Du fährst ein teures Auto, kommst viel durch die Welt. Dein Arbeitgeber erkundigt sich regelmäßig nach dir - er schätzt deine Arbeit für die Firma wirklich sehr, was sich nicht zuletzt auch an deinem Gehalt deutlich abzeichnet.
Auch deine Arbeitskollegen schätzen deine Meinung sehr - und jeder der Dutzenden, die du eingearbeitet hast, ist dir sehr dankbar. Ab und an habt ihr Meetings, in denen ihr die aktuellen Vorgehensweisen überdenkt und optimiert. Ihr habt euch über Jahre hinweg als fest zusammengeschweißtes Team eingearbeitet. Ihr braucht schon fast gar nicht mehr miteinander zu kommunizieren, so sehr geht eure Arbeit Hand in Hand. Jeder kennt den Ablauf und die Teilprozesse seiner Kollegen in- und auswendig.
Auch wenn dein Chef früher noch skeptisch war, was dich und deine Fähigkeiten anbelangt, so weißt du inzwischen ganz genau, woran du bei ihm bist - es gibt kein Lästern hinter deinem Rücken oder sonstige Heimlichtuereien. Deine nächste Beförderung ist nicht mehr sonderlich fern. Du bist ein wichtiger Mitarbeiter und fühlst dich auf der Arbeit richtig wohl. Manchmal tun dir bei Aufträgen im Außendienst die Füße weh, aber die lustigen Abende vor Ort mit deinen Kollegen lassen dich das schnell vergessen.
Und wenn ein solcher Auftrag in einer fernen Stadt zu erledigen ist, scheut sich die Firma auch nicht davor, die auf deiner Reise anfallenden Kosten zu erstatten. Ist ja auch klar, du sollst ja nicht draufzahlen.
Als aber eines Tages dein Chef vor Gericht gehen musste, da der Global Sales Manager einige Unstimmigkeiten in der Abrechnung von Arbeitsmaterial gefunden hat, ging all das recht zügig zu Bruch. Es gab zwar eine Einigung, allerdings ist der Manager immer noch nicht davon überzeugt, dass alles reibungslos ablief. Dein Arbeitgeber ist als Folge dessen die längste Zeit dein Arbeitgeber gewesen, so viel ist sicher. Du und deine Kollegen, ihr hängt nun alle "in der Luft".
Man hat jetzt nach einiger Zeit einen Ersatz für euren Chef gefunden, aber der neue Arbeitgeber scheint nicht sonderlich in eure Fähigkeiten zu vertrauen, obwohl man ihn eigentlich davon unterrichtet hatte. Es macht zwar Sinn, sich neu beweisen zu müssen, aber... aus deiner Vorreiter-Position ist durch Willkür der vorletzte Platz geworden. "Irgendwie muss man das Team ja strukturieren", hieß es. Du kannst beim besten Willen nicht verstehen, warum man nicht alles einfach so lassen kann, wie es früher mal war... "Never change a running system" ist ein bewährter Grundsatz, der zwar nicht vorbehaltlos auf alle Lebensbereiche übertragen werden sollte, aber hier hätte es eventuell gepasst...
Du hast um die Chance gebeten, deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, und du hast diese auch erhalten. Du hast dein Bestes gegeben, um die Firma voranzubringen. Man war von dir begeistert.
Und trotzdem bist du mittlerweile in Vergessenheit geraten. Du bist zwar für einige deiner ehemaligen Kollegen (die in eine andere Branche gewechselt sind, da sie unter den alten Konditionen nicht übernommen wurden) immer noch einer der Besten auf diesem Gebiet, allerdings interessiert das in der Chefetage niemanden, und hier bei dir im Büro sowieso nicht.
Man ist relativ anonym, denn die vielen Neuen bleiben lieber unter sich. Wenn du ihnen einen Trick beibringen willst, zeigen sie sich oft nicht einmal wirklich dankbar. Warum auch? Funktioniert doch auch so, wie sie es tun. Manchmal fühlen sie sich auch angegriffen. Schließlich bist du ihnen ja nicht mehr vorgesetzt - sondern umgekehrt...
