Die besten Karten aus 2020!
von Leseleff am 01.01.2021 um 12:06 Uhr



Hallo alle zusammen! Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gekommen, der Kater ist nicht so schlimm und ihr vereinsamt nicht allzu sehr im neuen Lockdown. Nun ist also ein neues Jahr angebrochen und was für ein Jahr das alte war… Ich bin mir sicher, wir alle werden uns noch lange daran erinnern, auch wenn wir im Grunde gar nicht so viel gemacht haben. Und auch wenn es in Sachen Yu-Gi-Oh! nicht allzu viel Turniergeschehen gab, so sind 2020 trotzdem ein Haufen neue Karten erschienen. Deshalb ist es nun wieder an der Zeit, zurück zu blicken und die besten von ihnen zu küren. Dieses Jahr bin ich dabei zwar allein, aber ich hoffe, ihr genießt den Artikel trotzdem!
Vorwort:
Bevor es richtig losgeht, würde ich gerne wieder mit einem kleinen privaten Jahresrückblick anfangen. Wie üblich könnt ihr das gerne überspringen. Es ist schon ironisch, dass endlich das längst überfällige private Feuerwerksverbot durchgesetzt wurde in einem Jahr, wo man die dunklen Geister des vergangenen Jahres wohl dringender vertreiben wollte als jemals zuvor. Oder eher: Den Geist. Ich selbst bin im Herbst 2019 umgezogen und habe meinen Master in einer neuen Stadt angefangen. Einen Master, für den man idealerweise oft Daten im Freiland aufnehmen müsste, was dieses Jahr natürlich größtenteils wegfallen musste. Anfangs war ich auch ziemlich salty deswegen, aber inzwischen habe ich meinen Frieden damit geschlossen. Und dank klugen Konzepten und engagierten Dozenten konnte ich trotzdem an einigen Präsenzkursen teilnehmen und sogar gelegentlich ins Freiland gehen. Dafür bin ich dankbar und noch viel mehr natürlich dafür, dass es mir und meinem Umfeld gesundheitlich durchgehend gut geht.
Doch ich habe die andere Seite der Pandemie hautnah erlebt. Meine Eltern sind im Einzelhandel tätig, und die Lockdowns waren für sie natürlich katastrophal. Zwar ist ihre Existenz aus verschiedenen Gründen nicht weiter gefährdet, aber ich kann nicht leugnen, dass es auf die Stimmung gedrückt hat. Und es hat mich sensibilisiert und um all die Branchen bangen lassen, die ohnehin schon angeschlagen sind. Vielleicht lebe ich in der Vergangenheit, aber in meiner alten Stadt und Herzensheimat gab es ein gemütliches Programmkino, einen großen Plattenladen und eine Videothek mit großer Auswahl und guter Hintergrundmusik. Alle habe ich gerne besucht, und ich mache mir Sorgen, dass sie das ganze nicht überleben. Und ich mache mir Sorgen um die Fortschritte, die letztes Jahr in der Klima- und Umweltbewegung gemacht wurden. Denn eine weitere gute Sache in einer schlechten Zeit war, dass endlich die schwarze Null gekippt und wieder Schulden aufgenommen wurden. Natürlich hätte ich es lieber gesehen, wenn das Geld schon vor der Pandemie in Umweltschutz oder Sozialsystem gelandet wäre statt jetzt bei der Lufthansa, aber ich sehe ein, dass die Hilfen nötig waren, denn auf die Idee, Geschäftsmieten zu reduzieren oder zu erlassen, ist natürlich niemand gekommen. Und doch mache ich mir Sorgen, dass die wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie die Regierungen dazu bringen werden, den Umweltschutz wieder als „Luxusproblem“ zu ignorieren.
Doch ich will nicht zu politisch werden. Wo war ich in all dem? Ich habe zuhause gesessen und mich von Nudeln und Tiefkühlpizza ernährt. Ich habe meiner Webcam Uni-Vorträge gehalten und wieder mit dem Schreiben von Fan Fiction angefangen. Ich habe Musik gehört und Filme geschaut und war spazieren. Ich habe meine Animal Crossing-Insel dekoriert und als Hexer in The Witcher 3 die Situation von digitalen Bauern verschlimmbessert. Ich war nicht feiern, war nicht im Urlaub, habe mir die Hände gewaschen und Maske getragen. Doch wie ein Held fühle ich mich deshalb nicht. Ich fühle mich wie ein junger Mann, dem ein Jahr seiner Lebenszeit geraubt wurde. Nicht von Politikern, die wegen einer „kleinen Grippe“ Panik schieben und erst recht nicht von Bill Gates, der Biowaffen züchtet. Sondern von unserem menschlichen Lebensstil, der unweigerlich früher oder später zu einer solchen Pandemie geführt hätte. Und wie alle anderen bin ich es leid. Weniger das Stubenhockerdasein, darauf habe ich mich über 20 Jahre lang vorbereitet. Nein, ich bin es leid, mir Sorgen zu machen. Es leid, jedes Mal, wenn ich einen Filmabend mit Freunden veranstalte oder meine Eltern besuche, moralische Bedenken deswegen zu haben. Doch was soll ich tun? Wir alle können nichts tun als abzuwarten und stark zu bleiben. Wir sollten das Positive sehen und immer daran denken, dass eines Tages wieder alles beim Alten sein wird. Deshalb habe ich mich auch entschlossen trotz des Mangels an Real Life-Turnieren diesen Artikel zu schreiben. Damit man in ihn in einigen Jahren wieder lesen und so tun kann, als sei es ein Jahr wie jedes andere gewesen.
Honorable Mentions:


