Yu-Gi-Oh! PHOENIX (Serie 1 - Komplett)

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      Leseleff

      @hie und da:
      Laut Duden geht wohl beides. Obwohl das "hier" mit r geläufiger ist. Das "hie" ohne r hingegen eher eine Entwicklung der neuzeit.

      @Knallen und Rauch:
      Hier sagt der Duden zumindest nichts. Liegt aber auch daran, das es abgewandelt wurde von "Schall und Rauch". Zieht man nun einen Bezug, so wäre Knall und Rauch richtig gewesen. Aber wie du(und zuvor auch ich) schon sagte, ist es eine Redewendung, welche schon fast nicht mehr verwendet wird.

      @Windbö
      Selbes wie "hie und da". Bloß sind beide von der Abstammung wohl fast gleichalt. Aber auch hier hat sich halt Böe durchgesetzt.

      @briet:
      Wenn man meine zugehörige Anmerkung gelesen hätte, wäre aufgefallen, das ich dieses nicht als Fehler herausgeschrieben habe, sondern als positive Bemerkung, da mir sowas sehr gut gefällt.

      @das:
      In deinem neuen Beispiel würde es weniger schlimm sein. Doch wenn man das Beispiel aus dem Text nimmt, ist es schon gravierender. Zudem fördert es nicht gerade den Lesefluss. Zudem muss ich sagen, dass das so bei uns(meine egion) nicht gesprochen. Und das obwohl ich schon die verrücktesten Sachen gehört habe.

      @der:
      wie wäre es mit: "Eine kurze Pause entstand. Während dieser starrte Billy seine Füße an". Ist weniger Plump, und man umgeht das unflexible Lesen

      Aber im Grunde kann man schon sagen, das ich diesmal wirklich Erbsen gezählt habe, und wirklich auf sehr, sehr hohem Niveau gemeckert habe. Schließlich sind die im Vergleich zum Anfang recht maginal und klein. Ich wünschte, ich hätte auch die anderen Fehler wieder gefunden. Diese waren Aussagekräftiger :D

      @Technik:
      Oh, dann klappt die Anleitung wohl nicht. Die ist nämlich nur für 2007 und höher. Und aus meinen Kurzrecherchen ergab sich, das 2003 dies nicht unterstützt(aber die 2000-Version hingegen schon :cain: ). Naja, hier kann ich dann nur folgendes empfehlen:
      Lade dir dieses Programm runter. Und wenn du nun drucken willst, hast du einen neuen Drucker zur Auswahl, der es dir als PDF "druckt".
      Und wie du schon sagst, wenn du das zur 2. Staffel einführen willst, kann ich dir nur empfehlen, dann mindestens die 1. Staffel vollständig als PDF zu erstellen, und dann in den Startpost einzufügen(bzw. als Link von Thread 2 zu Thread 1, in dem dann natürlich die 1. Staffel vollständig drinne ist)



      Tauschbörse YGO
      Tauschbörse VG

      Spieler aus Hameln/Minden und Umgebung?:
      ygohameln@gmail.com

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Deckcreator16 ()

      Noch einmal vielen Dank an alle Leser und Entschuldigung für die Verzögerte Veröffentlichung :(

      Auf jeden Fall viel Spaß mit Kapitel 10, dem ersten Teil meines ersten Zweiteilers! :)

      Kapitel 1.10 - Das Meer der Lügen; Teil 1
      Es war schwer zu sagen, wie nützlich Evan Drakes „Ratschläge“ wirklich waren. Tatsächlich handelte es sich dabei weniger um strategische Tipps, sondern viel mehr um psychologische: Kenne deinen Gegner, Zieh’ das Publikum auf deine Seite, tu und sag nichts, was gegen dich verwendet werden könnte…
      Das meiste davon hätte Alex sich auch so denken können, aber dennoch bereute sie es nicht, Evans Hilfe angenommen zu haben. Zum einem war es einfach schön, nicht mehr alle ihre Kämpfe allein austragen zu müssen. Sie hatte Freunde innerhalb des Turniers, die sie unterstützten und die wussten, wie es sich anfühlte, vor so vielen Zuschauern ein Duell gewinnen zu müssen. Zum anderen freute sie sich insgeheim darüber, dass sie nun viel mehr Zeit mit Richard verbrachte, weil Evan auch diesen unter seinen Fittichen hatte.
      Es war Samstagvormittag und Alex und Richard saßen Evan gegenüber in einem Café in der Innenstadt, durch dessen riesige Fenster man Blick auf eine belebte Straße hatte. Richard und Evan hatten Becher mit Kaffee vor sich stehen – Evan trank seinen schwarz, Richard mit Milch – und Alex stillte ihr chronisch unbefriedigtes Bedürfnis nach Süßkram mit einem großen Erdbeermilchshake.
      Sowohl sie, als auch Richard hatten in den letzten fünf Tagen auch ihre anderen beiden Vorrundenduelle locker gewonnen und hatten sich somit als jeweils Erstplatzierte ihrer Gruppe für die Hauptrunde qualifiziert, auf die Evan sie heute mental vorbereiten wollte.

      „Also, fühlt ihr euch bereit?“, wollte er wissen, was Alex und Richard zögerlich bejahten.

      „Dann wollen wir mal sehen, ob sich das ändern lässt“, meinte Evan und holte einen flachen Computer mit Touchscreen aus einer Tasche.
      „Ihr habt in der Vorrunde gut gekämpft, ich bin wirklich stolz auf euch. Aber die vier Leute, auf die ihr in der Hauptrunde treffen werdet, einschließlich mir selbst, sind nicht ohne Grund Profis. Das sind alles hervorragende Duellanten und wahrscheinlich stärker als jeder, mit dem ihr es bisher aufnehmen musstet. Dennoch glaube ich fest daran, dass ihr das schaffen könnt. Aber denkt nicht, dass es leicht wird. Deshalb ist es, je weiter ihr kommt, immer wichtiger, dass ihr an das denkt, was ich euch gesagt habe. Und damit fangen wir am besten gleich an. Wie lautet noch mal meine wichtigste Regel?“, fuhr er fort und blickte fragend in die Gesichter seiner Schützlinge.

      „Urteile niemals über das Zusammenspiel von Erdnussbutter und Marmelade, bevor du es nicht selbst probiert hast?“, antwortete Alex mit Unschuldsmiene. Wenn Evan mal wieder auf Lehrer machte, zogen sie und Richard ihn gerne mit sowas auf. Evan hob genervt die Brauen.

      „Eine Frau ist wie ein Buch, du musst nur rausfinden, in welcher Sprache es geschrieben ist?“, stichelte Richard weiter. Alex sah ihn skeptisch an. Diese Regel hatte sie Evan noch nie aussprechen hören.

      „Stellt euch nicht dümmer, als ihr seid“, meinte der. „Kenne deinen Gegner! Deshalb sind wir hier. Ich will euch mal ein bisschen was über meine Kollegen erzählen.“

      Er schaltete den flachen Computer ein und öffnete das Fenster einer Suchmaschine.

      „Also, Ladies first, würde ich meinen“, sagte er und tippte den Namen Jessica Greengrass ein, um nach ihr im Internet zu suchen. Er öffnete eine Seite voller Bilder, auf denen die Profiduellantin in all ihrer Schönheit zu sehen war, mal im Duell flankiert von ihren riesigen Meeresungeheuern und mal posierend als Werbefigur für Kleidung oder Parfüm.
      „Jessica Greengrass. Lasst euch von ihrem Aussehen nicht täuschen, sie ist genau so wenig eine Prinzessin, wie ich eine bin.“

      „Also ist sie doch eine…“, stichelte Alex.

      „Halt die Klappe und trink’ deinen Milchshake“, meinte Evan genervt und mit hochgezogenen Brauen tat Alex, wie ihr geheißen.
      „Jessica ist sich ihrer Macht auf die Männer durchaus bewusst und nutzt sie gerne aus. Sie betört ihre Gegner, wickelt sie um den Finger, und hofft darauf, dass sie dann Fehler machen oder sie verschonen.“

      „Kannst du uns dafür ein Beispiel nennen?“, fragte Alex mit einem verschmitzten Grinsen. Sie spielte damit auf die vorletzte Profisaison an, während der Evan im Halbfinale gegen Jessica Greengrass verloren hatte, die jedoch anschließend im Finale von Evans ewigen Rivalen Christopher Allington besiegt wurde.

      „Ich bin nicht stolz darauf“, antwortete Evan. „Aber das zeigt nur, dass auch ich gegen ihre Tricks machtlos war. Wisst ihr, was eine Sirene ist?“
      Alex musste an Feuerwehrautos und Streifenwagen denken, glaubte aber kaum, dass es das war, worauf Evan hinauswollte. Deshalb schüttelte sie unwissend den Kopf.

      „Sirenen sind so etwas wie Meerjungfrauen, die mit ihrem betörenden Gesang und ihrer atemberaubenden Schönheit Seeleute anlocken, um diese anschließend zu ertränken. So ungefähr müsst ihr euch ein Duell mit Jessica Greengrass vorstellen.“

      „Aber wie macht sie das?“, überlegte Richard laut und rührte in seinem Kaffee. „Wie bringt sie ihre Gegner so aus dem Konzept?“

      „Na ja… Sie macht dir Komplimente, während sie selbst sich unschuldig und hilfsbedürftig gibt. Ihr Körper und dein Kopf erledigen dann das Übrige. Verstehst du? Sie lässt dich glauben, dass du Chancen bei ihr hättest und dass du sie dir vermiesen könntest, wenn du sie im Duell besiegst. Sie sorgt dafür, dass du das Duell aus den Augen verlierst“, erklärte Evan.

      „Und du fällst darauf hinein?“, fragte Richard skeptisch.

      „Ich war damals neunzehn“, rechtfertigte sich Evan. „Da kann man schon mal auf sowas reinfallen. Aber immerhin, mein Duell mit ihr war nicht ganz umsonst. Ich war danach immerhin ein halbes Jahr mit ihr zusammen und ich kann nicht behaupten, dass ich in dieser Zeit nicht meinen Spaß gehabt hätte. Nur was ihren Gesang angeht, braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Ich muss es wissen, schließlich hat sie fast ein halbes Jahr lang meine Dusche benutzt.“

      „Wie kam es, dass ihr euch getrennt habt?“, wollte Richard stirnrunzelnd wissen.

      „Sie hat angefangen zu klammern. Wurde eifersüchtig, sobald ich eine andere Frau auch nur angesehen habe und wollte mich dann ständig auf Zwang von ihren Qualitäten überzeugen. Ich denke, du kannst verstehen, dass ich irgendwann keine Lust mehr darauf hatte“, erklärte Evan. Richard nickte.
      „Ich glaube, ich war der erste Mann, den sie wirklich geliebt hat. Sie hat diese Trennung wohl nie ganz überwunden. Ist seitdem nicht mehr die Alte, versteht ihr? Es war wahrscheinlich das erste Mal, dass sich jemand von ihr getrennt hat, und das nagt an ihrem Selbstbewusstsein…“

      Es entstand eine kurze Pause, während der Alex auf die Fotos der umwerfenden Blondine starrte und Evan einen Schluck Kaffee trank.

      „Als Nächstes“, fuhr Evan fort und tippte einen weiteren Namen in seinen Computer ein.
      „Seiyou Takamoto. Das kleine Wunderkind. Hat schon Roboter gebaut, da habt ihr noch mit Bauklötzen gespielt. Als er in eurem Alter war, ging er schon auf die Universität und hat innerhalb von zwei Jahren seinen Abschluss gemacht. Für ihn ist Duel Monsters ein Spiel der Zahlen. Gewinnen tut meistens der, der es über einen langen Zeitraum schafft, den größten Vorteil zu erwirtschaften. Deshalb ist sein Deck voll mit Karten, die ebendiesen Vorteil generieren, sodass ihm fast nie die Karten ausgehen. Das macht ihn als Gegner so unglaublich gefährlich. Sollte einer von euch gegen ihn spielen müssen, dann schont am Besten eure Ressourcen. Es nützt euch nichts, all eure Karten für eine Großoffensive zu verschwenden, aus der er dann seinen Vorteil zieht.“

      „Ist das alles, was du zu ihm zu sagen hast?“, fragte Alex und sah sich die Bilder des Profis an, von dem sie am wenigsten wusste oder glaubte, zu wissen.

      „Er lebt ziemlich zurückgezogen, gibt nicht viel von seinem Privatleben preis. Deshalb gibt es nicht so viel zu ihm zu sagen.“

      „Wie steht er zu Mr. Steele?“

      „Ich würde sagen neutral. Er ist ihm treu, aber er ist kein Schoßhündchen. Sonst noch Fragen?“
      Evan blickte in die Runde und als weder Alex noch Richard etwas sagten, fuhr er fort: „Gut, dann kommt als Nächstes…“

      „Allington…“, flüsterte Alex.

      „So ist es“, bestätigte Evan und fütterte die Suchmaschine mit dem Namen, woraufhin auf dem Bildschirm Bilder von Christopher Allington mit seinen furchtbaren ungleichen Augen erschienen. Auf kaum einem der Bilder schien er zu lächeln.
      „Mein guter alter Freund Chris.“

      „Ihr wart mal Freunde?“, fragte Richard überrascht und nahm einen Schluck Milchkaffee.

      „Aber ja. Beste Freunde sogar“, meinte Evan. „An der Duellakademie. Uns wurde gesagt, wir seien die größten Talente seit fünfzehn Jahren dort gewesen und noch nie hat ein Student in den theoretischen Prüfungen so perfekt abgeschnitten wie Christopher. Es hat ihn fertig gemacht, dass ich nie gelernt und trotzdem immer fast genauso gut abgeschnitten habe wie er, in der Praxis sogar besser. Na ja, jedenfalls sind wir einmal nachts in einer verlassen Unterkunft rumgeschlichen, die anschließend eingestürzt ist. Seitdem hat er sein neues Auge. Und ich habe die hier.“
      Evan deutete auf die lange Narbe, die über sich über seine eigene linke Gesichtshälfte zog.

      „Und was ist dann passiert?“, fragte Alex neugierig.

      „Na ja, wir haben unseren Abschluss gemacht und es war an der Zeit für uns, Karriere zu machen. Aber während ich mich mit einem bescheidenen Leben als Profiduellant und Playboy zufrieden gegeben habe, hat er nach einer gesicherten Zukunft in der Wirtschaft gesucht und in der Firma von Richards Vater angefangen, wo er einen kometenhaften Aufstieg hingelegt hat. Denn das einzige, was Christophers Duellfähigkeiten übertrifft, ist sein Ehrgeiz. Seine Karriere hat ihn verändert. Mittlerweile glaube ich, dass er sogar seine eigenen Geschwister verraten würde, sollten diese seiner Karriere im Weg stehen.“

      „Er ist genau wie mein Vater“, meinte Richard bitter.

      „Ich wünschte, ich könnte etwas anderes behaupten“, betätigte Evan. „Aber im Gegensatz zu deinem Vater ist er jung, von der Sache mit seinem Auge einmal abgesehen attraktiv und darüber hinaus ein erfolgreicher Profiduellant. Deshalb ist er zu Mr. Steeles engstem persönlichen Berater geworden. Und wie ihr wisst, setzt Mr. Steele Christopher ja auch ständig als öffentliches Aushängeschild der Firma ein. Deshalb rate ich euch dringend, euch vor Christopher in Acht zu nehmen, denn er ist fast genau so mächtig und skrupellos wie Mr. Steele selbst.“

      Eine Pause entstand, während der Alex und Richard beklommen die Bilder vom wohl gefährlichsten Gegner der Hauptrunde anstarrten, dann ergriff Evan wieder das Wort: „Gut, dann fehlt uns ja nur noch ein Hauptrundengegner.“

      „Du“, antwortete Alex.

      „Genau“, sagte Evan und gab seinen eigenen Namen in die Suchmaschine ein. Milde interessiert musterte er eine Schlagzeile von der Online-Ausgabe einer großen Boulevardzeitung.
      „Sieh an, anscheinend habe ich eine Affäre mit April Summers.“

      „Ist da denn was dran?“, fragte Alex skeptisch. April Summers war eine populäre Sängerin.

      „Na ja, wenn man ein paar Dates als Affäre bezeichnen will…“, meinte Evan schulterzuckend und fuhr fort: „Ich werde euch jetzt nichts weiter über mich und meine Eigenarten erzählen. Aber ich möchte, dass ihr mich genau wie die anderen als Gegner seht. Wenn wir alle so weit wie möglich kommen wollen, wird einer von euch früher oder später auf mich treffen. Ich gönne euch den Sieg zwar mehr als mir selbst, aber ihr werdet einsehen müssen, dass ich niemanden gewinnen lassen werde. Also denkt an das, was ich euch gesagt habe. Ihr kennt mich, also versucht, meine Strategie und meine Persönlichkeit zu durchschauen und überlegt euch etwas, wie ihr mich besiegen könnt, klar?“

      Alex und Richard nickten, dann betrachtete Alex die Uhrzeit am oberen Rand des flachen Computers und stellte entsetzt fest, dass es schon zehn Minuten vor eins war.

      „Oh verdammt“, fluchte sie, leerte schlürfend ihren Milchshake und sprang auf.

      „Was ist?“, fragte Richard überrascht.

      „Ich habe meiner Mutter und Mia versprochen, mich um eins mit ihnen zu treffen um ein Kleid für diesen blöden Ball zu kaufen…“, antwortete Alex.
      ‚Dieser blöde Ball’ war dabei der große Eröffnungsball zur Hauptrunde, den Mr. Steele in dem vornehmen Hotel veranstalten würde, in dem die Finalisten während der Hauptrunde wohnen würden und an dem Alex als eine dieser vier Finalisten teilnehmen musste. Voller Unmut im Gedanken an das gleich beginnende und wahrscheinlich wieder stundenlange Klamottenshoppen mit Mia verabschiedete sie sich von Richard und Evan und verließ das Café.

      ~


      Wie üblich, wenn etwas Unangenehmes vor einem lag, pflegte die Zeit in den kommenden dreißig Stunden besonders schnell zu vergehen und so fand Alex sich am Sonntagabend in der Lobby eines gewaltigen Luxushotels wieder, das direkt gegenüber vom Steele-Stadion stand. Jeder, der Eingeladen wurde, durfte ein paar Gäste mitbringen, deswegen war sie in Begleitung von ihrer Mutter und Mia erschienen.
      Alex trug ein langes, blassgrünes Kleid, das, so hatten ihre Mutter, Mia und die Verkäuferin geschworen, „ihre Augen betone“. Außerdem hatte ihre Mutter in den letzten vierundzwanzig Stunden erfolglos versucht, ihre Tochter an hochhackige Schuhe zu gewöhnen, bis sie der schließlich ein paar weißer Sandalen borgen musste, die glücklicherweise die meiste Zeit vom Saum des Kleids verdeckt wurden.
      Missmutig sah Alex sich um. Noch an diesem Nachmittag hatte sie erfahren, dass sie im Viertelfinale gegen Seiyou Takamoto antreten würde, doch einen Profi im Duell zu besiegen kam ihr im Vergleich zu diesem Ball wie Kinderkram vor. An der Decke der Lobby hing ein gigantischer Kristallkronleuchter herab, der, so überlegte Alex, alleine wahrscheinlich schon mehr wert war als eine durchschnittliche Immobilie in Newhaven. Kellner in Smokings huschten umher und überall waren kleine Grüppchen von Frauen in langen Kleidern und Männern in Anzügen verteilt, die Gläser mit Champagner in den Händen hielten. Noch nie hatte Alex auf etwas weniger Lust gehabt als auf diesen Abend, einschließlich des alljährlichen Eine-Meile-Laufs im Sportunterricht.

      „Wow…“, hauchte Mia neben ihr, die das kurze, lachsrosa Kleid trug, das sie manchmal auf Geburtstagspartys anhatte. „Ich fühle mich irgendwie underdressed…“

      „Na wenigstens kannst du deine Beine bewegen, ohne dass ständig dieses blöde Kleid um sie herumflattert…“, entgegnete Alex. „Ich habe keine Ahnung, wie ich in dem Ding sitzen soll.“

      „Stellt euch nicht so an, Mädchen. Ihr solltet euch geehrt fühlen, überhaupt hier sein zu dürfen“, meinte Alex’ Mutter, doch auch sie sah sich in ihrem von Mrs. Anderson geborgten, lavendelfarbenen Kleid nervös um und wirkte angespannt.

      „Na schönen Dank auch“, erwiderte Alex sarkastisch und reckte auf der Suche nach einem bekannten Gesicht den Hals. Sie entdeckte Richard, der eine Art weißes Hemd mit Stehkragen unter einer brandneuen schwarzen Jacke trug und in der Mitte der Lobby gelangweilt neben seinem Vater stand. Ihre Blicke trafen sich und er schritt auf sie zu.

      „Hallo Alex“, sagte er. „Du siehst toll aus.“

      „Ich komme mir dämlich vor“, meinte Alex, nahm sich ein Glas Champagner, das ein Kellner ihr anbot und verzog angewidert das Gesicht, als sie daran nippte.

      „Ich war schon oft auf solchen Veranstaltungen und ich versichere dir: Das gehört dazu“, erwiderte Richard augenzwinkernd.

      „Ah, Miss Whitman“, ertönte eine herrische Stimme. Richard Steele Senior war seinem Sohn gefolgt und ging auf Alex zu.
      „Mein Sohn hat offenbar genau gewusst, was er tat, als er Sie ins Turnier holte, sonst wären Sie nicht hier. Es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen“, sagte er und reichte Alex die Hand, aber seine Stimme klang kühl und während des Händedrucks sah er ihr berechnend in die Augen.

      „Ganz meinerseits“, antwortete Alex nicht weniger kühl. Mr. Steele machte noch eine kurze, höfliche Verbeugung in Richtung von Alex’ Mutter und wurde dann von einem befreundeten Geschäftsmann in Anspruch genommen, sodass Richard sich wieder Mia und Alex zuwenden konnte.

      „Kommt mit, ich stell euch mal ein paar Freunde von mir vor“, sagte er und führte die beiden Mädchen hinüber an den Rand der Lobby zu den beiden einzigen Gleichaltrigen, die Alex weit und breit erblicken konnte.
      „Das sind Lisa und Daniel“, stellte Richard vor.

      „Hi“, sagte Lisa, ein sehr hübsches blondes Mädchen, deren leuchtend hellblaue Augen Alex irgendwoher bekannt vorkamen, freundlich und reichte Alex die Hand.
      „Du bist Alex, stimmt’s? Glückwunsch zum Einzug in die Hauptrunde. Und du bist?“, fügte sie an Mia gewandt hinzu.

      „Mia. Ich bin eine Freundin von Alex.“

      „Schön, dich kennenzulernen“, meinte Lisa und gab auch ihr die Hand.
      „Willst du gar nichts sagen?“, fügte sie dann streng hinzu und meinte damit den schwarzhaarigen Jungen, der angesichts seiner Augen, die mit denen Lisas identisch waren, vermutlich ihr Bruder war. Er hatte sich in Sachen Dresscode nur zu einem schlichten schwarzen Hemd überreden lassen und lehnte gelangweilt an einer Wand. Zum Gruß nickte er gedankenverloren.

      „Ihr wart auch im Turnier, oder?“, fragte Alex. Sie hatte die Duelle der beiden im Stadion verfolgt hatte und meinte, sich zu erinnern, dass Lisa die Drittplatzierte der Gruppe B gewesen war, während Daniel Zweitplatzierter in Gruppe C geworden war.

      „Oh ja“, bestätigte Lisa achselzuckend. „Aber wir sind beide in der Vorrunde ausgeschieden. Na ja, scheint als wären wir doch nicht zum Profi geschaffen, aber dafür haben wir ja unseren Bruder.“

      Alex sah fragend drein.

      „Ihr älterer Bruder ist Christopher Allington“, erklärte Richard und dann fiel Alex auch wieder ein, woher ihr die Augen der Geschwister so bekannt vorkamen. Das gleiche leuchtende Hellblau hatte das natürliche Auge von Christopher Allington.

      „Der alte Streber“, meldete sich Daniel unvermittelt zu Wort. „Als wollte ich so werden wie der und ständig auf diesen vornehmen Veranstaltungen rumhängen. Schlimm genug, dass Dad uns immer mitschleift…“

      „Gut gelaunt wie immer“, meinte Lisa kopfschüttelnd.
      „Unser Dad sitzt im Vorstand von Steele Industries, müsst ihr wissen“, erklärte sie dann für Alex und Mia.

      „Also kennt ihr Richard daher?“, fragte Alex.

      „Genau. Unsere Väter sind gut miteinander befreundet. Ich kenne Richie schon seit wir in der Grundschule waren. Und seit neuestem versuchen unsere Väter auch ständig, uns zu verkuppeln…“, meinte Lisa schmunzelnd und als Alex’ Blick rasch zwischen Lisa und Richard hin und her huschte, fügte sie eilig hinzu: „Aber keine Sorge, da läuft nichts zwischen uns.“

      Alex wollte gerade hektisch fragen, warum Lisa dachte, das würde sie interessieren, als Mr. Steele in der Mitte der Lobby um Aufmerksamkeit bat, damit die offenbar inzwischen vollständige Gesellschaft in den Ballsaal wechseln konnte.

      Alex trödelte absichtlich herum, sodass sie, Mia, Richard, Lisa und Daniel, die, wie Richard ihnen mitteilte, alle zusammen an einem Tisch zusammen mit seinem Vater sitzen würden, mit die Letzten waren, die den großen Ballsaal betraten.
      In diesem waren am Rand der Tanzfläche große, runde Tische für jeweils zehn Personen gedeckt, auf denen es aber genug Besteck für dreißig gab. Richard führte sie zu ihrem Tisch, wo Alex sich neben ihre Mutter setzte, die erleichtert darüber wirkte, endlich nicht mehr allein unter Fremden zu sein. Am anderen Ende des Tisches hatten bereits Mr. Steele, Christopher Allington und dessen Eltern, ein korpulenter, schwarzhaariger Mann mit Schnurrbart und eine arrogant wirkende, blonde Frau, Platz genommen. Richard, Lisa und Daniel, Letzterer äußerst missmutig dreinblickend, setzten sich neben ihre jeweiligen Elternteile.
      Christopher, sein Vater und Mr. Steele waren in ein Geschäftsgespräch darüber vertieft, wie gut sich die neuesten Duel Monsters-Produkte verkauften. Alex wollte gerade den Mund aufmachen, um anzumerken, dass das nur daran lag, dass die neuesten Karten stets so stark waren, dass man gar keine andere Wahl hatte, als sie zu kaufen, als Richard warnend den Kopf schüttelte. Doch es war zu spät: Schon hatte Mr. Steele bemerkt, dass Alex den Mund geöffnet hatte.
      „Sie wollten etwas sagen, Miss Whitman?“, fragte er höflich.

      „Äh ja…“, antwortete Alex hektisch nach einer Ausrede suchend.
      „Wann gibt es was zu essen?“, fragte sie dann etwas plump.

      „Oh, aber natürlich…“, sagte Mr. Steele, stand auf und klopfte mit einem seiner diversen Löffel gegen sein Champagnerglas, um eine kurze Rede zu halten. Als diese beendet war, sprang Alex, um der Peinlichkeit zu entgehen, als eine der ersten auf, um zum Buffet zu gehen.
      Ein Blick auf die Speisen genügte, um Alex zu verraten, dass das Essen nicht nach ihrem Geschmack war. Alles war zu winzigen, akkuraten Häppchen angerichtet und bei jeder Speise war mindestens eine Zutat verarbeitet, die Alex nicht zuordnen konnte.
      Sie beäugte gerade misstrauisch eine Silberplatte mit dünnen Scheiben blutigen Fleischs, als ihre Mutter sich zu ihr gesellte.

      „Die haben das Fleisch nicht zu Ende gebraten“, klagte Alex.

      „Das gehört so. Das nennt sich Roastbeef und schmeckt sehr gut“, entgegnete ihre Mutter, der Alex’ proletarische Einstellung zum Thema Essen stets ein Dorn im Auge war, und tat sich ein paar Scheiben auf.

      „Ich esse nichts, was vor ´ner Stunde noch am Leben war“, meinte Alex entschieden.

      „Stell’ dich nicht so an! Probier’ doch einfach mal…“

      „Nein danke“, sagte Alex stur und ging weiter. Endlich entdeckte sie einen Tisch voller Nachtisch und beschloss, sich damit durchzufüttern.

      Was folgte, als Alex im Anschluss an den Tisch zurückkehrte, war nichts Geringeres als das unangenehmste Abendessen ihres Lebens. Es hätte nicht deutlicher sein können, dass sie hier absolut nicht hingehörte. Das fing damit an, dass Richard sie darauf hinweisen musste, dass sie ihr Pistazieneis mit dem falschen Löffel aß und hörte damit auf, dass sie ihr kaum angerührtes Champagnerglas zu ihrer Mutter hinüberschob, um sich stattdessen eine Orangenlimonade zu bestellen.
      Nach einer Weile fing Mr. Allington an, mit seiner Tochter zu prahlen:
      „Also Lisa wurde im Juli mit der Bestnote in die zehnte Klasse versetzt.“

      „Da ist doch nichts dabei, Dad“, meinte Lisa bescheiden. „Ich lerne einfach viel, das ist alles.“

      „Aber deinen Meisterschaftssieg im Tennis-Einzel der unter 16-Jährigen kannst du nicht so einfach abtun“, entgegnete Mr. Allington wohlwollend. Lisa blickte verlegen in die Runde, während Daniel neben ihr immer tiefer in seinen Stuhl versank.

      „Wie war dein Zeugnis so?“, fragte Mia freundlich an Daniel gewandt, erntete dafür aber nur einen vernichtenden Blick.

      Mehr und mehr fing dieser Junge an, Alex leid zu tun. Sie stellte sich vor, wie es sein musste, als Durchschnittstyp mit einem älterem Bruder aufzuwachsen, der Profiduellant war und seiner Zeit Jahrgangsbester an der Duellakademie sowie mit einer bildhübschen jüngeren Schwester, die darüber hinaus auch Vorzeigeschülerin und Tennisass war. Deshalb beschloss Alex, etwas Freundliches und Aufbauendes zu sagen: „Mach’ dir nichts draus. Ich war auch nie gut in der Schule. Aber hey, ich bin trotzdem hier.“

      Doch auch das schien Daniel nicht aufzuheitern, er versank wieder in seinem Stuhl. Lisa sah betreten drein.
      „Aber dafür ist Daniel viel besser im Duellieren als ich“, meinte sie. Offenbar suchte sie verzweifelt nach etwas, um das Selbstvertrauen ihres Bruders zu stärken.

      „Seit wann?“, warf Christopher ein. Daniel bedachte ihn mit einem hasserfüllten Blick und, so hätte Alex schwören können, ballte unter dem Tisch die Fäuste.

      „Woher willst du das denn wissen?“, fragte Lisa empört und meinte damit Christopher. „Du wohnst doch gar nicht mehr zu Hause!“

      Eine Weile lang herrschte betretenes Schweigen, dann nahmen Christopher, dessen Vater und Mr. Steele wieder ihr Geschäftsgespräch auf und Alex machte einen weiteren Ausflug zum Buffet, wo sich mit einem herrlichen karamellisierten Vanillepudding eindeckte, den man, so erklärte ihr Richard, „Krem Brüleh“ nannte. Dann endlich, fast eineinhalb Stunden nachdem Mr. Steele das Buffet eröffnet hatte, löste dieser die Runde auf, die klassische Musik wich moderneren, tanzbaren Melodien und die Gesellschaft verteilte sich entweder auf der Tanzfläche oder bildete wieder kleine stehende Grüppchen.
      Mia und Lisa, die sich in den nicht einmal zwei Stunden, die sie sich kannten, schon angefreundet hatten und keine gleichaltrigen männlichen Tanzpartner finden konnten, tanzten ausgelassen nebeneinander in der Mitte des Saals. Richard und Alex standen gelangweilt in der Gegend herum. Offenbar wollte Richard etwas sagen, traute sich aber nicht recht, es zu tun und bekam auch keine Gelegenheit dazu, denn nach kurzer Zeit gesellte sich Evan zu ihnen.

      „Na, ihr beiden? Genießt ihr den Abend?“, sagte er mit einem ironischen Unterton, als wüsste er genau, dass dem nicht so war. „Und Alex, wie gefällt es dir so in der Welt der Reichen und Schönen?“

      „Ich fühle mich fehl am Platz und mir ist schlecht“, antwortete Alex trocken.

      „Bei den Mengen an Crème Brûlée, die du in dich reingeschaufelt hast, kein Wunder“, meinte Richard belustigt.

      „Ich bereue nichts. Hast du das Zeug mal probiert? Das war der Hammer…“, schwärmte Alex und rieb sich gerade den Bauch, als sie eine junge Frau mit wallendem Blondhaar auf sich zukommen sah.

      „Na, wenn das mal nicht deine nächste Gegnerin ist, Richard“, sagte Evan und Jessica Greengrass gesellte sich zu ihnen, gehüllt in ein eng anliegendes, perlmuttfarbenes Kleid, das ihre atemberaubenden Kurven betonte.

      „Hi Evan“, sagte sie und strich sich eine Strähne ihres endlos langen Haares aus dem Gesicht. „Schön dich zu sehen…“

      „Ist auch schön dich zu sehen“, erwiderte Evan freundlich. „Darf ich vorstellen: Das sind Alex und Richard.“

      „Aber natürlich, deine kleinen Schützlinge. Glückwunsch zum Finaleinzug, habt euch gut geschlagen. Und du bist dann morgen mein Gegner?“, fragte Jessica an Richard gewandt, legte das kleine Handtäschchen, das sie bei sich trug, auf den nächstbesten Tisch und gab ihm die Hand.
      „Hast einen festen Händedruck für jemanden, der gerade mal siebzehn ist. Das gefällt mir an einem Mann…“, schnurrte sie und wandte sich dann wieder Evan zu. Alex fiel auf, dass ihr Gesicht in Natura gar nicht so makellos war, wie es immer hieß. Zwar war ihre Schönheit aus der Ferne betrachtet immer noch überwältigend, aber aus der Nähe erkannte Alex unter der dicken Schicht Make-up kleine Falten um Augen und Mund, die Haut wirkte ein wenig papieren und etwas Ruheloses lag in ihren Augen, die so türkisgrün und bodenlos waren wie ein Gebirgssee.

      „Also, Evan…“, sagte Jesssica und legte ihre eine Hand an Evans Unterarm, während sie mit der anderen mit ihrem Haar spielte. „Willst du den ganzen Abend am Kindertisch sitzen oder willst du auch mal mit den großen Kindern abhängen?“

      „Hör mal“, sagte Evan freundlich. „Richard und Alex sind nicht nur meine Schützlinge, sie sind auch meine Freunde. Ich würde also gerne etwas Zeit mit ihnen verbringen…“

      „Das mag ja sein“, hauchte Jessica. „Aber überleg’ doch mal, wie viel Spaß wir beide haben könnten… Wie sieht’s aus, bunkern wir uns eine Flasche und suchen uns einen Ort, an dem wir allein sein können?“

      Um dem Gespräch zu entgehen, das immer peinlicher wurde, stieß Alex Richard in die Rippen, um sich unter dem Vorwand, etwas zu trinken zu holen, zu entfernen, damit Evan Jessica in Ruhe den Laufpass geben konnte.
      Dies geschah dann auch recht rasch. Kaum hatten Alex und Richard sich ein paar Schritte entfernt, schon fing Jessica an, hysterisch zu schreien. Viele Köpfe reckten sich und mehrere Tänzer in der Umgebung erstarrten, als die Profiduellantin etwas davon sagte, Evan wisse gar nicht, was gut für ihn sei und dass sie so etwas nicht nötig habe, sich anschließend ihre Handtasche krallte und in Richtung Damentoilette verschwand.
      Eine Weile lang herrschte betretenes Schweigen, dann nahmen die Gäste allmählich wieder ihre Gespräche auf. Alex und Richard starrten Jessica hinterher in Richtung der Damentoiletten.

      „Meinst du nicht, jemand sollte mal nach ihr sehen?“, fragte Richard betroffen und kratzte sich am Hinterkopf.

      „Du meinst mich?“, entgegnete Alex lustlos. Spätestens seit ihrem desaströsen Vorrundenduell gegen Billy mischte sie sich nur äußerst ungern in fremde Angelegenheiten ein.

      „Na zumindest kann ich irgendwie schlecht hinterher. Und sonst scheint sich doch niemand zu kümmern…“

      Alex seufzte. „Na gut. Ich seh’ mal nach ihr. Kümmere du dich währenddessen um Evan“, sagte sie und trottete ebenfalls in Richtung Damentoilette davon. Dort angekommen hörte sie Jessica in einer Kabine schluchzen. Einen Moment lang überlegte Alex, ob sie an die Tür klopfen und sie trösten sollte, als sie hörte, wie Jessica in ihrer Handtasche kramte. Es gab ein lautes Geklapper, als würde sie darin mindestens zwei Packungen Pfefferminzbonbons aufbewahren, dann hörte das Gewühle auf und nach kurzer Zeit hörte Alex, wie Jessica erleichtert und genüsslich ausatmete. Alex hatte gerade einen Schritt in Richtung Kabine gemacht und wollte gegen die Tür klopfen, als mit einem Klappern etwas auf den Boden fiel.
      Eine leere Spritze mit einer dünnen Metallnadel kullerte unter der Kabinentür hervor. Erschrocken wich Alex zurück, während Jessica in der Kabine leise fluchte. Ihre zierliche Hand mit den langen, perlmutt lackierten Fingernägeln schnellte unter der Kabinentür hervor und tastete nach der Spritze.
      Die Tür entriegelte sich und rasch huschte Alex zum Waschbecken mit dem vergoldeten Wasserhahn herüber, um vorzugeben, sie hätte nicht gelauscht. Jessica hatte sich anscheinend wieder gefangen und stand nun vor der Kabine. Misstrauisch starrte sie zu Alex hinüber.
      „Wie viel hast du gesehen?“, fragte sie.

      „Ich ähm… nichts. Gar nichts“, sagte Alex hektisch. Jessica hob skeptisch die Brauen.
      „Wieso, was hätte ich denn sehen sollen?“, fügte sie in einem tapferen Versuch, provokant zu klingen, hinzu.

      Jessica sah noch kurz abschätzend zu Alex hinüber, schien sich dann aber dafür zu entscheiden, ihr zu glauben und stellte sich an das Waschbecken neben ihr. Im Spiegel erkannte Alex, dass Jessicas Pupillen stark geweitet waren.

      „Weißt du was? Ich mag dich irgendwie“, fuhr Jessica unvermittelt fort. „Du bist eine talentierte Duellantin, du siehst gut aus und lässt dir nicht sagen, was du zu tun und zu lassen hast. Du erinnerst mich an mich selbst, als ich jünger war. Aber eins würde ich gern von dir wissen…“

      Alex sah ihr schweigend in die Augen.

      „Bist du dir sicher, dass du das hier wirklich willst?“

      „Was meinst du?“, fragte Alex irritiert.

      „Na das alles hier“, meinte Jessica und machte eine nickende Geste mit dem Kopf. „Wenn du das Ding tatsächlich gewinnst und erstmal ein Profi bist, dann hast du keinerlei Privatsphäre mehr. Dann verfolgen dich die Medien auf Schritt und Tritt und ständig wird irgendwer versuchen, dich für seine Zwecke zu missbrauchen. Ist es wirklich das, was du willst?“

      Alex nahm sich ein wenig Zeit, ehe sie antwortete. „Nein, das will ich nicht“, sagte sie. „Aber ich muss es tun.“

      Jessica musterte Alex scharf, schien jedoch zu verstehen.
      „Dann wünsche ich dir viel Glück“, sagte sie. „Aber mach’ dir bewusst, dass nichts hier ist, wie es scheint. Dieses Turnier ist doch nur ein großer Witz, mit dem Mr. Steele seinen Sohn berühmt machen will. Und an deiner Stelle wäre ich mir auch nicht so sicher, ob dein lieber Evan dir wirklich aus Nächstenliebe helfen will. Also denk an das, was ich dir sage: Je tiefer du in diese Welt eindringst, umso schneller versinkst du in ihr. Für mich ist schon zu spät, ich bin schon zu dem geworden, was ich nie sein wollte. Aber für dich gibt es noch ein Zurück! Das alles hier ist wie ein Meer aus Lügen. Schwimm’ nicht zu weit raus, sonst ertrinkst du noch.“

      Alex starrte Jessica schockiert an. Zum zweiten Mal in einer Woche hatte ein leibhaftiger Profi sie davor gewarnt, dass Profi zu sein absolut kein erstrebenswerter Zustand war. Und doch war Alex auf dem besten Weg genau dort hin. Allmählich fing sie an, Angst zu kriegen. Begab sie sich, wenn sie so weiter machte, wirklich in die Sklaverei der Obrigkeit? Aber sie konnte es sich jetzt nicht leisten, kalte Füße zu kriegen. Wann sonst würde sie jemals wieder so eine Chance bekommen? Sie tat das alles ja nicht für Ruhm oder Reichtum, sie wollte doch nur Schwester zurück…

      „Und jetzt entschuldige mich, Zeit sich ein bisschen zu amüsieren“, sagte Jessica und setzte ein verschmitztes Grinsen auf. Sie schnalzte mit der Zunge und verließ die Damentoilette. Die immer noch besorgte und im Gedanken versunkene Alex folgte ihr und sah, wie Jessica sich ein Glas Champagner schnappte, das ein Kellner ihr anbot. Anschließend ging sie auf die Tanzfläche und krallte sich den erstbesten Mann, mit dem sie eine Stunde später verschwinden würde.
      Alex unterdessen ging wieder zurück zu Richard und Evan, die immer noch am Rande der Tanzfläche standen.

      „Alles klar bei dir?“, fragte sie Evan und musste bei dessen Anblick unwillkürlich über Jessicas Warnung nachdenken, dass auch er sie eventuell nur für seine Zwecke missbrauchen wollte. Aber das konnte nicht sein; das wollte sie einfach nicht glauben.

      „Ja, alles gut. Ich hab euch ja gesagt, seit wir uns getrennt haben ist Jessica irgendwie komisch geworden…“, antwortete Evan und machte mit dem Finger eine kreisende Bewegung um seine Schläfe.

      „Ist sie zufällig Diabetikerin?“, fragte Alex. Überrascht von dieser komischen Frage hob Evan die Brauen.

      „Nein. Wie kommst du darauf?“, antwortete er.

