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Spielen für die Wohltätigkeit

von Deckcreator16 am 13.12.2019 um 14:34 Uhr
Seit dem letzten Wochenende hat es endlich wieder begonnen: die Charity Events haben wieder begonnen. Und die Leute die mich privat kennen wissen ganz genau, dass diese Art von Events zu meinen liebsten Events gehören. Deshalb möchte ich euch heute erläutern warum ich darauf immer so heiß bin, und warum ihr euch gegebenenfalls auch mal dran versuchen solltet:
Es rentiert sich

Zuerst einmal muss ich natürlich mit dem komplett offensichtlichen starten: ein Charity Event hat von allen Events, für jeden Spieler, das perfekte Preis-Leistungs-Verhältnis.
Dafür trage ich einmal zusammen wie diese Turniere im Detail aufgebaut sind. Um bei einem Charity Event mitmachen zu können brauch man anders als bei normalen Events keine Teilnahmekosten zu bezahlen, sondern bezahlt diese Teilnahmekosten in Form von fünf Lebensmittel-Konservendosen mit je mindestens 400 ml[1]. Diese werden "laut Spielregeln" während des kompletten Events mitgeführt und muss wenn man von den vorgegebenen fünf Swiss-Runden Spielzeit(unabhängig von der Teilnehmerzahl) bei jedem Match Loss eine Dose an den Gewinner geben(bei einem Draw bleiben die Dosen beim jeweiligen Besitzer). Am Ende des Events werden die Dosen 1:1 gegen OTS-Booster der aktuellen Edition eingetauscht. Tritt hingegen der Fall auf, dass man alle Matches verloren hat, und rein rechnerisch nur noch 0 Dosen besitzen würde, bekommt man mindestens 1 OTS-Booster als Trostpreis(teilweise gibt es lokale Events die zusätzlich noch eine Spielmatte vergangener Events oder gar OTS-Spielmatten austeilen).

Beginnen wir also mit den "Big Math"-Plays: Konservendosen variieren je nach Inhalt und je nach Größe zwischen 0,80€ und 1,50€ je Dose(für dieses Beispiel entscheide ich mich für die 1,50€ Variante). Macht bei Mitnahme von fünf Dosen also 7,50€. Wenn man von den standardisierten Teilnahmekosten von 3€ für eine Local(standardisierter Teilnahmepreis ist auch hier 1 OTS-Pack) ausgeht bezahlt man zwar 2,5 so viel, dafür ist aber auch die Gewinnausschüttung um einiges höher.
Man erhält nämlich nicht nur 5 Runden(je nach Local variiert die Rundenzahl normalerweise zwischen 3 bis 6 Runden, der Durchschnitt liegt aber bei 4 Runden, weshalb man so 1 Runde mehr spielen kann) bei denen man spielen kann, sondern zugleich ist es auch leichter mehr Preise zu ergattern. So bieten die meisten Locals nur für die bestplatzierten Spieler 1 bis 3 weitere OTS-Packs, während die schlechter platzierten Spieler neben ihrem Teilnahmebooster natürlich leer ausgehen.
Anders schaut es aber bei einem Charity Event aus. Denn wenn wir unsere Zählweise anders betrachten, nach welchem jeder Spieler mit 0 Dosen beginnt, kann man es folgendermaßen umrechnen: für jedes gewonnene Match gibt es zwei Dosen/Booster(man bekommt das eigene welches man "gesetzt" hat und das vom Gegner), für jedes unentschieden eine Dose/Booster und für eine Niederlage keine(Ausnahme natürlich wenn man gar kein Match gewonnen hat). Im Klartext bedeutet dies, dass man alleine durch einen Sieg und ein Unentschieden genug Dosen/Booster erwirtschaftet hat um mit +-0 aus dem Rennen zu gehen. Und das sollte bei fünf Runden eigentlich fast immer möglich sein, wenn man sich nicht gezielt selber sabotiert(und damit meine ich mehr als nur vereinzelte Missplays macht). Interessanter wird es dann aber für jeden weiteren Sieg, mit dem man effektiv einen Gewinn erzeugt.

