Outside the Box - Judgen, eine neue Perspektive

Outside the Box - Judgen, eine neue Perspektive


Servus Community, herzlich Willkommen zu einer weiteren Ausgabe von Outside the Box!


Ich habe eine etwas längere Schreibpause hinter mir und werde euch in der nächsten Zeit wieder mit Lesestoff versorgen. Heute widme ich den Artikel den Jungs und Mädels in Rot, den Judges. Jeder der auf Turniere geht kennt sie, viele haben ihre Hilfe sicherlich mehrfach in Anspruch genommen und ohne sie wären die Durchführung sowohl kleinerer als auch größerer Events nicht möglich. Auch ich habe vor zwei Jahren den Sprung gewagt und möchte euch von meinen persönlichen Erfahrungen und Eindrücken diesbezüglich berichten.


Warum judgen anstatt zu spielen?


Ich denke, dass hier jeder Judge seine ganz persönliche Geschichte dazu hat und diese auch stark voneinander variieren können. Ich werde hier meinen eigenen Werdegang darlegen.


Ich war schon seit Anbeginn ein begeisterter Spieler und bin es immer noch. Über 10 Jahre hatte ich mir nie wirklich die Frage gestellt, geschweige denn ernsthaft überlegt, mich als Schiedsrichter eines Turniers aufstellen zu lassen. Ich hatte zwar das Regelwissen, spielen machte mir aber mehr Spaß und wir hatten stets Judges welche die örtlichen Turniere leiteten und die Fragen der Spielerschaft kompetent und sicher beantworteten. Vor knapp 3 Jahren jedoch zog mein letzter örtlicher Judge vom Süden Deutschlands in den Norden und niemand war mehr da um meinen Landkreis mit Turnieren zu versorgen. Entweder jemand übernimmt den Job oder es würde hier keine Veranstaltungen mehr geben. Ich griff mir einige Zeit später ein Herz und kümmerte mich fortan um die Durchführung von örtlichen Sneaks und gelegentlichen Locals.


Zu diesem Zeitpunkt verfügte ich über keinerlei Wissen bezüglich Penalty-Guidelines oder Policys und es ging über mehrere Monate ziemlich gut. Die Bombe für mich platzte schlussendlich Mitte 2015, wo ich bei unserem alljährlichen Open-Air-Turnier mit einer Situation konfrontiert wurde die ohne diese beiden Schriftstücke für mich nicht zu lösen war. Mir wurde erst da wirklich bewusst, dass mir wichtige Fähigkeiten und Ressourcen fehlen. Regelwissen allein reicht nicht um ein guter Judge zu sein, und somit befasste ich mich tiefer mit der Materie, mit dem Ziel mich stetig zu verbessern und auch größere Turniere zu betreuen.


Somit folgten in den kommenden Wochen und Monaten der RC1-Test, die Aufnahme ins Judge Programm, das Judgen von nahen Regionals, meine erfolgreiche Bewerbung zum Kader für die deutsche Meisterschaft 2016 und gipfelte für mich bisher Anfang Dezember in Bochum mit meiner ersten YCS im roten Shirt und dem Bestehen des RC2-Tests. 2016 war für mich ein besonderes Jahr, ich habe viele Erfahrungen als Judge gesammelt und habe dennoch viel zu lernen, denn die Aufgaben sind vielfältig und die Anforderungen sind nicht zu unterschätzen.


Was sind die Aufgaben und Anforderungen eines Judges?


Eine der selbstverständlich häufigsten Aufgaben ist das Beantworten von Judgecalls und das Anhäufen von weiterem und aktuellen Regelwissen, jedoch beinhaltet das Aufgabengebiet deutlich mehr als nur dies allein. Um ein Turnier erfolgreich durchzuführen ist es ebenfalls vonnöten sich mit den dazugehörigen Richtlinien auseinanderzusetzen und diese durchzusetzen, eine ruhige und saubere Spielumgebung zu gewährleisten bzw. auf-/abzubauen, Fragen von außenstehenden Personen (meist Eltern jüngerer Spieler) zu beantworten, das Unterstützen der anderen Kollegen im Team und je nach Tätigkeit in diesem und der Größe des Events weitere spezielle Aufgaben (z.B. Deck Check, Paper Team, Team Lead, etc.).