Ausnahmsweise mal, wie letztes Jahr, vor dem Beginn des eigentlichen Rankings. Und tatsächlich habe ich dafür auch gar nicht so viel gefunden. Am knappsten eine Platzierung verfehlt hat wohl Kyubi der Virtualwelt, Shenshen, der erst vor kurzem in Phantom Rage erschien und als Stellvertreter für sein Thema zu verstehen gewesen wäre. Das hat es wie kaum ein anderes geschafft, mein Desinteresse zu wecken, weshalb ich bis heute nicht wirklich weiß, wie es funktioniert. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es relevant werden würde, und als es dann eintrat, habe ich es für eine Eintagsfliege gehalten. Nun ist es aber immer noch das dominante Deck auf größeren (Online-)Turnieren und hätte in einer perfekt objektiven Liste wohl eine Platzierung verdient. Die Karte selbst ist unterdessen nichts Geringeres als ein Makrokosmos auf Beinen, was es umso trauriger macht, dass seine wahre Aufgabe eher ist, zu Wahrer König aller Katastrophen überlagert zu werden.
Ähnliches gilt für Verbotener Tropfen, eine in mehrfacher Hinsicht sehr teure Effektverschleierin-Variante, deren Stärke vor allem in ihrem möglichen Spell Speed 4-Status liegt. Ihrem legitimen Anspruch auf eine Platzierung bin ich vor Allem deshalb nicht nachgekommen, weil es eine Karte ist, die so wie maßgeschneidert auf das aktuelle Format wirkt, dass sie schnell verschwinden wird, wenn es sich zu sehr ändert. Kurz vor einer Platzierung stand außerdem noch Parallel-eXceed, das als 1-Karten-Link oder Rang 4-Xyz-Play ohne die Normalbeschwörung zu benötigen sowie als erstes wirklich gutes Suchziel für Formatschspringer eine recht beliebte Tech war. Und sonst? Viele von euch werden vielleicht Raubpflanze Verte-Anakonda erwarten, doch deren Relevanz hängt vor allem von einer bestimmten Karte ab, die vielleicht, vielleicht aber auch nicht, Erwähnung finden wird. Und Spielereien wie mit Elementar-HELD Regenbogen-Neos Anfang des Jahres oder El-Schattenpuppe Winda über Instantfusion sind halt höchstens Honorable Mention-würdig.
Eines der dominantesten Meta Decks des Jahres, das jedoch keine Erwähnung bei den Platzierungen finden wird, war außerdem Dragon Link. Das hat Support in Form von Chaos-Imperator, der Drache des Armageddon erhalten, der endlich für den Pöbel verfügbar wurde. Suchbar ist er mit dem ebenfalls dieses Jahr erschienenem Buntäugiger Revolutionsdrache, doch beide stellten nicht unbedingt den mächtigsten Support dar und wurden nicht einmal unbedingt gespielt. Viel eher hat ihr Deck seinen Erfolg der Tatsache zu verdanken, dass die Autoren der TCG-Banlist auf dem Auge blind sind, mit dem sie Wachdrache Elpy sehen sollten.
Platz 15: Reeschattenpuppe Wendi


SPYRal. Altergeist. Salamangreat. Shaddolls. Vor langer Zeit lebten die vier Rogue Decks zusammen in Harmonie. Doch dann griffen die Halqifibrax-Combos an und alles änderte sich. Im Februar erhielt das seit Jahren absolut untersupportete Schattenpuppen-Deck ein neues Structure Deck, das gleichzeitig auch das bei weitem beste Structure Deck des Jahres bleiben sollte. Das Traurige daran: Damals galt es nicht einmal als besonders gut. Doch die vielversprechenden Dragunity- und Feuer/Krieger Structure Decks aus dem OCG wurden hierzulande gecancelt wie Joanne K. Rowling und unter den Haupt- und Nebensets verteilt wie Corona-Infektionen unter Teilnehmern von Querdenker-Demos. Und es hatte zwei entscheidende Vorteile gegenüber beispielsweise der Monstrosität von Charmer-Structure Deck im Oktober: Zum einem hatte es eine solide Grundlage, auf der es aufbaute, zum anderen enthielt es wenigstens eine wirklich gute Karte. Und diese eine Karte war Reeschattenpuppe Wendi. Mit deren Effekt kann sie, wenn sie auf den Friedhof geschickt wird, eine Schattenpuppe vom Deck in der verdeckten Verteidigungsposition beschwören, die dann als Fusionsmaterial benutzt werden und ebenfalls ihren Friedhofseffekt aktivieren kann. Eigentlich gar nicht so spektakulär, doch Anfang 2020 hat es noch für ein paar Achtungserfolge gereicht. Schon verrückt, denn aus heutiger Sicht wirken die damaligen Topdecks wie Reisbauern, die sich ein paar Scharmützel lieferten, bevor 2020, allen voran Duel Overload und Secret Slayers, das Format wie Helikopter voller Napalm und Agent Orange stürmten. Und ja, im Grunde hätten einige der Karten aus den Honorable Mentions, v.A. Kyubi der Virtualwelt, Shenshen, den Platz mehr verdient. Doch Reeschattenpuppe Wendi macht nicht nur optisch mehr her, ich wollte mit dem Ranking auch möglichst eine gewisse Set-Diversität abbilden, und von den übrigen Structure Decks gibt es nun einmal nicht viel zu berichten.
Platz 14: Flammedler Ritter-Kaiser Charles


Die Flammedlen Ritter erschienen mehr oder weniger im August in Return of the Duelist als eine Art „Spin-Off“ des Edler Ritter-Decks, mit dem sie allerdings bis auf den Namen und die lose an Ausrüstungszauber gebundene Strategie nicht viel teilen. Und sie waren im Meta tatsächlich ziemlich erfolgreich. Dennoch habe ich, wie ihr seht, ihren Stellvertreter, Flammedler Ritter-Kaiser Charles, relativ niedrig im Ranking eingestuft. Denn statt „edlen Rittern“ waren sie eher Söldner, die einem fremden Herrn dienten. Und dieser Herr waren die Kombo-tragenden Link-Monster wie Linkreuz und Mecha-Phantomungeheuer Auroradon sowie die Bossmonster, die diese hervorzubringen vermochten, etwa Kalliberlade-Wilddrache. Und diese Kombos, für die sie das perfekte Gerüst bildeten, sowie eine gesunde Portion Abuse von Isolde, Heldin zweier Edler Rittergeschichten waren, zumindest meiner Meinung nach, der eigentliche Grund für den Erfolg des Decks.
Zusammen mit einer anderen Karte aus der Steinzeit des Spiels, die wohl das Überraschungs-Comeback des Jahres hatte: Rauchgranate des Diebs. Und hier kommt Kaiser Charles ins Spiel, den ich deshalb zum Stellvertreter bestimmt habe. Zunächst schickt man Rauchgranate des Diebs für den Effekt von Isolde, Heldin zweier Edler Rittergeschichten vom Deck auf den Friedhof. In den End Phasen beider Spieler kann Charles sich mit ihr vom Friedhof ausrüsten. Das triggert einen seiner anderen Effekte, mit dem man eine Karte auf dem Feld zerstören kann. Dies kann auch eine eigene sein, also wählt man die Rauchgranate, wodurch deren Effekt getriggert wird, mit der man sich die Hand des Gegners ansehen und eine Karte daraus abwerfen kann. Ein unglaublich starker Effekt, für den Karten wie Beschlagnahme und Starker Wachposten zurecht seit gefühlt Jahrzehnten verboten sind. Und seit der letzten Banlist nun auch Rauchgranate des Diebs zusammen mit Linkreuz. Im OCG wurden schon lange ähnliche Maßnahmen ergriffen, und seitdem sieht man dort nicht mehr viel von dem Deck. Es ist anzunehmen, dass das hierzulande ähnlich geschehen wird.
Platz 13: Numeron-Netzwerk