Wenn du auf ein Meeting im Ausland eingeladen wirst, musst du die Reisekosten dafür bei Interesse aber selbst tragen. Es gibt zwar eine Pauschale, doch dein Abflughafen ist zufälligerweise mit einer der teuersten Deutschlands und die Pauschale deckt - wenn überhaupt - den Flug gerade so ab. Eigene Verpflegung ist hierbei aber noch nicht einberechnet, und Zeit ist auch Geld. Du würdest ziemlich viel Geld drauflegen, um hauptsache mit dabei zu sein.
Wenn du dir die (finanzielle) Tortur aber nicht antust, wirst du für künftige Meetings ganz schnell nicht mehr berücksichtigt: Die "Konkurrenz" (ja, heutzutage sind es eben keine "Kollegen" mehr) ist relativ groß und bereit, jeden nur erdenklichen Preis zu zahlen um mit dabei zu sein. Der Global Sales Manager ist hierfür dankbar, da ihm so keine Mehrkosten anfallen - und weil er es ohnehin relativ unwichtig findet, wie qualifiziert denn die Teilnehmer nun wirklich sind. Alleine die Quantität macht die Meetings schon produktiv genug. Auf herausragende Einzelleistungen braucht man also keinen Wert mehr zu legen.
Während du früher noch kostenlos auf solche Meetings mitgenommen wurdest und dort die Diskussionsrunde möglicherweise noch (mit-)geleitet hast, zahlst du heute drauf und stehst irgendwo ganz außen, wo deine Meinung eh niemanden mehr interessiert. Die heutigen Diskussionsleiter erweisen sich als zu unerfahren.
Manchmal denkst du an die alten Zeiten zurück und fragst dich, warum du das eigentlich noch tust. Eigentlich bist du nur noch am Fluchen: die Leute mit Verantwortung wissen entweder nicht damit umzugehen oder sie machen einige Fehlentscheidungen, die dir oder deinen ehemaligen Kollegen damals nicht einmal im Schlaf passiert wären.
Im neuen Betrieb geht es eigentlich nur noch darum, wer dem Chef den meisten Honig um's Maul schmiert. Kritisierst du irgendetwas, wirst du ignoriert. Kritisierst du es mit Nachdruck, wirst du nicht mehr eingeladen. Du kannst nie mit Gewissheit sagen, wo du gerade stehst, und wenn du das direkte Gespräch suchst, wirst du entweder auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet oder du bekommst ein Ultimatum gestellt. So einfach ist das.
Seit Monaten hat sich dein neuer Arbeitgeber nicht mehr nach dir erkundigt. Das hat er stets nur dann getan, als er gerade deine Fähigkeiten kurz für seine eigenen Zwecke benötigt hat. Danach wurdest du recht schnell wieder links liegen gelassen.
Du hast dich letztenendes zu deinem eigenen Wohl dafür entschieden, deinen Job an den Nagel zu hängen. Du hast sehr an der Atmosphäre gehangen. Doch die gibt es heute nicht mehr. Das Team ist kein Team in dem Sinne mehr, sondern eher sowas wie eine "Zweckgemeinschaft". Es kann vorkommen, dass Freundschaften nur geheuchelt sind und man im nächsten Augenblick dann (nicht nur sprichwörtlich) den Mittelfinger gezeigt bekommt.
Kommt dir dieses Gefühl bekannt vor?
Na dann... Willkommen im Club, mein ehemaliger YGO-Schiedsrichter-Freund. 
Bye liebe Spieler, war immer cool 
Abschiedsturnier als Judge: So, 04.09.11: Great Tournament Challenge
Ihr könnt mir ja im Feedbackthread schreiben, wie wir uns kennen gelernt haben oder was euer erster Judge Call bei mir war, damit ich mich an schöne Zeiten zurückerinnern kann!
Im Forum bleibe ich euch bis auf Weiteres erhalten.
Man sieht sich 
Greets,
Harti