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Das Märchen der nicht vorhandenen Ressourcen

von soulwarrior am 20.01.2012 um 12:50 Uhr
In der vergangenen Woche haben wir über die Lehren gesprochen, die ihr aus anderen Spielen mitnehmen könnt. Im Feedback-Thread gab es einen kleinen Anstoß zu einer Folgediskussion von Pommesfee, doch irgendwie zündete der Funken nicht wirklich und man ging nicht näher auf das Thema ein. Dabei handelt es sich meiner Ansicht nach um eines der interessantesten Themen überhaupt, da die Geschichte der Ressourcen eine Geschichte voller Missverständnissse ist. Dieser Artikel wurde mit dem Vorhaben geschrieben, etwas Aufklärungsarbeit zu leisten.


Ressourcen? Gibt's doch gar nicht!


Tendenziell neigt der Yu-Gi-Oh! Spieler dazu, Dinge zu vereinfachen. Das ist eigentlich keine pauschal schlechte Eigenschaft, da man sich weniger vor komplexen Zusammenhängen fürchtet, wenn man sich selbst erfolgreich einredet, dass das doch "alles nur halb so wild" ist. Ich empfehle euch trotzdem, diese Einstellung für die Schule aufzuheben, um euch selbst zu überlisten / -winden und auch den etwas nervigeren Mathe-Stoff durchzuarbeiten. [1]
Geht es jetzt um euer Lieblingshobby, so schadet diese Ansicht mitunter auch mal. Redet man sich nämlich selbst ein, dass man "gar nichts machen konnte", so wird man auch nicht die Fehler bemerken, die man in einem Spiel gemacht hat. Folglich wiederholen sich diese in den nächsten Spielen erneut und es reicht leider nie für eine Platzierung auf dem Treppchen.

Die größte Fehleinschätzung besteht in der Annahme, dass Yu-Gi-Oh! über überhaupt kein Ressourcensystem verfügt. Gut, manchmal gestehen sich Leute noch ein, dass Kartenvorteil existiert und dieser Spiele entscheidet, doch häufig hört man genau an der Stelle auf, sich mit dem Thema zu befassen. Starten wir daher zunächst mit genau diesem Punkt.

Kartenvorteil



Wie man Kartenvorteil definiert, wissen die meisten von euch bereits: Ihr zählt einfach die Anzahl all eurer Karten auf dem Spielfeld und nehmt die Anzahl eurer Handkarten dazu. Mit 3 Karten auf dem Feld und 2 auf der Hand kommt ihr also auf 5. Vergleicht diese Zahl mit der Anzahl an Karten, die eurem Gegner zur Verfügung stehen. Vielleicht hat er nur 2 auf dem Feld, dafür aber 4 auf der Hand. Damit stehen ihm insgesamt 6 Karten zur Verfügung und entsprechend hat er gerade Kartenvorteil.

Mehr Karten bedeuten mehr Optionen. Habe ich nicht nur Aufschlagen, sondern auch Schwarzes Loch auf der Hand, so kann ich auf jede mögliche Spielsituation besser reagieren. Halte ich vielleicht auch noch Schwerer Sturm, so sollte ich meinem Gegner fast immer ordentlich zusetzen können. [2]

Soweit, so gut. Wir hatten schon den ein oder anderen Artikel über Kartenvorteil verfasst und daher möchte ich jetzt auch gar nicht mehr näher darauf eingehen. Sollten diese Konzepte noch nicht ganz in Fleisch und Blut übergegangen sein, so empfehle ich euch folgende Artikel:


Die Normalbeschwörung



Ja, wir haben auch schon mal über Ressourcenvorteil geschrieben, doch seit dem letzten Artikel hat sich so einiges geändert. Selbstverständlich hat sich an meiner bereits 2006 (!) getroffenen Aussage bis heute nichts geändert, daher zitiere ich mich selbst:

"Jede Spezialbeschwörung ist ein großes Plus für euer Deck. Denn die Anzahl der Spezialbeschwörungen pro Runde sind nicht begrenzt. Somit umgeht ihr eines der grundsätzlichen Spielprinzipien, nämlich, dass man nur 1 Monster pro Runde beschwören kann! JEDE Karte, die euch folglich problemlos eine Spezialbeschwörung garantiert bringt euch einen Vorteil! Nicht unbedingt Kartenvorteil, doch in jedem Fall einen Vorteil im Ressourcenmanagement."

[3]
WAS sich seit 2006 geändert hat ist, dass mittlerweile so ziemlich jedes Deck mühelos "unendlich viele" Spezialbeschwörungen pro Runde durchführen kann. "Früher" konntet ihr noch relativ zuverlässig abschätzen, wie viel Schaden euch euer Gegner durchdrücken konnte, wenn ihr mal keine Karte ausspielt. Mit einem 1900er Beatstick und Wiedergeburt auf einen Monarchen wären das z. B. 4300 Schaden gewesen. Hattet ihr selbst noch 6000 Life Points, so hättet ihr das Risiko ruhig eingehen können, nur um dann im Folgezug mit Schwarzes Loch aufzuräumen und das Game noch zu drehen.