      Rasch überlegte sich Alex eine Erklärung.
      „Ich frage nur, weil…“, flunkerte sie. „Sie hat einen Tisch weiter gesessen und als einzige keinen Nachtisch gegessen.“

      Evan, immer noch verdutzt, entgegnete grinsend: „Na vermutlich, weil du alles aufgefuttert hast“
      Alex schmunzelte ein bisschen, aber eigentlich war ihr gar nicht nach Lachen zumute. Wenn es kein Insulin gewesen war – Alex hatte eh nie wirklich daran geglaubt – was hatte sich Jessica dann auf der Toilette gespritzt? So allmählich glaubte Alex, dass doch mehr an dem dran war, was Jessica ihr gesagt hatte, als sie bisher geglaubt hatte: Hier war wirklich nichts so, wie es schien…

      ~


      Am nächsten Tag würde Richard mit seinem Duell gegen Jessica die Hauptrunde eröffnen. Alex, die das Duell zusammen mit ihrer Mutter und Mia, den anderen Finalisten, den restlichen Profis, Mr. Steele persönlich und einigen hohen Aktionären von Steele Industries in der Ehrenloge verfolgen würde, ging gerade hinunter in den Warteraum für die Duellanten, um Richard viel Glück zu wünschen.
      Anders als in dem Stadion, in dem die Vorrunde stattgefunden hatte, teilten sich die Duellanten im gigantischen Steele-Stadion den Warteraum. Dieser war unnötig groß und sah aus wie ein leeres Flughafen-Terminal, in dem in einer Ecke nur Richard mit seinem Vater stand.
      „Alles klar bei dir, mein Junge?“, fragte Mr. Steele. „Soll ich dir noch irgendwas bringen lassen?“

      „Ich brauche nichts, Vater“, antwortete Richard über den Jubel des Publikums und MC Arthurs Kommentare draußen im Stadion hinweg und seine Miene hellte sich auf, als er Alex erblickte.

      „Gut. Dann wünsche ich dir viel Erfolg“, sagte Mr. Steele und klopfte seinem Sohn ermutigend auf die Schulter. „Enttäusch’ mich nicht.“

      In diesem Augenblick betrat auch Jessica den Warteraum, ihre Duel Disc bereits am Arm. Mr. Steele wandte sich von seinem Sohn ab, nickte Alex im Vorbeigehen zum Gruß zu und fing dann Jessica ab.

      „Ah, Miss Greengrass“, sagte er. „Könnte ich Sie kurz unter vier Augen sprechen?“

      Jessica, die einige Zentimeter größer war als Mr. Steele, sah abschätzend zu diesem hinab, nickte dann aber.
      „Wie Sie wünschen“, antwortete sie kühl und verließ zusammen mit Mr. Steele wieder den Aufenthaltsraum.

      „Was glaubst du, will er von ihr?“, fragte Alex Richard, während beide Neugierig zu dem Eingang starrten, durch den Mr. Steele und Jessica soeben den Raum verlassen hatten.

      „Keine Ahnung“, antwortete Richard stirnrunzelnd.

      „Wie fühlst du dich?“, fragte Alex nach einer kurzen Pause ungewohnt fürsorglich.

      „Es geht so. Ich habe Jessica ja schon duellieren sehen, sie ist gut, keine Frage.“

      „Machst du dir Sorgen?“

      „Weswegen?“

      „Na wegen dem, was Evan über sie gesagt hat. Glaubst du, sie wird versuchen, dich um den Finger zu wickeln?“

      „Ich glaube nicht“, meinte Richard. „Zum einen bin ich minderjährig, sie könnte sich in Schwierigkeiten bringen. Zum anderen ist ihr wahrscheinlich bewusst, dass sie damit bei mir nicht viel erreichen wird.“

      „Warum?“, fragte Alex irritiert.

      „Ich glaube, dass weißt du ganz genau“, sagte Richard lächelnd und griff nach ihrer Hand. In diesem Moment betrat Jessica wieder allein den Warteraum und stellte sich neben Richard vor das geschlossene Tor, das ins Innere des Stadions führte, scheinbar vor Zorn rauchend. Rasch ließ Richard Alex’ Hand los.

      „Was wollte mein Vater von dir?“, fragte Richard neugierig, aber Jessica starrte ihn nur verächtlich an.

      „Das geht dich nichts an“, sagte sie und mied jeden weiteren Blickkontakt zu Richard. Der wandte sich mit fragendem Blick Alex zu, die jedoch nur mit den Schultern zuckte.

      Die Ampel neben dem Doppeltor schlug von rot auf gelb um und draußen im Stadion ertönte MC Arthurs Stimme: „Und jetzt begrüßen Sie zusammen mit mir die Kontrahenten des ersten Duells der Hauptrunde: Richard Steele Jr. und niemand Geringeres als die einzigartige Jessica Greengrass!“

      „Viel Glück!“, wünschte Alex und umarmte Richard kurz, dann schob sich das Doppeltor zischend auf und eröffnete den Blick auf das Innere des gewaltigen Stadions. Richard und Jessica schritten hinaus, Jessica dem Publikum zur Begrüßung zuwinkend.

      Das Tor schloss sich wieder und dämpfte den Lärm des Publikums. Alex, die nun allein im Warteraum war, verließ diesen und dachte angestrengt darüber nach, was Mr. Steele wohl von Jessica gewollt hat.
      Als sie die große und menschenleere Eingangshalle des Stadions betrat, wurde sie jedoch aus ihren Gedanken gerissen, als ein kleines Mädchen aus einem der anliegenden Korridore angerannt kam, beim Anblick Alex’ abrupt stehen blieb und sie mit großen, runden Augen anstarrte.
      „Mami, Mami, komm schnell! Alex ist hier!“, rief das Mädchen und rannte hinüber zu Alex.

      „Ich bin Emma“, stellte sie sich vor. Sie war ungefähr acht, hatte hüftlanges schwarzes Haar und große, braune Augen. „Du bist meine absolute Lieblingsduellantin!“

      Die Mutter des Mädchens kam angelaufen.
      „Renn doch nicht immer so!“, schimpfte sie, legte sich schwer atmend die Hände auf die Knie und richtete sich wieder auf.
      „Entschuldige das Verhalten meiner Tochter“, fuhr sie an Alex gewandt fort. „Aber sie ist großer Fan von dir.“

      „Hier“, sagte Emma begeistert, holte ihr Deck aus der Tasche, das wie ein wild zusammengewürfelter Haufen aussah, und zog ein Exemplar der Karte Blaugeflügelte Krone hervor.
      „Du hast diese Karte gegen Billy eingesetzt, weißt du noch?“

      „Ja“, antwortete Alex verdutzt darüber, dass sie Fans hatte. „Das ist eine meiner Lieblingskarten.“

      „Wir sind auch aus Newhaven, musst du wissen“, erklärte Emmas Mutter, als Alex diese fragend ansah.
      „Wir hätten nie gedacht, dass eine von uns Chancen in der Profiliga hätte, aber du hast uns allen neue Hoffnung gegeben. Deswegen habe ich Emma und mir Karten für die Hauptrunde besorgt, auch wenn sie ein Vermögen gekostet haben. Wir wünschen uns so sehr, dass du es wirklich zu etwas bringst.“

      „Wow…“, meinte Alex überwältigt. „Das ist cool…“

      „Nein, du bist cool!“, sagte Emma. „Glaubst du, du kannst das Turnier gewinnen?“

      „Ich weiß es nicht“, erwiderte Alex. „Aber ich werde mein Bestes geben.“

      „Du kannst es schaffen. Ich weiß es!“, versicherte ihr Emma.

      „Ich wünsche dir alles Gute“, sagte deren Mutter, dann fuhr sie an ihre Tochter gewandt fort: „Aber jetzt komm, Liebling. Alex möchte bestimmt auch das Duell sehen.“

      „Ist gut. Mach’s gut, Alex!“, sagte Emma, umarmte die immer noch vollkommen überraschte Alex zum Abschied und rannte dann ihrer Mutter voran davon, um ihren Platz im Stadion einzunehmen.
      Eine Weile lang sah Alex dem kleinen Mädchen und ihrer Mutter glücklich nach, dann wurde ihr Glück jedoch mit einem Schlag zunichte gemacht.

      „Wie rührend“, höhnte eine kalte Stimme hinter ihr.

      ~


      „Mein Zug!“, rief Jessica, der der Zufallsgenerator soeben den ersten Zug zugesprochen hatte.
      „Ich beschwöre Nixenrüstung Abysslinde im Angriffsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer rot-weißen Nixe mit blauen Haaren. (ATK: 1500) Eine ihrer klassischen Eröffnungen.

      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug. Also los, zeig’, was du drauf hast, Kleiner.“ [Hand: 3 / Backrow: 1]

      Missmutig ließ Richard seinen Blick über das Publikum schweifen. Wie er das alles hasste. Nicht, dass er Lampenfieber hätte, es war einfach das angestarrt werden, der Trubel, der Lärm…
      Er dachte an Alex und daran, dass sie im Untergrund viel Schlimmeres durchgemacht hatte. Der Gedanke an sie ermutigte ihn. Er dachte sich, dass er ihren Kampfgeist bewunderte, doch im Grunde wusste er, dass es etwas anderes war. Es war einfach ihr Gesicht…

      „Mein Zug“, sagte er und zog eine Karte von seinem Deck. Er sah in sein Blatt und stellte fest, dass er nichts hatte, um den Effekt von Jessicas Monster zu umspielen.
      „Ich beschwöre Reactan, Drachenherrscher der Kiesel im Angriffsmodus.“

      Das Monster, das auf seinem Feld erschien, war mehr Dinosaurier als Drache. Das riesige graue Reptil hatte keine Flügel, dafür aber eine schwere Panzerung, große Hörner an den Schläfen und eine Keule an der Schwanzspitze. (ATK: 1800)

      „Greif’ Abysslinde an.“

      Der gepanzerte Drache stürmte auf die Nixe zu und attackierte sie mit der Keule an seinem Schwanz, woraufhin sich ihr Hologramm in Luft auflöste.
      (Jessica: LP 4000 -> 3700)

      „Vielen Dank!“, rief Jessica neckisch. „Denn indem du Abysslinde zerstört hast, hast du ihren Effekt aktiviert und sie kann einen ihrer Freunde rufen! Erscheine, Nixenrüstung Abyssleed!“

      Sie griff nach einer Karte, die ihre Duel Disc aus ihrem Deck hervor schob und legte sie auf die mittlere Monsterzone. Kurz darauf erschien auf dem Feld das Hologramm einer gigantischen Kreatur. Dieses Monstrum hatte einen humanoiden Körperbau, aber einen im Vergleich dazu winzigen, lila-weißen Kopf Fischkopf mit zwei langen Hörnern auf der Stirn. Es steckte in einer roten Rüstung und war mit einem riesigen Schwert aus blauen Korallen bewaffnet. (ATK: 2700)

      „Ich hatte etwas mehr vom Sohn des Chefs erwartet“, meinte Jessica. „Sag’ bloß, du wusstest nicht vom Effekt meiner Nixenrüstung Abysslinde?“

      „Natürlich wusste ich davon“, antwortete Richard kühl. „Aber früher oder später wäre es eh passiert. Ich setze zwei Karten verdeckt und beende meinen Zug.“
      [Hand: 3 / Backrow: 2]

      „Gut, dann zeige ich dir jetzt, wie es hier oben wirklich läuft!“, verkündete Jessica. „Ich bin dran! Ich ziehe!“
      Sie fügte die gezogene Karte ihrer Hand hinzu, dann drehte sie ihre verdeckte Karten um.
      „Als Erstes aktiviere ich die Falle Abyss-Sphäre!“

      Vor ihr erschien das vergrößerte Hologramm der Karte. Darauf zu sehen war Nixenrüstung Abysslinde, das Monster, das Richards Drache soeben zerstört hatte, gefangen in einer Kugel aus Wasser, offenbar ertrinkend.

      „Wie du siehst, hat Abysslinde auf dieser Karte nicht gerade Spaß, aber das soll mir recht sein, denn dank Abyss-Sphäre kann ich ihren Effekt quasi noch einmal benutzen und ein beliebiges Nixenrüstung-Monster als Spezialbeschwörung von meinen Deck beschwören! Los, Nixenrüstung Abyssmegalo!“

      Ein gewaltiger Strudel tat sich auf Jessicas Feld auf und sah aus wie ein Wirbelsturm aus Wasser. Als dieser sich langsam legte, hinterließ er das Hologramm eines nicht minder gewaltigen Geschöpfs. Dieses war rot-weiß und hatte den Kopf eines riesigen, gehörnten Hais. Es trug eine goldene Rüstung und war mit einer Art verkrustetem Säbel bewaffnet. (ATK: 2400)

      „Als Nächstes beschwöre ich Nixenrüstung Abysshilde im Angriffsmodus!“ fuhr Jessica fort und auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer jungen Nixe, deren rotes Haar zu einem langen Zopf geflochten war. (ATK: 1300)

      „Aber gewöhn’ dich nicht zu sehr an sie, dann jetzt biete ich sie als Tribut an, um den Effekt von Nixenrüstung Abyssmegalo zu aktivieren, wodurch der diese Runde gleich zweimal angreifen kann!“

      Die junge Nixe mit dem geflochtenen Zopf schloss die Augen und faltete die Hände wie zum Gebet vor der Brust zusammen, während sie in einem blauen Licht aufleuchtete und darin verschwand. Kurz darauf leuchtete die riesige rote Hai-Kreatur im selben blauen Licht auf und brüllte kampfbereit.

      „Doch meine Monster können noch mehr! Denn weil Nixenrüstung Abysshilde gerade auf den Friedhof geschickt wurde, aktiviert sich ihr Effekt und ich kann ein weiteres Nixenrüstung-Monster als Spezialbeschwörung von meiner Hand beschwören! Erscheine, Nixenrüstung Abyssbalaen!“

      Jessica klatschte die Karte auf ihre Duel Disc und auf dem Feld erschien ein weiteres Hologramm einer riesigen Kreatur. Auch diese hatte einen humanoiden Körperbau, dafür aber den Kopf eines gewaltigen, blau-gelben Wals. Wie die anderen Monster auf ihrem Feld war es gerüstet und bewaffnet, in diesem Fall mit einem riesigen Hammer. (ATK: 2500)

      „Meine Damen und Herren, genau dafür ist Jessicas Deck gefürchtet!“, kommentierte MC Arthur. „In einem einzigen Zug hat sie Feld mit drei dicken Brocken gefüllt, von denen einer sogar zwei Mal angreifen kann! Wird Richard sich dagegen zu behaupten wissen? Ich will es hoffen, denn ansonsten wäre es ein äußerst unehrenhaftes und frühes Ausscheiden für den Sohn von Mr. Steele persönlich!“

      „Du hast den MC gehört, Richie Rich!“, spottete Jessica. „Du willst Daddy doch nicht enttäuschen, oder?“

      ~


      Blitzschnell wirbelte Alex herum und blickte in das schmale, von Blondhaar umgebene Gesicht von Devon Stone, der gegen einen vertikalen Stahlträger lehnte und hämisch grinste.

      „Was willst du?“, giftete sie.

      „Was denn?“, höhnte Devon und ging zu ihr hinüber. „Darf man hier nicht mal mehr eine alte Schulfreundin besuchen?“

      „Ja, weil wir ja auch immer so gut befreundet waren…“, erwiderte Alex sarkastisch.

      „Touché“, meinte Devon.

      „Touché?“, wiederholte Alex spöttisch. „Dein Ernst? Bist du jetzt, nur weil du bald zur Duellakademie gehst, zum Snob geworden?“

      „Gut, dann führen wir diese Unterhaltung eben auf deinem Niveau“, entgegnete Devon verärgert. Er war ihr jetzt ganz nah und seine Stimme ein bedrohliches Flüstern.
      „Was glaubst du wohl würden deine kleinen Fans sagen, wenn sie wüssten, dass ihre große Heldin nichts weiter ist als eine billige, kleine Untergrundschlampe? Huh, Whitman? Oder sollte ich besser sagen Phoenix…“

      „Du Mistkerl…“, fauchte Alex. „Du bist doch nur neidisch!“

      „Neidisch? Worauf? Auf die Aufmerksamkeit von irgendwelchen Gossenkindern?“

      „Du weißt ganz genau, was ich meine. Du bist neidisch, weil Richard mich ausgewählt hat, um am Turnier teilzunehmen!“

      „Ich sollte jetzt an deiner Stelle sein, weil ich verdammt noch mal der bessere Duellant bin!“

      „Sagte der, der schon immer zweite Wahl war. Weißt du noch damals, als Richard jemanden für das Stipendium ausgewählt hat?“

      „Der mag dich noch nur wegen deines Körpers! Er hat dir all diese Chancen gegeben, weil er sich damit erhofft, dass du irgendwann deine Beine für ihn spreizt. Und wahrscheinlich bist du auch noch dumm genug, um darauf reinzufallen.“

      „Red’ nicht so über Richard!“, rief Alex zornig und ballte die Faust, die sofort in Flammen aufging.

      „Deine komischen Flammen machen mir keine Angst, Freak!“, sagte Devon verächtlich.

      Alex ging nicht weiter darauf ein.
      „Wenn dein Ego zu groß ist um zu akzeptieren, dass ich die bessere Duellantin bin, dann muss ich dich eben selbst überzeugen! Wir duellieren uns!“, sagte sie.

      „Gut“, antwortete Devon mit einem schmutzigen Lächeln. „Mehr wollte ich doch gar nicht. Und wenn du dann erstmal verloren hast, wirst du einsehen, dass ich die ganze Zeit über Recht hatte!“

      „Wohl kaum“, entgegnete Alex.

      Sekunden später standen die beiden sich in einiger Entfernung mit ihren Duel Discs im Anschlag in der Eingangshalle des Stadions gegenüber.
      „Los, Duell!“, riefen sie im Chor.
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      • Kapitel 10.pdf

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      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

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      Anmerkungen zum Kapitel
      - Um gleich eine „Logiklücke“ zu klären, auf die sonst garantiert angesprochen wird, nämlich dass der Kellner Alex ein Glas Champagner anbietet, obwohl Turner sich in Kapitel 5 geweigert hat, ihr Alkohol zu verkaufen: Ich distanziere mich nach wie vor von der Annahme, meine Fanfic würde in den USA spielen, deshalb gelten auch nicht die harten amerikanischen Alkoholgesetze. Turner hat sich aus Angst geweigert, Alex’ Eltern könnten ihn verklagen, sollte sie sich in seinem Lokal abschießen. Gegen ein Glas Champagner in vornehmer Gesellschaft ist also nichts einzuwenden. Und die Veranstalter des Balls würden schon darauf achten, dass sich kein Minderjähriger auf der Veranstaltung die Kante gibt.

      - Ja, das Duell ist in diesem Kapitel etwas zu kurz gekommen, deswegen gehört es ja auch zu einem Zweiteiler. Kapitel 11 besteht dann dafür fast nur aus Duell.

      - Weder Richard noch Evan spielen ein richtiges Drachenherrscher-Deck. Richard spielt nur Reactan und Redox und Evan dafür nur Tidal, Blaster und deren kleine Gegenstücke. Die Drachenherrscher sind in meiner Fanfic weniger als Themendeck, sondern mehr als allgemeiner Attribut-Support zu verstehen.

      Preview: Kapitel 1.11 - Das Meer der Lügen; Teil 2
      Während Alex ihren Konflikt mit Devon endlich persönlich austrägt, geht das Duell zwischen Richard und Jessica weiter. Woran liegt es, dass diese ihren Gegner so ungewohnt respektlos behandelt? War es etwas, das Richards Vater vor dem Duell zu ihr gesagt hat?

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      So, meld ich mich auch mal wieder.
      Ich les deine FF mit sehr großer Freude und muss sagen, du hast dich unglaublich verbessert. Die Duelle werden länger und immer spannender, das Charakterdisign gefällt mir zusehends besser und du wirst immer umfangreicher.
      Das neue Kapitel ist auch sehr gut geworden, du fängst wieder den gesellschaftskritischen Faden auf und lässt uns gut hinter den Schein der Welt der Reichen und Schönen blicken, genau wie in die Abgründe dieser Gesellschaft.
      Dabei hälst du geschickt mit Details hinterm Berg, verrätst finde ich genau genug um die Spannung hochzuhalten.
      Dass es in dieser Folge kaum ums Spiel ging stört mich recht wenig, da es sehr kurzweilig ist und sich als Vorbereitung auf die Hauptrunde und weiterer Kritikpunkt an der Gesellschaft.
      Dass in der nächsten Runde gleich 2 Duelle anfangen freut mich und lässt mich ungeduldig warten und mich freuen.
      Spielerisch haben Raritäten auch Vorteile: Eine UMR Veiler negiert dich krasser
      Ich bin nun auch wieder auf dem neuesten Stand, und habe eigentlich kaum negative Kritik parat.

      Gerade die Transparenz der "High Society" kommt diesmal gut rüber, und man merkt, das dort deine Stärke liegt. Außerdem finde ich gut, das du auch Probleme, mit denen die Duellanten zu kämpfen haben, aufzeigst.
      Nur verstehe ich momentan noch nicht den Sinn hinter "der Droge". Soll das eine Schönheitsdroge sein(Botox, etc.)? Oder eher eine Standarddroge? Nur was solle sie wohl damit abtöten wollen? Etwa ihre Trennung verdauen? Wenn ja, finde ich das etwas mager. Falls es einen anderen Grund hat, den du noch erläuterst, sag bitte noch nichts.

      Zudem ist mir nun, nach einem recht duellarmen Kapitel, aufgefallen, welche Qualität deine FanFic hat/erreicht. Stellt sich mir automatisch die Frage, wie eine Geschichte von dir wäre, die nicht an YGO/Duelle gebunden wäre. Ist dir das eigentlich auch schonmal in den Kopf gekommen?



      Tauschbörse YGO
      Tauschbörse VG

      Spieler aus Hameln/Minden und Umgebung?:
      ygohameln@gmail.com
      @Lenant, Pfannkuchen, Deckcreator: Vielen Dank für diese herrlich unkritischen Kommentare :D (Aber ihr kennt mich ja, ich bin auch für jede Kritik dankbar) Schön, das es euch so gut gefällt :) Es tut mir richtig leid, dass die Veröffentlichung sich aktuell so hinzieht.
      Einen großen Dank an dieser Stelle auch an -Aska-, ohne den diese Steigerung nie möglich gewesen wäre. Und natürlich auch Danke an alle anderen Leser! :)

      @Lenant:
      Spoiler anzeigen
      Du hast mein Konzept gut erkannt. Ich will sozusagen die zwei Seiten einer Medaille aufzeigen, erst die schmutzige, hoffnungslose Welt der Armen und dann die intrigante, dekadente Welt der High Society. Kapitel 9 war, um diesen Vergleich weiter auszuschmücken, einfach der Zeitraum, in dem die Medaille umgedreht wurde.

      @Deckcreator:
      Spoiler anzeigen
      Jessicas Sucht wird in Kapitel 12 und irgendwann in den kommenden Staffeln zwar noch weiter thematisiert, aber im Grunde steckt alles dazu schon in 10. Das Ding mit den Drogen ist halt, dass du nicht einfach aufhören kannst, sobald du die Trennung, wegen der du angefangen hast, überwunden hast. Du steigerst deine Dosis immer weiter und dadurch steigern sich auch deine Selbstzweifel und du nimmst noch mehr. Sie steckt in einem Teufelskreis. Im Grunde ist es auch nicht der Trennungsschmerz, den sie abtöten will, sondern ihr Selbsthass. Sie sagt ja selbst, dass sie zu dem geworden sei, was sie niemals sein wollte. Sie ist eine gebrochene Idealistin, sie hasst sich dafür, dass sie sich so für ihre Karriere prostituiert und das sie Drogenabhängig ist, und dennoch ändert sie nichts daran. Sie ist eine sehr ambivalente und destruktive Figur.
      Wie gesagt, das steckt alles schon in Kapitel 10, wenn auch versteckt. Was sie sich nun genau spritzt bleibt im Unklaren, aber es soll schon irgendwas berauschendes sein.

      Geschichten für Nicht-YGO-Storys habe ich auch einige, die meisten sind sogar älter als "PHOENIX". Falls es dich interessiert, hier zwei Ideen, die schon relativ ausgereift sind:

      - Ein surrealistisches Beziehungsdrama:
      Spoiler anzeigen
      Ein Münchner Spätzwanziger wird von seiner Freundin verlassen, weil deren biologische Uhr tickt und er ihr trotz zweijähriger Partnerschaft keinen Antrag machen will. Anschließend versinkt er in Selbstzweifeln und beginnt, über seine vergangenen Beziehungen nachzudenken. Er kommt zu dem Schluss, dass seine größte Liebe seine allererste richtige Freundin war, die er mit 17 kennengelernt hat. Er begibt sich auf die Suche nach ihr und findet von deren Mutter heraus, dass sie vor einem halben Jahr bei einem Autounfall gestorben ist.
      Trotzdem begibt er sich auf den Weg in das Ostseekaff, wo er sie getroffen hat und immer, wenn er dort allein ist, erscheint ihm eine Erwachsene Ausgabe seiner Ex. Er verliebt sich in diese Fantasie und vernachlässigt immer mehr sein wahres Leben. Schließlich beschließt er, Selbstjustiz an ihrem Ex-Freund zu üben, der betrunken das Auto gefahren hat, in dem sie ums Leben kam.


      - Eine Science-Fiction-Parabel:
      Spoiler anzeigen
      Die Geschichte spielt etwa 20 Jahre, nachdem Außerirdische auf der Erde gelandet sind. Diese haben jedoch keine Invasion durchgeführt, sondern vorgegeben, in friedlicher Absicht zu kommen und eine Zuflucht zu suchen. Mit ihrer fortgeschrittenen Technologie und ihrem Wissen halfen sie den Menschen dabei, ihre extremen Probleme zu lösen (also aktuelle Sachen wie Globale Erwärmung, Wasserknappheit, Ölkrise...) und gewannen so das Vertrauen der Menschen, sodass sie schließlich in die Chefetagen der Erde aufstiegen.
      In der eigentlichen Handlung geht es um einen menschlichen Chirurgen, der seinen Job verliert, weil dieser jetzt von außerirdischen Maschinen übernommen wird. Er beginnt anchließend, einen Groll auf die Außerirdischen zu entwickeln und schließt sich einer Widerstandsbewegung an, deren Ziel es ist, die "Menschlichkeit" zu erhalten. Die Hauptfigur wird immer mehr von den populistischen Parolen der Bewegung mitgerissen und steigt in der Hierachie immer weiter auf. Er steigert sich so in diese hinein, dass seine Familie ihm den Rücken kehrt und irgendwann wird dann klar, dass er sich einer terroristischen und extremistischen Bewegung angeschlossen hat. Auch stellt sich heraus, dass die Außerirdischen von Anfang geplant hatten, die Führung der Menschen zu übernehmen, die für sie nur sieben Milliarden Arbeitssklaven darstellen, die die Drecksarbeit erledigen.
      Natürlich halte ich ein solches Szenario nicht für realistisch. Die Außerirdischen sind eine Metapher für die westlichen Industriestaaten, die sich den Rest der Welt nach und nach angeeignet haben.

      Mal sehen, ob jemals etwas aus diesen Ideen wird...


      So, Weihnachten steht vor der Tür und ich habe euch ja ein kleines Festtagsspecial versprochen. Und ich halte mein Wort auch. (Wäre ja peinlich wenn nicht...) Hier jedenfalls schonmal eine kleine Preview:
      Preview: Weihnachten zwischen den Trümmern (Weihnachts-Special)
      Ein halbes Jahr nach der Duel Monsters Newcomer's Championship steht Weihnachten vor der Tür und für Alex ist nichts so gekommen, wie sie es erwartet hatte. Als politisch Verfolgte hat sie sich mit ein paar Mitstreitern in der Ruine jener Fabrik verschanzt, in der einst ihr Vater ums Leben kam. Und doch kann der Ernst der Lage nicht vergessen machen, dass Weihnachten ist. In drei kurzen Episoden erzählen verschiedene Charaktere von ihrem schönsten Weihnachten, nur Richard kann da nicht mitreden: Dank seines kalten Vaters konnte er das Fest nie wirklich genießen...

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      Serie 1 / Serie 2
      @Storyideen:
      Spoiler anzeigen

      Sind ziemlich interessant, und haben recht viel Potenzial.
      Das du die zweite Story nicht für realistisch hälst, ist nicht schlimm.
      Nicht umsonst ist es eine Sci-Fi-Story ;)

      Aber einen Tipp vorweg: Bevor du damit beginnst, diese zu beginnen, solltest du vorherige Sachen erstmal beenden. So ist es nämlich bei mir geschehen, das ich neben 2 Ideen, 1 "abgebrochenem" und 1 wartenden(kann man aber auch schon halb als abgebrochen beschreiben. Ich habe mir aber vorgenommen, sie nach meiner Story wieder aufzunehmen) auch noch 1 laufendes Projekt habe. Und das ich halt noch weniger Ansporn finde, die wartende, oder insbesondere die abgebrochene, fortzusetzen, werden die sich wohl für immer auf meiner Festplatte verstecken, bis ich sie eines Tages versehentlich lösche...


      @preview:
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      Eigentlich freue ich mich ja zum Teil schon auf dein Weihnachtsspecial. Doch jetzt, durch deine Preview, bin ich eher verärgert: Denn du spoilerst einem gleich, wie es in deiner regulären Story weitergeht[Alex als politisch verfolgte...], bzw. was zum Staffelende passiert. Vermutlich hattest du geplant gehabt, bis dahin soweit fertig zu sein. Doch da du halt Verzögerungen nicht einberechnet hast, und somit storytechnisch nicht so weit bist, bin ich ein wenig enttäuscht. Schließlich ist das kein leichter Spoiler, sondern ein ganz dicker...



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      @Deckcreator:
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      Zu den Story-Ideen: Klar, dass ich erst eine Sache beenden sollte, bevor ich mit was Neuem anfange. Gerade die Sci-Fi-Story wäre extrem zeitintensiv und ich denke, ich muss erst noch einiges an Erfahrungen sammeln, bevor ich mich an sowas heranwage. Ich habe nicht vor, damit in näherer Zukunft anzufangen. Trotzdem danke für die Warnung. :)

      Zum Weihnachtsspecial: Sorry wegen des Spoilers. Ich habe schon abgewägt, wie viel ich verraten kann und dachte keinesfalls, dass ich bis zum Special soweit sein würde, bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Special spielt irgendwann während der 3. Staffel, und ich habe noch nichtmal mit der 2. angefangen. Mit keinem Wort verrate ich irgendetwas über das Finale der 1. Staffel, kannst dich also ein wenig beruhigen.
      Ich habe mir halt vorgestellt, wie es ist, wenn man als Leser erfährt, dass Alex irgendwann politisch verfolgt werden wird. Man würde sich natürlich fragen, wie es dazu gekommen ist. Und genau das lasse ich in der Preiview außen vor und ich werde auch im eigentlichen Special kein Wort darüber verlieren, versprochen.

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      @preview:
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      Ok, dann ist das wohl kein Spoiler zur 1. Staffel, sondern zur 3. Ändert aber immer noch nichts daran, das es ein Mega-Spoiler ist. Schließlich kann man sich ja denken, das, um ein politisch Verfolgter zu sein, man etwas angestellt haben muss, das halt so gravierend für die (reiche) Gesellschaft ist, das man verfolgt werden muss. Und das Alex sowieso etwas locker in dieser Richtung ist, kann man auch schon erraten, wie das passiert ist/wird.

      Außerdem hast du ja auch angegeben, das nicht nur Alex auf der Flucht ist. Somit begrenzt sich das Umfeld für mögliche Verräter, sowie Intrigen unter den Charakteren, auf ein Minimum. Zwar kann man diesen Punkt erst später beurteilen, wenn du alle Extra-Kapitel rausgebracht hast, doch das ist halt schon eine Menge spoiler.



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      So, geht weiter im Text. Wie immer vielen Dank an alle Leser und viel Spaß mit dem neuen Kapitel! :)

      Da es sich diesmal um die Fortsetzung eines Zweiteilers handelt und der erste Teil schon zwei Wochen alt ist, gibt es diesmal zu Beginn eine kleine Zusammensaffung:
      Was bisher geschah
      Nach ihren Gruppensiegen in der Vorrunde der Duel Monsters Newcomer’s Championship sind Alex und Richard in die Hauptrunde eingezogen, in der sie sich gegen vier Profis beweisen müssen. Vorher jedoch mussten sie an einem Eröffnungsball in einem noblen Hotel teilnehmen.
      Dort trafen sie auf Jessica Greengrass, Richards erste Hauptrundengegnerin, die einen Nervenzusammenbruch erleidet, als sie erneut von ihrer großen Liebe Evan Drake zurückgewiesen wird. Alex folgt Jessica auf die Damentoilette und kriegt durch Zufall mit, wie sie sich selbst eine Spritze verabreicht.
      Am nachfolgenden Tag eröffnen Richard und Jessica die Hauptrunde und nach Jessicas zweiten Zug steht diese mit den drei Nixenrüstungs-Monstern Abyssleed, Abyssmegalo und Abyssbalaen da, während Richard nur ein Monster mit 1800 Angriffspunkten und eine verdeckte Karte zur Verteidigung hat.
      Alex unterdessen hat ganz eigene Probleme: Sie wird von ihrem Schulhof-Rivalen Devon Stone überrascht, der ihr damit droht, ihre zwielichtige Vergangenheit als Untergrundduellantin publik zu machen, sollte sie sich nicht mit ihm duellieren...
      Kapitel 1.11 - Das Meer der Lügen; Teil 2
      „Ich fange an!“, entschied Devon sofort. Er stand gegenüber von Alex in der gewaltigen Eingangshalle des Steele-Stadions, ein hoher und moderner Raum, dessen Decke von schiefen, löchrigen Stahlelementen getragen wurde. Der Raum war menschenleer, weil alle im Inneren des Stadions waren, um das Duell zu verfolgen. Alex sah ihrem Rivalen feindselig in die kalten, grauen Augen. So viel zum Thema, sie würden sich nie wieder sehen…
      Warum musste der Typ sie nur ständig nerven? War sein Ego wirklich so groß, dass er sich in allem für den Besten hielt? Scharf dachte Alex über das nach, womit Devon ihr drohte. Was machte es schon aus, wenn die Leute erfuhren, dass sie sich im Untergrund duelliert hatte? Sie hatte einen Ruf zu verlieren, aber was kümmerte sie es, was andere Leute dachten?
      Plötzlich hallte Evans Stimme in ihrem Kopf wieder: „Tu und sag nichts, was gegen dich verwendet werden kann und wenn es bereits geschehen ist, dann tu, was du kannst, um es zu vertuschen…“
      Vor genau solchen Situationen hatte Evan sie gewarnt. Mehrmals hatte er betont, dass ein guter Ruf das Wichtigste überhaupt war, um in der Welt der Profis zu bestehen. Deshalb musste sie tun, was sie konnte, um Devon am Plaudern zu hindern. Aber war das überhaupt möglich? Alex bezweifelte stark, dass ein Sieg ihrerseits ihn bekehren würde. Wahrscheinlich würde er sich gerade dann an ihr rächen wollen. Würde Devon jedoch gewinnen, würde dieser Triumph ihn vielleicht besänftigen…

      „Ich beschwöre Majiosheldon im Verteidigungsmodus!“, rief er. Auf seinem Feld erschien daraufhin das Hologramm eines kleinen, dicken Mannes. Dieser trug einen gelben Anzug mit Fliege und einen Hut. Außerdem hatte er langes rotes Haar und einen dazu passenden Musketierbart. (DEF: 2000)

      „Was ist los mit dir?“, fragte Alex. „Heute mal kein alberner Frosch?“

      Baumfrosch war schwach. Er hat es mir verboten, meine Zauber- und Fallenzonen zu benutzen. Er hat mich behindert. Mein neues Deck ist viel stärker. Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“, antwortete Devon und vor ihm erschien die vergrößerte, braune Rückseite einer Karte. [Hand: 3 / Backrow: 1]
      Erneut sah Alex in sein Gesicht und sein hämisches Grinsen. In diesem Moment wurde ihr eins klar: Egal was Evan auch sagen mochte, lieber würde sie geächtet werden als Devon diesen Triumph zu gönnen…

      ~


      Das Publikum jubelte, während Richard gleichgültig hinüber zu Jessicas Trio aus riesigen Meeresungeheuern sah. Solange Jessica nichts gegen seine gesetzte Karte unternahm, war er sicher. Und sollte sie es doch tun, dann würde Richard wenigstens nicht länger eine Hürde für Alex und ihre kleine Schwester darstellen…

      „Genug geredet!“, rief Jessica. „Nixenrüstung Abyssmegalo, greif’ an!“

      Das riesige Ungeheuer mit dem Haikopf machte einen Satz vorwärts und holte mit seinem verkrusteten Säbel nach Richards Drachen aus. Der blieb nach dem Aufprall der Waffe jedoch auf dem Feld. Als Jessicas Monster zu seiner Besitzerin zurückkehrte, brüllte der Drache kurz auf und schlug mit dem Schwanz.

      „Sieh an“, meinte Jessica. „Anscheinend sind wir hier doch noch nicht ganz fertig.“

      „Nein, noch nicht“, erwiderte Richard und schob seine Fallenkarte auf den Friedhof. „Denn ich habe soeben die Fallenkarte Halb verhindertes Zerbrechen aktiviert. Dadurch kann mein Monster in diesem Spielzug nicht durch Kampf zerstört werden, außerdem wird jeder Schaden, den ich erhalte, halbiert.“ (LP: 4000 -> 3700)

      „Na Gut“, sagte Jessica. „Aber halber Schaden ist auch Schaden! Macht weiter, Monster!“

      Richard stand ganz ruhig mit den Händen in den Taschen da, als Jessicas Monster nach und nach einen Satz vorwärts machten und mit ihren Waffen auf seinen Drachen eindroschen, der jedoch jedem Angriff standhielt.
      (Richard: LP 3700 -> 2600)

      Dann endlich, nachdem Nixenrüstung Abyssmegalo ein weiteres Mal angegriffen hatte, sagte Richard: „Bist du fertig?“
      Jessica widersprach nicht, also fuhr er fort: „Dann bin ich dran. Ich ziehe. Und ich aktiviere den permanenten Zauber Stufenbeschränkung – Gebiet B! Dadurch werden alle Monster der Stufe 4 oder höher in den Verteidigungsmodus gezwungen!“

      Er steckte die Karte in seine Duel Disc und vor ihm erschien das vergrößerte Hologramm einer grünen Zauberkarte, auf der der Eingang zu einer Art futuristischen, ägyptischen Tempel zu sehen war. Jessicas Monster unterdessen glühten kurz in einem grünen Licht auf, das sie in die Knie zwang. Richards Drache kauerte sich auf dem Boden zusammen.
      (Nixenrüstung Abyssleed: DEF 1000; Nixenrüstung Abyssmegalo: DEF 1900; Nixenrüstung Abyssbalaen: DEF 2000; Reactan, Drachenherrscher der Kiesel: DEF 1200)

      „Als Nächstes beschwöre ich Drache der in der Höhle haust.“

      Er legte die Karte auf seine Duel Disc und auf seinem Feld erschien das Hologramm eines schlafenden, grünen Drachen. (DEF: 2000)
      Für Metallrüstungs-Drache reichten seine Monster zwar nicht aus, aber dafür konnte er ein anderes Monster von seinem Extra Deck beschwören. Altmodisch, aber was soll’s…
      „Und jetzt überlagere die Stufe-4-Monster Drache der in der Hülle haust und Reactan, Drachenherrscher der Kiesel! Mit diesen beiden Monstern bilde ich das Überlagerungsnetzwerk und führe eine Xyz-Beschwörung durch!“

      Die beiden Drachen wurden zu je einer grünen und orangefarbenen Lichtsäule, die von einem roten Wirbel in der Luft eingesaugt wurden, aus dem das Hologramm eines Xyz-Monsters auf den Boden sank. Dieses hatte die Gestalt eines riesigen, flügellosen Drachens, der komplett aus silbernen Kristallen zu bestehen schien und der von zwei leuchtenden Sphären wie ein Stern von seinen Planeten umkreist wurde.
      „Los, Kachi Kochi Drache!“ (ATK: 2100)

      Jessica lachte spöttisch. „Wo hast du den denn her? Vom Flohmarkt? Was ist los? Muss man als Sohn vom Chef denn nicht mit der Zeit gehen?“

      „Wenn es nach meinem Vater ginge hätte er mir schon längst ein eigenes Deck entwerfen lassen, aber davon halte ich nichts. Ich nutze nur meine eigenen Karten, so wie jeder andere auch“, erklärte Richard kühl.
      Irgendwie verhielt Jessica sich heute ganz anders als sonst. Dass sie ihren Gegner ein wenig neckte, kannte man ja von ihr. Aber aus irgendeinem Grund schien sie richtig zornig auf Richard zu sein. Leise beschlich Richard der Verdacht, dass es etwas sein musste, was sein Vater vor dem Duell zu Jessica gesagt hatte…

      „Und überhaupt, auch alte Karten können ihren Zweck erfüllen. Denn Xyz-Monster haben keine Stufe, sondern einen Rang. Das heißt, ich kann Kachi Kochi Drache trotz meines Stufenbeschränkung – Gebiet B im Angriffsmodus spielen! Und noch etwas: Bevor mein Drache angreift, aktiviere ich noch meine verdeckte Karte!“, fuhr Richard fort und drehte diese um. „Die permanente Falle Drachenzorn! Wenn einer meiner Drachen jetzt ein Monster im Verteidigungsmodus angreift und seine Angriffspunkte höher sind als die Verteidigungspunkte deines Monsters wird dir die Differenz als Schaden zugefügt! Und jetzt los, zerstöre Abyssleed!“

      Der kristalline Drache stampfte auf das kniende Ungetüm mit dem kleinen Fischkopf zu und holte mit seinem Arm nach diesem aus, woraufhin sich das Hologramm in Luft auflöste. (Jessica: LP 3700 –> 2600)

      „Wenn Kachi Kochi Drache ein Monster im Kampf zerstört kann ich seinen Effekt aktivieren! Indem ich ein Xyz-Material abhänge, kann er noch einmal angreifen!“

      Der Große Drache schnappte nach einer der Sphären, die ihn umkreisten und verschlang diese.