Als die Numeron-Karten noch nur aus dem Anime bekannt waren, galten sie in der dort präsentierten Form als das wohl am meisten überpowerte Deck, das je entworfen wurde. Doch was sind schon mal eben vier kostenlose Xyz-Monster direkt vom Extra Deck im Jahr 2020? Das hat sich Konami wohl gedacht, als sie Karten diesen Juli in Battles of Legend: Armageddon in echt gedruckt haben. Okay, entscheidende Details wie das 100.000-ATK Bossmonster Nummer iC1000: Numeronius Numeronia fehlten noch (aber auch das wurde im OCG schon nachgereicht), und ein bisschen Mühe hat man sich beim Balancing schon gegeben, aber dennoch: Zumindest auf den ersten Blick wirkt auch die echte Engine lächerlich stark. Alles beginnt mit Numeron-Netzwerk, von dem man dank dem themeneigenen Landformen Numeron-Mauer sowie dem orginal-Landformen schonmal faktisch 7 Kopien spielen kann. Mit dem Netzwerk kann man Numeron-Ruf vom Deck aktivieren und den zuvor angedeuteten Effekt nutzen, um die Nummern 1-4 vom Extra Deck zu beschwören. Die haben alle den selben Effekt, mit dem sie nicht durch Kampf zerstört werden können und nachdem sie gegen ein Monster gekämpft haben ihre eigenen ATK sowie die ihrer Kumpels verdoppeln können, das ganze dank Numeron-Netzwerk, ohne Xyz-Materialien zu benötigen. Einmal angenommen, der Gegner hat ein Monster mit mehr als 2000 ATK, was meist der Fall der sein sollte, wenn er schon einmal dran war, dann kann man erstmal mit zwei der Xyz-Monster ohne größere Konsequenzen als etwas Kampfschaden dort rein rennen. Der erste Angreifer hat 1000 ATK, der nächste 2000, der dritte dann 4000 und kann das Monster überrennen. Das letzte Tor hat dann 8000 ATK und kann somit in vielen Fällen direkt OTKn. Klingt irgendwie broken? Klar, ist es ja auch. Doch ein paar Nachteile hat es dann doch. Zum einen darf man für die ganze Chose keine anderen Monster kontrollieren, zum Anderen kann man nach Numeron-Ruf nur noch eine Normal- oder Spezialbeschwörung durchführen, die natürlich weise gewählt werden will. Das Thema selbst „will“ wohl, dass man in der Main Phase 2 Nummer 1: Numeron-Tor Ekam zu Nummer C1: Numeron-Chaostor Sunya aufwertet. Das banished dann einfach mal sämtliche Monster auf dem Feld und fügt dem Gegner dann in der nächsten eigenen Standby Phase mindestens 6000 Punkte Burn-Schaden zu. Andere legitime Spezialbeschwörungen wären aber weiterhin Endloskette Festungs-Megaklop, ein dicker Brocken mit 4000 ATK und guten Schutzeffekten, Apollousa, Bogen der Götter mit 3200 ATK oder Saryuja-Schädelschrecken mit seinem vollen Effekt. Doch im Grunde sind diese Vorschläge erst dann nützlich, sobald das offensichtlich beste Ziel Nummer S0: Utopisches ZEXAL, verboten worden ist, was wohl spätestens mit dem anstehenden Utopia-Support aus Lightning Overdrive eintreten sollte. Dieser Bursche, der einer alternativen Siegbedingung erschreckend nahe kommt, macht immer wieder Probleme und kann mithilfe von Numeron-Ruf über seine „Alibi-Beschwörungsbedingung“ beschworen werden, indem man drei „Nummer“-Xyz-Monster mit demselben Rang überlagert.
Doch der vielleicht größte Nachteil der Engine ist, dass sie allein mindestens fünf Extra Deck-Plätze beansprucht. Deshalb war auch das einzige Deck, in dem sie gelegentlich Competitive Play gesehen hat, das Eldlich-Deck, das sein Extra Deck von Haus aus genau gar nicht benutzt. Und überhaupt: Warum sollte man ein Drittel seines Decks damit zubauen, wenn man einen billigen OTK auch über Nummer 39: Utopiadoppel oder Zugangskodier-Sprecher und ein unbrechbares Board auch über Kristron-Halqifibrax haben kann?
Platz 12: Transportverbund


Transportverbund erschien im März in Duel Overload und ist irgendwie eine typische 2020-Karte. Denn die wahren Karten des Jahres waren sowas wie Wahrer König aller Katastrophen, Martialischer Metallmarschierer, Blockdrache oder Rauchgranate des Diebs, und die relevanten Neuerscheinungen dienten oft nur dem Zweck, ein Gerüst zu bilden, um diese Karten missbrauchen zu können.
Im Falle von Transportverbund war der „wahre“ Übeltäter Zerstörungsschwert des Drachenbusters. Indem man Transportverbund nahezu mit zwei beliebigen Monstern (sogar Spielmarken) beschwört, brauchte man nur noch ein Finsternis- oder Drachenmonster (was zufällig jeweils der fürs Competitive Play vielleicht relevanteste Attribut und Typ ist), um dieses mit dem Effekt des Link-Monsters mit dem Zerstörungsschwert vom Deck auszurüsten, wodurch der Gegner keine Monster als Spezialbeschwörung vom Extra Deck mehr beschwören kann. Ein generisches Floodgate für eigentlich jedes Deck also, das nicht einmal einen selbst betrifft, und damit die vielleicht meistgehasste Kombo des Jahres. Konsequenterweise wurde Zerstörungsschwert des Drachenbusters inzwischen auch verboten, was die Frage aufwirft, wie man für das Ranking Transportverbund einstuft, der eigentlich nur durch seine Synergie mit dieser einen anderen Karte gut wurde. Und wie ihr seht, habe ich mich für eine relativ niedrige Position entschieden. Denn ehrlich gesagt fällt mir nicht viel ein, was man jetzt noch mit Transportverbund anstellen sollte. Gut, im Grunde genommen ist er immer noch eine Art Törichtes Begräbnis mit Zwischenschritten, allerdings nicht für Karten wie Schwarzflügel – Zephyros die Elite oder Schicksals-HELD – Malicious, weil man sie und andere Kopien nicht mehr als Spezialbeschwörung beschwören kann. Doch ob das reicht, um die Karte relevant zu halten, muss sich zeigen.
Platz 11: Talent der drei Taktiken


