Nach einer mehrwöchigen Sommerpause ist es heute nun wieder einmal soweit - die Midnight Hour wird von jetzt an wieder jeden Dienstag auf etcg.de erscheinen und euch (hoffentlich) interessante Themen rund um unser TCG näher bringen. Da seit Beginn meiner Sommerpause eine neue Banned List ins Land gezogen ist, halte ich ein Deck Rating als ersten Artikel für unangebracht - stattdessen gilt unser Fokus wie in einigen Artikeln meiner Kollegen zuvor schon der neuen Banned List. Anders als bisherige Artikel möchte ich aber nicht die Liste als Ganzes betrachten und damit eine weitere Pro/Contra-Twilight-Diskussion auslösen, sondern mich auf eine Karte konzentrieren, deren Limitierung für mich einen gleichsam unerwarteten wie auch tiefen Eingriff in die Mechanik unseres Spieles darstellt.
Ich spreche hierbei von einer Karte, die man in gut drei Vierteln aller Decks angetroffen hat - und zwar in dreifacher Ausführung. Ich spreche von einer Karte, der man allgemein nachgesagt hat, dass es an ein Ding der Unmöglichkeit grenze, sie in jeder Situation korrekt zu benutzen. Ich spreche von einer Karte, die uns als Spieler in die Lage versetzt hat, zu einem Spielzug unseres Gegners schlicht und ergreifend "Nein!" zu sagen, gleich einem allmächtigen Veto-Recht, welches sicherlich so manches Spiel entschieden hat - zu wessen Gunsten auch immer, denn schlussendlich ist die Karte, die ich meine, ein zweischneidiges Schwert: Feierliches Urteil.
So oder ähnlich ist es euch sicher schon einmal ergangen, wenn ihr komplett ohne Karten da gestanden seid während euer Gegner genug Monster auf dem Feld hatte, um eure restlichen Lebenspunkte in der nächsten Runde auszuradieren. Ihr zieht eure letzte Karte und hofft inständig darauf, dass sie euch weiterbringt. Und tatsächlich - ihr zieht eine echte Game Breaker-Karte wie Finsterer Bewaffneter Drache, Urteilsdrache oder wie hier sehr nützlich wäre, eine Spiegelkraft. Ihr setzt also notgedrungen all eure Hoffnungen auf diese eine Karte, spielt sie aus und... der Gegner deckt Feierliches Urteil auf. Genau in solchen Situationen war die Fallenkarte immer am Gefährlichsten, denn je weniger Karten im Spiel waren, umso mehr fiel es ins Gewicht, wenn eine davon annuliert werden konnte. Für all jene Leute, die die Limitierung der wahrscheinlich beliebtesten Konterfalle überhaupt also für komplett ungerechtfertigt hielten, sollte dies der Beweis sein, dass sie ganz grundlos dann doch nicht war - nicht umsonst war sie in den letzten Wochen eine Karte, die von immer mehr Leuten gesucht wurde und bei diversen Tauschgeschäften stets hoch im Kurs stand. Ein wenig überraschend kommt diese Limitierung für mich insofern, als dass Konami sie vor gar nicht allzu langer Zeit mehrfach neu auflegen ließ, unter Anderem als Gold Rare in der Gold Series 2009[1].
Während Feierliches Urteil in einigen Meta-Decks wie den Lichtverpflichtet- und Cat-Synchro-Decks selten bis gar nicht anzutreffen war, trifft die Limitierung dieser Karte vor allem die kontroll-orientierten Decktypen besonders hart. Abgesehen von den Gladiatorungeheuern, die eine reelle Chance haben, künftig ein echtes Meta-Deck zu werden, sind das vor allem die Anti-Decks wie diverse Oppression- und Skill-Drain-Builds, wobei die Konterfalle vor allem dem Schutz der permanenten Effekte diente, die ausschlaggebend für den Erfolg oder Misserfolg dieser Strategien waren. Doch es hat keinen Sinn, verschütteter Milch nachzutrauern, und so sehr wir uns das manchmal vielleicht manchmal wünschen würden, auf die Banned List von Konami lässt sich selbst ein Feierliches Urteil nicht anwenden, sodass wir hier keinerlei Recht haben, "Nein" zu sagen. Von daher müssen wir uns mit dieser neuen Situation abfinden, versuchen, die positiven Aspekte zu betrachten und - vor allen anderen Dingen! - anfangen, nach möglichen Ersatzkandidaten für die Konterfalle Ausschau zu halten.
