Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      Zunächst einmal bin ich sehr froh, dass du dich tatsächlich für die dritte Staffel entschieden hast.
      Dass du trotz der langen Wartedauer einige Zwischensequenzen einbauen willst, freut mich selbstredend ebenfalls. Du weißt ja, Junkie und so ^.^

      Nein, im Ernst, das YGO-Universum hat für mich so viel Faszinationspotenzial und die ganz eigene Variante, die du aus diesem abgeleitet hast gefällt mir sehr gut, sie ist daher kein Ersatz im Sinne einer Ausflucht, sondern etwas ganz eigenes, das auf seine individuelle Weise trotzdem in bekannte Muster zu passen weiß.

      Ich freue mich sehr darauf, einige Geheimnisse gelüftet zu sehen, vielleicht kann ich dann einige Details noch besser verstehen.

      Was mir etwas seltsam erscheint, ist, die Rückblicksequenzen in dieser letzten Folge der zweiten Staffel unterzubringen. Natürlich ergeben sie auch so ihren Sinn, aber noch besser passen würden sie wohl zu Beginn der 3.Staffel und 2 Folgen hintereinander mit derartigen Einschüben wären doch unpassend. Oder was war deine Intention?

      Die Folge lässt Logan zunehmend in einem rätselhaften Licht erscheinen. Er war schon immer nicht gerade der simpelste Charakter (wenn auch charakterlich unaufgeregt) und das wirklich erstaunliche dabei ist, dass er von den Dämonen etc. ja nichts zu wissen scheint und sogar nichts will. Dabei ist die Wiederholung seiner Frage und Anyas reflexartige Notlüge sowohl ein Beweis ihrer Zuneigung/Verlustangst, als auch vielleicht ein Problem und ein Grund für Misstrauen, immerhin scheint er ja doch etwas von all dem anderen zu ahnen. Auf jeden Fall ist er für mich das Rätsel unter den Rätseln.

      Alles in allem hat die Handlung ein wenig Tempo verloren, zumindest kann man sagen, einige Konflikte haben sich eher gedehnt als sich zu beschleunigen.

      Der Absturz von grob 80% aller wichtigen Charaktere am Ende sorgt natürlich für einen krassen Cliffhanger. Die Art und Weise wie es geschah, zuerst der schon fast "alles-wird-gut" Gedankenansatz von Anya in Bezug auf ihren Vater und die Gestalt, die sich schließlich als ihr Bruder und als mindestens versuchter Massenmörder herauststellt, setzen ein SEHR deutliches negatives Zeichen. Ich hatte das starke Gefühl du wolltest sagen: "...und es war alles in allem NICHT in Ordnung." So als hätten die negativen Handlungslinien ihr eigenes temporäres Abebben mit einem drastischen Paukenschlag kompensieren wollen.

      Was mich aber auch verwundert sind die neu eingeführten Charaktere am Ende. Zuerst dachte ich flüchtig an Edna und Harris, aber das war offensichtlich falsch. Und vor allem: wie wird die Handlung weitergehen, da die Hütersuche wegfällt? In irgendeiner Form wird natürlich der Kampf gegen den Sammler fortgesetzt werden.


      Dir ein Feedback zu geben, fällt schwer. Ich muss mich übrigens trotzdem korrigieren: die vielen Geheimnisse sind gut, sie sind u.a. eine wichtige Begründung der Spannung und daher würde ich sagen, dass sie mir auch in hoher Zahl gefallen. Ich denke du wirst sie bei Gelegenheit aufgreifen und das bietet gute Ansätze für Twists und auf die freue ich mich jetzt schon. Von daher war es reichlich sinnlos, das negativ anzumerken.

      Abseits von dem was ich bis jetzt geschrieben habe, kann ich leider nur feststellen, dass du wahrscheinlich dann deine FF am ehesten verbessern kannst, wenn du erkennst, was ihre grundlegenden Eigenschaften sind. Und die kennt niemand besser als du. Ich kann mir zumindest für mich nicht vorstellen, ein Werk dass ich vielleicht in 1-2 Folgen mal detaillierter erfasst habe, ernsthaft in höherer Spannweite substantiell zu betrachten. Ich sehe ansonsten nur, dass ich sie sicher nicht missen möchte. Und mit dem Nervensägenpotenzial eines Utopisten werde ich sicher nicht noch mal an die Sache herangehen.

      Aber ein rein technischer Aspekt könnte hilfreich sein. Das hat natürlich nichts mit Schreibtechnik zu tun, ich hoffe das Exempel zeigt den speziellen Technikbegriff, den ich meine.

      Nämlich: Du könntest den Lesern anbieten, ihre Fragen zu beantworten. Ich weiß, dass das zahlreiche Probleme aufwirft. Meine Antwort darauf lautet: die Fragen müssen bestimmte Eigenschaften mit sich bringen. Am einfachsten ließe sich das Regeln, wenn diese von aktuellen Fragen ("Ist Kali die Mutter von Anya?" wäre ein gutes Beispiel, wie diese Fragen NICHT sein sollten) abgekoppelt wären und entweder die Welt oder langfristige Entwicklungen oder spezielle Details betreffen. Ich sehe mehrere Vorteile in diesem Konzept:

      - mehr Kommentare (wer Fragen stellen will setzt sich mit dir in Verbindung - so oder so)
      - engere Bindung der Leser an die Details der FF (=vorhandene Qualität wirkt besser)
      - eventuelle Anregungen für dich
      - du musst keine Fragen beantworten (-> du hast nichts zu verlieren)
      - die Antworten können von den Folgen abgekoppelt sein und deine Leser unterhalten (insbesondere die Erstellung der Fragen)
      - Wettbewerbseffekt (welche Frage wurde für passend befunden)
      - Leserinteresse abgekoppelt von Folgenveröffentlichungen
      - dein Werk wird breiter rezensiert
      - Fragen regen weitere Fragen an (-> Kettenreaktion)
      - unpassende Fragen haben auch Nutzen (i.S.v. sie spiegeln das Leserinteresse oder verstärken selbiges)

      Alles in allem könnte dies einen Rahmen schaffen, deiner FF mehr und intensivere Zuwendung zu ermöglichen. Das könnte dann in Posts enden, die wie ein Kurzinterview anmuten.

      Tatsächlich hast du natürlich auch so gewisse Fragen deiner Leser beantwortet. Dies jedoch zu einer eigenen Instanz zu machen halte ich allerdings für einen signifikanten Unterschied. Es wäre eine zusätzliche Tätigkeit neben der Erzählung und würde sich explizit auch allgemein an alle Leser richten.

      Ich persönlich wäre gerne, bereit pro Monat (passende) 5+ Fragen zu stellen (per PN), falls du es denn wollen solltest und den Aufwand als sinnvoll erachtest. Sobald die ersten 2-3 Fragenserien beantwortet wurden, könnte das schnell ein Selbstläufer (von den Fragen her) werden. Ist es nicht genau das, was man als Autor will: über sein Werk fachsimpeln? Ich persönliche empfinde das zumindest so und dieser Ansatz wäre eine Möglichkeit, dies ganz gezielt zu erreichen oder zu steigern.

      Zunächst möchte ich euch allen nochmal danken.

      @WiR
      Danke dir!

      Ja, zwischen Marc und Logan ist ein ziemlicher Unterschied.
      Marc war Schwärmerei, Logan dagegen ist was Ernstes. Bleibt nur abzuwarten, ob daraus noch etwas entstehen kann, so, wie Staffel 2 endete.

      Sophias "Tod" war eine Machtdemonstration des maskierten Dämons.
      Ich könnte mich für ein Revival in irgendeiner Form hinreißen lassen. Sowieso wäre ein Kampf Sophia VS Tierra etwas, das ich gerne einbauen würde.
      Nicks Screentime ist tatsächlich leider zum Ende hin immer weiter reduziert worden. Das wird auch in Teilen von Staffel 3 storybedingt so sein, aber er wird definitiv eine wichtige Rolle spielen.

      Plotarmor wird die Charas nicht schützen ... ahem. xD
      Mal schauen, wie sich das auflöst. Interessante Spekulationen für das Ende. ^^

      @Mcto
      Auch dir vielen Dank. Dein Lob ehrt mich.

      Wegen der Rückblenden: Ich verstehe, warum das merkwürdig anmutet.
      Dass ich das so arrangiert habe, hat mehrere Gründe. Zum Einen mag keiner als erste Folge einer neuen Staffel Flashbacks. Dazu kommt, dass die erste Folge der zweiten Staffel an einer ganz anderen Stelle ansetzt und entsprechend es merkwürdig wäre, Flashbacks einzubauen. Wenn jemand eine Zusammenfassung braucht, kann ich damit jederzeit auf die letzte Folge der zweiten Staffel verweisen.
      Zumal ich auch ein wenig Stoff brauchte, um die letzte Folge zu füllen. xD

      Logans Position wird in Staffel 3 enthüllt werden. Wie die meisten Geheimnisse.
      Ich kann, wie schon mal gesagt, verstehen, dass es unbefriedigend ist, über lange Zeit hinweg keine ausreichenden Antworten zu bekommen.
      Aber es war von Anfang an geplant gewesen, die Story in drei Teile zu teilen ... wobei, nicht ganz.

      Was deinen Vorschlag mit den Fragen angeht: Ich verstehe nicht ganz.
      Fragen könnt ihr mir jederzeit stellen. Sei es, weil etwas nicht verstanden wurde oder um nochmal Klarheit zu schaffen. Oder selbstverständlich auch Sachen, die nichts mit dem Inhalt zu tun haben, falls euch das interessiert.
      Inhaltlich antworte ich aber nur in den Maßen, die für diesen Zeitpunkt "gut für euch sind". Ich muss wohl nicht sagen, dass ich nichts spoilern werde.
      Also wenn ihr Fragen habt: Fragen! ^^
      Wie und wo ist mir egal.


      So, dann wird es Zeit für ...

      Statusupdate #1
      Ich werde euch regelmäßig über den Fortschritt der Story informieren.
      Nach und nach werde ich ein paar Informationen teilen und eventuell auch ein paar Überraschungen für euch bereit halten, um die Wartezeit zu überbrücken.
      Heute beschränke ich mich nur auf die Titel der kommenden Folgen und Specials sowie ihren prozentualen, geschätzten Fortschritt.

      Fortschritt

      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [75%]
      Turn 91 – Genius [20%]
      Turn 92 – Mirror Me [35%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [30%]
      Turn 94 – Bad Grandma [37%]
      Turn 95 – Bonds [25%]
      Turn 96 – Witch Fight [30%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [33%]
      Turn 98 – Nightmare [0%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [52%]

      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [98%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]

      *Titel sind Arbeitstitel und können sich noch ändern


      Nächtes Mal werde ich voraussichtlich mehr Infos plus etwas Unterhaltung parat haben.
      Ihr könnt natürlich gerne über die Titel diskutieren.
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      Nun, es ist ja bei vielen "Produkten" (bei Boostern zum Beispiel, aber auch bei Geschichten) generell recht konsequent und gut verständlich, dass eine Steigerung um Vergleich zu den vorherigen "Abschnitten" aus Sicht des Autors immer sehr wünschenswert ist. Im RL-YGO führt das zu dem Phänomen des Power-Creep, in den Geschichten schlägt sich das auf ganz unterschiedliche Art und Weise nieder, aber schon die ganze Zeit Möglichkeiten für Überraschungen einzubauen, die auch noch lange vorher angekündigt (und nicht etwa im Nachhinein hineingedeutet werden müssen) bzw. eingeführt wurden ist sicher die eleganteste Art und Weise die Spannung nicht nur aufrecht zu erhalten, sondern sich Möglichkeiten zu schaffen, die Story zu immer neuen gut integrierten Höhepunkten zu führen. Aus der Perspektive sind viele Geheimnisse erkennbar notwendig.

      Die neuen Titel machen schon Lust auf mehr, aber was mich stutzig gemacht hat, ist, wie du die Prozentangaben generierst. Na ja, ist im Prinzip auch egal, es ist schön, dass du dir in die Karten schauen lässt und dass man sieht, dass du gut bei der Sache bist.


      Was die Sache mit den Fragen angeht: dass du nur ohne Spoiler antworten kannst, hatte ich bereits versucht zu berücksichtigen und daher würde dies in dem Konzept, wie ich es vorschlage, aufgehen. Dass wir dir jederzeit Fragen stellen können stimmt natürlich. Das Prinzip bis jetzt ist aber primär personenbezogen und dementsprechend zwar individuell, könnte aber strukturell noch verbessert werden, mit dem einzigen Zweck, die Rolle deiner Geschichte und ihrer Inhalte für ihre Interessenten unabhängig von ihrer reinen Veröffentlichung ihrer Bestandteile stärker im Bewusstsein auszuprägen.

      Die Fragen könntest du, anstatt als (zwar wichtiges, aber dennoch strukturell un-eigenständiges) Anhängsel deiner Folgen implizit aufwerten, indem du sie von diesen loslöst und an dir passend erscheinenden Stellen explizit erwähnst, dass du Fragen (per PN) sammmelst um sie öffentlich zu beantworten und ankündigst, wann die nächsten Antworten erscheinen (natürlich nur, soweit du dich festlegen willst und/oder kannst).

      Das bringt/macht den Unterschied, dass die Fragen nicht mehr direkt an die neuesten Folgen gebunden bleiben und daher in der Tendenz häufiger werden und sich mehr auf das Gesamtwerk beziehen. Es ist alles in allem eine Frage der Präsentation der Möglichkeit, zu fragen, und das Festlegen eines Fokus auf diese spezielle Tätigkeit. Das würde dir ermöglichen, die Beantwortung der Fragen, die wie Kurzinterviews anmuten könnten, bei dem du dir natürlich nur passende Fragen ganz nach Belieben herausgreifst, als Unterhaltung für Wartezeiten und auch sonst einzuschieben und außerdem richtest du dich auf diese Weise an alle Leser. Das dürfte auch die Auseinandersetzung mit deinem Werk steigern, einfach weil du die Fragemöglichkeit ausdrücklich hervorhebst und entsprechend präsentierst.

      Wenn dir das wie und wo der Fragen egal ist, warum dann deren Auftreten nicht so verändern, dass deine Leser und du davon profitieren? Ich weiß, ich klinge vielleicht wie irgend so ein vermaledeiter PR-Manager, aber ich denke wirklich, dass es in deinem Interesse wäre und Nachteile fallen mir keine ein, zumal es relativ leicht zu machen sein dürfte. Du kannst es dir überlegen, ich denke mein Punkt ist klar geworden, und du kennst deine Interessen selbstredend am Besten. Wenn möchtest, können wir das auch per PN weiter besprechen.

      @Mcto
      Die Prozentangeben sind natürlich nur Schätzwerte. Ich gehe bei meinen Folgen anfänglich von circa 20 Seiten pro Dokument aus. Daraus kann man dann ja errechnen, wie viel davon schon geschafft ist. Kann natürlich auch sein, dass es manchmal doch mehr oder weniger wird. ^^

      Was deinen Vorschlag angeht, sehe ich da weiterhin nicht so wirklich durch.
      Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich auch gar keine Lust habe, darum jetzt so ein großes Brimborium zu veranstalten.
      Wer Fragen hat, soll sie jederzeit stellen, entweder hier oder per PN. Wie und wo ich sie dann beantworte, werde ich dann entscheiden.
      Fakt ist: Bisher ist da von niemandem etwas gekommen. Also gibt es entweder keine Fragen, es traut sich niemand oder die Leute warten schlichtweg, bis sie sich von selbst beantworten. Man kann halt nichts erzwingen.

      Ansonsten würde ich auf deinen Vorschlag eingehen, das weiter per PN zu besprechen. ^^
      Hm, ich war der festen Überzeugung bereits nach der letzten Folge der Staffel gepostet zu haben, was aber offensichtlich nicht der Fall war. Also erstmal sorry, weil irgendwie ist das jetzt übelst lang her seit du die Folge gepostet hast

      -Aska-

      Wahrscheinlich wirst du auch erst wieder nachschauen müssen, was du eigentlich geschrieben hast, also lass ichs gleich als Zitate, damit du nicht immer hin und her springen musst

      Wer sagt, dass der Sammler das nicht kann? Manche tragen zuhause keine Hose, der ist gleich komplett ohne Unterleib unterwegs. XD
      Dann kann er sich ja zu Yumi dazugesellen. Wird bestimmt ein interessantes Pärchen, wenn sie Geschichten erzählen xD

      Was die Folge angeht: Ich weiß ja, dass du nicht wirklich glücklich wegen des Ausgangs bist. Ich hätte gerne mehr Antworten geliefert, aber das ist eben alles noch Zukunftsmusik. Trotzdem danke für das Lob.
      Du weißt ja, dass ich da durchaus differenzieren kann. Zum Einen ist es natürlich wirklich immer schade, wenn Hoffnungen aufkommen, die sich dann aber nicht erfüllen. Aber wenn du andererseits sagst, dass du an späterer Stelle auf solche Dinge wieder zurückkommst, oder Handlungsstränge fortführst, dann ist das ja nicht aus der Welt. Und zur Not erinnere ich dich bei der letzten Staffel dran, dass du dieses oder jenes noch aufklären mögest, sofern du es nicht getan hast ^^

      Valerie hatte wirklich gute Chancen. Hätte ihr die Schneekönigin nicht dazwischengefunkt, hätte sie das Ding gewonnen. Aber so ist das eben mit Excel-Monstern. Die kommen plötzlich aus dem Nichts. Wobei du natürlich Recht damit hast. Sieg =/= Sammler tot.
      Wir müssen wohl nicht drüber reden, dass man schon während des Duells gemerkt hat, wie geknickt sie ist.
      Absolut. Und den Effekt der Schneekönigin hast du schön umgesetzt. Wie Valerie gar keine andere Wahl hat als ihren Zug zu machen. Da harmoniert die Kontrolle des gegnerischen Zuges zu übernehmen schön damit, dass es wie eine übernatürliche Fähigkeit tatsächlich den Spieler "kontrolliert", und nicht nur so ein "hier sind meine Karten, mach meinen Zug" :)

      Dagegen sahen Anyas Chancen von Anfang an schlecht aus. Gardenia hätte auch schon viel früher gewinnen können, wie ich – meiner Meinung nach – auch ganz dezent angedeutet hatte. Aber diese Hexe ist eine sehr neugierige.
      Auch hier hast du Recht: Ein Sieg hätte Anya gar nichts genützt. Es sei denn, sie hätte Gardenia danach irgendwie mit dem Tod erpressen können, wozu sie aber gar nicht die Kraft gehabt hätte.
      Das ist mir vermutlich dann beim Lesen entgangen, ich weiß es auch beim besten Willen nicht mehr xD Aber ansonsten natürlich richtig, weil abseits von einem Sieg hätte sie ja nicht einmal Anya mit einem Duell beschäftigen müssen, sobald sie in den Weißen Raum verfrachtet worden ist. Das spricht schon deutlich für Neugier xD

      Wegen den Excel-Karten möchte ich allerdings widersprechen. Es gibt drei offizielle Besitzer, aber das sind der Sammler, Kyon und derjenige, der sie geschaffen hat. Exa hatte jene damals offscreen abgelehnt und dann gegen Kakyo mit der Kraft seines Artefakts eine eigene erschaffen.
      Richtig. Das hatte ich falsch in Erinnerung. Ich wusste nur noch, dass Exa Eine verwendet hatte. Aber demnach - wenn ich das richtig daraus lese - wäre derjenige, der sie geschaffen hat, evtl David sie dann geschaffen. Wobei das auch so zu verstehen wäre, dass David keiner der offiziellen Besitzer sein muss. Denn der echte Urheber könnte grundsätzlich ja schon mehr gemacht haben.

      Nigel ist in der Tat kein Schlechter, wenn man nicht gerade auf Kriegsfuß mit ihm und/oder seinem Protegee steht. Deine Bedenken hinsichtlich Anya kann ich nur nachvollziehen. Mal sehen …
      Von Nigel könnte es von mir aus auch nochmal mehr geben. Als "Neutraler" gefiel er mir zunehmend besser. Zumal er ja ein durchaus wissender Hüter ist.

      Vielleicht hat Anya übrigens mehr Verbündete als du denkst? ;)
      *angestrengt nachdenkt* NÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄH xD


      Ich greif den Abschnitt nach der letzten Folge auch mal gerade mit vor:

      Wie du ja weißt, bin ich auf die dritte Staffel sehr gespannt und freue mich darauf, zu sehen, wie sich all die Wendungen nun auflösen werden, ob man mit der einen oder anderen Spekulation zwischendrin richtig gelegen hat usw. Aber natürlich macht es auch ein wenig traurig, wenn es ein Ende mit Ankündigung ist und man weiß, dass es danach dann vorbei sein wird. Aber immerhin weiß man bei dir, dass du die Geschichte tatsächlich abschließt. Nicht so wie gefühlt jede zweite US Fernsehserie, die nach einer Staffel eingestellt wurde, obwohl sie ganz interessant war.


      Was ich gelungen fand? Ich glaub, da gäbe es zuviel, was ich aufzählen könnte. Die Charaktere und ihre Entwicklung, die Beschreibungen dass man sich die Handlungsorte im Kopf gut vorstellen kann und auch bei den Charas in sie hineinversetzen kann.
      Stilistisch gefiel mir - damals Staffel 1 noch als ganze Folgen, in Staffel 2 jetzt als Handlungsstränge Teile der Folgen - der komplette Wechsel zu einem anderen Charakter. Damals war es ja Valerie, jetzt hatten wir so z.B. Matt, Zanthe, aber auch sporadisch die Antagonistenblickwinkel ;)

      Verbesserungen? Nicht wirklich welche. Ratschläge? Immer dir selbst treu bleiben. Bisher hat es alles wunderbar funktioniert ^^

      An dieser Stelle bedanke ich mich noch einmal bei allen, die fleißig mitgelesen haben sowie bei denen, die auch Feedback hinterlassen haben. Ich bin ehrlich: Es war nicht immer ganz einfach, so ein Mammutprojekt zu stemmen, wenn man das Gefühl hat, dass vielleicht zwei, drei Leute aktiv mitlesen. Aber letztlich muss man über sowas erhaben sein, denn man bekommt nicht immer das, was man sich wünscht und das Leben ist auch kein Ponyhof.
      Das macht mich auch immer ein wenig traurig, dass es hier so wenig Feedback gibt. Ein paar wackere Leute posten regelmäßig, aber der Großteil liest im Stillen. Dabei wäre es für dich als Autor soviel motivierender, wenn es mehr Kommentare wären. Wie irgendwo mal gesagt, es muss ja kein Essay sein.

      Deswegen NOCHMAL danke an diejenigen, die ihre Gedanken mit mir geteilt haben. Besonders hervorheben möchte ich hierbei Evil Bakura, der nicht nur mein Testleser ist, sondern auch enger Vertrauter und treuester Begleiter. Danke für alles!
      *beschämt den Hinterkopf reibt* Danke ^^'




      Folge

      Wie gesagt, ich bin sau spät dran, aber ich hab ja gerade selbst geschrieben, jeder Kommentar zählt, also will ich am Ende nicht bei genau einer Folge faul werden.

      Bei dieser letzten der Staffel denke ich fang ich aber wirklich beim Schluss an, der ja doch ein gewaltiger 'Knaller' gewesen ist. (manche gute Steilvorlagen ergeben trotzdem nur schlechte Wortwitze xD)

      Mit einem offenen Ende hast du den Leser, angesichts der angekündigten Wartezeit auf Staffel 3, natürlich böse am ausgestreckten Arm hängen lassen. Beim Lesen hatte ich die ganze Zeit mit irgendeiner eher einfachen Lösung gerechnet, mit der die Ereignisse aufgeklärt werden. So waren in der Folge nirgends die Duel Disks erwähnt worden, und hätte ja sein können, sofern die sich vermutlich im normalen Gepäck befanden, Anyas bombige Disk durch einen Irrtum in einem anderen Flieger gelandet sein könnte oder sowas.
      Aber die Szene mit Velvet (I c what u did there xD) implizierte ja, dass es tatsächlich das Flugzeug mit Anya und Co gewesen ist. Im gleichen Atemzug wurde mit der Szene dann aber auch eine "Final Destination" Situation mit einer prophetischen Vision ausgeschlossen, da diese Ereignisse zu der Zeit bereits 15 Minuten her waren (Was nebenbei interessant ist. Sogesehen war es ja mehr ein Flashback. Normalerweise hat man die immer nur von selbst erlebten, oder wenn man mit Gegenständen aus dem Ereignisbereich in Berührung kommt. Bei Velvet kam es einem aber tatsächlich mehr wie eine Zukunftsvision vor, als ob sie es fast am eigenen Leib spüren würde, so echt wirkte es für sie war.

      Aber okay, diese Dinge werden denk ich Sachen sein, auf die man mit der nächsten Staffel warten muss, wie sie sich entfalten und auflösen werden.

      Rücksichtslos fand ich die Aktion von Zach allemal. Ich meine, warum ausgerechnet da? An diversen anderen Orten hätte er weit weniger Kollateralschaden verursacht. Z.B. im Gate, als da an dem einem Moment fast keiner mehr da gewesen war. Natürlich kann man argumentieren, dass die Gefahr entdeckt zu werden dort höher und die Wahrscheinlichkeit, dass Anya vielleicht nicht getötet werden würde, größer gewesen wäre. In einem explodierenden, dann abstürzenden und in ein Haus krachendes Flugzeug sind die Chancen wohl deutlich niedriger gewesen.
      Wenn man aber berücksichtig, dass der Zünder so eine enorme Reichweite hatte, dann hätte er sie theretisch auch im Taxi auf dem Weg zum Flughafen hochjagen können. Er wusste ja offensichtlich, dass die Gruppe dort aufschlägt, also hätte er da nur stehen und den Zünder gedrückt halten müssen, und sobald das Taxi in Reichweite käme. Booooom.
      Soviel zu dem unklaren Teil. Anders seine Motivation, die er ja schon im Cup gezeigt hatte, Kali unbedingt beschützen zu wollen und dafür 'Anya' auch gegen ihren Willen zu töten. Nach der letzten Konfrontation im Stadion dürfte sich das nur noch verstärkt haben.

      Ansonsten gab es in der Folge auch noch ein paar andere Details, die erwähnenswert waren. So zum Beispiel Logan, der durch die Szenen am Flughafen wieder ein Rätsel aufwirft. Grundsätzlich könnte die Aussage von ihm mit seinem Karriereende eine andere Erklärung haben, was es mit Claire zu tun hatte. Aber ohne eine Auflösung sät es natürlich erstmal wieder Zweifel an ihm.

      Der Frieden mit den Undying bleibt vorerst auch einmal bestehen, was soweit ganz gut nachvollziehbar war. Solange Anya den Plan des Sammlers nicht weiter verfolgt, steht sie unter dem Schutz der Undying. Nur bleibt natürlich in der Theoreie offen, wie sie ihr helfen wollen (mal unter der Annahme, dass die momentane Schrödinger' Anya wieder den Status "lebend" erhält). Zudem strebten die Undying bisher immer Majoritätslösungen an. Falls Anya das kleinere Übel wäre, bestände grundsätzlich die Gefahr, dass sie fallen gelassen wird. Aber eigentlich ist zumindest Ricther zu aufrichtig rübergekommen, als sein Wort zu brechen.

      Ansonsten war da nicht mehr so viele Neues, auf das man eingehen müsste, weil es ja im Großen und Ganzen eine Flashback Episode war. Dabei hast du durch Anyas Perspektive und ihre Kommentare zu den erzählten DIngen die üblicherweise etwas zähen Rückblenden Blöcke schön aufgelockert. Denke aber das hängt auch davon ab, wieviel man selbst noch weiß.
      Insgesamt hast du nochmal gut die ganzen Momente zusammengefasst, die wichtig für die Handlung waren. Gut gelöst war auch abwechselnd zwischen Echtzeit und Erinnerung zu wechseln. Denke war auch ganz okay, am Ender der Staffel die Handlung nochmal aufzubereiten. Wobei man grundsätzlich darüber diskutieren könnte, ob das am Anfang einer neuen Staffel Sinn machen würde. Gerade wenn so lange bis zu derem Beginn dazwischen liegt. Aber Quereinsteiger können immer nochmal diese Folge zur groben Einführen nehmen - wobei es natürlich mehr Sinn macht, chronologisch ranzugehen.

      In dem Sinne verbleibe ich gespannt, wie du an die Ereignisse dieser Folge in der nächsten Handlung anschließen wirst. Denn ich vermute, gleich zu Beginn wirst du uns auch keine Lösung zeigen wollen, wie die Charas das doch überstanden oder gerettet werden können. Sowas würde den eigentlich großen Cliffhanger auch kleiner bzw weniger gravierend machen, als er doch war.
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      .:: Cold Desire - Reboot in Arbeit ::.
      Yohoho, schon wieder ein Monat rum. Also Zeit für das nächste Statusupdate mit einem kleinen Bonus.
      Aber erstmal noch ein Danke an euch, dass ihr so geduldig seid bzw. immer noch Interesse an der Fanfic habt.

      @Evil Bakura
      Das ist nicht zu entschuldigen! Als Strafe musst du lebenslang mein Betaleser bleiben. Und meine geheimen Yaoi-Fanfics lesen! So, da hast du's!

      Vielleicht wird’s das ein oder andere am Ende der Staffel geben, was ich erklären muss, aber viele Fragen werden mit Staffel 3 endlich beantwortet werden.
      Die Schneekönigin war eine Last Minute-Entscheidung, beruhend auf unserem Gespräch über ein gewisses, anderes TCG. XD
      Eigentlich sollte der Sammler ja seine Excel-Karte im Duell gegen Ricther auspacken, aber daraus wurde dann irgendwie nichts.

      Ich hab die Gardenia-Stelle auch nur sehr subtil angedeutet. Ein gewisses Bossmonster von ihr hat nämlich auch einen Effekt, der Karteneffekte annullieren kann. ;)
      Hach, die Sache mit den Excels und ihrem Ursprung werde ich recht zeitnah in Staffel 3 aufklären, dann dürfte auch endlich klar sein, wie es zu dieser Verteilung kam. Ist eigentlich recht simpel.

      Das mit den Serien, die vor ihrem Ende eingestellt werden, find ich auch immer behämmert. Fast so schlimm wie Serien, die ewig in die Länge gezogen werden. House M.D. *hust* Supernatural
      *hust*

      Was meinst du eigentlich mit dem Kommentar bezüglich Velvet?
      Auf jeden Fall sollte die letzte Szene deutlich aussagen: Das ist passiert, das kann nicht mehr verhindert werden.

      Sicher hätte man den Flashback auch als erste Folge bringen können, aber das wäre doch langweilig und ein uninteressanter Einstieg. Ne, da ist mir das so lieber. Ich hasse Flashback-Folgen sowieso wie die Pest.

      Was Zach da geritten hat, obwohl er weniger Opfer hätte mit reinziehen können … wer weiß.

      Dir jedenfalls vielen Dank. ^^


      Dann hier der aktuelle Stand:

      Statusupdate #2

      An den Specials habe ich bisher nicht weitergearbeitet, aber es ist eh noch genug Zeit.

      Fortschritt
      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [75% -> 95%]
      Turn 91 – Genius [20% -> 27%]
      Turn 92 – Mirror Me [35% -> 40%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [30%]
      Turn 94 – Bad Grandma [37%]
      Turn 95 – Bonds [25%]
      Turn 96 – Witch Fight [30% -> 43%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [33% -> 37%]
      Turn 98 – Nightmare [0% -> 5%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [52% -> 60%]

      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [98%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]


      Okay, wenn ich mir das jetzt so ansehe, ist das weniger als ich eigentlich dachte. Hier und da etwas gemacht, aber kaum irgendwo wirklich weiter. *seufz*
      Naja, mal schauen. Entsprechend kann ich erstmal noch keine Infos mit euch teilen, dafür etwas anderes.

      *Trommelwirbel*

      Character Skits!

      Manche kennen sie vielleicht aus den Spielen der Tales of-Reihe. Kurze Szene mit den Figuren, die manchmal mit der Story zu tun haben, aber meist völlig andere Themen behandeln und der reinen Unterhaltung dienen. Ich hab mich mal dran versucht, welche für TLA zu schreiben. Falls sie gut angenommen werden, werde ich mehr produzieren. Wenn nicht, dann ... nicht.
      Für Ideen, wie man das Ganze noch besser aufbereiten kann, wäre ich sehr dankbar. ^^
      Also dann viel Spaß!


      Skit #1 - Clairebot
      Anya trifft Claire Rosenburg in ihrem Wohnzimmer an.

      Anya: „Hey, Rosenbot!“
      Claire: „…“
      Anya: „Hey, Roboburg!“
      Claire: „…“
      Anya, gereizt:„Hey, Mechamotherfuckincheaterbitch!“
      Claire: „… Data not found!“
      Anya, irritiert:„W-was?“
      Claire: „Data not found!“
      Anya weicht langsam zurück: „Alles okay mit dir?“
      Claire: „Data not found!“
      Anya im Umdrehen:„Shit, die ist ja wirklich ein Roboter!“

      Nachdem sie das Zimmer verlässt, schiebt sich Zanthes Kopf hinter dem Sofa hervor.

      Zanthe: „Gut gemacht, Claire!“
      Claire: „Data not found!“
      Zanthe, leicht genervt:„Du kannst jetzt damit aufhören …“

      Skit #2 - Ex-trem!!!
      Zanthe begegnet Marc auf der Straße und beobachtet ihn dabei, wie er einem kleinen Mädchen einen Luftballon schenkt.

      Zanthe, schelmisch:„Oh, hey, Marc. Na, mal wieder dabei, anderer Leute Leben zu ruinieren?“
      Marc, mürrisch:„Natürlich. Im Luftballon sind harte Drogen …“
      Zanthe:„Ex-trem~! >seufzt< Verstehst du keinen Spaß? Ich meine, nach der Sache mit Anya damals und neulich dieses Interview. Hätte nur noch gefehlt, dass du die Farbe von Valeries Unterhöschen verrätst.“
      Marc, genervt: „Sicher … war kurz davor …“
      Zanthe, unbekümmert:„Wobei ich dein Engagement auch irgendwie bewundere. Du würdest echt alles für sie tun. Aber wo sind die Grenzen?“
      Marc:„Es gibt offensichtlich keine …“
      Zanthe: „Ach komm schon! Was würdest du tun wenn, sagen wir, zwei Eisdämonen sie angreifen würden? Solche mit scharfen Klauen, spitzen Zähnen und hart wie Stein!“
      Marc: „Ich würde mich selbst in Brand stecken, um sie zu schmelzen …“
      Zanthe:„Ahaha! Der war gut!“
      Marc, grimmig: „Das war kein Witz …“
      Zanthe, perplex: „… oh. Das ist … extrem …“
      Marc: „Nein. Das ist ex-trem!!! Und jetzt verschwinde, ich muss noch mindestens zwei Menschen verleumden …“

      Zanthe schlendert irritiert davon.

      Zanthe: „Ouh, ich hab' wohl 'nen wunden Punkt getroffen … Yoinks!“


      Ich hoffe, die waren ganz ok ...?
      Spoiler anzeigen
      Also ich finds faszinierent wie du nicht erst eine Folge nach der anderen machst sondern viele auf einmal.

      Zu den Skitts: Das erste war schon witzig, das zweite eher informativ oder ich habe zu wenig schwarzen Humor. War aber nett wieder was von Marc zu lesen.

      Ideen für Skitts:

      Logan und Zanthe erklären Richter was ein Handy ist.
      Anya bittet Nick ihr das Hacken beizubringen.
      Anya überredet Nick Clairbot zu hacken.
      Clairbot beim Sauber machen.
      Anya als Pirat.
      Nick kämpft um mehr Screentime.
      Richter führt nen Kaffeeklatsch mit dem Sammler.
      TLAS verkleiden sich als Justice leage.

      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Und ein weiterer Monat rum, also wieder Zeit für ein Statusupdate.

      @WiR
      Dass ich nicht chronologisch schreibe hilft mir, bei Schreibblockaden trotzdem voran zu kommen. Mir passiert es öfter, dass ich für die aktuelle Folge keine Inspiration/Motivation habe, dafür aber für eine andere. Deswegen fang ich dann mit der an, ehe ich gar nix hin bekomme. Die Technik kann ich nur weiterempfehlen, vor allem weil man später dann auch weniger zu tun hat. ^^

      Danke für deine Vorschläge für die Skits. Einen davon werde ich mindestens umsetzen, aber bin noch nicht so weit. Hoffentlich beim nächsten Mal!


      Statusupdate #3
      Diesmal bin ich besser voran gekommen!

      Fortschritt
      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [95% -> 100%]
      Turn 91 – Today Will Never Exist Again [27% -> 100%]
      Turn 92 – Mirror Me [40%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [30% -> 48%]
      Turn 94 – Bad Grandma [37%]
      Turn 95 – Bonds [25% -> 40%]
      Turn 96 – Witch Fight [43% -> 56%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [37%]
      Turn 98 – Nightmare [5%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [60%]

      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [98%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]

      Wie man sehen kann, hat die dritte Folge einen neuen Titel, der meiner Meinung nach besser zum Inhalt passt. Auch Bad Grandma wird sich vielleicht noch ändern, aber bisher habe ich da noch nichts Besseres. ^^


      Leider gibt's heute nur einen Skit, die ja doch scheinbar ganz gut angekommen sind, aber dafür hat er die dreifache Länge. ^^
      Wenn ihr Vorschläge für Skits habt, schickt sie mir ruhig. Dann mach ich einen Monat mal Fan-Skits. ^^

      Skit #3 - Pechsträhne
      Matt sitzt frustriert auf der Couch in Anyas Wohnzimmer und zappt wahllos durch das Programm, als Letztere den Raum betritt.

      Matt, deprimiert: „ … natürlich, meine Lieblingssendung haben sie auch abgesetzt.“
      Anya: „Hey Summers, was geht?“
      Matt: „Nicht viel …“
      Anya, sich zu ihm auf die Couch setzend: „Alter, du klingst, als wäre gerade dein Haustier gestorben.“
      Matt: „Nicht mein Haustier, aber unser Laptop. Hab Kaffee drüber verschüttet, jetzt ist er hin.“
      Anya, sauer: „Ugh, na toll! Sonst noch irgendwelche schlechten Nachrichten?“
      Matt, brummend: „Ich bin ins Badezimmer reingeplatzt, als deine Mutter sich gerade ausgezogen hat, habe Zanthes Faust Band 2 verbummelt, mein Konto beim Einkaufen überzogen und bin auf dem Rückweg mit den Taschen gestolpert, hingefallen und habe dabei das Obst zerquetscht.“
      Anya, abwinkend: „Pft, wer mag schon Obst. Aber hey, das klingt ja nach einer waschechten Pechsträhne. … hast du Bock auf ein Duell, so nebenbei, huh?“
      Matt, zu ihr grimmig herüber schielend: „Nein …“
      Anya: „Tch, ich wollte dich nur ablenken …“
      Levrier telepathisch zu Anya: „Wenn du deine Freunde aufheitern willst, solltest du dies durch etwas Positives tun und nicht, indem du dein eigenes Ego aufpolsterst, Anya Bauer.“
      Anya: „Schnauze da oben! Aber warte mal … was könnte Summers aufheitern?“

      Anya sieht ihn nachdenklich an, bemerkt den verträumten Ausdruck in seinen Augen trotz all der Missgeschicke. Daraufhin springt sie auf, schlägt die Faust in die Handfläche.

      Anya, energisch: „Ich hab's! Ich arrangiere ein Date zwischen dir und Redfield!“
      Matt, rot anlaufend: „W-was, w-wie kommst du denn darauf!?“
      Anya, ernst: „Jeder mit zwei Hühneraugen sieht doch, dass du scharf auf sie bist! Wart nur ab, das wird großartig.“
      Matt:„I-ich weiß nicht so recht …“

      Anya ruft Valerie an und bringt sie unter fadenscheiniger Argumentation dazu, sich morgen mit Matt im Kino zu treffen. Am nächsten Tag wartet sie bereits zusammen mit Zanthe im Flur, als Matt die Tür öffnet.

      Zanthe: „Oh, das ist er! Wie war's, Loverboy!?“
      Matt: „...“
      Anya: „Ach komm schon, sie klang doch ganz angetan!“
      Matt: „War sie auch …“
      Zanthe: „Betonung auf 'war', nehme ich an.“
      Matt: „Ja … erst stoppte der Film mitten in der Vorführung. Dann wurden wir von einem Regenschauer überrascht.“
      Zanthe, irritiert: „Huh? Hier hat's gar nicht geregnet …“
      Matt, missmutig: „Wundert mich nicht. Beim anschließenden Dinner habe ich Valerie dann mit meinem Wein angespritzt – durch die Nase! Und als ich ihr gesagt habe, dass ich sie sehr gern hab, meinte sie nur, dass wir inzwischen ziemlich gute Freunde sind.“
      Zanthe: „Autsch.“
      Anya, unwissend: „Ist das schlecht?“
      Matt, sauer an dem Mädchen vorbeiziehend: „Anya, ich hasse dich …“
      Anya: „Aber warum!?“

      Als das Mädchen ihm hinterher will, rutscht sie über den erst vorhin geputzten Boden aus und landet hart auf dem Rücken. An diesem Tag entschied sich das Karma, endlich gut zu machen, was es etliche Jahre in Livington ignoriert hatte … und das war das vorzeitige Ende von Anya Bauers Geschichte.
      Spoiler anzeigen
      Du kommst ja gut voran. :) Das mit mehreren Episoden nebeneinander schreiben macht schon Sinn. So habe ich das noch nie betrachtet. Ist eigentlich auch ein guter Tipp.

      Zu meinen Skitt Vorschlägen: Freue mich das ich dir da helfen konnte. Ich bin ja gespannt welcher es sein wird.

