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Der Konami Schreiber-Knigge Teil 2

von soulwarrior am 25.11.2011 um 12:46 Uhr
Vergangenes Wochenende wurde die YCS Kansas ausgetragen, bei der es sich meiner Ansicht nach um ein wirklich großartiges Event handelte. Versteht mich nicht falsch, ich war nicht vor Ort, aber ich habe mir im Nachhinein die Coverage des Events angesehen und wenn mich der Schein nicht komplett trügt, so haben wir kein 2-Deck-Metagame mehr. [1]
Dank Dunkler Nebel können die Dark World Monster plötzlich auch ganz vorne mitspielen, brandneu auf der Bildfläche sind Laggia Rabbit Decks (diese wurden auch schon vor einiger Zeit hervorragend von Nimrod Hellfire vorgestellt – PHSW Preview - Von Hasen, Drachen und Dinosauriern) erschienen und offenbar kann nun auch "reines Chaos" mithalten. Nicht zu vergessen die Karakuris, die ebenfalls ein paar Plätze in den Tops für sich beansprucht haben sowie ein X-Saber Deck! Die Deckvielfalt im aktuellen Format war wohl nie größer! [2]

Ist euch beim Lesen der vergangenen beiden Absätze etwas aufgefallen? Nein? Nun gut, dann lasst euch von mir sagen, dass der erste Absatz nicht mit dem Konami Schreiber-Knigge konform geht, der zweite aber schon. "Hö? Konami Schreiber-Knigge? Hab ich doch schon mal von gehört?", werdet ihr euch nun fragen und selbstverständlich habt ihr Recht! Ich habe dieses Thema schon mal angesprochen, allerdings wurden mir wieder einige Fragen dazu gestellt und ich habe das letzte Mal auch eher "angeschnitten" als es wirklich zu behandeln.
Jedenfalls kommen immer mal wieder angehende Schreiberlinge auf mich zu und fragen, wie das so ist, wenn man Coverage machen will. Entsprechend gibt es heute die Fortsetzung zum

Konami Schreiber-Knigge


[3] Gut, starten wir also, indem ich die Frage beantworte, warum der erste Absatz etwas problematisch ist. Vielleicht kommt ihr auch selbst drauf, daher gebe ich euch erstmal eine Minute Gedenkzeit.

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Fertig?

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Selbstverständlich ist es die Behauptung, es hätte jemals ein "2-Deck-Metagame" gegeben. Gut, ich habe das in einer Fußnote relativiert, aber die liest ja kein Kritiker und schon mal gar kein Konami-Editor, wenn so ein Artikel in einer offiziellen Coverage live gehen soll. Wie würde man nun eine im ersten Moment negativ erscheinende Situation in einer Coverage positiv darstellen?

Kein Problem, man stellt hier einfach die findigen Strategen heraus, die beide Decks bis zum geht-nicht-mehr getuned haben, so dass sie sich mittlerweile durch eine riesige Konstanz auszeichnen und entsprechend das Metagame dominieren. Klar ändert das nichts an der Tatsache, dass es etwas weniger schön ist, lediglich 2 wirklich starke Decks im Meta zu haben, allerdings wird das nicht direkt der erste Gedanke des geneigten Lesers sein, wenn ihm etwas von findigen Deckbauern erzählt wird. Mein konkretes Beispiel wäre also:

"Nachdem findige Deckbauer sich in den vergangenen Monaten auf die Verbesserung der bereits extrem konstanten und spielstarken Angel und Synchro Plant Decks konzentriert hatten, rücken jetzt auch wieder andere Strategien in den Vordergrund und erobern Plätze in den Tops!"

