auf diese und aktiviere [Hidden Armory]. Sie kostet mich die oberste Karte meines Decks“, welche der Sammler zog, vorzeigte – es war der Zauber [Curse Of The Shadow Prison] – und in den Friedhof einführte, „sowie eben bereits genannte Normalbeschwörung, um mir Zugriff auf eine Ausrüstungszauberkarte von meinem Deck zu gewähren.“
      Auch diese hielt er Ricther praktisch vor die Nase. „Du stimmt mir sicher zu, dass [El Shaddoll Winda] in ihrem derzeitigen Zustand keinen würdigen Gegner für dein Monster darstellt. Daher rüste ich sie mit [Fusion Weapon] aus.“
      Der lange Holzzauberstab, den das grünhaarige Mädchen auf dem Drachen mit sich führte, wurde durch einen magischen, rot leuchtenden Elektroschocker ausgetauscht, zu dem sich ihr rechter Arm verformte.

      El Shaddoll Winda [ATK/2200 → 3700 DEF/800 → 2300 (5)]

      „Das sollte genügen“, sagte der Sammler mit einem Lächeln auf den Lippen, „daher befehle ich den Angriff auf dein Monster.“
      Ricther, den der satte 1500-Punkte-Boost eiskalt erwischt hatte, hob schützend den Arm mit seiner Klingen-Duel Disk an. Denn Winda hob ihren transformierten Arm und schoss daraus dutzende Blitze, die überall um ihn und sein Kristallmonster herum einschlugen. Jenes explodierte lautstark und ganze Brocken drohten auf Ricther hinabzustürzen.

      [Ricther: 4000LP → 3300LP / Collector: 4000LP]


      Jener reagierte jedoch und hob seine Waffe über den Kopf, von der sich aus ein großer Rundschild ausbreitete, auf welchem die Trümmer laut polternd abprallten.
      „Hmpf“, schnaubte Ricther und ließ den Arm sinken, als alles vorüber war. Der Schild zog sich wieder zurück. „Wenn [Different Dimension Deity – Lastelise] zerstört wird, wählt sie eine verdeckt verbannte Karte aus. Sollte noch ein Exemplar davon in meinem Deck existieren, erhalte ich dieses.“
      Aus seiner Schwertspitze stieg eine einzelne Karte auf, die er sich schnappte und betrachtete, bevor er sie seinem Gegner präsentierte. „[Different Dimension Deity – Vem]. Von ihm besitze ich nur eine Ausführung.“
      „Daraus schließe ich, dass du das volle Potential dieses Effekts nicht erfasst hast. Nur ein Exemplar einer Karte zu spielen, wenn es Karten in deinem Deck gibt, die auf mehrere angewiesen sind“, sprach der Sammler, ohne jedoch dabei arrogant zu klingen, „erscheint mir leichtsinnig. Ich beende meinen Zug.“

      Schnaubend zog Ricther auf. Ohne Vorwarnung lösten sich zehn Karten aus dem Deck an der Unterseite seines Schwertes und zischten der Reihe nach in die Höhe.
      „Durch das verdeckt Verbannen von zehn Karten aus meinem Deck“, begann der Undying, vor dem sich ein rötlicher Dimensionsriss öffnete, in dem seine Karten verschwanden, „kann ich dieses Monster spezialbeschwören. Erscheine, [Different Dimension Deity – Ubriq]!“
      Zehn pechschwarze, matte Kristallpfeiler schossen um ihn herum aus dem Parkett in die Höhe, von denen sich acht wie eine Blüte aneinanderreihten. Zwei weitere positionierten sich in deren Mitte, wodurch das Gebilde sich im Anschluss wie ein Rad zu drehen begann.

      Different Dimension Deity – Ubriq [ATK/0 DEF/3500 (10)]

      Ricther streckte den Arm nach vorne aus. „Ich setze [Different Dimension Deity – Ubriqs] Effekt ein und biete diesen als Tribut an.“
      Genau zwischen den beiden Teilstücken des Zentrums bildete sich ein blaues Energiefeld, aus dem die Pupille eines Auges durchschimmerte. Jenes blitzte auf. Dann lösten sich die 'Blüttenblätter' der Reihe nach in leuchtende Funken auf, während die zwei Pfeiler in der Mitte zu rotieren begannen.
      „Dadurch erhalte ich sofort eine andere Different Dimension Deity. Ich wähle Astellante.“
      Unterhalb seiner Schwert-Duel Disk schoss eine einzelne Karte aus seinem bereits ziemlich ausgedünnten Deck, welche Ricther in einer umständlichen Bewegung zog und vorzeigte. Das unablässige Lächeln seines Gegners brachte ihn dabei nicht in Schwanken.
      „Für weitere zehn Karten meines Decks, die verdeckt verbannt werden, kann ich diesen sofort beschwören.“ Kaum hatte Ricther das gesagt, knallte er die Karte auf seine Klinge.
      Doch anstatt einer Animation, erwartete ihn eine Meldung auf seiner Lebenspunkteanzeige, welche kurzzeitig überblendet wurde: ERROR. „Das ist …?“
      „Wie nachlässig von mir“, heuchelte der Sammler, „habe ich nicht erwähnt, dass [El Shaddoll Winda] die Spezialbeschwörungen, die ein Spieler pro Zug durchführen kann, auf eine einzige limitiert?“
      Der Undying sah alarmiert auf. „Dann kann ich keine Monster mehr beschwören!“
      „Natürlich nicht. All deine Gottheiten basieren auf Spezialbeschwörungen.“ Der Sammler sah an sich herab und bemerkte einen Fussel, den er mit verzogener Mimik von seiner Schulter weg schnippte. „Ich befürchte, ich habe gerade deinen One Turn Kill unterbunden.“
      Mehr noch, erkannte Ricther. Denn jetzt war er vollkommen ungeschützt …

      ~-~-~


      Der stechende Schmerz in Anyas Magengrube nahm zu, doch das Mädchen biss die Zähne zusammen, kniff ein Auge zu und funkelte ihre maskierte Gegnerin Kali hasserfüllt an. Im riesigen Ephemeria Bridge Stadium, dort wo die Vorrunden des Legacy Cups stattgefunden hatten, standen sie einander gegenüber. Nur das Mondlicht erhellte das offene Stadion mit seinen Reihen von nummerierten Spielfeldern.
      „Zug beendet“, verkündete Kali grimmig.
      Über ihr flogen zwei riesige Mechavögel. Um den einen, eine fette, gepanzerte Taube, kreiste eine Lichtsphäre. Durch einige winzige Spalten an ihren Flügeln, geschützt von weißen Energiebarrieren, konnte man ihr mechanisches Inneres sehen. Neben ihr verharrte ein ebenso im Mondlicht glänzender Fink, vergleichbar gut gepanzert, an dessen Gliedmaßen gelbe Kraftfelder die Zahnräder und Getriebe abschirmten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Dove [ATK/500 DEF/2500 {4} OLU: 1]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Finch [ATK/2500 DEF/0 (4)]

      Aber Anya musste sich nicht hinter ihrem eigenen Monster, einem riesigen Drachen, verstecken. Die Bestie war an ihrem langen Körper überall mit Hörnern bespickt, die nur durch ihre scharfen Fänge in den Schatten gestellt wurden.

      First Of The Dragons [ATK/2700 DEF/2000 (9)]

      Keine der beiden Duellantinnen kontrollierte eine verdeckte Karte, doch Kali hielt mit fünf Karten zwei mehr auf der Hand als Anya. Dafür lag jene in Punkto Lebenspunkte vorn.

      [Anya: 3700LP / Kali: 3400LP]


      „Mehr kannst du nicht?“, provozierte die sofort und riss eine Karte von ihrem Deck. „Langweilig! Mein Zug, Draw!“
      Wieder ein Monster, wie sie aus den Augenwinkeln bemerkte. Ihr ganzes Blatt war voll von Monsterkarten. Doch Moment …
      „Heh. Damit lässt sich doch was anfangen.“ Schlagartig formte sich ein bitterböses Grinsen auf ihren Lippen. Wie in ihren schlimmsten Zeiten funkelte sie Kali an. „Schon mal von einem Hüter eins auf die Fresse bekommen? Nein? Das müssen wir ändern!“
      Flink zog sie noch ein anderes Monster aus ihrem Blatt und zeigte beide zusammen vor. „Ich aktiviere [Gem-Knight Jasper] mit dem Pendelbereich 2 und [Gem-Tiger] mit dem Pendelbereich 8! Pendulum Scales set!“
      Ihre Gegnerin fiel aus allen Wolken. „Was!? Seit wann gibt es solche Gem-Knights!?“
      Voller Schrecken, wie es schien, folgte sie mit ihrem Blick den links und rechts neben Anya auftauchenden Monstern. Dies waren ein Ritter in rötlicher Rüstung, welcher eine lange Hellebarde führte und ein weißer Tiger, von dessen Rückgrat bis zum Schweif eine Spur aus Diamanten gezogen war. Beide stiegen in blauen Lichtsäulen gen Nachthimmel auf, bis sie mehrere Meter über dem Erdboden in der Luft verharrten.
      „Das muss ein Irrtum sein. Ich-“, keuchte Kali aufgelöst.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>


      Während unter den beiden Monstern die Zahlen 2 und 8 in verzerrter Form erschienen, öffnete sich über ihnen ein riesiges Portal, um das sich dutzende Lichtellipsen schlossen.
      „Pendulum Summon!“, donnerte Anya majestätisch. „Von meiner Hand: [Gem-Knight Lapis]! Und aus meinem Extradeck: [Gem-Knight Pyrite]!“
      Zwei rote Lichtstrahlen schossen aus dem Pendelportal und schlugen vor Anya ein. Dort nahmen sie die Gestalt des weißen Ritters an, der an jedem seiner Arme eine Hälfte seines riesigen Rundschilds führte sowie die einer kleinen Kriegerin, die in einer beigefarbenen Rüstung steckte und unbewaffnet war.

      Gem-Knight Pyrite [ATK/0 DEF/2800 (6) PSC: <8/8>]
      Gem-Knight Lapis [ATK/1200 DEF/100 (3)]

      Anya sog den Anblick ihrer entsetzten Gegnerin förmlich in sich auf. Scheinbar hatte sie das Miststück eiskalt erwischt. Die würde sich umsehen, denn das Mädchen war noch längst nicht fertig, wie sich zeigte, als sie noch ein Monster aus ihrem Blatt ausspielte. „Und als Normalbeschwörung [Kuriboss] hinterher, der mit seiner Stufe 1 nicht als Pendelbeschwörung gerufen werden konnte!“
      Zwischen ihren beiden Rittern tauchte ein kleiner, brauner Fellball auf, um dessen Schultern ein graues Cape hing. Als Anführer der Kuribohs war es nur passend, dass er eine Sonnenbrille trug.

      Kuriboss [ATK/300 DEF/200 (1)]

      Demonstrativ streckte Kali ihre rote V-Duel Disk vor sich. „Was soll das werden? Seit wann spielt man ein Gem-Knight-Deck auf diese Weise!?“
      „Bist wohl nicht auf dem neuesten Stand, was?“, feixte Anya.

      Scheinbar weiß sie nichts von dem neuen Structure Deck. Damit ist ihr Vorwissen praktisch nichtig.

