Evolution der Pflanzen oder Wie der Tengu die Samurai besiegte

Nun ist es also passiert. Tengu Plants haben sowohl die Schweizer Meisterschaft als auch die Österreichische Meisterschaft gewonnen, nachdem sie auf der YCS Orlando nur knapp gescheitert waren. Herzlichen Glückwunsch an Roman Kieser und Long Dao an dieser Stelle. Zwei unabhängige Turniere, aber zwei Sieger mit dem selben Deck: steht uns jetzt die große Langeweile ins Haus? Ist vor der Deutschen Meisterschaft in Kassel das gewinnende Deck schon gefunden? Befassen wir uns also einmal näher mit dem Pflanzendeck und seinen Stärken. Denn nur wenn man den Erfolg des Decks versteht, kann man auch eine geeignete Gegenmaßnahme finden!



Die Evolution der Pflanzen


Das Pflanzendeck hat eine ganze Reihe von Evolutionsschritten durchgemacht und sich stetig geändert. Wirklich angefangen hat der Hype um die Pflanzen mir dem Debris Hime Deck, welches in Japan sehr lange sehr erfolgreich gespielt wurde. Dieses Deck war dann auch der Auslöser dafür, dass Lonefire Blossom semi-limitiert wurde, als bei uns noch gar keiner dieses Deck spielte. Dieses Deck hatte damals noch Karten wie Beast King Barbaros und Trade-In im Deck.


Die Engine wurde im laufe der Zeit immer mehr verfeinert. Eine Zeit lang wurden Barbaros und Trade-In gegen Quickdraw Synchron und Light and Darkness Dragon ausgetauscht. Manchmal spielte man sogar den legendären Obelisk the Tormentor. Aber auch dieses Deck verschwand mit der Zeit wieder von der Bildfläche, denn Karten wie Spore und Grow-Up Bulb erwiesen sich als deutlich spielstärker. Das klassische Debris Plant war geboren.


Doch auch an diesem Punkt schreckten die Spieler nicht vor Innovationen zurück. Langsam aber sicher setzten sich verschiedene Anteile von Licht- und Finsternismonstern durch. Diese ermöglichten dann die Integration des spielstarken Chaos Sorcerers. Das Chaos Plant galt lange Zeit als die spielstärkste Pflanzenvariante und auch heute kann es durchaus noch mithalten, wie Deniz Mailänder auf der Österreichischen Meisterschaft eindrucksvoll bewiesen hat. Aber das Plant Deck hat ein Problem. Es hat ein verhältnismäßig schlechtes Match-Up gegen Grabwächter und auch mit Samurai tut sich das Chaos Plant nicht unbedingt leicht. An dieser Stelle treten Zombie Plant und Tengu Plant auf die Bühne.



Die Anforderungen an ein gutes Deck VOR den Alpenmeisterschaften


Lange Zeit wurde das Metagame von zwei Decks dominiert. Dies waren Samurai und Grabwächter. Hinten dran folgten dann X-Saber und Chaos Plant. Das X-Saber schaffte mit Innovationen wie Effect Veiler und Level Limit - Area B seinen Weg zurück an die Spitze, da es in der zusätzlich die Anzahl der XX-Saber Faultroll und Gottoms Emergency Call reduzierte, da diese Karten gegen Grabwächter schnell zum Death-Draw wurden. Somit ist es zu erklären, dass von gerade einmal 8 gespielten X-Sabers 2 die Top8 der Österreichischen Meisterschaft erreichten. Zum Vergleich: es wurden 7 Gadgets, 7 Grabwächter und 5 Gladiatoren gespielt. Keines erreichte die Tops. Von 9 Chaos Plants erreichte nur eines die Tops. Und von 23 Samurai schaffte nicht ein einziges den Sprung unter die besten 8, obwohl Top-Spieler wie Tolga Erkoc dieses Deck in die Hand nahmen. Sowohl Lukas Dirngrabner als auch Michael Gstöttenmayr ist die Arbeit an ihren Decks anzusehen und ganz offensichtlich haben beide alles richtig gemacht.


Aber was konnte das Plant machen? Klar, man konnte wie Long Dao es vorgemacht hat ebenfalls 2 Effect Veiler ins Deck integrieren. Man konnte auch die Anzahl der Debris Dragon verringern und gleichzeitig auf Karten wie Limit Reverse verzichten. Aber würde das reichen?


Ein modernes Deck, welches sowohl gegen Samurai als auch Grabwächtern bestehen will, muss folgende Eigenschaften haben. Dies hat insbesondere Jason Grabher-Meyer in seinen Artikeln immer wieder schön herausgearbeitet:


  1. Es darf nicht anfällig gegen Necrovalley sein!

    Dies heißt, die Anzahl der auf den Friedhof zielenden Effekte so gering wie möglich zu halten. Ich spiele nur 2 Junk BOX anstelle von 3 und auch keinen Call of the Haunted. Als Zombie-Spieler verzichte ich womöglich sogar auf ein Book of Life oder einen Zombie Master.


  2. Es muss einen Shi'En entsorgen können!

    Solange es genug Samurai-Spieler gibt, muss ich eine Antwort auf Legendary Six Samurai - Shi En im Deck haben. Dies können Techs wie Neo Spacian Grand Mole. Blackwing – Gale the Whirlwind oder Effect Veiler sein. Dies können aber auch dicke Synchromonster wie Scrap Dragon oder Brionac, Dragon of the Ice Boundary sein. Wie auch immer diese Antwort ausfällt ist dabei unerheblich. In meinem Morphtronic-Deck beispielsweise lautet sie meistens Effect Veiler oder Karakuri Shogun mdl 00 "Burei". Das Grabwächter-Deck hingegen verliert derzeit unter anderem deshalb stark an Popularität, weil es Schwierigkeiten hat so gut wie keinen Zugriff auf Synchromonster hat und nur auf Techs wie Gravekeeper's Guard zurückgreifen kann.


