Karten mit Geschichte #2



Willkommen zu meinem zweiten Artikel und an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank für das viele positive Feedback bezüglich des Letzten. Ich hätte nie für möglich gehalten, dass ein so unkonventionelles Thema auf so viel Zuspruch seitens der User stoßen könnte, aber… ich scheine wohl doch den Geschmack einiger User und nicht zuletzt auch der Admins/Mods getroffen zu haben. Und da von Einigen auch der Ruf nach einem Nachfolge-Artikel laut wurde, will ich mich nicht lumpen lassen und leg mal nach… ^^


Die Themenfindung gestaltete sich auch diesmal wieder nicht besonders schwer. Schon während meiner Recherchen für den Gladi-Artikel war mein Auge auf eine Monstergattung gefallen, die es zwar nie wirklich zu einem Themendeck gebracht hat, die aber schon weit länger das Game bevölkert als es die Gladiatorungeheuer von sich behaupten können. Nachdem auch einer meiner Kritiker (positiven Kritiker wohlgemerkt) diese Subtypus erwähnte, war mein Entschluss endgültig – mein nächstes Thema werden die Spirits sein.


Die Spirits (Part 1)


Die meisten Ideen für die Spirit-Monster bei Yu-Gi-Oh! wurden der japanischen Mythologie entnommen – Naturgeister, Dämonen oder Gottheiten stellten hier zumeist die Vorbilder. Nur in einigen wenigen Ausnahmefällen entstammen die Vorlagen anderen geografischen Bereichen. In jedem Fall ein schöner Kontrast zu den Gladis, welche ja fast ausschließlich der griechisch-römischen Geschichte zuzuordnen waren. Aber genug der Vorrede – werfen wir einen Blick auf die einzelnen Karten:



LOD-000 Yata-Garasu



Yata no karasu (jap. für „Acht-Hand-Krähe“) ist ein Kami in der Mythologie des Shinto. Als Kami werden die im Shinto (auch Shintoismus – eine fast ausschließlich in Japan praktizierte Religion) verehrten Wesenheiten bezeichnet. Mögliche Übersetzungen des Begriffs Kami ins Deutsche sind unter anderem Gottheit, Naturgeist oder auch Seele Verstorbener. In bildlichen Darstellungen hat Yata no karasu meist die Gestalt einer dreibeinigen Krähe. Auffällig ist das das Artwork der Karte eine Krähe mit lediglich einem Bein zeigt – wahrscheinlich aus dem Grund um einen direkten Bezug auszuschließen.

In den Mythen erscheint Yata no karasu als Gesandter der himmlischen Kami und besitzt die Fähigkeit seine Gestalt zu wandeln. In der Forschung wird zumeist angenommen, dass sich Yata no karasu aus ähnlichen Fabelwesen aus dem chinesisch-koreanischen Kulturraum entwickelt hat. Dafür spricht unter anderem, dass das Nihonshoki (das zweitälteste noch existierende Geschichtswerk Japans) davon berichtet, dass im Jahr 650, während der Herrschaft des Kotoku-tennM (der 36. japanische Kaiser), die Abgesandten aus China eine tote Krähe mit drei Beinen mitbrachten.


Yata no karasu auf einem Banner (links im Bild) am Hongu (Shinto-Schrein in der japanischen Stadt Tanabe)



LOD-064 Maharaghi


Der Name dieser Karte scheint auf einen Mann namens Prem Rawat zurückzuführen, einen indischen Meditationslehrer und Friedenssprecher. Früher wurde er Guru Maharaj Ji (in Indien verbreitete Anrede für einen geistigen Meister) genannt. Diesen Titel legte er in den 1980er Jahren ab. Heute wird er von seinen Schülern Prem Rawat, bzw. Maharaji genannt. Sein Lebenswerk besteht im Wesentlichen in seinem Bemühen, einen mit bislang überwiegend asiatischer Tradition durchdrungenen Erkenntnisweg auf seine ursprünglich universelle Essenz zu reformieren und somit unabhängig von nationaler oder kultureller Zugehörigkeit zugänglich zu machen.