      Levrier, der es diesmal vorzog, nicht zu erscheinen, traf den Nagel auf den Kopf. Niemals rechnete Kali mit der Vielfalt, die Anyas Deck durch die zahlreichen Kämpfe und den Beistand ihrer Freunde gewonnen hatte. Ein Spektrum, das dem der Celestial Gears gleich kam!
      „Sieh hin, Miststück!“, forderte Anya und streckte den Arm nach oben. „Und sieh gut hin! Ich stimme meinen Stufe 1-Kuriboss auf meinen Stufe 6-Pyrite und meine Stufe 3-Lapis ein!“
      Als Erstes flog ihr Fellball in die Höhe, gefolgt von den beiden Rittern.
      „A heart of iron rests within the void of time and space! One beat, powerful enough to reverse the laws of nature!“
      [Kuriboss] zersprang in einen grünen Lichtring, der direkt nach oben flog. Im Gegensatz dazu verwandelten sich Pyrite und Lapis in insgesamt neun grüne Lichtkugeln, die den Kreis durchquerten. Ein Blitz schoss durch diesen hindurch und blendete Kali.
      „Synchro Summon! Break loose, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]!“
      Der Titan erhob sich hinter Anya. Mühelos ragte er durch das offene Dach des Stadions hindurch. Stolz schwoll Anya die Brust an, genau wie der Metallroboter, auf dessen Brust ein silbernes T prangerte. Sein Helm war mit vier Hörnern versehen, welche ineinander verworren nach vorne zeigte. Aber die Fäuste übertrafen alles, waren sie mit elektrischen Entladungen an den Armen gekoppelt und beinahe so groß wie Autos.
      Anya strahlte diabolisch. „Endlich zeigt er mal seine wahre Gestalt. Der Kumpel hier bekommt übrigens bis zur End Phase für jedes verwendete Synchromaterial 500 Angriffspunkte!“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4500 DEF/0 (10)]

      Ihre Gegnerin fiel aus allen Wolken. „Du machst wohl Witze!“
      „Nope. Und was ich dir jetzt sage, wird noch viel weniger lustig für dich! Denn ich greife jetzt mit Heavy T dein fettes Xyz-Monster an! Gravity Reverse!“
      Der cyanfarbene Riese streckte seine rechte Hand aus, in der eine Energiekugel eingesetzt war und bläulich glühte. Und ruckartig wurde Kalis [Celestial Gear – Synthetic Armored Dove] von ihrer Position in Richtung des Feindes gezogen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Dove [ATK/500 DEF/2500 {4} OLU: 1]

      „Nein!“, stieß Kali einen entsetzten Schrei aus, als sie bemerkte, dass ihr Monster die Position gewechselt hatte. „Was wird das!?“
      „Gravity Reverse wechselt das angegriffene Monster automatisch in den Angriffsmodus.“ Anyas Grinsen verschwand überraschenderweise. „Selbst mit dem Punktebonus, den Dove von deinem verbannten [Banished Power Gear] erhält, wird das ausreichen. Sicher, dass du mir nicht sagen willst, warum du mich hasst?“
      Wie von einem Magneten angezogen raste die Mechataube auf den Metallkoloss zu. Doch Kali schüttelte den Kopf. „Nur wenn ich dich besiege! Effekt von Dove! Ich hänge ein Xyz-Material ab, um die Angriffskraft eines Monsters um 500 zu erhöhen! Doves!“
      „Hm!?“ Anya runzelte die Stirn, als die letzte Lichtkugel gerade noch in den Brustpanzer ihres Besitzers verschwand. Dann kam die Erkenntnis. „Shit!“
      Aus dem Inneren des Monsters konnte man deutlich hören, wie die Getriebe auf Hochtouren liefen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Dove [ATK/500 → 1500 DEF/2500 → 3000 {4} OLU: 1 → 0]

      Kaum war sie in Reichweite, holte Heavy T mit der anderen Faust aus und schmetterte diese so fest in die Taube, dass diese in tausend Teile zerbrach, die überall um Kali herum das Spielfeld bombardierten. Die wich geschickt tänzelnd den Trümmern aus, die sie ansonsten erschlagen hätten.

      [Anya: 3700LP / Kali: 3400LP → 400LP]


      Schließlich sank der Titan in die Knie.
      „Die gute Nachricht für dich ist, dass Heavy T nach dem Angriff in den Verteidigungsmodus wechselt“, erklärte Anya grimmig, „nochmal Glück gehabt. Da dein Finch mit dem Boost deiner Zauberkarte stärker wäre als [First Of The Dragons], wechsle ich auch dessen Position.“
      Anya drehte dessen Karte in die Horizontale, wodurch dieser hinter ihr auf der Schulter ihres anderen Monsters landete und schützend die Schwingen um sie beide legte. „Zug beendet, womit der Boost von Heavy T nachlässt.“

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4500 → 3000 DEF/0 (10)]
      First Of The Dragons [ATK/2700 DEF/2000 (9)]

      „Das war fast gut, aber von jemandem wie dir würde ich mich niemals besiegen lassen“, keifte Kali zornig und riss eine Karte von ihrem Deck. „Draw! Ich beschwöre [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker]!“
      Neben ihrem Mechafinken zeichnete sich mit Lichtlinien nach und nach ein schlanker Artgenosse, dessen spitzer Schnabel sowie der kleine Kamm von magentafarbenen Energiebarrieren umgeben waren, die das Innenleben abschirmten.

      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker [ATK/1800 DEF/1300 (4)]

      „Einmal pro Zug kann ich mit ihm sofort eine Karte in meiner Hand zerstören. Und ich wähle [Celestial Gear – Synthetic Eagle]!“
      Anya kannte dieses Monster bereits, es handelte sich um ein Stufe 5-Monster. Woodpecker drehte sich um und stieß mit seinem Schnabel nach der Karte, die Kali vorzeigte. Es lärmte dabei, als ob ein Presslufthammer am Werk war und die Karte in der Hand ihrer Gegnerin zersprang, ohne dabei paradoxerweise zu verschwinden. Das gefiel der Blonden nicht. „'kay, damit kann sie 'ne Menge Unsinn anstellen.“
      „Du kennst mein Monster also. Dann weißt du ja, dass ich es als Spezialbeschwörung von meiner Hand rufen kann, indem ich ein anderes Celestial Gear auf dem Feld verbanne. Verschwinde, Woodpecker!“
      Ihr gewaltiger Maschinenspecht löste sich in hellblauem Licht auf, welches dutzende, gleichfarbige Lichtpunkte über der selbsternannten Dämonengöttin bildete, die sich mit zahlreichen Linien miteinander verbanden und so ein neues Monster zeichneten. Die Spannweite der Flügel des neuen Mechavogels war noch breiter, der Körper gewaltiger und trotzdem unverkennbar agil. Durch eine himmelblaue, durchsichtige Schicht war auch bei ihm der Blick auf das mechanische Innenleben gewährt.
      „Wenn [Celestial Gear – Synthetic Eagle] durch seinen eigenen Effekt beschworen wird, nimmt er die Stufe des verbannten Monsters an“, erklärte Kali zufrieden.

      Celestial Gear – Synthetic Eagle [ATK/2500 DEF/1000 (5 → 4)]

      „Was konnte das Teil nochmal, wenn es per Rückbeschwörung gerufen wurde?“, überlegte Anya.
      „Eagle negiert für diesen Zug die Effekte aller offenen Monster und auch die jener, die im Friedhof liegen!“, bekam sie prompt eine Antwort. „Das bedeutet, dass auch dein [Kuriboss] dir nicht helfen können wird!“
      Die Augen des Mechaadlers begannen rot aufzuleuchten, bis in regelmäßigen Abständen kaum sichtbare Wellen von ihnen ausgingen. Als jene Anyas Monster erreichten, sackten diese kraftlos in sich zusammen, wobei zumindest Heavy T in seiner knienden Position nicht auf das Mädchen herabstürzte. Der erste Drache hingegen konnte sich nicht mehr halten und fiel seitwärts von der Schulter des Riesenroboters.
      „Kch, das war's also.“ Anya runzelte die Stirn. Irgendetwas kam ihr an Kalis Reaktion merkwürdig vor. Natürlich! „Woher wusste sie, dass [Kuriboss] im Friedhof erst richtig nützlich ist? Sie hat nicht nachgeschaut.“

      Vielleicht hat sie deine Duelle studiert. Bedenke, dass sie im Fernsehen übertragen wurden.

      „Hmm. Stimmt …“
      Ihre Gegnerin bezog dazu jedoch keine Stellung. Im Gegenteil, sie nahm eine Zauberkarte aus ihrem Blatt und führte sie in die V-Duel Disk ein. „Ausrüstungszauber [Conversion Fuse]!“
      Vor ihrem Adler sammelten sich Lichtpartikel, die einen kleinen, zylindrischen Gegenstand bildeten. In seinem Inneren leuchtete das Licht, wobei die Unterseite dem Sockel einer Glühbirne ähnelte. Die Sicherung verschwand ruckartig in [Celestial Gear – Synthetic Eagles] Brust.

      Celestial Gear – Synthetic Eagle [ATK/2500 → 3500 DEF/1000 (4)]

      „Warte mal!“ Düstere Erinnerungen wurden wieder in Anya wach. Im Turm von Neo Babylon, dem Kristallsaal, sie sah dieses Vieh, wie es zwei grell leuchtende Wirbelstürme in Richtung des Schnöselkinds Henry losließ. „Shit!“
      Dazu erklang Isfanels Stimme, seine Worte von damals, in ihrem Kopf.

      [Celestial Gear – Synthetic Eagle] fügt, wenn er ein Monster angreift, Durchschlagschaden zu. Nach dem Mädchen folgt nun der Nächste. Los, Celestial Stormburst!

      „Na, dämmert's dir endlich?“ Kali verschränkte die Arme voreinander. Geradezu majestätisch zählte sie Anya die Fakten auf. „Ganz recht, [Conversion Fuse] verstärkt ein Maschinenmonster um 1000 Angriffspunkte. Eagle fügt Durchschlagschaden zu. Heavy Ts Verteidigung ist gleich 0 und Eagle bekommt noch 500 Angriffspunkte obendrauf dank [Banished Power Gear].“
      Die letzten Worte verließen voller Genuss ihre Lippen. „4000 zu 0. Sieht so aus, als würdest du gleich erfahren, was mich antreibt. Los, [Celestial Gear – Synthetic Eagle], greife ihren Megaschrotthaufen an und hol' mir den Sieg!“
      Voller Schrecken verfolgte Anya mit, wie der Maschinenadler seine Schwingen bis zum Maximum spreizte, um dann dieselben zwei Wirbelstürme zu entfachen, die sie in ihren Gedanken auf Henry hatte zurasen sehen.

      Celestial Gear – Synthetic Eagle [ATK/3500 → 4000 DEF/1000 → 1500 (4)]

      Panisch sah Anya auf ihr rotes D-Pad, doch da waren keine gesetzten Karten, die ihr hätten helfen können. „Fuck! Was jetzt!?“
      „Ganz einfach“, antwortete ihr Kali, „stirb, wie du es schon längst hättest tun sollen!“

      ~-~-~


      „Ich setze eine Karte. Damit ist mein Zug beendet“, verkündete Nigel, während zu seinen Füßen ein vergrößerter Kartenrücken auftauchte.
      Das Antlitz der mindestens zwei Meter großen, vierbeinigen Felsenechse, die vor dem rothaarigen Manager und Dämon verharrte, strahlte nicht weniger Ehrgeiz aus als das von Zanthe, welcher sich aufrappelte und eine kämpferische Pose einnahm.

      [Zanthe: 2600LP / Nigel: 4000LP]


      Er selber kontrollierte nur seine dauerhafte Zauberkarte [Constellar Star Chart]. Was angesichts des starken Monsters gegenüber nicht so bleiben durfte.

