Zu Allererst möchte ich euch herzlich begrüßen zu einer neuen Ausgabe "Spiritistische Wasserkunst". Manche mögen es sich schon gedacht haben, ich werde nun regelmäßig alle 2 Wochen Artikel für euch schreiben. Nun aber zu dem Artikel: Der heutige Artikel dreht sich um konsekutive Entscheidungen. Da bestimmt für viele das Wort konsekutiv nicht bekannt ist, werde ich es zu allererst mal erläutern: Konsekutiv bedeutet ungefähr unmittelbar nachfolgend oder aufeinanderfolgend . Wirklich schlauer sind wir jetzt aber immer noch nicht geworden, was den Inhalt des Artikels anbelangt. Nun gut, was macht einen guten YGO-Spieler aus? Er spielt gut. Warum spielt er gut? Er trifft die richtigen Entscheidungen im richtigen Moment. Und um solche Entscheidungen geht es im heutigen Artikel.


Ein YGO-Spiel besteht wie alle wissen aus mehr oder minder vielen Spielzügen mit einer Unmenge an Entscheidungen. Das fängt schon bei dem Punkt an, welches Monster ich im ersten Zug verdeckt setze oder offen spiele und geht weiter mit der Frage, ob und wann man seinen One Turn Kill (OTK) landen will und wie man dazu ausholt. Und genau hier unterscheiden sich extrem viele Spieler.


Spielstil

Die Art und Weise der Entscheidungsfindung unterscheidet sich bei nahezu allen Spielern und führt zu einem eigenen Spielstil. Das klingt sehr abstrakt, aber genau das ist es was den Spielstil ausmacht. Es gibt Spieler die sehr gern offensiv spielen, andere lieber sehr defensiv. Dann gibt es welche, die nahezu alle Handkarten immer aufsparen wollen und andere, die einmal das Feld vollklatschen mit allen Karten und dann entweder besiegt werden oder gewinnen. Dabei kann man nicht immer sagen, was nun richtig war, aber diese Entscheidungen bestimmen das Spiel. Gleiche Decks mit der gleichen Strategie können von 2 verschiedenen Spielern absolut unterschiedlich gespielt werden und beide können Erfolg haben.


Der Spielstil eines jeden Spielers entwickelt sich mit seiner eigenen Art und dazu mit der Erfahrung, die er in seinem Leben beim Spielen gemacht hat.

Sehr gute Spieler haben einen sehr eigenen Spielstil. Bei Claudio beispielsweise ist es mir aufgefallen, dass er sehr großen Wert auf kleine Sachen wie zum Beispiel Schaden durch Angriffe auf seinen verdeckten Schicksalsheld - Defender legt. Mal rennt dort ein Elementarheld Stratos über einen Sangan, dann kommt der Schaden vom Defender beim Gegner dazu (der z.B. von Goblinzombie attackiert wurde), dann kommt einmal der eigene Sangan durch und dann reicht es auf einmal, dass man nur zum richtigen Zeitpunkt den Dark Armed Dragon mit einer Mystische Tomate ausspielt und angreift. Andere Spieler hätten beim Destiny Draw eher den Schicksalsheld - Defender anstelle des Schicksalsheld - Doom Lord abgeworfen oder beim Allure of Darkness eher den Defender anstelle des Plaguespreader Zombie entfernt. Viele hätten den Schicksalsheld - Defender auch gar nicht gesetzt und dafür eine Mystische Tomate gesetzt.


Viele können nun sagen, dass die 1600 Schaden vom Angriff des gegnerischen Goblinzombie auf den Schicksalshelden am Ende nicht spielentscheidend waren oder aber, dass sie selber auch beim Setzen von des Zombies das Spiel trotzdem nicht hätten gewinnen können. Es stimmt, dass diese eine Entscheidung (welches Monster man setzt) meist nicht spielentscheidend ist. Aber es kommt auf die Linie an, die der Spieler fährt. Viele kleine Entscheidungen machen sehr viel mehr Spiele aus, als man denkt. Aber diese Entscheidungen müssen alle einem roten Faden folgen, damit es Sinn macht und sich am Ende auszahlt. Jemand, der sonst eher sehr aggressiv spielt und immer seine Monster im Angriffsmodus ausspielt und den Gegner unter Druck setzen will, der braucht nun nicht seine Mystische Tomate setzen und hoffen, dass der Gegner auf einmal offensiv spielt und da mit starken Monstern hinein rennt. Der Gegner wird diese Erleichterung eher dazu nutzen, einmal durchzuatmen und vielleicht auch lieber sein Feld aufzubauen oder seine Verteidigung zu stärken.

Genauso sollten offensivere Spieler eher Karten verwenden, die ihnen sehr liegen. Es kommt ab und an vor, dass einem ein Deck sehr gut gefällt und man es auch spielen will. Wenn man aber einen sehr einseitigen Spielstil hat und seine Entscheidungen beispielsweise eher defensiver trifft, der kann mit einem aggressiven Siegerdeck voll gegen die Wand fahren, weil man (da es aggressiv gebaut wurde) nun einmal oft den Gegner unter starken Druck setzen sollte. Ich habe diese Erfahrung mit einem Big City Deck gemacht.


