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Wie werde ich besser in Yugioh?

von misterfirstblood am 25.03.2020 um 15:47 Uhr
Hallo zusammen! Heute geht es um das Thema "Wie werde ich besser in Yugioh?".
Zwar habe ich selbst leider noch keine Tops oder Turniersiege vorzuweisen, trotzdem ist dies ein Thema, was mir persönlich ziemlich wichtig ist, da ich in meinen mittlerweile schon fast drei aktiven Spieljahren auch schon öfter das Gefühl hatte, auf der Stelle zu stehen.
Um euch aus diesem Loch herauszuhelfen, versuche ich in diesem Artikel gemeinsam mit euch zu analysieren, wo die persönlichen Schwachpunkte liegen und was man tun kann, um sich langfristig im Spiel zu verbessern.
Ein Fundament schaffen

Egal, ob deutscher Meister oder Hobbyspieler, da sich dieser Artikel an alle Spielergruppen richten soll, ist es auf jeden Fall notwendig, jeden von uns zunächst auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Damit meine ich in erster Linie ein generelles Spielverständnis sowie das Beherrschen der Spielregeln.
Diese sind nämlich im Vergleich zu anderen Spielen sehr komplex und ich kann euch garantieren, dass ihr diese nicht innerhalb von einem Tag oder einer Woche vollständig beherrschen werdet.
Besucht ihr also, nur weil ihr den Anime gesehen habt, mit eurem Structure Deck ein größeres Turnier und habt euch sonst noch nicht tiefgründiger mit dem Spiel auseinandergesetzt, werdet ihr euch und eurem Gegner damit vermutlich keinen Gefallen tun.
Das offizielle Regelbuch sowie einen Einsteigerguide findet man in mehreren Sprachen als Download auf der offiziellen Yugioh Seite.
Einsteigerguide und Offizielles Regelbuch
Diese Dokumente verschaffen euch zunächst einen groben Überblick, wie ein Spiel in der Praxis aussehen kann. Darüber hinaus lege ich euch unseren foreneigenen Sammelthread für Rulings, Richtlinien und Nachschlagewerke ans Herz, da diese umfangreicher als das Regelbuch sind.
eTCG Sammelthread für Rulings, Richtlinien und Nachschlagewerke
In englischer Sprache gibt es auf ygorganization ebenfalls sehr ausführliche Erklärungen zu den einzelnen Themen mit anschließenden Quizfragen, um sein Wissen unter Beweis zu stellen.
YGOrganization: Demystifying Rulings
Englisch ist ebenfalls etwas, was bei Yugioh sehr nützlich sein kann. Spätestens, wenn ihr online spielt oder ein internationales Event oder eine YCS besucht, kann es vorkommen, dass euer Gegner neben seiner primären Sprache lediglich Englisch beherrscht.
Euch aufzufordern, für ein Kartenspiel eine neue Sprache von Grund auf zu erlernen, wäre übertrieben, aber es wäre dennoch nützlich, zumindest die Brocken, die sich im PSCT (problem solving card text) stetig wiederholen, zu beherrschen. Damit sollte man dann nämlich in der Lage sein, englische Kartentexte zu verstehen.
Dass bei mittlerweile 10.000 existierenden Karten trotz der verlinkten Quellen hier und da mal eine Regelfrage auftaucht, ist selbstverständlich und das wird euch in den meisten Fällen auch niemand verübeln.
So viel mal zu den Basics. Jetzt haben wir eine gute Basis, um mit dem eigentlichen Spielen zu beginnen. Jedoch fehlt an dieser Stelle natürlich noch ein Deck, womit wir beim nächsten Punkt angekommen wären.
Du bist nur so gut wie dein Deck und dein Deck ist nur so gut wie du


Ich möchte an dieser Stelle eigentlich nicht zu tief darauf eingehen, wie man ein perfektes Deck baut, denn das wäre ein Thema, welches vom Umfang her mindestens einen eigenen Artikel für sich verdienen würde.
Dennoch ist das gespielte Deck einer der Faktoren, welcher eure Siegesrate vermutlich noch mit am stärksten beeinflusst, daher ist es notwendig, einige Punkte bezüglich der Deckwahl und des Deckbaus hier zu besprechen.