      Zu diesem Skitt:
      Armer Matt. Pech hoch 2. Kann es sein das Karma lange dachte das Matt Anja wärexD
      MattXvalerie somit tot. Ich glaube auf Valerie stehen mehrere Kerle +- Anja. Aber ist Anja in der Folge nun gestorben oder interpretiere ich da was hinein? (Also im Skitt nicht in der Hauptstory) .



      Danke fürs Update und den Skitts. :)
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      So, dann mal etwas verspätet das nächste Statusupdate!

      @WiR
      Gerne, ich hoffe die Updates und Skits sind auch interessant für euch.
      Zu dem Karma-Skit: Ja, Anya ist durch den Sturz überraschend gestorben. Natürlich gehören die Skits nicht zum Canon, sondern adressieren nur bestimmte Vermutungen oder Andeutungen. ^^

      @Mcto
      Nein, es stresst nicht. Eher war es ein Anstoß, das Update zu veröffentlichen. ^^
      Ich wollte wenigstens einen Skit fertig kriegen, aber die Muße war einfach nicht da. <.<


      Statusupdate #4
      Hm, sieht ja fast so aus, als wäre ich wieder gut voran gekommen.
      Obwohl ich nur Anfang des Monats aktiv war, Hitze und Stress auf Arbeit sei Dank. <.<

      Fortschritt
      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [100%]
      Turn 91 – Today Will Never Exist Again [100%]
      Turn 92 – Mirror Me [40% → 100%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [48% → 82%]
      Turn 94 – Bad Grandma [37% → 40%]
      Turn 95 – Bonds [40% → 50%]
      Turn 96 – Witch Fight [56%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [37%]
      Turn 98 – Nightmare [5%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [60%]

      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [98%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]


      Dank der besagten Umstände habe ich es nicht geschafft, irgendwelche Skits fertig zu schreiben. Hoffentlich dann nächstes Mal. :(
      Spoiler anzeigen
      Heißt du bist somit mit den ersten 4 Folgen fertig, oder? :)
      Zu Extra Turn 00.9 (ja ist mir gerade erst bewusst geworden^^ Heißt bevor die erste Folge losging. Befürchte ja das du meine Theorie das unsere Anja in der ersten Folge zu atmen began einfach zerschmetterst :-|

      Wenn sie keine Skitts einfallen können wir uns welche dann überlegen?
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      @WiR
      Ja, die ersten vier sind im Kasten, aber noch nicht weiter auf Fehler etc. kontrolliert, nicht mal von mir selbst.
      Extra Turn 00.9 spielt vor der ersten Folge, ja. Allerdings steht jemand anderes als Anya da im Fokus. ;)


      Tja, da ich ja nun keine Skits veröffentlicht habe, gibts als "Trost" zumindest ein Preview des ersten Specials, welches ich vermutlich im Oktober veröffentlichen werde.

      Turn 54.5 - Pitch Black Ambitions / PREVIEW
      Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions
      Der Plan sieht vor, Anya am Legacy Cup teilnehmen zu lassen, um an das nächste Hüterartefakt zu gelangen. Nicht nur muss sie ihren Chef, Mr. Palmer, von ihrem Vorhaben überzeugen, sondern auch entsprechende Vorbereitungen treffen. Vorbereitungen in Form einer kleinen, bösen Liste, die sie motiviert. Erster Punkt: Levrier im Elysion in einem Duell besiegen. Jedoch nimmt alles eine unerwartete Wendung, als das Mädchen in die Abgründe ihres eigenen Selbst gezogen wird …

      Veröffentlichung: ca. 31.10.2017

      Hinweis: Spielt zeitlich zwischen Anyas erster Begegnung mit Ricther und dem Aufbruch nach Ephemeria City., daher 54.5!
      So, wieder ein neuer Monatsanfang, also auch ein neues Update!

      Statusupdate #5
      Insgesamt lief es eher mittelprächtig, aber immerhin ein bisschen Fortschritt!

      Fortschritt

      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [100%]
      Turn 91 – Today Will Never Exist Again [100%]
      Turn 92 – Mirror Me [100%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [82% -> 100%]
      Turn 94 – Bad Grandma [40% -> 60%]
      Turn 95 – Bonds [50% -> 58%]
      Turn 96 – Witch Fight [56%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [37% -> 45%]
      Turn 98 – Nightmare [5% -> 15%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [60%]


      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [98%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]


      Hoffentlich läuft es im September besser.
      Dafür gibt's diesmal die volle Breitseite an Skits!

      Skit #4 - Nein

      Zanthe und Claire sehen sich im Fernsehen eine Show über Dominanz und Kontrolle an. Anya kommt hinein und sieht, wie eine Frau einem gefügigen Mann einen Befehl gibt und kommt auf eine Idee.

      Anya, zwischen über die Couch gelehnt: „Sag mal, Flohpelz, hat Rosenburg wirklich keinen freien Willen mehr?“
      Zanthe, misstrauisch: „Das haben wir dir doch schon tausendmal erklärt. Sich braucht Führung-“
      Anya: „Also nicht! Sehr gut!“
      Zanthe, noch misstrauischer: „Was hast du vor …?“
      Anya, an Claire gewandt: „Hey Roboburg!“
      Claire regt sich nicht.
      Anya, genervt: „Ich habe ein paar Aufgaben für dich! Mein Zimmer muss aufgeräumt werden, also mach dich an die Arbeit! Danach gehst du einkaufen und anschließend mähst du den Rasen.“
      Claire regt sich immer noch nicht.
      Anya: „Hey, ich habe dir einen Befehl gegeben! Mach dich an die Arbeit!“
      Zanthe, triumphierend: „Sorry Anya, daraus wird nichts. Ich habe mir schon gedacht, dass du ihre Lage ausnutzen willst und deswegen vorher gebrieft. Sie wird von dir keine Befehle annehmen.“
      Anya, beleidigt: „Kch! Spielverderber!“

      Anya verlässt stampfend das Wohnzimmer, wobei Zanthe ihr breit grinsend hinterher sieht.

      Zanthe, an Claire gewandt: „Okay, die wären wir los. So, jetzt musst du erstmal etwas essen. Komm!“
      Aber Claire regt sich trotzdem nicht.
      Zanthe, irritiert: „W-was ist los?“
      Claire, mechanisch: „Die Anweisung lautete, keine Anweisungen entgegen zu nehmen.“
      Zanthe: „A-aber doch nur nicht von A-“
      Claire, mechanisch: „Es wurden keine Ausnahmen genannt.“
      Zanthe: „Aber du musst etwas essen, Claire!“
      Claire, mechanisch: „Dazu besteht keine Veranlassung.“
      In dem Moment knurrt ihr Magen.
      Zanthe, verzweifelt: „Dann hör' wenigstens auf die Signale deines Körpers!“
      Claire: „Auch dieser darf keine Anweisungen geben.“
      Und Zanthe konnte nur noch die Hand vor die Stirn schlagen.

      Keiner konnte ahnen, dass Claire Rosenburg für den Rest ihres kurzen Lebens auf der Couch der Familie Bauer saß, ehe sie dort aufgrund fehlender Initiative, Nahrung aufzunehmen, einfach verhungerte.

      Skit #5 - Nur einmal

      Claire und Zanthe stehen in der Küche und waschen zusammen ab. Als er sich sicher fühlt, tritt Exa vorsichtig herein und schleicht sich an die beiden an. Dabei streckt er seine Finger Richtung Claires Schultern aus.

      Zanthe, mürrisch: „Lass es.“
      Exa lässt die Hände sinken.
      Zanthe, ohne sich umzudrehen: „Ich weiß genau was du vor hast.“
      Exa, gespielt unschuldig: „Weiß gar nicht was du meinst.“
      Zanthe, sich umdrehend: „Und ob ich das weiß. Ich rieche es förmlich.“
      Exa: „Ach komm schon! Sie wird sich sicher nicht dran stören. Nur einmal kurz anfassen!“
      Zanthe, die Augenbrauen zusammenziehend: „Claire, dreh dich mal um.“
      Claire wandte sich den beiden zu.
      Zanthe, flüsternd: „Na dann, nur zu.“
      Exa blinzelt kurz verwirrt, ehe er seine Hände langsam Richtung Claires Busen ausstreckt. Kurz darauf packt sie sein Handgelenk und dreht es brutal zur Seite, sodass der junge Mann jammernd in die Knie sinkt.
      Zanthe, resolut: „Nur weil sie einen eingeschränkten Willen hat, ist sie noch lange kein Freiwild!“
      Exa, weinerlich: „Ich hab's ja kapiert!“
      Zanthe, streng: „Immer dasselbe mit euch …“

      Denn draußen vor dem Fenster stand ein gewisser, junger Mann, hoch gewachsen und mit zerzausten Haar, der sich grimmig das Handgelenk rieb. Und neben ihm schmollte ein bestimmter Dämonenjäger, dem es nicht anders ging …

      Skit #6 - Hackerangriff
      Nick betritt die Küche der Familie Bauer und sieht Anya zusammen mit Claire am runden Esstisch. Anya sitzt vor ihrem Laptop und hält ein USB-Kabel in der Hand.

      Anya, nachdenklich: „Hmm, wohin damit …“
      Nick tritt näher an die beiden heran.
      Nick, argwöhnisch: „Was machst du da?“
      Anya, geheimnisvoll: „Wirst du gleich sehen.“
      Unvermittelt rammt sie der neben ihr sitzenden Claire das USB-Kabel ins Ohr. Jene rührt sich nicht, verzieht auch keine Miene trotz des Schmerzes.
      Nick, zynisch: „Ist das wieder eines deiner Folterspielchen?“
      Anya, wütend: „Quatsch! Ich versuche das Miststück zu hacken. Hilfst du mir dabei!?“
      Nick, fassungslos: „Anya, du kannst keinen Menschen hacken!“
      Anya, überzeugt: „Aber sie ist kein Mensch! Sie ist ein Android, ich weiß es!“
      Nick: „Und warum fließt dann Blut aus ihrem Ohr!?“
      Anya, immer noch überzeugt: „Das ist kein Blut sondern irgendso'n Neuzeitscheiß wie Gel!“
      Nick: „Und warum kann der Laptop dann keine Verbindung zu ihr herstellen …?“
      Anya: „Weiß ich doch nicht! Deswegen sollst du mir ja helfen!“
      Nick tritt hinter Anya und klappt den Laptop vor ihrer Nase zu. Anschließend packt er sie am Kragen und schleift sie aus der Küche.
      Anya, zornig: „Was soll das!? Ich war noch nicht fertig!“
      Nick, ebenfalls zornig: „Wir müssen sie ins Krankenhaus-“
      Claire: „Du-dum.“
      Beide drehten sich um und sahen Claire an, die regungslos da saß, aber definitiv den Fehler-Sound eines ganz bestimmten Betriebssystems von sich gegeben hatte. Niemand sollte je erfahren, was dahinter steckte.


      > Danke an WiR für die Idee dazu! <


      See you next time!
      Spoiler anzeigen

      Ich würde sagen Fortschritt ist Fortschritt. Wenn ich seit Jahren auf Kingdom Hearts 3 warten kann, dann kann ich auch auf TLA warten. Aber bitte lass dir nicht so viel Zeit wie Kh3 xD

      Die Skitts waren alle lustig. Am liebsten hat mir der letzte gefallen. So ganz "objektiv" betrachtet. Es hat vermutlich nicht mit dem hacken geklappt weil sie den USB Stick in einen Kopfhörer Steckplatz gerammt hat. Finds echt cool das du eine meiner Ideen genommen hast :)

      Witzig war auch der mittlere, wie sie die arme Clair begrabschen wollen. Andererseits so als Mann schon verständlich. Wenn zanthe nicht schwul wäre dann würde ich ja ZantheXclair rufen xD

      Beim ersten stirbt wieder jemand. Arme Clair. Anja sollte aufpassen das die Gewerkschaft der Androide sie nicht verklagt. Mann Roboter haben auch Gefühle. Und nur weil von diesem die Gefühl-Software noch ihr uptade macht... kann sie diese nicht so behandelt. Anja sollte aufpassen wenn sie das nächste mal ihren Toaster verwendet. Unfälle passieren....
      maschinell erstellt von der Gewerkschaft CLAIR (Cyborgs, Lustbots, Androide, künstliche Intelligenz, Roboter)
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Hey, Zeit für ein weiteres Update! :)

      @WiR
      Das stimmt allerdings. Ich hoffe ja mal, dass meine 3. Staffel noch vor dem Release von KH3 anläuft. Die Chancen stehen jedenfalls nicht schlecht. ;)
      Anya ist sonst technisch recht versiert, seltsam, dass sie das falsche Loch getroffen hat. Das bedarf eines zweiten Versuchs ... irgendwann. XD
      Tja, da wollten die Herrschaften Claires Lage ausnutzen, geschieht ihnen ganz recht.
      Und klar, es muss immer einer sterben.

      Lustbots? Etwa welche aus China? Claire ist ein amerikanisches Qualitätsprodukt das ohne die üblichen Bugs wie Fettleibigkeit, Rassismus und Waffenvernarrtheit kommt ... und ohne Betriebssystem!

      Lieben dank für deinen Kommi!


      Statusupdate #6
      Leider wieder nicht geschafft, was ich ursprünglich wollte, aber dennoch ein wenig.

      Fortschritt

      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [100%]
      Turn 91 – Today Will Never Exist Again [100%]
      Turn 92 – Mirror Me [100%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [100%]
      Turn 94 – Nonexistance [60% -> 100%]
      Turn 95 – Bonds [58% -> 85%]
      Turn 96 – Witch Fight [56% -> 70%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [45%]
      Turn 98 – Nightmare [15% -> 30%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [60%]

      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [98% -> 100%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]


      Wenn ich mir das so ansehe, ist das doch mehr als ich gedacht hätte. Die Folge "Bad Grandma" habe ich in "Nonexistance" umgeändert, weil der alte Titel sugerriert, dass es in der Folge hauptsächlich um besagte böse Oma geht. Da deren Screentime aber nicht die überwiegende Mehrheit ausmacht, habe ichs geändert.

      Wie auch immer, leider diesmal wieder keine Skits, weil keine Zeit un' so.
      Ende des Monats kommt dann das erste Special raus. Und ich habe bald Urlaub, zwar nur ne Woche, in der ich mich aber schon mal dem zweiten Special widmen will.
      So. Nun habt ihrs geschafft. Pünktlich zu Halloween geht das erste Special online.
      Ich denke, damit wird die Wartezeit bis Staffel 3 ab jetzt um einiges angenehmer verlaufen.
      Aber zuvor noch das monatliche Statusupdate!

      Statusupdate #7
      War ein relativ guter Monat, auch wenn ich eigentlich an ganz anderer Ecke hatte schreiben wollen.

      Fortschritt
      Turn 89 – Eyes Of Tomorrow [100%]
      Turn 90 – The Honor Student [100%]
      Turn 91 – Today Will Never Exist Again [100%]
      Turn 92 – Mirror Me [100%]
      Turn 93 – A Queen Of Times Past [100%]
      Turn 94 – Nonexistance [100%]
      Turn 95 – Bonds [85% -> 100%]
      Turn 96 – Witch Fight [70% -> 100%]
      Turn 97 – Cracks And Bruises [45% -> 100%]
      Turn 98 – Nightmare [30%]
      Turn 99 – Left Undone [5%]
      Turn 100 – Face To Face [60%]


      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions [100%]
      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile [40% -> 45%]
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity [13%]
      Extra Turn 36.5 – Prankster [15%]


      Vielleicht schaffe ich es ja bis Jahresende, alle dort aufgelisteten Folgen der 3. Staffel fertig zu bekommen. Das wäre genial.


      Jetzt aber viel Spaß mit:

      Extra Turn 54.5 – Pitch Black Ambitions
      „Wirklich!? Ich darf teilnehmen!?“
      Anya traute ihren Ohren kaum, als sie Mr. Palmer in seinem kleinen Büro gegenüber saß und soeben die Genehmigung bekommen hatte, um am Legacy Cup teilnehmen zu dürfen.
      Der dunkelhäutige Mann lehnte sich zurück und strich sich über seinen weißen Bart. „Unter einer Bedingung: Du wirst während des gesamten Turniers Werbung für unseren Laden betreiben.“
      „Auch ein Weg, pleite zu gehen“, gluckste Zanthe, welcher an einen Schrank voller Akten gelehnt stand und die beiden beobachtete.
      „Schnauze!“, zischte Anya durch die Zähne. Dann grinste sie Mr. Palmer breit an. „Ist gebongt.“
      Sie sollte ihre Worte jedoch schnell bereuen, als der Mittvierziger aufstand, kurz ins Lager verschwand und im Anschluss ein dunkelblaues T-Shirt mitbrachte, auf dessen Rückseite die Shop-Adresse in weißen Lettern aufgedruckt war.
      Mit einer lässigen Bewegung ihres Chefs landete das Shirt auf Anyas Schoß.
      „Wann immer eine Kamera auf dich gerichtet ist, wirst du das anhaben“, stellte er klar, als er sich ihr wieder gegenüber setzte, „vielleicht gewinne ich wenigstens einen Bruchteil der Kunden zurück, die ich wegen dir verloren habe.“

      Anyas Lippen zuckten. Sie wollte ihr Missfallen geradezu herausschreien, aber dann wäre sie auf der Stelle arbeitslos. Aber dieses Ding! Da war nicht ein Totenkopf drauf, nicht mal Blut! Wie konnte sie das anziehen, ohne vor Scham im Boden zu versinken!? Zugegeben: Scham war in Anyas Welt relativ, aber es ging ums Prinzip! Sie mochte es nicht, also trieb ihr aufkeimender Zerstörungsinstinkt sie dazu, es möglichst schnell möglichst effektvoll loszuwerden.
      „Bauer … Shirt oder Lagerarbeit. Entscheide gut.“

      Ihre Zähne gruben sich in die Unterlippe. Ja, dachte sie sich, hatte dieser dämliche Flohpelz es tatsächlich geschafft, Mr. Palmer auf diese Idee zu bringen. Wäre ja auch nicht die erste, nachdem er sie schon mit seinem Vorschlag vor ein paar Tagen, sie ins Lager zu verfrachten, wo sie keine Kunden 'bedienen' konnte, zur Weißglut getrieben hatte! Und stattdessen machte er jetzt -ihren- Job!

      Schelmisch grinste der bald sehr, sehr tote Werwolf sie von der Seite an. „Ja, Anya, was soll es sein?“
      „Natürlich musst du entsprechend Urlaub nehmen!“
      „Was!?“
      „Uh-huh! Ich muss ja auch Urlaub nehmen, wenn ich mitkommen will“, nickte Zanthe.
      Anya wollte beißen, irgendwas, irgendwen! Das konnte doch nur ein schlechter Scherz sein, das Turnier dauerte mindestens zwei Wochen und sie hatte schon fast ihren ganzen Resturlaub aufgebraucht!
      „Wenn du mehr brauchst, ziehen wir dir das von deinem Gehalt ab“, las der weißhaarige Mann regelrecht ihre Gedanken beziehungsweise ihren bitteren Gesichtsausdruck.
      Im übertragenen Sinne schäumend vor Wut – zumindest hatte ihre Mundhöhle noch nicht genug Speichel für die sichtbare Version produziert – erwiderte sie entrüstet: „Wieso darf der überhaupt mitkommen, wenn -ich- teilnehme!?“
      „Um sicherzustellen, dass du nichts anstellst.“ Streng blickte Mr. Palmer sie hinter seinen dick umrahmten Brillengläsern an. „Du musst dich benehmen, ansonsten wirst du schneller disqualifiziert als ich dich entlassen kann. Und das kann ich -wirklich- nicht gebrauchen.“
      „Aber- aber! Wer hilft dann aus!?“
      „Ich werde solange alleine klar kommen. Ist sowieso kaum noch was los.“ Plötzlich seufzte Mr. Palmer so schwer, dass selbst Anya den Hauch eines schlechten Gewissens verspürte. „Dem Laden geht’s schlecht. Wir brauchen die Werbung.“

      Plötzlich senkte Anya den Blick deprimiert. Er ahnte nicht, dass sie noch gar keine offizielle Einladung zum Turnier erhalten hatte. Weil Nick alles dafür getan hatte, dass sie den Vertrag von Micron Electronics, welcher ihr die Teilnahme ermöglicht hätte, nicht unterschreibt. Dafür hätte sie eine Million bekommen, eine verdammte Million! Zumindest wenn sie das Ding gewonnen hätte, aber alles andere schloss Anya egobedingt ohnehin aus.
      Nein, stattdessen war ihr nicht-so-ganz bester Freund jetzt damit beschäftigt, ihr auf anderem Wege den Zugang zu ermöglichen. Einem garantiert illegalen, wie Anya sich sicher war. Und wenn das jetzt schief ging, hatte sie Mr. Palmer eine Menge zu erklären.

      Dennoch, auch wenn ihr die Bedingungen für die Teilnahme missfielen, nickte sie schließlich und knurrte: „Meinetwegen, dann machen wir es so.“
      Mr. Palmer stieß ein erstauntes Lachen aus. „Wirklich? Ich hätte mit etwas mehr Protest gerechnet.“
      Trotzig blickte Anya zur anderen Seite, um weder ihn noch Zanthe ansehen zu müssen. „Wenn ich das Ding reiße, dann muss ich sowieso nicht mehr hier arbeiten!“
      Immerhin gab es ein sattes Preisgeld für den Gewinner des Turniers. Aber das war nicht der eigentliche Grund, warum Anya zustimmte. In Wirklichkeit wollte sie nicht, dass der Laden hier zumachte. Mr. Palmer war der Einzige ihrer Arbeitgeber gewesen, der ihr eine Chance gab – naja, eigentlich schon ein paar mehr. Sie wollte ihm etwas zurückgeben, nach allem, was sie hier so an Rufschädigung betrieben hatte.
      Als sie selbst begriff, wie untypisch dieses Verhalten doch für sie war, sprang sie auf. „Okay, ich gewinne das Turnier und alle sind glücklich!“
      Ohne weitere Reaktionen abzuwarten rauschte sie aus dem Büro. Umso besser, wenn sie so schnell wie möglich mal wieder aus Livington raus kam! Zumindest gewann sie damit etwas Abstand zu einer gewissen, haarigen Person, mit der sie sich zerstritten hatte.

      Zanthe pfiff anerkennend durch die Zähne. „Oh man, damit hätte ich nicht gerechnet.“
      „Du kannst jetzt auch gehen“, sagte Mr. Palmer, „und danke für deine Hilfe.“
      „Ich muss mich bedanken“, erwiderte der, als er sich vom Aktenschrank abstieß, „dafür, dass Sie mich eingestellt haben, obwohl Sie schon Anya hatten.“
      Der dunkelhäutige Mann grinste bloß verschlagen, antwortete aber nicht darauf. Zanthe legte kurz noch die Hand an die Stirn, als wolle er salutieren, dann ging er durch die Tür, die Anya offen gelassen hatte.

      Gerade als er sie hinter sich schloss, hörte er Mr. Palmers Telefon klingeln.
      „Ja? Ah! Mr. Bauer, Sir!“ Selbst durch die geschlossene Tür konnte Zanthe die Worte dank seiner ausgeprägten Sinne klar und deutlich verstehen.
      „Hallo, Mr. Palmer. Wie läuft das Geschäft?“
      „Nun, nicht sonderlich gut, wie Sie sich sicher denken können.“
      Der Bursche runzelte die Stirn, trat einen Schritt rückwärts von der Tür weg. War das Anyas Vater? Ziemlich … gewöhnliche Stimme, dachte sich Zanthe, der sie sich wesentlich tiefer vorgestellt hatte.
      „Das tut mir leid zu hören. Ich nehme an, dass das meiner Tochter zu verdanken ist.“
      Zanthes Chef lachte, doch es klang gezwungen. „Ja, das ist es.“
      „Benötigen Sie Hilfe?“
      „Nein, nein“, wiegelte Mr. Palmer jetzt ab, „so schlimm ist es nicht, Sir.“
      „Geht es ihr gut?“
      „Warum fragen Sie sie das nicht selbst? Ich kann sie ans Telefon holen.“
      Obwohl es kaum merkbar war, normale Menschen würden es vermutlich gar nicht bemerken, änderte sich etwas in Mr. Bauers monotonem Ton. Er wurde heller. „Nein, ein anderes Mal vielleicht. Werden Sie es noch eine Weile mit ihr aushalten?“
      „Ja“, antwortete Mr. Palmer, „auch wenn sie nächste Woche für einige Zeit Urlaub nehmen muss. Hat sie es Ihnen schon erzählt? Dass sie am Legacy Cup teilnehmen wird?“
      „Nein. Das freut mich. Für Sie beide.“
      Derweil überlegte Zanthe, ob er sich um das Büro herum zum Fenster schleichen sollte, mit dem man von dort in das kleine Lager schauen konnte, welches das Büro umgab. Zu gern würde er wissen, was man anhand von Mr. Palmers Gesichtszügen ablesen konnte. Allerdings wollte er nicht entdeckt werden, also wäre es das Beste, wenn er hier vor der Tür wartete.
      „Danke, Sir.“
      „Dann hoffen wir, dass meine Tochter gut abschneidet und sich nicht bis auf die Knochen blamiert. Wenn Sie oder Anya etwas benötigen, dann melden Sie sich bei mir, Mr. Palmer.“
      „Danke, Sir.“
      „Auf Wiedersehen.“
      Nachdem sein Chef diese Worte wiederholte, hörte Zanthe, wie er den Hörer auflegte.

      Und sofort schossen ihm eine gefühlte Million Fragen durch den Kopf.
      Was war das denn für ein seltsames Gespräch? Und wieso wollte Mr. Bauer Anya nicht sprechen, ja ließ nicht einmal Grüße ausrichten? Als wolle er gar nicht, dass sie von dem Gespräch erfuhr.
      Etwas, das Zanthe wiederum sofort, in der Hoffnung auf mehr Input, nachzuholen gedachte.

      Anya indes packte im vorderen Teil des Lagers, welches bis zum Anschlag voll von Regalen war, in denen unausgepackte Kisten standen, einen länglich Karton vor sich auf dem Boden aus. Niedergeschlagen fuhr sie mit einem Cuttermesser über das Paketklebeband und öffnete jenes, in dem sich brandneue Duel Disks in schnieken, weißen Kartons befanden. Mit dem Lieferschein im Griff prüfte sie schnell, dass sich drei Stück im Paket befanden, die sie sogleich in beide Hände nahm und in den Verkaufsraum bringen wollte. Dabei stieß sie im Rückwärtslauf gegen Zanthe.
      „Hey, pass doch auf!“, fauchte die Blonde und ihr ureigener Racheinstinkt setzte ein, sodass sie ihm während des Umdrehens einen Tritt gegen das Schienbein verpasste – oder verpasst hätte, wäre er nicht geschickt ausgewichen. „Das ist alles deine Schuld! Kaum bin ich wieder hier, muss ich im Lager schuften, weil du dich in alles einmischen musst! Geh gefälligst woanders arbeiten!“
      Zanthe zuckte unbedarft mit den Schultern und trat derart fest zurück, dass Anya einknickte und beinahe die Duel Disks fallen ließ. „Vergiss es, hier gefällt es mir viel zu gut. Eigentlich wollte ich dir nur sagen, was für ein Telefonat ich gerade belauscht habe, aber wenn du lieber eingeschnappte Leberwurst spielen willst, dann bitteschön.“
      Anya, in deren Augen bereits rote Äderchen hervortraten, schnaubte bloß und schob sich möglichst unsanft an ihm vorbei. „Hast du ein Glück, dass Mr. Palmer hier ist, ansonsten …“
      „Tu doch nicht so, als wärst du unglücklich wegen seiner Bedingungen“, sagte Zanthe plötzlich ernst, ohne sich ihr zuzuwenden, „du denkst doch nur an Logan und euren Streit.“
      „Pah! Der ist mir doch scheißegal! Lass mich jetzt in Frieden!“

      Wütend stampfte Anya aus der Lagertür heraus, Zanthe blickte ihr nachdenklich hinterher. Dabei murmelte er vor sich hin: „Mir machst du nichts vor …“
      Er konnte es förmlich riechen, diesen verräterischen Geruch von verletzten Gefühlen. Dabei verstand er nicht einmal, was sie an diesem Typen fand, abgesehen vielleicht dass beide im Club der giftigen Zwerge Mitglied waren. Wenn er so zurückdachte, war die erste Begegnung mit ihm eine absolute Zumutung gewesen. Dabei war Zanthe so freundlich gewesen!
      „Naja … gleich und gleich gesellt sich gern“, murmelte er und steuerte dieselbe Tür an, aus der Anya verschwunden war.
      Im Endeffekt war es auch egal. Viel wichtiger war dieses ominöse Telefonat eben. Wurde Mr. Palmer etwa von Mr. Bauer bestochen, um Anya hier zu behalten? Läge es nicht an den unterschiedlichen Stimmen, so hätte Zanthe noch eher vermutet, dass sich Nick als Mr. Bauer ausgab. Der kaufte sich schließlich gerne mal eine eigene Realität. Aber Nicks klang anders, nicht viel, aber ein bisschen.
      „Ich glaub', ich behalte das besser erstmal für mich“, seufzte er, „nicht, dass ihr klägliches Weltbild am Ende noch zusammenbricht.“

      ~-~-~

      Einige Stunden später hatten sich Anyas und Zanthes Wege getrennt. Während Letzterer sich zu Nicks Haus begeben hatte, ihrem derzeitigem 'Stützpunkt', war Anya zu sich nachhause gegangen.
      Zwar war ihr unwohl dabei zumute, musste sie doch jederzeit mit einem erneuten Angriff der Undying rechnen. Andererseits wollte sie ihre Mutter sehen und ihr von dem Turnier erzählen. Und es gab da noch etwas, das es zu erledigen galt! Sie musste endlich -damit- anfangen, noch bevor das Turnier begann!

      So saß sie am späten Nachmittag mit Sheryl Bauer am runden Holztisch in der Küche. Jene strahlte so breit, dass selbst Anyas schlechte Laune abflaute.
      „Das freut mich für dich, mein Schatz! Wann soll es denn überhaupt soweit sein?“
      „Danke, Mum.“ Anya zögerte. „Ich weiß nicht, irgendwann in den nächsten Tagen. Ni- ich meine, ich muss mich noch um einen Flug kümmern. Oder um Zugtickets, weiß noch nicht.“
      Noch ein Punkt auf ihrer To Do-Liste: Bei Nick nachfragen, wo das alles überhaupt stattfindet und wie sie dorthin kommen soll.
      Die Frau mit dem dunkelblonden, gewellten Haar fasste sich an die Schläfe. „Wann hast du überhaupt damit angefangen, dich für solch große Events zu qualifizieren?“
      Anya blinzelte verdutzt. Dann erwiderte sie möglichst gleichgültig. „Ist doch egal, oder?“
      Doch der skeptische Blick ihrer Mutter sprach Bände. „Ich wusste einfach nicht, dass du eine Karriere als Profiduellantin verfolgen möchtest. Wie lange träumst du schon davon?“
      Sich langsam erhebend, atmete Anya tief durch. „Erst seit ein paar Monaten. Und dann kam, na ja, so eine Einladung. Ist halt für Newcomer gedacht, nicht für Spieler, die schon Pros sind.“
      Hoffentlich fragte ihre Mutter nicht noch, ob sie die mal sehen könnte, bangte Anya. Nick arbeitete schließlich noch daran, dass man ihr eine zuschickte. Doch auf ihre Antwort hin nahm der Gesichtsausdruck Sheryls wieder etwas Sanftes an. „Solange du glücklich wirst, ist es ok. Du bist schließlich alt genug, deine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.“
      „J-ja.“
      „Aber wehe, du fluchst im Fernsehen!“, kam sofort die zu erwartende, strenge Rüge. Und sie sollte nicht die einzige sein.

      Nach einer gefühlten halben Million an Lektionen stampfte Anya sichtlich genervt die Treppen ins obere Stockwerk hinauf. Sie wusste die Sorge ihrer Mutter zu schätzen und war froh, dass sie sich derart für sie freute. Es war nur, und Anya wusste es selbst nicht anders zu beschreiben, als wäre alles eine große Lüge.
      Ja, sie nahm an dem Turnier teil, aber nicht um erfolgreich zu werden. Obwohl sie das wirklich wollte. Nein, sie tat es deshalb, um an Claire Rosenburg zu gelangen. Die aktuelle Weltmeisterin und nächste Hüterin. Unbesiegt, war sie die amtierende Duel Queen. Eigentlich war es erstaunlich, denn Anya wusste ziemlich wenig über sie. Was auch daran lag, dass sie sich erst seit ein paar Monaten näher mit der Szene beschäftigte, eigentlich erst, seit sie bei Mr. Palmer arbeite. Noch etwas, wofür sie ihm dankbar sein musste, wenn man es recht betrachtete.

      Gedankenverloren schlenderte das Mädchen über den Flur hin zu ihrem Zimmer, das schon mit sehr eindeutigem, gelbem Warnschild darauf hinwies, dass Unerwünschte – also praktisch jeder – draußen bleiben sollten.

      Als Anya das Zimmer betrat, steuerte sie geradewegs den Schreibtisch an ihrem Fenster an. Sich an jenen setzend, zog sie eine Schublade auf – in der so ziemlich alles lag, angefangen von Duel Monsters-Verpackungen, längst vergammeltem Süßkram, einer mit etwas verkrustetem Blut bestückten Schere und Gott allein wusste was noch – und holte von ganz unten einen Schreibblock hervor.
      Gleich auf der ersten Seite stand eine Überschrift in fetten, schwarzen Lettern: 'Anya Bauers Pitchest Black List'.
      Bei dem Anblick lächelte das Mädchen besonnen. Als sie den Entschluss gefasst hatte, irgendwann Duel Queen zu werden, hatte sie diese Liste angefangen. Seit ihrer ersten Begegnung mit Levrier war sie so vielen starken Spielern begegnet, denen sie kaum das Wasser reichen konnte. Im Kopf hatte sie bereits eine Liste mit all jenen erstellt, sie doch nie zu Papier gebracht. Jetzt, da sie wusste, dass ein sehr schweres Turnier vor der Türe stand, würde sich das ändern.
      Natürlich war ihr klar, dass keiner der Namen unter den Teilnehmern sein würde, aber etwas Vorbereitung konnte schließlich nicht schaden.

      Oh, wie interessant. Damit hattest du vor einigen Monaten angefangen, mir aber nie gesagt, um was es sich dabei überhaupt handelt.

      Levrier klang wie schon damals sehr neugierig. Anya griff nach dem erstbesten Stift auf ihrem Schreibtisch und legte die Liste vor sich hin. Geradezu beiläufig erklärte sie: „Das ist die 'Pitchest Black'-Liste.“

      Das kann ich anhand des Titels sehen. Was gehört darauf? Die Namen all jener, die du eines Tages umbringen wirst?

      „Nope, das ist 'ne andere Liste.“ Anya setzte den Stift an. „Hier kommen alle rauf, die ich unbedingt einmal im Duell besiegen muss. Fair. Ohne Cheat Draw, Inkarnation und sonstigen Scheiß. Nur mit dem, was ich vor dem Duell zur Verfügung habe. Meinem Kopf und meinem Deck.“

      Ich verstehe. Das sind gute Vorsätze, die du da hast.

      Dass ihr Freund sich nicht darüber lustig machte, erfüllt Anya mit ungewohnter Wärme. Darum war es auch sein Name, den sie zuerst aufschrieb.

      Was? Ich? Wieso?

      Anya sah zur Zimmerdecke, wie sie es immer tat, wenn sie direkt mit dem Immateriellen sprechen wollte. „Wir haben uns nur einmal duelliert und dabei hast du absichtlich verloren, oder?“

      Ja, dem war in der Tat so. Das Duell diente dem Zweck, dass du dich mir öffnest.

      „Also habe ich dich nie besiegt.“ Anya schrieb gleich danach einen weiteren Namen auf. „Und den da auch nicht.“
      Unter Levriers Namen stand 'Henry Ford' und dahinter ein böses Smiley. Sofort hörte sie Levrier in ihrem Kopf lachen.

      Benjamin Hendrik Ford? Oh, ich verstehe. Er ist so etwas wie ein inoffizieller Rivale für dich, da du nur ein Unentschieden gegen ihn erreichen konntest. Damals in deinem Klassenzimmer.

      Das war letztes Jahr an Halloween gewesen, wusste Anya. Das blöde Schnöselkind war immer besser gewesen als sie. Tch, kein Wunder, wenn er der Erbe des Ford-Unternehmens war, welches für Duel Monsters in Amerika zuständig war. Es gab keinen Weg drum herum, -den- nicht auf die Liste zu setzen. Und wenn sie schon dabei war, konnte sie auch gleich seine Schwester aufschreiben – wie hieß die doch gleich, Melany? Melody?

      Melinda Ford ist ihr Name.

      „Yeah, jetzt erinnere ich mich.“
      Gleich nach denen schrieb sie Abbys Namen auf, ebenso Marcs, Matts, gar Alastairs. Doch dann stoppte sie nachdenklich. „Hmm.“

      Stimmt etwas nicht? Sind das etwa schon alle?

      Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Ich weiß bloß nicht, ob ich Nick auch aufnehmen soll. Bevor ich wusste, wie er drauf ist, kam er nicht infrage.“

      Da er tatsächlich sehr geschickt zu sein scheint, wäre er durchaus eine Überlegung wert.

      „'kay, aber das entscheide ich später. Da sind noch zwei Kackbratzen, die vor ihm drauf müssen.“
      Jene hörten – vermutlich – auf die Namen Kali und Zachariah Bauer.
      „Frag gar nicht erst“, wies Anya Levrier sofort an. Dann erschrak sie. „Shit!“
      Sofort landete unter den beiden 'Claire Rosenburg'.

      Kommt das Beste nicht erst zum Schluss?

      „Was, wenn ich sie vergesse? Sie ist die verdammte Duel Queen, stell' dir vor, ich vergesse die Duel Queen!?“ So empört wie Anya sich gab, blieb Levrier nichts anderes übrig als zu lachen.
      Knurrend schrieb sie weiter. Edna, Harris, Ricther und Stoltz kamen danach.

      Die auch? Qualifizieren sie sich als unsere Feinde überhaupt?

      „'türlich!“ Sie setzte ein Sternchen hinter die Namen. „Aber die sind nur Bonus.“

      Kommt mir das nur so vor, oder fehlen da noch ein paar ganz wichtige Namen?

      Sofort verengte Anya ihre Augen zu Schlitzen. „Wen meinst du?“
      Natürlich wusste sie genau, auf welche Pappnasen er anspielte. Und keine Frage, -eigentlich- gehörten sie auch zur 'Pitchest Black List'. Aber sie wollte das nicht, verdammt!

      Wo sind-

      „Fein“, zischte das Mädchen wütend. Prompt – und sehr widerwillig – klemmte sie noch Zanthes Namen zwischen den von Marc und Matt.

      Den hast du doch bereits besiegt.

      Anya schüttelte den Kopf. „Nope! Damals habe ich den Cheat Draw benutzt. Und die Trainingseinheiten zählen nicht. Also muss er wieder rauf. Und damit wäre ich fertig!“

      Bist du das? Hmpf! Reiß dich zusammen.

      Anya wiederholte sich. „Fein!“
      Und versuchte noch irgendwie Valerie Redfield in den oberen Rängen einzubringen. Auch sie bekam ein böses Smiley ab. Dann machte sie ganz unten weiter und schnaufte.

      Der Sammler. Verstehe.

      „Ich glaube, wir sind dann durch. 'kay, Nick kann meinetwegen auch rauf.“

      Moment noch. Hast du nicht Logan Carter vergessen?

      Sofort fauchte Anya zurück: „Den hab ich schon besiegt! Und jetzt hör auf, ihn ständig zu erwähnen! Mach lieber das Elysion bereit!“
      Sie schob sich samt Schreibtischstuhl vom Tisch weg.

      Was soll ich?

      Seine Freundin verschränkte die Arme. „Was glaubst du wohl? Ich schreib diese Liste doch nicht, um sie dann nicht abzuarbeiten. Mach dich bereit!“

      Deshalb kam mein Name also zuerst. Wie du wünscht.

      Unmittelbar danach schien Anya regelrecht von einer unnatürlichen Schwärze verschluckt zu werden. Plötzlich stand sie mitten auf einem riesigen, runden Mosaik, dass die Erde wie einen Globus darstellte, wenn man es aus der Vogelperspektive betrachtete. Um sie herum nur Finsternis.
      Keine Sekunde verstrich, da tauchte Levrier auf der anderen Seite in der Form des weißen Ritters Pearl auf. Die Augenschlitze leuchteten blau.
      „Da wären wir“, sagte er mit einer Spannung, die selbst dem Mädchen nicht entging.
      „Yeah! Das ist es!“, rief Anya und streckte die Arme weit voneinander aus, um deutlich zu machen, wer hier die wahre Herrin des Elysions war. „Duelliere dich mit mir! Gib alles was du hast und noch mehr, halt dich nicht zurück!“
      Levrier ließ eine Duel Disk an seinem Arm erscheinen, die der Anyas bis ins kleinste Detail entsprach. „Gerne. Ich habe mich schon lange danach gesehnt, mich erneut mit dir zu messen.“
      Der Blick seiner Gegnerin verschärfte sich und das Grinsen eines siegeshungrigen Teufelsweibs schlich um ihre Lippen. „Dann geht’s jetzt los! Aber vorher … “
      Anya schnippte mit dem Finger. Im Hintergrund begann ein Orchester eines ihrer liebsten Stücke zu spielen, Beethovens Vertonung von 'An die Freude'.

