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Deckwahl - wichtiger als das eigentliche Spielen?

von nko am 23.04.2018 um 00:38 Uhr
Herzlich willkommen zu meinem ersten Artikel nach längerer Abstinenz.

Auf fast jedem großen Turnier sieht man meist mehrere Außenseiterdecks in den Tops, auch wenn es doch laut dem Großteil der Spieler ein klar bestes Deck gab. Das liegt in einigen Fällen nicht zuletzt an einem großen Faktor des Spiels - Glück. So kann ein Spieler mit einem eher schlechten Deck beispielsweise durch häufiges ziehen von Karten wie Nachbars Gras ist grüner in den Topcut reinrutschen. Außerhalb davon gibt es aber immer wieder Spieler, welche sich durch eine gut durchdachte Auswahl ihres Decks durchsetzen können. Als Beispiele können hier Paleozoic an der ersten YCS Prag 2017 oder auch True Draco an der letztjährigen Deutschen Meisterschaft oder an der YCS in Rimini genannt werden.

Im folgenden Artikel werde ich zunächst abwägen, wie wichtig die Auswahl des richtigen Decks vor dem Turnier verglichen mit dem eigenen Können und Testen des Decks ist. Anschließend werde ich versuchen, eine Art Hilfe zu bieten, wie man eine solche Wahl gut treffen und die Idee auch passend umsetzen kann. Dabei hängt die Auswahl des Meta-Calls natürlich jeweils stark vom aktuellen Format ab und weicht aus diesem Grund auch mit jedem Mal teilweise stark ab.




Wie wichtig ist das richtige Deck wirklich?



Viele Spieler unterschätzen den Faktor der korrekten Deckwahl für ein großes Turnier. Dabei ist das vermeindlich beste und in der Regel auch populärste Deck häufig nicht die beste Wahl für ein Event. Hier spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Das populärste Deck kann noch so gut, solange es ein Deck gibt, welches ein konstant gutes Match-Up gegen eben dieses hat, sollte man es in Betracht ziehen. Es ist ganz natürlich, dass manche Decks die Schwächen anderer Decks besonders gut ausnutzen und bestrafen können. So hatte Zoodiac beispielsweise teilweise enorme Probleme gegen die schiere Menge an Fallen von Paleozoic, wodurch sie so gut wie nie ihr gewohntes Spiel aufziehen und auch beibehalten konnten. Insbesondere unerfahrenere Spieler, welche man auf großen Turnieren vor allem in den früheren Vorrunden antrifft, haben in diesen Spielen große Probleme, die ungewohnten oder sogar unbekannten Situationen zu bewältigen und korrekt auszuspielen. Zusätzlich ist die oftmals auf die Normalbeschwörung beschränkte Spielweise extrem anfällig gegen einzelne Karten wie Paläozoischer Canadia, was das Deck zu einer sehr guten Wahl für die allgemein hauptsächlich von Zoodiac dominierte YCS in Prag machte.

Alleine durch ein sehr gut an ein Format angepasstes Deck kann spielerisches Können und nicht zuletzt Testen natürlich nicht vollkommen ersetzt werden. So kann man zwar im größten Teil der Runden schon im Voraus einen guten Vorteil erlangen, dieser muss aber natürlich auf vom jeweiligen Spieler ausreichend genutzt und umgesetzt werden.




Doch wie finde ich das richtige Deck?



