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Wissenswertes – Lingering Effect

von hamidovic am 09.04.2018 um 19:22 Uhr
Ich würde mal behaupten, dass viele von euch die meisten Effekt-Typen von Yu-Gi-Oh kennen. Seien es Wenn/Falls-Effekte, Schnell- und Zündeffekte sowie all die anderen bekannten Effekttypen. Es gibt aber noch ein paar mehr als nur diese "Standard-Effekte", z.B. Lingering Effects. So geläufig ist diese Bezeichnung bei euch bestimmt nicht.
Was bedeutet eigentlich Lingering Effect? Wie kann man diese aktivieren? Gibt es Unterschiede unter ihnen? Und warum solltet gerade ihr sowas Wissen? Diese Fragen möchte ich nachfolgend erklären. Denn wir treffen in unserem Yu-Gi-Oh-Alltag ständig auf Lingerings(das hört sich irgendwie wie eine Fischart an​), aber ich denke, das die meisten es nicht mal mitbekommen.
Was sind Lingering Effects?
Lingering heißt auf Deutsch nachwirken, anhalten oder nachhaltig. In Yugioh ist damit gemeint, dass Karten, die sich nicht mehr auf dem Spielfeld befinden, einen nachwirkenden Effekt haben.
Das Besondere an diesem Effekt-Typ ist, dass sie nicht annulliert werden können, außer sie werden schon bei der Aktivierung der Karte annulliert oder verhindert.
Ein gutes Beispiel stellt hier Geschwisterbund dar. Diese Karte kann eine Vielzahl von Monstern beschwören, doch schlussendlich bleibt ein Lingering Effekt übrig, der es einem verbietet, für den Rest des Spielzugs weitere Monster spezial zu beschwören.
Karten mit Lingering Effects werden ganz normal aktiviert[1]. Der nachwirkende Effekt spielt in der Kette keine Rolle, da dieser entweder direkt oder später auftritt. Aber man kann tatsächlich Unterschiede bei Lingering Effects ausmachen. Wir können dabei von puren oder soften Lingering Effects sprechen(Auch wenn Lingering Effects nach dem Regelwerk nicht unterschieden werden, hab ich es hier trotzdem vor. Denn so bekommt man ein besseres Gefühl für Merkmale eines Lingering Effects). 
Pure Lingering Effects sind bspw. Karten wie Letzter Countdown, Kalte Welle, Gold-Sarkophag oder alle Virus-Karten wie zum Beispiel Kraftvoller Virus. Diese Karten wurden primär für ihren nachwirkenden Effekt designt. Im Grunde erfüllen sie keinen anderen Zweck als neue "Regeln" dem aktuellen "Regelwerk" hinzuzufügen.



Dabei können sich gute Combos ergeben, wie z.B. Gold-Sarkophag mit Riesen-Rex. Hier benutzt man nämlich Gold-Sarkophag um einen Riesen-Rex zu verbannen. Dieser ist dann verbannt und kann anschließend als Spezialbeschwörung beschworen werden ohne die zwei Züge, die den Lingering Effect darstellen, abwarten zu müssen. Hierdurch kann, wenn das Setup stimmt, entweder ein gutes generisches XYZ-Monster wie Tornadodrache gebaut werden oder selbiger Dino für eine Link-Beschwörung herhalten.

Auch Kalte Welle beinhaltet einen starken nachhaltig wirkenden Effekt. Wenn sie aktiviert wird werden nicht nur alle verdeckten Zauber- oder Fallenkarten für den aktuellen Spielzug lahmgelegt, sondern zugleich wird auch der nächste Zug des Gegners beeinflusst. Die Karte ist seit langem verboten und zeigt, welche Stärke Lingering Effects teilweise haben. Diese Karte pusht OTK-Decks, da der Gegner keine Zauber- oder Fallenkarten aktivieren oder setzen kann und hat zugleich keine Once-Per-Turn-Klausel[2]. Sie ist im ersten Spielzug fast schon ein Auto-Win und ein Comeback in späteren Zügen ist durch sie sehr viel einfacher. Keiner möchte solche Karten im Spiel sehen, die sich zu sehr auf das Spiel auswirken und einen unfairen Vorteil verschaffen. Vor allem, weil sie sehr lange nachwirken.
Aber auch die limitierte Karte Letzter Countdown ist ein Purer Lingering Effect. Ist sie einmal aktiviert, beginnt das Herunterzählen und der Gegner kann im späteren Verlauf des Spiels nichts dagegen unternehmen.
Soft Lingering Effects sind hingegen Karten wie zum Beispiel Kaliberlade-Drache, Vom Grab gerufen, Kraftbündnis, Mit Tricks zum Triumph, Magiebuch des Urteils oder Begrenzer-Entferner.
Diese Karten sind nicht primär für ihren nachhaltigen Effekt designt, sondern erfüllen hauptsächlich einen anderen Zweck beziehungsweise stellen sie Nebeneffekte der einzelnen Karten dar. So gesehen sind das stets Karten mit zwei Effekten.