      Freude, schöner Götterfunken
      Tochter aus Elisium

      „Ich verstehe zwar kein Wort, aber Elysion kommt drin vor, also passt es“, grinste das Mädchen und verengte sofort die Augen, „wehe, irgendeiner erfährt davon!“
      „Keine Sorge, Anya Bauer, ich verrate niemandem von deinem geheimen Laster.“
      Zeitgleich mit einem Schmunzeln nickend, riefen schließlich beide: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / Levrier: 4000LP]

      „Heh“, machte Anya und grinste herausfordernd, nachdem beide ihr Startblatt gezogen hatten.
      Ihr Gegenüber zeigte äußerlich keine Reaktion, fragte aber: „Ist etwas, Anya Bauer?“
      Das Mädchen zuckte mit den Schultern. „Mir ist nur gerade bewusst geworden, wie lange wir uns nicht mehr duelliert haben. Nur, als wir uns das erste Mal begegnet sind und das ist fast ein Jahr her.“
      „Um genau zu sein haben wir uns erst bei unserer zweiten Begegnung duelliert“, korrigierte der weiße Ritter sie sofort.
      Anyas Miene verfinsterte sich. Dann begann sie mit dem Finger um ihre Schläfe zu drehen. „Yeah, beim ersten Mal hast du mich nur bequatscht, mit dir Eden zu werden. Damals dachte ich: 'Was für'n scheiß Traum ist das denn'?“
      Nachdem er sie einen Moment anstarrte, verschränkte der Blauäugige die Arme. „Ich erinnere mich. Damals hattest du keinerlei Gespür für das sogenannte Übernatürliche.“
      Mit einem Nicken gab Anya ehrlich zu, dass sie dem nicht widersprechen konnte. „Jep. Seitdem hat sich viel verändert. Aber das ist okay. Wenn ich ehrlich bin …“
      Sie sah plötzlich bewusst zur Seite. „... fand ich unser Abenteuer damals ganz ok.“
      „Auch ich fand es … unterhaltsam. Wenn wir nicht gerade um unser Leben gekämpft haben.“
      „Duelliert meinst du wohl. Ah!“ Das Mädchen wandte sich ihm schlagartig mit giftigem Blick zu und fauchte: „Sag mal, sind wir eigentlich zum Quatschen hier oder um meine Liste um einen Namen ärmer zu machen!? Wenn du nicht anfangen willst, mach ich's eben!“

      Schwungvoll zog das Mädchen eine sechste Karte auf und prüfte ihr Blatt. „Hehe …“
      Sie nahm zwei Karten daraus hervor und schob sie umgehend in ihre Battle City-Duel Disk – an welche sie sich zumindest hier noch erfreuen konnte, nachdem Zach ihr die aus der realen Welt geklaut hatte! „Die Süßen hier machen den Anfang. Und dann rufe ich [Gem-Knight Alexandrite], opfere ihn aber gleich durch seinen Effekt, um einen anderen Vanilla-Gem-Knight aus meinem Deck zu beschwören!“
      „Diesen Begriff hast du aus einer der Zeitschriften, die im Laden deines Vorgesetzten verkauft werden. Er bezeichnet Monster ohne Effekte, korrekt?“, fragte Levrier neugierig.
      Anya grinste breit, als vor ihr ein Ritter in weiß schimmernder Rüstung erschien, die an Armen, Beinen und Brustpanzer mit bunten Edelsteinen besetzt war.

      Gem-Knight Alexandrite [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      „Bingo!“ Sie nahm ihr Deck aus der Halterung, suchte sich die entsprechende Karte und legte sie dann auf die Duel Disk. „Erscheine, Ritter des Granats: [Gem-Knight Garnet]!“
      Ihr Alexandrite streckte beide Arme auseinander und strahlte von seinen Edelsteinen grelles Licht aus, ehe er sich in weißen Funken auflöste. An seiner Statt tauchte aus einer Stichflamme ein Krieger in bronzener Rüstung auf, welcher mit einem Feuerball jonglierte.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      Mit drei Handkarten und zwei vor sich liegenden, verdeckten Zauberfallen verkündete Anya unheilvoll: „Zug beendet, Blechbüchse.“

      Levrier ließ sich dies nicht zweimal sagen und nahm eine Karte von seinem Deck auf. „Ich bin bereits gespannt, wie du auf dieses Deck reagieren wirst.“
      „Hm?“ Seine Partnerin verschränkte die Arme.
      „Ich benutze die Zauberkarte [Reinforcement Of The Army], um meiner Hand einen Krieger der Stufe 4 oder niedriger von meinem Kartenstapel hinzuzufügen.“ Vor dem weißen Ritter stellte sich eine grün-umrandete Karte auf, die einen Hauptmann mit erhobenem Schwert abbildete.
      Erstaunt fragte Anya: „Wie? Damals hast du doch irgendwelchen Dämonenkram gespielt.“
      „Das war nur um dir Respekt einzuflößen. Hätte ich doch nur gewusst, dass das praktisch unmöglich ist.“ Gekünstelt seufzend, nahm Levrier die aus seinem Deck hervortretende Karte auf und legte sie sogleich auf seine Duel Disk. „Nun, da du ein Monster kontrollierst und ich nicht, kann ich [Heroic Challenger – Assault Halberd] sofort von meiner Hand spezialbeschwören.“
      Ein Schatten huschte hinter ihm hervor und präsentierte sich als Krieger in blauer Panzerung, dessen linker Arm in einer Hellebarde endete.

      Heroic Challenger – Assault Halberd [ATK/1800 DEF/200 (4)]

      „'kay“, murrte Anya lahm.
      „Ich bin noch nicht fertig. Als Normalbeschwörung rufe ich [Heroic Challenger – Thousand Blades], dessen Effekt mich eine Heroic-Karte abwerfen lässt und ihn in den Verteidigungsmodus zwingt, um einen weiteren Herausforderer aus meinem Deck zu beschwören.“
      Schon hatte sich Levrier einer Karte aus seinem Blatt entledigt. Noch ein Kämpfer tauchte vor ihm auf, doch dieser bestach vor allem durch die zahlreichen Klingen, die aus seinem Rücken ragten. Er schwang seine eigene Hellebarde und stieß sie in den Boden, bevor er sich an ihr festhaltend in die Knie begab. Dabei löse sich eine der Klingen von seinem Rücken und nahm die Form eines dunkelgrünen Kämpfers mit zwei Schwertern in der Hand an.

      Heroic Challenger – Thousand Blades [ATK/1300 DEF/1100 (4)]
      Heroic Challenger – Extra Sword [ATK/1000 DEF/1000 (4)]

      „Geez, die ploppen ja wie Pilze aus dem Boden.“ Anya stöhnte genervt. „Aber wenigstens sind es keine Einhörner. Ich hätte dir wirklich zugetraut, dass du Einhörner und Feen spielst.“
      „Die kamen knapp hinter Barbiepuppen.“ Was beide nach einem Moment merkwürdiger Stille zum Lachen brachte. Doch dann schwang Levrier den Arm aus. „Ich rate dir, nicht den Fehler zu machen, diese Bande zu unterschätzen.“
      „Werd' ich nicht!“
      „Sehr gut. Denn ich erschaffe das Overlay Network!“ Ein schwarzes Loch öffnete sich vor Levrier und breitete sich aus. „Aus meinen drei Stufe 4-Kriegern wird ein Rang 4-Samurai!“
      Anya löste ihre Arme aus der Verschränkung. „Wie jetzt, gleich alle drei!?“
      Nacheinander zischten die Herausforderer als braune Lichtstrahlen in das Überlagerungsnetzwerk, ehe aus diesem ein grelles Licht drang. Levrier rief: „Xyz Summon! Assistiere mir, [Heroic Champion – Kusanagi]!“
      Aus dem Wirbel schwebte ein Krieger in weinrotem Anzug, dessen Schultern mit roten, geriffelten Platten geschützt waren. Mit seinem Helm und dem rot leuchtenden Schwert in der Hand wirkte er tatsächlich wie ein Samurai. Drei Overlay Units umkreisten ihn.

      Heroic Champion – Kusanagi [ATK/2500 DEF/2400 {4} OLU: 3]

      Sich am Kopf kratzend, fragte Anya: „All der Aufwand für das?“
      „Du musst viel lernen, wenn du für den Legacy Cup bereit sein willst“, tadelte ihr Freund sie umgehend, „Lektion #1: [Heroic Challenger – Extra Sword] verleiht dem beschworenen Xyz-Monster 1000 zusätzliche Angriffspunkte.“
      Die Blonde weitete die Augen, als der Samurai in gelber Aura erstrahlte.

      Heroic Champion – Kusanagi [ATK/2500 → 3500 DEF/2400 {4} OLU: 3]

      „Lektion #2: Gehirn steht über Muskeln. Angriff!“
      „Was soll denn der Spruch? Denkste ich bin dumm?“ Mit einer wutverzerrten Grimasse schwang Anya den Arm aus, als das Monster ihres Gegners langsam und mit beiden Händen am erhobenen Schwert auf sie zu schritt. „Im Gegenteil, ich -wollte-, dass du dein Bossmonster so früh beschwört. Damit ich das hier machen kann: [Justi-Break]!“
      Sie ließ den Arm ausschwingen und dabei ihre linke Fallenkarte hochklappen. Ihr Garnet hielt den rechten Arm in die Höhe, wie der in Schatten gehüllte Mann auf dem Artwork und ließ weiße Blitze um sich schlagen. „Damit stirbt bei einem Angriff auf ein normales Monster jedes Monster mit einem Effekt auf dem Spielfeld!“
      „Kommen wir zu Lektion #3: Fallen sind im Antlitz dieses Kriegers kontraproduktiv!“, hielt Levrier streng dagegen. „Effekt von [Heroic Champion – Kusanagi]! Einmal pro Zug annulliert und zerstört er eine Falle, um sich selbst um 500 Angriffspunkte zu stärken!“
      Anya fiel aus allen Wolken. „Willst du mich verkohlen!?“
      Mit einem schnellen Schritt zischte der Samurai voran, schwang seine leuchtende Klinge aus, die nebenbei eine der Overlay Units absorbierte, und zerteilte mit nur einem Hieb sowohl [Gem-Knight Garnet], als auch Anyas Falle. Es gab einen gewaltigen Knall mit anschließender Rauchwolke, die das Feld des Mädchens einhüllte.

      Heroic Champion – Kusanagi [ATK/3500 → 4000 DEF/2400 {4} OLU: 3 → 2]

      Was dann allerdings folgte, ließ Levrier überrascht aufstöhnen. Denn aus der Rauchwolke schoss ein flammender Lichtstrahl, der ihn erfasste und einhüllte. „Ah!“

      [Anya: 4000LP / Levrier: 4000LP → 1900LP]

      Nachdem der Rauch sich verzogen hatte, stand Anya breit grinsend mit verschränkten Armen und aufrecht stehender Falle vor ihm. „Tja, irgendwie hatte ich mir so etwas in der Richtung fast gedacht. Also hab ich gleich noch [Dimension Wall] gesetzt, für den Fall, dass du mir an die Gurgel willst.“
      „Ich erinnere mich an diese Falle. Damit haben wir Alastair van Helsing bei unserer ersten Begegnung in die Knie gezwungen.“
      „Jep. Der Trottel war total auf die 'Bitte-rette-mich-vor-dem-bösen-Dämon'-Nummer reingefallen und hat dabei diese Falle ausgelöst“, Anya lachte bitterböse, „und sich damit selbst besiegt.“
      Levrier nickte. „Genau wie damals habe ich also den Schaden abbekommen, den ich verursachen wollte. Aber es war nicht ausreichend für eine Niederlage.“
      „Aber es hat dir ganz schön weh getan.“
      „Dein Feld ist jedoch so leer wie dein Kopf von Zeit zu Zeit.“
      Sofort keifte Anya: „Was war das!?“
      „Die Wahrheit“, stichelte Levrier weiter. Inzwischen war Kusanagi zu ihm zurückgekehrt. „Dann will ich jetzt ebenfalls zwei Karten setzen. Ich gebe den Zug an dich ab.“
      Zischend tauchten die beiden Fallen zu seinen Füßen auf.

      „Für diesen Kommentar wirst du bluten!“ Mit wutverzerrter Fratze zog Anya eine Karte auf, die sie ihrem Blatt hinzufügte. „Mach dich schon mal auf was gefasst! Ich aktiviere [Silent Doom], einen Zauber, der ein normales Monster von meinem Friedhof in den Verteidigungsmodus beschwört!“
      Ein Loch öffnete sich vor ihr im Mosaik der Erde. Eine riesige Hand mit langen Fingernägeln schoss daraus empor und zog dabei [Gem-Knight Garnet] mit sich, den sie schließlich absetzte.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Du bist viel zu leicht zu manipulieren“, tadelte Levrier sie dabei. „Im Turnier werden viele deiner Gegner versuchen, dich mit ihren Worten aus dem Konzept zu bringen. Was folgt sind Fehler, die dich den Sieg kosten werden.“
      Anya wollte sofort widersprechen, musste aber einsehen, dass ihr Freund damit Recht hatte. Sie senkte das Haupt. „Yeah. Ich werd' dran denken.“
      „Du hast dich dazu entschlossen, am Legacy Cup teilzunehmen, statt Claire Rosenburg direkt aufzusuchen. Ich hoffe dir ist klar, wie zeitaufwendig dieses Unterfangen wird, Anya Bauer?“
      Das Mädchen sah wieder auf. „Keiner wird mich als Duel Queen anerkennen, wenn ich sie in irgendeiner Gasse besiege!“
      „Und keiner wird dich anerkennen, wenn du erst tot bist. Deine Zeit ist knapp bemessen.“
      „Hör auf!“, forderte Anya. „Es ist meine Entscheidung! Wir machen es so und nicht anders!“
      Den Kopf schüttelnd zuckte Levrier mit den Schultern. Beide wussten, dass gegen Anyas Sturheit jedes noch so gute Argument chancenlos war. So tauschten sie einen intensiven Blick aus, ehe die Blonde schließlich ihren Zug fortsetzte. „Zieh dir das rein! Ich aktiviere [Gem-Knight Fusion] und verschmelze Garnet mit meinem [Gem-Knight Obsidian]!“
      Über ihr öffnete sich ein Wirbel, in den dutzende Edelsteine, welche aus dem Nichts erschienen, hineingezogen wurden. Und mit ihnen der Feuerritter auf dem Spielfeld sowie ein schwarzer Ritter, um dessen Körper eine massive Kette aus dunklen Perlen hing. Anstatt ihren üblichen Beschwörungsspruch aufzusagen, rief Anya einfach nur. „Fusion Summon! Erscheine, [Gem-Knight Ruby]!“
      Auf ihr Kommando sprang ein roter Ritter aus dem Vortex, dessen blaues Cape elegant vor sich hin flatterte. Bewaffnet mit einer Lanze, bezog der Herr der Rubine kämpferisch Stellung vor Anya. Doch nicht nur er. Ebenso schoss [Gem-Knight Garnet] unvermittelt aus dem Edelsteinwirbel zurück aufs Spielfeld, direkt neben seinen Kameraden.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 DEF/1300 (6)]
      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „Überraschung!“ Anya ballte eine Faust, die sie demonstrativ empor hob. „Obsidians Effekt hat sich aktiviert, da er als Fusionsmaterial verwendet wurde. Damit kann ich einen Vanilla-Gem-Knight der Stufe 4 oder weniger vom Friedhof reanimieren.“
      Sie zeigte auf Garnet. Dann schwang sie den Arm aus. „Und ich muss dir wohl nicht sagen, was Rubys besondere Fähigkeit ist. Er kann die Kraft eines anderen Gem-Knights für einen Zug absorbieren!“
      Dieser streckte seine Lanze vor sich aus. Jene begann grell rötlich zu leuchten. Analog dazu löste sich der Granatritter in gleichfarbige Partikel auf, die allesamt von Rubys Waffe extrahiert wurden.

      Gem-Knight Ruby [ATK/2500 → 4400 DEF/1300 (6)]

      „Erinnerst du dich?“, fragte das Mädchen anschließend wieder besser gelaunt. „Mit dem Move habe ich dich damals besiegt.“
      „Irrtum. Ich habe mich besiegen lassen, falls du das schon vergessen hast.“ Levrier lachte herausfordernd. „Dadurch konnte ich mich in dir verankern.“
      „Gah!“ Anya winkte missmutig ab. „Diesmal wird alles anders, darauf kannste Gift nehmen! Los, Ruby, greif [Heroic Champion – Kusanagi] an! Sparkling Lance Thrust!“
      Wie ein Pfeil schoss ihr Ritter aus dem Stand auf seinen Kontrahenten zu. Jener nahm die Haltung eines Baseballspielers ein, welcher bereit zum Schlag war. Levrier lachte. „Wunderbar, Anya Bauer. Du hast meine Falle ausgelöst: [Heroic Retribution Sword]!“
      Jene klappte vor dem Immateriellen auf und ließ ein Schwert neben Kusanagi erscheinen, das bereits durch tiefe, rot erstrahlende Risse gezeichnet war. Mit der freien Hand griff der Samurai danach. „Damit wird der Kampfschaden aus dieser Schlacht auch dir zugefügt. Zusätzlich findet auch der Angreifer danach sein jähes Ende.“
      „Tch! Damit kann ich leben, wenn dadurch-“
      „Jedoch“, unterbrach ihr Freund sie unvermittelt, „habe ich nie behauptet, davon Gebrauch machen zu wollen.“
      Anya machte ein wenig intelligentes „Huh!?“.
      Denn anstatt die Klinge in die Hand zu nehmen, absorbierte der Heroische Champion mit seiner Handfläche eine der beiden Overlay Units und zerbrach den Griff der Waffe einfach.

      Heroic Champion – Kusanagi [ATK/4000 → 4500 DEF/2400 {4} OLU: 2 → 1]

      „D-du verarscht mich doch!“ Mit weit aufgerissenen Augen starrte Anya Levrier an, der mit den Schultern zuckte. Der opferte seine Falle, um die Angriffskraft seines Monsters durch dessen Effekt zu stärken. Das war … „Genial!“
      Sofort biss sich Anya bei ihrem ungewollten Ausruf auf die Lippen.
      „Vielen Dank“, hatte ihr Freund jenen zu ihrem Unmut jedoch gehört.
      Dann schwang Kusanagi seine Klinge und ließ sie auf die Lanze Rubys prallen, als jener den Feind erreichte. Eine heftige Explosion erfolgte. Aus welcher nur der Samurai lebend herauskam.

      [Anya: 4000LP → 3900LP / Levrier: 1900LP]

      Schnaufend stand Anya plötzlich mit leerem Feld da. Und griff grimmig nach ihrem Blatt. „'kay, den Kampf habe ich verloren, aber das Duell noch lange nicht! Da ich sie in diesem Zug noch nicht durchgeführt habe, folgt jetzt meine Normalbeschwörung! Erscheine, [Gem-Armadillo]!“
      Jenes vom Unterleib an geisterhaft beinlose, braune Gürteltier materialisierte sich vor Anya.

      Gem-Armadillo [ATK/1700 DEF/400 (4)]

      Die orangefarbenen Edelsteine unter den Düsen an seinen Schultern begannen zu strahlen. Anya erklärte dazu: „Wird der normalbeschworen, erhalte ich einen Gem-Knight vom Deck. Lazuli!“
      Deren Karte suchte sie anschließend aus ihrem Deck, das sie mit einer Hand ausfächerte. Kaum war das getan, streckte sie die Hand nach vorne aus. „Jetzt schicke ich [Alexandrite Dragon] von meinem Deck auf den Friedhof, um ihn zu einem Empfänger zu machen, den ich auf [Gem-Armadillo] einstimme!“
      Ein riesiger, goldener Ring erschien über ihr und begann sich zu drehen.
      „From the light of a different world, the herald of starlight descends upon the ravaged land!“ Weiße Schwingen begannen sich von jenem zu strecken. Ihr Monster auf dem Feld zersprang in vier grüne Sphären, die die wässrige Schicht im Inneren des Rings im Rückwärtsgang passierten. „By discarding a single star, I call upon you!“
      Ein greller Lichtblitz schoss anschließend durch das Gebilde. „Synchro Summon! Shine forth, [Angel Wing Dragon]!“
      Aus beiden Richtungen glitten parallel Schweif und Haupt des weißen, schlangenhaften Drachens, bis beide Hälften eine Einheit ergaben. Angel Wing hob seinen Kopf an, um den sich ein goldenes Kragengestell befand.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      Mit ihrer einzigen Karte [Gem-Knight Lazuli] in der Hand bellte Anya: „Zug beendet!“

      Levrier nickte und zog. Dann kommentierte er den Anblick des Drachen nachdenklich. „Du weißt, wie du deine neuen Werkzeuge einzusetzen hast. Aber das allein reicht noch nicht.“
      „Schwing' bloß keine Reden“, giftete Anya zurück, „ich weiß, was ich tue. Schließlich bin ich die nächste Duel Queen!“
      Sein leises Kichern sorgte dafür, dass die Zornesfalten auf der Stirn des Mädchens nur noch tiefer wurden. Besonders als er hinzufügte: „Ist dem so?“
      Dann aber, so schien es, wurde Levrier wieder ernst. „Gut. Ich beschwöre [Heroic Challenger – Spartan] im Angriffsmodus!“
      Neben seinem Kusanagi bezog ein Krieger mit Speer und großem Rundschild bewaffnet auf, von dessen Schultern ein langes, rotes Cape hing.

      Heroic Challenger – Spartan [ATK/1600 DEF/1000 (4)]

      „Beseitigen wir ihr Spielzeug, [Heroic Champion – Kusanagi]“, sprach Levrier und stieß die flache Hand nach vorne aus. „Angriff!“
      Jener ging in eine gebeugte Haltung und rannte anschließend erstaunlich flink auf den weißen Drachen zu, der seinerseits einen weißen Strahl mit goldener Spiralumrandung ausstieß. Jenem wurde jedoch geschickt ausgewichen. Und kaum hatte der Krieger sein Ziel erreicht, schwang er seine rot leuchtende Klinge, mit der er der Bestie den Kopf abschlug.
      In dem Moment fuhr ein heftiger Schmerz durch Anyas Kopf. Sie stöhnte laut auf, senkte das Haupt und fasste sich an die Stirn.
      „Bist du in Ordnung?“, fragte ihr Freund überrascht.
      Anya schnaufte und sah wieder auf. „Kch! Alles bestens! Aus Kämpfen mit Angel Wing trage ich keinen Schaden davon!“
      „Dessen bin ich mir durchaus bewusst. Darum hast du ihn schließlich gerufen – um diesem vernichtenden Angriff zu entkommen.“ Levrier fasste sich ans Kinn. „Ich fürchte nur, dass ich mit zwei Monstern auf dem Feld trotzdem an deine Lebenspunkte komme. Direkter Angriff, [Heroic Challenger – Spartan]!“
      Jener warf seinen Speer in die Luft, packte ihn am Schaft und warf ihn zielgenau auf die Blonde. Welche mitten in der Brust getroffen wurde. Der Speer glitt durch sie hindurch und tauchte wie aus dem Nichts wieder in Spartans Hand auf, der ihn absetzte.

      [Anya: 3900LP → 2300LP / Levrier: 1900LP]

      Da sie nichts sagte, meinte Levrier schließlich. „Dann beende ich damit meinen Zug.“
      Und kaum hatte er gesprochen, materialisierte sich über dem Mädchen der goldene Ring, aus dem der weiße Drache schoss. Obwohl Levrier auch das längst kannte, erklärte Anya trotzig: „Indem ich zwei Stufe 4-Monster von meinem Friedhof verbanne, kann ich Angel Wing am Ende des Zuges wiederauferstehen lassen!“
      Sie schob [Gem-Armadillo] und [Alexandrite Dragon] in ihre Hosentasche.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]

      „Mein Zug! Draw!“ Voller Elan griff sie nach ihrem Deck und zog mit Schwung die nächste Karte.
      Sie betrachte jene eine Weile. Wie die Dinge im Moment standen, würde sie Levriers Name so schnell nicht von ihrer 'Pitchest Black'-Liste streichen können. Was einer mittelgroßen Katastrophe gleich kam. Er sollte der erste von vielen sein, verdammt! Wenn nicht er, wer dann!?
      Sich auf die Lippe beißend, mahnte Anya sich zur Konzentration. Es musste doch irgendeine Möglichkeit geben, [Heroic Champion – Kusanagi] zu besiegen. Aber der war stärker als alles, was sie aufbringen könnte. Wobei … es gab da vielleicht eine Karte.
      Neugierig griff Anya nach dem Extradeck, welches sich direkt unter dem regulären Kartenstapel befand, und zog es hinaus. Ihr Augenmerk lag auf einer weiß umrandeten Karte, die noch hinter ihren vielen Fusions- und wenigen Xyz-Monstern versteckt lag: [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]!
      Nachdem sie sich seinen Effekt durchgelesen hatte, blickte sie mit breit grinsender Miene auf.
      „Perfekt!“
      Jetzt galt es nur noch, dieses Stufe 10-Synchromonster zu beschwören. Mit Angel Wing hatte sie schon einen Stufe 8-Nichtempfänger auf dem Feld und mit [Gem-Knight Lazuli] und dem Empfänger [Kuriboss] auch die restlichen Puzzleteile auf der Hand. Es gab nur ein Problem: Sie konnte nur einmal pro Zug ein Monster normalbeschwören.
      „Hrg!“ Es war zum Haare raufen. Könnte sie doch bloß zweimal … „Ah!“
      Sie zählte etwas an ihren Fingern ab und blickte dann abermals mit dem Ausdruck von Erkenntnis auf. Levrier beobachtete das alles still.
      „Ich weiß genau, was ich tun muss, um zu gewinnen“, verkündete sie und griff nach ihrem Friedhof, aus dem sie [Gem-Knight Fusion] zog. „Ich verbanne Obsidian, um die hier zurückzubekommen und aktiviere sie auch gleich. Der [Angel Wing Dragon] vom Licht-Attribut wird mit [Gem-Knight Lazuli] von meiner Hand verschmolzen. Fusion Summon!“
      Wieder öffnete sich über ihr ein Edelsteinwirbel, der den schlangenhaften Drachen sowie eine kleine, lehmfarbende Ritterin in sich aufnahm. Ein Lichtblitz erhellte das Elysion für einen kurzen Augenblick und Anya schrie regelrecht: „Erscheine, [Gem-Knight Seraphinite]!“
      Ganz in Weiß schwebte ihre neue Ritterin aus dem Sog hinab. Das Innenfutter ihres langen Umhangs war dunkelblau, in der Hand hielt sie einen hellblau leuchtenden Degen.

      Gem-Knight Seraphinite [ATK/2300 DEF/1400 (5)]

      „Da Lazuli durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wurde, erhalte ich ein normales Monster von meinem Friedhof zurück. Garnet“, erklärte Anya und zeigte jenen bereits vor, „und dank Seraphinites Fähigkeit kann ich neben meiner regulären Normalbeschwörung zusätzlich einen Gem-Knight normalbeschwören. Also erscheint, [Kuriboss] und [Gem-Knight Garnet]!“
      Sie legte beide Karten neben die ihrer Ritterin auf ihre Duel Disk. Zu deren Rechten erschien ein kleiner, brauner Fellball in grauem Cape und mit Sonnenbrille auf der nicht existierenden Nase. Dagegen tauchte zu ihrer Linken der Flammen jonglierende Ritter des Granats auf.

      Kuriboss [ATK/300 DEF/200 (1)]
      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      Die Blonde legte eine Hand ans Kinn. „Wie ging der Spruch doch gleich, den Matt mir beigebracht hatte?“
      „Soll ich ihn zitieren?“, neckte sie Levrier.
      „Nie im Leben! Das ist -mein- großer Moment!“ Anya streckte die Hand in die Höhe. „Alles ist versammelt! Ich stimme den Stufe 1-Empfänger [Kuriboss] auf meine Stufe 4 und 5-Ritter ein!“
      Das kleine Fellknäuel stieg in die Höhe und zersprang in einen grünen Lichtring, der nicht etwa senkrecht, sondern waagerecht in die Höhe stieg. Die beiden Krieger folgten ihm, zerteilten sich in vier beziehungsweise fünf Lichtsphären, die den Synchrokreis in einer Reihe von unten nach oben passierten. „A heart of iron rests within the void of time and space! One beat, powerful enough to reverse the laws of nature! Synchro Summon!“
      In dem Moment drang ein unglaublich greller Lichtblitz durch den sich ausweitenden Ring. Das Elysion erzitterte, als sich hinter Anya eine mindestens acht Meter hohe Silhouette erhob. „Break loose, [Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T]!“
      Auf der stählernen Brust stach der türkisfarbene Buchstabe T hervor. Die Fäuste hingen an elektrischen Strängen und konnten frei bewegt werden. Und der Helm des Eisentitanen war bespickt mit vier Hörnern, die ineinander gewunden nach vorne zeigten. Anya stemmte die Fäuste in die Hüften und strahlte über beide Backen. „Das ist ein Monster ganz nach meinem Geschmack!“
      Sie sah auf ihre Duel Disk, obwohl sie den Effekt kannte. Trotzdem las sie den Text der weißen Karten noch einmal, nur um sicherzugehen. „Wird er als Synchrobeschwörung gerufen, erhält er für jedes dafür benutzte Monster einen Zug lang 500 Angriffspunkte!“
      So wie Anya, stemmte auch Heavy T seine Fäuste in die Seiten. Dabei begann er in orangefarbener Aura aufzuleuchten.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 → 4500 DEF/0 (10)]

      Levrier klatschte in die Hände. „Bravo. Ein wirklich Respekt einflößendes Monster. Es steht auf einer Stufe mit [Heroic Challenger – Kusanagi].“
      „Du hast nur eins übersehen, Kumpel“, erwiderte Anya und deutete mit dem Finger auf sein anderes Monster, „der blöde Spartaner ist auch noch da. Und jetzt rechne gut!“
      Ein Treffer von Heavy Ts Eisenfaust würde den vergleichsweise winzigen Krieger bis ans Ende des Elysions schleudern und Levrier gleich mit. Sofern es so etwas wie ein Ende in dieser seltsamen Welt des eigenen Bewusstseins überhaupt gab.
      „Finden wir's doch heraus“, murmelte Anya zu sich selbst und schwang den Arm zur Seite, „Zeit, mein neues Baby auszuprobieren! Heavy T, greif' den Spartaner an! Gravity Reverse!“
      Der Koloss hinter ihr ballte seine rechte Hand zur Faust und schoss sie regelrecht auf den Krieger ab, welcher sofort seinen Schild anhob. Kusanagi neben ihm streckte sein langes Schwert vor jenen.

      Heroic Challenger – Spartan [ATK/1600 → 4100 DEF/1000 (4)]

      Anya blinzelte. „Warte … was!?“
      Der Samurai durchtrennte Heavy Ts Faust mit einem Hieb, doch trotzdem zerschmetterte deren untere Hälfte den Spartaner im wahrsten Sinne des Wortes und setzte sich im Rückwärtsflug wieder zusammen. Die dabei entstandene Druckwelle ließ Levrier mit einer eleganten Handbewegung verpuffen, bevor sie ihn überhaupt erreichte.

      [Anya: 2300LP / Levrier: 1900LP → 1500LP]

      „W-wieso ist der auf einmal so stark gewesen!?“, verlangte Anya umgehend zu wissen, zeigte mit zuckendem Zeigefinger auf die Stelle, die der Krieger einst für sich beansprucht hatte.
      Levrier lachte. „[Heroic Challenger – Spartan] ist stolz, versteht jedoch etwas von Zusammenarbeit. So hat er bei deinem Angriff die Basisstärke von [Heroic Challenger – Kusanagi] erhalten, was bedauerlicherweise trotzdem nicht genug war, um den Kampf zu gewinnen. Fast wie in diesem Film, den du vor ein paar Monaten an einem DVD-Abend mal angesehen hast.“
      „Keh“, keuchte Anya grimmig. Sie presste die Lippen so fest aufeinander, dass die blasser und blasser wurden.
      Denn was sie jetzt eigentlich hätte erzählen müssen war, dass Heavy T nach seinem Angriff in den Verteidigungsmodus ging. Was sie sich allerdings sparen konnte, da es sich von selbst erklärte, wie er hinter ihr in die Knie ging.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4500 DEF/0 (10)]

      Im Grunde hatte sie nichts erreicht. Statt Levriers Lebenspunkte auf null zu setzen, hatte sie dem Immateriellen lediglich einen weiteren Kratzer zugefügt. Seine zwei Monster waren weiterhin auf dem Feld. Moment!?

      Heroic Challenger – Thousand Blades [ATK/1300 DEF/1100 (4)]

      Anya weitete die Augen beim Anblick des Ritters mit den zahllosen Schwertern auf dem Rücken, der wie aus dem Nichts neben Kusanagi aufgetaucht war. „Wo kommt der denn her!?“
      „Oh, das habe ich ja noch gar nicht erwähnt“, spielte Levrier süffisant lachend mit der Unkenntnis seiner Gegnerin, „[Heroic Challenger – Thousand Blades] kehrt von meinem Friedhof in Angriffsposition auf das Feld zurück, wenn du mir Kampfschaden zufügst, Anya Bauer.“
      „Yay“, dröhnte die gelangweilt.
      Was nun? Ihr Blatt war leer, ihr Feld abseits von Heavy T ebenso. Jetzt blieb ihr nur noch eines zu hoffen: Dass Levrier sich nie wirklich mit [Angel Wing Dragon] beschäftigt hatte. Denn als sie ihren Zug für beendet erklärte, tauchte jener aus seinem goldenen Ring zischend wieder auf, wobei das Mädchen die Gem-Knights Alexandrite sowie Garnet aus ihrem Friedhof entfernte und in die Hosentasche steckte. Damit verlor Heavy T auch seinen Punkteboost.

      Angel Wing Dragon [ATK/2700 DEF/2000 (8)]
      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/4500 → 3000 DEF/0 (10)]

      Levrier zog und zeigte die neue Karte vor, welche ein Stufe 6-Monster namens [Heroic Challenger – War Hammer] war, die er anschließend in den Friedhofsschlitz schob. „Wie du bereits weißt, vermag [Heroic Challenger – Thousand Blades] durch das Abwerfen einer Heroic-Karte einen Herausforderer aus meinem Deck zu beschwören.“
      Ein Lichtpunkt tauchte neben den sich niederknienden Schwertmeister auf. Schnell wurde deutlich, dass dessen Ursprung eine Laterne war, die ein ganz in Schwarz vermummter Söldner mit sich führte. Der Immaterielle nannte ihn: „[Heroic Challenger – Night Watchman].“

      Heroic Challenger – Thousand Blades [ATK/1300 DEF/1100 (4)]
      Heroic Challenger – Night Watchman [ATK/1200 DEF/300 (4)]

      „Nun errichte ich das Overlay Network“, führte Levrier seine Erklärung fort. Vor ihm öffnete sich der bekannte Galaxienwirbel, in denen die beiden als braune Lichtstrahlen hineingezogen wurden, „damit aus meinen beiden Stufe 4-Kriegern ein Rang-4-Krieger wird! Xyz Summon!“
      Eine grelle Lichtexplosion erfolgte. Aus dem Strudel erhob sich eine mächtige Gestalt, die mühelos ein riesiges Breitschwert in einer Hand halten konnte. Die Rüstung des Kriegers war silbern mit roter Umrahmung, am Helm befand sich ein goldenes Kreuz. Bei seinem Auftauchen donnerte es wie bei einem Gewitter, die klassische Musik im Hintergrund verstummte abrupt.
      „Darf ich vorstellen? [Heroic Champion – Excalibur]!“
      Zwei Lichtsphären umkreisten jenen.

      Heroic Champion – Excalibur [ATK/2000 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Anya schluckte. Scheinbar machte ihr Freund jetzt richtig Ernst, wenn er dafür extra entsprechende Stimmung schaffte. Trotzdem war dieser Knilch nicht mal stark genug, es überhaupt mit Angel Wing aufzunehmen.
      „Ich zeige dir auch umgehend seinen Effekt. Für seine beiden Overlay Units verdoppelt er bis zum Ende deines nächsten Zuges seinen Grundangriffswert.“
      „Huh!?“
      Anya weitete die Augen, als der Held das sprichwörtliche Excalibur in die Höhe hielt. Ein Blitz schlug in jenes ein und erzeugte eine knisternde Spannung. Anya bekam eine Gänsehaut.

      Heroic Champion – Excalibur [ATK/2000 → 4000 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 0]

      Mit einem Schnippen von Levriers Fingern klappte plötzlich dessen gesetzte Karte auf. Zu Anyas Überraschung war es keine Falle, sondern ein herkömmlicher Zauber, den der Immaterielle in [Gem-Knight Pearls] Gestalt in ihrem Zug gar nicht hätte spielen können.
      Aber sie kannte den sich erhebenden Soldaten auf dem Artwork, vor dem ein weißes Kreuz prangerte. Erschrocken stieß sie aus: „D-das ist [Stop Defense]!“
      „Exakt. Eine Magie, die deinen Heavy T jetzt in den Angriffsmodus zwingt.“
      Tatsächlich stand der Stahltitan hinter ihr plötzlich aufrecht und ballte die Fäuste zum Angriff.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T [ATK/3000 DEF/0 (10)]

      Der ging wirklich in die Vollen, erkannte Anya panisch. Als wäre er jemals darauf reingefallen, Heavy T vorab mit einem schwächeren Monster anzugreifen, damit sie die Attacke auf [Angel Wing Dragon] umleiten konnte! Wenn so ein Kaliber wie dieser Excalibur für Levrier nur ein Mittel war, um jenen loszuwerden, was wartete dann noch auf sie!? Sie sah auf ihre Duel Disk und sofort wieder auf. „Shit!“
      „Du weißt, was jetzt kommt. Ich strecke erst deinen Drachen ein für allemal nieder …“
      Auf Levriers Nicken hin ließ Excalibur noch einmal einen Blitz in seine Waffe einschlagen, ehe er wie ein ebensolcher auf den weißen Drachen zuschoss und mit zwei Hieben über Kreuz regelrecht schlachtete. Die Explosion verursachte bei Anya tatsächlich Kopfschmerzen. Keuchend wich sie zurück. „Kein Kampfschaden, schon vergessen!?“
      „Natürlich nicht“, entgegnete Levrier, „aber bei deinem Neuzuwachs sieht das anders aus. Los, [Heroic Champion – Kusanagi]!“
      Ganz im Gegensatz zu seinem Kameraden, schritt der Samurai mit der Leuchtklinge nur langsam auf sein Ziel zu. Weshalb Levrier genug Zeit hatte, ein paar strenge Worte an Anya zu richten. „Sag, denkst du wirklich, dass -das- ausreichen wird, um Duel Queen zu werden?“
      „W-was soll das heißen!? Noch habe ich nicht verloren, klar!?“
      „Du kämpft verbissen, ohne Frage. Doch ich sehe-“
      Weiter kam er nicht, denn in diesem Moment bezog Kusanagi vor Anya Position und holte mit seiner Waffe aus. Das Mädchen keuchte und hob die Arme zum Schutz.
      Was dann jedoch geschah, erwischte sie eiskalt. Denn die Klinge wuchs, wurde geschwungen und glitt sowohl durch sie als auch durch ihren Titanen hindurch. Sie kratzte über die Oberfläche des Elysions. Und dann passierte es. Ihre Hälfte des Mosaiks brach regelrecht auseinander.

      Wie in Zeitlupe begann Anya in die Dunkelheit zu fallen. Levrier stand nur regungslos da, unternahm nichts. Sie streckte noch ihre Hand nach ihm aus, aber da war er schon hinter dem Rand der Plattform verschwunden. Das Mädchen wollte um Hilfe schreien, aber die Worte blieben ihr im Halse stecken. Alles wurde schwarz.

      ~-~-~

      Anya stieß die Luft aus ihren Lungen förmlich aus. Es war kalt. Eiskalt. Und dunkel. Nicht, dass das Elysion nicht schon finster genug war, aber plötzlich war alles anders. Sie stand nicht mehr, fiel nicht mehr – sie saß. Und starrte auf eine leere Straße.
      „W-was zum-!?“
      Sie fuhr als Beifahrer in einem Auto. Am Rückspiegel hing eine kleine Dufttanne, die Scheinwerfer waren auf die Landstraße gerichtet. Es war mitten in der Nacht, aber der Mond hing in seiner Gänze am Himmel. Aus dem Radio trällerte ein Song, der Anya vertraut vorkam.

      Every little piece of my heart belongs
      To you, I'll carry on
      For you I'll sacrifice myself

      Wie gelähmt sah Anya zum Fahrer. Doch von dem war nicht viel zu sehen, hatte er sich in einen dunkelgrauen NFL-Hoodie gehüllt. Die Kapuze war tief ins Gesicht gezogen.

      Destiny was there to abandon me
      You're my eternity, the reason I fight
      Instead of just break down and cry

      „W-wo bin ich hier!? Wer zur Hölle bist du!?“
      Keine Reaktion. Er fuhr stur geradeaus. In der Ferne konnte Anya ein Waldstück erkennen.
      „Hey!“, fuhr sie ihn an. Als er wieder nicht antwortete, schlug sie mit der Faust nach seiner Schulter – nur um durch jene hindurch zu gleiten. „Huh!?“
      Es passierte so schnell, dass Anya kaum wusste, was um sie herum geschah. Ein greller Blitz voraus blendete sie. Die Welt drehte sich, es krachte furchtbar laut.

      Und sie stand wieder aufrecht, doch immer noch nicht in ihrem Elysion. Nein, plötzlich war sie im Wald, am Straßenrand. Weiter voraus zu ihrer Rechten lag der Wagen, ein ziemlich alter, roter Ford Escort. Er war umgestürzt, als wäre er in einen Unfall verwickelt gewesen.
      Anya fasste sich an die Stirn und erschrak, als sie bemerkte, dass sie feucht war. Blut klebte an ihrer Hand. „Oh shit!“
      Was war mit dem Fahrer!? Sofort eilte sie zum Wagen. Alle Scheiben waren zersplittert, die Airbags lagen schlaff auf dem Dach des Fahrzeugs, doch ansonsten war dort nichts.

