Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      Noch zur letzten Folge: Dann wird die Szene mit dem Sammler noch aufgeklärt.

      Was CLEAR angeht kann das mit den Bossen gut sein, nur dass ich mir bei ihrem ersten Auftreten noch nicht viel gemerkt habe. Dass du dir ihren Obersten noch aufsparst hat eine gewisse Logik. Wäre witzig, wenn er einen besonders ausgefallen Charakter hätte, also im Sinne von irrsinnig oder gar verspielt. Wobei das zu CLEAR nicht wirklich passen würde. Ob er so kontrovers wird, wie der Sammler selbst ist, kann ich mir noch nicht vorstellen, was aber nichts heißen muss.

      Dass du diese Jahr kaum etwas geschrieben hast, ist sicher kein Grund zur Freude, aber so wie ich dich verstehe mangelt es nicht an Ideen oder dem Willen, weiterzumachen. Das ist das wichtigste für mich. Außerdem scheinst du ja sehr gut vorgesorgt zu haben, wenn du fast die Hälfte des Jahres noch jeden Monat eine Folge zum veröffentlichen hattest. Dass du unzufrieden bist kann ich nachvollziehen. Aber ich wüsste auch nicht, wie man die Resonanz steigern könnte. Ich hab TLA diversen Freunden bereits empfohlen, aber ohne was zum Anbeißen sich zum Einsteigen zu entscheiden scheint wenig wahrscheinlich. Ich denke wenn sie es sich einfach mal ansehen würden, ständen die Chancen gut, dass sie dabei bleiben würden. Aber genau diese Hemmschwelle ist das Problem. Keine Ahnung wie man das lösen könnte.

      8 Jahre TLA... und die Anfangszeit deiner ersten FF hier liegt doch sogar noch deutlich länger zurück (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt), sodass es buchstäblich eine andere Zeit war. Damals waren noch so viele andere aktiv und es liefen noch mehrere FFs...selbst diese kurze gedankliche Rückschau ist Nostalgie pur. Hast du noch irgendwie Kontakt zu welchen von damals die jetzt länger nicht mehr hier waren? Mich würde es einfach freuen zu hören... irgendwie. Ich glaube den Gedanken, dass die Vergangenheit wirklich ohne einen Überrest vorbei sein könnte, und sei es nur teilweise, hab ich schon immer gehasst. Das ist vielleicht -auch- ein Grund gern Autor zu sein, oder? Lieb gewonnene Dinge zu verewigen und zu würdigen (so gesehen müsste ich unbedingt anfangen mal so richtig zu schreiben X/ ). Nach allem erinnere ich mich noch entfernt an die Namen mancher wichtiger User, und Kyon zu vergessen ist ja schon "technisch" unmöglich ^.^

      In dem Zusammenhang kann ich die Wertschätzung nur zurück geben. Ich bin froh das erlebt zu haben und jetzt die (mehr oder weniger direkte) Fortsetzung von all dem zu erleben, sprich TLA weiterlesen zu können. Es ist sehr weit damit gekommen.


      Zur Folge:

      Der wahre Feind bleibt ominös. Bin gespannt wie und ob er seinen Weg in konkretere Zusammenhänge findet.

      Die Undying haben eine Verbindung zum Sammler? Liegt wahrscheinlich in den Grundfesten des TLA Universums (ich wollte zunächst ganz einfach "Welt" schreiben, bis mir auffiel, wie falsch das ist)...oder vielleicht haben sie ja auch eine Schuld bei ihm...? Der Gedanke ist frappierend einfach und dennoch beunruhigend.

      Nicks Versuche mächtiger zu werden verlaufen also teilweise im Sande (hehe). Aber wohin wird das führen? Er will um jeden Preis mehr Macht und es ist im Prinzip nur die Frage -wie- er sie letztendlich bekommt und ob es seinen Zweck erfüllt. Und wie sehr er dabei pervertiert wird. Und was es gegen den Sammler letztendlich bringt. Mir sagt mein Gefühl das Macht zu konzentrieren ganz allein selten alle Probleme löst. So wie bei fast allem anderen auch. Die Undying zum Beispiel haben die ewige Ordnung, die ihre Existenz bedingt und rechtfertigt. Was hat Nick außer seinen blanken Willen zur Macht? Egal was auch geschieht, dieses Problem sehe ich ihn nicht lösen.

      Zum Duell: Matt steckt total in seiner innerliche Sackgasse, und Anya beweist, wie so oft wenn es kein zurück gibt, ihr gutes Herz, das in dem Klumpen steckt, über dessen Verderbtheit schon so mancher Witz gerissen wurde...und das sicher nicht zu Unrecht. Anyas Sinn für das Gute hat wirklich schon dialektische Ausmaße :D
      Der Exciton Ritter hat eine prominente Stellung grundsätzlich sicherlich verdient, so wie du sie ihm eingeräumt hast. Dass Anya die ganze Zeit noch ihre Pendelbeschwörung in der Hinterhand hatte habe ich mir sogar gedacht. Hab mich ständig irgendwie gefragt, wo die eigentlich bleibt. Und Thoras ist ja mal sowas von witzig. Genau wie auch in dem Special, in dem er eingeführt wurde :D
      Auch von wegen Kartentexte lesen. In der Situation Humor einzubauen ist gewagt, aber es gefällt absolut.

      Zu der Vorschau: jetzt kann sich endlich zeigen, ob meine Theorie zu Kali stimmt. Oh man, gleich noch jemand, der Rache an Anya will. Der Gedanke, dass die Vergangenheit auf diese Art nicht zur Ruhe kommt, ist im Vergleich zu Nostalgie weitaus weniger schön. Und das ist ja mal sowas von untertrieben.

      PS.: Ich feiere die explizite Erwähnung des Geruchs frischer Karten in TLA. Das kann man in seiner Wirkung bei aller Unscheinbarkeit gar nicht überschätzen :saint:


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mcto ()

      So, da wären wir nun.
      Heute feiert die 100. Folge ihren Start. Inzwischen sind acht Jahre vergangen, seit ich mit TLA angefangen habe.
      Und ich kann sagen: Ich habe sehr lange auf das, was sich in den nächsten Folgen auftut, warten müssen, genau wie ihr.

      Um aber nichts vorweg zu nehmen, sage ich einfach: Vielen Dank an alle Leser.

      @MelleMel
      Vielen Dank für deinen Post.
      Kyon ist, wie Levrier, ein Gründer aber dazu auch ein vollwertiger Immaterieller. Dennoch hat sein "Trick" einen hohen Preis. Indirekt hat das, was er gesagt hat, auch mit dem Vierer-Duell (und weiteren) zu tun. Aber eh das aufgelöst wird, dauert es leider noch eine ganze Weile.

      Ja, wenn sie gegen Stoltz in den Krieg ziehen, kann das ungeahnte Konsequenzen haben. Aber dazu müssen sie erstmal aus ihrer aktuellen Lage entkommen. :)

      An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass deine Anwesenheit mich ein wenig aus meinem Stimmungstief befreit hat. Also nochmal ein extra Danke!

      @Mcto
      Auch dir herzlichen Dank.

      Ich finde es sehr aufbauend, dass du dir auch Gedanken um meine Geschichte machst. Das motiviert natürlich, doch mal weiterzukommen und ich bin tatsächlich inzwischen wieder etwas weitergekommen. Noch nicht viel, aber es wird. :)

      Fanfics sind eine sehr spezielle Angelegenheit. Sie sind keine Animes, Mangas oder Bücher und Lesen ist ohnehin nicht jedermanns Sache. Dass du deine Freunde/Bekannten drauf ansprichst ist sehr nett, aber anscheinend ist es nicht ihr Ding.
      Kann ich verstehen, mir gehts auch nicht um die fehlende Resonanz von Fremden, sondern der Leute, von denen ich -weiß-, dass sie hier reinschauen.
      Sollten deine Leute (oder jeder andere) doch Interesse haben, aber vielleicht mit der angebotenen Form nicht zufrieden sein, kann ich von den alten Folgen auch gerne PDFs erstellen und diese hier reinsetzen.
      Aber wie gesagt, man kann niemanden zwingen und unabhängig davon, wer und wie viele jetzt hier ihren Senf dazu geben und sich mit mir austauschen, werde ich die Geschichte trotzdem zu einem Ende bringen.

      Um auf deine Frage zu antworten: Ich habe leider keinen Kontakt mehr zu den anderen, mit Ausnahme von meinem Betaleser Evil Bakura. Kyon habe ich vor circa 3 Jahren das letzte Mal gelesen, aber das ist dann irgendwie eingeschlafen – woran ich schuld bin, glaub ich.
      Trotzdem habe ich jedem von ihnen – wie schon in den alten Fanfics – eine Figur gewidmet. Wer weiß, vielleicht sehen sie es ja doch eines Tages.
      Damals war eine schöne Zeit. In der Hinsicht hast du schon Recht, mit dem Schreiben setze ich der Vergangenheit ein Denkmal. Es ist kein schöner Gedanke, dass manche Zeiten "vorbei" sind und manchmal erinnere ich mich zurück. Was damals alles so abging ...
      Aber ich schweife ab ...

      Ja, der Sammler und die Undying sind alte Bekannte.

      Was den Overmotz von CLEAR angeht, wird er anders sein als die anderen CLEAR-Bosse. Ich will nichts vorweg nehmen, aber erwarte keinen Sammler 2.0 oder eine Ulknudel.

      Dass du Nicks Streben nach Macht schwarz entgegen siehst, kann ich sehr gut verstehen. Es ist nicht so, dass er bei dem Ganzen kein Ziel hat. Er hat sogar ein sehr Großes. Aber die Herangehensweise wäre normalerweise zum Scheitern verurteilt.
      Andererseits sollte man sich bei Nick weniger Sorgen ums Scheitern, sondern viel mehr ums Gelingen machen ...

      Zu Anya kann man viel sagen. Sie hat ein gutes Herz, auch wenn es lange gebraucht hat, um zum Vorschein zu kommen. Sie hat schon gelernt, sich nicht permanent selbst im Weg zu stehen – aber man sollte nicht die Erwartung an sie stellen, dass sie ein Kaliber wie Abby oder Velvet wird. ^^
      Außerdem tut ein zu weit ausgeprägter Gerechtigkeitssinn auch nicht gut.

      Zum PS: gell? XD

      Nochmal vielen Dank.


      Viel Spaß mit:

      Turn 100 – Face To Face
      Kali wartete nun schon eine ganze Weile. Die Dunkelheit störte sie nicht, wie sie in einem Kellergewölbe an einen Pfeiler gelehnt stand und die Arme verschränkt hielt. Was sie störte war die junge Frau, die weiter voraus auf der Seite lag und -einfach- nicht aufwachen wollte.
      „Tch. Wie lange soll das noch dauern“, murrte die Dämonengöttin in schwarzer Kutte, die seither ihr Gesicht hinter einer weißen Porzellanmaske verbarg.
      Um sie und Anya herum war ein Quadrat mit weißer Kreide gezeichnet. Es endete etwa zwei Meter vor den Füßen des Dämonenjägers Matt, der an dem anderen Pfeiler im Raum angelehnt saß. Die Hände waren ihm auf den Rücken gebunden, sein Oberkörper mit einem einfachen Seil fixiert. Auch er ließ den Kopf hängen und döste scheinbar unbekümmert. Armer Kerl, sie hatte fast Mitleid mit ihm.

      Hatte sie es etwa übertrieben, fragte sich Kali. Wobei sie zugegeben lediglich für den Dornröschenschlaf der dämlichen Ziege verantwortlich war. Matt Summers war durch seinen enormen Kräfteverbrauch zusammengebrochen.
      „Ernsthaft. Wer hätte gedacht, dass er wieder einen Pakt mit einem Immateriellen eingeht? Wirklich bescheuert“, murmelte Kali vor sich hin. Es war überraschend zu sehen gewesen, dass er denselben Fehler wieder begangen hatte. Aber das ging sie im Grunde genommen nichts an.
      Seine einzige Aufgabe bestand darin zuzuhören. Dazu musste er jedoch auch aufwachen.
      Kali sah wieder zu Anya. Dieses Sprichwort, dass Unkraut nicht verging, traf auf sie wahrhaftig zu.
      „Wie kannst du immer noch leben?“, murmelte die Kuttenträgerin unzufrieden.

      Du hast -was- gemacht!?“
      „Das Flugzeug hochgejagt.“ Zachariah zuckte mit den Schultern. „Einfach so.“
      Unangenehm berührt rieb sich der blonde, groß gewachsene Mann den Hinterkopf. Er stand in demselben, weißen Mantel plus Basecap vor Kali, mit dem er auf dem Flughafen von Ephemeria City aufgekreuzt war.
      Beide standen sich im endlosen Weißen Raum von Gardenia gegenüber. Jede golden umrandete Kachel, ob von der Decke oder am Boden, glich all den anderen. Ein Raum, in dem die Zeit anders verlief als in der Außenwelt. Wer hier nur eine Stunde verbrachte, verpasste dort draußen mehr als einen ganzen Tag. Kali begriff bis heute nicht, wie ihre Lehrmeisterin diesen Ort geschaffen hatte.
      Und noch viel weniger begriff sie, wie Anya Bauer von hier hatte entkommen können … und wie dieser Vollidiot Zachariah ein ganzes Flugzeug in die Luft jagen konnte.
      „Bist du dir im Klaren darüber was du angestellt hast!?“, fauchte Kali jenen voller Schrecken an. „Da waren Unschuldige in dem Flugzeug. D-die sind alle tot!“
      „Ich hab's für dich getan, schätz' ich“, murmelte Zach und sah betreten zur Seite, „irgendeiner musste ja mal 'nen Schlussstrich ziehen.“
      „Aber doch nicht so! An deinen Händen klebt Blut!“
      „Und an deinen nicht, wenn du sie umbringst?“, konterte er halbherzig.
      „Das ist etwas anderes!“ Kali wich von ihm zurück. „Zach … du bist zu einem Mörder geworden. W-wieso!? Das ist alles meine Schuld!“
      Der ältere Bruder von Anya Bauer sah sie gleichgültig an. „Damit kann ich leben, wenn diese verdammte Pest endlich das Zeitliche gesegnet hat. Weder du, ich, ja selbst Lady Gardenia konnten sie mit herkömmlichen Mitteln aufhalten.“
      „Ist dir das alles egal!? Die werden dich dafür einbuchten!“, fauchte Kali weiter aufgebracht. „Ich wollte nicht, dass so etwas geschieht!“
      „Dann hättest du besser darauf achten sollen, was du dir wünscht.“
      Mit diesen Worten drehte Zachariah sich um und verschwand einfach. Und Kali stieß kurz darauf einen verzweifelten Wutschrei aus.

      Als sie merkte, wie fest sie ihre rechte Faust ballte, schreckte die Frau auf. Das Gespräch lag bereits einige Tage zurück und dennoch war sie immer noch erschrocken von Zachariahs Skrupellosigkeit. So etwas hätte sie ihm nie zugetraut. Und doch zeigten sich darin die Verbindungen zu Nick Harper alias Eli Bauer. Jemand, vor dem sie sich besonders in Acht nehmen musste. Aber Gardenia hatte ihr versichert, dass er im Moment mit anderen Dingen beschäftigt war.
      Einen Tag. Mehr würde sie nicht brauchen. Danach würde alles in Ordnung kommen.

      „Ugh!“ Anya rollte sich auf den Rücken und fasste sich an den Hinterkopf. „Was zum Geier …“
      Langsam hob sie ihren Oberkörper an und blinzelte. Gerade mal eine Lampe sorgte für ein wenig Licht, sodass ihre Augen sich erst an die dunkle Umgebung gewöhnen mussten.
      „Endlich wach?“, wurde sie da schon von Kali angefahren. „Wurde auch Zeit!“
      Sofort waren all ihre Sinne geschärft. Anya sprang auf und sah sich auf ein paar Metern dem Miststück entgegen, das seelenruhig an einen Pfeiler lehnte.
      „Du warst das! Hmpf! Hätte ich mir denken können.“ Anya rieb sich die schmerzende Stelle an ihrem Kopf noch einmal. „Na, ist das Racheplan #129? Was steht diesmal auf dem Programm?“
      „Das Übliche.“ Demonstrativ hob Kali ihren Arm, an dem die inaktive, eingefahrene V-Duel Disk hing, die Isfanel einst im Turm von Neo Babylon getragen hatte.

      Anya aber beschäftigte längst etwas anderes. Wo war Summers?
      Sie drehte sich um und entdeckte ihn an dem anderen Pfeiler gelehnt sitzen. Gefesselt und bewusstlos. „Shit …“
      Sie wollte zu ihm, doch stieß mitten im Laufen gegen eine unsichtbare Barriere.
      „Das wird nichts. Nur damit du es weißt, wir stecken in einer Domäne, in der Ätherbewegungen stark verlangsamt sind.“ Kali stieß sich ab. „In diesem kleinen Käfig funktionieren keine Zaubertricks wie deine Artefakte. Oder was auch immer du inzwischen sonst noch so drauf hast.“
      „Levrier?“, wirbelte Anya sich zu ihr um.

      Ich bin hier. Aber ich sehe nichts. Anscheinend wirkt sich dieses Feld auch auf mich aus.

      „Immerhin. Dieser Levrier-muss-ins-Gefängnis-und-darf-nicht-über-Los-Trick wird auf Dauer auch etwas langweilig.“ Die Blonde zuckte mit den Schultern. „Also, Kali, war das hier geplant?“
      „Vorbereitet. Dass ihr beide euch bekriegt kam unerwartet, aber gelegen.“
      „Wo ist der Flohpelz?“, wollte Anya mit düsterer Stimmlage wissen.
      Kali lachte. „Spielt draußen irgendwo. Vielleicht mit Zach, vielleicht ohne ihn, wer weiß. Er ist nicht eingeladen und wird uns bestimmt nicht finden, soviel kann ich dir versichern.“
      „Und verrätst du wenigstens, -wo- wir hier sind?“
      „Nein.“
      Anya zog die Stirn kraus. Schade, vielleicht wäre diese Info ja bei -irgendwem- angekommen. Andererseits wusste Kali, mit wem ihr Objekt der rachlustigen Begierde hausierte, entsprechend hatte sie sicher auch Vorkehrungen getroffen, um unliebsame Zuschauer abzuwehren. Wobei es vermutlich eher Gardenia war, die dafür sorgte, denn Kali war eigentlich nur eins: lahm.
      „Wo ist Mutti?“, fragte Anya gallig. „Guckt sie auch zu?“
      „Wenn du Lady Gardenia meinst, nein, sie hat andere Dinge, um die sie sich kümmern muss. Aber genug mit dem Gerede“, raunte Kali zornig und aktivierte ihre Duel Disk, „Duell!“
      „Ja, was auch immer“, zischte Anya abweisend, sah über ihre Schulter und tat es ihr schließlich gleich.

      [Anya: 4000LP / Kali: 4000LP]

      Matt war noch immer bewusstlos. Hoffentlich wachte dieser Trottel bald auf, denn so ungern sie es auch zugab, brauchte sie seine Hilfe. Und die seines Immateriellen. Zumal es verdächtig war, dass Kali Summers bewusst außerhalb des Käfigs platziert hatte. Hieß das, dass es auch keine Möglichkeit gab, in ihn einzudringen? Ähnlich des Weißen Raums?

      „Schluss mit den Tagträumen. Oder willst du gleich aufgeben?“, triezte ihre Erzfeindin sie bitterböse und nahm eine Karte aus ihrem Startblatt. „Ich beginne!“
      Sofort legte sie das Monster auf einen der Flügel ihrer roten V-Duel Disk. „Erscheine, [Celestial Gear – Synthetic Albatross]!“
      In dem Moment geschah etwas, mit dem Anya nicht gerechnet hatte. Der Käfig weitete sich in alle Himmelsrichtungen aus, die Decke schoss meterweit nach oben. Fast so, als wäre der Raum gewachsen – oder sie geschrumpft. Es ergab Sinn, als sie die Lichtpunkte über Kali sah, zwischen denen sich Linien bildeten, die wiederum den Mechavogel mit dem langen, hakenartigen Schnabel zeichneten. Diese Schrotthaufen waren einfach zu groß, um damit ein Duell in einem so engen Umfeld auszutragen. Durch eine rötliche Barriere konnte man teilweise die Zahnräder und Spulen im Inneren des Vogels sehen.

      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]

      „Eine Karte verdeckt, Zug beendet“, zischte Kali gallig und ließ die Falle zu ihren Füßen erscheinen.

      Anya zog eine Karte auf und zeigte sich ebenfalls von ihrer schlechtesten Seite. „Wieder dieser alte Kram? Fällt dir nichts Neues ein?“
      Ihre Widersacherin verschränkte schweigend die Arme. Hinter ihrer Maske musste sie sich so sicher fühlen, dachte die Blonde zornig. Die blöde Schnepfe sollte bloß nicht so überheblich sein, das hat ihr letztes Mal schon beinahe wortwörtlich das Genick gebrochen.
      Trotzdem wusste Anya auch, dass sie die Celestial Gears auf keinen Fall unterschätzen durfte. Sei es, weil sie via Rückbeschwörung stärker als zuvor wiederkehren konnten oder weil sie sämtliche Beschwörungsarten abdeckten. Alle bis auf eine …
      Grinsend nahm das Mädchen zwei ihrer Handkarten aus dem Blatt. „Ich aktiviere [Gem-Knight Tiger's Eye] mit dem Pendelbereich 2 und [Gem-Tiger] mit dem Pendelbereich 8! Pendulum Scales set!“
      Links und rechts neben dem Mädchen schossen zwei hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden. In einer befand sich ein Ritter in schwarz-gelb-gestreifter Rüstung, welcher eine Peitsche schwang und dessen dreieckiger Helm Ähnlichkeit mit einem Tigerkopf hatte. Auf der anderen Seite stieg ein ebensolches Tier von weißer Farbe empor, dessen Rückgrat mit Diamanten besetzt war.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>

      „Heh“, grinste Anya finster, „mal sehen, was du dazu sagst! Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihr öffnete sich das bunte Pendelportal, wie jeher umgeben von unzähligen Lichtellipsen. „Von meiner Hand die Gem-Knights Garnet, Tourmaline, Sapphire und Crystal! Pendulum Summon!“
      Nacheinander schossen vier rote Lichtstrahlen aus dem Boden und schlugen vor ihr ein. Es erhoben sich ein Ritter in bronzener Rüstung, der mit Flammen spielte, ein goldener, der elektrische Ladungen zwischen seinen Händen austauschte, ein hellblauer in Hocke, der vor sich eine Eisbarriere erschuf sowie nicht zuletzt ein weißer Held, der seine Hände in die Hüften stemmte. An seinen Schultern befanden sich die namensgebenden Kristalle.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]
      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]
      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Kali schnalzte mit der Zunge. „Die Basisritter, alle auf einem Haufen. Nett … beinahe.“
      „Mehr als genug, um dich mit einem One Turn-Kill umhauen“, konterte Anya grimmig, „und denk erst gar nicht dran, der Effekt deines Albatross' könne dich schützen. Ich weiß, dass du keinen Kampfschaden erleidest, wenn ein Monster mit ihm kämpft.“
      Aber das war kein Problem, selbst damit würde sie sich nicht verteidigen können. Ohne verbliebene Handkarten streckte Anya den Arm aus. „Los Tourmaline, Zeit für eine schockierende Wendung!“
      Der goldene Ritter streckte seine Hände weit auseinander und ließ einen Bogen aus Blitzen zwischen ihnen erscheinen, welchen er dann wieder zusammenpresste und in Form einer ganzen Salve aus Blitzkugeln auf den Mechavogel schleuderte. Jener wurde getroffen und explodierte lautstark über Kali. Trümmer fielen hinab, wobei jene sich kurz über ihr zu einer einzelnen Karte zusammenzogen, die sich die Maskierte schnappte. „Teh. Du kennst das inzwischen. Celestial Gears kehren einmalig in mein Blatt zurück, wenn sie zerstört werden.“
      „Als ob dir das jetzt noch irgendwie hilft!“, keifte Anya und schwang den ausgestreckten Arm aus. Das hier war schneller vorbei als es angefangen hatte. „Vereint eure Kräfte, Garnet und Crystal! Clear Burning Punishment!“
      Crystal schlug seine Faust in den Boden, wodurch sich eine Schneise bildete. In jene spie der Granatritter mit seinen Händen eine dünne Flamme. Der Spalt brach flammend auf und zischte auf Kali zu, wobei immer mehr spitze, kristallene Dornen aus ihm schossen.
      „Als ob! Falle, [Scrap Gear]!“ Die purpurn umrandete Karte mit einem Unendlichkeitssymbol in der rechten, oberen Ecke fuhr vor ihr hoch. Das darauf abgebildete, halb verrostete und stark beschädigte Zahnrad schoss aus der Karte und bildete eine unüberwindbare Mauer vor der Kuttenträgerin, welche den kombinierten Angriff mühelos abfing.
      Anya reckte den Kopf zur Seite. „Tch! Wäre ja auch zu schön gewesen.“
      „Denk nicht, dass du nochmal so leichtes Spiel mit mir haben wirst! [Scrap Gear] schützt mich vor sämtlichen Schäden, die du mir zufügen willst, solange ich ein bereits zerstörtes Celestial Gear auf meiner Hand halte“, demonstrativ und böse kichernd zeigte Kali die Karte ihres [Celestial Gear – Synthetic Albatross] vor. „Allerdings wird die Falle nach drei Runden automatisch zerstört.“
      „Was auch immer. Zug beendet“, schnarrte Anya verstimmt.

      „Urgh. Uh.“
      Anya wirbelte erstaunt um, als sie das Stöhnen hinter sich vernahm. Dabei spürte sie ein Ziehen an ihrem Bein, was sie jedoch in dem Moment ignorierte. Der festgebundene Dämonenjäger regte sich, hob langsam den Kopf an und öffnete die Augen. „Au. Huh?“
      „Summers!“, rief Anya seinen Nachnamen und sah auf. „Na endlich!“
      „W-was ist …?“ Er sah an sich herab und stieß einen Schrei aus. „Ah! Verdammt! Wieso bin ich festgebunden!?“
      „Guten Morgen, Dornröschen“, ätzte seine Freundin mürrisch.
      „Sag' nicht! Du traust mir nicht?“ Der Schwarzhaarige sah sie verständnislos an. „Du denkst wohl, ich bin immer noch-!“
      Zu seinem Erstaunen schüttelte Anya den Kopf. „Das war nicht ich, Schwachkopf. Die da hat dich festgebunden!“
      Sein Blick folgte dem ausgestreckten Finger und landete bei der maskierten Kuttenträgerin, die schweigend auf der anderen Seite des unsichtbaren Käfigs stand. Erst jetzt fiel Matt auf, dass Anyas rechter Fuß angekettet war. „Moment! Ist das Kali!?“
      „Bingo! Würdest du dich jetzt gefälligst befreien? Mit deinem Immateriellen sollte das doch kein Problem sein, oder?“ Aber als das Mädchen seinen irritierten Blick bemerkte, sah es an sich hinab – von ihrem Fuß hing eine Eisenkette hinab, die im Boden verschwand. Sie wandte sich wenig beeindruckt an Kali. „Ernsthaft? Ist das noch so'n Trick?“
      Die nickte. „Du wirst nicht nochmal abhauen.“
      Anya schüttelte den Kopf, sah über die Schulter. „Sicher, was auch immer. Summers, hör auf zu trödeln!“
      „Hör auf, mich herumzukommandieren …“ Trotzdem begann der sofort damit, sich hin und her zu bewegen, als wolle er die Seile einfach absprengen.
      „Das würde ich an deiner Stelle erstmal lassen“, fuhr die selbsternannte Dämonengöttin dazwischen. „Nicht, dass es etwas ändert, wenn du dich befreien würdest. Aber ich möchte, dass du hier bleibst.“
      Anya wirbelte zu ihrer geschworenen Feindin um. „Er hat damit nichts zu tun!“
      „Und ob er das hat.“
      „Ich verstehe nicht“, murmelte Matt zögerlich und ließ von seinem Versuch, die Fesseln zu lösen, wieder ab. „Wir sind uns noch nie persönlich begegnet, Kali.“

      Die zog es vor, gar nichts mehr zu sagen, sondern lediglich geheimnisvoll zu zischen. Der Dämonenjäger überlegte, ob er nicht doch versuchen sollte, sich loszureißen. Doch er spürte etwas, eine zweite Barriere die diesen Ort umgab. Sie war mächtig genug um als Bannkreis durchzugehen. Zweifellos wollte Kali mit aller Macht verhindern, dass Anya von hier entkam – oder jemand anderes in ihre Domäne eindrang.
      Aber was hatte er dann hier verloren?

      Na na, wer denkt denn ans Weglaufen? Sei doch froh, dass du hierfür keinen Eintritt zahlen musst!

      Matt verzog seine Augen zu Schlitzen, als er Thoras' Stimme in seinem Kopf vernahm. „Das ist kein Spiel! Die wollen sich umbringen!“

      Ja! Lustig! Wieso filmst du sie nicht dabei? Bestimmt sind sie darin besser als -du-!

      „Halt die Klappe!“, raunte der junge Mann sauer. „Wegen dir sind wir erst in diese Lage geraten! Hättest du mich nicht warnen können, dass jemand wie Kali in der Nähe ist?“

      Wie hätte ich das machen sollen? Die Kleine hat euch aus einer anderen Dimension heraus beobachtet und ist erst aus ihrer Höhle gekrochen, als du schon KO gegangen bist. Schon vergessen? Du bist der Loser von uns beiden, nicht ich!

      Anya beobachtete, wie sich Matt mit seinem Immateriellen stritt. Witzig, das mal aus den Augen eines Unbeteiligten zu sehen. Und es bestätigte sie darin, dass diese Wesen insgeheim die 11. Plage für die Menschheit waren.
      „Ich bin hier“, erinnerte sie Kali fordernd an diese unliebsame Tatsache.
      „Yeah, klar.“ Ihr auserkorenes Opfer drehte sich wieder zu ihr um. „Wird dir das nicht langsam langweilig? Immer wieder dieselbe Masche? Was machst du, wenn ich wieder entkomme? Entführst du dann Zanthe, um mich wieder in eine Falle zu locken?“
      Hoffentlich war der inzwischen mit ihrem dämlichen Bruder fertig! Aber nutzlos wie er war, jagte er wahrscheinlich längst irgendwelchen Kerlen nach, während sie hier mal wieder die Drecksarbeit erledigen musste.
      „Zach sollte inzwischen kurzen Prozess mit deinem Kumpel gemacht haben. Ich kann nicht riskieren, dass einer wie er sich hier einmischt.“
      Aber Summers ließ sie praktisch unbewacht und im vollen Besitz seiner Kräfte rumsitzen? Was stimme denn mit der nicht, fragte Anya sich und hoffte dabei, dass der Werwolf nicht so blöd war, sich von ihrem Bruder an der Nase herumführen zu lassen.
      „Ich bin sogar aus eurem Weißen Raum entkommen. I-“
      In dem Moment fuhr ein stechender Schmerz durch Anyas ganzen Körper. Aber er war nicht wie der, der sie regelmäßig heimsuchte. Das war ein Stromstoß gewesen! „Argh!“
      „Und wir haben daraus gelernt. Jetzt hör' auf, Zeit zu schinden, sonst kriegst du gleich noch eine Ladung“, zischte Kali böse. In der Hand hielt sie eine Fernbedienung, mit der sie scheinbar die Fessel kontrollieren konnte.

      „Wie billig“, murmelte Anya, als Kali nach ihrem Deck griff und schwungvoll zog. „Mich kriegst du nicht klein, egal was du dir einfallen lässt!“
      „Das mit den Stromstößen war Zachs Idee.“ Kali zeigte eine Karte vor. „Ich aktiviere [Destructo Gear]! Sie verbannt eine andere Zauberkarte von meinem Deck.“
      Anya schreckte zusammen. Das war diese blöde Kombo! Dieses Miststück entfernte damit [Banished Power Gear] aus dem Spiel, um ihre Monster im Kampf zu stärken. Verbannte Zauber- und Fallenkarten waren nahezu unantastbar, weshalb es im Nachhinein keine Möglichkeit gab, etwas dagegen zu unternehmen. „Shit!“
      „Ich verbanne [Synthesis Gear]!“
      „Huh!?“
      Aus Kalis Deck stieg das holografische Bild einer grün umrandeten Karte auf, die auf dunklen Hintergrund vier auf den Betrachter zufliegende Zahnräder abbildete, die in weißer, schwarzer, violetter und blauer Aura aufleuchteten. Dann zersetzte der Zauber sich vor Anyas Augen.

      Derweil grummelte Matt vor sich hin. „Was machen wir jetzt? Scheint nicht so, als ob wir die Barriere ohne Weiteres durchbrechen können.“

      Wegrennen wäre eine Alternative. Ich kann den Bannkreis bestimmt knacken. Aber willst du ernsthaft die Show des Jahrhunderts verpassen?

      „Ich kann Anya nicht alleine lassen. Nicht, solange wir uns nicht ausgesprochen haben.“ Aber helfen konnte er ihr momentan auch nicht, überlegte Matt. Vielleicht sollte er vorerst das tun, was Kali gesagt hatte und einfach zusehen? Nicht, dass die Anya am Ende mit weiteren Ladungen folterte, weil er nicht gehorchte – auch wenn ein Teil von ihm das durchaus hinnehmen würde.
      „Verdammt! Was habe ich damit zu tun …“

      „Ich aktiviere den Effekt von [Synthesis Gear]!“, rief Kali indes aus und streckte die Hand nach vorne aus. „Einmal pro Zug kann ich eine der vier Sonderbeschwörungen durchführen, indem ich genau zwei dazu passende Monster von meiner Hand verbanne!“
      Kali zog ebenjene aus ihrem Blatt und zeigte sie vor. „Ich stimme meine Stufe 4-[Celestial Gear – Synthetic Owl] auf meinen Stufe 4-[Celestial Gear – Synthetic Woodpecker] ein!“
      Anya keuchte erstaunt, als statt der Monster nur ein grüner Synchroring über Kali auftauchte. Einer, der an seinen Rändern gezackt wie ein Zahnrad war.
      „Emerald wings cover innocent souls! Beware the beauty of the dancer! Synchro Summon!“ Nacheinander schossen acht grüne Lichtkugeln durch den Ring und verschmolzen zu einem grellen Blitz, der Anya blendete. „Soar, [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow]!“
      Mit schrillem Geschrei flog jene aus dem Ring und sendete dabei eine grüne Sichel aus, die alle Monster von Anya auf einmal traf. Während die stehenden Ritter in die Knie sanken, zerbarst Sapphires Eisbarriere und er erhob sich.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]
      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]
      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Das Mädchen blinzelte verdutzt. Der elegante, verhältnismäßig kleine Mechavogel landete vor Kali und legte die Schwingen an.
      „Wird Swallow als Synchrobeschwörung gerufen, ändert sie die Position all deiner Monster. Und du kannst sie auch nicht mehr zurückwechseln“, erklärte die.
      In dem Moment bemerkte auch Anya, dass die Gelenke ihrer Monster von kleinen, grünen Blitzen umgeben waren. Ihr Augenmerk legte sich wieder auf die Schwalbe. Jene war irgendwie anders als die anderen Schrotthaufen, die Kali in der Vergangenheit eingesetzt hatte. Die metallische Oberfläche war weiß gestrichen, die Schwingen mit grünen Streifen versehen und es gab nirgendwo einen Punkt, von dem man ins Innere hineinsehen konnte.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow [ATK/2500 DEF/2000 (8)]

      Sei vorsichtig, Anya Bauer. Auf den ersten Blick scheint sie dieselbe Strategie wie sonst zu benutzen, doch etwas stört mich.

      „Also hast du es auch bemerkt, huh?“ Anya schloss die Augen und grinste, als sie Levriers Stimme vernommen hatte. „Was auch immer. Wir werden noch früh genug dahinterkommen.“

      Unglücklicherweise verfügt deine neue Duel Disk über keinen Bildschirm, mit dem du ihre Karten prüfen könntest, nur über ein digitales Interface. Und ich bezweifle, dass sie Informationen zu ihren Karten abrufen kann.

      Anya versuchte es umgehend, indem sie auf eine Taste an dem Apparat tippte und eine holografische Version des Spielplans aufrief, aber tatsächlich war Kalis Seite komplett leer. „Ich hoffe, du bist zufrieden damit, mal wieder Recht zu haben. Wie ich sagte: Was sie da plant sehen wir noch früh genug.“
      „Sag mir nicht, dass euch -das- schon nervös macht“, stichelte Kali und streckte den Arm aus. „Los, Swallow! Greife [Gem-Knight Sapphire] an! Celestial Slicer Dance!“
      Prompt hob die Mechaschwalbe vom Boden ab und begannen, sich in der Luft wie eine Tänzerin um die eigene Achse zu drehen. Dabei lösten sich zahlreiche, grüne Lichtsicheln von ihren Flügeln, die nacheinander auf den Eisritter zuschossen und ihn zielgenau zerteilten. Anya duckte sich unter den Klingen hinweg und wähnte sich bereits sicher, als ein mehrere Sekunden anhaltender Stromschlag sie kalt erwischte. „Ah!“

      [Anya: 4000LP → 1500LP / Kali: 4000LP]

      „Urgh!“ Anya kippte vorne über und konnte sich gerade so mit den Händen vom Boden abstützen.
      Ihr ganzer Körper fühlte sich taub an. „Shit …“
      „Vielleicht war die Idee mit den Stromschlägen doch nicht so dumm“, überlegte Kali laut und lachte auf, „hah, warum bin ich nicht auf sowas gekommen? Lass dir nicht zu viel Zeit mit dem Aufstehen, sonst muss ich 'nachhelfen'. Zug beendet!“

      „Mir geht’s blendend“, knurrte Anya grimmig. Keuchend stieß sie sich ab und kam schwankend auf die angeketteten Füße. Ja, sie erinnerte sich noch gut daran, wie sehr Kali es genossen hatte, sie im Ephemeria Bridge Stadion auf den Knien zu sehen. Aber den Gefallen würde sie ihr nicht noch einmal tun! „Ich bin dran, Draw!“
      Schwungvoll riss sie eine Karte von ihrem Deck und betrachtete sie aus den Augenwinkeln.
      „Tja, du hast eine Kleinigkeit übersehen. Vielleicht kann ich meine Monster nicht mehr in den Angriffsmodus bringen, aber sehr wohl für eine Beschwörung verwenden!“ Anya streckte den Arm aus. „Ich errichte das Overlay Network!“
      Vor ihr öffnete sich ein Schwarzes Loch. „Aus meinem Stufe 4-Garnet und meinem Stufe 4-Tourmaline wird ein Rang 4-Monster!“
      Besagte Ritter verwandelten sich in zwei hellbraune Lichtstrahlen, die in den Wirbel gezogen wurden. „Xyz Summon! Du bist dran, Levrier! Erscheine, [Gem-Knight Pearl]!“
      Elegant stieg der weiße Ritter aus dem Sog empor, nicht nur von zwei um ihn kreisenden Lichtkugeln, sondern auch sieben riesigen Perlen umgeben. Levrier öffnete seine blauen Augen und funkelte Kali berechnend an.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      „Du …“ Die Maskierte schien in jenem Moment ebenso intensiv zurück zu starren.
      Von all dem bekam Anya allerdings nichts mit. Sie streckte den Arm kämpferisch aus. „Bist du bereit? Wehe wenn nicht! Los, zermalme ihren Vogel! Blessed Spheres of Purity!“

      Wieso rufst du mich eigentlich nur aufs Feld, wenn wir gegen Gegner kämpfen, die mir gefährlich werden können? Du bist herzlos, Anya Bauer.

      Die kümmerte das überhaupt nicht. „Hör auf zu jammern und mach endlich!“

      Fein, fein. Hah!

      Mit einem Stoß seiner Hand steuerte Levrier seine sieben Perlen und feuerte sie wie Geschosse auf den über Kali fliegenden Vogel ab. Nacheinander prallten sie auf das Metall, das nach dem sechsten Treffer schließlich nachgab. Die Schwalbe explodierte. Und als die letzte Perle direkt auf Kali zusteuerte, baute sich vor der wieder das abgewrackte Riesenzahnrad auf und wehrte sie sowie umherfliegende Trümmerteile ab.
      „Kein Kampfschaden, schon vergessen?“ Kali schnalzte mit der Zunge. „Außerdem nutze ich den Effekt von [Synthesis Gear] und verbanne Swallow.“
      Die am Boden verstreuten Überreste des Mechavogels lösten sich einfach auf.
      „Huh!?“ Damit hatte Anya nicht gerechnet. Wollte Kali diese Biester denn nicht wiederverwenden?

      Anscheinend nutzt sie eine andere Strategie als sonst. Ich frage mich, was sie vor hat.

      „Weiß nicht, interessiert mich auch nicht. Noch nicht. Zug beendet!“
      Damit war der zweite Zug nach der Aktivierung von [Scrap Gear] vorbei. Noch einmal und sie konnte wieder Schaden zufügen! Anya leckte sich die Lippen beim bloßen Gedanken daran.
      Und in dem Moment spürte sie diese unterschwellige Ekstase, den Nervenkitzel, den sie nur bei besonders gefährlichen Kämpfen verspürte. Dieses Mal war es allerdings anders. Lag es an Kali? Es kam ihr fast so vor, als wären die beiden dazu bestimmt, erbitterte Feinde zu sein.
      In gewisser Hinsicht … hatte sie dieser Begegnung entgegen gesehen. Und sich darauf gefreut. Nicht nur, weil sie Antworten wollte. Es machte ihr … Spaß.
      „Tch, das ist doch bescheuert“, murmelte sie leise bei dem Gedanken.

      „Hm!“ Kali beobachtete das grübelnde Mädchen einen Moment, ehe sie aufzog. „Ist es. Alles hier ist 'bescheuert'. Wir sollten gar nicht hier sein …“
      „Und trotzdem sind wir es“, erwiderte Anya und sah auf.
      „Hmpf!“ Die Kuttenträgerin nahm zwei Monsterkarten aus ihrer Hand. „Effekt von [Gear Synthesis] aktivieren. Ich verbanne [Celestial Gear – Synthetic Sparrow] und [Celestial Gear – Synthetic Stork] von meiner Hand und errichte das Overlay Network!“
      Über dem Mädchen öffnete sich ein aufrecht stehendes Schwarzes Loch. „Aus meinen beiden Stufe 4-Zahnrädern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon!“
      Auch dieses Mal lief die Beschwörung nicht wie sonst ab. Es wurden keine Lichtstrahlen in den Sog gezogen. Stattdessen spie er den schwarzen Mechavogel direkt aus. „Steige empor, [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]!“
      Der schwarze Kauz machte seinem Namen alle Ehre. Klein, aber gut gepanzert – um seine Augen zog sich ein grüner Streifen, gleich einer Augenbinde. Wie ein Jäger zog er um Anya seine Kreise.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0]

      Keine Overlay Units?

      „Anscheinend braucht der keine“, mutmaßte Anya grimmig.
      „Blitzmerkerin“, kommentierte Kali gallig, „mir geht es um die Xyz-Beschwörung an sich! Denn Strix kann dadurch eines deiner Monster mit einer Stufe zerstören. Celestial Shade Hunting!“
      Die Blonde verengte die Augen zu Schlitzen, als der Stahlvogel hinter ihr zum Sturzflug ansetzte. Dabei flimmerte er schwarz auf wie ein Schatten, krachte in den knienden [Gem-Knight Crystal], welcher sofort zersprang und löste dabei verzögert eine Schockwelle aus.
      Anya nahm das ganze mit einem genervten Stöhnen hin. Da sie seine Position nicht hatte wechseln können, wäre er bestenfalls noch für andere Beschwörungen zu gebrauchen gewesen. Aber solange sie noch nicht genug Stufe 4-Monster im Friedhof aufbewahrte, würde sie [Angel Wing Dragon] eh nicht beschwören.
      „Damit nicht genug. Die Stufe deines Monsters ist ausschlaggebend für den zweiten Teil des Effekts. Sieben! Das heißt, du kannst ab jetzt sieben Züge lang keine Monster der Stufe 7 oder höher als Spezialbeschwörung rufen.“ Kali lachte finster. „Damit sind fast all deine Fusionen und all deine Synchromonster vorübergehend versiegelt.“
      „W-was!?“ Sieben metallische Federn flogen mit der Schockwelle auf Anyas Duel Disk zu und durchbohrten sie. „Shit!“

      Das ist schlecht! Sieben Züge sind eine lange Zeit. Manche Duelle enden lange vor einer solchen Frist.

      „Pah, als ob ich das nicht wüsste!“
      „Fang doch an zu heulen“, giftete Kali, die nur noch ihren bisher ungenutzten, wiedergekehrten [Celestial Gear – Synthetic Albatross] auf der Hand hielt. „Ich bin erstmal durch!“
      Eine der Federn löste sich auf, sodass sechs in Anyas Duel Disk stecken blieben

      „Du spinnst wohl“, keifte die zurück und riss eine Karte von ihrem Deck. „Mit einem Handicap macht das Ganze erst recht-“
      Spaß … nein, sie war hier nicht zum Vergnügen! Dieses Drecksweib wollte ihr ans Leder, daran war nichts Unterhaltsames. Was war sie bloß, überlegte Anya verunsichert. Ein Adrenalinjunkie?
      „Tch! Eine Verdeckte!“, bellte sie wie ein tollwütiger Hund und schob die Karte in ihre Duel Disk.
      Zischend materialisierte sich die Karte zu ihren Füßen.
      „Mach den Vogel alle, Levrier!“ Anya steckte die Hand aus. „Blessed Spheres of Purity!“
      Ihr treuer Begleiter tat es ihr gleich und befahl seinen sieben Riesenperlen, sich den Mechakauz vorzunehmen. Nacheinander schossen sie auf jenen zu, zerschmetterten erst die Flügel und fegten dann seinen Kopf vom Körper. Drei der Edelsteine schossen gleichzeitig auf Kali zu, vor der sich abermals das kaputte Zahnrad manifestierte.
      Unter dem lauten Knallen der abprallenden Geschosse sagte Kali: „Kein Kampfschaden. Außerdem verbannt [Synthesis Gear] Strix auf meinen Wunsch hin.“
      Wie schon bei der Schwalbe, lösten sich die Überreste des Vogels einfach auf.

      Das war der letzte Zug, in dem sie sich verteidigen konnte.

      „Yeah. Noch mal kommst du damit nicht durch. Zug beendet!“ Anya zog die Stirn kraus.
      Daraufhin zersprang die aufrecht stehende Fallenkarte von Kali endlich, nachdem nun drei Runden vergangen waren. Analog dazu löste sich eine weitere der in Anyas Duel Disk steckenden Federn auf, womit fünf verblieben.
      Nachdenklich blickte die Blonde über die Schulter und durfte zu ihrer vollsten Unzufriedenheit feststellen, dass Summers noch immer wie ein Idiot da saß und genau das machte, was Kali ihm gesagt hatte: Sitzen und zusehen. „Kch …“
      Wenn er wenigstens mal auf die Idee kommen würde, seine eigene Haut zu retten. Irgendeinen Grund musste es doch haben, warum Kali ihn hier haben wollte.

      Matt seinerseits verfolgte die Auseinandersetzung tatsächlich gespannt. „Was hat sie bloß vor?“

      Irgendetwas Großes, was sonst? Oh süße, süße Rachlust. Die Welt wäre so ein langweiliger Ort ohne dich!

