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Was wäre wenn... es das Internet nicht gäbe?

von soulwarrior am 30.09.2011 um 11:20 Uhr
Diese Woche gab es mal wieder tolle Neuigkeiten für (insbesondere jüngere) Yu-Gi-Oh! Spieler: Ab 2012 wird es auch eine Weltmeisterschaft für Junioren, die so genannte "Dragon Duel World Championship", geben. Damit gibt es für die jüngeren Spieler nun noch mehr Anreize, sich auf Turniere zu wagen und dort ihre Skills zu trainieren, nachdem das Turnierangebot für Dragon Duellanten in den vergangenen Jahren sowieso schon stetig erweitert wurde!
Dass in der Jugend die Zukunft steckt wissen wir nicht erst seit gestern, doch ich will heute gar nicht großartig nach vorn blicken. Ganz im Gegenteil, heute arbeiten wir mal wieder etwas Vergangenheit auf bzw. fokussieren uns auf eine Entwicklung, die vor Jahren ihren Anfang genommen hat und uns bis heute heftig beeinflusst. Ganz konkret: Es geht um den Einfluss des Internets auf unser Hobby!


Was wäre wenn...


Erst vor 2 Wochen ging es in dieser Kolumne um das Thema Spielsucht; mein Aufhänger für den Artikel waren Private Nachrichten, die mich immer mal wieder erreichten und in denen mich die Verfasser darum baten, ihre Forenaccounts zu sperren (oder in Einzelfällen sogar zu löschen). Auch im Feedback-Thread sprachen dann einige User von einem "Automatismus", wenn sie ihren Browser öffnen und zunächst Facebook und eTCG.de ansteuern. Was wäre wenn der Grund dafür gar nicht ihre "Yu-Gi-Oh! Sucht" [1] bestünde sondern vielmehr in "Internet-Sucht"? [1]

Einschub: Seit ich damit angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, wechselte ich bereits 3mal auf meinen Browser und prüfte irgendwelche Webseiten nach mehr oder weniger trivialen Informationen...

Ich hatte mit Yu-Gi-Oh! angefangen, obwohl ich eigentlich schon "damals" zu alt für das für Hobby war. Ich sah die Fernsehserie und dachte mir, ich probiere es spaßeshalber mal aus. Ich war mir darüber im Klaren, dass das für meine Altersgenossen etwas seltsam anmuten könnte, mir war das aber dann doch recht egal. Komischerweise ging es 3 meiner Freunde genauso und auch sie kauften sich die bunten Pappkarten, obwohl wir eigentlich alle zu alt dafür waren.
In den ersten Wochen spielten wir spaßeshalber im Jugendraum im nördlichsten Weindorf Frankens [2] nach unseren vollkommen eigenen Regeln. Im Februar 2004 [3] begann ich dann damit, auf eTCG.de aktiv zu werden. Damit nahm "das Unheil seinen Lauf".

Auf der Seite konnte ich mich über die aktuellen Top-Decks informieren. Mehr über wichtige Spielprinzipien lernen, beispielsweise welche Deckarten sich eher für Beatdown und welche sich eher für eine control-mäßige Spielsweise eignen. Ich erfuhr mehr über Kartenpreise und begann damit, mir Karten, die meiner Ansicht nach gut in mein Deck passen würden, zu ertauschen. Sogar die Regeln des Spiels erschlossen sich mir so langsam und ich begann damit, einige häufig gemachte Fehler zu vermeiden (z. B. den hier...). [4]

Im Folgenden begab ich mich auch mal auf ein paar größere Turniere, z. B. nach Haßfurt oder Nürnberg. Bei einigen von diesen konnte man sich auch für die Deutsche Meisterschaft 2004 qualifizieren und so lernte ich noch mehr dazu. Selbstverständlich erfuhr ich von diesen Events auch im Forum – wie man zu dem jeweiligen Ort kommt habe ich mir auch online heraus gesucht und das Ticket ... ihr könnt euch den Rest denken.

Wäre ich nie ins Netz gegangen, so hätte ich wohl noch ein weiteres Jahr mit meinem gepimpten Yugi-Starter Turniere im Jugendraum gezockt. Ich hätte nie damit angefangen, mehr über die Regeln zu lernen, hätte nicht unzählige amerikanische Rulings übersetzt, wäre wohl nie Judge geworden und nach Berlin hätte es mich wohl letztlich auch nicht verschlagen, wo ich aus dem Hobby über Umwege einen Beruf gemacht habe.
Ich möchte nicht behaupten, dass alles im Netz seinen Anfang nahm; nein, da kam doch erstmal der erste Schritt, der im Kauf eines Starters in einem Würzburger Spielwarenladen bestand. Doch ohne Internet wären hunderte von Folgeschritten ausgeblieben, die mein Leben nachhaltig beeinflusst haben. Ich bin mir sicher, dass das in ähnlicher Form für jeden einzelnen von euch genauso sein wird.