      „Wir müssen hier weg!“, hörte sie eine schrille, geradezu überirdische Stimme, die klang, als wäre sie durch mehrere Filter verzerrt worden. Der Klang schmerzte so stark in ihren Ohren, dass sie jene reflexartig zuhielt.
      Mit geweiteten Augen wirbelte sie herum, weiter von der Straße weg. Dort stand der Mann im Hoodie, sein Gesicht war nicht zu erkennen. Er war von großer, schlanker Statur, eine Bohnenstange wie Harper, aber doch nicht ganz so groß wie er. Und er wirkte verloren, mit herabhängenden Armen. Auch seine Kleidung war von Blut gezeichnet.

      Anya ließ von ihren Ohren ab. „Erklär' mir, was diese Scheiße hier soll! Bist du in mein Elysion eingedrungen oder was!?“
      „Wir haben keine Zeit für so etwas, Anya!“, kam es tadelnd zurück.
      Sofort bereute sie es, ihn angesprochen zu haben, schmerzte seine merkwürdige Stimme doch so furchtbar in ihrem Kopf.

      Wie konnte das überhaupt sein, was war das hier!? Vor wenigen Minuten hatte sie sich noch auf dem Mosaik ihres Elysions mit Levrier duelliert und jetzt schien sie in einem B-Movie festzustecken.
      „Levrier?“, rief sie erfolglos nach ihrem Freund.
      „Wenn wir noch länger warten, holt er uns ein.“ Diesmal schmerzten die Worte des Fremden nicht. „Willst du das riskieren!?“
      Erst jetzt bekam Anya wieder einen Migräneanfall und hielt sich die Stirn. „W-was soll das, vor wem rennen wir denn überhaupt weg!?“
      Was er dann sagte, konnte sie nicht verstehen. Und das lag vor allem daran, dass jedes seiner Worte so verzerrt war, dass es nicht mehr einer menschlichen Sprache zugeordnet werden vermochte. Es schmerzte derart, dass Anya stöhnend in die Knie sank.
      Sich die Ohren zuhaltend, schrie sie: „Halt dein verdammtes Maul, du bringst mich um!“

      Er hörte zu ihrer Überraschung sogar auf sie. Dann hob er den Arm, an dem eine typische Battle City-Duel Disk erschien. „Vielleicht ist das der einzige Weg.“
      Anya sah überrascht auf. „Ein Duell!? Also bist du ein Feind!?“
      Vielleicht waren die Undying in ihr Elysion eingedrungen!? Wer wusste schon, über was für Fähigkeiten diese beiden Verrückten verfügten! Sie musste hier weg und Levrier finden, irgendwie.
      Sie sah sich um. Wegzurennen hieße, wieder zurück zur Landstraße zu eilen. Aber sie befürchtete fast, dass jene nirgendwohin führen würde. Und angenommen das alles spielte sich nach wie vor in ihrem Kopf ab, gab es sowieso kein Entkommen.
      „Bist du noch zu retten!?“, reagierte ihr Gegenüber regelrecht gekränkt. „Du musst dir wirklich den Kopf gestoßen haben. Oder … warte! Bist du etwa … !?“
      Tatsächlich erschien dieser Typ Anya im Vergleich zu all ihren anderen übernatürlichen Begegnungen sogar relativ harmlos. Verzweifelt gar. Kannte sie ihn? Oder war das alles nur Show?
      „Normalerweise würde ich jetzt ein paar Antworten aus dir rausprügeln“, murrte Anya und aktivierte ihre eigene Duel Disk, die sich anscheinend zwischenzeitlich in ihren Urzustand zurückgesetzt hatte. „Da mir die aber beschissene Kopfschmerzen bereiten, kriegst du deine Abreibung diesmal gratis!“
      „Mit dir stimmt was nicht“, kam ein abweisender Kommentar. Und beide riefen: „Duell!“

      [Anya: 4000LP / ???: 4000LP]

      Anya hatte gerade einmal drei ihrer fünf Startkarten gezogen, da riss ihr Gegenüber förmlich eine sechste vom Deck. Nur um dann scheinbar nachdenklich auf seine Duel Disk zu schauen. „Nur noch ein Duell …“
      Das Mädchen zog eine Augenbraue an.
      „Ich setze ein Monster und eine Verdeckte. Du bist!“
      Zischend materialisierte sich sein Monster in horizontaler Lage als Kartenrücken, hinter diesem in vertikaler seine gesetzte Karte.

      „Was ist dein Problem?“, fragte Anya perplex und zog. Sie hatte schon vieles erlebt, aber das hier war definitiv ihr bisher merkwürdigstes Erlebnis. Fast fühlte es sich an, als ob sie träumte. Konnte man in seinem eigenen Elysion einschlafen? „Was auch immer, bringen wir das hier hinter uns!“
      Sie zückte [Gem-Knight Fusion]. Über ihr öffnete sich ein Edelsteinwirbel, in dem ein goldener und ein hellblauer Ritter gezogen wurden. „Ich verschmelze [Gem-Knight Tourmaline] und [Gem-Knight Sapphire]! Erscheine, [Gem-Knight Topaz]!“
      Der Sog wurde in einen Sturm umgekehrt, aus dem elegant ein neuer, goldener Ritter in blauem Umhang herabgeschwebt kam. Während Anyas Widersacher von der Druckwelle einen halben Schritt zurückgedrängt wurde, landete Topaz mit seinen beiden Blitzdolchen in den Händen vor dem Mädchen.
      Bestimmt richtete sie den Zeigefinger auf das gesetzte Monster ihres Gegners. „Machen wir kurzen Prozess! First Strike!“
      Unmittelbar danach zischte ihr Krieger schwebend über das Gras und holte, einmal angekommen, zum Schlag aus. Der Kartenrücken der feindlichen Kreatur wirbelte um die eigene Achse – und dann geschah etwas, mit dem Anya nicht gerechnet hatte. Als Topaz nach dem noch nicht sichtbaren Monster schlug, prallte sein Angriff an einer unsichtbaren Barriere ab. Er wurde durch eine massive Druckwelle zurückgeschleudert. Jene erfasste auch Anya, blendete sie regelrecht und riss sie fort.

      Entsetzliche Schmerzen. Ihr ganzer Körper schien auseinander zu reißen. Sie lag auf dem Boden, mit geschlossenen Augen. Was war gerade geschehen!? Hatte er einen Effekt ausgelöst!?
      Sie öffnete die schlaffen Lider und sah den Sternenhimmel. Sich leicht zur Seite drehend, konnte sie den umgestürzten Ford Escort ein paar Meter weiter sehen. Und diesen Typen! Er lag auf dem Bauch, kaum zwei Meter von ihr entfernt. In einer Blutlache!
      Anya streckte die zitternde Hand nach ihm aus, doch er rührte sich nicht. Sie wusste selbst nicht warum, aber sie musste ihn erreichen, irgendwie! Er war-!
      Ihr Arm sackte hinab. Und Dunkelheit umarmte sie.

      ~-~-~

      „Anya Bauer, konzentriere dich!“
      „W-was!?“ Das Mädchen blinzelte verdutzt. Levrier stand mit verschränkten Armen auf der anderen Seite ihres Elysions und starrte sie abwartend an.

      [Anya: 2300LP → 800LP / Levrier: 1500LP]

      [Heroic Champion – Kusanagi] war längst an die Seite seines Kameraden Excalibur zurückgekehrt und bezog Stellung.
      „Du hättest den Effekt von [Kuriboss] nutzen sollen, um den Schaden zu reduzieren!“, tadelte ihr Freund sie, scheinbar völlig unwissend über das, was Anya gerade widerfahren war.
      Die fasste sich an ihre Stirn. Keine Kopfschmerzen mehr, gar keine Schmerzen -irgendwo-! Was hatte sie da gerade erlebt!?
      „Levrier, hast du das gesehen!?“, fragte sie für ihre Verhältnisse untypisch aufgelöst. „Ich saß plötzlich in so'ner Schrottkarre. Dann gab's 'nen Unfall und dieser Typ, der Fahrer, der hat mich blöd angemacht und-“
      „Wovon sprichst du?“ Levrier schüttelte den Kopf. „Du warst die ganze Zeit hier.“
      „E-es war wie ein Traum. Vielleicht hat irgendjemand versucht, in mein Elysion einzudringen!?“
      „Das hätte ich bemerkt. Bei allem Respekt“, erwiderte er und schüttelte den Kopf, „deine Ausreden waren schon kreativer. Oder besser gesagt: Bisher hast du nie solche benötigt. Soll ich das als Fortschritt ansehen?“
      Er glaubte ihr nicht? Ausgerechnet -er-!? Anya war sprachlos. Und das bemerkte Levrier anscheinend, denn er gab ein nachdenkliches Geräusch von sich.

      „War ich … wirklich nicht weg?“, fragte die Blonde nach einer Weile vorsichtig.
      „Nein.“ Er machte eine Pause. „Da ich offensichtlich nichts Ungewöhnliches feststellen konnte, kann ich dir auch keine Antworten geben. Womöglich hat es sich dabei um eine Vision gehandelt.“
      Anya blickte nach oben, in die ewige Dunkelheit. „Meinst du, ich bin jetzt unter die Seher gegangen oder was?“
      „Möglich. Willst du mir sagen, was du erlebt hast?“
      In ein paar kurzen Sätzen fasste Anya ihren kurzen 'Ausflug' noch einmal zusammen. „… es hat sich angefühlt, als wäre ich gestorben. Scheiße, das ist nicht mal übertrieben …“
      „Vielleicht solltest du mit Matthew Summers darüber sprechen.“ Levrier seufzte schwer. „Wir sollten dieses Duell abbrechen. Du bist offensichtlich zu aufgewühlt, um noch weiter effizient zu spielen.“
      Anya nickte beklommen. „Y-yeah.“
      Trotzdem zog sie noch ihre nächste, ihre einzige Karte – [Gem-Knight Turqouise]. Mit welchem sie [Gem-Knight Pearl] mit 5200 Angriffspunkten aufs Spielfeld hätte bringen können. Doch die Illusionen der beiden heroischen Krieger verschwanden bereits.
      Parallel dazu betrachtete auch Levrier seine Handkarte: [Heroic Challenger – Swordshield].

      ~-~-~

      Entgegen Levriers Vorschlag hatte Anya ihren Freunden nicht gleich zum nächstbesten Zeitpunkt von ihrem Erlebnis im Elysion erzählt. Tatsächlich hatte sie die nächsten Tage versucht, die Erinnerung so gut es ging zu verdrängen. Was ihr auch gelang, bis zu dem Moment, als sie zwischen Zanthe und Matt in einer Dreierreihe im Flugzeug saß, welches bald abheben und Richtung Ephemeria City reisen würde.
      Und natürlich war es Levrier, der sie unbedingt auf ihr Versäumnis hinweisen musste.

      Du solltest das Ganze nicht länger hinauszögern, Anya Bauer! Die beiden haben längst bemerkt, dass etwas an dir nagt!

      „Musst du wieder damit anfangen!“, fauchte das Mädchen zurück.
      Was ihr viele perplexe Blicke seitens der anderen Passagiere einbrachte, kam der Ausbruch schließlich aus dem Nichts.
      Matt zu ihrer Linken betrachtete sie ebenfalls skeptisch. „Stimmt etwas nicht?“
      „Die ist doch schon seit vorgestern so komisch“, winkte der Kopftuchträger zu ihrer Rechten gleich ab. „Denk dran, der Nächste, der sie das fragt, sollte eigentlich eine Faust in den Magen bekommen.“
      Anya schnaufte. „Verdammt richtig! Mir geht’s gut, klar?“
      Wenn man bedachte, dass sie auch mit wenig Schlaf auskam und sowieso nichts von Blutlachen und Verkehrsunfällen hielt, stimmte das sogar. Verdammt, sie konnte sich ja kaum noch an das erinnern, was sie da gesehen hatte!
      „Ich meine ja bloß“, stöhnte Matt und ließ den Kopf hängen.
      Zanthe kicherte. „Wir wissen doch genau, was unsere kleine Schlägerbraut so sehr beschäftigt. Fängt mit L an und hört mit ogan auf. Stimmt's oder hab ich Recht?“
      Eine Faust hatte er an der Wange, das hatte er! Und trotzdem blinzelte er mit fettem Grinsen unter dem Aufschrei der anderen Gäste neugierig zurück. Während Matt mäßig erfolgreich versuchte, den Anwesenden das Ganze als Neckerei unter Freunden zu verkaufen, knurrte Anya nur wie ein tollwütiger Straßenköter.

      Nachdem sich daraufhin ein Mantel des Schweigens über sie gelegt hatte, welchen der Werwolf natürlich absolut nicht dulden konnte, wurde das Thema gewechselt.
      „Oh, ach übrigens, ich habe neulich ein Telefonat von Mr. Palmer belauscht“, gluckste er und starrte bewusst aus der Luke.
      Matt musste trocken auflachen. „Wenigstens hüllst du es gar nicht erst in beschönigende Worte.“
      Gar nicht darauf eingehend, stupste der Werwolf seine Sitznachbarin mit dem Ellbogen an. „Rat mal, mit wem er gesprochen hat?“
      Anya erwiderte genervt: „Keine Ahnung, mit Boy George? 'ne andere Erklärung habe ich für dein pubertierendes Getue grad' nicht!“
      Nochmals wurde sie angestoßen und reckte diesmal fuchsteufelswild den Kopf in Zanthes Richtung, welcher diabolisch gut gelaunt grinste. „Mit deinem Vater, Dummerchen!“
      Sofort riss Anya die Augen so weit es ging auf. „Was!?“
      „Hat sich nach dir erkundigt und sich für dich entschuldigt.“ Zanthe kicherte verschlagen. „War ihm ultrapeinlich, was du in den wenigen Monaten seit deiner Einstellung so abgezogen hast.“
      Die Kinnlade des Mädchens klappte hinunter. „A-aber ich-!?“
      „Ach komm, so schlimm war es nicht“, beruhigte er sie sofort, nachdem er ihr entsetztes Gesicht sah, „aber viel mehr kam dabei wirklich nicht herum. Ich hätte ja gedacht, dass er dich wenigstens grüßen lässt.“
      „Dad ist so. Hat immer viel zu tun.“ Anya winkte ab, aber der Kopftuchträger sah aus den Augenwinkeln, wie sie betrübt den Blick senkte.
      Matt fragte neugierig: „Du hast ihn noch nie erwähnt, jedenfalls nicht dass ich wüsste. Was macht-“
      Doch als er sah, wie Zanthe ihm mit flacher Hand außerhalb von Anyas Blickfeld abwinkte, bohrte er nicht weiter nach und verstummte. Und Anya sagte auch nichts.

      Als sie das Wort schließlich ergriff, ging es um etwas ganz anderes. Es sprudelte einfach so aus ihr heraus, völlig unfreiwillig und selbstredend hasste sie sich sofort dafür. „Ich hatte neulich ein ziemlich seltsames Erlebnis.“
      Einmal angefangen, hatte es aber auch keinen Sinn mehr, noch einen Rückzieher zu machen. Also fasste sie sich ein Herz und berichtete ihnen von ihrer Begegnung im Elysion, oder wie auch immer man es auch bezeichnen sollte. Gleich darauf zuckte Zanthe nur ratlos mit den Schultern.
      Im Gegensatz dazu erklärte Matt: „Bist du dir sicher, dass es nicht nur ein Traum war?“
      „Ich sagte doch, es fühlte sich nicht so an! Wenn ich jemals sterbe, dann hoffentlich nicht so!“
      „Das haben Klarträume so an sich“ Der schwarzhaarige Dämonenjäger gestikulierte mit der rechten Hand vor sich hin, „das Elysion ist im Grunde genommen ein Teil deines Bewusstseins. Es ist nichts Außergewöhnliches daran, dort auch Träume zu erleben und gar zu steuern.“
      Anya protestierte sofort: „Aber ich bin nicht eingeschlafen! Ich war zu dem Zeitpunkt nicht mal müde!“
      „Levrier hat nichts festgestellt, sagst du. Und glaub mir, Besessenheit fühlt sich anders an.“
      Da Matt ihr scheinbar nicht folgen konnte, wandte Anya sich hilfesuchend an Zanthe. Der aber zuckte mit den Schultern. „Sorry, aber von so etwas habe ich keine Ahnung.“
      Zurück bei Matt funkelte sie diesen an. „Es war kein Traum. Aber auch keine Erinnerung! Ich war nie in einen Verkehrsunfall verwickelt. Aber der Typ da, der war …“
      „Anya. Ich weiß, dass es schwer ist, das einzuordnen. Wir wissen zu wenig über das Elysion, um klare Aussagen zu treffen, wie es funktioniert. Es ist nahezu unmöglich, es auf bestimmte Umstände zu erforschen, wenn man jene nicht hervorrufen kann.“ Der junge Mann verzog bei Anyas fragendem Gesichtsausdruck eine Miene, verstand sie offenbar nicht, was er damit meinte. Er seufzte und sagte anschließend. „Ich denke nicht, dass du dir Sorgen machen musst.“
      „'kay“, nahm jene dies schließlich so hin und sank tiefer in ihren Sitz. „Und trotzdem war's kein Traum!“
      Was ihre Freunde dazu bewog, über ihren Kopf hinweg verzweifelte Blicke auszutauschen. Im Hintergrund erklang dabei die Stimme der Kapitänin des Flugzeugs.

      Ich begrüße Sie auf dem Flug nach Ephemeria City. Wir werden …

      „... uns wiedersehen“, murmelte Anya geistesabwesend.


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Anya

      Alexandrite Dragon
      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sapphire
      Gem-Knight Alexandrite
      Gem-Knight Obsidian
      Gem-Knight Lazuli

      Gem-Knight Turquoise
      Fels/Erde/Effekt
      ATK/1400 DEF/2000 (4)
      Einmal pro Zug: wirf eine "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand ab; beschwöre eines deiner verbannten "Gem-Knight" Monster als Spezialbeschwörung. Indem du diese Karte und ein anderes "Gem-Knight" Monster von einem Xyz-Monster abhängst oder wenn ein "Gem-Knight"-Monster als Xyz-Material von diesem Xyz-Monster abgehangen wird, indem du zusätzlich diese Karte abhängst: verdopple bis zur End Phase die ATK jenes Xyz-Monsters.

      Gem-Armadillo

      Kuriboss
      Fee/Licht/Empfänger
      ATK/300 DEF/200 (1)
      Wenn einem Spieler Kampfschaden zugefügt wird, während sich diese Karte auf deinem Friedhof befindet: du kannst diese Karte verbannen, um den Schaden auf 0 zu setzen. Wenn du durch diesen Effekt Kampfschaden, den dein Gegner erleiden würde, annulliert hast: ziehe eine Karte; du kannst die ATK eines offenen Monsters um 300 erhöhen.

      Gem-Knight Fusion
      Silent Doom

      Justi-Break
      Dimension Wall

      Gem-Knight Ruby
      Gem-Knight Topaz
      Gem-Knight Seraphinite

      Angel Wing Dragon
      Drache/Licht/Synchro
      ATK/2700 DEF/2000 (8)
      "Empfänger" + "1 Nicht-Empfänger-Monster"
      Nur einmal während des Duells: du kannst ein LICHT-Monster von deinem Deck auf den Friedhof legen. Wenn du dies tust: du kannst diese Karte ohne Empfänger-Monster als Synchrobeschwörung beschwören; die Summe der Stufe des Nicht-Empfänger-Monsters und der Stufe des so abgelegten Monsters müssen 8 ergeben. Aus Kämpfen mit dieser Karte trägst du keinen Kampfschaden. Wenn dein Gegner mit einem Monster eines deiner Monster angreift: du kannst diese Karte zum Ziel des Angriffs bestimmen. Während der End Phase des Zuges, in dem diese Karte auf dem Friedhof gelegt wurde: verbanne zwei Stufe 4-Monster von deinem Friedhof; beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung.

      Gravity Impulse Titanium Guardian – Heavy T
      Maschine/Erde/Synchro
      ATK/3000 DEF/0 (10)
      "1 Empfänger-Monster" + "1 oder mehrere Nicht-Empfänger-Monster"
      Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: erhöhe ihre ATK für jedes verwendete Synchromaterialmonster um 500 bis zur End Phase. Wenn diese Karte ein Monster als Ziel eines Angriffs wählt: du kannst die Position des Ziels wechseln. Nach der Schadensberechnung, wenn diese Karte angegriffen hat: wechsle ihre Position. Jederzeit während den Zügen beider Spieler: biete ein Monster als Tribut an; wechsle die Position dieser Karte. Wenn du das tust: diese Karte bleibt von den Effekten von Monsterkarte bis zur End Phase unberührt und dein Gegner zieht eine Karte.

      Gem-Knight Pearl

      Levrier

      Heroic Challenger – Assault Halberd
      Heroic Challenger – Thousand Blades
      Heroic Challenger – Extra Sword
      Heroic Challenger – Spartan
      Heroic Challenger – War Hammer
      Heroic Challenger – Night Watchman
      Heroic Challenger – Swordshield

      Reinforcement Of The Army
      Stop Defense

      Heroic Retribution Sword

      Heroic Champion – Excalibur
      Heroic Champion – Kusanagi


      Und denkt dran: Süßes, sonst gibts Saures. ;)
      Spoiler anzeigen
      War schön wieder was von Anya zu lesen. Jetzt wissen wir wer alles auf der Liste ist. Die Mord liste will ich auch noch sehen. Wir wissen jetzt auch das Anja ihren Job vermutlich ihrem Vater zu verdanken hat. Vermutet Zanthe das Nick und Anja verwandt sind? Immerhin haben sie ja ne änliche Stimme xD Hoffe mal das wir den Dad in Staffel 3 sehen werden. Das duel war türlich reinste Nostalgie. Der -Gott weiß ned mal was das war- Moment war schon schräg. Vllt handelt es sich dabei um verdrängte Errinerungen. Vllt hatte sie einen Unfall mit ihrem Vater? Oder etwas aus einem alten Leben?


      Edit:
      Zu Clair
      Spoiler anzeigen
      Es ist halt witzig wie ihr Name wirklich für Cyborgs, Androide, künstliche Inteligenz und Roborter stehen könnte. Nur für L ist mir nix besseres als Lustboots eingefallen. Wobei sie wohl eher Lustboot in dem sinne ist das sie Lust hervoruft. XD
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von WiR ()

      Hallo liebe Leute. Lange nichts mehr voneinander gehört.
      Da das Jahr nun fast vorbei ist, steht das nächste Special an. Eigentlich sollte es erst am 31.12. online gehen, aber da ich zu dem Zeitpunkt nicht da bin, habe ich den Termin etwas vorgezogen. ^^

      @WiR
      Die Mordliste ist so lang, die würde das Zeichenlimit von eTCG sprengen.
      Was Anyas Vater angeht, der ist und bleibt ein Buch mit sieben Siegeln. Ähä ... ;)
      Der schräge Moment wird logischerweise seine Auflösung in Staffel 3 bekommen.

      Und was Claire angeht ... ich sag lieber nichts mehr dazu. xD
      Danke für deinen Kommi. ^^


      Und nun viel Spaß mit dem nächsten Special!

      Extra Turn 88.5 – A Genuine Smile
      Mutter“, fragte Eli Bauer, neun Jahre alt, der er am schmalen Holztisch in der Küche saß und seine Cornflakes löffelte, „warum ist Vater nie da?“
      Elenore Stevens drehte sich von der Spüle um. Das brünette, glatte Haar hatte sie hinter die Ohren geklemmt. „Eli, du weißt, dass er viel arbeiten muss.“
      „Er ist lieber bei seiner anderen Familie.“ Es war eine unterkühlte Feststellung.
      Seine Mutter seufzte. Sie legte einen abgewaschenen Teller beiseite, eilte durch die karge Küche und kniete vor ihm nieder. „Das … das stimmt nicht.“
      „Du lügst“, stellte Eli erneut eisig fest.
      Die junge Frau machte eine Pause. In ihren dunkel unterlaufenen Augen standen Tränen. „Ja, Eli. Ja. Aber manchmal, wenn die Wahrheit so schrecklich erscheint, dass man sie nicht ertragen kann, macht man etwas … Schöneres aus ihr.“
      „Eine Lüge.“

      Scheiße“, fluchte seine Mutter vor sich hin, bereute sie ihre ungeschickt gewählten Worte, „Eli, dein Vater-“
      Als interessiere ihn das gar nicht, fragte der Junge: „Wann sehe ich endlich meine Schwester?“
      „B-bald.“
      „Du lügst schon wieder.“
      Damit hatte er sie endgültig sprachlos gemacht.


      An diesem Tag hatte Eli für sich entschieden, dass Lügen hilfreiche Mittel waren, um seine Ziele zu erreichen. Und am Beispiel seiner Mutter begriffen, dass schlechte Lügen unangenehme Situationen hervorriefen, weshalb man sie vermeiden sollte.
      Und er erkannte, wie viel Gram in ihm steckte. Was er tun musste, um jenen zu begraben. Dass er von der brennenden Frage herrührte, ob es dem anderen Kind seines Vaters genauso ging wie ihm? Ob sie ihr Leben ebenso hasste wie er seines verabscheute.
      Eli Bauer war schon immer von distanzierter und abweisender Natur. Und daran, so sagte er sich selbst viele Jahre später, war ganz allein sein Erzeuger schuld.

      Als Nick Harper das geräumige Büro betrat, mussten seine Augen sich erst an die verhältnismäßige Dunkelheit gewöhnen. Nur von einer kleinen Schreibtischlampe drang gedämpftes Licht zu ihm. Der groß gewachsene, junge Mann schloss leise die Tür hinter sich. Der schwarze Ledermantel, den er sich übergezogen hatte, reichte bis zu seinen Füßen.
      „Guten Abend“, wünschte er der Person, die am Ende des Zimmers an einem langen, zur rechten Seite hin gewundenen Schreibtisch saß. Jene saß jedoch mit der Lehne zu ihm gedreht und sah aus dem Fenster. Sie war die einzige im ganzen Komplex, die zu so später Stunde noch arbeitete.
      Keine Reaktion.
      Nick sah sich vorsichtig um. Zu seiner linken hing ein großes Gemälde einer Enthauptung im 16. Jahrhundert direkt über einer Sitzecke. Jener gegenüber befand sich eine kleine Bar aus Ahorn, gut bestückt mit Gläsern, Flaschen voller Alkohol und sogar einer kleinen Schatulle, in der sich vermutlich Zigarren befanden. Sein Blick wanderte wieder zu dem Bild über den bequemen Ledersesseln herüber.
      „Einladend“, schnarrte er zynisch.
      Dass hier überhaupt irgendeine Form von Gastfreundlichkeit aufkam erstaunte ihn schon, aber gleich eine ganze Minibar? Gewiss nicht die Idee des Mannes am Schreibtisch, dessen war er sich sicher.

      Er trat näher an den Schreibtisch heran. „Du hast kein warmes Wort für den verlorenen Sohn übrig, ‚Dad‘? Ich bin enttäuscht.“
      Die nachfolgende Stille war Antwort genug. Nick kam näher und näher, griff in seine Manteltasche.
      „Ich könnte jetzt spekulieren, dass von den Toten Auferstandene sogar dir die Sprache verschlagen“, überlegte er dabei laut, „aber dass ich noch lebe ist dir ja schon lange nicht neu. Und ich möchte sagen, lebende Tote wären es auch nicht.“
      Als er an dem dunklen Holzschreibtisch angelangt und beide Hände raufklatschte, drehte sein ‚Gastgeber‘ sich schließlich zu ihm um. Den stechenden Blick aus den klaren, blauen Augen konterte Nick fest mit seinem eigenen. Er würde nicht zurückschrecken, nicht vor diesem Mann.
      „Was willst du mir damit sagen, Eli?“, fragte Mr. Bauer. Wobei es schon mehr wie eine Forderung klang, die es unbedingt zu erfüllen galt.
      „Auch schön, dich zu sehen, ‚Dad‘“, hielt Nick dagegen, „wobei die Bezeichnung ‚Erzeuger‘ mir doch besser gefällt. Aber das ist zu lang.“
      Sein Gegenüber faltete die langen, dürren Finger ineinander. Er hatte sich sehr verändert, war alt geworden. Stirn und Augenwinkel voller Falten, der stets fein getrimmte Bart inzwischen weiß wie Schnee, ebenso das kurz geschorene Haar.
      „Hast du meine ‚Botschaft‘ erhalten?“, fragte Nick geheimnisvoll und ließ vom Schreibtisch ab, ohne seinen Erzeuger dabei aber aus den Augen zu lassen.
      „Ich hasse es, mich zu wiederholen. Wovon redest du?“

      Anscheinend nicht. Also hatte Aiden ihm bisher nicht verraten, dass Nick via Monochrome versucht hatte einen Anschlag auf ihn zu verüben. Sein ehemaliger Geliebter hatte jenen rechtzeitig verhindert und Nick heimlich dabei gefilmt, wie dieser alles an Aidens Laptop vorbereitet hatte.
      „Nicht so wichtig“, winkte Nick beiläufig ab. Er wusste, wie sehr dieser Mann es hasste, wenn man seine Fragen nicht beantwortete. „Jetzt bin ich hier. Nach über fünf Jahren.“
      Sein Gegenüber erhob sich und strich dabei sein Sakko glatt. „Dass du dich mir so offenkundig zeigst bedeutet, dass du etwas von mir willst. Etwas, dass dir kein anderer gewähren kann. Du hast Mut, dich mir so dreist gegenüber zu stellen, Eli.“
      „Wie gut du mich doch kennst, obwohl man unsere Begegnungen an einer Hand abzählen kann“, stichelte Nick und entfernte sich rückwärts laufend von Mr. Bauer. Dabei hob er seinen Arm, an dem seine Duel Disk befestigt war. „Es gibt wirklich nur eine Sache, die nur du für mich tun kannst.“
      „Du bist hierher gekommen, um dich mit mir zu duellieren?“, spottete das Oberhaupt seiner Familie höhnisch. „Hast du jetzt endgültig deinen Verstand verloren?“
      „Wer weiß“, nuschelte Nick wieder verschwörerisch, als er auf genug Abstand gegangen war.
      „Ich duelliere mich nicht mehr.“
      „Offiziell oder inoffiziell?“ Nick beobachtete ihn genau dabei, wie Mr. Bauer nach einer Schublade zu dessen rechten griff und sie öffnete. Dabei flötete sein Spross: „Hach ja, was für eine Entwicklung du durchlebt hast. Angehender Profiduellant, Senator … in Ungnade gefallener Senator. Und jetzt bist du der Kopf dieses Babys.“
      Er breitete seine Arme dabei weit aus, ließ sie dann aber schnell wieder sinken. „Aber ist das wirklich die ganze Geschichte?“
      Sein Vater zog es vor nicht zu antworten. Stattdessen zückte er aus besagter Schublade ein Deck sowie eine Duel Disk, die Nick bei ihrem Anblick abrupt verstummen ließ. Überall Kratzer, ausgebleichtes Grau – das war Anyas Duel Disk!
      „Woher hast du die?“
      „Meine Tochter hat sie mir zur Verwahrung zugesandt, bis sie sie sich zum rechten Zeitpunkt abholt.“
      „Du bist wirklich dumm“, schnarrte Nick, „diese Duel Disk wurde Anya gestohlen. Derjenige, der sie dir geschickt hat, war-“
      Autoritär unterbrach Mr. Bauer seinen Sohn: „Erspare mir deine Behauptungen. Sie haben schon genug angerichtet.“
      Nick lachte gehässig. „Wie du willst. Aber ich würde aufpassen. Vielleicht ist eine Bombe darin versteckt. Wäre nicht das erste Mal.“
      „Eli“, knurrte dessen Vater. Eine Ader auf seiner Stirn pochte sichtbar. Dabei schob er sich den Apparat über den Arm.
      „Tick tack“, konterte Nick jedoch gehässig. Dann aktivierte er seine eigene Duel Disk.
      „Damit wir uns richtig verstehen“, stellte Mr. Bauer klar, als er dasselbe tat, „betrachtete dieses Duell als den ersten und letzten Gefallen, den ich dir erweisen werde.“
      „Ich weiß, mit väterlicher Zuneigung hast du es nicht so. Aber schön, dass ich dich nicht extra daran erinnern muss.“ Die Augen des großen, zerzausten Mannes funkelten böse. „Hat mein Spinnensinn da übrigens eine versteckte Drohung gewittert?“
      „Was lässt dich das glauben?“
      „Nur so ein Gefühl.“

      Wenn Nicks Verdacht sich bestätigte und sein Vater tatsächlich der legendäre Dämonenjäger war, von dem Alexandra ihm vor einiger Zeit erzählt hatte, wusste er wahrscheinlich, warum genau Nick dieses Duell wollte. Ein Kampf zwischen zwei Trägern der Conqueror's Soul. Der Sieger würde die Kräfte des anderen absorbieren. In welchem Ausmaß genau wusste Nick nicht, aber es gab noch einen zweiten Grund, warum dieser Kampf stattfinden musste. Sein Vater musste aus dem Weg geräumt werden. Endgültig …
      „Duell!“, rief der junge Mann alleine aus, während Mr. Bauer nur schwieg.

      Ich mag Anya, hehe“, gluckste Nick Harper – der echte – dümmlich, mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
      In einem kleinen Café am Stadtrand Livingtons saß er Eli Bauer gegenüber. Beide waren groß, brünett, wirkten fast wie Brüder. Nur dass Elis Haar kurzgeschoren war, er eine Brille trug und im Gegensatz zu Nick nicht herum lief, als begreife er den Sinn von Kleidung nur rudimentär. Denn Nick Harper war schlampig, ungepflegt und minderbemittelt. Eli verabscheute ihn. Aber er war momentan alles, was ihn mit seiner Schwester verband.

      Eli nahm einen Schluck aus seinem Becher Kaffee und blinzelte genau einmal. „Das war nicht meine Frage. Haben sich ihre Noten verbessert?“
      „Ich gebe ihr eine 3 in Sexiness. Zu kleine-“ Aber als Nick sich einem bitterbösen Blick ausgesetzt sah, schluckte er. „Nein, glaube nicht. Außer in Philosophie, aber das auch nur, weil Anya der Lehrerin ihre eigene Philosophie in Sachen Benotung erklärt hat. Irgendwas mit Schmerz … meinst du, sie steht auf SM? Meinst du, -ich- steh' auf SM!?“
      Er wackelt anrüchig mit den Augenbrauen. Genervt stöhnte Eli auf. „Und wie geht es Abigail? Sind sie und Anya noch Freunde?“
      „Der Streit ist Schnee von … Alaska?“ Der zerzauste Bursche überlegte angestrengt. „Uh …“
      „Egal. Sie haben sich also vertragen? Sehr gut. Anya braucht wenigstens ein paar Freunde.“

      Warum triffst du dich nicht mit ihr, wenn du so viel von ihr wissen möchtest?“
      Das war wohl das Intelligenteste, das er seit Langem von sich gegeben hatte. Eli setzte den Becher ab. „Das geht nicht.“
      „Warum?“
      „Das geht nur mich und ihren Vater etwas an.“
      „Warum?“

      Eli rollte mit den Augen. „Unwichtig.“
      „Warum?“ Beide sahen sich schweigend an. „Hehe. Ich mag es, so zu fragen.“

      Kein Wunder, dass dieser Typ den letzten Jahrgang hatte wiederholen müssen. Der wäre am besten in einer Behindertenschule aufgehoben, dachte sich Eli genervt. Aber er musste ihn ertragen, wenn er wenigstens ein paar Informationen über seine Schwester einholen wollte, nachdem ihre Mutter ein absolutes Kontaktverbot gefordert hatte.

      Nach einer halbstündigen, für Eli ziemlich schwierigen Unterhaltung, verließen beide das Café. Draußen regnete es und während der älteste Sohn von Mr. Bauer seinen Schirm aufspannte, stand Nick Harper grinsend im Regen. „Immer wenn die Tropfen mich berühren, frag ich mich, ob sie es mögen.“
      „Ah ja.“
      „Darf ich dich noch ein Stück begleiten?“
      Mit den Augen hinter den Brillengläsern rollend, seufzte Eli: „Meinetwegen.“

      So folgte der große Tölpel ihm wie ein Schoßhund. Zugegeben, er war einfach gestrickt und egal was er tat, man nahm es ihm ab, weil er Nick Harper war.
      „Mum hat mir neulich eine Slay Station 128 gekauft.“
      „Schön.“
      „Jetzt können Anya und ich Monstermetzelinferno 3 zocken.“
      „Gut für euch.“
      Der Idiot gluckste lüsternd. „Vielleicht kommen wir uns dabei-“

      Aber Eli unterbrach ihn mit aller Beherrschung, die er aufbringen konnte. „Deine Mutter ist Anwältin und dein Vater Arzt, richtig? Ihr müsst ein gutes, wohlhabendes Leben führen.“
      „Glaube schon.“ Geradezu empört eilte der pitschnasse Nick an Elis Seite. „Aber warum bekomme ich dann nur so wenig Taschengeld!?“
      „Sei zufrieden, dass du überhaupt welches bekommst.“ Sein vermeintlicher Freund sah grimmig zur Seite. „Andere leben längst nicht in solchem Überfluss wie ihr.“
      „Das verstehe ich nicht. Aber es klingt gut, he he.“
      Der Brillenträger seufzte resignierend. „Nicht ganz …“


      Zumindest hatte Eli vor ein paar Monaten jemanden kennengelernt, der ihm beibrachte, das Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Mit einem Tastendruck war Armut nicht mehr als ein bedeutungsloses Wort. Aiden Reid war sein Retter gewesen, derjenige, durch den er zum ersten Mal begriff, was Freiheit überhaupt war. Er liebte ihn dafür.
      Aber Bankautomaten oder auch fremde Konten zu hacken reichte Eli nicht. Dadurch wurde er dieses Leben nicht los.

      [Nick: 4000LP / Mr. Bauer: 4000LP]

      „Verrate mir eins, 'Dad'. Hast du die Nachrichten überhaupt gesehen?“, fragte Nick provokativ, als er eine Karte nach der anderen von seinem Deck aufnahm. „Weißt du überhaupt, was passiert ist!?“
      Der Mann, den er wohl am meisten hasste, sah ihn nur stillschweigend an.
      „Hast du Anya je beglückwünscht für ihren Erfolg beim Legacy Cup!?“, brüllte der junge Mann förmlich. „Wenn nicht, tut es dir nicht weh zu wissen, dass es dafür inzwischen zu spät sein könnte!?“
      Wieder keine Reaktion. Als ob es ihn überhaupt nicht interessierte, dass seine Tochter in jenem Flugzeug gesessen hasste, das über Ephemeria City kurz nach seinem Start abgestürzt war.
      „Und du denkst ernsthaft, du hättest nichts von all dem verdient, was dir widerfahren ist“, knurrte Nick leise, „du widerst mich an.“

      Nachdem die beiden ihre Starthand gezogen hatten, rief Nick sofort: „Ich beginne!“
      Seine fünf Karten stellten ihn vollends zufrieden. Zwar hatte sich sein Erzeuger vermutlich seit Jahren nicht mehr duelliert, aber deswegen durfte man ihn nicht unterschätzen. Mr. Bauer hätte eine Karriere als Profiduellant verfolgen können, wäre dies seine Absicht gewesen. Dieser Mann schaffte es innerhalb kürzester Zeit, seine Gegner in einen eisernen Griff zu nehmen, aus dem sie sich nie wieder befreien konnten.
      „Horus“, murmelte Nick leise vor sich hin.
      Der gefürchtete Schwarzflammendrache. War dieser erst in seiner adoleszenten Form auf dem Feld, gab es kein Entkommen mehr. Dazu durfte er es nicht kommen lassen. Dazu -würde- er es gar nicht erst kommen lassen!
      „Ich beschwöre [Wind-Up Hunter] von meiner Hand als Normalbeschwörung“, kündigte der zerzauste, junge Mann im schwarzen Mantel an, legte aber gleich zwei Monster auf die entsprechenden Zonen seiner Duel Disk, „und weil ich das getan habe, kann ich [Wind-Up Shark] gleich hinterher beschwören.“
      Die beiden Monster tauchten vor ihm im dunklen Büro auf. Linkerhand spannte ein violetter, etwa ein Meter großer Spielzeugzentaur, die Armbrust, die er mit sich führte. Neben ihm zappelte ein blauer, mechanischer Hai, mit seiner Schwanzflosse hin und her. Und auf den Rücken beider befanden sich goldene Aufziehschlüssel.

      Wind-Up Hunter [ATK/1600 DEF/500 (3)]
      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4)]

      „Spielzeug?“, fragte Mr. Bauer tonlos und doch kam es in Nicks Ohren einer Beleidigung gleich. Was dann aber kam, damit hatte er nicht gerechnet. „Du benutzt das Deck dieses Jungen?“
      Natürlich, was auch sonst? Dieses Deck hatte einst dem echten Nick Harper gehört, also wieso würde er jetzt ein anderes verwenden? Gewissermaßen war er dazu sogar gezwungen, dachte Nick.
      Trotzdem stand ihm eine Schweißperle auf der Stirn.
      „Ich benutze [Wind-Up Sharks] Effekt und korrigiere seine Stufe um 1 nach unten“, wich jener resolut aus. Der Aufziehschlüssel auf dem Rücken seines Hais begann sich rapide zu drehen.