Heute lacht euch ein Gegner aus, wenn ihr mit 6000 Life Points und leerem Feld abgebt. Er zeigt euch dann seine Hand und präsentiert Schwarz glänzender Soldat - Gesandter des Anfangs, Hyperion, vielleicht auch Fremdenführerin aus der Unterwelt oder Rettungskaninchen und neben Wiedergeburt könnten sich noch Spore und Aufblühende Blumenzwiebel im Friedhof befinden, die für gleich mehrere Synchrobeschwörungen verwendet werden könnten.

Und trotz dieser Einschränkung ist die 1 Normalbeschwörung pro Runde nach wie vor eine der kostbarsten Ressourcen. Habe ich die Oberhand auf dem Spielfeld mit 2 Donerkönig Rai-Oh und vielleicht noch eine Absicherung, wie Feierliches Urteil, so kann mein Gegner ruhig 5 Handkarten halten. Wenn es sich bei allen um Monster handelt, die erstmal als Normalbeschwörung beschworen werden müssen (und noch dazu Thunder King Rai-Oh nicht überlaufen können), so haben wir eine sehr große Chance, das Spiel zu gewinnen.
Einige Decks haben darüber hinaus keinen endlosen Zugriff auf Spezialbeschwörungen. Ja, die meisten erfolgreichen Decks zeichnen sich aktuell dadurch aus, dass sie sehr explosive Züge vollführen können, doch es gibt nach wie vor Anti-Decks und vielleicht kommen auch die Gladiatorungeheuer mal wieder vermehrt auf, die ohne Monster auf dem Feld äußerst harmlos aussehen.

Ergänzung: Zauber- und Fallenkarten



Eine Bodenlose Fallgrube auf Donnerkönig Rai-Oh macht an und für sich keinen Kartenvorteil. Allerdings kann ich mühelos mehr als 1 Bodenlose Fallgrube pro Spielzug legen, während mein Gegner ohne andere Effekte nur 1 Donnerkönig Rai-Oh ausspielen kann. Insofern sind Zauber- und Fallenkarten, die als Removal fungieren, "weniger wertvoll" als ein Monster.
Die Restriktion, dass ihr lediglich 5 von ihnen setzen könnt, kommt äußerst selten ins Spiel.

Geschwindigkeit



Ich denke, man kann sich darüber streiten, ob "Geschwindigkeit" wirklich eine Ressource ist. Wenn man sich allerdings Topf der Gegensätzlichkeit ansieht, der beispielsweise Geschwindigkeit für die Ressource "unendliche Spezialbeschwörungen" eintauscht, so liegt der Schluss nahe, dass die Kartendesigner das relativ ähnlich sehen.
Hier beziehen wir uns ganz speziell auf Karten, die an und für sich keinen Kartenvorteil erarbeiten, euch aber schneller an andere Karten in eurem Deck ran kommen lassen, die dann wiederum genau das erreichen können. Neben Sucher-Monstern, wie Mystische Tomate, kommen hier auch der bereits erwähnte Topf der Gegensätzlichkeit, Schicksalsziehen, Verlockung der Finsternis, Karten für schwarze Federn oder Solarwiederaufladung in den Sinn. Es ist kaum überraschend, das jede dieser Karten bereits gespielt wurde und eine Zeit lang im jeweiligen Themendeck als Staple angesehen wurde.

Auf "echte Sucher", z. B. Verstärkung für die Armee, Angriff der Lichtbrigade, Shiens Rauchzeichen oder Übungsgelände der Gladiatoren brauchen wir ebenfalls nicht näher einzugehen. Jeder Spieler weiß, dass solche Karten in einem Deck, das auch etwas mit ihnen finden kann, gespielt werden müssen. Stabilität und Geschwindigkeit können in gewisser Weise also schon als Ressource betrachtet werden.

Der Friedhof



Ich glaube nicht, dass irgendwer jemals den eigenen Friedhof als Ressource bezeichnet hat. Ich gehe aber hier ganz bewusst den historischen Bruch ein und behaupte, dass dieser mittlerweile genauso wichtig sein kann wie zusätzliche Handkarten. Selbstverständlich müssten sich dort Karten, wie Spore, Aufblühende Blumenzwiebel, Todeswache oder ein Mezuki befinden, doch es gibt ja mittlerweile kaum noch Decks, die nicht in irgendeiner Weise den eigenen Friedhof abusen können.

Nur mit einem prall gefüllten Friedhof kann ich das Maximum aus Topf der Trägheit heraus holen. Wäre der Friedhof nicht so wichtig, würde sich niemand darüber Gedanken machen, ob Evigishki-Geist-Augus in irgendeiner Form spielbar ist. Darüber hinaus würde der Preis von Reisebus aus der Unterwelt keine 50,- € betragen, sondern eher 10,- €.

Kurzum: Ihr solltet stets den Friedhof eures Gegners im Auge behalten und euch auch Gedanken darüber machen, was ihr bereits im Friedhof habt (und was euch noch fehlt). Was nützt euch der Topdeck von Chaos Hexer, wenn ihr diesen nicht beschwören könnt?!

