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How to Play Yu-Gi-Oh! #1 – Worauf muss ich beim Deckbauen erst einmal achten?

von *shin* am 19.10.2015 um 11:59 Uhr
Nachdem besonders Joshua euch mit Artikeln zum derzeitigen Metagame versorgt hat und dies auch weiter tun wird, da er als kompetitiver Spieler genau weiß, wie das Spiel derzeit aussieht, möchte ich diesen Artikel explizit für Beginner verfassen. Durch einen Thread in unserem Forum wurde ich auf eine wichtige Frage aufmerksam: Was sind die stärksten Effekte im Spiel?
Ich habe schon sehr viele Anfänger beobachtet und begleitet. Das größte Problem, das diese Spieler meistens haben ist, herauszufinden, welche Karteneffekte wirklich stark genug sind, um positive Effekte im Spiel zu haben. Deswegen möchte ich euch im folgenden vorstellen, auf welche Art von Effekten ihr achten solltet, wenn ihr euer erstes eigenes Yu-Gi-Oh! Deck bauen wollt. Je nachdem wie die Serie rezipiert wird, planen wir (ich) auch noch weitere Artikel für Anfänger zu schreiben, da schon mehrfach bemängelt wurde, dass es relativ wenige einsteigerfreundliche Beiträge gibt.
Dieser Artikel richtet sich an Spieler, die das Spiel schon kennen, die wichtigsten Regeln schon gelernt haben und bestenfalls schon einige Duelle gespielt haben, nun aber Probleme haben, das richtige Deck zu finden.

Vielseitig über Stärke!




Wenn ihr euch die Karte Krieger-Eliminierung anschaut, seht ihr auf den ersten Blick einen extrem starken Effekt: Wenn ihr diese Zauberkarte aktiviert, werden alle Monster des Typs Krieger auf dem Spielfeld zerstört. Gegen ein Kriegerdeck ist diese Karte natürlich sehr stark, da man ohne großen Aufwand alle Monster des Gegners zerstören kann. Da auch Anfänger wissen wie stark Raigeki ist, weiß man wie nützlich dieser Effekt sein kann. Doch trotzdem wurde diese Karte bisher fast noch nie gespielt. Die meisten Spieler wären sich auch einig darüber, dass sogar Aufschlagen besser ist, obwohl sie nur ein gegnerisches Monsters zerstören kann. Woran liegt das?



Aufschlagen wirkt erst einmal nicht besonders stark. Man kann ein Monster des Gegners zerstören, dieses aber nicht einmal aussuchen. Die Stärke von Aufschlagen versteht man erst, wenn man sich ein bisschen mit dem Yu-Gi-Oh!-Sammelkartenspiel beschäftigt hat. Es gibt 16 unterschiedliche Typen und viel mehr spielbare Decks – solange ihr nur auf kleinen Turnieren oder unter Freunden spielt. Deswegen ist es nur sehr schwer hervorzusagen, welche Karten euer Gegner wirklich spielen wird. Insofern hat Aufschlagen zwar den schwächeren Effekt, kann aber gegen jedes Deck eingesetzt werden, wohingegen Krieger-Eliminierung gegen einen Großteil der Gegner nicht aktiviert werden kann und nur gegen einige wenige Kontrahenten das Spiel im Alleingang entscheiden kann.

Diese Beobachtungen gelten natürlich nicht nur für diese beiden Karten. Als Yu-Gi-Oh!-Spieler sollte man wissen, dass es häufig besser ist, Karten zu spielen, die man nicht nur gegen bestimmte Decks einsetzen kann, sondern die gegen fast jeden Gegner effektiv sind. Sonst kann man zu häufig mit einer schlechten Hand starten und dadurch schon das Spiel verlieren.
Auf hohem kompetitiven Level kann man zwar ziemlich genau wissen, welche Decks die Gegner spielen werden, aber auch auf diesen Turnieren gibt es nicht nur ein einziges Deck (ausgenommen von ein bis zwei sehr komischen Formaten, die vor einigen Jahren gespielt wurden). Je nachdem wie dominant ein bestimmtes Thema ist, ergibt es manchmal Sinn, Karten in das Deck zu packen, die nur dieses Deck auskontern. Um dies tun zu können, muss man sich aber genau mit dem Spiel beschäftigen, um zu wissen welche Karten die Gegner spielen. Außerdem wird für das Kontern eigentlich das Side Deck genutzt. Man kann sich 15 Karten aussuchen, von denen man sicher ist, dass sie gegen häufig gespielte Decks stark sein können. Im Laufe eines Matches kann man dann Karten aus seinem Main Deck gegen Karten aus dem Side Deck austauschen, um im zweiten Duell besser auf das gegnerische Deck vorbereitet zu sein.

Karten sind wichtiger als Lebenspunkte!