Prem Rawat (Maharaji)



LOD-065 Inaba White Rabbit



Für das gesamte Wortkonstrukt Inaba konnte ich lediglich eine historische japanische Provinz im östlichen Teil der heutigen Präfektur Tottori ausfindig machen – was allerdings nicht wirklich als logische Herkunft für diese Karte herhalten kann.

Also versuchen wir einmal den Namen zu zerlegen, beginnend mit Ina:

Als eigenständiger Name bedeutet Ina, vom Lateinischen stammend "Mutter". Auf Esperanto (die am weitesten verbreitete internationale Plansprache) bedeutet es "weiblich". Die altenglische Bedeutung ist "Feuer". Eine Erdgöttin aus Südamerika hieß ebenfalls Ina. Auf den Osterinseln bedeutet es "nein".

Von allen diesen Bedeutungen erscheint mir „Feuer“ noch am einleuchtendsten, da dieses Element einen gewissen Teil des Kartenmotivs einnimmt.

Der zweite Namensteil Ba ist in der Ägyptischen Mythologie eine Bezeichnung für einen bestimmten Aspekt des Seelischen, der sich trotz einer engen Bindung an den Körper von diesem ablösen und entfernen kann. Solche Seelen, die den Körper verlassen und eigenständig agieren, werden in der Ethnologie und Religionswissenschaft "Freiseelen" genannt.

Vereint man beide Bedeutungen, so könnte man annehmen, dass es sich hier um eine „Freie Feuerseele“ handeln könne.

Jedoch ist diese Deutung weitestgehend spekulativ und deshalb möchte ich es an dieser Stelle nicht versäumen auch noch einen Blick auf die Bedeutung des Hasen selbst zu werfen:

Der Hase oder das Kaninchen ist in der bildenden Kunst ein häufiges Bildmotiv, das in Mythologie und Kunst in den verschiedenen Kulturen unterschiedliche Bedeutungen annehmen kann. Grundsätzlich wird der Hase häufig mit Mondgottheiten in Verbindung gebracht und verkörpert hier Wiedergeburt und Auferstehung. Er ist ein Symbol für Fruchtbarkeit, Sinneslust und dient als Attribut der Venus, sowie bei Jagd- und Monatsdarstellungen.


Piero di Cosimo: Venus und Mars



LOD-066 Susa Soldier


Susanoo no mikoto ist im Shinto der Kami des Windes und des Meeres. Er ist der Bruder der Sonnengottheit Amaterasu und der Mondgottheit Tsukuyomi no mikoto. Weiterhin ist er der Sohn Izanagis.

Susanoo hatte einen sehr stürmischen Charakter, denn seine Lieblingsbeschäftigung war, anderen einen Streich zu spielen. Einer der Streiche, den er seiner Schwester Amaterasu spielte, ging jedoch zu weit und er wurde aus dem Himmel verbannt.


Susanoo no mikito (Darstellung von Kuniyoshi)



LOD-067 Yamata Dragon



Yamata no Orochi ist ein Drache aus der Mythologie des Shinto. Sein Name bedeutet der Übersetzung von Karl Florenz (Pionier der deutschsprachigen Japanforschung) zufolge „Achtgabelige Riesenschlange“.

Das Ungetüm wurde von Susanoo nach dessen Verbannung aus den Himmelsgefilden mit Sake betäubt und anschließend erschlagen. Der Kampf Susanoos gegen Yamata no Orochi ist ein oft diskutiertes Thema der japanischen Mythologie und dient in vielen Shinto-Schreinen als Anlass für Feierlichkeiten.

Sowohl Susanoo als auch Orochi spielen übrigens auch eine wichtige Rolle in dem Spiel „Okami“, welches sowohl für PS2 als auch für die Wii erschien.


