|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Der größte Feind des Duellanten
von soulwarrior am 25.06.2010 um 10:54 Uhr
Der Artikel der letzten Woche hat wohl – diesmal sogar unfreiwillig – geschafft, wofür ich mich sonst zumindest ein wenig anstrengen musste: Er hat ordentlich polarisiert. Da gab's dann auf der einen Seite die krassen Gegner des Artikels, die gar nicht so genau wussten, wogegen sich ihre Aversion genau richtete – wahlweise gegen die Tatsache,
– und auf der anderen Seite die Befürworter, die ganz gut verstanden haben, was ich zum Ausdruck bringen wollte. Was lernen wir daraus: Eigentlich gar nichts. Weil Interviews sind an und für sich eine ganz fesche Idee, Artikel zu kontroversen Themen zu verfassen auch und dass das Feedback nicht immer so ausfällt, wie man sich das wünscht, ist jetzt auch nicht gerade die Nachricht des Tages. Daher sag ich mal "Schwamm drüber" und komme direkt auf das heutige Thema zu sprechen, das mich wirklich sehr fasziniert. Treffend umschreiben kann man es mit dem Titel der heutigen Kolumne: "Der größte Feind eines jeden Duellanten", wenn man das Phänomen in nur ein Wort zusammen fassen will, so ist man mit...
... ziemlich gut bedient. Bevor sich jetzt eine ganze Reihe von Leuten erheblich auf den Schlips, Fuß oder vielleicht auch aufs Deck getreten fühlt, muss ich gleich mal einwerfen, dass es mir nicht darum geht, hier groß auf die Community "einzuprügeln". Ich möchte einfach nur schildern, was mir seit nunmehr über 5 Jahren auffällt und was ich nach wie vor nicht so wirklich nachvollziehen kann, weil ich eben weiß, dass es auch anders geht. Fangen wir an mit einer kurzen Anekdote: Am vergangenen Samstag fertigte ich die Live-Coverage der eTCG.de Grand Challenge Berlin an. Ein Artikel war hierbei mal etwas unüblich für eine Coverage, denn dieses Thema wird sonst nicht wirklich zwischen Featured Matches und Deck Features behandelt: Das Märchen vom gewonnenen Würfelwurf. [2] Jetzt kann man ja viel über diesen Artikel sagen und beispielsweise seine Aussagekraft bezweifeln. Vielleicht fällt das Ergebnis ja ganz anders auf einem größeren Turnier aus?! Dann sollte man das aber auch so klar zum Ausdruck bringen. Ein besserer Spieler, nennen wir ihn einfach mal Venjamin Bassiliev, stand am Samstag auf der Bühne, schaute mir über die Schulter, studierte die Zahlen genau und sagte dann: "Der Würfelwurf ist bei Yu-Gi-Oh! aber schon wichtig." [3] Ich muss ehrlich zugeben, an der Stelle verließen sie mich ein wenig. Mein Kopf hat echt mal kurz in den Mindfuck Mode geschalten und ich musste erstmal rebooten, weil wenn mir so die geballte Ignoranz ins Gesicht geworfen wird, brauche ich immer erstmal ein wenig, um meine Fassung wiederzuerlangen. Denn: Der Artikel spricht doch eine äußerst klare Sprache. Er arbeitet mit Tortendiagrammen, die noch mal schön visualisieren, was der Text bereits sagt: Der Würfelwurf wird bei Yu-Gi-Oh! erheblich überbewertet. Sein Einfluss auf den endgültigen Spielausgang ist sehr viel geringer als allgemein angenommen. [4] Und selbst wenn ein besserer Spieler diese Zahlen – und wir erinnern uns: Zahlen lügen nicht – vor Augen hat, behauptet er "rotzfrech": "Der Würfelwurf ist schon sehr wichtig." Ganz ehrlich: Wie geht das denn? Wie kommt man denn dazu, alle Logik über Bord zu werfen und einfach mal irgendwas von sich zu geben, das zwar die persönliche Meinung widerspiegelt, aber erwiesenermaßen und in diesem Fall sogar offensichtlich falsch ist?! [5] Jetzt geht es mir nicht speziell um diesen einen Fall, sondern