Yu-Gi-Oh! The Last Asylum

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      Noch zur letzten Folge: Dann wird die Szene mit dem Sammler noch aufgeklärt.

      Was CLEAR angeht kann das mit den Bossen gut sein, nur dass ich mir bei ihrem ersten Auftreten noch nicht viel gemerkt habe. Dass du dir ihren Obersten noch aufsparst hat eine gewisse Logik. Wäre witzig, wenn er einen besonders ausgefallen Charakter hätte, also im Sinne von irrsinnig oder gar verspielt. Wobei das zu CLEAR nicht wirklich passen würde. Ob er so kontrovers wird, wie der Sammler selbst ist, kann ich mir noch nicht vorstellen, was aber nichts heißen muss.

      Dass du diese Jahr kaum etwas geschrieben hast, ist sicher kein Grund zur Freude, aber so wie ich dich verstehe mangelt es nicht an Ideen oder dem Willen, weiterzumachen. Das ist das wichtigste für mich. Außerdem scheinst du ja sehr gut vorgesorgt zu haben, wenn du fast die Hälfte des Jahres noch jeden Monat eine Folge zum veröffentlichen hattest. Dass du unzufrieden bist kann ich nachvollziehen. Aber ich wüsste auch nicht, wie man die Resonanz steigern könnte. Ich hab TLA diversen Freunden bereits empfohlen, aber ohne was zum Anbeißen sich zum Einsteigen zu entscheiden scheint wenig wahrscheinlich. Ich denke wenn sie es sich einfach mal ansehen würden, ständen die Chancen gut, dass sie dabei bleiben würden. Aber genau diese Hemmschwelle ist das Problem. Keine Ahnung wie man das lösen könnte.

      8 Jahre TLA... und die Anfangszeit deiner ersten FF hier liegt doch sogar noch deutlich länger zurück (wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt), sodass es buchstäblich eine andere Zeit war. Damals waren noch so viele andere aktiv und es liefen noch mehrere FFs...selbst diese kurze gedankliche Rückschau ist Nostalgie pur. Hast du noch irgendwie Kontakt zu welchen von damals die jetzt länger nicht mehr hier waren? Mich würde es einfach freuen zu hören... irgendwie. Ich glaube den Gedanken, dass die Vergangenheit wirklich ohne einen Überrest vorbei sein könnte, und sei es nur teilweise, hab ich schon immer gehasst. Das ist vielleicht -auch- ein Grund gern Autor zu sein, oder? Lieb gewonnene Dinge zu verewigen und zu würdigen (so gesehen müsste ich unbedingt anfangen mal so richtig zu schreiben X/ ). Nach allem erinnere ich mich noch entfernt an die Namen mancher wichtiger User, und Kyon zu vergessen ist ja schon "technisch" unmöglich ^.^

      In dem Zusammenhang kann ich die Wertschätzung nur zurück geben. Ich bin froh das erlebt zu haben und jetzt die (mehr oder weniger direkte) Fortsetzung von all dem zu erleben, sprich TLA weiterlesen zu können. Es ist sehr weit damit gekommen.


      Zur Folge:

      Der wahre Feind bleibt ominös. Bin gespannt wie und ob er seinen Weg in konkretere Zusammenhänge findet.

      Die Undying haben eine Verbindung zum Sammler? Liegt wahrscheinlich in den Grundfesten des TLA Universums (ich wollte zunächst ganz einfach "Welt" schreiben, bis mir auffiel, wie falsch das ist)...oder vielleicht haben sie ja auch eine Schuld bei ihm...? Der Gedanke ist frappierend einfach und dennoch beunruhigend.

      Nicks Versuche mächtiger zu werden verlaufen also teilweise im Sande (hehe). Aber wohin wird das führen? Er will um jeden Preis mehr Macht und es ist im Prinzip nur die Frage -wie- er sie letztendlich bekommt und ob es seinen Zweck erfüllt. Und wie sehr er dabei pervertiert wird. Und was es gegen den Sammler letztendlich bringt. Mir sagt mein Gefühl das Macht zu konzentrieren ganz allein selten alle Probleme löst. So wie bei fast allem anderen auch. Die Undying zum Beispiel haben die ewige Ordnung, die ihre Existenz bedingt und rechtfertigt. Was hat Nick außer seinen blanken Willen zur Macht? Egal was auch geschieht, dieses Problem sehe ich ihn nicht lösen.

      Zum Duell: Matt steckt total in seiner innerliche Sackgasse, und Anya beweist, wie so oft wenn es kein zurück gibt, ihr gutes Herz, das in dem Klumpen steckt, über dessen Verderbtheit schon so mancher Witz gerissen wurde...und das sicher nicht zu Unrecht. Anyas Sinn für das Gute hat wirklich schon dialektische Ausmaße :D
      Der Exciton Ritter hat eine prominente Stellung grundsätzlich sicherlich verdient, so wie du sie ihm eingeräumt hast. Dass Anya die ganze Zeit noch ihre Pendelbeschwörung in der Hinterhand hatte habe ich mir sogar gedacht. Hab mich ständig irgendwie gefragt, wo die eigentlich bleibt. Und Thoras ist ja mal sowas von witzig. Genau wie auch in dem Special, in dem er eingeführt wurde :D
      Auch von wegen Kartentexte lesen. In der Situation Humor einzubauen ist gewagt, aber es gefällt absolut.

      Zu der Vorschau: jetzt kann sich endlich zeigen, ob meine Theorie zu Kali stimmt. Oh man, gleich noch jemand, der Rache an Anya will. Der Gedanke, dass die Vergangenheit auf diese Art nicht zur Ruhe kommt, ist im Vergleich zu Nostalgie weitaus weniger schön. Und das ist ja mal sowas von untertrieben.

      PS.: Ich feiere die explizite Erwähnung des Geruchs frischer Karten in TLA. Das kann man in seiner Wirkung bei aller Unscheinbarkeit gar nicht überschätzen :saint:


      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mcto ()

      So, da wären wir nun.
      Heute feiert die 100. Folge ihren Start. Inzwischen sind acht Jahre vergangen, seit ich mit TLA angefangen habe.
      Und ich kann sagen: Ich habe sehr lange auf das, was sich in den nächsten Folgen auftut, warten müssen, genau wie ihr.

      Um aber nichts vorweg zu nehmen, sage ich einfach: Vielen Dank an alle Leser.

      @MelleMel
      Vielen Dank für deinen Post.
      Kyon ist, wie Levrier, ein Gründer aber dazu auch ein vollwertiger Immaterieller. Dennoch hat sein "Trick" einen hohen Preis. Indirekt hat das, was er gesagt hat, auch mit dem Vierer-Duell (und weiteren) zu tun. Aber eh das aufgelöst wird, dauert es leider noch eine ganze Weile.

      Ja, wenn sie gegen Stoltz in den Krieg ziehen, kann das ungeahnte Konsequenzen haben. Aber dazu müssen sie erstmal aus ihrer aktuellen Lage entkommen. :)

      An dieser Stelle möchte ich auch betonen, dass deine Anwesenheit mich ein wenig aus meinem Stimmungstief befreit hat. Also nochmal ein extra Danke!

      @Mcto
      Auch dir herzlichen Dank.

      Ich finde es sehr aufbauend, dass du dir auch Gedanken um meine Geschichte machst. Das motiviert natürlich, doch mal weiterzukommen und ich bin tatsächlich inzwischen wieder etwas weitergekommen. Noch nicht viel, aber es wird. :)

      Fanfics sind eine sehr spezielle Angelegenheit. Sie sind keine Animes, Mangas oder Bücher und Lesen ist ohnehin nicht jedermanns Sache. Dass du deine Freunde/Bekannten drauf ansprichst ist sehr nett, aber anscheinend ist es nicht ihr Ding.
      Kann ich verstehen, mir gehts auch nicht um die fehlende Resonanz von Fremden, sondern der Leute, von denen ich -weiß-, dass sie hier reinschauen.
      Sollten deine Leute (oder jeder andere) doch Interesse haben, aber vielleicht mit der angebotenen Form nicht zufrieden sein, kann ich von den alten Folgen auch gerne PDFs erstellen und diese hier reinsetzen.
      Aber wie gesagt, man kann niemanden zwingen und unabhängig davon, wer und wie viele jetzt hier ihren Senf dazu geben und sich mit mir austauschen, werde ich die Geschichte trotzdem zu einem Ende bringen.

      Um auf deine Frage zu antworten: Ich habe leider keinen Kontakt mehr zu den anderen, mit Ausnahme von meinem Betaleser Evil Bakura. Kyon habe ich vor circa 3 Jahren das letzte Mal gelesen, aber das ist dann irgendwie eingeschlafen – woran ich schuld bin, glaub ich.
      Trotzdem habe ich jedem von ihnen – wie schon in den alten Fanfics – eine Figur gewidmet. Wer weiß, vielleicht sehen sie es ja doch eines Tages.
      Damals war eine schöne Zeit. In der Hinsicht hast du schon Recht, mit dem Schreiben setze ich der Vergangenheit ein Denkmal. Es ist kein schöner Gedanke, dass manche Zeiten "vorbei" sind und manchmal erinnere ich mich zurück. Was damals alles so abging ...
      Aber ich schweife ab ...

      Ja, der Sammler und die Undying sind alte Bekannte.

      Was den Overmotz von CLEAR angeht, wird er anders sein als die anderen CLEAR-Bosse. Ich will nichts vorweg nehmen, aber erwarte keinen Sammler 2.0 oder eine Ulknudel.

      Dass du Nicks Streben nach Macht schwarz entgegen siehst, kann ich sehr gut verstehen. Es ist nicht so, dass er bei dem Ganzen kein Ziel hat. Er hat sogar ein sehr Großes. Aber die Herangehensweise wäre normalerweise zum Scheitern verurteilt.
      Andererseits sollte man sich bei Nick weniger Sorgen ums Scheitern, sondern viel mehr ums Gelingen machen ...

      Zu Anya kann man viel sagen. Sie hat ein gutes Herz, auch wenn es lange gebraucht hat, um zum Vorschein zu kommen. Sie hat schon gelernt, sich nicht permanent selbst im Weg zu stehen – aber man sollte nicht die Erwartung an sie stellen, dass sie ein Kaliber wie Abby oder Velvet wird. ^^
      Außerdem tut ein zu weit ausgeprägter Gerechtigkeitssinn auch nicht gut.

      Zum PS: gell? XD

      Nochmal vielen Dank.


      Viel Spaß mit:

      Turn 100 – Face To Face
      Kali wartete nun schon eine ganze Weile. Die Dunkelheit störte sie nicht, wie sie in einem Kellergewölbe an einen Pfeiler gelehnt stand und die Arme verschränkt hielt. Was sie störte war die junge Frau, die weiter voraus auf der Seite lag und -einfach- nicht aufwachen wollte.
      „Tch. Wie lange soll das noch dauern“, murrte die Dämonengöttin in schwarzer Kutte, die seither ihr Gesicht hinter einer weißen Porzellanmaske verbarg.
      Um sie und Anya herum war ein Quadrat mit weißer Kreide gezeichnet. Es endete etwa zwei Meter vor den Füßen des Dämonenjägers Matt, der an dem anderen Pfeiler im Raum angelehnt saß. Die Hände waren ihm auf den Rücken gebunden, sein Oberkörper mit einem einfachen Seil fixiert. Auch er ließ den Kopf hängen und döste scheinbar unbekümmert. Armer Kerl, sie hatte fast Mitleid mit ihm.

      Hatte sie es etwa übertrieben, fragte sich Kali. Wobei sie zugegeben lediglich für den Dornröschenschlaf der dämlichen Ziege verantwortlich war. Matt Summers war durch seinen enormen Kräfteverbrauch zusammengebrochen.
      „Ernsthaft. Wer hätte gedacht, dass er wieder einen Pakt mit einem Immateriellen eingeht? Wirklich bescheuert“, murmelte Kali vor sich hin. Es war überraschend zu sehen gewesen, dass er denselben Fehler wieder begangen hatte. Aber das ging sie im Grunde genommen nichts an.
      Seine einzige Aufgabe bestand darin zuzuhören. Dazu musste er jedoch auch aufwachen.
      Kali sah wieder zu Anya. Dieses Sprichwort, dass Unkraut nicht verging, traf auf sie wahrhaftig zu.
      „Wie kannst du immer noch leben?“, murmelte die Kuttenträgerin unzufrieden.

      Du hast -was- gemacht!?“
      „Das Flugzeug hochgejagt.“ Zachariah zuckte mit den Schultern. „Einfach so.“
      Unangenehm berührt rieb sich der blonde, groß gewachsene Mann den Hinterkopf. Er stand in demselben, weißen Mantel plus Basecap vor Kali, mit dem er auf dem Flughafen von Ephemeria City aufgekreuzt war.
      Beide standen sich im endlosen Weißen Raum von Gardenia gegenüber. Jede golden umrandete Kachel, ob von der Decke oder am Boden, glich all den anderen. Ein Raum, in dem die Zeit anders verlief als in der Außenwelt. Wer hier nur eine Stunde verbrachte, verpasste dort draußen mehr als einen ganzen Tag. Kali begriff bis heute nicht, wie ihre Lehrmeisterin diesen Ort geschaffen hatte.
      Und noch viel weniger begriff sie, wie Anya Bauer von hier hatte entkommen können … und wie dieser Vollidiot Zachariah ein ganzes Flugzeug in die Luft jagen konnte.
      „Bist du dir im Klaren darüber was du angestellt hast!?“, fauchte Kali jenen voller Schrecken an. „Da waren Unschuldige in dem Flugzeug. D-die sind alle tot!“
      „Ich hab's für dich getan, schätz' ich“, murmelte Zach und sah betreten zur Seite, „irgendeiner musste ja mal 'nen Schlussstrich ziehen.“
      „Aber doch nicht so! An deinen Händen klebt Blut!“
      „Und an deinen nicht, wenn du sie umbringst?“, konterte er halbherzig.
      „Das ist etwas anderes!“ Kali wich von ihm zurück. „Zach … du bist zu einem Mörder geworden. W-wieso!? Das ist alles meine Schuld!“
      Der ältere Bruder von Anya Bauer sah sie gleichgültig an. „Damit kann ich leben, wenn diese verdammte Pest endlich das Zeitliche gesegnet hat. Weder du, ich, ja selbst Lady Gardenia konnten sie mit herkömmlichen Mitteln aufhalten.“
      „Ist dir das alles egal!? Die werden dich dafür einbuchten!“, fauchte Kali weiter aufgebracht. „Ich wollte nicht, dass so etwas geschieht!“
      „Dann hättest du besser darauf achten sollen, was du dir wünscht.“
      Mit diesen Worten drehte Zachariah sich um und verschwand einfach. Und Kali stieß kurz darauf einen verzweifelten Wutschrei aus.

      Als sie merkte, wie fest sie ihre rechte Faust ballte, schreckte die Frau auf. Das Gespräch lag bereits einige Tage zurück und dennoch war sie immer noch erschrocken von Zachariahs Skrupellosigkeit. So etwas hätte sie ihm nie zugetraut. Und doch zeigten sich darin die Verbindungen zu Nick Harper alias Eli Bauer. Jemand, vor dem sie sich besonders in Acht nehmen musste. Aber Gardenia hatte ihr versichert, dass er im Moment mit anderen Dingen beschäftigt war.
      Einen Tag. Mehr würde sie nicht brauchen. Danach würde alles in Ordnung kommen.

      „Ugh!“ Anya rollte sich auf den Rücken und fasste sich an den Hinterkopf. „Was zum Geier …“
      Langsam hob sie ihren Oberkörper an und blinzelte. Gerade mal eine Lampe sorgte für ein wenig Licht, sodass ihre Augen sich erst an die dunkle Umgebung gewöhnen mussten.
      „Endlich wach?“, wurde sie da schon von Kali angefahren. „Wurde auch Zeit!“
      Sofort waren all ihre Sinne geschärft. Anya sprang auf und sah sich auf ein paar Metern dem Miststück entgegen, das seelenruhig an einen Pfeiler lehnte.
      „Du warst das! Hmpf! Hätte ich mir denken können.“ Anya rieb sich die schmerzende Stelle an ihrem Kopf noch einmal. „Na, ist das Racheplan #129? Was steht diesmal auf dem Programm?“
      „Das Übliche.“ Demonstrativ hob Kali ihren Arm, an dem die inaktive, eingefahrene V-Duel Disk hing, die Isfanel einst im Turm von Neo Babylon getragen hatte.

      Anya aber beschäftigte längst etwas anderes. Wo war Summers?
      Sie drehte sich um und entdeckte ihn an dem anderen Pfeiler gelehnt sitzen. Gefesselt und bewusstlos. „Shit …“
      Sie wollte zu ihm, doch stieß mitten im Laufen gegen eine unsichtbare Barriere.
      „Das wird nichts. Nur damit du es weißt, wir stecken in einer Domäne, in der Ätherbewegungen stark verlangsamt sind.“ Kali stieß sich ab. „In diesem kleinen Käfig funktionieren keine Zaubertricks wie deine Artefakte. Oder was auch immer du inzwischen sonst noch so drauf hast.“
      „Levrier?“, wirbelte Anya sich zu ihr um.

      Ich bin hier. Aber ich sehe nichts. Anscheinend wirkt sich dieses Feld auch auf mich aus.

      „Immerhin. Dieser Levrier-muss-ins-Gefängnis-und-darf-nicht-über-Los-Trick wird auf Dauer auch etwas langweilig.“ Die Blonde zuckte mit den Schultern. „Also, Kali, war das hier geplant?“
      „Vorbereitet. Dass ihr beide euch bekriegt kam unerwartet, aber gelegen.“
      „Wo ist der Flohpelz?“, wollte Anya mit düsterer Stimmlage wissen.
      Kali lachte. „Spielt draußen irgendwo. Vielleicht mit Zach, vielleicht ohne ihn, wer weiß. Er ist nicht eingeladen und wird uns bestimmt nicht finden, soviel kann ich dir versichern.“
      „Und verrätst du wenigstens, -wo- wir hier sind?“
      „Nein.“
      Anya zog die Stirn kraus. Schade, vielleicht wäre diese Info ja bei -irgendwem- angekommen. Andererseits wusste Kali, mit wem ihr Objekt der rachlustigen Begierde hausierte, entsprechend hatte sie sicher auch Vorkehrungen getroffen, um unliebsame Zuschauer abzuwehren. Wobei es vermutlich eher Gardenia war, die dafür sorgte, denn Kali war eigentlich nur eins: lahm.
      „Wo ist Mutti?“, fragte Anya gallig. „Guckt sie auch zu?“
      „Wenn du Lady Gardenia meinst, nein, sie hat andere Dinge, um die sie sich kümmern muss. Aber genug mit dem Gerede“, raunte Kali zornig und aktivierte ihre Duel Disk, „Duell!“
      „Ja, was auch immer“, zischte Anya abweisend, sah über ihre Schulter und tat es ihr schließlich gleich.

      [Anya: 4000LP / Kali: 4000LP]

      Matt war noch immer bewusstlos. Hoffentlich wachte dieser Trottel bald auf, denn so ungern sie es auch zugab, brauchte sie seine Hilfe. Und die seines Immateriellen. Zumal es verdächtig war, dass Kali Summers bewusst außerhalb des Käfigs platziert hatte. Hieß das, dass es auch keine Möglichkeit gab, in ihn einzudringen? Ähnlich des Weißen Raums?

      „Schluss mit den Tagträumen. Oder willst du gleich aufgeben?“, triezte ihre Erzfeindin sie bitterböse und nahm eine Karte aus ihrem Startblatt. „Ich beginne!“
      Sofort legte sie das Monster auf einen der Flügel ihrer roten V-Duel Disk. „Erscheine, [Celestial Gear – Synthetic Albatross]!“
      In dem Moment geschah etwas, mit dem Anya nicht gerechnet hatte. Der Käfig weitete sich in alle Himmelsrichtungen aus, die Decke schoss meterweit nach oben. Fast so, als wäre der Raum gewachsen – oder sie geschrumpft. Es ergab Sinn, als sie die Lichtpunkte über Kali sah, zwischen denen sich Linien bildeten, die wiederum den Mechavogel mit dem langen, hakenartigen Schnabel zeichneten. Diese Schrotthaufen waren einfach zu groß, um damit ein Duell in einem so engen Umfeld auszutragen. Durch eine rötliche Barriere konnte man teilweise die Zahnräder und Spulen im Inneren des Vogels sehen.

      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]

      „Eine Karte verdeckt, Zug beendet“, zischte Kali gallig und ließ die Falle zu ihren Füßen erscheinen.

      Anya zog eine Karte auf und zeigte sich ebenfalls von ihrer schlechtesten Seite. „Wieder dieser alte Kram? Fällt dir nichts Neues ein?“
      Ihre Widersacherin verschränkte schweigend die Arme. Hinter ihrer Maske musste sie sich so sicher fühlen, dachte die Blonde zornig. Die blöde Schnepfe sollte bloß nicht so überheblich sein, das hat ihr letztes Mal schon beinahe wortwörtlich das Genick gebrochen.
      Trotzdem wusste Anya auch, dass sie die Celestial Gears auf keinen Fall unterschätzen durfte. Sei es, weil sie via Rückbeschwörung stärker als zuvor wiederkehren konnten oder weil sie sämtliche Beschwörungsarten abdeckten. Alle bis auf eine …
      Grinsend nahm das Mädchen zwei ihrer Handkarten aus dem Blatt. „Ich aktiviere [Gem-Knight Tiger's Eye] mit dem Pendelbereich 2 und [Gem-Tiger] mit dem Pendelbereich 8! Pendulum Scales set!“
      Links und rechts neben dem Mädchen schossen zwei hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden. In einer befand sich ein Ritter in schwarz-gelb-gestreifter Rüstung, welcher eine Peitsche schwang und dessen dreieckiger Helm Ähnlichkeit mit einem Tigerkopf hatte. Auf der anderen Seite stieg ein ebensolches Tier von weißer Farbe empor, dessen Rückgrat mit Diamanten besetzt war.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>

      „Heh“, grinste Anya finster, „mal sehen, was du dazu sagst! Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihr öffnete sich das bunte Pendelportal, wie jeher umgeben von unzähligen Lichtellipsen. „Von meiner Hand die Gem-Knights Garnet, Tourmaline, Sapphire und Crystal! Pendulum Summon!“
      Nacheinander schossen vier rote Lichtstrahlen aus dem Boden und schlugen vor ihr ein. Es erhoben sich ein Ritter in bronzener Rüstung, der mit Flammen spielte, ein goldener, der elektrische Ladungen zwischen seinen Händen austauschte, ein hellblauer in Hocke, der vor sich eine Eisbarriere erschuf sowie nicht zuletzt ein weißer Held, der seine Hände in die Hüften stemmte. An seinen Schultern befanden sich die namensgebenden Kristalle.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]
      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]
      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Kali schnalzte mit der Zunge. „Die Basisritter, alle auf einem Haufen. Nett … beinahe.“
      „Mehr als genug, um dich mit einem One Turn-Kill umhauen“, konterte Anya grimmig, „und denk erst gar nicht dran, der Effekt deines Albatross' könne dich schützen. Ich weiß, dass du keinen Kampfschaden erleidest, wenn ein Monster mit ihm kämpft.“
      Aber das war kein Problem, selbst damit würde sie sich nicht verteidigen können. Ohne verbliebene Handkarten streckte Anya den Arm aus. „Los Tourmaline, Zeit für eine schockierende Wendung!“
      Der goldene Ritter streckte seine Hände weit auseinander und ließ einen Bogen aus Blitzen zwischen ihnen erscheinen, welchen er dann wieder zusammenpresste und in Form einer ganzen Salve aus Blitzkugeln auf den Mechavogel schleuderte. Jener wurde getroffen und explodierte lautstark über Kali. Trümmer fielen hinab, wobei jene sich kurz über ihr zu einer einzelnen Karte zusammenzogen, die sich die Maskierte schnappte. „Teh. Du kennst das inzwischen. Celestial Gears kehren einmalig in mein Blatt zurück, wenn sie zerstört werden.“
      „Als ob dir das jetzt noch irgendwie hilft!“, keifte Anya und schwang den ausgestreckten Arm aus. Das hier war schneller vorbei als es angefangen hatte. „Vereint eure Kräfte, Garnet und Crystal! Clear Burning Punishment!“
      Crystal schlug seine Faust in den Boden, wodurch sich eine Schneise bildete. In jene spie der Granatritter mit seinen Händen eine dünne Flamme. Der Spalt brach flammend auf und zischte auf Kali zu, wobei immer mehr spitze, kristallene Dornen aus ihm schossen.
      „Als ob! Falle, [Scrap Gear]!“ Die purpurn umrandete Karte mit einem Unendlichkeitssymbol in der rechten, oberen Ecke fuhr vor ihr hoch. Das darauf abgebildete, halb verrostete und stark beschädigte Zahnrad schoss aus der Karte und bildete eine unüberwindbare Mauer vor der Kuttenträgerin, welche den kombinierten Angriff mühelos abfing.
      Anya reckte den Kopf zur Seite. „Tch! Wäre ja auch zu schön gewesen.“
      „Denk nicht, dass du nochmal so leichtes Spiel mit mir haben wirst! [Scrap Gear] schützt mich vor sämtlichen Schäden, die du mir zufügen willst, solange ich ein bereits zerstörtes Celestial Gear auf meiner Hand halte“, demonstrativ und böse kichernd zeigte Kali die Karte ihres [Celestial Gear – Synthetic Albatross] vor. „Allerdings wird die Falle nach drei Runden automatisch zerstört.“
      „Was auch immer. Zug beendet“, schnarrte Anya verstimmt.

      „Urgh. Uh.“
      Anya wirbelte erstaunt um, als sie das Stöhnen hinter sich vernahm. Dabei spürte sie ein Ziehen an ihrem Bein, was sie jedoch in dem Moment ignorierte. Der festgebundene Dämonenjäger regte sich, hob langsam den Kopf an und öffnete die Augen. „Au. Huh?“
      „Summers!“, rief Anya seinen Nachnamen und sah auf. „Na endlich!“
      „W-was ist …?“ Er sah an sich herab und stieß einen Schrei aus. „Ah! Verdammt! Wieso bin ich festgebunden!?“
      „Guten Morgen, Dornröschen“, ätzte seine Freundin mürrisch.
      „Sag' nicht! Du traust mir nicht?“ Der Schwarzhaarige sah sie verständnislos an. „Du denkst wohl, ich bin immer noch-!“
      Zu seinem Erstaunen schüttelte Anya den Kopf. „Das war nicht ich, Schwachkopf. Die da hat dich festgebunden!“
      Sein Blick folgte dem ausgestreckten Finger und landete bei der maskierten Kuttenträgerin, die schweigend auf der anderen Seite des unsichtbaren Käfigs stand. Erst jetzt fiel Matt auf, dass Anyas rechter Fuß angekettet war. „Moment! Ist das Kali!?“
      „Bingo! Würdest du dich jetzt gefälligst befreien? Mit deinem Immateriellen sollte das doch kein Problem sein, oder?“ Aber als das Mädchen seinen irritierten Blick bemerkte, sah es an sich hinab – von ihrem Fuß hing eine Eisenkette hinab, die im Boden verschwand. Sie wandte sich wenig beeindruckt an Kali. „Ernsthaft? Ist das noch so'n Trick?“
      Die nickte. „Du wirst nicht nochmal abhauen.“
      Anya schüttelte den Kopf, sah über die Schulter. „Sicher, was auch immer. Summers, hör auf zu trödeln!“
      „Hör auf, mich herumzukommandieren …“ Trotzdem begann der sofort damit, sich hin und her zu bewegen, als wolle er die Seile einfach absprengen.
      „Das würde ich an deiner Stelle erstmal lassen“, fuhr die selbsternannte Dämonengöttin dazwischen. „Nicht, dass es etwas ändert, wenn du dich befreien würdest. Aber ich möchte, dass du hier bleibst.“
      Anya wirbelte zu ihrer geschworenen Feindin um. „Er hat damit nichts zu tun!“
      „Und ob er das hat.“
      „Ich verstehe nicht“, murmelte Matt zögerlich und ließ von seinem Versuch, die Fesseln zu lösen, wieder ab. „Wir sind uns noch nie persönlich begegnet, Kali.“

      Die zog es vor, gar nichts mehr zu sagen, sondern lediglich geheimnisvoll zu zischen. Der Dämonenjäger überlegte, ob er nicht doch versuchen sollte, sich loszureißen. Doch er spürte etwas, eine zweite Barriere die diesen Ort umgab. Sie war mächtig genug um als Bannkreis durchzugehen. Zweifellos wollte Kali mit aller Macht verhindern, dass Anya von hier entkam – oder jemand anderes in ihre Domäne eindrang.
      Aber was hatte er dann hier verloren?

      Na na, wer denkt denn ans Weglaufen? Sei doch froh, dass du hierfür keinen Eintritt zahlen musst!

      Matt verzog seine Augen zu Schlitzen, als er Thoras' Stimme in seinem Kopf vernahm. „Das ist kein Spiel! Die wollen sich umbringen!“

      Ja! Lustig! Wieso filmst du sie nicht dabei? Bestimmt sind sie darin besser als -du-!

      „Halt die Klappe!“, raunte der junge Mann sauer. „Wegen dir sind wir erst in diese Lage geraten! Hättest du mich nicht warnen können, dass jemand wie Kali in der Nähe ist?“

      Wie hätte ich das machen sollen? Die Kleine hat euch aus einer anderen Dimension heraus beobachtet und ist erst aus ihrer Höhle gekrochen, als du schon KO gegangen bist. Schon vergessen? Du bist der Loser von uns beiden, nicht ich!

      Anya beobachtete, wie sich Matt mit seinem Immateriellen stritt. Witzig, das mal aus den Augen eines Unbeteiligten zu sehen. Und es bestätigte sie darin, dass diese Wesen insgeheim die 11. Plage für die Menschheit waren.
      „Ich bin hier“, erinnerte sie Kali fordernd an diese unliebsame Tatsache.
      „Yeah, klar.“ Ihr auserkorenes Opfer drehte sich wieder zu ihr um. „Wird dir das nicht langsam langweilig? Immer wieder dieselbe Masche? Was machst du, wenn ich wieder entkomme? Entführst du dann Zanthe, um mich wieder in eine Falle zu locken?“
      Hoffentlich war der inzwischen mit ihrem dämlichen Bruder fertig! Aber nutzlos wie er war, jagte er wahrscheinlich längst irgendwelchen Kerlen nach, während sie hier mal wieder die Drecksarbeit erledigen musste.
      „Zach sollte inzwischen kurzen Prozess mit deinem Kumpel gemacht haben. Ich kann nicht riskieren, dass einer wie er sich hier einmischt.“
      Aber Summers ließ sie praktisch unbewacht und im vollen Besitz seiner Kräfte rumsitzen? Was stimme denn mit der nicht, fragte Anya sich und hoffte dabei, dass der Werwolf nicht so blöd war, sich von ihrem Bruder an der Nase herumführen zu lassen.
      „Ich bin sogar aus eurem Weißen Raum entkommen. I-“
      In dem Moment fuhr ein stechender Schmerz durch Anyas ganzen Körper. Aber er war nicht wie der, der sie regelmäßig heimsuchte. Das war ein Stromstoß gewesen! „Argh!“
      „Und wir haben daraus gelernt. Jetzt hör' auf, Zeit zu schinden, sonst kriegst du gleich noch eine Ladung“, zischte Kali böse. In der Hand hielt sie eine Fernbedienung, mit der sie scheinbar die Fessel kontrollieren konnte.

      „Wie billig“, murmelte Anya, als Kali nach ihrem Deck griff und schwungvoll zog. „Mich kriegst du nicht klein, egal was du dir einfallen lässt!“
      „Das mit den Stromstößen war Zachs Idee.“ Kali zeigte eine Karte vor. „Ich aktiviere [Destructo Gear]! Sie verbannt eine andere Zauberkarte von meinem Deck.“
      Anya schreckte zusammen. Das war diese blöde Kombo! Dieses Miststück entfernte damit [Banished Power Gear] aus dem Spiel, um ihre Monster im Kampf zu stärken. Verbannte Zauber- und Fallenkarten waren nahezu unantastbar, weshalb es im Nachhinein keine Möglichkeit gab, etwas dagegen zu unternehmen. „Shit!“
      „Ich verbanne [Synthesis Gear]!“
      „Huh!?“
      Aus Kalis Deck stieg das holografische Bild einer grün umrandeten Karte auf, die auf dunklen Hintergrund vier auf den Betrachter zufliegende Zahnräder abbildete, die in weißer, schwarzer, violetter und blauer Aura aufleuchteten. Dann zersetzte der Zauber sich vor Anyas Augen.

      Derweil grummelte Matt vor sich hin. „Was machen wir jetzt? Scheint nicht so, als ob wir die Barriere ohne Weiteres durchbrechen können.“

      Wegrennen wäre eine Alternative. Ich kann den Bannkreis bestimmt knacken. Aber willst du ernsthaft die Show des Jahrhunderts verpassen?

      „Ich kann Anya nicht alleine lassen. Nicht, solange wir uns nicht ausgesprochen haben.“ Aber helfen konnte er ihr momentan auch nicht, überlegte Matt. Vielleicht sollte er vorerst das tun, was Kali gesagt hatte und einfach zusehen? Nicht, dass die Anya am Ende mit weiteren Ladungen folterte, weil er nicht gehorchte – auch wenn ein Teil von ihm das durchaus hinnehmen würde.
      „Verdammt! Was habe ich damit zu tun …“

      „Ich aktiviere den Effekt von [Synthesis Gear]!“, rief Kali indes aus und streckte die Hand nach vorne aus. „Einmal pro Zug kann ich eine der vier Sonderbeschwörungen durchführen, indem ich genau zwei dazu passende Monster von meiner Hand verbanne!“
      Kali zog ebenjene aus ihrem Blatt und zeigte sie vor. „Ich stimme meine Stufe 4-[Celestial Gear – Synthetic Owl] auf meinen Stufe 4-[Celestial Gear – Synthetic Woodpecker] ein!“
      Anya keuchte erstaunt, als statt der Monster nur ein grüner Synchroring über Kali auftauchte. Einer, der an seinen Rändern gezackt wie ein Zahnrad war.
      „Emerald wings cover innocent souls! Beware the beauty of the dancer! Synchro Summon!“ Nacheinander schossen acht grüne Lichtkugeln durch den Ring und verschmolzen zu einem grellen Blitz, der Anya blendete. „Soar, [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow]!“
      Mit schrillem Geschrei flog jene aus dem Ring und sendete dabei eine grüne Sichel aus, die alle Monster von Anya auf einmal traf. Während die stehenden Ritter in die Knie sanken, zerbarst Sapphires Eisbarriere und er erhob sich.

      Gem-Knight Garnet [ATK/1900 DEF/0 (4)]
      Gem-Knight Tourmaline [ATK/1600 DEF/1800 (4)]
      Gem-Knight Sapphire [ATK/0 DEF/2100 (4)]
      Gem-Knight Crystal [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Das Mädchen blinzelte verdutzt. Der elegante, verhältnismäßig kleine Mechavogel landete vor Kali und legte die Schwingen an.
      „Wird Swallow als Synchrobeschwörung gerufen, ändert sie die Position all deiner Monster. Und du kannst sie auch nicht mehr zurückwechseln“, erklärte die.
      In dem Moment bemerkte auch Anya, dass die Gelenke ihrer Monster von kleinen, grünen Blitzen umgeben waren. Ihr Augenmerk legte sich wieder auf die Schwalbe. Jene war irgendwie anders als die anderen Schrotthaufen, die Kali in der Vergangenheit eingesetzt hatte. Die metallische Oberfläche war weiß gestrichen, die Schwingen mit grünen Streifen versehen und es gab nirgendwo einen Punkt, von dem man ins Innere hineinsehen konnte.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow [ATK/2500 DEF/2000 (8)]

      Sei vorsichtig, Anya Bauer. Auf den ersten Blick scheint sie dieselbe Strategie wie sonst zu benutzen, doch etwas stört mich.

      „Also hast du es auch bemerkt, huh?“ Anya schloss die Augen und grinste, als sie Levriers Stimme vernommen hatte. „Was auch immer. Wir werden noch früh genug dahinterkommen.“

      Unglücklicherweise verfügt deine neue Duel Disk über keinen Bildschirm, mit dem du ihre Karten prüfen könntest, nur über ein digitales Interface. Und ich bezweifle, dass sie Informationen zu ihren Karten abrufen kann.

      Anya versuchte es umgehend, indem sie auf eine Taste an dem Apparat tippte und eine holografische Version des Spielplans aufrief, aber tatsächlich war Kalis Seite komplett leer. „Ich hoffe, du bist zufrieden damit, mal wieder Recht zu haben. Wie ich sagte: Was sie da plant sehen wir noch früh genug.“
      „Sag mir nicht, dass euch -das- schon nervös macht“, stichelte Kali und streckte den Arm aus. „Los, Swallow! Greife [Gem-Knight Sapphire] an! Celestial Slicer Dance!“
      Prompt hob die Mechaschwalbe vom Boden ab und begannen, sich in der Luft wie eine Tänzerin um die eigene Achse zu drehen. Dabei lösten sich zahlreiche, grüne Lichtsicheln von ihren Flügeln, die nacheinander auf den Eisritter zuschossen und ihn zielgenau zerteilten. Anya duckte sich unter den Klingen hinweg und wähnte sich bereits sicher, als ein mehrere Sekunden anhaltender Stromschlag sie kalt erwischte. „Ah!“

      [Anya: 4000LP → 1500LP / Kali: 4000LP]

      „Urgh!“ Anya kippte vorne über und konnte sich gerade so mit den Händen vom Boden abstützen.
      Ihr ganzer Körper fühlte sich taub an. „Shit …“
      „Vielleicht war die Idee mit den Stromschlägen doch nicht so dumm“, überlegte Kali laut und lachte auf, „hah, warum bin ich nicht auf sowas gekommen? Lass dir nicht zu viel Zeit mit dem Aufstehen, sonst muss ich 'nachhelfen'. Zug beendet!“

      „Mir geht’s blendend“, knurrte Anya grimmig. Keuchend stieß sie sich ab und kam schwankend auf die angeketteten Füße. Ja, sie erinnerte sich noch gut daran, wie sehr Kali es genossen hatte, sie im Ephemeria Bridge Stadion auf den Knien zu sehen. Aber den Gefallen würde sie ihr nicht noch einmal tun! „Ich bin dran, Draw!“
      Schwungvoll riss sie eine Karte von ihrem Deck und betrachtete sie aus den Augenwinkeln.
      „Tja, du hast eine Kleinigkeit übersehen. Vielleicht kann ich meine Monster nicht mehr in den Angriffsmodus bringen, aber sehr wohl für eine Beschwörung verwenden!“ Anya streckte den Arm aus. „Ich errichte das Overlay Network!“
      Vor ihr öffnete sich ein Schwarzes Loch. „Aus meinem Stufe 4-Garnet und meinem Stufe 4-Tourmaline wird ein Rang 4-Monster!“
      Besagte Ritter verwandelten sich in zwei hellbraune Lichtstrahlen, die in den Wirbel gezogen wurden. „Xyz Summon! Du bist dran, Levrier! Erscheine, [Gem-Knight Pearl]!“
      Elegant stieg der weiße Ritter aus dem Sog empor, nicht nur von zwei um ihn kreisenden Lichtkugeln, sondern auch sieben riesigen Perlen umgeben. Levrier öffnete seine blauen Augen und funkelte Kali berechnend an.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      „Du …“ Die Maskierte schien in jenem Moment ebenso intensiv zurück zu starren.
      Von all dem bekam Anya allerdings nichts mit. Sie streckte den Arm kämpferisch aus. „Bist du bereit? Wehe wenn nicht! Los, zermalme ihren Vogel! Blessed Spheres of Purity!“

      Wieso rufst du mich eigentlich nur aufs Feld, wenn wir gegen Gegner kämpfen, die mir gefährlich werden können? Du bist herzlos, Anya Bauer.

      Die kümmerte das überhaupt nicht. „Hör auf zu jammern und mach endlich!“

      Fein, fein. Hah!

      Mit einem Stoß seiner Hand steuerte Levrier seine sieben Perlen und feuerte sie wie Geschosse auf den über Kali fliegenden Vogel ab. Nacheinander prallten sie auf das Metall, das nach dem sechsten Treffer schließlich nachgab. Die Schwalbe explodierte. Und als die letzte Perle direkt auf Kali zusteuerte, baute sich vor der wieder das abgewrackte Riesenzahnrad auf und wehrte sie sowie umherfliegende Trümmerteile ab.
      „Kein Kampfschaden, schon vergessen?“ Kali schnalzte mit der Zunge. „Außerdem nutze ich den Effekt von [Synthesis Gear] und verbanne Swallow.“
      Die am Boden verstreuten Überreste des Mechavogels lösten sich einfach auf.
      „Huh!?“ Damit hatte Anya nicht gerechnet. Wollte Kali diese Biester denn nicht wiederverwenden?

      Anscheinend nutzt sie eine andere Strategie als sonst. Ich frage mich, was sie vor hat.

      „Weiß nicht, interessiert mich auch nicht. Noch nicht. Zug beendet!“
      Damit war der zweite Zug nach der Aktivierung von [Scrap Gear] vorbei. Noch einmal und sie konnte wieder Schaden zufügen! Anya leckte sich die Lippen beim bloßen Gedanken daran.
      Und in dem Moment spürte sie diese unterschwellige Ekstase, den Nervenkitzel, den sie nur bei besonders gefährlichen Kämpfen verspürte. Dieses Mal war es allerdings anders. Lag es an Kali? Es kam ihr fast so vor, als wären die beiden dazu bestimmt, erbitterte Feinde zu sein.
      In gewisser Hinsicht … hatte sie dieser Begegnung entgegen gesehen. Und sich darauf gefreut. Nicht nur, weil sie Antworten wollte. Es machte ihr … Spaß.
      „Tch, das ist doch bescheuert“, murmelte sie leise bei dem Gedanken.

      „Hm!“ Kali beobachtete das grübelnde Mädchen einen Moment, ehe sie aufzog. „Ist es. Alles hier ist 'bescheuert'. Wir sollten gar nicht hier sein …“
      „Und trotzdem sind wir es“, erwiderte Anya und sah auf.
      „Hmpf!“ Die Kuttenträgerin nahm zwei Monsterkarten aus ihrer Hand. „Effekt von [Gear Synthesis] aktivieren. Ich verbanne [Celestial Gear – Synthetic Sparrow] und [Celestial Gear – Synthetic Stork] von meiner Hand und errichte das Overlay Network!“
      Über dem Mädchen öffnete sich ein aufrecht stehendes Schwarzes Loch. „Aus meinen beiden Stufe 4-Zahnrädern wird ein Rang 4-Monster! Xyz Summon!“
      Auch dieses Mal lief die Beschwörung nicht wie sonst ab. Es wurden keine Lichtstrahlen in den Sog gezogen. Stattdessen spie er den schwarzen Mechavogel direkt aus. „Steige empor, [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]!“
      Der schwarze Kauz machte seinem Namen alle Ehre. Klein, aber gut gepanzert – um seine Augen zog sich ein grüner Streifen, gleich einer Augenbinde. Wie ein Jäger zog er um Anya seine Kreise.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0]

      Keine Overlay Units?

      „Anscheinend braucht der keine“, mutmaßte Anya grimmig.
      „Blitzmerkerin“, kommentierte Kali gallig, „mir geht es um die Xyz-Beschwörung an sich! Denn Strix kann dadurch eines deiner Monster mit einer Stufe zerstören. Celestial Shade Hunting!“
      Die Blonde verengte die Augen zu Schlitzen, als der Stahlvogel hinter ihr zum Sturzflug ansetzte. Dabei flimmerte er schwarz auf wie ein Schatten, krachte in den knienden [Gem-Knight Crystal], welcher sofort zersprang und löste dabei verzögert eine Schockwelle aus.
      Anya nahm das ganze mit einem genervten Stöhnen hin. Da sie seine Position nicht hatte wechseln können, wäre er bestenfalls noch für andere Beschwörungen zu gebrauchen gewesen. Aber solange sie noch nicht genug Stufe 4-Monster im Friedhof aufbewahrte, würde sie [Angel Wing Dragon] eh nicht beschwören.
      „Damit nicht genug. Die Stufe deines Monsters ist ausschlaggebend für den zweiten Teil des Effekts. Sieben! Das heißt, du kannst ab jetzt sieben Züge lang keine Monster der Stufe 7 oder höher als Spezialbeschwörung rufen.“ Kali lachte finster. „Damit sind fast all deine Fusionen und all deine Synchromonster vorübergehend versiegelt.“
      „W-was!?“ Sieben metallische Federn flogen mit der Schockwelle auf Anyas Duel Disk zu und durchbohrten sie. „Shit!“

      Das ist schlecht! Sieben Züge sind eine lange Zeit. Manche Duelle enden lange vor einer solchen Frist.

      „Pah, als ob ich das nicht wüsste!“
      „Fang doch an zu heulen“, giftete Kali, die nur noch ihren bisher ungenutzten, wiedergekehrten [Celestial Gear – Synthetic Albatross] auf der Hand hielt. „Ich bin erstmal durch!“
      Eine der Federn löste sich auf, sodass sechs in Anyas Duel Disk stecken blieben

      „Du spinnst wohl“, keifte die zurück und riss eine Karte von ihrem Deck. „Mit einem Handicap macht das Ganze erst recht-“
      Spaß … nein, sie war hier nicht zum Vergnügen! Dieses Drecksweib wollte ihr ans Leder, daran war nichts Unterhaltsames. Was war sie bloß, überlegte Anya verunsichert. Ein Adrenalinjunkie?
      „Tch! Eine Verdeckte!“, bellte sie wie ein tollwütiger Hund und schob die Karte in ihre Duel Disk.
      Zischend materialisierte sich die Karte zu ihren Füßen.
      „Mach den Vogel alle, Levrier!“ Anya steckte die Hand aus. „Blessed Spheres of Purity!“
      Ihr treuer Begleiter tat es ihr gleich und befahl seinen sieben Riesenperlen, sich den Mechakauz vorzunehmen. Nacheinander schossen sie auf jenen zu, zerschmetterten erst die Flügel und fegten dann seinen Kopf vom Körper. Drei der Edelsteine schossen gleichzeitig auf Kali zu, vor der sich abermals das kaputte Zahnrad manifestierte.
      Unter dem lauten Knallen der abprallenden Geschosse sagte Kali: „Kein Kampfschaden. Außerdem verbannt [Synthesis Gear] Strix auf meinen Wunsch hin.“
      Wie schon bei der Schwalbe, lösten sich die Überreste des Vogels einfach auf.

      Das war der letzte Zug, in dem sie sich verteidigen konnte.

      „Yeah. Noch mal kommst du damit nicht durch. Zug beendet!“ Anya zog die Stirn kraus.
      Daraufhin zersprang die aufrecht stehende Fallenkarte von Kali endlich, nachdem nun drei Runden vergangen waren. Analog dazu löste sich eine weitere der in Anyas Duel Disk steckenden Federn auf, womit fünf verblieben.
      Nachdenklich blickte die Blonde über die Schulter und durfte zu ihrer vollsten Unzufriedenheit feststellen, dass Summers noch immer wie ein Idiot da saß und genau das machte, was Kali ihm gesagt hatte: Sitzen und zusehen. „Kch …“
      Wenn er wenigstens mal auf die Idee kommen würde, seine eigene Haut zu retten. Irgendeinen Grund musste es doch haben, warum Kali ihn hier haben wollte.

      Matt seinerseits verfolgte die Auseinandersetzung tatsächlich gespannt. „Was hat sie bloß vor?“

      Irgendetwas Großes, was sonst? Oh süße, süße Rachlust. Die Welt wäre so ein langweiliger Ort ohne dich!

      Die Nervensäge in seinem Kopf hatte Recht. Es kam Matt merkwürdig vor, dass Kali Monster beschwor, die Anya mühelos besiegen konnte. Und das, wo sie vermutlich viel härtere Brocken als Alternative rufen könnte.
      Er sah sich nebenbei ein wenig in dem Keller, oder was auch immer das hier war, genauer um. Hinter ihm befand sich ein Sicherungskasten, aber das war's dann auch schon. Warum hatte Kali sie um alles in der Welt ausgerechnet hierher gebracht und nicht etwa in den Weißen Raum von Gardenia? War es die Angst, dass Anya diesen wieder überwinden konnte? Diese Barrieren waren jedenfalls nicht ansatzweise so absolut wie die Domäne der Weißen Hexe.
      Etwas anderes musste hinter all dem stecken …

      „Draw“, kündigte die Maskierte ihren Zug seelenruhig an und zog auf, „deine Zeit ist gekommen, [Celestial Gear – Synthetic Albatross]! Rückbeschwörung!“
      Strahlende Lichtkugeln erschienen über der Frau, zwischen denen sich die Konturen des riesigen Maschinenvogels zeichneten, bis dieser in all seiner Pracht das Feld betrat.

      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]

      „Nun wird sein besonderer Effekt aktiv, der nur einmal pro Duell bei seiner Rückbeschwörung aktiv wird!“ Kali griff nach ihrem Deck. „Er lässt mich sofort zwei neue Karten ziehen!“
      Das tat sie auch recht eindrucksvoll, indem sie die Karten mit so viel Schwung zog, dass sie mit dem rechten Bein nach hinten rutschte. „Effekt von [Gear Synthesis]! Ich verbanne [Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon] und [Celestial Gear – Synthetic Quail] von meiner Hand, um sie zu einem neuen Monster zu verschmelzen!“
      Sie zeigte neben dem Effektmonster auch ein blau-umrandetes Ritualmonster vor, welche sich beide in ihrer Hand auflösten. Über dem Mädchen öffnete sich ein orange-blauer Wirbel. „Fusion Summon! Glänze, [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin]!“
      Kreischend schoss aus dem Strom ein kleines Rotkehlchen aus Stahl, allenfalls einen Meter groß. Tatsächlich war sein 'Markenzeichen' aber nicht rot, sondern violett und von grünen Streifen gezeichnet.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8)]

      „Effekt meines Monsters!“, rief Kali und nahm ihren Kartenstapel aus dem Schacht. „Damit kann ich zwei beliebige Karten von meinem Deck wählen, die ich ganz oben darauf platziere! Celestial Gratitude Song!“
      Dabei gab der Vogel einen kratzigen Singsang von sich, der wie ein Echo durch den Raum hallte.
      Sie fächerte die Karten auf, zog zielgenau zwei Karten und legte sie nacheinander auf den Stapel, ehe der zurück in die V-Duel Disk wanderte. Ihre letzte Handkarte schob Kali in einen Zauberfallenslot. „Zug beendet.“
      Nun lag vor ihr, genau wie bei Anya, eine verdeckte Karte. „Jetzt tritt der negative Effekt der Rückbeschwörung auf den Plan! Albatross wird verbannt. Aber was soll's …“
      Der Vogel zersetzte sich in einzelne Partikel und verschwand.
      „Ist das alles? Das wird ja immer erbärmlicher!“, konnte Anya sich einen, und so ehrlich war sie zu sich selbst, dummen Spruch nicht verkneifen. „Na ja, mach es bloß nicht zu langweilig.“
      Die nunmehr dritte von sieben Federn verschwand aus dem Apparat an ihrem Arm.

      Als Anya jedoch aufzog, sollte sie die Existenz dieser Dinger verfluchen. [Gem-Eyes Value Dragon] 'lächelte' sie an. Dank seiner Stufe 7 konnte sie ihn jedoch nicht beschwören. So ein verdammter Kackmist!
      „Oh, ein Monster mit hoher Stufe gezogen?“, triezte Kali sie gehässig. „Ich hoffe doch.“
      In dem Moment erkannte Anya, dass sich ihre Feindin anders verhielt als bei der letzten Konfrontation. Beim letzten Mal war sie erfüllt von Boshaftigkeit und Hass. Nicht, dass das diesmal anders war, aber diese dämliche Kuh wirkte … gelassener, nicht so angespannt.

      Sie spielt mit uns.

      Anya nickte auf Levriers Aussage hin. „Yeah …“

      [Celestial Gear – Synthetic Albatross] ist ein Empfänger. Es wäre ein Leichtes für sie gewesen, damit das Stufe 12-Synchromonster [Celestial Gear – Synthetic Armored Raven] zu beschwören.

      Stattdessen aber verzichtete sie zugunsten dieses schwachen Dings darauf. Was nur bedeuten konnte, dass ein ganz anderes Kaliber von Monster im Schatten lauerte. Aber es konnte nicht [Sophia, Goddess Of Rebirth] sein, denn jene war in zwei Teile zerrissen. Kali selbst hatte ihr dies während des letzten Duells gezeigt.
      Was sollte sie also tun? Es war doch offensichtlich, dass dieses Miststück wollte, dass ihre Spatzenhirne zerstört wurden. Aber wenn sie gar nichts tat, gab sie Kali nur die Gelegenheit, alternative Strategien auszuarbeiten.
      „Shit … hätte ich doch bloß besser aufgepasst!“ Anya biss sich auf die Unterlippe. Dann flüsterte sie leise. „Fein, dann spiele ich eben mit. Ist ja nicht so, als wenn ich nicht auch noch den ein oder anderen Trumpf in der Hinterhand hätte.“

      Könntest du mich bitte einweihen?

      „Nope. Noch nicht.“ Ehrgeizig streckte sie den Arm nach vorne. „Kümmere dich erstmal um dieses Teil da! Blessed Spheres of Purity!“
      Levrier vor ihr stöhnte und schnippte mit der rechten Hand. Die um ihn schwebenden Riesenperlen machten sich auf, den nächsten Mechavogel vom Himmel zu holen. Doch dies erwies sich diesmal schwieriger als gedacht. Das kleine 'Lilakehlchen' wich einem Geschoss nach dem anderen mit geschickten Manövern aus.
      Kali lachte. „Bei einem Angriff kann Robin seine Position wechseln. Ab in den Verteidigungsmodus!“
      „Das reicht trotzdem nicht!“, konterte das andere Mädchen zornig.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8)]

      Und tatsächlich. Zwar schlug der Vogel seine Schwingen schützend vor sich, konnte dem Trommelfeuer der Edelsteine aber nicht widerstehen und explodierte. Kalis Ankündigung kam nicht überraschend. „Ich nutze [Gear Synthesis'] Effekt!“
      Die umherfliegenden Trümmerteile lösten sich auf. Und plötzlich klappte Kalis verdeckte Karte, eine Falle, auf. „[Recovery Gear]! Damit kann ich nach dem Kampf eine Karte ziehen und, wenn ich will, das zerstörte Celestial Gear-Monster auf die Hand nehmen. Zusätzlich hieße das auch, dass ich einen Rückbeschwörungseffekt ein zweites Mal benutzen dürfte …“
      „… aber Robin verfügt nicht über so einen und wurde außerdem verbannt. Oder sowas in der Art“, schloss ihre Gegnerin den Satz vom Bauchgefühl her ab.
      „So ist es.“
      Also blieb der Maskierten nur, eine einzelne Karte von ihrem Deck zu ziehen. Und Anya begriff, dass Kali es von Anfang an darauf abgesehen haben musste. Somit würde sie im nächsten Zug die beiden von [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] gesuchten Karten auf der Hand halten.
      „Hmpf. Zug beendet“, schnaubte Anya, womit sich eine weitere Feder auflöste. Damit steckten nur noch drei in ihrer neuen Duel Disk.

      Als Kali wortlos ihre Karte zog und betrachtete, schnaubte sie zunächst nur. Dann schüttelte sie den Kopf. „Das war viel zu einfach.“
      „Komm schon“, forderte Anya ihre Feindin auf, „langsam werde ich neugierig! Zeig' mir, was du die ganze Zeit vorbereitet hast.“
      Die Kuttenträgerin betrachtete die beiden Karten in ihrer Hand. „Fein.“
      Dann zeigte sie jene zwischen Zeige- und Mittelfinger vor. „Ich aktiviere [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix] mit dem Pendelbereich 3 und [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon] mit dem Pendelbereich 9 von meiner Hand! Pendulum Scales set!“
      „Huh!?“
      Anya weitete die Augen, als neben Kali zwei blaue Lichtsäulen aus dem Boden schossen.
      Auch Matt war überrascht. „Pendelkarten!?“
      In der linken zeichneten goldene Lichtlinien während seines Aufstiegs einen gewaltigen, goldenen Maschinenphönix, dessen Schwingen rot-grün-gelb gestreift waren. Sein Schweif bestand aus zahlreichen, roten Metallfedern. Auf der anderen Seite entstieg ein vierbeiniger, silberner Stahlgreif, dessen Pranken ebenfalls grün gestreift waren.

      <3> Kalis Pendelbereich <9>

      Anya, die selbst von zwei solcher Säulen umgeben war, in denen sich [Gem-Knight Jasper] und der [Gem-Tiger] befanden, schreckte zurück. „Seit wann-!?“
      „Seit ich mich angepasst habe.“ Kali lachte selbstgefällig. „Hah! Diesmal bist du es, die davon kalt erwischt wird.“
      „Ach ja? Dann verrate ich dir mal was: Pendelkarten bringen dir gar nichts, wenn du keine entsprechenden Monster auf der Hand oder im Extradeck hast.“ Mit bösem Grinsen auf den Lippen schwang Anya belehrend den Zeigefinger. „Anscheinend hast du beim letzten Mal nicht gut genug aufgepasst.“
      Kali aber kicherte nur weiter. „Stimmt, all meine Monster sind verbannt. Und dabei sind Swallow, Strix und Robin doch sogar Pendelmonster …“
      „'kay?“ Anya standen die Fragezeichen förmlich im Gesicht geschrieben. „W-warte, was? Seit wann gibt es überhaupt Extradeck-Monster, die gleichzeitig Pendelmonster sind!? Und wieso hast du sie dann absichtlich verbannt?“
      „Sieh' doch selbst!“ Kali streckte den Arm in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Höre den Ruf des Phönix! Aus meiner Verbannungszone: [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow], [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix], [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin, [Celestial Gear – Synthetic Albatross] und [Celestial Gear – Synthetic Stork]! Pendulum Summon!“
      Schon bei ihrem Ausruf begann der Mechaphönix neben ihr in einen traurigen Singsang zu verfallen. Aus dem Nichts fiel eine einzelne Träne vor Kali auf den Boden, wo sich schlagartig das Pendelportal öffnete – nicht wie sonst in der Luft. Nacheinander schossen fünf rote Lichtstrahlen empor.
      „Was!?“, stieß Anya entsetzt hervor.
      „Sie pendelt verbannte Monster!?“ Matt keuchte, als er begriff. „Also deswegen-!“
      „Ja, Saga Phoenix lässt mich auf Wunsch statt einer herkömmlichen Pendelbeschwörung eine aus meiner Verbannungszone durchzuführen. Deshalb habe ich all meine Assmonster verbannt!“ Kali lachte, als sich über ihr ein Mechavogel nach dem anderen materialisierte. „Das ist die Evolution der Pendelbeschwörung!“
      Die weiße Mechaschwalbe, der schwarze Kauz, das 'Violettkehlchen', dazu noch der langschnabelige, riesige Albatross sowie ein ebenso großer Metallstorch gaben sich die Ehre. Man konnte bei Letzterem durch Ritzen in seiner Brust zahlreiche Zahnräder sehen, die durch eine orangefarbene Barriere abgeschirmt waren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow [ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 PSC: <9/9>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Stork [ATK/1400 DEF/1500 (4)]

      Anyas Mund stand sperrangelweit offen. Dann formte sich auf ihren Lippen ein immer breiter werdendes Lächeln. Und sie begann loszuprusten. „Hahahaha!“
      Völlig perplex fauchte ihre Widersacherin: „Was!?“
      Die Blonde musste sich sogar schon den Bauch halten, während Matt die merkwürdige Szene überhaupt nicht einordnen konnte. „Was hat sie …?“

      Sie ist endgültig im Lala-Land angekommen.

      So ungern Matt Thoras in überhaupt irgendetwas Recht gab, konnte er sich doch ein schmales Grinsen nicht verkneifen.
      „Oh man“, prustete Anya schließlich und fasste sich mit der Hand aufs Gesicht, „oh Junge …“
      Kali stand da wie bestellt und nicht abgeholt.
      „Wirklich … oh man …“ Anya wurde erneut von einem Lachkrampf.
      Da platzte ihrer Feindin der Kragen. „Was zur Hölle stimmt nicht mit dir!?“
      Es war offensichtlich, dass die extreme Reaktion der Blonden größtenteils geschauspielert war, als sie schlagartig aufhörte zu lachen und sich straffte. „Ach, mir ist nur gerade wieder einmal bewusst geworden, wie erbärmlich du bist. Du konntest mich beim letzten Mal nicht besiegen, also kopierst du mich einfach.“
      Kali schnappte scharf nach Luft. Anya setzte noch eins oben drauf. „Deine Pendelmonster sind schon ganz cool, ohne Frage. Aber wenn du von Evolution sprichst, muss ich einfach lachen. Ich bezweifle nämlich, dass du dich jemals weiterentwickeln wirst.“
      „Wie kannst du-!?“
      „Ganz einfach“, fuhr Anya ihr in die Parade, „weil du nicht über mich hinwegkommst. Du stiehlst mir alles, was mir wichtig ist. Warum? Weil du selbst nichts dergleichen besitzt. Meine Duel Disks, das Celestial Gear-Deck, meine Andenken … wie kindisch. Bist du neidisch, weil ich bessere Spielzeuge habe als du? Vielleicht weil mein Leben einfach besser ist als deines? Hast du jemals an einem großen Turnier teilgenommen und bist so weit gekommen wie ich? Hast du Freunde, die dich so unterstützen wie meine mich?“
      Anya blickte dabei über ihre Schulter und zwinkerte Matt verschwörerisch zu, doch der war von etwas anderem abgelenkt. Er hatte bemerkt, wie Kali eine Faust ballte. So sehr, dass sich ihre Fingernägel ins Fleisch bohrten und Blut hinab zu tropfen begann.
      „Sag es mir“, forderte Anya mit unterschwelliger Frustration abschließend und wandte sich Kali wieder zu „was zur Hölle ist dein verdammtes Problem?“

      ~-~-~

      Es hätte kein schönerer Tag sein können. Es war angenehm warm, keine Wolke verdeckte den Himmel und keine Anya Bauer störte die Nachbarschaft.
      Valerie Redfield lag in einem blau-weiß-gestreiften Bikini auf einer Liege und hielt in der rechten Hand ein Taschenbuch. Eines, das von Dämonen handelte. Neben ihr stand ein kleiner, runder Tisch mit einer Cola darauf und ein Sonnenschirm spendete dem Mädchen ausreichend Schatten. Und als wäre das noch nicht genug Luxus, befand sich vor ihr ein riesiger Pool. So war das auf dem von hohen Hecken umgebenen Hinterhof der Familie Redfield.

      Aber die Schwarzhaarige konnte sich weiß Gott nicht daran erfreuen, geschweige denn auf ihr Buch konzentrieren.
      Man hatte sie einfach sitzen lassen! Wenn sie nicht bei Anya angerufen und zufällig Abby an die Strippe bekommen hätte, wüsste sie nicht einmal, dass Anya, Matt und Zanthe in einer Nacht-und Nebel-Aktion nach San Augustino gefahren waren!
      Sie ließ das Buch sinken. Es ärgerte sie maßlos, außen vor gelassen zu werden. Besonders wo Matt jetzt jede Zuwendung gebrauchen konnte. Noch immer hatte sie die Bilder vor Kopf, als Nick beinahe gehässig die Zeitung geworfen hatte, in der die schreckliche Schlagzeile zu lesen war.
      Seit diesem Augenblick war mit Matt nicht mehr zu reden gewesen. Er hatte nicht geweint, geschrien, gefleht. Er war still gewesen. Der Schmerz musste fürchterlich sein.
      Valerie war sich im Klaren darüber, dass es für diese Geschichte kein Happy End gab. Umso mehr wünschte sie sich, jetzt an seiner Seite zu sein. Stattdessen nahm er ausgerechnet Anya mit, den Elefant im Porzellanladen. Ja, Valerie gab es sich selbst gegenüber zu: Sie war eifersüchtig. Auf eine rein platonische Art und Weise, verstand sich!

      Seufzend legte sie das Buch endgültig auf den kleinen Tisch und nahm sich ihr Getränk, um aus einem langen Strohhalm daraus zu schlürfen. Da stach ihr etwas ins Auge. Etwas Gelbes im Pool. Eine Quietscheente. Und die gehörte da ganz gewiss nicht hin. Irritiert beugte sich Valerie nach vorne.
      Es dauerte einen Moment, bis sie die Situation richtig erfasste. Erst als der fremde, schwarzhaarige Mann in ihrem Pool hochgeschossen kam und nach Luft schnappte, entfuhr ihr ein entsetzter Schrei.
      „W-wer sind Sie!?“, stammelte Valerie verwirrt.
      Er sah sie an. Nein, starrte sie an. Von großer Statur, war neben dem Schnauzer sein herausstechendstes Merkmal dieser fürchterliche, dazu noch durchnässte Vokuhila. Ein kleiner Flaum Brusthaar und eine rot-gepunktete Unterhose rundete seinen von der Zeit vergessenen Look ab. Die beiden tauschten Blicke aus, als wollten sie miteinander kommunizieren, doch sprachen völlig verschiedene Sprachen.
      „Ich bin Lee Ander-“ Weiter kam er nicht, da er in diesem Moment Valeries Buch ins Gesicht geschmettert kam. Die Ente auf seinem Kopf flog dabei im hohen Bogen davon.
      Jene sprang fuchsteufelswild auf. „Runter von unserem Grundstück!“
      „A-aber ich bin doch hier, um dich zu beschützen!“
      Valerie traute ihren Ohren nicht. „Wovor!?“
      „Weiß nicht. Eigentlich wollte ich diesem verdammten Hexendämon folgen, aber der ist ganz früh mit dem Zug abgehauen. Vor mir, musst du wissen!“, plapperte Lee munter drauf los und zeigte mit dem Daumen auf sich sowie seine blutende Nase. „Und dass ich jetzt hier bin, liegt nicht etwa daran, dass ich kein Geld fürs Ticket hatte oder so, nein, nein, nein!“
      „Meinst du Matt?“, fragte die Schwarzhaarige und tastete nach dem Cola-Glas auf dem kleinen Tisch. Langsam erinnerte sie sich daran, dass Anya ihr auf dem Rückweg nach Livington von diesem Verrückten erzählt hatte.

      Lee Anderson, ein Stalker, den Matt bei der Suche nach einem Hüterartefakt aufgegabelt hatte. Dabei dachten sie, ihn inzwischen losgeworden zu sein. So viel dazu …
      Der Eindringling nickte. „Dieser elende Hexenhexer hat sich an deine Fersen geheftet. Er will dich hypnotisieren und zu seiner Sexsklavin machen.“
      „Was!?“, entfuhr es Valerie schrill.
      „Uh-huh! Du-!“ Schon wurde er vom fliegenden Cola-Glas hart an der Stirn getroffen und fiel rücklings im Pool um.
      Die Stimme der Schwarzhaarigen überschlug sich förmlich. „Sie verlassen sofort das Grundstück oder ich hole die Polizei!“
      „Lass sie in Ruhe, du Spinner!“
      Nur noch aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie jemand sich über die hohe Hecke schwang und über den Rasen gestürmt kam. Schwarzes Haar, muskulöse Figur, ein Kinnbart – Marc!? Welcher gar nicht lange fackelte und mit einem Hechtsprung den gerade erst auf die Beine gekommenen Lee im Pool umriss. Große Wassermengen flogen in alle Richtungen.
      „Was willst du von ihr!?“, fuhr ihr Ex-Verlobter im weißen Muskelshirt den benommen Lee an, als er ihn an den Schultern aus dem Wasser riss. „Mistkerl!“
      Schon boxte er ihn wieder um. Nur um unvorbereitet einen nicht ganz so effektiven Tritt in die Weichteile zu bekommen, während Lee unter Wasser irgendetwas gurgelte.

      Valerie legte den Kopf schief, hauchte: „Auf so etwas war ich nicht vorbereitet …“
      Vor ihren Augen entfaltete sich eine ordentliche Rangelei, die mit wüsten Beschimpfungen beiderseits garniert wurde.
      In dem Moment hatte Valerie die Nase voll. Während die beiden sich stritten, stampfte sie am Pool vorbei über die Terrasse hinein ins Haus. Sie musste gar nicht lange nach dem suchen, was sie jetzt brauchte. Das große Wohnzimmer mit dem riesigen Fernseher durchquerend, war eine ziemlich unauffällige Holztruhe ihr erkorenes Ziel, die in der hintersten Ecke des Raumes vereinsamt stand. Valerie ging auf die Knie und ertastete an ihrem Boden einen mit Klebeband befestigten Schlüssel, mit dem man das gute Stück öffnete.
      Auch wenn ihre Familie demokratisch eingestellt war, gab es eine Sache, die ihr Vater an den Republikanern schätzte. Ihre Waffenvernarrtheit. So lag vor ihr, nachdem sie den Deckel umgeklappt hatte, eine Schrotflinte samt Patronenpackungen. Jene schnappte sie sich und stampfte zurück in den Hintergarten. Die lustige Prügelei war noch im vollen Gange.
      „Aufhören!“, forderte sie schroff. Aber diese Idioten hörten sie gar nicht. Aber sie hörten den Schuss, den sie in die Luft abgab.
      Es wurde mit einem Mal mucksmäuschenstill. Beide starrten die junge Frau an, die im Gras mit der fetten Schrotflinte stand und kurz davor war, die Fassung endgültig zu verlieren. Mit maximaler Beherrschung knurrte sie: „Raus hier! Alle beide!“
      „A-aber“, wagte ein bereits recht lädierter Lee zu widersprechen.
      Und wenn jemand dachte, Anyas Todesblick war angsteinflößend, hatte er noch nie Valerie Redfields Variante gesehen. So hob Marc wissend die Hände. „Verstanden. Wir gehen.“
      Unter ihrer strengen Aufsicht zog sich der Sportler über den Poolrand und zog wortlos an ihr vorbei. Lee versuchte das Gleiche, rutschte jedoch ungeschickt ab und ging unfreiwillig planschen.

      Nachdem er es dann nach zwei weiteren Versuchen doch geschafft hatte und die beiden pitschnassen Männer über den Rasen zur Terrasse tapsten, natürlich gefolgt von einer äußerst verstimmten Valerie, drehte Marc sich zu ihr um. „Tut mir leid.“
      Sie sagte nichts, sondern nickte stur Richtung geradeaus. Sie durchquerten das Wohnzimmer und schließlich den Flur. Valerie drängte sich an beiden vorbei, riss die Haustür auf. „Wenn ich einen von euch das nächste Mal sehe, schieße ich nicht daneben!“
      „D-die ist ja noch verrückter als die Blonde!“, flüsterte Lee ängstlich Marc vor ihm zu.
      Der sah Valerie noch einmal an, dann verließ er das Haus wortlos und durchquerte den großen, mit vielen Blumenbeeten bespickten Vordergarten Richtung Tor. Mit dem halbnackten Lee im Schlepptau. Kaum war der über die Schwelle getreten, knallte die Schwarzhaarige die Tür mit aller Wucht zu.

      Sie seufzte schwer. Mit einem Stalker fertig zu werden war eine Sache. Dass ihr ehemaliger Verlobter ihr anscheinend hinterher schnüffelte, vielleicht sogar selbst stalkte, -das- war mehr als sie verdauen konnte.
      Sofort kamen wieder die Erinnerungen hoch. Ihre Disqualifikation während des Legay Cups, weil sie eine verbotene Karte gezogen hatte. Marcs Geständnis vor ihren Freunden, dass er dafür verantwortlich gewesen war. Und kurz darauf das Fernsehinterview, in dem er dies aller Welt gestand und sich entschuldigte.
      Valerie ließ die Schrotflinte sinken. Ihr Traum von einer Profikarriere war damit gestorben, denn die Leute vermuteten natürlich, dass er sie mit seinem Geständnis nur hatte schützen wollen. Diese Demütigung und das durch die Hand des Mannes, den sie glaubte zu lieben. Ihre Finger krallten sich fest in die Waffe. Keine Entschuldigung dieser Welt würde das je gutmachen können.

      Frustriert von den Erinnerungen stampfte sie durch den Flur, als die Türklingel läutete. Ihre Augen weiteten sich. Sollte es etwa tatsächlich einer von ihnen wagen, zurückzukommen!?
      Sie eilte zur Tür und riss sie weit auf. Aber da stand nicht etwa Marc oder der verrückte Lee vor ihr, sondern ein anderer junger Mann. Einer, den sie noch sehr gut in Erinnerung hatte.
      „H-Hi“, stammelte David beim Anblick der jungen Frau im Bikini.
      Auch er hatte schwarzes Haar, aber mit gefärbtem, blauem Pony. Er trug ein orangefarbenes T-Shirt und Jeans und wenn man es nicht besser wusste, hätte man ihn für einen ganz normalen Menschen gehalten. Aber das war er nicht. Dieser Typ war ein Handlanger des Sammlers. Derjenige, der sie daran gehindert hatte, diesen fürchterlichen Dämon zu exekutieren.
      Deshalb fackelte Valerie auch nicht lange und richtete sofort die Waffe auf ihn.
      „Whoa!“ Sofort wich David zurück.
      Valerie kniff die Augen zusammen. „Drei.“
      „Drei?“
      „Du hast genau drei Sekunden Zeit, um von hier zu verschwinden. Ansonsten …“
      „Ich kann mich wehren“, erinnerte David sie trotzig daran, dass er es mit seiner Eismagie sogar mit den Undying aufgenommen hatte.
      Aber das Mädchen blieb stur. „Das werde ich beurteilen.“
      Als würde ihn das überhaupt nicht stören, meinte der junge Mann. „Du solltest wirklich netter zu ihm sein. Also zu Marc, nicht zu diesem Spinner.“
      „Und du bist hier, nur um mir das zu sagen?“
      „Natürlich nicht“, relativierte er, „im Gegenteil. Ich habe dir eine Menge zu sagen. Frieden?“

      Er streckte ihr die Hand aus, aber Valerie ließ nicht von der Waffe ab. Stattdessen nickte sie Richtung Flur. David verstand den Wink und schritt an ihr vorbei. Als er durch war, schloss die Schwarzhaarige die Tür hinter ihm. Im Inneren eines Gebäudes gab es weniger Möglichkeiten zum Ausweichen …
      „Schönes Haus“, meinte er, als er im Wohnzimmer angekommen war und drehte sich um.
      „Also. Was willst du von mir?“
      „Als Erstes: Mich entschuldigen.“ David sah plötzlich weg. „Unser Duell hätte nicht so laufen sollen. Wenn der Meister es nicht befohlen hätte, hätte ich [Sneedronningen] nicht benutzt.“
      Valerie ließ die Waffe sinken. Sie erinnerte sich vage. Das war diese Eiskönigin, mit der er ihren Zug hatte lenken können. Ein Excel-Monster? „Ugh!“
      Sie fasste sich an die Stirn. Ihre Erinnerungen an das Duell waren sehr verschwommen.
      „Es war ein unfairer Vorteil. Diese Karten sollte es eigentlich gar nicht geben, aber der Meister hatte vor etwa einem Jahr einen Handel getätigt, um Zugriff darauf zu erhalten“, erklärte David derweil weiter.
      Stöhnend konzentrierte sie sich wieder auf ihren dritten ungebetenen Besucher. „Wozu entschuldigst du dich? Wir sind Feinde.“
      „Sind wir nicht“, stellte er entschieden klar und breitete die Hände dabei aus, „wir sehen die Welt nur aus unterschiedlichen Perspektiven. Kann es mir nicht leid tun, auch wenn wir andere Ziele verfolgen?“
      Seine Worte ließen Valerie stocken. „I-ich denke schon. Trotzdem bist du hier nicht willkommen. Ich brauche deine Entschuldigungen nicht!“
      „Während unseres Duells hast du gesagt, dass du mit Duel Monsters aufhören willst“, sprach David unbeirrt weiter, „und ich fühle mich verantwortlich, dich darin vermutlich noch bestätigt zu haben. Deswegen wollte ich dich darum bitten, dass wir unser Duell eines Tages wiederholen. Unter fairen Bedingungen natürlich.“

      Valerie brachte keinen Ton heraus. Dieser Typ war ein Buch mit sieben Siegeln. Schon damals war er so gutmütig gewesen, obwohl sie seinen Meister hatte töten wollen. Seine Angriffe hatten sie nicht einmal verletzt, obwohl er dies sicher gekonnt hätte.
      War das alles nur Show oder meinte er es ernst? Sicher war sich das Mädchen nur darin, dass sie ihm auf keinen Fall vertrauen würde.

      „I-ich denke nicht, dass ich das möchte“, entgegnete sie schließlich zögerlich.
      Er sah sie geknickt an, nickte dann aber. „Damit habe ich gerechnet.“
      „Wenn das alles ist, geh!“
      „Nein, ist es nicht. Ich habe noch eine Bitte. Und die wirst du auch nicht erfüllen. Aber hör' sie dir wenigstens an, okay?“, sagte er und schritt bereits an ihr vorbei, Richtung Flur.
      Valerie blickte ihm skeptisch hinterher. Im Weggehen sagte er: „Bitte bring Anya dazu, dem Meister wieder zu helfen.“
      „W-was!?“
      Er blieb stehen. „Er ist kein schlechter Mensch. Nur sehr … traurig.“
      „Warum sollte ich das tun!? Er hat ihr ihre Lebenskraft entrissen und erpresst! Wir alle mussten wegen diesem Mann durch die Hölle!“, wurde Valerie immer lauter. „Ich bin stolz auf Anya, dass sie einen Schlussstrich gezogen hat und einen anderen Weg sucht-“
      David drehte sich zu ihr um. Ihm stand großes Bedauern ins Gesicht geschrieben. „Ihr schätzt ihn alle ganz falsch ein. Der Meister ist gutmütig. Ich muss es wissen. Immerhin hat er mich erschaffen.“
      Da verschlug es Valerie die Sprache. Erschaffen!?
      „Ganz recht“, las er ihre Gedanken, „ich bin kein normaler Mensch. Sondern sein erster Erfolg. Ein künstlich erschaffener Mensch. Ich hoffe, du siehst mich jetzt nicht als Monster …“
      „Das verstehe ich nicht. Du bist …?“
      „Aus Fleisch und Blut, genau wie du“, erwiderte er mit einem Lächeln, „ich kann alles tun, was andere Menschen auch können. Und noch mehr. Das Einzige, was mich neben meiner 'Geburt' von euch unterscheidet ist, dass ich keine Seele besitze.“
      „W-was?“
      Er senkte sein Haupt. „Wenn man von Nichts erschaffen wurde, gibt es natürlich keine Seele, die den Körper bewohnen kann. Ich bin ja ursprünglich kein Teil des Ätherflusses gewesen. Aber das ist nicht schlimm, ich kann trotzdem fühlen und selbstständig denken.“
      Valerie ließ gedankenverloren die Schrotflinte so weit sinken, dass sie sie am Schaft festhielt und auf den Boden abstützte. „I-ich weiß nicht, ob ich dir folgen kann …“
      „Der Nachteil an meiner Existenz ist, dass ich nach meinem Tod ohne Seele nicht reinkarnieren kann. Es gibt kein Medium, was meine Erinnerungen und mein Wesen speichern könnte.“ Er lächelte breit. „Trotzdem bin ich dem Meister dankbar dafür, dass er mich erschaffen hat.“
      Perplex stammelte Valerie: „W-wozu erzählst du mir das alles?“
      „Mir war halt danach.“ Er weitete die Augen. „Oh! Aber das war gar nicht, was ich dir eigentlich mitteilen wollte. Du wirst Anya also nichts ausrichten, oder?“
      Schlagartig zog Valerie die Waffe wieder hoch und hielt sie mit beiden Händen fest umschlossen, schüttelte den Kopf. „Selbst wenn ich es ihr sage, steht ihre Entscheidung bereits fest.“

      Plötzlich verdüsterte sich der Gesichtsausdruck des jungen Manns. „Dann solltest du ihr unbedingt erklären, dass sie sich irrt.“
      Valerie horchte auf.
      „Mein Meister, der Sammler … er hat Anya belogen. Dass sie die Hüterartefakte sammelt hat einen wichtigen Grund.“
      Irgendetwas stimmte da nicht. Was immer jetzt kam, konnte sie David glauben? „Belogen? Womit?“

      ~-~-~

      „Ich habe es satt. Ich habe dich satt“, keuchte Kali zornig. „Wieso … wieso existierst du bloß!?“
      Anya stand ihr mit der rechten Hand in die Seite gestemmt gegenüber. Die Dunkelheit des ausgedehnten Raums wurde nur durch das Licht von den Hologrammen ihrer Monster sowie einer einzelne Lampe gebrochen.
      „Keine Ahnung“, sagte Anya leise. „Blumen und Bienchen, schätz' ich.“
      Auch Matt, der sich bisher nicht aus seinen Fesseln befreit hatte, sah hinter Anya auf. „Was …?“
      Denn in diesem Moment griff Kali an ihre Maske. Und nahm sie langsam ab. „Ich hasse dich. Du hast mir alles genommen. Aber ich war dumm zu glauben, mein Gesicht zu verstecken würde mir dabei helfen, dich zu vernichten. Im Gegenteil. Ich habe mir selbst die ganze Zeit etwas vorgemacht.“
      Anya weitete die Augen, als die weiße Porzellanmaske einfach losgelassen wurde. Sie zerschellte auf dem Boden, zahllose Splitter flogen in alle Richtungen.
      Die Blonde keuchte: „Das …!“
      Als ihre Widersacherin auch mit beiden Händen ihre Kapuze packte und langsam nach hinten zog, fauchte Anya: „Unmöglich!“
      Denn sie sah in ihr eigenes Gesicht. Hasserfüllte, blaue Augen. Blondes Haar, zu einem Pferdeschwanz gebunden. Nur eines unterschied die beiden – eine lange Narbe, die von Kalis Stirn hin bis zu ihrem Nasenansatz reichte.
      „Willkommen in der Hölle“, knurrte die selbsternannte Dämonengöttin, „deiner ganz persönlichen Hölle.“


      Turn 101 – Square The Circle
      Entsetzt muss Anya sich mit Kali auseinandersetzen, die genauso aussieht wie sie. Jene offenbart die Wahrheit über die beiden, eine Wahrheit, die zunächst unbegreiflich erscheint. Kali besitzt sogar eine Kopie von [Gem-Knight Pearl], was unmöglich sein sollte. Trotzdem kämpft Anya entschlossen um ihr Recht zu existieren. Und im Moment ihrer größten Not …


      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Garnet
      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sapphire
      Gem-Knight Crystal

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster von deinem Deck hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Wähle 1 Karte auf dem Spielfeld als Ziel; zerstöre das Ziel.

      Gem-Tiger
      Monster/Effekt/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/1800 DEF/300 (4) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug, während des Zuges eines beliebigen Spielers, wenn ein Angriff deklariert wird: Wähle 1 "Gem-Knight"-Monster von deinem Friedhof als Ziel; verbanne das Ziel und annulliere den Angriff.
      Monstereffekt: Wenn du 1 "Gem-Knight"-Monster in deiner Pendelzone aktivierst, wenn deine andere Pendelzone unbenutzt ist: Du kannst 1 "Gem"-Pendelmonster von deinem Deck aktivieren.

      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Gem-Knight Pearl

      Kali

      Celestial Gear – Synthetic Albatross
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/500 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte kämpft: du erleidest keinen Kampfschaden. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: ziehe 2 Karten; verbanne diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Owl
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1100 (4)
      Kann nur als Synchromaterialmonster für die Beschwörung eines "Celestial Gear"-Synchromonsters verwendet werden. Einmal, solange du diese offene Karte kontrollierst: du kannst 1 "Celestial Gear"-Monster als zusätzliche Normalbeschwörung beschwören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: beschwöre 1 "Celestial Gear"-Monster von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung; verbanne es und diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Quail
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/1600 DEF/1700 (4)
      Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor, dann kannst du die Karte zerstören, die diese Karte durch Kampf oder ihren Karteneffekt zerstört hat. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Du kannst 1 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung beschworen.

      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1800 DEF/1300 (4)
      Einmal pro Zug: Du kannst 1 Karte in deiner Hand zerstören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Verbanne alle Karten auf dem Friedhof deines Gegners.

      Celestial Gear – Synthetic Stork
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1400 DEF/1500 (4)
      Indem du diese Karte abwirfst, wenn du diese Runde das erste Mal Schaden erlitten hast: reduziere allen Schaden, den du bis zur End Phase erleiden würdest um die Summe des Schadens, den du in diesem Zug erlitten hast. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: {????}.

      Celestial Gear – Synthetic Sparrow
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1800 (4)
      Einmal pro Zug: verbanne eine Zauberkarte von deinem Friedhof. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: füge deiner Hand 1 "Polymerization"-Karte von deinem Deck hinzu.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Halcyon
      Monster/Ritual/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/2200 (4)
      Muss erst mit "Celestial Gear Polymerization" als Ritualbeschwörung beschworen werden. Wenn diese Karte als Ritualbeschwörung beschworen wird: setzte eine Zauber- oder Fallenkarte von deinem Deck in eine deiner freien Zauber- und Fallenkartenzonen, dein Gegner darf die Karte nicht sehen und du kannst sie nicht in diesem Zug aktivieren. Wenn diese Karte zerstört wird, nur einmal während des Duells: beschwöre sie als Spezialbeschwörung; anschließend kannst du eine beliebige Anzahl an verbannten "Celestial Gear"-Monstern auf deinen Friedhof zurücklegen.

      Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <3/3>
      Pendeleffekt: Du kannst verbannte "Celestial Gear" als Pendelbeschwörung beschwören, deren Stufe/Rang zwischen deinen Pendelbereichen liegt, aber falls du das tust, kannst du keine Monster als Pendelbeschwörung von deiner Hand oder deinem Extradeck beschwören.
      Monstereffekt: ????

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <9/9>
      Pendeleffekt: Du kannst keine Monster außer "Celestial Gear"-Monster als Pendelbeschwörung beschwören. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden.
      Monstereffekt: ????

      Destructo Gear
      Zauber/Normal
      Verbanne eine Zauberkarte von deinem Deck.

      Gear Synthesis
      Zauber/Normal
      Solange diese Karte verbannt ist, kannst du einmal pro Zug folgenden Effekt aktivieren: Verbanne 2 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand; beschwöre von deiner Hand oder deinem Extra Deck 1 "Celestial Gear"-Monster, das mit den verbannten Monstern als Ritual-, Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung beschworen werden kann als Spezialbeschwörung. (Dies wird als korrekte Beschwörungsart behandelt.) Wenn ein "Celestial Gear"-Monster zerstört und auf den Friedhof gelegt werden würde, solange diese Karte verbannt ist: Du kannst es stattdessen verbannen.

      Scrap Gear
      Falle/Dauerhaft
      Solange du ein "Celestial Gear"-Monster durch seinen eigenen Effekt vorzeigst: Du erleidest keinen Schaden. Zerstöre diese Karte während der dritten End Phase deines Gegners nach ihrer Aktivierung.

      Gear Recovery
      Falle/Normal
      Aktiviere nur, wenn 1 "Celestial Gear"-Monster zerstört wird: Ziehe 1 Karte und falls du das Monster durch seinen eigenen Effekt auf die Hand nimmst und dieses Monster in diesem Duell seinen Effekt eingesetzt hat, der nur einmal im Duell benutzt werden kann, kann es diesen erneut aktivieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin
      Monster/Fusion/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>
      2 x "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsbeschwörung beschworen wird: Wähle 2 Karten von deinem Deck; lege sie in belieber Reihenfolge auf dein Deck. Wenn dein Gegner einen Angriff deklariert: Du kannst die Position dieser Karte ändern. {????}

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow
      Monster/Synchro/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>
      1 Empfänger + 1 Nicht-Empfänger "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: Du kannst die Position aller offenen Monster deines Gegners ändern; die Position jener Monster kann nicht geändert werden. {????}

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix
      Monster/Xyz/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1000 {4} PSC: <9/9>
      2 x Stufe 4 "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Xyz-Beschwörung beschworen wird: Du kannst 1 offenes Monster deines Gegners mit einer Stufe als Ziel wählen; zerstöre das Ziel. Dein Gegner kann bis zur x-ten End Phase keine Monster mit gleicher oder höherer Stufe als Spezialbeschwörung beschwören, wobei "x" der Grundstufe des Ziels entspricht. {????}


      PDF-Version

      Nächste Folge wird dann so manche Frage beantworten.
      Es wird mal wieder Zeit das auch ich ein paar Worte zu deinem "Werk" verfasse(jetzt mit dem 100. Kapitel darf es ja wohl als "Werk" bezeichnet werden). Ich will gar nicht zurückrechnen, zu welchem Turn ich den letzten geschrieben habe...ich schäme mich schon minimal dafür...

      Zur 100 und mehr

      Ich und viele andere haben sich bestimmt gefragt, ob du zum 100. Kapitel etwas ganz besonderes machen würdest, doch wie es auf dem ersten Blick erscheint hast du dich für den normalen Verlauf deiner Geschichte entschieden. Und trotzallem erscheint es mir so, als wären ein paar versteckte Zeilen von dir eingebaut worden.
      Es fängt ja schon interessant damit an, das wir erneut ein Match zwischen Anja und Kali erleben. Seitdem du sie in der zweiten Staffel eingeführt hast(hoffentlich irre ich mich da jetzt nicht,... es ist viel Zeit seither vergangen), konnte sie bisher nie wirklich scheinen, mMn. Sie war zwar immer irgendwie da, aber doch eher passiv und mit wenig Pressure. Sie war einfach nur eine störende Variable in Anjas Formel zur Duel Queen. Doch was mich überrascht hat: ihr von Anja geklautes Celestial Gear Deck war an sich immer ein Deck, welches der Inbegriff von Power war. Schließlich gehörte es ja auch einem der gefährlichsten Gegner aus der ersten Staffel und an sich konnte man bisher immer spüren, welchen Druck dieses Deck im Duell ausgeübt hatte.
      Und hier wird es sehr interessant. Denn während das alte Celestial Gear unglaublich viel Druck ausgeübt hat, wirkte diese neue Version regelrecht schwächlich. Als du es dann selber angedeutet hast, mit der Verwunderung Anjas war ich eigentlich der Hoffnung dass du irgendwas sehr großes geplant hast. Als die Karten dann gependelt wurden, und sich Anja schlappgelacht hatte, hatte ich schon den Gedanken sie habe sich darüber lustig gemacht, dass alle gependelten Monster schwächer waren als Gem Knight Pearl(der, wenn wir zurückdenken, von Anja immer als der schwächste dargestellt wurde).

      Aber gerade diese Stelle fand ich wieder besonders interessant. Du hebst ja nochmal genau hervor, wie Anja sich über Kali lustig macht und sie als "schlechte Kopie" darstellt, während sie nur mit "Hast du jemals an einem großen Turnier teilgenommen und bist so weit gekommen wie ich?". Gerade das fand ich besonders interessant, da man die letzten Kapitel immer wieder gespürt hat, dass Anja von ihrem Erfolg beim Turnier eine Menge neues Selbstbewusstsein dazugewonnen hat. Ob nun beim Spiel gegen ihre Cousine, die sie regelrecht zerquetscht hat, oder dem Spiel mit Matt wo sie explizit erwähnt wie sie ihn nicht direkt plattmacht(obwohl sie ja so einer mächtigen Karte wie Yggdrasil gegenüberstand), nur damit er wieder zur Vernunft kommen kann. Auch hat sie seitdem eine komplett andere Art von Arroganz gezeigt bzw. entwickelt. Von der immer wütenden und immer vorschnell handelnden Anja wurde ganz langsam aber sicher eine Anja, die kontrollierter handelt und die auch außerhalb eines Duells anders handelt. Ob sie nun mit ihrem Turnier-Rivalen einen schönen Nachmittag verbringt, oder ob sie einfach nur zuschaut wie Nick gegen alle ihre Freunde spielt und sie daraufgehend eine rationale Entscheidung trifft. Allgemein ist sie viel rationaler und erscheint einem auch sehr viel erwachsener als früher. Ich kann mich schon gar nicht mehr daran erinnern, wie lange sie schon nicht mehr ihren Baseball-Schläger mit eigenen Namen geschwungen hat.

      Um aber nochmal kurz auf Kali zurückzukommen: dass du zum ende spoilerst das Kali scheinbar Anja darstellen soll, macht es wieder sehr spannend und löst scheinbar einige Rätsel. Denn bis heute hab ich mich die ganze Zeit gefragt, was Anjas Bruder, und noch viel wichtiger, ihr Vater, mit alledem zu tun haben. Zwar sind beide durch ihr Blut(aka. der Fähigkeit Äther zu "sammeln") mit der "dämonischen Seite der Welt" verbunden, und trotzdem haben wir sie damals beim Kampf im Turm nicht dabei gehabt. Doch jetzt hätten wir eine direkte Motivation beider, warum sie Anja daran hindern wollen, voranzukommen. Schließlich scheint es mir so als wäre Kali eine Parallele Version von Anja(aus der Zukunft oder einem parallelen Universum oder so), und stellt die Zukunft da, die ihr drohen mag. doch wie es scheint gibt es im nächsten Kapitel genaueres dazu. Ich bin gespannt. Doch ich frage mich, ob Kalis Geheimnis nachher große Auswirkungen auf Anjas aktuelle Persönlichkeitsentwicklung haben könnte.
      Puh habe heute nun einige Kapitel nachgelesen.

      Spoiler anzeigen
      Also das Kapitel mit Nick war der Hammer. Batman vs Green Latern , Wonderwoman, Manhunter eh ich mein Nick vs Matt, Valerie und Zathe war echt episch. :) Nicks neueste Kräfte sind aber ganz cool. Auch wenn sie noch recht schwach sind. Das er jetzt mit dem Sammler zusammen arbeitet ist aber doch seltsam. Wobei er ja nur so tut um selber an Artefakte zu kommen. Ich dachte eigentlich das er vllt mit Anja reinen Tisch machen will und ihr gesteht das er ihr Bruder ist. Aber das hebst du dir wohl auf :) . Genauso wie du dir das zerstörte Dorf von Matt aufgehoben hast. Matt erhählt ja gleich 2 Power ups. Einmal sein altes und einmal Exction Knight. Wobei er erstaunlicher Weise noch immer schwächer als Anja ist. Anja ist Mal herzensgut und hilft Matt in der Stunde seines Wahnsinns. In der letzten Folge zeigst du uns endlich Anja vs Anja erneut. Meine Theorie das Kali die echte Anja ist stimmt also zumindest teilweise. Wobei mir inzwischen die Theorie aufkommt das Kali Anjas verloren gegangener Äther ist. Oder zumindest etwas davon was nicht zum Sammler gekommen ist.

      Achja musste an der Stelle lachen wo Zahnte weg gesprungen ist.

      Zahnte: Riecht ihr das auch?
      Anja: Nein was den?
      Matt: Hallo ich habe hier einen wichtigen moment.
      Zahnte: Riechst du das nicht Anja?
      Anja: Nein tue ich nicht! Kümmere dich Mal um Matt der bricht hier gleich zusammen.
      Zahnte: Also wenn du das nicht Riechst werde ich wohl nachgehen müssen.
      Anja: Dein scheiß ernst? Du machst dich über meine Verantwortungslosigkeit so lange lustig und wenn es darauf ankommt ziehst du den verdammten Schwanz ein? Was bist du ein Huhn oder ein Wolf?
      Zahnte: Sorry Anja ich rieche eben den Plot.
      Anja: Wie kann man einen Plot riechen? Hey du bastard hau nicht ab!
      Matt: Anja du bist die Inkarnation des bösen!
      Anja: Oh shit. Bist du bessesen?
      Matt: Nein ich wünschte ich währe es.
      Anja: -_-
      /spoiler]
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      @-Aska-
      Zu viel des Dankes, bin froh dass die Geschichte weitergeht.

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      Folge 100


      Kali ist also auch Anya. Das erklärt erstmal nicht viel. Eine Hypothese von mir wäre dass sie durch die Beeinflussung des Ätherstroms entstanden ist. Immaterielle meinten ja immer, dass sie dem Schicksal einen neuen Pfad hinzufügen. Es könnte sich also um Anya handeln, wie sie sich entwickelt hätte, wenn die Pfade einen normalen Weg genomme hätten. Durch die extreme Nutzung dieser Fähigkeit, sowohl von Anya als auch ihren Gegnern könnte sich dann genug für ein zweites Ich ergeben haben, vielleicht durch Unterstützung von Gardenia, die Pfade die nie stattfanden zusammenlegte.


      Anderer Bereich, Treffen bei den Redfields.
      David ist wohl tatsächlich ein Guter; aber der Sammler auch? Mal sehen. Jedenfalls interessant, dass ein Homunculus funktionieren kann, macht die Hoffnung, dass die Undying das auch hinkriegen, wobei der Sammler auch deutlich stärker ist. Der Handel durch den der Sammler Excel-Monster bekam, ist dann wohl der mit Henry. Lee taucht dort auch auf, mich interessiert aber mehr warum er sich wirklich dort rumtreibt. Auch wenn er tatsächlich so langsam im Kopf ist, wird er irgend eine andere Mission aufgetragen bekommen haben, sonst würde ihn die Witwe Carrington weiterhin bei sich halten. Und dann auch noch Marc. Den hatte ich eigentlich komplett abgeschrieben, aber wenn er zurück kommt wird er wahrscheinlich wichtiger als in der letzten Staffel werden.


      Nächste Folge dann also noch ein Pearl. Frag mich ob dieser dann auch mehr als nur eine Karte ist.