Orochi im Kampf mit Susanoo und Amaterasu (aus dem Spiel „Okami“)




LOD-068 Great Long Nose


In der japanischen Mythologie gibt es den sogenannten Tengu, ein Fabelwesen das in die Kategorie der Yokai (jap. für „Monster“) fällt. Das Wesen etablierte sich in den Köpfen der Menschen als eine Mischung aus Mensch und Vogel. Normalerweise leben Tengus in Bergen, weswegen man sie oft auch als „Bergkobolde“ bezeichnet. Tengus schlüpfen aus Eiern, haben jedoch eine menschliche Gestalt mit einer langen, schnabelartigen Nase. Ihre Haut hat eine tiefrote Farbe und anstelle von Haaren wachsen ihnen Federn am Hals, auf der Schulter und auf dem Armrücken und alle Extremitäten enden in Adlerklauen.

Tengus spielen in der volkstümlichen Variante der japanischen Shinto-Religion noch heute eine wichtige Rolle. So werden ihnen etwa Nahrungsgaben dargeboten, um sie zu besänftigen oder ihr Wohlwollen zu erregen. Europäer wurden früher ebenfalls als „Tengu“ bezeichnet. Dies bezog sich vor allem auf die aus japanischer Sicht sehr langen Nasen der Fremden.


Bildnis eines Tengu auf dem Tengu Matsuri Fest in Tokio




LOD-069 Otohime



Otohime ist eine Göttin in japanischen Mythen und die Tochter von Ryujin, dem Gott des Meeres. Sie heiratete den Jäger Hoori und gebar ihm einen Sohn welcher später einmal der erste Herrscher Japans sein sollte. Nach der Geburt jedoch verwandelte sich Otohime in einen Drachen und flog davon.



LOD-070 Hino-Kagu-Tsuchi



Kagutsuchi no mikoto ist der Kami des Feuers in den Shinto-Mythen. Dem Kojiki (erste umfangreiche schriftliche Quelle Japans) zufolge wurde er von Izanami geboren, wodurch ihre Genitalien verbrannten und sie an diesen tödlichen Verletzungen starb. Der Tod seiner Geliebten erzürnte Izanagi derart, dass er seinen Sohn Kagutsuchi mit einem Schwert köpfte. Aus seiner Leiche entstanden jedoch acht Berggeister und auch seinem Blut entsprangen neue Kami.

Der Tod von Izanami und ihrem Kind, dem Feuer-Kami, ist somit die erste Stelle im japanischen Schöpfungsmythos, in der das Ereignis des Todes eines Wesens gleichzeitig das der Geburt anderer bedeutet.



Ihr merkt vielleicht schon – das wird ne recht lange Angelegenheit.

Zu lang für nur einen Artikel. Deswegen mache ich an dieser Stelle auch einen Cut und handle die restlichen Spirits in einem zweiten Artikel zu diesem Thema ab.

Aber keine Angst, vom Umfang her wird er mit dem ersten Teil nahezu identisch sein – es handelt sich also mengenmäßig nicht um einen anderthalben Artikel, sondern wirklich um zwei Artikel, eben nur zu ein und demselben Themengebiet.


Also dann bis zum zweiten Teil!


MfG Gam

Antworten 25

  • Das klingt doch mal nach 'ner richtig interessanten Serie von Artikeln. :) Würde mich freuen, wenn die Qualität weiter so hoch bleiben würde.
    Allerdings würde ich die Karten-Mini-Previews, die man per Klick auf den Link kriegt, nochmal überprüfen. Ich wollte mir bei jedem Spirit noch einmal das Artwork anschauen, aber die meisten Previews hatten kein Bild drin (halt nur Text-Infos) :/ Aber das ist ja nicht die Schuld des Autors *g


    Wie gesagt, hoffe auf Fortsetzung! :)

  • Toller Artikel mit hohem Bildungswert Gam!
    So hab ich auch ne Ausrede warum ich dauernd auf etcg hänge! Weiterbildung!
    Allerdings wenn du alle kartenursprünge in deinen Artikeln bearbeiten willst hast du viel zu tun!