Zunächst bietet sich zur Auswahl des richtigen Decks ausgiebiges Testen des/ der poulärsten Decks an, wodurch man in der Regel selber gut die grundsätzliche Spielweise und insbesondere die Schwächen des getesteten erkennen kann. Dabei spielt auch das Mirror Match eine große Rolle. Falls dieses - wie beispielsweise das Pendulum Magician Mirror Match - einen großen Glücksfaktor (z.B. in Form einzelner Karten wie Wirre Augen) beinhaltet und auch zu häufig durch diesen entschieden wird, ist besonders zu alternativen Decks zu raten. Hier stellt sich die Frage, ob das eigene Können tatsächlich ausreicht, um die Winrate beträchtlich über 50% zu steigern. Anschließend sucht man nach Decks oder einzelnen Karten, welche die herausgefundenen Schwächen des populärsten Decks besonders gut ausnutzen und somit einen möglichst großen Vorteil schaffen. So litt Zoodiac zeitweise extrem unter Karten wie Dimensionsbarriere, Verbotene Apokryphen oder Geisterschnitter und Winterkirschblüten. Aus diesem Grund sollte nicht zwingend nur nach Decks gesucht werden, welche durch ihre eigene Engine ein gutes Match Up bieten (siehe Paleozoic), sondern auch nach Decks, die eben solche Karten besonders effektiv und schmerzfrei einbauen können. Das machte das True Draco Thema in diesem Beispiel so immer wieder zu einem starken Konkurrenten. Auch im aktuellen Format lässt sich dieser Verlauf beobachten. True Draco konnte sich auf diese Weise erneut beweisen, da sie durch Karten wie Amano-Iwato und Die Monarchen brechen hervor eine sehr zuverlässige Antwort auf die populäre Pendel-Eröffnung mit mehreren Negations zur Hand haben. Gleichzeitig kann auf diese Weise ein guter Meta-Call nach nur wenigen Wochen wieder relativ nutzlos sein, da sich natürlich auch die anderen Decks anpassen. Auf das letzte Beispiel bezogen bauen einige Pendelspieler wieder auf FTK-Versionen, welche durch die weitesgehende Handtrap-Unverträglichkeit im True Draco einen effektiven Konter bietet, weil der Dracospieler gar nicht erst die Chance bekommt, das Feld soweit aufzuräumen.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Würfelwurf, bzw. die Strategie hinter anfangen oder anfangen lassen. Abhängig vom Format kann es sehr sinnvoll sein, den Gegner freiwillig beginnen zu lassen. Das kann zum einen an der grundsätzlichen Strategie im relevantesten Match-Up liegen. So lässt man dem Gegner in der Regel den Vortritt, da gute Spieler hier häufig sowieso nur mit leerem Feld abgeben, um keiner Wahre Drachoherkunft für 3 zusätzliche Karten gegenüber zu stehen. Zudem können so auch einzelne Karten wie Geisterschnitter und Winterkirschblüte umspielt werden - von der zusätzlichen Handkarte mal abgesehen. Auf diese Weise kann ein guter Meta-Call auch lediglich aus einem solch vermeindlich kleinen Unterschied eine entscheidende Wirkung haben, welche am Ende des Tages den Unterschied zwischen Top und Public Events machen kann.

Zuletzt wird man natürlich nicht ausschließlich auf das "Deck to beat" treffen, weshalb auch die anderen halbwegs relevanten Decks Einfluss auf die Deckwahl nehmen müssen. Optimalerweise ist eine der Optionen, welche man für sich zurechtgelegt hat, auch eine Art Allrounder gegen das teilweise breit gefächerte Meta, worauf man vor allem in den früheren Vorrunden trifft. So muss natürlich auch weitesgehend die Balance zwischen Anti-Meta und Konstanz gegen Non-Meta gehalten werden, was in vielen Fällen als Ausschlusskriterium genügt. Konterdecks sind somit vor allem in einseitigen Formaten sinnvoll.




Wie setze ich meine persönliche Wahl optimal um?



In diesem Punkt ist zunächst anzumerken, dass Testen vor allem zu Beginn eine elementare Rolle spielt und nicht ersetzbar ist. Mit mehr Erfahrung und besseren spieltechnischen Kenntnissen kann die investierte Zeit allerdings nach und nach reduziert und mit Theorie ausgeglichen werden. Gänzlich sollte aber nie auf Testen verzichtet werden, da insbesondere unkonventionelle Spielweisen und -situationen durch reine Theorie meist nicht erfasst werden können. Je mehr getestet wird, desto sicherer fühlt man sich anschließend auch in diesen ungewöhnlichen Szenarien. Durch das Testen trifft man auf Situationen, die in der Theorie nicht erfasst wurden, und man versucht diese reflektiert in seine Theorie einzubauen.

Bei vielen Spielern hat sich jedoch der Irrglaube festgesetzt, dass hauptsächlich das Testen des eigenen Decks entscheidend ist. Dabei bildet besonders das Testen mit eben dem Deck, das es zu besiegen gilt, einen sehr großen, wenn nicht sogar den größten Teil der Vorbereitung. Nur wenn man dieses Deck selber ausreichend gespielt und verstanden hat, kann man auch möglichst optimal dagegen vorgehen und spielen. Ansonsten treten zu viele Fehler aus Unwissenheit hinsichtlich der gegnerischen Optionen auf, welche die Erfolgschancen natürlich von Anfang an deutlich schmälern. Dieser Schritt sollte im besten Fall ganz zu Beginn der Testphase absolviert werden, um hier schon wichtige Informationen für die spätere Deckwahl zu erhalten. Auch vermeindlich irrelevante Decks oder starke Außenseiter sollten mindestens im Groben behandelt werden, sodass in diesen Runden keine unnötigen Punkte verloren gehen.