      „Als Nächstes Abyssbalaen!“

      Das Schauspiel wiederholte sich, nur dass dieses Mal das Ungeheuer mit dem Walkopf das Ziel war. (Jessica: LP 2600 -> 2500)

      „Mit einer gesetzten Karte beende ich meinen Zug, und das heißt, dass sich der Effekt deiner Abyss-Sphäre aktiviert und sie mitsamt deinem Monster zerstört wird!“

      Das Hologramm der Fallenkarte verschwand, Jessicas verbliebenes Monster griff sich an die Gurgel und schließlich löste sich auch das Ungetüm mit dem roten Haikopf in Luft auf. [(Richard) Hand: 2 / Backrow: 1]

      „Obwohl Richards Deck auf den ersten Blick relativ wild zusammengewürfelt erscheinen mag, taktieren kann er!“, kommentierte MC Arthur. „Denn dank seines Zaubers Stufenbeschränkung – Gebiet B werden nicht nur Jessicas Monster in ihren deutlich schwächeren Verteidigungsmodus geändert, Richard macht sich auch noch die Eigenschaft der Xyz-Monster zunutze, dass diese keine Stufen haben und kann dadurch Jessicas komplettes Feld leeren! Jetzt sieht es wieder mehr als gut aus für unseren Vorrunden-Aufsteiger!“

      Jessica lächelte nur ein geheimnisvolles Lächeln.
      „Mein Zug“, sagte sie und zog eine Karte auf. „Hier habe ich einen Klassiker für dich! Elegante Wohltäterin! Ich darf nun also drei neue Karten ziehen, solange ich hinterher auch wieder zwei Karten abwerfe!“
      Sie nahm sich die drei Karten und fügte sie ihrer Hand hinzu, dann zog sie zwei Karten – eine braune Monster- und eine magentafarbene Fallenkarte – aus ihrem aufgestockten Blatt hervor und schob sie auf ihren Friedhof.

      „Und damit das Ganze nicht zu langweilig wird, habe ich für den Effekt von Elegante Wohltäterin meine Nixenrüstung Abyssgunde abgeworfen! Deren Effekt erlaubt es mir jetzt, ein beliebiges Nixenrüstung-Monster von meinem Friedhof zu beschwören! Willkommen zurück, Nixenrüstung Abyssmegalo!“

      Vor ihr erschien kurz das geisterhafte Hologramm einer Nixe mit kurzem, schwarzen Haar und orangefarbenem Fischschwanz, die die Augen schloss und die Hände wie zum Gebet faltete. Als sie verschwunden war, stand da wieder das Hologramm des rot-weißen Monstrums mit dem Haikopf, wegen Richards Stufenbeschränkung – Gebiet B im Verteidigungsmodus. (DEF: 1900)

      „Und sieh an, heute muss mein Glückstag sein, denn unter den gezogenen Karten war Topf der Gier! Also noch mal zwei Karten für mich!“

      Das Hologramm eines hässlichen grünen Topfs tauchte auf und Jessica nahm sich zwei weitere Handkarten.

      „Als Nächstes setze ich eine Karte verdeckt!“

      Vor ihr erschien das vergrößerte Hologramm einer braunen Kartenrückseite.
      „Jetzt schon?“, fragte Richard verwundert. Sowas machte man normalerweise erst am Ende des Zuges.

      „Siehst du doch“, erwiderte Jessica neckisch. „Aber keine Sorge, sie wird nicht lange bleiben, denn jetzt aktiviere ich einen weiteren Klassiker! Schwerer Sturm! Ich denke, du solltest wissen, was er bewirkt und falls nicht, erkläre ich es dir noch einmal: Alle Zauber- und Fallenkarten auf dem Spielfeld werden zerstört!“

      „Wenn das so ist, kette ich meine verdeckte Karte an!“, verkündete Richard und drehte diese um, woraufhin eine vergrößerte Ausgabe vor ihm hochklappte.
      Angsteinjagendes Gebrüll! Dadurch kannst du in diesem Spielzug nicht angreifen!“

      „Ich merk’ schon, du bellst lieber anstatt zu beißen. Aber davon lasse ich mich nicht aufhalten! Denn trotzdem zerstört Schwerer Sturm jetzt alle Zauber- und Fallenkarten auf dem Spielfeld!“

      Jessicas endlos langes, blondes Haar flatterte wild um ihr Gesicht, während ein Sturm aufbrauste, der Richards zwei Offenen und Jessicas verdeckte Karte mit sich riss.

      „Du fragst dich jetzt sicher, warum ich eine Karte gesetzt habe, nur um sie gleich im Anschluss zu zerstören. Nun, das liegt daran, dass die verdeckte Karte Abyss-Hohn war! Wenn diese verdeckte Karte zerstört wird, reißt sie eins deiner Monster mit in den Abgrund! Sag also auf Wiedersehen zu deiner kleinen Antiquität!“

      Vor Jessica erschien das geisterhafte, vergrößerte Hologramm einer Fallenkarte. Darauf zu sehen war eine Nixe, deren Gesicht zur Hälfte im Schatten lag und deren Augen wahnsinnig grün leuchteten. Statt Haaren sprossen ihr lange, rosane Tentakel aus dem Kopf.
      Solche schossen jetzt auch aus dem Hologramm der Fallenkarte auf Richard Monster zu und fesselten den kristallinen Drachen, dessen Hologramm sich in Luft auflöste.

      „Dieser Spielzug war ein gutes Beispiel für die unglaubliche Effizienz von Jessicas Deck! Denn dank ihrer Nixenrüstung-Karten schafft sie es, auch die Kosten und Nachteile von Freundliche Wohltat und Schwerer Sturm in Vorteil für sich zu verwandeln!“, weihräucherte MC Arthur.

      „Danke für die Blumen, MC“, sagte Jessica mit einem verführerischen Zwinkern für den Kommentator, der für die Duellanten und Zuschauer unsichtbar in einem Raum im Stadion saß.
      „Und da kommt noch mehr!“, fuhr Jessica fort. „Denn jetzt beschwöre ich eins meiner Lieblingsmonster! Nixenrüstung Abyssocea!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer bauchfreien Nixe, die ihrer Besitzerin mit ihrem langen, gewellten Blondhaar erstaunlich ähnlich sah. Sie hatte durchsichtige Flügel auf dem Rücken wie eine Fee und ihr langer Fischschwanz endete in einer Schwanzflosse, die wie bei einem Hai vertikal verlief. (ATK: 1100)

      „Einmal pro Spielzug kann ich durch den Effekt von Abyssocea eins meiner Nixenrüstung-Monster wählen und dann andere Nixenrüstung-Monster der Stufe 4 oder niedriger von meinem Deck beschwören, solange ihre gemeinsame Stufe nicht höher ist als die des gewählten Monsters! Anschließend wird das angezielte Monster auf den Friedhof geschickt. Das Beste daran: Nixenrüstung Abyssocea kann auch sich selbst wählen! Ich nutze also ihren Effekt, um Nixenrüstung Abyssdine als Spezialbeschwörung zu beschwören!“

      Die blonde Nixe faltete die Hände vor der Brust zusammen, schloss die Augen und verschwand. Kurz darauf erschien vor Jessica eine weitere Nixe. Diese hatte rosanes Haar und wirkte sehr jung. Ihr kurzer Fischschwanz war komplett flossenlos. Eine deutlich niedlichere Version des Monsters, das auf Abyss-Hohn zu sehen war.
      (ATK: 1000)

      „Aber gewöhn’ dich nicht zu sehr an sie, denn jetzt zeige ich dir, wie man richtig spielt! Ich mische Nixenrüstung Abyssdine vom Typ Aqua von meinem Feld sowie Abyssocea und Abyssleed vom Attribut Wasser von meinem Friedhof ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Die drei Karten stiegen in die Höhe und umkreisten sich anmutig. Richard sah missmutig zu ihnen hoch.

      „Abyssocea, Abyssdine und Abyssleed, spendet euer Leben, um den wahren Schrecken der Weltmeere aus seinem Schlaf zu erwecken! Erscheine, Nixenrüstung Abysskronos!“

      ~


      „Mein Zug!“, rief Alex entschlossen, zog eine Karte und holte mit grimmiger Vorfreude eine Zauberkarte aus ihrem Blatt.
      „Ich aktiviere den Zauber Handzerstörung! Damit werfen wir beide zwei Karten von unserer Hand ab, um danach zwei neue zu ziehen!“
      Sorgfältig wählte sie die beiden Monster aus, die sie auf den Friedhof schob. Schon bald würde sie ihren Phönix wiedersehen.

      „Ich weiß genau, was du vor hast! Aber deine Titanen-Monster kannst du vergessen!“, verkündete Devon, als hätte er Alex’ Gedanken gelesen und drehte seine verdeckte Karte um.
      „Ich aktiviere die Falle Eskalation der Monarchen! Damit kann ich in deinem Spielzug ein Monster als Tributbeschwörung beschwören! Ich biete also Majiosheldon als Tribut an, um Delg, der finstere Monarch als Tributbeschwörung zu beschwören!“

      Das alberne Männchen im gelben Anzug verschwand, an seine Stelle trat das überlebensgroße Hologramm eines Mannes in dunkler Rüstung, neben der er noch einen langen, grauen Umhang und eine gehörnten Helm trug. (ATK: 2400)

      „Wenn Delg, der finstere Monarch beschworen wird, kann ich zwei Karten in deinem Friedhof wählen und aus dem Spiel entfernen! Verabschiede dich also gleich wieder von den beiden Monstern, die du abgeworfen hast! Aber da kommt noch mehr: Du musst auch noch die obersten beiden Karten von deinem Deck auf den Friedhof schicken!“

      Widerwillig nahm Alex die beiden Karten, die sie gerade abgeworfen hatte, Feuervogel und Adlerauge, und steckte sie sich in die Hosentasche. Dann schickte sie hoffnungsvoll die obersten zwei Karten ihres Decks auf den Friedhof, doch es waren nur jeweils eine Zauber- und Fallenkarte.

      „Trotzdem kann ich noch zwei Karten für Handzerstörung ziehen!“, rief sie, als das alles geschehen war und nachdem sie ihre Hand aufgestockt hatte und Devon zwei seiner Handkarten gegen neue ausgetauscht hatte, fuhr sie fort:
      „Ich beschwöre Kleiner Phönix im Angriffsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm des kleineren, orangefarbenen Phönix. (ATK: 1600)

      „Jetzt aktiviere ich den Zauber Heulender Wind! Damit erhält Kleiner Phönix einen kleinen Power-Schub in Form von 1000 Extra-Angriffspunkten!“

      Der orangefarbene Vogel leuchtete in einem grünen Licht auf und breitete die Flügel aus. (Kleiner Phönix: ATK 1600 -> 2600)

      „Greif’ Delg, der finstere Monarch an!“

      Der Vogel erhob sich in die Luft und im Sinkflug stellte er sich schräg, um Devons Monster mit einer grün leuchtenden Schwinge hart am Kopf zu treffen, woraufhin sich das Hologramm in Luft auflöste. (Devon: LP 4000 -> 3800)

      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“ [Hand: 2 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran!“ meinte Devon. „Ich ziehe! Da Majiosheldon als Tribut für eine Tributbeschwörung angeboten wurde, kann ich ihn jetzt als Spezialbeschwörung von meinem Friedhof beschwören!“

      Auf Devons Feld erschien wieder das Hologramm des kleinen Mannes mit dem roten Bart. (DEF: 2000)

      „Doch inzwischen solltest mich gut genug kennen, um zu wissen, dass er nicht lange bleiben wird! Ich biete Majiosheldon als Tribut an, um Raiza der Sturmmonarch als Tributbeschwörung zu beschwören!“

      Erneut verschwand das Männchen und machte dem Hologramm eines überlebensgroßen Mannes in Rüstung Platz. Dieser war fast komplett grün und auf seinen Schultern lag ein riesiger Metallring, an dem ein langer Umhang herabhing. Sein Helm war so geformt, dass er an den Kopf eines Adlers erinnerte. (ATK: 2400)

      „Wenn Raiza der Sturmmonarch als Tributbeschwörung beschworen wird kann ich eine Karte auf dem Spielfeld wählen, die ohne Umwege zurück aufs Deck wandert! Sag also auf Wiedersehen zu deinem kleinen Singvogel!“, verkündete Devon, sein Monster streckte sich und entfachte einen Wirbelsturm, der sich ausbreitete und Alex’ Monster zu erfassen drohte.

      „Och nö, da aktiviere ich lieber meine Fallenkarte!“, erwiderte Alex und drehte diese um. „Umsatz der Seele! Ich kann diese Karte aktivieren, indem ich ein als Normalbeschwörung beschworenes Monster als Tribut anbiete, solange ich keine Monster kontrolliere, die als Spezialbeschwörung beschworen wurden! Auf diese weise kann ich zwei Karten ziehen!“

      Der orangefarbene Vogel stieg in die Luft und ging anschließend in Flammen auf. Aus der so entstandenen Stichflamme lösten sich zwei große Funken mit Karten darin, die Alex auffing.

      „Na von mir aus“, brummte Devon. „Hauptsache dein komischer Vogel ist weg vom Fenster! Denn so hat Raiza freie Bahn! Los, Sturmangriff!“

      Der riesige Mann in der grünen Rüstung stieß sich vom Boden ab und machte einen langen Satz nach vorne. In der Luft bildete sich in seiner Hand eine Kugel aus Wind, die er auf Alex schleuderte, die dem Angriff schutzlos ausgeliefert war.
      (LP 4000 -> 1600)

      „Ich beende meinen Zug, aber bevor ich das mache, habe ich noch eine besonders lustige Karte für dich!“, fuhr Devon fort und steckte eine Karte in seine Duel Disc. Vor ihm erschien das vergrößerte Hologramm einer grünen Zauberkarte, auf der mehrere von Devons Monarchen zu sehen waren, die durch ein brennendes Land zogen. „Den permanenten Zauber Marsch der Monarchen! Dieser verbietet es mir zwar, Monster von meinem Extra Deck zu beschwören, aber das habe ich im Gegensatz zu dir sowieso nicht nötig. Dafür aber können meine als Tributbeschwörung beschworenen Monster ab jetzt weder als Ziel für Karteneffekte gewählt werden, noch von diesen zerstört werden!“ [Hand: 2 / Backrow: 0]

      „Und wenn schon“, meinte Alex betont gleichgültig. „Mein Zug!“

      Sie zog eine Karte, betrachtete sie kurz und holte dann eine andere aus ihrem Blatt hervor.

      „Ich beschwöre Glaubensvogel im Angriffsmodus! Doch er wird nicht lange bleiben, denn jetzt mische ich ihn zusammen mit Kleiner Phönix von meinem Friedhof ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Kaum hatte es das Feld betreten, schon nahm das Hologramm des hübschen, blauen Vogels die Gestalt einer gelblichen Monsterkarte an und stieg zusammen mit der bräunlichen Karte von Kleiner Phönix hoch in die Luft, wo sich die beiden Karten anmutig umkreisten.

      „Ich erspar’ dir mal die üblichen Sprüche und komm gleich zur Sache: Leg’ los, Phönix der Wiedergeburt!“

      Eine leuchtende Lichtsphäre bildete sich um die Karten und das der blendend helle Lichtblitz in den Boden einschlug, hinterließ dieser einen riesigen, brennenden Vogel, der mit einem Schrei in die Luft schoss. (ATK: 2500)

      „So ist’s richtig. Benutz ruhig deine tollen Titanen-Karten, weil du ja sonst keine Chance hast, zu gewinnen!“, höhnte Devon. Es war, wie Richard gesagt hatte: Er schob alles nur auf ihre Karten. „Wo hast du die Dinger eigentlich her? Hast in deinem komischen Vogelkostüm vor einem reichen Geschäftsmann mit dem Hintern gewackelt, nehm’ ich mal an!“

      „Falls es dir nicht aufgefallen ist, Blitzmerker…“, entgegnete Alex zornig. Wofür hielt der sie eigentlich? „…ich hatte meinen Phönix schon bevor ich mich im Untergrund duelliert habe. Warum sonst hätte ich mich ‚Phoenix’ nennen sollen? So langsam hängt mir dein Gelaber echt zu beiden Ohren raus. Los, Phönix der Wiedergeburt, greif dieses grüne Männchen an mit Brennender Zorn!“

      Der riesige, brennende Vogel stieg hoch in die Luft und setzte zum Sturzflug auf den Mann in der grünen Rüstung an. Der wehrte sich mit einem Wirbelsturm, der sich um seine Hand bildete, konnte den brennenden Schwingen des Phönix jedoch nichts entgegensetzen und löste sich schließlich in Luft auf. (Devon: LP 2200 -> 2100)

      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“, schloss Alex.
      [Hand: 3 / Backrow: 1]

      „Gut, dann bin ich dran!“, sagte Devon. Er zog eine Karte von seinem Deck und grinste heimtückisch. „Du weißt, was jetzt kommt! Willkommen zurück, Majiosheldon!“

      Erneut holte er die Karte von seinem Friedhof und auf seinem Feld erschien abermals der kleine, dicke Mann mit dem roten Schnurrbart. (DEF: 2000)

      „Aber es kommt noch besser! Denn jetzt aktiviere ich den Zauber Gehirnkontrolle! Zum Preis von läppischen 800 Lebenspunkten gehört dein geliebter Phönix bis zur End Phase mir!“ (Devon: LP: 3700 -> 2900)

      „Was?!“, fragte Alex entsetzt, während aus einem vergrößerten Hologramm der Zauberkarte hypnotische Wellen in Form von kleinen, blauen Ringen auf den Phönix zuflogen. Der wandte sich seiner Besitzerin zu und warf ihr einen verächtlichen Blick zu, was besonders deswegen schmerzte, weil seine Augen genau denen Lilys glichen. Anschließend breitete der Phönix seine Flügel aus und flatterte hinüber zu Devon, der schadenfroh lachte.

      „So ist es!“, erwiderte Devon und es bereitete ihm sichtlich Freude, Alex ihres Lieblingsmonsters zu berauben. „Aber wie gesagt habe ich im Gegensatz zu dir nicht die Hilfe von Titanen-Monstern nötig! Deshalb biete ich Phönix der Wiedergeburt und Majiosheldon als Tribut an, um ein Monster zu beschwören, das seinen Titel auch verdient hat! Los, Thestalos der Megamonarch!“

      Kaum auf Devons Seite des Feldes gewechselt, schon verschwand der Phönix zusammen mit dem rothaarigen Mann, um dem Hologramm eines riesigen Mannes in rotgoldener Rüstung Platz zu machen, der mit seinem gehörnten Kopf fast die von durchlöcherten Stahlträgern getragene Decke berührte. Seine Arme waren über und über mit großen Dornen bedeckt und endeten in klauenartigen Händen. Außerdem trug er einen langen Umhang, dessen Außenseite blau war, die Innenseite jedoch rot. (ATK: 2800)

      „Wenn Thestalos der Megamonarch als Tributbeschwörung beschworen wird, musst du eine Karte aus deiner Hand abwerfen! Und wenn es ein Monster war, erhältst du Schaden in Höhe seiner Stufe mal 200!“

      „Tja, dumm gelaufen, Devon“, erwiderte Alex und zeigte ihr Blatt vor, das nur aus grünen Zauberkarten bestand. „Ich habe keine Monster in meiner Hand.“

      „Dann nimm’ eben Schwerer Sturm!“, sagte Devon verärgert und während Alex tat, wie ihr geheißen, fuhr er fort: „Aber Schaden nimmst du trotzdem! 1000 Punkte, wenn du es genau wissen willst!“

      Der gigantische Mann in der rotgoldenen Rüstung schleuderte eine baggerschaufelgroße Hand voll Feuer nach Alex, die sich schützend den Arm mit der Duel Disc vors Gesicht hielt. (Alex: LP 1600 -> 600)

      „Wo kamen die denn her?“, knurrte sie. Devon lachte schadenfroh.

      „Du kannst dich bei deinem geliebten Phönix bedanken! Denn dank ihm wurde ein Feuer-Monster für die Tributbeschwörung von Thestalos der Megamonarch verwendet, dadurch wurde sein Effekt ausgelöst! Und übrigens: Er kann immer noch angreifen! Also los, beende dieses Duell!“

      ~


      Ein blendend heller Lichtblitz schlug in das Duellfeld vor Jessica ein. Um den Einschlagkrater herum bildete sich ein Strudel aus Wasser, der sich in die Luft erhob und dort die Form einer gewaltigen, rotierenden Sphäre annahm, in der der Schatten einer gewaltigen Kreatur zu erkennen war.
      Diese spannte auf einmal ihren Körper an und die Sphäre aus Wasser sprengte auf. Die Wassermassen, für die auf einmal wieder die Gesetze der Schwerkraft galten, fielen zu Boden und holografische Wellen schwappten über Richards Füße, deren Besitzer gebannt zu dem Monstrum hinüberstarrte, das in der Sphäre gewesen war. Sich wie ein Ninja auf einer Hand abstützend, war es auf dem Duellfeld gelandet. Die andere Hand war über dem Rücken und hielt eine gewaltige, goldene Stange, an deren Enden sich jeweils ein goldener Kranz und eine Speerspitze befanden.
      Wie bei Jessicas anderen Hauptmonstern handelte es sich um ein humanoides Meeresungeheuer. Es hatte einen weißen Bauch und einen schwarzen Rücken und trug eine golden umrandete, schwarze Rüstung mit segmentierten, nach oben gebogenen Schulterplatten, die an kurze Flügel erinnerten.
      Das mit Abstand Furchterregendste an dem Monster war jedoch sein Kopf. Dieser war lang, dreieckig und erinnerte am ehesten an den eines Alligators. Das riesige Maul war mit gebogenen, braunen Zähnen bestückt, jeder in etwa so lang wie Richards Hand, und jedes der orange glühenden Augen mit den schmalen, schlangenhaften Pupillen hatte in etwa Form und Größe eines Footballs. (ATK: 2600)

      „Nicht schlecht, was?“, meinte Jessica recht von sich selbst überzeugt, während das Publikum ihr Monster bejubelte.
      „Wenn Abysskronos als Titanen-Beschwörung beschworen wird, kann ich eine beliebige Anzahl an Handkarten abwerfen, um anschließend die gleiche Menge an neuen Karten zu ziehen! Aber ich glaube, das lasse ich heute mal bleiben, ich nutze lieber gleich seinen zweiten Effekt! Einmal pro Spielzug kann ich eine Fallenkarte von meinem Friedhof aus dem Spiel entfernen, deren Kartenname „Abyss“ enthält. Anschließend kann ich den Effekt der Fallenkarte als den Effekt von Abysskronos ausführen! Und ich entscheide mich für Abyss-Sphäre! Damit kann ich ein Nixenrüstung-Monster von meinem Deck beschwören! Los, Nixenrüstung Abyssleed!“

      Vor Jessica erschien kurz das geisterhafte Hologramm der Fallenkarte mit der ertrinkenden Nixenrüstung Abysslinde, welches dann jedoch von dem schwarzen Monster mit seinem Doppelspeer aufgespießt wurde und verschwand. Kurz darauf erschien aus einem riesigen Wasserstrudel wieder das gehörnte Monster mit dem Fischkopf auf Jessicas Feld. (ATK: 2700)

      „Dein Glück, dass deine Fallenkarte Angsteinjagendes Gebrüll mich am angreifen hindert, so bleibt mir nichts anderes mehr übrig, als meinen Zug vorerst mit einer verdeckten Karte zu beenden“, schloss sie. [Hand: 0 / Backrow: 1]

      „Gut, dann bin ich dran“, sagte Richard ruhig. „Ich ziehe.“

      Er betrachtete die gezogene Karte: Erdbeben. Er mochte es zwar nicht besonders, diese Karte auszuspielen, aber sie harmonierte viel zu gut mit seinem Metallrüstungs-Drachen, um sie nicht in seinem Deck zu haben.
      „Ich aktiviere den Zauber Erdbeben! Dadurch werden alle offenen Monster in den Verteidigungsmodus gewechselt!“

      Die Hologramme der Karten vibrierten, was zusammen mit den lauten Soundeffekten die täuschend echte Illusion erschuf, die Erde würde beben. Richard schloss die Augen und atmete tief durch, um die Bilder zu verdrängen, die das Ausspielen dieser Karte immer in seinem Kopf hervorrief.
      Er war in der Duellakademie und trug die blaue Jacke, die er so wenig leiden konnte. Eilig rannte er mit seinen Klassenkameraden durch die Säulengalerie, die zum Haupteingang führte. Die Erde bebte so stark, dass er beim Laufen ständig ins Wanken geriet wie ein Betrunkener, während die Säulenarkaden rundherum krachend zu bersten begannen.
      Richard und seine Klasse hatten fast das Ende der Arkaden erreicht, als weit hinter ihnen mit einem ohrenbetäubenden Krachen einer der ersten Bögen vor dem Eingang einstürzte. Doch es war nicht nur der Krach. Darunter war auch ein schrecklicher, langgezogener Schrei.
      Verunsichertes und ängstliches Gemurmel erhob sich, doch Richard war der einzige, der handelte. Er rannte los um zu helfen, obwohl Mr. Maverick versuchte, ihn aufzuhalten. Während er rannte, stürzten noch mehrere weitere Säulenbögen ein, doch er war zu schnell, um unter deren Trümmern begraben zu werden. Als er endlich am Ende der Arkaden angelangt war, erstreckte sich hinter ihm ein Trümmerfeld und zwischen den Überresten des ersten Bogens drang schmerzerfülltes Stöhnen hervor. Halb unter den Trümmern begraben fand er schließlich Cathy Stevens vor. Ein großer Betonbrocken hatte sie an der Schläfe getroffen und eine klaffende Wunde hinterlassen, aus der Blut über ihre rechte Gesichtshälfte strömte und ihr langes, dunkelblondes Haar verklebte. Die Pupille des Auges, das nicht geschlossen und von Blut überströmt war, war so stark geweitet, dass das Auge mit Ausnahme eines klaren, blauen Rings komplett schwarz erschien. Dankbar starrte Cathy zu Richard empor. Es waren ihre klaren, blauen Augen, in die Richard jedes Mal blicken musste, wenn er seinen Metallrüstungs-Drachen beschwor…

      Richard öffnete seine eigenen Augen und der Jubel des Publikums, der in seinem Schädel dröhnte wie der Lärm von tausend Presslufthämmern, holte ihn mit einem Schlag zurück in die Realität.

      „Was ist los, Richie?“, höhnte Jessica, deren Monster inzwischen allesamt eine kniende Haltung eingenommen hatten. „Fängst du jetzt auch noch an, zu meditieren?“
      (Nixenrüstung Abyssleed: DEF 1000; Nixenrüstung Abysskronos: DEF 1500)

      „Wohl kaum“, erwiderte Richard kühl. Was war nur los mir Jessica? Dass sie ihren Gegner so respektlos behandelte, kannte man gar nicht von ihr.
      „Du willst also, dass ich mit der Zeit gehe? Dann sieh, was es dir bringt! Denn jetzt mische ich Drache, der in der Höhle haust vom Typ Drache sowie Reactan, Drachenherrscher der Kiesel und Kachi Kochi Drache vom Attribut Erde von meinem Friedhof ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Die drei Karten – eine braun, eine gelblich und eine schwarz – stiegen hoch in die Luft und umkreisten sich anmutig, während Richard die Karten zurück in sein Deck oder Extra Deck steckte.

      „Die Kräfte der Drachen und die Kräfte der Erde, vereint euch und entfesselt eine neue Kraft! Erscheine, Metallrüstungs-Drache!“

      ~


      Der riesige Mann in der rotgoldenen Rüstung entfachte ein Feuer an seiner rechten Klauenhand, ballte sie zur Faust und holte zum Schlag aus. In dieser Pose stürmte er auf Alex zu, die jedoch nicht mit der Wimper zuckte.
      „Du wirst dich noch ein wenig gedulden müssen!“, sagte sie und drehte ihre verdeckte Karte um. „Denn ich aktiviere die Falle Verteidigungsziehen! Dadurch wird der Schaden, den ich nehme, gleich 0! Außerdem kann ich noch eine weitere Karte ziehen!“

      Sie zog auf, während Devons Monster zu seinem Besitzer zurückkehrte.

      „Du nervst vielleicht…“, meinte der. „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“

      „Dann bin ich dran!“, rief Alex. „Ich ziehe!“

      „Ich fange an mit Fushi No Tori!“

      Auf ihrem Feld erschien ein rosa Vogel mit brennenden Flügeln (ATK: 1200)

      „Doch damit nicht genug! Denn jetzt aktiviere ich den Schnellzauber Schwalbennest! Indem ich Fushi No Tori als Tribut anbiete, kann ich ein anderes Geflügeltes Ungeheuer der Stufe 4 von meinem Deck beschwören! Und ich entscheide mich für Roter Totenkopfvogel!“

      Der brennende rosa Vogel verschwand und stattdessen erschien auf Alex’ Feld ein unheimlicher roter Vogel, der auf einem Totenschädel saß. (ATK: 1550)

      „Ich denke, du weißt, was jetzt kommt! Ich mische Roter Totenkopfvogel vom Attribut Wind von meinem Feld und Phönix der Wiedergeburt vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Friedhof ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen! Erscheine, Sturmvogel!“

      Die gelbliche Normale Monsterkarte und das grüne Titanen-Monster stiegen in die Luft und umkreisten sich anmutig. Einen Lichtblitz später hatte das Hologramm eines monströsen, schwarz-weißen Vogels ihr Feld betreten. (ATK: 2100)

      „Ich aktiviere den Effekt von Sturmvogel! Einmal pro Spielzug kann ich eine deiner Karten wählen und dann musst du sie zurück ins Deck mischen!“

      Devon lachte spöttisch. „Nicht zu fassen, du bist wirklich so dumm, wie ich gedacht habe. Schon vergessen? Solange ich Marsch der Monarchen kontrolliere können meine als Tributbeschwörung beschworenen Monster nicht als Ziel für Karteneffekte gewählt werden!“

      Innerlich klatschte sich Alex die Hand ins Gesicht. Wie konnte sie das nur vergessen?
      „Hatte ich eh nicht vor!“, schwindelte sie. „Denn niemand zwingt mich dazu, ein Monster zu wählen! Denn stattdessen mischt du deinen Marsch der Monarchen ins Deck zurück!“

      Offenbar hatte Devon es ihr abgekauft, dass das von Anfang der Plan war, denn ohne einen weiteren Kommentar steckte er die Zauberkarte zurück in sein Deck und verengte zornig die Augen.

      „Aber ich bin noch lange nicht fertig!“, fuhr Alex fort. „Denn dank meines Sturmvogels ist mein Phönix wieder in meinem Extra Deck gelandet. Deshalb kann ich jetzt Fushi No Tori vom Attribut Feuer von meinem Friedhof und Sturmvogel vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Feld zurück ins Deck mischen, um eine weitere Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Erneut stieg eine grüne Karte hoch in die Luft, diesmal begleitet von einem brauen Effektmonster.

      „Die Kraft des Feuers und die Kraft der Vögel, vereint euch und entfesselt eine neue Kraft! Erscheine, Phönix der Wiedergeburt!“

      Es gab einen weiteren Lichtblitz und aus einer Stichflamme schoss schreiend der riesige, orange-rote Vogel empor (ATK: 2500)

      „Los, greif' Thestalos der Megamonarch an mit Brennender Zorn!“

      Der riesige Vogel stieg hoch empor und setzte zum Sturzflug auf Devons Monster an.

      „Ich aktiviere den Effekt den Phönix der Wiedergeburt! Wenn er ein Monster angreift, das mehr Angriffspunkte hat als er selbst, kann ich Lebenspunkte in Höhe der Differenz bezahlen und meinem Phönix genau so viele Angriffspunkte hinzu erhalten lassen! Flamme der Aufopferung!“
      (Alex: LP 600 -> 300 / Phönix der Wiedergeburt: ATK 2500 -> 2800)

      Mitten im Sturzflug fing der Phönix Feuer wie ein Komet und schlug mit voller Wucht auf der Brust des Monarchen auf, woraufhin sich beide Hologramme in Luft auflösten.

      „Mit einer gesetzten Karte beende ich meinen Zug, aber vorher aktiviert sich noch der Effekt meines Phönix im Friedhof und er kehrt zu mir zurück! Flammende Wiedergeburt!“

      Zum dritten Mal in diesem Duell gab es eine Stichflamme und schreiend schoss der Phönix in die Luft. (ATK: 2500)

      „Lass dir mal was Neues einfallen“, meinte Devon geringschätzig.

      „Warum sollte ich, wo das alte doch so gut funktioniert?“, erwiderte Alex.

      „Wir werden ja sehen, wie gut es funktioniert. Mein Zug!“
      Devon zog eine Karte von seinem Deck und setzte wieder ein hämisches Grinsen auf.

      „Zunächst kehrt Majiosheldon auf mein Feld zurück, da er in meinem letzten Zug als Tribut für eine Tributbeschwörung benutzt wurde!“, das Männchen im gelben Anzug erschien wieder auf seinem Feld, „Und dann…“, fuhr er fort und griff nach seiner verdeckten Karte. „Aktiviere ich meine verdeckte Karte! Sie nennt sich Quantenkatze, und wenn ich sie aktiviere, wird sie als Monster auf meine Spielfeldseite beschworen!“

      Vor ihm erschien das Hologramm einer magentafarbenen Fallenkarte, das sich jedoch wandelte und die Gestalt eines Käfigs annahm, in dem eine schwarze Katze mit grün glühenden Augen hockte. (DEF: 2200)

      „Wenn Quantenkatze beschworen wird kann ich ihren Typ und ihre Eigenschaft bestimmen. Der Typ ist mir ziemlich egal, sagen wir einfach Ungeheuer. Was aber die Eigenschaft angeht, so finde ich Finsternis ganz gut!“

      Die Katz in dem Käfig miaute und plötzlich veränderte sich die Form ihrer hinteren Körperhälfte, die zu einem unförmigen lila Nebel wurde.

      „Und das Beste kommt noch!“, verkündete Devon schadenfroh. „Denn jetzt biete ich meine beiden Monster als Tribut an, um das stärkste Monster in meinem Deck zu beschwören! Der ultimative Herrscher der Finsternis! Caius der Megamonarch!“

      ~


      Erneut schlug ein blendend heller Lichtblitz in das Duellfeld ein, diesmal auf Richards Seite. Gebannt sah das Publikum dabei zu, wie ein gigantisches Ungetüm in metallener Rüstung sich aus dem Erdboden freikämpfte und zornig brüllte. Richard sah hinauf in das Gesicht seines Drachen, der seinen Blick mit Cathys klaren, blauen Augen erwiderte. (ATK: 3000)

      „Greif’ Abyssleed an“, forderte er sein Monster auf, welches auf das Ungetüm mit dem lila Fischkopf zustürmte und mit seinen schwertartigen Knöchelfortsetzen angriff, sodass sich das Hologramm in Luft auflöste.

      „Wenn Metallrüstungs-Drache ein Monster im Verteidigungsmodus durch Kampf zerstört, kann er gleich noch einmal angreifen! Los, Umfassende Zerstörung, diesmal lautet dein Ziel Nixenrüstung Abyssmegalo!“

      Der riesige Drache wirbelte herum. In blinder Zerstörungswut holte er mit seinem mit beilartigen Klingen bestückten Schwanz nach dem Ungetüm mit dem Haikopf aus, und traf es mit voller Wucht, woraufhin sich auch sein Hologramm in Luft auflöste.

      „Und der Effekt meines Drachen ist nicht auf einen Einsatz pro Spielzug beschränkt! Da er also schon wieder ein Monster im Verteidigungsmodus durch Kampf zerstört hat, kann er noch einmal angreifen! Los, diesmal lautet dein Ziel Nixenrüstung Abysskronos!“

      Erneut wirbelte der Drache stampfend herum und nahm Jessicas Titanen-Monster ins Visier. Mit einer der sensenartigen Klingen, die aus seinen Ellenbogen sprossen, holte er nach diesem aus.

      „Nicht so schnell!“, gebot Jessica. „Ich aktiviere die Fallenkarte Verspätete Rettung! Wenn du zum dritten Mal in der selben Battle Phase angreifst annulliert diese Karte den Angriff und beendet deinen Zug! Außerdem kann ich noch eine Karte ziehen!“
      [(Richard) Hand: 2 / Backrow: 0]

      Ein strahlendes Licht breitete sich aus, als Jessicas verdeckte Karte aufgedeckt wurde und blendete Richard und seinen Drachen. Cathys Augen rollten wild in dessen Augenhöhlen, er brüllte zornig und strampelte wild um sich, als würden unsichtbare Fäden ihn daran hindern, seine Zerstörungswut auszuleben.
      Jessica zog lässig eine Karte von ihrem Deck und fuhr dann fort: „Da du jetzt eine kleine Zwangspause einlegen musst, bin ich dran. Ich ziehe. Zunächst ändere ich Nixenrüstung Abysskronos in den Angriffsmodus!“

      Das schwarz-weiße Monstrum stand auf und brüllte zornig. (ATK: 2600)

      „Und jetzt aktiviere ich den Effekt von Abysskronos! Indem ich Abyss-Hohn von meinem Friedhof aus dem Spiel entferne, führe ich dessen Effekt als Effekt von Abysskronos aus und er erhält 1000 zusätzliche Angriffspunkte!“

      Erneut erschien das geisterhafte Hologramm einer Fallenkarte vor Jessicas Monster, diesmal jene, auf der die Nixenrüstung Abyssdine mit den Tentakelhaaren zu sehen war. Das schwarz-weiße Ungetüm spießte die Fallenkarte mit seinem Doppelspeer auf, leuchtete in einem roten Licht auf und stieß ein weiteres zorniges Brüllen aus. (Nixenrüstung Abysskronos: ATK 2600 -> 3600)

      „Und jetzt los, Nixenrüstung Abysskronos! Greif’ Metallrüstungs-Drache an mit Zorn der Tiefe!“

      Mit einer für so ein riesiges Geschöpf erstaunlichen Sprungkraft machte Jessicas Monster einen Satz nach vorn, klammerte sich an Richards Drachen fest und begann, mit seinem schrecklichen, langgezogenen Kiefer an dessen gepanzertem Hals zu nagen. Der Drache schlug um sich und brüllte zornig. Offenbar war es genau das, worauf Jessicas Monster hinauswollte, denn sobald der Drache sein Maul öffnete, stieß es ihm seinen Doppelspeer in den Rachen. Ein schmerzerfülltes Brüllen später war das Hologramm des Drachen verschwunden.
      (Richard: 2600 -> 2000)

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Jessica.
      (Nixenrüstung Abysskronos: ATK 3600 -> 2600)
      [Hand: 2 / Backrow: 0]

      „Dann bin ich dran!“, sagte Richard. „Ich ziehe!“

      Er betrachtete die gezogene Karte: Doppelte Wiedergeburt. Zwar konnte die ihm eine Möglichkeit bieten, seinen Metallrüstungs-Drachen zurückzuholen, aber er konnte sie erst aktivieren, wenn auch Jessica ein Monster von ihrem Friedhof als Spezialbeschwörung beschwor. Nichts, worauf man sich verlassen sollte.

      „Ich beschwöre Golemdrache im Verteidigungsmodus!“

      Er legte die Karte auf seine Duel Disc und das Monster, das auf seinem Feld erschien, war mehr Statue als Drache. Sein brauner Körper war wie aus Stein gemeißelt und sich die breiten Vorderbeine schützend vor das Gesicht haltend, kauerte er sich auf den Boden. (DEF: 2000)

      „Ich setze noch eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“
      [Hand: 1 / Backrow: 1]

      „Ich hätte ein wenig mehr von dir erwartet, aber egal“, meinte Jessica. „Mein Zug!“

      Entgeistert starrte sie ihre gezogene an. Man musste kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass es eine richtig gute war.

      „Ich aktiviere den Effekt von Abysskronos! Kennst du eigentlich schon Abysssturmbö? Jedenfalls habe ich sie vorletzte Runde für den Effekt von Elegante Wohltäterin abgeworfen und jetzt entferne ich sie von meinem Friedhof aus dem Spiel, um ihren Effekt als den von Abysskronos auszuführen! Und Abysssturmbö erlaubt es mir, drei Nixenrüstung-Monster von meinem Friedhof als Spezialbeschwörung im Verteidigungsmodus zu beschwören! Kommt also zurück zu mir, Abyssleed, Abyssmegalo, Abyssbalaen!“

      Zum dritten Mal in diesem Duell erschien vor Jessicas Monster das geisterhafte Hologramm einer magentafarbenen Fallenkarte. Darauf zu sehen waren drei Nixen, die in die Luft gesprungen waren und zwischen denen sich ein leuchtendes Dreieck gebildet hatte. Der schwarz-weiße Monstrum spießte die Karte mit seinem Doppelspeer auf und kurz darauf entstanden drei Wasserhosen neben dem Monster, aus denen nacheinander das Monster mit dem lila Fischkopf (DEF: 1000), das mit dem roten Haikopf (DEF: 1900) und das mit dem blau-gelben Walkopf (DEF: 2000) erschienen, allesamt in kniender Haltung.

      „Genau darauf habe ich gewartet!“, verkündete Richard. „Denn wenn du Monster als Spezialbeschwörung von deinem Friedhof beschwörst, kann ich meine Falle Doppelte Wiedergeburt aktivieren! Sie erlaubt es mir ebenfalls, ein Monster von meinem Friedhof als Spezialbeschwörung zu beschwören! Und ich entscheide mich für Metallrüstungs-Drache!“

      Mit einem zornigen Brüllen kehrte der riesige, gepanzerte Drache auf sein Feld zurück. (ATK: 3000)

      „Doch damit nicht genug! Denn dank Doppelte Wiedergeburt kann ich auch noch eins deiner Monster in den Verteidigungsmodus zwingen! Und ich entscheide mich für Nixenrüstung Abysskronos!“

      Wieder ging das schwarz-weiße Ungetüm in die Knie. (DEF: 1500)

      „Du nervst vielleicht“, sagte Jessica. „Dann setze ich eben noch eine Karte verdeckt und beende meinen Zug.“

      Vor Jessica erschien das vergrößerte Hologramm einer braunen Kartenrückseite, das hinter den massiven Rücken ihrer Meeresungeheuer kaum zu sehen war.

      „Mein Zug“, sagte Richard und zog eine Karte von seinem Deck. Nichts, womit er Jessicas verdeckte Karte loswerden konnte, deshalb musste er wohl das Risiko eingehen.