      Die Nervensäge in seinem Kopf hatte Recht. Es kam Matt merkwürdig vor, dass Kali Monster beschwor, die Anya mühelos besiegen konnte. Und das, wo sie vermutlich viel härtere Brocken als Alternative rufen könnte.
      Er sah sich nebenbei ein wenig in dem Keller, oder was auch immer das hier war, genauer um. Hinter ihm befand sich ein Sicherungskasten, aber das war's dann auch schon. Warum hatte Kali sie um alles in der Welt ausgerechnet hierher gebracht und nicht etwa in den Weißen Raum von Gardenia? War es die Angst, dass Anya diesen wieder überwinden konnte? Diese Barrieren waren jedenfalls nicht ansatzweise so absolut wie die Domäne der Weißen Hexe.
      Etwas anderes musste hinter all dem stecken …

      „Draw“, kündigte die Maskierte ihren Zug seelenruhig an und zog auf, „deine Zeit ist gekommen, [Celestial Gear – Synthetic Albatross]! Rückbeschwörung!“
      Strahlende Lichtkugeln erschienen über der Frau, zwischen denen sich die Konturen des riesigen Maschinenvogels zeichneten, bis dieser in all seiner Pracht das Feld betrat.

      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]

      „Nun wird sein besonderer Effekt aktiv, der nur einmal pro Duell bei seiner Rückbeschwörung aktiv wird!“ Kali griff nach ihrem Deck. „Er lässt mich sofort zwei neue Karten ziehen!“
      Das tat sie auch recht eindrucksvoll, indem sie die Karten mit so viel Schwung zog, dass sie mit dem rechten Bein nach hinten rutschte. „Effekt von [Gear Synthesis]! Ich verbanne [Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon] und [Celestial Gear – Synthetic Quail] von meiner Hand, um sie zu einem neuen Monster zu verschmelzen!“
      Sie zeigte neben dem Effektmonster auch ein blau-umrandetes Ritualmonster vor, welche sich beide in ihrer Hand auflösten. Über dem Mädchen öffnete sich ein orange-blauer Wirbel. „Fusion Summon! Glänze, [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin]!“
      Kreischend schoss aus dem Strom ein kleines Rotkehlchen aus Stahl, allenfalls einen Meter groß. Tatsächlich war sein 'Markenzeichen' aber nicht rot, sondern violett und von grünen Streifen gezeichnet.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8)]

      „Effekt meines Monsters!“, rief Kali und nahm ihren Kartenstapel aus dem Schacht. „Damit kann ich zwei beliebige Karten von meinem Deck wählen, die ich ganz oben darauf platziere! Celestial Gratitude Song!“
      Dabei gab der Vogel einen kratzigen Singsang von sich, der wie ein Echo durch den Raum hallte.
      Sie fächerte die Karten auf, zog zielgenau zwei Karten und legte sie nacheinander auf den Stapel, ehe der zurück in die V-Duel Disk wanderte. Ihre letzte Handkarte schob Kali in einen Zauberfallenslot. „Zug beendet.“
      Nun lag vor ihr, genau wie bei Anya, eine verdeckte Karte. „Jetzt tritt der negative Effekt der Rückbeschwörung auf den Plan! Albatross wird verbannt. Aber was soll's …“
      Der Vogel zersetzte sich in einzelne Partikel und verschwand.
      „Ist das alles? Das wird ja immer erbärmlicher!“, konnte Anya sich einen, und so ehrlich war sie zu sich selbst, dummen Spruch nicht verkneifen. „Na ja, mach es bloß nicht zu langweilig.“
      Die nunmehr dritte von sieben Federn verschwand aus dem Apparat an ihrem Arm.

      Als Anya jedoch aufzog, sollte sie die Existenz dieser Dinger verfluchen. [Gem-Eyes Value Dragon] 'lächelte' sie an. Dank seiner Stufe 7 konnte sie ihn jedoch nicht beschwören. So ein verdammter Kackmist!
      „Oh, ein Monster mit hoher Stufe gezogen?“, triezte Kali sie gehässig. „Ich hoffe doch.“
      In dem Moment erkannte Anya, dass sich ihre Feindin anders verhielt als bei der letzten Konfrontation. Beim letzten Mal war sie erfüllt von Boshaftigkeit und Hass. Nicht, dass das diesmal anders war, aber diese dämliche Kuh wirkte … gelassener, nicht so angespannt.

      Sie spielt mit uns.

      Anya nickte auf Levriers Aussage hin. „Yeah …“

      [Celestial Gear – Synthetic Albatross] ist ein Empfänger. Es wäre ein Leichtes für sie gewesen, damit das Stufe 12-Synchromonster [Celestial Gear – Synthetic Armored Raven] zu beschwören.

      Stattdessen aber verzichtete sie zugunsten dieses schwachen Dings darauf. Was nur bedeuten konnte, dass ein ganz anderes Kaliber von Monster im Schatten lauerte. Aber es konnte nicht [Sophia, Goddess Of Rebirth] sein, denn jene war in zwei Teile zerrissen. Kali selbst hatte ihr dies während des letzten Duells gezeigt.
      Was sollte sie also tun? Es war doch offensichtlich, dass dieses Miststück wollte, dass ihre Spatzenhirne zerstört wurden. Aber wenn sie gar nichts tat, gab sie Kali nur die Gelegenheit, alternative Strategien auszuarbeiten.
      „Shit … hätte ich doch bloß besser aufgepasst!“ Anya biss sich auf die Unterlippe. Dann flüsterte sie leise. „Fein, dann spiele ich eben mit. Ist ja nicht so, als wenn ich nicht auch noch den ein oder anderen Trumpf in der Hinterhand hätte.“

      Könntest du mich bitte einweihen?

      „Nope. Noch nicht.“ Ehrgeizig streckte sie den Arm nach vorne. „Kümmere dich erstmal um dieses Teil da! Blessed Spheres of Purity!“
      Levrier vor ihr stöhnte und schnippte mit der rechten Hand. Die um ihn schwebenden Riesenperlen machten sich auf, den nächsten Mechavogel vom Himmel zu holen. Doch dies erwies sich diesmal schwieriger als gedacht. Das kleine 'Lilakehlchen' wich einem Geschoss nach dem anderen mit geschickten Manövern aus.
      Kali lachte. „Bei einem Angriff kann Robin seine Position wechseln. Ab in den Verteidigungsmodus!“
      „Das reicht trotzdem nicht!“, konterte das andere Mädchen zornig.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8)]

      Und tatsächlich. Zwar schlug der Vogel seine Schwingen schützend vor sich, konnte dem Trommelfeuer der Edelsteine aber nicht widerstehen und explodierte. Kalis Ankündigung kam nicht überraschend. „Ich nutze [Gear Synthesis'] Effekt!“
      Die umherfliegenden Trümmerteile lösten sich auf. Und plötzlich klappte Kalis verdeckte Karte, eine Falle, auf. „[Recovery Gear]! Damit kann ich nach dem Kampf eine Karte ziehen und, wenn ich will, das zerstörte Celestial Gear-Monster auf die Hand nehmen. Zusätzlich hieße das auch, dass ich einen Rückbeschwörungseffekt ein zweites Mal benutzen dürfte …“
      „… aber Robin verfügt nicht über so einen und wurde außerdem verbannt. Oder sowas in der Art“, schloss ihre Gegnerin den Satz vom Bauchgefühl her ab.
      „So ist es.“
      Also blieb der Maskierten nur, eine einzelne Karte von ihrem Deck zu ziehen. Und Anya begriff, dass Kali es von Anfang an darauf abgesehen haben musste. Somit würde sie im nächsten Zug die beiden von [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] gesuchten Karten auf der Hand halten.
      „Hmpf. Zug beendet“, schnaubte Anya, womit sich eine weitere Feder auflöste. Damit steckten nur noch drei in ihrer neuen Duel Disk.

      Als Kali wortlos ihre Karte zog und betrachtete, schnaubte sie zunächst nur. Dann schüttelte sie den Kopf. „Das war viel zu einfach.“
      „Komm schon“, forderte Anya ihre Feindin auf, „langsam werde ich neugierig! Zeig' mir, was du die ganze Zeit vorbereitet hast.“
      Die Kuttenträgerin betrachtete die beiden Karten in ihrer Hand. „Fein.“
      Dann zeigte sie jene zwischen Zeige- und Mittelfinger vor. „Ich aktiviere [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix] mit dem Pendelbereich 3 und [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon] mit dem Pendelbereich 9 von meiner Hand! Pendulum Scales set!“
      „Huh!?“
      Anya weitete die Augen, als neben Kali zwei blaue Lichtsäulen aus dem Boden schossen.
      Auch Matt war überrascht. „Pendelkarten!?“
      In der linken zeichneten goldene Lichtlinien während seines Aufstiegs einen gewaltigen, goldenen Maschinenphönix, dessen Schwingen rot-grün-gelb gestreift waren. Sein Schweif bestand aus zahlreichen, roten Metallfedern. Auf der anderen Seite entstieg ein vierbeiniger, silberner Stahlgreif, dessen Pranken ebenfalls grün gestreift waren.

      <3> Kalis Pendelbereich <9>

      Anya, die selbst von zwei solcher Säulen umgeben war, in denen sich [Gem-Knight Jasper] und der [Gem-Tiger] befanden, schreckte zurück. „Seit wann-!?“
      „Seit ich mich angepasst habe.“ Kali lachte selbstgefällig. „Hah! Diesmal bist du es, die davon kalt erwischt wird.“
      „Ach ja? Dann verrate ich dir mal was: Pendelkarten bringen dir gar nichts, wenn du keine entsprechenden Monster auf der Hand oder im Extradeck hast.“ Mit bösem Grinsen auf den Lippen schwang Anya belehrend den Zeigefinger. „Anscheinend hast du beim letzten Mal nicht gut genug aufgepasst.“
      Kali aber kicherte nur weiter. „Stimmt, all meine Monster sind verbannt. Und dabei sind Swallow, Strix und Robin doch sogar Pendelmonster …“
      „'kay?“ Anya standen die Fragezeichen förmlich im Gesicht geschrieben. „W-warte, was? Seit wann gibt es überhaupt Extradeck-Monster, die gleichzeitig Pendelmonster sind!? Und wieso hast du sie dann absichtlich verbannt?“
      „Sieh' doch selbst!“ Kali streckte den Arm in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Höre den Ruf des Phönix! Aus meiner Verbannungszone: [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow], [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix], [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin, [Celestial Gear – Synthetic Albatross] und [Celestial Gear – Synthetic Stork]! Pendulum Summon!“
      Schon bei ihrem Ausruf begann der Mechaphönix neben ihr in einen traurigen Singsang zu verfallen. Aus dem Nichts fiel eine einzelne Träne vor Kali auf den Boden, wo sich schlagartig das Pendelportal öffnete – nicht wie sonst in der Luft. Nacheinander schossen fünf rote Lichtstrahlen empor.
      „Was!?“, stieß Anya entsetzt hervor.
      „Sie pendelt verbannte Monster!?“ Matt keuchte, als er begriff. „Also deswegen-!“
      „Ja, Saga Phoenix lässt mich auf Wunsch statt einer herkömmlichen Pendelbeschwörung eine aus meiner Verbannungszone durchzuführen. Deshalb habe ich all meine Assmonster verbannt!“ Kali lachte, als sich über ihr ein Mechavogel nach dem anderen materialisierte. „Das ist die Evolution der Pendelbeschwörung!“
      Die weiße Mechaschwalbe, der schwarze Kauz, das 'Violettkehlchen', dazu noch der langschnabelige, riesige Albatross sowie ein ebenso großer Metallstorch gaben sich die Ehre. Man konnte bei Letzterem durch Ritzen in seiner Brust zahlreiche Zahnräder sehen, die durch eine orangefarbene Barriere abgeschirmt waren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow [ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 PSC: <9/9>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Stork [ATK/1400 DEF/1500 (4)]

      Anyas Mund stand sperrangelweit offen. Dann formte sich auf ihren Lippen ein immer breiter werdendes Lächeln. Und sie begann loszuprusten. „Hahahaha!“
      Völlig perplex fauchte ihre Widersacherin: „Was!?“
      Die Blonde musste sich sogar schon den Bauch halten, während Matt die merkwürdige Szene überhaupt nicht einordnen konnte. „Was hat sie …?“

      Sie ist endgültig im Lala-Land angekommen.

      So ungern Matt Thoras in überhaupt irgendetwas Recht gab, konnte er sich doch ein schmales Grinsen nicht verkneifen.
      „Oh man“, prustete Anya schließlich und fasste sich mit der Hand aufs Gesicht, „oh Junge …“
      Kali stand da wie bestellt und nicht abgeholt.
      „Wirklich … oh man …“ Anya wurde erneut von einem Lachkrampf.
      Da platzte ihrer Feindin der Kragen. „Was zur Hölle stimmt nicht mit dir!?“
      Es war offensichtlich, dass die extreme Reaktion der Blonden größtenteils geschauspielert war, als sie schlagartig aufhörte zu lachen und sich straffte. „Ach, mir ist nur gerade wieder einmal bewusst geworden, wie erbärmlich du bist. Du konntest mich beim letzten Mal nicht besiegen, also kopierst du mich einfach.“
      Kali schnappte scharf nach Luft. Anya setzte noch eins oben drauf. „Deine Pendelmonster sind schon ganz cool, ohne Frage. Aber wenn du von Evolution sprichst, muss ich einfach lachen. Ich bezweifle nämlich, dass du dich jemals weiterentwickeln wirst.“
      „Wie kannst du-!?“
      „Ganz einfach“, fuhr Anya ihr in die Parade, „weil du nicht über mich hinwegkommst. Du stiehlst mir alles, was mir wichtig ist. Warum? Weil du selbst nichts dergleichen besitzt. Meine Duel Disks, das Celestial Gear-Deck, meine Andenken … wie kindisch. Bist du neidisch, weil ich bessere Spielzeuge habe als du? Vielleicht weil mein Leben einfach besser ist als deines? Hast du jemals an einem großen Turnier teilgenommen und bist so weit gekommen wie ich? Hast du Freunde, die dich so unterstützen wie meine mich?“
      Anya blickte dabei über ihre Schulter und zwinkerte Matt verschwörerisch zu, doch der war von etwas anderem abgelenkt. Er hatte bemerkt, wie Kali eine Faust ballte. So sehr, dass sich ihre Fingernägel ins Fleisch bohrten und Blut hinab zu tropfen begann.
      „Sag es mir“, forderte Anya mit unterschwelliger Frustration abschließend und wandte sich Kali wieder zu „was zur Hölle ist dein verdammtes Problem?“

      ~-~-~

      Es hätte kein schönerer Tag sein können. Es war angenehm warm, keine Wolke verdeckte den Himmel und keine Anya Bauer störte die Nachbarschaft.
      Valerie Redfield lag in einem blau-weiß-gestreiften Bikini auf einer Liege und hielt in der rechten Hand ein Taschenbuch. Eines, das von Dämonen handelte. Neben ihr stand ein kleiner, runder Tisch mit einer Cola darauf und ein Sonnenschirm spendete dem Mädchen ausreichend Schatten. Und als wäre das noch nicht genug Luxus, befand sich vor ihr ein riesiger Pool. So war das auf dem von hohen Hecken umgebenen Hinterhof der Familie Redfield.

      Aber die Schwarzhaarige konnte sich weiß Gott nicht daran erfreuen, geschweige denn auf ihr Buch konzentrieren.
      Man hatte sie einfach sitzen lassen! Wenn sie nicht bei Anya angerufen und zufällig Abby an die Strippe bekommen hätte, wüsste sie nicht einmal, dass Anya, Matt und Zanthe in einer Nacht-und Nebel-Aktion nach San Augustino gefahren waren!
      Sie ließ das Buch sinken. Es ärgerte sie maßlos, außen vor gelassen zu werden. Besonders wo Matt jetzt jede Zuwendung gebrauchen konnte. Noch immer hatte sie die Bilder vor Kopf, als Nick beinahe gehässig die Zeitung geworfen hatte, in der die schreckliche Schlagzeile zu lesen war.
      Seit diesem Augenblick war mit Matt nicht mehr zu reden gewesen. Er hatte nicht geweint, geschrien, gefleht. Er war still gewesen. Der Schmerz musste fürchterlich sein.
      Valerie war sich im Klaren darüber, dass es für diese Geschichte kein Happy End gab. Umso mehr wünschte sie sich, jetzt an seiner Seite zu sein. Stattdessen nahm er ausgerechnet Anya mit, den Elefant im Porzellanladen. Ja, Valerie gab es sich selbst gegenüber zu: Sie war eifersüchtig. Auf eine rein platonische Art und Weise, verstand sich!

      Seufzend legte sie das Buch endgültig auf den kleinen Tisch und nahm sich ihr Getränk, um aus einem langen Strohhalm daraus zu schlürfen. Da stach ihr etwas ins Auge. Etwas Gelbes im Pool. Eine Quietscheente. Und die gehörte da ganz gewiss nicht hin. Irritiert beugte sich Valerie nach vorne.
      Es dauerte einen Moment, bis sie die Situation richtig erfasste. Erst als der fremde, schwarzhaarige Mann in ihrem Pool hochgeschossen kam und nach Luft schnappte, entfuhr ihr ein entsetzter Schrei.
      „W-wer sind Sie!?“, stammelte Valerie verwirrt.
      Er sah sie an. Nein, starrte sie an. Von großer Statur, war neben dem Schnauzer sein herausstechendstes Merkmal dieser fürchterliche, dazu noch durchnässte Vokuhila. Ein kleiner Flaum Brusthaar und eine rot-gepunktete Unterhose rundete seinen von der Zeit vergessenen Look ab. Die beiden tauschten Blicke aus, als wollten sie miteinander kommunizieren, doch sprachen völlig verschiedene Sprachen.
      „Ich bin Lee Ander-“ Weiter kam er nicht, da er in diesem Moment Valeries Buch ins Gesicht geschmettert kam. Die Ente auf seinem Kopf flog dabei im hohen Bogen davon.
      Jene sprang fuchsteufelswild auf. „Runter von unserem Grundstück!“
      „A-aber ich bin doch hier, um dich zu beschützen!“
      Valerie traute ihren Ohren nicht. „Wovor!?“
      „Weiß nicht. Eigentlich wollte ich diesem verdammten Hexendämon folgen, aber der ist ganz früh mit dem Zug abgehauen. Vor mir, musst du wissen!“, plapperte Lee munter drauf los und zeigte mit dem Daumen auf sich sowie seine blutende Nase. „Und dass ich jetzt hier bin, liegt nicht etwa daran, dass ich kein Geld fürs Ticket hatte oder so, nein, nein, nein!“
      „Meinst du Matt?“, fragte die Schwarzhaarige und tastete nach dem Cola-Glas auf dem kleinen Tisch. Langsam erinnerte sie sich daran, dass Anya ihr auf dem Rückweg nach Livington von diesem Verrückten erzählt hatte.

      Lee Anderson, ein Stalker, den Matt bei der Suche nach einem Hüterartefakt aufgegabelt hatte. Dabei dachten sie, ihn inzwischen losgeworden zu sein. So viel dazu …
      Der Eindringling nickte. „Dieser elende Hexenhexer hat sich an deine Fersen geheftet. Er will dich hypnotisieren und zu seiner Sexsklavin machen.“
      „Was!?“, entfuhr es Valerie schrill.
      „Uh-huh! Du-!“ Schon wurde er vom fliegenden Cola-Glas hart an der Stirn getroffen und fiel rücklings im Pool um.
      Die Stimme der Schwarzhaarigen überschlug sich förmlich. „Sie verlassen sofort das Grundstück oder ich hole die Polizei!“
      „Lass sie in Ruhe, du Spinner!“
      Nur noch aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie jemand sich über die hohe Hecke schwang und über den Rasen gestürmt kam. Schwarzes Haar, muskulöse Figur, ein Kinnbart – Marc!? Welcher gar nicht lange fackelte und mit einem Hechtsprung den gerade erst auf die Beine gekommenen Lee im Pool umriss. Große Wassermengen flogen in alle Richtungen.
      „Was willst du von ihr!?“, fuhr ihr Ex-Verlobter im weißen Muskelshirt den benommen Lee an, als er ihn an den Schultern aus dem Wasser riss. „Mistkerl!“
      Schon boxte er ihn wieder um. Nur um unvorbereitet einen nicht ganz so effektiven Tritt in die Weichteile zu bekommen, während Lee unter Wasser irgendetwas gurgelte.

      Valerie legte den Kopf schief, hauchte: „Auf so etwas war ich nicht vorbereitet …“
      Vor ihren Augen entfaltete sich eine ordentliche Rangelei, die mit wüsten Beschimpfungen beiderseits garniert wurde.
      In dem Moment hatte Valerie die Nase voll. Während die beiden sich stritten, stampfte sie am Pool vorbei über die Terrasse hinein ins Haus. Sie musste gar nicht lange nach dem suchen, was sie jetzt brauchte. Das große Wohnzimmer mit dem riesigen Fernseher durchquerend, war eine ziemlich unauffällige Holztruhe ihr erkorenes Ziel, die in der hintersten Ecke des Raumes vereinsamt stand. Valerie ging auf die Knie und ertastete an ihrem Boden einen mit Klebeband befestigten Schlüssel, mit dem man das gute Stück öffnete.
      Auch wenn ihre Familie demokratisch eingestellt war, gab es eine Sache, die ihr Vater an den Republikanern schätzte. Ihre Waffenvernarrtheit. So lag vor ihr, nachdem sie den Deckel umgeklappt hatte, eine Schrotflinte samt Patronenpackungen. Jene schnappte sie sich und stampfte zurück in den Hintergarten. Die lustige Prügelei war noch im vollen Gange.
      „Aufhören!“, forderte sie schroff. Aber diese Idioten hörten sie gar nicht. Aber sie hörten den Schuss, den sie in die Luft abgab.
      Es wurde mit einem Mal mucksmäuschenstill. Beide starrten die junge Frau an, die im Gras mit der fetten Schrotflinte stand und kurz davor war, die Fassung endgültig zu verlieren. Mit maximaler Beherrschung knurrte sie: „Raus hier! Alle beide!“
      „A-aber“, wagte ein bereits recht lädierter Lee zu widersprechen.
      Und wenn jemand dachte, Anyas Todesblick war angsteinflößend, hatte er noch nie Valerie Redfields Variante gesehen. So hob Marc wissend die Hände. „Verstanden. Wir gehen.“
      Unter ihrer strengen Aufsicht zog sich der Sportler über den Poolrand und zog wortlos an ihr vorbei. Lee versuchte das Gleiche, rutschte jedoch ungeschickt ab und ging unfreiwillig planschen.

      Nachdem er es dann nach zwei weiteren Versuchen doch geschafft hatte und die beiden pitschnassen Männer über den Rasen zur Terrasse tapsten, natürlich gefolgt von einer äußerst verstimmten Valerie, drehte Marc sich zu ihr um. „Tut mir leid.“
      Sie sagte nichts, sondern nickte stur Richtung geradeaus. Sie durchquerten das Wohnzimmer und schließlich den Flur. Valerie drängte sich an beiden vorbei, riss die Haustür auf. „Wenn ich einen von euch das nächste Mal sehe, schieße ich nicht daneben!“
      „D-die ist ja noch verrückter als die Blonde!“, flüsterte Lee ängstlich Marc vor ihm zu.
      Der sah Valerie noch einmal an, dann verließ er das Haus wortlos und durchquerte den großen, mit vielen Blumenbeeten bespickten Vordergarten Richtung Tor. Mit dem halbnackten Lee im Schlepptau. Kaum war der über die Schwelle getreten, knallte die Schwarzhaarige die Tür mit aller Wucht zu.

      Sie seufzte schwer. Mit einem Stalker fertig zu werden war eine Sache. Dass ihr ehemaliger Verlobter ihr anscheinend hinterher schnüffelte, vielleicht sogar selbst stalkte, -das- war mehr als sie verdauen konnte.
      Sofort kamen wieder die Erinnerungen hoch. Ihre Disqualifikation während des Legay Cups, weil sie eine verbotene Karte gezogen hatte. Marcs Geständnis vor ihren Freunden, dass er dafür verantwortlich gewesen war. Und kurz darauf das Fernsehinterview, in dem er dies aller Welt gestand und sich entschuldigte.
      Valerie ließ die Schrotflinte sinken. Ihr Traum von einer Profikarriere war damit gestorben, denn die Leute vermuteten natürlich, dass er sie mit seinem Geständnis nur hatte schützen wollen. Diese Demütigung und das durch die Hand des Mannes, den sie glaubte zu lieben. Ihre Finger krallten sich fest in die Waffe. Keine Entschuldigung dieser Welt würde das je gutmachen können.

      Frustriert von den Erinnerungen stampfte sie durch den Flur, als die Türklingel läutete. Ihre Augen weiteten sich. Sollte es etwa tatsächlich einer von ihnen wagen, zurückzukommen!?
      Sie eilte zur Tür und riss sie weit auf. Aber da stand nicht etwa Marc oder der verrückte Lee vor ihr, sondern ein anderer junger Mann. Einer, den sie noch sehr gut in Erinnerung hatte.
      „H-Hi“, stammelte David beim Anblick der jungen Frau im Bikini.
      Auch er hatte schwarzes Haar, aber mit gefärbtem, blauem Pony. Er trug ein orangefarbenes T-Shirt und Jeans und wenn man es nicht besser wusste, hätte man ihn für einen ganz normalen Menschen gehalten. Aber das war er nicht. Dieser Typ war ein Handlanger des Sammlers. Derjenige, der sie daran gehindert hatte, diesen fürchterlichen Dämon zu exekutieren.
      Deshalb fackelte Valerie auch nicht lange und richtete sofort die Waffe auf ihn.
      „Whoa!“ Sofort wich David zurück.
      Valerie kniff die Augen zusammen. „Drei.“
      „Drei?“
      „Du hast genau drei Sekunden Zeit, um von hier zu verschwinden. Ansonsten …“
      „Ich kann mich wehren“, erinnerte David sie trotzig daran, dass er es mit seiner Eismagie sogar mit den Undying aufgenommen hatte.
      Aber das Mädchen blieb stur. „Das werde ich beurteilen.“
      Als würde ihn das überhaupt nicht stören, meinte der junge Mann. „Du solltest wirklich netter zu ihm sein. Also zu Marc, nicht zu diesem Spinner.“
      „Und du bist hier, nur um mir das zu sagen?“
      „Natürlich nicht“, relativierte er, „im Gegenteil. Ich habe dir eine Menge zu sagen. Frieden?“

      Er streckte ihr die Hand aus, aber Valerie ließ nicht von der Waffe ab. Stattdessen nickte sie Richtung Flur. David verstand den Wink und schritt an ihr vorbei. Als er durch war, schloss die Schwarzhaarige die Tür hinter ihm. Im Inneren eines Gebäudes gab es weniger Möglichkeiten zum Ausweichen …
      „Schönes Haus“, meinte er, als er im Wohnzimmer angekommen war und drehte sich um.
      „Also. Was willst du von mir?“
      „Als Erstes: Mich entschuldigen.“ David sah plötzlich weg. „Unser Duell hätte nicht so laufen sollen. Wenn der Meister es nicht befohlen hätte, hätte ich [Sneedronningen] nicht benutzt.“
      Valerie ließ die Waffe sinken. Sie erinnerte sich vage. Das war diese Eiskönigin, mit der er ihren Zug hatte lenken können. Ein Excel-Monster? „Ugh!“
      Sie fasste sich an die Stirn. Ihre Erinnerungen an das Duell waren sehr verschwommen.
      „Es war ein unfairer Vorteil. Diese Karten sollte es eigentlich gar nicht geben, aber der Meister hatte vor etwa einem Jahr einen Handel getätigt, um Zugriff darauf zu erhalten“, erklärte David derweil weiter.
      Stöhnend konzentrierte sie sich wieder auf ihren dritten ungebetenen Besucher. „Wozu entschuldigst du dich? Wir sind Feinde.“
      „Sind wir nicht“, stellte er entschieden klar und breitete die Hände dabei aus, „wir sehen die Welt nur aus unterschiedlichen Perspektiven. Kann es mir nicht leid tun, auch wenn wir andere Ziele verfolgen?“
      Seine Worte ließen Valerie stocken. „I-ich denke schon. Trotzdem bist du hier nicht willkommen. Ich brauche deine Entschuldigungen nicht!“
      „Während unseres Duells hast du gesagt, dass du mit Duel Monsters aufhören willst“, sprach David unbeirrt weiter, „und ich fühle mich verantwortlich, dich darin vermutlich noch bestätigt zu haben. Deswegen wollte ich dich darum bitten, dass wir unser Duell eines Tages wiederholen. Unter fairen Bedingungen natürlich.“

      Valerie brachte keinen Ton heraus. Dieser Typ war ein Buch mit sieben Siegeln. Schon damals war er so gutmütig gewesen, obwohl sie seinen Meister hatte töten wollen. Seine Angriffe hatten sie nicht einmal verletzt, obwohl er dies sicher gekonnt hätte.
      War das alles nur Show oder meinte er es ernst? Sicher war sich das Mädchen nur darin, dass sie ihm auf keinen Fall vertrauen würde.

      „I-ich denke nicht, dass ich das möchte“, entgegnete sie schließlich zögerlich.
      Er sah sie geknickt an, nickte dann aber. „Damit habe ich gerechnet.“
      „Wenn das alles ist, geh!“
      „Nein, ist es nicht. Ich habe noch eine Bitte. Und die wirst du auch nicht erfüllen. Aber hör' sie dir wenigstens an, okay?“, sagte er und schritt bereits an ihr vorbei, Richtung Flur.
      Valerie blickte ihm skeptisch hinterher. Im Weggehen sagte er: „Bitte bring Anya dazu, dem Meister wieder zu helfen.“
      „W-was!?“
      Er blieb stehen. „Er ist kein schlechter Mensch. Nur sehr … traurig.“
      „Warum sollte ich das tun!? Er hat ihr ihre Lebenskraft entrissen und erpresst! Wir alle mussten wegen diesem Mann durch die Hölle!“, wurde Valerie immer lauter. „Ich bin stolz auf Anya, dass sie einen Schlussstrich gezogen hat und einen anderen Weg sucht-“
      David drehte sich zu ihr um. Ihm stand großes Bedauern ins Gesicht geschrieben. „Ihr schätzt ihn alle ganz falsch ein. Der Meister ist gutmütig. Ich muss es wissen. Immerhin hat er mich erschaffen.“
      Da verschlug es Valerie die Sprache. Erschaffen!?
      „Ganz recht“, las er ihre Gedanken, „ich bin kein normaler Mensch. Sondern sein erster Erfolg. Ein künstlich erschaffener Mensch. Ich hoffe, du siehst mich jetzt nicht als Monster …“
      „Das verstehe ich nicht. Du bist …?“
      „Aus Fleisch und Blut, genau wie du“, erwiderte er mit einem Lächeln, „ich kann alles tun, was andere Menschen auch können. Und noch mehr. Das Einzige, was mich neben meiner 'Geburt' von euch unterscheidet ist, dass ich keine Seele besitze.“
      „W-was?“
      Er senkte sein Haupt. „Wenn man von Nichts erschaffen wurde, gibt es natürlich keine Seele, die den Körper bewohnen kann. Ich bin ja ursprünglich kein Teil des Ätherflusses gewesen. Aber das ist nicht schlimm, ich kann trotzdem fühlen und selbstständig denken.“
      Valerie ließ gedankenverloren die Schrotflinte so weit sinken, dass sie sie am Schaft festhielt und auf den Boden abstützte. „I-ich weiß nicht, ob ich dir folgen kann …“
      „Der Nachteil an meiner Existenz ist, dass ich nach meinem Tod ohne Seele nicht reinkarnieren kann. Es gibt kein Medium, was meine Erinnerungen und mein Wesen speichern könnte.“ Er lächelte breit. „Trotzdem bin ich dem Meister dankbar dafür, dass er mich erschaffen hat.“
      Perplex stammelte Valerie: „W-wozu erzählst du mir das alles?“
      „Mir war halt danach.“ Er weitete die Augen. „Oh! Aber das war gar nicht, was ich dir eigentlich mitteilen wollte. Du wirst Anya also nichts ausrichten, oder?“
      Schlagartig zog Valerie die Waffe wieder hoch und hielt sie mit beiden Händen fest umschlossen, schüttelte den Kopf. „Selbst wenn ich es ihr sage, steht ihre Entscheidung bereits fest.“

      Plötzlich verdüsterte sich der Gesichtsausdruck des jungen Manns. „Dann solltest du ihr unbedingt erklären, dass sie sich irrt.“
      Valerie horchte auf.
      „Mein Meister, der Sammler … er hat Anya belogen. Dass sie die Hüterartefakte sammelt hat einen wichtigen Grund.“
      Irgendetwas stimmte da nicht. Was immer jetzt kam, konnte sie David glauben? „Belogen? Womit?“

      ~-~-~

      „Ich habe es satt. Ich habe dich satt“, keuchte Kali zornig. „Wieso … wieso existierst du bloß!?“
      Anya stand ihr mit der rechten Hand in die Seite gestemmt gegenüber. Die Dunkelheit des ausgedehnten Raums wurde nur durch das Licht von den Hologrammen ihrer Monster sowie einer einzelne Lampe gebrochen.
      „Keine Ahnung“, sagte Anya leise. „Blumen und Bienchen, schätz' ich.“
      Auch Matt, der sich bisher nicht aus seinen Fesseln befreit hatte, sah hinter Anya auf. „Was …?“
      Denn in diesem Moment griff Kali an ihre Maske. Und nahm sie langsam ab. „Ich hasse dich. Du hast mir alles genommen. Aber ich war dumm zu glauben, mein Gesicht zu verstecken würde mir dabei helfen, dich zu vernichten. Im Gegenteil. Ich habe mir selbst die ganze Zeit etwas vorgemacht.“
      Anya weitete die Augen, als die weiße Porzellanmaske einfach losgelassen wurde. Sie zerschellte auf dem Boden, zahllose Splitter flogen in alle Richtungen.
      Die Blonde keuchte: „Das …!“
      Als ihre Widersacherin auch mit beiden Händen ihre Kapuze packte und langsam nach hinten zog, fauchte Anya: „Unmöglich!“
      Denn sie sah in ihr eigenes Gesicht. Hasserfüllte, blaue Augen. Blondes Haar, zu einem Pferdeschwanz gebunden. Nur eines unterschied die beiden – eine lange Narbe, die von Kalis Stirn hin bis zu ihrem Nasenansatz reichte.
      „Willkommen in der Hölle“, knurrte die selbsternannte Dämonengöttin, „deiner ganz persönlichen Hölle.“


      Turn 101 – Square The Circle
      Entsetzt muss Anya sich mit Kali auseinandersetzen, die genauso aussieht wie sie. Jene offenbart die Wahrheit über die beiden, eine Wahrheit, die zunächst unbegreiflich erscheint. Kali besitzt sogar eine Kopie von [Gem-Knight Pearl], was unmöglich sein sollte. Trotzdem kämpft Anya entschlossen um ihr Recht zu existieren. Und im Moment ihrer größten Not …


      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sapphire
      Gem-Knight Crystal

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster von deinem Deck hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Wähle 1 Karte auf dem Spielfeld als Ziel; zerstöre das Ziel.

      Gem-Tiger
      Monster/Effekt/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/1800 DEF/300 (4) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug, während des Zuges eines beliebigen Spielers, wenn ein Angriff deklariert wird: Wähle 1 "Gem-Knight"-Monster von deinem Friedhof als Ziel; verbanne das Ziel und annulliere den Angriff.
      Monstereffekt: Wenn du 1 "Gem-Knight"-Monster in deiner Pendelzone aktivierst, wenn deine andere Pendelzone unbenutzt ist: Du kannst 1 "Gem"-Pendelmonster von deinem Deck aktivieren.

      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Gem-Knight Pearl

      Kali

      Celestial Gear – Synthetic Albatross
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/500 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte kämpft: du erleidest keinen Kampfschaden. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: ziehe 2 Karten; verbanne diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Owl
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1100 (4)
      Kann nur als Synchromaterialmonster für die Beschwörung eines "Celestial Gear"-Synchromonsters verwendet werden. Einmal, solange du diese offene Karte kontrollierst: du kannst 1 "Celestial Gear"-Monster als zusätzliche Normalbeschwörung beschwören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: beschwöre 1 "Celestial Gear"-Monster von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung; verbanne es und diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Quail
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/1600 DEF/1700 (4)
      Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor, dann kannst du die Karte zerstören, die diese Karte durch Kampf oder ihren Karteneffekt zerstört hat. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Du kannst 1 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen.

      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1800 DEF/1300 (4)
      Einmal pro Zug: Du kannst 1 Karte in deiner Hand zerstören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Verbanne alle Karten auf dem Friedhof deines Gegners.

      Celestial Gear – Synthetic Stork
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1400 DEF/1500 (4)
      Indem du diese Karte abwirfst, wenn du diese Runde das erste Mal Schaden erlitten hast: reduziere allen Schaden, den du bis zur End Phase erleiden würdest um die Summe des Schadens, den du in diesem Zug erlitten hast. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: {????}.

      Celestial Gear – Synthetic Sparrow
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1800 (4)
      Einmal pro Zug: verbanne eine Zauberkarte von deinem Friedhof. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: füge deiner Hand 1 "Polymerization"-Karte von deinem Deck hinzu.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon
      Monster/Ritual/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/2200 (4)
      Muss erst mit "Celestial Gear Polymerization" als Ritualbeschwörung beschworen werden. Wenn diese Karte als Ritualbeschwörung beschworen wird: setzte eine Zauber- oder Fallenkarte von deinem Deck in eine deiner freien Zauber- und Fallenkartenzonen, dein Gegner darf die Karte nicht sehen und du kannst sie nicht in diesem Zug aktivieren. Wenn diese Karte zerstört wird, nur einmal während des Duells: beschwöre sie als Spezialbeschwörung; anschließend kannst du eine beliebige Anzahl an verbannten "Celestial Gear"-Monstern auf deinen Friedhof zurücklegen.

      Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <3/3>
      Pendeleffekt: Du kannst verbannte "Celestial Gear" als Pendelbeschwörung beschwören, deren Stufe/Rang zwischen deinen Pendelbereichen liegt, aber falls du das tust, kannst du keine Monster als Pendelbeschwörung von deiner Hand oder deinem Extradeck beschwören.
      Monstereffekt: ????

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <9/9>
      Pendeleffekt: Du kannst keine Monster außer "Celestial Gear"-Monster als Pendelbeschwörung beschwören. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden.
      Monstereffekt: ????

      Destructo Gear
      Zauber/Normal
      Verbanne eine Zauberkarte von deinem Deck.

      Gear Synthesis
      Zauber/Normal
      Solange diese Karte verbannt ist, kannst du einmal pro Zug folgenden Effekt aktivieren: Verbanne 2 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand; beschwöre von deiner Hand oder deinem Extra Deck 1 "Celestial Gear"-Monster, das mit den verbannten Monstern als Ritual-, Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung beschworen werden kann als Spezialbeschwörung. (Dies wird als korrekte Beschwörungsart behandelt.) Wenn ein "Celestial Gear"-Monster zerstört und auf den Friedhof gelegt werden würde, solange diese Karte verbannt ist: Du kannst es stattdessen verbannen.

      Scrap Gear
      Falle/Dauerhaft
      Solange du ein "Celestial Gear"-Monster durch seinen eigenen Effekt vorzeigst: Du erleidest keinen Schaden. Zerstöre diese Karte während der dritten End Phase deines Gegners nach ihrer Aktivierung.

      Gear Recovery
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, wenn 1 "Celestial Gear"-Monster zerstört wird: Ziehe 1 Karte und falls du das Monster durch seinen eigenen Effekt auf die Hand nimmst und dieses Monster in diesem Duell seinen Effekt eingesetzt hat, der nur einmal im Duell benutzt werden kann, kann es diesen erneut aktivieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin
      Monster/Fusion/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>
      2 x "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsbeschwörung beschworen wird: Wähle 2 Karten von deinem Deck; lege sie in belieber Reihenfolge auf dein Deck. Wenn dein Gegner einen Angriff deklariert: Du kannst die Position dieser Karte ändern. {????}

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow
      Monster/Synchro/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>
      1 Empfänger + 1 Nicht-Empfänger "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: Du kannst die Position aller offenen Monster deines Gegners ändern; die Position jener Monster kann nicht geändert werden. {????}

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix
      Monster/Xyz/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1000 {4} PSC: <9/9>
      2 x Stufe 4 "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Xyz-Beschwörung beschworen wird: Du kannst 1 offenes Monster deines Gegners mit einer Stufe als Ziel wählen; zerstöre das Ziel. Dein Gegner kann bis zur x-ten End Phase keine Monster mit gleicher oder höherer Stufe als Spezialbeschwörung beschwören, wobei "x" der Grundstufe des Ziels entspricht. {????}


      PDF-Version

      Nächste Folge wird dann so manche Frage beantworten.
      Es wird mal wieder Zeit das auch ich ein paar Worte zu deinem "Werk" verfasse(jetzt mit dem 100. Kapitel darf es ja wohl als "Werk" bezeichnet werden). Ich will gar nicht zurückrechnen, zu welchem Turn ich den letzten geschrieben habe...ich schäme mich schon minimal dafür...

      Zur 100 und mehr

      Ich und viele andere haben sich bestimmt gefragt, ob du zum 100. Kapitel etwas ganz besonderes machen würdest, doch wie es auf dem ersten Blick erscheint hast du dich für den normalen Verlauf deiner Geschichte entschieden. Und trotzallem erscheint es mir so, als wären ein paar versteckte Zeilen von dir eingebaut worden.
      Es fängt ja schon interessant damit an, das wir erneut ein Match zwischen Anja und Kali erleben. Seitdem du sie in der zweiten Staffel eingeführt hast(hoffentlich irre ich mich da jetzt nicht,... es ist viel Zeit seither vergangen), konnte sie bisher nie wirklich scheinen, mMn. Sie war zwar immer irgendwie da, aber doch eher passiv und mit wenig Pressure. Sie war einfach nur eine störende Variable in Anjas Formel zur Duel Queen. Doch was mich überrascht hat: ihr von Anja geklautes Celestial Gear Deck war an sich immer ein Deck, welches der Inbegriff von Power war. Schließlich gehörte es ja auch einem der gefährlichsten Gegner aus der ersten Staffel und an sich konnte man bisher immer spüren, welchen Druck dieses Deck im Duell ausgeübt hatte.
      Und hier wird es sehr interessant. Denn während das alte Celestial Gear unglaublich viel Druck ausgeübt hat, wirkte diese neue Version regelrecht schwächlich. Als du es dann selber angedeutet hast, mit der Verwunderung Anjas war ich eigentlich der Hoffnung dass du irgendwas sehr großes geplant hast. Als die Karten dann gependelt wurden, und sich Anja schlappgelacht hatte, hatte ich schon den Gedanken sie habe sich darüber lustig gemacht, dass alle gependelten Monster schwächer waren als Gem Knight Pearl(der, wenn wir zurückdenken, von Anja immer als der schwächste dargestellt wurde).

      Aber gerade diese Stelle fand ich wieder besonders interessant. Du hebst ja nochmal genau hervor, wie Anja sich über Kali lustig macht und sie als "schlechte Kopie" darstellt, während sie nur mit "Hast du jemals an einem großen Turnier teilgenommen und bist so weit gekommen wie ich?". Gerade das fand ich besonders interessant, da man die letzten Kapitel immer wieder gespürt hat, dass Anja von ihrem Erfolg beim Turnier eine Menge neues Selbstbewusstsein dazugewonnen hat. Ob nun beim Spiel gegen ihre Cousine, die sie regelrecht zerquetscht hat, oder dem Spiel mit Matt wo sie explizit erwähnt wie sie ihn nicht direkt plattmacht(obwohl sie ja so einer mächtigen Karte wie Yggdrasil gegenüberstand), nur damit er wieder zur Vernunft kommen kann. Auch hat sie seitdem eine komplett andere Art von Arroganz gezeigt bzw. entwickelt. Von der immer wütenden und immer vorschnell handelnden Anja wurde ganz langsam aber sicher eine Anja, die kontrollierter handelt und die auch außerhalb eines Duells anders handelt. Ob sie nun mit ihrem Turnier-Rivalen einen schönen Nachmittag verbringt, oder ob sie einfach nur zuschaut wie Nick gegen alle ihre Freunde spielt und sie daraufgehend eine rationale Entscheidung trifft. Allgemein ist sie viel rationaler und erscheint einem auch sehr viel erwachsener als früher. Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wie lange sie schon nicht mehr ihren Baseball-Schläger mit eigenen Namen geschwungen hat.

      Um aber nochmal kurz auf Kali zurückzukommen: dass du zum ende spoilerst das Kali scheinbar Anja darstellen soll, macht es wieder sehr spannend und löst scheinbar einige Rätsel. Denn bis heute hab ich mich die ganze Zeit gefragt, was Anjas Bruder, und noch viel wichtiger, ihr Vater, mit alledem zu tun haben. Zwar sind beide durch ihr Blut(aka. der Fähigkeit Äther zu "sammeln") mit der "dämonischen Seite der Welt" verbunden, und trotzdem haben wir sie damals beim Kampf im Turm nicht dabei gehabt. Doch jetzt hätten wir eine direkte Motivation beider, warum sie Anja daran hindern wollen, voranzukommen. Schließlich scheint es mir so als wäre Kali eine Parallele Version von Anja(aus der Zukunft oder einem parallelen Universum oder so), und stellt die Zukunft da, die ihr drohen mag. doch wie es scheint gibt es im nächsten Kapitel genaueres dazu. Ich bin gespannt. Doch ich frage mich, ob Kalis Geheimnis nachher große Auswirkungen auf Anjas aktuelle Persönlichkeitsentwicklung haben könnte.


      Puh habe heute nun einige Kapitel nachgelesen.

      Spoiler anzeigen
      Also das Kapitel mit Nick war der Hammer. Batman vs Green Latern , Wonderwoman, Manhunter eh ich mein Nick vs Matt, Valerie und Zathe war echt episch. :) Nicks neueste Kräfte sind aber ganz cool. Auch wenn sie noch recht schwach sind. Das er jetzt mit dem Sammler zusammen arbeitet ist aber doch seltsam. Wobei er ja nur so tut um selber an Artefakte zu kommen. Ich dachte eigentlich das er vllt mit Anja reinen Tisch machen will und ihr gesteht das er ihr Bruder ist. Aber das hebst du dir wohl auf :) . Genauso wie du dir das zerstörte Dorf von Matt aufgehoben hast. Matt erhählt ja gleich 2 Power ups. Einmal sein altes und einmal Exction Knight. Wobei er erstaunlicher Weise noch immer schwächer als Anja ist. Anja ist Mal herzensgut und hilft Matt in der Stunde seines Wahnsinns. In der letzten Folge zeigst du uns endlich Anja vs Anja erneut. Meine Theorie das Kali die echte Anja ist stimmt also zumindest teilweise. Wobei mir inzwischen die Theorie aufkommt das Kali Anjas verloren gegangener Äther ist. Oder zumindest etwas davon was nicht zum Sammler gekommen ist.

      Achja musste an der Stelle lachen wo Zahnte weg gesprungen ist.