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      Kali zeigt eine völlig andere Seite. Weniger Rachepläne, sondern vernünftige Überlegungen, wie man sie leicht nachvollziehen kann, zB. im Zusammenhang mit den Kollateralschäden von Zachs Attentat auf Anya. Das lässt sie menschlich erscheinen und erstmals nicht nur wie eine knallharte Antagonistin wirken, sondern wie jemand mit in Anbetracht der Umstände berechtigten Interessen, die von rationalen Erwägungen weitgehend durchdrungen sind. Das sieht man für mich auch daran, dass sie Matt ein Stück weit heraushält. Was sie wohl damit meinte, dass er etwas mit der Sache zu tun hat? Egal, während sich die Enthüllung von Kalis Plänen immer weiter anbahnt. Anyas Lachanfall ist ein bemerkenswertes Zeugnis von Souveränität, mit dem ich nicht gerechnet habe. Klar hat sie sich weit entwickelt, aber dass sie ihre Lage so weit akzeptiert, dass sie in der Position ist, um über die Rechtfertigung des Strebens ihrer Gegner nachzudenken ohne mit der Problematik der realen Umstände zu hadern...wow. Damit zweifelt sie das Schicksal an, statt ihm nur zu trotzen, fragt nach seiner Berechtigung und fordert ein (oder zurück?), was ihr selbst in gewisser Weise zusteht. Kalis Identitätsoffenbarung am Ende bleibt unvollständig. Aber wenn sie Matt bereits kennt, muss sie am Ende doch ihre Mutter sein. Zumindest wüsste ich nicht, wie man ihre Verwandtschaft, sofern man diese aus ihrem Aussehen ableiten kann, sonst im Kombination damit erklären könnte, außer indem sie bereits vorkam und zwar eben genau als Anyas Mutter. Aber was ist mit der Narbe? Kann mich nicht erinnern das Anyas Mutter so eine gehabt hätte. Nebenbei bemerkt noch spannend, das es für Kali längst nicht nur ein Triumph war, obwohl sie so lange darauf hingearbeitet hat, Anya zu vernichten.

      Das der Clown Lee wieder auftaucht und es Marc schafft, sogar eine ähnlich schlechte Figur zu machen, tut mir leid für ihn. Was David Valerie danach zu sagen versucht, lässt mich unweigerlich an die letzte Szene mit Anya und dem Sammler zurückdenken. Es wird sich sicher noch zeigen, was er konkret für den Sammler vorzubringen hat, aber was soll das sein? Der Sammler wollte die ewige Ordnung korrumpieren und hat deren Wächter, die Undying massiv angegriffen. Von allem anderen Mal abgesehen. Sicher wird man das erklären können. Aber es spricht nach bisherigem Stand eindeutig viel gegen ihn.

      Als hätte das Jubiläum es hervorgerufen häufen sich die Rückmeldungen von den Lesern. Das ist doch schon mal was :)

      So, dann an dieser Stelle herzlichen Dank für die vielen Kommentare.
      Es hat mich sehr gefreut, euch spekulieren zu sehen. Ich hoffe, euch mit dieser Folge dafür "belohnen" zu können.

      @Deckcreator16
      Dann bedanke ich mich umso mehr, dass du jetzt was geschrieben hast. :)

      Ja, Kali kam in der zweiten Staffel zum ersten Mal vor. Ich gebe dir auch Recht. Kali konnte zwar Nick besiegen, doch danach hat sie immer nur Niederlagen kassiert – vom Maskierten Dämon, Anya ... ob es diesmal was wird? Es ist halt auch die Tatsache, dass Kali das CG-Deck inzwischen anders spielt.

      Ich finde es auch sehr schön, wie du Anyas Entwicklung siehst. Sie ist weit ab perfekt zu sein und ich denke, arrogant ist sie immer noch in manchen Belangen, aber sie hat vieles gelernt. Und ja: Barbie kam schon Ewigkeiten nicht mehr vor. Die Kleine wird erwachsen. T___T

      Natürlich hätte ich für die 100. Folge auch ein Special machen können, aber ich denke, das Geheimnis zu lösen, was sich hinter Kalis Maske verbirgt, war da doch interessanter.
      Und alles, was dahinter steht, wird natürlich große Auswirkungen haben. Einen ersten Vorgeschmack darauf gibts im Anschluss.

      Nochmal vielen Dank, dass du dich wieder gemeldet hast. :)

      @WiR
      Auch schön, dich wieder hier zu sehen. :)

      Freut mich, dass dir die Folge mit dem 1 VS 3 gut gefallen hat. Dass Nick mit dem Sammler zusammenarbeitet hat natürlich seine Gründe. Im Englischen gibts dazu ein Sprichwort: "Keep your friends close but your enemies closer".
      Ich denke, was Nicks Geheimnis angeht, wird es noch viele interessante Verwicklungen geben.

      Matt kann eben gegen Plotarmor nicht gewinnen – zumindest nicht in der Folge. XD

      Und jop: Zanthe wurde vom Plot weggelockt. Zu dumm.

      Danke für deine netten Worte. :)

      @MelleMel
      Trotzdem freue ich mich über deine Kommentare, also danke nochmal. :)

      Deine Theorie ist sehr interessant, die habe ich so noch nicht gehört bisher. Auch dass Gardenia dahinter steckt. Mal sehen, ob das mit dem übereinstimmt, was wir heute erfahren werden. ^^

      Dass David ein funktionierender Homunculus ist, ist schon mal ein Anfang. Ist halt die Frage, wie lange er schon lebt und wie es mit ihm weitergeht. Ich würde per se nicht unterschreiben, dass der Sammler wirklich stärker als die Undying ist. Eher ebenbürtig – was auch schon viel heißt.

      Was Lee und Marc angeht, haben die noch keine Rolle. Aber sie bekommen beide noch eine, ist nur die Frage, wie groß sie wahrgenommen wird. Es sind eben beides keine Mains, anders als Abby, die in Staffel 3 wieder wichtiger geworden ist.

      Viel Spaß mit der nächsten Folge. :)

      @Mcto
      Auch dir herzlichen Dank. Um deinen Post von hinten aufzurollen: Ja, scheint, als hätte das Jubiläum (oder Kalis Gesicht) was gebracht. Ick freu mir. :)

      Ich denke, du wirst in der nächsten Folge feststellen, dass Kali durchaus nachvollziehbare (oder gerade auch nicht) Gründe für ihr bisheriges Handeln hat. Hab übrigens nicht erwartet, dass Anyas Lachanfall so starke Reaktionen bei den Lesern hervorruft. Man lernt immer wieder dazu. :)

      Abgesehen davon, werden gleich viele Fragen erstmal beantwortet.
      Jeder hat ja seine eigene Theorie. Ich fasse nochmal zusammen:

      Kali ist Anyas Mutter (du)
      Kali ist eine Anya, die durch unbenutzte Schicksalspfade entstanden ist (MelleMel)
      Kali ist der verlorene Äther Anyas oder das Original (WiR)
      Kali ist Anya aus der Zukunft / einer Parallelwelt (Deckcreator16)

      Sehr interessant. :)

      Ja, David kann nicht wirklich für seinen Meister argumentieren. Zumal David ebenfalls nicht alles weiß bzw. leicht manipuliert werden könnte.

      In diesem Sinne vielen Dank auch dir. :)


      Genug gequatscht ...

      Turn 101 – Square The Circle
      Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Angekettet stand Anya da, gefangen in einem durch Kreide markierten Bannkreis und stand Kali gegenüber. Hinter ihr war Matt an einem Pfeiler im Sitzen festgebunden. Beiden entglitten nach und nach die Gesichtszüge. Vor Kalis Füßen lagen die Scherben ihrer zerbrochenen Porzellanmaske.
      „Willkommen in der Hölle“, knurrte die selbsternannte Dämonengöttin, die abseits einer langen Narbe auf ihrem Gesicht genauso aussah wie Anya, „deiner ganz persönlichen Hölle.“
      Fast schon nebensächlich waren da die weiße Mechaschwalbe, der schwarze Kauz, das 'Violettkehlchen' sowie der größere Metallstorch und der großschnabelige Albatros, die sich um Kali scharten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow [ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 PSC: <9/9>]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Albatross [ATK/500 DEF/0 (4)]
      Celestial Gear – Synthetic Armored Stork [ATK/1400 DEF/1500 (4)]

      Als wäre sie dir aus dem Gesicht geschnitten! Was ist sie?

      Levrier, der vor Anya in seiner [Gem-Knight Pearl]-Form ebenfalls auf dem Spielfeld verharrte, drehte sich zu dem schockierten Mädchen um. Die brauchte einen Moment, um überhaupt zu reagieren, ehe sie knurrte: „Sicherlich nicht ich!“
      „Bestimmt nicht“, stimmt auch Kali ihr darin zu.
      Vorsichtig begann Anya zu lachen. „Heh! Für einen Moment hattest du mich. Das ist wirklich originell, viel besser als deine Rachepläne!“
      Aber ihre Widersacherin verzog keine Miene. „Nicht mehr lange und du bist für immer fort. Dann bekomme ich zurück, was du mir genommen hast.“
      Tatsächlich spielte sie auf Anyas Lebenspunktestand an. Vor dem Mädchen, das zwei Karten in der Hand hielt, lag eine verdeckte Karte. Zudem strahlten neben beiden Mädchen links und rechts von ihnen hellblaue Lichtsäulen. In Anyas befanden sich der [Gem-Tiger] und [Gem-Knight Tiger's Eye], ein peitschenschwingener Ritter mit dreieckigem Helm, dessen Farbgebung an einen Tigerkopf erinnerte. Dagegen befanden sich in Kalis Lichtsäulen der goldene [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix] mit roten Schwanzfedern und der silberne [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon], ein Greif mit grün-gestreiften Pranken.

      <2> Anyas Pendelbereich <8>

      [Anya: 1500LP / Kali: 4000LP]

      <3> Kalis Pendelbereich <9>

      „Und was zur Hölle habe ich dir genommen?“, fragte Anya wütend. „Rück' endlich mit der Sprache raus!“
      Kali hob langsam die Hand. „Ist das nicht offensichtlich? Meine Identität. -Ich- bin Anya Bauer. Die echte! Und du? Du bist nichts weiter als eine Fälschung!“
      Die Worte trafen das blonde Mädchen wie ein Schlag, besonders als die Kuttenträgerin ihren Zeigefinger auf sie richtete.
      „Eine Fälschung? Die echte Anya Bauer!?“ Matt beugte sich vor. „Unmöglich! Sie ist Anya!“
      Ihm einen leblosen Blick schenkend, zischte Kali leise vor sich hin. „Yeah. Natürlich denkst du das, Summers. Würde ich an deiner Stelle auch.“
      „Haha! Du bist durchgeknallt!“, fauchte Anya und gestikulierte wild. „Sag nicht, du glaubst den Scheiß, den du da von dir gibst!? Ich bin keine Fälschung! Wenn überhaupt, dann du!“
      „Vielleicht ist sie so etwas wie eine Marionette“, mutmaßte Matt, „die glaubt, sie sei das Original.“
      „Wir sind hier nicht in einem Videospiel!“ Kali ballte beide Fäuste. „Egal was ich auch sage, es würde nichts ändern, Summers. Und das Schlimmste ist, dass ich selbst an allem Schuld bin.“
      Sie sah Anya tief in die gleichen blauen Augen, die sie selbst besaß. „Weil ich das Miststück erschaffen habe!“

      ~-~-~

      „Wie lange soll dieses Versteckspiel noch weitergehen?“, rief Zanthe angesäuert.
      Er stand verlassenen mitten im Wald nahe San Augustino. Hier und da stand ein Baum oder Busch, das Moos unter seinen Füßen roch angenehm. Aber es konnte den Geruch von Falschheit nicht überdecken.
      „Böser großer Bruder.“ Der Werwolf sah sich um, aber konnte niemanden entdecken. „Du hast mich weggelockt, ich hab's verstanden. Also zeig dich. Sonst hol' ich dich aus deinem Versteck hervor.“

      Welches er möglicherweise gerade in der Ferne entdeckt hatte. Auf etwa hundert Meter konnte er eine braune Erhöhung zwischen mehreren Bäumen entdecken. Was auf den ersten Blick wie ein riesiger Haufen menschlicher Ausscheidungen aussah, war jedoch in Wirklichkeit ein von der Zeit vergessener Bunker. Rostig und oval geformt, stand er genauso verlassen im Wald wie Zanthe.
      „Interessant“, murmelte der schwarzhaarige Kopftuchträger mit dem Pferdeschwanz und rannte auf den Bunker zu.

      Als er dort ankam, stellte sich heraus, dass dieser in seinem Inneren hohl war. Eine massive Tür versperrte den Weg ins Innere, wie Zanthe schon aus der Ferne bemerkte.
      „Willst du immer noch nicht mit mir spielen?“, fragte er und bückte sich dabei. Kaum hatte er einen Stein aufgelesen, wirbelte er um die eigene Achse und schleuderte ihn in eine der Baumkronen hinter ihm. Doch der Stein, der den blonden, großen Zachariah Bauer hätte treffen sollen, flog durch ihn hindurch.
      „Das tue ich doch schon die ganze Zeit“, sprach jener, der plötzlich im Inneren des Bunkerinnenraums stand und die Arme verschränkte.
      Seelenruhig drehte sich Zanthe grinsend um. „Schade. Ich wusste, dass du woanders bist, hatte aber trotzdem irgendwie gehofft, dir die Klöten wegzufegen.“
      „Solltest du nicht woanders sein?“, fragte der junge Mann in weißem Hemd und darüber liegendem, gleichfarbigen Sakko provokativ. Eine protzige, goldene Kette hing um den Hals von Anya Bauers älterem Bruder.
      Zanthe verschränkte die Arme hinter dem Kopf. „Schätze schon. Als ich wusste, wen ich da jage, hätte ich besser Anya vor euch warnen sollen. Aber um ehrlich zu sein mache ich mir keine Sorgen um sie. Oder Matt.“
      „Und das ist ein Fehler“, entgegnete Zachariah mit süffisantem Grinsen, „stell dir vor, sie und der Dämonenjäger hatten einen heftigen Streit. Denkst du, Kali konnte da widerstehen?“
      „Denkst du -ich- kann der Gelegenheit widerstehen, dich ein bisschen auszuquetschen?“

      Tatsächlich bereute Zanthe seine Entscheidung längst. Er hatte zu lange gebraucht, um den Geruch zuordnen zu können. Und als es ihm gelang, war er schon mindestens eine Meile von Anya und Matt entfernt gewesen. Was ihm jetzt blieb war bloß, diesen Spinner zu fangen und das Beste aus der Situation zu machen. In dem Fall bedeutete dies für Zachariah unschöne Verhörmethoden, ausgestattet mit dem Anya Bauer-Gütesiegel. Die … ein wenig an seinen Geschmack angepasst waren, verstand sich.
      Er wollte schon lange mal mit ihr die Rollen tauschen, dachte Zanthe insgeheim fasziniert.

      Völlig ernst, um seine fragwürdigen Gedanken zu verbergen, fragte er: „Also, ist jetzt Schluss mit dem Wegrennen?“
      Der Blonde nickte. „Leider ja. Ich habe alle Teleportationszauber aufgebracht, die Lady Gardenia mir gegeben hat.“
      „Zu schade aber auch“, murmelte Zanthe verheißungsvoll und ließ die Fingerknöcheln knacken.
      „Wem sagst du das? Ich wäre zu gern dabei, wie Kali mein 'Schwesterherz' auseinander nimmt“, lachte sein Gegenüber böse und breitete die Arme aus, „was genau -jetzt- passieren sollte.“
      „War das alles geplant?“
      „Ich bitte dich. Wir beobachten euch schon eine ganze Weile. Also wussten wir auch, dass ihr hierher kommen würdet.“ Zach drehte sich um, betrachtete die Bunkertür. „Da wir euch voraus waren, konnten wir ein bisschen rumschnüffeln. Und sind dabei auf dieses Baby gestoßen. Wahnsinnig cool.“
      Er wandte sich wieder dem Werwolf zu. „Vier unterirdische Bunker, alle miteinander durch Gänge vernetzt. Hat so ein paranoider Reicher in den sechziger Jahren gebaut. 'Die Russen kommen'! Oder irgendwie so. Wir hatten keine Zeit, sprich keine Lust, uns mit der genauen Geschichte auseinander zu setzen.“
      „Ist Anya da drin?“, fragte Zanthe angespannt und sah an ihm vorbei.
      „Natürlich ist sie das. Immerhin will Kali diesen Ort zu ihrem Mausoleum machen“, lachte Zachariah finster, „aber du glaubst hoffentlich nicht, dass du auch nur ansatzweise in ihrer Nähe bist, oder? Im Gegenteil. Dieser Bunker ist am weitesten von ihrer Position entfernt.“
      Aber der Werwolf grinste überlegen. „Macht nichts. Ich bin flink.“
      „Oh. Und du glaubst hoffentlich auch nicht“, sprach Zach weiter und hob den Arm, an welchem seine Duel Disk ausfuhr, „dass ich dich hier durchlasse.“

      Die beiden sahen sich schweigend an. Dann rollte Zanthe mit den Augen und aktivierte seinen Duellhandschuh, der sich von einem Armreif in besagten Apparat transformierte. „Oh man, das sagst du als schlechtester Türsteher überhaupt. Wie viele Züge hat Anya letztens gebraucht, um dich wegzuklatschen?“
      Mit vollem Genuss sah er, wie sich die Augen des großen Blonden weiteten.
      „Glaubst du da geht noch was? Du stehst auf der Liste der Versager nämlich noch über Matt Summers“, stichelte Zanthe weiter, „und das will was heißen.“

      Diese Idioten, dachte er dabei an jenen und Anya. Er konnte sich schon denken, wie deren Streit zustande gekommen war. Nicht, dass es nicht unausweichlich gewesen wäre, aber trotzdem!
      Er konnte Anyas Spur nicht wittern. Sie war also nicht hier gewesen. Aber ihr Bruder wäre auch schön dämlich, ihn genau an den Ort zu führen, wohin Anya verschleppt worden war.
      Vielleicht waren er und Matt ja doch wenigstens auf einer Stufe …

      „Was ist jetzt?“, fragte Zachariah herausfordernd und winkte den Werwolf mit einer Geste demonstrativ zu sich. „Willst du lieber quatschen oder wenigstens versuchen, das Mädchen zu retten?“
      „Richtig …“
      Angestachelt davon riefen beide schließlich: „Duell!“

      ~-~-~

      „Erschaffen!?“, überschlug sich Anyas Stimme förmlich. „Du? Mich!? Bist du jetzt völlig übergeschnappt!?“
      Die festgekettete Blonde drehte ihren Zeigefinger um die Schläfe.
      Anders als Matt, der sich die Geschichte zumindest anhören wollte. „Du musst zugeben, dass das absurd klingt, Kali. Hast du irgendwelche Beweise dafür, dass du Anya Bauer bist?“
      „Natürlich hat sie das nicht!“, fauchte diejenige, die bisher diesen Namen innehatte, außer sich über ihre Schulter an den angebundenen Dämonenjäger gerichtet. „Summers, auf wessen Seite stehst du eigentlich!?“
      „Auf gar keiner“, kam es eisig zurück.
      Anya zuckte erschrocken zusammen. Dann senkte sie den Kopf getroffen. „'kay …“
      „Also?“, forderte Matt an die Kuttenträgerin gewandt.
      „Ihr wollt Beweise? Natürlich könnte ich euch Fragen stellen lassen, aber das nicht besonders kreativ. Noch dazu wüsstest du gar nicht, ob ich die Wahrheit sage.“ Kali lachte bitter. „Denn -sie- würde es abstreiten, auch wenn die Antwort noch so detailliert wäre.“
      „Hmpf!“
      „Wie wäre es dann damit.“ Kali streckte die Hand nach vorne aus. „Ich werde ein Monster beschwören, dass nur Anya Bauer besitzt. Ich errichte das Overlay Network!“
      Vor ihr öffnete sich ein Schwarzes Loch. „Aus meinen beiden Stufe 4-Monstern wird ein Rang 4-Monster!“
      Sofort wurden ihre beiden größeren Vögel als gelbe Lichtstrahlen in den Wirbel gezogen.

      Oh! Ich bin ja so gespannt! Was wird es wohl sein, Matthew Summers?

      Thoras' Herumgealbere in seinem Schädel machte die Kopfschmerzen nur noch schlimmer, stellte Matt genervt fest. Das Overlay Network? Welches Xyz-Monster besaß nur Anya? Ihm fielen gleich drei ein, aber man musste kein Raketenwissenschaftler sein, um daraus das richtige zu bestimmen.
      „Sag nicht …“
      „Xyz Summon! Erscheine!“
      Eine gewaltige Explosion erschütterte das Schwarze Loch. Aus diesem stieg langsam eine weiße Gestalt, bei dessen Anblick Anya fast die Augen aus den Höhlen kullerten. Kali schrie: „[Gem-Knight Pearl]!“
      Als sich der Ritter vor ihr platziert hatte, umkreist von zwei Lichtsphären und sieben riesigen Perlen, prustete Anya los: „Wirklich!?“

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Zugegeben, das Ding sah exakt so aus wie Levrier, aber etwas Wichtiges unterschied es dann doch von dem Immateriellen. Nämlich dass es nur ein lebloses Hologramm war.
      „Du hast echt Nerven“, knurrte Anya. Es stimmte, nur sie sollte diese Karte besitzen, wurde sie schließlich als einzige nicht in dem neuen Gem-Knight Structure Deck gedruckt. „Die Idee wäre ja fast gut, wenn du dir nicht jede x-beliebige Karte aus dem Arsch ziehen könntest! Oder dem deiner Mutti!“
      „Warum würde ich Lady Gardenias Zeit damit verschwenden wollen, mir eine so wertlose Karte erschaffen zu lassen?“, kam es von Kali verächtlich. „Ich habe sie nur behalten, weil ich dir damit eine Lektion erteilen will. Und endlich ist die Zeit dazu gekommen. Tch! Ich hätte mich dir schon viel früher zeigen sollen.“
      Anya zischte: „Yeah. Stattdessen hast du jedermanns Zeit verschwendet!“
      „Oh, ich mache es wieder gut! Indem ich dich mit deinem eigenen Monster vernichte!“ Kali schwang den Arm aus. „[Gem-Knight Pearl], greife dein Spiegelbild an! Blessed Spheres of Purity!“
      Jener machte es seiner Herrin nach und befahl mit dem Schwenk seiner Hand seinen sieben Perlen den Angriff. Anya ihrerseits runzelte die Stirn. „Doppelkill!?“
      Doch sie irrte sich. Denn nicht nur der gegnerische Pearl hatte sich in Bewegung gesetzt. Plötzlich fegte auch die weiße Mechaschwalbe über das Spielfeld. Die grünen Streifen an ihrer Lackierung begannen grell zu leuchten und wurden transparent, sodass man das mechanische Innenleben erstmals wie bei anderen Vertretern der Celestial Gears sehen konnte.
      „Wenn ich sage, ich vernichte dich mit deinem eigenen Monster, dann meine ich das auch so! Unterstützt wird mein Pearl, der -echte-, durch den Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow]!“ Kali lachte laut auf. „Jedes meiner Pendelmonster verfügt über einen anderen Effekt, wenn sie als Pendelbeschwörung gerufen wurden. Swallow kann während der Battle Phase auf den eigenen Angriff vernichten, um eines deiner Monster bis zum Ende des Zuges um 2500 Punkte auf beiden Werten zu schwächen! Overgear Collision!“
      Der riesige Vogel flog noch an den herannahenden Riesenperlen vorbei und krachte in Levrier, der gequält aufschrie. Aus der folgenden Explosion kam die Schwalbe unversehrt hervor und flog im hohen Bogen zu ihrer Herrin zurück, während Levrier sich den Bauch hielt.

      Ugh! Das ist … nicht gut …

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 100 DEF/1900 → 0 {4} OLU: 2]

      Noch größenwahnsinniger als je zuvor lachte Kali: „Hahaha! Jetzt bist du gefundenes Fressen für meinen Pearl, Levrier! Fühlt sich so gut an, dich endgültig aus meinem Leben zu verbannen!“
      Der Perlenschwarm näherte sich Levrier unaufhaltsam.
      „Verbannt wird hier nur eins“, knurrte Anya mit Schweißperlen auf der Stirn, „und zwar [Gem-Knight Sapphire] von meinem Friedhof! Durch den Effekt von [Gem-Tiger]!“
      Jener weiße, mit Diamanten am Rückgrat bespickte Tiger in der von Anya aus rechten Lichtsäule brüllte furchteinflößend. „Damit kann ich einmal pro Zug einen Angriff annullieren!“
      Im letzten Moment vor dem Einschlag blieben die Geschosse mitten in der Luft stehen.
      „Kch“, zischte Kali, „daran hatte ich nicht gedacht! Aber damit kannst du diesem Drecksstück die Schmerzen nicht ersparen, die es verdient hat!“

      Wie bitte!?

      „Du hörst richtig! Ohne dich wäre all das nie passiert!“ Als sie das sagte, funkelten Kalis blaue Augen voller Abscheu. „Der Tag, an dem du in mein Leben getreten bist, um Eden zu werden, hat erst hierzu geführt!“
      Sie zeigte auf Anya. „Ich hasse sie! Und ich hasse dich, Levrier! Meine Rache wird erst vollendet sein, wenn ihr -beide- tot seid!“

      Ich muss dich enttäuschen, aber du bist nicht Anya Bauer! Auch wenn du das glauben magst. Ich kann bestätigen, die Seite -dieses- Mädchens nie verlassen zu haben! Ich war stets bei ihr, selbst in der kurzen Zeit zwischen dem Untergang des Turms von Neo Babylon und dem Erwachen Urilas!

      „Halt's Maul!“, fuhr ihn Kali jedoch mit weit aufgerissenen Augen an, zeigte mit dem Finger auf den Immateriellen. „Greif ihn an, [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Overgear Barrage!“
      Der grüne Streifen um die Augen des schwarzen Mechakauzes begann zu strahlen und transparent zu werden. Dann spreizte er die Schwingen und feuerte zahllose, aus dem Nichts auftauchende Metallfedern auf Levrier ab. Welcher sich mit erhobenem Armen dagegen wehrte, doch die scharfen Klingen blieben in ihm stecken.

      Argh!

      Einige flogen an ihm vorbei oder durchbohrten ihn glatt, sodass auch Anya erfasst wurde. Die tat es ihrem Partner gleich und schütze sich, doch die Geschosse zerrissen ihre Hose und die schwarze Jeansjacke. Blut spritzte ihn alle Richtungen.
      „Ugh!“ Gerade als die Blonde dachte, es wäre vorüber, wurde ihr durch die Kette an ihrem Bein ein heftiger Stromschlag verpasst. „Hyah!“
      Keuchend kippte das blutende Mädchen nach vorne.

      [Anya: 1500LP → 600LP / Kali: 4000LP]

      „Anya! Levrier!“, schrie Matt erschrocken.
      „Was!?“, fauchte Kali, lachte dann aber verbittert. „Oh! Du meintest sie. Mein Fehler …“
      Alles war taub. Die gerufene Anya konnte sich geradeso mit den Händen vom kalten Beton abstützen und kniff die Augen ob der blutigen Schnittwunden an Armen und Beinen zusammen.
      Es tat nicht weh! Fuck, es tat nicht weh! Und der Schmerz ließ nach …

      Geht es dir gut?

      „Y-yeah“, keuchte Anya, als sie sich aufrichtete. „Was ist mit dir? Du bist noch hier?“
      „Natürlich ist er das. Von Swallows Effekt getroffene Monster können nicht durch Kämpfe zerstört werden. Und das ist auch gut so“, erklärte die junge Frau mit der Narbe auf der Stirn, die sich bis über ihre Nase zog, „so kann er noch ein wenig mehr leiden. Genau wie du, Fälschung!“
      Darüber konnte Anya nur müde lachen. „Die Leier schon wieder? Du tust mir leid. Glaubst ernsthaft, dass du ich wärst.“
      Matt musste bitterböse auflachen. „Sie ist wohl die Erste, die gerne in deiner Haut stecken will.“
      „Was soll das heißen, Summers!?“, kam es tatsächlich gleich von beiden, sodass die sich giftig ansahen.
      „N-nichts“, stotterte er heiser ob der Vorstellung, gleich zwei dieser Furien ausgesetzt zu sein.
      Plötzlich streckte Kali die Hand aus. „Da ich dir Schaden zugefügt habe, setzt jetzt der Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] ein, da es als Pendelbeschwörung aufs Feld kam! Ich darf eine Karte ziehen!“
      Jenes 'Violettkehlchen' gab einen schrägen Singsang von sich, während Kali eine Karte vom Deck riss. „Und direkt danach aktiviere ich während meiner Main Phase 2 den Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Da auch er als Pendelbeschwörung gerufen wurde, kann ich die oberste Karte meines Decks zu seiner Overlay Unit werden lassen!“
      Aus der roten V-Duel Disk stieg eine Lichtkugel auf, die zu dem schwarzen Kauz flog und ihn zu umkreisen begann.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 → 1 PSC: <9/9>]

      „Das soll's fürs Erste gewesen sein“, meinte Kali zufrieden, „dein Zug, Fälschung!“
      Anya knirschte mit den Zähnen ob der ständigen, falschen Behauptung, sie wäre nicht echt! Levrier wusste es schließlich besser als jeder andere, wie konnte sie das so frech ignorieren!? Außerdem, wenn sie -wirklich- nicht echt wäre, müsste der Immaterielle doch unter Kalis Fittchen stehen!
      „Blöde Kuh!“, schimpfte die Blonde abschließend. Dabei betrachtete sie ihre schwarze Duel Disk, in der drei Stahlfedern steckten. Eine davon verschwand. Aber solange nur eine davon übrig war, konnte sie keine Monster der Stufe 7 oder höher spezialbeschwören. Und das schloss den [Gem-Eyes Value Dragon] auf ihrer Hand mit ein.
      Gleichzeitig atmete Levrier auf.

      Meine Stärke kehrt zurück!

      Gem-Knight Pearl [ATK/100 → 2600 DEF/0 → 1900 {4} OLU: 2]

      Indes verzog Matt vor Schmerz die Augen. Nicht nur sein Kopf dröhnte, noch dazu taten ihm Teile seines Körpers weh, von denen er nicht einmal wusste, dass er sie überhaupt besaß. Was Thoras sagte, war am Ende doch wahr gewesen: [Primalswarm Yggdrasil] brachte seinen Benutzer eines Tages um. Wenn er ihn noch einmal beschwor, würde das sein Schicksal sein.

      Tja, wenn ich es nicht besser wüsste, könnten die beiden tatsächlich ein und dieselbe Person sein. Aber ich weiß es besser.

      Wenn man vom Teufel sprach. Matt horchte auf. „Was?“

      Ach komm schon, Loverboy! Merkst du es denn nicht? Die beiden Süßen – oder in diesem Fall wohl eher Salzigen sehen zwar aus wie dasselbe Modell 'geschrumpfte Mörderbarbie', aber wenn man mal kurz seine mentalen Fühler-

      „Komm zum Punkt!“, brummte Matt genervt.
      Wodurch der goldene Kakerlakenritter an seiner Seite mit ausgebreiteten Armen schulterzuckend erschien.

      Sie geben eine ähnliche Aura ab, aber keine identische, Matschematt! Um genau zu sein ist die bei der Produktion beschädigte wesentlich schwächer als die, mit der wir uns herumschlagen müssen!

      In dem Moment warf Kali dem Immateriellen einen eisigen Blick zu. „Gratulation, Einstein, du bist ja schnell darin, das Offensichtliche festzustellen. Die Fälschung da hat ihre Conqueror's Soul schließlich wesentlich intensiver genutzt als ich. Und sie hat bei unserem letzten Treffen einen Teil meiner Kraft gestohlen …“

      Yieks!

      Thoras wich mit erhobenen Armen zurück. Anya dagegen beschränkte sich auf: „Bahnhof! Was auch immer, mir egal! Draw!“
      Voller Ehrgeiz zog sie ihre Karte und betrachtete sie einen Moment mit weit aufgerissenen Augen, ehe sie den Arm ausstreckte. „Los Levrier, greif' [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] an!“
      „Idiot“, lachte Kali, „schon vergessen, dass Robin bei einem Angriff die Position wechseln kann!“
      „Nein! Fuck you, Miststück! Schnellzauber [Forbidden Chalice]!“

      Anya Bauer, nein! Du solltest dir diese Karte aufheben!

      „Schnauze!“, fauchte Anya ihren Partner aufgeregt an. „Ich werde nicht zulassen, dass sie mich eine Fälschung nennt! [Forbidden Chalice] negiert den Effekt des Ziels und gibt ihm 400 Angriffspunkte!“
      Kali reckte erschrocken den Kopf hoch, als über ihrem 'Violettkechlchen' ein goldener Kelch mit Wein erschien, der seinen Inhalt über den Mechavogel ergoss. Woraufhin dieser einen Kurzschloss bekam und überall um ihn herum Blitze schlugen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 → 400 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]

      Lautstark schrie Anya: „Blessed Spheres of Purity! Halt nichts zurück, Levrier!“
      Frustriert schnaufend schwang Levrier seinen Arm aus und feuerte seine sieben Riesenperlen auf den Vogel ab. Jene schlugen in ihm ein wie Bomben, lösten abschließend eine mächtige Explosion aus.
      „Effekt meines verbannten Zaubers [Gear Synthesis]“, konnte Kali noch rufen, „sie verbannt mein zerstörtes Monster auf meinen Wunsch hin!“
      Dann wurde sie von einer der fliegenden Perlen in den Bauch getroffen und mit voller Wucht gegen den hinter ihr befindlichen Stützpfeiler geschleudert. In welchem ob des Einschlags ein Krater um Kalis Körper herum entstand. Jene spie keuchend Blut aus.

      [Anya: 600LP / Kali: 4000LP → 1800LP]

      Wie ein nasser Sack plumpste sie anschließend vorne über auf den Boden.
      Matt schrie: „Bist du verrückt geworden!?“
      „Misch dich nicht ein, Summers!“, verteidigte sich Anya sofort aufgewühlt. „Sie foltert mich mit Elektroschocks, also habe ich das Recht mich zu wehren!“
      „Trotzdem!“
      „Wenn dir das nicht passt, hau einfach ab!“
      Sich an ihre am Boden liegende Gegnerin wendend, knurrte die Blonde: „Ich setze eine Karte verdeckt. Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sich jene neben ihrer anderen, gesetzten Karte. Die vorletzte Eisenfeder verschwand dabei aus ihrer Duel Disk.
      „Ha ha“, hustete Kali mehr als sie lachte. Mit einer Hand hielt sie sich den Magen, mit der anderen stützte sie sich vom Beton ab und erhob sich langsam. „Sie hat Recht, Summers. Ich verletze sie, sie verletzt mich. Alles bleibt fair.“
      Der Dämonenjäger schüttelte den Kopf. „Das ist doch Unsinn!“

      Hör bloß auf, diese Furien zu provozieren! Eine von beiden wird sicher überleben und dann geht’s uns an den Kragen!

      Tatsächlich versteckte Thoras sich inzwischen hinter dem Pfeiler, an dem Matt festgebunden war und lugte ängstlich hervor.
      „Soll ich dir sagen, was Unsinn ist?“ Kali, an deren Mundwinkeln Rinnsale von Blut hinunter tropften, grinste hässlich. „Wie diese Fälschung überhaupt entstanden ist.“
      Anya knirschte mit den Zähnen. Ihre Augen drohten aus den Höhlen herauszufallen, als sie zischte: „Nenn' mich noch einmal so und ich hab' kein Problem damit, dich ins nächste Leben zu schießen, Miststück!“
      Aber Kali beachtete sie gar nicht. Stattdessen fokussierte sie sich allein auf Summers. „Was soll ich sagen? Es gibt einen Grund, warum ich wollte, dass du ebenfalls hier anwesend bist. Versteh' mich nicht falsch, von allen Beteiligten trifft dich vermutlich am wenigsten Schuld. Aber dennoch …“
      Der Schwarzhaarige sah in ihre blauen Augen. Für einen Moment glaubte er, Traurigkeit darin zu sehen. „Ich? Was habe ich mit der ganzen Sache zu tun?“
      „Du hast die Wunderlampe angeschleppt“, sagte Kali, „ich habe mir damals von dem Jinn gewünscht, von Levrier getrennt zu werden.“
      Sie hob langsam den Zeigefinger. „Und das wurde ich. Leider hätte ich genauer erklären sollen, was ich damit meine. Du weißt ja, Summers, Jinns sind gut darin, die an sie gerichteten Wünsche misszuverstehen.“
      Das gesagt, ruhte der ausgestreckte Finger auf Anya. „Wie ich es wollte, wurden Levrier und ich getrennt. Indem an meiner Statt ein Sündenbock erschaffen wurde, ein perfektes Imitat, auf das Levrier übertragen wurde. Sie.“
      Anya weitete die Augen. „Du lügst …!“
      „Tu ich das? Dann beantworte mir Folgendes: Denkst du wirklich, dass dein gesundheitlicher Zustand mit dem Handel des Sammlers zu begründen ist?“, fragte Kali eiskalt und wischte sich mit dem Handrücken das Blut von den Mundwinkeln. „Mach die Augen auf. Er belügt dich. Schon die ganze Zeit. Er hat dir nie deine Lebenskraft genommen. Weil es gar nichts gibt, was er dir hätte nehmen können.“
      „Nein … nein!“, widersprach Anya panisch. „Das ist eine Lüge.“
      „Ist es nicht.“ Kali ballte ihre Fäuste zusammen, wurde zunehmend lauter. „Du bist nichts als eine instabile Fälschung, die mein Leben genommen hat! Schon bald solltest du verschwinden, ob ich dazu beitrage oder nicht!“
      „Nein!“
      „Doch! Aber ich will es sein, die dein Leben nimmt! Weil du meines genommen hast! Dafür will ich Rache! Rache für ein Jahr, das ich in den Schatten leben musste, wegen dir! Nochmal wird dich kein Wunder retten, dafür sorge ich!“
      „Ich bin keine Fälschung!“
      Kali übertönte sie mit all ihrer Kraft. „Du bist sogar noch schlimmer als das! Du bist ein Parasit, der vernichtet werden muss! Oder was sagst du, Summers?“

      Matt, der die Szene erschrocken mitverfolgte, überschlug sich förmlich. „I-ich!? Haltet mich da raus!“
      „Was ich sage ist die Wahrheit!“, beharrte Kali bitter. „Vielleicht glaubst du mir ja, wenn ich dir sage, was während der Begegnung mit dem Jinn passiert ist.“
      Anya indes befahl aufgelöst: „Hör nicht hin!“
      „Na, kriegst wohl langsam Panik, was?“ Die Kuttenträgerin schloss die Augen. „Nach dem Wunsch wurde mein Körper kopiert. Das war dieses flammende Ding, gegen das du dich duelliert hast und das der Jinn besessen hatte. Mein richtiger Körper wurde in der Zeit in der Wunderlampe eingesperrt.“

      Unmöglich! Anya Bauer war zu diesem Zeitpunkt in ihrem Elysion eingeschlossen!

      „Das war die Fälschung, Levrier“, erwiderte Kali emotionslos, „um dich zu täuschen, während du aus meinem Körper entfernt wurdest.“
      Sie öffnete die Augen und sah Matt an. „Das Innere der Wunderlampe war das, was ich mir immer als Limbus vorgestellt habe. Eine Welt der Leere, aus der es kein Entkommen gab. Also mein Schicksal, wäre ich daran gescheitert Eden zu werden.“
      „W-warte mal, was? Du warst -in- der Lampe?“, fragte Matt irritiert.
      Anya fragte schrill: „Wieso glaubst du ihr den Scheiß, Summers!?“
      Ihre Erzfeindin nickte. „Yeah. Aber ich war nicht allein. Da war noch jemand anderes. Und ich wette, wenn ich dir verrate, wer das war, wirst du mir endlich glauben. Und sie auch.“
      „Warum?“, fragte Matt langsam.
      „Weil das etwas ist, das nur jemand wissen kann, der die Wahrheit spricht. Dein Mentor Alector dürfte dir die Geschichte sicher irgendwann mal erzählt haben, nachdem das mit der Wunderlampe ein vermeintlicher Misserfolg war.“ Kali atmete tief durch. „Und dir hat er es auch erzählt, das weiß ich.“
      Anya schlug beide Hände gegen ihre Brust. „Mir!?“
      „Der Mann, der mit mir in der Wunderlampe eingesperrt war, war derjenige, der sie gefunden hat. Er war auf der Suche nach einem Weg, die Eltern seines Enkels zurück ins Leben zu wünschen. Aber stattdessen hat der Jinn ihn verschlungen.“
      Matt weitete die Augen, keuchte. „Unmöglich. Nein … doch nicht …?“
      „Doch. Er war es.“ Diesmal war es eindeutig Trauer, oder vielleicht Reue, die der Dämonenjäger in Kalis Augen zu sehen glaubte. „Atreus van Helsing. Alastairs Großvater.“
      „Er war eines Tages verschwunden! Alector glaubte auch, dass-“, stammelte Matt.
      „Hör auf zu lügen! Was beweist diese Behauptung denn!?“, überschlug sich Anyas Stimme förmlich, das Mädchen war hochrot im Gesicht. „Ich bin kein Nebenprodukt eines Wunsches! Ich kann mich an meine Kindheit erinnern, an alles, weil -ich- es erlebt habe! Hör verdammt nochmal auf, das für dich beanspruchen zu wollen!“
      „Die Teile fügen sich langsam zusammen. Vielleicht habe ich übertrieben und es ist kein endgültiger Beweis.“ Kali sah sie hasserfüllt an. „Aber es ist der erste Schritt, dich zu entlarven.“

      ~-~-~

      „Das ist die Wahrheit. So hat der Sammler es mir erklärt“, sagte David im dunklen Flur von Valerie Redfields Villa abschließend.
      Jenes schwarzhaarige Mädchen, das nur in einem blau-weiß-gestreiften Bikini und mit einer Schrotflinte in der Hand da stand, brachte keinen Ton mehr heraus.
      „Es tut mir leid, dass du es so erfährst“, murmelte der Schwarzhaarige mit dem blauen Pony beschämt.

      Valerie rang mit ihrer Fassung. Vornehmlich, weil sie nicht einmal wusste, ob sie das Gehörte überhaupt glauben konnte. Einerseits hatte sie keinen Anlass, diesem Kerl zu misstrauen, da er ihr trotz ihrer Differenzen einen aufrichtigen Eindruck machte. Andererseits war er der Diener des Sammlers, des Feindes. Und der sah sicher nicht davor zurück, Lügen einzusetzen, um seine Pläne in die Tat umzusetzen. Sollten sie auch nur dazu da sein, Unruhe innerhalb ihrer Gruppe zu verursachen.

      „Ich weiß nicht, ob ich das glauben kann“, sagte sie schließlich.
      „Das solltest du. Bitte.“ David sah ihr in die Augen. „Der Meister hat Pläne mit eurer Anya, das ist wahr. Aber er … er will ebenso wenig, dass sie stirbt.“
      Valerie schüttelte den Kopf. „Trotzdem werde ich nicht dabei helfen, indem ich Anya überrede, ihre Mission wieder aufzunehmen. Das … das kann nicht stimmen!“
      „Möglicherweise hast du damit Recht. Ich kann das nicht beurteilen.“ David drehte sich von ihr weg und schritt langsam Richtung Haustür. „Aber ich glaube dem Sammler. Er ist kein Lügner. Die Artefakte verstärken verschiedene Attribute ihres Trägers. Das, was ihr [Angel Wing Dragon] nennt, erhöht Stärke, Schnelligkeit und Reflexe.“
      „Was?“, wunderte sie sich leise und folgte ihm dabei.
      „Das Monster Heavy T vermag sogar das Leben des Besitzers verlängern. Und die derzeitige Inkarnation der Zwillingsschwerter, Murciélago, verleiht ihrem Träger die Kraft, die eigene, reine Vorstellungskraft auf den Körper anzuwenden. In Form von Illusionen.“ Vor der verschlossenen Tür drehte er sich zu ihr um. „Und das sind nur drei von sieben Artefakten.“
      „Aber selbst wenn das, was du sagst, wirklich der Wahrheit entspricht. Wie würde das Anya helfen?“
      „Wer im Besitz von allen sieben ist, dürfte theoretisch unbesiegbar sein. Der Meister erhofft sich, dass durch die verschiedenen Kräfte Anyas Existenz stabilisiert wird.“ Der junge Mann im orangefarbenen T-Shirt seufzte. „Aber die, die sie schon hat, reichen dafür noch nicht aus, verstehst du?“
      „Nein“, gestand Valerie leise, zog an ihm vorbei und öffnete die Tür. „Nein, ich verstehe nichts. Bitte geh' jetzt.“
      Resignierend nickte der junge Mann und trat über die Schwelle. Aber nicht, bevor er sich noch ein letztes Mal zu ihr umdrehte. „Sie wird es bald herausfinden. Daher dachte ich, du solltest das wissen.“
      Dann ging er weiter und ließ mitten im Garten der Redfields eines dieser schwarzen, ovalen Portale erscheinen. Im Weggehen winkte er Valerie zu und verschwand schließlich vor ihren Augen.
      Und das Mädchen wusste weiß Gott nicht, was sie von diesem Besuch halten sollte. Hätte sie Marc doch bloß nicht weggeschickt …

      ~-~-~

      Ich hätte es bemerkt, wenn sich etwas an meinem Pakt mit der echten Anya Bauer verändert hätte!

      „Yeah! W-was sie sagt ist völlig unmöglich“, stammelte Anya, am ganzen Leib zitternd auf Levriers Einwurf hin und drehte sich zu Matt um. „Stimmt's, Summers?“
      Der reagierte nicht.
      „M-Matt!?“
      In dem Moment senkte er sein Haupt. „Ist mir egal.“
      „W-was!?“
      „Ich sagte, es ist mir egal wer von euch jetzt die Echte ist!“, fuhr er sie schlagartig an. „Ich bin auf euch beide nicht sonderlich gut zu sprechen.“
      Da erwiderte Kali gefühlskalt. „Yeah. Die Sache mit deinem Waisenhaus. Indirekt bin ich da wohl mitverantwortlich, immerhin habe ich dieses Miststück in die Welt gewünscht. Sorry.“
      „Sorry!? Denkst du, eine Entschuldigung macht das alles wieder gut!?“, schnauzte er dementsprechend die Kuttenträgerin an.
      „Nope. Aber mehr bekommst du nicht.“

      Kali sah von ihm herüber zu einer völlig aufgewühlten Anya, die ihren Freund tief getroffenen ansah. Der mied die Blicke beider Mädchen. So sprach die selbsternannte Rachegöttin: „Was -dich- angeht, habe ich jedoch mehr als genug im Angebot!“
      Schwungvoll riss sie eine Karte von ihrem Deck und streckte den Arm in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum! Höre den Ruf des Phönix! Aus meiner Verbannungszone: [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] und [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker]! Pendulum Summon!“
      Daraufhin stimmte der Mechaphönix einen schiefen, deprimierenden Singsang an. Eine einzelne Träne seinerseits benetzte den Beton vor Kali, wo sich im Anschluss das Pendelportal öffnete und zwei rote Lichtstrahlen abfeuerte.
      Jene nahmen vor ihr die Form des Mecharotkehlchens sowie eines riesigen, schlanken Vogel, dessen spitzer Schnabel sowie der kleine Kamm von magentafarbenen Energiebarrieren umgeben waren, die die Zahnräder dahinter abschirmten.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin [ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>]
      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker [ATK/1800 DEF/1300 (4)]

      „Summers, ich“, stammelte Anya jedoch völlig abwesend, „ich … bereue, dass dir so viel Leid widerfahren ist. Und ich weiß, dass-“
      Aber der junge Mann erteilte ihr eine eisige Abfuhr. „Nicht jetzt. Konzentriere dich lieber.“

      Er hat Recht. Wenn du jetzt einknickst, könnte sie dich besiegen.

      Auf Levriers mahnende Worte hin wandte sich Anya wieder dem Duell zu.
      „Du bist also trotz allem noch auf ihrer Seite?“ Kali lachte verbittert. „'kay, im Grunde genommen kennst du sie ja auch viel länger als mich. Auch wenn sie nur eine riesige Lüge ist.“
      „Ich bin auf niemandes Seite“, stellte Matt nochmals klar.
      Und die Kuttenträgerin nickte. „Gut so. Nun zu dir, Fälschung! Ich aktiviere den Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker]! Damit kann ich sofort eine Karte in meiner Hand zerstören!“
      Anya erinnerte sich, das hatte sie auch schon während ihres letzten Duells getan. Mit diesem Effekt konnte sie Celestial Gear-Monster sofort als Rückbeschwörung rufen! Aber all ihre Monsterzonen waren voll …
      „Ich zerstöre den Zauber [Card Of Last Resort]! Wird der durch einen Effekt vernichtet, darf ich zwei neue Karten ziehen!“ Was Kali auch sofort tat, womit sie nun drei Handkarten besaß.
      Damit hatte Anya nicht gerechnet. „Kch!“
      „Battle!“, rief ihre Feindin schließlich mit ausgestrecktem Zeigefinger aus. „Und nun der Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow]! Leide, Levrier! Overgear Collision!“
      Unmittelbar darauf schoss die weiße Mechaschwalbe auf den Ritter zu und krachte in ihn hinein, was eine Explosion auslöste, welcher sie durch eine Kehrwende elegant entkam. Der Immaterielle hingegen sackte auf den Boden hinab, kniete keuchend nieder.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 100 DEF/1900 → 0 {4} OLU: 2]

      Warum hast du -diese- Karte nicht benutzt?

      „Brauch' ich für später. Und ich brauch -dich- noch!“ Anya knirschte mit den Zähnen. „Du bist der Einzige, auf den ich mich im Moment verlassen kann.“
      „Wie rührend. Aber kann er sich auch auf dich verlassen?“, fragte Kali gehässig. „Deine Lebenspunkte sind zu niedrig, um die ganze Wucht meiner Monster abzuwehren.“
      „Komm doch, wenn du dich traust!“
      „Und ob! Angriff, [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Overgear Barrage!“
      Der schwarze Metallkauz über ihr ließ den grünen Streifen um seine Augen grell aufleuchten, ehe er mit den Flügeln schlug und eine Vielzahl von scharfen Metallfedern auf Levrier abfeuerte. Kali lachte dabei. „Dann wehr' den Angriff mal schön mit [Gem-Tigers] Effekt ab!“
      „Brauch ich nicht! Ich hab zwei verdeckte Karten, du hohle Nuss! Falle, [Tri-And-Guess]!“ Jene sprang vor Anya auf. „Ich bestimme entweder Fusionsmonster, Synchromonster oder Xyz-Monster. Wer von uns beiden dann mehr davon in seinem Extradeck hat, erhält 3000 Lebenspunkte!“
      „Langweilig …“
      „Aber effektiv!“ Vor ihr und Kali erschienen jeweils in drei Reihen die verbliebenen Monster des jeweiligen Extradecks in holografischer Form. Während Kalis Auswahl recht ausgeglichen zwischen allen drei genannten Beschwörungstypen war, überwog bei Anya der lilafarbene Kartenrand deutlich. „Eine Anya Bauer würde niemals freiwillig etwas anderes als ein Gem-Knight-Deck spielen! Wenn hier eine 'ne verdammte Fälschung ist, dann du, Miststück!“
      Anya streckte die Arme aus, als eine violette Aura um sie kurzzeitig aufflackerte.

      [Anya: 600LP → 3600LP / Kali: 1800LP]

      Erstaunlich trocken erwiderte Kali: „Zumindest bin ich nicht diejenige …“
      In dem Moment wurde Levrier von den Geschossen gepeinigt, die auch zu Anya vordrangen und weitere Schnitte im Gesicht, an den Armen sowie an der Hüfte verursachten. Jene schrie zusätzlich schmerzerfüllt auf, als sie von der Kette an ihrem rechten Bein einen heftigen Stromschlag verpasst bekam. Aber sie hielt sich diesmal auf den Beinen.
      „… die eins aufs Maul bekommt.“

      [Anya: 3600LP → 2700LP / Kali: 1800LP]

      Plötzlich begann das Violettkehlchen zu singen. „Da ich dir Schaden zugefügt habe, lässt mich [Celestial Gear – Synthetic Armored Robin] eine Karte ziehen.“
      Bedacht zog Kali von ihrem Kartenstapel und streckte gleich darauf die Hand wieder aus. „Levrier wurde, da er von Swallows Effekt betroffen ist, nicht im Kampf zerstört. Jetzt ist [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker] an der Reihe! Angriff!“
      Jener stieß sich vom Boden ab und flog schnurstracks auf den knienden Pearl zu, verpasste ihm eins mit seinem langen Schnabel. Der weiße Ritter schmetterte rückwärts in Anya hinein, die es diesmal von den Füßen riss. Beide schrien auf, besonders die Blonde, die eine weitere Ladung durch den Körper gejagt bekam. Der harte Aufprall auf den Rücken brachte sie zum Keuchen.

      [Anya: 2700LP → 1000LP / Kali: 1800LP]

      Wieder sang Kalis Fusionsvogel. „Ich habe Schaden zugefügt, also ziehe ich.“
      Fünf Karten hielt sie im Anschluss fest.
      Gleichzeitig stieß die liegende Anya mit der flachen Hand gegen Levriers Helm. „Runter von mir!“
      Der lag auf ihr drauf.

      Verzeihung. Hier.

      „Jämmerlicher Anblick“, kommentierte Kali dies giftig, als der Gem-Knight sich schwebend erhob, umdrehte und Anya aufhalf.
      Matt sah zu Kali herüber, wie sie sich einzig auf die beiden Personen fixierte, die sie am meisten verachtete. Flüsterte: „Könnte es wahr sein? Könnte sie wirklich die Anya sein, die ich damals kennengelernt habe?“

      Weiß nicht. Kenne mich mit Lampengeistern und solchem Kram nicht aus.

      Der Immaterielle in der Form von [Evilswarm Exciton Knight] lugte hinter dem Pfeiler hervor.
      Matt senkte sein Haupt. „Dachte ich mir. Alle, die mir diese Frage vielleicht beantworten können, sind tot.“

      Ja. Das ist blöd.

      Kaum hatte Anya es wieder dank Levriers Hilfe auf die Beine geschafft, da schwang Kali auch schon den Arm aus. „[Gem-Knight Pearl], Angriff! Blessed Spheres of Purity!“
      Mit seiner Hand dirigierte der andere Ritter seine sieben Perlen, die nacheinander auf den Immateriellen zu schossen.
      „Als ob ich dich lassen würde! [Gem-Tigers] Effekt! Ich verbanne [Gem-Knight Tourmaline] und annulliere den Angriff!“
      Der weiße Edelsteintiger in der hellblauen Lichtsäule stieß ein majestätisches Gebrüll aus, dessen Schallwellen die Geschosse kurz vor dem Aufprall stoppten.
      „Tch!“, machte Kali genervt. „Denk bloß nicht, dass du das ewig durchhältst. Ich aktiviere während der Main Phase 2 [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix'] Effekt und mache die oberste Karte meines Decks zu seiner Overlay Unit!“
      Aus ihrem Kartenstapel stieg eine Lichtkugel auf, die sich zu der anderen, um den schwarzen Kauz kreisenden gesellte.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 1 → 2 PSC: <9/9>]

      „Zug beendet!“
      Damit verschwand auch die letzte Feder, die noch in Anyas Duel Disk steckte. Dazu atmete Levrier erleichtert auf.

      Gem-Knight Pearl [ATK/100 → 2600 DEF/0 → 1900 {4} OLU: 2]

      Warum sammelt sie all diese Overlay Units?

      Nein, nein, nein, Levrier! Wieso sammelt sie so viele Handkarten, ohne sie auszuspielen?

      „Klappe, du elende Kakerlake! Die bessere Frage ist, wieso sie mit diesem schwachen Vieh angreift, obwohl sie wusste, dass sie mich so einfach nicht klein kriegen würde“, knurrte Anya genervt auf Thoras' Einwurf hin, „angenommen, -sie- ist wirklich eine Kopie von mir. Dann weiß sie genau, wie ich denke und wozu ich fähig bin.“
      Kali brach in schallendes Gelächter aus. „Du denkst, -ich- wäre die Fälschung? Süß! Ich sag dir was! Es gibt jemanden, der dir bestätigen wird, dass du dich irrst! Der Sammler!“
      „Und ich gebe 'nen Scheiß auf das, was dieser Penner behauptet“, konterte Anya gallig.
      „Also bist du ihm begegnet?“, fragte Matt neugierig.
      „Nicht nur das, ich habe ihn sogar um Hilfe angefleht.“ Wieder ballte Kali eine Faust. „War'n Fehler. Aber das ist auch egal.“

      „Sehe ich genauso! Je schneller du endlich aufhörst, diesen Bullshit zu verbreiten, desto eher kann ich mich um die wichtigen Dinge kümmern.“ Anya sah über ihre Schulter. „Nämlich Summers zu helfen, diesen Bastard Stoltz zur Rechenschaft zu ziehen!“
      Der sah sie für einen Augenblick ziemlich überrascht an. Die Blonde aber wirbelte bereits zu ihrer Erzfeindin herum. „Mein Zug! Draw!“
      Sie zog die Karte schwungvoll und betrachtete sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Dann spielte sie sie wortlos verdeckt aus, wo sie sich zu ihrer im vorigen Zug gesetzten Karte gesellte.
      „Jetzt lernst du -ihn- kennen. Die sieben Züge sind vorbei!“ Anya streckte die Hand in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Zwischen ihren beiden Monstern in den Lichtsäulen bildete sich ein riesiges, buntes Loch, umgeben von zahlreichen Lichtellipsen. „Aus meiner Hand der Stufe 7-[Gem-Eyes Value Dragon]! Pendulum Summon!“
      Aus dem Portal schoss ein roter Lichtstrahl und schlug vor ihr ein. Aus dem Rauch erhob sich ein eleganter Drache, geschützt durch eine goldene Rüstung. An seinem Rücken befanden sich zu jeder Seite drei Tragflächen. Besonders auffällig waren jedoch die in vier farbige, transparente Segmente geteilten Scheiben an seinem Helm – je zu einem Viertel rot, grün, gelb und blau.

      Gem-Eyes Value Dragon [ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>]

      „Das Ding da hat ein Geheimnis und ich habe keinen Bock, es zu lüften“, meinte die Blonde mit einem Nicken zu dem Mechakauz. „Also los, Gem-Eyes! Sight Transition! Damit ändere ich seinen Typen entweder zu Pyro, Donner, Aqua oder Fels!“
      Schon begannen sich die beiden Scheiben an seinem Helm zu drehen, bis sie von Anya das Kommando bekamen. „Donner!“
      Sie stoppten bei den gelben Vierteln, die sich vor den Augen des Drachen zu einem Visor zusammenlegten. Dessen Herrin rief enthusiastisch: „Okay! Damit kann ich jetzt den Typ-spezifischen Effekt von Gem-Eyes nutzen! Der Donnereffekt nennt sich Topaz Jammer und annulliert den Effekt einer Karte auf dem Feld!“
      Anya schwang den Zeigefinger aus und deutete auf den Kauz. „Seinen!“
      Plötzlich begannen elektrische Entladungen um den Drachen zu schlagen. Dünne, gelbe Linien begannen in der gesamten Rüstung aufzuleuchten. Dann schleuderte das Monstrum zwei Blitze auf das ausgewählte Ziel. Und Kali lachte bitterböse. „Blöde Kuh! Genau das wollte ich! Strix ist ein Jäger! Wenn er angezielt wird, kann er eine Overlay Unit verwenden, um den Effekt zu negieren und den Auslöser zu zerstören! Los!“
      Die mechanischen Augen des Kauzes leuchteten mit einem Mal rot. Geschickt wich er im Anflug auf Gem-Eyes dessen Blitzangriffen aus und streckte seinerseits die Greifkrallen aus. Mit welchen er dem Drachen anschließend den Visor von den Augen riss und ihn so zur Explosion brachte. Aus der Rauchwolke stieg ein roter Lichtblitz in das sich kurzzeitig öffnende Pendelportal auf.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 2 → 1 PSC: <9/9>]

      Anya aber verschränkte unbekümmert die Arme. „Geheimnis gelüftet, schätz' ich. Aber das macht es nur umso einfacher für mich! Levrier, räche Gem-Eyes! Blessed Spheres of Purity!“
      Jener nickte knapp und streckte den Arm aus. Seine sieben Perlen schossen wie ein Schwarm Wespen auf den kleinsten der Mechavögel zu.
      Ja, dachte Anya mit Blick auf ihre gesetzte Karte. Gleich war es vorbei!
      „Du bist so dämlich“, lachte Kali da jedoch auf einmal überheblich. „Wenn ich anzielen meine, bedeutet das nicht nur Karteneffekte! Auch Angriffe zählen dazu!“
      Die verbliebene Lichtkugel durch die Stirn absorbierend, woraufhin die Augen des Kauzes rot aufleuchteten, begann jener sich in Bewegung zu setzen. Meisterhaft wich er den Perlen aus, die nacheinander an ihm vorbei schossen.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 1 → 0 PSC: <9/9>]

      „Sag leb' wohl zu deinem geliebten Levrier!“ Kali stemmte hinterhältig grinsend eine Hand in die Hüfte.
      Aber Anya zog lediglich die Stirn kraus, schimpfte. „Elende Mistmade! Wegen dir muss ich jetzt meinen Plan ändern! Verdeckter Schnellzauber, [Forbidden Dress]! Wer immer dieses Schmuckstück trägt, verliert für den Rest des Zuges 600 Angriffspunkte.“
      Die Karte klappte vor Anya auf. Aus ihr schob sich das dort gehaltene, schulterfreie, weiße Kleid, ähnlich einer Tunika.
      Das geschundene Mädchen erklärte grimmig: „Eigentlich wollte ich es deinem Vogel anziehen …“
      „Wäre der Angriff durchgegangen, hättest du mich damit besiegt“, erkannte Kali.
      „Yeah. Aber wie ich sagte, Planänderung! Levrier, Zeit für eine Karriere als Model! Damit ist er vor zielenden und zerstörenden Effekten geschützt!“
      Die Robe verschwand und tauchte an [Gem-Knight Pearls] Körper wieder auf – ziemlich eng. Jener fasste sich sofort erschrocken in den Schritt.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2600 → 2000 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      Sieh' mich nicht an!

      … jammerte Levrier beschämt – und vor allem schauspielernd – als er dem herannahenden Vogel beim Wegdrehen mit der rechten Hand eine saftige Ohrfeige verpasste. Die jenen geradewegs durch die Decke pfefferte, von wo er explodierte.
      „Shit!“, fluchte Kali. „I-ich verbanne ihn durch den Effekt von [Gear Synthesis]!“

      Und ich bestrafe dich für diese Demütigung!

      Auf Levriers wütenden Aufschrei hin sah Kali nach links, von wo aus sich in einer scharfen Kurve eine seiner Riesenperlen näherte. Es war zu spät zum Ausweichen. Wie ein Faustschlag traf es sie. Die vermeintlich 'echte' Anya wurde umgeworfen rutschte über den Beton des magisch vergrößerten Raums. „Ugh!“

      [Anya: 1000LP / Kali: 1800LP → 800LP]

      Die angekettete Anya ballte eine Faust und stieß sie grinsend nach hinten. „Hell yeah! Nimm das, Pinocchio!“
      Zu ihrem Entsetzen drehte sich Levrier auch zu ihr um. Mit zusammengekniffenen, blauen, pupillenlosen Augen. Augen, die voller Rachsucht funkelten.
      „Z-Zug beendet“, murmelte Anya, die ahnte, was ihr blühte.
      Das Kleid an Levriers Leib verschwand. Sein Durst nach Vergeltung nicht, als eine andere Perle Anya am Hinterkopf traf und sie nach vorne warf.

      Gem-Knight Pearl [ATK/2000 → 2600 DEF/1900 {4} OLU: 2]

      „Sag mal, spinnst du!?“, fauchte die sofort fuchsteufelswild und schlug nach dem vor ihr schwebenden Levrier, durch den ihre Faust jedoch hindurch glitt.
      „Ahahahaha“, prustete Matt da los.

      Wenigstens habt ihr euch jetzt wieder beruhigt.

      Anyas und Matts Blicke trafen sich, doch beide drehten ihre Köpfe bewusst in die jeweils andere Richtung weg.
      „Oh, wie süß.“ Kali erhob sich. Ihre Nase blutete, aber sie grinste trotzdem noch. „Wer hätte gedacht, dass du mehr kannst, als mich herumzukommandieren, Levrier?“
      Der Immaterielle kreiste um die eigene Achse, wandte sich an sie.

      Ich habe eine Frage. Wie ist es der Weißen Hexe gelungen, eine so perfekte Imitation von Anya Bauer zu erschaffen? Denn dafür halte ich dich – ein Werkzeug, das glaubt eigenständig zu agieren, aber letztlich nur dem Willen seiner Schöpferin unterliegt.

      Da verfiel die Kuttenträgerin wieder einmal in schallendes Gelächter. „Ich? Ein Werkzeug? Pft!“
      „Klingt logisch. Wenn der Sammler und diese Kuh Gardenia sich nicht grün sind, würde sie natürlich versuchen, mich zu killen“, sprach Anya zuversichtlich, „und wie ginge das besser als durch die eine Person, die mich am besten kennt? Mich selbst!“
      Matt gab ein nachdenkliches Geräusch von sich.
      „Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.“ Das angekettete Mädchen zuckte mit den Schultern. „Ein Jammer nur, dass du so viel schlechter bist als ich.“
      Kali stieß einen letzten Lacher aus. „Fast unheimlich. Ich wusste, dass du das an irgendeinem Punkt bringen würdest. Ich sag dir was: Ich habe mich in der Tat weiterentwickelt. Ich habe gelernt, die Dinge nicht mit Ignoranz zu sehen wie früher, sondern zu hinterfragen. Das ist eine Eigenschaft, die dir leider fehlt, Fälschung.“
      „Wenn du dich da mal nicht täuscht. Nur weil ich den Scheiß, den du laberst, nicht glaube, heißt das noch lange nicht, dass ich mich nicht während des letzten Jahres verändert habe.“ Anya dachte an all ihre Freunde, die sie während dieser Zeit gewonnen hatte. „Es ist noch nicht lange her, da hätte ich auf das Leid von Leuten wie Summers geschissen. Auch wenn ich es selbst verursacht habe. Das tust du heute noch. Aber -ich- nicht. Ich werde das wiedergutmachen. Irgendwie. Und du? Du bist allein.“
      Kali sah sie ausdruckslos an. Wischte sich dann mit dem Handrücken das Blut von der Nase. „Nicht ganz. Es gibt eine Person, die mir sofort geglaubt hat, obwohl sie von dem ganzen übernatürlichen Kram keine Ahnung hatte. Jemand, der mir geholfen hat, noch bevor ich Lady Gardenia begegnet bin.“
      „Zachariah“, wusste Anya, „und der ist so hohl wie diese 1-Dollar-Weihnachtsmänner von Walmart.“
      „Täusch' dich da mal nicht“, murmelte Kali leise.

      ~-~-~

      „… als sie da weinend – und das musst du dir mal vorstellen – vor mir stand, wusste ich, dass etwas nicht stimmte.“ Der Blonde im Schutze des rostigen Bunkers lachte bissig. „Das Erste, was ich getan habe, nachdem sie mir ihre Geschichte erzählt hat, war sie auszulachen. Aber sie blieb stur und beharrte auf diesen Quatsch. Und so kreativ und simpel meine kleine Schwester auch ist, ist sie doch nicht so dumm, sich so etwas auszudenken und dann zu hoffen, ich würde ihr das abkaufen.“
      Vor ihm stand ein brünetter Ritter, dessen silberne Rüstung durch hellblaue Lichtadern regelrecht strahlte. Ein roter Pelzumhang machte deutlich, dass dies kein gewöhnlicher Krieger, sondern der legendäre König Artus war.
      An dessen Arm war ein silberner Schild befestigt, der Ausrüstungszauber [Noble Arms Of Destiny]. Dazu schwang er noch zwei Schwerter, ebenfalls Magiewaffen – [Noble Arms – Gallatin], ein schlichtes Einhandschwert mit leuchtender Klinge. Und Artus' eigene Waffe, ein Schwert mit goldener Parierstange, durch dessen Klinge zwei blaue Lichtadern strömten: [Noble Arms – Caliburn]. Zwei Lichtsphären umkreisten den König dabei.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 2]

      Ihm gegenüber stand der Werwolf, der sich an seinem Hinterkopf kratzte. „Wow, gutes Kombospiel. Da frage ich mich, wie Anya so einfach mit dir fertig geworden ist.“
      Vor ihm befand sich ebenfalls ein Xyz-Monster, doch um dieses rotierte nur eine Overlay Unit. Es war ein Krieger in gold-weißer Rüstung, auf dessen Rücken sich eine rot-goldene Platte befand, an der zwei Kanonen befestigt waren. Dazu war er ebenso mit riesigen Panzerhandschuhen bewaffnet, an welche zu allem Überfluss noch orangefarbene, kurze Scheren angebracht waren.
      „Selbst [Constellar Praesepe] hält da nicht mit“, murmelte der Kopftuchträger, der den Wald im Rücken hatte, leise. „So ein Mist …“

      Constellar Praesepe [ATK/2400 DEF/800 {4} OLU: 1]

      Zwar hatte Zanthe Lebenspunkte-technisch die Nase vorn, aber bereits genug von Zachariah gesehen, um zu wissen, dass man Anyas Bruder nicht unterschätzen durfte.

      [Zanthe: 4000LP / Zachariah: 2900LP]

      Aber das war es gar nicht, was ihm solches Kopfzerbrechen bereitete. Nicht mal ansatzweise. Es war das, was fast nebenbei fallen gelassen hatte.
      Das war unmöglich, dachte Zanthe dabei mit weit aufgerissenen Augen. Anya war gar nicht echt? Sondern nur eine Kopie von Kali? Das konnte nicht stimmen! Dieser Typ verdrehte da wohl ein paar Tatsachen. Oder er log. Es gab keinen Grund, sich von dieser Geschichte verunsichern zu lassen. Er musste so schnell wie möglich zu Anya!

      „Ich nutze den besonderen Effekt von König Artorigus! Für jede seiner Ausrüstungskarten kann ich eine deiner Zauber- oder Fallenkarten vernichten“, erklärte Zachariah und fuhr sich durch sein volles, blondes Haar und zog dann das Monster [Noble Knight – Medraut] unter der schwarzen Karte auf seiner Duel Disk hervor. „Los!“
      Zanthe sah erschrocken auf die vor ihm verdeckt liegende Karte.
      Schon absorbierte der Ritter mit Caliburn eine der um ihn kreisenden Overlay Units und schleuderte eine elektrische Schockwelle auf sein Ziel.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 2 → 1]

      Jene wurde von der Spannung regelrecht zerfetzt. Doch Zanthe grinste auf einmal neckisch. „Na sowas? Lernt man bei euch Bauers nicht, dass andere sich eure Strategien durchaus merken?“
      „Pardon?“
      Die Fragmente von Zanthes zerstörter Falle setzten sich langsam zu einer mechanischen Sphäre zusammen, in der eine riesige Linse eingebaut war.
      „Du hast gerade [Security Orb] zerstört. Pech für dich, denn wenn du das tust, zerstört sie wiederum eine deiner Karten.“ Der Schwarzhaarige richtete den Zeigefinger auf den Edlen Ritter. „Schade, der heiße König hat leider nur einen Kurzauftritt …“
      Da schoss die Sphäre schon einen gleißenden, roten Laserstrahl ab. Artorigus hob sofort seinen Schild, um sich zu schützen.
      „Ich kann dir einfach nicht das Herz brechen. [Noble Arms Of Destiny] schützt seinen Träger einmal pro Zug vor dem Tod. Du kannst also getrost noch ein wenig Zeit mit Gaffen verbringen.“
      Zanthe keuchte leise. Natürlich wusste er das längst. Obwohl der Druck groß war, konnte der Ritterkönig der Macht der Technologie widerstehen, bis die Kugel ausgepowert verschwand.
      „'nen Versuch war's wert“, zuckte Zanthe mit den Schultern.
      „Aber dabei bleibt es auch! Angriff, Artorigus!“
      Der sagenhafte Ritter hob beide Schwerter an und schwang sie brüllend aus. Von beiden Klingen lösten sich blaue Lichtsicheln, die in hohem Tempo auf Zanthes Sternenkrieger zu rasten.
      „Effekt von [Constellar Praesepe]“, rief der Werwolf noch und riss das Monster [Constellar Algiedi] unter Praesepes Karte aus seinem Duellhandschuh hervor, „für eine Overlay Unit erhält der kämpfende Sternenkundler 1000 Angriffspunkte!“
      Jener absorbierte die Lichtkugel mit einer Faust.

      Constellar Praesepe [ATK/2400 → 3400 DEF/800 {4} OLU: 1 → 0]

      Doch es nützte nichts. Die Energieklingen trennten beide Arme des Kriegers ab und suchten ihr nächstes Ziel. Die erste verfehlte Zanthe knapp, da er den Kopf nach links neigte. Doch die zweite erwischte ihn dadurch an der Wange, wodurch er eine tiefe Wunde erlitt. Blut spritzte durch die Luft.

      [Zanthe: 4000LP → 3900LP / Zachariah: 2900LP]

      „Autsch“, sagte Zanthe unbekümmert, als er sein Haupt wieder geradeaus richtete, „wie hast du das gemacht? Zauber oder Technologie?“
      „Ist es wirklich das, was du in diesem Moment fragen solltest?“, erwiderte der Blonde mit der Tolle und nahm eine Karte aus seinem Blatt. „Kein Sinn fürs Wesentliche. Ich setze eine Karte verdeckt. Zug beendet.“
      Jene materialisierte sich liegend vor ihm.

      „Oh?“, machte Zanthe gespielt überrascht. „Ach ich soll dich doch bestimmt ausquetschen, was es nun mit Kali und der falschen Anya auf sich hat. Bedaure – interessiert mich nicht.“
      „Aber das sollte es.“ Zachs verspielter Ton wich einem ernsten. „Denn es ist keine Lüge. Anya … Kali wurde alles genommen. Wir wollen nur ihr altes Leben zurück erkämpfen, mehr nicht.“
      „Ach wirklich? Und dafür greift ihr dann Unschuldige wie Nick Harper an?“ Zanthe gluckste. „Ich geb's zu, der war schlecht.“
      Die Augen des jungen Mannes verzogen sich zu Schlitzen. „Der ist eine ganz andere Geschichte.“
      „Mal rein hypothetisch: Angenommen Anya wurde wirklich dupliziert, woher willst du wissen, ob deine die echte ist? Und wieso hat sie sich nicht sofort darum gekümmert, die Konkurrenz auszuschalten?“ Zanthe verschränkte die Arme. Er sollte sich das zumindest mal anhören, hatte er entschieden. „Wer Anya kennt weiß, dass sie keine Götter neben sich duldet. Auch nicht, wenn sie genauso aussehen wie sie. Dann erst recht nicht.“
      Ihr Bruder lachte. „Es ist alles nicht so einfach. Und Schuld daran ist Kali selbst. Weißt du, normalerweise hättest du Recht. Aber meine Schwester ist nun mal nicht besonders clever. Kannst du dir denken, was ihr erster Gedanke war, als sie begriff, was vor sich ging?“
      Zanthe überlegte einen Moment. Dann stöhnte er. „Ich kenne die Geschichte dieses Turms nicht vollständig, aber er wäre ihr Ende gewesen. Sag nicht, sie wollte unsere Anya als Opfer vorschicken?“
      „Genau so ist es. Natürlich wollte sie die Kopie im ersten Moment vernichten, aber als sie merkte, dass Levrier mit jener verbunden war, erkannte sie ihre Chance.“ Zachariah griff in die Innentasche seines Jacketts und holte eine Schachtel Zigaretten samt Feuerzeug heraus. Er zog einen Glimmstängel hervor, nahm ihn in den Mund und zündete sie an. Genüsslich zog er an ihm und stieß den Rauch lächelnd aus. „Diejenige, die Levrier an der Backe hatte, würde unweigerlich vergehen. Entweder würde sie geopfert und zum Tor Eden werden. Oder sie scheiterte an der Aufgabe und verlor ihre Seele an den Limbus. Sozusagen für Kali eine Win-Win-Situation.“
      Zanthe, der den Zigarettengeruch überhaupt nicht ab konnte, verzog angewidert da Gesicht. „Den Rest kann ich mir denken. Sie hatte vor, Anyas Platz einzunehmen, nachdem sie im Turm umkam.“
      „Aber das ist nie geschehen. Ganz zum Entsetzen meiner Schwester.“ Zachariah blickte an die Decke des Bunkers. „Schlimmer noch, war nicht nur Anya aus dem Turm von Neo Babylon zurückgekehrt. Kurze Zeit später fand sie heraus, dass Levrier auch noch lebte. Und wenn sie eines fürchtete, dann wieder ein Gefangener der Immateriellen zu werden.“

      Klang plausibel, befand Zanthe ehrlicherweise. Solche Ideen traute er Anya durchaus zu – zu warten, bis die vermeintliche Kopie an ihrer Stelle ins Gras biss und dann in ihr Leben zurückzukehren. Vermutlich hatte sie sich nicht einmal ausreichend Gedanken gemacht, wie sie das gegenüber Abby und Nick erklären sollte. Er konnte es schon förmlich hören: 'Die würden mir schon irgendwie glauben'.
      Trotzdem. Die Frage, wieso die beiden sich so sicher waren, dass Kali das Original war, hatte er einfach ignoriert.

      „Was hat Anya in der Zeit gemacht?“
      „Als der Turm noch erscheinen musste? Ich glaube, sie hat sich bei irgendeinem ihrer Klassenkameraden einquartiert. Ernie Winter. Größter Loser dieses Planeten, sag ich dir.“
      Zanthe runzelte die Stirn. „Und danach? Als Anya aus dem Turm zurückkam?“
      „Das war der Punkt, an dem sie sich an mich wandte.“ Er lachte. „Das muss sie einiges an Überwindung gekostet haben. Wir können uns nicht leiden.“
      Da musste Zanthe grinsen. „Und trotzdem hilfst du ihr?“
      „Sie ist meine Schwester“, erwiderte Zachariah gelassen, „natürlich helfe ich ihr.“
      „Fragt sich nur, was du in diesem Moment für sie tun konntest. Immerhin hat es fast ein Jahr gedauert, ehe ihr euch Anya zum ersten Mal gezeigt habt.“

      Zanthe hoffte insgeheim, etwas mehr über die Verbindung zwischen Kali, Zach und Gardenia herauszufinden. Vielleicht war das der Schlüssel zu dieser ganzen Geschichte. Und warum die beiden sich so sicher waren, dass Anya eine Fälschung war.

      „Stimmt. Uns wurde eines recht schnell klar. Ohne Hilfe hätten wir genauso gut versuchen können, aus einem Kreis ein Viereck zu machen.“ Wieder nahm Zachariahs sonst so unbekümmerte Miene für einen Moment etwas Ernstes an. Er zog an seiner Zigarette. „Sie – die Fälschung – war einfach stärker. Aber auch wenn es um sie schlecht bestellt ist, wollen wir sichergehen, denselben Fehler von damals nicht zu wiederholen. Wir warten nicht darauf, dass noch ein Wunder sie rettet.“
      Zanthe fasste sich ans Kinn, funkelte dabei aus den Augenwinkeln Anyas Bruder an. „So ist das also? Sie ist stärker? Natürlich … Durch die Conqueror's Soul. Anya hat in dieser Zeit einige starke Feinde bekämpft. Kali nicht.“
      Zu seiner vollkommenen Überraschung zuckte Zachariah zusammen. „Was? Woher weißt du von der Conqueror's Soul?“
      „Ich stelle hier die Fragen“, gab der Werwolf jedoch eindeutig zu verstehen.
      Und sein Gegner meinte. „Das hier ist gerade wesentlich interessanter geworden …“

      ~-~-~

      „Genug Rumgequatsche!“ Kali griff nach ihrem Deck. „Ich werde es jetzt beenden! Draw!“
      Während sie zog, konterte Anya mit demselben Spruch, den Kali ihr eben erst entgegen geworfen hatte. „Täusch' dich da mal nicht.“
      Anstatt sich davon tangieren zu lassen, betrachtete die Kuttenträgerin gebannt ihre gezogene Karte. Ihre Lippen formten langsam ein wahnsinniges, selbstgefälliges Grinsen. „Da ist es. Endlich.“
      Ruckartig blickte sie auf und hob die Hand in die Höhe. „Schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Wieder tropfte eine Träne des goldenen Mecha Phönix' vor ihr auf den Betonboden, von wo aus sich das Pendelportal öffnete. „Aus meiner Verbannungszone: [Celestial Gear – Synthetic Armored Strix]! Pendulum Summon!“
      Ein roter Lichtblitz schoss aus dem bunten Loch empor und formte sich zu dem schwarzen Maschinenkauz.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix [ATK/1000 DEF/1000 {4} OLU: 0 PSC: <9/9>]

      Anya verspürte mächtiges Unbehagen. Denn angenommen diese Spinnerin war wirklich wie sie, konnte dieser manische Gesichtsausdruck nur bedeuten, dass sie es -wirklich- beenden wollte. Aber so leicht würde sie es ihrer Erzfeindin nicht machen, dachte das Mädchen mit Blick auf ihrer gesetzten Karte.
      Sofort im Anschluss streckte Kali die Hand aus. „Nur als Vorsichtsmaßnahme … ich aktiviere den Zauberkarteneffekt von [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon]! Er und Saga Phoenix werden verbannt!“
      Die beiden blauen Lichtsäulen neben ihr begannen immer stärker zu flackern, ehe sie mitsamt der beiden Mechavögel verschwunden waren. Kali erklärte: „Während der End Phase erhalte ich die beiden jedoch zurück auf die Hand.“
      „Was soll der Quatsch?“
      „Reine Vorsichtsmaßnahme“, wiederholte Kali sich geheimnisvoll. „Nicht dass du das, was dich erwartet, noch in irgendeiner Form abwenden könntest.“

      Das gefällt mir nicht. Sie wird uns alle töten!

      Thoras kauerte hinter dem Pfeiler, an den Matt festgebunden war. „Hör' auf herumzualbern!“
      Obwohl jener seinen Immateriellen kannte, wusste er inzwischen, dass sich hinter dessen Slapstick-Einlagen zumeist ernste Hintergründe verbargen. Drum entschied er sich, dass er lange genug gefesselt war. „Mach mich lieber frei!“

      Ich dachte, du stehst auf Fesselspielchen, Matthew Summers? Oh, na gut.

      Der Kakerlakenritter zog seinen Degen und löste die Seile mit ein paar schnellen Schlägen. Matt streifte die Fesseln ab und erhob sich. „Danke …“
      „Guter Zeitpunkt“, meinte Kali, „ist wirklich besser, wenn du jetzt gehst, Summers.“
      „Und du lässt das so einfach zu?“
      Die selbsternannte Dämonengöttin nickte. „Wir sind gewissermaßen quitt. Du bist mitverantwortlich für -sie-, ich für … alles, was dir widerfahren ist.“
      Matt kniff die Augen fest zusammen. Anya wirbelte zu ihm herum, sah ihn niedergeschlagen an, nickte aber. „Yeah. Hau besser ab. Keine Ahnung, was sie vorhat, aber ich schätze mal, dass es gefährlich ist. Sorry … für alles …“
      „Soll das ein Abschied sein? Wir sind noch nicht fertig miteinander“, erinnerte Matt sie kurz angebunden, starrte dabei aber Kali an. „Und was dich angeht, solltest du eins wissen: Wir sind nicht quitt – unter der Annahme, dass du die Wahrheit über dich sagst.“
      Seine Worte versetzten Anya einen Stich. Er schloss nicht aus, dass sie eine Fälschung ist. Er erwog die Option, dass dieses Miststück die Wahrheit sagte. „Kch.“
      „Von mir aus …“
      Auf die gleichgültige Reaktion der Kuttenträgerin sprach Matt abschließend: „Deswegen bleibe ich noch ein Weilchen. Ich will sehen, wie das hier ausgeht.“
      „Und dich dann um diejenige kümmern, die überlebt?“ Kali lachte. „Heh. Gefällt mir. Also dann, macht euch auf was gefasst!“
      Sie streckte eine Faust aus. „Eins …“
      Schon war der Zeigefinger der Blonden aufgerichtet. Und plötzlich löste sich [Celestial Gear – Synthetic Woodpecker] auf. „Zwei …“
      Kali hob auch ihren Mittelfinger. Da verschwand auch ihre weiße Mechaschwalbe. „Drei …“
      „Was zur Hölle macht sie da!?“ Anya weitete die Augen, als auch der schwarze Kauz sich auflöste und Kali den Ringfinger abzählte.
      „Vier“, machte diese aber unbekümmert weiter, wodurch auch ihr Violettkehlchen von unten nach oben transparent wurde, bis es einfach nicht mehr da war. Kali zeigte den kleinen Finger. „Fünf.“
      Und hob im Anschluss den Daumen. Zu guter Letzt ereilte ihr [Gem-Knight Pearl] dasselbe Schicksal, sodass sie keinerlei Monster mehr kontrollierte.
      Levrier schwebte ein Stück zurück, um auf einer Linie mit Anya zu stehen.

      Das ist überhaupt nicht gut! Ich spüre eine gewaltige Kraft, die im Begriff ist, zu erwachen!

      „Ach was, fünf Monster mit einem Mal wegzuopfern ist doch -total- normal“, keifte Anya aufgeregt. „Kannst du mir nicht etwas sagen, dass ich noch nicht weiß!?“
      „Er nicht“, unterbrach Kali die beiden, „aber ich. Es bleibt nämlich nicht bei fünf.“
      Sie zeigte mit der anderen Hand ihr Blatt vor. „Sechs …“
      Die erste der sechs Karten löste sich auf. Die Erde begann für einen Sekundenbruchteil zu erzittern.
      „Huh!?“, stotterte Anya.
      Auch Matt weitete die Augen. „Was soll das werden?“
      „Sieben!“ Die nächste Handkarte der Kuttenträgerin verschwand. Und die Erschütterung wurde stärker. „Acht!“
      Und schon waren nur noch drei Karten in ihrem Blatt. Das drauf folgende Erdbeben war stark genug, Anya und Matt ganz schön ins Schwanken zu bringen. Nur Kali blieb unberührt stehen.
      „Neun!“ Noch eine verschwand, inzwischen hörten die Erschütterungen gar nicht mehr auf.
      Dafür erklang aus weiter Ferne dumpf ein unheimliches Knarren. Als würde Metall gebogen werden.
      „Und zehn!“, rief Kali schließlich mit aufgerissenen Augen, woraufhin die vorletzte Karte in ihrer Hand sich auflöste. Dann nahm sie die letzte und knallte sie auf ihre V-Duel Disk. „Das ist das Ende!“
      In dem Moment krachte etwas durch die Decke. Anya wandte sich vor Schreck ab, Matt schützte sich mit dem Arm vor der entstanden Staubwolke. Dann geschah es wieder. Kali sah dem stumm zu, bekam all den Schmutz ab. Und sie grinste. Noch ein Bein durchbrach die Decke.
      Anya wandte sich mit offenem Mund der Zerstörung zu. Inzwischen war alles über ihnen so instabil, dass der Raum einzustürzen drohte. Doch das geschah nicht.
      Im Gegenteil! Unvermittelt begann sich die Decke zu zersetzen und gab den Blick auf den blauen Himmel frei. Sofort stellte Anya fest, dass sie sich in einer unterirdischen Anlage befinden mussten, schwebte ebenso die dunkelbraune Erdschicht empor und löste sich vor ihrem Augen auf.
      Sie wusste wieso. Sie sah es. War ja auch kaum zu übersehen. Dieses riesige Ding, eine vierbeinige Maschine mit einem endlos langen, sich windenden Schweif. Die beiden linken Beine waren schwarz mit weißem Zackenmuster, bei den anderen zwei war es genau umgekehrt.
      „Was zur Hölle ist das!?“, schnappte Anya.
      „Darf ich vorstellen: [Tierra, Source Of Destruction]!“
      Mit weit aufgerissenen Augen sah Anya den schlanken Körper empor, von dessen Rücken sich insgesamt zehn gläserne, recht kurze Schwingen erstreckten. Zu klein, um den Koloss je in die Lüfte zu tragen. Und dann dieser Schädel! Eine Art Helm mit roten Hörnern, die meterlange Flammen abgaben – fast wie eine Haarpracht.

      Tierra, Source Of Destruction [ATK/3400 DEF/3600 (11)]

      „Dieses Ding ist es wert, dass man dafür zehn Karten verschiedenen Namens ins Deck zurückschickt“, meinte Kali genüsslich beim Anblick ihrer beiden geschockten 'Gäste'.
      Matt, der den Kopf bis in den Nacken gelegt hatte, richtete sich entsetzt an sie: „Ins Deck? Du verzichtest dafür auf deine Pendelmonster!?“
      „Die brauche ich jetzt nicht mehr!“

      Anya Bauer! Kommt dir dieses Erscheinungsbild nicht vage bekannt vor?

      „Ich weiß“, erwiderte die derweil auf Levriers Einwand, „dieses Ding! E-es ist fast so wie diese Riesenziege!“
      „[Sophia, Goddess Of Rebirth]“, wusste Kali sie beim Namen zu nennen. „Yeah, die gibt es nicht mehr. Aber das habe ich dir schon erzählt.“
      Anya stand der Schweiß ins Gesicht geschrieben.
      Und ihre geschworene Feindin lachte leise. „He he. Aber das macht nichts, denn wie du siehst, habe ich mit Tierra jetzt einen passenden Ersatz. Denn eines solltest du wissen: Tierra verfügt über genauso viel Macht wie Sophia!“
      Mit Schrecken erinnerte sich Anya an ihre Begegnung mit [Sophia, Goddes Of Rebirth] im Turm von Neo Babylon. Die groteske humanoid-animalische Gestalt Sophias, mit einer goldenen und einer violetten Lichtkugel über ihren Händen, wie diese Wellen aussendeten und all ihre Karten verbannten.
      „Wie ich sehe, hat das ein paar Bilder der Vergangenheit wachgerufen.“ Kali grinste süffisant. „Oh ja, ich war damals ebenso geschockt, als ich das Ding in einem Deck voller Maschinenvögel gefunden habe. Eine Paktkarte noch dazu.“

      Zwischen Isfanel und dem Tor Eden.

      „Ja, Levrier“, nickte Kali, „und jetzt steht ihr etwas genauso Mächtigem gegenüber. Tierra, zeig es ihnen! Source Code Eraser!“
      Nur einmal, für einen kurzen Augenblick, leuchtete am Helm der riesigen Kreatur ein rotes Licht auf. Dann geschah das Unglaubliche – die Schwerkraft setzte innerhalb des viereckigen Kreidekreises aus. Anya verlor den Halt und begann mit dem Rücken zum Boden zu schweben. Auch Kali löste sich vom Boden, doch sie schlug lediglich ein Bein über das andere und stand leicht nach hinten gebeugt da, als würde sie sich an etwas anlehnen.

      Anya Bau-

      Vor den Augen des Mädchens verzerrte das Hologramm ihres Partners sich immer mehr, bis er sich auflöste. Sie streckte die Hand nach ihm aus. „Levrier!“
      Doch er war nicht der Einzige. Auch ihr gold-schwarzer Ritter und der weiße Tiger in den Lichtsäulen, sie beide flackerten unstet auf und verschwanden. „Shit!“
      Und dann sah sie alarmiert nach unten, wo sich ihre verdeckte Karte befand. Auch jene wurde von der fehlenden Schwerkraft beeinflusst, drehte sich schräg um die eigene Achse – es war die Konterfalle [Negate Attack]. Dann flackerte sie auf und verschwand.
      „Was ist das!?“, schnappte Anya aufgeregt.
      „Der Effekt von Tierra, wenn sie beschworen wird, natürlich. Alle Karten auf dem Spielfeld, in unseren Händen und Friedhöfen werden in unsere Decks gemischt.“
      Mit zunehmendem Schrecken stellte Anya fest, dass auch von ihrem Friedhof ein flimmerndes Licht ausging und dann verlosch. Derweil nahm Kali selbst die wenigen Karten ihres Ablagestapels hervor und schob sie auf ihr Deck, das automatisch gemischt wurde. „Oh, fast hätte ich es ja vergessen. Auch Pendelmonster im Extradeck sind davon betroffen!“
      „Huh!?“ Anya weitete die Augen, als sie begriff. „Gem-Eyes!“
      In dem Moment schoss ein kurzer, blauer Lichtstrahl aus dem Schlitz unterhalb ihrer Deckhaltung, der in der Luft einen Haken schlug und zu ihr zurückkehrte, genauer gesagt in ihren Kartenstapel.
      „Das wäre dann alles“, meinte Kali. Schlagartig normalisierte sich die Schwerkraft wieder.
      Und während Anya hart auf dem Rücken aufprallte, landete Kali geschickt auf einem Fuß, setzte dann den anderen dahinter.
      „Unglaublich“, hauchte Matt fassungslos, der er von allem unberührt geblieben war, „solch ein mächtiger Effekt. Dann-!“
      „Korrekt“, schnitt ihm Kali ins Wort, „dir ist nichts geblieben, Fälschung. Keine Hand, kein Feld, ja nicht einmal der Friedhof, der dich sonst immer gerettet hat. Nichts.“
      Anya, die sich auf die Knie rollte, sah entgeistert über ihre Schulter zur selbsternannten Dämonengöttin, die vor ihren Augen eine Faust ballte. „Jetzt weißt du, wie es mir ging, als du erschaffen wurdest. Und noch eine kleine Info zum Abschluss: Anders als Sophia, die, wenn sie über eine Abkürzung via [Negative Gate] gerufen wird, nicht im selben Zug ihrer Beschwörung angreifen darf, kann Tierra genau das.“
      Die Blonde schluckte. „Shit …“


      Turn 102 – Only One
      Selbst unter großen Bemühungen gelingt es Zanthe nicht, an Zachariahs Artorigus vorbei zu kommen. Während ihres Duells und einem Gespräch über die Conqueror's Soul lässt sein Widersacher unerwartet einen merkwürdigen Begriff fallen. Derweil sieht sich Anya Kalis mächtiger [Tierra, Source Of Destruction] entgegen, ohne Hoffnung, das Blatt noch einmal wenden zu können …


      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya

      Gem-Knight Tourmaline
      Gem-Knight Sapphire

      Gem-Knight Tiger's Eye
      Monster/Effekt/Pendel
      Donner/Erde
      ATK/1600 DEF/1600 (4) PSC: <2/2>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug: Du kannst 1 "Gem-Knight Fusion" von deiner Hand abwerfen; füge deiner Hand 1 Normales Monster von deinem Deck hinzu.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsmaterial für die Fusionsbeschwörung eines "Gem-Knight"-Monsters benutzt wird: Wähle 1 Karte auf dem Spielfeld als Ziel; zerstöre das Ziel.

      Gem-Tiger
      Monster/Effekt/Pendel
      Fels/Erde
      ATK/1800 DEF/300 (4) PSC: <8/8>
      Pendeleffekt: Einmal pro Zug, während des Zuges eines beliebigen Spielers, wenn ein Angriff deklariert wird: Wähle 1 "Gem-Knight"-Monster von deinem Friedhof als Ziel; verbanne das Ziel und annulliere den Angriff.
      Monstereffekt: Wenn du 1 "Gem-Knight"-Monster in deiner Pendelzone aktivierst, wenn deine andere Pendelzone unbenutzt ist: Du kannst 1 "Gem"-Pendelmonster von deinem Deck aktivieren.

      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: {????}
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Forbidden Chalice
      Forbidden Dress

      Tri-And-Guess
      Negate Attack

      Gem-Knight Pearl

      Kali

      Celestial Gear – Synthetic Albatross
      Monster/Effekt/Empfänger
      Maschine/Licht
      ATK/500 DEF/0 (4)
      Wenn diese Karte kämpft: du erleidest keinen Kampfschaden. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: ziehe 2 Karten; verbanne diese Karte während der End Phase.

      Celestial Gear – Synthetic Stork
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1400 DEF/1500 (4)
      Indem du diese Karte abwirfst, wenn du diese Runde das erste Mal Schaden erlitten hast: reduziere allen Schaden, den du bis zur End Phase erleiden würdest um die Summe des Schadens, den du in diesem Zug erlitten hast. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese so vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: {????}.

      Celestial Gear – Synthetic Woodpecker
      Monster/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1800 DEF/1300 (4)
      Einmal pro Zug: Du kannst 1 Karte in deiner Hand zerstören. Wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: füge sie deiner Hand hinzu und zeige sie dauerhaft vor. Wenn diese vorgezeigte Karte beschworen wird, nur einmal während des Duells: Verbanne alle Karten auf dem Friedhof deines Gegners.

      Tierra, Source Of Destruction

      Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <3/3>
      Pendeleffekt: Du kannst verbannte "Celestial Gear" als Pendelbeschwörung beschwören, deren Stufe/Rang zwischen deinen Pendelbereichen liegt, aber falls du das tust, kannst du keine Monster als Pendelbeschwörung von deiner Hand oder deinem Extradeck beschwören.
      Monstereffekt: ????

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/???? DEF/???? (?) PSC: <9/9>
      Pendeleffekt: Du kannst keine Monster außer "Celestial Gear"-Monster als Pendelbeschwörung beschwören. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden. (Schnelleffekt:) Du kannst diese Karte und 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner anderen Pendelzone verbannen; füge sie während der End Phase deiner Hand hinzu. Du kannst diesen Effekt von "Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon" nur einmal pro Duell aktivieren.
      Monstereffekt: ????