Zunächst einmal ist es wichtig, zu verstehen, was ein Meta ist und wie es entsteht.
Nach jeder Banlist oder Erscheinen eines Sets, welches Potenzial für gewisse Deckthemen mit sich bringt, dauert es meistens nur ein bis zwei Events, bis sich daraus das aktuelle Format (Meta) bildet. Hier stechen dann meistens ein bis fünf Decks heraus, auch Meta Decks genannt, welche sich als beste Decks des aktuellen Formats durchsetzen. Manche Decks sind aufgrund ihrer puren Spielstärke Meta und andere, weil sie genau die Decks Kontern, die gerade ihr Momentum genießen. Unabhängig davon, auf welchen dieser Züge ihr aufspringt, haben diese Decks meistens eine sehr hohe Konstanz, was ebenfalls auch ein sehr wichtiges Kriterium ist, wenn man auf einem großen Event bei teilweise über zehn Runden im worst case 30-40 Duelle hintereinander damit spielen muss.

Das ist auch einer der Gründe dafür, warum die Decklisten der Profispieler meistens relativ unspektakulär aussehen, da sie eben versuchen, ihr Deck so konstant wie möglich zu bauen und wenige Spielereien (spice) einzubauen, die eigentlich nicht notwendig sind.
"Win more" Karten (lassen ohnehin gewonnene Spiele noch eindeutiger aussehen, sind aber in knappen Spielen oft nutzlos) oder zusätzliche riskante Bricks, welche nicht zwingend die Win Condition des Decks unterstützen, sollten also vermieden werden, da genau solche Entscheidungen gerade bei vielen Spielen am Stück öfter bestraft als belohnt werden. Letztendlich ist es nämlich egal, ob ihr dem Gegner 8000 oder 32000 Life Points abzieht, Hauptsache ihr habt gewonnen.

Auch müsst ihr euch an das entsprechende Format anpassen, nicht nur was eure Deckwahl an sich betrifft, sondern auch was die Karten an sich im Main- und Side Deck angeht. Sind alle der Top fünf Meta Decks also Combo Decks mit 30-40 Monstern in ihrer Liste, könntet ihr also überlegen, euer Spell & Trap Removal in euer Side Deck zu verschieben und durch Handtraps zu ersetzen, die bestenfalls viele dieser Decks stark ausbremsen.
Für welches Deck ihr euch letztendlich entscheidet, liegt natürlich bei euch. Entscheidet ihr euch für ein Meta Deck, könnt ihr zumindest schonmal davon ausgehen, dass es sich um ein recht spielstarkes Deck handelt, welches durchaus in der Lage ist zu gewinnen. Hierbei sind allerdings auch zwei Dinge zu beachten. Erstens muss euch das Deck auch Spaß machen, denn ihr müsst definitiv auch in ein vielleicht nicht so komplexes Deck eine Menge Zeit investieren, um es inklusive jeglicher Matchups spielen zu lernen und das macht man erfahrungsgemäß nicht ausreichend, wenn einem das Deck nicht zusagt.

Der zweite Ratschlag, den ich euch geben möchte, ist nicht blind irgendeine Liste aus dem Internet zu kopieren, nur weil diese vor kurzem ein Event gewonnen hat. Ihr könnt euch gerne Inspiration im Internet holen und oft sind die Ratios der gespielten Karten in vielen Listen größtenteils identisch, weil sie auch gut so sind, dennoch solltet ihr auch in der Lage sein, eigenständig zu erkennen, welche Karten für euch am besten passen. Denn dies kann schon von Location zu Location und von Event zu Event komplett unterschiedlich sein. Zudem ist eine solche Deckliste ab dem Zeitpunkt, an dem ihr sie kopiert habt, genau so für andere Spieler zugänglich, wodurch andere Spieler Deckunabhängig vermutlich schon auf der Suche nach Kontern für euer Deck oder gewisse Tech Karten sind. Ein Deck ist selten perfekt und muss genau aus diesen Gründen stetig angepasst werden, also solltet ihr auch nicht zögern, Änderungen vorzunehmen und Dinge auszuprobieren, selbst wenn ihr derjenige wart, der das Event gewonnen hat.