Weiter geht’s mit einer der Karten, die in diesem Jahr vor ihrem Release vielleicht den größten Hype gesorgt haben. Nicht ohne Grund, denn Talent der drei Taktiken vereint die Effekte von drei der stärksten und am längsten verbotenen Zauberkarten in der Geschichte des Spiels. Bei der Aktivierung kann man sich gewissermaßen zwischen Topf der Gier, Starker Wachposten und Überläufer entscheiden. Der Haken: Der Gegner muss zuvor einen Monstereffekt aktiviert haben, was nicht unbedingt selbstverständlich ist, denn Talent der drei Taktiken ist ein Normaler Zauber und kann daher nur im eigenen Zug aktiviert werden. Aber wir haben immerhin das Jahr 2020 und Handtraps und Interruptions sind immer noch allgegenwärtig. Jedoch haben zumindest erstere ihren Zenit wohl überschritten, und meist hat man sich z.B. auf je drei Kopien von Aschenblüte & Freudiger Frühling und Psi-Hüllenpanzer Gamma beschränkt. Beliebt war auch Unendliche Unbeständigkeit, bei der Talent der drei Taktiken wirkungslos bleibt. Deshalb zeigt der Zauber sein wahre Stärke eher im zweiten Spielzug, wenn es gilt, durch das gegnerische Board zu spielen, der einen oft genug mit Karten wie Kalliberlade-Wilddrache, Rotäugiger Dunkler Dragoner oder Zoodiak-Drachzack piesackt. Und dann hat man vor Allem zwei Möglichkeiten: Hat man ein Follow-Up-Play, wird man wohl vor allem auf den Starker Wachposten-Effekt zugreifen, um dem Gegner eine mögliche Handtrap zu nehmen. Hat man keins, wird es hingegen eher der Topf der Gier-Effekt werden, um möglicherweise in einen Extender zu ziehen. Der Überläufer-Effekt ist unterdessen der wohl Schwächste, kann aber trotzdem nützlich sein. Zum Beispiel wenn der Gegner deinen Nadir-Diener mit Aschenblüte & Freudiger Frühling annulliert hat und du ihm daraufhin die Apollousa, Bogen der Göttin stibitzen kannst. Insgesamt hat Talent der drei Taktiken zwar durchaus eine gesunde Menge Competitive Play gesehen, konnte ihrem Hype aber zumindest meiner Meinung nach nicht ganz gerecht werden. Deshalb auch „nur“ Platz 11 der besten Karten des Jahres.
Platz 10: Rotäugiger dunkler Dragoner


Das mag jetzt einige von euch überraschen. Denn hätte man im Juli irgendjemandem gesagt, dass Rotäugiger dunkler Dragoner, der im August als Tin Promo erschien, in der Top 15 des Jahres nur den 10. Platz einnehmen würde, hätte derjenige wohl entweder meine Eignung als Artikelschreiber in Frage gestellt, oder voller Bange darauf geblickt, was denn sonst noch in diesem Jahr erscheinen würde. Denn damals galt die Fusion noch als die, mit einer Ausnahme, vielleicht einflussreichste Einzelkarte seit Aschenblüte & Freudiger Frühling. Denn das Ding wirkt fast, als hätte jemand vor einigen Jahren eine Karte als Parodie auf den Power Creep entworfen. Der böse Bube kann nicht als Ziel für Karteneffekte gewählt oder von diesen zerstört werden, zwei Mal pro Spielzug ein Monster des Gegners zerstören und ihm Schaden in Höhe von dessen ATK zufügen, einmal pro Spielzug eine beliebige Karte annullieren und zerstören (was auch sonst) und dazu noch permanent 1000 ATK hinzu erhalten. Ja, ernsthaft. Und das Schlimmste von allem: Er ist auch noch leicht zu beschwören, Rotäugige Fusion sei Dank. Denn Rotäugiger dunkler Dragoner war in diesem Jahr untrennbar mit einer anderen Karte verbunden: Raubpflanze Verte-Anakonda, die bereits im März in Duel Overload erschienen war. Diese kann eine „Fusion“-Zauberkarte vom Deck kopieren und gemäß deren Effekt ein Fusionsmonster beschwören. Darunter fällt auch Rotäugige Fusion, die Materialien vom Deck benutzen kann. Dabei wird sogar die Einschränkung der Zauberkarte, gemäß derer man keine anderen Monster in dem Spielzug beschwören kann, umgangen und gegen die der Kobra ausgetauscht, mit der man im Anschluss an ihren Effekt nichts mehr beschwören kann. Das heißt, man kann theoretisch seine Kombo durchziehen und ganz am Ende auch noch den Dragoner über Verte-Anakonda daneben legen. So gesehen kann man jede zwei Effektmonster in das Fusionsmonster verwandeln und selbst, wenn man Rotäugige Fusion zieht, kann man immer noch deren schärfere Einschränkungen in Kauf nehmen und sie trotzdem benutzen. Im OCG haben deshalb „Dragoon Turbo“-Decks eine Zeit lang das Format terrorisiert, und inzwischen ist das Bossmonster dort sogar verboten. Im TCG blieb dieser „Erfolg“ aber bislang aus, bis zu dem Punkt, das einige von der „überhypetesten“ Karte 2020 sprechen. Das hat wohl zwei Gründe: Zum einen haben die da drüben noch Maxx „C“, worunter Kombo-Decks leiden und wovon das relativ spezialbeschwörungsarme Dragoon Turbo profitiert haben dürfte. Zum anderen kam die Karte im OCG deutlich früher heraus, und als er das TCG erreichte, waren mit Verbotener Tropfen und Talent der drei Taktiken schon zwei starke Karten erschienen, die zumindest, solange man den Annullierungs-Effekt vorher rausgelockt hat, solide Outs darstellen. Und dann überlegt man es sich halt doch zweimal, ob man wirklich mit Dunkler Magier, Rotäugiger schwarzer Drache und Rotäugige Fusion drei Garnets in seinem Deck spielen will, die die Kombo ruinieren, sobald man eine von ihnen zieht, wenn man einen ähnlichen Effekt auch mit Mecha-Phantomungeheuer O-Löwon als einzigen Garnet erreichen kann. Aber die Zeit des Dragoners kann jederzeit wieder kommen und er bleibt weiterhin ein Bossmonster, wie es die Welt vor ihm noch nicht gesehen hat.
Platz 9: Dogmatika Ecclesia, die Tugendhafte