      Gear Synthesis
      Zauber/Normal
      Solange diese Karte verbannt ist, kannst du einmal pro Zug folgenden Effekt aktivieren: Verbanne 2 "Celestial Gear"-Monster von deiner Hand; beschwöre von deiner Hand oder deinem Extra Deck 1 "Celestial Gear"-Monster, das mit den verbannten Monstern als Ritual-, Fusions-, Synchro- oder Xyz-Beschwörung beschworen werden kann als Spezialbeschwörung. (Dies wird als korrekte Beschwörungsart behandelt.) Wenn ein "Celestial Gear"-Monster zerstört und auf den Friedhof gelegt werden würde, solange diese Karte verbannt ist: Du kannst es stattdessen verbannen.

      Card Of Last Resort
      Zauber/Normal
      Wenn diese Karte durch einen Karteneffekt zerstört wird: Ziehe 2 Karten. Du kannst den Effekt von "Card Of Last Resort" nur einmal pro Zug aktivieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Robin
      Monster/Fusion/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/0 DEF/2400 (8) PSC: <3/3>
      2 x "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Fusionsbeschwörung beschworen wird: Wähle 2 Karten von deinem Deck; lege sie in belieber Reihenfolge auf dein Deck. Wenn dein Gegner einen Angriff deklariert: Du kannst die Position dieser Karte ändern. Wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wurde und du deinem Gegner Kampf- oder Effektschaden zufügst: Ziehe 1 Karte. Wenn diese Karte zerstört wird und du eine freie Pendelzone besitzt: Du kannst diese Karte in eine deiner freien Pendelzonen platzieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Swallow
      Monster/Synchro/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/2500 DEF/2000 (8) PSC: <3/3>
      1 Empfänger + 1 Nicht-Empfänger "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Synchrobeschwörung beschworen wird: Du kannst die Position aller offenen Monster deines Gegners ändern; die Position jener Monster kann nicht geändert werden. Diese Karte fügt durchschlagenden Kampfschaden zu. Einmal pro Zug, wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wurde, während deiner Battle Phase: Du kannst 1 offenes Monster deines Gegners als Ziel wählen; das Ziel verliert bis zum Ende des Zuges 2500 ATK und DEF und kann nicht durch Kampf zerstört werden, aber diese Karte kann in diesem Zug nicht angreifen. Wenn diese Karte zerstört wird und du eine freie Pendelzone besitzt: Du kannst diese Karte in eine deiner freien Pendelzonen platzieren.

      Celestial Gear – Synthetic Armored Strix
      Monster/Xyz/Pendel/Effekt
      Maschine/Licht
      ATK/1000 DEF/1000 {4} PSC: <9/9>
      2 x Stufe 4 "Celestial Gear"-Monster
      Pendeleffekt: ????
      Monstereffekt: Wenn diese Karte als Xyz-Beschwörung beschworen wird: Du kannst 1 offenes Monster deines Gegners mit einer Stufe als Ziel wählen; zerstöre das Ziel. Dein Gegner kann bis zur x-ten End Phase keine Monster mit gleicher oder höherer Stufe als Spezialbeschwörung beschwören, wobei "x" der Grundstufe des Ziels entspricht. Einmal pro Zug, wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wurde: Du kannst die oberste Karte deines Decks als Xyz-Material an diese Karte anhängen. Wenn diese Karte als Ziel eines Angriffs oder Karteneffekts gewählt wird: Du kannst 1 Xyz-Material von dieser Karte abhängen; annulliere den Effekt oder Angriff und zerstöre jene Karte. Wenn diese Karte zerstört wird und du eine freie Pendelzone besitzt: Du kannst diese Karte in eine deiner freien Pendelzonen platzieren.

      Gem-Knight Pearl

      Zanthe

      Constellar Algiedi

      Security Orb

      Constellar Praesepe

      Zachariah

      Noble Knight Medraut

      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms Of Destiny

      Artorigus, King Of The Noble Knight


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      Ich hoffe, es hat euch gefallen. :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von -Aska- ()

      Spoiler anzeigen
      Also aktueller Stand ist das meine Theorie also zum Großteil gestimmt hat. Nur das es die Wunderlampe war hat mich kalt erwischt. Peinlich ist dazu noch das ich dieses Kapitel anschscheinend übersprungen hatte. Werde es Mal nachlesen. Rückblickend wird es wohl das wichtigste Kapitel von den 100 sein. Ich spekulierte ja das es bereits am Anfang der Story gewesen währe als Levier sie als sein Gefäß in Anspruch nahm. Das alles wirft aber einige große Fragen auf.

      -Warum hat sie nicht Abby in UK aufgesucht.
      -Anya war Recht oft weg. In diesen Zeiten hätte sich Kali ihr altes Leben zurück holen können minus übernatürlichen.
      -Was erzweckt sie sich vom Tod ihrer "netten" Kopie? Es scheint für mich keinen Grund zu geben das beide nicht co existieren können. Kali könnte ihr altes Leben zurück haben. Für unsere Anja gibt es sowieso zurzeit größere Probleme und vermutlich ein größeres Schicksal.
      -Kali ist wütent und neidisch auf ihrer Kopie. Wie ein feiges Huhn hat sie sich vor jeglicher Verantwortung und Herausforderung gedrückt. Und nun möchte sie "ihren" Lohn einstreichen. Das Celestial Gear Deck ist demnach einfach von ihr gestohlen worden. Ich wette sogar das unsere Anja alles außer Levier sofort gegen ihr Leben eintauschen würde. Kali muss sich immerhin um den Sammler keine Sorgen machen.
      -Zu allem Überfluss ist Kali 100 Prozent komplett selber Schuld. Sie hat so viel Falsch gemacht das ist unglaublich. Hätte Kali sich viel früher offenbart hätte sich Anja vielleicht gar nicht auf den Sammler eingelassen.
      -Kali muss sich eingestehen das alles ihre Schuld war und nicht die Schuld auf andere und unschuldige Kopien zu verteilen.
      -Der Main Chara Switch vor unserer Nase ist glaub ich eingetreten bevor Anja "Nett" wurde. Ich fasse dies als Indiez dafür auf das Kali Recht hat. Für Anja wird das wohl zu einer existenz Krise. Weil ihre "böse" Vergangenheit ist dann nur ein Märchen. Und auf der Waagschale ist sie deutlich mehr Richtung Gut als sie es dachte.
      -Die Hüter von diesen 7 Hüter Karten sprachen alle von einem Außerwählten. Ist das sogar dann die richtige Anja also Kali?[spoiler
      ]
      Suche Spieler aus Bayern/Schwaben die in der Nähe von Günzburg/Giengen/Dillingen/Lauingen und Gundelfingen an der Donau wohnen. pls PN an mich :) :thumbsup: :drunk: :cain: :verschwoerung:
      Spoiler anzeigen
      Jetzt ist Kalis wahre Identität also bekannt und von allen Vermutungen war keine einzige richtig, wobei ich sagen würde, dass die Idee mit den anderen Schicksalspfaden von MelleMel noch am nächsten dran war. Die Dschinn-Folge hatte ich was das angeht total aus den Augen verloren. Ein bisschen erinnert dieser Rückgriff auf einen lang nicht in seiner Wichtigkeit offensichtlichen Zusammenhang an das Leben, das Anya dem Sammler schuldet. Nur dass dieser Zusammenhang jetzt ja in Frage gestellt wurde, auch wenn ich noch nicht sicher bin, ob Kali damit wirklich recht hat oder ob sie auch getäuscht wurde, auch wenn ich mir völlig im unklaren bin, ob ich damit wirklich rechnen sollte. Der Beweis über Alastairs Großvater klingt soweit verdammt gut. Auf die Vermutungen die dagegen sprechen würde ich intuitiv nicht bauen wollen, kann aber nicht genau sagen, warum.

      Jedenfalls ist diese Enthüllung ein zusätzlicher Hammer neben Kalis Identität als die angebliche echte Anya. Schon fast sicher dass der Sammler Anya bei seinem letzten Treffen genau das hatte sagen wollen. Jedenfalls erzählt David Valerie dasselbe parallel, und noch mehr. Spannend ist die Frage warum der Sammler Anya und die weiße Hexe Kali-Anya unterstützt.

      Es bestände außerdem langfristig sogar die Möglichkeit, dass sich die Allianzen ändern: Anya mit dem Sammler gegen Stoltz (wie sie Matt ja versprochen hat) bzw. vielleicht sogar die Undying als Ganzes. Klar, dazu muss noch viel passieren, aber bis vor einer Folge wäre das immer hin noch absolut undenkbar gewesen.

      Aber noch mal explizit zu Anya vs. Kali-Anya: im Prinzip hatten wir eine prinzipiell teilweise ähnliche Situation schon mal gegen Zoey, wenn auch eben nicht in der Intensität. Die fundamentale Frage, ob die Anya von damals, die alle Probleme und zu dem Zeitpunkt insbesondere Levrier verneinen und loswerden wollte, mehr Anya ist als die Protagonistin, die sich auch in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt hat, hat einiges an Sprengkraft. Das buchstäblich doppelte Duell des Gewordenen gegen das Natürliche stellt auf den ersten Blick wirklich ALLES in Frage, aber es herrscht in ebenso doppelter Hinsicht kein Gleichgewicht: Anya ist, wie es explizit erwähnt wurde, stärker, und ich könnte mir vorstellen dass sie, indem sie sich nicht nur als etwas -irgendwie- Gewordenes erkennt, sondern als den einen günstigeren Verlauf als sie sich je "gewünscht" hat. Denn der Echtheitsappell ist in letzter Konsequenz aus meiner Sicht inhaltsleer: beide sind Anya. Die eine so gut wie sie es wusste, und die andere sogar besser als das. Aber was folgt daraus? Anya wird Kali-Anya nicht so ohne weiteres töten (können), erstens wegen Tierra, zweitens wegen den Implikationen, die sie kaum länger ignorieren kann und drittens weil Kali-Anya wirklich zu besiegen bedeuten würde, sich erneut wahrhaft überlegen zu zeigen, so wie bei ihrem Lachanfall, und das könnte heißen sich zu verbünden oder sogar wieder zu vereinen.

      Zanthes Auseinandersetzung mit Zach muss hier wohl relativ zwangsläufig die zweite Geige spielen, auch wenn der Spoiler für die nächst Folge schon andeutet, dass diese Relation sich keinesfalls in der Form fortsetzt.

      Jetzt folgt etwas, das ich schon längst beim Kommentieren hätte brauchen können, eine

      Liste meiner Detail-Highlights

      Das "Anya-Bauer Gütesiegel" für unschöne Verhörmethoden: So qualifiziert für derartige Fragen wie Anya ist wohl niemand. Wenn es als Profiduellantin nicht klappt wäre das ne Perspektive. :]

      Die "Ganz persönliche Hölle" mit Kali. Tja, sehr viel persönlicher geht es definitiv nicht. Welch Ironie.

      Das „Was soll das heißen, Summers!?“ von beiden "Anyas". Tjaaa, Matt ^.^

      Kalis Versteck bei Ernie Winter "dem größten Loser des Planten". Spätestens jetzt hat der Unglücksrabe den Status eines Running Gags erreicht. Trotzdem ist es noch relativ selten, sodass gleichzeitig fast etwas von einem Easteregg hat, eine echt spannende Mischung :D
      Vielen Dank mal wieder an alle Leser. Entschuldigt die kleine Verspätung, urlaubsbedingt ging es diesmal nicht früher.

      @WiR
      Naja, ich habe kleine Hints damals schon gegeben, aber bei dieser Sache war ich sehr vorsichtig, dass es nicht doch irgendwie rauskommt. Freut mich, dass es dich kalt erwischt hat.

      Was Kali in der Zeit gemacht hat, während sie nicht da war, werde ich in einem Special zeigen, sobald die erste Arc der dritten Staffel beendet ist. Ich denke, dann wird dann auch noch mal ein etwas anderes Licht auf Kali-Anya werfen.
      Wobei ich dir trotzdem nicht widerspreche. Sie ist an ihrer Lage selber schuld.

      Der Auserwählte ... ha ha, wenn ihr wüsstet. :D

      Danke für deinen Post. :)

      @Mcto
      Sagen wir, keine einzige war 100% richtig. Aber einige gingen in die richtige Richtung. Wäre aber auch langweilig, wenn irgendjemand komplett Recht gehabt hätte, dann wäre ich ja durchschaubar – was ich sowieso ein wenig bin, glaub ich. XD
      Der Sammler hat seine Gründe, Kali-Anya nicht zu unterstützen. Wie die mit Gardenia zusammenkam, wird dann in dem Special gezeigt.

      Ich finde deine Gedanken auch sehr interessant, was den Echtheitsappell angeht. Ich sehe das auch so: Beide sind Anya.

      Auch dir vielen Dank für deinen lieben Post. :)


      Also dann, viel Spaß bei der nächsten Folge.

      Turn 102 – Only One
      Uns wurde eines recht schnell klar. Ohne Hilfe hätten wir genauso gut versuchen können, aus einem Kreis ein Viereck zu machen.“ Zachariah zog im Schutze des rostigen Bunkers um ihn herum an der Zigarette in seiner Hand. „Sie – die Fälschung – war einfach stärker. Aber auch wenn es um sie schlecht bestellt ist, wollen wir sichergehen, denselben Fehler von damals nicht zu wiederholen. Wir warten nicht darauf, dass noch ein Wunder sie rettet.“
      Zanthe fasste sich ans Kinn, funkelte dabei aus den Augenwinkeln Anyas Bruder an. „So ist das also? Sie ist stärker? Natürlich … Durch die Conqueror's Soul. Anya hat in dieser Zeit einige starke Feinde bekämpft. Kali nicht.“
      Zu seiner vollkommenen Überraschung zuckte Zachariah zusammen. „Was? Woher weißt du von der Conqueror's Soul?“
      Ich stelle hier die Fragen“, gab der Werwolf jedoch eindeutig zu verstehen.
      Und sein Gegner meinte. „Das hier ist gerade wesentlich interessanter geworden …“

      „… und jetzt nochmal: Woher weißt du überhaupt von der Conqueror's Soul?“, fragte Zachariah mit zunehmender Irritation. „Das sind nicht gerade Informationen, die im Internet herumschwirren. Selbst Lady Gardenia wusste nichts davon, bevor Orion den Sammler verraten hat.“
      „Ein anderer Hüter hat mich davor gewarnt“, antwortete Zanthe, „er sagte …“

      Eines Tages, und da bin ich mir sicher, wird jemand mit einer Fähigkeit unbekannten Ursprungs erscheinen“, sprach der Mann im Poncho mit dem weiß-grauen, langen Haar prophetisch, „genannt Conqueror's Soul.“
      Blätter raschelten leise an jenem Sommertag, als Drazen Zanthe das letzte Mal aufgesucht hatte.
      Diese Gabe absorbiert einen Teil der Kraft eines jeden, der Klingen – oder auch Karten – mit ihrem Besitzer kreuzt“, lachte der Alte unter dem Werwolf, dann aber wandelte sich sein Ton wieder, „aber das alleine reicht natürlich nicht, einen Hüter zu entmachten. Deshalb wird er, und da bin ich mir ebenso sicher, eines Tages …“
      Zanthe sah auf ihn herab, wie er auf dem Ast einer mächtigen Eiche saß und einfach nur existierte. Selbst das Gezwitscher der Vögel interessierte ihn in diesem Moment mehr als Drazens Worte.
      Du solltest mir zuhören“, klagte der Alte beleidigt, aber in scherzhafter Manier. „Was ich zu sagen habe ist zwar nicht immer jugendfrei, aber nichtsdestotrotz in der Regel wichtig.“
      Als wäre es eine Last, überhaupt zu antworten, erwiderte Zanthe träge: „Ich wollte nichts von alldem.“
      „Und trotzdem hat dein Bruder -dich- ausgewählt.“
      „Ist ja nicht so, als ob ich mit meiner neuen Rolle irgendetwas anfangen könnte“, sprach Zanthe lustlos und ließ sich elegant vom Ast hinuntergleiten, um direkt vor Drazen zu landen, „ich bewache eine Duel Monsters-Karte. Yay.“
      Väterlich lächelte der Mann den vermeintlich Jüngeren an. „Hoffentlich bleibt es nur dabei.“
      Die strahlend grau-blauen Augen des Mannes verengten sich. „Aber sollte irgendwann jemand kommen, der das Artefakt begehrt, wirst du dich entscheiden müssen.“
      „Aha?“
      Möglicherweise befindet sich diese Person in großer Not“, erklärte Drazen dem Werwolf mit sanfter Stimme, „und es liegt dann an dir, ihr zu helfen oder nicht.“
      Von mir aus soll derjenige das Artefakt ruhig haben.“
      Der alte Mann betrachtete Zanthe mitfühlend und legte ihm die Hand auf die Schulter. „Du wirst wissen, was zu tun ist.“
      Jedoch stieß die Geste auf wenig Gegenliebe. Der jung aussehende Mann riss sich gestöhnt nervend los und lief an ihm vorbei. „Wenn das alles ist, würde ich gerne weiter den Vögeln zuhören und mein kümmerliches Selbst bemitleiden. Allein. Vielen Dank.“

      Der alte Drazen, erinnerte sich Zanthe. Nach dem 'Tod' seines Bruders hatte der perverse Knacker ihn oft aufgesucht, versucht ihn zu trösten. Aber jetzt war er tot.
      „Ich hätte es verhindern können“, murmelte er traurig. Als Anya aufgebrochen war, ihn zu finden, war sein Name gefallen.
      Aber Drazen hatte ihm mal erzählt, dass er gerne sterben würde. Etwas, das Zanthe damals nur zu gut nachvollziehen konnte. Weshalb er Anya nie von seiner Bekanntschaft mit ihm erzählt hätte.
      „Was nicht verhindern können?“ Zachariah verschränkte die Arme. „Red' Klartext.“
      Aus seinen Erinnerungen gerissen, schnappte der Werwolf zurück: „Ich bin dir keine Antworten schuldig.“
      „Auch gut. Eigentlich interessiert mich dein Gewäsch' gar nicht.“ Der blonde, junge Mann grinste breit. „Ist sowieso alles bloß Zeitverschwendung.“

      [Zanthe: 3900LP / Zachariah: 2900LP]

      Vor ihm stand der imposante, brünette Ritterkönig Artus, mit den Schwertern [Noble Arms – Caliburn] und [Noble Arms – Gallatin] in den Händen. An seinem Arm leuchtete zudem der silberne Schild [Noble Arms Of Destiny]. Dazu umkreiste ihn eine Lichtkugel.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      Zusätzlich verfügte Zachariah noch über eine verdeckte Karte und zwei Handkarten, Zanthe dagegen über gar keine Feldpräsenz und lediglich zwei Handkarten. Oder besser gesagt drei, als er schwungvoll von seinem Duellhandschuh zog.
      Er betrachtete die Falle und schob sie wortlos in den Apparat an seinem Arm, woraufhin sie liegend vor ihm erschien. Dann streckte er die Hand aus. „Open a door to the unknown!“
      Schlagartig hielt er einen kleinen, silbernen Schlüssel in der Hand, der prompt nach oben geworfen wurde. „Erscheine, [Constellar Sombre]!“
      Über dem Kopftuchträger entstand daraufhin ein Runenzirkel mit astronomischen Symbolen darin, welcher zerbrach und hinter sich eine engelsgleiche, weiße Gestalt preis gab. Mit kurzen, aber breiten Flügeln versehen, durch die blaue Energie strömte, ließ Sombre einen hellblauen Kreis um sich erscheinen, in dem die Tierkreiszeichen eingelassen waren.

      Constellar Sombre [ATK/1600 DEF/1550 (4)]

      „Einmal pro Zug kann Sombre einen Sternenkundler von meinem Friedhof verbannen“, erklärte Zanthe und zeigte das schwarz-umrandete Monster [Constellar Praesepe] vor, fügte danach [Constellar Algiedi] seinem Blatt hinzu, „um einen anderen von dort zu bergen. Und ich kann dazu einen weiteren Sternenkundler beschwören! In dem Fall aber nicht das Ziel von Sombres Effekt!“
      Zanthe schwang die Hand nach rechts aus, in der ein weiterer kleiner Schlüssel erschien. „Open a door to the archer! [Constellar Kaus]!“
      Neben ihm entstand ein weiterer, aufrecht stehender Symbolkreis, aus dem ein weißer Zentaur sprang, der einen goldenen Bogen mit sich führte.

      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4)]

      Jener spannte seine Waffe und richtete sie nach oben. „Effekt von Kaus! Zweimal pro Zug kann er die Stufen von Constellar-Monstern um eins erhöhen oder senken. Ich wähle Ersteres je einmal auf Sombre und Kaus!“
      Schon schoss der vierbeinige Krieger im weißen Umhang zwei hellblau leuchtende Pfeile ab, die mitten in der Luft eine enge Kurve machten und in ihn sowie seiner schwebenden Mitstreiterin einschlugen.

      Constellar Sombre [ATK/1600 DEF/1550 (4 → 5)]
      Constellar Kaus [ATK/1800 DEF/700 (4 → 5)]

      Zachariah beobachtete das alles mit einem unbekümmerten Grinsen.
      Aber Zanthe sagte sich, dass er diesem Wichtigtuer jenes schneller aus dem Gesicht wischen würde, als Anya bis zehn zählen konnte. Zuversichtlich nahm die eben erst beschworenen Monster von seinem Handschuh und legte sie übereinander, ehe er dann in die Luft griff und plötzlich einen goldenen, riesigen Schlüssel in der Hand hielt. Diesen lehnte er an die Stirn, welcher daraufhin die beiden Sternenkrieger als gelbe Lichtstrahlen absorbierte. Der Werwolf rief: „Open a gate to the Sacred Star Knights! To the Overlay Network! Aus zwei Stufe 5-Lichtern wird ein gleißender Stern! Rang 5!“
      Im Anschluss rammte er damit den Schlüssel in den Boden und brach ein neues Siegel, welches sich vor ihm im Gras bildete. „Xyz-Summon! [Constellar Pleiades]!“
      Aus diesem erschien ein anmutiger Schwertkämpfer von kräftiger Statur, der ein langes Schwert mit sich trug. Dieses hielt er nach hinten gerichtet. Auf seinem Rücken thronte eine Art Platte, die insgesamt sieben Spitzen aufwies, wobei er noch von zwei Lichtsphären umkreist wurde.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2]

      Zachariah schmunzelte. „Der also.“
      „Ja.“ Sein Widersacher streckte den Zeigefinger aus. „Dank [Noble Arms Of Destiny] kann dein König Artus nicht so leicht durch Kämpfe oder Effekte zerstört werden, aber Pleiades kann das locker umgehen!“
      Jener richtete sein Schwert in die Höhe und ließ es eine der gelben Kugeln absorbieren.

      Constellar Pleiades [ATK/2500 DEF/1500 {5} OLU: 2 → 1]

      „Zum Preis einer Overlay Unit gibt er eine deiner Karten auf die Hand zurück! Los!“
      Schon holte Pleiades aus und schwang die Klinge in einer vollendeten Drehung, sodass diese eine Schockwelle auf den feindlichen Ritterkönig losließ.
      Wofür Zach jedoch nichts als fieses Gelächter übrig hatte. „Ich bitte dich. Du denkst doch tatsächlich, wir wären komplette Vollidioten, was?“
      Zanthe weitete die Augen.
      „Als ob ich das nicht habe kommen sehen“, setzte der Blonde nach und streckte die Hand aus, „verdeckte Karte aktivieren, der Schnellzauber [Glory Of The Noble Knights]! Damit rüste ich einen Noble Knight mit einer Noble Arms aus! Artus, die Zeit ist reif! Ziehe [Noble Arms – Excaliburn] aus dem Stein!“
      Allerdings geschah dies nicht wirklich. Zachariahs Karte klappte auf und aus dem Artwork jener schob sich ein mächtiges, goldenes Schwert hervor, dessen eine Hälfte von roten, die andere von blauen Energieadern durchzogen war. Recht unspektakulär schwebte es zu Artus, der Caliburn in die Schwertscheide schob und das neue, für einen Einhänder schon viel zu große Schwert ergriff.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 1]

      „Excalibur erhöht zwar keinen seiner Werte, doch verhindert, dass du seinen Träger mit Karteneffekten anzielen kannst.“
      Die Schockwelle passierte den sagenhaften König, als wäre sie ein laues Lüftchen, das nicht einmal ein Blinzeln wert war.
      Zanthe schnalzte genervt. „Wäre ja auch zu einfach gewesen. Zug beendet!“

      „Ich fürchte, das wird nicht gut für dich ausgehen, Werwolf-Junge“, amüsierte sich Zachariah mit der Zigarette im Mund und spuckte diese schließlich aus. Mit seinem weißen, blitzeblank geputzten Schuh trat er sie aus. „Ist nichts Persönliches. Draw!“
      Dann griff er nach der nächsten Karte und zog. In diesem Moment erschütterte ein heftiges Beben den Wald. Gefolgt von einem ohrenbetäubenden Krachen.
      Während der Blonde ins Wanken geriet, konnte sich Zanthe problemlos auf den Beinen halten. Er weitete die Augen und sah links an dem Bunker vorbei. Konnte es sehen, wie es sich erhob, dieses riesige Ungetüm, das alles überragte. Obwohl es mindestens einen Kilometer entfernt lag, war es mit seinem flammenden, gehörnten Haupt deutlich zu erkennen. Die kurzen, gezackten Schwingen an seinem dürren Körper glitzerten in der Sonne. Aber der lange Schweif, der peitschend die ganze unmittelbare Umgebung in Schutt und Asche legte, erschreckte den Werwolf am meisten.
      „W-was zum Geier ist das!?“, stammelte er. Dann aber kam die Erkenntnis. „Da! Anya ist dort!“
      „Oh?“, machte Zachariah. Die Erderschütterungen stoppten. „Mist. Jetzt weißt du es. Aber ich kann dir gleich sagen: Nun, da dieses Ding aufgetaucht ist, ist es zu spät. Das Schicksal der Fälschung ist besiegelt.“
      „W-was?“
      Anyas älterer Bruder lachte finster. „Jap. Das habe ich zwar schon damals gedacht, als ihr ins Flugzeug gestiegen seid, aber diesmal ist es endgültig.“
      Der schwarzhaarige Werwolf sah sein Gegenüber verwirrt an. Dann dämmert es ihm. „Flugzeug? Soll das heißen, der Absturz, das warst du!?“
      Nur ein böses Lächeln huschte über Zachariahs Antlitz.

      ~-~-~

      Anya schluckte schwer. „Shit …“
      Ein riesiges Loch klaffte in der Decke, zwei der Beine der riesigen Gestalt von [Tierra, Source Of Destruction] standen vor ihrer Widersacherin in der schwarzen Kutte. Kali kicherte leise.

      Tierra, Source Of Destruction [ATK/3400 DEF/3600 (11)]

      Außer dieser riesigen Gestalt, die über der unterirdischen Anlage thronte, gab es keine anderen Karten auf dem Spielfeld. Oder in den Händen der Mädchen. Oder in deren Friedhöfen. Anya war wehrlos. Und einen Treffer würde sie nicht überstehen.

      [Anya: 1000LP / Kali: 800LP]

      Selbst Matt sah mit weit aufgerissenen Augen vor dem Stützpfeiler stehend, an den er kurz zuvor noch angebunden war, an der riesigen Tierra empor. „Es ist tatsächlich wie [Sophia, Goddess Of Rebirth] …“
      Hinter dem Pfeiler versteckte sich Thoras in der durchsichtigen Gestalt des schwarz-goldenen Schabenritters [Evilswarm Exciton Knight].

      Wir sind sowas von am Arsch, Matthew Summers! Wenn das Ding einmal angreift, steht hier nichts mehr!

      Anya, die mit einer Kette am rechten Fuß gefesselt und voller Staub war, verengte die Augen zu Schlitzen. „Wenn du denkst, dass ich am Ende bin, täuscht du dich. Levrier?“

      Ich bin noch hier. Sie hat mich lediglich vom Feld entfernt – ohne mich zur Abwechslung zu verletzen.

      „Sehr gut.“ Die Blonde zeigte ihre Zähne. „Ist lange her, dass wir -das- das letzte Mal gemacht haben, aber es muss sein. Bist du bereit?“

      Ich denke, dem steht nichts im Wege.

      Sofort streckte das Mädchen daraufhin ihren Arm aus. „Alles klar! Ich rekonstruiere das Overlay Network! Mach dich bereit für die Inkarnation, die alle Regeln missachtet!“
      Aber Kali brach in süffisantes Gelächter aus. „Ahahahaha.“
      Anya ließ den Arm sinken. Denn nichts geschah. „Wieso erscheint das Overlay Network nicht?“
      „Ganz einfach! Auf den Effekt von Tierra kann niemand seine Effekte 'ranhängen. Und da Inkarnationen theoretisch auch Karteneffekte sind, kannst du Pearl nicht inkarnieren, ob er nun auf dem Spielfeld ist oder nicht.“
      Ganz langsam klappte Anya die Kinnlade hinunter. Es gab nur eine Chance, [Gem-Knight Pearl] zu inkarnieren – wenn er das Spielfeld verließ. Danach war es zu spät!
      „Pft. Als ob ich dich so leicht davonkommen lassen würde“, sprach ihr Ebenbild mit der Narbe im Gesicht hochmütig, „sorry, aber ich habe so lange auf meine Rache gewartet. Sie muss perfekt sein, um jeden Preis. Ich werde nicht zulassen, dass du deinem Schicksal noch einmal trotzt, Miststück!“
      Sie streckte den Arm nach hinten von sich weg und ließ eines dieser schwarzen, ovalen Portale erscheinen. „Schade, dass ich deine letzten Momente nicht erleben kann. Wie der Quälgeist von Summers richtig festgestellt hat, wird ein Angriff von Tierra alles vernichten. Daher gestatte ich dir ein paar letzte Worte. Komm, bring mich zum Lachen, Fälschung!“
      Wie gelähmt senkte Anya ihr Haupt. Das konnte nicht sein. Sie … nein! Es gab doch sicher noch einen Weg, ihrer Lage zu entkommen! Irgendein Karteneffekt! Aber sie hatte nichts! Und wie Kali bereits erklärt hatte, konnte Tierra in diesem Zug angreifen. Es war vorbei …
      Heiser, gebrochen murmelte sie: „Tja, Summers … hättest vielleicht doch besser wegrennen sollen, als du noch die Gelegenheit dazu hattest.“
      Matt erwiderte nichts.
      „Hey Kali.“ Anya richtete sich auf. Sie atmete tief durch. „Meine letzten Worte also? 'kay. Bitte nimm Summers mit. Er kann nichts für unseren Beef.“
      Ihre verhasste Gegnerin sah sie aus unergründlichen, blauen Augen an. Dann erwiderte sie leise: „Nein.“
      „Warum!?“
      „Er ist mitverantwortlich für mein Schicksal. Ohne ihn wäre ich dem Jinn nie begegnet!“, kam es verbittert zurück. „Seine Sicherheit könnte mir nicht gleichgültiger sein.“

      „Das reicht“, kam es unvermittelt hinter Anya zurück.
      Jene sah über ihre Schulter. Der junge Mann im schwarzen Ledermantel trat Schritt um Schritt näher, bis er vor der unsichtbaren Barriere um das Duellfeld anhielt, gekennzeichnet durch Kreidelinien.
      „Ob deine Geschichte nun stimmt oder nicht“, sprach Matt, „ist mir ehrlich gesagt egal. Du bist das Original? Dann rühm' dich meinetwegen damit. Aber dadurch bleibt dein Charakter der einer aufmüpfigen, selbstsüchtigen Göre, die keinerlei Mitgefühl kennt. Da bin ich lieber mit einer Fälschung befreundet, die wenigstens Anteil am Schicksal anderer nimmt.“
      „Summers“, murmelte Anya erstaunt.
      Kali lachte auf. „Hah! Du hast Recht. Ich bin egoistisch und gefühlskalt. Denn selbst das Potential, anders zu sein, wurde mir genommen. Ich hatte nie die Chance, dich näher kennenzulernen. Von daher sind wir Fremde und du bedeutest mir gar nichts.“
      Sie streckte langsam die Hand mit gespreizten Fingern aus.
      Voller Verzweiflung rief Anya: „Hau ab, Summers! Ich kann sie nicht aufhalten! Versuch wenigstens dich zu verstecken oder so!“
      Statt ihrer Bitte Folge zu leisten, befahl Matt: „Thoras, zerschneide diesen Bannkreis.“

      Warum!? Wir sollten auf Anya Bauer hören und das Weite suchen!

      „Tu es!“
      Anscheinend mit der Erkenntnis gesegnet, dass er sowieso keine Wahl hatte, kam der Schabenritter nach vorne gerannt und zog dabei sein Rapier. Er stach es in die Barriere, die sich kurz als wellenartige Substanz zeigte, doch konnte sie nicht durchdringen.
      „Pah!“, lachte Kali. „Dachtest du, es wäre so einfach? Wir wissen, dass ihr Dämonenjäger euch teleportieren könnt. Ich habe nicht vergessen, was du Abby und ihrer Familie angetan hast …“
      „Und Nick“, ergänzte Matt. „Dafür habe ich mich entschuldigt.“
      „Nick … yeah. Pft.“ Die selbsternannte Dämonengöttin schloss die Augen. „Schluss mit diesem Quatsch. Ihr seid Freunde? Dann sterbt beide in dem Wissen, dass ihr euch gegenseitig ins Unglück gestürzt hab.“
      „Mach weiter, Thoras!“, drang Matt derweil.

      Nicht mal bezahlt werde ich dafür!

      Trotzdem schlug der Immaterielle die Barriere ein, die sich mit jedem Treffer ein bisschen nach innen bog und rötlich verfärbte.

      Ich … ich kann nicht mehr! Es kostet verdammt viel Kraft für einen wie mich, physische Objekte zu beeinflussen!

      „Dann gemeinsam!“ Kurzerhand packte Matt ebenfalls zu. Zusammen holten sie weit mit dem Schwert aus und ließen es auf die Barriere sausen, die daraufhin zerbrach wie ein Scherbenhaufen.
      Kali schnappte nach Luft. „Scheiße! Aber es ist zu spät! Greife sie an, [Tierra, Source Of Destruction]! Simulation's End!“
      Weit über dem Giganten begann sich im Himmel ein roter Kreis auszudehnen. Dessen Inneres verfärbte sich schwarz, bis sich nacheinander immer mehr kometenartige Feuerbälle lösten. Sie alle flogen laut pfeifend auf die unmittelbare Umgebung des eingestürzten Bunkerteils zu.
      Matt eilte an Anyas Seite. „Ich habe einen Plan! Keinen guten, aber besser als nichts.“
      „Der lautet hoffentlich Teleportationskarte!“
      „Nein … ich habe keine mehr, schon seit geraumer Zeit …“
      Die Blonde schnappte entgeistert, wenn auch nicht wirklich überrascht: „Willst du mich verarschen!?“
      „Hör zu! Wir sammeln die Kräfte unserer Immateriellen und deiner Artefakte und errichten eine Barriere. Wenn wir Glück haben, überleben wir das!“
      In dem Augenblick tauchte Levriers durchsichtige Pearl-Gestalt links neben Anya auf, wohingegen sich Thoras rechts neben Matt positionierte.

      Ich bin ein Streiter, kein Gründer! Das ist das Dümmste, was ich je gehört habe!

      Auf das Meckern von Matts Immateriellen hin konnte Levrier nur lachen.

      Ist es. Aber wir sollten es zumindest versuchen.

      Auch Kali brach in schallendes Gelächter aus. „Ihr Idioten! Das wird euch nicht retten! Tierra ist viel zu mächtig, um durch eine lausige Barriere aufgehalten werden zu können!“
      Dagegen erwiderte ihre Erzfeindin: „Du hast doch nur Schiss, dass es klappt.“
      Sie streckte ihren Arm aus und ließ [Angel Wing Dragon] in seiner weißen Speerform erscheinen, welchen sie neben sich in den Boden rammte. Dann manifestierten sich um ihre Hände zwei metallische Handschuhe. Und zu guter Letzt tauchten in jenen zwei gezackte Kurzschwerter auf.
      „Okay, bin bereit!“
      „Konzentriert euch! Sammelt all eure Kraft und lasst sich in die Kuppel fließen!“, befahl Matt und sah seinen Partner an. „Thoras, du erzeugst das Feld!“

      War ja klar, dass -ich- wieder die Drecksarbeit erledigen muss!

      „Hahaha“, lachte Kali weiter, „das wird doch niemals was. Aber gut, versucht es halt.“
      Anya schloss die Augen. Sie hörte bereits aus der Ferne das Zischen der nahenden Kometen. Fuck, diese blöde Kuh hatte Recht! Selbst mit ihrer geballten Kraft würden sie niemals stark genug sein, einen so mächtigen Schild aufzubauen!
      „Gib dir mehr Mühe, Thoras!“, hörte sie Matt sagen.

      Ich versuche es! Aber ihr seid alle so verschieden, ich kann das Feld gar nicht erzeugen!

      „Tu es trotzdem!“

      Ich helfe!

      Levrier gab ein angestrengtes Geräusch von sich. Aber Anya spürte es – nichts geschah. Sie hatten so etwas noch nie gemacht, natürlich würde es nicht auf Anhieb funktionieren.
      „Sag ich doch, das wird nichts“, triumphierte Kali. „Ich bin dann mal weg …“
      „Shit“, fluchte Anya leise, wagte es nicht hinzusehen.
      Plötzlich spürte sie Matts Hand auf ihrer Schulter. „Wir kriegen das hin!“
      „Lügner“, erwiderte die Blonde mit einem Lächeln, „aber wenigstens gehen wir zusammen unter. Nicht die … schlechteste Art zu sterben …“
      „Sag so etwas nicht! Los, strengt euch an!“

      Argh! Immer wenn ich es in Form kriege, bringt Levrier es durcheinander!

      Thoras ist ein Amateur!

      Anya biss die Zähne fest zusammen. Es war vorbei. Jeden Moment. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Einfach so zu sterben. Und dann noch durch Kalis Hand. Lächerlich …
      Sie wollte nicht. Sie wollte nicht sterben. Es gab so vieles, was sie noch tun musste, tun wollte und da kam sterben nicht infrage. Aber wer sollte sie retten!? Es kam niemand! Der Sammler wäre doch schon längst hier, wenn es ihm möglich wäre. Vielleicht interessierte er sich gar nicht mehr für sie, immerhin hatte sie ihn eiskalt abblitzen lassen!
      „Ricther“, flüsterte sie verzweifelt, „komm schon!“
      Aber der Undying hätte sie längst gerettet. Das heißt, wenn er es sich nicht inzwischen anders überlegt hatte. Sie war eine Gefahr für diese 'ewige Ordnung' oder was auch immer. Wenn sie jetzt hier starb, hatte sich das Problem der Undying von selbst gelöst. Es gab keinen Grund für sie, ihnen zu helfen.
      „Der kommt nicht! Wir müssen das selbst schaffen!“, drängte Matt, auch bei ihm drang immer größere Verzweiflung durch die Stimme. „Anya, hol' alles aus dir raus!“
      „Ich versuch's ja!“
      Was tat sie denn? Sie fokussierte sich auf ein Energiefeld, das sie ganz vage um sich herum spürte. Stärkte sie es dadurch überhaupt? Oder musste sie mehr tun!? Sie wusste es nicht!
      Irgendjemand! Irgendjemand musste sie retten!

      Es war wie ein Blitz, der ihre Gedanken durchfuhr. Ganz klar sah sie sie vor sich, eine Erinnerung an längst vergangene Zeiten. Wie sie mit einer deutlich jüngeren Abby in ihrem Zimmer auf dem Boden hockte. Beide waren über Papier gebeugt und zeichneten fleißig.
      Anya sah ihrem Teenager-Ich über die Schulter, wie es als Erstes fertig war und ihrer Freundin stolz das gemalte Bild präsentierte. „Hah! Damit gewinne ich den Wettbewerb!“
      „Das ist großartig, Anya! So gut bin ich nicht.“ Abby sah betrübt auf ihr Bild herab, einen roten Vogel mit Laubschweif.
      „Ist doch egal!“, protestierte Teenie-Anya. „Ich werde sowieso dort einmarschieren und diese Weicheier dazu zwingen, beide Bilder gewinnen zu lassen. Andernfalls drehe ich ihnen solange Schrauben durch ihre Körperöffnungen, bis sie-“
      „I-ich denke, ich verstehe schon“, stammelte Abby pikiert.
      Dann verschwamm die Szene vor Anyas innerem Auge. Nebenbei hörte sie Matt panisch etwas rufen, Kali lautstark lachen. Ihre Finger umschlossen die beiden Schwerter in ihrer Hand so fest sie konnten.

      Aber sie sah etwas Neues. Diesen Typen, dem sie begegnet war, als dieser verrückte Maskendämonen mit dem Katana sie angegriffen hatte. Blondes Haar, geflochten zu langen, zusammengebundenen Braids. Er hatte diese komische Waffe in den Händen, eine Art Schwert, um das ein hellblaues Gehäuse ummantelt war. Die Klinge war zackig wie eine Kettensäge.
      Warum erinnerte sie sich jetzt an ihn?
      „Ich habe ein Geschenk für dich“, sprach er unergründlich, „mit ihm wirst du überleben.“
      Exa streckte die Hand nach ihr aus. Er sah sie eindringlich an. Anya fackelte gar nicht erst, sondern versuchte sie zu ergreifen. Kurz bevor sich ihre Finger berührten, tauchte zwischen ihnen ein grelles, leuchtendes Licht auf.

      Anya riss ihre Augen weit auf. Die Artefakte um sie herum lösten sich auf, das Mädchen streckte die Hand nach vorne aus. „Die Bedingung ist erfüllt!“
      Sie schwenkte ihren Arm zur Seite aus. „A rift has been opened!“
      Anschließend schlug sie ihre rechte, zur Faust geballte Hand gegen die Brust. „Summoning contract established!“
      Kali, die schon halb in ihrem Portal steckte, trat wieder daraus hervor. „Huh?“
      „Anya, was machst du da?“, fragte Matt verwirrt. „Du musst-“
      Aber die Blonde beachtete keinen der beiden. Sie wusste, was sie da tat. Sie richtete die Faust in die Höhe, aus der acht grelle Lichtfunken aufstiegen, an ihr und den anderen vorbei schwirrten und sich hinter ihnen in einer unregelmäßigen Kreuzformation zu einem runden Tor festigten. Dieses bestand aus mehreren Innenkreisen, in dem jeweils einer der Funken als leuchtendes Symbol eingelassen war.
      „Witness the creation of the eternal gate!“, rief Anya. Ruckartig schossen die einzelnen Bestandteile des Portals nach hinten. „Reverse the tide of battle!“
      Innerhalb des entstandenen Tores erstreckte sich ein bunter Tunnel. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      Anya riss den erhobenen Arm hinunter und zeigte ihren Handrücken, in dem eine weiße Sanduhr eingraviert war. „Grade 8! Flow, [Chrono Blades Excel Dragon]!“
      In dem Moment schoss eine Kreatur aus dem Portal und brachte dieses zum Einstürzen. An Anya vorbei rauschte der dunkelgraue Drache einmal durch den ganzen, magisch vergrößerten Raum, ehe er sich über dem Mädchen platzierte. Von schlanker Gestalt, hatte er einen fast humanoiden Körperbau. Sein weißer Bauch hatte dabei dieselbe Form wie Anyas Symbol: Eine Sanduhr.

      Chrono Blades Excel Dragon [ATK/3000 DEF/2500 X8]

      Wirklich beeindruckend waren aber neben den vier rot leuchtenden Schlitzaugen die zehn Schwerter, die wie ein Ring in hoher Geschwindigkeit um ihn rotierten.
      Kali verfiel in blanke Panik. „Nein … nein, nein, nein!“

      Woher kommt dieses Ding?

      „Ist doch egal“, erwiderte Matt auf Thoras Frage hin prompt. Beide sahen an der eindrucksvollen Kreatur hinauf. „Hauptsache es ist hier …“
      Der Dämonenjäger sah Anya an, doch die hatte sich völlig auf Kali fixiert.
      Jene konnte sich kaum beherrschen. Sie schrie: „Wie konntest du nur!? Ausgerechnet ihn!“
      Sie ging in ein Flüstern über. „Völlig aus dem Nichts … Das sieht dir ähnlich, Miststück!“
      Anya sah auf ihren Armrücken hinab. „Es kam nicht aus dem Nichts. Es hat in mir geschlafen, das weiß ich.“
      „Das bezweifle ich! Aber glaub was auch immer du willst! Selbst damit entkommst du deinem Schicksal nicht!“
      Die sogenannte Fälschung sah wieder auf und erklärte beherrscht: „Sehe ich anders. Wenn [Chrono Blades Excel Dragon] während der Battle Phase beschworen wird, beendet er diese sofort.“
      Ihre Widersacherin ploppten bald die Augen heraus. „Was!?“
      „Tu nicht so überrascht“, murrte Anya grimmig. Indes waren die Kometen nur noch wenige Kilometer vom Einschlagpunkt entfernt. „Aber das ist noch nicht alles. Danach kann er sich und alle anderen Monster auf dem Feld verbannen. Temporal Disturbance!“
      In dem Moment streckte der Drache eine seiner mit scharfen Klauen besetzen Pranken aus. Mit dem 'Zeigefinger' zog er langsam einen immer größer werdenden Riss im Raum-Zeit-Gefüge, eine schwarz glitzernde Pforte, in die er langsam hineingezogen wurde. Aber nicht nur er. Vor Kali ereignete sich analog das gleiche Phänomen. Die beiden Beine Tierras wurden verzerrt in den Spalt hineingezogen. Dann geschah es. Immer schneller wurde das gigantische Wesen durch den allenfalls eine Elle langen Riss wie von einem Staubsauger hineingesaugt. Dabei ging strahlend blaues Licht von ihm aus.
      Kali fiel aus allen Wolken. „Nein! Das kannst du nicht tun! Tierra!“
      Doch es war zu spät. Beide Monster waren längst verschwunden, die Pforten auf den Seiten der Mädchen schlossen sich wieder. Die Kometen verschwanden, als hätten sie nie existiert.
      „Das habe ich aber gerade“, erwiderte Anya unterkühlt. „Und das ist erst der Anfang.“
      Denn etwas war von ihrem neuen Drachen verblieben: Sein Schwertring. Jener flog über ihrem Kopf hinweg durch das Loch im Bunker. Und dann regnete es Klingen. Nacheinander rammten sich vier der schlichten Einhänder vor Anya in den Boden. Dann geschah dasselbe bei Kali. Die verbliebenen beiden Schwerter verschwanden.
      „Selbst das …“, keuchte die und wich zurück. Ihr Portal war ebenfalls fort.
      „Die Monster, die Chrono Blades verbannt hat, sind nicht fort. Ihre Zonen bleiben unbenutzbar, bis sie zurück sind“, erklärte ihre Feindin, „und in alle anderen werden seine Schwerter in Verteidigungsposition beschworen, die sogenannten Chrono Blade-Spielmarken.“

      Chrono Blade-Token x4 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Anya)
      Chrono Blade-Token x4 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      Anya Bauer, das ist beeindruckend! Woher kommt dieses Monster? Und du kennst seinen Effekt, ohne ihn überhaupt gelesen zu haben!

      „Yeah“, stimmte Matt dem durchsichtigen Levrier zu, „das ist tatsächlich beängstigend.“
      Er atmete tief durch. „Puh. Aber danke, dass auf dein Talent, das Schicksal zu umgehen, immer wieder Verlass ist.“
      Als sie das hörte, musste Anya ihn ansehen und grinsen. „Danke.“
      Dann aber wurde sie wieder ernst, sah wieder Kali an. „Wenn du wirklich ich bist, dann solltest du eigentlich wissen, was dieses Monster ist. Und was es in etwa kann.“
      „Kch! Damals … mit Abby …“
      „Yeah. Aber Erinnerungen sind trügerisch“, murmelte Anya geheimnisvoll, „und manchmal ändern sich Pläne ein wenig. Ich hatte vor einiger Zeit einen Traum. Und seitdem denke ich -anders- über Chrono Blades. Du siehst ja, er ist kein reguläres Effektmonster mehr. Um ehrlich zu sein weiß ich selber nicht, -was- er jetzt ist …“
      Sie senkte ihr Haupt. Sie hatte einen anderen Beschwörungsspruch verwendet als in ihrem Traum. Welcher dort in etwa „The fallen comrades become witnesses of a new beginning!“ gelautet hatte, aber den hatte sie sich damals als Teenager ausgedacht. Er war nicht mehr aktuell. Und die Karte auf ihrer schwarzen Duel Disk? Die hatte nicht einmal einen farbigen Rand, stattdessen war sie komplett vom Artwork ausgefüllt, welches beim Effekttext extrem aufgehellt war.
      „Einen Traum?“, fragte Matt. Dann erinnerte er sich daran, dass sie mal etwas im Traum genuschelt hatte, beim Duell Marc Butcher gegen Kakyo Sangon. „Das ist interessant. Aber wie um alles in der Welt hast du es geschafft, ihn zur Realität werden zu lassen?“
      „Weiß nicht“, zuckte Anya mit den Schultern. „Ist mir auch egal. [Chrono Blades Excel Dragon] existiert seit vielen Jahren in meinem Kopf. Ich habe ihn selbst entworfen, damals, als ich und Abby an einem Zeichenwettbewerb teilgenommen haben. Zwar habe ich damals nicht gewonnen …“
      Sie sah wieder auf ihre Duel Disk. „… aber er ist hier. Gekommen, um mich zu retten. Nur das zählt.“

      Matthew Summers! Ich finde, wir sollten auch damit anfangen, uns mächtige Karten aus dem Arsch zu ziehen, wenn es drauf ankommt.

      Anya bedachte den Schabenritter Thoras eines stechenden Seitenblicks. „Das habt ihr vor gar nicht allzu langer Zeit, 'Zitronenritter'!“

      Sie will mich umbringen!

      Kreischend kauerte der Immaterielle hinter Matt, der genervt stöhnte.
      Kali lachte, aber deutliche Verunsicherung klang dabei hindurch. „Das hast du also aus [Chrono Blades Dragon] gemacht, huh? Von mir aus. Damit werde ich auch fertig. Ich lasse mir meine Rache nicht noch einmal nehmen!“
      Sie streckte die Hand aus. „Ich beende den Zug! Jetzt aktiviert sich der Effekt von [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon]. Ich habe ihn und [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix] aus meinen Pendelzonen verbannt und nun kehren sie beide auf mein Blatt zurück!“
      Während Kali jene beiden Monster aus ihrer Verbannungszone zog, meinte Anya: „Yeah, kann sein, aber in der End Phase aktiviert sich auch der Effekt von [Chrono Blades Excel Dragons] Hinterlassenschaft.“
      Die Schwerter vor Kali begannen silbrig zu glühen. Dann schossen sie alle gleichzeitig Blitze auf die Kuttenträgerin ab, die schreiend getroffen wurde und auf die Knie sank. Dann zersprang eine der Klingen. „Ugh!“

      [Anya: 1000LP / Kali: 800LP → 400LP]

      Chrono Blade-Token x3 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      „Während der End Phase erhält der Spieler, der gerade am Zug ist, 100 Schadenspunkte für jede Chrono Blade-Spielmarke, die er kontrolliert. Danach wird eine zerstört“, erklärte Anya. „Und wenn alle fort sind …“
      „… verliert der Spieler das Duell“, schloss Kali verstimmt ab und erhob sich.
      Ein wissendes Grinsen huschte über Anyas Gesicht.

      ~-~-~

      Der schwarzhaarige Werwolf sah sein Gegenüber verwirrt an. Dann dämmert es ihm. „Flugzeug? Soll das heißen, der Absturz, das warst du!?“
      Nur ein böses Lächeln huschte über Zachariahs Antlitz. „Ja.“
      Fast nebensächlich schnippte er mit dem Finger. „Heileffekt von [Noble Arms – Caliburn]! Ich erhalte 500 Life Points!“
      Das Schwert in der Scheide am Waffenrock Artorigus' begann zu leuchten. Ein grünlicher Funkenregen ergoss sich über Zachariah.

      [Zanthe: 3900LP / Zachariah: 2900LP → 3400LP]

      „Warum!?“, platzte es aus einem zutiefst schockierten Zanthe heraus. „So viele Menschen sind dadurch gestorben!“
      „Na und?“ Er zuckte mit den Schultern.
      Eiskalt. Selbst der Werwolf, der sonst eine Menge ab konnte, spürte in diesem Moment eine ungekannte Übelkeit aufkeimen. Das war Anyas Bruder und er war ein Massenmörder!
      „Sind dir“, flüsterte Zanthe leise, „sind dir Menschenleben gar nichts wert …?“
      „Sicher doch. Aber es war der einfachste Weg, euch loszuwerden. Dachte ich jedenfalls.“ Wieder zuckte der große Blonde mit den Schultern. „Wie seid ihr da bloß rausgekommen? Hat euch jemand gewarnt? Der Sammler vielleicht?“
      Aber der Kopftuchträger zog es vor gar nicht erst zu antworten. Er wandte den Blick ab.
      „Tu nicht so scheinheilig. Du würdest dasselbe tun, wenn jemand dir Wichtiges so leiden muss.“
      „Niemals!“, widersprach Zanthe aufgeregt. Und doch spürte er, dass ein Teil von ihm für Alessandro sehr viel weiter gehen würde als er es sich eingestand. „Das ist … hast du jemals darüber nachgedacht, wie sinnlos das alles war!?“
      „Du meinst, weil der Sammler Anya einfach durch Kali oder sogar … hehe … jemand Drittes ersetzen kann, der die Conqueror's Soul besitzt? Bevor du fragst: Ich besitze sie nicht, was irgendwie schade ist. Egal.“ Zachariah schürzte die Lippen. „Jedenfalls hast du es wohl immer noch nicht kapiert. Ich wollte -deine- Anya vernichten, damit -meine- ihren Platz einnehmen kann. Und in einem Flugzeug sollte sie nicht entkommen können. Ich habe extra Sprengstoff verwendet, damit Levrier nichts bemerkt. Und trotzdem …“
      Er sagte das auf eine Art und Weise, als würden sie sich über das Wetter unterhalten. Das war ein Psychopath, begriff Zanthe dadurch mit Schrecken.
      „Ich aktiviere den Effekt von [Artorigus, King Of The Noble Knights]! Im Austausch gegen eine Overlay Unit kann ich beliebig viele Zauber- und Fallenkarten zerstören, solange er mindestens ebenso viele Noble Arms ausgerüstet hat. Ich wähle dich“, meinte er und zeigte verschmitzt auf Zanthes gesetzte Karte. Dann auf das Schwert am Waffenrock seines Königs. „Und dich, [Noble Arms – Caliburn]!“
      Jener streckte sein Excalibur in die Höhe und ließ es die verbliebene, um ihn kreisende Lichtkugel absorbieren.

      Artorigus, King Of Noble Knights [ATK/3500 DEF/2000 {4} OLU: 1 → 0]

      Im Anschluss schwang er das Schwert beidhändig aus, wobei nicht nur die Schwertscheide zerplatzte, sondern von Excalibur auch eine elektrische Schockwelle losgelassen wurde. Jene fegte über das Gras, an [Constellar Pleiades] vorbei und traf schließlich auf die gesetzte Karte vor Zanthe.
      Welcher gar nicht lange fackelte. „Dann aktiviere ich sie gleich! [Constellar Meteor], eine Falle!“
      Die Falle klappte noch rechtzeitig auf, bevor sie von der Schockwelle zerrissen wurde. Plötzlich ging sein Sternenkundler in rötlicher Feueraura auf, so stark, dass man ihn kaum noch erkannte.
      „Wenn du in diesem Zug gegen Constellar-Monster kämpfst, werden deine Monster ins Deck zurückgeschickt!“ Zanthe atmete tief durch. „Selbst all die Schwerter und Schilde deines König Artus können diesen Effekt nicht abwehren.“
      „Mag sein.“ Zach streckte die Hand aus. „Da [Destiny Arms – Caliburn] zerstört wurde, kann es sich einmal pro Zug an ein passendes Monster auf dem Feld ausrüsten.“
      So wie die Schwertscheide am Waffenrock des brünetten Königs verschwunden war, so setzte sie sich aus dem Nichts wieder zusammen. „Und das heißt: Mehr Lebenspunkte für mich. Effekt von Caliburn!“
      Wieder ergoss sich über Zachariah ein grüner Funkenregen.

      [Zanthe: 3900LP / Zachariah: 3400LP → 3900LP]

      Zanthe knirsche mit den Zähnen. Diese Strategie Zachariahs, sich dauernd zu heilen, war ihm nicht neu. Und das alles diente nur dazu, ihn daran zu hindern, zu Anya vorzudringen. Er sah am Bunker vorbei zu der riesigen Kreatur. Und erkannte mit Schrecken, dass sie zahllose Meteore beschworen hatte, die zwar noch weit oben am Firmament hingen, jedoch bald einschlagen würden.
      „Verdammt, ich muss hier weg!“, keuchte er zerknirscht.
      „Wozu die Eile? Ist doch ohnehin egal.“ Zachariah lachte auf einmal resignierend. „Früher oder später ereilt deine Freundin sowieso ein grausames Schicksal. Also lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“
      Zanthe sah ihn mit geweiteten Augen an. Was war denn jetzt los!?
      „Alles was du tust, ist umsonst. Was ich tue ist umsonst. Was Anya tut ist umsonst. Wirklich alles.“
      Zanthe schnappte zurück: „Was soll das jetzt heißen? Sind wir unter die Nihilisten gegangen oder was?“
      „Nein“, erwiderte der große Blonde kühl, „nur, dass wir alle verdammt sind. Also was spielt es für eine Rolle, ob ich ein paar Menschen durch die Explosion getötet habe? Immerhin habe ich ihnen die Hölle erspart, die sich Zukunft nennt.“
      Mit nervösem Blick auf die Feuerbälle, die es vom Himmel regnete, fragte Zanthe: „Hölle? Du hast sie direkt dorthin geschickt!“
      „Ach wirklich? Da wäre ich mir nicht so sicher. Ihr wisst es nicht, aber wir haben einen Überläufer auf unserer Seite“, erklärte Zachariah, „ein ehemaliger Diener des Sammlers. Ein Schattengeist namens Orion.“
      Der Name sagte Zanthe etwas. Anya hatte ihn ein oder zweimal erwähnt, als sie ihm während einer ihrer etwas geselligeren Stunden von ihren Abenteuern erzählt hatte. „Orion? Das war der Vorgänger von Kyon.“
      Kyon … der Immaterielle, der den Körper seines Bruders Alessandro besetzte! Auch er war ein Diener des Sammlers. Und ebenso daran interessiert, diesen zu Fall zu bringen.
      „Genau der.“ Der Blonde nickte. „Viel weiß er nicht, aber das, was er uns sagen konnte, war gelinde gesagt erschreckend.“

      Eigentlich hatte Zanthe keine Zeit für dieses Gespräch. Aber objektiv gesehen wusste er, dass er sowieso nicht rechtzeitig bei Anya sein würde. Und selbst wenn doch, was könnte er im Moment tun, um sie zu beschützen? Sie musste sich wohl oder übel selbst helfen. Vielleicht war Matt wenigstens bei ihr.

      „Und das willst du mir wirklich erzählen?“, fragte der Werwolf schließlich und doch haftete sein Blick einzig an den herabfallenden Meteoren.
      Zachariah zuckte mit den Schultern. Anscheinend eine blöde Angewohnheit, so oft wie der das tat.
      „Vielleicht sorgt das für ein wenig Vernunft in eurer Chaostruppe. Eure Anya ist in wenigen Augenblicken Geschichte.“ Er grinste böse. „Wenn ihr wollt, könnt ihr ja Lady Gardenia dienen.“
      „Das halte ich für unwahrscheinlich. Und damit meine ich nicht den Teil mit deiner Herrin.“
      „Glaub was du willst. Jedenfalls hat sie mir keinen Maulkorb verpasst. Also: Der Verräter namens Orion. Lästige Kreatur. Aber er weiß ein paar Dinge. Zum Beispiel, dass es ein Phänomen namens 'Planet Eater' gibt.“
      Zanthe hob die Augenbrauen an. „Planet … Eater?“
      „Da ist der Name Programm. Und dieses Ding hat in wenigen Monaten diverse Welten zerstört. Der Sammler beobachtet es anscheinend. Und soll ich dir was sagen? Wir vermuten, dass der Planet Eater es auf diese Welt abgesehen hat.“
      „Was ist das überhaupt?“
      „Anscheinend selbst eine Art Himmelskörper. Sobald er nah genug an einen Planeten heran kommt, beginnt er seinen Äther zu absorbieren. Er verschlingt alles, bis nur noch ein lebloser Steinbrocken übrig bleibt.“ Zachariah schien das alles nicht wirklich zu kümmern. Vielleicht weil er nicht wirklich etwas vom Übernatürlichen verstand. Er ratterte einfach Fakten hinunter. „Allein seine Anwesenheit bringt Planeten aus ihrer Umlaufbahn. Kann man ihn mit bloßem Auge erkennen, ist es so oder so zu spät. Oder so ähnlich.“
      „Und ihr denkt, der Sammler …?“
      Da platzte Zachariah in schallendes Gelächter aus. „Der Sammler ist dafür verantwortlich? Mach dich nicht lächerlich! Das glauben vielleicht die Undying, aber denk doch mal genau nach! Der Sammler hat eurer Anya zwar geholfen, in den Turm von Neo Babylon zu gelangen, aber nie mit der Absicht das Tor Eden zu öffnen.“
      Sein Gesicht wurde ernst. Er gestikulierte wild mit den Händen. „Soweit ich weiß, hat er doch sogar versucht, diese verrückte Immaterielle aufzuhalten, die nach dem Fall des Turms das Tor durch das Opfern von Livingtons Bewohnern öffnen wollte. Was glaubst du, war ihre Absicht dabei? Sie wollte den Planet Eater rufen!“
      Auch davon hatte Anya ihm mal erzählt. Urila hieß sie, soweit sich Zanthe erinnern konnte.
      Abschließend meinte der große Blonde mit dem Goldkettchen um den Hals: „Der Sammler ist kein angenehmer Zeitgenosse, aber er braucht diese Welt für irgendetwas. Wenn der Planet Eater sie zerstört, würde er damit auch die Pläne des Sammlers durchkreuzen. Und niemand kann dieses Ding aufhalten, weder der Sammler noch die Undying.“

      Wieso geschah da nichts, fragte sich Zanther derweil mit wachsender Panik. Inzwischen hatten die mindestens zwanzig Meteore den Himmel durchbrochen und flogen mit immer höherem Tempo ihrem Einschlagpunkt entgegen. Begleitet von einem lauter werdenden, pfeifenden Geräusch.
      Anya, wehr' dich endlich, fluchte er innerlich.

      „Nette Geschichte“, presste Zanthe hervor, „angenommen das stimmt überhaupt, was der Schattengeist euch da erzählt. Er könnte genauso gut ein Doppelagent sein.“
      Zach schmunzelte. „Lady Gardenia ist überzeugt davon, dass er die Wahrheit spricht. Ihr kann man nichts vormachen.“
      „Aber ihr habt keine Beweise dafür, dass der Planet Eater wirklich auf die Erde Kurs genommen hat.“
      „Der Sammler ist überzeugt davon, dass jemand ihn steuert. Es gibt ein System. Jede der bereits zerstörten Welten barg gewisse Besonderheiten. Die Welt der Immateriellen, Welten mit wirklich mächtigen Individuen …“
      „Und was ist an dieser Welt so besonders?“
      „Ein Hinweise darauf konnte Orion uns geben, wenn auch nicht mehr als das.“
      Zanthe konnte seinen Blick für einen kurzen Moment von der riesigen Kreatur in der Ferne lösen und sah Zachariah in die blauen Augen. Welche funkelten. „Sprich!“
      „'In dieser Welt existieren die Reste einer verbotenen Vergangenheit'.“ Der Blonde in Weiß zuckte mit den Schultern. „Das waren die Worte des Sammlers zum Schattengeist, der übrigens keinen Schimmer davon hat, was sein Meister überhaupt so ausheckt. Fast so als hätte der erwartet, irgendwann verraten zu werden.“
      Damit hatte sich Zanthes nächste Frage wohl erübrigt.

      „Aber jetzt wird es Zeit, dich endgültig-“, sprach Zachariah mit einem zuversichtlichen Lächeln auf den Lippen und zückte eine Karte.
      Doch als Zanthe aufschreckte, lag dies nicht an seinem Gegner. Grelles, hellblaues Licht strahlte von unterhalb der riesigen, gehörnten Kreatur in der Ferne hervor. Und jene begann zusammenzuschrumpfen.
      Auch Zachariah wirbelte um, blickte an dem Bunker vorbei. „Sag nicht-!“
      Die flammenden Felsbrocken verschwanden jedoch ebenfalls, kurz bevor sie einschlagen konnten.
      „Sieht ganz so aus“, meinte Zanthe und atmete erleichtert auf. Manchmal war halt doch auf Anya Verlass, wie es schien.
      „Ugh! Wenn das so ist, sollte ich wohl gerade ganz woanders sein.“ Er wandte sich dem Werwolf wieder zu. Dann ging er auf ihn zu. „Und du auch.“
      „Schätze schon.“ Der Schwarzhaarige mit dem Kopftuch schritt ihm entgegen.
      Als sie sich in der Mitte des Spielfelds trafen, sahen sie sich tief in die Augen. Zach meinte schließlich mit einem Grinsen: „Um deine Würde zu bewahren, biete ich dir einen Deal an. Wir einigen uns auf ein Unentschieden.“
      „Netter Versuch. Dich hätte ich fertig gemacht.“
      Beide schlugen trotz ihrer Feindseligkeit mit den Händen ein. Die Hologramme ihrer beiden Monster verschwanden.

      [Zanthe: 3900LP → 0LP / Zachariah: 3900LP → 0LP]

      „Glaub mir. Was immer da vorgeht“, sagte Anyas größerer Bruder und sah wieder zurück zu der Stelle, wo eben noch die riesige Kreatur gestanden hatte, „willst du nicht verpassen.“
      Zanthe nickte. Und keine Sekunde später rannten beide in jene Richtung los, wobei es Zanthe mühelos gelang, seinen Widersacher abzuhängen.

      Obwohl er sich nichts hatte anmerken lassen, war er ziemlich erstaunt von diesem Angebot gewesen. Und er begriff, dass dies wohl tatsächlich auf Bruderliebe beruhen musste. Zachariah wollte an Kalis Seite sein, nachdem ihr Sieg offensichtlich doch nicht so sicher war wie er dachte.
      Blieb nur zu hoffen, dass was immer Anya dort gelungen war, sie lange genug über Wasser halten würde. Vielleicht konnte er ihr irgendwie helfen!

      ~-~-~

      „Mein Zug! Draw!“ Anya riss eine Karte von ihrem Deck. „Zug beendet!“
      „Was!?“, staunte Matt.

      Anya Bauer, bist du sicher!?

      Auch Levrier wunderte sich über diese Ansage. Doch es war bereits zu spät, das Mädchen noch umzustimmen. Die vier Schwerter vor ihr leuchteten allesamt silbern auf und gaben zusammen einen gebündelten Stromschlag ab, der sie beinahe in die Knie zwang. „Kch! Am Ende des Zuges erhalte ich 100 Punkte Schaden für jede Chrono Blade, danach wird eine zerstört.“
      Eine der Klingen zerplatzte.

      [Anya: 1000LP → 600LP / Kali: 400LP]

      Chrono Blade-Token x3 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Anya)

      „Mein Zug! Draw!“, wiederholte Kali exakt dieselben Worte, die Anya zu Beginn ihrer Runde gesagt hatte und zog schwungvoll von ihrem Deck.
      Dann sah sie auf ihre rote V-Duel Disk. Die mittlere Zone war durch ein rotes Kreuz ausgeleuchtet, auf den anderen zeigten die eingebauten Minibildschirme die grau-umrahmten Spielmarken an.
      Kali blickte auf. „Die Chrono Blades haben Angriffspunkte.“
      „Und?“ Anya kniff die Augen fest zusammen.
      „Der originale [Chrono Blades Dragon] hätte sie ohne Angriffspunkte beschworen.“
      „Ich sagte bereits, dass ich seinen Effekt überdacht habe.“
      Kali lachte böse. „Natürlich. Aber so ist das bei Fälschungen. Nah am Original, aber eben doch nur eine schlechte Kopie. Wenn diese Dinger tatsächlich angreifen können, könnte ich deine Schwerter damit locker zerstören. Also heißt das wohl, dass du gar nicht verlieren wirst, wenn das letzte Schwert verschwindet.“
      Das angekettete Mädchen grinste. „Finde es doch heraus.“
      „Warum sollte ich?“
      „Weil dir die Zeit davon läuft. Noch zwei Züge und deine verbliebenen Chrono Blades nehmen dir die letzten Lebenspunkte. In diesem Zug 300, im nächsten dann 200. Ich dagegen halte länger durch.“ Anya verschränkte betonend die Arme.
      Aber ihre Erzfeindin grinste nur, zeigte eines ihrer Monster vor. „Mir ist schon bewusst, dass du mich auf diese Weise besiegen willst. Aber ich habe den Stufe 8-Saga Phoenix auf der Hand. Ich opfere zwei Spielmarken, bekomme etwas Schaden und am Ende des Zuges verschwindet dann die letzte. Problem gelöst.“
      „Ach wirklich? Vielleicht fangen deine Probleme dann erst an?“ Anya schloss die Augen. „Etwas wird passieren, wenn alle Chrono Blades verschwinden. Du wirst verlieren.“
      „Kch!“ Kali sah ihr Monster in der Hand angestrengt an.

      Sie ist sich unsicher. Ihre Erinnerungen raten ihr, nicht leichtfertig mit den Klingen umzugehen. Aber sie weiß, dass sie dir vielleicht in die Hände spielt, wenn sie zu vorsichtig ist.

      Levrier sah Anya an. Ebenso Thoras, der hinter Matt hervorlugte.

      Sie wüsste, was sie erwartet, wenn sie sich die Karteneffekte durchlesen würde.

      „Dazu ist sie nicht der Typ.“ Der Dämonenjäger selbst grinste seine Freundin an. „Nicht, Anya?“
      „Halt die Klappe.“
      „Das habe ich bereits versucht“, gestand Kali schließlich und sah auf, „aber die Duel Disk kann die Daten nicht abrufen. Geschickt eingefädelt, Fälschung.“
      Anya zuckte mit den Schultern. „Dafür kann ich nichts. Und selbst wenn, ändert es nichts am Ausgang des Duells. Also was wirst du tun, Kali? Auf deinen Untergang warten? Oder dein Schicksal selbst in die Hand nehmen?“
      Eine Schweißperle rann der Kuttenträgerin über die Stirn. „Wer wird davon profitieren, wenn eine Seite seine Klingen – seine Zeit – verliert? Das ist das Konzept von Chrono Blades. Aber ich bin nicht so dumm zu glauben, dass du daran festgehalten hast.“
      Sie nahm eine Karte aus ihrem Blatt. „Deshalb beschwöre ich in meine im letzten Zug frei gewordene Monsterzone [Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon]!“
      Vor ihr stiegen grelle, grüne Lichtkugeln auf. Sie bildeten einen dreidimensionalen Körper, indem sie zwischen sich etliche Verbindungslinien zeichneten. Es war der eines riesigen Greifs, der metallische Form annahm. Ganz aus Silber, waren seine Löwenpranken von grünen Streifen gekennzeichnet. Er brüllte schrill auf.

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon [ATK/800 DEF/2100 (4) PSC: <9/9>]

      „Keine Tributbeschwörung?“, fragte Anya tonlos.
      „Wenn meine Theorie korrekt ist, dann wäre das für mich fatal.“ Kali streckte den Arm nach vorne aus. „Ich wechsle sämtliche Chrono Blades in den Angriffsmodus!“
      Nacheinander schoben sich die drei Schwerter aus dem Boden und richteten sich auf, zielten auf Anya.

      Chrono Blade-Token x3 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      „Ich würde meinen Gegner dazu bringen zu denken, dass es eine Falle ist. Dass ich -will-, dass er meine eigenen Schwerter zerstört. Aber in Wirklichkeit will ich ihn davon abhalten. -Deswegen- haben die Klingen in deiner Version Angriffspunkte.“ Kali verschränkte die Arme, genau wie ihr Gegenüber. „Ich bin gespannt zu sehen, ob ich damit Recht habe! Meine Chrono Blades greifen deine an! Los!“
      Nacheinander schossen ihre drei Schwerter auf Anya zu. Deren Waffen erhoben sich ebenfalls aus dem Beton und flogen den feindlichen Klingen entgegen. Es rasselte und klirrte nur so, doch am Ende zersprang ein Chrono Blade Anyas nach dem anderen.
      „Heh. Was nun?“, fragte Kali herausfordernd.
      „Nichts.“
      „Dann hast du ein Problem! Denn wenn Saga Griffon angreift, fügt er Kampfschaden in Höhe seiner Verteidigung zu! Lo-!“
      Aber da unterbrach sie ein lautes Dröhnen. Das nur von Anyas strengen Worten übertönt wurde, als diese sagte. „Mit nichts meine ich, dass sich nichts an meiner Haltung geändert hat, du hohle Nuss! Du irrst dich nämlich gewaltig! Wenn ein Spieler keine Chrono Blades mehr kontrolliert, kehren seine Monster zurück aufs Spielfeld! Zeig dich, [Chrono Blades Excel Dragon]!“
      Der Ursprung des Lärms entpuppte sich als eine schwarze Zeit-Raum-Spalte, die vor dem Mädchen entstand und rasend schnell über sie hinaus wuchs. Aus ihr befreite sich durch das Auseinanderpressen der Öffnung niemand anderes als der dunkelgraue Drache, der brüllend zum Vorschein kam. Kaum war er seinem Gefängnis entflohen, positionierte er sich wieder über Anya.

      Chrono Blades Excel Dragon [ATK/3000 DEF/2500 X8]

      „Stopp!“, befahl Kali ihrem Mecha-Greif, der sich bereits auf ihre Widersacherin stürzen wollte. Sie lachte. „Oh, das ist alles? C'mon, ich hätte -wirklich- mehr erwartet.“
      „Das ist mehr als genug“, war sich Anya sicher.
      Aber dann sah sie, wie ihre Feindin eine Faust ballte. „Elendes Miststück. Dir reicht es nicht, nur mein Leben zu stehlen. Dieser Drache war vor langer Zeit mein Traum. Ich wollte ihn als Karte sehen, eines Tages. Aber nicht -so-! Du hast das ganze Konzept mit deinem magischen Dreck durcheinander gebracht!“
      Sie atmete schwer, presste die Luft aus den Nasenlöchern. „Dafür wirst du doppelt und dreifach bezahlen!“
      „Ideen ändern sich mit der Zeit“, schritt Matt ein, „wer bist du zu bestimmen, was ihrer Fantasie entspringt?“
      „Chrono Blades war meine Idee! Ich habe ihn damals erschaffen!“, fauchte Kali zurück. „Und nun … und nun ist er auf ihrer Seite! Und er ist genauso falsch wie sie!“
      Anyas trockener Kommentar dazu lautete schlicht: „Shit happens.“
      „Ich werde diese Missgeburt mit euch zusammen begraben! Das ist nicht -mein- Drache!“ Kali nahm eine ihrer beiden Handkarten. „Eine Karte verdeckt! Und ja, ich weiß, dass ich Schaden erleide!“
      Tatsächlich bildete sich zwischen den drei aufrecht vor ihr schwebenden Schwertern eine silberne Entladung, die sie schließlich heimsuchte. „Argh!“
      Dann zersprang wieder eines der Chrono Blades, während sich die gesetzte Karte zu ihren Füßen materialisierte.

      [Anya: 600LP / Kali: 400LP → 100LP]

      Chrono Blade-Token x2 [ATK/100 DEF/0 (1)] (Kali)

      Trotzdem hielt sich Kali auf den Beinen. Keuchte: „Ich … bin noch nicht … am Ende …!“
      „Aber fast“, sagte Matt ungewöhnlich hartherzig, „wenn ich das richtig verstehe, kehrt Tierra erst wieder, wenn die letzten beiden Schwerter verschwinden. Und die sind im Angriffsmodus!“

      Jaha! Gefundenes Fressen, Maskenlady!

      „Du sei still“, knurrte Kali Thoras genervt an.
      „Ausnahmsweise darfst du sprechen“, erlaubte Anya dem Immateriellen ihres Freundes mit gespielter Großzügigkeit, obschon diese nur dem Trotze entsprang.

      Dann aber griff Anya nach ihrem Deck. Sie atmete auf. Diesmal hing nicht alles davon ab, was sie jetzt zog. Gar kein schlechtes Gefühl … Sicherheit. Aber woher kam es? Woher kam [Chrono Blades Excel Dragon] und was war er? Sie kannte diese Art von Monster gar nicht. Niemand hier tat das.
      „Was auch immer“, war ihre Anya-typische Reaktion darauf. Solange es ihr einen Vorteil verschaffte, war ihr das nur recht. So rief sie schließlich entschlossen: „Draw!“
      Und zog mit Schwung ihre Karte. Kaum steckte diese zwischen ihren Fingern, streckte sie die Hand aus und erklärte konzentriert: „[Chrono Blades Excel Dragon] ist, wie Matt richtig sagte, die Entwicklung einer alten Idee. Und daher wirst du jetzt einen Effekt kennenlernen, der dir neu sein dürfte! Continuity Recreator!“
      Schlagartig blieb der rotierende Ring aus Schwertern um ihren Drachen stehen, als hätte die Zeit angehalten. Kali keuchte. Besonders als das Biest seine beiden Hände zusammen klatschte und zwischen ihnen eine schwarze Energiekugel formte, die Lichtpartikel in sich hinein zog.
      „Das Monster in deinen Händen, [Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix]“, sprach Anya mit einer leisen Ahnung, „lass mich raten. Du kannst es während meines Zuges rufen, indem du Monster von deinem Feld opferst?“
      „Woher-!?“
      „Intuition. Heh. Ich bin doch deine 'Kopie'“, knurrte Anya verbittert, „oder soll es zumindest sein. Und -ich- würde nie so schwache Monster im Angriffsmodus lassen, wenn ich nicht genau weiß, wie ich sie schützen soll. Deine Falle ist nur ein Bluff. Die wahre Gefahr ist in deiner Hand, dort, wo es schwer ist sie vorzeitig auszuschalten!“
      Während sie ihre Ausführungen darlegte, wuchs die Kugel in den Händen ihres Drachen langsam.
      „Aber ich fürchte, du hast die Rechnung ohne den Wirt gemacht“, schrie Anya mit einem Mal los, „denn der Continuity Recreator zerstört dein gesamtes Spielfeld, wenn du noch Chrono Blades besitzt! Los!“
      Ein immer lauter werdendes Dröhnen erklang. Die Schwerter, die um ihren Drachen schwebten, flogen nacheinander eigenständig in die Sphäre, welche über den Kopf gehievt und schließlich auf Kali geworfen wurde. Im Flug wuchs sie dabei noch weiter.
      „Verdammter Kackmist!“, entfleuchte es der Anya in Schwarz hysterisch, bevor sie in einer gewaltigen, finsteren Explosion unterging.
      Doch plötzlich rief Matt alarmiert dazwischen: „Warte, Anya! War das nicht ein Fehler!?“

      Sie hat Recht! Ohne die Chrono Blades …!

      Doch Thoras' Panikmache wurde unlängst von Kalis Gelächter übertönt. Der Rauch legte sich. Ihr Feld war leer, doch mit einem Mal tat sich vor ihr ein Riss im Raum-Zeit-Gefüge auf. Welcher nach oben durch das Loch in der Decke schoss und sich immer mehr ausdehnte. Dann bebte die Erde.
      „Yeah, du hast meinen Plan zunichte gemacht. Aber wie Summers richtig festgestellt hat“, gurrte Kali genüsslich, „hast du damit [Tierra, Source Of Destruction] aus der Verbannung geholt. Danke.“
      Dann materialisierte sich vor ihr ein Bein der riesigen Gestalt mit dem langen Schweif. Lichterloh brannte der gehörnte Helm der Kreatur, die sich vor beugte und in das Loch hinab starrte.

      Tierra, Source Of Destruction [ATK/3400 DEF/3600 (11)]
      Chrono Blades Excel Dragon [ATK/0 DEF/2500 X8]

      Matt fiel als Erster auf, dass der Drache über Anya plötzlich die Arme und das Haupt hängen ließ. „Anya, dein Chrono Blades, er-!“
      „-ist vom Effekt von [Rust Gear] getroffen wurden“, beendete Kali den Satz für ihn.
      Tatsächlich steckte im Rücken des dunkelgrauen Monstrums ein verrostetes, großes Zahnrad.
      „Du hast meinen Schnellzauber durch einen Karteneffekt zerstört, also kann ich die Angriffskraft deines Monsters zu 0 werden lassen.“ Kali grinste fies. „Ziemlich praktisch, zumal ich mir schon gedacht habe, dass du irgendeinen Bullshit verzapfen wirst.“
      „Spielt keine Rolle“; kam es tonlos zurück.
      Kali weitete die Augen. „Huh!?“
      „Ihr habe es dir bereits einmal gesagt: Chrono Blades hat sich entwickelt. Ich habe mich entwickelt“, sagte Anya energisch und schwang den Arm aus, „damals war er dazu da, der ultimative Finisher zu sein! Aber mein Deck ist längst keine Solo-Show für ein bestimmtes Monster mehr!“

      Anya Bauer, wovon redest du?

      Der durchsichtige Levrier sah sie fragend von der Seite an. Anya bedachte dies mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe. Alle Karten in meinem Deck sind dazu da, zusammenzuarbeiten.“
      Sie richtete sich an Kali. „Und deshalb ist es nicht er, der dir den Gnadenstoß versetzt, Miststück! Ich aktiviere den letzten Effekt von [Chrono Blades Excel Dragon]! Wenn er Continuity Recreator benutzt hat, kann er im Anschluss auch seinen letzten Effekt aktivieren! Hourglass Portal!“
      Brüllend bäumte ihr Drache sich auf. Der weiße Bauch in Form einer Sanduhr begann golden zu leuchten, blendete Kali. Welche da schrie: „Willst du mich verarschen!?“
      „Ich will es beenden!“, stellte Anya klar. „Ich weiß nicht mehr, was wahr ist oder nicht! Ob ich die Fälschung bin oder du! Aber in diesem Universum ist nur Platz für eine von uns, so viel steht schon mal fest! Und das werde ich sein!“
      Matt schreckte bei der aggressiven Wortwahl seiner Freundin auf. „Anya! Sag nicht, du willst-!?“
      Gleichzeitig aber wurde ihr Drache bereits in das Licht gezogen, dass er selbst erzeugt hatte. Welches ein Tor in Form der Sanduhr bildete, welches hinab vor Anya schwebte und sich dort zu einem Loch ausweitete. Sie erklärte: „Indem ich Chrono Blades und eine meiner Handkarten verbanne, kann ich ein Monster von meinem Deck, Extradeck, Friedhof oder von meiner Hand beschwören, solange es wenigstens einmal zuvor in diesem Duell ausgespielt wurde!“
      Die Blonde streckte die Hand aus. Dabei sah sie aus den Augenwinkeln Levrier an. „Vielleicht nächstes Mal, 'kay? Und jetzt erscheine, [Gem-Eyes Value Dragon]!“
      Welcher bereits auf ihrem Blatt verweilte, weshalb sie ihn nur noch auf die Duel Disk klatschen musste. Schon schoss der Drache in goldener Rüstung aus dem Portal hervor und breitete brüllend seine insgesamt sechs Tragflächen-artigen Schwingen aus.

      Gem-Eyes Value Dragon [ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>]

      Kali stammelte: „W-warum er!? Er kann Tierra nicht besiegen!“
      „Aber er kann dich besiegen“, knurrte Anya hasserfüllt. Sie streckte den Arm aus. „Typenwechsel, Sight Transition! Werde zu einem Pyro-Monster!“
      Die vierfarbigen Scheiben am Helm ihrer Kreatur begannen sich rapide zu drehen, bis die roten Segmente vor seinen Augen anhielten und sich wie eine Brille vor seine Augen klappten. Kurz darauf durchzogen rote Energielinien seine Rüstung, seine Schwingen gingen in Flammen auf.
      Das Mädchen spreizte die Finger ihrer nach vorne gerichteten Hand. „Solange er die Kraft des Feuers in sich trägt, kann er einmal pro Zug 500 Punkte Schaden zufügen. Und jetzt sag gefälligst die Wahrheit! Wer ist die echte Anya Bauer! Du? Oder ich!?“
      Ihre Widersacherin weitete vor Angst die Augen, ihre Lippen zitterten. Aber sie fasste sich trotz ihrer scheinbar aussichtslosen Lage und knurrte: „Was denkst du wohl?“
      „Ich“, und Anya biss die Zähne zusammen, ehe sie weitersprach, „weiß es nicht.“
      „Frag den Sammler. Er kennt die Wahrheit“, war alles, was Kali ihr noch zu sagen hatte.
      „Vielleicht werde ich das. Aber das wirst du nicht mehr erleben! [Gem-Eyes Value Dragon], vernichte ihre verbliebenen Lebenspunkte durch deinen Effekt!“

      Gerade als sie zum Befehl ansetzte, hörte sie jemanden ihren Namen rufen. „Anya! Bist du ok!?“
      Es kam von oben. Alle fünf blickten auf, als Zanthe an den Rand des Loches in der Decke geschlittert kam, wodurch ein wenig Schutt hinab bröckelte. „Whoa!“
      Beim Anblick Kalis verschlug es ihm für einen Moment die Sprache, bis er schließlich fassungslos flüsterte: „Also ist es wahr?“
      „Diese Tratschtante von Zach“, knurrte Kali, die sofort begriff.
      Als wäre das sein Stichwort, tauchte der großgewachsene Blonde neben Zanthe auf. „Was zur Hölle machst du da, Anya!?“
      „Sie besiegen!“, knurrte die, die damit eigentlich nicht gefragt war. Und wandte sich an Kali. „Friss das! Ruby Flare!“
      „Warte!“, schrien Zanthe und Zachariah da im Einklang.
      Dazu war es allerdings zu spät. Der goldene Drache öffnete sein Maul und spie eine dunkelrote, schimmernde Stichflamme über das Feld. Erschrocken sprangen die beiden Neuankömmlinge den Hang hinab. Und während der Werwolf elegant in der Hocke landete und sogleich auf die Beine kam, stürzte der Blonde vorne über, keuchte vor Schmerz auf.
      Kali ihrerseits biss sich auf die Lippe dass es blutete, ehe sie mitten in die Brust getroffen wurde. Die Wucht des Angriffs schleuderte sie zurück und noch während sie davon flog, rannen Tränen aus ihren Augen. Sie wimmerte: „Warum … warum kann ich nicht gewinnen?“

      [Anya: 600LP / Kali: 100LP → 0LP]

      Dann prallte sie auf den Rücken und spuckte dabei Blut aus, schlitterte im Anschluss ein ganzes Ende bis zum Pfeiler, vor dem sie wenige Zentimeter entfernt liegen blieb. Mit letzter Kraft erhob sie den Oberkörper, kroch näher ran und lehnte sich an ihn. „Dafür … wirst du …“
      Weiter kam sie nicht. Die Lider schlossen sich, ihr Kopf kippte zur Seite.
      Anya keuchte schwer. „Das hast du nun davon.“
      „Anya!“, schrie Zachariah und erhob sich, doch strauchelte und fiel wieder auf alle Viere. Anscheinend musste er sich den Knöchel verstaucht haben. Ächzend begann er zu dem bewusstlosen Mädchen zu robben.
      Doch die 'andere' Anya würde das nicht zulassen. Nochmal entkam ihr dieses Miststück nicht! So ließ sie in ihrer rechten Hand den weiß-goldenen Speer erscheinen und holte zum Wurf aus.
      „Was machst du da!?“ Zanthe blieb vor Schreck auf halbem Weg zu ihr stehen.
      Auch Matt stieß alarmiert hervor: „Anya, willst du sie etwa umbringen!?“
      „Sie hat es provoziert!“, fauchte die, doch bevor sie Angel Wing werfen konnte, packte der Dämonenjäger sie am Handgelenk. „Lass mich los, Summers!“
      Die Blonde fackelte gar nicht lange und stieß ihm mit der anderen Hand gegen den Oberkörper und das mit so viel Kraft, dass er einen Schritt zurückgeworfen wurde. „Ah!“
      Sofort wirbelte Anya wieder herum und holte erneut weit aus. Zachariah war noch zu weit entfernt, um sie beschützen zu können. Nicht so wie letztes Mal, als er ihr im Ephemeria Bridge Stadium in die Quere gekommen war. Das Mädchen ließ ihren linken Fuß nach vorne rutschen und schleuderte den Speer in Kalis Richtung. Nichts als Hass und Verzweiflung flackerte in ihren Augen auf.
      Geradewegs flog der Speer auf Kali zu und hatte sie fast erreicht, als er an einer unsichtbaren Barriere abprallte. Klirrend überschlug er sich meterweit und blieb schließlich liegen.
      Zeitgleich verformte sich die unmittelbare Umgebung von Zachariah und Kali, goldene Streifen durchzogen plötzlich den Beton, der begann weiß zu werden. Und aus dem Nichts trat eine brünette Frau in weißer Robe und grauem Mantel vor das bewusstlose Mädchen. Die Hälfte des Raums hatte sich völlig gewandelt, strahlte förmlich in endlosem Weiß.
      „Du!“, presste Anya zornig hervor. Alles vor ihren Augen verschwamm langsam. Ihr stand der Mund offen beim Anblick der Weißen Hexe. „Uh!“
      Dann kippte sie rücklings um und konnte gerade noch so von Matt aufgefangen werden, der unter ihrer Last in die Knie ging. „Anya!“
      In dem Moment schlitterte Zanthe über den Boden an ihre Seite und rappelte sich sofort auf, um sie von hinten zu stützen. „Hey Schneewittchen, dein Nickerchen kommt ein -wenig- ungelegen!“

      Sie muss all ihre Kräfte verbraucht haben.

      Thoras trockene Feststellung wandelte sich jedoch in heimtückische Überlegenheit.

      Los, du hast jetzt zwei Möglichkeiten, Matthew Summers: Entweder du killst sie. Oder du küsst sie wach. Beides hat seinen Reiz …

      „Ist das …?“, staunte Zanthe beim Anblick des Schabenritters neben Matt. Dann grinste er über beide Backen. „Oh, ich glaube, den mag ich jetzt schon.“
      „Habt ihr sie noch alle!?“, fuhr Matt beide an und deutete auf Gardenia. „Wisst ihr überhaupt, wer das da ist!?“
      „Anscheinend nicht“, sprach die brünette Hexe mit einem belustigten Unterton. Daher streckte sie den Arm vor sich aus, als wolle sie sich verneigen. Was sie aber nicht tat. „Mein Name ist Gardenia, doch ich bin den meisten eher bekannt als Weiße Hexe oder Die Gelehrte.“
      Matt presste aufgewühlt hervor: „Und jetzt bist du hier, um Kalis Werk zu vollenden?“
      „In der Tat. Ich kann ihr Leid nicht länger mitansehen.“ Die Frau in weißer Robe und grauem Umhang streckte ihre Hand aus. „Vergebt mir, aber ich muss euch eure Freundin entreißen.“
      Um ihre Finger begannen rötliche Flammen zu tanzen.

      ~-~-~

      Velvet war so tief versunken in ihre Hausaufgaben, dass sie gar nicht merkte, wie ihre Brille bereits auf die Spitze ihrer Nase gerutscht war. Und als es dann noch lautstark an der Tür des schwarzhaarigen Mädchens klopfte, fiel die Sehhilfe endgültig auf ihren Notizblock.
      „J-ja?“, schreckte sie auf und drehte sich mit ihrem Stuhl um.
      Die Tür flog auf und ihr zwölfjähriger Bruder Axel stand da. Mit einem weißen Schnurlostelefon in der Hand. Und wenn er sich ansonsten wenig für seine Mitmenschen interessierte, sah er seine Schwester mit einer gewissen Bewunderung an. „Velvet, Henry Ford ist am Telefon. Und er will -dich- sprechen!“
      „O-oh!“
      Sofort sprang sie auf und eilte zu ihm, doch als sie nach dem Hörer griff, wich Axel zurück. Hinter ihm tauchte Sammy mit wedelndem Schwanz auf, doch der Junge mit dem zu Spitzen gegelten Haar trat nach dem Golden Retriever. „Hau ab!“
      „Wie oft muss ich dir noch sagen“, fauchte Velvet ihn daraufhin an und riss ihm in für sie äußerst untypischer Manier das Telefon aus der Hand, „du sollst ihn nicht so behandeln!“
      Als hätte er sie jedoch gar nicht gehört, fragte Axel: „Ist das wirklich der echte Henry Ford von der AFC? Nie im Leben, oder? Der würde sich niemals für jemanden wie dich interessieren!“
      „R-raus!“, stotterte Velvet getroffen und verscheuchte ihren pubertierenden, bösartig lachenden Bruder mit einer Handbewegung. Der ließ zum Schluss noch die Tür krachen.

      Kaum war Velvet allein, legte sie den Hörer ans Ohr. „J-ja?“
      „Was ist denn da los?“, fragte Henry am anderen Ende der Leitung halb belustigt, halb erschrocken.
      „N-nichts. Mein Bruder war nur frech.“
      „Haha. Das kenn' ich irgendwoher.“ Dann nahm seine Stimme einen ernsten Unterton an. „Ich rufe dich an, weil ich dir ausrichten soll, dass Melinda inzwischen aus dem Koma erwacht ist.“
      Es war, als würde der Mount Everest von Velvets Herzen fallen. Sie schritt langsam durch ihr Zimmer zu ihrem Bett am Ende und setzte sich auf dessen Kante. Sammy folgte ihr und machte vor ihren Füßen Platz. „D-das ist großartig! Geht es ihr gut!? Kann ich sie sprechen!?“
      „Sie ist noch etwas benommen und desorientiert, aber das wird schon.“
      „Es .. es tut mir so leid. Wenn ich nicht-“
      Henry stöhnte. „Bitte nicht das schon wieder. Es war nicht deine Schuld.“
      Trotzdem standen dem Mädchen die Tränen in den Augen. Sie bemerkte gar nicht, dass Sammy neugierig an ihr vorbei schaute und unter das Bett lugte.
      „Okay“, nickte sie und spielte nervös mit ihrem zur Rechten zusammengebundenen Haar, zwirbelte eine Strähne um ihren Finger, „können Sie ihr bitte ausrichten, dass sie mich anrufen soll, sobald es ihr möglich ist?“
      „Natürlich. Geht es dir denn gut?“
      „J-ja.“
      Skeptisch fragte er: „Es ist seitdem nichts Ungewöhnliches mehr passiert?“
      „Nein“, sprach sie wahrheitsgemäß, „alles in Ordnung.“
      „Ich weiß, du hörst das nicht gern, aber ich kann dir helfen, Velvet. Dich an einen sicheren Ort bringen.“ Deutlicher Verdruss schwang in seiner Stimme mit. „Glaub mir, ich weiß wie es ist, wenn man Dinge erlebt, die man nicht erklären kann. Du solltest-“
      Aber da schnitt Velvet ihm heiser ins Wort. „I-ich wurde gerade gerufen. Sorry! Aber danke für das Angebot und den Anruf. Bye!“
      Panisch legte sie auf und schmiss den Hörer auf die Bettdecke, ehe er sich überhaupt verabschieden konnte.

      Panik stieg in ihr auf. Sie durfte ihnen nichts von ihren Kräften erzählen, es war zu gefährlich. Einen sicheren Ort gab es sowieso nicht für sie, diese Organisation fand sie überall. Aber vielleicht hatte Henry ja Recht damit, dass sie fort musste? Allein um ihre Familie zu schützen.
      Aber davor hatte sie genauso große Angst. Wohin sollte sie gehen? Hier hatte sie wenigstens ihre Freunde, aber auch die schwebten in Gefahr, wenn diese Männer wiederkamen.

      Aus ihren deprimierenden Gedanken wurde sie unlängst gerissen, als Sammy damit begann unter ihrem Bett zu schnüffeln. „Hey! Was machst du da?“
      Er sah zu ihr auf und bellte. Dann versuchte er, sich unter den Spalt zu zwängen, kam jedoch nur mit dem Kopf durch. Und bellte weiter.
      „Sammy!“
      Aber er hörte nicht auf. Schließlich packte Velvet ihn an seinem Halsband und zerrte ihn von ihrem Bett weg, während er immer weiter bellte. „Du lässt mir keine Wahl!“
      Prompt zerrte sie ihn zur Tür und buchsierte ihn aus dem Zimmer. Kaum hatte sie die Tür geschlossen, hörte sie ihn dahinter winseln. „Was ist bloß mit dir?“

      Dass tatsächlich zwei weiß leuchtende, ovale Augen unter ihrem Bett lungerten, war ihr nicht aufgefallen. Welche sofort verschwanden, als das Mädchen sich seufzend umdrehte.

      Turn 103 – A Minor Inconvenience
      Die Begegnung mit Gardenia nimmt einen unerwarteten Verlauf, als auch auf Anyas Seite ein unerwarteter Besucher auftaucht. So wird kurzerhand aus dem Kampf um das Existenzrecht zweier Mädchen ein verdrehter Stellvertreterkrieg. Anderenorts ist Zoey es endgültig leid, wie ein rohes Ei behandelt zu werden und …


      Verwendete Karten


      Spoiler anzeigen
      Anya
      Gem-Eyes Value Dragon
      Monster/Effekt/Pendel
      Drache/Erde
      ATK/2400 DEF/2000 (7) PSC: <5/5>
      Pendeleffekt: Wenn dein Gegner einen direkten Angriff deklariert und du eine "Gem"-Karte in deiner anderen Pendelzone kontrollierst: Beschwöre diese Karte von deiner Pendelzone in offene Angriffsposition; zerstöre alle Karten in deinen Pendelzonen.
      Monstereffekt: (Wird immer als "Gem-Knight"-Monster behandelt)
      Einmal pro Zug kannst du den Typen dieser Karte zu Pyro, Aqua, Donner oder Fels ändern. Entsprechend ihres Typs erhält diese Karte folgenden Effekt:
      O Pyro: Einmal pro Zug: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Aqua: Einmal pro Zug: Erhöhe deine Life Points um 1000. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Donner: Einmal pro Zug: Wähle 1 offene Karte als Ziel; annulliere den Effekt des Ziels. Du kannst diesen Effekt von "Gem-Eyes Value Dragon" nur einmal pro Zug aktivieren.
      O Fels: Einmal pro Zug: Du kannst 1 Fusionsmonster als Fusionsbeschwörung von deinem Extra Deck beschwören, verwende dabei Monster, die du kontrollierst, als Fusionsmaterial, einschließlich dieser Karte.