      Phantom Beast Rock-Lizard [ATK/2800 DEF/2000 (7)]

      Jedoch war es jetzt sein Zug und den würde er nutzen, um diesem selbstgerechten Dämon zu zeigen, dass er nicht umsonst als Hüter auserkoren wurde. Von seinem Bruder …

      Betrübt blicke Zanthe herüber über den Hang, auf dem das Grundstück der McPhersons stand. Dort drüben, in der Ferne, funkelte Ephemeria City wie ein Edelstein im Sonnenlicht, obwohl es schon lange dunkel geworden war. Sein Blick wanderte herüber zu Claire Rosenburg, die etwa zwei Meter seitlich von ihrem Meister regungslos verharrte und nicht ahnte, dass sie dort nicht alleine war. Hinter ihnen lag das weiße, typisch amerikanische Haus des Dämons und seiner Familie.
      Was Zanthe zu der Frage brachte, um welche Art von Wesen es sich bei Nigel überhaupt handelte. Ihm erschien es zwar nicht als absurd, auch als Dämon eine Familie zu gründen, doch die wenigstens taten dies in der Realität. Die Gründe waren vielfältig. Manche vermochten es nicht ob ihres Aussehens, andere fürchteten um die Sicherheit ihres potentiellen Fleisch und Blutes, viele hatten auch einfach kein Interesse, da ihnen schlichtweg die emotionalen Komponenten für so ein Bedürfnis fehlten.

      „Ich bin dran. Draw“, murmelte er leise vor sich hin, abgelenkt von seinen Gedanken. Erst als er die gezogene Karte betrachtete, fand er wieder in das Duell. Denn er spielte sie, und noch eine weitere von seiner Hand, gleich aus. „Da du Monster kontrollierst und ich nicht, kann ich dieses hier als Spezialbeschwörung beschwören. Und dazu kommt gleich noch eine Normalbeschwörung!“
      Beide Monster wurden in seinen Duell-Handschuh eingelegt. Kurz darauf erschienen zwei kleine Schlüssel vor ihm, die er zwischen Mittel- und Zeigefinger sowie Ring- und Mittelfinger in die Hand nahm. „Open a door to the Water-Bearer! [Constellar Siat]! Open a door to the Archer! [Constellar Kaus]!“
      Zanthe schleuderte die Schlüssel nach vorn. Im Flug bildeten sich von ihnen ausgehend kreisrunde Portale, in die diverse Schichten von Sternzeichensymbole eingelassen waren. Beide zersprangen zeitgleich und gaben die gerufenen Monster frei. So war Siat ein in Weiß gekleideter Jüngling, dessen Gesicht von einem Helm geschützt wurde und welcher einen riesigen Wasserkrug mit beiden Händen über den Kopf trug. Neben ihm landete ein ebenso weißer Zentaur, der einen goldenen Bogen spann.

      Constellar Siat [ATK/100 DEF/1600 (1)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4)]

      Zanthe, dem durch das blaue Kopftuch eine schwarze Haarsträhne im Gesicht hing, streckte voller Ehrgeiz die Hand nach vorne aus. „Kaus kann dank seines Effekts bis zu zweimal pro Zug die Stufe eines Constellars erhöhen oder senken. Aber das wird er nur einmal, auf sich selbst. Danach nutze ich Siats Effekt, der Kaus' Stufe kopiert!“
      Besagter Zentaur richtete seinen Bogen gen Himmel und schoss genau einen goldenen Pfeil ab, der nach ein paar Sekunden im steilen Sinkflug auf ihn herab sauste und in ihm verschwand. Gleich danach ließ Siat aus seinem riesigen Krug schimmerndes Wasser über sich laufen.

      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4 → 5)]
      Constellar Siat [ATK/100 DEF/1600 (1 → 5)]

      „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network!“, rief Zanthe mit noch immer nach vorne gestreckter Hand aus. In dieser materialisierte sich ein schwert-großer, goldener Schlüssel. „Aus zwei Stufe 5-Lichtern wird ein gleißender Stern! Rang 5!“
      Kaus und Siat verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen, welche von der Spitze der Waffe in Zanthes Hand absorbiert wurden. Jenen rammte er in den Boden und brach damit das um den Einstiegspunkt entstehende Runensiegel. „Xyz-Summon! [Constellar Pleiades]!“
      Sofort schoss vor ihm ein weißer, eleganter Krieger von kräftiger Statur aus dem Portal, bewaffnet mit einem langen Schwert, das er aber mit der Klinge nach unten zeigend hielt. Auf seinem Rücken thronte eine Art Platte, die insgesamt sieben Spitzen aufwies und ein wenig wie ein Stern anmutete. Dabei wurde er von zwei leuchtenden Sphären umkreist.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2]

      „Das löst den Effekt von [Constellar Star Chart] aus“, verkündete Zanthe. Über ihnen, am Sternenhimmel, leuchtete das Wappen der Constellar auf, welches aussah wie ein Stern, der in einem zweiten, größeren lag. „Denn da ein Constellar-Xyz beschworen wurde, darf ich ziehen!“
      Gesagt, getan. Zanthe riss eine Karte von seinem Deck, womit er wieder drei auf der Hand hielt.
      „Ich habe Pleiades nicht umsonst gerufen“, sagte Zanthe entschlossen und zog eines der beiden Xyz-Materialien unter diesem hervor, „für eine Overlay Unit kann er eines deiner Monster zurück auf die Hand geben. Los!“
      Eine der leuchtenden Sphären verschwand daraufhin in dessen Klinge.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2 → 1]

      Sein heiliger, weißer Krieger warf seine Klinge in die Luft und fing sie mit der anderen Hand auf, doch nicht, ohne dabei eine 360°-Drehung durchzuführen. Dabei löste sich von seinem Schwert eine Schockwelle, die in die Felsechse einschlug und sie zum Explodieren brachte.
      Was Zanthe merkwürdig vorkam. „Moment, wurde-!?“
      Weiter kam er nicht, den in diesem Augenblick schossen aus der Rauchwolke spitze Felsbrocken, die zuerst den Sternenkundler durchbohrten und sich dann ihren Weg zu Zanthe bahnten, der erschrocken den Arm hob. Einem strömenden Regen gleich, prasselten sie an jenem ab, hinterließen blutige Risse in seiner Jacke und auf der Hand.
      „Gahhh!“, schrie der Werwolf gequält und wich zurück, hielt sich den blutenden Arm. „Wie-!?“

      [Zanthe: 2600LP → 600LP / Nigel: 4000LP]


      Der Rauch löste sich auf und noch immer verharrte dort [Phantom Beast Rock-Lizard], doch verschwamm immer mehr vor Zanthes Augen. Was nicht an ebenjenen lag, denn der Kopftuchträger sah alles andere glasklar. Dementsprechend bemerkte er sie erst jetzt, die aufrecht stehende Falle von Nigel. Und die verschwommene Felsechse verschwand endgültig. An ihrer Statt tauchte ein anderes Monster auf, eines, das Zanthe bereits kannte – das weiße, mit vier goldenen Schwingen ausgestattete Vogeleinhorn. Es glühte in weißer Aura auf, da [Phantom Beast Cross-Wing] auf Nigels Friedhof dafür sorgte, dass jedes Phantomungeheuer 300 Angriffspunkte erhielt.

      Phantom Beast Ascension-Patron [ATK/2000 → 2300 DEF/2500 (6)]

      „[Phantom Illusion]“, betitelte Nigel seine Falle seelenruhig, „wird ein Wesen wie [Phantom Beast Rock-Lizard] zum Ziel eines Karteneffekts, wird dieser insofern überschrieben, dass sowohl Anwender, als auch das Ziel selbst zerstört werden.“
      Demonstrativ ließ Claire Rosenburgs bärtiger Manager den Arm zur Seite ausschwenken. „Dadurch wird gleichzeitig [Phantom Beast Rock-Lizards] dritte besondere Fähigkeit aktiviert. Da es trotz allem deine Karte war, die sie zerstört hat, fügt sie dir 2000 Punkte an Schaden zu.“
      Er ballte die ausgestreckte Hand zu einer Faust und zog jene wieder an sich. „Doch damit endet es noch nicht. Im Anschluss beschwört meine Falle ein Monster von meinem Friedhof, dessen Original-Angriffskraft schwächer ist als die des zerstörten Monsters. Einer Illusion gleich, die dich getäuscht und ins Verderben geführt hat.“
      Deshalb, so dachte Zanthe, war Nigels Fusionsmonster also zurück. Und er, er hatte nicht nur massiven Schaden genommen, sondern auch noch Pleiades verloren.
      „Da hat wohl jemand nicht ganz fair gespielt“, schloss er grimmig aus der Tatsache, dass die ganze Aktion günstiger für Nigel kaum hätte ausgehen können, „gib's endlich zu, du nutzt die Kraft deines Paktes. Ist sie deshalb hier?“
      Er deutete dabei auf Claire, die die ganze Zeit über noch nicht ein Wort gesprochen hatte.
      Als der Dämon jedoch nicht antwortete, schüttelte Zanthe den Kopf. „Was verbindet ausgerechnet euch beide eigentlich? Die eine macht sich selbst zu einem Zombie und du? Was hast du von diesem Handel?“
      Bevor er Nigel antworten ließ, fügte er noch hinzu: „Ich setze eine Karte. Das war's erstmal!“
      Seine Falle tauchte mit dem Bild nach unten vor ihm liegend auf. Sie war alles, was ihn noch vor der Niederlage bewahren konnte. Wodurch sie, sollte seine Annahme sich bewahrheiten, jeden Moment zerstört werden würde, bevor er sie einsetzen konnte …

      „Draw Phase.“ Nigel McPherson zog auf eine vierte Karte auf.
      „Der Pakt basiert-“, begann Claire plötzlich in ihrer monotonen Stimmlage, als ihr Mentor den Arm in ihre Richtung ausstreckte und sie zum Schweigen brachte. „Nicht. Lass mich das erklären.“
      Zanthe biss die Zähne zusammen und blendete den schmerzenden Arm aus, um sich auf die Worte seines Gegenübers zu konzentrieren.
      „Nicht jedes Wesen ist vollständig“, sagte Nigel an den Werwolf gewandt, „manchen fehlt etwas, etwas Essentielles.“
      „Wovon sprichst du? Wir alle haben unsere Fehler“, verstand Zanthe nicht.
      „Claire wurde in eine arme Familie hineingeboren. Vor etwa drei Jahren hätten sie und ihre Familie beinahe alles verloren. Um das zu vermeiden, hat sie nach Hilfe verlangt.“
      „Ich möchte wetten, dass sie damit nicht dich angesprochen hat“, kommentierte Zanthe die Geschichte ungewohnt gallig.
      Nigel schüttelte den Kopf. „Das mag sein, doch ich war der Einzige, der sie gehört hat. Und ich war imstande, ihren Wunsch nach Erfolg und Reichtum zu erfüllen.“
      „Indem du ihr ihre Seele genommen hast?“ Um seine Anschuldigung zu unterstreichen, hämmerte sich Zanthe mit der unverletzten linken Hand, die in dem Duell-Handschuh steckte, gegen die Brust, „dank dir ist sie jetzt so! Nichts als eine Puppe, die deinen Kommandos folgt!“
      „Sie hat eingewilligt, als Preis für den Pakt ihre Emotionen herzugeben.“
      „Wozu!?“, wurde Zanthe lauter und lauter. „Wieso sollte jemand auf das verzichten, was ihn menschlich macht!? Und was hast du davon!?“
      Der Mann im Anzug warf einen Blick über die Schulter. „Das.“
      Er sah sein Haus an. Und lächelte. Doch als er sich Zanthe wieder zu wandte, war davon nichts mehr zu sehen. „Ich sagte bereits, manche Wesen sind unvollständig. Ich habe diese Welt als Mensch betreten, doch ich war nie einer. Mir fehlte eine wichtige Eigenschaft: Emotionen.“
      „Emotionen?“, flüsterte Zanthe perplex.
      „Nicht mein einziger Makel. Aber mein größter. Die Welt um mich herum war grau. Es war mir unbegreiflich. Mein einziges Bestreben lag darin, mich selbst zu erhalten.“ Nigel sah zu Claire herüber. „Zwar wusste ich immer, dass Menschen zu Emotionen imstande sind, doch waren sie mir völlig fremd. Bis dieses Mädchen mir erklärte, dass ich, um diese Welt zu verstehen, Gefühle benötige.“