Das Ziel des Spiels ist es, die gegnerische Lebenspunkte auf 0 zu reduzieren. Aus diesem Grund denkt man als Anfänger häufig, dass die Lebenspunkte die wichtigste Ressource im Spiel sind und integriert Karten in sein Deck, die Schaden an den gegnerischen Lebenspunkten verursachen. Es gibt natürlich Strategien, die darauf ausgelegt sind, den Gegner durch diese Effekte sehr schnell zu besiegen, aber es gibt nur sehr wenige Decks, die auf diese Weise erfolgreich sind. Die meisten Decks – auch wenn sich das in den letzten zwei Jahren ein bisschen geändert hat – versuchen Kartenvorteil aufzubauen und durch diesen Kartenvorteil das Spiel zu gewinnen. Um meinen geschätzten Kollegen Soulwarrior aus dem Jahre 2006 zu zitieren: “Denn nur wenn man sich möglichst nah an die grundlegenden Spielprinzipien, wie Kartenvorteil hält, kann man ein gutes Deck bauen!“ (das Zitat stammt aus seinem Artikel Kartenvorteil Part I). Ich habe als Spieler schon sehr schnell verstanden, dass es wichtig ist, die gegnerischen Monster zerstören zu können. Aus diesem Grund habe ich beispielsweise die Karte: Ehrung der Verdammten gespielt.



Diese Karte habe ich mir gleich drei Mal besorgt, da ich mit ihr – im Gegensatz zu zum Beispiel Spalt – aussuchen konnte, welche Monster ich zerstören möchte. Trotzdem ist die Karte in den meisten Decks viel schwächer als Spalt, da man für sie eine Handkarte abwerfen muss. Der Gegner verliert eine Karte, wohingegen man selbst zwei Karten verliert. Das bedeutet, dass man eine Karte weniger besitzt, mit der man den Gegner unter Druck setzen kann. Wenn der Gegner nächste Runde wieder ein sehr starkes Monster beschwört, steht man wieder vor dem gleichen Problem. Man möchte immer mehr Hand- und Feldkarten als der Gegner besitzen, um auf seine Spielzüge die richtigen Antworten zu haben und um selber de Gegner unter Druck zu setzen. Wenn man nur eine oder zwei Karten auf der Hand hat, ist die Wahrscheinlichkeit einen guten Zug machen zu können, weitaus geringer, als wenn man fünf Handkarten hält.

Aus diesem Grund ist es auch fast nie ratsam, ein gegnerisches Monster mit einer Fallen- oder Zauberkarte zu zerstören, wenn man es auch mit einem eigenem Monster überrennen kann. Wenn der Gegner beispielsweise Roter Apparat beschwört, man eine verdeckte Fallgrube auf dem Feld hat, gleichzeitig aber Fallenstellerin Myrmeleo auf der Hand hält, ist es fast nie ratsam, die Fallgrube auf den Apparat zu aktivieren. Man kann ihn zwar damit zerstören, dies könnte man aber auch höchstwahrscheinlich im nächsten Zug mit seinem Monster. Durch die Aktivierung der Fallgrube kann man einen direkten Angriff verhindern und somit 1300 Lebenspunkte „retten“, verliert aber eine Karte. Wenn der Gegner im nächsten Zug dann ein starkes Monster wie Maschinenwesen Antriebsrahmen beschwört, hat man keine Antwort auf das Monster, falls man seine Fallgrube vorher aktiviert hat – angenommen an hat kein Ziel für die Myrmeleo oder man hält ein anderes Monster auf der Hand. Auch hier gilt: Das Behalten der Karte ist sinnvoller, als das Schützen der Lebenspunkte, da man sonst im weiteren Verlauf des Duells weniger Antworten besitzt und dadurch höchstwahrscheinlich noch mehr Lebenspunkte verlieren wird.



Wenn man dies verstanden hat, sollte es relativ einfach sein, zu erkennen, warum Karten wie Gift des alten Mannes keine guten Karten sind. Man kann sie aktivieren und seinem Gegner 800 Schaden zufügen, oder sich selbst um 1200 Lebenspunkte heilen. Man erhält also sogar noch weniger Lebenspunkte als im obigen Beispiel. Falls man statt dem Gift, eine Spiegelkraft spielen würde, könnte man beispielsweise nicht nur seine Lebenspunkte schützen, sondern auch noch gegnerische Monster zerstören. Zusätzlich ist Gift des alten Mannes extrem schlecht, wenn man keine Karten auf der Hand hat und versucht, trotzdem noch im Duell zu bleiben. Solange man mit dieser Karte den Gegner nicht besiegen kann, hat sie auf dem Feld rein gar nichts geändert.
Wenn der Gegner zum Beispiel ein Monster auf dem Feld hat, aber keine Handkarten besitzt und man in seiner Draw Phase eine Karte zieht, kann man sich vielleicht durch das Erhalten der 1200 Lebenspunkte vor der Niederlage retten, der Gegner kann man in seinem Zug auch eine weitere Karte ziehen. Wenn er dann im nächsten Zug sogar zwei Monster auf dem Feld hat, ist es nur sehr schwierig, das Spiel wieder zu drehen.
Aus diesem Grund sind auch alle Karten extrem stark, die direkt beim Aktivieren Kartenvorteil erwirtschaften. Würde man in der beschriebenen Situation beispielsweise Topf der Gier ziehen – der glücklicherweise verboten ist – hat man zwei Möglichkeiten, die richtige Antwort auf die Hand zu bekommen. Deswegen sollte man auch versuchen sein Deck so aufzubauen, dass man durch bestimmte Kombos genau diesen Kartenvorteil erwirtschaften kann. Hierzu würde es in einem folgendem Artikel mehr geben.