      Chrono Blades Excel Dragon
      Monster/Effekt/Excel
      Drache/Finsternis
      ATK/3000 DEF/2500 X8
      Kondition: weniger Life Points als die Zugzahl x 100
      Kann während der Battle Phase des Gegners als Excelbeschwörung beschworen werden. Wenn diese Karte als Excelbeschwörung beschworen wird: Beende die Battle Phase. Wenn du diesen Effekt aktivierst: Du kannst alle Monster auf dem Spielfeld verbannen; ihre Monsterkartenzonen können nicht benutzt werden, außerdem beschwöre in alle freien Monsterkartenzonen beider Spieler "Chrono Blade"-Spielmarken (Krieger/Finsternis/ATK 100/DEF 0 (1)) als Spezialbeschwörung in Verteidigungsposition. Während der End Phase eines Spielers erhält er Schaden für jede seiner "Chrono Blades"-Spielmarken x 100, danach zerstört er 1 "Chrono Blades"-Spielmarke. Wenn ein Spieler keine "Chrono Blades"-Spielmarken kontrolliert: Lege seine Monster, die durch den Effekt dieser Karte verbannt wurden, in die blockierten Monsterkartenzonen zurück. Wenn nur dein Gegner "Chrono Blades"-Spielmarken kontrolliert: Du kannst alle Karten auf der Spielfeldseite deines Gegners zerstören. Wenn du diesen Effekt in diesem Zug aktiviert hast: Du kannst diese offene Karte und eine Karte von deiner Hand verbannen, beschwöre 1 Monster von deiner Hand, deinem Deck, Friedhof oder Extradeck als Spezialbeschwörung, das bereits einmal in diesem Duell beschworen wurde, aber verbanne es während der End Phase.

      Kali

      Tierra, Source Of Destruction

      Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/3000 DEF/2500 (8) PSC: <3/3>
      Pendeleffekt: Du kannst verbannte "Celestial Gear" als Pendelbeschwörung beschwören, deren Stufe/Rang zwischen deinen Pendelbereichen liegt, aber falls du das tust, kannst du keine Monster als Pendelbeschwörung von deiner Hand oder deinem Extradeck beschwören.
      Monstereffekt: Du kannst diese Karte während der Battle Phase deines Gegners als Tributbeschwörung beschwören und wenn du das tust, wähle 1 Karte auf der Spielfeldseite deines Gegners als Ziel; zerstöre das Ziel. Wenn diese Karte als Pendelbeschwörung beschworen wird: Ziehe 1 Karte. Du kannst diesen Effekt von "Celestial Gear – Synthetic Saga Phoenix" nur einmal pro Duell aktivieren.

      Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon
      Monster/Effekt/Pendel
      Maschine/Licht
      ATK/800 DEF/2100 (4) PSC: <9/9>
      Pendeleffekt: Du kannst keine Monster außer "Celestial Gear"-Monster als Pendelbeschwörung beschwören. Dieser Effekt kann nicht annulliert werden. (Schnelleffekt:) Du kannst diese Karte und 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner anderen Pendelzone verbannen; füge sie während der End Phase deiner Hand hinzu. Du kannst diesen Effekt von "Celestial Gear – Synthetic Saga Griffon" nur einmal pro Duell aktivieren.
      Monstereffekt: Wenn diese Karte Kampfschaden durch einen direkten Angriff zufügt, wird der Schaden zu ihrer DEF.

      Rust Gear
      Zauber/Schnell
      Zerstöre 1 "Celestial Gear"-Monster in deiner Hand oder offen auf deiner Spielfeldseite: wähle 1 Monster deines Gegners als Ziel; halbiere die ATK des Ziels. Wenn diese Karte durch einen Karteneffekt zerstört wird: Wähle 1 Monster deines Gegners als Ziel; die ATK des Ziels wird zu 0.

      Zanthe

      Constellar Algiedi
      Constellar Kaus
      Constellar Sombre

      Constellar Meteor

      Constellar Praesepe
      Constellar Pleiades

      Zachariah

      Noble Arms – Excaliburn
      Noble Arms – Caliburn
      Noble Arms – Gallatin
      Noble Arms Of Destiny
      Glory Of The Noble Knights

      Artorigus, King Of The Noble Knights


      Hier der Link zur PDF-Datei. Um Feedback wird gebeten. :)
      Spoiler anzeigen
      Ich denke Zanthes Wissen um die Conqueror's Soul wird wohl noch mal wichtig werden. Bin gespannt welche Aufgabe dem Werwolf später noch zukommt. Wahrscheinlich wird das irgendwie verwoben sein mit dem Schicksal seines Bruders, aber abgesehen davon hab ich keine Ahnung,was das sein wird. Die Einordnung des Planet Eaters, bzw. die Offenbarung, dass niemand ihn wirklich steuert, auch nicht der Sammler, lässt vieles in einem ganz neuen Licht erscheinen. Und dann noch "Die Reste einer verbotenen Vergangenheit". Das würde auf Anya passen, aber in dem Kontext ergibt das kaum einen Sinn.

      Das Anya ihre theoretisch letzten Worte für Matt einsetzt zeigt in bemerkenswerter Weise die Wandlung ihres Charakters, während Kali-Anya selbst jetzt noch rücksichtslos alles von sich stoßen will. Sie beweist damit, dass sie niemals wirklich an Anyas Stelle treten sollte und dass ihre Echtheit außer dieser so gut wie nichts gutes mit sich bringt. Das legitimiert Anya von der höchsten Ebene, nämlich von deiner, -Aska- (du erinnerst dich an meine Sichtweise, dass du TLA bist), und macht es naheliegend, dass sie vom Schicksal begünstigt wird. Ihr Excel Monster, das buchstäblich wie aus einem Traum stammt, aber in einer aktualisierten Form wie sie Kali-Anya nicht mehr kannte, markiert die Trennlinie im persönlichsten vom persönlichen, sodass in dem Moment Anya auf jeden Fall die echte Anya wird, gleich ob sie es vorher war oder nicht. Sehr gut gemacht, dieser Triumph Anyas über sich selbst mit all seinen Details. Na ja zumindest soweit Anya es wusste, denn aus irgend einem Grund wollen Zanthe und Zach sie ja beide davon abhalten und dann ist da jetzt auch noch Gardenia. Eine der wichtigsten Fragen ist jetzt aber, welche Anya sie mit "eure Freundin" meint. Außerdem...ihr Name. Klingt etwas wie das englische Wort für Gärtnerin und vielleicht passt das sogar ganz gut.

      Velvets Auftritt erinnert mich nur allzu sehr daran, dass ich ihre Verbindung zu dem Rest der Geschichte nicht durchschaue...ist sie etwa die Auserwählte? Die Szene zeigt jedenfalls, dass sie fast schon zu brav und rücksichtsvoll ist und noch viel zu sehr in einer normalen Welt lebt, so sehr, dass es sie offensichtlich in Gefahr bringt.
      Wieder mal vielen Dank an alle Leser.

      @Mcto
      Vielen Dank für deinen Post.

      Tja, was wird Zanthes Rolle sein? Ich habe da sofort ein Bild vor Augen, aber es zu teilen wäre ein schlimmer Spoiler.

      Freut mich, dass dir das Ende der Auseinandersetzung gefallen zu haben scheint. Im Endeffekt ist der Kampf der Anyas auch in gewisser Hinsicht eine Metapher, sich selbst als größte Hürde zu nehmen. Eine der wenigen, die ich bewusst eingebaut habe. xD

      Gardenias Namensherkunft ist keinesfalls zufällig, es passt schon irgendwie auf sie. Grob, würde ich sagen.

      Und Velvet? Die wird - wie kann es auch anders sein - eine große Rolle spielen. Mehr dazu an gegebener Stelle. ^^

      Nochmals danke, freut mich sehr, dass du mir durchgehend die Treue hältst.


      Turn 103 – A Minor Interference
      Zoey schlurfte alleine in einem grauen Sportanzug den dunklen, metallischen Gang entlang. Heute auf dem Plan: Training. Als ob sie sich in den letzten Tagen nicht schon genug zum Affen gemacht hatte! Rennen, springen, klettern – immer und immer wieder, jeden Tag! Danach mussten sie in Duel Monsters-Matches gegeneinander antreten, was für die Verlierer sehr unangenehm war. Viele verloren danach für eine Weile das Bewusstsein.
      Aber für Zoey war das alles Kinderkram. Sie war fit, clever und eine gute Spielerin. Sie brauchte diesen verdammten Scheiß nicht.

      Voraus wartete eine Kreuzung im Gang. Von links schritt niemand Geringeres als Kathea an ihr vorbei geradeaus, schien sie gar nicht zu bemerken und verschwand wieder aus ihrem Blickfeld.
      Als Zoey die Frau erblickte, welche sie überhaupt erst hierher gebracht hatte, packte sie kurzerhand einen Entschluss. Sie machte am Kreuzgang einen Schwenk nach rechts und rannte ihr nach.
      „Hey!“, rief sie dabei forsch.
      Tatsächlich drehte sich die Frau, deren schwarzes Haar von der Mitte langsam in ein Weiß wie Schnee überging, zu ihr um und blieb stehen. Als Kathea Zoey heran eilen sah, zeichnete sich ein freundliches Lächeln auf ihre Lippen.
      Kaum war das Mädchen bei ihr angelangt, fragte die Finanzchefin: „Kann ich dir helfen?“
      Ohne überhaupt an eine Form der Einleitung zu denken, brachte Zoey ihr Bedürfnis auf den Punkt und funkelte ihre 'Mentorin' böse an. „Wann bekomme ich endlich eine Mission zugeteilt?“
      Kathea drehte sich von ihr weg und ging weiter. „Wenn du bereit bist.“
      „Ich bin verdammt nochmal bereit!“ Die Blonde folgte ihr beharrlich.
      „Du befindest dich noch im Training. Sobald du es abgeschlossen hast, werten wir-“
      „Ich bin besser als fast alle eure Soldaten, oder als was auch immer ihr euch bezeichnen wollt!“
      „Euch?“ Kathea lachte dabei. „Vergiss nicht, dass das dich mit einschließt. Aber ja, in gewisser Hinsicht sind wir Soldaten. Und was gehört zu einem guten Soldaten? Disziplin.“
      Zoey zischte verächtlich.
      „Deine Ungeduld ist gut nachvollziehbar“, sinnierte Kathea weiter, „du möchtest Anya so schnell wie möglich retten. Auch wir wollen das. Aber ein falscher Schritt könnte genau das Gegenteil bewirken.“

      Natürlich lag es deren Cousine auf der Zunge zu fragen, weshalb genau sich diese Schnepfe denn in die Hose machte, aber das wagte sie sich dann doch nicht. Etwas ging von Kathea aus. Etwas Unnahbares, Unheimliches. Als ob die Luft um sie herum immer ein paar Grad kälter war.

      Kathea bemerkte scheinbar, dass Zoey etwas beschäftigte und fragte: „Das ist aber nicht alles, was dir auf dem Herzen liegt, nicht wahr?“
      Die Schritte der beiden hallten in dem engen, künstlich beleuchteten Gang entlang.
      „Jeder ist aus einem Grund hier“, begann das Mädchen zögerlich, „nicht dass es mich besonders interessieren würde.“
      „Und doch tut es das.“ Jetzt lachte sie wieder falsch, wie es zu erwarten war.
      Merkten diese Tussen eigentlich nicht, dass sie absolut durchschaubar waren? Pft!
      „Sagen wir, ich will die Leute einschätzen, mit denen ich es zu tun habe“, murrte Zoey und verschränkte die Arme hinter dem Kopf, wie sie Kathea hinterher trottete. „Also, was ist Ihr Grund?“
      „Hass.“
      „Wie originell …“
      Wieder kicherte sie so falsch wie eine 30-Dollar-Banknote. „Ich rede nicht gerne darüber-“
      „-und schon gar nicht mit mir, huh?“
      Sie lachte, aber diesmal etwas herzhafter. Fortschritt? Oder hat sie bemerkt, wie bescheuert sie beim Versuch klang, Emotionen vorzutäuschen und versuchte sich zu verbessern. Oh, Zoey liebte es, über diese Kuh in ihren Gedanken herzuziehen.
      Kathea blieb kurz stehen, ließ das Mädchen neben sich herlaufen. „Du sagst immer, was du gerade denkst, nicht wahr? Beinahe beneidenswert. Und fatal. Ok, ich erzähle dir ein wenig von mir.“
      „'kay.“
      „Wie du dir sicher denken kannst, kann nur etwas sehr Schreckliches eine Emotion wie Hass verursachen.“ Kathea starrte stur geradeaus. „Ich habe schon vieles erlebt, Zoey. Aber mein eigener Sohn-“
      Notbremse, schnell! Verstört stotterte Zoey: „O-okay, das reicht mir schon!“
      „-wurde durch eine bloße Berührung zu einem 'Etwas'. Ich hatte keine Wahl“, Kathea sah sie scharf von der Seite aus an. „und ich werde nicht eher ruhen, bis der letzte Dämon ewige Ruhe findet.“
      Zoey schwieg. Was hauptsächlich daran lag, dass sie nicht einmal ein Wort davon für wahr hielt.

      Die beiden erreichten einen weiteren Kreuzgang, in dessen Mitte Kathea stehen blieb. Denn von rechts näherte sich ein anderes Mitglied von CLEAR. Doch anders als normale Agenten, trug dieses Mädchen eine pechschwarze Uniform.
      „Hallo“, trällerte die Schwarzhaarige gut gelaunt.
      Und sofort spürte Zoey, dass auch mit der etwas nicht stimmte. Erstmal sah sie aus wie jemand, der zu lange auf der Streckbank gelegen hatte, wenn man die Größe von gut und gerne zwei Metern berücksichtigte. Dazu noch diese mörderisch langen, irgendwie unnatürlich langen Arme und Beine, dünn wie Zweige, die danach bettelten, durchgebrochen zu werden.
      „Hi“, was alles, was Zoey ihr zugedachte, obwohl sie mit Winken und einem Strahlen im Gesicht der Frau unbekannten Alters begrüßt wurde. Sie konnte nicht sagen, ob jene nun jung oder alt war, aber wohl eher Ersteres.
      Kathea begrüßte jene mit einem Lächeln. „Kunigunde, wie ich sehe, geht es dir gut.“
      „Ja, Fräulein Kathea“, sprach die lange, schlaksige Agentin mit spürbarem Akzent. „Die Tests sind zu Ihrem Gefallen ausgefallen.“
      Was war das überhaupt für ein Name? Kunigunde?
      Und da war es mit einem Mal. Ein diabolisches, breites Grinsen, das aus dem etwas ulkigen Mädchen mit ein paar Sommersprossen im Gesicht eine Dämonin machte. Es jagte selbst Zoey einen eiskalten Schauder über den Rücken.
      Besonders, als diese Kunigunde verheißungsvoll sprach: „Ich kann sie jetzt nachwachsen lassen.“
      „Sicherlich wird uns das einen entscheidenden Vorteil verschaffen.“
      Da tat das grinsende Ding etwas, mit Zoey nicht gerechnet hätte. Es kniete vor Kathea nieder, die ihr sanft den Kopf tätschelte, als wäre sie ein Hund. Ein sehr, sehr glücklicher und stolzer Hund, wandelte sich das Mördergesicht doch in Sekundenbruchteilen zu einem besonnenen Lächeln.

      Kathea drehte sich Zoey zu. „Hier trennen sich unsere Wege. Wenn du möchtest, kann Kunigunde dich gerne in die Trainingshalle begleiten.“
      „Sicher, Fräulein Kathea“, strahlte die und erhob sich, „ich würde gerne einen Übungskampf mit dir austragen.“
      Nur für eine Sekunde glaubte Zoey, wieder dieses Grinsen gesehen zu haben, das ihr durch Mark und Bein ging. „N-nicht heute. Will erst mein Deck anpassen.“
      „Gut“, trällerte Kunigunde langgezogen, „denn ich hätte dich vielleicht in klitzekleine Stückchen gerissen.“
      Da brach der Blonden mit der Beanie endgültig der Schweiß aus. Betreten lachte sie, worin die dürre Riesin mit einstimmte. Jene reichte ihr auch ihre Hand. „Ich bin Kunigunde, aber du kannst mich auch Kuni nennen. Machen alle.“
      „Z-zoey“, schlug diese gezwungenermaßen ein.
      Kathea beobachtete die Szene mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Wenn du dir deiner sicher bist, sprich doch Gregory an. Er wird deinen Fortschritt bewerten.“
      Froh, sich von ihrer ungewollt gewonnenen 'Freundin' abwenden zu können, meinte sie selbstbewusst: „Geht klar.“

      ~-~-~

      Die brünette Hexe in Weiß und Grau hielt ihre Hand ausgestreckt, um die rötliche Flammen aufflackerten. „Vergebt mir, aber ich muss euch eure Freundin entreißen.“
      Sie zielte auf Zanthe, der eine bewusstlose, angekettete Anya von hinten stützte, das Mädchen selbst und Matt, der an ihrer Seite kniete. Dann entfesselte sie eine gewaltige Feuerbrunst innerhalb des magisch ausgeweiteten, unterirdischen Raums.
      Schützend stellte sich der durchsichtige, schwarz goldene Kakerlakenritter [Evilswarm Exciton Knight] vor die Drei.

      Rennt weg! Ich halte sie auf!

      Der Immaterielle Thoras, der diese Form angenommen hatte, schloss panisch die Augen.
      „Das wird nicht nötig sein.“
      Und in diesem Moment trat aus dem Immateriellen ein rothaariger Mann in schwarzem Anzug heraus, der einen Gehstock mit sich führte. Jenen erhob er kurz und setzte ihn auf den Boden ab. Die Flammen schlugen zu beiden Seiten an ihm und den drei jungen Menschen vorbei.
      „Vergeht denn kein Tag, an dem ich euch nicht babysitten muss?“, fragte der Sammler zum Schrecken aller bissig, ohne sich umzudrehen.
      Kreischend, dass in ihm ein Portal entstanden war, wich Thoras zuück.
      „Strife Carrington“, nannte die Weiße Hexe ihn beim Namen, ohne davon abzulassen, die Flammen auf ihn zu hetzen.
      Er lachte kühl. „Da konnte wohl jemand sein Mundwerk nicht halten. Dieser Name ist tabu.“
      Schließlich ließ Gardenia doch von ihrem Angriff ab. Der Beton um den rothaarigen Dämon war pechschwarz, dampfte.
      „Du bist wirklich versessen darauf, mir den Tag zu verderben“, sprach der Sammler und hob den Gehstock gestikulierend, „nicht wahr, Weiße Hexe Gardenia?“
      Jene ließ die ausgestreckte Hand sinken. „Ich habe bereits darauf gewartet, dass du erscheinst.“
      „Dann müssen wir wohl an deinen Manieren arbeiten“, erwiderte der Sammler mit hinterlistigem Grinsen auf den Lippen, „ich sehe weder einen Roten Teppich noch irgendeine andere Form der Gastfreundlichkeit. Und das, wo die deine doch in den höchsten Tönen gelobt wird.“
      Zachariah, der es inzwischen zu seiner bewusstlosen, an dem Stützpfeiler lehnenden Schwester geschafft hatte, konnte sich einen galligen Kommentar nicht verkneifen: „Sag das dem Vampir, den sie zum Spaß vergiftet hat.“

      Doch bevor der Sammler darauf überhaupt reagieren konnte, schwang die brünette Hexe bereits ihren Arm aus. „Geht.“
      Unmittelbar darauf verformte sich die Realität um Zach und Kali zu einem weißen, transparenten Kubus, der von je drei goldenen Energielinien von jener Seite durchzogen war. Jener verkleinerte sich binnen eines Herzschlags und war mit seinen Insassen verschwunden.
      Anerkennend Gardenia zunickend, setzte der Sammler seinen Gehstock ab. „Du bringst deine kleinen Gespielen in Sicherheit, hm? Soll ich das mit euch auch so handhaben?“
      Er sah über die Schulter zu Matt und Zanthe. Thoras war bereits verschwunden. Keiner der beiden sagte etwas, sondern funkelte, einer düsterer als der andere, hasserfüllt zurück.
      „Nein? Auch gut. Vielleicht lernt ihr ja dabei etwas“, gab sich der Rotschopf beleidigt und gleichzeitig unterschwellig drohend. Er wandte sich Gardenia zu. „Ich habe nämlich momentan nicht die beste Laune.“
      Erhobenen, stolzen Hauptes streckte die Angesprochene ihren Arm unter ihrem grauen Umhang hervor, an dem eine silberne, halbmondförmige Duel Disk befestigt war. „Ich werde nicht länger nur zusehen, wie du deine Intrigen spinnst, Sammler.“
      „Oh, du willst diesmal wirklich selbst kämpfen“, die gespielt überraschte Tonlage des Sammlers wechselte zu einer bitterbösen, verachtenden, „anstatt weiterhin deinen Kindergarten auf meine Leute zu hetzen? Mir fehlen die Worte.“
      Mit einem zuversichtlichen Lächeln hob der Sammler die rechte Hand mit dem Gehstock darin. „Nun denn, Kinder. Sorgen wir für eine angemessene Kulisse.“
      Damit ließ er ihn auf den Beton nieder sausen und löste eine Schockwelle unermesslichen Ausmaßes aus. Während Gardenias Robe und ihre Haare regelrecht flatterten, Licht sich immer weiter ausbreitete und ein schrilles Surren die Ohren von Zanthe und Matt betäubte, wurden sie und der Sammler jedoch nicht erfasst.

      Als beide ihre Augen öffneten, erschraken sie. Auf einer runden, gläsernen Plattform wurden sie immer weiter nach oben gefahren. Unter ihnen konnten sie den eingestürzten Bunker erkennen, die Bäume und – der Anblick versetzte Matt einen schmerzhaften Stich – ganz fern die Ruine des Waisenhauses.
      Mehrere hundert Meter über dem Erdboden stoppte die Plattform schließlich und begann sich stattdessen ausgehend vom Zentrum in alle anderen Richtungen auszuweiten. Was bedeutete, dass die Drei sich vom Sammler und Gardenia fortbewegten, bis sie etwa zehn Meter Abstand zu ihm hatten.
      „Ein beeindruckender Zauber“, lobte die Weiße Hexe ihren Kontrahenten aufrichtig, „und ein interessanter Ort für unseren Kampf.“
      „Ich denke, etwas frische Luft tut uns allen gut. Nicht zu reden davon, dass dort unten doch ziemlich … unangenehme Bakterien hausen.“ Der Rotschopf schüttelte sich demonstrativ.
      Aber Gardenia verzog keine Miene. Stattdessen erwiderte sie: „So anregend ein Duell in dieser Höhe auch ist, würde ich gerne ein Experiment durchführen.“
      Schlagartig verwandelte sich das Glas um sie herum in weißen Marmor, durchzogen von goldenen Linien und breitete sich rasant in alle Richtungen aus. Der Sammler lächelte, als die Auswüchse ihn passierten und schließlich nach oben schossen. „Bedaure, ich bin keine Laborratte.“
      Unmittelbar darauf schloss sich um ihn und Gardenia eine dichte Blase, die von den weißen Kacheln befallen wurde. Diese wurden jedoch transparent und verschwanden fast, sodass nur die Goldlinien sich wie ein Käfig um das Kraftfeld legten.

      Gardenia bewegte den Mund, doch Matt und Zanthe hörten sie nicht mehr.
      „Was ist los?“, wunderte sich Letzterer.
      „Ich denke, die Weiße Hexe wollte uns in ihren Weißen Raum ziehen.“
      Der Kopftuchträger sah den Dämonenjäger fragend an. „Der, aus dem es kein Entkommen gibt? Hah, außer für die hier.“
      Sein Blick wanderte hinab an das zerzauste, blonde Mädchen, dessen Kopf auf seinem Schoß ruhte. Ihre Fußfessel war verschwunden.
      „Ja. Aber der Sammler hat es abgewehrt. Doch anscheinend dringt jetzt kein Ton mehr durch diese Blase. Sicher kein Zufall.“ Fassungslos flüsterte Matt anschließend: „Ich glaube es nicht. Zwei der fünf mächtigsten Dämonen kämpfen gegeneinander.“
      „Und wir können das Ganze live miterleben, von den Tonproblemen mal abgesehen.“ Zanthe strich Anya eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich weiß nicht, ob ich begeistert oder verängstigt sein soll.“
      „Definitiv Letzteres“, murrte Matt düster.

      „… da das geklärt ist“, sprach der Sammler, ließ seinen Gehstock los, der einfach ins Nichts verschwand und streckte den Arm aus. Sofort materialisierte sich eine schwarze Battle City-Duel Disk daran, „beginnen wir diese kleine Unannehmlichkeit.“
      Gardenia schwieg.

      [Collector: 4000LP / Gardenia: 4000LP]

      Anstatt einander böse Sprüche an den Kopf zu werfen, zogen beide Parteien zunächst fünf Karten. Mit einem Nicken bot der Sammler seiner Widersacherin an, den ersten Zug für sich zu beanspruchen, doch die weigerte sich mit einem stillen Kopfschütteln.
      „So viel zur Etikette“, scherzte der Rotschopf schließlich, „aber wie du wünscht.“
      „Ich brauche keine Almosen“, gab sich die brünette Hexe stur, „und gewiss nicht, wenn sie von dir stammen.“
      Der Sammler fragte gespielt überrascht: „Woher die plötzliche Abneigung? Wir haben uns doch immer gut verstanden.“
      „Ich habe einen Blick auf das Böse in dir erhaschen können. Denke nicht, dass ich zulassen werde, wie du diese Welt für deine Zwecke missbrauchst.“
      „Was auch immer du damit meinst“, erwiderte der Brite schulterzuckend. Schließlich griff er nach einer Karte in seinem Blatt. „Aber genug des Smalltalks. Wir duellieren uns schließlich. Und den Auftakt macht eine Spielfeldzauberkarte mit dem Namen [Curse Of The Shadow Prison].“
      Gardenia zeigte sich unbeeindruckt, als um sie herum Schatten über das Glas und entlang der Innenseite des Kraftfeldes krochen und sie zu umkreisen schienen, bis sie wieder abtauchten und verschwunden waren.
      „Immer wenn ein Shaddoll-Monster durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wird, erhält sie einen Zähler, der deine Monster um 100 Punkte schwächt“, erklärte der Sammler, „als Abschluss setze ich noch ein Monster. Dein Zug, Gardenia.“
      In horizontaler Lage materialisierte sich vor ihm ein vergrößerter Kartenrücken.

      Schwungvoll zog die in weiß-grauer Robe gekleidete Hexe eine Karte von ihrer Halbmond-Duel Disk. „Ich aktiviere zwei Zauberkarten. Die erste ist ebenfalls ein Spielfeldzauber, [Void Expansion]!“
      Schwarze Flammen stiegen überall innerhalb der Blase auf. Der Sammler lächelte geheimnisvoll.
      „Die zweite Zauberkarte nennt sich [That Grass Looks Greener].“
      „Nachbars Gras ist grüner? Ja. Das ist es immer“, erwiderte ihr Gegner melancholisch.
      „Anders als die meisten Duellanten spiele ich mehr als 40 Karten in meinem Deck. 45 um genau zu sein.“ Gardenia griff nach ebendiesem. „Der Effekt meines Zaubers schickt die Differenz der Anzahl an Karten zwischen unseren Decks auf meinen Friedhof. In deinem sind 35, in meinem noch 39. Also lege ich vier ab.“
      Sie nahm sie auf und zeigte sie vor. Es waren [Infernoid Pirmais], [Void Seer], [Infernoid Piaty] sowie eine nicht erkennbare, zweite Zauberkarte. Zwei Monster und zwei Zauber also.

      Derweil konnten Matt und Zanthe nur erahnen, was in der Blase vor sich ging.
      „Ganz egal wie das ausgeht, es wird nicht angenehm“, vermutete Zanthe.
      Matt, der sich seine ziemlich stark schmerzende Stirn hielt, stöhnte. „Für uns sowieso nicht. Entweder sind wir in der Gewalt desjenigen, dem wir den Rücken gekehrt haben, oder derjenigen, die insbesondere Anya tot sehen will.“
      „Optimistisch wie immer“, stichelte der Werwolf und sah auf das bewusstlose Mädchen herab. „Mit ihr in diesem Zustand brauchen wir gar nicht an Flucht denken. Außer du hast zufällig eine deiner Karten mit, mit denen du uns wegteleportieren kannst.“
      „Zufällig nicht“, schnarrte Matt grimmig, dem diese Frage langsam lästig wurde. „Und in den nächsten paar Minuten werden uns auch keine Flügel wachsen …“
      Unbekümmert zuckte der Werwolf mit den Schultern. „Schade eigentlich.“

      „Ich beschwöre [Infernoid Sjette] von meiner Hand, indem ich [Infernoid Pirmais] und [Infernoid Piaty] von meinem Friedhof verbanne!“ Gardenia schwang den Arm aus. „Erscheine!“
      Zwei flammende Dekagone tauchten vor ihr auf und legten sich drehend übereinander, um einen Feuerring zu bilden. Aus diesem kam eine violette, drachenartige Maschine geflogen, an deren Körper kleine Lampen verteilt waren. Wütend peitschte sie mit dem Schweif hin und her.

      Infernoid Sjette [ATK/2400 DEF/0 (6)]

      „Angriff auf sein verdecktes Monster!“, befahl die Weiße Hexe im Anschluss mit ausgestrecktem Zeigefinger.
      Sofort feuerte ihr Dämon eine rotschwarze Feuerkugel ab. Dabei erklärte sie: „Wenn Sjette einen Angriff ausführt, musst du eine Karte von deinem Extradeck verbannen. Wähle!“
      Während der Flammenball in seinem gesetzten Monster einschlug, das sich als düsterer, violetter Igel herausstellte, hängend an gleichfarbigen Fäden, seufzte der Sammler und zog sein Extradeck aus der Duel Disk.

      Shaddoll Hedgehog [ATK/800 DEF/200 (3)]

      Mindestens sieben Karten hielt er vor sich aufgefächert. Er seufzte erneut. „Verzeih' mir. Ich wähle [El Shaddoll Wendigo].“
      Er zeigte das Stufe 6-WIND-Fusionsmonster vor, ehe er es in einen separaten Schlitz seiner schwarzen Battle City-Duel Disk schob. Er blickte zu seiner Widersacherin auf. „Nun, du hast übrigens den Flippeffekt von [Shaddoll Hedgehog] aktiviert. Ich erhalte eine Shaddoll-Zauberkarte oder eine solche Falle von meinem Deck. Ich entscheide mich für [El Shaddoll Fusion].“
      Sofort spuckte der Apparat die gewünschte Zauberkarte aus, die er in sein Blatt aufnahm.
      Die Hexe in Weiß nahm eine Karte aus ihrem Blatt und legte sie in ihre Duel Disk ein. „Ich setze eine Karte. Führe du dieses Duell fort.“
      Jene Falle erschien sofort vor ihr.

      „Wenn ich so darüber nachdenke“, sprach der rothaarige Brite und betrachtete die Drei außerhalb der Blase, wie sie da hockten wie Hühner auf der Schlachtbank, „ist es doch seltsam. Dass zwei Anyas gleichzeitig existieren. Was sagst du dazu, Gelehrte?“
      Er wandte sich wieder seiner Gegnerin zu, die erwiderte: „Was bezweckst du mit solch einer Frage?“
      „Ich bin neugierig. Vielleicht irre ich mich ja, was -meine- Vermutung angeht.“
      „Ihre Schöpfung basiert auf Kalis Wunsch an den Dschinn, ihrem Schicksal zu entkommen. Dadurch ist die Anya Bauer entstanden, die du dazu zwingst, deine Absichten zu erfüllen.“
      Der Sammler lachte hochmütig. „Ich bitte dich. Die Entstehungsgeschichte der beiden ist mir nicht neu. Vergiss nicht, dass Kali zuerst mich aufgesucht hat, nachdem ihr bewusst wurde, dass Anya nicht so schnell verschwinden würde.“
      „Aber du hattest bereits deine Marionette.“
      „So ist es. Und doch war ich verwundert. Zwei Anyas, zweimal die exakt selbe Person. Es gibt nur eine Seele von Anya Bauer. Und kein Dschinn der Welt hätte die Macht dazu, sie zu duplizieren. So etwas ist unmöglich.“
      Die Weiße Hexe nickte. „Dieses Wissen hast du durch deine Experimente erlangt. Dein ehemaliger Diener Orion berichtete mir davon.“
      „Die kleine Petze“, gluckste der mächtige Dämon keineswegs verstimmt. „Ja, so ist es. Was mich zu der Frage führt, wieso sie dann trotzdem existiert? Diese zweite Anya.“
      „Nur weil die Kopie die Persönlichkeit des Originals besitzt, bedeutet das noch lange nicht, dass in ihnen dieselbe Seele ruht.“
      „Wie immer sind deine Schlussfolgerungen präzise. Die Seele der Menschen sind wie Tagebücher, sie halten alle Informationen ihres Lebens fest. Aber sie sind nicht die einzigen ihrer Art. Auch der Körper“, sprach der Sammler und tippte sich gegen die Schläfe, „speichert die Informationen.“
      Erst nickte die Weiße Hexe lediglich. Dann aber fasste sie sich an ihr Kinn. „Ein Gefäß mit den Erinnerungen des Körpers, aber ohne Seele, besitzt keinen eigenen Willen. Allenfalls Erinnerungen an das, was es einst gefühlt hat, als die Seele noch im Körper weilte.“
      Sie blickte auf. „Doch mit Anya Bauer ist es anders. Sie ist in der Lage zu fühlen und Entscheidungen zu treffen. Was nur bedeuten kann …“
      „Ja.“
      „… dass in ihr eine Seele lebt. Eine fremde, die sich ihren Erinnerungen unterordnet.“
      „Und nun frage ich dich: Wessen Seele könnte das sein?“ Der Ton des Sammlers wurde ruckartig düster. „War es der Dschinn, der sie ihr implementiert hat? Oder hat sie vielleicht schon vor der 'Teilung' in ihr gelebt?“
      „Ich fürchte, darauf kenne ich keine Antwort. Aber vielleicht hast du eine Eingebung?“
      Er lächelte kühl. „Viel eher eine Hoffnung. Ein Gefühl, das ich bisher noch nicht bestätigen konnte. Wenn dem so ist, werde ich vielleicht eines Tages einen lang verlorenen Freund wiedersehen.“
      Nicht weniger distanziert sagte Gardenia: „Ich schätze, unsere Unterhaltung darüber findet jetzt ihr Ende.“
      „Ja. Bedauerlich, dass wir uns als Feinde gegenüber stehen. Unsere Dialoge waren in der Vergangenheit stets anregend“, lobte er sie, aber sie zeigte ihm mit ihrer finsteren Grimasse, dass sie das anders sah.

      „Also gut“, meinte er schließlich und griff nach seinem Deck. „Setzen wir unser Gefecht fort.“
      Damit zog er auf und lächelte geheimnisvoll. „Ich rufe den [Shaddoll Dragon] und rüste ihn umgehend mit dem Zauber [Nephe Shaddoll Fusion] aus!“
      Ein dunkler, violetter Drache materialisierte sich vor ihm. Seine braune Mähne flatterte unstet, während er an zahlreichen, ebenfalls violetten Strängen zu hängen schien.

      Shaddoll Dragon [ATK/1900 DEF/0 (4)]

      „[Nephe Shaddoll Fusion] besitzt zwei Eigenheiten. Einerseits lässt sich mich das Attribut des ausgerüsteten Monsters ändern“, erklärte der Sammler, „wodurch [Shaddoll Dragon] nun von einem FINSTERNIS- zu einem LICHT-Monster wird.“
      Die Fäden, an denen sein Drache hing, verfärbten sich gelblich.
      „Und der zweite Effekt?“, hakte Gardenia nach.
      „Der lässt mich eine Fusionsbeschwörung mit dem ausgerüsteten Monster durchführen! Ichverschmelze [Shaddoll Beast] von meiner Hand und das LICHT-Monster [Shaddoll Dragon]!“
      Über ihm öffnete sich ein Vortex, der pechschwarze Schatten in sich aufzog zusammen mit dem Drachen und einem Schattentiger.
      „Fusion Summon“, verkündete der Sammler und richtete den Arm nach vorne. „[El Shaddoll Construct]!“
      Der Strudel weitete sich aus und entließ eine riesige, weibliche Puppe, um deren Hüfte eine Art Rock schwebte, aus glänzend violettem Metall. Von ihrem Rücken schossen unzählige rote Lichtfäden, die wie Flügel anmuteten und sich unruhig bewegten.

      El Shaddoll Construct [ATK/2800 DEF/2500 (8)]

      Ihr weißes Porzellangesicht war ausdruckslos. Als der Sammler jedoch das Wort ergriff, blitzten ihre Augen kurzzeitig auf. „Nun greifen mehrere Effekte! Fangen wir zunächst mit denen der fusionierten Monster an. Beide Effekte aktivieren sich, da die Monster durch Karteneffekte auf den Friedhof geschickt wurden. [Shaddoll Dragon] zerstört eine deiner Zauber- und Fallenkarten, werte Gardenia …“
      Welche keine Miene verzog, als aus dem Nichts die geisterhafte Silhouette des Drachen auf ihre gesetzte Karte zuschoss und sie in den Abgrund zog.
      „... und [Shaddoll Beast] lässt mich eine Karte ziehen.“ Was der Sammler zufrieden lächelnd auch tat. „Der nächste Effekt rührt von [El Shaddoll Construct] her und schickt ein Shaddoll-Monster von meinem Deck auf den Friedhof. Ich habe mich bereits für [Shaddoll Falco] entschieden.“
      Dessen Karte schob er in den Friedhofsschlitz. Doch kurz darauf tauchte ein kleiner, dunkler Vogel – ebenfalls an violetten Fäden hängend – vor ihm auch und wirbelte sich herum, wurde zu einem horizontal liegenden Kartenrücken.
      „[Shaddoll Falco] wird im verdeckten Verteidigungsmodus spezialbeschworen, wenn er durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wird. Das funktioniert wie bei allen Effekten dieser Monsterart aber nur einmal pro Zug“, führte der Sammler dazu aus.

      Shaddoll Falco [ATK/600 DEF/1400 (2)]

      „Kommen wir nun zum letzten Teil dieser verhängnisvollen Verkettung von Umständen“, schmunzelte er und streckte den Arm aus. Plötzlich traten überall um Gardenia herum Schatten aus dem Boden, die sich sogar ihres Monsters bemächtigen und es dampfen ließen. „Insgesamt sind drei Shaddoll-Monster durch Karteneffekte auf den Friedhof geschickt worden, weshalb dein Monster für jedes nun 100 Punkte verliert. Aber …“

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 3]
      Infernoid Sjette [ATK/2400 → 2100 DEF/0 (6)]

      „... eigentlich habe ich andere Pläne mit [Infernoid Sjette]“, verriet er ihr und zeigte eine Zauberkarte vor. „Ich fusioniere ihn und [Shaddoll Falco] nun dank der Schnellzauberkarte [El Shaddoll Fusion].“
      „Du benutzt mein Monster?“, fragte Gardenia überrascht.
      „Ganz recht. Indem ich drei Zähler von meinem Spielfeldzauber entferne, kann ich eines deiner Monster als Teil der Fusion verwenden. Hier ein Beispiel, wie [Shaddoll Falco] mit dem FEUER-Monster [Infernoid Sjette] verschmilzt!“

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 3 → 0]

      Wieder öffnete sich über ihm ein pechschwarzer Wirbel, der erst den kleinen Vogel, welcher aus seiner gesetzten Karte aufstieg, dann Gardenias Drachendämon in sich hineinzog.
      „Fusion Summon! Erscheine, [El Shaddoll Grysta]!“
      Aus dem Vortex kam ein Ritter in rötlicher Rüstung geflogen, von dessen Rücken flammende Schwingen brannten, die sich bei genauerem Hinsehen jedoch als endlos viele, rote Stränge entpuppten, die entflammt waren. An Armen und Beinen wucherten kristalline Auswüchse. Blondes Pferdehaar flatterte wild von seinem Helm.

      El Shaddoll Grysta [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      „Da wieder ein Shaddoll-Monster durch einen Effekt auf den Friedhof gelegt wurde“, erklärte der Sammler abschließend, während sich der Ritter vor ihm positionierte, „erhält mein Spielfeldzauber einen weiteren Zähler.“

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 0 → 1]

      Er verschränkte lächelnd die Arme. Gardenia jedoch blieb unbeeindruckt, obwohl er die riesige Puppe hinter sich sowie den Flammenritter vor sich kontrollierte.

      „Ich weiß zwar nicht, was genau er da macht“, murmelte Zanthe derweil mit gebanntem Blick auf die riesige Blase, „aber ist dir aufgefallen, dass sein neues Monster aussieht wie [Gem-Knight Crystal] von Anya?“
      Matt nickte. „Ja. Und das gefällt mir gar nicht. Es ist, als wolle er ausdrücken, dass Anya seine Marionette sei.“
      Fast als hätte er sie gehört, drehte der Sammler sich in diesem Moment zu ihnen um und winkte mit einem freundlichen, falschen Lächeln.
      Zanthe ächzte: „Großartig …“
      „Sieht schlecht für die Weiße Hexe aus“, überlegte Matt derweil weiter, „aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sie so einfach verlieren wird.“
      Tatsächlich war auch ihm der selbstbewusste Blick der brünetten Dame mittleren Alters nicht entgangen. Da sie Anya töten wollte, musste er zwangsweise gegen sie sein. Aber der Sammler als Verbündeter? Das war kein bisschen besser …

      ~-~-~

      Ein stimmungsvoller Singsang drang aus dem Badezimmer der Familie Thorne. Einer von der Sorte, den eigentlich niemand hören durfte. Aber nachdem Velvet bereits von ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrem Bruder Axel dabei erwischt wurde, hatte sie es sich abgewöhnt, ihre Vorliebe für schlechte Disney-Musik noch länger geheim zu halten.
      „Wann bin ich dran? Ich will an Land“, trällerte sie nur mit zwei Handtüchern am Leib, die die Haare und ihren Oberkörper bedeckten und tänzelte von der Dusche in der Ecke zum Waschbecken in der Mitte des länglichen Badezimmers. „Fängt dann mein Leben erst richtig an?“
      Sie zwinkerte sich selbst im beschlagenen Spiegel zu. Dann drehte sie sich mit ausgestreckten Armen über die Fließen.
      „Wüsst' ich nur wie, wär' ich wie sie“, sang sie ohne auch nur einen schiefen Ton dabei von sich zu lassen. Sie fasste sich mit beiden Händen auf die Brust. „In ihrer Welt …“

      Vor ihren geschlossenen Augen tanzte sie wie eine Prinzessin in einem riesigen Ballsaal. Alle sahen sie an. Doch wer war der Prinz? Der charmante Patrice? Der humorvolle Fabio? Oder etwa der intelligente Isaac?
      Alle drei reichten ihr die Hand in ihren schönen Anzügen.

      Der Traum fand je ein schnelles Ende, als Velvet über die nassen, weißen Fließen rutschte und unsanft auf ihrem Hintern aufkam. „Au!“
      Mit Tränen in den Augen schnaufte sie. So viel dazu …
      Naja zumindest hatte sie sich nachher mit ihren Freunden verabredet. Aber wenn sie ehrlich war, keiner von den Dreien war wirklich -ihr- Traumprinz. Freunde durfte man nicht anhimmeln, damit machte man sich am Ende nur die Freundschaft kaputt, hatte Tatjana ihr eingetrichtert.
      Sie mochte ja jeden von ihnen, aber am Ende eben doch nicht -so- wie den Mann, der vermutlich erst geboren werden musste und dann, bei ihrer ersten Begegnung, wahrscheinlich von einem 40-Tonner überfahren wurde.
      Velvet seufzte, musste dann ob ihrem ungewohnten, schwarzen Humor glucksen. Was hatte sie bloß wieder für Gedanken?

      Stöhnend erhob sich das Mädchen und hielt sich das schmerzende Steißbein. Direkt vor ihr befand sich ein runder, ausgebeulter Flechtkorb, in dem die Familie ihre dreckige Wäsche entsorgte. Und sie hätte schwören können, dass der Deckel sich gerade bewegt hatte. Aber ohne Brille sah sie sowieso nicht sehr viel, vermutlich nur Einbildung.
      So tapste Velvet zurück zum Waschbecken und nahm von der Ablage ihre Brille, die sie sich aufsetzte. Mit einem Wischen ihrer Hand war der beschlagene Spiegel wieder sauber. Obwohl, eigentlich meinte ihre Mum immer, dass sie das nicht tun solle …
      „Ups“, machte Velvet und schluckte. Sie suchte rechts und links nach einem Handtuch, mit dem sie ihn nochmal abwischen konnte, da sah sie es im Spiegel. Der Deckel des Wäschekorbs war leicht nach oben geklappt. Sie wirbelte herum und sah ihn wieder zufallen.

      Leicht erbost stampfte sie zu ihm und atmete tief durch. Es gab nur zwei Bewohner in diesem Haushalt, die da hineinpassten. Sammy. Und Axel, wenn er sich zusammenkauerte wie eine Schlangenfrau. Und beide hatten in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Velvet gerne beim Duschen beobachteten.
      Sammy war mit einem blauen Auge davon gekommen, schließlich war er ein Hund. Aber Axel würde nicht lebendig da rauskommen, schwor sich Velvet und riss den Deckel fort.
      „Hm?“, wunderte sie sich, als sie dort nur Klamotten sah. Ganz oben lagen ihr weißes T-Shirt und die schwarzen Leggins.
      Sie griff danach und schob sie beiseite. Was sie dann entdeckte, ließ sie panisch aufschreien und derart hastig zurückweichen, dass sie gleich wieder ausrutschte und erneut auf ihrem Po knallte.
      „Velvet-chan!“, kreischte das Etwas im Korb und sprang heraus an dessen Rand. „Hast du dir weh getan?“
      Allenfalls so groß wie ein Fußball, von violetter Färbung, aber nichts weiter als ein großer Kopf in der Form einer Zwiebel. Nein, Velvet bildete sich das nicht ein, das Ding war wirklich hier. Seine großen, ovalen Augen besaßen keine Pupillen und machten neben der Trötenschnute einen Großteil des Gesichts aus. Dagegen waren Arme und Beine nahezu winzig. Was war das!?
      „W-wa-wa-wa?“, stammelte Velvet panisch und krabbelte rückwärts fort.
      Nicht zuletzt weil es ihren Schlüpfer über den Kopf gezogen hatte.
      „Oh!“, jammerte die düstere Kreatur. „Ich bin es doch bloß. Dein Beschützer! Orion-kun!“
      „O-wer? Bitte!?“, quietschte sie schrill.
      Der Kleine fuchtelte wild mit den Stummelärmchen. „Ich bin ein Schattengeist! Orion, aber du kannst mich Orion-kun nennen! Ich wurde gesandt, um auf dich aufzupassen, damit diese Leute dir nicht weh tun.“
      Velvet zog instinktiv ihr Badetuch etwas weiter nach oben, entgingen ihr seine äußerst intensiven Blicke auf -jene- Region nicht. „Schattengeist? I-ich verstehe nicht.“
      „Ohhh! Eigentlich sollte das geheim bleiben! Nachdem Reika-chan verschwunden ist und Kali-senpai, die eigentlich auf dich aufpassen sollte, lieber ihren eigenen Interessen nachgeht, muss ich ganz alleine auf dich aufpassen. Aber bisher ist es das jede Sekunde wert …“
      Täuschte sie sich oder tropfte ein bisschen Speichel aus seiner Riesentröte von Mundwerk!?
      Entsprechend trockener wurde ihre Reaktion darauf. „Ich verstehe immer noch nicht …“
      „Lady Gardenia hat mich ausgesandt, weil Kali-senpai sich dazu verpflichtet hat, dich zu beschützen. Aber diese freche Tsun ohne Dere kümmert sich kein bisschen um dich, abseits von der Sache mit diesem Vampir Zyxx!“ Der Kleine stampfte wütend auf. „Sie ist total-“
      „W-warte!“ Velvet erhob sich langsam, hielt immer noch ihr Handtuch fest. „Zyxx? Heißt das, dass diese Kali-senpai damals eingeschritten ist, als er mich …?“
      Der Schattengeist namens Orion nickte heftig. So sehr, dass ihm der Schlüpfer vom Kopf rutschte und auf den Boden segelte. „Noin, mein Andenken!“
      Er wollte noch danach greifen, aber zum einen waren seine Arme zu kurz, zum anderen war Velvet wie ein geölter Blitz nach vorne geeilt und schnappte ihm das gute Stück vor der Nase weg.
      „Kann ich den bitte wiederhaben?“, fragte er vorsichtig.
      Aber der düstere, um nicht zu sagen pechschwarze, diabolische Gesichtsausdruck von Velvet war Antwort genug. Ehe er sich versah, wurde auch er gepackt und bis auf ihre Gesichtshöhe hochgezogen.
      Das Mädchen funkelte ihn an. „Ich ziehe mich schnell um und dann wirst du mir erstmal erklären, was es mit all dem auf sich hat.“
      Sie drehte seinen Kopf, also praktisch den ganzen Körper, zusammen mit ihrem eigenen Haupt nach rechts, wo auf der anderen Seite des Raums die Waschmaschine stand. „Solange bleibst du -da- drin.“
      Dann drehte sie sich und ihn wieder zueinander. „Und damit du auch ja keine blöden Tricks wagst, ist solange der Schleudergang eingeschaltet.“
      „Wie!?“, quiekte er heiser. „Wegen der Unterhose!?“
      „Das wäre ein Grund! Aber viel wichtiger: Du hast mich beim Singen belauscht!“ Genau wie ihm standen auch ihr dabei kleine Tränchen in den Augen. „D-das kann ich dir nicht vergeben!“

      ~-~-~

      Ein gewisser Geruch von Schweiß hing in der riesigen, unterirdischen Sporthalle. Zoey gab noch einmal alles, obwohl es nicht nötig war. Die anderen Mädchen lagen weit hinter ihr. So schaffte sie es schließlich als Erste, an der Rothaarigen vorbei zu rennen, die die Zeit anhielt.
      „Wow!“, rief diese, nachdem die Blonde einige Meter entfernt zum Stehen kam. „Das ist ein neuer Rekord, unter 3 Minuten!“
      „Uh-huh“, gab sich das Mädchen mit der Beanie im grauen Trainingsanzug unbeeindruckt, als sie sich umdrehte. Nach und nach trudelten die anderen Weiber ein. „Im Weglaufen habe ich Erfahrung.“

      Mindestens so groß wie ein Footballfeld musste dieser Ort sein, der für Zoey in den letzten Tagen unfreiwillig so etwas wie ein zweites Zuhause geworden war. Während die eine Hälfte voll von Duellanten war, die sich auf kleinen Feldern gegeneinander behaupteten, wurde die andere für den sportlichen Teil der Ausbildung genutzt.
      Allein ein großer Abschnitt dessen war für diese bekloppte Rennerei reserviert. Die Damen waren diesmal dran, während die Herren sich in der Mitte des Feldes von ihren Strapazen kurzzeitig ausruhen konnten. Einige von ihnen betrachten Zoey interessiert, aber keiner sprach sie an.
      „Du bist sogar schneller als die Jungs“, staunte derweil der Rotschopf, dessen Name Zoey gar nicht kannte und auch nie kennenlernen würde.
      „Yeah, ist ja auch nicht besonders schwer.“
      Das Mädchen stierte an ihr vorbei in die Mitte der Halle, wo ein einzelner Mann stand. Gregory Haigh, seines Zeichens ein riesiger, breiter Glatzkopf mit leicht angegrautem Bart, der in einem dunkelblauen Sportanzug das Geschehen auf beiden Seiten verfolgte. Doch er interessierte sich gar nicht für Zoey, so schien es. Welche daraufhin wütend schnaufte.
      „Nach einer Pause geht es mit dem Hindernislauf weiter“, verkündete der nur an die Damen gewandt.

      Kurze Zeit später nahm das Mädchen Anlauf. Dann rannte sie los. Die erste Hürde, eine aufgestellte Holzwand, nahm sie nahezu mühelos. Sie sprang einfach und krallte sich an ihrem Ende fest, zog sich hoch und landete wirbelnd kurz darauf hin der Hocke. Aus jener sprintete sie sofort weiter auf die nächste zu erklimmende Barriere zu – ein Maschendrahtzaun. Elegant wie eine Katze kletterte sie jene empor.
      Aus den Augenwinkeln sah sie Gregory, der das Geschehen auf etwas Abstand diesmal mitverfolgte. Ja, sieh nur zu, sieh nur, wie gut ich bin, warf sie ihm in Gedanken an den Kopf. Mit einem Satz landete sie auf der anderen Seite und sah sich nun zwei Angreifern mit Helmen entgegen, die mit erhobenem Baseballschlägern auf sie zu stürmten. Der erste holte nach ihr aus, doch Zoey duckte sich geschickt unter ihm hinweg und verpasste ihm mit dem Ellbogen einen Schlag in den Nacken. Auch dem zweiten wich sie durch eine Rolle zur Seite aus, griff sich dabei die Waffe des ersten Angreifers und schleuderte sie dem zweiten gegen das Knie. Der schrie erschrocken auf und fiel vorne über.
      „Blöde Kuh!“, fluchte der Mann und riss sich den Helm vom Kopf. Es war der blonde Jack, der sie breit angrinste. „Zu deinem Glück hab ich Knieschoner an. Ugh …“
      Zoey stampfte zu ihm und half ihm auf. „Selber schuld. Hab ich den Rekord?“
      Der Buch führende Rotschopf nickte. „J-ja, so schnell war noch keiner durch!“
      „Gut“, murrte das Mädchen und starrte an dem Mädchen vorbei. Ihr Augenmerk lag allein auf Gregory, der sie dabei genau beobachtete.

      Auch beim Stangenklettern in der hinteren Ecke der Halle war sie die erste, die oben ankam und schließlich wieder hinunterrutschte.
      „Rekord!“, trällerte die übliche Schnalle.
      „Nicht schlecht“, lobte sie Jack, inzwischen auch in einem dieser grauen Anzüge steckend, und reichte ihr ein Handtuch.
      Sie schnappte es sich im Weggehen und wischte sich die Stirn ab. „Danke.“
      Der schmalzige Typ drehte sich um, folgte ihr. „Heute bist du ja besonders ambitioniert. Woran liegt's?“
      „Wirste gleich sehen.“

      Sie steuerte direkt auf Gregory zu, der die Gruppe beaufsichtigte. Irgendwo weiter hinten schrie jemand, vermutlich weil er sein Duell verlor.
      „Hey“, sprach sie ihn schroff an und breitete die Arme aus, „kann ich jetzt gehen?“
      „Warum?“, fragte der Bärtige mit tiefer Stimme. „Das Training dauert noch eine halbe Stunde.“
      „Ich habe heute jeden eurer beschissenen Rekorde gebrochen“, protestierte Zoey uneinsichtig und schmiss das Handtuch beiseite. „Diesen Mist brauche ich nicht, ich bin bereit, okay!?“
      „Sei vorsichtig mit dem, was du sagst“, riet ihr Jack derweil und eilte an ihr vorbei, um das Handtuch aufzuheben.
      Aber die Blonde dachte nicht im Traum daran, ihren Frust hinunterzuschlucken. „Ich will endlich raus hier und auf Mission gehen, wie richtige CLEAR-Agenten!“
      „Und was dann?“, wurde sie von ihrem Ausbilder gefragt.
      „Dann werde ich meine Cousine von Levrier befreien!“
      „Du erhältst einen Auftrag, sobald wir dich brauchen. Nicht früher, nicht später.“ Er verschränkte die Arme. „In diesem Augenblick verlangen wir von dir Disziplin.“
      Da war es wieder! Dieses dämliche Wort!
      „Das bedeutet“, fuhr er fort und richtete seinen Zeigefinger an ihr vorbei zur anderen Seite der Halle, „dass du noch eine halbe Stunde trainierst. Du hast dich heute noch nicht duelliert, also such dir einen Partner und fang an.“
      Wütend schnaufte sie und funkelte ihn dabei an. „Kch!“
      „Wir können ja-“, schlug Jack vor und bekam direkt ihre flache Hand ins Gesicht gedrückt, als er sich ihr näherte.
      Denn Zoey hatte einen genialen Einfall. „Ein Partner, huh? Fein! Dann wähle ich dich!“
      Sie zeigte auf Gregory, der keine Miene verzog. „Und wenn ich gewinne, empfiehlst du mich und lässt mich gehen, klar?“
      „Bist du verrückt!?“ Ihr Kamerad riss sich von dem Mädchen los. Inzwischen waren ein paar neugierige Kadetten dazugestoßen. Er wandte sich mit Schweiß auf der Stirn an den glatzköpfigen Ausbilder. „Mr. Haigh, bitte entschuldigen Sie-“
      „Ich akzeptiere“, war alles, was der Mann zur Überraschung aller dazu zu sagen hatte.
      Selbst Zoey machte große Augen. Das war ja einfach.

      Kurz darauf standen die beiden sich gegenüber und hoben ihre Arme hoch. An beiden war ein silberner Armreif mit rotem Kern befestigt. Jener war es auch, der schließlich eine gebogene Sichel erzeugte, die zu einer reinen, roten Energie-Duel Disk wurde.
      „Heh“, lachte Zoey auf, „du hast dich noch gar nicht dazu geäußert, was du willst, wenn ich verliere.“
      Gregory nickte. „Deinen Tod.“
      „W-was!?“
      Auch die anderen Kadetten erschraken zutiefst. Was der Mann jedoch gesagt hatte, war keinesfalls ein Scherz. „Nur die Starken überleben. Also solltest du deinen Worten besser Taten folgen lassen, andernfalls hat das schwerwiegende Konsequenzen für dich, Mädchen.“
      Für einen kurzen Augenblick aus dem Konzept gebracht, fing sich Zoey schließlich wieder. „'kay, du bist wohl'n ganz Harter, was? Fein, ich akzeptiere deine Bedingung!“
      Erstauntes Gemurmel brach um sie herum aus. Idioten, sagte sich Zoey innerlich. Als ob der Typ das ernst meinte. Der musste doch ganz genau wissen, wie blöd es wäre sie vor den Augen der anderen abzumurksen. Zumal sie direkt von dieser Kathea ausgesucht worden war.
      Aber sie würde trotzdem alles geben, allein um zu beweisen, dass sie nicht schwach war!
      „Duell!“, riefen beide schließlich im Chor.

      [Zoey: 4000LP / Gregory: 4000LP]

      „Ich habs satt zu warten“, stellte Zoey nochmals klar und verkündete: „Ich beginne das Duell!“
      Und kaum hatte sie ihr Startblatt gezogen, spielte sie einen Zauber aus. „[Future Fusion]! Im nächsten Zug werden Fusionsmaterialien von meinem Deck auf den Friedhof geschickt. Und im übernächsten wird das entsprechende Monster dazu beschworen!“
      Kaum hatte sich der permanente Zauber vor ihr aufgestellt, knallte sie schon ein Monster auf ihre Duel Disk. „Ich rufe [Worm Xex]! Der schickt einen anderen Worm von meinem Deck auf den Friedhof! [Worm Yagan]! Und der kann sich verdeckt von dort wiederbeleben, wenn ich Xex kontrolliere!“
      Vor ihr tauchte ein kreuzförmiges, grünes Ungetüm auf, in dessen Körpermitte ein mit Zähnen bespickter Schlund befand. Neben ihm zeigte sich kurz ein gelbes, Y-förmiges Gebilde, an dessen Armen sich Augen öffneten. Es verwandelte sich jedoch kurz darauf in eine horizontal liegende Karte.

      Worm Xex [ATK/1800 DEF/1000 (4)]
      Worm Yagan [ATK/1000 DEF/1800 (4)]

      „Ich bin mit meinem Zug durch!“, erklärte sie schließlich.
      Immer mehr Kadetten sammelten sich um die beiden. Viele flüsterten ehrfürchtig und starrten dabei den hünenhaften Glatzkopf an. Kam wohl nicht besonders oft vor, dass man den in Aktion erlebte, dachte sich Zoey. Und sie würde den Gaffern bald zeigen, warum das auch so war …

      „Draw!“ Gregory zog langsam und bedächtig und sah seine Karte an. „Ich aktiviere zwei Zauberkarten. [Dinomist Charge], die mir ein Dinomist-Monster auf mein Blatt schickt sowie der Feldzauber [Dinomic Powerload].“
      Erst stellte sich auch vor ihm ein dauerhafter Zauber auf, der gelb zu leuchten begann. Zusätzlich erhoben sich drei Spannungsgeneratoren um ihn herum aus dem Boden und gaben blaue Elektrizität ab.
      „Ich rufe das Monster, das ich mir aus meinem Deck ausgesucht habe, als Spezialbeschwörung. Denn du besitzt das stärkste Monster auf dem Feld: [Dinomist Brachion].“
      War es ein schwer bewaffneter, violetter Panzer oder ein mechanischer Brachiosaurus, der da vor ihm erschien? Die Antwort? Beides! Die langhalsige, mechanische Kreatur war nur so bespickt von Laserkanonen und Raketenwerfern. Sogar Zoey entlockte das ein anerkennendes Pfeifen.
      „Da ich ein Dinomist-Monster besitze, kann ich zudem [Dinomist Ceratops] spezialbeschwören. Und zuletzt als Normalbeschwörung noch [Dinomist Plesios]“, sprach Greg mit seiner tiefen Stimme gelassen.
      Neben seinem Panzer-Brachion tauchte erst ein grüner, ebenfalls gut ausgestatteter Mecha-Ceratops aus, der eine ausfahrbare Säge an seiner linken Halsseite montiert hatte. Im Anschluss erschien neben diesem ein blauer Plesiosaurier, dessen Schwimmflossen flexible Tragflächen waren.
      „Mein Spielfeldzauber verstärkt diese Kreaturen um 300 Punkte. Außerdem schwächt [Dinomist Plesios] deine Kreaturen um 100 Punkte für jede Dinomist-Karte auf meinem Feld“, erklärte Gregory weiter.
      Zoey zischte angespannt: „Großartig …“

      Dinomist Brachion [ATK/2000 → 2300 DEF/800 → 1100 (5)]
      Dinomist Ceratops [ATK/2100 → 2400 DEF/400 → 700 (5)]
      Dinomist Plesios [ATK/1700 → 2000 DEF/1400 → 1700 (4)]
      Worm Xex [ATK/1800 → 1400 DEF/1000 → 600 (4)]

      „Ich befehle [Dinomist Plesios] den Angriff auf [Worm Xex]!“ Passend dazu schwang Gregory den Zeigefinger aus und deutete auf die groteske Gestalt vor Zoey.
      Der schwebende Plesiosaurier klappte aus seinem Rücken nach rechts eine Zielvorrichtung aus, die sich als Torpedowerfer entpuppte. Und ein solcher wurde prompt abgefeuert und ließ nichts außer einer Rauchwolke von [Worm Xex] übrig.

      [Zoey: 4000LP → 3400LP / Gregory: 4000LP]

      „Pah!“
      „Als nächstes greift [Dinomist Brachion] das verdeckte Monster [Worm Yagan] an“, brummte der Hüne weiter.
      Und der Panzerbrachiosaurus feuerte aus allen Rohren. Es knallte und zischte nur so um Zoey, deren gelber Wurm nur kurz aus seiner Karte auftauchte, ehe er zerfetzt wurde. Das Mädchen lachte jedoch auf. „Fataler Fehler, Freundchen! Wird [Worm Yagan] aufgeflippt, gibt er eine deiner Karten auf die Hand zurück! Ich wähle [Dinomist Ceratops]!“
      Doch als nichts geschah, gab Zoey einen überraschten Laut von sich.
      „Zwecklos. Die Feldzauberkarte [Dinomic Powerload] verhindert bis zum Ende des stattfindenden Kampfes, dass du Karten oder Effekte aktivierst.“
      „Du willst mich verarschen!“ Mit weit aufgerissenen Augen sah Zoey die letzten Partikel ihrer Karte schwinden. Dann knurrte sie: „[Worm Yagan] wird verbannt, wenn er das Spielfeld nach Nutzen seines Beschwörungseffekts verlässt.“
      „Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte, [Dinomist Ceratops]!“
      Jener raste in hohem Tempo auf die Blonde mit der Beanie zu und fuhr seine Kreissäge aus. Durch das Heben ihrer Energie-Duel Disk konnte Zoey die Attacke gerade so abwehren. Rote Funken sprühten dabei nur so. „Kch!“

      [Zoey: 3400LP → 1000LP / Gregory: 4000LP]

      „Meine letzten beiden Karten spiele ich verdeckt aus“, erklärte Gregory abschließend und ließ beide zu seinen Füßen erscheinen. „Dein Zug, Mädchen.“
      Jenes keuchte nur, als sich der riesige Mechadinosaurier endlich verzog. Und sie hörte das Getuschel der zuschauenden Kadetten. Keiner beschäftigte sich mehr mit dem eigentlichen Training.
      Ein Mädchen sagte: „Sie kann einem leid tun.“
      „Ja! Das Schlimmste steht ihr noch bevor“, ein anderes.
      „Sie ist schlecht“, kam es von einem Jungen.
      „Ein totales Großmaul.“
      „In einem Zug auf 1000 Lebenspunkte runter.“

      Da wurde es Zoey zu viel. Schreiend riss sie eine Karte von ihrem Deck: „Euch werde ich es zeigen!“
      Kaum war das getan, begann ihre offen stehende Zauberkarte aufzuleuchten. Sie streckte den Arm aus und erklärte: „Jetzt schicke ich die Fusionsmaterialien von [Worm Zero] auf den Friedhof! Und soll ich euch was sagen!? Es gibt kein Limit! Es müssen nur Worm-Monster mit verschiedenen Namen sein! Also schicke ich 20 auf den Friedhof!“
      Sie holte ihr Deck aus der Halterung, zog eine Karte nach der anderen daraus hervor, fächerte sie vor Gregs Augen grinsend aus, um sie dann in den Friedhofsschlitz zu schieben.
      Die Gaffer staunten. „Gleich 20!?“
      „Wieso so viele!?“
      „Dann hat sie ja kaum noch Monster im Deck!“
      Ja, wundert euch ruhig, dachte die Blonde grimmig. Nächste Runde würden hier alle eine böse Überraschung erleben. Und das schloss den Glatzkopf ein, der immerhin als Einziger auf irgendwelche Kommentare verzichtete.
      Sie nahm ihre gezogene Karte hervor. „Ich aktiviere [Mystical Space Typhoon], womit ich eine Backrow-Karte auf dem Feld vernichten kann.“
      Und Zoey wusste bereits genau, welche von Gregorys Karten am gefährlichsten war! „[Dinomic Powerload]! Damit verlieren deine Blechbüchsen ihre Werteboosts!“
      Viel wichtiger war aber, dass sie nicht mehr ungehindert angreifen konnten. Mit Genuss sah sie zu, wie ein blitzender Wirbelsturm über das Feld fegte und die Transformatoren nacheinander umriss.

      Dinomist Brachion [ATK/2300 → 2000 DEF/1100 → 800 (5)]
      Dinomist Ceratops [ATK/2400 → 2100 DEF/700 → 400 (5)]
      Dinomist Plesios [ATK/2000 → 1700 DEF/1700 → 1400 (4)]

      „Ich setze ein Monster“, bellte das Mädchen im Anschluss und ließ jenes als horizontal liegender Kartenrücken vor sich erscheinen, „bist dran!“
      Selbstverständlich musste auch das mit viel Zweifel und Lästereien seitens der Kadetten kommentiert werden. Zoey hörte diesmal gar nicht mehr hin.

      Wortlos zog ihr Ausbilder seine Karte und streckte dann den Arm mit ihr nach unten gerichtet aus, sagte: „Ich befehle [Dinomist Ceratops] den Angriff auf das verdeckte Monster.“
      Wieder rauschte der Dino auf Zoey zu und ließ seine Kreissäge ausfahren. Aus Zoeys Karte trat ein prismatischer Glaskasten aus, in den eine blaue Substanz mit zahlreichen Augen eingeschlossen war.
      „Dumm gelaufen! Das ist [Worm Solid] und der bekommt 100 Verteidigungspunkte für jeden seiner Rasse auf dem Friedhof dazu! Das sind 21!“
      „Aber er verliert 100 Punkte für jedes Dinomist-Monster auf meinem Feld, solange [Dinomist Plesios] im Spiel ist“, erwiderte Greg auf Zoeys Ausruf hin ruhig.

      Worm Solid [ATK/1000 → 600 DEF/1600 → 3700 → 3300 (4)]

      Die anderen Kadetten staunten ob der hohen Verteidigung von Zoeys Monster. Entsprechend prallte die Säge des Mechadinos an dem Gefäß ab. Funken flogen so weit, dass sie Gregory streiften.

      [Zoey: 1000LP / Gregory: 4000LP → 2800LP]

      Während sich [Dinomist Ceratops] zurückzog, rief Zoey aus: „Aber das war nur der Anfang! Wenn [Worm Solid] Kampfschaden beim Verteidigen zufügt, zerstöre ich eine deiner Backrow-Karten!“
      Sie zeigte mit dem Finger auf die von ihr aus links liegende. „Die da!“
      „Dann aktiviere ich sie“, konterte der bärtige Kahlkopf unbeeindruckt. „Ihr Name ist [Dinomist Rush] und sie ruft ein Dinomist-Monster von meinem Deck aufs Spielfeld. Erscheine, [Dinomist Spinos]!“
      Zwar öffnete sich im Gefäß von [Worm Solid] kurz ein Loch, aus dem ein sich öffnendes Maul Säure auf die normale Falle spucken konnte, doch die war bereits hochgefahren und leuchtete. Vor Gregory materialisierte sich ein riesiger, roter Spinosaurus. Seine rote Lackierung glänzte im Licht seines aus hellblauen Lichtröhren bestehenden Knochenkamms.

      Dinomist Spinos [ATK/2500 DEF/1800 (5)]
      Worm Solid [ATK/600 → 500 DEF/3300 → 3200 (4)]

      „Pah! Selbst dieses Teil kommt an [Worm Solid] nicht vorbei!“
      „In der Tat.“ Gregory sah seine Handkarte an und zeigte sie dann vor. „Die Schwachen werden vernichtet. Zauberkarte, [Dark Hole]! Sie zerstört alle Monster auf dem Spielfeld.“
      Zoey weitete die Augen, als sich inmitten des Spielfelds ein Schwarzes Loch öffnete und die Mechadinos sowie ihren Worm in sich hineinzog. Einzig der Spinosarus widerstand dem und wurde Zeuge, wie drei rote Blitze aus dem Sog entkamen, ehe dieser sich schloss.
      „Damit aktiviert sich der zweite Effekt von [Dinomist Charge]“, erklärte Gregory und streckte die Hand zu dem offenen Zauber aus, „ich erhalte ein zerstörtes Dinomist-Monster zurück auf die Hand. Entschieden habe ich mich für [Dinomist Plesios].“
      Jenen zeigte er vor. „Durch den Effekt von [Dinomist Rush] berühren [Dinomist Spinos] andere Karteneffekte nicht. Aber er wird während dem Ende des Zuges zerstört. Also jetzt.“
      „Huh!?“, machte Zoey völlig perplex, als der riesige Dino explodierte und einen roten Lichtblitz von sich gab. Damit kontrollieren beide kein einziges Monster mehr. Das Mädchen fing vorsichtig an zu lachen. „O-oh Junge, was ist denn mit dir los!? Killst all deine Blechbüchsen, nur weil mein [Worm Solid] zu hohe Verteidigungspunkte hat?“
      „Die Schwachen werden vernichtet“, war seine Antwort darauf.
      Und Zoey konnte sich ihrerseits einen Kommentar dazu nicht verkneifen. „Darauf kannste Gift nehmen, Opa!“

      „Draw!“, rief sie entschlossen aus und zog mit Schwung eine neue Karte.
      Selbst einige der Kadetten waren irritiert von Gregorys Zug und sahen sich untereinander ratlos an, wohingegen andere fest davon überzeugt waren, dass er einen Plan damit verfolgte.
      So auch Zoey, die sich auf die verdeckt liegende Karte ihres Gegners fixiert hatte. Als ob sie so dumm war, auf ein billiges Ablenkungsmanöver reinzufallen!
      „'kay, es ist Zeit, dass die Fusion stattfindet!“, rief sie schließlich aus und streckte den Arm weit in die Höhe.
      Über ihr öffnete sich ein weiß-blauer Strudel und stieß eine weiße, schleimige Masse aus, aus der dünne Stränge in den Linoleumboden schossen. Vier dieser Stützen hielten einen riesigen Kokon über Zoey, der fast wie ein Mond wirkte.

      Worm Zero [ATK/? → 10000 DEF/0 (10)]

      „[Worm Zero] erhält für jede Spezies, die für seine Fusion verwendet wurde, 500 Angriffspunkte. Bei zwanzig macht das 10000 Angriffspunkte“, erklärte Zoey fast nebensächlich. „Und er hat auch noch diverse Effekte im Angebot. Einer lässt mich eine Karte ziehen. Und ein weiterer einen Worm vom Friedhof verdeckt reanimieren!“
      Erst riss sie eine Karte vom Deck, dann schwang sie den Arm aus. „Komm zurück, [Worm Victory]!“
      Kurz zeigte sich eine sechsarmige, fast humanoide Gestalt roter Farbe. Ihre Haut war mit Schuppen bedeckt, das Maul ein Schlund, bespickt von zahllosen, spitzen Zähnen. Doch sie verschwand schnell unter dem vergrößerten Rücken einer Karte.

      Worm Victory [ATK/0 DEF/2500 (7)]

      „Zwei Karten verdeckt!“, schnarrte sie und ließ jene vor sich erscheinen.
      Sehr gut. Selbst wenn er ihrem [Worm Zero] etwas entgegen zu setzen hatte, war sie vorbereitet. Er würde eine böse Überraschung erleben, sobald er erst [Worm Victory] kennenlernte!
      Energisch streckte die Blonde ihre Hand aus. „Los, [Worm Zero], zeig' ihm, wer die überlegene Spezies ist! Zero Dissolver!“
      Der Kokon über Zoey öffnete sich und präsentierte zahllose, regelrecht zufällig verteilte Zähne und einen schier endlosen Schlund, aus dem grüne, flimmernde Säure schoss. Gregory schien wenig beeindruckt, sah er nahenden Flüssigkeit regungslos entgegen. Zoeys Herz machte bereits einen vorsichtigen Hüpfer, als er im letzten Moment ausrief: „Ich wirke dem mit einer Falle entgegen.“
      Jene sprang vor ihm auf. Schlagartig bildete sich vor ihm eine hellblaue, flüssige Barriere.
      „Mist“, fluchte sie leise.
      „[Drowning Mirror Force]“, nannte der Glatzkopf sie, als die Säure auf den gebogenen Schutzschirm prallte. „Bei einem direkten Angriff werden alle Monster in Angriffsposition, die der angreifende Spieler kontrolliert, zurück ins Deck geschickt.“
      Nebel entstand, als die Säure von [Worm Zero] erfolglos versuchte, die Barriere zu durchbrechen. Immer stärkere Wellen bildeten sich dabei auf jener, bis sie den Angriff schlagartig zurückschleuderte. Zoey sah überrascht zu ihrem Kokon hinauf, der von seinem eigenen Angriff getroffen wurde und sich aufzulösen begann.
      Dann richtete sie sich an Gregory. „'kay, jetzt kapiere ich es. Du hast all deine Dinos gekillt, um diese Falle aktivieren zu können. Sonst wärst du drauf gegangen. Gar nicht so dumm.“
      Für einen Moment glaubte sie, einen Mundwinkel von ihm zucken zu sehen. Konnte aber auch genauso gut Einbildung gewesen sein. Was auch immer.
      „Du bist dran“, sagte sie schließlich.

      Gregory betrachtete seine leuchtende Duel Disk und zog dann. Ein Funkeln in seinen Augen ließ Zoey nichts Gutes ahnen. Aber sie war vorbereitet!
      Plötzlich zeigte er seine beiden Handkarten vor. „Ich aktiviere [Dinomist Pteran] mit dem Pendelbereich 3 und [Dinomist Plesios] mit dem Pendelbereich 6! Pendulum Scales set!“
      „W-warte mal, Pendel!?“, stotterte Zoey völlig überrumpelt.
      Neben dem Mann schossen zwei hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden. In der linken befand sich ein orangefarbener Flugsaurier mit Düsenantrieben unter den Flügeln, die andere ließ den blauen Plesiosaurus empor steigen.

      <3> Gregorys Pendelbereich <6>

      „Ich beschwöre aus meinem Extradeck: [Dinomist Brachion], [Dinomist Ceratops] und [Dinomist Spinos]!“, wurde Gregory schlagartig lauter. „Pendulum Summon!“
      Zwischen seinen beiden Mechadinos in der Luft öffnete sich das von zahlreichen Lichtellipsen umgebene Pendelportal. Drei rote Lichtstrahlen schossen daraus herab und schlugen vor ihm ein, wurden zu dem Panzerbrachio, dem Ceratops sowie dem roten Spinosaurus.

      Dinomist Brachion [ATK/2000 DEF/800 (5) PSC: <6/6>]
      Dinomist Ceratops [ATK/2100 DEF/400 (5) PSC: <3/3>]
      Dinomist Spinos [ATK/2500 DEF/1800 (5) PSC: <3/3>]

      Zoey klatschte sich die Hand gegen die Stirn. „Scheiße! Die sind alle Pendelmonster!? Warum habe ich nicht darauf geachtet!? Kch!“
      Er spielte also ein ziemlich neues Deck. Zoey meinte sich zu erinnern, dass das Set dazu erst vor wenigen Tagen veröffentlicht worden war. Aber damit kam sie klar! Seine Monster hatten ja nicht einmal genug Angriffskraft, um [Worm Victory] zu überwinden!
      „[Dinomist Spinos] aktiviert seinen Effekt. Die Schwachen fallen den Starken zum Opfer“, sagte der Mann und streckte die Hand nach dem Brachiosaurus aus. „Indem [Dinomist Brachion] geopfert wird, erhält [Dinomist Spinos] wahlweise die Fähigkeit, in diesem Zug zweimal anzugreifen oder aber nur einmal, dafür jedoch direkt.“
      Erschrockene Ausrufe kamen aus den Reihen der CLEAR-Kadetten. Auch Zoey weitete die Augen, als Gregory verkündete: „Natürlich Letzteres.“
      Sofort löste sich der violette Dinopanzer in elektrischen Funken auf, die Spinos mit seinem Röhrenkamm absorbierte. Ein letzter roter Lichtstrahl ging von Brachion aus, doch er verschwand nicht etwa in einem Pendelportal, sondern zischte auf Gregorys Duel Disk zu. „Der Effekt von [Dinomist Charge] gibt einmal pro Zug ein Dinomist-Monster auf meine Hand zurück, wenn es eigentlich ins Extradeck gelegt werden sollte.“
      „Also das ist vorhin wirklich passiert.“ Zoey biss sich auf die Unterlippe. Wieso war ihr das nicht aufgefallen!? Aber ihre Unsicherheit verwandelte sich prompt in Hochmut. „Glaub nicht, dass du schon gewonnen hast.“
      „Wir werden sehen“, erwiderte ihr Gegner und schwang den Arm aus. „Wie angekündigt greift dich [Dinomist Spinos] direkt an. Zeige deinen Überlebenswillen, Mädchen!“
      Der riesige Mechadino stampfte auf sie zu, doch Zoey streckte die Hand zu ihren verdeckten Karten aus. „Vergiss es, Freundchen! Ich aktiviere [Enemy Controller] und wechsle deine Blechbüchse in den Verteidigungsmodus!“
      Der Schnellzauber sprang vor ihr auf und brachte einen Spielkonsolen-Controller hervor, der automatische seine Seiten- und Kopftasten betätigte.
      „Vergebens“, donnerte Greg da und nicht wenige Zuschauer schnappten nach Luft, „der Effekt jedes Dinomist-Monsters mit dem Pendelbereich 6 ermöglicht es, dass es sich in der Pendelzone selbst zerstört, um das Anzielen eines Effekts zu verhindern. Die Schwachen dienen den Starken!“
      Da explodierte [Dinomist Plesios] schon zusammen mit Zoeys Controller. Vor ihr ankommen, machte Spinos eine Drehung und holte mit seinem Schweif aus.
      „Dann friss das!“, schrie das Mädchen und aktivierte durch das Antippen an ihrer Duel Disk die zweite verdeckte Karte. „Falle, [Widespread Ruin]!“
      Jene klappte vor ihr auf. Unter den Füßen des Dinos materialisierte sich eine kreisrunde, piepende Mine. „Damit wird bei einem Angriff dein stärkstes Monster zerstört.“
      „Ebenfalls zwecklos! Der Effekt jedes Dinomist-Monsters mit dem Pendelbereich 3 lässt es sich in der Pendelzone selbst zerstören, um die Zerstörung der Vorderfront zu verhindern!“
      „Was!?“, keuchte Zoey fassungslos, als auch der Pteranodon in der verbliebenen Lichtsäule explodierte und ihre Mine sich einfach auflöste.
      Dann sah sie ihn schon von links auf sich zu schnellen, den langen Schweif von [Dinomist Spinos]. Würde er sie verletzen? Die spielten hier mit harten Bandagen! Wenn er sie traf, würde sie sich alle Knochen brechen. Zoey schloss die Augen und hob noch die Arme über Kreuz zum Schutz. Dann kam der Treffer.

      [Zoey: 1000LP → 0LP / Gregory: 2800LP]

      Nichts. Der Angriff ging durch sie hindurch wie Butter, sie spürte keinerlei Schmerzen. Als sie die Augen öffnete, überkam sie jedoch ein heftiger Schwindel. So stark, dass sie sich die Hand vor den Mund halten musste. Sie sackte auf die Knie.
      Keiner wagte es, etwas zu sagen. Und sie spürte den eisigen Blick ihres Ausbilders auf ihr ruhen. Der Schweiß brach ihr aus. Wie lächerlich …
      Aber Zoey Bauer war keine, die sich von einer Niederlage entmutigen ließ. Entsprechend richtete sie sich schnell wieder auf, auch wenn sich dabei alles drehte. „Da hab ich den Mund wohl zu voll genommen, was? Haha …“
      „Du bist noch nicht soweit“, kam eine frostige Antwort.
      „Sorry, aber das ist Bullshit. Ich kann mich wehren, ich kann rennen, ich bin nicht dumm“, widersprach Zoey selbstsicher, „und ich kann mich duellieren. Los, wie wär's mit 'ner zweiten Runde? Nochmal passieren mir diese dummen Fehler nicht!“
      Gregory sah sie nachforschend an. Dann schloss er die Augen. „In der Realität gibt es keine zweite Chance. Wenn du versagst, bringst du nicht nur dich zu Fall, sondern möglicherweise CLEAR als Ganzes. Das sollten ihr euch -alle- merken!“
      Einige der Anwärter schreckten zurück.
      „Also ich stehe noch“, zischte Zoey provokativ, „und das wird auch so bleiben! Wenn dir das nicht passt, stell dich mir ruhig in den Weg, Opa! Und lass dich überraschen, was dann passiert …“
      „Vorlaute Göre“, schalt er sie unbeeindruckt. Dann trat er auf sie zu. Zoey wich nicht zurück, sondern straffte sich. Sie machte sich bereit, ihn notfalls sogar zu schlagen, ballte die Fäuste, wollte ihm am liebsten anbieten, dass er zuerst zulangen durfte.
      Aber etwas ganz anderes geschah. Er fasste in die Tasche an seiner Uniform und zog daraus eine ID-Karte hervor. „Aber du bist eine Kämpferin. Mit Potential, dem nur dein Deck im Weg steht. Hier. Damit kannst du den Aufzug benutzen. Fahre hoch in die letzte Etage und sprich mit Kathea, sie wird dir helfen.“
      Völlig überrumpelt nahm Zoey die Keycard entgegen.
      „Und was steht -ihr- so dumm 'rum!?“, brüllte Gregory da schon die anderen Kadetten an. „Macht weiter mit eurem Training!“

      Damit zog er ohne weitere Worte von dannen. Die Traube löste sich wie eine Schar aufgescheuchter Hühner auf und verteilte sich wieder an die diversen Sportgeräte und über die Duellfelder.
      Nur eine Kadettin war verblieben und schlich sich von hinten an die abwesende Zoey herab. Welche leise erschrak, als ihr die Hand auf die Schulter geklatscht wurde. Kunigundes Gesicht schob sich über ihre Schulter in das Blickfeld des Mädchens. „Gut gemacht. Du hast Kapitän Haigh beeindruckt!“
      „D-du“, stellte die Blonde erschrocken fest.
      „Er hat was übrig für Dickschädel. Oder kleine Mädchen. Wer weiß“, schnurrte ihre ungewollt gewonnene Freundin und legte ihren Kopf auf Zoeys anderer Schulter ab, „jedenfalls bist du jetzt einige Schritte weiter als zuvor. Glückwunsch.“
      „D-danke. Vielleicht komme ich dann endlich aus diesem Laden raus!“
      „Möglich. Aber sicher nicht sofort. Ich bin schon mit dem Training durch und mich haben sie auch noch nicht eingesetzt“, trällerte das riesige, schwarzhaarige Mädchen und ließ letztlich von Zoey ab.
      Sie umrundete sie tänzelnd und salutierte vor ihr. Warum auch immer. „Abmarsch, Mädchen! Die Chefin wartet auf dich.“
      „Ja …“
      „Oh, übrigens“, meinte Kunigunde abschließend und beugte sich so dicht an Zoeys Gesicht heran, dass sich ihre Nasen fast berührten. Dabei hauchte sie bitterböse: „ich habe deine Rekorde gebrochen, als du dich mit dem Kapitän duelliert hast. Aber ich verrate es keinem, weil wir Freundinnen sind.“
      Verschreckt wich die Blonde zurück. Ihr Gegenüber grinste so glücklich, dass es beinahe beängstigend war. Um nicht bei der anzuecken, nickte Zoey. „Danke …“
      „Gern geschehen! Und jetzt husch“, machte die Schwarzhaarige mit einer verscheuchenden Handbewegung.
      Was sich Zoey nicht zweimal sagen ließ. Sie eilte zum Ausgang mit der Erkenntnis, dass hier anscheinend wirklich -alle- irgendwie einen an der Klatsche hatten.


      Turn 104 – Advocate
      Beim Treffen mit Kathea erlebt Zoey so einige Überraschungen. Gleichzeitig erreicht das Duell zwischen dem Sammler und der Weißen Hexe Gardenia seinen Höhepunkt. Letztere schafft es durch die Beschwörung eines unheimlich mächtigen Monsters den Sammler derart unter Druck zu setzen, dass …


      Verwendete Karten

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      Collector

      Shaddoll Hedgehog
      Shaddoll Dragon
      Shaddoll Beast
      Shaddoll Falco

      El Shaddoll Fusion
      Nephe Shaddoll Fusion
      Curse Of The Shadow Prison

      El Shaddoll Construct
      El Shaddoll Grysta
      El Shaddoll Wendigo

      Gardenia

      Infernoid Pirmais
      Infernoid Piaty
      Infernoid Sjette

      Void Expansion
      Void Seer
      That Grass Looks Greener

      Zoey

      Worm Solid
      Worm Victory
      Worm Xex
      Worm Yagan
      19 weitere Worm-Monster

      Future Fusion
      Mystical Space Typhoon
      Enemy Controller

      Widespread Ruin

      Worm Zero

      Gregory

      Dinomist Plesios
      Dinomist Pteran
      Dinomist Brachion
      Dinomist Ceratops
      Dinomist Spinos

      Dinomist Charge
      Dinomic Powerload
      Dark Hole

      Dinomist Rush
      Drowning Mirror Force


      Ich hoffe es hat gefallen. Über Kommentare würde ich mich sehr freuen.

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      Langsam aber sicher schärft sich das Bild von Zoeys Schicksal innerhalb von CLEAR ein wenig. Sie ist generell unangepasst, aber auch willensstark genug, um einiges erreichen zu können. Aber die zweckdienlichen moralischen Perversionen der Organisation scheinen auch für sie zu viel zu sein, auch wenn sie wenig Gedanken an andere Menschen verschwendet, die sie nicht kennt. Man sieht das finde ich ganz gut dem Gespräch mit Kathea und ihrem Verhalten gegenüber Kunigunde, bei der schnell klar wurde, dass sie kein gewöhnlicher Mensch (mehr?) ist, und zwar mit einem eindeutig unheilvollen Beigeschmack. Jeder Cyborg wäre deutlich vertrauenswürdiger. Mal sehen ob die Gunst, die sie im Duell erworben hat wirklich etwas bewirkt, was ihr gefällt. Für mich als Leser aber auch spannend, dass an Hand einer der Figuren CLEAR näher erforscht wird. Zu Schade, dass Zoey nichts von Ethnographie versteht X/

      Mit Bezug auf Anya und Kali-Anya ist das Duellgespräch von Gardenia und dem Sammler aufschlussreich. Dass nämlich die Seele nicht dupliziert werden kann, hatte ich (natürlich nur sinngemäß) schon in der letzten Folge irgendwie im Hinterkopf. Möglicherweise gibt es eine Korrelation zur Erzählform von TLA, kurz gesagt besteht diese meiner Theorie nach darin, dass die Erzählperspektive auf Kali-Anya hätte übergehen müssen, wenn die Sache mit der Echtheit so wäre, wie bisher angenommen wurde. In jedem Fall hätte es eine Beeinträchtigung geben müssen, wenn Anya plötzlich keine Seele mehr gehabt hätte, aber im Dialog wird das sogar noch weiter geführt, im Sinne das eine andere Seele in einer der beiden Anyas wohnen müsste und den im Körper gespeicherten Informationen folgt. Ich dachte zuerst an Levrier, aber auf den zweiten Blick wirkt das dann wieder völlig unsinnig. Im Zusammenhang mit transferierten Seelen muss ich natürlich unweigerlich an Zanthes Bruder denken, aber wenn er gemeint ist, dann weiß ich doch nicht wirklich warum.

      Orions "Begegnung" mit Velvet ist dabei fast so peinlich wie komisch. Fast :D

      Jetzt heißt es aber erst mal das Duell zwischen Gardenia und dem Sammler abwarten. Was passiert eigentlich mit dem, der dann verliert? Ich würde sagen, wenn der Sammler gewinnt, schuldet Gardenia ihm einen Gefallen, aber was ist in umgekehrten Fall?

      Vielen Dank wie immer an alle Leser.

      @Mcto
      Vielen Dank für deinen Post. ^^

      Ja, Zoey passt ganz gewiss nicht in diese Gruppierung und auch ihr selber ist auch schon aufgefallen, dass da was mehr als nur faul ist. Kuni ist ... anders, ja.

      Von der Sache her, wenn man nach den Aussagen der beiden Obermotze gehen würde, und die Geschichte der Seele von Anya Bauer folgt, hätte die Perspektive in der Tat auf Kali übergehen müssen.
      Aber sie ist es nicht. Und folgt die Handlung überhaupt Anyas Seele? ;)
      Du hast da aber was vermischt. Alessandros Seele schläft in Exa, den Kyon damals vor dem Untergang seiner Welt gerettet hat.

      Anyway, lass dich überraschen, was mit dem Verlierer passiert.


      Passend (?) zum Tag des Grusels hier die neueste Folge. Viel Spaß.

      Turn 104 - Advocate
      Der gläserne Aufzug fuhr Zoey mit beachtlicher Geschwindigkeit an der Außenfassade des Wolkenkratzers nach oben. Wer baute so ein riesiges Gebäude überhaupt hier draußen im Nirgendwo, fragte sich das Mädchen dabei. Abseits des Geländes des Pharmaunternehmens gab es nur eine Straße, die zum Highway führte, den sie in der Ferne erkennen konnte.
      Alles war umzäunt von Stacheldrahtzäunen. Unten bemerkte sie einen Helikopterlandeplatz in der rechten Ecke der Anlage, gekennzeichnet durch eine leicht erhöhte Plattform, markiert mit einem H in einem Kreis. Gegenüber lag eine Reihe von Lagerhallen.

      Es ratterte in ihr. Denn wenn man es recht betrachtete, waren sie Gefangene. Wieso sonst konnte man die unterirdische Anlage nur mit Erlaubnis verlassen? Diese ganzen Idioten da unten schnallten das aber offenbar nicht. Oder hatten sich damit abgefunden. Man wollte ja dem höheren Zweck dienen.
      Wenn Zoey eins nicht tun würde, dann irgendeinem von diesen Spinnern vertrauen. Sie hatte ihre eigenen Pläne.

      Schließlich hielt der Fahrstuhl und Zoey stampfte selbstbewusst durch einen breiten, weißen Gang, der von schwarzen Säulen gestützt wurde. Am Ende wartete ein gebogener Schreibtisch, an welchem eine rothaarige Dame im Kostüm und mit Headset arbeitete.
      Als Zoey näher kam und bemerkt wurde, konnte sie dem Rotfuchs deutlich die Überraschung aus den Augen ablesen.
      „Einen kleinen Moment bitte“, richtete sie sich an Zoey, ehe sie weitersprach. „Ah, ja, Mr. Densmore ist jetzt frei. Ich stelle durch.“
      Sie betätigte einen Knopf an der Telefonanlage vor sich und atmete tief durch. Dann sah sie Zoey mit einem strahlenden Lächeln an. „Hallo. Wie kann ich helfen?“
      „Was ist? Siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen“, murrte die in ihrem grauen Trainingsanzug.
      „Man trifft nicht oft Leute von unten.“
      „Aha.“ Ob sie wohl von den Plänen dieser Organisation wusste, fragte Zoey sich still. Was ihr letztlich völlig egal war. „Ich wurde hoch geschickt, um mit Kathea zu sprechen.“
      „Miss Musgrave?“ Etwas Ängstliches schwang in der Nennung dieses Namens mit. Firecrotch, wie Zoey sie gemeinerweise taufte, fragte vorsichtig: „Und Sie sind?“
      „Zoey Bauer.“
      „Okay. Einen Moment bitte.“ Wieder spielte Firecrotch an der Anlage herum und sprach dann in ihr Headset: „Miss Musgrave, hier ist eine Miss Bauer, die zu ihnen geschickt wurde. Von wem?“
      Das Mädchen mit der Beanie musste ernsthaft überlegen. Wie hieß der doch gleich? „Dem Trainer.“
      „Von Mr. Haigh, Ma'am. Verstanden.“ Sie beendete das Gespräch und erhob sich von ihrem Drehstuhl. „Bitte folgen Sie mir, Miss Bauer.“

      Zusammen gingen sie in den Abschnitt hinter dem Tresen, der in einen langen Gang mündete. An dessen Ende befand sich das Büro von Mr. Densmore. Allerdings war jenes nicht das Ziel der Reise, sondern ein anderes zu Zoeys Linken. Dort stand neben der Tür auf einem kleinen Schild in schwarzen Lettern Kathea Musgrave und darunter Head of Finances.
      Vorsichtig klopfte die Sekretärin an die Tür, ehe sie diese unaufgefordert öffnete. Just in diesem Moment schwang auch die Tür des Obermotz auf, wie Zoey ihn heimlich betitelte.
      „Gehen Sie herein“, wurde sie von Firecrotch aufgefordert und während sie über die Schwelle trat, war ihr Augenmerk weiterhin auf das andere Büro gerichtet.
      Sie sah ihn. Es konnte kein anderer sein. Selbst Zoey bekam eine Gänsehaut beim Anblick des Mannes, der aus seinem Büro trat. Weiße Haut, wie Asche, fahl wie die einer Leiche. Und dazu die Augenhöhlen, so schwarz, als wären sie leer. Der Mann mit dem langen, weißen Haar bemerkte ihren Blick, doch dann verschwand er aus Zoeys Blickfeld, als diese in Katheas Büro eintrat.