      Langsam begann Zanthe zu begreifen. Und das Bild, das sich vor ihm zeichnete, schürte nur den Zorn auf Nigel. „Also hast du ihr die ihren genommen … um sie dir einzuverleiben?“
      „Es war ihr Teil des Handels.“
      „Und was hat sie dafür bekommen!? Reichtum, Ruhm!?“, fauchte Zanthe aufgewühlt. „Dinge, an denen sie sich nicht einmal mehr erfreuen kann, weil du ihr genau das genommen hast!? Jegliche Freude!?“
      Zum ersten Mal funkelte Claires Manager Zanthe an, als stecke in ihm tatsächlich so etwas wie ein Mensch. Wut. Brennende Wut, die er jedoch geschickt unterdrückte. „Ein Pakt ist ein Geben und Nehmen. Die Entscheidung, ihn zu schließen, obliegt einzig den betroffenen Parteien.“
      Zanthe schrie förmlich. „Das ist doch Schwachsinn! Red' dich nicht damit raus, einen Pakt geschlossen zu haben! Du hättest auch etwas anderes von ihr verlangen können! Stattdessen nutzt du sie aus, um dir selbst ein schönes Leben zu gönnen! Oder willst du mir erzählen, dass du nicht von ihrem Ruf profitierst?“
      „Durch sie habe ich etwas gewonnen, dass ich sonst nie hätte haben können“, presste Nigel voller unterdrücktem Zorn hervor, „das werde ich mir nicht von dir oder Anya Bauer nehmen lassen.“
      „Auf eins kannst du dich verlassen“, zischte Zanthe giftig, „wenn ich mit dir fertig bin, nehme ich das Mädel mit und kümmere mich um sie. Irgendjemand muss sie aus deinen Fängen befreien!“

      „Das lasse ich nicht zu!“, donnerte Nigel aufgebracht. „Ich beschütze Claire, das war die Abmachung. Was du als verwerflich betrachtest, ist von uns beiden so gewollt!“
      Zanthe schwang den gesunden Arm aus. „So will keiner leben! Das ist kein Leben!“
      „Wer bist du, um das zu entscheiden!?“
      „Ein Mensch!“
      „Bin ich keiner!?“
      „Wenn, dann nur durch sie!“, überschlug sich Zanthe förmlich und deutete auf Claire, die allem regungslos beiwohnte. „Aber sie lebt nicht, nur um dich anzutreiben! Sie hat ein eigenes Leben verdient!“
      Der Rotschopf konterte: „ Etwa eines, das ihr nichts als Schmerz gebracht hat!?“

      Für einen Augenblick verstummte Zanthe und schnappte nach Luft. Doch das war schon genug, damit sein Gegner den Streit in eine andere Richtung lenken konnte. Und zwar zurück zum Ursprung. „Wenn du mir etwas antust, fügst du meiner Familie Schmerz zu. Sie wissen nichts von meiner Herkunft.“
      „Wenn ich nichts tue, verliere ich Anya“, erwiderte Zanthe bitter. Er sah wieder Claire an. „Und sie? Sie hat schon alles verloren.“
      „Sie hat mich. Du wirst nicht gebraucht.“ Ohne Vorwarnung knallte Nigel ein Monster auf sein rotes D-Pad. „Normalbeschwörung! [Phantom Beast Wild-Horn]!“
      Ein zwei Meter großer, aufrecht gehender Elchkrieger mit leuchtendem Geweih gesellte sich zum geflügelten Vogeleinhorn, welcher ebenfalls in weißer Aura aufzuleuchten begann.

      Phantom Beast Wild-Horn [ATK/1700 → 2000 DEF/0 (4)]

      „Dieser greift dich direkt an!“, rief Nigel aus und richtete seinen Zeigefinger auf Zanthe.
      Das humanoide Monstrum stampfte eiligen Schrittes auf sein Ziel zu, holte dabei mit seiner Handaxt zum Schlag aus. Der Werwolf wiederum versuchte sich mit seinem Duell-Handschuh zu schützen – an dem plötzlich ein glänzender, silberner Rundschild auftauchte. Stein traf auf Metall.
      „Danke“, grinste Zanthe verschmitzt, „mithilfe meiner Falle [Draining Shield] absorbiere ich den Angriff doch glatt!“
      Tatsächlich wurden blaue Partikel aus dem Körper, insbesondere dem Arm des Kampfelchs, in Zanthes Schild gezogen.

      [Zanthe: 600LP → 2600LP / Nigel: 4000LP]


      Sein Gegner verschränkte die Arme. „Freu' dich nicht zu früh. Ich besitze noch ein Monster, das angreifen kann. [Phantom Beast Ascension-Patron], Radiant Lightning Horn!“
      Im gleichen Atemzug wich Wild-Horn zurück. Der Schild an Zanthes Handschuh löste sich auf, womit dieser dem heran stürmenden Vogeleinhorn schutzlos ausgeliefert war. Im Flug schlug ein Blitz in dessen Horn ein. Statt aber in Panik zu geraten, nahm Zanthe eine leicht gebeugte Haltung an und rollte sich unter dem Angriff hinweg.

      [Zanthe: 2600LP → 300LP / Nigel: 4000LP]


      Kaum hatte er eine kniende Position angenommen, blickte er prüfend über die Schulter um sicher zu gehen, dass er nicht von hinten attackiert wurde. Doch Nigels Monster kehrte lediglich auf dessen Spielfeldseite zurück.
      „Ich setze eine Karte. Damit bist du am Zug.“
      Während jene sich vor ihm materialisierte, erhob der Werwolf sich. „Whew, das hätte auch anders ausgehen können. Sag bloß, du hältst dich zurück?“

      „Nein“, entgegnete ihm der Mann unterkühlt. „Du hast es nicht durchschaut, nicht wahr?“
      „Deine Fähigkeiten?“ Zanthe fasste sich ans Kinn. „Du kannst andere täuschen. Claire besitzt durch den Pakt dieselbe Gabe, also-“
      „So funktioniert das nicht. Es sind beide Seiten der Medaille, die es zu berücksichtigen gilt.“
      Schulterzucken. „Wirklich?“
      Nigel streckte daraufhin die Hand nach vorne aus. In ihr erschien wie aus dem Nichts ein Kurzschwert mit gezackter Klinge. Sein Protegé tat genau dasselbe und auch sie hielt schlagartig eine identische Waffe in der Hand.
      „Durch den Pakt wurde ihr nicht nur meine Gabe zuteil, mehr noch, habe ich sie zu einer Subhüterin erwählt.“
      „Einer was?“ Erstaunt hob Zanthe die Augenbrauen an. „Davon habe ich noch nie etwas gehört.“
      „Überrascht dich das? Wer teilt schon so eine Bürde freiwillig? … oder die damit einhergehende Macht.“ Nigel ließ die Waffe in seiner Hand sinken, ebenso Claire. „Ein Hüter kann einen Teil seiner Kraft auf eine andere Person übertragen, doch nicht mehr als die Hälfte. Sollte der Subhüter fallen, kehrt die Macht zu ihrem Ursprung zurück.“
      War das der Grund, warum der Sammler Claire Rosenburg als Hüterin identifiziert hatte? Zanthe nickte. Natürlich! Aber das bedeutete auch … „Du hast sie benutzt … als Ablenkung.“
      „Das mag sein, doch sie ist genauso stark wie ich. Sie ist eine Ergänzung, kein Sündenbock.“
      „Von wegen“, winkte Zanthe zornig ab, „wieso solltest du sie mit so vielen Fähigkeiten vollpumpen?“
      „Um ihren Traum zu erfüllen. Du selbst weißt, dass jedes Artefakt eine besondere Fähigkeit besitzt, Zanthe“, sprach Nigel und schwang die Klinge in seiner Hand in Claires Richtung aus, „meine angeborene Fähigkeit täuscht die Außenwelt. Doch mein Artefakt …“
      Gespannt hörte der Werwolf zu. „… täuscht seinen Besitzer.“
      „Was?“
      „Wer diese Klingen besitzt, wird zu dem, was er sein will. Unbesiegbarkeit. Das hat sich Claire gewünscht. Und diese wird ihr vom Artefakt verliehen“, sprach Nigel düster, „doch so eine Form von Unbesiegbarkeit kann die Gesetze der Physik nicht ausschalten. Die innere Illusion muss mit einer äußeren einher gehen, damit sie sich vollkommen entfalten kann.“

      Zanthe weitete die Augen und begriff. Claire war der Überzeugung, unbesiegbar zu sein und dadurch passte sich ihr Deck der Situation an, die für sie am günstigsten war. Aber eine Duel Disk würde sofort Alarm schlagen, wenn sich die Reihenfolge der Karten im Deck veränderte. Was jedoch durch Nigels Eingriff verhindert wird.
      So kann sie jedes Duell gewinnen, ohne dass jemand bemerkt, wie sie sich ihre Welt zurechtbiegt!

      „Es ist alles eine Lüge“, presste Zanthe finster hervor. Jetzt, wo er die Zusammenhänge allmählich begriff, konnte er Anyas Enttäuschung nur zu gut verstehen. „Ihr macht den Menschen etwas vor, das gar nicht existieren kann.“
      „Aber genau das tut es.“
      „Aber es ist nicht echt! Alles ist gesteuert!“
      Nigel verzog keine Miene. „Und trotzdem geschieht es. Claire hat jeden ihrer Gegner besiegt. Und sie hätte auch Anya Bauer besiegt, doch ich zog es vor, sie vor ihrer Niederlage zu töten. Den Angriffen wäre sie gewiss entkommen.“
      „Und du hast dasselbe mit mir vor, was? Mich besiegen, indem du dir weismachst, dass du mich besiegen wirst!?“
      Doch er bekam einen starren Blick als Antwort. „Zwei Seiten einer Medaille …“

      Der Werwolf griff zähneknirschend nach seinem Deck. Dieser Mann, er war so skrupellos, dass es sein Blut zum Kochen brachte. Er nahm Claire ihre Gefühle, ihr Menschsein und benutzte sie zeitgleich als Ablenkungsmanöver, um potentielle Feinde in eine Falle zu locken, da sie glaubten, einer echten Hüterin gegenüber zu stehen. Unmöglich konnte diese junge Frau damit einverstanden sein, wäre sie Herrin ihrer Sinne. Und wenn niemand etwas unternahm, würde sie für immer so bleiben.
      Zanthe musste etwas tun. Er musste Nigel bezwingen!

      „Draw!“, schrie er aufgelöst und zog schwungvoll von seinem Deck. Sofort streckte er den Arm aus und rief: „Kennst du noch [Constellar Alrakis]? Der Tänzer hat eine zweiten Effekt und lässt sich damit vom Friedhof verbannen, um mich für diesen Zug Constellare, ohne dabei Tribute anbieten zu müssen, beschwören zu lassen!“
      Die geisterhafte, transparente Gestalt eines weißen Sternenritters mit langem Federschweif am Helm tauchte vor Zanthe auf und löste sich in schimmernde Lichtpartikel auf. Zanthe streckte die rechte Hand zur Seite aus, in der ein kleiner Schlüssel erschien. „Open a door to the Fish!“
      Von jenem erschloss sich ein kreisrundes, aufrecht stehendes Lichtportal, das verschiedene Ebenen astrologischer Symbole in sich eingearbeitet hatte. „[Constellar Alrescha]!“
      Jener weiße Krieger brach in diesem Augenblick aus dem Portal hervor und bezog neben Zanthe Stellung. In beiden Händen hielt er Schwerter mit zwei Klingen, spitz wie Nadeln.

