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Wie man eine YGO-Krise übersteht

von Deckcreator16 am 10.07.2019 um 21:11 Uhr
Es sollte nicht überraschend sein, das jeder von uns irgendwann mal unzufrieden mit dem Spiel ist, wie es aktuell ist. Entweder weil das Spiel eine Entwicklung annimmt, die einem nicht gefällt oder eben weil es eine sehr lange Zeit keine direkten Veränderungen im Spiel gibt. Dies ist im Grunde komplett normal und gehört eigentlich mit zum Spiel. Schlimm wird es bloß wenn uns diese Faktoren damit beginnen uns stärker zu beeinflussen, und sich Frustration und Ärger aufstaut, der sich dann beispielsweise im eigenen Spiel manifestiert.
Ähnlich erging es mir nach der deutschen Meisterschaft und staute sich langsam aber sicher bis kurz vor die Europameisterschaft weiter auf. Schließlich hat das Spiel in diesem Zeitraum keine wirklichen Veränderungen im Kartenpool bekommen(da müssten meines Wissens nur vier Karten aus der Dark Neostorm Special Edition hinzugekommen sein, welche kein bisschen Einfluss auf das Spiel genommen haben), und zugleich haben die folgenden National-Ergebnisse als auch die Ergebnisse der NAWCQ eine Entwicklung vorhergesagt, welche mir als Himmelsjäger-Spieler absolut nicht gefallen haben, nämlich ein steigendes Interesse an Donnerdrachen-Varianten. Das sich parallel dazu die "Brickrate" meines Decks gefühlsmäßig vervierfacht hatte, ohne was an dem Deck zu verändern, war dabei nicht fördernd, und Long Story Short hat dies dazu geführt das mir immer mehr und mehr die Lust auf die Europameisterschaft vergangen ist, und spätestens als sich das Bild dann auf dem Event wiederholt hatte, wurde nur noch mehr Frust aufgebaut. Und auch wenn es einem nicht direkt aufgefällt, so haben solche Frustmomente doch irgendwo einen Einfluss darauf, wie man spielt, da man sich nicht mehr vollständig auf das Spiel konzentriert und sich nur über diese frustrierenden Dinge(beispielsweise "das bricken") aufzuregen scheint.

Darum möchte ich heute einige Möglichkeiten aufzählen, um solch eine "YGO-Krise" besser zu überwinden.
Deckwahl mal komplett anders

Gerade wenn man über das eigene Deck sehr getiltet ist, weil es nicht so funktioniert wie es soll, kann es manchmal helfen zu einem anderen Deck zu greifen. Doch hier wird es meist schwer. Schließlich hat man sich nicht umsonst für Deck X entschieden und mit Deck X geübt. Entweder weil es einen enormen Vorteil gegen ein bestimmtes anderes Deck besitzt oder gegen eine Vielzahl von Decks optimal ist, oder einfach deswegen, weil es einem vom Spielstil oder dem Design besonders stark anspricht.
Aufgrunddessen das dies die Entscheidung schon sehr schwer machen wird, halte ich hier einen radikalen Ansatz für sinnig. Schließlich ist das Ziel der Deckwahl ja, dass man sich entweder wieder bewusst wird, warum man Deck X spielt(indem einem das andere Deck absolut nicht anspricht) oder um einfach wieder Erfrischung im Spiel zu bekommen, indem man sich an eine vollkommen andere Strategie klammert. So könnte man beispielsweise das Deck auswählen, weswegen man erst Deck X ausgewählt hat und so nicht nur die Möglichkeit finden, was eigentlich immer schief zu laufen scheint, oder um sich bewusst zu machen, dass auch dieses Deck "brickt", und die originale Entscheidung doch keine so schlechte war. Aber es kann auch sinnvoll sein, wenn man länger nur Decks mit einer bestimmten Strategie gespielt hat, stattdessen einfach das Deck auszuprobieren, was möglichst weit von dieser Originalstrategie entfernt ist.