      „Du weißt, was jetzt kommt. Wann immer Metallrüstungs-Drache ein Monster im Verteidigungsmodus durch Kampf zerstört, kann er gleich noch einmal angreifen! Also los, Umfassende Zerstörung!“

      Der Drache setzte sich bereit zum Angriff in Bewegung. Jessicas Hand fuhr zu ihrer verdeckten Karte, jedoch schien sie es sich im letzten Moment anders zu überlegen. Sie hielt inne und biss sich auf die Lippe, angestrengt, nichts zu sagen, während der gepanzerte Drache sich eins ihrer Monster nach dem anderem vorknöpfte.

      „Und da auch Nixenrüstung Abysskronos im Verteidigungsmodus war, hat Metallrüstungs-Drache immer noch einen Angriff gut. Und diesmal greift er dich direkt an!“, sagte Richard, als sich auch Jessicas letztes Monster sich in Luft aufgelöst hatte. „Los, beende dieses Duell!“

      Mit zornig verengten Augen starrte Jessica hoch in das Gesicht des gepanzerten Drachen, in dessen Maul sich gerade die blaue Energiekugel bildete, die ihre Lebenspunkte endgültig auf 0 senken würde…

      ~


      Das Männchen im gelben Anzug und der Käfig mit der mutierten Katze verschwanden und der Monarch, der an ihre Stelle trat, war der furchterregendste, den Devon bisher beschworen hatte. Obwohl er eine gebückte Haltung eingenommen hatte, reichte er fast bis zur Decke. Sein langer, zerfetzter, schwarzer Umhang hing von Schulterplatten herab, die wie blutige Klauen auf seinen Schultern lagen und zwei riesige, gebogene Hörner wucherten seitlich aus seinem im Vergleich zum Körper kleinem Kopf. Außerdem waren seinen Ellenbogen ähnlich denen von Richards Metallrüstungs-Drachen zu sensenartigen Klingen verlängert. (ATK: 2800)

      „Wenn Caius der Megamonarch als Tributbeschwörung beschworen wird, entfernt er eine deiner Karten aus dem Spiel!“, erklärte Devon. „Und weil dank Quantenkatze ein Finsternis-Monster als Tribut angeboten wurde, machen wir doch gleich zwei daraus! Aber das Duell ist jetzt sowieso vorbei, denn Caius der Megamonarch verpasst dir auch noch 1000 Punkte Schaden!“

      Der riesige, finstere Mann spannte seine Muskeln an und aus seinem Körper drangen zwei Objekte, die aussahen wie lila Totenköpfe und Nebelschwaden hinter sich herzogen. Diese Geisterhaften Schemen schossen nun auf Alex’ Phönix der Wiedergeburt und ihre verdeckte Karte zu.
      Devon lachte triumphierend, während einer der Geister in den Körper des Phönix eindrang, der qualvoll aufschrie und verschwand, verstummte jedoch, als er sah, dass seine Gegnerin immer noch auf den Beinen war, vor ihr das vergrößerte Hologramm einer Fallenkarte.

      „Was ist passiert?“, fragte er.

      „Tja, an den Effekt deines Monarchen habe ich die Fallenkarte Mystische Lebensbarriere angekettet! Zum Preis von einer Handkarte wurde dadurch sämtlicher Schaden, den ich diese Runde nehme, auf 0 reduziert! Und damit sich das ganze auch lohnt, habe ich für den Effekt Schützling des Phönix abgeworfen, die, wenn sie in den Friedhof gelangt, mich ein Feuer-Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Deck auf die Hand nehmen lässt! Und ich entscheide mich für Kleiner Phönix!“, erklärte Alex und griff nach der Karte, die ihre Duel Disc hervorschob.

      „Ach ja, die hast du schon gegen diese Nervensäge Billy eingesetzt“, brummte Devon. Dann fuhr er in seinem üblichen, höhnischen Tonfall fort: „Wie geht’s ihm eigentlich? Hast ihm gehörig das Leben versaut, was? Ganz ehrlich: Du magst eine ganz passable Duellantin sein, aber als Lebensberaterin bist du echt miserabel.“

      „Halt die Klappe!“, blaffte Alex ihn an.

      „Hab wohl ´nen Nerv getroffen“, höhnte Devon. „Du magst es wohl nicht, wenn Irgendwas an deinem perfekten kleinen Image kratzt…“

      „Es ist mir egal, was andere über mich denken“, erwiderte Alex verächtlich, fuhr dann aber voller Reue fort: „Aber es ist mir nicht egal, wenn jemandem wegen mir das Herz gebrochen wird.“

      „Wie süß…“, meinte Devon. „Du bist wohl ein kleines Sensibelchen…“

      „Ach sei doch ruhig!“, sagte Alex wütend. „Du hast keine Karten mehr in der Hand und angreifen bringt dir auch nichts. Deshalb bin ich dran!“

      Sie zog eine Karte und lächelte grimmig. Wer war jetzt der bessere Duellant, Devon?

      „Ich beschwöre Kleiner Phönix im Angriffsmodus!“

      Erneut erschien auf ihrem Feld der etwas kleinere, orangefarbene Phönix.
      (ATK: 1600)

      „Nicht der schon wieder“, meinte Devon und gähnte demonstrativ.

      „Und ob! Er war das erste Monster, das ich in diesem Duell beschworen habe und er wird auch das Letzte sein! Denn jetzt aktiviere ich den Schnellzauber Phönix-Angriff!
      Dadurch werden eins deiner Monster und ein Feuer-Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von mir zerstört! Anschließend erhältst du Schaden in Höhe der Hälfte der Angriffspunkte deines Monsters!“

      „Du lügst doch!“, verteidigte Devon sich schockiert.

      „Wohl kaum! Ich wähle deinen Caius der Megamonarch und meinen Kleinen Phönix!“

      Der orangefarbene Phönix ging in einer Stichflamme auf, die dann jedoch nach kurzer Zeit wieder die Form von gewaltigen, brennenden Schwingen annahm und auf ihrem Weg zu Devon direkt dessen Monster passierte, das sich in Luft auflöste. (Devon: LP 2900 -> 1500)

      „Aber das Beste kommt noch! Denn einmal pro Spielzug, wenn Kleiner Phönix durch einen Karteneffekt zerstört wird, kann ich ihn als Spezialbeschwörung vom Friedhof beschwören! Und jetzt los, beende dieses Duell!“

      Devon wusste gar nicht, wie ihm geschah, als mit einer erneuten Stichflamme der orangefarbene Phönix auf Alex’ Feld zurückkehrte, auf ihn zuflog und ihm einen saftigen Schlag mit dem Flügel verpasste. (Devon: LP 1500 -> 0)

      Zufrieden deaktivierte Alex ihre Duel Disc, während Devon ruckartig den Kopf schüttelte, als hätte er jetzt erst begriffen, was geschehen war. Doch sofort fasste er sich wieder und starrte verächtlich zu Alex hinüber.

      „Ich bleibe dabei“, sagte er grimmig. „Ich sollte an deiner Stelle stehen. Und wer weiß, vielleicht suchen die ja bald einen Ersatzmann, weil sie keine kleinen Untergrund-Schlampen in ihrem Turnier dulden…“

      Nun riss Alex endgültig der Geduldsfaden. Ihr ganzer rechter Arm ging in Flammen auf, sie stürmte auf Devon zu, fuhr ihm mit brennenden Fingern an die Gurgel und drückte ihn gegen eine Wand. Er zappelte und versuchte sich freizukämpfen, während sich in seinen kalten, grauen Augen zum ersten Mal Angst abzeichnete. Alex erwiderte den Blick hasserfüllt, als plötzlich lautes Gejubel und MC Arthurs Stimme aus dem Inneren des Stadions ertönten.

      „Und das ist die Entscheidung! Nach einem spektakulären Schlagabtausch schafft Richard es, das erste Duell der Hauptrunde für sich zu entscheiden! Somit ist er der erste unserer Newcomer, der ins Halbfinale einzieht! Doch was ist das? Jessica wirkt überhaupt nicht begeistert, ja regelrecht zornig! Sie schreitet in die Mitte des Duellfelds und will offenbar eine Ansprache halten!“

      Das Feuer an Alex’ Arm erlosch und sie ließ Devon los. Zu groß war die Neugier über das, was Jessica zu sagen hatte, die gerade um Aufmerksamkeit vom Publikum bat. Vielleicht würde Alex jetzt endlich erfahren, was Mr. Steele vorhin unter vier Augen mit Jessica zu besprechen hatte…
      Sie wandte sich von Devon ab, der sich die Kehle rieb, und rannte los.

      „Dafür wirst du bezahlen, Whitman!“, rief Devon ihr nach, aber das war Alex egal. Schon hatte sie sich mit der Versicherung, sie würde zu Richard gehören, an dem Sicherheitsmann im Eingang des Warteraums für die Duellanten vorbeigedrückt und stand nun vor dem immer noch geöffneten Tor ins Stadion. Dieses wurde ebenfalls von einem Sicherheitsmann bewacht, der Alex daran hinderte, ins Innere des Stadions zu rennen.
      Dort stand Jessica in der Mitte des Duellfelds und deutete mit dem ausgestreckten Zeigefinger in eine Ecke außerhalb von Alex’ Sichtfeld, wo offenbar Richard stand.

      „Dieser Junge hat nicht gewonnen!“, sagte Jessica, als das Publikum verstummt war und hielt eine magentafarbene Fallenkarte hoch in Luft.
      „Sehen Sie das? Das ist die Fallenkarte Poseidon-Welle. Ich hatte sie während meines letzten Spielzugs die ganze Zeit über verdeckt auf meinem Feld und hätte sie jederzeit aktivieren und das Duell gewinnen können. Aber ich habe es nicht getan, weil ich zu viel Angst hatte. Sein Vater, Mr. Steele, wollte vor dem Duell unter vier Augen mit mir sprechen. Er hat ein Geheimnis von mir herausgefunden und damit gedroht, es publik zu machen, sollte ich seinen Sohn nicht gewinnen lassen, also habe ich ihn gewinnen lassen. Aber jetzt weiß ich, dass es das nicht wert war. Es ist mir egal, was das für Konsequenzen hat, ab jetzt ist mir alles egal! Ich will nicht länger dieses verlogene Leben führen! Ich will, dass die Leute erfahren, wie Mr. Steele wirklich ist!“

      Plötzlich rauschte das Walkie-Talkie des Sicherheitsmannes im Eingang zu Stadion und daraus hervor drang die Stimme eines Mannes: „Worauf wartet ihr noch? Packt sie!“

      Wie zuvor Devon, als er das Duell verlor, schüttelte der Sicherheitsmann ruckartig den Kopf, als würde er aus einer Trance erwachen, und setzte sich in Bewegung. Ihm folgte sein Kollege vom Eingang des Warteraums und gemeinsam rannten die beiden ins Stadion auf Jessica zu.
      Gebannt sah Alex zu, wie der erste Sicherheitsmann versuchte, Jessica zu packen, die ihm jedoch einen Ellenbogen in den Schritt rammte, wodurch der Sicherheitsmann kurz bewegungsunfähig wurde und Jessica sich seinem Griff entwinden konnte.
      Es folgte jedoch sofort der zweite Sicherheitsmann. Dieser war besser vorbereitet und schlang Jessica einen muskulösen Arm um den Hals, während er ihr mit dem zweiten die Hände auf den Rücken presste.
      Diesem Würgegriff konnte sich die große, blonde Frau nicht so einfach entwinden und strampelte wild um sich, während der Sicherheitsmann sie vom Duellfeld schleifte.

      „Ihr Schweine!“, kreischte Jessica hysterisch mit einem wahnsinnigen Blick in Richtung der Ehrenloge, wo Mr. Steele saß, „Ihr verdammten Schweine!“

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Kartenliste:
      Jessica:

      Nixenrüstung Abyssmegalo
      Nixenrüstung Abyssleed
      Nixenrüstung Abyssbalaen
      Nixenrüstung Abyssgunde
      Nixenrüstung Abyssocea
      Nixenrüstung Abyssdine
      Abyss-Sphäre
      Abyss-Hohn
      Abysssturmbö
      Elegante Wohltäterin
      Topf der Gier
      Schwerer Sturm
      Poseidon-Welle

      Richard:

      Reactan, Drachenherrscher der Kiesel
      Halb verhindertes Zerbrechen
      Stufenbeschränkung – Gebiet B
      Drache, der in der Höhle haust
      Kachi Kochi Drache
      Drachenzorn
      Angsteinjagendes Gebrüll
      Erdbeben
      Golemdrache

      Alex:

      Handzerstörung
      Feuervogel
      Adlerauge
      Heulender Wind
      Umsatz der Seele (Eigenübersetzung von „Soul Turnover“)
      Glaubensvogel
      Schwerer Sturm
      Verteidigungsziehen
      Fushi No Tori
      Schwalbennest
      Roter Totenkopfvogel
      Mystische Lebensbarriere

      Devon:

      Majiosheldon
      Delg, der finstere Monarch
      Raiza der Sturmmonarch
      Thestalos der Megamonarch
      Caius der Megamonarch
      Eskalation der Monarchen
      Marsch der Monarchen
      Gehirnkontrolle
      Quantenkatze

      Neue Karten:

      Nixenrüstung Abysskronos

      Monster / Titan / Effekt / Wasser / Aqua / Gold-Sterne: 3 / 2600 ATK / 1500 DEF

      Wenn diese Karte als Titanen-Beschwörung beschworen wird: Du kannst eine beliebige Anzahl an Karten von deiner Hand abwerfen und wenn du das machst; ziehe genau so viele Karten. Einmal pro Spielzug: Du kannst eine „Abyss-„-Fallenkarte von deinem Friedhof aus dem Spiel entfernen; führe den Effekt der Fallenkarte als Effekt dieser Karte aus.

      Verspätete Rettung

      Normale Fallenkarte

      Wenn dein Gegner zum dritten Mal in derselben Battle Phase angreift: Annulliere den Angriff und beende den Spielzug deines Gegners. Dann ziehe 1 Karte.

      Metallrüstungs-Drache

      Monster / Titan / Effekt / Erde / Drache / Gold-Sterne: 3 / 3000 ATK / 2500 DEF

      Wenn diese angreifende Karte ein Monster in Verteidigungsposition durch Kampf zerstört; sie kann sofort noch einmal anreifen.

      Doppelte Wiedergeburt

      Normale Fallenkarte

      Du kannst diese Karte aktivieren, wenn dein Gegner ein Monster als Spezialbeschwörung von seinem Friedhof beschwört; Wähle 1 Monster von deinem Friedhof und beschwöre es als Spezialbeschwörung. Dann kannst du 1 Monster in offener Angriffsposition wählen, das dein Gegner kontrolliert; ändere das gewählte Ziel in die offene Verteidigungsposition.

      Kleiner Phönix

      Monster / Effekt / Feuer / Geflügeltes Ungeheuer / Stufe 4 / 1600 Atk / 1200 Def

      Einmal pro Spielzug, wenn diese Karte zerstört und auf den Friedhof gelegt wird (außer als Ergebnis eines Kampfes): Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deinem Friedhof beschwören.

      Schützling des Phönix

      Monster / Effekt / Feuer / Hexer / Stufe 3 / 900 Atk / 1100 Def

      Wenn dein Gegner dich mit einem Monster mit 2000 oder mehr ATK direkt angreift: Du kannst diese Karte von deiner Hand abwerfen; annulliere den Angriff. Wenn diese Karte auf den Friedhof gelegt wird: Du kannst deiner Hand 1 FEUER Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von deinem Deck hinzufügen. Du kannst jeden Effekt von „Schützling des Phönix“ nur einmal pro Spielzug aktivieren.

      Phönix der Wiedergeburt

      Monster / Titan / Effekt / Feuer / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2500 Atk / 2000 Def

      Während des Spielzugs eines beliebigen Spielers, wenn diese Karte gegen ein Monster kämpft, dessen ATK höher sind als die ATK dieser Karte; du kannst Life Points in Höhe der Differenz bezahlen und wenn du das tust: Diese Karte nur während des Damage Steps ATK in Höhe der Menge an Life Points, di du bezahlt hast. Während der End Phase eines beliebigen Spielers, wenn sich diese Karte in deinem Friedhof befindet, weil sie in diesem Spielzug durch Kampf zerstört und dorthin gelegt wurde; Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung vom Friedhof beschwören.

      Sturmvogel

      Monster / Titan / Effekt / Wind / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2100 Atk / 1700 Def

      Einmal pro Spielzug: Du kannst eine offene Karte auf dem Spielfeld wählen; mische das gewählte Ziel ins Deck zurück. Diese Karte kann in dem Spielzug, in dem du diesen Effekt aktivierst, nicht angreifen.

      Phönix-Angriff

      Zauber / Schnell

      Wähle ein FEUER-Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer, das du kontrollierst und ein Monster, das dein Gegner kontrolliert; zerstöre beide gewählten Ziele und füge deinem Gegner Schaden in Höhe der Hälfte der ATK des gewählten Monsters deines Gegners auf dem Feld zu.

      Anmerkungen zum Kapitel
      - Ja, in diesem Kapitel gab es sehr viel Duell und ich weiß, dass die Duelle nicht unbedingt meine größte Stärke sind. Ab dem nächsten Kapitel gibt es dann wieder mehr Handlung.

      - An dieser Stelle eine Entschuldigung für die vielen Verwendeten verbotenen Karten und für den zugegebenermaßen ziemlich lahmen Finisher im Alex vs. Devon Duell. Ich hatte die Duelle für dieses Kapitel nicht gut genug geplant und sie ließen sich echt besch*ssen gleichrichten. Diese Misere habe ich auch im allgemeinen Fan Fiction Thread geschildert. Sollte (hoffentlich) nie wieder vorkommen.

      - „Nixenrüstung Abysskronos“ basiert auf Kronosaurus, einem ausgestorbenem Meeresreptil aus der Familie der Pliosaurier, das vor etwa 100 Millionen Jahren lebte. Dieser wurde passenderweise nach Kronos benannt, dem Anführer der Titanen in der griechischen Mythologie. Würde das Nixenrüstung-Deck dies zulassen, hätte ich ihm auch gerne den Typ Dinosaurier oder Reptil verpasst, aber da die Titanen-Beschwörung auf Attribut und Typ basiert ließ sich dies leider nicht umsetzen.

      Preview: Kapitel 1.12 – Alex gegen die Maschinen
      Am kommenden Tag ist Jessicas Ausraster das Gesprächsthema Nummer eins in den Medien. In einem Zeitungsartikel wird sie öffentlich des Medikamentenmissbrauchs beschuldigt und Evan ist sich sicher: Ihr gesellschaftlich anerkanntes Leben als Profiduellantin ist damit endgültig beendet. Was Alex, die kurz vor ihrem eigenen Viertelfinalduell gegen Seiyou Takamoto steht, weder ihm noch Richard verraten hat: Nach ihrem Wutausbruch gegen Devon ist dieser mit dem Wissen um Alex’ Untergrund-Vergangenheit auf Rache aus. Steht nun auch auch sie kurz davor, „ausradiert“ zu werden?

      So, weil dieses Kapitel sehr Duell-lastig war, mal eine Frage an euch: Wie wichtig sind euch die Duelle? Seid ihr wie ich der Meinung, dass diese nicht unbedingt meine Stärke sind? Ich frage, weil ich gestern das Handlungsbogen für die zweite Staffel entwickelt habe und dort wird es nach dem aktuellen Stand nicht so sehr um Duelle gehen wie in Staffel 1. Ich bin deshalb am überlegen, die Duell-Inhalte zukünftig möglichst klein zu halten und gelegentlich nur kurze, abgebrochene oder nur teilweise geschilderte Duelle zu schreiben (So ähnlich wie in Kapitel 10). Glaubt ihr, das könnte der Fanfic gut tun? Könntet ihr euch ggf. sogar vorstellen, mal ein Kapitel zu lesen, in dem es überhaupt kein Duell gibt?

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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leseleff ()

      Also ich muss dir sagen, dass dir die Duelle garnicht so schlecht gelungen sind. Habe derzeit sehr viel Spaß daran, deine FanFic weiterzulesen.

      Generell muss nicht jede Episode ein Duell enthalten. Wenn man es krampfhaft noch zwischen kriegen möchte, geht das oft schief. Ich selbst finde es auch besser, wenn die Handlung und die Figuren im Vordergrund stehen.

      Allerdings darfst du halt nicht vergessen unter welchen Bedingungen deine FanFic entstanden ist. Das Thema yugi ist halt das Thema um die Karten und die Duelle, vergiss das bei deinem Handlungsrahmen nicht. Sonst kannst du auch gleich was komplett anderes schreiben. ;)

      So wie die letzten drei Kapitel kann es meiner Meinung nach bleiben: Weiter so :D
      Alles Wissenswerte über das Deck rund um den Cyber Drache.
      Gibts hier zu lesen

      Wusstest du schon..

      Das einzige Land, das 0 Geburten im Jahre 1983 verzeichnete, war der Vatikan.



      @Yani Yugi:
      Spoiler anzeigen
      Danke für den Kommi. Ich hatte schon befürchtet, ich müsste wieder einen 3-5fach Post anlegen :D

      Schön, dass dir die Duelle gefallen, das stimmt mich wieder zuversichtlicher. Und klar, es ist eine YGO-Fanfic, da gehören nunmal Duelle dazu. Ein Kapitel ohne Duell sollte wenn überhaupt auch nur absolute Ausnahme sein und höchstens 1-2x pro Staffel vorkommen. Ich denke, ich werde in Zukunft auch die wirklich wichtigen (und langen) Duelle in Zweiteiler packen, damit die nicht so im Block kommen.
      Aber das entscheidene Stichwort hast du genannt: "krampfhaft". Ich versuche halt aktuell immer, die Duelle künstlich in die Länge zu strecken und sie um jeden Preis "spannend" zu halten und das nimmt mir, wenn ich ehrlich sein soll, ein bisschen den Spaß bei der Sache.
      Dieses krampfhafte Versuchen werde ich deshalb in Zukunft vermeiden, aber dann werden die Duelle nunmal etwas kürzer ausfallen.

      So, und jetzt Frohe Weihnachten an alle Leser! Im ersten Teil des Weihnachts-Specials geht es nostalgisch zu ;)
      Weihnachten zwischen den Trümmern - Teil 1
      Flackerndes Orangelicht erleuchtete die Trümmer und verrosteten Maschinen der Fabrik, in der der Alex’ Vater vor zehn Jahren ums Leben gekommen war.
      Ein riesiges Loch klaffte in der Decke der Ruine, durch das sanft Schnee auf die darunter liegende, gigantische und zerstörte Druckerpresse rieselte. Es war Heiligabend.
      In einer Ecke der Produktionshalle hockten zwölf Menschen, in dicke Wolldecken eingewickelt um ein Feuer herum, dass Alex in einem riesigen, tellerförmigen Maschinenteil entfacht hatte und löffelten heißen Eintopf aus Styroporschüsseln.

      „Der Eintopf schmeckt toll, Mrs. Whitman“, sagte Sarah und trotz des Feuers verließ ihr Atem einen feinen Nebel aus Kondenswasser in der Luft. Zusammen mit Alex’ bester Freundin Mia – die beiden waren unter den Anwesenden die einzigen, die nicht politisch verfolgt wurden – hatte sie zuvor in der Stadt die Zutaten besorgt.

      „Danke, Liebes“, entgegnete Alex’ Mutter, die zur Rechten ihrer Töchter saß, lächelnd und rieb sich die Hände aneinander, um der lähmenden Kälte entgegenzuwirken. „Vermisst du deine Familie sehr?“

      „Natürlich vermisse ich sie“, antwortete Sarah ein wenig betrübt. „Aber ich hätte unmöglich tatenlos bei ihnen bleiben können, während ihr hier draußen euer Leben riskiert. Und ich weiß ja, dass sie sicher sind und dass es ihnen gut geht. Dafür hat Evan schließlich gesorgt.“
      Anerkennend nickte sie zu Evan hinüber. Der saß zwischen Richard und Daniel auf einer großen Plastikplane und reichte gerade eine Thermoskanne mit heißem Tee an Letzteren weiter. Auf seinem Schoß saß Jessica und war mit geschlossenen Augen eng an ihn gekuschelt. Als Sarah, die Versorgerin ihrer Familie, beschlossen hatte, sich der kleinen Rebellenallianz anzuschließen, hatte Evan ihrer Familie einen kleinen Teil seines Vermögens zukommen lassen, sodass diese problemlos über die Runden kam.

      „Schon komisch, wie das Leben manchmal so spielt, oder?“, fragte Evan. Er starrte nachdenklich ins Feuer und fing wieder an, Jessicas spröde gewordenes Blondhaar zu streicheln. „Ich meine, wenn man euch vor einem halben Jahr gefragt hätte, wie ihr Weihnachten verbringen werdet, was hättet ihr da erwartet?“

      „Zumindest nicht, dass ich mich auf der Flucht vor dem Gesetz in einer stillgelegten Fabrikhalle verschanzen würde“, antwortete Alex. Sie hatte wie ein Kokon eine Decke um sich und ihre Schwester gewickelt, die schon kurz vor dem Einschlafen war. Ein paar der anderen schmunzelten und es entstand eine kurze Pause, während der alle eifrig weiter ihren Eintopf löffelten.

      „Tja, die Weihnachtsparade anschauen ist dieses Jahr wohl eher schlecht, also müssen wir uns die Zeit mit Reden vertreiben. Was haltet ihr von ‚Was war euer schönstes Weihnachten?’“, brach Evan das Schweigen und blickte erwartungsvoll in die Runde. Die Ansässigen hoben erinnerungsselig die Köpfe.
      „Wer will anfangen? Richard?“

      Richard schnaubte. „Schöne Weihnachten? Mit meinem Vater? Wohl kaum…“

      „Stell dich nicht so an“, meinte Lisa Allington rechts von Sarah. „Unser Vater war auch nicht viel besser und trotzdem hatten wir schöne Weihnachten. Stimmt’s, Danny?“

      „Wär’ mir neu“, antwortete Daniel neben ihr miesepetrig und trank einen Schluck Tee aus dem Deckel der Thermoskanne.

      „Stimmt doch gar nicht“, entgegnete Lisa optimistisch. „Weißt du nicht mehr das eine Jahr, als Chris das erste Mal aus der Duellakademie nach Hause kam?“

      „Du meinst damals, als er noch nicht so ein Idiot war?“

      „Ach komm schon, jetzt vermies uns nicht allen die Stimmung!“ Ermahnte Lisa ihren Bruder und fing an, zu erzählen: Das war jedenfalls vor sechs Jahren. Ich war zehn, du elf und Chris fünfzehn. Es war sein erstes Jahr an der Duellakademie und über Weihnachten würde er das erste Mal wieder nach Hause kommen…“

      ~


      Gegen das Fenster wirbelte der Schnee und ein prasselndes Kaminfeuer hüllte das großzügige Wohnzimmer mit dem riesigen Weihnachtsbaum in wohlige Wärme. Ein blondes Mädchen, in einem putzigen, weißen Kleid und ein schwarzhaariger Junge in einem dicken, rot-schwarz gestreiften Wollpulli lagen auf dem Bauch auf dem Fußboden und spielten eine Partie Dame. Ein köstlicher Duft nach gebratener Gans wehte durch die Villa. Schon den ganzen Nachmittag stand Marta, ihre Haushälterin, in der Küche, um die Rückkehr des ältesten Sprosses der Alliington-Sippe gebührend mit einem Festessen zu feiern.
      Aus dem Erdgeschoss war ein lauter Knall zu hören, der ankündigte, dass das schwere Eichenportal in Schloss fiel.

      „Chris ist wieder da!“, rief Lisa aufgeregt und sprang auf. Daniel trottete ihr hinterher. Sie rannte hinunter in die Eingangshalle, wo der fünfzehnjährige Christopher, beide hellblauen Augen unversehrt und mit Schneeflocken im rabenschwarzen Großteil seines Haars, gerade das Haus betreten hatte und sich den langen, schwarzen Mantel ablegte.

      „Chris!“, rief Lisa über beide Ohren strahlend und umarmte ihren Bruder.

      „Hallo, Prinzessin“, sagte er als sie sich voneinander gelöst hatten, kniete er nieder und gab ihr einen Handkuss. Lisa kicherte.

      „Hallo Chris“, sagte Daniel, der sich betont lässig mit den Händen in den Hosentaschen in einer Ecke herumdrückte.

      „Ist das die Art und Weise, wie du deinen Bruder begrüßt, nachdem du ihn monatelang nicht gesehen hast?“, fragte Christopher gespielt vorwurfsvoll, stürmte auf seinen kleinen Bruder zu, nahm ihn in einen sanften Schwitzkasten und zerstrubbelte ihm das schwarze Haar.

      „Lass das…“, sagte Daniel, strampelte um sich und versuchte, nicht zu lachen. Als er sich freigekämpft hatte richtete er seine Frisur.

      Den ganzen Rest des Abends hatte Christopher die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Familie inne. Während des Essens erzählte er alles von seiner Zeit an der Duellakademie, von seinen Duellen, vom Unterricht und davon, dass er sich mit einem Jungen namens Evan Drake angefreundet hatte. Gebannt hing Lisa ihm an den Lippen. Für sie war Christopher wie ein Held. Eines Tages wollte sie genau so sein wie er und die Duellakademie besuchen, aber dafür brauchte sie erstmal ein eigenes Deck…
      Nach dem Essen gingen sie wieder ins Wohnzimmer. Aus dem Radio drangen Weihnachtslieder und Daniel, dem langweilig geworden war, saß in ein Videospiel vertieft in einem Sessel. Lisa hatte sich mit einem dampfenden Becher heißer Schokolade verschlafen an ihren Vater gekuschelt und starrte aus dem Fenster, gegen das die Schneeflocken wirbelten, bis ihr irgendwann die Augen zufielen…

      Früh am nächsten Morgen erwachte Lisa in ihrem Bett und trug immer noch ihr weißes Kleid. Aufgeregt erinnerte sie sich, dass heute Weihnachten war, zog sich ihren rosa Pyjama an und schlich sich aus ihrem Zimmer, um Daniel zu wecken.
      Sie klopfte an seine Tür und kurz darauf stand ein verschlafener Daniel darin, das rabenschwarze Haar unordentlich vom Liegen und das eine Bein der Pyjamahose bis zum Knie hochgerutscht.

      „Danny, Danny! Aufstehen! Es ist Weihnachten!“, rief Lisa aufgeregt und zog ihren Bruder am Ärmel, damit dieser mit ins Wohnzimmer kam. Widerwillig ließ er sich mitschleifen, machte aber dennoch ein freudiges Gesicht, als er seinen kleinen Berg Geschenke unter dem Baum erblickte.
      Und so machten sich die Geschwister im morgendlichen Dämmerlicht ans Auspacken. Lisa hatte einen neuen Tennisschläger bekommen, ein großes Spielzughaus und ein Stofftier in Form der Duel Monsters-Karte Kleiner Drache, das man auch als Kopfstütze im Auto verwenden konnte, Daniel einen Baseball mit Handschuh, ein neues Videospiel und mehrere Bücher mit Noten für seine Gitarre.
      Er half Lisa gerade dabei, ihr Spielzeughaus aufzubauen, als ihr Vater das Wohnzimmer betrat, in der Hand eine große Tragetasche und in Begleitung von Christopher.

      „Hallo ihr beiden“, sagte Lisas Vater. „Fröhliche Weihnachten!“

      „Fröhliche Weihnachten, Daddy!“, antwortete Lisa glücklich. „Guck’ mal, was ich bekommen habe!“

      Sie zog ihren Vater am Ärmel, um ihn ihre neuen Sachen zu zeigen, aber er schüttelte sie ab.
      „Aber, aber“, sagte er. „Willst du denn gar nicht wissen, was in der Tasche ist?“

      „Was ist denn drin?“, wollte Lisa neugierig wissen.

      „Na sieh selbst“, meinte ihr Vater, stellte die Tasche auf den Boden, zog ein großes Geschenk daraus hervor und drückte es Lisa in die Hände. Es war sehr schwer. Anschließend zog ihr Vater ein weiteres Paket aus der Tasche hervor, das von der Farbe des Geschenkpapiers einmal abgesehen mit dem ersten absolut identisch war, und überreichte es Daniel.

      „Wartet noch“, meldete sich Christopher zu Wort. „Bevor ihr sie aufmacht habe ich auch noch was für euch.“

      Er griff ebenfalls in die Tragetasche und zog zwei kleine, rechteckige Päckchen daraus hervor, die er seinen Geschwistern überreichte.
      Lisas ohnehin schon riesige Kinderaugen wurden noch größer, als sie das Geschenk in Empfang nahm. Sie meinte, zu erraten, was drin war…
      Und tatsächlich, ihr Verdacht betätigte sich, als sie das Geschenkpapier aufriss. Eine rote Deckbox kam zum Vorschein, darin vierzig brandneue Duel Monsters-Karten.

      „Du hast uns Decks gekauft!“, rief Lisa aufgeregt und umarmte ihren ältesten Bruder, Tränen der Freude weinend. Daniel neben ihr blätterte unterdessen entgeistert sein Deck durch und fand offenbar keine Worte.

      „Und jetzt das große“, sagte ihr Vater, als Lisa sich von Christopher löste. Sie bückte sich und riss das Geschenkpapier vom Paket, das eine Duel Disc für Kinder enthielt, weiß mit rosa Umrandung.

      „Das ist so cool!“, meinte Lisa, umarmte auch ihren Vater dankbar und wandte sich dann an Daniel: „Komm, Danny, wir duellieren uns!“

      Minuten später standen sich die Geschwister in der Eingangshalle gegenüber. Ihr Vater und Christopher hatten ihnen dabei geholfen, die neuen Duel Discs an ihren Unterarmen zu befestigen und standen nun hinter ihnen, um ihnen beim Duell Tipps zu geben.
      Ihre Mutter hatte in einen Morgenmantel gehüllt zusammen mit Marta, der Haushälterin, und einer dampfenden Tasse Kaffee auf einen roten Samtsofa Platz genommen, um zuzusehen.

      „Ich fange an!“, entschied Lisa. Sie betrachtete ihr Blatt und konnte es immer noch nicht fassen, dass sie sich tatsächlich duellierte! Einen Moment lang überlegte sie, welches Monster sie zuerst sehen wollte, dann hatte sie sich entschieden.
      „Ich beschwöre Leuchtende Freundschaft im Angriffsmodus!“

      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und sah aufgeregt dabei zu, wie das Hologramm eines kugelrunden, grünen Engels mit großen, blauen Augen vor ihr erschien. (ATK: 1300)
      „Ich beende meinen Zug“ [Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Dann bin ich dran“, sagte Daniel betont lässig. „Ich ziehe! Und ich beschwöre Verrückter Hund der Finsternis im Angriffsmodus!“
      Er legte die Karte ehrfürchtig auf seine neue Duel Disc und vor ihm erschien das Hologramm eines riesigen, bärenartigen, hellbraunen Hundes mit wahnsinnigem Gesicht und zwei Hörnern auf der Stirn. (ATK: 1900)
      „Greif’ Leuchtende Freundschaft an.“

      Der riesige Hund stürmte los, biss zu und schüttelte wild seinen Kopf. Das Hologramm des grünen Engels verschwand. (Lisa: LP 4000 -> 3400)

      „Och Menno“, sagte sie, während sie die Karte auf ihren Friedhof schob. „Warum ist dein Monster so stark?“

      Daniel ging nicht weiter darauf ein. Sein Vater deutete auf eine Karte in seiner Hand und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
      „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“, verkündete Daniel daraufhin und steckte die Karte, auf die sein Vater gedeutet hatte, in seine Duel Disc. Vor ihm erschien die vergrößerte, braune Rückseite der Karte. [Hand: 4 / Backrow: 1]

      „Ich bin dran!“, rief Lisa. „Ich ziehe!
      Sie betrachtete die gezogene Karte und enttäuscht stellte sie fest, dass sie kein Monster auf der Hand hatte, das es mit dem von Daniel aufnehmen konnte.
      „Was soll ich tun, Chris?“, fragte sie verzweifelt ihren Bruder, der hinter ihr stand.

      „Keine Panik“, sagte Christopher ermutigend. „Siehst du die da?“, er deutete auf eine grüne Zauberkarte in Lisas Hand, „Damit kannst du die Angriffspunkte eines deiner Monster um 700 erhöhen.“

      „Ach so…“, hauchte Lisa und begriff. Dann fuhr sie laut fort, sodass Daniel sie hören konnte: „Ich beschwöre Sonnenlicht-Einhorn im Angriffsmodus!“
      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und auf ihrem Feld erschien ein schneeweißes Einhorn mit einer Mähne aus blauen Flammen. (ATK: 1800)
      Beeindruckt von der Schönheit des Monsters machte Lisa einen Schritt vorwärts und versuchte, es zu streicheln, doch ihre Hand glitt mitten hindurch.
      „Ach ja, du bist nur ein Hologramm“, meinte sie ein wenig enttäuscht und als Christopher ihr mit einer Geste zu verstehen gab, ihre Zauberkarte zu aktivieren, konzentrierte sie sich wieder auf das Spiel.
      „Als Nächstes aktiviere ich den Ausrüstungszauber Horn des Einhorns! Damit erhält mein Monster 700 zusätzliche Angriffspunkte!“

      Das blaue Horn des Einhorns wurde durch ein viel größeres, goldenes ersetzt und das Tier wieherte laut. (Sonnenlicht-Einhorn: ATK 1800 -> 2500)
      „Los! Greif’ Verrückter Hund der Finsternis an!“

      Das Einhorn mit der Feuermähne neigte den Kopf mit dem gewaltigen, goldenen Horn und galoppierte los.

      „Halt!“, sagte Daniel und drehte seine verdeckte Karte um. „Ich aktiviere die Fallenkarte Sakuretsu-Rüstung! Dadurch wird dein Angriff gestoppt und dein Monster zerstört!“

      „Was?!“, fragte Lisa entsetzt, während das Einhorn wiehernd vor dem soeben hochgeklappten Hologramm der Fallenkarte zum Stehen kam und sich sein Hologramm in Luft auflöste. „Das ist nicht fair!“

      „Hey…“, sagte Christopher tröstend. „Es wird alles gut. Siehst du die da?“, er deutete auf eine Monsterkarte in ihrer Hand, „Das ist Seele der Reinheit und des Lichts. Du kannst sie als Spezialbeschwörung beschwören, indem du zwei Licht-Monster von deinem Friedhof aus dem Spiel entfernst. Und jetzt hast du zwei im Friedhof.“

      „Du hast Recht“, flüsterte Lisa, dann sagte sie laut: „Ich entferne Leuchtende Freundschaft und Sonnenlicht-Einhorn von meinem Friedhof aus dem Spiel, um Seele der Reinheit und des Lichts zu beschwören!“
      Ehrfürchtig nahm sie beiden Karten von ihrem Friedhof und gab sie Christopher, damit der sie in die Tasche stecken konnte. Im Anschluss legte sie eine neue Monsterkarte auf ihre Duel Disc und ein großer, durchsichtiger Engel legte sich um ihre Schultern. Lisa kicherte. (ATK: 2000)
      „Ich beende meinen Zug“, schloss sie.

      „Dann bin ich dran!“, meinte Daniel. „Ich ziehe!“

      Er nahm eine Karte von seinem Deck und sah sie beeindruckt an.

      „Ich biete Verrückter Hund der Finsternis als Tribut an, um Das Ende von Anubis zu beschwören!“

      Der braune Hund verschwand und machte einem riesigen Ungetüm Platz. Dieses hatte den muskulösen, lila Körper eines Menschen mit überlangen Armen und den grausamen, spitz zulaufenden Kopf eines Hundes. Bekleidet war es nur mit einem Lendenschurz und einer schweren Goldkette. (ATK: 2500)

      „2500 Angriffspunkte“, stellte die zugegebenermaßen leicht verängstigte Lisa erschrocken fest und machte einen Schritt zurück, wobei sich ihr holografischer Schutzengel noch enger an sie schmiegte.

      „Ganz genau!“, meinte Daniel. „Los, greif’ Seele der Reinheit und des Lichts an!“

      Das Ungetüm stürmte auf Lisa zu, die zu verängstigt war, um etwas zu sagen. Deshalb half Christopher aus: „In deiner Battle Phase verlieren alle deine Monster durch den Effekt von Seele der Reinheit und des Lichts 300 Angriffspunkte!“
      (Das Ende von Anubis: ATK 2500 -> 2200)
      Das Ungetüm hatte Lisa erreicht, die von ihrem Bruder von hinten festgehalten wurde, um ruhig zu bleiben, holte mit einer seiner Klauenhände aus und zerfetzte den durchsichtigen Schutzengel. (Lisa: LP 3400 -> 3200)

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Daniel.

      „Das ist nicht fair!“, klagte Lisa. „Wie soll ich denn gegen dieses Riesenmonster ankommen?“

      „Kopf hoch“, sagte Christopher aufmunternd. „Du musst nur an dich glauben. Mach’ doch erstmal deinen Zug. Wer weiß, vielleicht ziehst du ja genau die Karte, die du brauchst.“

      „Ist gut“, meinte Lisa und fuhr dann laut fort: „Ich bin dran! Ich ziehe!“
      Gespannt wie ein Flitzebogen betrachtete sie die gezogene Karte.
      „Lichtschwerter!“, sagte sie aufgeregt zu Christopher.

      „Siehst du? Damit kannst du dir etwas Zeit verschaffen.“

      Lisa nickte. „Ich aktiviere den Zauber Lichtschwerter! Dadurch kannst du drei Runden lang nicht angreifen!“

      Sie steckte die grüne Karte in ihre Duel Disc und über ihrem Feld schwebend erschienen drei Schwerter aus purem Licht.