Konstanz und Wahrscheinlichkeiten


Das Yu-Gi-Oh!-Deck eines Spielers muss zwischen 40 und 60 Karten enthalten. Anfangs macht man sich als Spieler nur wenig Gedanken darüber, wie viele Karten man wirklich spielen möchte. Häufig entstehen dabei relativ große Decks mit mindestens 50 Karten. Das liegt daran, dass Anfänger versuchen wollen, möglichst viele Kombos in ihr Deck zu integrieren und jede starke Karte in ihr Deck packen, ohne eine andere herauszunehmen. Wenn man sich die kompetitive Szene anschaut, sieht man, dass es nur sehr wenige Spieler gibt, die mehr als 40 Karten in ihrem Deck spielen. Die Begründung dafür ist relativ einfach: Wahrscheinlichkeiten. Es gibt Karten im Spiel, die einfach viel stärker sind als Andere. Jedes Deck hat seine eigenen Powerkarten, die es so schnell wie möglich ziehen möchte. Umso mehr Karten man spielt, desto geringer ist natürlich die Wahrscheinlichkeit, genau diese Karten zu ziehen. Als Anfänger sollte man sich also ein Deck mit seinen 40 stärksten Karten bauen, die auch einigermaßen zusammenpassen. Wenn man dann eine neue Karte bekommen hat, die man in sein Deck integrieren will, sollte man sich fragen, welche Karte die derzeit Schwächste oder Unwichtigste in seinem Deck ist. Wenn diese nun schwächer als die neue Karte ist, sollte man diese beiden Karten austauschen.
Ein Exodiaspieler würde beispielsweise auch nie mehr als 40 Karten in seinem Deck spielen, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, seine Exodia zu ziehen. Ähnlich funktioniert es mit wirklich jedem Deck: Man versucht seine stärksten Karten zu ziehen. Aus diesem Grund gibt es sogar einige Spieler, die der Meinung sind, dass man Emporkömmling Goblin in fast jedem Deck drei Mal spielen sollte, um sein Deck auf 37 Karten zu reduzieren.



Eine weitere Möglichkeiten die Karten in seinem Deck effektiv zu reduzieren sind Karten, die andere Karten aus dem Deck auf die Hand suchen können. Verstärkung für die Armee kann einen Krieger der Stufe vier oder niedriger auf die Hand suchen und dünnt somit das Deck um eine Karte aus. Neben diesem netten Nebeneffekt ist der eigentliche Grund für die Stärke dieser Karte aber, dass sie weitaus flexibler als ein Monster ist. Spielt man anstelle der Zauberkarte zum Beispiel ein Monster, hat man immer, wenn man es zieht, nur eine Option (das Monster selbst). Wenn man hingegen die Verstärkung zieht kann man sich eine Karte aus dem Deck aussuchen, die in der derzeitigen Situation am stärksten ist. Manchmal ist D. D. Kriegerin sehr stark, wohingegen in anderen Situationen eventuell Armageddonritter die bessere Karte wäre. Wenn man mehrere Ziele spielt, sollte man unbedingt diese Art der „Sucherkarten“ spielen, falls man genug Ziele in seinem Deck besitzt. Dies bringt auch Konstanz in euer Deck, da ihr durch diese Karten besser kontrollieren könnt, wann ihr welche Karte auf die Hand bekommt. Einige neuere Decks (Nekroz, Qliphort und Burning Abyss) sind gerade so stark, weil sie sehr einfach fast alle Karten des Decks auf die Hand suchen können.

Baut nun euer erstes Deck!


Ihr seid Anfänger und habt meinen Artikel nun endlich durchgelesen? Dann habt ihr hoffentlich einige der wichtigsten Konzepte des Deckbau verstanden und könnt euch nun ein eigenes Deck bauen, das sicherlich weitaus stärker ist, als die Decks, die ihr vorher gebaut habt. Ihr wisst nun, warum ihr eher auf die Karten als auf die Lebenspunkte achten solltet, das euer Deck gegen jegliche Gegner gewinnen können sollte und dass ihr versuchen solltet, euer Deck möglichst klein zu halten.
Ich würde mich natürlich freuen, wenn ein Anfänger mir in den Thread ein solches neues Deck posten könnte, um zu zeigen, wie viel er aus diesem Artikel gelernt hat. Wenn das nicht funktioniert, würde ich mich aber dieses Mal besonders über Feedback freuen!
Falls es euch gefallen hat und falls ihr weitere Anfängerartikel wünscht, würde ich mich auch freuen, wenn ihr es mitteilen würdet. Für Kritik bin ich natürlich auch immer offen.