Der letzte Punkt stellt häufig auch langjährige Spieler vor größere Probleme - der Deckbau. An dieser Stelle werde ich lediglich meine eigene Vorgehensweise darlegen, hier muss jeder seinen eigene Methode finden, vor allem zu Beginn hat sich Folgendes aber als sinnvoll und hilfreich erwiesen.

Zunächst wird der Kern des Decks aufgebaut - gerne auch etwas größer, denn Karten aus dem Deck zu entfernen ist meistens leichter, als krampfhaft zu versuchen, das Deck aufzufüllen. Zum Einstieg ins Testen bietet es sich an, die Ratios der jeweiligen Kernkarten immer wieder zu variieren, um sich dem Deckkartenminimum nach und nach zu nähern, ohne die Spielbarkeit zu sehr in Mitleidenschaft zu ziehen. Im nächsten Schritt sollten die verschiedenen Optionen an Einzelkarten gegen das Meta - die sogenannten Techs - gesammelt und durch stetiges Durchrotieren getestet werden, um zunächst eine grobe Rangfolge der jeweiligen Stärke zu erhalten. Anschließend ist die optimale Menge und Verteilung der Techs zu bestimmen, was sich in den meisten Fällen auch gut berechnen lässt (durchschnittliche Anzahl der Techs auf der Starthand, Wahrscheinlichkeit ohne jegliche Techs zu starten, etc.). Auf diese Weise sollte man langsam auf die 40-Karten-Grenze hinarbeiten, wobei diese in einigen Fällen, vor allem durch Karten wie Topf der Begierden, sinnvoll überschritten werden kann - von Deckvarianten mit 60 Karten und Nachbars Gras ist grüner abgesehen.

Der Aufbau des Extradecks lässt sich durch Testen im Real Life am besten tätigen, da hier ohne Probleme vorerst mehr als 15 Karten genutzt werden können, welche man darauf durch einfache Strichlisten nach Einfluss und Häufigkeit reduzieren kann. Zudem gilt es abzuwägen, ob sich das Deck etwas wie Geisterschnitter und Winterkirschblüte aufgrund des sehr begrenzten Platzes im Extradeck leisten kann.

Im Sidedeck sollten sich hauptsächlich Karten befinden, welche die Chancen gegen die im Maindeck kaum abgedeckten Match Ups verbessern oder einzelne Problemkarten wie Ausgeglichener Zweikampf auskontern. Aber auch wen das Main Deck bereits stark gegen ein bestimmtes Deck ausgerichtet ist, können noch weitere Karten im Side Deck zusätzlich gegen eben dieses Deck gespielt werden, etwa um Stärken und Schwächen von Anfangen/Anfangen lassen auszunutzen. Dabei ist es empfehlenswert, das Side anhand eines Plans zu bauen, in welchem die jeweilig rein/raus zu sidenden Karten gegen die vermutlich relevanten Themen aufgelistet und anschließend soweit ausbalanciert werden, dass man gegen kein Deck tote Karten in den weiteren Spielern im Deck halten muss.

Zu Beginn mag dieser Ablauf recht langwierig und kompliziert erscheinen, allerdings kommt vor allem im Bereich des Deckbaus schnell Erfahrung hinzu, was es mit jedem weiteren Mal erheblich erleichtert.




Fazit



Keine Frage, die richtige Deckwahl spielt einer sehr große Rolle in der Vorbereitung für größere Turniere. Dennoch muss sich der Spieler außerhalb davon ausreichend für ein Turnier vorbereiten, da insbesondere spielerische Finessen in sehr spezifischen Situationen oft den entscheidenden Unterschied machen. Dahingehend muss man sich auch klar machen, dass es sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, wenn man sich für ein Turnier optimal vorbereiten will - nur das richtige Deck wird das nicht im Alleingang regeln können. Jeder, der sich daran versucht, wird allerdings auch schnell merken, dass sich sowohl die spielerischen, als auch theoretischen Kenntnisse und Fähigkeiten rapide verbessern und somit auch langfristig ein gewisser Grundstein gelegt wird, um in Zukunft selbst mit lückenhafter Vorbereitung oben mitspielen zu
können. Durch diese Erfahrung werdet ihr als Spieler wachsen.




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