Die Dogmatikas erschienen ebenfalls im August in Return of the Duelist und stellen das erste neue Themendeck dessen dar, was wohl die Nachfolge der World Legacy-Saga sein soll. Spielerisch reihen sie sich dabei bei anderen modernen Themendecks wie Invoked und Sky Striker ein, mit schlanker Main Deck Engine und somit viel Platz für Handtraps, andere Engines und Handtraps. Und als Engine wurden sie auch größtenteils gespielt, vor allem als Hybrid mit den bereits genannten Invoked-Karten. Das Ganze funktioniert so: Dogmatika Ecclesia, die Tugendhafte kann sich selbst als Spezialbeschwörung beschwören, wenn ein Monster auf dem Feld liegt, das als Spezialbeschwörung vom Extra Deck beschworen wurde (also eigentlich immer). Dann kann sie eine weitere Dogmatika-Karte vom Deck suchen, vorzugsweise Dogmatika Fleurdelis, die Ritterliche. Diese kann man dann im gegnerischen Zug als Quick Effect unter den gleichen Bedingungen wie Ecclesia beschwören und anschließend den Effekt eines Monsters annullieren. Man kann in dem Zug, in dem man Ecclesias Effekt benutzt hat, zwar keine Spezialbeschwörungen mehr durchführen, aber das kann man mit I:P Maskerena kompensieren, und beispielsweise Apollousa, Bogen der Göttin beschwören. In „Minimalausstattung“ besteht der Monster-core der Engine aus diesen beiden Karten, beliebt war im vergangenen Jahr aber auch Dogmatika Maximus, der das gegnerische Extra Deck im Stil von Wahrer König Lithosagym, das Desaster dezimieren kann, was im zumindest im OCG sogar teilweise dazu geführt hat, dass Spieler Ältestes Wesen N’tss als Konter genau gegen diese Karte in ihre Extra Decks integriert haben. Und dann gibt es noch Nadir-Diener, die Verstärkung für die Armee des Themas, die nebenher, wie übrigens auch Maximus, auf eigener Seite ebenfalls Karten wie N’tss triggern kann und genauso gut hier hätte stehen können.
Platz 8: Blitzsturm


Kommen wir nun zur vielleicht tragischsten Karte des Rankings. Januar 2020… Unsere größte Sorge waren Buschfeuer in Australien und abends in der Bar mit unseren Freunden haben wir uns über dieses Virus in China amüsiert, das ausbrach, weil jemand eine Fledermaus gegessen hat und das heißt wie eine Biersorte. Ignition Assault kam heraus und damit Blitzsturm, eine weitere Karte von der die Leute von damals wohl nicht geglaubt hätten, dass sie im Jahresranking nur auf Platz 8 landen und im Dezember noch auf 3 sein würde. Doch anders als bei Rotäugiger Dunkler Dragoner sind hier nicht irgendwelche notwendigen Bricks im Deck oder dergleichen schuld, sondern schnöder Power Creep. Denn was bringt einem selbst eine Karte, die Raigeki und Harpyien-Flederwisch in einem ist, wenn der Gegner durchschnittlich drei Karten parat hat, um sie zu annullieren? Das Problem ist, dass man, um Blitzsturm zu aktivieren, keine offenen Karten kontrollieren darf. Man kann also nicht Appolousa, Bogen der Göttin oder was auch immer beschwören, um die gegnerischen Negater gegen-zu-negaten, bevor man ihn benutzt. Seinen Raigeki-Effekt wird man daher höchstens in Kombination mit Kein Dunkler Herrscher mehr oder PSI-Hüllenpanzer Gamma durchkriegen, und für seinen besseren, Harpyien-Flederwisch-Effekt wurden im vergangenen Jahr einfach zu wenig Fallenkarten gespielt, und wenn *Hust Eldlich Hust*, dann war es nicht wirklich ein Problem, wenn diese auf den Friedhof geschickt wurden. Was Blitzsturm bräuchte, um seine Brokenness zu entfalten, wären starke Control-Decks. Doch die waren 2020 ungefähr so rar wie Klopapier. Und als reiner Negate-bait ist die 50-Euro-Karte ein teurer Spaß.
Platz 7: Mecha-Phantomungeheuer Auroradon