      Zahnte: Riecht ihr das auch?
      Anja: Nein was den?
      Matt: Hallo ich habe hier einen wichtigen moment.
      Zahnte: Riechst du das nicht Anja?
      Anja: Nein tue ich nicht! Kümmere dich Mal um Matt der bricht hier gleich zusammen.
      Zahnte: Also wenn du das nicht Riechst werde ich wohl nachgehen müssen.
      Anja: Dein scheiß ernst? Du machst dich über meine Verantwortungslosigkeit so lange lustig und wenn es darauf ankommt ziehst du den verdammten Schwanz ein? Was bist du ein Huhn oder ein Wolf?
      Zahnte: Sorry Anja ich rieche eben den Plot.
      Anja: Wie kann man einen Plot riechen? Hey du bastard hau nicht ab!
      Matt: Anja du bist die Inkarnation des bösen!
      Anja: Oh shit. Bist du bessesen?
      Matt: Nein ich wünschte ich währe es.
      Anja: -_-
      /spoiler]
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      @-Aska-
      Zu viel des Dankes, bin froh dass die Geschichte weitergeht.

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      Folge 100


      Kali ist also auch Anya. Das erklärt erstmal nicht viel. Eine Hypothese von mir wäre dass sie durch die Beeinflussung des Ätherstroms entstanden ist. Immaterielle meinten ja immer, dass sie dem Schicksal einen neuen Pfad hinzufügen. Es könnte sich also um Anya handeln, wie sie sich entwickelt hätte, wenn die Pfade einen normalen Weg genomme hätten. Durch die extreme Nutzung dieser Fähigkeit, sowohl von Anya als auch ihren Gegnern könnte sich dann genug für ein zweites Ich ergeben haben, vielleicht durch Unterstützung von Gardenia, die Pfade die nie stattfanden zusammenlegte.


      Anderer Bereich, Treffen bei den Redfields.
      David ist wohl tatsächlich ein Guter; aber der Sammler auch? Mal sehen. Jedenfalls interessant, dass ein Homunculus funktionieren kann, macht die Hoffnung, dass die Undying das auch hinkriegen, wobei der Sammler auch deutlich stärker ist. Der Handel durch den der Sammler Excel-Monster bekam, ist dann wohl der mit Henry. Lee taucht dort auch auf, mich interessiert aber mehr warum er sich wirklich dort rumtreibt. Auch wenn er tatsächlich so langsam im Kopf ist, wird er irgend eine andere Mission aufgetragen bekommen haben, sonst würde ihn die Witwe Carrington weiterhin bei sich halten. Und dann auch noch Marc. Den hatte ich eigentlich komplett abgeschrieben, aber wenn er zurück kommt wird er wahrscheinlich wichtiger als in der letzten Staffel werden.


      Nächste Folge dann also noch ein Pearl. Frag mich ob dieser dann auch mehr als nur eine Karte ist.

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      Kali zeigt eine völlig andere Seite. Weniger Rachepläne, sondern vernünftige Überlegungen, wie man sie leicht nachvollziehen kann, zB. im Zusammenhang mit den Kollateralschäden von Zachs Attentat auf Anya. Das lässt sie menschlich erscheinen und erstmals nicht nur wie eine knallharte Antagonistin wirken, sondern wie jemand mit in Anbetracht der Umstände berechtigten Interessen, die von rationalen Erwägungen weitgehend durchdrungen sind. Das sieht man für mich auch daran, dass sie Matt ein Stück weit heraushält. Was sie wohl damit meinte, dass er etwas mit der Sache zu tun hat? Egal, während sich die Enthüllung von Kalis Plänen immer weiter anbahnt. Anyas Lachanfall ist ein bemerkenswertes Zeugnis von Souveränität, mit dem ich nicht gerechnet habe. Klar hat sie sich weit entwickelt, aber dass sie ihre Lage so weit akzeptiert, dass sie in der Position ist, um über die Rechtfertigung des Strebens ihrer Gegner nachzudenken ohne mit der Problematik der realen Umstände zu hadern...wow. Damit zweifelt sie das Schicksal an, statt ihm nur zu trotzen, fragt nach seiner Berechtigung und fordert ein (oder zurück?), was ihr selbst in gewisser Weise zusteht. Kalis Identitätsoffenbarung am Ende bleibt unvollständig. Aber wenn sie Matt bereits kennt, muss sie am Ende doch ihre Mutter sein. Zumindest wüsste ich nicht, wie man ihre Verwandtschaft, sofern man diese aus ihrem Aussehen ableiten kann, sonst im Kombination damit erklären könnte, außer indem sie bereits vorkam und zwar eben genau als Anyas Mutter. Aber was ist mit der Narbe? Kann mich nicht erinnern das Anyas Mutter so eine gehabt hätte. Nebenbei bemerkt noch spannend, das es für Kali längst nicht nur ein Triumph war, obwohl sie so lange darauf hingearbeitet hat, Anya zu vernichten.

      Das der Clown Lee wieder auftaucht und es Marc schafft, sogar eine ähnlich schlechte Figur zu machen, tut mir leid für ihn. Was David Valerie danach zu sagen versucht, lässt mich unweigerlich an die letzte Szene mit Anya und dem Sammler zurückdenken. Es wird sich sicher noch zeigen, was er konkret für den Sammler vorzubringen hat, aber was soll das sein? Der Sammler wollte die ewige Ordnung korrumpieren und hat deren Wächter, die Undying massiv angegriffen. Von allem anderen Mal abgesehen. Sicher wird man das erklären können. Aber es spricht nach bisherigem Stand eindeutig viel gegen ihn.

      Als hätte das Jubiläum es hervorgerufen häufen sich die Rückmeldungen von den Lesern. Das ist doch schon mal was :)

      So, dann an dieser Stelle herzlichen Dank für die vielen Kommentare.
      Es hat mich sehr gefreut, euch spekulieren zu sehen. Ich hoffe, euch mit dieser Folge dafür "belohnen" zu können.

      @Deckcreator16
      Dann bedanke ich mich umso mehr, dass du jetzt was geschrieben hast. :)

      Ja, Kali kam in der zweiten Staffel zum ersten Mal vor. Ich gebe dir auch Recht. Kali konnte zwar Nick besiegen, doch danach hat sie immer nur Niederlagen kassiert – vom Maskierten Dämon, Anya ... ob es diesmal was wird? Es ist halt auch die Tatsache, dass Kali das CG-Deck inzwischen anders spielt.

      Ich finde es auch sehr schön, wie du Anyas Entwicklung siehst. Sie ist weit ab perfekt zu sein und ich denke, arrogant ist sie immer noch in manchen Belangen, aber sie hat vieles gelernt. Und ja: Barbie kam schon Ewigkeiten nicht mehr vor. Die Kleine wird erwachsen. T___T

      Natürlich hätte ich für die 100. Folge auch ein Special machen können, aber ich denke, das Geheimnis zu lösen, was sich hinter Kalis Maske verbirgt, war da doch interessanter.
      Und alles, was dahinter steht, wird natürlich große Auswirkungen haben. Einen ersten Vorgeschmack darauf gibts im Anschluss.

      Nochmal vielen Dank, dass du dich wieder gemeldet hast. :)

      @WiR
      Auch schön, dich wieder hier zu sehen. :)

      Freut mich, dass dir die Folge mit dem 1 VS 3 gut gefallen hat. Dass Nick mit dem Sammler zusammenarbeitet hat natürlich seine Gründe. Im Englischen gibts dazu ein Sprichwort: "Keep your friends close but your enemies closer".
      Ich denke, was Nicks Geheimnis angeht, wird es noch viele interessante Verwicklungen geben.

      Matt kann eben gegen Plotarmor nicht gewinnen – zumindest nicht in der Folge. XD

      Und jop: Zanthe wurde vom Plot weggelockt. Zu dumm.

      Danke für deine netten Worte. :)

      @MelleMel
      Trotzdem freue ich mich über deine Kommentare, also danke nochmal. :)

      Deine Theorie ist sehr interessant, die habe ich so noch nicht gehört bisher. Auch dass Gardenia dahinter steckt. Mal sehen, ob das mit dem übereinstimmt, was wir heute erfahren werden. ^^

      Dass David ein funktionierender Homunculus ist, ist schon mal ein Anfang. Ist halt die Frage, wie lange er schon lebt und wie es mit ihm weitergeht. Ich würde per se nicht unterschreiben, dass der Sammler wirklich stärker als die Undying ist. Eher ebenbürtig – was auch schon viel heißt.

      Was Lee und Marc angeht, haben die noch keine Rolle. Aber sie bekommen beide noch eine, ist nur die Frage, wie groß sie wahrgenommen wird. Es sind eben beides keine Mains, anders als Abby, die in Staffel 3 wieder wichtiger geworden ist.

      Viel Spaß mit der nächsten Folge. :)

      @Mcto
      Auch dir herzlichen Dank. Um deinen Post von hinten aufzurollen: Ja, scheint, als hätte das Jubiläum (oder Kalis Gesicht) was gebracht. Ick freu mir. :)

      Ich denke, du wirst in der nächsten Folge feststellen, dass Kali durchaus nachvollziehbare (oder gerade auch nicht) Gründe für ihr bisheriges Handeln hat. Hab übrigens nicht erwartet, dass Anyas Lachanfall so starke Reaktionen bei den Lesern hervorruft. Man lernt immer wieder dazu. :)

      Abgesehen davon, werden gleich viele Fragen erstmal beantwortet.
      Jeder hat ja seine eigene Theorie. Ich fasse nochmal zusammen:

      Kali ist Anyas Mutter (du)
      Kali ist eine Anya, die durch unbenutzte Schicksalspfade entstanden ist (MelleMel)
      Kali ist der verlorene Äther Anyas oder das Original (WiR)
      Kali ist Anya aus der Zukunft / einer Parallelwelt (Deckcreator16)

      Sehr interessant. :)

      Ja, David kann nicht wirklich für seinen Meister argumentieren. Zumal David ebenfalls nicht alles weiß bzw. leicht manipuliert werden könnte.

      In diesem Sinne vielen Dank auch dir. :)


      Genug gequatscht ...

      Turn 101 – Square The Circle
      Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Angekettet stand Anya da, gefangen in einem durch Kreide markierten Bannkreis und stand Kali gegenüber. Hinter ihr war Matt an einem Pfeiler im Sitzen festgebunden. Beiden entglitten nach und nach die Gesichtszüge. Vor Kalis Füßen lagen die Scherben ihrer zerbrochenen Porzellanmaske.
      „Willkommen in der Hölle“, knurrte die selbsternannte Dämonengöttin, die abseits einer langen Narbe auf ihrem Gesicht genauso aussah wie Anya, „deiner ganz persönlichen Hölle.“
      Fast schon nebensächlich waren da die weiße Mechaschwalbe, der schwarze Kauz, das 'Violettkehlchen' sowie der größere Metallstorch und der großschnabelige Albatros, die sich um Kali scharten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow [ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 PSC: <9/9>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Stork [ATK/1400 DEF/1500 (4)]

      Als wäre sie dir aus dem Gesicht geschnitten! Was ist sie?

      Levrier, der vor Anya in seiner [Gem-Knight Pearl]-Form ebenfalls auf dem Spielfeld verharrte, drehte sich zu dem schockierten Mädchen um. Die brauchte einen Moment, um überhaupt zu reagieren, ehe sie knurrte: „Sicherlich nicht ich!“
      „Bestimmt nicht“, stimmt auch Kali ihr darin zu.
      Vorsichtig begann Anya zu lachen. „Heh! Für einen Moment hattest du mich. Das ist wirklich originell, viel besser als deine Rachepläne!“
      Aber ihre Widersacherin verzog keine Miene. „Nicht mehr lange und du bist für immer fort. Dann bekomme ich zurück, was du mir genommen hast.“
      Tatsächlich spielte sie auf Anyas Lebenspunktestand an. Vor dem Mädchen, das zwei Karten in der Hand hielt, lag eine verdeckte Karte. Zudem strahlten neben beiden Mädchen links und rechts von ihnen hellblaue Lichtsäulen. In Anyas befanden sich der [Gem-Tiger] und [Gem-Knight Tiger's Eye], ein peitschenschwingener Ritter mit dreieckigem Helm, dessen Farbgebung an einen Tigerkopf erinnerte. Dagegen befanden sich in Kalis Lichtsäulen der goldene [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix] mit roten Schwanzfedern und der silberne [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon], ein Greif mit grün-gestreiften Pranken.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>

      [Anya: 1500LP / Kali: 4000LP]

      <3> Kalis Pendelbereich <9>

      „Und was zur Hölle habe ich dir genommen?“, fragte Anya wütend. „Rück' endlich mit der Sprache raus!“
      Kali hob langsam die Hand. „Ist das nicht offensichtlich? Meine Identität. -Ich- bin Anya Bauer. Die echte! Und du? Du bist nichts weiter als eine Fälschung!“
      Die Worte trafen das blonde Mädchen wie ein Schlag, besonders als die Kuttenträgerin ihren Zeigefinger auf sie richtete.
      „Eine Fälschung? Die echte Anya Bauer!?“ Matt beugte sich vor. „Unmöglich! Sie ist Anya!“
      Ihm einen leblosen Blick schenkend, zischte Kali leise vor sich hin. „Yeah. Natürlich denkst du das, Summers. Würde ich an deiner Stelle auch.“
      „Haha! Du bist durchgeknallt!“, fauchte Anya und gestikulierte wild. „Sag nicht, du glaubst den Scheiß, den du da von dir gibst!? Ich bin keine Fälschung! Wenn überhaupt, dann du!“
      „Vielleicht ist sie so etwas wie eine Marionette“, mutmaßte Matt, „die glaubt, sie sei das Original.“
      „Wir sind hier nicht in einem Videospiel!“ Kali ballte beide Fäuste. „Egal was ich auch sage, es würde nichts ändern, Summers. Und das Schlimmste ist, dass ich selbst an allem Schuld bin.“
      Sie sah Anya tief in die gleichen blauen Augen, die sie selbst besaß. „Weil ich das Miststück erschaffen habe!“

      ~-~-~

      „Wie lange soll dieses Versteckspiel noch weitergehen?“, rief Zanthe angesäuert.
      Er stand verlassenen mitten im Wald nahe San Augustino. Hier und da stand ein Baum oder Busch, das Moos unter seinen Füßen roch angenehm. Aber es konnte den Geruch von Falschheit nicht überdecken.
      „Böser großer Bruder.“ Der Werwolf sah sich um, aber konnte niemanden entdecken. „Du hast mich weggelockt, ich hab's verstanden. Also zeig dich. Sonst hol' ich dich aus deinem Versteck hervor.“

      Welches er möglicherweise gerade in der Ferne entdeckt hatte. Auf etwa hundert Meter konnte er eine braune Erhöhung zwischen mehreren Bäumen entdecken. Was auf den ersten Blick wie ein riesiger Haufen menschlicher Ausscheidungen aussah, war jedoch in Wirklichkeit ein von der Zeit vergessener Bunker. Rostig und oval geformt, stand er genauso verlassen im Wald wie Zanthe.
      „Interessant“, murmelte der schwarzhaarige Kopftuchträger mit dem Pferdeschwanz und rannte auf den Bunker zu.

      Als er dort ankam, stellte sich heraus, dass dieser in seinem Inneren hohl war. Eine massive Tür versperrte den Weg ins Innere, wie Zanthe schon aus der Ferne bemerkte.
      „Willst du immer noch nicht mit mir spielen?“, fragte er und bückte sich dabei. Kaum hatte er einen Stein aufgelesen, wirbelte er um die eigene Achse und schleuderte ihn in eine der Baumkronen hinter ihm. Doch der Stein, der den blonden, großen Zachariah Bauer hätte treffen sollen, flog durch ihn hindurch.
      „Das tue ich doch schon die ganze Zeit“, sprach jener, der plötzlich im Inneren des Bunkerinnenraums stand und die Arme verschränkte.
      Seelenruhig drehte sich Zanthe grinsend um. „Schade. Ich wusste, dass du woanders bist, hatte aber trotzdem irgendwie gehofft, dir die Klöten wegzufegen.“
      „Solltest du nicht woanders sein?“, fragte der junge Mann in weißem Hemd und darüber liegendem, gleichfarbigen Sakko provokativ. Eine protzige, goldene Kette hing um den Hals von Anya Bauers älterem Bruder.
      Zanthe verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Schätze schon. Als ich wusste, wen ich da jage, hätte ich besser Anya vor euch warnen sollen. Aber um ehrlich zu sein mache ich mir keine Sorgen um sie. Oder Matt.“
      „Und das ist ein Fehler“, entgegnete Zachariah mit süffisantem Grinsen, „stell dir vor, sie und der Dämonenjäger hatten einen heftigen Streit. Denkst du, Kali konnte da widerstehen?“
      „Denkst du -ich- kann der Gelegenheit widerstehen, dich ein bisschen auszuquetschen?“

      Tatsächlich bereute Zanthe seine Entscheidung längst. Er hatte zu lange gebraucht, um den Geruch zuordnen zu können. Und als es ihm gelang, war er schon mindestens eine Meile von Anya und Matt entfernt gewesen. Was ihm jetzt blieb war bloß, diesen Spinner zu fangen und das Beste aus der Situation zu machen. In dem Fall bedeutete dies für Zachariah unschöne Verhörmethoden, ausgestattet mit dem Anya Bauer-Gütesiegel. Die … ein wenig an seinen Geschmack angepasst waren, verstand sich.
      Er wollte schon lange mal mit ihr die Rollen tauschen, dachte Zanthe insgeheim fasziniert.

      Völlig ernst, um seine fragwürdigen Gedanken zu verbergen, fragte er: „Also, ist jetzt Schluss mit dem Wegrennen?“
      Der Blonde nickte. „Leider ja. Ich habe alle Teleportationszauber aufgebracht, die Lady Gardenia mir gegeben hat.“
      „Zu schade aber auch“, murmelte Zanthe verheißungsvoll und ließ die Fingerknöcheln knacken.
      „Wem sagst du das? Ich wäre zu gern dabei, wie Kali mein 'Schwesterherz' auseinander nimmt“, lachte sein Gegenüber böse und breitete die Arme aus, „was genau -jetzt- passieren sollte.“
      „War das alles geplant?“
      „Ich bitte dich. Wir beobachten euch schon eine ganze Weile. Also wussten wir auch, dass ihr hierher kommen würdet.“ Zach drehte sich um, betrachtete die Bunkertür. „Da wir euch voraus waren, konnten wir ein bisschen rumschnüffeln. Und sind dabei auf dieses Baby gestoßen. Wahnsinnig cool.“
      Er wandte sich wieder dem Werwolf zu. „Vier unterirdische Bunker, alle miteinander durch Gänge vernetzt. Hat so ein paranoider Reicher in den sechziger Jahren gebaut. 'Die Russen kommen'! Oder irgendwie so. Wir hatten keine Zeit, sprich keine Lust, uns mit der genauen Geschichte auseinander zu setzen.“
      „Ist Anya da drin?“, fragte Zanthe angespannt und sah an ihm vorbei.
      „Natürlich ist sie das. Immerhin will Kali diesen Ort zu ihrem Mausoleum machen“, lachte Zachariah finster, „aber du glaubst hoffentlich nicht, dass du auch nur ansatzweise in ihrer Nähe bist, oder? Im Gegenteil. Dieser Bunker ist am weitesten von ihrer Position entfernt.“
      Aber der Werwolf grinste überlegen. „Macht nichts. Ich bin flink.“
      „Oh. Und du glaubst hoffentlich auch nicht“, sprach Zach weiter und hob den Arm, an welchem seine Duel Disk ausfuhr, „dass ich dich hier durchlasse.“

      Die beiden sahen sich schweigend an. Dann rollte Zanthe mit den Augen und aktivierte seinen Duellhandschuh, der sich von einem Armreif in besagten Apparat transformierte. „Oh man, das sagst du als schlechtester Türsteher überhaupt. Wie viele Züge hat Anya letztens gebraucht, um dich wegzuklatschen?“
      Mit vollem Genuss sah er, wie sich die Augen des großen Blonden weiteten.
      „Glaubst du da geht noch was? Du stehst auf der Liste der Versager nämlich noch über Matt Summers“, stichelte Zanthe weiter, „und das will was heißen.“

      Diese Idioten, dachte er dabei an jenen und Anya. Er konnte sich schon denken, wie deren Streit zustande gekommen war. Nicht, dass es nicht unausweichlich gewesen wäre, aber trotzdem!
      Er konnte Anyas Spur nicht wittern. Sie war also nicht hier gewesen. Aber ihr Bruder wäre auch schön dämlich, ihn genau an den Ort zu führen, wohin Anya verschleppt worden war.
      Vielleicht waren er und Matt ja doch wenigstens auf einer Stufe …

      „Was ist jetzt?“, fragte Zachariah herausfordernd und winkte den Werwolf mit einer Geste demonstrativ zu sich. „Willst du lieber quatschen oder wenigstens versuchen, das Mädchen zu retten?“
      „Richtig …“
      Angestachelt davon riefen beide schließlich: „Duell!“

      ~-~-~

      „Erschaffen!?“, überschlug sich Anyas Stimme förmlich. „Du? Mich!? Bist du jetzt völlig übergeschnappt!?“
      Die festgekettete Blonde drehte ihren Zeigefinger um die Schläfe.
      Anders als Matt, der sich die Geschichte zumindest anhören wollte. „Du musst zugeben, dass das absurd klingt, Kali. Hast du irgendwelche Beweise dafür, dass du Anya Bauer bist?“
      „Natürlich hat sie das nicht!“, fauchte diejenige, die bisher diesen Namen innehatte, außer sich über ihre Schulter an den angebundenen Dämonenjäger gerichtet. „Summers, auf wessen Seite stehst du eigentlich!?“
      „Auf gar keiner“, kam es eisig zurück.
      Anya zuckte erschrocken zusammen. Dann senkte sie den Kopf getroffen. „'kay …“
      „Also?“, forderte Matt an die Kuttenträgerin gewandt.
      „Ihr wollt Beweise? Natürlich könnte ich euch Fragen stellen lassen, aber das nicht besonders kreativ. Noch dazu wüsstest du gar nicht, ob ich die Wahrheit sage.“ Kali lachte bitter. „Denn -sie- würde es abstreiten, auch wenn die Antwort noch so detailliert wäre.“
      „Hmpf!“
      „Wie wäre es dann damit.“ Kali streckte die Hand nach vorne aus. „Ich werde ein Monster beschwören, dass nur Anya Bauer besitzt. Ich errichte das Overlay Network!“
      Vor ihr öffnete sich ein Schwarzes Loch. „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Sofort wurden ihre beiden größeren Vögel als gelbe Lichtstrahlen in den Wirbel gezogen.

      Oh! Ich bin ja so gespannt! Was wird es wohl sein, Matthew Summers?

      Thoras' Herumgealbere in seinem Schädel machte die Kopfschmerzen nur noch schlimmer, stellte Matt genervt fest. Das Overlay Network? Welches Xyz-Monster besaß nur Anya? Ihm fielen gleich drei ein, aber man musste kein Raketenwissenschaftler sein, um daraus das richtige zu bestimmen.
      „Sag nicht …“
      „Xyz Summon! Erscheine!“
      Eine gewaltige Explosion erschütterte das Schwarze Loch. Aus diesem stieg langsam eine weiße Gestalt, bei dessen Anblick Anya fast die Augen aus den Höhlen kullerten. Kali schrie: „[Gem-Knight Pearl]!“
      Als sich der Ritter vor ihr platziert hatte, umkreist von zwei Lichtsphären und sieben riesigen Perlen, prustete Anya los: „Wirklich!?“

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Zugegeben, das Ding sah exakt so aus wie Levrier, aber etwas Wichtiges unterschied es dann doch von dem Immateriellen. Nämlich dass es nur ein lebloses Hologramm war.
      „Du hast echt Nerven“, knurrte Anya. Es stimmte, nur sie sollte diese Karte besitzen, wurde sie schließlich als einzige nicht in dem neuen Gem-Knight Structure Deck gedruckt. „Die Idee wäre ja fast gut, wenn du dir nicht jede x-beliebige Karte aus dem Arsch ziehen könntest! Oder dem deiner Mutti!“
      „Warum würde ich Lady Gardenias Zeit damit verschwenden wollen, mir eine so wertlose Karte erschaffen zu lassen?“, kam es von Kali verächtlich. „Ich habe sie nur behalten, weil ich dir damit eine Lektion erteilen will. Und endlich ist die Zeit dazu gekommen. Tch! Ich hätte mich dir schon viel früher zeigen sollen.“
      Anya zischte: „Yeah. Stattdessen hast du jedermanns Zeit verschwendet!“
      „Oh, ich mache es wieder gut! Indem ich dich mit deinem eigenen Monster vernichte!“ Kali schwang den Arm aus. „[Gem-Knight Pearl], greife dein Spiegelbild an! Blessed Spheres of Purity!“
      Jener machte es seiner Herrin nach und befahl mit dem Schwenk seiner Hand seinen sieben Perlen den Angriff. Anya ihrerseits runzelte die Stirn. „Doppelkill!?“
      Doch sie irrte sich. Denn nicht nur der gegnerische Pearl hatte sich in Bewegung gesetzt. Plötzlich fegte auch die weiße Mechaschwalbe über das Spielfeld. Die grünen Streifen an ihrer Lackierung begannen grell zu leuchten und wurden transparent, sodass man das mechanische Innenleben erstmals wie bei anderen Vertretern der Celestial Gears sehen konnte.
      „Wenn ich sage, ich vernichte dich mit deinem eigenen Monster, dann meine ich das auch so! Unterstützt wird mein Pearl, der -echte-, durch den Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow]!“ Kali lachte laut auf. „Jedes meiner Pendelmonster verfügt über einen anderen Effekt, wenn sie als Pendelbeschwörung gerufen wurden. Swallow kann während der Battle Phase auf den eigenen Angriff vernichten, um eines deiner Monster bis zum Ende des Zuges um 2500 Punkte auf beiden Werten zu schwächen! Overgear Collision!“
      Der riesige Vogel flog noch an den herannahenden Riesenperlen vorbei und krachte in Levrier, der gequält aufschrie. Aus der folgenden Explosion kam die Schwalbe unversehrt hervor und flog im hohen Bogen zu ihrer Herrin zurück, während Levrier sich den Bauch hielt.

      Ugh! Das ist … nicht gut …

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 100 DEF/1900 → 0 {4} OLU: 2]

      Noch größenwahnsinniger als je zuvor lachte Kali: „Hahaha! Jetzt bist du gefundenes Fressen für meinen Pearl, Levrier! Fühlt sich so gut an, dich endgültig aus meinem Leben zu verbannen!“
      Der Perlenschwarm näherte sich Levrier unaufhaltsam.
      „Verbannt wird hier nur eins“, knurrte Anya mit Schweißperlen auf der Stirn, „und zwar [Gem-Knight Sapphire] von meinem Friedhof! Durch den Effekt von [Gem-Tiger]!“
      Jener weiße, mit Diamanten am Rückgrat bespickte Tiger in der von Anya aus rechten Lichtsäule brüllte furchteinflößend. „Damit kann ich einmal pro Zug einen Angriff annullieren!“
      Im letzten Moment vor dem Einschlag blieben die Geschosse mitten in der Luft stehen.
      „Kch“, zischte Kali, „daran hatte ich nicht gedacht! Aber damit kannst du diesem Drecksstück die Schmerzen nicht ersparen, die es verdient hat!“

      Wie bitte!?

      „Du hörst richtig! Ohne dich wäre all das nie passiert!“ Als sie das sagte, funkelten Kalis blaue Augen voller Abscheu. „Der Tag, an dem du in mein Leben getreten bist, um Eden zu werden, hat erst hierzu geführt!“
      Sie zeigte auf Anya. „Ich hasse sie! Und ich hasse dich, Levrier! Meine Rache wird erst vollendet sein, wenn ihr -beide- tot seid!“

      Ich muss dich enttäuschen, aber du bist nicht Anya Bauer! Auch wenn du das glauben magst. Ich kann bestätigen, die Seite -dieses- Mädchens nie verlassen zu haben! Ich war stets bei ihr, selbst in der kurzen Zeit zwischen dem Untergang des Turms von Neo Babylon und dem Erwachen Urilas!

      „Halt's Maul!“, fuhr ihn Kali jedoch mit weit aufgerissenen Augen an, zeigte mit dem Finger auf den Immateriellen. „Greif ihn an, [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Overgear Barrage!“
      Der grüne Streifen um die Augen des schwarzen Mechakauzes begann zu strahlen und transparent zu werden. Dann spreizte er die Schwingen und feuerte zahllose, aus dem Nichts auftauchende Metallfedern auf Levrier ab. Welcher sich mit erhobenem Armen dagegen wehrte, doch die scharfen Klingen blieben in ihm stecken.

      Argh!

      Einige flogen an ihm vorbei oder durchbohrten ihn glatt, sodass auch Anya erfasst wurde. Die tat es ihrem Partner gleich und schütze sich, doch die Geschosse zerrissen ihre Hose und die schwarze Jeansjacke. Blut spritzte ihn alle Richtungen.
      „Ugh!“ Gerade als die Blonde dachte, es wäre vorüber, wurde ihr durch die Kette an ihrem Bein ein heftiger Stromschlag verpasst. „Hyah!“
      Keuchend kippte das blutende Mädchen nach vorne.

      [Anya: 1500LP → 600LP / Kali: 4000LP]

      „Anya! Levrier!“, schrie Matt erschrocken.
      „Was!?“, fauchte Kali, lachte dann aber verbittert. „Oh! Du meintest sie. Mein Fehler …“
      Alles war taub. Die gerufene Anya konnte sich geradeso mit den Händen vom kalten Beton abstützen und kniff die Augen ob der blutigen Schnittwunden an Armen und Beinen zusammen.
      Es tat nicht weh! Fuck, es tat nicht weh! Und der Schmerz ließ nach …

      Geht es dir gut?

      „Y-yeah“, keuchte Anya, als sie sich aufrichtete. „Was ist mit dir? Du bist noch hier?“
      „Natürlich ist er das. Von Swallows Effekt getroffene Monster können nicht durch Kämpfe zerstört werden. Und das ist auch gut so“, erklärte die junge Frau mit der Narbe auf der Stirn, die sich bis über ihre Nase zog, „so kann er noch ein wenig mehr leiden. Genau wie du, Fälschung!“
      Darüber konnte Anya nur müde lachen. „Die Leier schon wieder? Du tust mir leid. Glaubst ernsthaft, dass du ich wärst.“
      Matt musste bitterböse auflachen. „Sie ist wohl die Erste, die gerne in deiner Haut stecken will.“
      „Was soll das heißen, Summers!?“, kam es tatsächlich gleich von beiden, sodass die sich giftig ansahen.
      „N-nichts“, stotterte er heiser ob der Vorstellung, gleich zwei dieser Furien ausgesetzt zu sein.
      Plötzlich streckte Kali die Hand aus. „Da ich dir Schaden zugefügt habe, setzt jetzt der Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] ein, da es als Pendelbeschwörung aufs Feld kam! Ich darf eine Karte ziehen!“
      Jenes 'Violettkehlchen' gab einen schrägen Singsang von sich, während Kali eine Karte vom Deck riss. „Und direkt danach aktiviere ich während meiner Main Phase 2 den Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Da auch er als Pendelbeschwörung gerufen wurde, kann ich die oberste Karte meines Decks zu seiner Overlay Unit werden lassen!“
      Aus der roten V-Duel Disk stieg eine Lichtkugel auf, die zu dem schwarzen Kauz flog und ihn zu umkreisen begann.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 → 1 PSC: <9/9>]

      „Das soll's fürs Erste gewesen sein“, meinte Kali zufrieden, „dein Zug, Fälschung!“
      Anya knirschte mit den Zähnen ob der ständigen, falschen Behauptung, sie wäre nicht echt! Levrier wusste es schließlich besser als jeder andere, wie konnte sie das so frech ignorieren!? Außerdem, wenn sie -wirklich- nicht echt wäre, müsste der Immaterielle doch unter Kalis Fittchen stehen!
      „Blöde Kuh!“, schimpfte die Blonde abschließend. Dabei betrachtete sie ihre schwarze Duel Disk, in der drei Stahlfedern steckten. Eine davon verschwand. Aber solange nur eine davon übrig war, konnte sie keine Monster der Stufe 7 oder höher spezialbeschwören. Und das schloss den [Gem-Eyes Value Dragon] auf ihrer Hand mit ein.
      Gleichzeitig atmete Levrier auf.

      Meine Stärke kehrt zurück!

      Gem-Knight Pearl [ATK/100 → 2600 DEF/0 → 1900 {4} OLU: 2]

      Indes verzog Matt vor Schmerz die Augen. Nicht nur sein Kopf dröhnte, noch dazu taten ihm Teile seines Körpers weh, von denen er nicht einmal wusste, dass er sie überhaupt besaß. Was Thoras sagte, war am Ende doch wahr gewesen: [Primalswarm Yggdrasil] brachte seinen Benutzer eines Tages um. Wenn er ihn noch einmal beschwor, würde das sein Schicksal sein.

      Tja, wenn ich es nicht besser wüsste, könnten die beiden tatsächlich ein und dieselbe Person sein. Aber ich weiß es besser.

      Wenn man vom Teufel sprach. Matt horchte auf. „Was?“

      Ach komm schon, Loverboy! Merkst du es denn nicht? Die beiden Süßen – oder in diesem Fall wohl eher Salzigen sehen zwar aus wie dasselbe Modell 'geschrumpfte Mörderbarbie', aber wenn man mal kurz seine mentalen Fühler-

      „Komm zum Punkt!“, brummte Matt genervt.
      Wodurch der goldene Kakerlakenritter an seiner Seite mit ausgebreiteten Armen schulterzuckend erschien.

      Sie geben eine ähnliche Aura ab, aber keine identische, Matschematt! Um genau zu sein ist die bei der Produktion beschädigte wesentlich schwächer als die, mit der wir uns herumschlagen müssen!

      In dem Moment warf Kali dem Immateriellen einen eisigen Blick zu. „Gratulation, Einstein, du bist ja schnell darin, das Offensichtliche festzustellen. Die Fälschung da hat ihre Conqueror's Soul schließlich wesentlich intensiver genutzt als ich. Und sie hat bei unserem letzten Treffen einen Teil meiner Kraft gestohlen …“

      Yieks!

      Thoras wich mit erhobenen Armen zurück. Anya dagegen beschränkte sich auf: „Bahnhof! Was auch immer, mir egal! Draw!“
      Voller Ehrgeiz zog sie ihre Karte und betrachtete sie einen Moment mit weit aufgerissenen Augen, ehe sie den Arm ausstreckte. „Los Levrier, greif' [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] an!“
      „Idiot“, lachte Kali, „schon vergessen, dass Robin bei einem Angriff die Position wechseln kann!“
      „Nein! Fuck you, Miststück! Schnellzauber [Forbidden Chalice]!“

      Anya Bauer, nein! Du solltest dir diese Karte aufheben!

      „Schnauze!“, fauchte Anya ihren Partner aufgeregt an. „Ich werde nicht zulassen, dass sie mich eine Fälschung nennt! [Forbidden Chalice] negiert den Effekt des Ziels und gibt ihm 400 Angriffspunkte!“
      Kali reckte erschrocken den Kopf hoch, als über ihrem 'Violettkechlchen' ein goldener Kelch mit Wein erschien, der seinen Inhalt über den Mechavogel ergoss. Woraufhin dieser einen Kurzschloss bekam und überall um ihn herum Blitze schlugen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 → 400 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]

      Lautstark schrie Anya: „Blessed Spheres of Purity! Halt nichts zurück, Levrier!“
      Frustriert schnaufend schwang Levrier seinen Arm aus und feuerte seine sieben Riesenperlen auf den Vogel ab. Jene schlugen in ihm ein wie Bomben, lösten abschließend eine mächtige Explosion aus.
      „Effekt meines verbannten Zaubers [Gear Synthesis]“, konnte Kali noch rufen, „sie verbannt mein zerstörtes Monster auf meinen Wunsch hin!“
      Dann wurde sie von einer der fliegenden Perlen in den Bauch getroffen und mit voller Wucht gegen den hinter ihr befindlichen Stützpfeiler geschleudert. In welchem ob des Einschlags ein Krater um Kalis Körper herum entstand. Jene spie keuchend Blut aus.

      [Anya: 600LP / Kali: 4000LP → 1800LP]

      Wie ein nasser Sack plumpste sie anschließend vorne über auf den Boden.
      Matt schrie: „Bist du verrückt geworden!?“
      „Misch dich nicht ein, Summers!“, verteidigte sich Anya sofort aufgewühlt. „Sie foltert mich mit Elektroschocks, also habe ich das Recht mich zu wehren!“
      „Trotzdem!“
      „Wenn dir das nicht passt, hau einfach ab!“
      Sich an ihre am Boden liegende Gegnerin wendend, knurrte die Blonde: „Ich setze eine Karte verdeckt. Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sich jene neben ihrer anderen, gesetzten Karte. Die vorletzte Eisenfeder verschwand dabei aus ihrer Duel Disk.
      „Ha ha“, hustete Kali mehr als sie lachte. Mit einer Hand hielt sie sich den Magen, mit der anderen stützte sie sich vom Beton ab und erhob sich langsam. „Sie hat Recht, Summers. Ich verletze sie, sie verletzt mich. Alles bleibt fair.“
      Der Dämonenjäger schüttelte den Kopf. „Das ist doch Unsinn!“

      Hör bloß auf, diese Furien zu provozieren! Eine von beiden wird sicher überleben und dann geht’s uns an den Kragen!

      Tatsächlich versteckte Thoras sich inzwischen hinter dem Pfeiler, an dem Matt festgebunden war und lugte ängstlich hervor.
      „Soll ich dir sagen, was Unsinn ist?“ Kali, an deren Mundwinkeln Rinnsale von Blut hinunter tropften, grinste hässlich. „Wie diese Fälschung überhaupt entstanden ist.“
      Anya knirschte mit den Zähnen. Ihre Augen drohten aus den Höhlen herauszufallen, als sie zischte: „Nenn' mich noch einmal so und ich hab' kein Problem damit, dich ins nächste Leben zu schießen, Miststück!“
      Aber Kali beachtete sie gar nicht. Stattdessen fokussierte sie sich allein auf Summers. „Was soll ich sagen? Es gibt einen Grund, warum ich wollte, dass du ebenfalls hier anwesend bist. Versteh' mich nicht falsch, von allen Beteiligten trifft dich vermutlich am wenigsten Schuld. Aber dennoch …“
      Der Schwarzhaarige sah in ihre blauen Augen. Für einen Moment glaubte er, Traurigkeit darin zu sehen. „Ich? Was habe ich mit der ganzen Sache zu tun?“
      „Du hast die Wunderlampe angeschleppt“, sagte Kali, „ich habe mir damals von dem Jinn gewünscht, von Levrier getrennt zu werden.“
      Sie hob langsam den Zeigefinger. „Und das wurde ich. Leider hätte ich genauer erklären sollen, was ich damit meine. Du weißt ja, Summers, Jinns sind gut darin, die an sie gerichteten Wünsche misszuverstehen.“
      Das gesagt, ruhte der ausgestreckte Finger auf Anya. „Wie ich es wollte, wurden Levrier und ich getrennt. Indem an meiner Statt ein Sündenbock erschaffen wurde, ein perfektes Imitat, auf das Levrier übertragen wurde. Sie.“
      Anya weitete die Augen. „Du lügst …!“
      „Tu ich das? Dann beantworte mir Folgendes: Denkst du wirklich, dass dein gesundheitlicher Zustand mit dem Handel des Sammlers zu begründen ist?“, fragte Kali eiskalt und wischte sich mit dem Handrücken das Blut von den Mundwinkeln. „Mach die Augen auf. Er belügt dich. Schon die ganze Zeit. Er hat dir nie deine Lebenskraft genommen. Weil es gar nichts gibt, was er dir hätte nehmen können.“
      „Nein … nein!“, widersprach Anya panisch. „Das ist eine Lüge.“
      „Ist es nicht.“ Kali ballte ihre Fäuste zusammen, wurde zunehmend lauter. „Du bist nichts als eine instabile Fälschung, die mein Leben genommen hat! Schon bald solltest du verschwinden, ob ich dazu beitrage oder nicht!“
      „Nein!“
      „Doch! Aber ich will es sein, die dein Leben nimmt! Weil du meines genommen hast! Dafür will ich Rache! Rache für ein Jahr, das ich in den Schatten leben musste, wegen dir! Nochmal wird dich kein Wunder retten, dafür sorge ich!“
      „Ich bin keine Fälschung!“
      Kali übertönte sie mit all ihrer Kraft. „Du bist sogar noch schlimmer als das! Du bist ein Parasit, der vernichtet werden muss! Oder was sagst du, Summers?“

      Matt, der die Szene erschrocken mitverfolgte, überschlug sich förmlich. „I-ich!? Haltet mich da raus!“
      „Was ich sage ist die Wahrheit!“, beharrte Kali bitter. „Vielleicht glaubst du mir ja, wenn ich dir sage, was während der Begegnung mit dem Jinn passiert ist.“
      Anya indes befahl aufgelöst: „Hör nicht hin!“
      „Na, kriegst wohl langsam Panik, was?“ Die Kuttenträgerin schloss die Augen. „Nach dem Wunsch wurde mein Körper kopiert. Das war dieses flammende Ding, gegen das du dich duelliert hast und das der Jinn besessen hatte. Mein richtiger Körper wurde in der Zeit in der Wunderlampe eingesperrt.“

      Unmöglich! Anya Bauer war zu diesem Zeitpunkt in ihrem Elysion eingeschlossen!

      „Das war die Fälschung, Levrier“, erwiderte Kali emotionslos, „um dich zu täuschen, während du aus meinem Körper entfernt wurdest.“
      Sie öffnete die Augen und sah Matt an. „Das Innere der Wunderlampe war das, was ich mir immer als Limbus vorgestellt habe. Eine Welt der Leere, aus der es kein Entkommen gab. Also mein Schicksal, wäre ich daran gescheitert Eden zu werden.“
      „W-warte mal, was? Du warst -in- der Lampe?“, fragte Matt irritiert.
      Anya fragte schrill: „Wieso glaubst du ihr den Scheiß, Summers!?“
      Ihre Erzfeindin nickte. „Yeah. Aber ich war nicht allein. Da war noch jemand anderes. Und ich wette, wenn ich dir verrate, wer das war, wirst du mir endlich glauben. Und sie auch.“
      „Warum?“, fragte Matt langsam.
      „Weil das etwas ist, das nur jemand wissen kann, der die Wahrheit spricht. Dein Mentor Alector dürfte dir die Geschichte sicher irgendwann mal erzählt haben, nachdem das mit der Wunderlampe ein vermeintlicher Misserfolg war.“ Kali atmete tief durch. „Und dir hat er es auch erzählt, das weiß ich.“
      Anya schlug beide Hände gegen ihre Brust. „Mir!?“
      „Der Mann, der mit mir in der Wunderlampe eingesperrt war, war derjenige, der sie gefunden hat. Er war auf der Suche nach einem Weg, die Eltern seines Enkels zurück ins Leben zu wünschen. Aber stattdessen hat der Jinn ihn verschlungen.“
      Matt weitete die Augen, keuchte. „Unmöglich. Nein … doch nicht …?“
      „Doch. Er war es.“ Diesmal war es eindeutig Trauer, oder vielleicht Reue, die der Dämonenjäger in Kalis Augen zu sehen glaubte. „Atreus van Helsing. Alastairs Großvater.“
      „Er war eines Tages verschwunden! Alector glaubte auch, dass-“, stammelte Matt.
      „Hör auf zu lügen! Was beweist diese Behauptung denn!?“, überschlug sich Anyas Stimme förmlich, das Mädchen war hochrot im Gesicht. „Ich bin kein Nebenprodukt eines Wunsches! Ich kann mich an meine Kindheit erinnern, an alles, weil -ich- es erlebt habe! Hör verdammt nochmal auf, das für dich beanspruchen zu wollen!“
      „Die Teile fügen sich langsam zusammen. Vielleicht habe ich übertrieben und es ist kein endgültiger Beweis.“ Kali sah sie hasserfüllt an. „Aber es ist der erste Schritt, dich zu entlarven.“

      ~-~-~

      „Das ist die Wahrheit. So hat der Sammler es mir erklärt“, sagte David im dunklen Flur von Valerie Redfields Villa abschließend.
      Jenes schwarzhaarige Mädchen, das nur in einem blau-weiß-gestreiften Bikini und mit einer Schrotflinte in der Hand da stand, brachte keinen Ton mehr heraus.
      „Es tut mir leid, dass du es so erfährst“, murmelte der Schwarzhaarige mit dem blauen Pony beschämt.

      Valerie rang mit ihrer Fassung. Vornehmlich, weil sie nicht einmal wusste, ob sie das Gehörte überhaupt glauben konnte. Einerseits hatte sie keinen Anlass, diesem Kerl zu misstrauen, da er ihr trotz ihrer Differenzen einen aufrichtigen Eindruck machte. Andererseits war er der Diener des Sammlers, des Feindes. Und der sah sicher nicht davor zurück, Lügen einzusetzen, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Sollten sie auch nur dazu da sein, Unruhe innerhalb ihrer Gruppe zu verursachen.

      „Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann“, sagte sie schließlich.
      „Das solltest du. Bitte.“ David sah ihr in die Augen. „Der Meister hat Pläne mit eurer Anya, das ist wahr. Aber er … er will ebenso wenig, dass sie stirbt.“
      Valerie schüttelte den Kopf. „Trotzdem werde ich nicht dabei helfen, indem ich Anya überrede, ihre Mission wieder aufzunehmen. Das … das kann nicht stimmen!“
      „Möglicherweise hast du damit Recht. Ich kann das nicht beurteilen.“ David drehte sich von ihr weg und schritt langsam Richtung Haustür. „Aber ich glaube dem Sammler. Er ist kein Lügner. Die Artefakte verstärken verschiedene Attribute ihres Trägers. Das, was ihr [Angel Wing Dragon] nennt, erhöht Stärke, Schnelligkeit und Reflexe.“
      „Was?“, wunderte sie sich leise und folgte ihm dabei.
      „Das Monster Heavy T vermag sogar das Leben des Besitzers verlängern. Und die derzeitige Inkarnation der Zwillingsschwerter, Murciélago, verleiht ihrem Träger die Kraft, die eigene, reine Vorstellungskraft auf den Körper anzuwenden. In Form von Illusionen.“ Vor der verschlossenen Tür drehte er sich zu ihr um. „Und das sind nur drei von sieben Artefakten.“
      „Aber selbst wenn das, was du sagst, wirklich der Wahrheit entspricht. Wie würde das Anya helfen?“
      „Wer im Besitz von allen sieben ist, dürfte theoretisch unbesiegbar sein. Der Meister erhofft sich, dass durch die verschiedenen Kräfte Anyas Existenz stabilisiert wird.“ Der junge Mann im orangefarbenen T-Shirt seufzte. „Aber die, die sie schon hat, reichen dafür noch nicht aus, verstehst du?“
      „Nein“, gestand Valerie leise, zog an ihm vorbei und öffnete die Tür. „Nein, ich verstehe nichts. Bitte geh' jetzt.“
      Resignierend nickte der junge Mann und trat über die Schwelle. Aber nicht, bevor er sich noch ein letztes Mal zu ihr umdrehte. „Sie wird es bald herausfinden. Daher dachte ich, du solltest das wissen.“
      Dann ging er weiter und ließ mitten im Garten der Redfields eines dieser schwarzen, ovalen Portale erscheinen. Im Weggehen winkte er Valerie zu und verschwand schließlich vor ihren Augen.
      Und das Mädchen wusste weiß Gott nicht, was sie von diesem Besuch halten sollte. Hätte sie Marc doch bloß nicht weggeschickt …

      ~-~-~

      Ich hätte es bemerkt, wenn sich etwas an meinem Pakt mit der echten Anya Bauer verändert hätte!