Als Beispiel kann ich gut die neu erschienene Karte Vom Grab gerufen nennen: Ihr primärer Effekt dient dazu Karten ähnlich wie D.D. Krähe zu verbannen, während der Lingering-Effekt, die Aktivierung eines Effekts zu verhindern/negieren, einen Bonus darstellt. Mit dieser Karte kann sogar eine Handtrap wie Aschenblüte & Freudiger Frühling annulliert werden.
Hier mal kurz im Szenario erklärt: Zuerst wird Topf der Begierden aktiviert und somit zum Kettenglied 1. Dann wirft der Gegner Aschenblüte ab und kettet sie somit als Kettenglied 2 an. Nun reagiert der Zugspieler erneut, indem er Vom Grab gerufen aktiviert und Aschenblüte im Friedhof als Ziel auswählt, und somit als Kettenglied 3 hinzugefügt wird. Die Kette wird anschließend aufgelöst, weshalb Aschenblüte innerhalb des Kettenglieds 3 verbannt wird und anschließend, wenn der Effekt von Aschenblüte als Kettenglied 2 aufgelöst werden will, schreitet der Lingering Effect von Vom Grab gerufen ein und annulliert den Effekt. Dadurch kann dann der Topf der Begierden sich ohne Probleme auflösen und es werden die zwei Karten gezogen.
Zusätzlich erfüllt der Lingering Effect seine zweite Funktion, sodass der Gegner auch in seiner nächsten Runde keine weitere Aschenblüte aktivieren kann. Also haben wir somit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und sorgen dafür, dass die Hand des Gegners unter günstigen Umständen zu einer toten Hand verkommen kann.



Ein anderes Beispiel stellt Begrenzer-Entferner dar. Hier erhalten alle Maschinen-Monster bei der Aktivierung das doppelte ihrer derzeitigen ATK, werden aber in der End Phase durch den Lingering Nebeneffekt zerstört. Sollte also das Monster beispielsweise durch Nummer 81: Superkanonen-Panzerzug Super Dora nach der Effektauflösung von Begrenzer-Entferner geschützt werden, wird es trotzdem in der End Phase zerstört, da der Lingering Effect nicht annulliert wird/werden kann und durchgreift.
Warum sollte man diesen Effekt kennen?
Inzwischen sollte ein Verständnis für die Funktionsweise von Lingering Effects entstanden sein. Ich denke ihr könnt nun besser handeln, wenn euer Gegner eine Karte mit Lingering Effect aktiviert oder einen Lingering Effekt, der schon aktiviert wurde, ausführt.
Die Entscheidung, ob ihr solch einen Effekt durchgehen lasst oder annulliert sollte sich euch nun nicht mehr bei Karten wie Vom Grab gerufen stellen.



Ein interessantes Beispiel entsteht bei Topf der Gegensätzlichkeit. Aktiviert ihr Topf der Gegensätzlichkeit und der Gegner annulliert diesen mit Karten wie Feierliches Urteil, könnt ihr trotzdem noch spezialbeschwören, da dessen Effekt anulliert wurde. Aktiviert ihr aber erfolgreich Topf der Gegensätzlichkeit und wird dieser beispielsweise durch einen Effekt wie Fehler verhindert, könnt ihr den Rest des Spielzugs keine Spezialbeschwörung durchführen, da der Topf so weit wie möglich aufgelöst wird, was eben auch die Spezialbeschwörungseinschränkung beinhaltet.
Alles im allen bleibt es euch überlassen, wie ihr auf Lingering Effects reagiert und was ihr selber damit macht. Ich hoffe dieses Thema war für euch sehr aufschlussreich. Zu guter Letzt, ein paar Fragen an euch: Was haltet ihr von Lingering Effects? Wie konntet ihr sie bisher nutzen? Welche Karten mit Lingering Effects kennt ihr noch?

Falls ihr nicht genau wisst, was unter anderem Wenn/Falls Effekte bedeuten und wann sie aktiviert werden, dann schaut doch kurz mal hier vorbei.

Viele Grüße
hamidovic




[1] Wobei man nicht vergessen darf: Der Kartentext ist bei der Aktivierung immer entscheidend.

[2] Wobei eine Once-per-Duel-Klausel sie ebenso nicht fairer machen könnte.​