      „Als Nächstes beschwöre ich Kleiner Engel im Verteidigungsmodus und beende meinen Zug!“, schloss sie und auf ihrem Feld erschien ein weiteres kugelrundes Engelchen mit einem freundlichen Gesicht und einem kleinen Heiligenschein.
      (DEF: 900)

      „Mein Zug!“, sagte Daniel und zog eine Karte. „Ich beschwöre Pechschwarzer Wolfskrieger im Angriffsmodus!“

      Auf seinem Feld erschien das Hologramm eines schwarzen Wolfs in aufrechter Haltung. Er hatte rot glühende Augen und ein dazu passendes Schwert und trug eine Rüstung sowie einen Umhang. (ATK: 1600)

      „Ich beende meinen Zug.“

      Eines der Schwerter über Lisas Feld verschwand. „Alles klar“, sagte sie. „Ich bin dran! Ich ziehe! Und ich beschwöre Glücklicher Liebhaber im Verteidigungsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien ein weiterer kugelrunder Engel. Dieser hatte zwei paar rosaner Flügel und ein großes Herz auf der Stirn. (DEF: 500)

      „Du bist dran.“

      „Gut, mein Zug!“, rief Daniel und fügte seiner Hand eine weitere Karte hinzu. „Ich beschwöre Regenerierende Mumie im Angriffsmodus!“

      Auf seinem Feld erschien das Hologramm einer großen Mumie mit überlangen Armen. Die Bandagen lösten sich stellenweise von den Knochen und aus einem Loch im bandagierten Gesicht leuchtete ein einziges großes, grünes Auge hervor. (ATK: 1800)

      „Iiiih!“, machte Lisa. „Chris, musstest du ihm unbedingt so ein gruseliges Deck kaufen?“

      „Also ich finde mein Deck klasse“, antwortete Daniel trotzig. „Ich beende meinen Zug.“

      „Dann bin ich dran!“, rief Lisa und zog eine weitere Monsterkarte auf. Diese hatte, wie sie verblüfft feststellte, acht Sterne.
      „Guck mal, wie viele Angriffspunkte die hat!“, meinte Lisa aufgeregt zu Christopher, als sie die kleine Zahl las.

      „Dann beschwör’ sie doch“, schlug Christopher lächelnd vor.

      Lisa nickte. „Ich biete Kleiner Engel und Glücklicher Liebhaber als Tribut an, um Kanindrache zu beschwören!“

      Die beiden kugelrunden Engel verschwanden und machten einem riesigen, grotesken Monster Platz. Dieses hatte den Körper eines dicken Drachen, war aber fast komplett von einem flauschigen, weißen Fell überzogen. Außerdem hatte es lange Hasenohren. (ATK: 2950)

      „Los, greif’ Das Ende von Anubis an!“

      Die groteske Mischung aus Kaninchen und Drache flog los und griff Daniels Monster mit seinem imposanten Gebiss an. Kurz darauf war das Hologramm des lila Hundemenschen verschwunden. (Daniel: LP 4000 -> 3550)

      „Ich beende meinen Zug!“, schloss Lisa.

      „Nicht schlecht“, gestand Daniel ihr zu. „Aber jetzt bin ich dran! Ich ziehe!“

      Er stockte seine Hand auf und zeigte sie seinem Vater. Die beiden unterhielten sich kurz flüsternd, dann nickte Daniel und fuhr laut fort: „Als Erstes aktiviere Mystischer Raum-Taifun! Damit zerstöre ich deine Lichtschwerter!“

      Ein vergrößertes Hologramm der Zauberkarte erschien vor ihm, aus dem sich ein Wirbelsturm entfachte, der das eine verbliebene, leuchtende Schwert über Lisas Feld mit sich riss.

      „Als Nächstes aktiviere ich Dunkler Kern! Indem ich eine Karte abwerfe wird dein Kanindrache aus dem Spiel entfernt!“

      „Was?!“, fragte Lisa entsetzt, während eine Karte von seiner Hand auf den Friedhof schob und sich eine finstere, blau-grüne Sphäre um ihr Monster bildete, die es zum Verschwinden brachte, woraufhin Lisa die Karte von ihrer Duel Disc nehmen musste.

      „Und jetzt los, Pechschwarzer Wolfskrieger! Greif’ sie direkt an!“

      Der schwarze Wolfsmensch machte einen Satz nach und holte mit seinem Schwert nach Lisa aus, die versuchte, sich dem Angriff auszuweichen.
      (Lisa: LP 3200 -> 1600)

      „Als Nächstes du, Regenerierende Mumie! Beende dieses Duell!“

      Langsam setzte sich die große Mumie in Bewegung und schlurfte auf Lisa zu, die ängstlich auf den Hintern sank und versuchte, zurückzukrabbeln. Einen Hieb des langen Arms der Mumie später war alles vorbei. (Lisa: LP 1600 -> 0)

      „Och Menno“, sagte sie niedergeschlagen, als die Hologramme von Daniels Monstern verschwunden waren, sprang dann jedoch rasch auf und rief begeistert: „Los, Danny, ich will eine Revanche! Wir duellieren uns noch einmal!“

      ~


      „Das war unser schönstes Weihnachten“, sagte die sechzehnjährige Lisa erinnerungsselig, in den Händen einen dampfenden Thermoskannendeckel mit Tee.
      „Und egal, was auch aus Chris geworden sein mag, so richtig hassen kannst du den Menschen nie, der dir dein erstes Deck gekauft hat.“

      Eine kurzes, nachdenkliches Schweigen erhob sich über die Runde um das Lagerfeuer in der Fabrikhalle, dann ergriff Lisa wieder das Wort: „Und, Richie, erzählst du uns jetzt was über dein schönstes Weihnachten?“

      Richard zuckte mit den Schultern.
      „Ich hab’ euch doch gesagt, ich hatte nie schöne Weihnachten. Es war jedes Jahr das selbe: Ich wurde mit Geschenken überhäuft und dann ging es zu irgendeinem langweiligen Abendessen mit Geschäftspartnern meines Vaters.“

      Eine Pause entstand, während der manche Richard mitleidige Blicke zuwarfen. Schließlich ergriff Sarah das Wort: „Gut, dann erzähle ich euch jetzt etwas von meinem schönsten Weihnachten. Das war vor vier Jahren, kurz nachdem unser Vater uns verlassen hat. Wir brauchten damals dringend Geld, sonst hätten meine Geschwister nichts zu Weihnachten kriegen können, und so beschloss ich, mich im Untergrund zu duellieren. Zu deiner Zeit im Untergrund, hast du da je etwas von Venus gehört?“, fügte sie an Alex gewandt hinzu.

      „Nein“, meinte die und schüttelte ihren Kopf mit den langen, dunkelroten Haaren.

      „Klar, sie hat ja auch vor deiner Zeit aufgehört“, meinte Sarah. „Jedenfalls war sie eine Art lebende Legende im Untergrund, bekannt für ihre geheimnisvolle Schönheit. Und zufällig sollte sie meine allererste Gegnerin werden…“


      Das Special ist wie gesagt losgelöst vom aktuellen Stand der Haupthandlung und ihr könnt es auch problemlos lesen, wenn ihr noch nicht auf dem Neuesten Stand seid, dann ist jedoch ein Blick in die Charakterliste im Startpost empfohlen.
      Und an dieser Stelle noch einmal sorry für Spoiler. Das Special spielt nunmal einige Monate nach den aktuellen Ereignissen, da lassen sich gewisse Spoiler nicht vermeiden. Ich bin allerdings der Meinung, dass ich damit nicht die ganze Spannung nehme. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn ich nur ein Leser wäre und mit diesen Spoilern konfrontiert würde, mit dem Ergebnis, dass sie mich entweder eher neugierig stimmen würden oder dass man sie sich auch so hätte denken können. Es wird auf jeden Fall noch einige überraschende Wendungen geben, die das Weihnachtsspecial nicht vorweg nimmt. ;)

      In diesem Sinne: verbringt einen schönen Heiligabend und lasst euch reich beschenken :)

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Ring frei, Runde zwei! ;)
      Weihnachten zwischen den Trümmern - Teil 2
      Weihnachten zwischen den Trümmern; Teil 2

      Zitternd stand Sarah am Rand des an einen Boxring erinnernden Duellfelds. Obwohl der Kellerraum der spärlich besuchten Red-Eyes Bar beheizt war, änderte dies nichts an dem Umstand, dass es Ende Dezember war und so fror das große, dunkelhäutige Mädchen in dem schwarzen Fransenbikini, den man ihr gegeben hatte.
      Sie trug eine Maske und an ihrem linken Unterarm hatte Turner unterhalb ihrer Duel Disc einen metallenen Armreif befestigt, der über eine Kette mit dem Boden des Rings verbunden war.
      Ihr gegenüber stand eine schlanke Frau in einem eleganten, weinroten, kurzen Kleid, dass an den Seiten ausgeschnitten war und ihre nackte Taille enthüllte. Sie hatte langes, hellbraunes Haar und trug eine herzförmige Maske, deren eine Seite mit Dornen bestückt war und hinter der ein paar smaragdgrüner Augen abschätzend zu Sarah herüber blickten. Auch sie hing an einer Stahlkette.

      „Meine Damen und Herren, willkommen zu einem neuen Untergrund-Duell hier in der Red-Eyes Bar!“, kommentierte Turner, der schmierige, dicke Typ, dem die Bar gehörte, durch eine alte Mikrofonanlage. „In der einen Ecke: Eine unserer erfolgreichsten und routiniertesten Duellantinnen, die geheimnisvolle Schönheit, die lebende Legende, Venus!“, einige der Männer im Publikum schenkten der Duellantin namens Venus höflichen Beifall. Diese zwinkerte zur Antwort hinter ihrer Maske und hauchte ihnen einen Kuss zu.
      „In der anderen Ecke“, fuhr Turner fort. „Eine junge Duellantin, die sich heute zum ersten Mal im Untergrund versuchen wird! Gerade einmal fünfzehn Jahre alt: Sarah! Duellanten, lasst das Spiel beginnen!“

      „Los, Duell!“, riefen Sarah und Venus im Chor und zogen ihre Starthände auf.

      „Ich fange an!“, entschied Venus mit einer tiefen, rauchigen Stimme. „Ich beschwöre Hexe vom schwarzen Wald im Verteidigungsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer jungen Frau mit lila Haaren und schwarzem Gewand. Neben ihren geschlossenen, normalen Augen hatte sie ein drittes auf der Stirn, leuchtend Giftgrün und weit geöffnet, sowie ein viertes am Kragen ihres Umhangs. (DEF: 1200)

      „Ich setze noch eine Karte verdeckt und beende meinen Zug“, schloss Venus und vor ihr erschien die holografisch vergrößerte Rückseite einer Karte.
      [Hand: 3 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran!“, rief Sarah und versuchte dabei, die Angst aus ihrer Stimme zu verbannen. „Ich ziehe! Und ich beschwöre Harpyie im Angriffsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien das berühmte Hologramm einer Frau mit blauer Haut und dazu passenden Flügeln, deren Hände und Füße grausame Vogelkrallen waren. Ihre wilde Haarmähne war violett und am Oberkörper war sie nur mit ein paar Lederriemen bekleidet. (ATK: 1300)

      „Greif’ Hexe vom schwarzen Wald an!“

      Die Vogelfrau machte einen großen Sprung und hieb mit ihren Krallen nach der Hexe aus, deren Hologramm sich in Luft auflöste.

      „Wenn Hexe vom schwarzen Wald vom Feld auf den Friedhof gelegt wird, kann ich meiner Hand ein Monster mit 1500 oder weniger DEF von meinem Deck hinzufügen. Meine Verlockende Königin LV3 ist da locker drunter!“, sagte Venus und griff nach der Karte, die ihre Duel Disc hervorschob.

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Sarah. [Hand: 5 / Backrow: 0]

      „Wie süß“, hauchte Venus. „Dann bin ich dran! Ich ziehe! Als Erstes aktiviere ich meine verdeckte Karte, Übermut der Yokai! Dadurch wird die Stufe aller offenen Monster bis zur End Phase um 2 reduziert!“

      Sie drehte die Karte um und vor ihr erschien eine vergrößerte Ausgabe der Fallenkarte. Darauf zu sehen war eine schöne, schwarzhaarige Frau, flankiert von drei grünen Gnomen.
      (Harpyie: Lv. 4 -> 2)

      „Und was soll das bringen?“, fragte Sarah herausfordernd.

      „Das wirst du schon sehen“, hauchte Venus zur Antwort. „Denn jetzt beschwöre ich Verlockende Königin LV3!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer Frau, die ihrer Besitzerin recht ähnlich sah. Sie hatte kurzes, hellbraunes Haar und grüne Augen. Außerdem trug sie ein dunkelrotes und schwarzes Kleid sowie lange, schwarze Handschuhe. Hinter ihrem Rücken hielt sie ein langes, goldenes Zepter in der Hand. (ATK: 500)

      „Einmal pro Spielzug kann ich ein Monster der Stufe 3 oder niedriger wählen, das du kontrollierst, und meine Königin damit ausrüsten. Und dafür, dass dein Monster eine niedrige Stufe hat, habe ich ja gesorgt!“

      Die holografische Frau griff in die Luft und schien eine Flamme aus jener zu fischen, die an ihren Fingern hängen blieb. Anschließend hielt sie sich die Finger mit der Flamme vor die Lippen und blies sie herüber zu Sarahs Monster, wo die Flamme direkt in die Brust der Harpyie eindrang.

      „Sieht so aus, als würde deine Harpyie auf Frauen stehen, zumindest scheint sie mir ganz vernarrt zu sein“, sagte Venus mit einem schnurrenden Unterton, während die Vogelfrau auf ihre Seite des Feldes flatterte. Kaum hatte sie diese erreicht, schon wurde sie in einen Käfig aus goldenem Licht eingesperrt und verweilte darin hinter dem Rücken von Venus’ Monster.
      „Aber da kommt noch mehr!“, kündigte Venus an. „Denn jetzt aktiviere ich die permanente Zauberkarte Verbundenheit! Solange alle Monster in meinem Friedhof den gleichen Typ – in diesem Fall Hexer – haben, erhalten alle Monster von diesem Typ, die ich kontrolliere, 800 Angriffspunkte hinzu! Und ob du es glaubst oder nicht, auch meine Verlockende Königin LV3 gehört dem Typ Hexer an!“

      Eine vergrößerte Ausgabe der Zauberkarte erschien vor Venus, ihr Monster leuchtete kurz in einem violetten Licht auf und zwinkerte.
      (Verlockende Königin LV3: ATK 500 -> 1300)
      „Und jetzt los! Greif’ sie direkt an!“

      Die holografische Frau ging auf Sarah zu und als sie diese mit ihrem goldenen Zepter traf, geschah etwas Unerwartetes.
      Ein massiver Stromschlag zuckte von ihrem durch ihren Körper, so stark, dass sie einen gequälten Schrei ausstieß und auf die Knie sank. Sofort war ihr linker Arm komplett taub. (Sarah: LP 4000 -> 2700)

      „Was war das denn?“, fragte Sarah entsetzt.

      „Die Kette an deinem Arm hat dir einen Stromschlag verpasst“, erklärte Venus nüchtern. „Das ist deine Strafe dafür, dass du Lebenspunkte verloren hast. So läuft das hier im Untergrund nämlich. Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug!“ [Hand: 2 / Backrow: 1]

      Immer noch entsetzt von der Grausamkeit, der sie soeben ausgesetzt wurde, rappelte sich Sarah auf.
      „Mein Zug!“, rief sie und zog eine Karte auf. „Ich beschwöre Cyberharpyie im Angriffsmodus!“

      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und vor ihr erschien eine weitere Vogelfrau mit magentafarbenen Haaren, die jedoch eine metallene Rüstung trug und mit einer elektrisch geladenen Peitsche bewaffnet war. (ATK: 1800)

      „Greif’ Verlockende Königin LV3 an!“

      Die Vogelfrau machte einen Satz nach vorn und holte mit ihrer Peitsche nach Venus’ Monster aus, doch als diese die Frau in dem rot-schwarzen Kleid berührte, geschah nichts.

      „Was ist passiert?“, fragte Sarah perplex.

      „Meine Falle Waboku ist passiert!“, antwortete Venus, neben ihr das vergrößerte Hologramm der eben noch verdeckten Fallenkarte. „Ich habe sie aktiviert, bevor du angegriffen hast und dank ihr erhalte ich diese Runde keinen Kampfschaden und meine Monster können nicht durch Kampf zerstört werden!“

      „Auch gut…“, meinte Sarah, auch wenn ihrer Ansicht nach gar nichts gut war. „Ich setze eine Karte eine verdeckt und beende meinem Zug.“ [Hand: 4 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran“, stellte Venus fest. „Ich ziehe.“

      Sie zog eine Karte auf. Offenbar war sie nicht besonders nützlich, denn ohne ihr weitere Beachtung zu schenken, fügte Venus sie ihrem Blatt hinzu. Dennoch breitete sich ein geheimnisvolles Lächeln im sichtbaren Teil ihres Gesichts aus.

      „Ich aktiviere den Effekt von Verlockende Königin LV3! Während meiner Standby Phase, wenn sie mit einem Monster ausgerüstet ist, kann ich sie auf den Friedhof schicken, um eine stärkere Version ihrer selbst zu beschwören! Erscheine, Verlockende Königin LV5!“

      Die goldenen Gitterstäbe um Sarahs Harpyie verschwanden und die blaue Vogelfrau ging hinüber zu Venus’ Monster, welches einmal um sie herum ging. Anschließend legte die Königin in dem rot-schwarzen Kleid einen Finger auf den Hals von Sarahs Monster und fuhr damit in einer verführerischen Geste hinauf bis zu dessen Kinn. Anschließend verschwanden die beiden Monster und stattdessen betrat ein neues das Kampffeld.
      Es war eine ältere Version der vorigen Königin, mit schulterlangen, hellbraunen Haaren und langen, schwarzen Handschuhen. Ihr rot-schwarzes Kleid war unterhalb der Hüfte an den Seiten offen und enthüllte den Blick auf ihre in schwarze Strümpfe gehüllten Beine. (ATK: 1000 -> 1800)

      „Auch meine Verlockende Königin LV5 ist vom Typ Hexer, deshalb bekommt sie von meiner Zauberkarte Verbundenheit einen kleinen Bonus“, erklärte Venus, während ihr Monster in dem violetten Licht aufleuchtete. „Aber das ist noch nicht alles! Denn jetzt aktiviere ich ihren Effekt! Und ich denke, er kommt dir bekannt vor… Einmal pro Spielzug kann ich ein Monster der Stufe 5 oder niedriger wählen, das du kontrollierst und meine Königin damit ausrüsten! Verabschiede dich also von deiner Cyberharpyie…“

      Die Frau in dem rot-schwarzen Kleid fischte eine Flamme aus der Luft, hielt sich die Hand ans Kinn und hauchte die Flamme hinüber zu Sarahs Monster, dessen Lippen sie berührten.
      Erneut war Sarah dazu gezwungen, mit anzusehen, wie ihr Monster ihr den Rücken zukehrte und hinüber zu Venus’ Feld flatterte, wo sie in einen goldenen Lichtkäfig gesperrt wurde.

      „Und da dein Monster jetzt erfolgreich aus dem Weg geräumt wurde, kann meine Königin dich direkt angreifen! Los, zeig’ keine Gnade!“

      Die Königin in dem rot-schwarzen Kleid machte einen Satz nach vorn und holte mit ihrem Zepter aus, bereit zum Schlag…

      „Nicht so schnell!“, rief Sarah. „Ich aktiviere die Fall Angriff Annullieren! Dadurch wird dein Angriff aufgehalten und die Battle Phase beendet!“

      Venus’ Monster hielt mitten im Angriff inne und kehrte zu ihrer Besitzerin zurück. Erleichtert darüber, nicht wieder einen Stromschlag ertragen zu müssen, nahm Sarah ihre Fallenkarte aus der Duel Disc und schob sie auf ihren Friedhof.

      „Wenn das so ist, beende ich meinen Zug“, schloss Venus. [Hand: 3 / Backrow: 0]

      „Gut, dann bin ich dran!“, verkündete Sarah und zog eine Karte von ihrem Deck. Bestens, dachte sie.

      „Ich beschwöre Harpyie 1 im Angriffsmodus!“

      Eine weitere der knapp bekleideten Vogelfrauen erschien auf ihrem Feld, mit grünen Flügeln und langen, magentafarbenen Haaren. (ATK: 1300 -> 1600)

      „Solange Harpyie 1 auf dem Feld liegt, erhalten alle Wind-Monster einschließlich ihr selbst 300 Angriffspunkte hinzu! Außerdem wird ihr Name jederzeit als Harpyie behandelt, deshalb kann ich jetzt die hier aktivieren!“, sagte sie und zog eine Zauberkarte aus ihrem Blatt. „Den Zauber Vornehmer Egoist! Da ich eine Harpyie kontrolliere, kann ich mit dieser Karte meine Harpyien-Schwestern von meinem Deck beschwören!“

      Sarah griff nach der Karte, die ihre Duel Disc hervor schob, und klatschte sie auf deren Oberfläche. Auf ihrem Feld erschienen drei weitere der Vogelfrauen, in freizügigen, goldenen Rüstungen, die Haarmähnen violett, orange und blau.
      (ATK: 1950 -> 2250)

      „Los, greift Verlockende Königin LV5 an!“

      „Zum ersten Mal in diesem Duell zeigt Sarah hier etwas Wehrhaftigkeit und beschwört zwei starke Monster!“, kommentierte Turner. „Doch wird das reichen, um Venus zu besiegen?“

      „Wohl kaum“, sagte jene mit einem geheimnisvollen Lächeln. „Denn jetzt aktiviert sich der Effekt meiner Königin! Wenn sie zerstört werden würde, wird stattdessen das Monster zerstört, mit dem sie ausgerüstet ist!“

      Die Harpyie in der Metallrüstung wurde aus ihrem Käfig entlassen und sprang vor die Königin in dem rot-schwarzen Kleid, um den Peitschenschlag ihrer Artgenossin mit der goldenen Rüstung und den violetten Haaren abzufangen. Venus’ Monster blieb unbeschadet, aber seine Besitzerin schrie vor Schmerz auf, als der Stromschlag sie traf, und fasste sich an die Brust. (Venus: LP 4000 -> 3550)

      „Tja, meine Königin ist immer noch da“, sagte sie, als sie sich vom Stromschlag erholt hatte. „Und dein übrig gebliebenes Monster hat nicht genug Angriffspunkte, um es mit ihr aufzunehmen. Das heißt, du kannst nichts mehr machen!“

      In einer Mischung aus Zorn und Hoffnungslosigkeit funkelte Sarah ihre Gegnerin an, sagte aber nichts. [Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Gut…“, meinte Venus. „Dann bin ich dran! Ich ziehe!“

      Sie betrachtete die gezogene Karte und schmunzelte. „Als Erstes aktiviere ich den Effekt von Verlockende Königin LV5! Einmal pro Spielzug kann ich sie mit einem Monster der Stufe 5 oder niedriger von deiner Seite des Feldes ausrüsten! Und ich wähle Harpyie 1!“

      Unbeeindruckt sah Sarah dabei zu, wie die Vogelfrau mit den grünen Flügeln eine Flamme zugehaucht bekam und auf Venus’ Seite wechselte, wo sie in einen goldenen Käfig gesperrt wurde. Ihre Harpyien-Schwestern hatten Stufe 6, deshalb konnte Venus’ Königin ihnen nichts anhaben. Und mehr Angriffspunkte hatten sie auch… (Harpyien-Schwestern: ATK 2250 -> 1950)

      „Wieg dich lieber nicht in Sicherheit!“, warnte Venus, als hätte sie Sarahs Gedanken gelesen, und steckte eine grüne Zauberkarte in ihre Duel Disc. „Denn jetzt aktiviere ich den Zauber Aufgestiegen! Dadurch kann ich eins meiner Monster, dessen Kartenname ‚LV’ enthält, auf den Friedhof schicken, um es auf ein höheres Level zu befördern! Ich schicke also Verlockende Königin LV5 auf den Friedhof, um mein stärkstes Monster zu beschwören! Verlockende Königin LV7!“

      Der Käfig mit der eingesperrten Harpyie verschwand, die Frau in dem rot-schwarzen Kleid leuchtete in einem orangefarbenen Licht auf und ihre Silhouette veränderte die Form. Die Haare wurden länger, das Kleid kürzer und aus den Unterarmen sprossen lange, rechteckige Stoffvorhänge.
      Die Frau, die nun auf Venus’ Feld stand, wirkte älter als ihre vorangegangenen Formen. Elegant und schön, das hellbraune Haar hüftlang, stand sie in gebieterischer Haltung vor ihrer Besitzerin. (ATK: 1500 -> 2300)

      „Jetzt aktiviere ich den Effekt meiner Königin!“, sagte Venus. „Und ihr ist es egal, welche Stufe dein Monster hat!“

      Sarah schluckte, als die Königin ihre Arme ausbreitete und aus der Luft um ihren Körper drei Funken schossen, die je eine Harpyie an der Brust trafen. Sofort kehrten die Schwestern Sarah den Rücken zu und wechselten auf Venus’ Seite des Feldes, wo sie in einem riesigen, goldenen Käfig hinter ihrem Monster eingesperrt wurden.

      „Aber ich bin noch lange nicht fertig!“, versicherte Venus. „Denn jetzt aktiviere ich den Ausrüstungszauber Übelwollender Hätschler! Dadurch erhält meine Königin 700 zusätzliche Angriffspunkte!“

      Sie steckte die Zauberkarte in ihre Duel Disc und vor ihr erschien ein vergrößertes Hologramm dieser. Darauf zu sehen war eine fies aussehende Frau mit grüner Haut und langen, schwarzen Fingernägeln.
      Venus’ Monster unterdessen leuchtete in einem unheilvollen, schwarzen Licht auf und ihre Fingernägel wurde durch eine finstere Energie verlängert.
      (Verlockende Königin LV7: ATK 2300 -> 3000)

      „Drei Riesen?!“, stellte Sarah entsetzt fest. Damit hatte die Königin mehr als genug Angriffspunkte, um ihre Lebenspunkte mit einem Angriff auf 0 zu senken...

      „Ganz genau!“, bestätigte Venus. „Und jetzt los, beende dieses Duell!“

      Die Königin in dem kurzen, roten Kleid breitete erneut die Arme aus, schloss die Augen und reckte den Kopf in die Höhe. Wieder schossen Funken aus der Luft um sie herum, diesmal direkt auf Sarah zu.

      Der Schmerz war überwältigend, als die holografischen Funken ihren Körper berührten und sie einen weiteren Stromschlag abbekam. Schreiend sank Sarah auf alle Viere und kämpfte mit den Tränen. Ihr linker Arm war komplett taub.
      (Sarah: LP 2700 -> 0)

      „Und die Entscheidung ist gefallen“, verkündete Turner über seine alte Mikrofonanlage. „Ohne Probleme schafft Venus es, unsere Anfängerin zu besiegen!“

      Ein paar Männer im Publikum schenkten Venus Beifall. Turner stellte den Strom ab, unter dem die Ringbegrenzung gestanden hatte, und so schnell wie möglich verließ Sarah den Ring, huschte in eine Umkleidekabine und verließ die Bar, die sie einfach nur noch hinter sich lassen wollte. Draußen in einer der dunklen Gassen setzte sie sich schließlich auf den Boden, lehnte sich gegen eine Wand und brach in Tränen aus…

      Alles war umsonst gewesen. Warum nur hatte sie sich darauf eingelassen? Sie hatte sich nachts aus der Wohnung geschlichen, sie wurde erniedrigt mit Stromschlägen traktiert… für nichts! Dabei wollte sie doch nur, dass ihre Geschwister ein schönes Weihnachten hatten… Warum nur ließen die Leute es zu, dass manche Menschen so litten? War es denen denn egal, wenn fünfzehnjährige Mädchen sich im Winter allein in dunklen Gassen die Augen ausheulten?

      „Alles klar bei dir?“, fragte eine tiefe, rauchige Frauenstimme, die jedoch viel wärmer klang, als Sarah sie je gehört hatte.

      „Venus?“, flüsterte Sarah und sah mit feuchten Augen auf. Eine junge Frau mit langen, hellbraunen Haaren, Jadegrünen Augen und markanten Wangenknochen stand da, gekleidet in einen langen Wintermantel.

      „Du kannst mich Lauren nennen“, antwortete die freundlich und setzte sich neben Sarah auf den Bürgersteig.

      „Was willst du?“, schluchzte Sarah und begrub wieder das Gesicht in den Armen.

      „Hey…“, sagte Lauren tröstend und tätschelte Sarahs Schulter. „Mach dir nichts draus. Ich habe mein erstes Untergrund-Duell auch verloren.“

      „Ja…“, schniefte Sarah. „Es ist nur, das hier war meine letzte Hoffnung. Und jetzt ist alles umsonst gewesen…“

      „Wofür brauchst du denn so dringend Geld?“

      Sarah hörte auf zu weinen, wischte sich das Gesicht mit dem Ärmel ihrer Jacke ab und blinzelte Lauren an. Eine einzelne weiße Flocke fiel vom Himmel herab und landete in Sarahs seidenem, schwarzen Haar. Es fing an, zu schneien.
      „Mein Vater…“, begann sie niedergeschlagen. „Er ist vor ein paar Wochen einfach abgehauen und hat uns zurück gelassen. Und meine Mutter kann die ganze Familie nicht versorgen, mit fünf Kindern... Deshalb muss ich um jeden Preis irgendwie Geld auftreiben, denn sonst können meine Geschwister nichts zu Weihnachten kriegen, und sie haben dieses Jahr schon genug gelitten…“

      „Ach so ist das…“, hauchte Lauren mitfühlend. Eine Weile lang starrte sie ins Leere und faltete die Hände im Schoß zusammen, dann schien sie eine Entscheidung zu treffen und griff in eine Tasche ihres Mantels.
      Heraus zog sie ein schwarzes Lederportemonnaie, aus dem sie einige Geldscheine zog und Sarah in die Hand drückte.

      „Das habe ich heute Abend verdient. Ich möchte, dass du es bekommst“, erklärte Lauren auf Sarahs fragenden Blick hin.

      Sarahs dunkle Augen weiteten sich. „Warum tust du das?“, fragte sie perplex.

      „Weil du mir leid tust“, gestand Lauren. „Ich habe niemanden, mit dem ich Weihnachten verbringen könnte. Du brauchst es dringender als ich. Nimm’ es sorg’ dafür, dass deine Geschwister ein schönes Weihnachten haben.“

      In stummer Dankbarkeit starrte Sarah die Geldscheine in ihren Händen an. Es waren über einhundert Dollar. Inzwischen schneite es heftiger; dicke, weiße Flocken fielen vom Himmel.

      „Wie lange machst du das schon?“, fragte Sarah schließlich.

      „Ich? Viel zu lange…“, seufzte Lauren. „Und bald wird es Zeit für mich, zu gehen.“

      „Warum?“

      „Ich werde alt. Ich bin schon näher an der Dreißig als an der Zwanzig und sich im Untergrund zu duellieren, ist nichts, was man dauerhaft tun kann. Wenn du ständig dabei zusiehst, wie sich verzweifelte Teenager deinetwegen mit diesen Stromschlägen abquälen, das vergisst man nicht so schnell. Ich versuche stets, meine Menschlichkeit zu bewahren, aber es ist nicht immer einfach. Von den gesundheitlichen Folgen ganz zu schweigen…“

      Mit erschrocken geweiteten Augen sah Sarah Lauren ins schöne Gesicht. „Welche gesundheitlichen Folgen?“

      „Die vielen Stromschläge haben meinem Herz geschadet. Mittlerweile habe ich seit einem halben Jahr eine chronische Herzrhythmusstörung. Jedes Mal, wenn ich in den Untergrund gehe, begebe ich mich seitdem aufs Neue in Lebensgefahr. Deshalb will ich das alles schon bald endgültig hinter mich lassen. Aber bevor ich versuche, seriös zu werden, muss ich erst sicher gehen, dass es jemanden gibt, der sich um die Neulinge kümmert.“

      „Und du willst, dass ich das mache?“

      „Du hast ein gutes Herz“, antwortete Lauren. „Der Untergrund braucht Duellantinnen wie dich, um sein letztes Bisschen Menschlichkeit zu erhalten. Solltest du also jemals wiederkommen, dann bleib’ wie du bist und versuch, den Kids zu helfen“

      Sarah nickte.

      „Gut“, sagte Lauren erleichtert. „Dann will ich, dass du das hier nimmst“, sie holte ihr Deck hervor und zog eine grüne Zauberkarte heraus, Übelwollender Hätschler, „Die ist eine Art Markenzeichen von mir. Betrachte sie als mein Weihnachtsgeschenk.“

      Sarah nahm die Karte entgegen und bedankte sich flüsternd. Dann starrte sie wieder die Banknoten in ihren Händen an.

      „Nimm’ das Geld“, forderte Lauren bestimmt. „Nimm’ es und habe ein schönes Weihnachtsfest.“

      ~


      „Und das hatte ich auch“, flüsterte die erwachsene Sarah und starrte ins Feuer. Sie saß noch immer mit Alex und den anderen in der zerstörten Produktionshalle und hatte gerade ihre Geschichte beendet.
      „Dank Lauren konnte ich meinen Geschwistern ein paar Kleinigkeiten zu Weihnachten kaufen. Sie nach allem, was unser Vater uns angetan hatte, endlich wieder lachen zu sehen war das größte Geschenk“, fuhr sie mit einem traurigen Lächeln fort und eine kurze Pause entstand.

      „Hast du seitdem noch etwas von Lauren gehört?“, fragte Mia, die zwischen Alex und Sarah saß, letztere.

      „Sie hat mir danach noch immer wieder bei meinen Untergrund-Duellen zugesehen. Mittlerweile hat sie geheiratet und eine Job in einem Kleidungsgeschäft gefunden“, antwortete Sarah lächelnd.

      Erneut entstand eine besinnliche Pause, während der Mia die Thermoskanne mit Tee weiterreichte. Alex nahm sie entgegen, schraubte den Deckel ab und füllte ihn mit dem dampfenden Getränk. Anschließend gab sie den Deckel Lily, die mühsam einen Arm unter ihrer und Alex’ Wolldecke hervorzog und gierig von dem heißen Kräutertee trank.

      „Und, Evan…“, brach Sarah das Schweigen. „Erzählst du uns jetzt von deinem schönsten Weihnachten?“

      „Meins?“, begann Evan und das Feuer beschien sein vernarbtes Gesicht.
      „Das ist noch gar nicht so lange her. Das war letztes Jahr, als Jessica und ich zum ersten Mal zusammen waren“, sagte er und gab jener einen flüchtigen Kuss. „Möchtest du anfangen?“

      Jessica nickte. „Weißt du noch damals, beim Eröffnungsball für die Hauptrunde dieses Turniers, als ich dir gesagt habe, du würdest mich an mich selbst erinnern?“, fragte sie an Alex gewandt. Die hatte gerade Deckel mit Tee von Lily entgegengenommen und nickte.
      „Tja, wie sich zeigte, haben wir beide noch viel mehr gemeinsam als ich zunächst dachte“, fuhr Jessica fort. „Ich habe nämlich auch eine kleine Schwester, Stephanie. Mit dreizehn wurde sie schwer krank und deshalb hat sie fast ihre gesamte Teenagerzeit im Krankenhaus verbracht. Um ihre Behandlung und ihren Privatlehrer zu bezahlen, habe ich meine Karriere als Profi begonnen.“

      Sie verstummte, damit Evan die Geschichte weitererzählen konnte. „Genau“, bestätigte der. „Ein paar Tage vor Weihnachten sind wir also ins Krankenhaus gefahren, um Stephanie zu besuchen…“


      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Und zum großen Finale (im wahrsten Sinne des Wortes, Teil 3 ist gut 50% länger als 1 oder 2) drücken wir nochmal ein bisschen auf die Tränendrüse ;)
      Weihnachten zwischen den Trümmern - Teil 3
      Weihnachten zwischen den Trümmern; Teil 3

      Schnee wirbelte gegen die Fenster der edlen Privatklinik. Gemeinsam schritten der junge Mann mit der wilden rot-blauen Haarmähne und die große, wunderschöne, blonde Frau durch die festlich geschmückten, klinisch reinen Gänge.

      Gerade wollten sie die Krankenstation betreten, als sie von einer Stimme aufgehalten wurden: „Miss Greengrass“, sagte Doktor Matthew Wade, der behandelnde Arzt von Jessicas Schwester, ein junger Mann mit schulterlangem, schwarzen Haar und Dreitagebart.

      „Was ist los?“, fragte Jessica, die meinte, einen mitfühlenden Unterton in den Worten des Arztes wahrgenommen zu haben, besorgt.

      „Ich habe schlechte Neuigkeiten“, begann Dr. Wade vorsichtig, Jessicas Augen weiteten sich vor Angst und ihre Hand mit den langen, lackierten Fingernägeln schloss sich fest um die Evans.
      „Ihre Schwester… Es sieht nicht gut für sie aus.“

      „Wieso… was… was ist mit ihr?“, stammelte Jessica, kaum fähig, zu sprechen.

      „Keine der herkömmlichen Behandlungsmethoden schlägt bei ihr an, wir müssen operieren. Jedoch ist diese Operation sehr riskant und es besteht eine etwa 60%-ige Wahrscheinlichkeit, dass sie es nicht übersteht…“

      Jessica brauchte einen Moment, bis die Worte zu ihr durchdrangen, dann brach sie in Tränen aus und begrub ihr makelloses Gesicht in den Händen. Evan sprach ihr tröstende Worte zu und schloss sie fest in die Arme.

      „Es tut mir sehr leid“, versicherte Dr. Wade aufrichtig. „Möchten Sie, dass ich es Ihren Eltern mitteile oder fühlen Sie sich im Stande, dies selbst zu erledigen?“

      Jessica schniefte und schüttelte den schönen Kopf, dann wischte sie sich die Tränen aus den Augen und fragte mit brüchiger Stimme: „Nein… das kriege ich schon hin. Weiß… weiß Stephanie bereits davon?“

      Der Arzt nickte. „Wir haben es ihr heute Vormittag mitgeteilt. Sie trägt es mit Fassung.“

      Eine Pause entstand, während der Jessica in ihrer Handtasche nach einem Taschentuch kramte.
      „Wann ist die Operation?“, fragte Evan.

      „Am 27. Dezember“, antwortete Dr. Wade. Erneut entstand eine Pause, während der Jessica sich geräuschvoll die Nase schnäuzte. Schließlich ließ der junge Arzt Evan und Jessica allein und das Paar betrat die Krankenstation.

      Es war ein schönes Zweibettzimmer, das mit seinem orangefarbenem Linoleumfußboden und blassgelben Wänden einen warmen Eindruck vermittelte. In dem einem Bett, das belegt war, saß aufrecht eine große, abgemagerte Teenagerin und sah dabei zu, wie der Schnee gegen die großen Fenster wirbelte, wandte sich jedoch ab, als die Tür geöffnet wurde.

      „Hey, Steph“, sagte Jessica sanft, setzte sich auf den Hocker neben dem Bett ihrer Schwester und griff nach ihrer knochigen Hand.

      „Hey Schwesterherz“, erwiderte Stephanie mit einem zittrigen Lächeln. Siebzehn Jahre alt, sah sie ihrer großen Schwester sehr ähnlich und wäre ihr Gesicht nicht von der Krankheit gezeichnet, stünde sie deren Schönheit in nichts nach. Ihr langes, gewelltes Blondhaar war stumpf und spröde geworden, der Körper klapprig und abgemagert, die Haut so blass, dass man die Adern darunter erkennen konnte und die schönen Gesichtszüge eingefallen.
      „Du hast geweint“, stellte Stephanie mit einem Blick in Augen ihrer Schwester fest, die für gewöhnlich türkis und tief wie ein Gebirgssee waren, nun jedoch rot und verquollen. „Also hat Matt es dir schon erzählt?“

      Jessicas Augen füllten sich wieder mit Tränen, während ihren Blick abwandte und nickte. Dann hielt sie es nicht mehr aus, schlang sich um ihre Schwester und brach erneut in Tränen aus. Evan, der sich in einiger Entfernung an einer Wand rumdrückte, um die Schwestern nicht zu stören, warf Stephanie einen entschuldigenden Blick zu.

      „Es ist am besten so“, flüsterte Stephanie und tätschelte Jessica den Rücken. „Matt sagt, wenn ich die Operation überstehe, dann werde ich wieder vollkommen gesund. Und wenn nicht, dann ist es wenigstens endgültig vorbei… Und überhaupt, die Sache hat noch etwas Gutes“

      Jessica löste sich von ihr und starrte ihre Schwester fragend mit feuchten Augen an. Ein breites, zittriges Grinsen breitete sich auf Stephanies Gesicht aus und stellte für einen kurzen Moment ihre Schönheit wieder her. Offenbar wollte sie das folgende schon die ganze Zeit loswerden.

      „Sie lassen mich über Weihnachten nach Hause kommen.“

      „Oh Stephanie“, schluchzte Jessica und während sie sich wieder ihrer Schwester um den Hals warf, mischten sich zu den Tränen der Trauer auch welche der Freude. „Mum und Dad werden sich so freuen.“

      „Mum und Dad können warten“, sagte Stephanie mit brüchiger Stimme. „Zuerst will ich zu dir… und Evan.“

      Und so geschah es. Kaum waren Jessica und Evan zurück in dessen Wohnung, rief Jessica ihre Eltern an, die weit außerhalb auf dem Land lebten, um ihnen die Neuigkeiten mitzuteilen. Am Telefon entstand ein heftiger Streit über Stephanies Wunsch, Heiligabend bei ihrer Schwester und deren Freund statt bei ihren Eltern zu verbringen und Jessica verbrachte den Rest des Tages größtenteils damit, weinend im Bett zu liegen.
      Doch schon am nächsten Tag überwiegte die Vorfreude. Es war, als hätte die Aussicht, Weihnachten mit ihrer kleinen Schwester zu verbringen, einen ganz anderen Menschen aus Jessica gemacht. Anders als in den letzten Wochen, in denen sich Stephanies Zustand und damit Jessicas Stimmung stetig verschlechtert hatten, war sie nun wieder die fröhliche, lustige, junge Frau, in die Evan sich verliebt hatte. Gemeinsam schmückten sie das großzügige, innerstädtische Appartement festlich, hörten dabei laut Musik, lachten und tanzten. Evan ließ sich so sehr von der Vorfreude anstecken, dass er selbst Jessicas grauenhaften Gesang mit einem Lächeln ertrug, wenn jene ihre Lieblingslieder mitsang. Am Abend gingen sie schick essen und mit keinem Wort erwähnte einer der beiden Stephanies Operation oder auch nur irgendetwas, was nach dem 27. Dezember passieren würde…

      Am Morgen des 24. Dezember schließlich nahmen Evan und Jessica ein Taxi zum Krankenhaus, um Stephanie abzuholen. Inzwischen hatte es aufgehört, zu schneien und ganz Domino City war unter einer dicken, weißen Decke begraben.
      Stephanie war schon ganz aufgeregt, als Evan und Jessica kamen und als diese sie mitnehmen wollten, ärgerte sie sich darüber, dass Dr. Wade sie zwang, einen Rollstuhl zu benutzen.
      In diesem schoben sie die abgemagerte Siebzehnjährige aus dem Krankenhaus hinaus in die Außenwelt, wo sie als erstes gierig die kühle, frische Luft einsog. Dr. Wade hatte ihnen zuvor noch diverse Sicherheits- und Notfallmaßnahmen eingebläut, eine Vielzahl von Szenarien durchgespielt, in denen sie unbedingt zurück ins Krankenhaus mussten und ihnen einen gewaltigen Vorrat an Medikamenten mitgegeben.
      Nach einer Weile fanden sie ein Taxi und als Erstes fuhren sie in den Park, wo sie einen Schneemann bauten und eine kleine Schneeballschlacht veranstalteten, die Stephanie jedoch dermaßen aus der Puste brachte, dass sie sich ans Herz fasste und röchelnd atmend in ihren Rollstuhl sank.