Besonders interessant wird das ganze aber erst dadurch dass der OTS-Pack-Zyklus genau so optimiert wurde, dass es immer zu beginn der ersten Charity Events das neuste OTS-Pack gibt. Und schon das alleine erzeugt einen weiteren Grund, warum viele Spieler möglichst die Chance ergreifen wollen, diesen Events beizuwohnen um die heißbegehrten neuen Ultimate Rares sowie die interessanten Super Rares zu erhaschen. Da man bei einem solchen Event relativ viele OTS-Booster gewinnen kann, ist es somit sehr viel einfacher an diese Karten möglichst schnell heranzukommen, und so sein Repertoire zu erweitern oder aufzuhübschen.
Hierbei möchte ich noch abschließend hinzufügen, dass, wenn man die OTS-Packs im Jahresvergleich betrachtet, meist im Dezember-OTS-Pack die interessantesten Karten ausgewählt werden, um diesen Hype noch viel stärker auszureizen.
Es fördert das gute Gewissen

Doch noch wichtiger ist aus meiner Sicht ein ganz anderer Gewinn: den eines guten Gewissens. Denn wie bekannt sein dürfte werden die als Teilnahmekosten erspielten Dosen einem wohltätigen Zweck in der entsprechenden Ortschaft gespendet.
Aufgrund dessen ist es meiner Ansicht nach auch besonders wichtig, dass man nicht nach der letzten Lücke in diesem System sucht, um den eigenen Gewinn zu maximieren[2]. So ist es für mich persönlich nicht nur Tradition geworden, immer direkt 800 ml Dosen zu nehmen, sondern auch mit 6 statt 5 Dosen anzukommen. Damit kann man dann nicht nur sein Gewissen noch ein bisschen besser pushen, sondern hat im Regelfall auch noch minimum eine Dose übrig, die man an einen anderen Spieler abtreten kann, wenn bei dem irgendwas schief gelaufen ist(klingt zwar komisch, gibt aber auch immer wieder Leute die plötzlich nur mit 4 Dosen ankommen. Und meist sind das nichtmal Leute die "böses" wollen, sondern einfach Leute die sich verlesen haben oder sonstwie schusselig sind).

Zudem möchte ich noch auf ein wichtiges Element eingehen, auf das bisher niemand geschaut hat: denn die Charity Events sind nicht nur ein "Gewinn" für die Spieler und die, für die die Spenden sind, sondern auch für das Image Konami's. Denn in vereinzelten Regionen kommt es immer mal wieder zu Zeitungsartikeln in der Lokalpresse und andere medialen Aufmerksamkeiten, in denen solche Äkte der Wohltätigkeit nochmal besonders hervorgehoben werden, und damit das Image des Spiels auch im minimalen Umfang verbessern kann. Man kann damit also die OTS-Produkte, welche hier als Ausgleich ausgegeben werden, als Marketingkosten für das Image Konami's "absetzen". Da die OTS-Packs auch noch aus der eigenen Produktion kommen, und somit die Produktionskosten mikroskopisch im Vergleich zu anderen Marketingmaßnahmen[3], ist das schon ein relativ guter Deal.
Und auch wenn solche Lokalpresse minimal erscheint, so hat es meist doch eine größere Auswirkung als sich viele Leute vorstellen können. Wenn ich alleine schon ein Beispiel meinerseits ziehen kann: als ich damals versucht habe meiner Familie(aka. den Großeltern die schon immer argwöhnisch auf das "Kinderkartenspiel" geschaut haben) gute Gründe zu nennen, warum man dieses Spiel spielen dürfe/könne, waren die Charity Events schon immer eine der besten Argumente, da diese auch von einem sozialen Aspekt eine große Auswirkung haben.

In Summe handelt es sich bei den Charity-Events also um ein Win-Win für die Spieler, für die Bedürftigen und auch für Konami selbst.
Es hat eine lockere Atmosphäre