Ach ja, Auroradon. Für ihn gilt das gleiche Dilemma wie für viele Karten in diesem Ranking: „Wäre Mecha-Phantomungeheuer Auroradon auch dann gut gewesen, wenn es nicht gleichzeitig Kristron-Halqifibrax und Linkreuz gegeben hätte? Sein größtes Problem ist, dass er Maschinen-Monster als Material verlangt, und abseits von Halqifibrax gibt es leider kaum geeignete Maschinen-Link-2-Monster, die nicht ebenfalls Maschinen als Material verlangen. Doch ich bin überzeugt: Ob es nun über Kosmischer Kompass, Reprodocus oder Mecha-Phantomungeheuer Drachossack geschehen wäre, irgendwie hätten die Spieler einen Weg gefunden, Auroradon zu missbrauchen. Und wenn es in irgendwelchen „Machine Synchro“-Haufen im Stile der OCG-Klassiker Dark Synchro und Plant Link gewesen wäre, die das Missbrauchspotenzial von Karten wie Stachelschrauben-Igel, Maschinen-Duplizierung und Schnellzieh-Synchron ausreizen, die Aussicht auf einen Enddarm voller Spielmarken wäre einfach zu verlockend gewesen. Denn dass das heutzutage keine gute Idee mehr ist, haben wir ja an Schleifgolem, Nummer 42: Galaxie-Tomahawk, Phantom-Himmelssprenger und sogar Sündenbock gesehen. Auroradon ist zwar glücklicherweise so eingeschränkt, dass man nach ihm keine Linkmonster mehr beschwören kann, doch hier kam die neue Master Rule natürlich ganz gelegen. In der praktischen Umsetzung hat man zunächst Halqi beschworen, dann Büroboter 001, dann aus beiden Auroradon. Der hat mit seinem Effekt die drei Spielmarken beschworen, und damit praktischerweise Büroboter 001 getriggert, der zurück kam. Anschließend hat man zwei der Spielmarken mit einem weiteren von Auroradons Effekten geopfert, um Mecha-Phantomungeheuer O-Löwon oder Mecha-Phantomungeheuer Coltflügel zu beschwören. Und dann konnte man z.B. aus O-Löwon und der verbliebenen Spielmarke T.G. Hyperbibliothekar beschwören, eine weitere Spielmarke holen und aus dieser und Büroboter 001 dann Herold des Bogenlichts bauen und eine Karte ziehen. Und ohne Halqi? Der Büroboter wäre wohl nicht mit von der Partie gewesen. Aber dennoch, allein mit Auroradon hätte man aus der einen Spielmarke und O-Löwon z.B. erst Beschleunigungs-Synchron und dann aus diesem und O-Löwons Spielmarke Kalliberlade-Wilddrache beschwören können. Aber solche Gedankenspiele sind sowieso hinfällig, denn Auroradon erschien nun einmal zeitgleich mit Kristron-Halqifibrax und der Rest ist Geschichte.
Platz 6: Eldlich der goldene Lord


Eldlich der goldene Lord hat nach seinem Erscheinen im April als wohl teuerste Karte des Jahres für Aufsehen gesorgt. Doch ein solcher Preis kommt natürlich nicht von ungefähr, denn auch spielerisch war sein Deck eines der wichtigsten des Jahres und nahm dabei sogar eine Sonderrolle ein, denn es war das einzige wirklich relevante Deck, das nicht vollends auf Wombo Combo gesetzt und ein Fallen-Lineup gespielt hat, das über Unendliche Unbeständigkeit hinausging. Allerdings gilt das auch nur so halb, denn eines der wichtigsten Features des Decks war, dass es komplett ohne Extra Deck auskam und demnach perfekt dazu geeignet war, Extra Deck-intensive Engines zu integrieren. Am beliebtesten, zumindest vor der September-Banlist, waren dabei die üblichen Verdächtigen rund um Linkreuz und [[Kristron-Halqifibrax], erwähnenswert ist aber auch die Numeron-Engine rund um Numeron-Netzwerk und Nummer S0: Utopisches ZEXAL.
Dreh- und Angelpunkt sowie einziges Main Deck-Monster des Decks ist Eldlich der goldene Lord, der im Grunde genommen an eine Art Maschinenwesen Festung auf Steroiden erinnert. Zunächst kann er sich zusammen mit einer Zauber- oder Fallenkarte von der Hand auf den Friedhof werfen, um eine Karte des Gegners zu entsorgen. Dann kann er sich, noch im selben Zug, durch Senden einer Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld auf den Friedhof selbst von jenem wieder der Hand hinzufügen und sich anschließend selbst als Spezialbeschwörung beschwören, wobei seine ATK auf 3500 geboostet und er immun gegen Zerstörung durch Karteneffekte gemacht wird. Die übrigen Karten des Themas, vor Allem die Fallen, finden es dabei gar nicht so kacke, auf den Friedhof geschickt zu werden, weil sie sich von dort aus vom Deck ersetzen können. Stellt euch also ungefähr vor, ihr würdet gegen Bujin mit einer „Set 5 go“-Taktik spielen, nur dass die fünf Fallen, wenn ihr sie loswerden solltet, sofort ersetzt werden…
Platz 5: Göttliches Arsenal AA-ZEUS – Himmelsdonner


Der fünfte Platz geht an die neueste Karte in diesem Ranking, die erst im November in Phantom Rage erschien. Insgesamt war 2020 nach Inkrafttreten der neuen Master Rule ein von Link- und Synchro-Monstern dominiertes Jahr, doch auch die Xyz-Monster haben mit der Numeron-Engine, dem Wiedererstarken des Zoodiak-Decks, Parallel-eXceed und nicht zuletzt Göttliches Arsenal AA-ZEUS – Himmelsdonner ihr Stück vom Kuchen abbekommen. Das Rang-12-Monster kann nicht nur mit fetten 3000 ATK und DEF punkten, sondern auch noch das komplette Feld, bis auf sich selbst, räumen. Und das Entscheidende: Man kann ihn auf jedes beliebige Xyz-Monster legen, solange dieses zuvor gekämpft hat. Er erinnert damit geradezu frappierend an Ausgeglichener Zweikampf: Ein Xyz-Monster beschwören, eine Alibi-Battle Phase durchführen und dann für Ordnung sorgen, wie sich das heutzutage gehört natürlich ohne zu zielen oder zu zerstören. ZEUS hat dabei sogar zwei entscheidende Vorteile gegenüber der Fallenkarte: Zum einen darf der Gegner nichtmal eine „Gnadenkarte“ behalten. Zum Anderen braucht man ihn nicht zu ziehen, da jedes Xyz-Monster es genauso tut, am einfachsten natürlich mit zwei Monstern der Stufe 4. Zwar kann man, weil er erst so kurz draußen ist und wegen der allgemein eher schlechten Turnierlage in diesem Jahr, noch nicht wirklich sagen, wie einflussreich ZEUS auf das Format ist, ich bin mir jedoch sicher, dass wir noch viel von ihm sehen werden!
Platz 4: Steinbefreier Forscherin