      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4 → 3)]

      „Es ergibt Sinn“, sprach Mr. Bauer seelenruhig dabei weiter. „Um er zu werden musstest du dich nicht nur verhalten wie Nick Harper. Du musstest auch die Dinge mögen, die er mag. Sein, was er war.“
      Nicks Atem ging schneller. Er rief: „Und nun errichte ich das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 3-Wind-Ups wird ein Rang 3-Monster!“
      Vor ihm tat sich ein Schwarzes Loch auf, das seine beiden Kreaturen als violetten beziehungsweise im Falle des Hais als blauen Lichtstrahl absorbierte.
      „Was du diesem Jungen angetan hast, wird dich eines Tages einholen.“
      „Xyz Summon!“, donnerte Nick förmlich dagegen. „Erscheine, [Wind-Up Carrier Zenmaity]!“
      Eine Explosion erschütterte das Überlagerungsnetzwerk. Ein großes Spielzeugschiff erhob sich aus dem Wirbel – ein Flugzeugträger, bestehend aus zwei Rampen, die durch das eigentliche Monster, einen Roboter, zusammengehalten wurden. Zwei Lichtsphären rotierten um diesen.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      Nick blickte voller unterdrücktem Zorn in sein Blatt. Er würde die Hand seines Vaters lahmlegen und ihm damit jede Möglichkeit nehmen, seinen Schwarzflammendrachen überhaupt aufs Feld zu bekommen! Seine Hunter-Carrier-Rat-Schleife hatte selbst einen mächtigen Dämonen wie Xiphos in die Knie gezwungen!
      „Ich akt-“
      „Von meiner Hand lege ich [Effect Veiler] ab.“ Mr. Bauer tat genau dies und schob eine Monsterkarte in seinen Friedhofsschlitz.
      Was dazu führte, dass eine kleine Fee in weißem Anzug vor ihm erschien. Das hellblaue Haar war zu zwei langen Pferdeschwänzen gebunden. Sie lächelte neckisch und ging dann auf Kollisionskurs mit dem verhältnismäßig riesigen Metallkoloss, in dem sie einfach verschwand.
      „-iviere [Wind-Up Carrier Zenmaitys] Effekt und beschwöre im Austausch für eine Overlay Unit ein Wind-Up von meinem Deck“, sprach Nick zeitgleich noch weiter. Dann fluchte er laut.
      Mr. Bauer verschränkte die Arme. „Ich fürchte, dein Plan ist gerade in Rauch aufgegangen. Du kannst nach dem Einschreiten von [Effect Veiler] den Effekt des betroffenen Monsters nicht mehr in diesem Zug aktivieren.“
      „Das weiß ich selbst“, zischte Nick zwischen den Zähnen.

      Wie vorausschauend von seinem Erzeuger. Er hatte seine Hausaufgaben gemacht und sich über sein Deck informiert. Was bedeutete, dass er damit gerechnet haben musste, seinem unehelichen Sohn eines Tages gegenüber zu stehen. Nick fragte sich, was dieser Mann inzwischen noch alles wusste. Und fürchtete die Antwort darauf.
      Er spürte es am ganzen Leib. Irgendetwas stimmte nicht mit Mr. Bauer. Er besaß keine dämonische Ausstrahlung wie viele andere Wesen, die Nick in den letzten Tagen aufgesucht hatte. Seine Ruhe, seine Unerschütterlichkeit, dieses absolut Furchtlose an ihm – es jagte Nick eine Heidenangst ein. Denn er wusste nicht, worauf all das basierte.
      Was verheimlichte dieser Mann der Welt!?

      Nachdem er zur Ruhe gekommen war, studierte Nick wieder sein noch aus drei Karten bestehendes Blatt. Auch wenn er seine Kombo nicht hatte durchführen können, war es noch nicht zu spät, solange sein Feind seine Vorbereitungen nicht getroffen hatte!
      „Ich setze eine Karte verdeckt und aktiviere [Shard Of Greed], mit der ich in der übernächsten Runde zwei Karten ziehen werde“, verkündete der junge Mann gefasst.
      Vor ihm materialisierte sich seine vertikal liegende Falle, deren Bild nach unten zeigte. Daneben klappte ein permanenter Zauber auf, der eine einzelne Scherbe des legendären grünen Topfs zeigte.
      Der junge Mann zitterte trotz der vorgetäuschten Selbstsicherheit. Sich diesem Mann überlegen zu fühlen und doch kaum aufrecht stehen können. Nur einmal war es ihm in der Vergangenheit so gegangen …

      Eli stand im Türrahmen und betrachtete seinen Erzeuger, wie er im Esszimmer der Familie Harper den bewusstlosen Nick begutachtete. Lautlos näherte er sich dem Mann, der sich gerade erhob. Und es fiel ihm nicht schwer, den Elektroschocker an die Schläfe Mr. Bauers zu setzten, ebenso seine Hand auf dessen Mund und das Ding solange laufen zu lassen, bis auch der großgewachsene, blonde Mann in sich zusammensackte.

      Der junge Mann mit der Brille bebte förmlich, aber er hatte es geschafft. Die Falle hatte zugeschnappt.
      Da lagen sie, beide vor seinen Füßen. Eli zog den linken Ärmel seines Pullovers zurück, zückte das Messer aus seiner Tasche und schnitt sich ins eigene Fleisch. Blut tropfte auf den Teppich. Dann nahm Nick aus der Innentasche seiner Jacke einen Beutel mit weiterem Blut, drehte seinen Erzeuger mit dem Fuß auf den Rücken und träufelte vorsichtig einige Tropfen auf dessen Hemd und Sakko. Danach tat er dasselbe mit Nick und verteilte den Rest im Esszimmer.
      Wenn er so zurückdachte, wie anstrengend es gewesen war, die ganzen Krankenakten von Nick Harper so anzupassen, dass sie auf seine eigenen abgestimmt waren, fragte sich Eli, ob es das alles wirklich wert war. Aber das war es.
      Der junge Mann beugte sich zu seinem ehemals einzigen Freund herab. „Vergib mir.“


      Wer hohe Türme bauen will, muss lange am Fundament verweilen.“

      Anton Bruckner

      Und an diesem Tag veränderte sich Eli Bauer, der nie als solcher geboren worden war. Nicht einmal sein Nachname war anerkannt – echt. Stevens hieß er auf dem Papier. Der Bastard eines Verrückten, welcher ihm nie einen Funken Respekt erwiesen hatte.
      Also nahm er das Schicksal selbst in die Hand. Ein Anruf hatte genügt, seinen Erzeuger ins Haus der Harpers zu locken. Und ein zweiter würde ihn für immer hinter Gitter bringen. Dort, wo er hingehörte. So wie auch Eli sein ganzes Leben hinter rostigen Gittern verbracht hatte.

      Es brannte bereits lichterloh, als Eli zu Bewusstsein kam. Er sah den dunklen Himmel. Waren das Wolken oder der Rauch? Schreie waren neben ihm zu hören. „Mein Sohn! Wie geht es ihm!?“
      Langsam wurde er sich gewahr, dass er auf einer Trage von zwei Rettungssanitätern über die Straße geschleppt wurde. Sein Körper war taub. Zweifelsohne musste es funktioniert haben, er war stark genug verbrannt, um als Nick Harper durchzugehen.
      Mit viel Mühe konnte er seinen Kopf zur Seite drehen. Und da sah er ihn, Mr. Bauer, voller Blut, Brandspuren und Ruß, wie er von einem Polizeibeamten abgeführt wurde. Ihre Blicke trafen aufeinander. Ob er wohl schon etwas von dem ahnte, das ihm bevorstand?

      Er rief entgeistert: „Nick, was um alles in der Welt-!?“

      Hoffentlich hatte Aiden sich an den Plan gehalten und bereits ausgesagt. Auch wenn jetzt mehrere Monate voller plastischer Chirurgie vor Eli standen, würde er als neuer Mensch wiedergeboren werden. Als Nick Harper. Und sein Erzeuger würde für den Mord an Eli Stevens ins Gefängnis wandern.

      Nick ballte eine Faust. Hätte er damals geahnt, was wirklich geschehen würde, wäre vermutlich noch jemand an diesem Tag ums Leben gekommen.

      Als Mr. Bauer eine Karte aus seinem Blatt nahm, vor sich hin hielt und scheinbar genau betrachtete, spürte Nick ein unangenehmes Kribbeln in der Magengegend. Welches umso intensiver wurde, als der Mann die Karte ausspielte.
      „Mein alter Gefährte, erscheine! [Horus The Black Flame Dragon LV4]!“
      Vor dem Bärtigen materialisierte sich ein etwa anderthalb Meter großer Drache, wobei diese Bezeichnung nicht wirklich zutraf. Denn tatsächlich war es ein Falke in kupferner Panzerung, der da vor ihm stand – die Verkörperung des namensgebenden Gottes.

      Horus The Black Flame Dragon LV4 [ATK/1600 DEF/1000 (4)]

      Nick rann blanker Schweiß von der Stirn. Also hatte er ihn wirklich bereits auf der Hand gehabt – verdammt! Aber diese Version, LV4, war nur seine jugendliche, unerfahrene Form. Ungefährlich – solange es kein anderes Monster im Kampf besiegte. Sein Blick lag auf dem Miniaturflugzeugträger.
      „Kampf!“, befahl Mr. Bauer da schon wortkarg mit ausgestreckter Hand. „Pitch Black Decree!“
      Der metallische Vogel lud in seinem Schnabel einen finsteren Odem auf, den er in komprimierter, aber extrem gebündelter Form auf seinen Widersacher abfeuerte.
      Nick lachte leise auf. „War zu erwarten.“
      Solange sein Erzeuger noch nicht in der Lage war, sein Spiel einzuschränken, musste der junge Mann all seine zur Verfügung stehenden Waffen nutzen. Was er umso lieber tat, wenn dabei nur das Assmonster seines Vaters vorzeitig fiel – egal ob es bedeutete, seinen Zenmaity dafür zu opfern.
      „Falle!“, donnerte er autoritär. „[Overwind]. Sie verdoppelt die Werte meines Spielzeugs, schickt es danach aber dahin zurück, wo es hergekommen ist.“
      Der goldene Aufziehschlüssel des Schiffs, welcher sich steuerbord an der Außenhülle befand, begann sich rapide zu drehen.

      Wind-Up Carrier Zenmaity [ATK/1500 → 750 → 1500 DEF/1500 {3} OLU: 2]

      Der schwarze Flammenstrahl schlug in den plötzlich schrumpfenden Zenmaity ein und löste eine mächtige Explosion aus, die spurlos an Nick vorbei ging. Jener war im Rauch eingeschlossen und erwartete bereits den bevorstehenden Konter seines Monsters, der jedoch ausblieb. Denn wie sich alsbald herausstellte, war der Träger vernichtet worden.
      Nick keuchte nur leise, als er den Schnellzauber erblickte, der gerade auf der Spielfeldseite seines Vaters verschwand – [Shrink]. Jene halbierte den Angriffswert des Ziels.

      [Nick: 4000LP → 3900LP / Mr. Bauer: 4000LP]

      „Wie du sehen kannst, bin ich es, der auf deine Tricks vorbereitet ist, Eli“, sprach Mr. Bauer, nahm eine Karte aus seinem Blatt und setzte sie in seine Duel Disk ein. „Ich setze diese Karte und beende meinen Zug.“
      Nick stockte der Atem, beachtete gar nicht die Karte, die sich zu den Füßen seines Widersachers materialisierte. Das hätte nicht passieren dürfen!
      Kurz nachdem sein Vater gesprochen hatte, begann goldenes Licht aus den Ritzen in Horus' Panzerung in alle Richtungen zu strahlen. Die Kreatur wuchs und gewann circa einen halben Meter an Größe, überragte Mr. Bauer ein wenig, spreizte ihre Schwingen. Sie wirkte wesentlich erwachsener, die Flügel und ihr Schweif waren länger geworden.
      „Der Kampf hat dem Kriegsgott Erfahrung gelehrt. Er ist auf die Stufe 6 aufgestiegen und in seiner adoleszenten Form nun vor allen Zauberkarteneffekten gefeit. Aber bei deinem Anblick“, sprach der ergraute Mann und machte eine wirkungsvolle Kunstpause, „möchte ich sagen, dass du dir dessen bestens bewusst bist.“

      Horus The Black Flame Dragon LV6 [ATK/2300 DEF/1600 (6)]

      Der seines Zeichens zerzauste Nick sagte gar nichts und betrachtete nur den mächtigen Gott der ägyptischen Mythologie. Wenn es seinem Erzeuger gelang, damit nur noch einmal ein Monster zu besiegen-! Nein, so weit würde es nicht kommen!
      Noch während Nick nach seinem Deck griff, tauchte vor seinem offenen Zauber eine grüne Scherbe auf, die einst Teil des Topfs der Gier war.
      „Draw!“, fauchte der Brünette zornig und betrachtete seine neue Handkarte, eine Falle. Seine Augen begannen gefährlich zu funkeln. Genau zum rechten Zeitpunkt. „Ich setze eine Karte verdeckt!“
      Schon erschien jene zischend zu seinen Füßen. „Und beschwöre [Wind-Up Knight] im Angriffsmodus. Zug beendet!“
      Er legte seine letzte Handkarte auf seine Duel Disk, womit ein etwa zwei Köpfe im Vergleich zu ihm kleinerer, weißer Spielzeugritter auftauchte. Mit Schild und Schwert bewaffnet, trotze er mutig seinem Erzfeind, dem Drachen.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Mr. Bauer betrachtete seinen Sohn still. Hinter seinen kalten, blauen Augen konnte Nick es förmlich rattern hören. Dann zog der Mann auf eine dritte Handkarte auf.
      „Angriff auf [Wind-Up Knight]“, befahl er und schwang dabei den Arm aus. „Pitch Black Obliteration!“
      Sein mächtiger Horus öffnete den Schnabel und lud darin eine lodernde, schwarze Flamme auf. Zumindest bis sich an seinen Füßen eine Kristallschicht bildete, die sich ausdehnte und immer weiter nach oben zog, bis sie den Vogel komplett eingeschlossen hatte.
      „Daraus wird nichts“, tönte Nick zufrieden, vor dem eine offene, permanente Fallenkarte aufgeklappt stand, „[Grave Of The Super Ancient Organism]. Sie versiegelt die Effekte und Angriffe aller spezialbeschworenen Monster der Stufe 6 oder höher.“
      „Und [Royal Decree] negiert die Effekte aller anderen offenen Fallenkarten“, konterte Mr. Bauer gelassen, als er den Auslöser an seiner Duel Disk betätigte und die eigene Fallenkarte aufklappen ließ. Nick stieß wenig überrascht ein Stöhnen aus beim Anblick der Karte, die ebenfalls auf dem Feld verweilen würde. Und kaum stand jene aufrecht, schlugen Blitze um Nicks Karte. Und Horus brach aus seinem Gefängnis frei.
      Wie zu erwarten war, dachte der große, junge Mann grimmig. Dieses Scheusal war ein Naturtalent darin, unangenehmen Situationen zu entkommen. Und jetzt war seine Kombo beinahe vollständig.
      Er sah dem schwarzen Flammenstrahl entgegen, der seinen Ritter erfasste. Keine Sekunde später folgte eine finstere Explosion, die Nicks Feld in Schatten hüllte.
      „Besiegt Horus ein Monster im Kampf, steigt-“
      „Aber dem ist nicht so!“ Nick vertrieb die Dunkelheit mit einem einfachen Schwenk seiner Hand. Und sein Spielzeugritter stand noch vor ihm. „Ich habe mir fast gedacht, dass du es so zu drehen versuchst. [Wind-Up Knight] kann nur einmal einen Angriff abwehren.“
      Mr. Bauer nickte. „Ich verstehe. Ein hartnäckiger Zeitgenosse. Wie du.“
      „Erspare mir diese Sprüche.“
      „Diese Eigenschaft hast du wohl von mir. Ich aktiviere in meiner Main Phase 2 eine Zauberkarte“, sprach der ergraute Mann unberührt weiter und schob wie angekündigt die grün-umrandete Karte in seien Duel Disk. „Sie nennt sich [Level Up!]. Damit erreicht Horus sofort seine finale Evolutionsstufe.“
      Völlig entgeistert weitete Nick seine Augen. „Was!?“
      Der Vogelgott wuchs erneut und gewann noch einmal einiges an Umfang. Aus seinem Torso wuchsen dürre Arme, geschützt von Schulterpanzern. Auch die Schwingen wurden breiter, die langen Federn glänzten messerscharf. Zuletzt entstand an seiner Stirn ein blaues Juwel, das gefährlich glimmte.

      Horus The Black Flame Dragon LV8 [ATK/3000 DEF/1800 (8)]

      Erhaben verschränkte Mr. Bauer die Arme hinter seinem mächtigen Drachen. „Du weißt, dass mein alter Gefährte jede beliebige Zauberkarte sofort bei ihrer Aktivierung unschädlich machen kann. Zusammen mit meiner Falle [Royal Decree] kannst du nun weder Zauber- noch Fallenkarten zu deinem Vorteil nutzen. Zug beendet.“

      Damit hatte er alle Puzzlestücke beisammen, dachte Nick zornig, als er dabei war aufzuziehen. Aber in einem irrte dieser Narr sich – diese Kombo war längst nicht mehr unaufhaltsam. Er mochte vielleicht vor 20 Jahren Leute damit beeindruckt haben, aber diese Zeiten waren vorbei.

      Trotzdem zitterte seine Hand, als er aufzog. „Dein Horus kann Zauberkarten vernichten, das stimmt. Aber das gilt nicht für die, die schon auf dem Feld sind. Effekt von [Shard Of Greed]!“
      Eine zweite, grüne Scherbe reihte sich an das Bruchstück und bildete nun ein rotes Schlitzauge, welches leuchtete. „Ich schicke sie auf den Friedhof und ziehe zwei Karten!“
      Der Zauber löste sich mitsamt der Scherben auf und Nick zog in schneller Folge zwei Karten. Nur um sein Blatt zerknirscht anzusehen. Keine der drei Karten konnte ihm unmittelbar aus seiner Lage befreien. Sein Erzeuger hatte ihn wieder einmal in die Ecke gedrängt …

      Der junge Mann saß aufrecht in seinem Bett. Das Gesicht war vollkommen mit Bandagen bedeckt mit Ausnahme von Nase, Mund und Augen. Angeschlossen an einen Tropf, hatte er zumindest das Glück, der einzige Patient im Zimmer zu sein.

      Allein war ‚Nick Harper‘ trotzdem nicht. Am Fenster zu seiner Linken stand seine Mutter, inzwischen ergraut und mit kürzeren Haaren, die ihr bis zu den Ohren reichten. Neben ihr verharrte der Mann, dank dem er endlich das Leben leben konnte, das er verdiente.
      „Hat die Polizei inzwischen bestätigt, dass es sich bei der Leiche um Eli Bauer handelt?“, fragte ebendieser mit kratziger, noch immer von der Rauchvergiftung beeinträchtigten Stimme.
      „Stevens“, korrigierte seine Mutter ihn abwesend.
      Mit belegter Stimme antwortete Aiden Reid, der in einem dunkelblauen Nadelstreifenanzug steckte: „Was das angeht, sind die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen.“
      Er kratzte sich an seinem Spitzbart. „Eli-“

      Nick“, verbesserte der ihn scharf.
      „Willst du das wirklich bis zum Ende durchziehen?“

      Stellst du das jetzt wirklich in Frage?“ ‚Nick‘ sah seinen Geliebten düster an. „Ich habe meine Aussage gegenüber der Polizei bereits getätigt. Der Junge ist tot. Für einen Rückzieher ist es zu spät, Aiden.“
      Der nickte schneeweiß. „Natürlich.“

      „Dann heißt es wohl Lebewohl sagen“, meinte seine Mutter mit klammer Stimme. Sie drehte sich zu ihrem bandagierten Sohn um. Ihr Gesicht war gezeichnet von Falten, obwohl sie noch nicht einmal 50 Jahre alt war. „Es tut mir leid, dass ich dir kein besseres Leben bieten konnte. Aber nun hast du, was du wolltest. Du bist nicht mehr -mein- Sohn.“
      „Danke, Mum“, sagte Nick respektvoll.

      In dem Moment klopfte es an der Tür. Aiden meinte sofort: „Unser Stichwort.“
      Leb' wohl, Eli“, hauchte Elenore Stevens den Tränen nahe, lief aber schnurstracks am Bett ihres Sohnes vorbei.
      Dabei gab sie sich die Klinke mit zwei Teenagern in die Hand, die gerade unaufgefordert in das Zimmer stürmten. Zumindest eine von ihnen, die andere eilte ihrer Freundin meckernd hinterher. „Anya, du kannst nicht einfach-“

      Das blonde Mädchen mit dem Pferdeschwanz und Pickelgesicht konnte. Und wollte.
      „Verdammter Kackmist, Harper! Bist du bescheuert!?“, fluchte sie, wie sie einem Tornado gleich erst an Mrs. Stevens und dann an einem überraschten Aiden vorbei zog. „Wir wollten euer Haus doch erst zu Halloween anzünden, wenn Richardson und die Comery-Zwillinge im-“
      Sie blieb erstaunt zwischen den beiden Erwachsenen stehen. „Wer zur Hölle sind die!?“
      „Anya, sei nicht so unhöflich!“, beschwerte sich das Mädchen hinter ihr. Sie trug ein pechschwarzes Kleid mit vielen Schlaufen und Nieten an den Armen, hatte die Augen mit Kayal betont und die Haare schwarz gefärbt. Gothic-Abby stöhnte: „Normalerweise wartet man, bis man hineingebeten wird.“
      „Wir haben uns im Zimmer geirrt“, nuschelte Aiden belustigt und verließ jenes im Anschluss. „Entschuldigung für die Störung.“

      A-Anya“, stammelte Eli irritiert und sah die beiden pubertierenden Mädchen mit großen Augen an. So unvermittelt fiel es ihm schwer, in seine neue Rolle zu schlüpfen. „Mir war kalt, hehe.“
      Was ist denn bloß passiert?“, fragte Abby betroffen und eilte an sein Bett.
      Mühsam versuchte der neue Nick sich zu erklären. „Da war ein Mann in unserem Haus. Er hat sich mit einem Freund von mir gestritten. Ich glaube, es ging um meine imaginäre Barbie-Sammlung.“
      Die beiden Teenies sahen ihn an, als hätten sie tatsächlich nichts anderes erwartet. Er grinste sie beide weit an. „Wenn ihr wollt, zeige ich sie euch, sobald ich raus bin!“
      Und was hat dieser Mann gemacht?“, fragte Abby neugierig.
      „Ach, nur meinen Kumpel kaltblütig umgebracht. Wie in den Filmen, hehe. Und dann wollte er auch mich umbringen. Hier.“ Er zeigte ihnen den rechten Arm, der bandagiert war und an dem er sich die Schnittverletzung zugefügt hatte. „Ich habe wohl gestört, hehe.“
      „Harper“, sagte Anya trocken, „du grenzdebiler, hirnloser, vollkommen bescheuerter Idiot! Und das sollen wir dir glauben?“


      Zu dem Zeitpunkt ahnte das junge Mädchen nicht, von welchem Mann ihr vermeintlicher bester Freund da gesprochen hatte. Und auch nicht, wie einschneidend 'Nick Harpers' Anschuldigungen sich erweisen würden.

      Nick betrachtete seine Handkarten, zwei Monster und ein Zauber, welcher dank Horus völlig unbrauchbar war. „Tch.“
      Missmutig drehte er die Karte seines Ritters in die Horizontale, wodurch dieser vor ihm in die Knie ging.

      Wind-Up Knight [ATK/1800 DEF/1200 (4)]

      Anschließend nahm er ein weiteres Monster aus seinem Blatt. „Ich spiele [Wind-Up Bat] im Angriffsmodus aus.“
      Eine kleine, schwarze Plastikfledermaus tauchte vor ihm auf. Sie besaß auf dem Rücken ebenso einen Aufziehschlüssel. Auch ihre Karte wurde von Nick auf dessen Duel Disk gedreht. „Dank ihres Effekts kann sie sofort ihre Position ändern, um ein Spielzeug von meinem Friedhof zu bergen.“
      Ihr Bauch klappte auseinander und offenbarte einen Haken, der nach unten in den Boden schoss. Kaum hatte er sich dort verankert, begann sich der Aufziehschlüssel rapide im Uhrzeigersinn zu drehen und an einem dünnen Seil wurde der blaue Spielzeughai aus dem Nichts empor gezogen.
      Diesen nahm Nick in sein Blatt auf. Nachdem ihr Werk getan war, landete die Fledermaus auf des Ritters Schulter.

      Wind-Up Bat [ATK/300 DEF/350 (1)]

      Trotz seiner verzwickten Lage konnte Nick sich ein zuversichtliches Grinsen abringen, ehe er zu seinem Vater aufsah. „Zug beendet.“

      Jener zog abermals wortlos auf, spielte eine andere Karte aus seinem Blatt aus. „Unterstütze meinen Partner, [Horus' Servant].“
      Ein dunkelhäutiger Mann in weißer, mit Goldornamenten veredelter Kleidung und dunkelblauem Umhang stellte sich vor Mr. Bauer. Sein Helm war dem Vogelkopf des Horus nachempfunden.

      Horus' Servant [ATK/100 DEF/100 (1)]

      Nick entglitt bei seinem Anblick ein leises Zischen. Der Alte machte sich also nun daran, seine Stellung zu festigen. Denn der Diener des Horus machte es dessen Feinden unmöglich, seinen Gott mit Karteneffekten anzuzielen. Dafür war er selbst aber sehr schwach. Zu schwach, um ihn ungeschützt auszuspielen …
      Und wie der falsche Harper-Spross es in diesem Moment antizipierte, spielte sein Gegner eine passende Zauberkarte aus. „Ich rüste Horus mit [Raregold Armor] aus. Damit kannst du fortan nur noch ihn als Angriffsziel wählen.“
      Über den metallischen, hellroten Körper des Gottdrachens zog sich eine weißgoldene Panzerung, an den Schwingen besaß sie goldene Umrandungen. So wurde der Drache weiß wie Schnee, leuchtete fast schon in der Dunkelheit.

      Horus The Black Flame Dragon LV8 [ATK/3000 DEF/1800 (8)]

      Auch wenn Nick diesen Moment seither, und das musste er sich ehrlich eingestehen, mit einer gewissen Furcht erwartet hatte, überkam ihn ebenso ein seltsames Gefühl von Befriedigung. Denn so sehr dieser Mann ihn auch unter Druck setzte, wollte er nichts mehr, als dessen Strategie, dessen 'Partner' zerschmettern. Was selbstverständlich erst jetzt möglich war.
      Sein finsterer Blick rief seinem Vater förmlich zu: „Komm und trau dich!“
      „Horus, vernichte seinen [Wind-Up Knight]“, befahl jener auch unbewusst gehorsam und schwang den Arm aus. „Pitch Black Godflare!“
      Der Vogeldrache öffnete sein Maul und spie ein schier endloses Meer aus schwarzen Flammen auf den Ritter ab. Jener wurde erfasst und förmlich dahin geschmolzen. Die Mauer schlang sich sogar weiter, umfasste Nick, welcher jedoch nur leise mit der Zunge schnalzte. Der Effekt war rein optisch anzusiedeln. Eingehüllt in vollkommener Dunkelheit, schloss er die Augen und lächelte still.

      Mr. Harper, Sie beschuldigen also Mr. Bauer des Mordes an einem jungen Mann, korrekt?“
      „Ja.“
      „Wie lautet sein Name?“
      „Eli, glaube ich? Hehe, hab's nicht so mit Namen.“
      „Eli? Und weiter?“
      „Weiß nicht. Er hat mir seinen Nachnamen bestimmt mal gesagt, aber er gefiel mir nicht, also habe ich ihn vergessen. Absichtlich, verstehen sie? Hehe.“

      „Euer Ehren, mein Sohn ist ein Idiot. Sehen sie es ihm nach.“
      „Mr. Harper, ihr Sohn erhebt schwere Vorwürfe gegen Mr. Bauer. Was haben Sie …“

      „Nick Harper, es wurde keine Leiche aus den Resten ihres Wohnhauses geborgen. Können Sie das erklären?“
      „W-was!? Aber-!“

      „Harper, spinnst du jetzt völlig!? Wie kannst du Dad beschuldigen, so etwas getan zu haben!?“
      „Anya, ich schwöre-“
      „Fuck! Ich dachte, wir wären Freunde! Überall nur Reporter! Dad wurde seines Amtes enthoben, wegen dir!“

      „Aiden, was ist da geschehen!? Die Leiche, sie-“
      „Eli …“
      „Nick!“
      „Ich habe die Leiche weggeschafft.“
      „Du hast was!?“
      „Ich konnte nicht zulassen, dass jemand sie entdeckt! Sie ist ein zu großes Risiko gewesen!“
      „Ohne die Leiche haben wir keinen Beweis, dass er mich getötet hat! Aiden, wie konntest du nur!?“

      Nick, du hast doch endlich, was du wolltest! Du kannst dich endlich mit deiner Schwester treffen!“
      „Ich habe nicht einmal ansatzweise was ich wollte. Nenne es den größten Fehler meines Lebens, dir vertraut zu haben, Aiden!“
      „Nick … es gibt da noch etwas, das du wissen solltest.“


      Seit Wochen befand er sich nun schon im Krankenhaus, lag Tag und Tag im Bett, hatte bereits mehrere Operationen hinter sich. In all der Zeit hatte er sie fast verdrängt. Die Furcht. Diese unbändige Angst, die nur diese eine Person in ihm auslöste, welche jetzt an seinem Bett saß.

      Mr. Bauer war einige Tage zuvor aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Alles dank Aiden, der selbst das Messer hatte verschwinden lassen.

      Trotzdem war der Posten des Senators für Mr. Bauer auf ewig verloren. Und eigentlich war es ihm verboten, sich in Nick Harpers Nähe aufzuhalten. Aber für einen Mann seines Kalibers waren Verbote nur Schall und Rauch.

      Eine tolle Show hast du da geboten, Eli“, sprach sein Erzeuger tonlos, der er seine Ellbogen auf den Knien abgestützt hatte, „du hast einen unschuldigen, jungen Mann umgebracht, die Familie eines anderen endgültig zerstört und zu allem Übel weitere unschuldige Menschen in dein Lügengeflecht hineingezogen. Kennst du keine Scham, Junge?“
      „Ich weiß nicht wovon Sie reden, Mr. Bauer“, gab 'Nick' sich dumm. „Keiner glaubt mir, aber ich kenne die Wahrheit. Sie sind der Mörder.“
      „Ha ha … vielleicht ist das sogar gar nicht so abwegig. Hast du nie darüber nachgedacht, wie einfach es gewesen wäre, dich sofort zu entlarven? Ein DNA-Test hätte bewiesen, dass wir verwandt sind und du Eli bist.“

      Dann hättest du zugeben müssen, dass du einen Bastard gezeugt hast“, zischte Nick hasserfüllt und grinste, „und ich bin mir nicht so sicher, ob der DNA-Test so ausgefallen wäre, wie du es dir erhoffst.“
      Ich weiß. Aiden hat mir davon erzählt.“
      Hätte man Nicks Gesichtszüge unter den Bandagen gesehen, wären sie vermutlich starr wie Eis und er so weiß wie Schnee. Dieser Verräter …

      Selbst wenn das alles ans Licht kommt, kann ich dich trotzdem noch mit in den Abgrund reißen“, drohte sein Sohn mit einem Anflug von Panik, „ich habe Unterlagen, die belegen, dass du mehrere Millionen Dollar, nun, sagen wir an sehr zweifelhafte Organisation gezahlt hast.“
      „Ich weiß nicht wovon du redest.“
      „Du wirst es erfahren, solltest du auf die Idee kommen, dich gegen mich zu stellen“, lachte Nick eiskalt und sah seinen Erzeuger herausfordernd an, „diese Überweisungen gibt es wirklich, 'Dad'. Nicht einmal Aiden weiß davon. Aber richte ihm ruhig meinen Dank aus, denn er hat mir alles Nötige dazu beigebracht.“


      Mr. Bauer erhob sich. Er starrte auf den Kranken herab, als wolle er ihn jeden Moment umbringen, aber das wäre sein eigenes Todesurteil.

      Wenn du dich an drei einfache Abmachungen hältst, wird dir nichts geschehen“, sprach Nick ungerührt weiter. „Erstens verschweigst du alles, was zwischen uns beiden hier und jemals besprochen wurde. Ich bin Nick Harper und du hältst dich von mir fern. Zwischen uns herrscht Waffenstillstand, verstanden?“
      Sein Erzeuger sagte nichts.
      Zweitens: Als Nick Harper kann ich mit deiner Tochter abhängen, wann immer ich will.“
      Jetzt lachte er höhnisch. „Dazu muss sie dir erst verzeihen.“
      „Das wird sie“, entgegnete Eli zuversichtlich. „Verlass dich drauf.“
      „Und weiter?“
      „Drittens: Eli Bauer hat es nie gegeben.“

      Darin sind wir uns einig.“

      Trotzdem versuchte die Welt ihn ständig daran zu erinnern. Obendrein wusste sein Halbbruder Zachariah von ihm, was wohl bedeutete, dass sein Erzeuger sich nicht an die Abmachung gehalten hatte. Umso mehr Grund, ihn hier und jetzt zu vernichten, wie er es schon damals hätte tun müssen.

      Schließlich lichteten sich die Flammen und Mr. Bauer verkündete autoritär: „Dein Zug, Eli.“
      „Ich bin nicht Eli“, schnappte Nick, als die letzten Schwaden verschwunden waren und zog schwungvoll von seinem Deck, „ich bin Nick Harper!“
      Er steckte die Karte zu den anderen, nahm danach ein Monster und zeigte es vor. „Ich rufe [Wind-Up Magician]. Und dadurch kann ich [Wind-Up Sharks] Effekt aktivieren und von der Hand rufen!“
      Erst materialisierte sich der violetter Spielzeugmagier mit Zauberstab in seinen Zangenhänden. Neben ihm tauchte der blaue Aufziehhai auf.

      Wind-Up Magician [ATK/600 DEF/1800 (4)]
      Wind-Up Shark [ATK/1500 DEF/1300 (4)]

      „Da ich mit Shark den Effekt eines Spielzeugs aktiviert habe, beschwört [Wind-Up Magician] ein weiteres von meinem Deck in Verteidigungsposition“, erklärte Nick, als der Aufziehschlüssel auf dem Rücken seines Hexers sich zu drehen begann. „[Wind-Up Warrior]!“
      Jener zeigte auf die Stelle rechts neben sich, wo aus dem Nichts ein aufrecht stehender, gelb-weißer Roboter auftauchte, der mit seinen massiven Fäusten einen Boxer imitierte.

      Wind-Up Warrior [ATK/1200 DEF/1800 (4)]

      „Du fragst dich bestimmt in diesem Moment, wozu ich all diese Monster sammle, nicht wahr?“, fragte Nick provokativ und legte seinen Zeigefinger an die Schläfe. „Du bist angeblich gut informiert und weißt, dass ich keine Monster besitze, die deinem Horus jetzt noch schaden könnten.“
      Er kniff die Augen fest zusammen. „Aber ich habe einen Trumpf. Zugegeben, eigentlich gehört er jemand anderes …“
      „Wie so vieles, was du dir nimmst“, fuhr Mr. Bauer ihm scharf ins Wort.
      Der Brünette reagierte mit einem finsteren Lächeln. „… aber was spielt das für eine Rolle? Was zählt, ist das Ergebnis, nicht der Weg dorthin.“
      Eine schwarze Aura begann um ihn herum aufzulodern, als er den Arm in die Höhe streckte. „Ich errichte das Overlay Network! Aus meinen drei Stufe 4-Monster wird ein Rang 4-Monster!“
      Vor ihm öffnete sich der schwarze Galaxienwirbel und absorbierte seine Spielzeuge als je einen roten, blauen und gelben Energiestrahl. Eine gewaltige Explosion entstand daraufhin, schwarze Blitze schlugen aus dem Inneren des Überlagerungsnetzwerkes um sich.
      „Erscheine, Lakai der Finsternis! Xyz Summon!“
      Schrilles Kreischen erfüllte das Büro. Einer nach dem anderen schoben sich drei finstere Drachenköpfe aus dem Wirbel hervor.
      „[Evilswarm Ouroboros]!“, rief Nick endlich dessen Namen aus.
      Mit gespreizten, pechschwarzen Eisschwingen stieg der Drache empor, den der junge Mann einst dem Dämonenjäger Matt Summers abgenommen hatte. Hoffentlich erwies sich dessen Karte nützlicher als sein Besitzer, dachte Nick grimmig. Vor ihm nahm die Kreatur ihren Platz ein, wurde dabei von drei Lichtsphären umkreist.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4] OLU: 3]

      Mit engstirnigem Blick sah der junge Mann seinem Vater entgegen, der einen Moment lang tatsächlich eine Regung in Form eines unverständlichen Murmelns zeigte. „Mercs …?“
      Nick hatte einen Plan, doch dieser war nicht unmittelbar umsetzbar. Es gab dazu noch einen Weg, den Fall des Horusdrachen zu beschleunigen, aber das gefährdete auch Nick. Und so ein Risiko wollte der nicht eingehen, nicht bei diesem Gegner.
      Er streckte seine Hand aus. „Ich aktiviere [Evilswarm Ouroboros'] Effekt. Genauer gesagt einen von ihnen, denn jeder Kopf besitzt einen eigenen, aber nur einer kann pro Zug genutzt werden und das auch nur einmal, solange er auf dem Feld ist.“
      Der mittlere der drei Köpfe schnappte nach einer der Overlay Units und schlang sie hinunter.

      Evilswarm Ouroboros [ATK/2750 DEF/1950 {4] OLU: 3 → 2]

      „Damit kehrt eine Karte von deinem Feld auf deine Hand zurück“, erklärte Nick und hob den Zeigefinger an. Jener bewegte sich zielstrebig Richtung des riesigen Schwarzflammendrachen.
      Sein Vater schüttelte den Kopf. „Ich fürchte, du machst einen Fehler. Horus kann nicht angezielt werden, solange sein Diener auf dem Feld ist. So viel weißt du bereits.“
      Nick verschob seinen erhobenen Zeigefinger Richtung besagten Mannes ägyptischer Herkunft, der neben seinem Herrn kaum auffiel. „Ich mache keine Fehler. Die Karte, die ich wähle, ist …“
      Anschließend streckte der junge Mann den Finger zielstrebig aus, schwenkte ihn am Diener vorbei und richtete ihn auf Mr. Bauers Falle. „… [Royal Decree]!“
      Sofort spie Ouroboros einen schwarzen, aus feinen Partikeln bestehenden Odem aus, der auf Mr. Bauers Falle traf und sie zersetzte. Jener nahm sie aus seiner Duel Disk.
      „Und das bedeutet, dass Fallen jetzt wieder ihre Wirkung entfalten. Überzeug dich selbst!“
      Es knirschte. Von der Schweifspitze an zog sich eine durchsichtige Masse aufwärts über des Horus' Leib und schloss ihn binnen weniger Sekunden vollständig ein. Wie eingefroren wirkte er in dem riesigen Kristall, der sich gebildet und ausgeweitet hatte.
      „Du hast einen Fehler gemacht und nicht bedacht, dass meine Falle [Grave Of The Super Ancient Organism] sämtliche hochstufigen Monster, die spezialbeschworen wurden, komplett versiegelt“, erklärte Nick ehrgeizig, „keine Angriffe, keine Effektaktivierungen.“
      Aber sein Erzeuger schien das nicht zu beeindrucken. Wie erwartet. Und es kam nicht gerade überraschend, dass er erwiderte: „Nur temporär. Du hast nur Zeit bis zum Anfang deines nächsten Zuges, wenn ich [Royal Decree] gesetzt und aktiviert habe.“
      „Das wird reichen“, gab sich Nick felsenfest überzeugt. Er sah sich seine beiden Zauber an. „Eine Karte verdeckt. Zug beendet! Oh, habe ich gerade meine Chance vertan, deinen Horus zu besiegen? Wie dumm von mir!“
      Die Karte materialisierte sich zischend zu seinen Füßen. Nick grinste heimtückisch, aber sein Erzeuger? Diese graue Eminenz, wie manche ihn nannten, zuckte nicht einmal mit der Wimper.
      Woher kam bloß all diese Selbstgefälligkeit, diese unantastbare Ruhe? Er musste es wissen. War Mr. Bauer wirklich ein legendärer Dämonenjäger, wie er vermutete? Oder nur ein vom Grunde seines Herzens aus verdorbener, alter Sack?

      „Eli“, sprach jener von ihm so sehr gehasste Mann, „hast du überhaupt darüber nachgedacht, was passieren wird, wenn Anya die Wahrheit erfährt?“
      Deren Bruder kniff die Augen fest zusammen. „Das wird sie nicht. Niemals.“
      „Um das zu verhindern müsstest du alle beseitigen, die dein Geheimnis kennen. Mich, Aiden, deine Mutter …“
      „… und Zachariah.“ Nick lachte auf. „Du hast es ihm verraten. Das beweist, dass du dein Wort zu brechen bereit bist. Also sehe ich keinen Grund, mich weiter an unseren Waffenstillstand zu halten.“
      Der Alte zeigte selbst jetzt nicht einmal ansatzweise irgendeine Regung, obwohl sein Fleisch und Blut so offen bedroht wurde. War Zach ihm genauso egal wie er es ihm war?
      „Sie wird es erfahren, Eli. Und dieser Tag wird dein Ende markieren“, prophezeite Mr. Bauer düster.

      Nick hatte das alte, verätzte Handy in einer Freisprechanlage stecken, während er den Highway entlang raste. Sein Ziel war es, rechtzeitig in Garland anzukommen, um die Diebin von Anyas Gem-Knight-Deck zu stellen. Erst vor zwei Stunden hatte er einen ihrer Anrufe abgehört und wusste, dass sie sich schon bald am Lake Ray-Port mit einem Raritätensammler treffen würde.