Diese Erfahrung zu sammeln hat auch mehrere Jahre gebraucht. Allerdings hilft die Erkenntnis, die aus diesem Artikel gewonnen werden soll, mir inzwischen sehr. Wer ein Big City Deck noch nicht kennt, hier die Strategie. Man versucht mit wenigen Monstern und vielen Monsterzerstörern und Fallen den Gegner unter Druck zu setzen unter Verwendung von Elementarhelden plus Wolkenkratzer 2 - Heldenstadt. Neben Elementarheld Stratos und E - Eiliger Notruf wird stark auf Elementarheld Ocean und Elementarheld Wildheart gesetzt. Damals war in einem amerikanischen Turnier ein solches Deck extrem weit gekommen. Ich fand die Idee sehr gut, habe mir das Deck gebaut und bin damit auf die Europameisterschaft gefahren. Ich hatte leider zu wenig Zeit, um es ausgiebig auf Turnieren zu spielen und zu testen, aber die Idee immer wieder mit Stratos und Ocean Vorteil zu erwirtschaften und dies mit Wolkenkratzer 2 - Heldenstadt noch weiter zu sichern und auszubauen faszinierte mich doch sehr.

Leider ging das Turnier nicht sehr erfolgreich für mich aus, ich habe mich stark gewundert wie es in den USA so weit kam. Dann habe ich das Deck anderen Spielern in die Hand gedrückt und die haben es komplett anders als ich gespielt und damit gewonnen. Ich war immer sehr auf Vorteil aus und habe immer den Elementarheld - Ocean statt dem Elementarheld - Wildheart aus dem Deck gesucht und ausgespielt, wollte ihn schützen und Vorteil generieren. Die anderen Spieler waren auf stupides beatdown aus, haben einfach immer mit Wildheart probiert durchzukommen und auch mal Nachteil statt Vorteil damit gemacht. Aber diese Taktik hat sehr viel mehr gebracht als erstmal Vorteil zu erwirtschaften. Im Nachhinein habe ich einfach die falsche Entscheidung getroffen, welches Deck ich spiele. Es hat absolut nicht zu meinem Spielstil gepasst und deshalb habe ich eine sehr schlechte Europameisterschaft gespielt.


Nun ist mir bewusster, was für Entscheidungen ich im Zweifelsfall treffen sollte und wähle daher meine künftigen Decks für Turniere unter diesem besonderen Punkt aus. Mein roter Faden beziehungsweise meine konsekutiven Entscheidungen unterscheiden sich von vielen Spielweisen anderer Spieler und gerade auf wichtigen Turnieren sollte man nicht versuchen, so einfach eine andere Spielweise anfangen zu spielen. Dann kommt es vor, dass genau diese konsekutiven Entscheidungen durcheinander geraten. Eine Entscheidung baut auf die letzte auf und ergibt einen Spielstil und einen roten Faden des Spiels. Sie hängen alle miteinander zusammen. Wenn man diese einfachen, kleinen Entscheidungen nicht aufeinander aufbaut, dann läuft man voll in die Hände des Gegners. So bringt es nichts, hier ein Monster mal zu setzen wenn man die letzten 3 Züge versucht hat, den Gegner unter Druck zu setzen und er sichtlich ins Schwitzen gekommen ist. Wenn man ein anderes, vielleicht auch nicht so extrem starkes Monster hat und weiter versuchen kann, den Gegner damit unter Druck zu setzen, dann sollte man es tun.


Den Spielstil des Gegners lesen

Ein weiterer Vorteil, den man mit diesen Erkenntnissen bewusster nutzen kann ist es, den Stil des Gegners zu erkennen. Es gibt beispielsweise mehrere Arten, ein Lichtverpflichtet-Deck zu spielen. Die einen knallen immer alle Monster raus und greifen an, rennen notfalls auch mit 3 Monstern in einen Reißender Tribut. Dafür lassen sie dem Gegner keine Zeit, die Karten zu sammeln und eine eigene Strategie zu formen. Die anderen spielen immer nur sehr wenige Karten aus und wollen zu einem One Turn Kill ausholen. Oft weiß man, welche Art von Gegner vor einem sitzt. Das sieht man schon daran, mit welcher Geschwindigkeit er seine Karten auf den Tisch knallt und wie lange er überlegt, ob es nicht sinnvoller ist, die Karte doch auf der Hand zu behalten.


Sollte man einen aggressiven Gegner vor sich haben und ab Spiel 2 kommt plötzlich nur noch sehr wenig, obwohl er sehr viele Handkarten hat, dann bedeutet es oftmals nicht, dass er zu einem One Turn Kill aktiv sammelt, sondern er könnte beispielsweise 3 Solar Recharge und 2 Honest auf der Hand haben und kommt mit denen einfach nicht voran. In solchen Fällen lohnt es sich des öfteren, einfach (notfalls mit Nachteil) die Monster aus dem Weg zu räumen und sehr schnell zu versuchen, den Gegner zu beatdownen. Und diese Erkenntnis sammeln wir nicht, weil wir irgendwelche Karten kennen, sondern einfach aus der momentanen Spielweise des Gegners, die sich unterscheidet in seiner vorherigen.