Hängen wir uns also nicht an meiner persönlichen Lebensgeschichte auf, sondern blicken wir lieber noch etwas weiter zurück. Das älteste aller modernen Sammelkartenspiele, Magic: The Gathering, gibt es bereits seit 1993. Zwar gibt es das Internet auch schon eine ganze Zeit lang, so richtig seinen Durchbruch feiern konnte es allerdings erst Mitte der 90er. Ab diesem Zeitpunkt begann nahezu jeder Haushalt damit, in irgendeiner Form ins Netz zu gehen. [5]

In den Urzeiten dümpelte Magic so vor sich hin. In einigen Städten war es richtig groß, doch davon bekam man eigentlich überhaupt nichts mit. In Berlin war es logischerweise (die Stadt ist groß...) auch relativ beliebt, nur dass viele andere Städte und Spieler die Berliner beneideten. Warum? Ganz einfach, in Berlin gab es Matthias aka darkpact. Er veranstaltete nicht nur Turniere (das war jetzt noch nicht so besonders), er veröffentlichte auch die Ergebnisse online auf seiner Webseite. Dort findet ihr zwar aktuell "nur" Infos zu Events ab 2003, doch soweit ich weiß gab es dort auch schon vorher so einiges zu lesen.
Das war geradezu revolutionär! Im besten Fall konntet ihr euch sonst über Magic informieren, indem ihr euch in irgendeiner Newsgroup beteiligt habt. Wie, der Begriff "Newsgroup" sagt euch nichts? Das ist so ähnlich wie ein Online-Forum, nur weniger übersichtlich, weniger benutzerfreundlich und mit noch mehr Trollen. Stellt euch einfach das eTCG.de Forum in der Version 0.5 vor, dann kommt ihr wohl in etwa hin.

"Moment, du sagst, früher gab es recht wenig Austausch online?", werdet ihr euch nun möglicherweise fragen. Und ja, genau das sage ich. Hättet ihr Magic in den absoluten Urzeiten gespielt, so wäre eure unglaublich gewiefte Deckentwicklung nicht 4mal um die Welt gegangen, nachdem ihr ein Turnier mit ihr gerockt habt. Im schlimmsten Fall wäre sie von 2 bis 3 Spielern aus eurer lokalen Community kopiert worden, doch wenn ihr mal 100km für ein Turniere in einen anderen Ort gefahren wärt, so hättet ihr dort die Konkurrenz mühelos auf dem falschen Fuß erwischt. "Netdecking" gab es nicht, was halbwegs logisch sein sollte. Wie uns der Begriff schon verrät, benötigt man auch ein "Net" dafür und das war einfach noch nicht ausreichend vorhanden.


Länderweite Metagames


Heute gibt es bekanntermaßen länderweite Metagames. Habt ihr euch je gefragt, warum dem so ist? Ganz einfach, 90% aller Spieler sind nur in den jeweiligen Landesforen online. So wie ihr euch nicht für französische Foren begeistern könnt, so meiden auch die Franzosen spanische Foren, die Spanier britische Foren, usw. (klar könnte man Pojo als Ausnahme anführen, aber ich behaupte, dass selbst der Anteil der aktiven deutschen User, die häufig halbwegs gut Englisch verstehen, auf Pojo recht gering ist).
Wenn nun Random User A sein Deck auf eTCG.de online stellt, so kommt der "deutsche Standard-Fix" zum Einsatz. Da sagt man sich dann z. B., dass die Hamster-Engine im Twilight nichts macht. Geht Random User A aber auf eine französische Seite, so könnte man ihm zur Integration der Hamster-Engine raten, weil sich diese im französischen Meta bewährt hat.
Die landesweiten Spielergemeinden sind also durch das Internet stark zusammen gewachsen und auch wenn es international noch etwas anders aussieht, so hat es schon seine Gründe, warum die eurpäischen Spieler sich eher an den amerikanischen Spielern orientieren (oder umgekehrt) und warum Japaner "so anders" spielen – zwischen zwei dieser 3 Kulturen findet online immerhin überhaupt ein Austausch statt, während die 3. allein schon aufgrund der von ihr gesprochenen Sprache etwas außen vor bleibt.


Entwicklung der einzelnen Kanäle


Nie war es einfacher, in kurzer Zeit vom blutigen Anfänger zum Vollpro aufzusteigen. Mit Hilfe unzähliger YouTube.com Videos, in denen euch bessere Spieler ihre Tricks verraten, lernt ihr in Windeseile, welche Decks aus welchen Gründen ganz vorne mitspielen. Mit Kolumnen, wie der von Dönerschreck, könnt ihr häufig gemachte Fehler in eurer Spielweise ausmerzen oder die Pro-Moves besserer Spieler kopieren, um so auf kommenden Turnieren selbst ganz vorne mitzuspielen.
Während man sich früher überhaupt nicht bewusst war, dass es so etwas wie Cheating gibt, wird es heute allgegenwärtig in den Foren dieser Welt diskutiert. Schiedsrichter, die ohne Internet kaum Möglichkeiten hätten, sich weiterzubilden, finden heute unzählige Ressource online, die sie (nahezu) alle Fragen beantworten lassen.
Ihr seht also, dass sich selbst die vielen einzelnen "Kanäle", über die Informationen im Internet verbreitet werden, enorm in den vergangenen Jahren weiterentwickelt haben. Dabei habe ich noch gar nicht von Coverages gesprochen, deren Entwicklungsgeschichte sogar einen eigenen Artikel rechtfertigt(e). [6]