      Sein Blick war so fokussiert auf die Straße und seinen Wunsch nach Vergeltung, dass er gar nicht merkte, wie schnell der weiße Neon Chrysler seines 'Vaters' über die Autobahn raste.
      Erst das Klingeln besagten Mobiltelefons ließ ihn aus seiner Trance erwachen. Er nahm den Anruf mit der rechten Hand via Tastendruck entgegen.
      Wer ist da?“, fragte er scharf, gab es nur sehr wenige Leute, die die Nummer dieses Telefons besaßen.
      „Ich, Abby“, kam es leicht empört ob so grober Behandlung von sich.

      Oh, entschuldige. Ich bin es nicht gewöhnt, Anrufe auf dieses Telefon zu erhalten.“
      Etwas irritiert fragte seine Freundin: „Warum gibst du mir dann überhaupt diese Nummer?“
      „Weil es sicher ist.“
      „Verstehe. Tut mir leid, dass ich dich störe. Es ist nur …“ Sie zögerte. „Du, Nick, ich muss dich etwas fragen. Seit du mir deine Geschichte erzählt hast, geht mir eine Sache nicht mehr aus dem Kopf.“
      Der zerzauste, junge Mann verzog den Mund. „Sprich.“
      „Damals, als du in eurem Haus beinahe verbrannt wärst. Danach haben dich die Leute für den echten Nick gehalten. Und du hast der Polizei gegenüber behauptet, Mr. Bauer hätte einen Eli, uhm, also dich, umgebracht.“ Die Stimme des Mädchens begann zu zittern. „A-aber du lebst und d-der echte Nick ist tot. W-was hat das zu bedeuten?“
      „Er hat ihn umgebracht.“
      „W-was!?“
      Nick schluckte schwer. „Mr. Bauer hat den echten Nick umgebracht. Es war eine Falle. Er wollte eigentlich mich erwischen, aber in dem Gerangel … Abby, ich konnte dir das nicht sagen. Niemand würde mir glauben.“
      „N-nick, das kann nicht-! Anyas Vater würde niemals-!“
      „Aber er hat!“, polterte Nick aufgebracht. „Und er weiß inzwischen, dass er den falschen erwischt hat. Der einzige Grund, warum ich noch lebe ist der, dass ich vorgesorgt habe und ihn trotzdem ins Gefängnis bringen kann. Aber wenn ich das tue, wird er sich revanchieren. Er kennt genug Leute. Er kennt Aiden. Und Aiden hat Monochrome.“

      I-ich kann das alles nicht glauben!“

      Nick rollte genervt mit den Augen. Besänftigend sprach er: „Das musst du auch nicht. Ich weiß, dass das alles mehr als verrückt ist. Ich bin nicht unschuldig an dem, was passiert ist. Aber ich habe eine Bitte: Bis ich die Dinge gerade gebogen habe, warte noch damit, zur Polizei zu gehen.“
      „N-Nick!“
      „Wenn du es bist, wäre es ok. Aber gib mir die Chance, meinen Erzeuger als das zu entlarven, was er ist. Ein Monster!“

      Abbys Stimme war ganz leise. „I-ich weiß nicht, was ich glauben soll. L-langsam ergibt es einen Sinn, warum du dich als Nick Harper tarnst. Aber … ich kann nicht glauben, dass Anyas …! Nick, sie weiß inzwischen, dass du ihr all die Jahre den Trottel vorgespielt hast. Hat sie dich nie gefragt, warum du damals ihren Vater des Mordes beschuldigt hat?“
      Diesmal war es seine Stimme, die klamm war, als er antwortete: „Nein.“
      Und das machte ihm große Sorgen. Abby war seiner Meinung. „Sie ist zwar die Verdrängungskönigin schlechthin, aber so etwas vergisst selbst sie nicht.“
      „Ich weiß. Seit sie meinen wahren Charakter kennt, verhält sie sich mir gegenüber reserviert. Erst dachte ich, es läge nur daran, dass ich sie so lange belogen habe. Aber da ist mehr. Ich glaube, die Frage nach der Wahrheit um meine damalige Anschuldigung brennt tief in ihr. Aber sie wagt es nicht, sie auszusprechen.“
      „Weil sie Angst vor der Antwort hat“, murmelte Abby leise, „sie hält so sehr an ihrem Vater fest, ihr Glaube an ihn ist unantastbar. Etwas zu hören, dass diesen doch ins Wanken bringen könnte … oder ihre Freundschaft zu dir, das ist für sie vermutlich ein absolutes Tabu.“
      „Und da setzt ihre Verdrängungskunst wieder ein“, schloss Nick die These ab.


      Er seufzte, diesmal vom Grunde seines Herzens. Dass der Tag irgendwann kommen musste, an dem er ihr die ganze Wahrheit – seine Wahrheit – sagen musste, dies war ihm bewusst. Solange er konnte, würde er alles daran setzen, diesen Moment so weit wie möglich hinauszuzögern.
      Und den Gedanken daran zu verdrängen.


      Nick gab widerspenstig ein „Hmpf!“ von sich.
      „Ich fahre fort“, sprach sein Erzeuger unbeeindruckt und zog auf eine dritte Karte auf. Dann drehte er [Horus' Servants] Karte auf seiner Duel Disk in die Horizontale.“

      Horus' Servant [ATK/100 DEF/100 (1)]

      „Zwei Karten setze ich verdeckt aufs Spielfeld.“ Beide tauchten zu seinen Füßen auf. „Nun denn, Junge, das Zeitfenster deines Comebacks ist nahezu verstrichen. Du bist.“

      Nick aber zuckte nur unbedarft mit den Schultern und zog wortlos auf. Dann wartete er. Darauf, dass sein Widersacher wahr machte, was er so vollmundig versprochen hatte. Aber es geschah nichts. Mr. Bauer aktivierte [Royal Decree] nicht. Eine Schweißperle bildete sich auf Nicks Stirn.
      Aber er durfte nichts sagen. Wenn er sich verriet darin, die Aktivierung jener Falle herbeizusehnen, würde der Alte genau dies nicht tun. Sein Blick wanderte zwischen den beiden gesetzten Karten hin und her. Welche war es? Welche musste er erwischen!?
      „Heh …“
      Wieso machte er sich überhaupt Sorgen? Das war -gut- für ihn. Es verschaffte ihm die Zeit die er brauchte, um genug Ressourcen für den Todesstoß zu sammeln.
      „Fallenkarte!“, donnerte Mr. Bauer unvermittelt und streckte den Arm aus. „[Royal Decree]!“
      „Jetzt doch?“ Nick zog überrascht die Augenbrauen an, als die von ihm aus linke, gesetzte Karte seines Erzeugers auffuhr. „Na von mir aus, dann eben sofort! Verdeckte Schnellzauberkarte: [Cosmic Cyclone]!“
      Der Kristall, welcher den Horusdrachen einschloss, knackte. Ein kleiner Riss bildete sich in dessen Mitte, der sich langsam in alle Richtungen ausbreitete. Analog dazu öffnete sich vor Nick ein Schwarzes Loch, aus dem ein wirbelnder Feuerball heraus schoss. Jener zog einen langen Schweif hinter sich her, wie ein Komet.
      „Zwar kostet es mich 1000 Lebenspunkte, aber dafür kann ich deine Falle sofort verbannen“, erklärte Nick, „und entsprechend der Kettenregeln wird meine Karte aufgelöst, noch bevor der Effekt deiner aktiv wird.“

      [Nick: 3900LP → 2900LP / Mr. Bauer: 4000LP]

      Mr. Bauer zeigte auf einmal ein schmales Lächeln. Als ob er mit nichts anderem gerechnet hätte. Ein eisiger Schauder schoss Nicks Rücken hinab. „Dann erlaube mir, ebenfalls ein Glied der Kette hinzuzufügen. Einen Schnellzauber, den mein alter Freund Mercury mir einst überlassen hat – für Fälle wie diesen.“
      „M-Mercury!?“

      Nicks Gesichtszüge froren ein. Wenn es einen Mann gab, der ein noch gefährlicherer Duellant zur Zeit seines Vaters gewesen war, dann 'Mercury'! Jener gefürchtete Champion, welcher die Spitze der Nahrungskette darstellte, wie man ihn oft beschrieben hatte. Zwar wusste Nick, dass die alten Herren sich kannten – aber eine Freundschaft!? Und dann besaß sein Erzeuger noch eine von Mercurys Karten? Welche!?

      Ein goldenes Sechseck bildete sich vor Mr. Bauer. Der Rand wurde zu einem goldenen Rahmen, während das Innere plötzlich das Antlitz von Nick widerspiegelte. Um den Rand des Spiegels zog sich eine eisige Schicht.
      „[Mirror Of The Ice Barrier]“, nannte Mr. Bauer ihn beim Namen, „eine Karte, die unmittelbar auf deine Taten reagiert.“
      Nicks Feuerball fegte über das Feld und zerriss [Royal Decree]. „Wenn du eine meiner Karten verbannst, Eli, verbanne ich die doppelte Menge von deinen.“
      Plötzlich zeigte der Spiegel nicht mehr das Ebenbild des entsetzten, jungen Mannes, sondern das des Feuerballs – welcher plötzlich aus dem Glas hervordrang. Aber nicht einmal, sondern gleich zweimal unmittelbar hintereinander. Der erste Schuss traf den pechschwarzen Drachen in der Brust, welcher kreischend verschwand. Der zweite prallte auf Nicks offen stehende Falle, die sich ebenfalls auflöste.
      Und dann geschah es. Der Riss im Kristallgefängnis wurde größer und größer, bis Horus unter einem ohrenbetäubenden Kreischen freikam und seine Schwingen spreizte. Nick stand wie angewurzelt mit seiner allein verbliebenen Fledermaus da. Seine Zauberkarten, darunter die Monstermassenvernichtungswaffe [Dark Hole]: nutzlos.
      „Es ist vorbei, Nick.“

      Es ist vorbei …
      Es ist vorbei …
      Es ist …

      „… vorbei, Nick!“ Jener merkte, wie er am rechten Handgelenk gepackt wurde.
      Hinter ihm stand die blonde Schatzjägerin Alexandra Russo in ihrem Trenchcoat. Sie streckte den Arm aus, meinte verspielt: „Entschuldigen Sie die Störung, wir haben uns im Büro geirrt!“
      Ein goldener Schimmer drang aus ihrem rechten Ärmel hervor. Die Blonde richtete ihren Arm gen Decke. Keinen Moment später wurde aus dem Licht ein greller Blitz, der in die Stelle einschlug, auf die sie deutete.
      „Dein Arte-“
      „Wir müssen verschwinden, Nick! Sofort!“

      Noch während sie ihn wegzog, brach die Decke lautstark vor Mr. Bauer ein. Jener stand still da und betrachtete die Szene erstaunt, schützte sich mit dem Arm, als eine Mischung aus Staub und Rauch in seine Richtung blies. Es knarzte mit anschließendem Rumpeln. Sie mussten die Tür zu seinem Büro eingetreten haben, die beim Eindringen der jungen Dame zugefallen war.
      Mr. Bauer sah davon ab, diese zwei zu verfolgen.
      Die Hologramme des Horus und seines Dieners verschwanden schließlich. Nicht so der unnatürliche, dichte Rauch.
      „Eli … du dummer Junge“, murrte dessen Vater fassungslos.

      Er stand da. Versuchte das Geschehene zu erfassen, aber es fiel ihm schwer. Obwohl es das nicht sollte. Zumindest war sein Sohn nicht allein. Auch wenn es töricht wäre zu hoffen, dass seine Begleiterin Eli in irgendeiner Art und Weise bändigen konnte. Nichts und niemand konnte das. In dieser Hinsicht war er schlimmer als Anya es jemals gewesen war.

      „Herrje“, drang da plötzlich eine männliche Stimme hinter der Rauchschwade hervor, „du solltest wirklich öfter aufräumen.“
      Britischer Akzent. Aus dem Dunst trat der rothaarige Sammler hervor und bestach durch ein wissendes Lächeln. „Und du müsstest deinem Sohn mal ordentlich den Hintern versohlen.“
      Mr. Bauer zeigte keine Regung.

      ~-~-~

      Circa 48 Stunden später …

      Schreiend fiel ein weiterer Dämon in Menschengestalt in einer dunklen Gasse zu Boden. In Nicks Augen funkelte absoluter Tatendrang. Das Hologramm seines Robokriegers [Wind-Up Arsenal Zenmaioh] verschwand, der junge Mann umfasste sein rechtes Handgelenk, als würde er darin die Macht spüren, die er absorbiert hatte.
      Dann streckte er die Hand nach vorne aus und keine Sekunde später war der tote Mann vor ihm verschwunden. Hinter Nick pfiff Alexandra anerkennend: „Diesmal gleich beim ersten Versuch. Ich bin beeindruckt.“
      „Sinnestäuschungen können praktisch werden“, war die einzige Reaktion ihres Begleiters, der genau wusste, dass der Leichnam noch immer dort lag – lediglich vor den Augen der Anwesenden verborgen.
      Seufzend stieß sich die Blonde von der Häuserwand ab und ging auf Nick zu. „Das war jetzt der dritte heute Nacht. Wollen wir Schluss machen?“
      „Nein.“ Im Gedanken fügte er noch hinzu, dass er nicht eher aufhören würde, bis er stark genug war, Mr. Bauer und dem Sammler erneut gegenüber zu stehen. Doch so etwas war gewiss nicht für Alex' Ohren bestimmt.

      Deren leise Schritte in der Seitengasse verstummten schlagartig. Nicks Nackenhaare stellten sich auf.
      „Wir haben Besuch bekommen“, meinte seine Begleiterin düster.
      Der zerzauste, junge Mann im schwarzen Mantel drehte sich mit missmutiger Miene um. Ein schwarzes, ovales Portal stand vor ihnen offen. Und aus ihm trat eine große Gestalt in einem Butleranzug, deren akkurat geschnittenes, langes Haar bis zu den Schultern reichte.
      „Guten Abend“, wünschte Kyon, der seine Augen hinter einer dunklen Sonnenbrille verborgen hatte.
      Nick, der dem Diener des Sammlers bereits einmal begegnet war, als Anya sich auf die Suche nach dem ersten Hüter – Zanthe Montinari – gemacht hatte, zischte: „Was willst du hier?“
      „Behilflich sein. Und eine Warnung aussprechen.“
      „Wer ist das?“, fragte Alexandra alarmiert.
      Kurz angebunden wie jeher antwortete Nick: „Ein alter Bekannter.“
      Passend dazu verneigte sich der Immaterielle höflich, sah in seiner gebeugten Haltung herausfordernd auf. „Nick Harper, ich hoffe du bist dir bewusst, dass deine Suche nach Macht von meinem ehemaligen Herrn einkalkuliert ist. Er antizipiert sogar deinen Fortschritt.“

      Ehemaliger Herr? Also hatte er dem Sammler den Rücken gekehrt, fragte sich Nick überrascht. Doch sofort kamen Zweifel in ihm aus. Ein Dämon wie der Collector würde wohl kaum jemanden aus seinen Diensten entlassen, der seine Geheimnisse kannte. Wenn man den Gerüchten, die er während seiner Jagd nach Dämonen aufgeschnappt hatte, trauen konnte, war schon der frühere Diener des Sammlers, der Schattengeist Orion, eines Tages spurlos verschwunden.

      Seine hübsche Begleiterin im braunen Trenchcoat belächelte Kyon. „Du kommst ja schnell zum Punkt.“
      Der Butler erhob sich aus seiner Haltung und richtete seine leicht verrutschte Brille. „Ich bin hier um ein Bündnis vorzuschlagen. Auch ich suche nach einer Möglichkeit, den Collector-Dämon unschädlich zu machen.“
      „Woher der plötzliche Sinneswandel?“, fragte Nick skeptisch.
      „Es gab nie einen. Von Anfang an war es mein Anliegen, seine Domäne zu infiltrieren und Informationen zu beschaffen. Inzwischen kann ich mit Sicherheit sagen, dass das Anliegen des Sammlers schädlicher Natur ist.“ Kyon machte eine Pause, da keiner der anderen beiden etwas sagte. „Ich kenne bedauerlicherweise keine Einzelheiten.“
      Spöttisch entgegnete Alexandra: „Solltest du nicht vorsichtig mit solchen Aussagen sein? Man weiß nie, wer gerade mithört.“
      „Ich wurde bereits entlarvt. Oder sollte ich sagen, ich wurde von Anfang an durchschaut? Wie dem auch sei, bin ich-“
      Nick schnitt ihm scharf ins Wort. „-Was- weißt du denn?“
      Sein Gegenüber räusperte sich. „Der Sammler möchte diese Welt vernichten. Diese und all die anderen.“
      „Wie?“, lautete die nächste Frage.
      „Vermutlich mithilfe des Planet Eaters. Wer die sieben Artefakte einer Welt vereint, erhält Zugang zum Narthex, einer Zwischendimension, von der aus die Pfade des Nexus gelenkt, erschaffen und zerstört werden können.“ Kyon räusperte sich erneut. „Und von dort kann man jedes Tor manuell öffnen oder schließen.“
      Ziemlich verwirrt redete Alexandra dazwischen: „Planet Eater? Was soll das sein? … na ja, irgendwie erklärt sich das schon von selbst, schätze ich. Wow …“
      Sie fasste sich an die Stirn und schritt um Nick herum, welcher die Arme verschränkte. „Angenommen das ist die Wahrheit: Was habe ich damit zu tun?“
      „Der Sammler benutzt dich, Nick Harper, als weitere Schachfigur, die ihm dabei hilft, die verbliebenen Artefakte zu sammeln. Etwas, das du tunlichst unterlassen solltest.“

      Was bedeuten würde, Anya im Stich zu lassen. So viel hatte der Sammler bei seinem 'Besuch' klar gemacht …

      „Alleine bin ich nicht imstande, den Sammler aufzuhalten.“ Kyon streckte den Arm nach vorne aus. „Aber du, du besitzt die Conqueror's Soul. Du könntest zu etwas werden, das stark genug ist.“
      Das klang haargenau nach dem, was Nick ohnehin beabsichtigte. Schon fast zu sehr. Trotzdem, oder gerade deshalb fragte er: „Und was hast du mir zu bieten?“
      „Zugang zu Kräften, die du in dieser Welt nicht erlangen könntest.“
      „Dieser Welt?“ Nick legte den Kopf schief. „Du kannst mich in eine andere Welt führen? Wie? Das Tor Eden wurde zerstört und es zu öffnen-“
      „Lass dich nicht täuschen, Nick Harper. Der Turm von Neo Babylon war ein Mechanismus, um das Tor vor anderen Wesen zu verbergen.“ Kyon drehte sich langsam um. „Das Tor wurde nicht zerstört, nur die Mauer, die es verbergen sollte. Ich als Gründerindividuum kann es für dich öffnen.“
      Mit einem Handschwenk ließ der Immaterielle ein schwarzes, ovales Portal vor sich erscheinen.
      „Wovon redet er da?“, fragte Alexandra irritiert, als Nick Anstalten machte, Kyon zu folgen.
      Sie dabei ignorierend, sagte er: „Wenn ich mich recht entsinne, ist es nicht gerade einfach, Eden zu öffnen.“
      „Alles, was du durch Another kennengelernt hast, gehörte zu den Mechanismen des Turms.“ Kyon drehte sich vor dem Portal um und bot mit einladender Handgestik Nick an, es zu betreten. „Es stimmt jedoch, dass es nicht so einfach in dieser Welt erscheinen kann. Deswegen frage ich dich: Bist du bereit, Opfer dafür zu bringen?“

      Nick ahnte, worauf er hinaus wollte. Die Immaterielle Urila hatte kurz nach dem Fall des Turms ebenfalls versucht, das Tor direkt zu öffnen und wollte dafür die gesamte Livingtoner Bevölkerung als Opfer anbieten, so groß war der Preis für ein Unterfangen dieser Art.

      Daher folgte er der Einladung nicht, sondern fragte unterkühlt: „Wie groß?“
      „Unglücklicherweise … sehr groß“, gestand Kyon.
      „Bevor wir in irgendeiner Form zusammenarbeiten“, begann Nick schließlich und ließ das Portal mit einem Handschwenk seinerseits einfach zersplittern, was den Immateriellen stumm zurückweichen und gegen die Häuserwand stoßen ließ, „sollten wir ein paar Dinge klären. Ich traue dir nicht.“
      „Das ist sehr klug von dir“, entgegnete Kyon gefasst, als der Größere auf ihn zu schritt, „doch dem Freund des Sammlers vertraust du, wie ich hörte. Das wiederum war sehr dumm.“
      Zwar wusste Nick nicht, ob sein Gegenüber die beiden Krähen Snuggly und Sparkly auf seinen Schultern sehen konnte oder nicht, doch er konnte nur sie damit meinen. Oder besser gesagt ihren eigentlichen Besitzer, Xiphos. Er legte seine linke Hand neben Kyons Kopf auf den dunklen Putz und näherte sich mit seinem Gesicht dem des Schwarzhaarigen.
      „Ich sehe in deinen Augen, dass du mich, nachdem ich alle für dich relevanten Informationen preisgegeben habe, auslöschen willst, wie schon alle anderen zuvor“, sprach Kyon weiter und lächelte plötzlich. „Und das kann ich nicht zulassen. Wir beide wünschen uns, einen uns wichtigen Menschen zu beschützen.“
      Nick ließ überrascht von ihm ab.
      „Du verstehst also. Dann höre mir jetzt gut zu, Nick Harper.“


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick

      Wind-Up Hunter
      Wind-Up Shark
      Wind-Up Knight
      Wind-Up Bat
      Wind-Up Magician
      Wind-Up Warrior

      Shard Of Greed
      Cosmic Cyclone
      Dark Hole

      Overwind
      Grave Of The Super Ancient Organism

      Wind-Up Carrier Zenmaity
      Evilswarm Ouroboros

      Mr. Bauer

      Horus The Black Flame Dragon LV4
      Horus The Black Flame Dragon LV6
      Horus The Black Flame Dragon LV8
      Horus' Servant
      Effect Veiler

      Level Up!
      Shrink
      Raregold Armor
      Mirror Of The Ice Barrier

      Royal Decree


      Das nächste Special wird dann Ende Februar erscheinen.
      Statusupdates gabs in letzter Zeit keine, weil sich eigentlich nicht viel getan hat. Die Specials hatten/haben jetzt Vorrang.

      Ich wünsche euch allen jedenfalls einen guten Rutsch ins neue Jahr!
      Extra Turn 00.9 – Promised Eternity

      „Ciao, Pablo!“ Zanthe winkte seinem Freund hinterher, wie jener in einer der schmalen Nebengassen Venedigs verschwand. „Gott, dass bei dir auch alles ewig dauern muss.“

      Längst war die Nacht über die Stadt mit ihren vielen kleinen Gassen und Kanälen hereingebrochen. Kaum ein Licht erhellte den Weg über die gepflasterte Straße, nur hin und wieder stand hier und dort eine kleine Laterne.
      Fröhlich pfeifend schlenderte der 18-Jährige Kaufmannssohn den Weg entlang. Am Tage gab es hier ein paar Verkaufsstände mit Obst, Gemüse und die ein oder andere Töpferarbeit. Sein Vater hatte immer gepredigt, dass der Anfang des 20. Jahrhunderts 'die Wende' bringen würde. Bis heute fragte sich der älteste Montinari-Spross, was genau der Alte damit meinte. Inzwischen waren schon einige Jahre des neuen Jahrtausends verflogen und noch immer lebten sie ein bescheidenes Leben.
      Nicht, dass er etwas dagegen einzuwenden hätte. Seinem Vater im Laden, den er eines Tages übernehmen würde, auszuhelfen war schon nicht schlecht. Die Kundschaft nett, die Kerle mitunter ganz hübsch, wenn auch etwas verklemmt in gewissen Dingen, aber er konnte sich nicht beschweren.

      „Hey, du“, wurde er da gerufen.
      „Hm?“
      Zanthes Blick wanderte herüber zu einer kleinen Nebengasse. Halb im Schatten nickte ihm ein kahlköpfiger Kerl im besten Alter zu. Dann schüttelte der junge Mann, der seinen langen, schwarzen Haarschopf zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte, abweisend mit dem Kopf. „Vergiss es. Ich hab nichts mit, wofür es sich lohnt mich zu überfallen.“
      „Ich hab was für dich“, gluckste der schmale, große Kerl und griff sich demonstrativ in den Schritt.
      Augenblicklich blieb Zanthe stehen.
      „Du bist der, der die Nähe zu Männern bevorzugt. Hab von dir gehört.“
      Ein verspieltes Lächeln huschte über die Lippen des Jüngeren. „Ach daher weht der Wind.“
      Er drehte sich der Gasse zu und wurde gefragt: „Hast du Lust? Vielleicht könnte ich dir das ein oder andere beibringen.“
      „Glaub mir: Nein. Aber ich dir.“ Mit einem gewissen Glanz in den Augen steuerte der Schwarzhaarige auf den Glatzkopf zu. Jener winkte ihn weiter zu sich und drehte sich um.
      Hier wäre es wohl trotz dieser späten Stunde zu offensichtlich. Aber gerade das wäre doch ein interessantes Experiment, fand der Montinari-Spross belustigt.

      Bis etwas unglaublich Schweres auf ihn von oben niederkrachte. Zanthe fiel auf den Bauch, keuchte und spürte heftigen Druck auf den Lungen. Alles wurde schwarz.

      Schmerz. Sein Rücken schmerzte, als würde irgendetwas daran entlang schaben. Oder nein, er war es, der fortgeschleift wurde! Dann ein Aufprall, der seine Sinne endgültig schärfte. Sein Herz klopfte schnell, als er die Augen öffnete. Er blickte in das Licht einer einzelnen Glühbirne, welche ihm die Sicht regelrecht ausbrannte. Er wollte sich zur Seite drehen, doch da merkte er, dass zwei Männer seine Arme mit ihren Händen fixierten.
      Ein metallischer Geruch lag in der Luft.
      „W-was …? Hey, lasst mich-!“
      Dann geschah es. Kein Schlag, kein Tritt – ein Biss! Einer der Männer vertiefte seine Zähne in das Fleisch seines nackten Oberarms. Blut spritzte auf sein weißes Hemd.
      „Ah!“, schrie Zanthe gequält auf.
      Noch mehr Schmerz. Der andere Kerl – der Glatzkopf – biss in seinen anderen Arm. Grenzenlose Panik stieg in dem jungen Italiener auf. Er versuchte sich zu befreien, aber die beiden hielten ihn derart fest, dass er nur hilflos mit den Füßen strampeln konnte.

      Irgendetwas stimmte da nicht! Wieso bohrten sich Menschenzähne so tief in sein Fleisch!? Es brannte so fürchterlich! Dann riss einer an ihm. Sehnen und Nerven lösten sich voneinander. Mit Schrecken sah Zanthe aus den Augenwinkeln, wie ein Stück Fleisch im Maul der grotesken, schwarzen Kreatur hing, die eben noch ein Mensch gewesen war. Sein Fleisch!
      „Hört-“, wollte er kreischen, wurde darin aber unterbrochen, als ihm ein Stoffknebel um den Mund mit roher Gewalt gebunden wurde.

      Hinter ihm kniete noch ein Mann. Auch ein Glatzkopf, aber kräftig. Sein brünetter Bart hatte bereits einige graue Strähnen. Zanthe sah in seine kalten, grauen Augen. Dann bäumte er sich vor Schmerz auf, als einer seiner Peiniger ihm in die Seite biss.
      „Es ist bald vorbei“, sprach der Mann, der ihn knebelte, seelenruhig. „Sie sind in letzter Zeit sehr hungrig.“
      Die gedämpften Schreie des Jungen schien er gar nicht zu hören. Jener zappelte und kämpfte, aber da waren plötzlich so viele andere Männer und Frauen, die ihn festhielten und verschlangen. Wo waren die alle hergekommen!? Ihre Haut verfärbte sich pechschwarz.
      Aber der Schmerz war real. Sie fraßen ihn auf. In den Büchern nannte man das Kannibalismus. Tränen rollten über Zanthes Wangen, wie er in einer Blutlache von einem dutzend Monstern verschlungen wurde.
      Und der Glatzkopf sah auf ihn herab und sagte nichts.

      Eine gefühlte Ewigkeit später schwebte Zanthe. Über einer Wolke? Über dem Boden? Er wusste es nicht. Er lag im Wasser. Also schwamm er eigentlich. Seine Augen waren geschlossen. Das wenige Leben, das noch in ihm steckte, er konnte es schwinden spüren. Bald war er an einem besseren Ort.
      Im Garten des allmächtigen Vaters. Schwachsinn. Er glaubte nicht an diesen katholischen Unsinn. Da wartete nur Dunkelheit auf ihn. Er würde nicht mehr existieren. Nicht mal mehr seine Gedanken. Wie schrecklich. So ein Schicksal wollte er nicht!
      Also machte Zanthe bewusst einen Fehler.
      Er riss die Augen auf – und blickte wieder in die kalten, grauen Abgründe des kräftigen Glatzkopfs mit dem Bart.
      „Du lebst noch. Beeindruckend.“
      Zanthe konnte nicht mehr antworten. Er spürte schon gar nichts mehr. Der Knebel war längst verrutscht, lag auf seinem Hals.
      „Du gefällst mir. Bursche, möchtest du weiterleben?“
      Natürlich! Alles würde er jetzt tun, nur um nicht in der Dunkelheit zu verschwinden.
      „Wenn dem so ist, dann trink.“
      Der Alte schob den Ärmel seines blutbeschmierten, gelblichen Hemds weg und präsentierte seinen nackten Arm. Mit der anderen Hand fuhr er über seine Haut. Noch während der Bewegung wuchsen aus seinen Fingernägeln Klauen, die sein Fleisch aufrissen. Dunkelrotes – oder pechschwarzes? – Blut rann aus der Wunde. Er hielt den Arm über Zanthes Kopf.
      Der erste Tropfen ging daneben. Der zweite traf zwar seinen geschlossenen Mund, aber Zanthe machte keine Anstalten, diesen zu öffnen. Erst der dritte war es, der sein Schicksal besiegelte.

      ~-~-~


      Fischgestank. So stark, dass er eine derartige Übelkeit in ihm auslöste, wie sie sich die wenigsten Menschen wohl vorstellen konnte. Zanthe beugte sich vorne über und ließ alles aus sich heraus, was auch immer 'alles' war. Eine frische Brise zog an ihm vorbei, als er sich langsam seiner Umgebung gewahr wurde. Er lag auf der Seite, am Rande eines kleinen Stegs. Ein Fischerboot schwamm an ihm vorbei. In der Ferne schimmerte das weite Meer.

      „Zanthe!?“, empörte sich jemand. Das Knarzen von Holz dröhnte in seinen Ohren.
      Generell so ziemlich alles hallte in seinem Kopf wie ein Echo wieder. Das Rauschen des Meeres, das Kreischen der Möwen, das Lästern der Fischer auf dem Boot.
      Der Schwarzhaarige richtete sich auf und rieb sich die Stirn. „Ugh …“
      „Wie siehst du denn aus!?“
      „Pablo …?“
      Benommen sah der junge Mann hoch zu seinem besten Freund, ein schlaksiger, dünner Fischersohn mit blondem Haar. Seine Hose wurde durch zwei Träger fixiert und an denen hielt er sich fest, wie er es immer tat, wenn er Leuten die Leviten las. Sein Markenzeichen, eine Baskenmützen, die er mal irgendwo gefunden hatte, hielt er unter die Achsel geklemmt.
      „Zanthe, das ist selbst für deine Verhältnisse dreist.“
      „Wovon …?“
      Aber als der Kaufmannssohn sein mit halb verdautem Essen vermengtes Ebenbild im Wasser erblickte, wusste er sofort, was hier nicht stimme. Er war nackt. Ganz nackt.
      „Oh. Ich hab's wohl gestern Nacht übertrieben, hm?“

      Er konnte seine Gedanken noch nicht richtig ordnen. Musste wohl an dem Wein liegen, den er – so glaubte er – getrunken hatte. Auch wenn er nicht nach Alkohol roch.
      In dem Moment erinnerte er sich an den Mann in der Gasse. Und mehr. Er musste hier eingeschlafen sein und einen Albtraum gehabt haben. Ja. So war es.

      „Du solltest deine Neigungen nicht so offenkundig ausleben. Irgendwann werden sie dich dafür noch lynchen“, beklagte Pablo altklug, schlang die Träger von seinen Schultern und knöpfte langsam sein ausgebleichtes, blaues Hemd auf.
      Zanthe sah ihm dabei zu und gluckste vergnügt. „Du machst es mir echt schwer.“
      „Was hast du getrieben?“, fragte sein Freund und zog sich das Hemd aus.
      „Du willst wohl wissen mit wem“, entgegnete Zanthe spitz, als er das Kleidungsstück entgegen nahm. Er erhob sich und streifte es über. „Verrate ich nicht.“
      Vermutlich mit dem Typen aus der Nebengasse. Das war bestimmt noch Teil der Realität gewesen.
      „Ich mein's ernst.“ Der Fischersohn drehte sich um und schritt davon. „Die Leute hassen dich. Nur der Respekt vor deinem Vater hält sie davon ab, dich im Meer zu ertränken.“
      Zanthe folgte ihm. Das Hemd war zum Glück gerade lang genug, um bestimmte Körperzonen zu bedecken. „Mir doch egal. Dieses prüde Pack kann machen was es will, aber das gilt ebenso für mich.“
      „Sie reden davon, dass du krank bist.“
      „Pah.“ Zanthe wollte etwas Abwertendes sagen, aber unterbrach sich selbst, als er aufschrie: „Au!“

      Er war in irgendetwas hineingetreten. Auf einem Bein stehen bleibend, hob er das andere an. Dabei schwankte er nicht einmal. Eine Scherbe steckte in seinem Fuß. „Ew. Welcher Dummkopf-“
      „Du“, kam es knapp und grimmig von Pablo, „du bist der Dummkopf, der seine Kleidung verschlampt hat. Du bist das Ende der Kette dieser Ereignisse.“
      „Wo haste den schlauen Spruch aufgegriffen?“ Zanthe zog die Scherbe raus.
      „Irgendeiner hat im Vorbeigehen mal was zu seiner Frau gesagt. So'ne Reichen …“
      Aber der Schwarzhaarige hörte gar nicht hin. Wie gebannt starrte er seine Wunde an, die sich vor seinen Augen schloss. Unmöglich! Hatte er doch zu viel Alkohol getrunken? Er wischte das Blut weg, aber da war kein Schnitt. Vielleicht war die Scherbe nicht so tief eingedrungen? Aber dann blutete man doch nicht, außer die Scherbe war schon vorher blutig gewesen, was … egal.
      „Hörst du mir überhaupt zu?“, fragte Pablo beleidigt.
      „Natürlich nicht.“
      „Du solltest erstmal nach Hause und dir etwas anziehen. Das Hemd will ich zurückhaben.“
      „Ja ja …“ Zanthe sah die hohen Gebäude der Altstadt vor sich an und strahlte. Er liebte seine Heimat.

      So verabschiedete er sich von Pablo, der seinem Vater helfen musste. Er rannte durch die Gassen, über Brücken, welche sich entlang der schmalen Kanäle erstreckten, grüßte einen der gleichgesinnten Gondelfahrer und ein paar alte Damen, denen er hin und wieder bei der Hausarbeit aushalf. So wie er Venedig liebte, liebten die Leute ihn, trotz seiner Neigung. Oder zumindest einige, die, die ihm wichtig waren.

      ~-~-~


      Er ließ sich mit dem Kopf voran ins Bett fallen. Die kleine Kammer, die er sich mit seinem jüngeren Bruder teilte, war sehr karg eingerichtet. Außer der beiden Betten, einem Nachttisch und einer Kommode mit kleinem Spiegel darauf gab es nicht viel. Alessandro hatte mal wieder seine Bauklötze überall rumliegen lassen. Zum Glück war er jetzt in der Schule. Die beste Gelegenheit für ein kleines Nickerchen, um den Rausch auszuschlafen.

      Geschrei. Heulende Kinder. Schimpfende Mütter. Fluchende Arbeiter. Tratschende Waschweiber. Kreischende Möwen. Bellende Hunde. Und so ziemlich alles andere auch.
      Zanthe hielt sich die Ohren zu, wie er mit dem Gesicht im Kissen lag. Wieso waren die alle so verdammt laut!? Er rollte sich auf den Rücken, blickte die Holzdecke an. Und den Gestank von Fisch und Erbrochenem war er auch noch nicht losgeworden, obwohl er sich die Zähne geputzt und kurz gewaschen hatte.
      „Hmpf!“
      Sowieso stank es im ganzen Haus. Nach irgendetwas Verfaultem. Äpfeln. Igitt. Und dem gebratenen Fisch, den es vorgestern zum Abendbrot gegeben hatte. Und … menschlichen Ausscheidungen. Doppelt igitt!
      Der junge Mann fuhr sich über das Kinn und den Hals. Stoppeln. Er hasste den Bartwuchs erwachsener Männer. Nicht bei anderen, aber bei sich. Niemals würde er unrasiert hausieren gehen, das würde seinem Ruf sogar schaden. Also: rasieren war angesagt.

      Schon stand er mit einem Klappmesser in der Hand vor dem Spiegel auf der Kommode. Das Gesicht mit Rasierseife eingeschmiert, straffte er mit der linken Hand die Haut und fuhr sich über die rechte Wange. Selbst dieses Zeug störte ihn heute zunehmend, es stank penetrant, obwohl es nicht wirklich schlecht roch. Nachdem er die rechte Gesichtshälfte fertig rasierte, widmete er sich der linken. Dann knallte draußen irgendetwas so laut, dass er glaubte, die Erde bebte. Vor Schreck rutschte er mit der Klinge ab und schnitt sich in die Wange.
      „Oh Mist!“
      Blut lief in einem schmalen Faden über den weißen, dünn aufgetragenen Schaum. Erschrocken betrachtete Zanthe das Missgeschick. Na das würde eine tolle Narbe geben. Vielen Dank!
      Zumindest dachte er das, bis er es bemerkte. Die Wunde schloss sich! Und diesmal konnte er das nicht erklären, sie verschwand einfach! Das Blut nicht, aber der Schnitt!

      Vor Schreck ließ Zanthe Spiegel und Rasiermesser fallen. Er strich über die Haut, die absolut glatt war. Vorsichtig las er den Spiegel auf und betrachtete sich darin. Nichts. Nur das Blut. Mit zitternder Hand beugte er sich, griff nach dem Messer. Noch in der Hocke legte er die Klinge an.
      Das hatte er sich nicht eingebildet. Er riss sie einmal quer über die Wange. Das Blut spitzte an seine Nase und auf den Spiegel. Und er sah, wie die brennende Wunde sich binnen kürzester Zeit schloss.
      Er erhob sich. Schnitt sich in den Finger. Fast sofort war der Schnitt verheilt. Dann zog er die Klinge über den ganzen Oberarm. Es dauerte einige Augenblicke, dann waren Schmerz und Wunde nur noch eine Erinnerung.
      „Unmöglich …“

      „Zanthe, was machst du da?“, fragte eine kindliche Stimme neugierig.
      Der junge Mann schrie panisch auf und ließ Spiegel sowie Messer erneut fallen.
      Sein kleiner Bruder Alessandro stand im Türrahmen und beobachtete ihn neugierig. Auch der kleine Achtjährige hatte rabenschwarzes Haar wie sein Bruder, das ganz zerzaust war.
      „Ich rasiere mich“, kam von dem eine zögerliche Antwort. Dann wurde er sich der Anwesenheit des Kleinen erst wirklich gewahr. „Alessandro, was machst -du- um diese Uhrzeit schon hier? Solltest du nicht in der Schule sein?“
      „Ja … die Lehrerin hat mich gehen lassen. Zu dumm.“
      „Hat sie nicht“, stellte der Ältere klar, ging zu dem Knirps und beugte sich zu ihm herab. „Du bist mal wieder ausgebüchst, nicht?“
      Da kamen Alessandro die Tränen. „Sie haben … sie haben mich wieder geärgert. Sie sagen, du kommst in die Hölle. Unsere ganze … ganze Familie …“
      „Hör nicht auf sie.“ Zanthe legte seinem Bruder die Hand auf die Schulter. „Die nehme ich mir mal vor. Lass mich raten, es waren Nico, Mateo und Giogio, richtig?“
      „Und … und Paola …“
      „Paola? Paola ist ein Mädchen!“, empörte sich der Ältere. Aber wie er seinen Bruder nur da stehen und heulen sah, musste er glucksen. „Okay, die bekommt auch eine Abreibung. Alessandro, du weißt, dass ich immer für dich da sein werde.“
      Der Kleine verstummte und sah ihn an. „Wirst du?“
      „Ja. Versprochen.“ Zanthe lächelte sanft.
      „Dann werde … dann werde ich auch für dich immer da sein.“

      ~-~-~


      Ein Stein flog auf Zanthes Gesicht zu, aber er fing ihn gerade noch rechtzeitig auf. Derjenige, der ihn geworfen hatte, ein älterer Herr mit runden Brillengläsern, funkelte ihn verachtend an.
      „Hey“, fauchte der Jugendliche neben dem Schwarzhaarigen zornig.
      „Monster!“, zischte der Mann verächtlich. „Teufelsbrut!“
      Und er war damit nicht alleine. Ein ganzer Mob hatte sich um die beiden Brüder gebildet, die eigentlich nur ein paar Lebensmittel einkaufen wollten. Der kleine Marktplatz mochte zwar voll von Ständen sein, die Obst, Gemüse, Fisch und andere Sachen anboten aber für die beiden Brüder hätte es genauso gut eine Wüste sein können.