Entscheidet ihr euch gegen das Meta und spielt lieber ein Rogue Deck oder Blue Eyes, weil es eben euer Lieblingsdeck oder einfach günstiger ist, kann das zwar klappen, ist aber keine Garantie und ihr solltet hierbei erstens keine Wunder erwarten und dürft euch zweitens auch nicht darüber aufregen, wie unfair und overpowered die Meta Decks sind. Ein gut gespieltes 50€ Deck kann zwar durchaus ein schlecht gespieltes 500€ Deck besiegen, wird aber in der Regel trotzdem gegen das 500€ Deck eines erfahrenen Spielers, der sein Deck gut beherrscht, verlieren.
Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch; Teuer muss nicht unbedingt gut sein, nach meiner Erfahrung ist es aber nun mal so, dass Meta Decks und deren Schlüsselkarten oft eine hohe Nachfrage haben, was letztendlich dafür sorgt, dass weniger Karten im Umlauf sind und die Preise eben steigen. Dass es auch Ausnahmen gibt, hat man an Pendulum Evolution und dem Structure Deck Soulburner gesehen, diese kommen aber leider nur recht selten vor.
Müsst ihr also bei eurer Deckliste größere Abstriche machen, da euch einige Karten zu teuer sind, kann es Sinn ergeben, ein anderes Deck vorzuziehen, da sich jeder Kompromiss eben auch wieder auf eure Performance und Siegesrate auswirken kann.
Davon ausgehend, dass ihr nun euer Wunschdeck, mit dem ihr gegen das Meta bestehen wollt, zusammengebaut habt, gilt es nun sich ins Spiel zu begeben und Erfahrungen zu sammeln. Ihr müsst lernen, wie die einzelnen Matchups gegen andere Decks funktionieren, wie ihr euer Side Deck verwendet und wie ihr die Stärken und Schwächen eures Decks möglichst ideal ausspielt.
Über den Tellerrand hinaus schauen
Yugioh ist kein Singleplayer Game. Es ist natürlich schön, wenn ihr mit eurem Deck Playtesting betrieben habt, eure Kombos schnell und fehlerfrei spielen könnt und die Effekte, Stufen und Werte eurer Karten auswendig wisst.

Was jedoch viele vergessen, ist, dass der Gegner eben auch noch mitspielt.
Natürlich kann ein Pendelspieler im Solomodus von Duelingbook oder auf seinem Schreibtisch in acht von zehn Fällen ein Board mit divers vielen Interaktionen im Gegnerzug aufbauen und das ist vermutlich auch die beste Variante, ein solches Deck zu lernen.
Was hierbei aber gerne vergessen wird, ist, dass unter Echtbedingungen zunächst einmal ein Würfelwurf entscheidet, ob ihr das Duell anfangen dürft oder nicht. Verliert ihr diesen, kann es also sein, dass ihr derjenige seit, der sich durch unzählige Negations spielen darf oder im schlimmsten Fall gegen ein FTK (first turn kill) Deck sogar überhaupt nicht zum Zug kommt.
Darüber hinaus existieren auch noch Handtraps, und egal, ob einige davon irgendwann auf der Liste der verbotenen oder limitierten Karten landen, müsst ihr auch in Zukunft definitiv mit irgendwelchen Schnelleffekten rechnen, die euch am Spielen hindern. Dies solltet ihr demnach unbedingt in eure Playtesting Sessions mit einbeziehen.

Fragt euch immer "Was passiert, wenn mein Gegner in diesem Moment Karte X aktiviert? Kann ich dann noch weiterspielen? Kann ich die Problemkarten eventuell umspielen? Was mache ich, wenn ich second gehen muss? Wie verhalte ich mich in Duell 3, wenn der Gegner weiß, was ich spiele?"
Auch ist es sehr hilfreich, die gängigsten Meta Decks mal selbst gespielt zu haben, denn oft werden einem erst dann die Stärken und Schwachstellen eines Decks klar. Alles selbst zu kaufen ist natürlich ein übertrieben kostspieliger Spaß, daher empfehle ich dies eher mal im Onlinemodus zu testen.
Ebenfalls kann es hilfreich sein, sein Deck mit einem Kollegen zu tauschen und gegeneinander zu spielen. Das kann zwar am Anfang zu vielen Missplays führen, sollte aber bei gutem Grundverständnis innerhalb kurzer Zeit recht gut zu bewältigen sein und hilft einem, spezifische Matchups zu verbessern.

