Spiel, Satz und Sieg: Die optimale Turniervorbereitung, oder: Mein Fiasko bei der Deutschen Meisterschaft!
- ReturnWinner
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Ich begrüsse euch Leser herzlich zu der ersten Ausgabe meiner neuen Kolumne Spiel, Satz und Sieg. Damit bin ich nach Magic_Hero und selfmader der dritte aus dem neuen Kolumnenteam, welcher mit den Artikeln einsteigt.
Falls ihr euch nun fragt, worum es in meiner Kolumne gehen wird, so kann ich euch keine eindeutige Antwort geben, da ich die Themengebiete meiner Artikel breit fächern werde. Hauptsächlich werde ich etwas über den Tischrand hinaus blicken und über soziale Aspekte unseres geliebten Sammelkartenspiels schreiben. Aber ihr könnt von mir auch diverse Turnierberichte, Deckideen und Stellungnahmen zu aktuell, brisanten Themen in der Yugiwelt erwarten.
Meine Artikelreihe starten möchte ich mit einer Thematik, welche allgegenwärtig ist, auch, wenn die Events des Jahres (EM, DM) nun schon gespielt sind. Ich möchte euch darlegen, was man alles bedenken muss, um bei einem Turnier gut abzuschneiden. Denn dazu gehört eine Menge mehr, als nur sein Deck optimal auszurichten und sich mit dem Metagame auseinanderzusetzen.
Um diesen Artikel nicht allzu trocken werden zu lassen, möchte ich euch diese Anregungen meinerseits mit Beispielen aus der vergangenen Deutschen Meisterschaft, an welcher ich als Spieler teilnahm, belegen.
Dies bietet sich daher an, da die Deutsche Meisterschaft für mich alles andere als ideal gelaufen ist und dies nicht unbedingt an meinen spielerischen Fähigkeiten, oder meinem Deck lag.
Doch nun genug der langen Vorreden und los geht es mit den einzelnen Dingen, welche man beachten muss, um bei einem Turnier gut abzuschneiden:
Die Vorbereitung:
Bei der richtigen Vorbereitung auf ein Event gilt es vieles zu beachten. Zuallererst sollte man sich Gedanken darüber machen, welches Deck man, wie, auf dem Event spielt.
Dass der Deckbau eines der elementarsten Voraussetzungen für ein gutes Abschneiden auf einem Turnier ist, muss ich euch nicht erklären. Daher will ich mich mit diesem Aspekt auch nicht allzu lange aufhalten. Fakt ist aber, dass man fast nicht zu viel Zeit in den Deckbau investieren kann, da man so viele Dinge beachten muss:
Wie stabil ist das Deck? Passt es zu meinem individuellen Spielstil? Wie sehen die Match Ups im momentanen Metagame aus? Schaffe ich es damit die 7-8 Runden des ersten Tages (bei 2-Tages Events) zu überstehen? Ist es flexibel/explosiv/stabil genug, um mich durch das Turnier zu tragen? Wie richte ich mein Sideboard am besten aus? Und, und, und.
Hat man all diese Punkte für sich optimal beantwortet, kommen wir zu einem Punkt, welchen ich unheimlich wichtig finde.
Sein Deck kennenzulernen: Viele Top Spieler bauen ihre Decks erst eine Nacht vor Turnierbeginn, doch ich bin der Ansicht, dass das Deck nicht früh genug fertig sein kann. Dies liegt daran, dass man sich dann mit dem Deck am Besten auskennt, jeden einzelnen Zug, welcher mit dem Deck möglich ist schon einmal ausgeführt hat, gegen so gut wie jedes, noch so abstruses, Match Up schon einmal gespielt hat und genau weiß, welche Optionen einem im Zweifelsfall noch bleiben.
Bei mir war es sogar so, dass ich mein Deck, welches ich auf der DM pilotierte komplett auswendig kannte. Dies fand ich nicht schlecht, da ich so genau wusste, welche Optionen mir aus welchen Situationen heraushelfen können und ich so genauer meine Züge planen konnte.
Doch nun genug von dem Deck und dem Testen gesprochen und kommen wir nun zu Vorbereitungen, welche viele von euch sicher nicht als so wichtig empfinden, wo mir aber bereits ein Fehler das Turnierabschneiden vermasselte.
