Vor gut zwei Wochen überraschte uns Jeff Jones - dem das nicht zum ersten Mal gelang - mit seinem Psychic-Grandsoil-Deck, mit dem er bei der YCS Toronto einen zweiten Platz errang{{Hier das Feature Match des Finalspiels.}} und im Finale nur knapp dem Wind-Up-Deck seines Gegners Joshua Graham unterlag. Die Engine rund um die Psis und Emergency Teleport galt schon kurz nach Bekanntwerden der Banned List innerhalb der Community als wieder aufkommender Geheimtipp. Schon bei Erscheinen der Karten wurde die Engine in den dominanten TeleDAD-Decks sehr effektiv genutzt, sodass Emergency Teleport lange Zeit limitiert blieb. Mit dessen Rückkehr in den Status als unlimitiert sah Jeff Jones nicht nur die Möglichkeit, die Psis wieder ins Spiel zu bringen, sondern "entdeckte" gewissermaßen Grandsoil the Elemental Lord als turniertauglich. Den hatte - anders als viele andere Karten - vorher kaum jemand auf dem Schirm, nicht einmal Nimrod Hellfire erwähnte ihn in seinem Preview-Artikel zu Return of the Duelist. Nichtsdestotrotz gehört er jetzt zu einer der interessanteren Karten aus der Edition. Andere Karten erlitten ein vergleichbares Schicksal, nur dauerte es teils noch länger, bis sie tatsächlich gespielt wurden.
Später Ruhm
Es gibt Karten, die schon weit vor ihrem Erscheinen einen regelrechten Hype auslösen: Card Car D, Pot of Duality, Starlight Road und Maxx C sind gute Beispiele hierfür aus der jüngeren Vergangenheit. Manche wurden ihrem Hype gerecht, andere erwiesen sich als gute Option für einige Decks, andere werden kaum bis gar nicht gespielt. Doch abseits davon gibt es Karten, denen man ein gewisses Potenzial zuschreibt, die es aber zunächst nicht in die Decks schaffen. Das kann unterschiedlichste Gründe haben.
Tour Guide from the Underworld gehört zu den prominenten Vertretern dieser Gattung. Im Mai 2011 in Extreme Victory erschienen, galt er als ordentlicher Außenseiter. Außer ihm selbst und Sangan gab es kaum lohnenswerte Suchziele und aufgrund der fehlenden Xyzs gab es nur wenig gute Gründe, ihn tatsächlich ins Deck zu integrieren.{{Michel Grüner spielte die Fremdenführerin bei der Deutschen Meisterschaft 2012 und zog mit seinem Tengu-Plant in die Top 32 ein.}} Doch spätestens mit Bekanntwerden der ersten guten Xyzs des Rangs 3 war er in aller Munde und bewies schließlich seine Metagametauglichkeit in eindrucksvoller Manier. Trotz seiner neulichen Semilimitierung ist er aus den meisten Turnierdecks nicht mehr wegzudenken, was natürlich Karten wie Wind-Up Zenmaines und Leviair the Sea Dragon zuzuschreiben ist.
Ein anderes gutes Beispiel, das nicht die Strahlkraft oder Dominanz wie Tour Guide from the Underworld hat, ist Fiendish Chain. Die Falle lag bei ihrem Release in Absolute Powerforce nicht im Fokus der Spieler, war aber in den beiden letzten Formaten immer mehr zu sehen. Dies lag nicht zuletzt sicherlich daran, dass man in einem vielfältigen Metagame eine flexible Option braucht. Effect Veiler konnte dies nicht allein leisten und so wurde eben auch die Falle interessant. Daran änderte auch die große Menge an Zauber- und Fallenremoval nichts. In den letzten Wochen und Monaten wurde es wieder etwas stiller um die Karte, aber nach wie vor sieht man sie hier und da und stimmt das Metagame, kann sie eine ganz wichtige Säule werden.
Mit den Elemental HEROes wurde über lange Zeit sogar eine ganze Gruppe von Karten belächelt; einzig Elemental HERO Stratos war fest in wenigen Decks verankert - was aber zumeist an den Destiny HEROes lag, die in Stratos eben auch eine gute Unterstützung hatten. Ein paar Jahre vergingen und mit dem Erscheinen von Karten wie Elemental HERO Alius, Gemini Spark oder Miracle Fusion kamen die Helden auch ins Visier von Turnierspielern. Schlussendlich sorgten Elemental HERO The Shining und starke Krieger-Xyzs wie Heroic Champion Excalibur für die feste Verankerung der Elemental HEROes im Metagame. Sobald Elemental HERO Escuridao auch hier erhältlich sein wird, erhält das Deck gar eine weitere interessante Option.
Zurück zu Grandsoil...
Kommen wir zurück zum Protagonisten des Artikels, Grandsoil. Anders als vergleichbare Karten - Dark Armed Dragon könnte man aufgrund der Beschwörungsbedingung zumindest ähnlich nennen - ist Grandsoil the Elemental Lord wohl eher kaum eine Karte, auf die man ein ganzes Deck aufbauen kann oder sollte. Auch Jeff Jones sah diesen eher als einen Zusatz in seinem funktionierenden Psi-Deck an, das über eine große Feldkontrolle verfügt und auch ohne dass Grandsoil beteiligt ist zu gewinnen vermag (was man z.B. im zweiten Duell des Finales beobachten konnte). Wichtig zu erwähnen ist, dass es sich bei diesem Deck um absolut kein Autopilot-Deck handelt. Um dauerhaft gute Siegchancen zu haben und eventuell einen Turniererfolg verbuchen zu können, muss man das Deck nahezu fehlerfrei spielen und sich damit ausführlich beschäftigen. Je effektiver man seine Karten einsetzt, desto eher setzt man sich durch und das gilt in diesem Deck mehr als in vielen anderen noch. Insbesondere gilt es natürlich auch, den Friedhof im Auge zu behalten, damit Grandsoil nicht zu einer nutzlosen Option verkommt.