Die Steinbefreier-Karten erschienen wie das Eldlich-Themendeck in Secret Slayers, das damit als das beste Nebenset seit demjenigen, das uns das Himmelsjäger-Deck bescherte, vielleicht sogar überhaupt, angesehen werden kann. Anfangs waren sie mir auch sehr sympathisch, sodass ich sogar Mitautor des Strategiethreads bin. Doch dann erwiesen sie sich als eines der dominantesten, vielleicht sogar das dominanteste, Deck des Jahres, das auf einigen (Online-)Turnieren nahezu Tier 0-Status erlangen konnte.
Das Rückgrat des Decks sind die Empfänger, und der beste von ihnen, Steinbefreier Forscherin. Sie alle können sich auf bestimmte Weise selbst als Spezialbeschwörung beschwören und dann die obersten fünf Karten des Decks aufdecken und ein gefundenes Fels-Monster als Spezialbeschwörung beschwören. Inhärent hatte die Engine also schonmal das Potenzial auf sechs Spezialbeschwörungen pro Zug und stellte damit den zeitgemäßen „Kleber“ für den wahren Grund ihrer Dominanz dar: Den grandiosen Fels-Support, der über die Jahre erschienen ist. Doki Doki war ein hervorragender Extender, Tapferer Granit konnte alles suchen, Nibiru, das Urwesen konnte auf diese Weise gesucht werden und Koa’ki Meiru Wächter das Deck seinerseits effektiv vor gegnerischen Nibirus und anderen Handtraps beschützen. Und dann war da noch Blockdrache, der letzte Baustein zur absoluten Brokenness. Dieser konnte ebenfalls mit Tapferer Granit gesucht werden, war leicht beschworen, und konnte bei seinem Abgang bis zu drei Karten vom Deck suchen, darunter auch ein komplettes neues Set aus Steinbefreier Forscherin, Steinbefreier Sucher und Steinbefreier Prüfer, um im nächsten Zug den gleichen Mist nochmal abziehen zu können. Und so wurde aus dem sympathischen Typ-Deck mit der Fels-Waifu eines der toxischsten Kombo-Decks des Jahres, dem fünf Monate nach seinem Erscheinen mit dem Verbot von Blockdrache entgegen gewirkt wurde. Seitdem ist es ruhig geworden um die Steinbefreier, scheinbar war das Verbot ihres inoffiziellen Bossmonsters genug. Vielleicht sollte ich mich jetzt auch wieder mit ihnen auseinander setzen.
Platz 3: Linkreuz


Und schon sind wir beim Treppchen angelangt und damit bei einer Karte, die mal wieder bewiesen hat, dass Spielmarken zu beschwören heutzutage einfach keine gute Idee mehr ist. Wie oft habe ich Linkreuz jetzt schon bei den anderen Platzierungen erwähnt? Es war ohne jede Frage eine der Karten des Jahres, wurde für verschiedenste Kombos in fast alle Decks geschmissen und diesen Dezember völlig zurecht in den Club der Karten aufgenommen, die noch im Jahr ihres Erscheinens verboten wurden. Als Material verlangt Linkreuz ein Link-2 oder höher-Monster, dafür belohnt es einen daraufhin mit Spielmarken in Höhe des Link Ratings des Monsters. Bevorzugter Partner im vergangenen Jahr war natürlich Kristron-Halqifibrax, der dann zum Beispiel Büroboter 001 beschworen hat. Eine der Linkreuz-Spielmarken musste dann als Tribut für Linkuriboh im Friedhof herhalten. Dieser und Linkreuz ergaben dann Barrikadborg Blocker, mit dem und Büroboter 001 Mecha-Phantomungeheuer Auroradon beschworen wurde. Der hat seine Spielmarken und Mecha-Phantomungeheuer O-Löwon geholt, der dann mit der zweiten Linkreuz-Spielmarke Martialischer Metallmarschierer ergab. Und dann ging das ganze weiter…
Halqifibrax, Auroradon und Linkreuz waren in den Köpfen und Decks der Spieler im vergangenen Jahr fest verbunden und bildeten dass zerstörerischste Trio seit den Achsenmächten (okay, nicht ganz). Deshalb stellt sich auch hier wieder die Frage: Wer war der wahre Übeltäter? Und wäre Linkreuz auch ohne Halqifibrax relevant gewesen? Nun, ich denke, es wäre kein Verbots-Material gewesen, aber es hätte sein Play gesehen. Im Grunde kann man mit Isolde, Heldin zweier Edler Rittergeschichten z.B. fast das gleiche abziehen, nur dass man dafür Ausrüstungszauber spielen muss und keinen Zugriff auf A-Liga-Empfänger wie Mecha-Phantomungeheuer O-Löwon oder Aufblühende Blumenzwiebel gehabt hätte, die aber inzwischen eh alle verboten sind. Auch in den hypothetischen „Machine Synchro“-Decks, die ich für den Auroradon-Abschnitt postuliert habe, hätte es seinen Platz gefunden. Und einmal ganz abgesehen davon hätte Linkreuz auch so gut wie jedem Deck generischen Zugriff auf Schicksals-HELD – Plasma gegeben.
Platz 2: Zugangskodier-Sprecher


Auch mein Platz 2, Zugangskodier-Sprecher erschien wie Linkreuz im April in Eternity Code und ironischerweise hat er damals sogar einen niedrigeren Platz eingefahren, nämlich den vierten. Dabei kann man nicht einmal sagen, seine Stärke sei nicht absehbar gewesen. Im Gegenteil: Eher noch hat Linkreuz, damals Platz 2, die Erwartungen übertroffen. Der Grund für meine Fehleinschätzung war schlicht und ergreifend, dass ich es einfach leid war, über Karten wie Zugangskodier-Sprecher zu schreiben. Tatsächlich war er einer der Hauptgründe, aus denen ich fortan dazu übergegangen bin, für die Hauptsets eine Top 10 der „interessantesten“ Karten zu schreiben. Zu sehr hat er sich nach Firewall-Drache angefühlt, nach Kalliberlade-Drache, Saryuja-Schädelschrecken, Kalliberschwert-Drache und Apollousa, Bogen der Göttin. All diese generischen Link-4-Monster, die gefühlt alle zwei Sets herauskamen, ihre Vorgänger ganz oder teilweise ablösten und die nicht selten Platz 1 in ihrem jeweiligen Ranking wurden, in zwei Fällen sogar des Jahresrankings.
Zugangskodier-Sprecher stellt als einziges Link-4-Monster gewissermaßen das Bossmonster der „Kodiersprecher“-Karten dar, auch wenn seine Effekte komplett unabhängig von diesen wirken. Stattdessen erinnert er doch sehr stark an Kalliberschwert-Drache als schnell gebauter OTK auf zwei Beinen, denn durch seinen Effekt bekommt er gerne mal 5300 oder sogar 6300 ATK und kann außerdem bis zu sechs Karten auf dem gegnerischen Feld zerstören (eine für jedes Attribut auf einem Link-Monster im Friedhof). Und dabei hat er sogar zwei entscheidende Vorteile gegenüber dem alten Drachen: Zum Einen können seine Effekte faktisch nicht annulliert werden, zum Anderen kann er theoretisch auch mit nur zwei Materialien beschworen werden. Zugangskodier-Sprecher ist die logische Konsequenz einer langen Entwicklung und eine Belohnung dafür, übertrieben viele Link-Monster zu spielen und fast sein ganzes Extra Deck im Zuge der Kombo runter zu spielen. Denn schon eine grundlegende Kriston-Halqifibrax/Linkreuz/Mecha-Phantomungeheuer Auroradon-Kombo bietet Materialien mit vier verschiedenen Attributen im Friedhof. Passenderweise erschien auch er im offiziell letzten Set der VRAINS-Ära, aber gefühlt ist diese noch lange nicht vorbei.
Platz 1: Kristron-Halqifibrax