Noch besser wäre es natürlich, wenn ihr Mitglied eines Teams oder einer Gruppe mit mehreren Spielern seit, da ihr euch so untereinander austauschen könnt. Egal, ob ihr Regelfragen diskutiert, jemand über eure Deckliste schauen soll, oder ihr die Person über ihre Meinung ausfragt, was denn in Situation X am besten gewesen wäre. Ich persönlich finde Erklärungen und Argumentationen von Angesicht zu Angesicht im realen Leben deutlich verständlicher und aussagekräftiger, als im Internet irgendetwas in Textform nachzulesen.
Sich mit seinem Gegner nach einem Duell über verschiedene Entscheidungen auszutauschen oder sich nach einer Niederlage etwas erklären zu lassen, ist natürlich ebenfalls nicht verboten, im Gegenteil.
Niederlagen sind sogar sehr wichtig, um sich langfristig im Spiel zu verbessern. Statt euch darüber aufzuregen, dass ihr verloren habt und alles auf Pech zu schieben, solltet ihr euch stets fragen, woran es wirklich gelegen hat. Jeder noch so kleine Spielfehler oder auch nur die eine Kopie eurer Lieblingskarte, von der eure Kollegen euch abgeraten haben, können euch nämlich letztenendes das Spiel kosten. Wenn ihr erwachsen mit Fehlern umgeht und euch diese auch eingesteht, werdet ihr für jedes "Das passiert mir nicht noch einmal!" Szenario, in das ihr rein geratet, Erfahrungen sammeln und beim nächsten mal schlauer sein.
Stets alles auf Pech, Bricks, oder das unfaire Deck des Gegners zu schieben, wird euch auf Dauer nicht helfen, euch im Spiel zu verbessern. Aber auch nach gewonnenen Spielen solltet ihr nicht einfach eure Karten zusammenschieben und blind davon ausgehen, dass ihr deswegen alles perfekt gemacht habt. Gerade hier ist es wichtig umgekehrt zu denken und festzustellen, was euch das Spiel hier gewonnen hat und was ihr besonders gut gespielt habt, damit ihr beim nächsten mal genau da anknüpfen könnt.
Der letzte Punkt, den ich an dieser Stelle noch ansprechen möchte, ist folgender:
Selbst wenn ihr ein Duell, ein Match, oder ein ganzes Event fehlerfrei spielt, ist das leider kein Garant dafür, dass ihr dieses auch gewinnt. Es gibt in Yugioh wirklich unzählbar viele Faktoren (u. A. auch Glück), die darüber entscheiden, welcher Spieler gewinnt oder verliert. Nehmt das ganze also nicht zu Ernst. Ihr könnt davon ausgehen, dass ihr, wenn ihr über mehrere Events eine solide Performance abruft, definitiv auch irgendwann etwas erreichen werdet.
Selbstanalyse - Wo sind denn jetzt meine Schwachstellen?
Kommen wir zum letzten Teil des Artikels - der Analyse der eigenen Fähigkeiten und dem Erkennen der eigenen Schwachstellen.
Ich habe das Ganze in sechs verschiedene Kategorien aufgeteilt, die ich als besonders relevant empfinde.

1. Ambitionen / Ehrgeiz / Interesse / Ziele
Um euer Ziel zu erreichen, müsst ihr euch zunächst mal ein Ziel setzen und euch selbst klar machen, was genau ihr überhaupt erreichen möchtet und was ihr bereit seit, dafür zu investieren.
Wenn ihr unter anderem bereit seit, stets die Kosten für aktuelle Decks zu tragen und ihr zeitlich auch jederzeit internationale Events besuchen würdet, da euer ultimatives Ziel ist, die Worlds zu gewinnen, macht euch in dieser Kategorie wohl niemand etwas vor.
Macht ihr einige Abstriche, da das Spiel eher ein Gelegenheitsding und Zeitvertreib für euch ist und ihr besucht auch nicht viele Events, könnt ihr vermutlich, auch wenn ihr einen gesunden Ehrgeiz besitzt, nicht damit rechnen, ein größeres Event wie eine YCS mal gerade so zu gewinnen.