      „Yeah! W-was sie sagt ist völlig unmöglich“, stammelte Anya, am ganzen Leib zitternd auf Levriers Einwurf hin und drehte sich zu Matt um. „Stimmt's, Summers?“
      Der reagierte nicht.
      „M-Matt!?“
      In dem Moment senkte er sein Haupt. „Ist mir egal.“
      „W-was!?“
      „Ich sagte, es ist mir egal wer von euch jetzt die Echte ist!“, fuhr er sie schlagartig an. „Ich bin auf euch beide nicht sonderlich gut zu sprechen.“
      Da erwiderte Kali gefühlskalt. „Yeah. Die Sache mit deinem Waisenhaus. Indirekt bin ich da wohl mitverantwortlich, immerhin habe ich dieses Miststück in die Welt gewünscht. Sorry.“
      „Sorry!? Denkst du, eine Entschuldigung macht das alles wieder gut!?“, schnauzte er dementsprechend die Kuttenträgerin an.
      „Nope. Aber mehr bekommst du nicht.“

      Kali sah von ihm herüber zu einer völlig aufgewühlten Anya, die ihren Freund tief getroffenen ansah. Der mied die Blicke beider Mädchen. So sprach die selbsternannte Rachegöttin: „Was -dich- angeht, habe ich jedoch mehr als genug im Angebot!“
      Schwungvoll riss sie eine Karte von ihrem Deck und streckte den Arm in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Höre den Ruf des Phönix! Aus meiner Verbannungszone: [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] und [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker]! Pendulum Summon!“
      Daraufhin stimmte der Mechaphönix einen schiefen, deprimierenden Singsang an. Eine einzelne Träne seinerseits benetzte den Beton vor Kali, wo sich im Anschluss das Pendelportal öffnete und zwei rote Lichtstrahlen abfeuerte.
      Jene nahmen vor ihr die Form des Mecharotkehlchens sowie eines riesigen, schlanken Vogel, dessen spitzer Schnabel sowie der kleine Kamm von magentafarbenen Energiebarrieren umgeben waren, die die Zahnräder dahinter abschirmten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker [ATK/1800 DEF/1300 (4)]

      „Summers, ich“, stammelte Anya jedoch völlig abwesend, „ich … bereue, dass dir so viel Leid widerfahren ist. Und ich weiß, dass-“
      Aber der junge Mann erteilte ihr eine eisige Abfuhr. „Nicht jetzt. Konzentriere dich lieber.“

      Er hat Recht. Wenn du jetzt einknickst, könnte sie dich besiegen.

      Auf Levriers mahnende Worte hin wandte sich Anya wieder dem Duell zu.
      „Du bist also trotz allem noch auf ihrer Seite?“ Kali lachte verbittert. „'kay, im Grunde genommen kennst du sie ja auch viel länger als mich. Auch wenn sie nur eine riesige Lüge ist.“
      „Ich bin auf niemandes Seite“, stellte Matt nochmals klar.
      Und die Kuttenträgerin nickte. „Gut so. Nun zu dir, Fälschung! Ich aktiviere den Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker]! Damit kann ich sofort eine Karte in meiner Hand zerstören!“
      Anya erinnerte sich, das hatte sie auch schon während ihres letzten Duells getan. Mit diesem Effekt konnte sie Celestial Gear-Monster sofort als Rückbeschwörung rufen! Aber all ihre Monsterzonen waren voll …
      „Ich zerstöre den Zauber [Card Of Last Resort]! Wird der durch einen Effekt vernichtet, darf ich zwei neue Karten ziehen!“ Was Kali auch sofort tat, womit sie nun drei Handkarten besaß.
      Damit hatte Anya nicht gerechnet. „Kch!“
      „Battle!“, rief ihre Feindin schließlich mit ausgestrecktem Zeigefinger aus. „Und nun der Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow]! Leide, Levrier! Overgear Collision!“
      Unmittelbar darauf schoss die weiße Mechaschwalbe auf den Ritter zu und krachte in ihn hinein, was eine Explosion auslöste, welcher sie durch eine Kehrwende elegant entkam. Der Immaterielle hingegen sackte auf den Boden hinab, kniete keuchend nieder.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 100 DEF/1900 → 0 {4} OLU: 2]

      Warum hast du -diese- Karte nicht benutzt?

      „Brauch' ich für später. Und ich brauch -dich- noch!“ Anya knirschte mit den Zähnen. „Du bist der Einzige, auf den ich mich im Moment verlassen kann.“
      „Wie rührend. Aber kann er sich auch auf dich verlassen?“, fragte Kali gehässig. „Deine Lebenspunkte sind zu niedrig, um die ganze Wucht meiner Monster abzuwehren.“
      „Komm doch, wenn du dich traust!“
      „Und ob! Angriff, [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Overgear Barrage!“
      Der schwarze Metallkauz über ihr ließ den grünen Streifen um seine Augen grell aufleuchten, ehe er mit den Flügeln schlug und eine Vielzahl von scharfen Metallfedern auf Levrier abfeuerte. Kali lachte dabei. „Dann wehr' den Angriff mal schön mit [Gem-Tigers] Effekt ab!“
      „Brauch ich nicht! Ich hab zwei verdeckte Karten, du hohle Nuss! Falle, [Tri-And-Guess]!“ Jene sprang vor Anya auf. „Ich bestimme entweder Fusionsmonster, Synchromonster oder Xyz-Monster. Wer von uns beiden dann mehr davon in seinem Extradeck hat, erhält 3000 Lebenspunkte!“
      „Langweilig …“
      „Aber effektiv!“ Vor ihr und Kali erschienen jeweils in drei Reihen die verbliebenen Monster des jeweiligen Extradecks in holografischer Form. Während Kalis Auswahl recht ausgeglichen zwischen allen drei genannten Beschwörungstypen war, überwog bei Anya der lilafarbene Kartenrand deutlich. „Eine Anya Bauer würde niemals freiwillig etwas anderes als ein Gem-Knight-Deck spielen! Wenn hier eine 'ne verdammte Fälschung ist, dann du, Miststück!“
      Anya streckte die Arme aus, als eine violette Aura um sie kurzzeitig aufflackerte.

      [Anya: 600LP → 3600LP / Kali: 1800LP]

      Erstaunlich trocken erwiderte Kali: „Zumindest bin ich nicht diejenige …“
      In dem Moment wurde Levrier von den Geschossen gepeinigt, die auch zu Anya vordrangen und weitere Schnitte im Gesicht, an den Armen sowie an der Hüfte verursachten. Jene schrie zusätzlich schmerzerfüllt auf, als sie von der Kette an ihrem rechten Bein einen heftigen Stromschlag verpasst bekam. Aber sie hielt sich diesmal auf den Beinen.
      „… die eins aufs Maul bekommt.“

      [Anya: 3600LP → 2700LP / Kali: 1800LP]

      Plötzlich begann das Violettkehlchen zu singen. „Da ich dir Schaden zugefügt habe, lässt mich [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] eine Karte ziehen.“
      Bedacht zog Kali von ihrem Kartenstapel und streckte gleich darauf die Hand wieder aus. „Levrier wurde, da er von Swallows Effekt betroffen ist, nicht im Kampf zerstört. Jetzt ist [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker] an der Reihe! Angriff!“
      Jener stieß sich vom Boden ab und flog schnurstracks auf den knienden Pearl zu, verpasste ihm eins mit seinem langen Schnabel. Der weiße Ritter schmetterte rückwärts in Anya hinein, die es diesmal von den Füßen riss. Beide schrien auf, besonders die Blonde, die eine weitere Ladung durch den Körper gejagt bekam. Der harte Aufprall auf den Rücken brachte sie zum Keuchen.

      [Anya: 2700LP → 1000LP / Kali: 1800LP]

      Wieder sang Kalis Fusionsvogel. „Ich habe Schaden zugefügt, also ziehe ich.“
      Fünf Karten hielt sie im Anschluss fest.
      Gleichzeitig stieß die liegende Anya mit der flachen Hand gegen Levriers Helm. „Runter von mir!“
      Der lag auf ihr drauf.

      Verzeihung. Hier.

      „Jämmerlicher Anblick“, kommentierte Kali dies giftig, als der Gem-Knight sich schwebend erhob, umdrehte und Anya aufhalf.
      Matt sah zu Kali herüber, wie sie sich einzig auf die beiden Personen fixierte, die sie am meisten verachtete. Flüsterte: „Könnte es wahr sein? Könnte sie wirklich die Anya sein, die ich damals kennengelernt habe?“

      Weiß nicht. Kenne mich mit Lampengeistern und solchem Kram nicht aus.

      Der Immaterielle in der Form von [Evilswarm Exciton Knight] lugte hinter dem Pfeiler hervor.
      Matt senkte sein Haupt. „Dachte ich mir. Alle, die mir diese Frage vielleicht beantworten können, sind tot.“

      Ja. Das ist blöd.

      Kaum hatte Anya es wieder dank Levriers Hilfe auf die Beine geschafft, da schwang Kali auch schon den Arm aus. „[Gem-Knight Pearl], Angriff! Blessed Spheres of Purity!“
      Mit seiner Hand dirigierte der andere Ritter seine sieben Perlen, die nacheinander auf den Immateriellen zu schossen.
      „Als ob ich dich lassen würde! [Gem-Tigers] Effekt! Ich verbanne [Gem-Knight Tourmaline] und annulliere den Angriff!“
      Der weiße Edelsteintiger in der hellblauen Lichtsäule stieß ein majestätisches Gebrüll aus, dessen Schallwellen die Geschosse kurz vor dem Aufprall stoppten.
      „Tch!“, machte Kali genervt. „Denk bloß nicht, dass du das ewig durchhältst. Ich aktiviere während der Main Phase 2 [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix'] Effekt und mache die oberste Karte meines Decks zu seiner Overlay Unit!“
      Aus ihrem Kartenstapel stieg eine Lichtkugel auf, die sich zu der anderen, um den schwarzen Kauz kreisenden gesellte.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 1 → 2 PSC: <9/9>]

      „Zug beendet!“
      Damit verschwand auch die letzte Feder, die noch in Anyas Duel Disk steckte. Dazu atmete Levrier erleichtert auf.

      Gem-Knight Pearl [ATK/100 → 2600 DEF/0 → 1900 {4} OLU: 2]

      Warum sammelt sie all diese Overlay Units?

      Nein, nein, nein, Levrier! Wieso sammelt sie so viele Handkarten, ohne sie auszuspielen?

      „Klappe, du elende Kakerlake! Die bessere Frage ist, wieso sie mit diesem schwachen Vieh angreift, obwohl sie wusste, dass sie mich so einfach nicht klein kriegen würde“, knurrte Anya genervt auf Thoras' Einwurf hin, „angenommen, -sie- ist wirklich eine Kopie von mir. Dann weiß sie genau, wie ich denke und wozu ich fähig bin.“
      Kali brach in schallendes Gelächter aus. „Du denkst, -ich- wäre die Fälschung? Süß! Ich sag dir was! Es gibt jemanden, der dir bestätigen wird, dass du dich irrst! Der Sammler!“
      „Und ich gebe 'nen Scheiß auf das, was dieser Penner behauptet“, konterte Anya gallig.
      „Also bist du ihm begegnet?“, fragte Matt neugierig.
      „Nicht nur das, ich habe ihn sogar um Hilfe angefleht.“ Wieder ballte Kali eine Faust. „War'n Fehler. Aber das ist auch egal.“

      „Sehe ich genauso! Je schneller du endlich aufhörst, diesen Bullshit zu verbreiten, desto eher kann ich mich um die wichtigen Dinge kümmern.“ Anya sah über ihre Schulter. „Nämlich Summers zu helfen, diesen Bastard Stoltz zur Rechenschaft zu ziehen!“
      Der sah sie für einen Augenblick ziemlich überrascht an. Die Blonde aber wirbelte bereits zu ihrer Erzfeindin herum. „Mein Zug! Draw!“
      Sie zog die Karte schwungvoll und betrachtete sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Dann spielte sie sie wortlos verdeckt aus, wo sie sich zu ihrer im vorigen Zug gesetzten Karte gesellte.
      „Jetzt lernst du -ihn- kennen. Die sieben Züge sind vorbei!“ Anya streckte die Hand in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Zwischen ihren beiden Monstern in den Lichtsäulen bildete sich ein riesiges, buntes Loch, umgeben von zahlreichen Lichtellipsen. „Aus meiner Hand der Stufe 7-[Gem-Eyes Value Dragon]! Pendulum Summon!“
      Aus dem Portal schoss ein roter Lichtstrahl und schlug vor ihr ein. Aus dem Rauch erhob sich ein eleganter Drache, geschützt durch eine goldene Rüstung. An seinem Rücken befanden sich zu jeder Seite drei Tragflächen. Besonders auffällig waren jedoch die in vier farbige, transparente Segmente geteilten Scheiben an seinem Helm – je zu einem Viertel rot, grün, gelb und blau.

      Gem-Eyes Value Dragon [ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>]

      „Das Ding da hat ein Geheimnis und ich habe keinen Bock, es zu lüften“, meinte die Blonde mit einem Nicken zu dem Mechakauz. „Also los, Gem-Eyes! Sight Transition! Damit ändere ich seinen Typen entweder zu Pyro, Donner, Aqua oder Fels!“
      Schon begannen sich die beiden Scheiben an seinem Helm zu drehen, bis sie von Anya das Kommando bekamen. „Donner!“
      Sie stoppten bei den gelben Vierteln, die sich vor den Augen des Drachen zu einem Visor zusammenlegten. Dessen Herrin rief enthusiastisch: „Okay! Damit kann ich jetzt den Typ-spezifischen Effekt von Gem-Eyes nutzen! Der Donnereffekt nennt sich Topaz Jammer und annulliert den Effekt einer Karte auf dem Feld!“
      Anya schwang den Zeigefinger aus und deutete auf den Kauz. „Seinen!“
      Plötzlich begannen elektrische Entladungen um den Drachen zu schlagen. Dünne, gelbe Linien begannen in der gesamten Rüstung aufzuleuchten. Dann schleuderte das Monstrum zwei Blitze auf das ausgewählte Ziel. Und Kali lachte bitterböse. „Blöde Kuh! Genau das wollte ich! Strix ist ein Jäger! Wenn er angezielt wird, kann er eine Overlay Unit verwenden, um den Effekt zu negieren und den Auslöser zu zerstören! Los!“
      Die mechanischen Augen des Kauzes leuchteten mit einem Mal rot. Geschickt wich er im Anflug auf Gem-Eyes dessen Blitzangriffen aus und streckte seinerseits die Greifkrallen aus. Mit welchen er dem Drachen anschließend den Visor von den Augen riss und ihn so zur Explosion brachte. Aus der Rauchwolke stieg ein roter Lichtblitz in das sich kurzzeitig öffnende Pendelportal auf.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 2 → 1 PSC: <9/9>]

      Anya aber verschränkte unbekümmert die Arme. „Geheimnis gelüftet, schätz' ich. Aber das macht es nur umso einfacher für mich! Levrier, räche Gem-Eyes! Blessed Spheres of Purity!“
      Jener nickte knapp und streckte den Arm aus. Seine sieben Perlen schossen wie ein Schwarm Wespen auf den kleinsten der Mechavögel zu.
      Ja, dachte Anya mit Blick auf ihre gesetzte Karte. Gleich war es vorbei!
      „Du bist so dämlich“, lachte Kali da jedoch auf einmal überheblich. „Wenn ich anzielen meine, bedeutet das nicht nur Karteneffekte! Auch Angriffe zählen dazu!“
      Die verbliebene Lichtkugel durch die Stirn absorbierend, woraufhin die Augen des Kauzes rot aufleuchteten, begann jener sich in Bewegung zu setzen. Meisterhaft wich er den Perlen aus, die nacheinander an ihm vorbei schossen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 1 → 0 PSC: <9/9>]

      „Sag leb' wohl zu deinem geliebten Levrier!“ Kali stemmte hinterhältig grinsend eine Hand in die Hüfte.
      Aber Anya zog lediglich die Stirn kraus, schimpfte. „Elende Mistmade! Wegen dir muss ich jetzt meinen Plan ändern! Verdeckter Schnellzauber, [Forbidden Dress]! Wer immer dieses Schmuckstück trägt, verliert für den Rest des Zuges 600 Angriffspunkte.“
      Die Karte klappte vor Anya auf. Aus ihr schob sich das dort gehaltene, schulterfreie, weiße Kleid, ähnlich einer Tunika.
      Das geschundene Mädchen erklärte grimmig: „Eigentlich wollte ich es deinem Vogel anziehen …“
      „Wäre der Angriff durchgegangen, hättest du mich damit besiegt“, erkannte Kali.
      „Yeah. Aber wie ich sagte, Planänderung! Levrier, Zeit für eine Karriere als Model! Damit ist er vor zielenden und zerstörenden Effekten geschützt!“
      Die Robe verschwand und tauchte an [Gem-Knight Pearls] Körper wieder auf – ziemlich eng. Jener fasste sich sofort erschrocken in den Schritt.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 2000 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Sieh' mich nicht an!

      … jammerte Levrier beschämt – und vor allem schauspielernd – als er dem herannahenden Vogel beim Wegdrehen mit der rechten Hand eine saftige Ohrfeige verpasste. Die jenen geradewegs durch die Decke pfefferte, von wo er explodierte.
      „Shit!“, fluchte Kali. „I-ich verbanne ihn durch den Effekt von [Gear Synthesis]!“

      Und ich bestrafe dich für diese Demütigung!

      Auf Levriers wütenden Aufschrei hin sah Kali nach links, von wo aus sich in einer scharfen Kurve eine seiner Riesenperlen näherte. Es war zu spät zum Ausweichen. Wie ein Faustschlag traf es sie. Die vermeintlich 'echte' Anya wurde umgeworfen rutschte über den Beton des magisch vergrößerten Raums. „Ugh!“

      [Anya: 1000LP / Kali: 1800LP → 800LP]

      Die angekettete Anya ballte eine Faust und stieß sie grinsend nach hinten. „Hell yeah! Nimm das, Pinocchio!“
      Zu ihrem Entsetzen drehte sich Levrier auch zu ihr um. Mit zusammengekniffenen, blauen, pupillenlosen Augen. Augen, die voller Rachsucht funkelten.
      „Z-Zug beendet“, murmelte Anya, die ahnte, was ihr blühte.
      Das Kleid an Levriers Leib verschwand. Sein Durst nach Vergeltung nicht, als eine andere Perle Anya am Hinterkopf traf und sie nach vorne warf.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2000 → 2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      „Sag mal, spinnst du!?“, fauchte die sofort fuchsteufelswild und schlug nach dem vor ihr schwebenden Levrier, durch den ihre Faust jedoch hindurch glitt.
      „Ahahahaha“, prustete Matt da los.

      Wenigstens habt ihr euch jetzt wieder beruhigt.

      Anyas und Matts Blicke trafen sich, doch beide drehten ihre Köpfe bewusst in die jeweils andere Richtung weg.
      „Oh, wie süß.“ Kali erhob sich. Ihre Nase blutete, aber sie grinste trotzdem noch. „Wer hätte gedacht, dass du mehr kannst, als mich herumzukommandieren, Levrier?“
      Der Immaterielle kreiste um die eigene Achse, wandte sich an sie.

      Ich habe eine Frage. Wie ist es der Weißen Hexe gelungen, eine so perfekte Imitation von Anya Bauer zu erschaffen? Denn dafür halte ich dich – ein Werkzeug, das glaubt eigenständig zu agieren, aber letztlich nur dem Willen seiner Schöpferin unterliegt.

      Da verfiel die Kuttenträgerin wieder einmal in schallendes Gelächter. „Ich? Ein Werkzeug? Pft!“
      „Klingt logisch. Wenn der Sammler und diese Kuh Gardenia sich nicht grün sind, würde sie natürlich versuchen, mich zu killen“, sprach Anya zuversichtlich, „und wie ginge das besser als durch die eine Person, die mich am besten kennt? Mich selbst!“
      Matt gab ein nachdenkliches Geräusch von sich.
      „Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.“ Das angekettete Mädchen zuckte mit den Schultern. „Ein Jammer nur, dass du so viel schlechter bist als ich.“
      Kali stieß einen letzten Lacher aus. „Fast unheimlich. Ich wusste, dass du das an irgendeinem Punkt bringen würdest. Ich sag dir was: Ich habe mich in der Tat weiterentwickelt. Ich habe gelernt, die Dinge nicht mit Ignoranz zu sehen wie früher, sondern zu hinterfragen. Das ist eine Eigenschaft, die dir leider fehlt, Fälschung.“
      „Wenn du dich da mal nicht täuscht. Nur weil ich den Scheiß, den du laberst, nicht glaube, heißt das noch lange nicht, dass ich mich nicht während des letzten Jahres verändert habe.“ Anya dachte an all ihre Freunde, die sie während dieser Zeit gewonnen hatte. „Es ist noch nicht lange her, da hätte ich auf das Leid von Leuten wie Summers geschissen. Auch wenn ich es selbst verursacht habe. Das tust du heute noch. Aber -ich- nicht. Ich werde das wiedergutmachen. Irgendwie. Und du? Du bist allein.“
      Kali sah sie ausdruckslos an. Wischte sich dann mit dem Handrücken das Blut von der Nase. „Nicht ganz. Es gibt eine Person, die mir sofort geglaubt hat, obwohl sie von dem ganzen übernatürlichen Kram keine Ahnung hatte. Jemand, der mir geholfen hat, noch bevor ich Lady Gardenia begegnet bin.“
      „Zachariah“, wusste Anya, „und der ist so hohl wie diese 1-Dollar-Weihnachtsmänner von Walmart.“
      „Täusch' dich da mal nicht“, murmelte Kali leise.

      ~-~-~

      „… als sie da weinend – und das musst du dir mal vorstellen – vor mir stand, wusste ich, dass etwas nicht stimmte.“ Der Blonde im Schutze des rostigen Bunkers lachte bissig. „Das Erste, was ich getan habe, nachdem sie mir ihre Geschichte erzählt hat, war sie auszulachen. Aber sie blieb stur und beharrte auf diesen Quatsch. Und so kreativ und simpel meine kleine Schwester auch ist, ist sie doch nicht so dumm, sich so etwas auszudenken und dann zu hoffen, ich würde ihr das abkaufen.“
      Vor ihm stand ein brünetter Ritter, dessen silberne Rüstung durch hellblaue Lichtadern regelrecht strahlte. Ein roter Pelzumhang machte deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Krieger, sondern der legendäre König Artus war.
      An dessen Arm war ein silberner Schild befestigt, der Ausrüstungszauber [Noble Arms Of Destiny]. Dazu schwang er noch zwei Schwerter, ebenfalls Magiewaffen – [Noble Arms – Gallatin], ein schlichtes Einhandschwert mit leuchtender Klinge. Und Artus' eigene Waffe, ein Schwert mit goldener Parierstange, durch dessen Klinge zwei blaue Lichtadern strömten: [Noble Arms – Caliburn]. Zwei Lichtsphären umkreisten den König dabei.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Ihm gegenüber stand der Werwolf, der sich an seinem Hinterkopf kratzte. „Wow, gutes Kombospiel. Da frage ich mich, wie Anya so einfach mit dir fertig geworden ist.“
      Vor ihm befand sich ebenfalls ein Xyz-Monster, doch um dieses rotierte nur eine Overlay Unit. Es war ein Krieger in gold-weißer Rüstung, auf dessen Rücken sich eine rot-goldene Platte befand, an der zwei Kanonen befestigt waren. Dazu war er ebenso mit riesigen Panzerhandschuhen bewaffnet, an welche zu allem Überfluss noch orangefarbene, kurze Scheren angebracht waren.
      „Selbst [Constellar Praesepe] hält da nicht mit“, murmelte der Kopftuchträger, der den Wald im Rücken hatte, leise. „So ein Mist …“

      Constellar Praesepe [ATK/2400 DEF/800 {4} OLU: 1]

      Zwar hatte Zanthe Lebenspunkte-technisch die Nase vorn, aber bereits genug von Zachariah gesehen, um zu wissen, dass man Anyas Bruder nicht unterschätzen durfte.

      [Zanthe: 4000LP / Zachariah: 2900LP]

      Aber das war es gar nicht, was ihm solches Kopfzerbrechen bereitete. Nicht mal ansatzweise. Es war das, was fast nebenbei fallen gelassen hatte.
      Das war unmöglich, dachte Zanthe dabei mit weit aufgerissenen Augen. Anya war gar nicht echt? Sondern nur eine Kopie von Kali? Das konnte nicht stimmen! Dieser Typ verdrehte da wohl ein paar Tatsachen. Oder er log. Es gab keinen Grund, sich von dieser Geschichte verunsichern zu lassen. Er musste so schnell wie möglich zu Anya!

      „Ich nutze den besonderen Effekt von König Artorigus! Für jede seiner Ausrüstungskarten kann ich eine deiner Zauber- oder Fallenkarten vernichten“, erklärte Zachariah und fuhr sich durch sein volles, blondes Haar und zog dann das Monster [Noble Knight – Medraut] unter der schwarzen Karte auf seiner Duel Disk hervor. „Los!“
      Zanthe sah erschrocken auf die vor ihm verdeckt liegende Karte.
      Schon absorbierte der Ritter mit Caliburn eine der um ihn kreisenden Overlay Units und schleuderte eine elektrische Schockwelle auf sein Ziel.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 1]

      Jene wurde von der Spannung regelrecht zerfetzt. Doch Zanthe grinste auf einmal neckisch. „Na sowas? Lernt man bei euch Bauers nicht, dass andere sich eure Strategien durchaus merken?“
      „Pardon?“
      Die Fragmente von Zanthes zerstörter Falle setzten sich langsam zu einer mechanischen Sphäre zusammen, in der eine riesige Linse eingebaut war.
      „Du hast gerade [Security Orb] zerstört. Pech für dich, denn wenn du das tust, zerstört sie wiederum eine deiner Karten.“ Der Schwarzhaarige richtete den Zeigefinger auf den Edlen Ritter. „Schade, der heiße König hat leider nur einen Kurzauftritt …“
      Da schoss die Sphäre schon einen gleißenden, roten Laserstrahl ab. Artorigus hob sofort seinen Schild, um sich zu schützen.
      „Ich kann dir einfach nicht das Herz brechen. [Noble Arms Of Destiny] schützt seinen Träger einmal pro Zug vor dem Tod. Du kannst also getrost noch ein wenig Zeit mit Gaffen verbringen.“
      Zanthe keuchte leise. Natürlich wusste er das längst. Obwohl der Druck groß war, konnte der Ritterkönig der Macht der Technologie widerstehen, bis die Kugel ausgepowert verschwand.
      „'nen Versuch war's wert“, zuckte Zanthe mit den Schultern.
      „Aber dabei bleibt es auch! Angriff, Artorigus!“
      Der sagenhafte Ritter hob beide Schwerter an und schwang sie brüllend aus. Von beiden Klingen lösten sich blaue Lichtsicheln, die in hohem Tempo auf Zanthes Sternenkrieger zu rasten.
      „Effekt von [Constellar Praesepe]“, rief der Werwolf noch und riss das Monster [Constellar Algiedi] unter Praesepes Karte aus seinem Duellhandschuh hervor, „für eine Overlay Unit erhält der kämpfende Sternenkundler 1000 Angriffspunkte!“
      Jener absorbierte die Lichtkugel mit einer Faust.

      Constellar Praesepe [ATK/2400 → 3400 DEF/800 {4} OLU: 1 → 0]

      Doch es nützte nichts. Die Energieklingen trennten beide Arme des Kriegers ab und suchten ihr nächstes Ziel. Die erste verfehlte Zanthe knapp, da er den Kopf nach links neigte. Doch die zweite erwischte ihn dadurch an der Wange, wodurch er eine tiefe Wunde erlitt. Blut spritzte durch die Luft.

      [Zanthe: 4000LP → 3900LP / Zachariah: 2900LP]

      „Autsch“, sagte Zanthe unbekümmert, als er sein Haupt wieder geradeaus richtete, „wie hast du das gemacht? Zauber oder Technologie?“
      „Ist es wirklich das, was du in diesem Moment fragen solltest?“, erwiderte der Blonde mit der Tolle und nahm eine Karte aus seinem Blatt. „Kein Sinn fürs Wesentliche. Ich setze eine Karte verdeckt. Zug beendet.“
      Jene materialisierte sich liegend vor ihm.

      „Oh?“, machte Zanthe gespielt überrascht. „Ach ich soll dich doch bestimmt ausquetschen, was es nun mit Kali und der falschen Anya auf sich hat. Bedaure – interessiert mich nicht.“
      „Aber das sollte es.“ Zachs verspielter Ton wich einem ernsten. „Denn es ist keine Lüge. Anya … Kali wurde alles genommen. Wir wollen nur ihr altes Leben zurück erkämpfen, mehr nicht.“
      „Ach wirklich? Und dafür greift ihr dann Unschuldige wie Nick Harper an?“ Zanthe gluckste. „Ich geb's zu, der war schlecht.“
      Die Augen des jungen Mannes verzogen sich zu Schlitzen. „Der ist eine ganz andere Geschichte.“
      „Mal rein hypothetisch: Angenommen Anya wurde wirklich dupliziert, woher willst du wissen, ob deine die echte ist? Und wieso hat sie sich nicht sofort darum gekümmert, die Konkurrenz auszuschalten?“ Zanthe verschränkte die Arme. Er sollte sich das zumindest mal anhören, hatte er entschieden. „Wer Anya kennt weiß, dass sie keine Götter neben sich duldet. Auch nicht, wenn sie genauso aussehen wie sie. Dann erst recht nicht.“
      Ihr Bruder lachte. „Es ist alles nicht so einfach. Und Schuld daran ist Kali selbst. Weißt du, normalerweise hättest du Recht. Aber meine Schwester ist nun mal nicht besonders clever. Kannst du dir denken, was ihr erster Gedanke war, als sie begriff, was vor sich ging?“
      Zanthe überlegte einen Moment. Dann stöhnte er. „Ich kenne die Geschichte dieses Turms nicht vollständig, aber er wäre ihr Ende gewesen. Sag nicht, sie wollte unsere Anya als Opfer vorschicken?“
      „Genau so ist es. Natürlich wollte sie die Kopie im ersten Moment vernichten, aber als sie merkte, dass Levrier mit jener verbunden war, erkannte sie ihre Chance.“ Zachariah griff in die Innentasche seines Jacketts und holte eine Schachtel Zigaretten samt Feuerzeug heraus. Er zog einen Glimmstängel hervor, nahm ihn in den Mund und zündete sie an. Genüsslich zog er an ihm und stieß den Rauch lächelnd aus. „Diejenige, die Levrier an der Backe hatte, würde unweigerlich vergehen. Entweder würde sie geopfert und zum Tor Eden werden. Oder sie scheiterte an der Aufgabe und verlor ihre Seele an den Limbus. Sozusagen für Kali eine Win-Win-Situation.“
      Zanthe, der den Zigarettengeruch überhaupt nicht ab konnte, verzog angewidert da Gesicht. „Den Rest kann ich mir denken. Sie hatte vor, Anyas Platz einzunehmen, nachdem sie im Turm umkam.“
      „Aber das ist nie geschehen. Ganz zum Entsetzen meiner Schwester.“ Zachariah blickte an die Decke des Bunkers. „Schlimmer noch, war nicht nur Anya aus dem Turm von Neo Babylon zurückgekehrt. Kurze Zeit später fand sie heraus, dass Levrier auch noch lebte. Und wenn sie eines fürchtete, dann wieder ein Gefangener der Immateriellen zu werden.“

      Klang plausibel, befand Zanthe ehrlicherweise. Solche Ideen traute er Anya durchaus zu – zu warten, bis die vermeintliche Kopie an ihrer Stelle ins Gras biss und dann in ihr Leben zurückzukehren. Vermutlich hatte sie sich nicht einmal ausreichend Gedanken gemacht, wie sie das gegenüber Abby und Nick erklären sollte. Er konnte es schon förmlich hören: 'Die würden mir schon irgendwie glauben'.
      Trotzdem. Die Frage, wieso die beiden sich so sicher waren, dass Kali das Original war, hatte er einfach ignoriert.

      „Was hat Anya in der Zeit gemacht?“
      „Als der Turm noch erscheinen musste? Ich glaube, sie hat sich bei irgendeinem ihrer Klassenkameraden einquartiert. Ernie Winter. Größter Loser dieses Planeten, sag ich dir.“
      Zanthe runzelte die Stirn. „Und danach? Als Anya aus dem Turm zurückkam?“
      „Das war der Punkt, an dem sie sich an mich wandte.“ Er lachte. „Das muss sie einiges an Überwindung gekostet haben. Wir können uns nicht leiden.“
      Da musste Zanthe grinsen. „Und trotzdem hilfst du ihr?“
      „Sie ist meine Schwester“, erwiderte Zachariah gelassen, „natürlich helfe ich ihr.“
      „Fragt sich nur, was du in diesem Moment für sie tun konntest. Immerhin hat es fast ein Jahr gedauert, ehe ihr euch Anya zum ersten Mal gezeigt habt.“

      Zanthe hoffte insgeheim, etwas mehr über die Verbindung zwischen Kali, Zach und Gardenia herauszufinden. Vielleicht war das der Schlüssel zu dieser ganzen Geschichte. Und warum die beiden sich so sicher waren, dass Anya eine Fälschung war.

      „Stimmt. Uns wurde eines recht schnell klar. Ohne Hilfe hätten wir genauso gut versuchen können, aus einem Kreis ein Viereck zu machen.“ Wieder nahm Zachariahs sonst so unbekümmerte Miene für einen Moment etwas Ernstes an. Er zog an seiner Zigarette. „Sie – die Fälschung – war einfach stärker. Aber auch wenn es um sie schlecht bestellt ist, wollen wir sichergehen, denselben Fehler von damals nicht zu wiederholen. Wir warten nicht darauf, dass noch ein Wunder sie rettet.“
      Zanthe fasste sich ans Kinn, funkelte dabei aus den Augenwinkeln Anyas Bruder an. „So ist das also? Sie ist stärker? Natürlich … Durch die Conqueror's Soul. Anya hat in dieser Zeit einige starke Feinde bekämpft. Kali nicht.“
      Zu seiner vollkommenen Überraschung zuckte Zachariah zusammen. „Was? Woher weißt du von der Conqueror's Soul?“
      „Ich stelle hier die Fragen“, gab der Werwolf jedoch eindeutig zu verstehen.
      Und sein Gegner meinte. „Das hier ist gerade wesentlich interessanter geworden …“

      ~-~-~

      „Genug Rumgequatsche!“ Kali griff nach ihrem Deck. „Ich werde es jetzt beenden! Draw!“
      Während sie zog, konterte Anya mit demselben Spruch, den Kali ihr eben erst entgegen geworfen hatte. „Täusch' dich da mal nicht.“
      Anstatt sich davon tangieren zu lassen, betrachtete die Kuttenträgerin gebannt ihre gezogene Karte. Ihre Lippen formten langsam ein wahnsinniges, selbstgefälliges Grinsen. „Da ist es. Endlich.“
      Ruckartig blickte sie auf und hob die Hand in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Wieder tropfte eine Träne des goldenen Mecha Phönix' vor ihr auf den Betonboden, von wo aus sich das Pendelportal öffnete. „Aus meiner Verbannungszone: [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Pendulum Summon!“
      Ein roter Lichtblitz schoss aus dem bunten Loch empor und formte sich zu dem schwarzen Maschinenkauz.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 PSC: <9/9>]

      Anya verspürte mächtiges Unbehagen. Denn angenommen diese Spinnerin war wirklich wie sie, konnte dieser manische Gesichtsausdruck nur bedeuten, dass sie es -wirklich- beenden wollte. Aber so leicht würde sie es ihrer Erzfeindin nicht machen, dachte das Mädchen mit Blick auf ihrer gesetzten Karte.
      Sofort im Anschluss streckte Kali die Hand aus. „Nur als Vorsichtsmaßnahme … ich aktiviere den Zauberkarteneffekt von [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon]! Er und Saga Phoenix werden verbannt!“
      Die beiden blauen Lichtsäulen neben ihr begannen immer stärker zu flackern, ehe sie mitsamt der beiden Mechavögel verschwunden waren. Kali erklärte: „Während der End Phase erhalte ich die beiden jedoch zurück auf die Hand.“
      „Was soll der Quatsch?“
      „Reine Vorsichtsmaßnahme“, wiederholte Kali sich geheimnisvoll. „Nicht dass du das, was dich erwartet, noch in irgendeiner Form abwenden könntest.“

      Das gefällt mir nicht. Sie wird uns alle töten!

      Thoras kauerte hinter dem Pfeiler, an den Matt festgebunden war. „Hör' auf herumzualbern!“
      Obwohl jener seinen Immateriellen kannte, wusste er inzwischen, dass sich hinter dessen Slapstick-Einlagen zumeist ernste Hintergründe verbargen. Drum entschied er sich, dass er lange genug gefesselt war. „Mach mich lieber frei!“

      Ich dachte, du stehst auf Fesselspielchen, Matthew Summers? Oh, na gut.

      Der Kakerlakenritter zog seinen Degen und löste die Seile mit ein paar schnellen Schlägen. Matt streifte die Fesseln ab und erhob sich. „Danke …“
      „Guter Zeitpunkt“, meinte Kali, „ist wirklich besser, wenn du jetzt gehst, Summers.“
      „Und du lässt das so einfach zu?“
      Die selbsternannte Dämonengöttin nickte. „Wir sind gewissermaßen quitt. Du bist mitverantwortlich für -sie-, ich für … alles, was dir widerfahren ist.“
      Matt kniff die Augen fest zusammen. Anya wirbelte zu ihm herum, sah ihn niedergeschlagen an, nickte aber. „Yeah. Hau besser ab. Keine Ahnung, was sie vorhat, aber ich schätze mal, dass es gefährlich ist. Sorry … für alles …“
      „Soll das ein Abschied sein? Wir sind noch nicht fertig miteinander“, erinnerte Matt sie kurz angebunden, starrte dabei aber Kali an. „Und was dich angeht, solltest du eins wissen: Wir sind nicht quitt – unter der Annahme, dass du die Wahrheit über dich sagst.“
      Seine Worte versetzten Anya einen Stich. Er schloss nicht aus, dass sie eine Fälschung ist. Er erwog die Option, dass dieses Miststück die Wahrheit sagte. „Kch.“
      „Von mir aus …“
      Auf die gleichgültige Reaktion der Kuttenträgerin sprach Matt abschließend: „Deswegen bleibe ich noch ein Weilchen. Ich will sehen, wie das hier ausgeht.“
      „Und dich dann um diejenige kümmern, die überlebt?“ Kali lachte. „Heh. Gefällt mir. Also dann, macht euch auf was gefasst!“
      Sie streckte eine Faust aus. „Eins …“
      Schon war der Zeigefinger der Blonden aufgerichtet. Und plötzlich löste sich [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker] auf. „Zwei …“
      Kali hob auch ihren Mittelfinger. Da verschwand auch ihre weiße Mechaschwalbe. „Drei …“
      „Was zur Hölle macht sie da!?“ Anya weitete die Augen, als auch der schwarze Kauz sich auflöste und Kali den Ringfinger abzählte.
      „Vier“, machte diese aber unbekümmert weiter, wodurch auch ihr Violettkehlchen von unten nach oben transparent wurde, bis es einfach nicht mehr da war. Kali zeigte den kleinen Finger. „Fünf.“
      Und hob im Anschluss den Daumen. Zu guter Letzt ereilte ihr [Gem-Knight Pearl] dasselbe Schicksal, sodass sie keinerlei Monster mehr kontrollierte.
      Levrier schwebte ein Stück zurück, um auf einer Linie mit Anya zu stehen.

      Das ist überhaupt nicht gut! Ich spüre eine gewaltige Kraft, die im Begriff ist, zu erwachen!

      „Ach was, fünf Monster mit einem Mal wegzuopfern ist doch -total- normal“, keifte Anya aufgeregt. „Kannst du mir nicht etwas sagen, dass ich noch nicht weiß!?“
      „Er nicht“, unterbrach Kali die beiden, „aber ich. Es bleibt nämlich nicht bei fünf.“
      Sie zeigte mit der anderen Hand ihr Blatt vor. „Sechs …“
      Die erste der sechs Karten löste sich auf. Die Erde begann für einen Sekundenbruchteil zu erzittern.
      „Huh!?“, stotterte Anya.
      Auch Matt weitete die Augen. „Was soll das werden?“
      „Sieben!“ Die nächste Handkarte der Kuttenträgerin verschwand. Und die Erschütterung wurde stärker. „Acht!“
      Und schon waren nur noch drei Karten in ihrem Blatt. Das drauf folgende Erdbeben war stark genug, Anya und Matt ganz schön ins Schwanken zu bringen. Nur Kali blieb unberührt stehen.
      „Neun!“ Noch eine verschwand, inzwischen hörten die Erschütterungen gar nicht mehr auf.
      Dafür erklang aus weiter Ferne dumpf ein unheimliches Knarren. Als würde Metall gebogen werden.
      „Und zehn!“, rief Kali schließlich mit aufgerissenen Augen, woraufhin die vorletzte Karte in ihrer Hand sich auflöste. Dann nahm sie die letzte und knallte sie auf ihre V-Duel Disk. „Das ist das Ende!“
      In dem Moment krachte etwas durch die Decke. Anya wandte sich vor Schreck ab, Matt schützte sich mit dem Arm vor der entstanden Staubwolke. Dann geschah es wieder. Kali sah dem stumm zu, bekam all den Schmutz ab. Und sie grinste. Noch ein Bein durchbrach die Decke.
      Anya wandte sich mit offenem Mund der Zerstörung zu. Inzwischen war alles über ihnen so instabil, dass der Raum einzustürzen drohte. Doch das geschah nicht.
      Im Gegenteil! Unvermittelt begann sich die Decke zu zersetzen und gab den Blick auf den blauen Himmel frei. Sofort stellte Anya fest, dass sie sich in einer unterirdischen Anlage befinden mussten, schwebte ebenso die dunkelbraune Erdschicht empor und löste sich vor ihrem Augen auf.
      Sie wusste wieso. Sie sah es. War ja auch kaum zu übersehen. Dieses riesige Ding, eine vierbeinige Maschine mit einem endlos langen, sich windenden Schweif. Die beiden linken Beine waren schwarz mit weißem Zackenmuster, bei den anderen zwei war es genau umgekehrt.
      „Was zur Hölle ist das!?“, schnappte Anya.
      „Darf ich vorstellen: [Tierra, Source Of Destruction]!“
      Mit weit aufgerissenen Augen sah Anya den schlanken Körper empor, von dessen Rücken sich insgesamt zehn gläserne, recht kurze Schwingen erstreckten. Zu klein, um den Koloss je in die Lüfte zu tragen. Und dann dieser Schädel! Eine Art Helm mit roten Hörnern, die meterlange Flammen abgaben – fast wie eine Haarpracht.

      Tierra, Source Of Destruction [ATK/3400 DEF/3600 (11)]

      „Dieses Ding ist es wert, dass man dafür zehn Karten verschiedenen Namens ins Deck zurückschickt“, meinte Kali genüsslich beim Anblick ihrer beiden geschockten 'Gäste'.
      Matt, der den Kopf bis in den Nacken gelegt hatte, richtete sich entsetzt an sie: „Ins Deck? Du verzichtest dafür auf deine Pendelmonster!?“
      „Die brauche ich jetzt nicht mehr!“

      Anya Bauer! Kommt dir dieses Erscheinungsbild nicht vage bekannt vor?

      „Ich weiß“, erwiderte die derweil auf Levriers Einwand, „dieses Ding! E-es ist fast so wie diese Riesenziege!“
      „[Sophia, Goddess Of Rebirth]“, wusste Kali sie beim Namen zu nennen. „Yeah, die gibt es nicht mehr. Aber das habe ich dir schon erzählt.“
      Anya stand der Schweiß ins Gesicht geschrieben.
      Und ihre geschworene Feindin lachte leise. „He he. Aber das macht nichts, denn wie du siehst, habe ich mit Tierra jetzt einen passenden Ersatz. Denn eines solltest du wissen: Tierra verfügt über genauso viel Macht wie Sophia!“
      Mit Schrecken erinnerte sich Anya an ihre Begegnung mit [Sophia, Goddes Of Rebirth] im Turm von Neo Babylon. Die groteske humanoid-animalische Gestalt Sophias, mit einer goldenen und einer violetten Lichtkugel über ihren Händen, wie diese Wellen aussendeten und all ihre Karten verbannten.
      „Wie ich sehe, hat das ein paar Bilder der Vergangenheit wachgerufen.“ Kali grinste süffisant. „Oh ja, ich war damals ebenso geschockt, als ich das Ding in einem Deck voller Maschinenvögel gefunden habe. Eine Paktkarte noch dazu.“

      Zwischen Isfanel und dem Tor Eden.

      „Ja, Levrier“, nickte Kali, „und jetzt steht ihr etwas genauso Mächtigem gegenüber. Tierra, zeig es ihnen! Source Code Eraser!“
      Nur einmal, für einen kurzen Augenblick, leuchtete am Helm der riesigen Kreatur ein rotes Licht auf. Dann geschah das Unglaubliche – die Schwerkraft setzte innerhalb des viereckigen Kreidekreises aus. Anya verlor den Halt und begann mit dem Rücken zum Boden zu schweben. Auch Kali löste sich vom Boden, doch sie schlug lediglich ein Bein über das andere und stand leicht nach hinten gebeugt da, als würde sie sich an etwas anlehnen.

      Anya Bau-

      Vor den Augen des Mädchens verzerrte das Hologramm ihres Partners sich immer mehr, bis er sich auflöste. Sie streckte die Hand nach ihm aus. „Levrier!“
      Doch er war nicht der Einzige. Auch ihr gold-schwarzer Ritter und der weiße Tiger in den Lichtsäulen, sie beide flackerten unstet auf und verschwanden. „Shit!“
      Und dann sah sie alarmiert nach unten, wo sich ihre verdeckte Karte befand. Auch jene wurde von der fehlenden Schwerkraft beeinflusst, drehte sich schräg um die eigene Achse – es war die Konterfalle [Negate Attack]. Dann flackerte sie auf und verschwand.
      „Was ist das!?“, schnappte Anya aufgeregt.
      „Der Effekt von Tierra, wenn sie beschworen wird, natürlich. Alle Karten auf dem Spielfeld, in unseren Händen und Friedhöfen werden in unsere Decks gemischt.“
      Mit zunehmendem Schrecken stellte Anya fest, dass auch von ihrem Friedhof ein flimmerndes Licht ausging und dann verlosch. Derweil nahm Kali selbst die wenigen Karten ihres Ablagestapels hervor und schob sie auf ihr Deck, das automatisch gemischt wurde. „Oh, fast hätte ich es ja vergessen. Auch Pendelmonster im Extradeck sind davon betroffen!“
      „Huh!?“ Anya weitete die Augen, als sie begriff. „Gem-Eyes!“
      In dem Moment schoss ein kurzer, blauer Lichtstrahl aus dem Schlitz unterhalb ihrer Deckhaltung, der in der Luft einen Haken schlug und zu ihr zurückkehrte, genauer gesagt in ihren Kartenstapel.
      „Das wäre dann alles“, meinte Kali. Schlagartig normalisierte sich die Schwerkraft wieder.
      Und während Anya hart auf dem Rücken aufprallte, landete Kali geschickt auf einem Fuß, setzte dann den anderen dahinter.
      „Unglaublich“, hauchte Matt fassungslos, der er von allem unberührt geblieben war, „solch ein mächtiger Effekt. Dann-!“
      „Korrekt“, schnitt ihm Kali ins Wort, „dir ist nichts geblieben, Fälschung. Keine Hand, kein Feld, ja nicht einmal der Friedhof, der dich sonst immer gerettet hat. Nichts.“
      Anya, die sich auf die Knie rollte, sah entgeistert über ihre Schulter zur selbsternannten Dämonengöttin, die vor ihren Augen eine Faust ballte. „Jetzt weißt du, wie es mir ging, als du erschaffen wurdest. Und noch eine kleine Info zum Abschluss: Anders als Sophia, die, wenn sie über eine Abkürzung via [Negative Gate] gerufen wird, nicht im selben Zug ihrer Beschwörung angreifen darf, kann Tierra genau das.“
      Die Blonde schluckte. „Shit …“


      Turn 102 – Only One
      Selbst unter großen Bemühungen gelingt es Zanthe nicht, an Zachariahs Artorigus vorbei zu kommen. Während ihres Duells und einem Gespräch über die Conqueror's Soul lässt sein Widersacher unerwartet einen merkwürdigen Begriff fallen. Derweil sieht sich Anya Kalis mächtiger [Tierra, Source Of Destruction] entgegen, ohne Hoffnung, das Blatt noch einmal wenden zu können …


      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sapphire

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster von deinem Deck hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Wähle 1 Karte auf dem Spielfeld als Ziel; zerstöre das Ziel.