Life Points



Eigentlich sollte man meinen, dass jeder Spieler weiß, wie wichtig Life Points sind. So starten schon Yu-Gi-Oh! Demos häufig in etwa so: "Bei Yu-Gi-Oh! geht es darum, mit Hilfe der eigenen Monster die Life Poins des Gegners auf 0 zu bringen, bevor er dasselbe mit uns machen kann."
Der ERSTE SATZ einer Erklärung des Spiels vermittelt uns direkt, dass man seine Life Poins im Auge behalten sollte und trotzdem machen das nach wie vor maximal 50% aller Spieler. Zu diesem Thema gab es auch schon mal einen sehr aufschlussreichen Artikel: Life Points – die vergessene Ressource und dort könnt ihr auch mein früheres Lieblingsbeispiel von Björn nachlesen.

Inzwischen haben wir noch ein "aktuelleres" Beispiel: Das erste Spiel im Finale der YCS Bochum: Michel Grüner vs. Eden Zamir. Dort hat sich Michel viel Zeit genommen, um seinen Gegner in eine Situation zu bringen, in der er von Michel an die Wand gespielt worden wäre. Wenn da nicht ein Caius der Schattenmonarch gekommen wäre, der auch die letzten von Michels Life Points ausgelöscht hätte.
Kartenvorteil ist eben doch nicht alles – büßt ihr zu viele Life Points ein, um diesen Vorteil zu erwirtschaften, so verliert ihr auch schon mal ein Spiel.


Es gehört also doch etwas mehr zu einem Turniersieg als nur seine Karten schnellstmöglich aufs Spielfeld zu werfen und den eigenen Gewinnplan im Hinterkopf zu behalten. Je nachdem, welche Karten ihr bereits in eurem Friedhof habt, was euer Gegner noch haben könnte und wie viele Life Points euch noch zur Verfügung stehen, müsst ihr eure Züge anders gestalten. Erst wer sich voll darauf einlässt und möglichst viele Faktoren in Erwägung zieht, kann auch zu einem erfolgreichen Yu-Gi-Oh! Spieler werden.


soul


Trends der Woche


Terminkalender



Ich muss zugeben, ich hätte die letzte Woche wohl wirklich meinen Kopf verloren, wenn mir mein Terminkalender nicht gesagt hätte, wo ich jetzt wieder hinrennen musste. Jede Menge Wohnungsbesichtigungen und Kundentermine ließen so auch die Zeit wie im Flug vergehen und ich kann gar nicht glauben, dass echt schon wieder Wochenende ist...


Schufa



Anti-Trend der Woche ist das etwas "übersichere" Online-System der Schufa. Wo sonst muss man sich seinen Benutzernamen und sein Passwort merken und noch dazu eine Super-PIN Karte behalten, die einem sagt, welche Zahl welcher Stelle zugeordnet ist?
Vergisst man sein Passwort und fordert man es neu an, so wird der Account erstmal vorsichtshalber gesperrt und ein Freischaltcode kommt per... Brief. Ja, dem klassischen Brief. Dem langsamen Brief. Nicht dem schnellen E-Brief.

Und so warte ich jetzt auch weiterhin gespannt auf die Post, die mir hoffentlich irgendwann mal wieder einen Blick auf meinen Score ermöglicht.


Prezi



Möglicherweise erinnert ihr euch noch an die Connect-Vorstellung, die Hart vor Ewigkeiten mal auf der Hauptseite gepostet hatte. Dort bediente er sich einer schönen Präsentationstechnik, die von der Seite Prezi.com ermöglicht wurde. Da ich nächste Woche auch ein paar Präsentationen geben möchte, habe ich mich jetzt mal mit dem System vertraut gemacht und muss sagen, dass ich sehr glücklich damit bin. Solltet ihr definitiv mal für einen Vortrag ausprobieren, die Ergebnisse wissen zu überzeugen (insbesondere mit einem iPad).




[1] Wenn man so ein paar Yu-Gi-Oh! Verhaltensweisen mit Schul-Verhaltensweisen tauschen würde, könnte man mühelos aus jedem Zocker einen Streber machen.
Wir müssten lediglich wichtige Lektionen auf Karten drucken und dann einige von ihnen seltener machen. Nachdem die ganze Klasse dann mal durchgetauscht hat, um maximal PLUS zu machen und jeder mal die meisten Karten vor Augen hatte, wird wohl auch der letzte begriffen haben, wie das mit dem Satz des Pythagoras funktioniert.


[2] Das sind schon spitzenmäßige Beispiele, die ich da bringe...
Ich hätte auch direkt noch schreiben können, dass man mit der ganzen Banned List auf der Hand mehr machen kann als der Gegner. Es geht aber darum, hier mittels dieser Übertreibungen einen wichtigen Punkt zu vermitteln, also habt Nachsehen mit mir.


[3] Es ist ein erklärtes Hobby von mir, mich selbst zu zitieren.