      Constellar Alrescha [ATK/2200 DEF/1200 (6)]

      „Der besondere Effekt von Alrescha lässt mich sofort noch einen Constellar von meiner Hand in die Verteidigung beschwören“, erklärte dessen Besitzer und richtete den Arm mit geöffneter Handfläche nach vorne aus. Auf dieser tauchte noch ein Schlüssel auf. „Open a door to the Scorpion!“
      Zanthe warf den Schlüssel hoch in die Luft und fing ihn auf, um ihn zur Seite auszuschwingen, von wo aus sich noch ein Runenkreis bildete. „[Constellar Antares]!“
      Dieser platzte, wie zuvor sein Kamerad, aus dem Portal hervor. Von hoher Statur und äußerst schlanker Gestalt, wirkte er mehr wie eine Maschine, was dadurch betont wurde, dass er einen roten Energiespeer schwang, dessen Ende in einen Schlauch überging, welchen er in der anderen Hand hielt.

      Constellar Antares [ATK/2400 DEF/900 (6)]

      Durch jenen wurde plötzlich eine seltsame Masse gepumpt. Das offene Ende des Schlauches spuckte eine Karte in Zanthes Richtung aus, welche jener geschickt auffing. „Wird Antares beschworen, erhalte ich einen Constellar vom Friedhof zurück.“
      Er zeigte [Constellar Siat] vor. „Aber das ist noch lange nicht alles. Kennst du dich mit Inkarnationen aus?“
      „Ein wenig. Sie sind die Evolution eines Paktes zwischen Mensch und Dämon.“
      „Yeah. Aber was wäre, wenn es eine Inkarnation gäbe, die ohne eigene Vorstufe existiert. Und die dementsprechend nicht erst inkarniert werden muss?“ Zanthe funkelte Nigel an.
      Jener nickte. „So etwas kann nur existieren, wenn das Versprechen, auf dem der Pakt beruht, nicht erfüllt werden kann.“
      Der Blick des Werwolfs verfinsterte sich. „Deshalb also … Aber schön für dich, dass du Bescheid weißt. Dann wird dich das hier nicht überraschen! Ich errichte das Overlay Network! Open a gate to the Sacred Star Knights!“
      Alrescha und Antares verwandelten sich in gelbe Lichtstrahlen. Gleichzeitig öffnete sich vor Zanthe mitten auf dem Spielfeld ein Schwarzes Loch, das die beiden Energien in sich aufsaugte. „Aus meinen beiden Stufe 6-Monstern wird ein Rang 6-Monster!“
      Eine mächtige Explosion erschütterte das Overlay Network. Schwarze und gelbe Blitze schossen daraus empor. „Xyz Summon! Kämpfe für mich …!“
      Unter Zanthes entschlossenem Aufschrei stieg aus dem Wirbel der majestätische, weiß-goldene Mechadrache auf, der Zanthe auf ganz eigene Art und Weise gezeichnet hatte. Die edlen, schwarzen Metallschwingen wurden bis zum Anschlag gespreizt.
      „… [Constellar Ptolemy M7]!“
      Und der Drache stieß einen wütenden Schrei aus. Wie es schien, heulte er das stark leuchtende Wappen der Constellar am Sternenhimmel an. Zanthe zog dank des Effekts von [Constellar Star Chart] nebenbei auf. Um seinen Drachen rotierten die goldenen Xyz-Materialien.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 2]

      Wortlos schob er die aufgezogene Fallenkarte in den Handschuh an seinem linken Arm. „Die setze ich erstmal.“
      Noch während sie vor ihm mit dem Kartenrücken nach oben gerichtet auftauchte, nickte der Kopftuchträger seinem Gegenüber zu. Oder besser gesagt, dessen Monster. „Weg mit dir. Ich aktiviere Messier 7s Effekt! Da er nicht via Inkarnation aufs Feld kam, kann ich den sofort benutzen! Und egal wo es sich auch befindet, ein Monster kehrt damit sofort auf das Blatt seines Besitzers zurück!“
      Um das Ganze noch einmal zu unterstreichen, zeigte er auf das Vogeleinhorn. „Wie ich sagte: Ab mit dir ins Extradeck, da Fusionsmonster nicht auf die Hand genommen werden können. Return Of The Star!“
      Der mechanische Drache schnappte nach einer der Lichtsphären, die um ihn kreisten, und verschlang sie mit einem Happen. Gleich im Anschluss stieß er eine Mischung aus Heulen und seltsamen Singsang aus.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 2 → 1]

      Nigel gab ein wütendes Schnaufen von sich, als unter seinem Ascension-Patron ein Runenzirkel erschien, aus dem wiederum eine gleißende Lichtsäule stieß und jenen regelrecht zersetzte.
      „Bleibt noch einer.“ Grimmigen Blicks nahm Zanthe das andere Monster auf dem Spielfeld seines Gegners ins Visier. „Messier 7! Angriff auf [Phantom Beast Wild-Horn]! M7 Star Launcher!“
      Der edle Drache öffnete sein Maul und stieß einen orangefarbenen Strahl aus, von gelblichem Schimmer umgeben. Zwar hob der aufrecht gehende Elch seine Axt zum Gegenangriff, doch wurde von der Attacke zerrissen, bevor er überhaupt dazu kam.

      [Zanthe: 300LP / Nigel: 4000LP → 3300LP]


      „Das war's erstmal“, sagte Zanthe mit zwei verbliebenen Handkarten.

      „Draw Phase“, verkündete sein Gegenüber, zog auf und streckte sofort im Anschluss die Hand nach vorn, wodurch seine gesetzte Falle aufsprang, „Fallenaktivierung: [Fusion Reserve]. Damit erhalte ich ein Fusionsmaterialmonster, das von einem meiner Fusionsmonster im Extradeck aufgelistet wird.“
      Vor ihm tauchte eine einzelne, vergrößert dargestellte Karte auf. Violett umrandet, erkannte der Werwolf sie als [Chimera The Flying Mythical Beast] wieder, eine zweiköpfige, geflügelte Schimäre. „Ich wähle [Gazelle The King Of Mythical Beasts].“
      Sein D-Pad schob aber nicht nur die gelb umrandete Karte aus dem Deck hervor, sondern auch eine Zauberkarte aus dem Friedhof. Nigel nahm beide auf. „Zusätzlich gewährt [Fusion Reserve] mir noch Zugriff auf [Polymerization], sollte diese auf meinem Friedhof liegen.“
      „Verstehe. Du willst also wieder eine Fusionsbeschwörung durchführen.“ Zanthe sah auf die verdeckte Karte zu seinen Füßen. „Nur zu.“
      „Dazu musst du mich nicht auffordern. Ich aktiviere [Polymerization]!“ Ehrgeizig hielt der rothaarige Mann die Zauberkarte sowie die Karten von Gazelle und [Berfomet] in die Höhe.
      Über ihm öffnete sich ein rot-blauer Vortex, der zuerst das löwenartige Ungeheuer verschlang und direkt danach ein geflügeltes, gehörntes Dämonenwesen, das einer Ziege ähnelte.
      Doch dann geschah es. Zanthe, der damit gerechnet hatte, jeden Moment der Schimäre gegenüber zu stehen, beobachtete mit geweiteten Augen, wie eine dritte und vierte Karte in den Sog gezogen wurden – Zauber- und Fallenkarte respektive!
      „Ich verschmelze den Stufe 5-[Berfomet] mit dem Stufe 4-[Gazelle The King Of Mythical Beasts] sowie der Zauberkarte [Spiritual Forest] und der Fallenkarte [Horn Of The Phantom Beast]!“
      Ein Blitz schlug in den Wirbel ein, welcher sich so stark ausweitete, dass er bis zum Erdboden reichte. Nigel trat ein paar Schritte zur Seite, um nicht direkt vor dem Zentrum zu stehen. „Fusion Summon! Zerstöre, [Murciélago The Thunderblade Bull]!“
      „Eine Zauber- und Fallenkarte als Teil einer Fusion!? Warte! Das ist die Hüterkarte“, stellte Zanthe fest. Zum ersten Mal stand ihm Schweiß auf der Stirn, als das gerufene Wesen die Bühne betrat.
      Denn allein die massiven Hufe waren mit Klingen besetzt. Schwarz wie die Nacht war die Kreatur, deren kräftiger Körper von elektrischer Energie umgeben war. Das Rückenfell war zu Zöpfen geflechtet, die an ihm herab hingen. Doch das Auffälligste, neben den rot glühenden Augen, waren die Hörner … oder besser gesagt die gebogenen Klingen, welche jene ersetzten. Geradezu radioaktiv gelb strahlten sie.

      Murciélago The Thunderblade Bull [ATK/0 DEF/0 (9)]

      „Angriff auf Messier 7. Catastrophe Rampage“, befahl Nigel. Sein riesiger Stier begann mit dem linken Vorderhuf zu scharen.
      Ein Angriff mit einem Monster ohne Angriffspunkte? Zanthe schluckte. Irgendwas würde da kommen. Sofort streckte er den Arm nach vorn. „Nicht so schnell! Ich aktiviere [Constellar Meteor]. Jedes Monster, das mit einem Constellar kämpft, wird ins Deck zurückgeschickt!“
      Das Ungetüm senkte sein Haupt, als die Falle vor Zanthe aufklappte. Aus ihr schoss ein Geschwader glühender Felsbrocken.
      Alles danach geschah so schnell, dass Zanthe es kaum erfassen konnte. Wie ein Blitz schoss der Bulle voran, zerschmetterte die Meteoriten mit seinen Hörnern und riss nebenbei ein verdammtes Gewitter aus Blitzschlägen hinter sich her, die [Constellar Ptolemy M7] trafen und explodieren ließen. Doch der wütende Stier rauschte weiter in seiner Unaufhaltsamkeit auf Zanthe zu, krachte in die aufrecht stehende Falle sowie den Zauber [Constellar Star Chart], bevor er den Werwolf rammte.
      „Argh!“, schrie jener, der nicht schnell genug ausweichen konnte.
      Er sah, wie die Welt Kopf stand. Über ihm sah er das Gras, in dem flammende Spuren zurückgelassen wurden. Plötzlich stand Murciélago wieder vor seinem Herrn. Und er krachte schmerzhaft auf dem Boden.
      „Urgh!“
      Auf dem Rücken liegend, sah er den Sternenhimmel nur verschwommen.
      „Murciélago ist während der Battle Phase vor sämtlichen Karteneffekten geschützt, kann nicht durch Kämpfe bezwungen werden und ich erleide keinen Schaden dabei“, hörte er Nigel derweil erklären, „weder dein Drache, noch deine Falle hatten eine Chance. Denn mehr noch, nach dem Angriff zerstört der Donnerbulle noch zwei deiner Karten.“
      Mühsam rollte sich Zanthe auf den Bauch. Tatsächlich, M7 und [Constellar Star Chart] waren fort!
      „Dieses Monster kannst du nicht bezwingen“, versprach Nigel ihm unheilvoll.