Meist werden Charity Events von den Turnier-Organisatoren als Ersatz oder als Zusatz zu den gewöhnlichen Locals abgehalten. Darum, und weil es eher selten der Fall ist, das Spieler für die Charity Events größere Touren auf sich nehmen, ist es kein Wunder dass sich meist lokale Spieler bei den Charity Events auffinden. Und gerade unter den lokalen Spielern sind meist besonders die Spieler vom Charity Event angetan, die nicht unbedingt Competitive/Meta spielen, und sich eher mit Rogue Decks durch ihre Gegner schnetzeln wollen.
Zudem sind die Charity Events meist der Beginn der "Winterpause", in welcher es keine bis wenig große Events gibt und wo viele Spieler dazu neigen, ihre bisher gespielten competitiven Decks zu verkaufen, um Geld für die Sets und Decks nach der Winterpause anzusparen. Somit ist es allein aus diesen Gründen schon häufiger dazu gekommen, dass selbst die Competitive getrimmten Spieler eher mal zu einem Rogue oder Fun Deck greifen, die sich in ihrer Sammlung zu verstecken scheinen.
Wobei es auch eine unausgesprochene Tradition ist, nicht unbedingt mit einem Meta Deck anzukommen, und ruhig mal den etwas "anderen" Decks eine Chance zum spielen zu geben. So konnte man bei mir beispielsweise im Dezember 2017 einen Zoodiak-Spioral-Hybriden(hier waren von den Spioral-Karten nur die beiden Stufe 4-Spione sowie Spioral Doppelhelix im Deck integriert worden, und nicht das Komplettpaket mit Spioral Schläfer, Spioral Generalplan und ähnlichen Karten) erblicken, mit dem ich schon vorher vereinzelte male experimentiert habe, während ich mich letztes Jahr schweren Herzens gegen mein Lieblingsdeck, Himmelsjäger, entschieden habe um mich auch mal am bis dato bekannten Sekka's Licht-Brennender Abgrund heranzuwagen[4]. Und eigentlich hatte ich auch dieses Jahr vor wieder einen "Eimer voller Überraschungen" aus zu packen, musste dies aber "leider" ausfallen lassen, da mir mein aktuelles reales Leben keine Chance gegeben hat, mir irgend ein lustiges Deck einfallen zu lassen und dieses genügend anzutesten.

Doch auch wenn die Deckwahl einen großen Einfluss darauf hat, ist es nicht das einzige, was dafür sorgt das die Charity Events die "lockersten" des Jahres sind. Denn je nachdem wie die Turnierorganisatoren drauf sind, wird teils mit entsprechender Dekoration und/oder Weihnachtsgebäck versucht eine Stimmung zu erzeugen, die nicht an ein Yugi-Event erinnert, sondern eher an eine Weihnachtsfeier. Und das zeigt auch genau diese Wirkung, da man so auch irgendwie die Chance hat, mit seinen Freunden und bekannten aus dem TCG eine solche Weihnachtsfeier im ordentlichen Rahmen durchführen kann. Denn was wäre wohl eine "Yugioh-Weihnachtsfeier" ohne eine ordentliche Portion an Duellen?
Gibt es irgendwelche Nachteile?
Schlussendlich stellt man sich wohl die Frage ob es irgendwelche Nachteile gibt, wenn man ein Charity Event besucht. Und wenn man bis hier hin gekommen ist, sollte jedem wohl klar geworden sein, dass es solche nicht wirklich gibt. Den einzigen wirklichen Nachteil den es aus meiner Sicht gibt, ist die Exklusivität der Charity Events auf den Dezember.
Denn gerade im Dezember ist es häufiger so, dass der allgemeine Konsens zum "spenden" größer ist, als im gesamten Rest des Jahres. Dies führt dazu dass die wohltätigen Organisationen meist zu viele Spenden in diesen Monaten erhalten, und dies meist zu viel ist, um es übers Jahr hinweg einlagern zu können. Das mildert meiner Meinung nach den wohltätigen Gedanken hinter der ganzen Aktion, da es "eben nur eine der vielen anderen Wohltätigkeiten im Dezember" darstellt. Ich persönlich fände es sinnvoller wenn diese Events mehr über das Jahr verteilt durchgeführt werden, idealerweise um verschiedene "Eventlöcher", wie zum Beispiel das "Sommerloch" nach der Weltmeisterschaft oder die tote Phase zwischen der ersten YCS des Jahres(bisher immer im Februar) bis zum Beginn der Nationals(Start etwa im Mai) zu füllen.
Aber an diesem Punkt möchte ich für heute schluss machen. Was haltet ihr von Charity Events? Was mögt ihr an diesen Events am allermeisten? Habt ihr Dinge die ihr daran gar nicht leiden könnt oder wart ihr vielleicht noch auf gar keinem solchen Event(und wenn ja, warum)? Schreibt doch was dazu in den Diskussionsthread.