eher um das allgemeine Phänomen, dass die Yu-Gi-Oh! Spielergemeinde die Dinge häufig mal etwas blauäugig betrachtet. Ich habe schon Leute Decks bauen gesehen, denen hat man erklärt, dass es besser ist, 40 anstelle von 45 Karten zu spielen, weil man so die Schlüsselkarten früher zieht. Und die haben dann geantwortet: Das läuft aber anders besser, ich ziehe die guten Karten immer schon rechtzeitig. Aha. Genauso häufig beklagen sich Spieler, dass sie beispielsweise in einem 8 Runden Turnier 2mal gegen Gladiatorungeheuer ran müssen, wenn 30% des Feldes auf Gladis setzen. Dann erklärt man ihnen, dass das gar nicht so unwahrscheinlich ist und sie antworten, dass so was immer nur ihnen passiert. Und auch da schüttelt man unweigerlich den Kopf... Natürlich sind das immer noch nicht alle Fälle, in denen die Ignoranz an der Tagesordnung ist. Genauso sehe ich es auf einem Turnier im Schnitt 5mal, dass ein Spieler "overextended", also all seine Trümpfe aufs Feld wirft, der Gegner hat dann eine Antwort im nächsten Turn parat und schon wird geschimpft, dass man "weggeluckt" wurde. Dass man "schlecht gespielt" hat, höre ich hingegen wirklich selten. Jetzt ist es nicht die fantastischste News des Tages, wenn ich behaupte, dass der Glücksfaktor (GV) bei Yu-Gi-Oh! eine relativ große Rolle spielt. Zwar beklagen sich immer wieder Spieler darüber, doch ohne das nicht vorhandene Ressourcensystem, die teilweise extrem spielstarken Karten, die Spiele im Alleingang drehen können und die hohe Geschwindigkeit des Spiels wäre Yu-Gi-Oh! nicht halb so beliebt. Salopp gesagt: Yu-Gi-Oh! ist teilweise deshalb so beliebt, weil es ein "schlechtes" Spiel ist. Also eigentlich ist das jetzt auch wieder falsch, denn Yu-Gi-Oh! ist kein "schlechtes" Spiel, es belohnt nur nicht in jedem Fall den besseren Spieler. Aus dieser allgemeinen Aussage, die auf einen gewissen Anteil aller Spiele zutrifft, in denen auch der weltbeste Spieler mal durch einen Topdeck "gescrewt" wird, bastelt sich nun leider jeder "Random" seine kleine Traumwelt. Denn eigentlich ist er ja auch ein Top-Spieler, nur leider wird man halt ständig "nur weggeluckt". Ja, "outperformt", also "an die Wand gespielt", wird eigentlich niemand bei Yu-Gi-Oh!. Vielmehr hatte man höchstens mal schlecht gezogen oder halt der Gegner geluckt. Ich selbst spiele kein Yu-Gi-Oh!. Ich sehe mir das Spiel gerne an, ich finde es halbwegs herausfordernd, Schiedsrichter bei dem Spiel zu sein [6], aber ich habe tatsächlich ein gewisses Problem damit, so gut sein zu können wie ich will und trotzdem in von mir aus 40% aller Spiele verlieren zu können, weil mein Gegner besser gezogen hat. Oder lasst es 30% sein, auch das ist mir noch zu viel. Ich verstehe, dass das nun sehr stark abhängig vom Spielertyp ist – so verweise ich an dieser Stelle mal auf meinen Lieblingsvergleich zwischen dem leider eingestellten Vs. System und dem nach wie vor erfolgreichen Magic von André Bronswijk (Gott hab ihn selig): "Wenn ich 100 Spiele Magic gegen HaJo Höh spielen könnte und wüsste, dass ich 10 gewinne, weil er einfach mal Mana Screw oder Mana Flood geht oder alternativ 100 Spiele Vs. System, in denen ich vielleicht 1 mit viel Glück gewinne und beim Rest der Spiele nur verliere, weil das Spiel einfach den besseren Spieler belohnt, spiele ich halt Magic gegen ihn.", (ja, ich bin mir bewusst, dass ich abschweife) – und viele Spieler gar kein Problem damit haben, in unmöglichen Situationen mal verlieren zu können, weil sie halt selbst (auch wenn sie sich das teilweise nicht eingestehen würden) nicht