      „Hallo, Zoey“, grüßte die sie.
      Doch das blonde Mädchen starrte geistesabwesend einen der vielen Aktenschränke zu ihrer Rechten an und musste erst durch das Schließen der Tür daran erinnert werden, weshalb sie eigentlich hier war. Sie drehte sich abrupt zu Kathea um, die in einem weißen Kostüm an ihrem Schreibtisch saß und erwartungsvoll zu ihr aufsah. „H-hi!“
      „Nimm Platz“, bot sie ihr mit einem Nicken zum Stuhl ihr gegenüber an.
      „I-ich stehe lieber.“
      „Auch gut.“ Die Frau, deren schwarze, lange Haarpracht ab der Mitte langsam ins Weiße überging, faltete die Hände aufeinander. „Man sagte mir, Gregory hätte dich geschickt?“
      „Yeah.“ Zoey nickte fest. „Ich bin mit dem Training durch!“
      „Das ging schnell“, schmunzelte ihr Gegenüber, „vorhin-“
      „-sagte ich schon, dass ich das nicht brauche! Und dieser Fettklops gibt mir Recht! Sonst hätte er mich wohl kaum hierher geschickt, damit ich mir ein besseres Deck abholen kann!“
      Kathea zog eine Augenbraue an, verlor ihr Lächeln dabei aber nicht. „Darüber werde ich noch einmal mit ihm reden müssen. Haha. Ich will natürlich deine Leistungen nicht herunterspielen.“
      Genau das tat das Miststück aber gerade, dachte Zoey wütend. Wie sie diese arroganten Weiber hasste, die hinter ihren Computern saßen und dachten, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen.
      „Gregorys Maßstäbe sind außerordentlich hoch. Viele unserer Mitglieder scheitern im sportlichen Bereich. Daher kannst du stolz auf dich sein, seine Erwartungen zumindest im Ansatz erfüllt zu haben“, flüsterte sie wie eine Schlange.
      „U-uh, yeah. Ich hätte ihn auch im Duell besiegt, aber mein Deck ist einfach nicht stark genug“, schnarrte Zoey und zog jenes aus ihrer neuen Duel Disk, „deshalb bin ich hier. Also her mit einem Stärkeren.“
      Sie zeigte ein Lächeln, so falsch wie Chers … ganzer Körper. „Und du sollst es bekommen.“

      Angespornt davon, einen Schritt weitergekommen zu sein, trat das Mädchen auch wortwörtlich vor und verlangte: „Da ich dann mit dem Scheiß fertig bin, will ich hier raus! Andere wie Ares bekommen bereits Aufgaben zugeteilt!“
      „Sie unterscheiden sich von dir in ihren Erfahrungen“, erklärte Kathea ihr sachlich. „Würde ich dich völlig unvorbereitet auf eine Mission schicken, könntest du verletzt werden oder schlimmer noch, getötet. Bedenke außerdem, dass ein falscher Schritt auch unsere Organisation in Gefahr bringt.“
      „Ich werd's nicht vergeigen!“, beharrte Zoey stur.
      „Ich weiß.“ Und was dann kam, überraschte das Mädchen. „Ich habe bereits eine Aufgabe für dich im Sinn.“
      „'kay? Welche?“
      „Das verrate ich dir in Kürze.“ Damit erhob sich die schöne Schwarzhaarige und umrundete ihren Schreibtisch, zog an dem Mädchen vorbei zu einem der Schränke in der Ecke des Raumes. Dabei sah sie verschwörerisch lächelnd zurück, hauchte: „Glaub mir, niemand ist besser dafür geeignet als du.“

      Dann öffnete sie einen hohen, schmalen Holzschrank und nahm eine von vielen Schatullen darin heraus. Mit dieser in den Händen schritt sie auf Zoey zu. „Hier. Betrachte es als dein Abschlussgeschenk. Ab heute bist du ein vollwertiges Mitglied von CLEAR.“
      Zoey nahm das gute Stück aus schwarzer Plastik entgegen. Aber sie öffnete es nicht. „Da ist das Deck drin?“
      „Ja. Wir haben eine Vielzahl mächtiger Decks zusammengestellt, um die Bedürfnisse unserer Agenten zu befriedigen“, erklärte Kaetha diplomatisch, „ich bin mir sicher, dieses passt besonders gut zu dir. Wir haben es nach dem Vorbild eines aufstrebenden Duellanten zusammengestellt. Deine Cousine kennt ihn sogar.“
      „Yeah, cool“, meinte Zoey mit einem Schulterzucken. „Sonst noch was?“
      Ihre 'Entdeckerin' fasste sie an der Schulter an und führte sie zur Tür. „In ein paar Tagen erfährst du die Einzelheiten zu deinem Auftrag. Bis dahin nutze die Zeit, dich mit deinen neuen Karten vertraut zu machen.“
      „Wenn ich Bock habe …“
      Zu ihrem Argwohn meinte Kathea: „Du hast.“

      Auf dem Gang trennten sich die Wege der beiden schließlich. Zoey kehrte halbwegs zufrieden zurück zu den Unterkünften. Kathea wiederum suchte schließlich das Büro ganz am Ende auf, klopfte nicht einmal an, als sie eintrat.
      Roger Densmores Büro war genauso leblos wie sein Erscheinungsbild. In hellen Cremetönen gehalten, war es vor allem eins: Dunkel. Es gab gleich drei Fenster in einer Reihe, doch sie alle waren vollständig durch Vorhänge bedeckt. In der hinteren, rechten Ecke stand sein Schreibtisch, in der linken zahlreiche Blumentöpfe mit den verschiedensten, tropischen Pflanzen. Nur waren diese allesamt abgestorben, braun und grau, als wäre alles Leben aus ihnen hinausgesogen worden.
      „Die müssen wir mal austauschen“, stellte Kathea mit Blick darauf kritisch fest.
      Der CEO des Pharmaunternehmens stand vor einem der Vorhänge, hatte die Arme hinter dem Rücken verschränkt. Sie schritt auf ihn zu. „Vermisst du das Sonnenlicht, Seraphix?“
      „Nein.“
      „Ihr Fluch ist mächtig. Vergib mir, dass ich ihn nicht zu brechen vermag.“
      Der Mann drehte den Kopf leicht in ihre Richtung. „Irgendwelche Fortschritte mit Velvet Thorne?“
      „Wir müssen vorsichtig vorgehen“, sprach Kathea mit seidiger, verträumter Stimme. „Dieses Mädchen wird von der Weißen Hexe beschützt. Ein weiterer Versuch, sie zu uns zu holen, könnte darin resultieren, dass die Hexe sie in ihre Domäne einsperrt.“
      Der Mann am Fenster erwiderte mit tiefer, kratziger Stimme. „Dann wäre sie unerreichbar für uns.“
      „Ja.“ Während sie sprach, glitt die Schwarzhaarige wie eine Schlange zu ihm herüber und streichelte ihm sanft über den Rücken. „Doch dagegen kann man etwas tun. Ich habe etwas, das ihr gehört.“
      „Ihre Schülerin.“
      „Ja. Und sie hat etwas, das uns gehört.“ Katheas Ton wandelte sich in pure Verachtung um. „Wer hätte gedacht, dass sich ein Vampir von einer Amateurin gefangen nehmen lässt?“
      Der Mann gab einen keuchenden Lacher von sich. „Du unterschätzt ihn, Kind.“
      Etwas, das die junge Frau mit einem Naserümpfen aufnahm. Sofort ließ sie von dem Anführer der CLEAR-Organisation ab. „Wir müssen ihn zurückbekommen. Oder sollte ich sagen, wir müssen unsere Trophäe 'zurückgeben'?“
      „Ein Austausch?“
      „Ja, mit einem interessanten Twist“, hauchte Kathea und eine Spur Boshaftigkeit schwang in ihrer Stimme mit, „und es ist inzwischen alles vorbereitet.“
      „Dann tu es.“
      Und sie lachte. „Mit Vergnügen.“

      ~-~-~

      „Was für ein erfrischendes Duell“, sprach der Sammler überschwänglich und streckte die Arme aus, lächelte falsch, „ich entschuldige mich für meine abweisende Haltung.“
      Zusammen mit der Weißen Hexe Gardenia in einer riesigen, von goldenen Linien überzogenen Blase gefangen, welche sich auf einer gläsernen Plattform mehrere hundert Meter über dem Wald von San Augustino befand, schien er die Konfrontation mehr und mehr zu genießen.

      [Collector: 4000LP / Gardenia: 4000LP]

      Matt und Zanthe, welcher den Kopf der bewusstlosen Anya auf seinem Schoß liegen hatte, sahen von außerhalb der Blase hilflos zu, wie sich die zwei Superdämonen einen Schlagabtausch leisteten – dem sie allerdings nicht lauschen konnten. Kein Ton drang mehr zu ihnen, seit der rothaarige, britisch-stämmige Dämon im schwarzen Anzug die Blase erschaffen hatte.
      Und es sah gut für ihn aus. Nicht nur kontrollierte er eine riesige Puppe hinter sich, von deren Rücken sich zahllose rote Fäden ausbreiteten, nein er besaß ebenso einen flammenden Ritter, der aussah wie Anyas [Gem-Knight Crystal]. Von seinem Rücken erstrecken sich lodernde Schwingen, die jedoch bei genauerem Hinsehen ebenfalls Marionettenstränge waren.

      El Shaddoll Construct [ATK/2800 DEF/2500 (8)]
      El Shaddoll Grysta [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      Neben zwei Handkarten besaß er außerdem noch den Spielfeldzauber [Curse Of The Shadow Prison], welcher unheimliche Schatten um Gardenia aufsteigen und wieder verschwinden ließ. Die wiederum sorgte mit schwarzen Flammen innerhalb des Bannkreises für einen entsprechenden Kontrast, ausgelöst durch ihre Feldmagie [Void Expansion]. Auch die brünette, in weißer Robe mit grauem Umhang gekleidete Hexe besaß zwei Handkarten.

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 1]

      „Allerdings muss ich auch sagen, dass ich etwas enttäuscht bin“, folgte der Sammler mit einem Seitenhieb; es war immer noch sein Zug, „ich hätte ehrlich gesagt mehr erwartet. Du hast schließlich einen gewissen Ruf, meine Liebe.“
      Die blieb stur. „Ich interessiere mich nicht für die Gerüchte, die sich um meine Person ranken. Und außerdem hätte dir längst auffallen müssen, dass die Falle, die dein [Shaddoll Dragon] vor seiner Verschmelzung zerstört hat, vorher aktiviert wurde.“
      Ihr Widersacher schmunzelte still.
      „[Void Feast]!“, verlautete Gardenia. Plötzlich sammelten sich all die schwarzen Flammen vor ihr zu einer gebündelten. „Dazu muss ich eine andere Void-Karte auf den Friedhof schicken. Danach kann ich bis zu drei Infernoid-Monster von meinem Deck rufen, deren Stufen zusammen exakt 8 ergeben. Ich rufe-“
      Der Sammler schnitt ihr ins Wort: „Leider gar nichts. [El Shaddoll Grysta], wärst du so freundlich?“
      Jener schrie seltsam hohl auf und spreizte seine Schwingen. Aus ihnen schossen zahlreiche der roten Fäden und durchstachen die schwarze Flamme vor Gardenia, welche sich diesmal zu einem überraschten Laut hinreißen ließ.
      „Natürlich ist mir deine kleine List nicht entgangen“, erklärte der Rotschopf mit der Narbe auf der Wange schließlich und zeigte die Fallenkarte [Shaddoll Core] vor, „nur ist es so, dass [El Shaddoll Grysta] einmal pro Zug Spezialbeschwörungen annullieren kann, wenn ich dafür eine Shaddoll-Karte abwerfen.“
      Er schob die Karte in den Friedhof, wodurch die Fäden in alle Richtungen ausschlugen und damit die Flamme regelrecht zerrissen. „Bedaure.“

      „Er ist ihr immer einen Schritt voraus“, murmelte Zanthe nervös, denn auch wenn er sie nicht hören konnte, war die Situation auch so eindeutig, „wenn sie sich jetzt nicht verteidigen kann, war's das.“
      Der Dämonenjäger, der neben ihm und Anya kniete, schluckte. „Wenn selbst die Weiße Hexe so machtlos ist, welche Chance hätten wir dann?“
      „Gar keine?“
      Sofort lachte der Schwarzhaarige bissig auf. „Ah ja? Erzähl das mal Anya.“
      Zanthe sah betrübt auf sie herab. „Lieber nicht …“

      Der Sammler streckte die Hand aus. „[El Shaddoll Construct], [El Shaddoll Grysta], greift ihre Lebenspunkte direkt an!“
      Zuerst tat es die riesige, ausdruckslose Puppe mit dem weißen Porzellangesicht ihm gleich und richtete ihre Hände nach vorne. Aus den Fingerspitzen schossen rote Stränge, die auf Gardenia abzielten. Im Anschluss schrie der flammende Kristallritter auf und ließ noch viel mehr dieser Fäden von seinem Rücken wie Peitschen auf die Weiße Hexe zu schnellen.
      Jene aber machte nicht einmal Anstalt, sich vor den Attacken zu schützen. Stattdessen verkündete sie ruhigen Gemüts: „Ich verbanne den Zauber [Chaos Neclipse] von meinem Friedhof. Dadurch wird jeder Schaden, den ich in diesem Zug erleide, um 500 für jedes meiner zu diesem Zeitpunkt verbannen Monster verringert.“
      „[Chaos Neclipse]?“, staunte der Sammler gekünstelt. „Ah!“

      Schwungvoll zog die in weiß-grauer Robe gekleidete Gardenia eine Karte von ihrer Halbmond-Duel Disk. „Ich aktiviere zwei Zauberkarten. Die erste ist ebenfalls ein Spielfeldzauber, [Void Expansion]!“
      Schwarze Flammen stiegen überall innerhalb der Blase auf. Der Sammler lächelte geheimnisvoll.
      „Die zweite Zauberkarte nennt sich [That Grass Looks Greener].“
      „Nachbars Gras ist grüner? Ja. Das ist es immer“, erwiderte ihr Gegner melancholisch.
      Anders als die meisten Duellanten spiele ich mehr als 40 Karten in meinem Deck. 45 um genau zu sein.“ Gardenia griff nach ebendiesem. „Der Effekt meines Zaubers schickt die Differenz der Anzahl an Karten zwischen unseren Decks auf meinen Friedhof. In deinem sind 35, in meinem noch 39. Also lege ich vier ab.“
      Sie nahm sie auf und zeigte sie vor. Es waren [Infernoid Pirmais], [Void Seer], [Infernoid Piaty] sowie eine nicht erkennbare, zweite Zauberkarte. Zwei Monster und zwei Zauber also.

      All die nach ihr schlagenden Fäden prallten an einer unsichtbaren Barriere vor der Weißen Hexe ab, welche zudem nach ihrer silbernen, sichelförmigen Duel Disk griff.

      [Collector: 4000LP / Gardenia: 4000LP → 2200LP → 750LP]

      „Des Weiteren erhalte ich bei jedem zugefügten, durch [Chaos Neclipse] verminderten Schaden eines meiner verbannten Monster auf die Hand zurück.“ Der Apparat an ihrem Arm flackerte kurzzeitig pechschwarz auf, dann zog Gardenia [Infernoid Pirmais] und [Infernoid Piaty] aus dem Schlitz unter ihrem Friedhofsschacht hervor. Damit hielt sie insgesamt vier Karten auf ihrem Blatt.
      „Ich bin froh, dass du es mir doch nicht so einfach machst“, meinte der Sammler, „ein so schnelles Ende wäre deiner nicht würdig. Zug beendet.“

      Gerade als die Weiße Hexe wortlos ihre nächste Karte zog, legte der Rothaarige seine Hand ans Kinn und fragte: „Verrate mir doch eines: Wie konnte Anya Bauer aus deinem Weißen Raum entkommen?“
      Zunächst zögerte Gardenia. Dann schloss sie die Augen. „Ich ließ sie gehen.“
      „Was?“ Zum ersten Mal schien der Sammler aufrichtig überrascht.
      Als sein Gegenüber ihn wieder ansah, tat sie das mit deutlicher Abneigung. „Dieses Mädchen ist bereits so mächtig, dass sie handfeste Illusionen erschaffen kann. Du hast sie dazu gemacht. Der Mann, der sie gerettet hat, war ein Abbild ihres Vaters. Und er rief dasselbe Monster, das sie heute genutzt hat, um Kali zu besiegen.“
      Die kurzzeitige Starre des Sammlers legte sich. Er begann zufrieden zu lächeln. „Das ist wahrlich interessant. Und viel zu früh, sie sollte diese neue Kraft, die Excel-Monster, noch gar nicht besitzen. Aber ich denke, ich ahne, was geschehen ist.“
      „Kläre mich auf“, bat Gardenia.
      Ihr Widersacher nickte. „Ja, ich denke, das geht in Ordnung. Immerhin ist auch dies auf einen Verrat an meiner Person zurückzuführen, wenngleich dieses Mal ein anderer meiner Diener gemeint ist: Kyon. Perfide, wenn ich so darüber nachdenke …“

      „Worüber sie wohl reden?“, wunderte sich Zanthe derweil.
      „Zumindest scheint die Weiße Hexe doch mehr drauf zu haben.“
      Auf Matts nachdenkliche Worte hin erwiderte der Werwolf: „Wollen wir es hoffen. Eines Tages könnte sie eine Verbündete werden.“
      „Was!?“ Der Dämonenjäger sah ihn mit geweiteten Augen an. „Wie um alles in der Welt kommst du auf diese Idee? Sie ist Kalis Mentorin und hier, um Anya zu töten!“
      „Mag sein, aber ist Anyas Tod denn die einzige Möglichkeit, den Konflikt zwischen ihnen beizulegen? Ich an deren Stelle würde mir eher den Kopf über einen möglichen Nutzen vom 'doppelten Lottchen' zerbrechen, als zu versuchen, mein anderes Ich kalt zu machen“, gab Zanthe grinsend zu bedenken. Jedoch zeigte er sofort wieder seine nachdenkliche Seite. „Ich glaube, unsere beiden Gruppen sind gar nicht so verschieden – keiner will, dass dieser Welt etwas geschieht. Wenn es nur eine Gelegenheit gäbe, mal offen mit dieser Gardenia zu sprechen …“
      Matt funkelte die Blase an. „Die wurde uns bewusst genommen.“

      „Du musst wissen, die Excel-Monster sind keinesfalls meine Idee“, erklärte der Sammler vergnügt und mit ausschweifenden Handgestiken, „ich habe sie 'erworben', als Henry Ford um meine Hilfe bat, den Turm von Neo Babylon zu infiltrieren. Tja, es heißt ja nicht umsonstTrading Card Game. Ich gab ihm Karten und er mir.“
      Die Weiße Hexe funkelte ihn verachtend an. „Der arme Junge hat gewiss mehr gegeben als nur das Konzept dieser Monster.“
      „Das ist eine andere Geschichte“, erwiderte der Sammler geheimnisvoll, „natürlich habe ich diese neue Kraft an meine Untergebenen weitergegeben. Kyon schien es jedoch für nötig zu halten, wie ein Waschweib alles weiterzutratschen. Wie sonst konnte ein Excel-Monster in die Hand eines völlig Unbeteiligten geraten? Exa, heißt er, denke ich … ich muss Kyon bei Gelegenheit noch dazu konsultieren.“
      Er lächelte breit. „Und mich bedanken. Denn kurz darauf hat Kyon es zu einer Begegnung zwischen Anya Bauer, besagtem Exa, Ricther und dem maskierten Dämon kommen lassen. Indem er Letzteren auf Anya gehetzt hat. Durch den entfachten Kampf konnte sie sich unbewusst dank ihrer Conqueror's Soul die Excelbeschwörung aneignen und das obwohl Exa sie dort nicht eingesetzt hat.“
      „Ich nehme an, der Sinn dahinter war jedoch nicht, Anya Bauer auf den Kampf gegen Kali vorzubereiten, sondern gegen dich.“
      Nickend stimmte der Rothaarige ihr zu. „Selbstverständlich, doch allein dieser geniale Einfall verdient nichts als Lob. Nun gestatte mir noch eine weitere Frage: Anya hat also eine Illusion ihres Vaters erschaffen, um gegen dich zu kämpfen? Das kann nur die Kraft des Doppelklingen-Artefaktes gewesen sein.“
      „Jenes war definitiv daran beteiligt. Wie ich gelernt habe, kann es die Vorstellungen seines Trägers bis zu einem gewissen Grad für wahr erscheinen lassen. In seinem Kopf und in dem anderer, wenn ein wahrer Meister es führt.“ Die Hexe lächelte wissend. „Anya Bauer hat ohne Zweifel sehr fest daran geglaubt, gerettet zu werden. Doch dieses Artefakt ist nicht dazu imstande, äußere Illusionen zu erschaffen. Etwas anderes muss ebenfalls daran beteiligt gewesen sein. Womöglich eine Kraft, die sie durch ihre Gabe absorbiert hat.“
      „Dazu kommen mir bereits die ersten Theorien. Herrlich.“

      „Bedauerlicherweise“, machte Gardenia einen harten Schnitt und zückte eine Karte, „habe ich kein Interesse daran, diese mit dir zu durchzugehen. Wir haben bereits genug Zeit damit vertrödelt.“
      Aber ihr Gegner störte sich nicht daran. „Ah, die gute Zeit. Dein kostbarstes Gut.“
      „Zumindest gibt es Dinge, die mir kostbar sind.“ Die Brünette zückte eine Zauberkarte. „Diese hier dürfte dir bereits bekannt sein. Ich aktiviere [Chaos Neclipse].“
      Unvermittelt tauchte neben dem flammenden Ritter des Sammlers zur Linken eine schwarze, lodernde Sonne. Zu seiner Linken dagegen war es ein weißer Halbmond, der eisigen Dampf abgab. Beide Himmelskörper waren transparent.
      „Mit dieser Karte wähle ich ein Monster als Ziel und annulliere für den Rest des Zuges seinen Effekt, indem ich ein Monster von meinem Deck mit gleicher Stufe auf die Hand nehme“, erklärte die Weiße Hexe weiter. Die beiden Objekte schossen aufeinander zu, legten sich beim Aufeinandertreffen perfekt aneinander und schlossen so Grysta in sich ein, bevor sie letztlich verschwanden. „Ich wähle [Infernoid Seitsemas].“
      Gardenia zeigte das Stufe 7-FEUER-Monster vor. Dann nahm sie eine andere Karte aus ihrem Blatt und rief selbstsicher aus: „Ich aktiviere den permanenten Zauber [Void Imagination], der die Stufe aller offenen Infernoid-Monster zu 1 werden lässt. Jedoch ist das nicht mein eigentliches Anliegen.“
      Sie schloss die Augen.

      Kali kniete vor Gardenia inmitten des endlosen Weißen Raums nieder. Die einzelnen, durch goldene Linien getrennten Kacheln pulsierten regelmäßig in grünlichem Licht.
      „Ugh!“, stöhnte die Maskierte in schwarzer Kutte, die ihre rechte Handfläche auf den Boden gelegt hatte. „Shit …“
      „Gib nicht auf. Wenn du diesen Ort aus eigener Kraft erreichen willst, musst du diese Prüfung bestehen“, redete die Hexe eindringlich, aber fürsorglich auf das Mädchen ein.
      Ich versuch's … aber fuck, das brennt …“
      Die Weiße Hexe rührte sich nicht von der Stelle. „Was du hier vollbringst ist einen Pakt zu schließen. Nicht mit einem lebendigen Wesen, sondern einem Gegenstand. So wie einst der Immaterielle Isfanel mit dem Tor Eden.“
      Kali presste angestrengt hervor: „Ich weiß! Dadurch hat er diese hässliche Karte erhalten, das hast du mir schon erklärt. Es ist nur … ich bin nicht stark genug …“
      „[Sophia, Goddess Of Rebirth] wurde durch diesen Pakt geboren. Und wenn es dir gelingt, einen Pakt mit dem Weißen Raum zu schließen, wirst du eine vergleichbare Macht erlangen.“ Die Frau lächelte sanft. „Vielleicht sogar eine, die die meine übertrifft. Du trägst das Potential in dir.“
      „Wenn ich so etwas bekomme“, keuchte Kali und sackte nach vorn, „dann soll es etwas sein, das euch stolz macht, Lady Gardenia! Etwas, durch das ihr immer bei mir seid!“

      Sie schrie schmerzerfüllt auf, dann sprang sie auf. Ihre ganze rechte Hand loderte in grünlichen Flammen, die langsam vergingen. Und als sie fort waren, hielt sie eine einzelne Karte in der Hand, die sie schließlich staunend betrachtete.
      „D-das ist-!“
      „Gut gemacht“, lobte Gardenia sie lächelnd und legte ihr ihre Hand auf die Schulter, „aber ich habe nichts andere erwartet, Anya.“
      Die nickte dankbar.

      „Ich muss dich vernichten, Strife Carrington. Für das Wohl meiner kostbaren Schülerin“, verkündete Gardenia und streckte den Arm energisch aus, „und dazu werde ich die Karte nutzen, die das Band zwischen uns symbolisiert! Ich aktiviere den zweiten Effekt von [Void Imagination] und schicke sie auf den Friedhof!“
      Vor ihr öffnete sich ein schwarzer Schlund mitten in der Luft. Nacheinander tauchten violette Feuerkugeln in insgesamt drei Reihen vor diesem auf. Links und rechts brannten je drei, in der Mitte über ihnen eine und weiter unten noch einmal drei – der kabbalistische Lebensbaum.
      „Ich führe nun eine Fusionsbeschwörung durch. Und es ist der Tatsache zu verdanken, dass du ein vom Extradeck beschworenes Monster kontrollierst, dass ich den zusätzlichen Effekt von [Void Imagination] nutzen kann, um sechs der benötigen Materialien direkt von meinem Deck auf den Friedhof zu senden.“ Die Weiße Hexe zählte dazu auf: „[Infernoid Onuncu], [Infernoid Devyaty], [Infernoid Antra], [Infernoid Attondel], [Infernoid Harmadik] und [Infernoid Patrulea].“
      An verschiedenen Plätzen innerhalb des Sephiroth tauchten benannte Effektmonster als Karten in den Flammen auf. Gardenia zeigte ihre Hand vor. „Weitere vier nutze ich aus meiner Hand. [Infernoid Pirmais], [Infernoid Piaty], [Infernoid Decatron] und [Infernoid Seitsemas].“
      Auch die übrig gebliebenen Feuerkugeln wurden durch Karten ausgefüllt. Fast jedes Monster darin besaß eine andere Stufe, von 1 bis 10. Tatsächlich fehlte nur die Stufe 6, dafür war die Stufe 1 zweimal vertreten.
      „Und nun rufe ich das ultimative Infernoid-Monster! Fusion Summon!“
      Schlagartig wurden alle zehn Flammen mit den Karten darin in den schwarzen Sog gezogen, welcher verschwand. Dann geschah es. Der Himmel verdunkelte sich, wurde so grau, dass es jeden Moment zu donnern und zu blitzen schien.
      „Zerstöre, [Infernoid Tierra]!“
      Aufgerufen durch Gardenias Worte brach ihre Kreatur schließlich aus den Wolken. Blitze schlugen dabei überall um die Plattform herum ein. Unfassbar lang war diese Erscheinungsform Tierras, die sich hinab zum Platz des Geschehens begab, bis sie hinter Gardenia und der Glasplattform Stellung bezog, sich über deren Rand hinüber beugte. Langsam umschlang die drachenartige, gehörnte Kreatur mit ihrem Schweif die Glasplattform in der Luft an zwei Stellen. Ein weißer und ein schwarzer Flügel aus Glas fächerten sich dabei von ihrem Rücken auf. Über ihren Händen ließ sie gleichfarbige Energiekugeln erscheinen.

      Infernoid Tierra [ATK/3400 DEF/3600 (11)]

      „Was zur Hölle!?“, keuchte Zanthe. Nur knapp hinter ihnen umschlang der Schweif Tierras die Plattform, versperrte den Weg.
      Matt sah die Kreatur gebannt an. „Es sieht fast so aus wie Kalis Monster. Nur ein wenig kleiner und lebendiger.“

      Gleichzeitig erklärte Gardenia im Inneren der vom Weißen Raum umschlossenen Blase: „[Infernoid Tierra] ist eine mächtige Kreatur, die mit einer variablen Zahl an Fusionsmaterialien beschworen werden kann.“
      Der Sammler lachte vergnügt. „Natürlich verschwendet die Weiße Hexe ihre Zeit nicht mit der Mindestanzahl. Nein, ich schätze, zehn Infernoids dürfte das Maximum gewesen sein.“
      „Korrekt. Und jetzt wird eine Sequenz von Effekten in Abhängigkeit der Anzahl an verschmolzenen Monstern verwendet.“
      Sie streckte die Hand aus und hob den Zeigefinger. „Eins: Bei drei fusionierten Monstern werden die obersten drei Deckkarten beider Spieler auf den Friedhof gelegt!“
      „Wie du wünscht.“ Der Rotschopf nahm seine Karten auf, genau wie seine Gegnerin. Während ihre direkt auf dem Friedhof landeten, zeigte er die seinen vor. Es waren die Zauber [Fusion Weapon], [Battle Fusion] und die Falle [Final Fusion]. Auch er schob sie schließlich in den Friedhofsschlitz.
      „Zweites: Bei fünf Infernoids schicken beide Spieler drei Monster von ihrem Extradeck auf den Friedhof.“ Die Frau hob dabei den Mittelfinger. „Jedoch befinden sich in meinem keine weiteren.“
      „In meinem schon“, seufzte der Sammler schauspielernd und verkündete: „Ich verzichte dann auf [El Shaddoll Shekhinaga], [El Shaddoll Winda] und [El Shaddoll Anoyatyllis].“
      Jene drei Karten wurden aus seinem Extradeck herausgeschoben und schließlich auch auf den Ablagestapel gelegt.
      Gardenia hob den Ringfinger an: „Bei acht Fusionsmaterialien wählen wir beide drei unserer verbannten Karten und legen sie auf den Friedhof.“
      „Bedauerlicherweise besitze ich keine“, meinte der Sammler halbherzig.
      „Aber ich.“ Gardenia zeigte ihren Zauber [Chaos Neclipse] vor, ehe sie ihn in den Friedhofsschlitz schob. Gleichzeitig hob plötzlich Tierra ihre beiden Sphären über den Händen in die Höhe. „Und nun der letzte Effekt! Sind alle zehn Infernoids benutzt worden, werden die Hände beider Spieler auf den Friedhof geschickt!“
      Da führte die schlangenhafte Drachengestalt die weiße und die schwarze Lichtsphäre zusammen. Mächtige Schockwellen entstanden, die Bäume unterhalb der Plattform schwankten ob des entstandenen, starken Sturmwinds hin und her. Nacheinander prallten die sichelartigen Klingen an der Barriere des Sammlers ab.
      Welcher amüsiert meinte: „Natürlich profitierst auch hier nur du davon, die du keine Handkarte mehr besitzt. Dann lege ich also meine [Shaddoll Fusion] ab. Bedauerlich.“
      Er tat wie angekündigt und schob die Karte in den Friedhofsschlitz.

      Und während er da drinnen sicher war, hatten Matt und Zanthe mit den heftigen Stürmen zu kämpfen.
      „Ugh!“, keuchte der kniende Dämonenjäger. „Wenn der Wind noch stärker wird, werden wir davon geweht.“
      „Wäre doch unsere Chance zu entkommen“, gluckste Zanthe, dem ein paar schwarze Haarsträhnen ins Gesicht peitschten. „Außerdem bin ich jetzt Team Ginger! Diese Hexe ist irre!“
      „Kalis Monster wurde bestimmt im Abbild von diesem hier erschaffen! Dann dauert es sicher nicht mehr lange, bis wir das Assmonster vom Sammler zu Gesicht bekommen!“
      „So gern ich das sehen würde, hänge ich doch irgendwie an meinem Leben.“
      Matt musste zum ersten Mal seit einiger Zeit grinsen. „Ich denke nicht, dass du noch irgendeine Form von Kontrolle darüber hast. Wir sind denen ausgeliefert. Verdammt!“
      Er schlug mit der Faust aufs Glas, was natürlich eine ziemlich schmerzhafte Idee war. „Au!“

      „Bedauerlicherweise hat das Vernichten meiner Fusionsmonster auch einen Nebeneffekt. Jedes von ihnen kann eine Shaddoll-Magie oder Fallenkarte von meinem Friedhof auf meine Hand schicken, wenn sie durch einen Effekt auf den Friedhof gelegt werden“, erklärte der Sammler völlig lapidar und fächerte seine Hand auf, in der nacheinander [El Shaddoll Fusion], [Nephe Shaddoll Fusion] und [Shaddoll Fusion] erschienen, die er der Hexe kurz zudrehte.
      „Keine von ihnen nützt dir noch länger“, wusste Gardenia jedoch und schwang die Hand zur Seite aus, „[Infernoid Tierra] wird [El Shaddoll Construct] angreifen!“
      „Dann vergiss bitte nicht, dass drei weitere Zähler auf meiner Spielfeldzauberkarte [Curse Of The Shadow Prison] dazugekommen sind“, fuhr der Sammler ihr lächelnd in die Parade, „für jedes Fusionsmonster einer. Das kostet dein Monster pro Stück 100 Angriffspunkte.“
      Winzige Schatten krochen an der drachenartigen Gestalt außerhalb der Blase empor.

      Curse Of The Shadow Prison [Zählmarken: 1 → 4]
      Infernoid Tierra [ATK/3400 → 3000 DEF/3600 (11)]

      Gardenia hielt stur dagegen. „Dennoch ist die Kraft Tierras mehr als ausreichend! Vernichte seine Puppe nun!“
      Der Schlangendrache richtete sein Haupt nach unten und stieß eine glühende, schwarz-rote Flamme aus, welche die Blase jedoch abwehrte und zu beiden Seiten abprallen ließ. Die Luft um die Plattform herum flimmerte vor Hitze.
      „Ich fürchte, du unterschätzt [El Shaddoll Construct] ein wenig“, schmunzelte der Sammler und schnippte mit dem Finger. Kurzzeitig leuchteten die leeren Augen der riesigen Puppe in dunkler Metallkleidung auf. „Im Kampf zerstört sie automatisch jedes Monster, das spezialbeschworen wurde.“
      Erneut streckte die Maschine ihre Hände aus und schwang zahlreiche, rote Fäden aus ihren Fingern wie Peitschen, die gegen die bereits von der Flamme Tierras schwarz gewordenen Stellen innerhalb des Bannkreises schlugen und diese schließlich durchdrangen.
      „Dessen bin ich mir bewusst“, konterte Gardenia und streckte die Hand aus, „deshalb verbanne ich die Zauberkarte [Void Seer] von meinem Friedhof. Für den Rest des Zuges ist es damit unmöglich, [Infernoid Tierra] durch einen Karteneffekt zu zerstören.“
      Der Sammler fasste sich ans Kinn und machte ein nachdenkliches, aber unbekümmertes Summen.
      Dadurch, dass die Stränge seiner Puppe den Bannkreis überwunden hatten, waren sie den Flammen des dämonischen Drachens ausgesetzt, welcher sie entzündete. Binnen weniger Sekunden lösten sie sich wie eine Lunte auf und detonierten schließlich, als sie [El Shaddoll Constructs] Finger erreichten. Die Druckwelle im Inneren des Bannkreises störte den Sammler jedoch nicht.

      [Collector: 4000LP → 3800LP / Gardenia: 750LP]

      Im Gegenteil, er summte weiter, stimmte sogar eine fröhliche Melodie an. Als er den ungeduldigen Blick seiner Gegnerin auffing, lächelte er falsch. „Oh? Entschuldige. Ein Ohrwurm. Durch den Untergang von [El Shaddoll Construct] wird ihr letzter Effekt aktiv. Wieder erhalte ich eine Shaddoll-Nicht-Monsterkarte von meinem Friedhof zurück. Da bleibt dann nur noch [Shaddoll Core].“
      Jene Falle wurde von seinem Friedhof ausgespuckt und in sein bereits drei Karten umfassendes Blatt genommen. Die Weiße Hexe nickte ihm zu. Ihr Zug war beendet, womit Tierra damit aufhörte, Flammen auszuspeien. Die obere Seite des Bannkreises war vollkommen schwarz, flimmerte unregelmäßig.

      Nicht weiter davon beunruhigt zog der Sammler seine nächste Karte und betrachtete sie mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck. Dann sah er auf, drehte dabei das verbliebene Fusionsmonster auf seiner schwarzen Battle City-Duel Disk in die Horizontale. „[El Shaddoll Grysta] geht in die Defensive.“
      Der schwebende Ritter vor ihm schlug seine Fadenschwingen um sich, die ihn binnen weniger Sekunden in einen Kokon einhüllten. Jener pulsierte hin und wieder, war von Flammen überzogen, die ihm jedoch nicht schadeten.

      El Shaddoll Grysta [ATK/2450 DEF/1950 (7)]

      „Dazu setze ich eine Karte verdeckt. Du bist am Zug, werte Gardenia.“
      Die Karte materialisierte sich zischend zu seinen Füßen. Und er lächelte, als wäre dies alles nur ein Spiel, das er nicht verlieren konnte.

      ~-~-~

      Der kleine Schattengeist saß schwankend auf Velvets Bettkante. Seine leeren, weißen Augen drehten sich förmlich ob der wahr gemachten Drohung des Mädchens, ihn in eine Waschmaschine mit Schleudergang zu stecken.
      Jenes hockte inzwischen bekleidet mit einem fliederfarbenen Kleid und schwarzen Leggins, aber immer noch knallrot im Gesicht vor Orion. Hinter ihren Brillengläsern betrachtete sie die schwarze, zwiebelartige Kreatur beschämt. „S-sorry, ich hätte das nicht tun sollen.“
      „Alles gut …“, würgte der Schattengeist hervor.
      „D-du heißt also Orion“, fragte Velvet vorsichtig nach, „und bist hier, um auf mich aufzupassen?“
      Ihr merkwürdiger Besucher schüttelte intensiv seinen Kopf – sprich den ganzen Körper – als vertreibe dies den Schwindel. Dann flötete er durch seine Mundtröte: „Jaha!“
      „Warum? Wir kennen uns doch gar nicht.“
      „Weil Lady Gardenia es so möchte. Sie ist schlau, lieb, manchmal sehr streng“, verfiel der Schattengeist sofort ins Schwärmen, „und das Wohl dieser Welt liegt ihr sehr am Herzen.“
      „A-aber was hat das mit mir zu tun?“, verstand Velvet nicht.
      „Das“, druckste Orion herum, „äh, wissen wir selbst nicht so genau. Eine von uns hatte eine ziemlich schmerzhafte Begegnung mit einem maskierten Dämon, der ihr den Auftrag gegeben hat, dich im Auge zu behalten.“
      Völlig irritiert fragte Velvet: „Maskierter Dämon? I-ich kenne so jemanden nicht.“
      „Als Kali Lady Gardenia davon berichtete, hat sie sofort entschieden, dass wir uns alle um dich kümmern sollen. Und sie hatte Recht!“ Der Kleine nickte so heftig, dass er beinahe vom Bett purzelte. „Jemand ist hinter dir her, weil du die Zukunft sehen kannst!“
      „Als ich von diesem Zyxx angegriffen wurde … ihr wart das? Ihr habt mir geholfen?“
      „Ja, Kali hatte zu diesem Zeitpunkt Dienst.“ Orion verzog die Augen. „Eigentlich wäre es allein ihre Aufgabe, aber sie hält nicht viel von Verpflichtungen, also springen ich und Reika-chan ein.“

      Plötzlich senkte er sein Haupt, die Kulleraugen verzogen sich traurig. „Aber Reika-chan ist seit ein paar Tagen verschwunden …“
      „W-was!?“ Velvet sah ihn verängstigt an.
      Doch der Kleine ruderte wild mit seinen Stummelärmchen. „Darum musst du dich nicht sorgen! Sie ist Lady Gardenias Top-Schülerin und kann auf sich aufpassen. Sicher hören wir bald von ihr. In der Zwischenzeit kümmere ich mich um dich!“
      Velvet atmete tief durch und erhob sich langsam. „Das ist nett, aber ich möchte euch keine Umstände machen. Außerdem kann ich euch nicht einmal dafür entschädigen.“
      „Das musst du nicht! Wie ich sagte: Lady Gardenia ist sehr wohlwollend, sie erwartet keine Gegenleistung für ihre Hilfe.“ Orion sah strahlend zu ihr auf. „Glaub mir, ich weiß es!“
      Das brachte die Schwarzhaarige zum Kichern. „Wenn ihr von meinen Kräften wisst, wisst ihr dann auch, wer da genau hinter mir her ist?“
      „Noch nicht“, gab der Schattengeist geknickt zu. „Kali-senpai konnte Zyxx fangen, aber bisher hat Lady Gardenia nichts von ihm erfahren können. Dieser Vampir ist echt zäh!“
      „Ist er wirklich einer? Unheimlich …“
      „Ah!“ Orion sprang erschrocken von der Bettkante und watschelte zu ihr herüber. „Ich wollte Velvet-chan keine Angst machen!“
      Die schüttelte den Kopf. „N-nein, e-es ist nur, dass ich etwas Merkwürdiges bei ihm verspürt habe. Fast so, als habe er versucht, mich in seinen Bann zu ziehen. Sind das seine Vampirkräfte?“
      „Jaha!“

      Das Mädchen bückte sich zu ihm hinab und las ihn auf. Mit ihm auf dem Arm schritt sie herüber zu ihrem Schreibtisch und setzte Orion dort ab. „D-das ist alles etwas viel. Aber … vielen Dank.“
      „Nichts zu danken“, grunzte ihr neuer Bekannter verlegen. Und machte einen riesigen Trötenmund, „wenn Velvet-chan will, kann sie mich gerne durch einen Kuss belohnen!“
      „I-ich verzichte!“, schnappte die empört. „Was ist überhaupt ein 'chan'!?“
      „Oh, das!? Ich bin ein Otaku! Ich benutze gerne solche Endungen. 'Chan' steht für süße Mädchen. Ich würde Lady Gardenia gerne Gardenia-sama nennen, aber sie hat es mir verboten!“ Er ließ den Kopf hängen. „Manchmal ist sie eben auch sehr streng …“
      „Otaku? 'Sama'?“
      „Das bedeutet-“
      Sofort hob Velvet winkend die Hände. „Nein, schon gut! I-ich google das später!“

      Sie zog ihren Schreibtischstuhl nach hinten und setzte sich an diesen. „Aber wie geht es jetzt weiter? Werde ich Lady Gardenia persönlich treffen?“
      „Im Moment ist sie sehr beschäftigt.“
      „Ich würde ihr gerne danken“, gestand Velvet, „sie scheint ja wirklich sehr nett zu sein. Und bei Kali und Reika möchte ich mich natürlich auch bedanken.“
      Orion drehte ihr den Rücken zu. „Du wirst sie früher oder später schon kennenlernen. Und auch den faulen Zach-kun.“
      „Zachkun?“
      „Nein!“ Er wirbelte zu ihr um. „Zachariah! Zach-kun! Er ist der Letzte im Bunde und ich mag ihn gar nicht. Er hat schlimme Sachen getan!“
      „O-oh … was für Sachen denn?“
      „Ein Flugzeug zum Absturz gebracht! Viele Menschen sind gestorben!“, beklagte Orion wütend.

      In dem Moment bekam Velvet ein ganz flaues Gefühl im Magen. In letzter Zeit hatte es nur einen bekannten Flugzeugabsturz gegeben. Den über Ephemeria City, welchen sie in einer ihrer Visionen miterlebt hatte.
      „W-welchen?“, fragte sie leise.
      „War überall in den Nachrichten. Flug 117.“
      Die Schwarzhaarige weitete die Augen. Das war er! Sie schlug entsetzt die Hände vor den Mund.
      „Owah! Jetzt hab ich Velvet-chan wieder erschreckt! Eigentlich hätte Lady Gardenia ihn dafür bestrafen müssen, aber Kali-senpai konnte sie irgendwie davon abbringen.“ Als Orion sah, dass Mädchen die Tränen kam, fuchtelte er wieder wild mit seinen Ärmchen. „Hab keine Angst, Velvet-chan! Zach-kun wird nie in deine Nähe kommen! Wenn doch, verpasse ich ihm eine Abreibung, wie sie nicht einmal Lady Gardenia hinbekommen würde! Versprochen!“
      „Warum hat er das getan!?“, wimmerte Velvet jedoch fassungslos. „Da waren … so viele … ich hatte eine Vision davon …“
      Orion machte vor Schreck einen derart langen Trötenmund, dass er rückwärts stolperte und gegen ihre Schreibtischlampe stieß. „Wa-wa-wa-was!?“
      Sie nickte um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.
      „Oh Velvet-chan, das tut mir leid.“ Er sah sie traurig an. „Aber ich darf nicht über seine Gründe sprechen …“
      „Verstehe.“

      Sie wischte sich die Tränen aus den Augen und atmete dreimal tief durch. „Danke, dass du mir das erzählt hast.“
      Nur wusste sie jetzt nicht mehr, ob sie Orion und seiner Gruppe überhaupt vertrauen konnte. Leute, die so etwas taten, waren noch zu viel mehr imstande. Waren ihre Absichten wirklich so uneigennützig wie er behauptete? Unabhängig davon hatten sie Velvet trotzdem vor einem schrecklichen Schicksal bewahrt – fürs Erste. Was sollte sie bloß tun?
      „Wenn ihr herausfindet, wer hinter mir her ist, was werdet ihr tun?“, fragte das Mädchen vorsichtig.
      „Weiß ich nicht. Das entscheidet Lady Gardenia.“ Orion tapste zu Velvet herüber. „Aber sie wird dich bestimmt mit einbeziehen, immerhin ist dein Leben in Gefahr. Und diese Gruppe ist möglicherweise nicht die einzige, die dich wegen deiner Kräfte verfolgt.“
      „W-was!?“
      „Niemand darf je davon erfahren, Velvet-chan! Die Zukunft sehen zu können kann eine gefährliche Waffe darstellen!“, sprach Orion eindringlich. „Jeder, der davon weiß, wird dich ausnutzen wollen!“
      Aber ihre Freunde hatten das nie versucht, wollte das Mädchen widersprechen. Auch wenn das so nicht ganz stimmte, aber Antworten bei Tests vorhersagen war wohl kaum, was Orion damit meinte.
      Und geklappt hatte es natürlich sowieso nicht.
      „I-ich kann sie ja nicht einmal kontrollieren. Ich wäre viel zu unzuverlässig als … Waffe.“
      Orion sah sie nachdenklich an, wackelte mit seinem Kopf hin und her. „Hm, hm, hm. Vielleicht wäre es ja das Beste, wenn du lernst sie zu beherrschen? Es könnte dir eines Tages helfen, unangenehmen Lagen zu entkommen.“
      Das Mädchen horchte auf. „Was? Ist das denn möglich?“
      „Bestimmt. Ich habe schon eine Idee, aber die Wahl liegt bei dir.“ So ernst hatte sie ihn bisher nicht erlebt, besonders als er hinzufügte: „Wenn du deine Kräfte erst einmal kontrollieren kannst, werden sie dein Leben verändern. Du könntest Dinge erfahren, die du gar nicht wissen wolltest, wenn du der Verlockung nachgehst. Möchtest du das?“
      Velvet zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Aber … aber ich glaube, ich bin nicht ohne Grund damit geboren worden. Vielleicht kann ich Gutes tun, wenn ich die Visionen steuern kann?“
      Aber Orion gab zu bedenken: „Anderen bestimmt. Aber auch dir selber, langfristig gesehen? Das kannst nur du allein wissen, Velvet-chan.“
      Jene seufzte. „Ja … ich denke darüber nach.“
      „Du musst mich nur rufen! Ich bin immer in deiner Nähe, Velvet-chan!“

      Damit schnippte er mit seinen winzigen Fingern und ließ vor sich auf dem Tisch ein kleines, schwarzes Portal erscheinen, durch das er schritt. Völlig verblüfft sah ihm Velvet dabei zu und hauchte ehrfürchtig, als das Portal sich wieder schloss.

      ~-~-~

      Sich nicht von der Arroganz des Sammlers beeindrucken lassend, griff Gardenia nach ihrem Deck und zog auf. Sie musste die Karte gar nicht ansehen, sondern spielte sie direkt aus. „Ich benutze den Zauber [Harmonic Waves], um für diesen Zug die Stufe Tierras auf 4 zu setzen.“
      Der dämonische Schlangendrache, der sich um die Glasplattform geschlungen hatte und hinter Gardenia thronte, verfiel in einen grässliches Röhren, das kaum als Gesang durchgehen konnte.

      Infernoid Tierra [ATK/3000 DEF/3600 (11 → 4)]

      „Reguläre Infernoid-Monster können nicht beschworen werden, solange die Stufen der Monster auf meinem Feld acht oder mehr ergeben“, erklärte die Weiße Hexe, „da dies nicht länger der Fall ist, kann ich sie von meinem Friedhof reanimieren. Ich verbanne die Infernoids Pirmais, Antra und Harmadik von dort und beschwöre [Infernoid Devyaty] aus der Asche!“
      Aus dem fast schwarzen Himmel brach eine weitere, meterlange Kreatur hervor. Zwar war sie allenfalls halb so lang wie Tierra, besaß jedoch große Ähnlichkeit zu dieser. Im Gegensatz zu ihr war sie eher Schlange als Drache und ihre Flügel aus Glas hatten eine klassischere, durchsichtige Form. Doch als sie sich hinter den Sammler begab und ebenfalls mit ihrem Schweif die schützende Blase einmal umschlang, wurde die Abstammung noch einmal besonders deutlich.

      Infernoid Devyaty [ATK/2900 DEF/2900 (9)]

      „[Infernoid Devyatys] Effekt aktiviert sich!“, verlautete Gardenia mit ausgestreckter Hand. „Alle Nicht-Void-Zauber- und Fallenkarten werden sofort zerstört! Hinfort!“
      „Oh?“ Der Sammler schmunzelte. Das Monstrum spreizte seine transparenten Schwingen bis zum Anschlag, welche sich finster verfärbten. „Ich könnte diese Beschwörung durch [El Shaddoll Grysta] annullieren. Aber das ist doch genau, was du beabsichtigst, nicht wahr?“
      „Ugh!“, keuchte die Weiße Hexe ertappt.
      „Denn dein Monster kann einen Monstereffekt annullieren und den Auslöser verbannen, indem es selbst ein Opfer anbietet.“ Der Rotschopf lächelte. „Sehr clever, wohl wahr. Du könntest Devyaty opfern und sofort eine neue Kreatur von deinem Friedhof rufen. Aber ich verzichte auf den Effekt von [El Shaddoll Grysta].“
      Aus ihren Schwingen feuerte Devyaty zwei pechschwarze Laserstrahlen ab, welche die Barriere mühelos durchdrangen und einerseits die gesetzte Karte des Sammlers zerfetzten, andererseits auch seine Duel Disk trafen und den Spielfeldzauber darin vernichteten. Damit verschwanden die kleinen Schatten, die an der drachenartigen Kreatur empor krochen.

      Infernoid Tierra [ATK/3000 → 3400 DEF/3600 (4)]

      Matt und Zanthe hatten sich so weit es ging geduckt, denn die Hitze der Strahlen war unerträglich gewesen. Jetzt saß ihnen noch so ein Vieh im Rücken.
      „Das wird ja immer besser“, knurrte Matt angespannt, „wenn das so weiter geht, bricht am Ende noch die ganze Plattform zusammen.“
      „Musst du immer alles so negativ sehen?“, fragte Zanthe, der sich über die immer noch bewusstlose Anya beugte. „Kein Wunder, dass du alles vergeigst. Du beschreist es ja förmlich.“
      „Nicht witzig!“

      Total witzig!

      Matt pfiff verächtlich, als der Quälgeist in seinem Kopf gackernd widersprach. Er sah über die Schulter und weitete die Augen beim Anblick der Serpentine, die ihr Maul öffnete. „Duckt euch!“

      „[Infernoid Devyaty], vernichte sein Monster! Angriff!“, befahl Gardenia indes innerhalb der unter dem ganzen Gewicht langsam nachgebenden Blase.
      Dann spie die hinter dem Sammler lauernde Kreatur eine smaragdgrüne Flamme, die ebenfalls durch den Bannkreis brach, an ihm vorbei schoss und von hinten seinen im Kokon eingewickelten Krieger zu Asche verarbeitete.
      „Ein Jammer“, seufzte der Mann schulterzuckend, „jetzt bekomme ich -schon wieder- [Shaddoll Core] von meinem Friedhof zurück, da Grysta dorthin umgezogen ist. Zur Erinnerung: Das war die gesetzte Karte, die dein teuflisches Werkzeug eben vernichtet hatte.“
      Er zeigte die Falle vor und steckte sie zu den anderen vier Handkarten.
      „Dessen bin ich mir bewusst“, erwiderte Gardenia eisig, „und nun erfahre die volle Macht von [Infernoid Tierra] am eigenen Leib! Direkter Angriff auf seine Lebenspunkte!“
      Der Schlangendrache, der sich über die Plattform beugte und auf die Blase herab sah, stieß einen infernalischen, schwarz-roten Odem aus und penetrierte den Bannkreis ein weiteres Mal. Anstatt sich aber zu schützen, breitete der Sammler die Arme aus und badete summend in den Flammen.

      [Collector: 3800LP → 400LP / Gardenia: 750LP]

      Kaum war der Angriff beendet, stand er völlig unbeschadet da und lächelte. „Liebe Güte, ist ganz schön kuschelig geworden. Aber Hitze tötet Bakterien ab, da beschwere ich mich sicher nicht.“
      „Hmpf“, rümpfte Gardenia angesichts des unterschwelligen Hohns und verkündete: „Ich beende meinen Zug!“

      „Hervorragend“, strahlte der Sammler und zog schwungvoll seine Karte.
      Sofort im Anschluss ballte er eine Faust und hob sie an. Auf seinem Handrücken trat ein schwarzes Symbol zum Vorschein, ein Breitschwert, das von Dornenranken umgeben war. Doch als er Gardenias entsetzten Gesichtsausdruck bemerkte, senkte er seine Faust wieder und das Mal verschwand. „Aber nein, das wäre unfair, nicht wahr?“
      „Hältst du dich etwa zurück, Strife Carrington?“, fragte die Weiße Hexe scharf.
      „Mitnichten.“ Er sah über die Schulter herüber zu Matt, Zanthe und Anya. „Aber bei so vielen neugierigen Augen muss ich doch eine gute Show bieten.“
      Er wandte sich wieder Gardenia zu und nahm eine Karte aus seinem Blatt. „Diese habe ich mir extra seit dem letzten Zug aufgehoben: Die Zauberkarte [Pot Of Avarice].“
      Jene stellte sich vor ihm auf und zeigte eine edle, voluminöse Vase, voll bespickt mit Edelsteinen. Und einem grinsenden Gesicht mit Schnauzbart. Jene trat aus der Karte hervor, während der Sammler seinen Friedhof aus dessen Schacht zog. „Ich mische fünf Monster von meinem Friedhof zurück ins Deck und ziehe dann zwei Karten. Oh, du dachtest sicher, du hättest meine Fusionen versiegelt. Leider muss ich dich da enttäuschen.“
      Der Rotschopf fächerte fünf Karten vor ihren Augen auf. Sie waren allesamt violett umrandet – [El Shaddoll Winda], [El Shaddoll Construct], [El Shaddoll Grysta], [El Shaddoll Shekhinaga] und [El Shaddoll Anoyatyllis]. Allesamt führte er sie in einen Schlitz an der Seite ein, wo sich sein Extradeck befand. Gardenia schnaubte wütend, als er summend zwei Karten zog, die symbolisch auch aus der Vase hervor schossen, ehe diese grinsend verschwand.
      Mit insgesamt sieben Handkarten überlegte er laut: „Tja, was nun?“
      Er schnippte demonstrativ mit dem Finger. „Ich weiß! Da du ein aus dem Extradeck beschworenes Monster kontrolliert, kann ich den besonderen Effekt meiner Zauberkarte [Shaddoll Fusion] benutzen. Also aktiviere ich sie!“
      Über ihm öffnete sich ein schwarzer Wirbel, der Schatten aus dem Nichts in sich hinein zog. „Wie bereits erwähnt, da du [Infernoid Tierra] kontrollierst, kann ich die für die Fusion benötigten Materialien direkt von meinem Deck nutzen! Ich verschmelze also [Shaddoll Beast] mit dem ERDE-Monster [Apoqliphort Towers] von meinem Deck …“
      Jene Karten stiegen über ihm auf und wurden ebenfalls in den Vortex gezogen. „… und erschaffe damit [El Shaddoll Shekhinaga]! Fusion Summon!“
      Aus dem Sog tauchte eine gewaltige Gestalt auf, fast zu groß für den Bannkreis. Je vier Auswüchse besaß sie, die wie Beine wirkten – ein riesiges Flugobjekt. Darauf saß die mechanische Puppe [El Shaddoll Construct], die über violette Fäden mit ihrem Thron verbunden war.

      El Shaddoll Shekhinaga [ATK/2600 DEF/3000 (10)]

      „Und da mein [Shaddoll Beast] durch einen Karteneffekt auf den Friedhof gelegt wurde, darf ich eine Karte ziehen“, verkündete der Sammler süßlich und lächelte, anders als das weiße Porzellangesicht seiner Marionette, welche sich hinter ihm positionierte. Er zog auf. „Auch wenn du es gewiss längst erkannt hast, erkläre ich es zur Sicherheit trotzdem noch einmal. [El Shaddoll Shekhinaga] kann einmal pro Zug auf Kosten einer Shaddoll-Karte in meiner Hand den Effekt eines spezialbeschworenen Monsters annullieren und es zerstören.“
      „Was bedeutet, dass sich [Infernoid Devyaty] und deine Puppe gegenseitig aufheben können.“
      „Korrekt“, nickte der Brite im schwarzen Anzug lächelnd, „je nachdem, wer zuerst den Abzug betätigt. Derjenige wird sein Monster verlieren.“
      Seine Widersacherin runzelte die Stirn, begriff sie doch, dass sie praktisch keine Möglichkeit mehr besaß, die Effektmonster des Sammlers zu behindern.
      „Nun“, sprach der und betrachtete sein Blatt. Auf einmal schwand all die vorgetäuschte gute Laune und wich einem nachdenklichen, ja beinahe traurigen Ausdruck, „wenn ich richtig zähle, liegen in diesem Moment genau fünf FINSTERNIS-Monster auf meinem Friedhof. [Shaddoll Falco], [Shaddoll Hedgehog], [Shaddoll Dragon] und zwei Kopien von [Shaddoll Beast].“
      Er sah auf, verzog die Augen zu Schlitzen. „Und das heißt, dass ich dieses Monster von meiner Hand spezialbeschwören kann. Tritt in Erscheinung, verblasste Erinnerung! [Oblemirage The Elemental Lord]!“
      Der Schatten des Sammlers wuchs vor diesem auf der Glasplattform zu enormer Größe an und bildete ein Tor, aus dem eine eindrucksvolle Kreatur empor stieg. Völlig aus violett-goldenem Stahl war sie mit dem Erscheinungsbild eines fliegenden Augapfels. Unter jenem rotierten zahlreiche metallische Ruder, über der stilistischen Pupille ragte ein Helm samt schwebendem Kragen dahinter.

      Oblemirage The Elemental Lord [ATK/2800 DEF/2200 (8)]

      Die eigentlich blaue Iris innerhalb der schwarzen Pupille verfärbte sich plötzlich rot. Dazu erklärte der Sammler: „Bei der Beschwörung von Oblemirage erhalte ich ein Monster mit nicht mehr als 1500 Angriffspunkten von meinem Deck. Ich wähle einen [Shaddoll Falco].“
      Jene Karte schob sich automatisch aus seinem Deck heraus, sodass er sie nur aufzunehmen brauchte.

      Indes konnte Matt nur mit offenem Mund zusehen. „Unglaublich! Eben noch dachte ich, der Sammler wäre am Ende. Aber jetzt beschwört er Monster um Monster und sorgt gleichzeitig dafür, dass ihm nicht die Karten ausgehen. Er hat immer noch sieben auf der Hand!“
      Selbst Zanthe konnte ihm diesmal nur zustimmen. „Yeah. Und soll ich dir was sagen? Ich glaube, er hält sich sogar noch zurück. Hast du den Blick gesehen, den er uns eben zugeworfen hat?“
      „Hab' ich …“
      „Trotzdem“, gluckste Zanthe voller schwarzem Humor, „da er Anya gewissermaßen gerettet hat, bin ich auf seiner Seite. Go, Collector!“
      Er hob die Faust in den Himmel, während Matt stöhnend die Hand vor die Stirn schlug.

      „Es scheint, als seien Anya Bauers Freunde auf deiner Seite“, stellte Gardenia fest und lächelte besonnen, „sie denken wahrscheinlich, dass ich auch ihnen schaden will.“
      „Sie ahnen ja nicht, dass das alles ein abgekartetes Spiel ist“, erwiderte der Sammler, „und du in Wirklichkeit von Anfang an mich im Visier hattest. So ist es doch, nicht wahr?“
      Die Weiße Hexe zog verheißungsvoll die Mundwinkel an.
      „Sehen wir doch, ob dieser Plan nicht nach hinten losgegangen ist?“ Der Mann nahm eine Karte aus seinem Blatt und zeigte sie vor. „Ich fusioniere ein weiteres Mal, diesmal mit [El Shaddoll Fusion]!“
      Erneut entstand über ihm ein schwarzer Wirbel, der zwei Karten in sich hinein zog. „Ich verschmelze [Shaddoll Squamata] mit dem FINSTERNIS-Monster [Shaddoll Falco]!“
      Kurz erschienen die durchsichtigen Abbilder einer gut gepanzerten Schlange und eines Vögelchens – beide in dunklen Farben gehalten – dann verschwanden auch sie in dem Sog.
      „Fusion Summon! Komm herbei, [El Shaddoll Winda]!“, rief der Sammler mit deutlich mehr Nachdruck als bisher in der Stimme.
      Aus dem Vortex schoss ein grünhaariges Mädchen, das auf einem chinesischen Drachen ritt. Auch diese beiden waren in tief violetten Tönen gehalten und hingen an zahlreichen Fäden.

      El Shaddoll Winda [ATK/2200 DEF/800 (5)]

      „Monstereffekte der beiden durch Karteneffekte auf den Friedhof geschickten Shaddoll-Monster“, sprach der Sammler konzentriert, „[Shaddoll Falco] wird verdeckt aufs Spielfeld beschworen. [Shaddoll Squamata] schickt ein weiteres Shaddoll-Monster von meinem Deck auf den Friedhof!“
      Der kleine Vogel tauchte kurz vor ihm auf, ehe sich seine vielfach vergrößerte Karte über ihn legte und er darunter verschwand.

      Shaddoll Falco [ATK/600 DEF/1400 (2)]

      „Ich schicke durch Squamatas Effekt [Shaddoll Hedgehog] auf den Friedhof. Und wird der durch einen Effekt dorthin gelegt, erhalte ich einen seiner Kameraden vom Deck. [Shaddoll Hound].“
      Kurz tauchte vor ihm ein kleiner, finsterer Igel auf, der quiekend all seine Stacheln aus dem Rücken wachsen ließ, ehe er wieder verschwand. Dann schoss die benannte Karte aus des Sammlers Deck und wurde in dessen Blatt aufgenommen.
      Gardenia gab ein angespanntes Zischen von sich.
      „Nervös? Ahnst du bereits, was ich für dich im Sinn habe?“, fragte der Sammler süffisant. Dann nahm er die nächste Karte aus seinem Blatt. „Du wirst begeistert sein. Ich aktiviere [Monster Reincarnation] und werfe [Shaddoll Core] von meiner Hand ab, um ein Monster vom Friedhof zu bergen. Meine Wahl: [Apoqliphort Towers]!“
      Diesmal war es jenes Effektmonster, das aus seinem Friedhof entnommen wurde. Er zeigte die Karte demonstrativ vor. „Weißt du, normalerweise dürfte diese Karte nur beschworen werden, indem man drei Qliphort-Monster dafür als Tribut anbietet. Aber es gibt einen Weg, das zu umgehen.“
      Der Sammler zeigte seinen Handrücken vor, auf dem wieder das Schwert mit den es umringenden Dornenranken erschien.
      „Also greifst du doch auf deinen verborgenen Schatten zurück“, wusste Gardenia sofort zerknirscht. „Ich habe mich bereits gefragt, wann du zu solch niederen Mitteln greifen würdest.“
      Abwehrend hob der Rotschopf die Hände. „Aber nicht doch. Ich beschwöre -ihn- nicht, ich nutze nur seine kleine Spielerei für meine Zwecke. Monstereffekt: The Taken Name!“
      „Was?“, staunte Gardenia, als sich um die Monster des Sammlers weiß-schwarze Linien zogen, die ineinander verzackt waren.
      Ihr Widersacher lächelte sie vergnügt an. „Damit wird der Name jedes Monsters auf meiner Spielfeldseite zu einem anderen, den ich frei bestimmen kann. Ich bin so frei und nenne meine Monster, ob offen oder verdeckt, [Apoqliphort Towers]. Aber das ist nur ihr Name, nicht ihre Identität, Teuerste. So sind mein einziger Freund und ich immer miteinander verbunden.“
      Die Hexe in weiß-grauer Robe musste lachen. „Oh? Damit ist wohl der Überwacher gemeint. Sicher verfolgt auch er in diesem Moment unsere Konfrontation.“
      „Davon bin ich überzeugt. Und extra für ihn nehme ich all diese Mühen auf mich, dieses Monster zu beschwören.“ Der Sammler streckte die Hand nach vorne aus. „Ich biete [El Shaddoll Winda], [El Shaddoll Shekhinaga] und [Shaddoll Falco] als Tribut an! Erscheine, [Apoqliphort Towers]!“
      Eins nach dem anderen löste sich erst die verdeckte Monsterkarte, dann die Drachenreiterin und schließlich auch die Puppe auf. Doch ihr Thron blieb. Und fuhr plötzlich hoch, offenbarte sich als vierbeinige Kampfmaschine, in deren Zentrum sich ein langer Kern befand.

      Apoqliphort Towers [ATK/3000 DEF/2600 (10)]

      Beinahe nebensächlich war es, dass der Sammler den Zauber [Shaddoll Fusion] und die Falle [Shaddoll Core] von seinem Friedhof zurück ins Blatt nahm, da seine Fusionsmonster dorthin geschickt worden waren.
      „Natürlich wäre [Apoqliphort Towers] in voller Größe wesentlich beeindruckender“, lamentierte der Sammler, als er damit fertig war, „aber das muss reichen. Doch auch so setzt sofort ihr Effekt ein, der sämtliche spezialbeschworenen Monster um 500 Punkte auf beiden Werten schwächt! Apocrypha!“
      Der nach unten gerichtete Kern der Maschine begann grün zu leuchten. Auch um das andere Monster des Sammlers sowie die beiden Schlangen außerhalb des Kraftfelds begann sich ein gleichfarbiger Schleier zu legen, der sie träge machte.

      Oblemirage The Elemental Lord [ATK/2800 → 2300 DEF/2200 → 1700 (8)]
      Infernoid Tierra [ATK/3400 → 2900 DEF/3600 → 3100 (10)]
      Infernoid Devyaty [ATK/2900 → 2400 DEF/2900 → 2400 (9)]

      „Aber das war nur der halbe Spaß. Nächster Effekt von [Apoqliphort Towers]. Du musst ein Monster wählen, das sich entweder auf deiner Hand oder deinem Spielfeld befindet und es auf den Friedhof schicken“, sprach der Sammler weiter.
      Sofort begann die Antenne an der Spitze seiner Kriegsmaschine rot aufzuleuchten und einen Laserstrahl abzugeben, der um Gardenia herum etliche Male den Sephiroth-Lebensbaum zeichnete, bis jene sich um sie zu drehen begannen.
      Doch die Weiße Hexe schwang den Arm aus. „Du Narr! Durch das Opfer von [El Shaddoll Shekhinaga] kann ich jetzt bedenkenlos den Effekt von [Infernoid Devyaty]-! Was!?“
      Doch die Kreatur im Nacken des Sammlers rührte sich nicht, war geschwächt von dem grünen Schleier um sie herum.
      „Bedaure, aber das ist nicht möglich. Monster mit geringer Stufe können [Apoqliphort Towers] nichts anhaben, von Zauber- und Fallenkarten ganz zu schweigen.“ Der Sammler grinste siegessicher. „Also? Welches Opfer bringst -du- dar?“
      Gardenia knirschte mit den Zähnen. „[Infernoid Devyaty].“
      Sofort dehnte sich der Ring aus, durchdrang zu allen Seiten die Blase und löste die Schlangenkreatur, als sie diese ebenfalls passierte, in grüne Partikel auf. Ganz zur sichtbaren Erleichterung der beiden, die am ehesten in der Schusslinie von Devyaty standen.
      „Da das nun erledigt ist, widmen wir uns nun dem Grande Finale“, sagte der Sammler überschwänglich und breitete die Arme aus, „Angriff auf [Infernoid Tierra], oh [Apoqliphort Towers]! Discard Materialism – ich hoffe, das war so richtig, Xiphos!“
      Der Rotschopf zuckte kurz darauf erfreut mit den Mundwinkeln.
      Die Zackenlinien auf [Apoqliphort Towers] 'Beinen' begannen rosafarbend aufzuleuchten. Dann löste sich das Licht von ihnen. Aberdutzende Strahlen schossen an Gardenia vorbei, deren langer Zopf wild im Wind flatterte, durchdrangen den Bannkreis und schlugen wie ein Regen aus Pfeilen in die Drachengestalt am Ende der Glasplattform ein. An deren ganzen Körper entstanden Explosionen. Schreiend löste sich erst der Schweif, der sich um die Blase gewunden hatte, dann der restliche Körper der Kreatur von der Plattform und sie fiel brennend in die Tiefe. Noch bevor sie auf dem Boden aufschlug, löste sie sich auf.

      [Collector: 400LP / Gardenia: 750LP → 650LP]

      „Und jetzt“, schloss der Sammler plötzlich mit eisiger Stimme ab und streckte die Hand nach vorne aus, „beende es, Oblemirage! Direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte!“
      Gardenia schloss die Augen. Und grinste plötzlich. „Du hast etwas vergessen, Strife Carrington!“
      Der Kranz aus zahlreichen, gold-violetten Rudern unterhalb dessen Monsters begann sich von jenem zu lösen und rotierte langsam auf die Weiße Hexe zu. „Auf meinem Friedhof befinden sich zwei Kopien von [Chaos Neclipse]. Und indem ich diese verbanne, verringere ich den Schaden für jedes meiner zu diesem Zeitpunkt verbannten Monster um 500. Drei Stück sind das und mal zwei genommen wird jeder Schaden also um 3000 Punkte reduziert.“
      Sie riss die Augen auf. „Mir war von Anfang an bewusst, dass es kein Leichtes-!“
      Er kicherte. Bitterböse und absolut selbstsicher. Und deutete mit dem Zeigefinger auf die offene Zauberkarte, die vor ihm aufgeklappt stand. Gardenia weitete die Augen. „Was!?“
      „Oh, das habe ich vergessen zu erwähnen“, spielte der Rotschopf sein falsches Schauspiel bis zum Schluss, „mein [Pot Of Acquisitiveness] mischt drei verbannte Karten in das Deck ihrer Besitzer und lässt mich eine Karte ziehen. Das heißt, du musst nochmal den Abakus auspacken, Teuerste.“
      Vor ihren Augen wurden Abbilder der Karten [Infernoid Pirmais], [Infernoid Antra] und [Infernoid Harmadik] in den aus der Zauberkarte heraus tretenden, silbernen Krugs mit fiesem Grinsen gezogen, welcher daraufhin eine einzelne Karte ausspuckte. Der Sammler zog diese. „Ich zähle nämlich keinerlei verbannte Monster bei dir.“
      Und da tauchte er um Gardenia herum auf, der Kreis zahlreicher Metallplatten, welcher sich zu drehen begann. Erst jetzt wurde sie sich der Tatsache bewusst, dass dessen Innenseite aus einem guten Dutzend scharfer Klingen bestand. Welche nacheinander aus allen Richtungen in gerader Linie auf sie zu geschossen kamen. Die erste traf sie von hinten, die nächste von der Seite, dann von vorn und wieder von hinten. Der Körper der Weißen Hexe wurde wie eine Puppe von den Angriffen hin und her geschleudert, stets begleitet von einem gemeinen Zischen. Der letzte brachte sie schließlich zu Fall.

      [Collector: 400LP / Gardenia: 650LP → 0LP]

      „Hm“, machte der Sammler unbeeindruckt beim Anblick der in einer riesigen Blutlache liegenden Gardenia.
      Er schritt langsam auf sie zu. Die Hologramme verschwanden, ebenso die goldenen Linien auf der sie umschließenden Blase. Welche sich im Anschluss auflöste.
      „Irgendwie bin ich doch enttäuscht. Ich meine, dafür, dass wir angeblich auf einer Stufe stehen, war das doch ziemlich … antiklimatisch“, redete der Sammler nebenbei daher. In seiner rechten Hand materialisierte sich sein Gehstock. „Aber das ist das Problem an unserer Gesellschaft. Bewertungsskalen sind so … nichtssagend.“
      Er stellte sich direkt vor sie. Umfasste seinen Gehstock mit beiden Händen. Und zog dann am Griff eine lange, dünne Klinge aus der versteckten Scheide hervor. Begleitet von den entsetzten Blicken der beiden Jungs hinter ihm.
      Gardenia öffnete in ihrer Blutlache die Augen. Aus ihrem Mundwinkel rann die rote Flüssigkeit ebenfalls hinab. „Ich verstehe deine Macht nun, Strife Carrington.“
      „Und ich erinnere mich gesagt zu haben, dass ich nicht bei diesem Namen genannt werden möchte“, kam die Retour in ihrer kältesten Form. Der Sammler umrundete die verletzte Hexe und hielt ihr sein Schwert an die Kehle.
      Aber sie grinste weiter. Und klatschte ihre blutige Hand auf die Plattform. Welche laut scheppernd zum Schrecken des Sammlers sowie Matts und Zanthes in tausend Stücke zerbarst. Alle fünf Anwesend begannen zu fallen. Für einen Moment glaubte Matt, zwei schwarze Krähen am Himmel kreisen zu sehen, ehe alles dunkel wurde.


      Turn 105 – Star-Crossed Fates
      Wie durch ein Wunder haben Anya, Zanthe und Matt den Sturz überlebt – doch zu welchem Preis bleibt offen. Jeder von ihnen muss sich mit der Frage nach der Zukunft auseinandersetzen und geht daher seiner eigenen Wege. Derweil trifft sich Nick mit der kürzlich genesenen Melinda Ford in der AFC-Hauptzentrale, um eine Forderung zu stellen. Welche jedoch nicht so ohne Weiteres akzeptiert wird …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Collector

      Shaddoll Hound
      Shaddoll Squamata
      Shaddoll Hedgehog (x2)
      Shaddoll Beast (x2)
      Shaddoll Falco (x2)
      Oblemirage The Elemental Lord
      Apoqliphort Towers

      Shaddoll Fusion
      El Shaddoll Fusion
      Nephe Shaddoll Fusion
      Fusion Weapon
      Battle Fusion
      Pot Of Avarice
      Pot Of Acquisitiveness
      Monster Reincarnation

      Shaddoll Core
      Final Fusion

      El Shaddoll Shekhinaga
      El Shaddoll Anoyatyllis
      El Shaddoll Construct
      El Shaddoll Grysta
      El Shaddoll Winda

      Gardenia

      Infernoid Decatron
      Infernoid Pirmais
      Infernoid Antra
      Infernoid Harmadik
      Infernoid Patrulea
      Infernoid Piaty
      Infernoid Seitsemas
      Infernoid Attondel
      Infernoid Devyaty
      Infernoid Onuncu

      Void Expansion
      Void Imagination
      Harmonic Waves

      Chaos Neclipse (x2)
      Zauber/Normal
      Wähle 1 Monster mit einer Stufe, das dein Gegner kontrolliert: Annulliere bis zur End Phase den Effekt des Ziels und füge deiner Hand 1 Monster mit derselben Stufe von deinem Deck hinzu. Während der Battle Phase deines Gegners: Du kannst diese Karte von deinem Friedhof verbannen; verringere bis zur End Phase jeden Schaden für jedes deiner zum Zeitpunkt der Aktivierung dieses Effekts verbannten Monster x 500. Außerdem füge deiner Hand jedes Mal, wenn dir in diesem Zug Schaden zugefügt wird, eines deiner verbannten Monster hinzu. Du kannst nur 1 "Chaos Neclipse" pro Zug aktivieren.

      Void Feast

      Infernoid Tierra


      PDF-Version

      Ich hoffe, es hat euch soweit gefallen.

      Damit verabschiede ich mich in die Winterpause, um neue Inspiration und Motivation zu sammeln.
      TLA wird Anfang 2020 weitergehen.
      Spoiler anzeigen

      Der Teil rund um Zoey geht vom Gefühl her in die heiße Phase, jetzt ist sie ein vollwertiges Mitglied mit einem neuen Deck nach dem Vorbild eines Anya bereits bekannten Duellanten. Ich hab leider keine Ahnung, wer gemeint sein könnte...doch nicht etwa Othello?

      Der Kopf von CLEAR wurde also verflucht kein Sonnenlicht mehr zu vertragen? Warum denn gerade das? Der Hintergrund wird wohl noch spannend werden. Immerhin hätte man ihm alles mögliche antun können, wenn man entsprechend mächtig ist. Der erwähnte Austausch wird dann wohl bald demnächst dran sein, die Umstände bleiben nebulös.

      Das Gespräch zwischen Orion und Velvet klärt ein paar Hintergründ auf. Aber das größte Rätsel ist - ich weiß, ich wiederhole mich - nach wie vor Velvet selber. Darüber hinaus typisch für sie, dass sie sich bei bei Gardenia und Co bedanken will. Wobei ich inzwischen gar nicht sicher bin, wie ich die weiße Hexe insgesamt einschätzen soll. Inwiefern sie "gut" ist wird sich noch zeigen müssen, auch wenn es immer mehr danach aussieht. Aber den Flugzeugabsturz durchgehen zu lassen ist ja mal mindestens kontrovers, muss aber nichts grundsätzlich heißen. Orion selbst gelingen in dem Rahmen einige ernste Momente, die sein clownartiges Verhalten überraschender Weise durchaus erden können.

      Das Duell Gardenia gegen den Sammler war tatsächlich recht klar. Aber wenn ich bedenke, dass selbst die Undying ihn kaum stoppen konnten, wundert mich wenig. Den Zusammenhang zu Xiphos durchschaue ich nicht, wobei ein Bündnis zwischen den beiden nahe liegend wäre. So gesehen hatte der Sammler Hilfe, was dann am Ende wieder für Gardenias Macht sprechen würde...die Krähen gehören aber auf jeden Fall zu Nick und ich bin mal gespannt, welche Lehren er aus der ganzen Sache zieht. Mir fällt in dem Rahmen ein, dass mir immer mehr Zusammenhänge zumindest teilweise entfallen sind...ich muss mal sehen, wann und ab welchem Punkt ich TLA noch mal von vorn lese. Bestimmt wird das neue Erkenntnisse bringen.

      Abschließend bezweifle ich, dass Gardenia schon völlig erledigt ist. Dass Nick bald an Excelmonster kommen wird scheint der Vorschau nach relativ absehbar.

      Ansonsten bedanke ich mich für dieses Jahr TLA und freue mich auf das nächste. Dir und deinem Betaleser frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! :) :daumen:
      Hallo allerseits.
      Lang, lang ists her, aber die Pause ist endlich vorbei. Ich denke, ich habe doch in den letzten Monaten was geschafft. In diesem Sinne an alle viel Spaß und vielen Dank, falls ihr immer noch dabei seid.

      @Mcto
      Vielen Dank für deinen Post.
      Ja, Zoey wird langsam relevanter für die Handlung. Lass dich bezüglich ihres Decks überraschen - ich habe gerade das erste Duell damit geschrieben. ^.^
      Hinter Seraphix' Zustand steckt noch mehr. Aber bis das thematisiert wird, dauert es noch.

      Schade, dass ich dir zu den ganzen Zusammenhängen nichts sagen kann. Ich denke, das wird echt gut, wenn es irgendwann 2090 aufgelöst wird. Nein, ich hoffe ja, bis 2022 mit der Fanfic fertig zu sein, aber bei meinem jetzigen Tempo wird es vermutlich länger dauern. :(

      Wow, ich stelle mir gerade vor wie jemand versucht, TLA von vorn zu lesen. Ich habe eine Gänsehaut. Und werde keine Kosten für eventuelle gesundheitliche Folgen wie verminderte Sehstärke übernehmen. ;)
      Im Ernst, du möchtest nicht wissen, wie viele Worte inzwischen geschrieben wurden. ... oder doch?

      Jedenfalls danke für deine Treue.


      Jetzt aber viel Spaß mit der nächsten Folge. Ich plane übrigens, wieder pro Monat eine Folge zu veröffentlichen.

      Turn 105 – Star-Crossed Fates
      „Fälschung!“
      Diese Worte ließen Anya panisch aufschrecken. Kerzengerade saß sie in ihrem Bett und starrte geradeaus auf ihren Schrank am anderen Ende des Raums. Stöhnend fasste sie sich an die Stirn.
      Nur um sofort auf die Anwesenheit einer anderen Person aufmerksam gemacht zu werden.
      „Guten Morgen, Anya.“
      Die Blonde sah herüber zu ihrem Schreibtisch, an dem niemand Geringeres als ihre Erzrivalin Valerie Redfield saß. Mit gesenktem Kopf und Händen auf den Oberschenkeln saß sie in einem weißen Tanktop dort. Der schwarze Pony fiel ihr ins Gesicht, bedeckte die Augen.
      „Redfield?“, wunderte sich Anya und wollte aufstehen, doch bemerkte, dass ihre Hüfte mächtig schmerzte. „Shit. Au … was zur Hölle machst du hier?“
      „Dich im Auge behalten, während die Jungs unterwegs sind“, kam eine teilnahmslose Antwort.

      Vorsichtig setzte Anya ein Bein nach dem anderen über die Bettkante. Dabei bemerkte sie, dass sie in völlig zerschlissenen Klamotten steckte. Ihre schwarze Jeansjacke war dreckig, zerrissen, genau wie die Jeans und teilweise auch voller Blutflecken. Die Erinnerungen kamen wieder.
      An Kali, an [Chrono Blades Excel Dragon] und ihre eigene Verzweiflung.
      „Hast du eine Ahnung, wie ich hierher gekommen bin?“, fragte Anya ihre Freundin vorsichtig. „Wie lange ist es her, seit wir in San Augustino waren?“
      Valerie regte sich nicht. „Nicht lange. Um genau zu sein sind seit deiner Begegnung mit Kali nur ein paar Stunden vergangen. Du hast die Nacht über durchgeschlafen.“
      „Aber wie bin ich hierher gekommen?“ Anya kam das Verhalten Valeries zunehmend merkwürdiger vor. „Antworte!“

      Lass mich das erklären, Anya Bauer.

      Levrier erschien vor ihrem Bett in seiner durchsichtigen [Gem-Knight Pearl]-Form.

      Nachdem du das Bewusstsein verloren hast, ist ein Kampf zwischen der Weißen Hexe Gardenia und dem Sammler ausgebrochen, der dein Schicksal bestimmen sollte. Der Sammler war siegreich.

      „Der Kampf fand auf einer Glasplattform etliche Meter über dem San Augustino-Wald statt, hat Matt erzählt“, fügte Valerie an, „als der Sammler Gardenia besiegt hat, hat sich herausgestellt, dass er nur gegen eine Astralprojektion gekämpft hat. Die hat die Plattform zerstört, um euch in den Tod fallen zu lassen. Der Sammler hat euch daraufhin hierher teleportiert.“
      Während sie das erzählte, schwang keinerlei Gefühl in ihrer Stimme mit. Und Anya ahnte bereits, woran das lag. Sie wusste, dass Kali von sich behauptete, die echte Anya Bauer zu sein …
      „Was hat der Sammler gesagt?“, wollte Anya grimmig wissen.

      Während des Duells konnten wir die Konversation zwischen ihm und Gardenia nicht mitverfolgen, da sie sich in einen Bannkreis gesperrt hatten. Doch nachdem wir hier ankamen, hat er noch einige Worte mit Matthew Summers und Zanthe Montinari gewechselt.

      Die Blonde zog die Augen zusammen, versuchte den aufkeimenden Schmerz in ihrem Unterleib zu verdrängen. „Urgh. Und … und das wäre?“

      Schreiend fielen Matt, Zanthe und eine bewusstlose Anya in die Tiefe. Zumindest hätte dies so sein sollen, doch tatsächlich knieten die beiden Jungs einen Herzschlag später auf dem Boden. Sie befanden sich mitten in Anyas unordentlichem Zimmer. Vor ihnen stehend der rothaarige Sammler, der beide Hände auf seinem Gehstock abstützte.
      Was für ein enttäuschender Ausgang“, sinnierte er dabei, „ich hätte ihr einen kreativeren Weg zugetraut, uns töten zu wollen. Aber ihre Möglichkeiten sind anscheinend doch beschränkter als ich erwartet habe.“
      Matt sah neben sich, wo Zanthe Anya in seinen Armen hielt. „Wir sind hier?“
      „Natürlich seid ihr das“, erwiderte der Sammler schnippisch. „Oder würdet ihr jetzt lieber mit gebrochenen Knochen im Nirgendwo liegen?“
      Zanthe schnarrte: „Danke, schätz' ich.“
      „Bedank' dich nicht zu früh“, fuhr ihm Matt sofort dazwischen. „So ein Dienst erfolgt bestimmt nicht ohne Gegenleistung!“
      Aber der Sammler gestikulierte wild mit seinen Händen und dem Gehstock. „Ihr tut mir Unrecht! Euch hierher zu bringen ist einzig meinem guten Willen geschuldet.“
      Der Dämonenjäger verzog grimmig das Gesicht und erhob sich. „Wenn du damit bezweckst, uns zur Zusammenarbeit mit dir zu zwingen, kannst du uns auch genauso gut töten. Anya würde lieber sterben, als dir zu helfen.“
      Anstatt aber drohende Worte entgegengeworfen zu bekommen, überraschte der Sammler ihn mit einem zuversichtlichen Lächeln. „Das wird definitiv eintreten, lieber Matthew Summers. Mit etwas anderem habe ich nie gerechnet.“
      W-was?“
      Die schlafende Blonde behutsam auf den Teppich ablegend, erhob sich auch Zanthe und stellte sich schützend vor sie. „Wirklich? Das glaube ich nicht.“
      Pardon, aber deine Meinung spielt für mich eine äußerst untergeordnete Rolle“, erwiderte der Sammler gespielt pikiert und sah von dem Werwolf zu Matt und wieder zurück, „eure Gastfreundlichkeit lässt wirklich zu wünschen übrig. Dankt man so seinem Retter?“

      Das war das Stichwort für den Kopftuchträger, das Thema zu wechseln. „Wo wir dabei sind, was ist aus der Weißen Hexe geworden? Ist sie tot?“
      Mit großen Augen sah der rothaarige Brite im schwarzen Anzug sie an. Und prustete vor lachen so laut los, dass es selbst die Toten wecken könnte. Völlig irritiert sah der Werwolf Matt mit ausgebreiteten Händen an. „Hab ich was Falsches gesagt?“
      „Sie lag in einer Blutlache“, stellte Matt verärgert klar, „die Frage ist völlig gerechtfertigt.“
      „Liebe Kinder“, belehrte der Sammler sie nach einem letzten Glucksen, „so wie ich gerade gelacht habe, wird vermutlich auch die werte Gardenia just in diesem Moment in ihrem Weißen Raum juchzend am Bogen liegen.“
      Sie lebt also“, schloss Matt daraus grimmig.
      Der Sammler setzte seinen Stock wieder vor sich ab und legte beide Hände darauf. „Nicht nur das, nein, sie war auch nie in Gefahr. Die Weiße Hexe ist eine meisterhafte Schöpferin von sogenannten Astralprojektionen.“
      „Solche sind nicht dazu imstande, reale Dinge zu berühren!“, stellte Matt sofort klar.
      „Die von ihr erzeugten Astralprojektionen sind es. Sie können die Grenzen der physischen Ebene sprengen.“ Der Sammler lächelte falsch. „Glaubt mir wenn ich sage, dass die Weiße Hexe ihren Weißen Raum niemals verlassen würde.“
      Hinter ihm öffnete sich ein schwarzes, ovales Portal. „Schließlich ist sie nur eine gewöhnliche Sterbliche. Wohlan.“
      Er trat einen Schritt zurück und wurde von dem Portal regelrecht verschlungen. Doch bevor dieses sich schloss, wurde er noch ein paar letzte Worte los. „Und grüßt mir Anya schön. Sie soll mich in ihren letzten Stunden aufsuchen. Dann erfährt sie die Wahrheit.“
      „Warte!“, rief Zanthe noch und wollte hinterher, doch Matt hielt ihm mit dem Arm zurück, bis das Portal sich gänzlich schloss. Sein eindringliches Kopfschütteln sprach lauter als jede Worte.

      „Yeah“, murrte Anya auf der Bettkante sitzend, „das hat der Mistkerl schon neulich gesagt. Aber den Gefallen tu ich ihm nicht.“
      Sie warf einen Blick herüber zu Valerie, die sich während Levriers Schilderung der Erlebnisse nicht vom Fleck gerührt hatte. „Was ist los? Tch! Lass mich raten, du weißt es schon. Sie haben es dir gleich brühwarm erzählt, huh?“
      „Ich weiß es, aber nicht von den Jungs.“ Valerie sah auf. Ein zutiefst nachdenklicher Gesichtsausdruck zierte sie. „Ich weiß es von einem der Diener des Sammlers, David. Er hat mir dieselbe Geschichte erzählt wie Kali dir und gemeint, nur die Hüterartefakte können dich retten.“
      Die beiden Mädchen tauschten intensive Blicke aus und die Schwarzhaarige fragte: „Wirst du das tun? Wirst du wieder damit anfangen, wenn es bedeutet, dich selbst zu retten?“
      „Nein.“
      Erleichtert atmete Valerie auf. „Ich hatte gehofft, dass du das sagst …“
      „Also glaubt der Sammler auch, dass ich eine Fälschung bin?“, fragte Anya verbittert. „Kch …“
      „Möglich. Aber vielleicht hat er das David nur so erzählt, damit er dich durch mich über Umwege verunsichern kann.“ Valerie erhob sich. „Du solltest nicht auf das hören, was diese Oberdämonen behaupten.“
      Anya sah weg. „Und wenn es stimmt?“
      „Dann ändert sich trotzdem nichts. Nicht für mich zumindest.“ Valerie schritt auf ihre Freundin zu und stellte sich neben Levrier. „Ich sehe keinen Grund, warum nur eine von euch in dieser Welt existieren darf. Und angefreundet haben wir uns erst nach dem Zeitpunkt der 'Teilung'.“

      Auch wenn keiner es sah, konnte sich Anya ein kurzes Lächeln nicht verkneifen. Sie erhob sich langsam und stöhnte. „Ugh! Shit, mir tut echt alles weh …“
      „Du solltest dich ausruhen. Ich werde Abby Bescheid sagen, dass du wach bist. Sie macht sich auch große Sorgen“, sagte Valerie.
      „Yeah, mach das. Weiß sie es?“
      „Keine Ahnung, von mir jedenfalls nicht.“
      „Dann … dann sag erstmal nichts.“ Anya atmete tief durch. „Ich will es ihr selbst sagen. Wo sind Summers und der Flohpelz?“
      Valerie zuckte mit den Schultern. „Zanthe ist seit gestern Nacht weg und Matt seit heute Morgen. Wohin sie gegangen sind weiß ich aber nicht.“
      „Verstehe“, murmelte Anya und sah Valerie ausdruckslos an. „Kannst du mich eine Weile allein lassen, Redfield?“
      Jene zögerte erst, nickte dann aber, erhob sich wortlos und verließ das Zimmer.

      ~-~-~

      „Und du denkst, sie wird uns helfen?“, fragte Alexandra Russo belustigt, als sie neben Nick daher schlenderte und durch die gläserne Schiebetür ging. Somit waren sie jetzt im Inneren der riesigen Hauptzentrale der AFC.
      „Daran besteht kein Zweifel“, erwiderte ihr zerzauster Begleiter im schwarzen Ledermantel zuversichtlich.
      Tatsächlich befanden sie sich noch in einem gläsernen Vorraum – neben ihnen erstreckte sich ein Rollband wie bei der Gepäckabfertigung am Flughafen. Nick ignorierte dieses jedoch und steuerte prompt auf den dahinter liegenden Metalldetektor zu, der nur wenige Zentimeter größer war als er selbst.
      „Die waren letztens noch nicht hier“, murmelte Alexandra, „es gab schon immer Kontrollen, aber die wurden jetzt wohl verschärft.“
      Nick indes zückte den Mitarbeiterausweis von Micron Electronics und zeigte diesen einem der Wachmänner, der den Kopf schüttelte.
      „Hier muss jeder durch“, meinte der dunkelhäutige Mann streng.
      Also zogen sie Mantel beziehungsweise Trenchoat aus, ließen sich durchsuchen und passierten den Metalldetektor, der wohlgemerkt bei beiden schrillte. Alexandra gluckste verschwörerisch und Nick musste sein verätztes, uraltes Handy über das Rollband laufen lassen. Genau wie Alexandra das goldene Schmuckstück an ihrem Arm, das tatsächlich ein mächtiges Artefakt war – wovon natürlich keiner außer Nick je wissen würde.

      Nachdem sie die Kontrolle dann endlich bestanden und noch ein Besucherprotokoll ausgefüllt hatten, steuerten sie prompt auf den Empfang zu. Jener bestand aus einem kreisrunden Glastresen, der sich entlang einer riesigen Säule zog und wurde von mehreren Damen bewirtet. Weit über ihnen befand sich die gläserne Kuppel, in der Duel Monsters-Hologramme gezeigt wurden. Im Moment kicherte das [Toon Dark Magician Girl] verschwörerisch.
      „Vielleicht solltest du ihr im Falle des Falles ein Gegenangebot bereiten“, schlug Alexandra im Gehen vor. Ihre hohen Absätze machten auf den schwarzen Marmorfliesen ordentlich Lärm, „hier gab es neulich einen Einbruch. Der Typ wollte sich wohl einhacken, wurde dabei von Melinda erwischt und hat sie eiskalt ins Krankenhaus befördert.“
      „Gut zu wissen“, erwiderte Nick und sah Alexandra dabei von der Seite an, „haben sie noch mehr über den Hacker geschrieben?“
      „Harrier nannte er sich wohl.“
      Nicks Züge verdunkelten sich schlagartig.

      Dann kamen sie am Tresen an. Die blonde Dame im blauen Kostüm lächelte beide freundlich an.
      „Was kann ich für Sie tun?“
      „Ich muss Melinda Ford sprechen. Auf der Stelle“, forderte Nick barsch.
      „Verzeihung, aber Miss Ford ist erst seit gestern wieder hier. Haben Sie einen Termin?“, wurde er beherrscht gefragt.
      „Nein, aber das hier.“ Nick zeigte seinen Micron Electronics-Ausweis vor. „Es geht um unser gemeinsames Projekt.“
      Doch die Dame lächelte ihn bedauernd an. „Entweder Sie haben einen Termin oder nicht.“
      „Täubchen, wir haben wirklich nicht viel Zeit“, mischte Alexandra sich belustigt ein, „ruf deine Chefin an und lass dir von ihr bestätigen, dass sie für uns immer einen freien Termin hat, ok?“
      Etwas irritiert nahm die Empfangsdame tatsächlich den Hörer in die Hand und stammelte verwirrt den Sachverhalt vor sich her. Plötzlich machte sie ein entsetztes Gesicht, flüsterte leise: „Miss Ford, Sie sind erst gestern aufgewacht. Sie sollten- verstanden.“
      Kurz darauf seufzte sie und legte auf. „Miss Fords Büro befindet sich in Stock 3R. Dort entlang.“
      Sie zeigte nach rechts, wo eine riesige Front von Aufzügen wartete.
      „Danke“, knurrte Nick längst genervt von der Verzögerung und Alexandra warf der jungen Frau im Weggehen noch ein Augenzwinkern zu.

      Sie stiegen in den nächstbesten der gläsernen Aufzüge, der sie erst nach oben, dann seitlich entlang einer Schiene fuhr. Nachdem sie im dritten Stockwerk ankamen, liefen sie einen breiten Gang entlang. Unter ihnen konnte man durch Glas einen Schacht sehen, der ebenfalls Aufzüge durch das Gebäude transportierte. Die Büros zu ihrer Linken und Rechten besaßen allesamt Fensterscheiben, viele davon jedoch durch eine bestimmte Technologie abgedunkelt.
      „Hier nicht“, murmelte Alexandra, ging voraus und sah sich nach Melindas Büro um, „und da auch nicht. Das Mädel hätte ruhig etwas präziser sein können.“
      „Ich weiß, wo ihr Büro ist“, meinte Nick jedoch desinteressiert am Gemecker seiner Begleitung.
      Jene zog einen Schmollmund und wartete, bis er zu ihr aufgeschlossen hatte. Da packte sie seinen Arm. „Du bist ja noch abweisender als üblich. Hoffentlich liegt das nicht an mir.“
      „Nein.“
      „Ich weiß, dass ich nicht mehr viel für dich tun kann. Du hast fast alle Dämonen, die ich kenne, abgemurkst“, sagte sie mit einem ernsten Unterton, „wieso schmeißt du mich nicht weg, wie du es vermutlich von Anfang an vor hattest?“
      Nick blieb kurz stehen. „Ich entscheide, wann du keinen Nutzen mehr für mich hast.“
      „Das hast du süß ausgedrückt“, stichelte sie belustigt. Dann zog sie die Augen zusammen. „Wenn ich dich nicht störe, würde ich dich gerne noch eine Weile begleiten. Dank dir konnte ich völlig fremde Welten sehen.“
      „Und das ein oder andere von dort mitnehmen.“
      „Das auch“, meinte sie und zwinkerte verschwörerisch. „Ich mag dich, Nick. Du bist so gnadenlos ehrlich und direkt. Das ist beeindruckend. Und beängstigend.“
      Er musste tatsächlich kurz grinsen. Dann aber schritt er voran.

      Kurz darauf erreichten sie das gesuchte Büro. Aber selbst wenn Nick nicht gewusst hätte, wo es ist, wäre die junge, rothaarige Frau, die davor wartete, Indikator genug gewesen. In einem grauen Hosenanzug und glattem, offenem Haar wartete sie bereits ungeduldig auf die beiden.
      „Mein erster Tag nach dem Vorfall und ausgerechnet du besuchst mich“, gluckste sie, als sie die beiden in Empfang nahm, „und du hast mir nicht mal Blumen mitgebracht. Schäm' dich.“
      „Man gewöhnt sich dran“, scherzte Alexandra.
      Melinda betrachtete die Blonde neugierig. „Und du bist?“
      „Alex. Einfach Alex.“
      „Hallo, einfach Alex“, erwiderte der Rotschopf und gab ihr die Hand. „Na dann, kommt rein in die gute Stube. Womit kann ich euch helfen?“
      Sie ließ die beiden zuerst ins Büro, ehe sich die Tür hinter ihnen automatisch schloss.