2. Zeit und Geduld
Verfügt ihr über ausreichend Zeit, um euch stets mit dem aktuellen Meta sowie neu erschienenen Karten auseinanderzusetzen?
Könnt ihr bestenfalls mehrmals wöchentlich Online oder privat spielen, um mit eurem Deck nicht einzurosten und die gängigsten Matchups zu kennen?
Falls eine Banlist euer Lieblingsdeck trifft und ihr gezwungenermaßen euer Deck wechselt, habt ihr ausreichend Zeit, um innerhalb eines kurzen Zeitraumes ein neues Deck von Grund auf zu erlernen?
Ist dem nicht so, hilft es euch auch nicht sehr viel, das Spiel an sich gut zu beherrschen und ihr solltet vielleicht überdenken, wie ihr zukünftig etwas mehr Zeit für Yugioh einplanen könnt, denn gut in einem Format zu sein ist eben keine Schulaufgabe, die man 15 Minuten vor Beginn mal gerade noch im Bus fertigstellen kann.

3. Erfahrung / Rulings
Wie oft benötigt ihr Hilfe beim Spielen? Wie oft stellt ihr Fehlaktivierungen oder illegale Plays eurerseits fest, bei denen euer Gegner oder ein Judge euch korrigieren muss?
Wie oft müsst ihr die Karten des Gegners durchlesen, da ihr sie nicht kennt und vor allem, wie oft verspielt ihr euch deswegen?
Wenn ihr so weit seit, dass ihr derjenige seit, der den Gegner auf seine Fehler hinweist und die gängigsten Decks, Karten und aktuellen Rulings beherrscht, dann seit ihr in dieser Kategorie vermutlich schon mal ganz gut aufgestellt.

4. Anpassbarkeit
Kommt ihr mit häufigen Deckwechseln eurerseits oder eurer Gegner aufgrund von Banlisten oder neuen Sets klar?
Könnt ihr Deckunabhängig über mehrere Formate eine solide Leistung eurerseits abrufen? Könnt ihr auch eigenständig Änderungen in eurem Deck vornehmen, um euch auf ein neues Format einzustellen?
Seht ihr Nachholbedarf im Punkto Anpassbarkeit, dann rate ich euch wirklich wärmstens, mal mehr Spiele im online Modus zu absolvieren und dort auch mal verschiedene Decks zu spielen. Es ist ähnlich wie mit Essen - ihr könnt nicht wissen, ob ein Gericht euch schmeckt oder nicht, wenn ihr es nie ausprobiert habt.

5. Deck / Wahl / Entscheidung
Wie zufrieden seit ihr mit eurem aktuellen Deck? Geht ihr aufgrund von Kosten größere Kompromisse im Deckbau ein, welche die Spielstärke einschränken? Hat das Deck fatale Schwachpunkte, die man nicht umspielen kann? Ist das Deck in der Ausführung eventuell zu komplex, sodass Spielfehler eine häufige Folge sind? Ist das Timeout ein Problem, welches einige Spiele zu einem Unentschieden werden lässt? Gibt es gängige Matchups, welche man nicht gewinnen kann oder die extrem schwer sind?
Beim Deckbau ist die goldene Regel einfach wirklich spielen, spielen, spielen. Fühlt ihr euch trotz voll ausgespielten Potenzial eures Decks und einer eurer Meinung nach idealen Liste allerdings immer noch unterlegen, ist es vielleicht an der Zeit für einen Deckwechsel. Die obigen Fragen solltet ihr aber mit der Zeit beantworten können und in Verbindung damit auch herausfinden, was ihr ändern müsst.