die Überkinger sind und sehr viel Freude über unmögliche Siege davon tragen, in denen sie selbst einfach mal den magischen Topdeck geschafft haben, nur begreife ich nicht, wieso sich fast ausnahmslos die gesamte Community das Recht heraus nimmt, mit zugekniffenen Augen durchs Yu-Gi-Oh! Leben zu gehen. Ich möchte euch nicht ausreden, dass ihr euer Gefühl mit ins Spiel einbezieht. Wenn ihr euch bei einem Deck sicher seid, so spielt es. Selbst wenn es das "vermeintlich schlechtere" Deck ist. [7] Nur WEISS ich, dass ein Spieler nur wirklich dann besser wird, wenn er sich halbwegs objektiv mit dem Spiel sowie insbesondere seinen eigenen Fehlern auseinander setzt. Wenn ihr pauschal immer nur auf euren Gegner schimpft und behauptet, dass euch dieser "weggeluckt" hat, so braucht ihr euch auch nicht zu wundern, wenn ihr euch als Spieler nicht weiterentwickelt. Wenn ich angestrengt nachdenke, wie viele Spieler ich kenne, die sich mit dem Spiel wirklich auseinandersetzen, die erheblich testen, Statistik zum Einsatz bringen wenn sie testen, Stochastik heranziehen wenn sie ihre Decks bauen, usw... dann komme ich nicht mal auf 10 Spieler. Ich weiß, dass Gobbo damals so vorgegangen ist. Ich traue es einem Claudio Kirchmair sowie einem Michel Grüner grundsätzlich zu, dass sie sich so sehr "in das Spiel rein denken" (wobei man hier ja auch schon häufiger gehört hat, dass Decks 1 Tag vor Eventbeginn gebaut werden) und einigen anderen Kolumnisten, die in Gobbos Fußstapfen getreten sind – unter anderem wohl Nimrod Hellfire – machen das grundsätzlich auch bis zu einem gewissen Grad, doch irgendwie sind mir das immer noch viel zu wenige Jungs. In diesem Sinne werfe ich mal ein reißerisches "Wacht auf!" in die Runde, bevor ich mich für diese Woche auch schon wieder verabschiede. Wie seht ihr die Sache? Wie kommt es, dass Yu-Gi-Oh! Spieler die Logik gerne mal außen vor lassen und sich einfach mal komplett subjektiv an gewisse Probleme ran wagen, anstelle mal angestrengt über diese nachzudenken? Erzählt es mir im Feedback Thread! soul
FavoritensterbenNormalerweise ist Favoritensterben immer einer der besseren Artikel in einer Coverage. Diese Woche liegt der Begriff mal aus ganz anderem Grund im Trend, denn ich nehme hier Bezug auf die Fußball WM. Ich hätte gerne mal die Wettquoten gekannt, wenn man vor dem Turnier darauf gesetzt hätte, dass sowohl Frankreich als auch Italien die jeweils letzten in ihren Gruppen werden und nicht mal 3 Punkte holen! Flagge zeigenIch erinnere mich noch an die Zeiten als man komisch angeschaut – und im schlimmsten Fall direkt als Nazi beschimpft – wurde, wenn man mal eine Deutschlandfahne in die Hand genommen hat. Das änderte sich glücklicherweise in den letzten paar Jahren nach und nach und gerade während der WM 2006 wurde es endlich mal wieder gesellschaftsfähig, mit einer Äußerung wie: "Ich bin stolz auf mein Land!", nicht direkt mit der örtlichen Delegation der NPD in Verbindung gebracht zu werden. Tolle Entwicklung, die auch bitte so weitergehen darf; ich finde es schön, wenn sich die Deutschen endlich mal wieder trauen, die Fahnen raus zu hängen. Das Land hat in seiner langen Geschichte viel vollbracht und auch wenn wir (vollkommen berechtigt) zu den Buhmänner gegen Anfang des 19ten Jahrhunderts wurden, so ist es jetzt mal wieder an der Zeit, die Brust ein wenig angeschwollen raus zu strecken. FußballfieberMan merkt's schon, irgendwie dreht sich derzeit alles um König Fußball. Ich hatte eigentlich lange dem Fußballfieber widerstanden, aber mittlerweile hat es mich fest