      ~-~-~


      „Wir sollten es versuchen!“, beteuerte Valerie ihren Glauben in die Worte des maskierten Dämons.
      Sie und Matt hatten sich auf Bitte der Schwarzhaarigen tief ins Innere des nahegelegenen Parks begeben. Zu dieser Zeit waren keine Menschen mehr unterwegs, doch um sicher zu gehen, nicht gesehen zu werden, waren sie vom Weg abgewichen und hatten sich tiefer in den Wald begeben, der an den Park angeschlossen war. Nur aus der Ferne zeugte das Licht der Laternen und die weit über den Park hinausragenden Hochhäuser davon, dass sie sich in einer Großstadt und nicht auf dem Lande befanden.
      „Hier wäre es doch ideal, oder?“ Valerie deutete auf eine kleine Lichtung, unregelmäßig von Bäumen umgeben.
      Matt schüttelte den Kopf. „Schon. Hier könnte ich eine Beschwörung durchführen. Aber wir sollten das nicht tun.“
      „Wenn dieser Dämon uns hätte schaden wollen, hätte er uns nicht extra in eine Falle locken müssen“, argumentierte Valerie zum wiederholten Male und schritt an ihm vorbei auf die Lichtung zu, drehte sich zu ihm um, „ich glaube nicht, dass wir eine Chance gehabt hätten.“
      Der Dämonenjäger fasste sich an die Stirn. „Valerie, das war nur eine Astralprojektion …“
      „Matt, bitte! Das könnte unsere einzige Chance sein. Wieso sonst ist er ausgerechnet zu so später Stunde vor uns erschienen?“

      Seufzend sah Matt auf. Sie war Feuer und Flamme und seine Einwürfe, wie gefährlich die Idee war, sich in das Versteck der Undying zu schleichen, schien sie gar nicht zu hören. Die Schwarzhaarige im weißen Kleid war wie ausgewechselt.
      „Nehmen wir an, dieses Wesen will uns wirklich helfen“, wagte er sich vorsichtig vor, „was, wenn die Beschwörung schief geht? Oder wenn sie gelingt?“
      „Ich dachte du kannst Stoltz festhalten?“
      „Aber nicht dauerhaft. Wie lange der Zauber wirkt, kann ich nicht sagen. Und sobald er frei ist, wird er uns folgen.“
      Valerie aber hob die Hand. „Stopp! Du bist doch sonst nicht so pessimistisch. Wenn wir schnell genug sind, wird er keinen Grund mehr haben, uns zu töten.“
      „Wir?“, staunte Matt und schwang energisch den Arm aus. „Valerie, vergiss es! Du kannst nicht mitkommen!“
      „…werde ich nicht.“ Sie drehte sich von ihm weg. „Ich weiß, dass ich dir nicht helfen kann. Deswegen bleibe ich hier und passe auf Stoltz auf, solange du weg bist. Vielleicht kann ich dir etwas Zeit erkaufen, falls er sich befreit.“
      „Nein!“ Eiligen Schrittes näherte er sich dem Mädchen und packte es an den Schultern. „Das ist Selbstmord.“
      „Wenn wir nichts tun, ist es unterlassene Hilfestellung“, murmelte sie, ließ sich nicht von ihm herumdrehen, „falls Anya es nicht rechtzeitig schafft. Sie hat innerhalb von zwei Monaten gerade mal zwei Hüterkarten. Du weißt nicht, wo Edna ist, nicht, wo Harris ist, geschweige denn, wer die letzten beiden Hüter überhaupt sind.“
      Schlagartig wirbelte sie von sich aus herum. „Meinst du nicht, dass wir uns einen Plan B zulegen sollten? Wir haben so viel Zeit verschwendet! Wenn du das Schwert findest und den Sammler beschwörst, könnte es noch in dieser Nacht enden. Anya wäre frei. Und du auch, oder nicht?“
      „Valerie …“
      „Bitte“, flüsterte sie und senkte das Haupt, „hilf ihr. Lass mich helfen, indem ich den Köder spiele.“

      Insgeheim musste Matt sie bewundern für ihren Mut. Sie zitterte am ganzen Leib und doch war sie fest entschlossen, sich einem Undying zu stellen. Es wäre ihr Todesurteil, das wusste sie.
      „Du könntest sterben. Wir beide.“
      Sie sah auf. Und lächelte. „Im Turm sind wir auch nicht gestorben, obwohl die Lage aussichtslos erschien. Wir werden es schaffen, Matt.“
      Der junge Mann atmete beim Anblick ihrer klaren, braunen Augen tief durch. „… okay.“
      „Danke, Matt.“
      „Ich denke, ich kann auch ohne das Grimoire einen Beschwörungskreis erschaffen.“ Er griff in die Innentasche seines Mantels und zog ein Stück weißer Kreide hervor. „Aber ich muss ein paar Anpassungen vornehmen. Hier kann ich nirgendwo einen Kreis zeichnen. Außerdem muss das Portal lange genug geöffnet bleiben, damit ich hindurch kann.“
      Sie nahm ihm die Kreide aus der Hand. „Sag mir, was ich tun muss.“
      „Die Bäume. Wir nehmen sie als Katalysator. Ich denke, wenn das klappt, wird Stoltz eine böse Überraschung erleben.“ Er grinste verschmitzt. „Hoffe ich, ich hab sowas noch nie probiert.“

      Kurz darauf zeichneten sie zusammen diverse Runen und Symbole auf die Rinde der Bäume, die die Lichtung umgaben. Die ersten machte Matt Valerie vor, die sich die Zeichen schnell einprägte und dann alleine weiterarbeitete, während er sich in die Mitte der Lichtung begab und mit dem Finger weitere Symbole in die Erde zeichnete.

      Nachdem die Vorbereitungen erledigt waren, stellten sie sich zusammen an den Rand der Lichtung.
      „Bist du bereit?“
      „Natürlich“, antwortete Valerie auf Matts Frage. Sie hob demonstrativ die blaue Duel Disk an ihrem Arm. „Falls er sich befreit, verwickle ich ihn in einem Duell. Das sollte dir etwas Zeit erkaufen.“
      „Oder du rennst weg, sobald ich durch bin.“ Aber der junge Mann wusste, dass sie das nie tun würde. Am liebsten würde er sie mitnehmen, doch im Ernstfall, so wusste er, würde sie ihm eher im Weg stehen als alles andere, womit sie sie beide gefährdete. „Also schön, dann rufe ich ihn jetzt.“

      Matt begann eine komplizierte, lateinische Formel aufzusagen, die Valerie jedoch nicht verstand. Die Symbole an den Bäumen begannen zu leuchten, ebenso die per Hand gezeichneten im Boden.
      Nach etwa einer Minute fiel der Name des Undying. Matt verstummte, doch das Mädchen wagte es nicht, nachzufragen, was jetzt geschehen würde.
      Sie warteten. Und dann geschah es. Ein schwarzes, ovales Portal öffnete sich direkt unter Matts Symbolen.
      „Er kommt tatsächlich“, hauchte Valerie fasziniert.
      Und das tat der riesige, bandagierte Undying. Stoltz schritt durch das Portal. Seine unsäglich langen Glieder, oder die, die noch übrig waren, sahen so unnatürlich aus, fand Valerie, die noch nie einen Undying gesehen hatte. Stoltz grinste. „Jemand ruft den Undying? Interessant.“

      Als er Matt und Valerie bemerkte, zeigte er seine gelben Zähne. Bevor er aber dazu kam, einen Kommentar abzugeben, beugte sich Matt ruckartig nach unten und klatschte seine Handflächen auf den Boden. „Jetzt!“
      Aus sämtlichen Symbolen von den Bäumen schossen leuchtende Ketten, die in rasender Geschwindigkeit den überraschten Undying umwickelten und festhielten. Jener war unter ihnen kaum mehr zu sehen. Doch nicht nur er wurde getroffen. Zwei Ketten wurden in das sich schließende Portal gezogen und hielten es mit aller Kraft offen.
      „Los, beeil' dich!“, rief Valerie. „Viel Glück!“
      Matt rannte auf den Undying zu. Dabei blickte er noch einmal über die Schulter zu Valerie, die glücklich lächelte. „Pass auf dich auf.“
      Dann sprang er in das Portal. Alles wurde schwarz.

      Seine Füße berührten harten Boden, er musste rennen. Wenn der Tunnel kollabierte, bevor er ihn verlassen hatte, würde er für immer zwischen den Dimensionen feststecken. Der Dämonenjäger rannte und rannte in vollkommener Finsternis. Bis er eine Öffnung sah, einen kleinen Spalt, durch den er schlüpfen musste. „Hab dich!“
      Als er ihn erreichte, erwies dieser sich als größer als gedacht. Mit einem Satz war er hindurch.

      Dunkelheit erwartete Matt, nachdem er das Portal durchschritten hatte. Er drehte sich instinktiv um und bemerkte hinter jenem ein großes, zylindrisches Behältnis, das schräg hängend an einer Wand befestigt war.
      „Eine Stasiskammer?“, überlegte Matt laut. Neben dieser gab es ein Tastenfeld, von dem ein wenig Licht drang. Dadurch konnte Matt erkennen, dass er in einer kleinen Kammer gelandet war. Und hinter ihm befand sich der Ausgang.

      Vorsichtig trat der Schwarzhaarige an jenen heran. Die Tür öffnete sich automatisch und führte in einen Gang, der geradeaus sowie nach links führte. Dieser war in sterilem Stahl gehalten, aber wenigstens ausreichend beleuchtet.
      „Und wohin nun?“, fragte er.
      Langsam schritt er geradeaus weiter. Hoffentlich hatte der maskierte Dämon die Wahrheit gesagt und die anderen Undying waren außer Haus. Was gleichzeitig zwei Fragen aufwarf: Wo waren sie dann? Und wo befand sich überhaupt dieses Versteck?

      Die nächste Tür, die sich vor ihm öffnete, führte wieder in einen dunklen, kreisrunden Raum. Überall an den Wänden waren Monitore angebracht, jedoch die meisten davon deaktiviert. Einige zeigten diverse Orte, die Matt bereits kannte. Das Stadion, in dem das Finale des Legacy Cups stattgefunden hatte, eine der Brücken von Ephemeria City, ein Park ebenjener Stadt und auch das Brückenstadion.
      „Was!?“, staunte Matt, als er dort ganz klein zwei Personen sah, die sich duellieren. Er eilte an das Pult vor dem Bildschirm. Eine davon war doch Anya! Und die andere? Der junge Mann kannte die Monster, die sie benutzte, nicht. Aber beim Anblick der mechanischen Vögel schloss er auf Kali.
      „Die beobachten alles von hier“, überlegte er und fasste sich nachdenklich ans Kinn, „dadurch erklärt sich einiges.“
      Aber nicht alles. Denn wenn sie alles mitverfolgen konnten, warum griffen sie Anya dann nicht bei der erstbesten Gelegenheit an?

      Ratlos drehte Matt sich um: Erst jetzt bemerkte er, dass sich in der Mitte des Raums ein riesiger Thron befand. Von der Decke über diesem hingen diverse dünne und dicke Schläuche.
      „Sind die Undying Maschinen?“, musste sich Matt zwangsweise wundern. Wozu brauchten sie sonst diese seltsame Stasiskammer oder das da. „Hm?“
      Eiligen Schrittes näherte sich der Dämonenjäger dem Thron und umrundete ihn. Hinter diesem befand sich eine metallische Vitrine, so hoch wie der junge Mann selbst. Und hinter dickem Panzerglas erspähte er es. Ein langes Katana in einer Halterung hängend, neben ihm die Scheide.
      „Das ist es! Sehr gut!“
      Zumindest hatte der maskierte Dämon nicht gelogen in der Hinsicht, dass sich hier ein Schwert befand. War nur die Frage, ob es den Sammler wirklich töten konnte. Matt suchte nach einem Griff, um das Behältnis zu öffnen, doch fand er weder das, noch irgendeine Form von Schloss.
      „Verdammt, wie geht das auf?“
      Er drehte sich um. Der ganze Raum war voll von Konsolen, die vor den Bildschirmen standen. Jede davon könnte die Vitrine öffnen, doch woher sollte er wissen, welche das war?
      „Na toll“, grummelte er und näherte sich jener hinter dem Thron, „was, wenn das Ding mit einem Passwort gesichert ist?“

      „Du würdest es nie knacken.“
      Einen erschrockenen Schrei ausstoßend, wirbelte Matt herum und stieß bei einem Rückwärtsschritt gegen das Pult. Dort stand sie, direkt neben dem Thron, in weißer Robe. Die Augen wurden von einer Maske bedeckt, die weit über ihr Haupt mit dem langen, schwarzen Haar hinausreichte.
      „Du bist Zed!“, erkannte er sie von der Beschreibung Anyas her wieder. „Was machst du hier?“
      „Fragt der Eindringling.“
      Beschwichtigend hob Matt beide Hände. „H-hey, ich bin nicht hier, um gegen euch zu kämpfen. Im Gegenteil, ich brauche eure Hilfe.“
      „Hilfe? Du bist ein Feind der Ewigen Ordnung“, sprach Zed eisig und trat einen Schritt näher.
      Matts Herz schlug schneller und schneller. Verdammt, wo war die überhaupt so plötzlich hergekommen? Er hätte sie doch bemerken müssen!
      „Dieses Schwert! Es kann jeden töten, nicht wahr?“, fragte er und deutete auf die Vitrine neben der Undying. „Wenn wir den Sammler damit erledigen, dann muss Anya keine Siegel mehr brechen.“
      „Nein.“ Zed schüttelte den Kopf. „Eine solche Waffe würden wir niemals einem Fremden überlassen. Schon gar nicht dir, Matthew Summers.“
      Verzweifelt sah Matt sich um. Links und rechts vom Raum gab es zwei Türen. Er war aus der linken gekommen. „A-ber-!“
      „Du hast einen fatalen Fehler begangen, hier zu erscheinen“, drohte Zed und kam näher und näher. In ihrer Hand materialisierte sich ein langer Stab, den Matt jedoch nicht genau erkennen konnte.