6. Konzentration / Verhalten
Habt ihr beim Spielen im echten Leben Lampenfieber, wenn ihr eurem Gegner gegenüber sitzt?
Seit ihr eine ängstliche Person, die sich nicht traut, Fragen zu stellen oder einem schnell spielenden Gegner zu unterbrechen? Seit ihr direkt mental voreingenommen, wenn euer Gegner zum Beispiel mit einer World Championship Matte/Deckbox oder Hüllen spielt?
Macht ihr Spielfehler, wenn ihr nervös seid?
Kommt ihr mit Druck im Timeout, Feature Matches oder ähnlichen Situationen klar?
Solche Ausnahmesituationen sind von Person zu Person unterschiedlich zu beurteilen und das Ganze ist auch etwas schwer zu erlernen. Aber auch hier sollte das erste Feature match euch vermutlich noch ein bisschen mehr unter Druck setzen, als beispielsweise euer zehntes, da es wie mit allem ist - Irgendwann wird es zur Routine.
Versucht einfach einen kühlen Kopf zu bewahren und denkt daran, dass euch niemand etwas Böses will. Am besten spielt ihr einfach für den Spaß und versucht das restliche Umfeld in einer solchen Situation auszublenden, wenn ihr Probleme damit habt.
Natürlich gibt es darüber hinaus noch einige Faktoren, die auf eure Performance bei einem Event mit einspielen.

Am Tag vor einem Event ist es also beispielsweise sinvoll, früh schlafen zu gehen und zeitig genug aufzustehen, damit man stressfrei an der Turnierlocation ankommt. Am Vortag noch bis Nachts feiern zu gehen, morgens schon in Stress zu geraten und alles kurz und knapp zu kalkulieren und mit Schlafmangel gestresst an der Location zu erscheinen wäre da der genaue Gegensatz.
Auch der finanzielle Aspekt ist einer, der manchen Leuten einfach weniger ausmacht als anderen. Und an dieser Stelle kann ich euch jetzt leider auch keinen Guide geben, wie man denn am schnellsten Geld verdient. Ist es für euch wirklich überhaupt nicht oder temporär nicht möglich, Geld für ein vollständiges Deck zu investieren, rate ich euch, Online eure Erfahrungen zu sammeln. Auch das ist definitiv eine nützliche und kostenlose Spielerfahrung, die euch hilft, nicht komplett einzurosten und einigermaßen Up-To-Date zu bleiben. Die Interaktionen zu den Spielern kann man dort zwar nicht nachstellen, den Gameplay Aspekt aber schon.
Ansonsten solltet ihr, wenn ihr die Fragen wirklich alle vollständig und ehrlich beantwortet habt, nun zumindest wissen, an welchen Punkten ihr noch ansetzen könnt, um euch weiter zu verbessern bzw. wisst, was euch aktuell zurückhält.
Abschließende Worte
Das Thema ist, wie ihr vermutlich gemerkt habt, ein sehr umfassendes und auch von Person zu Person unterschiedlich zu betrachten, daher habe ich versucht hier so generisch wie möglich zu bleiben.
Ich habe eine solche Analyse in den letzten Wochen natürlich auch bei mir selbst durchgeführt und bei mir war es zum Beispiel so, dass ich einfach nicht genug Bereitschaft gezeigt habe, zum Beispiel Geld für gewisse Karten auszugeben oder die weite Anfahrt zum Besuch eines Turniers in kauf zu nehmen. Online habe ich auch nur meine Reallife Decks nachgespielt, demnach waren solche teuren Karten dort auch nicht vertreten, obwohl das theoretisch möglich gewesen wäre. Auch habe ich zu viel Zeit in Theoriecrafting gesteckt und zu wenig selbst gespielt und auch irgendwie Angst vor Rankeds auf Duelingbook gehabt.
Ich habe jetzt mal in den sauren Apfel gebissen und mich einfach mal getraut, Ranked zu spielen. Und entgegen meiner Erwartungen lief es wirklich super. Ich hab nicht nur eine Winrate von 60-70% auf 100+ Spielen erzielen können, sondern auch einen riesen Spaß an der ganzen Aktion gehabt und mich darüber hinaus noch deutlich verbessert. Natürlich war ich beim Spielen anfangs noch etwas angespannt und hab bei gewissen Decks die Karten noch etwas gründlicher lesen müssen, das ist aber recht schnell besser geworden.

Zumindest für das Meta, welches jetzt demnächst abgelöst wird, bin ich auf einem sehr guten Stand und würde mir zutrauen, auf einem Turnier auch eine solide Performance abrufen zu können.
Alles in allem ist das Experiment also auf jeden Fall geglückt und ich hoffe, dass es euch genau so gehen wird!
Bleibt also einfach dran, versucht fair zu bleiben und Spaß zu haben!
Vielen Dank an alle aufmerksamen Leser. Bis zum nächsten Mal!