      Die junge Frau ging an ihren Gästen vorbei und deutete auf die beiden, schwarze Lederstühle vor ihrem Mahagonischreibtisch, doch Nick lehnte mit einem Kopfschütteln ab.
      „Okay?“ Sie zog die Stirn kraus. „Nick, du bist hoffentlich nicht hier, um mir zu sagen, dass die Arbeiten an Monochrome stagnieren. Was durchaus denkbar ist, wenn man bedenkt, wie lange du inzwischen deiner Arbeit fern bleibst.“
      Nick konterte: „Hat Aiden sich bei euch ausgeheult? Das tut mir aber leid.“
      „Ich mag dich gern, aber wenn du Henrys Projekt in den Sand setzt, wird nicht mal Anya in der Lage dazu sein, dich vor meinem Zorn zu bewahren“, scherzte Melinda, aber ihr finsterer Gesichtsausdruck strafte ihrer Worte keiner Lügen.
      „Tu nicht so. Ich weiß, dass ihr kurz vor dem ersten Test steht“, blieb Nick jedoch unbeeindruckt.
      Sie lächelte kalkulierend. „Na wenigstens informierst du dich noch. Gut. Also bist du nicht wegen Monochrome hier.“
      „Nein.“
      Melinda seufzte und klatschte einmal in die Hände. Sofort verdunkelten sich die Scheiben ihres Büros, sodass niemand mehr hineinsehen konnte. Dann setzte sie sich entgegen jeder Etikette einfach auf die Kante ihres Schreibtisches und sah die blonde Frau und Nick an.
      „Also wollt ihr etwas. Was kann ich also für euch tun?“
      „Für mich? Gar nix“, gluckste Alexandra sofort, „ich bin nur Dekoration. Beachte mich gar nicht.“
      Der Rotschopf blinzelte etwas verdutzt. „Na schön … Nick?“
      Jener griff in seine Manteltasche und holte einen USB-Stick hervor. Dabei erklärte er kühl: „Darauf sind Daten von Duel Monsters-Karten, die ich benötige.“
      „Ich soll dir Karten beschaffen?“
      „Ein ganzes Deck“, korrigierte er die Repräsentantin der AFC, „und du sollst sie nicht beschaffen. Du sollst sie erschaffen. Entsprechend der Daten hier.“
      Da weitete die junge Frau langsam die Augen. „W-was? Also willst du, dass ich dein selbsterdachtes Deck zur Realität werden lasse? Was ist mit deinem alten!?“
      „Es reicht nicht mehr für meine Zwecke aus.“ Nick sah sie forschend an. „Hilfst du mir?“
      „Moment mal! Hast du eine Ahnung, wie lange es dauert, Hologramme zu programmieren? Selbst wenn ich jetzt ja sagen würde, hättest du das Deck irgendwann nächstes Jahr.“ Melinda legte den Kopf schief. „Ich glaube nicht, dass du so lange warten willst.“
      „Nicht nötig. Die Hologrammdaten sind bereits hier drauf. Im Grunde musst du die Informationen nur in den Server einspeisen und die Karten drucken.“ Nick reichte ihr den Stick. „Was vielleicht eine halbe Stunde dauert.“

      Statt ihn entgegen zu nehmen, verschränkte die auf ihrem Schreibtisch sitzende Melinda mit empörtem Gesichtsausdruck die Arme. „Wow, ist ja fast ein kleiner Gefallen. Wie zur Hölle hast du Hologrammdaten auf dem Ding? Du bist ein Genie, das weiß ich inzwischen, aber hast wohl kaum Zeit für sowas gehabt in den letzten Wochen.“
      „Ich habe sie nicht selbst entworfen. Das waren deine Leute“, stellte Nick klar.
      Und der Rothaarigen entfuhr: „Ah ja? Wie das?“
      „Ein bisschen Erpressung hier, eine kleine Gefälligkeit dort“, plapperte Alexandra dazwischen, „die Jungs und Mädels können richtig fleißig sein, wenn sie wollen. Und Nick hier ist gut im Überzeugen, musst du wissen.“
      „Ah ja“, kam es trocken von Melinda zurück. Trotzdem schüttelte sie mit dem Kopf. „Das kann ich nicht machen, Nick.“
      Der schien nicht überrascht und zog den Arm zurück. „Verstehe. Wie wäre es dann mit einer Gegenleistung meinerseits?“
      Melinda lachte auf. „Und wie würde die aussehen?“
      „Ich sehe mir mal eure Server an.“ Er sah ihr direkt in die Augen. „Ein Hacker, richtig? Und ihr habt nichts Verdächtiges bei den Wartungen gefunden, nicht wahr?“
      „Nö“, gab sie keck zurück, doch innerlich verkrampfte sie. Er dachte, was sie auch dachte. Aber selbst dann konnte sie ihm den Gefallen nicht tun, trotz ihres Status. Sie lächelte einfühlsam. „Es geht nicht, Nick. Was ich dir anbieten kann sind alle Karten – bis auf einige Ausnahmen – die wir bisher vertreiben. Auch die ganz neuen, wenn du willst. Anya hat sie letztens schon kennengelernt.“
      „Bring mich dorthin“, forderte Nick stattdessen knapp, „wo du ihm begegnet bist. Ich werde finden, was auch immer er zurückgelassen hat.“
      Melinda seufzte. „Wenn du so lieb bist … aber das ändert nichts an meiner Entscheidung.“
      „Wir werden sehen“, gab sich Nick jedoch überzeugt.

      ~-~-~

      Kurz darauf waren sie zu dritt in einem riesigen Raum voller orange leuchtender Maschinen, Supercomputer, die für ganz Nordamerika die Server stellten. Hinter ihnen ging es in einem langen Gang zurück, dort, wo sich Melinda und Harrier duelliert hatten.
      Nick saß im Schneidersitz mit Laptop auf dem Schoß vor einem der Computer, diverse Kabel verbanden es mit der Maschine. Melinda stand hinter ihm, während Alexandra sich neben Nick niedergelassen hatte. Dabei entgingen der Rothaarigen nicht die intensiven Blicke, die die Blonde dem jungen Mann von der Seite zuwarf.
      „Ich kenne Harrier von früher“, erklärte Nick während der Arbeit, „nicht persönlich, aber ich bin ab und zu auf sein Handwerk gestoßen. Er ist einer der besten.“
      Für Melinda war das alles neu. „Du warst auch ein Hacker? Dann weißt du hoffentlich, dass deine Chancen, dein Deck zu bekommen, gerade auf null gesunken sind.“
      „Ich finde es süß, wie du das immer wieder betonst“, stichelte Alexandra augenzwinkernd.
      Nick indes stöhnte: „Was ich früher gemacht habe ist irrelevant. Du solltest dich eher für meine Warnung interessieren, Melinda. Harrier hat in den letzten zehn Jahren für eine Menge Chaos gesorgt. Das erste hauptsächlich digital gesteuerte Gefängnis in Ohio ist seinetwegen ein Fehlschlag gewesen.“
      „Er war es, der die Schlösser geöffnet und für eine Massenflucht gesorgt hat!?“, keuchte Melinda.
      „Und er war es, der sich vor fünf Jahren in die Europäische Zentralbank gehackt hat.“
      „Nie war Geld so billig gewesen“, gluckste Melinda, „nicht, dass sich die Situation damals inzwischen von der heutigen unterscheidet, haha.“
      Alexandra erhob sich. „Der meistgesuchte Hacker eben. Und du hättest ihn -beinahe- in einem Duell besiegt. Ich bin fast ein wenig neidisch, auf den steht bestimmt ein fettes Kopfgeld.“
      „Seid ruhig, ich muss mich konzentrieren.“
      Melinda rollte mit den Augen ob dieser weiteren Spitze der Barbiepuppe, ließ sich jedoch nicht provozieren.

      Nach einer Weile erhob sich Nick schließlich und klappte den Laptop zu. „Ihr konntet nichts finden, weil Harrier nichts hinterlassen hat.“
      „Okay? Also habe ich ihn doch gestört, bevor er sein Werk vollenden konnte?“
      „Nein“, schüttelte Nick den Kopf, klemmte den Laptop unter die Achsel, „er hatte es auf eure Daten abgesehen. Und davon hat er eine Menge bekommen.“
      „Was für Daten?“
      „Alles. Aber an einer Sache hatte er sich, wenn ich das richtig sehe, besonders interessiert. Um genau zu sein hat er zuerst danach gesucht.“ Nick sah Melinda ausdruckslos an. „Excel-Monster.“
      „Oh scheiße“, entfleuchte es Melinda dabei. „Nicht schon wieder.“
      „Kannst du das erläutern?“

      Kurz umriss sie daher die Situation mit Velvet Thorne und die Geschichte der Excel-Monster und ihren Status als fehlgeschlagenes Experiment, das niemals das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollte.
      „Gut möglich, dass er für die Leaks verantwortlich ist“, überlegte Alexandra, die neben Nick stand und sich durchs Haar fuhr.
      „Er schien Velvet zu kennen“, meinte Melinda da, „aber umgekehrt schien es nicht der Fall zu sein. Vielleicht hat er ihr [Ebon Sky Pegasus] besorgt?“
      „Du sagtest aber, diese Karte existierte vorher nie in euren Datenbanken.“ Nick schloss die Augen kurz, öffnete sie dann und meinte zuversichtlich. „Eher ist es umgedreht, er ist auf diese Velvet aufmerksam geworden und will jetzt ihrem Beispiel folgen.“
      „Die Informationen dazu hat er jetzt“, schluckte Melinda, „Nick, wir müssen diesen Mann ausfindig machen und aufhalten. Mit all den gestohlen Daten kann er der AFC erheblichen Schaden zufügen!“
      „Das ist nicht mehr meine Baustelle.“ Nick lief an ihr vorbei, ließ dabei fallen. „Ich könnte allenfalls mehr für euch tun, wenn ich die Mittel dazu hätte.“
      Melinda wirbelte erschrocken um, getaucht in das orangefarbene Licht der Supercomputer. „Das ist Erpressung.“
      „Ich sagte doch, er weiß wie man die Leute überzeugt“, gluckste Alexandra und lief ebenfalls an Melinda vorbei
      .
      Jene musste nachdenken. Sie konnte nicht einfach fremde Daten ins System einspeisen. Auch wenn sie Nick kannte, zweifelte sie inzwischen an ihm. Er war so anders als damals, als sie sich zum ersten Mal im Livingtoner Park trafen.
      Aber sie brauchte seine Hilfe. Wenn die gestohlenen Daten an die Öffentlichkeit gelangten, hätte das ernste Konsequenzen für die AFC. Vermutlich hatte er sogar die Informationen zum Projekt Monochrome! Und wie skrupellos er war, wusste sie dank der Beispiele inzwischen.

      „Hör zu“, sagte sie daher aufgebracht, „einigen wir uns auf einen Kompromiss. Ich will erst sehen, was du da entworfen hast. Ich duelliere mich gegen dich.“
      Nick drehte sich interessiert dreinblickend zu ihr um. „Und wenn ich gewinne, bekomme ich die Karten?“
      „Ja.“ So würde sie zudem als Erste sein neues Deck sehen können, denn ehrlich gesagt war sie ziemlich neugierig.
      Er lächelte schwach. „Dann gibt es ein Problem: Um mich damit zu duellieren, müssen sie erst ins System integriert und gedruckt werden. Ein Paradoxon.“
      „Nicht unbedingt. Gib mir den Stick.“ Melinda grinste. „Du bist weiß Gott nicht der Erste, der mich um sowas bittet. Dafür haben wir eine einfache Lösung.“
      „Ein unabhängiges, in sich geschlossenes Netzwerk“, wusste Nick allerdings bereits. Der Rotschopf nickte.

      ~-~-~

      Tatsächlich dauerte es beinahe eine Stunde, die Daten hochzuladen. Als das getan war, führte Melinda sie gefühlt durch die ganze Anlage in deren hinteren Teil. Sie betraten eine riesige Halle, in der insgesamt acht Duellarenen existierten, die in zwei Viererreihen nebeneinander standen.
      „Ziemlich antiquiert“, meinte Nick bei ihrem Anblick, als sie auf eine der Maschinen zuschritten.
      Sie waren die ersten Apparaturen gewesen, die in den frühen 90ern Hologramme darstellen konnten – ihrer Zeit damals weit voraus. Duel Disks, die tragbare Variante, kamen erst einige Jahre später auf den Markt.
      „Ich finde sie cool. Hier testen wir die neuesten Karten aus Japan und natürlich auch die, die wir selbst entwerfen“, erklärte Melinda vergnügt.
      „Ihr bringt neue Duel Disks auf den Markt, testet die Karten aber mit sowas?“, gab sich Alexandra hinter ihnen erstaunt und sah sich um. „Irgendwie heuchlerisch.“
      „Danke“, erwiderte der Rotschopf unterkühlt. „Auch wenn sie alt aussehen, besitzen die Arenen dieselben Features wie unsere neuen D-Pads.“
      Die Blonde schmunzelte diebisch. „Aha.“

      Nick hatte sich noch nie auf diesen erhöht stehenden, rechteckigen Plattformen duelliert. In ihrer Mitte waren sie in auf beiden Seiten in die fünf Monster und Backrowzonen eingeteilt, mehr jedoch nicht. Im Standby-Modus war die Oberfläche der Spielfelder schwarz, die Verkleidung der Duellarenen aus rotem Plastik.
      Dieses Duell war reine Formsache. Das Ergebnis stand bereits fest. Und sobald Melinda die Daten ins richtige Netzwerk einführte, würde sie damit auch unwissentlich einen Virus hochladen. Welcher auf eine einzige Aufgabe ausgerichtet war: Aidens Version vom 'Monochrome'-Programm unschädlich zu machen, welcher jenes schon vor einiger Zeit hier eingeschleust hatte. Denn es war der wahre Grund für die Serverausfälle und Störungen.
      Nick wusste, dass Aiden damit versuchte, die Meinung der Konsumenten zu beeinflussen. Schlecht funktionierende Produkte erzeugten Unmut und sorgten dafür, dass man zur Konkurrenz wechselte. Da es noch einige Zeit bis zum Start vom Spiel Monochrome dauern würde, konnte er so ein negatives Image aufbauen – ohne das Wissen derer, die er eigentlich unterstützte.
      Ganz zu schweigen davon, dass er das Monochrome-Programm auch für andere Sachen nutzen konnte. Nick würde dem einen Riegel vorschieben.

      „Also“, drehte Melinda sich schließlich zu Nick um, „nochmal zur Verdeutlichung: Wenn ich dieses Duell verliere, gebe ich deiner Bitte nach.“
      „Und wenn du gewinnst?“, wollte Alexandra neugierig wissen.
      „Dann spürst du Harrier für mich auf“, forderte Melinda an Nick gewandt. Sie reichte ihm die Hand. „Deal?“
      Nick sah sie eindringlich an. „Ich spare mir an dieser Stelle meine Warnungen, was diesen Mann angeht. Deal.“
      Er schlug ein.
      Alexandra zuckte mit den Schultern. „Wie langweilig. Ist da jemand etwa auf Rache aus?“
      „Lass das mal meine Sorge sein“, kam sofort ein Konter der AFC-Chefin.
      „Legen wir los“, ließ Nick keine Zeit verstreichen und zog an den beiden Frauen vorbei, umrundete die Duellarena und nahm schließlich die Stufen an ihrem Ende hinauf und stellte sich vor das Pult.
      Melinda tat es ihm gleich, beide legten ihre Decks und Extradecks auf die entsprechend markierten Bereiche.
      „Bist du bereit?“, fragte der Rotschopf, doch es bedurfte keiner Antwort. „Duell!“
      Mit einem Tastendruck fuhren insgesamt vier Antennen an den Ecken der Arena aus, die ihrerseits bunte Scheinwerfer ausklappten, die auf das Spielfeld gerichtet waren – altmodische Hologramm-Emitter.

      [Nick: 4000LP / Melinda: 4000LP]

      „Ich beginne“, entschied Melinda kurzerhand zwinkernd und zog mit einem Ruck fünf Karten von ihrem Deck. Nick zeigte keine Reaktion, sondern tat es ihr lediglich gleich.
      Der hübsche Rotschopf griff sofort ein Monster aus ihrem Blatt. „Dieses hier setze ich zusammen mit einer verdeckten Karte. Das reicht fürs Erste!“
      Zischend materialisierten sich vor ihr ein horizontaler und ein vertikaler Kartenrücken.
      „Ziemlich zurückhaltend für jemanden wie dich“, kommentierte Alexandra ihr Spiel amüsiert. Die Blicke der beiden trafen sich und wieder überkam Melinda das Gefühl, diese Frau schon einmal gesehen zu haben.
      Sie erwiderte keck: „Es gibt da einen Spruch, den man öfter in Social Media-Applikationen liest. Unterschätze nie einen Menschen der einen Schritt zurück macht. Er könnte Anlauf nehmen."
      Die Blonde im Trenchcoat kicherte. „Wie wahr.“

      „Draw!“, unterbrach Nick das Mädchengespräch und zog seine Karte. Er nahm zwei andere aus seinem Blatt und führte die drei reihenweise in seine Zauber- und Fallenkartenslots. „Ich aktiviere drei permanente Zauberkarten.“
      Nacheinander stellten diese sich vor ihm auf. Und Melinda verlor ihr Grinsen. Jetzt wurde es spannend!

      ~-~-~

      Matt schritt an den Grabsteinen des Livingtoner Friedhofs vorbei, die alle ordentlich aufgereiht waren. Er wusste, dass es niemals einen Ort für die vermissten Kinder, für Alastair, Alector und die Erzieherinnen geben würde, der ihre letzte Ruhestätte darstellte. Also konnte er ihnen auch genauso gut hier gedenken.

      Hin und wieder spendete ein Baum Schatten. Es war keiner dieser berühmten amerikanischen Militärfriedhöfe, in denen simple weiße Kreuze nebeneinander standen. Jeder Grabstein war eigen. Matt mochte das. In der Ferne gab es einen Hügel mit einer einzelnen Eiche darauf, die wie eine Insel unter alldem wirkte. Dahinter schloss ein Wald an.
      Dorthin zog es Matt. Weiter hinten hatte er auch ein Mausoleum gesehen. Aber so etwas empfand er als übertrieben, das war nicht seins. Alastairs sicher auch nicht. Doch das würde er ihn nie fragen können.

      Schwer schluckend lief Matt den Hügel empor und setzte sich schließlich unter die Eiche. So hatte er einen guten Blick auf die Grabstein-Reihen und die dahinter liegende Straße.
      Was sollte er jetzt tun? Anya vertrauen, dass alles wieder geradegebogen wird? Rache an dem Undying nehmen, der seine Familie zerstört hatte? Er wusste es nicht.

      „Wie ich sehe, bin ich nicht der Einzige, den es heute hierher gelockt hat“, stellte eine wohlbekannte Stimme hinter Matt fest.
      Sofort stellten sich bei ihrem Klang seine Nackenhaare auf. Prompt stand der Dämonenjäger wieder und sah den Ärmel des schwarzen Anzugs hinter der Eiche. Der Sammler war hier!
      „Du schon wieder!“, knurrte er hasserfüllt.
      „Immer mit der Ruhe. Unsere Begegnung ist rein zufälliger Natur. Wenn man an so etwas glaubt“, sprach er und wandte sich um, stellte sich Matt. Er lächelte nicht, „ich meinerseits halte nicht viel vom lieben 'Zufall'.“
      „Die Zukunft ist im Ätherstrom vorgeschrieben …“
      „Du verstehst mich. Wo in dieser langen, blauen Linie, die unser Universum durchstreift, ist da schon Platz für das Unerwartete?“ Er sah gen Himmel. „Bedauerlich.“
      Matt richtete seinen Blick trotzig auf die Gräber. „Also wollten wir einander nicht begegnen, sind es aber trotzdem. Großartig.“
      Er richtete sich wieder an den rothaarigen Dämon britischen Akzents, der ihn unentwegt anzustarren schien. „Warum ist ein Dämon deines Kalibers überhaupt hier?“
      „Ist es so schwer zu akzeptieren, dass auch Leute wie ich 'Verlust' kennen könnten?“, kam eine spitze Gegenfrage.
      Tatsächlich fühlte sich Matt für den Bruchteil einer Sekunde schlecht deswegen. Zumindest bis er sich wieder gewahr wurde, was dieser Mann seiner Freundin Tara Hartwell angetan hatte.
      Trotzdem fragte er mit gewisser Neugier: „Liegt hier jemand, den du kennst?“
      Der Sammler lächelte und schritt an ihm vorbei. „Nein.“
      Matt sah ihm irritiert hinterher. „Und wieso bist du dann hier?“
      „Womöglich aus dem gleichen Grund wie du. Doch was spielt das für eine Rolle?“ Der Sammler blieb stehen und drehte sich lächelnd zu ihm um. „Stell endlich die Fragen, die dir wirklich auf der Seele brennen. Ich bin heute in der Stimmung, sie auch ohne Gegenleistung zu beantworten.“

      Was sollte er davon halten, fragte sich Matt. Dieser Schlange durfte man nicht vertrauen.
      Aber vielleicht wusste er, was mit den Bewohnern des Waisenhauses geschehen war, ob sie sogar noch lebten. Das zu wissen wäre es Matt sogar wert, ausgenutzt zu werden …

      „Was ist damals geschehen?“, fragte er und wusste genau, dass der Sammler ihn verstand.
      „Ich befürchte, ich kann dir nur das sagen, was du bereits weißt. Es war Stoltz.“ Das Lächeln des Sammlers schwand. „Er hat aus eigenem Antrieb gehandelt, nicht anhand seiner 'ewigen Ordnung'.“
      Matt ballte beide Fäuste. Also war er es wirklich gewesen! „Sind … sind sie …“
      „Ich weiß nicht, was den armen Seelen widerfahren ist.“ Der Dämon sah Matt eindringlich an. „Die Frage, ob ich sie ins Leben zurückholen kann, muss ich ebenfalls verneinen.“
      „D-dann leben sie noch!?“
      „Nein. Davon solltest du nicht ausgehen, Matthew Summers. Es bedeutet, dass ihre Seelen für mich unerreichbar sind. Und ohne sie kann eine Reanimation nicht gelingen.“
      Eine Sicherung ging bei Matt durch. Er fiel den Sammler an, packte ihn an den Armen und schüttelte ihn wie ein Wahnsinniger. „Was heißt das!? Was hat dieses Monster ihnen angetan!? Hat er ihre Seelen zerstört, gefressen, sie-!“
      Sofort wurde er unsanft zurückgestoßen. Äußerst pikiert klopfte der Rotschopf sich die Ärmel seines Anzugs ab. „Ich möchte doch bitten. Deine Finger sind voller Schweiß!“
      „Antworte!“
      „Ich sagte bereits“, erwiderte der Mann verstimmt, „ich weiß es nicht. Gemessen an Stoltz' Wahnsinn würde ich jedoch vom Schlimmsten ausgehen. Und du wirst überrascht sein: Das Leben deiner sogenannten Familie ist nicht alles, was er genommen hat.“
      Völlig erblasst von seinen Worten stammelte Matt: „W-was …?“
      „Das Grimoire. Er hat es mitgenommen. Möglicherweise war das von Anfang an sein Anliegen gewesen und du schiebst Anya Bauer völlig unberechtigterweise die Schuld an allem zu.“ Der Sammler drehte sich um. „Das ist aber nur ein Gedanke, der -mir- dabei kommt.“

      Matt sah auf seine zitternden Hände herab. Das Grimoire, das wohl umfassendste Lexikon zur dämonischen Welt? Wozu würde eine uralte Kreatur wie Stoltz, dessen Wissen weitaus umfassender sein müsste, so etwas benötigen? Die möglichen Antworten gefielen Matt überhaupt nicht.

      „Es tut mir leid, dass ich dir keinen Trost spenden konnte“, sprach der Sammler und riss ihn schließlich aus seinen Gedanken, „allerdings gebe ich dir noch einen Rat. Halt dich von Stoltz fern.“
      „Danke“, erwiderte Matt zerknirscht. Er konnte das alles nicht fassen.
      Indes drehte sich der Dämon im schwarzen Anzug endgültig um und ließ ein schwarzes, ovales Portal vor sich erscheinen. Er hob die Hand zum Abschiedsgruß. „Bis dahin, wenn wir wieder erbitterte Feinde sind, Matthew Summers.“
      „Warte!“, rief dieser ihm hinterher. Ihm war noch etwas eingefallen, das er unbedingt fragen musste. Und tatsächlich blieb der Sammler dieses Mal stehen. „Dein richtiger Name ist Strife Carrington, nicht wahr?“
      Keine Reaktion.
      „Du hast ihn damals fallen lassen, als du mich, Anya und Tara in deine Domäne beschworen hast“, sprach Matt hastig, „aber ich war zu zerwühlt, um das wirklich mitzubekommen. Vor einiger Zeit habe ich eine Familie namens Carrington aufgesucht, um einen Hüter zu finden.“
      Er merkte, wie der Dämon sich interessiert regte. „Ich habe nach jemandem mit deinem Namen gefragt, ohne zu wissen, dass du es bist. Aber die Herrin des Anwesens kannte ihn nicht. Erst als die Weiße Hexe dich so genannt hat, ist es mir klar geworden.“
      Der Rotschopfe mit der Narbe an der Wange drehte sich mit nachdenklich-belustigtem Gesichtsausdruck zu ihm um. „Und du möchtest jetzt wissen, in welcher Verbindung ich zu dieser Familie stehe, nicht wahr?“
      „Die Informationen zu den Hütern stammen von dir“, sagte Matt, „also gibt es eine, dessen bin ich mir sicher.“
      Er lächelte. Aber dieses Mal war es unheimlich schwer zu sagen, ob es falsch war oder nicht. „Du liegst richtig. Wäre ich geboren worden, wären Mr. und Mrs. Carrington meine Eltern.“
      „W-was!?“
      „Aber sie sind es nicht. Und bevor die Frage aufkommt: Nein, ich bin nicht der junge Mann, der damals meinen Nicht-Vater um den Status als Hüter angebettelt hat“, fügte der Sammler belustigt von Matts völlig entgeisterter Miene hinzu. „Wie ihr bereits korrekt spekuliert habt, ist dieser der Partner von Edna Caines, Harris Pataky. Aber da ihr die Artefakte nicht mehr für mich sucht, spielt das wohl keine Rolle mehr. Ich hoffe, das beantwortet deine Fragen.“
      Matt sah ihn mit großen Augen an und hauchte: „Nicht im Geringsten …“
      „Bedauerlicherweise ist das Interview vorbei.“ Er ließ den Zeigefinger um seine Schläfe kreisen. „Vielleicht lenkt dich das Erfahrene ja von deiner Trauer ab. Bring die rostigen Zahnräder in Bewegung, Matthew Summers.“
      Damit drehte er sich um und durchquerte ohne Weiteres sein Portal. Und Matt fragte sich ernsthaft, wie der Sammler überhaupt entstanden war, wenn er nicht geboren wurde …

      ~-~-~

      „Ich aktiviere drei permanente Zauberkarten“, hatte Nick verlauten lassen. Nacheinander erschienen diese aufgeklappt vor ihm. „[Dark Contract With The Gate], [Dark Contract With The Swamp King] und [Dark Contract With The Entities]!“
      „Finstere … Verträge?“ Das Grinsen verschwand aus Melindas Gesicht so schnell wie es gekommen war. Dieses neue Deck hatte wohl kaum noch etwas mit seinen Spielzeugen von damals gemein.
      „Ganz recht. Und ich nutze sofort den Effekt von [Dark Contract With The Gate], mit der ich ein D/D-Monster von meinem Deck auf die Hand nehmen kann.“ Der zerzauste, junge Mann auf der anderen Seite der Arena nahm sein Deck auf und holte eine Karte hervor. „[D/D Nighthowl].“
      Melinda indes tippte auf dem Bildschirm vor ihr die Karten ihres Gegners nacheinander an, las sie sich durch und weitete dann die Augen. Erstaunt sah sie auf. „Nick, diese Karten sind selbstzerstörerisch! Die ersten beiden fügen dir am Beginn deines nächsten Zuges 1000 Schaden zu, letzte sogar 2000! Zusammen sind das mit einem Schlag 4000! Damit verlierst du!“
      „Und was sagt dir das?“ Er zog die Augen zu Schlitzen zusammen und nahm ihr die Antwort ab. „Dass es keinen nächsten Zug mehr geben wird. Ich verwende den Effekt von [Dark Contract With The Swamp King] und fusioniere [D/D Berfomet] und [D/D Lamia] in meiner Hand!“
      Er breitete die Arme weit aus. „Grotesque god, carnivorous beauty! In a whirlpool of light from the realm of the dead, become one and give birth to a new king!“
      Vor seiner mittleren, offen stehenden Karte öffnete sich ein blubbernder Wirbel. Rechts daneben tauchte eine haarige, mutierte Gestalt mit zwei rechten Armen auf, die dafür statt eines linken einen schwarzen Flügel besaß sowie ein weiteres, weißes Flügelpaar. Links dagegen eine weiß-blaue Schlange, deren Kopf und Arme in roten Schuppenwulsten endeten. Beide wurden in den blubbernden Wirbel gezogen.
      „Fusion Summon! Be born! [D/D/D Flame King Genghis]!“
      Aus dem Wirbel trat ein großer, schlanker Krieger hervor, der ein massives, rotes Breitschwert sowie einen mannshohen, gleichfarbigen Schild mit sich führte. Eine Flammenaura umgab ihn dabei.

      D/D/D Flame King Genghis [ATK/2000 DEF/1500 (6)]

      „D/D/D?“, wunderte sich Melinda und fasste sich ans Kinn. „Nie gehört.“
      „Different Dimension Demon“, erklärte Nick die Abkürzung. „Ich habe diese Monster selbst entworfen. Und das Talent eurer Entwickler hat sie zum Leben erweckt.“
      Alexandra lachte vom Rand der erhöhten Plattform aus amüsiert. „Lob? Von Nick? Dass ich das noch erleben darf.“
      „Ich glaube, ich muss ein ernstes Wörtchen mit den Leuten von der Grafikabteilung wechseln“, überlegte Melinda wesentlich weniger angetan von Nicks Worten, „das muss Wochen gedauert haben, so viele Monster zu digitalisieren. Was haben sie getan, um so in deiner Schuld zu stehen?“
      Aber mehr als ein vielsagendes, bösartiges Grinsen bekam sie nicht aus Nick heraus. Stattdessen streckte der die Hand aus. „Der Effekt von [Dark Contract With The Entities] setzt ein und ich erhalte 1000 Lebenspunkte, da ich eine Fusionsbeschwörung durchgeführt habe.“
      Sowohl seine ganz rechts stehende Zauberkarte, als auch er selbst erstrahlten in violetter Aura.

      [Nick: 4000LP → 5000LP / Melinda: 4000LP]

      Damit würde er zumindest einem vorschnellen Ende durch den Schadenseffekt seiner Zauberkarten entkommen, erkannte Melinda. Wenn das überhaupt von Bedeutung war. Eine Schweißperle rann ihre Stirn herab.
      „Als Nächstes beschwöre ich den Empfänger [D/D Nighthowl] als Normalbeschwörung.“
      Neben seinem Krieger tauchte nichts weiter auf als ein riesiges Maul mit spitzen Zähnen und gelb leuchteten Augen. Doch aus genau diesem kam plötzlich der gehörnte Baphomet geflogen.

      D/D Nighthowl [ATK/300 DEF/600 (3)]
      D/D Berfomet [ATK/1400 → 400 DEF/1800 → 800 (4)]

      „Wie du erkennen kannst, belebt Nighthowl bei seiner Normalbeschwörung ein D/D-Monster von meinem Friedhof wieder, welches dabei jedoch 1000 Punkte auf beiden Werten verliert.“ Nick streckte die Hand aus. „Und jetzt stimme ich den Stufe 3-Empfänger Nighthowl auf den Stufe 4-Berfomet ab!“
      Das riesige Maul zersprang in drei grüne Lichtringe, durch die der geflügelte Dämon flog und dabei zu vier grünen Lichtsphären wurde. „Howls that tear through the night. Gain the swiftness of a gale and become the cries of a newborn king!“
      Ein Lichtblitz schoss durch die drei Ringe. „Synchro Summon! Be born! Level 7! [D/D/D Gust King Alexander]!“
      Mit flatterndem, grünem Cape landete ein Krieger in Weiß neben Genghis. Er hielt ein Langschwert in seiner rechten Hand.

      D/D/D Gust King Alexander [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      „Bei einer Synchrobeschwörung macht [Dark Contract With The Entities] eines meiner Monster immun gegen zielende Karteneffekte“, erklärte Nick und sowohl der Zauber, als auch Alexander leuchteten kurz weiß auf. „Außerdem setzt jetzt der Effekt von [D/D/D Flame King Genghis] ein. Da ein anderes D/D-Monster als Spezialbeschwörungen auf meine Spielfeldseite gerufen wurde, kann er ein D/D-Monster von meinem Friedhof reanimieren. Das funktioniert einmal pro Zug. Sei wiedergeboren, [D/D Berfomet]!“
      Melinda nahm das alles mit einem Stirnrunzeln auf. Der düstere Krieger rammte sein Schwert in den Boden und ließ neben sich eine Feuersäule empor schießen, die den geflügelten Dämon mit sich brachte.

      D/D Berfomet [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      Kaum hatte sich dieser zu den anderen beiden gesellt, streckte Nick die Hand aus. „Ich aktiviere den Effekt von [D/D Lamia] in meinem Friedhof. Ich schicke [Dark Contract With The Gate] auf den Friedhof, um sie von dort zu reanimieren, aber sie wird verbannt, sollte sie das Feld verlassen.“
      Die ganz linke von Nicks dauerhaften Zauberkarten löste sich auf und aus ihr trat die schlangenhafte, an Armen und Kopf mit Schuppenwulsten bedeckte Kreatur hervor.

      D/D Lamia [ATK/100 DEF/1900 (1)]

      „Effekt von [D/D Berfomet]! Er kann die Stufe eines anderen D/D-Monsters beliebig zwischen 1 und 8 festlegen! Lamia wird zu Stufe 4!“ Sein Baphomet stieß ein grässliches Brüllen aus, während die Lamia ihre Schuppen klappern ließ.

      D/D Lamia [ATK/100 DEF/1900 (1 → 4)]

      „Ich erschaffe das Overlay Network! Aus meinen beiden Stufe 4-Unterweltlern wird ein Rang 4-König!“ In der Mitte der Arena öffnete sich ein Schwarzes Loch, das den geflügelten Dämon und die Schlangendame als violette Lichtstrahlen in sich hineinzog.
      Melinda machte eine resignierende Grimasse. „Oh man, ich wusste es.“
      „In order to subjugate all that resides in this world, now, descend onto the peak of the world! Xyz Summon! Be born!“ Eine Explosion erfüllte den Wirbel, aus dem ein violetter, ein riesiges Breitschwert tragender Dämonenkrieger empor stieg. „Rank 4! [D/D/D Wave King Caesar]!“
      Jener reihte sich zu seinen beiden Mitherrschern ein, umgeben von zwei um ihn kreisenden Lichtsphären.

      D/D/D Wave King Caesar [ATK/2400 DEF/1200 {4} OLU: 2]

      Nick zeigte Melinda den Zeige- und Mittelfinger. „Da ich ein D/D-Monster gerufen habe, reanimiert Alexander ein solches von meinem Friedhof. Kehre zurück, [D/D Nighthowl]!“
      Als hätte er immer schon dahinter gelauert, kam hinter dem grünen Umhang des Wind-Eroberers das Riesenmaul mit den gelben Augen hervorgeschossen und wurde halb transparent.

      D/D Nighthowl [ATK/300 DEF/600 (3)]

      „Außerdem wird jetzt der Effekt von [Dark Contract With The Entities] aktiv, wenn ich ein Xyz-Monster beschwöre. Sofort wird eine deiner Karten auf dem Spielfeld verbannt.“ Nick zeigte zielgenau auf ihre gesetzte Backrow-Karte. „Diese!“
      Schon leuchteten seine Zauberkarte und ihr Ziel schwarz auf. Letzteres klappte noch auf und entpuppte sich als dauerhafte Falle [Performapal Pinch Helper], ehe sie sich auflöste.
      Melinda legte den Kopf schief. „Och! Und was soll mich jetzt aus der Klemme befreien?“
      „Gar nichts“, wusste Nick.
      Vor ihm befanden sich seine drei Herrscher. Fast schattenhaft schwebten sie über dem Boden, der mittlere umhüllt von roter Aura, die zu seinen Seiten in grüner und blauer respektive.
      „Oh Junge“, seufzte Melinda und stützte sich mit beiden Händen an dem Pult ab, sah dann mit ernstem Gesichtsausdruck auf, „das wird ja spaßig …“

      ~-~-~

      Eigentlich dürfte es ihm nichts ausmachen, doch Zanthe war innerlich selten so aufgewühlt wie in diesem Augenblick. So fegte er fast schon über den großen Parkplatz vor Logans Werkstatt, sah den blonden Exa bereits, der ihm in einem Blaumann entgegen kam.
      „Zanthe“, wunderte sich der junge Mann mit den Dreadlocks und den kurzgeschorenen, schwarzen Seiten, als er seinen Freund bemerkte, „stimmt etwas nicht?“
      Dass der Werwolf ihn fast umrannte, war eigentlich Antwort genug. Nur mit deutlichem Nachdruck in Form von einem sanften Stoß brachte er den gebürtigen Italiener zum Stehen. „Hey, ich rede mit dir!“
      „Du weißt genau, was nicht stimmt“, knurrte Zanthe verbittert und sah an ihm vorbei ins Innere der Werkstatt. Ein weißer Wagen stand dort leicht angehoben, unter ihm werkelte Logan scheinbar munter herum. Der Schwarzhaarige sah seinen Freund aus einer anderen Welt vorwurfsvoll an und atmete tief durch. „Ich will ihn zur Rede stellen!“
      Stöhnend fasste sich Exa an die Stirn, schüttelte den Kopf. „Hätte ich dir doch bloß nichts erzählt. Er hat seine Gründe, okay? Ich finde es auch nicht gut, aber-“
      „Nicht gut!? Das ist … das ist …!“ Zanthe packte sein Gegenüber unsanft an den Schultern. „Du hast keine Ahnung, was er damit anrichtet, wenn das rauskommt! Anya geht es sowieso schon schlecht genug!“
      Verwundert sah sein Freund ihn an. „Ist etwas passiert?“
      „Auch das trifft es nicht mal annähernd.“

      Kurzerhand buchsierte Zanthe Exa beiseite, um sich Platz zu machen. Wie ein Sommergewitter stürmte er auf Logan zu und trat als Erstes gegen den Wagen. „Hey! Wir müssen reden! Sofort!“
      „'s los?“ Auf einer kleinen Pritsche kam der kurzgewachsene Mann mit den schwarzen, buschigen Koteletten hervor gerollt und erhob sich unter Zanthes verächtlichen Blick. „Machst'n du für'n Lärm?“
      „Tu nicht so“, zischte der Werwolf, „Exa hat es mir gesagt!“
      Der Mann, ebenfalls im Blaumann, zeigte keine Regung. Aber sein Ton änderte sich, wurde schlagartig formeller. „Ich verstehe.“
      Er blickte düster an dem jungen Mann vorbei zu seinem Gehilfen, der seufzend die Schultern zuckte. „Ich bin nicht dein Geheimnishüter, Logan! Wenn ich zwischen euch wählen muss, wähle ich Zanthe, damit das klar ist.“
      „Wie kannst du sie nur so hintergehen?“, fragte Zanthe derweil vorwurfsvoll. „Uns alle.“
      Den Blick wieder auf ihn richtend, zog Logan ein schmutziges Tuch aus seiner Hosentasche hervor und wischte die Hände daran ab. „Exa, lass uns bitte alleine. Am besten besorgst du uns etwas Öl vom Großmarkt, das ist inzwischen fast ausgegangen.“
      „Tch …“, zischte der, gehorchte der Anweisung aber und entfernte sich von der Werkstatt.

      Als er außer Reichweite war, sagte Logan auf die Anschuldigungen ernst: „Es war nie meine Absicht, einem von euch näher zu kommen als notwendig.“
      „Das sehe ich aber ganz anders“, knurrte Zanthe unter aller Beherrschung, die er aufbringen konnte.
      „Die Dinge sind geschehen und nicht mehr rückgängig zu machen. Das bedaure ich zutiefst.“
      Der Werwolf nahm einen Schritt zurück, wenn auch nur, um ihm nicht sofort die Kehle aufzuschlitzen. Denn danach dürstete es ihn in diesem Moment mehr als ihm lieb war. „Wenn Anya das erfährt, bricht es ihr das Herz …“
      „Sie muss es nicht erfahren. Es liegt ganz bei dir. Und Exa. Ich bitte euch, es für euch zu behalten.“ Logan sah ihn abwartend an. Und wehrte mühelos einen Schlag ab, den sich Zanthe in diesem Moment nicht mehr verkneifen konnte. Ihn am Handgelenk festhaltend, sprach er: „Es ist von äußerster Wichtigkeit, dass ich meine Mission erfülle. Auch in Anyas Interesse.“
      „Du machst es dir echt einfach“, zischte Zanthe und riss sich los. Er torkelte, überrumpelt von all seinen Gefühlen, einige Schritte rückwärts und blieb stehen. „Anya bedeutet mir mehr als du dir vorstellen kannst. Sie ist meine Freundin, meine erste seit sehr, sehr vielen Jahren.“
      „Sie kann sich glücklich schätzen, jemanden wie dich zu haben.“
      „Und du?“ Zanthe sah ihn eindringlich an. „Empfindest du überhaupt irgendetwas für sie?“
      Logan schüttelte den Kopf. „Nein.“
      „Pft. Gut so.“ Er drehte sich um und schritt von dannen. „Ich werde deine Lüge für eine Weile aufrecht erhalten. Aber überlege dir gut, was du tust, denn wenn du Anya oder auch einen meiner anderen Freunde leiden lässt, zahle ich dir das hundertfach zurück. Verlass' dich drauf.“
      Damit war er mit Logan fertig.

      Erst als er den Parkplatz der Werkstatt verlassen hatte und längst am anderen Ende der anliegenden Straße angelangt war, tauchte aus dem Nichts eine Person auf dem Dach von Logans Garage auf.
      Niemand anderes als Exa saß dort in der Hocke, schüttelte fassungslos den Kopf und murrte an den unten stehenden Mann gewandt: „Lügner …“
      Logan lachte auf. „Wir beide wissen, dass es falsch ist.“
      „Wie kann so etwas falsch sein?“ Mit einem Satz landete der Blonde neben ihm.
      „Darüber mache ich mir keine Gedanken. Und nun mach dich an die Arbeit, das mit dem Öl war ernst gemeint.“
      Exa verdrehte genervt die Augen, als der Kleinere sich zurück in die Werkstatt verzog. „Mich kannst du nicht täuschen …“

      ~-~-~

      Melinda stützte sich mit ihren Händen an dem Pult der Duellarena ab. Auf der anderen Seite standen ihr die drei Dämonenkrieger mit blauer, roter und grüner Aura entgegen, fast schon nebensächlich war da das verteidigende Maul neben ihnen. „Das wird ja spaßig …“
      „Bisher sehe ich nichts, was du nicht schon vorher konntest“, meinte derweil die am Rande stehende Alexandra und legte ihren Zeigefinger an die Wange, „gut, du benutzt jetzt unterschiedliche Mechaniken, aber das Feld zu füllen war schon immer deine Stärke. Also was hat sich verändert?“
      Der zerzauste, brünette Mann schaute zu ihr herab. „Die Feinheiten. Aber die bekommen wir nur zu sehen, wenn Melinda diesen Zug übersteht. Und die Chancen dazu stehen sehr schlecht.“
      „Wir werden sehen“, erwiderte die zuversichtlich, „bist du auch eine Duellantin, Alexandra?“
      Die Blonde im Trenchcoat schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Es macht mir keinen Spaß.“
      „Verbrennt die Ketzerin!“, stieß Melinda pikiert scherzend heraus, aber keiner ihrer Gäste regte auch nur einen Mundwinkel. „Haha … sorry. Du weißt ja, wir sind die AFC … das ist unser Geschäft.“
      Mehr als ein mild amüsiertes Glucksen entlockte sie dem Supermodel da unten allerdings nicht. Ein Grund mehr, ihr mit Vorsicht zu begegnen. Wenn sie keine Duellantin war, woher kam sie ihr dann bekannt vor, wunderte sich Melinda.
      Nick rollte mit den Augen und streckte die Hand aus. „Genug mit dem Smalltalk. Sehen wir doch nach, welches Monster du verbirgst! [D/D/D Wave King Caesar], du solltest dafür ausreichend sein! Tidal Torrent!“
      Jener hob sein riesiges Breitschwert mit beiden Händen über den Kopf und schwang es nach links und rechts. Damit beschwor er reißende Flutwellen, die über das Feld rauschten und auf die verdeckte Monsterkarte von Melinda einstürzten. Drei bunte Kanarienvögel tauchten aus dieser auf und wurden fortgeschwemmt.

      Performapal Parrotrio [ATK/500 DEF/500 (3) PSC: <2/2>]

      „Ein Pendelmonster“, stellte Nick nach einem Blick auf dem Bildschirm vor ihm fest.
      „Ja! Und eines, das für Ersatz auf meinem Feld sorgt, wenn es zerstört wird“, erklärte Melinda, während sich über ihr ein buntes Loch im Himmel öffnete und die Lebensessenz der Vögel als roten Lichtstrahl absorbierte. „Wird [Performapal Parrotrio] im Kampf zerstört, ruft er einen Performapal als Spezialbeschwörungen von meinem Deck.“
      Sie hob den Zeigefinger. „Einzige Einschränkung: Es darf kein Pendelmonster sein!“
      „Also spielst du eine Mischung aus regulären Effekt- und Pendelmonstern“, schlussfolgerte Nick.
      „Genau.“ Melinda nahm die gesuchte Karte aus ihrem Deck und knallte sie auf den Spielplan vor sich. „Und jetzt erscheine, [Performapal Sleight Hand Magician]!“
      Vor ihr stieg ein in roter Robe steckender, dank seiner in zwei Spitzen endenden Mütze an einen Gaukler erinnernder Magier aus dem Boden, der einen Zauberstab und Glaskugeln in den Händen hielt. Sein Unterleib ging in einen großen, weiß-geflügelten Kristall über.

      Performapal Sleight Hand Magician [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      Aber ihr Gegner fackelte gar nicht lange. „[D/D/D Gust King Alexander], vernichte ihn. Rising Storm!“
      Einmal ließ sein weißer Krieger sein Langschwert ausschwingen und ließ damit einen Wirbelsturm entstehen, um sich wütete und den Magier anpeilte.
      Melinda hob eine Augenbraue an. „Du willst also einen Doppelkill? Fein! Konterangriff, Trick Knives!“
      Schon warf ihr Hexer seine Kugeln auf den Eroberer, welche sich im Flug in vier scharfe Messer verwandelten und unbeschadet durch den Sturm flogen. Welcher kurz darauf sein Opfer zerfetzte, während Alexander ins Herz getroffen wurde und explodierte.
      „[D/D/D Flame King Genghis]“, rief Nick da schon aus, „direkter Angriff auf ihre Lebenspunkte. Fire Stroke!“
      Schon richtete der Krieger mit dem hohen Schild seine rote Klinge auf Melinda und stieß von ihr eine gigantische Flamme aus. Jene prallte jedoch vor Melinda an der Grenze zu ihrem Duellpult ab, da ab dort keine Hologramme mehr dargestellt werden konnten.

      [Nick: 5000LP / Melinda: 4000LP → 2000LP]

      „Ende der Battle Phase. Ich kann jetzt den Effekt von [D/D/D Wave King Caesar] aktivieren und eine Overlay Unit abhängen, um alle in diesem Zug durch Kampf zerstören D/D-Monster zurückzuholen. Öffne das Tor der Hölle!“, wies Nick sein Monster an.
      Jener düstere Krieger hob sein Schwert wieder an, absorbierte damit eine der um ihn kreisenden Lichtkugeln und schlug die Spitze dann neben sich auf den Boden. Aus jener Stelle erhob sich keine Sekunde der weiße Herrscher im grünen Cape.

      D/D/D Wave King Caesar [ATK/2400 DEF/1200 {4} OLU: 2 → 1]
      D/D/D Gust King Alexander [ATK/2500 DEF/2000 (7)]

      „Hmm“, überlegte Melinda mit Blick auf den Bildschirm. „Aber das kostet dich zu Beginn deines nächsten Zuges für jedes Monster 1000 Lebenspunkte. Dieses Deck ist wirklich sehr selbstzerstörerisch.“
      Nick reagierte gar nicht, betrachtete stattdessen seine letzte Handkarte, die er verdeckt vor sich hinlegte. „Diese hier setze ich. Zug beendet!“
      Zischend materialisierte sie sich in der mittleren der fünf auf dem Feld gezeichneten, hinteren Zonen, zwischen den beiden offen stehenden Zaubern.

      Als Melinda aufzog, tippte sie nervös mit den Fingern auf der Verkleidung ihres Pults. Aber es war nicht ihre Art, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. So sagte sie frei heraus: „Du bist so anders als damals, Nick. Als wir uns das erste Mal im Livingtoner Park trafen, warst du ein trotteliger, aber süßer Kerl.“
      „Es war eine Maskerade“, erwiderte Nick, „nichts weiter.“
      „War es das?“, zweifelte Melinda allerdings und schüttelte den Kopf. „Ich bin mir da nicht so sicher. Aber du weißt das sicher am besten. Warum tust du so etwas? Das frage ich mich schon seit einer ganzen Weile.“
      „Weil es notwendig war.“
      Die Rothaarige seufzte. „Für wen und was?“
      „Ich muss mich weder erklären noch rechtfertigen“, kam eine eisige Retour.
      Und Alexandra kicherte von unten: „Vorsicht, heikles Thema.“
      Nick schloss die Augen. „Hör zu, Melinda. Ich denke, du bist ein guter Mensch. Du hast viel auf dich genommen, schon damals, als du dich in einer Kanalisation versteckt und verstümmelt hast, um den Immateriellen in dir zu unterdrücken.“
      Sofort fasste sich Melinda mit der linken Hand erschrocken an ihren rechten Unterarm. Ihr Gegenüber öffnete seine Augen. „Und du hilfst Anya wann immer möglich. Dafür danke ich dir. Aber gute Menschen sollten sich nicht mit den Beweggründen von schlechten Menschen aufhalten, sie würden sie nicht verstehen.“
      „Bist du ein schlechter Mensch?“, fragte Melinda und beugte sich über ihre Konsole. „Das glaube ich nicht! Hast du noch etwas anderes zu verbergen?“
      Der zerzauste Mann lachte zynisch auf. „Sehe ich aus wie jemand, der -nichts- zu verbergen hat?“
      Und erntete dafür ein trauriges Lächeln. „Nein …“
      „Dann kümmere dich nicht länger um mich und konzentriere dich aufs Wesentliche“, forderte Nick nun in einem scharfen Tonfall.
      Sie nickte. „Wenn du ein schlechter Mensch bist, habe ich nur einen weiteren Grund, deine Forderung abzulehnen. Aber wir haben einen Deal. Und ich kann dich besiegen, egal mit welchen Karten du gegen mich antrittst!“
      Da lachte Alexandra wieder bitterböse auf. „So wie sie gegen Harrier gewonnen hat? Oh, habe ich etwas Falsches gesagt?“
      Sie sah hinauf zu der entsetzten Rothaarigen. „Entschuldigung, da habe ich zu laut gedacht.“
      „Hätte ich gewusst, dass du auf spitze Zungen stehst, hätte ich mich gleich von Anfang an anders verhalten“, sprach Melinda aber mit einem Grinsen ihren Gegner an, „schade, dass sie keine Ahnung hat, wovon sie da spricht.“
      „Hey!“, protestierte die Blonde jedoch amüsiert.

      „Sieh gut zu, vielleicht lernst du ja noch was“, zwinkerte Melinda ihr zu und griff nach zwei Karten in ihrem Blatt, „ich aktiviere [Performapal Pendulum Sorcerer] mit dem Pendelbereich 2 und [Performapal Lizardraw] mit dem Pendelbereich 6! Pendulum Scales set!“
      Zwei hellblaue Lichtsäulen schossen vor ihr auf dem Spielfeld aus dem Boden. In der linken stieg ein in rot gekleideter Zauberkünstler mit einem Pendel in der Hand empor, neben ihm eine orange, auf zwei Beinen stehende Echse in einem Dompteurkostüm.

      <2> Melindas Pendelbereich <6>

      „Letzterer bleibt nicht lange dort!“, verkündete der Rotschopf entschlossen. „Ich aktiviere Lizardraws Effekt, sich bei der Anwesenheit eines anderen Kumpels in den Pendelzonen selbst zu zerstören, um mich eine Karte ziehen zu lassen!“
      Der Kragen des Echsendompteurs, der aus fünf Karten mit Fragezeichen darauf bestand, fächerte sich weit aus und brachte das Reptil zum Platzen. Melinda zog schnurstracks ihre Karte und zeigte bereits eine neue vor. „Aber der frei gewordene Platz bleibt nicht lange unbesetzt! Ich aktiviere [Performapal Momoncarpet] mit dem Pendelbereich 7! Pendulum Scales set!“
      Kaum war die Echse verschwunden, stieg an ihrer Stelle ein fliederfarbenes Flughörnchen in der Lichtsäule empor, auf dessen Rücken das Muster eines orientalischen Teppichs gestickt war.

      <2> Melindas Pendelbereich <7>

      „Sie will wohl ihre Zahlen verbessern, was?“, fragte Alexandra an Nick gewandt.
      Der entgegnete knapp: „Je größer die Differenz zwischen den beiden Scales, desto facettenreicher die Monster, die sie durch die Pendelbeschwörung rufen kann.“
      „Das habe ich schon verstanden“, reagierte die Blonde darauf schnippisch.
      „Wozu dann das Offensichtliche ansprechen?“
      Melinda verdrehte bei dem Wortgefecht der beiden genervt die Augen. „Nehmt euch ein Zimmer, ihr zwei! Aber dazu habt ihr eh gleich genug Zeit! Von meiner Hand der Spielfeldzauber [Performapal Dramatic Theater]!“
      Da Arenen wie diese durch die veraltete Technologie nicht in der Lage waren, das komplette Umfeld in das eines Spielfeldzaubers umzuwandeln, wurde jener stattdessen auf Melindas Seite als Fußbodengrafik abgebildet – eine riesige Manege, die so voll von verschiedenen Performapal-Monstern war, dass man sie kaum als solche erkannte.

      Eigentlich sollte ihr das alles gar nichts ausmachen, aber insgeheim wollte Melinda beweisen, dass sie mehr war als nur ein Mittel zum Zweck. Denn als solches kam sie sich immer mehr vor. Für Anyas Teilnahme am Legacy Cup und Sparringspartnerin, als Opfer von Harrier und nun auch noch als Nicks persönliches Vitamin B. Je mehr sie darüber nachdachte, desto mehr schmerzte sie dieser Gedanke, denn es bedeutete irgendwo auch, dass sie nicht in derselben Liga spielte wie all ihre Bekannten und Freunde. Verdammter Stolz …

      Mit neuentdecktem Ehrgeiz streckte Melinda entschlossen die Hand nach vorne aus. „Und jetzt schwinge bis in alle Ewigkeit, Pendulum!“
      Über ihr öffnete sich ein buntes Loch, umgeben von zahllosen Lichtellipsen. „Aus meinem Extradeck rufe ich [Performapal Parrotrio] und [Performapal Lizardraw]! Und aus meiner Hand [Performapal King Bear]! Pendulum Summon!“
      Nacheinander schossen drei rote Lichtstrahlen aus dem Pendelportal und schlugen in ihren Monsterkartenzonen ein. Es waren das bunte Papageientrio, der Echsendompteur und ein muskulöser, hellbrauner Bär mit Krone auf dem Kopf und in einem roten Umhang gehüllt.

      Performapal Parrotrio [ATK/500 DEF/500 (3) PSC: <2/2>]
      Performapal Lizardraw [ATK/1200 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]
      Performapal King Bear [ATK/2200 DEF/1000 (6) PSC: <7/7>]

      Plötzlich begann das Pendel in der Hand des roten Magiers in der Lichtsäule ganz von allein auszuschlagen. Nacheinander entfachten weiße Auren um ihre Monster.
      „Nun tritt der Effekt von [Performapal Pendulum Sorcerer] in der Pendelzone ein. Immer wenn eine Pendelbeschwörung auf meiner Seite durchgeführt wird, stärkt er sämtliche Performapals um 1000 Angriffspunkte bis zum Zugende.“ Doch der Rotschopf war noch lange nicht fertig. „Und ferner werden meine Performapals durch den Effekt von [Performapal Dramatic Theater] um 200 weitere Punkte pro verschiedenem Typ auf meinem Feld gestärkt. Das sind Geflügeltes Ungeheuer, Reptil und Ungeheuer-Krieger respektive, also insgesamt 600 Punkte obendrauf!“
      Die weißen Auren ihrer drei Monster entflammten regelrecht, loderten und ließen die Luft flimmern.

      Performapal Parrotrio [ATK/500 → 1500 → 2100 DEF/500 (3) PSC: <2/2>]
      Performapal Lizardraw [ATK/1200 → 2200 → 2800 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]
      Performapal King Bear [ATK/2200 → 3200 → 3800 DEF/1000 (6) PSC: <7/7>]

      Alexandra pfiff beim Anblick der Monster anerkennend. „Du bist ja richtig sauer geworden. Alle Achtung, damit kannst du jeden besiegen. Fast jeden …“
      Natürlich war Melinda klar, wer da die Ausnahme darstellen sollte. Doch immer größer war ihr Drang, dieses Weib in die Schranken zu weisen. „Wie viel verdient man eigentlich so als persönliche Cheerleaderin? Und wo ist deine Uniform, wenn wir schon dabei sind?“
      „Ui, sie -ist- sauer“, gluckste Alex vergnügt und sah herüber zu Nick, den das alles selbstverständlich nicht im Geringsten interessierte.
      „Battle Phase!“, rief Melinda diese angespannt aus. „Und jetzt erlebst du gleich die nächste Überraschung!“
      Denn die weiße Aura um ihren kräftigen, aufrecht stehenden Bären wurde tatsächlich zu echtem Feuer. „Während meiner Battle Phase bekommt King Bear 100 Angriffspunkte für jede meiner offenen Performapal-Karten! Samt Spielfeldzauber und den Pendelkarten sind das sechs!“

      Performapal King Bear [ATK/3800 → 4400 DEF/1000 (6) PSC: <7/7>]

      „Aber er ist es nicht, mit dem ich als Erstes angreife! [Performapal Parrotrio], attackiere [D/D/D Wave King Caesar]!“
      Im Chor begannen die drei Kanarienvögel singend Schallwellen auszustoßen, die über das Feld fegten. Alexandra drehte eine ihrer Strähnen um den Finger. „Wenn sie ein stärkeres Monster angreift …“
      „... will sie mit dem Effekt ihres eigenen ein anderes beschwören“, beendete Nick des Satz wissend.
      „So ist es!“, bestätigte Melinda, als der Wellenkönig sein Schwert schwang und eine Flut davon löste, die die drei Papageien wegspülte. „Jeder Kampfschaden, der gegen mich gerichtet ist, wird halbiert, solange [Performapal Momoncarpet] in der Pendelzone liegt!“
      Nur ein paar Ausläufer der Welle spitzen gegen das Pult von Melinda, die zuversichtlich grinse.

      [Nick: 5000LP / Melinda: 2000LP → 1850LP]

      Als roter Blitz wurden die Reste ihrer Vögel von dem sich öffnenden Pendelportal absorbiert.
      „Da Parrotrio zerstört wurde, kann ich einen Nicht-Pendel-Performapal von meinem Deck beschwören! Erscheine, [Performapal Sword Fish], im Verteidigungsmodus!“
      Vor ihr materialisierte sich ein hellblauer Fisch in der Form eines Schwertes, dessen schwarze Elvistolle spitz wie eine Klinge zu lief.

      Performapal Sword Fish [ATK/600 → 1200 DEF/600 (2)]

      „Ich habe … etwas anderes erwarte“, meinte Alexandra schulterzuckend.
      Nick anscheinend nicht. „Es ist perfekt.“
      „Du kennst seinen Effekt also? Ich nehme an, du hast Anyas erstes Duell gegen mich analysiert“, überlegte Melinda und zuckte mit den Schultern, „dich kann man auch mit nichts überraschen, oder?“
      Plötzlich traten insgesamt vier durchsichtige Abbilder des Fisches aus diesem heraus, verwandelten sich in echte Schwerter und schossen auf die vier Dämonen auf Nicks Seite zu. Jeder wurde von einem durchbohrt, ohne aber dabei zu verenden.
      „Für die Unwissenden“, sprach Melinda und sah dabei zur Blonden herab, „Sword Fishs Effekt reduziert die Werte aller Gegnermonster um 600, wenn er oder ein anderer Performapal beschworen wird.“
      Zu ihrer großen Überraschung erwiderte Alexandra jedoch: „Weiß ich.“
      „W-was? Woher?“
      „Uh, habe ich schon mal irgendwo gesehen“, wurde ihr zwinkernd versichert.
      Und genau das alarmierte Melinda. Sie hatte Sword Fish genau einmal ausgespielt, während der Abendgala zum Auftakt des Legacy Cups. Gegen Anya. Das Event fand unter geschlossener Gesellschaft statt, also woher …?
      Derweil knickten die drei Könige und der Baphomet ein, stöhnten schwer.

      D/D/D Flame King Genghis [ATK/2000 → 1400 DEF/1500 → 900 (6)]
      D/D/D Gust King Alexander [ATK/2500 → 1900 DEF/2000 → 1400 (7)]
      D/D/D Wave King Caesar [ATK/2400 → 1800 DEF/1200 → 600 {4} OLU: 1]
      D/D Nighthowl [ATK/300 → 0 DEF/600 → 0 (3)]

      Nicks Begleiterin einen sehr skeptischen Blick zuwerfend, wandte sich Melinda schließlich an ihren Gegner. Mit dem Daumen zeigte sie auf die Blonde herab. „Wo hast du die nochmal aufgegabelt?“
      „Unwichtig.“
      „Sehe ich anders. Aber eins nach dem anderen. Wenn in Anwesenheit Lizardraws Performapals zerstört werden, ziehe ich für jedes verbliebene auf dem Feld eine Karte. Macht zu dem Zeitpunkt zwei.“ Melinda zog entsprechend, ihre freudige Ausstrahlung war verflogen. „[Performapal King Bear], vernichte [D/D/D Wave King Caesar]! World's Strongest!“
      Wie ein wütender Stier stampfte der Bär über das Feld, schwang seine Faust dabei ein paar Mal und schlug sie so heftig gegen den abblockenden Krieger, dass dieser die Bodenhaftung verlor und gegen Nicks Duellfeldbegrenzung knallte.

      [Nick: 5000LP → 2400LP / Melinda: 1850LP]

      „Effekt von [D/D/D Wave King Caesar]. Wird er zerstört, erhalte ich eine Dark Contract-Karte von meinem Deck.“ Nick nahm jenes auf und zeigte die gewünschte vor. „Ich nehme eine zweite Kopie von [Dark Contract With The Gate].“
      „Zu spät für sowas. [Performapal Lizardraw] ist stark genug, um dich zu besiegen! Und zwar dank des Schnellzaubers [Ego Boost], der seinen Angriffswert bis zum Ende der Battle Phase um 1000 erhöht!“
      Die Echse schwoll voller falschem Stolz an wie ein Ballon, als die Zauberkarte hinter ihm aufklappte.

      Performapal Lizardraw [ATK/2800 → 3800 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]

      „Attackiere [D/D/D Flame King Genghis]! Volle Pulle!“
      Alexandra indes schmunzelte. „Deshalb also der Fisch. Ohne ihn hätte es nicht gereicht. Aber was erwartet man auch sonst von einer Ford?“
      Der orangefarbene Echsendompteur schnappte sich die Karten von seinem Kragen und warf sie wie Klingen auf den Krieger, welcher seinen roten Schild schützend anhob.
      „Man erwartet mehr Aufmerksamkeit“, murrte Nick. „Verdeckte Falle: [Contract Laundering]!“
      Da durchbohrten die Wurfgeschosse Genghis bereits, welcher in einer gewaltigen Explosion unterging. Eine einzelne Karte flog auf Nick zu, verschwand jedoch, als sie den Rand seines Pults passierte.

      [Nick: 2400LP → 4400LP → 2000LP / Melinda: 1850LP]

      Melinda lachte plötzlich. „Schade nur, dass deine beiden Zauberkarten dir zu Beginn deines Zuges das Genick brechen werden mit ihren Schadenseffekten.“
      Sie verzog die Augen zu schlitzen. „Würde ich zumindest gerne sagen, aber durch den Effekt deiner Falle wurden sie anscheinend zerstört.“
      „Korrekt. [Contract Laundering] vernichtet eine beliebige Anzahl meiner offenen Dark Contract-Karten und lässt mich als Kompensation für jede eine Karte ziehen und 1000 Lebenspunkte regenerieren.“
      Insgesamt drei Karten hielt der zerzauste, junge Mann im schwarzen Mantel inzwischen in der Hand.
      „Das habe ich mir wohl etwas zu einfach vorgestellt“, gestand Melinda zerknirscht und nahm ihre letzte Handkarte, die sie vor sich in die mittlere Zauber- und Fallenkartenzone legte, wodurch sie vor ihr auf dem Spielplan erschien, „die verdeckt. Du bist dran, was bedeutet, dass der Boost von [Performapal Pendulum Sorcerer] und [Ego Boost] nachlässt.“
      Die flammende Aura um ihren Bären erlosch, die angeschwollene Brust ihrer Echse ging zurück.

      Performapal King Bear [ATK/4400 → 2800 DEF/1000 (6) PSC: <7/7>]
      Performapal Lizardraw [ATK/3800 → 1800 DEF/600 (3) PSC: <6/6>]

      „Beenden wir das“, entschied Nick und zog auf eine insgesamt vierte Handkarte auf, wo er kurz zuvor nicht eine besessen hatte. „Aufgrund des Effekts von [D/D/D Wave King Caesar] werden mir 1000 Lebenspunkte Schaden zugefügt.“
      Zahlreiche Blitze schlugen vor Nick um das Spielfeld, ohne ihn dabei zu treffen.

      [Nick: 2000LP → 1000LP / Melinda: 1850LP]

      Melinda versuchte eine unbekümmerte Miene zu wahren, doch innerlich war sie aufgewühlter denn je. Nicks Worte gingen ihr nicht aus dem Kopf. Was hatte er vor, wenn er sich selbst in einem derart schlechten Licht sah?
      Zielorientiert wie der brünette, junge Mann war, verlautete er sofort im Anschluss: „Ich aktiviere den dir bereits bekannten, permanenten Zauber [Dark Contract With The Gate] und erhalte pro Zug ein D/D-Monster von meinem Deck.“
      Er nahm jenes auf, durchsuchte es und legte es mit der Karte in der Hand ab. Jene drehte er Melinda langsam zu. „[D/D Savant Kepler].“
      Sofort stach dem Rotschopf der orangefarbene, am unteren Ende ins Grüne übergehende Kartenrand ins Auge. Das war eines der Pendelmonster, das sie beim Übertragen der Dateien bemerkt hatte.
      „Ich aktiviere [D/D Savant Galilei] mit dem Pendelbereich 1 und [D/D Savant Kepler] mit dem Pendelbereich 10. Pendulum Scales set!“
      Links und rechts vor ihm schossen zwei hellblaue Lichtsäulen aus dem Boden. In ihnen stiegen zwei absurde Maschinen empor. Die Galilei genannte war eine goldene Statue mit einem Teleskop in ihrer Mitte, betrieben von zahlreichen Schaltern und Hebeln. Auch der Kopf, das einzig humanoide Merkmal des Apparats, war mechanischer und gleichzeitig dämonischer Natur. Dagegen war die dunkelblaue, in der anderen Säule empor steigende Maschine umgeben von zahlreichen Ringen an einer gewölbten Ausbuchtung, an der Miniaturplaneten des Sonnensystems hingen. Unter dem Kinn des Kopfes der Statue mündete dies in der Sonne.

      <1> Nicks Pendelbereich <10>

      „Beeindruckend“, lobte Melinda den Anblick beider Kreaturen, „ist das alles deinen Gedanken entsprungen?“
      „Spielt das eine Rolle?“
      Sie nickte lächelnd. „Natürlich. Ich als Erfinderin der Pendelbeschwörung stehe zum ersten Mal meiner eigenen Schöpfung gegenüber, ohne sie genau zu kennen. Das ist ziemlich aufregend, um ehrlich zu sein.“
      Alexandra kicherte verschwörerisch, ganz zum Argwohn Melindas. Wie arrogant diese Frau doch war. Aber es ratterte im ältesten Ford-Spross. Sie hatte schon eine Idee, wie sie Nicks Begleiterin das Maul stopfen würde.
      „Ich duelliere mich nicht aus Spaß, sondern um weiterzukommen“, sprach jener ernst.
      „Du hast … überhaupt keinen Spaß daran?“, fragte Melinda ungläubig und sah wieder auf.
      „Nein.“
      „Das ist schade.“ Sie sah ihn betrübt an. „Genau das ist, was ich als AFC-Repräsentantin und auch als Mensch gar nicht gerne höre.“
      Nick sah sie eisig an. „Eines Tages werde ich dieses Spiel vielleicht als solches genießen können. Aber zunächst muss noch eine Menge getan werden.“
      Und Melinda wusste, dass es keinen Sinn hatte zu fragen, woran er dabei dachte.
      So streckte Nick den Arm aus. „Aus meiner Hand der Stufe 8 [D/D/D Doom King Armageddon]! Pendulum Summon!“
      Am Ende der Lichtsäulen öffnete sich zwischen diesen das bunte Pendelportal und stieß einen einzelnen, roten Strahl aus. Jener nahm vor Nick die Form einer massiven, schwebenden Kreatur an. Jenes bestand aus einem länglichen Kristall, in dessen Innerem ein schwarzes Loch tobte. Umgeben wurde die obere, dickere Sektion von einem Ring, an dessen Front ein mechanisches, dämonisches Gesicht herausragte.

      D/D/D Doom King Armageddon [ATK/3000 DEF/1000 (8) PSC: <4/4>]

      Kaum hatte es das Feld betreten, schwang Nick den Arm aus. „Und vergessen wir nicht, dass ich durch den Effekt von [D/D/D Gust King Alexander] ein D/D-Monster der Stufe 4 oder niedriger reanimieren kann, wenn ich ein D/D-Monster beschwöre. Sei wiedergeboren, [D/D Berfomet]!“
      Jener Wind-König schwang einmal seine Hand aus, schon erschien zu seiner Rechten das finstere Mischwesen.

      D/D Berfomet [ATK/1400 DEF/1800 (4)]

      „Effekt von [D/D Berfomet]“, rief Nick unmittelbar danach aus, „er ändert die Stufe eines anderen D/D-Monsters auf dem Feld. Nighthowls Stufe wird zu 4!“
      Der Baphomet mit den zwei rechten Armen stieß ein gefährliches Gebrüll aus, wodurch das Maul mit seinen spitzen Zähnen anwuchs.

      D/D Nighthowl [ATK/0 DEF/0 (3 → 4)]

      „Und jetzt stimme ich den Stufe 4-Empfänger [D/D Nighthowl] auf den Stufe 4-[D/D Berfomet] ein! Tuning!“ Das Maul stieg auf und zersprang in vier grüne Lichtringe, die der Baphomet fliegend durchquerte. Dabei zersprang er in vier grüne, hintereinander angereihte Lichtkugeln. „Climb over the corpses of heroes, carrying your bloodstained blade!“
      „Noch eine Synchrobeschwörung?“ Melinda verkrampfte die Finger. Flüsterte: „Er reizt all seine Möglichkeiten bis aufs Maximum aus … beängstigend …“
      Nick derweil tönte: „Synchro Summon! Be born! Level 8! [D/D/D Cursed King Siegfried]!“
      Ein Lichtblitz durchzog die Ringe und aus ihm schoss ein weißhaariger, Langschwert-schwingender Krieger in silber-schwarzer Rüstung, der schwebend hinab stieg und sich neben seinen Kameraden Alexander gesellte.

      D/D/D Cursed King Siegfried [ATK/2800 DEF/2200 (8)]

      „Los, [D/D/D Gust King Alexander]“, rief Nick mit ausgestreckter Hand, „Angriff! Dein Ziel ist [Performapal King Bear]!“
      Melinda weitete die Augen. „King Bear? Das stärkste meiner Monster? Da ist doch was faul!“
      Sie drehte die verdeckt liegende Karte vor sich um, wodurch jene auch auf dem Spielfeld aufklappte. „So weit lasse ich es gar nicht erst kommen!“
      Der weiße Dämonenkrieger hob bereits sein Langschwert, als von Melindas Falle ein gleißendes Strahlen ausging. „[Command Performance]! Da ich einen Performapal kontrolliere, gehen all deine Monster in die Verteidigungsposition!“
      „Ach wirklich?“, gab sich Nick unbeeindruckt. „Ich denke nicht. Siegfried.“
      Jener nahm seine Klinge und schnitt sich damit in die Hand. Im Anschluss schleuderte er das schwarze Blut in Richtung Melinda, wo es an ihrer Fallenkarte kleben blieb und diese komplett schwarz einfärbte. Dann löste sie sich auf.
      „Entschuldigung, was ist da grad passiert?“, wollte die wissen.
      „[D/D/D Cursed King Siegfried] kann einmal pro Zug eine Karte wählen und ihren Effekt einen Zug lang annullieren. Da dies ein Schnelleffekt ist, funktioniert er auch in deinem Zug.“
      „Dann …“
      „Ja. Alexander richtet seinen Angriff wie gehabt gegen [Performapal King Bear]. Rising Storm!“
      Sein weißer Kriegerkönig ließ dessen Langschwert ausschwingen und erzeugte damit einen Wirbelsturm, der in seinem Zerstörungswahn auf den wuchtigen Bären zu rauschte. Jener stampfte einmal auf den Boden und ließ ein riesiges Stück Fels von dort herausbrechen, welchen er mit einem Faustschlag in Richtung des Angreifers schleuderte.
      Dabei meinte Melinda zwinkernd: „Dein Alexander mit seinen 1900 Angriffspunkten hat ziemliche Todessehnsucht. Ist das sein Fetisch?“
      Nick zog es vor, nicht zu antworten. Der Felsbrocken durchbrach den Sturm, der sich prompt auflöste und zerschmetterte den weißen Krieger daraufhin.

      [Nick: 1000LP → 100LP / Melinda: 1850LP]

      „Nun wirkt der Effekt von [D/D/D Doom King Armageddon].“ Auf Nicks Ausruf hin begann das Schwarze Loch im Herzen der Kristallkreatur zu pulsieren, violette Blitze schlugen um sie. „Einmal pro Zug addiert es die Angriffspunkte eines zerstörten D/D-Monsters zu seinen eigenen.“

      D/D/D Doom King Armageddon [ATK/3000 → 5500 DEF/1000 (8) PSC: <4/4>]

      „Wow, das war ja einfacher, als einem Kind den Lutscher wegzunehmen“, gluckste Alexandra indes und lächelte Melinda heimtückisch an.
      In dem Moment durchfuhr es diese wie ein Blitz. Sie erinnerte sich daran, wo sie dieses Gesicht schon einmal gesehen hatte. Auf den Aufnahmen eines Überwachungsvideos. Sie war diejenige, die Anyas Deck damals gestohlen hatte!
      „Ich bin mir sicher, du hast es bereits erkannt“, sprach Nick derweil emotionslos, „selbst mit der Fähigkeit deines [Performapal Momomcarpets] kannst du den Kampfschaden nicht genug senken, wenn Armageddon deinen [Performapal Lizardraw] angreift. Es reicht genau aus.“
      Da Melinda nur mit halbem Ohr hinhörte, fiel ihre Antwort ziemlich knapp aus. „Ja …“
      „Wie ich bereits sagte, halte ich dich für einen guten Menschen. Daher entschuldige ich mich hierfür. [D/D/D Doom King Armageddon], beende es! Final Destination!“
      In dem Moment lösten sich zahlreiche, hellviolette Lichtbögen von seiner Kreatur und steuerten allesamt auf ihren Echsendompteur zu. Melinda biss die Zähne zusammen und bedachte Alexandra eines letzten, feindlichen Blickes, ehe sie ihre Aufmerksamkeit auf das Duell richtete. Die Strahlen schlugen überall vor ihr auf dem Spielfeld ein und blendeten sich regelrecht.

      [Nick: 100LP / Melinda: 1850LP → 0LP]

      Als sie die Augen öffnete, verschwanden die Hologramme bereits. Nick nahm die Stufen hinter sich und steuerte bereits auf den Ausgang zu. Alexandra machte Anstalten ihm zu folgen.
      „Warte!“, rief Melinda ihm hinterher, schwang sich über das Geländer und landete mit einem Satz auf dem Boden. Dabei kam sie mächtig ins Torkeln und musste sich an der Außenfassade der roten Duellarena abstützen. Trotzdem folgte sie ihm. „Nicht so hastig!“
      „Wir haben eine Abmachung“, sprach Nick, ohne sich umzudrehen.
      „An die halte ich mich auch. Ich werde die Daten höchstpersönlich in den Hauptserver einspeisen“, versprach Melinda, grinste dann aber, „das heißt aber nicht, dass du gehen kannst.“
      Tatsächlich drehte sich der junge Mann mit einem in Ansätzen überraschten Gesichtsausdruck zu ihr um.
      „Da du schon hier bist, kannst du gleich den ersten Testlauf von Monochrome überwachen. Der startet in wenigen Stunden.“
      Aber Nick verzog argwöhnisch die Augen. „Nein. Ich habe meine Pflicht bereits erfüllt und die Programmierung des Spiels übernommen. Alles Weitere liegt in euren Händen.“
      Doch da stieß er bei Melinda auf taube Ohren. „Irrtum. Als Angestellter von Micron Electronics und Chefentwickler ist es sehr wohl deine Aufgabe, die Funktionen beim Testlauf zu überwachen.“
      Sie schritt selbstbewusst auf die beiden zu. Alexandra grinste verstohlen, freute sie sich anscheinend darüber, dass jemand Nick Vorschriften machte. „Ich erwarte dich um Punkt 16 Uhr in Halle B5. Glaub mir, das wird lustig.“
      Melinda bedachte Alexandra eines geheimnisvollen Blickes. „Und du bist natürlich auch herzlich eingeladen.“
      „Danke. Das nehme ich doch gerne an.“
      Ja, sagte sich der Rotschopf dabei vergnügt, dich sofort zu entlarven wäre auch zu einfach. Erst würde sie versuchen, etwas mehr über die hübsche Blonde herauszufinden. Und sie hatte da schon eine Idee …


      Turn 106 – Teacher VS Student
      Nachdem sich Orion Velvet stellvertretend für Kali und Reika angenommen hat, beginnen die beiden ein Übungsduell um Velvets Fähigkeiten zu trainieren. Zeitgleich sucht Anya in ihrer Zerrissenheit Logan auf und


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Nick
      D/D Berfomet
      D/D Nighthowl
      D/D Lamia
      D/D Savant Galilei
      D/D Savant Kepler
      D/D/D Doom King Armageddon

      Dark Contract With The Gate x2
      Dark Contract With The Swamp King
      Dark Contract With The Entities

      Contract Laundering

      D/D/D Flame King Genghis
      D/D/D Gust King Alexander
      D/D/D Cursed King Siegfried
      D/D/D Wave King Caesar

      Melinda

      Performapal Sleight Hand Magician
      Performapal Sword Fish
      Performapal Parrotrio
      Performapal Pendulum Sorcerer
      Performapal Lizardraw
      Performapal Momoncarpet
      Performapal King Bear

      Performapal Dramatic Theater
      Ego Boost

      Performapal Pinch Helper
      Command Performance


      PDF-Datei.


      Kommentare, Lob und Kritiken sind natürlich gern gesehen.
      Spoiler anzeigen
      Die weiße Hexe lebt also. Hätte mich irgendwo auch gewundert wenn Sie so schnell das zeitliche gesegnet hätte. Immerhin ist sie ein bedeutender Akteur. Was mich wirklich stutzig gemacht hat war aber die Aussage des Sammlers, sie soll eine gewöhnliche Sterbliche sein? Wie in aller Welt ist sie dann so mächtig geworden? Das dürfte Nick brennend interessieren.

      Wo wir schon bei Nick sind: sein doppelter Plan mit seinem neuen Deck zeigt wieder die Ambivalenz seines Charakters: einerseits schützt er die AFC nebenbei vor der Bedrohung durch Aiden ohne dass diese es wissen und andererseits nimmt er sich vordergründig was er braucht und geht dabei denkbar rücksichtslos vor.

      Durch die Friedhofsszene rückt der Sammler selbst als Individuum mehr in der Vordergrund. Was einmal mehr die Frage nach seinen eigenen Interessen aufwirft. Die Warnung vor Stoltz ist interessant, da er es war, der im entscheidenden Moment im Kampf gegen den Sammler zu Hilfe kam, obwohl er schon zu dem Zeitpunkt als Charakter dubios wirkte. Versucht der Sammler also nur Zwist zu streuen? Oder ist Stoltz eine Art "Doppelagent"? Aber für wen?

      Logan spielt also in einer Form ein falsches Spiel..? Irgendwie habe deine Charaktere nie Glück mit ihren Beziehungen oder allem was in die Richtung geht, mal wieder.

      Dass Nicks Freundin Alexandra die Diebin von Anyas Deck sein soll ist spannend. Kaum vorzustellen wie Nick auf diese Erkenntnis reagieren würde. Denn für wen macht er das alles?!

      Melinda hat versucht einen Immateriellen in sich zu unterdrücken? Kam das schon mal vor und ich hab es vergessen? Ich werde TLA wohl auf jeden Fall noch mal von vorn lesen müssen. ^.^

      Wie immer vielen Dank fürs Lesen.

      @Mcto
      Vielen Dank für deinen Post.
      Es wäre wirklich etwas früh, Gardenia abzumurksen. Ihre Macht? Das ist eben das Geheimnis der Hexen. Schade dass Nick derzeit anderweitig beschäftigt ist, das wäre sicher eine ebenso interessante Konfrontation.

      Und ja, er ist eben ein zweischneidiges Schwert. Ich bin froh, endlich sein neues Deck zeigen zu können. Ich denke, das passt gut zu ihm.
      Aber dass Alexandra die Diebin ist weiß Nick. Er hat sie sogar konfrontiert und in diesem Zuge rekrutiert. Melinda kommt sie bekannt vor, weil sie sich auf der Party damals gesehen haben, als Alex lange Finger gemacht hat. Und ja, Melinda hatte damals Isfanel unterdrückt.

      Die Szene mit dem Sammler hat dann wohl ihren Zweck erfüllt. Und Stoltz? Der ist irre. Nuff said. xD

      Wie gesagt, wenn du TLA nochmal lesen willst, nimm dir viel Zeit mit.

      Danke wie immer für deine Treue. :)


      Viel Spaß mit der nächsten Folge.

      Turn 106 – Master VS Student
      „Bist du wirklich sicher, Velvet-chan?“, fragte Orion sanft. „Wenn es gelingt, gibt es kein Zurück mehr.“
      Das schwarzhaarige Mädchen, welches den Schattengeist mit beiden Händen vor sich hin trug, als sie über die grüne Wiese lief, nickte. „Ja. Ich habe mich entschieden. Ich möchte lernen, meine Visionen zu kontrollieren.“
      Anders als sonst verzichtete sie auf ihre Brille und nutze Kontaktlinsen, trug darüber hinaus ihr Haar offen und hatte sich nur einen kurzen Zopf geflochten, der ihr über der Schulter lag.
      „Dann werde ich dir helfen! Wir machen es wie besprochen!“
      „Hm-hm!“, gab sie zustimmend zurück. „Aber davor möchte ich dich meinen Freunden vorstellen.“

      Sie blieb am Rande eines gepflasterten Weges stehen, welcher entlang eines Geländers führte. Dahinter befand sich ein Steg, an dem ein nicht gerade kleines, weißes Hausboot ankerte – Isaacs Zuhause. Niemand wusste, wie es ihm gelungen war, eine behördliche Genehmigung zu bekommen, um hier am Hudson River zu leben. Etwas weiter entfernt zur Linken führte eine Brücke über den knapp fünfzehn Meter breiten Fluss, dessen Ufer von grünen Wiesen umgeben waren. Auf der anderen Seite gab es entlang der Straße Wohnhäuser – es existierten durchaus schlechtere Orte zum Leben.
      Velvet hatte ihre Freunde nach der Schule gebeten, sich bei Isaac zu treffen. Tatjana hatte natürlich nur widerwillig zugestimmt, aber sie würde es nicht bereuen, wenn sie Orion erst sah.

      Frohen Mutes öffnete Velvet eine kleine Tür am Geländer und betrat den Steg. Das weiße Hausboot war im Grunde ein weißer Kasten mit Fenstern am Bug, die mit eierschalenfarbenen Vorhängen zugezogen waren. Isaac mochte seine Privatsphäre.
      Etwas unsicher, wie ihre Freunde auf das Kommende reagieren würden, schritt Velvet schließlich zum Heck, von wo aus sie das Boot über eine kleine Anlegebrücke betreten konnte. Hinter der Reling wartete auch schon dessen Besitzer auf sie.
      „Alles ok?“, fragte der Blonde im weißen Hemd besorgt. „Du bist spät dran.“
      „E-entschuldigung, ich habe mich noch etwas frisch gemacht. Und“, sprach sie und sah auf Orion herab, „jemanden mitgebracht.“
      „Hm?“ Isaac reagierte nicht darauf und öffnete ihr stattdessen die Tür. „Ich muss mich entschuldigen. Es wäre besser gewesen, wenn einer von uns mit dir gegangen wäre.“
      Velvet aber schüttelte den Kopf, als sie hinein ging. „Nein, das ist ok. Ihr habt eigene Leben und könnt mich nicht rund um die Uhr wie ein rohes Ei behandeln.“

      Das 'Wohnzimmer' der Evolution – so der Name von Isaacs Boot – war ziemlich klein. Es gab eine Küchenzeile direkt neben dem Eingang, an dem Velvet schon Tatjana sehen konnte, die in einem gelben Sommerkleid gerade aus einem Glas Wasser trank.
      Als das leicht untersetzte Mädchen sie sah, atmete sie auf. „Oh da bist du ja. Warum reagierst du nicht auf meine Anrufe, Velvet!?“
      „O-oh!“, erschrak diese. „Ich habe mein Telefon vergessen. Sorry!“
      Tatjana, die diesmal ihre schwarz gelockten Haare zu einem Kranz geflochten hatte, verdrehte resignierend die Augen. „Typisch Velvet …“
      Quer gegenüber der Küchenzeile stand an die Wand gelehnt ein Sofa, auf dem der braungebrannte Patrice und sein bester Freund Fabio saßen und sich vom Fernseher an der gegenüberliegenden Wand abwandten, als sie Velvet bemerkten.
      „Hör auf zu meckern“, meinte Patrice an Tatjana gewandt.
      „Erschreck' nicht, Velvet“, wandte sich dagegen der dunkelhäutige Junge mit dem Riesenafro an das Mädchen, „sie hat es oft probiert. Sehr oft. Du hast bestimmt 50 Anrufe verpasst.“
      „Entschuldigung!“, stammelte die und verneigte sich vor der ganzen Truppe.

      „Also, Velvet, was hast du auf dem Herzen?“, fragte Isaac hinter ihr und schloss die Tür. Er wanderte um die Küchenzeile herum und lehnte sich an diese. Neben ihm führte eine Treppe nach unten in sein Schlafquartier.
      „Muss ja was Großes sein, wenn du es nicht in der Schule besprechen willst“; meinte Tatjana derweil mit nicht zu verleugnender Neugier. „Schieß' los!“
      „Okay!“ Velvet atmete tief durch und versuchte ihre Gedanken zu sammeln. „Ihr wisst ja, dass ich Visionen habe. Und dass ich sie nicht bewusst bekommen kann, keine Kontrolle über sie habe.“
      „Ja, das ist uns bekannt“, bestätigte Isaac.
      „I-ich will das ändern!“
      „Hm?“, machte Fabio überrascht.
      „Das höre ich auch zum ersten Mal.“ Auch Patrice neben ihm sah sie fragend an. „Bisher waren sie dir doch nur lästig.“
      Velvet nickte fest. „D-das stimmt, aber ich kann nicht mehr so weitermachen wie bisher. Diese Leute, die hinter mir her sind, i-ich glaube sie wollen mich genau wegen meiner Visionen.“
      „Bist du sicher?“, fragte Tatjana. „Woher sollten sie überhaupt davon wissen?“
      Orion hatte diese Vermutung geäußert, wollte Velvet schon sagen und sah auf den Schattengeist in ihren Armen hinab, der verdächtig ruhig blieb. Wieso fragte eigentlich niemand nach ihm? Merkwürdig.
      „Sie haben sicher ihre Methoden“, giftete Isaac Tatjana an, wofür er einen vernichtenden Blick erntete, den er selbstredend erwiderte.
      „J-ja. Und ich muss ihnen einen Schritt voraus sein“, erklärte Velvet, „wenn ich vorhersehen kann, wann sie das nächste Mal angreifen, kann ich mich schützen.“
      Patrice lächelte. „Ja, das wäre sehr praktisch.“
      „Aber wie willst du den Umgang mit ihnen überhaupt lernen?“ Fabio machte dazu ausladende Bewegungen mit seinen Händen. „Gibt ja keine Gebrauchsanweisung oder so.“

      Lächelnd streckte Velvet da die Arme aus, hielt den Schattengeist wie einen Preis nach vorne. „Mit seiner Hilfe! Das ist Orion!“
      Man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Die Blicke ihrer Freunde rangierten von irritiert, belustigt, neugierig hin zu mittelschwer besorgt.
      „Velvet“, fragte Tatjana behutsam, „wovon redest du?“
      „N-na ihn! Orion!“ Sie wirbelte herum und zeigte Tatjana ihren neuen Freund. Aber alles was geschah war, dass imaginäre Fragezeichen über dem Kopf ihrer deutschen Freundin aufploppten – wie sie sie förmlich sehen konnte, ärgerte sich Velvet insgeheim. So sollte das nicht laufen!
      „Ich sag das nur ungern, aber wir können dir nicht folgen“, brachte Isaac es nochmal auf den Punkt und starrte auf ihre Hände, „was hältst du da fest? Da ist nichts.“
      „W-was!?“
      „Yo! Ich sehe auch nichts“, bestätigte Fabio.
      Patrice stand auf, schlenderte zu Velvet und zog sie liebevoll an der Schulter an sich. Dabei sagte er an die anderen gewandt: „Hört auf damit. Wartet erstmal ab was sie zu sagen hat. Nicht, Velvet?“
      Leicht errötet nickte diese. Doch eigentlich wusste sie gar nicht, was sie sagen sollte. Es schien, als könne niemand den Schattengeist sehen.
      „Orion“, fragte sie daher aufgeregt, „was ist? Bist du … unsichtbar?“
      „Ach Velvet-chan“, seufzte dieser, als er zu einer Erklärung ansetzte, „deine Freunde können mich nicht sehen und hören.“
      „W-was!? Auch nicht hören!?“
      Da hüpfte er ihr aus der Hand und landete auf der Küchenzeile, direkt vor Tatjana, die neben ihm ihr Glas Wasser absetzte. „Schattengeister können nur von ganz bestimmten Leuten wahrgenommen werden, Velvet-chan. Hauptsächlich von denen, die eine große Menge Äther besitzen.“
      Er sah sie aus seinen großen Kulleraugen traurig an, verzog die Trötenschnute. „Mein ehemaliger Meister betrachtete Menschen mit stärkerem Äther als wertlos, da ihr Äther schwerer zu formen und zu verwerten ist als bei solchen mit normalem Äther. Wie deine Freunde. Sie sind zu schwach, um mich wahrzunehmen.“
      „W-warum hast du das nicht früher gesagt!?“
      „N-na du hast mich getragen. Es war so warm und ich habe deine“, begann er und fing dabei an zu sabbern. Als er Velvets empörten Blick bemerkte, schüttelte er seinen Kopf – also praktisch den ganzen Körper und ruderte mit seinen beiden Stummelärmchen. „I-ich hatte gehofft, dass sie mich sehen können, weil sie über lange Zeit mit dir zusammen waren. Das geht manchmal auch. Aber diesmal anscheinend nicht.“

      „Velvet?“ Tatjana sah sie nun äußerst alarmiert an. „Halluzinierst du?“
      „N-nein!“, riss die sich von Orions Anblick vor dem pummeligen Mädchen los. „Er hat es gerade erklärt. Ihr könnt ihn nicht sehen, weil euer Äther zu schwach ist. Das wusste ich nicht. Es tut mir leid!“
      „Also willst du damit sagen, hier ist noch jemand? Orion?“, fragte Isaac. „Sag mir wo er ist.“
      Statt zu antworten, zeigte Velvet auf die Küchenzeile, genau auf die Stelle vor Tatjana, wo Orion stand und sich zu Isaac drehte. Jener murmelte: „Ob da was ist lässt sich leicht herausfinden.“
      Er streckte den Zeigefinger aus und führte ihn ganz langsam Richtung Orion, welcher seinen großen Trötenmund öffnete. Als der Blonde kurz davor war, den Schattengeist zu berühren, kam was kommen musste. Orion schnappte zu und biss in den Finger.
      „Au!“, schrie Isaac erschrocken und wich sofort zurück. „Was zum Teufel!?“
      „O-Orion!“, stammelte Velvet erschrocken. „W-was soll das!?“
      „Ich lass mich nicht von jedem betatschen!“, verteidigte sich der Schattengeist vehement. „Nur von hübschen Mädchen! Aber deswegen sind wir jetzt nicht hier, Velvet-chan!“
      Isaac sah entgeistert zu seiner Freundin. „Da ist wirklich etwas. Velvet, bist du sicher, dass es eine gute Idee ist damit … Kontakt zu haben?“
      „Du verarscht mich“, raunte Tatjana und hob die flache Hand. „Du, Isaac Sawyer, glaubst ohne zu murren an etwas Übernatürliches? Da muss ein Fehler vorliegen!“
      Sprachs und klatschte die Hand auf Orions Kopf, welcher schmerzerfüllt aufschrie. Und sofort im Anschluss auch Tatjana, die vor Schreck gegen die Spüle stieß. „Huch!“
      Nun erhob sich auch Fabio. „Ihr seid selber schuld, yo!“
      „Ich muss Isaac zustimmen“; meinte Patrice neben Velvet. Sein Lächeln war verflogen. „Ist es wirklich eine gute Idee, dich auf diesen Orion einzulassen? Weißt du denn überhaupt, was er ist?“
      „N-nicht so richtig. Ein Schattengeist eben. Aber er ist nett und will mir helfen!“
      „Wir sind auch nett und wollen dir helfen“, stellte Isaac verständnislos klar, „und uns kann man sehen und hören. Manche sogar sehr gut.“
      Der nachfolgende Blick galt der völlig gelähmten Tatjana.
      „Aber er versteht meine Fähigkeit! Deswegen bin ich hier! Ich werde mich mit Orion duellieren und dabei hoffentlich meine Kräfte kontrollieren lernen.“
      Isaac stöhnte. „Ahja? Da ich dich kenne und weiß, dass es sinnlos ist, dir das jetzt noch auszureden, gestatte mir eine Frage: Was genau spielen wir dabei für eine Rolle?“
      „Wenn wir Glück haben, sind wir nur Zuschauer“, gluckste Patrice, „wenn nicht, Gnade uns wer Gnade übrig hat.“
      Dazu passte Fabios leicht panischer Kommentar ein langgezogenes: „Nuuu!“
      „Nein, so ist das nicht“, schüttelte Velvet den Kopf und drehte sich der Reihe nach zu all ihren Freunden um, „ich will … ich will nur nicht alleine da durch.“
      „Na dann ist doch alles klar!“, entschied Tatjana, die sich langsam von dem Schrecken erholt hatte und nickte zur Tür. „Zeig dem unsichtbaren Früchtchen, wo der Frosch die Locken hat.“

      Aber der blonde Ambitionist unter ihnen machte einen schnellen Schritt auf Velvet zu und packte sie an beiden Schultern. „Hör zu, wenn du wirklich glaubst, dass das hier eine gute Idee ist, dann stehen wir dir natürlich bei.“
      „D-danke!“
      Isaac schüttelte den Kopf. „Bedenke jedoch, dass die eigene Zukunft zu kennen nicht zwangsweise etwas Gutes bedeuten muss. Es gibt viele Beispiele, bei denen das gründlich schief gegangen ist.“
      „Aber das ist alles Fiktion“, widersprach Tatjana und tauschte mit ihrem Erzfeind einen bitterbösen, aber auch zustimmenden Blick aus. Sie seufzte. „Aber unser Musterschüler hat Recht. Wenn du zu versessen darauf bist, dein Schicksal zu ändern, verlierst du dich am Ende.“
      Fabio trat näher. „Lass es nicht dazu kommen.“
      „Aber wir sind ja da, um dich auf dem rechten Pfad zu halten“, blieb Patrice optimistisch. „Schauen wir doch erstmal, ob das überhaupt funktioniert.“
      Dann streckte er seine Hand aus. Prompt legte Fabio seine darauf, dann folgten Isaac und Tatjana über die Küchenzeile. Zuletzt nickte Velvet dankend und tat es ihren Freunden gleich.
      Orion sah dem mit großen Kulleraugen entgegen. „Du hast wirklich gute Freunde, Velvet-chan. Ich werde auch mein Bestes geben, dir zu helfen!“
      „Danke“, sagte Velvet ergriffen, „euch allen!“

      ~-~-~

      Anya war alleine und lag der Länge nach auf ihrem Bett. Sie hatte ihr Zimmer nicht verlassen, seit der Sammler sie und die Jungs hierher zurückgebracht hatte. Sie hielt die Augen fest geschlossen.
      Inzwischen war Levrier auf ihren Wunsch hin verschwunden und zum Glück auch anständig genug, sie nicht dauernd mit irgendetwas nerven. Alles was sie jetzt brauchte war Ruhe.