So habe ich mich zum Beispiel entschieden, da ich effektiv über ein Jahr lang das immergleiche Deck gespielt habe, und zuvor auch eher zum Control-Deck als zum aggressiven Kombodeck gegriffen habe, einfach mal einen Versuch mit Gefahr!-Donnerdrachen zu nehmen. Dabei fiel mir nicht nur auf, dass ich zu stark auf Kombos fokussierte Decks nicht wirklich gerne spiele, sondern zugleich auch sehr viel Freude an der allgemeinen Konstanz der Hände entwickeln(da diese Decks eher Extender anstatt Sucher-Karten für die einzelnen Puzzleteile spielen) und mich daran erfreuen wie diese vielen Beatsticks dabei helfen, schnell und einfach gute Boards zu brechen. Und auch wenn ich keine Freude an Kombos habe, so spiele ich gerne Control-Decks, da diese meist gute Optionen haben, Boards zu brechen, und ich die gleiche Eigenschaft in diesem Deck wiedererkennen konnte. Ein wenig weitere Entwicklungen an dem Deck haben mich dann bei einem Gefahr!-Crusadia-Wachdrachendeck hängen lassen, welches die Komboabhängigkeit minimiert, die Konstanz weiter erhöhen und zugleich die Board-Breakability an ihr Maximum bringen kann. Und ich muss gestehen: gerade weil ich seit über einem Jahr nichts anderes gespielt habe, hatte ich schon lange nicht mehr so viel Freude daran, gegnerische Boards durch einfache Beatsticks zu brechen.
Eine andere Möglichkeit wäre es aber auch, sich einfach ein Deck oder eine Engine herauszupicken, um die man dann ein Deck baut und dieses einfach möglichst nah an einem optimalen Punkt zu bringen. So kann man nicht nur seinen Frust längerfristig vergessen, sondern auch seine Gedanken auf neue Wege und Kombos fokussieren, um frischen Wind für neue Gedanken zu schaffen, wenn man dann irgendwann zum alten Deck zurückkehrt.
Diese Strategie habe ich beispielsweise letztes Jahr verfolgt, als ich ein ähnliches Tief hatte und auf die Karte Multiplizieren gestoßen bin, um daraus das Kuriboh-Deck zu entwickeln, welches ich euch in diesem Artikel schonmal vorgestellt habe. Und auch jetzt habe ich das alte Deck aus dem Keller gekramt und geschaut, wie ich die seither erschienenen Karten benutzen kann, um das Deck besser zu machen.
Allgemein ist es auch keine schlechte Idee, solch eine "Blockade" dafür auszunutzen, die andere Seite der Medaille zu betrachten. Falls man sich beispielsweise sehr lange mit dem Competitive Format beschäftigt hat, kann es ganz sinnig sein, sich ein Casual/Non-Meta-Deck zu greifen und damit mal eine andere Herausforderung zu suchen und sich anderen Herausforderungen zu stellen, oder auf diesem Weg gar eine Lösung zu finden, um sein Problem direkt zu bekämpfen. Wobei das auch für die gilt, die mit ihrem Casual Playstyle in eine ähnlich missliche Lage gekommen sind, aus der sie nicht herauszukommen scheinen. Da kann es manchmal erfrischend sein, einfach mal einige Powerlevel weiter oben sich heranzuwaagen und entweder daraus eine Lösung des Problems zu entdecken oder sich gegebenenfalls mal in ein stärkeres Deck verlieben zu können. Schließlich muss ein gutes Deck ja nicht automatisch daraus resultieren, dass man den Spielstil oder andere Faktoren an diesem Deck nicht mögen könnte(insbesondere weil dieses Deck auf lang oder kurz eh Teil des Casual-Bereichs werden dürfte).
Zudem fördert dies(für beide Seiten) auch einen neutralen Blick auf die Spieler zu haben, die sich strikt an die andere Denkweise klammern und man so ein viel besseres miteinander auskommen erhalten kann.
Lasst uns mit ein paar Ziegen spielen

Ein anderer Ansatz um der "Krise", die man im aktuellen Spiel bekommen hat, zu entfliehen ist es auch gar nicht so unsinnig einfach mal weg vom aktuellen Format zu kommen und sich anderen, älteren, neueren oder gar nie existent gewesenen Formaten zu widmen um so ein wenig Abwechslung zu finden.
So ist es beispielsweise nicht ungewöhnlich wenn man sich an solch einem Punkt im Spiel dazu entscheidet, sich mit dem Goat-Format auseinander zu setzen und ein etwas anderes Yugioh genießen zu können. So kann man nicht nur ein Gefühl für das Spielen in einem alten Format wie diesem aufbauen, sondern hat auch die Möglichkeit, Spielsituationen aus ganz anderen Blickwinkeln zu betrachten und so sein normales Spiel nochmal anders zu überdenken. Schließlich ist es besonders hilfreich, die schwerer zu erzeugenden Ressourcen des Goat Formats anzusammeln und auch zu halten, oder ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wann Lebenspunkte wirklich mal entscheidend sein können, und wann nicht.
