Als vor knapp 2 Monaten angekündigt wurde, dass die YCS Sheffield im Sealed Format ausgetragen wird, ging ein Raunen durch die Community. Beinahe konnte man glauben, dass einigen der Schock in die Glieder gefahren wäre, wobei manch einer vielleicht auch froh war, dass es vorerst nur die YCS Sheffield betrifft, ein Ort, der für die meisten sowieso schwer erreichbar ist. Jedenfalls kam es dann - wer hätte es anders gedacht - zu einem "Shitstorm"{{Für mich indes eines der Unwörter des Jahres, und um das klar zu machen, benutze ich es hier.}} des üblichen Ausmaßes, wenn Konami irgendeine Ankündigung macht, die (scheinbar) nicht zu 100 Prozent positiv zugunsten der Community ausfällt. Die Hauptgründe für die Kritik beschränkten sich dann aber eigentlich auf Cheaten und den höheren Glücksfaktor. Letzteres mag noch nachvollziehbar sein, da bei zwei gleichwertigen Spielern der bessere Kartenpool tatsächlich ausschlaggebend sein kann und einen generellen Vorteil gibt, aber ersteres ist im Constructed Format ebenso ein Problem und man wird bei der YCS sicherlich alles versuchen, um Cheating zu verhindern.
Dazu an dieser Stelle noch der Hinweis auf die kürzlich veröffentlichten Zusatzinformationen:
Jeder Teilnehmer erhält demnach einen vorregistrierten Kartenpool bestehend aus 50 Karten (also eben aus 10 zuvor geöffneten Booster Packs), aus dem er sich ein 30-Karten-Deck bauen muss. Wer es in den zweiten Tag schafft, erhält einen neuen Kartenpool - hier werden die Karten also im wahrsten Sinne des Wortes neu gemischt!
Vor- und Nachteile des Sealed Formats
Die Hauptnachteile sind schon benannt worden: Auf der einen Seite ist da die Möglichkeit des Cheatens, auf der anderen steht das Problem des Ziehglücks. Letzteres ist aber nur auf den ersten Blick größer, als man denkt: Auch wenn man nicht das Maximale aus dem möglichen Kartenpool herausholt, weil man eben nicht so toll zieht, ist der bessere Spieler (und Deckbauer!) hier im Allgemeinen dennoch im Vorteil. Ich kann einen noch so perfekten Kartenpool bekommen haben - das heißt aber noch lange nicht, dass ich das Maximale herausholen kann. Im Deckbau fängt das schon an: Wie ausgewogen kann man das Deck gestalten? Unterschätzt man die eine oder andere Karte? Spätestens beim Spielen werden derartige Fehler von einem Gegner, der das besser gemacht hat, bestraft; ähnlich fällt das bei Spielfehlern aus, die hier teils noch stärker als im Constructed Format zu einer Niederlage beitragen können.
Das Cheating-Problem hingegen ist aus meiner Sicht kein Sealed-Format-exklusives. Es stehen einem genau dieselben Möglichkeiten wie im Constructed Format zur Verfügung. Cheaten ist nun mal etwas, was einem klassischen TCG immer anhaftet - und nicht nur da gibt es die Möglichkeit dazu. Es liegt an den beteiligten Menschen selbst, ob betrogen wird oder nicht. Hoffen wir einfach mal, dass sich diese Problematik in Zukunft nicht weiter verschärft.
Viele der Vorteile liegen eigentlich auf der Hand: Zuallererst muss man feststellen, dass es ein derartiges Format noch nie im Yu-Gi-Oh! TCG gab, sieht man mal von den Sneak Peeks ab, die aber ihrerseits unter den nicht auf das Format abgestimmten Booster Packs leiden. Bei solchen Turnieren hängen die eigenen Chancen im Zweifel noch mehr vom Ziehglück ab und auch die Spiele sind in der Regel ziemlich langweilig (sie reduzieren sich oft auf Beatdown oder welche Monster die besseren Werte haben). Mit Battle Pack: Epic Dawn ist das aber völlig anders und wie viele, die schon an solchen Sealed-Pack-Turnieren teilgenommen haben, sicher schon feststellten, ergeben sich spannende Duelle mit Karten, die man teilweise gar nicht kennt. Dadurch erweitert man außerdem seinen Horizont auch für das Constructed Format: Sowohl was Kartenkenntnis (und damit einhergehend mögliche Kreativität) als auch was Spielverständnis angeht, lernt man das ein oder andere dazu.
Eine gelungene Alternative ist das Sealed Format natürlich auch für Neulinge oder Spieler, die nur über einen begrenzten Kartenpool verfügen und somit nicht das spielen können, was sie wollen. Hier besteht Chancengleichheit für alle! Dass auch bekannte und erfolgreiche Spieler dieses Format nicht verdammen, sondern sogar loben, konnte man unter anderem in einem Beitrag von Claudio Kirchmair lesen.
Vorbereitung ist alles!