      War sie eine Fälschung? Wie konnte sie das bloß herausfinden? All ihre Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend, sie waren real. Aber wenn man eine Datei kopierte, war diese auch exakt wie das Original. Ob das auch bei Magie so war?
      Der Sammler schien jedenfalls zu glauben, dass Kali die echte Anya Bauer war. Warum sonst erzählte er seinem Diener David davon? Aber Redfield hatte Recht, vielleicht steckte dahinter nur die Absicht, sie zu verunsichern und wieder zum Sammeln der Artefakte zu bewegen.

      Anya mahnte sich, an etwas anderes zu denken. Aber diese quälende Frage nach der Wahrheit ließ sich nicht verdrängen. Wen konnte sie bloß um Rat fragen? Einen anderen hochrangigen Dämon?
      Sie kannte keinen. Der Sammler und seine Feindin, die Weiße Hexe, hatten ihren Standpunkt ja deutlich gemacht. Und den anderen drei großen Dämonen war sie nie begegnet.
      Allenfalls Nigel McPherson wäre eine Variante aber von dem wusste sie ja nicht mal, wie sie ihn einordnen sollte.

      Sie drehte sich keuchend auf die Seite. Eins stand fest: Ihre Schmerzen wurden schlimmer und schlimmer. Die, die sie immer öfter bekam, nicht die paar Schrammen von der Konfrontation mit Kali. „Ugh!“
      Vielleicht war ihre Existenz wirklich instabil und kurz vor dem Zusammenbruch? Auch wenn sie es nach wie vor ablehnte, war der Homunkulus vielleicht ihre einzige Chance.
      „Die Undying“, kam Anya da eine Idee, „vielleicht wissen sie-“

      In dem Moment klopfte es an der Tür ihres Zimmers.
      „Ich will meine Ruhe!“, schimpfte Anya wütend.
      Und wie es in den Wald hinein schallte, so kam es prompt wieder heraus. „Reiß dich zusammen, du undankbare Göre! Kommst mitten in der Nacht wieder und schaust mit deiner Großmutter nicht mal ein paar Folgen 'Pimp My Gun'!“
      „Grandma!?“ Anya schreckte auf. „Uh! Komm rein …“
      Was ihre graue, kleine Oma mit der Augenklappe aber sowieso getan hätte. Sie stampfte, nicht unähnlich ihrer Enkelin, durchs Zimmer und stellte sich vor Anyas Bett. Natürlich hatte sie eine Flasche Bier in der Hand. „So und jetzt erzählst du mir, was überhaupt los ist!“
      „Uh …“
      „Ich seh's dir doch an! Brichst plötzlich auf, um in die Pampa zu reisen! Dann biste wieder da und sprichst mit keinem ein Wort! Wäre der nette Schwule nicht, wüsst' ich gar nicht, dass ihr wieder zurück seid!“
      Anya machte ein scheeles Gesicht. „Meinst du jetzt Matt oder Zanthe?“
      „Muss ich mir die Namen von denen merken!?“
      „Nope!“
      „Siehste.“ Damit setzte sich Margery Bauer auf die Bettkante und klopfte auf den Platz neben sich.

      Selbstverständlich gehorchte Anya und setzte sich neben sie, bekam das Bier gereicht, von dem sie sofort einen Schluck nahm. Nur um dann zu prusten. „Bah! Das ist ja ekelhaft!“
      „Bist noch zu jung für das gute Zeug, wie's aussieht.“
      Anya nickte. Sonst war sie ja gern mit ihrer Oma zusammen, aber alles was sie wollte, war ein wenig Ruhe. Dass sie jedoch um ein Gespräch nicht herum kommen würde, war so klar wie das Amen in der Kirche.
      „Uhm, Matt lebte vorher in einem Waisenhaus. Und das ist, uh, eingestürzt. Schon vor Monaten und als er das durch Zufall erfahren ist, ist er eben ein wenig ausgetickt.“ Anya seufzte. „Zanthe und ich haben ihn begleitet, aber anscheinend hat niemand überlebt.“
      „Das ist kacke.“
      „Jup.“
      „Und überhaupt nicht der Grund, warum du so niedergeschlagen bist.“
      „Ich bin nicht depri!“
      Ihre Oma neigte den Kopf so weit zu Anya vor, dass sie Auge in Auge in Augenklappe nur wenige Zentimeter voneinander entfernt waren. „Hör auf zu lügen, Kleines! Das hab ich alles schon mit Zoey durch!“
      Welche ja auch immer noch verschwunden war, erkannte Anya erschrocken. „Uh … sorry.“
      Da schlang Grandma Bauer ihren Arm um das blonde Mädchen und zog es an sich heran. „Jeder wird erwachsen, Anya. Du musst dich nicht für das schämen, was du fühlst.“
      „Uhm, okay?“
      „Magst du den Schwulen?“
      „Nein?“
      „Magst du den Versager?“
      Anya zog eine Augenbraue an. „Das hat sich ja schnell herumgesprochen! Also das mit dem Versagen! Matt ist nur'n Freund!“
      Ihr gefiel nicht, worauf das hinauslief. Zumal sie ihrer Großmutter wohl kaum erklären konnte, weshalb sie wirklich so zerrissen war.
      Doch erstaunlicherweise meinte die bloß: „Gut. Sind nämlich beide nichts für dich. Du brauchst 'nen richtigen Mann. Mit Haaren auf der Brust. Die Jungs von heute sind der letzte Dreck.“
      Anya lief langsam rot an, denn sie hatte da eine gewisse Vorstellung von dem, was ihre Oma meinte. Diese Art Mann, die noch männlich war. „Uh-huh …“

      Als Margery an ihrer Bierflasche nippte, nahm sie Anya dabei so fest in den Schwitzkasten, dass jene aufgrund ihrer anderweitig bedingten Schmerzen zusammenzuckte. Aber sie hielt durch und sagte nichts.
      „Ah!“ Ihre Oma lächelte besonnen. „Dein Opa war perfekt. Ja, wir haben uns ab und zu gestritten und geschlagen und aufeinander geschossen, aber wir wussten immer, was wir aneinander hatten. Dadurch war das Leben erträglicher.“
      „Grandma …“, murmelte Anya.
      „Was ich sagen will: Hör auf, dich verstellen zu wollen, Anya. Du bist du, wenn du stark bist und wenn du schwach bist.“ Die grauhaarige Frau in der schwarzen Nietenjacke sah ihre Enkelin von der Seite an. „Man kann nie immer nur stark sein. Die Kunst ist es, die eigene Schwäche den richtigen Leuten anzuvertrauen.“
      „Aber wenn ich nicht stark bin“, widersprach Anya schluckend, „dann … dann verliere ich die Kontrolle.“
      „Mach nicht denselben Fehler wie Zoey. Sie ist genauso, will immer die Stärkste von allen sein, die Coolste. Aber sie sieht nicht, wohin sie das bringt, egal wie oft ich ihr schon versucht habe das einzutrichtern.“
      „Ich bin nicht wie Zoey. Ich hab's gesehen. Sie ist … unglücklich.“
      „Weil sie nicht zufrieden mit sich ist, Anya. Sie sucht nach Anerkennung von allen um sich herum, doch in Wirklichkeit ist es die eigene, die ihr fehlt.“
      Anya nickte. „Verstehe. Aber bei mir … hängt so vieles dran. Wenn ich einmal versage, könnte alles … vorbei sein.“
      „Und das macht dir Angst?“ Ihre Oma lachte bissig. „Seit wann hat 'ne Bauer Angst vorm Versagen?“
      Doch statt darauf einzuspringen, zögerte Anya. „Ich … ich weiß es nicht.“
      „Dann finde die Antwort und mach das Beste draus.“ Margery erhob sich. „Das heißt es, erwachsen zu werden.“

      Sie sahen sich ein letztes Mal an, dann rülpste ihre Oma und verließ leicht schwankend das Zimmer.
      Anya hatte Angst davor zu sterben oder zu verschwinden, was in ihrem Fall eben besser passte. Denn es bedeutete, ihre Freunde nicht mehr zu sehen, keine Abenteuer mehr zu erleben, ihren Traum nicht verwirklichen zu können. Und … und -ihn- nicht mehr sehen zu können.
      Anya sah ihre Hände an. Wie viel Zeit blieb ihr noch? Unwichtig, hörte sie ihre Großmutter verärgert in ihrem Kopf brüllen. Statt darüber zu grübeln, sollte sie sie lieber nutzen!
      „Danke Grandma“, dachte Anya mit einem Lächeln und erhob sich von der Bettkante.

      ~-~-~

      Als sie zu fünft über den Steg liefen, erklärte Velvet, die mit Orion in den Armen voran lief: „Die Theorie sieht wie folgt aus: Ich erhalte nur wahllose Visionen, weil diese besonders starke Erschütterungen im …“
      „Äther“, fügte Orion ein.
      „... Äther darstellen. Ich muss lernen, mich selbst im dem Strom wahrzunehmen.“
      „Und wie macht man das?“, fragte Isaac am Ende der Gruppe skeptisch.
      „Durch ein Duell! Ich werde mich mit Orion duellieren.“
      „Entschuldige, wenn ich das so sage, aber dann kannst du dich genauso gut mit uns duellieren“, konnte der Blonde nicht an sich halten, „wir sind alle würdige Gegner.“
      Velvet passierte das Geländer, welches den Steg von der anliegenden, grünen Wiese trennte und blieb stehen. So auch ihre Freunde. „Aber ihr könnt nicht … ich …“
      Sie drehte sich mit nervösem Blick um. „Ich muss in Gefahr sein, damit meine Fähigkeit aktiv wird. So wie bei meiner Vision …“
      …vom Ende der Welt. Und ihrem vermeintlichen Tod, als ihre Furcht vor Zyxx am größten gewesen war. Die Furcht, die [Ebon Sky Pegasus] gerufen hatte, wie sie sich inzwischen sicher war.
      „Und dieser Schattengeist soll die Gefahr darstellen?“ Auch Tatjana klang langsam zweifelnd. „Ist das -wirklich- eine gute Idee?“
      „Wir … ich muss es wenigstens probieren. Und seid nicht so gemein zu Orion!“
      „Du bist naiv, Velvet.“ Isaac stöhnte. „Dir ist klar, dass wir nichts für dich tun können, wenn das nur ein Trick ist?“
      „Sag sowas nicht“, meinte Patrice. „Velvet hat sich entschieden, ihm zu vertrauen. Ich habe keinen Grund an ihr zu zweifeln.“
      „Ich bin neutral wie die Schweiz“, stellte Fabio sofort klar. „Kann keinen beurteilen, den ich nicht kenne.“
      „Es tut mir leid, dass ihr Orion nicht sehen könnt“, murmelte Velvet schlechten Gewissens, „aber bitte glaubt mir. Er will mir nichts Böses. Ich bin naiv, ja, aber … seine Freundin Kali war es, die mich damals gerettet hat.“
      „Die Geschichte musst du uns bei Gelegenheit auch noch erzählen“, meinte Isaac. „Aber wir sollten wohl auf Patrice hören und nicht noch mehr Zweifel säen.“
      Das deutsche, pummelige Mädchen vor ihm erwiderte: „Du tust das, nicht wir!“
      „Wenigstens mach ich mir Gedanken.“
      „Und stopp!“, ging Patrice dazwischen, bevor noch ein Streit ausbrach. „Velvet, mach dich bereit!“

      Jene nickte und eilte dann über die Wiese, während sich ihre Freunde hinter dem Geländer versammelten und zusahen, wie sie scheinbar Orion auf dem Boden absetzte. Dann nahm sie ein paar Schritte rückwärts und aktivierte ihre Akademie-Duel Disk.

      „Orion, halt dich nicht zurück!“
      „So wie besprochen, Velvet-chan!“ Auch der kleine, schwarze Schattengeist ließ an seinem Arm eine winzige, schwarze Duel Disk erscheinen.
      Was dem schwarzhaarigen Mädchen ein „Wie süß!“ entlockte.
      Der Größenunterschied der beiden wurde noch einmal richtig deutlich, war der schwarze Schattengeist doch gerademal so groß wie ein ausgewachsener Kohlkopf. Aber Velvet sah ihren Gegner mit der Mini-Duel Disk am Stummelärmchen wenigstens.

      Ihre Freunde dagegen, die der Reihe nach an der Brüstung vor dem Steg zu Isaacs Hausboot lehnten, zweifelten immer noch an Orions Absichten.
      „Nach der Excel-Sache kann ich nicht sagen, dass ich ihr misstraue“, meinte Isaac nachdenklich, während er nebenbei etwas in sein Smartphone eintippte, „aber ich würde dieses Wesen gerne mit eigenen Augen sehen. Unsichtbare sind gute Lügner.“
      Fabio nickte. „Yo. Wüssten wir es nicht besser, würde ich sofort die Männer in Weiß anrufen. Das ist crazy, selbst für ihre Verhältnisse. Aber ihr habt ihn selbst berührt.“
      „Ich find's spannend“, zuckte Tatjana mit den Schultern.
      „Du bist in eine Romanfigur verliebt“, schnarrte Isaac gehässig, „für dich ist alles spannend, was deine Fantasie tangiert.“
      „Was hast du gesagt!?“
      „Leute, hört auf“, stöhnte Patrice rechts außen, der lässig seine beiden Ellbogen an der Absperrung abstützte und die Beine übereinander geschlagen hatte, „sie fangen bestimmt gleich an.“

      „Bist du soweit, Velvet-chan?“, fragte der kleine Schattengeist und dem Mädchen entging die Sorge, die dabei mitschwang, keinesfalls. Trotzdem nickte sie bestimmt.
      „Du hast bestimmt Recht damit, wenn du sagst, dass meine Fähigkeiten zu beherrschen ein Fluch sein kann“, sprach sie mit Überzeugung, „aber ohne Vorwarnung von ihnen heimgesucht zu werden ist viel schlimmer. Ich möchte bestimmen, wann ich was sehe.“
      Orion nickte, wodurch er anatomisch bedingt beinahe mit dem Gesicht ins Gras fiel. „Ach Velvet-chan … whoa!“
      „Legen wir los, Orion! Duell!“

      [Velvet: 4000LP / Orion: 4000LP]

      Kaum hatte sich der Schattengeist wieder gefangen, verengte er seine leuchtenden Augen zu dreieckigen Schlitzen. „Wie du willst! Als dein Lehrer ist es nur fair, wenn ich den ersten Zug bekomme.“
      Die Brillenträgerin nickte zustimmend und beide zogen ihr Startblatt von fünf Karten. Dabei waren Orions so winzig wie Briefmarken. Das Mädchen musste grinsen. „Wie süß!“
      „V-v-velvet-chan, nicht doch!“ Orion geriet ins Sabbern. Schon wieder …
      „E-entschuldigung!“
      Seine riesige Rübe mehrmals schüttelnd, vertrieb der Kleine seine garantiert anrüchigen Gedanken und rief aus. „Endlich ist die Zeit gekommen, um mein neues Deck auszutesten. Und ich beginne hiermit: [Jurrac Velo] im Angriffsmodus!“
      Aus dem Boden brach vor ihm ein mannshoher Velociraptor hervor, dessen Füße und lichterloh brennende Klauen blau, der Körper gelbgrün und der Kopf schließlich rot waren. Kaum war er erschienen, hüpfte Orion mit einem Satz auf seinen Kopf. „So mag ich das!“

      Jurrac Velo [ATK/1700 DEF/1000 (4)]

      „Whoa!“, stieß derweil Fabio überrascht hervor, als der Dino für alle sichtbar erschien. „Alter, krass!“
      „Interessant. Seine Monster können wir sehen, ihn aber nicht“, meinte der blonde Isaac und blickte von seinem Smartphone auf.
      Die Schwarzhaarige kniff die Augen fest zusammen, als würde das dabei helfen, den Schattengeist ausfindig zu machen. „Hgh! Ich will wissen, wie er ausschaut!“
      „Ein Grund mehr, sich nicht zu zeigen.“
      Kurzum musste Fabio Isaac vor einer wütend fuchtelnden Tatjana schützen, die mit ihren Fingernägeln nur um Haaresbreite den riesigen Afro des Burschen verfehlte. „Nuu! Wieso müsst ihr immer streiten?“
      Patrice am Rande murmelte derweil in seiner entspannten Haltung: „Ich hoffe du weißt, was du da tust, Velvet.“

      „Eine Karte verdeckt“, rief Orion und legte diese in seine winzige Duel Disk ein, „dein Zug, Velvet-chan!“
      Die Karte materialisierte sich hinter seinem Reittier.

      „Dinosaurier? Die sind das genaue Gegenteil von dir“, kicherte das Mädchen ungewohnt offenherzig und zog nebenbei. „Ich habe noch nie gegen solche gekämpft.“
      „Dann versuche herauszufinden, was ich vorhabe“, wies Orion sie mit ernster Stimme an.
      Sofort wollte die Schülerin eine Taste an ihrer Duel Disk betätigen, um das Feld aufzurufen, aber der Schattengeist fuhr streng dazwischen, hielt seine Stummelärmchen über Kreuz. „Nein, nicht so! Du sollst die Effekte nicht nachlesen, sondern 'sehen'!“
      „J-ja, stimmt“, nickte dass schwarzhaarige Mädchen und senkte den Arm. Sie schloss die Augen und mahnte sich zur Konzentration. Welchen Verlauf würde das Duell nehmen? Sie richtete all ihre Gedanken auf diese Frage. Aber es geschah gar nichts. Weder bekam sie eine Vision, noch überhaupt eine Ahnung. „Ugh. Es klappt nicht.“
      „Versuch es weiter!“
      Velvet kniff daraufhin die Augen so fest zu wie nur irgend möglich. Sie versuchte sich bildlich vorzustellen, was geschah, wenn sie [Jurrac Velo] angriff. Würde Orion seine verdeckte Karte aktivieren oder den Effekt seines Monsters? Oder keines von beiden?
      „Ugh!“ Sie öffnete die Augen. „Kein Glück.“
      „Dann ist der Druck nicht groß genug“, überlegte der Kleine leise.
      „Was?“
      „N-nichts. Spiel erstmal weiter, Velvet-chan. Aber Karten nur in den Gedanken lesen, nicht durch Technik!“
      Sie nickte. „J-ja! Dann beschwöre ich [Spiritual Beast Apelio]! Attacke!“
      Vor ihr erschien ein rotes Löwenjunges, dessen kurze Mähne sowie die Schweifspitze wie Feuer loderten.

      Spiritual Beast Apelio [ATK/1800 DEF/200 (4)]

      Kaum war es erschienen, rannte es auf den größeren Dino los und fiel ihn an. Bevor dieser zu Fall gebracht wurde, sprang Orion aus dem Stand hoch in die Luft.

      [Velvet: 4000LP / Orion: 4000LP → 3900LP]

      Schließlich zersprang [Jurrac Velo] in tausende Polygone. Und Orion lachte in der Luft. „Hah-ha! Du hast den Effekt meines Monsters ausgelöst!“
      „O-oh!“
      „Wenn es im Kampf zerstört wird, ruft es ein anderes Jurrac-Monster mit maximal 1700 Angriffspunkten von meinem Deck aufs Feld. Erscheine, [Jurrac Monoloph]!“, rief der Schattengeist im Fall. Kurz vor dem Aufprall erhob sich ein weiterer Dinosaurier aus dem Boden und fing Orion mit seinem brennenden, gelben Schädel ab. Monolophs Körper war blau und auch seine Schweifspitze stand unter Feuer, welches Orion jedoch alles nichts auszumachen schien.

      Jurrac Monoloph [ATK/1500 DEF/1200 (3)]

      Wieder versuchte sich Velvet auf die Zukunft zu konzentrieren, aber gerade weil sie letztlich nur ein neues Monster auf den Plan gerufen hatte, stand ihr ihre aufkeimende Nervosität nur im Weg dabei.
      „Z-zug beendet!“

      „Draw!“, rief Orion sofort aus und zog. „Versuch es erneut, Velvet-chan! Was werde ich als nächstes tun?“
      Jene schloss die Augen erneut. „Uh …“
      Was könnte er denn tun? An der Akademie hatte sie gelernt, dass viele Dinosaurier-Strategien sich darum drehen, starke Monster zu beschwören. [Jurrac Velo] bestärkte diese Vermutung. Dann würde Monoloph wohl geopfert werden.
      „Tributbeschwörung!“, schloss sie selbstsicher.
      „Nicht raten!“
      „I-ich habe doch-!“
      Orion seufzte. „Nachgedacht, Velvet-chan. Aber das hat mit Vorhersagen, wie du sie lernen willst, nichts zu tun.“
      Das Mädchen senkte ihr Haupt. „E-entschuldigung. Du hast Recht. Aber ich weiß nicht, wie ich meine Vision überhaupt auslösen soll. Hast du nicht eine Idee?“
      Der Schattengeist nickte und fiel dabei fast von seinem Reittier. „Natürlich, aber Ziel ist es, dass du ohne Auslöser, allein durch deine Willensstärke, dorthin kommst.“
      Eindringlich erwiderte sie: „Aber ich will es doch, wirklich! Ich gebe mir Mühe!“
      „Vielleicht blockiert etwas deine Gabe …?“ Orion schüttelte den Kopf heftig. „Nein, das hätte Lady Gardenia erwähnt. Wir müssen es einfach weiter probieren.“
      Er nahm eine der Karten aus seinem Blatt und legte sie auf seine Duel Disk. „Erscheine, [Jurrac Iguanon]!“
      Noch ein Dinosaurier auf zwei Beinen stehend erhob sich vor ihm, dieser bündelte zwischen seinen Vorderläufen eine flammende Kugel. Sein türkisfarbener Kopf ging in einen dunkelblauen Körper über, der fast gänzlich in Flammen stand.

      Jurrac Iguanon [ATK/1700 DEF/700 (4)]

      „Ich stimme meinen Stufe 3-Empfänger [Jurrac Monoloph] auf meinen Stufe 4-[Jurrac Iguanon] ein“, rief Orion da aus und stieß sich von Ersterem in die Luft ab. Der kleinere, gelbe Dino zersprang in drei grüne Lichtringe, die der andere Dino fliegend passierte. „Ancient predators hidden in the ancient realm! Scorch your enemies with indomitable flames!“
      Iguanon verwandelte sich in vier grüne Kugeln. Ein greller Lichtblitz durchdrang die Synchrokreise. „Synchro Summon! Rage forth, [Jurrac Giganoto]!“
      Und jener erhob sich, war fast doppelt so groß wie Velvet. Orion landete auf seinem gelben Haupt und anhand des blauen Körpers war deutlich zu erkennen, dass es sich um eine ähnliche Spezies wie Monoloph handelte. Nicht nur waren seine Augenbrauen aus Feuer, auf seine Schweifspitze brannte nun so stark, dass Velvet schlucken musste.
      „Ich erkläre gleich seinen Effekt! Alle Jurracs erhalten für ihre Freunde auf dem Friedhof 200 Angriffspunkte“, sprudelte Orion los.
      Sein Riesendino stieß einen majestätischen Heuler los. Im Hintergrund quiekte Tatjana erschrocken und wurde dafür von Isaac aufgezogen.

      Jurrac Giganoto [ATK/2100 → 2700 DEF/1800 (7)]

      „Was ich jetzt vorhabe musst du nicht vorhersehen, Velvet-chan!“ Orion streckte seinen Stummelarm aus. „Los Giganoto-kun, Angriff auf ihr Monster! Dinoflame Swipe!“
      Sein Riesendino drehte sich einmal um die eigene Achse und holte dabei mit dem Schweif aus. Von diesem löste sich ein ganzes Meer aus Flammen, das sich seinen Weg zu Velvet und ihren Apelio bahnte und beide in sich einschloss. Während Letzterer zersprang, schrie das Mädchen gequält auf, fühlte es sich in ihre Vision vom Flugzeugabsturz zurückversetzt. Wimmernd sank sie in die Knie.

      [Velvet: 4000LP → 3100LP / Orion: 3900LP]

      „Velvet!“ Patrice löste sich aus seiner Haltung und wollte seiner Freundin zu Hilfe eilen, doch Tatjana stellte sich ihm in den Weg.
      „Nein. Ihr geschieht nichts, das sind nur Hologramme!“
      Doch der braungebrannte Venezolaner packte die pummelige Deutsche bei der Schulter und wollte sie unsanft wegschieben. „Das sehe ich anders!“
      „Lass es sein“, meinte Isaac beherrscht, „sie hat sich dazu entschieden, das durchzuziehen. Wenn wir sie weiterhin wie ein rohes Ei behandeln, kommen wir kein Stück weiter.“
      „Aber-!“, sah Patrice ihn verständnislos an.
      Auch Fabio haderte mit sich. „Nuu! Was da passiert ist uncool! Sie zu quälen und ihr die Grundlagen ihrer Fähigkeiten beizubringen sind zweierlei Dinge.“
      „Woher willst du das wissen?“, fragte Isaac ihn. „Weder du noch wir anderen kennen uns in solchen Sachen aus. Wir müssen Orion vertrauen. Nicht dass -ich- das tue, aber Velvet tut es.“
      „Ich sag's nur ungern, aber der Streber hat Recht“, stimmte Tatjana ihm zu und blickte über ihre Schulter, „Velvet so zu sehen ist nicht schön. Aber noch viel schlimmer wäre es, wenn wieder jemand kommt und sie entführen will. Wenn sie ihre Kräfte beherrscht, kann sie das verhindern.“
      Patrice ließ sich wieder zurück gegen das Geländer fallen. „Das ist falsch …“

      Derweil kauerte Velvet sich in den Flammen regelrecht zusammen. Diese schrecklichen Erinnerungen, die sterbenden Menschen, dieses Mädchen im Feuer, das sie so düster anstarrte.
      „Velvet-chan, du musst stark sein.“
      „Aufhören!“, schrie die verzweifelt. Und tatsächlich verschwanden die Flammen.
      Sie schluchzte unkontrolliert, während Orion schlechten Gewissens verkündete: „Du bist dran …“

      „Steh auf“, wurde dem Mädchen da von Isaac zugerufen, „es ist vorbei.“
      „Zahl's ihm heim“, stimmte Tatjana mit ein.
      Velvet öffnete die Augen und bemerkte, dass alles um sie herum normal war. Schwankend erhob sie sich. „E-entschuldigung. Ich hab mich gehen lassen.“
      Trotzdem zitterte ihre Hand, als sie nach ihrem Deck griff.
      „Willst du nicht lieber aufhören, Velvet-chan?“, fragte Orion traurig. „Das war zu viel für dich.“
      „Nein! Ich kann nicht immer davonrennen, wenn ich etwas Schreckliches sehe.“ Sie dachte an ihr Duell mit Henry zurück. „Ich habe mich schon einmal deswegen blamiert. Wenn Zyxx wiederkommt, kann ich auch nicht vor Angst um Gnade betteln! Mein Zug, Draw!“
      Schwungvoll zog sie von ihrem Deck und sah die gezogene Falle unsicher an. Das würde ihr einen Vorteil verschaffen, sobald er das nächste Mal angriff!

      Aber das war nicht genug. Sie musste wissen was er vorhatte. Velvet schloss die Augen und versuchte sich nur darauf zu konzentrieren, wie dieses Duell verlaufen würde. Es war ihr Schicksal, sie musste es sehen! Um dieses zu erkennen stellte sie sich vor, wie Orion seine verdeckte Karte aktivierte. Aber nichts geschah danach, sie wusste nicht, was für eine Karte das war.

      Resignierend riss sie die Augen wieder auf. „Nichts … schon wieder …“
      „Du kannst nicht erwarten, dass alles beim ersten Mal klappt“, rief Isaac ihr da zu, „deswegen nennt man es 'lernen'.“
      „Aber“, wollte Velvet widersprechen, aber als sie zu ihren Freunden sah und diese nickten, schluckte sie ihren Verdruss hinunter. „Stimmt wohl.“
      „Gib' nicht auf, Velvet-chan. Du kannst es schaffen! Es muss nicht gleich beim ersten Duell funktionieren.“
      Der Gedanke daran, dass sie noch öfter solche Schreckmomente durchleben musste, baute das schwarzhaarige Mädchen nicht gerade auf. Trotzdem versuchte sie das Positive zu sehen: Sie konnte ihre Duell-Fertigkeiten schärfen und stellte sich ihren Ängsten, selbst wenn das mit ihren Visionen nicht klappte.
      „G-gut!“ Sie nahm drei Karten aus ihrem Blatt. „Ich setze zwei Karten und rufe [Spiritual Beast Rampengu]!“
      Die beiden Fallen tauchten zischend zu ihren Füßen auf. Davor materialisierte sich ein grüner Pinguin mit wundervoll geschwungenen, gelb-orangefarbenen Augenbrauen, die bis hinter seinen Kopf reichten.

      Spiritual Beast Rampengu [ATK/1600 DEF/400 (4)]

      „Mit seinem Effekt kann ich ein Ulti-Fusionsmonster von meinem Extradeck verbannen und ein Spiritual Beast desselben Typs von meinem Deck auf den Friedhof schicken!“ Velvet zeigte das lila-umrandete Monster vor. „Ich verbanne [Ritual Beast Ulti-Cannahawk] und schicke seine Basisform [Spiritual Beast Cannahawk] auf den Friedhof!“
      Zumindest gab ihr das ein wenig Hoffnung, sich gegen Orion zu behaupten. „Zug beendet!“
      „Fallenkarte aktivieren!“, rief dieser genau in jenem Moment, seine gesetzte Karte sprang auf „Tut mir leid, Velvet-chan, aber ich habe keine Wahl! [Jurrac Impact]!“
      „Oh verdammt“, stieß da Isaac entsetzt hervor.
      Weit über den beiden Duellanten öffnete sich ein Loch im Himmel, aus dem ein riesiges, brennendes Objekt schoss.
      „Erkläre!“, forderte Tatjana von ihrem Erzfeind.
      „Diese Falle kann nur aktiviert werden, wenn ihr Besitzer einen Dinosaurier mit mindestens 2500 Angriffspunkten kontrolliert.“ Der Blonde sah Velvet mitleidig an. „Danach wird das komplette Spielfeld ausradiert.“
      Jene wirbelte erschrocken zu ihm um. „Oh nein! Dann-!“
      Der lodernde Meteor über ihr dröhnte lauter, je näher er kam. Orion hielt die Stummelärmchen vor den Augen. „Genau so ist es …“
      Sie konnte sich gerade noch einmal umdrehen, da schlug der Meteor bereits mitten ins Spielfeld ein und erzeugte eine gewaltige, flammende Schockwelle. Jene riss [Jurrac Giganoto] und Rampengu mit sich und versengte Velvets gesetzte Karten.
      Jene schrie panisch, wieder Flammen, wieder Erinnerungen. Das Lodern, das Knistern, die Schreie, alles war wieder da. Wimmernd begrub sie ihr Gesicht in den Händen.

      „Warum opfert er sein Monster, wenn es das stärkste auf dem Feld ist?“, wunderte sich Isaac lautstark und bekam prompt Patrices Ellbogen in die Seite gerammt.
      „Ist das nicht gerade unsere geringste Sorge?“
      „Nu! Das ist Folter!“
      „Ihr solltet abbrechen!“, stimmte Tatjana Fabio zu. „Es muss doch noch einen anderen Weg geben!“
      Doch Velvet rief dumpf durch ihre Hände: „Nein! Ich … ich muss durchhalten!“

      Die Flammen verebbten langsam. Orion, wieder am Boden, griff mit schuldbewussten, halb offenen Kulleraugen nach seinem Deck. „Bitte hass' mich nicht, Velvet-chan! Draw!“
      Das Mädchen sah auf. „N-nein, warum sollte ich?“
      Erleichtert aufatmend rief der Schattengeist in Anschluss: „Dann kann ich weitermachen, ok? Gut! Ich beschwöre [Jurrac Stauriko]!“
      Ein blau-grüner, recht kleiner Dinosaurier tauchte vor ihm auf. Drei brennende Kämme zogen sich über seinen Rücken.

      Jurrac Stauriko [ATK/500 DEF/400 (2)]

      „Zumindest ist es nicht stark …“, murmelte Velvet.
      Kurz sah Orion nachdenklich in sein Blatt, schüttelte dann aber den überproportionierten Kopf und rief: „Direkter Angriff!“
      Sofort hob das Mädchen schützend die Arme vor sich, als das Urzeit-Reptil auf sie zugestürmt kam und mit seinem Schweif nach ihr schlug. Der Treffer war nicht allzu hart, riss sie aber dennoch von den Füßen, sodass das Mädchen auf der Seite landete. „Urgh!“
      „Velvet!“, riefen ihre Freunde erschrocken im Chor.

      [Velvet: 3100LP → 2600LP / Orion: 3900LP]

      Wie sie im Gras lag, schluckte das Mädchen schwer. Sie wusste, dass Orion sich ihretwegen zurückhielt. Aber ihre Feinde würden das nicht. „M-mir geht es gut!“
      Die Zähne zusammenbeißend stand sie ganz langsam auf.
      „I-ich mache weiter. Egal, wie weh es tut!“
      „Sie ist tapferer als wir“, musste Patrice dabei ehrlich zugeben, „ich wüsste nicht, ob ich mich auf so etwas einlassen würde.“
      „Wenn es für die rechte Sache ist, würden wir das alle“, war sich Tatjana sicher.
      Die Freunde nickten sich alle zustimmend zu.
      Orion derweil verkündete: „Du bist dran, Velvet-chan!“

      „Draw!“, rief Velvet entschlossen und zog ihre Karte.
      Sie sah sie verunsichert an. „Das könnte helfen! Ich beschwöre dich, [Ritual Beast Tamer Lara]!“
      Ein rotblondes Mädchen erschien vor ihr, gewandt in ein pistaziengrünes Cape, gleichfarbigem Kleid und schwarzen Strumpfhosen. Sie hielt einen Zauberstab aus Holz in der Hand, den sie neben sich auf den Boden richtete.

      Ritual Beast Tamer Lara [ATK/100 DEF/2000 (1)]

      „Wenn Lara normalbeschworen wird, kann sie ein Spiritual Beast vom Friedhof aufs Feld rufen!“, erklärte Velvet weiter und zeigte jenes vor. „Komm zurück, [Spiritual Beast Apelio]!“
      An der Spitze des knorrigen, gewundenen Zauberstabs leuchtete ein roter Kristall, dessen Licht den zunächst geisterhaften, dann immer realer werdenden Junglöwen offenbarte.

      Spiritual Beast Apelio [ATK/1800 DEF/200 (4)]

      „Jetzt kommt meine Spezialität!“ Unter dem aufkommenden Jubel ihrer Freunde streckte Velvet beide Hände von sich aus. „Oh Wunderkind der Beschwörung! Oh Bestie des Stolzes und der Redlichkeit!“
      Apelio und Lara schwebten zusammen über ihr in die Luft. Dabei wuchs der Junglöwe auf beachtliche Größe an, seine Mähne spross und loderte, seine Haut verdunkelte sich.
      „Bindet euch aneinander!“ Velvet faltete die Hände über dem Kopf zusammen und riss sie zu einer Faust geballt hinab. „Contact Fusion!“
      Die Beschwörerin schwang sich auf den Rücken Apelios, welcher vor seiner Besitzerin auf den Pfoten gelandet war und sie inzwischen um mindestens einen Kopf überragte. „Kämpfe, [Ritual Beast Ulti-Apelio]!“
      Jener brüllte stolz, was Velvet neuen Mut verlieh.

      Ritual Beast Ulti-Apelio [ATK/2600 DEF/400 (6)]

      So stieß auch sie kämpferisch hervor. „Angriff! Ethereal Advance!“
      Die Bestie stürmte auf den Dinosaurier zu. Dabei nahm Lara ihren Zauberstab in beide Hände und feuerte grüne Feuerbälle ab, die ihr Ziel zwar verfehlten, es aber so sehr ablenkten, dass der ausgewachsene Apelio es nur noch anfallen musste.
      In dem Moment rief Isaac erschrocken: „Nein! Verdammt, wie hab ich das vergessen können!?“

      [Velvet: 2600LP / Orion: 3900LP → 1800LP]

      „Das war ein guter Treffer, Velvet-chan!“ Orion trötete aus seiner langen Schnute: „Aber du hast damit auch den Effekt meines Monsters aktiviert. Da Stauriko im Kampf zerstört wurde, hinterlässt er zwei Jurrac-Spielmarken!“
      Vor dem kleinen Schattengeist tauchten zwei Eier auf, die lichterloh in knallroten Flammen aufgingen.

      Jurrac-Spielmarke x2 [ATK/0 DEF/0 (1)]

      „Er hat sie nur dazu verlockt anzugreifen“, wusste Isaac inzwischen. „Hätte ich doch bloß schneller geschaltet.“
      Fabio seufzte. „Tja, shit. Aber Velvet muss sich sowieso auf sich selbst verlassen. Was nützt es ihr, wenn du ihr alles vorsagst?“
      „Da hat er Recht“, stimmte Patrice zu, der an dem Geländer lehnte, „aber wenn ich ehrlich bin, hätte ich wohl trotzdem angegriffen.“
      „Ihr habt keine Ahnung“, blieb der Blonde jedoch stur, „wartet ab.“
      Was Tatjana mit einem demonstrativen Naserümpfen kommentierte.
      „Ich setze eine Karte verdeckt“, rief Velvet aus und schloss die Augen, als die Karte vor ihr erschien. Sie versuchte sich darauf zu konzentrieren, ob ihre Falle Erfolg haben würde, doch wieder erhielt sie keine Vision der Zukunft. Warum bloß!? Was machte sie falsch!? „Z-zug beendet …“

      „Mein Zug! Draw!“, rief der Schattengeist und zog schwungvoll. „Es tut mir leid, Velvet-chan, aber du hast mir dabei geholfen, mein mächtigstes Monster zu beschwören.“
      „W-wie bitte? Oh … das klingt nicht gut“, stammelte das Mädchen entsetzt.
      „Ja! Ich opfere meine beiden Jurrac-Spielmarken für eine Tributbeschwörung! Erhebe dich, [Jurrac Titano]!“
      Aus den beiden Eiern schossen hohe Stichflammen empor. Dann verschwanden sie und aus dem Boden brach ein schier riesiger, auf zwei Beinen stehender Dinosaurier empor. Knallrot war er, sein Körper war von einer fast schwarzen, gehärteten Magmaschicht überzogen. Zahlreiche Stachel überzogen seinen Kopf.

      Jurrac Titano [ATK/3000 DEF/2800 (9)]

      „3000 Angriffspunkte!?“, stieß Velvet erschrocken beim Anblick der sie überragenden Kreatur hervor.
      „Nein, Velvet-chan! Ich verbanne ein Jurrac-Monster mit maximal 1700 Angriffspunkten – wie [Jurrac Iguanon] – von meinem Friedhof und erhöhe Titanos Power um weitere 1000!“
      „Ah!“
      Der riesige Tyrannotitan öffnete sein Maul und sog aus dem Nichts Flammen ein, die er in seinem Maul in blaues Licht umwandelte.

      Jurrac Titano [ATK/3000 → 4000 DEF/2800 (9)]

      Isaac schlug die Hand vor den Kopf. „Davor wollte ich euch warnen.“
      „Na und, damit wird Velvet schon fertig“, konterte Tatjana giftig und scharte mit dem Fuß nach hinten aus. „Angriffspunkte sind nicht alles.“
      „Wenn du meinst.“ Der Blonde schnalzte mit der Zunge. „Ich spare mir jetzt meine Kommentare.“
      Indes zeigte Orion eine Zauberkarte vor. „Ich weiß dass deine Fusionsmonster ihre Contact Fusion aufheben und dich schützen können! Daher aktiviere ich [Fairy Meteor Crush]! Das ausgerüstete Monster fügt dir Durchschlagschaden zu!“
      Die Spitzen am Kopf des Dinoriesen leuchteten weiß auf. Velvet weitete die Augen, denn bei so hoher Angriffskraft würde ein Contact Out ihr Ende bedeuten, denn die Verteidigungspunkte von [Spiritual Beast Apelio] betrugen nur 200!
      Der Schattengeist indes machte aus dem Stand einen gewaltigen Hüpfer und landete auf der Schulter des Ungetüms. Gerade war er oben angekommen, machte stieß er plötzlich einen überraschten Laut aus. „Was!? A-aber Lady Gardenia-!“
      Velvet sah verunsichert zu ihm hinauf. „Orion?“
      „Gibt es denn keinen anderen Weg mehr!?“, sprach der scheinbar völlig abgelenkt weiter. „I-ich kann das nicht tun!“
      „Was ist?“, rief das Mädchen derweil. „Bitte, sag etwas!“
      Niedergeschlagen flüsterte der Schattengeist jedoch nur: „Ich habe verstanden …“
      Unmittelbar danach leuchteten Kulleraugen rötlich auf. Etwas, das Velvet mit lautstarkem Schreck bemerkte. „Orion? W-was meinst du? Was ist mit- Ah!“

      Um das Spielfeld herum sammelten sich pechschwarze Nebelwolken, die sich nach und nach um sie herum zuzogen.
      „Was ist das!?“, rief auch Fabio erschrocken.
      „Sag nicht, er …“, murmelte Patrice und löste sich aus seiner lockeren Haltung.
      „Bleibt ruhig“, mahnte ausgerechnet Isaac, doch da war Tatjana längst schnellen Schrittes auf den Weg zu den beiden.
      Dabei schrie sie zornig: „Hey! Was wird das hier!?“
      Velvet drehte sich panisch zu ihr um. „I-ich weiß es nicht. Orion!?“
      Keine Sekunde später zog sich die schwarze Wolke hoch, versperrte den beiden Mädchen den Blickkontakt und umhüllte das Feld vollständig. Die pummelige Deutsche blieb nervös vor dem Phänomen stehen und wagte es nicht, sie zu berühren. „Velvet? Velvet!?“
      Es kam keine Antwort.

      Innen war es dadurch stockfinster geworden. Abseits der Monsterhologramme und Orions rot strahlenden Augen erleuchteten nur gelegentlich Blitze das Innere der Kuppel.
      „Tatjana!? Patrice, Fabio, Isaac!?“, suchte das Mädchen zunehmend die Unterstützung ihrer Freunde, doch niemand reagierte.
      „Vergeblich. Hier hört dich keiner, Velvet-chan!“
      „Orion, w-was ist hier los?“
      Der Schattengeist sah sie regungslos an. „Nimm es nicht persönlich, aber es muss sein.“
      „Was muss sein?“
      „Lady Gardenia sagt, du bist zu unerfahren für deine Kräfte. Aber wir brauchen sie, dringend, um unseren Feind zu besiegen.“ Er senkte sein Haupt. „Deshalb hat sie mir eben befohlen … deinen Äther zu extrahieren.“
      Das Mädchen wurde mit jedem seiner Worte blasser. „W-was?“
      „Es tut mir leid. Lady Gardenia sagt, sie wird beherrschen. Etwas, wofür du Monate benötigen würdest. Ich dachte, wir hätten noch etwas Zeit, aber so bleibt uns keine andere Wahl.“ Der Schattengeist sah auf sie von seinem riesigen Monster herab. „Du musst sterben.“
      „Was!? Orion … wie … wie kannst du nur!?“ Tränen stiegen in ihren Augen auf. „Ich dachte wir wären Freunde! Dass du … dass du mir helfen willst!“
      „Dir ist nicht zu helfen, Velvet-chan! Du bist völlig talentlos! Deine Gabe ist in den Händen anderer besser aufgehoben!“, widersprach der Kleine vehement. „Warum hast du dich nicht mehr angestrengt!?“
      „D-das meinst du nicht ernst, oder? Ich bemühe mich doch!“
      Der Schattengeist kniff seine Augen fest zusammen. „Die Entscheidung ist gefallen! Mir bleibt keine Wahl, ich darf mich Lady Gardenia nicht widersetzen! Angriff auf [Ritual Beast Ulti-Apelio]! Titanic Showdown!“
      [Jurrac Titano] hob sein rechtes Bein an und schmetterte es auf den Boden. Jener zerbarst regelrecht um ihn herum, dann stürmte er bereits auf den Löwen und seine Reiterin zu. Velvet schluckte den bitteren Schmerz des Verrats hinunter. „I-ich werde mich nicht so einfach ergeben! Verdeckte Falle, [Dimensional Prison]! Sie verbannt das angreifende Ziel!“
      Die Karte klappte vor Velvet auf und öffnete vor ihrem Monster einen Dimensionsriss, der den herannahenden Riesendino vom Weg abbrachte und in sich hinein zog. Doch etwas blitzte in den Augen Orions auf.
      „Hehe, da hast du falsch gedacht! Titano kann nicht als Ziel von Monster- und Falleneffekten gewählt werden!“ Sprachs und prompt rannte der Tyranno durch den Riss hindurch, ohne dass etwas geschah. Mit einer Drehung schmetterte er seinen Schweif gegen das Duo aus Reiterin und Löwe, welches im hohen Bogen davongeschleudert wurde. Sie krachten in den schwarzen Wolkenwirbel und zersprangen sofort in zahlreiche Polygone. Die dabei entstandene Druckwelle fegte über das Feld auf Velvet zu, welche ebenfalls weggerissen wurde und mit dem Rücken gegen die schwarze Barriere prallte. Dabei sammelten sich zahlreiche Blitze um sie und schockten das Mädchen, welches qualvoll aufschrie.

      [Velvet: 2600LP → 1200LP / Orion: 1800LP]

      Dampfend fiel es auf die Knie und schluchzte unkontrolliert.
      „Siehst du, Velvet-chan? Ich meine es absolut ernst!“ Orion nahm zwei seiner Handkarten und schob sie in seine Miniatur-Duel Disk. „Zwei Verdeckte! Dein letzter Zug naht!“
      Die Karten tauchten tatsächlich hinter ihm und [Jurrac Titano] auf, da jener es scheinbar vorzog, in der Mitte des Spielfelds zu verharren. Wodurch er wie ein unüberwindbares Hindernis vor Velvet stand.

      Jurrac Titano [ATK/4000 → 3000 DEF/2800 (9)]

      Es tat weh. Alles. Ihr Körper, aber auch ihr Herz. Warum waren alle hinter ihr her? Sie wollte diese Kräfte doch gar nicht! Schluchzend rappelte Velvet sich auf. Wenn der Rest ihres Lebens daraus bestand, mit denen zu kämpfen, die es auf ihre Visionen abgesehen hatten, dann … dann …
      Sie rieb sich mit dem Arm über die Augen. Sie musste die Zukunft nicht sehen, um zu wissen, wie das alles irgendwann enden würde.
      „Ich“, murmelte sie bitter, „hab genug.“
      Orion beobachtete sie schweigend, kniff die Augen wieder fest zusammen.
      „W-wenn du meine Kräfte willst … dann …“
      Sie wollte schreien. Aber ihr versagte die Stimme. Vielleicht wäre es das Beste wenn jemand die Zukunft vorhersehen konnte, der etwas Gutes für diese Welt im Sinn hatte. Ehe ihre Freunde noch dabei verletzt wurden, weil sie sie in all das hineingezogen hatte.
      „I-ich … g-“

      Etwas durchfuhr sie. Es war nicht -ihre- Schuld!
      Velvet nahm langsam den Arm von den Augen und als sie das tat, zog sich eine lange, blaue Flamme von ihrem rechten entlang. „Wenn du meine Kräfte willst, musst du sie dir verdienen, Orion. Draw!“
      Sie riss mit Schwung die oberste Karte von ihrem Deck. Dabei platzte ihr Zopf über der Schulter auf, das lange, schwarze Haar breitete sich aus. Das Gras um sie herum wippte unruhig bei der Bewegung.
      „Velvet-chan, deine Augen … sie sind rot wie meine!“
      „Ist das so?“, fragte das Mädchen selbstbewusst und lächelte. „Dann bin ich wohl ein Monster wie du.“
      Sie wusste nicht, was in sie gefahren war. Da war plötzlich so viel Selbstbewusstsein, sie fühlte sich stark, ja sogar … unbesiegbar. Und dann geschah es – sie stand plötzlich neben sich, im wahrsten Sinne des Wortes.

      Ihr Ebenbild streckte die Arme aus. „The sky is torn open!“
      Im Anschluss schlug sie ihre rechte, zur Faust geballte Hand gegen die Brust. „Summoning contract established!“
      In einer Geste voller Zuversicht streckte sie die Faust in die Höhe. Acht grelle Lichter stiegen um sie herum aus dem Boden auf, verteilten sich hinter ihr in einer Sternenformation und festigten sich zu einem kreisrunden Tor, in dem sich die Sphären als Runen manifestierten. Jedes Symbol hatte einen eigenen Teilkreis, in dem es steckte. „Witness the creation of the eternal gate!“
      Ruckartig schossen die einzelnen Bestandteile des Portals nach hinten. Velvet rief: „Soar, ascend, exceed!“
      Da ist es“, hauchte Orion ehrfürchtig.
      In den Grenzen des Tors lag ein langer, bunter Tunnel. Ein dunkler Schatten in seinem Inneren näherte sich. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      Velvet riss den erhobenen Arm hinunter und zeigte ihren Handrücken, in dem ein schwarzer Stern eingraviert war. „Grade 8! Now rise, [Ebon Sky Pegasus]!“
      Die letzten Lichtquellen im Inneren der Kuppel erloschen für einen kurzen Augenblick. Das Portal hinter Velvet verschwand. Ein Wiehern hallte durch die Schatten.
      Dann kehrte das spärliche Licht wieder und über der Schwarzhaarigen schwebte der schwarze Pegasus. Die Spitzen seiner Federschwingen und auch seine Hufe brannten in blauen Flammen. Nicht anders war es mit der wallenden Mähne. Auf seinem Torso waren zu beiden Seiten rote, schwungvoll-gewellte Linien gezeichnet.

      Ebon Sky Pegasus [ATK/2500 DEF/2000 X8]

      Ich setze eine Karte“, verkündete Velvet konzentriert, „und opfere sie für den Effekt von [Ebon Sky Pegasus], zusammen mit 1000 meiner Lebenspunkte!“
      Die Karte, die zu ihren Füßen erschien, löste sich in blauen Funken auf, die die majestätische Kreatur über ihr absorbierte. „Damit kann ich eine andere Zauber- oder Fallenkarte von meinem Deck ungeachtet der Kosten aktivieren! Meine letzte Hoffnung! Future Antithesis!“
      Sofort leuchteten die roten Seitenstreifen des Pegasus grell auf, als dieser sein Haupt reckte und erneut wieherte. Dann breitete sich von seiner Mähne und den Flammen an seinen Hufen und Federspitzen silbernes Licht aus.
      „Schlag ein und zerstöre [Jurrac Titano]“, rief die andere Velvet zuversichtlich, „der Zauber [Lightning Vortex]!“
      Ein Blitz schoss aus der dunklen Kuppel auf den riesigen Tyrannotitanen herab, doch Orion lachte hochmütig auf. „Damit habe ich gerechnet, Velvet-chan! Konterfalle [Destruction Jammer]! Ich werfe eine Karte ab und annulliere einen Zerstörungseffekt!“
      Hinter dem Dino sprang die rechte gesetzte Karte auf und sorgte dafür, dass der Blitze kurz vor seinem Ziel an einer unsichtbaren Barriere abprallte.
      Die sich duellierende Velvet schloss die Augen, dann senkte sie lächelnd ihr Haupt. „Du hast mich durchschaut. Beeindruckend. Das war's dann wohl für mich.“

      Was die Velvet der Gegenwart dann sah, war ihre vernichtende Niederlage durch Orions Hände und deren Folgen, ehe die Vision schließlich schwand.
      „Nein“, murmelte sie daher unzufrieden. „Nicht so …“
      Dann weitete sie die Augen, wodurch auch aus ihrem linken Auge eine helle, blaue Flamme schoss.

      Wieder sah sie ihrem Ebenbild der Zukunft beim Duellieren zu.
      The sky is torn open!“ Erst streckte sie die Arme aus, dann schlug sie sich die Faust gegen die Brust, ehe sie jene wieder in die Höhe streckte. „Summoning contract established!“
      Acht grelle Lichter stiegen um sie herum aus dem Boden auf, verteilten sich hinter ihr in einer Sternenformation und festigten sich erneut zu dem Tor, in dem sich die Sphären als Runen manifestierten. „Witness the creation of the eternal gate!“
      Ruckartig schossen die einzelnen Bestandteile des Portals nach hinten. „Soar, ascend, exceed!“
      Da ist es“, hauchte Orion ehrfürchtig.
      Hinter dem Tor erstreckte sich der lange, bunte Tunnel in eine andere Dimension. Der Pegasus näherte sich als dunkler Schatten bereits in seinem Inneren. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      Zukunfts-Velvet riss den erhobenen Arm hinunter und zeigte ihren Handrücken, in dem ein schwarzer Stern eingraviert war. „Grade 8! Now rise, [Ebon Sky Pegasus]!“
      Kurzzeitig wurde es stockdunkel in der Kuppel, dann brachte ein Wiehern wieder Licht und der Pegasus verharrte über der Schwarzhaarigen.

      Ebon Sky Pegasus [ATK/2500 DEF/2000 X8]

      Ich setze eine Karte“, verkündete Velvet im absolut identischen Wortlaut wie zuvor und ließ jene vor sich erscheinen, „und opfere sie für den Effekt von [Ebon Sky Pegasus], zusammen mit 1000 meiner Lebenspunkte!“
      Die Falle löste sich in blauen Funken auf und wurde vom Pegasus absorbiert. „Damit kann ich eine andere Zauber- oder Fallenkarte von meinem Deck ungeachtet der Kosten aktivieren! Meine letzte Hoffnung! Future Antithesis!“
      Die roten Seitenstreifen des Pegasus leuchteten grell auf, als dieser sein Haupt reckte und wieherte. Im Anschluss breitete sich von seiner Mähne und den Flammen an seinen Hufen und Federspitzen silbernes Licht aus.
      „Sei der Wind, der uns davon trägt“, rief die andere Velvet zuversichtlich, „der Zauber [Blustering Wind], der Pegasus' Werte um 1000 für eine Runde erhöht!“
      Ihr Pegasus spreizte seine Schwingen und stieß dabei grüne Wirbelstürme von sich, wieherte dabei stolz.

      Ebon Sky Pegasus [ATK/2500 → 3500 DEF/2000 → 3000 X8]

      Angriff auf sein Monster!“, befahl ihr Zukunfts-Ich entschlossen. „Aether Hurricane!“
      Die Spitzen der Flügel des anmutigen Ungeheuers nahmen wieder ihre blaue Färbung an. Das Tier stieg auf und entfachte einen gleißend blauen Flammenwirbel, der auf Orion und seinen Tyrannotitanen zu fegte.
      Doch der kleine Schattengeist kicherte böse. „Hehe, das habe ich erwartet, Velvet-chan! Verdeckten Schnellzauber aktivieren, [Battle Tuned]!“
      Die hinter ihm links platzierte Karte sprang auf und tauchte das drei Meter hohe Biest in eine rote Aura. „Ich verbanne einen Empfänger von meinem Friedhof, wodurch [Jurrac Titano] dessen Angriffskraft erhält! Also bye bye [Jurrac Monoloph] und hello 1500 zusätzliche Angriffspunkte!“
      Es wird stärker!?“, stieß Velvet erschrocken hervor.

      Jurrac Titano [ATK/3000 → 4500 DEF/2800 (9)]

      Titano brüllte zorning und feuerte aus seinem Maul einen vernichtenden Lavaball, der den flammenden Äthersturm durchbrach ihren schwarzen Pegasus vom Himmel fegte. Das Mädchen in der Vision schloss seufzend die Augen. „Du hast mich durchschaut. Beeindruckend. Das war's dann wohl für mich.“
      Ein weiterer Lavaball schoss auf sie zu und besiegelte ihr Schicksal. Sie hörte Orions Worte …

      Die Velvet der Gegenwart riss ihre blau entflammten Augen erschrocken auf. Zwei Visionen innerhalb eines kurzen Augenblicks und beide liefen auf dasselbe Ende hinaus. Sie sah hinauf zu Orion, der auf der Schulter des riesigen Dinos wartete. „Orion, du Lügner.“
      Sie lachte auf. „Aber jetzt weiß ich, was zu tun ist!“
      Die Arme weit ausbreitend, wie in ihren Visionen, rief sie: „The sky is torn open! Summoning contract established!“
      Sie schlug ihre Faust gegen die Brust, dann hob sie diese in die Höhe. Die acht grellen Lichter stiegen um sie herum aus dem Boden auf, bildeten hinter ihr eine Sternenformation und wurden zu dem Tor, in dem sich die Sphären als Runen manifestierten. „Witness the creation of the eternal gate!“
      Ruckartig schossen die einzelnen Bestandteile des Portals nach hinten. „Soar, ascend, exceed!“
      „Da ist es“, hauchte Orion ehrfürchtig.
      Hinter dem Tor erstreckte sich der lange, bunte Tunnel in eine andere Dimension. Der Pegasus näherte sich als dunkler Schatten bereits in seinem Inneren. „Open the eternal gate! Excel Summon!“
      Velvet riss den erhobenen Arm hinunter und zeigte ihren Handrücken, in dem ein schwarzer Stern eingraviert war. „Grade 8! Now rise, [Ebon Sky Pegasus]!“
      Kurzzeitig wurde es stockdunkel in der Kuppel, dann brachte ein Wiehern wieder Licht und der Pegasus verharrte über der Schwarzhaarigen.

      Ebon Sky Pegasus [ATK/2500 DEF/2000 X8]

      „Dieses Mal wird mir kein Fehler unterlaufen“, wusste die Schwarzhaarige und nahm eine Karte aus ihrem Blatt. „Ich setze eine verdeckte Karte und aktiviere den Effekt meines Monsters! Future Antithesis!“
      Ihr Pegasus wieherte stolz, dann zerplatzte die eben vor ihr erschienene Karte zu blauen Funken und wurde von ihrem Monster absorbiert. Dessen rote Seitenstreifen begannen zu leuchten.

      [Velvet: 1200LP → 200LP / Orion: 1800LP]

      „Für 1000 Lebenspunkte kann ich eine gesetzte Karte und 1000 Lebenspunkte opfern, um eine Zauber- oder Fallenkarte direkt aus meinem Deck zu aktivieren!“ Die Schwarzhaarige zeigte ein zuversichtliches Lächeln. „Und meine Wahl fällt auf [Gale Echo]!“
      Sofort begann der Pegasus silbernes Licht auszustrahlen. Die Falle stellte sich vor dem Mädchen auf und schlagartig zersprang das Assmonster in tausende Polygone.
      Orion machte eine riesige Schnute. „Wa-wa-was!? Du zerstörst ihn!?“
      „Ja“, erwiderte Velvet, „das ist der Effekt von [Gale Echo]. Ich zerstöre alle WIND-Monster, die ich kontrolliere und kann dann eine Schnellzauber- oder Fallenkarte von meinem Friedhof aktivieren!“
      „Vom Friedhof?“, wunderte sich der Schattengeist. „Aber welche sollte das sein?“
      „Eine, die du durch [Jurrac Impact] vernichtet hast: [Ritual Beast's Afterglow]!“
      „Eh!?“
      Nacheinander tauchten vor dem Mädchen drei hellblau leuchtende Silhouetten auf: Die eines Mädchens, eines vierbeinigen Tiers und die eines großen, reiterlosen Vogels. „[Ritual Beast's Afterglow] kann die Stärke eines Ritual Beasts um die eines verbannten Partners stärken, oder bis zu drei Spielmarken beschwören, deren Namen und Werte denen von verbannten Ritual Beast-Monstern entsprechen. Das wären [Ritual Beast Tamer Lara], [Spiritual Beast Apelio] und [Ritual Beast Ulti-Cannahawk]!“
      „Ah!“, stieß der kleine Schattengeist entsetzt hervor.
      Denn die Silhouetten formten sich zu den Geistern der blonden Zähmerin, dem Junglöwen und dem eines schwarzen Vogels, dessen Gefieder durch gelbe Blitze durchzogen wurde.

      Ritual Beast Tamer Lara-Spielmarke [ATK/100 DEF/2000 (1)]
      Spiritual Beast Apelio-Spielmarke [ATK/1800 DEF/200 (4)]
      Ritual Beast Ulti-Cannahawk-Spielmarke [ATK/1400 DEF/1600 (6)]

      „Diese Erinnerungen schwinden jedoch am Ende des Zuges“, sprach Velvet plötzlich in einem nachdenklichen Tonfall. „Ja, sie schwinden …“
      Dabei dachte sie an den Tag zurück, als Melinda Ford sie von Zuhause abgeholt und zu einem Besuch in der Hauptzentrale der AFC eingeladen hatte. Während der Fahrt drückte sie ihr grinsend einen Brief in die Hand, den Velvet jedoch erst zuhause öffnen sollte.

      Das Mädchen saß auf ihrem rosafarbenen Bett und hielt den Umschlag mit beiden Händen fest. Sie fürchtete sich vor dem Inhalt. Nach dem, was Melinda durch Harriers Hand widerfahren war, konnte sie sowieso kaum einen klaren Gedanken fassen.
      Da war bestimmt ein Anwaltsschreiben drin, eine Anklage oder eine Schadensersatzforderung. Am liebsten würde sie ihn gar nicht öffnen.
      Aber Velvet schluckte ihre Angst hinunter und riss ihn auf. Es half ja schließlich nichts, vor der Realität davon zu laufen. Ändern konnte sie sie sowieso nicht.

      Tatsächlich war ein Brief darin, doch als Velvet ihn auseinander faltete, fiel etwas aus ihm heraus – eine einzelne Karte. Jene landete mit dem Rücken nach oben auf ihrem Schoß. Das Mädchen las sie auf und erschrak bei ihrem Anblick.
      „W-was?“
      Dann las sie den Brief durch.

      Liebe Velvet,

      ich weiß dass die Begegnung mit Henry nicht gerade angenehm war. Als Gegner ist er regelrecht furchteinflößend, glaub mir, ich weiß das.

      Bei der Analyse deines Decks ist uns aufgefallen, dass dir eine bestimmte Karte deines Themas fehlt. Ist ja auch ein verdammt seltenes Biest! Mit ihm hättest du meinen Bruder vielleicht in die Schranken weisen können.

      Also schicke ich sie dir mit diesem Brief, damit deine nächste Begegnung mit einem Stänkerfritzen zu deinen Gunsten ausgeht.

      Und ich möchte dich wissen lassen, dass wir nicht deine Feinde sind. Im Gegenteil!

      Liebe Grüße,

      Melinda Ford“

      Als sie das las, schlug das Mädchen mit Tränen in den Augen die Hand vor den Mund. Aus ihr brachen der Schmerz und das schlechte Gewissen, dass sie vielleicht mitverantwortlich für Melindas Schicksal gewesen war.

      „Sie ist meine Freundin“, wusste Velvet inzwischen mit Sicherheit, „und ich werde ihr Geschenk würdigen!“
      Sie breitete die Arme voneinander weit aus. „Oh Wunderkind der Beschwörung! Oh Bestie des Stolzes und der Redlichkeit! Oh Vogel donnernder Selbstlosigkeit!“
      Nacheinander wurden die Geister in den Boden gesaugt. „Bindet euch aneinander! Contact Fusion!“
      Dann geschah es. Die Erde unter Velvet brach auf. Das Mädchen wurde mit wehendem Haar weit in die Höhe getragen, als sich ein riesiger Löwe mit roter Blättermähne erhob, auf dessen Rücken ein Baum wuchs. Seine unglaubliche Größe sprengte die Schattenkuppel, welche sich einfach auflöste.
      „[Ritual Beast Ulti-Gaiapelio], beschütze das Leben!“
      Dessen knorrige Beine waren von metallischen Schienen geschützt, sein Torso war ebenfalls von einer schwarzen Panzerung bedeckt, von der sich gläserne Flächen erstreckten.
      „Ich kann das auch“, grinste Velvet und spielte darauf an, auf ihrem Monster zu stehen. Hinter dem Kopf Gaiapelios war sie kaum noch zu sehen.

      Ritual Beast Ulti-Gaiapelio [ATK/3200 DEF/2100 (10)]

      Ihre Freunde, die sich in der Zwischenzeit um die nun gesprengte Schattenkuppel versammelt hatten, staunten wahrhaft beim Anblick der Bestie, die Orions Dinosaurier mühelos überragte.
      „Heilige Scheiße“, fluchte Fabio und wich zurück. „Was ist das denn? Das ist doch neu, oder?“
      „Das ist [Ritual Beast Ulti-Gaiapelio], das stärkste Monster des Themas“, wusste Isaac und deutete anschließend auf den Dinosaurier, „viel interessanter ist -das-!“
      Tatjana neben ihm stieß einen spitzen Schrei aus. „I-ich sehe es!“
      „Ich auch“, nickte Patrice.
      Alle vier starrten den kleinen, schwarzen Knödel auf [Jurrac Titanos] Schulter an.

      Velvet tat es ihnen gleich, sah lächelnd auf den Schattengeist hinab. „Danke, Orion. Ohne dich hätte ich es nicht geschafft.“
      „Velvet-chan …“, murmelte der leise. Das Rot aus seinen Augen wich.
      Jedoch nicht das aus Velvets, welche eine Zauberkarte zückte. „Bringen wir das zu Ende! Ich aktiviere [Monster Reborn]! Kehre zurück, [Ebon Sky Pegasus]!“
      Der schwarze Pegasus erhob sich aus einer blauen Stichflamme aus dem Boden und umkreiste Gaiapelio einmal, ehe er sich auf der Höhe Velvets zu diesem gesellte.

      Ebon Sky Pegasus [ATK/2500 DEF/2000 X8]

      „Beenden wir das“, richtete sie ihre Worte entschlossen an Orion und streckte die Hand aus, „Angriff auf [Jurrac Titano], [Ritual Beast Ulti-Gaiapelio]! Geo Awakening!“
      Ihre mächtige Bestie brüllte zornig und stampfte mit den Vorderbeinen auf. Überall auf der gesamten Wiese schossen Bäume, Sträucher, Ranken aus dem Boden. Ihre Freunde, die von alle dem umgeben waren, stießen überraschte Laute auf. Alle jene Pflanzen wuchsen erstaunlicherweise in Richtung des Dinosauriers, umzingelten ihn und drohten ihn in sich zu zerquetschen.
      „Ha! Nicht so schnell, Velvet-chan! Ich habe noch meine verdeckte Schnellzauberkarte [Battle Tuned]!“ Orion betätigte den Auslöser an seiner winzigen Duel Disk und jene Karte klappte, wie schon in Velvets Vision, hinter ihm auf. „Wenn ich einen Empfänger vom Friedhof verbanne, erhält eines meiner Monster dessen Angriffskraft! Ich verbanne [Jurrac Monoloph] und-“
      Doch das Mädchen mit dem offenen, schwarzen Haar lachte leise auf. „Gute Idee, aber dir ist sicher schon bewusst, dass ich davon Wind bekommen habe.“
      Orion sah auf und schwieg beharrlich. Velvet schnippte mit dem Finger. „Unglücklicherweise möchte ich dieses Schicksal nicht erfüllen. Ich benutze Gaiapelios Effekt! Ultimate Providence!“
      Jener brüllte auf. Unter der offen stehenden Karte des Schattengeists schoss eine flammende Wurzel, die den Zauber durchbohrte. „Ich werfe eine Ritual Beast-Karte ab und negiere die Aktivierung von [Battle Tuned]!“
      Zuversichtlich lächelnd schob Velvet [Spiritual Beast Pettlephin] in ihren Friedhofsschlitz. Da nun nichts mehr die Natur von ihrem zerstörerischen Wachstum abhalten konnte, wurde [Jurrac Titano] tatsächlich zwischen Baumkronen und Ranken begraben. Orion schaffte rechtzeitig den Absprung und als er landete, zogen sich die Pflanzen rasend schnell in den Boden zurück und stellten die Wiese wieder her.

      [Velvet: 200LP / Orion: 1800LP → 1600LP]

      Velvet, die ihn nun mehrere Meter überragte, rief: „Direkter Angriff, [Ebon Sky Pegasus]! Aether Hurricane!“
      Jener spreize seine Schwingen, deren Spitzen in blauen Flammen aufloderten und schleuderte einen vernichteten Feuerzyklon in Orions Richtung. Der Kleine hielt sich panisch die Arme vor die Kulleraugen, als er erfasst wurde und ächzte gequält.

      [Velvet: 200LP / Orion: 1600LP → 0LP]

      Velvet schloss lächelnd die Augen. Und als sie sie wieder öffnete, waren die blauen Flammen fort. Ebenso wie die roten Pupillen, die wieder ihre gewöhnte braune Färbung angenommen hatten.
      Allerdings hatte dies noch einen weiteren Effekt. „Oh?“
      Denn als die Hologramme verschwanden, verlor das Mädchen damit automatisch auch den Boden unter den Füßen. „Ah!“
      „Velvet-chan!“, schrie Orion entsetzt.
      „Velvet!“, riefen auch die anderen panisch.
      „Wah!“
      Sofort machte der Schattengeist einen Satz nach vorne und wuchs dabei derart an, dass er binnen eines Sekundenbruchteils die Größe eines Trampolins angenommen hatte. Und als solches fungierte er auch, als Velvet auf seiner schwarzen Oberfläche aufschlug und erstmal einen halben Meter zurück in die Luft geworfen wurde. „Ah!“
      „Au!“, jammerte der gewachsene Schattengeist. Als Velvet wieder auf ihm landete, schrumpfte er genauso schnell wieder, wie er gewachsen war – und wurde prompt unter ihrem Hinterteil begraben. „Umpf!“

      „Was habe ich da gerade gesehen?“, stammelte Tatjana, als die Gruppe auf Velvet zu schritt.
      „Geht es dir gut?“, fragte Fabio besorgt und reichte dem Mädchen die Hand.
      Sie ließ sich aufhelfen und nickte. „I-ich denke schon!“
      „Was war das?“, wollte Patrice wissen. „Dieses Feuer an deinen Augen …“
      „I-ich weiß nicht. Aber plötzlich konnte ich die Zukunft sehen. Meine! Und das nicht nur einmal, sondern gleich zweimal hintereinander!“
      Isaac stampfte geradewegs an ihr vorbei und betrachtete den Schattengeist, der mit dem Gesicht ins Gras gedrückt worden war. Er packte ihn am Haarbüschel und riss ihn in die Höhe. Die weiß leuchtenden Augen drehten sich regelrecht.
      „Soviel zu deinen edlen Absichten“, knurrte Patrice ihn sofort feindselig an.
      „Ja“, stimmte Tatjana wütend ein. „Wenn Velvet nicht-“
      „Hört auf“, bat der große Blonde jedoch, ehe die anderen noch damit anfingen, den Kleinen zu lynchen. „Velvet, erklär's ihnen.“
      „J-ja“, nickte die und nahm Orion entgegen, hielt ihn wieder mit beiden Armen an sich gedrückt und sah ihre Freunde der Reihe nach an. „Bitte seid ihm nicht böse. Das alles war nur ein Trick.“
      „Wie bitte? Er hat dich in dieses Ding gesperrt“, klagte Patrice sauer und gestikulierte mit der Hand auf die Stelle hinter Velvet.
      „Schon, aber“, stammelte sie nervös, „aber das war alles nur dazu gedacht, damit ich denke, wirklich in Gefahr zu sein. Ich habe es in den Visionen gesehen, in denen ich verloren hab. Er hat es mir danach erklärt.“

      Plötzlich drehte sich Orion in ihren Armen zu den anderen um. „Ja. Entschuldigt, dass ich euch nicht eingeweiht habt, aber ihr konntet mich ja nicht wahrnehmen.“
      „Ich glaube dir kein Wort“, zischte Tatjana.
      Und fing sich einen bissigen Spruch von Isaac. „Was absolut niemanden interessiert.“
      „Nu! Hört auf zu streiten!“, bat der Afroamerikaner.
      „Ich konnte Velvets Kräfte nicht durch ein normales Duell hervorlocken“, gestand Orion schlechten Gewissens, „aber sie hat gesagt, als Zyxx sie mitnehmen wollte, hat sie in der Stunde ihrer größten Not eine Vision bekommen. Also ...“
      „… wolltest du das replizieren, hab ich Recht?“, fragte Isaac. Als der Kleine nickte, fügte er noch hinzu. „Sowas habe ich mir schon gedacht.“
      „Ja. Und es hat funktioniert. Zumindest beim ersten Mal.“
      Verwirrt fragte Velvet. „W-wie meinst du das?“
      „Deine erste Vision war deiner Angst geschuldet, Velvet-chan. Deine Verzweiflung hat den Fokus auf dein Schicksal gelegt, sodass du es sehen konntest. Doch dann …“
      Tatjana schluckte. „D-da war blaues Feuer an deinen Augen.“
      „Die zweite Vision hast du bewusst hervorgerufen. Du konntest sie auf Befehl abrufen“, erklärte Orion weiter.
      Doch die Schwarzhaarige senkte ihr Haupt. „Sicher? Wenn ich es jetzt versuche, sehe ich gar nichts.“
      „Es ist ein Anfang.“ Patrice schien immer noch nicht völlig überzeugt. „Aber wenn Verzweiflung dir hilft, deine Kräfte kontrollieren zu lernen, können wir nicht mehr viel für dich tun.“
      „Ja. Das hat einmal geklappt, aber jetzt weißt du, dass ich nur schauspielere“, nuschelte Orion.
      Allerdings lächelte Velvet plötzlich. „Halb so schlimm! Ich bin stolz, dass es wenigstens ein bisschen geklappt hat. Uns wird was anderes einfallen!“
      Ihre Heiterkeit wurde jäh durch das Grummeln ihres Magens unterbrochen. Peinlich berührt wirbelte sie von den anderen weg. „I-ich glaube, ich hab Hunger bekommen.“
      „Dann gehen wir einen kleinen Happen zu uns nehmen“, schlug Isaac vor. „Aber bevor wir das tun, eine Frage, Orion: Wieso können wir dich jetzt sehen?“

      ~-~-~

      „Brauchen wir ihn überhaupt?“, fragte die rothaarige Cassandra, während sie neben Kathea durch eine fast völlig dunkle Halle lief. Einzig regelmäßig aufgestellte Kerzenhalter sorgten für ein wenig Licht.
      „Zyxx gehört zum Inner Circle“, erklärte die Jüngere mit dem schwarzen, ins Weiß übergehenden Haar mit seidiger Stimme, „ihn zu verlieren würde unsere Pläne in Gefahr bringen. Das weißt du.“
      Die Hexe strich sich durch die feuerrote Lockenpracht, richtete dann ihre Lederweste. „Er ist nutzlos.“
      „Er ist ein Vampir. Und damit der Einzige unter uns, der eine Chance hat, den großen Dämonen zu widerstehen“, fuhr Kathea weiter aus. Dann kicherte sie provokativ. „Obwohl ich gerne wüsste, wer bei einem Kampf zwischen dir und der Weißen Hexe als Sieger hervorgeht.“
      „Hmpf!“

      Ihre Schritte hallten über das Metall. Als sie in der Mitte des Raumes angelangten, blieben sie stehen. Auf der dunklen Oberfläche der riesigen, schwarzen Sphäre vor ihnen spiegelte sich das Flackern der Kerzen wieder. Durch ein goldenes Gestell wurde sie wie durch eine Hand gehalten.
      „Wie kann der jemandem wie dem Sammler oder dem Beobachter widerstehen, wenn er sich von den Handlangern Gardenias fangen lässt?“, fragte Cassandra übellaunig und schwang den Arm aus.
      In dem Moment entfachte sich in der Sphäre eine smaragdfarbene Flamme, die den Raum deutlich erhellte.
      „Das war von Anfang an der Plan“, erwiderte Kathea, „alles ist bereit. Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass er zu uns zurückkehrt.“
      Ein letztes Mal genervt stöhnend, streckte der Rotschopf die Handfläche aus und ließ die Flammen stärker und stärker lodern. Als nichts weiter geschah, knurrte sie: „Ignorier' mir nicht, Miststück!“
      Als wäre das das Stichwort, erschien plötzlich ein von Falten gezeichnetes Gesicht inmitten des Feuers. Es war das der brünetten Hexe mit dem langen, geflochtenen Zopf.
      „Ich grüße dich, Weiße Hexe“, sprach Kathea formell und faltete die Hände vor ihrem roten Hosenanzug zusammen. „Danke, dass du deine wertvolle Zeit für uns opferst.“
      „Ich habe erwartet, früher von euch zu hören“, erwiderte Gardenias Antlitz in der Glassphäre mit leicht verzerrter Stimme grimmig.
      Die Schwarzhaarige lächelte falsch. „Dasselbe dachte ich mir auch. Bewundernswert übrigens, dass du tatsächlich die Zeitdilatation in deinem Weißen Raum anhältst, nur um mit uns zu kommunizieren. Also scheinst du zumindest nicht ganz herzlos zu sein.“
      „Komm zur Sache“, forderte Cassandra mit noch immer ausgestreckter Hand scharf.
      „Natürlich. Du hast etwas, das uns gehört“, sprach Kathea wesentlich düsterer weiter, „und wir etwas, das dir gehört. Ich schlage vor, wir korrigieren dies.“
      „Ein Geiselaustausch?“, fragte Gardenia skeptisch.
      Die Vorsitzende für Finanzen und Verwaltung der CLEAR-Organisation nickte. „Ja.“
      Statt etwas zu sagen, schloss die Weiße Hexe ihre Augen. „Ich bezweifle, dass Reika noch am Leben ist.“
      „Du irrst dich. Wir sind keine Monster. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut“, widersprach Kathea entschieden, „du kannst dich selbst davon überzeugen.“
      Sie drehte sich um und machte eine winkende Handbewegung. „Komm!“

      Aus dem Schatten hinter ihnen trat die blonde Asiatin hervor, deren Haar hochgesteckt und mit langen Nadeln gehalten wurde. Sie war blass, ihre Kleidung mitgenommen und sie humpelte, als sie zu den beiden Inner Circle-Mitgliedern stieß.
      „Lady Gardenia“, sprach sie mit schwacher Stimme, „bitte verschwendet eure Zeit nicht mit mir. Es war meine Schuld, ich war zu unvorsichtig-!“
      Cassandra knurrte: „Halt den Mund!“
      „Wie du siehst, lebt sie noch. Ich würde an dieser Stelle nach Zyxx' Zustand fragen, aber um einen Vampir muss man sich nicht allzu viele Sorgen machen.“ Kathea lächelte. „Es sei denn, du hast ein wenig an ihm experimentiert.“
      „Wozu du unsere ausdrückliche Erlaubnis hast“, konnte sich Cassandra da nicht verkneifen.
      Aber Gardenia schwieg zu den Unterstellungen und sah nur Reika an. Welche da fragte: „Wie geht es meinem Kind?“
      Da huschte ein Lächeln über die Lippen der Weißen Hexe. „Gut. Zachariah kümmert sich um ihn.“
      „Wir werden es folgendermaßen ablaufen lassen“, mischte sich Kathea ein, „der Austausch findet übermorgen statt, an einem Ort deiner Wahl. Uns ist natürlich bewusst, dass du deinen Weißen Raum nicht verlassen wirst. Also, was schlägst du vor?“
      „Ich werde sicherlich nicht noch einen meiner Schützlinge zu euch schicken“, erwiderte Gardenia garstig, „morgen früh, an diesem Ort.“
      Ihr Antlitz verschwand, stattdessen zeigten die smaragdfarbenen Flammen den Ausschnitt einer Landkarte. Ein weißer Pfeil zeigte auf ein Waldgebiet.
      Kathea nickte. „Verstehe. Wir werden da sein.“
      Dann lösten sich die Flammen schlagartig auf.

      „Ist sie drauf reingefallen?“, fragte Cassandra und drehte sich zu Reika um
      „Wie könnte sie nicht? Ailin hat dieses Mädchen perfekt imitiert“, lachte Kathea, als sie sich der vermeintlichen Reika zuwandte, die dankend nickte und dann fortging. Dabei veränderte sich ihre Haarfarbe von blond zu brünett zu rot zu blau.
      „Tch, Angeberin“, schnaubte Cassandra.
      „Glaubst du, Gardenia konnte uns ausfindig machen?“, fragte die Schwarzhaarige nachdenklich.
      „Unwahrscheinlich. Und selbst wenn, wird sie sich nicht hierher trauen. So oder so: In weniger als 48 Stunden ist sie tot“, verkündete der Rotschopf in der grünen, engen Hose böswillig und verschränkte die Arme vor der üppigen Oberweite, „dafür sorge ich schon.“
      „Sehr gut“, lächelte Kathea und folgte dann 'Ailin' mit laut widerhallenden Schritten.

      ~-~-~

      Anya konnte das wohlige Kribbeln in ihrer Magengegend nicht verleugnen, als sie über den großen Parkplatz schlenderte. Welche schlagartig zu rotieren anfing, als sie Logan im Inneren der Werkstatt erblickte, wie er an einem ihr seltsam bekannt vorkommenden, weißen Flitzer schraubte.
      Von seinem neuen Gehilfen Exa war zum Glück keine Spur weit und breit. Trotzdem ihre innere, grimmige Stimme sie mahnte, nicht allzu schnell zu laufen, stampfte sie in der Praxis wie ein tollwütiges Mammut zum Inneren der Garage.

      Der schwarzhaarige Zwerg mit den Mörderkoteletten kniete vor dem weißen Wagen und schraubte den hinteren, von Fahrtrichtung aus linken Reifen fest. Vollgeschmiert mit Öl, sah er in seinem Blaumann, unter dem er verdammt nochmal kein Hemd trug, ziemlich … haarig aus. Anya musste sich konzentrieren, um sich nicht in Details zu verlieren. Wie hässlich er war, verstand sich natürlich!
      So bedurfte es unbemerkt von ihm große Anstrengung seitens der Blonden, ihn fachgerecht zu grüßen. „Hey! Was machst'n da?“
      Als er sie bemerkte, erhob er sich. „Den Wagen reparieren, den du zerbeult hast.“
      „Ehehehe“, lachte Anya heiser. Daher kam er ihr bekannt vor.
      „Bezahlt is' der Schaden auch noch nich'.“
      Prompt verstummte sie. Ja, da war ja noch was. Shit! „Yeah, was das angeht … uh …“

      Hatte dieser hirntote Vollidiot Nick sich trotz ihrer eindeutigen Anweisung -nicht- darum gekümmert!? Aber die Antwort dazu hatte sie bereits erhalten. Elende Mistmade, spielte lieber mit Dämonen 'rum und wollte ihrem Dad an den Kragen, als seine Arbeit zu tun. Wenn sie ihn das nächste Mal in die Finger bekam, würde er herausfinden, warum beängstigend viele Livingtoner Patienten beim Urologen die Diagnose 'Anya Bauer' bekamen. Wurde mal wieder Zeit dafür!

      „Du kannst in Raten zahlen“, brummte Logan, aber als Anya nur sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht schwinden spürte, pfiff er belustigt. „Mach dich locker, war'n Witz.“
      „Kann sein“, atmete sie erleichtert auf, „aber du hast Recht, ich muss die Scheiße bezahlen. I-ich hab'n paar Jobs in Aussicht, vielleicht kann ich eine Anzahlung leisten? Wie hoch ist denn …?“
      „Willste nicht wissen.“
      Das hatte sie befürchtet. Kleinlaut fragte sie trotzdem: „Vierstellig …?“
      „Möglich.“
      „F-fünfstellig?“
      „Könnte sein.“ Der Hauch eines schadenfrohen Grinsens machte sich an seinen Mundwinkeln bemerkbar.
      Anya verzog grimmig das Gesicht. „Sag es!“
      „Wenn du willst, kriegste 'ne Rechnung, wenn ich fertig bin.“ Womit er mit dem Thema ganz eindeutig durch war. „Und nun sprich.“
      „Huh?“
      „Du kommst immer, wenn was ist. Also?“

      Anya machte große Augen und lehnte sich – äußerst vorsichtig – gegen die Hintertür des Porsches. Das traf sie jetzt unvorbereitet. Kam sie wirklich nur zu ihm, wenn sie etwas loswerden wollte? Tatsächlich fiel ihr kein einziges Mal ein, wo sie sich nicht irgendetwas von der Seele reden musste. Und so war es auch heute.

      „Yeah, hast Recht. Sorry“, murmelte sie schlechten Gewissens und sah ihn aus den Augenwinkeln an, wie er abwartete, „aber ist nicht so wichtig. Wie geht es dir?“
      „Gut.“
      Anya knirschte innerlich mit den Zähnen. Gut? Was war das für eine beschissene Antwort und obendrein dreiste Lüge? Es ging niemals jemandem einfach nur 'gut'. Aber wenn sie ihm das an den Kopf knallte, wurde es vielleicht wirklich noch ein fünfstelliger Betrag.
      „'kay“, erwiderte sie skeptisch. „Und die Sache mit … du weißt schon … dem Knast?“
      „Ich werde freigesprochen werden. Man hat dem Typen nachweisen können, dass er das Motorrad gefahren ist.“
      Erschrocken sprang Anya auf. „Was!? Wie geht das denn?“
      Er sah sie ausgesprochen ernst an. „Hatte gehofft, du könntest mir das erklären.“
      „K-kann ich aber nicht. Und wenn Nick nichtmal das Geld für diese Karre überwiesen hat, wird er wohl kaum …“, sprach sie und verfiel in nachdenkliches Flüstern.
      „Kaum was?“
      „Na was gedreht haben!“ Anya verschränkte die Arme voreinander und senkte den Kopf. Sie hatte eine ganz düstere Vermutung, wer da seine Finger im Spiel haben könnte. Als sie zu Logan aufsah und er immer noch eine Erklärung erwartete, zuckte sie mit den Schultern. „Sorry, von meinen Leuten war das keiner.“
      „Verstehe. Aber dir ist auch klar, dass nicht nur ich gesehen wurde.“
      Anya wusste erst nicht, was er meinte, aber dann machte es klick. „Rosenburg!? Hast Recht! Wieso-“
      „Meinst du nicht, ihr Manager hat sie freigekauft?“
      „S-sicher“, nickte sie. Vermutlich hatte er genug Beziehungen und dazu auch die Macht, so etwas von Roboburg abprallen zu lassen. „Typisch Reiche …“
      Logan drehte sich um. „Bist doch neuerdings mit ihr befreundet. Hätte mehr Freude erwartet.“
      „Wir sind keine Freundinnen, klar!?“, explodierte Anya sofort, packte den Mann an der Schulter und drehte ihn zu sich um. „Zanthe schuldet ihr einen Gefallen, deshalb ist sie mitgekommen! Mehr ist da nicht!“
      „Was will sie überhaupt hier?“
      „Was weiß ich, eine Pause von ihrer Karriere nehmen?“, log Anya genervt und stellte fest, dass sie da tatsächlich gerade seine nackte Haut berührte. Ein Fehler, den sie sofort korrigierte, als sie ihre Hand wegriss. „Y-yeah, das dazu.“

      Als er sie nur schweigend anstarrte und Anya sich bewusst trotzig auf eine Werkzeugkiste rechts neben sich fixierte, schien die Zeit stillzustehen. Irgendwie hatte sie das Gespräch gerade in eine Sackgasse gefahren. Aber Smalltalk war nun mal nicht ihr Ding!
      Anya wusste nicht, was sie sagen sollte, um diese peinliche Stille zu brechen. Alles was ihr einfiel war, wie schön das Wetter war. Schöner Sonnenschein und so'n Scheiß. Dann dachte er gleich, sie wäre eine verdammte Spießerin. Warum war das so schwer!?

      „Uh“, begann sie schließlich, als er Anstalten machte sich zu rühren und schluckte ihren Stolz mühselig hinunter, „ich wollte ja noch was loswerden …“
      „Und ich will hier fertig werden. Also fang an bevor ich Wurzeln schlage“, brummte er und sie wusste wirklich nicht, ob er das ernst meinte oder scherzhaft.
      Sie konnte ihm nicht in die Augen sehen und blickte getroffen weg. „Sorry. I-ich weiß bloß nicht, wie ich es erklären soll.“
      „Wieder eine deiner verrückten Geschichten?“
      „N-nein!“ Sofort hob sie die Hände hoch. „Was wirklich Dummes, mehr nicht. Ich … was …“
      „Seit wann bist du auf den Mund gefallen?“, fragte er mit einer winzigen Spur Verwirrung. „Haste 'nen Mord begangen und willst ihn mir beichten?“
      „Scheiße, nein!“, fauchte sie und stampfte wütend auf. „Ich bin nur … ich … ich weiß nicht, ob ich ich selbst bin!“
      Er sah sie an. Ohne zu urteilen. Aber er erwiderte nichts.
      „Das klingt verrückt, ich weiß“, begann Anya planlos zu erzählen und begann loszulaufen, an ihm vorbei, „aber ich habe etwas über mich erfahren, dass … mich total unzufrieden macht, wenn man es so nennen kann.“
      Sie passierte in einer Kurve die Tür zu seinem Büro und kam zurück. „Als wäre mein ganzes Leben eine Lüge. Und … ich … bin nicht echt, sondern nur …“
      Er drehte sich zu ihr um. „Bist du adoptiert worden?“
      Anya blieb stehen und musste kurz grinsen. „Nein, aber sowas Ähnliches …“
      „Aber du kannst mir natürlich nicht sagen, was genau du da erfahren hast.“
      „Nope. Zu peinlich und absurd.“
      Ein ermutigendes Lächeln machte sich auf seinen Zügen breit. „Kleine, du bist ganz eindeutig echt. Du stehst vor mir und aus dem Alter imaginärer Freunde bin ich schon lange raus.“
      Schwach grinste Anya zurück. „Yeah …“
      „Und wer sonst kannst du sein, außer du selbst? Ist normal für junge Menschen, dass man manchmal alles infrage stellt. Mach dir keinen Kopf.“

      Auch wenn er natürlich gar nicht wusste, was sie belastete, waren seine wenigen Worte Balsam für Anyas Seele. Er hatte doch Recht. Sie war echt. Spielte es denn überhaupt eine Rolle, ob sie nun eine Kopie von Kali war oder umgekehrt? Sie stand hier, war bei ihm und lebte.
      Vielleicht … vielleicht musste sie mit Kali reden. Denn der ging es vielleicht in just diesem Moment genauso.

      Vorsichtig schritt sie auf Logan zu und sah ihm in die dunklen Augen. „D-danke. Hast Recht. Weiß gar nicht, was in mich gefahren ist.“
      Als sie vor ihm stand, begann sie zu grinsen. „Wusst' ich's doch! Ein alter Sack wie du hat immer einen klugen Spruch parat! Danke!“
      Sie klopfte ihm auf die Schulter. Als sie ihre Hand dort liegen sah, wollte sie sie sofort wieder wegziehen. Aber der Drang, es nicht zu tun, war mit einem Mal so groß, dass sie völlig von der Situation überfordert war.
      „Uh, also dann …“, stammelte sie völlig planlos. Er war so nahe. War er eben nicht viel weiter weg gewesen!?
      Und plötzlich lag seine rechte Hand an ihrer Seite. Anya explodierte innerlich. Irgendetwas stimmte da nicht. Sein Gesicht war so nahe, viel zu nahe. Und seine Lippen lagen plötzlich auf ihren. Schwach glitt ihre Hand an seinem Arm entlang, als er sie an sich heran zog und sie die Augen schloss.


      Turn 107 – Chimera Of God
      Anya, Matt und Zanthe treffen schließlich im Haus der Bauers aufeinander und entscheiden sich für das weitere Vorgehen. Derweil findet der erste Test von Henrys geheimen Nebenprojekt statt, bei dem auch Nick und Alexandra dabei sind. Ausgerechnet Letztere bietet sich als Freiwillige dafür an und …


      Verwendete Karten

      Spoiler anzeigen
      Velvet

      Spiritual Beast Apelio
      Spiritual Beast Cannahawk
      Spiritual Beast Pettlephin
      Spiritual Beast Rampengu
      Ritual Beast Tamer Lara

      Ritual Beast's Afterglow
      Zauber/Schnell
      Wende einen der folgenden Effekte an:
      O Wähle bis zu 3 deiner verbannten "Ritual Beast"-Monster als Ziel; beschwöre genau so viele Spielmarken in Verteidigungsposition als Spezialbeschwörung, deren Namen, Stufen, Typen, Eigenschaften, Original-ATK und DEF denen der Ziele entspricht. Die beschworenen Spielmarken können nicht angreifen und werden während der End Phase zerstört.
      O Wähle 1 offenes "Ritual Beast"-Monster und 1 deiner verbannten "Ritual Beast"-Monster als Ziel; das erste Ziel erhält ATK in Höhe der Grund-ATK des zweiten Ziels.
      Du kannst nur 1 "Ritual Beast Afterglow" pro Zug aktivieren.

      Blustering Winds
      Lightning Vortex
      Monster Reborn

      Gale Echo
      Falle/Normal
      Zerstöre alle offenen WIND-Monster, die du kontrollierst. In diesem Zug kannst du 1 Schnellzauber- oder Fallenkarten von deinem Friedhof wählen und sie aktivieren. Beschwöre während deiner dritten Standby Phase nach Aktivierung dieser Karte so viele der durch diesen Effekt zerstörten Monster wie möglich von deinem Friedhof als Spezialbeschwörung ungeachtet ihrer Beschwörungsbedingungen.

      Dimensional Prison

      Ritual Beast Ulti-Apelio
      Ritual Beast Ulti-Cannahawk
      Ritual Beast Ulti-Gaiapelio

      Ebon Sky Pegasus
      Monster/Effekt/Excel
      Ungeheuer/Wind
      ATK/2500 DEF/2000 X8
      Kondition: keine
      Nur einmal während des Duells, während des Zuges eines beliebigen Spielers: Du kannst 1000 Life Points zahlen und 1 Zauber- oder Fallenkarte von deiner Spielfeldseite auf den Friedhof schicken; aktiviere 1 Zauber- oder Fallenkarte direkt aus deinem Deck. (Aktivierungskosten gelten als bezahlt.)

      Orion

      Jurrac Velo
      Jurrac Iguanon
      Jurrac Monoloph
      Jurrac Stauriko
      Jurrac Titano

      Battle Tuned
      Fairy Meteor Crush

      Jurrac Impact
      Destruction Jammer

      Jurrac Giganoto


      Link zur PDF-Datei

      Ich hoffe es hat euch gefallen. Bis zum nächsten Mal.
      Spoiler anzeigen
      Velvet lernt ihr Visionen kontrollieren...das ist ja mehr als Cheating, vor allem da es auch übers Duellieren hinaus funktioniert, wie wir schon gesehen haben. Faktisch dürfte sie das außerordentlich mächtig machen, für den Fall dass sie es nach Belieben kontrollieren kann. Aber wenn man bedenkt was für Kaliber da sonst noch rumlaufen ist das mit Sicherheit gar nicht mal zu krass.

      Die Szene mit Anyas Oma war ja mal irre komisch. Bauers unter sich :D

      CLEAR und die weiße Hexe geraten dann also bald aneinander. Da bahnt sich Gefahr an, wenn Velvet ggf. ihre Schutzherrin verliert oder diese zumindest in Bedrängnis gerät. Da sollte sie besser fleißig weiterüben.

      Dass Anya und Logan jetzt wirklich zumindest scheinbar zusammenkommen ist irgendwie ein denkwürdiger Moment. Darin gipfelt Anyas gesamte Entwicklung zumindest in einer Hinsicht. Wobei im Hintergrund schon die nächste potenzielle Tragödie lauert, die ja in den Folgen davor bereits angedeutet wurde. Ob das gut ausgeht? Generell find ich es schwer zu sagen, ob TLA eher auf eine glückliches oder unglückliches Ende hinausläuft. Und das ist eine Untertreibung, ich kann nach all den Folgen überhaupt nichts dazu sagen, alles ist wie es ist und eine klare Tendenz lässt sich nicht ausmachen. Find ich gut :))
      So, hallo an alle.
      Nein, das ist kein Aprilscherz, ich lade wirklich die neue Folge hoch. Ist überhaupt irgendjemandem nach sowas? Irgendwie nicht, oder?
      Auf jeden Fall viel Spaß! Diesmal würde ich mich wirklich über Feedback freuen, da mich diese Folge viel Schweiß und Nerven (und Zeit) gekostet hat.

      @Mcto
      Wieder vielen Dank für deinen Post.
      Tja, mächtig sind Velvets Visionen auf jeden Fall. Aber dazu muss sie sie auch wirklich beherrschen, sprich auf Wunsch abrufen können - wovon sie noch weit entfernt ist.