Man muss wissen, dass man ein großes Yu-Gi-Oh! Turnier sehr gut mit einem Sportwettkampf vergleichen kann. Und diejenigen unter euch, welche selbst, aktiv Sport betreiben, werden wissen, wie unfassbar wichtig der mentale Aspekt bei diesen ist.
Bei Yu-Gi-Oh! ist dieser sogar noch um einiges wichtiger, da Yu-Gi-Oh! ein Spiel ist, welches ausschlieslich mit dem Kopf gespielt wird (klar benutzt man seine Hände, aber ihr wisst, wie ich das meine). Da es nun einmal so ist, dass die Psyche eines Menschen wankelmütig ist, man also mal gute und schlechte Tage hat, muss man diese bewusst unterstützen, um beim Eventtag zu 100% fit zu sein.
Und dieses ist mit ganz banalen Dingen zu erreichen:
Plant den Turniertag/ das Turnierwochenende ordentlich, sodass ihr einen enstpannten Tag rund um das Turnier habt. Fahrt mit euren Freunden zu einem Turnier, damit ihr eine heitere angenehme Anreise habt. Bucht euch bei 2-Tages Events ruhig ein Hotel, damit sichergestellt ist, dass ihr ein angenehmes Wochenende habt und für ruhigen Schlaf gesorgt ist.
Deckt euch mit ausreichend Nahrungsmitteln/Getränken ein. Dieser Punkt ist vorallem wichtig, da man mit leerem Magen definitiv schlechter spielt, als mit einem gefüllten. Diese Erfahrung habe ich schon auf einige Turnieren gemacht, wo ich schlicht und ergreifend unkonzentrierter spielte, da ich Hunger hatte.
Da mir die Deutsche Meisterschaft sehr wichtig war, achtete ich auf all diese Punkte und plante den Ablauf des Wochenendes frühzeitig, fuhr mit sehr guten Freunden von mir hin und deckte mich mit ausreichend Snacks ein, um an Tag 1 immer etwas zu essen und zu trinken zu haben.
Nun kommen wir aber zu dem einizigen Punkt der Vorbereitung, welcher nicht so geklappt hatte, wie er sollte. Aus unterschiedlichen privaten Gründen hatte ich die Nacht vor Tag 1 nicht geschlafen, was mir schlussendlich das Event kostete:
Ich stand nach 5 Runden 4:1 und mein Wattdeck funktionierte genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Doch ich war nach diesen 5 Runden so fertig und müde, dass ich in Runde 6+7 halbherzig spielte und sich dies auf einem Turnier, wie der DM gnadenlos rächt. So verlor ich besagte Runden jeweils knapp mit 1:2 und verpasste am Ende den Cut auf Tag 2, welcher mir nach der 5. Runde schon so gut wie sicher schien. Daher hört auf meinen Rat und versucht an diese elementaren Vorbereitungen zu denken, da diese maßgeblich dafür verantwortlich sind, wie ihr auf einem Turnier abschneidet.
Doch Vorbereitung ist nicht alles und daher führe ich im Folgenden noch einige weitere Punkte auf, auf welche ihr achten solltet.
Niemals Aufgeben!
Diesen Hinweis kann ich euch sogar mit einer konkreten Situation erläutern, da ich in der 4. Runde besagter Deutschen Meisterschaft ein Match gewann, welches ich eigentlich schon verloren hatte.
Ich spielte mit meinem Wattdeck, gegen einen (übrigens sehr netten) Spieler, welcher Blackwing pilotierte. Wir befanden uns in der 4. Runde und standen beide 2:1. Der Stand im Match von uns war 1:1, wir spielten also ein entscheidendes drittes Duell aus.
Das Spiel ging hin und her und schlussendlich fanden wir uns in folgender Situation wieder: Er kontrollierte nur einen offenen Brionac, Drache der Eisbarriere und hatte noch zwischen 3000 und 4000 Lebenspunkte. Ich hatte noch 1750 Lebenspunkte, eine Wellenbewegungskanone, welche gerade die erste Zählmarke erhalten hatte und außerdem noch einen Schatteneinsperrender Spiegel, sowie ein Exemplar von Verbot.
Ich war am Zug und hatte also keine Möglichkeit seinen Brionac, Drache der Eisbarriere irgendwie aufzuhalten, welcher mir im nächsten Zug unweigerlich meine letzten Lebenspunkte nehmen würde.