Die Vorbereitung im Constructed Format beläuft sich auf das Offensichtliche (was nicht bedeuten soll, dass das alles trivial ist): Metagame analysieren, richtige Deckwahl treffen, Deck entsprechend auf eigenen Spielstil und das Metagame anpassen, schließlich die richtigen Entscheidungen beim Side Deck treffen und möglichst noch viel und gut testen. Wer bei diesen Schritten den ein oder anderen Volltreffer landet, hat gute Chancen, beim Turnier weiter oben zu landen. Man kann hier aber ebenso gut schwerwiegende Fehler begehen, die einen aller Aussichten auf einen Erfolg berauben.
Im Sealed Format könnte man leicht meinen, dass es anders ist. Hier bekommt man sein Deck bzw. seinen Kartenpool erst vor Ort und jedem anderen geht es genauso, insofern kann man sich nicht wirklich vorbereiten. Doch das ist falsch! Auch hier kann eine entsprechende Vorbereitung die Spreu vom Weizen trennen. Es handelt sich aber um leicht angepasste Schritte, die ich kurz aufzählen will:
- den Inhalt des Battle Packs kennen (Spoiler)
- die Effekte und Werte der Karten grob kennen
- sich eine ungefähre Deckbau-Strategie überlegen
- bei einem lokalen Turnier das Format testen
Wenn ihr das Format noch nicht oder nicht ausreichend getestet habt, so habt ihr in den nächsten Wochen dank der Metropolitan Masters noch die Möglichkeit dazu. Und falls es kein Turnier in eurer Region gibt, ihr aber noch eine Testmöglichkeit braucht, fragt doch einfach bei eurem Turnierveranstalter nach, ob er nicht noch so ein Turnier kurzfristig veranstalten möchte. Natürlich darf man nicht vergessen, dass das Format leicht anders ist als auf der YCS (wo man 10 Booster erhält; bei den Metropolitan Masters Sealed-Turnieren sind es 5-8 und auch die Deckgröße unterscheidet sich ggf. etwas), aber dennoch ist so ein Test hilfreich, um das Format und die Karten kennenzulernen.
Gute Karten, Kombos und weitere Tipps
Abschließend möchte ich euch noch ein paar gute Karten und Kombo-Möglichkeiten, die ihr in Battle Pack: Epic Dawn finden könnt, vorstellen. Sie sind natürlich längst nicht allumfassend, basieren aber auf eigenen Erfahrungen und auch dem einen oder anderen Tipp von der Konami-Strategie-Seite.
Eine der besten und wichtigsten Karten in diesem Format ist Gorz. Hier ist er vielleicht noch mächtiger als im Constructed Format, weil weniger Zauber- und Fallen gespielt werden und er viel schwerer zu besiegen ist, sei es durch Karteneffekte oder Kampf. Verfügt man über ihn, sollte man ihn definitiv ins Deck integrieren. Beim Spielen ist außerordentlich wichtig, ihn zum richtigen Zeitpunkt zu nutzen, sodass er den Gegner möglichst stark unter Druck setzt (dadurch dass das Token z.B. viel Angriffskraft hat). Nicht zu vergessen ist, dass man ihn auch bei Effektschaden und leerem Feld beschwören kann, was in diesem Format aufgrund Ring of Destruction vorkommen kann. Und denkt immer daran, dass auch euer Gegner einen Gorz haben könnte!
Natürlich sind alle im Constructed Format verbotenen Karten generell zu empfehlen. Aber auch "Power Cards" wie die Monarchen, Cyber Dragon oder Jinzo sind fast immer automatisch ins Deck zu nehmen. Echte Geheimtipps gibt es ebenfalls:
- Big Bang Shot kann man auch an gegnerische Monster ausrüsten: Nicht nur, dass sie das ausgerüstete Monster verbannt, wenn sie das Feld verlässt, was aber kaum einer weiß: Sie verursacht jeglichen durchschlagenden Kampfschaden an eurem Gegner (siehe Effekttext).
- Die Bedingungen für Needle Ceiling sind schneller erfüllt, als man denkt. Und besser noch: Spielt man eher passiv und hat einige verdeckte Monster, so kann man mit Needle Ceiling alle anderen offenen Monster zerstören und beraubt sich selbst keines Vorteils!
- Liberty at Last ist ein zweischneidiges Schwert: Man kann sie nur aktivieren, wenn ein eigenes Monster im Kampf zerstört wurde und zwei weitere Monster offen auf dem Spielfeld sind. Doch ist das der Fall, so kann man die Situation mit dieser Karte gut entschärfen.
Gute Kombo-Möglichkeiten gibt es zuhauf, doch es ist nicht immer leicht, diese auch zu erkennen. Natürlich gibt es Standards wie Scapegoat und Creature Swap oder per Tragoedia's Effekten ein Xyz-Monster zu beschwören. Kombos wie Inverse Universe mit Big Shield Gardna oder Different Dimension Gate mit Zepyhros können aber leicht übersehen werden. Macht euch also zuvor erworbene Kartenkenntnis zunutze.
Leider kann ich in Sheffield nicht vor Ort sein, um mir selbst ein Bild von dem ersten richtig großen Sealed-Turnier im Yu-Gi-Oh! TCG zu machen, doch ich freue mich schon auf die Coverage sowie eure Erzählungen im Forum!
[ABSATZ]