Nachdem vor dem letzten Wochenende alle Yu-Gi-Oh!-Spieler des UDE-Raums* von der neuen Liste der verbotenen und limitierten Karten überrascht wurden und sich dadurch auf ein zumindest in Teilen neues Metagame einstellen mussten, erwartete die Gemeinschaft bereits in den vergangenen Tagen das Ende ihres Kopfzerbrechens, denn dank gleich mehrerer angesetzter Major Events wurde bereits Licht ins dunkle oder zumindest etwas vernebelte Metagame gebracht. Sowohl die Deutsche als auch die Schweizer Meisterschaft stand an, ebenso fand in den USA ein weiteres Shonen Jump-Championship (in Nashville) an. Natürlich konnten nicht alle Fragen geklärt werden, das Metagame steht zwar größtenteils, aber es gibt ebenfalls noch schwammigere Punkte. Decks, deren Potenzial und Spielstärke man durch die Änderung noch nicht ausreichend einschätzen konnte, um ein Beispiel zu nennen. Doch schauen wir zunächst einmal, was uns das erste Wochenende nach der Änderung der Banned List Neues gebracht hat bzw. was es uns überhaupt gezeigt hat.
Treffender kann man das Geschehen auf dem Shonen Jump-Championship am vergangenen Wochenende in Nashville wohl kaum beschreiben. Wenn man den Blick denn auf das Land der Vereinigten Staaten richtet (oder optional einfach "www.metagame.com" in den Browser eingibt), glaubt man wirklich, dass das Yu-Gi-Oh!-TCG sein eintöniges Metagame endgültig wieder hat. Sage und schreibe 14 (!) der Top 16-Decks setzten auf dieselbe Strategie - und zwar über das Finsternis-Element inklusive Finsterer Bewaffneter Drache & co. Mal davon abgesehen, dass 1-2 dieser Decks leichte, keine entscheidenden, Besonderheiten vorzuweisen hatten und die anderen 2 Decks in einem Gravekeeper-Monarchen-Hybrid und einem fast klassischen Soul-Control bestanden, ist die Ernüchterung schon groß. Finsterer Bewaffneter Drache hier, Schicksalsheld - Disc Commander dort, dazu Dunkler Magier des Chaos oder Finsterer Grepher und schon hatte man das Beobachtete der Top Tables vermutlich weitesgehend beschrieben.
Die Änderungen der Liste scheinen an den Schwarzgeld-OTKs nicht viel geändert zu haben. Im Gegensatz zu fast jedem anderen Deck sind sie nicht langsamer geworden und haben außer ihrer OTK-Optionen praktisch nichts einbüßen müssen. Neuerungen gab es wenigstens vereinzelt, so setzten verschiedene dieser Finsternis-Builds auf 2 Light and Darkness Dragons, die sich scheinbar ins Metagame zurück gekämpft haben. Verwunderlich ist dies auch kaum, da ein nach ein paar Zügen beschworener Drache fast schon den Sieg bedeutet (je nach Gegner), da die Optionen in vielen Fällen einfach nicht mehr vorhanden sind. Auch ist der Light and Darkness Dragon eine Control-Absicherung für eine nicht 100%ig erfolgreiche Strategie um Finsterer Bewaffneter Drache, der aber in den meisten Fällen die Lebenspunkte bereits stark dezimiert haben dürfte und somit der Light and Darkness Dragon den Sieg absichert.
Fest in die Decks etabliert haben sich inzwischen wieder einige Hand-Control-Elemente. Bodenklappenfalle und Geisteszersetzung werden in den meisten Main Decks inzwischen wieder gespielt und kommen meist auch recht effektiv zum Einsatz, da durch den hohen Speed praktisch immer ausreichend Handkarten vorhanden sind und man im Normalfall auch noch Handkarten des Gegners kennt, da sie durch Verstärkung für die Armee o.ä. gesucht wurden. Als "Friedhof-Füller" wurde in den USA dagegen Armageddonritter bereits gänzlich von Finsterer Grepher abgelöst, der einfach noch schneller noch mehr Karten in den Friedhof bringen kann, dabei noch bessere Werte hat und auch in besonderen Situationen als Spezialbeschwörung kommen kann.
Eine weitere Karte, die momentan aus immer mehr Decks verschwindet, ist die früher unantastbare Spiegelkraft. Durch Effekte wie von Finsterer Bewaffneter Drache oder Die Sechs Samurai - Yaichi kommt die Spiegelkraft meist gar nicht mehr zum Tragen und ist daher schon aus den meisten Decks geflogen. Karten wie Reißender Tribut sind im Moment durch die Möglichkeit zum bedingten Anketten und ihrer erhöhten Chance zur Effektaktivierung besser einsetzbar.