im Griff und so ertappe ich mich jetzt selbst dabei, wie ich Spiele im Livestream verfolge, die mich eigentlich gar nicht interessieren sollten. Kleine Randnotiz: In Wimbledon ging auch ordentlich Action ab, ein äußerst geschichtsträchtiges Spiel dauerte über 11 Stunden an. Wahnsinn's G'schichte und ich sage mal: Ganz großes Tennis. [1] Was ich so eigentlich gar nicht gemacht hatte, aber gut. Ich hatte ihm eine Plattform gegeben, um Stellung zu beziehen, was meiner Ansicht nach erstmal nicht verwerflich ist. Oder entwickelt ihr direkt Aggros gegenüber jedes Fernseh-Magazin, das einen Tiger Woods zu seinem komischen Problem befragt hat?! Also... nicht, dass ich Piyal mit Tiger vergleichen möchte. Der eine steht auf kleine Zuschläge und nimmt offenbar gerne mal 2, der andere locht – in mehrfacher Hinweis – gerne und gut ein. So viel gemein haben die da erstmal nicht. [2] Da es diesbezüglich offenbar etwas Konfusion gab, hier noch mal die Klarstellung: Die Idee zu diesem Artikel wurde von Sportsman geliefert. Missy hat diese an mich weitergegeben mit der Bitte um Umsetzung und entsprechend habe ich den Artikel in die Coverage eingearbeitet. Dabei ging's mir nicht darum, Leuten ihre Themen wegzuschnappen. Warum auch, ich weiß ja, wie das ist, immerhin habe ich selbst nicht immer ein Thema parat. [3] Ach ja... nachdem ich schon zum besten gegeben habe, dass ich nicht auf der Community als ganzes rum hacken will, ergänze ich an dieser Stelle noch mal, dass ich es auch nicht gezielt auf einzelne Spieler abgesehen habe. Daher bitte nicht persönlich nehmen, wenn hier irgendjemand namentlich genannt wird. In den meisten Fällen geht es mehr oder weniger allen anderen Spielern sowieso so oder so ähnlich. [4] Gerüchten zufolge können Leute nichts mit Tortendiagrammen anfangen. Hier muss ich das Argument von irgendwem aufgreifen, der diese Meinung folgenderweise widerlegte: "Wer jemals auf einem Kindergeburtstag war und beobachten konnte, wie selbst die 5jährigen, die zuerst am Tisch waren, sich ganz zielstrebig direkt das größte Stück Pizza sicherten, können keine Zweifel daran bestehen, dass Tortendiagramme sehr einfach erfasst werden können." So viel dazu. [5] Ich sehe schon eine ganze Serie an schlechten Running Gags vor mir, in denen Yu-Gi-Oh! Spieler einfach mal irgendwelche subjektiven Meinungen entgegen jeglicher Logik durchsetzen. Beispiel: Wie kauft ein Yu-Gi-Oh! Spieler ein Auto? Er geht zum Autoverkäufer, der erklärt ihm, dass der Golf sparsamer ist, im Schnitt weniger Unfälle mit ihm verursacht werden und er auch noch seltener in den Service muss. Der Yu-Gi-Oh! Spieler antwortet: Der Toyota ist aber schon besser. [6] Es ist in etwa so herausfordernd wie die Nachkommastellen der Zahl Pi auswendig zu lernen, die sind nämlich genauso einfach vorhersehbar wie einige Rulings bei Yu-Gi-Oh!. [7] Mache ich bei WoW auch immer. Und funktioniert auch immer ziemlich gut. Bei dem Spiel gewinnt aber auch oft der bessere Spieler und nicht der mit mehr Glück, könnte also durchaus in die Hose gehen, wenn ihr das bei Yu-Gi-Oh! versucht. ;-)
|
![]()
» Forum ![]()
» Detail-Kartensuche
» Duelist Revolution ![]()
» Turnierorganisatoren » Verbotene & limitierte Karten
» Turnierrichtlinien ![]() Was hältst du von der neuen Banned List?
Ausgezeichnet!
Gut, aber zu gewagt!
Abwarten...
Mittelmäßig!
Grottig! Er wurden insgesamt 154 Stimmen abgegeben. ![]() ![]()
» Kontakt |
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| © www.etcg.de 2002-2010 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||