Die Überschrift deutet es schon an - Feierliches Urteil hatte (anders als in obigem Beispiel) in der Mehrzahl aller Fälle defensive Aufgaben wie der oben bereits angesprochene Schutz von permanenten Karten. Doch die Aufgaben waren noch viel weitreichender. So konnte ein Urteil auf einen
Dies stellt wohl die wichtigste Fähigkeit der Konterfalle dar. Vor allem Decks rund um Kräfte Rauben und Unterdrückungsherrschaft müssen stets für die Sicherheit ihrer Karten sorgen, damit der Gegner seine Ressourcen nicht plötzlich alle auf einmal nutzen und den OTK damit einleiten kann. Wie so viele andere Themen lässt sich auch dieses in Ursache und Wirkung aufteilen. Die Wirkung sollte klar sein: der Gegner zerstört eure Karte(n) durch einen Effekt. Gegen diese Wirkung vorzugehen, kann sich mitunter als schwierig erweisen. Im Bereich der Zauber- und Fallenkarten fallen mir hier vor allem Magischer Reflektor (für permanente und Feldzauberkarten) und die in Ancient Prophecy neu erschienene Fallenkarte Kaiserlicher Brauch (für permanente Fallenkarten) ein, wobei jede der beiden ihre individuellen Vor- und Nachteile hat. Abgesehen von diesen beiden gibt es noch die Feld-Barriere, die speziell auf den Schutz von Spielfeldzauberkarten ausgelegt ist - dann wird die Luft aber auch schon ziemlich dünn, wenn es um den Schutz vor den Auswirkungen gegnerischer Zauber- und Fallenzerstörer geht. Bei den Monstern ist hier allen voran der Sternenstaubdrache zu nennen, dicht gefolgt vom Urmaterialdrachen, der zwar ausschließlich auf den Schutz von Monsterkarten beschränkt ist, dort aber ausgezeichnete Arbeit leistet und vor allem seinen Effekt auch mehrmals pro Runde und Kette nutzen kann (sofern man dazu in der Lage ist, seine Kosten zu bezahlen). Eine weitere Karte, die ebenfalls durch Ancient Prophecy ihren Weg zu uns gefunden hat, ist (wie Chronos in seinem Artikel bereits erwähnte) die Kartenwache, welche für sehr guten Schutz sorgen kann, solange es sich bei den gegnerischen Effekten um solche handelt, die unsere Karte zerstören wollen - gegen Zwangsevakuierungsgerät, Raiza der Sturmmonarch und Windsturm der Phönixflügel ist aber auch die Wache machtlos. Eine letzte Karte im Zusammenhang mit der Bekämpfung von gegnerischen Zerstörungs-Effekten, die ich noch nennen möchte, ist die Zerstörungsstörung, deren Effekt praktisch identisch mit dem Schutzeffekt des Urmaterialdrachen ist. Sie generiert zwar unter'm Strich Kartennachteil (-1), dafür ist ihr Effekt aber relativ flexibel einsetzbar.
Aber die Wirkung zu bekämpfen ist ja nur eine Seite der Medaille. Man kann schließlich das Problem auch bei der Wurzel packen und die auslösende Karte annulieren, sprich: die Ursache unschädlich machen. Deren gibt es grundsätzlich drei verschiedene: die Zerstörung durch Monstereffekte, durch die Auswirkungen von Zauberkarten sowie durch Fallenkarten-Effekte. Es gibt nur sehr wenige Karten, die alle drei Übeltäter aushebeln können, eine davon ist Light and Darkness Dragon, dessen Stärken, Schwächen und Probleme bereits hinlänglich bekannt sein sollten. Etwas besser sieht es da schon aus, wenn wir eine Zauber- oder Fallenkarte negieren wollen. Bei defensiven Decks wird das natürlich allen voran Schwerer Sturm sein oder gelegentlich auch eine
Die letzte Karte, die hier nicht ungenannt bleiben darf, beschränkt sich auf den Schutz von einem oder mehreren Monstern vor beliebigen Zerstörungs-Effekten des Gegners und ist dabei aber weder Konterfalle noch eine normale Falle, sondern ein Schnellzauber und hört auf den klingenden Namen Mein Körper als Schutzschild. Die Kosten dieser Karte sind zwar ähnlich wie bei Feierliches Urteil in Lebenspunkten zu zahlen (und das nicht zu knapp), dafür bringt ihr Dasein als Schnellzauberkarte aber auch einige nicht zu unterschätzende Vorteile mit sich. So kann man zum Beispiel auch mit leerem Backfield bedenkenlos mit allen Monstern angreifen, selbst wenn der Gegner eine Spiegelkraft hat - sollte er diese aktivieren, wird er eine böse Überraschung erleben, wenn wir ihm die Schnellzauberkarte aus unserer Hand präsentieren und für 1500 Lebenspunkte eine seiner stärksten Fallenkarten auskontern. Selbst ein Urteilsdrache oder Finsterer Bewaffneter Drache muss vor diesem Effekt den Hut ziehen, denn bei letzterem werden als Erstes bevorzugt Monster auf's Korn genommen, da niemand mit dem ersten Versuch eine Bodenlose Fallgrube erwischen will, in welche sich der Drache ohne Vorteil gemacht zu haben auf Nimmerwiedersehen verabschiedet - und genau dann schlägt dann Mein Körper als Schutzschild zu. Auch ein Gladiatorungeheuer Gyzarus muss sich vor dieser Schnellzauberkarte in Acht nehmen, denn selbst wenn er nur als eines von beiden Zielen ein Monster wählt, lässt sie sich aktivieren und vernichtet ihrerseits den Gladiator.