Ohne Internet würde das heute wohl alles ganz anders aussehen. Es gäbe keine derben pWnage-Posts, man wüsste in München kaum, wer yomifrog sein soll, ihr würdet, falls ihr in Dortmund wohnt, nur mit Mühe Wind von einem Turnier in Hamburg oder Frankfurt mitbekommen und und und...
Wisst ihr noch, wie es für euch war, als ihr erstmals damit begonnen habt, online aktiv zu werden? Lasst es mich im Feedback-Thread wissen!


soul


Trends der Woche


Der Postillon



Vollkommen vergesse habe ich den Postillon, den ich bereits vor 2 Wochen oder so zum Trend erklären wollte... Gott, was haben Matthias und Dominic (die seltsamerweise einen 1 zu 1 identischen Humor haben) gelacht, nachdem ich ein paar der fantastischen Headlines dieses Online-Satire-Magazins ("An die große Glocke gehängt: Selbstmord von Pfarrer spricht sich schnell herum" oder meine aktuellen Favoriten: "Rasieren vergessen: Prostituierte erweist Kunden einen Bärendienst" und "Nach acht Wochen im Stall: Bauer läßt endlich mal die Sau raus") zum Besten gegeben habe. Ich selbst wurde auf die Seite von Harti verwiesen, dem ich hiermit noch mal danken möchte!

Vollkommen passend zum heutigen Artikel ging dort übrigens auch ein Ratgeber zur Internetsucht-Bekämpfung online!


Gegendarstellungen



Es ist immer ganz sinnvoll, auch mal die Kehrseite der Medaille zu betrachten. Nachdem scheinbar die gesamte Gamer-Welt auf Alyssa Bereznak (ich kenne den Namen mittlerweile auswendig, was mir zu denken gibt) herum hackte (ihr erinnert euch? Sie schrieb über ihr Date mit Jon Finkel; dies wurde auch als Aufhänger für meinen Artikel Wie pulle ich Girls als Gamer? verwendet), hat sich nun Geordie Tait ein Herz genommen und eine Gegendarstellung veröffentlicht. Der Artikel ist selbst für Magic-Standards lang, doch um ehrlich zu sein lohnt sich die Lektüre meiner Ansicht nach enorm.
Darin werden haufenweise Vorurteile von Gamern gegenüber Frauen aufgearbeitet und man blickt auch mal aus einer anderen Perspektive auf die Thematik.


ICQ-Abstinenz



Nun habe ich heute ja ein wenig davon berichtet, wie sehr mich das Internet ablenkt. Ich glaube, wir sind am Ende bei 12 Browser-Aufrufen gelandet. Dabei habe ich ICQ sogar noch abgeschaltet. Ich muss zugeben, ich habe ehrlich gesagt nicht das Gefühl, etwas zu verpassen, da mich das Netz auch so schon genügend ablenkt...

Nachdem der Artikel nun aber fertig ist, könnte ich das eigentlich mal auf Facebook zum Besten geben!




[1] Da sind 2 Anführungszeichen rund um den Begriff. Ich bin zuversichtlich, dass sie einige Kritiker gekonnt ignorieren und den Begriff für bare Münze nehmen werden, ich wollte es nur noch mal erwähnen...


[2] Damit sind wir bei 4 Browser-Wechseln...


[3] Ich habe das exakte Datum "kurz nachgesehen" – wir sind damit bei 5 Browser-Aufrufen...


[4] Während ich an diesem Absatz schrieb kamen ein paar WhatsApp Nachrichten rein. Das ist zwar kein Browser-Aufruf, aber auch eine vom Internet verursachte Ablenkung.
Darüber hinaus habe ich den uralten Thread mit der klassischen Frage von mir raus gesucht. Also doch 6 Browser-Aufrufe.


[5] Wer vermisst sie nicht, die Zeit, in der das 56k Modem das höchste der Gefühle war? In der man sich ISDN eigentlich nur zugelegt hatte, um 2 Leitungen parallel schalten zu können und dann mit 128k surfen zu können? In der man ständig aufpassen musste, dass nicht irgendein Dialer eine etwas teure Verbindung herstellte, mit der man sich dann fünftklassige Erotik-Seiten ansehen konnte, die man eigentlich gar nicht ansehen wollte?!

Ich jedenfalls nicht.


[6] Nach dem Artikel musste ich natürlich auch noch suchen. Wir sind mittlerweile irgendwo bei 8 Browser-Aufrufen...

Darüber hinaus habe ich während der 2 vergangenen Absätze eine Nachricht von Harti erhalten, in der er mich fragt, warum ich nicht online bin. Ironie des Schicksals?!