      Gem-Tiger
      Monster/Effekt/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/1800 DEF/300 (4) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug, während des Zuges eines beliebigen Spielers, wenn ein Angriff deklariert wird: Wähle 1 "Gem-Knight"-Monster von deinem Friedhof als Ziel; verbanne das Ziel und annulliere den Angriff.
      Monstereffekt: Wenn du 1 "Gem-Knight"-Monster in deiner Pendelzone aktivierst, wenn deine andere Pendelzone unbenutzt ist: Du kannst 1 "Gem"-Pendelmonster von deinem Deck aktivieren.

      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Forbidden Chalice
      Forbidden Dress

      Tri-And-Guess
      Negate Attack

      Gem-Knight Pearl

      Kali

      Celestial Gear – Synthetic Albatross
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/500 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte kämpft: du erleidest keinen Kampfschaden. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: ziehe 2 Karten; verbanne diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Stork
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1400 DEF/1500 (4)
      Indem du diese Karte abwirfst, wenn du diese Runde das erste Mal Schaden erlitten hast: reduziere allen Schaden, den du bis zur End Phase erleiden würdest um die Summe des Schadens, den du in diesem Zug erlitten hast. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: {????}.

      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1800 DEF/1300 (4)
      Einmal pro Zug: Du kannst 1 Karte in deiner Hand zerstören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Verbanne alle Karten auf dem Friedhof deines Gegners.

      Tierra, Source Of Destruction

      Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <3/3>
      Pendeleffekt: Du kannst verbannte "Celestial Gear" als Pendelbeschwörung beschwören, deren Stufe/Rang zwischen deinen Pendelbereichen liegt, aber falls du das tust, kannst du keine Monster als Pendelbeschwörung von deiner Hand oder deinem Extradeck beschwören.
      Monstereffekt: ????

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <9/9>
      Pendeleffekt: Du kannst keine Monster außer "Celestial Gear"-Monster als Pendelbeschwörung beschwören. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden. (Schnelleffekt:) Du kannst diese Karte und 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner anderen Pendelzone verbannen; füge sie während der End Phase deiner Hand hinzu. Du kannst diesen Effekt von "Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon" nur einmal pro Duell aktivieren.
      Monstereffekt: ????

      Gear Synthesis
      Zauber/Normal
      Solange diese Karte verbannt ist, kannst du einmal pro Zug folgenden Effekt aktivieren: Verbanne 2 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand; beschwöre von deiner Hand oder deinem Extra Deck 1 "Celestial Gear"-Monster, das mit den verbannten Monstern als Ritual-, Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung beschworen werden kann als Spezialbeschwörung. (Dies wird als korrekte Beschwörungsart behandelt.) Wenn ein "Celestial Gear"-Monster zerstört und auf den Friedhof gelegt werden würde, solange diese Karte verbannt ist: Du kannst es stattdessen verbannen.

      Card Of Last Resort
      Zauber/Normal
      Wenn diese Karte durch einen Karteneffekt zerstört wird: Ziehe 2 Karten. Du kannst den Effekt von "Card Of Last Resort" nur einmal pro Zug aktivieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin
      Monster/Fusion/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>
      2 x "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsbeschwörung beschworen wird: Wähle 2 Karten von deinem Deck; lege sie in belieber Reihenfolge auf dein Deck. Wenn dein Gegner einen Angriff deklariert: Du kannst die Position dieser Karte ändern. Wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wurde und du deinem Gegner Kampf- oder Effektschaden zufügst: Ziehe 1 Karte. Wenn diese Karte zerstört wird und du eine freie Pendelzone besitzt: Du kannst diese Karte in eine deiner freien Pendelzonen platzieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow
      Monster/Synchro/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>
      1 Empfänger + 1 Nicht-Empfänger "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: Du kannst die Position aller offenen Monster deines Gegners ändern; die Position jener Monster kann nicht geändert werden. Diese Karte fügt durchschlagenden Kampfschaden zu. Einmal pro Zug, wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wurde, während deiner Battle Phase: Du kannst 1 offenes Monster deines Gegners als Ziel wählen; das Ziel verliert bis zum Ende des Zuges 2500 ATK und DEF und kann nicht durch Kampf zerstört werden, aber diese Karte kann in diesem Zug nicht angreifen. Wenn diese Karte zerstört wird und du eine freie Pendelzone besitzt: Du kannst diese Karte in eine deiner freien Pendelzonen platzieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix
      Monster/Xyz/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1000 {4} PSC: <9/9>
      2 x Stufe 4 "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Xyz-Beschwörung beschworen wird: Du kannst 1 offenes Monster deines Gegners mit einer Stufe als Ziel wählen; zerstöre das Ziel. Dein Gegner kann bis zur x-ten End Phase keine Monster mit gleicher oder höherer Stufe als Spezialbeschwörung beschwören, wobei "x" der Grundstufe des Ziels entspricht. Einmal pro Zug, wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wurde: Du kannst die oberste Karte deines Decks als Xyz-Material an diese Karte anhängen. Wenn diese Karte als Ziel eines Angriffs oder Karteneffekts gewählt wird: Du kannst 1 Xyz-Material von dieser Karte abhängen; annulliere den Effekt oder Angriff und zerstöre jene Karte. Wenn diese Karte zerstört wird und du eine freie Pendelzone besitzt: Du kannst diese Karte in eine deiner freien Pendelzonen platzieren.

      Gem-Knight Pearl

      Zanthe

      Constellar Algiedi

      Security Orb

      Constellar Praesepe

      Zachariah

      Noble Knight Medraut

      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms Of Destiny

      Artorigus, King Of The Noble Knight


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      Ich hoffe, es hat euch gefallen. :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Aska- ()

      Spoiler anzeigen
      Also aktueller Stand ist das meine Theorie also zum Großteil gestimmt hat. Nur das es die Wunderlampe war hat mich kalt erwischt. Peinlich ist dazu noch das ich dieses Kapitel anschscheinend übersprungen hatte. Werde es Mal nachlesen. Rückblickend wird es wohl das wichtigste Kapitel von den 100 sein. Ich spekulierte ja das es bereits am Anfang der Story gewesen währe als Levier sie als sein Gefäß in Anspruch nahm. Das alles wirft aber einige große Fragen auf.

      -Warum hat sie nicht Abby in UK aufgesucht.
      -Anya war Recht oft weg. In diesen Zeiten hätte sich Kali ihr altes Leben zurück holen können minus übernatürlichen.
      -Was erzweckt sie sich vom Tod ihrer "netten" Kopie? Es scheint für mich keinen Grund zu geben das beide nicht co existieren können. Kali könnte ihr altes Leben zurück haben. Für unsere Anja gibt es sowieso zurzeit größere Probleme und vermutlich ein größeres Schicksal.
      -Kali ist wütent und neidisch auf ihrer Kopie. Wie ein feiges Huhn hat sie sich vor jeglicher Verantwortung und Herausforderung gedrückt. Und nun möchte sie "ihren" Lohn einstreichen. Das Celestial Gear Deck ist demnach einfach von ihr gestohlen worden. Ich wette sogar das unsere Anja alles außer Levier sofort gegen ihr Leben eintauschen würde. Kali muss sich immerhin um den Sammler keine Sorgen machen.
      -Zu allem Überfluss ist Kali 100 Prozent komplett selber Schuld. Sie hat so viel Falsch gemacht das ist unglaublich. Hätte Kali sich viel früher offenbart hätte sich Anja vielleicht gar nicht auf den Sammler eingelassen.
      -Kali muss sich eingestehen das alles ihre Schuld war und nicht die Schuld auf andere und unschuldige Kopien zu verteilen.
      -Der Main Chara Switch vor unserer Nase ist glaub ich eingetreten bevor Anja "Nett" wurde. Ich fasse dies als Indiez dafür auf das Kali Recht hat. Für Anja wird das wohl zu einer existenz Krise. Weil ihre "böse" Vergangenheit ist dann nur ein Märchen. Und auf der Waagschale ist sie deutlich mehr Richtung Gut als sie es dachte.
      -Die Hüter von diesen 7 Hüter Karten sprachen alle von einem Außerwählten. Ist das sogar dann die richtige Anja also Kali?[spoiler
      ]
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Spoiler anzeigen
      Jetzt ist Kalis wahre Identität also bekannt und von allen Vermutungen war keine einzige richtig, wobei ich sagen würde, dass die Idee mit den anderen Schicksalspfaden von MelleMel noch am nächsten dran war. Die Dschinn-Folge hatte ich was das angeht total aus den Augen verloren. Ein bisschen erinnert dieser Rückgriff auf einen lang nicht in seiner Wichtigkeit offensichtlichen Zusammenhang an das Leben, das Anya dem Sammler schuldet. Nur dass dieser Zusammenhang jetzt ja in Frage gestellt wurde, auch wenn ich noch nicht sicher bin, ob Kali damit wirklich recht hat oder ob sie auch getäuscht wurde, auch wenn ich mir völlig im unklaren bin, ob ich damit wirklich rechnen sollte. Der Beweis über Alastairs Großvater klingt soweit verdammt gut. Auf die Vermutungen die dagegen sprechen würde ich intuitiv nicht bauen wollen, kann aber nicht genau sagen, warum.

      Jedenfalls ist diese Enthüllung ein zusätzlicher Hammer neben Kalis Identität als die angebliche echte Anya. Schon fast sicher dass der Sammler Anya bei seinem letzten Treffen genau das hatte sagen wollen. Jedenfalls erzählt David Valerie dasselbe parallel, und noch mehr. Spannend ist die Frage warum der Sammler Anya und die weiße Hexe Kali-Anya unterstützt.

      Es bestände außerdem langfristig sogar die Möglichkeit, dass sich die Allianzen ändern: Anya mit dem Sammler gegen Stoltz (wie sie Matt ja versprochen hat) bzw. vielleicht sogar die Undying als Ganzes. Klar, dazu muss noch viel passieren, aber bis vor einer Folge wäre das immer hin noch absolut undenkbar gewesen.

      Aber noch mal explizit zu Anya vs. Kali-Anya: im Prinzip hatten wir eine prinzipiell teilweise ähnliche Situation schon mal gegen Zoey, wenn auch eben nicht in der Intensität. Die fundamentale Frage, ob die Anya von damals, die alle Probleme und zu dem Zeitpunkt insbesondere Levrier verneinen und loswerden wollte, mehr Anya ist als die Protagonistin, die sich auch in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt hat, hat einiges an Sprengkraft. Das buchstäblich doppelte Duell des Gewordenen gegen das Natürliche stellt auf den ersten Blick wirklich ALLES in Frage, aber es herrscht in ebenso doppelter Hinsicht kein Gleichgewicht: Anya ist, wie es explizit erwähnt wurde, stärker, und ich könnte mir vorstellen dass sie, indem sie sich nicht nur als etwas -irgendwie- Gewordenes erkennt, sondern als den einen günstigeren Verlauf als sie sich je "gewünscht" hat. Denn der Echtheitsappell ist in letzter Konsequenz aus meiner Sicht inhaltsleer: beide sind Anya. Die eine so gut wie sie es wusste, und die andere sogar besser als das. Aber was folgt daraus? Anya wird Kali-Anya nicht so ohne weiteres töten (können), erstens wegen Tierra, zweitens wegen den Implikationen, die sie kaum länger ignorieren kann und drittens weil Kali-Anya wirklich zu besiegen bedeuten würde, sich erneut wahrhaft überlegen zu zeigen, so wie bei ihrem Lachanfall, und das könnte heißen sich zu verbünden oder sogar wieder zu vereinen.

      Zanthes Auseinandersetzung mit Zach muss hier wohl relativ zwangsläufig die zweite Geige spielen, auch wenn der Spoiler für die nächst Folge schon andeutet, dass diese Relation sich keinesfalls in der Form fortsetzt.

      Jetzt folgt etwas, das ich schon längst beim Kommentieren hätte brauchen können, eine

      Liste meiner Detail-Highlights

      Das "Anya-Bauer Gütesiegel" für unschöne Verhörmethoden: So qualifiziert für derartige Fragen wie Anya ist wohl niemand. Wenn es als Profiduellantin nicht klappt wäre das ne Perspektive. :]

      Die "Ganz persönliche Hölle" mit Kali. Tja, sehr viel persönlicher geht es definitiv nicht. Welch Ironie.

      Das „Was soll das heißen, Summers!?“ von beiden "Anyas". Tjaaa, Matt ^.^

      Kalis Versteck bei Ernie Winter "dem größten Loser des Planten". Spätestens jetzt hat der Unglücksrabe den Status eines Running Gags erreicht. Trotzdem ist es noch relativ selten, sodass gleichzeitig fast etwas von einem Easteregg hat, eine echt spannende Mischung :D
      Vielen Dank mal wieder an alle Leser. Entschuldigt die kleine Verspätung, urlaubsbedingt ging es diesmal nicht früher.

      @WiR
      Naja, ich habe kleine Hints damals schon gegeben, aber bei dieser Sache war ich sehr vorsichtig, dass es nicht doch irgendwie rauskommt. Freut mich, dass es dich kalt erwischt hat.

      Was Kali in der Zeit gemacht hat, während sie nicht da war, werde ich in einem Special zeigen, sobald die erste Arc der dritten Staffel beendet ist. Ich denke, dann wird dann auch noch mal ein etwas anderes Licht auf Kali-Anya werfen.
      Wobei ich dir trotzdem nicht widerspreche. Sie ist an ihrer Lage selber schuld.

      Der Auserwählte ... ha ha, wenn ihr wüsstet. :D

      Danke für deinen Post. :)

      @Mcto
      Sagen wir, keine einzige war 100% richtig. Aber einige gingen in die richtige Richtung. Wäre aber auch langweilig, wenn irgendjemand komplett Recht gehabt hätte, dann wäre ich ja durchschaubar – was ich sowieso ein wenig bin, glaub ich. XD
      Der Sammler hat seine Gründe, Kali-Anya nicht zu unterstützen. Wie die mit Gardenia zusammenkam, wird dann in dem Special gezeigt.

      Ich finde deine Gedanken auch sehr interessant, was den Echtheitsappell angeht. Ich sehe das auch so: Beide sind Anya.

      Auch dir vielen Dank für deinen lieben Post. :)


      Also dann, viel Spaß bei der nächsten Folge.

      Turn 102 – Only One
      Uns wurde eines recht schnell klar. Ohne Hilfe hätten wir genauso gut versuchen können, aus einem Kreis ein Viereck zu machen.“ Zachariah zog im Schutze des rostigen Bunkers um ihn herum an der Zigarette in seiner Hand. „Sie – die Fälschung – war einfach stärker. Aber auch wenn es um sie schlecht bestellt ist, wollen wir sichergehen, denselben Fehler von damals nicht zu wiederholen. Wir warten nicht darauf, dass noch ein Wunder sie rettet.“
      Zanthe fasste sich ans Kinn, funkelte dabei aus den Augenwinkeln Anyas Bruder an. „So ist das also? Sie ist stärker? Natürlich … Durch die Conqueror's Soul. Anya hat in dieser Zeit einige starke Feinde bekämpft. Kali nicht.“
      Zu seiner vollkommenen Überraschung zuckte Zachariah zusammen. „Was? Woher weißt du von der Conqueror's Soul?“
      Ich stelle hier die Fragen“, gab der Werwolf jedoch eindeutig zu verstehen.
      Und sein Gegner meinte. „Das hier ist gerade wesentlich interessanter geworden …“

      „… und jetzt nochmal: Woher weißt du überhaupt von der Conqueror's Soul?“, fragte Zachariah mit zunehmender Irritation. „Das sind nicht gerade Informationen, die im Internet herumschwirren. Selbst Lady Gardenia wusste nichts davon, bevor Orion den Sammler verraten hat.“
      „Ein anderer Hüter hat mich davor gewarnt“, antwortete Zanthe, „er sagte …“

      Eines Tages, und da bin ich mir sicher, wird jemand mit einer Fähigkeit unbekannten Ursprungs erscheinen“, sprach der Mann im Poncho mit dem weiß-grauen, langen Haar prophetisch, „genannt Conqueror's Soul.“
      Blätter raschelten leise an jenem Sommertag, als Drazen Zanthe das letzte Mal aufgesucht hatte.
      Diese Gabe absorbiert einen Teil der Kraft eines jeden, der Klingen – oder auch Karten – mit ihrem Besitzer kreuzt“, lachte der Alte unter dem Werwolf, dann aber wandelte sich sein Ton wieder, „aber das alleine reicht natürlich nicht, einen Hüter zu entmachten. Deshalb wird er, und da bin ich mir ebenso sicher, eines Tages …“
      Zanthe sah auf ihn herab, wie er auf dem Ast einer mächtigen Eiche saß und einfach nur existierte. Selbst das Gezwitscher der Vögel interessierte ihn in diesem Moment mehr als Drazens Worte.
      Du solltest mir zuhören“, klagte der Alte beleidigt, aber in scherzhafter Manier. „Was ich zu sagen habe ist zwar nicht immer jugendfrei, aber nichtsdestotrotz in der Regel wichtig.“
      Als wäre es eine Last, überhaupt zu antworten, erwiderte Zanthe träge: „Ich wollte nichts von alldem.“
      „Und trotzdem hat dein Bruder -dich- ausgewählt.“
      „Ist ja nicht so, als ob ich mit meiner neuen Rolle irgendetwas anfangen könnte“, sprach Zanthe lustlos und ließ sich elegant vom Ast hinuntergleiten, um direkt vor Drazen zu landen, „ich bewache eine Duel Monsters-Karte. Yay.“
      Väterlich lächelte der Mann den vermeintlich Jüngeren an. „Hoffentlich bleibt es nur dabei.“
      Die strahlend grau-blauen Augen des Mannes verengten sich. „Aber sollte irgendwann jemand kommen, der das Artefakt begehrt, wirst du dich entscheiden müssen.“
      „Aha?“
      Möglicherweise befindet sich diese Person in großer Not“, erklärte Drazen dem Werwolf mit sanfter Stimme, „und es liegt dann an dir, ihr zu helfen oder nicht.“
      Von mir aus soll derjenige das Artefakt ruhig haben.“
      Der alte Mann betrachtete Zanthe mitfühlend und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du wirst wissen, was zu tun ist.“
      Jedoch stieß die Geste auf wenig Gegenliebe. Der jung aussehende Mann riss sich gestöhnt nervend los und lief an ihm vorbei. „Wenn das alles ist, würde ich gerne weiter den Vögeln zuhören und mein kümmerliches Selbst bemitleiden. Allein. Vielen Dank.“

      Der alte Drazen, erinnerte sich Zanthe. Nach dem 'Tod' seines Bruders hatte der perverse Knacker ihn oft aufgesucht, versucht ihn zu trösten. Aber jetzt war er tot.
      „Ich hätte es verhindern können“, murmelte er traurig. Als Anya aufgebrochen war, ihn zu finden, war sein Name gefallen.
      Aber Drazen hatte ihm mal erzählt, dass er gerne sterben würde. Etwas, das Zanthe damals nur zu gut nachvollziehen konnte. Weshalb er Anya nie von seiner Bekanntschaft mit ihm erzählt hätte.
      „Was nicht verhindern können?“ Zachariah verschränkte die Arme. „Red' Klartext.“
      Aus seinen Erinnerungen gerissen, schnappte der Werwolf zurück: „Ich bin dir keine Antworten schuldig.“
      „Auch gut. Eigentlich interessiert mich dein Gewäsch' gar nicht.“ Der blonde, junge Mann grinste breit. „Ist sowieso alles bloß Zeitverschwendung.“

      [Zanthe: 3900LP / Zachariah: 2900LP]

      Vor ihm stand der imposante, brünette Ritterkönig Artus, mit den Schwertern [Noble Arms – Caliburn] und [Noble Arms – Gallatin] in den Händen. An seinem Arm leuchtete zudem der silberne Schild [Noble Arms Of Destiny]. Dazu umkreiste ihn eine Lichtkugel.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      Zusätzlich verfügte Zachariah noch über eine verdeckte Karte und zwei Handkarten, Zanthe dagegen über gar keine Feldpräsenz und lediglich zwei Handkarten. Oder besser gesagt drei, als er schwungvoll von seinem Duellhandschuh zog.
      Er betrachtete die Falle und schob sie wortlos in den Apparat an seinem Arm, woraufhin sie liegend vor ihm erschien. Dann streckte er die Hand aus. „Open a door to the unknown!“
      Schlagartig hielt er einen kleinen, silbernen Schlüssel in der Hand, der prompt nach oben geworfen wurde. „Erscheine, [Constellar Sombre]!“
      Über dem Kopftuchträger entstand daraufhin ein Runenzirkel mit astronomischen Symbolen darin, welcher zerbrach und hinter sich eine engelsgleiche, weiße Gestalt preis gab. Mit kurzen, aber breiten Flügeln versehen, durch die blaue Energie strömte, ließ Sombre einen hellblauen Kreis um sich erscheinen, in dem die Tierkreiszeichen eingelassen waren.

      Constellar Sombre [ATK/1600 DEF/1550 (4)]

      „Einmal pro Zug kann Sombre einen Sternenkundler von meinem Friedhof verbannen“, erklärte Zanthe und zeigte das schwarz-umrandete Monster [Constellar Praesepe] vor, fügte danach [Constellar Algiedi] seinem Blatt hinzu, „um einen anderen von dort zu bergen. Und ich kann dazu einen weiteren Sternenkundler beschwören! In dem Fall aber nicht das Ziel von Sombres Effekt!“
      Zanthe schwang die Hand nach rechts aus, in der ein weiterer kleiner Schlüssel erschien. „Open a door to the archer! [Constellar Kaus]!“
      Neben ihm entstand ein weiterer, aufrecht stehender Symbolkreis, aus dem ein weißer Zentaur sprang, der einen goldenen Bogen mit sich führte.

      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4)]

      Jener spannte seine Waffe und richtete sie nach oben. „Effekt von Kaus! Zweimal pro Zug kann er die Stufen von Constellar-Monstern um eins erhöhen oder senken. Ich wähle Ersteres je einmal auf Sombre und Kaus!“
      Schon schoss der vierbeinige Krieger im weißen Umhang zwei hellblau leuchtende Pfeile ab, die mitten in der Luft eine enge Kurve machten und in ihn sowie seiner schwebenden Mitstreiterin einschlugen.

      Constellar Sombre [ATK/1600 DEF/1550 (4 → 5)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4 → 5)]

      Zachariah beobachtete das alles mit einem unbekümmerten Grinsen.
      Aber Zanthe sagte sich, dass er diesem Wichtigtuer jenes schneller aus dem Gesicht wischen würde, als Anya bis zehn zählen konnte. Zuversichtlich nahm die eben erst beschworenen Monster von seinem Handschuh und legte sie übereinander, ehe er dann in die Luft griff und plötzlich einen goldenen, riesigen Schlüssel in der Hand hielt. Diesen lehnte er an die Stirn, welcher daraufhin die beiden Sternenkrieger als gelbe Lichtstrahlen absorbierte. Der Werwolf rief: „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network! Aus zwei Stufe 5-Lichtern wird ein gleißender Stern! Rang 5!“
      Im Anschluss rammte er damit den Schlüssel in den Boden und brach ein neues Siegel, welches sich vor ihm im Gras bildete. „Xyz-Summon! [Constellar Pleiades]!“
      Aus diesem erschien ein anmutiger Schwertkämpfer von kräftiger Statur, der ein langes Schwert mit sich trug. Dieses hielt er nach hinten gerichtet. Auf seinem Rücken thronte eine Art Platte, die insgesamt sieben Spitzen aufwies, wobei er noch von zwei Lichtsphären umkreist wurde.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2]

      Zachariah schmunzelte. „Der also.“
      „Ja.“ Sein Widersacher streckte den Zeigefinger aus. „Dank [Noble Arms Of Destiny] kann dein König Artus nicht so leicht durch Kämpfe oder Effekte zerstört werden, aber Pleiades kann das locker umgehen!“
      Jener richtete sein Schwert in die Höhe und ließ es eine der gelben Kugeln absorbieren.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2 → 1]

      „Zum Preis einer Overlay Unit gibt er eine deiner Karten auf die Hand zurück! Los!“
      Schon holte Pleiades aus und schwang die Klinge in einer vollendeten Drehung, sodass diese eine Schockwelle auf den feindlichen Ritterkönig losließ.
      Wofür Zach jedoch nichts als fieses Gelächter übrig hatte. „Ich bitte dich. Du denkst doch tatsächlich, wir wären komplette Vollidioten, was?“
      Zanthe weitete die Augen.
      „Als ob ich das nicht habe kommen sehen“, setzte der Blonde nach und streckte die Hand aus, „verdeckte Karte aktivieren, der Schnellzauber [Glory Of The Noble Knights]! Damit rüste ich einen Noble Knight mit einer Noble Arms aus! Artus, die Zeit ist reif! Ziehe [Noble Arms – Excaliburn] aus dem Stein!“
      Allerdings geschah dies nicht wirklich. Zachariahs Karte klappte auf und aus dem Artwork jener schob sich ein mächtiges, goldenes Schwert hervor, dessen eine Hälfte von roten, die andere von blauen Energieadern durchzogen war. Recht unspektakulär schwebte es zu Artus, der Caliburn in die Schwertscheide schob und das neue, für einen Einhänder schon viel zu große Schwert ergriff.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      „Excalibur erhöht zwar keinen seiner Werte, doch verhindert, dass du seinen Träger mit Karteneffekten anzielen kannst.“
      Die Schockwelle passierte den sagenhaften König, als wäre sie ein laues Lüftchen, das nicht einmal ein Blinzeln wert war.
      Zanthe schnalzte genervt. „Wäre ja auch zu einfach gewesen. Zug beendet!“

      „Ich fürchte, das wird nicht gut für dich ausgehen, Werwolf-Junge“, amüsierte sich Zachariah mit der Zigarette im Mund und spuckte diese schließlich aus. Mit seinem weißen, blitzeblank geputzten Schuh trat er sie aus. „Ist nichts Persönliches. Draw!“
      Dann griff er nach der nächsten Karte und zog. In diesem Moment erschütterte ein heftiges Beben den Wald. Gefolgt von einem ohrenbetäubenden Krachen.
      Während der Blonde ins Wanken geriet, konnte sich Zanthe problemlos auf den Beinen halten. Er weitete die Augen und sah links an dem Bunker vorbei. Konnte es sehen, wie es sich erhob, dieses riesige Ungetüm, das alles überragte. Obwohl es mindestens einen Kilometer entfernt lag, war es mit seinem flammenden, gehörnten Haupt deutlich zu erkennen. Die kurzen, gezackten Schwingen an seinem dürren Körper glitzerten in der Sonne. Aber der lange Schweif, der peitschend die ganze unmittelbare Umgebung in Schutt und Asche legte, erschreckte den Werwolf am meisten.
      „W-was zum Geier ist das!?“, stammelte er. Dann aber kam die Erkenntnis. „Da! Anya ist dort!“
      „Oh?“, machte Zachariah. Die Erderschütterungen stoppten. „Mist. Jetzt weißt du es. Aber ich kann dir gleich sagen: Nun, da dieses Ding aufgetaucht ist, ist es zu spät. Das Schicksal der Fälschung ist besiegelt.“
      „W-was?“
      Anyas älterer Bruder lachte finster. „Jap. Das habe ich zwar schon damals gedacht, als ihr ins Flugzeug gestiegen seid, aber diesmal ist es endgültig.“
      Der schwarzhaarige Werwolf sah sein Gegenüber verwirrt an. Dann dämmert es ihm. „Flugzeug? Soll das heißen, der Absturz, das warst du!?“
      Nur ein böses Lächeln huschte über Zachariahs Antlitz.

      ~-~-~

      Anya schluckte schwer. „Shit …“
      Ein riesiges Loch klaffte in der Decke, zwei der Beine der riesigen Gestalt von [Tierra, Source Of Destruction] standen vor ihrer Widersacherin in der schwarzen Kutte. Kali kicherte leise.

      Tierra, Source Of Destruction [ATK/3400 DEF/3600 (11)]

      Außer dieser riesigen Gestalt, die über der unterirdischen Anlage thronte, gab es keine anderen Karten auf dem Spielfeld. Oder in den Händen der Mädchen. Oder in deren Friedhöfen. Anya war wehrlos. Und einen Treffer würde sie nicht überstehen.

      [Anya: 1000LP / Kali: 800LP]

      Selbst Matt sah mit weit aufgerissenen Augen vor dem Stützpfeiler stehend, an den er kurz zuvor noch angebunden war, an der riesigen Tierra empor. „Es ist tatsächlich wie [Sophia, Goddess Of Rebirth] …“
      Hinter dem Pfeiler versteckte sich Thoras in der durchsichtigen Gestalt des schwarz-goldenen Schabenritters [Evilswarm Exciton Knight].

      Wir sind sowas von am Arsch, Matthew Summers! Wenn das Ding einmal angreift, steht hier nichts mehr!

      Anya, die mit einer Kette am rechten Fuß gefesselt und voller Staub war, verengte die Augen zu Schlitzen. „Wenn du denkst, dass ich am Ende bin, täuscht du dich. Levrier?“

      Ich bin noch hier. Sie hat mich lediglich vom Feld entfernt – ohne mich zur Abwechslung zu verletzen.

      „Sehr gut.“ Die Blonde zeigte ihre Zähne. „Ist lange her, dass wir -das- das letzte Mal gemacht haben, aber es muss sein. Bist du bereit?“

      Ich denke, dem steht nichts im Wege.

      Sofort streckte das Mädchen daraufhin ihren Arm aus. „Alles klar! Ich rekonstruiere das Overlay Network! Mach dich bereit für die Inkarnation, die alle Regeln missachtet!“
      Aber Kali brach in süffisantes Gelächter aus. „Ahahahaha.“
      Anya ließ den Arm sinken. Denn nichts geschah. „Wieso erscheint das Overlay Network nicht?“
      „Ganz einfach! Auf den Effekt von Tierra kann niemand seine Effekte 'ranhängen. Und da Inkarnationen theoretisch auch Karteneffekte sind, kannst du Pearl nicht inkarnieren, ob er nun auf dem Spielfeld ist oder nicht.“
      Ganz langsam klappte Anya die Kinnlade hinunter. Es gab nur eine Chance, [Gem-Knight Pearl] zu inkarnieren – wenn er das Spielfeld verließ. Danach war es zu spät!
      „Pft. Als ob ich dich so leicht davonkommen lassen würde“, sprach ihr Ebenbild mit der Narbe im Gesicht hochmütig, „sorry, aber ich habe so lange auf meine Rache gewartet. Sie muss perfekt sein, um jeden Preis. Ich werde nicht zulassen, dass du deinem Schicksal noch einmal trotzt, Miststück!“
      Sie streckte den Arm nach hinten von sich weg und ließ eines dieser schwarzen, ovalen Portale erscheinen. „Schade, dass ich deine letzten Momente nicht erleben kann. Wie der Quälgeist von Summers richtig festgestellt hat, wird ein Angriff von Tierra alles vernichten. Daher gestatte ich dir ein paar letzte Worte. Komm, bring mich zum Lachen, Fälschung!“
      Wie gelähmt senkte Anya ihr Haupt. Das konnte nicht sein. Sie … nein! Es gab doch sicher noch einen Weg, ihrer Lage zu entkommen! Irgendein Karteneffekt! Aber sie hatte nichts! Und wie Kali bereits erklärt hatte, konnte Tierra in diesem Zug angreifen. Es war vorbei …
      Heiser, gebrochen murmelte sie: „Tja, Summers … hättest vielleicht doch besser wegrennen sollen, als du noch die Gelegenheit dazu hattest.“
      Matt erwiderte nichts.
      „Hey Kali.“ Anya richtete sich auf. Sie atmete tief durch. „Meine letzten Worte also? 'kay. Bitte nimm Summers mit. Er kann nichts für unseren Beef.“
      Ihre verhasste Gegnerin sah sie aus unergründlichen, blauen Augen an. Dann erwiderte sie leise: „Nein.“
      „Warum!?“
      „Er ist mitverantwortlich für mein Schicksal. Ohne ihn wäre ich dem Jinn nie begegnet!“, kam es verbittert zurück. „Seine Sicherheit könnte mir nicht gleichgültiger sein.“

      „Das reicht“, kam es unvermittelt hinter Anya zurück.
      Jene sah über ihre Schulter. Der junge Mann im schwarzen Ledermantel trat Schritt um Schritt näher, bis er vor der unsichtbaren Barriere um das Duellfeld anhielt, gekennzeichnet durch Kreidelinien.
      „Ob deine Geschichte nun stimmt oder nicht“, sprach Matt, „ist mir ehrlich gesagt egal. Du bist das Original? Dann rühm' dich meinetwegen damit. Aber dadurch bleibt dein Charakter der einer aufmüpfigen, selbstsüchtigen Göre, die keinerlei Mitgefühl kennt. Da bin ich lieber mit einer Fälschung befreundet, die wenigstens Anteil am Schicksal anderer nimmt.“
      „Summers“, murmelte Anya erstaunt.
      Kali lachte auf. „Hah! Du hast Recht. Ich bin egoistisch und gefühlskalt. Denn selbst das Potential, anders zu sein, wurde mir genommen. Ich hatte nie die Chance, dich näher kennenzulernen. Von daher sind wir Fremde und du bedeutest mir gar nichts.“
      Sie streckte langsam die Hand mit gespreizten Fingern aus.
      Voller Verzweiflung rief Anya: „Hau ab, Summers! Ich kann sie nicht aufhalten! Versuch wenigstens dich zu verstecken oder so!“
      Statt ihrer Bitte Folge zu leisten, befahl Matt: „Thoras, zerschneide diesen Bannkreis.“

      Warum!? Wir sollten auf Anya Bauer hören und das Weite suchen!

      „Tu es!“
      Anscheinend mit der Erkenntnis gesegnet, dass er sowieso keine Wahl hatte, kam der Schabenritter nach vorne gerannt und zog dabei sein Rapier. Er stach es in die Barriere, die sich kurz als wellenartige Substanz zeigte, doch konnte sie nicht durchdringen.
      „Pah!“, lachte Kali. „Dachtest du, es wäre so einfach? Wir wissen, dass ihr Dämonenjäger euch teleportieren könnt. Ich habe nicht vergessen, was du Abby und ihrer Familie angetan hast …“
      „Und Nick“, ergänzte Matt. „Dafür habe ich mich entschuldigt.“
      „Nick … yeah. Pft.“ Die selbsternannte Dämonengöttin schloss die Augen. „Schluss mit diesem Quatsch. Ihr seid Freunde? Dann sterbt beide in dem Wissen, dass ihr euch gegenseitig ins Unglück gestürzt hab.“
      „Mach weiter, Thoras!“, drang Matt derweil.

      Nicht mal bezahlt werde ich dafür!

      Trotzdem schlug der Immaterielle die Barriere ein, die sich mit jedem Treffer ein bisschen nach innen bog und rötlich verfärbte.

      Ich … ich kann nicht mehr! Es kostet verdammt viel Kraft für einen wie mich, physische Objekte zu beeinflussen!

      „Dann gemeinsam!“ Kurzerhand packte Matt ebenfalls zu. Zusammen holten sie weit mit dem Schwert aus und ließen es auf die Barriere sausen, die daraufhin zerbrach wie ein Scherbenhaufen.
      Kali schnappte nach Luft. „Scheiße! Aber es ist zu spät! Greife sie an, [Tierra, Source Of Destruction]! Simulation's End!“
      Weit über dem Giganten begann sich im Himmel ein roter Kreis auszudehnen. Dessen Inneres verfärbte sich schwarz, bis sich nacheinander immer mehr kometenartige Feuerbälle lösten. Sie alle flogen laut pfeifend auf die unmittelbare Umgebung des eingestürzten Bunkerteils zu.
      Matt eilte an Anyas Seite. „Ich habe einen Plan! Keinen guten, aber besser als nichts.“
      „Der lautet hoffentlich Teleportationskarte!“
      „Nein … ich habe keine mehr, schon seit geraumer Zeit …“
      Die Blonde schnappte entgeistert, wenn auch nicht wirklich überrascht: „Willst du mich verarschen!?“
      „Hör zu! Wir sammeln die Kräfte unserer Immateriellen und deiner Artefakte und errichten eine Barriere. Wenn wir Glück haben, überleben wir das!“
      In dem Augenblick tauchte Levriers durchsichtige Pearl-Gestalt links neben Anya auf, wohingegen sich Thoras rechts neben Matt positionierte.

      Ich bin ein Streiter, kein Gründer! Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe!

      Auf das Meckern von Matts Immateriellen hin konnte Levrier nur lachen.

      Ist es. Aber wir sollten es zumindest versuchen.

      Auch Kali brach in schallendes Gelächter aus. „Ihr Idioten! Das wird euch nicht retten! Tierra ist viel zu mächtig, um durch eine lausige Barriere aufgehalten werden zu können!“
      Dagegen erwiderte ihre Erzfeindin: „Du hast doch nur Schiss, dass es klappt.“
      Sie streckte ihren Arm aus und ließ [Angel Wing Dragon] in seiner weißen Speerform erscheinen, welchen sie neben sich in den Boden rammte. Dann manifestierten sich um ihre Hände zwei metallische Handschuhe. Und zu guter Letzt tauchten in jenen zwei gezackte Kurzschwerter auf.
      „Okay, bin bereit!“
      „Konzentriert euch! Sammelt all eure Kraft und lasst sich in die Kuppel fließen!“, befahl Matt und sah seinen Partner an. „Thoras, du erzeugst das Feld!“

      War ja klar, dass -ich- wieder die Drecksarbeit erledigen muss!

      „Hahaha“, lachte Kali weiter, „das wird doch niemals was. Aber gut, versucht es halt.“
      Anya schloss die Augen. Sie hörte bereits aus der Ferne das Zischen der nahenden Kometen. Fuck, diese blöde Kuh hatte Recht! Selbst mit ihrer geballten Kraft würden sie niemals stark genug sein, einen so mächtigen Schild aufzubauen!
      „Gib dir mehr Mühe, Thoras!“, hörte sie Matt sagen.

      Ich versuche es! Aber ihr seid alle so verschieden, ich kann das Feld gar nicht erzeugen!

      „Tu es trotzdem!“

      Ich helfe!

      Levrier gab ein angestrengtes Geräusch von sich. Aber Anya spürte es – nichts geschah. Sie hatten so etwas noch nie gemacht, natürlich würde es nicht auf Anhieb funktionieren.
      „Sag ich doch, das wird nichts“, triumphierte Kali. „Ich bin dann mal weg …“
      „Shit“, fluchte Anya leise, wagte es nicht hinzusehen.
      Plötzlich spürte sie Matts Hand auf ihrer Schulter. „Wir kriegen das hin!“
      „Lügner“, erwiderte die Blonde mit einem Lächeln, „aber wenigstens gehen wir zusammen unter. Nicht die … schlechteste Art zu sterben …“
      „Sag so etwas nicht! Los, strengt euch an!“

      Argh! Immer wenn ich es in Form kriege, bringt Levrier es durcheinander!

      Thoras ist ein Amateur!

      Anya biss die Zähne fest zusammen. Es war vorbei. Jeden Moment. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Einfach so zu sterben. Und dann noch durch Kalis Hand. Lächerlich …
      Sie wollte nicht. Sie wollte nicht sterben. Es gab so vieles, was sie noch tun musste, tun wollte und da kam sterben nicht infrage. Aber wer sollte sie retten!? Es kam niemand! Der Sammler wäre doch schon längst hier, wenn es ihm möglich wäre. Vielleicht interessierte er sich gar nicht mehr für sie, immerhin hatte sie ihn eiskalt abblitzen lassen!
      „Ricther“, flüsterte sie verzweifelt, „komm schon!“
      Aber der Undying hätte sie längst gerettet. Das heißt, wenn er es sich nicht inzwischen anders überlegt hatte. Sie war eine Gefahr für diese 'ewige Ordnung' oder was auch immer. Wenn sie jetzt hier starb, hatte sich das Problem der Undying von selbst gelöst. Es gab keinen Grund für sie, ihnen zu helfen.
      „Der kommt nicht! Wir müssen das selbst schaffen!“, drängte Matt, auch bei ihm drang immer größere Verzweiflung durch die Stimme. „Anya, hol' alles aus dir raus!“
      „Ich versuch's ja!“
      Was tat sie denn? Sie fokussierte sich auf ein Energiefeld, das sie ganz vage um sich herum spürte. Stärkte sie es dadurch überhaupt? Oder musste sie mehr tun!? Sie wusste es nicht!
      Irgendjemand! Irgendjemand musste sie retten!

      Es war wie ein Blitz, der ihre Gedanken durchfuhr. Ganz klar sah sie sie vor sich, eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Wie sie mit einer deutlich jüngeren Abby in ihrem Zimmer auf dem Boden hockte. Beide waren über Papier gebeugt und zeichneten fleißig.
      Anya sah ihrem Teenager-Ich über die Schulter, wie es als Erstes fertig war und ihrer Freundin stolz das gemalte Bild präsentierte. „Hah! Damit gewinne ich den Wettbewerb!“
      „Das ist großartig, Anya! So gut bin ich nicht.“ Abby sah betrübt auf ihr Bild herab, einen roten Vogel mit Laubschweif.
      „Ist doch egal!“, protestierte Teenie-Anya. „Ich werde sowieso dort einmarschieren und diese Weicheier dazu zwingen, beide Bilder gewinnen zu lassen. Andernfalls drehe ich ihnen solange Schrauben durch ihre Körperöffnungen, bis sie-“
      „I-ich denke, ich verstehe schon“, stammelte Abby pikiert.
      Dann verschwamm die Szene vor Anyas innerem Auge. Nebenbei hörte sie Matt panisch etwas rufen, Kali lautstark lachen. Ihre Finger umschlossen die beiden Schwerter in ihrer Hand so fest sie konnten.

      Aber sie sah etwas Neues. Diesen Typen, dem sie begegnet war, als dieser verrückte Maskendämonen mit dem Katana sie angegriffen hatte. Blondes Haar, geflochten zu langen, zusammengebundenen Braids. Er hatte diese komische Waffe in den Händen, eine Art Schwert, um das ein hellblaues Gehäuse ummantelt war. Die Klinge war zackig wie eine Kettensäge.
      Warum erinnerte sie sich jetzt an ihn?
      „Ich habe ein Geschenk für dich“, sprach er unergründlich, „mit ihm wirst du überleben.“
      Exa streckte die Hand nach ihr aus. Er sah sie eindringlich an. Anya fackelte gar nicht erst, sondern versuchte sie zu ergreifen. Kurz bevor sich ihre Finger berührten, tauchte zwischen ihnen ein grelles, leuchtendes Licht auf.

      Anya riss ihre Augen weit auf. Die Artefakte um sie herum lösten sich auf, das Mädchen streckte die Hand nach vorne aus. „Die Bedingung ist erfüllt!“
      Sie schwenkte ihren Arm zur Seite aus. „A rift has been opened!“
      Anschließend schlug sie ihre rechte, zur Faust geballte Hand gegen die Brust. „Summoning contract established!“
      Kali, die schon halb in ihrem Portal steckte, trat wieder daraus hervor. „Huh?“
      „Anya, was machst du da?“, fragte Matt verwirrt. „Du musst-“
      Aber die Blonde beachtete keinen der beiden. Sie wusste, was sie da tat. Sie richtete die Faust in die Höhe, aus der acht grelle Lichtfunken aufstiegen, an ihr und den anderen vorbei schwirrten und sich hinter ihnen in einer unregelmäßigen Kreuzformation zu einem runden Tor festigten. Dieses bestand aus mehreren Innenkreisen, in dem jeweils einer der Funken als leuchtendes Symbol eingelassen war.
      „Witness the creation of the eternal gate!“, rief Anya. Ruckartig schossen die einzelnen Bestandteile des Portals nach hinten. „Reverse the tide of battle!“
      Innerhalb des entstandenen Tores erstreckte sich ein bunter Tunnel. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      Anya riss den erhobenen Arm hinunter und zeigte ihren Handrücken, in dem eine weiße Sanduhr eingraviert war. „Grade 8! Flow, [Chrono Blades Excel Dragon]!“
      In dem Moment schoss eine Kreatur aus dem Portal und brachte dieses zum Einstürzen. An Anya vorbei rauschte der dunkelgraue Drache einmal durch den ganzen, magisch vergrößerten Raum, ehe er sich über dem Mädchen platzierte. Von schlanker Gestalt, hatte er einen fast humanoiden Körperbau. Sein weißer Bauch hatte dabei dieselbe Form wie Anyas Symbol: Eine Sanduhr.

      Chrono Blades Excel Dragon [ATK/3000 DEF/2500 X8]

      Wirklich beeindruckend waren aber neben den vier rot leuchtenden Schlitzaugen die zehn Schwerter, die wie ein Ring in hoher Geschwindigkeit um ihn rotierten.
      Kali verfiel in blanke Panik. „Nein … nein, nein, nein!“

      Woher kommt dieses Ding?