      „Stephanie!“, schrie Jessica, die wohl nicht merkte, dass ihre Schwester etwas zu dick auftrug, entsetzt und stürmte zu ihr, um sie zu betütteln. „Was ist? Alles okay bei dir?“
      Jessica war so in Panik, dass ihr gar nicht auffiel, wie Stephanie Evan zuzwinkerte, der hinter Jessicas Rücken stand, sich bückte um eine große Hand voll Schnee aufzulesen, die er Jessica in den ungeschützten Nacken schüttete.
      Kalt erwischt zuckte die junge Frau zusammen und wirbelte blitzschnell herum.

      „Evan!“, kreischte sie. „Das ist nicht witzig! Könnt ihr euch denken, was für Sorgen ich mir gemacht habe?!“

      „Jetzt bleib mal locker“, sagte Stephanie und lachte lauthals, was sich jedoch schnell zu einem üblen Hustenanfall entwickelte.

      Zunächst blieb Jessica schnippisch, während die drei wieder ein Taxi nahmen um in einem Café eine heiße Schokolade zu trinken. Doch spätestens, als ihrer kleinen Schwester beim Anblick der geschmückten Wohnung, deren riesige, lamettaverhangene Fenster ein atemberaubendes Panorama auf die verschneiten Wolkenkratzer der City boten, begeistert der Mund aufklappte, war Jessica wieder ganz die alte und es wurde noch ein schöner Abend. Die Drei hielten sich nicht an Weihnachtstraditionen, sondern bestellten sich Essen beim Crimson Dragon, Evan zündete den modernen Ethanolkamin an und sie sahen bis spät in die Nacht Filme und unterhielten sich, wobei die Schwestern sich eng aneinander gekuschelt das Sofa teilten.

      Am nächsten Morgen saßen die Drei – Stephanie in ihrem Rollstuhl – zum Frühstück am kleinen, quadratischen Esstisch neben der offenen Küche. Dieser war eigentlich für zwei Personen konzipiert und gedeckt für drei proppenvoll.

      „Und, bist du bereit für Mum und Dad?“, fragte Jessica.

      „Ja…“, erwiderte Stephanie zögerlich. „Aber ich würde viel lieber bei dir und Evan bleiben. Du weißt ja, wie Mum und Dad sind. Ich seh’s schon vor mir: Mum wird die ganze Zeit heulen und mir Suppe ans Bett bringen. Man könnte meinen, ich wäre schon tot. Wenn die erst von unserer Schneeballschlacht erfahren…“

      „Ich weiß…“, sagte Jessica mitleidig. „Aber ich habe es ihnen versprochen. Sie haben es zur Bedingung gemacht, damit du überhaupt hierher darfst.“

      „Schon klar…“, meinte Stephanie und rührte lustlos mit ihrem Löffel in ihrer Müslischale herum. „Aber bevor wir gehen möchte ich noch eins erledigen.“

      „Natürlich… was denn?“, wollte Jessica überrascht wissen.

      „Ich möchte mich noch ein Mal duellieren“, antwortete Stephanie bestimmt. „Und zwar gegen einen waschechten Profi. Gegen dich, Evan.“

      „Was ist mit deiner Schwester?“, meinte Evan, eins seiner Erdnussbutter-Marmelade-Sandwiches mampfend. „Sie ist doch schließlich auch ein Profi.“

      „Schon“, erwiderte Stephanie. „Aber gegen sie habe ich mich schon duelliert. Das wäre nicht das Gleiche…“

      Evan zuckte mit den Schultern. „Na gut“, sagte er. „Dann duellieren wir uns eben.“

      „Was echt?“, fragte Stephanie aufgeregt und ein strahlendes Lächeln machte sich auf ihrem Gesicht breit.

      „Na klar“, meinte Evan. „Unten neben der Lobby ist ein Duellfeld für die Bewohner. Das können wir benutzen. Nach dem Frühstück kann’s losgehen.“

      „Der Wahnsinn!“, sagte Stephanie begeistert und wandte sich wieder hungrig ihrem Müsli zu.

      Wenig später fanden sich die beiden auf ebenjenem Duellfeld wieder. Es befand sich in einem großen Raum im Erdgeschoss, dessen große Fenster den Blick auf eine verschneite Straße freigaben. Sie hatten ihre Duel Discs an den Armen – Stephanie musste ihre auf den Armlehnen ihres Rollstuhls abstützen, weil sie andernfalls das Gewicht nicht hätte tragen können – und Jessica saß auf einer Sitzbank, um ihnen zuzusehen. Sie hatte bereits ihren Wintermantel angezogen, weil die Schwestern gleich im Anschluss zu ihren Eltern aufbrechen würden.

      „Los Duell!“, riefen Eva und Stephanie im Chor, was letztere zum Husten brachte, und zogen jeweils fünf Karten von ihren Decks.

      „Fang’ du ruhig an“, bot Evan an.

      „Alles klar!“, sagte Stepahnie. „Ich bin dran! Ich beschwöre Jungfer des Wassers im Verteidigungsmodus!“

      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und vor ihr auf dem Feld erschien das Hologramm einer kurvenreichen, jungen Frau mit blauen Haaren und grünen Augen in kniender Haltung. Sie trug eine Art Netztop unter einem weiß-goldenem Umhang und eine Halskette mit einer Muschel. In ihrer rechten Hand hielt sie einen großen, silbernen und bronzenen Dreizack. (DEF: 2000)

      Jungfer des Wassers hat einen Effekt!“, fuhr Stephanie fort. „Solange sie offen auf dem Feld liegt, sollte sich dort kein offener Feldzauber befinden, wird das Feld als Umi behandelt!“

      Auf dem Duellfeld breitete sich etwas wie ein holografischer, blauer Teppich mit Wellenbewegungen aus, sodass es aussah, als würden sie mitten auf dem Meer stehen.

      „Aber darauf kommen wir später zurück. Erstmal aktiviere ich den Ausrüstungszauber Herz des klaren Wassers! Ich kann nur Monster mit dieser Karte ausrüsten, die weniger als 1300 Angriffspunkte haben, aber da ist meine Jungfer des Wassers locker drunter! Deshalb kann sie ab jetzt nicht mehr durch Kampf oder durch Karteneffekte zerstört werden, die sie als Ziel wählen!“

      Stephanie steckte die Karte in ihre Duel Disc und vor ihr erschien ein vergrößertes Hologramm jener. Die blauhaarige Frau auf ihrem Feld leuchtete kurz in einem orangefarbenen Licht auf.

      „Ich beende meinen Zug.“ [Hand: 3 / Backrow: 0]

      „Alle Achtung, eine solide Abwehr hast du da aufgebaut“, lobte Evan. „Aber ich komme auch ohne Angriff ganz gut klar. Ich bin dran! Ich ziehe! Und ich beschwöre Sonneneruptions-Drache im Angriffsmodus!“

      Er klatschte die Karte auf seine Duel Disc und aus dem blauen Fußboden stieß der lange Hals eines Drachen hervor, der komplett in Flammen stand und auf dessen Stirn zwei lange Hörner wuchsen. (ATK: 1500)

      „Doch weil es mit bloß einem ja langweilig wäre, aktiviere ich den Zauber Zwei vom gleichen Schlag! Damit wähle ich eins meiner Monster der Stufe 4 oder niedriger im offenen Angriffsmodus und ändere es in den Verteidigungsmodus! Anschließend kann ich ein Monster von meinem Deck beschwören, das den gleichen Namen wie das gewählte Monster hat, ebenfalls im Verteidigungsmodus!“

      Ein weiterer der brennenden Drachen erschien neben dem ersten auf Evans Feld. (DEF: 1000)

      „Zwei vom gleichen Schlag verbietet es mir, in diesem Zug weitere Beschwörungen zu machen, deshalb bist du dran, aber vorher aktivieren sich noch die Effekte meiner Monster und du erhältst für jedes von ihnen 500 Punkte Schaden!“

      Die Drachen brüllten und in ihren Mäulern bildete sich je ein orange leuchtender Feuerball, die sie auf Stephanie schleuderten, welche sich schützend die Hand mit den Karten vors Gesicht hielt. (Stephanie: LP 4000 -> 3000)

      „Mein Zug!“, sagte sie entschlossen und zog eine Karte von ihrem Deck. „Ich beschwöre Heilende Nixe im Angriffsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer Meerjungfrau mit gelben Haaren und einem roten Fischschwanz. Am Oberkörper war sie mit einem tief ausgeschnittenen, rosa Top bekleidet. (ATK: 1500)

      „Greif’ Sonneneruptions-Drache an!“

      In der Hand der Nixe bildete sich eine Kugel aus klarem Wasser und sie blickte irritiert drein, als sie versuchte, damit auf einen der beiden Drachenköpfe zu zielen, die jetzt jedoch chaotisch umeinander tanzten.

      „Was ist los?“, fragte Stephanie, genau so irritiert wie ihr Monster.

      „Die Effekte meiner Drachen wirken!“, erklärte Evan mit einem Grinsen. „Solange ich ein anderes Monster vom Typ Pyro kontrolliere, können sie nicht angegriffen werden! Verstehst du? Die Effekte meiner Drachen heben sich gegenseitig auf und du kannst nicht angreifen!“

      „Na toll“, meinte Stephanie und ihr Monster gab den Angriffsversuch auf.
      „Dann aktiviere ich eben den hier!“, fuhr sie fort und steckte eine weitere grüne Zauberkarte in ihre Duel Disc. „Den Ausrüstungszauber Rüstung aus seltenem Gold, mit de ich meine Jungfer des Wassers ausrüste, sodass du nur noch sie angreifen kannst!“

      Ein vergrößertes Hologramm der Zauberkarte erschien vor ihr und die kurvenreiche, blauhaarige Frau schlüpfte in eine weiße, golden umrahmte Rüstung.

      „Ich setze noch eine Karte verdeckt und beende meinen Zug“, schloss Stephanie und neben den vergrößerten Hologrammen ihrer Ausrüstungszauber erschien eine vergrößerte, braune Kartenrückseite. [Hand: 1 / Backrow: 1]

      „Nicht schlecht, nicht schlecht“, meinte Evan anerkennend. „Hast echt eine gute Verteidigung aufgebaut. Aber jetzt bin erstmal ich dran!“, ruckartig zog er eine Karte von seinem Deck, „Ich beschwöre Blizzarddrache im Angriffsmodus!“

      Auf seinem Feld erschien das Hologramm eines großen, blauen Drachen, an dessen Vorderläufen er lange Flughäute hatte. (ATK: 1800)

      „Ich aktiviere den Effekt von Blizzarddrache! Einmal pro Spielzug kann er eins deiner Monster sozusagen einfrieren und es kann bis zum Ende deines nächsten Zuges weder angreifen noch seine Kampfposition ändern! Und ich wähle Heilende Nixe!“

      Der blaue Drache öffnete sein Maul und eiskalte Windböen strömten daraus hervor und froren das holografische Wasser rund um die blonde Meerjungfrau mitsamt deren Fischschwanz und Armen ein.

      „Da du mich recht effektiv am Angreifen hinderst, bist du jetzt dran. Aber nicht vergessen, meine Sonneneruptions-Drachen sind auch noch da!“

      Erneut begannen die Drachen, zu schreien und Feuerbälle bildeten sich in ihren Mäulern, die sie kurz darauf auf Stephanie schleuderten. (LP: 3000 -> 2000)
      [(Evan) Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Ich bin dran!“, rief die, als der Angriff vorüber war und zog eine Karte von ihrem Deck. „Auch wenn du meine Heilende Nixe eingefroren hast, ihr Effekt aktiviert sich trotzdem und ich erhalte 800 Lebenspunkte!“

      Die halb festgefrorene Nixe schloss entspannt die Augen, leuchtete in einem hellblauen Licht auf und als wären die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft gesetzt worden, stiegen ihre Haare empor. (Stephanie: LP 2000 -> 2800)

      „Jetzt aktiviere ich meine Fallenkarte!“, fuhr Stephanie fort und drehte jene um. „Plötzliche Typveränderung! Damit kann ich ein Monster auf dem Feld wählen und bis zur End Phase seinen Typ verändern, und ich wähle deinen Sonneneruptions-Drachen!“

      „Raffiniert“, meinte Evan wohlwollend. „Damit wären ihre Effekte außer Kraft gesetzt. Welchen Typ soll er denn annehmen?“

      „Das ist mir eigentlich egal, solange es nicht Pyro ist. Such’ dir was aus.“

      „Gut, dann ist er eben ab jetzt ein Drache.“

      „Dann soll es so sein! Ich beschwöre Meerjungfrau-Ritter im Angriffsmodus!“

      Auf Stephanies Feld erschien eine weitere Meerjungfrau. Diese hatte einen langen, grünen Fischschwanz, der teilweise von einer violetten Rüstung geschützt wurde, und magentafarbene Haare. Gerüstet war sie mit einem Schild und einem Schwert, dessen Klinge in allen Farben des Regenbogens leuchtete. (ATK: 1500)

      „Greif’ Sonneneruptions-Drache an!“

      Die Meerjungfrau schoss los und traf mit ihrer bunten Klinge die Kehle eines der Drachen, dessen Hologramm sich in Luft auflöste.

      „Aber das Beste kommt noch! Erinnerst du dich noch an den Effekt meiner Jungfer des Wassers? Solange sie offen auf dem Spielfeld liegt wird dieses als Umi behandelt! Das heißt, mein Meerjungfrau-Ritter kann noch einmal angreifen!“

      Erneut schoss die Nixe mit den magentafarbenen Haaren los und attackierte den zweiten brennenden Drachen, dessen Hologramm sich ebenfalls in Luft auflöste.

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Stephanie. [Hand: 1 / Backrow: 0]

      „Alle Achtung“, erwiderte Evan. „Jetzt hast du ein Monster, das sämtliche Angriffe abschirmt, eins, das dich jede Runde heilt und eins, das zwei Mal angreifen kann. Respekt. Aber glaub’ nicht, dass das reicht, um einen Profi zu besiegen! Ich bin dran! Ich ziehe!“

      Er zog ruckartig eine Karte auf und lächelte zufrieden.

      „Na bitte“, sagte er. „Ich aktiviere den Effekt von Stream, Drachenherrscher der Tröpfchen in meiner Hand! Indem ich ihn zusammen mit einem anderen Wasser-Monster auf den Friedhof abwerfe kann ich Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle als Spezialbeschwörung von meinem Deck beschwören!“

      Er schob die beiden Karten auf seinen Friedhof, griff dann nach der Karte, die seine Duel Disc hervorschob, und schickte sie ebenfalls dorthin. Vor ihm erschien unterdessen das geisterhafte Hologramm eines kleinen, blauen Drachen, der seine Form veränderte und um ein vielfaches wuchs.
      Das neue Geschöpf war ein gewaltiger, blauer Drache, dessen ganzer Körper aus Eis zu bestehen schien. Er hatte zwei riesige, gebogene Hörner auf der Stirn, lange, dünne Arme und reihenweise Eiszapfenartige Dornen auf Rücken und Schweif. (ATK: 2600)

      „Und da ich meinen Friedhof jetzt gefüllt habe, entferne ich Stream, Drachenherrscher der Tröpfchen, Hydrogeddon und einen meiner Sonneneruptions-Drachen von meinem Friedhof aus dem Spiel, um ein viel stärkeres Monster zu rufen: Frost- und Flammendrache!“

      Er nahm die drei Karten von seinem Friedhof und steckte sie sich in die Jackentasche, anschließend legte er eine Karte von seiner Hand auf seine Duel Disc. Auf seinem Feld erschien das Hologramm eines großen Drachen mit einem langen, grauen, schlangenhaften Körper. Er hatte zwei Köpfe; einer mit einer eisigen, blauen Panzerung überzogen und der andere nur aus orange leuchtenden Flammen bestehend. (ATK: 2300)

      „Ich aktiviere den Effekt meines Monsters! Zum Preis von einer Handkarte kann ich eine deiner Karten wählen und zerstören! Und ich entscheide mich für den Ausrüstungszauber Rüstung aus seltenem Gold!“

      Evan schob eine weitere seiner Handkarten auf den Friedhof und aus seiner Duel Disc schoss eine gelb leuchtende Sphäre, die zwischen den Kiefern des eisigen Drachenkopfs zermalmt wurde. Anschließend spie der brennende Kopf einen Flammenstrom auf das vergrößerte Hologramm des Ausrüstungszaubers, das sofort verschwand.

      „Und nun, da ich wieder freie Wahl mit meinen Angriffen habe, sieht es schlecht für dich aus! Blizzarddrache, greif Heilende Nixe an!“

      Der blaue Drache setzte sich in Bewegung und als er die blonde Nixe erreicht hatte, griff er diese mit den langen Krallen seines Vorderlaufs an, woraufhin sich ihr Hologramm in Luft auflöste. (Stephanie: LP 2800 -> 2500)

      „Als Nächstes du, Frost- und Flammendrache! Greif’ Meerjungfrau-Ritter an mit Heißkalte Attacke!“

      In den Mäulern des Drachen bildeten sich ein Feuerstrom und ein eiskalter Strahl, die sie spiralförmig auf die Meerjungfrau mit den magentafarbenen Haaren schossen, deren Hologramm sich ebenfalls sofort in Luft auflöste. (Stephanie: LP 2500 -> 1700)

      Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle kann nicht in dem Zug angreifen, in dem er durch den Effekt seines kleinen Freundes beschworen wurde. Deshalb bleibt mir nichts anderes übrig, als meinen Zug mit einer gesetzten Karte zu beenden!“, schloss Evan. [Hand: 0 / Backrow: 1]

      „Dann bin ich dran!“, sagte Stephanie in ihrem Rollstuhl und zog eine Karte von ihrem Deck.

      „Ich beschwöre Amazone der Meere im Angriffsmodus!“

      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und auf ihrem Feld erschien das Hologramm einer Meerjungfrau mit blauen Haaren und grünem Fischschwanz. (ATK: 1300)

      „Und jetzt mach’ dich auf was gefasst, denn ich überlagere die Stufe-4-Monster Jungfer des Wassers und Amazone der Meere!“, fuhr Stephanie fort und die Hologramme der beiden Monster wurden zu zwei blauen Lichtsäulen, die hoch in die Luft stiegen und dort von einem roten Wirbel eingesogen wurden.
      „Mit diesen beiden Monstern bilde ich das Überlagerungsnetzwerk und führe eine Xyz-Beschwörung durch! Erscheine, Evigishki-Meergeist!“

      Aus dem roten Wirbel stieg das Hologramm eines Xyz-Monsters herab. Dieses hatte die Gestalt einer großen Meerjungfrau, deren Haare und Fischschwanz lang und scharlachrot waren. An ihrem menschlichen Oberkörper trug sie eine grün-schwarze Robe und auf dem Kopf einen grünen Helm, der aussah wie der Kopf eines Meeresungeheuers. Aus Rücken und Hüfte sprossen ihr vier riesige, grüne Flossen, die aussahen wie Flügel und in ihrer Hand hielt sie einen langen Zauberstab mit einem Spiegel am oberen Ende. Zwei leuchtende Sphären umkreisten sie wie Planeten ihre Sonne. (ATK: 2100)

      „Nicht schlecht“, meinte Evan mit einem anerkennenden Nicken. „Ich habe mich schon gefragt, wo deine starken Monster bleiben.“

      „Nun, hier ist es!“, erwiderte Stephanie, der das Duellieren und Sprücheklopfen sichtlich Freude bereitete. „Und es kommt noch besser, denn jetzt aktiviere ich den Ausrüstungszauber Macht von Kaishin! Dadurch erhält Meergeist 300 Extra-Angriffspunkte!“

      Die Nixe tauschte den Zauberstab mit dem Spiegelkopf gegen einen Dreizack mit bronzenem Griff und silbernen Kopf aus, der wie ein Leuchtturm zu scheinen begann, als das Monster ihn in die Hand nahm. (Evigishki-Meergeist: ATK 2100 -> 2400)

      „Los, greif’ Frost- und Flammendrache an!“

      Die Nixe setzte mich in Bewegung und es sah aus, als würde sie fliegen. Mit ihrem leuchtenden Dreizack spießte sie den zweiköpfigen Drachen auf, dessen Hologramm sich in Luft auflöste. (Evan: LP 4000 -> 3900)

      „Jetzt aktiviert sich der Effekt von Meergeist! Wenn sie ein Monster durch Kampf zerstört, kann ich ein Xyz-Material abhängen und das Monster wird zurück ins Deck gemischt!“

      Eine der leuchtenden Sphären, die das Monster umkreisten, wurde vom Kopf des leuchtenden Dreizacks absorbiert und Evan steckte seine Monsterkarte zurück ins Deck, das automatisch gemischt wurde.

      „Du kennst mich gut“, sagte er. „Du weißt genau, dass meine Monster mir im Friedhof mehr nützen als im Deck.“

      „Ich hatte in den letzten vier Jahren eben viel Zeit, um mir deine Duelle im Fernsehen anzusehen“, erwiderte Stephanie. „Daher weiß ich auch das: In meiner End Phase wird dein Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle auf deine Hand zurückgegeben!“
      [(Stephanie) Hand: 0 / Backrow: 0]

      „Ganz genau“, bestätigte Evan und nahm die Karte zurück auf die Hand, wobei das Hologramm des großen, blauen Drachen verschwand. „Dann bin ich also dran. Ich ziehe! Sieh’ an, ich habe noch einen Blizzarddrachen gezogen!“, fuhr er fort und zeigte Stephanie die Karte. „Das heißt, ich kann ihn zusammen mit Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle abwerfen, um dessen Effekt zu aktivieren, wodurch ich ein beliebiges Monster von meinem Deck auf den Friedhof schicken kann! Und ich entscheide mich für Blaster, Drachenherrscher des Infernos!“

      Evan nahm seine letzten beiden Handkarten und schob sie auf den Friedhof. Dann griff er nach der Karte, die seine Duel Disc aus seinem Deck hervorschob und legte sie ebenfalls dorthin.
      „Doch er wird nicht lange dort bleiben, denn indem ich zwei andere Monster von meinem Friedhof aus dem Spiel entferne, die entweder den Typ Drache oder das Attribut Feuer haben, kann ich Blaster, Drachenherrscher des Infernos als Spezialbeschwörung von meinem Friedhof beschwören! Und ich entferne Blizzarddrache und Sonneneruptions-Drache!“
      Er nahm die Karten und steckte sie sich in die Hosentasche, anschließend holte er ein weiteres Monster von seinem Friedhof und legte es lässig auf seine Duel Disc.
      Auf seinem Feld erschien daraufhin das Hologramm eines riesigen, unförmigen Drachen mit rotem Bauch, dessen Körper von etwas wie halb verfestigter Lava umgeben war. Auf diese Weise entstand eine Art pechschwarzer Panzer, der von orange glühenden Adern durchzogen wurde. (ATK: 2800)

      „Und jetzt mach’ dich bereit für’s große Finale! Ich aktiviere die Falle Hochwasser auf der Feuerinsel!“, verkündete Evan und drehte seine verdeckte Karte um, waraufhin ein vergrößertes Hologramm der Fallenkarte vor ihm hochklappte. „Ich kann sie aktivieren, wenn ich ein Wasser- oder Feuer-Monster der Stufe 7 oder höher kontrolliere. Dann bekomme ich je nachdem, welche dieser beiden Attribute ich kontrolliere, andere Effekte. Und momentan kontrolliere ich sowohl ein Feuer- als auch ein Wasser-Monster, das heißt, ich kann beide Effekte benutzen! Als Erstes also der Wasser-Effekt! Dieser erlaubt es mir, beliebig viele Wasser-Monster von meinem Friedhof als Spezialbeschwörung zu beschwören, die ich in diesem Spielzug für einen Monstereffekt abgeworfen habe, anschließend wird eines meiner Monster zerstört! Ich beschwöre also Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle und zerstöre dafür Blizzarddrache!“

      Er holte die Karte aus seinem Friedhof und legte sie auf seine Duel Disc. Wieder erschien auf seinem Feld das Hologramm des riesigen, blauen Drachen, der aussah, als würde er aus Eis bestehen (ATK: 2600), wohingegen das Holgramm des kleineren, blauen Drachen verschwand.

      „Als Nächstes der Feuer-Effekt! Dieser erlaubt es mir, eine deiner Karten zu zerstören!“

      „Was?!“, fragte Stephanie ungläubig.

      „Ganz genau! Ich zerstöre nun also Evigishki-Meergeist!“

      Ein glühender Feuerball schoss aus dem vergrößerten Hologramm von Evans Fallenkarte und traf Stephanies Monster mit voller Wucht, wobei sich das Hologramm der grün-roten Nixe in Luft auflöste.

      „Und nun, da meine Drachen freie Bahn haben: Blaster, Drachenherrscher des Infernos, beende dieses Duell!“

      Der unförmige Drache mit dem Magmapanzer brüllte laut auf und in seinem Maul bildete sich eine Kugel aus Lava, die er direkt auf das blonde Mädchen in dem Rollstuhl schleuderte, das sich schützend den rechten Arm vor das Gesicht hielt, als der Angriff sie traf. (Stephanie: LP 2500 -> 0)

      Die Holgramme von Evans Monstern verschwanden und schweigend starrte Stephanie in ihren Schoß.

      „Alles klar bei dir?“, fragte Evan, nachdem er seine Duel Disc deaktiviert hatte. Stephanie blickte auf und lächelte.

      „Natürlich, alles bestens“, sagte sie. „Das Duell war echt der Wahnsinn. Vielen Dank dafür, Evan.“

      „Keine Ursache“, erwiderte Evan, ebenfalls lächelnd.

      „Nun aber schnell“, mischte sich Jessica hektisch ein. „Ich habe das Taxi schon gerufen. Es müsste jeden Augenblick da sein.“

      Fünf Minuten später war das Taxi angekommen und Jessica schob den Rollstuhl mit ihrer Schwester hinaus auf die verschneite, menschenleere Straße.

      „Warte…“, sagte Stephanie, als Jessica die Hintertür des Taxis öffnete und ihrer Schwester aus dem Rollstuhl helfen wollte. Sie sah wieder empor in Evans vernarbtes Gesicht.
      „Egal, wie es in den letzten zwei Tagen gewirkt haben mag, ich habe nicht vergessen, was am Montag auf mich zukommt und ich weiß, dass wir uns heute vielleicht zum letzten Mal sehen“, fuhr sie fort und machte eine kleine Pause in der sie versuchte, ihren nüchternen Tonfall wieder herzustellen.
      „Ich weiß auch, dass ich es euch nicht immer leicht gemacht habe. Und sollte ich am Montag sterben, dann kümmere dich gut um Jessica. Es wird nicht leicht werden, aber Jessica war noch nie mit jemandem so glücklich wie mit dir und du hast einen besseren Menschen aus ihr gemacht. Dafür bin ich dir sehr dankbar.“

      „Sowas darfst du gar nicht denken“, meinte Evan gerührt, während Jessica versuchte, die Tränen zu unterdrücken, die sich in ihren Augen sammelten. Zuversichtlich fuhr er fort: „Ich weiß, dass wir uns wiedersehen werden. Und dann, wenn du ein bisschen mehr Übung hast, liefern wir uns eine Revanche.“

      Stephanie lächelte müde. „Ich freu’ mich schon drauf“, sagte sie und mithilfe der immer noch mit den Tränen kämpfenden Jessica stieg sie ins Taxi ein.

      ~


      „Und das war unser mein schönstes Weihnachten“, flüsterte Evan ein Jahr später in der zerstörten Fabrikhalle und starrte nachdenklich in die Untiefen des knisternden Lagefeuers. „Stephanie ist ein unglaublich tolles Mädchen. Sie an diesen Tagen so glücklich zu sehen, das war wunderbar…“

      „Was ist aus ihr geworden?“, fragte Alex ihm gegenüber vorsichtig an Jessica gewandt. Das Schicksal dieses Mädchens hatte sie sehr berührt.

      „Sie ist durchgekommen“, antwortete Jessica glücklich und kuschelte sich enger an Evan.
      „Dr. Wade meinte, es sei ein Wunder gewesen. Aber nur wenige Wochen, nachdem sie wieder gesund war, habe ich angefangen, mich gehen zu lassen. Es war, als hätte ich die Orientierung verloren, den Grund, für den ich mich duellierte. Und na ja, ihr wisst ja alle, wo mich das letztendlich hingeführt hat…“, fügte sie traurig hinzu und starrte in die Flammen. Eine einzige Träne kullerte aus ihren immergrünen Augen, die als einziges noch von ihrer einst atemberaubenden Schönheit zeugten, während der Rest ihres Körpers von dem unsäglichen Elend gezeichnet war, das sie in den letzten Monaten durchlebt hatte.
      „Sie hat wahrscheinlich keine Ahnung davon, dass ich auf der Flucht bin“, flüsterte Jessica und mit einem Anflug trockenen Humors fügte sie hinzu: „Wie es aussieht bin ich jetzt diejenige, deren Zukunft ungewiss ist…“

      Es entstand ein nachdenkliches Schweigen, während der Großteil der Anwesenden mit ihren Löffeln versuchte, die letzten Tropfen Eintopf aus ihren Styroporschalen zu kratzen. Nur Richard hatte seine Schale niedergelegt und starrte trübselig ins Feuer.

      „Was ist mit dir, Richard?“, fragte Lisa.

      Richard zuckte niedergeschlagen mit den Schultern. „Ach es ist nur…“, sagte er mit erstickter Stimme. „Nachdem ihr alle diese Geschichten erzählt habt, wie ihr Weihnachten mit euren Familien verbracht habt, wurde mir klar, dass ich so etwas nie hatte…“
      Er begrub das Gesicht in den Händen und Alex sah verblüfft zu ihm hinüber.
      „Es tut mir leid… ich… möchte mal ein bisschen allein sein“, sagte Richard, stand auf und verschwand in der Finsternis des Fabrikgebäudes. Verwirrt sahen alle anderen ihm nach.

      „Der Arme…“, flüsterte Lisa mitleidig. „Meint ihr nicht, jemand sollte mal nach ihm sehen?“

      „Alex sollte das tun!“, meinte Mia bestimmt, mit einer Aufregung in der Stimme, die Alex für vollkommen unangebracht hielt. „Sie kennt ihn am besten.“

      Erwartungsvoll sahen die anderen Alex an. „Ist gut“, seufzte die. „Ich seh’ mal nach ihm.“

      Sie kämpfte sich aus der Decke frei, die sie sich mit Lily geteilt hatte, stand auf und folgte Richard in die Richtung, in die er gegangen war. Schließlich fand er ihn mit dem Rücken zum leeren Türrahmen in einem Zimmer vor, das voller verrosteter Rohre war und aussah wie ein Heizraum.

      „Alles klar bei dir?“, fragte sie vorsichtig und machte ein paar Schritte in den Raum hinein.

      Richard drehte sich um und aus irgendeinem Grund lächelte er. „Ja, mir geht’s gut“, sagte er. „Bestens sogar. Und ich dachte schon, ich hätte etwas zu dick aufgetragen…“

      „Wie meinst du das?“, fragte Alex vollkommen irritiert.

      „Ich war nicht wirklich traurig darüber, dass ich keine Familie habe“, erwiderte Richard unentwegt lächelnd und kam ihr näher.

      „Heißt das, das alles war nur ein Trick, um…“, fing Alex an.

      „Um dich allein mit mir hierher zu locken, ja“, bestätigte Richard mit einem Nicken.

      „Und das alles war die ganze Zeit geplant?“

      „Die ganze Zeit.“

      „Wie viele wussten davon?“

      Richard zuckte mit den Schultern. „Na ja, eigentlich alle.“

      „Du Blödmann!“, meinte Alex verspielt und schubste Richard, sodass er ein wenig aus dem Gleichgewicht geriet.

      Richard lachte. „Das alles hatte aber auch einen guten Grund“, sagte er dann wieder ernst. „Hier…“

      Mit gerunzelter Stimme sah Alex dem hochgewachsenen Jungen dabei zu, wie er mühelos etwas wie einen zerstörten, alten Stromkasten von der Wand beiseite schob, um das dahinter liegende Stück kahler Betonwand zu enthüllen.
      Doch das Stück Wand war gar nicht so kahl. In schmierigen, schwarzen Buchstaben war dort etwas an die Wand geschrieben worden. Es sah so aus, als hätte jemand vor vielen Jahren seine Finger in Schmieröl getaucht, um hastig eine Botschaft zu hinterlassen.
      Mit weit aufgerissenen Augen kniete Alex sich nieder und der Atem aus ihrem leicht geöffneten Mund kondensierte als feiner, weißer Nebel in der kalten Luft, als sie die Wörter las:

      Alex Lily
      Es tut mir leid
      Ich liebe euch


      Entgeistert starrte Alex die Wörter an der Wand an, die, wie sie jetzt wusste, die letzte Botschaft ihres Vaters an sie und ihre Schwester waren. Anscheinend war er nicht sofort gestorben, als die Maschinen in der Produktionshalle explodiert waren, sondern hatte sich schwer verletzt in diesen Heizraum geschleppt und mit letzter Kraft diese Nachricht verfasst.

      „Mein Vater… Er wurde mit Öl an den Fingern fernab der anderen gefunden…“, flüsterte die immer noch überwältigte Alex, die diese Informationen über Jahre hinweg ihrer Mutter abgepresst hatte.

      Richard nickte. „Nun weißt du auch, warum“, sagte er. „Lisa und ich sind vor ein paar Tagen bei der Nachtwache darauf gestoßen.“

      Alex stand auf. „Das muss ich unbedingt Lily zeigen!“, sagte sie aufgeregt und machte Anstalten, aus dem Raum zu stürmen.

      „Nein warte“, meinte Richard und hielt sie mit einem Griff an ihre Schulter auf. „Es gibt noch etwas, was ich dir sagen will.“

      Sie waren sich nun wieder ganz nah und Alex starrte hoch in Richards blassgrüne Augen und er griff nach ihrer Hand. „Na ja, dein Vater ist nicht der einzige, weißt du?“

      Alex’ Blick huschte erneut zu der Schrift an der Wand und deren letzte Worte: „Ich liebe euch“. Sie meinte, zu ahnen, was Richard ihr sagen wollte, aber sie selbst brachte kein Wort hervor.

      „Schon gut, du musst nichts sagen“, sagte Richard lächelnd und deutete nach oben. Alex’ Blick folgte der Geste an die Decke, wo an einem dünnen, verrosteten Rohr direkt über ihnen doch tatsächlich jemand einen Mistelzweig angebracht hatte…

      Sie sah Richard wieder direkt in die Augen und dann hörte sie einfach auf, nachzudenken. Sie warf sich Richard in die Arme, warf den Kopf in den Nacken und sie küssten sich, wie sie sich nie zuvor geküsst hatten. Länger, inniger, echter. Und zum ersten Mal schaffte es Alex dabei, ihren Kopf komplett abzuschalten, die Sorgen, die Angst und die Kälte auszublenden…

      Als sie sich schließlich voneinander lösten, flüsterte Richard: „Alex… Jetzt weiß’ ich, welches mein schönstes Weihnachten war…“

      Kartenliste
      Evan:

      Sonneneruptions-Drache (2x)
      Blizzarddrache (2x)
      Stream, Drachenherrscher der Tröpfchen
      Tidal, Drachenherrscher der Wasserfälle
      Hydrogeddon
      Frost- und Flammendrache
      Blaster, Drachenherrscher des Infernos
      Hochwasser auf der Feuerinsel

      Stephanie:

      Jungfer des Wassers
      Herz des klaren Wassers
      Heilende Nixe
      Rüstung aus seltenem Gold
      Meerjungfrau-Ritter
      Amazone der Meere
      Evigishki-Meergeist
      Macht von Kaishin

      Neue Karten:

      Zwei vom gleichen Schlag

      Normale Zauberkarte

      Du kannst nur 1 „Zwei vom gleichen Schlag“ pro Spielzug aktivieren. Wähle ein Monster der Stufe 4 oder niedriger, das du kontrollierst. Ändere das gewählte Ziel in die offene Verteidigungsposition und beschwöre 1 Monster als Spezialbeschwörung von deinem Deck in die offene Verteidigungsposition, das den gleichen Namen wie das gewählte Monster hat. Du kannst in dem Speilzug, in dem du diesen Effekt aktivierst, keine Monster als Spezialbeschwörung beschwören, außer durch den Effekt von „Zwei vom gleichen Schlag“.

      Plötzliche Typveränderung

      Normale Fallenkarte

      Wähle 1 Monster auf dem Spielfeld und nenne 1 Monstertyp. Bis zum Ende dieses Spielzugs wird das gewählte Monster als Monster des genannten Typs behandelt.

      So, das war's erstmal wieder. Wir sehen uns dann in frühestens zwei Wochen für Kapitel 12 wieder. Bis dahin: Vielen Dank fürs Lesen, genießt das Weihnachtsspecial, verbringt einen schönen zweiten Weihnachtstag und kommt gut ins neue Jahr! :)

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Habe zwar etwas gebraucht, doch jetzt bin ich wieder auf den neuesten Stand:

      @aktuelltes Normales Chapter
      Spoiler anzeigen

      Stabiles Kapitel, nichts zu meckern.

      Zudem sind die Duelle nicht deine Schwäche, sondern sie sind eher weniger stark, als es die normale Erzählung ist.
      Wegen den Duellen allgemein denke ich aber: vermeide bloß die "übersprungenen" Duelle. Denn deine Story sollte ja immer noch die Duelle im Vordergrund haben. Dies sieht man ja schon daran, das du eigenst dafür eine eigene Beschwörungsart entworfen hast(ok, die hattest du zwar vorher schonmal entworfen, für einen anderen Zweck, aber trotzdem darfst du nicht vergessen, da sie bei dir einzigartig ist)


      @Christmas-Special
      Spoiler anzeigen

      Auch hier nichts groß zu meckern. Sind recht stabil, und fördern/schädigen die Story nicht.

      AUßER: Wie ich ja schon angeschnitten habe, beißt es einen schon hart in die Erzählung. Gerade, da man immer kleine, detaiirte Informationen bekommt. Ein paar Beispiele:
      1. Wir Wissen nun mit der Anwesenheit der "Mitpersonen", was ihnen im Laufe der Geschichte annähernd passiert. Nimmt man als Beispiel die Info, das Lillie wieder gesund wird/mit auf der Flucht sein wird(hoffentlich dann aber genesen ?( ). Zudem sind schonmal alle anwesenden Personen nicht dazu fähig, die Gruppe zu hintergehen. Hier nehmen wir als Beispiel Evan. Dieser wird von der Charaktergestaltung so gestaltet, das man ihm zutraut, ein Verräter zu werden. Doch da man schon weiss, das er mit auf der Flucht sein wird, wird diese möglichkeit genommen.
      2. Im letzten Abschnitt packst du einen sehr dicken, versteckten Spoiler ein:
      "sie küssten sich, wie sie sich nie zuvor geküsst hatten"
      Denn hiermit gibst du an, das sich die zwei schon vor dem Ereignis irgendwann geküsst haben. Im Grunde konnte man es sich schon denken, doch damit sagst du halt schon aus, das es schon min. 1 mal passiert sein muss. Zwar bleibt hier offen, wie/wodurch(bsp. kann es ja durch etwas geschehen sein, was sie überhaupt nicht wollten. Bspw. wenn die beiden von Richards Vater gezwungen werden, einen auf Pärchen zu machen, um die Quoten/Publicity zu steigern)

      Aber im Grunde hatten wir uns ja schonmal darüber auseinander gesetzt gehabt. Mir Persönlich sind das schon eine ganze Menge spoiler, und verderben mir ein wenig die Erzählung(auch wen ich sei weiter fleißig lesen werde)



      Aber im Grunde kann man sagen, hatte ich diesmal weniger zu kritisieren. Ich persönlich bin nämlich eher der Typ, der gerne "Zuckerbrot und Peitsche" gibt(auch wenn manchmal mehr Peitsche als Zuckerbrot ;) ), und deswegen gern noch mehr Kritik dazu rausgehauen. Nur leider hast du mir kaum Anhaltspunkte dafür gegeben.



      Tauschbörse YGO
      Tauschbörse VG

      Spieler aus Hameln/Minden und Umgebung?:
      ygohameln@gmail.com
      @Deckcreator:
      Spoiler anzeigen
      Danke für den Kommi. Besonders deinen Satz zu den Duellen (nicht meine Schwäche, sondern nur weniger stark als der Rest) fand ich sehr schön und er hat mich sehr gefreut.

      Zu den Spoilern im Weihnachtsspecial: Wie gesagt, sorry dafür, ließ sich sehr schwer vermeiden.

      Dass Lily wieder gesund wird, habe ich als Selbstverständlich eingestuft. Ich glaube nicht, dass irgendwer ernsthaft geglaubt hat, dass ich sie im Koma vergammeln lasse, nachdem sie in der gesamten Fanfic vielleicht viereinhalb Sätze gesagt hat. ;)
      Was Evan angeht, so hatte ich eigentlich nie beabsichtigt, ihn irgendwie "zwielichtig" erscheinen zu lassen und ich wundere mich ehrlich gesagt, warum er so negativ aufgefasst wird (erstaunlich, wie sehr eine dicke Narbe im Gesicht die Fantasie anregt :D )
      Was den finalen, "versteckten" Spoiler angeht, so wurmt der mich ehrlich gesagt auch ziemlich. Den hätte ich mir ehrlich gesagt gerne gespart, aber das Special brauchte halt noch eine Art "Schlusspointe".

      Insgesamt halte ich den Schaden an der Story aber für recht gering, auch wenn er sicher existiert. Den eventuelle Austausch von Körperflüssigkeiten werde ich nicht unbedingt als dramaturgisches Highlight darstellen, sondern die ganz dicken Überraschungen stehen alle noch aus.