Seht ihr, klingt schon kaum noch negativ!
Wir werden jetzt im nächsten Schritt noch mal eine ganze Spur konkreter und befassen wir uns mit gängigem Yu-Gi-Oh! Slang, der gerade in Interviews immer wieder fällt und schauen wir uns an, wie das in einer Coverage dargestellt wird:

  • Cheating
    Das ist quasi mein Lieblingsthema, weil es einen Schreiber vor die größte Herausforderung stellt. Ich habe sogar noch ein super-konkretes Beispiel für euch zur Hand: Die letzte Yu-Gi-Oh! Weltmeisterschaft. Wir hatten in den Player Profiles der Videospieler die Frage: "Was gefällt dir am meisten am Videospiel (verglichen mit dem TCG)?"

    Selbstverständlich antworteten über 50% mit: "Mein Gegner kann nicht cheaten!!!" [4]

    Sehen wir uns nun die Coverage an, so lesen wir z. B. bei Merlin:
    "Ich finde es super, dass meine Gegner keine unfairen Vorteile erhalten können, weil die Software sicherstellt, dass alle Karten nach den Regeln ausgespielt werden."

    ...oder bei Jean Christophe:
    "Mir gefällt, dass das Spiel sicherstellt, dass wir immer nach den offiziellen Regeln spielen – auch ohne Schiedsrichter."

    ...und bei Kyle Warfield:
    "Ich fühle mich sehr viel sicherer, da es keine Möglichkeit gibt, den Game State durcheinander zu bekommen. Das Spiel fühlt sich so reiner an und das ist mit Sicherheit einer der größten Vorteile!"

    Keine Sorge, wir hatten (dank der Hilfe von Rich) noch ein paar Formulierungen im Gepäck (mein persönlicher Favorit: "Es ist Yu-Gi-Oh! in seiner reinsten Form!")

  • Lucker
    Erzählt euch ein Spieler, den ihr gerade im Interview habt, dass er in den ersten beiden Runden "hart weggeluckt" wurde, so will er euch damit sagen, dass "seine Gegner ein etwas glücklicheres Händchen hatten."

  • OTKs
    Es gibt keine OTK Decks. Vielmehr gibt es lediglich "enorm explosive Decks", die so toll gebaut wurden, dass sie ihre Siegesstrategie "bereits im ersten Zug voll entfalten können!"

  • Pech
    Wenn euch ein Spieler an den Kopf wirft, dass er die Scheiße an den Fingern hat und einfach nicht zieht, was er braucht, so möchte er euch mitteilen, dass er "realisiert hat, dass er noch an seinem Deck arbeiten muss" und "sein Deck leider noch nicht die nötige Konstanz für eine Top-Platzierung aufweist."

  • zu schnelles Format
    Ihr behauptet einfach, dass es der Spieler super findet, dass er in relativ kurzer Zeit jede Menge Yu-Gi-Oh! Duelle durch bekommt.



Haltet ihr euch an diese paar Regeln, so könnt ihr relativ mühelos wirklich öffentlichkeitswirksame Artikel zusammen bekommen. Ich mache hier mal ein kleines Vorher-Nachher-Spiel:

Ursprüngliche Aussage des Spielers:

"Läuft total scheiße heute! Ich wurde in den 7 Runden schon 2mal total von solchen n00bs weggeluckt und mein Deck lässt mich ständig im Stich. Es war auch eine Höllenfahrt hierher und ich rechne mir hier eigentlich keine Chancen mehr aus. Die Preise sind auch nicht der Knaller..."

Daraus wird dann in der Coverage:

"Bisher ist es heute noch nicht allzu gut bei mir gelaufen. Gut, es ist halt Yu-Gi-Oh! und man kann aus jeder noch so unmöglich erscheinenden Situation zurückkommen – ich habe das heute auch 2mal erlebt, allerdings saß ich auf der falschen Seite des Tisches. Aber das gehört eben zum Spiel dazu, daher lieben wir es ja auch alle! Ansonsten kommt erschwerend hinzu, dass unsere Hinfahrt nicht so gut verlaufen ist. Wir hätten wohl besser gestern schon die Anreise antreten sollen."