      „Ist doch egal“, erwiderte Matt auf Thoras Frage hin prompt. Beide sahen an der eindrucksvollen Kreatur hinauf. „Hauptsache es ist hier …“
      Der Dämonenjäger sah Anya an, doch die hatte sich völlig auf Kali fixiert.
      Jene konnte sich kaum beherrschen. Sie schrie: „Wie konntest du nur!? Ausgerechnet ihn!“
      Sie ging in ein Flüstern über. „Völlig aus dem Nichts … Das sieht dir ähnlich, Miststück!“
      Anya sah auf ihren Armrücken hinab. „Es kam nicht aus dem Nichts. Es hat in mir geschlafen, das weiß ich.“
      „Das bezweifle ich! Aber glaub was auch immer du willst! Selbst damit entkommst du deinem Schicksal nicht!“
      Die sogenannte Fälschung sah wieder auf und erklärte beherrscht: „Sehe ich anders. Wenn [Chrono Blades Excel Dragon] während der Battle Phase beschworen wird, beendet er diese sofort.“
      Ihre Widersacherin ploppten bald die Augen heraus. „Was!?“
      „Tu nicht so überrascht“, murrte Anya grimmig. Indes waren die Kometen nur noch wenige Kilometer vom Einschlagpunkt entfernt. „Aber das ist noch nicht alles. Danach kann er sich und alle anderen Monster auf dem Feld verbannen. Temporal Disturbance!“
      In dem Moment streckte der Drache eine seiner mit scharfen Klauen besetzen Pranken aus. Mit dem 'Zeigefinger' zog er langsam einen immer größer werdenden Riss im Raum-Zeit-Gefüge, eine schwarz glitzernde Pforte, in die er langsam hineingezogen wurde. Aber nicht nur er. Vor Kali ereignete sich analog das gleiche Phänomen. Die beiden Beine Tierras wurden verzerrt in den Spalt hineingezogen. Dann geschah es. Immer schneller wurde das gigantische Wesen durch den allenfalls eine Elle langen Riss wie von einem Staubsauger hineingesaugt. Dabei ging strahlend blaues Licht von ihm aus.
      Kali fiel aus allen Wolken. „Nein! Das kannst du nicht tun! Tierra!“
      Doch es war zu spät. Beide Monster waren längst verschwunden, die Pforten auf den Seiten der Mädchen schlossen sich wieder. Die Kometen verschwanden, als hätten sie nie existiert.
      „Das habe ich aber gerade“, erwiderte Anya unterkühlt. „Und das ist erst der Anfang.“
      Denn etwas war von ihrem neuen Drachen verblieben: Sein Schwertring. Jener flog über ihrem Kopf hinweg durch das Loch im Bunker. Und dann regnete es Klingen. Nacheinander rammten sich vier der schlichten Einhänder vor Anya in den Boden. Dann geschah dasselbe bei Kali. Die verbliebenen beiden Schwerter verschwanden.
      „Selbst das …“, keuchte die und wich zurück. Ihr Portal war ebenfalls fort.
      „Die Monster, die Chrono Blades verbannt hat, sind nicht fort. Ihre Zonen bleiben unbenutzbar, bis sie zurück sind“, erklärte ihre Feindin, „und in alle anderen werden seine Schwerter in Verteidigungsposition beschworen, die sogenannten Chrono Blade-Spielmarken.“

      Chrono Blade-Token x4 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Anya)
      Chrono Blade-Token x4 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      Anya Bauer, das ist beeindruckend! Woher kommt dieses Monster? Und du kennst seinen Effekt, ohne ihn überhaupt gelesen zu haben!

      „Yeah“, stimmte Matt dem durchsichtigen Levrier zu, „das ist tatsächlich beängstigend.“
      Er atmete tief durch. „Puh. Aber danke, dass auf dein Talent, das Schicksal zu umgehen, immer wieder Verlass ist.“
      Als sie das hörte, musste Anya ihn ansehen und grinsen. „Danke.“
      Dann aber wurde sie wieder ernst, sah wieder Kali an. „Wenn du wirklich ich bist, dann solltest du eigentlich wissen, was dieses Monster ist. Und was es in etwa kann.“
      „Kch! Damals … mit Abby …“
      „Yeah. Aber Erinnerungen sind trügerisch“, murmelte Anya geheimnisvoll, „und manchmal ändern sich Pläne ein wenig. Ich hatte vor einiger Zeit einen Traum. Und seitdem denke ich -anders- über Chrono Blades. Du siehst ja, er ist kein reguläres Effektmonster mehr. Um ehrlich zu sein weiß ich selber nicht, -was- er jetzt ist …“
      Sie senkte ihr Haupt. Sie hatte einen anderen Beschwörungsspruch verwendet als in ihrem Traum. Welcher dort in etwa „The fallen comrades become witnesses of a new beginning!“ gelautet hatte, aber den hatte sie sich damals als Teenager ausgedacht. Er war nicht mehr aktuell. Und die Karte auf ihrer schwarzen Duel Disk? Die hatte nicht einmal einen farbigen Rand, stattdessen war sie komplett vom Artwork ausgefüllt, welches beim Effekttext extrem aufgehellt war.
      „Einen Traum?“, fragte Matt. Dann erinnerte er sich daran, dass sie mal etwas im Traum genuschelt hatte, beim Duell Marc Butcher gegen Kakyo Sangon. „Das ist interessant. Aber wie um alles in der Welt hast du es geschafft, ihn zur Realität werden zu lassen?“
      „Weiß nicht“, zuckte Anya mit den Schultern. „Ist mir auch egal. [Chrono Blades Excel Dragon] existiert seit vielen Jahren in meinem Kopf. Ich habe ihn selbst entworfen, damals, als ich und Abby an einem Zeichenwettbewerb teilgenommen haben. Zwar habe ich damals nicht gewonnen …“
      Sie sah wieder auf ihre Duel Disk. „… aber er ist hier. Gekommen, um mich zu retten. Nur das zählt.“

      Matthew Summers! Ich finde, wir sollten auch damit anfangen, uns mächtige Karten aus dem Arsch zu ziehen, wenn es drauf ankommt.

      Anya bedachte den Schabenritter Thoras eines stechenden Seitenblicks. „Das habt ihr vor gar nicht allzu langer Zeit, 'Zitronenritter'!“

      Sie will mich umbringen!

      Kreischend kauerte der Immaterielle hinter Matt, der genervt stöhnte.
      Kali lachte, aber deutliche Verunsicherung klang dabei hindurch. „Das hast du also aus [Chrono Blades Dragon] gemacht, huh? Von mir aus. Damit werde ich auch fertig. Ich lasse mir meine Rache nicht noch einmal nehmen!“
      Sie streckte die Hand aus. „Ich beende den Zug! Jetzt aktiviert sich der Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon]. Ich habe ihn und [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix] aus meinen Pendelzonen verbannt und nun kehren sie beide auf mein Blatt zurück!“
      Während Kali jene beiden Monster aus ihrer Verbannungszone zog, meinte Anya: „Yeah, kann sein, aber in der End Phase aktiviert sich auch der Effekt von [Chrono Blades Excel Dragons] Hinterlassenschaft.“
      Die Schwerter vor Kali begannen silbrig zu glühen. Dann schossen sie alle gleichzeitig Blitze auf die Kuttenträgerin ab, die schreiend getroffen wurde und auf die Knie sank. Dann zersprang eine der Klingen. „Ugh!“

      [Anya: 1000LP / Kali: 800LP → 400LP]

      Chrono Blade-Token x3 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      „Während der End Phase erhält der Spieler, der gerade am Zug ist, 100 Schadenspunkte für jede Chrono Blade-Spielmarke, die er kontrolliert. Danach wird eine zerstört“, erklärte Anya. „Und wenn alle fort sind …“
      „… verliert der Spieler das Duell“, schloss Kali verstimmt ab und erhob sich.
      Ein wissendes Grinsen huschte über Anyas Gesicht.

      ~-~-~

      Der schwarzhaarige Werwolf sah sein Gegenüber verwirrt an. Dann dämmert es ihm. „Flugzeug? Soll das heißen, der Absturz, das warst du!?“
      Nur ein böses Lächeln huschte über Zachariahs Antlitz. „Ja.“
      Fast nebensächlich schnippte er mit dem Finger. „Heileffekt von [Noble Arms – Caliburn]! Ich erhalte 500 Life Points!“
      Das Schwert in der Scheide am Waffenrock Artorigus' begann zu leuchten. Ein grünlicher Funkenregen ergoss sich über Zachariah.

      [Zanthe: 3900LP / Zachariah: 2900LP → 3400LP]

      „Warum!?“, platzte es aus einem zutiefst schockierten Zanthe heraus. „So viele Menschen sind dadurch gestorben!“
      „Na und?“ Er zuckte mit den Schultern.
      Eiskalt. Selbst der Werwolf, der sonst eine Menge ab konnte, spürte in diesem Moment eine ungekannte Übelkeit aufkeimen. Das war Anyas Bruder und er war ein Massenmörder!
      „Sind dir“, flüsterte Zanthe leise, „sind dir Menschenleben gar nichts wert …?“
      „Sicher doch. Aber es war der einfachste Weg, euch loszuwerden. Dachte ich jedenfalls.“ Wieder zuckte der große Blonde mit den Schultern. „Wie seid ihr da bloß rausgekommen? Hat euch jemand gewarnt? Der Sammler vielleicht?“
      Aber der Kopftuchträger zog es vor gar nicht erst zu antworten. Er wandte den Blick ab.
      „Tu nicht so scheinheilig. Du würdest dasselbe tun, wenn jemand dir Wichtiges so leiden muss.“
      „Niemals!“, widersprach Zanthe aufgeregt. Und doch spürte er, dass ein Teil von ihm für Alessandro sehr viel weiter gehen würde als er es sich eingestand. „Das ist … hast du jemals darüber nachgedacht, wie sinnlos das alles war!?“
      „Du meinst, weil der Sammler Anya einfach durch Kali oder sogar … hehe … jemand Drittes ersetzen kann, der die Conqueror's Soul besitzt? Bevor du fragst: Ich besitze sie nicht, was irgendwie schade ist. Egal.“ Zachariah schürzte die Lippen. „Jedenfalls hast du es wohl immer noch nicht kapiert. Ich wollte -deine- Anya vernichten, damit -meine- ihren Platz einnehmen kann. Und in einem Flugzeug sollte sie nicht entkommen können. Ich habe extra Sprengstoff verwendet, damit Levrier nichts bemerkt. Und trotzdem …“
      Er sagte das auf eine Art und Weise, als würden sie sich über das Wetter unterhalten. Das war ein Psychopath, begriff Zanthe dadurch mit Schrecken.
      „Ich aktiviere den Effekt von [Artorigus, King Of The Noble Knights]! Im Austausch gegen eine Overlay Unit kann ich beliebig viele Zauber- und Fallenkarten zerstören, solange er mindestens ebenso viele Noble Arms ausgerüstet hat. Ich wähle dich“, meinte er und zeigte verschmitzt auf Zanthes gesetzte Karte. Dann auf das Schwert am Waffenrock seines Königs. „Und dich, [Noble Arms – Caliburn]!“
      Jener streckte sein Excalibur in die Höhe und ließ es die verbliebene, um ihn kreisende Lichtkugel absorbieren.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 1 → 0]

      Im Anschluss schwang er das Schwert beidhändig aus, wobei nicht nur die Schwertscheide zerplatzte, sondern von Excalibur auch eine elektrische Schockwelle losgelassen wurde. Jene fegte über das Gras, an [Constellar Pleiades] vorbei und traf schließlich auf die gesetzte Karte vor Zanthe.
      Welcher gar nicht lange fackelte. „Dann aktiviere ich sie gleich! [Constellar Meteor], eine Falle!“
      Die Falle klappte noch rechtzeitig auf, bevor sie von der Schockwelle zerrissen wurde. Plötzlich ging sein Sternenkundler in rötlicher Feueraura auf, so stark, dass man ihn kaum noch erkannte.
      „Wenn du in diesem Zug gegen Constellar-Monster kämpfst, werden deine Monster ins Deck zurückgeschickt!“ Zanthe atmete tief durch. „Selbst all die Schwerter und Schilde deines König Artus können diesen Effekt nicht abwehren.“
      „Mag sein.“ Zach streckte die Hand aus. „Da [Destiny Arms – Caliburn] zerstört wurde, kann es sich einmal pro Zug an ein passendes Monster auf dem Feld ausrüsten.“
      So wie die Schwertscheide am Waffenrock des brünetten Königs verschwunden war, so setzte sie sich aus dem Nichts wieder zusammen. „Und das heißt: Mehr Lebenspunkte für mich. Effekt von Caliburn!“
      Wieder ergoss sich über Zachariah ein grüner Funkenregen.

      [Zanthe: 3900LP / Zachariah: 3400LP → 3900LP]

      Zanthe knirsche mit den Zähnen. Diese Strategie Zachariahs, sich dauernd zu heilen, war ihm nicht neu. Und das alles diente nur dazu, ihn daran zu hindern, zu Anya vorzudringen. Er sah am Bunker vorbei zu der riesigen Kreatur. Und erkannte mit Schrecken, dass sie zahllose Meteore beschworen hatte, die zwar noch weit oben am Firmament hingen, jedoch bald einschlagen würden.
      „Verdammt, ich muss hier weg!“, keuchte er zerknirscht.
      „Wozu die Eile? Ist doch ohnehin egal.“ Zachariah lachte auf einmal resignierend. „Früher oder später ereilt deine Freundin sowieso ein grausames Schicksal. Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“
      Zanthe sah ihn mit geweiteten Augen an. Was war denn jetzt los!?
      „Alles was du tust, ist umsonst. Was ich tue ist umsonst. Was Anya tut ist umsonst. Wirklich alles.“
      Zanthe schnappte zurück: „Was soll das jetzt heißen? Sind wir unter die Nihilisten gegangen oder was?“
      „Nein“, erwiderte der große Blonde kühl, „nur, dass wir alle verdammt sind. Also was spielt es für eine Rolle, ob ich ein paar Menschen durch die Explosion getötet habe? Immerhin habe ich ihnen die Hölle erspart, die sich Zukunft nennt.“
      Mit nervösem Blick auf die Feuerbälle, die es vom Himmel regnete, fragte Zanthe: „Hölle? Du hast sie direkt dorthin geschickt!“
      „Ach wirklich? Da wäre ich mir nicht so sicher. Ihr wisst es nicht, aber wir haben einen Überläufer auf unserer Seite“, erklärte Zachariah, „ein ehemaliger Diener des Sammlers. Ein Schattengeist namens Orion.“
      Der Name sagte Zanthe etwas. Anya hatte ihn ein oder zweimal erwähnt, als sie ihm während einer ihrer etwas geselligeren Stunden von ihren Abenteuern erzählt hatte. „Orion? Das war der Vorgänger von Kyon.“
      Kyon … der Immaterielle, der den Körper seines Bruders Alessandro besetzte! Auch er war ein Diener des Sammlers. Und ebenso daran interessiert, diesen zu Fall zu bringen.
      „Genau der.“ Der Blonde nickte. „Viel weiß er nicht, aber das, was er uns sagen konnte, war gelinde gesagt erschreckend.“

      Eigentlich hatte Zanthe keine Zeit für dieses Gespräch. Aber objektiv gesehen wusste er, dass er sowieso nicht rechtzeitig bei Anya sein würde. Und selbst wenn doch, was könnte er im Moment tun, um sie zu beschützen? Sie musste sich wohl oder übel selbst helfen. Vielleicht war Matt wenigstens bei ihr.

      „Und das willst du mir wirklich erzählen?“, fragte der Werwolf schließlich und doch haftete sein Blick einzig an den herabfallenden Meteoren.
      Zachariah zuckte mit den Schultern. Anscheinend eine blöde Angewohnheit, so oft wie der das tat.
      „Vielleicht sorgt das für ein wenig Vernunft in eurer Chaostruppe. Eure Anya ist in wenigen Augenblicken Geschichte.“ Er grinste böse. „Wenn ihr wollt, könnt ihr ja Lady Gardenia dienen.“
      „Das halte ich für unwahrscheinlich. Und damit meine ich nicht den Teil mit deiner Herrin.“
      „Glaub was du willst. Jedenfalls hat sie mir keinen Maulkorb verpasst. Also: Der Verräter namens Orion. Lästige Kreatur. Aber er weiß ein paar Dinge. Zum Beispiel, dass es ein Phänomen namens 'Planet Eater' gibt.“
      Zanthe hob die Augenbrauen an. „Planet … Eater?“
      „Da ist der Name Programm. Und dieses Ding hat in wenigen Monaten diverse Welten zerstört. Der Sammler beobachtet es anscheinend. Und soll ich dir was sagen? Wir vermuten, dass der Planet Eater es auf diese Welt abgesehen hat.“
      „Was ist das überhaupt?“
      „Anscheinend selbst eine Art Himmelskörper. Sobald er nah genug an einen Planeten heran kommt, beginnt er seinen Äther zu absorbieren. Er verschlingt alles, bis nur noch ein lebloser Steinbrocken übrig bleibt.“ Zachariah schien das alles nicht wirklich zu kümmern. Vielleicht weil er nicht wirklich etwas vom Übernatürlichen verstand. Er ratterte einfach Fakten hinunter. „Allein seine Anwesenheit bringt Planeten aus ihrer Umlaufbahn. Kann man ihn mit bloßem Auge erkennen, ist es so oder so zu spät. Oder so ähnlich.“
      „Und ihr denkt, der Sammler …?“
      Da platzte Zachariah in schallendes Gelächter aus. „Der Sammler ist dafür verantwortlich? Mach dich nicht lächerlich! Das glauben vielleicht die Undying, aber denk doch mal genau nach! Der Sammler hat eurer Anya zwar geholfen, in den Turm von Neo Babylon zu gelangen, aber nie mit der Absicht das Tor Eden zu öffnen.“
      Sein Gesicht wurde ernst. Er gestikulierte wild mit den Händen. „Soweit ich weiß, hat er doch sogar versucht, diese verrückte Immaterielle aufzuhalten, die nach dem Fall des Turms das Tor durch das Opfern von Livingtons Bewohnern öffnen wollte. Was glaubst du, war ihre Absicht dabei? Sie wollte den Planet Eater rufen!“
      Auch davon hatte Anya ihm mal erzählt. Urila hieß sie, soweit sich Zanthe erinnern konnte.
      Abschließend meinte der große Blonde mit dem Goldkettchen um den Hals: „Der Sammler ist kein angenehmer Zeitgenosse, aber er braucht diese Welt für irgendetwas. Wenn der Planet Eater sie zerstört, würde er damit auch die Pläne des Sammlers durchkreuzen. Und niemand kann dieses Ding aufhalten, weder der Sammler noch die Undying.“

      Wieso geschah da nichts, fragte sich Zanther derweil mit wachsender Panik. Inzwischen hatten die mindestens zwanzig Meteore den Himmel durchbrochen und flogen mit immer höherem Tempo ihrem Einschlagpunkt entgegen. Begleitet von einem lauter werdenden, pfeifenden Geräusch.
      Anya, wehr' dich endlich, fluchte er innerlich.

      „Nette Geschichte“, presste Zanthe hervor, „angenommen das stimmt überhaupt, was der Schattengeist euch da erzählt. Er könnte genauso gut ein Doppelagent sein.“
      Zach schmunzelte. „Lady Gardenia ist überzeugt davon, dass er die Wahrheit spricht. Ihr kann man nichts vormachen.“
      „Aber ihr habt keine Beweise dafür, dass der Planet Eater wirklich auf die Erde Kurs genommen hat.“
      „Der Sammler ist überzeugt davon, dass jemand ihn steuert. Es gibt ein System. Jede der bereits zerstörten Welten barg gewisse Besonderheiten. Die Welt der Immateriellen, Welten mit wirklich mächtigen Individuen …“
      „Und was ist an dieser Welt so besonders?“
      „Ein Hinweise darauf konnte Orion uns geben, wenn auch nicht mehr als das.“
      Zanthe konnte seinen Blick für einen kurzen Moment von der riesigen Kreatur in der Ferne lösen und sah Zachariah in die blauen Augen. Welche funkelten. „Sprich!“
      „'In dieser Welt existieren die Reste einer verbotenen Vergangenheit'.“ Der Blonde in Weiß zuckte mit den Schultern. „Das waren die Worte des Sammlers zum Schattengeist, der übrigens keinen Schimmer davon hat, was sein Meister überhaupt so ausheckt. Fast so als hätte der erwartet, irgendwann verraten zu werden.“
      Damit hatte sich Zanthes nächste Frage wohl erübrigt.

      „Aber jetzt wird es Zeit, dich endgültig-“, sprach Zachariah mit einem zuversichtlichen Lächeln auf den Lippen und zückte eine Karte.
      Doch als Zanthe aufschreckte, lag dies nicht an seinem Gegner. Grelles, hellblaues Licht strahlte von unterhalb der riesigen, gehörnten Kreatur in der Ferne hervor. Und jene begann zusammenzuschrumpfen.
      Auch Zachariah wirbelte um, blickte an dem Bunker vorbei. „Sag nicht-!“
      Die flammenden Felsbrocken verschwanden jedoch ebenfalls, kurz bevor sie einschlagen konnten.
      „Sieht ganz so aus“, meinte Zanthe und atmete erleichtert auf. Manchmal war halt doch auf Anya Verlass, wie es schien.
      „Ugh! Wenn das so ist, sollte ich wohl gerade ganz woanders sein.“ Er wandte sich dem Werwolf wieder zu. Dann ging er auf ihn zu. „Und du auch.“
      „Schätze schon.“ Der Schwarzhaarige mit dem Kopftuch schritt ihm entgegen.
      Als sie sich in der Mitte des Spielfelds trafen, sahen sie sich tief in die Augen. Zach meinte schließlich mit einem Grinsen: „Um deine Würde zu bewahren, biete ich dir einen Deal an. Wir einigen uns auf ein Unentschieden.“
      „Netter Versuch. Dich hätte ich fertig gemacht.“
      Beide schlugen trotz ihrer Feindseligkeit mit den Händen ein. Die Hologramme ihrer beiden Monster verschwanden.

      [Zanthe: 3900LP → 0LP / Zachariah: 3900LP → 0LP]

      „Glaub mir. Was immer da vorgeht“, sagte Anyas größerer Bruder und sah wieder zurück zu der Stelle, wo eben noch die riesige Kreatur gestanden hatte, „willst du nicht verpassen.“
      Zanthe nickte. Und keine Sekunde später rannten beide in jene Richtung los, wobei es Zanthe mühelos gelang, seinen Widersacher abzuhängen.

      Obwohl er sich nichts hatte anmerken lassen, war er ziemlich erstaunt von diesem Angebot gewesen. Und er begriff, dass dies wohl tatsächlich auf Bruderliebe beruhen musste. Zachariah wollte an Kalis Seite sein, nachdem ihr Sieg offensichtlich doch nicht so sicher war wie er dachte.
      Blieb nur zu hoffen, dass was immer Anya dort gelungen war, sie lange genug über Wasser halten würde. Vielleicht konnte er ihr irgendwie helfen!

      ~-~-~

      „Mein Zug! Draw!“ Anya riss eine Karte von ihrem Deck. „Zug beendet!“
      „Was!?“, staunte Matt.

      Anya Bauer, bist du sicher!?

      Auch Levrier wunderte sich über diese Ansage. Doch es war bereits zu spät, das Mädchen noch umzustimmen. Die vier Schwerter vor ihr leuchteten allesamt silbern auf und gaben zusammen einen gebündelten Stromschlag ab, der sie beinahe in die Knie zwang. „Kch! Am Ende des Zuges erhalte ich 100 Punkte Schaden für jede Chrono Blade, danach wird eine zerstört.“
      Eine der Klingen zerplatzte.

      [Anya: 1000LP → 600LP / Kali: 400LP]

      Chrono Blade-Token x3 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Anya)

      „Mein Zug! Draw!“, wiederholte Kali exakt dieselben Worte, die Anya zu Beginn ihrer Runde gesagt hatte und zog schwungvoll von ihrem Deck.
      Dann sah sie auf ihre rote V-Duel Disk. Die mittlere Zone war durch ein rotes Kreuz ausgeleuchtet, auf den anderen zeigten die eingebauten Minibildschirme die grau-umrahmten Spielmarken an.
      Kali blickte auf. „Die Chrono Blades haben Angriffspunkte.“
      „Und?“ Anya kniff die Augen fest zusammen.
      „Der originale [Chrono Blades Dragon] hätte sie ohne Angriffspunkte beschworen.“
      „Ich sagte bereits, dass ich seinen Effekt überdacht habe.“
      Kali lachte böse. „Natürlich. Aber so ist das bei Fälschungen. Nah am Original, aber eben doch nur eine schlechte Kopie. Wenn diese Dinger tatsächlich angreifen können, könnte ich deine Schwerter damit locker zerstören. Also heißt das wohl, dass du gar nicht verlieren wirst, wenn das letzte Schwert verschwindet.“
      Das angekettete Mädchen grinste. „Finde es doch heraus.“
      „Warum sollte ich?“
      „Weil dir die Zeit davon läuft. Noch zwei Züge und deine verbliebenen Chrono Blades nehmen dir die letzten Lebenspunkte. In diesem Zug 300, im nächsten dann 200. Ich dagegen halte länger durch.“ Anya verschränkte betonend die Arme.
      Aber ihre Erzfeindin grinste nur, zeigte eines ihrer Monster vor. „Mir ist schon bewusst, dass du mich auf diese Weise besiegen willst. Aber ich habe den Stufe 8-Saga Phoenix auf der Hand. Ich opfere zwei Spielmarken, bekomme etwas Schaden und am Ende des Zuges verschwindet dann die letzte. Problem gelöst.“
      „Ach wirklich? Vielleicht fangen deine Probleme dann erst an?“ Anya schloss die Augen. „Etwas wird passieren, wenn alle Chrono Blades verschwinden. Du wirst verlieren.“
      „Kch!“ Kali sah ihr Monster in der Hand angestrengt an.

      Sie ist sich unsicher. Ihre Erinnerungen raten ihr, nicht leichtfertig mit den Klingen umzugehen. Aber sie weiß, dass sie dir vielleicht in die Hände spielt, wenn sie zu vorsichtig ist.

      Levrier sah Anya an. Ebenso Thoras, der hinter Matt hervorlugte.

      Sie wüsste, was sie erwartet, wenn sie sich die Karteneffekte durchlesen würde.

      „Dazu ist sie nicht der Typ.“ Der Dämonenjäger selbst grinste seine Freundin an. „Nicht, Anya?“
      „Halt die Klappe.“
      „Das habe ich bereits versucht“, gestand Kali schließlich und sah auf, „aber die Duel Disk kann die Daten nicht abrufen. Geschickt eingefädelt, Fälschung.“
      Anya zuckte mit den Schultern. „Dafür kann ich nichts. Und selbst wenn, ändert es nichts am Ausgang des Duells. Also was wirst du tun, Kali? Auf deinen Untergang warten? Oder dein Schicksal selbst in die Hand nehmen?“
      Eine Schweißperle rann der Kuttenträgerin über die Stirn. „Wer wird davon profitieren, wenn eine Seite seine Klingen – seine Zeit – verliert? Das ist das Konzept von Chrono Blades. Aber ich bin nicht so dumm zu glauben, dass du daran festgehalten hast.“
      Sie nahm eine Karte aus ihrem Blatt. „Deshalb beschwöre ich in meine im letzten Zug frei gewordene Monsterzone [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon]!“
      Vor ihr stiegen grelle, grüne Lichtkugeln auf. Sie bildeten einen dreidimensionalen Körper, indem sie zwischen sich etliche Verbindungslinien zeichneten. Es war der eines riesigen Greifs, der metallische Form annahm. Ganz aus Silber, waren seine Löwenpranken von grünen Streifen gekennzeichnet. Er brüllte schrill auf.

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon [ATK/800 DEF/2100 (4) PSC: <9/9>]

      „Keine Tributbeschwörung?“, fragte Anya tonlos.
      „Wenn meine Theorie korrekt ist, dann wäre das für mich fatal.“ Kali streckte den Arm nach vorne aus. „Ich wechsle sämtliche Chrono Blades in den Angriffsmodus!“
      Nacheinander schoben sich die drei Schwerter aus dem Boden und richteten sich auf, zielten auf Anya.

      Chrono Blade-Token x3 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      „Ich würde meinen Gegner dazu bringen zu denken, dass es eine Falle ist. Dass ich -will-, dass er meine eigenen Schwerter zerstört. Aber in Wirklichkeit will ich ihn davon abhalten. -Deswegen- haben die Klingen in deiner Version Angriffspunkte.“ Kali verschränkte die Arme, genau wie ihr Gegenüber. „Ich bin gespannt zu sehen, ob ich damit Recht habe! Meine Chrono Blades greifen deine an! Los!“
      Nacheinander schossen ihre drei Schwerter auf Anya zu. Deren Waffen erhoben sich ebenfalls aus dem Beton und flogen den feindlichen Klingen entgegen. Es rasselte und klirrte nur so, doch am Ende zersprang ein Chrono Blade Anyas nach dem anderen.
      „Heh. Was nun?“, fragte Kali herausfordernd.
      „Nichts.“
      „Dann hast du ein Problem! Denn wenn Saga Griffon angreift, fügt er Kampfschaden in Höhe seiner Verteidigung zu! Lo-!“
      Aber da unterbrach sie ein lautes Dröhnen. Das nur von Anyas strengen Worten übertönt wurde, als diese sagte. „Mit nichts meine ich, dass sich nichts an meiner Haltung geändert hat, du hohle Nuss! Du irrst dich nämlich gewaltig! Wenn ein Spieler keine Chrono Blades mehr kontrolliert, kehren seine Monster zurück aufs Spielfeld! Zeig dich, [Chrono Blades Excel Dragon]!“
      Der Ursprung des Lärms entpuppte sich als eine schwarze Zeit-Raum-Spalte, die vor dem Mädchen entstand und rasend schnell über sie hinaus wuchs. Aus ihr befreite sich durch das Auseinanderpressen der Öffnung niemand anderes als der dunkelgraue Drache, der brüllend zum Vorschein kam. Kaum war er seinem Gefängnis entflohen, positionierte er sich wieder über Anya.

      Chrono Blades Excel Dragon [ATK/3000 DEF/2500 X8]

      „Stopp!“, befahl Kali ihrem Mecha-Greif, der sich bereits auf ihre Widersacherin stürzen wollte. Sie lachte. „Oh, das ist alles? C'mon, ich hätte -wirklich- mehr erwartet.“
      „Das ist mehr als genug“, war sich Anya sicher.
      Aber dann sah sie, wie ihre Feindin eine Faust ballte. „Elendes Miststück. Dir reicht es nicht, nur mein Leben zu stehlen. Dieser Drache war vor langer Zeit mein Traum. Ich wollte ihn als Karte sehen, eines Tages. Aber nicht -so-! Du hast das ganze Konzept mit deinem magischen Dreck durcheinander gebracht!“
      Sie atmete schwer, presste die Luft aus den Nasenlöchern. „Dafür wirst du doppelt und dreifach bezahlen!“
      „Ideen ändern sich mit der Zeit“, schritt Matt ein, „wer bist du zu bestimmen, was ihrer Fantasie entspringt?“
      „Chrono Blades war meine Idee! Ich habe ihn damals erschaffen!“, fauchte Kali zurück. „Und nun … und nun ist er auf ihrer Seite! Und er ist genauso falsch wie sie!“
      Anyas trockener Kommentar dazu lautete schlicht: „Shit happens.“
      „Ich werde diese Missgeburt mit euch zusammen begraben! Das ist nicht -mein- Drache!“ Kali nahm eine ihrer beiden Handkarten. „Eine Karte verdeckt! Und ja, ich weiß, dass ich Schaden erleide!“
      Tatsächlich bildete sich zwischen den drei aufrecht vor ihr schwebenden Schwertern eine silberne Entladung, die sie schließlich heimsuchte. „Argh!“
      Dann zersprang wieder eines der Chrono Blades, während sich die gesetzte Karte zu ihren Füßen materialisierte.

      [Anya: 600LP / Kali: 400LP → 100LP]

      Chrono Blade-Token x2 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      Trotzdem hielt sich Kali auf den Beinen. Keuchte: „Ich … bin noch nicht … am Ende …!“
      „Aber fast“, sagte Matt ungewöhnlich hartherzig, „wenn ich das richtig verstehe, kehrt Tierra erst wieder, wenn die letzten beiden Schwerter verschwinden. Und die sind im Angriffsmodus!“

      Jaha! Gefundenes Fressen, Maskenlady!

      „Du sei still“, knurrte Kali Thoras genervt an.
      „Ausnahmsweise darfst du sprechen“, erlaubte Anya dem Immateriellen ihres Freundes mit gespielter Großzügigkeit, obschon diese nur dem Trotze entsprang.

      Dann aber griff Anya nach ihrem Deck. Sie atmete auf. Diesmal hing nicht alles davon ab, was sie jetzt zog. Gar kein schlechtes Gefühl … Sicherheit. Aber woher kam es? Woher kam [Chrono Blades Excel Dragon] und was war er? Sie kannte diese Art von Monster gar nicht. Niemand hier tat das.
      „Was auch immer“, war ihre Anya-typische Reaktion darauf. Solange es ihr einen Vorteil verschaffte, war ihr das nur recht. So rief sie schließlich entschlossen: „Draw!“
      Und zog mit Schwung ihre Karte. Kaum steckte diese zwischen ihren Fingern, streckte sie die Hand aus und erklärte konzentriert: „[Chrono Blades Excel Dragon] ist, wie Matt richtig sagte, die Entwicklung einer alten Idee. Und daher wirst du jetzt einen Effekt kennenlernen, der dir neu sein dürfte! Continuity Recreator!“
      Schlagartig blieb der rotierende Ring aus Schwertern um ihren Drachen stehen, als hätte die Zeit angehalten. Kali keuchte. Besonders als das Biest seine beiden Hände zusammen klatschte und zwischen ihnen eine schwarze Energiekugel formte, die Lichtpartikel in sich hinein zog.
      „Das Monster in deinen Händen, [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix]“, sprach Anya mit einer leisen Ahnung, „lass mich raten. Du kannst es während meines Zuges rufen, indem du Monster von deinem Feld opferst?“
      „Woher-!?“
      „Intuition. Heh. Ich bin doch deine 'Kopie'“, knurrte Anya verbittert, „oder soll es zumindest sein. Und -ich- würde nie so schwache Monster im Angriffsmodus lassen, wenn ich nicht genau weiß, wie ich sie schützen soll. Deine Falle ist nur ein Bluff. Die wahre Gefahr ist in deiner Hand, dort, wo es schwer ist sie vorzeitig auszuschalten!“
      Während sie ihre Ausführungen darlegte, wuchs die Kugel in den Händen ihres Drachen langsam.
      „Aber ich fürchte, du hast die Rechnung ohne den Wirt gemacht“, schrie Anya mit einem Mal los, „denn der Continuity Recreator zerstört dein gesamtes Spielfeld, wenn du noch Chrono Blades besitzt! Los!“
      Ein immer lauter werdendes Dröhnen erklang. Die Schwerter, die um ihren Drachen schwebten, flogen nacheinander eigenständig in die Sphäre, welche über den Kopf gehievt und schließlich auf Kali geworfen wurde. Im Flug wuchs sie dabei noch weiter.
      „Verdammter Kackmist!“, entfleuchte es der Anya in Schwarz hysterisch, bevor sie in einer gewaltigen, finsteren Explosion unterging.
      Doch plötzlich rief Matt alarmiert dazwischen: „Warte, Anya! War das nicht ein Fehler!?“

      Sie hat Recht! Ohne die Chrono Blades …!

      Doch Thoras' Panikmache wurde unlängst von Kalis Gelächter übertönt. Der Rauch legte sich. Ihr Feld war leer, doch mit einem Mal tat sich vor ihr ein Riss im Raum-Zeit-Gefüge auf. Welcher nach oben durch das Loch in der Decke schoss und sich immer mehr ausdehnte. Dann bebte die Erde.
      „Yeah, du hast meinen Plan zunichte gemacht. Aber wie Summers richtig festgestellt hat“, gurrte Kali genüsslich, „hast du damit [Tierra, Source Of Destruction] aus der Verbannung geholt. Danke.“
      Dann materialisierte sich vor ihr ein Bein der riesigen Gestalt mit dem langen Schweif. Lichterloh brannte der gehörnte Helm der Kreatur, die sich vor beugte und in das Loch hinab starrte.

      Tierra, Source Of Destruction [ATK/3400 DEF/3600 (11)]
      Chrono Blades Excel Dragon [ATK/0 DEF/2500 X8]

      Matt fiel als Erster auf, dass der Drache über Anya plötzlich die Arme und das Haupt hängen ließ. „Anya, dein Chrono Blades, er-!“
      „-ist vom Effekt von [Rust Gear] getroffen wurden“, beendete Kali den Satz für ihn.
      Tatsächlich steckte im Rücken des dunkelgrauen Monstrums ein verrostetes, großes Zahnrad.
      „Du hast meinen Schnellzauber durch einen Karteneffekt zerstört, also kann ich die Angriffskraft deines Monsters zu 0 werden lassen.“ Kali grinste fies. „Ziemlich praktisch, zumal ich mir schon gedacht habe, dass du irgendeinen Bullshit verzapfen wirst.“
      „Spielt keine Rolle“; kam es tonlos zurück.
      Kali weitete die Augen. „Huh!?“
      „Ihr habe es dir bereits einmal gesagt: Chrono Blades hat sich entwickelt. Ich habe mich entwickelt“, sagte Anya energisch und schwang den Arm aus, „damals war er dazu da, der ultimative Finisher zu sein! Aber mein Deck ist längst keine Solo-Show für ein bestimmtes Monster mehr!“

      Anya Bauer, wovon redest du?

      Der durchsichtige Levrier sah sie fragend von der Seite an. Anya bedachte dies mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe. Alle Karten in meinem Deck sind dazu da, zusammenzuarbeiten.“
      Sie richtete sich an Kali. „Und deshalb ist es nicht er, der dir den Gnadenstoß versetzt, Miststück! Ich aktiviere den letzten Effekt von [Chrono Blades Excel Dragon]! Wenn er Continuity Recreator benutzt hat, kann er im Anschluss auch seinen letzten Effekt aktivieren! Hourglass Portal!“
      Brüllend bäumte ihr Drache sich auf. Der weiße Bauch in Form einer Sanduhr begann golden zu leuchten, blendete Kali. Welche da schrie: „Willst du mich verarschen!?“
      „Ich will es beenden!“, stellte Anya klar. „Ich weiß nicht mehr, was wahr ist oder nicht! Ob ich die Fälschung bin oder du! Aber in diesem Universum ist nur Platz für eine von uns, so viel steht schon mal fest! Und das werde ich sein!“
      Matt schreckte bei der aggressiven Wortwahl seiner Freundin auf. „Anya! Sag nicht, du willst-!?“
      Gleichzeitig aber wurde ihr Drache bereits in das Licht gezogen, dass er selbst erzeugt hatte. Welches ein Tor in Form der Sanduhr bildete, welches hinab vor Anya schwebte und sich dort zu einem Loch ausweitete. Sie erklärte: „Indem ich Chrono Blades und eine meiner Handkarten verbanne, kann ich ein Monster von meinem Deck, Extradeck, Friedhof oder von meiner Hand beschwören, solange es wenigstens einmal zuvor in diesem Duell ausgespielt wurde!“
      Die Blonde streckte die Hand aus. Dabei sah sie aus den Augenwinkeln Levrier an. „Vielleicht nächstes Mal, 'kay? Und jetzt erscheine, [Gem-Eyes Value Dragon]!“
      Welcher bereits auf ihrem Blatt verweilte, weshalb sie ihn nur noch auf die Duel Disk klatschen musste. Schon schoss der Drache in goldener Rüstung aus dem Portal hervor und breitete brüllend seine insgesamt sechs Tragflächen-artigen Schwingen aus.

      Gem-Eyes Value Dragon [ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>]

      Kali stammelte: „W-warum er!? Er kann Tierra nicht besiegen!“
      „Aber er kann dich besiegen“, knurrte Anya hasserfüllt. Sie streckte den Arm aus. „Typenwechsel, Sight Transition! Werde zu einem Pyro-Monster!“
      Die vierfarbigen Scheiben am Helm ihrer Kreatur begannen sich rapide zu drehen, bis die roten Segmente vor seinen Augen anhielten und sich wie eine Brille vor seine Augen klappten. Kurz darauf durchzogen rote Energielinien seine Rüstung, seine Schwingen gingen in Flammen auf.
      Das Mädchen spreizte die Finger ihrer nach vorne gerichteten Hand. „Solange er die Kraft des Feuers in sich trägt, kann er einmal pro Zug 500 Punkte Schaden zufügen. Und jetzt sag gefälligst die Wahrheit! Wer ist die echte Anya Bauer! Du? Oder ich!?“
      Ihre Widersacherin weitete vor Angst die Augen, ihre Lippen zitterten. Aber sie fasste sich trotz ihrer scheinbar aussichtslosen Lage und knurrte: „Was denkst du wohl?“
      „Ich“, und Anya biss die Zähne zusammen, ehe sie weitersprach, „weiß es nicht.“
      „Frag den Sammler. Er kennt die Wahrheit“, war alles, was Kali ihr noch zu sagen hatte.
      „Vielleicht werde ich das. Aber das wirst du nicht mehr erleben! [Gem-Eyes Value Dragon], vernichte ihre verbliebenen Lebenspunkte durch deinen Effekt!“

      Gerade als sie zum Befehl ansetzte, hörte sie jemanden ihren Namen rufen. „Anya! Bist du ok!?“
      Es kam von oben. Alle fünf blickten auf, als Zanthe an den Rand des Loches in der Decke geschlittert kam, wodurch ein wenig Schutt hinab bröckelte. „Whoa!“
      Beim Anblick Kalis verschlug es ihm für einen Moment die Sprache, bis er schließlich fassungslos flüsterte: „Also ist es wahr?“
      „Diese Tratschtante von Zach“, knurrte Kali, die sofort begriff.
      Als wäre das sein Stichwort, tauchte der großgewachsene Blonde neben Zanthe auf. „Was zur Hölle machst du da, Anya!?“
      „Sie besiegen!“, knurrte die, die damit eigentlich nicht gefragt war. Und wandte sich an Kali. „Friss das! Ruby Flare!“
      „Warte!“, schrien Zanthe und Zachariah da im Einklang.
      Dazu war es allerdings zu spät. Der goldene Drache öffnete sein Maul und spie eine dunkelrote, schimmernde Stichflamme über das Feld. Erschrocken sprangen die beiden Neuankömmlinge den Hang hinab. Und während der Werwolf elegant in der Hocke landete und sogleich auf die Beine kam, stürzte der Blonde vorne über, keuchte vor Schmerz auf.
      Kali ihrerseits biss sich auf die Lippe dass es blutete, ehe sie mitten in die Brust getroffen wurde. Die Wucht des Angriffs schleuderte sie zurück und noch während sie davon flog, rannen Tränen aus ihren Augen. Sie wimmerte: „Warum … warum kann ich nicht gewinnen?“

      [Anya: 600LP / Kali: 100LP → 0LP]

      Dann prallte sie auf den Rücken und spuckte dabei Blut aus, schlitterte im Anschluss ein ganzes Ende bis zum Pfeiler, vor dem sie wenige Zentimeter entfernt liegen blieb. Mit letzter Kraft erhob sie den Oberkörper, kroch näher ran und lehnte sich an ihn. „Dafür … wirst du …“
      Weiter kam sie nicht. Die Lider schlossen sich, ihr Kopf kippte zur Seite.
      Anya keuchte schwer. „Das hast du nun davon.“
      „Anya!“, schrie Zachariah und erhob sich, doch strauchelte und fiel wieder auf alle Viere. Anscheinend musste er sich den Knöchel verstaucht haben. Ächzend begann er zu dem bewusstlosen Mädchen zu robben.
      Doch die 'andere' Anya würde das nicht zulassen. Nochmal entkam ihr dieses Miststück nicht! So ließ sie in ihrer rechten Hand den weiß-goldenen Speer erscheinen und holte zum Wurf aus.
      „Was machst du da!?“ Zanthe blieb vor Schreck auf halbem Weg zu ihr stehen.
      Auch Matt stieß alarmiert hervor: „Anya, willst du sie etwa umbringen!?“
      „Sie hat es provoziert!“, fauchte die, doch bevor sie Angel Wing werfen konnte, packte der Dämonenjäger sie am Handgelenk. „Lass mich los, Summers!“
      Die Blonde fackelte gar nicht lange und stieß ihm mit der anderen Hand gegen den Oberkörper und das mit so viel Kraft, dass er einen Schritt zurückgeworfen wurde. „Ah!“
      Sofort wirbelte Anya wieder herum und holte erneut weit aus. Zachariah war noch zu weit entfernt, um sie beschützen zu können. Nicht so wie letztes Mal, als er ihr im Ephemeria Bridge Stadium in die Quere gekommen war. Das Mädchen ließ ihren linken Fuß nach vorne rutschen und schleuderte den Speer in Kalis Richtung. Nichts als Hass und Verzweiflung flackerte in ihren Augen auf.
      Geradewegs flog der Speer auf Kali zu und hatte sie fast erreicht, als er an einer unsichtbaren Barriere abprallte. Klirrend überschlug er sich meterweit und blieb schließlich liegen.
      Zeitgleich verformte sich die unmittelbare Umgebung von Zachariah und Kali, goldene Streifen durchzogen plötzlich den Beton, der begann weiß zu werden. Und aus dem Nichts trat eine brünette Frau in weißer Robe und grauem Mantel vor das bewusstlose Mädchen. Die Hälfte des Raums hatte sich völlig gewandelt, strahlte förmlich in endlosem Weiß.
      „Du!“, presste Anya zornig hervor. Alles vor ihren Augen verschwamm langsam. Ihr stand der Mund offen beim Anblick der Weißen Hexe. „Uh!“
      Dann kippte sie rücklings um und konnte gerade noch so von Matt aufgefangen werden, der unter ihrer Last in die Knie ging. „Anya!“
      In dem Moment schlitterte Zanthe über den Boden an ihre Seite und rappelte sich sofort auf, um sie von hinten zu stützen. „Hey Schneewittchen, dein Nickerchen kommt ein -wenig- ungelegen!“

      Sie muss all ihre Kräfte verbraucht haben.

      Thoras trockene Feststellung wandelte sich jedoch in heimtückische Überlegenheit.

      Los, du hast jetzt zwei Möglichkeiten, Matthew Summers: Entweder du killst sie. Oder du küsst sie wach. Beides hat seinen Reiz …

      „Ist das …?“, staunte Zanthe beim Anblick des Schabenritters neben Matt. Dann grinste er über beide Backen. „Oh, ich glaube, den mag ich jetzt schon.“
      „Habt ihr sie noch alle!?“, fuhr Matt beide an und deutete auf Gardenia. „Wisst ihr überhaupt, wer das da ist!?“
      „Anscheinend nicht“, sprach die brünette Hexe mit einem belustigten Unterton. Daher streckte sie den Arm vor sich aus, als wolle sie sich verneigen. Was sie aber nicht tat. „Mein Name ist Gardenia, doch ich bin den meisten eher bekannt als Weiße Hexe oder Die Gelehrte.“
      Matt presste aufgewühlt hervor: „Und jetzt bist du hier, um Kalis Werk zu vollenden?“
      „In der Tat. Ich kann ihr Leid nicht länger mitansehen.“ Die Frau in weißer Robe und grauem Umhang streckte ihre Hand aus. „Vergebt mir, aber ich muss euch eure Freundin entreißen.“
      Um ihre Finger begannen rötliche Flammen zu tanzen.

      ~-~-~

      Velvet war so tief versunken in ihre Hausaufgaben, dass sie gar nicht merkte, wie ihre Brille bereits auf die Spitze ihrer Nase gerutscht war. Und als es dann noch lautstark an der Tür des schwarzhaarigen Mädchens klopfte, fiel die Sehhilfe endgültig auf ihren Notizblock.
      „J-ja?“, schreckte sie auf und drehte sich mit ihrem Stuhl um.
      Die Tür flog auf und ihr zwölfjähriger Bruder Axel stand da. Mit einem weißen Schnurlostelefon in der Hand. Und wenn er sich ansonsten wenig für seine Mitmenschen interessierte, sah er seine Schwester mit einer gewissen Bewunderung an. „Velvet, Henry Ford ist am Telefon. Und er will -dich- sprechen!“
      „O-oh!“
      Sofort sprang sie auf und eilte zu ihm, doch als sie nach dem Hörer griff, wich Axel zurück. Hinter ihm tauchte Sammy mit wedelndem Schwanz auf, doch der Junge mit dem zu Spitzen gegelten Haar trat nach dem Golden Retriever. „Hau ab!“
      „Wie oft muss ich dir noch sagen“, fauchte Velvet ihn daraufhin an und riss ihm in für sie äußerst untypischer Manier das Telefon aus der Hand, „du sollst ihn nicht so behandeln!“
      Als hätte er sie jedoch gar nicht gehört, fragte Axel: „Ist das wirklich der echte Henry Ford von der AFC? Nie im Leben, oder? Der würde sich niemals für jemanden wie dich interessieren!“
      „R-raus!“, stotterte Velvet getroffen und verscheuchte ihren pubertierenden, bösartig lachenden Bruder mit einer Handbewegung. Der ließ zum Schluss noch die Tür krachen.