      Trotzdem noch einmal sorry :(

      EDIT: Also die Titanen-Beschwörung habe ich mir schon mehr oder weniger extra für die Fanfic ausgedacht (das ging quasi "hand in hand"). "PHOENIX" ist im Grunde das Ergebnis eines Brainstormings darüber, wie ein YGO-Anime unter meiner Regie aussehen würde, deshalb greife ich auch gewisse "Traditionen" auf (Der Protagonist hat ein Signaturmonster mit 2500 ATK, mindestens ein Elternteil auf tragische Weise verloren, eine komplizierte Maybe/maybe not Beziehung und einen Rivalen, dessen Signaturmonster ein Drache mit 3000 ATK ist. (Letztere fallen bei mir halt zusammen)) Eine dieser "Traditionen" ist das Einführen einer neuen Spielmechanik. Also habe ich mir im Zuge des Brainstormings auch Gedanken über neue Spielmechaniken gemacht.

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2

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      So, geht endlich weiter. Sorry, dass es sich im Moment so zieht. :(

      Noch eine Sache vorweg: Weil er im Moment keine Zeit hat, kann Aska vorerst nicht mehr für mich Korrektur lesen. Dieses Kapitel erscheint also nur zur Hälfte von ihm durchgesehen und die nächsten paar Kapitel werde ich dann komplett allein hochladen. (Natürlich lese ich meine eigenen Kapitel vor dem Hochladen selbst nochmal Korrektur, aber vier Augen sehen nunmal mehr als zwei.)
      Deshalb bitte ich euch, euch noch weniger mit eurer Kritik zurückzuhalten, als sowieso schon, damit das inzwischen gewohnte Qualitätsniveau erhalten bleibt.

      Wie auch immer, viel Spaß mit dem neuen Kapitel! :)
      Kapitel 1.12 - Alex gegen die Maschinen
      Nach öffentlichem Ausraster – Profiduellantin des Medikamentenmissbrauchs überführt

      Nicht einmal vierundzwanzig Stunden, nachdem die Profiduellantin Jessica Greengrass nach ihrer Niederlage im Viertelfinale der Duel Monsters Newcomer’s Championship von Sicherheitsangestellten aus dem Stadion geschleift wurde, da sie in einer öffentlichen Ansprache Richard Steele, Vorstandsvorsitzenden von Steele Industries, beschuldigt hatte, sie mit Erpressung dazu genötigt zu haben, seinen Sohn im Duell gewinnen zu lassen, wurde sie des Medikamentenmissbrauchs überführt.
      Auf Hinweis eines anonymen Informanten hat die Polizei vergangene Nacht eine Wohnungsdurchsuchung bei der 23-Jährigen durchgeführt und dabei vierzehn verschiedene, zum Teil verschreibungspflichtige, Schmerz-, Beruhigungs- und Aufputschmittel sowie verschiedene illegale Rauschmittel sichergestellt. Bei einem Bluttest kurz nach dem Ausraster konnten mehrere dieser Substanzen im Körper von Miss Greengrass nachgewiesen werden. Auf die Frage, wie ihre Aussagen nach dem Duell zu bewerten seien, antwortet Christopher Allington, Pressesprecher für Steele Industries: „Wir haben keinen Anlass dazu, den Behauptungen von Miss Greengrass Glauben zu schenken. Es könnte sich genau so gut um eine Notlüge gehandelt haben, um ihre Niederlage zu verleugnen. Die Tatsache, dass sie unter dem Einfluss berauschender Mittel stand, belastet ihre Glaubwürdigkeit zusätzlich. Deshalb werden wir Mr. Steeles Sieg anerkennen und er wird weiterhin am Turnier teilnehmen.“
      Als Konsequenz wurden Miss Greengrass sämtliche Werbeverträge bei Steele Industries gekündigt. „Ein großer Teil der Duel Monsters-Zielgruppe ist minderjährig. Wir können es uns deshalb nicht leisten, jemanden unsere Produkte bewerben zu lassen, der nicht dazu in der Lage ist, eine Vorbildfunktion einzunehmen“, so Allington.
      Im Halbfinale der Duel Monsters Newcomer’s Championship wird der nach seinem Vater benannte Sohn von Mr. Steele morgen gegen den amtierenden Champion Evan Drake antreten, nachdem dieser gestern Nachmittag sein Viertelfinalduell gegen die 15-Jährige Ashley Linden gewonnen hat. Aktuell wird der Prozess für Jessica Greengrass vorbereitet, die durch Zahlung einer hohen Kaution eine Untersuchungshaft abgewendet hat.


      Sirup tropfte von dem Stück Pfannkuchen auf Alex’ Gabel auf deren Teller, während sie mit offenem Mund die Schlagzeile der Tageszeitung las, die Richard vor ihr auf den Tisch gelegt hatte.

      „Wow…“, hauchte Alex. „Die haben nicht gerade lange gebraucht, um es rauszufinden, was?“

      Sie und Richard saßen beim Frühstück nebeneinander an einem Tisch im Speisesaal des Luxushotels, in dem sie während des Turniers wohnten. Jessicas Ausraster und die darauf folgende Verhaftung war am vergangenen Tag Gesprächsthema Nummer Eins in allen Medien gewesen.

      „Unsinn. Mein Vater hat das alles schon lange gewusst, er hat nur auf den richtigen Moment gewartet, um damit an die Öffentlichkeit zu gehen“, meinte Richard bitter und faltete die Zeitung zusammen. Seit dem gestrigen Duell war er überaus schlecht gelaunt. Die Tatsache, dass er sein Viertelfinale nur gewonnen hatte, weil sein Vater Jessica erpresst hatte, machte ihm schwer zu schaffen.

      „Hey…“, sagte Alex mitfühlend, legte die Gabel mit dem Pfannkuchen weg und tätschelte Richard die Schulter. „Mach dir nichts draus. Es war einfach nicht dein Tag. Hat dein Vater eigentlich mal mit dir darüber gesprochen?“

      Richard zuckte mit den Schultern. „Er meinte, ich müsse mich mehr anstrengen. Es wäre gar nicht erst so weit gekommen, hätte ich das Duell selbstständig gewinnen können. Hättest ihn mal hören sollen… Er klang beinahe so, als müsste ich dankbar deswegen sein. Na ja, wenigstens wissen wir jetzt, warum mein Vater mich gegen Jessica antreten lassen wollte.“

      „Wie meinst du das? Die Viertelfinalpaarungen wurden doch vom Zufallsgenerator ausgewählt…“

      Richard schnaubte. „Glaubst du wirklich noch, dass irgendwas in diesem Turnier zufällig geschieht? Mein Vater hat mich gegen Jessica antreten lassen, weil er etwas gegen sie in der Hand hatte, um sie gefügig zu machen. Warum glaubst du, lässt er dich gegen Seiyou antreten?“

      „Ist das nicht offensichtlich?“, tönte eine Stimme hinter ihnen. Evan, der sich zur besseren Unterstützung von Richard und Alex auch ein Zimmer im Hotel genommen hatte und gerne ausschlief, war jetzt erst zum Frühstück erschienen und setzte sich mit seinem Tablett ihnen gegenüber an den Tisch.

      „Ach du hast die ganzen Waffeln“, sagte er und spießte mit seiner Gabel eine dreieckige Waffelhälfte von Alex’ Teller auf.

      „Hey!“, empörte die sich und hob ihren Teller hoch, sodass Evan nicht noch mehr stibitzen konnte.

      „Bleib mal locker, es ist nur ein Stück Waffel…“

      Alex funkelte ihn an, forderte die Waffel jedoch nicht zurück und fragte stattdessen: „Also, warum glaubst du, lässt Mr. Steele mich gegen Seiyou antreten?“

      „Also gut“, antwortete Evan und faltete geduldig die Hände zusammen. „Was hatte ich dir zu Mr. Steele und dir gesagt?“

      „Dass er mich nicht im Turnier haben will, weil ich den Zuschauern nicht zu viel Hoffnung machen soll.“

      „Genau.“

      „Also glaubst du, dass er mich gegen Seiyou antreten lässt, weil er ihn für besonders stark hält?“

      „Eher nicht, denn dann hätte er dich gleich gegen mich oder Christopher antreten lassen“, meinte Evan und begann zu essen. „Aber im Grunde ist es gar nicht dein Sieg, den Mr. Steele fürchtet, sondern dein Einfluss auf die Leute. Deshalb denke ich, dass er versucht, dich in einem möglichst schlechten Licht dastehen zu lassen. Und wie glaubst du, könnte er das hinkriegen?“

      „Indem er Lügen über mich verbreitet?“, mutmaßte Alex.

      „Eine Möglichkeit“, bestätigte Evan und zeigte mit einer Gabel voll Waffel auf Alex. „Aber das Problem bei Lügen ist, dass sie als solche enttarnt werden können. Und dann ist derjenige der Dumme, der sie verbreitet hat. Deshalb ist es meist klüger, den Leuten ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit zu vermitteln.“

      „Und wie glaubst du, trägt ein Duell gegen Seiyou dazu bei?“

      „Versteh’ mich nicht falsch“, fing Evan vorsichtig an. „Du bist nicht dumm. Aber Seiyou ist ein verdammtes Genie. Gegen den wirkt jeder dumm. Deshalb solltest du es nachher dringend vermeiden, irgendwelche schlauen Sprüche loszulassen. Denn du kannst dir sicher ein: Seiyou wird immer eine noch schlauere Antwort finden.“

      Eine Weile lang aßen und tranken sie schweigend weiter, dann fuhr Evan an Richard gewandt fort: „Wie geht’s dir eigentlich?“

      Richard, der die ganze Zeit über schweigend in eine andere Richtung gestarrt hatte, streckte nur die Hand aus und machte eine wippende Geste, was Mittelmäßigkeit ausdrücken sollte.

      „Ach, Kopf hoch. Immerhin bist du noch im Turnier. Dass du auch so gewinnen kannst, kannst du dann ja gegen mich beweisen“, meinte Evan aufmunternd. Richard zuckte nur mit den Schultern.

      „Du glaubst also nicht, dass Mr. Steele bei dir das Gleiche wie bei Jessica versuchen wird?“, fragte Alex Evan. Der schnaubte jedoch nur.

      „Wohl kaum.“

      „Warum bist du dir da so sicher?“

      „Benutz’ doch mal deinen Grips“, meinte Evan, teilte ein Stück Toast entzwei, strich Marmelade auf die eine und von zu Hause mitgebrachte Erdnussbutter auf die andere Hälfte, klappte die beiden Hälften zusammen und biss hinein.
      „Selbst wenn Mr. Steele irgendwas von mir wüsste, was ich um jeden Preis geheim halten wollte, diese Taktik wäre schon einmal fast aufgeflogen“, schmatzte er. „Diesmal hatte er Glück, dass sich das ganze prima auf Jessicas kleines Problem schieben ließ. Aber wenn jetzt ein weiterer Profi das Gleiche berichtet – nicht zugedröhnt – dann werden die Leute es wohl oder übel glauben müssen.“

      „Hast du das mit Jessica gewusst?“, fragte Richard, der aus seiner niedergeschlagenen Trance erwacht war, an Evan gewandt.

      „Was? Dass sie an der Nadel hing? Ich hatte keine Ahnung…“, antwortete der mit einem leichten Kopfschütteln. Dann sahen er und Richard erwartungsvoll Alex an, die eilig einen großen Bissen Pfannkuchen herunterwürgte.

      „Aber ich habe es gewusst“, gestand sie mit einem Seufzen. „Als ich ihr am Sonntag aufs Klo gefolgt bin, habe ich mitgekriegt, wie sie sich irgendwas gespritzt hat. Hinterher waren ihre Pupillen irgendwie geweitet und sie war viel redseliger und ehrlicher als vorher…“

      Evan begrub das Gesicht in den Händen.
      „Ich fühle mich richtig schuldig deswegen“, gestand er. „Ich hab’ euch ja erzählt, dass sie sich, seit wir uns getrennt haben, irgendwie verändert hat. Wahrscheinlich hat sie versucht, ihren Kummer mit Schmerzmitteln zu betäuben und ist seitdem abhängig von dem Zeug, theatralisch veranlagt war sie ja schon immer. Das erklärt auch, warum sie in letzter Zeit so viel von ihrer Schönheit eingebüßt hat. Und ich dachte, sie hätte Schlafstörungen oder sowas. Also bin im Grunde ich für das verantwortlich, was sie mit ihr gemacht haben. Denn das da…“, er hob das vernarbte Gesicht aus seinen Händen und deutete auf die Zeitung, die zusammengefaltet auf dem Tisch lag, „ist echt die Hölle.“

      „Wieso? Sie ist doch immer noch auf freiem Fuß…“, meinte Alex stirnrunzelnd und dachte dabei an ihre Mutter, die sich immer wieder aufregte, wenn sie in den Medien davon hörte, wie reiche Verbrecher ihren gerechten Strafen entkamen, indem sie Kautionen zahlten, die ihnen nicht das Geringste ausmachten, während in Newhaven jeder Ladendieb hinter Gittern landete.

      „Ach Alex, nichts für ungut, aber manchmal kannst du echt naiv sein“, meinte Evan kopfschüttelnd und fuhr sich mit der Hand durch die wilde, rot-blaue Haarmähne.
      „Okay, sie ist noch auf freiem Fuß, aber was bringt ihr das jetzt noch? Ihr guter Ruf ist jetzt für immer im Eimer. Und glaub mir, es hat seine Gründe, dass ich euch andauernd einbläue, dass ihr nichts tun dürft, womit ihr eurem Ruf schaden könntet, denn euer Ruf ist alles, was ihr habt. Ihr habt’s ja gelesen, Jessica wurden über Nacht sämtliche Werbeverträge gekündigt. Denen hat sie neunzig Prozent ihres Vermögens zu verdanken. Und glaubt ihr wirklich, jemand stellt eine Frau ein, die öffentlich des Medikamentenmissbrauchs beschuldigt wurde? Diese Zeitungsartikel sind wie Radiergummis. Sie radieren dich für immer aus.“

      Alex schwieg und im Gedanken versunken starrte sie in die Leere. Sie hatte weder Richard noch Evan von ihrem Duell gegen Devon und dessen Drohung, ihre Untergrund-Vergangenheit publik zu machen, erzählt. Allmählich machte sie sich Sorgen. War dieses Geheimnis stark genug, um ihren Ruf für immer zu zerstören? Wartete Mr. Steele auch bei ihr nur auf den richtigen Moment, um sie auszuradieren?

      ~


      Mehrere Stunden später fand sich Alex im unnötig großen Warteraum für die Duellanten im Bauch des Steele-Stadions wieder. Auf den ledernen Sitzen einer Sitzgruppe hatten Alex’ Mutter, Mia und Richard Platz genommen, die Augen wie beim Tennis hin und her wandernd, als sie Alex beobachteten, wie sie nervös auf und ab schritt. Von Sarah, Nick, Mias Brüdern und Evan hatte Alex sich bereits im Flur verabschiedet.
      In einer anderen Ecke des gigantischen Warteraums saß Seiyou Takamoto, seine modifizierte Hightech-Duel Disc am Arm und in einen flachen Touchscreen-Computer vertieft, wie auch Evan einen hatte.

      „Wie geht es dir?“, wollte Mia mitfühlend von Alex wissen.

      „Ging mir schon besser“, gestand die kurz angebunden. Sie ging immer noch wie ein Tiger im Käfig auf und ab, lauschte MC Arthurs Worten aus dem Inneren des Stadions und warf immer wieder hektische Blicke hinüber zur Ampel neben dem Ausgang.
      Alex’ Herz setzte einen Schlag lang aus, als die Ampel von rot auf gelb umschlug, was das Zeichen für die Duellanten war, sich bereit zu machen.
      Ihre Angehörigen standen auf, Alex umarmte zunächst Mia, dann ihre Mutter und ließ sich von beiden viel Glück wünschen. Dann blieb sie vor Richard stehen.

      „Ich weiß, du kannst es schaffen“, versicherte er. „Du musst nur fest an das denken, wofür du kämpfst.“

      Alex nickte, unfähig zu sprechen. Dann gab sie sich einen Ruck und umarmte auch Richard, vielleicht etwas inniger als die anderen beiden.
      Seiyou unterdessen schaltete seinen Computer aus, rückte seine Brille zurecht und schritt hinüber zum Eingang ins Innere des Stadions. Alex folgte ihm und als sie neben ihm zu stehen kam, nickte Seiyou ihr beiläufig zu.

      „Und jetzt begrüßen Sie mit mir die Duellanten des heutigen Nachmittags“, tönte MC Arthurs Stimme. „Nach bislang drei Viertelfinalduellen steht es zwei zu eins für unsere Profis und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, wer im zweiten Halbfinale am Donnerstag gegen Christopher Allington antreten wird! Wird es das berüchtigte Universalgenie Seiyou Takamoto sein oder doch die große Überraschung dieses Turniers? Die Aufsteigerin aus Newhaven, Aleeeex Whitman!“

      Zischend glitt das Doppeltor auf und tosender Beifall schwoll an. Alex schluckte und schritt neben Seiyou ins gleißende Sonnenlicht des Stadions.
      Man hätte meinen können, Nick hätte seinen Feldzauber Stadion der Ultraathleten aktiviert. Das Steele-Stadion war ein gewaltiger, futuristischer Bau, an dessen Seiten zwei unterschiedlich hohe, muschelförmige Aufbauten emporragten. Doch dieses Stadion war real und gefüllt mit tausenden von Menschen…

      „Und was für einen Empfang unsere Newcomerin hier erhält! Hören Sie sich das an!“, verkündete MC Arthur und tatsächlich, von überall aus dem Stadion konnte Alex sie hören, hunderte von Menschen, die riefen: „Alex… Alex… Alex…“

      Eine der umherschwirrenden Kameradrohnen flog in Richtung der Zuschauertribünen, zu dem Ort, wo der Schlachtgesang am lautesten dröhnte.
      Auf den vier gigantischen Monitoren, die im Stadion verteilt hingen und auf denen eben noch Alex’ überwältigtes Gesicht übertragen wurde, war nun eine Gruppe begeisterter Zuschauer zu sehen, darunter wie Alex feststellte auch die kleine Emma und ihre Mutter, die euphorisch ihren Namen riefen und gemalte Bilder von Phönixen in die Höhe hielten.
      Das Bild auf den Monitoren veränderte sich und nun wurden wieder Alex und Seiyou übertragen, die das erhöhte Duellfeld in der Mitte des Stadions erreicht hatten.

      „Duellanten, Geben Sie sich die Hand“, gebat MC Arthur. Alex trat einen Schritt auf Seiyou zu und reichte ihm die Hand. Er war kaum größer als sie und als er den Handschlag erwiderte, musterten die schmalen, dunklen Augen hinter den rechteckigen Brillengläsern berechnend seine Gegnerin.

      „Und jetzt schenken Sie Ihre Aufmerksamkeit bitte den Monitoren, auf denen der Zufallsgenerator entscheiden wird, wer den ersten Zug macht!“

      Auf den vier gigantischen Monitoren erschienen Porträtbilder von Alex und Seiyou, die in rascher Frequenz abwechselnd schwarzweiß und wieder farbig wurden. Die Frequenz nahm ab und am Ende war es Seiyous Porträt, das farbig blieb.

      „Und die Entscheidung ist getroffen!“, verkündete MC Arthur. „Seiyou Takamoto wird den ersten Zug machen! Duellanten, lasst das Spiel beginnen!“

      „Duell!“, riefen Alex und Seiyou, die sich inzwischen gegenüber an den Enden des Duellfelds aufgestellt hatten, im Chor und zogen ihre Starthände auf.

      „Ich fange an“, meinte der Profi. „Ich beschwöre Der Mathematiker im Angriffsmodus!“

      Auf Seiyous Feld erschien das Hologramm eines kleinen Mannes mit langem, weißem Bart, einer Brille mit runden Gläsern und einer grau-lila Robe. (ATK: 1500)

      „Wenn Der Mathematiker beschworen wird, kann ich eine Monsterkarte der Stufe 4 oder niedriger von meinem Deck wählen und auf den Friedhof schicken. Und ich entscheide mich für Roboter-Modul YZ54!“

      Die legendäre, modifizierte Duel Disc des Profis schob eine Karte aus seinem Deck hervor, ein winziger, fein gearbeiteter Roboterarm griff danach, drehte die Karte um und schob sie automatisch in den Friedhofsschlitz. Gleichgültig fuhr Seiyou mit seinem Spiel fort: „Jetzt aktivere ich die hier!“

      Er steckte eine grüne Zauberkarte in seine Duel Disc und eine vergrößerte Ausgabe jener erschien neben ihm. Darauf zu sehen war ein unter Beschuss stehender Goblin-Angrifffstrupp, der einen Karren mit Vorräten eskortierte.

      „Den permanenten Zauber Nachschubtrupp! Dieser erlaubt es mir einmal pro Spielzug, wenn eins meiner Monster zerstört wird, eine Karte zu ziehen. Damit gebe ich an Sie ab.“ (Hand: 3 / Backrow: 0)

      „Alles klar“, sagte Alex und ihre Fanmeile im Stadion jubelte wieder laut, um sie zu unterstützen.
      „Mein Zug!“, fuhr sie energisch fort, bestärkt von der Anerkennung aus dem Publikum, und zog ruckartig eine Karte auf.
      Ein wenig enttäuscht betrachtete sie diese. Sie hatte auch schon bessere Starthände erlebt…
      Aber nach dem, was Evan ihr gesagt hatte, sollte sie in diesem Duell sowieso nicht mit Karten um sich werfen.
      „Ich beschwöre Hiita mit ihrem Vertrauten im Angriffsmodus!“

      Sie legte die Karte auf ihre Duel Disc und vor ihr erschien das Hologramm einer zornig dreinblickenden, rothaarigen Zauberin, die von einem Fuchs begleitet wurde. (ATK: 1850)

      „Los, greif’ diesen Möchtegern-Einstein an!“

      „Einstein war Physiker, nicht Mathematiker“, korrigierte Seiyou gelangweilt, während Alex’ Monster einen Satz vorwärts machte und den kleine, bärtigen Mann mit einem Stoß Flammen aus ihrem Zauberstab angriff, wobei sich dessen Hologramm in Luft auflöste. (Seiyou: LP 4000 -> 3650)

      „Wo ist der Unterschied?“, erwiderte Alex herausfordernd.

      „Es ist ein himmelweiter Unterschied, aber ich erwarte nicht, dass Sie ihn verstehen. Wenn Der Mathematiker durch Kampf zerstört wird, kann ich eine Karte von meinem Deck ziehen. Unter Berücksichtigung meines permanenten Zaubers Nachschubtrupp macht das zwei.“

      Eine glühende, gelbe Sphäre schoss aus dem Hologramm der Zauberkarte und traf Seiyous Duel Disc. Dieser fügte seiner Hand zwei neue Karten von seinem Deck hinzu.

      „Ich beende meinen Zug“, sagte Alex. (Hand: 5 / Backrow: 0)

      „Demnach wäre ich dran“, stellte Seiyou fest und fügte seiner Hand die dritte Karte in kurzer Zeit hinzu.

      „Ich beschwöre Kampfroboter Omega im Angriffsmodus“

      Kaum hatte Seiyou die Karte auf seiner Duel Disc platziert, erschien auf seinem Feld das Hologramm eines gut zwei Meter hohen Riesenroboters. Dieser war breit gebaut, weiß mit roten Rüstungsteilen und hielt einen schweren Blaster in der mechanischen Hand. Auf seinem Rücken hatte er mehrere Raketentriebwerke und vier flügelartige Metallauswüchse, die wie ein X angeordnet waren. (ATK: 1900)

      „Und wenn ich schon einen meiner Kampfroboter aufs Feld beordere, dann modifiziere ich ihn auch gleich! Ich rüste Kampfroboter Omega mit Roboter-Modul MM00 von meiner Hand aus!“

      Ein kleiner, gelber Roboter erschien in der Luft über Seiyous Feld und veränderte seine Gestalt, sodass er die Form eines Schildes mit einer Art Wählscheibe an der Vorderseite annahm, der sich als Brustpanzerung an den großen Kampfroboter schmiegte. Aus dem dunklen Schlitz im Helm des Roboters, wo bei einem Menschen die Augen gewesen wären, drang daraufhin ein gelbes Licht.

      „Doch es wird nicht lange bleiben, denn jetzt aktiviere ich den Effekt meines Moduls!“, fuhr Seiyou fort. „Wenn es ein Monster ausrüstet, kann ich es auf den Friedhof schicken, um meiner Hand ein anderes Roboter-Modul von meinem Deck hinzuzufügen! Und ich entscheide mich für Roboter-Modul XC35!“

      Das wählscheibenartige Display an der Vorderseite der gelben Brustpanzerung nahm den Betrieb auf und während Seiyou nach der Karte griff, die seine modifizierte Duel Disc ihm anbot, wählte es einen Code ein. Anschließend löste sich der gelbe Schild von der Brust des Roboters, fiel zu Boden und verschwand zusammen mit dem gelben Licht in dessen Augenschlitz.

      „Und es wäre doch Verschwendung, würde ich es nicht benutzen! Deshalb rüste ich Kampfroboter Omega mit Roboter-Modul XC35 von meiner Hand aus!“

      Ein weiterer kleiner Roboter erschien über Seiyous Feld in der Luft, dieses Mal ein roter. Er transformierte sich und fügte sich wie ein fehlendes Puzzleteil in eine Vertiefung am Rücken seines größeren Artgenossen ein, dessen Augenschlitz rot aufleuchtete, was sein Erscheinungsbild sofort viel bedrohlicher machte.

      „Und jetzt los, greif’ Hiita mit ihrem Vertrauten an!“

      Der große Roboter richtete seinen Blaster auf Alex’ Monster, wobei dieser ein Geräusch verursachte wie ein Elektroschocker, der sich wieder auflud. Kurz darauf eröffnete die Kampfmaschine das Feuer und die rothaarige Zauberin ging im Kugelhagel unter. Instinktiv hielt Alex sich die Hand mit ihren Karten vors Gesicht, um sich vor Querschlägern zu schützen, auch wenn diese lediglich holografisch waren.
      (LP: 4000 -> 3950)

      „Normalerweise würde Kampfroboter Omega jetzt in den Verteidigungsmodus gezwungen werden, aber dieser Effekt wird dank Roboter-Modul XC35 annulliert. Stattdessen kann ich, wenn das ausgerüstete Monster ein anderes Monster durch Kampf zerstört, eine weitere Karte ziehen“, erklärte Seiyou und fügte seiner ohnehin schon recht vollen Hand lässig eine weitere Karte hinzu.
      „Sie sind dran.“ [Hand: 5 / Backrow: 0]

      „Okay, wie du willst“, sagte Alex, die Seiyous unübliche Angewohnheit, seine Gegner zu siezen, nicht teilte. „Mein Zug!“

      Ruckartig zog sie eine Karte von ihrem Deck und klatschte eine Monsterkarte auf ihre Duel Disc.

      „Ich beschwöre Feuervogel im Angriffsmodus!“

      Auf ihrem Feld erschien das Hologramm eines Vogels mit brennenden Flügeln und Schwanzfedern. (ATK: 1000)

      „Du bist doch ein schlaues Kerlchen“, fuhr sie provokant fort. „Dann kannst du sicher ahnen, was jetzt passiert: Ich mische Hiita mit ihrem Vertrauten vom Attribut Feuer von meinem Friedhof und Feuervogel vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Feld ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Der brennende Vogel nahm die Gestalt einer braunen Monsterkarte an und stieg zusammen mit einer weiteren von Alex’ Friedhof stieg diese hoch empor, wobei sich die beiden Karten anmutig umkreisten.

      „Leg’ los, Phönix der Wiedergeburt!“

      Es gab einen blendend hellen Lichtblitz und als dieser in das Duellfeld einschlug, entstand dort eine riesige Stichflamme, aus der schreiend ein nicht minder riesiger, orange-roter Vogel empor schoss. (ATK: 2500)

      „Man muss kein Genie sein, um dies vorherzusehen“, meinte Seiyou geringschätzig. „Ihre Strategie ist durchschaubar wie eine Fensterscheibe. Die Monster in Ihrem Main Deck besitzen allein kaum Durchschlagskraft, deshalb verlassen Sie sich auf Ihre Titanen-Monster.“

      „Das mag ja sein“, entgegnete Alex, genervt davon, über ihre eigene Strategie belehrt zu werden. „Aber wie du siehst, funktioniert es! Los’, greif Kampfroboter Omega an mit Brennender Zorn!“

      Der riesige, brennende Vogel stieg hoch empor und schoss im Sturzflug wie eine Kanonenkugel auf den großen Roboter zu, dessen Hologramm sich beim Aufprall in Luft auflöste. (Seiyou: LP 3650 -> 3050)

      „Wenn mein Monster zerstört wird, kann ich dank meines Zaubers Nachschubtrupp eine Karte ziehen“, erinnerte Seiyou routiniert und als er damit fertig war, war seine Hand so voll mit Karten, dass er sie kaum aufgefächert in einer Hand halten konnte.

      „Dann mach auch was draus!“, forderte Alex. „Ich bin jedenfalls fürs Erste fertig.“
      [Hand: 5 / Backrow: 0]

      „Dann bin ich dran“, entgegnete Seiyou, ohne auf Alex’ Herausforderung einzugehen. „Ich ziehe.“

      Er betrachtete die gezogene Karte und ein zufriedenes Lächeln zierte seinen schmalen Mund.

      „Nun ist es auch für mich an der Zeit, meine Trümpfe auszuspielen“, kündigte er an. „Ich mische Kampfroboter Omega vom Typ Maschine und Roboter-Modul MM00 vom Attribut Licht von meinem Friedhof ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Der fein gearbeitete Roboterarm an Seiyous Duel Disc zog die genannten Karten aus dem Friedhofsschlitz, drehte sie um und steckte sie zurück ins Deck, welches sich automatisch mischte. Unterdessen stiegen Holografische Ausgaben der Karten in die Luft und umkreisten sich.

      „Erscheine, Super-Kampfroboter Olympus!“

      Um die Karten im Himmel bildete sich eine leuchtende Lichtsphäre und ein weiterer, blendend heller Lichtblitz schlug ins Kampffeld ein.
      Kurz darauf stand ein riesiger, knapp drei Meter hoher Roboter auf Seiyous Feld, dessen Kopfform an den Helm eines Samurai erinnerte. Die silbrige Färbung seines Körpers wurde durch rote und blaue Rüstungselemente unterbrochen, auf seinem Rücken hatte er zwei große Raketentriebwerke und in den Händen hielt er zwei riesige, futuristische Schwerter. (ATK: 2400)

      „Wenn Super-Kampfroboter Olympus als Titanen-Beschwörung beschworen wird, kann ich ihn mit bis zu zwei Roboter-Modulen von meinem Friedhof ausrüsten! Und ich wähle XC35 und YZ54!“

      Der riesige Roboter ließ seine Schwerter einmal mit hoher Geschwindigkeit in seinen Händen um sich selbst kreisen und stach anschließend mit ihnen in den Boden.
      Aus diesem stiegen daraufhin zwei kleinere Roboter in die Luft – einer rot, der andere blau – veränderten ihre Form und schlossen sich wie Manschetten um die Handgelenke des großen Roboters, dessen Schwerter in einem Licht entsprechend der Farbe ihres jeweiligen Moduls aufleuchteten.

      „Im Anschluss beschwöre ich Kampfroboter Zenturio im Angriffsmodus!“

      Ein weiterer Riesenroboter erschien auf dem Feld des Profis. Dieser trug ein langes, rotes Cape und hatte einen gehörnten Kopf sowie klauenartige Füße. Sein linker Arm endete in etwas, das aussah wie der riesige, goldene Kopf eines gehörnten Ungeheuers, aus dessen Maul eine gigantische, fast zwei Meter lange und mit fremdartigen Hieroglyphen verzierte Klinge ragte. (ATK: 2300)

      „Und jetzt, wo das geschafft ist, aktiviere ich meinen Schnellzauber!“, fuhr Seiyou fort und steckte eine grüne Zauberkarte in seine Duel Disc. „Begrenzer entfernen! Dadurch verdoppeln sich die Angriffspunkte von all meinen Maschinen!“

      Ein lautes, mechanisches Brummen breitete sich um Seiyous Monster herum aus, die anfingen, unkontrolliert zu zucken und deren elektrische Augen in einem bedrohlichen Rot erglühten. Unter ihren Rüstungen drangen dichte Wolken schwarzen Rauchs hervor. (Super-Kampfroboter Olympus: ATK 2400 -> 4800; Kampfroboter Zenturio: ATK 2300 -> 4600)

      „Unglaublich!“, verkündete MC Arthur. „Allem Anschein nach ist unser Profi fest dazu entschlossen, das Duell noch in diesem Zug zu beenden, sorgt er doch mit einer einzigen Zauberkarte dafür, dass seine beiden Monster jeweils fast 5000 Angriffspunkte erreicht haben!“

      Buhrufe für Seiyou und den Kommentator ertönten aus Alex’ Fanmeile und als eine der Kameradrohnen vor dieser in der Luft zum Stehen kam, waren auf den riesigen Monitoren im Stadion die kleine Emma mit ihrer zu Mutter zu sehen, die Augen vor Spannung weit aufgerissen und die Hände vor den Mündern.

      „Genug geredet!“, rief Seiyou und auf den riesigen Monitoren wurde wieder das Duellgeschehen übertragen. „Kampfroboter Zenturio! Vernichte Phönix der Wiedergeburt!“

      Mit einer für so eine riesige Maschine gewaltigen und wahrscheinlich durch den Kurzschluss von Seiyous Zauberkarte bedingten Geschwindigkeit rannte der Roboter mit dem roten Cape auf Alex’ Monster zu. Dessen Besitzerin schluckte. Das würde teuer werden…

      „Ich aktiviere den Effekt von Phönix der Wiedergeburt!“, kündigte sie notgedrungen an. „Indem ich Lebenspunkte in Höhe der Differenz der Angriffspunkte unserer beiden Monster bezahle, erhält mein Monster genau so viele Angriffspunkte hinzu! Flamme der Aufopferung!“
      (Alex: LP 3950 -> 1850; Phönix der Wiedergeburt: ATK: 2500 -> 4600)

      Mit einem Schrei stieg der riesige, brennende Vogel hoch in den Himmel, wo sich seine Silhouette kurzzeitig schwarz gegen die Augustsonne abzeichnete. Anschließend schoss er mit angelegten Flügeln wie eine Kanonenkugel senkrecht zu Boden, drehte sich einmal um die eigene Achse, breitete die Flügel aus und fing wie ein Komet Feuer. In diesem Zustand fegte er wenige Meter vom Boden entfernt über das Feld und schlug direkt in die Brust des wild gewordenen Roboters ein, der, kurz bevor sein Hologramm sich in Luft auflöste, noch mit der riesigen Klinge an seinem Arm nach dem Phönix ausholte, dessen Hologramm ebenfalls verschwand.

      „Welch beeindruckende Vorführung“, meinte Seiyou und ein Hauch von Spott mischte sich in seine Stimme. „Aber letztendlich umsonst. Zenturio wäre am Ende dieses Zuges ohnehin zerstört worden, sei es durch seinen eigenen Effekt, der genau dies bewirkt, oder durch den von Begrenzer entfernen. Und bevor wir es vergessen: Wenn eins meiner Monster zerstört wird, kann ich durch den Effekt meines Nachschubtrupps eine weitere Karte von meinem Deck ziehen.“

      Erneut schoss eine gelbe Kugel aus dem Hologramm der Zauberkarte in die Duel Disc des Profis, der eine weitere Karte zog.

      „Also war das alles von Anfang an geplant?“, fragte Alex scharf.

      „Selbstverständlich war es das“, erwiderte Seiyou kalt, als wäre alles Andere eine Beleidigung seiner Intelligenz. „Und jetzt los, Super-Kampfroboter Olympus, beende dieses Duell mit Doppelter Schwerthieb!“

      Der riesige Roboter stürmte auf Alex zu und als er die Duellantin mit dem flammend roten Haar erreichte, kreuzte er seine in verschiedenen Farben leuchtenden Schwerter über dem Kopf.
      Furchtlos und mit wegen der blendenden Sonne verengten Augen starrte Alex hinauf zu den gekreuzten Klingen, die, wie sie jetzt bemerkte, nah beieinander gehalten ein statisches Knistern von sich gaben, fast wie ein Elektrozaun, und die jeden Moment auf sie hinuntersausen würden…

      „Halt!“, rief Alex, als der Roboter endlich zum Angriff ansetzte, zog eine Karte aus ihrem Blatt und hielt damit die Schwerter des Roboters zurück.

      „Was ist…?“, fing Seiyou an.

      „Weil du mich mit einem Monster mit mehr als 2000 Angriffspunkten direkt angegriffen hast, kann ich Schützling des Phönix von meiner Hand abwerfen, um den Angriff zu annullieren!“, antwortete Alex. „Und weil sie auf den Friedhof geschickt wurde, kann ich meiner Hand jetzt ein Feuer-Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Deck hinzufügen! Und ich wähle Fushi No Tori!“

      „Natürlich…“, sagte der Profi resignierend, während Alex nach der Karte griff, die ihre Duel Disc hervorschob.
      „Damit hätte ich rechnen sollen… aber so geht das Duell wenigstens noch ein wenig weiter. Es wäre doch ein Jammer, wenn Ihre Fans ihr großes Idol so schnell hätten untergehen sehen“, fuhr er mit einem Nicken in Richtung von Alex’ Fanmeile fort, die wieder in ohrenbetäubenden Jubel ausgebrochen war. Es war unmöglich, zu erraten, ob Seiyou dies ernst oder als Spott meinte.
      „Wie auch immer. Ich setze diese Karte verdeckt und betrete die End Phase“, neben ihm erschien die vergrößerte, braune Rückseite einer Karte, „Nun würde der Effekt von Begrenzer entfernen wirken und mein verbliebenes Monster würde zerstört werden, aber dank meines Roboter-Moduls YZ54 kann ich die Zerstörung meines Monsters abwehren, indem ich ebendieses stattdessen zerstöre.“

      Der riesige Roboter zuckte wild und seine Augen glühten rot auf. Es sah aus, als drohte er, zu explodieren, dann sprang jedoch der kleine blaue Roboter, der die Form einer Manschette angenommen hatte, von seinem Handgelenk ab und zischend Dampf ablassend kam der große Roboter zur Ruhe.

      „Außerdem aktiviert sich jetzt der Effekt meines Phönix im Friedhof!“, rief Alex, als das Spektakel vorbei war. „In der End Phase des Spielzugs, in dem er durch Kampf zerstört wurde, kann ich ihn als Spezialbeschwörung von meinem Friedhof beschwören!“

      „Wohl kaum“, entgegnete Seiyou und steckte eine Karte von seiner Hand in seine Duel Disc, wobei eine vergrößerte Ausgabe jener vor ihm erschien.
      „Denn ich aktiviere den Schnellzauber Törichte Heimkehr! Ich wähle ein Monster in deinem Friedhof, welches du dann zurück in dein Deck beförderst. Und dreimal darfst du raten, welches Monster das sein wird…“

      Alex’ Augen verengten sich zornig, als sie nach ihrem Phönix der Wiedergeburt griff und ihn zurück ins Extra Deck steckte.
      „Na von mir aus“, knurrte sie. „Ich bin dran! Ich ziehe!“
      [(Seiyou) Hand: 5 / Backrow: 1]

      Und dann geschah es wieder: Als sie ruckartig eine Karte von ihrem Deck zog, ging ihre Hand in Flammen auf und zog eine orangefarbene Schliere durch die Luft. Das Publikum, das inzwischen daran gewöhnt war, jubelte ihr zu, anstatt entsetzt zu schreien.

      „Natürlich… Ich hatte mich schon gefragt, wann es soweit sein würde“, meinte Seiyou nachdenklich. „Die geheimnisvollen Flammen, die Sie erzeugen, sagen Sie mir, wie machen Sie das?“

      „Das werde ich auch ausgerechnet dir verraten“, konterte Alex sarkastisch.

      „Sie sind eine schlechte Lügnerin“, sagte ihr Gegner kühl. „Ihr kleiner Trick hat mich beschäftigt, seit Sie das erste Mal in diesem Turnier angetreten sind und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass er eigentlich unmöglich sein sollte. Ihre Kleidung hat keine Ärmel, unter denen man etwas verstecken könnte. Außerdem erzeugen Sie die Flammen offenbar nur dann, wenn Sie zornig sind oder in der Klemme stecken. Aber wie sollte eine arme Sechzehnjährige ohne besondere Ausbildung dazu in der Lage sein, so etwas zu entwickeln? Tatsächlich glaube ich, dass Sie selbst Ihre Begabung genau so wenig verstehen, wie ich. Ich glaube, Sie hüten ein Geheimnis, Miss Whitman…“

      „Und ich glaube, ich mache jetzt meinen Zug!“, unterbrach ihn Alex. „Ich beschwöre Fushi No Tori im Angriffsmodus!“

      Mit lodernden Fingern klatschte sie die Karte auf ihre Duel Disc und vor ihr erschien das Hologramm eines rosafarbenen Vogels mit brennendem Gefieder. (ATK: 1200) Seiyou, auf dessen blassen Wangen sich ein Hauch von Zornesröte abzeichnete, rückte unterdessen ungeduldig seine Brille zurecht.

      Scharf dachte Alex nach. Sie konnte jetzt ohne weiteres wieder ihren Phönix beschwören, aber sobald dieser Seiyous Monster zerstörte, würde er wieder eine Karte ziehen können… Sie hatte eine bessere Idee…

      „Jetzt aktiviere ich den Zauber Ruf des Windes! Dadurch kann ich ein Geflügeltes Ungeheuer der Stufe 4 oder niedriger von meiner Hand beschwören! Komm her, Glaubensvogel!“

      Sie legte die gelbliche Karte auf ihre Duel Disc und vor ihr erschien das Hologramm eines schönen, blauen Vogels, der majestätisch sang. (ATK: 1500)

      „Und jetzt los! Ich mische Glaubensvogel vom Attribut Wind und Fushi No Tori vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Feld ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen!“

      Die beiden Vögel auf Alex’ Feld wandelten sich und nahmen die Gestalt von Karten an, die sich umkreisend hoch in den Himmel stiegen.