      Schön, dass dir die Szene mit Grandma Bauer gefallen hat. :)
      Dass Anya und Logan sich endlich näher kommen hat so verdammt lange gedauert. Gut 50 Folgen. Mal sehen, ob das Glück Bestand hält oder einer der beiden den anderen alsbald umtauschen will. =D

      Es freut mich auch zu hören, dass ich nicht so berechenbar bin, was das Ende angeht. Ach, wenn wir doch schon da wären. Andererseits ist der Weg das Ziel. =D
      In diesem Sinne nochmals vielen Dank. :)


      Turn 107 – Chimera Of God
      Der Klang vieler Schritte hallte durch den anthrazitfarbenen Gang. Die rothaarige Melinda führte an, gefolgt von Nick und Alexandra, die nebeneinander her gingen. Besonders der großgewachsene junge Mann verzog dabei verdrießlich das Gesicht.
      „Wir sind gleich da. Ihr könnt es bereits sehen. Dort unten“, meinte die älteste Ford-Tochter vergnügt und spielte auf die Reihe von Fenstern an, die in die rechte Wand des Gangs eingelassen waren.
      Neugierig blieb Alexandra stehen und näherte sich einem von diesen. „Hmm. Braucht man dafür so viel Platz?“

      Sie sah hinab auf eine riesige Anlage. Dazu musste man natürlich wissen, dass diese subterran lag, unter dem Hauptgebäude der AFC. Etwa drei Meter unter ihnen begann ein riesiges Areal, das ausschließlich aus aneinander gesetzten, dunkelgrauen Platten bestand. Jede davon besaß vier kleine Lämpchen, die bläulich leuchteten. Das Gebiet zog sich mindestens 200 Meter in die Ferne und ebenso in die Länge.
      „Hologramm-Emitter“, erklärte Nick, „modifiziert, um verschiedene Areale durch Solid Vision zu erzeugen.“
      Alexandra runzelte die Stirn. „Nett? Aber das beantwortet meine Frage nicht.“
      Da stellte sich der Rotschopf hinter die beiden. „Das ist ein wichtiger Teil des Spiels. Was denkst du, wieso wir so viel Geld dafür ausgeben?“
      Die Blonde im Trenchcoat blickte über ihre Schulter, dabei den Zeigefinger an den Mundwinkel tippend. „Ausgeben oder verschwenden? Was soll das überhaupt werden?“
      „Das ist der Grundstein von 'Chimera of God'“, erwiderte Melinda und ignorierte die Spitze.
      Überrascht wiederholte Nick: „'Chimera of God'?“
      „Ja. Henry hat sich entschieden, den Projektnamen fallen zu lassen. Stattdessen heißt unser Spiel nun 'Chimera of God'.“
      „Nett“, gluckste Alexandra und sah wieder auf das ansonsten leere Areal. „Wenn ihr so viel Platz braucht, wird das bestimmt nicht wie ein Duel Monsters-Spiel ablaufen, oder? Lass mich raten: Das ist sowas wie diese AR-Spiele, nur dass in diesem Fall Hologramme zum Einsatz kommen?“
      „Das trifft es ganz gut. Allerdings wird es zwei Versionen des Spiels geben. Eine stationäre und eine mit AR-Technologie, die die Welt von 'Chimera of God' prozedural erstellt, während die Leute spielen.“

      Nick indes verzog ein grimmiges Gesicht. „Ausgerechnet Chimera. Ist euch nichts Besseres eingefallen?“
      Natürlich konnte niemand ahnen, wieso dieses Wort ihn so aufwühlte. Vor einiger Zeit hatte er einen versiegelten Dämon namens Joel aufgesucht, der ihn über die Wahrheit hinter der Natur von Anyas Kräften aufgeklärt hat. Anyas und seiner – die Conqueror's Soul. Eine Macht, die die Fähigkeiten anderer Lebewesen absorbieren kann.
      Doch es gab einen Haken. Eines Tages, wenn zu viel sogenannter Äther vom Träger einer Conqueror's Soul aufgenommen wurde, würde dieser zu einer Schimäre werden. Wie genau sich das zeigte, wusste Nick nicht. Aber es war nichts Gutes und Anya kämpfte nun schon eine ganze Weile gegen Wesen mit starkem Äther. Er fürchtete um ihre ohnehin stark angeschlagene Gesundheit.
      Alles was er tat, war nur für sie …

      „Es passt doch perfekt“, verstand Melinda die Kritik nicht, „aber ich lass dir das durchgehen. Kommt, weiter.“
      Sie winkte die beiden zu sich, damit sie ihr folgten. So zogen sie weiter den geraden Gang entlang, bis sie irgendwann schon von den Fenstern aus sehen konnten, dass sich an der Stirnseite des riesigen Areals auf selber Höhe wie der Gang eine Ausbuchtung befand, genau mittig, in der sich eine Art Überwachungsraum zu befinden schien.
      „Ich verstehe nicht, was ich hier soll“, nörgelte Nick weiter, „die Tests sind doch abgeschlossen, nicht wahr? Ihr braucht mich nicht mehr.“
      „Wir sind noch lange nicht fertig hier“, widersprach Melinda jedoch, „außerdem bist du sozusagen die treibende Kraft hinter allem. Ohne deine unermüdliche Arbeit und dein Genie hätten wir nie innerhalb so kurzer Zeit so etwas auf die Beine stellen können.“
      „Und deshalb muss ich das Ding jetzt ausprobieren?“, klagte er.
      Melinda drehte sich grinsend um und lief rückwärts einfach weiter. „Genau so ist es.“
      „Vergiss es! Ich habe keine Zeit für sowas!“
      „Hast du. Oder muss ich dich daran erinnern, dass du -das- hier erst nachher bekommst?“, fragte sie schelmisch und zückte aus der Hosentasche ihres grauen Anzugs einen USB-Stick. „Das war Teil des Deals, egal wie unser Duell ausgegangen ist, schon vergessen?“
      „Hmpf!“ Da dort die Daten des D/D-Themas gespeichert waren, welches Nick selbst entwickelt hatte und in Zukunft zu benutzen dachte, musste er wohl oder übel kooperieren. „Fein. Aber nur als Zuschauer.“
      „Nick!“, war es nun Melinda, die einen klagenden Tonfall an den Tag legte. „Weißt du überhaupt noch, was Spaß ist?“
      Alexandra sah die beiden nacheinander an. „Ja, aber mit dir wird er nicht darüber reden, so viel steht fest.“
      „Und ich weiß plötzlich, wer an deiner Stelle das Versuchskaninchen wird, Nick“, reagierte Melinda mit bitterböser Genugtuung.

      Doch sie hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht, denn Alexandra zuckte unbedarft mit den Schultern und meinte: „Von mir aus, gerne. Kann ja kaum langweiliger sein als Duel Monsters.“
      „Ist das dein Ernst?“, wunderte sich Nick, geschweige denn Melinda, deren Augen fast herausploppten.
      „Wieso nicht?“ Die Blonde sah Nick herausfordernd von der Seite an. „Wenn ich dir damit etwas Arbeit abnehmen kann, dann gern. Außerdem will ich nicht immer nur am Rand stehen, wenn du weißt, was ich meine.“
      „Geht das klar?“, fragte der Große an Melinda gewandt.
      Jene stöhnte. „Mir ist es egal, aber eigentlich wurde dein Typ verlangt. Naja, meinetwegen.“
      „Hurra?“, wunderte sich Alexandra da grinsend an Nick und schlug in die Hände. „Na dann los.“
      „Zuerst müssen wir zum Kontrollraum. Henry wartet dort auf uns.“ Dabei warf Melinda noch einen letzten, bösen Seitenblick auf Nicks Begleiterin, ehe sie sich wieder umdrehte und die Gruppe um eine Kurve führte.

      ~-~-~

      Als Anya am späten Nachmittag schließlich wieder Zuhause ankam, wurde sie bereits im Flur von Matt und Zanthe erwartet. Letzterer lehnte am Türrahmen zum Wohnzimmer.
      „Wir müssen reden“, meinte der Dämonenjäger sofort, nachdem das Mädchen die Tür hinter sich geschlossen hatte.
      Anya blickte bewusst weg. „Y-yeah, kann das noch kurz warten. I-ich will nur kurz hoch um-“
      „Ist wichtig“, blieb Matt beharrlich. „Du glaubst nicht, wem ich vorhin auf dem Friedhof begegnet bin.“
      „M-mir doch egal!“
      Zanthe sah seine Freundin mit einem mehr als misstrauischen Blick an. „Was ist los mit dir? Du bist so knallrot, als hättest du stundenlang in kochendem Wasser gelegen.“
      Ausgerechnet Matt, der sich sonst aus solchen Sachen raushielt, stellte sich nickend neben den Flohpelz und fasste sich am Kinn. „Stimmt, ist mir auch schon aufgefallen. Alles ok?“
      „J-ja“, knirschte Anya ertappt mit den Zähnen.
      „Sie lügt“, wusste es der Werwolf aber besser und hielt ihr seinen Zeigefinger unter die Nase. „Ich habe genug Mädchen kennengelernt. Wer so sehr nach Hautkrebs aussieht, hat was zu verbergen. Und zwar entweder etwas äußerst Peinliches oder etwas unglaublich … Angenehmes.“
      „Und wie wir Anya kennen, entspricht das eine dem anderen“, stimmte Matt mit ein.
      Anya hob wedelnd die Hände. „Ihr spinnt doch! Das war die Sonne!“
      Zu allem Überfluss tauchte da Levrier in seiner durchsichtigen [Gem-Knight Pearl]-Form hinter ihr auf und hob belehrend den Zeigefinger.

      Ich weiß natürlich, was vorgefallen ist. Aber sie zerreißt meine Karte, wenn ich es verrate.

      „Oh ja“, presste Anya zwischen die Zähne hindurch.
      Matt und Zanthe warfen sich einen vielsagenden Blick zu, ehe sie sich wieder Anya widmeten und der Werwolf das Wort ergriff: „Was ist zwischen dir und Logan passiert?“
      „Huh!?“
      „Tu nicht so dumm.“ Zanthe grinste und hielt ihr seinen immer noch ausgestreckten Zeigefinger so nah unter den Riecher, dass sie versucht war, reinzubeißen. „Wenn dir etwas derart unangenehm ist, kann nur Logan involviert sein. Und da deine Körpertemperatur nicht mehr im messbaren Bereich liegt, ist da doch eindeutig was gelaufen.“
      Er verzog seine Augen zu Schlitzen. „Ich frage dich: Was?“
      „Eh-uh, hey, das ist doch-“
      Matt rollte mit den Augen. „Als ob sie es freiwillig zugibt. Levrier, sprich, oder -ich- zerreiße deine Karte.“
      Hochrot polterte Anya: „Summers, du elender Verräter!“

      Logan Carter und Anya Bauer haben sich geküsst. Tut mir leid, Anya Bauer, er hat mich bedroht.

      … kam es wie aus der Pistole geschossen. Nicht nur Anyas Gesicht fiel in diesem Moment ob der absolut nicht ernst gemeinten Entschuldigung der Tratschtante Levrier aus allen Fugen. Auch Zanthes Grinsen krachte förmlich in den Boden. „Was? Wirklich jetzt?“
      „Ist doch schön“, meinte Matt ebenfalls deutlich verhaltener, „endlich ist das Eis gebrochen, oder?“
      Wie in Zeitlupe drehte sich Anyas Kopf in bester Exorzist-Manier zu Levrier, auf den Lippen einen stillen Fluch aussprechend. Der zuckte mit den Schultern und verschwand einfach.
      „Und was ist dann passiert?“, fragte Matt vorsichtig.
      Um dann im selben Augenblick einer völlig hysterischen Anya gegenüber zu stehen, die mit den Händen so wild fuchtelte, dass er glatt ausweichen musste. „Fuck, dass ihr immer alles wissen müsst! Aber nur um das klarzustellen, -er- hat -mich- geküsst! Ja-ha! Er hat meine Lippen vergewaltigt! Ich wollte das nämlich nicht!“
      „Uh-huh“, gab Matt trocken von sich. „Und was hast du getan um dich zu wehren?“
      Prompt hingen Anyas Arme in der Luft. Sie sah Matt plötzlich wie ein kleines Kind an. „Ich bin weggelaufen?“
      „Okay …?“ Der Dämonenjäger schlug sich die Hand gegen die Stirn. „Anya! Genau das sollte man eigentlich nicht tun, wenn man in jemanden-“
      „Sprich-es-nicht-aus!“, knurrte sie mit unmenschlicher Stimme und presste ihr Gesicht auf seines, mit weit aufgerissenen Augen, in denen diabolisches Feuer zu brennen schien. Matt schrumpfte förmlich unter ihrer Präsenz zusammen.
      „Wahrscheinlich hat er mit nichts anderem gerechnet, er kennt sie ja inzwischen lang genug“, murmelte Zanthe leise und räusperte sich, „nun gut, eigentlich wollten wir ja-“
      „Und was soll ich jetzt tun!?“ Schon hing sie mit beiden Händen an Zanthes Oberarmen, riss ihn förmlich über die Türschwelle. „Er denkt bestimmt, dass ich es gut fand! Aber das stimmt nicht! E-es war … es hätte …“
      „Anya … beruhig' dich. Er wird schon die richtigen Schlüsse ziehen“, erwiderte ihr Freund desinteressiert und riss sich los. „Konzentrieren wir uns lieber aufs Wesentliche.“
      Matt stellte sich mit schweißnasser Stirn neben das Mädchen. „Merkwürdig. Eben warst du noch vor Neugier nicht zu bremsen und jetzt kannst du es gar nicht erwarten, das Thema zu wechseln. Rieche ich da Eifersucht?“
      „Sicher“, gab der Werwolf sarkastisch zurück, „wenn jemand vor seinem Lover wegrennt, kann ich auch nicht mehr helfen. Also, können wir jetzt -endlich- zum eigentlichen Thema kommen?“
      Matt und Anya warfen sich noch einen verwunderten Blick zu, dann drehte sich die Blonde auch schon peinlich berührt ob ihres Levrier-induzierten-Outings weg.
      „Gehen wir in die Küche“, schlug Zanthe vor.

      ~-~-~

      Als Melinda, Nick und Alexandra den Kontrollraum betraten, wurden sie umgehend von Henry gegrüßt, der in einem weißen Anzug steckte.
      „Hallo alle miteinander“, strahlte er. Ein seltener Anblick, wie die Leute wussten, die ihn gut kannten. „Seid ihr bereit?“
      Sofort mogelte sich die blonde Femme Fatale an seiner Schwester vorbei und salutierte vor dem brünetten, jungen Mann. „Bereit wie nie zuvor! Haha!“
      Sie ließ den Arm sinken und kicherte ob des verdutzten Gesichts.
      „Sie nimmt meinen Platz ein“, erklärte Nick desinteressiert, „ich bleibe lieber hier oben und sehe zu, dass alles reibungslos läuft.“

      Im Anschluss schlenderte er zu einer von zwei Konsolen, die direkt vor der massiven Fensterscheibe lagen und setzte sich dort nieder. Die andere war bereits durch eine weibliche Mitarbeiterin belegt, die emsig die Tasten klimpern ließ.
      Henry betrachtete Alexandra verwirrt. „Okay, also Sie wollen wirklich …?“
      „Natürlich. Klingt doch spaßig. Auch wenn ich gar nicht weiß, worum es geht“, lachte sie und drehte sich zur Seite, „aber das Spielfeld ist riesig.“
      „Wir nennen es Active Card Battle“, erklärte Henry mit zunehmender Begeisterung ob ihres Interesses und trat neben sie. „Sobald das Spiel beginnt, werden über 20.000 Hologramm-Emitter eine Karte erzeugen, wie sie echter kaum sein könnte. Flora, Wetter, irgendwann auch Fauna, so etwas gab es im Bereich des E-Sports noch nie.“
      „Das glaube ich gern“, gluckste sie, „weil es sich keiner leisten kann. Allein diese Arena muss durch die Technologie Millionen verschlungen haben, nicht wahr?“
      „Das stimmt. Aber mit Micron Electronics haben wir einen verlässlichen Partner, der diese Technik wesentlich günstiger herstellen kann als bisher üblich.“
      Bei diesen Worten konnte sich Nick ein lautes Naserümpfen nicht verkneifen. Mit einem belustigten Lächeln sah Alexandra Henry an. Seine Augen strahlten förmlich. „Es soll auch eine mobile Variante geben, die dann über AR läuft, richtig?“
      „Ja. Sie wird natürlich das Kerngeschäft bilden, wohingegen die Arenen-“
      „-den Leuten das Geld aus den Taschen ziehen wird. Und trotzdem wird es nicht reichen, um die Kosten zu decken“, redete Nick von seinem Sitzplatz aus dazwischen.
      „Nicht in den ersten Jahren“, relativierte Henry, „aber je mehr das Spiel wächst, desto mehr werden wir auch durch die Arenen einnehmen, während das AR-Spiel von Tag 1 an Profit erwirtschaften wird.“
      „Wenn du meinst.“ Nick verschränkte die Arme hinter dem Kopf, ohne sich dabei den beiden zuzuwenden. „Wie heißt es so schön? Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

      Melinda, die die ganze Zeit über still hinter Henry und Alexandra gestanden hatte, klatschte schließlich in die Hände. „Wen interessiert, ab wann wir aus den roten Zahlen kommen? Das Spiel soll Spaß machen und das müssen wir jetzt herausfinden!“
      „Meine Schwester hat Recht“, nickte Henry und drehte sich zu ihr. „Holst du sie?“
      „Mh-hmm!“ Noch im Antworten wirbelte der Rotschopf herum und eilte zu einer metallischen Kiste, die neben einer hinunter führenden Treppe stand. Sie zückte ihre Mitarbeiterkarte und fuhr damit durch einen Scanner, sodass das Schloss sich öffnete und der Deckel automatisch hochklappte.
      Auf den Zehenspitzen stehend, konnte die Blonde einen Blick auf den Inhalt erhaschend. Was dort lag waren mehrere, fingerlose Handschuhe, fast schon so lang wie Stulpen, in die ein Display eingearbeitet war. Eines dieser Geräte nahm Melinda und drehte sich strahlend um.
      „Das ist der Master Glove. Den braucht man, um das Spiel zu spielen, egal ob AR oder stationär.“
      Sie schritt auf Alexandra zu und reichte ihr das Ding mit dem wohl dämlichsten Namen, den man dafür hätte auswählen können.
      Ehrlich wie sie war, sagte sie beim Entgegennehmen: „Ich hoffe, die Bezeichnung ist nicht endgültig.“
      „St-stimmt etwas damit nicht?“, fragte Henry irritiert.
      „Und jetzt weiß ich, wer sie sich ausgedacht hat“, kicherte die Blonde. „Sorry, aber der Name ist schrecklich.“
      „Wirklich!?“
      Seufzend nickte sie und war sich der Tatsache bewusst, dass sie den jungen Mann in ein waschechtes Dilemma gebracht zu haben schien. „W-wir werden uns nochmal zusammensetzen. Natürlich ist alles noch WiP, das ist doch ganz klar!“

      „Ahahaha!“
      Alexandra schob sich den Apparat um den rechten Arm. Von Gewicht und Größe ähnelte er einem D-Pad, jedoch war das Display kein Rechteck sondern ein Parallelogramm. Neben dem Bildschirm auf der rechten Seite befanden sich drei Knöpfe, der oberste war zum Aktivieren und Ausschalten.
      „Mach es an“, bat Henry freundlich.
      Die Blonde folgte dem, sodass das System hochfuhr. Das Logo der AFC wurde kurz eingeblendet, dann zeigte der Bildschirm bereits links einen hoch liegenden, blauen Balken, daneben bis zur Mitte ein leeres Feld. Anschließend folgte eine ebenfalls leere Minikarte sowieso ein nicht ausgefüllter, hellgrüner Balken im Hochformat.
      „Und was sehe ich hier? Ist das eine Umgebungskarte?“ Sie tippte auf das große Feld rechts.
      „Ja. Links daneben ist der Info-Screen, der wichtige Informationen wiedergibt. Der Balken links ist die Manaleiste, der rechts der Zieh-Timer. Aber das erkläre ich gleich noch.“
      Neugierig wandte sich die junge Frau an Nick. „Und das habt ihr alles in so kurzer Zeit auf die Beine gestellt?“
      Henry räusperte sich verlegen. „Also das … natürlich stampft man nicht mal eben so ein derart komplexes Programm aus dem Boden. Daher ist alles nur behelfsmäßig. Fürs Erste.“
      „Noch läuft alles, wie schon erwähnt, auf Basis der Solid Vision-Engine“, erklärte Nick dazu. „Ich habe ein paar Änderungen und Ergänzungen vorgenommen.“
      „Leider musste auch ich irgendwann einsehen, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird, bis das Spiel bereit für die Öffentlichkeit ist“, gestand Henry.
      Spitz warf Nick von seinem Platz aus ein: „Was man ihm am Tag gefühlt zehn Mal sagen musste.“
      Der Brünette verdrehte die Augen. „Danke, Nick. Wenn alles soweit ist, läuft natürlich alles auf einer eigenen Software.“
      Kichernd merkte Alexandra an: „Eure Notlösung verstößt gegen eine ganze Menge Gesetze, wenn ihr dafür keine Lizenz besitzt. Gefällt mir.“
      „Wo kein Kläger, da kein Richter.“ Verlegen grinste der brünette, junge Mann und seine Schwester musste laut auflachen. Sich räuspernd, meinte er: „Gut, es ist wohl sinnlos so zu tun, als würde ich die Warterei noch länger aushalten können. Wie wär's mit einer kleinen Einführung in 'Chimera of God'?“
      Alexandra verschränkte verschmitzt grinsend die Arme. „Ich warte schon die ganze Zeit.“

      „Um es ganz einfach zu erklären: Chimera of God ist in vielen Dingen anders als Duel Monsters. Klar, es gibt Decks, Lebensenergie und Monster, aber in einem anderen Licht“, erklärte Henry, „das Ziel des Spiels ist dasselbe: Das Leben des Gegners auf 0 zu bringen. Der größte Unterschied zu Duel Monsters ist die Art, wie die Spieler miteinander interagieren.“
      „Aha?“, machte die Blonde neugierig. Und verzog dann scheel das Gesicht. „Also ist es genau wie Duel Monsters.“
      Henry erwiderte zerknirscht: „Nein. Während Duel Monsters-Spiele strikt in Züge eingeteilt sind, verläuft 'Chimera of God' in Echtzeit. Beide Spieler bewegen sich durch ein zufällig generiertes Areal. Keine zwei Spiele werden also je gleich sein.“
      Nick murmelte aus dem Hintergrund. „Im AR-Spiel wird natürlich kein Feld erzeugt, sondern die Umgebung genutzt.“
      „Verstehe. Und was mache ich so, während ich durch die Gegend renne?“, fragte seine Partnerin amüsiert.
      „Dich für den Kampf wappnen. Dazu benutzt man jedoch nicht wie bei Duel Monsters viele Monster, sondern genau eins: Die sogenannte Schimäre.“
      Melinda gluckste: „Das ist der Oberbegriff. Tatsächlich kann man natürlich auch Drachen, Meereswesen und andere Untergruppen für sich kämpfen lassen.“
      „Die Spieler bewegen sich innerhalb des Areals fort und suchen einen Platz für das Ausbrüten eines Eis ihrer Wahl. Sie können es in der Zeit auch durch Magie verbergen oder schützen und die sogenannten Mystery Spots absuchen, wo zufällig generierte Karten oder Mana auf sie warten.“
      „Das klingt ganz nach meinem Geschmack“, grinste Alexandra und sah Nick an. „Willst du nicht doch mitmachen?“
      Aber er schüttelte den Kopf. „Nein danke.“
      Henry fuhr derweil fort. „Zu den Eiern: Je höher das Rating des Eis, desto länger braucht die Schimäre um zu schlüpfen. Danach kann der Spieler sie aufwerten durch die Karten in seinem Deck oder die er findet. Außerdem erlernt die Schimäre während des Kampfes eine oder mehrere Fähigkeiten. Sie wächst.“

      Je mehr er erklärte, desto mehr begann er dabei zu strahlen. Alexandra nickte bei jeder seiner Ausführungen. Von der mehr und mehr kamen. Es schien ein sehr komplexes Spiel zu sein, aber genau das gefiel ihr. Zu schade eigentlich, dass Nick kein Interesse daran hatte.
      Sie sah zu ihm herüber, wie er gelangweilt die Füße auf der Konsole liegen hatte. Wenn man bedachte, wie wenig er in den letzten Tagen während ihrer Reise geschlafen hatte, kam ihm diese Pause bestimmt recht. Er konnte ihr nichts vormachen, er war erschöpft.
      Alexandra schloss die Augen. Was war er für sie? Ein Werkzeug, um im Leben voran zu kommen? Ohne es zu ahnen, konnte sie durch ihn vieles lernen und erfahren. Aber … war da noch mehr?

      ~-~-~

      Anya machte ein erstauntes Gesicht, als sie in der Küche bereits erwartet wurde. Während die blonde Claire regungslos am runden Holztisch in der Ecke des kleinen Raums saß, lehnte Valerie Redfield mit verschränkten Armen an der Spüle. Neben ihr Abby, die gerade ein paar Teller in den Wandschrank über ihr einräumte und sich dann hastig umdrehte. „Anya! Da bist du ja endlich!“
      „Was geht denn hier ab?“, fragte die irritiert.
      „Kriegsrat, was sonst?“, meinte Zanthe, als wäre es das Natürlichste der Welt und zog an ihr vorbei.
      Matt tat es ihm gleich. „Wir müssen entscheiden, was wir jetzt tun.“
      „Und komm gar erst nicht auf die Idee, mich davon ausschließen zu wollen“, fügte Valerie sofort an.
      Anya runzelte die Stirn. „'kay …?“

      Zanthe stellte sich in die Mitte der Küche und atmete einmal tief durch. Dann sprach er nahezu feierlich: „Punkt eins auf unserer Agenda des Weltuntergangs: Anya! Wer sonst?“
      „Es“, stammelte Abby plötzlich los, „es tut mir so leid …“
      „Ich habe es ihr erklärt“, sorgte Valerie für den nötigen Kontext.
      Und das Mädchen im Mittelpunkt des Geschehens begriff. Abby wusste jetzt also, dass es zwei Anyas gab und die, die ihr gerade gegenüber stand, womöglich eine Fälschung war.
      „Verstehe“, murmelte sie daher leise. Anstatt ihre Ängste runterzuschlucken, sprach sie sie dieses Mal zu ihrer eigenen Überraschung direkt aus. „Summers, der Flohpelz … Roboburg … die kennen mich noch nicht lange. Und mit Redfield verstehe ich mich auch erst seit einer Weile ganz gut. Aber wir beide sind Freunde seit wir klein waren. Muss komisch sein, huh?“
      „Anya …“
      „Du weißt gar nicht, ob ich die bin, die du seit damals kennst“, sprach jene weiter und wandte den Kopf ab. „Und ich weiß es auch nicht.“
      Abby nickte. „Ja …“
      „Und? Willst du noch mit mir abhängen?“, brachte Anya es auf den Punkt und sah das brünette Mädchen im weißen Sommerkleid verunsichert an.
      Jene blickte betreten zu Boden. „Natürlich. Aber ich muss auch mit Kali sprechen. Ich hoffe, du verstehst das.“
      „Yeah. Ich muss auch mit ihr sprechen.“
      Matt machte da ein erstauntes: „Hm?“

      Einmal tief durchatmend, sah Anya ihre Freunde – bis auf Claire – der Reihe nach an, ehe sie verkündete: „Ich muss sie zur Vernunft bringen. Wenn sie die echte Anya Bauer ist, dann hat sie ein Recht darauf, mich zu hassen.“
      „Es ist nicht gesagt, dass ihre Story überhaupt stimmt“, gab Matt zu bedenken.
      „Ich glaube nicht, dass David mich angelogen hat“, warf Valerie ein, „aber es ist möglich, dass er durch den Sammler manipuliert wird. Es wäre weiß Gott nicht das erste Mal, dass der so etwas tut.“
      „Alles, was geschehen ist, geht direkt oder indirekt auf seine Kappe“, fand auch Zanthe.
      „Ich werde mit Kali reden und einen Kompromiss finden, mit dem wir beide einverstanden sind“, sagte Anya entschlossen, „auf diesem Planeten ist genug Platz für uns beide. Wir können die Identität 'Anya Bauer' teilen. Sie darf Montags bis Freitags die Rolle spielen, ich am Wochenende.“
      Valerie kicherte belustigt. „Oh, das sieht dir so ähnlich …“
      „Das ist mein Ernst!“
      Matt streckte seinen Arm aus und tätschelte Anyas Schulter. „Das war ein Kompliment. Wir helfen dir dabei.“
      „Ja“, nickte Abby, die nun langsam ihr Lächeln wiederfand, „ich finde das auch gut. Wir werden ihr zeigen, dass sie nicht unerwünscht und alles ein fürchterliches Missverständnis ist.“
      „Und Nick?“, fragte Valerie jedoch besorgt. „Wie wird er damit umgehen?“

      „Damit wären wir bei Punkt zwei“, leitete Zanthe die Diskussion in die nächste Runde ein, „und wir sind uns hoffentlich alle einig, dass er davon nichts erfahren darf.“
      Einvernehmliches Nicken.
      „Nick bewegt sich auf einem sehr gefährlichen Pfad“, sagte Matt, „ich weiß, was er getan hat. Dank Thoras' Verbindung zu [Evilswarm Ouroboros] konnte ich sehen, dass er nicht davor zurückschreckt, Gewalt einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen.“
      „Dad“, murmelte Anya leise, „warum hasst er ihn so …?“
      „Ich weiß es nicht“, sagte der Dämonenjäger, „aber eins steht fest. Nick ist ein Psychopath und er scheint nur auf dich fixiert zu sein, Anya.“
      „Y-yeah. Ich meine, er ist seit meiner Kindheit mein bester Freund, aber …“

      Selbst sie konnte sich nicht erklären, woher dieser krasse Wandel kam. Erst diese Lüge, dass er all die Jahre nur die Rolle des Idioten gespielt hat, nun seine Besessenheit, sich Dämonenkräfte anzueignen. Und wofür? Um sie vor dem Sammler zu retten?
      Er hatte vor Kurzem versucht, ihren Vater zu töten, hatte Matt erzählt. Womöglich nicht zum ersten Mal, wenn sie an den Brand von vor einigen Jahren zurückdachte, der das alte Haus der Harpers heimgesucht hatte. Die darauf folgende Gerichtsverhandlung, die ihren Vater beinahe in den Knast gebracht hätte – war das alles Nicks Werk gewesen? Warum?

      „Was Nick angeht, können wir nichts tun“, meinte Zanthe da und riss sie aus ihren Gedanken. „Er kann sich teleportieren. Ohne Hilfsmittel, wie es aussieht.“
      „Und zerteilen können wir uns auch nicht.“ Valerie ließ die Arme sinken. „Wir haben genug Baustellen und Nick ist eine, die unsere ganze Aufmerksamkeit benötigt. Erst müssen wir herausfinden, was genau er vor hat und dann brauchen wir einen Plan, um ihn aufzuhalten. Aber das muss noch warten.“
      Sie sah dabei Anya an. „Erst müssen wir dich wieder hinkriegen.“
      „Die Undying arbeiten an einer Lösung“, erwiderte Anya, „ich werde 'nen neuen Körper bekommen und … ja, ich werd's tun, auf die Gefahr hin, dass es nicht klappt. Ne andere Wahl hab ich nicht.“

      „Wo wir nun zum letzten Punkt unserer Tagesordnung angelangt wären“, schloss Zanthe dieses Thema ab, „die Undying. Matt, würdest du …?“
      „Alles deutet darauf hin“, sprach jener mit erstickter Stimme, „dass Stoltz für das Verschwinden der Kinder, Alastairs und Alectors verantwortlich ist. Ich habe mich mit Thoras beraten und er meinte, dass er die Reste derselben Präsenz gespürt hat, als wir damals das erste Mal auf Stoltz trafen.“
      Anya sah ihren Freund betroffen an. „Scheiße …“
      „Außerdem bin ich vorhin dem Sammler auf dem Friedhof begegnet.“ Erstaunte Laute kamen von den anderen, während Matt weiter ausführte: „Er schien nicht wegen mir dort zu sein. Ums kurz zu machen: Auch er ist der Überzeugung, dass Stoltz alle getötet und außerdem das Grimoire gestohlen hat.“
      Valerie schüttelte fassungslos den Kopf. Dann fragte sie leise: „Das Grimoire ist eine Sammlung von Informationen über das Übernatürliche, nicht wahr?“
      „Richtig, es ist in dieser Form einzigartig“, bestätigte Matt. „Ich will wissen, warum Stoltz das getan hat. Deshalb werde ich ihn beschwören. Inzwischen hab ich den Dreh raus, auch ohne das Grimoire.“
      Valerie schlug nachdenklich vor: „Dann sollten wir uns an Ricther wenden. Er-“
      „Nein“, widersprachen Anya und Matt im Einklang. Sie sahen aneinander an, dann richtete sich Matt an das Mädchen. „Dein Vorschlag ist sicherlich vernünftig, aber das ist eine Sache zwischen mir und Stoltz. Wir können ja nicht mal sicher sein, dass Ricther überhaupt etwas unternimmt. Wenn Stoltz die Sache abstreitet, was dann? Wir wissen nicht wie Ricther reagiert, wenn es um seinesgleichen geht. Er könnte ebenso ein Feind sein.“
      Valerie schüttelte den Kopf. „Und da spricht nicht nur das Verlangen nach Rache aus dir?“
      Da fragte Abby besorgt: „Bist du dir sicher, Matt? Damit könntest du Anyas Rettung in Gefahr bringen.“
      „Ist ok, Abby. Ich sehe das genauso wie er“, sagte die jedoch entschlossen und nickte Matt zu, was jener mit derselben Geste quittierte. „Und verdammter Kackmist, da ist eindeutig Rachlust im Spiel!“

      Dabei dachte sie an den Moment zurück, als sie während des Riding Duels mit Claire von der Strecke in die Tiefe fiel. Wäre Ricther nicht aufgetaucht und hätte sie abgefangen, wäre sie vermutlich dabei gestorben. War er also ein Feind? Sie glaubte das nicht wirklich, wollte Matt aber nicht in den Rücken fallen.

      „Also könnte es einen erneuten Kampf mit den Undying geben“, überlegte Zanthe laut. „Wir müssen uns auf einen Ort einigen, wo wir ihn beschwören.“
      „Der Schrottplatz“, kam Abby da sofort eine passende Idee. „Da ist selten jemand.“
      „Yeah“, nickte die Blonde und sah dabei Claire an, die sich wie üblich an nichts beteiligte, „wir können Roboburg als Opfer für den Beschwörungszauber anbieten.“
      „Ha ha!“, maulte der Flohpelz. Dann verzog er grimmig das Gesicht. „Ich hoffe, ihr wisst noch, wie das letztes Mal ausgegangen ist. Einer von uns wird nicht reichen, um Stoltz zu besiegen. Selbst zu dritt hatten wir keine Chance.“

      Da trat Valerie plötzlich vor, neben Zanthe. „Mag sein, aber wir haben dazu gelernt. Matt konnte Zed besiegen.“
      „Mit deiner Hilfe“, sagte dieser verschmitzt.
      Auch Abby gesellte sich zu den beiden. „Ich komme auch mit. Vielleicht kann ich mit meinen Kräften irgendetwas erreichen – falls es zu einem Kampf kommt, den wir -selbstverständlich- nicht provozieren werden!“
      „Träum' weiter, Masters“, rollte Anya mit den Augen.
      „Anya! Wir dürfen es uns nicht mit ihnen verscherzen!“
      „Falls Ricther oder Zed intervenieren, werden wir ihnen alles erklären.“ Matt schluckte schwer. „Ich hoffe, sie sind gewillt, uns zuzuhören.“
      Alle nickten.

      Unvermittelt streckte er seine Hand nach vorne aus. „Dann ist es beschlossen. Holen wir uns den Dreckskerl!“
      Anya war die erste, die ihre Hand auf die seine legte. „Yeah!“
      Natürlich tat es Zanthe ihr gleich. „Einer muss wohl oder übel mitkommen, um zu verhindern, dass ihr euch blamiert.“
      „Und jemand muss verhindern, dass ihr etwas Dummes anstellt.“ Schon lag Abbys Hand als vierte auf den anderen.
      „Wenn es um Kali geht, kann ich vielleicht helfen, sie zur Vernunft zu bringen. Ich kenne Anya schließlich auch seit dem Kindergarten“, sagte Valerie als Letzte und legte ihre Hand auf.
      Da machte Zanthe mit dem Kopf eine nach rechts winkende Bewegung. „Du auch, Claire.“
      Jene stand zwar auf, tat jedoch nicht wie ihr geheißen. Tatsächlich sagte sie: „Ich kann nichts zu diesen Vorhaben beisteuern.“
      „Du bist jetzt eine von uns, das ist alles, was zählt“, strahlte der Werwolf jedoch.
      Anya relativierte missmutig: „Was er damit sagen will ist: Du hast ein verdammtes D-Wheel, was wir uns notfalls ausleihen können. Also mach hinne, wir haben viel vor.“
      Als Zanthe dem Mädchen mit dem blonden Bob und den langen, grünen Strähnen nochmals zunickte, legte auch sie die Hand auf.
      „Ist das kitschig“, knurrte Anya mit einem Lächeln auf den Gesicht. „Fuck.“

      ~-~-~

      „Soweit alles verstanden?“, fragte Henry erwartungsvoll, während er Alexandra zu einer Treppe begleitete, die herab führte.
      Jene lachte vergnügt. „Ich denke schon. Um ehrlich zu sein weiß ich nicht, ob ich das Spiel als einfach oder komplex betrachten soll.“
      Der junge Ford-Spross gluckste seinerseits. „Ha ha! Für den Anfang darf es ruhig einfach sein, aber je mehr man spielt, desto tiefer wird das Verständnis für die kleinen, vielleicht ein wenig versteckten Mechaniken und Tricks.“
      „Du schaffst das schon.“ Von Nick sah man nur eine Hand in die Höhe gestreckt und winken, er drehte sich nicht mal zu ihr um. Aber zumindest war das mal ein halbwegs positiver Kommentar seinerseits.
      Henry blieb am Rand der metallisch-grauen Treppe stehen, während die Blonde die Stufen hinab nahm. „Sobald du durch die Tür bist, warte dort auf das Signal. Wir müssen die Engine erst hochfahren, das dauert einen Moment.“
      „Okay.“

      Von dem Treppenhäuschen ging es einmal in einem Bogen herum weiter nach unten, mit der sie schließlich vor einer Schiebetür ankam, die sich von selbst öffnete. Alexandra betrat die dunkle, mit Metallplatten ausgelegte Halle und stellte zunächst fest, dass ihr Gegner noch gar nicht erschienen war. Zwar war der Ort riesig, aber sie konnte trotzdem bis ans andere Ende sehen.
      Sie befand sich mehr zur rechten Ecke der Halle gelegen und schräg gegenüber, in der anderen, war ebenfalls ein Überwachungsraum eine Etage höher angelegt, genau wie es hinter ihr der Fall war.
      „Wir starten jetzt das Programm“, hörte sie Henrys Stimme über einen Lautsprecher von der Decke
      „Hm. Na dann los“, sprach sie in das Headset, das sie zwischenzeitlich bekommen hatte. Schließlich sollte sie etwaige Fehler melden, wenn sie ihnen begegnete.

      Ein tiefes Dröhnen erklang. Nacheinander leuchteten die vier Projektoren an jeder einzelnen Metallplatte und formten mit breit gefächerten, hellblauen Strahlen ein regelrechtes Effektfeuerwerk. Plötzlich überzog sich der Boden mit Moos und Gras, Bäume wuchsen aus dem Nichts, Sträucher plotten auf, am Dach entstand das Bild eines grauen, wolkenverhangenen Himmels. Und innerhalb eines Moments zum anderen befand sich Alexandra in einem dichten Wald mit unglaublich hohen Tannen.
      Sie drehte sich um. An den Wänden wurde der Wald weiter simuliert, doch die Kulisse war ein wenig versetzt und die Schiebetür blieb so, wie sie war.
      „Alle Systeme laufen einwandfrei. Wie gefällt es dir?“, fragte jetzt Melinda über den Lautsprecher.
      „Ganz nett ist es hier.“
      „Fass etwas an“, forderte Henry gespannt.
      „Okay?“ Alexandra ging zu einer der am nächsten gelegenen Tannen und legte die Hand darauf. Erschrocken zog sie sie zurück. „D-das ist-!“
      Der Erfinder des Ganzen fragte: „Na?“
      „Es fühlt sich wie richtige Rinde an. Wie habt ihr das gemacht!?“
      „Ein paar Algorithmen hier, ein paar Milliarden Zeilen an Code da“, murmelte Nick gelangweilt und lachte kurz. „Wir können die Oberflächen von Gestein und Holz inzwischen perfekt simulieren. Aber bei den Kreaturen wird das noch dauern. Fell ist sehr komplex.“
      „Wow“, hauchte Alexandra. Bei Duel Monsters waren Hologramme in der Regel nur das – Hologramme. Wieso bestimmte Wesen daraus reale Materie schaffen konnten, war für sie ein großes Rätsel. „Technik die Gottes Schöpfung nahe kommt? Langsam gefällt mir der Titel für euer Spiel.“
      „Danke. Oh! Ich sehe gerade, dass die andere Partei das Feld betreten hat. Das heißt, wir können starten“, sagte Henry zufrieden. „Auf mein Signal! 3! 2! 1! Die Schlacht beginnt!“

      [Alexandras Leben: 100 / Alexandras Mana: 100]

      „Wirklich?“, murmelte die Blonde von dem Ausruf wenig beeindruckt und aktivierte den Apparat an ihrem Arm, der sofort reibungslos hochfuhr, ihre Lebens- und Manabalken lud und eine Umgebungskarte einblendete.
      Alexandra sah sich aufmerksam um. Hier und da hohe Tannen, deren Kronen den virtuellen Himmel beinahe komplett verdeckten. Der war so grau, als kündige sich bald Regen an.
      Sie richtete den Blick nach vorne. Ab und zu ein paar Büsche, viele getrocknete Nadeln auf dem Boden, aber nirgendwo etwas Auffälliges.
      „Hmm.“ Sie blickte wieder auf den Apparat an ihrem Arm. Der Timer war fast abgelaufen – und als er es war, verkündigte ein dreimaliges Klingeln, dass der Kampf nun auch vom System her offiziell begonnen hatte. Sofort zog sie sieben Karten von ihrem Deck und der rechte Timer begann herunterzulaufen.
      „Oh?“ Unter den vielen Sprüchen war auch ein Ei. „Mal sehen.“
      Sie nahm es hervor und las es sich durch. „Größe M? Huh …“
      Dazu hörte sie Henrys Erklärung im Kopf.

      Es gibt bei Eiern fünf Größen. S, M, L, XL und XXL. Die ersten drei kann man selbst ins eigene Deck packen, um schneller an eine Schimäre zu kommen. Aber die letzten beiden Größen findet man nur auf dem Spielfeld. Eure Schimären sind ebenfalls so eingeteilt und können nur aus einem Ei schlüpfen, das mindestens ihre Größe hat. Unnötig zu erwähnen, dass sich die Größe auch in der Stärke der Kreatur widerspiegelt.“

      „Also könnte ich damit eines der Größe M-Monster schlüpfen lassen?“, überlegte sie laut, schüttelte dann aber den Kopf.
      Nein, denn diese waren wahrscheinlich relativ schwach und wenn sie etwas wollte, dann nur das Beste. Also entschied sie sich, erstmal nach einem anderen Ei Ausschau zu halten.
      Sie tippte auf ihre Karte, wo verschiedene interessante Punkte markiert waren. Alle mit einem kleinen, roten Kreuz. Sicher gab es einen Trick, herauszufinden wo sich was befand, aber die Sprüche in ihrer Hand konnten dies nicht bewirken.
      „Dann schauen wir mal“, murmelte sie und lief geradeaus los, wo sich auf vielleicht fünfzehn Metern gleich drei Markierungen nah beieinander befanden.

      Zumindest war ihr Gegner noch lange nicht in Sicht, was jedoch nicht allzu verwunderlich war. Das Areal war groß genug, damit die Spieler sich nicht unmittelbar begegneten. Trotzdem sollte sie sich beeilen. Alexandra hatte sofort begriffen, dass das Brüten des Eis oberste Priorität hatte – selbst wenn man noch so viele Boni sammelte, ohne 'Bodyguard' war das Spiel im Handumdrehen vorbei. Fast wie ihre Beziehung zu Nick.
      Dieser Mann. Sie ahnte, was er vor hatte: Den Status Quo kippen. Wenn es nach ihr ging, konnte er tun was er wollte. Auch wenn er dabei umkommen würde, denn das hatten schon ganz andere vor ihm versucht. Sie musste nur den richtigen Zeitpunkt für den Absprung schaffen. Noch ahnte er nicht, dass all die Dämonen aus dieser Welt, deren Kräfte er sich angeeignet hatte, kein gutes Verhältnis zu der Schatzjägerin gehabt hatten. Um nicht zu sagen: Nicht wenige wollten ihren Tod.
      Die Blonde wusste, dass Nick sie jedoch nicht ewig brauchen würde. Noch war sein Wissen um die Dämonenwelt begrenzt, aber mit jeder Begegnung wuchs sie. Und er hatte noch eine andere Quelle, die mit großer Wahrscheinlichkeit besser – und gefährlicher – war als sie: Joel.
      Dem durfte man nicht trauen. Gefangen in einer verlassenen Stadt mitten in der Ödnis. Niemand wusste von ihm, was er war oder woher er kam.
      Ja, Alexandra musste den Zeitpunkt ihres Absprungs gut abwägen. Auch wenn Nick ihr zugetan war, ging er mit denjenigen, die nicht mehr nützlich für sie waren, nicht gerade pflegsam um. Und sie wusste viel. Zu viel.

      Sie verdrängte die Gedanken, als sie die Stelle mit den 'Schätzen' erreicht hatte. Sofort nahm sie ein rotes Leuchten in einem der umstehenden Büsche wahr. Gerade als sie darauf zu ging, piepte ihre Wannabe-Duel Disk. Sie sah auf das Display und bemerkte, dass der Zieh-Timer abgelaufen war. Also zog sie eine neue Karte und der Timer startete aufs neue.
      „[Feuerball]?“, las sie den Namen des Spruchs vor. Gut, dachte sie dabei. Den konnte man beliebig oft verwenden, sofern man die Cooldown-Time und die Manakosten außen vor ließ. Damit konnte sie allem schaden, was Leben hatte – 10 Punkte für 20 Mana.
      Man startete als Spieler bei beidem mit 100. Also konnte sie jede 30 Sekunden 10 Schaden zufügen, aber das reichte nicht aus, um ihren Gegner zu besiegen.
      „Schadensbonus auf Eier?“, las sie weiter. „Interessant.“
      Der Schaden verdoppelte sich also, wenn man ein Ei angriff. Wenn man also das des Gegners fand und genug Zeit und Ressourcen besaß, konnte man ihn effektiv aus dem Hinterhalt überraschen. Gefiel ihr. Aber genug der Theorie.

      Sie schritt wieder auf den Busch zu und schob ein paar Sträucher auseinander. Dort lag ein gelbes, recht voluminöses Ei mit roten Punkten darauf. Sie berührte es mit den Fingerspitzen, wodurch ein Bildschirm mit den Daten aufgerufen wurde. Anders als bei den Bäumen war die Oberfläche hier nur glatt, ohne Besonderheiten, vermutlich weil sie noch nicht entwickelt worden war.

      Versteckes Ei
      Größe: L
      Spezies: Alle
      Leben: 150
      Brutdauer: 180 Sekunden

      „Huh?“, machte sie überrascht. „Nur so klein?“
      Eigentlich hatte sie mehr erwartet, aber das war dann wohl Pech. Sie ließ die Sträucher los, sodass das Ei wieder im Busch verschwand. „Nein danke.“
      Sie wollte etwas Großes, etwas, das man nicht auf normale Weise bekam. Kurz überlegte sie, ob sie es mit dem [Tarnung]-Spruch in ihrem Blatt verstecken sollte. Aber wenn ihr Gegner es auf dem Radar gesehen hatte und es plötzlich verschwand, wurde er vielleicht auf sie aufmerksam. Noch dazu konnte sie den Spruch nur einmal wirken und das war ganz sicher einer, den man sich aufheben wollte.

      Entsprechend mit ausreichend Elan wirbelte sie herum. Hier gab es noch mehr zu entdecken. Auf der Karte waren drei Punkte markiert, einer davon direkt geradeaus. Da stand eine hohe Tanne.
      Also lief sie auf diese zu und umrundete sie einmal, konnte jedoch keinerlei Hinweise auf einen Schatz finden. Bis sie auf die Idee kam, den Stamm zu berühren.
      Sofort wurde auf ihrem Display die Meldung „Bonus Mana +20“ angezeigt.

      [Alexandras Leben: 100 / Alexandras Mana: 100 → 120]

      „Oh? Verstehe“, lächelte sie verschmitzt. Manche Gegenstände verliehen einem durchs Berühren mehr Mana. Gut zu wissen.
      Dann drehte sie sich leicht nach rechts, wo ein großer Felsbrocken lag. Der letzte Punkt der umliegenden Markierungen. Hoffentlich versteckte auch er ein Ei, ein großes!
      Aber schon beim sich nähern bemerkte sie, dass dort eine Karte am Boden lag. Bückte sich und las sie auf. Eine Körperteil-Karte, [Gehörnte Schwingen].
      „Wer's findet, dem gehört's“, sagte sie und steckte die zu den anderen Karten.

      Stöhnend fuhr sie sich über die Stirn, schob die blonde Mähne über den Kopf. Jetzt hatte sie ein paar Gimmicks, aber noch immer kein adäquates Ei.
      In dem Moment hörte sie aus der Ferne einen Knall. Was war das? Hatte ihr Gegner etwa irgendwas angestellt? Aber sie würde ganz sicher nicht nachsehen gehen, so unvorbereitet, wie sie war. Sie könnte jetzt immer noch das Ei hinter sich benutzen – aber als Schatzjägerin hatte sie ihren Stolz.
      „Weiter geht’s!“

      ~-~-~

      Der Sammler wartete mitten in einem der mit rotem Teppich ausgelegten Gänge seines neuen Anwesens. Die Begegnung mit Matthew Summers war unterhaltsam. Sein Gesicht, als er die Antwort auf die Frage nach den Carringtons bekam, einfach unbezahlbar. Weil er wusste, dass sie aufrichtig war. Wie auch immer …
      Jeden Moment würde der maskierte Dämon erscheinen, das wusste er. Überhaupt, fand er die Wahl dieses Erscheinungsbildes sehr interessant, besonders wenn man die Person dahinter kannte. Er hatte nie nach den Hintergründen nachgefragt, aber er glaubte sie trotzdem zu kennen.

      So bewahrheitete sich seine Einschätzung jäh und vor ihm öffnete sich ein schwarzes, ovales Portal, aus dem der Dämon trat. Wie schon seit vielen Jahren verbarg er sein Gesicht hinter einer weißen, japanischen Dämonenmaske. Das Wesen steckte dazu in einem schwarzen Kimono mit roten Lotusblumen darauf, eine schwarze Hose und trug ein langes Katana mit sich. Seidig hing schwarzes, langes Haar fast bis zum Boden, doch dieses gehörte nicht dem Dämon, sondern war tatsächlich Teil der Maske.
      Zu seiner vollsten Zufriedenheit schulterte der maskierte Dämon einen riesigen Hammer mit sich. Die beiden metallischen Hammerenden waren durch einen goldenen Ring zusätzlich stabilisiert.
      „Bravo“, sprach der Sammler und klatschte in die Hände, „und ohne einen Kratzer. Ich meine natürlich dich, nicht Mjöllnir.“
      „Es war gut bewacht“, erwiderte der Dämon mit einer unglaublich verzerrten Stimme, die die Bestimmung eines Geschlechts für Unwissende unmöglich machte.
      „Natürlich.“ Der Rotschopf streckte die linke Hand zur Seite aus. Im schmucklosen Gang erschien an der Wand eine Tür, die sich von alleine öffnete.
      Unvermittelt nahm der Dämon den Hammer in beide Hände und warf ihn dem elegant in einen Anzug gekleideten Sammler zu, welcher diesen mühelos auffing. „Hey! Etwas vorsichtiger, bitte! Wir wollen doch keine Naturkatastrophe auslösen!“
      Sein Tadeln untermalte er mit einem neckischen Lachen. Dann drehte er sich der Tür zu und trug die schwere Zweihandwaffe in eine kleine Kammer.

      An den Wänden befanden sich Halterungen. Auf zwei Haken an der Wand direkt gegenüber hing ein riesiger, goldener Rundschild, darunter ein wuchtiger Speer. An der linken Wand war ein massiver, goldener Bogen befestigt. Drei Reihen von Aufstellern befanden sich in diesem Raum, in zwei der Halterungen steckten Großschwerter, eines in regelmäßigen Intervallen blau, das andere rot aufleuchtend. In die letzte der drei steckte er schließlich den Hammer mit dem Kopf nach oben. Automatisch schlossen sich die zu großen Metallringe um ihn und hielten ihn fest.
      „Hach, es ist schön, die Sammlung wachsen zu sehen“, gluckste der Sammler dabei und drehte sich zu dem Dämon um. „Das war gute Arbeit. David brauchte eine halbe Ewigkeit, um die vier zu beschaffen, die wir vor deinem Engagement hatten. Nun sind wir schon bei sechs. Aber es fehlen noch einige, befürchte ich. Wir brauchen alle.“
      „Ich werde mich sofort auf die Suche nach der nächsten Waffe begeben“, erwiderte der maskierte Dämon tonlos.
      Nickend trat der Sammler näher. „Das ist sehr gut. Ich bin froh, dass du dich daran erinnert hast, was du mir vor Jahrzehnten einmal gesagt hast.“
      Sein Gegenüber erwiderte nichts darauf.
      „Schon gut“, winkte der Sammler ab und sah über seine Schulter, „aber ich frage mich, wer diese Wunderwerke geschmiedet hat. Sind es wirklich die legendären Waffen aus den Mythen?“
      Er wandte sich an den Dämon. „Das würde ich fragen, wenn ich nicht längst wüsste, dass sie älter sind als diese Welt an sich.“
      „Dann stammen sie aus-“
      „Exakt. Wie sind sie also hierher gekommen?“ Der Sammler legte seine Hand ans Kinn. „Und wer hat sie versiegelt? Wurden sie in dieser Welt eingesetzt, bevor sie versiegelt worden sind oder sind all die Legenden um sie ganz unabhängig davon entstanden? Fragen über Fragen.“
      Er sah auf das Katana am Waffengurt seines Partners. „Aber dich brauche ich nicht um Rat bitten. Du benennst eine traditionelle, japanische Waffe nach dem Weltuntergang der nordischen Mythologie. Sieht dir ähnlich.“
      „Das ist lange her.“
      „Willst du mir damit ausdrücken, dass das eine 'Phase' war?“ Der Sammler lachte und zur Abwechslung klang es aufrichtig, echt. Aber nur einen Augenblick später verfinsterte sich sein Gesichtsausdruck. „Wie dem auch sei, würde ich dem Namen deiner Waffe gerne gerecht werden.“

      ~-~-~

      Alexandra rannte durch den Wald, versuchte aber dabei stets hinter Bäumen oder Steinen verborgen zu bleiben. Unterwegs hatte sie jeden interessanten Punkt auf ihrer Karte abgegrast, fand unter anderem eine nette, aber nutzlose Heilquelle, eine weitere Körperteil-Karte und lauter Eier, die nicht ihren Ansprüchen entsprachen. Und sie wusste, dass ihr die Zeit im Nacken lag.
      Langsam musste sie sich etwas einfallen lassen. Wenn sie noch mehr Zeit verstreichen ließ, würde sie einem komplett gestärkten Gegner gegenüber stehen. Jetzt brauchte sie auch nicht mehr damit anfangen, eines der schwachen Eier aus ihrem Blatt auszubrüten.

      Passend dazu piepte der Draw Timer wieder einmal. Alexandra war aufgefallen, dass die Intervalle immer länger wurden – trotzdem hatte sie schon über ein Dutzend Karten angesammelt.
      Sie blieb hinter einem Baum stehen und warf einen Blick auf die Karte. In ein paar Metern entfernt lag ein weiterer Mystery Spot. Sie sah am Baum vorbei. Dort befand sich ein großer Felsbrocken, dahinter der Punkt.

      Sie eilte herüber und umrundete den Stein. Und traute ihren Augen kaum.
      Mit weit geöffnetem Mund näherte sich Alexandra dem Ei, das von dem Felsen an der Hinterseite gut getarnt war. Es war fast so groß wie ein Kleinkind. Die bläuliche Schale funkelte, als wären winzige Edelsteine darin eingelassen.
      „Ich würde sagen: Jackpot!“, strahlte die Blonde im Trenchcoat, als sie an ihrem Ziel angekommen war. „Mal schauen, was du so zu bieten hast.“
      Sie berührte die raue Oberfläche, sodass über dem Ei die Informationstafel aufploppte.

      Seltenes Drachen-Ei
      Größe: XXL
      Spezies: Drachen, Urzeit, Echsen
      Leben: 250
      Brutdauer: 300 Sekunden

      Das war genau das, was sie wollte. Aber dann stach ihr die Beschränkung auf drei Schimären-Gattungen ins Auge. Natürlich. Große Macht kam nie ohne Nachteil.
      Sie nahm ihr Kreaturendeck aus dem Apparat und sah die fünf Karten an, die man ihr zur Verfügung gestellt hatte. Waldbestie, Amphibie, Vogel, Phantom – und Echse!
      Sie fackelte gar nicht lange, nahm die Karte und führte sie – wie Henry ihr es erklärt hatte – in das Ei. Welches daraufhin kurz in grellem Blau zu strahlen begann. Dann zählte über ihm der Countdown runter, die Anzeige verschwand und wurde auf die Infoseite ihres Apparats übertragen.
      „Tja, wie schütze ich dich jetzt bloß so lange?“, überlegte sie leise.
      Der Tarn-Spruch. Aber Moment! Ihn zu wirken kostete 50 Mana, das hatte sie. Aber er hielt nur 200 Sekunden, das Ei brauchte aber 300 zum Schlüpfen. Wenn sie den Spruch sofort anwendete würde es wieder sichtbar werden, noch bevor ihre kleine Echse geschlüpft war. Nein. Sie würde noch einen Moment warten.
      Alexandra drehte sich um und behielt ihre Umgebung im Blick. Ihre Angespanntheit hatte schließlich ihre Gründe.

      Es waren nur Schritte, die sie gehört hatte.
      Sie befand sich hinter einem Baum, als sie sie hörte. Und nicht nur ein paar Füße, nein, mehrere – ihr Gegner hatte seine Schimäre schon erweckt.
      Sofort presste sie sich an den Stamm, um nicht gesehen zu werden. Er befand sich auf der anderen Seite, wartete scheinbar, als hätte er etwas bemerkt. Doch dann schritt er nach links davon.
      Innerlich atmete sie auf, bei einer Konfrontation hätte sie keine Chance gehabt. Aber es war auch spannend, das musste sie zugeben. Sie umrundete den Baum, um einen Blick auf ihren Gegenspieler zu erhaschen, doch der war bereits im Gebüsch verschwunden.

      Es war verdammt knapp gewesen und sie hatte es nicht gewagt, die beiden heimlich zu verfolgen. Zu groß war die Gefahr, dabei entdeckt zu werden. Ein Profi musste wissen, wann er seine Neugierde zu unterdrücken hatte.

      Sie schritt herüber zu einem der umstehenden Bäume und drückte sich mit dem Rücken an diesen, das Ei vor sich in seiner Einbuchtung im Blick. Kaum war der Timer unter 200, streckte sie die Hand aus. Flüsterte: [Tarnung].
      Tatsächlich löste sich das Ei umgehend auf und verschwand ebenso vom Radar. Alexandra schob die Einmal-Wirk-Karte in den Ablagestapel.

      [Alexandras Leben: 100 / Alexandras Mana: 120 → 70]

      Kaum war das Ei verschwunden, atmete Alexandra auf. Jetzt hieß es warten.
      Als sie hinter sich Schritte im Gras hörte, wurde ihr jedoch bewusst, dass es damit schwierig werden könnte. Versteckt hinter dem Baum, hielt sie die Luft an.
      „Ich weiß wo du bist. Komm raus“, forderte ihr Gegenspieler. Ein Mann, dessen Stimme sie schon einmal gehört hatte.
      Sie musste handeln, er durfte sich nicht an ihrem gerade erst gefundenen Ei vergehen. Die junge Frau schnappte sich den [Teleport]-Zauber aus ihrer Hand und zeigte ihn in Richtung des Eis. „Los, verschwinde!“

      [Alexandras Leben: 100 / Alexandras Mana: 70 → 30]

      Sofort löste sich das ein in einer hellblauen Lichtsäule auf.
      Ganz langsam trat sie aus ihrem Versteck hervor und stand dem brünetten Aiden Reid gegenüber, seinerseits CEO von Micron Electronics. Der Partnerfirma der AFC für dieses Projekt. Aiden hatte ein feines Gesicht, das durch seinen Dreitagebart eine verwegene Note bekam. Nichtsdestotrotz trat er selbst für dieses kleine Gefecht in einem anthrazitfarbenem Anzug auf.
      „Miss … Russo, korrekt?“, fragte er ein wenig erstaunt, als er sie sah. „Ich sollte nicht weiter überrascht sein, jemand anderes als Nick vor mir zu haben.“
      „Er hatte keine Lust.“
      Er lächelte. „Nehmen Sie es nicht persönlich. Um ehrlich zu sein ist es sogar eine gute Gelegenheit, sich besser kennenzulernen, ohne sein wachsames Auge.“
      Der Blonden entging dabei nicht das gefährliche Funkeln in seinen Augen.

      Abgelenkt wurde sie dann aber von der Kreatur, die sich an seine Seite stellte. Ein wunderschöner Hirsch, dessen Geweih von bunten Blumen geschmückt war. Im krassen Kontrast dazu stand sein Schweif, pechschwarz. Er zischte, war es tatsächlich eine Schlange.
      „Oh?“, machte Reid und sah seinen Begleiter an, der in etwa so groß war wie er. „Das ist [Csodaszarvas] – ein Waldbewohner. Dank ihm konnte ich Sie aufspüren.“
      „Ist das so?“, erwiderte Alexandra belustigt.
      „Sicher hat Mr. Ford Ihnen zu den einzigartigen Fähigkeiten der Schimären etwas gesagt.“
      „Ja. Einmal, zweimal … sie müssen auswachsen, dann erlernen sie ihre Gabe.“ Sie verschränkte die Arme. „Aber ich schätze, Sie wollen sich nicht wirklich über das Spiel mit mir unterhalten.“

      Seine Mundwinkel zuckten kurz. „Sie haben mich durchschaut. Kommen wir also gleich zum Punkt. Welche Rolle spielen Sie in alldem hier?“
      Hörte sie da eine gewisse Eifersucht heraus, fragte sich Alexandra insgeheim. „Ich bin eine Freundin von Nick.“
      „Sparen sie sich das“, fuhr er da aber plötzlich scharf dazwischen. Sein ganzer Ton wandelte sich, wurde bedrohlich und aggressiv. „Nick hat sich in den letzten Wochen verändert. Ich könnte ihnen von den zahlreichen Duellen erzählen, die er bestritten hat, seitdem er Sie kennt. Oder davon, dass viele seiner Gegner seitdem verschwunden sind. Aber das wissen Sie sicherlich.“
      Innerlich zuckte Alexandra zusammen. Woher wusste er davon? Überwachte er Nick etwa heimlich? Natürlich. Von dem, was ihr über Aiden Reid erzählt worden war, passte das nur zu gut zu ihm.
      „Ich fürchte, ich weiß nicht, wovon Sie reden. Nick ist oft alleine unterwegs. Fragen Sie ihn.“
      Was selbstverständlich gelogen war und das wusste er auch. Aus den Augenwinkeln sah Alexandra auf den Apparat an ihrem Arm. Die Karte zeigte Richtung Nordosten ein golden leuchtendes Eier-Symbol an, vermutlich ihres.
      „Ich frage Sie“, blieb Aiden bei seinem harschen Tonfall, „denn was ich mit eigenen Augen gesehen habe, lässt mich so einiges hinterfragen.“
      „Was haben Sie denn gesehen, Mr. Reid?“
      „Nichts, was Sie im Zweifelsfall etwas angeht. Nick nannte es einen Scherz. Einen sehr geschmacklosen. Sagen wir, das Fenster in seinem Büro ist noch nicht repariert.“ Aiden trat einen Schritt näher. „Und dass ich ihm seine Panik und die Lüge genau angesehen habe. Was immer in dieser Nacht geschehen ist, ich finde es heraus.“
      „Dabei soll ich helfen, nehme ich an?“

      Alexandra kannte die Geschichte von Nicks Begegnung mit dem Sammler in seinem Büro, welche mit einer verkappten Version des Prager Fenstersturzes endete. Nur lag auf dem Bürgersteig am Ende nicht der Sammler, sondern Reids persönliche Assistentin. Als Reid in Nicks Büro gestürzt kam und sie dort unten sah, sind die Fetzen geflogen. Besonders als die Leiche, nachdem beide nach unten geeilt waren, plötzlich verschwunden war.
      Nick hatte es Reid gegenüber als Streich bezeichnet, aber auch er wusste in Wirklichkeit nicht, was mit der Leiche geschehen war. Vermutlich war es nur eine Illusion des Sammlers gewesen, doch die PA von Reid war seitdem verschwunden.

      „Sie und helfen?“ Aiden lächelte Alexandra plötzlich freundlich an. „Sie sind das Gift, das ihn überhaupt erst verdorben hat.“
      Schnippisch erwiderte die Blonde: „Danke.“
      „Ich werde schon aus Ihnen herausbekommen, was hier gespielt wird. Kostprobe gefällig?“ Er schwang den Arm aus. „[Csodaszarvas], regulärer Angriff. Ramme sie!“
      Fast hätte sie vergessen, dass dieses Ding auch noch da war. Der Hirsch mit dem mit Blumen geschmückten Geweih rannte auf sie zu. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zu ihr konnte Alexandra nicht rechtzeitig ausweichen und wurde von seinem Geweih in den Magen getroffen. Regelrecht aufgebuckelt, rannte er mit ihr weiter und schmetterte sie gegen einen Baum. Der Schmerz war immens, sie rutschte hinab und landete auf den Knien, während das Ungeheuer langsam rückwärts von ihr weg schritt.

      [Alexandras Leben: 100 → 80 / Alexandras Mana: 30]

      „Bei voller Stärke fügt sein Standard-Angriff 20 Punkte Schaden zu“, erklärte Aiden. „Und es dauert auch nicht lange, ehe er ihn erneut einsetzen kann. Also sagen Sie mir: Was treibt Nick wirklich?“
      Alexandra hielt sich keuchend den Magen. Echter Schaden! Anscheinend hatte dieser Irre mit den Hologramm-Emittern Schindluder getrieben. Ob er ursprünglich geplant hatte, Nick zu verhören?
      Egal, sie musste irgendwie aus dieser Nummer herauskommen. Aber ihr Ei war noch nicht geschlüpft und ohnehin weit weg. Unter normalen Umständen würde sie es niemals rechtzeitig erreichen.

      Allerdings war sie schon aus schlimmeren Situationen entkommen und hatte dank einer Gegenstands-Karte in ihrem Blatt bereits eine Idee, wie sie Zeit gewinnen konnte.
      Langsam erhob sie sich. „Hat Ihnen niemand gesagt, dass man Frauen nicht schlägt?“
      „Ich habe Sie nicht geschlagen“, erwiderte er charmant und deutete auf den Hirsch mit den Schlangenschweif. „Das war er.“
      „Männer …“
      „Frauen. Los, nochmal!“, befahl Aiden eiskalt seinem Wunderhirsch den nächsten Angriff.
      Wieder stürmte er auf Alexandra zu, doch diesmal wich sie mit einer Seitwärtsrolle im letzten Moment aus. Kaum hatte sich die Welt zu drehen aufgehört, stellte sie überrascht fest, dass ihr kein Schaden zugefügt worden war. Man konnte Angriffen entgehen. Sehr gut!
      „Zu dumm, der [Schlangenschweif] hat auch noch was zu sagen“, lachte Aiden. In dem Moment spie ebendieses hässliche Körperteil seines Hirsches einen grünen Strahl, der Alexandra an der Schulter traf.
      „Ah!“, schrie sie auf, war dort doch plötzlich eine blutige Schramme.

      [Alexandras Leben: 80 → 70 / Alexandras Mana: 30]

      „Das ist einer der Effekte des [Schlangenschweifs]. Wenn das Ziel seines Trägers ausweicht, greift er mit 10 Punkten Giftschaden an.“ Aiden seufzte gespielt. „Eigentlich ist Gift ja die Waffe der Frauen.“
      „Ungehobelter Klotz“, klagte sie grimmig und erhob sich mit Blick auf ihre blutende Schulter. „So wird nie jemand mit dir ausgehen. Tch! Ich benutze meine Gegenstands-Karte [Rauchbombe]! Keine Erklärung nötig!“
      In ihrer Hand materialisierte sich eine schwarze Kugel, umwickelt von braunen Lederstreifen, die sie prompt zwischen sich und den Hirsch warf. Kaum schlug sie auf, explodierte sie und ließ eine gewaltige Rauchwolke frei, die sich rasend schnell verbreitete.
      „Hey!“, rief Aiden verärgert, aber schon längst konnten sie einander nicht mehr sehen.

      Alexandra begann zu rennen. Dabei sah sie auf ihren Arm und folgte der Karte. Gut, dass Gegenstände wie Bäume innerhalb der Rauchwolke rechtzeitig sichtbar wurden. Nicht, dass sie noch unfreiwillig zur Baumknutscherin wurde.
      „Verfolg' sie!“, befahl Aiden seinem Monster, doch dann hörte sie ihn aus der Ferne fluchen. „Verdammt, deine Sinne sind beeinträchtigt. Aber ich weiß, wo sie hin will. Los!“
      Elender Mistkerl, fluchte die Blonde, während sie sich beim Rennen die Wunde hielt. Sie trat aus der Rauchwolke aus und peilte zunächst ein stark von Büschen bewachsenes Areal direkt vor ihr an, zwängte sich hindurch, kaum dass sie es erreicht hatte. Bis zu ihrem Ei waren es nur noch wenige Meter und es dürfte auch jeden Moment schlüpfen!
      „Da!“, hörte sie Aiden jedoch aus einigen Metern Entfernung. „Ich sehe Sie, Alexandra! Wegrennen ist zwecklos!“
      „Ach ja!?“, brüllte sie über die Schulter zurück und setzte sich wieder in Bewegung. „Bisher bin ich damit gut durchs Leben gekommen.“
      Warum sollte sich das wegen diesem Schnösel ändern?

      Nachdem sie die Büsche und Sträucher hinter sich gelassen hatte, erreichte sie eine große Lichtung. Und direkt in deren Mitte befand sich das riesige blau-funkelnde Ei, das bereits deutliche Risse aufwies. Nach und nach platzte die Schale ab.
      „Endlich“, flüsterte sie und steuerte darauf zu.
      „In der Tat“, hörte sie Aiden hinter sich sagen.
      Die junge Frau wirbelte um und lächelte kess. „Ich fürchte, ich habe mir noch einen Trick aufgehoben. [Kraftfeld]!“
      Sie zückte die Karte und binnen eines Herzschlags zog sich um sie und ihr Ei eine hellrote Energiekuppel.

      [Alexandras Leben: 70 / Alexandras Mana: 30 → 0]

      Aiden, der den letzten Strauch beiseite schob, lachte leise. „[Kraftfeld] ist ein Zauber mit variabler Wirkung. Je mehr Mana der Benutzer für die Verwendung opfert, desto länger sperrt es sämtliche Attacken und Eindringlinge aus.“
      „30 Mana, 60 Sekunden“, grinste die Blonde ihn frech an, während hinter ihr aus dem Ei goldene Strahlen stießen, „das reicht aus, um mich noch kurz vorzubereiten.“
      „Ihre Kreatur ist trotzdem frisch geschlüpft. Sie wird nicht lange genug leben, um ihr volles Potential zu erreichen.“ Der brünette CEO verzog keine Miene.

      In diesem Moment zerbrach das Ei vollständig und ein schriller, leiser Schrei drang hinter Alexandra hervor. Jene drehte sich um und sah auf dem Boden eine goldene Schlange mit rot leuchtenden Augen.
      Sofort rief sie ihre Daten auf.

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 300 / Primärangriff: 10]

      „Hmm.“ Sie blickte über die Schulter und tippte dann auf ein Informations-Icon, das ihr die Werte von Aidens Monster verraten sollte.

      Csodaszarvas [Drei Sterne / Leben: 200 / Primärangriff: 20 / Sekundärangriff: 10]

      Jetzt war es an der Zeit, die Körperteil-Karten auszuspielen.
      „[Legendäres Horn]“, rief Alexandra aus und sofort wuchs aus der Stirn ihrer Schlange ein gewundenes Horn, das ganz aus Silber zu bestehen schien. „Damit wird der Primärangriff erhöht.“

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 300 / Primärangriff: 10 → 15]

      Derweil flackerte das Kraftfeld um sie herum bereits auf.
      „Beeilen Sie sich“, riet Aiden, „gleich geht es in die entscheidende Phase.“
      „[Feuerfänge]! Damit werden beim Primärangriff zusätzlich 5 Punkte Feuerschaden zugefügt.“ Sie drehte sich um. „Genau das Richtige für Waldbewohner wie den Wunderhirsch.“
      Während die Reißzähne ihrer langsam wachsenden Schlange in Flammen aufgingen, umkreiste sie diese und stellte sich hinter sie.

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 300 / Primärangriff: 15 + 5]

      Das Kraftfeld löste sich langsam auf. Die beiden Kontrahenten sahen einander tief in die Augen, beide fest entschlossen, den anderen zu vernichten.
      Kaum war die Barriere fort, rief Aiden aus: „Angriff auf [Serpentarius-G]!“
      „Nicht so schnell! Meine letzten Körperteil-Karte“, ging Alexandra sofort dazwischen, während der Hirsch bereits seine Attacke startete, „[Gehörnte Schwingen]! Damit ist meine Schimäre gegen Bodenangriffe immun!“
      Gerade noch rechtzeitig wuchsen ihrer Schlange direkt hinter dem Kopf zwei braune, ledrige Flügel, die mit langen Hörnen bespickt waren. Sie stieg sofort auf, während [Csodaszarvas] unter ihr und an Alexandra vorbei stürmte.
      Doch Aiden lachte auf. „Tut mir leid, aber haben Sie schon vergessen, dass meine Kreatur über einen Sekundärangriff verfügt? Dieser kann auch gegen fliegende Ziele eingesetzt werden.“
      Gemeint war der Schlangenschweif, der sich zur fliegenden Goldschlange umdrehte und grünes Gift verschoss – das das Ziel am linken Flügel traf.

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 300 → 290 / Primärangriff: 15 + 5]

      „Gegenangriff!“, befahl die Blonde sofort.
      Im Sturmflug schoss ihr [Serpentarius-G] auf den Hirsch mit Blumengeweih zu und biss ihm in den Nacken. „Heh! Feuerschaden gegen Waldbewohner wird verdoppelt.“
      Als die Schlange von ihrem Opfer abließ, blieben dort Brandspuren zurück.

      Csodaszarvas [Drei Sterne / Leben: 200 → 175 / Primärangriff: 20 / Sekundärangriff: 10]

      Gerade als Alexandra einen Spruch ablassen wollte, wurde sie unvermittelt an der Schulter getroffen und umgeworfen. Sie landete stöhnend auf der Seite.
      „W-was!?“

      [Alexandras Leben: 70 → 60 / Alexandras Mana: 0]

      Aiden stand mit ausgestreckter Handfläche dort und lächelte. „Sie sollten nicht vergessen, dass auch wenn Schimären dazu verpflichtet sind, erst ihresgleichen anzugreifen, dies nicht für die menschlichen Spieler gilt.“
      Er zeigte ihr einen Zauber mit der anderen Hand vor, der ihr wohlbekannt war: [Feuerball].

      [Aidens Leben: 100 / Aidens Mana: 80 → 60]

      Derweil ging der Schlagabtausch der Schimären in die nächste Runde. Da der Hirsch sein Ziel nicht selbst erreichen konnte, spuckte gleich sein Schlangenschweif Gift auf die fliegende Schlange, die inzwischen gut zwei Meter lang war.

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 290 → 270 / Primärangriff: 15 + 5]

      „Ah!? Doppelt so viel Schaden?“
      „Nicht gewusst?“, fragte Aiden die verblüffte Alexandra. „Gift 'stackt', wie man in Fachkreisen so schön sagt. Bei konsekutiven Angriffen wird er jede Runde verdoppelt.“
      Da stürmte sich das Monster der Blonden wieder herab auf den Hirsch, der diesmal versuchte auszuweichen. Jedoch gelang es dem [Serpentarius-G], kurz vor Aufschlag auf dem Boden dicht über diesen Hinweg zu fegen und mit seinem Schweif auszuholen, welcher dem Hirsch gegen das Geweih peitschte.

      Csodaszarvas [Drei Sterne / Leben: 175 → 155 / Primärangriff: 20 / Sekundärangriff: 10]

      „Da der Angriff nicht mit den [Feuerfängen] erfolgte, wird der Feuer-Schaden nicht-! Was!? Wieso so viel!?“
      Alexandra erhob sich. „Tja, mein Monster hat wohl gerade seine zweite Evolutionsstufe erreicht. Rechtzeitig vor der Schadensberechnung.“
      Tatsächlich war das goldene Ungetüm wesentlich größer und länger als zuvor.

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 270 / Primärangriff: 20 + 5]

      „Das könnte ein vielversprechender Kampf werden“, lachte Aiden amüsiert und streckte die Hand aus, vor deren Fläche sich ein [Feuerball] sammelte.
      Alexandra kräuselte die Stirn. „Na großartig …“

      ~-~-~

      Zur selben Zeit herrschte im Kontrollraum große Aufruhr. Henry stand dicht vor der Fensterscheibe, war amit dem Rücken zu seinem Team gewandt.
      „Wieso laufen die Kameras immer noch nicht!? Ich will wissen, was dort passiert, verdammt!“
      „Ist doch wieder typisch“, murmelte Melinda, die mit einer Assistentin an der Konsole zur Linken vor dem Fenster zugange war, „gerade dann, wenn es spannend wird.“
      Nick, der immer noch vor der rechten saß und dort seine Beine abgeladen hatte, beobachtete alles aus einem Auge.

      Arme Narren, dachten sie doch, ein einfacher technischer Defekt wäre dafür verantwortlich. Dem großen, zerzausten Mann war sofort klar, dass hier kein Zufall am Werk war.
      Aiden hatte alles bereits im Voraus geplant, so viel war klar. Vermutlich hatte er sogar mit einberechnet, dass vielleicht nicht er – Nick – an diesem Spiel teilnehmen würde, sondern möglicherweise Alexandra. Die Gelegenheit, sie ein wenig auszuquetschen, denn selbstverständlich war sein ehemaliger Geliebter versessen darauf, ein paar Informationen über sein Tun zu bekommen.
      Nick lachte innerlich auf. An Alexandra würde er sich die Zähne ausbeißen.

      „Wie läuft das Spiel?“, fragte Henry derweil hektisch. „Funktioniert alles?“
      „Die Schimären kämpfen jetzt schon eine Weile. Ich denke, sie sind bald fertig“, sagte Melinda und sah von der Konsole zu Nick herüber. „Wärst du so nett und hilfst uns, den Fehler zu finden?“
      „Wenn die Kameras kaputt sind, kann ich von hier nicht viel machen. Selbst schuld, wenn man ausgerechnet an sowas spart“, kam eine schnippische Antwort zurück.
      Der Rotschopf schnaufte sauer. „Du, Alexandra und Aiden … ihr macht mich fertig!“
      „Danke.“
      „Können wir wenigstens den Ton wieder hinbekommen?“, wollte Henry aufgeregt wissen.
      Woraufhin seine Schwester fauchte: „Und du auch!“

      Was keiner der anderen Anwesenden wusste war, dass Nick sehr wohl alles mitverfolgen konnte. Aus gleich zwei verschiedenen Perspektiven, die ihm die beiden Raben Snuggly und Sparkly ermöglichten, durch deren Augen er alles mit ansah.

      ~-~-~

      Mit ausgestreckter Hand feuerte Aiden einen weiteren Feuerball in Alexandras Richtung ab. Diesmal nicht, schwor diese sich und setzte zu einem Radschlag rückwärts an. Genau zwischen ihren Beinen schoss die Flamme hindurch und verfehlte sie dabei. In der Drehung bemerkte Alexandra einen von Nicks Raben, der auf einem Ast am anderen Ende der Lichtung hockte und sie beobachtete. Dieser Mistkerl.

      [Alexandras Leben: 40 / Alexandras Mana: 0]

      [Aidens Leben: 100 / Aidens Mana: 20 → 0]

      „Dir ist wohl endlich das Mana ausgegangen, was?“, feixte die Blonde und sah zu ihrer rechten, wo im Gebüsch etwa drei Meter hinter ihr etwas funkelte. Ein Mystery Spot!
      Doch sofort musste sie sich wieder auf Aiden konzentrieren, der eine Karte zückte. „Bedaure, aber jeder gute Abenteurer hat einen [Mana-Trank] dabei. Damit heile ich mein Mana voll auf!“
      In seiner Hand manifestierte sich eine gläserne Flasche, in der ein blaues Gebräu vor sich hinblubberte. Alexandra stöhnte genervt, zückte hinter ihrem Rücken eine Karte.
      „Wohl bekomms“, gluckste Aiden und zerbrach die Flasche in seiner Hand.
      „Jep!“
      Erschrocken keuchte der brünette CEO im feinen Anzug auf. Um ihn bildete sich violetter Nebel, der selbstständig in seine Nase hinein wollte.
      „Zu dumm, dass ich eine Reaktionskarte namens [Vergiftungsfluch] parat hatte. Der heilende Effekt eines Zaubers oder eines Gegenstands wird in 20 Punkte Giftschaden umgewandelt! Keine Feuerbälle mehr für dich!“

      [Aidens Leben: 100 → 80 / Aidens Mana: 0]

      „Nicht schlecht. Aber das ist nur der Tropfen auf dem heißen Stein.“
      In dem Moment krachte es laut. [Serpentarius-G] schlug lautstark auf den Boden auf, die Flügel unterhalb seines Kopfes zersetzten sich.

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 40 / Primärangriff: 20 + 5]

      „Wussten Sie es etwa nicht?“, fragte Aiden beim Anblick der entgeisterten Blonden. „Zusätzliche Körperteile können auch wieder zerstört werden.“
      Er betrachtete die am Boden liegende, goldene Riesenschlange. „Während Sie abgelenkt waren, hat meine Schimäre ihr Gift auf die Flügel konzentriert und sie zersetzt. Was bedeutet …“
      Mit großer Selbstgefälligkeit streckte er die Hand zu seinem Hirsch aus. „… das er wieder ein Ziel für die regulären Angriffe meines [Csodaszarvas] ist. Los!“
      Sofort nahm jener Anlauf und rammte [Serpentarius-G] so fest, dass die Schlage trotz ihrer Masse erzitterte und zurückgeworfen wurde. Schlapp blieb sie am Boden liegen.
      Alexandra wich zurück. „Ugh …“

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 40 → 20 / Primärangriff: 20 + 5]

      Sie fluchte innerlich. Die Feuerbälle waren also nur ein Ablenkungsmanöver gewesen, eigentlich hatte er es die ganze Zeit auf ihre Schimäre abgesehen. Gar nicht so dumm. Er kannte das Spiel besser als sie und machte sich dies zu Nutze.

      Nervös sah sich die Schatzjägerin um, aber die Lichtung bot keinen Anhaltspunkt, wie sie aus dieser Lage noch entkommen sollte. Hinter ihr standen ein paar Bäume und Büsche, aber selbst wenn sie fliehen konnte, wie sollte es ohne Schimäre weitergehen?
      „Und? Haben Sie sich entschieden?“, fragte Aiden da provokativ.

      Statt ihm zu antworten, sah Alexandra lieber auf die Minikarte. Sie betrachtete noch einmal das Symbol des Mystery Spots direkt hinter sich, zur Rechten. Sie drehte sich erneut um, entdeckte trotz der Markierung jedoch nichts. Bis es ihr beim Anblick des Baums dämmerte.
      Sie blickte den Stamm entlang nach oben zu einem Ast, der sich horizontal erstreckte. Etwa in der Mitte des Asts befand sich eine Einbuchtung, in der eine Karte steckte. Vielleicht konnte sie sie erreichen.

      „Ich kämpfe natürlich“, gab sie ihm zwinkernd zu verstehen, wirbelte herum und rannte auf den Baum zu. Der Ast lag mindestens zweieinhalb Meter hoch, aber wenn sie sich vom Stamm abfederte, konnte es klappen.
      „Nanu?“ Aiden derweil blickte auch auf seinen Apparat und entdeckte den Spot. „Verstehe. Daraus wird nichts.“
      Er streckte die Hand aus. „Los, ziele auf sie!“
      „Ich dachte, Schimären dürfen nur untereinander kämpfen?“, fragte die junge Frau entsetzt im Rennen.
      Aiden räusperte sich. „Tja, das gilt nur für die Schimären selbst. Körperteile, die selbstständig agieren können, sind davon ausgenommen.“
      Der Schlangenschweif seines [Csodaszarvas] hob sein Haupt, drehte es Richtung Alexandra und feuerte einen grünen Strahl ab. Jene drehte sich noch um, wurde aber bereits mitten im Rücken getroffen und nach vorne geschleudert.
      „Gift stackt“, lachte Aiden.

      [Alexandras Leben: 40 → 20 / Alexandras Mana: 0]

      Anstatt aber nachzugeben, spornten der Schmerz und die drohende Niederlage Alexandra noch mehr an, ihre letzte Hoffnung in diese Karte zu legen. Sie nutze das entstandene Momentum des Treffers, um im Rennen zu beschleunigen. Wie geplant, sprang sie mit dem rechten Fuß gegen den Baum, federte sich ab und vollführte in der Luft eine Drehung. Mit ausgestreckter Hand versuchte sie die Karte im Ast zu erreichen – und scheiterte um ein paar Zentimeter.
      Mit Schwung landete sie vor dem Baum und stolperte beinahe.
      „Beeindruckend“, lobte Aiden sie lächelnd, „ich muss wirklich sagen, dass sie den Gedanken von 'Chimera of God' verinnerlicht haben. Flexibel zu sein, das Beste aus den gegebenen Umständen zu machen. Aber es hat nicht gereicht.“
      Dabei ertönte ein leises Kreischen hinter der Blonden, doch die biss sich auf die Lippe. „Elender-!“
      „Letzte Chance, Alexandra“, bot Aiden wohlwollend an, „ich will Ihnen nicht wehtun, wenn ich nicht muss. Aber Nick … Ich habe meine Gründe, so vorzugehen, glauben Sie mir.“
      „Heh, ganz gewiss.“

      Trotz ihrer aufkeimenden Panik bemerkte Alexandra, dass etwas neben ihr auf dem Boden landete. Dabei entging ihr jedoch die Krähe, die über ihr einen Bogen machte, in einer Baumkrone verschwand und welche diejenige war, die das Objekt hatte fallen lassen.
      „Die Karte …?“, wunderte sich die Blonde leise und las sie auf. „Das ist-!“
      Sie blickte auf und sah Aiden, wie er den Kampf zwischen den beiden Kreaturen beobachtete. Er sagte abgelenkt: „Der nächste Treffer bedeutet den Tod Ihrer Schimäre. Vielleicht sind Sie dann gewillt zu kooperieren.“
      Er drehte sich zu ihr um. „Bitte … ich muss wissen, was Nick vor hat! Er ist ein Meister der Selbstzerstörung!“
      Alexandra brach daraufhin in schallendes Gelächter aus, denn die Ironie seiner Worte war kaum zu begreifen. Sie trat einen Schritt zurück und hielt sich den Bauch. „Ahahaha …“
      Anstatt sie zu hinterfragen, blieb Aiden still.
      „Ich denke, was Sie sagen trifft den Nagel auf den Kopf, Reid.“ Sie zeigte die Karte vor. „Vielleicht passe ich deshalb so gut zu ihm? Zauberspruch: [Selbstzerstörungsmagie]!“
      Plötzlich drang aus allen Poren ihrer geschwächten Kreatur gleißendes Licht.
      „Diese Karte benötigt kein Mana“, erklärte die Blonde und trat noch einen Schritt zurück, „nein, sie kostet das Leben meiner Schimäre.“
      Aiden gab einen erstaunten Laut von sich.
      „Ja, Sie hören richtig! [Serpentarius-G] opfert sich. Und er fügt in einem Radius von fünf Metern allen anderen Anwesenden 60 Punkte Schaden zu!“
      Kaum waren die Worte gesprochen, stieß die Schlange einen schrillen Schrei aus. Das Licht zog sich in ihrem Körper zusammen, welcher sich anschließend aufblähte und in einer gewaltigen Explosion verging. Jene drehte sich in einer flammenden Schockwelle aus und riss sowohl den Hirsch, als auch Aiden mit sich.

      Csodaszarvas [Drei Sterne / Leben: 50 → 0 / Primärangriff: 20 / Sekundärangriff: 10]
      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 20 → 0 / Primärangriff: 20 + 5]

      Während seine Schimäre zu Asche verbannt und vom Wind davon geweht wurde, landete Aiden hart auf der Seite und stöhnte auf. Aber er blieb nicht lange liegen und erhob sich.
      „Damit hätte ich nicht gerechnet“, sprach er mehr zu sich selbst als zu Alexandra.

      [Aidens Leben: 80 → 20 / Aidens Mana: 0]

      „Nun, jetzt sind wir beide wieder ohne Schimären.“ Er breitete die Arme weit aus. „Das heißt, wir könnten jetzt neue schlüpfen lassen. Oder wir kürzen die Sache ab.“
      Die Blonde grinste frech. „Ich bin für Letzteres.“
      „Also kann ich davon ausgehen, dass Sie endlich kooperieren?“
      „Sie bekommen, was Ihnen zusteht, Reid.“
      Jener wunderte sich sichtlich über die merkwürdige Wortwahl, als bereits deutlich wurde, was sie wirklich meinte. Von der Seite erwischte ihn ein regelrechter Peitschenhieb und der Mann wurde torkelnd zurückgeworfen.

      [Aidens Leben: 20 → 10 / Aidens Mana: 0]

      Mit großem Entsetzen stellte er fest, dass vor ihm eine goldene Schlange auf dem Boden lag.
      „[Serpentarius-G] hatte gerade noch seine dritte Evolutionsstufe erreicht. Schlangen häuten sich, wie Sie wissen“, erklärte Alexandra triumphierend. „Wenn er stirbt, kehrt er nur einmal in seiner ersten Form zurück, allerdings nur mit 10 Lebenspunkten und unfähig, über die zweite Stufe hinaus zu wachsen. Aber das reicht mir.“

      Serpentarius-G [Fünf Sterne / Leben: 10 / Primärangriff: 10]

      Aiden sah von der Schlange zu Alexandra, die sich ihre Seite hielt. Dann lachte er auf. „Sie sind wirklich immer für eine Überraschung gut.“
      Die Frau zuckte mit den Schultern. „Ich hatte Glück.“
      Oder vielleicht etwas Hilfe von draußen?
      „Bevor dieses Spiel endet habe ich einen guten Rat für sie, Reid.“ Sie verzog grimmig das Gesicht, schwang den Arm aus. „Halten Sie sich aus Nicks Angelegenheiten raus. Es ist zu Ihrem eigenen Wohl.“
      Der Mann schnaubte.
      „Los, [Serpentarius-G]. Beende diese Schlacht für mich!“
      Jener stieß sich vom Boden ab und drehte sich wie ein Rad in der Luft. Während er auf Aiden zu flog, holte er mit seinem Schweif aus. Mit geweiteten Augen sah er ihn auf sich zukommen. Doch im letzten Moment setzte er ein überlegenes Schmunzeln auf. Einen Moment später war [Serpentarius-G] verschwunden. Alles war verschwunden. Er und Alexandra standen inmitten einer riesigen, leeren Halle.

      Als Alexandra begriff, was geschehen war, knirschte sie mit den Zähnen. Ihr Widersacher lächelte überschwänglich und sagte: „Anscheinend ein Bug. Wie ärgerlich. Natürlich akzeptiere ich meine Niederlage.“
      „Elender Feigling“, zischte die Blonde bloß.
      „Ich denke, wir setzen unser Gespräch an anderer Stelle fort“, sagte er abgelenkt und richtete sich nach vorn aus. Alexandra folgte seiner Bewegung und drehte sich um.
      Wie ein Sommergewitter kam Henry mit Melinda und einem trägen Nick im Schlepptau angezischt und kaum war er bei den beiden angekommen, fragte er aufgeregt: „Wie war es?“
      Bevor er überhaupt irgendjemanden antworten ließ, tobte er schon: „Die Übertragung hat nicht funktioniert, nicht mal der Ton! Am liebsten wäre ich selbst runter-!“
      „Bist du verletzt?“, fragte Melinda dazwischen an Alexandra gewandt.
      „Oh“, machte die und betrachtete die Wunde an ihrem Oberarm, „ja, das war ein Unfall.“
      Sie blickte dabei scharf zu Aiden. „Ein Bug, wenn man so will, aber alles ist gut. Mr. Reid ist zum Glück nichts passiert.“
      Henrys Augen ploppten fast aus den Höhlen, als er sich zu Nick umdrehte. „Mein Spiel hat das angerichtet!? Ein Bug!?“
      „Den Schuh muss ich mir wohl anziehen“, meinte der Größte unter ihnen jedoch in einem gleichgültigen Tonfall. „Ich kümmere mich darum, dass das nicht nochmal passiert.“
      „Es ist doch nichts Schlimmes passiert“, versuchte Alexandra den Ford-Spross zu beruhigen. „Nur ein Kratzer. Aber die Bäume, sie haben sich total echt angefühlt.“
      „Wie gesagt, ich kümmere mich darum“, versprach Nick träge und wurde dabei von Henry böse angefunkelt.
      „Und -das- besprechen wir noch ausführlich.“ Henry drehte sich zu Melinda und Aiden um, atmete tief durch. Da schien schon ein flüchtiges Lächeln durch. „Ich traue mich kaum nochmal zu fragen, aber … wie war's?“
      „Unterhaltsam“, gluckste der CEO von Micron Electronics, „die Interaktionen sind trotz dieses frühen Stadiums schon sehr gelungen. Nicht wahr, Miss Russo?“
      „Das kann ich bestätigen“, lächelte diese und strich sich mit dem Zeigefinger unter ihren Kinn entlang. „Ich habe beim Spielen gemerkt, wie viele verschiedene Herangehensweisen es gibt. Am Balancing müsste noch etwas getüftelt werden, aber ja, man kann sagen …“
      Sie sah Aiden herausfordernd an. „… es hat Spaß gemacht.“
      „Sie hat mir keine Chance gelassen. Vielleicht sollten wir es später einmal probieren? Wenn die groben Fehler behoben sind versteht sich.“
      Gemeint war Nick, welcher aber abwinkte. „Nein danke.“
      Die beiden tauschten einen intensiven Blick aus, der besonders von der Seite des großen Hackers äußerst feindselig war. Was Melinda nicht entging, die leise seufzte.
      „Also, dann erzählt mal. Wie habt ihr gespielt?“, wollte Henry jedoch längst aufgeregt wissen.

      ~-~-~

      Kurz darauf konnten sich Nick und Alexandra von den Fords und Aiden lösen. Nachdem die Blonde die ganze Zeit über Haltung bewahrt hatte, hielt sie es letztlich nicht mehr aus und kippte zur Seite gegen die metallische Wand des Gangs. Dabei hielt sie sich die noch immer schmerzende Wunde am Bauch. „Ugh …“
      „Worüber wolltest du sprechen?“, fragte Nick völlig unberührt von ihrem Zustand.
      Sie sah ihn aus den Augenwinkeln verschwörerisch an. „Dein blutdurstiger Exfreund hätte mich da unten beinahe massakriert. Er kommt dir langsam auf die Schliche und damit meine ich nicht, dass du ein Arsch bist, sondern -warum- du ein Arsch bist. Ugh.“
      „Wie ich von Anfang an vermutet habe“, überlegte Nick laut und stellte eine Frage, deren Antwort er natürlich schon kannte, „hast du ihm etwas gesagt?“
      „Natürlich nicht! Und was heißt hier 'Wie ich vermutet habe'?“ Sie richtete sich langsam und zornig funkelnd auf.
      Nick sah sie an und doch war es, als wäre sein Blick weit entfernt. In der Zukunft. „Dass er mich mit 'Monochrome' überwacht. Dieses Programm hat sich inzwischen fest in das System von Duel Monsters eingenistet. Egal wie oft ich die Duel Disk oder meine Duellanten-ID wechseln würde, er würde mich finden. Noch.“
      „Er hat Fragen gestellt. Wieso du dich gegen so viele Leute duelliert hast. Und noch viel wichtiger: Was da damals passiert ist in jener Nacht.“
      „Die Leiche, die verschwunden ist?“ Nick lachte auf. „Es gab vermutlich nie eine. Das war nur ein Trick des Sammlers, um mich zu warnen.“
      Alexandra fuhr sich durch das blonde, leicht zerzauste Haar und verschränkte die Arme voreinander. „Sei vorsichtig, Nick. Dieser Typ ist brandgefährlich.“
      „Ich habe keine Angst mehr vor ihm. Wenn er sich einmischen sollte, lasse ich ihn verschwinden.“
      Die Kälte, mit der er das sagte, ließ die hübsche Schatzjägerin erschaudern. Und damit ging er einfach weiter, ließ Alexandra hinter sich zurück.
      „Du wirst wirklich immer mehr zum Dämon“, flüsterte sie fassungslos, wie sie ihn von dannen ziehen sah. Aber sie musste ihm folgen. Und das tat sie, als sie sich langsam in Bewegung setzte.

      Turn 108 – Punishment
      Am nächsten Tag setzen Anya, Matt, Zanthe und Abby ihr Vorhaben in die Tat um und beschwören Stoltz auf dem Livingtoner Schrottplatz. Doch anstatt ihnen die gewünschten Antworten zu geben, spielt er mit Matts Gefühlen. Während die Lage zu eskalieren droht, bemerkt Zanthe, dass sich ein unerwünschter Gast nähert und schickt Abby als Ablenkung vor …


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      Dann bleibt mal alle gesund!