Weiterhin scheint sich der Schlag-Ninja in den USA zumindest 1x pro Deck etablieren zu können, wo er auch häufiger mal den Vorzug vor Prometheus, König der Schatten erhält. Immerhin ist der Ninja durch Verstärkung für die Armee gut suchbar und kann auch bei ausreichend Finsternis-Monstern im Friedhof einen großen Vorteil erzielen. Auch D.D. Krähe scheint sich noch 1-2x in den Decks halten zu können, obwohl sie einfach nur die Strategie des Gegners stört und nicht die eigene unterstützt. Auchr bringt sie gegen Samurai- oder Makrokosmos-Builds beispielsweise kaum etwas. Anscheinend ist aber das amerikanische Metagame noch gut für einen Einsatz der Krähe geeignet, da die Eintönigkeit schon so groß ist, dass man das nächste gegnerische Deck schon gut vorhersehen kann.
In den Side Decks dagegen ist ein kleiner Trend-Wechsel erkennbar. Kinetischer Soldat wird inzwischen in praktisch jedem Side Deck gespielt, auch Legendärer Jujitsu-Meister erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Auch Karten wie Regenbogenleben oder Ring der Verteidigung sind selbstverständlich wieder aus den Side Decks verschwunden und man greift wieder zu allgemeineren Karten gegen OTKs wie Angsteinjagendes Gebrüll oder Waboku.
Fazit in Amerika ist wohl, dass das Metagame einfach nur langweilig ist, um es mal konkret zu sagen. Decks um Finsterer Bewaffneter Drache sind, wie die Karte selbst auch, einfach zu stark, was sich auch darin wiederspiegelt, dass es in den Top 8 dann nur noch Schwarzgeld-OTKs waren. Etwas anders sieht die Lage da schon in der Schweiz aus...
Hiermit wurde das Fazit für die Schweizer Nationals praktisch schon vorweggenommen, denn im Kontrast zum "90%-Schwarzgeld-Metagame" des Shonen Jump-Cups war die Deckvielfalt in der Schweiz schon deutlich höher. Ohne irgendetwas heruntermachen zu wollen, muss aber gesagt werden, dass ein 80-Mann-Turnier wie in der Schweiz kaum aussagekräftig ist und mit einer 300-Mann-DM oder einem Shonen Jump-Championship eher nicht verglichen werden kann. Immerhin hat praktisch jede deutsche Regionalmeisterschaft mehr Teilnehmer gehabt. Trotzdem fand ich das Turnier nicht unwichtig und es nötig, auch darauf einzugehen!
Schon allein die Top 8-Decklisten zeigen hier ein ganz anderes Build, dass auch dringend erwähnt werden muss. Gleich das Siegerdeck überraschte viele und verbreitete sich am Sonntag der Deutschen Meisterschaft wie ein Lauffeuer: "Ein Gravekeeper-Deck hat die SM gewonnen!" Klingt erstmal wie ein Schock. Da war das Metagame gerade wieder so schön eintönig, da kommt mal eben ein Deck um Tal der Toten und macht alles kaputt. Aber nicht nur das Siegerdeck spiegelt etwas ganz Anderes wieder, denn in der Schweiz hatten wir gleich 6 grundlegend verschiedene Decks unter den besten 8, darunter auch ein Gadget- und ein Samurai-Build. Das einzig mehrfach vorkommende Deck war wieder Schwarzgeld (3x), was erneut die Stärke dieser Finsternis-Builds beweist, aber auch zeigt, dass deren Dominanz nicht unüberwindbar ist.
Das Grabwächter-Deck des neuen Schweizer Meisters Marco Ahr (Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!) zählt aber sicher zu den interessantesten und ungewöhnlichsten Builds des Wochenende. Dies lag weniger am Grabwächter-Anteil am Deck, sondern viel mehr an einigen Besonderheiten, auf die Marco setzte. So spielte er beispielsweise 2 Einbildungsunterweltler, die Spezialbeschwörungen gänzlich untersagen und sogar wertetechnisch mit einem Monarchen mithalten können. Neben dem Friedhof, der durch Tal der Toten außer Gefecht gesetzt wurde, konnte also auch der zweite wichtige Eckpfeiler vieler Decks genommen. Was soll ein Finsternis-Deck ohne Finsterer Bewaffneter Drache machen? Samurai-Spieler müssen auf Großmeister der Sechs Samurai und Großer Shogun Shien verzichten und dürften folglich Probleme haben, zu ihren Effekten zu kommen. Dies kann man weiter fortsetzen, doch letztendlich macht der Unterweltler in diesem Build schon Sinn, da man selbst fast gar nicht betroffen ist und jedes andere Deck wenigstens auf einige Spezialbeschwörungen setzt.