[1] Achtung. Bitte informiert euch im voraus ob dies auch bei dem Event gilt, an dem ihr teilnehmen wollt. Es gibt Events dort werden andere Maße vorgegeben, wie beispielsweise 500 ml je Dose oder sogar 800 ml je Dose.
Laut offizieller Konami-Seite ist aber die Größe von 400 ml Pflicht(welche mindestens noch 2 Monate vor dem Verfallsdatum stehen MUSS). Weiterhin sollte zu erwähnen sein dass es nicht legitim ist Nicht-Lebensmittel-Konservendosen, wie beispielsweise Tierfutter oder gar leere Tupper-Dosen mitzubringen(letzteres klingt absurd, doch das passiert immer mal wieder...).


[2] Ich erwähne es an dieser Stelle nochmal: Tierfutter, leere Tupperdosen und andere solcher Dinge(zumindest der Tierfutter-Part wurde in den letzten Jahren hinzugefügt/gezielt ausgeschlossen) sollten nicht unbedingt gesucht werden. Stellt euch einfach vor, ihr müsstet die Dinge essen, die ihr hier spenden wollt. Und da würdet ihr es bestimmt nicht so cool finden, wenn nur 50 Dosen Tomatenmark vor euren Füßen gestellt werden, mit denen man alleine keine ordentliche Mahlzeit zaubern kann. Gleiches gilt meiner Ansicht nach auch für "nur Erbsen und Möhren", "Mais" und ähnliche Taschenspieler-Tricks. Hier empfehle ich eher Dinge wie vollständige Eintöpfe, da diese meist schon alles enthalten um eine vollwertige Mahlzeit zu besitzen, und können zugleich mit weiteren Zutaten sehr gut erweitert werden, sodass auch mehr als ein oder zwei Personen davon satt werden können. Und nehmt hier auch ruhig verschiedene Sorten, damit auch ein wenig Auswahl herrscht.
So hat man nicht nur selber gleich ein viel besseres Gewissen, sondern muss sich bei der Abgabe der Dosen nicht noch dafür schämen, was man ausgewählt hat, da man mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Turnier-Organisator auf die Produktwahl angesprochen wird.

[3] Für die meisten Leute klingt es absurd, aber wusstet ihr eigentlich das Großturniere wie YCS's oder Nationale Meisterschaften/Europameisterschaften/Weltmeisterschaften einzig und alleine riesige Kostenträger sind, und die Gewinnspanne gegen den Nullpunkt gehen(beziehungsweise meist nur Verluste erzeugen)? Die meisten Spieler denken nämlich dass man mit den "20€ Teilnahmekosten" pro Spieler einen riesigen Gewinn erzeugen würde. Doch die Wirklichkeit sieht meist anders aus, da damit nicht nur die Location bezahlt werden muss, sondern auch die jeweiligen Teilnahmepreise, "Preise in General", Judge-Belohnungen aber auch das Equipment sowie die tatsächlich angestellten (meist Freelancer-)Staffmitglieder. Alleine das Coverage-Team erzeugt durch verschiedenstes Equipment und bezahlten Mitarbeitern eine horrende Summe, die sich die meisten nichtmal im Traum vorstellen können.
Und wenn es dann auch noch zu solchen Spontanaktionen wie damals auf der YCS Düsseldorf 1 beziehungsweise 2, wo man nicht nur spontan eine zusätzliche Location buchen musste, sondern auch noch zusätzliche "On Demand Judges" aufstellen musste, ist das meist eine riesige Ausgabe. Besonders wenn man dann noch "Entschädigungen" für die Spieler erbracht hatte(beispielsweise eine Kostenfreie Bahn-Fahrt von "YCS Düsseldorf 1" zu "YCS Düsseldorf 2") oder ähnliches bietet.
Und all diese Ausgaben werden dann offiziell unter den Marketingkosten gelistet, da die Turniere eben genau dafür da sind, um die Aktivität und Präsenz des Spiels zu zeigen.

[4] Klingt jetzt zwar nicht wirklich nach einem "Fun Deck", aber für jemand der seit einem halben Jahr ein reines Zauberkarten-Deck gespielt hat, und plötzlich ein reines Monster-Deck auspackte, war es schon ein enormer Kulturschock. Ich habe diese Entscheidung damals auch direkt nach dem ersten Match bereut, da ich mein geliebtes Deck schon da nach nur einer Starthand vermisst habe...