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Hyper Librarian und der Konami Schreiber-Knigge

von soulwarrior am 11.03.2011 um 10:19 Uhr
Eigentlich wollte ich heute über die Tatsache schreiben, dass in Amerika in naher Zukunft einige Karte erscheinen, die das Turnierspiel dort ordentlich revolutionieren werden: Meklord Emperor Granel, Meklord Astro Mekanikle und ganz besonders Hyper Librarian. Dann ist mir aber bewusst geworden, dass ich dieses Thema bereits vor rund 4 Monaten in ähnlicher Form behandelt habe. [1]

Allerdings drehte sich der damalige Artikel primär um die Hintergründe dieser Entscheidung sowie die Kommunikationspolitik. Heute will ich einen anderen Punkt ausarbeiten: Ist es denn überhaupt so schlecht, wenn wir ein anderes Format als in Amerika haben? Im ersten Moment wird jeder Spieler auf den Flame-Zug aufspringen und dafür plädieren, dass es im besten Fall weltweit denselben Kartenpool geben sollte. Doch muss das denn wirklich sein?

Gleichzeitig ist dieser konkrete Fall ein hervorragendes Beispiel, um ein klein wenig zu verdeutlichen, auf was es ankommt, wenn ihr auch mal offizielle Schreiber für Konami werden möchtet. Da ich davon ausgehe, dass der ein oder andere diesen Traum hegt [2] und sich als Schreiber versuchen möchte, behandeln wir dieses Thema gleich mit. Wir schlagen also gleich 2 Fliegen mit einer Klappe!


Die Vorteile von 3 offiziellen Formaten


Zunächst mal vorweg: Diese Situation ist nicht so vollkommen neu, wie teilweise immer behauptet wird. Fakt ist: Es gab schon immer mehrere Formate. Neu ist, dass sich das US Format um einige wenige Karte vom EU Format unterscheidet. Für den Laien macht das nicht allzu viel Unterschied, der Profi ärgert sich aber über den nicht vorhandenen Hundred-Eyes Dragon oder den fehlenden Hyper Librarian, der berauschende Spielzüge ermöglicht, bei denen eurem Gegner schnell mal schwindelig werden kann.

Warum ärgert sich der Profi darüber? Nun, ein amerikanischer oder japanischer Spieler kann seine Gegner cool OTK-en, während er sich seine Siege hart über mehrere Spielzüge "verdienen" muss. Das geht natürlich nicht. Das ist ja fast schon wie in der Yu-Gi-Oh! Fernsehserie, wo sich die meisten Karten nur im Besitz von einigen wenigen Spielern befinden und die sich echt was drauf einbilden können, wenn sie ihre 3 "Weiße Drachen mit eiskaltem Blick" in einem Spielzug aufs Spielfeld beschwören können, während der Rest froh ist, wenn er in seinem Deck ein Monster zieht, das mehr als 1600 ATK auf die Waage bringt.

Dann noch ein wichtiger Punkt: Netdecking kann naturgemäß nur weniger heftig ausfallen, wenn sich die Formate unterscheiden. Klar, man kann sich immer noch Anregungen aus anderen Ländern bzw. Formaten holen, aber eben keine Decks, die 1 zu 1 copy / pasted werden können. Das ist meiner Ansicht nach ein positiver Effekt verschiedener Formate. Zu einem gewissen Grad wird so Raum für Kreativität geschaffen, der mehr Abwechslung ins Spiel bringen kann.

Zur Begründung der Entscheidung kann ich im Grunde nur das wiederholen, was ich schon beim letzten Mal gesagt habe: Für so einige jüngere Spieler ist es ein Ding der Unmöglichkeit, an Shonen Jump Promos zu kommen. Diesen kommt man eben entgegen, wenn man den Spielern, die die Möglichkeit hätten, an die Promo zu kommen, die Motivation dazu nimmt.
Darüber hinaus ist sich Konami durchaus der Tatsache bewusst, dass alle Spieler weltweit mit denselben Karten spielen möchten. Entsprechend gab es auch einen aussagekräftigen Post von Kevin Tewart zum Thema:

I want everyone to pass this along to every Duelist in Latin America & Europe that they know:
Obviously we know that cards like Granel are critical to the upcoming Meklord Deck.
We are working on it.
Do not despair.
Everything will be fine.