      „Erscheine, Sturmvogel!“

      Der blendend helle Lichtblitz schlug in das Duellfeld ein und entfachte einen Wirbelsturm. Als dieser sich gelegt hatte, breitete dort ein gewaltiger, schwarz-weißer Vogel mit orange glühenden Augen die Flügel aus und gab einen markerschütternden Schrei von sich. (ATK: 2100)

      „Ich aktiviere den Effekt von Sturmvogel!“, fuhr Alex fort. „Einmal pro Spielzug kann ich eine deiner Karten wählen, die dann ohne Umwege zurück in dein Deck wandert! Und ich wähle Super-Kampfroboter Olympus!"

      Das Publikum jubelte, aber Seiyou wirkte unbeeindruckt. „Und Sie glauben wirklich, ich hätte nicht erwartet, dass Sie es auf diese Weise versuchen würden? Ich hatte sogar darauf gehofft! Ich aktiviere die Falle Gedächtnisverlust! Dadurch wird der Effekt Ihres Monsters annulliert und das Monster selbst in den Verteidigungsmodus gezwungen!“

      Der gewaltige Vogel, der gerade zum Schrei angesetzt hatte, brach dieses Vorhaben ab und sah verwirrt umher, als hätte er vergessen, weshalb er eigentlich hier war. Anschließend kauerte er sich auf dem Boden zusammen und verschränkte die Flügel vor der Brust. Mit grimmiger Miene drehte Alex die dunkelgrüne Karte auf ihrer Duel Disc um 90 Grad.

      „Und zwei Karten für nichts verschwendet“, stellte Seiyou fest. „Zählt man die Karten auf dem Feld und in der Hand zusammen, haben Sie noch fünf übrig. Ich hingegen habe acht, und dank meines Zaubers Nachschubtrupp wird jedes zerstörte Monster sofort ersetzt. Früher oder später werden Ihnen die Karten ausgehen, und dann habe brauche ich nur noch zuzuschlagen…“

      „Dazu wird es nicht kommen!“, erwiderte Alex entschlossen. „Denn ich sag’ dir mal was: Duelle gewinnt man nicht mit dem Taschenrechner!“

      „Genau so wenig wie mit frechen Sprüchen“, konterte der Profi gelassen.

      Alex fauchte zornig. Sie war es leid, in diesen Wortgefechten immer den Kürzeren zu ziehen. Genau davor hatte Evan sie gewarnt, dachte sie verärgert, aber sie konnte es einfach nicht lassen…

      „Aber ich bin noch lange nicht fertig!“, fuhr sie fort, während sie sich immer noch über ihre eigene große Klappe ärgerte. „Ich mische Schützling des Phönix vom Attribut Feuer von meinen Friedhof und Sturmvogel vom Typ Geflügeltes Ungeheuer von meinem Feld ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen! Komm zurück zu mir, Phönix der Wiedergeburt!“

      Sie steckte die beiden Karten an ihre angestammten Plätze zurück und einen Lichtblitz später schoss abermals der gewaltige, brennende Vogel aus einer riesigen Stichflamme hoch in die Luft. (ATK: 2500)

      „Das ist neu…“, flüsterte Seiyou. „Sie verwenden ein Titanen-Monster, um das Nächste zu beschwören. Respekt für diese unerwartete strategische Raffinesse, auch wenn sie letztendlich bedeutungslos sein wird.“

      „Das werden wir ja sehen“, entgegnete Alex. „Phönix der Wiedergeburt! Verarbeite dieses Ding zu Altmetall! Brennender Zorn!“

      Der riesige, orange-rote Vogel stieg höher, sauste auf Seiyous Monster hinab und attackierte es mit brennenden Schwingen, woraufhin das Hologramm des Roboters sich in Luft auflöste. (Seiyou: LP 3050 -> 2950)

      „Wenn mein Monster zerstört wird, kann ich dank meines Zauber Nachschubtrupp eine Karte ziehen“, erinnerte Seiyou, eine gelbe Sphäre aus dem vergrößerten Hologramm der Zauberkarte traf seine Duel Disc und er fügte seiner hand eine weitere Karte hinzu.

      „Ich beende meinen Zug“, schloss Alex. [Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Dann bin ich dran. Ich ziehe. Sehen Sie? Der Abstand zwischen der Anzahl unserer verbliebenen Karten wächst stetig weiter. Schon bald wird das Duell beendet sein. Ich beschwöre Kampfroboter Atlas im Angriffsmodus!“

      Der Profi legte die Karte auf seine Duel Disc und auf seinem Feld erschien das Hologramm eines weiteren Roboters. Dieser war knapp zwei Meter groß, hatte einen dreieckigen Oberkörper und eine rot-weiße Rüstung. (ATK: 2100)

      „Doch er wird nicht lange bleiben, denn jetzt mische ich Super-Kampfroboter Olympus vom Attribut Licht und Kampfroboter Zenturio von meinem Friedhof sowie Kampfroboter Atlas von meinem Feld ins Deck zurück, um eine Titanen-Beschwörung durchzuführen! Erscheine, Super-Kampfroboter Universum!“

      Der fein gearbeitete, mechanische Arm an Seiyous Duel Disc steckte zwei Karten von dessen Friedhof automatisch in sein Deck zurück und er selbst nahm die dritte von deren Oberfläche und steckte sie ebenfalls zurück ins Deck. Unterdessen stiegen Hologramme der drei Karten hoch in die Luft und umreisten sich.

      Kurze Zeit später war das Hologramm einer gewaltigen Maschine auf seinem Feld erschienen. Dieser haushohe Roboter hatte eine violette Körperoberfläche und einen nach vorne spitz zulaufenden Oberkörper, der ihm zusammen mit den langen, stählernen Flügen, die ihm aus dem mit Raketentriebwerken bestückten Rücken ragten, an einen Kampfjet erinnern ließ. Seine Arme endeten in gewaltigen, stahlgrauen Blastern. (ATK: 2900)

      „Beeindruckend, was?“, meinte Seiyou über den Maschinenlärm, den sein Monster verursachte, hinweg. „Und es kommt noch besser! Denn jetzt aktiviere ich den Zauber Batterien-Recycling! Dadurch kann ich meiner Hand zwei Monster vom Typ Donner mit 1500 oder weniger Angriffspunkten von meinem Friedhof hinzufügen! Und zufällig gehören alle meine Roboter-Module dem Typ Donner an. Ich wähle also Roboter-Modul XC35 und YZ54! Und es wäre doch Verschwendung, würde ich sie einfach so auf der Hand behalten! Ich rüste also Super-Kampfroboter Universum mit meinen beiden Modulen aus!“

      Er holte die Karten von seinem Friedhof und steckte sie sofort wieder in seine Duel Disc. Über seinem Feld erschienen daraufhin die Hologramm von zwei kleinen Robotern – Einer rot und einer blau – die ihre Form veränderten und sich nahtlos an die größere der beiden Waffen schmiegten, die das Titanen-Monster am rechten Arm trug, und diese um weitere Läufe erweiterten. Wie leuchtende Adern zogen sich anschließend rot und blau glühende Linien über den Körper des Riesenroboters.

      „Und jetzt, Super-Kampfroboter Universum, mach’ dich bereit zum Angriff!“

      Die riesige Maschine richtete seine mit den Modulen aufgebesserte Waffe direkt auf Alex’ Phönix und mit einem Geräusch wie von einer startenden Flugzeugturbine bildeten sich glühende Energiekugeln in den Läufen.

      „Was willst du damit erreichen?“, fragte Alex herausfordernd. „Du weißt genau, dass mein Phönix jedem Angriff trotzt!“

      „An Ihrer Stelle wäre ich mir da nicht so sicher“, entgegnete Seiyou. „Denn jetzt aktiviert sich der Effekt meines Monsters! Dieser kann nämlich nicht von meinen Roboter-Modulen annulliert werden und erlaubt es mir, Super-Kampfroboter Universum vor dem Angriff mit einem beliebigen Roboter-Modul von meinem Deck auszurüsten! Und ich wähle Roboter-Modul MX16!“

      Er griff nach der Karte, die seine Duel Disc hervorschob, und steckte sie neben seine anderen Module in die Zauber- und Fallenschlitze. Kurz darauf erschien in der Luft über seinem Feld ein weiterer kleiner Roboter – diesmal ein grüner – und schmiegte sich an die Waffe seines haushohen Artgenossen, die nun vier Läufe hatte. Zusätzlich zu den roten und blauen zogen sich nun auch grün glühende Linien wie Adern über den Körper des Roboters.

      „Wenn ein Monster, das mit Roboter-Modul MX16 ausgerüstet ist, angreift, können bis zum Ende des Damage Steps keine Karten oder Effekte aktiviert werden!“

      „Was?!“, purzelte der entsetzten Alex aus dem Mund. Damit war ihr Phönix Seiyous Monster schutzlos ausgeliefert…

      „Ganz recht…“, sagte dieser heimtückisch. „Los, vernichte Phönix der Wiedergeburt! Gebündeltes Energiefeuer!“

      Der riesige Roboter hob vom Boden ab. Von den Raketentriebwerken, die ihm aus dem Rücken ragten, angetrieben, steuerte er auf Alex’ Monster zu und feuerte dabei eine gewaltige Salve kurzer, orangefarbener Energiestrahlen ab. So unter Beschuss genommen löste sich das Hologramm des Phönix mit einem gequälten Vogelschrei in Luft auf, was mitunter entsetzte oder empörte Rufe aus dem Publikum provozierte. (Alex: LP 1850 -> 1450)

      „Was wir hier sehen ist ein perfekt auf den Gegner abgestimmtes Spiel!“, meldete sich MC Arthurs Stimme zu Wort. „Unser Profi wusste genau, dass Alex sich in ihren Duellen sehr auf die Effekte ihres Phönix der Wiedergeburt verlässt und nutzt seine Karten aus, um diese geschickt zu umspielen! Meine Damen und Herren, ich versichere Ihnen: Seiyou Takamoto ist niemand, den ich irgendjemanden als Gegner wünsche!“

      „Man mag es auch Strategie nennen“, war Seiyous Kommentar zur Durchsage des Kommentators. „Und bevor wir es vergessen: Da Super-Kampfroboter Universum mit Roboter-Modul XC35 ausgerüstet ist und soeben ein Monster durch Kampf zerstört hat, kann ich eine weitere Karte ziehen.“

      Alex hatte den Eindruck, dass im Publikum zusehends Unmut gegenüber Seiyou und dem Kommentator herrschte, denn erneut waren Buhrufe aus Alex’ Fanmeile zu hören, wären der Profi seine Hand aufstockte.

      „Sie mögen vielleicht das Publikum auf Ihrer Seite haben“, sagte Seiyou. „Aber die Fakten sprechen eine andere Sprache. Hier, ich habe sogar so viele Karten auf der Hand, dass ich eine abwerfen muss, da die Regeln es mir verbieten, am Ende meines Spielzugs mehr als sechs Karten auf der Hand zu haben. Sie sind dran“, meinte der Profi und schob lässig eine Karte von seiner Hand auf den Friedhof. [Hand: 6 / Backrow: 0]

      „Alles klar“, entgegnete Alex. „Aber bevor ich meinen Zug mache, kehrt Phönix der Wiedergeburt auf mein Feld zurück, weil er in diesem Spielzug durch Kampf zerstört wurde! Flammende Wiedergeburt!“

      Es gab eine riesige Stichflamme und mit einem Schrei schoss der riesige, brennende Vogel wieder hoch in den Himmel. (ATK: 2500)

      „Und jetzt los, greif’ Super-Kampfroboter Universum an!“, fuhr Alex fort, nachdem sie zu Beginn ihres eigenen Zuges eine Karte gezogen hatte. Ihr Monster stieg daraufhin höher und machte sich zum Sturzflug bereit.
      „Du kennst das Lied ja! Wenn mein Phönix gegen ein Monster kämpft, dessen Angriffspunkte höher sind als seine eigenen, kann ich Lebenspunkte in Höhe der Differenz bezahlen, um meinem Monster genau so viele Extra-Angriffspunkte zu schenken! Flamme der Aufopferung!“
      (Alex: LP 1450 -> 1050 / Phönix der Wiedergeburt: ATK 2500 -> 2900)

      Der riesige, orange-rote Vogel schoss hinab und fing dabei wie ein Komet Feuer. Geschickt wich er einer weiteren Salve aus der vierläufigen Waffe des Roboters aus und schlug anschließend direkt auf dessen Brust ein, wobei sich das Hologramm des Phönix in Luft auflöste. Im Gegenzug löste sich der kleine, blaue Roboter von der Waffe seines großen Artgenossen, dessen blaue Leuchtadern verschwanden, fiel zu Boden und löste sich in Luft auf, bevor er diesen erreichte.

      „Ein Himmelfahrtskommando“, meinte Seiyou geringschätzig. „Denn solange mein Super-Kampfroboter mit Roboter-Modul YZ54 ausgerüstet ist, wird dieses an seiner Stelle zerstört. Aber ich schätze Ihr strategisches Talent für groß genug ein, dass Sie von Anfang an vorhatten, mein Modul zu zerstören.“

      „Gut erkannt!“, bestätigte Alex. „Ich setze eine Karte verdeckt und beende meinen Zug. Aber bevor ich an dich abgebe, aktiviert sich der Effekt meines Phönix im Friedhof und er kehrt auf mein Feld zurück! Flammende Wiedergeburt!“

      Abermals gab es eine riesige Stichflamme, doch dieses Mal schoss kein brennender Vogel mit einem Schrei daraus hervor, denn Alex hatte ihr Monster im Verteidigungsmodus beschworen. Stattdessen hockte der Phönix sich mit vor der Brust verschränkten Flügeln vor seine Besitzerin und sah diese mit Lilys Haselnussbraunen Augen ermutigend über die Schulter an. (DEF: 2000)
      [Hand: 4 / Backrow: 0]

      „Sie denken wohl, Sie hätten einen schlauen Schachzug gemacht, indem Sie Ihr Monster im Verteidigungsmodus beschworen haben. Aber das wird mich nicht aufhalten. Super-Kampfroboter Universum! Mach’ dich bereit zum Angriff!“, sagte Seiyou, der zuvor wortlos eine Karte gezogen und seinen Zug gestartet hatte.
      Wieder richtete die riesige Maschine ihre Waffe direkt auf Alex’ Phönix und in den Läufen bildeten sich glühende Energiekugeln.

      „Jetzt aktiviert sich der Effekt meines Monsters und ich kann es mit einem beliebigen Roboter-Modul von meinem Deck ausrüsten! Und ich wähle Roboter-Modul SK21!“

      Er nahm die Karte, die seine Duel Disc hervorschob, und steckte sie neben die anderen Module. Über seinem Feld erschien daraufhin das Hologramm eines kleinen, violetten Roboters, der seine Form veränderte, sich an die Waffe des Titanen-Monsters schmiegte und dieser einen weiteren Lauf hinzufügte.

      „Und jetzt los, Gebündeltes Energiefeuer!“

      Erneut hob der gigantische Roboter vom Boden ab und setzte zum Feuer an.

      „Wenn das Monster, das mit Roboter-Modul SK21 ausgerüstet ist, ein Monster im Verteidigungsmodus angreift, dessen Verteidigungspunkte niedriger sind als die Angriffspunkte des ausgerüsteten Monsters, wird dir die Differenz als Schaden angerechnet!“

      „Wie bitte?!“, brachte die entsetzte Alex gerade noch hervor, bevor Seiyous Monster das Feuer eröffnete und ihr eigenes mit einem Schrei in einer Salve orangefarbener Energiestrahlen unterging, die den Körper des Phönix mühelos durchschlugen. Anschließend schossen die Strahlen auf das Mädchen mit den flammend roten Haaren zu, das sich schützend einen Arm vors Gesicht hielt. (LP: 1050 -> 150)

      „Und nicht vergessen: Wenn das Monster, das mit Roboter-Modul XC35 ausgerüstet ist, ein Monster durch Kampf zerstört, kann ich eine weitere Karte ziehen!“, erinnerte Seiyou und stockte seine Hand auf.

      „Ich beende meinen Zug, indem ich zwei Karten abwerfe, um wieder sechs Karten auf der Hand zu haben. Sie sind dran, und ich schlage vor, Sie nutzen Ihren Zug gut, denn so oder so, es wird Ihr letzter sein…“ [Hand: 6 / Backrow: 0]

      „Nicht so schnell!“, gebot Alex. „Bevor dein Zug endet aktiviert sich noch der Effekt meines Phönix im Friedhof und er kehrt auf mein Feld zurück! Flammende Wiedergeburt!“

      Abermals schoss der riesige, brennende Vogel aus einer Stichflamme hoch in den Himmel. Auf der Suche nach Trost sah Alex hoch zu ihrem Monster und in Lilys hellbraune Augen. Sie wusste genau, dass Seiyou Recht hatte. Um ihr Monster stark genug zu machen, dass es das ihres Gegners besiegen konnte, hatte sie nicht mehr genug Lebenspunkte und egal, in welcher Kampfposition ihr Monster war, der Schaden, sollte Seiyou noch ein Angriff gelingen, würde ihr Ende bedeuten.
      Sie sah hinüber zu dem Profi. Er hatte sechs Karten in der Hand, und Alex glaubte kaum, dass die alle nutzlos waren. Viel eher hatte sie den Verdacht, dass er nur wartete, bis Alex sein bisheriges Feld geräumt hatte, damit er ein neues aufbauen konnte. Auf lange Sicht, so wurde ihr klar, konnte sie nicht mit ihm mithalten, sie hatte es ohnehin schon viel zu lange versucht. Sie musste es beenden, und zwar schnell, sonst würde er ihr zuvor kommen. So oder so, wiederholte sie im Gedanken die Worte des Profis, und lauschte nur auf halbem Ohr den Worten MC Arthurs, der dem Publikum gerade den Ernst der Lage erklärte, dies würde ihr letzter Zug sein. Und wer am Ende dieses Zuges als Sieger hervorgehen würde, das hing jetzt nur noch von ihr ab…

      „Mein Zug!“, rief Alex mit einer Entschlossenheit, die gar nicht zu ihrer Gemütslage passen wollte, und zog ruckartig mit brennenden Fingern auf. Für einen Ort, an dem tausende Menschen auf so engem Raum zusammengepfercht waren, wurde es unnatürlich still im Stadion. Auch das Publikum hatte begriffen, dass von dieser einen Karte alles abhing.
      Sie betrachtete die gezogene Karte und ihre smaragdgrünen Augen weiteten sich. Natürlich… so einfach… so genial!

      „Ich aktiviere die hier!“, rief sie mit fester Stimme und steckte eine Karte in ihre Duel Disc, woraufhin vor ihr das vergrößerte Hologramm einer grünen Zauberkarte erschien. „Den permanenten Zauber Im Ascheregen! Jetzt werden erstmal alle Monster, die ich kontrolliere, zerstört! Dafür erhalten ab jetzt alle Feuer-Monster, die ich beschwöre, einen kleinen Bonus in Form von 500 Extra-Angriffspunkten!“

      Eine orange glühende Sphäre schoss aus dem Hologramm der Zauberkarte in die Brust des Phönix, der anschließend hoch in die Luft stieg und sich in einer riesigen Stichflamme in Luft auflöste. Kurz darauf sanken holografische, graue Flocken über Alex’ Feld wie Schnee zu Boden.
      Vereinzelt war verunsichertes Gemurmel aus dem Publikum zu hören, aber Seiyou stellte diesen scheinbar kontraproduktiven Spielzug mit keinem Wort in Frage. Er wusste genau, dass da noch mehr folgen würde.

      „Aber mein Phönix wird nicht allzu lange wegbleiben, denn wenn eins meiner Monster durch einen Karteneffekt zerstört wird, kann ich meine Falle Puzzle-Wiedergeburt aktivieren, die ebendieses zurückholt!“, fuhr Alex fort und drehte ihre verdeckte Karte um. In der Luft über ihrem Feld erschien daraufhin eine riesige Menge winziger, orangefarbener und roter Würfel, die sich zusammensetzten und das Hologramm eines riesigen, brennenden Vogels bildeten, der seine Flügel ausbreitete und einen wohlklingenden Schrei ausstieß. (ATK: 2500)

      „Nun erhält mein Phönix als Feuer-Monster dank Im Ascheregen 500 Angriffspunkte hinzu!“

      Kleine Stichflammen entstanden, als der brennende Rücken des Phönix mit dessen eigener Asche berieselt wurde, und brachten das Feuer am Körper des riesigen, orange-roten Vogels zum Wachsen. Erneut stieß er einen kraftvollen Schrei aus. (ATK: 2500 -> 3000)

      Diese Aktion hatte sie von Anfang an geplant, doch mit dem, was jetzt folgen würde, hatte niemand gerechnet…

      „Und jetzt pass’ auf, denn hier kommt die Pointe!“, rief Alex und steckte ihre frisch gezogene Karte in die Duel Disc. „Ich aktiviere den Zauber Rückenwind! Dadurch kann ein Geflügeltes Ungeheuer meiner Wahl dich in diesem Spielzug direkt angreifen, solange alle anderen Monster auf ihren Angriff verzichten!“

      „Unmöglich!“, stieß Seiyou hervor.

      „Nun, ich fürchte, es ist doch möglich!“, entgegnete Alex. „Und ich denke, ich muss nicht extra sagen, welches Monster ich wähle! Phönix der Wiedergeburt! Beende dieses Duell mit Brennender Zorn!“

      Mit einem Schrei stieg der riesige, brennende Vogel höher und stürzte sich hinab. Mit einem geschickten Flugmanöver segelte er um Seiyous Monster herum, direkt auf den Profi zu, den er mit brennenden Schwingen attackierte. (Seiyou: LP 2950 -> 0)

      Was folgte, war ein Wirbel aus Farben, Lärm und Glücksgefühlen. Das Publikum explodierte und MC Arthur verkündete über den Jubel hinweg ihren Sieg; Die Hologramme der Karten verschwanden und enthüllten den Blick auf Seiyou, dessen Gesicht zu einer zornigen Grimasse verzogen war; Alex stieß mehrmals triumphierend die Faust in den Himmel…
      Als sie schließlich in den Warteraum für die Duellanten zurückkehrte, wurde sie von einer kreischenden Mia begrüßt, die die Hände auf ihre Schultern legte und mehrere kräftige Luftsprünge machte. Richard war ebenfalls anwesend; er gratulierte Alex und die beiden umarmten sich. Schließlich wurden sie Evan unterbrochen.

      „Glückwunsch…“, sagte er lächelnd. „In doppelter Hinsicht.“

      „Wieso in doppelter Hinsicht?“, fragte Alex verdutzt.

      „Ihr beide seid heute Abend zu Gast bei Gary Altman...“

      ~


      Sofort, nachdem Evan ihr mitgeteilt hatte, dass sie ein Live-Interview im Fernsehen geben musste, war Alex’ Euphorie über den Sieg verflogen und ihr wurde furchtbar bange. Genau wie am vergangenen Sonntag, als sie den Eröffnungsball der Hauptrunde besuchen musste, kam es ihr kinderleicht vor, vor tausenden von Menschen ein Duell zu gewinnen, verglichen mit der Bürde, sich in aller Öffentlichkeit anständig benehmen zu müssen. Doch es half nichts: Ein paar Stunden später fand sie sich zusammen mit Richard in einem hübschen, kleinen Raum wieder, wo die Gesprächsgäste der Gary Altman Show auf ihren Auftritt warten sollten, ehe sie das Studio betraten. Alex’ Mutter und Evan waren auch anwesend, würden jedoch nicht mit ins Studio kommen. Verzweifelt hatte Alex Evan nach Tipps gefragt, wie man sich bei einem Interview verhalten sollte, aber der hatte nur gemeint, sie solle Spaß haben und ganz sie selbst sein. Alex hatte da so ihre Zweifel. „Sie selbst“ war eine aufmüpfige, abweisende, vorlaute Sechzehnjährige. Wie sollte so jemand in einem Interview eine gute Figur abgeben? Sie wünschte sich, Evan würde mitkommen und den Alleinunterhalter spielen, dann müsste sie selbst nur die nötigsten Fragen beantworten, aber Gary Altman wollte nur mit Alex und Richard – den letzten verbliebenen Teilnehmern aus der Vorrunde – sprechen.
      Eine grüne Leuchte neben der Tür zum Studio leuchtete auf und eine Mitarbeiterin des Studios gab Alex und Richard das Signal, hindurchzugehen. Mit wild pochendem Herzen sprang Alex auf. Auch Evan erhob sich.

      „Warte. Es gibt da noch etwas, was ich dir sagen wollte“, sagte er und sah Alex eindringlich aus seinen Bernsteinfarbenen Augen an.
      „Das hier ist die Gelegenheit, um eine riesige Menge von Leuten zu erreichen. Wenn Gary dich also nach deinem Leben in Newhaven fragt – und ich weiß, das wird er – dann scheu’ dich nicht, die Wahrheit zu sagen. Lass’ die Leute ruhig wissen, in was für einer Welt sie leben. Alles klar?“

      Alex nickte.

      „Gut. Dann viel Spaß“, wünschte Evan, wieder in seinem üblichen, kumpelhaften, Tonfall, klopfte Alex auf die Schulter und gab ihr einen kleinen Schubs in Richtung Tür.

      Ihr Herz raste, als sie das Studio betrat und von tosendem Beifall und blendenden Scheinwerfen begrüßt wurde. Richard lächelte und winkte zum Gruß und mit einem unsanften Stoß in ihre Rippen erinnerte er Alex daran, das gleiche zu tun. Auf halbem Weg kam ihnen Gary Altman, der einen Mintgrünen Anzug und eine Krawatte mit Wassermelonenmuster trug, mit einem breiten Lächeln entgegen und bot ihnen zur Begrüßung einen Händedruck an, den Alex mit äußerst schwitzigen Fingern erwiderte. Auf dem Weg zur erhöhten, kreisrunden Plattform in der Mitte des Studios wischte sich der Moderator unauffällig die rechte Hand in seinem Anzug ab und am Ziel angekommen, bot er seinen Gästen an, auf einem roten Sofa direkt gegenüber der riesigen Kamera platz zu nehmen. Er selbst setzte sich im Anschluss in einen schräg neben dem Sofa platzierten, roten Sessel und wartete das Abklingen des Beifalls ab.

      Sobald das Publikum verstummt war, fing Gary Altman mit dem Interview an. Er sprach mit seinen Gästen über das Turnier, ihre Duelle, darüber, wie sich auf jene vorbereiteten und darüber, wie sie ihre Chancen für das kommende Halbfinale bewerteten. Mit keinem Wort erwähnte er jedoch Jessica oder ihre Ankündigung nach ihrer Niederlage gegen Richard. Alex konnte nur vermuten, dass man dem Moderator sehr genau vorgeschrieben hatte, worüber er zu sprechen – oder nicht zu sprechen – hatte.
      Allmählich wich die Anspannung aus ihrem Körper und sie achtete kaum noch auf die Kamera und das Publikum. Der Moderator war sehr freundlich und wissbegierig und hauptsächlich war es Richard, der seine Fragen beantwortete. Alex war dankbar dafür, denn so brauchte sie nichts weiter zu tun, als zu lächeln und ihm gelegentlich beizupflichten. Doch sie wusste genau, dass es nicht dabei bleiben würde…

      „Kommen wir nun zu dir, Alex“, sagte Gary Altman schließlich und stützte sein Kinn auf einer Hand ab. „Du bist gewissermaßen die Außenseiterin in diesem Turnier, schließlich konntest du im Gegensatz zu den meisten anderen Teilnehmern keine besondere Duell-Ausbildung genießen. Erzähl’ uns doch ein bisschen was über dein Leben in Newhaven.“

      „Nun ja…“, fing Alex stirnrunzelnd an. Da war sie: Die Frage, von der Evan sich so sicher gewesen war, dass der Moderator sie stellen würde.
      „Es ist auf jeden Fall ganz anders, als das, was ich bisher von der City gesehen habe. Es gibt hier einfach viel weniger, über das man sich Sorgen machen muss, verstehen Sie? In Newhaven verhungert zwar niemand, aber es ist trotzdem ein ganz anderes Leben. Wir leben ständig in der Angst, der Vermieter könnte auftauchen und fragen, wo die Miete bleibt. Und wenn etwas kaputt geht – ein Bett oder auch nur ein Schuh – dann können wir nicht einfach Ersatz beschaffen, sondern wir müssen abwiegen, worauf wir ein paar Wochen verzichten können, um diesen Ersatz zu finanzieren.“

      Sie berichtete es vollkommen nüchtern, ohne schönzureden und ohne Mitleid erregen zu wollen. Zum ersten Mal seit einer Weile sah sie ins Publikum und in die betretenen oder entsetzten Gesichter derjenigen, die sich Plätze im Publikum der Gary Altman Show leisten konnten und denen auf einmal klar wurde, dass es in ihrer Heimatstadt Menschen gab, die sich nicht einmal ein Paar Schuhe kaufen konnten, wenn sie es brauchten.
      Alex erinnerte sich an das, was Evan ihr kurz vor Beginn der Show gesagt hatte, und beschloss, noch einen drauf zu legen: „Und wenn ich dann den ganzen Überfluss sehe, der hier in der City herrscht…“, fuhr sie im selben nüchternen Tonfall fort, „…dann frage ich mich, wo dabei die Gerechtigkeit geblieben ist. In den Medien will man uns weismachen, dass jeder dies erreichen kann, wenn er nur hart genug dafür arbeitet, aber das ist eine Lüge. Wenn jeder in eine höhere Position aufsteigt, wer übernimmt dann die Arbeit der Armen? Im Grunde macht dieser Funken Hoffnung alles nur schlimmer. Denn egal, wie knapp das Geld ist, er bringt uns dazu, immer noch einen winzigen Teil aufzuheben, um damit für ein mögliches besseres Leben zu sparen. Aber jeder Cent, den wir dafür zurückhalten, ist ein Cent weniger, den man im Hier und Jetzt zur Verfügung hat. Deshalb haben die meisten von uns diese Hoffnung längst aufgegeben.“

      „Aber du hast es geschafft“, sagte Gary Altman mit belegter Stimme, als könnte er das gesagte damit ungeschehen machen. „Und dafür lieben dich die Leute. Hier, sieh’ dir diese Aufnahmen von deinem letzten Duell an…“

      Der Moderator deutete auf einen großen Monitor neben der Kamera, auf dem die Live-Übertragung der Show zu sehen war. Nun zeigte er jedoch eine im Stadion von einer der Kameradrohnen aufgenommene Szene und Alex meinte zu erkennen, dass es der Moment war, als Seiyou seinen Zauber Begrenzer entfernen ausgespielt hatte. Zu sehen waren die kleine Emma, die mit weit aufgerissenen Augen lose ein selbstgemaltes Bild von einem Phönix in den Händen hielt, und ihre Mutter, die den Mund hinter ihren Händen verborgen hatte.

      Alex lächelte traurig, als wieder sie, Richard und Gary Altman auf dem Monitor zu sehen waren.
      „Das kleine Mädchen, ich habe sie gestern getroffen“, erzählte sie und es kam ihr unwirklich vor, dass das noch nicht einmal 48 Stunden her war. „Sie kommt auch aus Newhaven und ihre Mutter hat ein Vermögen für die Stadionplätze ausgegeben, nur damit sie mir zusehen können.“

      „Wie fühlst du dich dabei, Fans zu haben, die so mit dir mitfiebern?“, wollte Gray Altman wissen.

      „Es ist komisch…“, antwortete Alex. „Zum Einen ist es natürlich toll, so viel Anerkennung zu bekommen, aber ein Teil von mir wünscht sich, sie hätten es nicht getan.“

      „Wieso das?“, hakte der Moderator sichtlich verwundert nach.

      „Das verstehen Sie nicht“, meinte Alex traurig.
      „Es ist nur… Ich möchte gar nicht wissen, auf was sie jetzt alles verzichten müssen, nur weil sie diese Karten gekauft haben. Und wenn ich jetzt ausscheide, dann ist alles umsonst gewesen. Und überhaupt, ich weiß gar nicht, ob ich überhaupt als Hoffnungsträger tauge, schließlich hätte ich es ohne fremde Hilfe nie bis hierher geschafft“, schloss sie mit einem Nicken in Richtung Richard.

      „Stimmt ja“, sagte Gary Altman und wandte sich nun auch wieder an Richard. „Du warst derjenige, der Alex die Teilnahme am Turnier erst ermöglicht hat. Sag’ uns, wie habt ihr euch kennengelernt?“

      „Nun…“, antwortete Richard. „Ich war für ein Projekt der Duellakademie an ihrer Schule und sollte einen Schüler für ein Stipendium auswählen. Ich habe sofort gemerkt, dass sie eine außergewöhnliche Duellantin ist, darum habe ich sie ausgewählt. Aber sie hat abgelehnt. Deshalb habe ich ihr stattdessen die Teilnahmekarte für das Turnier geschenkt.“

      „Ach so war das…“, meinte der Moderator interessiert und stützte das Kinn wieder auf seinen Fingern ab.
      „Aber das wirft natürlich eine Frage auf: Wieso hast du das Stipendium überhaupt abgelehnt. Ich meine, die Duellakademie… das wäre doch eine riesige Chance“, fuhr er an Alex gewandt fort.

      „Oh…“, machte die, um die Antwort künstlich zu hinauszuzögern. Unsicher sah sie in Richards Gesicht, der kaum merklich nickte.
      „Das war… wegen meiner Schwester“, schloss sie. „Ihr Name ist Lily und sie ist elf Jahre alt. Vor knapp einem Monat ist unsere Wohnung ausgebrannt und seit ich sie dort rausgeholt habe, liegt sie im künstlichen Koma. Und die Ärzte können sie da nur mit einer achttausend Dollar teuren Spezialbehandlung rausholen, für die unsere Krankenversicherung nicht aufkommen wird. Deshalb habe ich das Stipendium abgelehnt, weil ich für sie da sein muss. Und deshalb nehme ich jetzt am Turnier teil, weil ich andernfalls nie das Geld für die Behandlung auftreiben könnte…“

      Eine unnatürliche Stille breitete sich im Studio aus. Die Menschen im Publikum machten entsetzte und mitfühlende Gesichter und einige tuschelten leise miteinander.
      Alex unterdessen verkniff sich mit Mühe ein Grinsen, als sie mit Genugtuung die Macht der Worte genoss, die sie soeben ausgesprochen hatte...

      Meine Fan Fiction auf eTCG - Yu-Gi-Oh! PHOENIX
      Serie 1 / Serie 2
      Kartenliste
      Alex:

      - Hiita mit ihrem Vertrauten
      - Feuervogel
      - Glaubensvogel
      - Fushi No Tori
      - Puzzle-Wiedergeburt

      Seiyou:

      - Der Mathematiker
      - Nachschubtrupp
      - Begrenzer-Entferner (Begrenzer entfernen)
      - Törichte Heimkehr
      - Gedächtnisverlust
      - Batterien-Recycling

      Sonstige:

      - U.A. Stadion (Stadion der Ultraathleten)

      Neue Karten:

      - Phönix der Wiedergeburt

      Monster / Titan / Effekt / Feuer / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2500 Atk / 2000 Def

      Während des Spielzugs eines beliebigen Spielers, wenn diese Karte gegen ein Monster kämpft, dessen ATK höher sind als die ATK dieser Karte; du kannst Life Points in Höhe der Differenz bezahlen und wenn du das tust: Diese Karte nur während des Damage Steps ATK in Höhe der Menge an Life Points, di du bezahlt hast. Während der End Phase eines beliebigen Spielers, wenn sich diese Karte in deinem Friedhof befindet, weil sie in diesem Spielzug durch Kampf zerstört und dorthin gelegt wurde; Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung vom Friedhof beschwören.

      - Ruf des Windes

      Normale Zauberkarte

      Beschwöre 1 Monster vom Typ Geflügeltes Ungeheuer der Stufe 4 oder niedriger als Spezialbeschwörung von deiner Hand.

      - Sturmvogel

      Monster / Titan / Effekt / Wind / Geflügeltes Ungeheuer / Gold-Sterne: 2 / 2100 Atk / 1700 Def

      Einmal pro Spielzug: Du kannst eine offene Karte auf dem Spielfeld wählen; mische das gewählte Ziel ins Deck zurück. Diese Karte kann in dem Spielzug, in dem du diesen Effekt aktivierst, nicht angreifen.

      - Im Ascheregen

      Permanente Zauberkarte

      Wenn diese Karte aktiviert wird: Zerstöre alle Monster, die du kontrollierst. Solange diese Karte offen auf dem Spielfeld liegt; wenn ein FEUER-Monster als Normal- oder Spezialbeschwörung beschworen wird: Es erhält 500 ATK. (Diese Erhöhungen halten auch an, nachdem diese Karte das Spielfeld verlassen hat.)

      - Kampfroboter Omega

      Monster / Effekt / Erde / Maschine / Stufe 4 / 1900 ATK / 1600 DEF

      Am Ende der des Damage Steps, wenn diese Karte angegriffen hat, ändere sie in die Verteidigungsposition.

      - Kampfroboter Atlas

      Monster / Effekt / Erde / Maschine / Stufe 4 / 2100 ATK / 0 DEF

      Falls du 2 oder mehr Monster kontrollierst kann diese Karte nicht angreifen.

      - Kampfroboter Zenturio

      Monster / Effekt / Erde / Maschine / Stufe 4 / 2300 ATK / 1300 DEF

      Diese Karte kann deinen Gegner nicht direkt angreifen. Während deiner End Phase, wenn du diese offene Karte kontrollierst: Zerstöre sie.

      - Super-Kampfroboter Olympus

      Monster / Titan / Effekt / Licht / Maschine / Gold-Sterne: 2 / 2400 ATK / 1000 DEF

      Wenn diese Karte als Titanen-Beschwörung beschworen wird, du kannst bis zu 2 „Roboter-Modul“-Karten in deinem Friedhof wählen; Rüste diese Karte mit den gewählten Zielen aus.

      - Super-Kampfroboter Universum

      Monster / Titan / Effekt / Licht / Maschine / Gold-Sterne: 3 / 2900 DEF / 2300 DEF

      Die Effekte dieser Karte werden nicht annulliert, wenn sie mit einer „Roboter-Modul“-Karte ausgerüstet ist. Wenn diese Karte einen Angriff deklariert: Du kannst 1 „Roboter-Modul“-Karte von deinem Deck wählen; rüste diese Karte mit dem gewählten Ziel aus.

      - Roboter-Modul XC35

      Monster / Effekt / Licht / Donner / Stufe 3 / 1100 ATK / 800 DEF

      Du kannst 1 „Kampfroboter“-Monster wählen, das du kontrollierst; rüste das gewählte Ziel mit dieser Karte von deiner Hand aus. Die (aufgedruckten) Effekte eines Monsters, das mit dieser Karte ausgerüstet ist, werden annulliert. Stattdessen erhält das Monster folgenden Effekt:
      O Wenn diese Karte ein Monster, das dein Gegner kontrolliert, durch Kampf zerstört und auf den Friedhof legt: Ziehe 1 Karte

      - Roboter-Modul SK21

      Monster / Effekt / Licht / Donner / Stufe 2 / 600 ATK / 900 DEF

      Du kannst 1 „Kampfroboter“-Monster wählen, das du kontrollierst; rüste das gewählte Ziel mit dieser Karte von deiner Hand aus. Die (aufgedruckten) Effekte eines Monsters, das mit dieser Karte ausgerüstet ist, werden annulliert. Stattdessen erhält das Monster folgenden Effekt:
      O Wenn diese Karte ein Monster deines Gegners angreift und ihre ATK höher sind als die DEF des gegnerischen Monsters, füge deinem Gegner den durchschlagenden Kampfschaden zu.

      - Roboter-Modul MX16

      Monster / Effekt / Licht / Donner / Stufe 3 / 1300 ATK / 0 DEF

      Du kannst 1 „Kampfroboter“-Monster wählen, das du kontrollierst; rüste das gewählte Ziel mit dieser Karte von deiner Hand aus. Die (aufgedruckten) Effekte eines Monsters, das mit dieser Karte ausgerüstet ist, werden annulliert. Stattdessen erhält das Monster folgenden Effekt:
      O Wenn diese Karte angreift: Dein Gegner kann bis zum Ende des Damage Steps keine Karten oder Effekte aktivieren.

      - Roboter-Modul YZ54

      Monster / Effekt / Licht / Donner / Stufe 2 / 0 ATK / 1500 DEF

      Du kannst 1 „Kampfroboter“-Monster wählen, das du kontrollierst; rüste das gewählte Ziel mit dieser Karte von deiner Hand aus. Die (aufgedruckten) Effekte eines Monsters, das mit dieser Karte ausgerüstet ist, werden annulliert. Wenn das Monster, das mit dieser Karte ausgerüstet ist, zerstört werden würde: Du kannst stattdessen diese Karte zerstören.

      - Roboter-Modul MM00

      Monster / Effekt / Licht / Donner / Stufe 1 / 0 ATK / 0 DEF

      Du kannst 1 „Kampfroboter“-Monster wählen, das du kontrollierst; rüste das gewählte Ziel mit dieser Karte von deiner Hand aus. Die (aufgedruckten) Effekte eines Monsters, das mit dieser Karte ausgerüstet ist, werden annulliert. Wenn diese Karte durch ihren Effekt ein Monster ausrüstet: Du kannst sie auf den Friedhof legen; füge deiner Hand 1 „Roboter-Modul“-Karte von deinem Deck hinzu, außer „Roboter-Modul MM00“.

      Preview: Kapitel 1.13 – Drachen-Duell
      Im ersten der beiden Halbfinalduelle tritt Richard gegen Evan an, aber wieder wird Alex keine Gelegenheit bekommen, ihrem Freund in Ruhe zuzusehen. Ein Mitarbeiter von Steele Industries stürmt mit einer schlechten Nachricht für Mr. Steele die Ehrenloge und das neugierige Mädchen folgt ihm und seiner rechten Hand Christopher Allington, um sie bei ihrer Besprechung zu belauschen…

      Zum Schluss noch einmal eine Frage an euch: Wie findet ihr meine selbst ausgedachten Karten? In diesem Kapitel kamen ja extrem viele vor und ich habe mir erstmals ein ganzes Themendeck selbst ausgedacht. Fandet ihr das gut, kann ich das mal wieder machen?
      Oder allgemein: Findet ihr Misch- oder Themendecks besser?
      Für ein paar Figuren der 2. Staffel stehen nämlich noch nicht die Decks, bzw. nur die Bossmonster fest, deshalb dachte ich, frage ich euch mal, was ihr am besten findet.

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