      Kaum war Velvet allein, legte sie den Hörer ans Ohr. „J-ja?“
      „Was ist denn da los?“, fragte Henry am anderen Ende der Leitung halb belustigt, halb erschrocken.
      „N-nichts. Mein Bruder war nur frech.“
      „Haha. Das kenn' ich irgendwoher.“ Dann nahm seine Stimme einen ernsten Unterton an. „Ich rufe dich an, weil ich dir ausrichten soll, dass Melinda inzwischen aus dem Koma erwacht ist.“
      Es war, als würde der Mount Everest von Velvets Herzen fallen. Sie schritt langsam durch ihr Zimmer zu ihrem Bett am Ende und setzte sich auf dessen Kante. Sammy folgte ihr und machte vor ihren Füßen Platz. „D-das ist großartig! Geht es ihr gut!? Kann ich sie sprechen!?“
      „Sie ist noch etwas benommen und desorientiert, aber das wird schon.“
      „Es .. es tut mir so leid. Wenn ich nicht-“
      Henry stöhnte. „Bitte nicht das schon wieder. Es war nicht deine Schuld.“
      Trotzdem standen dem Mädchen die Tränen in den Augen. Sie bemerkte gar nicht, dass Sammy neugierig an ihr vorbei schaute und unter das Bett lugte.
      „Okay“, nickte sie und spielte nervös mit ihrem zur Rechten zusammengebundenen Haar, zwirbelte eine Strähne um ihren Finger, „können Sie ihr bitte ausrichten, dass sie mich anrufen soll, sobald es ihr möglich ist?“
      „Natürlich. Geht es dir denn gut?“
      „J-ja.“
      Skeptisch fragte er: „Es ist seitdem nichts Ungewöhnliches mehr passiert?“
      „Nein“, sprach sie wahrheitsgemäß, „alles in Ordnung.“
      „Ich weiß, du hörst das nicht gern, aber ich kann dir helfen, Velvet. Dich an einen sicheren Ort bringen.“ Deutlicher Verdruss schwang in seiner Stimme mit. „Glaub mir, ich weiß wie es ist, wenn man Dinge erlebt, die man nicht erklären kann. Du solltest-“
      Aber da schnitt Velvet ihm heiser ins Wort. „I-ich wurde gerade gerufen. Sorry! Aber danke für das Angebot und den Anruf. Bye!“
      Panisch legte sie auf und schmiss den Hörer auf die Bettdecke, ehe er sich überhaupt verabschieden konnte.

      Panik stieg in ihr auf. Sie durfte ihnen nichts von ihren Kräften erzählen, es war zu gefährlich. Einen sicheren Ort gab es sowieso nicht für sie, diese Organisation fand sie überall. Aber vielleicht hatte Henry ja Recht damit, dass sie fort musste? Allein um ihre Familie zu schützen.
      Aber davor hatte sie genauso große Angst. Wohin sollte sie gehen? Hier hatte sie wenigstens ihre Freunde, aber auch die schwebten in Gefahr, wenn diese Männer wiederkamen.

      Aus ihren deprimierenden Gedanken wurde sie unlängst gerissen, als Sammy damit begann unter ihrem Bett zu schnüffeln. „Hey! Was machst du da?“
      Er sah zu ihr auf und bellte. Dann versuchte er, sich unter den Spalt zu zwängen, kam jedoch nur mit dem Kopf durch. Und bellte weiter.
      „Sammy!“
      Aber er hörte nicht auf. Schließlich packte Velvet ihn an seinem Halsband und zerrte ihn von ihrem Bett weg, während er immer weiter bellte. „Du lässt mir keine Wahl!“
      Prompt zerrte sie ihn zur Tür und buchsierte ihn aus dem Zimmer. Kaum hatte sie die Tür geschlossen, hörte sie ihn dahinter winseln. „Was ist bloß mit dir?“

      Dass tatsächlich zwei weiß leuchtende, ovale Augen unter ihrem Bett lungerten, war ihr nicht aufgefallen. Welche sofort verschwanden, als das Mädchen sich seufzend umdrehte.

      Turn 103 – A Minor Inconvenience
      Die Begegnung mit Gardenia nimmt einen unerwarteten Verlauf, als auch auf Anyas Seite ein unerwarteter Besucher auftaucht. So wird kurzerhand aus dem Kampf um das Existenzrecht zweier Mädchen ein verdrehter Stellvertreterkrieg. Anderenorts ist Zoey es endgültig leid, wie ein rohes Ei behandelt zu werden und …


      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya
      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: Wenn dein Gegner einen direkten Angriff deklariert und du eine "Gem"-Karte in deiner anderen Pendelzone kontrollierst: Beschwöre diese Karte von deiner Pendelzone in offene Angriffsposition; zerstöre alle Karten in deinen Pendelzonen.
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Chrono Blades Excel Dragon
      Monster/Effekt/Excel
      Drache/Finsternis
      ATK/3000 DEF/2500 X8
      Kondition: weniger Life Points als die Zugzahl x 100
      Kann während der Battle Phase des Gegners als Excelbeschwörung beschworen werden. Wenn diese Karte als Excelbeschwörung beschworen wird: Beende die Battle Phase. Wenn du diesen Effekt aktivierst: Du kannst alle Monster auf dem Spielfeld verbannen; ihre Monsterkartenzonen können nicht benutzt werden, außerdem beschwöre in alle freien Monsterkartenzonen beider Spieler "Chrono Blade"-Spielmarken (Krieger/Finsternis/ATK 100/DEF 0 (1)) als Spezialbeschwörung in Verteidigungsposition. Während der End Phase eines Spielers erhält er Schaden für jede seiner "Chrono Blades"-Spielmarken x 100, danach zerstört er 1 "Chrono Blades"-Spielmarke. Wenn ein Spieler keine "Chrono Blades"-Spielmarken kontrolliert: Lege seine Monster, die durch den Effekt dieser Karte verbannt wurden, in die blockierten Monsterkartenzonen zurück. Wenn nur dein Gegner "Chrono Blades"-Spielmarken kontrolliert: Du kannst alle Karten auf der Spielfeldseite deines Gegners zerstören. Wenn du diesen Effekt in diesem Zug aktiviert hast: Du kannst diese offene Karte und eine Karte von deiner Hand verbannen, beschwöre 1 Monster von deiner Hand, deinem Deck, Friedhof oder Extradeck als Spezialbeschwörung, das bereits einmal in diesem Duell beschworen wurde, aber verbanne es während der End Phase.

      Kali

      Tierra, Source Of Destruction

      Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/3000 DEF/2500 (8) PSC: <3/3>
      Pendeleffekt: Du kannst verbannte "Celestial Gear" als Pendelbeschwörung beschwören, deren Stufe/Rang zwischen deinen Pendelbereichen liegt, aber falls du das tust, kannst du keine Monster als Pendelbeschwörung von deiner Hand oder deinem Extradeck beschwören.
      Monstereffekt: Du kannst diese Karte während der Battle Phase deines Gegners als Tributbeschwörung beschwören und wenn du das tust, wähle 1 Karte auf der Spielfeldseite deines Gegners als Ziel; zerstöre das Ziel. Wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wird: Ziehe 1 Karte. Du kannst diesen Effekt von "Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix" nur einmal pro Duell aktivieren.

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/800 DEF/2100 (4) PSC: <9/9>
      Pendeleffekt: Du kannst keine Monster außer "Celestial Gear"-Monster als Pendelbeschwörung beschwören. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden. (Schnelleffekt:) Du kannst diese Karte und 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner anderen Pendelzone verbannen; füge sie während der End Phase deiner Hand hinzu. Du kannst diesen Effekt von "Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon" nur einmal pro Duell aktivieren.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte Kampfschaden durch einen direkten Angriff zufügt, wird der Schaden zu ihrer DEF.

      Rust Gear
      Zauber/Schnell
      Zerstöre 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner Hand oder offen auf deiner Spielfeldseite: wähle 1 Monster deines Gegners als Ziel; halbiere die ATK des Ziels. Wenn diese Karte durch einen Karteneffekt zerstört wird: Wähle 1 Monster deines Gegners als Ziel; die ATK des Ziels wird zu 0.

      Zanthe

      Constellar Algiedi
      Constellar Kaus
      Constellar Sombre

      Constellar Meteor

      Constellar Praesepe
      Constellar Pleiades

      Zachariah

      Noble Arms – Excaliburn
      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms Of Destiny
      Glory Of The Noble Knights

      Artorigus, King Of The Noble Knights


      Hier der Link zur PDF-Datei. Um Feedback wird gebeten. :)
      Spoiler anzeigen
      Ich denke Zanthes Wissen um die Conqueror's Soul wird wohl noch mal wichtig werden. Bin gespannt welche Aufgabe dem Werwolf später noch zukommt. Wahrscheinlich wird das irgendwie verwoben sein mit dem Schicksal seines Bruders, aber abgesehen davon hab ich keine Ahnung,was das sein wird. Die Einordnung des Planet Eaters, bzw. die Offenbarung, dass niemand ihn wirklich steuert, auch nicht der Sammler, lässt vieles in einem ganz neuen Licht erscheinen. Und dann noch "Die Reste einer verbotenen Vergangenheit". Das würde auf Anya passen, aber in dem Kontext ergibt das kaum einen Sinn.

      Das Anya ihre theoretisch letzten Worte für Matt einsetzt zeigt in bemerkenswerter Weise die Wandlung ihres Charakters, während Kali-Anya selbst jetzt noch rücksichtslos alles von sich stoßen will. Sie beweist damit, dass sie niemals wirklich an Anyas Stelle treten sollte und dass ihre Echtheit außer dieser so gut wie nichts gutes mit sich bringt. Das legitimiert Anya von der höchsten Ebene, nämlich von deiner, -Aska- (du erinnerst dich an meine Sichtweise, dass du TLA bist), und macht es naheliegend, dass sie vom Schicksal begünstigt wird. Ihr Excel Monster, das buchstäblich wie aus einem Traum stammt, aber in einer aktualisierten Form wie sie Kali-Anya nicht mehr kannte, markiert die Trennlinie im persönlichsten vom persönlichen, sodass in dem Moment Anya auf jeden Fall die echte Anya wird, gleich ob sie es vorher war oder nicht. Sehr gut gemacht, dieser Triumph Anyas über sich selbst mit all seinen Details. Na ja zumindest soweit Anya es wusste, denn aus irgend einem Grund wollen Zanthe und Zach sie ja beide davon abhalten und dann ist da jetzt auch noch Gardenia. Eine der wichtigsten Fragen ist jetzt aber, welche Anya sie mit "eure Freundin" meint. Außerdem...ihr Name. Klingt etwas wie das englische Wort für Gärtnerin und vielleicht passt das sogar ganz gut.

      Velvets Auftritt erinnert mich nur allzu sehr daran, dass ich ihre Verbindung zu dem Rest der Geschichte nicht durchschaue...ist sie etwa die Auserwählte? Die Szene zeigt jedenfalls, dass sie fast schon zu brav und rücksichtsvoll ist und noch viel zu sehr in einer normalen Welt lebt, so sehr, dass es sie offensichtlich in Gefahr bringt.
      Wieder mal vielen Dank an alle Leser.

      @Mcto
      Vielen Dank für deinen Post.

      Tja, was wird Zanthes Rolle sein? Ich habe da sofort ein Bild vor Augen, aber es zu teilen wäre ein schlimmer Spoiler.

      Freut mich, dass dir das Ende der Auseinandersetzung gefallen zu haben scheint. Im Endeffekt ist der Kampf der Anyas auch in gewisser Hinsicht eine Metapher, sich selbst als größte Hürde zu nehmen. Eine der wenigen, die ich bewusst eingebaut habe. xD

      Gardenias Namensherkunft ist keinesfalls zufällig, es passt schon irgendwie auf sie. Grob, würde ich sagen.

      Und Velvet? Die wird - wie kann es auch anders sein - eine große Rolle spielen. Mehr dazu an gegebener Stelle. ^^

      Nochmals danke, freut mich sehr, dass du mir durchgehend die Treue hältst.


      Turn 103 – A Minor Interference
      Zoey schlurfte alleine in einem grauen Sportanzug den dunklen, metallischen Gang entlang. Heute auf dem Plan: Training. Als ob sie sich in den letzten Tagen nicht schon genug zum Affen gemacht hatte! Rennen, springen, klettern – immer und immer wieder, jeden Tag! Danach mussten sie in Duel Monsters-Matches gegeneinander antreten, was für die Verlierer sehr unangenehm war. Viele verloren danach für eine Weile das Bewusstsein.
      Aber für Zoey war das alles Kinderkram. Sie war fit, clever und eine gute Spielerin. Sie brauchte diesen verdammten Scheiß nicht.

      Voraus wartete eine Kreuzung im Gang. Von links schritt niemand Geringeres als Kathea an ihr vorbei geradeaus, schien sie gar nicht zu bemerken und verschwand wieder aus ihrem Blickfeld.
      Als Zoey die Frau erblickte, welche sie überhaupt erst hierher gebracht hatte, packte sie kurzerhand einen Entschluss. Sie machte am Kreuzgang einen Schwenk nach rechts und rannte ihr nach.
      „Hey!“, rief sie dabei forsch.
      Tatsächlich drehte sich die Frau, deren schwarzes Haar von der Mitte langsam in ein Weiß wie Schnee überging, zu ihr um und blieb stehen. Als Kathea Zoey heran eilen sah, zeichnete sich ein freundliches Lächeln auf ihre Lippen.
      Kaum war das Mädchen bei ihr angelangt, fragte die Finanzchefin: „Kann ich dir helfen?“
      Ohne überhaupt an eine Form der Einleitung zu denken, brachte Zoey ihr Bedürfnis auf den Punkt und funkelte ihre 'Mentorin' böse an. „Wann bekomme ich endlich eine Mission zugeteilt?“
      Kathea drehte sich von ihr weg und ging weiter. „Wenn du bereit bist.“
      „Ich bin verdammt nochmal bereit!“ Die Blonde folgte ihr beharrlich.
      „Du befindest dich noch im Training. Sobald du es abgeschlossen hast, werten wir-“
      „Ich bin besser als fast alle eure Soldaten, oder als was auch immer ihr euch bezeichnen wollt!“
      „Euch?“ Kathea lachte dabei. „Vergiss nicht, dass das dich mit einschließt. Aber ja, in gewisser Hinsicht sind wir Soldaten. Und was gehört zu einem guten Soldaten? Disziplin.“
      Zoey zischte verächtlich.
      „Deine Ungeduld ist gut nachvollziehbar“, sinnierte Kathea weiter, „du möchtest Anya so schnell wie möglich retten. Auch wir wollen das. Aber ein falscher Schritt könnte genau das Gegenteil bewirken.“

      Natürlich lag es deren Cousine auf der Zunge zu fragen, weshalb genau sich diese Schnepfe denn in die Hose machte, aber das wagte sie sich dann doch nicht. Etwas ging von Kathea aus. Etwas Unnahbares, Unheimliches. Als ob die Luft um sie herum immer ein paar Grad kälter war.

      Kathea bemerkte scheinbar, dass Zoey etwas beschäftigte und fragte: „Das ist aber nicht alles, was dir auf dem Herzen liegt, nicht wahr?“
      Die Schritte der beiden hallten in dem engen, künstlich beleuchteten Gang entlang.
      „Jeder ist aus einem Grund hier“, begann das Mädchen zögerlich, „nicht dass es mich besonders interessieren würde.“
      „Und doch tut es das.“ Jetzt lachte sie wieder falsch, wie es zu erwarten war.
      Merkten diese Tussen eigentlich nicht, dass sie absolut durchschaubar waren? Pft!
      „Sagen wir, ich will die Leute einschätzen, mit denen ich es zu tun habe“, murrte Zoey und verschränkte die Arme hinter dem Kopf, wie sie Kathea hinterher trottete. „Also, was ist Ihr Grund?“
      „Hass.“
      „Wie originell …“
      Wieder kicherte sie so falsch wie eine 30-Dollar-Banknote. „Ich rede nicht gerne darüber-“
      „-und schon gar nicht mit mir, huh?“
      Sie lachte, aber diesmal etwas herzhafter. Fortschritt? Oder hat sie bemerkt, wie bescheuert sie beim Versuch klang, Emotionen vorzutäuschen und versuchte sich zu verbessern. Oh, Zoey liebte es, über diese Kuh in ihren Gedanken herzuziehen.
      Kathea blieb kurz stehen, ließ das Mädchen neben sich herlaufen. „Du sagst immer, was du gerade denkst, nicht wahr? Beinahe beneidenswert. Und fatal. Ok, ich erzähle dir ein wenig von mir.“
      „'kay.“
      „Wie du dir sicher denken kannst, kann nur etwas sehr Schreckliches eine Emotion wie Hass verursachen.“ Kathea starrte stur geradeaus. „Ich habe schon vieles erlebt, Zoey. Aber mein eigener Sohn-“
      Notbremse, schnell! Verstört stotterte Zoey: „O-okay, das reicht mir schon!“
      „-wurde durch eine bloße Berührung zu einem 'Etwas'. Ich hatte keine Wahl“, Kathea sah sie scharf von der Seite aus an. „und ich werde nicht eher ruhen, bis der letzte Dämon ewige Ruhe findet.“
      Zoey schwieg. Was hauptsächlich daran lag, dass sie nicht einmal ein Wort davon für wahr hielt.

      Die beiden erreichten einen weiteren Kreuzgang, in dessen Mitte Kathea stehen blieb. Denn von rechts näherte sich ein anderes Mitglied von CLEAR. Doch anders als normale Agenten, trug dieses Mädchen eine pechschwarze Uniform.
      „Hallo“, trällerte die Schwarzhaarige gut gelaunt.
      Und sofort spürte Zoey, dass auch mit der etwas nicht stimmte. Erstmal sah sie aus wie jemand, der zu lange auf der Streckbank gelegen hatte, wenn man die Größe von gut und gerne zwei Metern berücksichtigte. Dazu noch diese mörderisch langen, irgendwie unnatürlich langen Arme und Beine, dünn wie Zweige, die danach bettelten, durchgebrochen zu werden.
      „Hi“, was alles, was Zoey ihr zugedachte, obwohl sie mit Winken und einem Strahlen im Gesicht der Frau unbekannten Alters begrüßt wurde. Sie konnte nicht sagen, ob jene nun jung oder alt war, aber wohl eher Ersteres.
      Kathea begrüßte jene mit einem Lächeln. „Kunigunde, wie ich sehe, geht es dir gut.“
      „Ja, Fräulein Kathea“, sprach die lange, schlaksige Agentin mit spürbarem Akzent. „Die Tests sind zu Ihrem Gefallen ausgefallen.“
      Was war das überhaupt für ein Name? Kunigunde?
      Und da war es mit einem Mal. Ein diabolisches, breites Grinsen, das aus dem etwas ulkigen Mädchen mit ein paar Sommersprossen im Gesicht eine Dämonin machte. Es jagte selbst Zoey einen eiskalten Schauder über den Rücken.
      Besonders, als diese Kunigunde verheißungsvoll sprach: „Ich kann sie jetzt nachwachsen lassen.“
      „Sicherlich wird uns das einen entscheidenden Vorteil verschaffen.“
      Da tat das grinsende Ding etwas, mit Zoey nicht gerechnet hätte. Es kniete vor Kathea nieder, die ihr sanft den Kopf tätschelte, als wäre sie ein Hund. Ein sehr, sehr glücklicher und stolzer Hund, wandelte sich das Mördergesicht doch in Sekundenbruchteilen zu einem besonnenen Lächeln.

      Kathea drehte sich Zoey zu. „Hier trennen sich unsere Wege. Wenn du möchtest, kann Kunigunde dich gerne in die Trainingshalle begleiten.“
      „Sicher, Fräulein Kathea“, strahlte die und erhob sich, „ich würde gerne einen Übungskampf mit dir austragen.“
      Nur für eine Sekunde glaubte Zoey, wieder dieses Grinsen gesehen zu haben, das ihr durch Mark und Bein ging. „N-nicht heute. Will erst mein Deck anpassen.“
      „Gut“, trällerte Kunigunde langgezogen, „denn ich hätte dich vielleicht in klitzekleine Stückchen gerissen.“
      Da brach der Blonden mit der Beanie endgültig der Schweiß aus. Betreten lachte sie, worin die dürre Riesin mit einstimmte. Jene reichte ihr auch ihre Hand. „Ich bin Kunigunde, aber du kannst mich auch Kuni nennen. Machen alle.“
      „Z-zoey“, schlug diese gezwungenermaßen ein.
      Kathea beobachtete die Szene mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Wenn du dir deiner sicher bist, sprich doch Gregory an. Er wird deinen Fortschritt bewerten.“
      Froh, sich von ihrer ungewollt gewonnenen 'Freundin' abwenden zu können, meinte sie selbstbewusst: „Geht klar.“

      ~-~-~

      Die brünette Hexe in Weiß und Grau hielt ihre Hand ausgestreckt, um die rötliche Flammen aufflackerten. „Vergebt mir, aber ich muss euch eure Freundin entreißen.“
      Sie zielte auf Zanthe, der eine bewusstlose, angekettete Anya von hinten stützte, das Mädchen selbst und Matt, der an ihrer Seite kniete. Dann entfesselte sie eine gewaltige Feuerbrunst innerhalb des magisch ausgeweiteten, unterirdischen Raums.
      Schützend stellte sich der durchsichtige, schwarz goldene Kakerlakenritter [Evilswarm Exciton Knight] vor die Drei.

      Rennt weg! Ich halte sie auf!

      Der Immaterielle Thoras, der diese Form angenommen hatte, schloss panisch die Augen.
      „Das wird nicht nötig sein.“
      Und in diesem Moment trat aus dem Immateriellen ein rothaariger Mann in schwarzem Anzug heraus, der einen Gehstock mit sich führte. Jenen erhob er kurz und setzte ihn auf den Boden ab. Die Flammen schlugen zu beiden Seiten an ihm und den drei jungen Menschen vorbei.
      „Vergeht denn kein Tag, an dem ich euch nicht babysitten muss?“, fragte der Sammler zum Schrecken aller bissig, ohne sich umzudrehen.
      Kreischend, dass in ihm ein Portal entstanden war, wich Thoras zuück.
      „Strife Carrington“, nannte die Weiße Hexe ihn beim Namen, ohne davon abzulassen, die Flammen auf ihn zu hetzen.
      Er lachte kühl. „Da konnte wohl jemand sein Mundwerk nicht halten. Dieser Name ist tabu.“
      Schließlich ließ Gardenia doch von ihrem Angriff ab. Der Beton um den rothaarigen Dämon war pechschwarz, dampfte.
      „Du bist wirklich versessen darauf, mir den Tag zu verderben“, sprach der Sammler und hob den Gehstock gestikulierend, „nicht wahr, Weiße Hexe Gardenia?“
      Jene ließ die ausgestreckte Hand sinken. „Ich habe bereits darauf gewartet, dass du erscheinst.“
      „Dann müssen wir wohl an deinen Manieren arbeiten“, erwiderte der Sammler mit hinterlistigem Grinsen auf den Lippen, „ich sehe weder einen Roten Teppich noch irgendeine andere Form der Gastfreundlichkeit. Und das, wo die deine doch in den höchsten Tönen gelobt wird.“
      Zachariah, der es inzwischen zu seiner bewusstlosen, an dem Stützpfeiler lehnenden Schwester geschafft hatte, konnte sich einen galligen Kommentar nicht verkneifen: „Sag das dem Vampir, den sie zum Spaß vergiftet hat.“

      Doch bevor der Sammler darauf überhaupt reagieren konnte, schwang die brünette Hexe bereits ihren Arm aus. „Geht.“
      Unmittelbar darauf verformte sich die Realität um Zach und Kali zu einem weißen, transparenten Kubus, der von je drei goldenen Energielinien von jener Seite durchzogen war. Jener verkleinerte sich binnen eines Herzschlags und war mit seinen Insassen verschwunden.
      Anerkennend Gardenia zunickend, setzte der Sammler seinen Gehstock ab. „Du bringst deine kleinen Gespielen in Sicherheit, hm? Soll ich das mit euch auch so handhaben?“
      Er sah über die Schulter zu Matt und Zanthe. Thoras war bereits verschwunden. Keiner der beiden sagte etwas, sondern funkelte, einer düsterer als der andere, hasserfüllt zurück.
      „Nein? Auch gut. Vielleicht lernt ihr ja dabei etwas“, gab sich der Rotschopf beleidigt und gleichzeitig unterschwellig drohend. Er wandte sich Gardenia zu. „Ich habe nämlich momentan nicht die beste Laune.“
      Erhobenen, stolzen Hauptes streckte die Angesprochene ihren Arm unter ihrem grauen Umhang hervor, an dem eine silberne, halbmondförmige Duel Disk befestigt war. „Ich werde nicht länger nur zusehen, wie du deine Intrigen spinnst, Sammler.“
      „Oh, du willst diesmal wirklich selbst kämpfen“, die gespielt überraschte Tonlage des Sammlers wechselte zu einer bitterbösen, verachtenden, „anstatt weiterhin deinen Kindergarten auf meine Leute zu hetzen? Mir fehlen die Worte.“
      Mit einem zuversichtlichen Lächeln hob der Sammler die rechte Hand mit dem Gehstock darin. „Nun denn, Kinder. Sorgen wir für eine angemessene Kulisse.“
      Damit ließ er ihn auf den Beton nieder sausen und löste eine Schockwelle unermesslichen Ausmaßes aus. Während Gardenias Robe und ihre Haare regelrecht flatterten, Licht sich immer weiter ausbreitete und ein schrilles Surren die Ohren von Zanthe und Matt betäubte, wurden sie und der Sammler jedoch nicht erfasst.

      Als beide ihre Augen öffneten, erschraken sie. Auf einer runden, gläsernen Plattform wurden sie immer weiter nach oben gefahren. Unter ihnen konnten sie den eingestürzten Bunker erkennen, die Bäume und – der Anblick versetzte Matt einen schmerzhaften Stich – ganz fern die Ruine des Waisenhauses.
      Mehrere hundert Meter über dem Erdboden stoppte die Plattform schließlich und begann sich stattdessen ausgehend vom Zentrum in alle anderen Richtungen auszuweiten. Was bedeutete, dass die Drei sich vom Sammler und Gardenia fortbewegten, bis sie etwa zehn Meter Abstand zu ihm hatten.
      „Ein beeindruckender Zauber“, lobte die Weiße Hexe ihren Kontrahenten aufrichtig, „und ein interessanter Ort für unseren Kampf.“
      „Ich denke, etwas frische Luft tut uns allen gut. Nicht zu reden davon, dass dort unten doch ziemlich … unangenehme Bakterien hausen.“ Der Rotschopf schüttelte sich demonstrativ.
      Aber Gardenia verzog keine Miene. Stattdessen erwiderte sie: „So anregend ein Duell in dieser Höhe auch ist, würde ich gerne ein Experiment durchführen.“
      Schlagartig verwandelte sich das Glas um sie herum in weißen Marmor, durchzogen von goldenen Linien und breitete sich rasant in alle Richtungen aus. Der Sammler lächelte, als die Auswüchse ihn passierten und schließlich nach oben schossen. „Bedaure, ich bin keine Laborratte.“
      Unmittelbar darauf schloss sich um ihn und Gardenia eine dichte Blase, die von den weißen Kacheln befallen wurde. Diese wurden jedoch transparent und verschwanden fast, sodass nur die Goldlinien sich wie ein Käfig um das Kraftfeld legten.

      Gardenia bewegte den Mund, doch Matt und Zanthe hörten sie nicht mehr.
      „Was ist los?“, wunderte sich Letzterer.
      „Ich denke, die Weiße Hexe wollte uns in ihren Weißen Raum ziehen.“
      Der Kopftuchträger sah den Dämonenjäger fragend an. „Der, aus dem es kein Entkommen gibt? Hah, außer für die hier.“
      Sein Blick wanderte hinab an das zerzauste, blonde Mädchen, dessen Kopf auf seinem Schoß ruhte. Ihre Fußfessel war verschwunden.
      „Ja. Aber der Sammler hat es abgewehrt. Doch anscheinend dringt jetzt kein Ton mehr durch diese Blase. Sicher kein Zufall.“ Fassungslos flüsterte Matt anschließend: „Ich glaube es nicht. Zwei der fünf mächtigsten Dämonen kämpfen gegeneinander.“
      „Und wir können das Ganze live miterleben, von den Tonproblemen mal abgesehen.“ Zanthe strich Anya eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich weiß nicht, ob ich begeistert oder verängstigt sein soll.“
      „Definitiv Letzteres“, murrte Matt düster.

      „… da das geklärt ist“, sprach der Sammler, ließ seinen Gehstock los, der einfach ins Nichts verschwand und streckte den Arm aus. Sofort materialisierte sich eine schwarze Battle City-Duel Disk daran, „beginnen wir diese kleine Unannehmlichkeit.“
      Gardenia schwieg.

      [Collector: 4000LP / Gardenia: 4000LP]

      Anstatt einander böse Sprüche an den Kopf zu werfen, zogen beide Parteien zunächst fünf Karten. Mit einem Nicken bot der Sammler seiner Widersacherin an, den ersten Zug für sich zu beanspruchen, doch die weigerte sich mit einem stillen Kopfschütteln.
      „So viel zur Etikette“, scherzte der Rotschopf schließlich, „aber wie du wünscht.“
      „Ich brauche keine Almosen“, gab sich die brünette Hexe stur, „und gewiss nicht, wenn sie von dir stammen.“
      Der Sammler fragte gespielt überrascht: „Woher die plötzliche Abneigung? Wir haben uns doch immer gut verstanden.“
      „Ich habe einen Blick auf das Böse in dir erhaschen können. Denke nicht, dass ich zulassen werde, wie du diese Welt für deine Zwecke missbrauchst.“
      „Was auch immer du damit meinst“, erwiderte der Brite schulterzuckend. Schließlich griff er nach einer Karte in seinem Blatt. „Aber genug des Smalltalks. Wir duellieren uns schließlich. Und den Auftakt macht eine Spielfeldzauberkarte mit dem Namen [Curse Of The Shadow Prison].“
      Gardenia zeigte sich unbeeindruckt, als um sie herum Schatten über das Glas und entlang der Innenseite des Kraftfeldes krochen und sie zu umkreisen schienen, bis sie wieder abtauchten und verschwunden waren.
      „Immer wenn ein Shaddoll-Monster durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wird, erhält sie einen Zähler, der deine Monster um 100 Punkte schwächt“, erklärte der Sammler, „als Abschluss setze ich noch ein Monster. Dein Zug, Gardenia.“
      In horizontaler Lage materialisierte sich vor ihm ein vergrößerter Kartenrücken.

      Schwungvoll zog die in weiß-grauer Robe gekleidete Hexe eine Karte von ihrer Halbmond-Duel Disk. „Ich aktiviere zwei Zauberkarten. Die erste ist ebenfalls ein Spielfeldzauber, [Void Expansion]!“
      Schwarze Flammen stiegen überall innerhalb der Blase auf. Der Sammler lächelte geheimnisvoll.
      „Die zweite Zauberkarte nennt sich [That Grass Looks Greener].“
      „Nachbars Gras ist grüner? Ja. Das ist es immer“, erwiderte ihr Gegner melancholisch.
      „Anders als die meisten Duellanten spiele ich mehr als 40 Karten in meinem Deck. 45 um genau zu sein.“ Gardenia griff nach ebendiesem. „Der Effekt meines Zaubers schickt die Differenz der Anzahl an Karten zwischen unseren Decks auf meinen Friedhof. In deinem sind 35, in meinem noch 39. Also lege ich vier ab.“
      Sie nahm sie auf und zeigte sie vor. Es waren [Infernoid Pirmais], [Void Seer], [Infernoid Piaty] sowie eine nicht erkennbare, zweite Zauberkarte. Zwei Monster und zwei Zauber also.

      Derweil konnten Matt und Zanthe nur erahnen, was in der Blase vor sich ging.
      „Ganz egal wie das ausgeht, es wird nicht angenehm“, vermutete Zanthe.
      Matt, der sich seine ziemlich stark schmerzende Stirn hielt, stöhnte. „Für uns sowieso nicht. Entweder sind wir in der Gewalt desjenigen, dem wir den Rücken gekehrt haben, oder derjenigen, die insbesondere Anya tot sehen will.“
      „Optimistisch wie immer“, stichelte der Werwolf und sah auf das bewusstlose Mädchen herab. „Mit ihr in diesem Zustand brauchen wir gar nicht an Flucht denken. Außer du hast zufällig eine deiner Karten mit, mit denen du uns wegteleportieren kannst.“
      „Zufällig nicht“, schnarrte Matt grimmig, dem diese Frage langsam lästig wurde. „Und in den nächsten paar Minuten werden uns auch keine Flügel wachsen …“
      Unbekümmert zuckte der Werwolf mit den Schultern. „Schade eigentlich.“

      „Ich beschwöre [Infernoid Sjette] von meiner Hand, indem ich [Infernoid Pirmais] und [Infernoid Piaty] von meinem Friedhof verbanne!“ Gardenia schwang den Arm aus. „Erscheine!“
      Zwei flammende Dekagone tauchten vor ihr auf und legten sich drehend übereinander, um einen Feuerring zu bilden. Aus diesem kam eine violette, drachenartige Maschine geflogen, an deren Körper kleine Lampen verteilt waren. Wütend peitschte sie mit dem Schweif hin und her.

      Infernoid Sjette [ATK/2400 DEF/0 (6)]

      „Angriff auf sein verdecktes Monster!“, befahl die Weiße Hexe im Anschluss mit ausgestrecktem Zeigefinger.
      Sofort feuerte ihr Dämon eine rotschwarze Feuerkugel ab. Dabei erklärte sie: „Wenn Sjette einen Angriff ausführt, musst du eine Karte von deinem Extradeck verbannen. Wähle!“
      Während der Flammenball in seinem gesetzten Monster einschlug, das sich als düsterer, violetter Igel herausstellte, hängend an gleichfarbigen Fäden, seufzte der Sammler und zog sein Extradeck aus der Duel Disk.

      Shaddoll Hedgehog [ATK/800 DEF/200 (3)]

      Mindestens sieben Karten hielt er vor sich aufgefächert. Er seufzte erneut. „Verzeih' mir. Ich wähle [El Shaddoll Wendigo].“
      Er zeigte das Stufe 6-WIND-Fusionsmonster vor, ehe er es in einen separaten Schlitz seiner schwarzen Battle City-Duel Disk schob. Er blickte zu seiner Widersacherin auf. „Nun, du hast übrigens den Flippeffekt von [Shaddoll Hedgehog] aktiviert. Ich erhalte eine Shaddoll-Zauberkarte oder eine solche Falle von meinem Deck. Ich entscheide mich für [El Shaddoll Fusion].“
      Sofort spuckte der Apparat die gewünschte Zauberkarte aus, die er in sein Blatt aufnahm.
      Die Hexe in Weiß nahm eine Karte aus ihrem Blatt und legte sie in ihre Duel Disk ein. „Ich setze eine Karte. Führe du dieses Duell fort.“
      Jene Falle erschien sofort vor ihr.

      „Wenn ich so darüber nachdenke“, sprach der rothaarige Brite und betrachtete die Drei außerhalb der Blase, wie sie da hockten wie Hühner auf der Schlachtbank, „ist es doch seltsam. Dass zwei Anyas gleichzeitig existieren. Was sagst du dazu, Gelehrte?“
      Er wandte sich wieder seiner Gegnerin zu, die erwiderte: „Was bezweckst du mit solch einer Frage?“
      „Ich bin neugierig. Vielleicht irre ich mich ja, was -meine- Vermutung angeht.“
      „Ihre Schöpfung basiert auf Kalis Wunsch an den Dschinn, ihrem Schicksal zu entkommen. Dadurch ist die Anya Bauer entstanden, die du dazu zwingst, deine Absichten zu erfüllen.“
      Der Sammler lachte hochmütig. „Ich bitte dich. Die Entstehungsgeschichte der beiden ist mir nicht neu. Vergiss nicht, dass Kali zuerst mich aufgesucht hat, nachdem ihr bewusst wurde, dass Anya nicht so schnell verschwinden würde.“
      „Aber du hattest bereits deine Marionette.“
      „So ist es. Und doch war ich verwundert. Zwei Anyas, zweimal die exakt selbe Person. Es gibt nur eine Seele von Anya Bauer. Und kein Dschinn der Welt hätte die Macht dazu, sie zu duplizieren. So etwas ist unmöglich.“
      Die Weiße Hexe nickte. „Dieses Wissen hast du durch deine Experimente erlangt. Dein ehemaliger Diener Orion berichtete mir davon.“
      „Die kleine Petze“, gluckste der mächtige Dämon keineswegs verstimmt. „Ja, so ist es. Was mich zu der Frage führt, wieso sie dann trotzdem existiert? Diese zweite Anya.“
      „Nur weil die Kopie die Persönlichkeit des Originals besitzt, bedeutet das noch lange nicht, dass in ihnen dieselbe Seele ruht.“
      „Wie immer sind deine Schlussfolgerungen präzise. Die Seele der Menschen sind wie Tagebücher, sie halten alle Informationen ihres Lebens fest. Aber sie sind nicht die einzigen ihrer Art. Auch der Körper“, sprach der Sammler und tippte sich gegen die Schläfe, „speichert die Informationen.“
      Erst nickte die Weiße Hexe lediglich. Dann aber fasste sie sich an ihr Kinn. „Ein Gefäß mit den Erinnerungen des Körpers, aber ohne Seele, besitzt keinen eigenen Willen. Allenfalls Erinnerungen an das, was es einst gefühlt hat, als die Seele noch im Körper weilte.“
      Sie blickte auf. „Doch mit Anya Bauer ist es anders. Sie ist in der Lage zu fühlen und Entscheidungen zu treffen. Was nur bedeuten kann …“
      „Ja.“
      „… dass in ihr eine Seele lebt. Eine fremde, die sich ihren Erinnerungen unterordnet.“
      „Und nun frage ich dich: Wessen Seele könnte das sein?“ Der Ton des Sammlers wurde ruckartig düster. „War es der Dschinn, der sie ihr implementiert hat? Oder hat sie vielleicht schon vor der 'Teilung' in ihr gelebt?“
      „Ich fürchte, darauf kenne ich keine Antwort. Aber vielleicht hast du eine Eingebung?“
      Er lächelte kühl. „Viel eher eine Hoffnung. Ein Gefühl, das ich bisher noch nicht bestätigen konnte. Wenn dem so ist, werde ich vielleicht eines Tages einen lang verlorenen Freund wiedersehen.“
      Nicht weniger distanziert sagte Gardenia: „Ich schätze, unsere Unterhaltung darüber findet jetzt ihr Ende.“
      „Ja. Bedauerlich, dass wir uns als Feinde gegenüber stehen. Unsere Dialoge waren in der Vergangenheit stets anregend“, lobte er sie, aber sie zeigte ihm mit ihrer finsteren Grimasse, dass sie das anders sah.

      „Also gut“, meinte er schließlich und griff nach seinem Deck. „Setzen wir unser Gefecht fort.“
      Damit zog er auf und lächelte geheimnisvoll. „Ich rufe den [Shaddoll Dragon] und rüste ihn umgehend mit dem Zauber [Nephe Shaddoll Fusion] aus!“
      Ein dunkler, violetter Drache materialisierte sich vor ihm. Seine braune Mähne flatterte unstet, während er an zahlreichen, ebenfalls violetten Strängen zu hängen schien.

      Shaddoll Dragon [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „[Nephe Shaddoll Fusion] besitzt zwei Eigenheiten. Einerseits lässt sich mich das Attribut des ausgerüsteten Monsters ändern“, erklärte der Sammler, „wodurch [Shaddoll Dragon] nun von einem FINSTERNIS- zu einem LICHT-Monster wird.“
      Die Fäden, an denen sein Drache hing, verfärbten sich gelblich.
      „Und der zweite Effekt?“, hakte Gardenia nach.
      „Der lässt mich eine Fusionsbeschwörung mit dem ausgerüsteten Monster durchführen! Ichverschmelze [Shaddoll Beast] von meiner Hand und das LICHT-Monster [Shaddoll Dragon]!“
      Über ihm öffnete sich ein Vortex, der pechschwarze Schatten in sich aufzog zusammen mit dem Drachen und einem Schattentiger.
      „Fusion Summon“, verkündete der Sammler und richtete den Arm nach vorne. „[El Shaddoll Construct]!“
      Der Strudel weitete sich aus und entließ eine riesige, weibliche Puppe, um deren Hüfte eine Art Rock schwebte, aus glänzend violettem Metall. Von ihrem Rücken schossen unzählige rote Lichtfäden, die wie Flügel anmuteten und sich unruhig bewegten.

      El Shaddoll Construct [ATK/2800 DEF/2500 (8)]

      Ihr weißes Porzellangesicht war ausdruckslos. Als der Sammler jedoch das Wort ergriff, blitzten ihre Augen kurzzeitig auf. „Nun greifen mehrere Effekte! Fangen wir zunächst mit denen der fusionierten Monster an. Beide Effekte aktivieren sich, da die Monster durch Karteneffekte auf den Friedhof geschickt wurden. [Shaddoll Dragon] zerstört eine deiner Zauber- und Fallenkarten, werte Gardenia …“
      Welche keine Miene verzog, als aus dem Nichts die geisterhafte Silhouette des Drachen auf ihre gesetzte Karte zuschoss und sie in den Abgrund zog.
      „... und [Shaddoll Beast] lässt mich eine Karte ziehen.“ Was der Sammler zufrieden lächelnd auch tat. „Der nächste Effekt rührt von [El Shaddoll Construct] her und schickt ein Shaddoll-Monster von meinem Deck auf den Friedhof. Ich habe mich bereits für [Shaddoll Falco] entschieden.“
      Dessen Karte schob er in den Friedhofsschlitz. Doch kurz darauf tauchte ein kleiner, dunkler Vogel – ebenfalls an violetten Fäden hängend – vor ihm auch und wirbelte sich herum, wurde zu einem horizontal liegenden Kartenrücken.
      „[Shaddoll Falco] wird im verdeckten Verteidigungsmodus spezialbeschworen, wenn er durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wird. Das funktioniert wie bei allen Effekten dieser Monsterart aber nur einmal pro Zug“, führte der Sammler dazu aus.

      Shaddoll Falco [ATK/600 DEF/1400 (2)]

      „Kommen wir nun zum letzten Teil dieser verhängnisvollen Verkettung von Umständen“, schmunzelte er und streckte den Arm aus. Plötzlich traten überall um Gardenia herum Schatten aus dem Boden, die sich sogar ihres Monsters bemächtigen und es dampfen ließen. „Insgesamt sind drei Shaddoll-Monster durch Karteneffekte auf den Friedhof geschickt worden, weshalb dein Monster für jedes nun 100 Punkte verliert. Aber …“

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 3]
      Infernoid Sjette [ATK/2400 → 2100 DEF/0 (6)]

      „... eigentlich habe ich andere Pläne mit [Infernoid Sjette]“, verriet er ihr und zeigte eine Zauberkarte vor. „Ich fusioniere ihn und [Shaddoll Falco] nun dank der Schnellzauberkarte [El Shaddoll Fusion].“
      „Du benutzt mein Monster?“, fragte Gardenia überrascht.
      „Ganz recht. Indem ich drei Zähler von meinem Spielfeldzauber entferne, kann ich eines deiner Monster als Teil der Fusion verwenden. Hier ein Beispiel, wie [Shaddoll Falco] mit dem FEUER-Monster [Infernoid Sjette] verschmilzt!“

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 3 → 0]

      Wieder öffnete sich über ihm ein pechschwarzer Wirbel, der erst den kleinen Vogel, welcher aus seiner gesetzten Karte aufstieg, dann Gardenias Drachendämon in sich hineinzog.
      „Fusion Summon! Erscheine, [El Shaddoll Grysta]!“
      Aus dem Vortex kam ein Ritter in rötlicher Rüstung geflogen, von dessen Rücken flammende Schwingen brannten, die sich bei genauerem Hinsehen jedoch als endlos viele, rote Stränge entpuppten, die entflammt waren. An Armen und Beinen wucherten kristalline Auswüchse. Blondes Pferdehaar flatterte wild von seinem Helm.

      El Shaddoll Grysta [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      „Da wieder ein Shaddoll-Monster durch einen Effekt auf den Friedhof gelegt wurde“, erklärte der Sammler abschließend, während sich der Ritter vor ihm positionierte, „erhält mein Spielfeldzauber einen weiteren Zähler.“

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 0 → 1]

      Er verschränkte lächelnd die Arme. Gardenia jedoch blieb unbeeindruckt, obwohl er die riesige Puppe hinter sich sowie den Flammenritter vor sich kontrollierte.

      „Ich weiß zwar nicht, was genau er da macht“, murmelte Zanthe derweil mit gebanntem Blick auf die riesige Blase, „aber ist dir aufgefallen, dass sein neues Monster aussieht wie [Gem-Knight Crystal] von Anya?“
      Matt nickte. „Ja. Und das gefällt mir gar nicht. Es ist, als wolle er ausdrücken, dass Anya seine Marionette sei.“
      Fast als hätte er sie gehört, drehte der Sammler sich in diesem Moment zu ihnen um und winkte mit einem freundlichen, falschen Lächeln.
      Zanthe ächzte: „Großartig …“
      „Sieht schlecht für die Weiße Hexe aus“, überlegte Matt derweil weiter, „aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so einfach verlieren wird.“
      Tatsächlich war auch ihm der selbstbewusste Blick der brünetten Dame mittleren Alters nicht entgangen. Da sie Anya töten wollte, musste er zwangsweise gegen sie sein. Aber der Sammler als Verbündeter? Das war kein bisschen besser …

      ~-~-~

      Ein stimmungsvoller Singsang drang aus dem Badezimmer der Familie Thorne. Einer von der Sorte, den eigentlich niemand hören durfte. Aber nachdem Velvet bereits von ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrem Bruder Axel dabei erwischt wurde, hatte sie es sich abgewöhnt, ihre Vorliebe für schlechte Disney-Musik noch länger geheim zu halten.
      „Wann bin ich dran? Ich will an Land“, trällerte sie nur mit zwei Handtüchern am Leib, die die Haare und ihren Oberkörper bedeckten und tänzelte von der Dusche in der Ecke zum Waschbecken in der Mitte des länglichen Badezimmers. „Fängt dann mein Leben erst richtig an?“
      Sie zwinkerte sich selbst im beschlagenen Spiegel zu. Dann drehte sie sich mit ausgestreckten Armen über die Fließen.
      „Wüsst' ich nur wie, wär' ich wie sie“, sang sie ohne auch nur einen schiefen Ton dabei von sich zu lassen. Sie fasste sich mit beiden Händen auf die Brust. „In ihrer Welt …“

      Vor ihren geschlossenen Augen tanzte sie wie eine Prinzessin in einem riesigen Ballsaal. Alle sahen sie an. Doch wer war der Prinz? Der charmante Patrice? Der humorvolle Fabio? Oder etwa der intelligente Isaac?
      Alle drei reichten ihr die Hand in ihren schönen Anzügen.