(No, no details until everything is finalized. But I've been working on this for a while now. Relax.)


Man "arbeitet daran", die Karten auch im europäischen Raum zu veröffentlichen. Wir sollen nicht verzweifeln, da schon bald alles gut sein wird. Genauere Details hat er noch nicht für uns, aber die holt ihr euch einfach bei Onkel Yami-Silver ab und ihr wisst schon jetzt Bescheid.


Die Konami Schreiber-Konventionen


Gehen wir jetzt mal auf die Konami-Schreiber-Konventionen ein. Wichtig ist zunächst, sich der Tatsache bewusst zu werden, dass man kein Spieler mehr ist. Man nimmt als Schreiber eine Rolle für den jeweiligen Event-Veranstalter ein, bei der es primär darum geht, das Event zu promoten. Nun gibt es verschiedene Dinge, die eben in einer Coverage nicht breit getreten werden sollten:

  • Disqualifikationen: Grundsätzlich denke ich ganz persönlich, dass es in Ordnung ist, Disqualifikationen zu erwähnen. Damit beweist man, dass ein Schiedsrichter-Team vor Ort war, das auch kein Problem damit hat, unbeliebte Entscheidungen zu treffen. Dass man sich die Mühe machte, die Integrität des Turniers zu wahren und somit weitere Spieler einen guten Grund sehen, an zukünftigen Veranstaltungen dieser Art teilzunehmen.

    Das ist aber wie gesagt meine Meinung. Schreibt ihr für die offiziellen Seiten, so geht besser noch einen Schritt weiter und lasst Disqualifikationen unerwähnt. So kommen bei besorgten Müttern weniger Zweifel auf, ob so ein Turnierbesuch genau das Richtige für ihren Sohn ist. Wenn man darüber liest kommt das nämlich immer noch mal anders rüber, als wenn man vor Ort ist. IST die Mutter vor Ort, so kann man ihr sehr einfach und ausführlich erklären, was die Schiedsrichter genau machen und dann wird auch mit Sicherheit kein negativer Eindruck entstehen. Wenn man darüber liest, interpretiert man mitunter schon mal Dinge mit rein, die da im Artikel gar nicht stehen... und das ist dann wiederum schlecht für's Spiel.


  • Scheinwerfer an: Ebenfalls wichtig ist es, innerhalb einer Coverage gar keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass das Spiel sich primär dadurch auszeichnet, dass es jede Menge Spaß macht. Ihr müsst also alles "ins rechte Licht rücken".
    Ja, es ist gut möglich, dass 1 – 2 Combos die Turnierszene gerade ordentlich aufmischen und entsprechend für viel Aufsehen sorgen, aber deshalb sind diese noch lange nicht "broken", das Spiel nicht "unfair" und der "Luck-Faktor zu hoch".

    Vielmehr haben einige Spieler visionäre Qualitäten bewiesen und sollten für ihre Voraussicht mit Deck Features und überschwenglichem Lob belohnt werden.

    Dasselbe gilt auch für die Karten selbst. Ich hatte neulich einen Artikel über die Banned List geschrieben, in dem wollte ich zunächst von einer der "meistgehassten" Karten sprechen (Kalte Welle). Das verbesserte ich kurzerhand und änderte es in "unbeliebtesten". Das Wort hat aber immer noch einen sehr negativen Touch, also wurde am Ende "umstrittensten" daraus. Da verstehen die meisten Spieler, die tief im Game drin stecken, immer noch, dass die Karte keinen Popularitätskontest gewinnen wird. Allerdings kann sich kein Konami-Designer auf den Schlips getreten fühlen, da man ihm (selbstverständlich indirekt und ungewollt) etwas wenig Sensibilität unterstellt hat. Ganz im Gegenteil, er kann sich sogar freuen, denn er hat eine Karte erschaffen, über die gesprochen wird und das ist ja mehr oder weniger erklärtes Ziel von ihm. Wäre ja langweilig, wenn niemand über die Karten sprechen würde.