Aber man muss dafür nicht unbedingt das Goat Format ausprobieren. Es gibt viele andere Formate die einen gewissen Charme aufweisen, der einem auch in moderneren Formaten hilfreich sein kann. So hat beispielsweise das 2010er "Edison-Format" viele Fans, aber auch das sehr aggressive "Dragon Ruler Format" oder das "Rimini 2017 Zoodiak-Format" kann interessante Facetten erbringen. Vielleicht interessiert einen aber auch eher ein Format, welches mehr Möglichkeiten bietet, wie es einst das "HAT-Format" geboten hat. Man sieht also dass es als alternative Formate nicht nur das "Goat Format" gibt, sondern auch viele andere in denen man Spaß und Freude haben kann.
Um ein kurzes Beispiel zu bringen habe ich eine sehr kleine Gruppe an Spielern, mit denen ich jedes Jahr zur Animagic reise. Und da wir hierzu schon Donnerstag anreisen, und keiner von ihnen mehr im aktuellen Format mitspielt, planen wir für den Donnerstag-Abend, dem "Tag 0", immer wieder ältere Formate ein, um nicht nur ein kleines Ritual zu verfolgen, sondern um uns auch fürs Wochenende einzustimmen. Schließlich sollen wir, insbesondere ich, während dieser Zeit mal nicht an Yugioh und insbesondere das aktuelle Format denken, weshalb es sich anbietet dieses mit nicht mehr existenten Formaten gebührend zu feiern. Und auch wenn ich wie gesagt kein Freund von Goat bin, kann selbst ich einen Abend lang mich mit dem Format abfinden. Auch wenn ich versuchen werde, dieses Jahr als Alternativformat das "2017er Rimini Format" vorzuschlagen, da dies das letzte Format war, welches ich mit einem Großteil dieser Leuten gemeinsam erlebt habe.
Wobei man sich auch nicht auf Formate beschränken muss, die es auch wirklich gegeben hat. Wie wäre es beispielsweise mal mit einem "Cube", sprich ein Custom Format in welchem man den Kartenpool frei bestimmt(meist gut gespickt mit Lieblingskarten der Mitspieler) oder auch ein eher ungern gespieltes Format wie beispielsweise die Draft Formate, wie man sie beispielsweise von Sneaks kennt. So muss man sich auch nicht unbedingt auf ein Set versteifen und kann sich direkt drei oder vier verschiedene Booster-Sets als Themenpool auswählen, und so verschiedene Strategien verfolgen. Das ist besonders dann attraktiv, wenn ein lokaler Laden diese Booster-Sets gerade im Sonderangebot hat ;) .
Auch hierzu gibt es eine kleine Geschichte von mir. Denn bevor ich 2017 auch wirklich gezielt Competitive Play auf großen Events durchführen konnte, hatte ich eine Gruppe von Spielern mit denen ich viel und häufig gedraftet oder "gecubet" habe. Gerade da keiner von uns, mit Ausnahme von mir, große Lust auf das aktuelle bzw. anstehende Format hatten, haben wir umso häufiger gedraftet, was nochmal dadurch gefördert wurde, das der lokale Game Stop massenweise ältere Yugioh-Boosterpacks zu stark vergünstigten Preisen angeboten hatte. Und auch wenn ich viele der Karten nicht wirklich gebraucht habe, hatten wir so recht schnell einen spaßigen Tag geschaffen, und einfach mal alles unschöne aus dem aktuellen Format vergessen.
Und für die Leute, die bisher immer noch nicht das richtige für sich gefunden haben, die können sich ja auch einfach mal an Duel Links beziehungsweise dem realen Equivalent Speed Duel heranwagen. Gerade bei letzterem muss man auch nicht unbedingt direkt mit dem Kauf allerlei Produkte oder Einzelkarten beginnen, nur um an die heißbegehrten Karten mit der "Speed Duel"-Inschrift zu kommen, sondern kann sich seine Decks erstmal auch nur aus Karten bauen, die er schon aus etwaigen normalen Boostern oder Decks bekommen hat. Denn auch wenn die teureren Speed Duel Karten gerade mal 10€ schwer sind, so stellt dies doch schon eine Barriere da, wenn man sich einfach nur an was anderes heranwagen will, oder einfach nur das normale YGO für eine kurze Zeit vergessen möchte.