      Zehn Jahre waren seit dem Tag vergangen, an dem Zanthe begonnen hatte sich zu verändern. Die Leute brachten es auf den Punkt.
      „Er sieht immer noch aus wie damals!“
      „Wie macht er das? Keine einzige Falte, dabei müsste er fast dreißig Lenze alt sein!“
      Die Waschweiber tuschelten vor und hinter ihren Verkaufsständen. Der Mob, der Zanthe und seinen Begleiter umzingelt hatte, war zwar unbewaffnet, aber trotzdem nicht harmlos.
      „Verschwinde endlich, du Kreatur!“, schrie ein Mann den älteren der beiden Brüder an.
      Alessandro, der wie Zanthe sein schwarzes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte und sogar schon etwas größer war, schnappte zurück: „Hört auf, ihn so zu nennen!“
      „Er hat einmal ein Huhn mit bloßen Händen getötet! Ich hab's gesehen!“, kläffte ein kleiner Opa wie ein wild gewordener Hund.
      Zanthe erwiderte schnippisch: „Und Vater hat seinem Besitzer den zehnfachen Preis entrichtet. Selbst die Huren werden nicht so gut bezahlt.“
      „Man kann ihn noch so sehr verletzen“, rief eine Frau und warf einen Stein, dem Zanthe mit einem flinken Seitenschritt auswich, „er blutet nie länger als ein paar Sekunden!“
      „Und keiner ist so schnell und kräftig wie er, trotz seiner schmächtigen Statur!“
      „Wir wissen was du bist!“
      „Ach ja?“ Die Augen des älteren Montinari-Sohns verengten sich zu Schlitzen. „Dann weißt -du- ja mehr als ich. Vielleicht willst du mich ja aufklären?“
      „Genug jetzt!“ Alessandro packte den Arm seines Bruders und schleifte ihn durch die Menge, die auf ein 'Buh!' des Verhassten sofort Platz machte. Sie sahen den beiden hinterher und schrien ihnen schreckliche Dinge hinterher, aber dafür waren sie inzwischen taub geworden.

      Was sich jedoch deutlich bemerkbar machte war die Abneigung nicht nur Zanthe gegenüber, sondern seiner ganzen Familie. Schon seit Jahren lief das Geschäft ihres Vaters immer schlechter, seine Mutter wurde gar einmal fast Opfer einer Gewalttat. Zum Glück hatte Zanthe die feigen Schweine selbst aus großer Ferne noch gehört und war rechtzeitig da gewesen, um einzugreifen.

      Als die beiden langsam außer Reichweite waren und eine Brücke passierten, die sich über einem der Kanäle erstreckte, riss sich Zanthe los.
      „Du hast recht“, sprach er leise, „es ist genug.“
      Alessandro drehte sich um und betrachtete seinen Bruder mitleidig. „Du darfst dich von denen nicht fertig machen lassen. Die wissen nichts über dich! Zu dumm eigentlich, so schlimm bist du nämlich nicht. Meistens.“
      Doch die Witzelei vermochte die Stimmung nicht zu heben.
      „Ich weiß doch selbst nicht, was seit jener Nacht mit mir los ist!“ Tränen standen in den Augen des jungen Mannes, der seitdem scheinbar keinen Tag gealtert war. „Essen schmeckt nicht mehr. Ich höre so vieles, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme. Und alles stinkt, aber trotzdem kann ich jeden Geruch genau unterscheiden. Als wäre ich ein Hund!“
      „Zanthe …“
      „Und mir ist immer übel, außer ich … töte etwas.“
      „Dann töte doch dich selbst, dann geht es dir bestimmt besser.“

      Die beiden Brüder wirbelten ob des bitterbösen Vorschlags herum. Eine Gondel hatte sich der Brücke genähert. Ein dunkelblonder, gut gebräunter Mann stand darauf und sah zu ihnen hinauf.
      „Pablo“, flüsterte Zanthe leise.
      „Ich habe dich immer gewarnt, deine inneren Bedürfnisse auszuleben. Das hast du jetzt davon. Hätte ich gewusst, wie du wirklich bist, hätte ich nie auch nur ein Wort mit dir geredet.“ Sein ehemaliger Freund aus Kindheitstagen stieß sich mit dem Ruder ab und schwamm unter der Brücke hindurch. Bevor er außer Reichweite war, gab er noch einen Rat von sich. „Du solltest von hier verschwinden, Zanthe. Das wäre das Beste für alle.“

      Eine Weile stand Zanthe da, über das Geländer der Brücke gelehnt. Sein Bruder hielt den Kopf gesenkt.
      „Weißt du“, krächzte der Ältere, mit der Fassung ringend, „er hat recht. Ich muss hier weg.“
      „Du kannst nicht-!“
      „Ich muss herausfinden, was mit mir geschehen ist! Wenn ich weg bin, dann … vielleicht lassen sie euch dann in Ruhe!“
      Alessandro blickte entsetzt auf. „Du weißt doch nicht einmal, wohin. Diese Männer könnten inzwischen sonstwo sein.“
      „Ich werde sie finden. Egal wie lange es dauert. Anscheinend habe ich ja die Zeit dazu“, verkündete Zanthe entschlossen, doch mit Tränen in den Augen. „Und wenn ich sie bis in die neue Welt verfolgen muss!“
      „Amerika?“
      „In die Antarktis, wenn's sein muss …“
      „Dann werde ich mitkommen.“ Sein Bruder legte seine Hand auf Zanthes Schulter. „Denk dran, was wir uns versprochen haben. Wir sind immer füreinander da.“
      Beide lächelten sich an.

      ~-~-~


      Die Tür brach mit einem lauten Knarzen aus den Scharnieren. Der Glatzkopf, der sie bewacht hatte, landete keuchend auf ihr und als er sich erheben wollte, wurde er von einem schwarzen Gummistiefel zurückgestoßen. Draußen schüttete es in Strömen. Es donnerte, der Himmel war so düster wie die Bäume des Waldes, in der sich die Hütte befand.

      „Nett habt ihr es hier“, schnarrte Zanthe, als er über seinen Verführer von vor über dreißig Jahren hinweg stieg und sich so Einlass verschaffte. „Warum habt ihr mir nichtmal eine Postkarte geschickt? Oder wolltet ihr den Weltrekord im längsten Versteckspiel der Welt aufstellen?“
      Der Schwarzhaarige, welcher inzwischen ein weißes Kopftuch sein Eigen gemacht hatte, schob die Kapuze seines dunkelgrünen Regencapes weg und sah in die Runde. „Falls dem so ist, habt ihr kläglich versagt. Oder mit anderen Worten: Hab euch!“

      Geradezu perplex wurde er von den Anwesenden angestarrt. Zwei Männer und ein junges Mädchen saßen an einem einfachen Holztisch und spielten gerade Karten. Hinter ihnen war eine weitere junge Frau am Herd zu schaffen. Es roch nach Schweiß, Alkohol und gebratenem Speck.
      Sofort erkannte Zanthe, dass -der- nicht unter ihnen war.
      „Und du“, sah er auf den Glatzkopf hinter sich herab, der gerade aufstehen wollte, „du hast -das- hier wirklich verdient!“
      Ein saftiger Tritt gegen die Schläfe schleuderte jenen meterweit nach draußen, wo er durch eine Pfütze schlitterte.

      Zanthe drehte sich wieder zu den anderen um. „Hmm, Blondie am Herd, dich erkenne ich. Die anderen waren damals nicht dabei. Aber ihr könnt euch gern -alle- eure Tracht Prügel abholen.“
      „Du würdest sterben. Und das willst du nicht.“
      Die Worte kamen von einer Treppe aus, die der Tür direkt gegenüber lag. Da war er, wanderte in dunklen Stiefeln Stufe um Stufe hinunter. Der Glatzkopf mit dem Bart. Der, der ihn zu dem gemacht hatte, was er jetzt war – ein Lycanthrop!

      In den zwanzig Jahren, in denen Zanthe nach ihm gesucht hatte, hatte er einiges über seinen Zustand herausgefunden. Vermutlich war das Meiste davon Unsinn und Aberglaube, aber seit er sich ebenfalls zum Teil in eine schwarze Kreatur verwandeln konnte, glaubte er an Monster und Gespenster. Was auch der Grund war, warum er Alessandro vor einigen Jahren zurückgelassen hatte. Seine pure Anwesenheit hatte seinen Bruder gefährdet. Immer unkontrollierter war sein Drang zum Töten geworden. Nicht, dass er eines Tages noch …

      „So viel ungenutztes Potential“, sprach sein 'Vater' hochtrabend, als er die letzte Stufe genommen hatte und sich ihm zuwandte, „ich habe immer damit gerechnet, dass du eines Tages kommen würdest. Denn du bist stark.“
      „Was habt du mit mir gemacht!?“
      „Dir das Geschenk der Ewigkeit gegeben.“ Der Mann sah ihn nachforschend an, lächelte dann plötzlich ein kaltes, berechnendes Lächeln. „Mein Name ist Gregory. Und du bist endlich zuhause.“

      ~-~-~


      Es war keine Frage des Wollens gewesen. Als Gregory ihm erklärt hatte, was das 'Geschenk der Ewigkeit' war, hatte Zanthe nicht lange gefackelt und versucht ihn umzubringen. Ihn, den Anführer des Werwolfrudels. Ihn, den Allerersten. Den Unsterblichen.
      Wer sein Blut trank, wurde selbst zu so einer Kreatur, wenn auch viel schwächer. Das hatte Zanthe gelernt, als er nach wenigen Sekunden mit tiefen Wunden in seiner eigenen Blutlache im Regen lag, umzingelt von sechs schwarzen Bestien. Aber sie hatten ihn nicht getötet.

      Im Gegenteil, sie hatten ihn trotz seiner unverhohlenen Abscheu bei sich aufgenommen und ihn gelehrt, seine Gaben richtig zu nutzen. Sie raubten, plünderten, töteten. Zanthe hatte sich nie daran beteiligt, aber war auch nie dazwischen gegangen oder weggerannt. Letzteres nicht, weil er diesen Monstern ohnehin nicht entkommen könnte. Aber selbst wenn, hätte er das nicht getan.
      Sie waren die einzigen, die ihn verstanden. Auch wenn sie Monster waren. Anders als er verfügten sie über die vollen Kräfte eines Lycanthrops, da sie Menschenblut gekostet hatten. Zanthe jedoch hatte sich über die Jahre ihres Zusammenseins stets geweigert, jenes zu trinken. Er war der Schwächste von ihnen. Der Außenseiter. Der, der nur Tiere jagte. Und als sie von seiner Neigung lernten, war es mit dem Zusammenhalt vorbei. Erst waren es nur böse Scherze, aber später artete es schon mal in einem Handgemenge aus, das fast immer schlecht für ihn ausging.
      Der Einzige, der sich nie über ihn lustig machte, war Gregory. Obwohl er brutal und grausam war, hatte er etwas Würdevolles an sich. Aber auch seine Geduld kannte Grenzen. Und diese Grenze hieß Menschenblut, diese eine, die Zanthe nicht überqueren wollte.

      ~-~-~


      Veränderung ist ein notwendiges Übel. Besonders wenn man nicht alterte wie Zanthe. Längst war sie vorbei, die Zeit, die er mit seinem Rudel verbracht hatte. Fast schon eine verblasste Erinnerung, wie es das ganze 20. Jahrhundert inzwischen war. Die Welt hatte sich stark verändert.

      Alessandro … nicht. Und das hätte er nie aus den Augen verlieren dürfen. Nun war es zu spät.
      Sein Bruder stand vor ihm. Langes, schwarzes Haar, wie man es seit über hundert Jahren nicht anders von ihm kannte. In einem weißen Mantel, auch seit Jahrzehnten sein Markenzeichen. Äußerlich war er vielleicht Mitte 30, aber das Äußere war inzwischen auch alles, was noch von ihm übrig geblieben war.

      Zanthe schluckte seinen Schmerz hinunter. Sie standen sich auf einer Lichtung gegenüber, es war Nacht und es nieselte.
      „Seine Seele hat die Grenze zum Limbus überquert“, sprach das, was im Körper seines Bruders steckte, gefühlskalt, „ich kann nichts mehr für ihn tun, Zanthe Montinari.“
      „Durch dich … durch dich ist das alles erst …“
      „Es war sein Wunsch. Die einzige Möglichkeit, die Grenzen der Sterblichkeit zu überwinden. Ich als Gründerindividuum kann meinem Gefäß vorübergehende Unsterblichkeit verleihen“, erklärte Kakyo weiter, „aber unser Pakt war von Anfang nicht dazu gedacht, erfüllt zu werden. Und der Preis war klar definiert. Der Zeitpunkt, Eden zu öffnen, ist verstrichen und damit auch die Seele deines-!“
      „Halt den Mund!“, fauchte Zanthe außer sich und hob den Arm, an welchen eine Duel Disk steckte. „Red' nicht über Alessandro, als wäre er irgendein Geschäftsmann! Mit ist egal, ob ich seine Kräfte oder was auch immer geerbt habe! Ich wollte das alles nie!“
      „Beruhige dich.“

      Aber der Werwolf dachte nicht einmal daran. Im Gegenteil. Sein Bruder war tot, daran gab es nichts zu rütteln. Das Einzige, was er jetzt noch tun konnte, war ihn angemessen zu beerdigen. Aber nicht, solange dieser Kakyo noch in ihm steckte. Dieser Immaterielle, er musste verschwinden!
      Und dann … und dann würde er sich zu seinen Eltern und seinem Bruder gesellen …

      Zanthe hob den Arm mit der Duel Disk an. „Ich hatte nie Interesse daran, mich mit ihm zu duellieren. Aber ich weiß, wozu er selbst mit Duel Monsters-Karten imstande war.“
      Wenn die Kraft seines Bruders auf ihn übergegangen war, konnte er das vielleicht auch. Hoffentlich, denn er musste Kakyo aus dem Körper seines Bruders vertreiben, koste es was es wolle!
      „Du sehnst dich nach Zerstörung. Davor hat Alessandro Montinari mich gewarnt. Jedoch habe auch ich etwas versprochen. Und ich sehe in deinen Augen, dass ich dieses Versprechen schon jetzt einlösen muss“, erwiderte Kakyo und schwang den Arm aus. An seinem Arm weitete sich ein Reif zu einem richtigen Handschuh aus, in denen zu beiden Seiten Kartenzonen eingelassen waren. Etwas versetzt zum Handrücken platzierte Kakyo sein Deck.
      „Duell!“, riefen beide hitzig.

      [Zanthe: 4000LP / Kakyo: 4000LP]


      Beide zogen ihr Startblatt, doch kaum hatte Zanthe seine fünfte Karte in der Hand, verkündete sein Gegenüber bereits ruhig, aber bestimmend: „Ich führe den ersten Zug durch.“
      Prompt nahm der eine weitere Karte auf, schob sie zu den anderen, nur um sie zusammen mit der rechts neben ihr liegenden wieder herauszuziehen. „Vorbereitung ist essentiell. Ich setze zwei Karten verdeckt.“
      Beide Fallen materialisierten sich zu seinen Füßen.
      „Obwohl keine Eile geboten ist, möchte ich dieses Duell dennoch gerne so früh wie möglich beenden“, sprach Kakyo weiter und legte ein Monster in den Handschuh ein. „[Satellarknight Alsahm], du wirst gerufen.“
      Ein Lichtstrahl schlug direkt vor dem Schwarzhaarigen ein, aus dem ein kleiner Krieger mit Pfeil und Bogen flog, welcher dank Flügeln nachempfunden Triebwerken über dem Boden schwebte.

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      „Ein Warnschuss“, sprach Kakyo leise.
      Schon spannte sein Engel den Bogen und schoss einen goldenen Pfeil ab, der so schnell sein Ziel fand, dass Zanthe noch im Begriff des Ausweichens war, als er mitten in der Brust erwischt wurde. Ein unangenehmes Ziepen durchzog die Stelle.

      [Zanthe: 4000LP → 3000LP / Alessandro: 4000LP]


      „Ugh!“, keuchte der Werwolf und hielt sich die Wunde. Sprach dann finster: „… ein Warnschuss.“
      „Ja. Um dich daran zu hindern, eine Grenze zu überschreiten. Zug beendet.“
      Zanthe wusste, dass Alsahm einmal pro Zug bei seiner Beschwörung 1000 Schadenspunkte austeilen konnte. Aber diesen jetzt in Aktion zu sehen, nicht etwa durch seinen Bruder sondern durch dieses 'Ding', das schmerzte mehr als die eigentliche Verletzung. Und daran war er selbst mehr Schuld als jeder andere.

      „Draw!“, fauchte Zanthe daher zornig und riss eine Karte von seinem Deck. „Ich werde dich aus dem Körper meines Bruders vertreiben, verlass dich drauf!“
      „Und was wird dann bleiben? Eine leere Hülle.“
      Drauf ging der Kopftuchträger gar nicht erst ein, sondern nahm ein Monster aus seinem Blatt und legte es auf seine Duel Disk. Plötzlich tauchte in seiner Hand ein goldener Schlüssel auf, den er zur Seite ausschwang. „Open the door to the lion! Erscheine, [Constellar Leonis]!“
      Dort, wo er den Schlüssel hinhielt, breitete sich eine Vielzahl weißer Ringe aus, zwischen denen diverse astrologische Symbole steckten – Sternzeichen. Das Siegel brach anschließend auseinander, als Zanthe mit der Faust dagegen schlug. Ein weißer Krieger kam aus dem Nichts gesprungen, rutschte tänzelnd über das Gras. Dabei bezog der Mann mit einem einer Löwenmähne gleichenden Helm und langen Krallen an den Handschuhen, welche allesamt hellblau zu leuchteten, vor seinem Herrn Stellung.

      Constellar Leonis [ATK/1000 DEF/1800 (3)]

      Doch sogleich löste er sich in hellem Licht gen Himmel auf. „Dank seines Effekts kann ich noch einen Sternenkundler als Normalbeschwörung rufen. Ich opfere ihn für [Constellar Virgo]! Open a door to the maiden!“
      Noch einer dieser Schlüssel erschien in Zanthes Hand, doch diesmal warf er diesen hoch in die Luft, wodurch das entsprechende Portal sich über ihm öffnete. Daraus stieg eine engelsgleiche Kriegerin herab, deren mechanische Schwingen gänzlich von ihrem Körper getrennt waren, ebenso die beiden Sphären, die sich an ihren Seiten aufhielten.

      Constellar Virgo [ATK/2300 DEF/1400 (5)]

      Der Kopftuchträger, in dessen Hand abermals ein Schlüssel auftauchte, rief: „Ihr Effekt ermöglicht es mir, einen Kameraden der Stufe 5 von meiner Hand in die Defensive zu rufen! Open a door to the the scales! Spezialbeschwörung, [Constellar Zubeneschamali]!“
      Diesmal stieß er den Schlüssel regelrecht nach vorne, erschuf damit das Portal, aus dem ein schlaksiger Krieger hervorbrach, an dessen Händen Rundschilde mit daraus hervorragenden Krallen befestigt waren. Der ging in die Knie.

      Constellar Zubeneschamali [ATK/2100 DEF/1400 (5)]

      „Wird er gerufen, kann ich einen Sternenkundler von meinem Deck ins Blatt nehmen!“ Sofort schob sich eine Karte aus seinem Deckschacht, die der jung wirkende Mann mit [Constellar Kaus] betitelte. Sofort im Anschluss spielte er eine Zauberkarte aus. „Und jetzt [Constellar Star Chart]!“
      Von permanenter Natur, stellte jener sich vor ihm auf und strahlte ein goldenes Symbol in den dunklen Himmel – zwei übereinander liegende Kreuze, die sich in einem gezackten Ring befanden.
      Zanthe richtete seinen Arm nach oben, in dessen Hand sich ein langer, goldener Schlüssel manifestierte, groß wie ein Schwert. Er hatte im Fernsehen vor einiger Zeit einen Profiduellanten gesehen, der es genauso machte und war seitdem sehr von diesem Deck angetan gewesen. Doch als sein Bruder es ihm dann schenkte …
      Der äußerlich junge Mann biss sich auf die Lippen und schluckte schwer. Dann rief er: „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network!“
      Sofort verwandelten sich seine beiden Sternenkundler in gelbe Lichtstrahlen, die in den riesigen Schlüssel gezogen wurden. Ein schmales Lächeln zeichnete sich auf Kakyos Lippen ab, als Zanthe fortfuhr. „Aus zwei Stufe 5-Lichtern wird ein gleißender Stern! Rang 5!“
      Vor ihm im Gras bildete sich ein kreisrundes Siegel mit diversen astrologischen Symbolen. „Xyz-Summon! [Constellar Pleiades]!“
      Damit rammte er den riesigen Schlüssel in den Runenzirkel und zerschmetterte ihn förmlich. Aus diesem sprang ein anmutiger Krieger von kräftiger Statur. Zwar trug er ein langes Schwert mit sich, das er aber mit der Klinge nach unten zeigend hielt. Auf seinem Rücken befand sich eine schwarze Platte, die insgesamt sieben Spitzen aufwies und ein wenig wie ein Stern anmutete.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2]

      „Zuerst der Effekt von [Constellar Star Chart]! Einmal pro Zug darf ich ziehen, wenn ich ein Constellar-Xyz-Monster rufe. Und gleich darauf die spezielle Fähigkeit von Pleiades“, rief Zanthe, zog umgehend und riss dann eine der beiden unter Pleiades' Karte liegenden Monster fort. Als Folge absorbierte das Schwert seines Sternenkriegers eine der Lichtsphären, die um ihn kreisten.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2 → 1]

      Sein Paladin begann sich langsam um die eigene Achse zu drehen, als er erklärte: „Für eine Overlay Unit schickt er sofort eine der Karten auf dem Feld ins Blatt zurück! Ihn!“
      Er deutete dabei auf den vergleichsweise kleinen Alsahm. In einer 360°-Drehung schwang Pleiades sein Schwert und erzeugte eine Schockwelle, die den Fixsternritter voll erfasste. Kakyo murmelte amüsiert: „Eine ungewöhnliche Wahl.“
      Schließlich hatte er noch zwei verdeckte Karten, die ebenso gut Ziel des Effekts hätten werden können. Aber Zanthe kam es vor allem darauf an, möglichst schnell möglichst viel Schaden auszuteilen. Als der kleine Bogenschütze verschwunden war, nahm Kakyo ihn aus dem Handschuh.
      „[Constellar Pleiades], direkter Angriff! Seven Star Raid!“, befahl der Werwolf unmittelbar danach energisch mit ausgestreckter Hand.
      Aber Kakyo schüttelte den Kopf. „Ein typischer Anfängerfehler. Verdeckte Falle, [Stellarnova Wave]! Sie erlaubt mir die sofortige Beschwörung eines Monsters, genauer gesagt eines Satellarknight-Monsters. Wie Alsahm.“
      Binnen eines Sekundenbruchteils war Pleiades verschwunden und vor Kakyo aufgetaucht, doch als er mit seinem Schwert ausholte, erschien direkt vor ihm erneut der kleine Bogenschütze.

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      „Einmal pro Zug fügt [Satellarknight Alsahm] bei seiner Beschwörung 1000 Punkte Schaden zu“, erklärte Kakyo erneut, „du fügst dir mit deiner Beratungsresistenz nur mehr Leid zu, Zanthe Montinari.“
      „Was soll das heißen!?“
      „Du siehst nur das Schlechte. Hast sämtliche Hoffnung verloren. War es nicht dein Wunsch, deine Lycanthropie zu überwinden?“ Kakyo sah ihn eindringlich an. „Und der deines Bruders?“

      ~-~-~


      Ende der 40er Jahre …

      Schmerzhaft landete Zanthe auf dem Rücken, neben einem Heuballen. Geschubst von einem seiner sogenannten Kameraden, August, ein vermeintlich junger, großer Mann. Seine schulterlange, dunkelblonde Lockenpracht glänzte fettig im Mondlicht. Im Hintergrund drangen die Schreie einer Frau zu ihnen, die Besitzerin der abgelegenen Farm. Das Wohnhaus befand sich etwa 50 Meter entfernt, eine Scheune samt Wasserturm zu ihrer Rechten auf etwa derselben Distanz.
      „Entscheide dich endlich was du sein willst“, schnauzte jener August Zanthe an. „Willst du sie kosten oder nicht?“
      „Ich trinke kein Menschenblut!“, protestierte der tatsächlich ältere Werwolf zornig.
      „Dann wirst du ewig schwach bleiben.“ Etwas flackerte in den Augen des Neuzugangs, der Zanthe mit Vorliebe für das verurteilte, was er war. „Zahnloses Stück Dreck.“
      Der gebürtige Italiener rollte sich halb zurück und sprang dann auf. „Wenigstens töte ich keine Unschuldigen!“
      „‘Wenigstens töte ich keine Unschuldigen‘“, äffte August ihn nach. Er lachte höhnisch. „Aber du tust auch nichts dagegen. Weil du genau weißt, was wir dann mit dir machen.“
      Aber Zanthe blieb kämpferisch. „Ach, tue ich das? Zeig’s mir doch. Vielleicht steh ich drauf.“
      Was sich sein Widersacher nicht zweimal sagen ließ. Seine Haut verfärbte sich schwarz, er ließ seine Klauen aus den Fingernägeln ausfahren. Zanthe tat es ihm gleich. Ihre grün leuchtenden Augen funkelten sich hasserfüllt an, als beide in eine gebeugte Haltung übergingen.
      Doch noch bevor sie sich gegenseitig anspringen wollten, ertönte ein erneuter Schrei. Diesmal war er männlich und ihnen wohl bekannt: Jan, ein Mitglied ihres Rudels, das sich als Erstes über die Farmerfamilie hergemacht hat.

      Sofort verwandelten sich die beiden Streithähne zurück. August murmelte: „Jan?“
      Dann folgte ein weiterer Schrei, der einer jungen Frau. „April!?“
      Auch sie war ein Werwolf, die Köchin der Truppe.
      „Hast du Schüsse gehört?“, fragte Zanthe, der sich nichts anderes erklären konnte, bekam jedoch ein Kopfschütteln als Antwort. Natürlich, das wäre ihnen nicht entgangen.
      August, der dank des Konsums von Menschenblut und somit vollkommen transformiert jedoch feinere Sinne besaß, murrte: „Nur ein Zischen. April hat sich erschreckt. Da ist jemand, der nicht hier sein sollte.“
      Und so war es auch. Die Tür des Häuschens flog polternd aus den Angeln. Gespannt warten Zanthe und August auf den Dämonenjäger, der sich zweifelsohne an ihre Fersen geheftet haben musste.
      Statt aber in Erscheinung zu treten, ließ der Angreifer sie warten. August sah nach rechts. Zanthe wusste, dass dort in einiger Entfernung noch ein weiteres Mitglied ihres Rudels nahe der Scheune wartete.
      Dann geschah es so unvermittelt, dass selbst Zanthe trotz seiner guten Reflexe stockte. Ein weißer Speer schoss regelrecht aus dem Türrahmen zielgenau auf August zu. Jener wich geschickt mit einer Körperdrehung aus, doch weitete die Augen. Plötzlich hing an der Waffe ein Mann in weißem Mantel, wie aus dem Nichts, und verpasste dem jüngeren Werwolf einen Tritt in den Magen.
      Grunzend rutschte August zurück und musste sich prompt unter dem schwingenden Speer hinweg ducken. Der Dämonenjäger, dessen Gesicht von der Kapuze verborgen war, erwies sich dabei als erstaunlich flink. Immer wieder schlug und stach er nach August, der mit Rückwärtsschritten und Drehungen jedoch mühelos ausweichen konnte.
      „Amateur“, lachte der Lockenkopf dabei arrogant. Kurzerhand verwandelte er sich wieder, ließ seine Haut schwarz und die Augen grün werden. Die Krallen seiner Pranke schossen hervor, als er sich den Speer griff.
      „In der Tat“, entgegnete der Dämonjäger kühl, wie er die Waffe auf sein Ziel gerichtet hatte.
      Dann knallte es. Aus der Spitze des Speers schoss eine Ladung glänzendes Schrot und durchsiebte August regelrecht. Mit bläulich leuchtenden Löchern in Gesicht und Oberkörper sackte der zu Boden und rollte sich dort unter Schmerzensschreien hin und her. Sofort verwandelte er sich zurück, doch Blut floss keines.
      „Die Kugeln bringen den Fluss der natürlichen Energien deines Körpers durcheinander“, erklärte der Mann, dessen Stimme Zanthe bekannt vorkam, „keine Sorge, ist nur von kurzer Dauer.“
      Sprachs und rammte August die Speerkante in den Nacken, wodurch dieser das Bewusstsein verlor. Direkt im Anschluss hob er den Speer mit beiden Armen hoch, denn die rothaarige June kam aus den Schatten der offenen Scheune gesprungen und schlug ihre Pranken nach ihm. Die Rothaarige umklammerten die Waffe.
      „Gut zu wissen, dann lass ich mich nicht davon treffen“, knurrte sie, die sie über zwei Meter groß war und ihn einen halben Kopf überragte.
      Noch während sie sprach ließ der Dämonenjäger den Speer los und rammte beide Hände gegen ihre Brust. Meterweit flog sie über den Boden dahin, wo sie hergekommen war, den Speer auf halber Strecke loslassend. Dann fing sie sich jedoch mit einem Rückwärts-Flick-Flack und landete auf den Beinen. In der Zeit war ihr Gegner schon zum Speer teleportiert, wirbelte ihn und schoss nach ihr. June war trotz ihrer Körpergröße sehr agil und wich geschickt aus, ließ den Mann bewusst näher kommen.

      Derweil sah Zanthe fassungslos mit an, wie seine Mitstreiterin in die Offensive ging und mächtige Schläge austeilte. Zwar konnte der Jäger diese mit seinem Speer abwehren, doch sein Tempo ließ zunehmend nach. Dafür wurden die Hiebe seiner Kontrahentin immer stärker. Schritt um Schritt drängte sie ihn zurück, begann ihn zu umkreisen, während er den Speer wie in einem Tanz um sich herum wirbeln ließ, dabei Junes Attacken abwehrend.
      Es geschah, was geschehen musste. Ihre Klauen fuhren nach einer missglückten Parade über seinen rechten Oberarm und hinterließen tiefe Wunden. Instinktiv wollte Zanthe dazwischen, aber kaum hatte er sich gerührt, schoss der Fremde, der die Speerspitze schräg nach unten über die Schulter gerichtet hielt, eine Ladung Schrot ab. June wich unverletzt zurück, doch der Dämonenjäger drehte die Waffe wie ein Rad und verpasste ihr mit dem Ende des Schafts erst einen Hieb unters Kinn, der sie nur kurz lähmte. Was ausreichte, um ihr bei der nächsten Drehung des Speers eine weitere Ladung ins Gesicht zu schießen.
      Keuchend sackte sie in sich zusammen, verlor mit einem ganz blau leuchtenden Kopf das Bewusstsein.

      Und plötzlich war Zanthe ganz alleine mit dem Mann. Seine vier Kameraden waren allesamt außer Gefecht gesetzt. Obwohl der noch junge Werwolf eine kämpferische Haltung annahm, spürte er, dass von seinem Gegner keine Gefahr ausging. Ein richtiger Dämonenjäger mit solchen Fähigkeiten hätte getötet. Dieser nicht, sie alle lebten noch.
      „Zu dumm“, sprach jener Mann, als er sich ihm zuwandte. Er griff nach seiner Kapuze und zog sie herunter, „die waren ja kaum eine Herausforderung. Aber keine Sorge, ich bin es nur, Zanthe.“
      Langes, schwarzes Haar fiel ihm über die Schulter.
      „Alessandro!?“, keuchte dessen Bruder fassungslos.
      Er sah kaum älter aus als vor über fünfzehn Jahren, als sich ihre Wege getrennt hatten. Ein schwaches Lächeln zierte seine Lippen.

      ~-~-~


      Das Lagerfeuer vor den beiden knisterte. Sie saßen sich im Schneidersitz gegenüber, der weiße Speer lag neben Alessandro, wie dieser schweigsam ins Leere starrte. Der Vollmond stand über ihnen und strahlte ein schier unnatürliches Licht aus. Als wäre dies ein vorherbestimmter Tag, so dachte Zanthe.

      Sie hatten kaum ein Wort gewechselt, seitdem sie nach einem Rastplatz gesucht hatten. Der ältere Bruder konnte den Blick nicht von der tiefen Wunde am Arm des jüngeren abwenden.
      „Ist okay“, beteuerte jener. „Sieh.“
      Und es geschah. Die aufgerissene Haut wuchs binnen eines Herzschlags komplett zusammen. So etwas hatte selbst Zanthe noch nie gesehen.
      „W-was!? Alessandro, sag mir endlich, woher du all das kannst!“, forderte er. „Du bewegst dich genauso schnell wie wir, bist seit damals keinen Tag gealtert und jetzt das!“
      Er deutete auf die verschwundene Wunde. „Selbst wir brauchen für so etwas Stunden, gar Tage. Und schon gar nicht können wir das bewusst steuern! Sprich endlich mit mir darüber!“
      Sein Bruder mied den direkten Blickkontakt. „Mach dir keine Sorgen, es ist alles in Ordnung.“
      „Nichts ist in Ordnung! Ich-“ Zanthe versagte die Stimme, als er sagen wollte, dass er seinen kleinen Bruder nie hätte alleine zurücklassen dürfen. Aber das hatte er.

      Alessandro lächelte mild. „Ich weiß, was du gerade denkst. Aber ich habe es sofort verstanden. Du hast erkannt, dass es keine Heilung gibt und bist deshalb gegangen.“
      „… es tut mir leid.“
      „Muss es nicht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich die Hoffnung selbst schon fast aufgegeben. Aber“, sagte er und machte eine Pause, starrte seine Waffe an, „aber das war inakzeptabel. Und während du nach deinem Platz in dieser Welt gesucht hast, habe ich eine Entscheidung getroffen.“
      Sein älterer Bruder zitterte am ganzen Leib, als der ehemals so kleine und liebe Bursche, nun körperlich älter als er, aufsah und wieder wie der Knirps von damals strahlte. „Dass ich nach einer Möglichkeit suchen würde, dich zu heilen, egal wie lange es dauert.“
      „Alessandro“, stammelte Zanthe mit erstickter Stimme, „du müsstest … schon viel älter sein …“
      „Ja. Ich begriff, dass meine Zeit als normaler Mensch wohl nicht ausreichen würde. Also habe ich mein Leben durch einen Pakt verlängert. Das ist jetzt schon eine Weile her.“
      „W-was meinst du mit Pakt?“
      „Es gibt Wesen, die man hören, aber nicht sehen kann.“ Alessandro fasste sich an die Brust. „So eines lebt jetzt in mir. Kakyo ist sein Name. Etwas steif und sehr stur, aber ich vertraue ihm.“
      „W-was!?“
      „Kakyo war schon der 'Beschützer' des vorherigen Besitzers des Artefakts, dieses Speers hier.“ Alessandro griff sich die Waffe und hielt sie über die Flammen. „Er hat mir beigebracht zu kämpfen. Ha ha! Stell dir das vor, obwohl er nur Anweisungen geben konnte, bin ich doch recht gut, nicht wahr? Gut, da war noch dieser alte Knacker, der mir hin und wieder geholfen hat, aber-“
      Doch Zanthe sprang fassungslos auf. „Ich verstehe das nicht! D-du alterst nicht, weil so ein Ding in dir steckt!? W-wie geht das, was-!?“
      „Beruhig' dich, es ist alles in Ordnung. So können wir Seite an Seite nach Heilung suchen, Zanthe. Und ich kann dich vor deinem Rudel beschützen. Hiermit!“
      Er hob den Speer noch einmal demonstrativ höher.
      „Was hast du bloß getan, Alessandro“, stammelte Zanthe aber gebrochen, „du solltest nicht dasselbe Leben führen wie ich. Deshalb bin ich gegangen! Es reicht, wenn einer verflucht ist.“
      „Zu dumm, dass ich meinen eigenen Willen habe. Soll ich etwa zusehen, wie du daran zugrunde gehst? Und willst du zusehen, wie ich älter und älter werde, ohne etwas für dich tun zu können.“ Alessandro erhob sich. „Unsere Familie ist längst fort, wir sind alles, was wir noch haben.“
      Er wirbelte den Speer und setzte ihn mit dem Ende auf dem Gras ab. „Wir haben unsere Vergangenheit an diese Monster verloren, aber nicht unsere Zukunft, Zanthe. Komm mit mir, lass uns einen Ausweg finden, egal wie lange es dauert. Wir geben nicht auf! Versprochen?“
      Zanthe sah seinen Bruder mit Tränen in den Augen an. Dann nickte er zaghaft.

      ~-~-~


      Verzweifelt erwiderte Zanthe auf Kakyos Worte: „Wir haben so lange danach gesucht, aber kein Heilmittel gefunden. Was, wenn es keines gibt? Dieser Fluch hat nur Leid gebracht!“
      Sein Gegenüber beobachtete regungslos, wie der Werwolf seine Karten fallen ließ, die rechte Hand ausschwang und seine Fingernägel zu beängstigend langen Krallen anwachsen ließ. Welche er prompt an seine Kehle führte. „Und jetzt, da Alessandro fort ist, kann ich genauso gut-“

      In dem Moment spannte der kleine Engel Alsahm seinen Bogen und schoss einen goldenen Pfeil, der die Brust des Kopftuchträgers durchbohrte, kurz bevor Pleiades ihn mit seiner Klinge in zwei Teile hackte. Zanthe wurde von den Füßen gerissen und landete auf dem Rücken im nassen Gras.

      [Zanthe: 3000LP → 2000LP / Alessandro: 4000LP]


      Kaum hatte er seinen Oberkörper aufgerichtet, stampfte Kakyo mit seinem linken Fuß den rechten Arm des Werwolfs nieder, als hätte er sich mit Lichtgeschwindigkeit bewegt. „Das ist nicht, was dein Bruder gewollt hätte.“
      „Lass mich!“, schrie Zanthe außer sich und schlug mit der anderen Faust wiederholt gegen das Bein seines Widersachers, ohne etwas damit zu erreichen. Als der Werwolf ebenfalls zu der Erkenntnis kam, ließ er auch aus seiner anderen Hand Krallen wachsen und durchbohrte das Glied fünffach, doch Kakyo schrie nicht einmal.
      „Zu leben, obwohl eine geliebte Person gegangen ist, ist eine große Bürde …“
      „Was verstehst du davon!?“, überschlug sich Zanthe, riss die Klaue heraus und stach noch einmal zu.
      „… doch dein Bruder glaubte fest daran, dass du sie schultern wirst.“
      „Verschwinde endlich!“, kreischte der Niedergestreckte aber nur weiter, wiederholte das Schauspiel wieder und wieder. Blut spritzte nur so in alle Himmelsrichtungen. Als ein Tropfen Zanthes Wange benetzte, weitete der seine Augen und verstummte schlagartig. Seine Zunge verließ die Mundhöhle und wurde prompt mit einem Tritt von Kakyos rechtem Fuß in ihre Schranken gewiesen.
      „Lerne, dich selbst zu kontrollieren. Gedankenlose Taten führen dich ins Verderben.“

      Während der Werwolf hustete und spuckte, trat der Immaterielle schließlich einen Schritt zurück, sodass Zanthe sich nach und nach aufrichten konnte. Der stärker werdende Regen wusch das Blut aus seinem Gesicht, während er anfing zu schluchzen.
      Kakyo sprach weiter. „Du hast eine Aufgabe zu erfüllen. Eine, die Alessandro Montinari dir auferlegt hat. Enttäusche sein Vertrauen nicht und zeige mir, dass du imstande bist, sie zu erfüllen.“
      Damit drehte er sich um und schritt unter der schmatzenden Erde wieder zu seiner Ausgangsposition zurück. Zanthe sah ihm hinterher, begann zu schnaufen. Schließlich presste er hervor: „Was ich mit meinem Leben anstelle ist immer noch meine Sache! Wenn du mich an irgendetwas hindern willst, werde ich dich vernichten! Nein … das werde ich unabhängig davon!“
      „Versuche es“, kam es ungerührt von Kakyo, der weiter seines Weges ging.
      Mit gewecktem Kampfgeist stand der Kopftuchträger auf. Ein winziges Rinnsal Blut war auf seiner Stirn verblieben, welches er aber einfach mit dem Handrücken wegwischte. „Von mir aus. Zeit dafür habe ich ja genug …“
      Es gab ihm Kraft, daran zu denken, wie er dieses Wesen zerstörte. Schließlich war es überhaupt erst für das Schicksal seines Bruders verantwortlich. Dann nahm er eben erst Rache an Kakyo, bevor er die Welt von seiner verfluchten Existenz befreite.
      Kakyo indes wandte sich ihm wieder zu. „Du magst über einhundert Jahre alt sein, doch dein Verhalten ist das eines Kindes. Hört etwa auch der Verstand eines Werwolfs auf zu altern? Ich werde dich Disziplin lehren.“
      „Ach ja!?“, keifte Zanthe zurück. „Mal sehen, wie du das anstellen willst, du neunmalkluges Arschloch! Eine Karte verdeckt! Du bist dran!“
      Die Falle materialisierte sich zischend zu seinen Füßen, womit beide drei Karten auf der Hand hielten.
      Warum musste es so enden? Zanthe sah seinen Bruder vor sich, wie er den Speer in den Händen hielt und ihm erstmals von seinem Schicksal erzählte.

      Zanthe, wir haben uns versprochen, immer füreinander da zu sein. Aber meine Zeit ist begrenzt. Der Pakt wird nicht ewig halten und wenn das passiert, wird meine Seele von dieser Welt verschwinden.“ Alessandro sah auf den Speer herab. „Sollte das geschehen, bevor wir unser Ziel erreiche, habe ich zwei Bitten. Bleib stark. Und … beschütze dieses Artefakt. Es ist von größter Wichtigkeit, dass du es als sein Wächter aufbewahrst, wenn ich fort bin. Bis zu dem Tag, an dem ein Auserwählter es abholen kommt.“

      Was auch immer das bedeutete. Alessandro hatte diese Person stets als jemanden betrachtet, der die Welt retten würde. Wovor auch immer. Aber so jemand war nie erschienen. Und es spielte für Zanthe auch keine Rolle.