Weiterhin war es in den Top 8 das Deck von Luca Bellantoni, welches die Blicke auf sich zog. Er spielte einen so noch nie gesehenen Build um den im letzten Structure Deck erschienenen Dimensionsalchemist. Mit diesem war es Luca möglich, Monster wie Jinzo oder Dunkler Magier des Chaos aus dem Spiel zu entfernen und sie nach der Zerstörung des Alchemisten ggf. auf die Hand zu nehmen. Nebenbei hatte man durch den kleinen ATK-Boost noch einen netten Beatstick auf dem Feld. Gleiches gilt wohl für Basu, der Seelenfresser, der ebenfalls von Luca gespielt wurde. Mit diesen 2 Monstern konnte ein Großteil des Decks in den RFG-Pile verschoben werden (D.D. Kriegerin und D.D. Angreifer schaffen das auch allein), um sie von dort aus mit Rückkehr aus der anderen Dimension oder einer von 3 D.D.R. - Reinkarnation aus einer anderen Dimension zurück aufs Feld zu holen. Ansonsten setzte sein Deck wohl auf pures Beatdown,
Die Schweizer Meisterschaft hat gezeigt, dass es doch mehr als 1-2 Decks sind, die sich Chancen ausrechnen dürfen. Vor allem die beiden kurz vorgestellten Decks zeigen, was man auch mit Kreativität erreichen kann.
Und zu guter Letzt stand an diesem Wochenende sogar noch die Deutsche Meisterschaft in Leipzig an, als eine der wenigen Nationals, die über 2 Tage gehen. Und immerhin waren es mehr als 300 Spieler, die sich allein am Main Event beteiligten. Dementsprechend mussten auch viele Runden gespielt werden, um einen Sieger küren zu können. Letztendlich war es Florian "Master1" Chitic (auch an ihn noch einmal Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle!), der über seinen alten Schatten sprang und endlich mal ein Major Event für sich entscheiden konnte, wobei spätestens nach dem Halbfinale, als er Vittorio Wiktor besiegte, alle Zweifel beseitigt waren, denn wer Vittorio schlägt, hat in den letzten Jahren auch immer den nationalen Titel gewonnen...
Doch kommen wir auch hier auf verschiedene Decks zu sprechen, immerhin schaffte es bei der Deutschen Meisterschaft letztendlich auch ein Anti-Meta-Deck sich durchzusetzen. Ähnlich wie Paul Levitin, sein Teamkamerad von Team Overdose, der vor wenigen Wochen mit einem ähnlichen Build ein Shonen Jump-Championship gewann, setzte auch Flo auf ein Deck um die Gladiatorungeheuer. Mit Anti-Meta-Elementen in Form von Crush Card Virus, Schatteneinsperrender Spiegel oder Ojama-Trio (wie man sieht hauptsächlich im Fallen-LineUp) konnte er sich gegen die in den Tops erdrückende Konkurrenz an Schwarzgeld-OTKs u.ä. durchsetzen. Doch warum sich mehrfach die Arbeit machen? Erst kürzlich analysierte Huy Pauls Deck, das in weiten Zügen mit dem von Flo identisch war. Den Artikel zu den Gladiatorungeheuern um Gladiatorungeheuer Heraklinos, Gladiatorungeheuer Murmillo & co. könnt ihr hier lesen!
Fast schon so extrem wie beim Shonen Jump-Cup in Nashville war die Dominanz der Dark-Builds in den Top 16, mit Ausnahme des verpassten Sieges. Ganze 10 Builds in den Top 16 und immer noch 6 in den Top 8 bestanden aus den schnellen und schlagkräftigen Finsternis-Decks, die ja schon zu Genüge vorgestellt wurden. Lediglich einige wenige Abweichungen und Besonderheiten konnten festgestellt werden. So setzte Vittorio Wiktor, der sein Deck mal wieder in Kooperation mit Andreas Grunberg baute und testete, zusätzlich zu der maximalen Anzahl an Verlockung der Finsternis, Schicksalsziehen und
Im Gegensatz dazu setzten mit David Dursun, Roland Gress und Dominik Schulte, der aber schon wieder mehr auf Speed und OTK setzte, auch einige Spieler in den Tops auf etwas langsamere (aber was ist langsam in diesem Format?) und kontrollierendere Decks, in die neben Finsterer Bewaffneter Drache vor allem der Light and Darkness Dragon integriert war und um den das Deck in Teilen zugeschnitten war. Die beiden Hessen setzten wirklich nicht so sehr auf Speed wie die meisten anderen Schwarzgeld-Spieler, sondern durch Monarchen wie
Eine Deckart, die am Wochenende in etwa fast so viel gespielt wurde wie die Finsternis-Decks, waren die Sechs Samurai. Im Gegensatz zu ihren finsteren Feinden konnten sie aber wenig in Szene gesetzt werden und trotz eines ähnlich hohen Anteils, der wohl auch durch den Preisfall des Großmeisters in den vergangenen Wochen bedingt war, konnten sich nur 2 Samurai-Decks in die Top 16 vorspielen, von denen aber auch keines wirkliche Besonderheiten vorzuweisen hatte. Gar nicht in den Tops vertreten waren dagegen die Gadgets, obwohl sie den drittgrößten Anteil am Metagame darstellten. Ob es nur eine Ausnahme war oder ob die Zeit der Gadgets vielleicht wirklich fürs Erste vorbei ist, wird man sehen, aber Fakt ist, dass auch bei den anderen beiden großen Turnieren nur 1 Gadget-Deck insgesamt die Tops erreichte.