      Der Traum fand je ein schnelles Ende, als Velvet über die nassen, weißen Fließen rutschte und unsanft auf ihrem Hintern aufkam. „Au!“
      Mit Tränen in den Augen schnaufte sie. So viel dazu …
      Naja zumindest hatte sie sich nachher mit ihren Freunden verabredet. Aber wenn sie ehrlich war, keiner von den Dreien war wirklich -ihr- Traumprinz. Freunde durfte man nicht anhimmeln, damit machte man sich am Ende nur die Freundschaft kaputt, hatte Tatjana ihr eingetrichtert.
      Sie mochte ja jeden von ihnen, aber am Ende eben doch nicht -so- wie den Mann, der vermutlich erst geboren werden musste und dann, bei ihrer ersten Begegnung, wahrscheinlich von einem 40-Tonner überfahren wurde.
      Velvet seufzte, musste dann ob ihrem ungewohnten, schwarzen Humor glucksen. Was hatte sie bloß wieder für Gedanken?

      Stöhnend erhob sich das Mädchen und hielt sich das schmerzende Steißbein. Direkt vor ihr befand sich ein runder, ausgebeulter Flechtkorb, in dem die Familie ihre dreckige Wäsche entsorgte. Und sie hätte schwören können, dass der Deckel sich gerade bewegt hatte. Aber ohne Brille sah sie sowieso nicht sehr viel, vermutlich nur Einbildung.
      So tapste Velvet zurück zum Waschbecken und nahm von der Ablage ihre Brille, die sie sich aufsetzte. Mit einem Wischen ihrer Hand war der beschlagene Spiegel wieder sauber. Obwohl, eigentlich meinte ihre Mum immer, dass sie das nicht tun solle …
      „Ups“, machte Velvet und schluckte. Sie suchte rechts und links nach einem Handtuch, mit dem sie ihn nochmal abwischen konnte, da sah sie es im Spiegel. Der Deckel des Wäschekorbs war leicht nach oben geklappt. Sie wirbelte herum und sah ihn wieder zufallen.

      Leicht erbost stampfte sie zu ihm und atmete tief durch. Es gab nur zwei Bewohner in diesem Haushalt, die da hineinpassten. Sammy. Und Axel, wenn er sich zusammenkauerte wie eine Schlangenfrau. Und beide hatten in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Velvet gerne beim Duschen beobachteten.
      Sammy war mit einem blauen Auge davon gekommen, schließlich war er ein Hund. Aber Axel würde nicht lebendig da rauskommen, schwor sich Velvet und riss den Deckel fort.
      „Hm?“, wunderte sie sich, als sie dort nur Klamotten sah. Ganz oben lagen ihr weißes T-Shirt und die schwarzen Leggins.
      Sie griff danach und schob sie beiseite. Was sie dann entdeckte, ließ sie panisch aufschreien und derart hastig zurückweichen, dass sie gleich wieder ausrutschte und erneut auf ihrem Po knallte.
      „Velvet-chan!“, kreischte das Etwas im Korb und sprang heraus an dessen Rand. „Hast du dir weh getan?“
      Allenfalls so groß wie ein Fußball, von violetter Färbung, aber nichts weiter als ein großer Kopf in der Form einer Zwiebel. Nein, Velvet bildete sich das nicht ein, das Ding war wirklich hier. Seine großen, ovalen Augen besaßen keine Pupillen und machten neben der Trötenschnute einen Großteil des Gesichts aus. Dagegen waren Arme und Beine nahezu winzig. Was war das!?
      „W-wa-wa-wa?“, stammelte Velvet panisch und krabbelte rückwärts fort.
      Nicht zuletzt weil es ihren Schlüpfer über den Kopf gezogen hatte.
      „Oh!“, jammerte die düstere Kreatur. „Ich bin es doch bloß. Dein Beschützer! Orion-kun!“
      „O-wer? Bitte!?“, quietschte sie schrill.
      Der Kleine fuchtelte wild mit den Stummelärmchen. „Ich bin ein Schattengeist! Orion, aber du kannst mich Orion-kun nennen! Ich wurde gesandt, um auf dich aufzupassen, damit diese Leute dir nicht weh tun.“
      Velvet zog instinktiv ihr Badetuch etwas weiter nach oben, entgingen ihr seine äußerst intensiven Blicke auf -jene- Region nicht. „Schattengeist? I-ich verstehe nicht.“
      „Ohhh! Eigentlich sollte das geheim bleiben! Nachdem Reika-chan verschwunden ist und Kali-senpai, die eigentlich auf dich aufpassen sollte, lieber ihren eigenen Interessen nachgeht, muss ich ganz alleine auf dich aufpassen. Aber bisher ist es das jede Sekunde wert …“
      Täuschte sie sich oder tropfte ein bisschen Speichel aus seiner Riesentröte von Mundwerk!?
      Entsprechend trockener wurde ihre Reaktion darauf. „Ich verstehe immer noch nicht …“
      „Lady Gardenia hat mich ausgesandt, weil Kali-senpai sich dazu verpflichtet hat, dich zu beschützen. Aber diese freche Tsun ohne Dere kümmert sich kein bisschen um dich, abseits von der Sache mit diesem Vampir Zyxx!“ Der Kleine stampfte wütend auf. „Sie ist total-“
      „W-warte!“ Velvet erhob sich langsam, hielt immer noch ihr Handtuch fest. „Zyxx? Heißt das, dass diese Kali-senpai damals eingeschritten ist, als er mich …?“
      Der Schattengeist namens Orion nickte heftig. So sehr, dass ihm der Schlüpfer vom Kopf rutschte und auf den Boden segelte. „Noin, mein Andenken!“
      Er wollte noch danach greifen, aber zum einen waren seine Arme zu kurz, zum anderen war Velvet wie ein geölter Blitz nach vorne geeilt und schnappte ihm das gute Stück vor der Nase weg.
      „Kann ich den bitte wiederhaben?“, fragte er vorsichtig.
      Aber der düstere, um nicht zu sagen pechschwarze, diabolische Gesichtsausdruck von Velvet war Antwort genug. Ehe er sich versah, wurde auch er gepackt und bis auf ihre Gesichtshöhe hochgezogen.
      Das Mädchen funkelte ihn an. „Ich ziehe mich schnell um und dann wirst du mir erstmal erklären, was es mit all dem auf sich hat.“
      Sie drehte seinen Kopf, also praktisch den ganzen Körper, zusammen mit ihrem eigenen Haupt nach rechts, wo auf der anderen Seite des Raums die Waschmaschine stand. „Solange bleibst du -da- drin.“
      Dann drehte sie sich und ihn wieder zueinander. „Und damit du auch ja keine blöden Tricks wagst, ist solange der Schleudergang eingeschaltet.“
      „Wie!?“, quiekte er heiser. „Wegen der Unterhose!?“
      „Das wäre ein Grund! Aber viel wichtiger: Du hast mich beim Singen belauscht!“ Genau wie ihm standen auch ihr dabei kleine Tränchen in den Augen. „D-das kann ich dir nicht vergeben!“

      ~-~-~

      Ein gewisser Geruch von Schweiß hing in der riesigen, unterirdischen Sporthalle. Zoey gab noch einmal alles, obwohl es nicht nötig war. Die anderen Mädchen lagen weit hinter ihr. So schaffte sie es schließlich als Erste, an der Rothaarigen vorbei zu rennen, die die Zeit anhielt.
      „Wow!“, rief diese, nachdem die Blonde einige Meter entfernt zum Stehen kam. „Das ist ein neuer Rekord, unter 3 Minuten!“
      „Uh-huh“, gab sich das Mädchen mit der Beanie im grauen Trainingsanzug unbeeindruckt, als sie sich umdrehte. Nach und nach trudelten die anderen Weiber ein. „Im Weglaufen habe ich Erfahrung.“

      Mindestens so groß wie ein Footballfeld musste dieser Ort sein, der für Zoey in den letzten Tagen unfreiwillig so etwas wie ein zweites Zuhause geworden war. Während die eine Hälfte voll von Duellanten war, die sich auf kleinen Feldern gegeneinander behaupteten, wurde die andere für den sportlichen Teil der Ausbildung genutzt.
      Allein ein großer Abschnitt dessen war für diese bekloppte Rennerei reserviert. Die Damen waren diesmal dran, während die Herren sich in der Mitte des Feldes von ihren Strapazen kurzzeitig ausruhen konnten. Einige von ihnen betrachten Zoey interessiert, aber keiner sprach sie an.
      „Du bist sogar schneller als die Jungs“, staunte derweil der Rotschopf, dessen Name Zoey gar nicht kannte und auch nie kennenlernen würde.
      „Yeah, ist ja auch nicht besonders schwer.“
      Das Mädchen stierte an ihr vorbei in die Mitte der Halle, wo ein einzelner Mann stand. Gregory Haigh, seines Zeichens ein riesiger, breiter Glatzkopf mit leicht angegrautem Bart, der in einem dunkelblauen Sportanzug das Geschehen auf beiden Seiten verfolgte. Doch er interessierte sich gar nicht für Zoey, so schien es. Welche daraufhin wütend schnaufte.
      „Nach einer Pause geht es mit dem Hindernislauf weiter“, verkündete der nur an die Damen gewandt.

      Kurze Zeit später nahm das Mädchen Anlauf. Dann rannte sie los. Die erste Hürde, eine aufgestellte Holzwand, nahm sie nahezu mühelos. Sie sprang einfach und krallte sich an ihrem Ende fest, zog sich hoch und landete wirbelnd kurz darauf hin der Hocke. Aus jener sprintete sie sofort weiter auf die nächste zu erklimmende Barriere zu – ein Maschendrahtzaun. Elegant wie eine Katze kletterte sie jene empor.
      Aus den Augenwinkeln sah sie Gregory, der das Geschehen auf etwas Abstand diesmal mitverfolgte. Ja, sieh nur zu, sieh nur, wie gut ich bin, warf sie ihm in Gedanken an den Kopf. Mit einem Satz landete sie auf der anderen Seite und sah sich nun zwei Angreifern mit Helmen entgegen, die mit erhobenem Baseballschlägern auf sie zu stürmten. Der erste holte nach ihr aus, doch Zoey duckte sich geschickt unter ihm hinweg und verpasste ihm mit dem Ellbogen einen Schlag in den Nacken. Auch dem zweiten wich sie durch eine Rolle zur Seite aus, griff sich dabei die Waffe des ersten Angreifers und schleuderte sie dem zweiten gegen das Knie. Der schrie erschrocken auf und fiel vorne über.
      „Blöde Kuh!“, fluchte der Mann und riss sich den Helm vom Kopf. Es war der blonde Jack, der sie breit angrinste. „Zu deinem Glück hab ich Knieschoner an. Ugh …“
      Zoey stampfte zu ihm und half ihm auf. „Selber schuld. Hab ich den Rekord?“
      Der Buch führende Rotschopf nickte. „J-ja, so schnell war noch keiner durch!“
      „Gut“, murrte das Mädchen und starrte an dem Mädchen vorbei. Ihr Augenmerk lag allein auf Gregory, der sie dabei genau beobachtete.

      Auch beim Stangenklettern in der hinteren Ecke der Halle war sie die erste, die oben ankam und schließlich wieder hinunterrutschte.
      „Rekord!“, trällerte die übliche Schnalle.
      „Nicht schlecht“, lobte sie Jack, inzwischen auch in einem dieser grauen Anzüge steckend, und reichte ihr ein Handtuch.
      Sie schnappte es sich im Weggehen und wischte sich die Stirn ab. „Danke.“
      Der schmalzige Typ drehte sich um, folgte ihr. „Heute bist du ja besonders ambitioniert. Woran liegt's?“
      „Wirste gleich sehen.“

      Sie steuerte direkt auf Gregory zu, der die Gruppe beaufsichtigte. Irgendwo weiter hinten schrie jemand, vermutlich weil er sein Duell verlor.
      „Hey“, sprach sie ihn schroff an und breitete die Arme aus, „kann ich jetzt gehen?“
      „Warum?“, fragte der Bärtige mit tiefer Stimme. „Das Training dauert noch eine halbe Stunde.“
      „Ich habe heute jeden eurer beschissenen Rekorde gebrochen“, protestierte Zoey uneinsichtig und schmiss das Handtuch beiseite. „Diesen Mist brauche ich nicht, ich bin bereit, okay!?“
      „Sei vorsichtig mit dem, was du sagst“, riet ihr Jack derweil und eilte an ihr vorbei, um das Handtuch aufzuheben.
      Aber die Blonde dachte nicht im Traum daran, ihren Frust hinunterzuschlucken. „Ich will endlich raus hier und auf Mission gehen, wie richtige CLEAR-Agenten!“
      „Und was dann?“, wurde sie von ihrem Ausbilder gefragt.
      „Dann werde ich meine Cousine von Levrier befreien!“
      „Du erhältst einen Auftrag, sobald wir dich brauchen. Nicht früher, nicht später.“ Er verschränkte die Arme. „In diesem Augenblick verlangen wir von dir Disziplin.“
      Da war es wieder! Dieses dämliche Wort!
      „Das bedeutet“, fuhr er fort und richtete seinen Zeigefinger an ihr vorbei zur anderen Seite der Halle, „dass du noch eine halbe Stunde trainierst. Du hast dich heute noch nicht duelliert, also such dir einen Partner und fang an.“
      Wütend schnaufte sie und funkelte ihn dabei an. „Kch!“
      „Wir können ja-“, schlug Jack vor und bekam direkt ihre flache Hand ins Gesicht gedrückt, als er sich ihr näherte.
      Denn Zoey hatte einen genialen Einfall. „Ein Partner, huh? Fein! Dann wähle ich dich!“
      Sie zeigte auf Gregory, der keine Miene verzog. „Und wenn ich gewinne, empfiehlst du mich und lässt mich gehen, klar?“
      „Bist du verrückt!?“ Ihr Kamerad riss sich von dem Mädchen los. Inzwischen waren ein paar neugierige Kadetten dazugestoßen. Er wandte sich mit Schweiß auf der Stirn an den glatzköpfigen Ausbilder. „Mr. Haigh, bitte entschuldigen Sie-“
      „Ich akzeptiere“, war alles, was der Mann zur Überraschung aller dazu zu sagen hatte.
      Selbst Zoey machte große Augen. Das war ja einfach.

      Kurz darauf standen die beiden sich gegenüber und hoben ihre Arme hoch. An beiden war ein silberner Armreif mit rotem Kern befestigt. Jener war es auch, der schließlich eine gebogene Sichel erzeugte, die zu einer reinen, roten Energie-Duel Disk wurde.
      „Heh“, lachte Zoey auf, „du hast dich noch gar nicht dazu geäußert, was du willst, wenn ich verliere.“
      Gregory nickte. „Deinen Tod.“
      „W-was!?“
      Auch die anderen Kadetten erschraken zutiefst. Was der Mann jedoch gesagt hatte, war keinesfalls ein Scherz. „Nur die Starken überleben. Also solltest du deinen Worten besser Taten folgen lassen, andernfalls hat das schwerwiegende Konsequenzen für dich, Mädchen.“
      Für einen kurzen Augenblick aus dem Konzept gebracht, fing sich Zoey schließlich wieder. „'kay, du bist wohl'n ganz Harter, was? Fein, ich akzeptiere deine Bedingung!“
      Erstauntes Gemurmel brach um sie herum aus. Idioten, sagte sich Zoey innerlich. Als ob der Typ das ernst meinte. Der musste doch ganz genau wissen, wie blöd es wäre sie vor den Augen der anderen abzumurksen. Zumal sie direkt von dieser Kathea ausgesucht worden war.
      Aber sie würde trotzdem alles geben, allein um zu beweisen, dass sie nicht schwach war!
      „Duell!“, riefen beide schließlich im Chor.

      [Zoey: 4000LP / Gregory: 4000LP]

      „Ich habs satt zu warten“, stellte Zoey nochmals klar und verkündete: „Ich beginne das Duell!“
      Und kaum hatte sie ihr Startblatt gezogen, spielte sie einen Zauber aus. „[Future Fusion]! Im nächsten Zug werden Fusionsmaterialien von meinem Deck auf den Friedhof geschickt. Und im übernächsten wird das entsprechende Monster dazu beschworen!“
      Kaum hatte sich der permanente Zauber vor ihr aufgestellt, knallte sie schon ein Monster auf ihre Duel Disk. „Ich rufe [Worm Xex]! Der schickt einen anderen Worm von meinem Deck auf den Friedhof! [Worm Yagan]! Und der kann sich verdeckt von dort wiederbeleben, wenn ich Xex kontrolliere!“
      Vor ihr tauchte ein kreuzförmiges, grünes Ungetüm auf, in dessen Körpermitte ein mit Zähnen bespickter Schlund befand. Neben ihm zeigte sich kurz ein gelbes, Y-förmiges Gebilde, an dessen Armen sich Augen öffneten. Es verwandelte sich jedoch kurz darauf in eine horizontal liegende Karte.

      Worm Xex [ATK/1800 DEF/1000 (4)]
      Worm Yagan [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      „Ich bin mit meinem Zug durch!“, erklärte sie schließlich.
      Immer mehr Kadetten sammelten sich um die beiden. Viele flüsterten ehrfürchtig und starrten dabei den hünenhaften Glatzkopf an. Kam wohl nicht besonders oft vor, dass man den in Aktion erlebte, dachte sich Zoey. Und sie würde den Gaffern bald zeigen, warum das auch so war …

      „Draw!“ Gregory zog langsam und bedächtig und sah seine Karte an. „Ich aktiviere zwei Zauberkarten. [Dinomist Charge], die mir ein Dinomist-Monster auf mein Blatt schickt sowie der Feldzauber [Dinomic Powerload].“
      Erst stellte sich auch vor ihm ein dauerhafter Zauber auf, der gelb zu leuchten begann. Zusätzlich erhoben sich drei Spannungsgeneratoren um ihn herum aus dem Boden und gaben blaue Elektrizität ab.
      „Ich rufe das Monster, das ich mir aus meinem Deck ausgesucht habe, als Spezialbeschwörung. Denn du besitzt das stärkste Monster auf dem Feld: [Dinomist Brachion].“
      War es ein schwer bewaffneter, violetter Panzer oder ein mechanischer Brachiosaurus, der da vor ihm erschien? Die Antwort? Beides! Die langhalsige, mechanische Kreatur war nur so bespickt von Laserkanonen und Raketenwerfern. Sogar Zoey entlockte das ein anerkennendes Pfeifen.
      „Da ich ein Dinomist-Monster besitze, kann ich zudem [Dinomist Ceratops] spezialbeschwören. Und zuletzt als Normalbeschwörung noch [Dinomist Plesios]“, sprach Greg mit seiner tiefen Stimme gelassen.
      Neben seinem Panzer-Brachion tauchte erst ein grüner, ebenfalls gut ausgestatteter Mecha-Ceratops aus, der eine ausfahrbare Säge an seiner linken Halsseite montiert hatte. Im Anschluss erschien neben diesem ein blauer Plesiosaurier, dessen Schwimmflossen flexible Tragflächen waren.
      „Mein Spielfeldzauber verstärkt diese Kreaturen um 300 Punkte. Außerdem schwächt [Dinomist Plesios] deine Kreaturen um 100 Punkte für jede Dinomist-Karte auf meinem Feld“, erklärte Gregory weiter.
      Zoey zischte angespannt: „Großartig …“

      Dinomist Brachion [ATK/2000 → 2300 DEF/800 → 1100 (5)]
      Dinomist Ceratops [ATK/2100 → 2400 DEF/400 → 700 (5)]
      Dinomist Plesios [ATK/1700 → 2000 DEF/1400 → 1700 (4)]
      Worm Xex [ATK/1800 → 1400 DEF/1000 → 600 (4)]

      „Ich befehle [Dinomist Plesios] den Angriff auf [Worm Xex]!“ Passend dazu schwang Gregory den Zeigefinger aus und deutete auf die groteske Gestalt vor Zoey.
      Der schwebende Plesiosaurier klappte aus seinem Rücken nach rechts eine Zielvorrichtung aus, die sich als Torpedowerfer entpuppte. Und ein solcher wurde prompt abgefeuert und ließ nichts außer einer Rauchwolke von [Worm Xex] übrig.

      [Zoey: 4000LP → 3400LP / Gregory: 4000LP]

      „Pah!“
      „Als nächstes greift [Dinomist Brachion] das verdeckte Monster [Worm Yagan] an“, brummte der Hüne weiter.
      Und der Panzerbrachiosaurus feuerte aus allen Rohren. Es knallte und zischte nur so um Zoey, deren gelber Wurm nur kurz aus seiner Karte auftauchte, ehe er zerfetzt wurde. Das Mädchen lachte jedoch auf. „Fataler Fehler, Freundchen! Wird [Worm Yagan] aufgeflippt, gibt er eine deiner Karten auf die Hand zurück! Ich wähle [Dinomist Ceratops]!“
      Doch als nichts geschah, gab Zoey einen überraschten Laut von sich.
      „Zwecklos. Die Feldzauberkarte [Dinomic Powerload] verhindert bis zum Ende des stattfindenden Kampfes, dass du Karten oder Effekte aktivierst.“
      „Du willst mich verarschen!“ Mit weit aufgerissenen Augen sah Zoey die letzten Partikel ihrer Karte schwinden. Dann knurrte sie: „[Worm Yagan] wird verbannt, wenn er das Spielfeld nach Nutzen seines Beschwörungseffekts verlässt.“
      „Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte, [Dinomist Ceratops]!“
      Jener raste in hohem Tempo auf die Blonde mit der Beanie zu und fuhr seine Kreissäge aus. Durch das Heben ihrer Energie-Duel Disk konnte Zoey die Attacke gerade so abwehren. Rote Funken sprühten dabei nur so. „Kch!“

      [Zoey: 3400LP → 1000LP / Gregory: 4000LP]

      „Meine letzten beiden Karten spiele ich verdeckt aus“, erklärte Gregory abschließend und ließ beide zu seinen Füßen erscheinen. „Dein Zug, Mädchen.“
      Jenes keuchte nur, als sich der riesige Mechadinosaurier endlich verzog. Und sie hörte das Getuschel der zuschauenden Kadetten. Keiner beschäftigte sich mehr mit dem eigentlichen Training.
      Ein Mädchen sagte: „Sie kann einem leid tun.“
      „Ja! Das Schlimmste steht ihr noch bevor“, ein anderes.
      „Sie ist schlecht“, kam es von einem Jungen.
      „Ein totales Großmaul.“
      „In einem Zug auf 1000 Lebenspunkte runter.“

      Da wurde es Zoey zu viel. Schreiend riss sie eine Karte von ihrem Deck: „Euch werde ich es zeigen!“
      Kaum war das getan, begann ihre offen stehende Zauberkarte aufzuleuchten. Sie streckte den Arm aus und erklärte: „Jetzt schicke ich die Fusionsmaterialien von [Worm Zero] auf den Friedhof! Und soll ich euch was sagen!? Es gibt kein Limit! Es müssen nur Worm-Monster mit verschiedenen Namen sein! Also schicke ich 20 auf den Friedhof!“
      Sie holte ihr Deck aus der Halterung, zog eine Karte nach der anderen daraus hervor, fächerte sie vor Gregs Augen grinsend aus, um sie dann in den Friedhofsschlitz zu schieben.
      Die Gaffer staunten. „Gleich 20!?“
      „Wieso so viele!?“
      „Dann hat sie ja kaum noch Monster im Deck!“
      Ja, wundert euch ruhig, dachte die Blonde grimmig. Nächste Runde würden hier alle eine böse Überraschung erleben. Und das schloss den Glatzkopf ein, der immerhin als Einziger auf irgendwelche Kommentare verzichtete.
      Sie nahm ihre gezogene Karte hervor. „Ich aktiviere [Mystical Space Typhoon], womit ich eine Backrow-Karte auf dem Feld vernichten kann.“
      Und Zoey wusste bereits genau, welche von Gregorys Karten am gefährlichsten war! „[Dinomic Powerload]! Damit verlieren deine Blechbüchsen ihre Werteboosts!“
      Viel wichtiger war aber, dass sie nicht mehr ungehindert angreifen konnten. Mit Genuss sah sie zu, wie ein blitzender Wirbelsturm über das Feld fegte und die Transformatoren nacheinander umriss.

      Dinomist Brachion [ATK/2300 → 2000 DEF/1100 → 800 (5)]
      Dinomist Ceratops [ATK/2400 → 2100 DEF/700 → 400 (5)]
      Dinomist Plesios [ATK/2000 → 1700 DEF/1700 → 1400 (4)]

      „Ich setze ein Monster“, bellte das Mädchen im Anschluss und ließ jenes als horizontal liegender Kartenrücken vor sich erscheinen, „bist dran!“
      Selbstverständlich musste auch das mit viel Zweifel und Lästereien seitens der Kadetten kommentiert werden. Zoey hörte diesmal gar nicht mehr hin.

      Wortlos zog ihr Ausbilder seine Karte und streckte dann den Arm mit ihr nach unten gerichtet aus, sagte: „Ich befehle [Dinomist Ceratops] den Angriff auf das verdeckte Monster.“
      Wieder rauschte der Dino auf Zoey zu und ließ seine Kreissäge ausfahren. Aus Zoeys Karte trat ein prismatischer Glaskasten aus, in den eine blaue Substanz mit zahlreichen Augen eingeschlossen war.
      „Dumm gelaufen! Das ist [Worm Solid] und der bekommt 100 Verteidigungspunkte für jeden seiner Rasse auf dem Friedhof dazu! Das sind 21!“
      „Aber er verliert 100 Punkte für jedes Dinomist-Monster auf meinem Feld, solange [Dinomist Plesios] im Spiel ist“, erwiderte Greg auf Zoeys Ausruf hin ruhig.

      Worm Solid [ATK/1000 → 600 DEF/1600 → 3700 → 3300 (4)]

      Die anderen Kadetten staunten ob der hohen Verteidigung von Zoeys Monster. Entsprechend prallte die Säge des Mechadinos an dem Gefäß ab. Funken flogen so weit, dass sie Gregory streiften.

      [Zoey: 1000LP / Gregory: 4000LP → 2800LP]

      Während sich [Dinomist Ceratops] zurückzog, rief Zoey aus: „Aber das war nur der Anfang! Wenn [Worm Solid] Kampfschaden beim Verteidigen zufügt, zerstöre ich eine deiner Backrow-Karten!“
      Sie zeigte mit dem Finger auf die von ihr aus links liegende. „Die da!“
      „Dann aktiviere ich sie“, konterte der bärtige Kahlkopf unbeeindruckt. „Ihr Name ist [Dinomist Rush] und sie ruft ein Dinomist-Monster von meinem Deck aufs Spielfeld. Erscheine, [Dinomist Spinos]!“
      Zwar öffnete sich im Gefäß von [Worm Solid] kurz ein Loch, aus dem ein sich öffnendes Maul Säure auf die normale Falle spucken konnte, doch die war bereits hochgefahren und leuchtete. Vor Gregory materialisierte sich ein riesiger, roter Spinosaurus. Seine rote Lackierung glänzte im Licht seines aus hellblauen Lichtröhren bestehenden Knochenkamms.

      Dinomist Spinos [ATK/2500 DEF/1800 (5)]
      Worm Solid [ATK/600 → 500 DEF/3300 → 3200 (4)]

      „Pah! Selbst dieses Teil kommt an [Worm Solid] nicht vorbei!“
      „In der Tat.“ Gregory sah seine Handkarte an und zeigte sie dann vor. „Die Schwachen werden vernichtet. Zauberkarte, [Dark Hole]! Sie zerstört alle Monster auf dem Spielfeld.“
      Zoey weitete die Augen, als sich inmitten des Spielfelds ein Schwarzes Loch öffnete und die Mechadinos sowie ihren Worm in sich hineinzog. Einzig der Spinosarus widerstand dem und wurde Zeuge, wie drei rote Blitze aus dem Sog entkamen, ehe dieser sich schloss.
      „Damit aktiviert sich der zweite Effekt von [Dinomist Charge]“, erklärte Gregory und streckte die Hand zu dem offenen Zauber aus, „ich erhalte ein zerstörtes Dinomist-Monster zurück auf die Hand. Entschieden habe ich mich für [Dinomist Plesios].“
      Jenen zeigte er vor. „Durch den Effekt von [Dinomist Rush] berühren [Dinomist Spinos] andere Karteneffekte nicht. Aber er wird während dem Ende des Zuges zerstört. Also jetzt.“
      „Huh!?“, machte Zoey völlig perplex, als der riesige Dino explodierte und einen roten Lichtblitz von sich gab. Damit kontrollieren beide kein einziges Monster mehr. Das Mädchen fing vorsichtig an zu lachen. „O-oh Junge, was ist denn mit dir los!? Killst all deine Blechbüchsen, nur weil mein [Worm Solid] zu hohe Verteidigungspunkte hat?“
      „Die Schwachen werden vernichtet“, war seine Antwort darauf.
      Und Zoey konnte sich ihrerseits einen Kommentar dazu nicht verkneifen. „Darauf kannste Gift nehmen, Opa!“

      „Draw!“, rief sie entschlossen aus und zog mit Schwung eine neue Karte.
      Selbst einige der Kadetten waren irritiert von Gregorys Zug und sahen sich untereinander ratlos an, wohingegen andere fest davon überzeugt waren, dass er einen Plan damit verfolgte.
      So auch Zoey, die sich auf die verdeckt liegende Karte ihres Gegners fixiert hatte. Als ob sie so dumm war, auf ein billiges Ablenkungsmanöver reinzufallen!
      „'kay, es ist Zeit, dass die Fusion stattfindet!“, rief sie schließlich aus und streckte den Arm weit in die Höhe.
      Über ihr öffnete sich ein weiß-blauer Strudel und stieß eine weiße, schleimige Masse aus, aus der dünne Stränge in den Linoleumboden schossen. Vier dieser Stützen hielten einen riesigen Kokon über Zoey, der fast wie ein Mond wirkte.

      Worm Zero [ATK/? → 10000 DEF/0 (10)]

      „[Worm Zero] erhält für jede Spezies, die für seine Fusion verwendet wurde, 500 Angriffspunkte. Bei zwanzig macht das 10000 Angriffspunkte“, erklärte Zoey fast nebensächlich. „Und er hat auch noch diverse Effekte im Angebot. Einer lässt mich eine Karte ziehen. Und ein weiterer einen Worm vom Friedhof verdeckt reanimieren!“
      Erst riss sie eine Karte vom Deck, dann schwang sie den Arm aus. „Komm zurück, [Worm Victory]!“
      Kurz zeigte sich eine sechsarmige, fast humanoide Gestalt roter Farbe. Ihre Haut war mit Schuppen bedeckt, das Maul ein Schlund, bespickt von zahllosen, spitzen Zähnen. Doch sie verschwand schnell unter dem vergrößerten Rücken einer Karte.

      Worm Victory [ATK/0 DEF/2500 (7)]

      „Zwei Karten verdeckt!“, schnarrte sie und ließ jene vor sich erscheinen.
      Sehr gut. Selbst wenn er ihrem [Worm Zero] etwas entgegen zu setzen hatte, war sie vorbereitet. Er würde eine böse Überraschung erleben, sobald er erst [Worm Victory] kennenlernte!
      Energisch streckte die Blonde ihre Hand aus. „Los, [Worm Zero], zeig' ihm, wer die überlegene Spezies ist! Zero Dissolver!“
      Der Kokon über Zoey öffnete sich und präsentierte zahllose, regelrecht zufällig verteilte Zähne und einen schier endlosen Schlund, aus dem grüne, flimmernde Säure schoss. Gregory schien wenig beeindruckt, sah er nahenden Flüssigkeit regungslos entgegen. Zoeys Herz machte bereits einen vorsichtigen Hüpfer, als er im letzten Moment ausrief: „Ich wirke dem mit einer Falle entgegen.“
      Jene sprang vor ihm auf. Schlagartig bildete sich vor ihm eine hellblaue, flüssige Barriere.
      „Mist“, fluchte sie leise.
      „[Drowning Mirror Force]“, nannte der Glatzkopf sie, als die Säure auf den gebogenen Schutzschirm prallte. „Bei einem direkten Angriff werden alle Monster in Angriffsposition, die der angreifende Spieler kontrolliert, zurück ins Deck geschickt.“
      Nebel entstand, als die Säure von [Worm Zero] erfolglos versuchte, die Barriere zu durchbrechen. Immer stärkere Wellen bildeten sich dabei auf jener, bis sie den Angriff schlagartig zurückschleuderte. Zoey sah überrascht zu ihrem Kokon hinauf, der von seinem eigenen Angriff getroffen wurde und sich aufzulösen begann.
      Dann richtete sie sich an Gregory. „'kay, jetzt kapiere ich es. Du hast all deine Dinos gekillt, um diese Falle aktivieren zu können. Sonst wärst du drauf gegangen. Gar nicht so dumm.“
      Für einen Moment glaubte sie, einen Mundwinkel von ihm zucken zu sehen. Konnte aber auch genauso gut Einbildung gewesen sein. Was auch immer.
      „Du bist dran“, sagte sie schließlich.

      Gregory betrachtete seine leuchtende Duel Disk und zog dann. Ein Funkeln in seinen Augen ließ Zoey nichts Gutes ahnen. Aber sie war vorbereitet!
      Plötzlich zeigte er seine beiden Handkarten vor. „Ich aktiviere [Dinomist Pteran] mit dem Pendelbereich 3 und [Dinomist Plesios] mit dem Pendelbereich 6! Pendulum Scales set!“
      „W-warte mal, Pendel!?“, stotterte Zoey völlig überrumpelt.
      Neben dem Mann schossen zwei hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden. In der linken befand sich ein orangefarbener Flugsaurier mit Düsenantrieben unter den Flügeln, die andere ließ den blauen Plesiosaurus empor steigen.

      <3> Gregorys Pendelbereich <6>

      „Ich beschwöre aus meinem Extradeck: [Dinomist Brachion], [Dinomist Ceratops] und [Dinomist Spinos]!“, wurde Gregory schlagartig lauter. „Pendulum Summon!“
      Zwischen seinen beiden Mechadinos in der Luft öffnete sich das von zahlreichen Lichtellipsen umgebene Pendelportal. Drei rote Lichtstrahlen schossen daraus herab und schlugen vor ihm ein, wurden zu dem Panzerbrachio, dem Ceratops sowie dem roten Spinosaurus.

      Dinomist Brachion [ATK/2000 DEF/800 (5) PSC: <6/6>]
      Dinomist Ceratops [ATK/2100 DEF/400 (5) PSC: <3/3>]
      Dinomist Spinos [ATK/2500 DEF/1800 (5) PSC: <3/3>]

      Zoey klatschte sich die Hand gegen die Stirn. „Scheiße! Die sind alle Pendelmonster!? Warum habe ich nicht darauf geachtet!? Kch!“
      Er spielte also ein ziemlich neues Deck. Zoey meinte sich zu erinnern, dass das Set dazu erst vor wenigen Tagen veröffentlicht worden war. Aber damit kam sie klar! Seine Monster hatten ja nicht einmal genug Angriffskraft, um [Worm Victory] zu überwinden!
      „[Dinomist Spinos] aktiviert seinen Effekt. Die Schwachen fallen den Starken zum Opfer“, sagte der Mann und streckte die Hand nach dem Brachiosaurus aus. „Indem [Dinomist Brachion] geopfert wird, erhält [Dinomist Spinos] wahlweise die Fähigkeit, in diesem Zug zweimal anzugreifen oder aber nur einmal, dafür jedoch direkt.“
      Erschrockene Ausrufe kamen aus den Reihen der CLEAR-Kadetten. Auch Zoey weitete die Augen, als Gregory verkündete: „Natürlich Letzteres.“
      Sofort löste sich der violette Dinopanzer in elektrischen Funken auf, die Spinos mit seinem Röhrenkamm absorbierte. Ein letzter roter Lichtstrahl ging von Brachion aus, doch er verschwand nicht etwa in einem Pendelportal, sondern zischte auf Gregorys Duel Disk zu. „Der Effekt von [Dinomist Charge] gibt einmal pro Zug ein Dinomist-Monster auf meine Hand zurück, wenn es eigentlich ins Extradeck gelegt werden sollte.“
      „Also das ist vorhin wirklich passiert.“ Zoey biss sich auf die Unterlippe. Wieso war ihr das nicht aufgefallen!? Aber ihre Unsicherheit verwandelte sich prompt in Hochmut. „Glaub nicht, dass du schon gewonnen hast.“
      „Wir werden sehen“, erwiderte ihr Gegner und schwang den Arm aus. „Wie angekündigt greift dich [Dinomist Spinos] direkt an. Zeige deinen Überlebenswillen, Mädchen!“
      Der riesige Mechadino stampfte auf sie zu, doch Zoey streckte die Hand zu ihren verdeckten Karten aus. „Vergiss es, Freundchen! Ich aktiviere [Enemy Controller] und wechsle deine Blechbüchse in den Verteidigungsmodus!“
      Der Schnellzauber sprang vor ihr auf und brachte einen Spielkonsolen-Controller hervor, der automatische seine Seiten- und Kopftasten betätigte.
      „Vergebens“, donnerte Greg da und nicht wenige Zuschauer schnappten nach Luft, „der Effekt jedes Dinomist-Monsters mit dem Pendelbereich 6 ermöglicht es, dass es sich in der Pendelzone selbst zerstört, um das Anzielen eines Effekts zu verhindern. Die Schwachen dienen den Starken!“
      Da explodierte [Dinomist Plesios] schon zusammen mit Zoeys Controller. Vor ihr ankommen, machte Spinos eine Drehung und holte mit seinem Schweif aus.
      „Dann friss das!“, schrie das Mädchen und aktivierte durch das Antippen an ihrer Duel Disk die zweite verdeckte Karte. „Falle, [Widespread Ruin]!“
      Jene klappte vor ihr auf. Unter den Füßen des Dinos materialisierte sich eine kreisrunde, piepende Mine. „Damit wird bei einem Angriff dein stärkstes Monster zerstört.“
      „Ebenfalls zwecklos! Der Effekt jedes Dinomist-Monsters mit dem Pendelbereich 3 lässt es sich in der Pendelzone selbst zerstören, um die Zerstörung der Vorderfront zu verhindern!“
      „Was!?“, keuchte Zoey fassungslos, als auch der Pteranodon in der verbliebenen Lichtsäule explodierte und ihre Mine sich einfach auflöste.
      Dann sah sie ihn schon von links auf sich zu schnellen, den langen Schweif von [Dinomist Spinos]. Würde er sie verletzen? Die spielten hier mit harten Bandagen! Wenn er sie traf, würde sie sich alle Knochen brechen. Zoey schloss die Augen und hob noch die Arme über Kreuz zum Schutz. Dann kam der Treffer.

      [Zoey: 1000LP → 0LP / Gregory: 2800LP]

      Nichts. Der Angriff ging durch sie hindurch wie Butter, sie spürte keinerlei Schmerzen. Als sie die Augen öffnete, überkam sie jedoch ein heftiger Schwindel. So stark, dass sie sich die Hand vor den Mund halten musste. Sie sackte auf die Knie.
      Keiner wagte es, etwas zu sagen. Und sie spürte den eisigen Blick ihres Ausbilders auf ihr ruhen. Der Schweiß brach ihr aus. Wie lächerlich …
      Aber Zoey Bauer war keine, die sich von einer Niederlage entmutigen ließ. Entsprechend richtete sie sich schnell wieder auf, auch wenn sich dabei alles drehte. „Da hab ich den Mund wohl zu voll genommen, was? Haha …“
      „Du bist noch nicht soweit“, kam eine frostige Antwort.
      „Sorry, aber das ist Bullshit. Ich kann mich wehren, ich kann rennen, ich bin nicht dumm“, widersprach Zoey selbstsicher, „und ich kann mich duellieren. Los, wie wär's mit 'ner zweiten Runde? Nochmal passieren mir diese dummen Fehler nicht!“
      Gregory sah sie nachforschend an. Dann schloss er die Augen. „In der Realität gibt es keine zweite Chance. Wenn du versagst, bringst du nicht nur dich zu Fall, sondern möglicherweise CLEAR als Ganzes. Das sollten ihr euch -alle- merken!“
      Einige der Anwärter schreckten zurück.
      „Also ich stehe noch“, zischte Zoey provokativ, „und das wird auch so bleiben! Wenn dir das nicht passt, stell dich mir ruhig in den Weg, Opa! Und lass dich überraschen, was dann passiert …“
      „Vorlaute Göre“, schalt er sie unbeeindruckt. Dann trat er auf sie zu. Zoey wich nicht zurück, sondern straffte sich. Sie machte sich bereit, ihn notfalls sogar zu schlagen, ballte die Fäuste, wollte ihm am liebsten anbieten, dass er zuerst zulangen durfte.
      Aber etwas ganz anderes geschah. Er fasste in die Tasche an seiner Uniform und zog daraus eine ID-Karte hervor. „Aber du bist eine Kämpferin. Mit Potential, dem nur dein Deck im Weg steht. Hier. Damit kannst du den Aufzug benutzen. Fahre hoch in die letzte Etage und sprich mit Kathea, sie wird dir helfen.“
      Völlig überrumpelt nahm Zoey die Keycard entgegen.
      „Und was steht -ihr- so dumm 'rum!?“, brüllte Gregory da schon die anderen Kadetten an. „Macht weiter mit eurem Training!“

      Damit zog er ohne weitere Worte von dannen. Die Traube löste sich wie eine Schar aufgescheuchter Hühner auf und verteilte sich wieder an die diversen Sportgeräte und über die Duellfelder.
      Nur eine Kadettin war verblieben und schlich sich von hinten an die abwesende Zoey herab. Welche leise erschrak, als ihr die Hand auf die Schulter geklatscht wurde. Kunigundes Gesicht schob sich über ihre Schulter in das Blickfeld des Mädchens. „Gut gemacht. Du hast Kapitän Haigh beeindruckt!“
      „D-du“, stellte die Blonde erschrocken fest.
      „Er hat was übrig für Dickschädel. Oder kleine Mädchen. Wer weiß“, schnurrte ihre ungewollt gewonnene Freundin und legte ihren Kopf auf Zoeys anderer Schulter ab, „jedenfalls bist du jetzt einige Schritte weiter als zuvor. Glückwunsch.“
      „D-danke. Vielleicht komme ich dann endlich aus diesem Laden raus!“
      „Möglich. Aber sicher nicht sofort. Ich bin schon mit dem Training durch und mich haben sie auch noch nicht eingesetzt“, trällerte das riesige, schwarzhaarige Mädchen und ließ letztlich von Zoey ab.
      Sie umrundete sie tänzelnd und salutierte vor ihr. Warum auch immer. „Abmarsch, Mädchen! Die Chefin wartet auf dich.“
      „Ja …“
      „Oh, übrigens“, meinte Kunigunde abschließend und beugte sich so dicht an Zoeys Gesicht heran, dass sich ihre Nasen fast berührten. Dabei hauchte sie bitterböse: „ich habe deine Rekorde gebrochen, als du dich mit dem Kapitän duelliert hast. Aber ich verrate es keinem, weil wir Freundinnen sind.“
      Verschreckt wich die Blonde zurück. Ihr Gegenüber grinste so glücklich, dass es beinahe beängstigend war. Um nicht bei der anzuecken, nickte Zoey. „Danke …“
      „Gern geschehen! Und jetzt husch“, machte die Schwarzhaarige mit einer verscheuchenden Handbewegung.
      Was sich Zoey nicht zweimal sagen ließ. Sie eilte zum Ausgang mit der Erkenntnis, dass hier anscheinend wirklich -alle- irgendwie einen an der Klatsche hatten.


      Turn 104 – Advocate
      Beim Treffen mit Kathea erlebt Zoey so einige Überraschungen. Gleichzeitig erreicht das Duell zwischen dem Sammler und der Weißen Hexe Gardenia seinen Höhepunkt. Letztere schafft es durch die Beschwörung eines unheimlich mächtigen Monsters den Sammler derart unter Druck zu setzen, dass …


      Verwendete Karten

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      Collector

      Shaddoll Hedgehog
      Shaddoll Dragon
      Shaddoll Beast
      Shaddoll Falco

      El Shaddoll Fusion
      Nephe Shaddoll Fusion
      Curse Of The Shadow Prison

      El Shaddoll Construct
      El Shaddoll Grysta
      El Shaddoll Wendigo

      Gardenia

      Infernoid Pirmais
      Infernoid Piaty
      Infernoid Sjette

      Void Expansion
      Void Seer
      That Grass Looks Greener

      Zoey

      Worm Solid
      Worm Victory
      Worm Xex
      Worm Yagan
      19 weitere Worm-Monster

      Future Fusion
      Mystical Space Typhoon
      Enemy Controller

      Widespread Ruin

      Worm Zero

      Gregory

      Dinomist Plesios
      Dinomist Pteran
      Dinomist Brachion
      Dinomist Ceratops
      Dinomist Spinos

      Dinomist Charge
      Dinomic Powerload
      Dark Hole

      Dinomist Rush
      Drowning Mirror Force


      Ich hoffe es hat gefallen. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.

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      Langsam aber sicher schärft sich das Bild von Zoeys Schicksal innerhalb von CLEAR ein wenig. Sie ist generell unangepasst, aber auch willensstark genug, um einiges erreichen zu können. Aber die zweckdienlichen moralischen Perversionen der Organisation scheinen auch für sie zu viel zu sein, auch wenn sie wenig Gedanken an andere Menschen verschwendet, die sie nicht kennt. Man sieht das finde ich ganz gut dem Gespräch mit Kathea und ihrem Verhalten gegenüber Kunigunde, bei der schnell klar wurde, dass sie kein gewöhnlicher Mensch (mehr?) ist, und zwar mit einem eindeutig unheilvollen Beigeschmack. Jeder Cyborg wäre deutlich vertrauenswürdiger. Mal sehen ob die Gunst, die sie im Duell erworben hat wirklich etwas bewirkt, was ihr gefällt. Für mich als Leser aber auch spannend, dass an Hand einer der Figuren CLEAR näher erforscht wird. Zu Schade, dass Zoey nichts von Ethnographie versteht X/

      Mit Bezug auf Anya und Kali-Anya ist das Duellgespräch von Gardenia und dem Sammler aufschlussreich. Dass nämlich die Seele nicht dupliziert werden kann, hatte ich (natürlich nur sinngemäß) schon in der letzten Folge irgendwie im Hinterkopf. Möglicherweise gibt es eine Korrelation zur Erzählform von TLA, kurz gesagt besteht diese meiner Theorie nach darin, dass die Erzählperspektive auf Kali-Anya hätte übergehen müssen, wenn die Sache mit der Echtheit so wäre, wie bisher angenommen wurde. In jedem Fall hätte es eine Beeinträchtigung geben müssen, wenn Anya plötzlich keine Seele mehr gehabt hätte, aber im Dialog wird das sogar noch weiter geführt, im Sinne das eine andere Seele in einer der beiden Anyas wohnen müsste und den im Körper gespeicherten Informationen folgt. Ich dachte zuerst an Levrier, aber auf den zweiten Blick wirkt das dann wieder völlig unsinnig. Im Zusammenhang mit transferierten Seelen muss ich natürlich unweigerlich an Zanthes Bruder denken, aber wenn er gemeint ist, dann weiß ich doch nicht wirklich warum.

      Orions "Begegnung" mit Velvet ist dabei fast so peinlich wie komisch. Fast :D

      Jetzt heißt es aber erst mal das Duell zwischen Gardenia und dem Sammler abwarten. Was passiert eigentlich mit dem, der dann verliert? Ich würde sagen, wenn der Sammler gewinnt, schuldet Gardenia ihm einen Gefallen, aber was ist in umgekehrten Fall?