  • Einfach sehr interessant sowas mal zulesen .
    Da kann man mal sehen Yugi bildet xD.


    Ich fand den Artikel richtig Gut :)

  • unglaublich wie das artwork zu diesen karten doch entstanden ist also meiner meinung nach war der artikel sehr interessant und gab auch hintergründe für die meisten karten des spirit typs. ich hoffe doch das bald ma wieder so ein aufschluss reicher artikel von dir gam gemacht wird :daumen:

  • Sehr interessanter Artikel :cool:

  • sehr guter Artikel,
    es ist schon interessant zu wissen wie die Karten zu ihren Namen gekommen sind.
    Weiter so! :daumen:

  • Naja, eigentlich müsste unter dem Artikel noch (c) by Wikipedia.de stehen, dann wäre er vollständig ...


    Zitat


    Yatagarasu bzw. Yatakarasu oder auch Yata no karasu (jap. k«Ï; Karl Florenz übersetzt mit „Acht-Hand-Krähe“ im Sinne von „vielhändige (vielklauige) Krähe“, Motoori Norinaga interpretiert als „achtköpfige Krähe“) ist ein Kami in der Mythologie des ShintM. Er hat die Gestalt einer dreibeinigen Krähe.


    Zitat


    Yata no karasu (jap. für „Acht-Hand-Krähe“) ist ein Kami in der Mythologie des Shinto. Als Kami werden die im Shinto (auch Shintoismus – eine fast ausschließlich in Japan praktizierte Religion) verehrten Wesenheiten bezeichnet. Mögliche Übersetzungen des Begriffs Kami ins Deutsche sind unter anderem Gottheit, Naturgeist oder auch Seele Verstorbener. In bildlichen Darstellungen hat Yata no karasu meist die Gestalt einer dreibeinigen Krähe. Auffällig ist das das Artwork der Karte eine Krähe mit lediglich einem Bein zeigt – wahrscheinlich aus dem Grund um einen direkten Bezug auszuschließen.


    Erinnert mich an meine Schulreferate. (:

  • Zitat

    Original von x
    Naja, eigentlich müsste unter dem Artikel noch (c) by Wikipedia.de stehen, dann wäre er vollständig ...




    Erinnert mich an meine Schulreferate. (:


    Von irgendwo muss er die Sachen ja haben...
    Oder denkst du er ist ein laufendes japanisches Mythenbuch? xD



    Ich finde es wirklich intressant, woher die Namen der Spirits kommen. Guter Artikel ;)


    Gruss
    aeschli

  • Zitat

    Original von aeschli


    Von irgendwo muss er die Sachen ja haben...
    Oder denkst du er ist ein laufendes japanisches Mythenbuch? xD


    lol


    Schon das recherchieren braucht Zeit und das Umsetzen in einen Artikel kaum weniger.
    Wie schon der erste Artikel macht auch der zweite Streich Lust auf mehr! Ich freue mich auf auf den nächsten Streich ... wirst noch zum tapferen Schneiderlein xD


  • Ein paar mehr verschiedene Quellen wären ja nicht schlecht. ;D


    Btw finde ich das Thema auch nicht so interessant.


    Zitat


    lol


    Schon das recherchieren braucht Zeit und das Umsetzen in einen Artikel kaum weniger.
    Wie schon der erste Artikel macht auch der zweite Streich Lust auf mehr! Ich freue mich auf auf den nächsten Streich ... wirst noch zum tapferen Schneiderlein xD


    Würde mich interessieren, ob er dafür Geld bekommt. ^^
    Falls ja, dann kann man ja nicht einfach mit 'das recherchieren hat aber auch lange gedauert' argumentieren!

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