Als wir John noch nach seinen Verbesserungsvorschlägen fragten, meinte er:
"Ich finde es super, was hier alles auf die Beine gestellt wird. Allerdings würde ich mich über eine breitere Preisstreuung freuen, so dass auch Spieler mehr vom Turnier haben, die nicht ganz vorne landen."


Sodele, jetzt seid ihr bereits bestens für Interviews gerüstet. Fehlen nur noch ein paar allgemeine Hinweise für andere Artikeltypen:

  • Ihr macht ein Deck Feature und der Spieler spielt ein altbekanntes Deck, das gefühlte 70% des Feldes spielen und er hat nur 3 neue Karten im Deck:
    Kündigt den Artikel als "kreativen, neuen Ansatz eines bewährten Archetypen an." Arbeitet die neuen Karten klar heraus und betont, welche Vorteile diese bringen (auch wenn sie der Konstanz des Decks vermeintlich schaden).

  • Wenn ihr mal nicht weiter wisst, da sich kein Artikelthema aufdrängen will
    Man kann IMMER ein Interview einschieben. Irgendwer findet sich auch immer, der interviewt werden kann / will. Die abgespeckte Version eines Interviews sind übrigens Quick Questions und die gehen auch immer.

  • Feature Matches
    Ein Spieler spielt eigentlich nie "schlecht". Höchstens "unkonventionell". Oder "kreativ". Oder er "macht ausgefallene Züge". Wenn es ein Spieler total offensichtlich mega-verzockt hat, so betont ihr die Dominanz des anderen Spielers und rückt sein fehlerfreies Spiel in den Vordergrund. Es wird also insbesondere nicht auf dem Verlierer "rumgehackt" oder so.

  • Wenn ihr auch jetzt nicht mehr weiter wisst...
    So schnappt ihr euch eine Kamera und macht einfach ein paar Bilder. Die stellt man dann eben in einer kleinen Galerie online und schon hat man wieder coolen Content für die Verfolger Zuhause produziert.

  • Judges und Staff
    Häufig ist es auch ganz cool, die Schiedsrichter und anderen freiwilligen Helfer zu erwähnen und positiv herauszustellen. Hier gibt es eigentlich recht selten Komplikationen; eigentlich könntet ihr euch höchstens auf die Zunge beißen müssen, weil irgendjemand wieder mal einen Flug oder Zug verpasst hat bzw. am Morgen heftig verschlafen hat. Je nach der Plattform, für die ihr schreibt, kann man sowas erwähnen, auf jeden Fall solltet ihr euch aber schon vorab Gedanken dazu machen.

  • Blogs
    Haben in den offiziellen Coverages nichts verloren. Diese sind einfach etwas "ernster", so dass man auch wirklich nichts falsch verstehen kann. Klar können sich 95% unserer Community halbwegs darüber amüsieren, wenn wir aufzeigen, wie jemand die Nacht in einem Zelt vor der Location verbracht hat, weil man sich nur denkt: "Ich will auch so verrückt sein!", nur kommt das eben vor der "besorgten Mutter" aus Buxtehude nicht ganz so cool an...
  • ... und wenn ihr IMMER NOCH NICHT weiter wisst...
    ... dann macht ihr einfach ein Video! Das geht auch immer! Kamera laufen lassen, durch die Location rennen, ein paar Fragen stellen – Zack! Content produziert!

  • Teams
    Werden mittlerweile eigentlich gar nicht mehr in offiziellen Coverages erwähnt. Der Grund? Zu Metagame.com Zeiten (manch einer wird sich erinnern) las man NUR NOCH über Teams. Da wurde dann die erste Shonen Jump von Team Bla gewonnen, nur damit die nächste dann von Team Overdose geholt werden konnte und das Folgeturnier von Team Sonstwie... bei einem Spieler, der selbst relativ selten auf die größeren Turniere ging, entstand hier schnell der Eindruck, dass er ohne Team keine 5 Meter weit kommt. Was dann mitunter dafür gesorgt hat, dass er nicht mal den ersten Schritt zu einem Event gegangen ist.