Ich hatte das Match im Kopf schon abgehakt und war kurz davor ihm die Hand zu reichen, doch da ich eh nichts zu verlieren hatte, versuchte ich es mit einem Bluff der besonderen Art.
Ich spielte Verbot aus und benannte für dieses Brionac, Drache der Eisbarriere. Wie jeder weiß, bringt mir dieser Zug eigentlich überhaupt nichts, da Verbot Karten, welche bei Aktivierung schon auf dem Spielfeld lagen nicht beeinträchtigt.
Doch als mein Gegner am Zug war und einfach zu mir passte, war mir bewusst, dass mein Bluff voll eingeschlagen hatte, da er dachte Verbot würde seinen Brionac, Drache der Eisbarriere lahmlegen.
Der weitere Verlauf des Matches ist schnell erzählt: Er schaffte es nicht mehr in den 3 Runden ein Monster zu ziehen, welches stark genug war meine restlichen Lebenspunkte zu eliminieren und meine Wellenbewegungskanone tickte bis auf 4 hoch, was meinen Sieg bedeutete.
Wie ihr seht habe ich ein Match gewonnen, einfach, weil ich nicht aufgegeben habe und mich irgendwie versucht habe aus dieser Situation herauszuwinden. Die Chancen, dass dieser Bluff funktionierte waren zwar nicht sehr hoch, aber letztendlich hat es dennoch funktioniert.
Dieser Schnitzer meines Gegners führt uns zu einem weiteren Punkt, welcher wichtig ist, um bei einem großen Turnier gut abzuschneiden.
Karten genau lesen!
Natürlich könnte ich auch sagen, dass man möglichst viele Rulings verinnerlichen soll, da man so Fehler, wie den obigen vermeiden kann.
Aber da Yu-Gi-Oh! ein sehr komplexes Spiel ist, ist es nahezu unmöglich alle Rulings, für alle Situationen zu kennen.
Und daher empfehle ich euch dringend folgende Faustregel anzuwenden.
Wenn euer Gegner eine Karte ausspielt und ihr nicht [b]genau[/b] wisst, wie diese funktioniert, dann lest sie euch durch.
Es gibt viele Karten, wo Effekte einfach überlesen werden, was für Missverständnisse führen kann.
Ich meine jeder von euch wird vermutlich wissen, wie die Karte Sichere Zone funktioniert, aber wie viele von euch wissen auch, dass man Sichere Zone nur auf ein Monster spielen kann, welches im Angriffsmodus liegt? Oder, dass Sichere Zone das ausgerüstete Monster nicht vor eigenen Effekten (z.B. das eigene Schwarze Loch) schützt?
Daher mein ganz klarer Rat: Karten lesen! Karten sorgfältig lesen!
Zum Abschluss möchte ich euch noch einen letzten Rat geben, welchen ihr auf wichtigen Turnieren keinesfalls unter den Tisch fallen lassen solltet:
Habt Spaß!
Dieser Hinweis soll nicht nur eine leere Floskel sein, sondern ist ein komplett ernstgemeinter Rat an euch.
Denn ein weiterer Grund, warum ich die Runden 6+7 des Main Events vergeigt habe war, dass ich (aufgrund meiner Müdigkeit) in diesen Runden auch keinen Spaß mehr hatte. Ich quälte mich durch die einzelnen Duelle und bemühte mich zwar diese zu gewinnen, aber da der Spaß fehlte, fehlte auch die letzte Entschlossenheit und es passierten kleine Flüchtigkeitsfehler, welche mir am Ende alles verbauten.
Also noch einmal: Denkt nicht nur an die optimale Vorbereitung, sondern versucht euch bestmöglich zu fokussieren und vergesst keinesfalls den Spaß am Spiel.
Mit diesem Appell möchte ich meinen ersten Artikel auch schon beschließen.
Wie hat er euch gefallen? War er zu lang/zäh? Wie hat es euch gefallen, dass ich meine Thesen mit persönlichen Erfahrungen belegt habe? Wo habt ihr auf der DM kleinere Fehler gemacht, welche euch das Turnier gekostet haben?
Ich würde mich freuen, eure Antwort auf all diese Fragen im Feedbackthread lesen zu können.