Das gleiche funktioniert auch andersrum, wenn der Gegner einfach schnell alles aufs Feld legt obwohl er sonst eher alles zurückhält. 2 Möglichkeiten gibt es da: Einmal, dass er sich des Sieges gewiss ist und es ihm egal ist, ob er Vorteil macht oder nicht weil er eh im nächsten Zug gewinnt. In solchen Fällen wird der Gegner oft arrogant und versucht einen Spieler, zum aufgeben zu bewegen. Der zweite Fall bedeutet, er hat sonst nichts und versucht quasi zu bluffen und den Gegner in die Defensive zu bewegen. Hier hat man in beiden Fällen oft nur die Chance, das zu machen womit der Gegner nicht rechnet. Ab und an kann es auch mal für Außenstehende sehr seltsam wirken, dass man so offensiv gegen ein offensives Feld kämpft, aber der Spielstil hat euch verraten, dass ihr eh verliert oder aber der Gegner geblufft hat und einfach nichts weiter hat.


Zusammenfassend können wir sagen, dass wir heute folgendes gelernt haben: Zum einen die Auswahl des Decks auf den eigenen Spieltyp, dann die Entscheidungsfindung auf die Spielweise anzupassen und durchgehend den gleichen Weg weitergehen. Des Weiteren haben wir gelernt, dass Kleinvieh auch Mist macht und man auf jede noch so kleine Entscheidung achten sollte und überlegen, was man mit dem setzen dieser einen Karte alles beeinflusst und zu guter Letzt haben wir noch gelernt, wie man ein Lightsworndeck besiegt wenn man den Spielstil des Gegners liest und Unregelmäßigkeiten entdeckt. Ich hoffe wie immer auf viel konstruktive Kritik und hoffe, dieser eher theoretische Teil hat euch gefallen. Das nächste Mal wird es wieder praktischer,


MfG Wassergeist


Antworten 35

  • Super Artikel! Das werd ich gleich mal versuchen etwas davon anzuwenden :)

  • Interessanter Artikel über Dinge, die einem so gar nicht bewusst sind. :)

  • Guter Artikel. Genau aus diesem Grund sehe ich mir gern Videos von Final Runden an. Danke fürs schreiben.

  • super artikel,hat sehr viel spass gemacht zu lesen!!!


    mfg kasi33

  • super artikel, die artikel von dir und claudio sind fast immer hilfreich. immer wenn ich einen neuen artikle von euch lese, vergesse ich den alten fast vollkommen, die artikle sind sehr informativ und lernreich, macht bitte weiter so!!! :rock:


    Topic:


    ich selber habe einen sehr defensiven spielstil, habe das jetzt mit diesem artikel jetzt noch besser erkannt. zum beispiel schaue ich bei jedem deck, dass ich baue immer, ob es sucher dafür gibt, ein deck ohne sucher ist für mich undenkbar xD


    komischerweise hab ich zur zeit auch nur decks mit suchern^^

  • super artikel.


    bei den meisten spielern merkt man vorher schon wie sie spielen, wenn man sie vorher beobachtet (geht nur bei kleineren turnieren). die typen die ein sehr selbstsicheres auftreten haben, spielen meistens sehr offensiv, während schüchternere spieler sehr kontrolliert und zurückhaltend! will jetzt keine schubladen öffnen, aber ne tendenz ist zu erkennen, finde ich.

  • Ich finde den Artikel klassssse,hat mir sehr gefallen und was ich anmerkenswert finde ist,dass Du den großen Anteil der °LightSworm-Decks° nochmals mit dem Zusammenhang des Spielstills in Verbindung gebracht hast und somit auch ne analytische Denkweise ,die vollkommen zutrift,eingeführt hast.
    Quasi eine Hilfe gegen die großen und stark auffindbaren Lightsworm Deck´s in dem aktuellen Meta.

  • Zitat

    Original von Dr.Lucker
    Ich finde den Artikel klassssse,hat mir sehr gefallen und was ich anmerkenswert finde ist,dass Du den großen Anteil der °LightSworm-Decks° nochmals mit dem Zusammenhang des Spielstills in Verbindung gebracht hast und somit auch ne analytische Denkweise ,die vollkommen zutrift,eingeführt hast.
    Quasi eine Hilfe gegen die großen und stark auffindbaren Lightsworm Deck´s in dem aktuellen Meta.


    Das muss ich auch unterstreichen. Dass eure Artikel aufs aktuelle Meta bezogen sind macht sie glaubhafter und praktisch viel besser anwendbar.

  • guter artikel,
    in zukunft werde ich die kleinigkeiten etwas genauer ansehen.

  • Toller Artikel, das mit dem Spielstil des Gegners find ich besonders gut.


    Außerdem bringt mich der Artikel zum Nachdenken (das ist schonmal super^^), weil ich meinen Spielstil nicht einordnen kann. Ich spiele Defensiv, aber auch, offensiv, sobald ich mal ein Monster mit mehr als 1500 auf der Hand/auf dem Feld hab (ist jetzt ziemlich grob ausgedrückt).

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