  3. Man muss einen Shi'En lang genug überleben!

    Die tollsten Antworten auf Shi'En bringen einem nichts, wenn man nicht lang genug überlebt, um diese Antworten zu ziehen. Also müssen Monster her, die einen Angriff von Shi'En und seinen Soldaten überleben. Das kein ein Spirit Reaper sein, eine Pyramid Turtle, aber auch ein X-Saber Psahuul oder ein Morphtronic Staplen.


  4. Ich muss Monster-Removal auskontern können!

    Das Problem an Staller-Karten wie Spirit Reaper ist, dass sie von Removal wie Hand of the Six Samurai oder Gravekeeper's Descendant auseinandergenommen werden. Ich muss meine Monster auch im zweiten Zug noch setzen können, ohne Angst vor dem nächsten Ryko, Lightsworn Hunter haben zu müssen. Ich brauche also Monster, die in solchen Fällen zumindest meine Kartenpräsenz aufrecht erhalten. Dies kann ein Sangan sein, ein Goblin Zombie, ein Card Trooper, ein XX-Saber Darksoul oder auch ein Gravekeeper's Ascendent. Mein Morphtronic Deck hat diese Option aktuell leider nicht und genau aus diesem Grund ein Problem, im Metagame mitzuhalten.


Wenn man sich diese Liste anschaut, erklärt sich unheimlich leicht, warum in Österreich ausgerechnet X-Saber, Tengu-Plant und Zombie-Plant die Tops mit je 2 Decks dominierten. Dass dann am Ende das Tengu-Plant gewonnen hat, erklärt sich primär dadurch, dass es diese 4 Punkte mit Abstand am besten abgedeckt hat. Es hat eben nicht nur einen Spirit Reaper der einen Angriff abfangen kann oder einen Goblin Zombie, welcher gerne auch vom Gegner zerstört werden darf. Es hat ganz im Gegenteil einen Reborn Tengu, welcher beide Anforderungsprofile abdeckt!



Die Anforderungen an ein gutes Deck NACH den Alpenmeisterschaften


Jetzt stellt sich dem Leser dieser Kolumne natürlich die Frage, wie aktuell dieses Anforderungsprofil überhaupt noch ist. Denn es basierte primär auf der Spielstärke der Samurai und Grabwächter. Tatsächlich heißen die großen Decks nach Österreich und der Schweiz aber X-Saber und Plant. Nichts desto trotz werden auch auf der Deutschen Meisterschaft mehr als genug Spieler Samurai und Grabwächter spielen. Da jetzt die Pflanzen wieder das scheinbar dominierende Deck sind, müssen sich die Spieler innerhalb von zwei Wochen auf diese neue Situation einstellen. Folgende Fragen sollte sich jeder Spieler stellen:


  1. Was mache ich mit einem Tengu?

    Reborn Tengu ist eine der stärksten Karten, die jemals gedruckt werden. Da sind wir uns alle einig. Und irgendwie müssen wir Spieler einen Weg finden, mit dieser Karte fertig zu werden. Der einfachste Weg ist, die Beschwörung der Karte zu annullieren. Dazu kann man allerdings nur wenige Karten wie Solemn Warning und Solemn Judgment verwenden. Der zweite Weg wäre, die Spezialbeschwörung des nächsten Tengus zu verhinden. Dazu können Karten wie Debunk oder Fossil Dyna Pachycephalo dienen. Der dritte Weg ist, den Tengu mit Karten wie Raiza the Storm Monarch wieder aufs Deck zurückzugeben. Auf diesem Wege entsorgt, aktiviert sich der Effekt des Tengus nicht. Abseits dieser Wege gibt es eigentlich nur noch die Möglichkeit, das nervige Monster 3 Mal im Kampf zu besiegen.


  2. Wie verhindere ich gegnerische Synchro-Swarms?

    Die große Stärke von X-Saber und Pflanzen ist es, das Feld in nur einer Runde mit Monstern zu fluten. Oli hat das in einem eigenen Artikel über das Tengu Plant sehr schön beschrieben. Hier gibt es verschiedene zum Teil sehr alte Ansätze wie Royal Oppression, Book of Moon und Effect Veiler. Ebenfalls altbekannt ist der Ansatz, zumindest den gegnerischen Friedhof außer Gefecht zu setzen. Was bei X-Saber mit Necrovalley noch halbwegs metatauglich funktioniert, ist gegen ein Tengu Plant eigentlich nur mit Banisher of Radiance, D.D. Crow oder Dimensional Fissure möglich.


Wenn ihr gegen ein Tengu Plant bestehen wollt, müsst ihr Euch fragen, welche Anforderungen dieses Match-Up an euer Deck stellt. Genau mit dieser Denkweise konnte das Tengu Plant die Grabwächter und Samurai besiegen. Nun ist es an der Zeit, dass jemand den Spieß umdreht und selbst Unkraut jäten geht! Packen wir es also an!


Was denkt ihr? Wie lässt sich ein Tengu Plant besiegen. Wo muss man Ansetzen? Sollte ich vielleicht anfangen ein Makrokosmos mit 3 Raiza zu spielen? Wie werdet ihr den Tengu schlagen? Und wie gut wird euer Deck dann noch mit Samurai und Grabwächtern zu Recht kommen?


Nimrod Hellfire

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