Als Judge bietet man einen möglichst zufriedenstellenden, umfassenden Kundenservice um eine positive Turniererfahrung zu liefern. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind hierbei unerlässlich, genauso ein professionelles Auftreten. Englisch zu können ist stark von Vorteil, weitere Sprachkenntnisse helfen bei internationalen Turnieren ebenfalls, sind aber optional. Ich kam mit Englisch und Deutsch bisher gut aus, im Ernstfall stehen bei solchen Veranstaltungen entsprechend sprachlich versierte Kollegen zur Verfügung. Auch das Anlernen von neuen Judges ist selbstverständlich eine fundamentale Aufgabe. Diesbezüglich kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, dass wir hier in Deutschland hervorragende Leute haben die einem mit Rat und Tat unterstützen, Stärken ausbauen und einem bei Schwächen hilfreich zur Seite stehen.


Welche Vorteile ergeben sich daraus?


Ich habe für mich selbst viele kleine Errungenschaften während dieser Tätigkeiten erworben. Ich kann z.B. auf einer YCS aktiv Englisch nutzen und neues Vokabular hinzufügen/anwenden, Zeit mit meinem Hobby verbringen, vielen Spielern über die Schulter schauen und unter Umständen für mein eigenes Spiel was hinzulernen. Ich kann mein Wissen einsetzen um zu helfen das Turnier für möglichst viele angenehmer und reibungsärmer zu gestalten und dieses in neuen Situationen zu erproben bzw. zu erweitern.


Bei größeren Veranstaltungen hinter die Kulissen schauen zu können ist auch eine einzigartige Erfahrung. Einfach mal zu sehen was alles hinter der Bühne passiert, zu verstehen welcher Aufwand für die Community betrieben wird um ihnen ein vergnügliches, ereignisreiches Wochenende zu bereiten und das kennenlernen der Crew, die man ansonsten als Spieler/Zuschauer nur vom Floor oder vom Livestream her kennt. Natürlich sind auch finanzielle und gegenständliche Zuwendungen in Form von Übernachtungen, Verpflegung und diversen Utensilien nicht zu vergessen. In erster Linie ist es aber für mich die Freude daran etwas für die Community zu tun.


Ich weiß, dass am Ende des Tages oder Wochenendes nicht jeder zufrieden aus der Halle gehen wird und es immer etwas gibt was man verbessern kann. Aber man kann sich sicher sein, dass jeder im Team sein Bestes gibt um so viele Besucher wie möglich zufriedenzustellen.


Neugierig geworden?


Hier habe ich eine kleine Sammlung an diversen Links für diejenigen die vielleicht in diese Perspektive des Hobbys einsteigen wollen:



Judge Program Overview



Der RC-1 Test (Ruling Comprehension Test 1)




Der PC-1 Test (Policy Comprehension Test 1)



Auch die Lektüre zum Problem Solving Card Text, bei kleineren Turnieren Cossy & KTS und generell Informationen zum Gameplay sind mehr als empfehlenswert:




Die Nutzung der offiziellen Card Database erweist sich auch oft als vorteilhaft:




Ihr könnt bei Interesse auch sicherlich euren örtlichen Judge des Vertrauens fragen, er oder sie wird euch bestimmt weiterhelfen können bzw. Meinungen und Erfahrungen mit euch teilen.


Schlusswort


Auch wenn ich mich in Prag als Spieler antrifft werde ich sicherlich in künftigen Events in Rot anzutreffen sein. Das Judgen hat mir eine weitere Facette des Hobbys offengelegt, ich habe viele positive Erfahrungen damit gesammelt und kann es wirklich nur empfehlen einmal die Rollen zu tauschen. Der Job ist vielseitig und erlaubt einen kleinen Blick aufs große Ganze.


Habt ihr als Neuling Interesse mehr zu wissen bzw. als erfahrener Judge weitere Dinge hinzuzufügen bzw. euren Werdegang zu schildern? So scheut euch nicht den Diskussionsthread zu nutzen.