      Sie würde ihn töten, begriff Matt. Es gab keine andere Wahl, er musste fliehen. Kurzerhand wandte er sich nach rechts und eilte durch die Tür, die sich automatisch öffnete.
      „Bleib stehen!“, befahl Zed und folgte ihm erstaunlich schnellen Schrittes.
      Der stählerne Gang, durch den Matt schritt, flog förmlich an ihm vorbei. Jener knickte nach rechts ein, doch befand sich am Ende bereits eine Tür. Doch Matt ignorierte sie und nahm stattdessen die Kurve. Zu groß war die Gefahr, in noch so einem schmalen Raum mit einer Stasiskammer zu enden.
      „Gib auf“, hörte er Zed hinter sich, warf einen Blick über die Schulter und stellte überrascht fest, dass sie aufgehört hatte zu rennen, „du kannst nicht von hier entkommen.“
      Sie hatte gerade erst die Kurve erreicht. Gegenüber von Matt befand sich lediglich ein großes Tor, welches sich ebenfalls automatisch öffnete, als er sich näherte.

      Als er es durchschritt, schloss es sich sofort wieder.
      Matt war in einer großen, leeren Halle gelandet. Die Wände, wie all die anderen auch aus Stahl gemacht, ließen seine Schritte widerhallen. Voraus war eine Art Schleuse. Doch Matts Bauchgefühl sagte ihm, dass es besser wäre, diese nicht zu öffnen. Er wusste ohnehin nicht wie.
      „Nur ein paar Sekunden“, keuchte er, in der Mitte der Halle angelangt, „ich muss nur kurz ein neues Portal öffnen.“
      Er zog aus der Innentasche seines schwarzen Mantels ein Stück Kreide, doch etwas stieß ihn in den Rücken. Matt stolperte vorwärts und ließ die Kreide fallen, wirbelte erschrocken herum.
      Zed stand vor ihm, mit erhobenem Stab. Der Anflug eines Grinsens spiegelte sich auf ihren roten Lippen wieder. „Ich sagte bereits, dass Flucht unmöglich ist.“
      Matt nahm eilig ein paar Schrittes zurück, breitete die Arme aus. „Lass uns darüber reden.“
      „Nicht nötig. Ich kenne die Fakten bereits. Du bist ein Werkzeug von Anya Bauer. Deswegen sollst du hier dein Ende finden.“
      „Der Sammler ist dein Feind, nicht Anya! Er zwingt sie dazu, diese Dinge zu tun!“
      „Ich weiß.“
      Matt überschlug sich förmlich. „Warum helft ihr uns dann nicht!?“
      „Das hat dich nicht zu interessieren.“
      „Wow“, lachte Matt ironisch auf, „mit euch kann man echt prima verhandeln. Also schön, du lässt mir ja gar keine andere Wahl!“

      Er streckte den Arm aus, an dem sein neues, schwarzes D-Pad hing, nachdem das alte durch einen gewissen Vokuhila-Träger ein jähes Ende gefunden hatte. „Duelliere dich mit mir.“
      „Was!?“, keuchte Zed erschrocken. „Du wagst es!?“
      „Angst vor einer Herausforderung?“
      Zwar wusste Matt, dass er nicht so große Töne im Antlitz eines Undying spucken sollte, doch war dies die einzige Möglichkeit, sich ein paar Sekunden zu erkaufen. Wenn er Zed besiegte und sie kurzzeitig außer Gefecht setzte, würde er vielleicht ein Portal öffnen können.
      „Nein.“ Zed ließ den Stab in ihrer Hand verschwinden. „Du zögerst dein Ende nur hinaus.“
      „Sagt die, die Anya nicht mal töten konnte, als sie bewusstlos am Boden war.“
      „Sie hatte Levrier. Du hast niemanden. Und wir sind hier nicht in einem Elysion.“ Die Undying hob ihren Arm, an dem eine silberne, sichelförmige Duel Disk erschien. „Hier bin ich im Vorteil.“
      „Wenn du meinst“, winkte Matt geheimnisvoll ab.
      Und beide schrien: „Duell!“

      [Matt: 4000LP / Zed: 4000LP]


      „Dir als Eindringling steht es nicht zu, den ersten Zug zu haben“, entschied Zed herrisch und zog ihr aus fünf Karten bestehendes Startblatt.
      Matt zuckte unbedarft mit den Schultern. „Okay.“
      „Wohlan, füge dich deinem Schicksal. Ich beginne mit zwei Zauberkarten. [Aura Dominion], die das Spielfeld verändern wird und [Advent Of The Demigods]!“
      Die riesige Halle löste sich binnen weniger Sekunden auf und verwandelte sich in eine grell leuchtende Ebene, umgeben von riesigen Säulen aus purem Licht. In jeder Himmelsrichtung ging eine Sonne am rosafarbenen Horizont auf. Der offene Tempel, in dem sie sich befanden, war neben dem seichten Nebel, der ihn umgab, durch eine kleine Vertiefung in der Mitte gekennzeichnet, zu der von allen Seiten drei Steinstufen führten.
      Abseits davon stand Zeds zweite Zauberkarte aufrecht vor ihr, war von dauerhafter Natur.
      „Mit dem Effekt von [Aura Dominion] erschaffe ich jetzt drei Spielmarken, was mich lediglich die oberste Karte meines Decks kostet.“ Zed nahm jene und schob sie in den Friedhofsschacht ihrer Sichel-Disk. Vor ihr ploppten drei weiße Feuerkugeln in einer Reihe auf.

      „Soul Aura“-Spielmarke x3 [ATK/0 DEF/0 (1)]

      Zwei von ihnen verpufften jedoch sofort wieder, als Zed rief: „Ich führe eine Tributbeschwörung durch. Erhebe dich, [Demigod Of Straining Desert, Ramses]!“
      Die Fliesen vor ihren Füßen zerliefen zu schimmerndem Sand, welcher immer weiter in die Tiefe abdriftete. Als Matt schon nicht mehr daran glaubte, dass überhaupt etwas auftauchen würde, schoss eine riesige Pyramide aus dem Boden, von dessen Spitze der Oberkörper eines vierarmigen Skeletts abging. Jenes war mit Schwertern und Speeren bewaffnet und verdeckte mit seinem 'Unterleib' den Blick auf die Undying.

      Demigod Of Straining Desert, Ramses [ATK/2600 DEF/3200 (10)]

      Matt hörte seine Gegnerin hinter ihrem Monster sagen: „Da zwei Spielmarken als Tribut für die Beschwörung angeboten wurden, kannst du bis zum Ende deines Zuges keine Karten setzen.“
      „Das ist schlecht …“
      „Es geht noch weiter. Bei jeder Tributbeschwörung eines Demigods wird eine Zählmarke auf [Advent Of The Demigods] gelegt.“ Um ihre aufrecht stehende Zauberkarte begann eine kleine, weiße Flamme zu kreisen.

      Advent Of The Demigods [Zählmarken: 1]

      „Außerdem biete ich die letzte Soul Aura als Tribut an, um den zweiten Effekt meines Monsters zu aktivieren. Impenetrable Aura!“
      Der Skelettgott samt seiner Pyramide begann in regelmäßigen Intervallen hellbraun aufzuleuchten.
      „Es ist dein Zug, Dämonenjäger Matthew Summers.“

      Jener setzte ein keckes Grinsen auf. „Das lass ich mir nicht zweimal sagen. Draw!“
      Voller Schwung riss er eine sechste Karte von seinem Deck und betrachtete sie gespannt. „Hm.“
      Gerne hätte er [Evilswarm Ophion] beschworen, um sich verschiedene Vorteile zu sichern, doch leider war dieser zu schwach, um es mit Ramses aufzunehmen. Also musste er gleich sein großes Geschütz auffahren.
      „Also schön“, murmelte er vor sich hin und nahm gleich drei Karten auf einmal aus seinem Blatt, „da du mehr Monster als ich besitzt, kann ich [Evilswarm Mandragora] spezialbeschwören. Dazu kommt als Normalbeschwörung [Evilswarm Castor], der durch seinen Effekt noch ein Monster von meiner Hand beschwören kann, [Evilswarm Thunderbird]!“
      Der Reihe nach tauchten die genannten Monster vor ihm auf. Das erste war ein braunes Wurzelmonster mit weißem Haar, dessen Arme in grünen Blättern endeten. Daneben materialisierte sich ein Schwertkämpfer, dessen eine Hälfte der Rüstung schwarz, die andere dagegen weiß und sein roter Umhang zerfetzt war. Und zuletzt erschien ein überdimensionaler, schwarzer Vogel, von dessen Haupt lange, dornenbesetzte Tentakel ausgingen.

      Evilswarm Mandragora [ATK/1550 DEF/1450 (4)]
      Evilswarm Castor [ATK/1750 DEF/550 (4)]
      Evilswarm Thunderbird [ATK/1650 DEF/1050 (4)]

      Zuversichtlich streckte Matt die Hand nach vorne aus. „Ich errichte das Overlay Network! Aus meinen drei Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Nichts geschah. Langsam ließ Matt den Arm wieder unter einem Seufzen sinken. „Lass mich raten, durch den Effekt deines Monsters kann ich keine Monster aus dem Extradeck beschwören, richtig?“
      „Nein.“
      „Was? Aber warum …?“ Verwirrt griff der Schwarzhaarige nach seinem neuen D-Pad, um das Extradeck daraus hervor zu ziehen. Und als er es durchging, stieg die blanke Panik in ihm hoch.
      Sie war weg! [Evilswarm Ouroboros'] Karte, sie war nicht mehr da! Noch einmal ging er die Reihe an schwarz-umrandeten Karten durch, ohne fündig zu werden. Wo war sie!?
      Aufgelöst blickte er zu seiner Gegnerin, besser gesagt deren Monster. War das ihr Werk?
      „Hm?“, machte er plötzlich und blieb einen Moment stumm. Bevor er richtig laut wurde. „Das kann doch nicht wahr sein!? Wieso!? Die ganze Zeit schon!? Du hättest mich-!“
      Dann wieder eine Pause in der er tief durch atmete. „Der kann sich auf was gefasst machen. Das kann echt nicht wahr sein … Aber solange Ouroboros weg ist, muss ich es so machen. Eine andere Wahl habe ich ja nicht.“
      Und trotzdem, in den falschen Händen war dieses Monster fatal! Ein Zustand, von dem er getrost ausgehen konnte. Zudem er ohne es einer mächtigen Waffe beraubt war! Verdammt!
      „Ich errichte das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Schwärmern Mandragora und Castor wird ein Rang 4-Monster!“
      Unzufrieden sah er dabei zu, wie sich vor ihm ein Schwarzes Loch öffnete. Besagte Monster verwandelten sich in violette Lichtstrahlen und wurden davon absorbiert. „Xyz Summon!“
      Sofort wand sich ein schwarzer, schlangenhafter Drache aus dem Überlagerungsnetzwerk und zog eine Bahn um Matt, welcher rief: „Erscheine, [Evilswarm Bahamut]!“
      Welcher prompt vor ihm Stellung bezog. Zur Hälfte bestand sein schwarzer Körper aus Eiskristallen. Die Bestie spreizte ihre Schwingen, deren Innenhäute ebenfalls aus purem Eis waren, und wurde dabei von zwei Lichtsphären umkreist.