    Hier verfehlt die Coverage plötzlich das eigentliche Ziel: Sie sorgt eben nicht dafür, dass mehr Leute das Spiel spielen; sie sorgt vielmehr dafür, dass einzelne Spieler nicht auf Turniere kommen, aus Angst, wegen ihrer fehlenden Teamzugehörigkeit ausgebootet zu werden.

    Ich weiß noch nicht, ob sich das mal wieder ändern wird. Grundsätzlich besteht wohl die Chance, wenn sich wieder mehr Teams darauf konzentrieren, das Spiel zu fördern. Häufig scheint ja einfach nur das Abgreifen von Preisen die oberste Priorität der meisten Teams zu sein...



Damit habe ich euch wirklich in so wenig Worten wie nötig einen so tiefen Einblick wie möglich gegeben. Einige der von mir aufgezeigten Punkte muss man wohl ein zweites Mal durchlesen, um sie wirklich nachvollziehen zu können, daher scheut euch nicht, noch mal ein wenig nach oben zu scrollen.
Ansonsten bin ich gespannt, wie das heutige Thema bei der breiten Masse ankommt und freue mich auf euer Feedback!


soul

Trends der Woche


Podcasts



Vergangene Woche wurde wieder mal jede Menge gepodcastet, allerdings nicht für das Yu-Gi-Oh! TCG. Ich lege euch trotzdem diesen Podcast auf unserer Partnerseite Warcraft-TCG.de nahe, in dem sich Matthias von Cryptozoic mit Tommi und meiner Wenigkeit über die Zukunft des WoW TCGs in Deutschland unterhält.
Und wenn ihr schon in Hörerlaune seid und euer Englisch noch ein wenig trainieren wollt, so gibt es hier auch noch den aktuellen A Question of Gluttony Podcast, in dem Cryptozoics Patrick Sullivan über Kartendesign, -preise und noch mehr interessante Themen spricht.


Projektabschlüsse



Ich saß wieder mal lange an einem Projekt und ganz ehrlich gesagt war ich schon gar nicht mehr überzeugt davon, dass man / ich es noch abschließen kann, doch dann fiel endlich der Groschen und mir somit ein Stein vom Herzen. [5]


Black Friday / Thanksgiving



Dank Facebook kriegt man ja mittlerweile quasi unweigerlich mit, was sich auf der anderen Seite der Welt abspielt. Ganz konkret stand diese Woche bzw. gestern Thanksgiving an und heute ist "Black Friday". An diesem Tag gibt es in Amerika traditionell tolle Shopping-Angebote und einige weltweit agierende Unternehmen (*hust* Apple *hust*) machen uns diese auch hierzulande zugänglich. Schaut euch also mal im Web um und überlegt euch, ob ihr bei einigen Weihnachtseinkäufen gerade sparen könnt!





[1] Das ist natürlich etwas überspitzt formuliert, um unnötig zu dramatisieren. Zuletzt konnten an den Top-Tischen aber nahezu ausschließlich Agent oder "Synchro Swarm" / "Synchro Plant" / "Synchro irgendwas" (nennt es, wie ihr wollt) Decks angetroffen werden.


[2] Zugegeben, hier muss sich erst noch beweisen, ob das eine Ausnahme war oder ob dieses Thema nun wieder konkurrenzfähiger sein wird.


[3] Mich würde brennend interessieren, wer sich auf Anhieb noch an den alten Artikel erinnern kann. Denn ich selbst musste auch erstmal prüfen, ob ich das Thema schon mal behandelt hatte. Ehrliche Antworten bitte ins Forum!


[4] Und ja, quasi GENAU mit diesen Worten...


[5] Irgendwann werde ich mich mal noch in Wortspielen verlieren...

... bis es soweit ist, werde ich aber noch viel Spaß haben!