Zu den interessanteren Builds der Top 16 gehörte dagegen das einzige Makrokosmos-Deck, was dort vertreten war. Dennis Weiß setzte auf einen geringfügig von den gewöhnlichen Kosmos-Decks abweichenden Build, in dem er neben dem gewöhnlichen Kosmos-Stuff auf Cybertal und Crush Card Virus setzte, der durch D.D. Spähflugzeug, welches ja nach Plan jede Runde wiederkommen sollte, ein meist vorhandenes Ziel haben dürfte. Als weitere Win-Option wurde Rückkehr aus der anderen Dimension eingebaut, die hier den Vorzug vor der Different Dimension Reincarnation bekam.
Um die Top 16 abzuschließen und bei den Anti-Decks zu bleiben, sei gesagt, dass die letzten beiden Decks der Top 16 einmal in einem zweiten Gladiatorenungeheuer-Deck, welches durch Florians Sieg wohl deutlich in den Hintergrund rückte, aber ähnlich (mit Schatteneinsperrender Spiegel u.a.) aufgebaut war und auch Respekt verdient. Zumindest zeigen diese Ergebnisse, dass demnächst weiterhin mit den Gladiatorungeheuern zu rechnen sein muss! Das andere Deck der Top 16 war wieder einmal ein Grabwächter-Deck, das in einem recht gewöhnlichen und stabilen Build viele Kräfte auch aus Katze des Unglücks zog, mit der in diesem Deck eine Falle auf die Hand gesucht werden konnte und man sich so je nach Situation einen großen Vorteil verschaffen kann. Immerhin war auch hier Crush Card Virus im Fallen-LineUp vorhanden, ansonsten wurde von Torsten Hutzl neben den Fallen-Staples auch Feierliches Urteil, etwas Hand-Kontrolle und ein Deckverwüstungsvirus gespielt, weshalb wohl immer ein passendes Ziel im Deck vorhanden sein dürfte.
An kreativen Decks war es das aber noch lange nicht. Da wäre noch Tim Rettigs Zombie-Pflanzen-Hybrid, das mit beiden Typen gemeinsam seine Kraft aus Karte der sicheren Wiederkehr zog. Merlin Schuhmacher, auf der letzten DM noch Dritter, spielte dagegen ein extrem auf Anti-Meta-Elemente basierendes Makrokosmos-Deck. Unter anderem spielte er auch Kinetischer Soldat, Königstiger Wanghu, Bürde des Mächtigen oder Legendärer Jujitsu-Meister. Weiterhin zeigten auch Marvin Hermann, Thomas Arn oder Torben Kasper auf tolle und außergewöhnliche Builds, die alle bereits in der Coverage vorgestellt wurden. Leider bleibt jetzt nicht der Platz im Artikel, um noch ausführlich auf diese eingehen zu können, doch vielleicht findet sich ja ein anderes Mal Zeit dafür!
Das Wochenende hat uns wohl einiges an neuen Erkenntnissen geliefert und Neuerungen gebracht. Das Schwarzgeld-OTK und andere Dark-Builds waren in der Überzahl, teilweise schon übermächtig. Doch sowohl die Deutsche als auch die Schweizer Meisterschaft macht noch Hoffnung und zeigt, wie weit man mit kreativen (Anti-Meta-)Builds oder überhaupt vom Finsternis-Attribut abweichenden Decks kommen kann. Spätestens die nächsten Wochen dürften uns dann wohl endgültig zeigen, wohin der Weg in diesem Format geht, beispielsweise durch die Österreichische Meisterschaft, weitere Shonen Jump-Championships oder dann in knapp einem Monat auch die Europameisterschaft!
Bis dahin, Toby
PS: Wer die Nachricht in meiner Überschrift (ja, auch ich habe mitgemacht...) immer noch nicht verstanden hat, sollte sich vielleicht nochmal an meinen letzten Artikel erinnern...
*und übrigens auch die Donnerstagskolumnisten, die ihre Artikel in Großteilen umschreiben mussten...