      Kakyo zog, nachdem er sich seinem Gegner wieder gegenüber gestellt hatte, seelenruhig eine Karte und betrachtete sie. Dann rief er aus: „Ich benutze den Effekt meiner Falle [Stellarnova Wave] und beschwöre das gerade eben gezogene Monster, [Satellarknight Deneb]!“
      Eine Lichtsäule schoss aus dem Himmel hinab und brachte einen humanoiden, hellblauen Falkenritter mit sich, der ein Schwert mit sich führte, dessen beide Klingenblätter ineinander wie zwei Wurzeln verschlungen waren. Um seinen Unterleib schwebte ein Ring mit einem Miniaturstern daran.

      Satellarknight Deneb [ATK/1500 DEF/1000 (4)]

      „Nach seiner Beschwörung erhalte ich einen neuen Fixsternritter von meinem Deck, welchen ich ohne Verzögerung als Normalbeschwörung rufe: [Satellarknight Vega]!“
      Noch eine Lichtsäule schoss aus der Endlosigkeit des regnerischen Himmels herab und brachte eine in Rosa gehüllte Kriegerin mit sich, um die ebenfalls ein Ring schwebte. Zwar war sie unbewaffnet, dafür aber dank einer Stola aus Gold zumindest anmutig wie eine wahre Diva.

      Satellarknight Vega [ATK/1200 DEF/1600 (4)]

      „Monstereffekt von [Satellarknight Vega]! Sie erlaubt es, zusätzlich einen weiteren Fixsternritter von meiner Hand als Normalbeschwörung zu rufen: [Satellarknight Altair]!“
      „Noch einer!?“, staunte Zanthe, der das Deck seines Bruders nur einige, wenige Male in Aktion gesehen hatte. Zum Beispiel, als ein Unwürdiger sich des Speers bemächtigen wollte und doch gar nichts über ihn zu wissen schien. Alessandro hatte kurzen Prozess mit ihm gemacht.
      Zum dritten Mal schoss eine Lichtsäule aus dem Himmel herab. In ihr befand sich ein geflügelter, dunkelblauer Kämpfer, der ebenfalls unbewaffnet war. Wie um die anderen seiner Art, umkreiste auch ihn ein goldener Ring.

      Satellarknight Altair [ATK/1700 DEF/1300 (4)]

      Altair streckte den Arm zur Seite aus, wodurch diesmal eine Lichtsäule aus dem Boden geschossen kam. Dazu erklärte Kakyo: „Zu guter Letzt ruft dieser junge Mann einen gefallenen Kameraden zurück ins Leben, doch dürfen für den Rest des Zuges auch nur Tellarknight-Monster Angriffe durchführen. Sei in Verteidigungsposition wiedergeboren, [Satellarknight Alsahm]!“
      Und aus genau jener Lichtsäule stieg zu Zanthes lautstarkem Entsetzen der kleine Bogenschütze, der sofort einen Pfeil von der Sehne ließ. Der Werwolf wurde direkt in die Brust getroffen und torkelte keuchend zurück.

      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      [Zanthe: 2000LP → 1000LP / Alessandro: 4000LP]


      Noch einmal so ein Treffer und er war erledigt, wusste der ältere Bruder, wie er sich die schmerzende Stelle unterhalb seines Halses hielt. „Immer … dieselbe Leier …“
      „Ich bin noch nicht fertig“, hielt Kakyo jedoch unbeeindruckt dagegen und streckte seine Hand nach vorne aus, „ich errichte das Overlay Network!“
      Sofort öffnete sich vor ihm ein Schwarzes Loch und zog Deneb, Vega und Altair als gelbe Lichtstrahlen in sich hinein. „Aus meinen drei Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Eine Explosion in seinem Inneren brachte das finstere Phänomen dazu, sich auszuweiten. „Xyz Summon! Zeige dich, Herr des Sommerdreiecks, [Stellarknight Delteros]!“
      Schon stieg besagter Ritter aus dem Overlay Network empor. Golden leuchteten die dünnen, spitzen Auswüchse seiner Flügel von seinem Rücken, nicht anders als der aus drei Ringen bestehende Schild an seinem Arm. Zwischen jenen drei sich überschneidenden Einzelteilen zogen sich Energielinien und formten ein aufrecht stehendes Dreieck. In der anderen Hand hielt er ein Schwert, wurde von drei Lichtsphären umkreist.

      Stellarknight Delteros [ATK/2500 DEF/2100 {4} OLU: 3]

      „Gleichstand“, murmelte Zanthe grimmig.
      „Nicht lange. Ich aktiviere Delteros' Effekt und hänge eine Overlay Unit ab“, rief Kakyo energisch und riss eines der Monster unter der schwarz-umrandeten Karte in seinem Handschuh hervor, „damit er eine deiner Karten zerstören kann! Navigator's Strike!“
      Sofort erhob der Krieger seine Klinge gen Himmel, wobei eine der Lichtkugeln ihn dabei überholte und zu einem Lichtstrahl wurde, in dem Delteros sein Schwert badete. Kaum hatte es die Strahlen absorbiert und gab selbst ein immenses Gleißen von sich, richtete sein Besitzer es nach vorn auf [Constellar Pleiades].
      Zanthe fauchte zurück: „Du willst mein Monster vernichten!? Fein, aber es wird deines mitnehmen! Der Effekt von Pleiades kann auch in deinem Zug aktiviert werden!“
      Sofort wirbelte Pleiades um seine eigene Achse und feuerte im Schwung von seinem verkehrt herum gehaltenen Schwert eine Lichtsichel auf den vor Kakyo schwebenden Ritter ab, der seinerseits einen vernichteten Lichtstrahl von seiner Waffe losließ.

      Stellarknight Delteros [ATK/2500 DEF/2100 {4} OLU: 3 → 2]
      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 1 → 0]

      Die beiden Attacken passierten einander, doch plötzlich rief Kakyo aus: „Konterfalle, [Stellarnova Alpha]! Ich opfere Alsahm und negiere den Effekt deines Monsters, zerstöre es und ziehe zudem eine Karte! Das Resultat ist, dass ich dich direkt angreifen kann!“
      Besagter kleiner Bogenschütze löste sich in Luft auf, gab dabei eine grelle Lichtwelle in alle Richtungen ab, die Pleiades' Leuchtsichel kurz vor dem Einschlag in Delteros neutralisierte. Zanthe, der den Lichtstrahl des Ritters auf sich zukommen sah, hob schnaubend den Arm. Dann erfolgte eine Explosion, die den Werwolf vollkommen einhüllte.
      Kakyo zog eine Karte und schloss wissend die Augen. „Gut gemacht.“

      [Zanthe: 1000LP → 3500LP / Alessandro: 4000LP]


      Denn als der Rauch sich verzog, stand Zanthe aufrecht mit einem stählernen Rundschild am Arm und erklärte: „Meine Falle [Draining Shield] hat mich beschützt und den Schaden in Lebenspunkte umgekehrt!“
      Die vor ihm aufgerichtet stehende Karte löste sich samt des Schildes an Zanthes Arm auf.
      „Du weißt dich zu verteidigen, trotz deiner Unerfahrenheit. Sehr gut. Zug beendet“, verkündete Kakyo, doch sein Lob klang in Zanthes Ohren wie Hohn.
      „Verteidigen!? Was soll ich verteidigen!? Ich habe doch schon alles verloren!“
      „Du lebst noch.“
      „Dieses Leben ist wertlos!“ Der Kopftuchträger überschlug sich dabei förmlich. „Ich habe keinen Grund mehr zu leben! Warum willst du das nicht verstehen!?“
      Sein verhasster Widersacher blieb stumm. Er senkte das Haupt und schwieg.

      „Ja, das dachte ich mir“, setzte Zanthe bitter nach, als er aufzog, „ich weiß nicht einmal, warum ich mich überhaupt mit dir duelliere …“
      „Weil dein Bruder vor seinem Ende nur einmal gegen dich spielen wollte.“ Kakyo sah auf, sein Gesicht war ausdruckslos. „Schließlich war er es, der dich an Duel Monsters herangeführt und dir die Regeln beigebracht hat. Aber ihr habt nie gegeneinander gespielt.“

      ~-~-~


      Etwa fünfzehn Jahre zuvor …

      „Hör auf zu maulen, das Hotel ist nicht mehr weit entfernt“, meinte Alessandro scherzhaft, wie sie den Bürgersteig entlang schlenderten.
      Zanthe sah ihn nicht an, sondern konzentrierte sich auf die Schaufenster zu seiner Linken. Es dämmerte bereits. Sie waren hier, um ihre derzeit einzige Spur zu verfolgen. Gerüchten zufolge lebte in dieser Stadt ein legendärer Dämonenjäger, der die Macht seiner Feinde absorbieren konnte.
      Diese Information hatten sie von einer Dämonin, die vor etwa einem Jahrzehnt besagtem Mann zum Opfer gefallen war.

      Doch um ehrlich zu sein erhoffte sich Zanthe davon absolut gar nichts. Seit fast einem Jahrhundert war er nun schon Mal um Mal enttäuscht worden. Es gab keine Heilung. Es gab keine Erlösung. Und er war müde, bereit, die Augen für immer zu schließen.
      Nur Alessandro hielt ihn noch am Leben. Selbst jetzt war er immer noch so aufgeweckt und optimistisch wie damals. Obwohl auch er in seinem Inneren doch schon längst ein Greis sein müsste. Aber sein Lächeln, sein Lebensmut steckte an.

      „Wenn wir den Kerl gefunden haben, lassen wir uns am besten erstmal seine Kräfte erklären. Diese Frau hat es überlebt, das ist schon mal gut.“
      „Sie sah aber nicht danach aus, als wäre sie undämonisch. Hast du ihre Augen gesehen?“, murmelte Zanthe abwesend.
      Alessandro schnalzte mit der Zunge. „Hast du nicht zugehört? Er hat ja nur einen Teil ihrer Macht absorbiert. Sie ist weiterhin ein Sukkubus.“
      „Ja, -das- hast besonders -du- zu spüren bekommen.“
      „Was soll ich tun, ich bin nun mal ein Mann!“, klagte sein kleiner Bruder, der optisch mit seinem langen, offenen Haar und der Sonnenbrille doppelt so alt wie Zanthe aussah.
      Der nuschelte abfällig: „Yeah …“

      In dem Moment erregte etwas seine Aufmerksamkeit. Sie hatten gerade einen Elektronikladen passiert, in dem ein Fernseher Nachrichten zeigte. Zwar war er auf stumm gestellt, aber dank der unten eingeblendeten Texte konnte man trotzdem erahnen, worum es ging. Zanthe blieb davor stehen.
      Die Schlagzeile lautete: Sieger des Battle City-Turniers in New York steht fest!
      Dazu sah man zwei Personen, die sich in gebeugter Haltung auf einer Art Balkon gegenüber standen. Erst bei genauem Hinsehen erkannte Zanthe, dass sie sich auf einem Zeppelin befanden.
      Der Mann links hatte schwarzes Haar, war vom Alter her sehr schwer einzuschätzen, aber definitiv schon ein etwas älteres Semester. Zanthe konnte noch einen Blick auf seinen Nachnamen erhaschen, ehe dieser ausgeblendet wurde, irgendetwas mit „auer“.
      Dessen Widersacherin, ein Mädchen, bestach durch eine unvergleichliche Schönheit. Ihre lange, blonde Mähne war gewellt und hypnotisierend. Dazu hatte sie knallroten Lippenstift aufgetragen und kein Pickel zeichnete ihre makellose Haut, obwohl sie allenfalls alt genug war um Auto zu fahren. Gegen sie war der Sukkubus von damals nicht ansatzweise so attraktiv, was dessen Daseinsberechtigung arg infrage stellte.
      Während sich vor dem älteren Herrn eine Art Drache mit Falkenkopf aufhielt, wurde die Blonde ebenfalls von einer Art goldenem Vogel mit flammenden Flügeln gedeckt.

      „Was ist das?“, fragte Zanthe irritiert und sah zu seinem Bruder herüber.
      „Oh, das? So ein Kartenspiel, was seit einiger Zeit immer beliebter wird. Nennt sich Duel Monsters.“
      Zanthe sah zurück auf den Bildschirm, beobachtete, wie der goldene Phönix Feuer aus seinem Maul spie. „Die sind doch wohl kaum echt.“
      „Das sind Hologramme. Keiner weiß, wie so ein derart großer, technologischer Sprung möglich ist, aber sie können wohl über die Apparate an ihren Armen dargestellt werden. Aber die Animationen sind etwas steif, siehst du?“
      Denn der Drache wurde zwar von den Flammen getroffen, fiel aber erst zeitversetzt zu Boden und das so zuckend, als wäre er eigentlich durch einen Schlag niedergestreckt worden.
      „Das ist bescheuert“, murrte Zanthe. „Komm, lass uns zum Hotel gehen.“
      „Vielleicht kommst du irgendwann noch auf den Geschmack“, gluckste Alessandro, als er seinem etwa einen halben Kopf kleineren Bruder folgte, „ich liebäugle ja damit, selbst mit diesem Spiel anzufangen. Als Zeitvertreib und Entspannung. Sieht schon toll aus.“
      Zanthe rollte mit den Augen. „Dann rechne aber nicht damit, dass -ich- dabei mitmache. So'n Kram interessiert mich nicht.“
      „Da gibt’s wohl auch den ein oder anderen gut aussehenden Kerl als Monsterkarte“, neckte sein Bruder ihn, als er ihm auf die Schulter klopfte.
      „Trotzdem kein Interesse!“
      „Hast ja Recht, wir müssen uns aufs Wesentliche konzentrieren! Diesen Mann zu finden!“

      ~-~-~


      Aber sie hatten ihn nie gefunden. Er war am Ende doch nur eine von so vielen Legenden gewesen.

      Zanthe sah die Karten in seiner Hand an. Irgendwann war Alessandro doch mit zwei Decks angewackelt gekommen. Zwar hatte er sich stets geweigert zu spielen, sich aber trotzdem die Regeln erklären lassen, Zeitschriften zum Thema verschlungen und Fernsehsendungen verfolgt.
      Einzig gespielt hatte er nie. Sein Stolz war zu groß gewesen, er war doch kein Kind mehr, so etwas hätte es vor hundert Jahren nie gegeben und sowieso und überhaupt. Alles Ausreden.
      Tränen stiegen in seinen Augen auf. Hätte er doch bloß 'ja' gesagt und seinem Bruder die Freude gemacht …

      „Ich rufe [Constellar Rasalhague]!“, sagte Zanthe mit erstickter Stimme. „Dank seines … seines Effekts kann ich ihn opfern, um einen anderen Sternenkundler von meinem Friedhof in Verteidigung zurückzurufen!“
      Statt die Beschwörung wie sonst mit einem Schlüssel auszulösen, rieb sich Zanthe mit seinem Arm die Augen. Stattdessen öffnete sich von selbst ein astrologisches Runenportal und brachte einen kleinen Burschen in weiß-goldener Rüstung hervor, der einen Schlangenstab in der Hand hielt.

      Constellar Rasalhague [ATK/900 DEF/100 (2)]

      Jenen rammte er in den Boden und verschwand mit ihm, öffnete ein neues Portal, aus dem der Löwenkrieger entstieg. Jener fuhr seine hellblau leuchtenden Krallen aus, als er in die Knie ging.

      Constellar Leonis [ATK/1000 DEF/1800 (3)]

      Nachdem er seine Tränen getrocknet hatte, sah Zanthe kämpferisch nach vorne. „Ich rufe ein neues Monster!“
      Diesmal schnappte er sich den Schlüssel, der vor ihm erschien, schwang ihn zur Seite aus und rief dabei: „Open a door to the archer! Komm, [Constellar Kaus]!“
      Das dabei entstehende Portal zersplitterte und befreite einen weißen Zentaurkrieger, der einen mächtigen, goldenen Bogen führte. „Sein Effekt lässt ihn die Stufe eines Constellars um 1 verändern! Ich wähle ihn selbst und reduziere seinen Level!“
      Sofort schoss Kaus einen Lichtpfeil kerzengerade in die Luft, der urplötzlich seine Ausrichtung veränderte und auf ihn zurückgeschossen kam, bis er ihn durchbohrte.

      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/1000 (4 → 3)]

      Zanthe nahm die beiden Monster von seiner Duel Disk, legte sie übereinander und platzierte sie zusammen auf derselben Kartenzone. Anschließend streckte er seine Hand aus, in der ein riesiger, goldener Schlüssel erschien. Jenen an die Stirn lehnend, sprach Zanthe: „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network!“
      Leonis und Kaus verwandelten sich daraufhin in gelbe Lichtsphären, die von der Spitze des Schlüssels absorbiert wurden. „Aus zwei Stufe 3-Lichtern wird ein gleißender Stern! Rang 3!“
      Damit rammte er das Schwert vor sich in den Boden. „Xyz-Summon! [Constellar Hyades]!“
      Um den Schlüssel herum bildete sich ein Runenportal. Zanthe zog das Werkzeug heraus, was dazu führte, dass ein stolzer Krieger in weiß-goldener Rüstung nach oben gefahren kam, als befände er sich in einem unsichtbaren Aufzug. Dessen Klingen in seinen Händen zeigten nach unten, wobei rot glühende Ringe am Schwertknauf befestigt waren. Der goldene Helm war mit Hörnern bestückt. Um Hyades kreisten zwei Lichtsphären.

      Constellar Hyades [ATK/1900 DEF/1100 {3} OLU: 2]

      Zanthe riss eine Karte von seinem Deck, als das Symbol der Sternenkundler am Himmel aufzuleuchten begann. Aber das war noch nicht alles. Hyades reichte nicht aus, um es mit Delteros aufzunehmen. Er brauchte mehr.
      Und es gab da ein Monster in seinem Deck, das 'mehr' war. Angepriesen als Vorreiter einer neuen Beschwörungstechnik für Xyz-Monster, sofern Zanthe das richtig verstanden hatte.
      Er streckte die Hand weit aus. „Ich rekonstruiere das Overlay Network!“
      Unter seinem Krieger öffnete sich ein Schwarzes Loch und sog Hyades in sich hinein. Gelbe und schwarze Blitze schlugen um sich. „Aus meinem Rang 3-Monster wird ein Rang 6-Monster!“
      In Zanthes Hand materialisierte sich ein Schlüssel ganz aus Platin, der zu leuchten begann, ehe er ihn in den Schlund warf. „Open a gate to the Sacred Star Knights! Incarnation Summon! [Constellar Ptolemy M7]!“
      Von gewaltiger Größe war dieser weiß-goldene, mechanische Drache mit den schwarzen Schwingen und dem gleichfarbigen, langen Schweif, der aus dem Sog empor stieg und wütend brüllte. Drei goldene Lichtsphären umkreisten ihn dabei.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 3]

      „Beeindruckend“, lobte Kakyo ihn und verschränkte die Arme. „Ein Prototyp, wenn ich mich recht entsinne. Speziell entworfen von Hendrik Benjamin Ford. Ich frage mich, ob ein Immaterieller involviert war.“
      „Was redest du da?“
      „Unwichtig. Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche.“
      Zanthe schnaubte wütend. Dann griff er nach einer Zauberkarte aus seinem Blatt: „Ich aktiviere [Stoic Challenge]! Diese Karte können nur Xyz-Monster verwenden und verlieren durch sie die Fähigkeit, ihre Effekte zu aktivieren! Im Gegenzug erhalten sie für jede Overlay Unit 600 Angriffspunkte!“
      Um den mächtigen, mechanischen Drachen begann eine goldene Aura aufzuflammen.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 → 4500 DEF/2000 {6} OLU: 3]

      Voller Trotz in den Augen schwang Zanthe den Arm aus und rief: „Damit zwinge ich dich in die Knie! Angriff auf [Stellarknight Delteros]! M7 Star Launcher!“
      Messier 7, so sein ausgeschriebener Name, öffnete das Maul und feuerte einen orangefarbenen, von gelbem Dunst umgebenen Lichtstrahl auf seinen Widersacher ab. Dabei schrie Zanthe noch aufgebrachter denn je: „Und so besiegte der unsterbliche Werwolf den Körperdieb! [Stoic Challenge] verdoppelt den Kampfschaden!“
      Doch zu seinem Entsetzen tauchte irgendetwas zwischen dem Strahl und seinem Ziel auf, zerteilte ihn, sodass er zu beiden Seiten an Delteros vorbei schoss. Kakyo sprach und klang dabei strenger denn je: „Du bist stark, das ist wahr. Doch es gibt nur einen einzigen Werwolf, der Unsterblichkeit erlangt hat. Mache nicht den Fehler, dich für ihn zu halten.“
      Sofort wusste Zanthe, wer damit gemeint war. Gregory, der Mann, der ihn einst zu dem gemacht hatte, was er heute war. Sein wahrer Erzfeind. Auch wenn dessen Schicksal ihn schon seit Langem nicht mehr interessierte. „Das wäre auch eher hinderlich für mich, unsterblich zu sein …“
      In dem Moment zuckte Kakyo kurz zusammen, fasste sich an die Stirn und murmelte etwas. Dann sah er auf.
      „Wie du siehst, habe ich den Effekt eines Monsters von meiner Hand aktiviert“, sprach das Monster im Körper seines Bruders schließlich, „jeder sollte ihn oder einen seiner Artgenossen im Deck spielen! [Rainbow Kuriboh]!“
      „Tch!“
      Jene kleine Blockade, die den mächtigen Energiestrahl zerteilte, entpuppte sich als ein kugelförmiges, dunkelblaues Monster mit Fischflosse und einer regenbogenfarbenen Locke am Kopf. Und großen Kulleraugen, welche sich weiteten, als es plötzlich nach vorne schoss, den Strahl immer mehr auseinander riss und schließlich in M7s Maul verschwand.
      „[Rainbow Kuriboh] ist besonders effektiv wenn es darum geht, ein Monster vom Angreifen abzuhalten“, erklärte Kakyo munter weiter, „es ist jetzt an M7 ausgerüstet, also wirst du dir wohl was anderes ausdenken müssen.“
      Mit einem genervten Stöhnen nahm Zanthe eine Falle aus seinem Blatt und legte sie in seine Duel Disk ein. Zischend materialisierte sie sich vor ihm. „Schon geschehen. Zug beendet!“

      „Mein Zug! Draw!“, rief der Sonnenbrillenträger energisch aus und verkündete sofort: „Ich benutze Delteros' Effekt! Im Austausch gegen eine Overlay Unit vernichtet er eine deiner Karten! M7! Navigator's Strike!“
      Wieder hob der Sternenritter sein Schwert gen Himmel, wodurch eine der beiden verbliebenen Sphären ihr Licht auf es herab scheinen ließ. Dann feuerte er einen gebündelten, grellen Strahl auf den Maschinendrachen ab. Aber Zanthe ließ bereits seine Falle hochfahren. „Dann nimm dieses Geschenk von mir an! [Collected Power]! Alle Ausrüstungskarten auf dem Feld werden auf ein neues Ziel übertragen: Delteros!“
      Plötzlich war es der Sternenritter, der in goldener Aura aufflammte. Kurz darauf wurde Messier 7 von dem Strahl getroffen und explodierte lautstark.

      Stellarknight Delteros [ATK/2500 → 3100 DEF/2100 {4} OLU: 2 → 1]

      Zanthe grinste plötzlich bitterböse. „Ich fürchte, du hast dir mit deinem [Rainbow Kuriboh] selbst ein Bein gestellt.“
      Die goldene Aura verfärbte sich bunt.
      „Clever. Aber ich kann dich trotzdem angreifen, und zwar mit dem hier: [Satellarknight Rigel]! Wird er gerufen, verstärkt er einen Fixsternritter um 500 Angriffspunkte, in dem Fall sich selbst!“
      Vor ihm materialisierte sich ein weißer Krieger mit lockigem, blondem Haarschopf unter seinem Helm, welcher ein langes Cape mit schwarzem Innenfutter mit sich schwang. Er schrie kämpferisch auf, erstrahlte in gelber Aura.

      Satellarknight Rigel [ATK/1900 → 2400 DEF/500 (4)]

      „Angriff!“, befahl Kakyo aufgeregt, gar hektisch.
      Etwas, das Zanthe dann doch zunehmend irritierte. Nicht nur hatte dieser Typ es urplötzlich eilig, er zeigte gar etwas wie Emotionen.
      Mehr Zeit zum Nachdenken gewährte Rigel ihm jedoch nicht, als der vor dem Werwolf auftauchte und ihm mit einer Körperdrehung in den Magen trat. Zanthe spürte den Aufprall und wurde von den Füßen gerissen, schlitterte erneut durch das nasse Gras. „Uff!“

      [Zanthe: 3500LP → 1100LP / Alessandro: 4000LP]


      „Eine Karte verdeckt! Zug beendet!“, verkündete sein Gegenüber, als sich vor ihm besagte Karte manifestierte. „Dadurch kommt die Nebenwirkung von Rigels Effekt zum Tragen: Das gestärkte Monster verschwindet vom Feld.“
      Der eben erst erschienene Krieger winkte zum Abschied, ehe er sich in weiße Lichtfunken auflöste.
      Zanthe richtete den Oberkörper auf. „Tja, das ist aber nicht die einzige Karte mit Nebenwirkungen! Während deiner End Phase wird das Monster zerstört, das mit [Stoic Challenge] ausgerüstet ist.“
      „Was!?“
      Ein lauter Knall zeugte von der Explosion, in der [Stellarknight Delteros] unterging. Doch als der Rauch sich verzog, war eine einzelne Lichtsphäre zurückgeblieben.
      „Nun“, begann Kakyo aufmüpfig, „dein Fehler. Wird Delteros auf den Friedhof gelegt, kann er einen Satellarknight von meiner Hand oder meinem Deck rufen! Ich wähle die zweite Kopie von Altair in meinem Deck! Und wenn der gerufen wird, reanimiert er einen Kameraden vom Friedhof! Wie Alsahm!“
      Die Kugel aus Licht verformte sich zu der humanoiden Gestalt des geflügelten Kriegers, der seine Hand ausstreckte und eine Energiesäule im Boden erscheinen ließ, aus der der kleine Bogenschütze geflogen kam. Welcher ohne Umschweife einen Pfeil auf Zanthe abfeuerte, vor dem jener sich nur durch eine Seitwärtsrolle retten konnte.

      Satellarknight Altair [ATK/1700 DEF/1300 (4)]
      Satellarknight Alsahm [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      [Zanthe: 1100LP → 100LP / Alessandro: 4000LP]


      „Ich“, keuchte Zanthe und quälte sich mühselig auf, „bin noch nicht am Ende!“
      „Nein. Und? Genießt du es?“, fragte Kakyo neugierig. „Dieses Spiel?“
      „Warum sollte ich!?“
      Sein Gegenüber lächelte. „Weil Spiele dazu da sind.“

      Alles, was dieses Spiel ihm brachte, war Leid! Zanthe biss die Zähne zusammen und zog schwungvoll eine Karte von seinem Deck. Jener neue Zauber war genau das, was er jetzt unbedingt brauchte. „Ich aktiviere [Monster Reborn]! Damit rufe ich [Constellar Ptolemy M7] zurück von den Toten! Und weil ich ein Xyz-Monster beschworen habe, darf ich dank [Constellar Star Chart] eine Karte ziehen!“
      Seine offene stehende, dauerhafte Zauberkarte leuchtete auf, genau wie das Wappen am Himmel. Brüllend erhob sich der Mechadrache aus seinem Grab und stieg über Zanthe hinweg in die Luft.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 0]

      „Spiele verbinden Menschen. Dich und mich.“
      „Ich will keine Verbindung zu dir, du-!“, keifte Zanthe außer sich und zog in leicht gebeugter Haltung seine Karte auf. Aus den Augenwinkeln erkannte er sie. „Das ist-!?“
      Er richtete sich gerade auf und betrachtete seine beiden Handkarten, beides Magien. Damit konnte er gewinnen!
      „Ich spiele [Overlay Regen] aus!“ Zanthe hielt den Zauber demonstrativ zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt. „Welcher zu einer Overlay Unit für Messier 7 wird!“
      Im Anschluss rammte er die Karte in seine Duel Disk, woraufhin sich eine Lichtsphäre vor seinem Drachen bildete, die diesen zu umkreisen begann.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 DEF/2000 {6} OLU: 0 → 1]

      „Und als Letztes“, sprach der Werwolf plötzlich leise, „die Geheimwaffe meines Decks. Ausrüstungsmagie:[Constellar's Ultimate Magic – VRANO METRIA]!“
      Tatsächlich sprach er sie jedoch als Uranometria aus, da die Schreibweise dem im 17. Jahrhundert erschienen, gleichnamigen Himmelsatlas des Astronomen Johann Beyer entsprach. Die zwölf Symbole der Tierkreiszeichen begannen in einem Ring um Messier 7 zu rotieren.
      „Diese Karte rüstet mein Monster für jede seiner Overlay Units mit einer passenden Ausrüstung direkt von meinem Deck aus“, erklärte Zanthe weiter und verzog finster das Gesicht, „du bist nicht der Einzige, der mehrere Kopien einer Karte im Deck spielt. [Stoic Challenge]!“
      Jene schoss aus seinem Deck hervor und wurde prompt ausgespielt. Sofort begann der weiß-goldene Drache wieder in einer flammenden Aura aufzuleuchten.

      Constellar Ptolemy M7 [ATK/2700 → 3300 DEF/2000 {6} OLU: 1]

      Kakyo gab ein überraschtes „Oh!?“ von sich.
      Voller Tatendrang schwang Zanthe den Arm aus. „Schluss mit lustig! Greif' [Satellarknight Altair] an! M7 Star Launcher!“
      Gehorsam lud Messier 7 in seinem Maul einen orangefarbenen Odem auf, den er unter lautem Dröhnen auf den geflügelten, großen Sternenkrieger abfeuerte. Gelber Dunst umgab die Attacke dabei.
      „Denk dran, dass [Stoic Challenge] den Kampfschaden verdoppelt!“
      „Zu dumm, dass meine Monster sich verteidigen!“
      „Zu dumm, dass Uranometria auch einen Ausrüstungseffekt besitzt, der Verteidigungen durchschlagen kann!“ Zanthe weitete die Augen. „W-warte mal!“
      Dieser Wortlaut. Den benutzte doch Alessandro immer! Es gelang ihm jedoch nicht mehr, ihn darauf anzusprechen, denn sein Gegner rief bereits: „Dann benutze ich den Effekt von [Stellarnova Wave]! Eigentlich hatte ich das sowieso vor: Sie beschwört einen Fixsternritter von meiner Hand! Erscheine, [Satellarknight Procyon]!“
      Ein unbewaffneter Jüngling tauchte zwischen seinen Kameraden auf, von Kopf bis Fuß in einem weiß-orangefarbenem Bodysuit steckend. Auch um ihn drehte sich ein goldener Ring.

      Satellarknight Procyon [ATK/1300 DEF/1200 (4)]

      „D-das ändert gar nichts“, stammelte Zanthe verdutzt. „Alessandro, bist-!?“
      „Doch, es entscheidet dieses Duell!“ Sein Bruder lächelte verschmitzt. „Zu dumm, denn ich habe noch eine Falle hier zu liegen, extra für diesen Moment! [Wonder Xyz]!“
      Die purpurn umrandete Karte sprang auf und zeigte ein Schwarzes Loch am Himmel, in das zwei Monster hineingezogen wurden. „Damit kann ich sofort mit den Monstern auf meinem Feld eine Xyz-Beschwörung durchführen! Ich errichte das Overlay Network!“
      Genau wie auf der Abbildung gezeigt, öffnete sich über Alessandro ein dunkler Vortex, der alle drei Krieger als gelbe Lichtstrahlen einsog. „Aus meinen drei Stufe 4-Satellarknights wird ein Rang 4-Stern! Xyz Summon!“
      Eine Explosion in seinem Inneren brachte das Schwarze Loch dazu, sich auszudehnen. „Erscheine, Herr des Winterdreiecks! [Stellarknight Triverr]!“
      Im Zentrum des Getoses zeigte sich ein Ritter ganz in Weiß, der einen Leuchtdegen zog und um seine linke Faust ein nach unten zeigendes Dreieck als Schild erzeugte. Sein Cape flatterte wild, als er herab zu Alessandro stieg. Seine drei Overlay Units folgten ihm dabei.

      Stellarknight Triverr [ATK/2100 DEF/2500 {4} OLU: 3]

      „Und jetzt lernst du seinen mächtigen Effekt kennen! Alle anderen Karten auf dem Feld werden auf die Hände ihrer Besitzer zurückgegeben!“ Der in Schwarz gekleidete Alessandro schwang seinen Arm aus. „Great Southern Triangle!“
      Immer schneller werdend begann der weiße Ritter sich um die eigene Achse zu drehen. Dabei ließ er sein Schwert nach links und rechts ausschwenken, bei jeder Bewegung löste sich eine eisige Schockwelle von der Klinge. Eine der Wellen riss Alessandros [Stellarnova Wave]-Fallenkarte fort, gleich vier dagegen trafen erst Zanthes drei offenen Zauberkarten, dann schließlich seinen Drachen, der sich sofort in weiße Eissplitter auflöste.
      „N-nein!“, schrie Zanthe, doch wusste er gar nicht mehr, ob er dieses Duell noch gewinnen wollte.
      „Haha. Das war doch ein gelungener Abschluss“, zwinkerte Alessandro ihm zu.

      „Du bist es! Ich dachte, du wärst-!“ Der Werwolf nahm einen hastigen Schritt nach vorn, doch mit erhobener Hand gebot sein Bruder ihm Einhalt.
      Plötzlich stand ihm tiefe Traurigkeit ins Gesicht geschrieben. „Nicht. Ich … sollte gar nicht mehr hier sein.“
      „Aber du bist es! Der Pakt-!“
      „Wird meine Seele in den Limbus ziehen und das jeden Moment.“ Alessandro seufzte. „Es dauert eine Weile, ehe dieses Tor geöffnet wird, das Kakyo erscheinen lassen kann. Damals, als ich ihn getroffen habe, haben wir es zum Zentrum unseres Pakts gemacht. Sobald es sich zeigt, hätte ich es sein sollen, der es öffnet.“
      „W-was!?“
      Der Jüngere sah hinauf in den Regen, der sein Gesicht benetzte. „Uns beiden ist natürlich von Anfang an klar gewesen, dass es nicht dazu kommen wird, da wir nie die Absicht dazu hatten. Aber es war der einzige Weg, mein Leben derart zu verlängern. Jetzt, da es jeden Moment von jemand anderem geöffnet wird, werde ich als Paktbrecher dastehen und meine Seele verlieren.“
      „Wie konntest du nur so einen Vertrag abschließen!?“ Tränen stiegen in Zanthes Augen auf. „I-ich wollte das nicht! Warum hast du mir nicht gesagt, wie dieser Pakt funktioniert!? Wir hätten-“
      „Es ist egal. Selbst wenn das Tor von mir oder gar nicht geöffnet wird, kommt es immer aufs Selbe hinaus. Ich wusste das und war mit den Konsequenzen einverstanden.“ Alessandro lächelte schwach. „Bitte gib dir selbst nicht die Schuld dafür. Eigentlich wollte ich, dass du dich an Kakyo gewöhnst, während ich still und heimlich ins Nichts verschwinde. Aber … das Duell war wirklich toll, also wollte ich es selbst zu Ende bringen.“
      Zanthe streckte seine Hand nach ihm aus: „N-nein!“
      „Danke … und versprich mir, nichts Dummes anzustellen, ja?“ Sein Bruder lächelte breit, als er die Hand anhob und auf sein Deck legte. „Ich liebe dich, Zanthe. Vielleicht sehen wir uns ja eines Tages wieder. Und bis dahin werd' gefälligst besser. Ich hätte … dich … besieg-!“

      [Zanthe: 100LP / Alessandro: 4000LP → 0LP]


      Ein ohrenbetäubendes Donnern erschütterte die Wiese. Alessandro war fort, Zanthe spürte es am ganzen Leib.
      Er sackte in die Knie. Vor ihm materialisierte sich eine weiß-umrandete Karte mit einem darauf abgebildeten Drachen. Ein unangenehmes Kribbeln unter seiner Haut machte sich breit.
      „Es tut mir leid“, drang die mechanische Stimme Kakyos zu ihm. „Unser Pakt ist gebrochen.“
      Was war das alles!? Was spielte sich hier ab!? Eben war er noch … und jetzt war er von einem Moment vom anderen weg, ausgelöscht durch was genau!?
      Tränen stiegen in Zanthes Augen auf. Das war nicht, was er wollte. Dass sein Fluch die einzige Person, die ihm wichtig war und der er wichtig war, einfach so verschwinden ließ.

      Indes eilte Kakyo an dem Werwolf vorbei. Ein neuer Geruch war unvermittelt hinter ihm aufgetaucht.
      „Er ist noch nicht soweit“, sprach das Wesen im Körper seines Bruders.
      „Verstehe. Dann komme ich zu einem späteren Zeitpunkt wieder“, sagte der alte Mann, der so plötzlich hier aufgetaucht war. Ein Zischen später erschien es, als hätte es ihn nie gegeben, selbst der Geruch war fort.
      „Wir müssen gehen. Dieser Ort ist nicht sicher“, sprach Kakyo unheilvoll. „Etwas Böses wird bald hier erscheinen, nun da-“
      „Geh weg“, presste der Werwolf mühsam mit zitternder Stimme hervor.
      Inmitten dieser schicksalsträchtigen Nacht ragte über die Bäume hinaus ein riesiger Turm. Von zahlreichen Explosionen heimgesucht, stürzte er langsam ein, doch verschwand inmitten dieses Prozesses urplötzlich.
      „Er hat dich als seinen Nachfolger auserwählt, Zanthe Montinari“, sprach Kakyo, der hinter dem jungen Mann stand und versuchte, nach ihm zu greifen.
      „Ich will das nicht! Und jetzt verschwinde!“, wimmerte Zanthe.
      Kakyo sah auf seinen vor sich ausgestreckten Arm herab. Er nahm den Duellhandschuh daran und zog ihn von der Hand, doch nicht, ohne vorher das Deck daraus zu entfernen. „Dein Bruder-!“
      Mit einem Ruck sah der Kopftuchträger mit geweiteten Augen über seine Schulter. „Auch wenn du im Körper meines Bruders steckst, werde ich-!“
      Er verstummte, als etwas Nasses seine Wange streifte. Doch es waren nicht seine eigenen Tränen, sondern die des Himmels. Die letzten, denn der Regen war verebbt.

      „Dein Bruder wollte, dass du das hier hast“, sprach Kakyo schließlich und warf den Handschuh neben Zanthe hin. „Und er wollte, dass ich dich im Auge behalte. Aber ich werde dich nicht dazu zwingen, meine Anwesenheit zu dulden.“
      Mit einem Handschwenk ließ er ein schwarzes, ovales Portal neben sich erscheinen. „Ich muss nun meinen eigenen Kampf austragen. Unsere Wege werden sich allein schon deshalb erneut kreuzen. Bis dahin gib auf dich Acht, Zanthe Montinari.“
      Zanthe schwieg, als dieses Wesen schließlich durch das Portal schritt und mit einem Mal verschwunden war.

      Nun war er allein. Ganz allein. Er rieb sich über die Augen, schnappte sich den Duellhandschuh sowie die Karte, die ihn nun als Wächter auszeichnete, und erhob sich. Doch als er zu laufen begann, spürte er die Erschöpfung. Als wäre er unendlich schwach. Gerade noch so schaffte er es, sich zu einem nächstgelegenen Baum zu schleppen und sich an diesen anzulehnen.
      „Ugh!“ Er rutschte hinab und landete auf dem Hinterteil. „Scheiße …“
      Flüchten vor dieser ominösen Gefahr erschien ihm so sinnlos. Er war ein Werwolf, er würde damit fertig werden. Und wenn nicht … was auch immer.
      Zanthe legte beide Arme um seine Beine und zog diese an sich heran. Also würde er weiterleben, obwohl er nicht wollte. Was ihm blieb war sich zu verstecken, damit zumindest nie wieder jemand wegen ihm so leiden würde wie sein Bruder. Und doch hoffte er, dass er eines Tages wieder einen Grund finden würde, nach vorne zu schauen. Einen Hoffnungsschimmer.
      Was ihm in diesem Moment jedoch blieb, war nur eine Erkenntnis: Worte können ein Fluch sein, besonders, wenn sie von jemandem gesprochen wurden, den man liebt.


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Zanthe

      Constellar Leonis
      Constellar Kaus
      Constellar Virgo
      Constellar Zubeneschamali
      Constellar Rasalhague

      Constellar's Ultimate Magic – VRANO METRIA
      Zauber/Ausrüstung
      Rüste nur an ein "Constellar"-Xyz-Monster aus. Einmal pro Zug kannst du Ausrüstungszauberkarten von deinem Deck bis zu der Anzahl an Xyz-Materialien des ausgerüsteten Monsters an offene "Constellar"-Monster, die du kontrollierst, ausrüsten. Das ausgerüstete Monster fügt durchschlagenden Kampfschaden zu.

      Constellar Star Chart
      Stoic Challenge
      Overlay Regen
      Monster Reborn

      Draining Shield
      Collected Power

      Constellar Hyades
      Constellar Pleiades
      Constellar Ptolemy M7

      Alessandro

      Satellarknight Alsahm
      Satellarknight Altair x2
      Satellarknight Deneb
      Satellarknight Procyon
      Satellarknight Rigel
      Satellerknight Vega
      Rainbow Kuriboh

      Stellarnova Wave
      Stellarnova Alpha
      Wonder Xyz

      Stellarknight Delteros
      Stellarknight Triverr


      Das letzte Special folgt im April.