Doch nicht nur Jeff Jones hat es geschafft, Grandsoil the Elemental Lord auf Turnierebene erfolgreich einzusetzen. Vor gut einer Woche war ich Judge bei einem lokalen Display-Turnier. Dort fanden sich knapp 40 Spieler ein und auch Konrad G. war unter ihnen, ein Spieler, der auch schon bei Deutschen Meisterschaften oder einer YCS ganz weit vorne in den Tops zu finden war. Er spielte ein Machina-Deck - nichts wirklich Ungewöhnliches. Doch bei genauerem Hinsehen war das Deck viel interessanter als zunächst gedacht: Nicht nur Karten wie Giant Rat oder Neo-Spacian Grand Mole wurden gespielt, die man zuletzt seltener sah und die für eine gewisse Feldpräsenz sorgen können, sondern auch Grandsoil the Elemental Lord.
Hier zunächst seine Deckliste:
3 Machina Gearframe
3 Machina Fortress
1 Machina Cannon
1 Machina Force
1 Machina Peacekeeper
2 Card Trooper
2 Giant Rat
1 Neo-Spacian Grand Mole
1 Injection Fairy Lily
1 Maxx C
1 Cardcar D
2 Grandsoil the Elemental Lord
1 Mask of Darkness
1 Tsukuyomi
2 Pot of Duality
1 Monster Reborn
1 Heavy Storm
1 Pot of Avarice
1 Book of Moon
1 Dark Hole
2 Compulsory Evacuation Device
3 Magic Cylinder
2 Solemn Warning
1 Solemn Judgment
1 Mirror Force
1 Dimensional Prison
1 Starlight Road
2 Bottomless Trap Hole
Extra Deck
1 Stardust Dragon
1 Chimeratech Fortress Dragon
1 Gachi Gachi Gantetsu
1 Temtempo the Percussion Djinn
1 Wind-Up Zenmaines
1 Leviair the Sea Dragon
1 Leviathan-Dragon
1 Number 39: Utopia
1 Maestroke the Symphony Djinn
1 Number C39: Utopia Ray
1 Photon Papilloperative
1 Gem-Knight Pearl
1 Fairyking Albverdich
1 Number 11: Big Eye
1 Wind-Up Zenmaister
Wie man anhand der Deckliste sehen kann, gelang es Konrad, Grandsoil in einem weiteren konkurrenzfähigen Deck unterzubringen: den Machinas. Dass diese dafür wie geboren scheinen, wird recht schnell klar, wenn man auf ihr Erde-Attribut achtet. Weiterhin hat man dank der Machinas, aber auch Giant Rat die Möglichkeit, Grandsoil schnell und effektiv zu einer "lebendigen" Karte zu machen. Machina Fortress schließlich ist eine der besten Optionen, um für den Effekt Grandsoils in Frage zu kommen, wenn beim Gegner mal kein gutes Monster im Friedhof liegt. Aber eben genau wie Jeff Jones' Deck auch hat Konrads Machina-Grandsoil-Deck die Möglichkeit, auch ohne den Elementarherrscher zu gewinnen, was wir ja von den Machinas ja schon länger wissen{{Beispielsweise gewann bei der Deutschen Meisterschaft 2011 ein sogenanntes KMP-Deck, was für Karakuri Machina Plant steht.}}.
Was ich bei der Vorstellung des Decks auch nicht außer Acht lassen möchte, sind die 3 Magic Cylinder. Es ist interessant, dass man diese Karte mal wieder sieht - und dann nicht innerhalb eines darauf ausgelegten Decks, sondern in einer "Control-Variante". Neben dem vielen Schaden, den die Karte im Zeitalter der Xyzs sicherlich auszurichten vermag, spielt dabei sicherlich auch der Aspekt der Psychologie eine Rolle. Sobald mein Gegner vom Zylinder weiß, spielt er u.U. vorsichtiger und defensiver. Das ist dann zwar nicht gut für die Zylinder, aber kann der eigenen Feldpräsenz helfen oder die Lebenspunkten hoch halten. Ob sich Magic Cylinder vielleicht wieder lohnt, sollten wir in den nächsten Wochen und Monaten beobachten. Viel weiter möchte ich aber gar nicht auf Konrads Deck eingehen; es soll kein Deck Feature sein, sondern vielmehr will ich zeigen, dass es viele interessante Wege gibt, eine Karte wie Grandsoil zu verwenden. Konrad wurde bei dem Turnier mit diesem Deck übrigens Zweiter und verlor im Finale gegen ein Wind-Up-Deck{{Welch Parallele zu Jeff Jones.}}.
Fazit
An diesen Beispielen sieht man, dass man mit soliden Decks, die hauptsächlich aus Erde-Monstern bestehen, in Grandsoil eine gute Option haben kann. Ich halte es aber für wichtig, dass zuerst ein gutes Deck steht, das alleine bereits gewinnen kann, bevor man über Grandsoil nachdenkt. Ist das aber gegeben, so kann ich mir weitere Decks vorstellen, die diese Karte in toller Art und Weise verwenden. Vielleicht kommt so auch wieder etwas mehr Kreativität in die Decks, wie Jeff Jones in eindrucksvoller Manier und Konrad in kleinerem Rahmen gezeigt haben. Wenn ihr eine tolle Idee mit Grandsoil habt oder gar eine ganz andere Deckidee, so würde ich mich freuen, im Diskussionsthread oder in der Coverage eines der nächsten Turniere davon zu lesen.
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