Einfach etwas Abstand halten

Eine andere Möglichkeit ist da schon etwas radikaler, kann dafür aber umso mehr helfen, wenn man sich in einer spielerischen Krise befindet. Denn ähnlich wie das ausprobieren von Speed Duel kann es manchmal ganz sinnvoll sein, sich direkt mit einem ganz anderen TCG zu beschäftigen. Dies hat unter anderem den Vorteil dass man so andere Aspekte von anderen TCGs sehen und mit den vorhandenen von YGO vergleichen kann, aber auch womöglich eine ganz andere Playerbase kennen lernen kann. Doch was ich als besonders wichtig empfinde: man lernt so gegebenenfalls YGO nochmal richtig zu schätzen, wenn man sich spätestens in dem anderen TCG mit dessen Problemen rumärgern muss.
So war ich früher dafür bekannt, das ich über die Sommerzeit gerne mal zu einem anderen TCG gegriffen habe, und dieses über den Sommer genossen habe. Ich habe auf diesen Weg viele neue Spieler kennengelernt und auch die unterschiedlichen Eigenschaften der verschiedensten TCGs kennen und zu schätzen gelernt. Und ich denke auch dass dies ein essentieller Faktor ist, weshalb ich mich in diesem Spiel so sehr verbessern konnte, da ich einige wichtige Dinge aus anderen Spielen erlernen konnte.
Wobei man manchmal die Antwort auch in anderen TCGs nicht finden kann. Es gibt auch Krisen die kann man nur überwinden wenn man einfach etwas Abstand vom Spiel hält. Wie groß und intensiv dieser Abstand dann ist hängt halt von der persönlichen Krise ab. So kann es manchmal helfen wenn man einfach mal eine Woche lang die Karten nicht in die Hand nimmt. Aber es kann auch gut sein das schon drei Tage ausreichen, wenn man in diesem Zeitraum einfach mal gar nichts mit Yugioh am Hut hat. Beispielsweise indem man nichtmal mehr die täglichen News auf eTCG checkt. Die so gewonnene Zeit kann man dann in anderen Hobbys, wie beispielsweise einem Videospiel oder auch einfach mal einer kompletten Serie stecken und seinen Kopf mit ganz anderen Gedanken füllen. Oder man nutzt die so frei gewordene "Energie" dafür, um irgendwas sinnvolles zu machen. Indem man beispielsweise ein Privates Projekt startet(zum Beispiel indem man endlich den Zaun streicht) oder einfach mal irgendwas von der Seele schreibt. Unter anderem entsteht in diesem Moment ja auch dieser Artikel aus einem ähnlichen Grund.
Der Sinn dahinter liegt einfach darin, dass man sich einfach mal komplett vom Spiel löst und sich erstmal wieder selber finden kann. Und wenn man dann nach der Pause zurückkehrt kann man in kürzester Zeit wieder richtig Vollgas geben.
Krisen sind nicht ideal, aber sie können einen weiterbringen
Ich hoffe mal, dass man inzwischen zu genau dieser Erkenntnis gekommen ist. Denn wie auch im normalen Spiel lernt man nicht wirklich viel aus seinen Siegen, sondern viel eher aus seinen Niederlagen. Und so ähnlich ergeht es einem auch mit den Krisen: wenn alles glatt läuft und man keine Probleme sieht, so wird man einfach immer weiter mitschwimmen, doch wenn man erstmal in einer solchen Krise steckt dann kann es einem Vorteile erbringen, die man sonst gar nicht erst hätte erblicken können. Obs nun neue Freundschaften in anderen TCGs oder Spielen sind, neue Erfahrungen aus anderen Formaten oder einfach nur dass man sich an ein komplett anderes Deck gewagt hat, das man plötzlich richtig gerne spielt, können mögliche Ergebnisse sein.
Doch jetzt möchte ich das Wort an euch weitergeben: hattet ihr schon solche Krisen? Wie seit ihr damit umgegangen? Hat euch eure Strategie weitergebracht oder hat es sogar alles noch weiter verschlimmert? Schreibt doch was dazu in den Diskussionsthread.