      Evilswarm Bahamut [ATK/2350 DEF/1350 {4} OLU: 2]

      „Wenn ich es nicht durch Kampf zerstören kann“, begann Matt und zückte aus seinem Blatt die Karte von [Evilswarm Golem] vor, welche er in den Friedhofsschlitz schob, „übernehme ich es einfach …“
      Sein Drache schnappte nach einer der beiden Lichtkugeln und verschlang sie, während Matt die Hand ausstreckte. Dabei schloss er die Erklärung ab. „… im Austausch für eine Overlay Unit und einen Schwärmer von meiner Hand! Spread Infection!“

      Evilswarm Bahamut [ATK/2350 DEF/1350 {4} OLU: 2 → 1]

      Bahamut öffnete sein Maul und sammelte darin schwarze Partikel, welche de facto Millionen winziger Insekten waren, die anschließend in einem mächtigen Odem in Ramses' Richtung ausgestoßen wurden. Als sie auf die Halbgottheit trafen, wurde diese binnen weniger Sekunden komplett umhüllt. Zumindest bis die Insekten wie tote Fliegen von ihr abfielen und verschwanden.
      Der Dämonenjäger seufzte. „Okay, -das- war dann wohl der Effekt von diesem Ding.“
      „Das ist richtig“, bestätigte ihm Zed, „bis zum Ende deines Zuges sind sämtliche meiner Karten vor den Effekten deiner Monster gefeit.“
      „Großartig“, murmelte Matt verstimmt vor sich hin. „Wieso habe ich nicht einfach nachgesehen? Und du sei still, ich finde das alles ganz und gar nicht lustig!“
      Zed gab ein verwirrtes Geräusch von sich, reagierte aber nicht auf den erneuten plötzlichen Ausbruch.
      Grimmig widmete sich Matt seinem Blatt, welches er gerne nutzen würde. Aber die Falle darin durfte er nicht setzen. „Verdammt! End Phase!“

      „Ich ziehe!“, ließ die schwarzhaarige Undying ihn wissen und zog, von ihrem Monster vor seinen Augen verborgen, eine Karte. „Nun der Effekt von [Aura Dominion]!“
      Elegant hob sie die Hand in die Höhe. „Für meine oberste-! Was!?“
      Sie sah es nicht, hörte es aber. Dieses Rauschen und Zischen. Irgendetwas geschah da. Geschickt sprintete Zed daher auf ihr Monster zu und sprang auf den unteren Teil, die Pyramide, um sich dann geschickt noch weiter hoch auf die Schulter des Skeletts von Ramses zu schwingen. Und wurde gerade noch so Zeuge davon, wie Matts Drache in das Schwarze Loch des Overlay Networks unter tosenden roten Blitzen eintauchte.
      „Sorry, aber bei einem Gegner wie dir darf ich mich nicht zurückhalten“, rief der, als er sie dort oben bemerkte. „Aus meinem Rang 4-Schwärmer wird die erste Saat geboren. Rank Up-Incarnation!“
      Der Sog wurde regelrecht von Innen zerschmettert, die ganze Tempelanlage begann unkontrolliert zu vibrieren. „Dominiere, [Primalswarm Yggdrasil]! Inkarnationseffekt: Chain Annihilator!“
      Seine inkarnierte Kreatur hatte sich noch gar nicht aus dem kurz vor einer Explosion stehenden Überlagerungsnetzwerk erhoben, da wurde das gesamte Umfeld in negative Farben getaucht. Und in Matts rechtem Auge begann ein rotes Symbol aufzuleuchten, die Zahl 2, unter der sich noch ein horizontaler Strich befand.
      „Ah! Unmöglich!“, keuchte Zed, doch eine Schockwelle riss bereits alles um sie herum auseinander. Sie befanden sich wieder in der großen Halle.
      „Chain Annihilator ist die Fähigkeit Yggdrasils“, sprach Matt, als sich aus dem Schwarzen Loch ganz langsam etwas vor ihm erhob, „die Kette, in die er hineinbeschworen wurde, komplett zu negieren und sämtliche anderen Karten darin zu zerstören.“
      Zeds Aufmerksamkeit galt aber längst dem Ungetüm, das sich hoch wie ein Turm vor Matt entfaltete. Der Unterleib bestand aus neun Drachenköpfen an langen Hälsen, die wie Wurzeln von Yggdrasil herab hingen und, je höher der Blick wanderte, umeinander geschlungen waren. Ab der Hüfte begann nur noch ein schwarzer Torso einer humanoid wirkenden Kreatur, ausdruckslos, da sämtliche Merkmale eines Gesichts fehlten. Sie hatte Arme und an diversen Stellen zogen sich dünne Fäden in alle Himmelsrichtungen und verschwanden im Nichts.
      „Es bewegt sich“, stammelte Zed ungewöhnlich nervös. Womit sie die eigentliche Haut der Kreatur meinte, die an manchen Stellen manchmal unter der schwarzen Schicht violett hervor schimmerte. Denn das Schwarze, das waren winzige Insekten, dieselben, die Bahamut schon ausgeworfen hatte.

      Primalswarm Yggdrasil [ATK/3050 DEF/1650 {12} OLU: 2]

      Matt verschränkte die Arme. Sein schwarzer Donnervogel wirkte gegen dieses Biest geradezu winzig. „Drastische Situationen erfordern drastische Maßnahmen. So ging der Spruch doch, oder?“
      Am liebsten hätte er seine Geheimwaffe lieber via Ouroboros inkarniert, aber wenn man bedachte, dass dieses Wesen über jede Schwärmer-Xyz gerufen werden konnte, sollte er wohl dankbar sein. Sein Blick lag auf den beiden pechschwarzen Sphären, die um die Wurzel allen Übels kreisten. Eine mehr wäre wirklich nicht verkehrt, aber was sollte er machen?
      „Du solltest so etwas nicht besitzen!“, stieß Zed unwirsch hervor. „Inkarnationen … nur Immaterielle sind dazu in der Lage. Aber ich spüre keinen in der Nähe!“
      Schulterzuckend nahm Matt dies zur Kenntnis und erwiderte: „Er hat sich noch nicht gezeigt. Ich glaube, er mag dich nicht besonders.“
      „Jetzt kann ich dich erst recht nicht gehen lassen!“ Panisch betrachtete Zed ihr Blatt, das ihren Worten aber scheinbar keinen rechten Nachdruck verleihen wollte. Denn kurz darauf drehte sie die Karte ihres Monsters in die Horizontale. „Ich versetze [Demigod Of Straining Desert, Ramses] in den Verteidigungsmodus. Zug beendet!“
      Jener kreuzte zwei seiner vier Arme vor die Brust, während er die anderen beiden schützend vor Zed auf seiner Schulter hielt. Dabei ließ er einen Spalt zwischen seinen Knochenfingern, durch den sie hindurch sehen konnte.

      Demigod Of Straining Desert, Ramses [ATK/2600 DEF/3200 (10)]

      Die verschiedenen Drachenköpfe hoben und senkten sich, fauchten Matts Gegnerin böse an, während dieser aufzog. Und plötzlich einen betrübten Gesichtsausdruck gewann. „Ich muss dieses Duell so schnell wie möglich entscheiden. Demnach benutze ich Yggdrasils Effekt, mit dem ich pro Zug ein Monster aus meinem Deck wählen kann, das zu einer Overlay Unit für ihn wird. Black Law!“
      Seine riesige Kreatur streckte den rechten Arm aus. Gleichzeitig nahm Matt eine Karte aus seinem Deck, [Evilswarm Coppelia], und schob sie unter die Karte seiner Inkarnation, über deren ausgebreiteter Handfläche eine dritte, schwarze Sphäre entstand.

      Primalswarm Yggdrasil [ATK/3050 DEF/1650 {12} OLU: 2 → 3]

      Matt öffnete den Mund, um zum Sprechen anzusetzen, schloss ihn jedoch wieder und senkte schuldbewusst das Haupt. Murmelte: „Sorry.“
      Dann riss er mit entschlossenem Blick alle drei Xyz-Materialien unter seinem Monster hervor und hielt sie demonstrativ in die Höhe. „Jetzt der stärkste Effekt von [Primalswarm Yggdrasil]! Er verwandelt die gesamte Kraft seiner Overlay Units in einen vernichtenden Angriff um, der dir Schaden in Höhe der Summe der Angriffskraft besagter Monster zufügt.“
      Jeder der neun Drachenköpfe erhob sich nun oder lugte unter dem Leib hervor, öffnete sein Maul und sammelte darin schwarze Partikel an, deren Ursprung die drei Lichtsphären waren, die sich auflösten.

      Primalswarm Yggdrasil [ATK/3050 DEF/1650 {12} OLU: 3 → 0]

      Die Undying ließ fassungslos die Arme sinken. „Das sind … zusammen 6550 Punkte!“
      2350 für [Evilswarm Bahamut], 2450 für [Evilswarm Coppelia] und immerhin 1750 für [Evilswarm Castor], der ursprünglich Bahamuts Xyz-Material und übernommen worden war.
      „Nicht ganz. Dein Monster ist im Weg“, entgegnete Matt leise, „und fängt mit dessen Angriffskraft entsprechend Schaden ab, wird dabei aber zerstört.“
      Zed murmelte etwas von 2600, doch da streckte der Dämonenjäger schon erbarmungslos den Finger aus. „Blackening Infestation Stream Of Destruction!“
      Synchron feuerten alle neun Drachenköpfe ihren Strahl in Zeds Richtung ab. Auf halber Strecke bündelten jene sich zu einem einzigen. Die Undying konnte nur noch schützend die Arme über den Kopf heben, da wurde sie schon fortgerissen. Für einen kurzen Augenblick war alles schwarz und weiß, als der Strahl auf Ramses traf und ihn wie Asche im Wind verwehen ließ. Im hohen Bogen flog Zeds Körper wie eine Strohpuppe durch die Luft, prallte mit dem Rücken voran auf das kalte Metall, überschlug sich mindestens dreimal, bis er rutschend endlich zum Stehen kam.

      [Matt: 4000LP / Zed: 4000LP → 50LP]


      Regungslos blieb Zed meterweit von ihrer ursprünglichen Position entfernt liegen. Matt rieb sich mit schuldbewusstem Blick über den Hinterkopf. „Das sah schmerzhaft aus.“
      War sie tot, fragte er sich nervös. Nein, Undying konnten nicht sterben. Aber mit der Wucht eines solchen Angriffs hatte sie wohl nicht gerechnet. Doch solange das Duell noch nicht vorbei war, konnte Matt nicht nach dem Schwert suchen.
      „Du hättest es mir einfach geben sollen“, sagte Matt zu Zed.
      Welche sich langsam regte, mit den Händen vom Boden abstützte, wobei ihr langes, schwarzes Haar völlig durcheinander über ihren Rücken und die Schultern fiel. „So leicht … wirst du mich nicht besiegen … Matthew Summers … niemals!“

      Turn 83 – Each Of Their Battles (3)
      Die Schlacht um Anyas Schicksal wird an vier Fronten gleichzeitig geführt. Durch Zed erfährt Matt, was die Immateriellen wirklich sind. Ricther kann sich nur mit Mühe verteidigen, sieht sich jedoch zunehmend in seiner Vermutung bezüglich des Sammlers bestätigt. Und Zanthe sucht nach einem Kompromiss. Anya hingegen nicht …



      Verwendete Karten -> wegen Zeichenlimit gestrichen


      Wir nähern uns langsam dem Ende. Meinungen?