Die Karten hierfür sind ja bereits hinlänglich bekannt: Windsturm der Phönixflügel und Zwangsevakuierungsgerät erfreuen sich ja bereits seit Anbeginn der Synchro-Ära immer größerer Beliebtheit. Diese beiden Fallen können sogar von sich behaupten, dass das angezielte Synchromonster wie bei Feierliches Urteil unter keinen Umständen wieder vom Friedhof beschworen werden kann, da es erst gar nicht dort landet. Eine Konterfalle, die in Bezug auf Synchromonster jedoch häufig vergessen wird, beruht auf der Tatsache, dass jede Synchrobeschwörung eine interne Spezialbeschwörung darstellt, also eine Spezialbeschwörung, bei der sich - grob gesagt - ein Monster durch seinen eigenen Effekt auf das Feld bringt, ohne durch seinen Effekt eine Kette zu starten. Selbiges trifft auch auf die Beschwörungen von Urteilsdrache, Finsterer Bewaffneter Drache und die Gladiatorungeheuer-Fusionen Gladiatorungeheuer Heraklinos und Gladiatorungeheuer Gyzarus zu. Der aufmerksame Leser bemerkt dabei natürlich sofort, dass es sich bei der genannten Liste von Karten um die berühmt-berüchtigten Finisher-Karten einiger Top-Decks handelt. Alle diese Karten lassen sich ohne Kosten (und damit auch ohne Kartennachteil) durch eine einzige Konterfalle vom Spielfeld entfernen: Schwarzes Horn des Himmels. Dieses wirkt im Übrigen auch gegen die Beschwörungen von Schwarzflügel - Gale der Wirbelwind und Schwarzflügel - Bora der Speer, gegen den Aufruf des Chaos Hexers sowie gegen die Spezialbeschwörung des
Wenn man alles Nötige auf der Hand hält um die Lebenspunkte des Gegners auf Null zu reduzieren, möchte man natürlich nicht, dass dabei irgendetwas schief geht - vor allem nicht, wenn man bei der ganzen Aktion Kartennachteil macht, weil man nicht damit rechnet, dass es eine weitere Runde in diesem Duell geben wird. Und da ist die eine verdeckte Karte, die der Gegner noch hat, oftmals ein großer Dorn im Auge des Spielers, der gerade am Zug ist. Manche Spieler können es ihrem Gegner scheinbar von der Nasenspitze ablesen, ob es sich dabei um eine Bodenlose Fallgrube, eine Spiegelkraft oder überhaupt um ein Angsteinjagendes Gebrüll handelt, für alle anderen hingegen wird es jetzt schwierig. Hatte man in dieser Situation ein Feierliches Urteil verdeckt, so konnte man die Bedrohung durch die verdeckte Karte bei der Planung des finalen Zuges als gegenstandslos betrachten, da man sie ohnehin negieren konnte. Ab der neuen Banned-List wird sich diese Situation anders gestalten. Eine Methode, den finalen Angriff abzusichern, besteht in simplen Zauber-/Fallen-Zerstörern wie Mystischer Raum-Taifun, Schwerer Sturm,
Mit diesen recht vielfältigen Aussichten verabschiede ich mich für diese Woche von euch und hoffe einmal mehr auf eine interessante Diskussion über das Thema im Diskussions-Thread. Nächstes Mal wird es dann (hoffentlich) wieder ein Deck Rating geben, vergesst also nicht, mir eure Decks (nach der neuen Banned List) per PN zuzuschicken - die Verwendung von Karten aus Ancient Prophecy ist natürlich gerne gesehen.
Alan
[1]Durch die Limitierung fällt natürlich der Wert der Karte, wie wir es zuletzt beispielsweise am Notfallteleport deutlich beobachten konnten. Doch diese Geschäftspolitik betreibt Konami neuerdings auch bei anderen Karten, auf welche das Gleiche zutrifft, zum Beispiel Gedankenkontrolle und Kartenvernichtungsvirus, der fortan nur noch in Traditional Format Decks sein Unwesen treiben wird dürfen - von der rein finanziell motivierten Banned List, deren man Konami immer wieder bezichtigte, kann dieses Mal meiner Ansicht nach also nicht die Rede sein.