  • Positiv in die Zukunft blicken: Seid ihr euch absolut sicher, dass etwas mit dem Spiel nicht stimmt und seht ihr keine Möglichkeit, eure Artikel irgendwie so zu formulieren, dass sie bei Konami nicht Thema der wöchentlichen Krisensitzung werden, so schwenkt einfach ein wenig in die Zukunft. Geht einfach davon aus, dass die etwas weniger erfreuliche Situation (Stichwort: "Schwarzgeld") "schon bald" von Konami gelöst werden wird.

    Lasst euch nicht beirren und schenkt den Leuten keinen Glauben, die behaupten, dass die Banned List nur für den OCG-Raum erstellt wird. Die Banned List wird von allen Konami-Büros mit-bearbeitet und ist stets eine Art internationaler Kompromiss. Genauso ist es nicht "unfair", wenn ein Set in Amerika zuerst erscheint, sondern "unvermeidlich". Anführen kann man hier fast immer logistische Gründe oder die zusätzliche Produktionszeit von europäischen Karten, da diese zuvor noch übersetzt werden müssen.



Wie ihr sehen könnt, muss man nicht lügen, um einige Dinge etwas positiver darzustellen als sie auf den ersten Blick aus Spieler-Perspektive sind. Vielmehr muss man nur etwas offener an die Sache ran gehen, ein wenig hinterfragen, die Sache auch mal aus Sicht von Konami betrachten und pauschal etwas Vertrauen in die Karten-Gurus haben.
Zuletzt haben sie hervorragende Arbeit geleistet; beispielsweise mit der letzten Banned List, die uns eines der abwechslungsreichsten Formate aller Zeiten bescherte (die neue kann man aufgrund der Tatsache, dass die ganzen größeren Turniere erst noch kommen, wohl erst in naher Zukunft richtig bewerten). Glaubt daran, dass das auch genau so weiter gehen wird und schon habt ihr die halbe Miete geschafft, die man als offizieller Schreiber aufbringen muss.

Ich wünsche allen Bewerbern für die Coverage der Deutschen Meisterschaft viel Glück und hoffe darauf, eine tolle Coverage lesen zu können.


soul


Trends der Woche


Minimalismus



Diese Woche war wirklich schlimm. Ich bin enttäuscht aus Frankreich zurückgekehrt und einen echten Wechsel der Gefühle gab es während der gesamten Woche nicht. So bin ich jeden Tag relativ wenig unmotiviert an meine Arbeit gegangen und habe mich häufig nur auf das Wichtigste konzentriert. Das wurde dann zwar immer noch recht gut erledigt, aber ich hatte weiß Gott schon produktivere Tage...


Lieder, die live besser klingen



Es gibt Lieder, die klingen live einfach noch ein ganzes Stück besser als in ihrer Album-Variante. Zuletzt habe ich das beim Song "Don't forget me" von den Red Hot Chili Peppers erleben dürfen. Ich muss ehrlich zugeben, ich kannte den Song bisher überhaupt nicht... jetzt ist er eines meiner absoluten Lieblingslieder und es läuft aktuell in meiner Playlist rauf und runter.



Meine Enttäuschung war nur etwas groß, als ich bei meinen Recherchen darauf aufmerksam wurde, dass der endlos geniale John Frusciante (der Gitarren-Gott) die Peppers wieder verlassen hat.


Harti



Harti hat ein Fußnoten-Skript entwickelt, das mir das mühselige Copy / Pasten von Code-Zeilen abnehmen soll. Wenn sich das bewährt und in diesem Artikel wie gewünscht funktioniert, so steht einem neuen Fußnoten-Rekord bei zukünftigen Artikeln nichts mehr im Weg!

P.S.: Hm... mit Verwendung des Skripts wurde mir ein Fehler zurück gemeldet. Das wird wohl leider noch mal überarbeitet werden müssen.





[1] Ist es nicht krass, wie die Zeit vergeht?!


[2] Außerdem wird in diesem Jahr wohl ein Platz im Coverage-Team der Deutschen Meisterschaft frei sein.