Hat irgendwer was anderes erwartet? Kristron Halqifibrax ist wahrscheinlich einer der vorhersehbarsten ersten Plätze die ich je vergeben habe. Verdammt, es ist schon verrückt: Als er Ende 2017 im Link Vrains Pack, dem vielleicht stärksten Set aller Zeiten, im OCG herauskam, war im Grunde bereits klar, dass er Platz 1 in seinem jeweiligen Jahresranking sein würde, die größere Frage war, wann das Jahr sein würde. Während er im OCG das Format auf den Kopf gestellt hat und schließlich limitiert wurde, wurde sein verzögerter TCG-Release zum Meme, bis er dann endlich vergangenen März in Duel Overload erschien. Und auch hier hat er das Format geformt wie kaum eine Karte vor ihm, war möglicherweise die einflussreichste Einzelkarte seit Aschenblüte & Freudiger Frühling (Jap, er ist die Ausnahme, die ich im Abschnitt über Rotäugiger dunkler Dragoner erwähnt habe), und der einzige Konkurrent um diesen Posten ist der letztjährige Platz 1, Nibiru, das Urwesen.
Und deshalb weiß ich eigentlich auch gar nicht, was ich noch groß sagen soll. Zu oft musste ich ihn in diesem Artikel schon erwähnen, um die Relevanz der übrigen Platzierungen zu erklären. Bei Halqifibrax handelt es sich um ein denkbar einfach zu beschwörendes Link-2-Monster, das nur mindestens einen Empfänger als Material braucht. Betritt er dann das Feld, kann er einen weiteren Empfänger der Stufe 3 oder niedriger vom Deck holen, ohne größere Einschränkungen, als das dieser (auf dem Feld) seinen Effekt annulliert bekommt. Schon in der grundlegendsten Nutzung hätte er damit ein fantastischer Extender für weitere Link Plays sein können, indem er einfach eine Karte beschwört, die man eh im Deck hat, etwa Aschenblüte & Freudiger Frühling oder PSI-Hüllenpanzer Gamma. Aber dann gab es ja die „Garnets“, die selbst Extender waren, etwa Aufblühende Blumenzwiebel, Büroboter 001 und Mecha-Phantomungeheuer O-Löwon, mit denen er bevorzugt gespielt wurde. Und wie es mit denen weiter ging könnt ihr in den Abschnitten zu Linkreuz und Mecha-Phantomungeheuer Auroradon nachlesen. Halqifibrax selbst wurde bevorzugt beschworen, indem man Aufblühende Blumenzwiebel oder Jetsynchron beschworen hat, damit Linkuriboh geholt hat und anschließend den Empfänger vom Friedhof zurück beschworen, sodass man das nötige Material zusammen hatte. Beide Empfänger sind inzwischen verboten, aber es gibt Roter Resonator als Alternative, neben zahlreichen „3+1“ Engines, etwa Linkshänder-Schraubendreher und Rechtshänder-Schraubendreher, Fremdenführerin aus der Unterwelt und Schöpfungsresonator oder Einzelfeuer-Blüte und Spore.
Oder ist Kristron-Halqifibrax am Ende doch nicht der Böse? Schließlich scheint er den ersten (Online-)Turnierergebnissen seit der Dezember-Banlist zu Folge nicht mehr allzu beliebt zu sein und auch im OCG ist er schon länger ohne größere Schäden auf 1. Doch zu welchem Preis? Neben Aufblühende Blumenzwiebel und Jetsynchron sind Schwarzflügel – Dampf der Mantel, Mecha-Phantomungeheuer O-Löwon, Destrudo der Schauer des verschwundenen Drachen und Linkreuz vermeintlich nur wegen ihm verboten worden. Und trotz dieser beeindruckenden Kill/Death-Ratio würde ich ihn noch lange nicht abschreiben. Gerade sein letzter Effekt, der bislang kaum zum Einsatz kam, weil er lieber zu Linkreuz verarbeitet wurde, birgt meiner Meinung nach noch Potenzial. Denn mit diesem kann Halqifibrax sich im gegnerischen Spielzug als Tribut anbieten, um ein Empfänger-Synchromonster einfach so vom Extra Deck zu beschwören, was sogar als Synchrobeschwörung zählt. Das heißt, wenn man es irgendwie schafft, mit dem beschworenen Empfänger T.G. Hyperbibliothekar zu bauen, kann man im gegnerischen Zug Formelsynchron beschwören, zwei Karten ziehen und anschließend Formelsynchrons Effekt benutzen, um eine Interruption wie Schwarzer Rosen-Mondlichtdrache oder F.A. Tagesanbruchs-Dragster zu beschwören. Es ist also nicht auszuschließen, dass Kristron-Halqifibrax noch weitere Opfer fordern wird, sollte Konami sich nicht entscheiden, ihm selbst den Riegel vorzuschieben.
Schlusswort:
So, das war es für dieses Jahr von mir. Vielen Dank fürs Lesen, ich hoffe, der Artikel hat euch gefallen. Seid ihr mit meiner Liste einverstanden? Was waren eure Lieblingskarten im Jahr 2020? Schreibt es in Diskussionsthread oder wünscht dort einfach allen ein frohes neues Jahr! Das jedenfalls wünsche ich euch. Auf das es besser wird als das letzte.

- Leseleff -